BERLIN Freitag 6. September 1929 10 p». Nr. 418 B 205 46. Jahrgang. erscheint täglich ästet Ginntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SüPf. pro Woche, s.so M. pro Monac. Redaktion und Expedition-, Berlin SW63.!indenKr.S yjVyfU>tU46 l nzetgenpreitiDIe einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pf., Reklamezeilt 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkonto: Vvrwärts-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr.»7636. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Wieder ein Bomben-Attentat! Gegen das Z�egierungsgebäude in Lüneburg/ Großer Sachschaden Lüneburg. K. September. In der Nacht zum heutigen Freitag, kurz vor 1 Uhr. explodierte neben dem Haupteingang zum Ne» gierungsgebäude unter ungeheurer Detona- tion bei großer Sprengwirkung eine Bombe. Per- zonen wurden glücklicherweise nicht verletzt. Ter Sach» schaden ist bedeutend. Durch die Explosion wurde ein Pfeiler des Keller- fensters, in das die Bombe gelegt worden war, heraus- gerissen. Die Sprengstücke flogen SS Meter weit an die gegenüberliegende Rathauswand und hinterließen dort deutlich sichtbare Spuren. Fast samt» liche Fenster des Rathauses, des Regierung s- gcbäudcS sowie zahllose Fenster anderer b e n a ch- barter Gebäude wurden zertrümmert. Teil- weise wurden die Fensterrahmen durch de« Luftdruck ein- gedrückt. Tie Wirkung der Bomb« ging nach oben und durchschlug das Kellergewülbe. I» dem dar- überlicgenden Bureau dcS Bezirksausschusses wurde» starke Verwüstungen angerichtet. Ein Schreibtisch versank halb in der klaffenden Fußboden- öffnung. Tie meterhoch mit Akten angefüllten Regale sind wüst durcheinander geworfen. Regierungspräsident Dr. Herbst, der über dem , stark gefährdeten Torweg schlief, blieb unverletzt. Tic zuständigen Stellen bei den Ministeric", dem Polizeipräsidium sowie sämtlichen Landjägereien und Polizcistationcn der Umgegend wurden von dem Anschlag in lienntnis gesetzt. Polizeipräsident Wentker traf mit mehreren Beamten auö Harburg ein, um f». fort die Ermittlungen, aufzunehmen. Vorläu-fig fehlt jedoch von den Attentätern noch jede Spur. Immer die gleiche Inszenierung. Wie bei dem Attentat auf das Haus des Anwalts Strauß. Lüneburg, 6. September. Der Bombenanschlag aus das hiesige Regierungsgebäude ist in genau der gleichen Weise inszeniert worden, wie seinerzeit der An- schlag aus das Haus des Rechtsanwalts Strauß. Durch die Explo. fion sind, wie jetzt sestgestellt wurde, zahlreich« wasserleitungs- röhre im Regierungsgebäude beschädigt worden, so daß mehrere Räume überschwemmt wurden.. Bereits wenige Stunden nach dem Anschlag war der Patrouillenwagen der Landeskriminal Polizei- stelle Harburg in Lüneburg eingetrossen. Auch der Regierungspräsident und der Polizeidezernent von Lüneburg hatte« sich bald nach dem Anschlag am Tatort eingefunden. vis zur Stunde haben sich Anhaltspunkte, die zur Ermill- long der Täter führen könnten, nicht exgeben. Bombenfund im Postamt O 2?. 23 Patronen und% Pfd. Holzkohle. Bei Prüfung des Schaltervorraums und seiner Zugänge fand heute früh ein Beamter des Postamts O 27 in der Magazinstraßt am Alexanderplah in einem Korridor eine Blechbüchse, die 23 Potro- nen und etwa% Pfund Holzkohle mit Papierstückchen bedeckt. enthielt. Aus dem ganzen ragte eine Spiralfeder heraus. Es ist nicht versucht worden, das Papier anzuzünden. Der Täter wurde anscheinend gestört. Noch Angabe van Sachverständigen, die den Inhalt der Büchse untersucht hoben, hat der Täter vermutlich die Absicht gehabt. Unruhe zu st ist« n. Er wiN der Bombenleger sein. <5in 3Sjähriger Kaufmann stellt sich in Frankfurt a. M. 5rankfurla.Rl�6. September.(Eigenbericht.) Die Sloalsanwaltschast Frankfurt a. TU. teilt mit, daß sich gestern bei ihr ein Mann gemeldet hat, der angab, er habe das Dombenotlentat im Reichstag gemeinschaftlich mit einem anderen Mann oerübt. Es handelt sich um einen Hausmann Zoseph hett. der 39 Jahre aN und in Jranksurl am Mai gebürtig ist. hett macht« in einer stundenlangen Der- pehmung cku s s ü h r l i che. bis ins einzelne gehende Angaben über ,llns verdächtigt man?- Gemeinheit! Sieht uns doch jeder an, daß wir mit rein geistigen Waffen kämpfen!' die Art. wie die Tal begangen wurde. Die frankfurter Staatsanwaltschaft hat daraufhin sofort die Berliner Stellen telegraphisch und schrlslllch benachrichtigt und hett festnehmen lassen, um ihn zur Verfügung der Berliner Polizei zu haben, die allein in der Lage sein wird, seine Angaben aus ihre Richtigkeil nachzuprüfen. Zn dem Rundschreiben wird betont, daß nach den ganzen Umständen die Angaben des hett. der übrigens ein mehrfach vorbestrasler Mann ist, mit Vorbehalt ausgenommen werden müssen. Sin wichtiger Fund im Tiergarten. Di« Polizei� die nach allen Richtungen Ermittlungen nach den Reichstagsattentätern anstellt, hat jetzt«ine neu« Spur aufge- nommen, die für die Ermittlung der Täter eventuell von erheblichem Wert sein kann. Im Polizeipräsidium hat