Morgenausgabe Ttr. 413.. �, ■Ä2Ö8 � �on« wich-»«»»PI. mmatn« S.60 DL w> oorou» jaölbot, Poftbcjug 02 VL »nlchllchlich SO Psz. Pcftzklwnz»-'"•* 12 53f j. Poftbestellgebüh»». Kutlanbv «bsmumtid 6.— M. fn Stonoi. Sn.BbnuSrti*«rlchewl«ochenlög. lich zweimal. Sonntag» und Montag» «mmol, bie Zlbenbau, gaben für Perlt» »nb im Handel mit dem Titel.Der vbenb'. Illustriert» Beilagen.Boll «nb Zelt' und.Sinderfreund', gerner .Unierhaltung und Wissen'..Frauen- flimme'.Technif..Blick in bi« Bucherwelt' und.Iugenb-Borwärt»' Berliner volssvlatt Mittwoch 4. September 1929 Groß-Äerlin 1V Pf- Auswärts 15 pf. fHr i( n| r c I( t g« Äonpor rifleaen« SO Dfennig Neklame'.eO» 5— Neiä«»- mark„Kletue Anzeigen' va» iertq». druckt? Won 25 Pfennig lzulassip aw feftac brückte Worte), tebes weitere Won 12 Pfennig. Stellengesuch» da» erst» Wort IS Pfennig, tebe» wettere Wir« 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Ardeitsmort» Zeile 60 Pfennig. Familienanzetgen Zeil» 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupr« Geschält Linbenstrahe S. wochentäglich von SV, die 17 Uhr. Jeutvawssau der Goziawemosratifchen Vavtsi DeutkchlattdS Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 20-2—297. Telegramm-Adr.: Eozialdemokral Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin Z763K.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Wallstr Kö. DiSkonto-Gesellschast, Depositenkasse Lindenstr 3. Labours Kriedensziele. programmatische Rede Macdonalds in der Völkerbundsversammlung. TV. Scdw. Genf, 3. September.(Eigenbericht.) Für diejenigen Delegationen, die 1S24 die Londoner Dawes-Konferenz mitgemacht hatten, dann zur fünften Völkerbundversammlung gefahren waren und dort mitein- ander das Genfer Protokoll abgeschlossen hatten, begann heute die zehnte Bundesversammlung, die sich unmittelbar an die chaager Reparationskonferenz anschließt, in einer ähnlichen Stimmung, �atte man soeben seine Fähigkeit be- wiesen, den Weltkrieg zu liquidieren, so entfaltete sich nun- mehr ein Wetteifer, zu zeigen, daß man am Aufbau des Friedens hinter keinem anderen zurückstehen will. Aus dieser Stimmung heraus begann heute die politische Debatte, die formell über den Bericht des Sekre- t a r i a t s über die im vergangenen Jahr geleistete Arbeit stattfindet, mit der Erinnerung des von stürmischem Beifall begrüßten britischen Premierministers R a m s a q Mac- d.a n a l d an seinen ersten Genfer Besuch vor fünf Iahren. Er stellte fest, daß sich vieles gebessert hat. Deutsch- land ist Mitglied des Völkerbundes gewor- den, die allgemeine Sicherheit, weitgehend eine psycholo- gische Angelegenheit, ist seitdem stark gefördert worden. Mag der Kriegsoerzicht vielleicht noch ein Luftschloß darstellen, so gelte es eben, die Fundamente dafür zu bauen. Des- halb begnügte Macdonald sich nicht etwa mit ollgemeinen Deklamationen, sondern zähll- mit schlagartig sich steigern- den Säken auf, was die britische Arbeiterregierung zum �-�au des Friedens bereits getan habe und unmittel- bar zu tun beabsichtige. Die Truppen verlassen das besetzte Gebiet von der nächsten Woche an: die Ab- rustiingsverhanjblungcn mit A m e r j t a sind so- weit gediehen, daß von 23 zu regelnden Einzelfragen bereits 81 vereinbart sind: er hoffe, noch vor Ende der Versamm- lung den Abschluß einer. Abrüstungsverembarung mit Washington bekanntgeben zu können. Die britische Regie- rung wird zur Revision der längst überholten Artikel 12 und 15 der Völkerbundsatzung(nur Versuch, nicht Zwang zur schixdesgerichtlichen Regelung) Anträge einbringen. Die britische Regierung hat sich entschlossen, die S ch i e d s- �flicht des Haager internationalen Gerichtshofes, d. h. die fogenannte Fakultativklausel zu unterzeichnen, eine Ankündigung, die mit stürmischem, immer wiederholtem Bei- fall begrüßt wurde. Er hoffe, daß jedes der D o m i n i e n im Laufe der Tagung eine gleiche Erklärung abgeben könne. Dann hat Macdonald im klaren Gegensatz zu den nichtigen Vorwänden der konservativen Regierung sich im Namen des britischen Weltreiches dazu bekannt, daß es in Zukunft bei Rechtsstrcitigkeiten nicht mehr sein britisches Uebergewicht in die Wagschole werfen, sondern sich einem unparteiischen Schiedsgericht beugen wolle. Ueber diese Einzelankündi- fiungen hinaus ging Macdonald zu programmatischen Ziel- etzungen über. Er wandte sich gegen die Versuche, den Minderheiten ihr Eigenleben zu verkürzen mit der Formel von den..zusammengesetzten Staaten". Er forderte vom Bölkerbund Kampf für das freie wirtschaftliche Zusammenleben der Völker und sagte als Regierungs- chef des größten Kolonialreichs der Erde der Machtpolitik gegenüber anderen schwächeren Kulturen und Rassen ab. Seine Rede steigerte sich zu dem Bekenntnis des festen Willens der britischen Arbeiterregierung, große Schritte in eine neues Zeitalter zu tun, in dem das Schiedsgericht an Stelle der Waffen, und die Versöhnung an Stelle der Drohungen herrsche. Voraussichtlich wird die allgemeine politische Debatte bis zum Ende der Woche dauern. Am Montag beginnen die Kommissionen zu arbeiten. tWeitere Meldungen auf der dritten Seite.) Reichskabineti über Haag. Kundgebung Hermann Müllers.- Einmütige Zustimmung Das Reichskabinett trat am gestrigen Nachmittag zur Entgegennahme des Berichts der deutschen Delegation über die Haager Konferenz zusammen. Den Vorsitz führte in Vertretung des Reichskanzlers, der zu seiner völligen Wieder- Herstellung voraussichtlich noch für drei Wochen in Bühlerhöhe weist, der Reichsministcr des Auswärtigen Dr. S t r e s e m a n n, der auch als Führer der deutschen Delegation einen Bericht über den Ablauf der Konferenz er- staltete. Die Reichsminister Dr. H i l f e r d i n g, Dr. Cur- t i u s und Dr. W i r t h gaben ergänzende Einzelberichtc. Der Reichskanzler, dem am vergangenen Sonntag durch Staatssekretär Dr. P ü n d e r in Bühlerhöhe eingehen- der Vortrag gehalten worden war, ließ in der heutigen Ka- binZttssitzung durch den Staatssekretär erklären, daß er der deutschen Delegation seinen ausrichtigsten Dank und seine Anerkennung ausspreche. Es sei das Verdienst der deutschen Delegation, die Grundlage für eine erhebliche, sich alsbald auswirkende Minderung unserer Lasten für die Zukunft geschaffen und die Wiederherstellung deutscher Staatshoheit nach innen und außen zu einem nahen Termin sichergestellt zu haben. Die überwälti- gende Mehrheit des deutschen Volkes werde die endgüllige Festsetzung der Räumung mit dem Gefühl herzlicher Freude begrüßen. Das Reichskabinett pflichtete nach eingehender Aus- spräche dieser Auffassung des Reichskanzlers einstimmig bei und gab insbesondere der Genugtuung darüber Ausdruck. daß das Sehnen des besetzten Gebietes nach Anbruch der Freiheitsstunde seine Erfüllung findet. Großflugtag in der„Humanite". Sechs Redakteure auf einmal entlassen. Paris. 3. September.(Eigenbericht.) Moskau regiert auch in Pari» mii eiserner Hand. Die Macht. Haber der drillen Internationale hoben zn einem gewaltige« Schlag gegen die.humaniit" ausgeholt. Die große Säu- berungLakkion. di« der kommunistische Parleioorslond nach dem Fehlschlag der Kundgebungen vom 1. August in Ausführung der von Moskau erhaltenen Befehl? einaelestct hat, Hot auch vor den Türen des eigenen Parteiorgans nicht halt gemacht Dieses wird beschuldigt. In den lehlen Wochen wiederholt gegeadie Zn- stroktionen der Parteizentrrfle verstoßen zu haben.„In der ganze« letzten Zeil." Heißt es in einer am Dienstag vom Partei- x-zrstand verössentlichtea Erklärung,„war die politische Haltung der „fjnnuralte" sowohl in der Frage der imperialistischen Offensive gegen Sowjetrußlaod. wie vor allem auch in der Abwehr der bürgerlichen Angriffe gegen die Partei sehr unzureichend und sogar falsch." Troß wiederHollen Jntcrvenlionen sei es den Zentral- instanzen nicht gelungen, von der Redaktion eine Korrektur ihrer völlig verfehlten Politik durchzusehen. Der Partcivorstand habe sich deshalb nunmehr zu energischem Durchgreifen veranloßl gesehen. Dieser könne nicht länger dulden, daß das offizielle Parteiorgan sich eigenmächiig seiner Leitung zu entziehen versucht. Zur Strafe seien die schuldigen Redakteure, sechs an der Zahl, sofort entlassen und ein besonderes Direktions komitee ein- geseht iqorden, dessen Weisungen sich die Redakteure künstig wider- spruchxios zu fügen haben. Die Ramen der sechs auf die Straße ge- sehten Redatleure sind bisher nicht mitgeteilt worden. Es scheint sich unter ihnen kein er der Prominenten zu befinden, auch vaillant Eouturier nicht, der seit einigen Tagen nicht mehr zeichnet, und von dem man angenommen hatte, daß auch er gemaßregett worden sei. Bezeichnend für die von Moskau diktierte Haltung des Blattes ist übrigens, daß es am Dienetag dicIndenmassakersinPa- l ä st in o verherrlicht und die Araber der Sympathie und der Unterstühung des Proletariats der ganzen Welt versichert. Vorläufige Ergebnisse der„Generalsäuberung'' im Sowjetstaat. Moskau, 2. September.(Ost-Expreß.) Die Jcntrolkantrollkommission der Kominunistischen Partei ver- ossentlicht eine Mitteilung über einige Ergebnisse der großen Generalsüuberung des Sowjetapparats und der SEommuniftischen Partei, die übrigens noch keineswegs abgeschlossen ist und wohl noch längere Zeit in Anspruck nehmen dürste. Die Zentrcilkontrollkommission teilt mit: in 33 Bezirken wurden 195 kommunistische Parteizellen geprüst, die verschiedenen Sowjet- Institutionen angegliedert sind. Dabei wurden 1833 Parteimitglieder einer Prüfung unterzogen, in deren Ergebnis 9.2 Proz. der ge- nannten Personen mit Ausschließung aus der Partei b e- straft wurden. 11,4 Proz. erhielten Verweise, IL Proz. wurden von den bisher eingenommenen verantwortlichen Posten abgesetzt. Die Vergehen, die zu diesen Maßregelungen führten, waren: Der- bindung mit sowjetsremde» bzw. parteifeindlichen Ele- menlen, Unterdrückung der van der Parteileitung vorgeschriebenen „S e l b st k r i t i l" der Zellen, so daß Klagen über Vorgesetzte, sehler- haste Berwaltung usw. nicht laut werden konnten. Zeppelin über Ganiander. Auf der Fahrt nach Bordeau?. Friedrichshafen. 3. September. Das Luftschiff«Graf Zeppelin" funkte an die Werft in Friedrichshafe« folgenden Standort: 20 Uhr San- tander, ftnrs auf Bordeaux. (Weitere Meldungen in der Beilage.) Das Negerproblem in Amerika. Wandel der sozialen Etrukinr. Von Franz Josef Furtwängler. Welche wirtschaftlichen Wandlungen die Vereinigtelt Staaten durch den Krieg und seit dem Kriege ertebten, weiß man auch in Europa, aber recht wenig im allgemeinen von dem sozialen Strukturwandel, den sie dabei im Inneren durchmachten. Da sind— um hier nur das eine zu er- wähnen— jene Millionen Neger, deren Vorfahren seit 1626 von Afrikas Westküste in die Südstaaten der nord- amerikanischen Union verschleppt und dort in Plantagen und Betrieben als verkäufliche Arbeitstiere, verwendet wurden: wir kennen diesen unglücklichen Neger aus„Onkel Toms Hütte", jener erschütternden Erzählung, welche, der Zeit entsprechend, etwas schmalzig und sentimental, aber in der Tat- sachenschilderung offenbar nicht übertrieben war und die soviel zur endlichen Abschaffung der Sklaverei beitrug. Im Jahre 1968 verbot man in Amerika den Handel mit Negern, doch erst der Bürgerkrieg(1861 bis 1865) zwischen Norden und Süden beendigte die Negersklaverei. 1796 gab es in den Vereinigten Staaten drei Viertelmillionen Neger, zu Be- ginn des Bürgerkrieges 41/2 Millionen und heute nicht weniger als 11 Millionen Neger und Negermischlinge, das heißt 16,7 Proz. der Gesamtbevölkerung. Der befreite Neger war auch weiterhin die hauptsächlichste Arbeitskraft im agrarischen Süden der Union. Dort, in den Staaten von Mississippi und Südkarolina, wo die Neger über die Hälfte, in Virginia, Georgia, Alambama, Florida, Louisiana, wo sie heute noch verachtet und gemieden, dürfen nur ihre ge- sonderten Kirchen, Schulen, Gasthäuser, Verkehrswagen usw. benutzen. Es geschah in Paris während des Krieges, daß forsche junge Amerikaner im Cafä Neger mit Fußtritten hinaus„tlckten"— so tief wurzelt bei den Bewohnern der Plantagenbezirke von USA. die Gepflogenheit unsanfter Rassentrennung, daß sie im fremden Lande gleichsam als unwillkürlichliche Reflexbewegung noch geübt wird. Auch in Industriebetrieben des Südens arbeitet der Reger nicht in kollegialer Gleichberechtigung neben dem weißen Arbeiter: nur zu Träger- und Handlangertätigkeiten wird er zugelassen. In Cincinnati, wo wir 1925 eine Reihe von Fabriken besichtigten, fiel uns gelegentlich die Abwesen- heit der schwarzen Schlosser, Werkzexigmacher und Ab- teilungsmeister auf, deren Tätigkeit wir in Chikago, Detroit und anderen Städten kennengelernt hatten. Man klärte uns auf, die„colour line" oder Farben grenze, die Norden und Süden trennt, sei der Ohiofluß. der mitten durch die Stadt fließt. Drüben über der Brücke könne man in der gleichen Stadt Neger in allen Berufen neben den weißen Arbeitern tätig sehen, hier aber, diesseits der„colonr line" würde zwar kein Gesetz, aber die alte Rassenantipathie es jedem weißen Zlmeri'kaner verbieten, Schulter an Schulter mit einem Reger denselben Beruf aus- zuüben. Während des Weltkrieges wurden dann viele Hundert- tausende schwarze Lohnarbeiter aus dem Süden in die In- dustrien der nördlichen Staaten jenseits des Ohioflusses her- angezogen, von wo sie nicht wieder ins südliche Land der geketteten Vorfahren zurückkehren. Im Norden ist der Neger weniger offenkundig verachtet. Zwar stellt er natürlich in seiner Mehrzahl auch dort die unterste Proletarierschicht dar, aber man findet ihn in jeder Eisen- und Straßenbahn, sieht ihn in fast jedem Hotel und Restaurant von New Vort, Chikago, Detroit, Bufallo usw. Gleichberechtigt und in gleicher Berufstätigkeit arbeiten Neger neben Weißen in den großen Betrieben der nordöst- lichen Jndustrieecke der Union als Schlosser, Mechaniker, Tischler, Zimmerer. In den Transportberusen, wo sie be- sonders zahlreich sind, haben sie ihre eigenen Gewerk- sch asten ebenso, wie unter den Eisenbahnbediensteten, wo sie den Berus des Wärters in den Pullman- und Schlaf- wagen vorwiegend ausüben. Als Angehörige anderer Be- rufe sind sie in den Gewerkschaften der Weißen, soweit diese sie nicht laut Statut ausdrücklich ausschließen, was allerdings oft der Fall ist. Wohl sind die Behausungen der Neger in den Großstädten des Nordens von denen der weißen Bevölkerung abgetrennt in besondere Stadtteile. Be- kannt ist Hartem, das schwarze Viertel von New Bork, mit seinem bunten Gewimmel von Negern in hellen Anzügen und Negerfrauen in grellen Kleidern. Doch manchen schwarzen Bürger der Neuen Welt, der als Besitzer eines Kaufladens, Tingeltangels oder Geschäftsbetriebes zu Wohlstand gelangte, zieht es hinaus aus dem proletarischen Konzentrationslager seiner Rasse. Den ersten Ausdruck findet sein geschäftlicher Erfolg in dem Wunsche. Hartem zu ver- lassen. Dann aber meldet sich auch in den Nordstaaten das Vorurteil: die Straße in der Wcststadt, in die ein Neger einzieht, wird„entwertet", jeder Hausbesitzer in der Um- gegend sucht sein Grundstück so schnell wie möglich loszu- schlagen. Immer mehr Neger rücken nach, und so wird all- mählich eine Häuserreihe, in der ehemals lauter weiße„Voll- bürger" wohnten, zur Negerstraße. Eine solche sahen wir seinerzeit in einem vornehmen Viertel von Chikago. Es ist beachtenswert, wie im einstmals„negerfreundlichen" Norden Lindeiners Ehrenwort. Em Beitrag zur Geschichte der Augusttage-1924. Man schreibt im»: In der Abhandlung des„Vorwärts"(Nr.<11 vom Z. September 1SS9) über die Rolle Westarps beim Dawes-Umfall der Deutsch- nationalen wird die Frage aufgeworsen:„Wer hat nun diese Ver- Handlungen von deutschnati analer Seite geführt, wenn es nicht Westarp und chergt gewesen sind, und wie war es möglich, daß das Abkommen über die Köpfe der Führer hinweg und. wie Graf Westarp versicherte, gegen deren Widerstand tatsächlich abgeschlossen wurde?" Ich glaube, daß das hier zugrunde liegende Rätsel mühelos zu lösen ist. wenn auch zweifelsfrei keine amtlich« Klärung seitens der deutschnationalen Parteileitung zu erwarten ist. Denn auch im Falle des Dawes-Umfalles ist eine Taktik zur Anwendung gekommen. die der Parteileitung Deckung nach mehreren Fronten hin ermöglicht und daher zu keiner späteren Zeit erlaubt, die überaus geschickt gemischten Karten auszudecken und dadurch die einmal gewonnene Position zu gesährden. Zur Zeit der chergtschen Parteiherrschaft war der Abgeordnete v, Lindeiner-Wildau bekanntlich der sogenannte„politische Beauftragte" der Deutschnationalen Volkspartei und zugleich Ad- jutant chergts. In parteilestenden Kreisen war es damals durchaus kein Geheiinnis, daß Lindeiner als politische»„Mädchen für olles" fungierte und Geheimausträge auszuführen hatte, an deren Erledi- gung Fraktion«- und Parteiführer selbst unbeteiligt blieben, um im Rotsalle vor der Oeffentlichkeit dementsprechend- Erklärungen ab- geben zu können in der Hoffnung, daß mau sich grundsätzlich an diS Parteiführer hallen und nicht auf den Gedanken kommen weich«, auf L i n d e i n e r oder Treviranus. einst Adjutant Westarps, z»r oerfallen. Es mag daran erinnert werden, daß dieses Verfahren z. B aus Anlaß des K a p p- P u t s ch e s in Szene gesetzt wurde, als Lindeiner am 8. März 1020 zu einer Staatsbehörde entsandt wurde, um den damals erwarteten und in der Nacht vom 12. zum 13. März aus-- gebrochenen Kapp-Putsch, wie seine Führer es später nannten, zu �.verraten". Ganz sicher wird heute weder Westarp noch Hergt bekennen, Urheber der Entsendung Lindeiners gewesen zu sein, um einerseits nicht vor den früheren und gegenwärtigen Putsch- bewegungcn„bemakelt" zu erscheinen, und andererseits dem Glau bei, freien Spielraum zu lassen, es könnte auch der verstorbene Heliferfch als Auftraggeber in Frage kommen. Dieses typische Beispiel, das sich naturlich beliebig vermehren läßt, weist unzweideutig aus Lindeiner als Unterhändler in Sachen des Dowes-Umfolles hin, zumal da er in dieser Hinsicht noch den, Urteil seiner eigenen Anhänger sich„wie ein politischer Seiltänzer' ausgeführt hat. So eröffnet« er z. B. seinen ersten Vortra nach dem Dawes-Umfall in Schöneberg mit den bezeichnenden? ir'en: „Sie haben in Erinnerung, daß ich hier vor wenigen Togen von derselben Stelle aus ehrenwörtlich versicherte: Der Dawcs- Plan wird von der Deutschnationalen Valksportei unter allen Um- ständen geschlossen abgelehnt werden: und nun ist es doch anders gekommen." Lügen über Karl MM. Kampfesmethoden der �Deutschen Tageszeitung". Eques, d. h. Rittsr, nennt sich ein Mitarbeiter der„Deut- schen Tageszeitung", dessen„Plaudereien" sich stets durch vollendete Geistlosigteit. oft aber auch durch einen Grad von Gemeinheit auszeichnen, wie er selbst in der deutschnationalen Presse nicht ganz gewöhnlich ist. Eine Spitzenleistung dieser Art vollbringt Eqnes in der Dienstagabendnummer seines Blattes, in der er an den bekannten Biographen Emil Ludwig die rhetorische Aufforderung richtet, doch einmal eine Biographie non Karl Marx zu schreiben, und dann fortfährt: „Deshalb auf, Emil Ludwig! erzähle dem deutschen Volke von dem Menschen Karl Marx!" Erzähle noch deiner ganzen Terechtig- keit! Erzähle, wie dieser große Sozialist nach Ansicht seiner Bio- graphen ein geradezu verabschenenswiirdiger Mensch gewesen ist, der Weib und Kind«x.hungern ließ— selbst„Kaviar schlemmte'— der" seine ihm in wunderbarer Liebe anhängend« Frau au» deutschem Adelsgeschlecht einfach in den Tod trieb— sieben Kinder im Elend hinterließ, von denen zwei Töchter aus Verzweiflung den Freitod wählten. Otto Rühle, sein Biograph, sagt von Marx:„Das Hemd auf dem Leihhause, trug er mit der Geste des Lords— sein Monokel." Marx ließ Engels die bestellten literarischen Arbeiten anfertigen und steckte Geld und Anerkennung für sich ein. Wie treffend könnte Ludwig Marxen» ganz« Ge» sinnungslumperel darstellen, seine mehr als erbärmliche Rolle als Ehemann und Vater, fein« ins verblödetegehend« Arroganz und Selbstüberhebung. Ludwig könnt« uns sicher trefflich auseinandersetzen, weshalb Marx für seine Familie— so unsozial— um kein schärferes Wort zu gebrauchen— handelte. Er, der sich für einen sozialen Erneuerer der Menschheit hielt! Auch sür die„Faulheit" des großen Sozialisten würde Lud» wig dem Volke schon die rechten Gnitid� zeigen. Man kann von dieser Darstellung sagen, daß in ihr nicht ein Wort steht, das nicht gelogen ist. Hätte dieser edle Ritter auch nur etwas über Marx gelesen, so würde er z. B. wissen, daß Marx nicht sieben, sondern vier Kinder gehabt hat: drei Töchter und einen Sohn, der als Kind starb. Bon den Töchtern haben zwei ihr Leben durch Freitod beendet— beide v i e f e Jahre nach Marx' Tode— die eine, Frau A v e l i n g, wegen unglücklicher Ehe, die andere, Frau L a f a r g ue, in Gemeinschaft mit ihrem Gatten, der siebzig Jahre alt geworden war und die Beschwerden des Alters fürchtete. Es evübrigt sich, auf die übrigen Lügen des Ritter« von der Dreckschleuder einzugehen. Sie sind dadurch gekenn. zeichnet, daß der Mann, der selber zu faul ist, um im Lexikon die Biographie eines großen Mannes nachzulesen. bevor er ihn besudelt, den Urheber«wer der größten wissen- schastlichen Leistungen— der„Faulheit" bezichtigt. Indes handelt es sich uns natürlich nicht darum, Karl Marx gegen die sinnlosen Schmutzemen der.