Morgenausgabe Donnerstag ie.WmH.. Vif 29. August 1929 11 OOGO» � �2!-'°� .wichli-blich so?fg.?z°,!z-iwng� Wo Jm■■ r W W■■ H■ s/ Mr 72 Psg. Poftbeslkllgebühren. ilu-Iund»- 57�WW|H w} p—-Y/ abonncmtm 6.— ÜK. pro Sisnot ÄBBH I ifl WW M) WW/ Ste•(■|y«ltt|< Konpacrfntjtflt ■—■|Bl M ISftnnig. JttflameitU« 4.— Reich». ▼rlH 1 W■ H �fli Hl H H■ H W»art.„Kletne Anzeigen' d°- I«ig� H M MM M> WMP MMM I IMs InTfiÄÄ'C�Ä■jJ Wi. A\ I»ott'u Ks-nn.�'??« �e...» Won Ad.nd" Zllusmen. Beilagen.B°» Jähf/n"«8'®0"'"tl" Ä g*m,*ät*4* ttf ÄA Ue60�%K|�mifitna"tÄ� 6&äs..äi? �fyffwy VpWAbßst� Jenteakorsan der Sozialdemoörattschen Vartei DeuiLchNmds Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Telegromm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. V. Zcd. Haag, 28. August.(Eigenbericht.) Am Mittwoch nachmittag wurde von 3 bis 7� Uhr mit außer- ordentlicher Zähigkeit vor allem um die Anrechnung der Be- satzungstosten gerungen. Es muß leider festgestellt werden, daß die Engländer in diesem Punkte, obwohl sie daran nur wenig interessiert sind, bisher gegen Deutschland gestanden haben. S n o wd« n setzte sich dabei mit seiner eigenen Rede in der Finanz- kommission in Widerspruch. Damals hatte er den Anspruch Deutsch- lands anerkannt, die Besatzlingskosten auf die 3 Millionen anzu- rechnen. Indessen geben die deutschen Vertreter nicht nach. Der Wortlaut des Sachoerständigenberichtes bezüglich der Verwen- dung der 300 Millionen Ueberschuß der Dawes- über die Poung- Raten ist leider so unklar, daß Deutschlands Verzicht auf diese Summe schließlich unvermeidbar sein dürfte. Aber er ist immerhin klar genug, um keinen Zweifel daran zu lassen, daß die Besatziingskosten ab l. September darin enthalten sein müssen. Deshalb ist die deutsche Delegation entschlossen, um diesen Betrag bi» zukehl zu kämpfen. Sein« Höhe läßt sich nur abschätzen, denn sie hängt von dem Tempo der Räumung ab. Die bisherigen Schätzungen der einzelnen Dele- gationen weichen etwas voneinander ab; es dürft« sich ungefähr um 50 Millionen handeln. Da bis 7',Ä Uhr«ine Einigung nicht erzielt war, mußte die Be- tatung abgebrochen werden, weil die englisch« Delegation ein Diner zu Ehren der übrigen Delegierten gab. Di« Gastgeber und die Gäste treten um Vbll Uhr im Konferenzgebäude wieder zusammen. Die Deutschen haben zu verstehen gegeben, daß sie nicht gewillt sind, unter dem Druck der Zeit auf den Teil ihrer Zlnsprüche zu verzichten, dessen Berechtigung außer Zweifel steht. Ebenso muß sich Briand darauf gefaßt machen, daß Deutsch- land sich durch keine Abreisestimmung dazu hergeben wird, unan- nehmbaren Räumungsterminen zuzustimmen. Man ist sich zwar in den letzten Tagen in dieser Frage näher gekommen, aber die kämpfe um einen früheren Endtermin der Räumung werden am Donnerstag weitergehen. Es muß damit gerechnet werden, daß die endgültige Einigung in allen Fragen erst am Donnerstag erreicht und in einer Plenar- sigung am Freitag festgestellt wird. Nach übereinstimmenden Berichten aus- französischer und eng- lischer Quelle artete in der Nachmittagssitzung der Streit um die Bssatzungskosten in einen förmlichen Radau aus. Zunächst wurdxn sehr scharfe Reden, besonders von Dr. Wirth und von Briand gehalten. Ziemlich drastische Ausdrücke, die Wirth bezüglich der Besatzung gebrauchte, riefen eine geharnischte Antwort Brionds hervor— der alt« Kater zeigte wieder einmal seine Krallen. Er soll unter anderem ausgerufen haben:„Ich bin ein friedfertiger Mensch, aber ich kann auch furchtbar werden!" S n o w d e n verleugnete kaltblütig lächelnd seine eigenen Acußerungen von drei Wochen zuvor, was ihm von deutscher Seile recht deutlich vorgehalten wurde. Henderson wurde wütend, Strelemann wurde pathetisch und versuchte. Briand aus bestimmt« Termine sest- zirlegen. Briand wich jedoch abermals aus, weil er ja erst nach gesicherter Annahme des Young-Planes seine Räumungsdaten be- knnntgfben will. Schließlich redeten so ziemlich olle durcheinander. E» war die erregteste und konsusest« Beratung seit� dem Beginn der Konferenz. Um der Verwirrung ein Ende zu machen, zogen sich die Deut- schen zu einer internen Beratung zurück. Da den anderen allmählich diese deutsche Besprechung zu lange dauerte und übrigens di« achte Stunde nahte, zu der die Engländer ihr« ausländischen Kollegen zum Essen eingeladen hatten, verließen zunächst Snowden und Henderson dos Konferenzzimmer: bald folgten ihnen die übrigen Delegierten. indem sie den Deutschen mitteilten, daß es wohl besser sei, die Besprechung nach dem Essen weiterzuführen. Also kaum dreiviertel Stunden, nachdem sie sich gehörig angeschrien hatten, saßen die TZerhandlungsgegner wieder friedlich und in festlicher Abendkleidung an gemeinsamer Abendtafel beisammen. Seit 10J4 Uhr verhandeln sie wieder in den Salons der englischen Delegation im Grand Hotel. Begeisterter Jubel in London. London. 28. August.(Eigenbericht.) Die Nachricht von Snowdens Sieg im Haag ist in London mit Begeisterung, aber auch mit einem deutlichen Gefühl der E r. l e i ch t e r u n g ausgenommen worden. Die Politiker aller Rich- turrgen stimmen durch Interviews in den allgemeinen Chorus der Freude ein, und es ist sicher, daß Snowden bei seiner Rückkehr nach Vorwäris-Verlag G.m.b.H. London einen Empfang finden wird, wie er keinem britischen Staatsmann seit Menschengedenken zuteil geworden ist. So sehr man in England die materiellen Vorteil« der Einigung begrüßt, so ist der allgemeine Jubel doch auch darauf zurückzuführen, daß man in dem britischen Sieg im Haag einen symbolischen Vorgang erblickt. Die konservative„Evening Standard' drückt das so aus, Snowden habe Großbritannien den ihm gebührenden Platz im Rate der Nationen zurückerobert. Der„Daily Herald' betont, daß Snowden vermutlich durch die Lorbeeren nicht übermäßig er- jchüttert sein dürste, die ihm heute von einer Presse gereicht würden, die in der Vergangenheit kein freundliches Wort über ihn zu sagen vermochte. Snowden habe seinem Gerechtigkeits- gefühl nach gehandelt und er werde genau so handeln, wenn es darauf ankomme, Geld für die großen Pläne flüssig zu machen, di« von der gegenwärtigen und von zukünftigen Arbeiterregierungen durchgeführt werden würden. Wie immer sich Snowdens Haltung außenpolitisch auswirken möge, eins sei sicher, daß die Arbeiter- regierung infolge seiner und Hendersons Erfolge im Haag im all- gemeinen Bewußtsein auf ein« Weise gefestigt ist. wie es selbst in den ersten Wochen nach dem Wahlsieg der Arbeiterpartei undenk- bar geschienen hätte. Wie der Haager Korrespondent des„Daily Herald' berichtet. stick» bei der britischen Delegation ungezählt« Glückwunsch- telegrgmme eingetroffen, darunter ein Tdlegramm M a c d o- n a ld s, in dem er Snowden zu seinem Erfolge gratuliert. '. parisef Situationsbericht. ',, Paris.?8. August.(Eigenbericht.) Die vorläüsige Einigung der Glöubigermächte im Haag wird von der Presse mit einem heiteren und einem nassen Auge begrüßt. In die allgemeine Freude über den glücklichen Ausgang der Kon- ferenz hat der eklatante Sieg, den Snowden durch seine Hart- näckigkeit davongetragen hat. einen bitteren Wermuttropfen fallen lassen. Ein« Meldung des Sonderkorrespondenten des„Temps' läßt darauf schließen, daß auch Deutschland Opfer zugemutet werden. Danach soll unter den England gemachten Konzessionen, zu denen die Zustimmung Deutschlands erforderlich ist, auch die sein, daß 79 Mil- lionen Mark, die Ende August aus den Eisenbahnybligationen fällig sind und im September zur Verfügung des Generalagenten stehen, auf die am 31. August zu Ende gehende letzte Dawes-Annuität ver- rechnet und dem Ueberschuß der Dawes- über die Poung-Raten zu- geschlagen werden sollen. Deutschland habe jedoch gegen diesen Vor- schlag sowie gegen die von den Gläubiger-Delegationen in Aussicht genommene Regelung der Besotzungskosten für die Zeit nach dem 1. September„nachdrücklich st en Vorbehalt" erhoben. Haagfilme in Paris unier Zensur! pari». 28. August. Um Zwischenfälle bei der Vorführung von Haager Konferenz- filmen zu vermeiden, läßt der Polizeipräfett die Polizeikommissariate auf die Lichtbildtheaterbesitzer einwirken, damit solche Szenen g e- st r i ch e n werden, in denen Snowden sichtbar wird. In mehreren Pariser Kinos wurde schon gepfiffen, geschrien und das Verschwinden des Bildes gefordert, als der„eiserne Schatz- kanzler' Snowden auf der Leinwand erschien. lind die Militärs kommandieren weiter. Wiesbaden. 28. August.(Eigenbericht.) Die englische Besotzungsbehörde hatte vor einiger Zeit die Ge- nehnngung für Rundflüg« auf dem Wiesbaden-Main.zer Flugplatz erteilt. Hierzu wurde auf dem Flugplatz eine 1500 Quadratmeter große Flugzeughalle errichtet. Nunmehr hat das englisch« Ober- kommando in Wiesbaden die Rundflüg« oerboten und dem Flieger ein Ultimatum gestellt, innerhalb 21 Stunden von dem Ver- kehrslandeplatz abzufliegen. Oeutfchnaiionale in Paris. Verhandlungen mit dem„Erbfeind'? Die„Nationalliberale Korrespondenz' teilt mit:„Die deutsch- nationale Pressestelle ist anscheinend durch unsere Andeutung von gewissen Angeboten in Paris sehr schwer getroffen wor- den. Sie oerbreitet eine Mitteilung, nach der unsere Meldung un- wahr sein soll und macht uns den Vorwurf der Verleumdung. Dieser Vorwurf ist allerdings zeitlich begrenzt, er soll nur solange gelten. bis die Namen der in Betracht kommenden Männer g e n a n n t s e i e n. Die deutschnationale Pressestelle darf versichert sein, daß zu gegebener Zeit ihr Wunsch erfüllt werden wird. Sie wird dann Gelegenheit erhallen, über den beleidigenden Vor- wurs der Verleumdung noch eingehend nachzudenken." Die britische Frau Arbeilsminister Margaret Dondsteld hat sich beim Boden am Strand der Grafschaft Eormoall das Fußgelenk gebrochen. Postscheckkonto: Berlin Z7öZK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten nnb Beamten, Wallstr. KS. DiZkonto-Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstr S. Klaffenkampf um Arbeiterschuh Zeitgemäße Erinnerungen „Wenn«< keine Sozialdemokratie gäbe und w«nn nicht eine Meng« sich vor ihnen fürchtete, würden die mäßigen Fortschritt«, die wir überhaupt in der Sozial- reform bisher gemacht haben, auch noch nicht existieren." Bismarck am 26. November 1884. In der Tat! Alles, was in Deutschland an sozialpoliti- schen Errungenschaften existiert, ist einem kurzsichtigen Unter- nehmertum und seinen politischen Trabanten in schweren Kämpfen abgerungen worden. In diesem Augenblick, in dem die Sozialdemokratie in einem neuen schweren Kampfe um die Erhaltung der kaum erst geschaffenen Arbeits- losenpersicherung steht, lohnt ein Rückblick. Sichtbarer Ausgangspunkt der deutschen Sozial- Versicherung ist die berühmte Thronrede vom 15. Fe- bruar 1881, die eine Versicherung der Arbeiter gegen die Folgen von Unfällen und Arbeitsunfähigkeit ankündigte. Der Vizekanzler Graf Stollberg-Wernigerode begründete diese Maßnahme als eine Vervollständigung des Schutzes gegen sozialdemokratische Bestrebungen.„Die bis- herigen Veranstaltungen', gestand er,„welche die Arbeiter vor der Gefahr sichern sollten durch den Verlust ihrer Arbeits- fähigkeit infolge von Unfällen oder des Alters in eine hilf- lose Lage zu kommen, haben sich als unzureichend erwiesen." Diese Unzulänglichkeit habe nicht wenig dazu beigetragen, die Arbeiter dahin zu führen in der Mitwirkung an sozialdemo- kratischen Bestrebungen den Weg zur Abhilfe zu suchen. Der Staat sei aber— man höre!— nicht lediglich eine zum Schutz der besitzenden Klassen erfundene Institution. Wenn mit den angekündigten Vorlagen ein sozialistisches Element in die Gesetzgebung eingeführt werde, so sei darauf hinzuweisen, daß namentlich die gesetzliche Regelung der Armenpflege ein sozialistisches Motiv in sich schließe, und in Wahrheit handle es sich bei den Maßnahmen, welche zur Verbesserung der Lage der besitzlosen Klassen ergriffen werden könnten, nur um eine Weiterentwicklung der Idee, welche der staatlichen Armenpflege zugrunde liege. Mit solchen Argumenten mußte das kaiserliche Deutsch- land seine nicht allzu ernsten Absichten auf„Weiterentwick- lung der Armenpflege" vor den besitzenden Klassen ent- schuldigen. Die Erlasse vom 4. Februar 1896 stellten einen weiteren Ausbau der Arbeiterversicherungsgesetzgebung in Aussicht. Es fei eine der Aufgaben der Staatsgewalt, die Zeit, die Dauer und die Art der Arbeit so zu regeln, daß die Erhaltung der Gesundheit, die Gebote der Sittlichkeit, die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Arbeiter und ihr Anspruch auf gesetzliche Gleichberechtigung gewahrt bleiben. Die staatlichen Bergwerke sollten Musteranstalten werden. Von diesen Erlassen wurde behauptet, sie seien vom Wunsche nach einem Erfolg der„staatserhaltenden" Parteien bei den damals bevorstehenden Wahlen diktiert gewesen. Möglich indes, daß auch andere Gründe mitwirkten. Bismarck suchte die Erlasse Wilhelms II. zu„mildern" und fügte noch die Einberufung einer internationalen Ar- beiterschutzkonferenz hinzu.„Ich dachte, diese internationale Konferenz sollte gleichsam ein Sieb sein, eine gewisse Hemmung des humanen, arbeiterfreundlichen Elan unseres Herrn." Die Konferenz, die Mitte' März 1890 in Berlin zu- sammentrat, wirkte denn auch wie ein Sieb: ihre Ergebnisse waren gleich Rull. Auch bei den Erlassen kam nichts heraus, im Gegenteil, nachdem sie als Wahlparole versagt hatten, schwand das Interesse der Regierung an ihrer Durchführung vollends. Weil die„freudige Mitwirkung der Unternehmer- klaffe fehle, erklärte Graf Pofadowfky einige Jahre später, am 13. Dezember 1897, daß er keine neuen sozialpolitischen Gesetze vorlegen werde. Statt dessen wandte sich der Graf an den Zentraloerband Deutscher Industrieller mit der Bitte, die Industrie möge ihm 12 VV0 Mark zur Agitation für den Entwurf eines Gesetzes zum Schutze des gewerblichen Arbeits- Verhältnisses, der berüchtigten Zuchthausvorlage, zur Verfügung stellen. Später vollzog sich an Posadowsky eine Wandlung, aber je mehr er sich sozialreformerischen Gedankengängen näherte, desto lauter tobte die Hetze der Unternehmerpresse gegen ihn. Als es sich um die Einführung des Z e h n st u n d e n- tag es drehte, erklärte der Vertreter der königlich preußi- schen Regierung sie für unannehmbar. Arbeiter, denen Gott die Kraft gegeben habe, länger als IV Stunden zu arbeiten, dürfe man nicht daran hindern. Sehr viele Männer in leitender Position hätten diese durch lange 2lrbeitszeit erworben. Der Mann wurde gefragt, wie viele Ueberstunden ein Arbeiter machen müsse, bis er in den Besitz eines Hoch- ofens komme. Die Zulassung von Sicherheitsmännern im Bergbau wurde auf einer Unternehmerkonferenz im Januar 1908 im Berliner Palasthotel als„weiße Salbe" be- zeichnet: die Herren machten sich darüber lustig. Der Ge- Heime Bergrat Uthemann protzte:„W irsinddieHerren im Hause, und wir lassen die Arbeiter nicht hineinreden Drücken Sie dem Minister den Herrenstandpunkt ins Auge." Kampf im Haag dauert an. Llm Oawes-Lteberfchuß und Besahungskosten. ttnb ols«s fin Jahre 1P10 um den Bergnrbeiterschutz gfng, meinte der Staatssekretär Delbrück: Ausgleichende(Berechtig» feit werde nur geübt, wenn die Regierung die Wünsche der Arbeiter nicht ersülle, die„Zcchcnherren" seien nur zu einem kleinen Teil Eigentümer des Kapitals, das in den Zechen arbeitet: das Kapital sei verteilt durch das ganze deutsche Volk, in der Hand kleiner Rentner, in der Hand armer Witwen, in der Hand von Waisen und Vormündern� Das stimmt heute noch weit weniger als damals. Der Zentraloerband Deutscher Industrieller klagte, durch die immer fortschreitende Vermehrung der Lasten der Versicherung werde nicht nur die AussuhrmSglich- kcit, sondern schließlich auch der Bestand der Industrie über- Haupt in Frage gestellt. Er bekam von den Sozialdemokraten die Antwort, seit bald 30 Iahren werde unsere Industrie nach der Ansicht des Herrn B u« ck durch Versicherungs» und Arbeiterschutzgesetze zugrunde gerichtet, aber die Industrie sei nicht allein nicht umzubringen, sondern sie habe sich besser«nt» wickelt als in irgendeinem Land« Europas, wo weniger der» artige„industriefeindliche' Gesetze gemacht werden. Der Dresdener Gewerkschaftskongreß erklärte in einer Resolution, er erachte den Einwand aus Unternehmerkreifen, die Indu- strie werde bei weiteren Ansprüchen auf dem Gebiete der Sozialpolitik ihre Konkurrenzfähigkeit einbüßen als unbe- gründet. Er behielt damit, wie die ganze Entwicklung zeigte, recht. Erinnern wir uns dieser Kämpfe aus vergangener Zeit, so ergibt sich daraus für uns zweierlei. Wie in der Republik so hat schon im Kaiserreich das Unternehmertum jede Regie- rung und jeden Sozialminister mit ihrem Hasie beehrt, die— aus welchen Gründen immer— der Arbeiterschaft einen ge- wissen Schutz gegen schrankenlose Herrenwillkür gewähren wollten. Und wie heute haben auch schon damals Sozialdemo» kratie und Gewerkschaften die Bedeutung einer fortschreiten- den S o z i a l r e f o r m für den Klassenkampf der Arbeiter erkannt und dementsprechend gehandelt. Ohne die positiven Erfolge, die sie ermngen haben, wäre es nicht möglich ge- wefen, einen Stamm hochqualifizierter Arbeiter zu schaffen und die deutsche Wirtschaft auf die Höhe zu bringen, auf der sie sich befindet. Ohne diese positiven Erfolge wäre die Ar- beiterklasse aber auch nicht in der Lage, ihre" Macht der des Unternehmertums als ebenbürtig entgegenzustellen. Die Geschichte widerlegt alle Behauptungen der Sozial- reaktion. Sie gibt denen recht, die fern von einem scheinradi- kalen Sozialrevoluzzerwm, für die praktische Machterweite- rung der Arbeiterklasse gekämpft haben und weiterkämpfen. Kein faules Kompromiß! Die Verhandlungen um die Arbeitslosen. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags hat sich am Mittwoch, ohne die erst« Lesung des Gesetzentwurfs über die Arbeitslosenversicherung zu Ende geführt zu haben, auf Donnerstag nächster Woche vertagt. Die Pause ist auf Wunsch des Zentrums eingelegt worden, um den Mitgliedern der Zentrumsfraktion Gelegenheit zur Teil- nähme am Katholikentag in Freiburg und an einer gleich- zeitig stattfindenden Tagung der Reichstagsfraktion des Zen- trums zu geben. Als man diese Dispositionen traf, ging man von der Annahme aus, daß die erste Lesung des Entwurfs bis zum Eintritt der Pause beendet sein werde. Das ist jedoch nicht der Fall. Eine interfraktio- »elle Besprechung, die sich mit den unerledigten großen Streitfragen beschäftigt«, hat zu keiner Einigung ge- fuhrt und mußte ergebnislos vertagt werden. In dieser Besprechung standen vor allem vier Fragen zur Erörterung: die Anrechnung der Sozialrenten, die Verlängerung der Wartezeit, die Neuregelung der Saisonarbeiterbezüge und die von den Unternehmern verlangte allgemeine Herabsetzung der Unterstützungssätze durch die Abstufung nach der Dauer der 'Anwartschaft. Außerdem wurde die für die Sanierung der Arbeitslosenversicherung wichtige Frage erörtert, welche Er- sparnis durch die bisherigen Beschlüsse über die Beseitigung von Mißständen erziest werden. DI« Hauptmeinungsverschiedenheit besteht nach wie vor wegen der allgemeinen Herabsetzung der Unter- stützungsleistungen nach der Dauer der Anwartschaft. Sozialdemokraten und neuerdings auch Demo- k r a t e n lehnen die darauf abzielenden Vorschläge der Unter- nehmerorganisationen ab, während das Zentrum und die Bayerische Volkspartei sie in einem gewissen Ausmaß für vertretbar halten und die Deutsche Volks- Partei ihr« restlose Annahme fordert. Sie will auf diese Weis« jede Beitragserhöhung oermeiden, also die finanzielle Sanierung der Arbeitslosenversicherung allein durch Abbau der Leistungen erzielen. Angesichts dieser starken sachlichen Gegensätze versprechen weitere Verhandlungen zwsschen den Sozialpoliti- kern der Regierungsparteien kaum«inen ne'nnens- wertenErfolg. Zwischen dem Standpunkt der Deutschen Volkspartei und dem Standpunkt der Sozialdemokratie klafft ein Gegensatz, der nur durch ein« politische Entscheidung gelöst werden kann. Sanierung der Arbeitslosenversicherung durch Abbau der Leistungen oder durch Erhöhung der Ein- nahmen, das ist die entscheidende Frage. Für die Sozial- demokrati« ist nur der letzte Weg gangbar. Mit dieser Tatsache sollten auch diejenigen rechnen, die bisher ge- glaubt haben, durch ein faules Kompromiß die Gegensätze überbrücken zu können.__ Sie prügeln sich weiter. / politische Zusammenstöße in Harburg. Harburg. 