BERLIN Freitag 30. August 1929 10 Pf. Nr. 405 B2� 46. Jahrgang. erscheiat tSglich aaster Esnntaz«. Zugleich Abendausgabe de«.VorwSrt«'. Bezugiprei« beide Au«gaben 55 Pf. pro Woche, 3,«oM. pro Monat. Vledaktion und Expedition; Berlin SW SS, Lindenstr.S nVtYtOtudb l Njetgenprei«: Die einspaltige �cnparnUcjetle «0 Pf.. gleNamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkont«: Vvrwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 29? Höllenmaschine in Schleswig. Anschlag auf den sozialdemokratischen Regierungspräsidenten. Friedensdokumente unterzeichnet. Kiel, 30. August. fEigenbericht.) 2fn den ersten Morgenstunden wurde in dem überdachten vor- flur des Hauses Zleuwcrkstrahe S in Schleswig, das von dem Regierungsvizepräsidenlen G r i m p e bewohnt wird, eine Höllen- Maschine gesunden. Es handelt sich um eine etwa 40 Zentimeter lange und 30 Zentimeter hohe Holzkiste, die auher einem verlöteten Dlechkosten mit Sprengstoff eine Uhr enthielt, die durch Drähte mit drei Trockenbatterien verbunden war. ach Mitteilung der Polizei Handel» es sich um eine Höllen- Maschine der gleichen Art. wie sie am l. August im Gebäude der Dandkrantenkass« in Lüneburg vorgefunden wurde. Die Entdeckung geschah durch eine Hausangestellte, die gegen Z Uhr nachts von ihrem Ausgang heimkehrte und die Kiste vor der Haustür stehen sah. Als sie die Kiste ins Haus tragen wollte, löste sich der Deckel und sie vernahm dos Ticken einer Uhr. Es kam ihr sofort der Gedanke, daß es sich um eine Höllenmaschine handle. Zunächst flüchtete sie ins Haus, ging aber später wieder hinaus und trug die Kiste mit ihrem gefährlichen Inhalt in Vn Garten. Conti blieb sie noch eine Welle hinter der geschlostetien Haustür b e o b a ch t e n d stehen. G r i m p e. der sozialdemokratische Regicrungsvizepräsidenk von Schleswig-Holstein, dessen Schlafzimmer sich im ersten Stockwerk befindet, wurde etwas später durch das hin- und herlaufen der An- gestellten wach und begab sich nach unten, wo er von dem Vorfall erfuhr. Er alarmierte sofort die Polizei, die die Nachforschungen sofort ausnahm. Es Handell sich offenbar auch bei dieser Tat um einen politischen Akt. Vier Kilo Sprengstoff! Schleswig, 30. August. Zum Sprengstosfonjchlag auf das-Haus des Regierungsoizepräsi. deuten Grimpe, der der Sozialdemokratischen Partei angehört, werden noch folgende Einzelheiten mitgeteilt: Die ganze Umgebung wurde nach den Tatern abgesucht. Ein Poiizeibeamter wollte in der Wind- ollee Warnungsschüe gehört haben. Als er sich an Ort und Stelle begab, war jedoch nichts.zu entdecken. Bei der aufgefundenen Höllenmaschine handelt es sich um das gleiche Fabrikat wie bei der- jenigen, die am 1. August d.'I. bei der Landkrankenkasse in Lüneburg ausgefunden wurde. Die Höllenmaschine enthielt etwa vier Kilogramm Sprengstoff und hätte, wenn sie zur Explosion gekommen wäre, sicher das ganze Haus in die Lust gesprengt, da sie in dem mehrere Meter tiefen Hauseingong niedergelegt worden war. Die B a h n h o f e der Umgegend wurden noch in der Nacht nach allen Richtungen hin überwacht;'von den Tätern fehlt noch jede Spur. Das dritie Opfer des Großfeuers. Auch Feuerwehrmann Christel gestorben. Das schwere Vrandunglnck am Kurfürstendamm hat in der vergangenen Nacht noch ein Todesopfer gefordert. Damit hat sich die Zahl der tödlich verunglückten Feuerwehrleute auf drei erhöh«. Es handelt sich um den 3Kjährigen Oberfeuerwehr. mann Robert Christel, der seit April 1920 im Feuerwehr- dienst steht. Christel befand sich unter dem Trupp, der bei dem oer- hängnisvollen Deckencinfturz unter brennenden Balken und Schuttmassen begraben wurde. Er fand im Wilmersdorfer Krankenhaus in der Achenbachstraße Aufnahme und man hoffte zunächst, dob er trotz der schweren Brandverletzungen mll dem Leben davonkommen dürfte. Sein Zustand verschlimmerte sich gestern und nachts gegen 2 Uhr trat der Tod ein. Christel hinterläßt ebenso wie der tödlich verunglückte Brandmeister Pfeiffer Frau und zwei Kinder im Alter von 9 und IS Iahren. Wie vom Oberbronddirettor Gempp mitgeteilt wird, ist das Befinden der übrigen schwerverletzten Feuerwehrbeamten Kindler, Roschdorf, Schiffmaiin, Tappel, Thinius und Kraotz durchweg günstig; es besteht keine Lebensgefahr mehr. Von der Beuerwehr und den zuständigen Behörden ist ein gemeinsames Begräbnis der tödlich verunglückten Feuerwehrleute in Erwägung gezogen worden. Man hat aus diesem Grunde mit den Angehörigen Fühlung genommen. Ein« endgültige Entscheidung ist bisher noch nicht gejallen. Schlußsitzung im Haag.— Auf nach Genf! V. 8di. Haag, 30. August.(Eigenbericht.) chegte vormittag wurden in einer Sitzung der sechs einladenden Mächte, die als politische Kommission konstituiert waren, die Doku- mente unterzeichnet, die die Einigung 4iber die politischen Fragen in bindender Form besiegeln. Es handelt sich um vier Haupt- d o k u m e n t«: 1. Ein Protokoll der sechs einladenden Mächte, in dem die politischen Ergebnisse der Konserenz zusammengesatzt nieder- gelegt werden. 2. Ein Protokoll der fünf Signatarmächte des Rheinpaktes von Locarno(also die sechs einladenden Mächte ohne Japan) über die V e r g l« i ch s k o m m i s s i a n. 3. Gleichlautende Briese Englands, Frankreichs und Belgiens an Deutschland über die Räumung mit drei Anhängen, die hie technischen Einzelheiten der Räumung sowie«ine Vereinbarung über Amnestie in den besetzten Gebieten enthalten. 4. Die Antwort Deutschlands an die drei Besatzungs- mächte, die eine Bestätigung der empfangenen Dokumente enthalt. Diese Antwort wird in drei gleichlautenden Exeniplaren überreicht. In der Finanzkommission wurde über die letzten Einzelheiten des Kostenverfahrens nach dem 1. September verhandelt und die Doku- mente über die finanziell« Einigung fertiggestellt. Di« Unterzeichnung der Dokumente wurde mit einem goldenen Füllsederhalter vorgenommen. Der Unterzeichnungsakt wurde kine- Die Balken biegen sich! Erbärmliches Enöe im Haag Sollt KnpUulafan tot tot Alltttttmj«>»»«>»«»Mi 2)euifcf?c "rsr»- T�gsszeitung MKZ wrü 5»ch Tinanjetaifl«* Bezahlte Räumung. Die Rote Fahne •£? cm,-Jr*rJrrsr.e — ►p-'— � VtlS lwpemlisMe Leparlitioasliiftat von' .Deutsche Zeitung": Das ist das Ende im Haag: Briand forderte von Stresemann volle Unterwerfung. Stresemann hat sich voll und ganz unterworfen. Stresemann hätte aus einen Bruch setzen können, und zweifellos wäre es ihm dann gelungen, eine englisch-deutschp Ver- ständigung zu erzielen, deren Spitze gegen Frankreich gerichtet ge- wesen wäre. Es muß fetzt Schluß gemacht werden. Das deutsche Volk muß jetzt auf die Männer hören, die zur Gegenwehr und zum natio- nalcn Wider st and aufrufen. „Rote Fahne": Diese imperialistische Einheitsfront richtet ihre Hauptspitze gegen die Sowjetunion. Mit der Unterzeichnung des Haager Abkommens erklärt sich der deutsche Imperialismus bereit, sich bedingungslos dieser Kriegsfront gegen die Sowjetunion anzu- schließen. matographisch aufgenommen, ebenso die gegenseitige Uebex» reichung der Schriftstücke. Dann tauschten die führenden Staats- männer Höndedrücke aus, was von den übrigen Anwesenden mit lebhaftem Händeklatschen ausgenommen wurde. Zum Schluß gab es nach einen heiteren Zwischenfall. Hendcrson hatte Jaspar den goldenen Füllfederhalter geschenkt, nahm aber zum allgemeinen Erstaunen Jaspar den ihm soeben geschenkten Füllfederhalter ein- fach weg und fügte hinzu:„Die Herren müssen nicht glauben, daß er«in Dieb sei, er wolle lediglich den Füllfederhalter vorübergehend zurückbehalten, um eine Gravierung vornehmen zu lassen". So ging man in bester Laune auseinander. Die Regelung der Räumungskosten. ■f. Scb. Haag, 30 August.(Eigenbericht.) Der Vorschlag einer gemeinsamen Kasse zur Deckung der Be- satzungskosten ab 1. Sept«mbc» wurde in der Fo»m angenommen, daß von den Kosten, die aus 60 Millionen Mark geschätzt werden, Deutschland 30 Millionen trägt; den Rest zahlen die Besatzungs- mächte ein, und zwar Frankreich 21, England 7.2 und Belgien 1,8 Millionen. Sollten die Kosten höher sein als 60 Millionen, so geht das Deutschland nichts an, dessen Verpflichtung mit den 30 Millionen abgegolten ist. Auf diese Art sind die Desatzungsmächle selbst daran interessiert. die Räumung möglichst schnell durchzusühren. Mit dieser Regelung ist ein verhältnismäßig geringer Teil jenes Ueberschusies von 300 Millionen Deutschland zugute gekommen, der dadurch entsteht, daß Deutschland seit dem 1. April dieses Jahres nach dem Dawes-Plan gezahlt hat, nach dem Uoung-Plan aber weniger zahlen braucht. Wer darin eine deutsche Niederlage er- blickt, möge sich bei Dr. Schacht beschweren, denn er ist es, der sich am Schluß der Pariser Konferenz mit einer so vagen For- 3)ie Befreiung des Stheinlandes. Die Befreiung des deutschen Westen« erfolgte in vier Etappen. Da» Ruhrgebiet 1924(noch Annahm« de» Dawes-Planes). Di« erste Zone 1926(nach Eintritt in den Völkerbund). vi« zweite Zone September- Dezember 1929. Di« dritte Zone spätestens Ende Tnai 1930. portierstelle, Gehalt und Wohnung Ein Raubzug mit Hilfe der provinzbläiter. Da» Kapitel„wohuungsvermiltlung" ist ebensowenig neu. wie die oft mehr als unsauberen Machenschaften der dieses Ge- werbe ausübenden Personen. Nachdem sich nun schon eine ganz erkleckliche Anzahl dieser Herrschafte« niedergelassen hat und aus skrupelloseste weise versucht. Kunden hereinzulegen, heifzt es auch hier neue Mittel und Wege sinden, soll da» Geschöst blühen und seinen Mann ernähren. In einem Hause des Berliner Westens bemerkten verschiedene Hausbewohner seit einigen Monaten des öfteren, vor allem regel- mäßig an jedem Montag, große Menschenansamm- lungen, die sich vor dem in diesem hause befindlichen Ver- mittlungsbureau aufpflanzten: dies wäre bei der großen Zahl der Wohnungsuchenden nicht weiter oerwunderlich und hätte auch gewiß keines Menschen Slufmerksamkeit erregt. Auffallend und -bedenklich war aber, daß sich viele dieser Personen in großer Er- regung befanden, das Wort„Polizei" fiel, aufgeregte Worte drangen aus dem Vermittlungsbureau, kurzum es war zweifellos, daß es sich hier um Geschädigte handelte, die sich ihr Recht, zumindest aber ihr verlorenes Geld, zu erkämpfen suchten. Schließlich stellte es sich denn auch heraus, daß all diese Leute, die zumeist aus den umliegen- den Provinzstädten, wie Crossen, Schwedt a. d. O. usw., kamen, böse hereingefallen und um ein schönes Stück Geld gebracht worden warem Die Sache verhielt sich folgendermaßen: In verschiedensten Provinzblättern erschien das oben angeführte höchst ver- lockende Inserat: „Porkierslelle in Berlin zu vergeben mit Zwei-Zimmerwohnung* und hohes Gehalt". Nun packten sich eine ganz« Reihe von Menschen. Rentner. Abgebaute, alte alleinstehende Frauen, zusammen, suhren oft mit ihrem letzten übrigen Geld nach Berlin und standen schon um 7 Uhr morgens vor dem Hause, um nur ja mit unter den Ersten zu sein. Die Abfertigung im Bureau vollzog sich in der Weis«, daß ihnen eine L i st e mit einer großen Anzahl„vakanter Portier- wohnungen" eingehändigt wurde, wofür sie, je noch der Bc- schaffenheit ihres Geldbeutels. 2, S. 10 bis 30 M. zu bezahlen hatten. Den Empfang dieser List« hatten sie durch Unterschrift zu bestätigen. Daß diese List« einen geschickt verklausulierten Schlußpassus des In- Haltes«Mhielt, daß der Vermittler„keine Gewähr für etwaige Unrichtigkeiten und Irrtümer in der List«, für Zwischenvermietungen usw. übernimmt und daher kein Anspruch auf Rückzahlung der geleisteten Gebühr besteht", haben die meisten der Geprellten wohl gar nicht, oder aber erst zu spät wahr- genommen. Die angeführten Portierstellen waren natürlich, bis auf einige wenige, entweder aus der Luft gegriffen oder längst oergeben, und auch die etwa noch vorhandenen freien Stellen kamen nicht in den Besitz der Betreffenden. Der sindig« Geschäftsmann rechnete damit, daß sich die Geschädigten mit dem negativen Resullat zufriedengeben und wortlos wieder in ihre Heimat abdampfen würden. Dies war auch in den meisten Fällen so und geg«n die anderen hatte sich der �Schlaumeier ja durch den unterschrieben«» Revers hinlänglich vor jeder Verantwortung geschützt. Es versuchten wohl einige bei der Polizei ihr heil, dies aber ohne jeden Erfolg, da ja für derartige Schädigungen einzig und allein der gerichtliche Klageweg, eventuell Anzeige beim Staatsanwalt angängig ist. Solche aber, die sich von ihrer augenblicklich«« Erregung hinreißen li«ß«n und ihm grob kamen, die befördert« er ganz einfach mit geübtem Handgriff oder mif Hilfe seines Hundes an die frische Luft. Hausbewohner wollen sogar gesehen haben, daß er sich an Frauen tätlich vergriff. Es ist natürlich unendlich schwer, diese dunklen Ehrenmänner zu fassen und ihnen ihr„sauberes" Handwerk zu legen. Es kann nur immer wieder vor solch verlockenden Angeboten, die schon in ihrer ganzen Abfassung etwas Unwahrscheinliches, wenig Glaub- Haftes tragen, gewarnt werden, vor allem, wenn sich daran größere Geldausgaben knüpfen. in u l i e r u n g im Poung-Bericht begnügte, daß die Gläubig«?- mächte einen deutschen Rechtsanspruch aus diese Summe glattweg abstreiten konnten. Das soll an sich kein Vorwurf gegen ihn sein, denn man hatte am Schlüsse der aufreibenden Pariser Konferenz einfach nicht mehr den Mut, diesen Punkt restlos auszuhandeln und klarzustellen, um nicht die Endeinigung überhaupt zu gefährden. Aber dann sollte Herr Dr. Schacht endlich mehr Zurückhaltung zeigen und auf- hören, die Vertreter der Rechtspresse gegen den deutschen Verzicht aufzuputschen und die unhaltbare Behauptung zu verbreiten, daß wir eigentlich Anspruch auf die ganzen 300 Millionen gehabt hätten. Die„Vorgeschichte" dieser Bestimmung üb«r die 300 Mil- lionen, auf die er sich beruft, inag ihm zwar recht geben, aber bei so erbitterten Verhandlungen, wie sie hier im Haag geführt wurden, entscheideil schließlich der Wortlaut der Dokumente, und mit dem Wortlaut konnten wir— wie gesagt— in diesem Falle juristisch nichts anfangen. Man erfährt übrigens nachträglich interessante Einzelheit«» über die deutschen Zugeständnisse. Der ungeschützte Teil der Reparations- leistungen wird fortan bestehen 1. aus einer konstanten Summe von 612 Millionen und 2. in den nächsten 20 Jahren aus der Zinsen- und Tilgungslast für die Dawes-Anleihe. Diese Last beträgt an- fangs 88,5 Millionen und sinkt dann von Jahr zu Jahr um durch- schnittlich 1,3 Millipnen bis auf 64 Millionen. Dann ist die Dawes-- Anleihe endgültig getilgt und verschwindet von der Bild- fläche. Von diesem Augenblick an, also in den letzten 17 Jahren, wird Deutschland nur noch 612 Millionen ungeschützt aufbringen müssen. Die höchste ungeschützte Annuität wird also 700,5 Millionen betragen. Sie wird allmählich bis auf 632,5 Millionen sint«n und dann mit einem Ruck auf 612 Millionen. Diese neue Regelung hat einmal de» Vorteil, daß wir eventuell di« Aussicht haben, daß die Dawes-Anleihe später konvertiert wird und ihre Zinsenlast infolge- dessen sich verringert, aber außerdem ist durch genauere B«rech- nungen festgestellt worden, daß man die durchschnittliche Summe des Zinsendienstes dieser Anleihe infolge eines Rechenfehlers zu hoch angesetzt hatte, so daß der Durchschnitt des ungeschützten Teiles, über 37 Jahr« verteilt, nicht mehr wie im Voung-Plan 660 Millionen, sondern sogar nur 654 Millionen betragen wird. Die 612 Millionen werden wie folgt verkellt werden- 500 bekommen die Franzosen, 42 di» Italiener, 10 die kleinen Gläubigermächte, und 60 die Engländer. Was die Zugeständnisse anbetrifft, die man England in der Frage der Sachlieferungen gemacht hat, so entsprechen si« zum Teil unseren eigenen Interessen, zum Beispiel in der Frage der Reexportierung von Sachlieferungen. Was die Verringerung der Kohlenlieferungen anbelangt, so mag sie zwar für diesen Zweig der deutschen Wirt- schast unangenehm sein, für die Gesamtwirtschaft Deutschlands be- deutet sie keine Verschlechterung, da Deutschland dafür andere Waren im ähnlichen Werte wird liefern dürfen. Darin liegt wiederum ein gewisser Ausgleich für die Kohlenindustrie, welche die stärker zu den Sachlieferungen herangezogenen anderen Industrien mit mehr Kohl« wird beliefern lönnen. Lediglich das Eindringen der englischen Kohle in das Geschäft der Belieferung der italienischen Slaatsbahn während der nächsten drei Jahre kann aus Konkurrenzgründen später unbequem werden.