„Deutschen Tageszeitung" zu verteidigen— dazu steht er zu hoch und sie zu tief—, sondern nur darum, das Niveau zu kennzeichnen, auf dem in deutschnationalen Zeitungen„antimarristifche Prypa, ganda" getrieben wird. mit dem Eindringen des Negers dorthin die Raffenantipathie mächst, statt abzunehmen. Bei dieser sorglich gepflegten Rassentrennung hat allerdings der weiße Lohnarbeiter nicht selten einen reichlichen Teil der Zeche zu bezahlen. Denn was fruchten auf die Dauer die im Einzelfalle beachtlichen Erfolge der Lohnkämpfe des weißen Bergarbeiters im Staate Illinois, des Textilarbeiters in New Hork? Im Süden müssen die Neger,"von den Berufen der Weißen ferngehalten, sich auf diese Tätigkeiten konzentrieren: müssen, weil ihnen nur diese offen stehen, billig arbeiten und haben nicht die Kraft und Möglichkeit, gewerkschaftliche Organisationen zu ihrem eige- nen Schutze ins Leben zu rufen. Im schwarzen Kentucki und Virg'men wird im Bergwerk um vieles weniger verdient als im we'ßen Illinois und Pennsylvanien bei wesentlich kürzerer Arbeitszeit. Da Bergherren und Händler nicht der M.'inung sind, daß sie durch das bessere Geschäft mit der b llipen, vom Neger geförderten Kohle ihrem Rassencmp- finden etwas vergeben, wird der Neger zum un- freiwilligen Lohndrücker. Er ist es nicht, wenn er ohne Einschränkung unter gleichen Bedingungen neben dem Weißen arbeitet. Politisch ist der Neger im Norden wie im Süden .gleichberechtigt"— kann zu allen Wahlen seinen Stimmzettel abgeben und sich in alle Aemter wählen lassen. „Er kann also Abgeordneter eines Parlaments werden?" frax�e ich drüben einen Amerikaner.„Jawohl."—„Gemeinden können einen Neger zum Bürgermeister wählen?" —„Natürlich, wir haben solche."„Theoretisch steht ihm also auch die Stelle des Präsidenten der Vereinigten Staaten offen?"—„Theoretisch ja— praktisch bewahrt uns das Empfinden des Volkes vor einem Neger als Präsidenten ebenso sicher wie vor einem K a t h o l i k e n." Nie werde ich diese letzte Sentenz vergessen. Im übrigen wird das Wahlrecht des Negers in den- jenigen Staaten, wo er zahlenmäßig viel bedeutet, also im Süden, auf verschiedene Arten„korrigiert". Die mildeste ist. sein Wahlrecht durch Sonderbestimmungen zu beschneiden. Die härtere besteht darin, daß rassenreine und rassenstolze „Vollblutamerikaner" des Ku-Klux-Klan(die indessen nicht selten Schlawinski oder Schimanski heißen) ihn mit Knüppeln von der Urne fernhalten. Zluch ist die Ehe zwischen Negern und Weißen in den meisten Staaten ungültig. Immerhin: der Neger ist aus dem Ghetto herausge- treten und hat die Rassengrenze des Ohio(vielleicht der Rubikon in der Geschichte der Vereinigten Staaten) über- schritten. Als Einzelner überschritt er sie schon vor dem europäischen Kriege: doch das bedeutete nicht viel. Als Masse aber kam er aus dem schwarzen Süden in den weißen Norden, als dieser im Weltkriege zur ungeheuren Munitions- labrik der Entente wurde und die Industrialisierung der Union damit einen wuchtigen Anstoß bekam. Die Verhältniszahl der Analphabeten unter den ameri- k an'ichen Negern(30 Proz) ist heute nicht mehr größer als in Italien oder Spanien, und die Schulbildung macht er- staunliche Fortschritte. Nicht weniger als 200 Negerzeitungen erscheinen in USA. Von dieser Seite her sahen und be- schrieben wir damals die Negerfrage der Vereinigten Staaten, die uns nach unserer Betrachtungsweile vornehmlich als ein soziales M a s s« n p r o b l e m erscheinen mußte. W r sahen das Problem von unten her. Indesien hat auch däs amerikanische Negertvm leine Oberschicht und seine höchst interessanten Grenz- und Randerscheinungen. Abgesehen van den zahlreichen Intellektuellen schwarzer Hautfarbe gibt es in Amerika eine„Negerbourgeoisie", die insgesamt an k/e 50 00(1 Geschäftsbetriebe ihr eigen nennt. Wichtiger noch iO einstweilen der Landbesitz, den die Neger feit Ende der Sklaverei erworben haben. Der amerikanische Grund und Baden, den Neger heute in eigenem Besitz bebauen, würde zusammengelegt ein Gebiet ergeben, das die Tschechoslowakei an Größe um ein Viertel übertrifft. Llm die Arbeitslosenversicherung. Heute wieder Besprechungen. Heute nachmittag findet eine neue Besprechung der Parteiführer über die Arbeitslosenversicherung statt und nach ihr voraussichtlich eine Kabinettssitzung. Eine Vollsitzung des R e i ch s r a t s, die gleichfalls für heute vor- gesehen war, wird erst am Donnerstag oder am Freitag ab- gehalten werden. Dem Reichsrat liegen Anträge der b a y e- r i s ch e n Regierung vor, die einen allgemeinen Leistungs- obbau bezwecken. Sollten diese Anträge in der Vollsitzung des Reichsrats angenommen werden— wie das in dem zu- ständigen Ausschuß bereits geschehen ist—, so könnte die Frage, wie sich das Reichskabinett zu ihnen stellt, leicht kritischerRatur werden. Von der Stellung der Sozial- demokratie kann in diesem Augenblick nur gesagt werden, daß sie ja bekannt ist und daß sich an ihr n i ch t d a s m i n d e st e geönderthat. Ein Vorkämpfer. Adolf Vogenih zum SO. Geburtstage. Adolf B o g« n i tz, der heute Achtzigjährige, wurde om 4. Sep- temder 1S40 in Leipzig als Sohn eines Schriftsetzers geboren. Wie der Bater. wendete sich auch der Sohn der Buchdruckerkunst zu. schon früh jolgu' er den«puren seines demokratisch gesinnten Vaters. t:nde 1879 setzte er die Gründung eines Lökolbalttes,„Der Fackel", neben dem„Volksstoot", dem Zentralorgan der Eisenacher, durch, das ober mit Hereinbruch des Sozialistengesetzes wie der „Volksstaal" verboten wurde. Im Jahre 1880 fand eine geheime Versammlung statt, in der über den Kongreß in St. Gallen berichtet werden sollte. Die Versammlung, an der auch Bebel und Liebknecht teilnabmen, wurde dank eine» Spitzels verrotezi. An dem Umstand« aber, daß die Versammlung am 4. September stattfand, scheiterte die Polizeiaktion, weil sie nur— eine Geburtstaqsseier für Vogenitz war. Als Mitte 1881 über Leipzig der kleine Belagerungszustand verhängt wurde, gehörte Dogenitz zu den ersten Ausgewiesenen. Er wendete sich nach A l t e n b u r g, wo er ein Pionier sür den Sozia- lismu» wurde. Die wirtschaftliche Existenz wurde ihm durch das Gewsrkschaftsorgan der Hulmacher, eines der wenigen, die von dem Schandgesetz verschont wurden, geführt, indem das Blatt in eine bürgerliche Druckerei zum Druck gegeben wurde unter der Bedin. gung der Veschästigung Vonenitz als Setzer an dem Blatt. Die« ge> r öbrte unserem Bogenip eine verbältnismoßige Sicherheit in seiner Stellung ol» Bertrauensmann der Partei: Als in den letzten Iahren de» Sozialistengesetzes im Altenburger Lande der„Leipziger Wähler" als Koplblatt eingeführt wurde, lührte Vogenitz nedebamtlich und völlig unentgeltlich w>« das Amt des Vertrauensinannes auch dos des Lokalredoktcurs neben seinem Setzerberufe. Während des So- zialistengcsetzes war es dem Mute und der Unerschrockenheit de« Genossen Vogenitz zu danken, daß da? illegale Organ der Partei, der„Sozialdemokrat" vielsach in Deutschland in ver- schiedenen Dnickereien hergesteW werden konnte. Roch einer Ist Jahre langen aufreibenden und völlig ehxpnamt- lichen Töttgkeit als Vertrauensmann und Redakteur wendete sich Vogenitz wieder nach Leipzig. Obgleich er schon vor den Sechzigern stand, sollte hier für ihn eine neue Periode wirkungsvoller Tätig- keit beginnen, und zwar in der Buchdruckerorganisatiou, die ihn bald zum Gohilsenvertreter des Kreises Sachsen in der Buchdrucker- tansorganisation wählte. In diesem Amte war Vogenitz über lS Jahre tätig, und er war schon weit über die Siebzig,' als er dieses Amt niederlegte. Vis zu seinem 79. Jahre arbeitete dann Vogenitz noch am Setzkasten. Seit zwei Iahren pflegt er in körper- licher und geistiger Frisch« der Ruhe, die er noch dazu benutzt hat, wichtige Erinnerungen aus seinem Leben, von parteigeschichtlichcm Werte, besonders auch seiner srühesten und früheren Iahren, nieder- geschrieben und zu veröffentlichen. Möchte dem alten verdienten Kämpfer noch ein heiterer Lebensabend beschieden sein? R. I. Schwierige Einigung in Ostafien. Moskau verhält sich abwartend. Moskau. 3. September.(Ost-Expreß.) Da hinsichtlich der Lösung des Konflikts mit Ehina ein wei» terer Fortschritt nicht zu verzeichnen ist, so verhält man sich in den politischen Kreisen und in der Sowjetpresse noch reservierter, als schon nach dem Eintreffen der chinesischen Borschläge. Di« au« Nanking und Schanghai eintreffenden Nachrichten lassen eine weiter« Verzögerung der Einigung über die in Aussi-Ht oeuommene„Deklaration" wahrscheinlich erscheinen. Außerden, wollen die kleinen Grenzscharmützel im Fernen Osten auch noch kein Ende nehmen, und C h a r d i n ist, wie die Sowjet- Telegraphenagentur meldet, mit chinesischen Truppen überfüllt. Di«„Krasnaja Swesda", das Blatt der Rrnen Armee. erhält aus I r k u t s k die Meldung, daß der Vizekriegskommissar B u b n o w. der die neugebildet« Rote Arme« des Fernen Ostens inspiziert hat, auf der Rückreise nach Moskau bei einem Presse- empfang in Irkutsk erklärt«: Di« R o t e A r m«e de» Fernen Ostens habe sowohl chinesische wie weißgardistische BandenüberfAl« zurück- geschlagen, sie stehe durchaus auf der Höhe ihrer Aufgabe und sei sür jede» Fall bereit: Karl Zeitz, der Bürgermeister des roten Wien und Borsitzender unserer Bruderpartei, wird am 4. d. M. 60 Jahre all. Am Diens- tagabend feierten ihn eine Festversammlung von 2000 Vertrauens- Personen, und nörher haben die Ardeitersängcr vor dem Rathaus ihrem Seitz ein Ständchen gebracht. Vildfälfchung unterm Hakenkreuz. Genau wie unterm Sowjetstern. Die bekannten Vildfälschungen, die dem Kommunisti» schen Bilderdienst nochgewiesen wurden, lasten die völkischen Konkurrenten nicht ruhig schlafen. Was die Stalinisten in bezug auf Tschiangkaischek fertigbringen, können die Hitlerleute in Hinsicht auf Stresemann schon lange. Vor uns liegt eine photographische Aufnohme von der Ankunft der deutschen Delegation im Haag. Das Bild ist auch in unserer Bildbeilage„Volk und Zeit" veröfsentlicht worden. Im Mittelpunkt der Aufnahme steht Stresemann, links von ihm Dr. Wirth und andere. Jetzt bringt min der nationalsozialistische„Ittfistriertc Beobachter" das gleiche Bild. Aber es ist genau bei Stresemann abgeschnitten und mit einem anderim zusammen- geklebt worden, auf dem die charakteristischen Gestalten von Sommergästen zu sehen sind. Darunter dann die„Beschlkif- tung": „Verwandte Seelen finden sich zu Wasser und zu Lande, Stresemann, Gustav, Deutschlands Wortführer auf der Haager Freimaurer-Konferenz, wird in Scheveningen von dem satt- som bekannten jüdischen Operettcntenor Tauber be- grüßt!" Die Fälschung ist nicht einmal geschickt verborgen. Um so deut- licher zeigt sie. daß auch bei den Hitlerleuten der Zweck selbst die dümmsten Mittel heiligt. Aber gerade deshalb muß die Fälschung niedriger gehängt werden. Ausgestalwng des„Vaily Herald". Vom Geverkschaststongreß beschlossen. £ o n da n. 3. Septem ber. ver Gewerkschaftskongreß in Belfast hol heut, mit großer Mehrheit eine« Plan zur Ausgestaltung de» Arbeiter. blatte»„vally Herald" angenommen. Beabsichtigt ist, wie der Borflhende de» Direktoriums. Berlin, in der Sitzung erklärte, eine Arbciterlagezzeitung zu schaffen, die an Umfang und er. b r e l t u n g hinler keinem anderen englischen Blatt zurücksteh». E» werde einig« Zeit vergehen, bevor der neue plan, zu dessen Durch. sührung die Ausbliuzung enstprecheicher Geldmittel erforderlich ist, verwirklicht werden könne. Die B o t i t i k de» Blattes werde setbstoerstöndtich durch die llmgestaltungspläne in keiner weis, berührt. Kölling geht. Gr hat das Ansehen der Justiz genügend geschadigt. Der aus dem Magdeburger Zustizskandal bekaante Laub' gerichtsrai S S l l l u g Hot seinen Ebschied erbeten, der ihm vom preußischen Justizministerium bewilligt murde. Sölling war vom großen Disziplinarsenat des öammergerichls im Berufungsversahren zu Strafversetzung und zu einer Geldbuße von 50 Mark verurlellt worden, nachdem die erste Disziplinarinstanz nur einen Verweis gegen ihn aus- gesprochen Halle. In der Urteilsbegründung des. Kammer? gerichts wird ausgesprochen, daß Kölling und sein böser Geist. der candgerichlSdireklor h o f s m a u n. durch ihre Hand. lungsweise das Ansehen der deutschen Richlerschaft weil über die Grenzen Deutschlands hinaus g« schädigt haben. In Vollstreckung des Disziplinarurteil» sollte Sölling«gu Magdeburg nach Bochum versehl werden. Er hat aber das neue Amt nicht angetreten, sondern erst Srankheilsvrlaub. und noch während desselben seinen Abschied erbeten. Kölling verdonkt seinen Ruhm lediglich negaliven Eigenschaften. seiner sachsichen Unfähigkeit und persönlichen Voreinge» nommenheit alz Untersuchungsrichter in einer Äapilalsache. hätte er ein Grundbuch, oder Konkursdezenrat zu führen gehabt, so würde wohl nie die Welt etwas von ihm gehört haben. Mit einem wirklichen Richterauzt betraut ober mußte er versagen, weil ihm zum Richter die w e s e n t Ii ch st e Eigenschaft fehlt«: das unbe- stechlich« innere Gerechtigkeitsgefühl, das sich über alle persönlichen Vorurteile zur Unparteilichkeit erhebt. Gewiß, Kölling war nicht der Erfinder der These, daß der er- mordet« Buchholter Helling auf Anstiften des südischen Graßfabri- kanten Haas beseitigt worden wäre, um in ihm einen unbequemen Zeugen einer angeblichen Steuerhinterziehung auszuschalten. Aber diese Version befriedigte sein dürftiges kriminalistisches Vorstellungs- vermögen, sie schmeichelte seinem uneingestondmen Antisenlitismus, sie ersreute sein reaktionäres herz um so mehr, als von Beziehungen zwischen Haas und dem Reichsbanner gemunkelt wurde. Seine uneingestandenc Wunschvorstellung, daß Haas der Täter sein möge, �mochte Kölling zu jeden, objektiven Denken unsähig, so daß er sich bis zur Blindheit, bis zur Idiotie in feine These oer- rannte, hohnlachend tonnte der wirkliche Täter, der hakenkreuzler Schröder, diesen Untersuchungsrichter an der Rase herumführen, ihm Bären aus Bären, einen immer größer als den anderen, auf- binden. I« tolleres Zeug Schröder zusammenlog, desto wichtiger erschien seine Aussag« Kölling.?«d«r von Schröder in die Sache hineingezogene wurde verhaftet; wenn es nach Kölling gegongen wäre, so hätte außer den drei von ihm festgenommenen Unschuldigen auch noch das ganze tschechische Konsulat der Stadt Magdeburg in Unterfuchuirgshast wandern müssen. Den Berliner Kriminalbeamten, die vergeblich Kölling aus seinem Wahn zu reißen versuchten, türmte dieser Schwierigkeiten auf Schwierigkeiten, bezichtigte sie der Be- günftigung des Mörders, ebenso den Oberpräsidenten Genossen h ö r s in g, der den, Köllingschen Wüten durch hiizzuziehung der Berliner Beamten in den Arm z» fallen versuchte. Das war dann das Signal für die Rechtspresse, mit lautem Geschrei für die an- geblich bedrohte Unabhängigkeit des Untersuchungsrichters einen Feldzug zu führen, der inspiriert wurde von dem.Fürsten" des Magdeburger Landgerichts, dem Vizepräsidenten und Landgerichts- direktor hoffmonn. Bis dann mit den Geständnissen des Schröder und seiner G«> liebten Hill»« Goetze vor den Kriminalkommissaren Braschwitz und Riemonn alles um Kölling zusammenbrach. Damals wurde sogar ein Teil der Rechtspress«, die den Feldzug für Kölling geführt hatte, von Scham ergrrjfen. Kölling ober durste bi» heute noch nicht ein- gesehen baden, was er angerichtet hat. Er gehör, zu den Menschen, denen«ine güttg« Natur ihre sachliche Unzulänglichkeit durch einen ebenso starken U.nsehlbarkeitsdünkel ewig verschleiert. Stittgewordene Oeutfchnationale. Die deutschnationale Fraktion de» Preußischen Landtag» hatte zu Ansang dieses Jahres auf Grund ganz reger Zeitungsphantasien ihrer Hetzpresse die Kühnheit gehobt, nochmals in der Magdeburger Mordsoch« eine große Anfrage an die preußisch« Regierung zu richten. Dies« Anfrage wurde zunächst bei der Beratung des Justiz- etat? mit auf die Tagesordnung gesetzt. Di« Urheber der Ant'rage hotten wohl gehofft, daß bei der Etatsderatung diese Anfrage wie viele andere stillschweigend mit erledigt werden würde. Durch dies« Rechnung hatte jedoch die Sozialdemokratie«inen Strich gemacht, die erklären ließ: sie verlange für diese Anfrag« eine he- sondere und ausführliche Beratung, damit dt« Frivo- lität der von den Deutschnotionolen in dieser Sache— jetzt zweifellos gegen besseres Wissen— betriebenen Hetze restlos und bis in jede Einzelheit klargestellt werden könnte, hiergegen konnten die Deutschnationalen nicht opponieren, und so wurde denn beson- dere Beratung der großen Anfrag« im Rechtsausschuß beschlossen. Seitdem ist es mäuschenstill geworden Ts scheint, daß die Deutschnationolen an der Beratung ihrer Anfrage gar kein dringliches Interesse mehr hoben. Hakenkreuz-Rummel in der Aordmark. Der Voykott verpufft. kiel, 3. September.