BERLIN Montag 2. September 1929 10 Pf. flr. 410 B 204 46. Jahrgang. ErsAetot tZzlich anßee Soaataz«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Betugtprei« beide Ausgaben S5Pf. pro Woche, s.eoM. pro Monat. {Redaktion und Expedition; Berlin SWSS. Lindenstr.« ,r\£fWxld& »aielseupreit'.Di« einspaltige Nonpareilleieil« so Pf., Reklame, eile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postfcheckkont»! DorwStt«-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 57ÜZS. Zernsprecher: Dönhoff 292 bi« 29? Die Bombe am Reichstag. Auf der Suche nach den Tätern.- 25000 Mark Belohnung. Räch btu zahlreiche» Sprengstosfavschlägcn, die wLh> xenb der letzten Wochen in den Provinzen Schleswig» Holstein nnd Hannover, sowie im Freistaat Qldenbnrg verübt worden sind, ist jetzt anch Berlin Schauplatz eines Sprengstoffattentats geworden. Gestern früh kurz brach 4 Uhr erfolgte am Reichstag eine weithin hörbare Detonation. Der Datort wurde sofort im weiten Umkreis dnrch Schutzpolizei abgesperrt. Es wurde fest» gestellt» daß an der Nordseite des Reichstags» gebandes nahe dem Portal V in dem Luftschacht Her Außeufront eine Sprengstoffladnng znr Explosion gebracht worden war. Die Wirkung bestand in der 3 er» �rümmernng mehrerer Fe» st er im Keller» M« d Erdgeschoß und im ersten Stock. An einem Fenster war auch der Fensterrahmen abgerisien. Es wurde» zahlreich« Reste der Sprengstoffladung, ins» besondere Deile einer Weckeruhr und von Taschenlampen» batterie« gefunden, die teilweise bis auf die gegenüber» jliegende Straßenseite geschleudert worden waren. An einem Straßenmast, der in Höhe des Sprengherdes ans dem Bürgersteig steht, wurde eine sogenannte Klebe» znarke vorgefunden, die das Hakenkreuz und die Inschrift >,G roßdeutschland erwache!" trägt. Der von der Polizei sofort hinzugezogene Sachverständige Dr. Rich» t e r von der Chemisch-Tech«tischen Reichsanstalt, der anch bei der Aufklarung der früheren Sprengstoffanschläge in Aldenburg nnd Lüneburg als Gutachter tätig gewesen ist, hat an Ort und Stelle eine vorläufige Unter» f u ch n n g vorgenommeit. Zwar hat er bisher noch nicht die Art des Sprengstoffes genau feststellen könne«,»ach feiner gutachtlichen Bekundung ist aber die Sprcngstoffladung ähnlich wie die bei de« Anschlägen in Oldenburg und Lüneburg vor» > bereitet gewesen. Der Polizeipräsident hat eine Belohnung von 25 000 IN. ousgeseht. Von dem Betrage sind 10 000 M. als Belohnung für die Personen bestimmt, die zur Aufklärung des Sprengstoffanschlages im Reichstag, insbesondere zur Festnahme der Täter beitragen. Den weiteren Betrag von 15 000 M. erhalten diejenigen Personen, durch deren Angaben der Nachweis eines Zusammenhanges des Berliner Anschlages mit den früheren Anschlägen erbracht wird.— Sachdienliche Mitteilungen, die auf Wunsch streng vertraulich behandelt werden, sind zu richten an die Kriminalkommissare Dr. Draschwitz und Mühlfriedel, Polizeipräsidium, Abteilung I A, Zimmer 235c und Zimmer 293, Hausanruf 417 und 470. Oer Schauplatz der Explosion. Die Explosion erfolgte In einem Lichlschacht unter dem Straßen- Niveau, der direkt am Portal S liegt. Der Schacht ist etwa 16 Meter lang, 1,20 Meter breit und über 2 Meter tief. Er zieht sich längs des Reichstagsgebäudes hin und dient zur Erhellung der im Keller liegenden Bureauräume, deren Fertster durch stark« Gitter gesichert sind.— Durch die Explosion sind die starken Glas- scheiden von drei Kellerfenstern sowie mehrere Scheiben im Parterre und im 1. Stockwerk des Reichstagsgebäudes zertrümmert worden. Der Luftdruck wor so stark� daß in etwa vier Meter Höhe rechts vom Portal S ein großes Mouerstück herausgerissen wurde. Sonst ist nennenswerter Schoden nicht angerichtet worden. Bisher fehlt von den Täternjede Spur. Alan glaubk, daß mehrere ihre Hand im Spiele gehabt haben und daß der Sprengslofsanschlag gut vorbereitet war. Offenbar haben die Täter die Höllenmaschine an einer Schnur in die Tiefe gelassen. Aus den Ueberresten der explodierten Sprengkörper konnte festgestellt roerden, daß sie genau so konstruiert worden sind, wie die Höllenmaschinen. die in Holstein und Lüneburg zur Explosion gebracht worden sind. Es war ein etwa 30 Zentimeter starkes Blechgehäus«, an dem ein kleiner Wecker befestigt war, dessen Uhrwerk durch feine Drähte mit einer elektrischen Batterie verbunden war. Nach einem gewissen Zeitpunkt kamen die Drähte miteinander in Berührung, gerieten ins Glühen und brachten die Sprengmasse zur Entladung. Daß die Wirkung der Explosion nicht schlimmere Folgen nach sich gezogen hat, liegt wohl zum größten Teil daran, daß der Schacht in seiner gesamten Länge völlig offen und auch nicht besonders tief ist. Der Druck koimt« dadurch, ohne besondere» Widerstand zu sinde», SHe Xeich*tog»fronf, an der die SSombe explodierte. nach oben entweichen.— Alle Teile der explodierten Höllenmaschine wurden sorgfältig aufgesammelt; Polizeichemiker sind zurzeit dabei, die Art des Sprengpulvers festzustellen. Die Anhaltspunkte. Seit heule vormittag finden sich an allen Berliner Litfaßsäulen die großen Bekanntmachungen der Polizei, in der alle Einzelheiten des Anschlags geschildert werden und das Publikum zur Mitarbeit an der Ausspürung der Täter unter Hinweis auf die große ausgetobte Belohnung aufgefordert wird. Einige Spuren. Heute mittag fand im Reichstag noch einmal ein« genaue Orts- besichtigung statt, an der Regierungsdirektor Wündisch, der Chemiker Professor Richter sowie Sprengstofftechniker teilnahmen, die von der Polizei zur Aufklärung des Verbrechens herangezogen worden find. Die am Sonntagmorgen in der Umgebung des Tatortes gefundenen S p r e n g st ü ck e der Höllenmaschine sind im Laufe des Sonntags in der C h e m i f ch- T c ch n i j ch e n R c i ch s a» st a l t genau untersucht worden, da aus der Zusammensetzung des Sprengmittels sowie aus den Teilen des Uhrwerks eventuell Rückschlüsse gezogen werden können. Diese Untersuchung hat bereits einige Anhaltspunkte ergeben. über die jedoch aus Gründen der weiteren Untersuchung begreiflicher- weise noch nichts gesagt werden kann. Immerhin besteht auch nach der genaueren Untersuchung der schwerwiegende Verdacht, daß das Attentat auf dos Reichstagsgel äude durchaus ein Glied in der kette der bisherigen Anschläge in Hannover und Schleswig-Holstein ist. Für diese Annahme spricht auch die Tatsache, daß die Höllenmaschine an eine Stelle gelegt wurde, wo si� ernstlichen Schaden nicht an- richten tonnte. Den Tätern war es dabei offenbar nur um die Demonstration zu tun. Im Reichstag selbst wäre die Auf- stellung einer Höllenmaschine kaum möglich gewesen, da z. B. in die Kellerräume oder in einzelne Zimmer des Hauses kein Fremder ohne Begleitung eines Beamten gelangt. Außerdem befindet sich ein besonderer Ueberwachungsdienst im ganzen Hause, der aüch des Nachts durchgeführt wird. Wie wir jedoch erfahren, wird man auf Grund dieses Anschlags von jetzt an die Bewachung des Reichstags erheblich verstärken, und auch der Polizei- dienst auf der Straße wird jetzt in unauffälliger Form erheblich schärfer als bisher durchgeführt werden, um die Wiederholung der- artiger Attentate zu verhindern. Das Gleiche gilt auch für den Landtag, da die Annahme nicht unberechtigt erscheint, daß di« Kreise, die die Bombe vor dem Reichstag gelegt haben, auch an anderen Stellen ähnliche Anschläge durchzuführen versuchen werden, Parlamentsattentate. Gegen den Deutschen Reichstag war bisher noch kein Attentat verübt worden. Hingegen ist gegen die französische Kammer und gegen das englische Parlament je einmal ein Anschlag unternommen worden. Das Attentat gegen die Deputiertenkammer geschah am 9. September 1893. Der A n a r ch i st Vaillant warf auf die Plenar. sitzung eine Dynamitbombe, die 100 Personen, davon zwanzig Abgeordnete, verletzte. Der Präsident Dupois vertagte die Sitzung nicht, sondern machte die berühmte Bemerkung:„Die Sitzung geht weiter." Die Folge des Attentats war die Annohme scharfer Gesetze gegen den Anarchismus. Das Attentat gegen das englische Parlament ist unter dem Namen„Pulvcroerschnxirung" bekannt. Ee war der von einigen fanatischen Katholiken im Jahre 1005 unternommene Versuch, das Parlament mitsamt König Jakob I. in die Luft zu sprengen. Die Attentäter gruben unter der Straße einen Gang ins Parlaments- gebäude und brachten Fässer voll Pulver in einen Keller, wurden aber vor der Explosion entdeckt und hingerichtet. Reichskabineii und Haager Ergebnis. Sihung voraussichtlich morgen Dienstag. Reichsaußcnminister Dr. Stresemann wird Berlin vor- aussichtlich noch im Laufe des heutigen Tages wieder verlassen, um sich nach Genf zu begeben. Die Ka b i n ett s s i tz u n g. In der das Ergebnis der Ver- Handlungen im Haag besprochen werden soll, wird voraussichtlich am Dienstag stattfinden. Dr. Stresemann wird somit an dieser Sitzung nicht teilnehmen können. Da jedoch die Minister Dr. H i l f c r d i n g und Dr. C u r t i u s, die mit Stresemann zusammen am Sonntag in Berlin ankamen, in Berlin anwesend sind und bis zu diesem Zeitpunkt auch der Minister für die besetzten Gebiete, Dr. Wirth, in Berlin eintreffen dürfte, wird durch die Abwesenheit Dr. Strcse- manns die Besprechung des Haager Ergebnisses nicht oerzögert«»erden, da die drei Minister über die einzelnen Vorgänge im Haag unterrichtet sind. Gchachieinsturz in Gummelsburg. Mehrere Arbeiter verschüttet. heute mittag ereignete sich in der C a p r i v i a l l e e l» Rummelsburg ein schweres Einsturzunglück. Zurzeit werden dort mehrere etwa drei Meter tiefe Schächte für die Kanalisation ausgehoben. Aus noch ungeklärter Ursache gaben die Ver st eisungen plötzlich nach und mehrereArbeiler wurden verschüttet. Die Jeuer- rochr wurde alarmiert, die bei Schluß des Blattes noch mit der Bergung der verunglückten beschäftigt ist. Todesopser sollen glücklicherweise nicht zu beNagen sein. Ein fränkisches Dorf eingeäfcheri. Zweihundert Familien obdachlos. K r o n a ch, 2, September. � Das meist von Heimarbeitern bewohnte Dorf Tewschnitz in Oberfranken, das etwa ISOO Einwohner zählt, ist heute nacht von einer schweren Feuers- brunst heimgesucht worden. 59 Wohnhäuser, 37 Scheunen. 15 Schuppen und 20 bis 30 Beben- gebäude wurden eingeäschert. Bahezu 200 Familien sind o b d a ch- los. Der Brand ist, wie es heißt, durch ein in einer Scheune untergestelltes Motorrad verursacht worden und griff bei dem herrschenden wind mit großer Schnelligkeit um sich. Einige Personen erlitten bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen. Da« Großvieh konnte rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, das Kleinvieh verbrannte. Der Schaden ist nur zum kleineu Teil durch Versicherung gedeckt, Macdonald besucht Briand. Eine Geste der Annäherung. Paris, 2. September.(Eigenbericht.) Die am Sonnabend stattgesundcne Begegnung zwischen Mac- donald»nd Briand soll, wie der„Petit Parisien" zu berichten wech. durchaus nicht rein persönlichen Charakter getragen haben. Die französische Presse ist sich einig in der Beurteilung dieser Be- gegnung als einer bedeutsamen Geste der sranzösisch-englischen Wieder- annäherung, die durch die intransigente Haltung Snowdens im Haag bedroht gewesen sei. Der„Temps" erklärt, dos) Macdonald eigens nach Paris gekommen sei, um zu versuchen, die Scherben, die Snowden im Haag zerschlagen habe, wieder zusammenzufügen. Im übrigen weiß der sozialistische„Populaire" zu berichten, daß sich die beiden Ministerpräsidenten über ein grundsätzlich einiges Vorgehen Hugenbergs Echo. .Hugenberg(am Hermannsdenkmal):„Oer Oeutfche hat heute kein Schwert!* Echo(vom Reichstag her):„Tie— aber Oynamit!* in der Frage der S e e a b r ü st u n g und der Ereignisse in Palästina geeinigt haben sollen. Auch das Zwangsschieds gerichtsversahren sei erörtert worden. Sowohl Briand als Macdonald hätten erklärt, daß sie sich bemühen wollten, die Ratist kation des Vertrageentwurfes durch ihre Parlament? soweit als möglich zu beschleunigen. Ovationen für Snowden. London. 2. September.