« Was übrigens die deutschen finanziellen Konzessionen anlangt, so muß auf die ls�-opaganda hingewiesen werden, die Dr. Schacht schon von hier aus betreibt. Er erzählt seit drei Tagen jedem, der es hören will, daß die Erhöhung des ungeschützten Teiles der deutschen Annuitäten unverantwortlich sei, daß di« 660 Mil- lionen die Höchstgrenze dessen, was wir garantieren können, eigentlich schon überschritten sei, und er versteigt sich sogar zu der Behauptung, daß dieses uns auferlegte Zugeständnis eine ernst- hafte Gefährdung unseres Kredites und unserer Währung nach sich ziehen konnte! Ob er di«se Propaganda, die natürlich nur allzu willigen Ohren begegnet, aus gekränkter Autoreneitelkeit be- treibt, oder ob er damit weitergehende politische Pläne verfolgt, mag dahingestellt bleiben. Es kann nicht scharf genug unterstrichen w-rd«n. daß durch die V«rschiebung zwischen geschütztem und un- geschütztem Teil Deutschland nicht einen Pfennig mehr wird bezahlen müssen. Denn der Fall des Moratoriums— wenn er Überhaupt eintritt— würde sich ja bestimmt nicht auf eine Summe von weniger als einer Milliarde erstrecken, geschweige denn au? weniger als 700 Millionen: wer wird Im Ernst behaupten m°Ufn'0Aa,L?c.t,t�Innb in nächsten Jahren gerade noch fähig wäre, 660 Millionen aufzubringen, aber nicht mehr 700 Millionen? Ihn würde die ganze Welt auslachen, auch dann, wenn er als der größte deutsche Finanzsachverständige gilt Oie Rechisanbiederung an Bn'and. Verlegene Stille der Ertappten. In einer Polemik gegen das Welsbegehren hatte die„Natio- nall,b«rale Corresponden� mitgeteilt, daß von Männern dieser .dechtokreisc in Paris weitgehende Angebote gemacht worden sind. Nun hat Briand im Haag französischen Journalisten mitgeteilt, daß deutschen Nationalisten bereits der französischen Negierung klar- zumachen sich bemüht hätten, daß si« die gegenwärtige deutsche klutzenpolitik nicht ändern würden, wenn sie an die Macht kamen. Diese Tatsache ist bereits zweinwl von der„Frankfurter Zei- tung"(in Nr. 638 und 641» öffentlich festgenagelt worden. Wir miederholen sie hiermit au» eigener Kenntnis zum drittenmal und I?™"" W4'wtionale Abwehrprefse auf. sich nun«Mich zu dieser Behauptung des französischen Ministerpräsidenten zu äußern. Friede auch in Südamerika. Tacna an Peru übergeben. Wie von der hiesigen peruanischen Gesandtschaft mitgeteilt wird. ist am Donnerstag die feierliche Uebergabe von Tacna an Peru erfolgt. Der chilenische Minister des Acußei«» war selbst in Tacna zugegen und leitete diesen historischen Akt, der einen Mark- stein in der Geschichte Güdomerika» bedeutet. Aus diesem Anlaß wurde auf dem viel umstrittenen Maro Arica der Grundstein.zu einem Friedensdenkmat gelegt. Schiffsunglück bei Kalifornien. Zwei Dampfer im Sinken begriffen. Der Tankdampfer der Standard Oil Companh, „T. C. Dodd", ist in der Nähe von Pigeon Point mit dem im Küstenverkehr beschäftigten Passagierdampfer „San Juan" zusammengestoßen. Beide Schiffe sollen im Sinken begriffen sein. Der„San Juan" hat etwa lOV Passagiere an Bord. N e w P o r k. 30. August. Heber den Zusammenstoß zwischen dem Perfonendampser..S a n 3 u a n" und einem lankdampfer der Standard Oll Company an der kalisornlschen Küste lausen fortwährend Meldungen aus Los Angeles ein. die die grähke Besorgnis um da» Schicksal der Passagiere de»„San Zuan" hervorzurufen geeignet scheinen. Der Personendampfer ist. wie e» heißt, fast unmittelbar nach, dem Zusammenstoß gesunken, so daß e» seiner Besahung nicht möglich war. sämtliche Boote zu Wasser zu bringen. Die Boote de, lankdampsers. über dessen Schicksal nach dem Zusammenstoß noch nicht» näheres vorliegt, kamen den Lchlfs. brüchigen de»„San Zuan" zu Hilfe. Bon einem der Boote sind zwei Kinder bereit» geborgen worden. Da» Motorschiff„Frank Lynch" und der Dampfer„Munami" haben Boote an die Unglücksstelle entsandt, die weithin mit Schiffstrümmern bedeckt ist, an die sich schreiend« und um ihr Leben kämpfende Menschen klammern. Da, Rettungswerk gestaltete sich da. durch noch schwieriger, daß der Zusammenstoß in der Nacht er- folgte und die ersten Retkungsarbeilen beim unsicheren Licht der Scheinwerfer erfolgen mußten. Nach Angabe der Reederei befanden sich an Bord de» au der kalifornischen Küste aus der. Fahrt von San Franziska nach Los Angeles verunglückten Süstendampfers„San Zuan" 45 Mann Be- f a h u n g und 45 Passagiere. „proletarische Demokratie." Wie ein Niederkirchner sie auffaßt. Es handelt sich hier nicht«twa um«in« Erfindung von Ni«d«r- tirchncr, sondern um di« kommunistische Taktik gegen die Gewerkschaften überhaupt, wie ste von ihm praktiziert wird. Der Deutsch« Metallarbeiteroerband hat mit dem VBMI. einen Tarifvertrag abgeschloss««. Tarifverträg« kjjnn«n zu den ver- einbarten Terminen gekündigt und dann erneuert' oder aufgehoben werden, doch solange der larifverlrog läust. muß er von beiden Seiten eingehallen werden. Ohne dies« Voraussetzung hätte es weder Sinn noch Zweck, Tarifverträge abzuschließen. Nach der„revolutionären" Moskauer Theorie für derart „zurückgebliebene" Länder wie Deutschland, ist der Begriff der Tarifoertragstr«ue reformistisch, spießbürgerlich und neuerdings gar „sozialfaschistisch". Während di« unter tariflichen Bedingungen stehenden Arbeiter von der„Opposition" zu„zwtsche»tariflichen" Lohnforderuniftn«rinuntert werden, geht N!« d e r k i r ch n.e r als der starte Mann auf» Ganze. Er machte einen eigenen Laden für Rohrleger und Helfer auf, führt« eine Spaltung deren Branche durch und hat jetzt seinen eigenen Streik inszeniert, einen wilden Slretk trotz Tarifvertrag,«Inen Str«ik, der sich weniger gegen die Unternehmer richtet, als vielmehr gegen die Organisation der Rohrleger ugjd Helfer, gegen den Deutschen Me ta ll a r b«i t e r v e r b a n?. Zur Verschleierung dieses üblen Treibens wird behauptet, es ginge„gegen die Verband»bur«aukratie des DMV". also sür die Bureoutrati« der KPD. Die von Niederkirchner betriebene Spaltung d«r Rohrlegerbranche„hat ihre tiefen Ursachen in der gegen- sätzlichen Aussassun g", di« darin bestehe, daß angeblich die Rohrleger und helf«r entgegen den Verbandssatzungen selber über ihr« Geschicke bestimmen wollten. Nun, wenn jede Arbeitergrupp« auf eigene Faust vorgehen wollte, wo und wann sie Lust dazu hat, dann brauchten wir kein« Gewerkschaften und keine „Verbandsbureaukratie". In Wirklichkeit steht di« Sache aber so, daß ein Teil de r Rohrleger und heiser vvn der kommunistischen Bureaukrati« gexen ihre Oiganisation und deren Leitung seit Jahr«,, systematisch verhetzt wurden, um«inen Keil In die Gewerkschaft zu treiben. Der wild« Riederkirchner-Streik wird in der KPD.-Presse als ein K a m p f f ü r d a» S e l b st b e st i m m u n g s- recht der Mitglieder ausgegeben. Die KPD. und Gelbsibeflimmungsrecht! Seit wann werden gegensätzliche Auffasiungen innerhalb Organisation, seit wann wird der Kampf um das Selbstbestimmunzs- recht der Mitglieder einer Gewerkschaft durch Absplitterung und wilde Streiks geführt? Run. seitdem Niederkirch- n e r den wilden Streik der Rohrleger und Helfer gegen den Metall- arbeiterverband«ingefädelt hat. Jetzt kommt der kommunistische Kämpe für das Selbstbestim- mungsrecht der Mitglieder gegen den Verband daher und erklärt, die aus Grund ihres Selbstbestimmungsrechts in ihrem Verbände gebliebenen Rohrleger und Helfer, die weder mit Niederkirchner und seiner KPD., noch mit ihrem wilden Streik etwas zu tun haben wollen, dank des kommunistischen Selbstbestimmung:- recht! zu Streikbrechern au» Fraktlonsdlsziplin und droht „diesen Kerlen" in der„Roten Fahne" in den nächsten Tagen ihre Namen als Streitbrecher betanntzu- geben. Wer da glaubt, diese„revolutionäre" Unverschämtheit, diese Erpresserpolitck sei nicht mehr zu überbieten, der kennt seine kom- munisttschen Pappenheimer schlecht. D�e organisierten Rohrleger und Helfer im Deutschen Metallarbeiteroerband, die sich nicht einsangen ließen durch den Niederkirchner- Schwindel mit dem„Selbstbestimmungsrecht" si« lasten sich auch durch solche Hundssöttische Drohung nicht irre machen. Trotz- dem ist es notwendig, die Kampfesweise der KPD. und die des Niederkirchner als Werkzeug der KPD. an den Pranger zu stellen. Kaliwerke im Staatsbesitz. Verschacherung an die Privatindustrie verhindert. Desian, 30. Zlugust.(Eigenberichts Die anhallisch« Staatsregierung unter der Führung de» Mi- nisterprästdenten Deist. d/r eben erst sein zehnjähriges Aintsjubt. läum feierte, hat in einer wirtschaftlichen Frage«inen Si«g über die Rechtsparteien errungen. Die Anhaltischen Salzwerk« in Leopoldshall, die seit längerer Zeit einen höheren Zuschuß erforderten, sollten nach dem Willen der Regierung«m di« Preu- ß ische Bergwerks- und hütten-A.-G. verpachtet werden. Di« sozialdemokratisch« d«motratis«he Minderheitsregierung konnte aber die Verpachtung bisher gegen di« vereinigten Stimmen der Rechten und der Koimnunistcn nicht durchsetzen, da die Angebote von P r i- v a t f i r m« n von den Rechtsparteien vorgezogen wurden. End- lich ist es gelungen, die Versuche, ein Vennögensobjekt von 23 bis 30 Millionen an die privat« Kali-Industrie zu bringen, zu vereiteln. heute vormittag beschloß der Haushaltungsausschuß des Anhaltischen Landtages mit 7 Stimmen der Sozialdemokraten, 1 Demokrat und 1 Hausbesitzer gegen 6 Stimmen der Rechten und 1 Kommunisten die Verpachtung an den preußischen Staatsbetrieb. Bürgerkriegsende in Palästina. Keine neuen Zwischenfälle. London, 30. August. Dos Koloniolministerium erklärt über die Vorgänge in Palästina: Die ollgemein« Lag« ist zufriedenstellend. Di- Ruhe- störungen haben aufgehört. Di« amtliche Liste der Opfer bis zum 28. August oerzeichnet als tot oder den Verwundungen erlegen: Moslems 52, Christen 4, Juden 06. verwundet in den Kronkenhäus«rn: Moslems 103, Christen 9. Juden 151. Der englische Kolonialminister Lord Paßfield hotte wegen der Borgänge eine weitere Aussprache mit Mocdonald Es gilt a's wahrscheinlich, daß nach der Wiederherstellung der Ruh« und Ordnung zwei Untersuchungsausschüsse eingesetzt werden. Di« Auswirkung der Ereignisse in Palästina auf di« musel- manische W«lt findet stark« Beachtung. In Bagdad haben die Moslem, für den heutigen Freitag Zusammentünfre in allen Moscheen einberufen. In einem Telegramm an den englischen Ministerpräsidenten wird gegen Tyrannei der Z i o n> st e n in Palästina, gestützt aus pie Baljoi.r-Lcloidnung«», Einspruch erhoben. In Beirut waren bisher kein« Ausschreitungen zu ver« zeichnen. Das Funhherx Beriins Eröffnung der 6. Deutschen Funkausstellung auf dem Messegelände Cin festliches Ereignis, das mit Mozart- und veethooenschen klängen heule In jedes Aunkempfangsgeräl gefplell und mil mun- leren Reden zu jedermanns Gehör gebracht wurde, ist die Aunk- ausstellung in den Ausstellungshallen am kaijerdamm, die in der ollen Funthalle und in den zwei neuerbaulen hallen auf bedeutend nergröhertem Raum unlergebrachl ist. Diefe Verbindung von lvellbewerb, Reklame und Kaufmannsgelfl wirkt darum jo anziehend, weil sich hier ein ganz spezieller Zweig der deutschen Industrie, die Radiofabrikation, ohne Rebendinge präsentiert. Publikum und Händler wallen sich über die neuesten technischen Fortschritte orientieren und beide lauschen vor ollein ou' die Preise, die trotz wesentlicher Derbilligungen der Apparaturen leider immer noch durch gegenseitige Konventionen auf einer Höhe gehalten wer- den, die dem Massenkonsum stark im Weg« stehen. Die Industrie findet vielleicht darin einen Entschuldigungsgrund, daß sie immer „von" mit dem„pH", und es gibt ein« ganze Reihe von neuen Bezeichnungen„Lorophon",„Lumophon" und andere, die sich dann zum Verwechseln ähnlich sehen. Hoffentlich hilft's! Dagegen verhält sich der alljährlich ausstellende Arbeiter- Rodiobund, immer seiner Bedeutung als einzige seftorganisierte Hörervertretung eingedenk würdig und repräsentativ, sein schöner Stand wird die größte Aufmerksamkeit bei allen Funkbastlern erregen. Man sieht es an dem Fleiß, den die ausgestellten Experimentiergcrät« aufzeigen, daß nunmehr die Entwicklung dieser Bereinigung von Arbeitergenossen mächtig Fortschritt« macht. Die vielen Photowiedergoben aus der Tätigkeit der Ortsgruppen, das Bild des Reichsministers Severins par der Lautsprecheranlage des Bundesvorstandes und viele andere Angelegenheiten des Bundes betonen die Wichtigkeit di«I«r Institution, die berufen ist. dos öffentliche Gewissen der Hörerschaft gegenüber dem Aeichsmonopol der Post darzustellen. liner Funkorchester zum Vortrag brachte. Hieraus nahm Reicheposi- minister Dr. Schätzet das Wort zu seiner Cröfsnungsansprache. Die wesentliche Ausgabe des neuen Rundfunkjahres wird die nachdrückliche Bekämpfung der Störungen des Rundfunk- empfonges(ein. Eine neue, größere Zukunstsausgabe, da» Fernsehen, ist der Verwirklichung nahegebracht und wird in der Aus- ftellung vorgeführt werden. Der deutschen elektrotechnischen In- dustrie, die trotz wirtschaftlicher Bedrängnis keine Mühe icheul, um mit der technischen Weltentwicklung im Gleichschritt zu bleiben, ge- bührt besonder« Anerkennung.