BERLIN Mittwoch 28. Allgufl 1929 tOPf. Nr. 402 B200 46. Ishrgang. erschetat täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendauegabe de«.Vorwärts'. Dejugsprei« beide Ausgaben SüPf. proWoche, 3,60M. pro Monat. vledaktioa und Lroedition; Berlin SW 68, LindenKr.s ,ff£iHPwd& l nielgeapreil: Die einspaltige Nonpareillejekl« 80 Pf.. Reklameziile S M. Ermäßigungen nach Tarif. ostschecktonto: Dorwärts-Derlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 87626. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Schlußkämpfe im Haag. Finanz- und �a'umungseinigung stehen noch aus. v. Zell. Haag, 28. August.(Eigenbericht.) Tie zweistündige neue Beratung der sechs Mächte dauerte von 11 bis 1 Uhr und hat die endgültige Eini- gung über die Z?inanzfrage noch nicht gebracht. Offen- bar gestalten fich die Verhandlungen über die ZOV Millionen Ueberschuß aus dem Dawes-Plan insofern recht lompliziert, als ja dje Frage der künftigen B e- sahnngskosten und der Besehungsschäden mit darin einbegriffen werde« sollen. Zn diesem Zweck findet heute nachmittag eine Expertenbesprechung mit den deutschen Sachverständigen statt, um insbesondere die Besatzungs- koste» und yameutlich die Höhe der vermutlichen B e» setzungsschäden festzustellen. Die sechs Mächte werde« heute nachmittag um 5 Uhr nochmals zusammentreten. zuvor wird eine Beratung der Außenminister stattfinden, die der Einigung über die politischen Fragen(Rheinfondräumung und Bergleichskommifsiou) dienen soll. Räumung gegen Zugeständnisse. V. Seh. Haag. 28. August.(Eigenbericht.) Die gestern nacht erzielte Einigung ist insofern nur als vorläufig zu betrachten, als die deutsche Tele- gatiom ihr bisher noch nicht zugestimmt hat und ihr vor- aussichtlich nur vorbehaltlich einer befriedigenden Rege- luug des Räumungsproblems zustimme« wird. Am heutigen Vormittag um 11 Uhr findet eine neue Konferenz der Gläubiger-Staaten statt. Von deutscher Seite dürfte bis dahin eine offizielle Erklärung über die Stellungnahme zu den vorläufigen Vereinbarungen der Gläubiger vorliegen. Falls die Einigung gelingt, dürfte bereits am Donnerstag eine Vollkonferenz stattfinden. Von unterrichteter Seite erfährt man über den Verlauf der Dinge am Dienstag, daß die gestrige Konferenz allgemein als Schlußsitzung angesehen wurde. Indessen appellierten Briand, Jaspar und Stresemann an die Teilnehmer, so daß schließlich ein neuer Versuch zur Befriedigung der englischen Forderungen unter- nommen wurde. Stresemann erklärte in seiner Rede, man habe auch im Haag viel von der Heiligkeit der Verträge und der Wahrung des Prinzips geredet. Er müsse seinerseits jedoch darauf hinweisen, daß auch Deutschland gewisse Rechte zustehen und ihm bereits im September vorigen Jahres in Genf die endgültige Regelung der Reparatlonsfrage zugesichert worden wäre. Die Pariser Sachverständigen-Konferenz hätte die Notwendig- keit der Revision der deutschen Zahlungen bestätigt. Deutschland habe daher einen rechtlichen Anspruch aus die Anerkennung, daß es die Daweszahlungen nicht mehr leisten könne. Abgesehen von diesem rechtlichen Gesichtspunkte hätten die Mächte nach allem Vorgesallenen die moralische Pflicht, den Poung-Plan anzunehmen. Jaspar erklärte aus Anfrage Snowdens und Hendersons, daß er bereit sei, einen neuen Versuch zur Ermöglichung einer Derständi- gung zu unternehmen. Die englischen Vertreter müßten jedoch zu- geben, daß es sich hier nicht um ein Diktat, sondern um Verhandlungen handle. Snowden gab daraufhin eine entgegenkommende Er- klärung ab. Man trat daraufhin in die sachlichen Verhand- lungen ein. Di« deutsche Delegation erklärte, daß sie sich an den Verhandlungen nicht länger beteiligen könne, aber jederzeit zur Der- sügung stehen würde. Die deutschen Delegierten verließen dann das Konferenzgebäude. Um VA Uhr nachts wurde die deutsche Dele- gation benachrichtigt, daß eine Einigung erzielt sei, die nur noch ihrer Zustimmung hinsichtlich einiger Punkte bedürfe. Hilferding, Curtius und Wirth begaben sich dann wieder nach dem Haag, wo sie von dem Kompromiß der Gläubiger in Kenntnis gesetzt wurden. Die deutschen Minister erklärten jedoch, daß sie ohne Einverständnis des Reichsauhenminlsters eine bestimmte Erklärung zu dem Kompromiß nicht abgeben könnten. Dieser Standpunkt wurde von den Vertretern der anderen Mächte anerkannt. Man beschloß deshalb, heute vormittag eine neue Sitzung abzuhalten. Die deutsche Zustimmung ist für zwei punkte bezüglich de» Gläubigerkompromiste» notwendig: l. hinsichtlich des Verzichts aus Z00 Millionen Ueberschuß aus den letzten sünf Monaten des Dawes-Plan«, 2. hinsichtlich der Erhöhung des ungedeckten Teils, die in den nächsten 20 Zahlen 42 Millionen beträgt. <£s hieße, die deutsche Oeffentlichkeik in Illusionen wiegen, wenn man jetzt Zweifel daran äußerte, daß diese grundsätzliche Zustimmung erfolgen wird— freilich unter der Bedingung, daß eine Einigung in den Räumungsfragen erfolgt. Gerade angesichts dieser in letzter Stunde von Deutschland verlangten Konzessionen hat Deutschland mehr denn je Anspruch auf annehm- bare französische Röumungslermine: es wird diesen Anspruch mit äußerster Energie zur Geltung bringen. Es steht somit fest, daß Deutschland keine Erhöhung seiner jährlichen Reparationsleistung zugemutet wird. Seine Zustimmung wird lediglich dazu erbeten, daß in den nächsten zwanzig Iahren die Summe, für die Deutschland formell kein Moratorium beantragen kann, von 66(3 auf 702 Millionen Mark erhöht wird: zum Ausgleich wird diese Summe um den gleichen Betrag in den darauf folgenden Iahren v e r- mindert. Im übrigen sind das formale Erwägungen; politisch ist die Hauptsache, daß für die nächsten zehn Jahre die deutsche Belastung auf etwa 1700 Millionen jährlich ge- senkt wird. Erweist sich das aber als nicht durchführbar, dann werden die Zahlungen Deutschlands unter dem Aoung-Plan, unabhängig davon, wie hoch der ungeschützte Teil ist, im ganzen revidiert. Die Gesamt summe der deutschen Zahlungen wird nicht erhöht. Die 42 Millionen, die dem ungeschützten Teil zugeschlagen werden, gehen vom geschützten ab. Was die 300 Millionen Mark anbetrifft, die da- durch entstehen, daß Deutschland seit dem 1. April dieses Jahres Dawes-Zahlungen geleistet hat, aber nur Zahlungen nach dem Aoung-Plan zu leisten braucht, so ist zu bemerken, daß der Sachverständigenbericht hier lückenhaft und wider- spruchsvoll ist. Der französische Wirtschaftsminister erklärte noch am Montag abend, daß Deutschland überhaupt keinen Anspruch auf diese Summe habe. Jedenfalls wird die deutsche Straffer muß fitzen! Vom Klopffechter— — zum Korbflechter. Delegation der Preisgabe dieser Summe nur zustimmen�. wenn damit zugleich die Besatzungskosten für die Zeit nach!� dem 1. September gedeckt werden. Was Snowden durchgesetzt hat. Erhöhung der Annuitäten/ Italien bezieht Kohlen. Haag, 27. August. � Das llebereinkommen, da» um Rlilternachl zwischen den vier Gläubigerstaaten und England zur Bewilligung der englischen Wünsche zustande gekommen ist. enthält im wesentlichen folgende punkte: 1. Der englische Anteil an den deutschen Zahlungen wird um 40 Millionen Mark jahrlich erhöht, hiervon werden Zb Millionen von den vier Gläubigermächten garantiert. Zn diesen 40 Millionen sind 18 Millionen aus dem nach dem poung-plan noch unver- teilten Teil der ungeschützten deutschen Zahlungen entHallen, welche ursprünglich für die kleinen Staaten bestimmt waren. 2. Der englische Anteil an dem ungeschützten Teil der deutschen Zahlungen wird aus 90 Millionen Mark jährlich erhöht. 42 Millionen hiervon sind aus dem für den Dienst der Dawe»- Anleihe bestimmten Betrag entnommen, hierzu ist eine besondere Zustimmung Deutschlands erforderlich. Der für den Dienst der Dawes-Anleihe erforderliche Betrag wird, um diese 42 Millionen freizumachen, aus einen bestimmten Zahresbetrag fixiert. Z. hinsichtlich der Sachlieferungen hat sich die italienische Re- gierung für die Dauer von drei Zahren verpflichtet, jährlich eine Million Tonnen englischer kohle sür die italienischen Staatscisenbahnen zum jeweiligen Marktpreis abzunehmen. der hat. Kommunisten und Hakenkreuzler. Nächtliche Schießerei in der Wallstraße. Zn den gestrigen späten Abendstunden ist es in der Wall. sirahe in der Rahe des Spittelmarktcs zu einem schweren Z u s am, m e n st o ß zwischen Kommuni st en und R a- tionalsozialisten gekommen. Mit Messern, Dolchen und Totschlägern gingen die Gegner auseinander tos. Zm verlaufe des Handgemenges, an dem sich 40 bis 00 Personen beteiligten, wurden auch Pistolenschüsse gewechselt. Bisher konnte noch nicht einwandfrei ermittelt werden, welch« Parteien den Anlaß zu dem blutigen Zwischenfall gegeben Die N a t i o n a l s o z i a l i st e n sollen in einem größeren Trupp laut singend die W a l l st r a ß e durchzogen haben, yls Plötz- lich eine Schar K o m in u n i st e n an der Roßstraßenbrücke auf der Bildsläche erschien. Im Augenblick war zwischen de» Linke- und Rechtsradikalen eine regelrechte Schlägerei, Mann gegen Mann, im Gange. Plötzlich fielen kurz hintereinander mehrere Schüsse. Der 22jährige Hans Pfeiffer aus der Schmidt- straße wurde von einer Kugel in den Bauch getroffen: er brach bhitübersträmt zusammen. Zwei weitere an der Schlägerei Beteiligte, der 34jäHrig« Schornsteinfeger Otto B u e h n k e aus der Alten Iakabstraße und der 28jährige Kaufmann Willi Berg aus der Friedrichsgracht, crtitten leichte Verletzungen durch Schläge mit Stahlruten. Als das alarmierte ll e b e r f a l l k o m m a n d o auf dem Kampfplatz erschien, sucht« der größte Teil der Rauflzelden sein Heil in der Flucht. Fast ollen gelang es, zu entkommen, vier Personen tonnten festgenommen werden. Der schwerverletzte Arbeiter Pfeiffer wurde durch die Polizei in das Krankenhaus Am Friedrichshain gebracht. Glücklicherweise besteht sür ihn kein« Lebensgefahr. Die vier Festgenommenen, die zunächst aus� dem Revier über Rächt in Gewahrsam behatten wurden, wurden heute der Abtei- lung IA im Polizeipräsidium vorgeführt. Sie bestreiten, einer poli- tischen Partei anzugehören. » Aehnliche Szenen spielten sich gestern gegen 9 Uhr abends bei den G e r m a n i a I ä l e n in E h a r l o t t e n b u r g ab, wo die Kommuni st«n«ine Versammlung abgehalten hatten. Hier kam es ebenfalls, und zwar im Borraum und am Saaleingang, zu Schlägereien mit Nationalsozialisten, die von der Polizei ober schnell beendet worden konnten. Die Gegner wurden getrennt und nach verschiedenen Richtung«» zerstreut. Es sollen einige Personen verletzt worden sein, doch konnten sie nicht ermittelt werden. Großfeuer am Kurfürstendamm Orei Feuerwehrleute schwer verletzt. heule mitlag wurden mehrere Dachstühle de» Hans» Surfürstendamm 17 6 durch ein Großseuer zerstört. Drei Feuerwehrbeamte wurden bei den Lösch- arbeiten schwer verletzt uqd mußten ins kranken- haus gebracht werden. Das von dem Feuer betroffen« Wohnhaus liegt dicht bei der Kon stanz er Straße, direkt gegenüber mündet die Biese- b r« ch t st r o ß e in den Kurfürstendamm«in. Gegen 11 Uhr wurde das Feuer bemerkt: aus den Bodenluken drangen dichte Qualm- s ch w a d e n. Die alarmierte Feuerwehr rückt« zunächst mit drei Zügen an: bald zeigte sich