r BERLIN Sonnabend 31. August 1929 10 Pf. Nr. 408 B 203 46. Lahrgang. erscheint tiglich anterGonntaz«. Zugleich Abendausgabe de«.DorwSrt«'. Bemgiprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,K0M. pro Monat. kedaktiou und ExpeditivNi BerlinSWSS.Lindenßr.» „Vrtwwfh � eigenpeeiSiDie einspaltige Nonpareilleieil« Pf., Reklameieile SM. Ermäßigungen nach Tarif. stscheckkont«: VorwärtS-Vcrlag G. m. d.H., Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 29? Die Schlächterei in Palästina. Hilfsaktion aus Amerika. Jerusalem, 31. August.(Eigenbericht.) Der Ueberfall der Araber auf die Stadt Hebron erweist sich nach den Schilderungen von Augenzeugen als ein furchtbares Blutbad. Vor der Ankunft der englischen. Flieger sollen Dutzende alte Männer, Frauen und Kinder öffentlich abgeschlachtet worden sein. Unter den DPfern des Neberfalles sind, wie schon gemeldet, auch 12 Religionsschüler amerikanischer Staatsbürgerschaft. In A k k a, wo es ebenfalls Pogrome gab, wurden 25V Juden zu ihrem Schutz bis auf weiteres in den G e- fängnissen untergebracht. Die Brand st iftungen auf dem Lande haben trotz der scharfen Drohungen der Mandatsverwaltung noch nicht aufgehört. Die Regicrnng hat deshalb ver- fügt, datz bei Brandstiftungen an jüdischem Besitz jeweils die arabische Nachbargemeinde den Schaden durch Kontributionen zu decken hat. Das Judenviertel von Safed, 20 Kilometer von Tiberias entfernt, wurde von Araber« in der Nacht zum Freitag überfallen und völlig niedergebrannt. 2V Juden Wurden getötet, zahlreiche verletzt. Vorläufig sind aus Amerika und Europa 2VVVV Pfund zur Unterstützung der jüdischen Bevölkerung ein- getroffen. Auch sonst funktioniert die Fürsorge aus» gezeichnet. Aus Deutschland hierher gezogene Juden find bisher nicht getötet worden. Der in Telawiw wohnende Dr. Walter Moses wurde durch einen Beiuschusi schwer verletzt. In Jerusalem kam es am Freitag an der Uni- versität wieder zu einem blutigen Zusammenstoß. Die Zahl der Toten wird auf 20 beziffert. Aus der Grenz» padt Gaza werden große Beduinenansammlun- gen gemeldet, die hauptsächlich gegen die eng- lischen Truppen gerichtet sind. Man hofft auf Reruhigung. Jerusalem. Zl. August.(Reuter.) Die Truppen wurden gestern nachmittag von den Toren von Damaskus und Jaffa zurückgezogen. Der Tag verlief trotz aller Lefürchlungen ohne Zwischenfall. Alan sieht dies als Zeichen einer ausgesprochenen Besserung an und hofft, daß sie sich aus das ganze Land ausdehnen werde. Bei den Unruhen in Safed wurden 70 Juden getötet bzw. verletzt. Da man der Ausfassung war, daß die Truppen nicht ausreichte«. um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, wurden 3000 Juden in Kasernen untergebracht. Da die Behörden aber jetzt die Lage beherrschen, wurde den Flüchtlingen gestaltet, in ihre Wohnungen zurückzukehren. Außer in Galiläa, wo noch eine gewisse Spannung herrscht, ist das Land im allgemeinen ruhig. Vorbeugung in Syrien. Beirut, 31. August.(Eigenbericht.) Die Gefahr, daß die Unruhen von Palästina auf Syrien über- greifen könnten, hat die französische Mandatsverwaltung zur so- fortigen Entsendung oller verfügbaren Truppen nach Damaskus veranlaßt. Die dortigen Judenoiertel wurden von den Truppen zum Schutz umzingelt und von der Außenwelt abgeriegelt. Araberdemonstration in Bagdad. Bagdad, 31. August. Eine große Araberversammlung in der chauptmoschee nahm gegen die englische Palästin ipolitik Stellung Nach der Bersamm- lung begaben sich 1000 Manifestanten zum Königspalast. Es kam zu kleinen Zusammenstößen, bei Venen etwa 12 Personen ver- letzt wurden. Die Besahung wird verstärkt. Jerusalem, 31. August.(Eigenbericht.) Die Entwicklung in Palästina läßt befürchten, daß der arabisch« Widerstand nicht nur gegen die Juden gerichtet bleibt, sondern sich (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Einmung der Finanzleute. Ein Schlußproiokoll im Haag. Haag, 31. August. Das Finanzkomitee der haager Konserenz hat heule vor- miktog seine Arbeil beendet. Dos Schlußprolokoll ist ferkiggestellt. E» enthält verschiedene Anlagen: 1. die Vereinbarung zwischen den Gläubigermäch l e n unkereinander und zwischen Deutschland und den Gläubi. gcrmächlen über die neue Verteilung der deutschen Leistungen: Z. die Neuregelung der Sachlieferungen, wozu eine Anlcranlage für den Fall eines Moratoriums und der Sachlieferungen in diesem Falle, ferner eine zweite Unleronlogc über das italienisch- englische Kohlenabkommcn und die Annohme eines Teiles der italienischen Quote durch Frankreich gehören. Mit Bezug aus das englischitalienische Kohlenobkommen hat Deutschland zu diesem Kohlenabkommen einen Vorbehalt gemacht. Z. Ein Reglement für die llebergangsperiode einschließlich der gestern getrossenen Regelung über die Leistungen Deutschlands während der Zeit bis zum Znkrostlrelen des Foung-Planes. 4. Die Einigung über die Frage der Besahungskosten und die Gründung einer gemeinsamen Kasse für Kosten, die nach dem l. September aus der Besehung entstehen. E» wurde dem Präsidenten Jaspar überlassen, den Zusammen- tritt und den Tagungsort der verschiedenen Unterkommissionen und ebenso Zeit und Ort sür die Schlußkonserenz zu bestimmen. Noch ein Streit zum Sch.uß. Haag, 31. August. In der heutigen Pormittagssitzung kam es noch einmal zu einer ziemlich scharfen Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der Gläubigermächte und den deutschen Delegierten Dr. E u r t i u s und Dr. h i l f e r d i n g. Man verlangt yon Deutschland, daß es auf Grund von Kapitel 9§ 143 des Poung-Plans eine Verzicht- erklärung abgebe, die sich auf alle Entschädigungen Und wieder Neumünfier. »So, Lochern, nun geh hin und bezahle deine Steuern!" namentlich solcher Lfquidationscrlöse aus dem bcschlag- »ahmten deutschen Eigentum erstreckt. Man verständigte sich jedoch angesichts des hartnäckigen deutschen Widerstandes fchliehlich dahin, daß eine besondere II n i e r k o m m i f f i o n für die weitere Behandlung dieser Fragen eingesetzt wird. Ilm 12 Uhr mittags trat die lc tz t e nichtöffentliche Plenar- Versammlung der Konferenz zusammen, um von den politischen und finnziellen Regelungen Kenntnis zu nehmen. Die Befreiien danken. Stadt Stachen an die Ne'ichsregierung. In der Vertretung des zurzeit von Aachen abwesenden Ober- bürgermeistcrs hat Bürgermeister Servals(Aachen) anläßlich der Beschlüsse im Haag folgende Telegramme gesandt: An den Reichspräsidenten! Die Nachricht von der aus der haager Konferenz erreichten baldigen Befreiung von den lange getragenen Fesseln und Lasten fremder Besetzung und von der endliche» Wiederherstellung der uneingeschränkten Verbunden- heit mit unserem auch im Unglück großgebl ebenen heißgeliebten deutschen Voterlande erfüllt mit der ganze» Bevölkerung auch die Verwaltung unserer kerndeutschen alten Kaiserstadt Aachen mit unbeschreiblicher lebhafter Freude. In diesem Augenblick, in dem der heimatwimp"! über uns gesetzt] ist und in uns neue frohe Hoffnungen entzündet, drängt es uns,. Ihnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, als den sturmerprobten' Hüter Deutschen Reiches und Volkes in Treue zu huldigen und. Ihnen von unserer großen Freud« Kunde zu geben. An den Reichskanzler! Mit unbeschreiblicher Freud«'c mid herzlichem Dank an die von Ihnen geführte Reichsregierung ist die Bürgerschaft erfüllt durch die Nachricht von der endlich erreichten baldigen Besrening des Rheinlandes und damit auch unserer Stadt, der größten Stadt der Besetzungszone und des ganzen noch besetzten Gebiets. Als treue Söhne des deutschen Volkes, als die wir uns auch. in den vergangenen Jahren der Besehung. der wirlschastlichen Not und des separatistischen Uebersalls stets bewiesen haben, freuen wir uns auf den bevorstehenden Tag der Heimkehr ins Vaterhaus. An den R c i ch s a u ß e n m i n i st c r: Die von Ihnen im Haag mit Müh« und Opfern erreichte baldige Vesrelung des Rheinlandes und damit auch unserer alten Kaiserstadt, der größten Stadt des noch besetzten Gebiets, von den lange getragenen Lasten fremder Besetzung, begrüßt unsere gesamt« Bürgerschaft mit Be- geisterung und Freude. Ihnen persönlich danken wir alle innigst sür die rastlos unter Ausopferung Ihrer Gesundheil betriebene und endlich zum Erfolg geführte Arbeit zur völligen Befreiung deutschen Bodens, unserer rheinisch«!' Heimaterde.' An den Reichsminister für die besetzten Sc- biete: Die Beschlüsse der haager Konferenz, zu denen Sie im? Interesse des Reichs und des besetzten Gebcets wesentlich mitgewirkt haben, eröffnen mit dem übrigen besetzten rheinischen Gebiet, insbesondere auch unserer kerndeutschen Stadt, die Aus- ficht auf die baldige Befrciuung von den lange getragenen Lasten fremder Besetzung: in dem Augenblicke, in dem die Freude baldiger Heimkehr ins deulsche valerhau» die herzen der gesamten Bürgerschaft beherrscht, gedenken wir dankbar Ihrer Fürsorge für die Befreiung unserer rheinischen Erde und der Tätigkeit Ihres Ministeriums für unsere Leiden und Nöte in der Besegungszeit. i «3 Oer Hauseinsturz in Algier. 36 deichen geborgen. Parts, 31. August. Nach den letzten Meldungen aus Algier sind bisher aus den Trümmern de» eingestürzten Hauses 3 5 Leichen gezogen worden. In den Krankenhäusern befinden sich 9 Verwundete. Man be- sürchlel, daß noch 40 Tote unter den Trümmern begraben sind, wodurch sich die Zahl der Verlehlen aus KS bis 70 erhöhen würde. Die Ausräumungsarbeilen werden in jieberhasler Eile jorlgejetzl. �. n Bürgerkrieg im Lordanland. (Fortsetzung von der 1. Seite.) mehr und mehr auch gegen die englische Besatzung richten wird. E- mutz deshalb damit gerechnet werden, daß die aus Aegypten heran- geführten englischen Truppen länger« Zeit hierbleiben werden und die englische Verwaltung zur endgültigen Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung grotzc Mühe haben wird. Täglich trefsen neue Truppen in Palästina ein. Neuerdings werden auch Vor- kchrungen zum Schutze der Eisenbahnverbindung mit Aegypten durch die Sinai.wüstc getroffen. Die Hauptgefahrenzone ist zurzeit Nord Palästina. Haupistreiipunkt: Das Tote Meer. London. 31. August. Dex Präsident her nationalen Liga, die in England den Standpunkt der A r a b e r in allen Palästinafragen vertritt, erklärte dem Rcuter-Bureau! Die Araber haben zahlreiche Beschwerden, die aber alle in einem Punkt zusammenlaufen: Das Tote Meer. Dieses Zentrum von unmetzbarem Reichtum, in dem Kali, Gold undMagnesiumim Werte von vielen Millionen Pfund lagern, ist an die Zionisten ausgeliefert worden. Die arabische Bevölkerung Palästinas bedauert dies. Wenn der Zionismus und die internatio- nale F I n a n z, die hinter ihm steht, die Kontrolle des Toten Meeres erhält, dann wird der wichtigste Teil der nationalen Hilfs- quellen derarabischenNation im hohen Osten in fremden Händen sein. Was die Araber wünschen, ist, datz die Engländer eine Kontrolle am Toten Meer ausüben und einen a n g e m e s s e- n» n Anteil des Verdienstes aus der Verwaltung an diejenigen abtreten, denen das Gebiet gehört. Dann wäre eine Entwicklung der arabischen und jüdischen Zivilisation Seite an Seite durchaus möglich. Zeppelin startbereit. New Yorker phoiograph erwirkt Pfändungsbefehl. New Bork, 31. August. Tic Berprovianticrung des„Graf Zeppelin" mit Benzin, Blaugas usw. geht schnell vonstatten, so das; das Luftschiff in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag zum Start bereit sein wird, l 2 P a s s a- giere wird das Luftschiff an Bord haben. Sieben davon sind seinerzeit in Friedrichshafen eingestiegen, um die Neise um die Welt zu machen. Zwei Amerikaner, die in Lakehurst die Weltreise beendet hatten, haben damit noch nicht genug und werden auch nach FriedrichShafen mit- fahren. Außerdem steigen drei neue Passagiere in Lake- turst ein. Der Start dürfte um Mitternacht vor sich gehen. Ueber die voraussichtliche Route des„Graf Zeppelin" steht noch nichts fest, doch wird er die nörd- liche über Neufundland wählen. Der mißglückte Pfändungsversuch. Lakehurst. 31. August. Gin Photograph aus Liberty im Staate New Bork namens Otto Hillig, der gegen die Betriebsleitung des„Graf Zeppelin"- eine Schadenersatzklage von 12 5000 Dollar erhoben hatte, weil er für den Welt- rundflug eine Passage belegt hatte, aber nicht unterkommen konnte, hat beim Gericht von TomSver einen Beschlagnahmebefehl auf den„G r a f Zeppelin" erwirkt. Der mit der Beschlagnahme be- auftragte Sheriff vermochte jedoch den Auftrag nicht auszuführen; der Kommandant d«S Flugplatzes Lake- hurst weigerte sich, die gerichtliche Verfügung entgegen- zunehmen, da der„Graf Zeppelin" sich auf Bundes- b o d e n befinde. * New �ork bejubelt Gckener. New Bork, Zl. August. Breiteste Schichten der Bevölkerung zeigen für Dr. Eckener und seinen Weltflug unverhohlene Bewunderung. Di« Begeisterung äußerte sich in mannigfacher Weife überall, wohin Dr. Eckener mit seiner Mannschaft kam. Schon bei der Ankunft in Jersey-City wuvden sie von einer großen Menge begeistert empfangen. Das S t a d t b o o t„M a c o m" war während der kurzen Fahrt über den Hudson Gegenstand lärmender Begrüßung durch zahlreiche Schiffs- streuen. Die Sirene des„Macom" mußte unaufhörlich zum Danke zurücktuten. Als Dr. Eckener bei der Annäherung an Battery- place die ihn erwartende Menschenmenge erblickte, erklärte er auf eine Anfrage Umstehender, daß ein solcher Empfang vielleicht der schwierigste Teil der ganzen Reise sei. Ein großes Polizeiaufgebot auf Batteryplace hatte die größte Mühe, die Menschenmenge, die viele Kopf tief die Bürgersteige der benachbarten Straßen füllte, in Ordnung zu halten und Raum für die Automobilparade zu schaffen, die sich sodann durch die Menschenmenge des unteren Broadway nach dem Rathaus bewegte. „San Juan": 26 Toie. Oie kalifornische Gchiffskatastrophe. New Bork, 31. August. Nach den letzten hier eingetroffenen Meldungen über das schwere Schiffsunglück an der kalifornischen K ü st e sind bei dem Zusammenstoß zwischen dem Tank- dampfer„T o d d" und dem Küstendampfer„S a n Juan" 76 Pa s sa g i e r e umS Leben gekommen. Der „San Juan" ist in wenigen Minuten nach dem Zu- sammenstoß untergegangen. Von zwei Küstenwach- luttern und dem Dampfer„M u n a m i" sind 30 Per- sone» gerettet worden. Der in der Bucht von San Franziska mit dein Petroleum- dampfer„Dodd" zusammengestoßene Passagierdampfer„San Juan" ist ein b.? Jahre alter Kasten, der seit 3 Jahren außer Betrieb gesetzt war und eigens zu dieser einmaligen Fahrt