„Mit dem Ausdruck des Dankes an die Stadt Berlin und ihr Ausstellungs- und Messeamt und an all« übrigen Mitwirkenden erklärte Reichspostministcr Schätzet namens der Reichsregierung die Ausstellung für eröffnet, der er den besten Erfolg wünschte. Für die Stadt Berlin sprach Oberbürgermeister Boß den Vertretern der Reichspost, der Rundfunkorganisationen Die große Jhiffahrt zur Swtkmeffe Da» dunere der dunkhalle mir einem starken Risiko arbeiten muß, indem bestimmte Schlager von Empfangsgeräten, die genag auskalkuliert sind und in ihrer Handhabung wie Leistung dgS Einfachste und Vollendetste darstellen, morgen schon durch ein« ähnliche Schöpfung der Konkurrenz aus- geschaltet werden können. Der Rundsunkhörer wie auch der Händler wollen aber Gelegercheit haben, einmal in einer Gesamtübersicht alle Vorteil« und Nachteil« dieser noch nicht zum Abschluß g«kom- menen Entwicklung zu prüfen, um nicht selbst durch teure Käufe geschädigt zu werden. An technischen Lösungen ist bei unserer vollendeten wissenschaftlichen Rundfunkforschung Neues nicht viel zu vermelden: die Neuheiten können sich demnach auch nur mehr auf Verbesserungen und Ausbau vorhandener Be- dingungen beschränken. Immerhin sind einige technische Sensationen vorhanden. Di« schon in früheren Iahren bekannten Schirm- gitterröhren und N« tz a n s chlu ß e i nr i chtu n g e n b«- herrschen heut« den Empfäng«rbau vollständig. Die Schirmgitter- röhr« gibt eine wesentlich größer« Verstärkung auch bei Hoch- frequenz, so daß die meisten Großempsänger mit sieben oder noch mehr Röhren für Fernempfang verschwunden sind, es treten an deren Stell« EmpfSng«r bis zu höchstens fünf Röhr«n. Unsere führenden Firmen, wie die AEG., Si«ni«ns, Telefunken u. g., sind darum von ihrem hohen Koturn heruntergestiegen und bringen Apparat« von Höchstleistung schon bis zu 40Y Mark auf den Markt. während dies« noch im vorigen Jahr bis über lOOO Mark notiert wurden. Trotz der kleinen Zahl Röhren ist die Verstärkung so groß, daß diese Empfänger mit kleinem Rahmen oder gar nur mit kleinen Antennen-mden ahne Erdanschluß arbeiten können. Eni- sprechend der großkil Selektivität kann man mit Ihnen auch störend« Geräusche in nächster Näh« unschädlich machen. Im Nehanschlußgerät zeigt das Bestreben nach Vereinfachung der Bedienung fast überall das Grinzip der Einknopfbsdienung. Apparat«, die sich in ihren Preisen für«in solch«? Unioersalgerät komplett von HO bj« 300 M bewegen, sind reichlich vorhanden. Die Hersteller von Batterien haben sich durch die Konkurrenz de? Netzanschlüsse gezwungen gesehen, ihre Fabrikate zu v-rbess-rn. wa, die Freunde eines klangreinen Empfang» sicher mit Genug- tuunz begrüßen. Die Batterien sind für ihre Lebensdauer ver- länger! worden und für größere Apparaturen sind solche mit höherer Voltzahl gebaut. Selbstverständlich nimmt die Lautsprecher- Industrie einen breiten Raum auf der Ausstellung«in; hier ent- brennt»in Wettkamps zwischen den dynamischen und elektromagneti- schen Lautsprechern. Auch der magnetische Lautsprecher wird durch Verbesserung der Membrane zur höchsten Lautstärke herangeführt. Klcinspulen. Empfänger und Verstärkerlampen, Einzelteile, Hand- werkszeug u. a., kurzum olles, was sich in der Radioindustrie als notwendig erweist, zeigt das Bestreben aus, sich zu spezialisieren und auf diesem Wege durch«in konkurrenzfähiges Fabrikat stch auf deni schweren Markt zu erhalten. Sie �eichs'�undfunfgesellscbast hat in einen großen Glaspovillon ihr« Empsongslaborotorien, vor allem ihr« Kurzwellenempfänger ausgestellt, mit denen in letzter Zeit die Uebertragungen aus Amerika ausgeführt wurde.i. Modell« und belehrend« Darstellungen der Nachrichtentechnik haben wie immer ihre Bedeutung als hochinteressant« Schauobsekte, zu denen sich dann noch da, Fernsehen und der Bildfunk zugesellt. Ein« an sich sehr bezeichnend« Beobachtung kann man bei der Bürochtung der Cinzelstände machen, die nicht unvermerkt bleiben soll So wie früher die feudalen Herrschaften sich von dem gewöhnlichen Boll durch ihr adelige»„von" unterschieden, ver. suchen jetzt auch die Manen sich selbst zu adeln, nur schreibt stch da« An der Eröffnungsfeier heute vormittag nahm ein« auserlesene Schar von führenden Köpfen des öffentlichen Lebens, der Wissenlchaft und der Kunst teil, und die Auffahrt der Gäste begann bereits um WO Uhr, so daß sich auf dem Messegelände ein bewegtes Bild darbot. Unter, den Ehreichästen sah man als Vertreter der Reichsregierung Reichsinnenminister S e v e. ring und Reichspostminifter Dr. Schätzet, die Diplomati« war durch den amerikanischen Botschafter Schurmann und den So- wjetbptschofter B r o d a n s k i vertreten. Ferner sah man u. a. Oberbürgermeister B ö ß und zahlreiche Dertreter der Funkindustrie und des Handels. Die Feier wurde mit dem Festkonzert der Funk- stunde eingeleitet, und zwar mit der Ouvertüre zur Oper„Euryanthc" van C. M. o. Weber, die Dr. Fritz Stiehry mit dem erweiterten Ber- und dem Verband der Funkindustrie den Dank für die Zusammen. arbeit anläßlich des Zustandcbringens der 6. Funkausstellung aus. Als letzter Redner sprach Dr. Erwin M i ch e l, der Syndikus des Verbandes der Funkindustrie e. V. Er betont«, daß die europäische Wirtschaft seit einigen Jahren. durch da? Schlagwort„Rationali- sierung" gekennzeichnet sei. Auch die Funkindustrie habe sich dieser Maßnahme bedient, um ein« Vervollkommnung und Verbilligung des Herstellungsprozesses zu erreichen. Aufgab« der deutschen In- dustrie sei es, Absagmethoden zu entwickeln, die die Grundlage für eine kostenfparcnde Massen- und Borratserzeugung schaffen sollten. Diese theoretischen Gedankengänge habe die deutsche Funkindustrie mit der Funtausstellung in die praktische Tat umgesetzt, um Haupt- sächlich für d!« Funkidee zu werben. Reklame und Dichtung. Von Paul Gutmann. Der Zusammenhang zwischen Retlame und» bildender Kunst braucht in Deutschland, wo sich das graphische Gewerbe einer beson- deren Pfleg««rfreut, nicht mehr erörtert zu werden. Wenn wir von einer Beziehung der Reklame zur Dichtung sprechen, die noch immer vielen al» Hart eine» weltentrückten Idealismiis gilt, so stoßen wir vielleicht auf einiges Befremden. Dennoch besteht zwischen der Äortretlame und dem dichterischen Wort«in« Bcrwandtschaft, nicht etwa, weil die Reklame sich mitunter de» Reims bedient, der auch fehlen könnt«, sondern weil.beides der gleichen Absicht entstammr, der Schaffung des plastischsten Ausdruck». Der Unterschied zwischen einer guten dichterischen Wendung und dem zündenden Reklametext ist geringer, als es den Anschein hat. Wenn man ein wenig in die dichterische Werkstatt hineinleuchtet, sp sieht man, daß die scheinbar mühelos» Schöpfung da? Werk eifrigen Abwägen? und emsigen Ieilens"ist. Heinrich Heine hat mitunter Tage gebraucht, bis er für einen lyrischen Vierzeiler den ekj,zig treffenden Auedruck gefunden hatte. Diejenigen Dichter greifen am meisten ans Herz, die für allgemeine Gefühle das richtige, das zündende Wort schufen. Kann die Gleichgültigkeit für die Seinen bester auegedrückt werden als mit dem Satz:„Was schert mich Weib, was schert mich Kind, loh sie betteln gehn, wenn st« hungrig sind!" Oder der soziale Hohn in Heines Anfangszeilen:„Es gibt zwei Sorten Ratten, die hungrigen und die sotten." Oder die Harmlosigkeit de» Wanderers in Goethes Versen:„Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn." Das sind Ichäftsensche Fund«, Erleuchtungen des sprachlichen Genius, die genau so im Couplet. im zündend«» Witz, im Sprichwort und in der Rellam« wieder« kehren. Wer könnte sich vermessen, etwa» Besseres zu erfinden als: „Morgenstunde hat Gold im Mund«". So trivial der Mund voller Gold wirkt, so treffend im humoristischen Sinn ist diese Wendung. Welche Genialität in Sätzen wie:„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr." All« Zitat« sind dichterische Retlamewort«, die nur deshalb Allgemeingut geworden sind, weil sie d«n Nagel auf den Kopf treffen.„Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weg«» wohl bewußt", wirkt so plakathost wie:„Sei schön durch Elida". Daß die Dichter sehr berechnende Schlaumeier sind, geht daraus hervor, daß die besten Dichter auch die besten Titel geschaffen haben. „Des Meere» und der Lieb« Wellen" ist von einer unwid«rsteh- ltchen Kitschigteit, wi« sie von keinem Ainerikoner öliger und für dt« Meng««inschmeichelnder erfunden werden könnt». „Kabale und Liebe" hieß bekanntlich ursprünglich„Luise Millerin", was ziemlich nichtssagend gewesen war«. Dagegen wurde der ursprüngliche reklamehafte Titel„Don Giovanni oder der bestroste Wüstling" später in den zahmeren„Don Juan" verwandelt. Im Sinn» der Reklame die Neugier reizend ist auch Ibsen»„Wenn wir Toien erwachen", wie überhaupt seither die Titel in Satz- � bildungen häusig geworden. sind. D � A n n u n z i o nannte«inen seiner Roman«:„Vielleicht ja, vielleicht nein", und Pirandello ahmt dies« Beispiele nach in:„Sechs Personen suchen einen Autor" und„Ist es so?— So ist es." Diese Mode fand ihren Höhepuntt in:„Glauben Sie, daß Konstanze sich richtig verhält?" Aber da jede Mode durch Nachahmung an Reiz verliert, so sucht« man neue Cssekte und entdeckte den Reiz der Abkürzung, wie sie. im G»> schäslsleben üblich ist. Man ließ den Theaterbesucher raten, wo» hinter„R. v. B." gemeint sei» könnte, oder bedient« sich der Zeichen: „S. O. S.". Verstehen sich die Dichter auf Reklanie, so versuchen die Reklame- fachleute den Dichtern ins' Handwerk zu pfuschen. Da«s bei beiden auf das wirtliche Können ankommt, das recht selten ist, so erleben wir mitunter wahre Greuel einer Reklame, poesie. die weder Reklame noch Poesie ist. Nur die blitzartig« überraschende Erhellung eines Tatbestandes kann in der Reklam« wie In der Dichtung wirken. Ein unerhörter Fund in dieser Hinsicht ist der Buchtitel:„Im W e st e n nichts Neu« s", von einer nicht zu überbietenden satirischen Schlagkraft. Hier ist in der Andeutung bereits alles enthalten, was dem Buche zu seinem so ungewöhnlichen Erfolg vcrholfen hat. Auch der„Untergang des Abend» londs". jener soszinierend«, in der Zeit der Auflösung beunruhi, gende Titel eines Werts, das im Inhalt übrigens d«n Erwartungen nicht entsprach, gehört hierher. Daß die Wortreklame so oft ins Leere zielt, liegt daran, daß st« von Dilettanten gemacht wird. Wenn ein Zigorrengcschäst sich als„Raucherdienst" aufmacht, so ist da» sowohl sprachlich wi« dem Sinn» nach lächerlich, da es selbstverständlich ist, daß man dem Raucher und nicht etwa dem Trinker dienen will. Besser ist schon die Aufschrift auf einem Weingeschäft:„Wein ist aufgefangener Sonnenschein", obwohl die Konstruktion zu ver standesgemäß ist. Die als unpraktisch verschrienen Dichter und Philosophen haben jedenfalls bisher bester« Reklam« geleistet als die Fachleute. Ein ebenso geniales Aushängeschild hat wohl noch keiner dieser Fachleute gefunden wie:„Die Welt als Will« und Vorstellung" Die andere Seite. Deutsches Künstlertheater. Mit diesem Kriegsstück, das nur von Männern gespielt wird, erosfnete das Deutsche Künstlcrtheater die Saison. Ort der Handlung: Ein Unterstand in der englischen Gradenstellung vor St. Qucntin. Ein sogenanntes„Rattenloch". Stellungskrieg. Diesen Graben bewohnen vier englische Ossiziere, R. C. S h e r r i f f greift drei Tage aus dem Kriegsgeschehen her- aus, man glaubt, er will Bericht erstatten. Das dumpfe, nerven- zerreibende Einerlei, das durch den Alpdruck des Todes nur auf den gegenwärtigen Augenblick eingestellte Leben. Ein Leben, das kein Gestern und nur ein ungewisses Morgen kennt. Ein Leben, dos breit und viehisch in der Gegenwart steht. In der Gegenwart stinkt, rülpst und sich laust. Er will uns— ich oermute den guten Zweck— die Männer des feindlichen Unterstandcs, �„die andere Seite" menschlich näher bringen. Er bleibt aber, trotz einem gewissen, etwas erzwungenen Versuch zur Primitivität(o, es geht nichts über„naive" Kunst) natprgcmätz einseitig. Er kann das Typische, senes erschütternd Triviale dieses Lebens in der Stellung nicht zeichnen. Denn das wäre kein gutes Theater. Es gäbe keine Pointen. Kein Gruseln liefe das Rückenmark herunter. Keine Träne schnalzte. Kein tragischer Knoten, sorgsältig vorbereitet, fände Zeil, sich zu schürzen. Denn dieses Leben war ein langes Nebeneinander von lauter Augen- blicken, von Gegcnwartsteilchen. Obenhin gesehen ist die Tendenz lobenswert. Gegen den Krieg natürlich. Fein. Aber von einer gefährlichen Sentimentalität. Nicht mißverstehen. Es wird hier gutes Theater gemächt. Aber eine Krokodilsträne lauert im Hintergrund. O, Helden! Helden werden durch solche Stücke gezüchtet. Solche Helden, wie wir sie nicht brauchen können. Man hat ungefähr das Gefühl, als wollte Sherriff sagen:„Gewiß, es ist das eine bös«, elende Sache mit dem Krieg! Aber seht, welch interessante Menschen! Helden, ohne Zweifel!" Aber gutes Theater. Die Besetzung ausgezeichnet. Eine weitere Gefahr für den verschleierten Kern der Sache. Mathias Wie- m a n N als Kompagnieführer Stanhope mit wunden, bis zum Zer« reißen angespannten Nerven, erschütternd echt. Eine wunderbar« Rolle,'ober auch eine seltene Leistung. Friedrich Kayßler als Osborne,«in Berg der Unerschütterlichkeit,«in sich erfüllendes Schicksal, nicht abhängig vom Geschehen. Erhard Siedel als soeben aus dem Kleinbllrgerehebett geholter, ewig auf das Leib- liche bedachter Spießer, aber gut«r Kamerad; Hans Brause- weiter, triebhafte Furcht im Herzen. Ludwig Stösscl als phlegmatischer Offiziersdiener und Mädchen für alles,— einer besser als der andere. Auch die kleinen Roll«»: Der Feldwebel (Heinrich M a r l o w), der Oberst(Paul Otto), Offizier Hardy (W«rncrSchott) und der deutsche Soldat(I ü r g« n v. A l t e n) sind großartig gepackt. Zul«tzt und besonders ist von Hans Joachim Möbis zu sprechen, der zum erstenmal in so wichtiger Rolle Herrliches leistet. S«w stmger Offizier, her forfxH von der Schulbank geholte, trat- herzig«, begeistert«, ollen Eindrücken offene Jung« ist von be- zaubernder Echtheit. Man staunt über die Fähigkeit, etwas so zu gestalten, dos man nicht von außen nach innen projiziert spielen kann. Sein eigenes, jungenhaftes Ich. Wir gratulieren. Aber die Regie ist antiquiert. ■Mexsncker von Sachcr-Masoch. Seine Gefangene. Mozartsaal. Dieser Film ist für einen Europäer von einer kaum faßbaren Naivität. Möglich, daß die Vorlage, eine Novelle von. Dann Byrne, besser war. Also im Rahmen einer Gerichtsverhandlung wird folgendes gezeigt,«in Polizeisergeant,— M ilton Stils gibt ihm ein ge- strafst männliches durch plötzliche Liebenswürdigkeit erhelltes Aus- sehen,— reist in die Südsee, um dort auf einer der kleinen Inseln ein junges Mädchen zu verhosten, das in New Park einen über- flüssigen, reichen Nichtstuer erschoß. Ein Schiffbruch setzt zur rechten Zeit ein, und beide werden auf ein« absolut einsame Insel ocr- schlagen, wo die junge Dam« im Lauf« von sieben Jahren die Wandlung zu einer Heiligen durchtostet. Es geschehen sonderbare Intermezzi, die«in Robinsonleben eben mit sich bringt, bis endlich ein Schiff vorbeifährt. Das Pflichtgefühl siegt, man kehrt trotz großer Lieb« nach Amerika zurück, und es erfolgt eine Verurteilung mit der Aussicht auf Begnadigung. Das ist alles unglaublich naiv gemacht, allein in Hinblick auf ein Publikum, das völlig in puritanischen, verlogenen Moral- begriffen lebt, außerdem sieht Dorothy Mackaill aus wie das angelsächsische Postkartenideal. Der Regisseur George Fitz- Maurice unterstreicht das Rllhrsam«, Maralische, ohne besonder« Einfälle zu haben, die bei einem solchen Stoff auch den erfindungs- reichsten Kopf verlassen müssen. Z. Oer Schauspieler Alfred Meyer gestorben. Wiederum haben die sächsischen Staatstheater einen herben Verlust zu beklagen. Der Schauspieler Alfred Meyer, der unverwüstliibe Humorist am Schauspielhaus in Dresden, ist am Donnerstag nncWittag im Johannstädter Krankenhaus infolge einer Herzschwäche im Alter von 52 Iahren gestorben. Alfred Meyer war an einer Grippe erkrankt und konnte sich seither trotz wieder- Holter Kuren nicht mehr vollständig erholen. vi« Vorstellungen der Volksbühne E. V. nehmen am 1. Seplember ihren Slnfang. Die Mitglieder der Volksbühne erhalten im Spieljahr lgZg/A1 je 7—8 Vorstellungen in dem eigenen Hau» des Vereins, dem Theater am ?