(Eigenbericht.) Der englische Schatzkanzler Snowden hatte bei seiner An- kunft in England einen großen Empfang. In Ha r wich verließ er beinahe als Letzter das Schiff und versucht«, sich unbemerkt zum Zuge zu begeben. Dies war ihm aber unmöglich. Er mußte sich beim Betreten des Landes auf einen Stuhl setzen, die Menge hob ihn hoch und trug ihn im Triumphzug auf den Bahnsteig. Herzliche und sreundschaftliche Bemerkungen sowie laute Zurufe be- gleiteten ihn auf diesem Wege. Der Empfang in London war noch viel größer. �Als der Zug auf der Liverpool-Slreet-Station«inlief, machte die Menge ihrer Begeisterung in lauten Beisallskund» gedungen Luft. Mehrere tausend Menschen hatten sich ein- gefunden, die ihn auf das ollerherzlichste begrüßten. Snowden lächelte freundlich, als der Zug einlief. Die Begeisterung der Menge steigerte sich derart, daß die Polizei um Snowden und seine Frau einen Ring bilden muhte, um ihn nach dem Wagen zu geleiten. An den Ausgängen drängte sich wiederum di« Menge und j u b el t e dem Schatzkanzler laut zu. Sie bcglllckwünfchte ihn zu seinem Erfolg, den er im Haag gehabt hat. Snowden begab sich sofort nach Downing-Street, wo er als stellvertretender Premierminister während Macdonalds Abwesenheit in Genf arbeitet. Kabinettsdebatte über die Räumung. Paris, 2. September.(Eigenbericht.) Beim Ministerrat am Sonnabend, der mit dem einmütige» Dank des französischen Kabinetts an Briand schloß, soll es, wie„Echo des Paris" zu berichten weiß, auch zu einer eingehenden Diskussion über die Räumungsfrage gekommen sein. Das Schreiben der Be- jatzungsmächte an Stresemann enthalte einen Widerspruch: zuerst sei festgesetzt, die Räumung werde erst nachdem Inkrafttre- ken des Poung-Plande» beginnen, ein zweiter Passus besage, daß die Räumung unterallcn Umständen im Juni 1930 beendet sein müsse. Briand hat dazu erklärt, daß der Brief nur in dem «inne interpretiert werden kann, daß die Exekution des Young- Planes nach wie vor die V o r b e d i n g u n g der Räumung darstelle. Er fei in keinem Punkte von den Erklärungen abgewichen, di« er am 31. Juli über die Räumungsfrage in der französischen Kammer abgegeben habe. Ein Perser präsidieri dem Völkerbund. Mnf sozialistische Oeleqierle- Boncour, Bandervelde. de Broucköre fehlen Genf. 2. September.(Eigenbericht.) Die 10. Bundesversammlung des Völkerbundes ist am Montag vormittag im Reformationssaal in Genf- durch den derzeitigen Präsidenten des Lölkerbundsrates. einem Perser, eröffnet worden. Vereint sind die Vertreter von öl Staaten in Genf. Eine Reih« der Staaten haben ihre Außenminister oder ihre Minist, rprästdenten entsandt. An sozialistischen Ministen, sind neben Macdonald und H e n d e r s o n der Minislcrpräsideni Dänemarks, S t a n n l n g. und der dänische Arbeitsminiftcr Borgbjerg erschienen, dagegen ist von den sozialistischen Parlamentariern, die sonst als Völkerbunds. Hugenbergs Schwert. Warum wir es nicht haben. i. Bericht des Hugenbergschen„Montag" über Hugenbergs Eheruskerrede: „Aus des Eheruskers im Sonnenlicht blitzendes Schwert weist Hugenberg, als dos Symbol deutschen Ringens und beut. scher Kraft:„Wir haben heute kein Schwert mehr!" 2. Gesetz über Kriegsgeräl vom 8. Juli 1927. § 1. Die Ein- und Ausfuhr von Kriegsgerät jeder Art(Waffen, Munition und sonstiges Gerät) sowie seine Her- stellung für die Ausfuhr ist o e r b o t e n. § 2. Kriegesgerät darf für inländische Verwendung weder hergestellt noch aufbewahrt werden- § 9. Wer den Vorschriften dieses Gesetzes zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Haft oder mit Geldstrafe bestrast. 3. Dieses Entwaffnungsgesetz gelangte am 6. und 7. Juli 1927 im Rsichstag in zweiter und dritter Lesung zur Beratung und Ab- stimmung. Die Deutschnationalen, deren Wortsührer Wollraf schon im Auswärtigen Ausschuß von einer politischen Zwangslage gesprochen hatte— die Deutschnationalen waren damals in der Regierung— beteiligten sich an der Aussprache nicht, sondern stechten schweigeich die Angrisse ihrer nationaisoziatistischen und völkischen Kundesbrüder ein. In der Abstimmung stimmten dl« Deutschnatloualen für da» Gesetz. das in zweiter Lesung mit einfacher Abstimmung angenommen wulde. Die immentliche Sästußabstimmung der dritten Lesung wurde auf den 7. Juli oertagt. i. 3n der Schlußabstimmung vom 7. Juli über das Enlwassnungs- gesetz stimmten 88 deulschnalionale Abgeordnete mit Ja. keiner mit Reim Zwei deulschnalionale Abgeordnete ent- hielten sich, 40 deutschiwtionale Abgeordnete werden im Ab- stimmungsprolotoll als abwesend aufgeführt. S. Einer dieser 40 deutschnationalen Abgeordneten, die bei der Ab- stimmung über das Entwaffnungsgesetz nicht im Reichstag anwesend waren, war der Abg. Dr. Alfred hugenberg. Er hat sich also von der Abstimmung über dos Entwasfnungs- gesetz genau so mannhaft gedrückt, wie von der Abstimmung über den Dawes-Plon. Und wundert stch jetzt, daß wir kein Schwert haben... Englischer Gewerkschaftskongreß. 600 Delegierte in Belfast. Lelsast, Z. September. Zu der heule beginnenden 81. Tagung de» Gewerkschasts- kongresse» sind hier 800 Delegierte al» Vertreter von ungefähr 3X Millionen Arbeitern zusammengekommen. Die Milgliederzahl ist im letzten Jahre um 200 000 zurück- gegangen und zwar einmal infolge de» fortgesetzten Abbaue» der Bergarbeiter, zweiten» durch die Absonderung der Seeleule, die aus die Querlreibereieu von Havelock Wilson zurückzusühren ist. E» lieg» jedoch ein Wiederaufnahmegesuch der Gewerkschaft der Seeleute vor. dem unter Beilegung der visferenzen stallgegeben werden dürste. Am Sonnabend abend fand eine groß- Demonstrations- Versammlung statt, bei welcher Ben T i 1 l e t t. der den Vorsitz führen wird, eine große Ansprach- hi-lt und auf die bisherigen Erfolge der Gewerkschastsbewegung in England hinwies. Di« ver- schieden«,, Redner betonten die großen Veränderungen. die im industriellen und Gewerkschaftsleben indenletztenJahr- zehn'-vn vor stch gegangen sind.. Frl. Darley wandte sich an die Frauen, die dazu berufen seien,»in« große Rolle in den Gewerkschaften zu spielen. Mitglieder des Kabinetts nehmen als Besucher teil und aus Höflichkeit hat man auch di« Vertreter der Postbeamten und Beamtenorganisationen zur Teilnahme eingeladen. Gewerkschaft und Arbeitslose. Abwehr der Abbaugelüste. Frankfurt a. M.. 2. September.(Eigenbericht.) Ein außerordentlicher Bezirkstag der Funktionär« des ADGB. für Hessen und Hessen-Rasiau beschäftigt« sich am Sonntag nach einem Bortrag« Sp li« dt s- Berlin mit der Reform der Ar. beitslosenoersicherung. Der Bezirkstag nahm mit großer Mehrheit nachstehende Entschließung an: »Di« am 1. September in Frankfurt a. M. persammelten Ber- treter der Gewerkschaften protestieren auf das entschiedenste gegen den Versuch und den Willen, da- Gesetz über Arbeitslosenoersiche. rung und Arbeitsvermittlung derart zu verschlechtern, daß von einen, wirksamen Schutz der Opfer der wirtschaftlichen Krise und der Rationalisierung nicht niehr gesprochen werden kann. Die Bersammelten fordern vom Parlament und von der Regierung. di« schon jetzt bestehende soziale Rot der Arbeiterschaft nicht durch weitere Verschlechterungen des Arbeitslosenversicherung»- gefetzes zu vergrößern. Die notwendige Sanierung der Reichs- anstatt kann und darf nicht allein zu Lasten der Versicherten gehen. Das Reich hat die Verpflichtung, durch angemessene Zu- schösse die Leistungsfähigkeit der Reichsanftalt zu erhalten. Die bisher vom Reich betriebene Subventionspolitik zu» gunsten der Wirtschaft muß auch zur Stützung einer Ein, richtung ausgedehnt werden, die dem Schutz der Arbeiter dient. Die Arbeiterschaft steht zum Staat, stellt aber den Slnfpruch, als gleichwertiger Faktor behandelt zu werden. Ein« Reform des Gesetzes nach den Vorschlägen des Sachverständigenausschuss«» ist für di« Slrbeiterschaft untragbar. Die Versammelten stehen»inmütig zu den Grundsätzen des Allgemeinen Deutschen Sewerkschastsbundes.� wie diese von der 3. Bundesausschuhsitzung am 31, Juli 1929 in Berlin beschlossen worden sind." Streikunruhen in Ttordkarolina. Rem Park. 2. September. Aus Marion in Rordkarolina werden erneut schwer« Un« ruhen gemeldet, bei denen ein« große Anzahl von Strei- tenden verwundet wurde. 800 Textilarbeiter protestierten am Somiabendabend gegen die Verhaftung eines ihrer Führer und zweier Abgeordneter. Es kam zu einem Handgemenge zwischen Streikenden und Polizisten, wobei e, auf beiden Seiten zahlreiche Verwundete gab. delegierte zu bemerken waren, nur Breit scheid übriggeblieben. Lettland hat zum ersten Male und als einzigster Staat in Dr. S ch i e m a n,«inen Vertreter einer deutschen Minderheit delegiert. Finnland hat seiner schwedischen Minderheit wieder eine Vertretung in der Völkerbundsabordnung gegeben. Deutschland wurde in" der Eröffnungssitzung von Staatssekretär Schubert ver- treten, da Stresemann sich am Montag beim Reichskanzler Müller in Baden-Baden aufhält und erst am Dienstag in Genf eintrifft. Salvador� Vorsitz in der Tagung. Genf, 2. September. Gegen XI Uhr trat di« Völkerbundsversammlung wieder zu- sammen, um nach Entgegennahme des Berichts über di« Vollmacht- Prüfung die Wahl des Präsidenten der 10. Völkerbundsversammlung vorzunehmen. Die Wahlhandlung ergab die Wahl des langjährigen Völkerbundsdelegierten von San Salvador Guerrero. der mit 43 von 51 Stimmen zum Präsidenten der Völkerbundsversammlung gewählt wurde._ Die Lteberfchwemmung in Indien. Städte und Dörfer zerstört. London, 2. September. Infolge der immer noch anhaltenden Regenfälle in den Gebirgen von Kaschmir sind di« Fluten weiter im Steigen begriffen. Aus einer Strecke von etwa 850 Kilometer steht da» ganze G«- biet unter Wasser. Di« Bewohner von sünf Distrikten haben auf Anordnung der Behörden ihre Gebiet« verlassen und sind teils in die Gebirge ge- flüchtet, teils abtransportiert worden. Da oerschiaden« Bahnstrecken an mehreren Stellen unterbrochen sind, macht der Abtransport der Menschen große Schwierigkeiten. Der Eisenbahnverkehr zwischen Indien und Kaschmir ist infolge des Bruches der Hohalo- Brück« unterbrochen. Auch zahl'-eiche gefährdete Städte sind bereits geräumt worden. B h a k k a r, ein Städtchen pon etwa 10 000 Einwohnern, wurde von den Fluten vollkommen zer» 't ö r t. Das die Bewohner Anweisung hatten, die Stadt zu räumen, wird angenommen, daß nur wenig« Personen dabei um» Leben ge- kommen' sind. Die Grenzstädte Kalabagh und Marl stehen unter Wasser. Allergrößte Gefahr besteht für die Dam und Kanalbauten bei S u k k u r. Von den Ingenieuren werden alle Mahnahmen ge- troffen, um das Kanal, und Dränagesystem zu retten. In die vom Wasser«ingeschlossenen Gebiet« wurden Flug- zeuge zur Ueberwachung und zum Transport von Lebensmitteln abgesandt._ Ein Hund beißt einem Kind die Augen aus. Jglau(Deutschböhmen), 2. September.(Eigenbericht.) In der Ziegelei des Johann Protivanskq in Proßnitz spielte die 7 Jahre alte Tochter des Arbeiters Prikryl mit dem großen Jagdhund des Besitzer». Plötzlich biß da, Tier zu und verbiß sich zwischen beiden Augen des Mädchens. Der Hund hat dem Kind ein Auge ausg«riss«n und gefressen und das zweit« ebenfalls ausgerissen. Das Kind wurde ins Pasteurlnstitut gebracht. Der Hund kannte das Mädchen gut und war sonst gutmütig. Die Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Vereinigungen ehe- maliger Kriegsgefangener Deutschland» E. V. wurde in Offen- dach a. M. beendet. Di« teilweise äußerst lebhaften Verhand- lungen beschäftigten die Vollsitzung während eines halben Tages mit der Frage der inneren Struktur der Arbeitsgemeinschaft. Die Voll- sitzung am Dienstag nahm die Denkschrift de» Reichssinanzministers Über„Di- Rechtsverhältnisse der ehemaligen deutschen Kriegs. gefangenen" entgegen._ Wort und Tat. Hinterm Reichstag, als man pennt«, Ein« Mordmaschin' ging los. Vor dem Hermonn-Monumente Tot dies«in« Schnauze bloß. Viele Scheiben sind zersplittert, Stein« regneten und Glas. W» der Hugenberg gewittert, Da passierte nicht mal da»! Mir scheint hinter diesem Schlager Tieferes Symbol persteckt: Wie im nationalen Lager Mit dem Wort die Tat sich deckt. Hier: der Held der starke» Worte. Dort: es sprießen aus dem Seich Toten ganz derselben Sorte.——~- („Tat* gleich„Dummersungenstreich.