hergerichtet wurde, um daraus wieder in den Ruhestand zurück- zukehren. Nach dem Zusammenstoß wurde der„San Juan" glatt in zwei Teil« geschnitten, und es spielten sich an Bord Schreckensszenen ab, da es dunkel war und niemand recht mutz e, was geschehen war. Die Panik auf dem Schiff war oll- armein Infolge des. sch n e l l e n Sinkens des Dampfers konnten die Rettungsboote nicht mehr auf dos Wasser gelassen werben. Schreiende Frauen und Kinder wurden mit in die Tiefe gerissen. politische Schlägereien. Hakenkreuz und(Sowjetstern. Die Serie der Schlägereien zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten hat gestern«ine Fortsetzung erfahren. In einer nationalsozialistischen Versammlung in Weihensee wurden zwei Kommunisten durch Messerstiche verletzt. Die Schuldfrage wird, wie bei all diesen Borjällen, nickst leicht zu klären sein. Wenn Kom- munisten in eine nationalsozialistische Versammlung gehen, ist das unter den heutigen Umstäirden zum mindesten«ine Torheit, anderer- seits ist die Methode, di« Opposition mit dem feststehenden Mesier zu erledigen, auf keinen Fall zu entschuldigen. Man kann wirklich fragen, was diese Schlägereien und Messer- stechereien mit Politik zu tun haben. Sie haben keinerlei Aehn- lichkeit mit dem Drama von St. Lorenzen, das von einem wirklichen Kampf um die Macht«in Teilstück bildete. Kommunisten und Nationalsozialisten find in Deutschland gleich ohnmächtig, ihre Aussicht, in absehbarer Zeit zur Macht zu gelangen, existiert nur in den Köpf«n einiger unreifer junger Leute. Es ist also praktisch ohne jede Bedeutung, welche von beiden Parteien im Faustkamps siegt und welche unterliegt. Ginge es bei diesen Auseinandersetzungen noch einigermaßen glimpflich ab, so könnte man sich auf den Standpunkt stellen, daß beide Teil« die Prügel, die fie einander verabreichen, auch verdienen. Leider ober fließt dabei immer wieder Blut, ohne daß die beiden Parteien dadurch ernüchtert würden und ihre Anhänger zur De- sonnenheit ermahnten. Im Gegenteil, fie finden an der Sache Ge- schmack und versuchen die Keilereien— die wirNich alles ander« als „Revolution" sind— mit allen Mitteln„weiterzutreiben". „Schlagt sie, wo ihr sie trefft", lautet die Parole der Komunisten gegen die Hakenkrcuzler— und daß diese auch nicht blöde sind, versteht sich von selbst. Solche Vorgänge sind bedenklich, nicht nur als Zeichen der Ver- dummung und Verrohung, der gewisse Volksteile infolge des Kriegs verfallen sind. Aehnliche Ereignisse wie di«, die sich jetzt abspielen, hatten bekanntlich im Winter vorigen Jahres zum Verbot von Kund- gedungen unter freiem Himmel geführt. Die Toten der ersten Mai- tage waren dann die Früchte aus der Blutsaot, di« Kommunisten und Nationalsozialisten in den Wochen zuvor ausgesät hatten. Leider läßt sich ein sofort wirtenden Heilmittel gegen solche Zü. stände nicht finden. Helfen kann gegen sie nur geduldig« Erziehungsarbeit, die der Jugend die Erkenntnis.beibringt, wie gemein und verächtlich es ist. Andersdenkende wegen ihrer Gesinnung kör- perlich zu attackieren. Die das tun und sich auf der Straß« unter- einander prügeln, sind, auf beiden Seiten, zumeist in ihrer geistigen und politischen Erziehung zurückgebliebene Proletarier, wöh- rend das Bürgertum dabei den unbeteiligten und überlegenen Zu- schauer spielen dais. Das ist, vom Arbeiterstandpunkt aus gesehen, an diesen Borgängen das schlimmste, daß sie die politische U n- reife, die Unfähigkeit zum wirklichen Kampf, die einem Teil der Arbeiterklasse leider noch eignet, in die grellste Beleuchtung stellen. Arbeiter, denen es um den Kampf ihrer Klasse ernst ist, werden das größte Gewicht auf die Feststellung legen, daß sie mit Prügel- Helden und Messerstechern, mögen sie nun das Hakenkreuz oder den Sowjetstern tragen, nichts zu tun haben! Kommunistische Rüpel. Sie stören sogar Protestversammlungen gegen Abbau der Arbeitslosenfürsorge. Görlitz, 31. August. Nachdem bereits vor acht Tagen eine vom Ortsausschuß Görlitz des Allgemeinen Deutschen Gewerschafts- b u n d e s einberufene Versammlung, die zur Reform der Arbeits- losenfürsorge Stellung nehmen sollte, infolge kommunistischer Störungen abgebrochen werden mußte, sollte die Versammlung Freitag abend wiederholt werden. Die Störungsoersuche der Kom- munisten wiederholtcn sich, so daß gleich noch Eröffnung die Polizei eingreifen mußte. Es kam zu einem Handgemenge und die Polizei entfernte drei der kommunistischen Hauptschreier. Erst nach längerer Zeit konnte der erste Referent zu Worte kommen, aber in der cm schließenden Diskussion entstanden wieder solche Lärm- s z e n e n, daß die Polizei erneut eingreifen muhte. Schließlich mußte die ganze Versammlung vorzeitig abgebrochen werden, und auch nach der Versammlung kam es noch zu mehrfachen Reibereien. Fünfjahrtag eines Blutbades. Oer georgische Aufstand von 1924. In den letzten Augusttagen 1921 ist in Georgien der Unglück- selig« Aufstand gegen die russisch-bolschewistische Herrschaft aus- gebrochen, der Georgien befreien und die demokratische Republik wiederherstellen sollte. Der Aufstand hat in den meisten Ortscfyiften etwa« i n e W o ch e gedauert. Eilig oerstärkt« Sowjettruppen haben ihn erstickt. Im Ausstand sind auf beiden Seiten einige hundert Menschen gefallen. Viel fürchterlicher aber war die bolschewistische Rache: bis 4000 Menschen wurden nachträglich hingeschlachtet — teilweise standrechtlich, ostmal» auch ohne solches„Urteil"— und zwar meistens ausgewählte Führer des Dolkes, darunter über tausend politische Gefangene, die lange vor dem Aufstande in Gefängnissen Georgiens oder gar Rußlands eingekerkert saßen, dar- unter Hunderte mit jahrzehntelangem Berdienst um die Arbeiter- bewegung. So wurden als Geiseln u. a. erschossen die sozial- demokratischen Führer: Noi Chomeriki, Landwirffchaftsminister der sozialdemo- kratischen Regierung des freien Georgiens. Venia Tschchikwischwili, der Führer der Revolution von 1993, der vom Zarismus zur lebenslänglichen sibirischen De- portation verurteilt war, in der Demokratie Bürgermeister von Tislis. WalikoDjugheli, Führer der Bolksgarde, der Hauptstütze der sozialistischen Macht im freien Georgien. N. I. Die georgische Kolonie in Berlin veranstaltet die Gedenkfeier morgen Sonntag, dem 1. September, 11 Uhr, Ansbocher Straße SS. Gefängnis für Landvölkler. Weil er die Republik beschimpfte. kiel, 31. August.(Eigenbericht.) Bor dem Großen Schöffengericht Neumünster stand der Seniorchef der völkischen Landpost, Pohns, der in einer Wirtschaft die Republik und ihre Mini st er schwer beschimpft hatte. Der Angeklagte wurde zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten oder 199 Mark Geldstrafe oerurteilt. Hustaedt, der Oemokrai. Oer Bericht eines Prüfungsausschusses. Der„Demokratische Zeitungsdienst" meldet: Der Parteivorstand der Deutschen Demokratischen Partei nahm in seiner Sitzung vom 28. August den Bericht des Prüfungs- ausschusses in Sachen Hustaedt entgegen. 2>er Prüfung«- ausschuß hat folgend« Erklärung abgegeben: „Der Ausschuß hat es als seine Aufgab« angesehen, sestzu- stellen, ob Herrn Dr. H u st a e d t wegen der Ablehnung der Begnadigung des zum Tode verurteilten Jaku- b o w s t i durch das mecklenburg-strelitzsche Staatsministerium im Februar 1926 ein Mangel an sittlicher Gewissen- h a f t i g k e i t oder eine Lerletzung von Parteigrundsätzen zum Vorwurf zu machen ist. Grundsätzlich ist daran festgehalten wor- den. daß Amtshandlungen eines Parteimitgliedes im ein- zelnen einer ehrenrechtlichen Nachprüfung auf ihre Zweckmäßigkeit durch die Parteiinstanzen nicht unterliegen. Der Ausschuß hat die Ueberzeugung gewonnen, daß Herr Dr. Hustaedt, heoor er gemeinsam mit dem damaligen anderen Stoatsministcr di« Begnadigung ablehnte, die pflichtge- mäße Prüfung nach bestem subjektiven Wissen und Gewissen und ohne Verletzung der Parteigrundsätze vorgenom- men hat. Dabei konnten natürlich spätere Ereignisse, aus denen objektive Zweifel an der Schuld oder Meinschuld des Jakubowski hergeleitet wurden, keine Berücksichtigung finden. Der anwesende Vertreter der Jungdemokraten, Dr. Jäger, sowie Minister a. D. Hustaedt erklärten sich mit dieser Feststellung des Ausschusses einverstanden und die vorliegenden Anträge für erledigt." Herr Hustaedt hat bei seinen Parteifreunden also sehr milde Richter gefunden. Daß er dadurch aber in der Oeffentlichkeit rehabilitiert wird, dürste er selbst nicht vermuten. Don seinem �besten subjektiven Wissen und Gewissen" abgesehen, sollte sein objektives Wissen die Tatsache nicht verschleiert haben, daß Jakubowski im Wesentlichen auf Grund der Aussage eines Idioten verurteilt war. Wenn er trotzdem der Hinrichtung zustimmte und fernerhin sich allen Bestrebungen widersetzte, das erste Urteil durch ein Wiederaufnahmeverfahren zu berichtigen, so mag er getrost„De- mokrat" bleiben. Die Oeffentlichkeit wird auch darüber zur Tagesordnung übergehen. prager Sensation. Tänzerin erschießt sich in der Wohnung eines Politikers. Prag. 31. August. Am Donnerstagabend spielte sich in der Wohnung des tschechi-" schen nationalsozialen Abgeordneten und Intendanten des Nationd- theaters, Dr. K l a p k o, in Prag eine Tragödie ab. Hausbewohner hörten einen Schuß fallen und benachrichtigten die Polizei. Als diese in die Wohnung eindrang, fand sie im Zimmer ein auf- fallend schönes Mädchen schwer oerletzt in einer großen Blutlache liegen. Das Mädchen wurde ins Krankenhaus gebracht und ein r Operation unterzogen, die glücklich verlief. Das Geschoß hatte das Herz gestreift und war zwischen den Rippen steckengeblieben. In der Selbstmordkanididatin wurde die Itzjährige Iwa V a p e n k a festgestellt. Das Mädchen war im Nationaltheater als Ballett- tänzerin angestellt. Sie lernte den neuen Intendanten. Abg. Dr. Klapka, kennen. Ein Liebesverhältnis entstand. Dr. Klapka, der verheiratet ist. hat ihr wiederholt versprochen, sich von seiner Frau scheiden zu lassen und sie zu heiraten. Das Parteiorgan der Ralo- nalsozialsn veröffentlicht in großer Aufmachung nur, daß Abg. Klapka dem Parteipräsidium bekanntgegeben habe, daß er sein Zlb- geordnetenmandat niederlege. Dr. Klapka gilt als einer der fähigsten Berwaltungsjuristen. Ueber seine künstlerischen Qualitäten für die Leitung des Nationaltheaters ist weniger bekannt. Die geheimnisvotten Zeichen. Und ihre Auslegung in der Kurliste. Der„Demokratische Zeitungsdienst" bringt diese lustig« Zuschrift: Ich verbrachte diesmal einen Teil meines Urlaubs in einem größeren Hotel am Starnberger See und trug mich mit einem ein- fachen bürgerlichen Namen ohne irgendeinen Zusatz in die Hotelliste ein. Aus eingehenden Briefen hat die Hotelleitung wohl ersehen, daß hinter meinem Namen oft die drei geheimnisvollen Buchstaben „M. d. R." standen. Ob man diese Buchstaben nicht entziffern konnte oder ob ander« Gründe maßgebend waren, bleibt dahingestellt. In der K u r l i st e fand ich meinen Namen mit dem Zusatz oersehen„M a j o r derReseroe". Vielleicht war es im Interesse des Hotels nicht zulässig, daß ein deutscher Reichstagsabge- ordnet«! dort wohnt!_ Arbeitsminister des Vürgerblocks. Oer.Altsozialist� wieder im Amt. Dresden, 31. August.(Eigenbericht.) Der sächsische Ministerpräsident hat den Altsozialisten Elsner, der dem Kabinett Held angehörte, mit Wirkung vom 1. September wieder zum Arbeits- und Wohlfahrtsminister ernannt. Die Ratio- nalsozialisten hatten bisher gedroht, daß sie angesichts der Er- nennung von Elsner zum Minister die Regierung Bünger nicht mehr unterstützen würden. Sie werden es sich wohl überlegen, denn„so etwas Blödes", wie die nationalsozialistische sächsische Fraktionspolitik gibt es nach des Sachkundigen Mücke Ansicht ja bekanntlich nicht. 'tSv Todesopfer! Oie Schlafkrankheit in Japan. Z�okio, 31. August. Die Schlafkrankheit im südliche,, Zapan hat nach einer gestern veröffentlichten ossizlellen ZNitteilung bisher 16 0 Todes- opfer gefordert. Die Zahl der Personen, die von der Schlaf. k r a n k h e t t befallen wurden, beträgt 660. Die Krankheit ist noch immer in der Ausbreitung begriffen. Appell christlicher Arbeiler. An die Fraktionen de«! Reichstages. Der Zentralverband christlicher Tabakarbeiter Deutsch- lands hat den Fraktionen des Reichstags diesen Hilferuf gegen dieAbbau-Absichten in der Arbeitslosenver- sicherung zugehen lassen: Wir gestatten uns«rgebenst, Ihnen von einer Entschließung Nenntnis zu geben, hie am 30. Juni 1929 auf unserem 9. Verbands- tog in Freiburg einstimmig angenommen wurde. Die Entschließung lautet: „Der 9. Verbandstag des Zentraloerbondes christlicher Tabak- arbeiter Deutschlands nimmt mit Entrüstung von den Reform. vorschlagen Kenntnis, die im Reichstag eingebracht wurden und durch die die Leistungen der Arbeitslosenversicherung wesentlich verschlechtert, zum Teil sogar aufgehoben werden sollen. Die gemachten Reformoorschlägc würden die Grundlagen der Arbeits- losenversicherung gefährden und die unverschuldet arbeitslos ge- wordenen Versicherten ganz erheblich schädigen. Der Verbandstag richtet deshalb an die Reichsregierung und an den Reichstag das dringende Ersuchen, alle Reform- vorschlüge und Anträge, durch die eine Verschlechterung der Dersicherungsleistungen herbeigeführt werden soll? abzulehnen. Ist eine Sanierung der Arbeitslosenversicherung ohne eine vor- übergehende Beitragserhöhung nicht möglich, so er- klärt sich der Verbandstag auch mit einer solchen einverstanden." Im Interesse unserer arbeitslosen Mitglieder bitten wir Sie höflichst, im Sinne vorstehender Entschließung wirken zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung Zentralverband christlicher Tabakarbeiter Deutschlands. gez. Vorsitzender. Diese Stellungnahme der ch r i st l i ch e n Gewerkschaft steht in Uebereinstimmung mit der Ausfassung, die von der Sozialdmokratischen Partei und den freien G e- werkschaften vertreten wird. Wir erwarten, daß das Immenhof-Spende. Der„Znimenhof", das Berufserziehungshcim der Arbeiterwohl- fahrt, ist von einem vrandunglück betroffen worden' Es ist ein Glück im Unglück, daß Menschenleben nicht zu be- klagen sind! Aber!— Die Versicherungssumme reicht nicht aus, um an die Stelle des wundervollen Gebäudes, dessen kulturwert kaum ersetzt werden kann, einen schlichten, modernen Zweckbau zu er- richten.