BERLIN Nienstag z. September 1929 10 Pf. 3Ir. 412 B 205 46. Jahrgang. erscheint täglich«»lerSaaotas«. Zugleich Abendausgabe M.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. proWvche, S.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWSS.Lindenftr.S SfullcuiiQajße xlel i n«tisev»rei«iDie einspaltige Nouparcilleieil« So Pf.. Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. »Kscheckkonto: VorwärtS-Vcrlag G. m. b.H., Berlin Nr. S7SZS. Fernsprecher: Döichoff 292 bis 29? Straßenbahnunglück bei Tegel. heule mittag ereignete sich in der Seidel st rahe in Tegel nnmillelbar vor dem Slrasgefäagnis ein folgenschwerer Zu- sammensloh zwischen zwei Slrahenbahnwagen der Linie 25 und 2S. Beide Fahrzeuge wurden erheblich beschädig« und sünf Fahrgäste. die durch die Wucht des Anpralles von ihren Sitzen geschleu- dcrl wurden, erlitten Verletzungen. Die Verlehlen wurden in da» virchow- Krankenhaus gebraäjt. Vier von ihnen konnten. da sich ihre Verletzungen als nicht schwer herausstellten, nach An- legung von Notoerbänden cult äffen werden. Die Ursachen des Zusammenstoßes konnten bisher noch nicht geklärt werden. Großfeuer im pariser Glendsviertel. 400 Familien obdachlos. Paris,£ September.(Eigenbericht.) Zn einem pariser Vorort ist in der Nacht zum Dienstag ein großes Feuer ausgebrochen, dem 200 Baracken, in denen die ö r m st c Bevölkerung der Vorstadt Porte panti wohnt, zum Opfer sielen. Der Brand griss in den morschen Holzbaracken mit rasen- der Schnelligkeit um sich und konnte bis 4 Uhr morgens nicht r'.ngcdälumt werden. 400 Personen sind obdachlos geworden. Es handelt sich ausschließlich um Proletariersamilten, deren vernichtete Gülcr nicht versichert waren und die jetzt dem furchtbarsten Elend entgegengehen, vorläufig wurden sie in dem Ge- rieindchaos von Obcrvilliers untergebracht. Der Sachschaden wird zur Stund? mit etwa 5 Willionen Franken beziffert. Das Sprengstoffaitentat. Noch weitere Zeugenvernehmungen. Die SuckienachdcnTälern.dieinder Nacht vom Sonnabend zum Sonnlag des Bombenattentat aus den Reichs- tag verübten, werden von der Polizei weiter fieberhaft betrieben. Zwar glaubt man aus verschiedenen sehr bestimmten Zeugen- aussagen bald aus die Spur der Attentäter zu gelangen, doch lassen die bisherigen Feststellungen noch keine bindenden Schlüsse zu. Bis zur Stunde liegt das genaue Sachoer st ändigcngutachten der Polizeichemiker über die Zusammensetzung des Sprengkörpers noch nicht vor. Aus Grund der bisherigen Untersuchung kann aber schon jetzt gesagt werden, daß der Inhalt au» einem Hochexplosiblea Stöfs bestanden hat. der in einem geschlossenen Raum zur Enlzün- dung gebracht, von außerordentlich verheerender Wirkung gewesen wäre. Alles deutet daraus hin, daß die Bontbe von geübter Hand hergestellt worden ist. Borläusig ist jedoch die Frage noch ungeklärt, ob die Verbrecher aus Verl in stamnien oder ob es sich um die Gruppe von Atten- tätern handelt, die In Hannover und h o l st e i n Bomben ge° legt haben. Wenn es sich uni Angehörige dieses Personenkreises handeln sollte, müßten di« Verbrecher sich entweder einige Tage vor. her in Berlin aufgehalten haben, um das Terrain genau zu sondieren oder sie müßten Freunde in Berlin selbst besitzen, von denen sie die notwendigen Angaben hätten erhalten können. Bekanntlich ist der Polizei mitgeteilt worden, daß in der Nacht zum Sonntag in der Nähe des Reichstags ein Personenauto ge- sehen worden ist. dem zwei jüngere Männer entstiegen seien. Ob dieser Wagen laisächlich die Täter zum Reichstag gebracht hat. fleht noch nicht fest, doch wird diese Spur mit besonderer Energie verfolgt. Es ist nämlich nicht ausgeschlossen, daß die Attentäter unmittelbar nach der Aufstellung der Höllenmaschine im Auto Berlin verlosten haben, um später die Eisenbahn zu benutzen. Die Abteilung I A des Polizeipräsidiums wendet sich nochmals unter Hinweis aus die ausgesetzte hohe Belohnung an da» Publikum und bittet alle, die etwa schon Stunden vor der Explosion etwas verdächtiges wahrgenommen haben, dies umgehend«der Polizei mitzuteilen. Alle Mitteilungen werden sÄbstverständlich streng vertraulich behandelt. Stahlhelm und Rombenanschlag. Ein Parteigenoste schreibt uns:..Am Sonntag, dem 1. Septem- her. fuhr ich früh 6.45 Uhr nach Magdeburg. In Potsdam stiegen eine Anzahl Stahlhelmer in Uniform in den Wagen mit dem Reiseziel Brandenburg. Kurz noch der Abfahrt er» tonte der Ruf— herhören, weitersagen—:„Auf den Reichstag (Fortsetzung aus der 2. SeiteZ Fünf Personen verletzt. Oer Bürgerkrieg in Arabien. Groß-Musti gegen die Zudenfiedlung. Der Emir El Hussein, Groß-Mufti und Prästdent des Obersten mohammedanischen Rats, erklärte dem Sonderkorrespondenten des „Daily Expreß" in Jerusalem: Wir stehen augenblicklich einem ernsten nationalen Aufstand gegenüber, in dem wir die Sympathie Und Unterstützung nicht nur der mohammedanischen Araber Syriens, Aegyptens und Nordafrikas haben, sondern ganz Arabiens mit seinen 60 Millionen Menschen. Es wird Friede in der unmittel- baren Zukunft herrschen, soweit wir ihn aufrechterhalten können. Wir werden uns den britischen Bajonetten nicht wider- setzen. Was aber Großbritannien verstehen muß. ist, daß die ernsten Ereignisse in Palästina in Wirklichkeit wenig mit der Klage- mauer zu tun haben; sie gehen bis auf die B a l f o u r- Erklärung vom Jahre 1917 zurück. Der Emir fuhr fort:„Ihr könnt die augenblicklichen Unruhen unterdrücken und durch die Macht der bri- tischen Waffen die Ruhe für den Augenblick wiederherstellen, ober endgültiger Friede in Palästina und Arabien wird niemals wiederhergestellt werden, solange Großbritannien weiterhin die Balfour-Deklaration verfolgt. Ganz Arabien ist In großer Aus« regung." Neueste Berichte aus Palästina. London, 3. September.(ITA.) Das britisch«.Koloniakamt gibt soeben folgende Mitteilung aus: In dem Gehiel nördlich von S a s e d machen sich Zeicken der Un- ruhe bemerkbar. Britische Flugzeugstaffeln in ansehnlicher Stärke führten Demonstrationsflüge über den nördlichen und den nordöstlichen Gebieten Palästinas aus, wo immer noch b e w a f f- nete Ar aber aus Syrien über die Grenze kommen. Die Ge- samtverluste im Verlauf der Unruhen in Palästina betragen bis zum 31. August: Getötet oder ihren Verletzungen erlegen sind 83 Moslems, 4 Christen, 10T Juden. Offenbar sind die jüdischen Außenpoliiische Instruktion. Oer Moskauer Dirigent übt die richtigen Parolen ein. Opfer von Safed, deren Zahl am 31. August noch nicht feststellbar war, in den obigen Ziffern nicht enthalten. Iervsalem, 3. September.(ITA.) Im B e i s a n- Gebiet kam es am 2. September morgens zu einem schweren Zusammenstoß zwischen griechisch-orthodoxen und moslemitischen Arabern. Die Zahl der Verluste auf beiden Seiten ist noch nicht bekannt. Die jüdischen Kolonien C h i t t i n und M i z p a h in der Nähe von Tiberias wurden am 2. September von Araberbanden a n g e- griffen. Die Kolonisten schlugen die Banden zurück. � Zum erstenmal seit dem Beginn der Unruhen sind Araber in größerer Zahl verhaftet worden. In Hebron sind am 2. September 120 Araber und in dem arabischen Dorf Lifta unweit Jerusalem 200 Araber verhaftet worden. Die Araber von Lista waren an den ersten Unruhen in Jerusalem am 30. August beteiligt. Nachdem die große jüdische Kolonie Iessod Hamaala bei Safed nach schwerem Kampfe und nachdem die Araber zurückgeschla» gen waren, auf militärische Anordnung geräumt worden war, wo. rauf die schutzlos gebliebene Kolonie ausgeplündert wurde, ist nun den männlichen Kolonisten gestattet worden, zurückzukehren. Bei den Kämpfen um Iesiod Hamaala, die von den Kolonisten und britischen Truppen gegen die Araber verteidigt wurde, wurden 14 Araber getötet. O'quidations-panama. Schwere Schiebungen mit„Feindbesih". London, 3. September. „Taily Mail" berichtet von ernsten Gerüchten über die Verrechnungsstelle für das beschlagnahmte Eigentum der ehemals feindlichen Länder. Es heißt, daß sich ge- wisse Personen um taufende Pfund bereichert haben, und daß Aktienpakete unter ihrem wirk- liche« Wert verkauft worden sind. Informationen über beabsichtigte Verkäufe sollen gegen hohe Summen auMaklerver schachert worden sein. Das Handels- amt verweigert jede Auskunft. Die Veröffentlichung des konservativen Blattes geschieht vielleicht auch in der Absicht, dpr jetzigen Arbeiterregierung eins anzuhängen: aber sie hat den Beamtenkörper nicht geändert und man wird ja bald hören, in welche Zeit diese Gaunereien fallen. Snowden im englischen Rundfunk. Lleber seine Haltung im Haag. London, 3. September. Schatzkanzler S n o w d e n gab Montag abend im englischen Rundfunk in einer dreioiertelstllndigen Rede ein« Darstellung des Verlaufs der Haager Konferenz. Großbritannien, jv jagte er u. o., habe nicht erlauben können, länger als die Milchkuh E u r o p�a s betrachtet zu werden. Die sozialen und internationalen Rechte hätten verteidigt �werden müssen, und Großbritannien habe im Haag den Beweis zu führen gehabt, daß internationale Abkommen geachtet werden müßten. Er sei überzeugt, daß die Hastung der englischen Dele- gation die künstigen Beziehungen Großbritanniens mit anderen Ländern Europas in sehr günstiger Weise beeinflusse. Die Rechte und der Einfluß Großbritanniens in der internationalen Diplomatie hätten eine Stützung erfahrey. Eine Rückkehr zu der Politik ohne Rückgrat der letzten Jahre sei unmöglich. Groß- britannien Hobe die Achtung der Stationen gewonnen, zu denen«s in den letzten vier Wochen in einem freundschaftlichen Gegensatz gestanden habe. Während der ganzen Konferenz hatten die besten persönlichen Beziehungen zwischen den britischen Vertretern und denjenigen der anderen Mächte bestanden im auffallenden Gegensatz zu der Bitterkeit der persönlichen Angriffe, die in einem Teil der konti- nentalen Presse gegen ihn gerichtet worden seien. Diese Kritiken seien allerdings wehr be lustigeud als irreführend gewesen. Das Sprengstoff-Attentat. (Fortsetzung von der(.Seite.) wurde heute nacht ein Anschlag oerübt, die Fenster auf der Wasserseite gingen alle in Trümmer, wir wollen hofsea, daß der Reichstag nicht mehr steht, wenn wir abend« zurückkommen." Zch wußte von dem Anschlag nichts und hielt die Sache für einen dummen Witz. Doch machte ich mir Gedanken darüber, daß der Reichspräsident Ehrenmitglied eines Bundes ist, dessen Mitglieder'wünschen, daß der Reichstag, der doch dem deutschen Volke gewidmet ist, in Trümmer sinke. Am nächsten Morgen lese ich, daß tatsächlich ein Anschlag auf den Reichstag verübt wurde, daß es also nicht«in schlechter Witz war, sondern traurig« Wahr- h e i t Vielleicht gibt auch dieser Ausspruch einen Hinweis, i r welchem Lager die Verüber des Anschlages zu suchen sind." Gute Heimfahrt. Ständiger Funkverkehr mit„Graf Zeppelin". Friedrichshofen, 3. September. wie von der Funkstation des Luftschissbaus mitgeteilt wird, können die Funkbeamten seit etwa 11 Uhr nachts die Funkzeichen der Bordstation des„Gras Zeppelin" deutlich vec- nehmen. Um 1 Uhr früh WEZ. funkte das Sckzifs der Friedrichs- hafcner Werst folgenden Standort: l Uhr früh WEZ. ZS Grad 22 Minuten Rord, 2S Grad 40 Minuten West. Alles in Ordnung. Etwa um 2 Uhr früh war das Schiff nach den Beobachtungen der Fricdrichshafener Bodenfunkstelle zeitweise auch mit einer amerikanischen Küstenfunkstation in Verbindung. Es herrschte um diese Zeit wechselweise ein reger Verkehr mit Amerika und Rorddeich. Die Verständigung war aus beiden Seiten sehr gut. Das Luftschiff„G ra f Z e p p e l i n" teilte der Werft Friedrichs. Hofen folgenden Standort mit: 5 Uhr MEZ Ütt Grad 15 Minuten Nord, 21 Grad 15 Minuten West. Alles in Ordnung. Das Luftschiff dürste Im Lause des R a ch m i t l a g s die europäische Küste erreichen und Mittwoch früh in Friedrichshasen eintreffen. Hugenbergs böses Gewissen. Das vorsichtige Oementi. Zu der Polemik zwischen Deutschnationalen und Lolkspartei- lern— man hatte den Volksparteilern Verleumdung vorge- warfen— schreibt die„Rationallibcrale Koriespon- d c n z": „Das böse Gewissen zwingt Hilgenberg weiter zu d e m e n- tiercn. Er gibt über die Schritte, die von„deutschen Rationa- listen"— das Wort stammt von Hilgenberg— in Paris unternommen worden sind, eine neue Erklärung ab. Dabei ist er aber so vorsichtig, sein Dementi nur auf A c h a u p t st n g e n zu erstrecken, die unseres Erachtens niemand ausgestellt hat, jedenfalls nicht di«„Nationalliberale Korrespondenz". Er erklärt:„Für die Deutsch- nationale Volkspartei Hot bisher keinerlei Veranlassung vorgelegen, sich gegenüber irgendeiner amtlichen französischen Stelle über die politische Haltung einer künftigen deutschen Rechtsregierung auszu- sprechen. Es ist auch seitens der Deutschnaliana'en Lolkspartei nie- mand beauftragt oder die Ermächtigung erteilt worden, irgendwelche S6)rittc zu tun, die ihnen Anlaß zu obiger Behauptung geben könnten." Für so töricht haben wir die Deutschnationale Volks- parte! und selbst Herrn Hugenberg nicht gehalten, daß sie schon jetzt gewissermaßen im Auftrag einer kommenden Rechtsregi«rung bereits durch Beauftragte in Paris über die deutsche Außenpolitik der Zukunft verhandelten. In der„Rationallibcralen Korrespondenz" stand etwas ganz anderes: nämlich, daß Männer, die man mit der Hugenbergfront in Zusammenhang bringt, in Paris sehr viel weitergehende Angebote gemacht haben als die von Hugen- berg bekämpfte Politik der Verständigung. Diese Behaup- tung halten wir aufrecht und werden darauf ausführlich zurückkommen, wenn der Augenblick dazu gegeben ist..Heute können wir aber schon feststellen, daß Herr Hugenberg an dieser unserer Be- hauptung völlig vorbeigeht und das Beweisthema in seiner Gegen- erklärung verschiebt. Der Grund ist klar. Unsere Behauptung ist nicht zu widerlegen."> Oie Graiulanten der NAZ. Eine erlesene Gesellschaft. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" hat In den letzten Jahren merkwürdig« Wandlungen durchgemacht. In der Glanzzeit des Stinnes-Konzerns kaufte sie der alt« Hugo Stinnes in der Inflation auf und machte sie zu seinem Leib- organ. Nach seinem Tode und dem Zusammenbruch des gesamten Stinnes-Konzerns wurde sie aus der Konkursmasse abgestoßen und eine Zeit lang vom Auswärtigen Amt ausgehalten. Das deutsche Auhenministerium wiederum verkauste di«„v. A. Z." an ein sehr kapitalkräftiges Jndustrzekonsortiuin, dessen Interessen das Blatt unter dem Deckmantel einer ollgemeinen nationalen Phraseo- logie sehr eifrig wahrnimmt. Es macht der„D. A. Z." dabei gar nichts aus, sich gegen ihren letzten Geldgeber, das Auswärtig« Amt, recht unliebenswürdige und unsachliche Angriffe zu leisten. Jetzt hat die„D. A. Z." zum 1. September ihr unhandliches Riesenformat, das in etwas krassem Mißverhältnis zum Umfang ihres Leserkreises stand, geändert. Zu dieser Tat sind dem Blatt eine Anzahl Glückwünsche zugegangen, und es ist immerhin inter- cssont, sich die Gratulanten der„D. A. Z." etwas näher anzusehen. An der Spitze marschiert Geheimrat Wilhelm Cuno, Reichskanzler während des Ruhrkrieges und derzeitiger General. direktor der Hamburg— Amerika-Linie. Es folgt mit einem Glück- wünsch Geheimrat Bücher, der mächtigste Mann im Diret- torium des A E G.