ülowplatz, außerdem einige Opernouffüdrungen in der Staatsover am Platz der Republik und Aufführungen des Schiller-TheatcrS. Bei den .Soo�erabtrilungcn"' treten an Stelle einiger Vorstellungen deZ Hauses am Bülowplatz Aufführungen der PiScator-Bühne. Anmeldungen zum ne-uen Spieljahr werden in beschränktem Umsangc noch in allen Zahlstellen entgegengenommen. Die deutsche KunstgeseNschast. Den Propagandawcrt deutscher Kunst für das Ausland hat matt eigentlich erst nach dem Kriege bei uns eingesehen und dann auch danach gehandelt, sobald es nur möglich war. Seit 1922 sind, trotz unzureichender Mittel, in wachsendem Maße Konzert- und Orchester- reisen, Theateraufführung«» und Kunstausstellungen nach vielen ausländischen Staaten organisiert und unterstützt worden. Die besten Namen unserer Musik- und Theaterwelt haben dergestalt durch ihre große Kunst für deutsche Kultur im Ausland geworben: der Leipziger Thomancr- und der Dresdner Krcuzchor, der Berliner Domchor, Furtwängler, Bruno Walter und Hößlin mit ihren Orchestern und Opernensembles, Reinhardt, Wegener u. a.; von Ausstellungen solche im Haag, in Stockholm, London, Venedig, Rom, Zürich, Ämsterdam; Kunstgewerbe in Monza und New Jork, Graphit in Barcelona, Ma- drid, Zürich, Warschau und Paris; ja bis Buenos Aires und Hollän- dijch-Jndien sind Wanderausstellungen geschickt worden. Diese Bestrebungen zusammenzufassen und mit privater Hilfe zu finanzieren, vor allem auch den Wechselbesuch ausländischer Kunst bei uns zu garantieren, hat sich die„Deutsche K u n st g« s e l l- schaft", gemeinnützige Gesellschaft für die künstlerischen Beziehun- gen Deutschlands zum Auslande, gebildet. Präsident ist Günther Fürst von Schönburg-Waldenburg, Vizepräsident Dr. H. Michaelis; dem Arbeitsausschuß gehören u. o. Staatsntinister a. D. Dr. Südekum, Direktor v. Stauß, Dr. Graf Wolff-Mctternich und Geheimrat Dr. Sievers vom Auswärtigen Amt an. Es muß mit besonderer Ge- nugtuung darauf hingewiesen werden, daß die Gesellschaft sich das Prinzip des gegenseitigen Kulturaustausches zu eigen gemacht hat, damit wir nicht nur von unseren eigenen Schätzen den and«ren Völkern mittellen, sondern auch unsererseits von ihren Bestrebungen Kunde erhalten. Denn nur so, durch gegenseitiges Kennenlernen ihrer wahren Kyllurgüter, können sich die Völker näherkommen und einsehen, daß sie alle das gleiche Ziel verfolgen unä im friedlichen Wetteifer am besten miteinander auskommen. Dr. P. F. Sch. Welker für Berlin: Weiterhin warm und vorwiegend heiter, schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Im Südwesten strich- weise Gewitter, sonst Fortdauer des hochsommerlichen Wetters. „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der Kinderfreund" liegen der heutigen Postaufloge bei. (Schluß des redaktionellen Teils.) Der Wcddina im Zeichen de» Tonsilm,. Nun besitzt auch der Wcddina ein Kino, in dem Tonfilme vorgeMbrt werben, und!,mat im„CleftreuSPalasr, Kösliner Str. 8. Der(Einamia jum Kino fiihrt übet einen Hot, der wciMich für Reklamc.rwkcke ausgenutzt wird.'Der Tonfilm in dem Theater ist als Ersatz für die Biihnenschau gedacht. Moabit. Von heute ab vcröfsentlichen wir auch das Klnoprogramm vom Ärtushas, Pcrlebcrger Etratzc, in unserer Kinotafel. Verantwortl. Mr die Redaktion:«olsgang Schwor,. Berlin: An,«igen: Tb. Slocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag<5. m b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Bcrlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin TW 68. Lindenstraße 3. Kierzu 1 Beilage. Ilisafsi', ix Lichtspiele usw. � Staats-Oper tinter d. Linden Beginn der nenen Spleliell Sonnig.. den 1. Senlember Staats-Qper Am Pl.d.Republ. Beginn der neuen Spiel, eil Sonnig.. den 1. September Freitag, 30. 8. StSdL Oper Bismarcks tr. 20 Uhr Turnus I Die sdiwarze Ordiiiiee Staatl. Sdiansph. am Gendarmenmarkt Beginn der neuen SpInlnllSoonnb.. den 31. iugusi Staatl. Schiller-Theater. Charllb, Beginn der nenen Spielzeit Sonnabend, den 91. Aognsi MiMMaaMMtzMMMM 8V, Uhr Barb. 9266 * Iorlg.-amermanische Reueiinrn«nur. Sonnabend 2 Vorstellungen S u. B'/r Uhr.— 5 Uhr ermäßigte Pr. | Tägl. S u. 013 . Sonnt. 2. 5 u 8» _ I AI«*. E. 4. 8066 MTERNAT. VARIETE Gustav Härtung Renaissance-Theater H Wiederbeginn Sonntag, I. Sept. 71. UhrB Die heilige Fiammel | v.W S.Maugham. Regte:(just. Hartungl 1 In der Premierenbesetzung■ I C 1, 0901.,nd 2583/84. WDMM »»««»»«»»»,«»»»»«»s»» Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, Kasc-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 1 Gastspiel Gnsiel Beer, Grelcl Lilien[ Wiener Blut' Operette von Johann Strauß 1 Oazn der grobe Varietetell.| Anfang Konzert 4 Ulir. Burleske u., Variete 5.30. Dperetle 8 Ohl., e———»eeeeeeee» Rose- IThealer, Gro�e rranldnrter Sir« IS1. Täglich 8.15 Uhr Der hieine Kuppler Lustspiel i.SAkt.v.Armontu.Gerbidon Gartenbohne 5.30 Uhr Konzert und bunter Teil 8.15 Uhr Die Scheidungsreise Verdno Sie ADonoem des Bose-Ttzealers Verlangen Sie kostenlose Zusendung der Abonnements-Bedingungen ■BBKflHNWBMEriBHOBHUraO Direktion Dr. Robert Klein Deolsehes IHnstler- Theater Täglich SV, Uhr Die andere Seife von R. C. Sherriff Regie; HeinrHilpert Berliner Theater Dienstag. 3. Sept. TV» Uhr UranffOhrung Zwei Kiawatten von Georg Kaiser Musik: Mlscha Spoiiansky Regie: Forster Larrinaga Vorverkaufauch Im Pavillon der Reinhard tbGhnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 Deoisthes Theater D.I. Norden 12310 8Us Ende gegen II Die Fledenpaos Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstatfg. L. Kainer Kammerspieie D.I. Norden 12310 Eröffnung der Winterspielxeit Sonnabend, 31. Aug. T'te Uhr Btsch. UrannflbrnnB Der linwiderstehliehe Komödie von Paul Cäraldy und Robch-t Spitzer Die Komödie JI Bismck.2414/7516 fi'/iU., Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie: Leontine Sagan Winrer * Qarren* unr> Zenit. 2818. Biodten erlaub) lateraat, Variite* Jmmir hnmer gut SonnahMd u. Sonntag Ja 2Vorftalliwg«n 3® und 8 Uhr. a" kleine Preis«. CASINO-THEATER Lothringer Strafe 57, TlgUds SV« Uhr Dar neu« Ersnaunas.sehiagar Wem neliiirl mnin Mann! BarnowskY-BOhneii Theater in Dar* xaniggrltznr Strade Täglich SV, Uhr Riva I en Komödienhnu« Täglich 8Va Uhr Boülzeitirei» mit Bnnrg Alexander Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich SV* Uhr Max Adalbert in Clubleute Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Leser: Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur I.ZS M., SeAsel 1.75 M.. Sonstige Preise; Parkett u. Rang OVO M Relchshallen-Theater Abend[T] Sonntag Nachm.[T| Stettiner Sänger Nachmittags halbe Preise! Moniag, den 2. Sepicmber 1771-Jahr-Feier der I I Slettiner Singer Dönhoff- Brettl: V«rict6 Konzert Tanz M.in Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! BETTENHAUS A. SCHONERT Berlin so oranienstr. 12 Eckhaas Heinrichsplatz. Hochbahn Gomtzer Bahnhot Ribsenlbger in Metallbcttstallen und Kinderbetten. lagerbesuch rflr alle Artikel reichlich lohnend. Dedibetten. Dnteilietten. Kopfkissen. Steppdedun. 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August 1929 DprAbmO SfialaukQaße ito IbutttsA Junges Europa Eindrücke aus Finnland/ Von Hermann Tempel, MdR. ffuf der Ueberfahrt nnn Stettin noch Helsingfors trafen wir fie. um derentwillen wir die Reise in das unbekannte Land der tausend Seen unternommen hatten, zum erstenmal an: finnische Bauern und sinnische Arbeiter. Burschen und Mädel aus dem Volk, das Abzeichen des großen internationalen Jugendtreffens der SAJ. in Wien auf ihren Kitteln, so standen sie an der Reling unseres Dampfers und schauten den fernen Blinkfeuern von Gotlond ent- gegen, die grüßend über den nachtschwarzen, samtenen Spiegel der Ostsee huschten.„Freundschaft!" Ein leichtes Erstaunen, dann ruft es fremdartig und doch vertraut zurück:„Freundschaft!" Weiter nichts. Aber es genügt, den magischen Stromkreis der Kameradschaft um uns zu schließen. Wieder klingen ihre Lieder auf, die uns hergslvckt haben. Dunkle Melodien in Moll, ein wenig sentimental, wie das Volk im Norden sie liebt. Gute Jugend, durchweg blond, helläugig, und, in scharfeni Kontrast dazu, mit unverkennbar fremdem, da und dort leicht mongolischem Gesichts- schnitt. Hinter uns im Dunst der Zwischendeckskajüte ho�t schweigend eine Runde deutscher Jungen. Gymnasiasten aus Chemnitz, ebenso wie wir auf Fahrt noch Finnland. Sechzehn-, siebzehnjährig, in Wanderkluft, sitzen sie mit gespannten Gesichtern um den Tisch gereiht und— dreschen beim Glase Bier ernsthaft ihren Skat. Wir flüchten zu unseren Finnen. Das also sind sie, diese Rasse, deren unverbrauchte Energien in allen Stadien der alten und der neuen Welt über jedes Training und jedes Raffinement unserer Sportler, einerlei, ob Arbciterturner oder bürgerliche Jugend, zu triumphieren gewöhnt sind. Das also ist ein Stück jenes kleinen Bauernvolkcs im hohen Norden von Europa, an Gesamtzohl ge- ringer noch als etwa das Stadtnolk von Berlin, über einen Raum verstreut, der der Fläche des Deutschen Reiches nur wenig nachsteh:, länger als die Hälfte des Jahres unter Schnee und Eis vergraben, hinter sich einen fast tausendjährigen Kampf gegen den Unterdrücker Rußland, und doch ein Bolk von hoher Allgemeinbildung und reifer politischer Kultur. Ein Volk, das zu 8t>Proz.auf dem Lande wohnt, zu zwei Dritteln Bauernwirtschaft betreibt und trotzdem der Sozialdemokratie bereits einmal, vor der Spaltung allerdings, die absolute Mehrheit in seinem Parla- rnent gegeben hat. Ein Volk, das unter denkbar großen Schwierig- leiten seine Arbeiter und Bauern genossenschaftlich vorbildlich zu organisieren vermochte. Ein Volk endlich, das 1918 im Bürgerkrieg— Arbeiterschaft gegen Bourgeoisie— sich selbst mit uner- bärtem Fanatisnius zerfleischte: 39 909 Menschen wurden das Opfer der Blutbäder. Ein Volk und ein Land also, das kennen zu lernen, den politischen Menschen reizen muß., • Der Finne ist schweigsam. Sehr ruhig, sehr wartkarg, sehr gemessen in seiner Haltung. In den ungeheuren Wäldern seiner Heimat, in den kargen Dörfern, den spärlichen Höfen verlernt man das Reden. Wer aus den brodelnden, fiebernden Stödten Europas in dies Land der Wöldcr und Seen gerät, taucht in feine Ruhe wie in ein kühles Bad hinein. Stundenlang fährt man durch die Birkenwälder K a r e l i e n s, stundenlang auf einem der tausend und aber tausend Seen der S a i m a a, durch schäumende Schnellen und reißende dunkle Ströme im Norden, fast ohne Menschenwerk und Menschenspur zu sehen. Hin uiid wieder ein einsamer Lachofischer, ein Holzslößer, e-nes der rotweißen Block- Häuser am Ufer, sonst n i ch t s als Wald und Wasser. Eine Welt der ganz tiefen Stille. Dies Volt hat sich ein« natürliche Würde der Form bewahrt, die uns im Getümmel der Straß« verloren zu gehen droht. Wortlos, ohne die geringste Geste der Zudringlichkeit, bieten Kinder auf den Bahnhöfen ihre Waldbeeren an. Dreimal an einem Tage wiesen hilfsbereit« Hände ein Trinkgeld zurück: der Friseur, der Eisen- bahnarbdier, die Scheuerfrau. Wie im kleinen, so im großen! Vollkommen ruhig, ohne die geringste Aeußerung des Beifalls oder Mißfallens nahm das Parlament in H e l s i n g f o r s in feierlicher Sitzung die Eröffnungsrede entgegen. Ein leichier Hammerschlag des Präsidenten genügt,»m jeden Zwischenruf zu unterbinden.„U id die Koinmunisten? Lärmen sie bei euch nicht ebenso wie bei uns?" V ä i n o T a n n'e r, Finnlands Otto Braun, schüttelt auf unsere Frage leicht den Kops:„Am Lärmen erkennt man die Kinder. Wer lärmt, wird bei uns politisch nicht ernst genommen«" Zehn Menschen wohnen in Finnland im Durchschnitt auf einem Quadratkilometer gegen 134 auf der gleichen Fläch« in Deutschland. Un- endliche Wege, kleinste Siedlungen und trotzdem eine Jahrhunderte alte allgemeine Bolksschule und eine fast überreiche Entwicklung der Presse und des Bücherwesens. Die Einsamkeit der Wälder und des Winters hat dies Volk der Bauern. Fischer und Holzfäller zwar nicht das Reden, aber das Denken gelehrt. * Der Finne muß mit seinem Lande kämpfen. Die Natur schenkt ihm nichts: er muß sie in stetem Ringen immer von neuem be- zwinoen. D,e Erde ist arm: überall stößt der granitene Bodenpanzer durch" die spärliche Humusdecke hindurch. Kurz ist der leuchtend- Sommer, dessen weiß« Nächte einen Tag in den anderen hinüber- gleiten lasten. Lang der nordisch« Winter, der See und Wald er- starren macht. Mit Fichtenrind« streckte früher der Finne im Winter sein Brottorn, um nicht zu verhungern. Ende Juli erntet er die e r st« n Kartoffeln. Seit Jahrhunderten hat die Natur hier rücksichtslos olles trank« Leben ausgemerzt. Kein Wunder, daß diese Menschen, Produkt einer strengen natürlichen Zuchtwahl, körperlick» Europas Lehrmeister geworden sind. Sic sind Fanatiker der Körperpflege. Jedes Haus auf dem Lande, auch dos ärmste, hat sein« Sauna, sein Bade- haus. Tag für Tag nimmt hier der Bauer während der Erntezeit fein Dampfbad, im Winter mindestens wöchentlich einmal. Im heißen Dampf, besten Temperatur bis auf 75 Grad steigen darf, xeitjcht ex sein« Haut mit Dirtenreisig.