— Soll nun deshalb die ausbauende geistige Arbeit eines Jahrzehnts, soll der dahinter stehende Idealismus, die zur Tat gewordene Liebe der Arbeiterwohlsahrt an den Kindern der Arbeiterklasse vergeblich gewesen sein? Rein! Die Ausgabe des„Immen- Hofs". die Erziehung junger Menschen zu körperlicher, geistiger und seelischer Gesundheit und zur Berufsreife darf nicht unterbrochen werden. Darum wird der Betrieb mit allen zur Verfügung stehenden hilssmilteln weitergeführt. Es muß sofort wieder aufgebaut werden. Die Arbeit der Sozialdemokratie gilt in erster Linie den Aermsten und Bedrängten. Die aus dem„Zmmenhof" betreuten Kinder kommen alle aus dem Proletariat. Mir appellieren an das so oft bewährte Solidaritätsgesühl der Arbeiterschaft, helft uns! Jeder Betrag, auch der kleinste, ist uns willkommen. Spenden sind einzuzahlen für: Hauptausschuß für Arbeiterwohl- fahrt e. V.. Berlin SM. 61. Belle-Alliance-Plah 8. Sontonummer 5982, Postscheckamt Berlin,„Jmmenhof- Spende". hauplausschuß für Arbeiterwohlsahrt. Marie Zuchacz. Zentrum bei seinen Entscheidungen über die Arbeitslosen- Versicherung die gebotene Rücksicht darauf nehmen wird. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird selbstverständlich die Bitte des Zentralverbandes christlicher Tabatarbeiter erfüllen und auch künftig mit der größten Ent- Ichiedenheit gegen jede Verschlechterung der Arbeitslosenver- sicherung kämpfen._ Wetter für Berlin und Umgebung: heiter, trocken und sehr warm, schwache Winde aus südöstlicher Richtung.— Für Deutschland: Ueberall Fortbestand des herrschenden hochsommerlichen Witterungschorakters. Theater der Woche. Vom i. bis 9 September. Volksbühne. Theater am«illomvlatz! Santan» Tod. Theater am Schillbauerdomm: Kapp« Uni. Staalslhealer. Staateoper llatrr de» Linden: 1. Der Rosenkaoalirr. 2. Cavalleria, ®aioMi. 8. Der Barbier oon Baadod 4. Andre Chenirr. 5. Boheme. K. Othcit». 7. Da» Aheinaold. 8. Dir Wattllrr. 9. Die Macht de» Schicksal». Oper am Platz der Ztepxdli»! 1. Der Freischütz. 2. Salome. 9. lkid-Iio. 4. Loffmann» Erzählungen. 5. Carmen. 6. Iphigenie auf Taurt». 7. Don Giovanni. 8. Der fliegende Holländer. 9. Die ffledrrmo»«. Städtisch, Oper: l., 8. u. 8. Tnll. 2. u. 9. Geschlossene Borstellung. 4 Die schwarze Orchidee. S. Madame Butterst D. 7. Di« lustigen Weiber von Windsor. 8. Don Carlo». Tchauspielhau« am Gend-rmenmarlt! I., 2., 8. u. 8. Zlapoleon. 4.. 5., 7., 8. u. 9. San» im Schnakenloch. Schiller-Theate«! l.. 2.. 8. u. 8. Treiblagd. 4., 8., 7.. 8. u. 9. 2X2— Z. Thealer mik festem Spielplan. Deutsch«, Theater: Die Medermau».— Na at inerspiele: Der Unwiöcr. stehliche.— Die«omidi«: sZreudlge» Ereignis.— Theater am Itollrndorsplatz: Ab 3. Der Kaufmann von Berlin.— Theater In der«»»iggrätzei Straße! Sannibal ante Porta».— Nomödienhau«: Eharlens Tonte.— Theater de» Westen»! slriederite.— Deutsch«, Kitnfllertheater: Die andere Seite.— ?»ltsp!elk»u»! Grand»otel.— Leslliig.xheater! Joses. Ab 6. EnanlaU.— Tr-»n»a-TH«»ter: Da» kommt doch all« Tage vor— Metropol-Theateri Blau- hart.— Beiliaer Theater! Ab 3.?.wei Krawatten.— Deutsche, Bolkstheater: Der arme Heinrich.- Die Tribüne!»i, 6. geschlvssen. Ab 7. Wollen Sie mit mir spielen?— Kleine» Theater: Elubleute.— Renaissanee.Theatee: Die heilige flamme.— Rose.Zbrater: Di» 8. Der klein« Kuppler. Ab 9. Die Weber. sGartcnbllhne): Die Scheidungzreise.— Easluo-Theatcr: Wem gchdrt mein Mann?— Plaza, Wintergarten, Skala: Internationale»«ariet«.— Zi»ich»hall«». Theater: Stettiner Sänger.— Theater am Kottbnffer Tor: Elite-Sänoer. Nachmittagsvorstellungen: Theater de» Wepea»! i., S. Friederike.— Metropol-Theater: 1., 8. Blau- nar*.— Sl-se-Tbrater(Gärtenbähne): Konzert und bunter Teil.— Plaza: Internationale» Bariet«.— Wintergarten, Skala: I., 7.. 8. Internationale» Boriete.— Rcichihallen. Theater: 1., 8. Stettiner Sänger.— Theater am Kottbnffer Tor: 1, 8. Elite- Sänger. Erslaussührungeu der Woche: Sanntag. Städtisch« Oper: Tnll.— Theater in der Känig. « r a tz e r S t r a tz e: Honnibal ante vorta».— Luftfpielhau«: Grand Hotel.— DIe»»tag. AerlinerThcater: Iwei Krawatlen.— Theater am Nollendorfplatz: Der Kaulmann von Berlin.— Mittwoch. Schau fpielhau«: Hnno im Lchnafenloch.— Schiller. Theater: 2X2~ Do»-er»«aq. Schloßpark. Theate r S t e g I i tz: Arm wl« eine Kirchenmaus.— Metropol-Theater: Marietta.— Areitag. Leffina-Tdeater: Enankali.— Sonnabend. Tribüne: Wollen Sie spielen mit mir?— Theater des Westen«: Blaubart.— Montag. Zinse. Theater: Sie Weber. Lurysreie Kunstschau-1929. I. ANgemeines. Heute mittag wurde die diesjährige I u r y f r e i e, wie üblich im Moabiter Landesausstellungspalast, mit aus- gezeichneten musikalischen Darbiewngen des Quartetts Dolores Moaß und einer Ansprache des Vorsitzenden Hermann Sandkuhl erössnet. Der Vorstand der Juryfreien Kunstschau mit seinem wahrhast führenden Kopse, Hermann Sandkuhl, einem Organisator ersten Ranges, hat seine eigen« Arbeit vergangener Jahre wieder Übertrossen. Es ist eine glänzende Repräsentation moderner Kunst entstanden, die gerade in der wählerischen Betonung bestimmter Par- tien einen besonderen Reiz sucht und damit eine ganz persönlich« Form des Ausstcllungswesens findet. Hinzu kommt die sehr tatkräftige Unterstützung, die die N o- vembergrupp«, als Gast der Iuryfreien geschlossen«rscheinenü. diesem Ausleseprinzip zukommen läßt. Es ist gleichzeitig für sie ein Rückblick über 10 Jahre Bestehens der Novembergruppe. In der Hauptsache des Ausstellungsbaus trifft man zunächst einen großen Saal mit Skulpturen und Riesenkartons— vor allem von Paul Crodel—, dem sich ein Zentralraum mit ausgezeich- net angeordneten und gefüllten Kabinetten anschließt: Bildhauer G. H. Wolfs, Gerh. Marcks, C. M. Schreiner u. a. Den riesigen Rücksaal nimmt eine glänzende Auslese modernster italienischer Kunst ein, die einen überraschend neuen und günstigen Eindruck von der dortigen Malerei vermittelt: dergestalt, daß man in dieser Sonderschau wohl eine der besten und aufschluß- reichsten Vermittlungsaktionen zwischen europäischen Kulturvölkern erblicken kann. Die interessantesten Säle der Juryfreien schließen sich zur Rechten der Eingangshalle an. Man findet eine Stadt-Repräsen- tation der jüngsten Malerei nur von Dresden und Düffel- darf, wie es auch der tatsächlichen Kräfteverteilung entspricht: die starken und richtunggebenden Talente der zwei bis drei letzten Jahr- zehnte kamen fast ausschließlich aus Düsseldorf und Dresden, deren Akademien allein be! uns noch die Kraft besitzen, ursprüngliche und revolutionäre Talente zu entwickeln. Davon abgesehen, steht auch das allgemein« Niveau der Jury- freien hier aus einwandfreier Höhe: Namen zu nennen muß einer eingehenden Würdigung vorbehalten bleiben. Einige reizende Sondereinfälle tragen sehr zur Belebung des Saaleinerlei bei: ein Kämmerlein mit den ganz einzigartigen Architekturspielereien des hochbegabten von Varnbühler(Rekonstruktion fränkischer Ge- Höfte, Klöster, Städtchen und Dörfer in bemaltem Papier von einer hinreißenden Anmut und Echtheit der Roumerscheinung): Spielzeug feinster Art, von einem wahrhaft kultivierten Menschen geschaffen, das unbedingt das Entzücken jedes Publikums finden wird. Und die Ausmalung eines Kinderzimmers von Martha Hege mann, die mit unendlicher Liebenswürdigkeit des Geschmacks und geistreicher Erfindung kindliches Spiel paraphrasiert. In die Säle der Novembergruppe tritt man links von der Eingangshalle. Jeder Raum enthält die Einheit eines künstlerischen Programms: der erste die großen Maler der Abstraktion von Kon- dinsky bis zu Schlemmer und Paul Klee: wo sich so entgegengesetzte Bestrebungen finden wie die Romantik Chagalls. Molzahns, Iawlewskys, die kosmische Tiefe Paul Klees, Max E r n st s und M u ch e s, und die strenge Konstrukttvität eines Lissitzky, B.elling, Schlemmer. Moholy-Ragy und Baumeister. Im zweiten Saal: die Problematiker wie Fritjch, W. S ch m i d, Rybak, Kulviansty, Ines Wetzel. Im dritten den sehr einheitlichen und eindeutigen soziolo- tischen Aktioismus der Groß, Dix, Schlichter, Schrimpf, W o l l h e i m: mit stärksten und oft einander entgegengesetzten Dar- stellungsmitteln wird der Kampf der bestehenden Gesellschaft an- gesagt. Als Vorläufer vor dem Weltkrieg« fungieren einige Werke der ehemaligen- Futuristen aus Italien! Soverini, Russolo und C a rä. Dann folgt ein Saal mit moderner(„funktionalistischer") Architektur: Entwürfe von Mies v. d. Rohe, Breuer. Taut, Luckhardt, Mendel söhn, Gropius, Hilbcrscimer, G e l l h o r n: keine Darstellung der heutigen Baubestrebungen, son- dern nur ein Manifest, dessen Programm von Anfang an zur Novembergruppe gehört hat. In den folgenden Kabinetten eine höchst an- ziehende und swdierenswert« Sammlung von Schülerarbeiten des Bauhauses in Dessau, die eine ungemeine Fruchtbarkeit des künstlerischen Erziehungsprinzips verraten: nicht so, daß etipa voll- endete kunstgewerbliche, malerische oder tektonische Resultate gezüchtet werden, sondern daß man sieht, das Persönlichste der Begabung wird aus dem Schüler herausgeholt: daß jeder lernt, aus eigenen Füßen zu stehen. Und endlich Photomontagen, praktische buchkünstlerische Verwertung heutiger Photographie im Dienst politisch-sozialer Ideen: unschätzbares Verdienst von H c r z f e l d e alias Heartsield. Es ist nicht nötig, sich zu der geistigen Einstellung dieses geistreichen Ver- legers linksgerichteter Schriften zu bekennen, um dennoch zu er- kennen, daß eine besondere Art intensiver Sachanschaulichkeit auf dem Gebiet literarischer und jeder Art von Reklame sich am besten durchsetzt. Die Fülle künstlerischer Erscheinungen auf dieser Doppelaus- stellung ist so groß, daß man im besonderen darauf zurück- kommen muß. vr. Lsul?. Zciimiät. „Das kommi doch atte Tage vor." Trianon-Theater. Das frisch hergerichtete Trianon-Theater eröffnet die neu« Direktion L e o W a l t er S t e i n mit dem Lustspiel„D a s k o m m t doch alle Tage vor". Der Verfasser Sven Reergard hat es als Eharatterlustspiel mit sein und mühsam ausziselierten Typen angelegt: ein Schriftsteller schreibt zusammen mit seiner Frau ein Stück und setzt die Gebilde seiner Phantasie in die Wirklichkeit um. Im Leben und beim Dichten Hot er zwar etwas dagegen, daß der Mann die Frau betrügt. Als sie aber seine Bedenken zerstreut— das kommt doch alle Tage vor— macht er reichen Gebrauch von der Erlaubnis seiner Frau. So war es nun wieder nicht gemeint, sie ist empört, es kommt zum Kroch, zur Scheidung und zum Schluß zum b-ppx cneroorgeht, in Rußland sür erfüllt. Dies Theater, das jetzt sieben Jahre besteht und inzwischen die Gründung von zwanzig weiteren ähnlicher Art nach' sich zog, hat in der Mitte des amphitheatralischen Zuschauerraums eine offene, dreidimensionale Bühne, die die Drei- heit von Border-, Hinter- und Oberbühne der Shakespeare-Bühne mit der antiken Orchestra verbindet und es so den Schauspielern ermöglicht, auf drei Bühnen gleichzeitig zu spielen und in fortwährendem Kontakt mit dem jugendlichen, spontan reagierenden Zuschauer Zl#bleiben, dessen unbeständige Aufmerksamkeit durch dos dynamische Tempo, durch wechselseitige Befruchtung von Akrobatik und Musik, Wort und Tanz gefesselt wird. Zu diesem Zweck und um den verschiedenen Altersstufen gerecht zu werden, hat man drei Gattungen von Stücken geschaffen: musikalisch-choreographische, lustig bunte Märcheninszenierungen für die Kleinsten, wirksame, der Bühne angepaßte Erzählungen von einfachen Menschen und Dingen für die Mittelstufe und Stücke für die reifere Jugend, die aktuell und verständlich, einfach und leicht tendenziös die neue Generation in dem gewünschten Geist erziehen sollen. Einen Spielplan gewann man durch Dramatisierung bekannter Romanstoffe, meist mit dem Thema des revolutionären Kampefs, so von B. Hugos„Miserables", Dickens„Geschichte zweier Städte"(Burger Darnley) und de Costers „Ulenspiegel". Weiter wurden zeitgenössische Stücke aufgeführt, aber auch Moliere und Schillers„Räuber", und sogar ein modernes Kasperletheater ins Leben gerufen. In Versammlungen der Schul- linder werden die Fragen des Jugendtheaters besprochen: Briefe, Zeichnungen und Fragebogen dienen dazu, die Eindrücke auf die Jugend selbst zur Grundlage weiterer Tätigkeit zu nehmen, sie aber auch für das Studium der Kindesscele überhaupt nutzbar zu machen. Abonnemenis-Theater in London. Der englische Theaterleiter M r. B a s i l D e a n kehrt demnächst nach längerem Aufenthalt in Amerika nach England zurück. Als Ergebnis seiner amerikanischen Studien will er in London nach dem Vorbilde der New-Yorker Theatre Guild ein Abonnements-Theater ins Leben rufen, dessen Betriebsmittel auf dem Subskripkonswege beschafft werden sollen. Dean steht in Verhandlungen mit John G a l s w o r t h y, um sich das Erstausführungsrecht für das nächste Stück des Dichters zu sichern. Lel der Georg-Springer-Gedeokfeier der Volksbühne 8. v.. die am Sonnlag, vormittags U>/, Uhr. im Theater am Bülowplax ltoNfindet. wird die GedächlniSrede Julius Lab« von VoUrägen eines SlreichauarletlS umrahmt werden. Waller Frank, Einst GinSberg und Ernst Karchow werden gemeinsam Absätze aus PlalonS.Phädon" lesen. Karlhetnz Marlin wird einige» au» Reden und Aussätzen Georg Springer» zum V-ltraa bringen. Cinlaßtarten(unentgellliiti) sind in beschräntter Anzahl noch durch die Geschäftsstelle der Volksbühne, Linkenstr. 