28. August. Bei der im Schützenpark abgehaltenen, von niitd 1000 Personen besuchten nationalsoziakistischen Versammlung kam es zu s ch m e r e n Zusammenstößen mit Kommunisten, bei denen insge- samt zwölf Personen verletzt wurden. Vier von den Verletzten mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Auch Polizcibcamt« sind angegriffen worden. Bei der später durchgeführten Durchsuchung der Versammlungsteilnehmer sollen bei dem Hamburger Bürger- lchaftsmitglied 5)üttmann ein T o t s ch l ä g e r und bei einem anderen Hamburger Nationalsozialisten ein Gummiknüppel gefunden worden sein. Zum Schlagen und Werfen wurden im übrigen die zertrümmerten Tische und Stühle benutzt. Abgeordneter Erkelenz, der bisherige Vorsitzende der demokrati- ichen Partei, hat dem Vorstand seine Absicht mitgeteilt, auf dem Parteitag in Mannheim von seinem Posten zurückzutreten. Erkelenz ist seit llängerer Zeit leidend. Sein Gesundheitszustand zwingt ihn zur Demission, Seipel versucht ein Mbi. Kölsche Beschuldigungen gegen die Sozialdemokraiie. Frankfurt a. 28. August. lEigenbericht.) Die„Rhetn-Mainische Voltszeitung' veröffentlicht ein vier Spalten langes Interview mit dem früheren Bundeskanzler Seipel über die innere Lage Dcutfchö st erreich?. Nach theoretischen Sätzen über positive und konstruktive Frisdarssicherung beschuldigte Seipel die Sozialdemokratie, seit Iahren auf die Straße gegangen zu sein, wenn ihr die anderen Parteien nicht zu Wille» gewesen wären:.Es ist kein Wunder, daß andere— Sie werden mir glauben, daß ich nicht an der Wieg« dieser Bewegung ge- standen hob«— auf die Idee kamen, o u ch in den Straßen aufzu- ziehen.' Zwar habe sich die Sozialdeinotrotie das Monopol auf dies« Politik nicht nehmen lassen wollen, aber die Gegenbewegungen wären in Wahrheil nur Etappe» zu« Frieden gewesen. Die österreichisch« Sozialdemokratie habe gegen ihre Gegner stet» Terror angewendet und als sich diese da» nicht hätten gefallen lassen, hätten die Sozialdemokraten«ine territoriale Einteilung des Landes in Parteizonen angetragen derart, daß die Industriegebiete den sozialdemokratischen Demonstrationen, die Land- gebiete der Heimwehr vorbehalten bleiben sollten. Das habe er als Bundeskanzler abgelehnt und jetzt, in der dritten Etappe zum Frieden, habe die Sozialdemokratie stets Gcgenkundgebungen angekündigt, um das Verbot beider Veranstaltungen zu erzwingen. Auch das sei an i h m als Bundeskanzler gescheitert, so auch am 7. Oktober v. I., den er zu einer Demonstration für die Stärke der Staat»- gemalt umgewandelt habe. Seipel beschwert sich dann, man habe ihn zu einem Friedensfeind gestempelt, well er sich eln paarmal zu der helmwehr bekannt und von einem positiven Inhalt dieser Bewegung gesprochen habe. Vergeblich werde man aber in feinen Reden ein Schimpfwort oder eine Drohung suchen. Der Sinn seiner Reden sei gewesen, Beim- ruhigungen zu beseitigen oder abzuschwächen. Wer einer Bewe- gung, wie der Heimwehr, die unter Umständen auch ge« fährlich werden könnte, einen geistigen Inhalt zu geben und zugleich die Methoden aufzuzählen versuche, durch die die Ziele einer Volksbewegung auf durchaus demokratischem Wege verwirklicht werden könnten, der dien« dem Frieden mehr als der, der nur gewisse Symptome der Krankheit behandle, asso ge- wisse Demonstrationei unterdrücke, ohne die Beschwerden zu beheben, gegen die sich die Demonstrationen richten. Seipel tritt dann für eine Erhöhung der Rechte des Bundeskanzlers und für eine Verfassungsänderung ein. Da» sei nicht sein ureigenster Gedanke, sondern solche An- träge seien von den Bundespräsidenten Hainisch und Mikla» be» reit» früher gefordert worden, und wenn sich die Sozialdemokratie dagegen sträube, so stellte sie sich an die Seite der Imperiali» st e n(!), die durch Säbelrasieln den Gegner zum Schweigen bringen wollten. Alle» in allem, so schließt Seipel, bin ich Optimist. Oesterreich wird von gefährlichen Erschütterungen verschont bleiben, wenn alles da», wa» in Oesterreich und auch in seiner Verfassung problematisch ist, al» Problem behandelt wird. Zum Schluß antwortete Seipel auf«in« Frage des Ausfragers nach seinen Methoden:.Ich bitte Sie. Sie wissen doch, ich bin ein Pro- fesso r. Meine verschiedenen Red« n über Denwkratie und ähn« liche Themen bilden alle zusammen ein Kolleg, das noch nicht abgeschlossen ist. Ein richtiger Professor sagt doch nicht alles, was er weiß, in einer einzigen Vortesungsstundc. Die Fortsetzungen meines Kollegs über Demokratie werden schon noch in onge- messenen Zeiträumen kommen.' Herr Seipel wirft unseren Freunden in Deutschösterreich Terror und Sucht für Umzüge vor. In Wahrheit ist den Ant:- sozialisten n i e eine Demonstration oerwehrt oder gestört wor- den. Die„geistige' Heimwehrbewegung hat— als neueste Friedensetappe— ein Arbeiter f e st von seinem Platz oer- trieben und es dann noch überfallen. Das oft betonte Ziel der Heimwehrführer ist die Abschaffung der Demokratie, die Entrechtung und Knebelung der sozialistischen Massen, also fast der Hälfte des deutschösterreichischen Volkes. Herr Seipel aber, der die Verfassung der Republik mehrmals feierlich beschworen hat, und der in dem Ausfall gegen die „Symptombehandler" den Bundeskanzler Streeruwitz lächerlich machen will, bekennt sich zu dieser Heimwchr. Er sei ihr neidlos gegönnt! Blutvergießen im Lordanland. Die Vorgeschichte des Bürgerkrieges. Unser Orientkorresoondent schickt un» folgende Beob- achtungen, die wir leider mit Verspätung erhalten. Sie klären über die Vorgeschichte des Blutvergießens in Palästina auf. Jerusalem, Mitte August.(Eigenbericht.) Di« Verschärfung der s«lt einem Jahr andauernden Spannung zwischen Inden und Mohammedanern über das Gebctsrccht an der Klogemaucr hat sich in den letzten Wochen unter der Einwirkung geheimer Einflüsse und einer hemmungslosen Pressekampagne in Zwischenfällen ausgewirkt, die Schlimmere» befürchten lassen, wenn die Palästina- regierung nicht schnell und entschlossen eingreift. Chronologisch haben ssch die Ereignisse folgendermaßen abge- spielt: Die jüdisch-faschistische Jugendorganisation „Brith Trumpeldor' ersucht« die Regierung um die Genehmigung zu einer Straßendemonstration am 9. Ab, dem Jahrestag der Zer- störung Jerusalems durch den römischen Kaiser Titus. Trotz der Bedenken verantwortlicher jüdischer Stellen erteilt« die Re» gierung die Erlaubnis zu der Kundgebung. ISO bis 200 aus ganz Palästina zusammengetrommelt« Teilnehmer, meistens Schüler, durchzogen die Stadt unter Schmährufen gegen die Regierung. Der wenig imposant« Eindruck des Zuges wurde durch fein« Eskorte— ein starkes Polizeiaufgebot— noch gesteigert. Das provozierend« Auftreten der Faschisten, die unter den Juden Pa- lästina» nur ein« verschwindende, sich durch lautes Geschrei be- merkbar machend« Minderheit bilden, wurde allgemein als der Auf- takt zu einer arabischen Gegendemonstration empfunden, und aus diesem Grunde von der jüdischen Oeffentlichkeit auch scharf oerurteilt. Für den nächsten Tag, den Vorabend des mohammedanischen Feiertags Mauled Ednebi(Geburtstag des Propheten), erhielten die Mohammedaner die Erlaubnis zu einer Kundgebung mit einem Zug nach der Klagemaucr. Das geschah zu einer Zeit, als noch jüdische Beter dort waren, die von etwa 1000 Mohammedanern mit Stöcken und Eisenknüppeln b c- droht wurden. Die Ueberfallenen konnten sich nur mit Müh« in Sicherheit bringen. Der Tempcldiener,«in eingeborener Jude, wurde von der Menge mißhandelt. Die Sullusgeräte wurden teil» verbrannt,«eil» enkwcndel. Am nächsten Tage wurden all« Versuch« zu Kitndgebungen durch die Polizei unterdrückt. Die anfängliche Passivität der Polizei oer- wandelt« sich plötzlich in eine wohltuend« Energie. Inzwischen hatte sich die Spannung in der Stadt derart gesteigert, daß bei Juden wie bei Mohammedanern ernsthafte Befürchtungen sür die Sicherheit Jerusalems aufkamen. Tatsächlich überfiel in dem zum größten Teil von Juden bewohnten Bucharerviertel in de? Näh« des Maktabbi-Fußballplotze« ein Trupp Mohammedaner zwei kurdisch« Juden. Zwischen diesen Arobern und zu Hilfe eilenden Fußbollspielern kam es zu einer blutigen Schlägerei, bei der sieben Juden und ein?sraber schwer verletzt wurden. Die Furcht vor einem jüdischen Gegenangriff war unier der arabischen Be- völkerung des Stadtteils so stark, daß sie panikartig anfing, ihr« Wohnungen zu räumen. Die Nachricht von den Vorgängen, die sich blitzartig im Lande verbreitete, hat In ganz Palästina große Erregung und heftig« Kritik hervorgerufen. Einsichtige Juden und Mo- hammedaner sind sich über das llnersreuliche dieser Vorgänge voll- kommen einig. Die öffentliche Meinung verurteilt das Verhalten der Regierungsstellen, die sür das Zustandekommen der beiden Demonstrationen verantwortlich sind, auf das Schärfst«. Ttoch kein Snde. C a n d a n, 28. August.(Eigrnberfchl.) vir neuesten Meldungen au» Jerusalem sagen, daß die Unruhen In Polästina mit wechselnder Heftigkeit andauern. Zu neuen ernsten ZwifchenfAlea Ist es besonder, tu Hais« gekommen. Die' Araber drangen hier plündernd und brandstijtend in die jüdischen Bezircke Haret Elyahut ein. wurden jedoch durch britische Matrosen zurück- geschlagen. Ein versuch de» stellvertretenden britischen Obertommissar» von Palästina, die religiösen Führer der Mohammedauer zu eine« mäßigenden Einwirken zu veranlassen, soll gescheitert sein. In- zwischen treffen In Jerusalem ständig TruppenverstSrkun. gen ein. Am Mittwoch wurden 800 Mann von einem britischen Schlachtschiff in Jaffa gelandet. Die von Aegypten entsandten Truppen werden stündlich erwartet. Ja Haifa ist der Ausnahm«- zustand proklamiert worden. Die»an Haifa noch Beyruth(Frau- zösisch-Syrien) führend« Straße ist gesperrt. Die mliitäri- sche Zensur wird noch wie vor überau, streng gehaudhabt und ist Gegenstand lebhafter Proteste der britischen und anderen Zaur- natistcn. Jüdische Freiwillige aus llGA. Washington. iL. August.(Eigenbericht.) 1 Di« Organisation der südischen Kriegsteilnehmer hat beschlossen« wegen der Vorgänge in Polästina ein« Freiwilligen- Legion von 10 000 Mann aufzustellen und sie gegebenenfalls m das Heilig« Land zu entsenden. Dem britischen Botschafter in Washington wurde ein entsprechendes Angebot zur Weitergabe an die britische Regierung übermittelt. Südiirolisches aus pommeretten. Die Jagd auf deutsche Privatlehrer. Bromberg. 28. August." Das Hau» des Buchdruckereibesitzers Adolf Kietzmann in Kempen wurde um 10 Uhr vormittags von Gendarmen umstellt. Ein Polizist fragte, ohne sich vorzustellen und den Zweck seines Besuches anzugeben, ob im Hause Kinder seien. Als die Frage bejaht wurde— die Kinder übten unter Anweisung einer jungen Dame einen Reigen sür ein Märchcnspicl—, mußte die junge Dame das Zimmer oerlassen, um im Nebenzimmer unter Polizeiaufsicht zu warten. Di« Kinder wurden einem zweistündigen verhör unterzogen. Run begab sich der inzwischen als Stadtkommandant bekannt gewordene Herr nach dem Eßzimmer, um die Noten und Märchenbücher zu revidieren. Daraufhin nahm der Kam- mandant, ohne einen gerichtlichen Auftrog vorzulegen, eine Haus- s u ch u n g vor. Alles wurde untersucht. In die K o ch b ü ch e r wurde hineingesehen, die Modcbläiter kontrolliert! Dabei fiel ein deut- scher Zehnmarkschein besonders auf. Dann durchforschte der Revisor die Speisekammer. Ein Teil der Noteuhefte und Märchenbücher wurde beschlagnahmt. Die jung« Dom« mußte auf das Polizeibüro mitgehen und wurde nach einem Verhör von vier Stunden wieder nach Hause geschickt. Hierauf erschien der Kommandant mit einem Polizisten, um Herrn Kietzmonn zu ver- nehmen. Als dieser daraus bestand, daß seine Aussagen p r o t o- k o l l i e r t werden, entfernte sich der Kommandant, ohne das Proto- koll zu beenden. Iahresseier des Kriegsverzichts. Henderfon über die neue Geschichtsepoche. London, 28. August.(Eigenbericht.)' Der englische Außenminister Hot an den amerikanischen Staats- fekretär Stimson anläßlich des Jahrestages der Unterzeichnung des Paktes zur Aechtung des Krieges ein herzlich gehaltenes Telegramm gesandt, in dem betont wird, daß dieser Tag von den kommenden Generationen als Beginn einer neuen Epoche der Zivili» s a t i o n betrachtet werden würde. Der Tag würde den Vereinigten Staaten in kommenden Zeiten zur dauernden Ehre gereichen. Hugenberg der Cherusker. Er redet am Sedantage im Teutoburger Walde. Der Reichsousschuß für das Volksbegehren zur Verewigung des Dawes-Plans hat am Mittwoch in Nürnberg eine Dorstandssttzung abgehalten. Hilgenberg selbst will am nächsten Sonntag, der als Jahrestag der Schlacht von Sedan gewählt worden ist, die Kampagne gegen den Joung-Plan mit einer Red« eröfsnen. Di« Kundgebung findet am Denkmal Hermanns des Cherus» k e r s im Teutoburger Walds statt. Wer jemals das Glükk gehabt hat, Herrn Hugenberg zu sehen, dem ist seine frappante Aehnlichkeit mit Hermann dem Cherusker ohnehin schon aufgefallen. Daß Hugenberg die Schlacht von Sedan gewonnen hat, ist ebenso bekannt. Es kanu also keinen Würdigeren geben als ihn, am Sedantage im Teutoburger Wald« zu sprechen. Weniger bekannt ist, wo sich Herr Hugenberg heut« vor fünf I a h r e n befunden hat, nämlich an dem Tage, an dem die deutsch« nationale Reichstagsfraktion mit der Hälfte ihrer Mitglieder dem Dowes-Plon zur Annahm« verhalf. Gewiß war er doch in den Reichstag geeilt, mn diese„nationale Schmach' zu verhindern, gewiß hat er gegen die„Versklavung und Auszehrung Deutschlands' wie ein Löwe gekämpft? Die Akten des Reichstages melden freilich etwa» andere«. Herr Hugenberg war, wie gewöhnlich, auch am 29. August 1924 nicht i m R« i ch s t a g. Er war nicht da und sagte weder Ja noch Nein. Es ist bequem, in den Teutoburger Wald zu gehen, wenn kein« Römer mehr da sind und sich am Sedantage zu begeistern, wenn nicht mehr geschossen wird. Aber, wenn es gilt, im Reichstag seinen Mann zu stehen, ist Herr Hugenberg grundsätzlich nicht da! Die Helden des 29. August. Am 20. August 1924 haben in der entscheidenden Abstimmung über de» Dawes-Plan 49 deutschnational« Reichstagsabgeortmetc mit Ja gestimmt, S<1 mit Nein. C haben gefehlt. Hier die Liste! Die Zotfager: Lachmann, Baecker, Barth, Lazille, Lehren», Liener, Fürst Bismarck, Ehrist. Döbrich, Donsch, Dorsch, Dryander, Fietcher, Dr. Gericke, Glaser, Dr. Hanemann, Hänse, Hartwig, Hartz, Hoetzsch, Hülser, Iusier, v. Chemnitz, o. Keudell, Klönne, Koch, Krüger, Lam- bach, Lejeune-Jung, Leopold, Lrndner, Maretzky, Graf v. Merveldt, Mumm, Neuhaus, Paul, Reichert, v. Richthofen, Rippel, Sachs, Schröter, Siller, Spahn, v. Etauffenberg, Strachmann, v. Tirpitz, Aeidt, Logt, Wallraf. Die Aeinsager: Lernidt, Lrttetbamn. Bruhn, Ludjuhn. v. Dewitz, Dietrich, Graf Eulenburg, Everling, v. Freytogh-Loringhoven, Geisler, Gok, v. Goldacker, Graef-Thüringen, Haag, Hartmann. Hemeter, Hensel, Hergt, Iandrey, Laoerrenz, Logcmann, Lohmann, Malkewitz, Manske, Martin, Müller-Otfried, Oberfohren, Ohler, Philipp, Quaatz, Rieseberg, Roth, Schlange-Schöningen, Schmidt-Hannrwer, Schmidt-Stettin, Schott, Schultz-Bromberg, Schulze, v. Sperber, Steiniger, Stubbendorff, Thomson. Treviranus, Wege, Dr. Wer« der, Westarp, Wienbeck, Wischnövski, Wolf-Stettin, Wormit. Gefehlt haben sechs Abgeordnete, nämlich Frau Lehm, Hugenberg, Körner, Lind, Schiele, Weilnböck. Der Vorstand des Vorstands des Ausschusses. Hugenberg» Telegraphen-Union weiß zu berichten: Der Vor- stand des Reichsousschufses für das deutsch« Volksbegehren ti-ot am 28. August in Nürnberg zusammen. Es wurden die für die Einbringung und Durchführung eines Dollsbegehrens gegen die Bcr- inäoung Deutschland» vorbereiteten Maßnahmen beraten und ge> billigt. Der enger« Vorstand wurde zur Durchführung der Ausgaben des Reichsausschusses durch Auwahl ergänzt. Er setzt sich wie folgt zusammen: General der Infanterie Otto v. B e l o w, Dr. Hugenberg, Franz Seldte, Minister a. D. Schiele, Adolf Hitler. Gutsbesitzer Schwecht(Rheinland). Neben Hugenberg auch Schiele? Dir beiden, die am 29. August gefehlt haben? Veriagung des Gozialausschuffes. Sozialdemokratie gibt nicht nach. In der Fortsetzung der Beratung des Sozialen Ausschusse» des Reichstag» über die Arbeitslosenversicherung forderte Abg. Schneider(Dem.) vom Ministerium Berechnung der Er- sparmsse, die infolg« der Beschlüsse des Ausschusses eintreten. Er erklärt, daß er mit der Tendenz der Anträge, die«ine Relation der Unterstützungssätze fordern, übereinstimme. Die Saisonarbeiter würden nicht in dem Unrfang« durch die Neuregelung erfaßt, wie es angesichts des Risikos, das sie für die Ardeitslosenoerficherung be- beuten, notwendig sind: Di« Demokraten behielten sich vor. einen Antrag auf Kürzung der Unterstützungssätze für die Saisonarbeiter einzubringen. Schwarzer(Bayr. Vp.) verlangt, daß weitere Ersparnisse durch Verlängerung der Wartezeit und Anrechnung von Pensionen und Wartegeldern erzielt werden. Ohne eine Beitragserhöhung fei eine völlig« Sanierung der Reichsanstalt nicht zu erzielen. Litk«(Soz.) lehnt die von Schneider(Dem.), Hucck(D. Vp) und Dr. Haßlacher(Dnat.) gebilligte Verlängerung der Wartezeit für die Ledigen und Saisonarbeiter entschieden ab. Diese Lerlänge- rung der Wartezeit hat gesteigert« Inanspruchnahme der Krankenkassen zur Folge. Im letzten Winter haben 806 Krankenkassen mit 6!4 Millionen Versicherten rund 39 Millionen Mark mehr Unterstützung zahlen müssen, wie in der gleichen Zeit des vergangenen Jahres. Die Folgen waren teilweise Beitrags- erhöhungen. Di« Verlängerung der Wartezeit bsdeutet also nicht nur «ine Verschlechterung der Lage der Arbeitslosen, sondern auch«ine neue Belastung der trankennersicherten Bevölkerung. Tremmel(Z.) lehnt eine Sonderregelung für die Saisonarbeiter ab. Gerlach (Soz.) betont gegenüber den voltsparteilichen und den deutsch- nationalen Rednern, daß man auch im Einzelfall« nicht von zu hohen Sätzen in der Wohlfohrtspflege reden kann. Die Gemeinden gewährten nur das Existenzminimum. Wir mehren uns dagegen, daß durch«ine Senkung der Arbeitslosenunterstützung eine Senkung der Sätze der Wohlsohrtspslege vorbereitet werden soll. Die Ber- längerung der Wartezeit bedeutet eine neue Belastung der Ge- meinden. Gerlach fragt das Finanzministerium, ob es daraus beim Finauzausgleich Rücksicht nehmen will. Von ein«? Belastung der Mrtschoift kann kein« Rede sein. Ein Unternehmer mit 10 Beschäftigten zahlt bei einem Wochenlohn von je 50 Mark und Proz. Beitragserhöhung wöchentlich 1,25 Mark mehr. Dos ist die von den Rechtsparteien bezeichnete unerträgliche Belastung der Wirtschaft. Bei den Arbeitslosen hat man keine Bedenken, sogar die Unterstützungssätze von 2,50'bis zu 7 Mark zu senken. De? Ausschuß vertagt sich sodann gegen den Widerspruch der Deeitschnationoleu aas Donnerstag nächster Wachs. Vom kommunistischen Sportfest. �Demonstriert habe« wir, agitiert haben wir, Flugblätter find verteilt-- aber niemand hat sich darum gekümmert. Wir sind direkt gezwungen, uns anständig zu befragen.' Bekenntnis eines Bekehrten. Was ein Kommunist in Rußland sah. Zu denen, die von den Methoden des Bolschewismus Abschied nehmen, da sie den wahren Eharakter der Kommunistischen Inter- national« erkannt haben, ist jetzt ein hervor agender Führer der Kommunisten in Frankreich gekommen. Paul M a- r i o n, der bis vor kurzem Mitglied des Zentralkomi- tee» der ZkPF. war, als Chef der Agitations- und Propagandasek- tio» dieser Partei vorstand, vom November 1927 bis Februar 1929 die KPF. in der Komintern in Moskau vertrat, hat jetzt fein« De- Mission als kommunistischer Führer gegeben. Zu diesem Schritt wurde er getrieben, weil er in den 15 Monaten, die er in Rußland weilte, Dinge gesehen hat, die ihn erschütterten und weil die Politik, die seit dem sechsten Kongreß der Kommunist!- schen Internationole überall von den Kommunisten eingeschlagen werden muß, ihn überzeugt hat, daß der Kommunismus dos Prole- tariat mir noch in Niederlagen hineinführen kann. Er hat seinen Entschluß ausführlich begründet und da» kom- vnmistische Zentralorgan in Frankreich, die' Pariser.Fstunanitö* gebeten, von dieser Begründung den kommunistischen Arbeitern Kennt- ni» zu geben. Die„Ijumanite' Hot das natürlich nicht getan, so daß Paul Marion die Begründung nach einigen Tagen dem Organ der Sozialistischen Partei Frankreich», dem„Populaire', übersandte, der sie veröffentlicht Hot. Das Schreiben lautet in Uebersetzung: An die Mitglieder des Sekretariats der Kommunistischen Partei! Di« Politik, die die Partei unter Ihrer„Leitung' seit fast zwei Iahren„durchführt' und die, nach einer Reih« wiederholter Miß. erfolge, zu dem jSmmerllcheu Zusammenbruch de» 1. August führte, macht es mir zur moralischen und politischen Pflicht, ossen mit der Kommunistischen Internationale zu brechen. Wenn ich der Ansicht wäre, wie ich dies in der Vergangenheit war. daß es sich nur einfach um taktische Irrtümer handelte, hätte ich niemals einen derart ernsten Entschluß gefaßt. Aber«in Aufenthalt von fünf- zehn Monaten(November 1927 bis Februar 1929) in Rußland und «in Zohr Zusammenarbeit in der„kaminlern' geben mir die Gewißheil, daß Ihre demagogische und verderbliche Tätigkeit nicht vorübergehenden Irrtümern entspringt. Sie hat ihren Ursprung in der unweigerlich falschen Ausfassung, welche sich die Führer der Sowjetunion und der International« non der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der Welt, von der Arbeiterbewegimg und der Lage in ihrem Lande selbst machen. In Wirklichkeit erkannte ich nach mehreren Monaten Aufenthalt in Rußland, als ich mich direkt mU den Arbeilern»nd den kleinen Leuten von dort vnlerhalleu konnte.