-K o n z e r n s und früheres einflußreiches Mit- glied im Reichsverband der deutschen Industrie. A's Vertreter des, Bankkapitals finden wir Herrn Direktor Herbert Äuttmann von der Dresdener Bank und den Hamburger Bankier Witt- h o e f t von der Kommerz- und Privatbank. Den Reigen der Gra- tulonten fchließen Graf von Roedern, Helfferichs Borgänger als Reichsschatzfekretär im Kriege, jetzt Geschäftsführer des Deutschen Reedereiverbande», und Dr. Scholz der als Vorsitzender der Deutschen Dolkepartei einen scharf rechten Kurz steuert. Wir könnten noch einige andere prominente Gratulanten auf- zählen, doch genügt dies« Liste schon zur Kennzeichnung der hinter der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" stehenden Kapitalsmächte. Natürlich wird der Verlag der„DAZ," auch künftig seine volle Selb- ständigkeit nach außen hin. betonen und seinen Lesern versichern, daß er unabhängig von irgendeiner Jnkeressensengmppe nur! zllzemein« nationale und wirtschaftliche Interessen verfechte. Ob er -ach dieser Gratulationscour'r»•<(> hit. möchten mir aller- ' mgs bezweifeln. Letzte Fahrt der Brandopfer. Trauerfeier für die verunglückten Keuerwehrleuie. Die Wagenhalle der Feuerwache Schöneberq, die sonst ein lebendiges Bild steler Bereitschaft zum Dienst a» der bedrohten Menschheit bietet, hatte sich am heutigen Tage in eine Trauerhalle verwandelt. Schwarzumflort die Säulen und Kandelaber, Trauerfahnen am s Gebäude und Tausende von Menschen, die tiefe Trauer und Dank- barkeit für die Dahingegangenen empfinden und ihnen einen stillen Gruß nachsenden. In der Halle sind drei Särge aufgebahrt, sie verschwinden unter der Blumenlast. Im Hof haben die Kameraden Aufstellung genommen, in der Trauerholl« selbst die behördlichen Abordnungen, eine große Abordnung des Reichsbanners, Vorgesetzt«, Verein« und Verbände, denen die Verstorbenen angehörten. Umer den Trauergästen sah man Oberbürgermeister B ö ß. Bürgermeister Berndt aus Schöneberg mit sämtlichen dienstfreien Stadträten. Polizeivizepräsident Dr. Weih, Oberbranddirektor Ä e m p p, Branddirektor Pozdziech und viele- andere.„Wer weiß wie nah mein Ende" intonierte die Feuerwehrkapelle. Nachdem die kirchlichen Vertreter ihren Gemeindekindern einen warmen Nachruf gewidmet hatten, folgten die Ansprachen der Trauergäste. Für die Stadtverwaltung sprach Oberbürgermeister B ö ß, der betonte, daß der Berliner Feuerwehr jeder einzelne Einwohner von Berlin nahestehe. Jeder Berliner Bürger liebe die Beamten der Feuerwehr, die bei Tag und Nacht, allen Gefahren trotzend, bereit seien, das Leben für die Allgemeinheit einzusetzen. Ganz verlin siehe an der Bahre dieser drei tapferen Männer, die das höchste an Pflichtgefühl, Selbstverleugnung und Kameradschaft geleistet hätten. Namens der Berliner Bevölkerung sprach er den Hinterbliebenen und den Kollegen die allerherzlichste Teilnahme aus und betonte, daß die schreckliche Brandkatastrophe allen eine Warnung zur Bor- ficht sein möge. Die Treue de? in ihrem Berufs ums Leben g«, tommenen Beamten müsse jedem einzelnen als Vorbild dienen. Oberbranddirektor G e m p p rief dann den verstorbenen Käme- raden ehrende Worte des Gedenkens nach, wobei er betonte, daß die Katastrophe um so erschütternder sei, als man gar nicht die Gefahren hätte vorausahnen können. Man hätte sonst rechtzeitiz den Rückzug angeordnet, denn es sei oberstes Gesetz, Menschenleben nur dann einzusetzen, wenn es gelt«, Menschenleben zu retten, was dort nicht notwendig war. Er gelobte, die drei gefallenen Kamerad-.m in Ehren zu hallen, deren Namen nicht nur in steinernen Gedenk» tafeln, sondern in den Herzen aller eingegraben seien. An den Särgen legten dann noch Vertreter der Hamburger Berufsseuerwehr, der Berliner Beamtenorganisation der Feuerwehr, sowie de« Ber- bandes Deutscher Berufsfeuerwehrleute Kränze nieder, ebenso Dele- gationen der Sächsischen Feuerwehrbeamten und der Hannoverschen Berufsseuerwehr. Zum Schluß sprach die Schauspielerin Frau Anna o. Strantz-Führing, die an die Berliner Schauspieler einen Aufruf zugunsten der Hinterbliebenen der Berliner Feuerwehrleute erlassen hat, Worte des Dankes, worin sie di« Feuerwehr als den Schutzengel Berlins bezeichnete. Tiefempfundene Trostesworte wur- den den schwergetroffenen Angehörigen gespendet, den Frauen und Kindern, die den Gatten und Vater verloren haben. Dann senkten sich die Fahnen unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden. Nachdem die letzten Gesangsworte verklungen, setzt« sich der Trauerzug, begleitet von einer noch Tausenden zählen- den Menschenmenge, langsam in Bewegung. Die Trauer- wagen, reich mit Kränzen geschmückt, nahmen ihren Weg nach dem Matthäi-Friedhof Südende, wo Brandmeister Pfeifer zur letzten Ruhe geleitet wird. Am Nachmittag erfolgt auf dem Heilandsfriedchof Plötzensee die Beerdigung des Feuerwehr- manne? Klemm und am Mittwoch wird Oberfeuerwehrmann C h r i st e l auf dem Friedhof Baumschulenweg bestattet. Wo ist Arbeitermangel? Ln der Landwirtschast? Di«„Deutsche Tageszeitung" und andere agrarische Organe sind voll von Klogen Über Arbeitermangel in der Landwirtschaft. An vielen Orten könne deswegen die Ernte nur unter den größten Schwierigkeiten hereingebracht werden. In Wirklichkeit entbehren diese Klagen jeder Berechtigung. Die Vermittlungsstellen für landwirtschaftliches Personal bei den Berliner Arbeitsämtern zeigen es. Roch gegen Mitte A u g u st, zu einer �«it des größten Arbeiterbedarfes in der Land- Wirtschaft, waren die Warteräume dieser Vermittlungsstellen Tag für Tag von Arbeitsuchenden überfüllt. Dutzende, ja hunderte Arbeiter, zum Teil Jugendliche, mußten häufig den Weg zur Bermittlungsstelle gehen, ehe ihnen eine neue Beschäftigung nachgewiesen werden konnte. Die Statistik einer im Norden Berlins gelegenen Vermitt- lungsstelle besagt, daß am Schluß der ersten Augustwoche für 15 Ar- better und am Schluß der zweiten Augustwoche für 40 Arbeiter keine Beschäftigungsmöglichkeit zu erlangen war. Selbst sogenannte Paschpaare mußten sich tagelang um Arbeit bemühen.-Die Zählung der bei den Vermittlungsstellen vorstellig werdenden Arbeits- losen erfolgt nur einmal. Wer bei der Stelle A bereits eingetragen ist, wird nicht mehr gezähll, wenn er bei der Stelle B um Arbeit anhält. Von Doppelzählungen kann jedenfalls die Rede nicht sein. Die Verhältnisse bei den Berliner Vermittlungsstellen bilden auch keine Ausnahme. Nach dem„Brandenburgischen Arbeitsmarkt" (Mitteilungsblatt des Landesarbeitsamt» Branden- bürg) Nr. 32 wurden am 17. Juli 1929 in der Berufsgruppe Land- Wirtschaft gezählt: 17 39 arbeitsuchende Arbeiter. 810 arbeitsuchende Arbeiterinnen, zusammen 2549 Arbeits- kräfte. Offene Stellen waren für Arbeiter 1139 gemeldet, für Ar- beiterinnen K2S, zusammen 17b5 offene Stellen. Also nahezu 800 Arbeitsuchende mehr als offene Stellen. In dem Bericht des Landesarbeitsamtes Ostpreußen für die Woche vom 12. bis 15. August 1929 wird festgestellt, daß die er- wartete kräftige Senkung der Arbeitrlosenzisfer durch größere Ernte- arbeiterbedars der Landwirtschaft ausblieb. Di« Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitsuchenden ging um nur 400 aus 1740 zurück. Die Anforderungen der Landwirtschaft an Erntearbeitern bleiben gering, da der gute Stand des Getreides fast allenthalben den Einsatz von Erntemaschinen erlaubt. Wenn trotzdem über angeblichen Mangel an landwirtschafllichen� Arbeitskräften geklagt wird, so liegt darin System. Die öffentliche Meinung soll für«ine noch stärkere Zulassung ausländischer Wonderarbeiter präpariert werden. Nebenbei ist die ganz« Klageattion ein Glied in der Kette, die gegen die Erwerbslosenverstcherung von dem Unternehmertum ge- schmiedet wird. Religion und Aermeliänge. Oie Kümmernisse der«Seelsorger. Der württembergische LanÄesverbanh der katholischen Arbeiter und Arbeiterinnen hielt dieser Tag« ein« besondere Tagung für sein« weiblichen Mitglieder ab. Nach den darüber vorliegenden Berichten waren auf ihr 9 Präses und 214 Belucherinnen anwesend Auf je 23 Arbeiterinnen traf also ein Geistlicher. Die Beratung über das Thema„Unsere besondere Zeitaufgabe" gipfelte in der Annahme folgender Leitsätze: „Die Arbeiterin ist anderen Gefahren ausgesetzt al« di« Hau«- tochter. Daher ist überall besondere seelsorgerische Betreuung der Arbeiterinnen in den lathvlischen Arbeite- rinnenvcreinen notwendig. Die katholischen Arbeilerinnenvereine richten sich bezüglich ihrer Kleidung nach den b i s ch ö f- lichen Leitsätzen. Dabei geben sie die Losung aus: Keine Arbeiterin der katholischen Arbeiterinnenverein« trägt ein Kleid ohne Aermel. Wie lang der Aermel ist, bleibt dem G e s ch m a ck der einzelnen Arbeiterinnen überlassen. Selbst- verständlich trägt di« Arbeiterin nicht nur in der Kirche, sondern auch außerhalb derselben ein Kleid mit Aermeln." Eine„Arbeiter">Organilatl0N, die in einer Zeit st ä r k st e r wirtschaftlicher Bedrängnis kein« anderen Sorgen hat, als Diskussionen über Kleider mit und ohne Aermel zu führen, verdient immerhin als Merkwürdigkeit registriert zu werden. Kirche und Vötferversöhtiung. ilnverstandliche Haltung des evangelischen Konsistoriums Der„Bund religiöser Sozialisten, Landesverband Preußen" er- hebt Einspruch gegen eine Bermahnung. die das Evangelische Konsistorium der Mark Brandenburg dem Berliner Pfarrer 7). Günter D e h iz von der Reformationskirche erteilt hat. Pfarrer Dehn hatte in Magdeburg auf Veranlassung kirchlicher Kreise einen Vortrag über„Kirche und Völkerversöhnung" geholten und vom Standpunkt seines persönlichen Glauben» die Zuhörerschaft zur S:lbstbssinn»ng über die Furchtbarteil de» Problems„Krieg und Christentum" ausgerufen. In der nachfolgenden Diskussion hat»r seinen Standpunkt gegen Widersprüche verteidigt, ohne daß es zu besonders erregten Auseinandersetzungen oder Auebrüchen oerletzten Nationalgefühls kam. Diese, Gefühl hat sich augenscheinlich erst nachträglil) geregt, als man sich auf die Gelegenheit besann, aus dieser Frisdensgesijmungskundgebvng einem auch sonst unbequemen sozialen Mohner einen Strick zu dr-hen. Man hat zu dem erbärmlichen Mittel gegnsfen, ihm bei seiner vorgesetzten Behörde zu denunzieren, indem ihm Gehässigkeiten der Ausdrucksweise in den Mund gelegt wurden, di« bei der vorsichtigen Zurückhaltung, für die Pfarrer Dehn bekannt ist, von vornherein unglaubhaft waren. Das Berliner Konsistorium Hot es dahingestellt sein lassen, ob die gegen Pfarrer Dehn vorgebrachten Anschuldigungen beweisbar waren. Es hat ihm aber gleichwohl eine Mißbilligung wegen der doch fraglichen Schärse der von ihm gebrauchten Ausdrücke aus. gesprochen und hat getadelt, daß er als Pfarrer„in urtellsfähioen Kreisen Erregung hervorgerufen" habe, statt„beruhigend" zu wirken. Zu diesem Vorgang erklären die religiösen Sozialisten: 1, Die Ethik des Christentums macht jede Rechtfertigung von Krieg und Krisgsbegeisterung zu einer Unmöglichkeit. 2. Wer das bestreitet, dem fehlt jegliches Verständnis für die Botschaft, die das neutestamentliche Evangelium unserer Gegenwart zu bringen hat. 3. Die Zumutung, kirchlich-nationa'istische Kreise in ihrer selbst- bewußten Ueberhebung nicht zu beunruhigen oder zu erregen, be- deutet für einen Pfarrer die Zumutung direkter Pflicht- Verletzung. 4. Die Hervorhebung der„Urteilsfähigkeit" derer, die sich gegen Pfarrer Dehn entrüstet haben, in dem Erlaß des Kon- sistoriums, weckt den Verdacht, das Berliner Konsistorium hält am Ende die Kreise von„Besitz und Bildung" für besonders urieils- sähig. Von sollen Kreisen ist nämlich die Anzeige gegen Pfarrer Dehn ausgegangen: und besonders Damen„der besseren Gesellschaft" haben sich nachher in der Agitation gegen ihn hervorgetan. Gerade über diese Gesellschaftsschicht aber hat die Kriegszeit die beschämende Gewißheit erbracht, daß sie nicht nur urtejssunsähig. sondern gegen den Ernst der sittlichen. Fo-' e- rungen des Christentums völlig verblendet ist. Diese Gefells'"ts, schicht hat schwerste Schu'd auf sich geladen und sollte in der Ge- meinde bis auf weiteres schweigen. Z. Als wirklich„urteilsfähig" im Sinne christlicher Denkart and Sittlichkeit hat sich die Völkerwelt erwiesen, als sie den K e l l o g o. Pakt vereinbarte. Sie Hot den Krieg gl? Verbrechen ge, brandmarkt. 8 Eine kirchliche Bchörde sollte sich zu solchem Urteil des Minschheitsgewiflens nicht in Gegensatz und auf die Seite de-er stellen, die dg, Verbrecken Krieg noch irge.ndwie zu beschönigen oder zu rechtfertigen suchen. Karl-Seih-Ehrung. Am Vorabend des 80. Geburtstages''-es Wiener Bürgermeister Seitz brachten 4000 Arbettersänger vor dem Rathaus«in Ständchen dar, wobei mehrere Giückwunschonsprachen gehalten wurden. Ai s dem Getivid-' der prz'ißiscke Hond l«. ninill«? Dr. SH-eibe- ü n„Wi.i-■' Tias fragen".-er sprach sich entschieden gegen ein Cetreidemonopol aus.. Er kam dann auf die ausländische Schuld Deutschlands.zu sprechen und trat für Kapitalneubildung in Deutschland ein. Aussperrung der Rohrleger. Als Folge des wilden Streits. Der ilrbe>igebero«rbaod der Zenkralheizungsiiidustrie ha« sein« Mitglieder angewiesen, olle Rohrleger und Helfer zu besragea. ob sie den larisverlrog anerkennen, der zwischen dew Arbeilgeberverband und dem Melallarbellerverband abgeschlossen wurde. All« Arbeiter, die sich weigern, den Tarisuerlrag für sich als bindend anzuerkennen, sollen heute ausgesperrt werden. vi, jetzt ist noch nicht zu übersehen, ob uud wieviele Arbeiter sich gegen den vom Nietallarbeiterverband abgeschlossenen Tarif. vertrag, der Parole Nlederkirchners folgend, auflehnen und deswegen ausgesperrt werden. Die Treue zur gewerkschastlichen Organisation erfordert die Anerkennung des bestehenden Tirlsverlrages. Di« Weigerung der Anerkennung au» falsch verstandener Solidarität mit dem wilden Streit der Niederkirchner- Gruppe bedeutet Solidarisierung mit den Organisationsseinden und -spoller». Solidarität mit der SPD. gegen die Organisation. gegen den Nietallarbeiterverband. Zn den Betrieben in denen die Nlederkirchner-Gruppe ausschlag. gebend ist. haben die verbondslreuen Rohrleger und Helfer den Terror der„Revolutionäre" zu besürchleu. Trotzdem, mutzten sie sich so enlschelden. weil«» ihnen die lleberlegung und ihr sreigewerk. tchafllicher Standpunkt gebietet. Der Metallarbeiter verband hat mit dem wilden Streik der kommunistischen Sonderorganisation jedensalls nicht» zu tun. Seipel hehl weiier. Oer Altbundeskanzler gegen die Verfassung London. Z. September. „Daily Telegraph" veröffentlicht ein Interview seines Wiener Korrespondenten mit dem vormaligen Bundeskanzler Dr. Seipel, in dem dieser zwar nicht die Möglichkeit eines Konflikts in Oester- reich leugnet, jedoch meint, datz eine gründliche Reform der B e r s a I s u n g ohne Blutvergießen durchgeführt werden kann. Dr. Seipel sagte, die größte Schwierigkeit bestehe in der weitgehen- den Erbitterung, die zwischen den Parteien herrsch«. Nach seiner Ansicht sei die helmwehr setzt unwiderstehlich. Auf die Frage des Korrespondenten, ob nicht diese Bewegung«in Versuch sei, die Sozialisten unter Androhung einer Heimwehraktion zu zwingen, die notwendige Zweidrittelmehrheit zur Aenderung der Verfassung zu ge w ä h r e n, antwortete Seipel. er seh« keinen Grund, weshalb das?» einem Bürgerkrieg führen sollte.