BERLIN SonneMg 5. September 1929 10 Pf. Nr. 416 B 207 46. Jahrgang. erscheiottSgltch aoterSonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärt«'. BezugSprei« beide Au«gaben S5Pf. pro Woche, SMM. pro Monat. gledaktion und Troedition; BerlinSWöS.LindenKr.s Ii ieigenprei«: Die einspaltige Nonpareilleteil« Pf., Reklameteilt S M. Ermäßigungen nach Tarif. stfcheckkont»: VorwSrtS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoffs bis 297 Hohenzollern-Kapitän verhastet Linter dem Verdacht der Depotunterfchlagung. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde heute früh in seiner Villa in der A n n a st r a ß c 4 zu Lichterfelde-Ost der 55 Jahre alte Kapitän zur See a. D. und spätere Bankier von Sack zusam» inen mit seinem'25 Jahre alten in Hamburg geborenen Adoptivsohn Hans-Dietrich Höpfner»von Sack festgenommen. Beide wurden in einem Auto»ach dem Polizeipräsidium und von dort nach einem kurzen Berhör nach Moabit gebracht. Von Sack war früher Kommandant der„Hohenzollern" und hat den Exkaiser auf seinen sämtlichen Reisen begleitet und seine Schiffe geführt. Während des Krieges war er Komman- baut eines Unterseeboote«!. Ihm werden Vergehen gegen das Bank- und Tepotgeseh zum Vorwurf gemacht. Ter von ihm und seinem Sohne angerichtete Schaden beläuft sich auf 5y5siOV Mark. JnS Rollen kam die Angelegenheit durch den Gläubigerausschuß, der die Verfehlungen bei einer Bank feststellte. Im Jahre 192k gründete von Sack in der T a u b e n st r. 19 die Privatbank«von Sack und Sah n", die Spekuwtions- und Effektengeschäfte nicht tätigen durfte, weil sie kein Dcpotrecht besaß. Um dieses Gesetz zu umgehen, hotten von Sack und sein Sohn einen alten abgebauten Bankbeamten Adolf C r u x angcwor- ben, der in Berti n-Südcnde in der Brondenburgischen Str. 2 wohnte. iEr sirmierte als alleiniger Inhaber und die Uebcrtragung oller Geschäfte erfolgte treuhänderisch auf Crux. Von verschiedenen Kun- den wurden der Privatbank Effekten ins Depot gegeben. v. Sack hat diese Effekten zum Teil bei anderen Banken beleihen lassen, zum Teil hat er sie verkauft. Das Geld investierte er in einer Aktiengesellschaft„F i h a g" in Vaduz im Fürstentum Liechtenstein, also im Ausland. Einig« der Bankkunden haben über die in Depot gegebenen Effekten auch ord- nungsmähig ein Nummernverzeichnis erhalten, anderen wurde es picht ausgefolgt. Staatsamvaltsclzaftsrat Zimmermann ist mit der Vernehmung der Beschuldigten beschäftigt. Es wird festzustellen sein, inwieweit die erhobenen Beschuldigungen zutreffen. Die Heide brenni! ISOo Morgen bereits verwüstet. 2n den Kreisen Harburg und Rotenburg wülel ein gewalliger Rloor. und Heidebrand, der zurzeit noch andauert. Bon dem Brand ist besonders die Strecke zwischen Königsmoor und Lauenbrück im Kreise Harburg und anschließend die Strecke nach Stemmen im Kreise Rotenburg betroffen. Die Bewohner des gefährdeten Gebiets sehen der weiteren Entwicklung des Brandes mit Sorge entgegen. Die Kreisfeuerwehren arbeiten Tag und Rächt, doch sind bereits über 1590 Morgen den Flammeu zum Opfer gefallen. Der Brandmeister des Kreises Harburg hat eine eingehend« Besichtigung der Brandstätte vorgenommen. 3n einer Besprechung mit der städtischen Verwaltung in Rotenburg wurde die Lage beraten und die erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Heide- und Waldbrandes getroffen. Ein Löschen des Moorbrandes durch Menschenhand ist jedoch so gut wie ausgeschlossen, hier können nur ausgiebige R e g e n s ä l l e Helsen. Bluiiges Drama in Hamm. Zwei Tote, eine e>chwerver>ehte. Hamm l. W, 5. September. 3n der Rächt zum Donnerstag spielte sich in Hamm ein blutiges Drama ab. Ein Peter Rünz. der am Mittwoch von Köln aus noch Hamm gereist war. gab aus Wut darüber, daß er über Rächt nicht in dem Hause in der Königstraße, wo seine Braut bei einer Familie S a l z m o n n wohnte, aufgenommen wurde, durch die verschlossene Tür etwa zehn Schüsse ab. Der 54jährige Arbeiter Hermann Salzmann wurde dabei durch einen Schuß in den Hinterkopf tödlich getroffen, während die 47jährige Ehefrau schwer verletzt wurde. Als der Täler sah, wa» er angerichtet halte, richtete er die wasse gegen sich selbst und verletzte sich so schwer, daß er in den Morgenstunden im städtischen Srankenhau» verstarb. Rede Briands in Genf. Wirischastsfn'eden und Kriegsachtung. W. S. Genf. 5. September.(Eigenbericht.) Die Debatte in der Vollversammlung begann heute mit der Rede des belgischen Außenministers h y m a n s. der ebenso wie Macdonald die fortschreitende Befferung der internationalen Beziehungen seit 1929 konstatierte und die Anregung Macdonalds ausnahm, daß die Nichtübereinstimmung zwischen dem absoluten Kriegsoerzicht und der Völkerbundssatzung, die den Krieg erlaubt, geprüft werden müsse. Zur Durchführung des Kriegs- oerzichtsvertrages forderte er die Ausarbeitung von Satzungen, besonders den Beitritt zum Vertrage über finanzielle Unterstützung. Er wandte sich, wie alle bisherigen Redner der Tagung, gegen die hohen Zoll mauern und sprach sich für die Festsetzung der gegenwärtigen Zollsätze als eines Maximums aus. Ariand folgte mit einer Rede, die scharfe Spitzen gegen die neue englische Regierung brachte und nachzuweisen versuchte, daß die ersten zehn Jahre des Völkerbundes nicht verlorene Zeit gewesen seien. Der Völkerbund müsse in weiser Vorsicht handeln, immer aus die Ein- slimmigkeit seiner Mitglieder bedacht. Locarno, Kellogg- Pakt und Haag seien vom Völkerbund inspiriert gewesen und deshalb zu den Erfolgen des Völkerbundes zuzuzählen. Aber eine ernste Lücke bestehe noch: zwar sei der Krieg durch den Kellogg- Pakt verurteilt, aber solange der Völkerbund keine materielle Macht habe, um Kriege zu verhindern und die Friedensbrccher zu b e- strafen, habe er seine Ausgabe nicht erfüllt. Nur das Genfer Protokoll hätte diese Macht gegeben. Die Entwasfnungsbe- stimmungen seien zwar eine heilige Pflicht der Völkerbundsmit- glieder, ober sie bliebew unerfüllt ohne Sicherheit. Briand ging dann zu einer Verteidigung der Mehrheit der Abrüstungskommission über, deren letzte Beschlüsse er„reale Fortschritte" nannte. Zu den wirtschaftlichen Fragen übergehend, betonte Briand, daß man Sachverständige zu Rate ziehen müsse, um die wirkli.hen Schwierigkeiten zu überwinden. Es scheine einem allgemeinen Bc- dürfnis zu entsprechen, daß man in Beziehung zuin Völkerbund, aber außerhalb des Bundes ein allgemeines Band zwischen den europäischen Völkern schaffe, um gemeinsam» Entschließungen zu fassen und wirffchastliche Sonderaufgaben zu studieren. Er schlage vor, diese Fragen dem Studium der Regierungen zu überweisen, um der nächsten Völkerbundsversammlung darüber zu berichten. Was die allgemeine Friedenspolitik anlangt, fuhr Briand fort, so hat Frankreich 1924 die Schiedspflicht der Fakultativklausel b e- reits unterzeichnet. Seine Unterschrift sei damals noch nicht in Kraft getreten. Frankreich wird die Fatultativtlaufel in dieser Tagung ebenfalls annehincn. Die französische Regierung werde die Generalaktc dem Parlament zur Ratifizierung vorlegen. Diese beiden Ankündigungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Briand schloß mit dem Hinweis darauf, daß der Frieden nicht aufrechterhalten werden kann in dem Augenblick, wenn die Kanonen schon aufgefahren sind. Es gilt, den Krieg im K« i m zu ersticken und die zu vernichte n, die ihn im herzen der Menschen aufrechterhalten wollen. Abstimmungen ohne Mehrheit! Oer Kampf um die Arbeiislosen. 3m Sozialen Ausschuh des Reichstags wurde die e n l. scheidende Sitzung zum Abschluß der ersten Lesung der Arbeits- losenversicherungsresorm um 10 Uhr morgen» vom Abg. Esser eröffnet. Die inzwischen eingegangenen Anträge der einzelnen Fraktionen wurden bekanntgegeben. Alsdann gab der Reichsarbeitsminister Auskunst über die finanziellen Wirkungen der einzelnen Anträge. hieraus vertagte sich der Ausschuh aus eine Stunde, damit die Fraktionen sich endgültig über die Stellungnahme zu den Anträgen schlüssig werden konnten. Bei Wiedereröffnung um WA Uhr gab zunächst Frau Abg. T e u s ch(Z.) namens des Zentrums eine sehr lange Erklärung ab. in der das Zentrum versichert, mit seinem Antrag aus Kürzung der Unterstützungssätze für Abeilslose mit weniger als 52 Beitragswochen keinen Abbau der Versicherung zu bezwecken. Es wird weiter erklärt, daß diese Reuregelung bis zum ZI. März 1931 befristet werden soll. Die Kommunisten beantragen bezüglich der Unterstützung der Saisonarbeiter, die bisherige Fassung des Gesetzes wieder herzustellen. Abg. Graßmann(Soz.) erklärt, die Sozialdemokratie werde für diesen kommunistischen Antrag stimmen und nach wie vor die Einführung einer Relation zwischen Beitrogswochen und Unter st ühungshöhe ablehnen, wie sie in den Anträgen des Zentrums und der Deutschen Volksparlei. wenn auch befristet, verlangt wird. Bei dem demokratische n Antrag, der für die Saison- arbeiler die Unterstützungssätze noch der Krisenfürsorge bemessen will, wird sich die Sozialdemokratie bei der Abstimmung der Stimme entHallen, da diese Reuregelung mit den übrigen für die Saisonarbeiter gestellten Anträgen im Zusammenhang steht. 3n der folgenden Debatte bekunden nochmals die Vertreter der einzelnen Fraktionen ihren bekannten Standpunkt. Die Deutschnationalen erklären insbesondere, daß sie ihre Stimmen für k e i n e n der Anträge der Regierungsparteien zur Verfügung stellen werden. Bei den Abstimmungen, die bei Redaktionsschluß noch vor sich gehen, dürsten voraussichtlich die entscheidenden Abbau- antrüge mit wechselnden Mehrheiten abgelehnt werden. Bis nachmittags 2 Uhr sind keine Anträge von entscheiden- der prinzipieller Bedeutung angenommen. Wer waren die beiden Fahrgäste? Untersuchung des Bombenanschlags schreitet vorwärts. Die Untersuchung in der Sache des Bombenanschlages aus den Reichstag wird von der Polizei weiter mit größter Energie betrieben. Im Laufe des gestrigen Abends haben sich im Polizeipräsidium wieder einige Zeugen gemeldet, die wichtige Bekundungen machten. über die von der Polizei im Jnterösse der Untersuchung jedoch vor- läufig noch nichts gesagt werden kann. Langsam schließt sich der Kreis nach einer gewissen Richtung hin, aber noch viel vorliegendes Material ist zu sichten und genau zu prüfen. Trotz der Veröffentlichung in sämtlichen Berliner Blättern haben sich die beiden Männer, die in der Nacht zum Sonntag die mysteriöse Fahrt von der Nürnberger Straße zum Reichstagsgebäude in der Autodrojchke gemacht haben, bis zur Stunde nicht ge- meldet. Leider ist auch die von dem Droschtenführer gegebene Beschreibung der beiden Männer so dürstig, daß es schwer sein wird, sie bald zu ermitteln. Jedenfalls ist die Suche nach ihnen bisher ergebnislos verlaufen. Eine besonder« Rolle spielt hierbei be- kanntlich die Aktentasche, die nach den Aussagen des Chauffeurs, einer der Fahrgäste erst aus einem Haufe in der Nürnberger Straße abgeholt Hot. Nach der Ansicht des Droschken- chauffeurs muß sie«inen größeren Gegenstand enthalten haben; auf-' fällig war, daß die Tasche sehr sorgfältig behandelt wurde. Der Chauffeur hat weiter bekundet, daß er auf Wunsch seiner Fahrgäste in der Kurfürsten st raste, etwa vor dem Eden- Hotel, hat auf der gegenüberliegenden Seite halten müssen und dost der eine Fahrgast in ein Haus gegangen und mit einer Aktentasche wieder in den Wagen gestiegen ist Eigenartigerweise befindet sich in dem nach der Kursürstenstrahe gelegenen Teil des Hotels nur der K ü ch e n e i n g a n g, es ist aber möglich, dah der Fahrgast, der etwa 10 Minuten fongeblieben ist, um das Ge- bäude herumgegangen und den Haupteingang benutzt hat oder sogar an anderer Stelle die Tasche in Empfang genommen hat. Durch Vernehmung des Personals des Hotels will die Polizei nun fest- stellen, ob. dort zur fraglichen Zeil ein Mann gesehen worden ist, der mit der Personalboschreibung dieses Fahrgastes Aehnlichkeit hat. Auch die Kellner des italienischen Restaurants„21 i d a" in der Nürnberger Straße, wo die Fahrgäste die Droschke bestiegen haben, werden darüber vernommen, ob etwa die beiden Insassen schon vorher dort sich aufgehalten haben. Darüber hinaus werden alle diejenigen Spuren verfolgt, die der Kriminalpolizei ständig zugehen. Mit Stock und Reitpeitsche. Notionale Helden unter sich.- Major v. Stephani im Waffen- Verruf.— Verein Deutscher Studenten gegen Stahlhelm.— Deutscher Gruß zuvor! Unser Kölner Bruderblatt, die„Rheinische Zeitung", ist in der Lage,«in Rundschreiben des Vereins Deutscher Studenten, Gruppe Charlottenburg, vom 11. März 1329 zu veröffentlichen. Dieses Rundschreiben enthüllt in belustigender Art die Sitten und Gepflogenheiten der nationalen Männer, wenn sie unter sich sind. Ein„Alter Herr" des LDSt., namens Dr. Pfand t, hatte im August 1928 als Stahlhelmmitglied Streitigkeiten mit dem Landes- Verbandsführer von Berlin, dem sattsam bekannten Major o. Stephani, in dessen Verlaufe Pfandt dem Major Richthalten eines gegebenen Wortes vorwarf. Major v. Stepl)«»! antwortete darauf mit der brieflichen Drohung, Pfandt zu verprügeln. Hierauf erfolgte eine Duellforderung, wobei der VDSt.-Charlotten- bürg„Ehrenschutz" gewährt«. Major v. Stephani aber lehnte di« Forderung„mit grob beleidigenden Worten" ab.