— und stets klarer in dem Maße, in dem ich meine Untersuchung in allen Schichten der somjetistischen Gesellschaft durchführte—, daß hinter der Fassade der Diktatur de» Proletariats und de« Auf- baue» de» Sozialismus, daß hinter dieser wunderbar ausgebauten Fassade(Ich gestehe, daß ich mich zu Reginn genau so wie die andern sangen ließ), sich die grmiiomsie und trostloseste Wirklichkeit verbirgt: die Herrschaft einer Kaste von einigen Millionen Bureau- traten von jeder Art und jeder Sorte— van Stolin bis zum letzten Dorfkorrejpondenten— über ein Land, das durch sie, durch ihre sinnlose Politik und ihr« beunruhigende, inquisitorische absolute Diktatur, die sich mit den Jahren verschlimmert, in seinem wirtschaftlichen und moralischen Elend gehalten wird. Ich sah Arbeiter, die frühere Parteimitglieder waren, einstige revolutionäre Kämpfer des Ottober 1917, die«s elf Jahre später als die größte Dummheit ihres Lebens be- trachteten, getämpjt zu haben,„um die Macht zu ergreifen". Ich sah Techniker, die beauftragt waren, den berühmten„Wirt- schaftsplan für jünf Jahre" aufzustellen, und die sich der Statistiken und dce Prognostiken schämten, die zu verfassen man sie gezwungen hatte, und die mir nun bekannten:„Mit der wachsenden Scheidung. die sich bei uns zwischen Industrie und Landwirtschaft, zwischen Stadt und Dorf vollzieht, marschieren wir nicht dem Sozia- l i s m u s, sondern dem Varkapitalismus entgegen." Es besagt dies alles: Zn Rußland gibt es weder Diktator de» Proletariats, noch Ausbau des Sozioli»mus. sondern Diktatur einer Kaste und Regräbni» de» Sozialismus. Anderseits begriff ich im Eitz der Internationale und weit besser noch im Augenblick de» 6. Weltkongresses, wie schädlich für hie Arbeiterschaft d« Dünkel ift. sie z» leiten, dfeser Dinkel, de» «ine kleine Gruppe Allmächtiger an den Tag legt. denen gegenüber die„Führer" der verschiedenen kommunistischen Parteien nur von ihrer Gnade abhängende absetz- bare Angestellt« sind, diese Gruppe, die den Eindruck er- weckt, in einer irrealen Welt zu leben, in der die Kriege und die Revolutionen stets vor der Türe stehen. Wozu im übrigen näher hierauf eingehen: genügen die mahn- sinnigen Beschlüsse und Thesen des 6. Kongresses der Kommunistischen Inlernationole nicht selbst? So war es mir auch unmöglich, als ich aus Moskau zurückkehrte, nachdem ich all diese Erschütterungen erlitten hatte, mein Leben als einstiger Mit- kämpfer wieder aufzunehmen. Indessen war ich damals allzu be- drückt, um einen sofortigen Entschluß zu jossen, und allzu viel« Bande, allzu viele Freundschaften, allzu viele Gewnbnheiten verknüpften mich noch mit der Partei, als daß ich mich allzu brutal von ihr hätte trennen können. Diskutieren? Die traurigen „Debatten" des Kongresses non St. Denis waren derart, daß sie auch den Naivsten der Kongressisten die Lust hieran nahmen. In diskreter Weife jede politische Tätigkeit einzustellen, erschien mir damals als die einzig mögliche Lösung. Aus diesem Grund« auch verrichtete ich keine Arbeit mehr in der Parteizentrale, stellt« ich jede Propaganda ein und nahm in der Folge ein« private Beschäfti- gung an. Das Schauspiel aber, das Sie mir seit meiner Rückkehr zü geben nicht aufhörten: Ihre maßlose Propaganda für den l. August, die über olle Maßen übertriebenen Streiks zum«in- zigen Beweis der Radikalisterunq der Massen, die Hysterie der Verteidigung der russischen Sowjetunion, des„Krieges, der kommt, der vor der Tür« steht" und des„Marsches der Me- galität entgegen", die Provokationen und der Einfloß von Polizei und Regierung, die zugunsten ihrer Politik sich überoll geltend mache«, und die in der Zentrale der Partei sowohl wie in der EGTU. zn finden sind, all diese Tatsachen haben mir gezeigt, daß der Kommunismus in Zukunft selbst die idealistischste, die kampsbereiteste und aber auch die genasführteste Partei des Proletariats nur Abenteuern, entgegenführen kann, die heute entmutigend und lächerlich sind, nur Niederlagen«nt- aegenführen kann, die morgen äußerst schwer und vielleicht«nt- scheidend sein können. Unter diesen Bedingungen war ich der Ansicht, daß ich nicht mehr schweigen könne, daß ich bei meinem Austritt aus der Partei dos sogen müsse, was ich über Ihr« Politik und Ihre Tätigkeit denke. Seit acht Iahren habe ich unaufhörlich gekämpft mit keinem andern Lebensziel, als dem des Triumphs einer Sache, die ich für jene der Zlrbeiterklasse, der Kleinen und der Unter- drückten hielt. was ich ln Sowjetrußlcmd und in der letzten Zeil in Frank. reich sah, studiert« und begriff/ zeigt mlr, daß ich mich läoschle. Ich halte daran, daß all« jene es wissen, auf die ich. dyrch meine Worte und meine Artikel, einen gewissen Einfluß auszuüben vermochte: all die Schüler der Lenin-Schulen wie jener von Bobigny, oll die Arbeiter und Bauern, die in Paris und der Provinz mein« Zuhörer waren, all die Leser meiner Artikel und Broschüren. Deshalb auch ersuche ich Sie, dieses Demissionsschreiben rn der.Hmnanite" zu veröffentlichen. Im übrigen erkläre ich. daß die tiefgehenden Gründe, die mich nach dem Kriege in die kommunistischen Reihen führten, für mich Immer noch als Regeln und Grundsätze meiner Tätigkeit Geltung haben. Ich bleib« der Idee des Kampfes für die Befreiung der Arbeiterschaft und der Schaffung einer besseren Gesellschaft treu, dieser Gesellschaft, in der die Ausbeutung und die Kriege nicht mehr bestehen, aber ich bin ouck überzeugt, daß man dazu nicht mit der k n rn»> u« n i st i s ch e n Doktrin und ihren Mitteln gelangen wird, sondern weit«her mit den Metboden, von denen uns die englische Arbeiter- bewegung in ihrer Gesamtheit ein so machtvolles Beispiel liefert. Paul Marion, früheres Mitglied des Zentralkomitees, früherer Ehef der Agitation»- und Propagnndasektion der Kommunistischen Partei. Die Zweimann-Fraktion bescheidel sich. Der Parteioorstond der altsozialistiscken Partei in Dresden Hot nahezu«in st immig beschlossen, den Stoatsgerichtshof über die Gültigkeit der Wahl des fach si schen Ministerpräsidenten nicht onzurusen. Für diesen Beschluß war die Zlussassima maßgebend, daß für die Emjchcidung dieser parlamentorijch-politijchen Frage nur hos Parlament selbst und allein zuständig ist.— Der gewesene„altsozia- listische" Ministerpräsident Heidt hatte bekanntlich die Güttigkeit der Wahl seines Nachfolger» angezweifelt. Jetzt hat sein eigener Partei- vorstand ihn„nahezu einstimmig" im Stich gelassen. Amerikanisches Beispiel. Rationalisierung— Lohnerhöhung— Fünftagewoche. Zu ihrer lehle» Sitzung befaßte sich dl« Exekutive de» amerikanischen Gewerkschaftsbunde« mit der Aufstellung des Tätigkeitsberichtes für den nächsten ordent- licheu Kongreß. Einer der Hauptpunkte dieser Uebersicht be- trifft die Fünftagewoche und die erfreulichen Re- s u l l a t e, die im vergangenen Zahre besonder» aus diesem Gebiete erzielt wurden. Den Feststellungen der Exekutive der amerikanischen Landeszenlrale zufolge macht die„Fünf- tagewoche solche Fortschritte, daß sich ihre allgemeine Einführung nicht mehr aushalten lassen wird". Die Zahl der Arbeiter, denen die Fünftage- mache zugulekommt. hat allein im vergangenen Zahr u m eine halbe Million zugenommen. Was die Verbreitung der Fünftagewoche in den einzelnen Ve- rufen betrifft, jo entnehmen wir einer Uebersicht der„Monthly Labor Review'' des Statistischen Bureaus der Vereinigten Staaten folgende Einzelheiten: Am meisten ist die Fünftagewoche in der Industrie für Männertleidung verbreitet. Im Jahre 1328 stand sie hier in S3 Proz.(1926: 49 Proz.) der Betriebe für 33 Proz.(1926: 32,3 Vroz.) der Arbeiter in Kraft. In der A u t o m v b i l i nd u st r i« hat die Fünftagewoche in den Jahren 192S bis 1928 die größten Fortschritte gemacht(1925: 5 Proz. der beschäftigten Arbeiter; 1928: 21» Proz.). In der Jndustriegruppe des Baugewerbes stellen sich die Zahlen wir folgt: 1928: 14.6 Proz.(1926: 6,6 Proz.). Am meisten kommt die Fünftagewoche in dieser Industrie den Malern und Maurern zugute.(Das Organ des Internationalen Sekre- tariats der Zentralverbände der Maler und oerwandten Berufe«ni- nimmt in diesem Zusammenhange einem Artikel des Sekretär» des Malerverbandes der Bereinigten Staaten folgendes: Unter der Fünf- tagewoche arbeiten bereits über die Hälfte der Mit- g I i e d e r, zur oollen Zufriedenheit und unter Mitwirkung der Kontrahenten der Unternehmerseite, die natürlich ursprünglich die Fünf- j tagewoche bekämpften.) Es wird damit gerechnet, daß ab 1. Januar 1939 die 159 009 Bauarbeiter von New Pork und Umgebung samt und sonders fünf Tage per Woche arbeiten werden. Granit- und S t e i n a r be! t e r: Im Jahr« 1928 arbeiteten 12,9 Proz. der Arbeiter einen Teil des Jahres fünf Tage per Woche. Z e i tu n g s- und Druckereiarbeiter: 1,4 Proz. der Arbeiter arbeiten unter der Fünftagewache, 5 Proz. arbeiten sechs Tage mit einer Gireik gegen Gewertschast. Fortsetzung einer kommunistischen Spaltung. Nachdem Niederkirchner die Branche der Rohrleger gespalten hat, hält er nunmehr den Zeitpunkt für gekommen, dieser Spaltung die Krone aufzusetzen durch die Inszenierung eines wilden Streits. Obwohl der Metallarbeiter-Berband erst vor einigen Monaten mit der Unternehmerorganisation des Rohrlegergewerbes «inen Tarif abgeschlossen hat, der von den ihm' an» geschlossenen Rohrlegern und Helfern soft«instimmig an- genommen wurde, glaubte die kommunistische Splitterorgani- sotion ihre Daseinsberechtigiing durch einen Kampf beweisen zu pijZssen, der jeder gewerkschaftlichen Regel widerspricht. Schon die Einleitung dieses Kampfes zeigt die Schwäch« der Niederkirchncr-Vereinigung. In einer Versammlung der Mitglieder seiner Vereinigung und der geladenen Unorganisierten lourde beschlossen, für die erste Streikwoche k e i n e S I r e i t u n t e r- stütziing zu zahlen. Bei längerer Streikdauer soll sich die hohe der Streikunterstützung nach den vorhandenen Geldern richten. Der Kampf soll finanziert werden„durch alle Mittel der Vereinigung der Rohrleger und Helfer'. Diese Tatsachen zeigen, auf welcher schwachen finanziellen Grundlage der Streik, geführt wird. Darüber können auch die Bericht« in der„Roten Fahne' nicht hinwegtäuschen, nach denen rund 1500 Rohrleger im Streik stehen. Nach den Feststellungen des Metallarbciter-Verbandes sind an dem wilden Streik etwa 840 Personen beteiligt. Die bestreikten Betriebe sind in der Mehrzahl von Anhängern der Bereinigung besetzt, von denen aber ein nicht unerheblicher Tell. mit dem herzen nicht bei der„Aktion' ist. In fast allen Versammlungen, die oft unter falschem Vorwand einberufen wurden, ist entgegen allen gewerkschaftlichen Gepflogenheiten eine geheime Ab- st i m m u n g über die Arbeitseinstellung nicht vorgenommen worden. Wo abgestimmt wurde, ist das Abstimmungsergebnis über- aüs kläglich. Bei der A l l g e m e i n c n I n st a l l a t i o n» g e f e l l- scha ft zum Beispiel haben von 84 Anwesenden bein einer Stimm- rnthaltung 39 f ü r den Streik und 44 dagegen gestimmt. Trotz- dein hat die„Zentralstreikleitung' diktatorisch verfügt, daß die Be- legschaft in den Streik eintreten müsse! Wie unsicher Niederkirchner »nd seine Anhänger sind, bewiesen sie in einer Verfaimnwng bei der Firma G r o w e, wo ein kommunistischer Abgeordneter für den Streik plädierte. Dem Genossen Friedrich aber wurde das Wort nicht erteilt, well er sich als Branche nleiter her im DMD. organisierten Rohrleger und Helfer vorstellt«. Jedenfalls gibt e» für den Deutschen Metallarbeiter-Verband eine« Rohrlegerstreik in verlin nicht. Niederkirchner weiß selbst sehr gut, daß der Deutsche Metallarbeiter- Berband zu der mit den Unternehmern abgeschlossenen Vereinbarung stehen muß, wenn er ernst genommen werden will. Wohin sollt« es auch führen, wenn sich«ine Verwaltungsstelle mit 99 000 Mitgliedern d!« Forderungen jeder sich neu aufmachenden Splitter- vrganisation zu eigen machen würde! Es geht ja Niederkirchuer auch gar nicht um die von ihm aufgestellten Forderungen, sondern, wie er in einer Werkstattversammtung offen zugegeben hat, um den Kampf gegen den Deutschen Metallarbeit«r»L«r» band. Ob Niederkirchner bei seinem Vorgehen auch das Kräfteverhältnis seiner Organisation zum Unternehmerverband richtig eingeschätzt Hot, erscheint sehr fraglich. Er möchte ol» Tarifkontrahent anerkannt werden, also das tun, was die„Rote Fahne' als „Streikbruch' uud„Sozlalfafchlsmu»' Gesomtarbeitszeit von 49 Stunden oder kürzer. Ar- beiter in Gießereien und im Maschinenbau: Im Jahre 1928 arbeiteten 4,1 Proz. fünf Tag« per Woche(1926: 3,5 Proz.). ♦ Dies« amtlichen Angaben, verbunden mit der Feststellung der American Föderation os Labor, wonach die Fünftagewoche solch« Fortschritte macht, daß ihre allgemein« Einführung nicht mehr auf- gehalten werden kann, zeigen, daß man in Amerika die Sonsequenzeu der Ralionolisierung zieht. D!« Rationalisierung hat durch die technische Vervollkomm- nung der Betrieb« die Leistung des einzelnen Arbeiters so gesteigert, daß eine groß« Anzahl von Arbeitern überflüssig geworden ist. Man hat in den Vereinigten Staaten die Krise, die sich daraus ergab, zu- nächst dadurch zu meistern oersucht, daß man im Verhältnis zur Leistungssteigerung auch die Löhn« und Gehälter erhöhte, die Kaufkraft also entsprechend steigerte und damit wieder neue Arbeitsgelegenheit fchus. Nachdem man aber festgestellt hat. daß trotzdem der Produk- tionsüberflüß ein enormer ist, geht man nun zur Verkürzung der Arbeitszeit über. Obwohl sin Nordamerika nur in einigen Staaten die Arbeitszeit gesetzlich geregelt und der Achtstundentag nur teilweise als gesetzliche chöchstarbeitszest gilt, find die amerlkanifcheil Unternehmer— teils freiwillig, teils durch die gewerkschaftliche Or- ganisation gezwungen— dazu übergegangen, den A ch t st u n d e n- t a g durchzuführen. Und win geht man einen Schritt weiter zur Fünftagewoche. Bei uns in D«utschland aber versucht man. der Arbeits- losigkeit beizukommen, indem man die Arbeitslofenunter- ftützung abbaut. Was soll man dazu sagen, wenn ein staat- licher Schllchtungsausfchnß erst vor drei'Tagen die Arbeitszeit in der Frankfurter Metallindustrie auf 51 Stunden festsetzte! Der Allge- meine Deutsch« Gewerkschastsbund hat in femer bekannten Ent- fchließung zur Reform der Arbeitslosenversicherung ausdrücklich dar- auf hingewiesen, daß zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine w«-iter« Berkürzu-ng der Arbeitszeit notwendig ist. Die deutschen' Unternehmer haben noch amerikanischem Beispiel rationalisiert. Wenn wir aus der Sackgasse der Arbeitslosigkeit herauskommen wollen, dann müssen die Löhne c r h ö h t u n d die Arbeitszeit noch weiter verkürzt werden. bezeichnet. Den verbondstreuen Rohrlegern wird da, wo sie ihren tariflichen Verpflichtungen nachkommen, der gleiche Vorwurf gemacht. Auch unter den Bauarbeitern versucht man eine Progromstimmung zu erzeugen gegen die Mitglieder des DMB.. die sich an die Be- schlösse ihrer Organisation halten. Gerode dieser leder gewerkschaftlichen Voraussetzung entbehrende wilde'Streik wird den Beweis erbringen, wo die wirklichen Schädlinge der Gewerkschaftsbewegung sitzen. Der Deutsche Metollarbeiter-Verband wird seine Mitglieder, wie es seine Pflicht ist, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln schützen. Der Deutsche Metallarbester-Derband sieht sich durch diese gegen ihn gerichtete Aktton Niaderkirchliers gezwuiigen. sein« Mit- glieder aufzufordern, gegen diesen wilden Streik die schärfst« Abwehrstellung einzunehmen. Alle Der- bondsmstglieder. die durch den Streik in Mitleidenschaft gezogen «erden, müssen sich sofort bei der Ortsoerwaltung melden. Die frei- gewerkschaftlich organisierten Rohrleger und Helfer Berlins erwarten, daß zum mindesten die gesamte freigewerkschaftliche Arbeiterschaft, im besonderen die Bauarbeiter, Solidarität gegenüber den Verbands- treuen Rohrlegern bekunden und die Abwehrfront gegenüber den kommunistischen Gewerkschastsspaltern stärken helfen. Sireikgefahr der Reparaiionsarbeiter. Verhandlungen immer wieder verschleppt. Für die deutscht» Reparationsarbeiter in Frankreich ist, abgesehen, vom Verdungebiet, noch immer kein Tarifvertrag geschaffen. Di« neuen Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium mußien infolge der wider- spenstigen Haltung der Unternehmer abermals vertagt werden. Di« Unternehmer erklärten, es fei ihnen unmöglich, nach dem Muster des Ve'rdun-Tarifvtrtrages für die übrigen Reparattonsbezirke eine (arifliche Regelung zu treffen, weil in ihnen andere wirtschaftlich« Voraussetzungen gegeben seien. Nach längeren Verhandlungen einigt« man sich schließlich dahin, die Lage der Reparationsarbeiter im Gebiet der M ofel k a n a l i f a t i o n in Le Havre und Marseille an Ort und Stelle zu untersuchen. Der Verband der Maschinisten und Heizer sowie der Deutsche Bauge werksbund werden am 8. September sin Trier in tiner besonderen Konferenz zur Tariffrage der Reparationsarbeiter Stellung nehmen. Die Reparotionsarbeiter haben nicht Lust, sich an der Ras« herumführen zu losten. Die Kommission zur Untersuchung der Verhältnist« in den französischen Reporotionsgebieten kann erst ab- reisen, wenn die hierfür notwendigen Verhandlungen des Aus- wärttgen Amtes mit der französischen Regierung abgeschlossen sind. Das bedeutet eine neu« Verschleppung der Tarifregelung. Kein Wunder, wenn die Streikgefohr in den Reparations- gebieten wieder in bedrohliche Nähe gerückt ist. Niederlage der Lehrlingszüchter. Ziegelong des Lehrlingswesens im Holzgewerbe. Di« Innungstrauter in» Holz g« werbe führen in verschiedenen Teilen de» Reiches noch immer einen höchst zwecklosen und aus- stchtslosen Kampf gegen die Regelung des Lehrlings- wesens im Manteltarif. In Nieder sachfen ist jetzt den Krautern der Atem ausgegangen. Sie hatten 1399 Tischler ausgesperrt. davon von der Stadt Hannover allein 790. Die Aus- sperrung erfolgte, weil die Tischler in Oldenburg im Kamps um die Regelung de» Lehrlingswesens in den Streik getreten waren. Nunmehr haben di« beiden Zwangsinnungen in Hannooer beschlossen, die Aussperrung aufzuheben, den Mantel- tarif anzuerkennen und die Lehrlingsfrage einer späteren Re- gelung zu überlasten. Zu dem Beschluß der Zwangsinnung haben am Mittwoch die Tischler in Hannover Stellung genommen. Sie lehnten es einstimmig ab, die Arbeit wieder aufzunehmen, solange nicht die Lehrlingsfrage tarislich geregelt ist. Aus die 700 streikenden Tischler kommen etwa 600 Lehrlinge! Aufgaben der Llnfallverhütung. Vie Bestimmung des Gesehentwurfs Der vom Reichsarbeitsministerium ausgearbeitete Referenten- entwurf über Unfallverhütung in der Unfallver- s i ch e r u n g hat einen Teil der Presse zu Befürchtungen Anlaß gegeben. Man stellt die Dinge so hin, als ob durch den Entwurf die Aufgaben der B-rufsgenostenschaften auf dem Gebiet der Unfallverhütung eingeschränkt würden. Wie dem gegenüber von maßgebender Seite erklärt wird, will der Entwurf den Berufs- gcnossenschaften di« Unfallverhütung als ein« ihnen vom Staat übertragene Aufgabe belasten, die Versicherten jedoch künftig innerhalb der Berufsgenossenschaft gleichberechtigt an der Unfallverhütung beteiligen. Ein besonderer Unfallverhütungs- ausschuß, dem Unternehmer und Versicherte in gleicher Zahl angc« hären, soll die Unsallverhütungsoorschriften beschließen und an der Durchführung der Unfallverhütung im Rahmen der Reichrver- sicherungsordnung mitwirken. Ferner will der Entwurf ein engeres Zusammenarbeiten zwischen staatlicher und benifsgenossenschaftlicher Unfallverhütung sichern. Arbeiisgencht und Wochenende. Gm unhaltbare Entscheidung. Die Hausangcstelltenkammcr des Berliner Ar- beitsgerichts hatte sich mit einer Frage von allgemeiner Bedeutung zu beschäftigen. Eine Hausangestellte hat gegen ihren Arbeitgeber geklagt, weil sie sich zu Unrecht fristlos ent- lassen fühlte. Der Grund der Entlassung lag darin, daß die Klägerin sich eines Tages geweigert hotte, dem Hausherrn> n s Wochenende auf sein Jagdhaus zu folgen und dort die üblichen Hausarbeiten zu verrichten.