«m sich dann draußen in Schnee oder Wasser abzukühlen. Sauber wie der Körper ist dos Haus des Finnen. Sauber feine Wirtschast. Wenn heut« finnische Butter, finnischer Käse sich die großen zollgeschützten Märkte Europas erobert haben, so nicht zuletzt dank der Akkurateste, mit der auch der letzte Bauer sein Vieh, seine Milch, seine Geräte be- handelt. Daß dies entlegen«, rauhe Stück Erde landwirtschaft- l i ch ein M u st e r l a n d werden tonnte, sollte gerade uns Deutschen zu denken geben.' Der Deutsche ist hier überoll wohlgelitten. Auch der finnische Arbeiter beginnt, die Aera o. d. Goltz zu vergessen. Deutsche Bücher, deutsch« Maschinen, deutsche Elektro- und Fotoartikel liegen allerorten aus. Das Deutsche ist an allen höheren Schulen als einzige Fremdsprache Pflichtfach. Die kleine Gruppe deutscher Parla- mentarier, die in diesem Sommer Finnland besuchte, fand bei allen Stellen die denkbar gastlichste Aufnahme. Am gastlichsten beim Ge- nassen Wäinö Wuolijoki, dem finnischen Gesandten in Berlin. In einer der Hauptstraßen von Helsingförs stießen wir auf ein großes Schaufenster, das man von unten bis oben mit deutschen Büchern gepflastert hatte. Zwei Bücher waren es, immer in Reihen übereinander geordnet: Remarques„Im Westen nichts Neues" und Emil Ludwigs„Juli 14". Das neue Deutschland. das aus diesen beiden Buchtiteln dos junge Europa hier oben grüßte. Wir alle— gute Deutsch-Europäer— standen erfreut vor dieser Manifestation des Geistes der fernen Heimat. Und«ine leicht« Röte der Scham stieg in uns auf, als wir eines Vorgangs ge- dachten, der ein paar Tage zuvor uns bedrückt hatte. Wir fuhren, Finnen und Deutsche, den brausenden U l e a e l f hivunter. Unter- wegs stieg, froh empfangen, ein« Schar deutscher Wandervögel in unser Boot. Schüler aus Liegnitz, wohlerzogen und höflich. Wir baten um ein Lied. Was sangen diese deutschen Jungen dort oben, nahe dein Tundren Lapplands, als erstes und bestes Lied der Heimat?„Siegreich wollen wir Frankreich schlagen! Ja. ja, ja, ja, ja,.wcnn's losgeht, sind wir da!" Wir haben damals kein Wort gesprochen. Unsere sinnischen Freunde, alle des Deutschen mächtig, auch nicht. Aber vor der Buch- Handlung in Helsingförs haben wir uns die Hand gegeben: Deutsche und Finnen, altes und neues Europa. Nirgends spürt man in sich den Pulsschlag de? werdenden Europa stärker pochen als auf srcm- dem Boden. „Tedmilcer und Sozialdemokrat� Zum 60. Geburtstag des Grafen Georg von Arco Man hate schon lange mit größtem Unbehagen bemerkt und auch die Hausangestellten tuschelten es sich in die Ohren, daß der kleine Graf eine ganz bedenkliche Neigung für die technischen Ein- richlungen des Gutshofes an den Tag legte. Eine D«ieschmaschine und die antreibende Lokomobile waren damals selbst aus dem echt junkerlich geführten Arcoschen Gut Groß- Gorschütz, das seit langem in den Händen der Familie gewesen, vorhanden und nichts fesselte den Sohn des Hauses schon als kleines Kind in gleichem Maße wie das dreckig«, rußende Ungeheuer, von dem man chn ebenso rußig und dreckig nur mit Gewalt zu den Mahlzeiten weg- holen konnte. Nun ist man ja an Schrullen in einem gräslichen Hause gewohnt. Jeder Sproß eines echten Iunkerhaujes zeigt ja irgendwie solche: und wenn es nur Weiber- und Soufgeschichten'sind, sd faßt man es als ein notwendiges junkerliches Attribut auf. Aber in Groß- Gorschütz geschah dos Unglaubliche, daß der junge Herr Graf, schon Premierl«utnant der königlich preußischen Armee(wie sich das für «inen echten Junkersproß gehörte), mit dem Entschluß herausrückte, er wolle Ingenieur werden. Man nahm das zuerst nicht allzu tragisch. Dennoch schlich alles scheu und kopfschüttelnd nur mit einer Phrase auf der Zunge umher: Techniker! Da konnte denn das Fürchterlichste nicht ausbleiben, daß er am Ende gar nockz sozialdemokratischen Ideen huldigte: denn das gehörte unbedingt zusammen. So beherrschte nur ein Thema die ganz« Familie: Techniker und Sozial- de mo trat! Man erinnert« sich wieder an seine Vorliebe für die Lokomobile und den Heizer, der Kohle und Schlack« schleppt, und Dennoch hoffte mair, es wird sich auch das wieder geben. Ab«r es gab sich nicht. Georg bezog, von allen Mitgliedern der Familie mit größtem Mißtrauen über seinen Geisteszustand scheu betrachtet und verachtet, die Berliner Technische Hochschule und studierte, von Prosessor R i e d l c r ermuntert, Maschinenbau und Elektrotechnik: 1893 bis 1896. Dann wurde er Assistent bei Professor S l a b y. Dieser Umstand hat seiner Lebens- bctötigung die Richtung gegeben. Denn obwohl er seine besondere Eignung im Maschinenbau erblickte, für den er ein ausgezeichnetes Raumvorstellungsvermägen und starte Begabung in bezug auf Be- wegungsoorgänge(Dampfmaschinensteuerungen u. dgl.) mitbrachte, bestimmte doch eben seine Arbeit bei Sloby sein ganzes späteres Leben. Es ist bekannt, daß Slaby ehedem Maschinenbauer gewesen Ist und sich durch sein« Untersuchungen über die Gasmaschine weiteren Kreisen bekannt gemacht hatte. Erst spätek war er von der Wärmetechnik zur Elektrotechnik übergegangen. D!« Versuch«, die ihm M a r c o n i, der klein« italienische Reisende im väter- lichen Weinbaugcschäft, zeigt«, hatte» ihn mächtig interessiert und er wandte sich der Sache, mit bekanntem Erfolg« zu. Intimer Mit- arbeiter war Slabys Assistent, Gras v. Arco. Und als beide durch zahlreiche zuerst vielfach auch krause Versuch« aus dem merk- würdigen Gebiete schließlich einen Weg gesunden hatten.�nahm Slaby seinen Assistenten unter den Arm und meldete mit ihm gemeinsam da» Knallsunkenpatenl an, das erste deutsch« grundlegend« Patent auf dem Radiogebiet. Arco hatte wie immer in seinem Leben Glück. Das System Slabh-Arco wurde mit dem S y st e m Braun, bei Siemens u. Halske beheimatet, zusammengeworfen und daraus die Gesell- schaft für drahtlose Telegraph ie gebildet, die später den Namen„Telefunken" erhielt. Gras Arco wurde der erst« und technische Direktor. Aber selbst die sachlichen und gesellschaftlichen und später auch die klingenden Erfolge haben es erst allmählich ver- mocht, die feudale Familie mit der Rolle des Techniker-Grafen aus- zusöhnen. Mit der des Freidenkers hat man sich nie be- freunden können. Namentlich ist es die Großindustrie, die trotz allen Respekts für die Person die politische und denkerische Links- stellung Arcos geflissentlich negiert. Aber welche wichtige Rolle hätte dieser Mann, der schon vor dem Kriege Freunde und aus- gezeichnete Beziehungen in der ganzen Welt gehabt hat, für die Wiederanknüpfung der diplomatischen Beziehungen nach dem Kriege spielen können, als man den Deutschen überall als Boche ansah und nicht wußte, wo man neue Leute auftreiben sollt«, die in der Log« waren, bei den ehemaligen Feinden Vertrauen zu erwecken. Hier hat ßch Deutschland ein« Eh an« entgehen lagen, die dem Sande wertvolle Mithilfe hätte bringen können. Zwar hatte die USPD., der er namentlich durch Baeg« und den Autor nahestand, ihn zum Bolksbeauftragten in das Preußische Handelsministerium delegiert, aber Arco fand an dem dortigen behördlichen Betrieb so wenig Geschmack, daß er seine Tätigkeit gleich wieder einstellte. Wie es nicht anders sein kann, stellt Graf Arco eine merkwürdige Mischung von Feudalismus und Frei- denkertum dar. Als er Offizier war, imponierte ihm der militärische Betrieb gewaltig— das ist die junterliche Ader, die ihm die Natur gegeben hatte. Er hat sich davon bis auf den heutigen Tag nicht ganz frei machen können. Dazu trug allerdings bei, daß'er vom Vater eine starke Impulsivität, große Leidenschaft und Jähzorn geerbt hat. Aber auch in diesen Dingen zeigt er vollkommene Gegensätze. Denn andererseits ist er außerordentlich weichherzig. Charakte- ristisch dafür ist ein kleines Vorkommnis aus der Kriegszeit, als wir nachmittags und abends bei ihm Gäste waren. Ilm ain Abend nicht zu früh an den Aufbruch gebunden zu sein, holte unser dienstbarer Geist den kleinen Sohn Gerhart abends ab. Aber Gerhort wollte noch nicht. Und so erhob sich denn ein klägliches Kindergehcul im Vestibül. Einen Augenblick betrachtete der Graf wehmütigen Blicks die Situation, sprang schnell entschlossen die Treppen hinauf und kehrte wieder mit einem geliebten Jugendspielzeug, einem kleinen Dampicr mit oszillierendem Zylinder, den er beruhigend dem kleinen Brüller in den Arm steckte. Und dieses Weichherz gegenüber menschlichen Schwächen und Nöten wollt« nach dem verlorenen Kriege Arzt werden! Für ärztlich« Dinge hatte er schon immer eine große Vorliebe gezeigt. Und seine Bibliothek enthält mehr biologische, medizinische und psychiatrische Bücher, als technische. Als Deutsch- land 1918 zusammengebrochen war, sah es auch trotz der ehedem glänzeiidcn interirationalen Beziehungen Telefunken? böse um die deutsche drahtlos« Tcnchik aus. In diesem Stadium erwog Gras Arco ernsthaft und lange den Gedanken, sich dem ärztlichen Be- rufe zu widmen. Aber auch hier bewährte sich die bei Sloby ge- lernte und von diesem allen seinen Schülern immer dringlichst empfohlene Wahr- und Weisheit:„Es wird überoll mit Wasser g«- kocht!" Wir alle waren seitdem Zeugen von dem glänzend«» �luf- stieg der drahtlosen Technik, namentlich in ihrer neuen Form de? Radiotechnik, unter der Telefunken in große» Teilen des europäischen Kontinents eine beherrschende Rolle gewannen hat. Der in der ganzen Welt bekannte Repräsentant dieser Tatsache ist Graf Arco. Man schleift ihn nun durch die gesamte Telesunkenreklame, was manche seiner Freund« niit wenig Behagen konstatieren. Es ist etwas z u amerikanisch, daß aus jeder Packung der Millionen Telefunkenröhren das Porträt erscheint, mit dem man etwas allzu hastig Raubbau treibt. Wenn man bei ihm übrigens von„Freunden" spricht, so kann man das nut mit einer bestimmten Einschränkung tun. Bei der Quecksilbrigkeit seines Wesens, die immerwährend neues verlangt, hat er auch einen starken Verschleiß an Menschen und Bekannt- schoften. Beständigkeit in einer großen Freundschaft liegt ihm des- halb nicht. Er hat selbst einmal seine Theorie moderner Beziehun- gen von Menschen zueinander beschrieben: Dos Heuk hat seinen wert in den zahlreichen, interessanten Berührungen mit anderen Menschen. So lernt man deren Eigen- tümlichkeiten schnell kennen und erlebt und lernt viel und schnell. Früher dagegen hingen sich die Menschen fürs Leben aneinander, trieben dicke Freundschaft und schleimten sich in Hunderten und taufenden Briefen gegenseitig aus. Andererseits Hot dieser Sinn fürs Neue auch seiner Lebensarbeit starke Impuls« gegeben. Kaum ist ein« Erfindung gemacht, so strebt er Neuem, möglichst etwas anderem entgegen. So treibt er sich nicht nur selbst, sondern alle sein« Mitarbeiter unaufhörlich und zu- meist nicht ganz sanft zu hastiger Weiterarbeit an. Es hat alier- dings deim Anschein, als ob noch und nach sein Draufgängertum erlahmt. Wir bedauern nur allzusehr, daß auch sein« Humanitären und politisch freiheitlichen Bestrebungen darunter leiden. Nicht etwa in dem Sinne, daß er ins gegnerische Loger obschw«nkt— davon ist kiene Rede—. ober wir haben doch ganz gern gesehen, daß ein Mann seiner Qualität und Leistungen mit uns in verwandter Rich- tung marschierte und dabei manchen, die es sonst nicht gewagt hätten. Beiöfiel und«nfew# gab, Fcüx Linke. (6. Fortsetzung.) „Ja, mein Junge. Gutes Werkzeug ist die Seele. Es macht das Arbeiten zum freudigen Spiel und adelt das fertige Stück. Wer beim Arbeiten«in saures Gesicht macht und flucht, verflucht sich selbst, denn nur er selber ist schuld am Mißlingen der Arbeit. Jauchzen und singen muß man dabei, daß einem das Herz ausgeht. Dann ist die Arbeit auch dankbor und lacht«inen mit jedem Tage von neuem an. Und wenn sie fertig ist, spiegelt sie allen Beschauern die Freud« entgegen, die man in sie hineinlegte, bis auch denen das Herze lachte Nachdem er Heinrich die Vorarbeiten zugeteilt, ließ er die scharf« Säge durchs würzige Dirkenholz fafen und sang dazu im fröhlichen Takt: „Du, mein lieber Birkenbaum, Einst am stillen Waldessaum Im grünen Laubgewinde. Vöglein sang in deinem Dach, Im Garten da klang es nach, Neft'lein wiegte im Wind«. � Deinen Schatten liebten sehr Malchen, Franz und andre mehr, Schauten in die Weite. Durchs' Gezweig« säuselt's leis,'. Junge Herzen glühten heiß, Wie beim Hochzeitgeläute. D, mein armes Birkelein.. Mußt dich nun artig und fein Hobel und Sägelein fügen. Malchen singt«in Liedchen fein, Fränzchen stimmet gleich mit«in, s'Dirnd'lein schläft in der Wiegen. O, gewiß. Frau Walchen wird sich freuen, wenn ihr Wunsch endlich in Erfüllung geht, dachte Heinrich. Denn überall wo er der jungen, hübschen Lehrerfrau in letzter Zeit begegnete, ließ sie den Meister, mit einem schönen Gruß, an dos Wiegelein mahnen. Und es macht« wirklich Freude, so mit dem Jakob zu arbeiten. Und wenn er dann gar von dem Leben und Treiben in großen Fabriken erzählte, dann brannte in Heinrich die Sehnsucht noch oll dem Neuen.— Ja. ein Mann habe nur in einenweg Bretter in das breite Maul des eisernen Riesenhobels zu stecken und«in zweiter könne kaum so viel wegraffen, wie zum anderen End« glattgehobelt herausschössen. Di« Kreissäge trenne Bretter so schnell, wie einer im Geschwindschritt n«benherlaus«n könne. Und alle di« Kehl-, Bohr- und Abputzmaschinen machten ihre Arbeit viel akkurater als der sauberste Tischler. Es war«in« Wunderwelt der Technik, di« sich vor Heinrichs geistigem Aug« austat. Dabei sielen ihm aber auch die Worte seines Meisters ein, in denen dies«? öfter seinem Aerger über oll dos Neue Luft machte. Und am Ende habe der Alt« nicht ganz unrecht,, wenn er befürchte: j«de neu« Maschine führe das Handwerk seinem Tod« einen Schritt näher. Und die vielen Maschinen fräßen mit der Zeit nicht nur alle Wälder auf, sondern jagten auch Meister und Gesellen aus den Werkstätten hinaus auf di« Landstraße. Wo sie sich dann von einer Fabrikstadt zur anderen durchvagabondieren mühten, bis sie eines Tages einer der großen Herren als Hand- langer neben sein« Maschin«n anstell«. Doch hoffte der Alte, di« Menschen würden sich noch rechtzeitig auf ihr« Würde besinnen und sich gewaltsam gegen die«isern«n Feinde wenden. Er gab zu, daß sie das Tier ersetzen: Schiffe und Eisenbahnen durch die Welt ziehen, jedoch der Mensch dürfe sich nicht von seinen eigenen Werken verdrängen lassen. Als nun am anderen Morg«n der Meister und Heinrich die fertige Wiege Frau Malchen hinübertrugen, entfuhr der jungen Mutter«in froh«r Jauchzer. Und Lehrer Franz machte gleich ein paar freudige Hüpfer um Mutter und Kind, als das Dirndel frisch geb«ttet in dem flommig blitzenden Wi«g«l«in lustig strampelt«. Und es sei nun gar ein rechtes Meisterstück geworden, schmeichelt« er. dem Alten auf die Schulter klopfend. „Tja, dabei war auch ein Kunsttischler am Werke, der in Köln und Berlin schon für Bischöfe und Fürsten gearbeitet Hot", prahlt« der Meister mit Absicht. „Hörst du, Malchen, welch hohe Ehr«!" „Ei gewiß. Ich glaub' es schon. Gleich fiel mir es auf, daß dabei nicht nur das Geschick der Hände am Werte war. Schau hier, den elegant fließenden Schwung, die» ist nicht Wartenbergcr Art. Und wie der zarte Glanz die Maserung belebt, das wirkt erhebend." So betrachteten beide Wiege und Kind mit inniger Freud« und lachten und wippten und sangen«in heiteres Schlafli«dchen dazu. Beim Verlassen der zwei glücklichen Menschen gedachte Heinrich der gestrigen Worte des Jakob, wie sie hier zur Wahrheit wurden. Und er war stolz, auch schon«in klein wenig zu deren Erfüllung beigetragen zu haben. Erst als er den Marktplatz überschritt, besah er das Sl)-Pf«nnig- Stück, das ihm Frau Malchen in die Hand gedrückt hatte. • Recht« Feierabendstimmung herrscht« heut in der Werkstatt. Wie allabendlich kniete Heinrich suchend im Spän«haufen. Denn es könnte sich doch im Lauf« d«s Tag«s«in Stück Wertzeug in den Spänen verirrt haben, wofür er dann verantwortlich gemacht würde. Der Jakob lehnte im offenen Fenster und lauschte hinaus in den Garten, wo Heimchen und Grashüpfer ihre Abendmusik aufführten. Und Meistsr Timm bastelt« an einem Schwarzwällxr Uhrwerk, da» er noch rasch in Gang bringen wollt«, denn morgen war Markttag und danach gefragt war schon oft genug. Energisches Andietürklopf«n ließ all« aufschauen. Mit lautem „Grüß Gott" trat der junge Pastor Bl«chschmi«d ein.