(Eigenbericht.) Im Landtag und einzelnen Stadtverwaltungen Schlesmig-Hol- steins hat die Deutschnationale Partei ein« Anfrage über die letzten Vorgänge in der Nordmark im allgemeinen und jene in Neumünster im besonderen eingebracht. Sie nahmen in ihnen die rebellierenden Bauern\n Schutz und griffen die Organe de» floate» und der Kommunen an. Das geschieht für die Oeffent. l i ch k e i t. Wie dieselben Leute über den Landvvlkradau sprechen, wenn sie unter sich sind, beweist der Ausspruch des deutschnatis- nalen Abgeordneten O b e r f o h r e n, der am Z. August über die Borgänge in Neumünster äußert«: Er könne da» Verhalten der Landvolkleute in Neumünst«r nich» verstehen. Der jetzige Staat tu« doch außerordentlich viel für die Bauern, so daß zu solchen Ausschreitungen kein Anlaß vorhanden sei. Trotz dieser Erkenntnis aber stellen die Deutschnationalen empörte An- fragen an Minister und Stadtverwaltungen, in denen so ziemlich das Gegenteil von den, gesagt wird, was sie im vertrauten Kreise für die Wahrheit hatten. Wie aus den Kreisen der Stadtverwaltung von Neumünster mitgeteilt wird, ist die B oy k o tt b e w« g u n g der reaktionären Landvolkleut« gegen die Stadt ein vergebliches Bemühen gewesen. Sowohl die Organisationen der Landwirtschaft wie auch die Bauern- schalt selbst denken nicht daran, den Parolen der Landvolkmänner zu folgen. Auch die führenden Koufleut« der Stadt erklären, von dem verhängten Boykott nichts oerspürt zu haben. wohin mii Tirard und Genossen? Wie das Reutersch« Bureau erfährt, ist über den Sitz der Interalliienen Rheinland- kommission n a 6) der Räumung der zweiten Zone, also von, De- zember an, noch nichts bestimmt. Di« Angelegenheit wert* als nicht besonder»« dringlich angesehen. Am Reichstag. V \ .Hpffentlich geht fein nationaler Führer mit hops. Wenn nur nicht gerade Hugenberg im Hanse ist.' »Keine Sorge, Hngenberg ist hei wichtigen Ereignissen nie im ZieichStag anwesend.' Macdonalds Genfer Rede. Haag/ Abrüstung/ Minderheiten/ Palästina. Genf. 3. September.(Eigenbericht.) Macdonald erinnert« an feine Teilnahme an der Bolkerbunds- Versammlung vor fünf Jahren und betonte, daß ihn bei seinem Wiederkommen nichts so sehr freue wie die Tatsache, daß die Lücke von 1924 ausgefüllt worden sei, indem Deutschland nun an den Beratungen des Bölkerbundes teilnähme. Er fuhr fort:„Die Angelegenheit� di« Großbritannien 1924 dem Völkerbund unterbreitete. sind als das Genfer Pr a t o k o l l bekannt. Sein« tragende Idee war die Schaffung von Sicherheit zwischen den Völkern. Seit 1924 sind wir«inen anderen Weg ge- gangen: Der Friedenspakt ist in Paris unterzelchnet worden und dieser Pakt muß nun der Ausgangspunkt unsere» zukünftigen Werkes sein. Der Friedenspakt ist in einem gewissen Maße noch ein Luitschloß und es ist die Ausgabe der Bölkerbundsversammkung, ihm solid« Fundamente zu geben. Einen der wichtigsten Bestandteile für dies« Fundomente hat die 1) a a g« r S o n f e r e n z geliefert, und ich wünsche ollen denen Glück, die zu dem Erfolg dieser Konferenz bei- getragen haben. Es gab einig« Tag«, an denen gewisse Ereignisse di« Konfernz verdunkelten. Ich jedoch hielt es n i« m a l s f ü r m ö g- l i ch, daß dies« Konferenz mißlingen könnte." Macdonold wies dann auf England» wiederholt« materiell« Zugeständnisse nach dem Kriege hin und betonte: Jis ist unsere Ueberzeugung, daß alle materiellen internationalen Uebereinkommen auf gegenseitige und gleichwertige Zugeständnisse gegründet werden müssen und daß ein Uebereinkommen, das«inen Fortschritt aus dem Weg« der Verständigung und der Zusammenarbeit bedeutet, nie durch Gewalt rn irgendeiner Form erlangt werden kann, auch nicht durch di« Gewalt einer zeitweisen und zufälligen Majorität. Ich will hoffen, daß die Nationen, die zu gewissen Perioden der Haager Konferenz in Opposition zueinander standen, sich künftighin in der Befriedung Europas wiederfinden. (Starker Beifall.) Die Uebereinkommen und Verträge vom Haag werden hoffentlich in wenigen Wochen ratifiziert sein, doch auf jeden Fall können wir uns schon heut« darüber freuen, daß in der nächste« Mach«, fünf Jahr«, bevor es für möglich gehalten wurde, da» erste der Bataillone au» dem Rheinland heimwärts ziehen wird, um uiemol, wieder zurückzukehren." Macdonold wandte sich darauf wieder dem Friedenspott zu und betont« nochmals, daß England alles tun werd«, damit dieser Frieden kein« papiern« Erklärung bleib«. Di« Lösung des A b r ü st u n g s- Problems müsse Ihn ergänzen.«Unser« Sonderausgabe bei der Abrüstung liegt auf dem Feld« der Marinerüstungen uiid jedermann wird einsehen, daß die best« Vorbedingung für einen inter. nationalen Abrüstmigsersolg«in Abrüstungsübereinkommen zwischen Amerika und England ist. Unser« Unterhaltungen mit Amerika sind in keiner Weise gegen irgendeinen Staat gerichtet. Was wir brauchen, ist«in Ueberein- kommen, das di« Einberufung einer Konferenz der fünf Marinemächte ermöglicht. Ich kenn« nach nicht di« endgültig« Form unserer Vereinbarungen. Da» gemeinsame Dokument wird einig« 2» Punkt« um- fassen, und ich kann schon heut« sagen, daß von diesen 20 Punkten nur noch bei dreien ein« Einigung aussteht. Ich bin nicht sicher, ob ich Ihnen di« Einigung mittessen kann, bevor ich Genf verlassen muß, aber ich hoff«, daß Ihnen di« Mitteilung aus seden Fall vor der Beendigung dieser Versennnlung gemacht werden kann."(Große Be- wegung.) Wir hqben die Frag« der Schlichtung»- und Schiedsgerichtsbar- teit geprüft, und ich bin in der Lag« mitzuteilen, daß die britische Regierung die Fakultqtioklausel des Jnternotionasen Gerichtshofes noch während der gegenwärtigen Versammlung unterzeichne« wird.(Starker Beifall.) Wir haben mit den Dominien tomeriert. und ich glaube, daß jedes von ihnen ebenfalls di« Fakultatiovausel während der Versammlung unterzeichnen wird. Jedoch werden einige von ihnen wohl in Berücksichtigung ihrer besonderen Lag« einige Erklärungen hinzufügen. � Sie werden weiter gelesen haben, daß wir ein Uebereinkommen mit Aegypten getroffen hoben, das diesem Land die Möglichkeit gibt, die Mitglied- schalt des Bölkerbundes zu erwerben. Gewiß brauchen wir Frieden zwischen den europäischen Rationen, aber Eurgpa ist zwar ein wichtiger, ober nur ein kleiner Teil der Welt. Es gibt ein« andere Welt, ein« alte West, di« jetzt erwacht und zu ver- stehen beginnt, was nationale Selbständigkeit ist. Wir folgen nur den Ideen des Bölkerbundes, wenn wir dieser West die Freiheit bringen, die uns selbst seit vielen Generationen so wichtig ist. Macdonold warnte in dieser Beziehung vor den Möglichkeiten kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Europa und den ö st- lichen Völkern und wies dann auf den Zusammenhang einer Versöhnung der Minderheiten mit dieser Frage hin:„Sic können Europa trennen und zerschneiden wie Sie wollen, Sie erhalten immer zusammengesetzte Staaten und dle große Pflicht der Mehrheitsvölker in diesen Staaken ist e». de» nationalen Minderheiten ihre politische und kusturelle Lage so leicht wie möglich zu machen, und ihren Stolz darin zu sehen, politisch führend mit den Minderheiten zusammenzuarbeiten. Etwas Aehnliches gilt für die Mandat«. Die Verwaltung eines Mandates legt dem betreffenden Staat«ine intern atio» nale Verantwortung auf. Wir bedauern olle Opfer d« letzten Ereignisse in Palästina. um so mehr, als s? mir nicht scheint, daß ein tiefer Rassenkonflikt diese Opfer verursacht hat. Es ist kein Konflikt zwischen Mohom» medonern und Juden, es war einfach ein Ausbrechen von niedrigen Instinkten und von Unordnung. Unsere Pflicht ist e«. die Situation wieder in unsere Hand zu bekommen, unsere zweite Pflicht wird sein, einen dauernden Frieden in unserem Mandat zu schaffen." Macdonald ging dann auf die W i r t s ch a s t s s r a g e n«in» Er bot B r i a n d, seine Idee yber die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas näher zu erläutern und forderte di« Herabsetzung der Zollbarriere. Hohe Zölle schäffen Armut, hohe»Zölle verursachen niedrige Löhne, hohe»Zölle veranlassen Arbeitslosigkeit und Klassenkampfe, ebensosehr, wie wir sie unter einem nicht organisierten Freihandel hoben würden. Darum wird England ver» suchen, die politische Befreiung durch ein Uebereinkommen wirtschaftlicher Zusammenarbeit zu oervollständigen. Mocdonald schloß mit den Worten:„Wenn die Nationen leben soyen unh die Staaten leben solle, müssen sie aufgeklärt werden und höchste Aufklärung unserer Tage muß der Erweckung des Willens dienen, die Rüstungen herabzusetzen, alle Kriegsgedonken aus uns zu verbannen und Männer und Frauen aller Nationen zu gegenseitiger Achtung und Zu» sammenarbeit zu erziehen. Es braucht keine Armsen und«« braucht keine unterdrückten Völker zu geben, und e» ist nicht nötig. daß die Kultur sich selbst zerstört durch künftige Appelle an die Waffen." Englischer Vorschlag zum Artikel 19 des Völkerbundstatuts? Genf. 3. September. In Kreisen der englischen Abordnung soll, wie verlautet, zurzeit ein Vorschlag vorbereitet werden, nach dem die Völkerbundsuer» sammlung der juristischen Abteilung des völrerbund»setretorial» den Auftrag erteilen soll. sürdieDurchführuugde»Arlirel»tS des völkerbundspakle» et« Verfahren aoszuarbeiten. Artikel IS des Völkerbundspakte» sieht bekanntlich vor. daß die Vollverfamm. lung von Zeit zu Zeit die Mitgliedfloatea zu einer Nachprüfung der unonwendbor gewordenen internationale» Verträge und solcher internationalen Verhältnisse auffordern kaon. deren Ausrechterhaltung den Wellsrieden gefährden könnt«. viefer Artikel enthält somit die MögllchkeileinerRevifio» der interalliierten Verträge, die jedoch bisher noch nicht«lu einziges Mal angewendet wurde. Der eugtische Vorschlag soll sich auf die Erwägung gründen, daß für die übrigen Artikel de» völkerbundspaktcs z. L. II und IS Anwendungsbestim» m u n g e n ausgeorbcilel morden seien, was für den Artikel IS noch nicht zutrifft. Die Kommissionen gebildet. Genf. 3. September.(Sig«nk>ericht.) 1 Am Dienstag vormittag traten die sechs Kommissionen. die die Völkerbundsvensammlung alljährlich bssdett, zur Festsetzung ihres Arbeitsprogramms und zur Wahl ihres Vorstandes zusammen. Dabei wurde van der zweiten Kon, Mission, di« Arbeiten der t«ch- nischen Völkerbuirdskommisiionen behandelt, der sozialistisch« Ab- geordnete Breitscheid zun, Berichterstatter für di« Wirtschaftsfragen gewählt. Breiffcheid nimmt damit den Platz«in. den in den letzten Jahren der französisch« Arbeitsminister L o u ch c u r inne gehabt hat. Konflikte der Metallarbeiter. Witt der VBML. ein Tänzchen wagen? In der Generalversammlung des Metallarbeiterverbandes am � Montag in den Sophiensälen gab der Bevollmächtigte Gs- nosse E ck e r t einen kurzen Bericht über den Streik der Bau-, Gas- und Wasserklempner und ging dann näher aus den von Niederkirchner inszenierten wilden Streik der Rohr- leger und Helfer en. Er zeigte an verschiedenen Beispielen die Verlogenheit der- Berichterstattung über den Umfang und die Ursachen dieses Streike Großsprecherisch verkündete die„Rate Fahne"' am 26. August, daß in 3 0 Betrieben 1500 Rohrleger und Helfer im Sumpf stehen. In Wirklichkeit waren es erst 16 Betriebe, von denen neun nicht dem Arbeitgeber-Verband angehören, und somit auch in keinem Tarifverhältnis mit dem Metallarbeiter-Berband standen. Nach achttägigem Streik waren es zwar schon einig« Betriebe mehr, aber die Zahl der Streikenden betrug immerhin erst rund 8 4 0. Wie am Montag bekannt geworden ist, wollen die Unternehmer olle die Arbeiter aussperren, die den mit dem Metallardeiter- Verband abgeschlossenen Tarifvertrag für sich nicht als bindend an- erkennen. Wie Niederkirchner dieser Situation Herr werden will, fall nicht die Sorge des Mewllarbeiter-Berbandes sein. Für den Verband gibt es keinen Streik der Rohrleger und Helfer. Die Mitglieder der Organisation sind jedenfalls verpflichtet, die Abmachungen der Organisation anzuer- kennen. Niedertirchner bezeichnet die verbandstreuen Rohrleger und Helfer, die sich mn seine Streikparole nicht kümmern, als „Streikbrecher"". Er hat anscheinend vergesien. daß er selbst einmal ein solcher„Streikbrecher" war. Als 1908 der Metallarbeiter- Verband die Rohrlegerfinnen bestreikte, lehnte Niedcrkirchncr, der damals der W i e s e n t h a l- O r g a n i s a t i o n angehörte, die Lc- tciligung an dem Streik mit der Begründung ab, daß seine Organisation im Tarif öertragsverhältnis mit den Unternehmern stehe. Er versuchte sogar, seinen im Metall- orbeitcr-Derband organisierten Helfer von der Arbeitsniederlegung abzuhalten. Mit welchem Recht er heute die zur Tariftreue verpflichteten Rohrleger als Streikbrecher bezeichnet, ist sein Geheimnis. Genosse II r i ch ging dann noch kurz auf den Bauschlosser- streik c'n und gab einige Proben dafür, wie hier von der k o m- munistischen B r a n ch e n l e i t u n g im Sinne der KPD. „Gewerkschaftspolitik" getrieben wurde. Uebcr die„Taktik" der kommunistischen Branchenleitung der Bauschlosser während des Streikes wird noch in der Vertrauensmännerkonserenz und in der nächsten Branchenoersammlung einiges gesagt werden mllsien. Urich teilt« zum Schluß noch mit, daß die Verhandlungen mit dem Verband Berliner Metallindustrieller(VBMI.) über den Neu- abschluß des Monteurabkommenz gescheitert sind, und daß die Cingruppierungsverhandlungen für ö'e Arbeiter in den Betrieben des BBMI. von den Unternehmern sabotiert werden. Es hat den Anschein, als ob der BBMI. aus den inneren orga- nisatorischen Streitigkeiten Nutzen ziehen und in den Betrieben Kon- flikte heraufbeschworen will, um der Organisation Schwierigkeiten zu machen. Jedenfalls dürfte es beim Ablauf des Tarifes für die Berliner Metallindustrie zu ernsten Auseinandersetzungen mit den Unternehmern kommen. Es gilt daher, die Organisation so zu stärken, daß sie einer Auseinandersetzung mit dem VBMI. nchig entgegensehen kann. Die„Opposition", die offenbar infolge der Richtungskämpfe innerhalb der KPD. kein« einheitliche„Linie" hatte, machte sich lediglich durch hysterische Wutausbrüche und sinnlose Zwischenrufe bemerkbar. Der Branchen. leiter der Elektromonteure bewies durch seine unmotimenen Diskussionsreden und Zuruf«, daß er trotz seines Alters von gewerk- fclzaftlichen Dchgen leider noch recht wenig versteht. Angenommen wurde der Antrag T i r p i tz, der es den Der- bandsmitgliedern zur Pflicht macht, zur weiteren Unterstützung der Arbeitslosen mindestens eine E x t r a m a r k: zu 1 Mark oder 50 Pfennigen zu entnehmen. Siebentägige Arbeitswoche! Bei krisenhafter Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit im Buchdruckgcwerbe hat, wie auf dem Bochumer Gautag der Buchdrucker Rheiulonds und Westfalens der Gauvorsteher Bertram in seinem Geschäftsberichr mitteilte, in Westdeutschland bedenklich zugenommen. Bor drei Jahren hatte der Gau keine Arbeitslosen, heute dagegen sind rund 800 arbeitslose Buchdrucker vorhanden. Bertrom übte deshalb sclarfe Kritik an den durch Egoismus vieler Kollegen geförderten II c b e r st u n d e n u n w e s e n s. In der Aussprache wurde vielfach energisch gegen die sich ein- bürgernde siebentägige Arbeitswoche(Sonntagsarbcii) Front gemacht. Man wies aus den grotesken Zustand hin. daß in hem Augenblick, wo Amerika sich der s ü n f t ö g i g e n Arbeitswoche nähere, in Deutschland von manchem Buchdrucker auch noch am Sonntag geschtistet werde! sDas klingt geradezu märchenhiftst unwahrscheinlich. Hier scheint ein Zusammenarbeiten Zwischen Arbeitsamt ynd Gewerbeaufsichtsbehörde eine völlig un> bekannte Größe zu sein. Wenn jemals, dann wäre man in einem solcben Fall berechtigt, von einem Mißbrauch mit der Ar- b e i t s I o f e n v e r f-i ch e r u n g zu sprechen.) * Im Geschäftsbericht wurde auch die Aussperrung in der kam- munistischen„Bergischcn Arbeiterstimme" in©olingcn erörtert. Ihr Geslhöstcsührer Hab« den Buchdruckern einen K o n t r o l l zx t t e l aiifzw-ngeN wollen, wie er selbst im reaktionärsten Be- trieb nicht zu s i n d e n sei. Einige Jahrzehnte lang in der Druckerei beschäftigt gewesene Buchdrucker lägen noch heute auf d c r S t r o ß e I Streik der Reparationsarbeiter. Im Moselgebiet. Poris. Z. September. Dem„Zntransigeanl" wird aus Meh gemeldet, daß die bei den kanalisicrungsarbeiten an der Mosel von einer deutschen Firma beschäftigten deutschen Arbeitex, von denen ein Teil bereit» wegen Dohnstreiligkeiken nach Trier zurückgereist war, nunmehr nahezu sämtlich in den Streik getreten sind. Die Arbeitgeber haben für den Fall einer nicht unverzüglichen Wiederausnahme der Arbeit die Entlassung angedroht. * Nun ist also der Streik der Reporotionsorbeiter da! Wir haben vergebens gewarnt. Auch im Gebiet von Marseille wird der Konflikt unvermeidlich, wenn nicht schnell durchgegriffen wird. Es ist einfach ein Skandal, der zum Himmel schreit, daß deutsch« Unternehmer Regierungsaufträge erhalten— denn was sind Rcparationsarbeiten, hie Deutschland bezahlt, im Grunde anders— ohne sich tariflich zu binden, was in Deutschland der kleinst« Bauunternehmer tun muß. Tarifkonflikt der puher. Noch kein Verhandlungsergebnis. Die Fachgruppe der Putzer des Deutschen Daugewerksbundes nahm in einer Berfammlung am Dienstag zu den kürzlich auf- genommenen Tarifverhandlungcn Stellung. Die Berfamm- lnng, die im großen Saal von Kliems Festsälen abgehalten wurde, wies einen außerordentlich starten Besuch auf. Der Borsitzende Ge- nosse Löhnig gab zunächst eine Darstellung der letzten Lohn- kämpfe und berichtete dann über die Arbeit der Berhandlungs- kommission. Bor zwei Iahren haben die Putzer nach einem einmütig und geschlossenem Streik Lohnverbesserungen für einzelne Arbeiten errcMy« können. Inzwischen haben sich die Berhältnisse verschlechtert. Da die Akkordlöhne völlig unzureichend sind, haben die Putzer in einer Versammlung im Juni beschlosien, in diesem Jahre den Paris zu kündigen. Bei den ersten Verhandlungen mit den Unternehmern hab�n diese einen Bertragsentwurf unterbreitet, in dem sie ihre Forderungen aufgesetzt hatten. Die Beauftragten des Baugewcrksbunde» haben diese Forderungen abgelehnt und in fünfstündigen Auseinanderjetzungen ihr« Forderungen vertreten. Löhnig ließ keinen Zweifel darüber, daß die Putzer ihre Forde- rungen mit allem Nachdruck vertreten und unier Umständen wieder zu dem Mittel des Streiks greifen würden, wenn sich die Unter- nehmer wieder jeder Einsicht verschließen sollten. In der sehr regen Diskussion wurden die Mängel des alten Tarifs erörtert und der Berhandlungskommifston aufgegeben, recht nachdrücklich die aufgestellten Forderungen zu vertreten. Die Auf- fasiung der Versammlung kam in einer einstimmig angenommenen Resolution zum Ausdruck, in der es heißt: Di« Berfammlung ist nach wie vor der Ansicht, daß ein dauernder Friede im Putzergewerbe nur durch einen, durch freie Vereinbarung zustande gekommenen Tarifvertrag �ksichort werden kann. Die Versammlung spricht der Dsrhandlungskonmiission chr volles Vertrauen aus, erwartet aber, daß sie mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln für die Durchführung unserer Forderungen eintritt. Des weiteren wird die Fachgruppenlcitung beauftragt, alle Vorbereitungen für einen eventuellen Kampf zu treffen._ Englischer Gewerkschaftskongreß. Scheidung von Moskau. London. 3. September.