aber, daß dieses Aufgebot z u s ch w a ch war. Die Flammen waren aus die angrenzenden Dach- st ü h l e übergesprungen, die ein großes Flammenmeer bildeten. Einige Bewohner gerieten in ernste Lebensgefahr, sie konnten durch die Feuerwehr jedoch noch rechtzeitig in Sicher- heit gebracht werden. Aus acht Schlauchleitungen größten Ka- libers wurden ungeheure Waffermengen in das Feuerm/er ge- schleudert. Leider sind drei Feuerwehrleute durch einstürzend« brennende leite schwer verletzt worden. Bei Redaktionsschluß dauert der Brand noch an. Das Stödti- f ch e Rettungsamt war auf den Alarm„Menschenleben in Gefahr" mit mehreren Aerzten und Rettungswagen zur Stelle. Die Schupo nahm umfangreiche Absperrungen «dr, der Berkehr mußte umgeleitet werben. wie weiter mitgeteilt wird, ist als vierter Verletzter ein Moler schwer zu Schaden gekommen. Die W o h n u a- g e n der oberen Stockwerke haben unter Feuer- und Wasser- schaden sehr gelitten. » ftucz nach 13 Uhr stirrzte eine Decke zum vierten Stockwerk ein und riß mehrere Feuerwehrleute mit in die Tiefe. Die Verunglückten wurden schnell geborgen und ins Krankenhaus Achenbachstraße ge- bracht. ES werden weitere Einstürze befürchtet. Lieber den Gebirgen Nordamerikas Oer Mord an Hilde Zepernick. Untersuchung gegen den Wächter. Der Wächter Schulz, der nach wie vor unter dem dringenden verdacht steht, de» Mord an der elfjährigen Hilde Zepernick verübt zu haben, befindet sich»veiterhin in Untersuchungshaft. Bon großem Wert dürft« das in den nächsten Tag«n vor- liegende Sachverständigengutachten über den Befund der Kleidungsstück« des Wächters, die er am Mordtag« getragen hat, sein. Man vermutet, daß sich der Wächter, vorausgesetzt, daß er der Täter ist, bei Ausübung des B«rbrechens mit Blut be- f u d« l t hat. Aus diesem Grunde wurde die chemische Unter. suchnng der Kleider mit außergewöhnlicher Sorgsalt vorgenommen. Außer mit chemischen Mitteln wurden die Stoffe Zoll für Zoll mikroskopisch untersucht. Ein Berliner Morgeublatt bringt bereits heute' die Nachricht, daß an dem Jakett des Wächters mehrere Blutspuren am Aermel, auf der Brust und auf der Schulter einwandfrei festgestellt seien. Diese Nachricht eilt, wie wir erfahren, den Tatsachen voraus. Bisher ist die Untersuchung der Kleidungsstücke des Verdächtigen noch keineswegs abgeschlossen, und bisher liegt auch noch kein schriftliches Gutachten des Sachverständigen vor. Es ist damit zu rechnen, daß dieses Gutachten in den nächsten Tagen der Oeffent- lichkeit bekanntgegeben werden kann. Inzwischen ist von der Verteidigung des Wächters«in Haft- cntlossungsantrog eingereicht worden. Der Antrajf des Verteidigers stützt sich im wesentlichen darauf, daß der Kellereingang keineswegs sür Ortsfremde unzugänglich gewesen sei. Außer- dem wird die Behauptung der Polizei bestritten, daß nur ein Mann, der die Oertlichkeit genau kannte, die Tat beganger» haben kann. Ferner soll die Möglichkeit nachgeprüft werden, ob die Leiche nicht erst nach der polizeilichen Durchsuchung der Räume dort versteckt wurde, denn die Polizeihund«, die durch die Keller geführt wurden, haben das ermordete Kind an dem Ort, wo es später ge- sunden wurde, nicht entdeckt. Ob diese Begründungen genügen, Schulz aus derJiaft zu entlassen. erscheinen noch fraglich. Man wird das S a ch o e r- ständigengutachten abwarten müssen, von dem allein es abhängt, ob einem haftentlaffungsantrag stattgegeben wird. Die Frau getötet? Sine neue Mordaffäre. Unter dem Verdacht, feine 70jLhrige Frau hinter- r 2 ck s eine Treppe hinuntergestoßen und so ihren Tod verschuldet zu haben, wurde ant Mittwoch der 7 2 Jahre alte Reinhold Schubert aus der Bugenhagen st raße 1 in Moabit festgenommen. Fron Luise Schubert betrieb im Erdgeschoß des Hauses Bugen- Hagenstraß« 1 seit 17 Jahren ein Plättgeschäft, das aber in der letzten Zeit so wenig ging, daß außer der alten Inhaberin nur »och ein Lehrmädchen beschäftigt werden tonnte. Der Ehe- inann steuerte zum hauslzalt nichts bei. er ist st a r k e r Trinker. Von dem Geschäft führt eine steile Wendeltreppe in den Keller hinab. Am Fuße dieser Treppe wurde Frau Schubert mit dem Gesicht zur Erde liegend am Mittwoch t o t aufgefunden. Die Revicrpolizei alarmierte die Mordkommission. Der Ehemann wurde daraufhin in Polizeihaft genommen. Man vermutet, daß er in einem Streit seine Frau die Treppe hinuntergestoßen habe. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß Frau Sch. in berauschtem Zustand aus- geglitten und gestürzt ist. Lei ihrem hohen Alter mußte der Fall d«r Tod zur Folge haben. Ein jüdischer Swdienrai. Ein nationalsozialistischer Landtogsobgeordneter suhlte sich dadurch beschwert, daß an dem Staotlicoen Gymnasium in Drllenburg ein jüdischer Studienrat ilmemchl erteilt, trotzdem die weit übemoiegendc Mehrzahl der Schüler evangelisch, ein Bruchteil katholisch und Dissidenten ist, aber kein Jude sich unter ihnen befindet. Dos Staatsministerium wurde gefragt, ob es bereit sei, diesen„unhaltbaren Zustand" durch "ibbermung des jüdischen Studienrats richtigzustellen. '"gie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, beantwortet« ■r Unterriclvs.minister die Anfrage kurz wie folgt:„Rein. Ein inhaltbarer Zustand liegt nicht vor." Die letzte Etappe des Weltfluges. Friedrichshafen. Z6. August.(Eigenbericht.) „Graf Zeppelin" funkte heule msrgea um S Uhr an die Funkstation des LuftMffbau:„Befinden uns zurzeit Carlsbad im Staate Texas. Alles in Ordnung." Demnach scheint„Graf Zeppelin" den Peco» River bereit» überflogen zu haben. Gichtmeldungen. New Jork, 28. August. „Gras Zeppelin" überflog um 22.S0 Uhr MEZ. den Stein- paß, 1320 Meter hoch, an der Grenze zwischen Arizona und Zeppelin liegen die Perhältniffe gänzlich anders dank der Per- Wendung des B l a u g a s« s für die Motoren. Dieses Gas wiegt praktisch für einen Flug von 100 Stunden kaum ein paar Gramm und läßt sich in B a l l o n e t t s im Innern des Lustschiffs überall unterbringen. Dr. Eckener hat auf di« Weltfahrt noch 10 Tonnen flüssiges Benzin mitgenommen, gewissermaßen als eiserne Reserve für den Fall, daß er unerwartet groß« Umwege hätte machen muffen. Nach den Ergebnissen oller Fahrten in den beiden letzten Iahren läßt sich schon jetzt sagen, daß dieser große Ballast an Brennstoff in Zukunft auf ein Drittel reduziert werden kann, so daß das Luftschiff, das durch die Verwendung des Blau- Grosser Ozean Sierra Neyada Rocky Mountains Cohrado ftateau Los Angeles Chicago Michigan-Su Ohio-Tat Fo. Atlant. Ozean AHeghany-Geb. NwVork 3*rofitkarle Xo« Angeles— Xakehurjl Neu-Mexiko, nachdem er um 18.23 Uhr über T u c s o n in Arizona gesichtet worden war. Das Luftschiff flog in 230 bis 130 Meter höhe und hatte eine Stundengeschwindigkeit von 160 Kilo- meter. Später hat sich di« Geschwindigkeit des Luftschiffes infolge der starken Gegenwinde auf etwa 8 0 Kilonieter vermindert. An Bord ist nach einem Funkspruch Dr. Eckeners alles wohl. Kurs auf Arkansas. New Vork. 26. August. ..Graf Zeppelin" Hot seinen Kurs auf L t t t l e R o ck(Arkansas) gesetzt. Lustschiff und Zlugzeug. Ein Vergleich. Man schreibt uns: Flugzeuge leiden darunter, daß sie R i e s e n- mengen oon Benzin mit sich schleppen müssen, deren Gewicht so groß ist, daß für eine Nutzleistung nichts mehr übrig bleibt. Beim gases bisher schon lOTonnenNutzgewichtfreibekomme» hat, in Zukunft noch weiter« sieben Tonnen wird einsparen können. Diese nicht zu unterschätzenden Gewichte wird man sür die Be- sörderung uon waren oder Post glänzend benutzen können, und man hat in Amerika rechtzeitig erkannt, daß ein Lufischiss. das neben der Beförderung der Passagiere noch 330 bis 400 Zentner Post mitführen kann, für den Ozeanverkehr eine sehr rentable Sache sein wird. Aus diesem Grunde ist auch kaum daran zu zweifeln, daß die Der- Handlungen Dr. Eckeners über die Gründung einer deutsch- amerikanischen Luftschiffgesellschaft sich verwirk- lichen werden. Es kommt weiter hinzu, daß man selbst auf den größeren Luftschiffen, deren Bau in Friedrichshafen geplant ist, mit einer zahlenmäßig geringeren Besatzung auskommen wird als bisher.„Graf Zeppelin" hat noch 44 Mann technisches Personal an Bord gehabt, während künftighin voraussichtlich nur 30 Per- sonen zur Führung selbst eines 130 OOO-Kubikmeter-Schifses erforderlich sein werden. Die Front der Abbaulüsternen. Ausschußkampf um die Arbeiislosen. Der Soziale Ausschuß trat am Mittwoch in die Aussprache über die noch offenen Streitpunkt« zur Arbeitslosenoer- s i ch e r u n g ein. Abg. Esser(Z.) erklärte für seine Partei, daß die bisherig« Haltung des Zentrums nicht als endgültig bindend zu betrachten ist. Es komme darauf an, zunächst für die erste Lesung Stellung zu nehmen. Obwohl die Regierungsvorlage ein Vakuum von 47 Millionen Mark enthält, habe er der Einbringung zu- gestimmt, um überhaupt«ine Derhandlungsgrundlage zu haben. Es sei notwendig, die bisherigen Ergebnisse der Ausschußverhand- lungen auch in ihrer finanziellen Auswirkung festzustellen. Die grundsätzliche Entscheidung des Zentrums bleibt einer für den 31. August einberufenen Fraktionssitzung vorbehalten. Der Redner erläutert dann nochmals den bekannten Standpunkt des Zentrums und führt aus, daß ein« Neuregelung der Beziehung zwischen Bei- tragswochen- und Unterstützungshöhe nicht als Abbau bezeichnet werden dürfe. Ministerialdirektor Weigert: Die finanziellen Auswirkungen der bisherigen Beschlüsse lassen sich rechnerisch nicht erfassen. Man könne aber schätzungsweise sagen, daß, wenn durch die Beseitigung der Mißbräyche 1 Proz. der unterstützten Arbeitslosen ausscheidet, jeweils 10 Millionen Mark«ingespart werden. Es komme also darauf an, zu schätzen, ein wie großer Personenkreis voraussichtlich durch Behebung der Mißstände betroffen wird. Die Reichsanstalt ist ersucht worden, Prüfungen anzustellen. Abg. Graßmann(Soz.): Di« Sozialdemokratie ist an di« Reform herangegangen, um die wirklichen Mißstände ouszu- räumen, ohne aber die allgemeinen Verstcherungsleistungcn etwa abzubauen. Die Dorschläge der Rechtsparteien bezwecken eine Sanierung, bei der b>, zu 73 Proz. aller Arbeitslosen in ihren Bezügen geschmälert werden würden. Wenn die kurzfristig Beschäftigten künftig weniger Unterstützung erhalten, so sei das eine unerträgliche Härte. Die Umstellung der Betriebe hat es mit sich gebracht, daß eine größere Fluktuation auf dem Arbeitsmartt stattfindet und Belegschaften stoßweise entlassen werden. Die Ersparnisse aus der Behebung der Mißstände müsse nach den Angaben des Ministerialdirektors Weigert nicht mit etwa 15 Millionen Mark, sondern etwa dem Fünffachen geschätzt werden. Wenn bei der geplanten Kürzung der Unterstützungssätze je nach der Anwartschaft auf di« gewerkschaftlichen Einrichtungen verwiesen wird, so ist«in solcher Vergleich abwegig, da bei den Äerufsverbändcn diese Unter- stützungen eine Rebeneinrtchtung und keinen Selbstzweck darstellen. Eine herabdrückung der Unterstützungssätze würde bei der jetzt wieder ansteigenden Teuerung nur noch neu« Belastungen für die Gemeinden bringen. Das Anwnchsen des Defizits ist darauf zurückzuführen, daß der sozialdemokratische Borschlag vom Juni d. I., durch sofortig« Beitragserhöhung