(Sie hatte das bereits mehrere Male getan.) Der Beklagte hatte daraufhin die Klägerin wegen der Weigerung fristlos entlassen. Das Arbeitsgericht wieg durch Urteil die Ansprüche der Klägerin ab. Aus der Begründung, die der Vorsitzende Assessor S ch m i- linsky gab, ist hervorzuheben: Zweifellos erwächst der H a u s a n g e st e l l t e n, die ihrem Arbeitgeber aufs Wochenend folge, eine gewisse Mehrarbeit be! der Rückkehr in die Berliner Wohnung, weil diese inzwischen ja nicht gereinigt worden wäre; anderersets aber hätte der Beklagte trotzdem An- s p r u ch darauf, daß seine Haiisongestellte ihm in das Wochenend- haus folge, denn sonst müßte er die Klägerin regelmäßig für die Dauer seines Wochen« ndaufenthaltes be- Urlauben. Es käme dann dazu, daß diejenigen Hausangestellten, die es ablehnten, Hausholtsdienste im Wochenendaufenthalt zu ver- richten, zwar Lohn für sieben Tage erhielten, die volle Gegen- l eistun g ober insolg« der zwangsmoßig gekürzten Arbeitstage: schuldig blieben.; y Bei der prinzipiellen Bedeutung der Angelegenheit erklärte die Hausangestelltenkammer die Sache für berufungssähig. Man muß erwarten, daß die nächsten Instanzen das Urteil kassieren. Selbst wenn man nicht, wie wir das tun, die B e- g r ü» d u n g des Urteils für total abwegig hält, so muß doch jedennann einleuchten: Wenn«in Streit um das Maß der Arbeits- pflicht auftaucht, so kann zwar die Kündigung, niemals ober die fristlose Entlassung berechtigt sein. Daß ein Hausherr, der selbst sich die Bequemlichkeit eines Wochenendaufenthaltes leisten kann, die Forderung nach unbezahlter Mehrarbeit an sein« Hausangestellte richtet, ist schon ein starkes Stück. Aber daß ein Arbeitsgericht solches Verlangen auch wistenschastlich als zu Recht erfolgt begründet, ist noch stärker. Dadurch werden die Hausangestellten wieder in die völlige Hörigkeit geraten, in tftr sie sich vor der Revolution befanden. Deshalb muß man eine Nachprüfung und Abänderung des Urteils dringend wünschen._ Dem Internationalen Bund der Privatangeslelllen. der sich in letzter Zeit besonders günstig entwickelt, ist soeben die 1800 Mit- glieder zählende Organisation der Bankbeamten Jugoslawiens bei- getreten. Das internationale Berusssekretariat der Angestellten und Techniker zählt somit 46 Organisationen in 20 Ländern. W» Achtung, D-utsch« Iudustrie-Werle Spand-u! Sfule. ISVi Ulir, bei pl fc» Kaak. Am Stresowptab, wichtig« Versammlung oller SPD.-Genossen. i-ä i| Z! t Freie Gewerkschafts-Iuaend Berlin. beute, Dannersiag. 19V. Uhr. tagen die Gruiwen: Lichtenberg und Reu. Lichteuberg: Iugenbb?!m Sauffslrage, an der Lesfingstras;«. Lieber. abend.— tbesundbrnnnen: Iugendbeim Rote Lchule, Wotenburqer Strafe. Vortrag:»??>« Frauenbewegung".— Lchöueweide: Jugendheim Oder. slliirneweibe. Loufener Etr. 2(oberes hinteres Zimmer). Wir gehen ,um Tviel. abend»och Treptow.— Moabit: Siädt. Jugendheim Lehrter Sir. 18-19. Vorirag:.,?as preußische Nonkordoi".— Südosten: Grubpenheim Neichetiderger Strafte 6fi ttZeuerwehr). Seiterer Abend.— Tempelhos: Gruppenheim Lmeum Germaniaslr. 4— 6. Leseabend.— Wedding: Stadt. Jugendheim Orthstr. 10. Die Iungens slunkeru.— Zugendabteilung de» Deutschen Belleidnng-arbeiter. oerbaube» im Jugendheim Sehgftianstr. 37-38. Vortrag:„Gewerkschaftliche Zeit- und Streitsragen".— Wir spielen ob 18 Uhr:«re!» vbersprce: Wiese 8 im Treptower Park. Neukölln: Aus der kleine» Wiese im Voiksrark Hasenheide. Ziordriug: Blaß ll v Sportplatz Cantianstratzc. Iuoendamppe de6?rnira>verbandrs der Anaestellten. Heute, Donnerstag, finden folgend« Veranstaltungen statt: Osten: Jugendheim Litauer Str. 18. Vortrag:„Das Volkslied". Referent Georg Leildiunn.— Treptow: Jugendheim Wildenbruchstr. S3(Zugang von der Graetzstrafte in Treptow). Arbeitsabend:„Kaufmännisches Rechnen. Leiter: Manu.— Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 19(Sosgebäude. Thllringen. »immer). Bunter Abend.— Spiel und Sport: Sportplatz Cantianstrofte. am Bahnhof Iungfernheide, ab 20 Uhr und Sportplatz Sumboldthain ab 18 Uhr. Verantwortlich für Politik: Richard Bernstel»! Wirtschaft: S. Nliugelhöser: Geoerkschostsdewegung: Z. Steiner: Feuilleton: Dr. Zohu Schitowski: Lokales und Sonstiges Tri»«»rstädt: Aweigeu: Th.«locke: sämtlich i» Berlin. Perlas: Porwärts-Berlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Lerlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin EW. 88, Lindenstraße 3. Hier» 2 Beiloge, und.lluterhaltung und Wiste»-. •�liSfelNVER BEYSBS 71t. 403* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 29. Augisst 4929 i* Das Großfeuer im Westen. Elf Menschen verletzt/ Schwerer Tag für die Feuerwehr. DaS Feuer im Hause Kurfürstendamm 178 stellt fich als eiuer der schwersten Dachstuhlbrände der letzten Zeit heraus. Zlichl nur der D a ch si u h l in einer Länge von etwa 50 bis 60 Metern, sondern auch kostbare Werte in einer Wohnung des 5. Stockwerkes sind den Flammen zum Opfer oesallen. Aoch schlim- mer ist aber, dah bei den schwierigen Löscharbeiten nicht weniger als l0 Feuerwehrleute mehr oder minder schwere Verletzungen erlitten haben. Außerdem trug ein Maler, der beim Ausbruch de» Feuer» aus dem Dach beschäftigt war, nicht unerhebliche Verletzungen davon. Alle 11 Personen wurden durch Wagen des Städtischen Ret- tungsomt» in die nächsten Krankenhäuser gebracht. Der Brand war erst gegen 16 Uhr gelöscht. Bei Ausbruch des Feuers, das anfänglich nur den Charakter eines mittleren Dachstuhlbrandes hatte, waren die schweren Folgen durchaus nicht vorauszusehen. Ais der erste Löschlrupp nach oben vordrang, schoß den Feuerwehrleuten plötzlich«ine mächtige Stich- flamme entgegen. Brandmeister R a s ch d o r f f, der Fuhrer des Trupps, sowie die beiden Feuerwehrleute S ch i h m a n n und T o p p e l wurden durch die chitze und den Ol.alm so benommen. daß sie trotz ihrer Schutzinasken bewußtlos zu Bod«n sanken. Zwei nachfolgende Feuerwehrleute verunglückten ebenfalls, und auch «in Maler, der mit Dochorbeiten beschäftigt war, erlitt bei dem Rettungsversuch erheblich« Brandverletzungen. Unter großen Schwierigkeiten gelang es glücklicherweise, die in höchster«Sefahr Schwebenden noch rechtzeitig ins Frei« zu holen. Fn der Zwischenzeit hallen die Flammen den Dachstuhl in seiner ganzen Ausdehnung ergriffen. Vom Brandleitcn- den waren sofort Verstärkungen angefordert worden, und nacheinander trafen unter Leitung d«? Oberbranddirektors G e m p p acht . Züge an der Brandstelle ein. Das Feuer hatte gleichzeitig auf«ine Wohnung im?. Stockwerk, die dem Schauspieler G e r a s ch gehört. übergegriffen. Die luxuriös eingerichteten Räume, in denen sich große Kunstwerke, ein« wertvoll« Bibliothek usw. befanden, wurden zum größten Teil ein Raub der Flammen. Als endlich durch starkes wassergeben die Hauptgesahr beseitigt schien, ereigneie sich abermals sin schwere» Unglück. Die Decke zum vierten Stockwerk war durch das Feuer so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, daß sie unter großem Setöje zusammenstürzte: s«chs Feuerwehrleute wurden unter den brennenden Möbelstücken. Balken und Mauerteilen verschüttet. Es galt nun zunächst, die unter den Trümmern liegenden Feuer. wehrleut«, die zum Teil schwere Quetschungen und Brandverletzungen davongetragen hatten, zu retten. Wäh. rend dieser Zeit griff das Feuer, da die Löscharbeiten au» diesem Grunde etwa» eingeschränkt werden mußten, mit erneuter Heftigkeit um sich und sprang auf die bisher verschont gebliebene Mitte des Dachstuhls über. � Gewaltige Wassermengen wurden erneut in das Flammenmeer geschleudert, und nach stundenlanger Arbeit war gegen 16 Uhr die Macht des Feuers endgültig gebrochen. Von dem Dach- stuhl ragen nur noch einig« klägliche Mauer st ümpf« und verkohlte Dachsparren in di« Luft. Der Bürgersteig war mit rauchenden Schuttmofsen buchstäblich übersak. Tin«» wüsten Anblick bietet auch die im 4. Stockwerk unmittelbar unter dem Houptbrandherd gelegene Wohnung des Kaufmanns Heymann. Cbenso haben die darunterliegenden Wohnungen schwer unter Wasserschaden geNllen. Gegen 15 Uhr sah fich die Feuerwehr noch veranlaßt, mehrere Wohnungen von den Mietern räumen zu lassen, da mit der Möglichkeit weiterer Einstürze gerechnet werden mußte. Der Schaden, der allein in der Wohnung des früheren Schau- spielers am Wiener Hoftheater Gerasch entstanden ist, läßt sich noch gar nicht abschätzen, da das gesamte kostbare Mobiliar, wertvolle Oel- gemälde alter Meister, die nach Tausenden zählenden Bände der Bibliochet und die übrigen zum Teil unersetzlichen Antiquitäten verbrannt sind. Die Liste der Verletzten. Folgende Feuerwehrleute haben zum T«il schwer« Verletzungen erlitten und wurden durch Wagen des Städtischen Rettungsamts in das Westend-, Hildegard-, Achenbach- und Schöneberger Kranken- Haus übergeführt: Brandmeister Otto Raschdorff, 37 Jahre, Oberfeuerwehrmann Erich Toppel, 27 Jahre. Otxrfeuerwehrmonn Schißmann, 4S Jahr«, Feuermehrmann Robert Christel, Oberfeuerwehnnann Theodor Kraatz. 43 Jahre, Feuerwehrmann Willi Thinius, 48 Jahre, Brandmeister Pfeiffer, Feuerwehrmann Kurt K l« m t, Feuerwehrmann D i« tz«. Außerdem fand der bei dem Brande verunglückte Maier Herbert Radlos f aus der Leidnizstr 74 im Krankenhaus in der Athen- bachstrahe Aufnahme. Bei den Aufräumungsarbeiten, die in den späten Abendstunden noch andauerten, wurde noch der 4(>jöhrtgc Feuerwehrmann Otto Lange durch herabstürzende Balken ver- letzt: er wurde gleichfalls In das Achenbachkrankenhaus übergeführt. Die Entstehungsursache. Nach den bisherigen polizeilichen Ermittlungen soll das Feuer durch fahrlässiges Hantieren mit einer Lötlampe entstanden sein. Auf dem Dach waren Handwerter mit Arbeiten beschäftigt, und durch eine Lötlampe wurde ein Haufen Holzwolle in Flammen gesetzt. Die auf dem Dach tätigen Handwerker haben sich in anerkenvenswerte Weise sofort mit der Feuerwehr bei den Lösch- und Rettungsarbeiten beteiligt. Die Brandstätt« war spät abends noch von einer großen Schar Neugieriger dicht umlagert. Die Absperrungsmaßnahmen der Polizei wurden zum Teil noch aufrecht erhallen. Mehrmals trafen Ablösungszüge«in, um die«rschöpften Mannschasten. die bei der Hitze unmenschliche Arbeit leisten mußten, durch frische Kräfte zi! ersetzen. An der Ltnglücksstelle. Wir kommen nicht so nahe heran an die Stätte des Brandes, wie wir es als Journalisten vielleicht gerne möchten.„Menschen- leben In Gefährt" Die Beamten sind verpflichtet, uns hieraus aufmerksam zu machen, und wir Journalisten find verpflichtet, schon auch im Interesse der Arbeit«» der Feuerwehr, der Polizei und des Rettungsdienste», uns nach ihren Weisungen zu richten. Immerhin, wir sehen genug, um uns ein Bild zu machen von dem Umfang und der schrecklichen Wirkung der Katastrophe. Die Arbeit der Beamten unserer Berliner Feuerwehr Ist außerordentlich schwer gewesen. Mit Rauchschutzmasken und Sauerstoffapparaten haben sie sich heranarbeiten müssen. Schon kurz nach Beginn des Feuers sind drei Menschen, wackere Beamte, kundig der Gefahren ihres Berufes, und, aus den Erfahrungen der Jahre und aus persönlichem Mute heraus, diese Gefahren für Leib und Leben verachtend, ohnmächtig in dem dicken Rauch, in dem beißenden Qualm des brennenden Gebäudes zusammengesunken. Die Kameraden haben sie unter eigener Lebensnot geborgen. Sie ahnten nicht, daß es noch schlimmer kommen solltel Plötzlich brüllt, so erzählt man uns, der Oberbrandmeister:„Zurück, zurück! Jeden Augenblick kann die Decke einstürzen!" Es ist zu spät! Schon kracht es und donnert es, schon sind sechs tapfere Beamte unter Gebälk und Mauertalt vergraben. In Eile wird Hilfe geholt, in Eile wird das Rettungsamt alarmiert, das mit sämtlichen verfügbaren Kräften zur Hilfe herbeieilt. Troß aller Fährnisse, lroh allen Unheils funktioniert der Apparat, klappt das Zusammenarbeiten durch gemeinsames Schassen der beteiligten behördlichen Stellen und den Eiser ihrer Beamten. Viel Menschen haben sich in der Nähe der Brandstelle gesammelt. Die Schupo hat, ruhig und sachlich arbeitend, die notwendigen Ab- sperrungen und Verkehrsumleitungen vorgenommen. Wer die Be- amten unserer Feuerwehr hat schassen sehen, wer vor allen Dingen von Augenzeugen über den e r st e n Teil des Brandes, bei dem wir noch nicht zur Stelle sein konnten, vernommen hat, zieht vor diesen Helfern der Bürgerschaft, diesen Soldaten der Menschlichkeit, voll Hochachtung den Hut. Wie uns ein Beamter mitteilt, sollen die Verletzungen der Be- amten erfreulicherweise nicht lebensgefährlicher Na- tur fein. Feuer in der Hafenheide Gestern abend entstand aus dem Gelände des Kranken- Hauses in der Hasenheide ein gefährliches Feuer. Zurzeit wird dort ein Neubau aufgeführt, der von einem Gerüst umgeben ist. Dicht dabei steht eine Baubude, die um 17.2? Ilhr plötzlich in Flammen aufging. Das Feuer griff auf das Gerüst über, das im Nu lichterloh brannte. Die Feuerwehr rückt« mit drei Zügen an: es muhten drei Schlauchleitungen großen Kalibers in Tätigkeit gesetzt werden,»m den Brand einzudämmen. Für die Patienten d«s Krankenhauses bestand keine Gefahr. * Die F«uerwehr hatte gester» einen G r o ß t a m p s t a g>m wahrsten Sinne des Wortes. Allein in den Nachmittogstund«n liefen annäliernd 4 y Alarme über Kleinfeuer. G.asvergisounqen usw. ein. Gtstgas über Breslau. In der Nacht zum Mittwoch wurde die Bevölkerung»an Breslau durch Giftgase, die aus einem chemischen Werk ausgeströmt waren, in großen Schrecken versetzt. Bon 1? verschiedenen Stellen ous, an denen die Einwohner Gasschwaden mit durch- dring eiche m Geruch wahrgenommen hatten, wurde die Feuerwehr alarmiert. Durch das eingeatmete Gas bekamen viel« Leute Anfälle von Uebelkeit und mußten sich erbrechen. Der Gasgeruch war io stark, daß zahlreiche Bewohner der Stadt aus dem Schlaf erwachten. Die Feuerwehr hat festgestellt, daß die Gase aus einem Super- phosphat-Werk in dem Breslauer Borort Ca wallen stammten. Die Direktion des Werkes glaubt di« Entwicklung der Gase aus die Verwendung minderwertiger Schwefelsäure zurückführen zu sollen. Die Untersuchungen über die Ursache der Gasentwicklung sind noch im Gange. Die Befürchtung, daß sich eine neue Giftgas- katastrophe ereignet habe, trifft glücklicherweise nicht zu. von. A.M/rey. Copyright J929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A-0„ Berlin Funk kennt diesen ehemaligen Linienleutnant, der nun nach seinen Verwundungen undetoriert, durch Zufälle schmachvoll übergangen, das Nest M6ricourt dirigieren muß — kennt ihn gut genug, um zu wissen, daß er«in in kleinen Brutalitäten für sein Pech sich rächender Mann ist. Es geht ihm jetzt natürlich doppelt schlecht, nachdem der Stabsarzt, mit dem er täglich diniert und soupiert, zum drittenmal dekoriert prangt. Funk sagt:„Herr Leutnant, ich soll mit Frau Lacroix zusammen die Garderobe des Herrn Stabs- arztes ein wenig in Ordnung bringen." „Das ist doch nicht Ihre Sache, Schreiberjüngling. Das kann der Diener machen. Gehen Sie nur wieder." „Befehl vom Herrn Stabsarzt, Herr Leutnant," lugt Funk bedauernd.„Er traut mir wohl mehr Delikatesse zu." „Mehr—?" fragt der Ortskommandant stirnrunzelnd, plötzlich unangenehm berührt.„Wieso denn—?" „Akkuratesse wollte ich sagen," verbessert Funk sich. Der Leutnant bricht auf. Er stellt die Schale hin, ohne «inen Schluck genommen zu haben.„Also tun Sie, was Sie nicht lassen können. Guten Tag." Er grüßt Madame kalt und obenhin. Was es gegeben habe, fragt Funk. Er habe sich ihr nähern wollen— oh, so dick wie er sei, und auch schnaufe er wie ein Nilpferd(sie kann schon wieder kichern), aber sie habe nein gesagt- Da habe er erklärt, zudem koche sie in letzter Zeit gar nicht mehr besonders, er werde dafür sorgen, daß sie ihres Amtes enthoben werde und daß eine andere, vielleicht Madame Greoin, die Küche hier übernehme. Funk beeilt sich, sie zu trösten: der Stabsarzt iei doch sehr mit ihr zufrieden, und das sei die Hauptsache. Wenn nötig, werde er, Funk, ein gutes Wort für sie einlegen. Obendrein gäbe es demnächst großes Festessen, da sei sie geradezu un- entbehrlich. Dann zieht er sein« Gab«» hervor:„Die Seife für Sie, Madame, und di« Schokolad« für die Kleine." Madame schenkt ihm«inen glitzernden Blick des Dankes. Sie faßt mit ihrer großen Arbeitshand in sein Haar und zieht seinen Kopf zärtlich nach links und nach rechts, im Takt der beiden Silben:„Mer— ci!" Er findet sie bezaubernd und küßt sie einfach auf den breiten roten Mund. Sie wehrt sich nicht, sie läßt ihre Zunge über seine Lippe huschen. Er muß an das verschriene Raffinement der Französin in Liebesgenüssen denken(also auch diese Proletarierin begnügt sich nicht mit primitiven Dingen I)— aber da entwischt sie ihm und eilt ins große Wohnzimmer. Wie er ihr nachgeht, sieht er, daß sie auf einen Stuhl gestiegen ist, Porzellanfiguren von einer Bordüre nimmt und mit einem Staubtuch behandelt. „Marguerite—" sagt Funk. „'sieur Fünk?" lächelt sie über ihre Schulter zu ihm hernieder. Er hat ihre schlanken Beine, ihr Gesäß, das einzig Ueppige an ihr, vor Augen.— Führt sie sich vor? mißtraut er. Will sie mich reizen? Sie stellt da« Reizvolle ihres Körpers zur Schau. Wie? Absichtlich? Er ist hilflos. Wenn man jedes Jahr einmal«ine Frau umarmt, verliert man die Distanz zu allem. Er sagt etwas Geschmackloses, etwas, das nicht wahr ist und das ihn ganz sicher an Boden verlieren läßt. Er sagt:„Ich liebe Sie." Sie dreht sich herum, sie reicht ihm spottlustig ein Rokokodämchen aus Porzellan:„Hier, ein Mädchen für Sie." Das ernüchtert ihn heilsam. Er höhnt: ins Bett zu gehen mit der. fei nicht zu empfehlen, die habe«in Bein zerbrochen: man könne sich verletzen an den Knochensplittern(da ist wieder der üble Krieg im Zug der Gedanken— fühlt er). Sie hebt das Püppchen an seinen Platz, und er hebt sie kurzerhand herunter vom Stuhl. Sie stehen«inander gegenüber. Sie lächelt undurch- sichtig. Er legt beide Hände in ihren Nacken. Vor sich, unter ihrem Kinn, hat er ein« Brosche. Es ist ein häßliches Schmuck- stück. Brustbild eines Mannes in Uniform, taleraroh. Die geleckte kleine Photographie spiegelt ihm in di« Augen, so daß er, in die Pause hinein, fragen muß, wer das sei. „Das ist mein Mann," gesteht sie leise. Nach weiterem erkundigt er sich— und verspürt, wie wenig das dienlich ist für feine Ziele. Er sei bei der Genietruppe. Dort seit Kriegsbeginn. Seine Tochter, die kleine Iosefine, habe er nicht mehr zu sehen bekommen. Seit eineinviertel Iahren sei sie ohne Nach- richt. Vielleicht ist er tot," stellt sie sachlich fest. Sie zuckt die Achseln.„Egal," sagt sie dumpf.„Ein Unteroffizier," fügt sie bei. Wachsen nicht Funks Aussichten? Obwohl er weiß, daß sie nur„egal" sagt aus der großen tödlichen Erschlaffung her- aus, die der Krieg jedem eingeimpft hat. Er beläßt feine Finger In ihrem Nacken. Auf seinem Handrücken liegt der seidige Druck ihres blonden Haares. Ein Unteroffizier, dieser Gatte, der Antoine heißt, Antoin« Lacroix. Eine Art Borgesetzter— aus der ungeheuren Armee derer, die einander feit Jahren umzubringen belieben. Er muß über diesen Feind hinweg— buchstäblich über ihn hinweg, wenn er die Frau nehmen will. „Egal—" wiederhost sie leise, aber der lächelnd« Mund zittert, die Schultern zittern, und Funk sieht aus den klaren Augen, als sei von ihrem blauen Eis etwas weggeschmolzen, Tränen über die Wangen gelaufen— in den Mundwinkel hinein. Sie langt mit der Zunge danach, nicht anders als vorhin im Kuß. Funk läßt sie los, scheidet sich von diesem Hals und er- greift ihre Hand, die er in einer unklaren Aufwallung küßt. wie die Hand einer Dame— in dem Bestreben. Ritterlichkeit und Verzicht darzutun. Er kommt sich sehr läppisch vor. Er möchte Marguerite anschreien nicht weniger als Antoine Lacroix und Stabsarzt und den Ortskommandanten. Er streicht Madame einmal mit verzerrtem Gesicht über die Wange und geht. 24. Die Hasenjagd ist erfolgreich gewesen. Lipp hat zwar wieder nichts geschossen—«in Hase ist ihm zwischen den Beinen durch, wie soll er denn da feuern können—, aber die anderen Herren haben Beute gemacht. So ist Madame, über die der Ortskommandant keinen Ton mehr gesagt hat, vollauf beschäftigt. Es gilt vier Hasen- rücken samt den Hinterteilen zu spicken. Das Bratrohr in der Küche ist viel zu klein, um den Segen zu fassen. Zum Glück hantiert der Franzosenbäcker gleich nebenan mit seinen Mais- broten. Er bekommt Order, Hasen zu backen, unter der An- drohung gräßlicher Strafen durch den Ortskommandanten. falls ihm die Prozedur nicht gelingen sollte. (Fortsetzung folgt.) Zahlen über Berlin. Ein wichtiges Handbuch für den Kampf vom II. November. Kürzlich ist das S l a i i st i s ch e Jahrbuch der Stadl Berlin im S. Jahrgang erschienen. Das wert liefert für den kommenden Sommunalwahlkampf überaus werlvolles Material und dürfte besonders von den Parteifunktionären der Berliner Sozialdemokratie stark beachtet werden. Der vorliegende 5. Jahrgang bringt im wesentlichen die Zahlen . für das Jahr 1927 und geht bei«inigen Abschnitten, wie z. B. bei der Bevölkerung und bei Handel und Gewerbe auf die großen ReichszühUingen vom 16. Juni 1925 zurück. Berücksichtigt man, daß das Buch aus 311 Seiten besteht und umfangreiches Zahlenmaterial bringt, so wird jeder, der einigermaßen mit der Schwierigkeit der Beschaffung statistischen Materials und mit der Schwierigkeit der Drucklegung derartiger Zahlenmassen vertraut ist, den im Vorwort enthaltenen Satz, daß ein Erscheinen nicht früher möglich war, ohne weiteres verständlich finden.. Nachdem wir zuerst über die geographische Lage Berlins unterrichtet werden— die wenigsten Leser werden wissen, daß ein Kreis mit dem Radius von 25 Kilometern vom Ber- liner Rathaus aus gerechnet geschlagen werden muß, um das s ü d- w c st l i ch e Stadtgebiet zu umfassen, wahrend die südöstliche Ecke noch ein wenig darüber hinausgeht—, erfahren