„Vitt«, lassen Sie sich nicht stören", sagte er abwehrend, als der Meister sein .Haupt entblößt« und ihn an der dargereichten Hand gleich hinüber nach der Wohnung führ«n wollt«.„Ich Hab« keine Geheimniss«. Im Gegenteil. Di« Stadt kann es nicht früh genug«rsahren. und im besonder«» geht es die Jugend an." Und gleich setzte er mit Eifer seinen Plan auseinander. „Einen Iünglingsv«r«In gründen?— Gewiß— nicht übel— ober».." Timm bewegt« bedenklich den Kopf, denn gegenüber diesem jungen Draufgänger mußt««r, als Mitglied de» Kirchen« rat«, Vorsicht«alten lasten, doch Blechschmied fiel ihm kurz in, Wort. „Ich weiß, Sie ineinen, es wird mir nicht gelingen: Gesellen aus oller Herren Länder, Meistersöhne, Lehrbuben, Tagelöhner und Fuhrknechte unter einen Hut zu bringen, weil ein gleicher Versuch meines Amtsvorgängers gescheitert ist. Doch mein Plan stt bis ins kleinste durchdacht. Ihre Zustimmung genügt mir für heut«. Wir haben dann den Sommer über Zeit, den Boden vorzubereiten und di« Saat auszustreuen. Der Lehrburschen bin ich mir ja sicher. Und auf Sie darf ich wohl dann auch rechnen, mein Freund!" Er reicht« Jakob, der auf seiner Hobelbank saß und dem Gespräch, zugehört hatte, die Hand. „Wie ist Ihr werter Name?" „Jakob Frohnknecht." „Welch historischer Name. Daran lassen sich recht, unterhaltende Betrachtungen knüpfen." „An den Ihrigen auch, Herr Pastor." „Ei gewiß, Sie haben recht." Hinter des Geistlichen Zu» stimmung verbarg sich Verwunderung, ob der dreisten Erwiderung des Gesellen.„Jawohl, Ursprung und Bedeutung unserer so stnn» reichen Namen gäben schon Unterhaltungsstoff für einen Vereins- ab«nd. Uebrigens werde ich für jede Anregung zur Förderung de» Vereins stets herzlich dankbar sein. Ich will überhaupt den Mitgliedern dos freiest« Selbstbestimmungsrecht gewähren." „Echt demokratisch", warf Jakob ein. Blechschmied sah ihn groß an.„Sie waren schon in einem Verein?" „Ja, im Fochverein der Tischler." „So so, im Fachverein. Da waren wohl auch Sozialdemokraten dabei?" Des Geistlichen Blick ruhte auf dem Gesellen. „Jawohl,«ine Masse", erwiderte dieser getreu. „Mit diesen Kaisermördern waren Sie in einem Derein?— Hören Sie, Meister Timm?" Doch«he der Alt« eine Antwort fand, rief Jakob schon dazwischen:«Es stimmt nicht, Herr Postor:«in Christlichsozialer schoß auf den Kaiser!" In voller Würde stand der Geistliche vor Jakob.„Aber, Herr Frohnknecht, bitte bleiben Sie doch bei der Wahrheit." „Der Borwurf fällt auf Si« zurück, Herr Pastor." „Sie Unverschämter!" Empört wandt« sich der Geistliche der Tür zu. Und da er auch von feiten Timme, keinerlei Zustimmung fand, ging er ohne Gruß davon. Timm sah dem über den Hof Eilenden nach.„Das hätten Si« lieber nicht tun sollen", begann er mit stillem Bedauern,„denn es stand doch in allen Zeitungen, der Mordversuch sei von den Sozial- demokraten ausgegangen." „E, stimmt, diese Unwahrheit verbreitet« man in der ganzen Welt, jedoch di« danach erfolgte Richtigstellung unterließ man.— Im übrigen, Meister, wollen wir offen miteinander reden: Sollten Sie durch mich Nachteile zu befürchten haben, dann geh ich meiner Wege." „Aber ich bitt' Sie, das fehlte noch! Wegen des jungen Hitz- kopfes, der noch so schwach in seinem Glauben ist, daß er seine Lehre"nur von der Kanzel aus verteidigen kann, wo er keinerlei Widerspruch zu erwarten hat. Und der noch nicht mal einzusehen vermag, daß man anderer Meinung gelten lassen muß, wenn sie nicht durch Wahrheit widerlegt werden kann." Timm reicht« Jakob die Hand.„Es bleibt alles beim alten, gelt ja. Ohne Postor komm' ich zur Not aus, aber nicht ohne Gesellen." Keiner freute sich des so gütlichen Ausgangs mehr als 5)einrich: Solch einen Gesellen gab es ja in der ganzen Stadt nicht, das wußte er. Und ollen Lehrjungen erzählte er am folgenden Sonntag auf einem Spaziergang nach der Fasanerie, daß der Jakob Sozial- demokrat sei und schon halb Europa bereist habe. Als sich alle wie ein Schwärm Vögel auf gefällte Baumstämme niederließen, hätte er am liebsten einig« Lieder, die«r schon vom Jakob gelernt, vor- getragen, doch der Schuster-Paul fuhr ihm barsch durch sein« Ge- danken:„Ein großer Affe ist er! Ganz allein geht er immer des Abends an der Ochel entlang und liest in einem Buch, wick ein Pfarrer. Und am vorigen Sonntag hat er auf der Herberge eine Rede gegen das Branntweintrinken gehalten. All« Gesellen hoben gelacht und der Herbergsvater hat ihm die Tür gewiesen." „Recht so!" Schmiede-Adolf, ein untersetzter Bursche von etwa 15 Iahren, erhob sich.„Den Kaiser wollen die Roten sogar ab- setzen! Jawohl, Oberamtmonns Inspektor erzählt« es gestern. Alle haben den Jakob schon im Magen." „Stimmt. Keine heilige Mutter Maria, keine Engel, kein Jenseit, keine Auferstehung, nichts, nichts gäbe es. sprechen die Sünder!" Das dünne Stimmchen des kleinen Schneider-Iofeph wurde kreischend vor Eiser. „Am Ende haben sie gar recht: Was soll denn am Tag« der Auferstehung werden, wir Menschen müßten doch wie di« Bäume dicht nebeneinanderstehen, sollten alle, die in den taufenden Jahren gestorben sind, aus ihren Gräbern steigen." Aller Augen wandten sich dem Buchbinder-Ambrosius zu. „Gott sei dir Sünder gnädig!" rief der Schneider-Iofeph mit frommem Augenaufschlag dazwischen. „Sorg dich nicht um meine Sünden. Ich los neulich in einem Buch, das Kolbes Hedwig für Herrn Schöneich zum Einbinden brachte, die Widerlegung unseres Glaubens von A bis Z. Also, die Sache hat bestimmt«inen Haken." „Teufelswerk ist das!" fuhr der Schneider auf.„Erst in der helligen Gcorgsnacht ist Seiler Lamm wie gebad't heimgekomm', der auch immer klüger sein will, wie der Herrgott selber... Uebern Boberniger Kirchhof ging er in der Geisterstund'. Die Gebeinhaustür stund offen. Er neingucken und hintenüberstürzen, war«ins... Als er zu sich kam, war alles wie immer. Aber gesehen hat er si« um die Totenbahr' sitzen: mit seinen leibhaftigen Augen sah«r den Scholtzeibesitzer Helbig..." Triumphierend schweiften Josephs Augen über die erstarrten Gesichter der anderen. „5ch glaub's nicht", protestierte der Buchbinder nach einer Weile. „So tonn jeder sprechen. Ich furcht mich gewiß nicht, das wißt ihr", der Schmied straffte sich,„ober in der Geisterstunde übern Kirchhof, nö!" (Fortsetzung folgr.t WAS DER TAG BRINGT. ■iiiianrauniiifflnnnniitainiiimiimiuiniufioiamiHniuiunninmmiimnHiiuiiiraRiiuiimmiiiiimniiiiimiiiiiiiiniii!iiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniintiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiuiiiiiiiiii:i Gomati Shila, der schwimmende Stein. Im Pevi Puran, dem helligen Buch der Inder, ist von einem wunderbaren Stein die Rede, der alle Eigenschaften eines gewöhn- lichen Steines besitzt, aber im übrigen die merkwürdige Fähigkeit hat, auf dem Wasser zu schwimmen. Er heißt Gomati Shila. wiegt 2*4 Pfund und befindet sich augenblicklich in den Händen des Sankaracharyo, der dos Oberhaupt einer religiösen indische:, Sekte ist. Wirft dieser den Stein in ein mit Wasser gefülltes Gefäß, so sinkt er zunächst unter, erhebt sich dann aber ganz langsam vom Boden des Beckens und taucht schließlich an di« Oberfläche. Hier bleibt er nun in dauernder Bewegung und erweckt in dem B«- schauer den Eindruck eines lebendigen Wesens. Diele Gelehrte aus aller Herren Länder haben diefen sonder- baren Stein gesehen, aber eine stichhaltige Erklärung für seine Schwimmeigenschaft nicht finden können. Ein neues Orchesterinstrument, Das Münchener„Deutsche Theater" hat in seinem Orchester ein neues Musikinstrument eingeführt,„Vibraphon" benannt. Es besteht aus einer Reihe abgestimmter Stahlstäb«, unter denen in offenen Rohren ein« durch Elektrizität angetriebene rotierend« Achse den Klang an sich zieht und durch di« Röhren weiterleitet. Der wundervolle weiche Klang des neuen Instrumentes findet oll» gemeinen Beifall. Notwehr, Dem Beankbeamten Lewis Bowen in Iefferson City(Miss.) sie! an seiner Suppe«in«igeniümlicher. süßlicher Geschmack auf. Da zugleich sein« Frau zufällig an diesem Tage erklärte, keinen Appetit auf Suppe zu haben, ließ Mr. Bowen auch seinerseits die Suppe stehen, tat aber unauffällig einen Teller voll beiseite und gab ihn einem befreundeten Chemiker zur Untersuchung. Dieser stellte fest, daß di« lieb« Gattin offenbar versehentlich anstatt ins Salzfaß in den Arseniktopf gegriffen hatte. Mr. Bowen konnte nicht umhin, die Polizei von dielem Der- sehen zu verständigen und Mrs. Bowen gestand bitterlich weinend, sie habe ihren Mann dafür bestrafen wollen, daß er von ihr verlangt hatte, sie solle im Haushalt baumwollene Strümpfe tragen. So was könne sich«ine anständig« Frau doch nicht bieten lasi«n Der Menschenfreund, Vor einigen Iahren lebt« in Paris ein kranker, aller Mann, der sein ihm bei einer Erbschaft unerwartet zugefallenes Vermögen Haupt. sächlich dazu verwandte, die Not und das Elend bei den Asrmsten der Armen ein wenig zu lindern. Eine» Tages erschien nun bei ihm ein sehr wohlbeleibter Herr, auf dcfsei, weißer Weste ein« schwere mit Diamanten besetzt« goldene Kelle funkelte- Ohne sich erst lang« vorzustellen, begann er scheinbar ängstlich und wchmütig zu klagen: „Mein lieber Herr D., gestatten Sie mir bitt«, daß Sie auf einen sehr traurigen Fall von Armut und bitterem Elend aufmerksam mache. E» handell sich nämlich um ein« Arbeiterfamilie, die in einem Dochgeschoß in der Ru« de Passy wohnt. Der Vater verunglückt« vor einiger Zell bei der Arbeit tödlich, di« Mutter ist so krank und schwach, daß sie nicht mehr für ihr« zahlreichen kleinen Kinder, di« schon am Verhungern sind, arbeiten kam». Dazu tomint die d« Familie drohende Obdachlosigkell: denn sie wird ohne weiteres auf die Straße gesetzt werden, w«nn sich nicht jemand findet, der Barm- herzigkell übt und dem Hauswirt die rückständige Miete in Höhe von hundertfünfzig Franken bezahlt." „Entsetzlich!" stöhnt Monsieur D., erhebt sich mühselig aus seinem Stuhl und entnimmt seiner Geldkassette«inen Betrag von zweihundert Franken und gibt ihn seinen, Besucher.„Da. nehmen Sie," sagt er mit zittriger Stimme,„bringen Sie zunächst dieses Geld den Armen: ich werde nachher selbst kommen und nach ihnen sehen." Freudestrahlend nimmt der Fürsprecher dos Geld, verneigt sich mll fast spanischer Grandezza und will sich scheinbar gerührt ent- fernen, als ihn Herr D. an der Tür noch einmal zurückruft. „Verzeihen Sie, mein Herr, aber ich vergaß ganz zu fragen, mit wem ich di« Ehre halle, zu sprechen. Es interessiert mich nur, weil Sie sich so freundlich für die armen Menschen bemühten." „Aber sicher, Herr D.," antwortete lächelnd der Gefragte,„ich bin der Besitzer des Hauses, in dem die armen Leute wohnen." Vanille aus Abfall. Die Vanille, das einzige genießbare Produkt, das ein« Orchidee dem Menschen liefert, ist früher ei» überaus tastbares Gewürz gewesen, und die echten, hocharomatischen Banilleschoten sind auch heute noch teuer. Man hat daher eine künstliche Darstellung des� Vamlins versucht und es aus dem billigen Eugenol der Gewürznelke hergestellt. Jetzt aber verwendet man zur Vanilingewinnung ein Abfallprodukt der Zellulosefabriken. Die S u l f i t a b l a u g e, die bei der Zelluloseherstellung aus dem Holz in großen Mengen übrig bleibt, bot bisher keine Verwendungsmöglichkeiten. Jetzt wird daraus bei uns bereits in beträchtlichen Mengen ein sehr brauchbarer Vanilleersatz hergestellt. Das Mikrophon als Dolmetscher. Auf dem Kongreß der Internationalen Handelskammer in Amsterdam ist man auf ein« originelle Idee gekommen, um es jedem Teilnehmer möglich zu machen, einer Rede, die in einer chm fremden Sprache gehalten wird, in seiner eigenen Sprache folgen zu können. Man hat unter dem Rednerpult ein« Reihe von Dolmetschern postiert, die die Rede Wort für Wort in ein vor ihnen stehendes Mikrophon übersetzen. Aus jedem Teilnehinerplatz sind nun eine Reihe von Knöpfen und ein Kopfhörer angebracht, und durch einen Druck auf den entsprechenden Knopf wird sofort der Dolmetscher, der in die gewünschte Sprache übersetzt, eingeschaltet. Wer weiß das? Der Stamm der Asra, von dem es heißt, daß seine Angehörigen „sterben, wenn sie lieben", hat taisiichlich in Asien existiert und noch heut« wohnt ein verschwindend kleiner Rest dieses Stammes zwischen den Samojeden und Tschuttschen. Hat der Mann dort für den Fortbestand seiner Familie gesorgt, so stirbt er bald darauf und auch die Frau folgt ihm,' in zwei bis drei Iahren. Also sobald sie das Stillen ihre» Kindes eingestellt hat. B« den Tutigusen werden die Kinder von ihren Müttern oft bi» zum sechsten Lebensjahr und länger gestillt. An einem Prager Gymnasium wurde unlängst ein Lama (buddhistischer Priester) als Religionslehrer für die Kinder der in Prag ansässigen Buddhisten angestellt. Das Massenproblem im Sport In immer größerem Maße werden wir Menschen zum Diener der Maschine. Wochentags sind wir bereits daran gewöhnt, ober dann naht das Wochenende: Wir flüchten in die freie Natur. Doch auch dort rottern die Motore, auf den Chausseen, in den Wäldern, aus den Gewässern, selbst im Gebirge. Wir müssen uns schon stark „seitwärts in die Büsche"' schlagen, um au? dem Trubel der Maschin« herauszukommen. Die Einseitigkeit der Fabrik» und Bureauorbeit zwingt jung und alt, männlich und weiblich, zu irgendeiner spart- l'chen Tätigkeit. In dieser Situation wächst der Sport: aus der Liebhaberei der Jugend wird er zum Bedürfnis der Masse. Die „Maschine Mensch" sehnt sich zurück zur Natur, zur Freude und Er- holung. Dos Jagen und chasten des Alllogs Hot sich teilweise auch auf den Sport übertragen. Die arbeitenden Motoren sind hier„Rekord" und„Sieg". Wir haben noch viele„Sportfreunde"— auch unter den Arbeitern—, die die Sensation, dos Bolzen, als das A und O des Sports betrachten. Dasür wird der letzt« Groschen geopfert. In den großen Sportarenen will das Publikum für den gezahlten Eintritt etwas sehen. Wenn die Sportler beim Fußball oder Boxen nicht die nötig« Forsche zeigen, hilft das begeisterte Pseifenkonzert des Publikums nach. Und dann entwickeln sich jene Situationen, die den Sport zur bloßen Zirkuskomödie degradieren. Der bürger- llche Sport ist bereits aus dem besten Wege zum Berufssport. Spieler werden gekauft, die ihre„Stellung" verlieren, wenn sie nicht siegen, daraus ergeben sich die verschiedenen Korruptionserscheinungen. Fritz W i l d u n g hat in seinem Buch„Der Arbeiter- spart" auch die Uebertreibungen der Rekortfexe und den jetzt über- all als Reaktion ertönenden Ruf: Freie Bahn dem Masiensport! in interessanter Weise behandelt.