einen Rofftock anzusammeln, abgelehnt worden ist. Die Sozialdemokratische Partei lehni die vorgeschlagene ver- längerung der Wartezeit und die Relation von Beitragswochen und llnterstühungshöhe nach wie vor ab. Abg. h u e ck(D. Bp.) hält nach wie vor ein« Sanierung ohne Beitragserhöhung für möglich. Bon allen Vorschlägen verdiene der den Vorrang, der erst nach 32 WockM Anwartschast vojle Sätze gewähren will. Für die Saisonarbeiter müsse die Wartezeit bis zu 3 Wochen verlängert werden. Die Polkspartei wende ssch� auch gegen eine befristete Beitragserhöhung. Bon den Auswirkungen des Poung-Pianes solle man sich in kurzer Frist sür die Reichsfinanzen nichts oersprechen. Abg. Rädel(Komm.) macht den Sozialdemokraten über den reibungslosen Verlauf der Berliner Funktionärversammlung die heftigsten Dorwürf«. Cr wisse, daß die Sozialdemokratie gegen den Abbau keine Oppüsttion machen werde und seine Partei werde die SPD. entlarven. Abg. F r e i b e l(Wirtschaftsp.) klagt über die wachsende Sozial- last und fordert weitgehende Ersparnisse. Abg. h a ß l a ch e r(Dnat.) begründet nochmals die bekannten Abbauoorschläge seiner Fraktion. Di« Ausschußverhandlungen dauern an. Die Abschaffung des Sonntags. Die»ununterbrochene Produktion*. Moskau, 28. August. Dem gestern veröffentlichten Dekret des Rates der Dolkskom- missare der Sowjetunion über die Einführung der ununter- brochenen Arbeitswoche widmen die Sowjetblätter korn- mentierende Leitartikel, die der Genugtuung darüber Ausdruck geben, daß diese wichtige Maßnahme nunmehr aus dem Stadium der Vorbereitungen herausgetreten und ein« Tatsache geworden sei. Die „Prawda" weist darauf hin, daß in erster Linie die große wirt- schaftliche Bedeutung„dieses neuen, weit ausholenden Schrittes auf dem Wege zun, Sozialismus' ins Auge zu fassen sei. Selbst nach den bescheidensten und vorsichtigsten Schätzungen der Staats- Plankommission müßte schon das erste Jahr der ununterbrochenen Produttion ein« Produttions st eigerung um etwa 4 Proz. bringen. Zlls Resultat der neuen Maßnahme könne man erwarten „eine Beschleunigung des Tempos der Industrialisierung ohne weitere Anspannung der Kräfte der Arbeiterklasse bei gleichzeitigem Abbau der Arbeitslosigkeit". Daß auch die Sowsetbehörden sich den neuen Arbeitsmethoden anpassen, würde ohne Zweifel von der Bevölkerung mit Genugtuung begrüßt werden. Sodann geht die „Prawda" auf die„kulturelle Umgestaltung" über, die nach Met- nung des Blattes unausbleibuch eintreten muß: die völlige Bernichtuag aller kirchlichen Feieriage als Ruhetage bedeute einen gewaltigen Schlag gegen Kirche und Religion. Die„Prawda" ist sogar der Ansicht, daß während der ganzen Dauer der Sowjetmacht noch kein so ernster Lorstoß„gegen die Wurzeln des kirchlichen Wesens" geführt worden ist. Die Opposition gegen die neue einschneidende Maßnahme streifen die Blätter nur nebenbei, obgleich doch sogar der A r b e it s k o m- m i s s a r U g l a n o w sehr ernste Bedenken geäußert hat. Weit vorsichtiger als die großen Moskauer Blätter äußert sich das für die Bauernschaft bestimmte Blatt„Bednoto". Ein dort veröffent- lichter Leitartikel, der den Bauern die Meinung einzuflößen ver- sucht, daß der Verzicht auf alte liebgewordene Traditionen durch die großen Borteile der„ununterbrochenen Arbeitswoche" reich be- zahlt werde, läßt in seiner ganzen Tonart erkennen, daß noch viel getan werden muß, um die Bauern zu einem„neuen Glauben" zu bekehren. haftenlasiuuq abgelehnt. Rechtsanwalt Dr. h i r s ch b« r g, Frankfurt a. d. O., der die Verteidigung für die wegen der Tötung des Chauffeurs Rademacher im Eisenbahnzuge angeklagten Reichs- bannerleute Hahn und Stirn übernommen hat, hatte den An- traa gestellt, den niir c-a-n B'!> lie rngrk'agten Hahn aus der Haft zu entlassen. Der Antrag ist von der Staatsanwolks�ast a b- gelehnt worden. Gegen diese Entscheidung hat Dr. Hirschberg Beschwerde beim Kammergericht eingelegt. Zmmenhof-Spende. Dar.Zmmenhos", das Lerufserziehungsheim d«r Arbeiterwohl. fahrt, ist voa einem Brandunglück betrosseu worden! Es ist eill Glück im Unglück, da(3 Menschenleben nicht zu be- klagen sind! Aber!— Die Versicherungssumme reicht nicht aus, um an die Stelle des wundervollen Gebäudes, dessen Kulturwert kaum erseht werden kann, einen schlichten, modernen Zweckbau zu er. richte».— Soll nun deshalb die ausbauende geistige Arbeit eines Jahrzehnts, soll der dahinter stehende Idealismus, die zur Tat ge- wordene Liebe der Arbciterwohlfahrl an den Kindern der Arbeiter- klasse vergeblich gewesen sein? Rein! Die Ausgabe des.Immen. hoss", die Erziehung junger Menschen zu körperlicher, geistiger und seelischer Gesundheil und zur Berussreise dars nicht unterbrochen werden. Darum wird der Betrieb mit allen zur Verfügung stehenden hllssmltteln weitergeführt. Es muh sofort wieder aus- gebaut werden. Die Arbeit der Sozialdemokratie gilt in erster Linie den Aermsten und Bedrängten. Die auf dem„Zmmenhos" betreuten Kinder kommen alle ans dem Proletariat. Mir appellieren an das so oft bewährte Solidariläksgesühl der Arbnterschasl. helft uns! Zeder Betrog, auch der kleinste, ist uns willkommen. Spenden sind einzuzahlen für: hauplauxschuh für Arbeiterwohl. fahrt e.V.. Berliy SM. 61, Belle-Alliance-Plah 8. Kontonummer 5�)52, Postscheckamt Berlin,„Immenhof- Spende". hauplausschuh für Arbeiterwohlfahrl. Marie Zuchacz. Neue Krise des Theaters. Von Albert Vrodbeck. Immer neue Araberangriffe. (Znqlifche Tanks eingesetzt.— Jüdische Dörfer überfallen. London, 28. August. In einem gestern abend vom englischen Kolonialomt verössent- lichten Communique wird die Gesamtzahl der Opfer bei de« btuiigea Zusammenstöhen zwischen Juden und Arabern mit 143 angegeben. Die Zahl der Verwundeten beträgt nach dieser Mit- leilung 426. Reue Angriffe von Arabern sind gestern in Jaffa und den Vorstädten von Jerusalem erfolgt. In Jerusalem konnten die An- 3>alSffina müxes greiser zurückgeschlagen werden und die Ruhe war bald nieder hergestellt. In Jaffa muhten die englischen Truppen mit Panzerwagen gegen die Araber vorgehen, wobei drei. Araber ge- tötet und 25 verwundet wurden. Die jüdische Ortschaft kastinin wurde ebenfalls von Arobern angegriffen und niederge- bräunt. Jims Juden sollen hierbei getöte, und eine größere Anzahl verwundet worden sein. Räch einer noch unbestätigten Meldung sollen 2000 bewaffnete Araber, die von den Drusen unter- stützt werden, vom Libanon aus sich aus dem Wege nach Jerusalem befinden. Ans Damaskus kommt die Meldung. Sah eine große Demonstration von 2000 Arabern zur Unlerstühung der arabischen Angriffe auf die Juden abgehalleu wurde. Den eiligst dorthin ge- morfenen Truppen ist es gelungen. Zwischenfälle und Zusammen- stöhe zu verhindern. Die Angriffe der Araber auf die jüdischen 'Siedlungen im Lande dauern noch an. Feuer in den Hatten! Paris. 28. August. In einem 2500 Quadratmeter großen Keller der Markthallen rsn Paris ist gestern abend gegen 9 Uhr aus bisher unbekannter Ursache«in Feuer ausgebrochen, das heute früh noch immer an- dauerte. In dem Keller befanden sich Holzkisten mit Stroh für den Transport von Frühgemüse. die den Flammen reiche Nahrung boten. Die Feuerwehr bekämpfte die ganze Nacht hindurch das Feuer mit 13 Schlauchleitungen, tonnte jedoch infolge der starken Nauchentwicklung nicht in die Keller eindringen, da bei diesem Der- 'uch uicht weniger als fünf Feuerwehrleute wogen Er- fuckungsgefahr ihren Dienst unterbrechen mußten. Da die Markthallen und ihre Umgebung von Obda-blosen häufig als Unterschlupf benutzt werden, befürchtet man, daß einige dieser Armen bei der Feuersbrunst ums Leben gekommen sein könnlen. Irgendwelche Feststellungen waren noch nicht möglich, da die L L s ch. arbeiten noch andauern._ Flugzeugunsatte beim Manöver. Prag. 28. August. Räch Blättermelduugen ereigneten sich gestern bei den in der Rühe von S r e m s l e r stattsiudeudeu Manövern drei Alugzeugunsälle. Zwei Flugzeuge stießen gegen einen Hügel, wobei die beiden Flieger verletzt wurden. Ein Jagd- slugzeug stieß beim Landen gegen einen Strohschober und stürzte zur Erde. Der Pilot wurde tödlich verletz«. Oer Goethe-Preis für Leopold Ziegler. Heute, am Geburtstag Goethes, wird, wie üblich, in Frank- fürt der Goethe.Preis verliehen, der in einer Summ« von 10 000 Mark besteht. Vor zwei Iahren erhielt ihn der Dichter Stesan Georg«, im Vorjahre der belonnl« Arzt und Philosoph. Musiker und Theologe Albert Schweitzer. In diesem Jahre erhält ihn Leopold Ziegler für sein letztes Such„Der europäische Geist". Zum Thema von der Not des Theaters hätte wahrhaftig manches gewichtige Wort gesprochen werden können. Und es hätte nicht nur dem Theater, sondern der gesamten jkulturorbeit unserer Tage zum Dorteil gereicht, wenn die Ergebnisse einer sachlichen Kritik in der Praxis auch nur zu einem Bruchteil ausgewertet worden wären. Nichts von alledem ist geschehen. Die alten Sünden in der wirlschasisführung der Theater erscheinen in neuer, verstärkter Auflage. Aus den Untersuchungen über die Psychologie des Theater- Publikums und über seine wirtschaftliche und seelische Kapazität wurde keine Schlußfolgerung abgeleitet. Der unverantwortliche Zu- stand der Prominentenwirtschaft, der Stargagen, der Jnszenierungs- Inflation hält an; daneben verkennt man noch der Publikumsseite hin. nicht zuletzt ober auch in der Richtung aus eine soziale Siche- rung der Mehrzahl der Bühnenongestellten, die Forderung der Stunde vollkommen. Mit einem Wort: Die alten Fehler werden wieder gemacht. Es handelt sich, um es kurz zu sagen. umdieinnereHalt- losigkeit und Zielunsicherheit des deutschen Theaters. Einige wenige Begriffe knallen, Kugelblitzen gleich. in ständig kleiner werdenden Intervallen durch die dumpfe Atmo- sphäre des Theaterhimmels, und es scheint, als ob sich das Theater. um im Bilde zu bleiben, dieser Effekte allmählich als der einzigen Lichtquellen in seinem Dasein bedienen wollte. Diese Lichtpunkte heißen: Zeilstück. Gesinnungsthealer. Reportage. Revue. Man ziehe, um sich das alles einigermaßen klarzumachen, ein- mal die Bilanz aus den Theaterereignisien eines Monats oder gar einer Spielzeit, wobei es gleichgültig ist, ob man als Vergleichs- objett das Großstadttheater oder ein Institut der Provinz wählt. Zunächst die Frage, die immer eine konkrete und verwertbare Ant- wort fordert: Was bleibt von all dem, was in zehn, zwölf Monaten über die Bretter ging? Was wird die nächste Saison überdauern? Was wird— fast undenkbar!