227, zu beziehen. v«„Sund freier Künstler und Kunstschaffende«'(E. v.j veranstaltet anlätzlick, der Iahrlausendseter der Stadt Brandrnburg an der Havel vom 8. bi« 22. September 1929 eine Ausstellung unter dem Titel: Märlische Heimat. Malerei— Graphik— Plastik. Theaker am Schlffbanerdawm. Die Premiere von»Happh end' mußte wegen im letzten Moment ausgetretener technischer Sckwiengkelt-a neuer«» verlegt werden und findet Montag, de» 2. September, um 8 Uhr statt. dfin trauriger Zahltag. Arbeitskollegen, macht keine Dummheiten! Der gestrige Freitag hat leider zu mehreren Ereignisten geführt, die es notwendig erfcheinen lassen, dem Lohn- cmpfänger wieder einmal zu sagen, dah er am Zahltag besonders vorsichtig sein muh. Wir berichten: Am Freitag abend gegen 8 Uhr wurde vor dem Hause Grenadier st raße 11 der 22 Jahre alte Hutmacher Ignaz Schwechter. der aus Wien stammt und gestern seinen Wochen« lohn empfangen hatte, mit blutenden Verletzungen aufgefunden und nach dem Virchow-Krankenhaus gebracht. Er konnte noch nicht ver- nommen werden, hat aber die Messerstiche in die Lunge offenbar in einer Schlägerei mit unbekannten Gegnern davongetragen. An der Ecke der Marrteufsel- und Naunynstrahe gerieten mehrere junge Burschen mit einem älteren Arbeiter in Streit. Ein 23 Jahre alter Arbeiter Eduard G r u b s k i kam dem bedrohten älteren Manne zu Hilfe und wurde nun von den Burschen ange- griffen. Mit Messerstichen in Kopf und Schultern schleppte er sich nach dem Bethanien-Krankenhaus, wo man sich feiner annahm. Wäh- rend er noch verbunden wurde, erschien im selben Krankenhaus«in 28 Jahre alter wohnungsloser Wilhelm L a t o t t a, der auch schwere Messeroerletzungen hatte. Grubski erkannte in Lakotta den Mann, der ihm selbst die Stiche beigebracht hatte. Während Grubski nach Anlegung von Verbänden in seine Wohnung gehen konnte, muhte Lakotta im Krankenhaus verbleiben., Sehr schlecht bekommen ist einem 28 Jahre allen Schriftsetzer D. aus Weihensee eine Bierreise mit anschließender Autofahrt. Gegen 8 Uhr abends freundete er sich in einem Lokal mit mehreren Männern an und zechte mit ihnen bis 10 Uhr. Dann fuhr die ganze Gesellschaft in einer Droschke weiter zum nächsten Lokal und ver« blieb dort bis gegen Mitternacht. Die neuen Bekannten überredeten den Schristsctzer, noch weiter zu kneipen. Wieder mit einer Droschke fuhr man über Hohenschönhausen in der Richtung nach Falkenberg. Hier, in der Nähe der Riefelfelder, fielen die Zechgenossen plötzlich über D. her, schlugen ihm mit den Fäusten ins Gesicht und plün- dcrten ihn aus. Sie stahlen ihm 37 Mark bares Geld, die Ausweispapiere, feine silberne Uhr und zogen ihm fogar feine braunen Halbschuhe aus. Dann ließen sie ihn auf den Rieselfeldern liegen und fuhren mit dem Wagen nach Berlin zurück. D. irrt« in der Dunkelheit lange umher, bis er auf Leute stieß, die ihm den Weg zum nächsten Revier zeigten. Wer die Diebe gewesen sind, weiß er nicht. Fast das gleiche Geschick erlebte ein 60 Jahr« alter Schneider G. Männer, die er in einem Lokal an der Spandauer Brücke kennen- gelernt hatte, versprachen ihm nach längerer Zecherei, daß sie ihm bei einem„Onkel" ein billiges Nachtquartier beschossen könnten. Auf der Fahrt zwischen Wcißenscc und Malchow ver- prügelten sie den Schneider, nahmen ihm die Brieftasche und die Uhr weg und warfen ihn in den Straßengraben. G. ist zwar nicht schwer verletzt, doch von der Prügelei arg mitgenommen. Auch er kann nicht sagen, wer die Täter sind. Ehemalige. Sine Gelbenparade in Hannover. Der sogenannte Reichsbund vaterländischer Arbeiter- und Werk- vereine hält in Hannover seinen 5. Bundestag ab. Die„TU." be- richtet wie üblich über dieses bedeutungslose Ereignis, hinter dem angeblich ein Mitgliederbestand von 350 000. Mann stehe. Zlus�ein paar Nullen konmit es den Herrschaften nicht an. Der geschäftsführende Vorstand bestehe aus dem ehemaligen Schriftsetzer Wilhelm Schmidt, Berlin, und den ehemaligen f Metallarbeitern Fritz Heß, Berlin und Hans K e p p l e r, Stuttgart. Ein ehemaliger A d m i r a l aus Stettin und eine / ehemalige v. Rundstedt aus Stendal sollen neben einem Professor aus München, als Paradepferde heangezogen werden. Der ehemalige Schriftsetzer, der jetzt als Bundesvorfitzender darum bemüht ist, daß ihm nicht irgendein anderer Ehemaliger das Geschäft mit den Gelben verdirbt, Herr Schmidt, Al'exanderplatz 2, wird„den gewerkschaftlichen Marxismus' wieder einmal totreden, damit der gelbe„Freiheitskampf" in der Stadthall« in Hannover siegreich verläuft. Zum Schluß soll es am Sonntag einen Festzug durch Hannover geben, und zwar im Anschluß an eine Kundgebung gegen den fjoung-Plan. Was kann dabei passieren? Di« KPD. könnte ihre Demonstration gleich mitanschließen. Helst den Arbeitersamaritern! Wir alle kennen die Arbeilersamariterkolonne Berlin, die in unserem Interesse tätig ist. Die Kolonne hat im Jahre 1028 in nicht weniger als 17 583 Fällen eingegriffen. Darum gebt reichlich für den ASB., geizt nicht mit euren Spen- den an den Sammeltagen 1. und 8. September 1029. Französische Zugend im Konsumhaus. Die französischen Austauschschüler wurden kürzlich auch in einen Großbetrieb, den die Arbeiterschaft aus eigener Kraft durch Zusammenschluß aller Werktätigen geschaffen hat, ge- führt. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Ilmgegend in Lichtenberg bewirtete die Gäste in dem schönen Sitzungssaal« und unterrichtete die Schüler durch einen vorbereitenden Vortrag des Geschästsführers Genossen Güttler über die Einrichtungen und den Umsatz der KGB. Mit lebhaftem Interesse wurde den Aus- führungen gefolgt. Viele Schüler aus französischen Kleinstädten des Kriegsgebiets kannten derartige Einrichtungen bisher überhaupt nicht. Bei der Besichtigung wurden die Fleischverarbeitung und Wurstbereitung, in der Riesenbäckerei das Werden des Brotes und der Brötchen, die Herstellung der Kuchen und schönsten Torten, serner die Kaffeerösterei, die Schlosierei und Tischlerei gezeigi. "W 3)as neue&teicitspo/t SZeulralaml W in Sferlin-TempeUtof Soeben ferllggeflelU. Sonnabend, 31. August. Berlin. 16.00 Dr. Ernst Cohn-Wiener:..Di« Prunkschlösser des XVIII. Jahrhunderts"i 16,30 C. M. Alfieri und Gertrud van Eyseren: Fremdsprachliche Vorträge, Spanisch. 17.00 Joseph Plant. 17.30 Ans dem Haus der Funkindustrie: Gartenkonrert. Anschließend Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.50 Stadtkämmerer Dr. Lange(Bildfunk). 19.00 Stadtkämmerer Dr. Lange:„Berlins Finansen".. 19.30„Erlebnisse in Mesopotamien und Babylonien."(Cr. Armin T. Wcgncr.) 30.00 Schallplattenkonrert. 20.30 Aus dem Haus der Funkindustrie: Kleinkunst Während der Pause; Ahendmeldungen, Bildfunk. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Königswusterhausen. 15.00 Prof. Dr. Georg Sprengel: Die deutsche Bildungseinheit. 16.30 Ob.-Reg.-Rat Tejessy: Personalakten in der Präzis. 17.00 Nachmiftagskonzert von Hamburg. 18.00„Achtung! Vcrkdhrsfalle!"(Ein Gespräch mit Chauffeuren am Halteplatz.) 18.30 Französisch für Anfänger. 18.55 Dr. med. Schindler. Dr. med. Künkel. Dr. Karl Würzburger: Indmdual- psychologie und Psychoanalyse. 20.00 Schall apin Ochallplattenkonzert). Sonntag. 1. September. B e r I i■. 6.30 Frühkonzert.. 8.53 Stundenglockenspiel der Potsd. Qarnisonkirche. Morgenfeier. Glocken. geiäut d, Bcrl. Doms. 10.00 Wettervorhersage. 11.00 Mitgliederversammlung des Rcichsverbandes Deutscher Funkhändler. Vorträge über: Beseitigung der Rundfunk-Empfangsstörungen. 11.45 Jugendliche Vagabunden.(Zwiegespräch: Justus Ehrhardt und Dr. Klopfer.) 12.15 Mittagskonzert. 14.00 Heiteres.(Am Mikrophon; Ch. K. Roclinghof.) 14.25 Teilnehmer des Leichtäthietik-Länderkampfes in Paris(Bildfunk). 14.35 Die Revellers(Schallplatten-Konzert). 15.30 Aus Paris-Colombes: Leichtathletik-Länderkampf Deutschland-Frankreich. (Am Mikrophon: Dr. Paul Laven, Frankfurt a. M.) 16.30 Rnndfunkvcrsuche(Oberingenieur Schafler, Dr. Lubczynski, Intendant Dr. Flesch). 17.00 Blasorchesterkonzert. 19.20 Ein Rundgang durch die Funk-Ausstellung.(Am Mikrophon: Karl Vetter.) 20.00„Er und seine Schwester." Posse vom Bernhard Buchbinder. Anschließend: Zeit, Wetter, Tagesnachrichten. Sport. 22.30 Völkerbund-Konzert in Genf. Dirig.: Dr. Erich Fischer, Zürich. Ein VerJ such des Ferndirigicrens.(Die Mitwirkenden sitzen an verschiedenen Plätzen Europas.) 1. Bach-Qounod: Meditation(Berlin: am Kiei-Fiügcl Johann Sebastian Bachs: Prof. Dr. Curt Sachs; Paris: Soloviolinc; Mailand: 1. Oboe: London: 2. Oboe: Wien: Violoncell: Zürich: Fagott. — 2. Purcell: Chaconne aus„Wellcome Song"(1687)(Berlin: Cembalo; London: 1. Violine; Paris: 2. Violine; Mailand: Viola; Wien: Violoncell), — 3. Rameau: Air pour les Amours. aus dem Prolog(Berlin; Cembalo; Paris: 1. Violine: Mailand: 1. Oboe; London: 2. Oboe: Wien: Violoncell: Zürich: 2. Violine. Viola und Fagott).— 4. Verdi: Scherzo und Fuga aus dem Streichquaitett E-M«tl(Mailand bzw. London: I. Violine: Paris: 2. Violine: Berlin: Viola: Wien: Violoncell).— 5. Schubert: Deutsche Tänze(Berlin: Klavier; Paris: 1. Violine; Mailand; 2. Violine: London: Oboe: Wien: Violoncell: Zürich: Trompete und Klarinette).— 6. Fischer: Hymne für den Völkcrbumf(London: I.Violine; Paris: 2. Violine; Berlin: Viola: Wien: Violoncell; Mailand: Oboe: Zürich: Trompete und Fagott). Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Während der Pause: Bildfunk. Königs Wusterhausen. 16.30 Von Frankfurt: Huldignngsfahrt zum deutschen Rhein, 18.30 Reinbold Michaelis: Litauische Volkslieder. 19,00 Dr. Nidcken-Qeblrardt. Dr. Heinrich MichaelTs: Kleists Aufsatz über das Marionettentheater, 19.30 Dr. med. Brauchle: Hypnose und Sclbstbceinflussung. 20.00 Gespenstergeschichten.(Gelesen von Paul Bildt.) 21.00 Solistenkonzert. I. Beethoven: Sonate Es-Dur. op. 81a(Franz Wagner. Klavier).— 2. Bach: Chaconne(Prof. Georg Kulcnkampff, Violine Am Flügel: Franz Wagner).— 3. Reger; Sonate Fis-Moll, op. 84(Prof. Georg Kulcnkampff und Franz Wagner). Serontmortl. für bie Rebaktion: Bollsang SdjmarA, Berlin: Anzeigen: Tb. tbtode, Berlin. Verlag: Botmörts Verlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Lormnrfs Bud>- bruckerei unb Berlagzanstalt Banf ginget& Co.. Berlin TW 68, Cinbcnftcage 3. Sierzu 1 Beilage. Slaals-Oper Unter d. Linden Besinn der neoen ßplelielt Sonnig.. den 1. September Staals-Oper Am Pl.d.Republ. Besinn der neuen Snleliell Sonnig., dun 1. September Staat). Sehiiler- Sonnab., 31. 8. Stadt. Oper Bismarckstr. 19"- Uhr Turnus I Der WildsdiQtz Staat), taph. am Gendarmenmarkl A.-V. 157 20 Uhr heater.Charltb. 20 Uhr Treibjagd Hose- Theater, Grobe Franlrforier Str.<52. TäRlich 8.15 Uhr Der Hieine Kuppler Lustspiel i.3Akt.v.Armontu.Gerbidon Ciartcnböhne 5.30 Uhr Konzert und bunter Teil 8.15 Uhr; Die Scheidungsreise Werden sie Abonnenl des tose-Tbentcrs Verlangen Sie kostenlose Zusendung der Abonnements-Bedingungen Gustav Härtung Renaissance-Theater j W ederbeglnn Sonntsg. I. Sept. VU Ohr IDie heilige Flamme | v.W S.Maugham. Renk: Gust tiartung in der PrnmlerenoeMtzunq | C 1,0901 und 2583y84. W> I Vorverkauf auch im Pavillon der Reinhardtbühnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 DeDtsdtei Ibeater D.I. Norden 12310 8U„ Ende gegen 11 Die Fledermans Musik v.Joh. Strauß. Regie-, Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Kammerspiele D.I. Norden 12 310 7l/z. Ende geg. 10 U. Heute zum 1. Male Der Unwiderstehliche Komödie von Paul Göraldy und Robert Spitzer Deutsch von Berta Zuckerkand). Regie: Gustaf Gründgens Bühenbilder: ErnstSchütte Die Komödie |1 Bismck. 241477516 S'/»U, Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie: Leontine Sagan Luslspielbans Heule 8 Uhr Premiere Grand Hotel Lustspiel von P. Frank Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8'/. Uhr Max Adalbert in Clubleute Winter * Clarren* 8 Uhr. Zenir. 2810• Bandien erlaubt Intsnat, Viriite» Jmmsr neu, immer gut Sannabaadu. Sonntag Ja 2 Vorstellungen 3® und 8 Uhr. 3» kleine Preise. »'/, Uhr Barb. 9256 Heute letzter Tag! orlg.-amerikanisch« Revellers usw. Ab mortfen! Origlnal-Raslelll usw. Haut* 2 Voratellungen i u. Uhr.— S Uhr ermäßigte Pr. LUND ~ PO RK■ W Sonnabend u. Sonntag 2 FESTTAGE a. RHEIH Grosses Festprogramm Brillant-Feuerwerk „Zu Stolzenfels am Rhein**. PI/AZa Tägl. S u. eis Sonnt. 2. 5 u B" | Alex. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE Morgen Premiere »•••••••••!•••••••••• Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, Kast-AUce 7-9. Tel. Hb. 2246 Gnslsplsl Bnslel Beer. Bretel Lilien Wiener Blut Operette von Johann Strauß Dazn der grobe Varletetell. Anfang Konzert 4 Uhr. Burleske u. Varietö 5.3D. Operette 8 tibi. eeeeeeeeee— eso——# Sonntag, den 1. Septbr. nadun. 3 ütir 7m(Brenn punkf ' nf. rcrfimcfcr FRIEDRICHSTR. 96 ÄR BAHNHOF j Barnowsky- Bohnen Theater In der kßnlggrbtzer Strebe »'/« Uhr Leiste AnflDhntno Riva I en Komödienhaus 8V« Uhr Charleys Tante mit Cort Boit. Direktion Dr. Robert Klein Deulsches Kflnsller- Theater Täglich 8'/, Uhr Die andere Seite von R C Sherriff Regie: HeinzHilpert ßßflinef Theater Dienstag, 3. Sept. 71.3 Uhr Uraufftthrung Zwei taa von Georg Kaiser Musik: Mischa Spoliansky Regie; Forster Larrinaga wwwwwwwww. Thest. d. Westens Täglich S>(« Uhr Sonntag 4 u. 8b, Franz Lehars Welterlolg! Friederitte Lotte Carola Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 TBut.aniK0itb.T8r Kottbusser Str. 6 TägLBUhr auch Sonnt. nachm. 3 U. Elite- sanner wie immer dpr grobe Erlolg I Endloae Lachstürme Reichshallen-Theater Abend[IT] Sonntag Nacfam.[T] Stettiner Singer Nachmittags halbe Preise i Montag, den 2. September iTjn-Jahr-Feler läer ÜÜ! Stetliner fäntjer Dönhoff- Bretl- Variet6 Konzert Tanz CASINO- THEATER Lothringer Strahe 37. T&glich SVi Uhr Der neue Ersitnungs- Schlager ffem geliöil mein Mannt Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Leser; Gutschein für ,—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M-, sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M (Beilage Sonnabend, 31. August 1929 SivAblmS �fZlnnlHnO* W»i Schweine in aller Welt Eine Plauderei über das Borstentier Uns«r �ausschwein gibt kaum noch einen Begriff von der Mannigfaltigkeit, Beweglichkeit und Kühnheit, die die Tiergattung wildlebend auszeichnet! Freilich Hot der Mensch, fobald er ein Tier yausoar gemacht l>ot, nur noch das eine Interesse: die Eigensehosten des Gefchöpjes sefnen Bedürfnissen und Wünschen anzupassen. So ist im Grunde genommen das aus der Mostviehausstellung gezeigte Fettschwein nichts anderes als eine schlimme Karikatur aus die natürliehe Form des sus communis. Die Engländer, von jeher Auchtkünstler ersten Ranges, haben diese Wahleigenschasten beim Schwein bis an die letzte Grenze des Möglichen gebracht. So haben sie mit ihrem Jorkshire-Schwein, der stämmigen Berkshire-Rasse, dem fettleibigen H o r r i s o n oder dem krummbeinigen Zwergs 6) wein Formen herausgezüchtet, die, nur noch dem Fett- und Fleischbedarf Rechnung tragend, das eigent- lichc Wesen des Wildtieres, ja selbst seine Wühleigenschaften gänz- lich vernachlässigen. Die Japaner ebenso wie die Chinesen, immer auf groteske und abenteuerliche Typen erpicht, haben das Masken jch wein geschaffen, das ebenfalls ein reines Haus- schwein ist. Etwas ganz anderes sind die wirklichen Wildschweine, die in allen Erdteilen, außer in Australien, in den verschiedensten Formen vorkommen. Schon die Bibel erwähnt ja das herdenweise Vor- kommen von domestizierten Schweinen. Aber selbst sehr frühe Zeich- nungen beweisen, daß die Wild- und Hausschweine früherer Zeiten im Typ einander sehr ähnlich waren, wie es heute zum Beispiel die ungarischen Schweine noch vielfach deutlich zeigen. Ebenso zeigt die vollkommen schwarze, meist dicht behaarte s k a n- dinavische Rasse, die merkwürdigerweise stets ein dreieckiges Holzkummet um den Hals trägt, um sie so am Einbruch in be- pflanzte Grundstücke zu hindern, noch die Wildform. In Deutschland sind die wilden Schweine trotz des großen Schadens, den sie in den Fluren anrichten, noch immer sehr häufig. Man hat die Jagd auf sie freigegeben. Ja, es werden sogar dort, wo der Jagdinhaber oder Pächter nicht selbst genug von ihnen ab- schießt. Polizeijagden veranstaltet. Diese unablässige Verfolgung hat die Schweine nicht wesentlich vermindern können, aber es hat sie zu der s ch l a u e st e n und vorsichtigsten W i l d a r t des deutschen Waldes gemacht. Das Auge des Wildschweins, oder wie der Jäger es nennt: der Sau, ist nicht besonders entwickelt. Dahin- gegen steht der Geruchsinn hinter dem des am besten witternden sfothirsefcs nicht zurück. Die Sauen nehmen den Geruch des Men- fchen bei ihnen zustehendem Wind? auf 500 bis 600 Meter wahr. Es ist also nicht leicht, sie anzupirschen. Man jagt die Schweine in der Hauptsache aus Treibjagden im Winter. Dann stecken sie in den verschneiten Forsten und Dickungen und werden nun durch Treiber und Huude, sogenannte Saupacker, vor die Schützen- linie gebrocht. Oder man schießt sie ebenfalls vom Ansitz.