wir interessante Daten über die Bevölkerung. Nach der Volkszählung von 1925 waren von den gesamten männlichen Einwohnern 16 Proz. ledig, 50 Proz. verheiratet, 2,7 Proz. verwitwet und 1,2 Proz. geschieden, während sich für die Frauen folgende Zahlen ergeben: 44,3 Proz. ledig, 42,7 Proz.»erheiratet, 11,1 Proz. verwitwet und 1,9 Proz. geschieden. Aus der Berufszählung von 1925 ergeben sich aufschlußreiche Zahlen über die Erwerbs- tätigen innerhalb/der einzelnen Wirtschaftszweig« und über ihre Stellung im Beruf. Blättert man weiter, so kommt man zu der Bevölkerungsentwicklung im Jahr« 1927 und muß feststellen, daß bis auf 8 Bezirke all« übrigen einen Sterbeüberschuß aufweisen. Der Sterbeüberschuß insgesamt beträgt dabei nicht weniger als 5897 Personen. Wenn sich trotz alledem die Bevölkerung Berlins in> Jahre 1927 von 4141792 auf 4217027 erhöht hat, so beruht diese Zunahme auf einem Zuzugsüberschuh von 81 132 Personen. Ehen sind ini Jahre 1927 rund 41 000 geschlossen worden, davon entfallen auf Ledige beiderlei Geschlechts rund 30 000, also bei rund 25 Proz. der geschlossenen Ehen war mindestens schon der ein« Teil, wenn nicht beide Teile vorher verwitwet oder geschieden. Geburten überhaupt wurden 44 254 gezählt, davon 414 Zwillingsgeburten. Den 42 873 Lebendgeborenen stehen 48 770 Gestorbene gegen- über. Wir haben oben schon erwähnt, daß die Bevölkerung s- zunähme Berlins lediglich auf Wanderungen beruht. Ins- gesamt sind im Jahre 1927 319 713 Personen von auswärts zu- gezogen, denen nur 238 581 Personen als fortgezogene gegenüber- stehen. Der Zahl nach hat den größten Zuzug der Bezirk C h a r- lottenburg aufzuweisen und den geringsten Weißens«: auch M dem Fortzug steht Eharlottenburg an der Spitze. An b e- bauten Grund st ückcn weist Berlin 101 037 auf, mit 137 737 Wohngxbauden und 1 196 918 Wohnungen, so daß durchschnittlich jede Wohnung mit 3,3 3 Personen belegt ist. Von den Neubauten des Jahres 1927 entfallen'8 4 Proz. auf Wohn- gebäude. Es ließe sich noch manches über den Reinzugang an Wohnungen, Wohnungsvermittlung, Grundbesitzwechsel usw. sagen, aber es soll hier ja nur in großen Zügen das Interesse für das Buch «ecken. Fast 70 000 Handwerksbetriebe existierten 1927 in Berlin, von denen über 8000 auf das Gewerbe der Damenschneiderei entfallen, dann folgen Herrenschneiderei, Schuhmacherei, Friseur- betriebe, Fleischerei, Tischlerei und Bäckerei in der fast gleichen An- zahl von rund 3850 Betrieben, nur ein Betrieb kommt ein einziges mal vor: 1 Kartographenbctrieb. Die Entwicklung bel der Slädlischen Sparkasse ist als günstig zu bezeichnen. Die Zahl der Sparbücher ist von 280 861 auf 424 268 oder um 51.5 proz. gestiegen, die Guthaben bewegten sich von 124 408 000 Mark bis zu 195 083 000 Mark, was einer Zunahme von 56,8 Proz. entspricht. Auch bei der Sladlbaok kann man eine ähnlich erfreuliche Entwicklung feststellen. Nach einer Darstellung über Löhne und Gehälter sowohl städtischer als auch privater Arbeiter und Angestellten findet man ausführliche Aufzeichnungen über Erwerbslosenunter- st ü tz u n g, Notstands- und Kurzarbeiten. Man erfährt auch, daß 87 Proz. von den insgesamt gemeldeten Gasthofsfremden aus Deutschland stammen, während nur 1,8 Proz. aus dem gelobten Dollarlande Berlin besucht haben. Dann kommt man zu dem inter- essanten Kapitel über die Entwicklung des Berliner Schnell- bahnnetzes, zu Angaben über die Berliner Straßenbahn- Betriebs G. m. b. H., über die Allgenwme Berliner Omnibus A.-G., über Personen-Nah und Fernverkehr und was sonst noch mit dem Gesamtverkehr zufammerchängt. Das Kapitel„Unterricht und Bildung' bringt weitgehende Angaben über das geistige Berlin. Wir erfahren ferner, daß in den städtischen Kranken- a n st a l t e n die Zahl der Bcrpflegungstag« 4 571 379 betragen hat bei einer Bettenzahl von 15 323. In den sonstigen städtischen An« stalten(Heil- und Pflcgeanstalten, Anstalten für Altersschwache und Sieche und sonstige Anstalten) wurden in Anstaltspflege 4 365 704 Verpflegungstage mit 13 055 Betten gezählt. In den nichtstädtischen Krankenanstalten betrugen die Berpflegungstag« 3 602 508 und die Bettenzahl 12 887. Ueber das Arbeitsgebiet städtischer ,Für- sorge st ellen(Tubertulose-Fürsorge-, Schulzahnfürsorge, Säug- lingsfürsorg«, und Krllppelfürsorg«) findet jeder Spezialist die ihn interessierenden Angaben. Ueberhaupt ist die gesamte Gefundheits- pflege wie auch die allgemeine Wohlfahrt und die Iugendwohlsahrt sehr weitgehend gegliedert. Nachdem der weitverzweigte Aufgabenkreis der Polizei und der G e r-i ch t s b a r k e i t dargestellt ist, kommen wir zu Angaben über Werke und Betriebe. Jeder, der sich über die S t a d t e n t- Wässerung, über die Berliner Städtischen Wasserwerke, Gas- werke oder Elektrizitätswerke unterrichten will, wird hier vorzügliches Material firnden. Den S ch l u ß des Buches bildet das Kapitel„Finanzen und Steuern". Die langfristigen Schulden der Stadt Berlin sind nach Nennbetrag, Zins- und Tilgungssätzen angegeben: ebenso erfahren wir, wozu die Anleihen verwandt worden sind. Diese beiden letzten Tabellen sind nach dem Stande vom 1. April 1928 auf- gestellt. Kurs« der einzelnen Berliner Anleihen werden für die Jahre 1927 und 1928 angegeben. Das Aufkommen an Reichs- sowie auch an Landessteuern und Gemeindesteuern in Berlin wird für die Jahr« 1926 und 1927 dargestellt, zugleich wird in einem Anhang die Höhe der Gemeindesteuern im Rechnungsjahr« 1928 gegeben. Es kann also jeder feststellen, wie sich die einzelne Steuerart für jeden steuerpflichtigen Fall, auswirken wird. Wenn einst ein bedeutender Mann gesagt hat, das Statistische Jahrbuch des Deutschen R e i ch e s sei die interessanteste Lektüre, so kann man wohl ohne Ueberheblichkeit sagen, daß das Statistische Jahrbuch der Stadt Berlin dem in keiner Hinsicht nachsteht. Die in dem Werk veröffentlichten Zahlen, die dos Ergebnis ge» n a u e st e r statistischer Forschungen und Berechnungen darstellen, werden auch bei der Wahlagitation der nächsten Wochen gute Dienste leisten können. Dynamit explodiert! Unglück in einer Hamburger Fabrik. Hamburg. 28. August. In ber Dynamitfabrik Krümmel bei Geesthacht explodierte aus unbekannter Ursache ei« Del» l a g e r.. Ei« Arbeiter wurde auf der Stelle ge tütet, fünf weitere habe» Verletzungen erlitte«. kurz nach der ersten erfolgte eine zweite Explosion, die. wie die erste, weithin zu hören war. Durch die Explosionen wurde der Wald aus der Strecke Krümmel-Tesperhude in Brand ge- fehl. Da Gefahr für die in der Bähe liegenden Gebäude bestand. wurden die Bergedorfer und die Hamburger Feuerwehr alarmiert. Der von Hamburg entsandle Zug konnte in Bergedorf zurückgeschickt werden, da die Brandgefahr inzwischen b e- hoben war. Oreifacher Mord aus Eifersucht. Eine furchtbare Bluttat spielte sich in einem Wirtshaus bei Szentes in Ungarn ab. Die Besitzerin des Lokals hotte zwei Verehrer, einen Maschinisten und einen Gutspächter. Als der Maschinist nach mehrtägiger Abwesenheit zurückkehrte und erfuhr, daß fein Nebenbuhler inzwischen jeden Abend in der Schenke gewesen war, suchte er das Wirtshaus auf und stieß die Wirtin mit einem Messer nieder. Dann stach er in einem wahren Blut- rausch solange auf die Frau ein, bis sie tot war. Ein lOjähriges Dien st mädchen, das um Hilfe schrie, tötet« der Rasende gleichfalls. Schließlich verletzte er auch noch den 7jShrigen Sohn der Wirtin lebensgefährlich und ergriff dann die Flucht. Bisher konnte er noch nicht festgenommen werden. sttoack hat Selbstmord verübt. Die Untersuchung gegen Frau Noack und ihren Freund Zylinski ist jetzt zu einem gewissen Abschluß gelangt. Nach den Bekundungen verschiedener einwandfreier Zeugen ist danach mit Sicherheit anzunehmen, daß der öOjährige Arbeiter Noack aus Verzweiflung über seine unglückliche Eh« selb st Hand an sich gelegt hat. Frau Noack und Zylinski sind deshalb gestern nachmittag aus dem Gewahrsam entlassen worden. Schreckenstat einer Eifersüchtigen. In einem Dorf bei Sömmerda in Sachsen geriet die Ehe- irau des Landwirts D i t t m a r aus Eifersucht im Sireit mit der, Mitbewohnerin des Hauses Frau Bach. Frau D. ergriff eine Axt und schlug damit aus Frau B. ein, so daß diese schwerverletzt und blutüberströmt zusammenbrach. Sie schleppte daraus die BelMthtlas« in die Scheune, tvars sie in dl« Spreu und v« r- st o p f t« ihr den Mund mit einem Tuch. Hierauf eill« sie ins Haus zurück und stieg auf den Boden, wo sie sich an einem Balken« r- hängt«. Die überfallen« Frau B. konnte sich trotz ihrer furcht- baren Verletzungen auf die Straße schleppen und um Htkfe rufen. Sie liegt jetzt in bedenklichem Zustand danieder. Schlafkrankheit in Japan. Achtzig Todesfälle. Tokio, 28. August. Das Austreten zahlreicher Fälle von Schlafkrankheit wird aus dem südlichen Japan gemeldet. Täglich kommen ungefähr 20 neue Fälle den Behörden zur Kenntnis, während die Zahl der tägliche« Todesfälle sich auf 10 beläuft. 85 Fälle find bisher tödlich verlaufen. Man glaubt, daß das Auftreten der Krankheit auf die außerordentlich große Sonnenhitze in Süd- japan zurückzuführen ist. llndank ist der Welt Lohn. Jglau(Deutschböhmen), 28. August.(Eigenbericht.) Seltener Undank ist dem einst reichen Josef Markus in Ge- witsch widerfahren. Cr vermachte sein Vermögen seinen Verwandten und forderte von ihnen einen geruhsamen Lebens- abend. Als er mit 70 Iahren aber letzthin krank wurde, ver- ließen ihn all« seine Verwandten und niemand kümmert« sich um den Greis. Er schleppte sich auf den Friedhof und tötete sich durch drei Reoolverschüsse. 5« Opfer eines Wolkenbruches. Die Hauptstadt des südlichen Südslawicn Skopje wurde von einem furchtbaren Wolkenbruch heimgesucht. Es ver- lautet, daß annähernd 50 Menschen, zum größten Teil Kinder, in den Fluten des Wardar umgekommen sein sollen. Die Nebenflüsse des Wardar überfluteten den ganzen unteren Teil der Stadt. Aus S e r a j e w o werden ebenfalls Woltenbrüche gemeldet, die bereits in der vergangenen Nacht verzeichnet wurden. Auch hier sollen mehrere Personen in den Fluten umgekommen sein. Autobus-Ausflugslinie Tegel— Heiligensee. Am Sonntag, dem 1. September 1929. wird die Autobus- ?lusflugslinie Tegel— Bahnhof Heiligenfee eröffnet. Die Linie führt von der August-Müllcr-Straßc durch die Sckloß-, Earolinenstraße(von Heiligensee kommend fahren die Wagen durch die Hermsdorfcr Straße, Cgidystraße, Zlugust-Müller-Straßc zur Endhaltestelle), Ruppineb Edausjee bis zum Bahnhof Heiligrnses. Der Fahrpreis deträgt 0,30 M. für Erwachsene, 0,15 M. für Schüler und 0,20 M. für Hunde oder Gepäck ohne Umsteigeberechtigung. Die Wagen verkehren nach Bedarf. Kurs auf Lakehurst. Ankunfi wahrscheinlich heule mittag berliner Zeit. New Bork. 28. August.(Eigenbericht.) Das Luftschiff„Graf Zeppelin" erreichte am Mttt- wach in den Vormittagsstunden Kansas und steuerte dann ans Ohio und Cleveland zu. Die Geschwindig- keit des Schiffes war infolge der außerordentlich starke« Gegenwinde und des schlechten Wetters sehr herab- gemindert. Tie Ankunft in Lakehnrst wird nicht vor Donnerstagmorgen amerikanischer Zeit er- wartet. Eine Meldung aus O r l a(Texas) besagt, daß da» Luftschiff „Gras Zeppelin" den Ort. der 96 Kilometer nördlich von Pecos liegt, in großer höhe überflog. Der Zeppelin hatte eine Stundengeschwindigkeit von etwa 65 Silometer. da er gegen heftigen Gegenwind auzukampfeu hatte. Die Wetterlage. Hamburg. 28. August. Das Sceflugreferat der Deutschen Seewarte bc- richtet über die Wetterloge aus der F l u g st r e ck« des„Graf Zeppelin": Das Bild der Luftdruckverteilung über den Vereinigten Staaten wird dadurch gekennzeichnet, daß ein Hoch- druckgebiet mit einem Kern von 767 Millimeter über der ame- rikanifchen Seenplatte liegt. Ueber dem Golf von Mexiko und in westlichen Gebirgsländern befinden sich stationäre Tiefdruck- gebiete, während sich an der Ostküste entlang ein Ausläufer des Neufundland-Tiefs erstreckt, der longsam in nordöstlicher Richtung abwandert. Gemäß dieser Lustdruckvetteilung herrschen an der Osttüste nördliche Winde, die über dem südlichen Teil der Staaten in Ostwinde umwehen, so daß das Luftschiff auf seiner Fahrt vorwiegend leichte Gegenwinde antreffen wird, besonders in der Nordströmung im Osten der Staaten treten Regenschauer auf, die vielfach von Gewittern begleitet sind.___, Vierbeinige Schmuggler Die französischen Regiezigaretten sind meist ungenießbar, die belgischen hingegen sehr gut. Dementsprechend floriert an der französisch-belgischen Grenze der Zigarettenschmuggel. Seit einiger Zeit versehen nun den Schmugglerdienst tadellos ab- g e r i ch t« t e H u n d«. Die Tiere werden an der letzten Station vor der Grenze mit der Ware beladen losgetasien" und machen den restlichen Weg nicht etwa über die Landstraße, sondern durch die Waldungen. Hinter der Grenze erwarten sie dann an bestimmten Stellen(die sie nach einigen Ausslügen ganz genau kennen) die Geschäftsfreunde ihres Herrn. Diese nehmen die Ladung in Emp- sang und traktieren die Hunde zur Belohnung mit Leckerbissen. Zwei Kassenboten überfallen. In Hannover wurden am Mittwoch vormittag vor dem Gebäude derLandesbantder Provinz Hannover zwei Sassen- boten, die das TagesgeLi für die Bant von der Reichsbank gehott hallen, von unbekannten Tätern überfallen. Die Verbrecher streckte.» den einen Voten durch fünf Schüsse nieder, entrisien ihm eine Akten- tosche, die 5 9000 Mark Bargeld ertthielt, sprangen in ein bereitstehendes Auto und entkamen. Der schwerverletzte Kassen- bot« wurde ins Krankenhaus gebracht und sofort einer Operation unterzogen. Sein Begleiter kam mit einem schweren Nervenchok davon. Die Täter benutzten eine blau« Limousine, die nach Mit- teilungen von Augenzeugen ein Hamburger Kennzeichen ge- tragen haben soll,_ „Die billige und schöne Wohnung.* Das Doltsbildungsamt des Bezirksamt» Friedrichshain veranstaltet unter Leitung Prof. Spannogets in der Tischlerschule, Straßmann st rahe 6, vom 1. bis 22. September 1929«in« Ausstellung:„Die billige und schöne Wohnung." Es»erden gediegene Möbel zu durchaus billigen Preisen gezeigt, z. B. kostet eine ganz« Wohnungseinrichtung mit Küche 1000 Mark. Der leitende Gedanke der Ausstellung ist, durch W o h n u n g s k u l t u r im Dienst der Geschmacksbildung auf die Bevölkerung einzuwirken. Wir werden über die Ausstellung ausführlich berichten. Rose-Thealer. Im sonnendurchwärmten Garten des Rose- Theaters fitzt beim„Selbstgebrühten" eine zahlreich«, fröhlich« Menschheit mit Kirch und Kegel. Auf der Bühne rollt ein abwechse- lurrgs- und umfangreiches Programm ab. Bom frühen Nochmittag an gibt es Musik, dann produzieren sich Artisten jeden Genres: Komiker und Girls, Akrobaten, Drahtseilkürrstler, komische Radfahrer. Gute, ehrliche Arbeit, immer mit viel Spaß untermischt, damit die da drunten in recht gut« Laune geraten. Zum Schluß steigt der lustige, wohlbekannte Schwank„Die Scheidungsreise, der wiederum an das Zwerchfell allerhand Anforderungen stellt. Da wird die sogenannte Lieb nach so vielerlei Arten humorig zerpflückt, daß zum Schluß nur noch ein paar saudumme, verliebt« Manns- bilder übrigbleiben, denen das schwache Geschlecht wieder mal zeigte, „was'ne Harke ist". Ein paar bewährte, handfeste Schlager, ein lustiges Boxerballett und fröhlichste Laune bei den Darstellern sorgten für die Stimmung im Gartenparkett. Marga F i s ch b a ch als flotte Herzensbrecherin, Erna Kerstens als das kleine Frauchen, die aber auch schon die ersten Härchen auf den Zähnchen zeigt, Willi Rose und Richter. Wouer als ihr« beiden Opfer machten ihre Sache gut und teilten sich mit allen übrigen Darstellern in einen ehrlichen, überaus herzlichen Erfolg. 8p ort. Rennen zu Grunewald am Mittwoch, dem 28. August. 1. R e n n e n. 1. Granit(Kreuz), 2. Jagdpasfion(Bleuler), 3. Ilsen- bürg(Rastenberger). Toto: 24:10. Platz: 16, 3l, 103:10. Ferner Uesen: Gnnga, tdetman. Pflichttreue, San Domenieo, SUviuS, HcrodeS, Orenburg, Ehimu, Morganat, Fasanenhenne, Orgie. 2. Rennen, l. Semper idem(33. Printen), 2. Amönenwarte (Sajdik). 3. Truit(P. Ludwig). Toto: 33:10. Platz: 14, 14,24:10. Ferner liefen: Griland, Sopbist, Staffelstab, Tantor, Torrone. 3. Rennen. 1. TatiuS(33. Printen), 2. Jschtar iTHIelemanni, 3. Polyglott(Bleuler). Toto: 50: 10. Platz: 21, 15: 10. Ferner lies: Prcpared. 4. Rennen. 1. Malatesta(33. Printen), 2. Gcsolei(hugueni»), 3. Eldon(Psörtke). Toto: 40:10. Platz: 15.14.21:10. Ferner liefen: Hurone, Offensive, Patgulli. FormoliiS, Brillant, Männertreu. 5. Rennen. 1. La Margna(Bleuler), 2. Patrizier(Ludwig). 3 M er» (G. Jaekel). Toto: 43:10. Pl. 21, 34:10. Ferner liefen: St. Robert, Lupus. 5. Rennen. 1. Ouellendorf(Böblke), 2. Tarquinia(Huguenin), 3. Ouiffama cHaynes). Toto: 23:10. Platz: 15, 23:10. Ferner liefen: Verena. Zachmelcr, Cumä. 7. Rennen. 1. Bernbard lHaynes). 2. TaSna lHuguenin). 3. Larenburg lZlnt) Toto: 50:10. Platz: 25, 33. 48:10. Ferner lieten: Metou, Notriaa, Sebastian, Parmtznides, Tarnhelm, Lwdwurm, Ferne, Taugenichts, Limanova, vpri«. »Zehn Lahre neues Berlin!" Ein Vortrag Reviers als Austati zum Wahlkampf. Die Tharlottonburger Parieigenoffen der 57. Abteilung eröffneten gestern abend den Kommunalwahlkampf mit cmer stark besuchten Wahlerversammtung im Schillerrealgymnasium. Stadtrat Genosse Reuter sprach über das Thema„Zehn Jahre neues Berlin". Genosse Reuter betonte eingangs seiner Aus- fnhrungen� daß es nicht so leicht sei, Gemeindepolitik darzustellen und zu verstehen. Gemeindepolitik setzt sich aus einer Unzahl von Cinzelgebieten zusammen, die olle selbständig sind und im einzelnen umfassendste Kenntnisse erfordern. Aber gerade deshalb liegt in der Popularisierung kommunalpolitischer Arbeit eine Bedeutung, die gerade wir Sozialdemokraten nicht verkennen dürfen. Wird doch r n groß Teil unserer Ziele in der Gemeindearbeit reisen und seine ltrfüllunz finden. Ob zum Beispiel Arbeit vorhanden ist, ob die Wohlfahrt funktioniert, ob Schulen, Krankenhäuser da sind, ob und welche Wohnungen lpir haben, wie die Straßen, der Berkehr aus- sthen. ob eine Gemeinde Gas, Wasser und Elektrizität liesern kann. oll das ist Gemeindearbsit, die in ihren Einzelheiten nicht erkannt, in ihren Wirkungen oft verkannt wird. In Berlin ist die größte Bcrwoltungsreform, die je da war, durchgeführt worden. Wir haben ein Groß-Berlin geschaffen! Bon einem sozialen Leben war vor und noch während des Krieges nichts zu merken: die arbeitende Bevölkerung hatte nur einen ab. salut unzureichenden Einfluß auf die Gestaltung des Gemeinde. lrbens, das Dreiklafsenwahlrccht herrschte überall. Eine Stadt erschließen und entwickeln hieß damals Grundstücks- werte erschießen und entwickeln. Es ist erstaunlich, wie gegen- über auch nur vor zehn Jahren die Entwicklung vorwärtsge- lammen ist. Voran steht die Reorganisation des Bauwesens und doniit die Veränderung des Städtebilides und der Stadt selbst. Konnte man es früher verantworten, daß z. B. in Neukölln 80 000 Menschen auf einen Quadratkilometer Bodenflächc cmgcsicdelt wurden, so werden bei der heutigen Bauweise Hinter- Häuser konsequent oermieden, werden heut« die Häuser luftig, bpoienisch einwandfrei, freistehend in und um Gärten gebaut. Aller- Vings bedeutet das eine radikale Entwertung des Grund und Bodens. Es ist den Baufpskulanten fast unmöglich gemacht, len imhelloollen Einfluß auf die Gestaltung Berlins, den sie früher auxübien, weiter zu nehmen, und das ist nicht zuletzt eine Quelle von Angriffen gegen eine fortschrittliche Stadtverwaltung. Rur wer die ganze Bedeutung dieser Neuregelung für Gesund- bcit und Wohlergehen der Bevölkerung erkennt, weih, was hier ge- triftet wurde. Berlin hat Grund und Boden ange- kauft, wo es ihn nur haben konnte. Britz, Düppel, Gatow-Ciadow, — um nur wenige zu nennen, sind angekauft und damit der Besiedlung durch nur reiche Leute entzogen, die Stadt kann jetzt einen Bebauungsplan aufstellen, der den Interessen der arbeitenden B«- völkerung entspricht. Ufer, Waldungen können freigemacht, im Hinierlairde Kleinsiedlungen errichtet werden. Mit solchen Wert- r.'jckten in der Hand kann Berlin natürlich das Wirtschaftsleben be- cinilussrn. Es ist noch nicht ganz 15 Jahre her, daß die Skadt begannt auf die Verkehrsbetriebe Einfluß zu nehmen. vorher gehörte uns weder die Straßenbahn, noch der Omnibus, noch die Hoch- und Untergrundbahn. Die restlose Verschmelzung diejcr Einzelunternehmungen zu einem Riesenbetrieb in kommunaler Hand bracht« den Einheitstarif mit seinen gegenüber anderen deutschen, europäischen und außereuropäischen Großstädten außer- ordentlich billigen Fahrpreisen. Di« Verschmelzung gestattete einen Ausbau des Verkehrswesens so wie es den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprach. Ganz abgesehen davon, daß die gestei. gerte Bevölkerungszahl einen gesteigerten Verkehr mit sich bracht«, der natürlich befriedigt werden muß, kann jetzt endlich daran gedacht werden, die Stadtteile Berlins, die früher mit Straßenbahnlinien. besonders