(Eigenbericht.) Der Gewerkschaftkongreß in Belfast befaßt« sich am zweiten Berhandlungstage mit organisatorischen Fragen in öffentlicher Sitzung. Am Nachmittag fand eine Parteibesprechung statt, die sich mit der' Zukunft der Arbeiterzeitung„Daily 5zerald" und dem Ausbau der Arbeiterpresse befaßt«. Eine Re- solution der Schneidergewerkschaft verurteilte die Bildung von Gewerkschaften, die sich unter dem Einfluß von Kommunisten und der„Minderheitenbewegung" von der großen Arbeiterbewe- gung trennen wollen. Sie verlangte die Unterstützung für jede Gewerkschaft, die durch Abspalten von Minderheitengewerkschaften Schaden leiden sollte, und forderte den Generalrat auf, derartige Neubildungen nicht wieder als Mitglieder auszunehmen. Dl« wenigen anwesenden Kommunisten protestierten, die Resolution wurde aber angenommen. Ein« von der Bergarbeitergewerkschast eingebrachte Resolution wurde mit 1 923 000 gegen 1668 000 Stimmen abgelehnt. Sie forderte den Generalrat zur Einsetzung eines Komitees auf, welches die Bildung je einer großen Gewerkschaft für jede Industrie untersuchen follte. Verschiedene Redner wiesen darauf hin, daß der Borschlag mit der ganzen Geschichte und Entwicklung des Gcwerkfchaftswesens in England nicht in Einklang zu bringen und daher praktisch nicht durchführbar sei. Das jetzige System arbeite, abgesehen von kleinereit Unebenheiten, sehr gut. Erdrosselung der Riebe-Werke. Durch den Schwedentrust. Wie noch erinnerlich, hatte der bekannte Wertspionage- prozoh Rorma AG. kontra Ricbe-Weißcnsee im Som- mcr vorigen Jahres den unerwarteten Ausgang, daß der Straf- antrag der Rorma AG. gegen Riebe zurückgezogen und dos Riebe-Wert von der Normo AG., der deutschen Filiale des S ch w c- d e n t r u st s, für mehr als 6 Millionen Mark aufgekauft wurde. Es hat den Anschein, und diese Vermutung wurde von uns bereits nach dem Prozeß ausgesprochen, daß durch diesen Auskauf wieder ein deutscher Konkurrent des Schwedentrusts schachmatt ge- setzt werden soll, ähnlich so, wie es schon mit der Berliner Äugellogersobrik in Wittenau geschehen ist. Nach dem Aufkauf wurde zwar von dem Generaldirektor B ö- ii i g e r der Belegschaft die Bersicherung gegeben, daß das Werk weiter bestehen bleiben soll. In letzter Zeit ist jedoch das Absatzgebiet der Riebe-Werke durch Maßnahmen der Generaldirektion der Normo AG. stark eingeschränkt worden. Alle Anzeichen deuten daraus hin, daß man das Werk allmählich zum Erliegen bringen will. Das Ungeheuerlichste jedoch ist, daß die Generaldirektion der Normo AG. sowohl den Betriebsrat als die Direktion des Riebe- Werkes vollkommen im Dunkeln läßt. Nicht genug damit, daß in den letzten Wachen über hundert Mann der 732 Köpfe zählenden Belegschaft entlassen wurden, trägt mau sich mit der Absicht, noch einen weiteren Teil der Belegschaft abzu« bauen. Der Betriebsrat bekommt von der Direktion überhaupt keine richtige Auskunft darüber, was die Gcneraldirektion mit diesem Ab- bau eigentlich plant. Seit Wochen schon bemüht er sich, mit dem Generaldirektor der Normo AG., Böniger, zu verhandeln, der aber stets unauffindbar bleibt. Jedenfalls herrscht in dem Betriebe ein Tohuwabohu, dem auch die Betriebsleitung infolge völliger Un- kcnntnis über die'Absichten der Generoldirektion mochtlos gegen- ubersteht.' Die Betriebsleitung trifft ihre Anordnungen nur noch nach eigenem Gutdünken und muß ganz anlas wirlschaf- t e n, weil sie von der Generaldirektion keinerlei Anweisun- gen erhält. Es ist im Interesse der Belegschaft dringend notwendig, daß sich die Gewerbeaufsichtsbehörde um die Vorgänge im Riebe- Werk kümmert. Es kann nicht angehen, daß man auf sogenanntem kaltem Wege ein Werk stillegt, dos eine hochqualifiziert« Arbeiter- schaft beschädigt und das auch produktionstechnisch nicht rückständig ist. In einer Betriebsversammlung am Dienstag beschloß die Be- legschaft, den Betriebsrat zu beaustragen, sich sofort mit der zuständi- gen Organisation, dem Metallarbeiterverbond, in Verbindung zu setzen, damit endlich das geheimnisvolle Dunkel im Riebe-Werk ge- lüftet wird. Wie uns scheint, hätte der Betriebsrat schon früher mit der Organisation wegen dieser Angelegenheit Fühlung nehmen müssen. Das Vorgehen der Generaldirektion der Rormawerke zeigt wieder einmal mit aller Deutlichkeit, daß für das Unternehmertum nicht die Produktion ausschlaggebend ist, sondern auch dos rücksichts- lose Prositinteresse und das Bestreben, sich mit allen verfügbaren Mitteln zum unbeschränkten Preisdiktator auf dem Kugellagermarkt aufzuschwingen._ „Erwerbslosenversam mlung". Die kommunistische Mache. Der kommunistisch« Erwerbslosenausschuß des 14. Bezirks hatte zu Freitag um 10!4 Uhr nach Kliems Fostsälen ein« Versammlung der Erwerbslosen einberufen. Die kommunistischen „E t w e r b S l o s e n" sind wahrscheinlich tagsüber derart i n Anspruch genommen, daß sie nur abends Zeit haben, während die wirklichen Erwerbslosen weder am Tage nach am Abend als Statisten für das KPD.-Theater zu haben sind. Die An- kllndigung freien Eintritts zur Berfammlung verwandelte sich am Eingang in dos Ersuchen:„Zur Deckung der U n- k o st c n" beizutragen. Donk der so vorsichtig gewählten Dersammlungszeit und der „eisernen Disziplin" waren hier in einer der Hochburgen der KPD. etwa 400 Personen erschienen. Im Lauf« der Bersammlung rückten noch einige geschlossene Trupps an, so daß zwei Stunden später etwa 500 Personen versammelt waren. Der als Reserent angekündigte Siegsried Rädel war angeblich infolge eines Unfalls nicht erschienen. An seiner Stelle übernahm der Kommunist Friedrich—„aber auch kein schlechter"— wie der Vorsitzende sagte, dos Referat, das eine einzig« Schimpfkanonade gegen die Sozialdemokratie vzor. Die Bersammlungsbesucher der KPD. sind jedoch offenbar an derartige„Referate" so sehr gewöhnt, daß sie sich wenig mehr dafür interessieren. Man unterhielt sich an den einzelnen Tischen privat, einige„Zuhörer" schliefen ein, so daß der zweite Diskussionsredner, ein Bebördenangestelltcr, der dt? Arbeitslosigkeit nur vom Hören- sagen kennt, diese„Gleichgültigkeit" bei der so ernsten Lage der Erwerbslosen geißeil«. Ein Flugblottoerteiler wollte bei dieser Gelegenheit sein« Zettel an den Mann bringen, als ein Blaubehemdetcr sie ihm aus der Hand riß, indem er ihm mit den Worten zurechtwies:„Verteile doch jetzt nicht diesen Mist!" Eine ältere Frau am Rebcntisch rügt« das unruhig« Verhalten ihrer Genossen:„Euer Benehmen ist doch nur Wasser aus die Mühl« der Sozialdemokratie: ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt!" Der Erwerbslose, der uns über diese Versammlung berichtet, hatte um 10 Uhr genug von dem Theater aus dem kommunistischen Rummelplatz und ging seiner Wege. Einmal und nicht wieder in einer kommunistsschen„Erwerbsloscnverfammlung"! Achtung. Einsetzer! Nachdem in der Bautischlerei von Schmidt u. Völker, General-Pope-Straße, die Belegschaft am 3. September wegen Lohndisserenzen in den Ausstand getreten ist, sind für Einsetzer folgende Bauten gesperrt, die von dieser Firma be- liefert werden: Neubau Charlottenburg, Euno-Fischcr-Straße, Vau- Herr: Knappschaftsberussgenossenschaft: Neubau Tempechos, Man-� teusfelstraße, Bauherr: Fritz Klein: Neubau Weißensee, Gustav- !!ldolf-«traße, Bauherr: Fritz Klein. Deutscher Holzarbelkerverband. Bdd Freie Gewerkschafis-Iugend Berlin. f; ftculf, acittroudi. Wi Ulir. fancn Sie Wtuvpcn: ZcatniM! Iugendbeim ZcSdcmckcr LIr. 24— 2ö. bcimbefptctfwn«. filmt Vtrbaiidsbuch und »t.irauMOti-! fein Sulritt.— Slorbttnfl: Aligtnbbtim, Schult Sannen- brtntc Str. 30. Htiinl'tsprtchuua. Zutritt nur mit Vtroaubsbuch und Seim» au-.wti--— Wtlßtnstt! niruppenbtim Weißensee, Portstr. 36. bc'mbcfptcdmnq. Brinut Lkimeu-weis und Verbaubsbuch mit.— Baumichulenwe»: Iugtnblitim Duumschulrumeg. Cruststr. 16, Wustfabenb,— Ditalilln: Iupeubheim Berg- ftrafte 2ä(imO. ficimbffpctdmn«. Sein» Varthtl liest„Die Weber".— Eiiben, Slibnxflec; Slädt, Iugenbli-im slo-ifftr. Ill>m sch« Straste 1-4, Ecke Kanner Straste. Ausspracheabend:„Unsere Werbearbeit".— Siidast: Iuaenbheim Wranaelstr, 126. Portraa:..Der Lebrlina im Arbeitsrecht". ■-'.eieren': Erwin BunZel.— Spai bau: Iuaeuddeim Linbenufer 1. jäeima>enb. — PatcbaM-Noreaweo: Iuaeabsterderae Dawames, Priesterstraste. Parte.:„Was ich Im Gesllnani» sah" Peserent: Wilhelm Lewin sli.— Spiel»od Spart: Sportplast Kriedrichshain ah 18 Uhr. Peranlworllich sttr Poli'if: Zllstard Perr.slel«: fflirf'choft:#. Kliuaelhilser: Ger ertlchailsbewegung: 3. Tieiuer: Feuilleton: De. 3ahu Schilowaki; Lokale« und Sonstioes Sri* Karstadt: Auerioen: Zh. Slocke: sämtiich in Berlin. Periaa: Porwärls-Porlaa(S. rn b.£, Berlin Druck: Borwarts.Buchbruckcrel und Berlaasoustalt Panl Sinaer u. E».. Berlin SW 68 Linbeustraste 8. 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Obwohl das endgültige Gutachten der Sachver» st ä n d ig e a der Chemisch-Technischen Reichsanstalt über die bei dem Spreng st offattentat auf den Reichstag benutzten Höllenmaschine»och nicht vor» liegt, haben die Gutachter doch bereits auf Grund ihrer eingehenden Untersuchungen und hauptsächlich der Ver» gleiche mit dem von dem auswärts zur Verfügung ge» stellten Material der Abteilung I.A. des Polizeipräsidiums positiv mitteile« könne«, daß sich der sofort aufgetauchte Verdacht über den Zusammenhang des Berliner Attentats mit den Attentaten in Lüneburg und Schleswig» Hol st ein bestätigt hat. Zu dieser Erkenntnis ist man hauptsächlich aus der AchnNchkeit der Konstruktion der dort verwandten Höllenmaschinen und der gleichartigen Zusammensetzung des salpeterhaltigen Spreng st offes gekommen. Es ist sogar durchaus möglich, daß Sprengstoff und Einzelleil« der Bomb« aus der gleichen Quelle Krakeel vorm �Lindenhos". Ein Jungenstreich. Vor dem Berliner Erziehungsheim.Bindenhoff' in Lichtenberg erschienen am Montag gegen IS Uhr etwa S0 Per- sonen beiderlei Geschlechts, meistens Jugendliche, unter Mitführmrg einer roten Fahne. Sie nahmen Aufftellung vor dem Tor des Jnnenhofes und ein Teilnehmer richtete über das Tor hinweg an die Heimpfleglinge eine Ansprach«, in der die Wendungen vorkamen: „Wir ruhen nicht, bis diese Mauern gefallen sind! Wenn man Euch den Urlaub sperrt, so werden wir Euch helfen! Die Zuchthaus- Methoden muffen abgeschafft werden! Ihr müßt Euch gegen die Hausordnung sträuben! Genossen,- wir kämpfen mit Euch Schulter an Schulter! Wir grüßen Euch mit einem dreifachen R otfrontl' usw. Da die Demonstranten sich auf dem Grundstück des.-Linden- Hofes" befanden und die Situation insofern bedrohlich wurde, als die Zöglinge durch die Redensarten aufgewiegelt werden konnten, wurde die Polizei benachrichtigt. Die Demonstranten zogen nach einigen Minuten ab und wurden in der Kriemhildstraße von Polizei- beamten, die im Auto herangekommen waren, festgehalten. Der Direktor erbat von der Polizei die Feststellung des Namens des Führers, die aber nicht möglich war. Daraufhin bracht« die Polizei sämtliche Teilnehmer nach dem Polizeirevier. Der Direktor wurde .aufgefordert, mstzukommen, was er auch. tat. Er machte im Revier feine Bekundungen. Di« Demonstranten weigerten sich beharrlich, ihre Namen zu nennen und verlangten, daß ein kommunistischer Abgeordneter hinzugezogen werden sollte. Sie wurden schließlich nach dem Polizeipräsidium übergeführt. Das Gerücht, daß den Jugendlichen, die im Besitz des Kommu- nistenblattes gewesen waren, der Urlaub gesperrt worden sei, ist unwahr. Gesperrt wurde er einigen Jungen, die die übrigen aufzuhetzen versucht hatten. Es ist unwahr, daß es nur Mitgliedern der Kommunistischen Jugend nicht gestattet ist, innerhalb des Heims ihre Abzeichen zu tragen. Das Verbot, solche Abzeichen innerhalb des Heims zu tragen, besteht für jeden Jungen. Ebenso ist tds un- wahr, daß Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend oder einer stammen und daß man es also mit einer bestimmten Terrorgruppe zu tun hat. Die Abteilung IA des Polizeipräsidiums legi nach wie vor«ine überaus verstärkte Aktivität an den Tag, um die sich auf Grund de, Aufrufs an die Bevölkerung von Stunde zu Stunde sich mehrenden Mitteilungen aus den Kreisen des Publikums zu überprüfeu und zu sichten. Das Material, das aus den Kreisen der Bevölkerung Berlins eingegangen ist, hat sich von Montag auf Dienstag beinahe ver- doppelt, so baß ein besonderer Stab von Beamten ununterbrochen tätig sein muß, die Eingänge zu kontrollieren und je nach ihrer Bedeutsamkeit für weitere Recherchen zu benutzen. Aber nicht nur in Berlin, sondern auch im Reich hat der Aufruf des Polizei- Präsidiums zur Mitarbeit der Oeffentlichkeit einen überaus guten Resonanzboden gefunden; besonders aus der Gegend, in der vorher Attentate dieser Art verübt worden sind, haben sich zahlreich« Personen gemeldet, die recht beachtenswerte Mit- t e i l u n g e n machten. sonstigen Jugendvereinigung irgendwie bevorzugt werden. Die Zög- linge haben aus die Versuche, sie aufzuhetzen, zu mehr als 90 Proz. überhaupt nicht reagiert. Di« abziehenden Demonstranten wurden von ihnen mit äußerst bezeichnenden Ausdrücken belegt. Zabrikbrand in Kriedrichshageu. Erheblicher Sachschaden. Gestern war die Aenerwehr in der Mlhelmfir.r. Erholungstag des Volkes. Fröhliche Stunden in freier Lust. Die Berkner SAulfcrm Scharfenberg bei Tegel hatte am Sonn- tag ihr Erntefest. Immer von neuem landete die Fähre an der Iistel, um die Freunde der Schulfarm auszubooten, die früheren Schüler, die treu an der alten Gemeinschaft festhalten, die Schwestern ' und Brüder der Oberstüfler und Aufbauschüler, vor allem aber die Eltern: denn die Gemeinschaft umfaßt nicht nur Lehrer und Schüler, sondern vor allem auch die Eltern. Freiwillig hatte jeder Schüler seine besten Kräfte in den Dienst der Festvorbereitung aestellet. Auf allen Plätzen der großen Insel war es zu spüren. Das machte jeden beim Rundgang so froh. Farbig strahlte die Fest- wiese: bunte Wimpel, bemalte popierne Sonnenschirme, ein Orchester mit hohem Baldachin. Eine Schilfhütt« vor dem Wald, eine kleine Schenke drüben am Wasser und ein Gittertor zeigten die verschiedenen Plätze an, auf denen wir bald der Ausführung des Kayslerschen r. Wyldschauspiels„Simplicius' folgen durften. Wie ergriff uns das Spiel der Jugend I Denn da gab jeder stch > selbst: die tobenden und tanzenden Elbe und Troll«, das Ritter- frciuleln, die Höflinge. Und erst Simplicius! Nie wird ihn ein Schauspieler so verkörpern können. Für den Jungen ist Simplicius - nicht eine Roll« wie für einen Schauspieler. Nur sein eigenes Wesen gibt er im Spiel. Simplicius, zwischen Elben und Trollen allein l aufgewachsen, zieht hinaus in die Welt, um Liebe und Treu« zu suchen den Menschen. Weltflüchtig kehrt er nach langen Irrfahrten f zum einsamen Wald zurück— nur seine eigene Seele hat • er gefunden. Ein altes Motiv, aber für die Scharfenberger Jugend i von ewig aktueller Bedeutung! Wird sie einst, wenn sie ihre „Jugendinfel*, die kleine geschlossene Gemeinschaft, oerläßt, das , Lebenmeistern können? Wird sie wirken im Sinn« des Ganzen —»der. wie Simplicius, weltflüchtig sich zurückziehen, wenn sie die l Ideale Scharfenbergs im Leben nicht verwirklicht findet? * Wer die Schulfarm Scharfenberg in ihrer Arbeit kennt, stellt den Jungen dort ein« günstige Prognose. Die romantische Zeit Scharfen. ' bergs ist längst vorüber. Acht Jahre liegt sie zurück. Damals nahm eine Anzahl Humboldt�Nymnastaften mit chrem Führer buchstäblich von der Insel Besitz, um fern von der Großstadt ein jugend- gemäßesLebenzu führen. Biel hat stch feit damals gewandelt. . Verhältnismäßig wenig Bllrgerföhne sind noch auf Scharfenberg, die ! heutigen Aufbauschüler stammen meist aus proletarischen Kreisen. Aus der kleinen abgeschlossenen Schar ist eine Gruppe von 85 Schülern geworden. Ihr Sinn soll auf die Wirklichkeit, auf das Leben in der�-großen, wenn auch durchaus nicht idealen Gesellschaft gerichtet sein. Dort sollen sie wirken und Wandel schaffen. Und Scharfenberg bereitet sie in der Tat darauf vor: Die Schulsarm nimmt teil an allen Gegenwartsfragen. Di« Jugend Arbeitet selbst für die Erhaltung ihrer Gemeinschaft auf dem Acker, in den Werk» > stätten. Sie bringt in geistiger Arbeit ihre Kräfte zur Entfaltung : und— sie arbeitet freiwillig. Ihr Vorbild ist der Leiter, dem s das Leben in Scharfenberg nicht ein Zurückziehen von der Welt be- deutet. Hingegeben seinem Werk, der Erziehung der Jugend, hat er im zähen Kampf für Scharfenberg in den acht Jahren die nof- ' wendigen Grundlagen einer dauernden Ersstenz geschaffen und dem i. Lebenin GemeinschaftmitderJugend Inhalt und Ziel gegeben. Die Sonne geht unter. Das Spiel ist aus. Der hoch aufgebaute Erntewagen Scharfenbergs fährt an uns vorüber. Das Leben ruft. Volksfest in Ariedrichshagen. Am fetzten Sonntag veranstÄteteu die Friedrichshagener Parteigenossen im herrlich gelegenen Kurpark in Friedrichs- Hagen ein V o l k s f e st. Es war ein« der bemerkenswertesten und eindrucksvollsten Veranstaltungen, die in den letzten Jahren im Ort stattgefunden haben. Di« Zahl der Teilnehmer dürft« mit 2000 nicht zu hoch geschätzt sein. Hauptanziehungspunkt war die große Spiel- wiese neben dem Kurpark. Es dauerte nicht lange, und es«nt- wickelte sich hier unter tatkräftigster Mitwirkung der Arbeiter? jugend und der K i n d e r f r e u n d e ein frifch-fröhliches Volks- treiben. Vorauf ging dem Fest ein imposanter Festzug durch die Straßen des Ortes. Auch hier waren es die Kinderfreunde und die Arbeiterjugend, die mit ihren hübsch aussehenden Kitteln, durch ihre � streng geordnete Ausstellung und ihren zahlreichen roten Faunen , den stärksten Eindruck machten. Im Kurpark-Restaurant erfreuten i der MlMoerein„E ch o", der Männergesangoerein„Eintracht" Ulli der Sportklub„Frisch auf" die Teilnehmer mit ihren Dar- bietungen. Nachdem der Abteilungsleiter, Genosse Engel, die ' Teilnehmer willkommen geheißen hatte, hielt der Reichstagsabgeord- nete Genosse Krätzig eine mit starkem Beifall aufgenommene An- . spräche. Sie klang in die Aufforderung aus, am 17. November auf • dem Posten zu fein und dafür zu sorgen, daß die Sozialdemo- j kratische Part« als Siegerin aus den Kommunalwahlen hervorgeht. � Die Parole der Partei zum Kommunalwahlkampf laut«: Berlin � muß sozialistisch werden! Den Abschluß des Festes bildete ein Kinderfackelzug. Fest im Kischtalgrund. Ein Fest für die Kinder feiorten am Sonntag die Bewohner der herrlichen„G e h a g"- Siedlung in Z e h l e n d o r f. Die Sied- lung hatte Festfchmuck angelegt! Die Häuser waren reizend aus- geschmückt, überall flatterten Girlanden, schauckellen Lampions. Die Feier sollt« dazu dienen, einen Grundstock für em Kinderheim zu schaffen. Die Bewunderer der schönen Siedlung hatten sich zahl- reich zur Feier eingefunden. Beinahe Großstadtgetriebe herrschte in dem sonst so stillen Winkel am Grunewald! Um 2 Uhr mittags begann die Feier mit dem Festzug. Auch hier hatten sich die Kleinen allerlei reizende Ueberraschungen für die Festgäste ausgedacht. Die Allertleinstcn erschienen auf gut ausschmückten Festwagen als die sieben Zwerg«. Ander« stellten Turngruppcn. Die etwas größeren hatten auf ihre eigenen Verkehrsmittel nicht verzichtet. Sie hatten ihre Roller prächtig ausgeschmückt und fuhren stolz hinter den Fest». wagen her. Auf dem Festplatz inmitten der Siedlung warteten schon hunderte auf den Zug. Als er endlich eintraf, konnte das eigentliche Programm abgewickett werden. Der Vorsitzende des Siedlervereins, König, begrüßte die Gäste. Stadtrat H o l tz sprach im Auftrage des Bezirksamts und wünschte den Siedlern vollen Erfolg bei der Schaffung eines Kinderheimes. Baumeister Adolf Sommerfeld sprach den Schöpfern dieser Siedlung. Bruno Taut und Franz G u t s ch m i d t. unter stürmischer Zu- stimmung den Dank für ihr Werk aus. Die Siedlung ist ein Be- weis dqsür, was einheitlicher Wille und Tattraft in der Republik schaffen können. Polizeipräsident Zörgiebel, lebhaft begrüßt, spornt« die Siedler mit einer launigen Ansprache an, weiter zu ar- beiten für die Kleinen. Wer für die Kircher arbeitet, schafft auch für die Zukunft des Staates. Mit einem Hoch auf die jungen Republikaner schloß er sein« Worte. Bei Tanz und Spiel waren die Siedler noch recht lange mit ihren Gästen vereint. !?est der Arbeit in Britz. Die Britzer Genossen rufen auf zur Teilnahme am Fest der Arbeit m der Großsiedlung am Sonntag, dem 8. September. Die Großsiedlung ist ein« Sehenswürdigkeit. Es sollte keinen Berliner geben, der nicht schon„draußen" war. Hier feiert die Sozialdemokratie ihr Fest, ein Volksfest im besten Sinn« des Wortes. Alle auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Sport- und Kulturverbände sind die Träger dieses F e st« s der Arbeit. Wir erwarten die Festgemeinde. Inmitten des Festgeländes steht das Symbol des Gangen: Der Turm der Arbeit! Frühkonzert am panke-llfer. Der Schubert-Chor(Mitglied des ASB.) veranstaltet am Sonntag, dem 8. d. M., in der Zeit von 8 bis 10 Uhr, ein Frühkonzert in dem Schulgarten der weltlichen Schule in der G o t e n- burger Straß« auf dem W e d d i n g. Der schöne Schulgarten, der seine Entstehung der tätigen Mithilse unserer Genossen der 19. und 20. Abteilung oerdankt, liegt, beschattet von alten Weiden- bäumen, idyllisch am Pankeufer und ist in mancher Beziehung sehen?