(!) Im Gegenteil, olle Parteien schienen sich während der letzten Tag« dem Gedanken anzupassen, daß«ine Verfassungsreform dringend notwendig sei. Weiter erklärte Ssipel, eine gewisse Gefahr, datz Unruhen entstehen könnten, sei vorhanden, aber nur, wenn d e Forderung der heimwehr nach Verfassungsreform k e i n G« h ö r finde Aber auch dann bestehe noch nicht die Gefahr eine, Bürger- kriege». Wenn die Sozialisten die notwendige Zweidrittelmehrheit für Annahm,«ine, Reformgesetzes ablehnen sollten, so bestün- den zwei Möglichkeiten: Der Landbund schlage für diesen Fall eine Volksabstimmung vor, deren Ergebnis tne Sozialisten nicht ignorieren könnten: er(Seipel) sei für eine sofortige Auf. l ö I u n g des Parlaments. Er nehme mit Bestimmtheit an, datz die erforderlich» Zweidrittelmehrheit zusammenkommen werde. rcdeiifall» sei im Interesse de» Landes sosortiges Handeln e'widerlich. Die größte Gefahr bestehe in einer Verzögerung der D r«. Zum Schluß erklärte Dr. Seipel, es würde unmöglich sein, di�, heimwehr und den Republikanischen Schutzbund ohne Blutoer- rietzsn zu entwaffnen. Er gab zu, daß in Steiermark die heimwehr ihre Waffen in ihren eigenen Depot» aufbewahre, fügt» jedoch hin- zu. die Krankheit selbst müsse geheilt werden, nämlich die un- durchführbar« Verfassung, und nicht nur die Symp- tome in Gestalt von bewaffneten Organisationen. Der„Friedensprediger", der Prälat, der sich als Rettsr seines Lande» feiern läßt, droht hier— noch dazu vor britischem Publikum— mit dem Aufstand der Faschisten, wenn man sich ihrer Forderung nach Verfassungsänderung nicht unterwerfe. Bis jetzt sind Anträge auf Verfaffungs- änderung im Nationalrat nicht eingebracht, man kennt nur das a'sgemeine Geschrei gegen die„marxistische Sauerei" und einige ebenso allgemeine Forderungen die der Landbund dem" mdeskanzler vorgetragen hat. Dieses Programm läuft dara hinaus, den Bundesrat zu einer Art Ober- bau zu machen und nicht mehr durch Verhältniswahl der Landtage, sondern irgendwie„b e r u f» st ä n d i s ch" zu- sammenzusetzen— ja sogar für den Nationalrat wird so etwas gewünscht, also die Beseitigung der Grundlage der Demokratie, des allgemeinen, gleichen und proportionalen Wahlrechts.' Da ist es nur logisch, wenn auch eine Macht- erweiterung für den Bundespräsidenten und seine d'rekt« Wahl durch das Volk verlangt wird. Es wird nicht näher bezeichnet, wie groß die Macht des Bundespräsidenten sein soll, aber gemeint ist schon so eine Art Dauerregime nach Artikel 48 der reichsdeutschen Verfassung, während Deutsch- österreich in seinem Grundgesetz weder eine solche Bestim- mung, noch überhaupt einen. Ausnahmezustand kennt. Schliesslich soll auch noch Wien den Charakter eines Bundes- landes verlieren I Das Gegenteil der Wahrheit ist es, wenn Seipel indirekt behauptet, auch die Sozialdemokratie sähe die Notwendigkeit derartiger Verfassungsänderungen ein. Nichts berechtigt ihn zu einer solchen Behauptung, im Gegenteil hat das Hauptorgan der Partei selbstverständlich allen solchen Plänen schärfsten Kampf angesagt. Nie und nimmer werden die Sozialdemokraten, die weit mehr als ein Drittel der Man- date haben, die Zweidrittelmehrheit für einen Abbau der Demokratie ermöglichen: Neuwahlen könnten ihnen nur will- kommen sein, und wie sie auch ausgehen— ein» Zweidrittelmehrheit werden die Antisozialisten nicht erlangen. Die Andeutung Seipels, daß das Beharren der Sozial- demokratie bei ihrem überzeugunasgemäßen Widerstand die Heimwehraktion hervprxufen würde, scheint— wenn Seipel die Christlich-Soziale Partei hinter sich haben sollte— jenen Fall zu bezeichnen, den Otto Baue? auf dem Linzer Partei- tag 1927 als den kritischen bezeichnet hat: Wenn im Gleichgewicht zwischen Bürgertum und Proletariat die Bour- geoisie zur Gewalt gr»lft, um die Demokratie abzu- schaffen, von d«r e» die s o z i a l i st i s ch« Mehrheit vs- furchtet— dann allerdings müßt« auch das Proletariat sich seines Lebens mit gewaltsamer Abwehr eines aewalt- samen Angriffs wehren! Indessen ist nicht zu verkennen, daß e i n g r o ß e r T e i l d e r B a u e r n von den Diktatur- und Gewaltplänen der Seipelschen Heimwehrfaschisten nichts wissen will. Der Beitritt des christlichsozialen Bauernbundes in Ntederöstemich zur Heimwehr soll sie gerade in friedlich«« Bahnen hallen. „Die drei Musketiere." (Großes Schauspielhaus) Im Anfang war das„Drumrum". Zu der Ausstattung, die ihm vorschwebte, einer sehr glänzenden Ausstattung, wie nicht zu leugnen ist. hat Erik C h o r e l l, was blieb ihm anderes übrig, sich«in Theaterstück schreiben lassen: obendrein von Schanzer und W e l i s ch. Es ist danach geworden, dieses peinliche»Spiel aus romantischer Zeit", Typus„Seriöse Operette", eine Staatsaktion aus den ersten Regierungsjohren Ludwigs XIV.(über die der ano- nyme Schwätzer des Programmheftes sich besser unterrichten sollte). Also, das Stück, das gespielt wird, ist nicht ernst zu nehmen. Auch die Musik nicht, die Ralph B e n o tz k y in der Monier von Film- Illustratoren zusammengestellt hat. Schlimm genug, wenn diese Musikbarbarei, die sich im Kino allein durch das überstürzte Tempo des wechselnden Repertoires rechtfertigen läßt, nun auch im Theater geduldet werden soll, in einem Theater, das sich für einen Saison- erfolg einrichtet. Und welch ein Mißgriff, welch« Instinktverlassen- heit und Ahnungslosigkeit des Musikers, für das Milieu des Sonnen- königs den Meister der bürgerlichen Oper, de» Schöpfer der „Stummen von Porticj", Auber, zu bemühen!... Ein Theater- abend ohne Substanz: daher ohne Stil. Auch unter den Darstellern, die aus allen Lagern zusammengeholt sind, ein Stilwirrwarr ohne- gleichen. Ueber die lenkend«, formende, zusammenfassende Hand de« Regisseurs, der hier vonnöten wäre, verfügt Eharell nicht, der Chef des Theat«rwar«nhauses. das er aus Reinhardts„Großem Schau. spielhaus" gemacht hat. „Die drei Musketiere"— drei mußten es sein, aber zwei wären mehr gewesen. Der Opernsänger Alfred Ierger, der den dritten oder ersten steif und humorlos gibt, ist fehl am Ort. und «r findet nicht einmal, wie Göta Ljungberg, Gelegenheit, ge- sanglich hervorzuragen. Aber der bezaubernd liebenswürdige, lustige Max Hansen und der geistig und körperlich gelenkige Sieg- sried Arno, tun sehr viel, um den besten Teil des Publikums zu unterhalten: neben ihnen Paul Morgan, witzig und menschlich gewinnend auch noch in der dümmsten Roll«, und vor allem die temperamentsprühende, talentstrotzende Trude Hesterberg, Und da sind auch noch die Solotänzerinnen La Jana und Marianne Winkelstern, außerordentlich jede in ihrer Art. Und die amüsant«»„Harmonika-Dagabounds". Und nicht zuletzt, oder eigentlich zuerst: was Ernst Stern an Pracht, Prunk und raffinierter Vielfarbigkeit und Bielgestaltigkeit der Figuren und Bilder geschaffen hat. da» ist fesselnd und sehenswert, und es ist Kunst höchsten Ranges. Das Ganze und gerade so weit es gelungen ist, wir dürfen nicht verkennen, daß es aus der Intention Erik Charells hervorgegangen ist. Er sollt« bei der Auestattungsrevue bleiben, das heißt, ehrlich zu ihr zurückkehren. Dafür reichen seine geistigen Kräfte, sein« Bildung und sein Können, und dafür hat er, wie westige, Begabung, Geschmack, Erfahrung. Diesmal spielt er die nicht eben imposante Rolle eines Buchbinders mit literarischen Ambitionen. Xl-us?nn«slieim. Eine Kafchemmen-Nevue. „NappV cnd* im Theater am Schiffbauerdamm. Dies ist«in zweiter Aufguß der„Dreigroschenoper", ähnliches Milieu und ähnliche Zurichtung, aber leider nicht«in ähnlich großer Wurf. Bert Brecht und«ine gewisse Elisabeth Haupt» mann haben das Stück au» einer kurzen Magazinerzählung von Dorothy Lane zusammengestellt. E» ist eine blutig« Der- brechergeschicht« au? einem Groschenheft: Ein mysteriöses Weih, im Stück„die Dam« in Grau" genannt, hält ein« Kolonne dunkler Gestalten sest am Schnürchen. Wen si« um Feuer bittet, der muß in den nächsten drei Stunden sterben. An dies« Gesellschaft geriet die Heilsarmee. Ihr hübscher Leutnant, die Hallelujah-Lilian, ver» liebt sich in Bill, den Hauptmann der Horde, und bekehrt ihn und sein» Kumpanen zu Heilsarmeesoldaten. Die Handlung wird von Brechtschen Ehansons unterbrochen, di« poetischen Gehalt durch burschikosen Ausdruck und kernig herzlich« Sprache ersetzen, wie die folgenden Kostproben zeigen. Du hast mich betrogen. Ionny, zur ersten Stund'. Ich hasse dich, Wie du dastehst und grinst, Ionny, Nimm die Pfeif« aus dem Maul, du Hund. Oder: Nur nicht immer so fein sein, Immer ruhig raufgehauen auf die Nuß, Nur keine Noblesse, Sondern rin in die Fresse. v Einen Tritt und dann Schluß. Die Vertonung durch Kurt Weill bringt in die Lieder den richtigen Schmiß. Die aufrüttelnde, melancholische, oft im Leier. kastenstil gehalten« Musik klingt allerdings häufig an die„Drei- grojchenoper" an. Sämtlich büßen di« Chansons durch ihre Länge an Durchschlagskraft«tn. Von der ersten bis zur letzten Szene ist dos Stück auf Grotesk««ingestellt. Es gibt manch« lustige Spitz- bubenszene im urgemütlich aufgefaßten Verbrechermilieu und vor allem in der Verhohnepiepelung der Hellsarme«. Oskar Homolka hat als Haupt der Bande durch die Mehr- zahl der Szenen betrunken zu torkeln. Er ist zwar überzeugend und echt, kann aber dadurch kein Tempo auflegen. Kurt Gerron dagegen läßt durch seine bravouröse Wucht den unbedeutenden In- halt der Strophen vergessen und erzielt den nachhaltigsten Applaus des Abends, der eigentlich der Hallelusah-Lilian, der Carola Neher, gebührte. Sie ist bezaubernd, wenn si« ihre auswendig gelernten Heilsarmeepredigten losläßt, sie ist entzückend in ihrer natürlichen Selbstverständlichkeit, aber leider kann sie nicht singen. Zum Schluß gab es«inen regelrechten Theoterskandal. Das Stück endet nach Piscator-Manier mtt einer antikapitalistischen Volts- rede, die sehr gut gemeint ist, aber in den Ulkcharakter des übrigen nicht paßt. Das Publikum, gelangweilt durch di« endlosen Gesänge und di« schwunglose Handlung, erhob lärmenden Widerspruch, und nur mit Mühe konnte di« letzte Szen« zu End« gespielt werden. � Emst Degner. „Hannibal ante portas." Theater in der Königgraher Straße Für den Amerikaner Robert E. Sherwood, Millipnärssohn und Literat, ist»» selbstverständlich, daß Honnibal Rom einer Frau wegen oerschont«. Das geht seinen W Film- und Magazmphantasien , groß gewordenen Landsleuten auch besser ein als irgendein« Mllitär- revotte oder ein« andere abwegig« Geschichte. Außerdem erkennt Hannibal plötzlich, daß die ganz« Siegerei keinen moralischen Zweck su-t. Er wird ans zwei Minuten zum Hamlet. Psychologie im Schnellzugstempo I Die Frau, die die Wunder vollbringt, ist di« Gattin feines römischen Gegner» Fahius Maximus, Zauderer und Diktator von Beruf, hunderprszeptiges Mitglied des ehrenwerten amerikanischen Senat». Diese kleine Amythis, ein Flapperchen, eine Neuauflage oo» Kaisers„Jüdischer Witwe", sucht den Helden, den beliebten wilden Mann. Sie langweitt sich bei ihren stockomerikanischen Römern zu Tode, sie will etwas anderes, eine Sensation. Hannibal, der exotische Gent, siegt gerade im rechten Augenblick, und sie pilgert still ent- schlössen zu ihm. Dos erste Zusammentreffen der beiden wirkt fast wie eine Parodie auf„Judith" oder„Coriolan". Das Ganze, übrigens Komödie genannt und der größte Erfolg auf amerikanischen Bühnen, ist ein Witz, allerdings ein recht billiger. Unentwegt prasseln Boniwts oder Aphorismen, di« es gerne sein möchten und es manchmal auch sind. Sherwood präsentiert sich als ein Mann, der Shaw sehr aufmerksam gelesen hat und genau weiß, wie eine Sache geschmissen werden muß, aber er übernimmt nur die äußere Form,„das Räuspern und Spucken". Cäsar ist ein großer Mensch, Hannibal bleibt dagegen in der hübschen Theatermaske stecken. Dazu etwas pazifistisch« Gesinnung als schmackhafte Sauce. Eine liebenswürdige Abendunterhaltunq� die den Geist nicht stark in Anspruch nimntt Prachtvoll ist unter Schwetkartz Regie die Ausführung: Maria Bard, di« Amythis, eine schwingende, kapriziöse Melodie, Egon F r i e d e l l, ein römischer, vertrottelter Rentier, mtt den Allüren eine? Trustmagnaten, der für den Präsidentenposten der USA. kandidiert, Paul H ö r b i g e r, das kleine, hoffnungsvoll« Brüderchen Hanmbals. sungenhaft, grotesk und liebenswert schnoddrig, Adele S a n d r o ck, eine Frau Uta. aus der„ktttk Avenue" als Römerin verkleidet. Bressart, Schaffeitlin und Eitel Karikaturen auf die Dummhett der Generäle im allgemeinen. Deutsch als Hannibal sieht aus wie ein sehr schöner und kutti- vierter Indianerhäuptling auf Genttum stilisiert. Sonst bleibt er ohne ausgeprägte Physiognomie, eben weil Sherwoods Hannibal keine hat. Eelix Sclierret. Deutsches Volkstheater. Gerhart Hauptmann:„Oer arme Heinrich.« Als Rudolf Rittner um die Jahrhundertwende den Heinrich von Aue spielte, ahnte man nicht, wir sehr das Stück aus der Zeit kam und wie wenig es dem Anmarsch der Jahre standhalten werde. Der Borhang geht auf und wie die Zeit vergeht, wird einem immer unbehaglicher zumute. Man geht schließlich fort mit dem Gefühl, daß einem etwas gestohlen wurde. Was? Zeit wurde einem gestohlen! Ich erinnert« mich lebhaft an ein Puppentheater aus Papp« und Holz. Es hatte viele Akteure, bunt, mit lächelnden, wei- »enden, gleichgültigen Gesichtern, Könige. Fürsten, Bettler— eben- Wcola ZPerfcheid, der bekannte 3Be» Hner 3>holograph, einer der Begründer der künfiletilchen Photographie. begehl ht diesen tlageu fein SOfährigee SSeruftfubiläum. falls aus Pappe.. Wir spielten damtt, als Kinder. Aber unser Glaube ließ papierene Täler im jungen Frühling erblühen, gemalte Flüsse rauschten durch das Land und die Fanfaren des Königs Hadedu ertönten zur Hochzeit seiner schönen Tochter Griselde. Si« war blond und trug Gretchenfrtsur, genau so wie Ilse Bcerwald als Ottegebe. Aber hier war kein echter Kinderglaub« in uns. Wir hörten mir die Botschaft... Wir hörten nur ein paar Leutchen auf der Bühne sich unge- wöhnlich geschraubt miteinander verständigen. Tödliche Langeweile beschlich unser Herz. Man verzeihe es mir— aber es trifft mich schwer, wenn jemand heute, nach dem Krieg, nach der Revolution, nach gehetzten, zerquälten Jahren sich hinstellt und sagt:„Als ich in mein Gezimmer trat..." Der arme Heinrich soll heute nicht auf die Bühne. Dielleicht kommt seine Zeit wieder,«ine helle Zeit, die im Dunkeln ausruhen» will. Unsere Zeit ist dunkel, wir brauchen helle Dinge, Fackeln, die uns leuchten. Diese Neuinszenierung war ein Mißgriff Joachim von O st a u s. Es ist daher auch schwer, von den Darstellern zu sprechen. Eugen Klöpfer als Heinrich von Aue war ungleich im Spiel, di« gebundene Rede scheint ihm nicht zu behagen. Straff und voll klang Fritz Reiffs 5)artmann. Das angenehnie, klare Organ Stahl-Rachbaurs(Pater Benedikt) war oft Erholung. Ludwig Iubelfky(Pachter Gottfried), Frigga Braut(Brigitte) mochten den Eindruck, als splellen si« mehr aus Gefälligkeit. Ferdinand Hart gab einen kernigen Ollacker. Ilse Baerwalds Ottegebe ist niit Liebe gestaltet und wirkt so gut, alz hier möglich. LotharWindspergers Musik paßte zum Gesamteindruck. Gerd Nichter stellte die Silhouetten zweier Bäum« auf die Bühne, die au-sahcn, wie ungründlich«ntfedertes Geflügel. •Alexancker von Sacher-Masoch. Ernste Erkrankung Edisons. Ueber den Gesundheitszustand Edisons kommen neue beun» ruhigende Nachrichten von seinem Wohnsitz West-Orxange. D'« Aerzte, die ihn untersuchten, stellten Anzeichen einer Lungenentzün- dung fest. Edison, der sich am 11. August eine Erkättung zuge- zogen hatte, hütet seitdem das Bett. Wegen seines hohen Alters — 82 Jahre— hegt man ernste Befürchtungen. Amerika kaust sämtliche Einkrilkskarken für Oberammergau. Em amerikanisches Konsortium hat von der Obcrammcrgauer Gemeinde- Verwaltung sämtlich« Eintrittskarten für die im nächsten Jahre stattfindenden Passionsspiele zu 80 Proz. ihres Gesamtwertes über- nommen KollettivverirSge nicht eingehalten. Löhne werden in Sowjetrußlond nicht ausgezahlt. Aus dem Zcntralorgon der russischen Gemerkschast„TruV erfährt man, wie in Sowjetrußland mit den Kollektivverträgen um- gesprungen wird. So können z. B. die Arbeiter der Fabrik Mikojan in Rostow am Don anderthalb Jahr« lang nicht erreichen, daß ihre Arbeit laut Kollektivvertrag entlohnt werde. Ob- gleich den Drehern, Schleifern, Fräsern usw. die Akkordarbeiten auch für die Zeit entlohnt werden müßten, die für die D o r b e r c i- tungsarbeiten erforderlich find, erhalten sie das ihnen Zu- kommende nicht. Alle Beschwerden und Entschließungen� der Arbeiterversamm- lungcn fruchten nicht. Die Gewerkschaftsorganisatipnen und die Parteizellen ignorieren diese Forderungen der Arbeiter. Als endlich im Dezember vorigen Jahres«in« Kommission gebildet wurde, da gaben sich die Mitglieder dieser Kommission all« erdenkliche Mühe, den Konflit in der Weise zu schlichten, daß die zwei oder drei „R ä d e ls f ü h r e r" einfach an die Luft gesetzt wurden. Erst unter dem Druck der Arbeiter sah sich die Kommission schließlich gezwungen, ihren Forderungen stattzugeben. Zn Wirklichkeit erhalten die Arbeiter noch heute nicht die Löhn«, auf die sie Anspruch hoben. Nicht besser sieht es mit der Erfüllung des Kollektivvertrages auf der Fabrik„Die dritte Internationale" im Gouocr- nement Wladimir aus. So werden z. B. die lieber- st u n d e n hier nicht vertragsmäßig sondern unter dem Nor- m a l l oh n bezahlt. Entlohnungsnormen sind noch nicht festgelegt und dergl. mehr. Eine andere Notiz des„Trud" schildert, wie es Saison- arbeiterinnen eines Sowjetguts erging. Die Saisonarbeiterinnen hatten ihre Arbeiten beendet und wollten noch Hause reisen, der Lohn wurde ihnen aber nicht ausgezahlt. Man vertröstete sie von einem Tag auf den anderen. Am 8. Juli versammelte sich eine empörte Menschenmenge vor dem Fabrikbureau. Ein berittener Polizist jagte sie auseinander, indem er immer wieder in die Frauen hineinritt. Am 10. Juli ver« sammelten sich die Arbeiterinnen erneut vor dem Fabrikbureou. Jetzt wurde beritten« Polizei in größerer Anzahl herbei- geholt; sie ritten in die Menge hinein, jagten einzelnen Arbei- terinnen noch und verhafteten sie unter Androhung von Waffen- gemalt; natürlich gab es hysterisch« Anfälle. Hinterher wurde der Betriebsrat abgesetzt und auch gegen die Polizei strenge Maßnahmen ergriffen. zZcrantwortl.'