*) Jonathan, Fünfzig gegen zwei. Propaganda für„revolutionären Klassenkampfs heule morgen erschienen aus der Redaktion des..V o r-, rnärfs" zwei Zugendgenossen von der SAZ.. Erich Bock' und Ollo V i l l w o ck au» Neukölln, mit Pflastern und blauen Klecken im Gesicht und Wunden aus dem Rücken. Sie gaben uns folgende Schilderung: Wir standen in der Siedlung am Dammweg zwischen Sisinbock- und Widder st rast«, um uns den Zug des Kammunistischen Jugend Verbandes anzusehen. Es war gegen 18.30 Uhr. Wir haben in keiner Weise provoziert, im Gegenteil, wir begrüßten uns sreundschastlich mit kommunistischen Jugendlichen, die wir von früher her kannten. Als dann gegen Schluß des Zuges die Abteilung der Kommunistischen Jugend, Bezirk W e d d! n g, kam, stürzte sich einer der Kommunisten völlig ohne Grund auf den Genossen Billwock, um ihm seinen roten Schlips mit dem Abzeichen des holländischen Jugendoerbandes, das er auf dem Wiener Jugendtag ausgetauscht hatte, abzureißen. Dies wurde als Signal ausgefaßt, und aus der ganzen Breile des Zuges stürzten sich etwa öl) bis 100 Mann aus die beiden Zugendgenosscn und schlugen auf sie ein. Eine Wund« an der Schläfe zeigt deutlich, daß ein harter Gegenstand, wahrscheinlich ein Schlagring, benutzt worden ist. Erwiesen ist weiter die Benutzung von Koppelzeug und Stöcken. Nur mit Mühe gelang es unseren Genossen, sich von den Rowdys zu befreien. Wenige Häuser weiter wurde ein Uebersall aus die Wohnung eines kriegsbeschädigten Genossen versucht. Auf zwei Genossen, die dem Bedrängten zur hilf« eilen wollten, wurde gleich- falls roh und rücksichtslos«ingeschlagen. Ermöglicht wurde der Uebersall vor ollen Dingen dadurch, daß in d«r Siedlung allgemein bekannt ist, wer Sozialdemokrat und wer K o m m u n i st ist. 50 gegen 2, das ist kommunistisches Heldentum, das ist„revolutionärer Klassen. kämpf"! Zeppelin auf der Heimreise. Ein Drittel der Ozeanroute bewältigt. New Bork. 1. September.(TU.j DaS Luftschiff„Graf Zeppelin" ist heute morgen um 8,18 Uhr amerikanischer Zeit(13,18 Uhr MEZ.) nach Friedrichöhafen aufgestiegen. Der Start des Luftschiffes war ursprünglich auf 5 Uhr morgen» MEZ. angesetzt, mußte aber wegen widriger Bodenwinde verschoben werden. Da» Luftschiff steuerte direkt ostwärts dem Meere zu, ohne New Bork zu berühren. Kaution zur Verhinderung der Beschlagnahme. Die Anwälte der Goodlear eppelin Company hinterlegten beim höchsten Gericht von New Jersey eine Bürgschast in höhe von 25 000 Dollar, um die Beschlagnahme de» Luftschiffes zu verhindern. Die ihnterlegung der Bürgschaft erfolgte, nachdem der Unterjheriss die Absicht bekanntgegeben hatc, den„Gras Zeppelin" durch den früheren Zeppelin-Piloten Anton heinen in Besitz nehmen zu lassen Heimfahrt des„Graf Zeppelin* heinen war vom Sheriss dazu angeworben, dos Luftschiss aus dem Schuppen herausbringen zu lassen und e? an einem großen Paum z u befestigen. Da» Wetterbureau in Washington sagt für den Wflvg des„Graf Zeppelin" leichte Nordwest winde und klaren bis teilweis« bewölkten Himmel voraus. In der Nähe der amerilonischen Küste jedoch würden stark« bis frische Südwestwinde auftreten, verbunden mit Bewölkung und stellenweise einsetzenden Regenschauern. Wieder zwei blinde Passagiere. wei in der Passagiertabine de»„Gras Zeppelin" oersteckte jugend- liche blinde Passagiere wurden entdeckt und der Polizei Übergeben. Kapitän Lehmann hosst, wie es heißt, den„Gros Zeppelin" 20 Tage noch dem Abflug von Friedrichshasen dort wieder in die hall« zu bringen, was reichlich zwei Tage weniger wäre als der Lakehurst— Lakehurst-Flug und ein, Verbesserung des Weltrekords bedeuten würde. Vie letzte Standortmeldung de»„Graf Zeppelin" stamm« von heule früh 8 Uhr. Danach befand sich das Luftschiff um diese eil auf 4g Grad, 30 Minuten westlicher Länge und 30 Grad nördlicher Breite. An Bord sei alle» wohl. „Graf Zeppelin' wurde beim Uebersliegen der Dampferroute um etwa 6 Uhr(MEZ.) vom belgischen Passagierdampfer„Laplond" und bald daraus von den Dampfern„Roma" und„Präsident Johnson' gesichtet. Das Luftschiff hat«inen südlicheren Weg einschlagen müssen, da in der Gegend von Neufund- land ein Schlechtwettergebiet herrscht. Streik der �eparationsarbeiter. Schlechte Behandlung durch deutsche Firmen. Pari». 2. September.(Eigenbericht.) Unter den deutschen Arbeitern beim Bau des auf Reparation»- konto zur Ausführung gelangenden Eifenerz-Kanals von Metz nach Diedenhofen ist am Sonnabend ein Streik aus- gebrochen. Ungefähr 200 Arbeiter haben sich am Sonntag in Perl, der ersten Eisenbahnstation aus deutschem Gebiet oersammelt, um ihre Forderungen zu formulieren. Di« deutschen Firmen zahlen den Arbeitern nur ein kleineres Taschensgeld aus. Der Rest gelangt nach Abzug der Berpflegungskosten an ihr« Familien in der Heimat zur Auszahlung. Die Arbeiter wollen über einen größeren Teil ihre» Berdienste« verfügen können, da die Verpflegung in den Kan- tinen zu schlecht und den Verhältnissen entsprechend, viel zu teuer ist. Reich»prälidenl von hindenburq wird morgen Dietrainszell, wo er seinen Urtaub verbrachte, verlassen und sich nach Berlin zurück- begeben. UNI der Beerdigung seiner einzigen Schwester, die heut« in Potsdam verstorben ist, beizuwohnen. „OantonsTod"i Vierundzwanzigjährig starb Georg Büchner, der Dichter von„W o z z e ck" und„Dantons Tod". In diesen Werken gipfelt das Drama der ersten hälft« de» Jahrhunderts. Es sind Werke eines Knaben. Jung und blutvoll geht die Handlung über uns hinweg und selbst wo Rede und Gegenred« des Volkes, wie in „Dantons Tod", unverkennbar pathetisch hämmern, ist es das Pathos der Junge», die durch das Wort Brücken schlagen wollen über alle Stromschnellen des Blutes. Karl Heinz Martin, der uns„Dantons Tod" am Sonnabend in der Volksbühne vorführte, bringt neuc Lust. Der Umfang des Stückes bedingt Streichungen hier zeigt sich sein Talent, Ungleiches maßvoll oneinander zu reihen, ein festgesllgtes Mosaik zu stellen, das dem Ansturm der tausend ungeduldigen und hungrigen Augen im Zuschauerraum standhält. Das wogt und funkelt in den Straßen von Paris. Wirklichkeit. Bürger, Arbeiter. Neureiche, Sansculotten, Straßendirnen Ein Wort fliegt auf, rottet die Mosten zusammen und löst sie. Der Sturm einer Hetzrede rauscht über das lauschende Mhricht der Masse. Ein ausgestreckter Arm bändigt die wogenden Gesichter, die sich starr dem Worte entgegenbäumen, das ihnen, den Entfestellen, neu« Fesseln an- schmiedet, sie antreibt zur Tot gegen ihr eigenes Fleisch. Volt von Pari»! Grausom-gutes, störrisch-mildes, gefestelt-freies Volk von Paris. Gefangen im Taumel selbster, zeugter Freiheit. Volk von Paris, Welt- volk. Kindervolt! Träg-eisriger Koloß, der sich selbst köpft, selbst erschlägt, immer wieder. Das Beil fällt, ein Kopf rollt in den Korb, Dontons Kopf, der Kopf von Paris, der Kopf der Revolution, der Kopf des freiesten Volkes der Welt. Das danken wir Martin: Wir sahen nicht, wir erlebten. hansRehmann— Danton. Ein Mensch, keine Marionette. Ein Kerl. Ein gefallener Engel, eine sich selbst verzehrende Flamme. Ein Koloß, dessen ungeheure Vitalität in das Nichts verpufft. Danton, menschlich-nah, in sein unterstrichener Selbstironie, grobem Rednerpathos, männlicher Todesfurcht und dann wieder in prophetischem Schauen erdenfern, Donton aus Dreck und Feuer, ein Mensch! Georg- Springer- Gedenkfeier. Die Volksbühne hielt in ihrem Haufe am Bülowplatz Ge- dächtni»fcier für ihren verstorbenen Vorsitzenden Georg Sprin» ge r ab. Springer segnete vor sechzehn Iahren den Grundstein zu dem Kunschaus der arbeitenden Masten. Mit Begeisterung, Klug- heil und Ausdauer hütete er das Wert, während Krieg und Inflation das Vollendete erschütterten. Nun kamen am Sonntag allc, die er einst geleitet hatte, um ihm die große Totenehrung zu bereiten. Mit Mozartscher Klage- musik wurde begonnen. Man endete mit einem Beethovenschen Adagio, das wohl die Dunkelheit der Trauer erklingen ließ, aber auch Wehmut und Schmerz linderte, um die Phantasie zum Gedanken der Freude überzuführen. Denn dieser fleißige, fröhliche Mann des Volkes, der aus dem Volke stammte und sich aus der proletarischen Tiefe zur geistigen und ökonomischen Freiheit emporgerungen hatte, sollte noch einmal als«in Beispiel der demokratischen Tüchtigkeit und der energischen Organisationslust gepriesen werden. Die Schauspieler Frank, Ginsberg und K a r ch o w las«» aus dem„P h c i d o n" Platos jene Stellen, die von der Unoergäng- lichkeit der. seelischen Kräfte handeln und bedeuten, daß der Tod nicht Untergang eines Menschen ist, daß der Tod vielmehr das neue Leben zeugen wird, wofern der Verstorben« ausgefüllt war mit Ideen und Idealen. Diese Ideen und Ideale wurden wieder sichtbar und hörbar, als Karlheinz Martin, heute künstlerischer Direktor der Volksbühne, Georg Springers Reden und Schriften aufblätterte. Da osfenbarte sich wiederum das herz des Verstorbenen, der für das Bestehen der Volksbühne feine hohen Koufmannstalent« stets erfolg- reich eingesetzt hotte. Denn es gehörte zu der Bedeutung dieses Mannes, daß er nicht nur gefühlvoll über den bedrückenden Alltag der arbeitenden Masten zu klagen pflegte:«s war ihm auch gestattet, den Ausweg aus dieser sozialen und geistigen Engni» zu zeigen und zu ebnen. So wurde er zugleich der praktischste und der väter- lichste Führer der Volksbühne. Julius Bab, der mit psycho- logischer hellsichtigteit und feurigem Schwung das Leben des Buch- Händlers Georg Springer erzählte, berichtet« vom äußeren Aufstieg und vom inneren Wachstum dieses wahren Volksmannes. Georg Springer oernahm die Sehnsucht des Volkes nach der feierlichen Kunst, und er war einer von jenen seltenen Menschen, die Sehnsucht in Erfüllung verwandeln durften. Der Lorbeer, der die Buhne schmückte, die Tön«, die das Andenken de» Toten verewigten, endlich die besonnenen, festlich«rwogenon Worte, die sein Wesen erleuchteten, alle dieser würdige Prunk, all diese andachtsvolle Innigkeit, sie ver- rieten den Wunsch, die Volksbühne künftig so weiter auszubauen, wie es die schönen Träume und die klaren Gedanken Georg Springer» verlangten. dl»x HocKdork. »T»N.« Städtische Oper. Tyll Ulenspiegel— Till Eulenspiegel, Schalk. Schelm, Narr, Spötter, Spaßmacher und Taugenichts, Genießer und Verächter des Lebens, Menschenfreund und Gesellschastsseind. unsteter, sorglos un- bekümmerter Vagabund, lustiger Rebell, ewiger Empörer, Aufrührer wider geistliche und bürgerliche Obrigkeit, Schwindler und Prophet, Lügner und Weiser, Kämpfer für Freiheit und Wahrheit—: die Figur, historisch-mythologische Spur des späten Mittelalters, ist lebendig geblieben durch die Jahrhunderte, sie lebt, weit über den Bezirk ihrer noch westdeutschen Heimat, vielfältig abgewandelt, in der Literatur, im Volksbewußtsein. Nun steht sie. nicht zum ersten- mal übrigens, als Opernhcld vor uns. Als Volksopernheld, es läßt sich kein glücklicherer Stoff für eine heitere deutsche Volksoper denken. Und etwas wie eine Dolksoper hat uns der junge Mark Lothar in diesem seinem ersten Buhnenwerk gegeben, in Gemein- schast mit seinem AUersgenosten, dem Dichter Hugo F. Koenigsl garten. Er gibt mehr Epos als Drama: in fünf Bildern keine gestaltete entwickelte Handlung, sondern eben nur— Bilder, Ausschnitte: muffig-muckerisches Spießbürgertum, Psassenherrschast und höfische Dumpfheit als Hintergrund und(luftig karikierte) Welt des Gegenspiels, von der Tyll sich als einsame Mißgestalt wirkungssicher abhebt. Und Mark Lothar musiziert« sich frisch und beherzt durch den bunten Wechsel der Situationen und Stimmungen, um charokte- ristische Einfälle und lyrische Eingebung nicht verlegen, wenn auch ohne persönlich starke Note, mit Volksliebantlängen und Straußischem Orchesterklang, sympachisch, freundlich, melodisch, ein wenig im Ton Humperdincks und nicht gerade, wie wir es heute von einem Sieben- undzwanzigjährigen erwarten. Der innere Aufruhr, an dem es dem Komponisten mangelt, fehlt auch seinem„Tyll". Ein rebellisches Werk ist es noch nicht geworden. , derVottsbühne. Walter Francks Robespierre, ein würdiger Gegenspieler. Bleich, fanatisch, unerbittlich. Das Schicksat. Von zwingender Krast im Monolog. Erwin Faber vollkommen in Spiel und Geste, vielleicht zu schwer In der Aufsassung. Sigurd Lahde» Legendre ein Volksaufwiegier, ein pathetischer, skrupelloser Winkel- adookat, von fahriger Selbstgefälligkeit, ein Mensch, der aus seiner Nichtgesinnung Gesinnung macht. Man glaubt es ihm. Gleisnerisch-molluskenhoft, mit den weichlichen Gesten eines ver- wähnten Kindes ist Peter L o r r c St. Just. Kalt, grausam. despotisch. Sein Können gipfelt in der Rede zum Volk. Gut waren: Ernst Karchow(Lacroix), Erich Thor, m a n