(Im studentischen Jargon heißt das sonst: Cr kniff.) Das Weitere stellt nun das Rundschreiben folgendermaßen dar: Zwei Tage darauf suchte Major o. Stephani in Begleitung von zwei Stahlhelmmihgliedern A. H. Pfandt in seinen Privat- räumen mit Reilpeitsche und Stock auf, um seine briefliche Drohung wahrzumachen. A. H. Pfandt weigerte sich, den Vor- wurf des Wortbruches zurückzunehmen und wurde darauf von den Stahlhelmleuten in Gegenwart eines Dr. Pfandt befreundeten Stahlhelmntannes niedergeschlagen und misthandelt, so dast er besinnungslos liegen blieb. Unter Androhung weiterer Mihhand- lungen wurde ihm die zuerst verweigerte Erklärung abgezwungen. Es kam zu langwierigen Verhandlungen zwischen VDSt. einerseits und Stahlhelm andererseits, um die oerletzte Ehre des A. H. Pfandt zu reparieren: Stephani verpflichtete sich, dauernd aus der Leitung des Stahlhelms auszuscheiden und eine Ehren- erklärung abzugeben. Aber nach mannigfachen Schieds- und Ehren- gerichten auf beiden Seiten wurde doch nichts daraus. Major v. Stephani erhielt von der Stahlhelmleitung nur einen Verweis und trat sodann der Leitung des Stahlhelms wieder bei. Hierauf blieb dem VDSt. nichts weiter übrig, als alle Verhandlungen mit dem Stahlhelm abzubrechen und gegen den Major v. Stephani— o Schimpf und Schande!— den Waffen oerruf auszusprechen. Dast der Major v. Stephani die Ermordung der sechs „Vorwärt»"-Parlamentäre im Januar 1919 moralisch zu verantworten hat, hat seiner Satisfaktionsfähigkeit beim Derein Deutscher Studenten nichts geschadet. Aber die Verprügelung eines „A. H." kostet ihm die Wassenehre. Nun, immerhin... Das Rundschreiben bemerkt schließlich: A. H. Dr. Pfandt sieht sich nunmehr genötigt, aus dem Klage- wege sein Recht zu suchen Für Mitglieder des K. V. ist es m. E. bei dem derzeitigen Stand der Dinge nicht möglich, dem Berliner Stahlhelm länger anzugehören. Den Charlot'-»bürgern B b r. V b r. und A. H. A. H. wird vom Ehrenrat des VDSt. Charlottenburg aufgegeben, sofort aus dem Berliner Stahlhelm auszutreten, soweit das noch nicht geschehen ist. Von den Bbr. Bbr. und A. H. A. H. des Gauverbandes Berlin erwarten wir ebenfalls, dast sie sofort aus dem Stahlhelm austreten, soweit sie Major v. Stephani als Stahlhelmleute unterstehen. Am Kopf des Rundschreibens prangen die Worte:„Deut» schen Gruß zuvor!" Und hernach?... Britengericht in Palästina. Ausschaltung der Landeseinwohner. wie au» einer Bekanntmachung des britischen Oberkommissars in Palästina hervorgeht, werden nur britische Richter die Leute aburteilen, die wegen der jüngsten verbrechen angeklagt werden. Araber, Juden und andere Palästinenser werden dabei nicht mitwirten, weil Angehörige dieser Völker an den verbrechen beteiligt seien. Danach scheint die Regierung auch mit der Aburteilung von Abwchrkämpsern zu rechnen. Der britische Völkerbund-Delegierte Lord C e c i l antwortete aus Genf auf eins Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur, die Morde und Berbrechcn in Palästina hätten sein tiefstes Entsetzen hervorgerufen. Niemals würden solche Taten die Politik der britischen Regierung beeinflussen können. Giresemann amismüde? „Niemand sollte länger als 5 Jahre Minister sein." Amsterdam, 5. September. Ein holländisches Blatt, de?„Rieuwc Rolterdamsche Eourant". verösfenllichl ein Interview, das Dr. Strefe- mann einem Journalisten wenige Stunden vor seiner Ab- reis« aus dem Haag gewährte. Stresemann mochte dabei An». siihrungen, die sich vor allem mit persönlichen Erfahrungen und Eindrücken beschästigen. Er erklärte, es sollte eigentlich gesetzlich verboten werden, daß jemand länger als fünf Jahre Minister sein könne. Die gegenwärtige Zeit stelle an Minister ganz außerordentlich starke Anforderungen, besonders an einen 2lust«nminister, die weniger auf dem Gebiete der amtlichen Tätigkeit, als auf dem der Repräsentation lägen. Wo man sich früher mit einem Geheimrat zufriedengestellt habe, müsse jetzt, wie dies besonders bei inter- nationalen Kongressen der Fall sei, der Minister selbst er- scheinen und müsse die Besucher persönlich begrüßen. 2lusterdem Oer Versichenmgskrach. Drei Oirekioren verhastet.- Die„Vaterländische". Frankfurt a. M., 5. September.(Eigenbericht.) Zu der Verhaftung der drei Direktoren Becker, Kirschbaum und Fuchs teilt u. a. die I u st iz P r e s se- stelle mit: Die Aufklärung der Ursachen und vielgestaltigen Zu- sammenhänge bei dem Zusammenbruch der Frankfurter Allgemeinen Versicherungsgesellschaft und der Südwest- deutschen Bank wird von der Staatsanwaltschaft mit größtem Nachdruck fortgesetzt. Für die Sache wurde ein Sonderdezcrnat eingerichtet. Die Untersuchung erfolgt zurzeit in den Bureauräumen der Frankfurter Allgemeinen Versicherungsgesellschaft und der Südwest- deutschen Bank unter Hinzuziehung von Sachverständigen. Die Ermittlungen ergaben bereits vor einiger Zeit den dringenden Verdacht von strafbaren Hand- lungen des flüchtigen Direktors Sauerbrey, so daß gegen ihm am 29. August Haftbefehl und Steckbrief erlassen wurden. Die Suche wird mit größter Gründlichkeit im In- und Ausland betrieben. Nunmehr hat sich der dringende Verdacht strafbarer Handlunge» auch gegen den zweiten Direktor der Südwestdeutschen Bank, Bruno Fuchs, sowie gegen die bisherigen Direk- toren der Frankfurter Allgemeinen Versicherungsgesell- schaft, Philipp Becker und Dr. Kirschbaum er- geben. Gegen alle drei wurde gestern im Auftrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen, auf Grund deren die Genannten in das hiesige Gerichts- gefängnis eingeliefert wurden. Tie in Frage kommen- den strafbaren Handlungen liegen auf dem Gebiet der aktienrechtlichen Untreue, Bilanzver- schleierung, des betrügerischen Bankrotts und der Depotunterschlagung. Die Staats- anwaltschaft wird alsbald Antrag auf Einleitung der gerichtlichen Voruntersuchung stellen. Die Untersuchung in dem Versicherungsskandal war darum nicht sehr einfach, weil ohne«ine genaue Prüfung der Bücher d i e Bilanzfälschung und die Depotunterschlagung nicht nachzuweisen war. Nachdem der Verdacht einer Unterschlagung auf- getaucht war, beschlagnahmte zunächst die Staatsanwaltschaft die Bücher und erst deren genaue Durchsicht bestätigte den Verdacht einer Fälschung, worauf sich dann auch die Staatsanwaltschaft entschloß, zu den Verhaftungen zu schreiten. Die Untersuchung wird jetzt beschleunigt durchgeführt werden können, weil auch ein Teil der Vernehmungen der Beamten soweit abgeschlossen ist, daß das Anklagematerial zusammen- gestellt werden kann. Die Prüfung der beschlagnahmten Doku- mente und Unterlagen war dadurch erschwert, daß der Konzern außerordentlich stark verschachtelt war und daß auch eine ganze Reihe persönlicher Transaktionen der Direktoren durch den Konzern erledigt wurde. Zuerst nahm man lediglich an, daß die Direktoren, durch verfehlte Spekulationen in Geldmangel geraten, versucht hatten, di« fehlgeschlagenen Geschäft« dem Konzern aufzuhalsen, Generaldirektor Becker war als Hauptleiter und erster Direktor der Frankfurter Versicherungsgesellschaft der führende Mann bei den privaten SpekulaL-men, der auch eine ganze Reihe Spetu- lationen für die Gesellschaft durchführte, die alle mit großen Ver- lusten endeten. Die Staatsanwaltschaft wirst ihm vor, Depot- Unterschlagungen begangen und außerdem einen betrüge- rischen Bankrott und Bilanzverschleierung versucht zu haben. Der Vertrauensmann Beckers war Kirschbaum, der bei der Sud- westdeutschen Bank Direktor ist, einer Tochtergesellschaft der Frank- furter Versicherungsgesellschaft. Er soll von all den Betrügereien gewußt haben und selbst bei den Depotunterschlagungen beteiligt sein. Fuchs, ein Freund des geflohenen Sauerbreys, unterhielt mit diesem ständig Verbindung und konnte so die anderen Mitschuldigen völlig auf dem Laufenden halten. Die Staatsanwalt- schaft hat deswegen so schnell zugegriffen, weil der Ver- dacht bestand, daß die drei Direktoren einen Fluchtplan vorbereiteten. Nachdem einer der Hauptschuldigen, Sauerbrey, sich zunächst der Strafverfolgung entziehen konnte, wollte die Staatsanwoltschaft wenigstens die übrigen Mitschuldigen dingfest machen. Neuer Versicherungskrach. Die Anhäufung der Finanzstandale. Roch ist die Erregung über den riesigen Skandal bei der Allgc- meinen Frankfurter versicherungs-A-G. nicht abgeebbt und schon wird ein neuer Skandal im Versicherungsgewerbe bekannt. Es handelt sich diesmal um die vaterländische und Rhenania vereinigte versiche. rungsgescllschaften A.-G. in Köln, die mit einem Kapital von 12 Rlil- lionen Mark arbeitet. Wie die Frankfurter Allgemeine besitzt auch dieses Unternehmen «inen sehr weit verzweigten Apparat von Beteili» gung c n und Tochtergesellschaften. Die M ill i o n e n v e r l u st c bei diesem Unternehmen, deren genaue Höhe noch nicht feststeht, sind auch bei dieser Gesellschaft offenbar durch leichtfertigeAbsatz- finanzierungen entstanden, in erster Linie bei Geschäften der Vaterländischen Kreditoersichenings.2l.-G., di- mit der Deutschen Automobilbank zusammenarbeitet«. Da der Aufsichtsrat und das Direktorium der Vaterländischen und Rhenania heute erst zu der Sachlage Stellung nimmt, sind Einzelheiten über die Entstehung der Millionenverluste in Kürze zu erwarten. Inwieweit auch bei diesem Unternehmen dieKontrolleder Aufsichtsräte und des Reichsaufsichtsamt» oersagt hat, läßt sich zurzeit noch nicht übersehen. Wie bei der Frankfurter Allgemeinen, sind auch im Aufsichtsrat der Vaterländischen und Rhenania prominente Wirtschaftsführer oertreten, dar- unter der rheinische Braunkohlenkönig Siloerberg und der Stahlmagnat Springs rum.' »Graf 'Zeppelins" Jteimkehr. llnfer Stttd aseigt da* ge : landete Xufifchiff, durch das Itillhommenstor gefehen, sei seine politische Laufbahn während der letzten sechs Jahr« seiner Ministertätigkeit über schwere Seen gegangen. Man habe es ihm nicht leicht gemacht. Es habe eine Zeit gegeben, wo er sür alle die persönlichen Angriffe, die gegen ihn gerichtet worden seien, selbst für diejenigen ganz unbedeutender Blätter, sehr empfindlich gewesen sei. Jetzt aber sei ihm das gleich- gül�g geworden. Er würde auch ohne persönliches Bedauern von seinem Posten scheiden, wenn man ihn zu Fall brächte. Es scheine aber, daß der Eifer hierzu abnehme, sobald man merke, daß der Be- treffende sich nur noch wenig daraus mache. Der eventuell« Rücktritt von seinem Posten erscheine ihm ein wahres Freiheits- ideal: man könnte wieder Pläne für Familienfestlichkeitcn, für persönliche Ausslüge, Reisen und dergleichen machen, etwas, was jetzt beinahe unerreichbar erscheine. Gasunglück in Wilmersdorf. Fünstöpfige Familie in Erstickungsgefahr. In der vergangenen Rächt geriet die Familie des Rechtsanwalts Hans Edler von der p l a t e n durch ausströmende Gase in schwere Lebensgesahr. Plate» bewohnt im Hause Bayerische Straße 28 mit seiner Frau und einer Hausangestellten eine größere Wohnung. Außer- dem weilten dort seit einigen Tagen zwei Verwandte zu Be- such. Heute früht kurz nach 2 Uhr erwachte P. plötzlich und ver- spürte starkes Benommensein. Aach die anderen Familienmitglieder, die sofort geweckt wurden, klagten über heftigen Kopfschmerz und Uebeljein. Das Rettungsamt wurde alarmiert und sandte einen Arzt nach der Wohnung. Zwei Personen mußten sofort ins Krankenhaus in der Pfalzburger Straße gebracht werden. Di« anderen konnten nach ärztlicher Behandlung zunächst in der Woh. nung oerbleiben, suchten aber später gleichfalls das Krankenhaus auf. Offenbar handelt es sich um eine Kohlenoxydgasver- g i f t u n g, doch sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. « Zu dem Selbstmord in der Wohnung des Sanitätsrats Hirsch in der Giesebrechtstraße in Charlottenburg erfahren wir, dah die Selbstmörderin f e st g e st e l l t ist als ein« aus Oberschlesien ge- bürtige 19 Jahre alte Erna Czoior, die zu Besuch in Berlin weilte. Der Grund zu der Tat ist noch nicht bekannt. Clemenceau schwer krank. Altersschwäche und Bronchialkatarrh. parle. S. September.(Eigenbericht.) Der 88jährige George Clemenceau leidet auf seinem Gut in der Bends« an allgemeinen Schwächezuständen, die durch einen hinzu- gekommenen Bronchialkatarrh ernsten Charakter erhielten Di« Aerzl« bekunden die größte Zurückhaltung, doch gilt der Zustand des Greises als gefährlich. 57 Todesopfer in Algier. Paris, 5. September. Die Aufräumungsarbnlen an der Stelle des vor einigen Tagen cingesttirzten Hanse» in Algier sind nun volllommen beendet. Nach den letzten Feststellungen sind bei der Katastrophe insgesamt 67 Personen getötet und 10 schwer verletzt worden. Hilgenbergs Attacke. „SiS zum letzten Hauch von Mann und Jtob.* Nun endlich wissen wir. doh auch Herr Hugenherg eine Attacke mitgemocht hat. Die da bisher meinten, doh Herr Hugenberg den Weltkrieg friedlich bei Kantor- und Rechenmaschine daheim verbrocht habe, müssen Abbitte leisten. Auch Hugenberg hör Attacken gekannt! Als„M annderAttocke" wird er in der Weltgeschichte sortleben. Freilich darf man sich Hilgenbergs Attacke nicht so simpel vorstellen wie die von Knockfuß(oder ist es Anton v. Werner?) sür die Ewigkeit illustrierte Reiterattocke von Mars-La-Tour-Vionville. Don Herrn Hugenbergs Attacke wird kein Dichter fingen: „Die Säbel geschwungen, die Zäum« verhängt. Dies die Lanzen und hoch die Fahnen, So haben wir sie zusommengesprengt, Kürassiere wir und Ulanen I Herr Hugenbergs Attacke war eine H e r'z a t t a ck e. Just auf der Fahrt von Löhne zur Abstimmung über den Dawes-Plan wurde Herr Hugenberg von ihr ereilt. Und mußte sich ergo zu Bett legen. Als Mann der Ordnung versäumte er nicht, sich über diesen Borgang ein ärztliches A t t e st ausstellen zu lassen.