ür die Redaktion: Bollganz Schwor,. Berlin: An, eigen: Th. Glocke, Berlin. Lerlag: Borwärts Verlag G. m b S.. Berlin. Druck: Vorwärl, Buch» druckerei und Berlagsanltalt Paul Einger& Co. Berlin SW SS. Lindcnstrake 3. Lierzn l Beilage. Total-Ausverkauf ato ncci.* rage« UntfloLubliclt billiffß Preise? �* r-s-e Porzellan-Cnftafllle-raarkf, Toliunnu PUgel Wilmersdorf, Berliner Slrafjc 30-31 Am Lonntag, dem I.September 1929 verstarb unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Bater, der Buchbinder Bruno Graf Die trauernden Hinleibliebenen Z. A.: Waldemar Grat. Die Einäscherung findet Mittwoch, den 4 September IStS, nachmittags li' j Uhr, im Krematorium, Baum- schuienweg. statt. Theater, Lichtspiele usw. Dienstag,.1. 9. Staals-UDsr Unter d. Linden A.-V. 179 20 Uhr Der Barbier von Bagdad Staats-Oper Am Pl.d.Republ. Vorst 39 . 29 Uhr filio Staatl.ScMIler- Dienstag, ,3. 9. Stadl Oper Bismarcksir. Turnus II 20 Uhr TylB Siaati. Stosph. am Geiutarmenmarkt A-V..159-, 20 Übt heater.Charltli. 20 Uhr Treibjagd Gustav Härtung Renaissance-Theater Taglld»» Uhr Die heilige Flamme i v.W S.Maugham. Rm: Gust. Härtung in dar Pretnlercntieseuung WWW C 1, 0901 und 2583,84. WW I VoiHäfcüiine ltiester anBQlouolali Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Bßchner Regie: Karl Heim Martin Siaatsopcr am Plati der Rcpnbllk 8 Uhr Fidelio Staat!. Sdiiller-Ib- 8 Uhr Treibjagd Vorverkauf atch Im Pavillon der Rein- hardtbühnen, Kurfürstendamm, Ecke UhlandstraSe Bismarck 448/449 Oeotidies Iheater D.I. Norden 12310 3Us Ende gegen 11 Die Fledennais Musik v.Joh.StrauB. Regie; Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L-Kainet Kammersplele D.I. Norden 12 310 Sb-, Ende gegen lO'.e Der Cnwiderstehlicbe Komödie von Cdraldy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie 1 1 Bismck. 2414/7516 Vit U., Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie; Leontine Sagau Winfer ★ Ciarren* 8 UDr* Ztntr. 381*» lateraat. Variete< ■ trliult I km»,' nat| SSSSSSSSSSISSSSSSSSSg Sommer-Garten-Theater Berliner Freier N 58, Käst-AIIee 7-9. Tel. Hb. 2246 fiastspi«) Gasitl Beat, Grttei LUlen Wiener Blut Operette von Johann StrauS Oaxo der grostc VarielöteU. Anfang Konzert 4 Uhr. Burleske u. Variete 5.80. Oparattg 8 IN». n«l. 2 VenltlL S mi Dir _ Sa: Derma B66 Unter« eeuca Prelu: Wacie»ti|i 5 Dir 50 Pf. Ml I lark UM. PI, i. taaal. Ulif Iii» i Bart Ortslnal- Raaatelll narr. CASINO-THEATER Lothringer Straste 57. Täglich SVt Uhr Der neue Ertmnunss-schiager Wem nebört mein Mannl l Reichshallen-Thealer_ Abends[T] Sonntag nachm.| 3\ Das Fest-Programm der x StetllnorSänger ßm von der|50[-Jahr-Feier! afif JS Nachmittags halbe Preise /»Jt« und das volle Programm! Keine Preis-Erhöhung! //Jjkdll Dönhoff- Brotti; 10 Varlctd Num.. Falkner Orch., Tanz. Dazu ein erstkl. bunter Teil Für unsere Lesen Gutschein für 1—4 Personen Fauteull nur 1.25 Sessel 1.75 dL. Sonstige Preise: Parken u. Rang 080 M.i HUII IM! Mittwoch, den 4. Septbr.j abends 0 Dlir Direktion Or. Robert Klein Deotsehes Iflnstler- Theater Täglich 8V« Uhr Die aodere Seite von R. C Sherriff Regie: Hei nzHilpcrt Berliner Theater Donnerstag, 5. Sept 7I/a Uhr Urantttlhning Iwel Kiawattni von Georg Kaiser Musik: Miscba Spoliansky Regie: Forster Larrinaga Trianon-Th.M|jr,kr Dir. Leo ValUier Stola Täglich 81/« Uhr Das kommt doch alle Tage vor Custsp.». Sven Recrgtrd Johannes Riemann, Vllma v. Aknay, Max Laadi,Lotte Kllnder Barnowsky-Böhnen Theater le dar kOalggrStiar StraBe 8'/i Uhr Hannlbal ante portas KomSdienhau« Täglich SV« Uhr Chapleys Tante mit Cnrt Bolz. TheaL fl. Westens Täglich 8'/« Uhr Sonntag 4 u. SV« Franz Lehan Welterfolg i Friederike Lotte Carola Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Vfreklame 12 Echt beige Kp/b/eder � M M«T Be; Xelßleder mHesetnup kombm. mrolbreunerKombrnefi � so�/e Lech vnd � � sehr fesch.- Schwer*, Grossdetailr �chuA-WchiaB fifehmdt 'brauner Kombwot/or? sehr fesch e/e rassige hfodeffe farbig u. Lack n?oi&* Münxsfc 25(Alexander P/atz) Von unserem Riesenlager hier nur einige Beispiele: Orig. Goody. Welt Echt Boxcelf m. Kerbrend 1 55 In echt Braun ßoxcalf„ aDeröy m. Wettern //, i90 Damen l.edet-kaulllkuke Niedertreter mit Ledersohle 36-41 Udo Leder-Sandaletten nicht alle Größen 4.90 Herren-Halbschuhe�90 Echt Lack 9.80, In echt Boxrind M. M Viele rdsr/ge � htode/le in Leck. "b/eon u Schwerz 9ß072.9076.90 föeiloge IMensiag, 3. September 1929 torjUmri) Sjutfnnlfntt jtm l&WarA Jean Jaure« Ein GedenkblaM/ Eon Bracke Schon im Gymnasium in Paris, dann im Scminär für Hoch- schullshrrr, wo Iaures dem Schreiber dieser Erinnerungszeiien zwei Jahrs voraus war, hörte er diesen älteren Schulgenossen, den er von Zeit zu Zeit sah, und dann mit einem ganzen Kreis der jhoch- schule mit Sympathie und Neugierde folgte, als einen ganz außer- ordentlichen Geist loben, und er war stolz, sich zu sagen:„Es ist einer der Unseren, und er wird es weit bringen: ober wohin?" Schon damals konnte man voraussehen, daß seine schon b e- rühmte rednerische Begabung bald in der Politik in der Deputiertenkammer sich betätigen würde. Diese Voraussage ent- sprang der politischen Situation. Um 18811, zehn Jahre nach dem Dcutsch�Fronzösischcn Krieg, begann die Republik in Frankreich sich zu stabilisieren, umgeben von der Aureole der Rückkehr zur revolu- tionären Tradition, die bald vom Königtum, bald vom Kaiserreich unterbrochen war, während die alten Parteien und der Klerikal!-- mus, die nur schlecht die kapitalistischen Interessen verbargen, gegen die Republik Sturm liefen. Eine Reihe junger Leute, die der mittleren Schicht der Bour- geoisie angehörten und eben erst die Schule verlassen hatten, traten in den politischen Kampf unter der Fahne der Republik. Die Vor- aussage war chjo ganz natürlich. Jaures gehörte dieser sozialen Schicht an durch seinen Großvater, der dem Textilhondel in der kleinen Stadt Castres oblag, durch seinen Vater, einen ideenreichen Mann, der vom Glück nicht begünstigt war»nd in wenigen Jahren vom.fjandel zur Industrie, dann zur Bewirtschaftung eines kleinen Landgutes hinübergewechselt und im Jahre 1882 gestorben war. Man konnte voraussehen, daß dieser junge Student, der mit Leich- tigkeit immer der erste war, seinen Horizont erweitern und über den Kreis der Freunde hinaus nach und nach in einer ganz natürlichen Entwicklung die Zuneigung aller Schichten der Arbeiterschaft er- obern würde, um schließlich gewissermaßen in der Liebe des Welt- Proletariats zu enden. Eamiel Huysmans, der Sekretär der Zweiten Inter- nationale, sagte die einfache Wahrheit, als er am 4. August 1914 ausrief, als daß große Massaker begann, als das Volk von Paris Jaures, der für den Frieden gefallen war, zum Begräbnis geleitete: „Jaures bat nicht nur Frankreich gehört. Er gehörte allen Na- tionon." Wenn heute das Zcntralorgan der deutschen Sozialdemo- kratie liebevoll sich des 70. Geburtstages von Jaures erinnert, so ist das ein Beweis mehr, wie wahr Huysmans gesprochen hat. Wenn man de Geschichte eines großen Mannes studiert, begeht man gewöhnlich den Fehler, seinen Geist gewissermaßen in einen unbeweglichen Rahmen einzuspannen, als ob dieler Geist mit einem Male sich geformt hätte. Die Ersahrungen des Lebens ändern auch i-ei den»nbeugfanistkn Charakteren die Leitmotive, nicht immer in der Richtung, aber in der Tiefe. Wie sehr erst bei Jaures, dessen «Geist allem Neuen immer offen war, immer bereichert von den Früchten der Beobachtung und der Lektüre. Ein derartiger Intel- lckt ist notwendig ein Dvens xceametricu!: der Gegensätze, die aber durch die Bewegung der Gedanken in Harmonie gebracht werden. Wenn ich versuchen soll, durch ein Wort zu kennzeichnen, was diesen einzigartigen Menschen unter allen Aposteln und Lehrern des kämpfenden Sozialismus auszeichnete, so möchte ich sagen, daß-r ein Mann der sortgesehken Xit war. Ich will damit sagen, daß er jede Neuerwerbung, die ihm die Tatsachen oder die Bücher lieferten, sofort verband mit der vorher- gehenden Tatsachen- oder Jdeenreihe, um sofort angewandt zu werden. Daher erklärt sich auch, daß er niemals seinen Einfluß auf eine bestimmte Gruppe, so groß sie auch sein mochte, beschränken wollte. Wie die Natur in ihrer Gesamtheit in seiner Beredsamkeit einhalten war, so wandte er sich immer an die Menschheit in ihrer Gesamtheit, wenn er sprach, wenn er schrieb, wenn er handelte. Er lebte sozusagen in dem flüchtigen Augenblick der Gegenwart und gleichzeitig in der ununterbrochenen Kette, die die Gegenwart ver- bindet mit der Vergangenheit und der Zukunft In Südfrankreich, seiner engeren Heimat, wo er damals wohnt«, war die Republik getragen von den Bauern, die damals sich zu ver- einige» begannen, um der Ausbeutung durch die„Großen" sich zu widersetzen. Jaures der das flache Land liebte und kannte und zu dem er immer wieder zurückkehrt«, so daß er von sich selbst sein ganzes Leben lang sagte:„im Grunde bin ich ein Bauer", beschäf- tigte sich zunächst mit den sozialen Problepien des Schutzes der Bauern. Als er in> Jahre 1885 bei den Kammerwahlen eine Kan- didatur annahm und gewählt wurde, tritt er keiner der Fraktionen der Deputiertenkammer bei. Schon damals hatte er wiederholt Gelegenheit, die soziale Tragweite der Gesetze zu erwägen, so daß Rouanet in einem Artikel der„Revue Soeialiste" dem jungen Abgeordneten, der neben den„Liberalen" des Zentrums saß, zurufen konnte:„Sie gehören zu uns, niein Herr!" 1889 wird Jaures nicht wiedergewählt. Aber die vier Jahre Profesforot sind nicht verloren für seine Annäherung an den Kampf des revolutionären Proletariats. Stadtverordneter von Toulouse und zweiter Bürgermeister mit dem Schuldezernat, Mitarbeiter der radikalen Zeitung„La Depeche", hatte er Gelegenheit, das Wachsen der sozialistischen Bewegung zu beobachten. Eine der Thesen seines Doktorats aus dem Jahre 1891 sührte ihn dazu, den Ursprung des deutschen Sozialismus in der religiösen und philo- sophischen Vergangenheit Deutschlands zu suchen. Aber«s war vor allen Dingen der große Streik der Bergarbeiter von E a r m a u x. der die Ocffentlichkeit tief aufrüttelte und wo Innres zu den Arbeitern sprach, der ihm die Wirklichkeit des Klassenkampfes in seiner modernsten Form vor Augen führte. Die Hilf«, die er damals den Arbeitern zuteil weichen ließ, haben zuerst jene Band« geknüpft, die erst der Tod unterbrach. So wurde Jaures auf Be- lchluß der sozialistischen Delegiertenkonferenz der Nachfolger des Minenbesitzers Marquis de Solages, der sein« Demission gegeben hotte(Januar 1898). Die Sozialisten von Earmaux gehörten der französischen Ar- bciterpartei an(Guecdisten). Man hat in der Folge öfter behauptet. daß Jaures-damals dieser Organisation beigetreten wäre. Das ist nicht richtig. Natürlich wurde die Wahlkampagne mit dem Pro- gramm der Französischen Arbeiterpartei geführt und Jaures sst dadurch in nähere Beziehungen zu Jules Guesde und Paul Lafargue gtreten und hat auch im Jahre 1894 an dem Parteitag von Nantes teilgenommen und sich an der Diskussion über das Agrarpragromm beteiligt. Aber schon damals erschien ihm die Notwendigkeit der joziolistischen Einigkeit wichtiger als der Fortschrtt der einen Organi- sation gegenüber den anderen. Er blieb unabhängig, als er im selben Jahre bei den allgemeinen Wahlen wiedergewählt wurde. Der Deputiertenkammer gehörten damals zum erstenmal ein« größere Anzahl von Sozialisten an. Neben Guesde und V a i l l a n t hat Jaures dem Sozialismus gedient mit dem Glanz seiner Beredsamkeit, durch die Fruchtbarkeit seiner Erfindungskrast als parlamentarischer Taktiker, so daß man wohl sogen kann, daß, wenn er nicht den Sozialismus selbst, so doch die Hoffnungen in eine soziale Erneuerung durch die proletarisifye Aktion populär machte. Vielleicht war es nicht so sehr auf das Regime der Deputierten- tammer, sondern in den zahllosen öffentlichen Versammlungen, daß seine Beredsamkeit am wirksamsten war und seine außerordentlichen Gaben in ihrem ganzen Reichtum sich kundtaten. Fruchtbar- k« i t ist der einzige Ausdruck, der dem redneris6)en Genius von Jaures entspricht. Wir sagten manchmal, daß eine Idee, die von außen in sein Gehirn eindrang, wie ein Korn auf einem wunder- baren Boden sich entfaltete. Im Augenblick keimte sie, wuchs zu einem Baum mit seinen Zweigen, zwischen denen die Sonne ihre Lichter warf und in denen-die Vögel sangen. Dieser Redner der Redner hatte niemals die Redekunst studiert. Er modulierte nickst seine mächtige, leicht etwas heiser werdende Stimme. Er regierte nicht seine Geste, die manchmal monoton, manchmal überquellend war, indem er die Arme zum Himmel reckt« und sich um sich selbst drehte. So wie er seinen ganzen Geist, so gab«r auch seine ganze Person derart dem ver- sammelten Volk. Er gab so ganz seine reiche und vielseitige Natur der Sache hin, daß er dadurch seine Zuhörerschaft wie in einem Wirbel des Lichts mit sich riß. So hat er die Herzen aller derer erobert, die in der ganzen Welt die Stunde der Befreiung erwarten. Sein Erfolg, sein Sieg war nicht begründet auf Konzessionen, die er dem Geschmack des Publikums gemacht hätte, auf Schmeicheleien und Kniffe. Nein! Jaures brachte immer mst einfachem Mut seine Ideen vor, auch mit ihren Zweifeln und Erwägungen, mit ihren Kühnheiten, ohne Rücksicht auf Vorurteile und Beschimpfungen. Es genügt hier, nur ganz kurz daran zu erinnern, daß infolge des Beschlusses des Internationalen Kongresses von London (1898) die zerstreuten„unabhängigen" Sozialisten gezwungen wurden, sich in einer Organisation zusammenzufinden und daß dies der Anfang des großen Feldzugs für dieEinigkeit war, den Jaures mit gewohnter Leidenschaft