n(Herault-Sechelles), Heinrich Greller(MercieO, Josef K a r m a(Barrere), Otto SauterSarto(Eollot d'Herbois), Karl Etlinger(Souffleur Simon): Claus Clausens Philippeau schien mir etwas übertrieben in den Gesten. Von den weiblichen Rollen wirkt« Lotte Lenja als Lucille echt im Kindlich-Vissinören, aber schulmäßig In der Wahnsinnszene. Eine ganze Leistung: Fränze Ralofis altes Weib- Mai, staunt über das durchgeistigte, fein und leidenschaftlich er- faßte Spiel einer noch wenig Bekannten, Helene Sieburg (Julie, Dantons Gattin), und beklagt hier zum ersten Male den Fortfall der Selbstmordszene, da man dieiem Talent gerne Raum zum Lösen einer größeren Aufgab« wünschen würde. Unter den weiblichen Rollen ist die ihre am stärksten erlebt. Therese G i e h se(Weib des Simon), kernig und urwüchsig. Edward Suhr leistete mit dem Entwurf der Bühnenbilder und Kostüm« ganze Arbeit. Hans Eislers Musik paßt in das große Format der Inszenierung. In der Enthauptungsszene am Schluß siel das Beil zu früh. Es ist anzunehmen, daß? die Hände des Henkers wegen des großen Erfolges der Ausführung vor freudiger Erregung zitterten. Aber dieser Zwischenfall konnte den starken Erfolg nicht gefährden. Wir erlebten in der Volksbühne eine Revolution. Di« Marseillais« donnerte, ein Hammer ewigen Kampfes um Freiheit, uns entgegen, die im Schatten des Zuschauerraumes saßen, trägen Blütes. Sie hat uns aufgerüttelt. .Alexander von Sacher-Masodi. Die Städtische Oper hat sich beeilt, die erfolgsichcre Ro- ostät herauszubringen: ein paar Proben mehr hätten der Aufführung vermutlich nicht geschadet. Sehr gut in der Titelrolle Josef Burg- winkel und in der einzigen größeren weidlichen Rolle M a r g u e- rite Perras, deren persönlich-inniger Sopran sich immer schöner entfaltet. Daneben EduardKandl, Gerhard Pechner, Edwin Heyer. Robert Denzler dirigiert und der neu« Regisseur, O t t o K r a Ii s z, führt sich vorteilhaft ein. Xlaus Prinssheirn Kammerspiele. „Oer LLnwiderstehliche" von Gäraldy und Spitzer. Madeleine erfährt, daß ihr Gatt« Fernand auch mit der Schau- spielerin Gaby Bettkameradschaft hält. Deshalb klammert sich Made- leine an Henri, der den Ruf genießt,«in unwiderstehlicher Eroberer aller Frauen zu sein. Henri führt mit kaufmännischer Umsicht über seine gesamten Liebesunternchmen Buch und hat für diese Buch- halterei ein wundervolles Altweiblein, n'-dzt minder prächtig von Frau Richard gespielt, engagiert. Vor Madeleine versagt der Unwiderstehliche vorläufig. Ein Kuß, den er in Biarritz stahl, mußte wirklich nur auf das Liebeskonto geschrieben iverden. Aber die ver- botene Frucht schmeckte süß, so daß Henri sich vollkommen in den Dienst Madeleines stellt. Das Frauchen ist nämlich verzweifelt über die Untreue ihre» Gatten. Sie will ihn um jeden Preis von der galanten Gaby los- lösen. Strahlend und siegesgewiß nimmt Henri das Besreiungs» wert auf sich. Spielend gewinnt er auch diese Partie. Wie immer, hilft ihm auch diesmal der Zufall. Denn die Gaby, die er gewinnen soll, hat er schon vor drei Jahren gewonnen, und sie wünsch! jetzt nichts sehnlicher, als wiederum in feinen Netzen zu schmachten. Nun jedoch, da Ferand zerknirscht heimkehrt, bat auch die bisher kühle und artige Madcleine Feuer gefangen. Sie wurde auch bis Opfer de» Unwiderstehlichen. Sie legte sogar den Hut im Junggesellen- zimmer des Unwiderstehlichen ab. Und auf dem Diwan--- Al« sie deshalb mit der Füll« ihres wiedererwachten Herzens und Kör» per» weiter sündigen will, redet ihr Henri höchst moralisch ein, daß sie zum Abenteuer gar nicht geeignet, und daß die Ehetreue allein ihre Pflicht sei. Dieser sittsame Dialog wird hauptsächlich von dem mondainen Witz Geraldy» beherrsdst, den Frankreichs literarische Jugend mit Recht zu ihren angenehmsten Gescllschastsplauderern rechnet. Man freut sich über die Darsteller, über die Zungenfertigkeit de» Fräulein Mosheim, über die galante Anmut der Frau M e w« s. über die rührende Altjüngferlichkeit des Fräulein Tony vanEyck, die einen früh vertrockneten Backfisch darstellt. Harald Paulsen spielt den unwiderstehlichen erotischen Seiltänzer so, als wenn das Ideal der Pariserinnen nur«in verliebter Operettenschnellläufer wäre. Wie überhaupt Herr Gründgen, der Regissour, der auch die Rolle de« ungetreuen Gatten übernahm, seine Künstler zum schauspielerischen Eilmarsch anfeuerte. Durch diese Hast wird manche Pointe ins Leer« und Unverständliche geschleudert, doch es Ist besser, daß diese Komödie vorwärts rast, als daß die Künstler auf ihren Worten einrosten. Max Hochdorf. Lustspielhaus. „Grand Hotel" von Hanl Krank. Das Lustspielhaus existiert jetzt seit 26 Jahren. Jubiläuwsstück ist der Schwank vom armen Schlucker, der mit unerhörter Courage die schönste Frau aus dem Herzen des reichsten Mitteleuropäers ent- führt. Diese» Märchen begibt sich natürlich, indem viele Sünden gegen den guten Geschmack und gegen die Logik begangen werden. Paul Frank häuft all« alten und erprobten Possenmotive. Wir sehen, daß die Gcldmagnatcn viel leichter an Magenkolit erkranken als die übrigen Söhn« der Republik Deutschösterreichs. J» diesem unter Finanznot und Sentimentalität leidenden Lande spielt das Stück, dessen nabelst« Herzensheroine Frl. N o r a G r e g o r ist. Di« Dame verschwendet ihre Reize. Sie wirft dem Zuschauer mit vollen Händen alle Anmut ins Gesicht, die ihr das Schicksal gab. Wir würden ihr auch glauben, wenn sie sich wentggr auffällig anböte. Georg Alexander ist der Empfänger dieser Gabe. Auch er gebärdet sid) allzu laut, all zu selig. C» würde dem Stücke nicht» schaden, wenn Berfasscc und Schauspieler und Regisseur die drei Dutzend der verfügbaren Pointen etwas enthaltsamer über da» sehr dankbare Parkett hinausstreuten. hl. H. Vle Volksbühne bat auf Beranlassuna der.Liga jür Atenichenrechte" zur heutigen Ausführung von.DantonS Tod" die zurzeit in Berlin an- wesendeu 80 französischen AuStauschschüler zu Gast geladen. „Völkerbundskonzert." Versuch des Ferndirigierens im Rundfunk. Dar ungefähr einem Johr fand im Potsdamer Stadt- t h e a t e r ein interessantes Experiment statt. Auf der Bühne sangen ein paar Herren und Damen Szenen aus einer Oper Pergolefis, wahrend das Orchester in der Charlottenburger Hochschule für Musik spielte und nach Potsdam übertragen wurde. Schon damals klappten die Einsätze ausgezeichnet, und es störte nur die Disharmonie zwischen dem Naturlout der Stimme und dem eiwas wattierten Ton des Orchesters. Phantasien ideenreicher Schriftsteller und Fcuilletonistcn wurden damit in die Wirklichkeit umgesetzt, denn man hat oft, etwa bei dem Engländer Herbert George Wells, lange vor Erfindung des Rundfunks lesen können, daß sich eine Oper der Zukunft so abspielen werde: Jeder Sänger und Musiker sitzt in seiner Wohnung und haspelt sein Pensum herunter, eine Zentralstelle vereinigt die verschiedenen Impressionen und. über- trägt sie auf die Hörer, die zu Haus« ruhig bei Strümpfestopfen und Pseiferauchen ihren Feierabend verbringen. Die Potsdamer Aufführung entsprach diesem Ideal noch nicht, aber das Sonntagskon.zert im Berliner Rundfunk unter dem aktuellen Namen„Völkerbundskonzert* kam schon der dichterischen Phantasie bedeutend näher. Das Programm nannte dieses Unternehmen schüchtern„Versuch des Ferndiri» g i e r e n s". Also der Fall lag so: In Zürich faß der Manager, der Dirigent Dr. E r i ch F i s ch c r wohl verwahrt im Kabelzimmer des Züricher Fernamts. Vor ihm ein sordimcrtes Klavier, auf dem er nach den europäischen Metropolen die Einsätze übertrug. Und dort in Paris, Berlin, Loüdon und Mailand logierten die Solisten mit niehr oder minder erlauchtem Namen, vor sich Notenblatt und Mikrophon, die Kopfhörer auf den Ohren. So sitzen sie wartend da, bis dos gedämpfte abgestiinint Züricher Klavier den Einsatz gibt, und dann beginnt ihre Kantilon«, zart gefühlvoll oder heroisch ge- strafft, gerade wie es die Partitur verlangt. Dazwischen vernimint der Hörer die Rufe der Ansager„Ice !'ar!aNl-n: Wolsgaug sqwar,. Berlin: Anzeigen: Th.»lock«. Berlin. Bcrlag: Borwärls Verlag®. jn. b. H.. Berlin. Druck: Borwärt» BuÄ Uhr cavaiierla rustfeana Balazzi Staats-Oper Am Pl.d.Republ. Vorst 38 2ü Uhr Montag, 2. 9. staut. Oper Bismarckstr. 19'/- Uhr Gesthl. VorsKlig. Die von Windsor Staatl. Sdiansph. am Gendarmenmarkt P..-S. 33 20 Uhr Staatl.SehilJEr-Tlieater,Charilh. 20 Uhi Treibjagd | Tägl, 5 u. 810 Sonnt. 2, 5 u 8U I Alex. E. 4. 8066 1 INTERNAT. 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September 1929: Fest-Vorstellung zur Feier des so janngen Besiehens der Stettiner sanger Anfang[IT] Uhr. __ Oönhoff- Brotti: Variete Konzert Tanz ••••••••••!•••••••••• Sommer-Garten-Theater Berliner Prater N 58, Kast-Allec 7-9. Tel. Hb. 224t Qastspiei Gosiei Ben. Gretei Llltsn Wiener Blut Operette von Johann StrauB Oaza der grofie Varletetcii. Anfang Konzert 4 Ultr. Burleske u. Varietd 5.30. OptretlB 8 Bhl. Üf•»MIMMiMMt Volks bUline r�atirinBlIownloti Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie; Karl Heinz Martin Pavillon der Rei hardtbühnen, Bismarck 148/449 WM Theater D.I. Norder 8 U- Ende g( Regie: Max Reinhardt. lusik. Einrichtur E. W. Korn�old. Ausstattg. L. Kainet Kammersplele Der Komödie von QOraldv und Spitzt Regie: Merkur 1624 Täglich 8'/. Uhr Clubleute m-irer tWaltlter Stein Täglich 8V« Uhr las kommt doch alle Tage vor Metropol-Th. Tägl. 8Vi Uhr Sonntags 1 u. SVt Blaubarl Operette von Offenbach Grete Finkler, Slieber- Waller Planetartnm Vnliig. 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R u- d o l s Wissel! macht im zweiten Band seines Buches über„D c s alten chan.d werks Recht und Gewohnheit" eine Reih« von Mitteilungen, die von besonderem Interesse sind. Die Bogiländer. Der Ausdruck Vogtländer für die seltsam gekleideten Zimmer» gesellen ist geläufig. Nach Wissell sind für den„fremden" Zim- mcrcr alle nichtsrc m den Zimmerer Vagtländer. Wir haben uns also erst damit zu beschäftigen, was überhaupt ein fremder Zimmerer ist. Besonders in �»cn Hansastädten wurde zwischen„einheimischen" und„fremden" Zimmergesellen unterschieden. Für diese Unter- jchcidung spielte die Frage des Ortes der Geburt keine Rolle. Viel- mehr kam der Nachweis von drei Wanderjahren in Betracht. In dieser Zeit durste der Ort, in dem der Zimmergeselle einheimisch werden wollte, nicht besucht werden. Die Sache entwickelte sich ungefähr so: Hatte der Lehrjungc seine Lehrjahre getreulich aus- gestanden und war er von den Meistern vor offener Lade frei- gesprochen, dann muhte er sich mit den Gesellen„abfinden", sofern er als zünftiger Geselle mit der Hoffllung, überall die Unter- stügung seiner Mitgesellen zu finden, in die Welt hinausgehen wollte. Erst dann war er ein„fremder Zimmergeselle" geworden. Es wurde dabei viel getrunken und der Lehrling muhte zahlen. War er ins Handwerk eingeweiht, dann konnte die eigentliche Abfindung vor sich gehen. Am Krugtag fand er sich mit zwei Schenkgesellen ein und wurde unter gewissen Förmlichkeiten in den Handwerlssaal gefordert. Der„Lehrling" war an diesem Tage, an dem er vor der Brüderschaft erschien, mit einer weihen Schärpe geschmückt. Am Abend mußte der Junge seinen nunmehr.gen Mit- gescllen einen Schmaus geben, während dessen Verlauf ihm der Altgeselle die„E h r b a r k e i t" überreichte, d. h. der Altgeselle band ihm ein schmales schwarzes Bändchen zwischen dem Halsausschnitt und dem ersten Knopfloch seines weihen Hemds. Damit war der Gefell« ein fremder Geselle und im Besitz der Ehrbarkeit. Für de» fremden Zimmerer sind alle nichtfremden Zimmerer Vogtländor. Auch der„Bogiländer" ist ein handwerksgemäh ge- lcrnter Zimmerer: er ist genau so, wie der„fremde" Zimmerer van den Meistern freigesprochen und er schließt sich auch mit seinen Mitgescllen genau so zusammen, wie der„fremde" Zimmerer. Aber sie kennen nicht das zünftige Ritual: ihre Gesellcnzusammenkünfte sind freier. Es wird bei ihnen kein Buch aufgemacht, sie werden nicht fremd geschrieben, die dreijährige Wanderung ohne Betreten des Heimatortes wird nicht beachtet. In der Kleidung ist ocr Vogt- länder, abgesehen von der fehlenden„Ehrbarkeit", nicht von einem fremden Zimmerer zu unterscheiden, jedenfalls nicht von einem Laien. Sie werden von den fremden Ziinmerern auch durchaus als gleichartige Berufskollegen angesehen und aus dem Zusammenarbeiten