„Fehlt mit Entschuldigung" pflegte unser Klassenprimus in solchen Fällen dem Ordinarius zu melden. Im Weltkrieg war es bekanntlich genau. Wenn da sür den nächsten Tag der entscheidende Sturmangriff angesetzt war, so ging, wie jeder weiß, der Muschkote zum Stabsarzt und meldete, daß er sich u n p ä ß l i ch fühle. Der Herr Stabsarzt pflegte alsdann eine genaue Untersuchung eintreten zu lassen, an deren Ende er wohlwollend sagte:„Mein Lieber, Sie taten sehr recht, sich trank zu melden Ihr Herz geht schneller, auch Ihr Puls ist beschleunigt. Sie müssen sofort ins Lazarett. Unterstehen Sie sich nicht, vor vier Wochen wieder zum Dienst anzutreten." Alle Kriegsteilnehmer werden gern bestätigen, daß so und nicht anders— namentlich am Vorabend von Entscheidungsschlachten— der Stabsarzt gesprochen hat—, falls er nicht zufällig brüllt«:„Scheren Sie sich weg, Sie verdammter Simulant." Der etwas lyrisch veranlagte Stilist der amtlichen Kriegsberichte meldet« eiiws Tages, daß die Verfolgung des weichenden Feindes Sechs auf einen Streich! Stalin sägt« sechs ,/Sumanii«". Redakteure ab. VoS tapfere Schneiderlein:„Noch einen nichr. und Sie haben meinen Weltrekord erreicht!" bei Winter und unter fürchterlichsten Strapazen„b i s z u m l e tz t c n Hauch von Mann und Roß" durchgeführt worden sei. Die Bbrase schlug ein und galt von da ab als feststehend. Bis zum letzten Hauch mußte gekämpft werden— selbstverständlich nur zum letzten Hauch von„M a n n" und„R o ß". Mann und Roß haben allemal das Letzte herzugeben; der Führer, das Genie, darf dagegen Herzat'acken bekommen und sich zu Bette legen, wenn es— nach seinen eigenen Worten„um Deutschlands Ehre und Zukunft geht". Der Fall des Soldaten H e l m h a l e und des Leutnant H i l l e r fällt uns noch beiläufig«in. Der Leutnant ließ den erfrorenen und halbverhungerten Soldaten bei 25 Grad Kälte auf eisiger Karpathen- höhe zwei Stunden lang an den Baum binden und dann in einem nassen Unterstand ohne Nahrung verrecken. Er wurde sür diese Tat sreigesprochen und die Hugenberg-Presse lobte dieses Urteil, denn im Kriege müßten nun einmal Strapazen ausgehalten werden. Das gilt selbstverständlich nur für den Krieg, und selbstverständ- lich nur für den Muschkoten Helmhake. Der große nationale Führer Hugenberg legt sich mit Unpäßlichkeit und Herzattacke zu Bett, auch wenn— nach seiner Ueberzeugung— des Vaterlands Entscheidung auf dem Spiel steht. Was kann Herrn Hugenbergs Herz da- für? Hugenbergs Mannen singen zwar: „Mit Herz und Hand, mit Herz und Hand Für« Va-�ter— land!" Aber Hugenberg singt lieber im Tone der großen Retrai'?: „Zu Bett, zu Bett, Wenn'« Her; zu fett!" tz o n a t h a n. -1800 Tote in Lndien. Die Hochwasserkataflrophe. London. 5. September. .,Ta ilp Mail" meldet anS Lahore. über taufend Mensrhen seien bei den Uebcrschwem» m u n g e n im Staate Swat in der Nordwestgrenzprovinz um» Lebe» gekommen. Ein Grustgespräch. Von Ferdinand Künzelmann. Mausoleum im Park von Charlottenburg. Um die edlen Sarkophage der Königin Louise und des Dritten Friedrich Wilhelm von Rauchs Meisterhand drängen sich die Bc- sucher aus Ostpreußen. Sie sehen nicht die Kunstwerke, sie stört es nicht, daß Herr Wilhelm von Doorn unmittelbar neben die beiden Denkmäler, die im Reiche der Kunst höchsten Rang einneh- men, zwei protzige überladene Sarkophage für seine Goßeltern Wilhelm I. und die Kaiserin Augusta hat aufstellen lassen, für sie ist dieser Grgbbesuch nur eine patriotische Angelegenheit. Wenn man sich genauer ausdrücken will,«in Anlaß, um im Flüster- ton gegen Frankreich in Rocheplänen zu wüten, weil durch Frank- reich und den„Korsen" die arme Königin Louise soviel leiden mußte (soviel, daß sie von Stein, dem bedächtigen Staatsmann, viele, viel« Taufende von Talern für eine kleine Erholungsreise zu ihrem lieben Vetter, dem schönen Zaren Alexander von Rußland, forderte, was Stein dann, als er diese Zahlung verweigerte, in Ungnade und zu Fall brachte). Im Flüsterton wird gegen Frankreich gehetzt, vor Wilhelms I. Sarkophag wird die Erinnerung an das Versailles der Kaiserkrönung heraufbeschworen, der tote Ebert muß sich gefallen lassen, daß ihm noch ein Fußtritt oersetzt wird, gegen Stresemann erheben sich böse Worte des Hohns, der Drohung, auch Hindenburg kommt nicht gut weg. Der Diener, der sonst gleich mit Mahnungen zur Stille eingreift, wenn jemand seinen Nachbor mit leisestem Wort auf eine besonder« Schönheit der Kunstwerke aufmerksam macht, scheint völlig taub ge- worden zu sein. Er geht mit ernstem und verschlossenem Gesicht neben diesen Gästen her, kein Wort kann ihm entgehen, aber er macht nicht den leisesten Versuch, einen alten Herrn, der wie ein Oberst aus einem Stück von Sudermann aussieht, und eine ältere, vor Empörung geradezu flammende Dame zum Schweigen zu bringen. Er wird ganz überzeugt davon, daß dieses Mausoleum in erster Linie eine Art von Anschauungsunterricht für Dölkerverhetzung und Hohenzollernpropaganda sein soll. Ich nehme mir vor, ihm und den patriotisch entfesselten Herr- schaften eine Lektion zu geben, warte aber, bis wir wieder in der Vorhalle angekommen sind, wo man sich Ansichtskarten kaufen kann. Da frage ich d«n Führer:„Nicht wahr, die Fürstin Liegnitz liegt unter dem Engel begraben?" Er nickt ein abweisendes P „Und ihre Kinder auch?" Er nickt wieder. .„Wieviel sind es eigentlich?" frage ich weiter:„Sechs oder sieben?" Er zuckt die Achseln. Aber die alte Dame ist ousmerksam geworden und sieht, An- sichtskarten in der Hand, unsicher zwischen dem Führer und mir hin und her. Dann fragt sie:„Die Fürst-n Liegnitz? Wer ist denn das?" Der alte Herr sagt, sichtlich gegen besseres Wissen:„Habe nie von ihr gehört," und macht den Versuch, die alte Dame und seine Gesellschaft nach dem Ausgang zu drängen. Aber die alte Dame läßt sich nicht drängen sondern bleibt in fast drohender Haltung vor mir stehen und sagt:„Was für eine Fürstin ist das? Ich kenne den Namen nicht. Ich verlange Aufklärung." Darauf sage ich ihr mit sanfter und höflicher Stimme, wie es sich für einen Amateurfremdenführer an solchem Ort geziemt:„Die Fürstin Liegnitz war eine geborene Gräsin Harrach und wurde nach dem Tode der unvergeßlichen Louise van ihrem tiestrauernden Mann, Friedrich Wilhelm dem Dritten, in morganatischer Ehe geheiratet und zur Fürstin Liegnitz gemacht. Von ihren Kindern, die nicht ebenbürtig gewesen wären, ist keins am Leben geblieben. Nur die Villa Liegnitz in Potsdam, in der sie gewohnt hat, erinnert noch an sie. Der jetzt geschiedene Prinz Eitel Friedrich hat dort seine söge- nannten Flitterwochen verlebt.... Ja.. Die Fürstin also und ihre Kinder sind hier in der Gruft unter der Vorhalle begraben, der theatralische Erzengel bewacht ihren letzten Schlaf, und ich male mir gern aus, welche Freude es am jüngsten Tage geben wird, wenn die unvergeßliche Königin ihre Nachfolgerin kennenlernen wird. Glauben Sie nicht, daß es bei dieser Gelegenheit zu Rang- streitigkeiten, zu peinlichen und schwierigen Fragen der Etikette kommen wird?" Die alte Dame reckt sich auf und jagt:„Genug. Sic haben mir ein Heiligenbild zerschlagen." Dann stürmt sie hinaus, der zornige Oberst und ihre Schar folgen ihr: ich bin sicher, daß sie alle über dieser kleinen Familien- geschichte, die in keinem Lesebuch zu finden ist, all ihre schönen Rachevorsätze für eine Weile vergessen haben. Für ihre Auffrischung wird Hugenberg sorgen. Gtaatsiheater. „Hans im Schnakenloch" von Nen6 Schickele. Schickeles Elsässer-Schauspiel ist jung geblieben. D. h.: es zer- jällt nicht mit der Zeit. Es braucht nicht nur dann gespielt zu werden, wenn unser« Wünsche, Sorgen und aufgeregten Nerven mit wilden Kriegsereignisscn zusammenklingen. Schickeles Elsässer-Schauspiel ist deshalb mehr als ein wirksames Tendenzdrama, es ist. ein dichterisches Werk. Der Dichter, der zwischen der deutschen und französischen Kultur stand, hat die Menschen beider Nationen erraten, vielleicht die schwer zu deutenden Frauen noch besser als die Männer. Diese Hellsichtigkeit erhöht noch die Kostbarkeit seines Talents. Die h«ute nebensächliche Tatsache, daß Lutzendorff, General- quartiermeister d«s Weltkrieges, den Dichter Schickele ausrotten wollte, und ihn durch das Oberkommando in den Marken von der Berliner Bühne verjagen ließ, charakterisiert den völkischen Wüterich und seine Hakenkreuzarmee. Sie bleiben verächtlich und lächerlich für Gegenwart und Zukunft. Es bleibt aber die künstlerisch und menschljch saubere Gesinnung Schickeles, der weder Frankreich noch Deutschland beschimpste oder einseitig in den Himmel hob. Ob sich die Söhne im elsässischcn Schnakenloch auf die französische oder deutsche Seite schlagen, sie tun es nur aus seelischen Gründen. Ihr Schicksal ist es, daß sie nicht etwa nach dem offiziell gültigen Ideen- kurs fragen, um sich zu entscheiden. Sie sind keine Nutznießer irgend- wesxher Konjunktur, sie sind ti«s ausgefüllt von aufrichtigen und großen Gefühlen. Dieses Gefühl des Dichters beherrscht die Bühne. Es wird die Lyrik Schickeles dramatisch. Die Mutter der elsässijchen Feindesbrüder spricht in der Stunde der Kriegsgesahr von ihrer feierlichen Liebe zu Frankreich, und es waltet körperlich der Geist der Ge- schichte, obwohl er den Augen gar nicht sichtbar wird. Es kann die deutsche Frau, die ihre Jugend in das zwiespältige Elsaß mitbrachte, nicht begreifen, daß ihr Gatte, der Vat«r ihrer Kinder, gerade zu den „Welschen" desertieren will. Wir begreisen aber alle beide, die deutsche Frau und den deutschen Flüchtling. Wir begreijen, solange das Stück spielt, sogar den preußischen Pickelhaubengendarm, der möglichst viele Rothasen massakrieren will Wir begreifen ebensogut den französischen Korporal, der ausgehungert nach der Frau ist und sich mit der Deutschen begnügen möchte, weil er die Pariserin gerade nicht finden kann. Wir begreifen nicht weniger leicht den deutschen Offizier, der glaubt, daß Deutschland von Frankreich zerstückelt werden soll und der nun sporenklirrend in seine Front einrückt. Ob Priester, ob Pferdeknecht, sie haben alle in dem Schauspiel ihre feste Stellung zur Welt und zu dem Volte. Wir verstehen jeden von ihnen, wir verzeihen deshalb jedem von ihnen, wir trauern um jeden, den der Kolbenschlag trifft. Schließlich begreifen wir be- sonders gut, besonders erschüttert den passimistischen Warner) der gleich in der Stunde der ersten Kanonade aufschreit, daß die ganze Welt wahnsinnig geworden ist und Jahrzehnte brauchen wird, um sich von dem tragischen Aderlaß zu erholen. Bei diesen grausamen Worten des Unglückspropheten Schickele erinnern wir uns. daß er sein Schauspiel vor dem August 1914 vollendet, daß er also alles, alles geahnt hat. Walter G y n t, der jung« Schauspieler, der am Staatsthcater zum erstenmal Regie führt, hatte ein gutes Stück, ein ordentliches Drama in den Händen. Er brauchte keinen leeren Schlauch auszu- plustern. Er hielt sich im allgemeinen auch an das Notwendige und' warf die günstige Gelegenheit nicht weg. durch Sparsamkeit wirken zu dürfen. Dos Staatstheater hat in Fräulein Annemarie Holtz er- freulichen Personolzuwachs erhalten. Sie liebt, soweit man bisher sieht, die Deklamation nicht. Sie holt wirklich die Innigkeit aus der Tiese. Sie kann tragssch erstarren, ohne daß sie eine vorsintflut- liche Steinpose annimmt. Ihr Gesicht redet, und die Derbheit des natürlichen Ausdrucks verwandelt sich leicht in bewegende Traurig- keit. Lothar Müthel und Fritz Klippel sind di« feindlichen Brüder. Alle Menschenkenntnis, olle psychologische Zartheit des Dichters sind durch diese beiden Gegenspieler ausgedrückt. Regisseur und Darsteller griffen klug und taktvoll nach seder Pointe, ohne daß sie zu rethorischer Ausschweifung neigten. Dann kamen die vielen Typen, die Scbickele braucht: der preußische Leutnant— Fritz Odemar.