— in zehn Jahren noch erträglich sein und als ein Gewinn empfunden werden? Noch nimmt das Theater«ine Sonderstellung im Kreis der Kräfte ein. die die Kultur einer Zeit tragen und entwickeln helfen, die das Theater dem Menschen mit seinen Konflikten, seinen Pro« blemen, seinen Wünschen und Forderungen in den Mittelpunkt rückt, da es somit die eigentlichen motorischen Kräfte einer Periode zu Elementen seines Wirkens macht, unterscheidet es sich damit von vornherein scharf und bestimmt von ollen übrigen Einrichtungen, die nur für den Augenblick einer Bedürfnisbefriedigung zu dienen haben. Wie sieht es aber in Wirtlichkeit aus? Es ist kein Zufall, daß eine neue Kunstform, die Revue, in dem Augenblick erschlagen wurde, als sie zu leben anfing. Die Revue: das war. richtig verstanden, das„zeitnahe" Theater in der höchsten Vollendung, das war sozusagen die Zeitung, die sich des lebendigen Menschen mit der Möglichkeit höchster Aktualität bedienen konnte. Daneben konnte und sollte noch immer das Zeittheater stehen, das deshalb nicht weniger aktuell zu sein brauchte, genau so. wie neben der Zeitung noch immer oder gerade ekst recht das modern«, die neuen Probleme gestaltende Buch sein weites Feld besitzt. Die Revue aber ist tot, weil sie im Theater bastardistert wurde. War es die mangelnde Intelligenz oder der mäßige Fleiß oder die geringe Beweglichkeit der Autoren, die die Revue sterben ließen und ihre Stoffe ins Thealer trug? Fast möchte man das annehmen. Revuehaftig gestalten, das heißt, die Stunde mit allen Poren und Fasern erleben, das heißt, dichterische Reportage im Tempo des 20. Jahrhunderts zu leisten. So aber trug man die Reportage müde ins Theater, weil das be- quemer, billiger und gewinnbringender war. Und das Ergebms hieß:„dos Zeitstück". Mit dem Erfolg, daß diese Reportage bei aller dichterischer Schnellarbeit einmal sUts zu spät dran war und außerdem in der Regel noch herzlich schlecht ausfiel'. Das ist der wesentlichste Punkt, in dem das reine Zeitstück An- griffsflächen bietet. Zunächst wirkt jedes Nochhinken der dichterischen Gestaltung hinter dem stofflichen Ereignis peinlich. Eine Dlskussions- rede, mitten in die Debatte geschleudert, hat Sinn, Berechtigung und kann genußreich sein. Dieselbe Red« wirkt, einige Tag« später vor- getragen, und wenn sie noch so sorgfältig präpariert sein sollte, nicht mehr ursprünglich, dafür ober vielleicht tendenziös oder gar demagogisch. Derselbe Vorwurf, der heute so manchem gut- gemeinten Reportagestück gemacht wird. Denn— und das ist ent- scheidend: was die Bühne heute gestattet, muß entweder unmtttel- bar aus dem Heute emporflammen, oder aber es muß Wert« in die Zukunft hinübertragen. Und nun frage man sich wieder, was an Zukunftswerten in der Mehrzahl der jüngsten Produktion liegt. Ganz abgesehen davon, daß aus dem Zeitstück vielfach ein aggressive» Gesinnung-. dokument. also eine politische Arbeit geworden ist. Es hat damit feine Basis freiwillig noch mehr, als gut fein mag, verengert. Es schaltet damit seine Wirtungsmöglichkeit auto- watisch aus. Aber noch wichtiger ist die andere Seite. Es kann nie und nimmermehr diexAufgabe des Theaters fein, lediglich als zeit- politische Tribüne zu dienen. Mit allem Ernst der Verant- wortung muß sich jeder wirtliche Theaterfreund dessen bewußt sein, mag er gesinnungsmatzig stehen, wo er will. Noch ist das Theater ein Institut, dos den Forderungen nach künstlerischer Gestaltung unterliegen muß. Kunst aber geht aus von einem breiten seelischen Grundstrom, der nicht vom Intellektualismus erdrückt werden darf. Und die Kunst will und soll Persönlichkeits- und gesellschaftsbildend sich auswirken können. Das ist auch die Mission des Theaters. Und hier unterscheidet es sich von der Revue, von Zirkus, Kino und Kabarett. Das Theater ist aber in tausend Fällen Zirkus, Kino, Ver- jammlungssaal und Revue in einem geworden, um damit gleich. zeitig sein letztes ursprüngliches Wesensmerkmal abzustreifen. Es wurde eingangs auf die Spulpläne der Großstadttheater oerwiesen. Sie bestätigen in erschreckendem Umfang das bisher Gesagt«. Ueber allem ficht die Sensation, steht da» dünnste, anspruchs- loseste RIochwerk. Gerade noch gut genug, um dem„Vergnügen der Einwohner" zu dienen. Und diese Lime wich fortgesetzt, vielleicht bewußter noch als seicher. DI« Folgen zeigen sich bereit». Ein Teil des Publikums, der bessere vielleicht, fühlt sich unbefriedigt in jenem Theater, das nur noch Unterhaltungsstätte ist, und bleibt konsequent weg, weil das Kino und andere Vergnügungslokale abwechslungsreicher, billiger und leichter erreichbar sind als dos Theater. Der andere Teil aber hat inzwischen eine Geschmacksverbildung erlebt, die für die zukünftige Einstellung dieser Kreise gegenüber dem Theater geradezu besorgniserregend ist. Nachdem die Theater schon einmal gesündigt haben, werden sie wohl oder übel aus der eben beschritte- nen Bahn fortfahren müssen. Ihre Besucher verlangen das. Deren Wünsche werden aber eines Tages infolge Uebersättigung nicht mehr restlos erfüllt werden können. Dann setzte die zweite(Publikums-) Krise ein.(Die erste war eine wirtschaftliche.) Und der Weg führt mit unerbittlicher Logik nach unten. Man sage nicht, das alles sei reaktionär gedacht. Einer Mose- crjcheinung sich entgegenstellen, kann unter Umständen viel revo- lutionärer sein als die Bejahung jeglicher sogenannten neuen Strö- mungen. Natürlich sei ohne weiteres zugestanden, daß auch die neue Aera der Thsaterspielpläne und des dramatischen Schaffens Werke von unerhörter Kraft und bedeutender Wirtungsmöglichkeit hervor- gebracht hat. Sie sind aber verhältnismäßig selten. Daß wir im deutschen Theaterleben uns bedenklich dem Zustand der vollkommenen Anarchie nahern, mag schon daraus hervorgehen, daß durchschnittlich jeder Tag eine Uraufführung bringt. Wer nennt die Namen alle! Das Publikum ahnt nicht, was alles produziert wird! Die Bühnen» verlage und die Theaterleitungen können ein Lied davon singen. Vieles ist gut gemeint, aber schlecht getonnt. Noch häufiger— und das sind die schlimmeren Fälle— liegen die Dinge umgekehrt, und am häusigsten trifft sich Mangel an Gesinnung mit Mangel an Können. Gewiß: Genies, das sind die Glücksfälle einer Nation. Deshalb braucht aber noch lange nicht die Vorherrschaft der Dilettanten und der Routiniers sanktioniert zu werden. Das Theater hat einen Ruf zu verteidigen. Noch mehr: es hat gerade in dieser schwersten kulturell bedrohten Zeit sein Existenzrecht nachzuweisen. Was wir brauchen, das ist ein Theater, das über alle Tagesforderungen hinaus seinen Grund- wasierstrom freihält von ollen Verschüttungen. Was einmal ver- lorenging, ist schwer, unendlich schwer wieder zum Leben zu er- wecken. Gerade auf dem Gebiet, auf dem das Theater seine vor- nehmste Aufgabe zu erfüllen hat: Wecker und Förderer der leben- digen Kräfte zu sein, die über das Heute hinweg die Bogen zur Zukunft spannen sollen. Filmskandal. „Der Würger" im llniverium. Am Schluß der ersten Lorstellung kommt das Publikum vor Heiterkeit nicht zum Zischen. Dagegen ereignen sich am Schluß der letzten Vorstellung wilde Szenen. Man will sein Geld zurück haben, und die in künstlerischer Beziehung absolut versagende Leitung des Theaters sieht sich gezwungen, das Ueberfallkommando herbei- zurufen, um dos Publikum zu beruhigen. Es wäre besser gewesen, man hätte kurz entschieden die gesamt« Direktion für ihre Sünden am Publikum verhaftet. Man kann es als eine Irreleitung der Besucher bezeichnen, daß „Der Würge r". der nur synchronisierte Musik und zwei kurze Dialoge bringt, als Tonfilm bezeichnet wird. In der englischen Fassung soll er durchweg Sprechtexte auf den Tonstreisen gebracht haben. In der deutschen Bearbeitung dagegen erscheint der Text — und welcher Text!— in der bildhaften Uebertragung. Zugegeben muß werden, daß die Aufnahmen, sowohl die bildlichen wie die ton- lichen, von den vorbeifahrenden Eisenbahnzügen ausgezeichnet sind, damit aber ist alles Gute erschöpft. Der Würger ist der Fabrikant großer Eisenbahnunglücke. Er tut es, damit die Aktien der Eisenbahnen fallen und die der Autobus- linien steigen. Ein sehr guter Vorwurf, ober hier in einer Be- Handlung, die jeder Beschreibung spottet. Es ist anzunehmen, daß sich bei einer Serie schwerer Eisenbahnverbrechen die sonst sehr gut funktionierende englische Polizei in Tätigkeit setzt und die Auf- klärung nicht einem liebenswürdigen jungen Mann und einer sehr hübschen Privatsekretärin überläßt, die sich zwischen den Lokomotiven zweier beinahe zusammengestoßenen Züge die bekannte ehelsthe Treue für das Leben schwören. Der Regisseur G eza von B 0 l v a r y? zeigt seine Tätigkeit allein, weny irgendein Expreßzug photographiert wird. Außerhalb der.Eisenbahnsphäre sieht man nur vor Untalentiertheil wildgeworden« Schauspieler. Vielleicht hätte die tonliche Wiedergabe die groteske Albernheit der Szenen gemildert. Jedenfalls erkennt man eins, daß Tonfilme keineswegs in stumme Filme verwandelt werden können. Es sst bekannt, daß der größte Teil der Filmproduktionsleitungen von künstlerischen Dingen nicht«ine blasse Ahnung hat, und daß deshalb die Frage noch der künstlerischen Ge- stallung des stummen, respektive des sprechenden Films in diesen Kreisen nie gestellt worden ist. Es bleibt aber ein« Frechheit ohnegleichen, dem Berliner Publi- kum einen derartigen Schund anzubieten. sn S. „Links der Isar— rechis der Spree." Marmorhaus. Wie oft haben die Berliner sich schon über die' bayerischen Belang« lustig gemacht, aber die wirtlich humorvolle Verspottung der Reservatrecht«, die blieb den Bayern selbst vorbehalten. Und «s ist ein Glück, daß dieser Film aus München kommt, denn so tut er niemanden weh, im Gegenteil, er kann vielleicht«In Körnlein belehrender Weisheit ausstreuen. i In eine echte, trink- und«ßjest« Münchener Familie, in der Maßkrüge,, Stammtisch und die Schimpferei auf Preußen zu den geheiligten Rechten gehören, platzt«in junger Berliner— als Schwiegersohn-Anwörter. Er ist gar nicht übel, dieser jung« Herr Schulze aus Berlin, aber wie kann ein Toner Speckmaier aus München seine Tochter einem Berliner zur Frau geben! Das geht nicht und aus der Ehe wäre auch bestimmt nichts geworden, wenn Papa Speckmaier und der Freund in Berlin nicht bekehrt wären. Schtießlich wissen sie es, der alle Haß gegen Preußen ist eigentlich «in Schmarrn. aber sagen darf man's nicht. Der Film macht uns mit den famosen Komikern Karl F le m i s ch und F e r d l Weiß bekannt. Bei diesen Menschen ist vom einstudiertem Spiel leine Rede. Sie sind die Urwüchstgkeit selbst, sie produzieren bayerisch« Grobheit und Gemütlichkeiten al» Lachpillen gleich schockweise. Sellen ist in Berlin, der Hauptstadt des feindlichen Auslandes, so gelacht worden. Albert Paulig ist gut als der Herr Papa aus Berlin und Hella Helios und Walter Grüters sind di« beiden jungen Menschenkinder, deren Lieb« so viel Konfusion anrichtet. Dek Regisseur Franz Seitz wußte, was er seinen Schau- spielern schuldig war. Sie dursten lustig sein und er war ein frohtauniger Dirigent, dem es gelang, ein« nette Posse zu schaffen. «. b. r Katholische Wehrdebatte. Radikaler Pazifismus auf der frankfurter Tagung. Fronksurl a. 27. August.(Eigenbericht.) Zn der öffentlichen Tagung des Frieden s.bundes der deutschen Katholiken wurde das Wehrproblem er- örtert. Der Referent, Dominikanerpater S t r a t m a n n, sprach sich im Gegensatz zur Rede S e i p e l s mit erfreulicher Deutlichkeit und Schärfe gegen jede Art des Krieges und der sogenannten Wehrhaftmachung des Volkes aus. Wenn alle, die sich Christen nennen, christlich handeln wurden, rief der Redner unter stürmischem Deifall aus, dann wäre das Wehrproblem längst gelöst. Zu allen Zeiten hätten sich die Kriegführenden als angegriffen bezeichnet und auch der Kellogg-Pakt verbiete den Staaten nicht, all« Arten Waffen zu produzieren und zu besitzen. Der gefährlichste Feind des Friedens sei dos Rüstungskapital, Geld sei noch immer dicker als Blut. heute fei das lvehrproblem die Frage: wie wehren sich die Völker gegen ihre rüstenden Regierungen? 