beider sind wohl kaum je Schwierigkeiten erwachsen. Nur daß vielleicht«in so enges Freundschaftsverhältnis mit den Vogt- ländern nicht zustande kommt, wie in der Regel zwischen Fremden allein. Die �olandsbrüder. Anders war das Verhältnis der fremden Zimmerer zu den Rolandsbrüdcrn. Zwischen ihnen besteht eine zu immer wieder- tehrenden, oft zu sehr blutigen Streitigkeiten führende Feind- s ch a f t. Woraus sie entstanden ist, dürft« heute kaum zu ermitteln sein. Offenbar handelt es sich bei den Rolandsbrüdern um eine Absplitterung von den fremden Zimmerern. Sie unterscheiden sich von diesen durch die Ehrbarkeit, die rot ist. Wissell teilt darüber folgendes mit:„Bon einer Seite der Zim- mercr, die es eigentlich wissen mühte, ist mir gesagt worden, daß es zun, Teil Verärgerung fei, die die Trennung herbeigeführt habe. So sei ein fremder Zimmerer zu den Rolandsbriidern über- getreten, als er ein erhofftes Ehrenamt bei der Brüderschaft nicht erhalten habe. Auch solche Zimmerer, die ihre finanziellen Ber- pslichtungen z. B. gegen ihre Logismutter nicht ersüllt hotten und deswegen von ihren Kollegen zur Rechenschaft gezogen worden seien, seien zu den Rolandsbriidcrt, gegangen. Das letztere glaube ich nicht, denn auf die Erfüllung ihrer Verpflichtungen und die Ehrbarkeit der Lebensführung halten, soweit ich es habe feststellen können, auch die Rolandsbrüdcr." Die blaue Ehrbarkeit. Die Rolandsbrüder haben ihren Hauptsitz in Bremen. Wahr- scheinlich leitet sich ihr Name auch vom Roland in Bremen ab. Noch ivenigcr läht sich über eine dritte Gnippe erfahren, die eine blaue Ehrbarkeit trägt. Aus gelegentlichen Eintragungen im Protokollbuche der Zim- merergcsellen Hamburgs vom Anfang des vorigen Jahrhunderts könnte man auf noch weiter« Gruppen von Zim- m c r e r n schließen, mit denen die„fremden Zimmerer" nichts zu tun haben wollten. Vielleicht ober auch handelte es sich um die Zimmerer eines Ortes, der aus irgendeinem Grunde schwarz g e- stellt worden war. Am t8. Januar l8ZS wird«in Schreiben der Tilsiter Zimmerer verlesen, in welchem diese ersuchen, sie, wie dies ichon in Preußen geschehen wäre, für zünftig anzuerkennen,„damit ihre Ausgelernte in jedem Staate und freye Städte aufgenommen würden", worauf die Gesellschaft beschließt, ihnen zu antworten, „wenn andere freye Städte und Staaten sie anerkennen, wollten sie selbige auch anerkennen". Aus der Zeit der Vorfälle am Schlesischen Bahnhof wird man sich vielleicht erinnern, daß Zimmergesellen sich gegen die an den Streitigkeiten beteiligten Zimmerer wandten und in der Oesfent- lichkeit darauf aufmerksam machten, daß sie nicht i» Frage kommen, sondern nur Gesellen mit einem blauen Schlips. Gemeint war wohl die blaue Ehrbarkeit. Die Potsdamer. In irgendeiner, auch unverständlich gebliebenen Weise un- zünftig müssen auch die sogenannten Potsdamer gewesen sein. Am 1?. April 1830 wird auf die Frage, wie es mit den sogenannten Potsdamern wäre, von den Altgesellen geantwortet, sie hätten die Sache dem wortführendcn Aeltermann angezeigt und einige derselben bei Namen aufgegeben, aber noch keine Antwort erhalten. Am 23. September 18-32 wird angefragt, rb die Potsdamer„nach nicht bald aus der Arbeit kämen, da schon wieder einig« verheiratet!.' Zimmergesellen aus der Arbeit wären". Und am 19. Oktober 1834 muß ein Geselle, der einen Kollegen„einen Potsdamer" geschimpft hatte, 2 Mark an die Zlrmeirbüchse geben. Lrieäricb Oll:. im Lande Ibsens Notizen von einer Reise/ Von Max Barthel Auch in Norwegen fanden sich die Arbeiter nach den bitteren Jahren der Kämpfe und Spaltungen in der geeinten großen Ar- beiterpartei zusammen. Bei der letzten Wahl eroberte diese Partei 60 Mandate für den Storthing, die Kommunisten holten sich drei Sitze, spalteten sich noch einmal und haben im norwegischen Reichs- tag heute nur noch einen Mann. Die Arbeiterpartei übernahm die Regierung und wurde schon nach wenigen Tagen gestürzt. Das Land stöhnt noch heute unter einer schweren Wirtschaftskrise, es gibt viele Arbeitelose, Fabriken liegen still, die Steuern sind hoch, die fetten Jahre des Krieges, die Gründerjahre, sind vorbei. lieber sllnfundsicbzig Prozent des Landes sind Geröll, Fels, Moor. Berg und Schnee. In phantastisch zerrisiener Kurve springt das nackte Land mit seinen Felsen. Inseln und Schären gegen den Atlantischen Ozean. Die schönen, vieloerzweigten Fjorde greisen tief, osr über 100 Kilometer, in die Landschaft ein. Rund 150 000 Inseln und Schären bauen sich einsam oder in kahlen Gruppen drohend und schützend vor der rund 3000 Kilometer langen Küste auf. Es gibt wenig Straßen in Norwegen, noch weniger Eisenbahnen, der Schiffsverkehr ist ausgezeichnet organisiert. Oslo, die Hauptstadt, liegt auf der- selben Höhe wie Leningrad und Hammerfest aus denselben Breiten- graben wie A l ä s k a oder Nordsibirien, wo Schnee, Sturm und Eis jedes menschliche Leben tötet. Aber in Norwegen, und auch im hohen Norden, lebt das Leben. Der Weizen reift bis an den Polorkreis hinaus. Roggen, Hoser und Gerste ge- deihen bis zu 70 Grad nördlicher Breit«. Das Meer ist auch im Winter eisfrei: der Golfstrom ist der große Lebensspender für Nor- wegen. Der Januar dicht an dem Polarkreis ist nicht kälter als der Januar in Berlin. 76 proz. unbebauter, versteinerter, versumpfter Boden, 21 Proz. fttald. knapp Z Proz. Aecker und Wiesen und rund 0,10 Proz. . Höfe. Dörfer und Städte: so teilt die Statistik norwegisch« Erde auf, aber diese Statistik de- kommt erst Blut und Leben, wenn der Fremde auf einer Reise Oslo berührt und über Trondhjem oder Bergen nach dem hohen Norden fährt. Auf dieser Reise löst sich alle Statistik auf, das schöne, arme und teure Land verlockt durch seine verzauberten Landschaften sehr leicht zur Schwärmerei. Am frühen Morgen wird die Grenze passiert. Die Sonne flammt, auf dem Grenzfluß bei K o r n s j ö schwimmt Holz. Aus den schwarzgrünen Waldungen brechen die nackten Kuppen der Granitsclsen, an der Bahnstrecke stapeln sich neue Holzhllgel auf: öägemühlen warten auf den Arbeitstag. Die ersten Fjorde zeigen sich und ihre kleinen Inseln, weiße Brandung z«rbricht sich und kommt immer wieder. Bald kommt ein schäumender Fluß und muß seine Kraft an«in Elektrizitätswerk abgeben. Norwegen hat vielElektrizität, und manche Gebiete wissen nicht, wohin mit der überschüssigen elektrischen Kraft. Die Eisenbahn rattert weiter durch schöne Landschaften, berührt eine klein« Stadt, berührt einig« kleine Städte mit Holz- und Fisch- industrie und rastet dann in Oslo. Norwegen war viele Jahrhunderte hindurch Kolonie von Däne- mark und Schweden, im Lande gehen große Kämpfe zwischen dem „R i i ksma a l" und dem„L a n d s m aa l". das heißt: zwischen dem neueren Norwegisch, das sehr vom Dänischen beeinflußt ist, und dem älteren Norwegisch, das sich aus den Landesdialekten ein« selb- ständige Sprache schaffen will. Oslo: das ist Landsmoal, Kristiania, das war Reichsmaal. Di« norwegische Sprache ist auch heute noch in Fluß, auch heut« noch variiert die Schreibweise vieler Ortsnamen beträchtlich. Von Oslo ist nicht viel zu erzählen: am Abend fährt man weiter. In der Erinnerung bleibt das Bildm's an eine schöne kleine Stadt am Fjord, von hohen Bergen bekränzt, von denen man beglückt aus das Meer und auf Oslo hinunterschauen karm. Im Hafen ist viel Betrieb, holländische Unterseeboote wären auf Besuch, man er- innert sich auch der kleinen Zeitungsjungen, die ihre Journale an» bieten, und vor dem Nationaltheater stehen in Erz die großen Nor- weger: Ibsen und B j ö r n s o n. Von hier aus ging ja einmal eine große gesellschaftliche Erschütterung. Wie schnell sich doch die Welt bewegt. Ibsen und Björnson? Heute rüttelt und schüttelt ein anderer Norweger an unserem Herzen: Knut Hamsun. Am Abend fahren wir weiter und hoben bald das freie Land und die ersten Berge erreicht. Bis nach Lillehammer ist es nicht weit, und da oben nun entfaltet sich schrankenlose Schönheit mit fernen Bergen, kleinen Siedlungen und weiten, berühmten Tälern. Der große M j ö s s e« leuchtet auf. Die Holzhäuser der verstreuten Höfe schimmern rot, gelb und weiß und stehen auf breiten Stein- sundamentcn. Bald kommt die Dunkelheit und wir fahren durch das Gulbrandtal, eine Wiege norwegischer Bauernkultur. Und wenn man nachts einmal aufwacht— die Bahn führt Schloswagcn dritter Klasse—, kann man, tausend Meter hoch rollt der Zug, das schneebedeckte, eisklare Wunder der Riescnberge sehen. Aus dieser Oandschasl brach Ibsen auf, als er mit seinen Dramen begann. Am frühen Morgen ist Trondhjem erreicht, die alte Stadt mit dem berühnNen Dom, der als Nationalhciligtum angesehen wird. Di« Stadt rüstet sich zum 900jährigen Jubiläum zur Erinnerung an den König Olas(„der kühne, junge Olaf" heißt es in dem Lied« Tord Folcson), und der Pressechef für die Feiern ist der Rcdaktions- sckretär der radikalen Arbeiterpartei... Wir bummeln durch die alt« Stadt, bes«hen uns den bemerkenswerten Dom, ober dann schreit unser Schiff zum dritten Male. Die weißen Möven jagen noch Küchenabfällcn, der Fjord leuchtet, das Schiff löst sich vom Kai, wir fahren weiter. Trondhjem versinkt, die vielen Holz- Häuser, der alte Dom, die großen Hotels, alles versinkt, bewaldete Berge begleiten uns, Schneefirne schimmern auf, aus dem Grün der Berg« bricht brutal der kohle, verwitterte Felsen. Kleine Gehöfte und Dörfer schmiegen sich an das Land und trinken aus dem klaren Wasser des vielverzweigten Fjords, wir fahren stundenlang und wenden uns dann entschlossen nordwärts. Weit draußen im Westen bricht sich die Brandung d«s Ozeans an den Schären. Schon im Fjord und dann in den engen und weiten Passagen der Fahrt treiben im grünen Wasser die schwimmenden Kolonien der Ou allen: seine, blaugestirnte und dann d-e gelbroten Quallen, die sich wie Regenschirme oder Sonnenrosen auf- spannen. Wir fahren den ganzen Tag. Die Wälder bleiben zurück. sie verkümmern und schicken verkrüppelte Horchpostcn nach. Die Küste wird immer zerrissener, immer steiler, immer fanatischer, immer heroischer und tragischer. Bon den grauschimmernden Bergen stürzen, berauscht vom eigenen Fall, tosende Sturzbäche. Die Sage hat sich der kahlen Zinnen und Schroffen bemächtigt. Der Mensch, sein Leid und seine Lust, ist das Maß aller Dinge, und so hat er nun da oben in die Zinnen und Zacken seine Wunsch- träume, seine Aengste und Seligkeiten hineingezaubcrt. Wir passieren den nördlichen Polarkreis, am Morgen legen wir bei einer kleinen Station an und sehen hinter uns die weißblauen Felder eines gewaltigen Gletschers. Eine neue Station gibt uns eine Stunde Zeit zu einem Bummel durch die winzige Stadt, die mir aus Holzhäusern besteht und doch irgcndwi« Zentrum für das versteinerte Hinterland ist, Kulturzentrum, denn hier wohnt der Arzt, der Apotheker, der 2lgent, der Händler. Eine Schießbude ist zu sehen, ein kleines Cafe, viele Läden mit Manufaktur und Hausrat, Tobaklädcn, in denen man auch Zhepsel und westindische Bananen kaufen kann. Für Ma garine wird große Reklame gemacht.