aber mit Untergrundbahnstrecken stiefmütterlich bedacht waren, den Verkehr zu erschließen. Natürlich fördert der Ausbau des Verkehrs auch die baulich« Erschließung der angekauften Land- aebiet«, und dabei wird es jetzt keinen Strest mehr zwischen privaten Verkehrsunternehmungen und der Stadtverwaltung geben. Man wird Hand in Hand arbeiten, so wie es vernünftig und not- wendig ist. Genosse Reuter ging dann kurz auf die ZNehrheilsverhällnisse la der Sladkverordnelen- Versammlung ein, zeigte, wie die Sozialdemokraten in ihrem Bestreben, Anteil zu nehmen an dem Aufbau des neuen Berlin, von den Kommunisten bei jeder Gelegenheit im Stich gelassen wurden und wie schließlich die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion sich nach Koalitions- genossen bei den bürgerlichen Parteien umschauen mußte. Es gab zum Beispiel vor der Zeit der Schaffung Groß-Derfins keine bürgerliche Partei im Rathause, die etwa ihre Zustimmung zu den jetzt erlebten Neuordnungen des Bauwesens und der Verkehrs- betriebe gegeben hätte. Früher hätten wir mit solchen Projekten eine strikte Ablehnung bei den bürgerlichen Parteien erfahren: heute will es jede bürgerliche Partei gewesen fein, wenn Fortschritte unter der tätigsten Mitwirkung der So- zialdemokraten gemacht werden. Aber es kommt zum Glück nicht nur mif eine Mehrhest im Parlament an, sondern es ist nöti� daß eine Stadtverwaltung klare Ziele, ein festes Programm hat, daß sie weiß, was sie will. Das wirkt sich früher oder später auch poli- tisch aus. Wer denkt beispielsweise heute noch daran, Groß-Berlin wieder zu zerschlagen, wo Ist der Rus.Los von verlin" geblieben? All- früheren Vorortgemeinden haben eingesehen, daß sie nur in einem Groß-Berlin wirken und leben können, daß nur«Ine große Kommunaloerwaltung das zu bieten imstande ist, was die Interessen der arbeitenden Bevölkerung verlangen. Die Leistungen Berlins sind ein ungeheurer Aktivposten für die Sozialdemokratische Partei! Wir kommen in Berlin durch, denn wir haben eine Arbeitermehrheit, die durchaus einsichtig ist, die bürgerlichen Parteien brauchen wir nicht zu fürchten, denn sie müssen nach jahrelangem Kampf jetzt selbst zugeben, daß auch Sozialdemokraten in der Kommune arbeiten und verwalten können. Eine Schwierigkeit besteht allerdings für Berlin noch: Das ist die Zunahme der Bevölkerung durch Zuzug von außerhalb und die damit zusammenhängende Wohnungsnot. Trog der 2S000 neuen Wohnungen, die 1329 in Berlin gebaut wurden, ist die Wohnungsnot so groß wie zuvor, aber ein vermehr» ter Wohnungsbau ist ein« Frag« der Baustoffbeschaffung und der Baustoffpreise, eine Frage des Bauarbeiternachschubs und vor allem eine Finanzfrage. Diese Probleme sind noch nicht gelöst, aber es wird an ihnen gearbeitet. Eine Finanzfrage ist auch der Ausbau der siädkischea Werke. Um die durch den riesenhaft gesteigerten Elektrizitätsverbrauch not- wendig gewordenen Erweiterungen der Werke durchführen zu könne», brauchen allein die Elektrizitätswerke bis zum Jahre IS?? etwa 500 Millionen Mark. Für die Erweiterung und die jährliche Erneuerung des Bertehrsnetzes sind in den nächsten 15 Jahren«ine Milliarde Mark erforderlich. Die Wasser» werke und die Gaswerke verzeichnen ebenfalls«inen riefen» Haft gesteigerten Konsum, so daß auch hier große Kapitasien für den Ausbau nötig sind. Die Entwicklung Berlins ist eben sehr stürmisch ersolgt, und da muß die Stadtverwaltung und all« ihre Organe mit. Die Stadt Berlin ist ganz einfach gezwungen, Geld auf dem Wege der Anleihen auszunehmen, weil ohne Geld eine Riesenstadt wie Berlin nicht zu entwickeln ist. Uebcroll wird das anerkannt und eingesehen. Nur der Berliner steht den Dingen zu nahe, um sie zu erkennen. Wir Sozialdemokraten wissen, was wir wollen: wir kennen allerdings auch die Grenzen, die uns die wirtschaftlichen Bcrhältnisse stecken. Aber wir werben weiter schaffen ein neues Verlin! Der sehr instruktiv« Vortrag wurde von den Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen. In der Diskussion ergänzte unter anderem Bezirksoerordneter Genosse Dr. Jaffe die Zlusführungen des Referenten, soweit Charlottenburger kommunale Arbeit in Frage kam. Gogols„Revisor" ist ein Lustspiel, dessen Komik wir noch immer lebendig miterleben. Denn die Kriecher vor einem hohen Titel, die Subalternen mit dem ewig krummen Rücken sterben nicht aus. Und die falschen FürsUichkeiten, die heute bei uns im Lande ihre Geschäfte machen und vor denen eine Welt von Lakaien auf dem Bauche rutscht, sind ja ausschließlich auch solche Revisoren. Trotzdem war es falsch, das Lustspiel in ein allzu deutsches Milieu hineinzustellen und vor allen Dingen den Revisor selber direkt aus Berlin zu importieren. Dazu stimmt der ganze sein durchgearbeitete Hintergrund des Gogolschen Lustspiels nicht.—„II nterhalt» ia m c Lieder" sang Franz Baumann mit seinem vor dem Mikrophon schon oft bewährten, angenehmen Tenor. Da er nichts anderes will, als die Hörer unterhalten, so läßt man sich dieses Singen gern gefallen. Tes. Llm die Heilung von Trinkern. Offene und geschlossene Znrforgeanfialten. Die offen« Fürsorge für Rauschgiftsüchtige erfordert zu ihrer vollen Wirksamkeit, so unverkennbar ihre eigenen Erfolge sind, die planmäßige Ergänzung durch die geschlossene Für- sorge, die ollein die Möglichkeit bietet, den Patientea von den mannigfachen Gelegenheiten zum Rauichgistgenuß sernzuhaften. Die unheilbaren, seelisch schwer geschädigten Trinker hat sie möglichst dauernd zu verwahren. Di« geschlossene Trinker- fürsorge gliedert sich in drei Stufen. Die offene Heil st ölte hat den Charakter eurer völlig offenen Nervenheilanstalt mit möglichst reichen Möglichkeiten zur Ablenkung von der Sucht durch Leibesübungen und Arbeitstheorien(Werkstätten, kleine Landwirtschaft, Gartenbau) und durch geeignete Diät. Im Interesse einer guten Ueberwachung und eines ausreichenden pevsön- lichen Kontaktes zwischen ärztlichem Leiter, Abstinenzorganisation und Kranken, wie auch einer möglichst wenig answltsmäßigen Der- pflegung, die für die Entwöhnung so wichtig ist, sollte ein« solche Anstalt keinesfalls größer als 100 Betten sein. In Anstalten dieser Art können nur Kranke behandelt werden, bei denen die Sucht erst kurze Zeit besteht und die übrigen Verhältnisse relativ günstig find, bei denen man daher die Unterbringung m einer geschlossenen An- stall au» psychologischen und sozialen Gründen nicht für erforderlich bzw. nicht angängig hält. Alle die Trinker: bei denen die Unterbringung in einer offenen Herlstätte nicht in Frage kommt, bei denen aber noch eine, wenn auch geringe Heilungsaussicht besteht, ferner olle Morphium- und Kokainsüchtigen gehören in Abstinenz-Sanatorien nach dem Beispiel des versuchsweise iq den Wittenauer Heil- statten eingerichteten. Hier haben auch die erforderlichen Bc- obachtungen stattzufinden, soweit man sie nicht einer im Anschluß an eine Heil- und Pslegeanstalt bestehenden Nervenklinik oder einer fachlich geleiteten Krankenhausabteilung übertragen kann oder will. Die Abstinenz-Sanatorien sind grundsätzlich geschlossene An- stalten. Sie sollen in erster Linie die Möglichkell bieten, den Kranken zur Erfüllung der esten und wichtigsten Vorbedingungen der Heilung längerer Zell abstinent zu halten. Sie bedürfen hierzu einer äußerlich ansprechenden Einrichtung, da auch diese Kranken, wenn sie nicht unter Gifteinsluß stehen, sich seelisch nicht wesentlich anders verhalten als andere leichte Psychopathen. Ein großer Teil der schweren Alkoholiker sind oft um so mehr unheilbar, als es sich bei ihnen vielfach auch um sonst psychisch abnorm konstituierte Persönlichkeiten handelt. Diese Kranken bilden den weitaus größten Teil der Trinkerauf» nahmen der H« i l- und P s l e g e a n st a l t e n. Auch sie bieten, wenn und solange sie in den Heil- und Pflegeanstalten abstinent gehalten werden, erhebliche, die Dauerinternierung gesetzlich rechtfertigend« seelisch« Störungen meist nicht. Es ist daher bei der heutigen Rechtslage nicht ohne weiteres möglich, sie dauernd in den Anstallen zurllckzuhallen, was für sie, besonders aber für ihre Umgebung und die Allgemeinheit, das Beste wäre, da sie nicht sellen, besonders gegen Frauen und Kinder, aber auch in anderer Weise leichter oder schwerer kriminell werden, wenn sie unter Alkoholeinwirkung stehen. Dies läßt sich bekanntlich außer- halb der Anftoll nicht verhindern. Die offene Fürsorge ist meist nicht in der Lage, hier erträgliche Zustände zu schaffen, da sie diese Kranken, die sich dauernd vom Alkohol weder fernhalten wollen noch können und durch ihn schon schwer geschädigt sind, bei den bestehenden Verhältnissen nicht am Alkoholgenuß hindern kann. Am h zweckmäßigsten wäre es, diese Kranken, deren Gesamtzahl nicht sehr groß ist(sie wird für Berlin kaum wesentlich höher sein als 1500 bis 2000), dauernd in Heimen zu fixieren. Die periodische Unterbringung in Anstallen, wie sie jetzt die Regel ist, nützt weder dem Kranken noch schützt sie die Allgemeinhett und die Angehörigen der Kranken, macht aber nicht unerhebliche nutzlose Kosten. Bei der Erweiterung des bestehenden und der Schassung neuer Anstalten wird hierauf möglichst Rücksicht genommen werde». Die Durchsüh- rung hängt wesentlich von dem Verständnis der in Frage kommen- den Gericht« für dieses hochwertige soziale Problem ab. Fest unserer Turner. Am Sonnabend, dem 31. August, und Sonntag, dem 1. September, veranstaltet die Freie Turner- schaft Groß-Berlin anläßlich ihres zehnjährigen Bestehens ein großes Jubiläumssportfest im Poststadion, Lehrter Straße. Neben den verschieden sportlichen Borführungen von alt und jung werden in den Kampfbahnen die besten Schwimmer und Leichtathleten des Reiches um den sportlichen Sieg ringen. Der Sonnabend ist als Tag der Kinder und Jugend- lichen gedacht. Beginn der Hauptveranstaltung am Sonntag» nachmittag um 13 Uhr. Der Festbeitrag für sänitliche Veranstal- tungen, Festabzeichen und Festschrift beträgt 1 M. Weiteres ist im Sportteil des„Abend" zu lesen. 10. Ausstellung„Rodel und Schere". Dom 31. August bis 3. September findet im Saalbau F r i e d r i ch s h a i n die 10. Aus- stellung ,/Olabel und Schere" statt. Täglich sollen Modevpr- führungen um 4(IS) uno um 7(13) Uhr nachmittags mit abwechslungsreichen Einlagen veranstaltet werden. siie,l.wS-/Mwe�:«Ol.tvlu*** reöaita aus lese»typs s* ♦«chwarz-weiss w ♦ Mi der 64 nach dem Tegeler See. Di« Linie 64, im Mittelpunkt der Stadt. amDönhoffplatz deginnend, zeigt so recht den Typus der modernen Straßenbahnlinie. die bedacht sein muß, möglichst viel» Zubringerlinien zu erhalten. An ihrem Endpunkt und dem südlich gelegenen �alleschen Tor resp. Y o r ck st r a ß e. den ganzen Verkehr vom Norden, Osten und Luden aufnehmend, zieht sie— gewissermaßen einen chakbtreis be- schreibend— zum Zoo und Knie. Von da nordwestlich durch Charlottenbur g— S iemensstadt nach Gartenfeld. ihren Endpunkt an dem Siemens-Schuckert-Werk und kurz vor dem Großschifahttskanal findend. In ihrer zweiten Hälft» wird sie durch die Linie SS unterstützt, die. kurz vor ihrem Ende links abbiegend, eine sehr erwünschte Verbindung mit Spandau herstellt. Der „Wochenendler� wird sich entscheiden müssen, ob er rechts in die yungfernheid« oder linke nach Saatwinkel sich wenden will. Die oll« LKb« de, Berliners zum Wasier gibt den Ausschlag für S a a t» » I n k« l, vor S0 Iahren»in romantischer Ausflugsort, den fröh- lich« Sremserpartien mit Vorliebe aufsuchten. Jetzt haben die Wasier« lokale sich vermehrt und Wochenendgärtchen und Heimstätten zeuge« von dem Streben de» Neuzeitmenschen« auf jedem schönen Fleckchen Eiche heimisch zu werden. Der Weg dahin führt von der Brücke über den Schiffahrtskanal durch ein Stück„Waldlandschaft', da» viel Sand und Kleinbaumbestartd aufweist und an deren Eingang eine Tafel steht: Dieser Weg ist verboten Aber so schlimm ist das nicht. Alle Well schlägt sich links in die Büsche und der Wege und Wegchen gibt es hier so viele, daß man denken könnte, in einer öst« lichen Karawanengegend zu sein. Aber die Parole ist allemal: links hallen und die Luft ist rein und d» Sonne scheint„schön' auf uns hernieder— und die Hauptsache ist, in 10, 12, IS Minuten sind wir in Saatwinkel, am Rande des Tegeler See». Ein« Omni- busverbindung nach Tegel ist in Aussicht gestellt: mehrere Motor» fährboote oermllteln den Verkehr zu de« vorgelagerten Inseln und nach Tegelort<5 Personen 1 M.). Von dort Heimkehr mit der 28 oder Dampferfahrt nach Tegel. Karte 6 des 30- Pf.. Führers der BVG. Einschulung blindes oder taubstummer Kinder. Durch da» Gesetz vom 7. August 1011 ist die Schulpflicht auch aus blind« und t a u b st u m m e Kinder ausgedehnt worden. Zu den taubstummen Kindern werden im Sinne diese» Gesetzes stumme oder taubgeworden» und solche Kinder gerechnet, deren H ö r o e r» mögen so gering ist. daß sie die Sprache aus natürlichem Wege nicht erlernen oder die erlernt« Sprach« durch da» Ohr nicht mehr verstehen können. Zu den blinden Kindern zählt man auch all« diejenigen, die so schwachsichtig sind, daß sie Schreiben und Lesen nach Art der sehenden Kinder nicht erlernen können, oder bei denen vorauszusehen ist, daß ihr« Sehkraft für die spätere Berufsausbil- dung nicht ausreichen wird. DI« Schulpflicht beginnt bei blinden Kindern mit Vollendung de» sechsten, bei taubstummen Kindern mit Vollendung de» siebenten Lebensjahres. Von diesem Zeitpunkt an müsse« dl« in Berlin wohnhaften blinden oder taubstummen Kinder den für sie ip der städtischen Blinden, bzw. Taubstummenschul« eingerichteten Unterricht besuchen. Di« Kinder sind aber bereits IM Jahr vor Beginn der Schulpflicht anzumelden, d. h. also blind« und taub- stumm« Kinder, die bis zum 1. April 1030 da» iM. bzw. »K, Lebensjahr vollenden, find zur Einschulung vorzumerken. Dt« Eltern oder sonstigen Pflegebefohlenen werden deshalb aufgefordert, bis spätestens 1. November d- 8. die Kinder im Amtszimmer der «öchstgelegenen Volksschule ihres Bezirks während der Sprech» stund« des Rektor zur Anmeldung vorzuführen. Die Anmeldung hat auch dann zu erfolgen, wen« die Kinder in anderen oft städtischen Anstallen untergebracht sind, oder wenn sie bereits Privat» Unterricht erhallen oder erhalten sollen. Bertehr im Ounteln. Man schreibt uns: Infolge Sperrung der Unterführung am Ringbahnhof Tempelhofin einer Fahrtrichtung erfolgt der Fahr. verkehr noch Tempelhof hauptsächlich über Hohenzolle'rn- korso und eipen vor vier Wochen fertiggestellten Fahrdamm de» Zähringertorso und Wittelsbacherkorso zur neuen Unter- führung im Zuge der Manteufselstroße. Obwohl auf dem schmalen Fahrdamm der neuen Straßentsile auch Verkehr in entgegengesetzter Richtung zugelassen ist und außerdem vom St.. Josef. Kran» k« n h a u» und au, Richtung Katzbach st raß« ein lebhafter Der. kehr in den Hauptstrom einmündet, sind die Straßen zwischen Schul- gebäude, Hohenzollernkorso und Preußenring ohne Beleuch- t u n g. In jeder Rocht vermeiden mehrer« Kraftfahrzeuge an der Eck« Zähringertorso und Wittelsbacherkorso nur durch scharfes Brem- l«n einen Unfall und geroten auf das Bankett des Straßenbahn- körpers. Kürzlich waren sogar S a n d h a u f e n für dl, Errichtung der Stroßenbahnmaften teilweise auf den Fahrdamm geschüttet, die nacht» nicht beleuchtet waren. „Berliner Finanzen" im Rundfunk. Stadtkämmerer Dr. Lang« spricht am Sonnabend, dem 31. August, 7 Uhr abend,(10 Uhr), im Rahmen der Vortrags- reihe.Kommunale Stunde' vor dem Berliner Rundfunk. Soziales Mist- und Wohnrecht Oer Beichsmietertag in Eisenach. Der Reichsbund Deutscher Mieter e. v.(Sitz Berlins hiell kürzlich in Eisenach seine diesjährige große Mielcr- tagung ab. Di« thüringisch« Staatsregierung und die Stadt E ifeno ch brachten dem Reichsmietertag großes Interesse entgegen und hatten Vertreter entsandt. Der Oberbürgermeister von Eisenach begrüßte den Reichsmietertag. Außerdem waren Vertreter der großen gewerkschaftlichen Organisationen, des Bundes Deutscher Bodenreformer. der.Dewog, der politischen Parteien usw. und zahlreiche Gäste anwesend. An: 23. August wurde vormittags die öffentlich« Tagung ab- geHallen, in welcher der Bundesvorsitzende, Volkswirt RDL. Ge- nosf« D z t e y k- verlin, über die„Forderungen der deut- sche« Mieterschast' und der Bundeeschatzmeister Grot- Haus- Berlin über„Das soziale Miet- und Wohn- recht' referierten. In einer Entschließung wird erneut die Berufung eines Vertreters des Reichsbundes Deutscher Mieter e. V. als ständiges Mitglied in den Reichs wirtschafts rat ge- fordert. Dt« Entschließung 2, die Vorschläge zur Schaffung eines sozialen Miet- und Wohnrechtes macht, geben wir nachstehend im Worttavt wieder. „Die vom 23. bis 23. August 1920 in Eisenach zum Reichsmieter- tage versammelten Vertreter der Landes-, Provinziol- und Bezirks- oerbände und der Ortsoereine des Reichsbundes Deutscher Mieter e. V. fordern die Schaffung eines sozialen Miet- und Wohnrecht«» als zwingendes Recht auf der Grundlag«, daß das Mieterschutzgesetz, da» Reichsmietengesetz, das Wohnungsmangel- gesetz und die entsprechenden Bestimmungen des BGB. zu einem einheitlichen, sozialen Recht gestaltet werden, das für die Wohnraum- und die Gewerberaummieterschaft in Zllt- wie in Neu- bauten Geltung hat. Wir fordern besonders: 1. Eine soziale Aus- gestaltuna des Kündigungsrechtes unter besonderer Berücksichtigung der sozialbeorängten Mieter, der Armen, Rentner, Kriegsbeschädigten, Witwen, kinderreichen Familien usw Kündigungen dürfen nur au» wichtigen Gründen(ZZ 2 bis 4 MSchG.) zulässig sein. 2. Der Mietzins, der auf Verlangen eine» Lenragsleilcs vom Mietgericht festgesetzt werden kann, muß angemesien sein. Er darf einen bestimmten bezirklich festgesetzten Prozentsatz des Steuerwertes nicht überschreiten. 3. Die Aufgaben der Wohnungsfürsorge,. Wohnung»aufsicht und Wohnungspflegc sind den Gemeinden zu übertragen. Die Obdachverpflichtung der Gemeinden ist zwingend. Das Beschlagnahmerecht leerstehender Wohnungen muß bestehen bleiben. Die Neubau- tätigkeit ist in jeder Weis« zu fördern. 4. Es werden Miet- g« richte gebildet, die sich aus einem Berufsrichter und je einem Beisitzer aus Mieter- und Vermieterkreisen zusammensetzen. Ebenso sollen für die zweit« Instanz La nd e s m ie t g e ri chte mit Bei- fitzern aus Mieter- und Vermieterkreisen gebildet werden. Als Revlsionstftstanz soll«in Senat des Reichsgerichts entscheiden, dem ebenfalls Vertreter der Mieter und Vermieter an gehören. Vertreter der Mieterorganisationen sind zwingend in allen Verfahren als Rechtsvertreter zuzulasien, und zwar auch in den Streitfällen, die im Zioilprozeß entschieden werden, ftilh««i verheer 559 jßüönaöb fäeiizeUtism® 1U Anzahlung und 4 Monatsraten, bei Käufen über 100 Mark '/< Anzahlung und 5 Monatsraten. Bei Barzahlung■S'l» Rabatt. Damen-Konfektion Herren-Konfektion Kinder-Konfektion Damen-Haie Herren-Hüte Schuhwaren 40 fahre ssM Flotter Mantel"w** Mantel molliger Pt/T�nMur modTnetlok.~0 ffi»'■> Positiv muß zu der ganzen Frage gesagt werden, daß die Reformbedürftigkeit des Katalogs der mündelstcheren Anlagen aner. kannt werden muß. Schon wenn man. was unbedingt angestrebt werden muß, die Landesmündelsicherheit durch die Reichsmündei- ficherheit ersetzt, wird sich eine Revision des Katalogs nicht vermei- den lassen. Es wird die Frage auftauchen, wie weit jenen Schuld- verfchreibungen der privaten Hypothekenbanken, die heute Landes- Mündelsicherheit gemeßen. die ReichsmüMlsicherheit �zugestanden werden soll. Aber es kSÜTtte'keinesfalls ve'rantwortft.werden, chst. einem S.Hkage' sämtll�y'MMd-der ptiva ten Hypothekenbanken die ReichsmündAsicherheit zuzugestehen. Wenn die Hypothekenbanken auch unter Staatsaufsicht stehen, so bietet sie doch kein« absolute Sicherheit und schließlich hat es ja auch schon Hypothekenbanken gegeben, die zusammengebrochen und deren Schuldverschreibungen notleidend geworden sind. Andererseits ist zu verlangen, daß den Schuldverschreibungen der öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten, hinter denen ja die öffentlichen Körperschaften stehen, die Mindelsicherheit zuerkannt wird, soweit es bisher nicht der Fall ist. Ebenso muß natürlich der Anschlag de» Baak- vad Industriekapital» auf dt« Kommunen abgewehrt und im Gegenteil gefordert werden: erstens daß die Mündelsicherheit der Kommunalanleihen ge- fetzlich fe st gelegt wird und zweitens, daß auch denjenigen Schuldverschreibungen die Mündelstcherheit zuerkannt werden soll, deren Verzinsung von einer Kommune gewährleistet wird, während nach dem jetzt gellenden Recht nur Schuldverschreibungen mündel- sicher sind, deren Verzinsung vom Reich oder einem Land g e w ä h r l e i st e t ist. Diese letztere Bestimmung wäre besonders deshalb wichtig, weil sie den Anleihen der kommunalen, m selbständiger Rechtssorm bestehenden Betriebe(wie Berlmer Der- kehrs A.