�nachdem sie vocher„angekirrt" sind Der Keiler(das männliche Schwein) hat in seinen„Gewehren" oder„Hauern" gefährliche Waffen und nimmt, besonders verwundet, den Schützen leicht an, der dann sein Heil meist auf einem Baum sucht, um sich nicht, wie der Jagd- ausdruck lautet, von denc„hauenden Schwein"„die Hosen flicken zu lassen". Der Landwirtschaft tun die Sauen schlimmen Abbruch Eine Rotte von zehn, zwölf Stück ist imstande, in einer Nacht einen Kornacker vollkommen umzuwerfen, um die Chinesisches Maskenschwein dort vom Vorjahre im Csbreich gebliebenen Kartosfeln herauszuholen. Ebenfalls gefährlich ist die alte„Bache"(Muttersau), wenn sie mit ihren Jungen(Frischlingen), deren sie bis zu fünf- vndzwanzig wirft(frischt), irgendwie gestört oder angegrissen wird. Früher hetzte man auch die Schweine, was heute nur noch von den Beduinen der Sahara und den Engländern in Indien geübt wird: wobei man dem Schwein vom Pferde herab durch Lanzen- ftöße den Garaus macht. Das Schönste aller Schweine ist das in Westafrika heimische P i n s e l s ch we i n, so genannt nach seinem pinselsörmigen Schwanz und Ohren. Sie stehen höher als jede andere Art und haben gewissermaßen etwas von der Gazelle in Form und Be- wcgung. Lebhaft und flüchtig ziehen sie in großen Rudeln'durch die feuchten Wälder, an den Flußufern entlang und steigen'weit hinauf ins Gebirge. Ihr Fleisch schmeckt gut, sie werden daher von den Negern gern gejagt, aber nicht zu oft erlegt. Das Fluß- oder B u f ch s ch w e i n ist eine viel kleinere Art und in Ostafrika sehr häufig: ei» großer Schädling, überfällt es des Nachts in ganzen Rudeln die Anpflanzungen und vernichtet diese derart, daß die Neger häusig ihre Ansiedelungen verlassen müssen. Sehr interessant in der Form und vielleicht die größte aller Schweinearten ist der Hirscheber, der die Höhe und Länge eines guten Esels erreichen soll. Er hat vier Hauer; ein unteres Paar wächst, wie bei unserem Wildschwein, aus dem Unterkiefer gebogen hervor, während ein zweites stärkeres Zahn- paar, ahnlich den Lrikeln der Gemse, aus der Mille de» Rüssels steht. Die Sundainseln sind die hauptsächliche Heimat des Hirsch- ebers. Mit sabelhastem Geruchsinn und Gehör ausgestattet, weichen die B a b> r u s a s dem Menschen trotzdem gern aus, setzen sich aber, wenn die Eingeborenen sie mit ihren Lanzen angreifen, verzweifelt zur Wehr. Die Warzenschweine, die wiederum Bewohner des schwarzen Erdteils sind, hoben an das Fluhpferd erinnernde Köpfe mit oft furchtbaren Hauern. Sie werden bei siebzig Zentimeter Schulter- höhe selten mehr als ein Meter long und sind außerordentlich flüchtige Tiere, die sich bis aufs Blut bekämpfen. Ueber die Eßbar- Pinselschwein teit sind sich die Forscher nicht einig. Ein sehr starker moschu«- ähnlicher Geruch soll Durchfall und Unwohlsein nach dem Ver- zehren des Fleisches hervorrufen. Uebrigens leben die Warzen- fchweine in Höhlen unter Baumwurzeln und Felsblocken, in die sie sich mit ungeheurer Geschicklichkeit rückwärts einschieben. Die drolligsten und nettesten der fremdländischen Arten ist aber das Nobelschwein oder der P e r a r i, das verschiedene Unterarten hat, z. B. das Bisamschwein, und in Südamerika beheimatet ist. Sie sind unablässig auf der Wunderung und suchen nach geeigneter Nahrung, die in Baumsrüchten aller Art und Wurzeln besteht. Ihr eisernes Gebiß befähigt sie, selbst die stahlharten Palmensamen aufzubrechen Sie durchbrechen jede Umzäunung, dringen in Pflan» zungen ein und richten großen Schaden an. Der bekannte Reisende Schomburgh erzählt, daß sie in unglaublicher Menge, förmlich in Heereszügen, durch die waldigen Oasen der amerikanischen Steppe Pekari hindurchbrächen. Man dürfe erst auf die Nachzügler schießen, weil sonst die überwältigende Menge die Jäger überrennen und mit ihren Hauern vernichten würden. Die Jagd wird meist mit Hunden betrieben, die sehr oft von den Schweinen angegriffen werden und mit aufgerissenem Bauche auf der Strecke bleiben. Vielfach zähmt man den Pekari. Es gibt außerdem eine große Menge anderer Arten von Schweinen, die» beinahe sämtlich als Hausschweine gehalten werden. Bekannt ist das in Indien lebende M ü h n e n s ch w e i n, das Vyrt schwein von Börnes, dos javanische Bindenschwein, das Papuaschwein in Neu-Guinea und das japanische W e i ß � b a r t s ch w e i n. Von dem indischen Möhnenschwein wird behauptet. daß es derart stark und mutig sei, daß es selbst den Zweikampf mit dem Tiege'r nicht scheut, ja, daß der Tiger einer solchen Be- gegnung am liebsten ausweicht. Hans Hyan. Eine Fahrt Ins Baltikum Menschen und Städte in Lettland Heber dem Hafen von Riga, der Hauptstadt Lettlands, liegt der Reiz der alten Hansestädte. Zwar hat die Schiffahrt noch nicht wieder den vollen Umfang erreich!, den sie vor dem Kriege innehatte. Wohl aber weist man mit Stolz daraus hin, daß doch bereits 70 Prozent des früheren Verkehrs wieder erklonnnen seien, und man hofft, in wenigen Jahren ganz auf die alte Stufe zu gelangen. Die Schiffsflaggen zeigen die Farben fast aller Ostsee- länder und auch manches Land, dessen Küsten die Wogen des Ozeans bespüle». Das Innere der Stadt zeigt viele Denkmäler des alten H a n s e a t e n t u in s. Kirchenbauten und hanseatische Giebelhäuser, wie dos berühmte Schwarzhäupterhaus, tragen ganz den Charakter unserer mittelalterlichen Städte. Aber der Gesamteindruck der Stadt ist nicht einheitlich. Er zeigt vielmehr die ausgeprägten Merkmale amerikanisch-hastigen Wachstums. Neben lauschigen Winkeln mit oielhundertjährigen Erinnerungen steigen knallprotzige Gebäude auf, denen man die Zeit des Grllndertums auf weite Entfernungen ansieht. Rings um den Stadtkern liegen die Vororte mit ganz verschiedenen Stiltyp«!. Der bemerkenswerteste von ihnen ist zweifellos die sogenannte„russische Vorstadt", die auch heute noch ihren Namen nicht verleugnet. Mitten durch die Stadt zieht sich eine prachtvolle Grün- a n l a g e, die auf früheren Festungsanlagen errichtet ist und dem Ganzen ein freundliches Gepräge gibt. Zwei der schönsten Straßen sind der Rainis- und der Aspnsia-Boulevard. Sie tragen ihren Namen nach dem bedeukendsken leklischen Dichter der Gegenwart 3. Rainis und seiner Gattin, die gleichfalls als Dichterin einen Namen hat. Beide sind bekannte Sozialdemokraten. Rainis hat unter anderem Goethes„F a u st" ins Lettische übertragen und selbst ein bedeutendes Drama„Joseph und seine Brüder" seinein Volke geschenkt, das von seiner Galtin ins Deutsche übersetzt wurde. Seitdem die lettische Sprache wieder Schriftsprache geworden ist, nimmt die lettisch! Dichtung neuen Aufschwung. Auch K o m p o- nisten von Ruf sind am Werke, um die musikalisch Welt durch lettisch Schöpfungen zu bereichrn. Ein reges geistiges Leben ist unverkennbar. Die Universität Riga zählt heute nicht weniger als 8000 Studierende bei einer Gesamtbevölkerungszahl des Landes von nicht 2 Millionen. Dieser große Prozentsatz an Intellektuellen, die hier herangebildet werden, macht vorausschauenden Letten wie Deutsch» sogar einige Sorgen für die Zukunft. Eine besondere Stadtgemeinde Riga-Strand bil�cr eine Reihe von Badeorten, die, wie eine Perlenkette ausgezogen, m den Dünen des Rigaschn Meerbusens zu Gaste laden. Ein reiches, buntes Strandleben bietet sich dem Beschauer dar. Wer unsere deutschn Ostseebäder an der mecklenburgischen oder pommerschon Küste kennt, der wird hier freilich manche Besonderheik finden. Die auffallende ist diese: Der Strand ist so fest, daß auf ihm in langer Reche Automobile und Pferdewogen sahren können,.oh»e im Sande stecken zu bleiben! Während man diesen Bodeorten zustrebt, glaubt man sich in die Umgebung von Berlin verseht. Der Grunewald mit seinen Dillenkolonien, feinen Kiesern und seinem losen Sande scheint hier wieder auferstanden zu sein. So stark sind die verwandtschaftlichen Motive. Einen ganz anderen Charakter trägt die sogenannte livlän- d i s ch e Schweiz. Hier wechseln Laubwald und Heideland, frucht- bare Hügel und reizende Täler mit rauschenden Flüssen ab. Die Landjchost erinnert oft«u» die ftmjte» Höhenzüge de» Thüringer Waldes, wenn auch ihre Erhebungen nicht die gleiche Höhe erreichen. Hier findet man die kleine Stadt Wenden, die durch ihren deut- schen Häusercharakter auffällt. Eine vielbcwunderte Ruine aus der Zeit des deutschen Ordens deutet auf den Ursprung dieser Siedlung hin. An den hohen-Ufern der livländischen Aa grüßt die Stadt Segewold. Ein geräumiges Schloß mit weitem Park, das der neue Staat in Besitz genommen hatte, ist hier dem lettischen Berufs- verband der Journalisten und Schriftsteller als Presjcheim zur Der- fügung gestellt. Ein Teil diese- Hauses ist dauernd an Kurgäste ver- mietet, die im Park und an der Aa ihre Erholung suchen. In ihrer innerpolitischen Lage zeigt die lettische Republik das gleiche Bild, das fast alle neueren Demokratien aufweisen: .eine ungeheure Zersplitterung der Parteien! Sieht man von den Minderheitsgruppen ab, so ist man erstaunt, in! wie viele Einzelparteien und Parteigruppen allein schan dies lettische Mehrheitsvolk zerfällt. Trotzdem die industrielle Arbeiterschaft im Rahmen der Gefamtbevölkerung ihrer Zahl nach nur einen kleineren Platz einnimmt, ist die Sozialdemokrat-- Lettlands doch die stärkste Partei. Sie hat ihre Anhängerschaft in den länd- l i ch e n Schichten des Volkes ebenso wie in den Kreisen der Jntellek- tuellcv und der Jndustriearbeiterschaft. In Riga selbst bestehl seit kurzem innerhalb der Parteiorganisation auch eine deutsche Gruppe, die zurzeit etwa 60 Mitglieder zählt. Gegenwärtig führt die Partei einen politischen Feldzug um die L a n d v c r t e i l u n g. Sie Hot ein Volksbegehren veranlaßt, das darauf abzielt, den Mn- gliedern der früheren baltischen Landeswehr das Recht auf Land ab- zusprechen. Die Landeswehr war bekanntlich zu der Zeit gegründet worden, als der Bolschewisteneinfall das Selbständigwerden Lettlands bedrohte. Sie hatte ebenso wie die lettischen Freiwilligen- regimenter sich an der Abwehr der Bolschewisten beteiligt, war dann aber von ihren reichsdeutsche» Führern zu gegcnreoolutionären Ak- tionen mißbraucht worden. Bei der Staatserklärung Lettlands war sie jedoch, unter Ausscheidung der Reichsdeutschen, in die lettische Armee aufgenommen worden. Dadurch sollte ein Strich unter die Vergangenheit gezogen werden. Die Agrarreform mit ihrer Aus- teilung der großen Güter sollte vor allem den Kriegsteilnehmern Land bringen. Das neue Volksbegehren will nun die Deutsch- ballen, die als Landwehrlcute an den Kämpfen gegen die Bolfche- misten teilnahmen, von der Landzuteilung endgültig aus, schließen. Durch diese Agitation ist die politische Atmosphäre in dem sonst durchaus demokratisch organisierten Lettland gegenwärtig sehr ge- spannt. Bei den lettischen Sozialdemokraten, aber nicht nur bei ihnen, herrscht die Auffassung vor, daß die vorjährigen Wahlen in der deutschen Partei das reaktionäre Element wieder haben Ober- wasser gewinnen lassen. Da die Deutschen gegenwärtig mit in der Regierung sind— sie stellten den Justizminister—, so werden ihre politischen Handlungen besonders kritisch überwacht. Gemeinsam ist allen Politikern Lettlands das große Miß» trauen gegen die benachbarte Sowjetunion. Sie fürchten von ihr die systematische Agitation im Sinne des Bolschewismus und haben deshalb ein besonderes Interesse an der Entwicklung der De- mokrotie in Deutschland. Die Schauermeldungen bürgerlicher Tele- graphenbureaus über die Aktionen der deutschen Kommunisten finden im Baltikum mehr Glauben, als sie oerdiencn. Die starke Sozialdemokratie Deutschlands, die sich von den kommunisti- jchen Spaltungspilzen nicht zerfetzen läßt, ist den lettischen Sozial- demokraten ein Beispiel und eine Stärkung in ihrem Doppelkompse gegen bolschewkstifche Agitation und gegen bürgerliche Unter, hrückuogsgeLljte. Franz Stüh«. (7. Fortsetzung.) „Mag er doch seine Courage zeigen, der Schlaue", sagte Schuster« Paul auf den Ambrosius weisend. „Mach ich. Wer kommt mit?" fragte der Buchbinder im Kreise. Keiner fand sich. „Nimm dir doch den Sozi Jakob mit: ihr zwei paßt gut zu einander!" rief der Schuster. „Ssst, sst." Zwei gutgekleidct« Männer kamen den Fußsteg hinterm Strauchwerk hervor. Der Schuster und Schmied ver- bargen ihre brennenden Zigarren. Der ganze Schwärm erhob sich und grüßte. Die Männer unterbrachen ihr Gespräch und erwiderten freundlich den Gruß. „Setzt euch, setzt euch." Der jünger« trat vor.„Guten Tag, Heinrich— auch hier?" Der Angeredet« stand auf und reichte dem Jakob die Hand.„Das ist mein kleiner Kamerad, Herr Schöneich.— Ein lieber Junge." „Es freut mich," dankte der andere und betrachtete lächelnd die junge Schar.„Ach, dos sind wohl die jungen Triebe des Wartenberger Handwerks?— So, so.— Na, dann bleibt mal so recht ungezwungen sitzen, Kinder." Er warf seinen Hut ins Gras und löste aus dem Handgepäck einen photographischcn Apparat, den er auf die Jungen einstellte. „Sa. Ich danke euch. Nach einer halben Stund« seid ihr oll« im Försterhaus«, da erwartet euch Kasse« und Kuchen." Die beiden gingen. Jetzt waren oller Blicke auf Heinrich gerichtet. „Ist das der Jakob?" begann der Schmiede-Adolf. Heinrich mußte lachen.