(Knapp 3 Proz. des ganzen Landes sind Aecker und Wiesen!) Auch eine kleine Zeitung erscheint. Die Reise an der Küste entlang wird immer schöner und wilder. Zu den Möven gesellen sich nun die schwarzen K or m o r a n e und die schwarzweißen L u m m c n. Die erste Nacht schon war eine weiße Nacht: es ist genug Gelegenheit da zur Schwärmerei. Der Wald ist un- sichtbor. die tragischen Berge heitern manchmal ihre Hüsten durch das strnragdene Grün des Mooses oder kleiner Rasenfegen auf. In einem Sund sind die Heringssischer bei der Arbeit. Einmal sehen mir einen großen Dainpfer, der von Lofoten kommt und gedörrte Dorsch« an Bord l)ot. An den trostlosen Rändern der Inseln und des Festlandes trauern kleine Holzhäuser aus den kahlen Steinen, auf den kümmerlichen Wiesen: dort wohnen die Fischer, die von nichts als dem Meere und seinem Reichtum, den Fischen, leben. Am Abend kommen wir nach B o d ö. Am Kai sammeln sich viele Menschen: ein Schifs ist da, die große Sensation. Viele Jungen? stürmen das Schiff und verkaufen die neuest« Tageszeitung. Bodö ist die Hauptstadt des Nordlandes, der große Ausfahrt- Hafen für die Lofotfischer im Februar, März und April, die von hier aus nach den ertragreichsten Fischgründen der Welt, eben nach Lofoten, fahren. Diese Hauptstadt ist erschütternd: die meisten Häuser sind Holzhäuser. Zu ihren Prachtgebäuden gehören die Post und das Krankenhaus, zu dem viele 100 Kilometer weit her die Kranken aus den Bergen und über das Meer von den Inseln gebracht werden müssen. Und wieder kommt eine Nacht, in der das Licht mit dem Nebel kämpft. Wir fahren im W e st f j o r d. Das Schisf brüllt sein« Signal«, ruht, brüllt wieder und fährt dann langsam, longsam an einer bläuen Kuppe vorüber, die sich aus dem Meere wölbt und plötzlich vom Licht überschüttet wird: die Lofoten sind erreicht, dies« wahnsinnig schön« Inselgruppe, die ihre gewaltige Wand aus dem Meer bis über 1000 Meter hoch erhebt und sich über 150 j�ilo- meter weit in den Ozean erstreckt. Lichter leuchten auf, matte Lichter, sie ertrinken aber in der weißen Nacht. S t a m s u n d ist da, die große Station mit den vielen Fabriken, die im Jahre viele Millionen Dorschköpfe und Gräten zu Fischmehl verarbeiten. Di« getrockneten Dorschköpfe sind haushoch gestapelt und schicken ihren Verwesungsgeruch in die warm« Nacht. Wir bummeln eine halbe Stund« auf der Felsenkllste, sehen die Fabrikarbeiter und Fabrikmädchen, die armen Arbeiterhäuser, die Berg« der toten Fischköpf« und die Fabriken. Wir gehen und stehen auf harten Boden: wir begreifen plötzlich, warum der Be- sitzer der Mietskasernen»ird Fabriken der Zar von Stamsund heißt: alles gehört ihm, der Kaufladen, die toten Fische und die letxndigen Marschen. x (8. Fortsetzung) Heinrich verfolgte den Zlmeisenzug, der an der Landjeit« in einem morschen Erlenstrauch endete, wo ein mächtiger Haufen Bau- stoff aufgespeichert lag und ein Teil der fleißigen Tierchen schon Ordnung hineinzubringen suchte. Und wie kameradschaftlich sich die Tierchen gegenseitig halsen. Drei, vier griffen zu, reichte die Kraft des einen nicht aus, seine Last vorwärtszubringen. Und olles ging im Eifer, als dränge die nasse Flut schon in ihr altes Heim. Der Meister stieg an der nächsten Tasel hinauf.„Die müssen heut noch in Grund. Laß die Steine zurück, die fressen nicht so viel Farbe, die sind mit zwei Strichen gedeckt." Und er hämmerte fest drauflos, während Heinrich eilends den Pinsel am Pfahl auf und nieder schwang. Die Sonn« war in ein rotglühendes Meer versunken. Und feuchtwarm stieg es aus dem Wiesengras empor, als Heinrich die Karre, hinter seinem Meister, auf schmalem Pfad heimwärts schob. Der Alte eilte voraus. Zln einer Weggabelung schug er die Richtung nach einem kleinen Dorschen ein, wo der Weg am Krug oorbeiführte. Dort wollte er erst seinen Durst stillen. Heinrich blieb weit zurück im Wiesengelände, denn dos Trog- band drückte schwerer als am Morgen. Er hielt an und blickt« ein Weilchen dem scheidenden Tag« nach. Wie wenn er aus seines Vaters Karten über den Neuhofer Mühlberg schaue, so schwarz hob sich die Modritzer Windmühl« ab, auf der Anhöhe, gegen den gold- leuchtendcn Abendhimmel. Dos Peitschenknallen der heimkehrenden Hirten hallt« lang im nahen Erlengebüsch wieder und echote im ' Dörfchen nach. Ein grauer Schleier lag niedrig über Wiesen ge> breitet und drückte Blüten und Blumen wie müde Augen zu. Der- einzeltes Froschgequake und das helle Meckern der Himmelsziege begleitete dos still« Niedersenken der Nacht. Dieses alles erweckte in ihm die stille Sehnsucht nach seiner .Heimatknabenzeit. Ermüdet saß nun Heinrich auf seiner Karr« vor dem Dorskrug. Johlende Burschen und singend« Mädchen trieben satte Viehherden den Gehöften zu, die von mächtigen Eichen und Linden umduntelt da lagen. Rauch stieg aus niedrigen Essen, der sich mit frisch- gemähtem Klcegeruch oermischte. Es war ihm, wie wenn die alte Mäste leis muhe und Mutter mit klapperndem Milchgeschirr dem Stall zu eil«, und hinter der Scheune die Nachtigall, erst verträumt, dann immer mutiger in den stillen Abend hineinschmetter«. Sich so in die Erinnerung seiner Kindheit oersenkend, fand er das still« Dorsleben heut um vieles schöner als das hastend« Treiben der Stadt. Und ein neuer Sinn schien in ihm erwacht, der hell- sehend und feinhörig macht. Der Meister stand vor ihm, eine Kufe Brounbier in der Hand. ..Trink, wirst durstig sein." Nachdem sich beide gestärkt hatten, warf sich der Alte das Tragband über und Heinrich schleift««inen Strick an die Lehn«, denn hinterm Dorf gab es«ine Strecke losen Sandweges. Beide atmeten erleichtert auf, als sie kurz vor der Stadt in die Chaussee«inbogen. Sie machten noch einmal halt, um«in wenig zu verschnaufen. Ein freundlicher Gruß kam aus dem Dunkel der Bäume am Mühlteich herüber. Timm sah schweigend auf. Und gleich löste sich ein Pärchen aus der Dämmerung. Der Bursche zog das Mädchen an der Hand.„Lenchen Weißmann", sagte er, es artig dem Meister vorstellend. „Hoch, der Jakob und Försters Lenchen.— So. so." Timm reichte beiden die Hand. Der Geselle berichtet kurz was sich im Laufe des Tages im Geschäft zugetragen, und daß Lenchen noch am Abend eine dringende Bestellung von Oberamtmanns gebracht habe. Dort sei eine große Familienfeier in Dorbereitung und alle Aufträge für das Lippencr Schloß müßten so schnell als möglich fertiggestellt werden. „Gut. Da wollen wir morgen gleich hinüber. Das wird ein schwerer Tag, Heinrich." Timm dankte den beiden, und das«in- räderige Fuhrwerk setzt« sich wieder in Bewegung. Die geschäftliche Aufmerksamkeit des Jakob gefiel ihm sehr. Doch mit der Lene— das macht« den Meister nachdenklich.— Am End« wußten die Färstersleute schon darum. Denn auf keinen Fall würde sich die Lene mit ihm zeigen, wär's nicht ernstgemeint... Und ein ganzer Kerl, wie der Jakob einer ist... Gott, was würde der Adolf— sein Jüngster— für Augen machen, käme er aus der Fremde und es säße ihm der vor der Nase... So bläht« sich der Gedanke an das Verhältnis der jungen Leute bald zu einer nahenden Gefahr auf. Zuguterletzt verließ sich der Alt« auf sein« Rosil: die wird schon einen Ausweg finden, dachte er, als sie in den Hof einfuhren. Ein Tag des Schreckens. Am anderen Morgen hatte Meister Timm noch einige Geschäfte zu erledigen. So mußt« Heinrich allein in aller früh aufbrechen. An der Odersähre sollte er warten, bis der Alte ihn eingeholt habe. Nun faß er in der Morgensonne auf einer Sandbank, die sich ins flache Wasser hineinschob, und sah den Wildenten und Wasserhühnern zu, die sich schreiend im Weidengebüsch herumjagten. Ermüdet streckt« er sich bald in den warmen Sand, kerzengerade in den Himmel schauend.— Wie sie da angesegelt kamen, ver- einzelt, leicht, fast durchsichtig und weih wie Federbälle. Aber immer landeinwärts, dem Wafferlauf entgegen.— Der Jakob hatte recht, als er neulich sagt«, das Wasser wandere ewig hin und her: Unten ziehe es in Strömen zum Meer, dort nebel« es hoch und der Wind trüge es wieder zurück ins Land.— Das hatte der liebe Gott aber schlau eingerichtet, denn sonst müßte das Meer über« laufen.— Der Jakob meint« zwar, dieses alles regele«in Natur- gefetz— aber so ganz mag das wohl doch nicht stimmen, denn Tag und Nacht, hunderte Meilen weit ziehen Wolken, ohne auch nur ein Tröpflein zu verlieren und erst da, wo das Land ausgedörrt ist. ballen sie sich in Gewitter zusammen und brechen los.— Vielleicht kommt dies doch daher, weil Londleut« in dürrer Zeit togtäglich den lieben Gott um Regen bitten... Nahendes Gespräch mischt« sich in Heinrichs Gedanken. Er sprang auf. Die Fähre lag noch still in der Bucht am jenseitigen Ufer. Doch unter schattigen Eichen den Waldweg daher kam sein Meister hemdärmlig. Als dessen Begleiter erkannt« er Pastor Blechschmied. Entblößten Kopfes trat er auf den geistlichen Herrn zu und reichte ihm die Hand, was dieser im Eifer des Gespräches nur ganz mechanisch erwidert«. Wie nach einer entschuldbaren Ablenkung suchend, warf Timm einen prüfenden Blick aus Heinrichs Karrenladung. Bretter, Leisten, Werkzeug, weiße und gelbe Farbe, Firnis, Lock, Kitt, Leimtiegel und obenauf die Fliegenfenster. Ja,«s war alles beisammen. Er winkte und rief über den Strom nach dem Fährmann. Nun erst wandte er sich dem Begleiter wieder zu, um zu ont- warten.„Nein, Herr Pastor, das dürfen Sie nicht oerlangen: einen solch tüchtigen Gesellen find ich nicht wieder." „Aber, Meisterl Dann stellen Sie Ihr Geschäft über das Seelenheil unserer Gemeinde! Der Mensch macht es mir einfach unmöglich, die jungen Leute zu vereinen. Er droht: sobald ich mein Werk begänne, dann gründe er«inen Arbeiterbildungsoerein." Blechschmied zog eine Monatsschrift„Der Zeitgeist" aus der Tasche.„Hier sehn Siel Die Gefahr ist um so größer, weil hinter Ihrem Herrn Frohnknecht der noble Herr Schöneich steckt, der hier schon seinen Plan entwirft. Er warnt die Jugend, sich nicht in kalten modrigen Gebetshäusern ihre jungen Seelen verkümmern zu lasten. Und wie geschickt: Zum Anreiz sind photographische Aus- nahmen ganzer Scharen von Jungen und Mädchen unserer Ge- meind« abgedruckt. So sucht er sie einzusangen." „Nicht übel.— Da werden unser« jungen Wartenberger nicht wenig stolz darauf sein, so in aller Welt bekannt zu werden." Der Alte betrachtet« lächelnd die Bilder.„Heinrich, sieh! Da bsst du wohl auch dabei." „Ach nein!" Der Geistliche nahm die Schrift an sich, als Heinrich die Hand danach ausstreckte. Die Fähr« stieß knirschend auf Sand. Timm und der Fähr- mann begrüßten sich wie alte Bekannte und begannen ein Gespräch über das nahende Hochwasser. Jedoch Blechschmied zog den Meister beiseite.„Auch ist mir zu Ohren gekommen", begann«r scharf flüsternd,„zwischen Frohnknecht und des Försters Tochter fei ein Verhältnis im Gange." „Wie's scheint I" „Sie wissen's? Dieses kann Ihnen doch aber nicht gleichgültig fein!" „Aber ich bitt' Sie, Herr Pastor, was geht das einen dritten..." „Timm, Timm! Si« sind in des Burschen Gewalt. Ich warne Sie!" fuhr Blechschmied erregt auf. „Immer ruhig, ruhig, Herr Pastor! Ich bedarf Ihrer Warnung weiß Gott nicht. Sie�stnd halt noch jung und Ihr strenger Glaube macht Ihnen Ehre. Doch a biß'l mehr Geduld und Nachsicht tät Ihnen gut. Drei Ihrer Amtsvorgänger überlebt« ich in den vierzig Iahren. Und ich bekenn es hier mitten auf der Oder: die Gemeinde hätte ohne Pfarrer friedlicher gelebt, denn immer nährten sie Haß gegen Andersdenkende. Und Sie oerfallen in denselben Fehler. Sie sollten sich hüten, gute Menschen, wie Frohn- knecht und Schöneich, mit Haß zu oerfolgen. Denn nur Glaubens- fchwächling« können solche Menschen sürchten." Betroffen, den Hut lüftend, verließ Blechschmied das Fahrzeug, als sie das andere Ufer erreicht hatten, und schritt eilends den Oderdamm hin zum nahen Pfarrdorf. Wie er beleidigt davonläuft, dachte Heinrich. Solch harten Widerspruch hätte er dem Meister nicht zugetraut.— Ein Pastor ist doch kein gewöhnlicher Mensch, der hat doch Gewalt über andere: den darf man ebensowenig erzürnen wi« den lieben Gott.— Das gibt noch sehr Schlimmes, ohnt« er voraus, als er die Karre am Strick den Berg hinaufziehen half. Wie ausgestorben lag der geräumige Gutshos, von langgestreckten Wirtschaftsgebäuden eingeschlossen, im hellen Sonnenschein, als sie zum großen Hoftor einfuhren. Nur ein alter ausgedienter schäfer- Hund, der schlummernd vor seiner Hütte lag, schlug nach längerem Besinnen lässig an. Ließ aber den Kopf gleich wieder auf die Vorderpfoten zurücksinken und träumte weiter, wi««in Beamter. der sein« Pflicht erfüllt hat. War er sich doch der Wirkung seiner Ankündigung sicher. Denn sogleich erhob sich ein große Kriegs- geschrei im Schatten der mächtigen Linden. Dort saßen auf kühlem Rosen ein zahlreich Gänseoolk, aus dem sich der männliche Teil sofort erhob und mit vorgestreckten Köpfen feindselig zischend auf die beiden Fremden zum Angriff vorrückten. Da sich aber der»er- meintliche Feind nicht zur Wehr setzte, kehrten sie. kraslbewußt triumphierend, zu ihren erregten Frauen zurück und sprachen de- ruhigend auf sie«in. „Schön guten Margen, Meister!" Ein altes Mütterchen erhob sich vom Graszupfen auf dem Herrenwege und öffnete das Tor im grünen Staketenzaun, der den Schloßgarten abgrenzte. Timm setzt« die Karr« ab und reichte der alten, abgedienten Köchin die Hand, die unter ihrer großen Strohhaube wie aus einem Sousfleurkasten heroorlächelte und gleich zur offenen Küchen- tür die Ankunft der Tischler hineinrief. Mit lauten Vorwürfen trat die resolute Schafsnerin aus der Küche.