und Hartnäckigkeit führte. Die Dreyfus-Affäre spaltete die Sozialisten vor ollem durch ihre politischen Folgen. Getreu seinem Gefühl, immer an alle Schichten zu appellieren, die durch ein wenn auch nur vorübergehendes In- teresse am Befreiungskampf vereinigt waren, hat Jaures ein ganzes System des Kampfes damals herausgebildet, das ihn zu Koalitio- nen mit bürgerlichen Fraktionen führte. Ich erwähne nur kurz, daß damals der Eintritt von Millerand in das Ministerium Wal- deck-Rousseau erfolgte: daß sich daran die Auseinandersetzung über die Beteiligung an einer bürgerlichen Regierung knüpfte: daß der Revisionismus von Deutschland nach Frankreich und in die ganze Ilsternationale getragen wurde: daß dann 1899 und 1999 die sran- zösischen Einheitstongresse stattfanden, wo die sozialistische Einheit sich zu bilden und wieder auseinanderzufallen schien, um schließlich In dem Beschluß des Internationalen Kongresses von Amsterdach (1994) zu enden, wo die srwnzösischen Sozialisten beider Richtungen f die Verpflichtung übernahmen, die proletarischen Kräfte Frankreichs in eine Partei zu verschmelzen. Niemals erschien die einfache Rechtschafseuheil. die alle Handlungen von Jaures bestimmte, so klar wie damals. Gegen seine eigenen Anhänger setzte or alle seine Kraft in den Dienst der Einheit. Gegen den Widerstand seiner An- Hänger hotte Jaures sich zu der Ileberzeugung durchgerungen, daß der„Block der Linken"", in dem Jaures eine gefährliche und gleich- zeitig so geschickte Rolle zu spielen vermochte, was für Jaures aber nur der Verfuch war, die bürgerliche Republik über ihre Grenzen hinauszutreiben, daß dieser Brock der Linken sich überlebt hatte. Die Dreyfus-Affäre. die ihn von 1898 bis 1992 aus der Kammer entfernt hatte, gab ihm dadurch Gelegenheit, durch die Feder und das Wort noch mehr der Sache zu dienen. Damals begann er seine Geschichte des Sozialismus, von der ich hier nur erwähnen will, ivie sehr seine„Erwägungen" über die Geschichte bezeichnend sind für die Gewissenhaftigkeit dieses großen Arbeiters und die Fähigkeit, die Elemente zu verarbeiten, die seinem Hirn durch die Tatsachen zugeführt wurden. In diesen Seiten, die wie unter einem mächti- gen und regelmäßigen Impuls geschrieben sind, sind die tiefften Studien konzentriert. Besoirders die erste Hälfte des ersten Bandes, der den Ursprung des bürgerlichen Reichtirms vor 1789 aufzeigt, ist auf unveröffentlichte und außerordentlich interessante Dokumente S zurückzuführen. Jaures lebte so sehr die Kämpf«, die er schilderte, daß er es sich nicht verkneifen tonnte, Mirobeau, Robespierre und dem Kardinal Maury vorzuhalten, was sie eigentlich damals noch hinzufügen hätten müssen, um wirklich die Interessen der Klaffen zu. vertreten, die sie damals verteidigten. Damals war es auch, wo er der eben geeinigten Partei die Waffe einer Tageszeitung gab. Gegründet im Januar 1994 mit Geldern, die ihm von„Sympathisierenden" zur Verfügung gestellt wurden, drohte die.„Humanitä" trotz ihrer ausgezeichneten Redaktion bald wieder zu verschwinden. Jaures gelang es in einer Reihe von Bersominlungen in Gemeinschaft mit den Sozialisten aller Rich- tungen, die Opferbereitjchaft der Arbeiter zu wecken, denn es war ja endlich dos Natt der geeinten Partei, es war ja„ihr Blatt", da es doch das Blast„ihres Mannes", das Blast Jaures' war. Tag um Tag hatte Jaures in der.�humanste" die Ereignisse analysiert und daraus für dos Proletariat olle LehrM gezogen. Dieses Studium der alltäglichen Dinge führt« Jaures mehr noch als die international« Idee dazu, von 1995 ab den größten Teil feiner Tätigkeit der Bekämpfung oller kriegerischen Elemente zu widmen,„die der Kapitalismus in seinem Innern trägt, wie di« Wolke das Gewitter". Zunächst ist es der russisch-japanisch« Krieg, der ihm die Gelegenheit bietet, den Betrug der Bündnisse mit Ruß- land aufzuzeigen und als natürliche Folge das Interesse, das die gesamt« Welt hat an der Annäherung von Deutschland und Frankreich. Dann kamen die Gefahren, die aus der ständigen Spannung zwischen Deutschland und Frankreich in Marokko entstanden. Gegen dies« Gefahren appellierte Jaures an die Solidarität des französischen und des deutschen Proletariats, wodurch er sich gleich- zeitig den Zorn der kaiserlichen deutschen und der republikanischen französischen Regierung zuzog. Wenn der deutsche Botfchafter Fürst Radolin im Juli 1995 im Nomen der deutschen Regierung Jaures verbot, in Berlin-eine Rede zu halten, di« der„Vorwärts" übrigens veröffentlicht hat. so haben die Delcasse und Konsorten mit Unter, stützung aller nationalistischen Zeitungen Jaures ständig angeilogt, der„Advokat Deutschlands" zu sein. In der Kammer Hot er nicht aufgehört, mit immer schärferer Klarheit die Unfähigkeit, Untätigkeit und Doppelzüngigkeit der Diplo. maten Und der Regierungen festzunageln und zu verlangen, daß Frankreich die Initiative für eine wahre Friedenspolitik ergreif«. Als«r im Jahre 1911(19. bis 29. Dezember) die deutsch-sranzösische Verständigung forderte, hat er mit prophetischem Scharfblick voraus, gesehen, was der Krieg fein wird, den er nicht gesehen hat:„Man darf sich nicht einbilden, daß der Krieg kurz sein und sich in einigen Blitzschlägen auslösen wird. Man wird in den gegenüberliegenden Gebieten ungeheure und langsame Zusammenstöße erleben, wie dort in der Mandschurei. Menschenmassen werden gären in der Krankheit» in der Not, im Schmerz unter den verheerenden Wirkungen der viel- fach gesteigerten Geschosse...." Für dieses Werk des Friedens, zu der er die gesamte Internatio- nale aufruft, bekämpft er in Frankreich alles, was den Militarismus begünstigt und unternimmt er 1912/13 den hartnäckigen Kampf gegen die dreijährige Dienstzeit, wie er 1919 sein Buch„Di« bewaffnet« Nation" geschrieben Hot. Dieses Buch ist der ganze Jaures. Es war geschrieben als Begründung einer Gesetzesvorlage für die Organi- sierung der Miliz. Man hotte Jaures seine geschichtlichen„Ab- schweifungen", sein« politischen Erwägungen, die in keiner-'Beziehung zu dem Gegenstand stünden, vorgeworfen. Dieser Vorwurf beruht auf der Verkennung dieses Geistes, der immer di« Verbindung zwischen allen Elementen der menschlichen Befreiung suchte. Das Buch gibt nicht nur«inen Entwurf einer militärischen Organisation, die durch ihre Funktion den Militarismus zur Ohnmacht verurteilt. Es zeichnet auch dem internationalen sozialistischen Proletariat ein Programm vor, das dem Kriege Hindernisse entgegenstellt. Für Jaures gibt es für die Internationale nur eine möglich« Politik, und zwar, wenn sie durch ein Kennzeichen den für den Krieg Verantwortlichen feststellt. Dieses Kennzeichen ist für Jaures die Weigerung, den Konflikt einem Schiedsgericht zu unter- werfen. Bis heute hat man wohl kein besseres Kennzeichen gefunden. Niemand hat es besser verstanden als Jaures, in der Oeffenllich- keit das Bedürfnis wachzurufen, di« Außenpolitik der Regierung zu überwachen. So hat Jaures seine Studien immer mehr auf andere Länder ausgedehnt. Man befand sich damals in der Periode der Balkankonflikte, die schon den großen Weltkrieg ankündigten, als die Internationale in Bafel Jaures' Appell an die Proletarier ver- nahm, daß ihre Revolution weniger Blut als der Krieg kosten würde." Dann kam die Krise Im Juli 1914. Obwohl er in seiner Rede vom 25. Juli die Folgen des österreichischen Ultimatums an Serbien in ihrer ganzen Tragweite voraussah, wollte Jaures doch die Hoff« nung auf den Frieden nicht aufgeben. Auf die Regierung in Pari«, in Brüssel, im Internationalen Sozialistischen Bureau, dann wieder in Paris, ohne sich eine Minute Zeit zu gönnen, treibt er alle Ele- mente des Friedens an. um sie zu vereinigen. Mit verstärkter Kraft bekämpft er di« Nervosität, die ganz Europa befällt und selbst pazi» fistische Neigungen lähmt. Er wußte wohl, daß«r in diesem Kampf sein Leben riskierte, Die anonymen Morddrohungen häuften sich feit Monaten, und der direkte Anreiz zum Mord war immer weniger verhüllt in der natio- nalistifchen Press«. Aber Jaures hatte sein Leben ein für allemal dem Proletariat gegeben. Am Abend des 31. Juli wurde diese Hetz« und wurden dies« Drohungen zur Wirklichkeit. Unter dem Revolver- schuß eines verhetzten Narren fiel Jaures gewissermaßen an der Schwelle der großen Katastrophe, und dos Proletariat..der ganzen Welt ist beraubt um di« Jahre, die er noch in seinen Dienst stellen kannte. Zehn Jahre nach Kriegsausbruch hat das republikanisch, Bürgertum Frankreichs die sterblichen Ueberreste von Jean Jaures zwischen seinen großen Männern im Pantheon beisetzen lassen. Eine höhere Ehrung wird ihm zuteil durch die Arbeiterklosse, für die Jaures noch lebt und die sich der Lehre Jaures'«rinr/ert, daß nur durch ihre übereinstimmende Anstrengung in ollen Ländern der Welt auf dem Wege des Sozialismus eine Gesellschaft errichtet werden kann, wo sein Hoffnungsruf zur Wahrheit wird: Nie wieder Krieg I (9. Fortsetzung.) Behaglich erhob sich Meister Timm. Gutmütig lächelnd tätschelte er das ältliche Mädchen auf die Schulter.„So, Lene, die erste Arbeit war überstanden und ich muß gestehen, sie hatt auch rechtschaffen müde gemacht. Nun bei einer guten Zigarre in einem gemütlichen Schlummereckchen bis gegen 12 Uhr der Ruhe pflegen und dann bis Mittag in einem Zuge arbeiten, hähähä, das war so'n kleiner Vorgeschmack vom Himmel, was?— Ich mein so für unsereinen." Lene griff den Faden auf..Lach,'s gibt genug, die's so haben. Da brauchen wir bloß ein« Treppe höhersteigen, da kann man schon sehn, wie sie sich einüben fürs himmlisch« Leben." Ein dralles Hausmädchen erschien plötzlich in der Küchentür. „Die gnäd'gen Fräulein lassen den Meister schön bitten, und«r mächt gleich mal heraufkommen." „Was?" Die Wirtschafterin trat resolut dazwischen. „Gibt's nicht! Der Meister bleibt hier! Im Keller wird angefangen!" Timm versprach, sich oben für die Verückstchtigung ihrer Wünsch« einzulegen.< „Wehe, lassen Sie mich im Stich. Meister!" Und zornig warf die Schaffnerin die KücheMür ins Schloß. Im oberen Stockwerk wurden die Tischler von den beiden Töchtern des Hauses mit Hallo empfangen. Der einen Aufträge waren immer noch wichtiger als die der anderen. Da klemmten Schubloden und Türen, dort wackelten Gesims« und Füße, wo anders waren Konsole, Vasen und Quadern abgestoßen, hier war die Politur zerschrammt und dort war die Farbe ousgeblaßt. Gleich traten auch die beiden Söhne des Oberamtmanns hinzu: und auf ihr Vorrecht pochend, führten sie den Meister in ihr Spielzimmer. Da standen Billardqueues zerbrochen, zerschellt und ohne Stoßleder in allen Ecken. Auch der rohgetreten« Fußboden sollte in Farbe gebracht werden. Indessen hielten die Schwestern Heinrich fest.„Gelt, tleiner Meister, du sorgst dich um uns," bat die älter« förmlich und reicht« ihm einige Schokolasennüffe, während die andere ihm übers Haar strich. „Der kleine Schwarzkopf wird uns schon nicht im Stich lassen." „Schau, Meto, was für«in Paar schön« Kastanien er im Kops hat! Den hat sich Meister Timm wohl aus Italien schicken lassen." Heinrich durchlief es heiß. Er wandte sich ab und ging an die Arbeit, di« ihm sein Meister auftrug. Nun war er ollein in dem so herrlich eingerichteten Damensalon, wo er das ausgeschwitzte Oel von den polierten Mahagoni- flächen der Möbel«ntfern«n, rauhe Stellen nachpolieren und mit Lack auffrischen mußte. Ganz benommen fühlt« er sich zwischen all den Herrlichkeiten. Da lagen Ringe, Ohrgehänge, Ketten aus Gold, Bernstein, Korallen und Perlen in Fächern und Kästen, die er öffnen mußte, um sie gründlich zu bearbeiten. Ein« kunstvoll gearbeitete Elfenbeinkette nahm er in die Hand und betrachtet« wohlgefällig die zarten Figuren... Ein Frösteln durchfuhr ihn, als er sich in einem Spiegel erblickte... Schnell warf er das Kunstwerk an seinen Ort zurück. Da— es glitzerte in den prächtigsten Farben— am Hintsrstück einer Schublade, die er herausnahm, um die Streichleiste festzu- leimen. Durch ein kleines Astloch schaute die goldene Busennadel mit dem feurigen Kopf.— Wie lange mochte sie schon vermißt sein? Vielleicht war sie längst in Dergessenhett geraten. Er drehte das strahlende Kleinod zwischen den Fingern, wobei«s in allen Farben spielte. Die saubcrgearbeitet« Fassung und d«r«n reiner Goldglanz ließen ihm die Nadel als sehr wertvoll erscheinen. O, könnte er die Schwester Hannchon ins ftiden« Miedertüchel stecken... Scheu blickt« er nach allen Seiten... Unsinn.— Ein« Busennadel.— Nicht der Rede wert.—- Wie oft verteilt der Schlächter-August«inen Ring Knoblauchwurst: und Kaufmann Hübn«rs Fritz stiehlt doch j«den Sonntag sein Taschen- geld aus der Ladenkasfe.— Und wie oft schenkte ihm Bäcker-Iul« Semmel und Salzkuchen. Aber so sehr«r sich auch abmühte, sein Tun durch die Sünden der anderen zu«ntschuldigen, stiegen doch die Vorwürfe immer heftiger in ihn auf. Kniend kroch er um» Billard, den abgenützten Fußboden mit gelber Farbe streichend. Dabei wogte«r nicht aufzublicken. Immer schneller und schneller flitzt« der Pinsel hin und her, Strich an Strich. Nahend« Tritte versetzten ihn in Angst und kalt« Blässe stieg ihm ins Gesicht.— Aufspringen!— Davonlaufen!— Doch«in furchbares Zittern überfiel ihn. „Ei, so ist's brav. Kleiner! Wie du schon alles blank und n«u machen kannst." Einer der jungen Herren stand breit im Tür- rahmen. Wie durchbohrt fühlte sich Heinrich von dessen Blick und als ob er sich festbrenn« an der linken Brustseit«. so schmerzte es gerade dort, wo die Sicherheitsnadel in der Westentasche stak. Sein Herz sprang herauf bis an die Kehle und schlug pochend in den Ohren.— Er sieht es mir an— er weiß es— er— er— packt mich!— Ein Stich, als dränge di« Nadel in die Brust.— Matt fuhr der Pinsel hin und her. „Vitt' schön, tleiner Meister." Ein buntes Schächtelchen mit süßlich duftenden Zigaretten hielt der ander« vor ihn hin. Stotternd v«rn«inte er. „Ach was, darfst schon! Greif zu, auf meine Verantwortung!" Ein Zündholz flammte auf. „So, mein Junge! Das riecht doch besser als die stinkende Oel- färbe." Ein Liebchen trällernd, verließ der andere das Zimmer. Der Rauch beruhigt« Heinrich. Fast schämte er sich seiner unbe- gründeten Angst.— Nie und nimmer kann dies an den Tag kommen. Zehn, zwanzig Jahrs wäre die Nadel noch in ihrem Versteck ge' blieben.— Vielleicht wäre sie bei einem Umzug verlorengegangen, in Straßenschmutz getreten, vernichtet worden____ Alle Winkel durchspähcnd, griff er in die Tasche. Immer besser gefiel ihm die liebliche Form und der herrliche Glanz.— Aber nein! — Wem sollt« er noch gerade ine Gesicht sehen?— Alle Menschen hielten ihn für einen ehrlichen Jungen.— Wie sollte er vor seine Eltern, seine Geschwister hintreten?— Cr müßte di« Mutter, den Vater, die Schwester belügen.— Lügen?— Alle Welt belügen?— Spitzbube und— Lügn«r?... NeinI Er sprang auf, lief durch Türen.— Stand lauschend. — Er war allein. Behutsam legte er die Nadel auf das Schränkchen vor dem Spiegel. Tief atmend, wie aus furchtbarem Traum erwacht, begann er wieder feine Arbeit. Der Rauch der Zigarette biß ihn in Nase und Augen, doch sie wegwerfen, wagte er nicht, der feine Herr könnte es übeldeuten. .Lunge, was? Bist du des Teufels!" Der Meister stand zor- nigcn Blicks vor ihm. Heinrich begann zu stammeln. „Lüge nicht, Bengel! Steh auf!" Der All« betastete chn am ganzen Leibe.„Du willst wohl, daß wir mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt werden?" ..Aber bitte, beruhigen Sie sich, Meister. Ich bin der Sünder", sagte der Spender, hinzutretend. „Ach, Verzeihung, Herr— wirklich— ja— ist es so?— Gut, gut. Es freut mich.