„Ich denk, du kennst ihn so genem." „Die Hand gab er dir?" „Und Kamerad nennt er dich?" „Und der vornehme Herr, der Kunstmaler, hält gar Freund- schait mit ihm?" So sprachen alle auf Heinrich ein. Und auf dem Weg« zum Forsthaus« drängte sich auch der fromm« Schneider-Joseph an ihn.„Du, Heim, ich glaub's nicht: der Jakob ist kein Sozi. Nein, so lieb und gut... Gibt dir die Hand... Mein Gott..." Der Kleine dachte an die gemeinen Warte, die beim geringsten Versehen auf ihn niederhagelten, wobei der bueklich« wie der lahme Geselle seinem frommen, übellaunigen Meister immer zustimmten. Und wie hochmütig sie durch die Gassen stolzierten und jeden Lehrjungen beim Obermeister angaben, der nicht tief genug die Mütze vor ihnen zog. Nun legte auch der Ambrosius los:„Ja, sieh, Joseph, all« wußtet ihr etwas Schlechtes von dem Jakob, dabei kannte ihn keiner. Dos ist gemein von euch! Und Heinrich hat recht, solch «inen Gesellen gibt's in der ganzen Stadt nicht." „Nein, gibt's auch nicht", gab der Schneider gern zu.„Auch kein Meister, nicht mal der Herr Pfarrer ist so lieb zu einem Lehr« jungen." Acht Tassen und zwei mit Kuchen hochgetürmte Teller bedeckten den großen Tisch, an den Försters-Lenchen die jung« Schar zum Hinsetzen nötigte, als sie mit einer mächtigen Kanne Kaffe« auf die Veranda trat. Das Lenchen kannten all«, denn sie kam täglich mit dem Handwägelein zur Stadt, um Waren einzukaufen.„Kennt jemand den fremden Begleiter des Herrn Schöneich?" fragte sie, anscheinend so nebenher. „Jakob heißt er und beim Timm-Tischler steht er in Arbeit". gab ihr der Schuster-Paul Bescheid. „Nach'm Tischler sieht er aber gar nicht aus." „Frag ihn doch selber, wenn du's nicht glauben willst." „Er ist ja schon weitergewandert mit dem Herrn Kunstmaler." „Möcht'st ihm ein'n Gruß sagen lassen, gelt? Der Heini richt'n gern aus." Schelmisch blickte sie der groß« Bursche an. „Wenn's Timms Heinrich will, dann mag er. Aber dich geht's nichts an." Leicht errötend ging Lenchen hinüber zur Küche. � Während des behaglichen Schmausens flog«in Raten und Streiten unter den Jungen hin und her, warum sie der Maler wohl abgenommen haben möge. Ehe sie ausbrachen, machten si« der Reihe nach einen kräftigen Zug aus des Schusters halber sZigarre Und auf dem Wege zur Stadt drängten sich alle um Heinrich, der nun gar nicht genug von dem Jakob erzählen konnte. Hurra, der Sommer ist da! Nun begann für Heinrich die Zeit des Umherziehens. Di« Karre mit Säge, Hammer und Farbentöpfen beladen, fuhr er hinaus. Die alten Zäun« und Brückengeländer, die Verordnung?- und Warnungstafeln standen auch zu armselig grau neben frischem Grün und buntem Bluhn. Durch Nägel, Kitt und Farbe verhalf er diesen wieder zu Ansehen und die Menschen zollten ihnen wieder Beachtung. So hing unser junger Freund heut über einem Fließ, strich schwarzweiße Windungen ans Geländer, morgen lag er im grünen Walde und frischte die abgewetterten Spiegel an Reviersteinen auf. Auch auf Friedhöfen waren Denkmäler und Erbbegräbnisse in Farbe und Vergoldung zu erneuern. Und auf umliegenden Dörfern gab es bald auf diesem, bald auf jenem Bauernhofe Türen, Fenster oder Brunncnrohre mit neuem Anstrich zu versehen. Und so stand er eines Morgens in aller Früh und überschaut« noch einmal sein« Ladung. Dann warf er sich das Tragband über und die Karre rollte vor ihm hin zur Stadt hinaus. Er hielt Schritt mit den schwerfälligen Ackergäulen, die ge- mächlich neben ihm hinträumten. Die Knecht« schlumerten noch «in wenig auf weichen Heubündeln und ließen Lein« und Peitsch« schlaff auf den Rücken der Tier« hängen. Diese bogen von allein links ob in«inen Landweg, der sich zwischen grünen Getreidefeldern hinschlängelte. Auch Heinrich mußt« sein« Karr« wenden und lenkt« auf schmalem Fußsteg in hohes Kornfeld, wo sein Gefährt wie zwischen zwei Mauern dahinrollte. Die Sonn« stand schon«in« Stunde weit am Horizont und trieb ihm bald den Schweiß aus allen Poren. Erschöpft ließ«r sich ein Weilchen auf die Karre nieder. Ein diamantenes Funkeln von allen Seiten fesselt« seine Blicke: es waren feine Tautropfen, die in der warmen Sonne wie vor dem Tode erzitterten. Als er dos Kornfeld hinter sich hatte, führte sein Weg durch blühende Wiesen hinauf zum Oderdamm. Bald sah er auch den Kopf seines Meisters hinter sich im weiten Feld, auf und nieder- tauchen. Schwarz lag der mächtig« Eichenwald am tnderen Ufer. Und kühl weht« es herauf vom Strom, der schäumend an die Buhnen stieß. Bunt flatterte und summte es über blühende Wiesen, deren Duft die Lungen weitet. In Schlangenwmdungen zieht sich der Damm dem Strome nach. Die Hand über den Augen, versuchten dann beide ihr Arbeitsfeld zu überschauen. Acht Verordnungstascln zählte der Alte, der Junge zehn. Alle sollten mit frischem Anstrich und neuer Schrift oersehen werden: dazu kamen die vielen Zehntel- kilometersteine. „Denn man los! In Grund muß heut alles gebracht werden." Der Meister nahm Hammer, Zange und Nägel in die hochgesteckt« Schürze, stieg die Leiter hinauf und flickt« zusammen, was Wind und Wetter zernagt hatten. Heinrich drückte Kitt in Risse und Löcher und strich Grund- färbe auf, die das ausgedörrte Holz gierig, wie ein Schwamm einsog. Immer glühender brannte die Sonne auf die zwei einsamen Arbeiter nieder und sog ihnen den Schweiß aus allen Poren. Endlich bimmelte das Gutsglöcklein vom nächstliegenden Dorf, die Mittagszeit verkündend, blect�rn in die glühende Luft. Gras- mücken und Goldammern saßen schmachtend, mit offenen Schnäbeln im niedrigen Weidengestrüpp. Und über dem Bett des Stromes flimmert« die Sonnenhitze, wie wenn sie vor dessen kühlem Hauch erzittere. Auf ein mit Stroh gedecktes Haus, das einsam außerhalb des Dammes lag. schritten beide zu. Es gehörte einer Schifserwitwe und dient« Buhnenarbeitern als Gaststätte. Auch Wilddiebe und Raubsischer hielten hier nächtlicherweil« Einkehr. Kühler Brannt- wein- und Biergeruch weht« den Eintretenden entgegen. Auf der Ofenbank, in geräumiger Gaststube, dehnte sich eine gelbe Katze, während«in schwarzer Wolfshund mit heftigem Gebell hinterm Schenktisch hervorsprang. Sonst schien das Haus wie ausgestorben. Die beiden Gäste ließen sich am Tische nieder. Des Wartens müde begannen sie endlich mit trockenem Gaumen an ihrem Brot zu kauen.— Auf Ehr und Gewissen: gern lege der Meister das Zehrgeld auf den Tisch.— Er griff hinauf zum Schenkstock. Doch gleich sprang ihn der Hund mit wütendem Ge- kläff an und biß sich in seiner Schürze fest. Dabei entglitt ihm die Flasche und das flüchtig« Naß ergoß sich über Tisch und Diel«. Der betäubend« Dunst war dem bissigen Wächter so zuwider, daß er sein Opfer sofort freigab und sich knurrend zurückzog. Als nun Timm die aufgesammelten Branntweinreste getrunken und Heinrich seinen Durst am Brunnen gestillt hatte, schritten sie dem Hoftor zu. „Grüß'ch Gott miteinander!" In einer Hand die Schuh, in der anderen den Rechen, kam ihnen die resolute Mrtin entgegen. „Nichts für ungut, lieben Leut. Ich Hab rasch mein Heu wenden müssen. Gern steh ich nun zu Diensten, wenn's dem Meister noch gefällig." „L«ider zu spät. Euer Wächter und euer Wasser hat«uch das Geschäft verdorben." Dabei wies der Alte aus seine zerfetzt« Schürz«. „Euer Schwarzer hat sich an ein«r Flasche Breslaucr gütlich getan. Und als wir eintraten, überfiel er mich in seinem Rausch." Mit Bedauern besah die Wirtin den Schaden, ohne den scherz- haften Unt«rton aus des Meisters Worten zu hören. Und nach einigem Hin und Her kehrt« Timm mit ihr zurück ins Haus, um den Schaden auszugleichen. Ganz allein stand nun Heinrich auf hohem Damm und über- schaut« die weite Flur. Knechte und Mägde ruhten mit ihren Zug- tieren im kühlen Schotten, während sich Wiesen und F«ld«r mit warmer Sonnenkrast erfüllten. Fern träumten weiße Segel zwischen dunklen Laubufern und«in Dampfer stieß seinen schmutzigen Atem ins frische Grün der Eichen. Heinrich rupste einen vom Gras bedeckten Zehntelkilometerstein frei. Dab«i rannt« und hüpfte allerhand Getier über Stein und Hände und verschwand im Nu wieder im kühlen Gras, wie wenn es die Sonnenstrahlen fürchte. Auch Heinrich überfiel eine Schwere und Mattigkeit in Kopf und Gliedern, die ihn ohne seinen Willen ins Gras sink«» ließ. Ach— nur ein Weilchen... Doch entsetzt fährt er in die Höh. Ein unheimlich Kribbeln und Zwicken an seiner rechten Hand lenft seinen Blick auf den Körper ein«r toten Maus, auf dem ein schwarzer Käfer erregt hin- und herrennt, mit ihm ob«r ganz sacht tiefer und tiefer sinkt, während am Rand««ine lose Erdwulst hervorquillt. Zu matt, um über Ursache und Wirkung nachzudenken, wälzt« sich Heinrich ein paar Fußläng«» weiter.— Nur nicht—«in- schlasen.— Schwalben flitzten durch das weite Himmelsblau und Schmetterlinge umgaukelten den Ermüdeten. Bleischwer fielen ihm die Augen zu und Bienensummen von Kelch zu Kelch führt« ihn ins Land d«s Unb«wußts«ins. Sich nach allen Seiten dehnend und reckend erwachte der junge Schläfer und schaute verwundert um sich. Sirenenstöße durch- fuhren den stillen Frieden und stinkiger Rauch zog vom Dampfjchijf herüber, das sich mit mächtig«« Schaufelrädern den Strom hinaus- arbeitet, acht leere Kohl«nschifs« hinter sich schleppend. Die tote Maus war verschwunden: lose Erde lag an ihrer Stelle, die ein« Anzahl schwarzer Käfer in die Vertiefung schoben. Ein Begräbnis. Nachdenklich ging er an die Arbeit. Würde er kommenden Frühling das Grabe mit«incm Spatenstich umwerfen, dann fände er sicherlich eine Anzahl wohlg«nährter Engerlinge, auf den Ruf der warmen Sonne wartend. Die klugen Totengräber legten heut ihr« Eier in den kleinen Leichnam, damit ihre Kinder beim Er- wachen gleich gute Nahrung finden. Rufend winkt« nun auch der Meister, den Damm heraufsteigend. „Schau, hier!" Er wies auf einen Zug kleiner schwarzer Lastträger, der sich mit Eiern, trockenen Holz- und Grasteilchen von der Strom- seit« quer üb«r den Damm bewegte.„Junge, wir müssen arbeiten, es gibt Hochwasser: in zwei Tag«n ist es hier." (Fortsetzung folgt.) 66 ffät sei-Ecke des„Abend. «lUNNUUttUNUIINMlUINttllUMlttttNINUMNllttUUNIUttlüIvMIMMMNoNIllUttUwtMMllwMNNNlwlMttlttUMNMNNIttlllMMINNNMlNNMUMlNUMiMINNUMiMIMIIIIIll« Kreuzworträtsel. Wagerecht: I. Sängerin: 6. Metall: 7. weiblicher Vorname: 9. Blasinstrument: 10. langweilig: 13. Zeitabschnitt: 14. Ansprache: 16. altes Längemaß: 18. Lebensabschluß: 20. abgekürzter weiblicher Vorname: 24. lateinisches Wort für Gott: 26. Körperorgon: 27. Hast: 28. Ort in d«r Schweiz.— Senkrecht: 1. Zwerg: 2. Papstname: 3. Räumliche Ausdehnung: 4. Starkes Seil: 5. weiblicher Vorname: 6. Chemisches Element: 8. Sinnesorgan: 11. Blutgefäß: 12. Ort auf Sumatra: 13. Getränk: 14. Masckinenteil: 15. Hauch: 17. Geschäftsraum: 19. Edelstein: 21. Nachtvogel: 22. Nordische Gottheit: 23. Futtermittel: 25. unbestimmter Artikel. bex. Rösselsprung. Verwandlung. Wer hält' das Wort im Leben nicht schon oft gemacht, das ihm dann Kummer oder Aerger eingebracht? Ein Laut ins Wort— das Tadelnswerte ist verschwunden, statt besten aber ein Dramatiker gesunden. A. M. Kapselrätsel. Aus den nachstehenden Wörtern sind je zwei auscinandersolgende Buchstaben zu entnehmen, die richtig zusammengestellt ein Sprich- wort ergeben: Wolf. Kern, Lina, Weg, Heft, Mahl, Rind, Post, Sieg, Land, Alge, Blei, Staub, Pfahl, Herr.»K. Magisches Kreuzworträtsel. Wäger echt; I. bibl. Person: 4. weibl. Vorname: 8 Verpackungmaterial:9.Shakc- spearesche Dramengestall: 10. Badeort: 11 Norddeutscher Fluß: 13 Baum: 13. Gestalt a d. alten Testament: 18 Nage- tier: 21. Fürwort: 22. Stadt in«üdtirol: 23. Rinderart: 24 Liebesgott: 25. Meeresteil: 26. Begründer einer Volks- wirtschaftslehre: 27. Himmels- körper.— Senkrecht: 1. wie 1 wagerecht: 2 wie 8 wage- recht: 3. wie 11 wagerecht: 4. wie 4 wagcrecht: 5 franzö- sischer Artikel: 6 großer Raum: 7 wie 13 wagerecht: 12. bibl. Frauengestalt: 14. Schiffsteil: 15 w e 15 wagerecht: 16 frühere russische Volksvertretung: 17. wie 26 wagerecht: 18. wie 18 wogerecht: 19. wie 25 wagerecht: 20. wie 27 wagerecht. tzi. Visitenkartenrätsel. fTTT" (T Welchen Beruf übt Fräulein Rotkins aus? Geistig. Werd als Getränk von vielen sehr geehrt, Mit„h" im Wort wachs' ich zu geistigem Wert. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Rummer. Silbenrätsel: Katzenzungen. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Busoni: 4. Tea: 7. Ade: 8. Teich: 9. er: 12. Arzt: 14. Bestie: 16. Inn: 17. Art: 18 Gauner: 20. Mann: 21. er: 23. da: 26. Last: 28. Bar: 29. Ida: 30. Hostie. — Senkrecht: 1. Bad: 2. See: 3. no; 4, te: 5. Eis; 6. acht; 8. Tai; 10. Rat: 11. Ozean: 13. Riga: 15 er: 16. in; 19. und: 20. Mut; 21. Eli: 22. Rad: 24. Abt: 25. Ire; 27. wo. Rösselsprung: 2m Kreis der Jugend muß man weilen, Der Jugend Lust und Freuden teilen; Wer das oermag, der wird bewahren Ein junges Herz bei grauen Haaren Wilhelm Jordan. Bersteck rätsel: Zuzeiten sind erfrischend wie Gewitter goldn« Rücksichtslosigkeiten! Kreuzwortsilbenrätsel. Wagerecht: 1. Run«: 3. Nelke; 4. Robinson; 8. Labes: 10. Reti; 12. Irrgarten: 14. Nordlicht: 15. Neger.— Senkrecht: 2. Nero: 3. Nelson; 5. Bingen: 6. Alabaster: 7. Ultimatum: 9. Bessel; 10. Rega: 11. Edgar; 12. Irrlicht: 13. Tenne. Silbenkreuz: Nana, Nabe. Rebe, Bete, Note, Nora, Rate, Rabe, Renate. Bisitenkartenrätseli Morgenstern. Nr. 408 46. Jahrgang Sonnabend 31. August 1929 Der elektrische Omnibus Die Straßenbahn ohne Schienen Dreiachsiger Oberleitungs-Omnibus ohne Verdeck. In her Presse wurde mikjefeilf, daß die Berliner Verkehrs- c-ktiengesellschaft(BVG.) beabsichtige, in den schwach besiedelten Außenbezirken gleislose Straßenbahnen, das heißt, mit Luftreisen versehene Autobusse laufen zu lassen, die an Stelle van Ver- brennungsmotoren mit Elektromotoren ausgerüstet sind. Sie emp- sangen ihren Strom von zwei Oberleiwngsdrähten.