„Na endlich, grad' fünf Minuten vorm Hochwasser sein Sie hier. Vor drei, vor vier, ach, schon vor sechs Wochen Hab' ich Sie bitten lasten. Wär a Tischler im Dorf, weiß Gott, ich hätt den geholt. Denn mir scheint, Sie sein schon a bißl zu alt, Meister." Timm blickt« dos breit vor ihm stehende Frauenzimmer vcr- wundert an.— Aber nein, das wär zu dumm... Rasch über- wand er den aufsteigenden Zorn und erwiderte mit erzwungener Ruhe.„Ich wüßt' nicht inwiefern mein Alter für Sie von Nachteil wär." „Ich, behüt', für mich: Ne, n«. Aber für die gnäd'ge Herrschaft könnt's sein." „Ach so. Aber darum brauchen Sie doch Ihr letzt biß'l Anmut nicht vergrämen, Lene." „'s letzt biß'l?— Werd' ich auch nicht. Und Sie haben recht: 's geht mich nichts an. Hält' ich unter der Lotterwirtschaft nicht so zu leiden, spräch ich kein Wort drüber." Si« öffnet« die Tür zum Vorratskeller. Da sah es allerdings wüst aus. Das Treppengeländer war abgebrochen, die Wein- ftellage zusammengefallen und die Speiseschranttüren hingen schief an rostigen Bändern.„Möchten Sie in einer solchen Werkstatt schaffen. Meister?'Und in der Küch wär's nicht bester, hätt nicht der Johann mit Hammer und Nägel schon tüchtig nachgeholfen. Dabei hängt doch das Wohl der gnäd'gcn Herrschaft von Keller und Küche ab." Timm stieg wieder die Treppe hinauf.„Was hilft hier alles Lamentieren. Da müssen wir gleich loslegen, Heinrich, denn das ist grad' genug für ein Tagwerk. Und bald kommt's Hochwasser, da müssen wir doch vorher hinüber, sonst sitzen wir hier fest auf acht Tage." „Zuerst, bitt schön, setzt euch und langt tüchtig zu", drängte die Wirtschafterin, aus den gedeckten Tisch weisend. Ei gewiß. Dazu war eine übereinstimmend« Bereitwilligkeit bei den Tischlern vorhanden, di« durch den Anblick der Schinken- schnitten und der bereitstehenden Liköre noch erhöht wurde. Und beide hieben tüchtig ein.(Fortsetzung folgt.) DER TAG BRINGT. Zwischen Enns und Mar. Das obersteirische Gebiet, in dem die Schlacht von St. Lorenzen zwischen der ein Arbeiterfest störenden Heimwehr und der Ver- teidigungswehr des Republikanischen Schutzbundes geschlagen wurde, ist beherrscht von der Eisenhüttenindustric. Bei Eisenerz liegt der berühmte E r� b e r g, der ganz aus hochgradigem Eisenstein besteht und seit Jahrhunderten, ja sogar seit vorgeschichtlicher Zeit, in gewaltigen Terrassen ober Tage abgebaut wird. Wenn man un- gewohnterweis« auch nur ein« Anzahl dieser Terrassen auf den unzähligen Stufen oder auch Leitersprossen heruntergeht, dann tun einem die Knie tagelang weh. Das Erz wird gleich in der alten Stadt Eisenerz den Hochöfen zugeführt und auf Roheisen verhüttet. Das Städtchen liegt im Schatten gewaltiger Berge der nördlichen Kalkalpen, wie des Reichenstein, die zum Teil recht schwierig zu besteigen sind. Oben auf dem Erzberg führt eine Transportbahn über dem Präbichl nach Vordernberg, da ein Teil des Erzes von den Eisen- erzer Anlagen nicht bewälligt werden kann. Die Verarbeitung, sowie die Veredelung des gewonnenen Roheisens geschieht dann in den gewaltigen Werken der Alpinen Montangesellschaft in Hieflau, Bruck an der Mur, der allen Vergstadt Leoben und besonders in ihrem Nachbarort Donawitz. Hier stehen außer Hochösen auch Marttnösen, große Hammer- und Walzwerk« mit Drahtgewinnung, Blech- erzeugung und vielen sonstigen Spezialbetrieben. Stahlwaren wer- den besonders bei Böhler in Kapfenberg erzeugt. In Leoben ist auch die staatliche Hochschule für Bergbau, die Montag, 2. September. Berlin. 16.00 Hins Jakob:„Die Auftaben der Dolmetscher uäbrend der Voliversimm- lung des VBIkerbiindes." 16.30 Novellen. Verlaßt und gelesen: Dr. Pelix Linter. 17.00 Girtenkomert 18.20 Reichskunstwirt Dr. Redslob(Bildfunk). 19.00 Dr. Redslob: Aus dem Arbeltstebiet des Reielskunstwarts. 19.30 Tänze auf rw.'i Klavieren. 20.00 Das Interview der Woche. 30.30 Internationaler Programmausfauscb. Volkstümlicher Wiener Komponisten- Abend. Nach den Abendmeldungen bis 0.30; Tanzmusik. Während der Pause: Bildfunk. Kenizsvgsterhansen. 16.00 Englisch(kulturkundlich-literarlsche Stunde). 16.30 Dr. H. Möller und Mitwirkende: Wandernde Melodien. 18.00 Prof. Dr. Hans Reichenbach: Die Gesetalichkeit der Natur. 18.30 Englisch für Anlänger. 18.55 Dr. Laube: Betriebswirtschaftliche Fragen zum KerbStgetreidebau. 19.20 Heinze: Die Karosserie und ihr« Pflege. 30.00 Lieder(Schallplattenkonzert). 30.15 Populäres Konzert. tmninmitniniiinimiiiimitiiiiimiuiiiiiiiuiiiiiiiiiniiiimiiiiiiuiiuiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiuD schon immer eine Pflanzstätte des Nationalismus war. Dem- entsprechend sind auch die Beamten der Berg- und Hüttenwerke meistens fanatische Reaktionäre. Sie hoben sich mit Wonne in den Dienst des Gesinnungsterrors gestellt, den die„Alpine" feit einigen Jahren wieder befohlen hat, nachdem es seinerzeit der Arbeiterbewegung gelungen war, sich durchzusetzen. Heute besteht sogar der Betriebsrat zur Hälfte aus Heimwehrlern, Arbeiter waren es, die sich von den Ingenieuren gegen das Arbeiterfest von St. Lorenzen kommandieren ließen und soeben hat man eine Anzahl Arbeiter entlassen, weil sie dem Leichenbegängnis des erschosten-.t Schutzbundgenossen Hauer, wenn auch nur als Zuschauer' beigewohnt hatten. Ts wird vieler und schwerer Aufklärungsarbeit der frei- gewerkschaftlichen Bewegung bedürfen, um ihre Machtposition in Obersteier wiederzugewinnen, die früher einmal die Zwanzger, Tuller u. v. a. aufgebaut haben. ribe. Eilt sehr. Als Herr von Keudell im Reichsinnenministerium noch sein deutschnationales Regiment führte, kam eine« i l i g e Sache zur Vorlage an den zuständigen Ministerialdirektor. Das Schriftstück war aber dicht neben dem Vermerk:„Eilt sehr!" mit einem sünf- markstückgrohen Fettfleck geziert. Der Ministerialdirektor kreiste den Fettfleck fein säuberlich mit Blaustift ein und schrieb daneben: „Wer hat. das verschuldet?" Dann ging der eilige Akt in Rundlauf durch sämtliche Ab- teilungen des Ressorts. Nach vierzehn Tagen wurde der Schuldige in der Registratur festgestellt und der Herr Registrator oermerki« am Rande: „Den Fettfleck hat Supernumerar Müller oerschuldet." Daraus ging der Akt im Laufe von vierzehn Togen den gleichen Weg, den er gekommen war, wieder zurück zum gestrengen Ministerialdirektor, der neben die Feststellung des Registrators schrieb: „Supernumerar Müller soll sich schämen!" Noch einmal trudelte di« eilige Sache bis zur Registratur, was noch eine Woche in Anspruch nahm. Dem guten Müller wurde di« Anordnung des hohen Chefs eröffnet, und der Akt gelangte nach wetteren acht Tagen nochmals und endgültig zum Ministerialdirekior. Der nahm befriedigt Kenntnis von der Randbemerkung des Registrators: „Supernumerar Müller hat sich geschämt." Dann ging der Akt mit dem Vermerk„Eilt sehr!" in den Auslauf. Friede seiner Asche. Der Kanzlist Schulze halle das Zeitliche gesegnet. Sein Bureau. Vorsteher meldete deshalb gehorsamst an die vorgesetzte Stelle: „Der Konzlist Schulze ist gestern gestorben. Di« Beerdigung findet morgen nachmittag, 3 Uhr, vom Zentralfriedhos aus statt." Daraus schrieb die hohe vorgesetzte Stelle darunter: „Verfügung: 1. Friede seiner Asche! 2. Den Herren Beamten zur regen Tellnahme am Begräbnis." Die FTGB. jubiliert! Das Arbeitersportfest im Poststadion:„10 Jahre Freie Turnerschaft Qrotj-Bcrlin!" Der erste Tag des FTGB.- Iubiläumssportfestes nahm bei zahlreichem Besuch einen ver- heihungsvollen Verlauf. Nach dem Aufmarsch aller Kinder begrüßte Lehmann am Sonnabend als Hauptfestlciter alle Erschienenen und machte die kleinen Freunde auf die Bedeutung der Veranstaltung auf- merksam, mit dem Hinweis, auch in späterer Zeit dem Arbeiterturn- und Sportbund die Treue zu bewahren. Die Kleinen antworteten mit freudigem Frei Heil. Die darauf folgenden Freiübungen zeigten so recht in welcher Weise auch die Kleinen und Allerkleinsten schon an gymnastischen Uebungcn teilnehmen tonnen. Es war eine Freude, die Jungens und Mädels flink und behende über die Bahn dahinfausen zu sehen. Belustigend waren die Spiele, da waren die Kinder im richtigen Element. Schon beginnen auf dem Rasen die Vorbereitungen zum H o ck e y s p i e l. Die Mannschaften des ASC. und der FTGB.- Nordring werden mit Beifall begrüßt und nehmen Aufstellung. Das Spiel ist lebendig und zeigt manchen interessanten Moment. Wechsel- seitig werden die Tore bedroht und schließlich endet das Spiel mit 2:1 für FTGB.- Nordring. Die Zeit mahnt für die Kinder zum Aufbruch. Unter Vorantritt des Spielmannzuges Groß-Berlin verlassen die Kinder dos Stadion und im langen Fackelzuge geht es durch die Stadt. Während- dessen werden im Jnnenraum des Stadions die Vorbereitungen zur Abendfeier getroffen. In einem riesigen Halbkreis von Fackel- trägern marschieren die Mitglieder des FTGB.-Bezirkes Hawlicet zum Hammerschwingen auf. Ihr« Hebungen zeigen Motive der täglichen Berufsarbeit, sie werden unter großer Anteilnahme der Zuschauer präzise ausgeführt. Kaum ist das Hommerfchwingen der tschechischen Turner unter brausendem Beifall beendet, beginnt unter den Klängen des„Sturmliedes der Freien Turner" das Fahnen- schwingen" mit riesengroßen Fahnen. Der F T G B.- B e- wogungschor zeigt das Festspiel:„Von Fron zur Feier". Dersinnbildlicht wird, wie die arbeitende Klasse unter der Fron der Knechtschaft und der bis auf das feinste ausgeklügelten Fliehenden- Band-Arbeit zu leiden hat. Allmählich bricht sich die Erkenntms Bahn, daß der Arbeiter sich befreien muß von diesen Fesseln. Mit elementarer Gewalt raffen sich Männer und Frauen aus, schließen sich zusammen, um endlich, endlich frei zu sein. Sie ergreifen die Fackeln und unter Sprüngen der Freude und Lust vereinigen sich all«. Der jugendliche Kurt Bock spricht jetzt unter lautloser Stille den Prolog, der die Jugend anfeuert, in noch größerem Maße Wegbereiter des Sozialismus zu sein. Dann begrüßt in kurzen treffenden Worten der Vorsitzende K o s e l die Festgäste, die auch aus den eni- ferntesten Gegenden zur Ill-Jahrfeier des FTGB nach Berlin ge- kommen sind. Während der Worte Kofels werden von Hunderten von Fackelträgern im Hintergrund die Buchstaben FTGB. gestellt. Weithin leuchten die Ilommenzeichen, brausend dröhnt das Frei Heil über den weitcn Platz und alles singt gemeinsam und feierlich „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit.. Ver HauptfcsttaA. Während noch die letzten auswärtigen Feftgästc im Stadion ein- treffen, nehmen die Tenniskämpfe ihren Ansang. Auch die Leicht- athleten aller Sparten und die ersten Spielmannschaften begeben sich an ihr« Plätze, um durch die Ausscheidungskämpfe, die Zwischen- und Endläufe vorzubereiten. Wie beim Bundesfest in Nürnberg leiden auch am heutigen Tag olle Teilnehmer unter der tropischen Hitze. Trotzdem werden gute Zeiten erzielt und das Publikum auf den gut besetzten Tribünen folgt aufmerksam und spendet wieder- holt starken Beifall. Nach kurzer Mittagspause sammeln sich alle zum Festeinmarsch. Unter den Klängen des Musikchors der Freien Turnerschaft Groß- Berlin marschieren 5000 Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer aus. Voran die Fahnenschwinger, die im Rythmus der Musik die Riesen- sahnen zum Gruße schwingen. Die Riesensäulen bieten allen ei» farbenprächtiges, lebensprühendes Bild. Di« Mittelsäule bilden die auswärtigen Gäste, die von den Turnern und Sportlern aller Sparten umrahmt werden. Unter einem Wald von Fahnen die wettergebräunten Gestalten, die sehnigen Burschen, alle Anhänger und Freunde der Leibesübungen.