- wert Alle Genossen sind zu dem Frühkonzert eingeladen. Die billige und schöne Wohnung. Ausstellung des Bezirksamtes Friedrichshain. lieber 300 Vertreter der Behörden des Reiche» und Preußen», des Magiflrai», der Bezirksämter und der eehrerfchaft waren kürzlich der Einladung zur Eröfsonag der Wohnungsausslellung de» De- zlrksamts Friedrichshain gefolgt. Keine steif« Feierlichkett langweilte uns. Das Bezirksamt Friedrichshain Hot durch die Eröffnung der Ausstellung ge- zeigt, daß man es versteht, Gäste und Mitarbeiter zu Freunden seiner kulturellen Arbeit zu machen. Mit dem 3. Satz aus dem Streichquartett Op. 2 von Richard Strauß wurde die Feier ein- geleitet. Bürgermeister Genosse M i e l i tz begrüßte sodann die Er- schienenen und legte in eindrucksvollen Worten die Gründe dar, die gerade jms Bezirksamt Friedrichshain veranlassen, mit einer solchen Ausstellung an die Oeffentlichkeit zu treten. Der Bezirk Friedrichshain als räumlich der kleinst« und dennoch dicht- b e f i e d e l t st e Berliner Bezirk verfügt heute über keinen Raum, zuwandernde Devölkerungsteile oder sonstigen Bevölkerungszuwachs unterzubringen. Er muß im Gegenteil bestrebt fein, die Abwände- rung in günstigere Bezirk« zu fördern. Da Miettafernen und Kleinwohnungen im Bezirk vorherrschen, so sei es die soziale und die kulttrrelle Aufgabe des Bezirks, das Wohnungselend zu bekämpfen. Dazu gehöre aber auch, der schaffenden Bevölkerung die Vläg- lichteitea zu zeigen, wie sie ihre bescheidenen, äußerlich und innerlich unfreundlichen Wohnungen nach Lage ihrer Verhältnisse und Wittel freundlich und geschmackvoll auszugeslallen vermag. Professor Spannagel.und Stadtrat Genosse Gensch, die sich um das Zustandekommen verdient gemacht haben, führten die Gäste in den Sinn und das Wesen der Ausstellung noch näher ein. Der nachfolgende Gang durch die Ausstellung zeigte, daß die Daraus- fetzungen, die für die Gestaltung der Ausstellung maßgebend waren, glücklich gelöst worden- sind. Nach Entwürfen von Professor Spannagel haben gemeinnützige Unternehmen wie die Konsumgenossenschaft Hausrat, Gildenhall und auch ver- schieden« Handwerksmeister ausgezeichnete Arbeiten geliefert. Wir möchten hoffen, daß kein Arbeiter, Angestellter oder Beamter es versäumen sollte, sich die Ausstellung, die täglich von 10 bis 21 Uhr in den Räumen der Berliner Tischlerschule, Straßmann straße 0, geöffnet ist, anzusehen. Das Hochhaus am Kleist»part. Ueber den altersgrauen Kolonnaden des Kleist- Partes an der Potsdamer Straße, die einst in der Königstraße standen, erhebt sich der lichte Hochbau des„Kathreiners- Hochhauses", der nach den Entwürfen von Brun» Paul in modernster Weife ausgeführt wurde. Der Riesenbau wurde In der Rekordzeit von nur 6 Monaten, trotz schwieriger Gründungsarbeiten und des starken Frostes, vollendet. Am 19. Juli wurde da» Richtfest gefeiert. Bei einer Höhe von 43 Meter enthält dieser„Wolken- kratzer" 12 Geschosse, die als ideal« Arbeitsräum« anzusprechen sind, da sie von allen Seiten Licht. Luft und Sonn« erhalten. Hier wird die Verwaltung untergebracht: die ihr unterstehenden zehn Fabriken sind über das ganze Reich verstreut. Eine klein« Probierstube im Erdgeschoß ist für dos Publikum bestimmt, das hier für 10 Pfennig eine Tasse Kaffee kredenzt bekommt. ktm den Tod der Zeuerwehrleuie. Eine Anfrage der sozialdemokratischen Stadtverordneten. Za der Siadlverorduekeaversammlung wird die sozialdemokratische Fraktion folgende Anfrage ein- dringen, deren sofortige Beantwortung in der ersten Stadt- verordnetensitznng sie wünscht: „Das am 28. August 1929 am Kurfürstendamm 178 geschehene Brandunglück hat drei Feuerwehrleuten das Leben ge- kostet und acht weitere Beamte sind dabei verletzt worden. Wir fragen an: 1. Worauf ist dieser so verhängnisvoll« Ausgang eines an stch nicht bedeutenden Brandes zurückzuführen? 2. Welche Bor- kehrungen gedenkt der Magistrat zu treffen, um das Leben der Be- amten mehr als bisher vor solchen Katastrophen zu schützen. 3. Welche Vorsorge hat der Magistrat getroffen, um die Hinter- bliebenen vor Rot zu schützen?" In unseren Kommentoren zu dem verhängnisvollen Brand- Unglück hatten wir nachzuweisen gesucht, daß die wahren Schuldigen der Katastrophe erst noch festgestellt werden müssen. Aus diesem Grunde begrüßen wir die Anfrag« der sozialdemokroti- schen Stadtverordnetenfraktion ganz besonders. Gasunglück in Charlottenburg. Zwei Frauen ums Leben gekommen. Ja der Ränkgenstr. 12 in Eharlottenburg wurde gestern ein schweres Gasunglück, dem zwei Frauen zum Opfer fielen, entdeckt. Aus der Wohnung der 78jShrigen Frau Emilie Ritsch« drang in den frühen Nachmittagsstunden starker Gasgeruch, so daß Mieter Verdacht schöpften und den Verwatter des Hauses alar- mierten. Der Mann fand keinen Einlaß und alarmierte daraufhin Polizei und Feuerwehr. Die Tür wurde gewaltsam geöfsntt und in dem völlig mtt Gas angefüllten Schlafzimmer fanden die Beamten die Wohnungsinhaber in und ihre tzöjährige Schwiegertochter, die in Golpa wohnte und sich seit einigen Tagen in Berlin zu Besuch aufhiell, leblos' auf. Leider waren die Wiederbelebungsversuche bei beiden Frauen ohne Erfolg. Nach den polizeillchen Feststellungen sind Frau R. und ihre Schwiegertochter das Opfer eines Unglückssalles gewor- den. Der Hahn der Gasleitung in der Küche war nur halb geschlossen, und im Laufe der Nacht konnten so ungehindert größere Gasmengen ausströmen, die bald die ganze Wohnung erfüllten. Aenes Giraßenbahnunglück. Drei Personen erheblich verletzt. Dem Slraßenbahnunsall de» gestrigen vormittag, in Tegel ist leider bereits am Rachmittag ein neu« Unglück in Ltchlerfelde gefolgt, bei dem drei Personen zuschoben ge. kommen find. Gegen 15 Uhr erfolgte tn Lichterfelde an der Eck« der Lere liner und Osdorf straße ein Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnzug der Linie 100 und einem Last kraft- wagen. Di« beiden Fahrzeuge fuhren in gleicher Richtung, und als der Lastwagen �eiu �Tempo. verlangsamte, wurde er von dem Triebwagen der Straßenbahn gerammt. Während der Führer der Straßenbahm unverletzt blieb, wurden die Fahrgäste durch den Zusammeuprall derart durcheinander geworfen, so daß drei Verletzungen davontrugen. Am schwersten wurde ein Kaufmann Adolf Tucher au» der! Lottumslraße belrosfen, der eine veckenquelschung erlitt, so daß er in» St. Vinzenz-Krankenhaus transportiert werden mußte. Ferner wurden der Reichswehrsoldat Hagemann von der Fahrabteilung 3, Lankwitz, und ein Kurt Perl aus der Reinickcn- dorfer Straße durch Glassplitt e> und Prellungen ver» letzt. �Die Feuerwehr mußte für die Abschleppung des ziemlich stark beschädigten Lastkraftwagens sorgen. Di« Schuldfrage konnte bisher nicht geklärt werden. Dampfer gesunken! 25 Vermißte bei den Philippinen. Rem park. 3. September. wie aus M a u l l l a gemeldet wird, ist der Dampfer „vlayonon" an der Südküste der Philipplneninsel Luzon in einen Taifun geraten und gesunken. 28 Personen werden bisher vermißt, während neun gerettet werden konnten. Plaza. Eine ganz große Nummer im Septemberprogramm, der Bolksoarietöbühne am Ostbahnhof sind die 2 H u g o s in ihrem Tanz- att, den sie mit Darbietungen moderner Musik verbinden. Sehr belustigend zu sehen, wie die Partnerin des Steptänzers eine aus- gemachte„kleine Kröte" spielt, nur um„ihm" Unaelegenheiten zu oereiten. Steptanzen und Klavierspielen dürfte ihr so leicht nie- mand nachmachen. Elaire Waldoff vertritt Berliner„Willjöh" in einem Stetsch, der allzu sehr auf den Osten berechnet ist. Zwanzig Kakadus hat M a r i f a b, die gutgewachsene Dompteuse, dressiert, „Extravaganzen am Flügel" leisten sich 2 Cezettys. wobei der Flügel als Trampolin benutzt wird. Klassische Kraftmenschen sind die 3 A j o x, nach der humoristischen Seite hin vertreten die 2 H o r y n s die Akrobatik. Das Fratcllini-Trio kopiert mit bestem Er- folg die altberühmten Fratellinis, die bekanntlich ihre Bühnenlauf. bahn im vorigen Monat beendeten und einen Teil ihrer Tricks an das Trio abgetreten haben. Für Kalauer sorgt dann noch Max M a r z e l l i, das Unikum.— Die Darbietungen auf der Bühne befriedigen so sehr, daß man auf die Sondervorstellungen der„Drop-. Verkäuferinnen" im Foyer gern verzichten würde. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Uebungsstunde am Donnerstag, dem 5. September, abends Uhr, im Ge'ongssoal der Sophienschule. Weinmeisterstr. 16/17. Vreslauer Werkbundausstellung„Wohnung und werkraum". Der Hauptausschuß der Ausstellung„Wohnung und Werk- räum" hat gemeinsam mit dem Aufstchtsrat der Brestauer Messe- und Ausstellungsgesellschaft beschlossen, die Ausstellung bis ein- schließlich Sonntag, den 29. September 192» aufrechtzuerhalten. IHtflitkhe MtwckMue Heilwirkendl Faetlnser VersaoMi'le, Berlin SVIl SeMntbcrcer Str. Ifta. T«U LOttotr U60-61 I Wilhelm Ohse f. Am 30. August 1929 verstarb im 62. Lebensjahre unser Parteigenosse. der ehemalige Arbeitersekretär Wilhelm Ohse. Genosse Ohse war seit dem Jahre 189Z Mitglied der Partei. Sein Tätigkeitsfeld lag außer in Berlin auch in Erfurt und Düsseldorf. Der Verstorbene ist einer der Mitbegründer der Berliner Konsum-Genossenschaft. In den Jahren 1913 bis 1918 finden wir ihn als Gewerkschaftssekretär in Erfurt. Genosse Ohse war einer, der seiner Ueberzeugung auch während des Weltkrieges treu blieb und tapfer am Aufbau des neuen Staates mitarbeitekc. Es ist wieder einer der alten guten Kämeraden hingegangen, die ihr ganzes Leben in den Dienst der sozialistischen Arbeiterbewegung ze- stellt haben. Neuköllner Kleingärtner protestieren. Der Bezirksverband Neukölln des Kleingarten- Verbandes berief zu gestern abend nach den Hohen st aufen- s ä l e n in Neukölln eine Protestversammlung ein. Die Neuköllner und Treptower waren zahlreich der Einladung gefolgt. In der Neuen Krugallee, in der Köpenicker Landstraße im Bezirk Treptow und am Dammweg im Bezirk Neukölln sollen in kürzester Frist 55 Kolonien geräumt werden. Aus diesem Geländestreifen Wohnhäuser, und am Dammweg soll die neue Schule gebaut werden. Die Kleingärtner sind mit Recht darüber empört, daß zu einem Teil die Kündigungen erst verspätet erfolgt sind und daß auch die Entschädigungsfragen unzureichend geklärt sind. Der Referent K o r ch wies darauf hin, daß selbstverständlich die Kleingärtner nicht daran denken, den Wohnungsbau zu hemmen, sie verlangen aber, daß den Fragen des Kleingartenwesens in Zutunst die Behörden etwas größere Aufmerksamkeit widmen. In einer Resolution verlangten die Kleingärtner, daß kein« Räumung von Kleingärten während des laufenden Wirtschaftsiahres erfolgen dürfen. Das Wirtschaftsjahr läuft immer bis zum 31. Oktober, also bis zu einem Zeitpunkt, wo die Erntezeit vorüber ist. Außer- dem verlangen die Kleingärtner ausreichend« Entschädigung bei Räumung und Zuweisung von Dauerersatzland an die räumungs- Pflichtigen Kleingärtner. Die Erhaltung der außerhalb der Stadt liegenden Kleingartenkolonien als dauernd« Grünflächen im Be- bauungsplan von Berlin ist eine weiter« Forderung, sür die auch die Sozialdemokratie seit Iahren eingetreten ist. Von den Referenten wurde darauf hingewiesen, daß die Klein- gärtner am 17. November nur den Parteien ihre Stimm« gebe» sollen, die sür die Kleingartenbewegung eingetreten sind. Hoffentlich meinen die Referenten dabei nicht das Eintreten für das Kleingortenwesen mit großen Reden, sondern mit praktischen Taten. Di« Sozialdemokratie hat seit Jahren ihre besten Männer in den Fraktionen für die Fragen des Kteingartenwesens eingespannt und hat gegen die bürgerlichen und auch die tommu- niftischen Volksvertreter recht beachtliche Erfolg« gerade bei dieser Arbeit gchobt. Sport. Rennen zu Hoppegarken am Dienstag, dem Z. September. 1. R« NN e». t. Teutonia(Erabsch), 2. Nltenftadt. 3. Achmed. Toto: 64:10. Platz: 23, 17, 25:10.-ferner liefen' Patriarch, Asta, Wiener Blut, Teddy. Feudal. Mimon, Fiamctta. Fasanenbmne. Sternfahrt, Ambrosia, Morganat, Tramonlo, Herodia», Animator, Vwius, Hella, Rohr, Petersilie, Roswitba, Grauwacke. « n n e n. 1. Prellstein lRaftknberaek).-L- Teyd«, 3. Qti». Tot«-:- 23; 10. Platz: 18, 48; 10. Ferner liefen: Moloch. Semper idem.>» 3. R e n n e n. I.Finnland lT. Tarra»), 2. Gesolei, 3/ Tärquknlyl Toto: 31:10. Platz: 12,11,13:10. Ferner liefen: Saalburg, Hauptmann, Amönenwarte, Moni Dore, 4. Rennen. 1. Narziß(Zimmermann), 2. Pellogrlno, 3. Andrea» Hofer. Toto: 19:10. Platz: 14, 20: 10. Ferner lies: Impressionist. b, R e n n e n, 1. Stromschnelle(Huguenln), 2. Mangrove, 3. Roderich. Toto: 47:10. Platz: 13,12. 14:10. Ferner tiefen: Simplex, Fernamt, Savonarola, Adebar, Strona. 6. Rennen. 1. Meton(Printen), 2. Ria, 8, Tannenberg II. Toto: 25:10. Platz: 12, 13:10. Ferner liefen: Bertram, Mhbear. 7. R« n n e n. 1. Limanova(01. Janck), 2. Dogmatiker. 3. Funker. Toto: 127: 10. Platz: 29,26, 43:10. Ferner liefen: Don Jose, Waisen» knabe II, Osirt», Emigrant, Torrone, Erdgeist, Nutria, Eanio. IVellerberichi der öffenNichea Ivetterdlenft stelle Berlin und Umgegend (Nachdr. Verb.) Heller, trocken und sehr warm. Afie veulschlaad: Auch im Nordosten Welterbesserung mit Erwärmung. Im übrigen Reiche meist heiler und sehr warm. Im Wehen Gewitterneigung. ainsendnngen säe diele Rubrik sind 0 c e I i• SV 48, Liudenstratze 3. parieinachrichten für Groß-Rertin tet» au da» Bezlrkesewetaeiai . Hot, z Zeeppe» recht», zu richten 14. ftxei». Beute, Mittwoch, 19 Uhr, Eitzung der Bezlrkoociordnetenfraktion im Rathaus. heute. INittwoch, 4. September: 34. Abt...Unser Weg" ist abzuholen von Dalter, Meiler Sir. 37.< 31.«bt. 20 Uhr Sitzung de« Äbteilungsvorstandc» bei Toldschmidt, Stolpisch« Etrahe S». t Zt.«bt. tlhorloiteninrg. 20 Uhr bei Lebmann, Königsweg s, Funtt-anar» litzung. Morgen, Donnerstag, 5. September: i.«bt. 20 Uhr bei Lehmann, Bartelstr. 7, Funktioniirlltzung. 11.«bt. 19H Uhr bei Beiger, Levitzowftr. 21. Funktioniirsitzung. 33.«bt. 20 Uhr bei Loiack, Benmestr. 8, Funttionilrfitzuna. 34. Abt. 1914 Uhr hei Busch, Tilliter Str. 27, Funktionärsitzung. 78. Abt. Schöneberg. 20 Uhr Funktionärsitzung bei Ratho, Feurig- Ecke Prinz-Ecorg-Strasie. 81. Abt. Bildungskreis junger Bartcigenosien. 20 Uhr bei Bagiulki, Etub-n- rauch- Ecke Taunusstraße. Referent: Dr. Arthur Rosenberg:„Die inner- politische Lage Sowjetrußlands". Lichtenberg. tl4. Abt. Igv- Uhr Vorstands, und Funktionärsitzung bei Schwarzer, Gabciel-Mar-Etr. 17. Stellungnahme zur Kandibatenaufstellung zur Koni. munalwahl.— HZ. Abt. Illli Uhr bei Radtke, Mllggelstr. 28, Ecke Sckiarn» weberstraße, Funltionärsitzung.— 119. Abt. 20 Uhr bei Bartz, Möllcndorj, llraße. wichUgc Funktiouärsitzung. Arauenveranstaltungen. 8. Kreis«reuzberg. Die Genossinnen werden gebeten, sich zahlreich an der Besichtigung der Gehag-Siedlung in Britz am Donnerstag, dem z. Eep. tember. zu beteiligen. Treffpunlt 14 Uhr am Lokal Buschkrus. Britz, Rudower Ecke Späthstraße. 7.«rei, Eharlottenburg. Donnerstag. 5. September, 20 Uhr, in Ahlerls Festsälen. Berliner Str. 88. öffentliche Frauenversanunlung. Gesang, Rezi'ationen. Lieder zur Laut-, Referat der Genossin Klara Bohm-Schuch. M. d. R. 11. Krei, Schöne berg. Alle Genossinnen beteiligen sich am Donnerstag, dem 5. September, an der FUbrunn durch die Sebag-Siedlung in Britz, da wir am 12. September unsere Arbeiterwoblfahrtsveranstaltung besuchen. Treffpunkt 14 Uhr in Britz, Rudower Ecke Späthstraße. Lokal am Buschkrug. 19. Kreis Vankow. Heute, Mittwoch. 4. September. 1914 Uhr, bei Klir, Karow, Pankgrafensir. 3. Frauenadend. Bortrag des Genossen Otto Most. Nach- mittags im gleichen Lokal Kaffeekochen. 2Z. Abt. Die Genossinnen treffen sich Donnerstag. 5. September, 14 Uhr, Rudower Ecke Späthstraße, zur Besichtigung der Gehag-Siedlung in Britz. 47. Abt. Am Donnerstag, dem 5. September, treffen sich die Genossinnen zur Besichtigung der Gehag-Siedlung in Britz um 13 Uhr an der Kottbusser Brücke. 144. Abt. Borsigwalde. Donnerstag, Z. September. Besichtigung der Gihag- Siedlung in Britz. Abfahrt 12 Uhr non Borst». Straßenbahnlinien 47 und Iii bis Kattestellc Buschkrug. Treffpunkt am Lokal„Buschkrug", Rudower Ecke Späthsiraße. Arbeiterwohlsohrt. 11. Krei, vchlneberg. Veranstaltung der Arbeiterwohffahrt und U W der Fraucngruppe am 12. September. 20 Uhr, in der Berufsschule siZ W Fraukenftraße. Reserat der Genossin Paula Kurgaß. Film:„Die W � Mutter", Echlußgesang der Kindersreunde. Eintrittskarten sind unent» tzZ seitlich bei den Funktionären zu haben. Zungsozialisten. Mittwoch, 4. September, im Uhr, Grnppenkonserenz int Jugendheim Zindenstr. 