5m der Kriegsdienstverweigerung sieht Strotmann das beste Mittel hierzu. Durch den Kellogg-Pakt ächte das positive Staatsrecht den Krieg als Verbrechen, und jeder Katholik Hab« die moralische und religiöse Pflicht, sich gegen ein Verbrechen und gegen die Unsittlichkeit, die den Krieg darstelle, zu wehren. Gewiß sei die Kriegsdienstverweigerung ein Wagnis des Volkes, wenn sie sich nur aus ein Land beschränke. Aber der Krieg sei ein noch größeres Wagnis für die Existenz eines Staates und angesichts der Zerstörungen und Schrecke» eines kommenden Krieges sei die Nichtbeteiligung an dem Zerstörungswerk dos kleinere Uebel. Werde ein Land trotz Kriegsdienstverweigerung überfallen, so gebe es den erfolgreichen Weg des passiven Widerstandes. Neben der Kriegsdienstverweigerung Eroberung der politischen Macht— das sei die beste nationale und internationale Arbeit am Friedenswerk. Stratnmnns Rede fand stürmische Zustimmung, besonders unter den zahlreichen G e i st l i ch e n, die sich auch in der Diskussion mit aller Entschiedenheit gegen die sogenannten Lauen und Zögernden in der Z e n t r u m s p a r t e i wandten. Reichstagsobg. Krone- Berlin, der den Standpunkt der Zentrumsfraktion zur Wehrpolitik vertrat, mußte bittere Worte einstecken. Die große Mehrzahl der Diskussionsredner erklärte sich für Stratmann und ging in ihren Ausführungen noch über ihn hinaus. Dr. Scharp, der Leiter der „Rhein-Mainischen Volkszeitung", und Dr. Michel. Frankfurt, forderten unter großem Beifall Ablehnung des Reichswehretats und die Umbildung der Reichswehr in eine Polizei und Feuerwehr. Michel ironisierte sehr scharf den Bundeskanzler a. D. Seipel. der von der„Dämonie" gesprochen hatte. Die Existenz jedes Staates stehe uns heute zu hoch, daß man ihn um der eigenen Existenz willen opfern dürste. Professor A n tz- Bonn kritisierte be- sonders den großen Teil der katholischen Presse, der die Friedens- arbeit hemme durch Wiedergabe solcher Nachrichten aus Polen und anderswoher, die an die Kriegszeit erinnern. Sein Geschichtsbuch der deutschen Schulen entspreche der deutschen Verfassung, die sie verpflichte, die Zugend im Geiste der Völker- Versöhnung zu erziehe«.. Auch Freiherr von Soden verlangt den Abbau der militärischen Ideologie und eine Atmosphäre des Vertrauens zwischen Deutschland und Polen, Abbau der schrankenlosen Autorität der Fachleute sei notwendig und es gebe nichts, was die Reichstags- abgeordneten zwinge, bei jeder Drohung des Reichswehrministers umzufallen. � In diesem Sinne sprachen noch verschiedene Redner. Selbst dem Zentrumsführer I o o s gelang es nicht, eine günstige Siim- mung für die Politik der Zentrumsfraktion zu erzeugen, mit der sich weder die weltlichen und noch weniger die geistlichen Kongreßteil- nehmer versöhnen können. Arbeiierurlaub in England. Labour führt ihn auf den Staatsbetrieben ein. London, 27. August.(Eigenbericht.) Die Arbeiierregierung hat beschlossen, in sämtlichen staatlichen Betrieben einen jährlichen sechstägigen il r l a u b mit voller Bezahlung einzuführen. Die Gewährung des Urlaubs ist van einer vorhergehenden einjährigen Beschäftigung in den Staatsbetrieben abhängig. Von der neuen Verordnung werden 100 000 in den Betrieben der Armee, der Flott« und der Luftfahrt- truppen, in der Posiverwaltung und in den dem Minister für öffentliche Arbeiten unterstehenden staatlichen Unternehmen beschäftigten Personen betroffen. Dia Forderung nach einem bezahlten Urlaub für die Staats- orbeiter war von der Gewerkschaftsbewegung in der Vergangenheit immer wieder erhoben und von den verschiedenen bürgerlichen Regierungen verworfen worden. Der Entschluß der Arbeiter- regierung ist nicht nur von dem Wunsch diktiert, im eigenen Bereiche sozial mit gutem Vorbild voranzugehen, sondern insbesondere von dem Gesichtspunkte bestimmt,' die vriki schilt ll n t e k st e hm'ei: � s ch g f t zur Gewährung von Arbeitsurtaub zu veranlassen, sowie die Gewerkschaften bei ihrem Kampfe um Arbeiterurlaub in den Industriegebieten zu stärken. Irgendein gesetzlicher Anspruch auf Urlaub besteht in Großbritannien für die Arbeiterschaft nicht. Es ist bisher lediglich einem verschwindend kleinen Pro- z e n t s a tz der Gewerkschaften möglich gewesen, in den Tarifver? trägen eine Klausel unterzubringen, die einen bezahlten Urlaub vorsieht. Der Beschluß hat insbesondere bei den Tausenden von Arbeitern des Arsenals von Wollwich und den Arbeitern der staat- lichen Docks freudigste Ueberraschung hervorgerufen. Beleidigier Nationalsiolz. Oer»Zeppelin" hat die Moskowiter geschnitten. Der Schreibstubenuntcrosfizier der„Roten Fahne" orakelt über die beleidigende Tatsache, daß der„Zeppelin" kein« russische Groß- stadt überflogen hat. Er tut so, als ob das auf Befehl des amerikanischen Imperialismus geschehen sei und zitiert die „Prawdo", die sich wutentbrannt mit dem gleichen Thema bc> schäftigte: „Wir sind nicht beleidigt. Wir sind nicht hochfahrend. Aber diejenigen, die etwa die Demonstration Eckeners ernst nehmen oder sie zu wiederholen gedenken, müssen wir ernsthaft warnen- Der Weg von Deutschland nach Japan führt immerhin über Moskau. Wenn wir wollen— gewähren wir die Durchfahrt. Wenn wir nicht wollen— gewähren wir sie nicht. Wenn wir wollen— erlauben wir, ohne Landung zu fliegen. Wenn wir nicht wollen — ordnen wir an, daß man auf dem Moskauer Flugplatz zu landen und die Mütze abzunehmen Hot," Dies« Schreiberei des Moskauer Parteiblattes steht in unerfreu� lichem Gegensatz zu der Sprgche, der sich-di« Stellen in Mozkau 1 gegenüber Deutschland zu befleißigen pfiegeb. Sie wissen, was ernstliche und außenpolitische Verantnsortung bedeutet. Im übrigen: Die Sowjetregierung ist um die Erlaubnis für das lieber- fliegen ihres Gebietes gebeten worden ünd hat diese Erlaubnis selbstverständlich gern erteilt. Eine Landung in Moskau konnte sie schon deshalb nicht erbitten— von„Anordnung" wäre natürlich nie die Rede gewesen—, weil«in Ankermast in Moskau nicht vorhanden ist! Die Transporiarveiier-Zniernaiionale. In 32 Ländern 2114313 Mitglieder. Die International« Tronsportarbeiter-Föderarion(ITF.). hatte am 1. Januar 1929 eine Zunahme von 89 619 Mitgliedern gegen das Vorjahr zu verzeichnen gehabt. Jeder Zuwachs in den einzel, nen Gruppen der verschiedenen Länder tritt automatisch auch in der Mitgliederzahl der ITF. in die Erscheinuirg. Ueber die euro» päischen Länder hinaus ist die ITF. vertreten in Argentinien, Bra, silien, Kanada, Britisch-Indien, Holländisch-Indien, Palostina und Australien. In ihren drei Hauptgruppen zählte die ITF. am 1. Januar 1929: 1 216 SZ1 Eisenbahner...»..» 57.55 pro;. 798120 Transporlarbeiker..... 37,75 99342 Seeleulc....... 4,70 In Deutschland haben zu dem Mitgliederzuwachs bei- getragen: der Einheitsoerband der Eisenbahner mit 9632 und der Verkehrsbund mit 34 063 neuen Mitgliedern. Unter den Transport- arbeitern hat insbesondere die Gruppe der Krastfahrer eins starke Zunahme aufzuweisen. Die Reichsabteilung der Krastfahrer im Deutschen Verkehrsbund stieg von 37 481 Mitgliedern am 1. Ja- nuar 1928 auf 43 354 am 1. Januar 1929 und in der ersten chälfte dieses Jahres auf etwa 60 000. Die Gesamtzahl der Kraftfahrer in der ITF. ist von 110 475 auf 141 342 im letzten Jahre gewachsen. Die in weiterer starker Entwicklung begriffene ITF. hat noch ein großes Ausbreitungsgebiet vor sich und ist eine der bedeutungs- vollsten Berufsgruppen im Internationalen Gewerkschoftsbund. Mittwoch, 28. August. Berlin. 16.00 Technische Wochenplaudcrei(Ingenieur Joachim Boehnter). 16.30„UnterhaJtungsstunde für die Kleinen." 17.00 Orchesterkonzert. Dir.: Bruno Seidler-Winkler. I. Rimskv-Korssakowi Ouvertüre„Ostern", op. 36. 2. Jean Nicodd: Zwei Stücke für Streichorchester, zwei Oboen und zwei Hörner, op. 32. 3. Prohaska; Serenade. 4. Dvorak: Scherzo capriccioso, op. 66. 5. Borodin: Sinfonie Nr. 2, H-Moll.(Berliner Funkorchester.) 19.00 W. Bertram:„Das Arbeitsfeld der Kaufmannsgehilfen". 19.25 Der Hauptdarsteller des Lustspiels„Der Revisor"(Bildfunk). 19.35 Unterhaltsame Lieder. 20.00 Wovon man spricht... 20.30„Der Revisor", Lustspiel von Hikolaus Go�oL Nach den Abcndraeldungen.bis 0.30; Tanzmusik. Während der Pause Bildfunfc. Köoiffswusterhausen. 16.00 Prof. Werner: Klassische Dramen in der Schule der Oexen vart. 16.30 Felix Stössinger:„Die Weber" von Goethe. 17.00 Von Hamburg: Nachmittagskonzert. 18.00 Dr. M. Roscher: Der Kongreß der Internationalen Handelskammer In Amsterdam. 18.30 Spanisch für Anfänger.. 18.55 Dr. Fritz Ditthorn: Die Bakteriologie des täglichen Leben*. 19.20 Frank Warschauer: Die kulturoptimistische Utopie. 20.30 Drei Goethe-Briefe.(Gelesen von Lothar Mütbel.) 20.45 Beethoven; Quartett op. 59 Nr. 2.(Maurits van den Berg, L Violine: Franz Veit, 2. Violine; Lorenz Höher, Viola; Joseph Schuster, Cello.) ■2t. 15. Balladen;' i' Wetter für Berlin: Weiterhin warm mit etwas Bewölkungs- zunahm« und Winddrehung nach Südwest. Für Deutschland: Im Osten heiter, im übrigen Deutschland etwas wolkiger, im Westen strichweise Gewitter, überall warm. VeranNvortl.'llr die Rebaktion: wolszaag Schwarz. Berlin; Anzeiarn: Ti.»loa«» Berlin. Berlaft: Borwärt» Verla«®. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärt» Buch» druckrrei und Berlagsanlialt Paul Einser& Co.. Berlin EM 58. Linbenstraß« S. Sirrzu l Beilage. Bekanntmachung. Der 2. Nachtrag zur Kalfenlatzung der Äll«emelnen Ortslrankenlasse Berlin-Wil- niersbort ist am 15. Juli 1923 durch das Oberoerlicherungeaml Berlin genehmigt und mit diesem Tage in Kraft getreten. Drucksiii ckj sind in unserem Aassenlokal an den Schaltern erhältlich. Der Vorstand. I. A.: H. Engelhardt. A. Wlemann. Vorsitzender. Schriftführer. Theater,. Lichtspiele usw. Ververkaufauch im Pavillon der Nein- hardtbühnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 fleotsöies Ttieater 0.1. Norden 12 310 811. Ende gegen 11 Die Fledermaus Musik v. Job. Strauß. Regie; Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer «Vt Uhr Barb. 9268 _* ) Cflg.-anwiiHiiiMiw Rewiiw« n»w. Rose- Theater, Gro�e Frankforler Str. IS 2. Täglich 8.15 Uhr Der Kleine Kuppler Lustspien i.3Akt. v.Armont u.Gerbidon Q.rteabOhne 5.30 Uhr Konzert und bunter Toll 8.15 Uhr Die scheidijngsreise Werden sin uoueni des Boii-Theaiers Verlangen Sie kostenlose Zusendung der Abonnements-Bedingungen CASINO-THEATER Lothringer 5 trage 97, Kammerspiele D.I. Norden 12310 Eröffnung der TigUdi»Vi Uhr Oer neue Eronnungs- Schlager Wem gelidrt mein Mann! 7V3 Uhr Oer Komödie von >aui Oeraldy um Robert Spitrer Die Komödie 1 Bismck. 2414/7516 >/« U., Ende geg. 10 Freudiges Ereignis �ustspiel von Dell und Mitchell Regie; Leontine Sagau Lessing-Ttieater Norden 10546 Grnppc Junger Sdtaasplcler Täglich»'/. Uhr losel jaknlNvsU.Dniaui von Eleonore Kalkowska Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich«'/« Uhr Ober 1000 X Max Adalbert in Clubleule Max Landa, Ferry Sikla, Ellen Frank. plAZa Ugi.» u. ei» Sonot.J.Sn tu |Alax.E.4.806£ INTERNAT, VARIETE Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Lesen Cutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M,> Sonstige Preise; Parkett u. Rang 0.80 Ms Reichshallen-Theater Abend[Tj Sonntag Nachm. fT] Stettiner sanger Nachmittags halbe Preise! Montag« den 2« September Festvorsiellniig znr jsuj-sitdr- Feier der sietilner Sdnocr Dönhoff- Brettl: Variete Konzert Tanz ••••••••••!