— Sehn Sie, ich Hab ja mein ganz Vertrauen .in den Jungen gesetzt— und das schmerzt, wenn'? einem rausgerissen wird." .La. sa, riesig nett, Meister. Auch wir schenken jedem, der in unserem Hause arbeitet, volles Vertrauen. Aber nun rauchen auch Sie erst mal«ine Zigarre an." Nach einigen tiefen Zügen blauen Rauches klopfte Timm Heinrich traut auf die Schulter, als er sah, wie es ihm naß aus den Augen perlte, und sprach gütlich auf ihn ein:„lldun, nichts für ungut, mein Junge. Ich glaubt« es ja gleich nicht so recht." Im selben Augenblick erschallen Rufe:„Arno! Waldemar! Meto! Meister!" Auf dem Flur entstand ein Stimmengewirr: darunter die jüngste der Schwestern rufend und fragend:„Hier seht! Ist's möglich? Großinutters Brillantennndel, mein Erbstück!— Von wo? Wie kommt die hier auf die Kommade?— O, was haben wir getan!— Schuldig, schuldig, unglücklich ließen wir die Aennste werden!— O Gott, o Gott!" Dann ward's still. Heinrich ließ sich wieder zur Arbeit nieder. Zitternd griff er zum Pinsel. Es war nun, als stürz« nun doch das Schicksal mit ganzer Schwere auf ihn nieder. Und es drängte ihn, hinzulaufen und Licht in die Sache zu bringen. Doch schon vernahm er den Ruf seines Meisters. Voll Zittern und Zagen sprang er auf und lief hinaus. Freundlich wie heut morgen, nur traurig und erregt, sprach das schöne Mädchen auf ihn ein, die funkelnde Nadel ihm weifend. Da merkte er, daß niemand Arges von ihm dachte. Und so stellte er kurz dar, wie und wo er sie fand, ohne seine böse Absicht zu erwähnen. � „Gott, wie soll ich es dir danken, mein tleiner Freund? Du bist mein Erlöser! Nun sehe ich klar, nun kann ich handeln." Voller Dankbarkeit ergriff sie Heinrichs Hand und drückte sie bewegt. „Laß anspannen, Waldemar!" rief sie ihrem Bruder zu.„Wir fahren sofort hinüber noch Langenau. Ich selbst will sie ihr geben. Mag sie sich ein« Hypothek darauf leihen, sich eine Wirtschaft pachten cder kaufen und ihren Andreas heiraten." „Bist närrisch, Liesbeth. Ein solches Erbstück verschenkt man doch nicht, das muß einem heilig fein", wandte der Bruder ein. „Heilig?" groß blicke Lisbeth auf,„nein! Für ein solches Heiligtum dank ich, was guten Leuten die Ehre raubt— sie unschuldig ins Zuchthaus bringt, während es sich in tiefe Winkel vcr- birgt!" Unter Weinen warf sie die Nadel von sich. „Wenn Anna ebenso gefühlsmäßig über Gold und Diamanten denkt wie du, dann wird sie ja sowieso die Nadel ablehnen.— Na, und Rittergüter hast du ja. Gott sei Dank, nicht zu vsrschenken", erwiderte ihr Bruder kühl. „Nun gut. dann verpsände ich die Nadel, und Anna erhält den Erlös. Ich mag dieses glitzernde Teufelswerk nicht mehr sehen, das soviel Unheil über ein« Unschuldige gebrocht hat. Das Urteil muß öffentlich aufgehoben werden. Dieses alles werde ich auf dem schnellsten Weg« veranlassen." Ein tiefes Mitleid ergriff Heinrich, während er das Gespräch durch die offen« Tür mit anhörte. Zum erstenmal dachte er nach, wie sich der Mensch von an- scheinend toten Dingen so in die Gewalt nehmen lassen kann. Und es schien ihm, wie wenn ein Wille, eine?lbsicht darin läge, die des Menschen Lebensweg bestimmen möchte. Verlockende Zukunftsbilder der Freude und des Glücks hallen ihn vorhin umgaukelt. Und eine geheime Macht umschmeichelt« immer eindringlicher seine Sinne. Und nur dumme Trottel, die es im Leben nie vorwärts brächten, dächten so wie er und griffen nicht zu, wenn sich ihnen das Glück böte. Froh des Sieges über des Teufels Macht, die ihn verderben wollt«, fetzte Heinrich, wi« von n«uer Kraft erfüllt, wieder Strich an Strich. Es begann rasch zu dunkeln. „Meister, Sie müssen eilen, wenn Sie heut noch über die Oder wollen!" rief die Wirtschafterin hinunter in den Keller, wo di« Tischler alles notdürftig festmochten. „Der Fährmann weiß schon, daß er uns noch hinüberbringen muß", versetzte Timm. „Bis neun Uhr muh er. Doch später ist es nicht ratsam nut dem Walter, denn der Tag war heiß, und da leert er manch Gläschen." Lene gab sich mit dem Versprechen des Meisters zufrieden. wonach er beim Wiederkommen ihre Wünsche restlos erfüllen wollt«. Nachdem die Männer ihren Hunger rasch einigermaßen gestillt hatten, schob Lene noch eine derbe Brotschnitte hinter eines jeden Schürzlatz.„Euer Tagwerk ist noch lang« nicht zu End'. Die Od«r soll schon mächtig zu steigen anfangen." Die Männer überhörten in ihrer Eile die bösen Zlhnungen. die im Unterton der Worte des Mädchens lagen. Zum Schluß reichte sie Heinrich ein klenres wohlriechendes Schächtelchen, auf dem in zierlicher Handschrift geschrieben stand: Zum Lohn für Deine Ehrlichkeit von Dein-r Freundin Elisabech von Lessendorf auf Lippen. Für deine Ehrlichkeit?... Siedendheiß schoß Heinrich beim Anblick dieser Worte das Blut in den Kopf. Er war froh, daß die Schaffnerin mit aufrichtigem Bedauern hinzufügte:„Zwei Monate hat das arme Ding dafür absitzen muffen. Vor vier Wochen kam sie raus. Ich hab's ja gleich nicht geglaubt von der Anna. Nun sitzt sie da, niemand mag sie auf- nehmen.— Aber das gnäd'ge Fräulein wird schon alles gutmachen. -j Bloß die Schand'— und di« Ehr'— die hat'n Fleck Und darum haste dir wirklich einen Gotteslohn verdient, tleiner Manu", hob sie anerkenend hervor, Heinrich bewegt di« Hand reichend. Eilends sprang nun Heinrich die Dorfstrohe hinunter, um den Fährmann zu erreichen. Schwarz zog es am Abendhimmel herauf, und grelle Blitz« durchzuckten die rasch steigend« Finsternis. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. iDtniiniiuitntiniiumiuninminiinii»miiiiiiiMiuiainnnjiiojiniiaiiiiRnniiuiiminiiiniiuiimmDnimniiniMiiMiiii:iiiiiiiiiiiiiinuiiniiiuiiimiiiiiiiiniuiinuiiiiiii!iiiiiiuiiiiiiiiiiiiw Versicherung gegen unglückliche Ehe. Die englische Versicherungsgesellschaft Lloyd, die für sich in Anspruch nimmt, die größte Versicherungsgesellschaft der Welt zu sein, übernimmt Versicherungen vor ollen möglichen Gefahren.— Mehrere hundert Leute in England versichern sich jährlich gegen Blinddarmentzündung. Tausende von jungen Mädchen versichern sich für den Fall, daß sie nicht heiraten. Zahlreiche englische Ehe- paare fürchten sich vor Zwillingen und lassen sich bei Lloyd gegen Zwillinge versichern. Ein reicher Gutsbesitzer in Nord-Wales leidet unter der Wahnvorstellung, daß fein Gut durch ein Erdbeben zerstört werden kann. Lloyd nahm eine Versicherung des Gutes gegen Crd- beben auf. Die Prämie ist auf 2000 Pfund festgesetzt. Schauspieler und Schauspielerinnen versichern sich gegen Mißerfolg« auf der Bühne. Zwei Tänzerinnen haben sich gegen Hühneraugen versichert. Ein Komponist versicherte sein noch nicht ausgeführtes Werk. Studenten nehmen bei Lloyd Versicherungen auf gegen das Nicht- bestehen der Prüfung. In all diesen Fällen kommt die Lerstch?» rungsgesellschaft ihren Kunden freundlich entgegen. Bor einiger Zeit erschien im Bureau bei Lloyd ein junger Mann, der sich gegen unglückliche Ehe versichern wollte. Die Gesellschaft sollte die Ver- pflichtung übernehmen, für den Fall einer Scheidung die Abstands- summe zu zahlen. Die Gesellschaft verlangte das Bild der Braut zu sehen. Alz der Abteilungsleiter das Bild der Braut sah, erklärte er Dienstag, 3. September. Berlin.* 15.00 Jogoslawisehe Undsdialltn. Wilhelm Conrad Gomcll 16-30 Biamrchester-Kenzert. Anschließend; Mliteilnnxen des Arbeitsamtes Berlia-Mltte. 16-30 Stunde mit Bachern. Neue MasilcbCcher.(Am Mikrophon; Musikdirektor Fritr Ohrmann.) 19.00 Vlollnvertrite. I. Bach: Sonate t-Dnr Nr. 6.-3. Bach: Aas der Senate D-Moll Nr, 4.—- 0. a) Sode; Ctude Nr. 13; b) Paganinl: Etüde Nr. 30 CCrsada AranyO. 19 30 Wovon man spricht.(Sedner und Thema werden durch Rundfunk be- kanntgeteben.) 30.00 ScballplattenJconWrt. 2Q.IS Orchesterkonzert. Nach den Abendmeldunfcs: Bildfunk. KOBlgswüsterhiBsea. 16.30 Möller and Mitwirkende: Wandernde Melodien. 17.00 Nechmltfagskonzert von Leipzig. 18.00 Mersmann: Volkslledanalysen. 18.30 französisch lür fortgeschrittene. 18.55 Reichenbach: Dia Qesetzlichkeit der Natur. 19.30 Oberst«. D. von Oertzen: Der Staad der Abrüstungairage in der Welt 30.00„Ella", Szenen von Oerhart Hauptmann. Regle: Alfred Braun. sich bereit, dos Geschäft abzuschließen, verlangte ober ein« sehr hohe Prämie, da er, wie er sagte, Grund hatt« zu der Annahme, daß oie Ehe nicht glücklich werde. Ein Frauenstaat. Merkwürdig« Zustände enthüllen die von der mexikanischen Presse veröftentlichten Berichte des Forschers Fernandez, der kürz- lich von einer wifsensäjoftlichen Expedition nach der bisher fast völlig unbekannten mexikanischen Insel Tiburek zurückgelehrt ist. Di- Insel wird von einem Ind-ianerstamme, den Sera, bewohnt, die sich, da sie mit den Weißen keinerlei Berührung hatten, völlig rein er- halten und ihre uralten Sitten und Gebräuche bewahrt haben. Der Stamm, der in den letzten Iahren von etwa SOllll auf 400 Köpfe zusammengeschrumpft ist, bietet»in Musterbeispiel der Frauenherr- schaft. Die Männer sind auf das Niveau von Arbeitern und Dienern herabgedrückt worden. Sie besitzen keinerlei Rechte und haben nicht einmal bei der Erziehung der Kinder mitzureden. An der Spitze dieses kleinen Völkchens, das sich durch einen kräftigen und gesunden Nachwuchs auszeichnet, da alle schwächlichen Kinder unmittelbar nach der Geburt getötet werden, steht gleichfalls eine Frau, die un- umschräntt über Leben und Tod ihrer Untertanen verfügt und die bei den„Regierungegeschäften" von einem Rate der ältesten Weiber unterstützt wird. Von Zeit zu Zeit veranstalten die Freuen große Orgien, bei denen Männerfleisch als Festbraten verzehrt wird. Schleiermacher kennt seine Pappenheimer! Als der berühmt« Kanzelredner Friedrich Schleiermacher noch in Berlin an der Dreifaltigkeitskirche amtierte, war dies Gotteshaus ständig überfüllt, wenn Schleiermacher predigte. Als in einer Ge- sellschaft, deren Mittelpunkt der geistvolle Mann war, einmal di« Red« darauf kam, erwiderte er lächelnd: ,Ln meine Kirche kommen hauptsächlich Studenten, Frauen und Offizier«. Die Studenten kommen, weil sie meine Predigten hören wollen, die Frauen kommen, weil sie die Studenten sehen wollen, und die Offiziere kommen wegen der Frauen." Byron ist auferstanden! Gin junger Mann legte einst dem berühmten Kritiker Howells ein Gedicht vor. Nachdem Howells es gelesen hatte, sagte er:„Das Gebichi ist wirklich ausgezeichnet, haben S'« es selbst gemacht?" ,Lede Zeil« ist aus meinem Kopfe." Howells erhob sich feierlich, mochte eine tief« Verbeugung und sagte:„Seien Sie mir willkommen, Lord' Byron! Ich freue mich, Sie begrüßen zu können. Ich glaubte nämlich, Sie wären vor einiger Zeit in Misiolunghi gestorben!" Briettaubenkatastrophe. Von 2000 Brieftauben, di« in Lancashir« mit dem Ziel Nantes aufgelassen worden waren, sind nur 10 glücklich am Bestimmungsoct eingetroffen. Der Rest kam auf dem 1600 Kilometer langen Weg um. Sechs Tage auf dem Motorrad! Genf, 3. September.(Eigenbericht.) Di« osn der Fsderation Jnternaticnole des Clubs Motocyc- listez(FJCM.) durchgeführte internationale Sechstagefahrb für Motorräder hat in Genf ihr Ende genommen, nachdem die Teil- nehmer innerhalb sechs Tagen mehr als 1600 Kilonieter zurückgelegt halten und zum Schluß noch einer einstündigrn Gefchwindigkeits- Prüfung unterworfen worden sind. Wies die Strecke auch nicht die oewalligen Hindernisse auf, wie man sie von den englischen„Six Daqs" her kennt und wie sie auch bei der vorjährigen deutschen Sechstagefohrt im Thüringer Wald aufgetreten find, so war sie den- noch eine schwere Prüfung, denn das immer währende Bergauf- und Bergabsahren mit zum Teil sehr starken Steigungen stellte große Aulorderungen an Fahrer und Maschinen, zumal sich die Straßen mitunter in schlechtem ausgefahrenem Zustand befanden. Die Fahrt ging durch Gegenden, wie man sie sich mit ihren Naturfchonheitcn gar nicht schöner und reizvoller denken könnte. Der sportliche Derlauf war gut, die Organisation kata- st r o p h a l. Bon 168 am Montag in München gestarteten Teil- nehmern sind Sonnabend 47 in Genf eingetrossen, von denen 43 in der Wertung liegen. Don ihnen haben 37 die ganze Strecke ein- schließlich Geschwindigkeitsprüsung absolviert, ohne einen Strafpunkt zu haben. Und selbst die, die Strafpunkte hinnehmen mußten, haben wacker durchgehalten. Bemerkenswert ist auch das Abfchnei- den mehrerer Domen. Bor allen Dingen sind die Engländerinnen ganz ausgezeichnet gefahren. Aber auch die Berlinerin Hann! K o e h l e r, vor dem Start kaum von einer Krankheit genesen, hatte ihre Maschine nach Genf gesteuert. Das deutsche Nationalteam ist leider am Vortage gesprengt worden, nachdem auch die übrigen ein- schließlich des englischen ausgefallen waren. Die deutschen Teil- nehmer haben sich mit Ihren Moschinen zum Teil gut behauptet, wenn auch anerkannt werden muß, daß ihnen die Engländer manch- mal In Fahrtechnik und Fahrkunst voraus sind. Die deutschen Ma- schinen können sich aber zweifellos mit den ausländischen messen. Gewiß gab es ein« ganze Reihe von allen möglichen Mafchinenfchä- den, aber hiervon sind die ausländifchen in gleichem Maße betraf- fen worden. Eine schweizerische Mannschaft(Eondor) mußte schon am ersten Tage aufgeben, weil die Maschinen nicht richtig für die Steigungen besetzt waren: höchst eigenartig für ein Schweizer Fabrikat, das im Gebirge zu Hause ist. Organisatorisch war die Veranstaltung, wie schon gesagt, ein furchtbarer Versager. Die leitenden Herren der FJCM. haben schlagend bewiesen, daß sie nicht das Zeug in sich haben, eine solche Veranstaltung zu organisieren, sie haben damit den Beweis er- bracht, daß sie zum Abtreten reif sind. Die Vornahme von Kon- trollen, die Wertung und manches andere waren völlig unzulänglich, die Information der Presse geradezu haarsträubend Den Presse- Vertretern wurde«ine unerhörte Behandlung zuteil. Daß Tcilneh- mer. Industrie. Presse und Oeffentlichkeit ein Recht darauf haben, über den jeweiligen Stand des Rennens informiert zu werden. kümmerte diese Herrschaften sehr wenig. Sie gesielen-sich darin, ihre Persönlichkeiten durch silberne und goldene„Trotteln" zu kenn- zeichnen, eine Desorganisation zu schaffen,, wie man sie glücklicher- weise noch nie bei einer Veranstaltung gesehen hat. Die deutschen Delegierten wurden in geradezu oerletzender Weise behandelt. Hät- ten sich nicht die Herren Dr. Stüber, Kroth und Dörnkc von der (DMA. dafür eingesetzt, hätten die deutschen Pressevertreter überhaupt nichts erfahren. Für Deutschland gibt es nach Ablauf dieser Der- anstaltung nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder die 5ierren der FIEM., die hier ihre Unfähigkeit und ihr« UnHöflichkeit so schlagend unter Beweis gestellt haben, treten zurück, oder Deutschland tritt aus der FJCM. aus! Völlig ungenügend war auch die Unterbringung der Teilneh- mer in den einzelnen Etappenorten. Sie mußten für ihr gutes Geld oft zu Dritt mit finsteren Löchern vorlieb nehmen. Außer- dem wurden sie in den Hotels mitunter nicht als Gäste, sondern als Menschen zweiten Grades behandelt. Es war ein Skandal, die Presse nicht.zu der in Genf statt- findenden Geschwindigkeitsprüfung zuzulassen, sondern ihr erst noch stundenlangem Bemühen Eintritt zu gewähren. Genf, die Stadt des Völkerbundes, sollte auch endlich wissen, daß die deutschen Farben schwarzrotgold und nicht rotschwarzgotd sind. Haben die Fahrer Hervorragendes geleistet, so hat doch die Organisationsleitung alles dazu getan, diese an sich schöne und wert- volle Veranstaltung in einem scheußlichen, Mißklang enden zu lassen. I-'rit? Wittckind. Der Freie Kcglcrbund trägt seine Nefslerscfaaftcn aus. Mit einer Rekordzahl von Tellnehmern begann am Sonntag im Parkrestaurant Südend« der Freie Keglerbund Deutsch- l a n d», der jetzt wie der Arbeiter-Anglerbund der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege angeschlossen ist, seine diesjährige Bundesmet st erschaft. In der fesllich geschmückten Holl« grüßte eine mächtige schwarzrotgoldene Fahne die Gäste und Sportler. Unzählige Klubs und Dereine aus allen Teilen des Reiches hatten ihre neuen Gaumeister nach wochenlangen Trainings- und Ausscheidungskegeln zum Bundsssest entsandt, galt es doch die höchsten Auszeichnungen, die Bundesmeisterschaften auf allen Bahn- arten in Einzel, sowie in Mannschastskämpfen, zu erringen. Da- durch, daß die Ausjcheidungskämpfe bereits vorher erledigt waren, gab es in Südende in jeder Beziehung einwandfreie und auf höchster Stuse stehenden Sport. Zehn Bohlen-, zwei Scheren- und die beiden Zlipholtbahnen bildeten dos Sportfeld für die Kämpfe. Alle Bahnen waren gut zu übersehen und boten in ihrer Gesamtheit«in schöne? sportliches Bild. Die gesellschaftlichen Veranstaltungen wurden durch «■neu Begrüßungsabend eröffnet. Den Glanzpunkt des Festes bildete der große Festzug der Tellnehmer durch die Stadt.