>ie sanfte Mutter— Lina Lossen, der weiche Priester— AlexanderGra nach, die französischen Humanitäts- verkündiger und pathetischeren Glorietrompeter und schließlich der verbissene Pferdeknecht— F l o r a t h, der herumwittärt und trotz seines ungeübten Verstandes sieht, daß Krieg nichts anderes ist als eine Verwandlung der Menschen in Narren und Bestien. Das Staatsthcater unserer Republik mußte dieses eine Zeit lang vergessene und bei der Wiedererweckung so lebendig« Schauspiel wieder aufführen. Es wirkt und zündet weder durch Dynamit- bomben, noch durch großschnäuzige Phrasen, und es hämmert sich trotzdem gewaltig in unsere Liebe und Aufmerksamkeit hinein. dlax Hochdarf. Gchillertheater. Gustav WieS: 2 X 2— S. Gustav Wieds„2X2= 5" baut sich auf scheinbar sorgloser Lebensweisheit auf: das Leben ist ein Affentheater. Nehmt es nur nicht so ernst! Was heißt hier Charakter, laßt alle Fllnfe grade sein! Im Grunde ist das eine entsagungsvolle Philosophie. Dem Autor selbst ist sie nicht überzeugend lustig vorgekommen.. Im Beginn des Weltkrieges Hot er Selbstmord verübt, man sagt, aus Verzweiflung darüber, was. für wahnsinnige Formen dies Affentheater annehmen kann. Die Satire seines Satiripiels. klingt mild«, gemütlich und nachsichtig, lieber ärgerliche und schwere Konflikte balanciert er sich mit einem frohen Lachen hinweg. Vor Jahren hatte das Stück einen durchschlagenden Erfolg. Heute sind wir gröbere Kost gewöhnt, die Satire muß beißen, Keulenschläg« müssen fallen. Die Ausführung im Schiller-Theater(Regie Emil R a m c a u) beginnt in sprühender Lustigkeit, die von V e i r Harlan, dem Träger der Hauptrolle, ausgeht. Es ist eine ganz neue Aufgabe, die ihm hier gestellt ist. Er löst sie glänzend. Im Augen- blick ist der Kontakt mit dem Publikum da, sprudelnder Uebermut kommt aus einem lachenden Herzen. Ein prächtiger Junge, wenn er herausfordernd liebenswürdig, mit unschuldiger Miene eine Frech- beit nach der anderen ausspricht. Aehnlichen Erfolg erzielt Aribert'Wäscher mit seinem etwas geduckten Humor und Elsa Wagner als ewig keifende und doch mütterliche Zimmer- wirtin. Renate Müller, anmutig und entzückend anzusehen, ist zu fein für das Flittchen, das sie darstellen soll. Der Abend hält nicht, was der Anfang verspricht. Allmählich verebbt das muntere Zusammenspicl. Das Publikum nimmt das Stück dennoch dankbar auf. Ogr. „Die politische Bewegung-1848/49." Im Mannheime.r Schloß wurde eine Ausstellung über die politische Bewegung der Jahr« 1848 und 1849 er» öffnet, die unter der Leitung von Museumsdirektor Prof. Dr. Walter interessante Dokument« aus den politisch bewegten Tagen vor 8» Jahren bringt. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt in den gezeigten Dokumenten, Karikaturen, Zeitungen und Flugblättern über die Vorgänge in Baden-Psalz, angefangen von der Ermordung Kotzebues durch Sand, über die Karlsbader Beschlüsse und die Aera Metternich, zum Hambacher Fest, der polittschen Tätigkeit der libe- ralen Opposition im badischen Landtag, den Ausständen im Süd- westen bis zum Frankfurter Parlament. Das Original der Reichs- Verfassung von 1849 mit den Unterschriften der Frankfurter Parla- meittarier dürfte besonderes Interesse beanspruchen Auch sonst ent- hält die Ausstellung, die vier Wochen zugänglich ist. ein« Meng« Illustrationen zu den damaligen polittschen Vorgängen. pw. IfteichskunsiVart über die deutsche Kitmproduktion. Auf einem Bankett, das zu Ehren des russischen Groß-Regisseurs, S. M. Eisenstein, stattfand, machte Reichskunstwart Dr. Redslob aufsehenerregende Ausführungen über den Stand der deutschen Film- produktton. Mit scharfen Worten kritisierte er die Stagnation des deutschen Films und äußert«, daß die Abwärtsentwicklung des Film- standards bereits so weit vorgeschritten sei, daß man in offiziellen Kreisen sich darüber einig wäre, schon in nächster Zeit eine Initiative zu ergreisen, um die deutsche Filmproduktion vor ihrem gänzlichen Verfall zu schützen. Nie Rohrleger stehen zum Verband Oer wilde Streik vor dem Zusammenbruch. Der wilde Streik im Berliner Rohrleger- g c w c r b c beschäftigte Mittwochabend eine Versammlung der im Mctallarbciteroerband organisierten Rohrleger und Helfer, die nach den Sophiensälen einberufen war. Obwohl die„Rote Fahne" die verbandstreuen Rohrleger und Helfer auf- gefordert hatte, dieser Versammlung fernzubleiben und die zu gleicher Stunde einberufene Versammlung der„Vereinigung" zu be- suchen, war der große Versammlungssaal überfüllt. T o st vom Hauptoorstand des Metallarbeiterverbandes setzte den Versammelten noch einmal die Gründe auseinander, die die Organi- sation dazu verpflichten, auf die Einhaltung der von ihr abgeschlosse- nen Tarifverträge zu achten. Der Tarifvertrag für das Berliner Rohrlegcrgcwerbe ist fast einstimmig von den im Metall- orbeiterverband organisierten Rohrlegern und Helfern angenommen worden und somit für die Verbondsmitglieder bindend. Wenn der Tarif im nächsten Jahre abläuft, können die Verbandsmitglieder die Organiaftion beauftragen, den Unternehmern Forderungen auf Verbesserung des Tarifs zu unterbreiten. Di« Organisation wird stets dem Willen der Verbondsmitglieder Rechnung tragen. Sie kann und wird sich aber nicht den Willen Außenstehender und dem Verband feindlich gesinnter Elemente aufzwingen lassen. So verantwortungslos ist in der Vcrgangenh«it wohl nach nie ein Streik inszeniert worden, wie der zurzeit von Nieder- kirchner geführte. Ohne die Belegschaften der einzelnen Betriebe in geheimer Abstimmung zu befragen, ob sie mit dem Herzen bei der Bewegung stehen, sind die Belegschaften einfach zum Kampf kommandicrt worden. Das ist selbst in den Betrieben ge- schehcn, wo die Arbeiter entgegen der Anweisung Niederkirchners eine Abstimmung vornahmen, die keine Mehrheit für den Streik ergab. Die Wirkung dieser Taktik inacht sich bereits schon unter den An- hingern der Niederkirchnerschcn Vereinigung bemerkbar. Täglich suchen viele seiner Anhänger den Metallarbeiterverband auf und beantragen, wieder in den Metallarbeitervepband aufgenommen z u werden. Der Metallarbeiteroerband sieht dem Ausgang dieses gegen ihn gerichteten Kampfes mit aller Ruh« entgegen. Die Organisation erwartet aber nach wie vor von ihren Mitgliedern, daß sie trotz des Terrors, der teilweise von den Nieder- kirchncranhängern gegen sie angewendet wird, zur Organisation und ihren tariflichen Abmachungen stehen. Wer sich aus falsch verstände- ner Kollegialität der Bewegung anschließt, tut dies auf eigene Gefahr und hat nicht auf die Unterstützung der Organisation zu rechnen. Die Verbandsmitglieder, die sich an die Anweisungen der Organisation halten, werden von ihr weiterhin mit ollen Mitteln unterstützt werden. Der Berliner Bevollmächtigte Eckert unterstrich die Aus- führungcn des Houptvorstandsmitgliedes und setzte der Versamm- lung auseinander, daß sich kein Verbandsmitglied irgendwelcher Rechte entäußert, wenn er die von den Unternehmern vorgelegten Anerkennungsschreiben unterzeichnet. Durch diese Unterzeichnung b e st ä t i g t jedes Verbandsmitglied nur, daß es die tariflichen Ab- machungen des Verbandes für sich als bindend anerkennt. Die Aueführungen beider Redner fanden die volle Zustimmung sämtlicher Anwesenden. Die Versammelten brachten ganz eindeutig zum Ausdruck, daß sie mit aller Hingebung hinter der Organisation stehen und ihre Stellungnahme zu dem milden Streik Niederkirchners voll und ganz billigen und unterstützen. » Niederkirchner hat Mittwoch seine Getreuen den„Streit auf der ganzen Linie" beschließen lassen, woraus hervorgeht, daß der wilde Streik vor dem Zusammenbruch steht. Erst hat man aus angeblich„streikstrategischen Gründen" einen sehr bescheidenen Teilstreik inszeniert, in der Hosfnung, wenigstens in den wenigen Betrieben, wo die„Bereinigung" dominiert, einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen. Dieser Erfolg ist aber ausgeblieben. Der „ollgemeine Streik" ist nur cm ollgemeiner Bluff, der den allge- meinen Zusammenbruch nur beschleunigen wird. Das geheimnisvolle Geflügelangeboi. Vestechungsvsrsuch gegen einen Bürgermeister. würzen, 5. September.(Eigenbericht.) I» dem sächsischen Städtchen Würzen anitiert schon längere Zeit der Genosse Book als Erster Bllrgenneister, und zwar zum Aerger unserer Gegner in völlig unangreifbarer Weise. Als ihn der bürgerliche Stadtverordnete Prof. Dr. M a n n e w i tz, der von der Sladt ein Stück Land taufen wollte, eines Tages fragte, ob er gern Geflügel esse und den Wunsch habe, solches zu erhalten, verbot sich unser Genosse diese verfängliche Frag«. Lorsichtigerweise wies Boot sofort seine Familienongehörigen und di« Hausangestellte an, ein etwa von Mannewitz kommendes Paket nicht anzunehmen. Einig« Tage später traf bei ihm wirklich ein nicht an ihn, sondern an seine Ehefrau adressiertes Paket ein, ent- haltend zwei Wildenten, einen Fasan und«ine Pute. Als Genosse Book einige Stunden später vor dem Eintreffen des Pakets Kenntnis bekam, ließ er es sofort dem Städtischen Hospital zur Verwendung für die Insassen übergeben und er macht« auch von dem Geschehenen dem Stadtverordnetcnvorsteher und einem Stadtrat Mitteilung. Einige Zeit später machte der Genosse Book in einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung einige auf diese Vorgänge bezüglichen Bemerkungen. Als Mannewitz bestritt, dem Genossen Book Geflügel angeboten und geschickt zu haben, als er auch leugnete, einen ablehnenden Brief der Frau Bürgermeister erhalten zu haben, soll Book in heftiger Er» regung ihn einen großen Lügner genannt haben. Dieser- halb erhob Manncwitz die Beleidigungsklage. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht Würzen muß'e der Kläger zu- geben, daß er schon einmal einem kommunistischen Stadtverordneten, der Vorsitzender des Mietervereins war, einen Hasen zugeschickt hohe. In die Enge getrieben meinte er. das sei nur eine übliche ,.G e s ch äf t s w e r b u n g" gewesen! Noch vernichtender als seine eigene Aussage siel für den Kläger die Zeugenverneh- m u n g aus. In der Verhandlung wurde u. a. erwiesen, daß der Kläger seine eigenen Fraktionskollegen belogen und aus der bürgerlichen Fraktionssitzung dem sozialdemokratischen Bürgermeister Mitteilun- gen gemocht hatte, und daß er sich schließlich gezwungen sah, aus sehr durchsichtigen„Gesundheitsrücksichten" sein Stadt- verordneten mandat niederzulegen. Bei dieser Sachloge konnte auch der bekannre sozialistische Rechtsanwalt Meitzer- Leipzig die Situation für seinen Man- danten nicht retten. Das Gericht folgt« den Ausführungen des Genossen Dr. Rosen seid und sprach Genossen Boot völlig frei, indem es feststellt«, daß Manncwitz ein Mann sei, dem nach der Beweisausnahm« Bestechungsoersuchc und Lügen zugetraut werden könnten! Wetter für Berlin: Weiterhin warm unb noch vorwiegend heiter, schwach« Luftbewegung.— Für Deutschland: Strichweise Ge- witter, im übrigen überall Fortdauer des mcftt heiteren warmen Wetters. Verantwortlich tili die Redaktion: Franz tllüd». Berlin; Anzeigen: Th.»locke, Berlin. Verlag: Vorwärl, Verlag®. m. b S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» drnckerei und Verlagsanstalt Paul Einger& Co.. Berlin SW 68, Lindenstrahe 3. Hierzu 1 Beilage. ( T lieaiet, Lichtspiele usw.} Tizl. 2 Yorslell. S iini»'/,(Ihr Beiharoiii KU Unsere neuen Prelle:« Wochentngi S Uhr 50 Pf. hls 3 Merk Tigl.>'/? n Sonnt, S Wir 1 hli t Hark Original- Rantelll naw. | Tägl. 5 u.«13 Sonnt. 2, 5 o 8 15 | Alex, E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE Rose- Theater, Gro$e Frankfurter Str. 132, Täglich 8.15 Uhr Der kleine Kuppler Bekanntes Pariser Lustspiel in9BiIdern. Regie: Paul Rose G.rtenbahne 5.30 Uhr: Die Scheidungsreise Moderne Operette in 3 Akten Regie: Hans Rose Ab 9. September täglich 8.15 Uhr; Die Weber Von Gerhart Haaptmana Regie: Paul Rose CASINO-THEATER lothringer Str. 8« 37. Täglich»>/. Uhr Der neue Erbflnungs- Schlager Wem MM mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. FQr unsere Lesen Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 Sessel 1.75 Sonstige Preise: Parkett u. Rang 080 M. VolKsbtlluie flieater aniBllovDliti Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heini Martin Staatsoper am Platz der Bepibllk 7't, Uhr Carmen Staat). Sdiiller-Di. 8 Uhr 2*2= 5 hardtbühnen, Kurfürstendamm, Scke UhlandstraB« Bismarck 448/449 Deutsdies Ibeatei D.I. Norden 12 310 8Us Ende gegen II Die FiedermaBS Musik v.Joh. StrauS, Regie; Max Reinhardt Musik. Einrichtung und Leitung E. W. Korngold. Ausstattg. L.Kainei Kantmersplele D.I. Norden 12310 S'/e, Ende gegen lO'h Der Oowlderstelilielie Komödie von Gäraldy und Spitzer Regie: Gustat Grfindgens n Die Komödie 1 1 Bismck. 2414/7510 i"» U-, Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie; Leoniine Sagan Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8V4 Uhr Max Adalbert in Clubleule Lostspielbius Friedrichstr. 230 Bergmann 2922 Täglich SU. Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Trianun-Trer Dir.LeoWaimer sttin Täglich 8V. Uhr Das kommt doeb alle Tage vor uittsg.«. Sven Meergaro Johannes Ricioann, Vllma r. Aknay, Max Laada, Lotte Klindcr rcrrtmcicr FRIEDMCHSm. 96 AM BAHNHOF j Direktion Dr. Roberl Klein Deulsebes Iflnstler- Theater Täglich SV. Uhr Die andere Seife von R. C Sherriff Regie; HeinzHilpert Seriiner IHM Heofe Vk Uhr UraaftQhnmg ZwülKiawaltto von Georg Kaiser Musik; Mlscha Spoliansky Regie: Forster Larrinaga Sanuwjkj-Snbiien Theater In öm KSaiggritzer StraBe 8Vi Uhr Hannlbal ante porlas KomSdi.nhau. Täglich 8V. Uhr Charleys Tante mit Cnrl Bei«. Bustav Härtung Renaissance-Theater Morgen zum SO. Male s 7S/« Uhr Die heilige Fiamme v. W.S.Maugham. IUiIi: Quat. Härtung _ in dar rrooilnrooöesaanng Steinplatr 0 1. 0$0I o.? 882/84. Hardarbanatr.». r I Reichshall®n-Theater_ Abends[¥] Sonntag n.dhm.|�sj Das gp. Fest-Programm der siefflner sanier Nachmittags halbe Preise, ebenfalls das volle Fest- Programm! Dönhoff- Brettl; Variete— Tnnr Falkner- Orchester. Sommer-Garten-THeater Berliner Prater N 58, KasL-Allee 7-9. Tel. Hb. 2240 BHizplei Gisttl Eni. Brotoi Ullon Wiener Blut Operette von Johann Straul Onxn der grobe VarietöteU. Anlang Konzert 4 OBr. Burleske u Varietä 5.S0. OptrOttO 8 III». iaaaeeee—»•••••••••• Metropol-Tö. Tägl. 8V. Uhr Sonntags 4 u. 8V. Blaubart Operette von Ottenbach Grete FlnUer, Stieber- Walter Theai. o.Westens Täglich SV. Uhi Sonntag 4 u. SV, Franz Lcban Wclteriolg' FrlederiKe Lotte Carola Hanns Wilhelm Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Lessing-Theater Norden 10840 Grnppe Langer Sduaapicler Täglich SV. Uhr losel Drama von Efeonora Kalkowska Tttai.amRatn.Tor Kottbusser Str. 6 Tägl.