-G., der Bewag ufw.) die Mündelsicherheit ver- schaffen könnte, sowell die Kommunen für den Zinsendienst dieser Anleihen die Bürgschaft übernehmen. Eine solche gesetzliche Festlegung des Anspruches sämtlicher öffentücher Körperschaften auf Mündelsicherheit für die von ihnen ausgegebenen und garantierten Anleihen rechffertigt sich nicht nur aus staatspolitischen Gründen. Sie findet auch darin ihre innere Recht- fertigung, daß alle öffentlichen Körperschaften dem Gläubiger ein« Sicherung stellen, über die die Privatwirtschaft nie- mels verfügt: die Möglichkeit, sich durch den steuerlichen Zugriff auf die Steuerzahler zahlungsfähig zu erhalten. Es besteht also tat- sächlich zum Unterschied von den Schuldverpflichtungen der Privat- Wirtschaft für öffentliche und öffentlich garantierte Anleihen jene ab- solute Sicherheit, die der Gesetzgeber für die mündelstcheren Kopital- anlagen verlangt. Wie aus dieser Darstellung ersichtlich ist, ist also auch eine schein- bar so neutrale und rein sachlichen Gesichtspunkten unterworfene Frage wie die der Mündelsicherhcitsbestimmungen in Wirtlichkeit eine Angelegenhell, die im Kampf der UM die Macht ringenden Klassen entschieden wird. Im Falle der Mündelsicherhellsfrage entzündet sich der Kamps speziell an dem Gegensatz zwischen öffentlicher und privater Wirtschast. Bank- und Industriekapital wollen der öffentlichen Wirtschaft den Anspruch auf die Mündelsicherheit ihres Kapitalsbedarfs beschneiden, die Arbeiterschaft hingegen wird sich auch in diesem Fall zum Sachwalter der Interessen der öffentlichen Wirtschaft machen. Oie Bautätigkeit im laufenden Lahre. Noch gute Entwicklung im ersten Halbjahr. Wie jetzt in„Wirtschaft und Statistik" mitgeteill wird, hat.sich die Bautätigkeit in den ersten sechs Monaten dieses Jahres noch verhältnismäßig günstig entwickelt. Nach den Er- Hebungen des Statistischen Reichsamts, die rund 95 Groß- und Mittelstädte in Deutschland ersasien, stieg im ersten Halbjahr 1929 die Zahl der zum Bau genehmigten Wohnungs- gebäude auf 16 639 gegen 13 547 in der entsprechenden Zeit des Borjahres. Die zum Bau genehmigten Wohnungen stellten sich in dem gleichen Zeitabschnill auf 72 573 gegen 51 892. In der gleichen Zeit wurde der Bau von 12 539 Wohiigebäuden mit 58 192 Wohnungen in Angriff genommen gegenüber 19 719 Wohngebäuden mit 45 332 Wohnungen in der Vergleichs- zeit 1928. Dagegen belief sich der Reinzugang an Wohn- gebäuden, das ist der Gesamtzugang abzüglich der abgebrochenen Häuser, in der Berichtszeit dieses Jahres nur auf 9749 gegenüber 12 982 im Vorjahr. Auch der Reinzug an g a n Wohnungen liegt mit 43 127 um rund 19 599 unter dem Wohnungszugang im ersten Halbjahr 1928. Diese sehr unerfreuliche Tatsache dürfte in erster Linie auf die langdauernde Kältewelle im ver- gangenen Winter zurückzuführen sein, wodurch die Inangriffnahme und natürlich auch die Fertigstellung von Wohnungsbauten ganz ungemein verzögert wurde. Ein gewisses Gegengewicht wird jedoch dadurch geboten, daß, oerglichen mit dem Vorjahr, die Zahl der zum Bau genehmigten Wohnungen eine Steigerung von rund 49 Proz. aufweist. Demzufolge können die Aus- sichten auf dem Baumarkt noch einigermaßen günstig beurteilt werden. Wenn die Entwicklung des Wohnungsbaus in diesem Jahre sich noch besser gestaltet als in dem verhältnismäßig sehr guten Jahr 1928, so ist dies nicht zuletzt auf die vom Reichsarbeits- minister Wissel! im letzten Winter getroffene Neuregelung der Bouzwischenkredite zurückzuführen. Welche Bedeutung die H a u s z i n s st e u e r für den Wohnungs- bau hat, wird daraus ersichtlich, daß 89,7 Proz. der neu hergestellten Wohnungen mit Unter st ützung aus öffentlichen Mitteln errichtet worden sind. Im vergangenen Jahre waren es sogar- SSK-'Praz. Ohne die öffentliche Hand und die gegenwärtige-- Regelung'Im Wohnungswesen wäre an einen Wohnungsbau in dWch'- mnfänge"' ü b e rh'a'n pt nicht"zu denken. Die'ge- meinnütz i g en B cku'g e se llfch a flÄ haben sich an den neuerstellten Wohnungen mit 48,7 gegen 46,9 Proz. im Vorjahre be- teiligt. Der Anteil der privaten Bauherren steigerte sich von 42 auf 44,1 Proz. Der Anteil der öffentlichen Körperschaften und Behörden ging von 11,1 aus 7,2 Proz. zurück. Die gemein- nützigen Baugesellschaften sind demnach also bereits ein aus- schlaggebender Faktor für den Wohnungsbau geworden. Einzelhandel und Rationalisierung. Angestelltenvertreter in der Diskussion. Die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzel- Handels hat gestern in einer Pressebesprechung nähere Mittei. lungen über die vor zwei Iahren augfenommene Rationali» sierung im Einzelhandel gemacht. Dabei wurde von den Referenten darauf hingewiesen, daß die Rationalisierung der In- dustrie mit ihrer Massenproduktion letzten Endes volkswirtschaftlich unwirksam bleiben müßte, wenn der Fließtzprodultion nicht ein entsprechend durchorganisierter fließe nder Absatz gegenüber- stände. Wirtschaftliche Fchlleitungen auf der Produktionsseite können nur dann vermieden werden, wenn ein gut organi- sierter Einzelhandel in engster Verbindung mit den Konsu- menten die gesamte Warenverteilung und ihre marktmäßigen Aus- sichten zu beurteilen und durchzuführen versteht. Praktisch müßte die Arbeit so vorgehen, daß man mit Hilfe von Vorträgen. Kursen und Berkaufsberatungen versuchte, die Wirffchaftsmethoden des Einzelhandels ständig zu verbessern. ' Der Hinweis der Referenten auf dl« Notwendigkell eines fließen- den Absatzes ist richtig. Nur müssen dann die Einzelhändler ihr« Politik noch viel mehr mll den Interessen der Konsunienten in Ein- klang bringen als bisher. Sie müssen wirtschaftspolllisch und sozial- politisch«ine Linie einhalten, die gegen jegliche Berbraucherbelastung und unbedingt für die Stärkung des Masseneinkommens eintritt. W&rillTl bevorzugen die deutschen Hausfrauen f&St UUSnollTTlSlOS Dr. Cetker's Backpulver? TVcü m da* wandtroolU Ctßhl dtr SidurhM gibt, daß äff«« utugetaidiiul gelingt Eier und andere wertvolle Zutaten eind also niemalt aufe Spiel gesetzt! Weil ee infolge tetner betonderen Zasammentetzung keine korttpielige Bledipadcang hmnrhl. um[an re haltbar zu eein! (Ges. geschützt unter dem Namen„Baclcin") Weil*e eieh seit über 30 Jahren glänzend bewährt hat! Weil et ein rein deutechee Erseagniz ist! 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Di« Verkaufsberatung >il? psychologisches Problem ist häufig höchst anfechtbar« Wege gegangen, die darauf hinausliefen, die menschlichen Schwächen der Kunden auszunutzen. Lei der Schulung des Der- kausspersonal» ist man ebenfalle nicht selten überdi« sachlichen Ziel« hinausgeschossen und hat die psychologische Bindung der Angestellten an dem Betrieb oersucht. Die freigewerkschaftlichen Angestellten wcndn sich gegen solch« Rationalisierungsmethoden, die sie noch mehr in ihrer Bewegungsfreiheit eindämmen. Man darf die sozialpolitischen Auseinandersetzungen, die bei der Rationali- sierung des Einzelhandels entstehen, nicht unterschlagen. Di« Ratio- nalisierung des Einzelhandels ist zum großen Teil«in Arbeits- zoitproblem, und der Kampf um die Arbeitsbereit- fchaft zeigt den Weg, worauf manche Rationalisieningsbeftrebun- gen hinouslauscn. Der Arbeiismarkt im Reich. Leichte Verschlechterung der Arbeitslosigkeit. Roch dem Bericht der R-ichsanstalt hat sich m der Woche vom IS. bis 24. August die Arbeitslosigkeit weiterhin leicht erhöht. Zwar hat«s keineswegs an Tendenzen zu weiterem Aufstieg in der Wirtschaft gefehlt, und die rückläufige Bewegung hat auch noch nicht all« Bezirke ersaßt, doch muß nach der Entwicklung der letzten Wochen angenommen werden, daß der Arbeitsmarkt feinen günstigsten Stand bereit» Anfang August überschritten hat. Die Gesamtzahl der Hauptunter st ützungs- bmpsänger, die keineswegs die Gesamtlast der Arbeitslosigkeit drfaßt, dürste fest Anfang August von 710 000 auf 720 CS0 Unterstützungsempfänger gestiegen sein. Sie liegt damit also immer noch um etwa 1S0 000 Personen über dem niedrigsten Stand de» Vorjahres. Die stärkste Belastung in der Berichtswoche war in Sachsen festzustellen, wo sich die bedrückte Loge in den beiden wichtigsten Jndustriegruppen, den Spinnereien und der M e t a l l w i r t- s ch a s t, besonders stark bemerkbar machte. Auch ist in Sachsen ein sehr frühzeitiger Saisonrückgang auf dem Baumarkt sestzustellen. Dagegen überwogen in den Bezirken Brandenburg, Pommern, Niedersachsen und Bayern noch die günstigen Cinflüsie. Im einzelnen hat die Landwirtschaft bereits infolg« der schnellen Bergung der Ernte«ine große Zlnzahl von Hilfsarbeitern wieder entlassen. Im Ruhrbergbau hielt die gute Konjunktur unvermindert an. Die Lage auf dem Daumarkt ist durchaus uneinheitlich. Während in verschiedenen wichtigen Bezirken. | Bonmto«9 fe Westfalen. Wc»«TSSWmmg sBgcfbaf lft. hat flch j tm Rheinland und in der Nordmark ein« gewiss« Belebung eingestellt. End« Juli befanden sich noch etwa 117 000 verfügbare Bauarbeiter gegenüber SS 000 im Vorjahr auf dem Markte. Die Lag« der ungelernten Arbeiter hat sich durch starken Rück- gang der Notstondsarbeiten in letzter Zeit ganz merklich verschlechtert. Haargenaue Kalkulation. Ein Jugendgenosi« schreibt uns: Ich benötigt« zur Herstellung einer Arbeit acht Stück Schrauben. IS mal 110 Millimeter. Ich erhalt« von meinem Chef drei Mark, um die Schrauben zu besorgen. In dem Eisengeschäft erfahr« ich, daß die Schraube 40 Pfennig pro Stück tostet, und da ich nur drei Mark bei mir habe, will ich das restlich« Geld noch holen. Der Verkäufer beruhigt mich aber und erklärt mir, ich solle doch zehn Stück Schrauben nehmen, denn diese kosteten nur 2,50 Mf, so daß ich also noch 50 Pfennig zurückbekam. Mein Erstaunen kann man sich vorstellen. Für acht Schrauben reicht« mein Geld nicht, aber bei zehn Schrauben bekam ich noch einen tüchtigen Batzen heraus. Unser Genosse fragt mit Recht, wi« dieser grotesk« Zustand mit den Klageliedern der Unternehmer in Einklang zu bringen ist, die immer behaupten, daß ihnen bei der heut« not- wendigen haorgenauen Kalkulation kaum noch ein Verdienst bleibe.— Auf das äußerste wird allerdings von den Unternehmern kalkuliert,>«doch beschränkt sich dies« Tätigkeit überwiegend auf die Lohn- und Arbeitszeitkalkulation, die ja durch das Antreibesystem und mit Hilfe der Stoppuhr zu höchster Blüte ent- wickelt ist. So können sich unsere Unternehmer dafür auch gewisse großzügige Kalkulationen bei ihren Preisen ruhig gestatten. Sprunghafte Divideadensteigerung in der Spihenindustri«. Gut« Zeiten hat die Mode für Webspitzen den lxtressenden Fabriken g«- bracht. Die Bogtländische Spitzen Weberei ,n Plauen, die bereits für das Geschäftsjahr 1927/28 ihr« D i v i- dend« von 4 auf 9 Proz. heraufsetzen, also mehr als verdoppeln konnten, steigert dl« Aktionärgewinn« für das jetzt abgeschlossene Betriebsjahr 1928/29 weiterhin sprunghast a u f 14 P r o z. Geschäftsbericht und Abschlußziffern der Gesellschaft liegen noch nicht vor. Jedoch teilt die Verwaltung mtt, daß das Unternehmen auf Monate hinaus bei der anhaltend günstigen Mode voll beschäftigt ist. Wellstandards für Holzwaren und Pflastersteine. Von der Standardisierung sollen jetzt auch Pflastersteine und Holz- waren ersaßt werden. So ist jetzt die schwedisch« Kommission für industriell« Standardisierung damit beschäftigt, eine einheitlich« Standardläng« für gesägte und gehobelte Holzworen zustandezubringen. Diese Standardisierung soll im Weltmaßstab durchgeführt werden, während bisher einheittiche Längen erst in einzelnen Län- dern, und auch hier noch unvollkommen, diirchgeführt werden. Di« hieraus zu erzielenden Ersparnisse schätzt die Kommission allein für die schwedischen Sägewerk« auf 6 Millionen Kronen. Auch die Standardisierung der Pflastersteine, die heute noch in Dutzenden von Größen gehauen werden, soll eine ganz bedeutende Ersparnis mit sich bringen. SozialistifcheArbetteMeudGr.- awsendlmzm ffir Wtf« Statrfl m mM Berlin OnNnflrcfe 5 SVlirfiDOtftanbgRSiina beute, ItVi Uhr. i» ftattbts, Sttlln SS®., Llndcnftr. S. S. W. J Xc. Heute, Douuerskag. 19K Uhr: Nord«»! Bein Lortzw», CA«wanftmgt. «eaeben*.— SaNpln» 1: fietm 6an«nbutgtz Stöpeniin viertel: Bete Wianqelstr. 138: ■_________ IB taacll_____________._____ baffer Xat: 6t:.m Stijer Str. 27—80: jSnö an» SRSliel*.— Sefttsd: Snottplo» äBfftritb;.Erste Stift bti Ungrüinfale»'.— Bilmetaborf: Wilbelmsaue 128, Himmer 2; jSaaespolitifBe Rundschau�.— Sebltatorf: Novd- schule, P-tnbamer Str. i— 7(Heichcnfoal i): Tegel: Seim Sofinbofflt. 15: Arbeit» Betriebe ous?"— Pnalow M Ubr Hugversammsung de» dritten Zuges bei Start Usch. Frieden- strafte 88. Referat. Erscheinen Pflicht. Lichteabrra, Kameradschaft Mablsdoel: 20 Ubr Mitgliederversammlung bei Ander«, Babnbofstr. 55—37. Erscheinen Pflicht. Pankow lOrisverein): Alle Sportler und Iungbanner ab 18 Uhr auf dem Andrea S-Soser-Plad.«nschlieftenb ab 20 Ubr wichtige Versammlung bei «ober, Prinü-Seinrich-, Ecke Berliner Strafte.— Saaaabend, 31. August. Lichtenberg, Kameradschaft Gustav Tempel: 20 Ubr bei Sönom. Frankfurter Allee 263. Alle aktiven und passtven Kameraben müssen erscheinen. Anschließend qemütliches Beisammensein mit Angebärigen. S-äöneweide.Znbanni»- thal: 20 Ubr Mitgliederversammlung in der Brücken-Klause. Brücken. Ecke Spreestraße. Vorstand und Gruppenfübrer 1 Stunde frllber. Reuenhagen. Soppcgorten.Birienftcin; 20H Ubr Mviuttsacrsammlung im Schweizerbau». Erscheinen Pflicht._ wellerbericht der Sffenllichen Wetterdienststelle SerNn und Umgegend fRachdr. verb.l Teil» wollig, teils heiler mid noch wann. Keine wesent- lichcn Niederschläge.— Für veulschlaud: Nur im nordwestlichen Küstengebiet größtenteils wollig, im übrigen Reiche heiter und noch wann; stellenwcife Neigung zu lokalem Gewitterregen. .Man n ebme- sagt man»st Mchelnd, wen» man»ich« weiß, �pecher* nehmen und nicht stehlen. Entlehnt ist diese« beinahe grflügelte Wert den allgemein bekannten Oetker-Regevten, nach denen schan seit Großmutter» Zeiten die berelichsten Küche» gebacken werben. Seute Ist diese»„SKan nehme- fast für jede Sausfrau eine Eelbstoerständlichkeit, der ste mit dem größten Per, trauen folgt, denn ste weiß, daß ihre guten Zutaten, die ste ,um Backen nimmt, niemals aufs Spiel geseßt find, wenn ste Dr. Oetler, Backpulver verwendet. In der heutigen Anzeige der Firma Dr. Oetker stnd einmal die Gründe auf- geführt, die diese» unvergleichliche Vertrauensperhältnl» Millionen pon Sausfrauen gegenüber geschaffen Haben. Nur noch bis 31, August ApfelwGliiy«no, l«.. •Tohannlsbeer.«ILO» la. 8taebe*lbe«r»»40» la.. KlrBohweln»»ttO, la.. C* 4 U 5 5 C H 4 N AM Größtes Spez io/goschaft seiner Art in ganz Deutsch.lan.dL Liter B.TB Liter 0.8O Liter 0.80 Liter 0.85 Echte Südwcinc(anversthniUen) Tarrayana»•00, rat, 10%••»»»••• Liter 1.05 Tarraspona,»00, extra Liter 1 55 Malacra, dunkel,»OO, lO�/«•••%••»• Liter 1.20 Malacra,»00, extra............ Liter l.OO Griechen wein, rot,»OO.......... Liter 1.40 Echter Pepsinwein fOr Kranke••. Vt Liter 1.30 TdeallikOr, 38%. i........ 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Mit diesem Willkommensgruß trat mir ein* junge Frau im ärmellosen Arbeitskittel entgegen. Mit ihrem blühenden kräftigen Gesicht unter dem dunkelblonden Haar, chren festen Hän- den und der ruhigen Sicherheit-ihrer Bewegung erinnerte sie an ein« Gutsfrau. „Sie werden durchig sein," sagte sie mit einfacher Freundlich- keit und führt« mich in den Eßsaai der Baracke, wo lange Reihen blankgescheuerter Holztischc und Bänke die Kargheit und Nüchtern- heit des Lebens verrieten. An der weißgetünchten Wand hing, wie eine iremdc Erinnerung, ein glühendes Loirdjchaftsbild. ein« Repro- duktion von Van Gogh. Gegenüber in einem Bücherschrank las ich die Namen: Goethe, Gottfried Keller, Schopenhauer, Nietzsche. Thomas Mann, Hermann Hesse, daneben viele hebräisch« Düchertitet Das Kinderheim. „Alle arbeiten jetzt auf dem Felde," jagte Zeporah, meine junge Wirtin. ,�!ch muh in den Hühnerstoll zurück. Vielleicht sehen Sie sich inzwischen unser Kinderheim an. Da die Mütter den ganzen Tag arbeiten, werden unsere Kinder in einem Gemeinschastshause gepflegt und erzogen. Wir haben erst acht kleine Kinder," fügte sie hinzu, während ein« mütterliche Freude in ihren Zügen aufbrach. „Und wieviel gehören Ihnen davon?", fragte ich. .Lille und keins," antwortet« sie kurz.„Ich bin nicht verheiratet." Als wir aus der Baracke heraustraten, schlug uns die Hitze wie sengendes Feuer entgegen. Ueberall auf den Feldern bewegten sich Männer und Frauen in der kochenden Glut. Wir gingen auf da» große leuchtend« Haus zu. „Natürlich war es dieses Kinderheim, das zuerst gebaut wurde," erzählte Zeporah.„Nun sind die Kleinen und ein Teil unserer Leute wenigstens unter festem Dach. Denn. Sie müssen wissen, das ist unser vierter Platz, seitdem wir vor sieben Jahren nach Palästina gekommen sind. Zuerst nahmen wir Lohnarbeit in den Orangen» gärten an. Dir wohnte» in Zelten. Von den mancherlei Plagen waren die Fliegen wohl die ärgsten. Dann wurden wir in Afuleh in der Ebene angesiedelt. Nun begann die böseste Zeit. Denn wir hatten kein Wasser für den Boden, die Erde war störrisch, gab nichts her. wir quälten uns und kamen nicht vorwärts. Damals waren wir so arm, daß wir oft nicht Zucker für den Tee hatten. Endlich er» hielten wir diese, Land in Pacht. Wer während die Häuser gebaut p-urden. wohnten mix aus«ine« imHcr Högrt w de» Lchmhiwe» ein«» v«rloss«nen arabischen Dorfes. Eine« Tag«» im vorigen Sommer.— ich hatt« gerade Dertretungsdienst bei den Kindern und badete die Kleinen— fängt der Boden unter mir an zu schau- kein. Ich pack« die Kinder, wie sie sind, und stürze heraus. Eine Sekunde später krachte die Hütte unter einem furchtbaren Erdbeben zusammen. Wie durch ein Wunder war keiner von uns verletzt. In diesem Sommer schliefen und wohnten wir unter freiem Himmel." Sie schwieg. Auch ich konnte kein Wort hervorbringen. Wir traten in das Haus ein. Doppeltüren, ein Borfiur und mit Drahtnetzen vergitterte Fenster sperrten dieses Heim der Zukunft gegen Tod und Krankheit, gegen die heimtückische Malariamücke ab. „Uriel! Miriam!" rkff mein« Begleiterin. Ein Schwärm Neiner Kinder stürzte uns entgegen, pausbäckige Geschöpfe von strotzender Gesundheit und Lieblichkeit. „Ja, Kinder und Hühner gedeihen am besten in Palästina," lacht« Zeporah. Die hellen Räume mit den kleinen Betten unter schneeweißen Moskitonetzen, mit den buntbemalten Kindcrmöbcln, dem Blumen» fries an der Wand mitten in der Unwirtlichkeit eines halbzioilisier» ten Lande« wirkten wie«in verzauberte» Paradies. Ich begriff, da» war Europa, die Kultur des Westens, die dies« Menschen unter un» säglichen Mühen nach Asien verpflanzen wollten. „Alle diese Möbel hat Gabriel, unser junger Philosoph und Tischler, selbst gezimmert und gemalt." unterbrach Zeporah meint Gedanken. Hinter den Kindern war ein« zierliche Frau im weißen Kittel der Kin-derpflegenn eingetreten. Ihr« schwarzen schönen Augen blickten unruhig. „Was soll ich tun, Zeporah? Der eine Säugling hat Ausschlag." „Beunruhige dich nicht, Heikal Ich lalse heute Salbe aus der Stadt bringen." Mieder strahlte Ruhe und Sicherheit van der Aelteren au». Nachdem sie uns bald darauf verlqsien hatte, erzählte mir Heika, daß Zeporah die Seele der Kolonie sei. Obwohl kinderlo», wäre sie für alle eine Art Mutter. „Sie leitet die Hühnerzucht, besorgt Einkauf und Verkauf, führt die Rechnungobüchcr. Und immer ist sie heiter/ Nachdenklich sah Heika zu Boden. „Ich habe vorigen Sommer mein erstes Kind an Malaria ver» loren. Wenn ich nur mein zweites behalten darf!" Sie hob einen Säugling aus dem Bett und preßte ihn an sich..Ließt im Frühling sehen die.Kinder prächtig aus. Aber gegen die Hitze im Sammer mit den erstickenden Wüstenwinden sind wir ahnmächtig. Di« Kinder-sind-wi««elt« Mimen. Sig essen nicht, schlafen nicht, fiebern. Man will selber gerne leiden: aber die Kinder leiden sehen, ist schwer." „Aber warum haben Sie sich in Palästina gerade in dem heißesten Klima niedergelassen?" Heiko blickte mich erstaunt an.„Bei vierzig Grad Hitze gedeihen Bananen. Das ist für uns dos Wichtigste. Haben Sie schon die Stauden gesehen?" Stürmisch zogen uns die Kinder in das Freie, um mir die Dononenfelder z» zeigen. Hohe Strohwände zu beiden Seiten schützten die tropischen Pflanzen vor jedem Lufthouch. Soeben waren ein Bursche und ein Mädchen beschäftigt, die Pflöcke zu befestigen. Das Mädchen wickelte den Draht ous und reichte ihn dem Manne, dessen Hals und Gesicht von Schweiß glänzten. Sie arbeiteten stumm nebeneinander mit schnellen, fast rhythmischen Bewegungen. „Do» ist Michael," erklärte mir Heika.„Der einzige Junge aus einem reichen Homburger Hause. Er sollte in dos Exportgeschäft seines Vaters eintreten. Eine» Tages war er auf und davon. Er hotte sich auf einem Frachtdampfcr noch Alexandria eingeschifft, um nach Palästina zu fahren." Benjamin und Zehuda. Wir traten in da» Dickicht der Bananensträucher ein. Blutrot, ein breiter Kolben, jchoß die Blüte au» den fleischigen Blättern her- vor. Hier und dort sah man schon, wie sich unter den Blütenblättern Schicht an Schicht die giftgrüne Fruchtdold« aufrollte, ein Wachstum, das fast etwas Gewalttätiges hatte. Ein Mann mit offenem Hemd, die nackten Füße in der schlammigen Erde, ließ Wasser in die Gräben stürzen, das sofort gierig ausgesogen wurde. Als er näher kam, bemerkte ich die scharfen Gelehrtenaugen unter der Brille. Er grüßte kurz und kehrte um. „Da» ist Benjamin," sagte Heika.