— Nachstehend die Ergebnisse der FKBD.-Meisterschaften: In der Bundesklubmeisterschaft aus Bohle starteten die Gau- meisterklubs mit 200 Kugeln pro Gasse, bei einer Bewertung der fünf besten Kegler von jedem Klub. Der Favoritenklub SKK. „Olympiade*(Berlin) erzielte 7073 Holz: SKK. ,F>ostenstroat"(Kiek) erreicht» gut 7017 Holz und der Sportverein der Berliner Gaswerke 6071 Holz. Zur Lundeseinzelmeisterschaft starteten alle Gaumeister- liegen mit 200 Kugeln Gasse pro Keglet Der neu« Meister Kollath (IFD.) erzielte 1462 Punkte; Hossmonn(SK.) erreichte nur 14S6 und Berg(BD.) wurde mit 14S4 Dritter. Bundesmeisterschast auf Scherenbahn: Es starteten hier oll« Scherenriegen der Gaue mit 100 Kugeln pro Kegler: Meister wurde in diesem harten Wettstreit W. Purschke mit 702: Zweiter Platzhalter blieb Schnötke mit 67Z und Bauer mit 671 Dritter. Bundesmeisterschast auf Asphalt für all« Riegen der Gaue mit 100 Kugeln pro Kegler: 1. Schmidt mit S84, 2. Wendel mit 561 und Z. Emmerling mit 551 Holz. Der Favorit Herzog(Berlin) gewann sicher die Bundes-Seniorenmeisterschast (Bohle) mit 100 Kugeln mit 724 Holz: Müller(Nvrdmark) entschied in dieser Klasse mit 717 Holz den zweiten Platz zu seinen Gunsten. Bundes-Figurenmeisterschaft der Gaue mit 100 Kugeln pro Kegler: 1. Rasch 447 Punkte, 2. Sperling 413 und Probst 369 Punkte. .Ardeifer-Itedfabrer fahren Strafjenrennen. Di« Rennfahrer des Arheiter-Rad. und Kraftfahrerbundes „Solidarität" fuhren gestirn auf der Rundstrecke Faltensee— Pausin— Brieselang— Falkensee ihr« Straßenmeisterschaf- t e n über die kurze Strecke von 25 Kilometer au». Für die Orts- gruppe Lichterfelde sicherte sich Werner Reichenbach, für Wilmersdorf Paul Zimmermann und für Velten Kurt Larensfeldt die Meister- schast ihrer Ortsgruppe. In der Berliner Meisterschaft war Willi Unger die große Uebar- raschung. Schon kurz nach dem Start setzte er sich an die Spitz« des Feldes, in dem Fahrer wie Köllner. Prause, Werner, Seitz. Rein- holz, Dietrich steckten und trotz oller Wachsamkeit konnte er seinen Dorsprung bi« auf 300 Meter vergrößern. Hinter Brieselang legten sich die Ueberrumpellen gewaltig ins Geschirr, den Ausreißer wieder einzuholen, besonders Köllner rückt« ihm gewaltig aufs Leder, doch reicht« es zum Sieg nicht mehr aus. in der Reihenfolge Unger. Söllner. Seitz. Reinholz, Toepfer, Prause gingen die Fahrer über das Zielband. Ergebnisse: Lichterfeld«: 1. B«tn« R-ich«nl>»ch 42:1: 2. 6an« Slei<6cnba«: 3. Erwin Schwer,.- OilitKMbort: 1. Toul z>mm«wann 44:A: 2. S-rnd-rd Surr- wann«:42.—«elten: l.«urt Borenefeldt 47;S4: 2 0tlo«Jttand 49:50; 3. Edmund PUid 49-54,_»erlin: 1. Willi Un««t«:»: 2. ftarl«öllner 40:02; S tan» S«l» 40:05.__ „Arbcitcrsportschulc Berlin." Der Vorstand de« ersten Kreises im Arbeiter-Turn- und Sport. bund hat den Namen der Kreisschule umgeändert in„Arbeiter- sportschule Berlin", um Verwechslungen vorzubeugen. Di« Arbeitersportschule wird in den Wintermonaten thre Tätigkeit oer- stärkt fortsetzen: alle Vereine und Abteilungen werden ersucht, die Klassen zu beschicken. Bei den Kinderklassen werden die in der Näh« Zpeptows liegenden Abteilungen besonder» aufgefordert, Kinder zu entsenden. Die Turnklossen üben wie folgt: Die Männer- und Jugendklasse jeden Montag, 20 bis 22 Uhr. Turnhalle Treptow. Bouchöstr� 75. Die Turnerinnenklasie jeden Mittwoch, 20 bis 22 Uhr, Turnhalle Friedenau, Rubensstroße(Fontane-Schule). Die Knabentlassc jeden Montag. 18 bis 20 Uhr Bouchestr. 75. Die Mädchenllosse jeden Donnerstag, 18 bis 20 Uhr, Bouchestr. 75. Die Uebungsabende der Schwimmer und Schwimmerinnen werden noch bekanntgegeben. Anfragen an: Georg Gradtke, Verlin-Weißensee, Metzstr. 86(Telephon: Weißens«« 3750). Die„Regatta" des FSV. Nur die Flautenschieber kamen vom Fleck! Bei stst völliger Windstill« und einviertelstündiger Startoer. schlebung stellten sich von den 60 gemeldeten Vooten der Gruppe West des Freien S e g l e r v c r b a n d e s 50 dem Starter, die vergeblich oersuchten, Wind in die Segel zu bekommen. 12 zogen � es vor. das Rennen wegen der Aussichtslosigkeit aufzugeben. Der Wettfohrtaus schuh hotte die Bahn auf 9 Seemeilen abgekürzt, ober trotzdem dauerte es etwa 5 Stunden, bis diese kurze Strecke„ab- gtsegelt" werden konnte. Ob das bei der sengenden Hitze ein Ver- gnügen war und inwieweit bei einer solchen Flaute von einer Weit- fahrt überhaupt gesprochen werden kann, steht wohl außer Zweifel. Die ausgesprochenen„Flautenschieber" zogen langsam und be- dächtig nach vorn und behaupteten auch ihr« Plätze.— In der 20.Oiiadratineter-Reimiollenklasse führte„Husch-Husch" und konnte den Sieg für sich buchen. Zeitweise hatte er harte Bedränger in „Luise" und„Kühleborn". Bei den 15er Rennjollen gab der sieg. i g-wohnte Flautenläuser„Wildfang II" die Führung überhaupt nicht ab und tonnt« schnellstes Boot der großen Bahn in der Zeit von 3-32:34 werden. In der 15-Quadrotmeter-Wanderjollenklass« gab es eine Ueberraschung. Hier gelang es„Trabant", den jahrelangen ungeschlagenen Sieger„Ronchi" auszusegeln. Für die 15-Quadrat- meter-Jollentreuzer war es überhaupt nichts. Gesichlagene 5 Stunden dümpelte der Sieger„Elfi" auf dem glatten See herum, um das Ziel zu erreichen. Di« 10>Ouadratmeter-Rennjollcn sahen in„Froh- Fohrt"� den Sieger in 3:00:52 bei der kleinen Bahn. Schnellstes Boot über diese Strecke wurde die Ausgleichsjoll«.Koralle" in 2:47:02. _ Im großen und ganzen war es ein Regattatag, der recht wenig Sport zeigen konnte, jedoch viel vom Brisenglück abhing und selbst den Flautenschiebern zu wenig Wind bescherte! Resultate: 3».Qm>d«tmeter.Renniachten: I. Libelle 5:43:44: ee-Onadratmetee-Renn. l0Ssn„!, h, L"lH.5usch 8:32:11: IS-ßnabtotmelct-Stennionen: 1. milSfanfl II 8:82:84; 15-QiwbM»meler.®«nhet!(iHen: 1. llraban; 4:17:58; lO-Quabraimctet- • Ilsü,?il 3:00:52: li-Ouabratmeter-Wanderjollen: 1. Pilot 3:03:25; 15-0itobtot-aollcnlte«iet: 1. Elf! 5:10:13; 20-Onobrntnt«trt.99«nbtr. jolleu: I. Pjrot 5:05:18; 10.?u«>leichstlasfe: 1. Klabautermann 5:04:08: U.«it»BletiJ»n«ffe: 1. fioctibe 4:61:24: 12.«usaleleballass«: 1.(Tatmen 4:57:59; 13.«u»9le!ch,Naffe faufgezeben); Ii. Ausolelchallafse: 1. Noralle 2:47:02. Arbelkerwossersporklerlanen, 1. krelsi Sonnabend, 7. Septem- ber, 20 Uhr. bm Krüger, Putlitzstr. 10, Frauenkonserenz. Jeder verein muß die Vertreterin entsenden. Das Kreisfrauentreffen der Wassersportspart« ist am 20. Oktober in Rathenow. vUUYULbCUt' Die Spiele am Sonntag. Wedding 1. Männer gewann gegen Fichte-Dessau mit 11. 2 (7: 1). Das Spiel muhte in der letzten Viertelstunde abgebrochen werden, da Dessau wegen der Hitze nicht mehr spielfähig war. Auch bei den beiden zweiten Mannschaften gewann� Wedding mit 6: 5 (4:2): Mitte gegen Lankwitz 0:3(0:1). Ballbehandlung war bei beiden Mannschaften schlecht. Besonders Mitte zeigte ein planloses Herumlaufen und verließ sich viel auf den Mittelstürmer, wodurch das Spiel zu eng wurde.—�.Norden 3 gegen Adlershos 3:7(1:4). Norden zeigte schlechte Fangtechnik, während der Adlershofer Innen- stürm gut war.— Äaulsdors gegen Vaumschulenwcg 3:8(1:7). Das Spiel war etwas körperlich. Der Koulsdorfcr Torhüter war sehr lasch in der Abwehr und hatte nicht genügend Berechnung.— Südost und Rosenthal waren sich gleichwertig, nur hatte Südost«in besseres Zuspiel und gute Deckungsarbeit. Die Verteidigung war etwas hart.— Neukölln gegen Erkner 3:7(1:3), Nordost gegen Pankow 7: 0(5: 0). Stralau gegen Karlshorst 9:0(6:0), Süden 3 gegen Neukölln 2 4:2(2:2), Nordring gegest Lichtenberg 9:2 (3:0). Neukölln, Jugend, gegen Süden 8:2(3: 1). Im S ch l a g b a l l hatte sich Friedenau Dessau als Gegner aus- erkoren, verlor ober hoch mit 71: 17. Die bessere Schlagtechni? hatten die Dessauer, sie besetzten ständig das Schlagmal. Aber erst in den letzten 25 Mimiten zeigte Dessau Glanzleistungen in Schlag- berechnung, sie holten sich da erst die meisten Weitschläg«. Zweimal wurde Friedenau ausgehungert. Das Resultat setzt sich zusammen: Dessau: 54 Läufe, 5 Fänge, 7 Wcitschläge und 3 Tresser. Friedenau: 4 Läufe, 7 Fänge und 6 Treffer. Die Faustballresultate sind: Alte Herren: Wedding gegen Eberswalde 42: 43 Angaben, Süden gegen Osten 36: 30 An- gaben, Männer Friedenau gegen Dessau 36: 62 Angaben, Süden gegen Dessau 62: 67 Angaben, Tempelhos 2 gegen Friedenau 2 60: 28 Angaben, Freikörpertulturabteilung 1. gegen Wedding-2. 53: 46 An- gaben. Frauen: Süden gegen Tempelhof 53: 57 Angaben. Trommelball: Süden gegen Tempclhos 66:130 Angaben. Resultate vom FTQB.-Sportfcst. Bom Iubiläumssportfest der Freien Tnrnerschast Groß-Berlin veröffentlichen wir im folgenden die-Resultate der- wichtigsten Sport- kämpfe: lOO-Meterlaus Männer: 1. Weller. 3euerba-I.. II Set.- 4X19« Meter: 1. fteiitrbad), 44 Set., neue B-ndeshöchsUeiftnn«.- S>i>»edenftaslel: X. AEE. 2 Min. 5,2 6cf.- Olqmvische Stafette: FTEw., Nerbrin«, 8 MI». 48,7 Gek.— SOOO-äRcterlanf: Sol.vffirone, Lanneoct, 9 Min. 28,2 Sei.— Stab- hochtvmna: Berqen«. Sdilinoni, 3,28 Meter.— Gpectmetfen: ffieiflet, gelier- dach, 52,08 Meter.— Wcittprunq:(Ociqer, Seuerbad), 6,52 Meter.— Stein»- werfen: JBcqener, vsirinq, 31,19 Meter.— Acltere Spottler: Schleuder- ballwettwerfen. 1. Stanielaus. IrTGB., Ssten. 40.15 Meter.— grauen. 10». Meterlauf: 1. Brendel, Eiche ftüpeuid, 13,3 Set.— Speerwerfe«: 1. Pbwald. gTÄB.. Olirinq. 31253 Meter.—«leine vlqmpilche Stafette: l. FTGB.. Süden, 58,3 Set,— Zuqen» lIabroanq 11/12) 800 Meter; 1. giemann. Sr. T. Stettin. 2 Min. 12,9 Sek.— Disluewerfen: 1. Du». ÄSE.. 35,02 Meter.— Schwedenstafsel! 1. fft®»., Oftrinq, 2 Min. 14.2 Sek. Spielresultate. Sanddall k-Männrr): IVSGV, Mannschaft qeqen Bernburq, 2:8<2:8). lZTGB. Weddina tl gegen fridite Dessau II. 8:5<4:2). FTKB. Weddina 1 aeqe» gtchte Dessau I, 11:2<7:I).— Schlaaball iMimner): IZTGB. fsriedenau aeqen l7id>te Dessau, 17:71.— Kanstball(Männer): FTGB. Friedenau I aegen Fichte Dessau, 38:82. FTGB. Süden I gegen Fichte Dessau. 82:57.— Fuhbal: Arbeiter- Turn, und Sportverein Lübeck gegen FTibB 2:2<2:2).— Schwimmen: Er- Lfsnungebruslstasett««XlüO Meter. 1. Sellae. Berlin. 6,5 Min— Frauen- lagenstafette 8X50 Meter. 1. Lellae. Berlin, 2,13 Min.— Fugendfreiftl!» schwimmen 100 Meter. 1. Aeglin, Spandau, 1,11,6 Min.— Männer-Lruü- schwimmen. 200 Meter. 1. Grandtte, FTSB. Nreu/iberg, 8:7,8 Mi». Reue Vunbeebestxeit. Wasserball(Zuaend): Kella» gegen FTGB. ssreueberg. 8:1 Männner: Neptun. Weissensee. gegen BCU. 222(0:1). Kella« fr gegen Berlin AU 8:2(6:0). Altersriegensahrl im 1. kreis. Sonnlag. 8. September, Abfahrt 7,15 Uhr Anhalter Bahnhof bis Woltcrsdorf. Teilnehmerkarten a 3,75 M. sind zu haben: Geschäftsstelle der FTGB., Lichtenberg« Straße 3; Willy Lösche, Schleiermacherstr. 15: Otto Vogler, Köpenicker Straße 55a. Fahrkartenausgabe:«onntag ab 6,30 Uhr im Warte- saol 3. Klasse. Faustball, Völkerball. Stafetten Männer 6X75 Meter, Frauen 4X50 Meter. Meldungen sofort an H. Stanislaus, Berlin- Hohenschönhausen, Berliner Str, 72». Achtung. Zugendleiter! Dienstag, 3. September. 19M.> Uhr, in der Schul« Steinstraße 23, Besprechung aller Groß-Berliner Ber- ein?-. Bezirks-, Gruppen-, Abtcilungsjugendleiter. Tagesordnung: 1. 2Z-Iahr. Feier der SAJ. 2. Um das Zusammenwirken in der Iugendarbeit.— Kartell für Arbeitersport und Karperpklege Berlin, e. B. Krickel für die Jugend! Um die Jugend mit dem Kricket- spiel vertraut zu machen, findet Freitag, 6. September, 16.30 Uhr, auf dem Sportplatz des Vereins für Leibesübungen der Berliner Lehrerschoft in T e in p e l h o f. Bosestraße, ein Propaganda- spiel zweier guter Berliner Kricketauswahlmannschasten des Der- bondss Brandenburgischer Ballspielverein statt, zu dem alle Schulen Groß-Berlins eingeladen sind. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Freie Turxerlchaft Wilmeretwrf. Turnabende ab 1. September: Abt. i: Vollksschul» 1, Dielelerstrasse, unter« Solle, Dienetage und Freitag» 18—20 Ubr Schülerinnen, 20—22 Uhr Jugend und Männer.>9181. 11: Halensee. Bolls. schule II, Ioachim-Friedrich-Strasse, obere Salle. Montag» und Donneretag» W— 20 Uhr Schülerinnen, Donnerelags 20—22 Uhr Junbmädchen und Frauen. Dienstag» und Freitags 18—20 Uhr Schüler.»>—22 Uhr Jugend und Männer. Aufnahme neuer Mitglieder beim Turnwart in der Halle. Rnderoereiu.«orwärto". vorstanbsssssuna Dienstag. 3. September, 20 Uhr. Mltaliederverlammlung Donnerstag, 5. September, 20 Uhr. Tennt».Not Lichtenberg. Mittwoch,:o Uhr. Mtlgliederversammlun« hei Wegene», Franksurter Allee 288. Freie Raderer»ad«annfaheee, t. Freie. Mittwoch. 