4. Die Arbeit»» usschußmitglicder komme» e bensall» dort»m 1» Uhr zusammen. Gruppe Baumschulenweg. Leute. Mittwoch, 1914 Uhr. im Leim Ernst» straße 18, Literarischer Abend. Außerdem wichtige Besprechung wegen Fsirstenwaldc. Neukölln. Heute. Mittwoch, 4. September, Jugendheim Treptower Straß« 95- 96, Referat:„Neuregelung der Reparationsfrage". Referent: Dr. Braunthal. Gsbnrlstage. Jubiläen usw. 143. Abt. Obersch-öneweldc. Unser alter Kampsgenosse Otto Pelsiei En leiert heute seine» 44. Seburt»taa. Schon unter dem Sozialistengesetz lg sür die Partei tätig, konnte auch Sesäug»i»ftrase ihn nicht hindern, M wieder sür die Znieresse» der arbeitenden Klasse einzutrete». Treu seiuer Ueberzeugurg, wirkt er-nch noch heute iunerbalb der Partei, DZ dem Nachwuchs zum Vorbild»ud steht seinen Mau» bei jeder Gelegen. W heit. Wir wünschen unserem liebe» Frennb einen gesunde» Lebens- m abend und hosseu, ihn noch«cht lauge i» unserer Mitte«I» Mit-- l streiter zu behalten. W >28. bi«>34. Abt. Pankow. Unserer Frauenleiter!» im 1». Krei«- 7 Pankow, Genossin Kubig, anläßlich der Zöjährige» Mitgliedschaft in HZ Sterbetafel der Groß< Berliner Partei- Organisation 22. Abt. Am 2. September verstarb unser Genosse Fritz Weimann, Müller. straße 89. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am Freitag, dem 4. September, 48 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 82. Abt. Plötzlich und unerwartet verstarb unser Genosse Franz Riedel, Jreslouer Str. 19. im 60. Lebensjahre. Wir verlieren in ihm einen unermlld- lichcn KlMpfsr. Ehre feinem Andenke». Einäscherung am Donverstag, dem ». Septnitberl»14-Uhr. tm Krematorium'VallMfchuffnwrg. Hauptmanns phantastisches Drama„E l g a"— die dramatisierte Novelle„Das Kloster von�Sendomir" von Grillparzer— wurde vom Deutfchlandsendcr verbreitet: starte, eindringliche Bilder, die sich aber zu keinem geschlossenen Ganzen sarmten. Das lag im wesentlichen daran, daß dieses Spiel mit den Augen aufgenommen werden muß, daß erst aus Worten und Gesten sich die Entwicklung der Handlung mit zwingender Notwendigkeit ergibt. Die einzelnen Hörbilder packten in ihrer gespenstischen Düsterheit. Man hätte jedoch besser noch energischer kürzen müssen. Heinrich George, Maria Fein, Jlka Grüning waren hervor- ragend gute Vertreter ihrer Rollen.— Vom Frankfurter Sender übernahm Berlin ein H ö r b i ld aus Paris. Löblich mar die Absicht, unmittelbare Bilder dieser Weltstadt zu geben. Die Bilder vor dem Mikrophon verwischten sich leider noch zu stark. Der Hörer bekam bisweilen minutenlang nur ein ziemlich u n v e r- ständliches Stimmengewirr aus Deutsch und Französisch zu hören, weil zuviel« gleichzeitig redeten, und keiner richtig in dos Mikrophon hineinsproch. Ost genug mußten auch Verlegen- heitsphrasen die Brücken schlagen. Auch die Musik in den sehr langen Pausen war eine Verlegenheitslösung. Hier hätte sich übrigens sehr leicht geeignetes Füllmoterial finden lassen: Musik und Rezitationen, die für Paris charakteristisch sind. Sicher wird sich bei der Wiederholung solcher Veranstaltungen auch bereits eine bessere Routine einstellen. Tes. Sozialistische Arbeiterjugend Sr.-Verliu Einsendungen für diese RutrN nur an da« Zugendsekreiariar äWS8. Ttndentfrate 3 Berlin<57 Achtung! Im Rahmen de, Iugendtages am 15. September soll ein Propa- gandalauf durch den Wedding durchgeführt werden. Genossen lgute Läufer) können sich im Iugendsriretariot melden. Achtung, Photographe»! Wir benötigen für unsere Ausstellung einige gute Aufnahmen au, unserer Arbeit. Wir bitten, UNS diese schnellsieus gegen Erstattung der Unkosten einzuschicken. Abkeilungsversammlungen Heule. Mittwoch, 19'A LHr: Arkonaplatzi Schule Elisabelhkirchsir. 19.— Westen I(R.-F.): Lei»! Blllowstr. 88.— Sefuudbruunen Ur Leim Ehristianiastr. 3S sGraue Schule).— Beteesburger Viertel! Seim Tilsiter Str. 4.— Reichenberger viertel: Britzer Leim.— Eharlottenburg. Nord: Leim Olbersstraße(Städt. Spielplatz).— Tempelhof: Leim Dermaniastr. 4—8, Eingang Kinderhort.— Falkenberg: Seim der Gartenstadt sGutshof).— Friedrichshagen: Heim Friedrichstr. 87 l Rathaus).— Koulsdors: Heim Adolfstr. 26—28 sSchnle).— Reu-Lichteuderg, Heim Hauffstroße.— Lichtenberg-Mitte: Heim Schornwebersir. 28.— SSG. Weddiug: Heim Gotenburger Str. 2(Rote Schule). »- Friedrichsselde: Heim Gunterstr. 44. Mitgliederversammlung. Hauptpunll: „Neuwahl des I. Vorsitzenden".— Etralaner Viertel: Heim Eoßlerftr. 61. Funktionärsitzung.— Schöneberg Illr Heim Hauptstr. 15. Funktionärsitzung.— Lankwitz: 15. Gemeindeschuir. Schulstroße. Bortrag:„26 Jahre Arbeiterjugend": — Weste» II: Treffen zur Sprechchorprobe Uhr Bahnhof Vülowstraßr. Werbebezirk Tiergarte»: Sprechchorprobe in der Echulaula Waldenserstr. 20 pünktlich 1914 Uhr.___ Vorträge,Vereine undVersammlungen. LA» Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold'. GeschZitsstelle: Berlin 6. 14. Sebasiwnstr. 87/33, Hot 2 Tr: Mittwoch. 4. September. Ritte. 20 Uhr. 4. Kameradschaft bei Brandis, Etralauer Str. 10, Versammlung. Wittenau(Kamerad- schaff). 13 Uhr Antreten Oranienburger Ecke Hauptstraße zur Einäscherung de» Kameraden Müller. Hermsdors. Die Einäscherung des Kameraden Müller findet am Mittwoch, dem 4. September. 20 Uhr. im Krematorium Gerichtstraße statt. Pflichtteilnahme,»eeuzberg. Fug 8. Die Versammlung findet nicht bei Adam, sondern bei Siedentops, Muslauer Str. 36, statt.— Donverstag. 5. September. Mitte. Tombourkorvs. Uebungsstunde wieder jede» Donnerstag 20 Uhr Schröder- straße 2. Neue Spieler willkommen. Kreuzberg. Sportler 18 Uhr Spielwiese 9. Anschließend Besprechung der Hand, und Faustballspieler bei Brüschke, Reichen. berger Str. 98. Wittenau(Kameradschaft). 20 Uhr Versammlung bei Behnke, Oranienburger Str. 88, betr. Fahrt nach Finow-Leegermllhle.— Freitag, 4. September. Weddiug. Tombourlorps. 20 Uhr restloses Erscheinen bei Komc- rad Sorgatz, Uferstr. 12. Prenzlauer Berg. 20 Uhr erweiterte Vorstandssitzung bei Burg. Prenzlauer Allee,»rcuzberg. Versammlungen um 20 Uhr: Zug I bei Scchak, Willibald-Aleris-Str. 6. Fug 8 bei Leuichncr, Dieffenbachstr. 64. Tempelhof(Tambourtorps). Uebt ab 8. September in den Räumen des Sport- platze» in der Martgrafenstraße. Mariueabtcilun». 20 Uhr Rudern und Uoben der Evielleute. 21 Uhr Vollversammlung. Aussprache über Stettin.— Sonn» tag, 8. September. Mitte. Autofahrt nach Templin. Abfahrt püiffllich 614 Uhr Neuer Markt. Fahrpreis 50 Pf. Webbing. 714 Uhr Antrete» bei Hillmann, Razarethkirchstraße zur Autofahrt noch Heegermühle. Fahrpreis 1,20 M.. bis Freitag, den 8. September, bei den Viockführern oder in der Geschäftsstelle abgeben. Angehörige lönne» mitgenommen worden. Eharlottenburg. Fahrt nach Finow.Heegermühle mit dem Auto. Antreten 6>4 Uhr am Edenpolast. .. Wedbing. Der Kamerad Sugn ist verstorben. Beerdigung Mittwoch. 4. Scp- tcmbcr, 14>4 Uhr. auf dem Golgatha-Friedhof. Barfußstraße. Arbeitsfreie Kameraden werden um Teilnahme gebeten.— Tiergarten. Kameradschaff Sans«. Donncrs'ag, 6. September, 20 Uhr. Versammlung bei Trümper. Ftens. burger Str. 3. Vortrag:„Die Bedeutung der Kommunalwahlen". Arbeitsgemeinschast für Forsifchutz und Naturkunde E. v. 142. Ars«. Wanderung!(Vom 7. September auf 21. September verlegt.) Wanderung von Königswusterhausen nach Mittenwalde..Besichtigung der norgeschichtliche» Aus- grabungen auf dem Pcnnigsberg unter Führung von Herrn Dr. Albert Kiel.'. bufäi. Strelwr der vorgeschichtlichen Abteilung des Märkischen Museums. Trctf- Punkt bis 1614 Uhr Bahnhof Königswusterhausen. Mitglieder frei. Gäste Z0 Pt. Neichsbnnd der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhiuter- bliebsue», Osten 5. Monatsversamwlung Mittwoch, 4. September, 18 Uhr. im Bcreinslokal, Schmidt» Gesellschaftshau», Fruchtstr. 3öo. Wahl der Delegierlon »um Sautag. Verein Sozialistischer Aerzte. Sitzung Mittwoch, 18. September, 20,4 Uhr, Pschorr.Haus. Tauentzienstr. 13(Bavaria 42)2). Aufnahme neuer Mitglieder. Vortrag:„Die soziale und sozialhpglenisch« Arbeit im neuen Palästina". Referent: Stadtschularzt Dr. Iaruslawfft a.©. Gaste willkommen. Longfellaw En-Iish Debating Club. Mittwoch, 20 Uhr. Zahnäntehaus Bfllowstr. 104, Outtmannsaai. Mrs. Alict Behrcnck;„The Engiish House". Jtenc Gardinen bei Israel.„Neue Gardine im Kaushanz Israel,. � Königstraße� zeigt neben der farbigen Buntheit des Stöfsmatsrials auch eine ungemein vielseitig« Art der Verarbeitung. Man könnte hier fast eine Parallele zu der Kleidermode ziehen: Auch hier ist die Linie zum Teil weicher, runder geworden, die Drapierung reicher, das ganze Bild also ein bewegteres. Sehr hübsch wirken Schol» gardincn mit gekreuzter Spannung, Wolkenbehänge oder Rafformen init dazu passend geformten Holzleisten. Man sieht viel Blendenpul;, als Bordüre oder ols Einsatz verwendet. Daneben behauptet sich nach wie vor die schlichte, geradlinige Uebergavdine mit Fransenbehang und abgestufter, spitzwinkliger oder gerader Form. Als Neuheit für Neubauwohnungen sieht man Scheibengardinen, die je nach der Fensterform gerade oder quer gespannt werden. Lustig und on- ginell wirken farbig gewürfelte Kattungardinen für Bauernstuben und govdinensönnige Bilderbogen für das Kinderzimmer Indanthren gefärbte Voile und Kunstseiden, Noppenrips, Stopffil.et und Florentinertllll bilden das Stofsmaterial all dieser geschmackvollen, modernen Fensterverkleidungen. Neben der Eardinenschau gibt es noch in der Wäscheabteilunq allerlei Schönes zu sehe». Leinene Tisch- und Bettwäsche in Hohlsaum und Wickelajour, daneben hauch- zarte Batistgarnituren, reich mit Dalcnciennespitzen verarbeitet Drei fertige Ausstattungen zeigen, vom luftigen Seidenhcmdchen bis zum derben Küchentuch, alles, was«ine Frau brauchen kann. Die beste» Reklomefilme. In dem I. Internationalen Reklamefilm-Wett- bewerb Berlin hat da« Preisverick-t unter Vorfitz des Reichslunstwar!» Dr. Ridslob aus den 62 gemeldeten Filmen 12 Filme preiegekeönt. Aus der Gruppe Werbekulturfilme wurden nur 3 Filme ausgezeickmet. Der Film ..In zwei Minuten durch die Kaffee Sag", hergestellt con den Döring.Film. Werken Sannover, in Gemeinschaft mit der Kaffee Hag wurde preisgekrönt. Dieser Film wird im Herbst zur Vorführung gelange». Reklametage im Sroßdetail-Schuhlolal Behrndt, Münzstr. 25. Diese Firma bringt wieder einmal eine Reihe besonders billiger Angeboie In modernen Herren-, Damen- und Kinderschuben. Die große Leistungsfähigkeit der Firma, die die größte Schudguostellungsfront Deutschlands hat, ist ollsett» bekannt und weisen wir noch besonder» aus da» Inserat in gestriger Abendausgabe hin. Kafferreft— durch das Großsfadfgewühl! Nerven gehören dazu und viel Geduld. Kein leichter Beruf! Da tut kurze Pause wohl! Diesen Männern bedeutet die Caid-Zigarette mehr als flüchtiger Genuß: Konzentration schöpfen sie aus Massary-Caid und neue Spannkraft. 5 pf. 5 pf. •ssssssj sidL! Weltkohlenbilanz 1928. Wann kommt die internationale Kohlenverständigung? In der ganzen Welt befindet sich derSohlenbergbau in Schwierigkeiten. Einmal wird die Kohle durch die Ausnutzung der Wasserkräfte und durch Anwendung der Oelfeuerung merklich zurückgedrängt, zum anderen hat auch hier der Krieg zu bedeutenden Produktionssteigerungen bei verringertem Bedarf und damit zu»er. schärfter Konkurrenz geführt. Ueber die Entwicklung des Well- Marktes, der Produktion in der ganzen Welt und m den einzelnen Ländern im Jahre 1328 veröffentlicht der Reichskohlenverband, der Dachverband der elf deutschen Kohlensyndikate, umfangreiches Zahlen- Material. Donach ist die Lage Deutschlands im Vergleich zu anderen Ländern keineswegs besonders ungünstig, wie vielfach angenommen wird. Gegenüber dem Rekordjahr 1927 ist die W e l t t o h l e n- förderung im letzten Jahr« von 1461,2 Millionen Tonnen auf 1438,1 Millionen Tonnen leicht zurückgegangen. Dieser Rückgang ist zurückzuführen auf die um 42,7 Millionen Tonnen niedrigere Steinkohlenförde r uNg in Höhe von 1224,6 Millio- nen Tonnen, während die Förderung der Braunkohle weiter um 16,6 Millionen Tonnen auf 213,5 Millionen Tonnen wuchs. Im Vergleich zu 1913 ergibt sich bei der Gesamtkohlenförderung(1349,7 Millionen Tonnen) eine Steigerung von 7,3 Proz., bei der Stein- kohlenförderung(1212,7 Millionen Tonnen) von nur 12. bei der Braunkohlenförderung(128 Millionen Tonnen) aber von 66,8 Proz. Den Anteil der wichtigsten Länder an der Steinkohlenförderung zeigt folgende Tabelle(in Millionen Tonnen):» 1913 1927 1928 Bereinigte Staaten.. 616,6 539,8 514,2 Großbritannien... 292,9 255,3 241,6 Deutschland..,.. 149,8 153,6 159,9 Frankreich...-» 49,1 46.4 45,8 Poln-Oberschlesien.. 32,3 27,7 39.2 Die Förderung ist gegen 1927 in den Dereinigten Staaten um 4,7 Proz., in England um 5,4 Proz., in Deutschland aber nur um 1,7 Proz. zurückgegangen, während sie i n P o le n um 3 Proz. stieg. Gegenüber 1913 bleiben die Zahlen der amerikanischen Förderung von 1918 nur geringfügig zurück, aber die englische Förderung beträgt nur 82.7 Ziroz. .der Förderungen von 1313. Die Ziffern für Deutschland liegen 1928 um 7 Proz. höher als 1913. Einen ganz gewaltigen Auf- schwung zeigt der holländische Bergbau. Dagegen weisen die Ziffern für die Koksproduktion(in Millionen Tonnen) 1913 1927 1928 Vereinigte Staaten... 42,9 46,1 47,7 Deutschland... �. 31,6 33,2 33,8 England 13,9 12,9 11,4 Belgien..*•»*• 3,0 5,3 5,8 Frankreich...... 4,9 4,9 4,4 nur b« i E n g la n d einen Rückgang gegenüber 1927 und auch gegenüber. 1313 aus. Der gewaltige Au fschwung des Braunkohlenbergbaus seit 1913 ist f a st a u s sch l i e ß l i ch Deutschland zugute gekommen. Mehr als drei Viertel(166 Millionen Tonnen von 213,5 Millionen Tonnen) entfallen auf die deutsche Förderung. Von.besonderer Wichtigkeit sind die Zahlen über die Ver- 'ch ra u.chs.e n t w i ck l u ng. Leider fehlt in diesem Jahr die. An- '.gäbe über den Gesamkverbraüch der Welt: aber den Ziffern für die wichtigsten Länder ist zu entnehmen, daß das Jahr 1928 auch beim Verbrauch einen Rückgang gebracht hat. ...Verbrauch(umgerechnet auf Steinkohle, in Millionen Tonnen): 1913 1927 1928 � Vereinigte Staaten.. 486,2 517,9 494.9 England...... 192,3 184,9 169,2 D-uischland..... 147,9 153,7 157,4 Frankreich,..».(62,8) 86,3 84,6 Belgien......(26,4) 36,2 34,2 Polen.......— 29,6 26V .. Gegenüber 1327 hat im Jahre 1928 als«inziges Land Deutschland eine Verbrauchssteigcrung aufzuweisen. Gegenüber 1913 ,'st der Verbrauch in Deutschland stärker als im Welt- d u r ch s ch n i t t gestiegen, während in E n g l a n d«in Rückgang um .über 19 Proz. zu verzeichnen ist. Ein besonderes Problem für die Weltmarktlage bildet die Eni- Wicklung des polnischen Bergbaus. Bei einem Rückgang des polnischen Verbrauchs um 19 Proz. stieg die Förderung um 9 Proz.: die Ausfuhr war deshalb um 17,4 Proz. höher als im Vorjahr. Möglich ist diese hohe polnische Ausfuhr nur n i t Hilfe eines sozialen Dumpings. Polen zahlt die niedrigsten Löhne, die noch um so Proz. unter deueu des deutschen Hungerrevier» ib Waldenburg liegen. Trotz dieser niedrigen Löhne, trotz geringer Transportkosten nach Danzig bringt die Ausfuhr dem polnischen Bergbau V e r l u st e. Die Weltmarktpreise waren infolge des Verbrauchs- rückganges und des scharfen Wettbewerbs sehr gedrückt. Erst in diesem Jahre hat sich die Lage unter dem Einfluß der ungewöhn- lichen Kälte und der starken Nachfrage von Frankreich und Belgien wesentlich gebess�rt. Bemerkenswert ist, daß England trotz großer Anstrengungen und Preisopfer keine Besserung seines Außen- Handels erreichen konnte. In den Zahlen für Deutschland macht sich der Einfluß des Arbeitskonflikts in der Eisenindustrie bemerkbar. Obwohl die Eisen- industri« 3 Millionen Tonnen weniger als im Vorjahr abgenommen hat, ist der Gesamwerbrauch um 3,7 Millionen Tonnen Steinkohle auf 157,4 Millionen Tonnen gestiegen. Dieser Mehrverbrauch geht vor allem auf Rechnung der Landwirtschaft und des Hausbrandes und ist fast ausschließlich der Braunkohle zugute gekommen. Die Gesamtkohlenförderung in Deutschland stieg von 187 Millio- nen Tonnen im Jahr« 1927 auf 187,8 Millionen Tonnen im Jahre 1328 und war um 17 Proz. höher als 1913(169,1 Millionen Tonnen). Die Aufteilung auf die einzelnen Kohlenarten zeigt folgende Tabelle: (in Mill. Tonneni Davon Steinkohle Ruhrgebiet Braunkohle 1913...... 149,7 114,1 87,2 1927...... 153V 117,9 159.5 1928...... 159V 114,5 166,2 Der Rückgang der Förderung im Ruhrgebiet, der allein durch die Aussperrung verursacht wurde, ist größer als in ganz Deutsch- land. Obwohl die Praunkohlenförderung fast doppelt so hoch wie 1313 ist, kann dW Nachfrage nicht voll gedeckt werden. Die Kotsprodukteon ist trotz de» Rückgang«» der Steinkohlen- förderung gestiegen,«in Zeichen dafür, wie die Unternehmer bestrebt sind, durch Verkokung und Verwertung der Nebenprodukte die R e n- t a b i l i t ä t zu ste i g e r n. Im Außenhändel der Braunkohle hat sich der Einfuhr über- schuh des Jahres 1913 von 4V Millionen Tonnen in einen Aus- fuhrüberschuß von 2,2 Millionen Tonnen im Jahre 1328 ver« wandelt: dieser war um 129 999 Tonnen höher als im Jahre 1927. Der Ausfuhrüberschuß an Steinkohle von 23,2 Millionen Tonnen ist um 4,6 Millionen Tonnen niedriger als im Vorjahre(1913 = 34,1 Millionen Tonnen). Dieser Rückgang ist zum Teil von den Unternehmern absichtlich herbeigeführt worden, da sie nach der Preis- erhöhung vom 1. Mai 1928 den verlustbringenden Export ein- schränkten. Nach Mitteilungen des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats ist der Absatz im 1. Halbjahr 1929 im bestrittenen Gebiet von 15,64 Millionen Tonnen(1328) auf 18,41 Millionen Tonnen gestiegen, während der Absatz im unbestrittenen Gebiet ein wenig zurückging, von 23V1 auf 23,49 Millionen Tonnen. Da der deutsche Kohlenverbrauch in derselben Zeit gestiegen ist, so stellt dieser höhere Anteil des bestrittenen Gebiets nichts anderes dar als ein« Verschiebung der Grenzen, innerhalb derer der englische Berg- bau infolge der erwähnten Preiserhklhung konkurrenzfähig wurde. Die Preiserhöhung hat zu einer Belastung des verkleinerten unbestrittenen zugunsten des bestrittenen Gebiets geführt. Die Belegschaftsziffcr für den Steinkohlenbergbau ist im Be- richtsjahr weiterhin zurückgegangen, da die Leistung je Mann und Schicht dauernd steigt. 