„Unser fleißigster Arbeiter. Er hatte schon in Berlin da» Staatsexamen für Medizin gemacht und ein Jahr praktiziert. Da warf er plötzlich olles hin und kam zu un«." Auf dem Rückweg sahen wir auf dem Traktor einen stattlichen jungen Arbeiter, der sich auf der holprigen Maschine so stolz und schön hielt, als führe er zu einem Fest über di« schweren Schollen. Sein« übermütigen strahlenden Augen blickten Heika an. Auch sie lacht«. „Da» ist Iehuda, mein Junge." „Ihr Junge?" „Nun ja, mein Mann. Wir verheirateten sagen hier so. Es klingt kameradschaftlicher. Wollen Sie sich jetzt bi» zum Abendbrot in meinem Zimmer ausruhen?" Erholungszeii. Sie führte mich In da, kleiner« Steinhaus, wo die Ehepaare, jedes in einem gesonderten Raum, und auch einige der älteren Arbeitsgenossen wohnten. Hier verbrachten die überanstrengten Menschen die knappen Stunden ihres persönlichen Lebens, di« nicht der Gemeinschaft gehörten. Ein Bett, ein Sofa, ein kleines un- gestrichenes Bücherregal, das von einer orientalischen Decke verkleidet wurde, das war die Einrichtung de» Zimmer», in dem Heika und Iehuda lebten. Aber in einem blauen Kunstglase leuchteten purpur- rote Granatapfelblüten. lind daneben lag das Buch von Remarque: „Im Westen nicht» Neues." Bei oller mönchischen Kargheit und Streng« wehte ein Dust von Schönheit und geistiger Kultur durch den Raum. Der Gong ertönt«. Von den Feldern liefen Arbeiter und Arbel» «rinnen in bi« SnlebrSmnc. mn sich tu walchen««wi> uoctuKeidtn. Ich sah, wie einige Männer und Frauen in da» Kinderheim hasteten, um noch ihre Kleinen vor dem Schlafengehen zu umarmen. Einige Minuten später waren alle im Eßsool versammelt. Zwei Mädchen. die den Küchendienst versahen— eine Arbeit, die der Reihe nach alle Siedlerinnen drei Monate übernehmen müssen—, trugen in einfachen Blechschüsseln die Suppe auf. Selbstgebackenes Schwarz- brat und Tomaten standen auf den ungedeckten Tischen, dozu»Kannen voll Tee. Butter war sür jeden auf dem Teller abgemessen, da die Wirtschast den Ertrag der verkauften Butter notwendig brauchte. Ich mußte daran denken, daß mir Zeporah gesagt hatt«:„Wir sind noch im ersten Aufbau. Wir müssen an allem sparen, auch an unserem Essen. Die Kinder natürlich bekommen besondere gute Er- nährung."" Aber vor diesem schmucklosen Mahl saßen in hellen Kleidern, mit gelösten wachen Gesichtern di« seltsam verwandelten Menschen, die mit der Arbeitstracht auch alle Schwere des Alltags abgeworfen zu haben schienen. Man glaubte sich in eine Wandergruppe der deutschen Jugendbewegung versetzt, von der ja auch diese kleine G«< meinschaft einmal ihren Ursprung genommen hatte: man fühlte sich in diesen Holzwänden wie in einer Schutzhütte bei einem fröhlichen Ausflug, ober nicht bei Bauern, die von der Mühsal des Tages mit dumpfen Gliedern und Köpfen ausruhten. Meen Blick suchte Heika, von dunklem Reiz in ihrer buntgestickten Bluse. Iehuda be- merkte ich am anderen Tisch. Denn mit Absicht setzten sich die Ehe- paare nicht zusammen, um das Gefühl der großen einheitlichen Freundesfamilie nicht zu stören. Gelächter und Neckereien folgen um den Tisch. Zeporah erzählte von ihren Erlebnissen auf dem arabischen Markt, und Iehuda, frech und lustig wie ein Schuljunge, begann nicht ohne schauspielerische Begabung die Szene eines Beduinenhandels nachzuspielen. Am anderen Ende des Tisches hatte sich zwischen Gabriel, dem jungen Tljchcr, der die Kindermöbel gezimmert hatte, und Esther, einer ehemaligen Philosophiestudentin, ein heftiges Gespräch über religiöse Erziehung entwickelt. Neben mir saß Benjamin, schweigsam, in Gedanken. Da fragte ich ihn unvermittelt, warum er sich nicht eigentlich lieber al» Arzt in Palästina niedergelassen hätte. Er fuhr heftig auf.„Geistige Arbeit ist heute noch Luxus. Jeder, der nicht Krüppel ist, muß die Erde anpacken. Nur di« Erde gibt neue Kraft, lind glauben Sie etwa, es gehört keine Wissenschaft dazu, da» Land zu bebauen? Jetzt sind Bananen meine Patienten. Heute entdeckte ich einen Schädling," und er begann, mährend alle an, Tisch aufmerksam zuhörten, einen Dartrog über das Wesen dieser Inscktenart zu halten. Plötzlich kam Michaek, der Sohn der reichen Hamburger Familie, zu mir heran. „Sie kommen aus Deutschland? Waren Sic kürzlich in Hamburg?" „Erst diesen Winter." „Waren Sie auch im Theater? In den Kommerspielen? Was wurde gegeben? Ich habe damals keine Premiere versäumt." Aus seinen gebräunten, verarbeiteten Zügen sprach Europa- Heimweh. „Fahren Sie nicht einmal auf Urlaub?" fragte ich. „Ich war kürzlich dort. Aber ich bin diesem Lebe» entfremdet. Geld. Ehrgeiz, Gesellschaft, da» sind schattenhafte Begriffe sür uns alle geworden." Arbeitsberatung. Dos Geschirr wurde abgetragen. Die Gespräche verstummten, man rückte an einem Tisch zusammen, ja sogar Iehuda brach mitten i» einem Witz ab. „Was geschieht denn setzt?" fragte ich verwundert Zeporah. „Ist denn immer noch nicht Feierabend?" „Arbeitsberatung für morgen. Jeden Abend besprechen wir ge< meinsam den Wirtschaftsplan des nächsten Tages und teilen die Arbeit ein." Schon horchten olle gesponnt auf. Benjamin forderte, daß zwei Pflegerinnen des Kinderheims bei der Arbeit auf de» Bananenfeldern mithelfen sollten. „Wir haben zuviel unproduktive Arbeit. Warum jeden Tag Spaziergänge und Beschäftigung mit den Kindern?" Einige widersprachen heftig.„Die Kinderpflege darf aber nicht vernachlässigt werden." «So. Aber die Wirtschaft soll warten? Wir müssen dieses Jahr alle Kräfte anstrengen. Und werden unsere Kinder etwa wie Bauer»- tinder erzogen? Man verwöhnt sie—" Da sprang Heika mit flammenden Augen auf.„Die Auszucht dcr Kinder, ihre sorgsamste Erziehung zur Fortsetzung unserer Gemein- schaftsidee gehört zu unserer wichtigsten Arbeit. Wir sind keine private Baucrnwirtschost." Plötzlich nannte Zeporah einige nüchterne Zahlen, und ihrer ruhigen, sicheren Art gelang es sosart, Einigung zu schassen. Es wurde beschlossen, daß eine Kinderpflegerin die nächsten Tage auf dem Felde arbeiten sollte. Mit einem Sprung mar Iehuda aus der Tür und im Freien. Er faßte Michael und Heika an den Schultern.„Kommt! Wir wollen uns diese schäbigen Zahlen aus dem Kopfe tanzen." Und schon schwangen die drei sich in dem Rundtanz der Harra, dem neuen Gemeinschnftstanz des verjüngte» Landes. Anders sprangen in den Kreis, dcr sich weitete: ein Arm aus der Schulter des Nächsten, wurden sie voneinander gehoben, geschleudert, mit- gerissen. Und während alle das Pionierlied sangen:„Wenn nicht heule, wann dann?" stampften die Tanzenden immer wilder, immer extatischer die nackte Erde, die verzückt unter ihren Füßen mitzu- kreisen schien. Diese uralte Heimaterde, die sie liebte», für die sie sich aufopferten, die täglich ihren Schweiß und ihr Blut sog. sie schien gleichzeitig eine wunderbare übermenschliche Kraft in ihre Glieder«uszuströmen. „Wenn nicht heute, wann dann?"— Lebenstrotz, fanatischer Wille band diese Menschcnkett« zu einem unlöslichen Reigen der Gemeinschaft. Immer lauter scholl der Gesang unter dm» schweigende» Glitzern de» fldlichen Himmel». Groß-Verlmer parieinachrichten. Fürsorger, Fürsorgerinne«! «»»»abend, N. A«»ust,«efichti«»»» der>-dett-rk»l»»t« StiiMWatfL Ab- Ört 12.47 Uhr»b Lehrter Dahnhat. Wir trette» u»»»nr verteil»»» der«e- schaftsfahrlartev püultlich 12 Uhr 2» Minuten im Wartelanl M. ll lasse. * tL Ätei» SchSneber«. SteitoR, 30. Duflufl, 19 Uhr, wichtig« graition»- tihun» mit dem engeren lireisvorstand im Neuen Rathau», Rudolf- Wildc-Dlah. 12.»rei, Steglitz, Lankwitz, Lichterfeld«. l?reitaa. 30. August, 20 Uhr, wichtige Versammlung der Elternbeiräte und der Mitglieder der Freien Schul- gesellschost im Lokal Schultheis, Steglitz, Mariendorfer Str. 21, Ecke Salskcstrohe. 1». strei» Dan low. Alle ffienosflnnen und Genossen mit Angehdrigen beteili- gen sich am Sonnabend, Zl. August, im Restaurant„Sanssouci�, Rieder, schiinhauscn, an der Fabncnnagelung und Sommcrnachtsball dt» Reichs- bundes der Kriegsbeschädigten. Alle Fahnen müssen zur Stelle sein. Ein- tritt 75 Pf. heute, Dounerslag, 29. August. 47. Abt. 20 Uhr bei Linke, Woldemarftr. Ski, Vorstandssstzung. Der Ver. gnügungsausschuh wird gebeten, an der Sitzung teilzunehmen. Morgen. Areikag. 30. August. 2». Abt. 19� Uhr bei Beinlich, Weitzenburger Str. 1, Funktionllrsitzung. Stellungnahme zur Stadtoerordnetenwahl. 95. Abt. Neukölln. Alle Gcnosssnnen und Genossen treffen sich zur Beerdigung denen Genossin Frieda Gasserowski pünktlich 14>4 Uhr auf unserer verstorbenen w», n, uuu dem Städtischen Friedhof Mariendorfer Weg. IM.«bt. Z»ha»»t»ihal.» Uhr bei«aidt». 3k-« äste. i. wtchttge lieber Funktionäre. • 7. Abt. fic««Ua. L««»t-mber.«aiflag»ach»»h«»»e»«»d»-s.»eUI JUt Walbschänte-. Co tele ffa i»»a°»«IL Jede»«lad erhalt-iae Stack- laterae. Tresfpautt I Uhr«tettiaer Voeortbahahos. Veztrksausschust für Arbeiterwohlsahrt. 3. strei» Weddiag. Donnerstag, 29. August, 20 Uhr. Ledigenheim Schönstedt. strahe 1. 5 Tr.. Arbeitsgemeinschaft. Tagesordnung: Besprechung der neuen Richtlinien des Magistrats. Verschiedenes. Alle Helfer,«ommifstonsuntglleder. parteigcnösstfchen Fürsorger sind eingeladen. Die Kreisausschutzmitglleder wer- den gebeten, pünktlich um 19 Uhr zur Sitzung zu erscheinen. 11. strei» Schöneberg. Heute. Donnerstag. 29. August, 20 Uhr. im Rathaus SchSneber«, Zimmer 144, allgemeine Besprechung. Erscheinen aller Helfer dringend notwendig. �__,.....„. 14.«reis. Freitag, 30. August, 1» Uhr pünktlich. Sitzung ber«bteilungs- I eiterinnen im Varteibureau, Zd-alvassage. Ausgabe der«arten für die Sonn- tagsfahrt vom Bezirkswohlfahrtsamt. Jede Abteilungsleitertn muh unbedingt vertreten sein. Jungsozialisten. Gruppe Friedrichshain: Heut-, Donnerstag, 20 Uhr, im Jugendheim Tilstter Strotz- 4. Vortrag:.Die Jungfozialisten find-in Bestandteil der Vartei". Aeltere Genossen aus der SAZ. und Varteigenossen find freundlichst eingeladen. Gruppe Süden: Heute, Donnerstag. 20 Uhr. im Jugendheim Yorckftr. 11, Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaft:.Imperialismus. Leitung: Dorn Fabian. Genossen, die fich am Iungiozialistentreffen in Fürstenwalde am 7. September beteiligen wollen, müssen fich heute anm-ld-n. Spielgemciufchaft der Zaagiozialiften: Zusammenkunft ,», U-bnng pünkt. lich 19>2 Uhr in der Alloholfreieu Gaststätte, R-rheinek-pla» 3—4.«,»erden Usch etaia»«eapfstaaea aa» GeasUea«äs «elduug>» obigem Lakai. AchtuRg, Gruppenleiter! Naher, rbeatli che Geappealeiterbefprechaa» heat». Douaerstag, 2». Augast, 19 Übe. ia der»lkahalfreiea Gaststätte. Marheiaet«. platz 3—4, über da» Zuagfozialisteatreffe» ia Fürstrawald«. Um aabedingt pünktliche» Eefcheiaea wie»»edetea. Zeh« Grapp« nah etaea Vertreter entsenden. Arbeiksgemeinlchafk der Sinderfreuade Groß-VerNn. .Iii>!!> I I>,,!> I f, I I I I I I »reisleitersitznng am Freitag, 30. Angnst. 20 Uhr, i» der Geschäfts- A stelle, Liadenftr. 3. Berat»»« de»«iatrrarbettsplun-a. Zedrr«reis m vertreten fei».— Der Arbeit sausfchntz für Selfer-vildougsseagea tagt am gleichen Zag« und Set um l7 llhe. Zateresfiert« Seu-ifiuuea aa» if Genossen köaaea daran teilnehmen. Gruppe Tiergarten. SSt: Freitag, 30. August, Spielen im Tiergarteu. Spiel» platz hinter bem Rosengarten. Trefsvunkt 16 Ulir am Heim Blllowstr. 88.— Sonntag, l. September, Fahrt nach Oranienburg. Trefspunkt 7 Uhr am Heim Blllowstr. 88. Proviant für einen Tag, Trinkbecher und Badezeug mitnehmen. «reis Reukilln, Gruppe Falke: Heute. Donnerstag, 191b Uhr, Elternabend im Heim Treptower Str. 95.— Sounabenb, 81. August. Gruppen.Pslichtfahrt nach Tiefcnsce. Treffpunkt 151b Uhr H-rtzbergplatz. Unkosten 1 SR. Geburlstage. Zubiläen usw. 31. Abt. Unserem lieben Freund und«ampfgenosse»«ugust vläliag. Stolpische«trahe, zu seiaem heatigea«0. Gebartstog» die berzlichstea Glück. toSafche. Di« AbteUaagsleitang. Ikecissf', l.icbkspisl« usve. Vorveeienuf nuck Im Pavillon äer stein harätdllhnen. sturkllrztenäamm, Laste UHIsnästrolle Sismarcst 448/449 Wlü Dieater D.I. Morden 12 310 8Us Ende gegen II Die Flederraans Musik v.Joh. Strauß, Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstaitg t. Kaiiger Kammerspiele D.I. Norden 12 310 Eröffnung der Winterspielzeit Sonnabend, 31. Aug. Tk Uhr Ibd). DrannfUinuig Dar Dflwiderstebliclie Kpmödie von Paul G�raldy und Robert Spitzer Die Komödie .1 1 Bismck. 2414/7516 8>,4 U., Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie: leoniine Sagan Barnowsky-Eohnen Thsater In der tzlniggrttzer StraOe Täglich 8-/« Uhr Riva I en Komödienhaus Täglich 8»/j Uhr Bodizeitsreise mit Boorg Alexondor ■Wo speist man1 fini n.blliu:? Nur OroB-Berlin AleaAndernlalz Die drei Msietiere Bin Spiel»a» romantischer Zelt von Sehen zer n. Welliok Mit Masik von«eatern and heat« von Ralph Sonata t>» Mnslhal. Leitg.. Ermt Hauke I Choreographie: Prot. Heinrich tirilier Alfred Jerger Max Hansen Siegfried Arno Gfila Ljnngberg Trade Hesterberg Trade Lleske Paul Wegener Pani Morgan Joseph Schmidt La laaa Marianne Vlafcalstan hraa Orllk Ute Lenz, Rne Lichten,«ein, Eli« Reval, Max Schreck Kurt Mlkulikl, Fritz Bergar. Robbv Hanke Cerpt de Ballett i Hermen Ik» Vagiboundi i Sän gerchira. GesantanssUttDRB Praf. Ernst Stera Technische Einrfcbtang: Frenz Oererikjf Regie: Grit CHarell Vorverkenk(10—6 anonterbrochen) hat begonnen SVj Uhr Barb. 8256 « ong.-smeriumsche Ramlleps usw. plAza Tägl. S ii. 8» Soul t. Seb» Alax. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE CASINO-THEATER Lothringer 3 trahe 37. Täglich»-/. Uhr Oer neue ErOKnungs-Schlager Wem ggDört mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil Für unsere Lesen- Gutschein 10 r 1—4 Personen Fauteuil nur 1�5 Sessel 1.75 Sonstige Preise: Parkett u. Rang lL80 M Wiiifer ★ Qarfen* o unr• Itntr. 2810 Internat. Vartnt4 • Raoaro crlaibt i Rose- Theater, Grofce Franldarter Mr. 133. Täglich 8.15 Uhr Der kleine Kuppler Lustspiel i. 3Akt. v.Armont u.Gerbidon GA�ienbOhne 530 Uhr Kemart und bunter Tail 8,15 Uhr Die scheidungsreise *** wortti st* ibenniiM Best-Tkmm Verlangen Sie kostenlose Zusendung der Abonnements-Bedingungen Geariaaaiuiiig 5. Mafl« SS. 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Ziehungsiag «.August 1929 vn der Vormlltagszlehung wurden Gewinne Wer Ivo M. gezogen 217830 84891? 888442 871202 3 Gewinnt p 10000 M. 106623 2«cwtnn« i» 6000 M. 1 74396 14 Sewinno nu 3000 M. 212361 878820 399993 24»Cwinn. n 2000 OL 14438 26478 84104 107811 112348 140812 236344 266391 284216 330920 371109 387191 30 Smotnne n, ,000 M. 2463 26364 66660 92270 83463 120810 134747 236623 24S0B1 249707 297282 307448 329985 356203 389302 98 Gewinne ,» 600 W. 12773 16912 20873 26624 38203 45410 66445 69078 63510 70034 78814 101436 102310 106416 106863 11568) 119428 119491 120215 127190 133898 138992 143963 144000148678 163188 168526 172022 186164 202631 211041 216826 220698 220931 265073 273436 278316 294807 312503 327472 328381 328817332112 357706 358101 365210 386129 388167 388678 242»«winn« an 300 M. 4665 6405 9020 17172 21192 38278 39948 43056 43731 43989 45097 48774 62047 87318 80938 62832 64057 69877 74300 74483 76238 78997 83823 90681 91960 92501 101 668 1 0 I 902 103210 104961 103117 117283 128654 132296 136218137938 138923 139950 148415 161650 I 6491 6 I 63578 160500 160607101363 163463 171607 171945 176743 185274 190520 196493 199174201651 201987 206898 207849 21 1032 213221 214660 219048 226823 223836 232192 233087 233305 236121 239676 240566 241215 241246 241303 247017 251545 253255 255665 250030 267032 260348 262364 268454 271765 274832 278738 282097 284284 288313 292290 296663 298458 302667 306319 307522 313308 315026 317570 326191 330176 336869 338383 333905 345395 346291 351643 352680 352721 355433 356780 356654 359469 366283 369369 376683 376607 376734 378809 893772 394950 397389 397921 399909 Sn der Nachmlttagszlehmig wurden Gewinnt Wer US SR. gezogen 6 Dewtnn. I» 6000 HL 3664 172330 338881 6©etDinn« ,n 3000 M. 13262 200195 202264 16 Seminn« in 2000 90. 16394 22681 47490 68804 186288 177740 248023 276484 40 aemlnnt an 1000 90. 12986 41961 83862 98780 104110 107334 128642 171407> 77277 207386 213163 267298 272012 319493 320923 327176 332881 348363 376348 397104 84 Gewinn, an 500 90. 3043 4826 13896 20479 90331 68494 9068« 01178 103124 105510 116102 136300 148998 168893 169258 163611 168807 202570 204178 214059 230533 238770 247)06 259723 300796 304443 316613 319100 322679 336865 339297 346202 346033 360117 362772 366801 376487 389697 390960 994610 394864 399888 168 Gewinn« an 300 M. 1823 9394 10841 17906 24631 28564 32242 38787 40699 46047 46213 48034 48623 68407 70863 71328 37361 96277 99667 I077S6 II 4702 121343 121602 124629 135170 168789 161263 178146 178668 205968»06676 214714 2I9M6 226441 226577 230679 231657 236609 244201 246161 260228 267287 270748 274874 276847 281272 286676 288630 281828 207407 303668 306788 308403 809172 309763 310123 911828 316734 318403 321776 321809 321918 327600 333763 334968 339838 362470 352930 366833 370237 370888 |83?86 388657 Ä UHU �"° 380393 380877 383738 Direktion Dr. Robert Klebe DeDlsehes IlBStler-Tkealer Barbarossa 3937 Donnerstag, Z9. Aug. 7'/n Uhr Dtsch. UrauffQhr. Die ondere Seite von R C Sherriff Regie: HeinzHilpert Btrlioer Theater Dönhoff 170 Dienstag, 3. SepL 7V. Uhr UraniRIhrang Zwei Krawatten von Georg Kather Musik: Mischa Spoliansky Regie: Forster Larrinaga Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich«i/. Uhr über 1000 X Max Adalbert in Clubleute Max Landa, Farry Sikla, Ellen Frank. TheaL d. Westens Täglich S"< Uhr Sonntag 4 u. 8>1« Franz Lehan Weif erfolg i Friederitte Lotte Carola Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 ii. 5121 Im«ewinnrade verblieben:.____..... 3 Gewinne zu je«XXXiO, 4 zu t« 75000, 4 zu je 50000, 2 zu ie 26000, 82 zu te tOOOO, 50 zu f« 6000, ,46 zu I»«Ii 10, 270 zu je amh 746 zu ll 1000, 1806 zu 1« 600, 4882 zn I« 8U0 k 2 Prämien ,u je 500000, -"—100," Ttzggt.UlKglULIat Kottbusser Str. 6 FlgL> Uhr aoen Sonnt. nachm. 3 U. Etile' sanier • wie immer dtr grobe Ertoioi Ei* low luchutörn*'» Schnell und möhelos geht mit VIM die Arbeit von der Hand. 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Beginn der acoea Spielzeit SoBaahesd, den Sl. Aagnzt ITrii 'Dir Sommer-Qarten-Theater Berliner Preter N 58, Kast-Allee 7-91 Tel. hb. 224« Gnsbplgi Snstnl Btu. Srttti Lilien Wiener Blut Operette von Johann StrauB Oaza der graste Varleigteii. Anfang Konzert 4 Dlir. Burleske u. Variete 5.90. Operdfld 8 III». teeeeeeeeeaeeeeeeeeee anoa-TK�r Dlr.iMVniutr stein EiimBengs-Vorsiellg. irelMB. 90. Angnst, f"2 Uhr Das kommt doch alle Tage wor LgtUp. v. Sven Neengird Joh.Rlemann.Vilma v.Aknay,Maz Landa, Lotte Klindcr Lessing-Theater Norden 10846 Gruppe funger Schauzpleler Täglich SV« Uhr iowshl-Drana Ion Eleonora Kaikowska Pianetartnm — am Zoo—> .'«U«, itnkimtlulr'tnA B.S Barbarossa 5578 16V« Uhr ttarahildnr Dm SaMiaar* 18V.U.«SB p«> zo p«i am Sternnahimmai 20", Uhr Dar OluthaM der Sonn« Tägl.auBer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 Pf Mittw,: Erwachsene SO PL. Kinder 25 PL Netropol-Th. TägLSV« Uhr Sonntags 4 u.8V« Blaubart Operette von Ottenbach Grete Fiakler, Stieber- Waltet Losispltiluns Täglich 8«/« Uhr Du wirst mich hviralenl Rundfunkhörer halbe Preise. ReichshallGn-Theater Abend[Ö] Sonntag Nachm.[7| steniner sanger Nachmittags halbe Preise! Monfag, den 2. September 1771-Jahr-Feier der ,DÜ|Sleltlner Singer Dönhoff- Brettl: Varieie Konzert Tanz OmtsilietMladiUliaiit uerwaltungsmitgiiedar! «mFr-itag. dem 30. Auguft: Slstnng her Mittleren OclBoatwaltnna. Betriebsräte! Die Betriehsräte-Feitschrifl Rr. 17 ist erschienen und lann gegen Bcrzeigung der Srgitimationsfarte de» Betriebsrats-Od- maune» in unserem Burrau, stimmer 5. täglich di» 4 Uhr, Freitag, di» 7- Uhr mtgegengenommen werden. Olc Ortircrraltang- DeoMer Heiallarbeiter-VertiaDil VervaHuagutelle Berlin Todesanzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Drücker W. Angermann geb. 24. Januar 1884,«m 25. August 1929 gestorben ist. Die Einäscherung stndet o« Don- nerstog. dem 29. Auguft 1929, nach- mittag, 12 V, Uhr. w> Krematorium Baumfchuienweg ftatL Rege Beteiligung wird«rwart-L UNChruf. Am Ist August H29 starb unser Kollege, der Sprachlehrer Lrnil NSllein geb. 8. Februar 1880. Die Beerdigung hat dereit, statt- gefunden. Ehr« ihrem Andeake»! vi« Orlnocctnallnng. Offene Füß« «krampfob-rgeschwOre. fihwerdeilend, Wunden, schal erzhafteSnizündimgen ete. unerträgliche» uden hei» nachweietar laut zahireichen'O-nssagungen die mild« wobüurndeDrlaidnGslt». Dose Dl t.M ü. 3... In veogd"«potd. sonst bei Ott« 43,30.«iah«»