(Beim Wechsel- verkehr müssen also nicht wie bei der Straßenbahn zwei, sondern vier Leitungsdrähte nebeneinander gespannt werden.) Diese Strom- leitung mit zwei Drähten ist notwendig, da die Rückleitung des Stromes nicht wie bei der Straßenbahn durch die Schienen er- folgen kann. Die ersten in Deutschland vorgenonimencn Versuche mit solchen elektrischen Omnibussen gehen bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Die technische Ausgestaltung war jedoch noch so wenig zufriedenstellend, daß die damaligen Fahrzeuge sich nicht einführen konnten und der elektrischen Straßenbahn das Feld räumen mußten. Die älteste deutsche Anlage dieser Act wurde in Königstein in Sachsen als Probelinie gebaut. In Würzen besteht eine solche gleislose Straßenbahnanlagc seit 25 Jahren. Di« gleislosen Elektrofahrzeug« verkehren dort auf einer ein Kilometer langen Strecke und dienen dem Lastverkehr. In neuerer Zeit ist der elektrisch« Omnibusbetrieb technisch so weit durchgebildet worden, daß er in vielen englischen und amerikanischen Städten mit großem Erfolg eingesetzt wurde. Auch die chinesische Hafenstadt Schanghai bewältigt ihren ofsentlichen Verkehr mit diesen Fohrzeugen. Eines unserer Bilder zeigt einen modernen dreiachsigen Oberleitungs- omnibus ohne Verdeck. Diese Type dürfte sich wohl insbesondere für die Berliner schwach besiedelten Vororte eignen. Vor 30 Jahren.— Oberleitungs-Omnibus, der bei Eberswalde lief. Englischer Doppeldecker. »er grOßle siromcrzeuger der Well 165000 Kllowall in einer nasdilneneinhclt In dem Bestreben» immer größere Energiemengen in einer Maschineneinheit zu vereinigen, ist wiederum ein bemerkenswerter Fortschritt zu verzeichnen: In dem Hell-Gate-Kraftwerk zu New Dort, das mit seiner Gesamtleistung von Ml) 000 Pferdestärken alle bestehenden Elektrizitätswerke übertrisst, ist nöm- lich ein von der Westinghouse-Gesellschost gebauter Strom- erzeuger installiert worden, der nicht weniger als 1(55 000 Kilowatt, d. h. etwa 220 000 Pferdestärken entwickelt und damit eine neue Höchstleistung schafft Neben ihm steht übrigens im selben Kraftwerk ein fast ebenbürtiger Riese von 214 000 Pserdestärken, und an dritter Stelle kommt eine nicht ganz 150 000 Pserdestärken liefernde Maschine. Ilm einen Vergleichspunkt zu schassen, soll darauf hingewiesen wer- den, daß der größte Wasserkrasterzeuger der-Welt etwa 80 000 Pserdestärken entwickelt. Was ober eine Leistung von 222 000 Pferdestärken bedeutet, ersieht man daraus, daß sie zur gleichzeitigen Beleuchtung von nicht weniger als einer Million menschlicher Wohnungen ausreicht, und daß man mit ihr«ine die Erde zweimal umspannende Landstraße vorzüglich beleuchten könnte. Trotz ihrer außerordentlichen Maße zeichnet sich die neue Maschine jedoch mehr durch gedrungenen Bau als durch überwältigende Abmessungen aus: Sie ist nämlich weniger als doppelt so groß wie die im selben Kraftwerk stehende Maschine von 67 000 Pferdestärken, die vor einigen Iahren, zur Zeit ihrer Installation, als Wunder der damaligen Ingenieurkunst angestaunt wurde. Um so ungeheure Energiemengen auf verhältnismäßig geringen Raum zu konzentrieren, mußte jede mechanisch« und elektrische Einzelheit so berechnet werden, daß eine Höchstleistung zustande kam: Hitze, Wider st and, Reibung und sonstige Ver- luste wurden auf ein Minimum herabgesetzt und olle Hilfsmittel der modernen Hüttenkunde herangezogen, um für jeden einzelnen Teil der Maschine das geeignerst« Metall, bzw. die geeignetste Metallegierung, herauszufinden. Eine neue Form der Isolierung wurde eigens für den Zweck ausgearbeitet, und an Stell« von Eisengußstücken gelangten in großem Umfang« bogengeschweißte Stahlformstücke zur Verwendung. Wie sorgfältig vorgegangen wurde, ergibt sich z. B. daraus, daß die beide Hälften des Hochdruckzylinders zusammenhaltenden Stift« stufenförmige Ausbohrungen erhielten, so daß besonder« Instrument« emgesetzt werden konnten, die den Stiften die richtige mechanische Spannung verleihen und dies« Spannung durch genaue Messungen kontrollieren. Ferner haben die Schmiedestücke des Rotors Längs- bohrungen, so daß die Innenstruktur mit einem für den Zweck eigens konstruierten Fernrohr genau untersucht werden konnte. Die Moschine besitzt zwei Turbinen, von denen die eine mit hochgespanntem Dampf und die andere mit deren Abdampf betrieben wird. Diese Turbinen treiben je einen elektrischen Stromerzeuger von 80 000 Kilowatt an. und außerdem betreibt die Niederdruckturbiiw noch einen dritten Stromerzeuger. der auf 5000 Kilowatt bemessen ist und elektrisch« Kraft für den Be- darf des Elektrizitätswerkes liefert. Die beiden Hauptgeneratoren sitzen in einem gemeinsamen halbkreisförmigen Gehäuse, in das für Lüstungszwecke gekühlte Lust eingeblasen wird und das die ganze Gruppe zu einer kompakten Einheit zusammensaht. Der mit einer Spamiung von 18 Atmosphären— bei einer Temperatur von etwa 370 Grad— eintretende Dampf wird in einen Kondensator ausgeblasen-, er hat dann nur noch eine Spannung von 25 Millimeter Quecksilbersäule. Zur Kondensation dieses Dampfes werden 590 000 Liter Wasser, d. h. eine für den gesamten Tagesverbrauch des Stadtbezirks Brocklyn mit seiner Bevölkerung von 2 Millionen ausreichende Wassermenge, jede Minute durch den Kondensator hindurchgepumpt. Die Hauptdaten der Stromerzeu. gereinheit sind: Länge 27,5 Meter, Breit« 12 Meter, Höhe über dem Fußboden 8.25 Meter, Gewlcht 1300 Tonnen, Umlaufgeschwindigkeit 1800 Touren In der Minute. Dr. Alfred Gradenwitz. hin Alchimist als Erfinder. Platin war seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Aber erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es näher erforscht. Vor ollem «in Nachfolger des bekannten Ritters Franz von Sickingen, der Reichsgraf Karl von Sickingen, hat ein« wichtige Erfindung gemacht. Er hat Blech und Droht aus den Platinkörnern dargestellt. Sickingens Methode war, den aus einer Platinlösung in Königs- wosser mit Salmiak erhaltenen Niederschlag durch Glühen in fein verteiltes Platin zu oerwandeln, das dann unter dem Hammer zu beliebigen Flächen zusammengeschweißt wurde. Er besaß, wie Georg Forster 1784 aus Wien an Thomas Sömmering schreibt, „«in Stück Platinblech, dos über einen Schuh ins G«oi«rt hält: es sieht wi« Silber aus und ist völlig biegsam." Im Jahre 1778 wurde eine Abhandlung darüber in der Pariser Akademie vorgelesen: vier Jahre später erschien sie in deutscher Uebersetzung. und in gleichem Jahr««rwähnt sie Cr«tl in Helmftedt, de» unermüdlich« Registrator oller chemischen Ereignisse, in feinen neuesten Entdeckungen in der„Chemie". Die olchemistischen Neigungen waren übrigens in der Familie Sickingen erblich. Der Dater unseres Platinerforschers oerschwendete soviel Geld auf seine Liebhabereien, daß die beiden Sohne ihn kurzerhand auf einer ihrer Burgen einsperrten. Die Bodenfräse. CinUnfversalgerat für forstliche Bodenbearbeitung Eine der wichtigsten und zugleich schwierigsten technischen Auf- gaben der modernen Forstwirtschast ist die Durchführung einer richtigen Bodenbearbeitung: schwierig hauptsächlich deshalb, weil Wurzeln, Stubben und Steine die Anwendung landwirtschaftlicher Bodenbearbeitungsgerät« unmöglich machen. Der technische Fort- schrttt der letzten Jahre hat dies« Schwierigkeiten zu«inem wesent- lichen Teil überwinden helfen. Durch Zusammenarbeit von Industrie und Forstwirtschaft ist es gelungen, in Gestalt der„Bodenfräse" eine Maschine zu schaffen, die den Waldboden schält, lockert, krümelt und so vollkommen durchmengt, daß man glaubt, Gartenbnden vor sich zu haben. Die Bodenfräse, im Gartenbau bereits längere Zeit bekannt, mußte dem Woldboden erst durch Einbau sogenannter Waldscheiben angepaßt werden, um die Maschine über stärkere Hindernisse hinwegzuheben. Sie wird von einem 5-LL- Motor angetrieben, ist mit schnell rotierenden Federwerkzcugen ausge- stattet und dank der Vorzüge ihr« Konstruktion überaus vielseitig verwendbar. Durch einfachste Anhängogeräte läßt sich der be- arbeitete Boden nicht nur zu einem Damm häirfeln, sondern es können auch unliebsame Bodeirdecken ohne Schwierigkeiten nach der Seit« abgelegt werden. Zum Hocken der Kultur«» ist die Fräse ebenso vorzüglich geeignet wie— nach Anbringung eines Mäh- schwanzes— zum Mähen von Wiesen und Getreide. Schließlich erweist sie ihre Tauglichkeit auch zum Schärfen von Werkzeugen im Walde und zum Antrieb von kleinen Maschinen. Die Bodenfräse, die bei gleicher oder gesteigerter Arbeitsgüte die Bodenbearbeitung gegen früher oerbilligen hilft und durch ihre stete Betriebsbereit- schaft, ihr« verminderte Abhängigkeit von Arbeitermangel und Gejpannbeschaffung den meisten andern Geräten weit überlegen ist, darf als ein kennzeichnendes Betspiel dafür gelten, wi« neuerdings auch die Technik in die Forstwirtschaft eindringt, um sie Wirtschaft- licher zu gestalten. In diesem Gedanken hat vor einigen Jahren der Deutsche Forstverein den Ausschuß für Technik in der Forst- Wirtschaft ins Leben gerufen, um die kommende Entwicklung in die richtigen Bahnen zu leiten und die Brücke zwischen Technik und Forstwirtschast zu schlagen. Von» Aufbau des Waldes. Der Wald liefert einen der willigsten Baustoffe der Technik, das Holz, in seinen mannigfachen Arten. Daher hat auch der Tech- niker am Wald und sein« Bewirtschaftung ein besonderes Interesse. Wer schon einmal die Hochgebirgswölder aufmerksam durch- wandert hat, dein wird der Unterschied zwischen ihnen und den Kulturwäldern der Ebene nicht entgangen sein. In der Ebene gleichaltrige, regelmäßig« Bestände, die Bäum« in Reih' und Glied, in den Hochlagen der Gebirg« Naturwälder von ausgeprägter Un- gleicharttgkeit, die vor allem darin zum Ausdruck kommt, daß auf kleiner Fläche Bäume verschiedenster Höhe und Stärke wachsen. Solche Wälder, die in Deutschland nicht mehr allzu häufig sind, heißen Plenterwälder: man schlägt in ihnen das Holz nicht auf einmal auf großer Fläch« herunter, sontdern plentert immer nur wenige Stämme auf einer Fläche heraus. Der Aufbau des Plenter- waldes ist dadurch gekennzeichnet, daß er Bäume und Bäumchen aller Größen in ganz unregelmäßiger Verteilung zeigt: die jüngsten bereit zum Emporwachsen, sobald ihnen die älteren, stark schattenden Stämme Licht und Lust zukommen lassen. Im Gegensatz hierzu treten beim sogenannten K ahlschlag- b« t r j« b, wie er heute in den deutschen Nadelhölzern vorherrscht, gleichalte und daher gleichhohe Bäum« aus größerer Fläche zu Einheiten zusammen, die der Forstmann Bestände nennt: bei der Holz- «rnt« werden dann immer die ältesten Bestände— Z. B. die 80- und mehrjährigen— auf einmal oder auch in niehreren Kahlhieben genutzt. Die vom Altholz entblößt« Fläch« wird wieder angepflanzt und jo entsteht ein regelmäßiger Turnus, dem auch regelmäßige, einen gewissen Altersunterschied aufweisende Bestände entsprechen. Der Schirmschlog schließt sich im Waldaufbau an den Kahlschlag au, unterscheidet sich aber von diesem darin, daß er das Holz nicht auf einmal, sondern allmählich in«iner kurzen Zeitspanne räumt. Damit wird erstrebt,«in« natürlich« Verjüngung unter dem Altholz herbeizuführen. Der Femelschlag läßt dieser weit mehr Zeit. Er geht nicht, wie der Schirmschlag, auf großer Fläch« vor, sondern sucht an vielen Punkten im Bestand die natürliche Verjüngung zu er- zielen, wodurch der junge Bestand den Charakter einer gewissen Ungleichaltrigteit erhält, die allerdings wesentlich geringer ist als im Plenterwald. Beim Wagnerfchen Blenders«Umschlag wird eine saumartige Verjüngung in der Weis« erreicht, daß der Zlltbestand am Rand gelockert wird, wodurch sich der Jungwuchs unter dem Schutz der Mutterbäume vom Rand her in den Bestand hinein- schieden kann. Auf diese Weis« ergibt sich«ine ganz markante Form des Aufbaus, di« in einer deutlichen Abdachung des neuen Be- standes gegenüber dem alten in Erscheinung tritt. Das.Znstitute of ZNetals" hält dieses Jahr seine Herbst- Versammlung in Düsseldorf ab. Zum erstenmal tritt die große Internationale Metallurgische Gesellschaft in Deutschland zusammen. Man erwartet, daß mehrere Hunderte von Ingenieuren und Metallurgen aus allen Teilen der Welt an dieser Versammlung teilnehmen werden. Die Versammlung, die vom 9. bis 1 2. S e p- t e m b e r adgehalten wird, ist nur für Mitglieder zugänglich. In Deutschland hat das Inftttute of Metals bereits mehr als 100 Mttglioder, und es wird erwartet, daß diese Anzahl sich um «in Bedeutendes vor dem Stattfinden der Düsseldorfer Verfamm- lung vermehrt. Der Rat des Instituts nimmt Anmeldungen aus Mitgliedschaft von Deutschen Ingenieuren und Metallurgen ent- gegen. Anmeldungen an den Geschäftsführer Herrn G. Shaw Scott, 36. Victoria Street, London, SWJ. Ein Büchlein in deutscher Sprache, das die Zweck« und die Arbeiten des Institut» behandelt, kann durch die oben angegebene Adresse bezogen werden. *r- �JpjSr�uncloJflLel Das FTGB.-Fest beginnt. Parole heute und morgen: Poststadion. R�'ges Leben herrscht im P o st st a i> i o n, auswärtige Bundes- initglicder aus Feuerbach, Hamburg, Stettin, Hannover, Leipzig, Zeitz, Limbach, Bernburg, Lübeck und viele Provinzvereine tummeln sich bereits in den Anlogen des Poststadions zum F e st der F r e i e n Turnerschaft Groß- Berlin. Der heutige Nachmittag gehört den Ktnder». Allenthalben lustiges Singen und Klingen, Jauchzen und buntes Leben. Freiübungen wechseln mit Einzel- und Stafetten- lausen und fröhlichen Spielen. Die Pausen süllt das Konzert des FTKB.-Musikkorps unter Leitung des Dirigenten Walter. Das Hockeyspiel ASE. gegen FTGB.-Nordring beginnt um 15 Uhr. Gegen 19 Uhr sammeln sich alle Kinder und werden dann unter Begleitung der Turnerkapellen mit einem Fackelzug aus dem Stadion geführt. Der Sonnabend findet feinen Abschluß mit einer Abendfeier im Stadion, die 19.1S Uhr beginnt. Die überaus zahlreich eingegangenen Meldungen— etwa 809 Leichtathleten, 1400 Einzel- und Stasettenläufer, 40 Spielmann. schasten— bedingen den Ansang aller Vorkämpfe bereits Sonntag früh um 8 Uhr! Auch die Tenais-Wettkämpfe mit großer Beteitigung von Tennis-Rot-Berlin, Leipzig, Zwickau und der FTGB. beginnen ebenfalls schon Sonntag früh 8 Uhr! Das gesamte Verzeichnis aller Vorführungen hat der Technische Ausschuß in einem 24 Seiten umfassenden Programmheft zusammengestellt. Gleichfalls erwähnenswert ist die Festschrift, die in aus- fuhrlicher Weife die gesamte Vereinsgeschichte der FTGB. bringt. Weitere Aufsätze, die durch zahlreiche Bilder belebt werden, machen mit der Arbeitersporlbewegung im allyemeinen und dem Uebungs- betrieb der FTGB. im besonderen vertraut. Der vielseitige Sport- betrieb in Berlins größtem Arbeiterfportoerein ermögticht auch die Abwicklung eines neunzehn Konkurrenzen umfassenden besonderen Programms, das pünktlich Sonntag, 1ö Uhr, im Schwimmbad beginnt. An den Schwinnnvorführungen find beteiligt: Arbeiter- schwimmverein Wclle-Äerlin, Arbeiterschwinimoerein Hellas-Berlin, Berliner Schwimm-Union 191Z, Frei« Schwimmer Berlin 12, Freie Tchwimmer Faltensee, Freie Sportvereinigung Tegel, Schwimm- verein Müggelsee 1921, FTGB.