4. September. Sparten- ausschussssgung im Kewerkschaftshaus. Teilnehmer für den Lehrgana a« 13./15. September in Spandau sind umgehend an it. Mttnchenhagen, SW. 61. Möckern str. 66, ,u melden. Freie Turners ch» fr Dross-Deeli», Be»irt Pankow. Mittwoch, 4. September, 20 Uhr. Biertellahresversommluna bei LIemm. Berliner Ecke Hoblichstrasse. Sinmarfch der Sünder beim Jubiläums SportfeU der dreien �umerfcfiaff QroßSBerlin DieZuflucht der Erzberger-Mörder Ungarns Weg nach Paris Budapest. Anfang September. Ungarn war in den vergangenen Jahren für die deutschen Monarchisten und Völkischen das gelobte Land. Schon zu den Zeiten des bayerischen Bauernsührers Dr. Heim wurden die Faden zwischen München und Budapest eng gesponnen und der Traum einer monarchistischen Donaufödcration spukte hüben sowohl wie drüben. Ungarn war die Losung der L u d e n d o r f f, Baue r. Kohr und Konsorten und Budapest war der sichere Hort und Schutz der Erzberger-Mörder. Hier fanden sie Hilse, hier waren ihre Gesinnungsfreunde. Budapest— hier sahen die Frankcnsäljchcr. die Rassenschützler. die Franzosenhasser, die Juden- sresfer und was sich in Bayerns Hauptstadt immer nur als Komödie und Deklamation auswirkte, im Lande der Hejas und Horthy war es blutiger und schrecklicher Ernst. Auhcnpolitisch verstanden es die ungarischen Machthaber sehr gut, den Gegensatz Frankreich-England auszunützen, und die Politik der englischen Konservativen unter Baldmin-Chamberlain schien den Budapester Reaktionären Wasser auf die Mühlen zu liefern. Als dann Lord R o t h e r m e r e die Befreiung Ungarns vom Trianon- Vertrag verkündete und gar der Sohn des Zeitungskönigs mit fürst- lichem Pomp und Trara in Budapest einzog, was sollte da noch viel an der Erfüllung aller Sehnsüchte fehlen? Mit England und der deutschen Reaktion im Bunde, da konnte nichts schief gehen. Zwar verschnupfte es die Budapcster ein wenig, als Rothermcres Sohn in seiner bekannten Weihnachtsbotschaft ein wenig von inneren R e- formen und Wahlrecht flüsterte, aber Thronkandidaten sind immer von des Gedankens Blässe angekränkelt. Gewisse englische .Kapitalsinvcstitionen wetzten die Scharte wieder aus und„Mittel- Entente"(Ungam-Polen-Jtalien) gegen„Kleine Entente" war die allgemeine Parole zur Revision des Friedensdiktats von l919. Die englischen Wahlen und der Sieg der Labour-Party waren jedoch nicht nur für England selbst ein„Erdrutsch". Sic waren zugleich ein Fernbeben, dessen Wirkungen nirgends mehr zu spüren sind, als in Budapest. Hier wußte man am deutlichsten, was dx Glocke geschlagen hatte, seit Maedonald-Henderson in der Downingftreet sitzen, und nicht mehr Baldwin-Chamberlain. Eine Arbeiterregienmg in London, das kündete die Reinigung der europäischen Atmosphäre und das Ende aller reaktionären Pläne, wie sie vor allem in Budapest seit Jahr und Tag gepflegt und gehegt worden sind. Kaum hatte sich die Erregung über den Ausgang der englischen Wahlen gelegt, da fuhr auch schon Ungarns Außenminister nach Paris. Die Frankenfälscheroffäre war vergessen und Bethlen frühstückte freundschaftlich mit Poincarc. Die Schwenkung Ungarns von London nach Paris ist unverkennbar vollzogen. Die Zeit wird es lehren, wie sich in Zukunft die Machtverhältnisse im Osten und Südosten Europas gestalten werden. Der Schlüssel liegt in London und Paris, aber daß w�r nicht nur in West- und Mitteleuropa vor veränderten Situationen stehen, sondern auch in Ost- und Südosteuropa, daran ist nicht zu zweifeln. Der Sieg der englischen Arbeiterpartei beginnt sich auszu- wirken, ohne daß wir einer Ueberschätzung das Wort reden wollten. Es muß nicht nur der Gegenschlag der Reaktionäre Englands, sondern auch der Reaktionäre Europas abgewartet werden. Die Schwenkung Ungarns von London nach Paris ist jedoch für Deutschland besonders lehrreich, selbst wenn morgen, unter ver- änderten politischen Machtverhältnissen in England, das Pendel wieder nach der anderen. Seite schlagen sollte. Was haben nicht die deutschen Monarchisten und HiUerianer von Ungarn erhofft? Sie haben sich die Sache einen Batzen kosten lassen und siehe da: die Liebesmühe war umsonst. Bethlen schmiegt sich an den Busen von Paris. Budapest, das war die große außen- und innenpolitische Hoffnung unserer Militari st en. Rassenschützler, Di ktatu ranbete r und Revanchebrüter.„Siegreich wollen wir Frankreich schlagen", im Verein mit 5?cjas und seinen Banditen, und jetzt? Bethlen in Paris, das bedeutet weder eine Revision von Versailles noch von Trianon, das bedeutet die unbedingte Anschlußfeindschaft Ungarns gegen Deutschland- Oesterreich: das bedeutet das Ende der geheimen Waffen- riistungen und Waffenschiebungen in Ungarn und anderwärts: das bedeutet der Verzicht ungarischer Expansionsbestrebungen und sein« Eingliederung in die van Frankreich gehegte„Kleine Entente" und der Nachfolgestaaten in Südosteuropa. Gleichzeitig aber bedeutet es eine Annäherung Ungarns an Südslawien, und eine Unterbindung der deutschen Wirtschastsbestrebungen einmal nach Ungarn selbst und zum zweiten nach Belgrad. Wer hier die Verhältnisse kennt, sieht genau, wie-sehr sich in den letzten Monaten die Wage des Gütcraustauschs von Berlin nach Paris und Prag geneigt hat. Die Diktatur Südslawiens und die Allgewalt der Generäle hat uns keinen Vorteil gebracht und die Diktatur in Budapest kümmert sich sehr wenig um die blauen Augen des H»»rn Ludendorff oder Hilgenberg noch um den schönen englisch gestutzten Schnurrbort des Herrn Hitler. Auch dieses Horthy-Ungarn sucht seine Vorteil« wo es sie findet und das Geld der englischen wie der beut- schen Reaktiv näre ist ein st weiten nutzlos vertan. Ein Beweis mehr, wie recht die deutsche Republik und die republika- nischen Parteien beraten waren, ihre Politik nicht auf den Tag und auf reaktionäre Illusionen zu bauen, sondern auf die friedliche Ver- ständigung und Versöhnung. Baut man heute„Gchulpalaste"? Sine(Stimme aus lLehrerkreisen. Der Zcitungsdienst des„Deutschen Lehreroereins" schreibt in seiner letzten Ausgabe: „In den Gemeinden, dir ja bisher noch trotz staatlicher Ergän- zungs- und Unterstützungsziisch isse bei leistungsschwachen Gemeinden im wesentlichen die Träger der sächlichen Schullastcn sind, ist man in diesen Wochen und Monaten mit der Etutsaufstellung für das kommende Rechnungsjahr beschäftigt. Und die Posten, die auf dem Gebiete des Schulwesens besonders in den Gemeinden mit reicher Siedlungstötigkcit recht hohe Anforderungen stellen, sind die der Schulneubauten. Man muß anerkennen, daß in dem letzten Jahrzehnt nach der Stoatsunnvälzung auch im Volks- schulnenbau neue Wege beschritten wurden, daß die viel be- tont«„neue Sachlichkeit" der Baukunst recht viel Gutes geschaffen hat. So findet man in den neuzeitlichen Schulgebäuden neben Sonderräu nien für den Physik- und Chemieunterricht und dem Zeichensaal, die auch schon vor dem Kriege vielfach vorhanden waren, heule noch«inen Gesangssaal, einen Lichtbild-, Kino- und Rundfuntraum, Räum« für Nadelarbcit, Arztzimmer, Wasch-, Bade- räume u. a. m. Daß daneben ausreichende Grün- und Spielflächen nnd ein Schulgarten nicht fehlen dürfen, gilt als selbstverständlich. Wer einnial Gelegenheit nimmt, solche„modernen" Schulbautcn zu besichtigen— und recht viele sollten das tun—, wird erstaunt sein über den Fortschritt in der neue» Schulbautechnik. Er wird die luftigen, hellen, gesunden Räume, die einfach, aber gediegen her- gestellt sind, bewundern, andererseits aber auch erkennen, daß von Prunk und Luxus nicht im gering st en die Rede sein kann. Und dennoch muß man beobachten, wie ge- wisse Kreise immer wieder mißgönnend von einer Schule mit allen „Schikanen", von„Prachtschulen" und„Schulpalästen", ja sogar von „Luxus-Schulpalästen"(„Reichsbote") reden und schreiben! Wahr- scheinlich l>oben aber die meisten von ihnen die„großen, hohen, palastähnlichen Gebäude" noch nie von innen gesehen. Der „Reichsbote", dieses betont evangelische Blatt, bringt es sogar über sein christlich-notivnoles Herz, die früheren Feindr., ächte auf diese „Lurits-Schulpaläste" aufmerksam zu machen, wenn er in Nr. S7 vom 11. April dieses Jahres schreibt:„Was sagt man in Paris dazu, daß man sich in Berlin die größte Schulanlage von Europa leistet?!" Das ist zwar wenig vornehm gesagt, aber dafürsum so deutlicher. Wir stellen demgegenüber mit Genugtuung fest, daß viele Gemeinden heute trotz der anerkannt schwie- rigen Finanzlage dennoch Nachahmenswertes und Vor- bildliches auf dem Gebiete des Schulbaues leisten und können nur wünschen, daß das so bleibt. Denn gerade die Kinder der Volksschule, die oft aus den engen und dunklen Wohnungen der Hinterhäuser stammen, brauchen helle, weite, gesunde, anheimelnde Schulräume. Wir hoffen deshalb, daß die verantwortlichen Stellen trotz„Paris" sich ihrer Pflicht bewußt bleiben und auch bei her Ausstellung der neuen Haus- Haltspläne entsprechende Taten vollbringen." Probleme des Stadiebaues. Tagung der Freien Deutschen Akademie. Breslau, 2. September. In der Technischen Hochschule zu Breslau fand die Iohrestagung der Freien Deutschen Akademie des Städtebaues unter Leitung des Präsidenten Geheimen Regierungsrats Dr. B r ix- Eharlottenbu'g statt. Das Wohlfahrtsministcrium war durch Regierungsdirektor C o n z e. das Reichsarbeitsministcrium durch Ministerialrat Dr. Schmidt vertreten. Im Anschluß an einige Referate über die Sanierung der Alt- st ä d t e und die Inanspruchnahme von Mitteln der M i c t s st« u c r für diesen Zweck sowie über Trabantenstädte kam es zur Annahme einer Entschließung, in der den deutschen Stadtverwaltungen empfoh- len wird, schon heute vorbereitende Maßnahmen dafür zu treffen, daß nach Beendigung der derzeitigen Wohnungs- n o t mit der Sanierung der Altstädte sofort begonnen werden kann. Stahlhelm bis zum Rindvieh. Front Heil, Kamerad Kuhmeifier! Man lese mit der notwendigen inneren Ergrissenheit dies In- serot, das wir in einem ostpreuhischen Provinzblatte finden: Such« zum l. 10. 29 oder 1. 1. 1930 Kuhmeister mit eigenen Leuten für Herdbuchhcrde von 73 Stück. Nur I a empfohlene Bewerber mit langjährigen Zeug- "" elm-Mitglied bevor. idolffchlieben(Kreis Gerdauen). Kein Wort der Erläuterung ist dazu notwendig. Die Stahl- Helmgesinnung darf sich nicht nur vor Hugenberg am Hermonnsdenk- mal zeigen, sie muß auch beim Rindvieh in Erscheinung treten... nisfcn bitte um Vorstellung. Stahlhelm- zugt. v. P l a t e n, Katzborn bei Ad Schwimmende Jugendherbergen in Brandenburg a. d. H. Zum diesjährigen Gauhcrbergstag des Reichsverbondcs für deutsch« Jugendherbergen entsendet der Gau Mark Brandenburg seine beiden schwimmenden Jugendherbergen„O b c r b ü r g c r m e i st c r B ö ß" und„Dr. R e i m a n n" nach Brandenburg a. d. H., wo sie am Sonnabend, dein 7. September, 11 Uhr, an der neue» Hove!- brücke eintreffen, die um 13 Uhr im Rahmen der Tausendjahrseier Brandenburgs feierlich ihrer Bestimniung übergeben wird. Aiii Abend findet aus Anlaß der Tauseiiöjahrfeicr eine buntbeleuchtete Auffahrt der Brandenburger Wasseriportvereinc statt, die mit einem Feuerwerk endet. Den Abschluß bildet eine Kundgebung für die märkischen Jugendherbergen. welter für Berlin: Borwiegcnd heiter bei wenig veränderten 'Temperaturen, schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Im größten Teile des Reiches Fortdauer des beständigen und heiteren Wxtters, nur an der östlichen Oftsceküste zeitweise bewölkt. PROGRAMM iOr die Zeit vom z. bis S. September K I N O-T A F E L PROGRAMM (Qr die Zeit vom 3. bis S. September moQ Potsdamer Strafe 38 Aatobos Nr. 1 mit Fiifo Kämpen, Lee Parry Varlcti-Sieine Rhcinstraisc 14 jl�elche) Die reichste Fr.o der Well mit Lee P«rrjr Unter InUdsem Namen Odcon, PotidamerStr. 7 5 Die Frao, nach der maa»lA»ehnl mit Marlene Diehich und Fritz Kortner Der Narr»einer Liebe Turmstraljc 12 Sündeniall mit Vera SdsmllcrlOv und Koval S.mborsky Nadtlberadi am Cehelnatreaor mit Richard Talmadde (Abenteuer in 5 Akten, Alexanderstr. 39-40 (Pastage) Den ganzen Tag geöffnet! Wetierlenchieii(Der rote Sturm) m Camilla Horn u john Barrrmorr Da. Recht der Ungeboreoen ■ Schflnabara j Alhambra Beg sw��,äU- Schöneberg. Hau ptstr. 30\ Anlobo. Nr. S mit Kämpen und Lee Parry Der Narr Miner Liebe tlDhnensdiaa Titania(Uta Hauptstraäe 49 Beginn ab WO Uhr O.rs letzte Fori mit Heinrick» George Da. Mlllloocnhaltbaod Moabit Artushof-Liditspicle Film' nnd Bühnenachat» Pcrleberger Str. 29 und Stendaler Str. Vor»icbl# M&ddhenhXndler Flitterwochen Welt-Kino Alt-Moabit 99 Matterlidb-........ Unter Gauklern nnd ir Por Bestie Sdilüter'Theater SchlOterstr. 17 W. 7 u. 9.15 U- S. ab 3 U Zirkns mit Cbarlle Chaplin D. Komödiantin m. Norma Shearer jugendliche haben Zutritt U WllmTsdorf W Atrium Beba-Pal«.t Kalserailee, Ecke Berliner StraBc Beginn 7, 9.15, Sonntags auch 15 Uhr Meine Sdiwealer nnd ich m. M. Christians-Bühne: Knie Kühl Ab Donnerstag; Ciaire Rommcr: Sensation im Wintergarten B«toglltg■ Titania'Palast Steglitz, SchloBstr. 5, Ecke Outsmuthsstr Uraufführung, Dolly Borns, der Benzinfange 50 Minuten Bfthnensdiaa jugendliche haben Zuiritt Wochentags 6J0, 9 Uhr U. Stg. 3U.J.-V. Hl' Li Stg. 5, 7�9 Hindenburgdamm 58 a Durchs Brandenburger Tor Das Findelkind von Stngapore Btibncnsdkao B FOm-Paiast Kammersäle Teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. Der schwarze Domino m. HXiedtlce VonidtUVcrr JUerl/ Dclprogri Mariendorf Vf— f i Mariendorter i J ä- Ivl Lichtspiele ChausseestraBe 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Teure Heimat, 3 machen ihr Glück Verräter— Bühne: Gro�e Kerne ■■ Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 4.30 Uhr Die reichste Fran der Well m. Parry Die Todeskorrc r. Hillbnry Rock Filmeck Beginn: Skalitzer StraBc, am Oörlitzer Bahnhot Nachtlokal mit Ereiyn Holt und Erna Morena— Gute Btihnenschau Luisen-Theater söJÄu: Reichenberger Str. 34 BtUmenschaa . Tempo- Tempo mit Luciano Albcrilnl Urania-Theater Wrargelstr. II, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7, 9 Uhr Was eine Nachi enthüllte Wochenend wider Willen Bühnen schau B NeukBHn 1 Primus-Palast Hermannpiau Charieys Tante mit Sid Chaplin Auf der Bühne; Rcso und Reto, Akrobaten Ly-Ma, Lichtvisionen in Bild und Gesang Elysium(Fiwp"«t) HasselwerderstraBe 17 Varlei«schau Die lästigen Vagabunden mit Tr. r. Alien Roacn nag dem Süden m. iL f orten Weiünns** Schloßpark Film. Bühne Berliner Altec 205— 210 BOhiiciudma Der Sittenpah— Der Herr rom Finanzamt mit Paul Heidemann B onten B Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Das große Doppelprogramm: Der Graf von Monte Christo(II.) Verdan(Heldentum der Völker) Bühnenschan Jugendliche haben Zutritt Wochentags 6 Uhr, Sonntags 5 Uhr Norden Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Der Sittenpal)— Pal n. 3 Varl et�-Atirakf Ionen Patacbon Concordia-Palast Andreasstraße 64 Bültnenzcbaa Lotte Neomann auf der Bühne u. im Film; Er gebt rechts- sie geht links Die Beute der BankrAnber Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, LOckstraße 70 Es war.. mit Greta Garbo Küsse, die man nie vergibt Bühne, mit Pandler— Gr, icnsthan Kino Busch Be�:s61u5f.rM5 Alt-Friedrichsfelde 3 Wie Madame befehlen mit Ad. Meafod Liehe im Schnee mit Maria Pandler tTioiSogf n B W»»i»>»M»W»WW»»»»»W»»»WW»WWWI� «Elysium" Prenzlauer Allee 53— Film und Bühne Fesisnielwoche f Auf der Bühne persönlich: Plcha, Gr. Reinwald, w. Bendow, I. Ewald. P. Westenneier, E. Be» Film; Kolonne X Mit Rciobold Schflnsci Alhambra MülierstraBe. Ecke SeestraBe Die Liehe der Brüder Rott mit Olga Tschecfaowa. Beiprogramm— Bühnenschan Collosscum BohS�Sl» Schönhauser Allee 123 W. 6.30 U. S. ab 4 U. Snbmarinc Amerik. Tonfilm Bühne; KapUSn Oricdo Elektra-Palast»U» Wiesen-, Ecke Kösliner Straße Regimentstoditer rti Betty Balfoor 5 bange Tage mit Maria jacobini Fortuna-T ageskino MülierstraBe 12c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt prodnietton Metro-Palast ChausseestraBe 30 Sündig nnd sfiS mit Anny Ondra Das Geheimnis der Carlton-Bank Noadc's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 5 U, Stg. S U. Stjf 3 U. lugendv. 70 Jahre Noacks Lichtspiele I Das große Jubiläumsprogramm; Mntt erllebe mit Henny Porten Vergessene Gesichter(Schwur des R Adam).— Verstärktes Orchester. „Rialto" Film u. Böhne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Marco, der Mann der Kraft Menschen der Tiefe- Bahneusch. Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Oer Zigennerprlmns- Karneval des Lebens mit Ja" Jac�bi, Vineta-Kino Vinetaplatz 3. Ecke WoIIiner Straße Sünde u. Moral m. Samson-Kömer Der Henker tob Prag- Bciprogr, B PeinlctccnoorF-Qzt M Bürgcrgartcn-Lichtsp. Hauptstraße 51 Bühnenschan Aofrahr im Jnaggesclleahelm Seelen im Sturm Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W. 6, 8 Vi, Stg. 4 vi, 6 Vr,<'.4 Der sensationelle Tonfilm Submarine W Onzumtbnmnon M „Alhambra" Badstraße 58 BfibnenKbaia Vonlchtp Mädcbeuhfindler Das brennende Meer Ballschmieder- Lichtsp. Badstraße 16 Grobe Bühnenschau Der Mann, der nicht liebt Die Rache des Verlassenen Humboldt-Theater Badstraße 19 Grobe Bühnenschan Die rote TSazerln m. Dolor, dei Rio Blanc Jungen— blonde MSdchen Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Grote Bühnenschau Teure Heimat(Drei machen ihr Glück)— Beiprogramm Palast-Theater Breite Straße 21 a Aul der Reeperbahn m. Eddie Polo Die Dame in Schwarz m. Liane Haid Tivoli» Pankow Berliner Straße 27 Bühaepschan Submarine, der Sensation. Tonfilm Bühne: Kapt. Relda und Partnerin g NlecaorseBBnhumnn B Film-Palast Blankenburger Straße 4 JSS? wcl** nieder wieder blühl- Sporen im T"