„Das sensationslüsterne Publikum hat sich am Rekordsport etwas übernommen und es zieht sich gelang- weilt zurück. Allein aus dieser Tatsache erklärt sich der Meinungs- Umschwung zugunsten des Massensports bei den bürgerlichen Sportführern, die sich damit notgedrungen dem Standpunkt des Arbeitersports nähern." Gleichzeitig wird festgestellt, daß das bürger- lich« Bremsen gegenüber der Rekordsucht nicht aus prinzipiellen Gründen erfolgt— wie beim Arbeitersport—, sondern in der Hauptsache«ine Konzession an die öffentliche Meinung ist, die in der Ueberhandnahme des Rekordunwesens eine Gefahr sieht. Die bürgerlichen Sportfest« wie die Berichte darüber sind lediglich ein Loblied der persönlichen Sporterfolg«, die individuelle Leistung wird preisgekrönt und der sportliche Sieger ist schließlich welt- berühmter als bedeutend« geistige Führer der Dolkzgemeinschaft. Di« Frage des Massensports nötigt uns auch, neben der üb«r> triebenen individuellen Spitzenleistung die Trennung der Leibesübungen in viel« Spezialsparten zu beachten. In der kapitalistischen Produktionsweise ist eine immer schärfere Ar- beststeiwng durchgeführt worden, die durch ihre Einseitigkeit die Körper vorbildet. Im Sport können wir den gleichen Entwicklung». gang beobachten. Das Tunren mit seiner außerordentlichen Diel- seitigkeit stagniert, trotzdem es seiner früheren straffen Disziplin zum großen Tell entkleidet und modernisiert worden ist. An seine Stelle sind die Kampfsports— Fußball, Leichtathletik, Handball usw.— getreten. Das Wandern wird durch groß« Spezialorganisationen — insbesondere auch Jugendorganisationen— gepflegt. In den Turnvereinen ist es in hohem Maß« durch Kampfspiele und Leicht- athletik verdrängt. Alle dies« Spezialsporten bedingen ein« gewisse Einseitigkeit der körperlichen Ausbildung. Seit einigen Iahren ist daher der Versuch gemackst worden, die Gymnastik als all- gemeinen Ergänzungssport für alle Sparten einzuführen. Di« Gymnastik bringt vielseitigste Durcharbeitung des ganzen Körpers. In den Turnabteilungen ist sie schon jetzt wichtigster Teil des Uebungsbetrieb», insbesondere sind Frauen und Iungmödchen degeistert« Anhänger. Für Spiel und Sport kann die Gymnastik al» bestes Training bezeichnet werden, da es sich ja nicht um fest abgeschlossene Uebungssormen Handell, sondern ihre Ergänzung ent- sprechend den besonderen Bedürfnissen möglich ist. Wird Gymnastik Massensport werden? Diese Frage muß zur» zeit noch offen bleiben. Die Fußballer sind Venig geneigt, sich mit der Gymnastik zu beschäftigen. Beim Tennis ist für die Winters- zeit dos Hockeyspiei sehr beliebt geworden, die Dersuche mit der Hallengymnastit im Winter haben keinen rechten Erfolg gebracht. Die Schwimmer werden dort, wo im Winter keine Hallenbäder zur Verfügung stehen, wohl oder übel zur Gymnastik übergehen. Die Ruderer und Kanusahrer haben für den Winter mit gymnastischen Uebungen begonnen. Alle übrigen Sportarten hoben die Gymnastik bereits in ihrem Programm. Auch W i l d u n g kommt nach Er- örterung der verschiedenen Sportarten zu dem Schluß, daß in der Vereinigung aller Formen der Leibesübungen, besonders aber des Sports und der Gymnastik, die Lösung des Massen- Problems liegt. Beide Uebungsarten ergänzen sich in vorteil- Ilster Weise. Der Sport trägt dem Kampfbedürfnis der Jugend Rechnung, die Gymnastik dient als Ausgleich und bringt den bannonischen und schönen Körperbau.„Darum finden wir in großen leistungsfähigen Vereinen olle diese Formen der Leibesübungen ver- einigt, jedes Mitglied findet die von ihm bevorzugt« Leibesübung, aber auch jede erdenklich« Gelegenheit zum Ergänzung»- und Aus- nleichsfport." In gleichem Sinn« arbeitet die Bundcsschul« des Ar- beiter-Turn- und Sportbundes in Leipzig, die bei alle,, Spartenkursen die gymnastischen Uebungen einschaltet. Von dieser Schule aus wird der Gedanke nach und noch in immer weiter« Kreise dringen. Wo ernsthaft an die Lösung des Problems herange- gangen wird, können die Erfolge nicht ausbleiben. F. Stühm. -ARBEim ruSSBALL Wieder Ferienspiele» Nach einer nur kurzen serienlosen Zeit beginnen am kommen- den Sonntag wieder die Serienspiel«. Wenn es auch noch kein Hochbetrieb ist, so deshalb, weil die Freie Turnerschaft Groß-Berlin ihr lOjähriges Jubiläum feiert. Die Fußballabteilungen der FTGB nehmen deshalb an den Spielen noch nicht teil. Das FTGB.» Jubiläum hat wohl auch dazu beigetragen, so wenig wie möglich Spiele in Berlin stallsinden zu lassen. In der t. Klasse spielen in Maricndorf, Chausseestraße, die Tempelhoser gegen Luckenwalde I. Die Tempelhoser geben auf eigenem Platz eine gefürchtet« Mannschaft. Di« Luckenwalder werden daher alle Kräfte anspannen, um die Punkt« zu entführen.— Auch die andere Mannschaft des Luckenwalder Bezirks, Woltersdorf, die im Neuköllner Stadion gegen Neukölln antritt, wird es nicht leicht haben, einen Sieg zu erringen. Ruhlsdorf spiell in Rathenow gegen Freiheit. Der Kreismeist«r Luckenwalde ll fahrt zu Hoppegarten, wahrend Oberspree in Luckenwald« gegen Hercha 11 spielt. Eisen- spalterei erhält den Besuch von Nowawes. Weiter« Spiele: 2. Klasse: Werder 77 gegen Span- bau 25. Caputh 1. gegen Spandau 25 2. Saxonia gegen Trebb-n. Schweissterne gegen Treuenbrietzen. Borussia gegen Herzfelde. Dutab gegen Kladow. Potsdam gegen Dchöneberg.— Jugend: Werder 77 gegen Spandau 1. Caputh gegen Spandau 2. Saxonia gegen Wsißmsee. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß die Resultate sofort nach Spielfchluh unter K 5 Lichtenberg 0866 bekannt- zugeben sind._ Sonntag: Stratjcnmcistcrschaft. �Solidarilet" in Falkensee. Die bundestreuen Rennfahrer Groß-Berlin» fahren Sonn- tag, l. September, ihre Straßenmeisterschaft über die kurze Strecke von 25 Kilometer aus. Am Start sind zu finden: Lichter- felde, Wilmersdorf, Sräbendorf, Velten, Berlin und ander« Orts- gruppen. Alle bekannten Fahrer haben gemeldet: Reichenbach, Schwarz. Köllner. Praufe, Seits. Reinholz. Uhlemann, Zimmer- mann. Werner, Eichler und viel« andere, doch dürften die Sieger zweisellos unter den genannten zu finden sein. Start und Ziel des Rennens ist Falkensee. Schönwaldcr Straße und Falkenhagener Chaussee. Die ersten Fohre starten um 6 Uhr 30 Minuten. Um- kl'eidelokal in Faltensee. Bahnhosstraße. zur allen Lind«. Für die Berliner Fahrer ist Dammelstart in Charlollenburg. Reichskanzler- platz, früh 5 Uhr. Sympathisierende Rad- und Rennfahrer sind als Gäste und Mitglieder willkommen. Außer einem Straßenrennen sind noch vier Bahnrennen in dieser Saison vorgesehen, an deneit sich noch neue Mitglieder beteiligen können. Auskunst und Aufnahme von Mitgliedern in allen Sitzungen der Rennfahrer-Abteilung. die leden 1. und 3. Donnerstag im Monat. 20 Uhr. Stallfchreiberstr. 28. stattfinden.__ Arbeiterathleten in Plötzensec. Am Sonntag. 1. September, veranstalten die bundestreuen Aibeüer-Athleten im Moabiter Schützenhaus. � Nordi ufer 28. ihren alljährlich stattfindenden Ringer, und Heber- Wettstreit. Auf vi«r Matten werden d>« Sportler aus Ost und West. Nord und Süd Kämpf« liefern, die alles bisher Dagewesen« in den Schatten stellen. Lei schönem Wetter finden die Kampfe im großen Garten des Lokals statt. Um an diesem Tag« etwas ganz Besonderes zu bieten, werden die Sportgenosien des„Sportklubs Tegel" mit ihrer Gymnastik-Abteilung mitwirken und die Artisten- spart« wird von 16 Uhr ab ein Artistenprogramm bringen. das vielen Beifall finden wird. Di« bundestreuen Arbeiterathleten und Artisten, die sich überall bei Arbeiterfesten, wo sie gerufen 1« JAHRE FTOB! Jubiläums-Sportfest Freien Tutnersiiliaft Groß-Berlin Im PosItiadliuD Sonnabend, 3 1.August, 1 5 Uhr, Sonntag, 1. September, 14 Uhr. Aufmarsd,. Begrübung durd, Reidistegiabgeord- neten Künstler. sporUkhe WetikÄmpfe ajler Arten. Bundesmeister am Stert. Handball: Berlin gegen Bernburg!' Fußball: Berlin gegen lübedrl-- SchwImmweltkSmpfe In erster Besetzung) FestpUkcHe für beide Tatze 1.- Mark, Kinder 0.50 Mark wurden, gern zur Verfügung stellten, bitten die Freunde des Arbeitersports, sie durch ihren Besuch zu unterstützen. Die gemeldeten Schiedsrichter müsien Punkt 9 Uhr im Lokal anazefend fein, da vorher«ine Besprechung aller Schiedsrichter stattfindet. W asser f ahrer, fahre richtig! Die„ Wasser wacht" sagt: Wer als Motorbootfahrer an Paddel- und Ruderbooten schnell und rücksichtslos vorbeifährt, stört den Sportfrieden. Darum be- fonders in engem Fahrwaffer lieber einige Minuten Zeit verliercn, als ander« Wassersportler in Bedrängnis bringen. Wer als Sportschiffer jetzt an kürzer werdenden Tagen seine Beleuchtungsanlage nicht in Ordnung hält, gefährdet die Verkehrssicherheit auf dem Wasser. Darum vor Antritt der Fahrt Beleuchtungsanlage prüfen, bei Defett redstzeitig reparieren lassen. Wer nach einem Ausweichmanöver beim Begegnen zweier Fahr- zeug« unschlüssig den Kurs wechselt, ruft Verwirrung bei allen hervor und gefährdet sich und andere. Darum einmal»ingeschlage- nen Kurs halten. Ausweichmanöver rechtzeitig beginnen, damit der andere weiß, wohin man will. 'Wer in bezug auf Hebung der Verkehrssicherheit Vorschläge zu machen hat, teil« dies schriftlich der Geschäftsstelle der Wasserwacht e. V,, Berlin S61. Planuser 61, Fernsprecher:? 6. Baerwald 8154. mit. ver revolutionäre Silbcrpokal. Die aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund Ausgeschlossenen prahlen mit ihrer reoolutionären Ueberzeugung, versuchen in der komunistischen Presse krampfhaft die Verbürgerlichung des Bundes nachzuweisen und verschweigen bewußt die guten Fortschritt« der Verbürgerlichung im eigenen Lager. Ein Rundschreiben des aus dem ATSD. ausgeschlossenen Spiel- und Sportvereins.Zukunft", Hamborn stn Rheinland, fiel uns in die Hände, in dem das Fußballprogramm zu einem„Sport-Werbe-Fest" enthalten ist. Da heißt es überzeugend„revolutionär": „D e m Fe st meist er wird«in Silberpakal ae» stiftet." Der„revolutionäre" Hamborner Derein nennt sich.Zukunft". Ein vielsagender Name für die weitere Entwicklung im kommu- nistischen Spartlager. Arbeller-Fußballfpieler in vaumschuleaweg.- Vielfachen Wün- schen folgend, wird von dem Freien Fußballklub Obersorce«ine Boumschulenweger Fußballabteilung gegründet. Alle Fußballspieler und Interessenten treffen sich Freüag, 30. August, rTi Uhr, bei Seipold, Baumschulenweg, Kiefhvlzstraße 193. Schont die Insel S&arfenberg. Wassersportler als Störenfriede. Mo» schreibt uns: Di« Scharfenberginsel im Tegeler See, die seit Jahren eine V e r s u ch s s ch u l e der Stadt Berlin beherbergt und als botanische Anlage mit seltenen Geivochsen zum Naturschutzpart erklärt wurde, wird neuerdings durch dos jkandalöfe Benehmen des Publikums in ihrem Bestand gefährdet. Ohne die Tafeln zu beachten, die das Anlegen an der Insel ver- bieten, legen Hunderte von Booten besonders an den Sonntagen an der Insel an. und die Insassen der Boote betrachten dann den gepflegten Park als willkommenes Gelände zum Zelt- aufschlagen und Tummelplatz. Den Anweisungen des Schul- Personals wird nicht Folge geleistet, obwohl man von dieser Seite schon den Zustand notgedrungen duldet, soweit er sich im anständigen Rahmen vollzieht. Da der Schule, die etwa 8l> Schüler, meist aus Proletarierkreisen, besitzt,«ine Schulfarm angegliedert ist, die die Schüler hier durch landwirtschaftlich« Nutzung der Frcislöchen selbst bearbeiten, müßte es doch icdem einsichtigen Menschen einleuchten, der Freude an einem solchen Skhuiexpcriment hat, daß man d i c Arbeit der Kinder nicht gefährden darf. So waren aber in einem Hoscrfeld groß« Teile durch Bootsonlcger nieder- getrampelt worden, die Obstbäume wurden geplündert und aus dem Kartosfelocker wurden die Kartoffeln ge- stöhlen. Dieses landlid)e Schulparodies wird dadurch gesährdet, daß Menschen, die mit dem Boot herübergekommen sind, die Insel als Kultplatz für Liebes- und Nacktkultur betrachten, ohne sich vor den Schülern der Insel zu genieren. Die beste pädagogische Absicht kann bei solchen Anlässen nicht zum Erfolg kommen. Die o r g o n i- s i c r t e n Arbeiterwossersportler werden sich von diesem Vorwurf frei wissen, ober vielleicht können in der Nähe ansässige Vereine etwas mit dazu beitragen, um dem Unfug zu steuern. Verwaliung und Schüler sind immer gern bereit, an den Sonntagen nach vorher- gehender Anmeldung die Anlagen der Insel unter Führung zu zeigen. Künftig soll«in« polizeiliche Streife an den Sonntagen die Ruhestörer vertreiben: ebensalls wird der Magistrat erwägen müssen, die Insel wieder mit einem festen Zaun und einer Hecke zu umgeben, wie sie urspünglich bestanden. Die Luftakrobatik findet Beifall. Daß die moderne Fliegerei einen großen Anreiz auf das Publikum ausübt, bewiesen wieder die von der Flughasengesellschaft in Tempelhof veranstalteten Kunst- und Akrobatikflüge an, gestrigen Nachmittag. Der Prinz Eugen von Schaumburg-Lippe, der bereits am Sonntag einen Beweis seines fliegerischen Könnens brachte zeigte sich auch gestern wieder als Kunstflieger von hoher Klasse. Er hat sich bekanntlich mit dem Luftakrobaten Dimpfel zu- sammengetan, und beide machen auf dem fliegenden Apparat die gefährlichsten Kunststück«. Wenn beispielsweise Dimpfel während der Fahrt aus dem Flugzeugrumpf heraustlettert, über die Trag- flächen spaziert und schließlich, an den Zähnen am Teapez hängend, sich seiner Kleidung entledigt, so ist das immerhin eine Leistung, die an den Mut und an die Kaltblütigkeit des Akrobaten die größten An- sorderungen stellt. Biel Spaß macht den Zuschauern allemal das Ballonrammen, die am End« des Flugplatzes aufgelassenen großen Kinderluftballons werden von dem Propeller des Flugzeugs in Atome zerrissen, und was etwa der prinzlich« Flieger verfehlte, erledigte ein Kamerad von ihm mit dem Flugzeug. Frau Triebner, die Fall- schirwpilotin, die ihren Mann bereit» bei Fallschirmabsprüngen ver- loren hat und jetzt selbst diese» gefährliche Gewerbe betreibt, landete bei dem Absprung glatt und sicher in der Pütt« des Feldes. Auch sie erntete vielen Beifall für ihre Entschlossenheit. Die Flughafen- gesellschast will die Schau- und Kunstslugveranstaltungen dem Publi- kum auch ferner darbieten. Die Eintrittspreis« sind volkstümlich gehalten. O Aufstieg einer Alongolsiere auf dem Tempelhoser Feld. Am Sonntag. 1. September, findet um 15,30 Uhr die Füllung und der Ausstieg mehrerer Freiballans des Berliner Vereins für Luf!