«Uhr auch Sonnt. nachm. 3 U. Elite' Sfinder Das Scplcmbcr-sailsotr Programnil PlanetaHnm •— am Zoo v frliag. taacklmldaln Stnli B.5 Barbarossa 5578 lOV. Uhr Haihst- ahanitaaia Rtnraan id'MJhr Bla an dl. Grenzen der Welt 20V. Uhr Räte et du Starnenlientae Tädl.auPer Montags u. Mittw. Erwachs- 1 Mk„ Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PI. Kinder 25 Pf. fitfecole Im Sorwürtt (irfietn Lrfolg! Feinster Sahnesdildiikäsc Richard Frehse Belnidfendorl-Osl, Holunders traHe 11T Sport-Stestauranl Canlianslraße(f xer) •Alfred Otpalski Leske�Glupecki, Schönhauser Allee 70c Ecke Stargarder Straß« Herren- und Knabenbekleidung fertig und nach Maß Zrühjahrs-Anzüge/ Ulster u. Paletots/ Lodenmäntel u. Zoppen, Gummimäntel Aerufsbekleidung für jedes Gewerk== Horst Walther G.m.b.H. SieMtnisUdt, VoltaetraBa 2. Fernruf; Wilhelm«20! und INS Heizungs- und sanitäre Anlagen im Ständiges Lager sämtlicher Materialien «»MlÄ (Beb. 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Zum dritten aber nistete sich seit der Schlacht bei'Lenzen in der Vorstellungswelt vieler Deut- scher der Wahn ein, daß der Slawe der Erbfeind, und daß es deutsche Sendung sei, ihm überall die Stirn zu bieten. Von der grausamen Unterdrückung der Slawen durch den Deutschen Orden bis zur Ansiedlungskommission der Bismarck und B ü l o w in den Provinzen Posen und Westprcußen gewann dieser Gedanke immer neue, aber stetem fatale Gestalt, und wenn ein hoher Bramar- bas wie Wilhelm II. sich aufplusterte:„Ich hasse die Slawen!", so ist heutzutage jeder deutschnationale Stammtisch unter dem Em- slutz schwarzweißroter Hetze gegen Polen bereit, die Schlacht bei Lenzen— mit dem Mundwerk natürlich— noch einmal zu schlagen. Nach Ostland wollen wir reiten, Herr Hugenberg! Aber das ist ein ebenso einfältiges wie gefährliches Spiel, und an der Zeit wäre es wirklich, das tausend Jahre alte Buch zuzuklappen, auf dessen erster Seite mit Blut der Name Lukini verzeichnet steht, und was die Beziehungen zu unseren slawischen Nachbarn angeht, das von Herder begonnene Buch fortzusetzen, in dem die deutsche Demokratie und Sozialdemokratie so manche Seiten beschrieben hat. Hermann Wendel. Die Einwanderung in Argentinien Starker Rückgang in den letzten Jahren Der 5. September 923, da bei Lukini, wie es damals slawstch hieß, oder Lenzen, wie es heute deutsch heißt, am rechten Ufer der Elbe Deutsche und Slawen zusammenprallten, hat größere Gegenwartsbedeutung als mancher bekanntere Schlachttag der mittel- alterlichen Geschichte. Zwar ist, wie die ganze Regierungszeit Heinrichs I., so auch der Kriegszug, den seine Hauptleute, die Grasen Bernhard und T h l c t m a r gegen die eben erst ge- bändigten und neuerdings aufsässigen Slawen unternahmen, vom Nebel der Sage umhüllt. Den zeitgenössischen Chronisten schreibt selbst der Historiker der deutschen Kaiser, G i e s e b r c ch t, nach, daß der Gegner über„unermeßliche Scharen van Fußvolk" versügt habe. Berichte aus jenem Jahrhundert besagen, das Heer der Slawen sei so gewaltig gewesen, daß, als die Morgensonne auf seine vom Nacht- regen durchnähten Gewänder schien, eine mächtige Dampfwolke himmelan gestiegen sei: die Zahl der gefallenen Slawen geben manche Quellen auf 129 999, andere gar auf 299 999 an. Wie immer, sehlt aber auch hier solchem Zahlenrausch jede rechte Grund- läge. Denn die gleichen alten Pergamente vermelden, daß ein An- griff von sage und schreibe fünfzig geharnischten Reitern die„uner- meßlichen Scharen" des feindlichen Fußvolks entscheidend ins Wan- ken gebracht habe, und nicht nünder strafen sie sich Lügen, wenn sie als Verlustx auf deutscher Seite lediglich zwei namentlich be- zeichnete und einige andere Ritter anführen. So wird es sich bei dem Tressen, dessen nächste Folge die Ilebergabe der befestigten Stadt Lenzen war, wohl um ein Handgemenge von etlichen hundert mit höchstens ein paar Tausend gehandelt haben, und nur eines dürfen wir den Chronikschreibern unbesehen glauben, daß das Schwert schonungslos wütete, daß die slawischen Gefangenen samt und sonders abgeschlachtet wurden, denn das war der Zeit und des Landes so der Brauch. In das durch Abwanderung leer und öde gewordene Land zwischen Oder und Elbe hatten sich im Lauf der Zeiten Slawen eingeschoben und waren am Ende des 6. Jahrhunderts bis über die Saale und an die Ilm vorgedrungen. Ihre Einwanderung vollzog sich nicht als breit anrauschende Flut, sondern in dünnen Rinnsalen. Zahlenmäßig waren sie schwach: wahrscheinlich siedelten auf dem ganzen Raum, den sie zu einem völlig slawischen Lande machten, kaum viel mehr, als allem in der Schlacht bei Lenzen gefallen sein sollen. In Stämme abgeteilt, von denen die Ljutizcn, die Abroditen, die Rebarier, die Dalsimnzicr, zicner, die Lusitzcr zu den bekanntesten gehörten, lebtcg sie ohne inneren Zusammenhalt,-nicht weil ihnen nach her platten Schul- meistcrweisheit die„staatenbildende Krost" fehlt«, sondern'weil die Entwicklung sie erst auf die Stufe der Gcschlechtsver- f a s s u n g und des Ackerbaues im Rahmen der bäuerlichen Haus- genossenschaft gehoben hatte. Wo sie an einer stets flüssigen Grenze mit den Deutschen zusammenstießen, gab es ein Hin und Her van Raufen und Rauben ohne Ende: diese Kämpfe sind, was ihre Wi>d> beit und ihr Ziel, Beute im kleinsten Maßstab, angeht, etwa den Stammcsfehdcn mittelasrikanischcr Neger vergleichbar. Mit Heinrich I. begann der planmäßige Vorstoß einer statt- tich zusammengesaßten Macht nach Osten, wenn man so will: die große Offensive des Germanentums gegen das Slawentum. Zwar konnte von nationalen Gegensätzen halbwegs in unserem Sinn bei den mittelalterlich gebundenen Menschen von damals nicht entfernt die Rede sein. Auch war das deutsche Königtum erst cher Embryo eines deutschen Reiches, ein lockeres Gesüge von vier Stammeshcrzogtümern, Sachsen, Bayern, Franken, Schwaben, die keinerlei Gemcinschaitsgesühl verband. Ebensowenig dachte He'n- rich I. auch nur im Traum daran, was ihm manch' frumber Histo- rikcr unserer Tage zuschreibt, für die Heidcnbekehrung das Schwert zu ziehen: er war ein kaltsinnigcr, hartherziger, nur auf Vorteil bedachter Feudalherr und kein rührseliger Troktötchenverteiler der inneren Mission. Bielmehr gelten die Worte eines späteren Ehra- nisten auch von seinem Verhältnis zu den Slawen:' KuIIa de christianitate fuit mentio, sed tantum de pccunia! Des Ehristen- tums geschah gar keine Erwähnung, sondern nur des Geldes! Der Leitgedanke seiner O st Politik war, die reichen Tribute unterworfener Slawen einzusacken und, von einer Universalherrschast iiber die Slawen des Ostens träumend, ging sein Erbe und Nach- solger Otto I. auch daran, aus slawischem Baden deutsche Landes- Herrschaften mit einträglich zinsenden Untertanen zu gründen. Nichts war unverhüllt materialistischer als das�Motio des deutschen Vordringens nach Osten.< Gleichwohl hat ein falscher Patriotismus, der zu eindeutigem Zweck unsere Vergangenheit kitschig romantisiert und sentimental:- siert, wie den Zielen so den Erfolgen dieser brutalen Politik ein moralisches Schwänzchen angehängt: in dieser Beleuchtung wird die Ueberlegenheit der deutschen Waffen zu einem SiegderZivili- sation über die Barbarei, zu einem Triumph des chiist- lich gesitteten, biederen, blauäugigen Deutschen über den heidnisch rohen, verschlagenen, engstirnigen Slawen. Aber wenn die Ge- schichte auch dieser Besiegten von' den Siegern geschrieben, das ist: bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wurde, so fällt das Urteil eines unbefangenen Betrachters wie Theodor Fontane um so mehr ins Gewicht, der von diesen Slawen sagt:„Sie waren tapfer uno gastfrei und um kein Haar salscher und untreuer als ihre Besieger, die Deutschen." In der Tat erlagen die Slawen nicht, weil sie die Schlechteren, sondern weil sie die Schwächeren waren. Don den Zeiten abgesehen, wo die deutschen Herrscher sie brauchten und, wie Heinrich II., Ljutizen und Abodriten als Bundesgenossen be- nutzten oder, wie Heinrich der Löwe, die Macht heidnischer Fürsten geflissentlich stärkten, wurden die Slawen mit allen, ober auch mit allen Mitteln roher Gewalt und feiger Hinterlist oerdrängt und ausgerottet. Ihnen gegenüber galt kein Ritterwobt, und wenn eine ihrer Festen fiel, muhten die Männer ebenso über die Klinge springen, wie die Frauen und Mädchen in schmachvolle Gesangen- schaft verschleppt winden:«der Deutsche", meint ein Gcschicht- schreiber,„hat sein Wort Sklave von den Slawen genommen". Wohl wehrten sich die immer wieder Ausgescheuchten noch zäh bis weit in dos 12. Jahrhundert hinein, aber als endlich ihr Wider- stand gebrochen war, vollzog sich allmählich eine weniger vorbedachte als selbsttätige Germanisierung der Gaue zwischen Elbe und Oder durch Kirche, städtisches Gewerbe und einströmende Ansiedler. Frei- lich blieben auch Reste der Slawen. Wenn heute noch Sorben oder Serben in der sächsischen und preußischen Lausitz wohnen, so gab es 1Z87 noch bei Köpenick„wende uf dem kitze", und in Lüchow in der Altmark wurde bis 1752 slawisch gepredigt. Vor allem aber bestätigt die Fülle der slawischen Ortsnamen östlich der Elbe die Tatsache, vor der die völkische" Geschichtsbetrachtung schaudernd das Haupt verhüllen müßte, daß die Gefilde Ostelbiens von einer ausgesprochen germanisch-slaw! schen Mischrasse bevölkert sind. Schlimmere Erbschaft hinterließ die mit der Schlacht bei Lenzen beginnende, ostwärts gekehrte Angriffsbewegung der Deutschen in dreifacher Hinsicht. Einmal wurde das den Slawen entrissene Land durch Belehnung von Kriegsknechten mit Grundbesitz der Alutterboden des Ritterguts: westlich der Elbe sind sie selten, östlich der Elbe drängt sich eins ans anders. Das ostelbische Rittergut aber ist bis ins elfte Jahr der deutschen Republik hinein eine Bastion des sozialen und politischen Rückschritts. Zum zweiten brachte es die unglückliche Geschichte der L. G. Buenos Aires, im August. Unmittelbar nach Beendigung des Weltkrieges hat man in Argentinien mit einem gewaltigen Anschwellen der Ein. Wanderung gerechnet. Leute, die das Gras wachsen hören, hoben sogar berechnet, daß aus dem zusammengebrochenen Europa allein nach'Argentinien„mindestens sllnf Millionen verzweifelte Menschen" innerhalb zweier Jahre auswandern müßten. Allein sie haben ganz vspgesien, mach.zurcchNeu, daß alle Seern ächte zusammen nidst soviel Schisjsroum besaßen, um diese fünf Millionen an die Gestade des Rio te lä Plaia bcsördern zu Iviineii. Dos. hinderte aber nicht, daß die' Spekulanten mit dieser„Millionencin- Wanderung" monatelang gute Geschäfte machten. So wie in Europa sind aud) hier alle möglichen Sicdlungsgcsells ch-o f t e n, Ein- und Bcrkaufsgenossenschaftcn, Vereinigungen zur Förderung der Milchwirtschaft, der Geslügel- und Bienenzucht, der Obstkultur und Schweinemast usw. gegründet worden. Dann kam die Ernüchte- rung, ebenso plötzlich wie die Illusion. Die neun Millionen Ein- wohner gingen wieder ruhig ihrer Beschäftigung nach, denn die ge- fürchteten fünf Millionen blieben in Europa. Die Pampa und Patogonien, der Gran Chaco und die„goldreichen" Anden Provinzen blieben unbesiedelt, aber die Bundeshauptstadt Buenos Aires entwickelte sich riesenhaft. Ganze Stadtteile wurden neu angelegt, alte wurden vollkommen umgebaut. Riesenwarenhäuser und auch einige bedeutende Fabriken entstanden. Das Land begann sich industriell zu entwickeln. Besonders die Bundeshauptstadt und die Provinz Buenos Aires. Wo noch vor kaum zwei Jahrzehnten Niederlassungen, wie Trcs Arroyos, bestanden, deren Straßen und Plätze erst vermessen, deren Paläste nur Bledzhüttcn oder Lehmhäuser waren, da stehen jetzt gewaltige IndusHieanlagen, moderne Straßen, Theater, Kinos, große Sportplätze. Aus Dörfern mit ein paar Hundert Einwohnern sind Städte mit 5999 bis 29 999 Einwohnern geworden. Dabei ist das Merkwürdige, daß sid, die'Gesamteinwohnerzahl der Republik in der gleichen Zeit von etwa neun Millionen auf wenig ehr als zehn Millionen erhöhte. Das Wachsen der Städte ist also nicht das Werk der Einwanderung, sondern vielmehr einer Art Ileberoölkerung großer landwirtschaftlicher Kolonien, in denen für den Nachwuchs der ersten Siedler kein Raum mehr vorhanden ist. So werden aus Kolonieortschasten Städte. Die Kolonistensöhnc werden Kaufleute, Geschäftsleute, vielfach sogar Begründer bedeuten- der Jndustrieunternehmungen. Die Niederlassung in neuen Ackerbau- kolonien wird durch die enormen Landpreise außerordentlich Mschwert. Während man noch vor zwanzig Iahren Neuland an Eisenbahnstationen ein 199 oder mehr Hektar großes Kolonielos für zwanzig bis vierzig Pesos pro Hektar, zahlbar in sünf Jahren, kaufen konnte, muß man jetzt dafür soviel allein als Pacht preis pro Hektar und Jahr bezahlen. Die Kaufpreise schwanken zwischen �99 und 599 Pesos pro Hektar. Das erschwert die landwirtschaftliche Siedlung, ohne die sonstige Entwicklung des Landes zu fördern. Eine natürlich« Folge ist der stete Rück gang der Einwanderung und di« Zunahme der Rück- und Auswanderung. Argentinien bietet eben den Einwanderern' und den Eingewanderten zu wenig Möglich. keiten, selbständig zu werden oder sich eine gesicherte Existenz zu gründen. Selbst Leute mit einem Borvermögen von etwa 50 000 Bt. können hier nicht viel unternehmen, das lohnend und sichex wäre, eine einiger-. maßen auskömmliche Existenz dauernd sichern würde! Während 1927 nach amtlichen Ziffern in Argentinien 161 548 Personen eingewandert sind, ist dies« Zahl 1928 auf 129 947 Per» sonen zurückgegangen. Die Verminderung in einem Jahre beträgt also 32 5911 Dazu kommt noch die Rück- und Auswanderung, die von 22 245 im Jahre 1927 auf 28 538 im Jahre darauf gestiegen ist. Das heißt, im letzten Jahre hat fast jeder zweite Einwanderer di« gastlichen Gestade Argentiniens wieder verlassen. Zu diesen amtlichen Ziffern kommen aber noch diejenigen Personen, di« nach vergeblichen Versuchen, hier festen Fuß zu fassen,„um ein� Republik weiter gehen", nach Chile, Bolivien, Paraguay, Brasilien oder Uruguay. Auch eine Art„Sachsengänger", die aber nur in den seltensten Fällen nach Argentinien zurückkehren. Nach den Feststellungen der Einwanderungsbehörden mar- schierten bis 1926 die Italiener an der Spitze, ihnen folgten die Spanier. Durch die Politik Mussolinis, die Auswanderung nach fernen überseeischen Ländern bis zur Unmöglichkeit zu erschweren, um möglichst viel.