sich nämlich ein A r b c i- t e r gemeldet, der angab, daß er im Tiergarten unweit des Reichstag» im Geblljch Uhrenleile ausgesunden habe, die einen durchaus neuen und ungebrauchten Eindruck machten. Daraufhin begaben sich die Kommissare an die Fundstelle, wo man im Grase tatsächlich Teile von einer Uhr fand, die etwa für Weckeruhren bestimmt sein können. Der Fund wurde sofort sichergestellt und Sachverständige herange- zogen, die zu dem überraschenden Ergebnis kamen, daß die auf- gefundenen Zahnräder usw. sowohl in der Form als auch in den Dimensionen fast genau mit den Teilen übereinstimmten, die man nach der Explosion am Reichstag noch aufgefunden hat. Es besteht deshalb der Verdacht, daß der oder die Täler auf alle Fälle für die Höllenmaschine Reserveleile mitgeführt haben und nach der Tat sich dieser Dinge entledigten, um zu verhüten, daß bei einer etwaigen Festnahme die belastenden Gegenstände bei ihnen gefunden würden. Die aufgefundenen Uhr- teil« sind, soweit sich bisher übersehen läßt, in der Größe auch durchaus denen gleich, die be- den anderen Attentaten verwendet wurden. Durch besondere Sachverständige wird man jetzt versuchen, die Fabrik zu ermitteln, in der diese Uhrenteil« her- gestellt worden sind. Im allgemeinen gelangen Weckeruhren und dergleichen fix und fertig zum Versand, da die Montage im Klein- betrieb eines Uhrmachers sich zu teuer stellen würde. Derartige Werkteile werden auch kaum von Außenstehenden etwa zu Repara- wren usw. angefordert. Es besteht also die Möglichkeit, daß irgend- «in Werkangestellter der in Frage toinm«nden Fabrik etwa seinen Freunden einen größeren Posten der Zahnräder, Wellen und Federn besorgt hat, und daß dann die Zusammensetzung in einer Zentrale erfolgte. Die Berliner Polizei beschäfiigt sich ferner«ingehend mit der Selbststellung des Ziljährigen Kaufmanns Joseph hett, der dpr Staatsanwaltschaft in Frankfurt angegeben hat, er hübe das Bomben- att«ntat am Reichstag aus politischem Fanatismus oerübt. Die Staats- anwaltschaft in Frankfurt a. M. hat sich mit der Berliner Polizei bereits ins Einoernehmen gesetzt, da man in Frankfurt die Angaben des Hett nicht sür-unglaubwürdig hält. In Berlin ist Joseph Hetj ganz unbekannt und es wird nun erst ermittelt werden, ob er in Frankfurt einer radikalen Partei oder Organisation angehört. Bis dahin muh die Selbstbezichtigung mit einigein Zweifel aufge- nommen werden, da bekanntlich nach jeder die Oeffentlichksit stark interessierenden Tat sich Leute sinden, die mis einer krankhaften Sucht heraus sich selbst bezichtigen. Berliner Kriminalbeamte in Lüneburg. Vom preußischen Innenministerium sind sofort nach Bekannt� werden der Tat alle Vorkehrungen getroffen, um der Täter hatihast zu werden. Zwei Berliner Kriminalbeamte weilen seit Freitag morgen am Tatort. Im preußischen Innennrinisterium wird oersichert, daß die Untersuchung mit allem Nachdruck und mit allen Mitteln durchgeführt wird. Gasexplosion in Bochum. Vier Personen schwer verletzt. Bochum, 6. September, s In den Zechenhäusern der Zeche Lothringen in der Augustastraße entstand eine schwere Gasexplosion, die in dem ganzen Häuserblock 2 bis S großen Schaden anrichtete, vier Personen wurden teils schwer verletzt, ein Kind erlitt einen Schädelbrach. Die Gasexplosion erfolgte, als eine Frau mit einer brennenden Lampe den Keller betrat. Das Gas soll aus B e n z o l d ä m p s e zurückzuführen sein, die aus einem Kanal an der Straße eingedrungen sind. Hüls von Zpsheim. Henderson fordert Reformen. Im Völkerbund wie in seiner Verwaliung. \V. S.(Senf, 6. September.(Eigenbericht.) Am Montag ober Dienstag werben bie Führer der enropLifchen Delegationen eine Aussprache über den Plan einer europäischen Staatenvereinigung abhalte«. Es wird angenommen, das» Briand die Schaffung eines Studienkomitees vorschlagen wird, das für die nächste Bölkerbundsversammlung konkrete Vorschläge ausarbeiten soll. Macdonald ist bereits abgefahren. Briand wird Genf voraussichtlich am Mittwoch verlassen, da er Donnerstag Kabinettssitzung hat. Stresemaun wird voraussichtlich Sonnabendvormittag in der Versammlung sprechen. Nachdem in der Völkerbundsversamm'. ung heute morgen der finnisch« Außenminister, Prokope, den Beitritt seines Landes zu der Generalakte verkündet hatte, begann der britische Außenminister chenderson,t>cr frühere Vorsitzende der sozialistl- schen Arbeiterinternationale, seine Programmrede mit dem Hinweis auf die englische Rheinlandräumung, den Schlußstrich unter den Weltkrieg. Henderson kritisierte dann die Zusammensetzung des Völkerbunds- sekretariats, das ein« Körperschaft von unabhängigen und international gesonnenen Beamten sein müßte. Der Beamte des Völkerbundes müsse die Treue zu seinem eigenen Lande mit der Treue zu den im Völkerbund vereinigten Nationen ver- einigen, deshalb müsse ihin eine unabhängige Laufbahn im Rahmen des Sekretariats gewährt werden. Jetzt gebe es weder eine Organisation des Nachwuchses, noch eine Organisation der Be- förderung im Sekretariat. Der ganze Zustand des Sekretariates müsse untersucht werden, um eine st and ige internationale Beamtenschast zu schassen:«in« gute Beamtenschaft sei die erste Bedingung für die Erfolge für die Durchführung von Regierung?