- fahrt, und zwar der Ballon»„Leipziger Messe",„Graf Zeppelin" und„Stradula", auf dem Flughafen Tempclhof statt. Die Ballons wevden durch 40 Automobile des Berliner Automobilklubs verfolgt: sie müssen innerhalb 3 Stunden gelandet sein und dürsen in dieser Zeit nur ein« Strecke von 75 Kilometer zurückgelegt haben. Um 17 Uhr Ausstieg einer Mongolfiere mit anschließendem Fallschirmabsprung von diesem Heißlustballon aus. In den Pausen werden Passagierrundflüge über Berlin zum ermäßigten Preise von 6 Mark ausgeführt. Um 20,30 Uhr nimmt das große Höhenfeuerwert seinen Anfang. Am 3. September Maccabj-Weißensee. Als Austragungsstälie der gemeinsamen Veranstaltung Maccabi-Weißensee hat man den günstig gelegenen Sportplatz Greisswolder Straße 71 gewählt, auf dem bei trockenem Wetter die Roxtämpse am 3. September, 20 Uhr, ausgetragen werden sollen. Nur bei Regen wird diese Box- Veranstaltung auf den 4- September verlegt. Eintritt 0,50 bis 2 M. Arbelker.Radfahrer.Verein Groß-Berlin. Sonntag. 1. September, 5 Uhr: Buckow(Märkische Schweiz). 13 Uhr: MahlOdorf Süd bei Dräger, Start Waldemarstraße, Ecke Mariannenplatz. Gäste will- kommen. Berli»» Schwimm. Uni«». Eoniliag. l. Scpi-mbcr. 1» Uhr, Sihu»-> der Altersriege. Csimtag, 1. Eevtember. 1.1 Uhr. Eihun» der zraucuavteiluns. Karteiiauiaab«»um Echwimmfeft am«. Oktober. «»»»itez.MnSlnhr»'»«»«rnftlahrerbund.Snlidnriteit-, Ortsgrupve Sroh. Berlln,(MchäktssteH«: Robert Rothbarth,<3W. II. Schvneberger Str. 17». Fahrten am Sonntag, dem 1. Sovtomber. Gäste, willkommen. 1. Abt.-«« Uhr Reue RUM». Start: Bitlowstr.«.— Z.«St.:« Uhr Prossinsee. Start: Sohenstauf-npla». Normaluhr.— 5. Abt.: 6 Uhr Nauen. Start: Landsberser Plah.—». Abt. 7 Uhr IZalkenhaqener See. Start: Stolpische Str. 1«.— ». Abt.: Z Uhr. Ndmer.Schanst.gunofern.Ee«. Start: Triflstr. KZ.— Renn- iahrerabteilunq: Rönnen ölt ttilometer. SpandaU'Pausin.Raiien. Weinberg,. Pausin-Spandau. Start: tlz Uhr Reichrtamlerptah.— Abt. Schiineberg: 7 Uhr Saatwinkrl. Start: Stubenrauchstr. 5*.— Abt. Nenkiill«: 6 Uhr fflttlfct. Start: Lohensollernplah.— Abt. Trrptow-Baumsilml-nnxg: Wukensce. Start: « Uhr Bahnhof Daumschulenweg. Hi Uhr Bahnhof Treptow.— Abt. Schöne- meibe, Sportfest der KTG». im Poststadion.— Abt. Mahlodors:.» Uhr Rauensche Berg«. Siart bei Tndero.— Abt. Weihensce-S-inerodors: 6 Uhr Ederswalb«. Start: Weihrnsee, Langhansstr. 102.— Abt. Reinickendorf: 7 Uhr Sttlfec. Start: Neumann. Arppingstr. 1«.— Nlotoefahrer. Abt.«reugbeeg: 7 Ubr Streitbeeg über Storkow. Start: Lcrmannplah.-» Abt. griedrichohain: 7 Uhr Strouobera. Start: Landobrrger Pia».— Abt. Anatow: 7 Uhr st losler sthorin. Start: staiser-�riedrich.Etroho Ecke Brenglauer Promenade— Apt. Lbeischönewiibe: Kit Uhr Brandenburg. Start: Wilhelmiuenhosslr. Kt Abt. abarlottentnrg: 1» Uhr Bnroh. Start: Wilmerndorfer Str. 21...»»samt« Abt. aharlottanbnrg: Sonnabend, ZL August, abends, Mjiihrigc, Stiflunqs. fest, Spanbaucr Borg. Spandauer Chaussee. Bundesgenossen und»aste herglich wiSSnmmen.—». Abt.: Vornngeig«. Sonnabend. 7. Sevtember. 30 Uhr. Italienisch« Nacht, walhhiitt« Plbhcnsee. Reg« Beteiligung auch anderer Ab. teilungsgenossen wirb erwartet.— zstotnrrabsahrrr: Sonntag. 1. September, Tour nach Dnroh. Start: IS Uhr bei Reimer. Wilmersdorfer Str. A. »r«». Alle Abt-ilungen sind verpflichtet,»cr-ite. Äugeln, 7>t«ilogramm und 5»ilogramm, Bisten. Speere. Bandmahe usw. ,nr Ill.Iahrseicr mit- tu bringen. Abgabe Sonnabend, spätesten» Sonntag, bis IK Uhr. im Boss, Itadion.— Bas Tennisturnier gut lv.Iahrfei«r der Freien' Turnerhchaft Grog- Berlin beginnt Sonntag, 1. Septambcr. Z Ubr. Die Vertreter»er rinjelnen Dereine sind um 7 Vi Uhr tne g immer be. Technischen Ausschusse, Atbeiter-SckMhen.Vnnd. Dienstag. 3. September, 20 Uhr. Ortsgruppe::. uerfammlung. Britdtrstr. IS— 13. ?l«i, Am-Unio«»chmh-Beriin". Sonnabeub und Sonntag gemeinsam- Fahrt drr Ak-trürmgri, Spanbau und Tegel wach tta Sveiteir Korn. Für fehlerfreie Wählerlisten. Wie können sie erreicht werden? Ilm die Frage zu beantworten, ob völlig fehlerfreie Wähler- listen erreichbar sind, muß man sich den nicht ganz einfachen Werdegang einer W ä h l e r l i st e vor Augen führen. Von jeder Gemeindebehörde, in Berlin von den ZOBezirkswahlämtern, werden Kartotheken geführt, die jeden Wahlberechtigten enthalten— sollen. Der recht umfangreiche Zu- und Abgang der Einwohner wird in der Regel durch die polizeilichen An- und A b m e l- düngen zur Kenntnis der Wahlämter gebracht. Irgendeine U n- genauigkeit bei der Angabe von Namen, Beruf, Geburtstag oder Wohnung und vielfach auch unleserliche Schrift sind häufig die Ursache von falschen Eintragungen in die Wahlkartei. Ebenso u n a n g e n e h n> ist es siir den Wahlberechtigten, wenn er am Wahltage entdecken muß, daß er überhaupt nicht in die Wählerliste eingetragen ist. Daß innerhalb einer so großen Ver- w a l t u n g, wie sie eine Weltstadt braucht, auch An- und Abmel- düngen an falsche Stellen gelangen können, namentlich wenn' der Meldende anzugeben vergißt, welche von den. zahlreichen Haupt-, Berliner, Bismarck- usw. Straßen er meint, ist ebenfalls ein häufiger Anlaß'für Fehler. Es wäre auch vermessen, behaupten zu wollen, daß in den W a h l ä m t e r n nicht auch gelegentlich Schniger unter- laufen— auch die Wählerliste ist M e n s che n w e r k! Zum Zwecke des Abfchreibens der Listen aus den Wahlkarteien müssen bei jeder Wahl zahlreiche beamtete und Hilfskräfte beschäftigt werden, die nicht eingearbeitet sind. Troß Nachprüfung geschehen Irrtümer. Als eine bedeutende Berbesserung niuß anerkannt werden, daß bisher die sechs Verwaltungsbezirke Tiergarten, Kreuzberg, Spandau, Schöneberg, Köpenick und Pankow dazu übergegangen sind, die moderne Büromaschine(Adrema-Versahren) in ihren Dienst zu stellen. Wo bisher von jedem Wahlberechtigten ein Kartenblatt in der Kartothek vorhanden war, werden jetzt die Personalien des Wählers auf Metallplatten geprägt, von denen dann die Wählerliste gedruckt wird. Beabsichtigt ist die Einführung dieser Einrichtung auch bei den übrigen Wahlämtern. Wer aber kann garantieren, daß sich bei der Uebertrngung von der Kartothek- karte auf die M e t a l l p l a t t c nicht neue Fehler einschleichen? Allen diesen Zweifeln beugt nun das Reichswahlgesetz und die entsprechenden Bestimmungen für die Länder und Gemeinden durch die Anordnung einer öffentlichen Auslegung der Wählerlisten vor. Es ist interessant, in welchem Maße von dieser Einrichtung zur Sicherung des Wahlrecht» Gebrauch gemacht wurde. Bei der letzten Berliner Stadt- und Bezirksverordnetenwahl 192.Z haben von 2 935 350 Wahlberechtigten 513 313, das find nur 18 Proz., die Wählerliste eingesehen, während es bei der vorjährigen Reichstags- und Landtagswahl in Berlin von 3 226 738 Wahlberech- tigten 1 121 348— rund 35 Proz. waren, die dieser Pflicht genügten. Diese Zahlen lassen erkennen, daß ein hoher Prozentsatz der Fehler erst bei der Wahl oder, wenn der Wahlberechtigte zu der großen Partei der Nicht Wähler gehört, überhaupt nicht entdeckt und berichtigt werden kann. Auch auf dein Wege, den kürzlich ver Genosse B e t h g e in der Stadtbeilage(„Vorwärts" Nr. 393) vorgeschlagen hat, wird sich kaum eine fehlerfreie Wählerliste herstellen lassen, denn es werden nur die d-i s z i p l i n i-e r t« n Wähler den Wählämtern ihre Adresse und sonstige Personalangaben einsenden, wäh- rcnd— leider— der größere Teil sich passiv verhalten wird. Eine Möglichkeit, dem Äahlbcrerfstigten Gewißheit über seine richtige Eintragung zu verschaffen, ließe sich erreichen, wenn die Wahlämter jedem Eingetragenen aus einer vorgedruckten Postkarte Per- sonalangaben und die Nummer des Wahlbezirks und der Wählerliste mitteilen würden, und zwar vor Beginn der Listenauslegung. Alle bis dahin nicht Benachrichtigten wüßten dann, daß sie in der Liste fehlen, und sie haben in der vierzehntägigen Auslegungsfrist Gelegenheit, ihre Eintragung oder deren Berichtigung durch Abgabe einer Willens- erklärung zu verlangen. Daneben können dies« Karten auch zur Beschleunigung des Wahlaktes beitragen, denn der Schriftführer des Wahlvorstandes wird bei Nennung der Listen- nummer den Wähler schneller finden können. Das Mitbringen von Legitimationspapieren wäre zur Behebung von Zweifeln über die Person des Wählers nach wie vor notwendig. Dieser vorgeschlagene Weg erfordert natürlich einen hohen Kostenaufwand, das ist wahrscheinlich der Grund, der das Hauptwahlamt Berlin veranlaßt hat, ihn noch nicht zu be- schreiten. Zlber es wäre zu erwägen, ob die Kosten sich nicht so gestalten lassen, daß sie für den Geldbeutel des Stadtkämmerers er- träglich wären. Solange aber in dieser Hinsicht keine Beschlüsse gefaßt sind, ist für jeden Wahlberechtigten Ehrenpflicht: Sicherung des Wahlrechts durch Einsichtnahme in die Wählerliste! Johannes Hicg«. Schwitzkasten Autobus. Eine Klage aus der Leserfchast. Man schreibt uns: Die Backofentemperatut der neuen, hermetisch verschlossenen Autobusse ist in den heißen Sommertagen einfach nicht mehr zu ertragen. Sitzt man im unteren Teil des Wagens, dann ist man die Zielscheibe einer doppelten Sonnenbestrahlung: das eine Mal vom Plüschbczug der Sitze, das andere Mal von der Reslexwirkung der Sonnenstrahlen auf die ängstlich verschlossenen Fenster. Die Fenster sind hier überhaupt nicht zu öffnen und auf die bescheidene Anfrage eines Fahrgastes, warum denn in dieser Gluthitze all« Fenster verschlossen sein müßten, deutete der Schaffner auf die geöffneten kleinen Oberklappen-und meint« treuherzig „'s ist ja sowieso alles offen!" Diese spärlich« Luftzufuhr ist natürlich gleich Null. So sieht es unten aus. Oben wieder strahlt das niedere Dach, begleitet vom übelsten Lackgeruch, eine derartige Hitze aus, daß man meint, der Schädel müßte platzen. Hier find wohl kleine Schiebefensterchen geöffnet, aber wohlweislich nur auf der«inen Seite, sonst könnte es ja„ziehen". Es ist eigentlich anzu- nehmen, daß die Koirstrutteure dieser modernen Verkehrsvehikel von der Arbeit ihrer Zunstgenossen, die heut« bei allen Bauten, die der Oefsentlichkeit dienen und ein längeres Verweilen im Gefolge haben, das ausziehbare Dach verwenden, Kenntnis erhalten haben. Wenn nicht, dann märe ihnen die Besichtigung des W e l l e n ba d c s im Lunapark, des Dachgartens im Edenhotel und im Gur- in e n i a h a u s sehr zu empfehlen. Es ist eine starke Zumutung an die Fahrgäste, in einer solchen unerträglichen Stickluft ihren Weg zurücklegen zu müssen. Am unangenehmsten macht sich dieser llebefftattd M den Au sflll g»nu tob ufsen bemerkbar, ade» auch in der Stadt bot das offen« Sommerverdeck einen wirklich angenehmen Aufenthalt, und es ist wirklich nicht einzusehen, warum die Benutzung eines Verkehrszeuges wegen allzugroßer Sparsam- keit der maßgebenden Stellen zu einer Tortur ausarten muß. Oer Graf und der Schwerbeschädigie. Arbeiterschutzgesetze werden sabotiert. Das Londesarbeitsgericht Berlin Hot unlängst eine Entscheidung gefällt, die auf die sozialen Anschauungen gewisser feudaler Kreise ein Helles Licht wirft. Bekanntlich find Arbeitgeber mit einer bestimmten Anzahl von Arbeitnehmern verpflichtet, eine gewisse Anzahl von Schwer- beschädigten einzustellen. Der Beklagle. Ritterguts- besitzer von Arnim in Netzow bei Tempi in, sollte dies auch tun, tat es aber nicht. Daraufhin hat ihm der L a n- desdirektor der Provinz Brandenburg gesetzmäßig den Kläger als Deputanten zur Einstellung über- wiesen. Der Beklagte hotte hiergegen Beschwerde erhoben, wir aber wegen Verspätung derselben zurückgewiesen worden. Als der Kläger solch« Landarbeiten zugewiesen be- kam, die er infolge seines körperlichen Zuftondes nicht ausführen konnte, unterschrieb er auf Verlangen des Beklagten einen Revers, daß er wegen seiner Leiden nicht in der Lage sei, die in dem Betriebe des Beklagten vor- kommenden landwirtschaftlichen Arbeiten zu ver- richten, es fei denn, er könne einen Aufsichtsposten übernehmen. Daraus wurde er entlassen! Schon das Arbeitsgericht als erste Instanz hotte aus- geführt, daß diese s r i st l o s e Entlassung mangels Zu- stimmung durch den l�nde-direktor unwirksam sei. Der Be- klagt« stützt sich aber obr allem daraus, �daß der Kläger 100 Prozent erwerbsunfähig fei, deshalb nicht arbeiten könne, und daß also gar kein Arbeitsvertrag bestehe. Nach einem ärztlichen Zeugnis allerdings bedurfte der Kläger andauernder ärztlicher Behandlung und war nur für leichte Auf- sichtsposten geeignet. Nach dem persönlichen Eindruck des Klägers auf das Gericht schien sich sein Leiden erheblich gebessert zu haben, so daß er nicht mejnr völlig erwerbsunfähig war. Das Gericht erklärt dann in feiner Entscheidung, daß es nicht seine Sache fei, den Grad feiner Arbeitsunfähigkeit und die Höhe seiner Lohnansprüche zu untersuchen. Es handle sich vielmehr allein darum, festzustellen, ob der zur Debatte stehende Arbeits- vertrag gültig sei und noch fortdauere. Hierüber bestehen, so sagt das Gericht, k c i n e Z g, c i f e l. Ob es dem Be- klagten zuzumuten ist, den nicht voll arbeitsfähigen Kläger zu be- schäftigen, darüber entscheidet der Schwerbeschädigten- a u s s ch u ß. Die Berufung des Beklagten wurde demgemäß als unbegründet zurückgewiesen. An der Gültigkeit des Arbeitsvertroges bestehen nach Ansicht des Gerichts kein« Zweifel, nach unserer Anficht übrigens auch nicht. Wohl aber hegen wir Zweifel an dem guten Willen des �errn Grafen, einen Schwerbeschädigten zu beschäftigen.—„Die verdammte Republik!" Die Granate auf dem Tisch de» Reichstags. Eines Tages, als im Reichstag Breitscheid über den Kellngg-Pakt sprach, schleppten Kommunisten unter großen, Hollah eine Granate herbei und schlugen mü ihr aus den Tisch des Hauses Jetzt melden Bochumer Blät't-'-, daß die Granate seinerzeit auf Beronlalsung des kommunistischen Betriebsratsvorsitzenden des Bochumer Vereins, Schillak, gestohlen worden sei. Gegen die Schuldigen ist. nachdem ihre Entloffüng durch die Firma erfolgt war, ein Verfahren wegen Diebstahls und Landesverrats eingeleitet worden. programh I JmJW■ mm mm_ M am H H■ 1 PROGRAMM ■ W HL JH H WU 3 tue die vom 30. Ali]*, bis 1■ W WIM M WM WW I 30. Aug. bis 2. Sept. CDOQ Potsdamer Strafe 35 Die Sdbmnggler braut tob Malorca mit Jenny Jngo Der flickende Teufel rön Texas Rheinstralje 14 KÄlch«) Was kostet LiebeT mit CoirrBell, Igo tefm, Hans Thimtg Bob, der Boxercowboy Odcon, Potsdamer Str. 75 Der schwarze Domino mit Harry Lledtlce Vorsicht I Verrtfterl 5 spann. Akte Turmstra$c 12 Der sdiwarse Domiao mit Harry Ltedike Vorsicht! VerrSler! 5 spann Akte Alexandcrstr. 39-40 (Passage) ganzen Tag geöffnet! Der sensationelle amerik GroSlilm Submarine Drei madien Ihr Glftck 6 Akte A»«HOnoBora■ Alhambra Beg swa�&h';I3U' Schöneberg, Hauptstr. 30 Autobus 2 mit Fritz Kampers# Lee Parry Beiprogramm, btUmenschaa Titania(uu Hauptstraße 49 Beginn ab 6J0 Uhr Der schwarze Domino mit Harry Liedlke Das grogie Beiprogramm ■ Hoolz.t■ Artushof~Licfatspicle Film- und Bflhnenacha« Pcrleberger Str. 29 und Stertdafer Str. Flucht in die Fremdenlegion Das Erwachen des Weibes mit Mosheim Welt: Ihr Typ m. 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