— Der Aufmarsch ist beendet, der Beifall der Tausende verrauscht, und unter lautloser Still« singt das Ebert-Manz-Ouartett ins Mikrophon:„Eintracht und Liebe halten uns zusammen." Unbeschreiblicher Jubel und Beifall zeigen an, daß alle eines Herzens und eines Sinnes sind. Kasel begrüßt init kurzen, schlichten Worten die Festteilnehmer, dankt allen für die aktive Teilnahme und die mühevoll geleisteten Vorarbeiten und vermittelt gleichzeitig ein Begrüßungs- und Glückwunschtcle- gramm des Vorsitzenden der Zentraltommission, Wildung, begrüßt ferner die Vertreter des Bundesvorstandes, Benedix und Jeuthe, Ver- treter der städtischen Behörden, der freien Gewerkschaften und die Delegationen aller befreundeten Verbände. Jetzt übermittelt Reichert als Kreisvcrtrctcr beste Grüße und herzlichen Glück- wünsch des Kreisoorstandes. Mit Recht weist er darauf hin, daß die FTGB. stolz darauf fein kann, im Jahre 1919 den Boden vorbe- reitet zu haben, auf den die Arbeitersportlcr Berlins heute stehen. Reichstagsabgeordneter Franz Künstler übermittelt im Namen der Sozialdemokratischen Partei beste Grüße und Glück- wünsche. Ich freue mich ganz besonders, führte Genosse Künstler weiter aus, Zeuge sein zu dürfen, der großen sportlichen Leistungen unseres zehnjährigen Geburtstagskindes. Ob Männer oder Frauen, oder die proletarische Jugend, alle wetteifern miteinander, Leistungen zu vollbringen, die nicht nur dem einzelnen, sondern der großen FTGB. zur Ehre gereichen. In der gesamten deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbewegung ist die Freie Turnerschaft Groß-Berlin ein bracht- licher und bedeutender Faktor geworden. Wenn wir alle heute bc- denken, unter welchen politischen, wirtschaftlichen Schwierigkeiten aller Art das Werk geformt worden ist, um jetzt nach zehn Jahren groß und mächtig dazustehen, so wird allen Sportgenossen und Sportgenossinnen nicht nur«in Gefühl der Freude überkommen, sondern sie all« werden sich ohne Ausnahme mit Stolz zu dieser Ver- einigung bekennen. Aber nicht nur die Vereinsmitglieder allein ssnd stolz auf ihre Turn- und Sportvereinigung, die klassenbewußten Arbeiter und Arbeiterinnen in der Sozialdemo- kratischen Partei und in den freien Gewerkschaften sind erfreut über die sportlichen Leistungen unserer Arbeiterturner,-fportler,-schwimmer,-rüderer, -segler und wie die zahlreichen Sportarten heißen. Sie sind stolz darauf, was proletarische Schwestern und Brüdern nach des Tages Last und Müh« vollbringen. Wissen bürgerliche Politiker und Sporisührer, was es heißt, noch schwerer Arbeit in der Werkstatt und im Bureau die notwendige Energie aufzubringen, um Körperkultur zu treiben? Wenn trotzdem Proletarier unter ungünstigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen so gewaltige Leistungen vollbringen, dann ist der Beweis erbracht, daß sie im Proletariat aufgespeicherten Energien und Kräfte uns befähigen, die Macht zu erobern mit dem Ziel: Befreiung aus ökonomischer Knechtschaft! Im Kampf um dieses Ziel begegnen sich Arbeitersportler mit der Sozialdemokratischen Partei und den freien G e- wertschaften. Im Kampf um die Befreiung der Arbeiterklasse sollten nicht nur nach dem Ausspruch des alten verstorbenen Führer der Bauarbeiter Bömelburg Partei und Gewerkschaften eins sein, sondern mein Wunsch ist: Für die Freiheit, den Sozialismus sollen kämpfen Schulter an Schulter Partei, Gewerkschaften und Arbeit-'r- turn- und Sportbewegung. Für diefes hohe und große Ziel brauchen wir bitter notwendig die Einheit der Aktionen und geI-n- seitiges Vertrauen und Verstehen. Bichl soll Partei und Gewerkschaft in das Eigenleben der?1r' bciter-Turn- und Sportbewegung eingreifen. Das darf und wird nicht sein, das erkläre ich als Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Berlins. Aber als Klaffen, und Frei- heitskämpfer wollen wir gemeinsam arbeiten zum Wohle der arbeiten- den Menschen, die zum Licht, zur Sonne strebt. Das mehrtausendfache„Frei Heil!" aller Anwesenden bewies, daß die Tätigkeit der Arbeitersportler auch in den Reihen unserer Parteifreund« gewürdigt wird. Unter feierlicher Stille ertönt nochmals der Gesang des Ebert-Manz-Ouartctts:„Wann wir schreiten Seit' an Seit'"— Der feierliche Aufmarsch ist beendet, der Hochbetrieb auf den Plätzen und der Schwimmbahn beginnt. Die Austragung der Endkämpfe fand auf allen Plätzen— in der Kampfbahn und im Schwimmbad— begeistertes Publikum. Die Darbietungen waren so reichhaltig, daß es unmöglich war, gleichzeitig allen Vorführungen beizuwohnen. Während sich im Schwimmbad die Freunde des Wassersports in: nassen Element tummelten, durcheilten auf der ganzen Kampfbabn die Einzel- und Staffelläufer die kurzen und. langen Strecken. Mit kritischem Auge verfolgten die Zuschauer alle Leistungen, bald diesen oder jenen Sportler zu Höchstleistungen anspornend. Ein abwechslungsreiches Bild biete» die Massenvorführungen der Turne. rinnen, derMänner und derJugend. Trotz des dauern- den Sonnenbrandes zeigten die Männer im Kugelstoßen, im Diskus- und Speerwerfen, im Weilsprung und die Frauen im Hochsvrung und Kugelstoßen beachtliche Leistungen. Handballspiel vcrnburg— Berlin. Die Bernburger Mannschaft konnte infolge tcchnsscher Heber- legenheit das Spiel bereits bis zur Halbzeit mit 6:2 für sich cnt- scheiden Auch in der zweiten Hälfte kamen die Berliner gegen das glatte Zusammcnfpiel der Bernburger nicht auf. So erreichte Bern- bürg überlegen 8: 2. Fußball FTGB. gegen Lübeck. Der Au-wahlnrannschaft der FTGB. stand die spielstarke Lübecker Vereinsmanuschaft gegenüber. Trotz der großen Hitze ein äußerst flottes und technisch gutes Spiel. Das Zusammenspiel der Lübecker war gut, die FTGB. zeigte großen Eifer. Schon in der vierten Minute erzielte Lübeck nach schlechter Abwehr der Bcr- liner Verteidigung das erste Tor. Berlin» Halblinker schießt aus einer fast unmöglichen Schußstellung dos schönste Tor des Tages und stellt somit den Ausgleich her. Nochmals kann Lübeck in Führung gehen, aber wenig später erzielt Berlins linker Außenmann das zweite Tor und somit also den Ausgle'ch. Be: diesem unentschie- denen Resultat bleibt es bis zum Schluß.— Jetzt füllt sich das Oval: Kreissportfest der Arbeiterathleten. Um es vorwegzunehmen: der K r e i s we t t st r« i t des 4. Kreises der Arbciterothlctcn(Berlin-Brandenburg) wurde zu einem großen Erfolg für den Arbeitersport. Ein« überaus.zahl- reiche Zuschauermcnge vcrsolgte mit Spannung die höchst inter- cssanten Wettkämpsc im Moabit er Schützenhaus, die bis in die Abendstunden andauerten, da über 200 Teilnehmer aus 31 Vereinen gemeldet litten. Der dichtgefüllt« große Garten war Zeuge härtester Kämpfe der Heber im Dreikampf, im Saal trugen die Ringer auf drei Matten ihre Vor- und Endkämpfe aus. Die Arbeiterathleten bekundeten mit dem überaus großen Meldecrgebnis, daß sie ungeachtet der kommunistischen Spaltungsarbeit nicht be- einflußt werden: sie schlössen auf diesem Sportfest um so festere Freundschaft. Bei den Hebern war der deutsche Bundesmeister, die„Sport- lich« Vereinigung Lichtenberg-Friedrichsfeld« 94", am erfolgreichsten. Auch die Sportler aus Stettin und Magdeburg erzielten gute Erfolge. Ein Zeugnis für den Aufstieg im AABD. brachten die gutbesetzten Jugendkämpfe. Schöne saubere Vorführungen der Arbeiterartisten umrahmten die Wettkämpf«. deren Resul- täte wie folgt sind: Ergebnisse der Ringkämpfe: Sieger in der Jugendklasse bis 99 Pfund wurde Richter. Käthen, in der Klasse bis 119 Pfund siegte Glizenski, bis 129 Pfund Ullmann-Köthsn, und in der letzten Klasse bis zu 139 Pfund führte Roplin-Stolzenhagen. In den S e n i o r e n k l a s s e n blieb Zimmer- mann-Gera nach offenem Schlußkamps mir dem Berliner Elster (Alt-Wedding) Sieger in der Fliegengewichtsklasse. Zwei Klub- kameraden dominierten im Bantamgewicht: Noack-Luckenwalde vor Schäfer-Luckenwalde. W. Binder-Lichtenberg war im Federgewicht der Sieg über Hawich-Brandenburg nicht zu nehmen. Eckert-Berlin erwies sich im Mittelgewicht als der Bessere, Lutzke-Stettin erreichte hier den zweiten Platz. Im Halbschwergewicht siegte der starke Brandenburger Fischer nach Punkten, da der Alt-Weddinger Michael erst nach nochmaligem offenen Kampf ausschied. Der Berliner Schwergewichtler Rosenkranz-Kilometcrlauf zwar den Bahnmatador als Sieger sah, jedoch im K<)-Kilomet«r-Rennen Maronnier den ersten Platz bracht«! „Fünf Trümpfe" betitelte sich der Lauf über KO Kilometer, der neben Sawall und Maronnier mit Krcwer, Lcwanow und Toricelli besetzt war. Maronnier loste den ersten Platz, sein heftigster Gegner, Sawall, muhte sich in die vierte Position begeben. Toricelli hatte den zweiten Platz vor Krewer, während Lewanow den Beschluß bildete. Wollte Sawall irgendein ernstes Wort mit Maronnier reden, mußte er von Beginn an versuchen, vorzustoßen. Hier aber war es Krewer, der es immer wieder verstand, den Erweltmeister überlegen zu halten. Toricelli konnte dadurch lange seinen zweiten Platz behaupten. Schließlich holte Lewanow zum Schlag« aus und passierte erst den abgekämpften Sawall und darauf den nicht minder müden Krewer. Wöhrend Sawall stark zurückfiel, plänkelten Krewer und Lewanow miteinander. Lewanow wußte später dann Torieclli vom zweiten Platz zu verdrängen, ohne ihn jedoch zu halten. Er geriet ins schwimmen, so daß Krewer und Sawall vorbeigehen konnten. Etwa l2 Runden vor Schluß nahm der Kölner dem Tori- celli endlich den zweiten Platz ab. Sawalls Bemühungen, Krewer zu passieren, waren erfolglos. Dach konnte auch Krewer Ma- ronnier nie gefährlich werden! lieber Krewers Fahrweise ivar das Publikum geteilter Meinung. Den kleinen Lauf über 4l> Kilometer gewann Sawall, der sich hier die Spitze gesichert hatte, ein slottes Tempo vorlegt!! und einig« Angriffe Maronniers sicher abzuweisen wußte. Krewers Schrjttmachermoror versagte, so daß der Kölner hier nicht recht mittun konnte. Im Hauptfahren der Flieger soll es nicht einwandfrei zu- gegangen sein. Die Angelegenheit ist dem Sportausschuß zur Unter- suchung übergeben worden. Ergetmiflo! Stob« Industriepr«!,, 40 Äilomcttr; 1. Sawall 33:12,6; 2. Maronnicr. 70 SRctct: 3. Krowcr, 550■Dieter; 4. Lewanow, 630 Meter; ö. Torlcelli, 7'20 Meter.— ffünf Triimvfe, 60 Kilometer: 1. Maronnier 51:23; 2. Krewer. 110 Meter: 3. Sawall. 130 Meter: 4. Toricelli. 560 Meter; 3. Lewanow. 1200 Meter lurück.— Lanptsahren: 1. Bernhard: 2. Knappe. 5 La.: 3. grieke; 4. Kühl.— Borqabcsahren: 1. Lonaardt 1130 Meter); 2. Nickel (210 Meter): 3. Wetier(270 Meter).— Punltefahren: 1. Beinert, 10 B.; 2. Kalles, 6 B.; 3. Bassi und Tarn je 6 P. Regatta ohne Wind! Wegen völliger Windstille fiel die H e r b st r e g a t t a der Gruppe Ost des Freien Seglerverbandes aus und wurde um eine Woche verschoben. In Gruppe West fand sie trotz des mangelhaften Windes statt und dehnte sich über 5 Stunden aus. Von einem einwandfreien Kampf kann bei der ausgesprochenen Flautenschieberei keine Rede sein. Bericht folgt inorgen. Sportliche» Allerlei. In dem vierten Leichtathletikländerkampf gegeit Frankreich, der am Sonntag in Paris von bürgerlichen Sportlern ausgetragen wurde, sind die deutschen Farben wieder erfolgreich ge- wesen. Von den fünfzehn Wettbewerben fielen acht an Deutschland und sechs an Frankreich. Die 4X1l)0-Meter-Stajsel, in der man auf einen überlegenen deutschen Sieg gehofft hatte, wurde ein Rooum in der Geschichte unserer Länderkämpse— völlig annulliert, nachdem die französische Mannschaft durch Staboerlust der deutschen Gegner schon aus der Siegerstraße war. Die deutsche Botschaft war offiziell durch Legationsrat v. Maltzahn vertreten. Mit 79: Ofö Punkten konnten die deutschen Mannschaften im Ver, lauf der Konkurrenzen den Sieg sür sich sicherstellen. Auch der Leichtathletikländerkampf Deutschland gegen Schweiz am Sonntag in Zürich brachte Deutschland einen er- wartet hohen Sieg mit 83; 54 Punkten. Körnig und Hirschseld wurden Doppelsieger. Die in mehr als einer Beziehung denkwürdige Sechstage- fahrt für Motorräder hat nun ihren Abschluß gefunden. So sehr man die sportlichen Leistungen der Teilnehmer anerkennen inuß, so sehr ließ die Organisation zu wünschen übrig. Von oller- erster Bedeutung sind hierbei die Mannschaftswertungen. Do ist die erfreuliche Tatsache zu registrieren, daß sich die deutschen Fahrer und Maschinen gegen schwerste ausländische Konkurrenz ganz ausgezeichnet gehalten hoben. Sie haben sich der schweren ausländischen Gegnerschaft, besonders der starken englischen, durch- aus gleichwertig gezeigt. Auf dem O n t a r i o s e e bei Toronto fand in Gegenwart einer riesigen Zuschouermenge das bekannte Marathonschwimmen der Professonals statt. Der Kölner D i e r k ö t t e r blieb mit 220 Metern zweiter hinter dem Sieger, dem Rew-Porker Keating. Keating bezwang die 24,135 Kilometer lange Strecke in acht Stunden und achtzehn Minuten._ Kurten für Albeitersport und Körperpsleoe. Beiirk Neukölln. lap, 20 Uhr. Kortelldelepiertenühunz bei iZeant. Ganphoferslr. 1. Leute. Man» 90 iW«* ch»"' 90 Immer wieder machen wir es mdglich, solche gewaltige Vorteile zu bieten, wie in dieser Woche. 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