- maßnahmen. Henderson begrüßte nun die Erklärung des chinesischen Dele- gierten über dauernde Zusammenarbeit seines Landes mit dem Völkerbund. Die neue britische Regierung werde die Schiedsgerichts- barkeit als Ersatz des Krieges fordern. Sie habe mit großer Ge- nugtuung den Beitritt anderer Länder zur Fakultativklausel und der Keneralakte Kenntnis genommen. Dos bedeute einen großen Schritt vqrwärls in der Herrschaft des Rechtes in den internationalen Beziehungen. Zur Abrüstung zählte Henderson die einzelnen Waffenorten aus, die beschränkt werden müssen, um das Gefühl der Sicherheit zu ver- breiten. Henderson forderte, daß die Macht des Völkerbundsrates zur Wahrung des Friedens gesteigert würde. Er erklärte seine Zu- stimmung zu dem Vertrage über finanzielle Unterstützung für den angegriffenen Staat und erklärte, daß die britische Regierung dem ursprünglich deutschen Vorschlag aus Ausarbeitung von Maßnahmen gegen dle Mobilmachung beitreten werde. Ueber den angekündigten Verfassungsreformplan erklärte Henderson, daß dl« geltende Völkerbundssatzung auf der Ver- sailler Friedenskonferenz verfaßt, aber von Regierungen abgeschlossen sei, die n o ch nicht bereit waren, auf den Krieg als letztes Mittel der Politik zu verzichten. Run hat seitdem die größte Mehrzahl der Völterbundsstaaten den allgemeinen Kriegsverzichtsvertrag unter- zeichnet und ratisiziert. Es bestehen also zwei verschiedene Arten von Dertragspflichten, die miteinander in Widerspruch stehen. Di« Lücke im Völkerbund macht den Angriff möglich, während der Pariser Vertrag den Krieg als Mittel der Politik abschaffen will. Henderson brachte eine Entschließung ein, die erklärt, daß die Bölkerbundsversammlung mit Genugtuung den Beitritt fast aller Staaten der Welt zum Kriegsverzichtsoertrag zur Kenntnis nehme und sich veranlaßt sehe, die völkerbundssaßung aus etwa notwendig werdende Reformen von neuem zu prüfen. Er teilte unter stürmischem Beifall der Bersammlung mit, daß bereits Frankreich, Italien, Belgien. Dänemark und Chile ihre Unterstützung dieser Entschließung ihm mitgeteilt und die deutsche Delegation ihre grundsätzliche Zustimmung ebenfalls er- klärt habe. Weltgericht und Nritenreich. W. S. Genf. 6. September.(Eigenbericht.) Die sieben Delegationen des britischen Reiches beraten hier zur. zeit gemeinschaftlich über ihre Haltung zur Schiedspflicht, der sich unterwerfen zu wollen Macdonald im Namen Englands erklärt hat. Die Hauptschwicrigkeit besteht darin, daß innerhalb des Welt- reich? der Weltgerichtshof nicht als oberste Rechtsinstanz eingesetzt, sondern weiterhin ein eigener britischer Gerichtshof rcchtsprechen soll. Es besteht wohl jetzt Einmütigkeit hinsichtlich dieser Frage zwischen England und den selbständigen Reichsteilen: nur Irland als jüngste» und von England lange mißhandeltes Dominion war bestrebt, den Weltgerichtshos auch zwischen sich und dem übrigen Empire einzuschalten, um damit seine Existenz zu ihm zu unterstreichen. Die Fonnel, auf die man sich einigen muß, läuft also darauf hinaus, daß bei F a m i l i e n st r e i t i g k e i t e n der Weltgerichtshof ausgeschaltet, daß aber bei Rechtsstreitigteiten eines Familienmitgliedes oder der britischen Gesamffomilie mit anderen Staaten diese internationale Instanz entscheiden soll, sei es, daß Eng- land oder ein Dominion oder alle zusammen als Kläger oder als Beklagte auftreten. Die konservative Regierung Englands hat fünf Jahre lang den Dominien cingeredt, daß friedenerechtlich alles schon zum Besten geordnet sei. Die fortschrittliche, schiedssreundsiche Arbeiterregierung Englands hat es daher nicht ganz leicht, sie vom Gegenteil zu über- zeugen. Die Annahme der Schiedspflicht bedeutet ja nicht nur, daß man dann jeden Staat verklagen kann, der sich ihr unterworfen hat, sondern auch, daß man sich oerklagen lassen muß und der Berhand- lung sich nicht entziehen darf. Hier hat bisher msbesonderc Australien Schwierigkeiten gemacht, weil es seit jeher und auch jetzt unter der Ministerpräsidentschast von Bruce befürchtet, daß dann z. B. Fragender Einwanderung international und nicht national von Australien selbst entschieden werden könnten. Aber es ist anzunehmen, daß diese Besorgnisse alsbald als ein Mißocr- ständnis aufgeklärt werden: nach dem herkömmlichen Dölkerrecht gehöre di? Einwonderungs- ebenso gut oder schlecht wie die Zoll- Politik zu den inneren Fragen, über die jeder Staat selbst— wie lange noch?