-Schwimmbezirt Kreuzberg. Die Meldungen der genannien Vereine bürgen nicht nur für ab- wechslungsreiches, sondern auch für ein an spannenden Momenten reiches Programm. Das Handballspiel: FTGB.-Mannschaft gegen Bcniburg beginnt 12. 4S, während 14 Uhr der F e st e i n- marsch aller Teilnehmer erfolgt. S*e Begrüßungsansprache» halten: Sreisvertreler Reicherl und Iran; Künstler. ZN. d. R. Dann folgen ohne Unterbrechung die tzmiptkämpfe. Um 17.13 Uhr liehe» sich die Fußball Mannschaften der FTGB. und Lübeck in sehr guter Aufstellung gegenüber. Ein kurzes Schlußspiel in der Mitte der Kampfbahn beendet das ir�GB.-Jubiläums-Sporifest, das aufs neue die Nolkstümtich- teit der rrrcien Turnerfchafi Groß-Berlin beweisen wird. 5 Trümpfe auf der Olympiabahn. Sa wall, Maronnier und Krewer— die drei besten Steher, die zurzeit in Deutschland fahren, starten am morgigen Sonntag in einem Rennen aus der O l y i» p i a b a h n. Obwohl Sawall auch Iioutc noch als der Matador der Plötzenfeer Bahn gilt, konnte ihn in der letzten Zeit der Franzose Maronnier zweinial einwandfrei schlagen. Man sagt, daß der Franzose viel Glück hatte und nur durch die Taktik seines Schrittmachers Heßlich gewinnen konnte. Das mag bedingt richtig sein, aber gewonnen ist gewonnen, und Sawalls Ruhm, auf der Olympiabahn unbesiegbar zu sei», ist stark ins Wanken gekommen. Im Zeichen eines Zweikampfes Sawall— Ma- ronnier werden die beiden Dauerrennen über 40 und 60 Kilometer stehe», und es wird interessant sein, zu sehen, ob Maronnier einen dritten sieg erkämpfen wird. Als vierter Mann startet Lemanow, der erst dieser Tage in Leipzig zeigte, daß init ihm immer noch zu rechnen ist. Toricelli, der Italiener, wird kaum eines der beiden Dauerrennen gewiimen können, aber er wird sich sicher nicht leicht ö-schlogen geben. Fliegerrennen für Berufsfahrer füllen den Renntag, der um 16 Uhr beginnt, ans. Ringer-Wettstreit in der Bockbrauerci. In der B o ck b r a u e r e!, Fidicinstraße, der bekannten Kampf- statte der Boxer, beginnt Dienstag. 3. September, ein internationaler Ringerwettstreit mit erstklassiger Besetzung. Bei diesem Wettbewerb werde» eine Anzahl der besten Vertreter des griechisch-römischen Stils auf der Matte erscheinen, neben be- kannten Größen auch bewährte Kräfte aus dein Nachwuchs. An «rfter Stelle wäre der russische Weltmeister Jan Jaago zu nennen, aus Oesterreich kommen Benold und der Wiener Willman». Der zurzeit in Budapest ringende Meister Hanz Sck,warz hat seine Be- teiligung ebenfalls fest zugesagt. Neu für Berlin sind dte ehe- maiigen Amateurmeister Holuban(Ungarn) und Wileder(Oester- reich), Zlruküll(Finnland), Alex Peterson(Estland), Girsa(Süd- ameriko). Weitere Teilnehmer find Franz Naber(Ostpreußen), Wolke(Bremen), Landau(Rheinland), auch der zähe Albert Sturm will sich noch einmal mit den Jüngeren messen.— Den Kämpfen oeht ein Kraftakt des starten Russen Micha! off noraus.— Die Kampfe stehen unter Aussicht de» Internationalen Ringerverbondes. Walter Peter— vesmet unentschieden! Gm„Ständigen Boxring" in der Bockbrauerei gab Wolter Peter- Berlin nach seiner Rückkehr aus Amerika feine Antritts- Vorstellung. Peter hott« den ringerfahrenen Belgier Desmet zum vegnrr. Der Amerikafahrer bewies in seinem Kampfe, daß er drüben viel hinzugelernt hat. Di« letzten beiden Runden kämpste er zwar wenig überzeugend, er konnte das Treffen jedoch immerhin nach unentschieden gestalten. Der Berliner B o g u h n wurde von Richter- Dresden durch gemtrer« Arbeit nach Punkten ad- gefertigt. Allst- Berlin, den man längere Zeit nicht mehr im Ring gesehen hat und der viel von seinem Können eingebüßt zu haben scheint, wurde von Hermannssohn- Wiesbaden noch Punkten geschlagen. E n s e l- Köln kam über den Hamburger Kracht zu cinem schnellen Erfolge. Kracht wurde in der dritten Runde auf einen ziemlich tief gesetzten Schlag, den der Ringrichter jedoch als Tiefschlag nicht anerkannte, ausgezählt. Das Treffen Scholz- Breslau gegen K o s k a- Gleiwitz ging über die Distanz und endete trotz besserer Arbeit des Breslauers unentschieden.— Der nächste Kampfabend des„Ständigen Boxringes" findet über vierzehn Tage in der alten Winterkampfstätte in den Spichernsälcn statt. Warum immer Schmeling? Arbeiter boxer zeigen wirklichen Sport. Die neugegründete Boxabteilung der„Freien Sport- Vereinigung Tegel 1899"(Mitglied des Arbeiter-Turn- und Sportbundes und des AABD.) veranstaltete gestern in ihrer schöne» Trainingshalle in Tegel den ersten öffentlichen Trainings- und Box- kampfabend. Leider konnten einige bundestreue Vereine ihre ge- meldeten Boxer nicht an den Start schicken, da der am Sonntag stattfindende Kreiswettstreit im Heben und Ringen die Absage er- zwang. Di« bundestreuen Athleten in Tegel, die ihren Verein von den Spaltungsschädlingen säubern mußten, sind durch ihre zielbe- wußte Wiederaufbauarbeit sportlich sehr gut vorwärts gekommen. Der Verein steht unter der ausgezeichneten Leitung des Boxtrainers H e n s« l, der auf den, besten Wege H, seinen Verein zu einem führenden Arbeiter-Athletenoerein zu machen. Im Weltergewicht hatte der Draufgänger Walter seinen recht aggressiven Klubkameraden Pandke zum Gegner. Der spannende Kampf erzwang den stärksten Beifall: er gab ein schönes Zeugnis von der fleißigen zielklaren Zlrbeit des Vereins. Einen ebenso Wassersportfrcunde! Morgen haben die Freien Segler Regatta! Im Osten bei Scfamdckwitz, im Westen Tegeler See. Start II Uhr. flotten Kampf absolvierten auch d!« Fliegengewichte Lawereng(Tegel) und Jacob II(Alt-Wedding): hier gefiel besonders die entwick- lungsfähige gute Link« des Teglers. Diese technisch recht ansprechen« den Kämpfe wurden von vier weiteren flotten Schaukämpfen um- rahmt. Die zwei jungen Anfänger im Fliegengewicht Tezion und Seefeld(Tegel) hielten ihren 3-Rundenkampf gut offen. Das Treffen Gast(Tegel) gegen Jacob I(Alt-Wedding) mußt« leider wegen zu starken Nasenblutens des Moobiters abgebrochen werden. Im ge- mischten Gewicht traf Gärtner ebenfalls auf einen Klubkameraden: auch diese harten Runden zwangen dem zahlreichen„Premieren"- Publikum stärksten Beifall ab. Leider endete der letzte Kampf des Abends mit einem Mißklang: Virus(Tegel), der mit 29 Pfund Mehrgewicht gegen Peter(Lichtenberg) startet«, unterlies während des Kampfes ein Tiefschlag und so endete dieser Kampf frühzeitig mit der Kampfausgabe des Lichtenbergers. Ringrichter waren Hensel (Tegel) und Peter(Lichtenberg). Vor den Kämpfe» fanden beifällig ausgenommen« Trainings- Vorführungen im Seilspringen, Keulenschwingen, Boxen an Sand- söcken und Maisbirnen und Doppelendböllen statt. Die Boxabtei- lung der„Freien Sportvereinigung Tegel 99" beginnt am 15. Sep- temlber mit einem sechswöchigen Borbereitungskursus im Boxen, unter Leitung des Boxleiters Hensel, jeden Dienstag und Freitag in der Humboldt-Schule in Tegel. Anmeldungen werden bei F. Lange(Tegel), Veitstroß« 25 und bei O. Hähne(Tegel), Charlotten- burger Straße Is, angenommen. 5obeck bleibt doch bei Hertha BSC! Durch die bürgerlicher, Blätter ging vor einigen Tagen die sen» sationelle Meldung, daß der bekannte Berliner Fußballspieler S o- b e ck seinen Verein verlassen wolle— nein, es hieß sogar, er hätte ihn schon verlassen. Wie wir jetzt von Freunden Sobecks erfahren, war dies eine von ihm im Einverständnis mit seiner Mannschaft in die Presse lancierte Ente zu dem Zweck, einige, der Mannschaft unliebsam gewordene Vorstandsmitglieder zum Rücktritt zu zwingen, was inzwischen erfolgt sein soll. Wir müssen sogen, recht merk- würdige Kampfmethoden. Deutlicher gesagt: ein Betrug an der Oesfentlichkeit._ Sportfest der Berliner Volksschulen. Die Turnvereinigung Berliner Lehrer veranstaltet am 4. Sep» tember zum dreizehnten Male das Turn- und Sportfest der Berliner Volksschulen auf der Treptower Spielwiese. Die Organisation des Turn- und Sportfestes hat Lehrer Krüger-Schöne- berg. Es werden sich voraussichtlich 179 Volksschulen mit rund 3000 Schülern und Schülerinnen an den Veranstaltungen beteiligen. Zur Durchführung kommen: Eilbotenlauf und Schlagbollspiel um den Wanderpreis der Stadt Berlin und des Lehreroerbonde» der Stadt Berlin; ferner Völkerballspiele, Barlauf und Faustball für Knaben, Völkerball- und Grenzballspiele für Mädchen. Schitat Weltmeister im freien Ringkampf. Der ostpreußischc Berufsringer Schikat ist auf Grund seines Sieges über den Eng- länder Jim London von der Athletikkommisfion des Staates New Vork zum Weltmeister iin Schwergewicht erklärt worden. Bisheriger Titelhalter war der Deutsch« Sonnenberg, der seiner Würde verlustig ging, weil er die Weltmeisterschaft nicht verteidigte. Schitat, der in Amerika seit Jahren der erfolgreichste Ringer ist, u»d der mit dem Deutsche» Steinte an der Spitze der amerikanischen Ringer steht, galt fest Iahren als erster Titelanwärter. epttilttittt CfeerbtttiSuta. Eitiunff mit den Vkrcinsvorltänden Rontoa, 2. ctptembcr, 20h Uhr. in der„Adlerklausc", Aoiser.grietrich. S. Eeviember, X Uhr, Snnffionät, kitzun« im„Werneuchener Schloß", Elbingcr Str. 87. s Rückkehr zur Vernunft. Die„Oppositionellen" wollen nicht Werkzeug der KPD. sein! Wenn schon das„14. Kreisfest" der aus dem Arbeiter-Turn- iind Sportbund Ausgeschlossenen ganz deutlich zeigte, wohin der Kurs der KPD. die Sportler führt, so hat der„Rote Sport- und Kulturtag" in den Rehbergen ganz besonders dazu beigetragen, bei den Oppositionellen die Ileberzeugung zu stärken, daß der Kampf um die„Einheit", um die„Wiederaufnahme in den Zentraloer- bänden des Arbeitssport" nur eine Phrase ist und daß die Aus- geschlossenen als Kampfiruppe für die Kommunistische Partei gegen alle freien Organisationen der Arbeiter- schaft Verwendung finden sollen. Ganz besonders zeigte sich das bei der Veranstaltung der KPD. in den Rehbergen, die lediglich der Verächtlichmachung der Gewerkschaften diente. Man kann über Führung und Richtung einer Bewegung geteilter Meinunb sein, aber das konnten auch oppositionelle Vereine nicht verstehen, daß sie von der KPD. in einer derartig niederträchtigen Weise gegen die Gewerkschaften mißbraucht werden sollten. Die Parolen,„kein Proletarier, der nicht zum Verräter seiner Klasse werden will, darf in das Lager des Sozialfaschismus gehen", das heißt nicht am Ge- werkjchaftsfest teilnehmen,„das Gewerkschaftsfest dient der Arbeits- gemeinschnft des Sozialfaschismus mit dem Trustkapital" haben ver- anlaßt, daß die Freie Turnerschaft Neukölln, die Freie Turner- schaft C h a r l o t t e n b u r g, die Vereine von Spandau ubd viele Fichte- Gruppen aus Protest gegen diesen Mißbrauch dem Holen Spork, und kulkurlag fernblieben. Die Auswirkung dieser KPD.-Veranstaltung zeigt sich in einer Resolution des Vorstandes der„Freien Turnerschaft Chorlotten- bürg", die wir„Gegen den Strom", dem Otgan der KPD- Ausgeschlossenen entnehmen, die nach ganz klar den gesunden Sinn eine» großen Teiles der ausgeschlossenen Arbeitersportler zeigt. Sie lautet: „Die Freie Turnerschaft Charlottenburg hat in ihrer letzten Varstandssitzung einmütig feststellen müssen, daß im allen Kortoll ein Kurz gesteuert wird, der unbedingt zur Spaltung und zur Vernichtung der oppositionellen?lrbeitersportbewegung führen muß. Der„Rote Tag" ist nicht nur über den Kopf der Arbcitersportlcr hinweg beschlossen worden, er ist auch gegen den Willen der Arbeitersporller organisiert worden. Es liegen die klaren Beweise dafür vor, daß von Gegnern der freien Gewerkschaften, insbesondere von den führenden Genossen der KPD., der Rot« Tag aufgezogen wurde mit der bewußten Note der Gegenkundgebung gegen das am gleichen Tage statt- findende Gewerkschaftsfest des ADGB. Damit wird eine Kluft zwischen den Mitgliedern der freien Gewerkschaften und den oppositionellen Arbeitersportlern geschaffen, die weder den Zielen noch den Interessen der oppositionellen Arbeitersport- bewegung und ihrer Mitglieder entspricht. Wir müsfen deshalb eine— hoffentlich künstige— Trennung der oppositionellen Arbeitersportlcr von den in den freien Gewerkschaften organisierten Arbeitern ab- lehnen, zumal wir iminer wieder von unseren Mitgliedern die Mitgliedschaft in den freien Gewerkschaften, und nur in diesen, verlangen. Die Veranstaltung am 25. August ist in einer Farm aufgezogen, daß wir unmöglich eine aus solchen teilnehmenden Organisationen, die ausschließlich Organisationen der KPD. sind und eines überparteilichen Charakters heut« entbehren, zusammen- gesetzte Veranstaltung unter unseren Mitgliedern propagieren können." Der Vorstand der Freien Turnerschaft Charlottcnburg sowie alle anderen ausgeschlossenen Vereine sollten sich darüber klar sein, daß der Weg, den ihre Bewegung jetzt gehen muß, nicht anders ver- laufen konnte. Wir werden es noch erleben, wenn diese Vereine nicht bald zur Einsicht kommen, daß sie durch die verstärkt einsetzende Zellenbauerei der KP?., wie es bei Fichte tatsächlich schon d:r Fall ist, Gefangene der KPD. werden, die willkürlich bei allen ihren Aktionen die Vereine miß- brauchen wird. Ist doch schon, wie wir aus„Gegen den Strom" entnehmen, in der Sportfraktionssitzung der Berliner KPD. die Parole herausgegeben, daß olle Sportfunktionäre in den Bereinen zu beseitigen sind, die nicht aus der Parteilinie der KPD. stehen. Das läßt noch so manches erwarten und zeigt doch so recht, wie richtig die Bundestreuen gehandelt hoben, nicht einer Partei, sondern der Willensbestimmung der gesamten deutschen Arbeitersport b.ewegung zu sotgen. Wir sind sehr gut über die Stimmung- in den ou-ig»schlofienen Bereinen unterichtei und wissen, daß von Tag zu Tag die Erkenntnis wächst, daß sie sich auf falschem Wege befinden, und. wenn dies auch noch nicht so deullich noch außen dringt, der Gedanke noch dem Wiedereintritt in die Gesamtbeweguug iminer mehr Fuß saßt. Dazu, hat ganz besonders das Bundesfest in Nürnberg beigetragen, dessen proletarischer Charakter auch von der KPD. nicht verleugnet werden tonnte. Darüber sollte sich jedoch jeder im klaren sein, eine Wiederaufnahme der ausgeschlossenen Vereine ist nur möglich unter Anerkennung der Grundsätze und Beschlüsse der Zcntralverbände, und die besagen sehr deutlich: Du hast bei uns politische Denkfreiheit, aber betätigen darfst du dich bei uns nur im Sinne des Arbeitersports! Wer kommunistischer Zellenbauer ist, Hot keinen Platz, dem wird die Tür gewiesen. Im Arbeitersport bestimmen die Mitglieder und nicht eine politische Partei!