••••••••• Sommer-Garten-Theater; Berliner Prater N 58, Kast-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 1 Gastspiel Gusiei Eeet. crelo! Llllsn Wiener Blut {Operette von Johann Strauß Oazn der grofte VarieletelL| M Anfang Konzert 4 llhr. Burleske u.( Z Variete s.30. Operone 0 mu., Z leden Donnerstag großer Volkstag. i «|ed. Mittw. Klnderlest o. Vertoseng i_ eeeeeeeeee— eeeeeeeei Theat. ü. Westens Täglich SU. Uhr Sonntag 4 u. SV» Franz Lchan Weltcrfolg! FriederlKe Lotte Carola Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Metropol-Tli. Tägl. 8V. Uhr Sonntags 4 u.8'/t Blaubarf Operette von Offenbach Grete Finkler, Sticbcr- Walter Direktion Dr. Robert Klein Deutsches Künstler. Theater Barbarossa 3937 Donnerstag, 29. Aug. Tb Uhr Dtsch. Uraulföhr. Die andere Seite von R C Sherriff Regie: HeinzHilpert Berlioer Theater Dönhoff 170 Dienstag, 3. Sept. 74, Uhr Uraaffflbrung Zw« Ktawattra von Georg Kaiser Musik: Mischa Spoliansky Regie; Forster Larrinaga WMMwwwWMww ■Wo speist rnani Out n.bUIlS? Nur GroB-Berlin Alex an Hertha* z LDStspielhaos Täglich S'b Uhr Du wirst mich heiraten! Rundfunkhörer halbe Preise. Trianon-Tli.Mär Dir.ieoWalilier steil ErOllnoass-Vorsteilg. rroltag. 30.'aonsi. f'b Uhr Das kämmt doch alle Tage vor Lustsp. v. Sven Neergard Joh.Rlemann.Vilmal, r.Aknay.Max Landa. Lotte Klittdcr TDeoi.amKottii.ior Kottbusser Str. 6 Tägl. B Uhr auet Sonnt. nachm. 3 U. EUle- samter wie immer der aroBe Ertalal Endlose LachstOrnie Planetartnin am Zoo i ferfln. Indimltulir Stn!« B.S BarbarossaSSTS 16 Vi Uhr Stornhllder du Sommers 18V, U. Von Fol tu Pol am Stunonkimmol 20". Uhr Der BlattaN der Senne Tägl.auBer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 MIc, Kinder 50 PL Mittw.: Erwachsen» 50 PI. Kinder 25 PL Banowsky-EDheei! Theater in der KUnlggrätier Straft Täglich 8 Vi Uhr Rival en Komödienhaus Täglich 8'/- Uhr Mzeitsieuc mit Ecoro Mexandci wirk«am sing die KLEINEN ANZEIGEN Inder Gesamtauflage des..Vorwärts'' und trotzdem in! Betten- FäirsM Gegründet 1908 EUemc BetteteUen. Kinderwagen, Beltfedern, Inlette Fabrik fOr ettaUIidie PoUtermöbei Berlin•Neukölln, Hermannstr. 31 u. 33 Tel.: F 2 Neukölln 1424 Filiale: Berlln-Tempelhot, BerUner Str. 133 BRUNO SONS® Rölmrenlaandlun� Bin: II SB. RopenlugtDEf Slralt 57. Telisiaoii; Baiboldt 1482 Gußrohre /Tonrohrc/Schmicdcrohrc Badewannen/ Ausgußbecken Giiosflge fieleoenM für LaolienkolonisteD) Vellage Miifwodi, 28. August 1929 SprAvad S/uUauigaß* Jti Jubiläum der Schmach Der Tag der Halb-unö-Halben Cure Rede se!: Ja Za, nein nein, was darüber ist, das ist vom Uebcl. Wahrend im Haag wiederum üder das Schutsal der deutschen Kriegslasten wochenlange Beratungen gepflogen werden, hetzt im Deutschen Reiche die Rechtspresse nach vorgeschriebenem Plane gegen die deutsche Delegation und die Regierung, die sie zum Hoog ent- sandt hat. In Lorbereitung des Volksbegehrens gegen den Houng- Plan wird systematisch Stimmung zu machen gesucht, um die „nationalen Belange" gegen die..Weichlinge und Schwächlinge" in der Regierung und in den Regierungs- Parteien, wenigstens in kräftigen Worten, zu wahren. Diese Melodie kommt jedem, der um einige Jahre zurückzu- denken vermag, sehr bekannt vor. Schlagen wir einen alten Zeitungsband auf, etwa aus dem Jahre 1924. Man ist erstaunt, wie verwandt die Situation von damals mit der heutigen ist. War doch zu jener Zeit auch«ine Vertretung der Reichsregicrung unter- wcgs, um in London über die Inkraftsetzung des Dawes-Planes zu oerhandeln. Wie wußte die deutschnational« Presse damals diese Delegation und ihre Verhandlungspartner trefflich zu schmähen! In der.Lreuzzeitung", dem Organ Westarps(23. August 1924), stand wörtlich zu lesen: „Als die Herren Marx und Stresemann nach London kamen, ! da fanden sie zwei Räuber und Mörder vor, die mitten ! im Frieden de.utsches Land geraubt, deutsche Volks- l genossen zu Tode gemartert haben!" Diese Räuber und Mörder waren, noch Meinung des Westarp- Blattes, der französische Ministerpräsident H e r r i o t und der eng- lische Ministerpräsident Macdonald. Sie waren zwar beide an dem Friedensvertrag von Versailles so wenig beteiligt wie an der Ruhrbesetzung, gegen die sich der besonder« deutschnationale Zorn richtete. Aber das macht« den Worthelden nichts aus. Um so un- genierter wetterten sie drauf los. Die Deulschnalionalen haben es bei der Zusammensetzung de» damaligen Reichstags in der Hand, die zur Annahm« der DaweS'Gefehe erforderliche Zweidrittelmehrheit zu verhindern. Sic waren sich dieser ihrer Stellung durchaus bewußt; denn in der gleichen Nummer der„Kreuzzeitung" war zu lesen: „Uirsere Gegner sehen jetzt mit Schrecken, daß die Deutsch- nationalen tatsächlich die Herren der Situation sind. Asteftz dem Auslande wird jetzt die sehr eindringliche Lehre zuteil, daß man über die nationalen Kräfte Deutschlands nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann... Aber die natio- nalen Wähler würden es mit Recht verurteilen, wenn wir von dieser unserer Machtstellung keinen Gebrauch machenwürden." So standen sie stolz wie die Spanier und warteten auf den Tag, an dem sie der„Erfüllungspolitik" den Todesstoß versetzen könnten, an dem endlich die Sonne der Freiheit wieder für alle nationalen Heldenbrüste zu scheinen beginnen würde. Mit der Ablehnung der Dowes-Berträgc würde nach der Meinung oer nationalen Wortführer eine ganz andere Lag« geschaffen fein, müßte das deutsche Volk nach einer vorübergehenden Periode unliebsamer Bedrängnisse von den ganzen Kriegslasten endgültig und für die Dauer befreit werden! Als jedoch der Entscheidungstag kam, sah es plötzlich ganz anders aus. Die Leute um Stresemann hotten den Deutschnationalen hinter den Kulissen mit einigen Ministerpöstchen vertraulich gewinkt, lind prompt sank ihnen dos Herz abwärts. Zwar verkündeten sie jedem, der es , hören und der es nicht hören wollte, daß ihre Stellungnahme un- verändert sei, und ihr damaliger Führer, Herzt, sprach im Reichstag das geflügelte Wort: „Unser Banner hat nie geschwankt." Und er ergänzt« di«s«s stolze Wort durch das andere nicht minder berühmt gewordene: „Beinahe möchte ich sagen: Hier flehe Ich. ich kann nicht anders." In der Abstimmung lehnten die Deutschnationalen sämtlich« Cinzelgesetz«, die zur Ausführung des Dawes-Planes bestimmt waren, in erster und zweiter Lesung ab. Auch das Eisenbahngesetz, das zu seiner Gültigkeit der verfassungsändernden Mehrheit bedurfte, wurde von ihnen verworfen. Aber aus Abend und Morgen wird bekanntlich ein neuer Tag: Als es dann zur dritten Lesung und zvf: entscheidenden Ab- stimmung kam. da erlebte man das erfreuliche Lchouspiel, daß die gesamte deutschnationole Fraktion den roten Rein-ZetKl demonstrativ in die höhe hielt, ober die halbe Fraktion mit der Linken den weißen Za-Zettel abgab. Von 99 anwesenden deutschnationalen Abgeordneten hotten 59, der vorherigen Ankündigung entsprechend, mit Nein gestimmt, 4 9 hin» gegen den Jo-Zettel abgegeben. So war die deutsch. nationale Fraktion buchstäblich halbiert, und der Spott- name der„Fraktion Mampe" eilte durch die Land«. Herr H u g e n- b e r g, der heute die ganze Deutschnationale Partei und die Aktion gegen den Joung-Plan dirigiert und kommandiert, hiev sich bei der entscheidenden Abstimmung dem Reichstage fern. Er wird als �fehlend" in den Registern verzeichnet. Wie kam diese plötzliche Meinungsänderung zu 59 Proz.? Die deutschnationalen Helden hatten ihre Ueberzeugung gegen bar verkauft. Die Zahlung erfolgte bald darauf in den versprochenen Minister. fitzen» die den„Verteidigern der nationalen Interessen" für ihr« Zustimmung zur Dawes-Gesetzgebung versprochen waren. So kam der erste Bürgerblock zustande auf der Basis eines schmachvollen Kuhhandels, geschlossen von den Leuten, die nach eigenem Ein- geständnis sich als„die Herren der Situation" fühlten und davon überzeugt waren, daß ihre Wähler es„mit Recht verurteilen" würden, wenn sie von ihrer augenblicklichen Machtstellung keinen Gebrauch machen würden. Der Drang zur Futterkrippe. um ihren eigenen, so beliebten Ausdruck zu gebrauchen, war bei ihnen stärker als Ueberzeugungstreue und stärker auch als die an- gebliche Notwendigkeit, die Erfüllungspolitit zu Fall zu bringen. So ist der 2 9. A u g u st 19 2 4— es sind erst.fünf Jahre seitdem verflossen!— zu einem Tage der Schmach für die Deutsch- nationalen und darüber hinaus für das deutsche Parlament ge- worden. Ein« so schamlos« Verschacherung politischer Stimmen und Entscheidungen ist niemals vorher und nachher erhört gewesen. Fraktion Ttlampt Jfalb und Stalb O.KOt 5T£K SMese* SSild ernchien ror fünf Sahren Im.Torträrfx' Das Jubiläum dieses Schmachtoges darf nicht unbeachtet vorüber- gehen. Um so weniger, als die damals Beteiligten heute kaum ein Interesse daran empfinden wenden, selber des Tages besonders .zu gedenk««. Aber in der Zeit, da es in dem deutschnationalen Blatterwald und in'den Versammlungen dieser Partei van den gleichen geschwollenen Redensarten gegen den Doung-Ptan und gegen die Konferenz im Haag widerhallt, wie sie damals gegen die Londoner Konserenz und g«gen das Dawes-Abkommen in die Welt gesandt wurden, in dieser Zeit wollen gerade wir an das I u b i- läum der Schande erinnern, in die die Hugenberg-Partei sich selbst verstrickt hatte. Nach diesem denkwürdigen 29. August kam bald die Reichstags- wähl vom Dezember 1924, die«ine Niederlage der Schacherpartei brachte. Jetzt nach dem Jubiläum werden die Kommunalwahlen in Preußen und anderen Staaten die nächste Gelegenheit bieten, mit der Mampe-Fraktlon und ihrem neuesten Spielzeug, dem Begehren gegen die Dolksrechte, eine un- zweideutige Abrechnung zu halten! Man wird dies« Fraktion der Halbundhalben, die sich stets auf ihr zumindest 59prozentiges Christentum b«rust, an das bekannte Bibelwort erinnern, daß olles, was über ihr.La, ja. nein, nein!" vom 29. August 1924 hinausgeht, vom U e b« l i st. Sie ist in ihrer Gesamtheit vom Uebel und ihr Einfluß muß aus der deutschen Politik entfernt werden! � S)ie Qeschichte der Abstimmung „Deutsche Tageszeitung" vom 19. April 1924: Im Ganzen aber kann und muß heute mit allem Nochdruck gesagt werden, daß die Vorschläge der Sachverständigen Wirtschaft- liche Zumutungen an Deutschland stellen, die zum größten Teile heller Wahnsinn sind. Daß sie nicht einmal in einer Gesamtbegrenzung der Repa- rationen letztes Ziel und letzte Grenzen zeigen, machl sie unter diesen Umständen noch unerträglicher. Wenn es deshalb in dem Schreiben des Generals Dawes heißt, die Zurückweisung dieser Vorschläge durch Deutschland würde im Endergebnis dos deutsche Volt in hoffnungsloses Elend verstricken, so können wir nur sagen: Ein grauenvolleres Elend als Deutschland durch die Zustimmung zu derart wahnwitzigen Vorschlägen auf sich laden würde, ist nicht denkbor. Ihnen gegenüber kann es nur heißen:„Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende."(Aus einem Artikel Paul Ba«ckers.) Aus der„K r e u-z- Z« i t u n g" vom 12. August: An der nötigen Klarheit und Eindeutigkeit der deutschnationalen Erklärungen hat es nicht gefehlt. Es kommt nun also auf die Glaubwürdigkeit an, die man ihnen beimißt und aus den höheren oder geringeren Grad des Vertrauens in ihr« Festigkeit. (Aus einem Artikel des Grafen Westarp.) Erklärung der Deutschnationalen Partei vam 15. August: Nach den sich immer mehr verdichtenden Pressemeldungen muß angenommen werden, daß Reichspräsident und Reichsregierung van ihrem ablehnenden Standpunkt gegenüber der französischen Forde-, rung auf weitere Fortdauer der Besatzung des Ruhrgebietes ab» gewichen sind, und ihre Zustimmung zu der» Vorschlägen Herriots gegeben haben.- Er stellt einen völligen llmfall der leitenden deutschen Reich«. � stellen innerhalb 24 Stunden dar... Di« Deutschnationale V o l k s p a r t e i hat bis in die letzten Tage mit dem größten Ernst die leitenden Stellen der Reichs- regierung darauf aufmerksam gemocht, daß eine Lösung, die den bekannten sieben Mindestforderungen der deutschnationalen Reichs» tagsfraktion nicht entspricht, auf die deutschnationole Billigung m'cht zu rechnen Hab«... Räch alledem ergibt sich die Stellung der deutschnationalen Fraktion von selbst, sie kann nur Ablehnung lauten. „Kreuz-Zeitung" vom 16. August: Unsere Stellung zu dem voraussichtlichen Entschluß der Regie» rung brauchen wir nicht mehr auseinanderzusetzen. Für uns bleibt dos Dawes-Gutachten schon allein wegen der einjährigen Röu- mungsfrist unannehmbar. „Deutsche Zeitung" vom 18. August. Nicht hundert oder auch nur 66?» Prozent des vollen Erfolges sind erreicht, sondern die 199prozentige Versklavung Deutscklands durch die Weltfinanz. Erklärung der deutschnationalen Reichstags- fraktion vom 21. August. /' Die deutschnationale Rcichstagsfraktiön, verstärkt durch zahl- reiche Mitglieder der preußischen Landtragsfraktion. nahm am Donnerstag einen eingehenden Bericht des Parteivorsitzenden ent- gegen. Sie sprach zu der bisherigen Haltung der Parteileitung, ins- besondere zu der Veröffentlichung vom 1. August 1924 ein- mutig ihre Zustimmung aus. Sie stellt« ferner«in- m ü t i g fest, daß sie nach wie vor auf dem in ihren sieben Punkten und in der Rede des Abg. H o e tz f ch vom 26. Juli fest- gelegten Standpunkt beharrt. Erklärung der deutschnationalen Parteileitung vom 22. August. Die maßgebenden Führer der deutschnationalen Reichstage- fraktion wenden sich gegen die Interpretation, die der gestrige deutschnationole Fraktionsbeschluß gefunden hat, als wäre damit immer noch die Möglichkeit zu einem Umfall offengeblieben. Sie betonen demgegenüber, daß die deulschnationale Fraktion da» vawes-Gulachten und die mit ihm zusammenhängenden Gesetze unbedingt und ohne Rück- ficht auf die parteipolitischen Interessen von außenpolitischen Gründen ablehnen werde. Meldung vom 23. August. Die Spannung im Reichskabinett wegen der Zok l- vorläge hält an. Di« demokratische Fraktion leistet nach wie vor dagegen Widerstand, daß die Zollvorlage jetzt an den Reichs- tag gebracht wird. Es scheint auch zwischen einem demokratischen Reichsminister und der demokratischen Fraktion über diese Vorlage ein« tiefgehende Meinungsverschiedenheit zu herrschen. „Vorwärts" vom 24. August. Zur selben Zeit ungefähr, ln der die„Kreuz-Zeitung" jenen Artikel veröffentlichte, verhandelte der Bolksparteiler Eurlius mit Herrn hergl über die Annahme der Dawes-Gefehe und den Eintritt der Deutsch- nationalen in die deutsche Reichsregierung. In der Hoffnung, dadurch die Unterschrift der Deutschnationalen sür den Londoner Pakt mit den Räubern und Mördern zu ge- Winnen, stimmten vorgestern fünf von den neun anwesenden Ka- binettsmiigliedern für üie sofortige Einbringung der Zollvorlage. H e r g t im Reichstag am 25. August. So ober bleibt uns nichts anderes übrig als alle diese Gesetze abzulehnen. Und Sie wollen ruhig abwarten, wie di« Ablehnung am nächst«, Donnerstag ausfällt.... Wir gehen unseren Weg, wie unser Gewissen ihn vorschreibt. Ich möchte beinahe sagen, hier stehe ich, ich kann nicht anders. Wenn wir um Einfluß in Länder« und um Regierungssitze hätten buhlen wollen, hätten wir unser« Ueberzeugung jetzt leicht ändern können. Aber wir verzichten daraus um unseres Idealismus willen. Dawes-Ab stimmung im Reichstag vom 25. August. 49 deutschnationole Reichetagsabgeordnete für Annahme der Dawes-Sesetz-, 50 dagegen. Gefehlt haben k Abgeordnete. (4. Fortsetzimg.) Der Alle blickte ins Leer«, sich das stoppelige Kinn reibend. „An die 22 Jahre sind es— und immer und immer wieder.. „Na aber!— Ist's möglich!"— Mutter Rös'l erhob sich und strich sanft über den ergrauenden Kopf des Allen, der seine Hände schluchzend vors Gesicht hielt.„Nun, nun, ist's denn noch gar so schlimm?" Sie war erschüttert; kannte sie ihn doch nur als wort- kargen Brummbär..' Der Alte blickte auf.„ijat das Leben noch Sinn..? Sagen Sie, gibt es auf Gottes Erdboden was unnützeres als mich?" „Nur nicht verzagen, Joseph. Unser aller Schicksal steht in der Macht des Höchsten." ..In der Macht des Höchsten? Hach, daß ich nicht lach.— Und wenn's so sein sollte... wenn er die Macht über mein Schicksal haben sollte... dann— dann ist er kein barmherziger Gott— dann ist'« ein grausamer Teufel, der mein Geschick lenkt!— Aber ganz gleich, ob Gott, ob Teufel... Heinrich, hol mir die BrautI Du tennst sie." Di« Meisterin abwehrend, griff er gierig nach der Flasche, und leerte sie bis auf den Grund.„Ja, ja, Mütterchen, für mich gibt's nur die eine, di« ist mir Gott und Braut zugleich. Und die Flasche an sich drückend schritt er, eine Melodie summend, hin und her. Dann hob er den Deckel vom Klavier und ließ die Finger intonierend über die Tasten gletten. Schonend ermahnt« ihn Frau Ros'l an die vorgerückt« Zeit, obwohl sie gern zuhörte. Denn ein ganz anderer war er ja heut. Immer gemütvoller, lieblicher erklangen die Weisen, die er vortrug. Noch nie empfand sie die wirkende Kraft des Branntweins» so an- genehm. Er klappt« das Instrument zu und wandte sich zum Gehen. Di« Meisterin reicht« ihm die Hand. „Sie hätten'Ihre Braut zur Frau nehmen müssen", sagt« sie zum Trost. „Müssen?" Er lacht« bitter.„Ein anderer kam mir zuvor." Heinrich stieg hinter dem schwankenden Joseph hinauf zur Kommer. Frostig durchschauderte ihn die Käll« des Bettes, während der Wind trocknen Schnee stoßweise übers Doch-fegt«. Und ver- worrenes Selbstgespräch des Alten hörte er noch lang« im Halb- schlaf... „Na, wird's bald! Danke Gott, daß ich nicht dein Meister bin, Jungiken!" Heinrich sprang erschreckt hoch und mit einem Satz aus dem Bett, als der Geselle mit dem Fuß gegen dessen Kopfende stieß. Noch wußte er nicht recht, was geschehen war; jedoch die Fort- setzung der Schimpfepistel des Alten versetzte ihn rasch in die Wirklichkeit. Die Augen noch voller Schlaf fühlte er sich, wie träumend die Stufen hinunter. Der Wascheimer war heut zugefroren. Cr schlug das Eis auf und badete sein Gesicht, daß es glühte. Das Feuer im Ofen flackerte schon lustig, als auch Joseph frost- geschüttelt eintrat. „O, die annen Kunden auf der Landstraße", barmte er voller Mitteid, die zugefrorenen Fenster betrachtend. „Mach's Schlitzloch auf!" befahl er Heinrich.„Wir wollen uns ein wenig warm machen." Heinrich blickte ängstlich hinaus zur Decke, wo di« groß« Säge mit schwerem Gestell an einem Strick hing, der in Klobenrädern oben entlang und an der Wand hinunterlief und an dessen End« ein Eisengewicht baumelt«. Er öffnet« ein« Klappe am Fußboden, wonach der Joseph«in langes Brett in das Loch schob, so, daß es schnittrecht über di« Hobelbank ragte. Es sollt« in zwei Hälften geteilt werden: und das war eine akkurate Arbeit. .Heinrich holt« die Klobenfäge, die wie«in böses Ungeheuer von oben herabschoute, mit bangen Sorgen herunter. D«nn er wußte: deren Mucken waren nur durch vier starke Arm« zu bändigen. Und richtig, was er befürchtet hatte trat ein: Nachdem sie sich mit scharfen Zähnen handbreit in dos Brett«ingefressen, strebte sie hartnäckig nach einer Seite, wie er es geahnt hatte, und mit Auf- bictung all seiner Kräfte vermocht« er nicht, sie wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. „Schläfst du, Bengel?" Wütend stieß der Geselle zu, so daß der Querbalten Heinrich gegen die Brust fuhr. „Sie läuft".«ntgegn«te Heinrich „Was, sie läuft?" Jos«ph hielt an. Patsch, da sauste dessen knochige Hand in Heinrichs Gesicht.„So kommst du mir heut gerade recht, erbärntticher Lümmel! Für die Frau Meisterin in der Stadt herumrabotzen. des Abends bei ihr hinterm Ofen sitzen. und Romane lesen und hier bei der Arbeit dösen, du, has wcrd' ich dir austreiben." Dann wandte er das Brett und brachte den schiefen Schnitt in gerad« Richtung. Rein zur Folter ward unserem jungen Freund die schwere Klobensäg«. Sein Körper war zu kurz für di« langen Züge hin und her. Tränen rannen ihm übers schwitzend« Gesicht, wodurch er den scharfen Riß erst recht nicht mehr sehen konnte. Und obgleich er sich reckt« und streckte wie Gummi, so fuhr ihm der Querbalken doch immer wieder gegen die Brust oder das Kinn, wenn der Joseph gar zu rücksichtslos zustieß. Endlich logen die rein weißen Schnittflächen harzig duft«nd auf des Gesellen Bank. „Na. siehst du. wie schön das ging", sagte der M« befriedigt. „Ich werd' dir die Fax«n schon beibringen. Und so'n bißchen Einheizen tut gut bei der Kälte. Es wärmt besser durch, als das Holz im Ofen, was?" Heinrich oerzieh dem Jostph die ihm zugefügte Grobheit, da dieser nun wieder vernünftig einlenkt«. Er begann sich darauf ein- zustellen, für des 2IIt«n Wutausbrüch« als Blitzableiter zu dienen. Und setzte«» dabei mal«inen Hieb ab— nun ja— anderen Lehrbuben«rging es ja zum Teil noch ärger. � Die Morgensuppe mundete ihm heut vortrefflich. Zum Glück kratzt« er schon den Rest vom Teller, als es laut an dix Tür klopfte, wonach der Stadtpolizist«intrat und im schnarrenden Dienst- tone dem Meister vortrug, daß di« ganz« Stadt wieder mal außer Rand und Band geraten sei. Wobei Timm ihn, in böser Dar- ahnung, unterbrach:„Was. Günther, die Stadtuhr?" „Jawohl, sie zeigt auf halb zwei und schlägt ganz kauderwelsch." Ein Blick d«s Allen streifte Heinrich„Kein Wunder. b«i solchem Wetter hält sie nicht mehr stand mit ihren 200 Jahren." Er öffnete den Wandschrank.„Hier bitte, nehm' Sie man erst «inen. Der tut gut bei der Kalle." Der Polizist schnalzte behaglich und schob seinen Mantelkragen wieder hoch.„Also, Meister, ich hab's bestellt", erinnerte er noch mal beim Hinausgehen. Timm nahm di« Turmschlüssel vom Brett. „Hast was Schönes angerichtet, mein Junge." Heinrich durchlief es heiß.„Um sechs Minuten drehte ich si« vor", stammelte er zaghaft. „Dabei sind ober aus Minuten Stunden geworden, mein Lieber, weil du am unrechten Rad drehtest." Durch hohe Schneewehen stiegen beide über den Marktplatz. Der Meister blickte auf zur Uhr.