— zu entscheiden hat. Wie die Ankündigung Dandurands im Namen Kanadas am Mittwoch zeigte, ist aber anzunehmen, daß die Arbeiterregierung Englands sich bei den sechs übrigen britischen Regierungen bald durchsetzen wird. Bedeutet doch die Pflicht, vor dem Weltgerichtshos erscheinen zu müssen, hinwiederum auch das Recht, im eigenen Nomen klagen und plädieren zu dürfen. Diese Stärkung der Selbständigkeit der Dominien durch den Beitritt zur Schiedspflicht, zur„Falkultativklausel des Weltgerichtshofes"(so ge- nanat, weil der Beitritt fakultativ, freiwillig ist), wird dann doch wohl dazu führen, daß in einigen Tagen England, Irland Australien, Neuseeland, Südafrika, Kanada und Indien die Schiedspflicht unter- schriftlich anerkennen und damit in eine Reihe mit Deutschland und vielleicht bald auch Frankreich rücken. Da» Nachstehend« läßt sich nur im Wortlaut genießen: 5anfarentlang au» Aranken > Sondierbericht der„Deutschen Zeitung" Vergschloß Hoheneck bei Ipsheim(Mittelfranken), ',iz, dci in dcm Wur.zener Gc- ilügelprozeß gegen Bürgermeister Book austrat, ist National- s o z i a l i st. Der Druckfehlerteufel hott« au» Meitzer ganz zu lln- recht einen sozialistischen Anwalt gemacht. „Zwei Krawatten." Berliner Theaier Krawatten mad>en Leute. Den besrackten Bollgast, hinter dem die Kriminalpolizei her ist, oerwandelt die schwarze Binde in den Kellner Jean, mit dem er tauscht. Der Kellner, als Herr im Frack mit weißer Binde, wird Gast unter Gästen, Kaoalier unter Kava- lieren. Das Tonrbolalos, dos Ar mit In Kauf genommen, bringt ihm den großen Gewinn des Abends: eine Freifahrt nach Amerika in Begleitung der reichen Erbin Mabel. Man errät die Fortsetzung. Im Herzen Sehnsucht nach einer kleinen Kaschemmensreundin Trude, die er in Berlin zurückgelassen, hat Jean bald genug von der neuen und großen Welt und von Mabel samt ihren 30 Dollarmillionen. Zum zweitenmal verwandelt ihn der Täuschungstrick der getauschten Krawatte, rettet ihn vor dem Ansturm der glänzendsten Gesellschaft Amerikas, aus der er plötzlich— kein Mensch weiß wohin verschwindet. Als Kellner Jean, armer Proletarier, tritt er die Heim- fahrt an, auf demselben Dampfer, der ihn, Passagier erster Klasse, in das lockende Abenteuer geführt hatte. Damals war, heimlich und unerkannt, Trude ihm gefolgt,' im Zwischendeck selbstverständlich. Nun sitzt er im Zwischendeck, und oben, elegant hingestreckt, in einem Liegestuhl der ersten Klasse sehnt Trude sich nach ihrem Jean, dem sie vergeblich durch halb Amerika nachgejagt war, Herrin eines 40-Millionen-Vermögens, das ihr durch Erbschaft zugefallen. So ist die Treue des Kellners schließlich noch ein glänzendes Geschäft An der wegwerfenden Ironie, nüt der diese Kolportagehandlung gestaltet ist, an der Symmetrie der szenischen und psychologischen Konstruktion(soweit hier von Psychologie zu reden ist) und hie und da an der knappen, straffen, witzigen Führung des Dialogs erkennt man den Autor Georg Kaiser. Aber ein ernst zu nehmendes Drama ist dies Stück nicht geworden und sollte es nicht werden. „Rcvuestück" nennt es sich:«in Dichter und Dramatiker, ein literarischer Name sollte bemüht werden, um mit einem Minimum an dichterischer, dramatischer, litcrarirscher Pidtemion für eine Revue, eine bunte, abwechslungsreiche Theaterschau Vorwand und Rahmen zu liefern. Die Musik dazu hat Mischa Spoliansky geschrieben. sehr viel Musik, denn es war ihr«ine beherrschende Roll« zugedacht. Im Bezirk der Revuen und Kabaretts ist Spoliansky ohne Zweifel ein Musiker ersten Talentes, ein feiner Musik«?- mit aparten Ein- fällen, mit einer persönlichen Note und mit sehr ernst zu nehmendem Können. Aber für die ihm nicht ganz gewohnte Ausgabe hat er nicht immer den Ton gesunden, es ist ein Pendeln zwischen ver- schiedcnen Stilen und Stilmöglichkeiten, bald Kabarett, bald Epe- rette mit Ossenbachschen Allüren, bald Varietejazz, bald Oper. Ein paar Nummern, wie dos Couplet von der„Chance", auf die rs im Leben ankommt, und der letzte Rundgesang schlagen ein: aber das Leise, Sentimentale, Unbestimmte herrscheu- vor, und man spürt stellenweise die Verlegenheit des Komponisten, einen entschlossenen Ton anzuschlagen. Spoliansky sucht, und nicht nur er, das Theater iucht heute nach neuen Formen, an Stelle der absterbenden Operette eine neue Gattung von leichtem Musiktheater fiu schassen. Das Theater sucht: auch das„Be r l i n e r T h e a ter", bos Dr. Robert Klein mit dieser Novität eröffnet, hat gesucht, und es hat, nach dem Erfolg der Premiere zu schließen, eine Attraktion gesunden auf lang« hinaus. Die Aufführung in Forster-Larrinagas Regie tut dazu das Ihre. Hauptträger des Erfolges: Rosa Valetti, Jakob T i e d t k«, Hans A l b« r s. Und das Tänzerpaar Moore and Levis. An tänzerischen Sehenswiirdigkciten ist auch sonst kein Mangel. Klaus Drinxsbeim. Ende des schönen Wetters? Schwere Gewitter in Mittel-, Nord- und Westdeutschland. Das wochenlang anhaltende schöne lvetler, ollen Erholungs- und Urloubsreisendcn zur Freude, den Landwirten aber vielfach zum Kummer, ist anscheinend vorüber. Die anhaltende Trockenheit hatte in vielen Orlen Sachsens und Thüringens bereits zu außerordentlichem Wassermangel geführt. In Plettenberg