�ausgebildete Mannschaften" in erreichbarer Nähe -zur-häbdn.i ist dsc italienische Auswanderuirg nack) Argentinien um beinah« die ihälste zurückgegangen. Im letzten Jahre erreichte sie nur noch 28 873. gegen 38 861 Spanier und 21 944 polnische Staats- bürger. Bemerkenswert ist die besonders starke Beteiligung' der slawischen Völker an der Einwanderung. Voran die Leute aus Polen, � dann kommen die aus Jugoslawien mit 7865, diesen folgen 3398 aus der Tschechoslowakei, dann 2495 aus Rumänien, 2152 Litauer, 1398 Bulgaren und 1245 aus der Sowjetunion sowie Emi- grauten. Die Zahl der im Jahre 1928 in Argentinien eingewanderten Reichsdeutschen beträgt 4165 und die der Deutschösterreicher 1433. Aus amerikanischen Ländern sind 2119, aus Asien 3176 und aus Zlfrika 85 Personen eingewandert. Insgesamt sind nach amtlicher Feststellung 1857 bis 1924 eingewandert: 2 604 029 Italiener, 1 780 295 Spanier, 268 894 Franzosen. 169 257 Russen. 157 185 Türken, 100 699 Reichsdeutsche, 91869 Alt- und veutschösterreicher, 38 196 Portugiesen, 37 017 Schweizer. 24 426 Engländer, 24 842 Belgier. 24 714 Polen, 12 896 Dänen, 9250 Jugoslawen. 8751 Holländer und 2664 Schweden, aus Nordamerika 9028 und aus anderen Ländern 119 968 Personen. Die Gesamtzahl der Einwanderer betrug somit in diesen Iahren 5 4 81 2 7 6. Zlrgentinien ist stolz darauf, dasejnige Land Lateinamerikas zu sein, dos den geringsten Prozentsatz Analphabeten ausweist. In der Tat wird hier bas Schulwesen von einer jeden Regierung stark gefördert, wie überhaupt auf die Erziehung und Ausbildung der heranwachsenden Generationen außerordentlich viel Sorgfalt ver- wendet wird. Vor einigen Jahren wollte die Einwanderungsbehörds wissen, wie viele Analphabeten ins Land kommen, sie hat deshalb 1925 und 1926«ine Analphabctenzähiung unter den Einwanderern veranstaltet. Das Ergebnis war in mancher Beziehung sehr über. raschend, denn es. zeigte beispielsweise, daß von den reichsdeutschen Einwanderern 256 des Lesens und Schreibens unkundig waren. Auf die Deutschösterreicher entfielen 48 Analphabeten, die Tschechoslo- waken stellten 218, die Jugoslawen 498, die Polen 2781, die Russen 136, die Litauer 151, die Franzosen 67, die Engländer 53. die Portu» giesten 1612, die Spanier 7476, die I t a l i em e r 13 143, die Türken 117, die Syrier 319 und die Brasilianer 288. Andere Nationen stellten zusammen 479 Analphabeten. Im ganzen sind in den zwei Iahren 27 563 Analphabeten ins Land gekommen! Es wäre zu begrüßen, wenn die Einwanderungsbehörde jedes Jahr die Zahl der einwandernden Analphabeten feststellen ließe und wenn dann dafür gesorgt würde, diesem Uebel irgendwie entgegenzuwirken. 27 999 Analphabeten unter 399 999 Einwanderern in zwei Iahren ist ein viel zu hoher Prozentsatz, als daß er ohne weiteres über. gangen werden könnte. Der Zimmerer Ehrbarkeit, Genosse Drägemüller schreibt uns: Der Artikel„Der Zimmerer Ehrbarkeit" im„Abend", der am Montag, dem 2. September, erschien, enthält einige Irrtümer. Die Ehrbarkeit der Rolandsbrüder ist nicht rot, sondern dunkelblau. Die„Gesellschaft fremder Gesellen"(übrigens bestehen nicht nur Gesellschaften der Zimmerer, sondern dieselben Gesellschaften bestehen auch für Maurer), die den roten Schlips tragen, ist die sogenannte Gesellschaft der Freihcitsbrllder, die noch neueren Datums ist. Sie wurde meines Erinnerns in den Iahren 1996 oder 1997 gegründet. Dem Genossen Wissell habe ich davon Mitteitung gemacht. (11. Forlsetzitng.) Beibo horchten auf. Die Turmuhr verkündete die erste Stunde des neuen Tages. Sie erhoben sich und fuhren sinnend der Stadt zu. „Raa?" Frau Katzenmüller räusperte sich im Bett. Das sachte Schließen der Tür l)att« sie ausgestört. „A is nid) fumm, der Bastelfranz", brummt« e? im Finster». „Huste goar nischt?" „Doch! A Timm-Tischler hob'ch g'stellt." ..A Timm? Na du!" „Leicht nxir's«ich, aber mit Gottes Hilf hob'ch'n underkriegt." Der Große befühlte den Erlös und ließ ihn klimpernd durch den Schlitz der tönernden Sparbüchse fallen. „Moap, Moan, wenn's aber mal schief geht, dann sitzst« im Ge- fängnis." ..Kann's ja gar nicht. Mußt bedenken, es sind nicht die ganz Glaubensfesten, die sich jetzt noch rüber wagen, wo sich's schon im ganzen Kirchspiel rumgesprochen Hot. Es sein die, die in a Ge> Heimnissen des lieben Gottes so a biß'l rumschnüsfeln möchten. Und grad der Timm-Tischler kam mir recht, der durch seine gottlosen Gesellen schon a biß'l wankelmütig geworden ist. Ich mein', es war' nicht hübsch vom lieben Herrgott, tat a mich nicht in Schutz nehm', wo ich ihm doch ein' Dienst erweis, genau wie a Pfarrer. Aber hast recht: unterbrechen muß ich's wieder auf längere Zeit. Paß man noch einige Tag« recht gut auf, damit der Erlös zu a Paar Winterstiesel für dich und mich langt." So streckte sich der das ganze Kirchspiel in Furcht und Schrecken versetzende Geist befriedigt aus sein Lager. Daß ihm der Bostel- sranz heut nicht ins Garn gelaufen war, verschmerzte er: Der kam ihm doch noch. Katzenmüllers hausten im tiefen Gebüsch an einer Anhöhe, von wo ans sich durch eine Lichtung der Kirchsteg gut beobachten ließ. Di« von allen Seiten abgesteifte Hütte war der klägliche Ueber- rest eines Müllerhoses, dessen anderer Test mit der Windmühle durch Blitzschlag niedergebrannt war. Standesdünkel hinderte den ehe- maligcn Müllermeister, sich anderen unterzuordnen und sein Brot rechtschaffen zu verdienen. Ebensowenig wollte er von den Brosamen leben, die von der Reichen Tische fielen, nein: er griff mit seiner Alten fest zu. Da wurde gefischt und gewildert und nächtlicherweile von nahen Feldern geerntet. Holz, Pilze und Beeren bot der Wald in Ilebersluß. Nur an Geld mangelte es zumeist. Und weil Katzen- felle van rheumatischen, gichtischen und brustkranken Leuten sehr geschätzt wurden, stellten beide deren Trägern eifrig nach, und manch Kranker kaufte das gegerbte Fell seiner eigenen Katze für einige Grosd)en. Zwei schwarze Särge. „Meinetwegen nenn es den Teufel, der dich verführte, nur glaube nicht, daß er aus der Hölle kam", sagte Jakob, als ihm Heinrich das Erlebnis im Lippener Schlosse haarklein erzählt hatte. „Nein, der steckt in mir, in dir, in uns ollen. Und es war wirklich nrutig und brav, als du ihn niederrängest. Es werden noch öfter solcherlei Versuchungen an dich herantreten, dann folge stets der Stimme in dir, die sich ja immer gegen jedes Unrecht auflehnt: Gc- wissen nennt man sie. Und der Teufel— der nichts als alles Böse bedeutet— läßt durch Beispiel« die schlechteste Tat als harmlos erscheinen und verheißt nach ihrer Bollendung eitel Freude und Glück. Und was hättest du durch deine Tat angerichtet?... Jetzt aber kannst du freudig sein! Es ist dir ein herrlicher Lohn ge- worden: hast das arme Stubenmädchen von seiner Schuld frei- gemadst. Und hieran kannst du erkennen, wie das Bös« Böses ge- baren muß und wie das Gute Gutes er, zeugt." Gleich ward Heinrich der Sinn der Wort« dicht klar.. Aber er fühlte, wie gut es sein Freund mit ihm meinte. Und so erzählte er nun auch von der Begegnung mit den, Geist auf dem Friedhofe, obwohl er es ursprünglich nicht wollte, weil es ein solch kluger Mensch doch aich: glauben würde. Doch Jakob glaubte ihm. Nur inachte er aus dem Geist einen Menschen, und zwar einen frechen Wegelagerer, der es verstand, den Aberglauben der anderen für sid) nutzbar zu machen. Dieses alles beunruhigte Heinrich sehr. Er konnte sich heut nicht entschließen, sein übliches Abendgebet still zu verrichten, so starke Zweifel hatte der Jakob in ihm erweckt. Dock) ihm in allem recht gebe», vermochte er nicht: denn woher konnte der Gesell« so genau wissen, daß es keinen Gott, kein Jenseits und auch kein geistiges Weiterleben nach dem Tode geben soll. Das find doch Geheimnisse, die kein Mensch zu offenbaren weiß. Di« Turmuhr verkündete die elfte Stunde. Er schloß die Augen, denn in die Geisterstunde wollte e-- st-b nicht hineinwachen mit solch im oa>.auffo.geno«>: Morgen bracht« die Meisterin mit dem Frühstückruf die Nachricht vom plötzlichen Tode der Frau Bürger- Meisterin in die Werkstatt. Und gleich hielt sie dem Meister eine reine Schürze vor. in die er hineinschlüpfte, einen sauberen Zollstock zur Hand nahm, um sich eilends auf den Weg zu machen. Dem Heinrich ging der Tod der hübschen jungen Frau sehr nahe. Erst vor einigen Tagen hatte er sie am Stadtbrunnen unter der Linde mit ihrem Buben und ihrem Mädel gesehen. Er versetzte sich in der Kinder Leid: dabei fand er den Gedanken, auch ihm werde der Tod einst die Mutter nehmen, fast unerträglich. Beim Löffeln der Frühsuppe wogte er gar nicht aufzublicken, denn immer wieder füllten sich sein« Augen mit Tränen. Hinzu kam das stille Grauen vor dem Einsargen der jungen Mutter, wozu ihn der Meister schon bestimmt hatte. Doch als er gewahrte, wie des Meisters und der Meisterin Sinn darauf gerichtet waren, den traurigen Fall fast nur gesdiäftsmäßig zu betrachten und sie von der hohen Ehre und dem guten Verdienst/ sprachen, als der Alte mit dem Sargmoß zurückkehrte, da suchte auch er fein Mitleid zu überwinden. Und als der Jakob mit schiefgeformtem Hobel wuchtige Lehlun- gen in den Sargdeckel arbeitet, wobei Span um Span in die Höhe krimpelt, dazu er im Takt eine lustige Weise singt, wie wenn er «in Brautbett mache, als die liebe Sonne wie immer durchs Wein- laub in die Werkstatt scheint und ein Rotschwänzchen mit schiefem Köpsd)«» fragend zum offenen Fenster hereinpiepst und ihm zu- schaut, wie er das Sargholz mft Kitt und heißem Pech abdichtet, ver- gißt er zuweilen den traurigen Zweck seiner Arbeit. Da tritt Fruu Rof'l soeben ein und ruft ganz heiter dem Meister zu:„s Geschäft blüht, Alterchen! Mit'm Lamm-Schmied is auch zu End!" Wonach sie der Alte mit einem„Gott Hab ihn selig" ein Weilchen ganz ehrfürchtig anschaut: doch gleich darauf feinen alten Freund mit lächelnder Miene des Schabernacks bezichtigt, weil er es mit dem Sterben gar so unpassend eingerichtet Hobe „Was nun?" Er wandte sich an Jakob.„Seit Weihnachten keinen Fussel, und nun kommen sie gleid) paarweise." „Da sich der Tod nicht nach unserer Arbeitszeit richtet, werden wir eben mal ein paar Stunden zugeben müssen", antwortete der Geselle, dem Meister entgegenkommend. Weiß wie an Feiertagen war heut der Mittagstisch gedeckt. Hefeklöße mit Braten und eingemachten Beeren trug die Meisterin auf. Nun schämte sich Heinrich sogar ein wenig seiner Weichheit, denn hier wurde ja dem Tode ein Willkommen gebracht wie einem langersehnten Gaste. Verwundert besah und befühlte Timm den beinah fertigen Sarg. als er am Nachmittag mit Heinrich das Holz zum zweiten hereintrug. — Ein Teufelskerl, der Jakob! dachte er. Sein Jüngster, der Adolf, der noch in der Fremde weilte, war gewiß kein Stümper, jedoch eine halbe Nacht mußte stets bei einem Sarge zugegeben werdsn. Und dieser Bursche schaffte jeden Tag«inen allein. Als die Uhren in des Meisters Eck« in allen Tonarten die neunte Stunde verkündeten, legt« der Geselle seinen Hobel beiseite.„Feier- abend!" rief er.„Der Junge ist müde, und Ihnen tut die Ruhe auch gut, Meister." Hoho, was nimmt sich denn der heraus!— Dieser Ton. Der Alte wandt« sich Jakob zu.„Was ich heute tu, läßt mir morgen Ruh, denk ich halt", sagte er ein wenig gereizt. „Nach fleih'gcr Arbeit süßes Ruh'n, gibt frische Kraft zu neuem Tun.