1327 waren noch durchschnittlich 513 769, im letzten Jahr 499 673 Bergleute beschäftigt. Die Belegschaftsziffer des Braun- kohlenbergbaus ist seit 1313 nur um 29 Proz. auf 33 116 ge- stiegen, während die Förderung im gleichen Zeitraum um über 99 P r o z. zunahm. Für das Verhältnis von Lohn, Leistung und Preis seien nur die Zahlen- für den Ruhrbezirk angeführt. Der durch- schnittliche Verdienst für Hauer und Schlepper je Schicht ist von 6,73 M. im Jahre 1913 auf 9,98 M, im 1. Quartal 1929, also um 48 Proz. gestiegen; der Preis für Fettförderkohle ist mit 16,87 M. genou59 Proz. höher als 1913(11,25 M.), übertrifft also die Lohnsteigerung. Gleichzeitig aber ist die Leistung pro Ar. beiker unter Tage und je Schicht um 32,2 Proz. gestiegen, was sich einseitig zugunsten der Unternehmer auswirkt. Da die Ausfuhrverluste mit Hilfe überhöhter Preis« auf die deutschen Verbraucher abgewälzt werden, so wäre es im Interesse der deutschen Verbraucherschaft sehr zu begrüßen, wenn der wütende Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt durch internario- nale Kohlenverständigung beseitigt wird. Natürlich würde eine Ver- ständigung auf internationaler Basis von jedem Partner Zugestand» nisie erfordern, jedoch würden diese gegenüber den Hunderten von Millionen Exportverlusten in England und Deutschland sehr lei-yt wiegen.. Z. Auftakt zu den Montanabschlüssen. Klöckner-Konzern erhöht Dividende von 6 auf 7 Prozent. Wie alljichrlich, eröffnet auch diesmal wieder der K l ö ck n e r- Konzern den Reigen der großen Montanabschlllsse. Der Auf- sichtsrat des Unternehmens hat jetzt befchlosien, die Dividende von 6 auf 7 Prozent heraufzusetzen, obwohl diesmal nach der Kapitalerhöhung von Anfang 1328 das gesamte Kapital von 119 Millionen zu verzinsen ist. Wenn auch Bilanz und Geschäftsbericht noch nicht vorliegen, lassen die jetzt vcröffenllichten Gewinnziffern bereits die sehr gute Ernte aus der Stahl- und Kohlenkonjunktur im laufenden Jahr erkennen. So hat sich in dem am 39. Juni abgoschlossenen Betrieb sjahr 1928/29 der gesamt« Betriebsgewinn von 33.5 aus 37 Millionen erhöht. Dagegen sind Sozialabgaben von 7,9 auf 7,8 Millionen zurückgegangen und die Steuerleistungen mit 8,95 Millionen so gut wie unverändert geblieben. Der nach Abzug dieser Unkosten und Abgaben ausgewiesene Rohgewinn übertrifft mit 18,2 Millionen Mark die Ergebnisse des schon guten Lorjahres um fast 39 Prozent. Mr kommen nach Bekannt- gäbe des Geschäftsberichtes auf den Abschluß dieses Konzerns noch näher zurück. Starke Ansprüche an die Reichsbank. Oer Ausweis zum 31. August. Der jetzt veröffentlicht« Reichsbankauswei» vom 31. August zeigt, daß die Ansprüche der Wirtschast an die Zentral- Notenbank doch stärker gewesen sind al« noch dem verhält- nismäßiz leichten Ueberwruden des Monatendes am.Geldmarkt zu erwarten war.- Obwohl die BÄafWng der Ro'chsbank zum August Ultimo weit höher ist als am End« der vorhergehenden Monate, so zeigt doch ein Vergleich mit dem Ausweis End« August 1328, daß diese stärkere Belastung saisonmäßig bedingt ist und schon von der Erntefinanzierung beeinflußt wird. Die gesamt« Kapitalanlage hat sich in Wechsein, Schecks, Lombards und Wertpapieren in der Berichtswoche um 748 Millionen auf 2927 Mllionen Mark erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 614,1 Mil- lionen auf 2634,5 Millionen, die Lombardbestände um 118,4 auf 162,1 Millionen zugenommen. Di« Bestände an Reichsschatz- wechseln stiegen gleichfalls um 16V auf 37V Millionen Mark. An Reichsbanknoten und Rentenbankfcheinen flössen in der Ve- richtswoche 768V Millionen in den Verkehr ab und zwar erhöhte sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 744,2 auf 4897V Millionen, und der Umlauf an Rentenbankfcheinen um 24,1 auf 431,7 Millionen Mark. Gold und deckungsfähige Devisen weisen eine Zunahme mn 2,2 Millionen auf insgesamt 2491V Millionen auf. Hiervon haben die Goldbestände sich um 6,4 auf 2193,4 Millionen erhöht, dagegen die Bestände an deckungsfähigen Devffen eine Abnahme um 4,2 auf 398,1 Millionen zu verzeichnen. Die Deckung der Roten durch Gold allein stellte sich auf 44,6 gegen 52,4 Prozent in der Vorwoche und die Deckung durch Gold und d e cku n g sf ä h i g e Devisen aus 59,9 gegen 59,9 Prozent. Ausdehnung der MeiallgefeNfchast. Gummiverarbeitung als neuer Produktionszweig. Die M e t a llge s e l l fcha f t A.-G. in Frankfurt. a. M. dehnt sich immer mehr zu einem umfasienden Metallverarbeitungs- und Chcmiekonzern aus. Ein neues Interessengebiet der Ge- sellschaft ist die G u m m i o e r a r b e i t u n g. Im Jahre 1926 wurde mit einem Kapital von 1 Mill. RM. die Kautschuk G. m. b. H. gegründet, als deren Zweck der Handel mit Kautschuk, die Verarbei- tung von Kautschuk und Kautschukprodukten genannt wurde. Ende August dieses Jahres wurde nun eine neue Gründung auf diesem Gebiet bekannt: die Errichtung der Darex A.-G. für Kaut- schutoerarbeitung mit einem Kapital von 9V Mill. RM. Zweck der Gesellschaft ist die Herstellung und der Vertrieb von aus Kautschuk hergestellten Halb- und Fertigfabritaten. Es handelt sich hierbei um ein der Metallgesellschaft gehörendes Verfahren, die aus den Gummibäumen gezapfte Kautschukmilch zu trocknen, in diesem getrockneten Zustand zu transportieren und dann später an einer anderen Stelle zu verflüssigen und zu verarbeiten. Von einer kleinen amerikanijchen Chemiefirma ist dies Verfahren bereits aus- probiert worden: dies ist wohl auch der Grund, weswegen sich diese amerikanische Firma am Kapital der Darex A.-G. beteiligt und ihren Präsidenten in den Aufsichtsrat dieser Gesellschaft geschickt hat. In Frankfurt a. M. soll jetzt eine größer« Fabrik errichtet werden, die zur Herstellung von Kautschukfabrikaten bestimmt ist. Erst vor wenigen Monaten erregte ein« andere wichtige Jnter- essenausdehnung des Metallgesellschaft-Ko�erns Aufmerksamkeit: die Teilnahme an der Kapitalerhöhung der Compagni« Mi- niere de M'Zaita. Dies ist eine französische Gesellschaft, die in verschiedenen Ländern Kupfer- und Phasphatinteressen Hot: insbesondere tanlrolliert sie eine chilenische Kupfererz- und Gießerei- Gesellschaft. Diese chilenische Gesellschaft baut gegenwärtig unter der technischen Leitung der Metallgesellschaft ihre Anlagen aus. Die Metallgesellschaft, die im vergangenen Jahr durch den Zu- sammenschluß der(allen) Metallgesellschaft und der Metallbank- und metollurgffche Gesellschaft A.°G. zustandekam und ein Aktien- kapital von 79,86 Mill. RM. besitzt, betreibt Kupfer-, Zink- und Bleihütten, schweselsaur« Fabriken, Draht- und Kabelwerke, Alumi- niumwerke, metallverarbeitende Betriebe aller Art, ist an einer Reihe chemischer Gesellschaften interessiert, die Buntfarben, Super- Phosphat usw. herstellen und besitzt auch in England, der Schweiz und Frankreich einige wichtig« Stützpunkte. Sowohl durch ihre eigenen Auslandsstützpunkte als auch durch ihre enge Zusammenarbeit mit andern ausländischen Metallgesellschaften und durch ihre Zugehörigkell zum internationalen Kupferkartell ist der Metallgesellschast-Konzern eins der wichtigsten Glieder der internationalen metallverarbeitenden und chemischen Industrie._ Zwangsversteigerungen auf dem Lande. Keine Verschlechterung in Preußen. In der„Statistischen Korrespondenz' Nr. 32 wird über die Zwangsversteigerungen ländlicher Grundstücke in Preußen im Bierteljahr Januar bis Marz 1929 berichtet. Wie schon der letzte Bericht für Oktober bis Dezember 1928, läßt auch der vor- liegende eine Besserung der Situation erkennen. Eröffnet wurde das Zwangsverfahren in der Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1929 über 3972 ländliche Grundstücke mit einer Fläch« von rund 59 699 Hektar. Das ist eine Zunahme um einen Fall und um rund 16 Proz. der Fläche. Zur Durch- führyng gelangten 4.4.9 Zwangsversteigerungen mit 4i;.07l Hektar Gesamtfläche. Das sind acht Fälle mehr, aber rund 4 Proz. der Fläche-weniger als im vorhergehenden Vierteljahr. Nun dos, was hier' besonders interessiert. Von den«in- geleiteten Zwangsverfahren wurden 943 ländliche Grundstücke mit einer Fläche von rund 43 599 Hektar betroffen, deren Besitzer in der Land- und Forstwirtschaft hauptberuflich tätig waren. Im Borvierteljahr waren es 1965 Grundstück« solcher Besitzer mit einer Fläche von rund 37 199 Hektar. Bei den Besitzern, die in der Land- und Forstwirtschaft nebenberuflich tätig waren, wurde das Zwangsverfahren über 1972(1822) Grundstück« mit rund 6499(6999) Hektar Fläche«ingeleitet. Versteigert wurden 292 Grundstücke von hauptberuflich in der Land- und Forst- Wirtschaft tätigen Besitzern mit rund 19 999 Hektar Fläche(Vor- Vierteljahr 293 Grundstücke mit 19 499 Hektar Fläche) und 171(169) Grundstücke von nebenberuflich Land- oder Forstwirtschaft treibenden Besitzern mit rund 899(999) Hektar Fläche. Di« Entwicklung bei den einzelnen Größenklassen zeigt, daß die eingeleiteten Zwangsversahren in den Größenklassen unter 29 Hektar durchweg sowohl nach Zahl als nach Fläch« gegen � das Voroierteljahr zurückgegangen sind. In den Gruppen von 29 Hektar und darüber ist ebenso allgemein«ine Zunahme zu konstatieren. Di« durchgeführten Zwangs- Versteigerungen aber haben sich gegenüber dem vorher- gehenden Vierteljahr bei den Betrieben von 6 bis 59 Hektar und von über 199 Hektar vermindert, bei den Kleinbetrieben, Klein- bauernstellen und den Großbauernbetrieben dagegen vermehrt. Der Generaldireklor des ülse-vraunkohlen-konzerns gestorben. An den Folgen eines Schlaganfalls ist der Leiter der Grube Ilse in Senstenberg, Kommerzienrat Schumann, im Aller von 63 Jahren gestorben. Dr. Schumann war säst ein halbes Jahrhundert im Ilse- Konzern tätig. Er Hot im ostelbischen Braunkohlenbergbau nicht nur wirffchastspolitisch und organisatorisch, sondern auch sozial- politisch ein« führende Rolle gespielt. Er gehört« mit zu den Unternehmern, die sich Zugeständnisse in Arbeitszeit- und Lohn- fragen erst nach hartnäckigem Kampf abringen ließen. In Erinnerung ist noch sein« schroffe Stellungnahme im Braunkohlen- arbeiterstreit vor zwei Iahren. Sehr umstritten war auch lein« Haltung gegenüber dem früher befreundeten Bubiag-Konzern, den er zugunsten der tschechischen Peffcheck-Gruppe aus der Grub« Ilse her- ausstieß Lotomotivfabrit hohevzollern in Düsseldorf wird doch stillgelegt. Erst kürzlich hatten wir über die P r o t e st v e r s a m m l u n g der Hohenzollern-Belegschast gegen die beabsichtigte Stillegung des Unternehmens berichtet. Da der Kaufvertrag mit Krupp ab- geschlossen ist, hat die Verwaltung jetzt endgültig die Stillegung des Betriebes beschlossen und einen entsprechenden Antrag bei der Re- gierung gestellt. Sämtlichen Arbeitern und Anqe- stellten ist bereits gekündigt worden. Mit Rücksicht auf die SKrrfrist werden die etwa 759 Arbeiter am 15. Oktober den Betrieb verlassen müssen, während die Angestellten am 31. Oktober zur Entlassung kommen. Von Krupp wird bestenfalls nur ein Teil der Belegschaft übernommen werden. Der Fall Hohenzollern ist ein Beispiel mehr, welche Opfer der Rationalisierungsprozeß in Krisenindustrien von der Arbeiterschaft fordert. Zusammenbruch am Hausvogksiplah. In der Berliner Textil- Wirtschaft ist schon wieder bei einem größeren Unternehmen e i n Zusammenbruch eingetreten. So hat sich die Firma D. L e o i n am Hausvogteiplatz jetzt zur Einstellung ihrer Zahlungen gezwungen gesehen. Die Firma, die bereits im Jahre 1849 gegründet wurde, gehört mit zu den ältesten Berliner Konsektionsfirmen. Wie wir hören, ist bereits in der nächsten Woche eine Gläubigcrocr- sammtung ciilberusen worden, auf der nähere Angaben über die gegenwärtige Lage bei dem Unternehme» erfolgen solle«. Mittwoch 4. September 1929 Unterhaltung unü AAssen Beilage des Vorwärts £eben einer 3)reichmaichine Sie steht auf dem Gutshof in der großen Scheune. Die Felder sind abgeerntet, die Scheunen bis zum Dach mit Garben gefüllt und der Drusch beginnt. Die Dreschmaschine ist erst in diesem Jahre an- geschafft worden, sie sieht noch blank aus und hat saubere, helle Farben. Grün, rot, blau. Sie sieht schön aus für eine Dresch- Maschine. Außerdem kann sie etwas. Der Inspektor ist mit ihren Leistungen zusrieden. Eines Tages aber begeht sie doch eine Ungeschicklichkeit. Nie- wand weiß zunächst, was eigentlich passiert ist, jedenfalls ober hat sie neue Dreschmaschine Plötzlich ganz dumpf„fym" geseufzt und gestreikt. Di« Welle dreht sich nicht mehr, ein Riemen ist herab- gefallen und der Motor summt wie ein großes Infekt in Flammen. Der Inspektor ist sehr ärgerlich. Der Einleger an der Walze benutzt die unvorhergesehen« Paus«, um sich ein paar Distelhäkchen aus den Fingern zu ziehen. Das Mädchen hinten an der Stroh- presie, wo übrigens wieder eine„schöne Unordnung" herrscht, setzt sich aufatmend auf ein Strohbund und reinigt sich das erhitzte Gesicht mit einem nicht sehr sauberen Tuch. Vom Bansen oben kommt Gekicher von jungen Mädchen und Arbeitern, bis der In- Ipektor einmal kräftig hinaufflucht. Dann wird es etwas stiller, ober es kichert immer noch zwischen den Balken der Scheune. Der Inspektor sucht mit dem Vorarbeiter und dem Eleven die Maschine in Ordnung zu bringen, es will ihnen nicht gelingen. Der Mechaniker muß unbedingt kommen. Da es zum Feierabend nur noch zehn Minuten sind, läßt der Inspektor die Leute abtreten. Feierabend! Ausnahmsweise ein» mal srüher. Di« Frauen gehen heim in ihr« Hütten, um das Abend- brot zu bereiten, die ftnechte müssen noch in den Pferdestall und der Eleve schließt die Tor« ab. Di« Dreschmaschine steht allein in der Scheune. Es wird ganz dunkel. Hihihil lacht ein Teuselchen im Dreschkasten. Ein Kornsack, den der Arbeiter zuletzt zugebunden und in der Eile schlecht weggestellt hat, erschreckt, und fällt langsam um. Noch immer kommen von außen die letzten Geräusche des Werk- tages in die still«, dunkle Scheune. Eine laute Stimme ruft über den Hof, ein Gespann kehrt jetzt erst vom Acker heim, ein Wagen poltert noch über das Pflaster. Bald wird es ganz still. Auch dos Gutshaus steht ohne Laut und Licht in der Dunkelheit der Herbst- nacht. Nur in der Küche und im Arbeitsraum des Inspektors bleibt dos Licht am längsten brennen. Kein Mensch denkt jetzt an die Dreschmaschine, die heute � ge- streikt hat. Selbst der Herr Inspektor nicht. Zwar hat er noch einmal die Gedanken bei der Dreschmaschine gehabt, als er sich müde ins Bett legte, aber er ist gleich eingeschlafen mit einem letzten Seufzer: Na, morgen kommt ja der Kuhnert. Kuhnert ist nämlich der Mechaniker. Auch die Dreschmaschine versucht jetzt zu schlafen, es will ihr nur nicht gelingen. Irgend etwas tut ihr weh. Sie könnte es nicht sagen, wo der Schmerz sitzt, ob im Schüttelwerk oder in der Welle. Vielleicht ist es auch nur die Anstrengung des vergangenen Werk- tages, die ihr noch in den Gliedern steckt. Im Halbschlaf sieht und hört die Dreschmaschine nun manche Dinge, die der Inspektor nicht sehen und hören kann. In die stummen, steisen Kornsäcke kommt plötzlich Bewegung, es sieht im Halbdunkel aus, als versuchten die Kornsäcke zu hüpfen, erst plump und dann schneller. Sie wnzen ja, denkt die Dreschmaschine und möchte nun ihre Räder mitlaufen lassen, um die Musik dazu zu machen. Aber si« stöhnt nur etwas. Der Eleve hat wieder vergessen, die Räder richtig zu ölen. Man müßte es dem Inspektor sagen. Ein schöner Inspektor, denkt die Dreschmaschine, er versteht mich nicht, wenn ich ihm das sage. Er versteht mich immer erst dann, wenn schon etwas in mir entzwei- gegangen ist. Husch... husch... was ist denn das, Husch. Es läuft über den Leib der Drehmaschine: Feldmäuse! Das ist nicht angenehm, aber was soll man machen? Man läßt sich kitzeln und versucht einzu- schlafen. Oben auf dem Bansen sst es auch recht lebendig. Di« müden Gabeln rühren sich zwar nicht, sie schlafen steif und troumlos etwas nach vornübergesunken, aber Mäuse kommen aus Winkeln und Löchern mit lustig blinzenden Aeuglein, denn es wird hier oben ein richtiges Fest gefeiert mit Tanz und Schmaus. Auf einem roten Kopftuch, das eine Magd vergessen hat, hält di« Mäuse- königin Hof. Morgens in aller Frühe, wenn das Frühlicht noch kaum durch die kleinen Fenster der Scheune äugt und in den Ställen das Vieh unruhig zu werden beginnt, wird dann plötzlich rasselnd das Tor aufgeschlossen und geöffnet. Der Mechaniker ist da. Vor Schreck erstarren die Säcke, die Mäuse huschen in ihre Löcher zurück, die Gabeln wachen auf und gähnen müde und die Dreschmaschine sieht den Mechaniker neugierig an. Sie kann nickst sagen, wo es ihr weh tut, sie kann auch nickst erzählen, was sie in der Nacht gesehen und gehört hat. Der Inspektor würde laut auf- lachen und mit der Reitgerte gegen seine hohen Stiefel schlagen. Darum liebt die Dreschmaschine den Mechaniker mehr als den Herrn Inspektor, er sst nicht so von oben herab zu ihr und versteht sie auch besser. Um sieben Uhr kommen dann wieder die Gutsarbeiter in die Scheune. Der Einleger steigt auf den Dreschkasten, das Modchen hinten an der Strohpresse bindet sich ein neues Kopftuch um, und die Mädchen oben auf dem Bansen gähnen und räkeln sich noch einmal,«he sie zur Gorbengabel greifen. Der Motor summt auf, die Riemen gleiten glatt, die Welle dreht sich ausgeschlafen, das Schüttelwerk kommt in zitternde Bewegung, die ganze Dresch- Maschine sst wie verwandest und in voller Tätigkeit. Kurt Rudolf Neubert. Iftlax tMochdorf: Jfnt StOUleUe TagÄang, vielmehr vom Mittag bis zum ersten Morgen, habe ich nun neben Madame Rufepsen am Roulette gesessen. Sie war einmal eine hübsche Frau. Dann soll chr Mann gestorben sein. Seitdem spielt sie, bald in Ostende, bald in Monte Earlo. Zum Essen braucht sie kaum etwas. Kleider bedeuten ihr nichts. Ihre Hüte sind Museumsstücke. Do sie meinen gesetzten Jahren vertraut, erzählt sie:„Sehen Sie, seitdem er nicht mehr sst... wir haben uns unsäglich geliebt. Hätte mich nicht der Pfarrer von seinem offenen Grabe zurück- gehalten, ich wäre ihm nachgesprungen. Ich konnte ihn nicht ver- gessen. Ich wollte lesen, um durch fremde Schicksale mein eigenes Schicksal fortzuschwemmen. Doch was in den Büchern stand, das gelangt« gar nicht bis in meinen Kopf hinein. Die Buchstaben ver- schwanden, und ich sah nur ihn in seiner Zärtlichkeit und in der einschmeichelnden Anbetung, die er mir ständig entgegengebracht hatte. Eines Nachts erschien er mir. und er tröstete mich, wie er es nur zu tun vermochte. Er nahm mich, ganz, als wäre er noch lebendig, in sein« Arme und streichelte mich. Und dann sagte er: „Spiel doch, um zu vergessen! Du wirst sehen, daß es dir Er- leichterung bringen wird. Deine Gedanken werden bald ganz von den Zahlen ausgefüllt sein!" Und ich tat, was er von mir ver- langte. Und wirklich, hier am Roulette habe ich wieder etwas anderes denken gelernt als nur meine Trauer. Hier am Roulette kann ich allein noch ohne ihn leben. Er hat mir die richtige Medizin genannt, damit ich vor dem Selbstmord bewahrt bleibe. Meine Gedanken beschäftigen sich jetzt nur noch mst den Zahlen. Ich habe da» Bergessen gelernt, weil ich das Spiel gelernt habe." „Kann man das lernen?" .Lernen nicht, begreifen nicht, aber fühlen. Ja, wieder fühlen lernen kann man am Roulette. Die Hände wachen wieder auf..." „Die Hände?" .Laben Sie schon darauf geachtet, daß nur abgezehrte Hände gewinnen? „Ich Hab' überhaupt noch auf nicht» geachtet." „Also tun Sie das!" Und ich studiert« eine Woche lang die Spielerhände aus dem Roulettetisch. Die Heuschreckenhände mit Krallen, deren Finger ganz spitz zulaufen, die Hände am gebrechlichen Gelenk, deren Rücken mit bläulichen Adern und mit tief gekerbten Rillen durchsetzt sind, diese abgezehrten Mönch- oder Nonnenhände gewinnen immer. Aber es gewinnen auch die Hände der fetten Spieler die schwitzenden Hände mit den Wülsten am Mittelgelenk, die Hände, die in Knollen und Schwellungen geteilt sind, und deren Fingerspitzen einem klebrigen Saugpfropfen ähneln. Alles andere, was schlank und erfreulich Ist und nicht mst Schmalzlippen schnalzt, geht leer aus. Madam« Rufeysen war doch hübsch. Nein, sie gehörte, wenn man genau hinsah, in die Heuschreckenklasse. Nur pflegte sie sich. nur massierte sie die Hände mit Salben. Si« sagte:„Sestdem ich spiele, fünf Jahre spiele ich setzt schon. Hab' ich weder verloren noch gewonnen. Doch, fünf Iahrx Leben Hab' ich gewonnen. Leben ohne Denken. Das sst herrlich, dieser Kampf gegen den Croupier. Uebrigens bin ich nicht etwa reich. Ich zieh« nur von meinen kleinen Renten die Einsatzjumme ab. Das wird einmal mehr, einmal weniger. Doch