muhte die Wasserobgabe rationiert werden. Die haussrauen mußten stundenlang Schlangeslehen, bis sie ihre Eimer gefüllt bekamen. In Neukirchen wird gegen jede widerrechtliche Wasserentnahme eine Strafe von mindestens S0 Mark angedroht. In Greiz kann nur noch stundenweise am Tage Wasser abgegeben werden. Nunmehr aber werden aus Mittel-, Nord- und Westdeuljchland schwere Gewitter und zahlreiche Brände gemeldet. In Erfurt ging am Donnerstag nachmittag«in sehr schweres Gewitter nieder, das von w ol k e n b r u ch a r t i g e m Regen be- gleitet war. In Büßleben schlug der Blitz in eine Gastwirtschaft ein. Bevor die Feuerwehr eintraf, standen vier Gehöfte in Flammen. In Mecklenburg geriet die als Schauplatz der Iakubowski-Tragödi« bekannte Polinger Heide in Brand. Jnsolge der furchtbaren Dürre grisf das Feuer rasend schnell um sich. Fast die halb« Heide wurde vom Feuer vernichtet. Aue den ver- schiedensten Orten Mecklenburgs werden Brandschäden injolge Blitz- schlag gemeldet: Im Münsterland wurden in der Gegend von fteichsminiSier 3)r. 3ofeph llirlh rrlrd heule SO Jahre all. Borghorst zwölf B a u e r n g e h ö f t« durch den Blitz« i n g e- äschert. Dom unteren Nicderrhein werden ebensalls schwere Ge-. wilter und große Schäden gemeldet. Ein gewaltiges Unwetter hat die Proowzen Friesland und Drmihe in Holland heimgesucht. Im ganzen wurden dort 17 Bauernhöfe und 10 Wohnhäuser durch Blitzschlag eingeäschert. Ueber verschiedenen Orten der Pfalz ging am Donnerstag Nachmittag ein äußerst heftiges Gewitter nieder, das von wölken- bruchartigen Regenschauern begleitet war. Besonders heftig entlud sich das Gewitter über den beiden Orten Forst und Deides- h e i m. Neben dem Schaden, der durch die großen Wasfermcngen verursacht'wurde, sind auch zwei Menschenleben zu beklagen. In Deidesheim wurden der äO Jahre alt« Winzer Stadtrat Adam Seylcr und der 28jährige Arbeiter Ludwia Wittmann vom Blitz erschlagen. Wirtschaft und Christentum. „Für Betätigung christlicher Gesinnung fast kein Spiel- räum"— sagte der Llnternehmervertreter. Die.International« Kirchenkonferenz" in Eisenach trat am Donnerstag mit einer Kundgebung über das Thema „C h r i st e n t u m u n d W i r t s ch a f t" vor die Oesfeirtlichkeit. Nach dem— sicher unverdächtigen f- Bericht der„DAZ." geben wir die nachstehenden Aueführungen wieder: Der deutsche Radner Dr. hollhöfer vom Bergbaulichen Verein in Esten, der vom Standpunkt des Unternehmers sprach, stellte fest, daß der Spielraum für die Betätigung christlicher Gesinnung in der heutigen deutschen Wirtschaft aufs äußerste beschränkt sei. Der Redner wies fi. a. hin auf die schmale Ernäh- rungs- und Rohstoffbasis des deutschen Volkes, den Druck, der durch die nie tragbaren Kriegstribute ausgeübt werde uich auf den Schematismus der sozialen Gesetzgebung, die er keineswegs beseitigt wisten wollte, die aber in ihrer heutigen Form dem Menschen einen großen Teil der eigenen Verantwortung nehme. Christliche Gewissenhaftigkeil könne dahin wirken, daß nicht in breiten Volksschichten Vefürchtui�en geweckt werden, die zur Verelendung des ganzen Volkes führen müßten. Der sittliche Gedanke de, Opfers müsse wieüer in allen Volksschichten lebendig werden. Christentum in der Wirtschaft bedeutet also: Abbau der Sozialpolitik und Gewöhnung der Arbeiterschaft an den Ge- danken, daß sie die Opfer z» tragen hat. Im übrigen ist kein ..Spielraum" für Betätigung christlicher Gesinnung in der Wirtschaft vorhanden! Ein feine« Christentum! Dorf man Herrn Holchöfer vom Berg- baulichen Derein fragen, wodurch sich das von ihm gepredigte ..Wirtschaftschristentum" von schäbigster Habsucht, nackte- st er Profitgier und schonungsloser Ausbeutung unterscheidet.?!___ Oas Liquidaiions-panama. Untersuchung 0er Schiebung mit Feindbesitz. London, 6. September. „Daily Matt" berichte«: Das Handelsamt stellt eine amtliche Untersuchung der Berichte über betrügerische Manipulationen mit Aktien und Essetten an. die vom Elearinghouse für Feindes- schulden verwaltet wurden. Es soll sich um Betrügereien in höhe von»ieltn tausend Pfund Sterling handeln. Zur Unterstützung wurden mehrere Beamte der verschiedenen Abteilungen de» Elearinghouse vom Urlaub zurückgerufen, und gestern fand eine längere Konserenz zwischen dem Revisor, dem Sekretär und dem Fiaanzauwatt statt. „Sensation im Wintergarten." Atrium. Nur der eigene Schwärm für das Milieu läßt dos Publikum beifallsfreudig die vielen Artistenfilme ertragen. Diese sind alle nach einem Schema gearbeitet, das die Filmiuimstrie offenbar für unverwüstlich hält. Um Spannung und dramatische Höhepunkte zu haben, schreibt man eine knallige, unwahrscheinliche Handlung und läßt ungenannte Artisten halsbrecherische Kunststückchen ausführen, damit Filmstars zu billigem Ruhm kommen. Diesmal geht ein Grafensohn, dem der Stiefvater nicht gesällt, unter die Artisten. Im selbst erwählten Beruf wird er eine Welt- berühmtheit. Als er von jenseits des großen