— So denk ich halt", erwiderte der Gesell« ruhig. „Ihren Fleiß in allen Ehren. Aber weil es halt, solange ich Tischler bin, beim Sargmachcn nie anders war: und weil die Farbe Zeit braucht zum Trocknen: und weil die Meisterin auch wieder ein Nadstmahl bereitet hat, deshalb sprod) ich so." „Das Nachtmahl wollen wir nicht verschmähen, was, Heinrich?" Jakob half Heinrich die Hobelspäne ins Kellerloch buxieren. Dann ging's hinüber zur Frau Meisterin, die kalte Semmelmilch und Butterbrote aufgetragen hatte. Wie ein hilfsbereiter Geselle schaute am folgenden Morgen die Sanne zur Werkstatt herein. Trocknete sie gestern die Leimsugen in einer Stunde knochenhart, so sollte auch heut ihr Dienst den Tischlern recht willkommen sein. Bald erweiterten sie ihre Werkstatt durch die Tür hinaus auf den Hof. Hier unter freiem Himmel ging Heinrich die Arbeit viel flotter von Händen als drinnen in staubiger Enge. Pechen, kitten, schleifen, bald dem Jakob, bald dem Meister zu Hilfe springen. Und Frau Sonne griff tüdstig zu mit ihren Strahlenarmen. Sic hielt das Pech dauernd in warmen Fluß und ließ es leicht in Fugen und Ecken eindringen, den Kitt härtete sie unter dem Messer, und die Farbe trocknete gleich hinter dem Pinsel. Meister Timm zog Kern und Spiegel innigster Naturtreue ge- diegenen Eichenholzes in kühn geschwungenen Adern aus den Sarg- deckel der Bürgermeisterin. Hier galt's nicht mir der örtlid)en Konkurrenz standhalten, nein: sein Ruf konnte von den vornehmen Verwandten weit hinaus ins Land getragen werden. Der Meitzer trat einen Schritt zurück und äugte über die Brille, hie und da noch ein Aederd)en nachziehend. Nachdem mit Schläger und Kamm auch Randadcrn und Poren aufgetragen waren, stellte Heinrich dem Meister den klaren Bern- steinlack aufs Farbenbänkchen: auch den sd>warzen mußte er gleich bereitstellen, damit die Sonne ihn redp dünnflüssig mache. So jeden Monat einmal: bald eichen, bald schwarz, dachte der Alte. Denn mit jedem Sarge ließ sich«in Teil der Geldsorgcn begraben.— Aber ach, die Konkurrenten! Wer kann es mit sold) scheinheiligem Banditentum aufnehmen, die Tag und Nacht die Wohnungen der Kranken mit Hilfe von Frauen und Kindern be- wachen. Und naht endlich Hochwürden festen Schritts, dann schleicht einer der listigsten Füchse hinterdrein. Und scheinbar am Schicksal der Familie des Sterbenden teilnehmend, heult und betet er am Sterbebett mehr als die anderen. Aber kaum läßt er der armen Seele Zeit zu entweichen, denn gleich zieht er Maßstab und Bleistift her? vor:„Weil mich mei Weg grad hier vorbeigeführt, werd'ch ock gleich'- Maß mitnehm', damit ihr euch nidst a Weg zu mir machen braucht." Und schon hat er den Sorg weg.— O diese Kriecher!— Ein paar Striche mit dem Lackpinsel über den Sargdeckel. Meister Timm lächelt. Wie natürlich jede Pore hervortritt. Ein nouirpoliertes Eichenbrett hält er dagegen.— Jawohl, hier ist meine Empfehlung!— Seht, das ist ehrlicher Wettbewerb, ihr nichtswürdigen Schleicher!... Beruhigend wirkt das Beschauen der wohlgelungenen Arbeit auf den Alten, während er Strich um Strich den klaren Glanz aufträgt. Ganz mechanisch taucht er den Pinsel in den Bernsteinlack, der neben dem schwarzen Topf steht, dessen Inhalt für Lamm-Schmieds letztes Haus bestimmt war. Plötzlich ein Fluch, ein Krach! und der Pinsel schlägt spritzend vor Heinrich gegen die Hofmauer. „Jesses Maria! Zldchen, Jakob!" Die Meisterin kam aus der Küche gerannt und war im Begriff, den schwarzen Lackfladen mit der Schürze herunterzuwischen. Doch Jakob sprang hinzu, schob die Alte beiseite, ergriff den Pinsel und verteilte den in schwarzen Tränen herabrinnenden Lack. Bleich vor Schreck, wandt« sich Timm ab und überließ es dem Jakob, den so prächtig geeichten Sarg mit tiefschwarzem Glan; zu überziehen.(Fortsetzung folgt.) FÜR DEN KLEINGÄRTNER, lwUMUttlUMMUMUNNUMUIMM niiniiiniuuiuttiRtwiiuniiiunitniuiiiNiiuiiiiiQuiiuuuiuiiuiiuimiuiiuniiimiiKuuuiuiuiimiiiiiiiiiuiiiiiiuiHiiniiiiiiiuiiiiimiuiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Tulpen legen. Eine gut ausgereiste Tulpenzwiebel ist die Grundbedingung, ganz gleich, ob man die Zwiebel einfach in die Erde legt, was a b September bis Frost eintritt geschehen kann, oder sie zum Treiben verwendet. Zu letzterem Zwecke pflanzt man die Tulpen möglichst früh dicht nebeneinander in Kästen und senkt diese in die Erde ein, so daß der gewöhnliche W i n t« r f r o st ihnen nicht allzuviel schadet. Gewisse Sorten lassen sich dann schon zu Weihnachten treiben, aber dies« Gewächshauskultur wird der Kleinsiedler dem Berufsgärtner überlassen. Den schönsten Flor erhält man— ohne große Mühe— wenn man die Tulpen der Erde anvertraut(sie etwa 10 Zentimeter tief legt) und vom Februar an Fenster über das Beet bringt, so� daß die Entwicklung der Blüte durch die das Glas hindurchdringenden Sonnenstrahlen vor sich geht. Natürlich muß dann mit dem Fortschreiten der Entwick- lung der Blumen für Bewässerung gesorgt werden. Die so durch die natürliche Wärme erzielten Tulpen bringen auch dem Erzeuger meist den verhältnismäßig größten Gewinn. Di« Aus- gaben für die Winterheizung fallen fort, auch ist die Arbeit be- deutend einfacher, und dann kommen diese Tulpen meist zur Blüte in einer Zeit, wo die getriebenen Tulpen schon„abgetrieben" und die Tulpen aus dem freien Lande noch nicht«fertig" sind. Wer Tulpen aus dem freien Lande zum Verkauf anbietet, wird oft die Erfahrung machen, daß diese Blumen mit dem Freilandflioder z u gleicher Zeit blühen, was sie geradezu unverkäuflich macht, da das Publikum, das den ganzen Winter über schon Tulpen(ge- tricbene) gesehen hat, dieser Ware bereits überdrüssig ist und lieber zu dem neu erscheinenden Landflieder greift. Der getrieben« Winterflieder ist meist für bescheidene Mittel unerschwinglich. Eine Eigentümlichkeit ist noch mit der Kultur der Tulpen unter Doimersts«. 5. September.- Berlin. 16.00 Boris Silber: Nöte der Jugend in Selbstzeugnissen. 16.25 Dr. Hoffmann-Harnisch und Emil Pirchan(Bildfunk). 16.35 Streit- und ZviegespUche zwischen Dr. Hollmann-Harnisch und Emil Pirchan. 17.00 Blasorfhester-Konzert. AnschlieBend; Mittsil.ingcn des Arbeitsamtes Berlin-Mitle.• 19.00 Dr. Berthold Cohn: Die wirtschaftliche Lage der deutschen Rundfunk- Industrie. 19.30 Unterhaltungsmusik. 20.00 Aus der Haagcr Konferenz. Das Debüt des englischen Schatzkanzlers Snowden und seine Auseinandersetzung mit dem französischen Finanz- minister Chdron bby den Verteilungsschlüssel für die deutschen Reparationen. 21.00 Strelchqalntetle I Mozart: Sireichquinfett C-Moll(K-V. 406).— 2. Brahms: Streichquinlett F-Dur, op. 58 Nach den Abendmeldungen bis 0.30; Tanzmusik. Während der Pause: Bildfunk. KönigswrtsterhauKen. 16.00 Rektorin Irmgard Bär: Probleme der. Freizeit für Jugendlich 16.30 Dr. J. Günther: Geschichte der Fabel. 18.00 Dr. Rudolf Levy: Minderheitenfrage in Europa. 18 30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Prot. Dr. Spieckcrmann; Moderne Saatgutbeizung. 19,20 Georg Hausdorf: Praktisch angewandte künstlerische Werbetätigkeit. 20.00 Von Leipzig; Mag von Schillings. 21.30* Vorfeift zum 60. Geburtstage von Felix Saiten. Aus dem Einakter- Zyklus; Vom anderen Ufer..Der Graf." Regie; Josef Krabe. Glas verbunden: oft scheint die Aprilsonne schon recht heiß, und nun ist es merkwürdig zu beobachten, daß die unter Glas stehenden Tulpen keine Sonnenflecken bekommen, während ungeschützt stehende Tulpen leicht fleckig werden. Wer ein Beet Tulpen anlegen will, geht am besten so vor: die Erde des Beetes wird bis auf 10 Zentimeter ausgehoben, dann die Tulpen in einem Abstände von 12 bis 13 Zentimeter gelegt und hieraus die Erde sorgfältig über die Tulpen wieder geworfen: auf diese Weise erhält man einen gleichmäßigen Stand der Zwiebeln in der Erde, was für das Herausnehmen der Zwiebeln von Vorteil ist. Wer es eilig hat, kann natürlich auch die Zwiebeln mit der Hand in die locker gegraben« Erde eindrücken: auch mit dein Spaten kann man die Zwiebeln legen, d. h. man macht mit dem Spaten eine Quervertiefung über das Beet in Tiefe von 10 Zentimeter, legt die Zwiebeln hinein und wirft nun mit der Erde der nächsten Querrinne die offene Vertiefung zu. Ein Wort Über das Herausnehmen der Zwiebeln sei noch gesagt. Man gewinnt dadurch den Vorteil, daß man aus das leer- gewordene Beet noch andere Sommerpflonzen usw. bringen kann und man erntet auch so die Brutzwiebeln der Tulpen, die man nach einiger Zeit von der Mutter ablöst. Di« großen Zwiebeln werden auf ein neues Beet gepflanzt: muß man dasselbe Beet wieder nehmen, so sorge man durch Auftrag von frischer Erde für Erderneuerung. Die kleinep Zwiebeln pflanzt man an anderer Stelle ein, um sie für sich zu kultivieren, bis sie wieder blühfähige Zwiebeln im dritten Jahre geworden sind. Nnzelstehcndc Tulpen läßt man meist an ihrem Platze, so bildet sich schließlich ein Tulpen- Komplex. Für den Winter ist eine Decke von verrottetem Pferde- mist recht nützlich: nur muh man im Frühjahr rechtzeitig erst lockern und später wegnehmen. Bei den unter Glas stehenden Tulpen ist je nach der Witterung Lüftung erforderlich. Die verschiedenen Arten der Tulpen sind ja hinreichend be- kannt: die frühen einfachen oder gefüllten Tulpen haben durch die D a r w i n- Tulpen, die länger und vielfach färben- prächtiger sind, eine starke Konkurrenz erhalten. Sehr schön sind auch die späten Freilandtulpen, die nicht getrieben wer- den können, während die Papagei- Tulpen, deren Blumen ge- zackte Kelche und papageibunte Färbung haben, nicht jedermanns Geschmack sind. Di« Preise für Tulpen sind zurzeit recht hoch, da die Winterkälte den holländischen Kulturen, die die ganze Welt mit Tulpenzwiebeln versorgen, teilweise große Verluste erlitten hat. Sortierte Ourken. Die Richtlinien von Gurkeneinlegervereinigungen haben fol- gende Bestimmungen: Als Einleger erster Sorte gellen Gurten von 20 Zentimeter Länge und 5 Zentimeter Stärke. Als zweite Sorte solche von 13 bis 20 Zentimeter Länge und 5 Zentimeter Stärke. Gurken geringeren Maßes können nur als Schneide- und Salatgurken in den Handel gebracht werden Treib-Wirsingkohl. Wirsingkohl läßi sich im lauwarmen Mistbeet treiben. Man muß hierzu die Zstissaat entweder im Herbst machen und die Pflanzen überwintern, dann im März in ein laues Mistbeet ein- pflanzen, oder man kann, wenn man im Januar/Februar ein warmes Frühbeet hat, in dieses die Aussaat machen. Nach dem Pikieren der Sämling« erfolgt im März das Pflanzen in' das lauwarme Mistbeet. Da das Treiben nur ganz bedächtig erfolgen kann, muß für Lüftung gesorgt werden. Eil» gleichzeitige andere Kultur ist in dem betreffenden Mistbeetkasten daher nicht gut mög- lich. Als Sorten kommen frühe turzstrunkige und kleinköpfige In Betracht: Kitzinger, früher Ulmer, Zweimonat swirsmg. oJ�Or/uric/oJ/ZLel Klärung im Arbeiterschachl Die Russen treten aus der Internationale aus. Die da immer noch glauben, dah es den Rulsen um eine wahre Einheitsfront in den Ku'tur» und Sportorganisationen zu tun sei, si.id um eine Enttäuschung reicher. Am 27. und 28. Zlugust tagte in Leningrad die„Allrussische Schachkonferenz" und be- schloß, au» der Arbeiterschach internationale au»- zutreten. Als Gründe werden die Wiener Beschlüsse der ASJ. angegeben, die die Russen als„Provokation" ausfasssn. Wenn es darum geht, sich unschuldig zu zeigen, sind die Russen im Gegensatz zu ihren sonstigen Gepflogenheiten recht feinfühlig. Zum Beweis dafür veröffentlichen wir die fünf Punkt« der einstimmig angenom- menen WienerResolution. Es heißt da: Soll eine weitere Zusammenarbeit gewährleistet erscheinen, sc muß gefordert werden: 1. daß die russische Sektion ihre Angriffe gegen einzelne Landesverbände und deren leitend« Funktionäre restlos einstellt: 2. daß durch die Zellen- und Fraktionsbildung in Erscheinung getretene Wühl- und Spaltungsarbcit, wie sie in letzter Zeit sich besonders im Deutschen Arbeiterschachbund fühlbar gemacht Hot, für alle Zukunft zu unterbleiben hat: ?. daß mit Rücksicht aus die tief bedauerlichen Erfahrungen des Jahres t!f28 künftig ausreichende Garantie bei Dcranstaltung von Wettkämpfen gegeben werden: 4. daß die russische Sektion, mit der ein schriftlicher Bcrkehr überhaupt unmöglich ist, wenigstens durch Teilnahme an den maß- gebenden Sitzungen und Kongressen ihr Interesse an der Mit- arbeit in der ASJ. bekundet, statt sich wie bi-her aus unsachliche Kritik zu beschränken und durch ihr Nichterscheinen«in ersprieß- liches und einvcrnehmliches Arbeiten zu boykottieren(auch in Wien war kein russischer Vertreter): S. daß die Russen sowie alle übrigen Sektionen jeden schach- lichen Verkehr mit bürgerlichen Verbänden- und ins- besondere auch die Mitarbeit an der bürgerlichen Schachpresse auf- geben, weil dies den Prinzipien der ASJ. entschieden zuwider läuft: hierbei wird verwiesen aus den Artikel des Leiters der russischen Schachbcwegung Krylenko in der Zeitung„Schachmatny Listock". Aus diesen für das Bestehen einer proletarischen Massenorgani- sation selbstverständlichen Forderungen konstruieren die Russen eine „Provokation". Die Russen müssen die westeuropäischen Arbeiter� für grenzenlos dumm halten, daß sie ihnen zumuten, an eine Provo- kation zu glauben und nicht zu sehen, wie genau sich der Austritt der Russen aus der ASJ. auf der Linie dcrgcgcnwärtigen kommunistischen P a r t e i p o l i t i k bewegt, die in der Er- richtung eigener Organisationen ihr Heil sieht. Es kennzeichnet die internationale Politik der Russen und die Bereitwilligkeit der gegenwärtigen KPD.