seit fünf Jahren sst es weder mehr noch weniger geworden. Ich Hobe noch immer mein Spieltapstal. Ich wert» es noch haben, wenn ich schon im Rollstuhl gefahren werden muß." Es war sehr amüsant, wie si« doublierte, wie sie verfünffachte, um«inen Verlust wieder auszugleichen. Das schien ein ganz ein- fache? System, und es leuchtete auch mir ein. Ich wollre auch setzen. Sie aber warnte:„Um Gotteswillen, nicht! Sie haben keine Spielerhändel" Ich habe nicht gespiest. Ich habe auch nicht auf die Finger geblasen, wie die Spieler tun, wenn sie erschöpft aufspringen. Dann blasen sie nämlich auf die Finger, als wenn sie ein Geschwür oder eine Brandwunde daran hätten und sich Linderung verschaffen wollten. Keiner kümmerte sich dabei um den anderen. Die Spieler am Roulett« waren die ungeselligsten Leute. Sie wurden böse, sobald sie sahen, daß sie beobachtet wurden. Eine Dame vom Heu- schreckentyp schlug heimlich ein Kreuz, bevor sie ihre Ietons plazierte. Sie gewann ungeheuerlich. Si« war übrigens die unappetitlichst« Kreatur. Sie bohrt« mit den Fingern, solange sie nicht beiin Spiel beschäfttgt war, in der Nase herum. Sie war eine Gräfin Cr. Madame Rufeysen lächelte, wenn sie spielle. Wenn sie nicht spiest«, trank sie bei dem Spielbarkellner Clement Orangenwasser. Clement war der sanfteste Mensch, den man sich denken tonnte und machte seinem Namen, der ja die Sanftheit bedeutete, alle Ehre. Einmal wollt« ihm ein Spieler eine Ohrfeige geben. Das hatte nur zur Folge, daß Clement sich lächelnd verbeugte und um Ent- schuldigung bat, für etwas, was er gar nicht getan hatte. Seit fünf Iahren ehrte Madame Rufeysen das Andenken ihres toten Mannes, indem sie am Roulette ihren Schmerz austobte. An ihrem stg. Geburtstag wacht« sie mst Kopfschmerzen auf. Um Zest zu sparen, nahm sie gleich die Tablettenration für den ganzen Tag. An ihrem Geburtstag wollt« sie sich ein Sondervergnügen gestatten, ihr Durchschnittsspiel mit den kleinen Chancen aufgeben und das große Spiel wagen. Kurz, sie verlor ohne Unterlatz an ihrem 49. Geburtstag. Als si« sich wieder auf die kleinen Chancen zurück- zog, war auch das kleine Glück von ihr gewichen. Die Säule ihrer Spielmarten wurde immer niedriger. Sie pflegte, trotz der drückenden Saalhitze, im Mantel zu spielen. Jetzt warf sie den Mantel so hastig vom Leib, daß er am Aerrnel einriß. Sie riß die Perlenkette vom Hals, um sie auf den Spiellisch zu schleudern. Es war, als wollte sie sich aus einem würgenden Strick befreien. Den Hut zerrte sie von» Kopf, sie sprang vom Stuhl auf, sie ließ sich auf ihren Sitz zurückfallen, si« zerquetschte rücksichtslos den Hut. Ihr sonst bleiches Gesicht rötete sich fiebrig. Man sah jetzt die tiefen Runzeln, die sich in ihre Stirn gegraben hatten. Schweiß perlte auf ihren Händem ihrem Hals, ihren Wangen. Ihr letzter Ieton log auf dem gründn Tuch. Der Croupier knurrte die Gewinnzahlen. Madame Rufeysen hatte den letzten Einsatz verloren. Der Croupier griff die Schippe, um das kleine, knöcherne Geldstück, das ihm jetzt gehört«, in feine Kasse hineinzuziehen. Er spielt« mst dem Geld- stück, wi« die Katze mit der Maus. Er tat, als wenn es sich gar nicht lohnte. Erst stieß er die Knochenscheib« noch»ine Welke vor sich her. Cr beklopfte das Geldstück mit der Schippe. Endlich»in Ruck, der Croupler hatte Madam« Rufeysen, seine hartnäckigste Gegnerin, nun auch besiegt. Da zuckte ihr Mund. Sie griff nach dem Herzen. Ihre dünnen Lippen wurden noch dünner. Mst beiden Fäusten umklammerte sie die Geldschipp« und stöhnt«:„Es sst nicht war, daß mein Mann ein guter Mann war! Ich Hab gelogen Was wahr ist, ist allein, daß er ein Quälgeist war! Er hat mich sogar heimlich gekniffen, nur um mir Schmerz zuzufügen Die ganzen fünf Jahre über hat er hier heimlich an meiner Seite gesessen und mir das Spiel angeraten, weil er mich umbringen wollte. Aber er soll mich nicht haben, ich geh' noch nicht zu ihm. Ich werde überhaupt nicht zu ihm gehen!" Clement stand vor ihr. Er reichte ihr ein Glas Orangenwasser. Sie trank es mit einem Zuge und bediente sich nicht, wie sie es sonst zu tun pflegte, des Strohhalms. Sie vergaß ihren Mantel, ihre Halskette, ihren Hut und stürmte aus dem Saal. Sie vergaß auch, Clement zu bezahlen. Großmütig erbot ich mich, Clement die vier Fronken für di« Orangeade zu ersetzen. Er aber meinte:„Madame Rufeysen ist mir gut dafür. Mein Detektiv hat mir mitgeteilt, daß si« noch 67 l)l>0 Franken auf der Bank hat." „Ihr Detektiv?" Ganz bescheiden erwiderte er:„Man muß doch sein« Stamm- künden kennen. Heute haben wir Dienstag, ich denke, am Donners- tag wird Madam« Rufeysen wieder am Roulette erscheinen. Dos mst dem verstorbenen Ehemann stimmt übrigens gar nicht. Es gibt keinen Mann, den sie verloren hat. Das ist nur ihr Fettsch, ihr Glücksmärchen, ihre Einsotzchance." „So---?" Oiino und tKriminalUäi Ein amerikanischer Gelehrter, Dr. H o l m e s. hat die Zusammenhänge zwischen Kino und Kriminalität zum Gegenstand eingehender Studien gemacht und die Ergebnisse seiner Unter- suchungen der Oeffentlichkeit vorgelegt. Er versichert eingangs, daß er ohne Parteilichkest an das Thema herangegangen sei. Für seine Objektivität bürgt der große wissenschaftliche Ruf des Gelehrten, der als Psychologe an der Universität Columbia wirkt. Das Ergebnis seiner Forschungen läßt sich kurz darin zusammenfassen: Das Kino ermutigt nicht nur nicht das Verbrechen, sondern übt im Gegenteil «inen hellsamen Einfluß auf den Geist der Jugendlichen aus. Die Leute, die behaupten, daß Kino demoralisierte diese Generation, sind nicht imstande,«inen Beweis für ihre Anklagen beizubringen. Si« machen es sich sehr einfach, indem sie bestimmt« Filme als verderblich hinstellen. Sie wurden einer großen Zahl von Schülern unter den ver- schiedensten Umständen und Voraussetzungen gezeigt. Kein Kind hat im Verlauf der Experiment« die geringste Sympathie mit den dargestellten Missetätern oder Missetaten zu erkennen gegeben. Indessen könnte man einwenden, daß diese Jugendlichen dem Gelehrten gegenüber in ihren Antworten befangen waren. Wenn man einen Jungen von 12 Iahren fragt, was er von einein Mann häll, der im Film eine Frau niederschießt, so wind«r einem Er., wachsenen gegenüber natürlich niemals seine Sympathie mst einer solchen Tat kundtun. Dr. Holmes hat daher auch andere Weg««in- geschlagen, um zu ergründen, welchen Einfluß ein Film auf die Jugendlichen ausübt. „Wir haben," sagt Holmes,„die überraschende Feststellung gemacht, daß sogar, unmittelbar nachdem der Film abgerollt war, die meisten Kinder sich des Gesehenen nur noch schwach entsannen. Nur die Aelleren tonnten mit einiger Genauigkeit erzählen, was sie auf der Leinwand gesehen hatten: aber auch sie hatten:in ganzen eine ziemlich konfus« Borstellung von den Dingen. Es gab überhaupt nur eine Tatsache, die korrekt wiedergegeben wurde, und zwar:„er wurde ins Gefängnis geworfen" oder„er endete im Zuchthaus". Daraus folgt, daß diese Tatsache allein auf die Jugendlichen einen wirklichen und bleibenden Eindruck macht. In dem Frage- und Antwortspiel, bei dem Dr. Holmes mit großer Vorsicht und Behutsamkeit die Meinung der Jugendlichen er- gründete, ergab sich nicht die mindeste Sympathie für«inen der dargestellten Verbrecher. &aul£eni geHorben Aus Hollywood trifft soeben die Nachricht ein, daß der Film- regisseur Paul Leni kurz vor seiner Ausreise nach Europa an einem alten Leiden gestorben ist. Leni war Maler und spielte bereits in der Dortriegszest in Berlin eine Rolle. An der Reimann-Schule wirkte et jahrelang als Lehrer für Reklamemalerei. Dann ging er zum Film. Vor etwa fünf Iahren bracht« er einen skuril-phantastischen Märchen- film„Das Wachsfigurenkabinell" heraus. Bald daraus ging er nach Hollywood und sein letzter von außerordentlichem Regiekönnen zeugender Film„Die letzte Warnung" läuft augenblicklich im TU. Kurfürstendamm. In der Gestaltung phantastischer Vorgänge, die allmählich aus der Wirklichkest herauswachsen, lag seine Stärke. Seine malerische Begabung gestattete ihm wie kaum einem anderen Regisseur, Bilder von künstlerischem Reiz zu schaffen. Paul Leni gehörte zu den Wenigen, die der. Film tatsächlich ernst nahmen, nicht als lukrative Verdieisstmöglichkeit, sondern als Kunst.— t. 3)ie luftigSfe Stadl des Offeus Umdroht von Kriegen und Gefahren oller Art ist C h a r b i n, di« Stadt in der Nähe der mandschurischen Grenze, der lustigste Ort des fernen Ostens. Die 100 909 russischen Flüchtlinge, die hier ein ziemlich elendes Leben führen, wollen sich durch«inen ewigen Rausch betäuben. Di« Kabaretts und Nachtklubs sind di« billigsten der Well: hier treten Hunderte von weißrussischen Künstlern und Tänzerinnen auf, die froh sind, für ein Butterbrot ihre Künste zeigen zu dürfen. In den Läden glänzen Pariser Modelle, und die Frauen tragen Seidenstrümpfe, auch wenn sie nicht in ehr das Geld für die imchst« Mahlzell in der Tasche haben. Auf dem Sungari- Fluß schwimmen zahlreiche Lustjachten, und die Vergnügung»- lokale am Fluß entlang sind mll Familien dicht besetzt, die in der Hitze Eisgetränke schlürfen und den russischen Liedern lauschen. Am besuchtesten ist der Badestrand, an dem sonnenverbrannte Damen in Badekostümen einherstolzieren, die sich auch auf dem Lido und in Deauville zeigen können. Di« englischen und amerikanischen Be- wohner haben ihre besonderen Bäder, zu denen sie auf ihren Jachten und Dompfbooten hinfahren. In Dutzenden von kleinen Nachtklubs, in denen nur wenig« Personen«ng zusammengedrängt sitzen, zeigen Sänger und Tänzerinnen chr« Künste: sie verdienen hier am Abend ein paar Pfennige, während sie am Tage al» Chauffeure und Träger, die Frauen als Verkäuferinnen ihr Brot erwerben. � liisatsf, � l.>c!it5pisls usw. Mittwoch, i. 9. Staats-Oper { Unter d. Linden A.-V. 180 » Uhr Ändrö Gbenier Staals-Oper | Am Pl.d.RCBUbl. Vorst. 40 >?>, Uhr Rolfmaons Mittwoch, 4. t. Stadt Oper Bismarckstr Turnus II l»>i, Uhr Die sdiwarze am Gendarmenmarkt A.-V. 160 I» Uhr Dans tat Sdinakenlom Staad. Sehiller-Tbeater.Ctiaritb. 40 Uhr 3X2= 5 Tl|l. t Vanlall. S wl»'/- Utr Batkaroau«ZA (laaara a«««> Prall«: Wockenl;|j S Ukr M PI. IIa 3 Hart Till, i'h i. Satial. i Ukr 1 IIa t Mark Original- Raetelll usw. Tägl.» u. 8» Sonnt. J. Sa 8U . c. 4.8060 INTERNAT. VARIETE Sie drei Msteilere Bin Svlsl»n» mmsntlkeher Bell von Schenitr a. 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Für uoieri Leser Gutschein fOr 1— 4 Personen Fauteuil nur 1.25 M.. Sessel 1.75 M> Sonstige Preise: Pgrken u. Rang OJO M. Hose- Theater. Grobe FrankturtcrStr. 192. Täglich 8.15 Uhr Oer Kleine Kuppler Bekanntes Pariser Lustspiel in 9 Bildern. Regie; Paul Rose QarteBbAbna 550 Uhr: Sie scheidungsreiso Moderne Operette in 5 Akten Regie: Hans Rose Ab 9. September täglich 8 15 Uhr: Die weher von Gerhart Kaaptoaan Regie; Paul Rose •••••• Sommer-Qarten-Tlieater Berliner Pratcr N 58, KasL-Allee 7-9. Tel. Hb. 2246 GasisBisi Gastal Beet. Ereiti llilsn Wiener Blut Operette von Johann StrauG Dazu der grofce VarleiFtell. Anlang Konzen 4 Ddr. Burleske u. Variete SJ30. Operglte 8 VI». Vorverkauf auch im Pavillon der Rein hardtbühnen, Kurfflrstendamm. Ecke UhlandstraBe Bismarck 448/449 Oeotsdiet Mr 0.1. Norden 12310 8 U� Ende gegen II Die FlederniaDs Musik v.Joh.StrauB. Regie. Max Reinharde Musik. Einrichtung und Leitung E. W. Korngold. Ausstattg. L.Kaine: Kammersplele 0.1 Norden 12310 81/), Ende gegen lOV« Der Doviiierstehlieiie Komödie von Gdraidy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens Die KomSdie RelTheat«p Aheada|T] Sonalag aachra.|7| Das Fest-ProBramm der steninersanger von der|so|-Jahr-Feier! Nachmittags halb« Preise Nachmittags halbe Preis: und das volle Programm Keine Preis-Erhöhungl Oönho ft- Brett«: lOVzrletd Num., Faikner-Oreh., Tanz. Bekanntmachung. Die Geschä tsr&ume der OrtskrankcnksMe der Mednaniker, Optiker und verw. Gewerbe tu Berlin befinden sich i'seotvm�."»Ä Berlin SW 19, Karstraße 30 (am Spittelmarkt), vorn 1 Treppe. Der KaueaTontaad. fnfCEQlE im Vorwärts sichern Erfolgt I Bismck. 2414/751 6 Vk U-, Ende geg. to Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie; Leontioe Sagin Gewiunaii«»»« 5. ftloH» 53. vrzubilch-Siiddeolsche lllasien-Lotterie. Odne Gewähr_ Nochdruck verboten Aus ied» gezogen, Nummer sind zwei gleich hohe Gewinn, gesellen, und zwar je einer ans die Lose gleicher Nnmmer in den beiden Abteilungen I und ll 23. Sicbungstafl J. Eeplember 1929 fln der Vormlltagszledung wurden Gewinne dbe, lSv M. gezogen 2»ttrinna|a 10000 OL 271783 2®«iDl»n« aa 8000 HL 268188 e VtiBinnt am 3000 HL 48410 88631 332893_____„...... 16»«iDlBn« I« 2000 9«. 147473 170648 218811 868342 26830. 808867 33811 1868788_____ 34»«Dlnni in 1000 HL 17206 21428. 42910 SS0S8 84281 133087 166872 172181 196986 272816 JE �'sQ0 W 600«L 8400 8628 4878 16388 81690 44738 52246 64111 72071 81704 116121 122228 1 2231 3_1 8872r 161177 162083 166188 176076 176705 II 221487 223677 239103 273530 276917 2 73|75079?�,L e29«--9379 181« �»«fe M« M 77898 ffl 86946 89208 93114 94203 97084 100388 103871.107489 ----------------- ij-------- � 1288 . 68822 804868 1' 138 41297 14829 90104 ilOM 121069__________ 135678 1 36008 137239 146332 146803 148974 1 83090 18817? 160872 114264 116708 116688 121028 15 80748 ■l I... 113388 28869 129297 133561 163149 167035 181397 18201S 210711 213193 218481 21848« 226834 227394 247722 24SS2c 287716 274379 2761 IS 2779 Ii 189813 189987 199872 207020 210556 "16081 220409 222460 224423 226347 149868 286627 259706 263338 266591 MMWUM 0471 316119 317496 3171 «848 337950 344342 344.„__________________...._____ 9581 30 363205 368696 869880 370087 371887 872388 878202 389388 896399 397679 Dn bet Rdchmtnagnziedung wurde» Gewinne über 1S0 SR. gezogen 2•«Mam aa 10000«L 88088 2 OaartNND n 8000 OL 848314 8»«mlnn. z» 3000 HL 78386 143840 311818 884284 4»amun. 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Sept T.l Uiir UraoffOhrung Zwei Km» von Georg � Musik: Mische Spoilansky Regia; Forster Larnnaga Voiusbtiiine liiesttr innieiDliti Täglich 8 Uhr DantonsTod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin SUaiiaper am Pia« der Bcpabltk 7»/« Uhr HoffnianDS swwwwwww Barnowsky-Eötinen Thazter In dar Xiniggritzur StraBe 8V« Uhr Hennibal ante portes Komödienhaus Täglich 8'/« Uhr Cöarleys Tante mit Cort Boll. T&eat. d. Westens Täglich 8>/a Uhr Sonntag 4 u. 8'.« Franz Lehara Welterfolg: Friederihc Lette Carola Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz OM) u. 5121 TBMI.UKetU.tOr Kottbusser Str. 6 Tägl. 8 Uhr auch Sonnt. nachm. 2 U. Eilte- Sänger Das sapiiRUer-Siliiagar Proaramml Planetarium .aa am Zoo— /iriln. haOlMfluhr Slraä 8.5 Barbarossa 5578 16 Vi Uhr Herhatabende aen Sternen Himmel ISVa Uhr Bia an die Grenzen der Walt 20', Uhr Rälael da Starnentlcntas Tägl. auBer Montags u. Mittnr. Erwachs I Mk, Kinder 50 PL Mlttw.: Erwachsene 50 PL, Kinder S PL Staatl.Sdiiller-Tl!. 7 Uhr 2x2= 5 Plseator- BDhne 8 Uhr OerKaufmaDD von Berlin Metropol-Tn. Tägl. 8'/l Uhr Sonntags 4 u. 8V< Blaabarf Operette von Offenbach Grefe Finkler» Stieb er- W alter LessiiiHbeater Norden 10840 Gruppe funger Sdianepieler Täglich 8Vi Uhr losef lakuoowskl- Drama Von Eleonora Kalkowtka Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8V. Uhr Max Adalbert in Ciubleute iRStsplelhiBS Friedrichstr. 220 Bergmann 2022 Täglich 8V. Uhr Grand Hotel Lustspiel von Päul Frank Tplanon-TlLMi»"r Dlr-ltoVelUar Stein Täglich 8'/« Uhr Dis kommt doch alle lege vor inaUp. f. Sven Kaargird Johannes Riemann. Vllmav. Aknay, Max Landa, Lotte Kllnder Besuchen Sie die Sonntag-Vormittags-Konzerte IM GROSSEN SCHAUSPIELHAUS veranstaltet von TELEFUNKEM 1. Konzert: Sonntag, den 3. 5ept., II'/z Idhr Derliner Sinkonie-Orcliester Solisfinz RRaFalcia Bintrittslcartsn: C.ZO RM bis 1�50 RM(kein Garderobenzwang) Vorverkauf bei Bote& Bock, Wertheim u. im Groß. Schauspielhaus »erband dor gedrungsmiUei- u. VetriDkeerdoiter, vTtsgr.aerllo Wir haben die traurige PNichL allen Kollegen, Freunden und Bekannren mitzuteilen. daS unser Kollege, der Ang stellte unserer Organisation und Sektionsleiter der Sestion der Böttcher Fritz Weimann am Montag, dem t September, früh 0 Uhr, plötzlich verschieden ist. Wir werden unserem leider viel zu früh verstorbenen Kollegen und Mitarbeiter ein dauerndes Andenken bewahren. Um zahlreiche Beteiligung an der Einäscherungsfeier wird gebeten. Die Ortigruppexuciiung. Die Einäscherungsfeier findet am Freitag, dem 6. September, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium CerichtstraBe 27/28 statt Noch schwer, m Leiden entichites»m 2. September mein lieber Nonn, der GewerlschalraseTrelSr Frite Weimann im 40. Lebensjahr». Die» zeigt tieibetrüdi an Gerlrad Welmznn, geb. NevendaH Müperilr 39 Dil Einäscherung findet am 6 Gey- iemder, Ib Uhr. im Kremalorium Seiichifirafie ftait. Am 2. Sipiemder enischlies sonst nach langem, ichwerem Kranlenlager mein lieber Mann, unser guier Vater Wilhelm Warning im Aller non 49 Jahren, In liefet Trauer WUwe Anna Warning nebst Kindern Skalitzer Sir. 51/52. Einäscherung: Zreiiag, den 6. Sep- Iemder. 18.20 Uhr, im Nremotorium Daumschuienrneg. Illi! tillKIillli! iiiier VkTiitslüliültiullgkg lt8T prelle -»28 cksQ eioeoirläxiKou Gebieteü, wie Internationale Politik, Politik des Deutsohen Reiche», der Länder und Gemeinden, Parteipolitik, Rechtspflege, Kulturpolitik, Frauenbewegung, Handel, Industrie, Handwerk und Gewerbe, Bodenpolitik, Finanzwesen, Verkehrswesen, Zoll- wosen, Sozialpolitik, Versiohe- rungswesen usw. erteilt das Zentrol-Ardiiv lir Politik uJirlsdifllt 178 Telephon 38480 ieottdier Metailarbeiter-Verlianil Verwaliunrssleile Berlin Todoansclge Den Mitgliedern auc Nachricht, daß unser College, der Hobler Mtlielm VsrnMS geb. 12 März 1880, am 2. Eeplember an Herzleiden gestorben ist Ehr« seinem Anbrüten! Die Einäscherung finbel am Freitag. dem 6 September, 18>/, Uhr, im Ate- malorium Baumschulenweg sioii. Reg« Beteiligung erwariet VI« Drlanertnaltitng. Verkäufe Beachten»»»,! I Deuiscke» lepnichhau» Imil Lesbnr» seit 1882 nur Qranien firafie 158. Neinerlei Beziehungen zur ähnlich tlingenden Firma. Man achte au« Vornamen Emil.• Tapete». SziNat. Rolonlefirafie 9 Betten»« rlaus! Zieue 12�0! 15,—! L9A0I ProchtPälle 25.— I 27chOI Bauern- beiien 29.-�1 53,— I Inleiiel spatlbillig und.gut! Nein« Lambarbware. Leih- hau». Brunnen firafie 47.' fidodcl MäbeUäniee merl« Nrebii und bar RSbelbazar, oul« Anawabl. IKmc Preis«! Beispiel,- Schlafzimmer 455. Speisezimmer 545. Serrenzimmer 280 Spieaelschränl« 115 Anrichteküchen 75, Nleiderschränt« 15 Kalzbeiistellen 48. Chaifilonguc» 28 Mesallbeiien 18. Ausiegemalrahen 15. Scnstiae Möbel entsprechende Preiie Anzadiunaen. Prozent,»redite Teilzohlnna ausschlaasreu Wochenraien Mcnalsraten«leine? Nosso-sfiabaiie bia zehn Pro Mifilae Ii: bi» zwei Jahr« MLIiiae Sinsen Saapi, Stegii"' aeschäii«iegllk. Schtcfisirake 107: 2. S-. schäfi Neufolln. vermannpla» 7: 5. De- schäsi Pelle-Allianee-Sirafie 95 Unter- arunbbahn! 4«üchenabteiluna: Reu- töttn. Sermannplak 5. Sesdiäft neu eröffnet Rottbuttet Strafte Nr 25. am Tor Patenimalrageu ,t ttmirftma". 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