Teichs in die Heimat zurückkommt, gibt es«inen bösen Zusammenstoß mit seinem Stief- oater. Und da die Filmindustrie ohne durchgeschnittenes Seil keinen Artistenfilm herstellen kann, versucht diesmal der Herr Baron das Seil zu durchschneiden. Dabei stürzt er ab und der weltberühmte Lustturner reist mit Mutter und Braut in ein« neu« Heimat. Gennaro R i g h e l t t ist der Regisseur dieses Film«. Bislang war er der Mann der bewegten Massenszenen und der gut heraus- gearbeiteten dramatischen Höhepunkte. Diesmal ist er«in vorzüg- licher Milieufchilderer, aber das ist beim Artistenmilieu gerade Nicht schwer, denn dieses Milieu hat es in sich. Der Regisseur braucht nur photographieren zu lassen, er braucht nicht auszugestalten, er darf nur nichts erschlagen. Paul Richter war, soweit er sein« Rolle selbst durchführte, sympathisch und zurückhaltend. Clairc R e m m e r gab eine gute Partnerin ab, doch mußte sie rein s�hau- spielerisch herzlich wenig leisten. Erna Marens war mal wieder weit mehr elegante Frau als Mutter und Gaston I a q u e t gefiel sich als Bösewicht nach altem Rezept. Wlod. S o k o l o f f verriet Eigenleben. e. b. Marsbeobachtungen mit Farbfiltern. Während der Opposition des Mars im Jahre\92ß hat der russische Astronom Barabaschesfan einem mittelgroßen Spiegel- teleskop der Charkower Sternwarte den Planeten mit ver- schiedenen Farbfiltern beobachtet. Er macht nun in den„Astrono- mischen Nachrichten" Mitteilung über seine interessanten Untersuchungen. Mit Gelb- und Grünsiüern konnten sämtliche Gebilde etwas schärfer gesehen werden als ohne Filter. Mit dem Rotfilter waren viel.« Einzelheiten, wie z. B. die kanalartigen Erscheinungen und kleinen Seen, ganz besonders gut zu sehen. Durch das violette Filter bot der Mars einen ganz anderen Anblick. Wie„Verwaschene Schattengebilde", sagt Barabaschcss, erschienen die dunklen Flecke, während die weißen Gebilde als ausgedehnte und hell« Objekt« sichtbar waren. Einige weiß« Flock«, die Im Diolettfilter als leichte Erhebungen am Rande der Marsscheibe sichtbar waren, hält Bora- baschesf für hochgelegen« Wolkenschichten. Uebevhaupt-ist er der Ansicht, daß der größte Teil der beobachteten weihen Fleck« auf dem Planeten Mars Wolken sind. Damit vertritt er auch die Auffassung, daß die Marsatmosphär« viel dichter ist, als heute im allgemeinen angenommen wird. Die vollkommenste Schule der Welt. Der Prager Stadtrat beschloß dtn Bau einer Schule, die den Anspruch erheben darf, die modernste Schul« der Welt zu werden. Die einzelnen Klassen erhalten Waschräume. Toiletten und Garde- rvben und sind als Wohnungen für sich abgeschlossen. Sämtliche Räum« werden mit Suffitenbeieuchtung versehen, um das Tages- licht voll zu ersetzen. Eine Kantine, die als Erholungsraum für jene Schüler, die über Mittag nicht nach Hause können, vorgesehen ist, sowie ein besonderer Lern- und Lesesaal vervollständigen die Aus- rüstung. Auf dem Flachdach werden Sonnenbäder und im park ausgedehnte Spielplätze geschaifen werden tk«n unbekannter Stendhal. In dem Pariser Berlage Bossard hat der französische Literor- Historiker Henry Ramboud einen bisher noch unbekannten Roman von Stendhal, dem Dichter de» berühmten„he Rouge et Le Noir" veröffentlicht.-Das Wert sührt den Titel„he Rouge et Le Blanc" und entstammt der letzten Schaffenspsriode des Dichters. Die literarisch« Forschung kannte dieses Werk bisher nur au» Fragmenten. Der internationale Kongreß für Augenheilkunde wurde Donners- tng im Konzerthaus von Amsterdam eröffnet. Im Kokonialinstitut befindet sich die Ausstellung über die Entwicklung der Augenheilkunde, die ein interessantes Bild, besonders von der Entwicklung der optischen Instrumente im Lauf« der Jahrhundert gibt. „Die Kahrt ins Keuer" Mozartsaal. Der Krieg als Anlaß für sentimentale Herzensergiehungen, für ein« verlogene Rührseeligkcit, die Deutschland überwunden und die sich in Amerika angesiedelt hat. Ein Film, der für Volksverdummung Propaganda macht. Eine Elsäsierin verliebt sich in«inen einquartierten Ossizier, geht in der Nacht zu ihm, während die darüber empörten Dorfbewohner ihrem Großvater den Star stechen. Ein Herzschlag ist die Folge Der Nebenbuhler,«in Großbauer rast. Die Sünderin verschwindet. Krieg. Ein Frauenkloster soll geräumt werden. Dort finden sich der Offizier mit seiner jetzt als Nonne kostümierten Geliebten wieder. Dabei schwelgt der Regisseur Viktor Fleming in Opernstellungcn. etwa Tannhäuser vor Elisabeth im zweiten Akt. Auch der Neben- buhler taucht als französischer Soldat aus der Versenkung auf, will den Deutschen abschlachten, wird dann aber durch die groß« Liebe gerührt und rettet die beiden unter Opferung des eigenen Lebens. Endlich Schluß. Der Einsatz ist gut Milieucchtlieit und viel Stimmung, schüchterner Versuch: die Unbeliebtheit des deutschen Militärs bei den eingesesienen Elsässern zu demonstrieren. Aber alles in zu breiter Anlage, vor allem die Liebcsgeschicht« in weicher und