„Toll sieht's aus: bei Tages- licht weisen die Zeiger auf zwei. Hier kannst du ermessen, was man durch«inen unachtsamen Augenblick anrichten kann. Die ganze Stadt hört zur Nachtzeit auf die Glockenschläg« der Uhr und alles erhebt sich am Morg«n nach ihrem Kommando vom Lager und eilt zur Arbeit." Ganz unermeßlich erschienen nun Heinrich die Folgen seines Versehens, wofür«r di« schwerst«« Opfer gewillt war auf sich zu nehmen, während' der Alte in verzeihendem Tone weitersprach: müssen wir eben mal zur Notlüge greifen: Bei der mächtigen Kälte ist das Oel erstarrt und di« Regulierungsfedern haben versagt. Verstanden?" „Jawohl!" gab Heinrich froh zurück, obgleich er sich über die Zulässigkeit der Notlüg« nicht recht im klaren war. Jedoch dem guten Allen zu lieb nähm er gexn noch größere Sünden auf sich. Derer st«Heimgang. Heinrich schrill heute fest üb«r di« Ochelbrücke zwischen dem heiligen Nepomuck und der alten Wassermühle zur Stadt hinaus. Federleicht marschierte es sich auf festgefrorenem Wege. Das Wäschebündel unterm Arm, bald singend, bald pfeifend den Stock schwingend, fühlte er sich so recht von oll den kleinen Pflichten befreit. Rechts und links, unweit der geraden Chaussee, lagen ein- som« Dörfchen, deren Hundegebell den stillen Sonntag begrüßte. Recht wichtig, wie wenn er von langer Wanderschaft heimkehre, kam er sich vor.— Welcher seiner ehemaligen Schulkameraden hatte sich schon jemals so weit von der Heimat entfernt.— Die Dummen— haben die überhaupt eine Ahnung, was es heißt: unter fremden Menschen leben?— Nicht einmal in einem fremden Bett haben sie geschlafen— hach, auslachen wird er si«! Wenn er Geselle ist, wandert er nach Glogau, Liegnitz, Breslau und ins' Heuscheuer- gebirge und auf die Schneekoppe. Und die besuchen allenfalls mal in der Kreisstadt den Jahrmarkt oder in Neusalz das Königschießen. Solche Gedanken kürzten Heinrich den Weg. Ueber Neusalz kam di« Sonne herauf. Bäcker- und Schuster- jungen pfiffen durch die Straßen der Vorstadt, wo sie fertige Arbeit zur Kundschaft brachten.— Was sind das alles für elende Handwerke, dachte Heinrich. Kaum vollendet, wird des«inen Arbeit auf- gezehrt und mit der des anderen tritt man gleich in tiefften Schmutz. Ein Bäcker balancierte den Semmelkorb frech auf dem Kopfe. Es war der Blümel, den Heinrich aus der Konfirmandenstunde kannte. Im Winter kam er oft nach Neuhof und bettclle Brot und Kartoffeln zusammen. Er setzte den Korb ob Und gab Heinrich die Hand.„Was lernst du? Tischler? Nö, davor grault ich mir— der stinkige Leim— und Tote in den Sarg legen, nö!— Und dann vier Jahre!— Bist ja dumm— kriegst e viel Trinkgeld?— Was, fünfunddreißig Pfennig in sechs Wochen? Na. da schmiß ich bald hin.— Aber komm, kannst deiner Mutter ein paar Semmeln mit- nehmen." Blümel trat mit seinem Korb hinter eine Haustür und langte fünf Semmeln heraus. Heinrich entnahm sein«?: Pillen- schächtelchen fünfzehn Pfennig. Blümel schob das Geld in die Tasche. „Du, die haste aber billig. Na, weil'? Sonntag ist," und er legte noch eine dazu, als Heinrich die Semmeln in ein reines Taschentuch band. Heinrich machte sich Gedanken— der Blümel behält das Geld bestimmt für sich. Mein Gott, ist der frech— doch immerhin, er wollte gewiß etwas Gutes tun. Und er hatte es nicht vergessen, daß ihm Heinrich oft ein Stück Brot oder ein paar Hände voll Kartoffeln durch die Tür reichte, wenm es draußen eisig stürmte und schneete. Nachdem er die Stadt hinter sich hatte, begegneten ihm viele Bekannte, die zur Kirche fuhren und gingen. Sie schauten sich nach dem jungen Wanderer um, der höflich grüßend die Mütze zog vor den arm«n Häuslern, wie vor den reichen Bauern. Und alle fühlten sich geehtt und erwiderten den Gruß mit Wärm«, als sie in ihm einen Sohn ihres Dorfes erkannten. Förmlich hingezogen fühlte er sich zu all den lieben Menschen, wie wenn es Dater und Mutter, Bruder und Schwester falber wären. Kall und fremd erschienen ihm dagegen die Stadtleut«. trotz ihres freundlichen Wesens. Ein Jauchzer entfuhr ihm— da, zwischen Erlengebüfch leuchtet Fröhlichtischleres rotes Ziegeldach— und gleich daneben der weiße Giebel seines Vaterhauses! Am liebsten möcht« er nun gleich quer- feldein hinüberrcnnen. Eilenden Schrines ging es an den Arbeiterhäuschen seines Schuldorfes vorüber, wo Hundegebell die Neugier der Bewohner wachrief und Mädchen und Burschen ihm einen Freundschaftsgruß zuriefen. Am Bahnwärterhäuschen log die Schranke überm Neuhof«r Wege. Der Zehnuhrzug kam soeben von Glogau herunter- gesaust.„Nu guten Tag, mei Iungang." Die Milchhoffmann hielt mit ihrem Milchwäglein neben Heinrich. Die Alte fuhr alle zwei Tage die Milch von ihren drei Kühen zur Stadt.„Ach, Schwarz- bachs Hein'l?— Schon oier Stunden unterwegs? Iungang, Iungang, so weit in der Welt. Muß das sein? Der Herr Oberamt- mann holt seine Knechte von weither aus'm Polnischen und du mutzt so weit weg. Oh, es wird deiner Mutter noch leid tun. Uns«r Dorf kann doch im ganzen Leb«n keine zwei Tischler dernähren." So lamentierte die Alte, auf deren Wagen Heinrich seine Bündel gelegt hatte und neben ihr an der Deichsel mit zog. Und was aus den N«uhofer Mädeln werden solle, wenn die Burschen alle davon- gingen. Es blieben ohnehin schon genug weg, durch das Soldat- werden. lFortfetzung folgt) Rätsel-Ecke des„Abend". ainiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiinniiuiuuiiiiiiiinifiranainiiiiiiniiniiiuiiinuiiDuaiinJiuiiHiMiiQuuuiuniBiiitiiUJiniiuiiiiuimiitiiiiiiiimiiiiiiimnniiiiiimmiiiiiiiiiiuimiiuiiiiuiiiminiii» Silbenrätsel. 1, 2 sind ein Haustier, die Mehrzahl genommen; durch 3, 4 ist schon viel Unglück gekommen, wenn sie spitz uiüd bös den Nächsten verhetzten und ihn beim Nachbar heruntersetzten. Doch fügt du die Silben zusamm«n gescheit, verbleibt eine leckere Süßigkeit. A. M. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Ital Kompooist: 4. Weibl. Vor- ngme; 7. Abschiedsgruß: 8. Stehendes Gewässer; 9 Personalpronom: 12 Heilkundiger: 14 Wildes Tier: 16. Nebenfluß der Donau; 17 Gattung: 18. Betrüger; 20 Moderner deutscher Schriftsteller; 21. Personalpronom: 23 Kon- junttion: 26. Drückendes Gewicht: 28. Veranügungs- stätte; 29. Weibl Vorname; 30. Geweihte Speise Senkrecht: 1. Reini- gungsmaßnahm«: 2. Ge- wässer; 3 Engl; nein; 4, T llO n I 12 13 Kreuzwortsilbenrätsel. F.S. 8 Voll- Stadt in Franz.: dich: 5. Agregatzustand des Wassers: 6 Zahl; brachte Handlung; 10. Titel; 11. Großes Gewässer: 13 Lettland: 16. Personalpronom; 16. Präposition; 19. Bindewort; 20. Rittertugend: 21 Hoher Priester; 22. Teil des F Klosteroorsteher; 25. Europäer; 27. Fragewort. Rösselsprung. Wa'ens; 24. ch 1 Buchstabe. mp. dl. Versteckrätsel. Zubereitung. Anzeige, Rautendelein. Sindbad. Erlangen. Afrika, überraschend, Wiederholung, Egge, Witterung, Hinterhaus, Blatt- gold, Tiefebene, Zurückhaltung, angesichts, Verlosen, Außig, keinerlei. Rattenplage.— Borstehenden Wörtern ist je eine Silbe zu«nt» nehmen, die aneinandergerecht ein Zitat von Eduard Mörike er» geben. ki. Aus den Silben a ba des bin ed ga gar gen ger irr ke la licht ma ne ne nel nord re ro ru sel son ster ten ti tum ul sind Wörter folgender Bedeutung zu bilden: Wagerccht: 1. altes Schriftzcichen: 3. Blume; 4. berühmter Abenieurer; 8. Pommer- fches Landgestüt: 10. berühmter Schachmeister; 12. Labyrinth: 14. Naturerscheinung; 15. Völkerrasse. Senkrecht: 2. römischer Kaiser: 3. englischer Seeheld; 5. Ort am Rhein: 6. Gesteinsart:» 7. diplomatisches Schriflstück: 9. bekannter Astronom 1°: 10. Fluß in Pommern: 11. männlicher Vorname: 12. Naturerscheinung: ,13. Teil der Scheune. Gilbenkreuz. z An Stelle der Zahlen sind Silben zu setzen, die folgen' — des ergeben: l— 1 Roman von Zola; 1— 4 Faßteil: 2— 4 I 4 Teil des Weinstocks: 4—3 Rübenart; 5— 3 Musikzeichen: 5 j g 5— 6 Drama von Ibsen; 6-3 Anzahlungsbetrag: 6—4; Vogel 2—1—3 Mädchenname V sstenkarlenrätsel. kr. JDurch Umstellen der Buchstaben ist der Lieblingsdichter des Herrn Nernst zu erfahren! K>. lAuflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.! Auflösung der Rätsel aus voriger Rummer. Kreuzworträtsel. Wagerccht: 3. Hund: 4. Adler; 7. Sport; 10. Pah; 12. Auge; 14 le; 16. in: 17 Bon: 18. er; 20 Ar. 21. Anis 23. Nuß; 25 nobel; 27. Unke; 28 Wind.- Senk. recht: 1. Auto; 2. Lenz; 5. Esse; 6. Erni; 8 P 5: 9. Ra; 11. Alpen; 13. Gneis; 15. Pol; 19. Rind: 20. Aula; 22. SO.; 23. ne: 24. Kanu; 26. Mond. Kammrätsel: 1. Thorn; 2. Alzey; 3. Eylau; 4. Udine; S Narew; 6. Emden.— Travemünde. Leisten rät sel: 1. Ahr; 2. Ilm; 3. Ire; 4. Ski; 5 Lee; 6. Nab; 7 Bug; 8. Ems; 9. Alb; 10. Inn; �1. Kor; 12. Gau; 13. See.— Riesengebirge. Silbenrätsel? 1. Serpentine: 2. Stanzerei; Z. Teheran; 4. Salami; 5 Tageszettung; 6. Arkansas: 7. Rente; 8. Kali; 9. Satan; 10. Estrich; 11. Zrene; 12. Rurmi.„Einig sein heißt stark(«in." ». Altrrsritgi. Versammlung Fr-ilag, 30. August, eO Uhr. bei Lenigl, WUHlenstr. öS. Arbeiter sporttartell Friedrichshain. Mittwoch. 28. August, auf dem Soor!- plah ssricdrichshain. Ecncralprodc»um Iubiläumssvortfcst der srTlSB: Ter Uedungsbctrieb ruht an diesem Tage. Montag.. 2. September,«artellfittung, Boxhagener Str. 114. �.... Freie Faltbootiahrcr Berlin. Donnerstag. 20. August, gusammenluint im Sophien-Lnzeum. Weinmeisterstr. 10— 17. um 20 Uhr. Vortrag von Dr. Ziestriepkc:»Die Bedeutung der Bolksbsthne für die Arbeiterschaft". Gäste w.ll- kommen. Fahrten am Sonnabend, dem 31. August: 1. Schnelle öavcl. Auf. bauen 17 Uhr in Lehnig. Führer: Sans Mcner. Sonntagsfahrer kommen»um Savcleck nach. 2. Klein. störis.Aäniqswustcrhausen. Abfahrt 14.-8 Uhr Sörlther Bahnhof bis Teupih-Eroh.Köris. Führer: üropold Sorn. 3. Sonntag. 1. Sep. tember. Äönigswnstcrhauscn.Mohener See lcvtl. Töpchinsec). Abfahrt 0.02 Uhr GSrliher Bahnhof. Führer: Paul Iungblulh. Der Spiel, und Sportabend findet jeden Dienstag in der Turnhalle Müller- Ecke Triftstrahe statt. FTGB., Freikörperknlturfparte. Wegen des Iudiläumssportfestes ist der Besuch des Geländes für die Mitglieder Sonntag, 1. September, gesperrt. Wir treffen uns roll»ählig im Poststadion. Ruderverein B-rwärts. Die für Sonntag. 1. September, angeteht« Intern- Regatta findet nicht statt. Donnerstag, 23. August, Fahrtenansehunz für Sonntag. Tourifteuverein»Die Ratursecunde", Zentrale Wie«. Abt. Pren, lauer Berg: Donirerstag. 23. August. Abendfpaiiergang. Treffpunkt 13 Uhr Pankower Kirche.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 23. August. 20 Uhr, Eunterftr. II. Vortrag— Ab». Südwest: Donnerstag, 23. August. 20 Uhr. Zlorckstr. Ii. Fahrtenerlebniffc.— Raturtundlich« Abt.: Tonnerstag, 23. August, 20 Uhr, IoHanmsstr. 15, Geschäftliches. ASS. Donnerstag Training der Männer ab 18!, Uhr im Luhtenberger Stadion. �(Befchäfts-Jtn&iger (Bezirft füden-'Weften. Riehold«Co.,Bndidrudferef Berlin SO 26— Admiralstraße 29 Spezialität: Kataloge— Broschüren— Zeitschriften Vereinsdruckmalerial ib. si VOLCK& GNÄDIG Reparatur-Werkstatt mit eigener Schweißanlage für graph. Maschinen Rotations-, Tiefdruck- und Offsetmaschinen liRizüge kompletter Druckereien st. 43! Berlin SW 61, Gitschiner Str. 15 Tel.: F I. Mpl. 15383.— Nachtanruf; Q 5, Südring 323 und F 2, Neukö In 4653. Maierhülie Berlin G.m.to.N. VORMALS MALEREIGENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET III N018, LANDSBERGER ALLEE38-39 FERNSPR. 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