-Leitung, sich sür diese Poli- tik in Deutschland mit allen Mitteln einzusetzen, daß der Kommunist P f l a u m- Leipzig, der Mitglied des Bureaus der Arbeiterschach- internationale ist, au» der KPD. ausgeschlossen wurde. Pflaum verwarf in Burcausitzungcn daß russische Schachführer an itoliensschen f a s ch i st i s chen Schachzeitungen mitarbeiten. Das hat ihm den Zorn der russischen Schachgewaltigen und der sie stützenden Kommunisten eingetragen. Durch den Austritt der Russen aus der Schachinternarionale ist die Bahn frei geworden für ein« Arbeit, die im Sinne der Arbeiter- schachspieler liegt. Arbeit in Leipzig. Wichtige Tagungen im Arbeitersport. Nachdem das so glänzend gelungene 2. Bundesfest des Arbeiter- Turn- und Sportbundes vorbei ist, werden sich am 13., 14., und 15. September drei der wichtigsten Instanzen dieser Organisation in der Bundesschule zu Leipzig zusammenfinden. Bundesvor- stand. Technischer Zentralausschuß und Bundes- jugendausschuß werden tagen. Alle werden sich in erster Linie mit den Erfahrungen der Nürnberger Tage beschäftigen und Schlüsse sür die künftigen großen Veranstaltungen ziehen. Der Technische Zentralausschuß wird unter anderem Stellung nehmen zur Auswahl und zur Gestaltung der Lehrgänge für 1!)30 an der Bundesschule, ebenso zu gymnastischen Problemen. Gemeinsam beraten wird der Technische Zentralausschuß mit dem V ndesjugendausschuh über die Jugendbewegung im Bund, über dis Verhältnis zwischen Vereinstechniker und Vereinsjugendleiter > nd über die Ausgestaltung von Jugcndoeranstaltungen. Gegenstand einer besonderen Sitzung des Bundesjugendausschusses sind Beratun- gen über Lehrgänge für die Jugend und die Begutachtung des in- ternationalen Erzieherprogramms, das vom Fochaus- sthuß für Erziehungswesen der Sozialistischen Arbeitersportinter- nationale ausgearbeitet wurde. Der Bundesvorstand hält am 15. Septmber seine Sitzung ab: er wird sich unter anderem auch mit der Abhaltung des 17. Bundestages, der in Köln stattjinden soll, befassen. Vorgeschlagen wird, die Togungszeit auf Ausgang Mai zu legen. In den Berichten wird die Abhaltung der gemeinsamen Führertagung des„Allgemeinen Deutschen Gewerkschofts- bundes", der„Sozialistischen Arbeiterjugend", der„Arbeitersportver- bände" in Dresden eine Rolle spielen. Einer eingehenden Aus- spräche unterworfen wird derKongreßder„Soziali st ischen Arbeitersportinternationale", der Mitte Oktober d. I. in Prag stattsindet. Ein seit langem wiederkehrender Punkt in den Vcrbandlungen des Bundesvorstandes ist„D i e L a g e i m B u n d", bei denee neben der Bestätigung der bisher vom geschäftsführenden Ausschuß gefaßten Beschlüsse, einige Anträge wegen Wiederauf- nohme Ausgeschlossener zur Verhandlung stehen. Sdmlcrsport in Treptow. Zum 13. Male versammelte am Mittwochnachmittag die Turn- Vereinigung Berliner Lehrer die Schuljugend Groß- Berlins zum fröhlichen Wettkamps: 179 Schulen stellten sich den Kampfrichtern. Ueber 3000 Jungen und Mädchen spielten von 12 bis 17 Uhr über 509 Spiele im Schlagball. Faustball, Barlauf, Grenz- ball und Völkerball. Vorführungen mit dein Springfeil, Pyramiden, Volkstänze und Uebungen mit dein Medizinball beschlossen das Fest. Den Hauptbestandteil der Veranstaltung bildeten Mannschaft». kämpfe. D�r Sieger im Zweikampf(Schlagball und Eilboten- laus) erhielt den Ehrenpreis der Stadt Berlin. Die erst« Mannschaft der 96. Schule konnte den ersten Sieg erringen. Den Preis des Lehrerverbvndes in Gestalt eines Aquarells vom Moler Wilhelm Wilke gewann als zweiter Sieger die erste Mannschaft der 31. Schule in Charlottenburg. Die allgemeine Freud« wurde durch einen Trunk frischer Milch, den die Stadt Berlin sür alle Teilnehmer svendete, ganz besonder» erhöht. Von den Vertretern der Behörden loh man den Vizepräsidenten des Provinzialschulkollegiume Dr. Grimme, Oberbürgermeister Dr. Büß und vom Stodtamt sür Leibesübungen Oberturnrat Preuß und Zobel und Stadtturnrat Thomm. Cinzelergebnisf«: i>ke Mädchen: t. 810. Schul». 6 M Punkt»:?. 3S. Schul», 1 Mannschaft,« Stcd«. R Punkt».— Völkerball d»r»nabelt; 1 22fi. Schul», b Et»»«, t!t Punkt»;? IS. Schul». �ti»b»nau. ü Siffl». M Punkt».—«reu,. bnll der Mädchen: l. 22.V Schul», S Siege, IS Punkt»:?. 90. Schul», 4 Si»a». 0 Punkt»_«chlaqball der Mädchen: U. Schule, Friedenau.- Barlauf o»r»nabcn: l. isl Schul«, S Sie«», td Punkte.— isauliball der»naben: l 9». Schul».« Sic«». 78 Punkte: I 188. Schul». 8 Siea», 88 Punkt»: ?' Ä?' �tbule, 8 Sieg».«7 Punkte.— zweikamps der»nabcn: l. 98. Schul». �.Mannschaft. MS Punkte: 2. 81. Schul». Sbarlattendurg. 1. Mannschaft. 822 Punkt-; 8. 19. Schule. Friedenau. 509 Punk«»: 4. 25. Schul«. Sbarlotten. bura, dos Punkt,._ Die Regatta de» FSV. Im Bericht über der Regatta der Freien Segler ist ein Fehler unterlaufen. Schnellstes Boot der großen Bahn wurde„Husch-Husch lV" in der Zeit von 3:52:11, und nicht„Wildfang II", der 3:52:34 gebrauchte. 5eebs Belgier am Sonntag auf der Rütt-Arena. An dem Ivo-Kilometer-Maiinschastsrennen.das die Hauptnummcr des Programms am Sonntagnochmittag auf der Rütt-Arena bildet,' nehmen drei belgische Paare teil, darunter die Gebrüder Debaets. Da Gerard Debaets nicht rechtzeitig aus Amerika eintrifft, wird der bei uns ebenfalls bestens bekannte Ccsar Debaets, der in Berlin schon eine Anzahl sehr guter Rennen lieferte, und als Sechstagefahrer einen kaum weniger großen Namen hat als G6rord, eine Mannschaft mit seinem jüngeren Bruder Gaston Debaets bilden, dem ebenfalls ein sehr guter Ruf als Mannschastsfahrer vor- ausgeht. Gaston Debaets spielte bekanntlich schon vor zwei Jahren bei den internationalen Berufsfahrer-Straßenrennen in Deutschland keine schlechte Rolle. Außer den Gebrüdern Cesar und Gaston Debaets werden die bereits bestens bewährten Dewolf-Stockelynck am Start erscheinen, sowie Alexandre Macs-Desorte. Alexandre Maes, einer der besten Stroßenfahrer seines Landes, hat auf der Rütt-Arena stets ousge- zeichnet gefallen, vor kurzem erst mit Meeuwis. Auch Desorte ist ebenfalls kein Fremder mehr und daß letzterer gegenwärtig in ganz großer Form ist, beweist fein Sieg in einem der bestbesetzten Straßen- rennen in Belgien, den er vor kurzem erfocht. Die se ch s B e l g i e r bestreiten von dem 199-Kilometcr-Mannslliastsrenircn ein Verfol- gungsrennen gegen die sechs Deutschen Krall. Miethe, Wissel, Meyer, R. Wolke, Dorn. Die zwölf übrigen Fahrer, die für das 199-Kilometer-Monnschaftsrennen verpflichtet worden sind, treffen sich außerdem noch in einem Ausschcidungsrennen. Der Kölner Schorn trainiert fleißig, da er sich fest vorgenommen hat, dem Wiesbadener Schön die Armbinde der Rütt-Arena im Ver- folgungsrennen zu nehmen, was ihm allerdings nicht ganz leicht werden dürste. Da die beiden Spezialisten sind, kann man mit den schärfsten Kämpfen rechnen. An dem Mannschaftsrennen, das den Beschluß des Nachmittags bildet, nehmen zwölf gute Paare teil, von denen die populären Lehmann-Wisfcl, die Sieger des letzten Mann- schaftsrennens sind. ver gestrig Filmabend des Arbellcrsportkartells Friedrichshain mußte plötzlich eingetretener technischer Schwierigkeiten wegen aus- fallen. Die Kindervorstellung wurde bereits wegen Versagen des Apparates abgebrochen. Alle gelösten Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit. Der Termin für die neue Vorstellung wird noch bekannt- gegeben. Der Ausfall des Filmabends wurde von den zahlreich Erschienenen sehr bedauert, da hierdurch auch der Film, cher die sozialen Einrichtungen des Bezirksamts Friedrichshain darstellt, nicht vorgeführt werden konnte. Es gehl abwärts mit dem Rekordsport! Schon öfter haben wir auf den Rückgang des Publikumsiiucr esses jür die bürgerliche Leichtathletik hingewiesen. Mit schlagzeilenkräftigen Artikeln versuchten bisher die Sportzeitungen diese Tatsache vor ihren Anhängern zu verbergen. Am deutlichsten zeigte sich der Besucherrückgang bei den letzten großen internatio- nalcn Veranstaltungen in Berlin und in Westdeutschland. Einige wenige Tausend gegen die früheren Zehntausende. Wir erklärten diese Tatsache mit der zu forciert betriebenen Ueberkultur des R e k o r d g e d a n k e ns, mit einer Erziehung der Massen zur spart- lichen Sensation. Die Struktur der Leichtathletik erlaubt aber auf die Dauer eine solche Nerocnaufpeitschung der Massen nicht, da das direkte Gefahrenmoment, beispielsweise wie bei Autorennen, bei ihr sehr gering ist. Der Zuschauer sieht nur das sich abrollende spar:- liehe Bild,, den Lauf, den Wurf oder den Sprung, aber er kann nie erkennen, ob dieser Laus eine Zehntelsetunde schneller als ein anderer oder dieser Sprung einen Zentimeter höher als der vorher- gegangene war. Er hört nur: neuer Rekord, klatscht, und damit ist sür ihn die Sache erledigt. Im Ansang war dieses Klatschen toll, es war ein Beifallsrauschen. Wer aber heute einmal das Purzeln eines Rekords erlebt, wird überrascht sein, nur mattes Beifalls- geräusch zu oernehmen. Man hat versäumt, dem Publikum wahren Sport zu zeigen, weil man mit Zahlen und nicht mit dem wahren Sportbild operierte. Man hat unterlassen, das sportliche Geschehen zu variieren, es wechselvoll zu gestalten durch Einführung gewisser Abarten der be- stehenden Disziplinen(beim Lauf ist an den Hindernis- oder Quer- fcldeinlauf, der in England heute noch Jahr für Jahr Hundert- tausende anlockt, zu erinnern!). Die Quittung für die Bevorzugung des Rekordsports erhält man jetzt, nunmehr stellen mehrere bürger- liche Sportzeitungen und Sportkorrespondenzen nicht nur ein mangelndes Publikumsinteresse fest, sondern sie anerkennen auch einen Rückgang der absoluten Leistungen. Als Grund dafür sagt man allerdings, der Leistungsrllckgang sei eine Folge der Bestimmung der Deutschen Sportbehörd« für Leichtathletik, daß vor den Deutschen Meisterschaften keine größeren Veranstaltungen durch- geführt werden dürfen. Das Interesse für alle Rasensports, das ja im Frühjahr erwache(wie die Veilchen), sei von anderen in dieser Zeit in Blüte stehenden Sportarten angelockt und nicht mehr los- gelassen worden. So sinnig und einfach dies« Erklärung ist, möchte man sie eigent- lich nur Kindern zutrauen. Dg sie aber doch von Erwachsenen stammt, kann man sie entweder nur als Naivität oder als geschickte Spekulation auf die Kritiklosigkeit der eigenen Anhänger auffassen. Wenn die Sache so einfach wäre, brauchten die Führer ja nur im kommenden Frühjahr diese Bestimmung wieder aufzuheben und die Massen und die Leistungen wären wie aus der Pistole geschossen wieder zur Stelle. Sie mögen es tun, ja eigentlich möchten wir hoffen, daß sie es tun, dann würden sie nämlich deutlich merken, daß leichtfertig ve r s p i cl t e V o l k s g u n st, so einfach nicht wieder zu erringen ist. Es sei denn, daß man das gesamte System änderte und von der bisher geübten Art des Rekordsports sich abkehrt und, wie der Arbeitersport, den Mussensport auf breitester Grundlage betreibt. Wwfäiwrt' mük i Zu den am Sonnabend und Sonntag, 7. und 8. September, stattfindenden Wochenendfahrten des Touriftenoereins„Die Natur- freunde" ist der Kartenverkauf, soweit die Flämingfahrt in Frage kommt, geschlossen. Jedoch sind Karten noch für die Wochenend- sahrt in den Oberspreewald in den Kartenverkaussstellen und in der Geschäftsstelle des Vereins, Berlin N. 24, Johannisstr. 14— 15(Geöffnet 17— 20 Uhr, außer Sonnabends) zu haben.— Sonntag, 8. September, fahrt die Abteilung Mitte des Touristenvereins„Die Naturfreunde" nach Bernau. Der Bahnfahrt schließt sich eine Won- dcrung am Licpnitzsee entlang zum Wandlitzsce an. Abfahrt 7.05 Uhr nach Bernau und Treffpunkt am Bahnhof Bernau. Gäste herzlich willkommen. Neue FTGL.-Kinderableilungen. In Britz wird morgen, Donnerstag, um 18 Uhr, eine neue Knab«nabteilung er- öffnet. Unsere Partei- und Gewerkschaftsfreunde haben nun auch in Britz Gelegenheit, ihre Kinder dem Arbeiter-Turn- und Sport- Bund zuzuführen. Montag, 9. September, folgt ebenfalls um 13 Uhr die Eröffnung der neuen Mädchcnabteilung. Die Uebungsstunden finden regelmäßig in d«r Turnhalle der Gemeinde- schule am Teich(Chausseestraße) von 16— 18 Uhr statt. In derselben Turnhalle üben ferner von 18— 20 Uhr Montags die Frauen- und Donnerstags die Männerabteilungen. Der Bezirk Lichtenberg eröffnet Freitag. 6. September, 20 Uhr, in der Turnhalle Holteistraße(Eingang Böckkinftraße)«ine Männerabteilung. Sie soll besonders für Turnen, Sport, Spiel und Gymnastik der Männer über 30 Jahre eingerichtet werden. Aach jüngere Männer, die als Anfänger den Turnbetrieb aufnehmen .möchten, sind gern gesehen. Wir bitten die Arbeiterschaft Lichten- bergs, recht regen Anteil am Eröffnungsabend dieser Abteilung zu nehmen. Gäste, die am Eröffnungsabend oder im Laufe des Septembers der Abteilung beitreten, brauchen kein Einkrittsgekd zu zahlen. Gäste sind stets willkommen. Oer Erbauer der V olksgleitflugapparate, Hans Richter, bei einem Flug in den Rhinower Bergen � MMW'Jbtsdgur föezivk Jtorden-Csten. malerhatte Berlin B»nR»lD»B» VORMALS MALEREIGENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 191 N018, LANDSBERGER AU.EE38-39 FERNSPR. ALEXANDER 5628-30 ALLE MALERARBEITEN(4t MOEBEL- UND AUTOLACKiERUNG wasche nach OewicM Damplwäsdicrei Merkur, Berlin O 112 Frankfurier Allee 307 Ferntpr.: Andreas 2820 B 11 Inh. Aug. Bachmann Mitgl. d. SPD. HUZi GROSSDESTILLATION Prinzessinnenstrasse 17 invaliden- EcKe Ackerstrasse Ritter- Ecke Brandenburgstr. Inhaber: Otto Sdiäier Batmno! Weddlng Treifpnnkt aller Werhiattaeo i«? 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