heller.Photo- graphi« mit Szenen, die dem Vorbild der„Auferstehung" sklavisch folgen. Den letzten Teil mit seinem sacharinierten Kitsch kann nur ein amerikanischer Hinterwäldler zwischen Mississippi und Rockey Mountains ertragen. Vilma B a u ck y gibt der Sünderin natürliches Temperament, wahrend W o l l h e i m nur böse Intrigantenaugen macht und Walter Byron ein schönes, aber stercs Gesicht zeigt. Im übrigen haben wir genug van dielen Aibernbeitsn, die den Krieg als Opernftaffage brauchen. F. R. . Autorenabend der„�up� Di«„Lupe", eine Organisation, deren rege Initiative zur Diskussion gegemvartswichtiger geistiger Fragen grundsätzliches Lob verdient, leitet« gestern ihre Winterarbeit mit einem Autorenabend Felix Langers ein. Der Hauptteil der Borlesung bestand in einem Kapitel au» einem noch unv«röfs«ntlichten Roman: Hzenen, welche die physischen und seelischen dualen deutscher Kriegsgesangcncr in Sibirien zum Gegenstand haben. Die Schilderung bleibt dünnes, unprägnantes Klischee. Sie hätte ausschnitthaft das höllische Faktum des Krieges gestalten können. Dazu aber fehlt Langer der Mut zur deutlichen Parteinahme. Sein breiter, gemüthafter Belletrismus kann dem Menschen von heute nichts sagen. Der heitere Teil des Abends verlief noch unoerhülltcr in dieser Richtung. Er gab behaglich strömende Jovialität, eine niedlich«, scherzhafte Welt von gestern, und nur ganz verschämt lugt aus Spitzweaiaden«in pazifistisches Gesinnungszipfelchen berkws Handschriften Wolframs von Escheubach enldeckl. Im«lad!« orchiv zu Wasserburg wurden, wie erst jetzt bekannt wird, mittel» hochdeutsch« Handschriften entdeckt, die wertvolle Ergänzungen zu den Dichtungen Wolframs von Eschenbach darstellen. Es handelt sich um insgesamt sieben Handschriften, darunter fünf größere Stücke, die bisher Unbekannte Teile der Dichtung„Willehalm" darstellen. Zwei Stücke enthalten Teil« aus„Parzival". Der Inhalt der Bruchstück« Ist von Oberbibliothekar Hartmann von der Handschriftenabteilung der Münchener Staatsbibliothek als echt anerkannt worden. Die Handschriften bleiben Eigentum der Stadt Wasserburg. Die nördlichste Radiostalion. Die am höchsten nördlich gelegen« drahtlose und meteorologische Station ist jetzt an der Tranquil-Bai im Franz-Josef-Land im Polarkreis von einer russischen Expedition eingerichtet worden. Wie der Leiter der Unternehmung Schmidt in Moskauer Blättern erklärt, ist diese Station mit den allermodernsten Instrumenten ausgerüstet und arbeitet mit einer Wellenlonge von 43 Metern. Während der Forschungsreisen dieser Expedition erreichte der Eisbrecher„Sedow" 82,14 Grad nördlicher Breit« und brach so den Rekord für die Schiffahrt im hohen Norden. va» Ihalia-lhealer wird Dienstag unter der neuen Direktion von Dr. Kurt Berendt mit der„Komödie der Irrungen" und„Dem zerbrochenen Krug" eröffnet. Ein« homöopathische PoUNlmk in Berlin Nachdem erst unlängst an der Berliner Unwerfität ein Lehrstuhl für homöopathische Medizin errichtet worden ist, wird jetzt auch eine homöopathisch« universitättz-Polltllntt«in- gerichtet werden. Die Leitung derselben ist Dr. Bastanier überlragen worden. Vermehrung der weibliche» Aerzle In Deutschland. Während«4 bei Kriegsausbruch Im Jahre 1914 in Deutschland nur 195 praktizierende Aerz- tinncn gab, hat sich seit dieser Zeit die Zahl der weiblichen Aerzte ungesähr verzehnfecht. St« beträgt zurzeit 1890, wovon in verun allein 400 prallt- zieren. Englische Antworinote an China. Die chinesische Gouveräniiäi.— England erwartet weitere Vorschläge. London, k. September. Die englische Regierung hat durch ihren Gesandten in Peking der chinesischen Rationolregierung eine Rote über- Mitteln lassen, die die Antwort aus den Wunsch Chinas darstellt, die der Jurisdiktion und Souveränität Chinas durch das System der Cxtraterrilorialität ouserleglen Beschränkungen beseitigt zu sehen. Die Note führt aus, daß die englische Regierung, beseelt von den freundschaftlichen Gefühlen, die sie dem Volk und der Regie- rung Chinas immer entgegengebracht Hab«, das Ersuchen der chinesi- schcn Regierung im Geiste der V e r st ä n d i g u n g geprüft habe. Die Note gibt einen historischen llcbcrblick über das Zustandekommen der Extraterritorialitätsverträge. Sic unterstreicht, daß zu der Zeit, in der zum erstenmal Europäer nach China kamen, zwischen der westlichen Ausfassung von internationalen Be- Ziehungen und der chinesischen Gedankenwelt keinerlei Der- bindung bestanden hatte. Die chinesischen Regierungen vergangener Zeiten hatten es nicht über sich gewinnen können, dem Europäer freien Z u tritt zun: chinesischen Staatsgebiet und freien Der- kchr mit chinesischen Bürgern einzuräumen. Ebensowenig habe China damals die Nationen, zu denen diese Europäer gehörten, als gleichberechtigt anerkannt. Das Ziel der ersten Verträge sei gewesen, China zur Anerkennung der Gleichberechtigung Groß- brita n niens zu veranlassen. Nachdem diese Regelung getrosfen worden sei, habe sich Groß- britannicn damit abgefunden, daß seine Staatsangehörigen sich den Beschränkungen zu fügen hatten, die die Achtung der Souveränität Chinas ihnen auferlegte. Es sei ihnen damals bis zum heutigen Tage die Ansäsjiginachung nur in einer beschränkten Anzahl van H a f c n st ä d t c n erlaubt worden, die unter dem Namen der Vertragshäfen bekännt seien. Die britische Regierung erkenne an, daß das System der Konsu- largerichtsbarkeit mancherlei Mängel und Unzuträglich- leiten aufweise. Bereits im Jahre 1902 habe sie in dem abgeschlossenen Handelsvertrag sich bereit erklärt, auf die extraterritorialen Rechte Verzicht zu leisten, sobald nach Ueberzcugung der eng- lischen Regierung der Zustand der chinesischen Gesetzgebung und'die Art ihrer Durchführung einen solchen Schritt als tunlich erscheinen lasse. Die Note führt weiter aus, daß �ie englische Regierung die Be- stxebungen zur Abschaffung der extraterritorialen Rechts mit Interesse und Sympathie verfolgt habe. Sie gibt auch die B e r e i t s ch o f t z u erkennen, zusammen mit der chinesischen Regierung dos ganze Problem einer neuen Prüfung zu unterziehen, um zu ermitteln, welche weiteren Schritte zurzeit geschehen könnten. Die britische Regierung müsse jedoch bemerken, daß die Inkraftsetzung von auf westlichen Rechtsprinzipien ausgebauten Gesetz- büchern nur«in Teil der Aufgabe sei, die bewältigt werden müsse, bevor es möglich sei, die bisherigen Vereinbarungen, die den Ausent- halt fremder Staatsbürger in China regeln, preiszugeben. Damit die Reformen zur lebendigen Wirklichkeit würden, scheine es der englischen Regierung notwendig, daß dte Prinzipien westlicher Gesetz- gebung auch vom Volk verstanden und gebilligt würden. Die Note weist daraus hin, daß sowohl militärische Führer wie auch gewisse Gruppen und Verbände entweder willkürliche illegale Gerichte aus eigener Machtvollkommenheit schaffen oder daß sie oersuchen, zu Recht bestehende Gerichte zur Förderung g e- wisser poli tischer Ziele zu benutzen. Bevor den an die Rechtsprechung zu stellenden Bedingungen nicht in weit größerem Maße entsprochen werde, als es anscheinend zurzeit der Fall sei, scheine es der britischen Regierung keine andere praktisch durchführ- bare Möglichkeit zu geben, als das bestehende System der- V e r- tragshäfen aufrechtzuerhalten, wenn auch vielleicht in einer modifizierten Form. Nach Ansicht der englischen Regierung bestehe im Augenblick das Problem nur darin, festzustellen, welche weiteren Abänderungen in dem bestehenden System zurzeit wünschenswert und durchführbar seien. Sic erwarte weitere Vorschläge der chinesischen Nationalregier u ng hinsichtlich der Frage, welches Derfahrenl zur Untersuchung des Problems einzuschlagen sei. Sie werde allen solchen Vorschlägen gegenüber ein« freundschaftliche und hilfsbereite Haltung einnehmen Britische Verluste in Palästina. Die Beduinen dringen vor.— Neue ernste Lage. London, K. September. Vlältermeldungen aus Jerusalem zufolge werden die ersten britischen Verluste im Kampfe mit Arabern aus Gaza gemeldet. Es verlautet, daß die dortigen britischen Truppen in einen Kamps mit Abteilungen berittener Beduinen gerieten, die versuchten, in Palästina einzudringen. Es soll sich um Stämme von der Sinai-halbinsrl handeln. In diesem Kampfe sollen beide Teile schwere Vertu sie erlitten hoben. Auch in Berseba sind, wie die Blätter berichten. Kämpfe zwischen britischen Truppen und Arabern im Gonge. „Daily Telegraph" bemerkt: wenn es wahr ist. daß Beduinen aus der Sinai-Halbinsel in Palästina eindringen, so wird dadurch eine neue und ernste Lage geschossen. Aus Kairo wird gemeldet, daß Flugzeuge bei Radius fünf Eingeborenen töteten und 20 verwundeten. Die Lage in Palästina sei in den Riederlassungcn, die nicht durch Truppen geschützt sind, immer noch ernst. Große Abteilungen von Beduinen aus dem Redschd sollen sich Palästina nähern. In h a i s a bleiben die Geschäfte der Juden geschlossen. Räch Abwehr eines Beduinenongriffs bei Sased und Samkh durch britische Truppen sind 80 verwundete in haisa eingetroffen. Flugzeuge wiesen arabische Streitkräfte zurück, die versuchten, Tiberias anzu- greifen. Die arabischen Verluste sind angeblich schwer. Die Juden und Araber in Haifa boykottieren einander. Moses-wcndelssohn-Feier. lieber Moses Mcrchelssohn als Vorbild allen Menschentums spricht Genosse Dr. Max A p e I Montag, abends 8l4 Uhr im Logenheim, Georgenstraße(am Kupfer- groben). Vrranttooktlick, litr die Ziedattion: Frau»»lad», Berlin: Anzeigen: Td.«I»ae, Berlin. Bcrlag: Vorwärts Verlag S. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckcrei und Lerlagsanitait Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenfirabe 3. Sierzn 1 Beilage. P/TV c Theater, Lichtspiele usw. Freitag, f-, 9. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 182 IS>'2 Uhr Staats-Oper Am Pl.d.Republ. Vorst. 41 20 Uhr jpmgenis auflaurls Freitag, 6. 9. StSdl. Oper Bismarcks tr Turnus II 20 Uhr Tyil Staat). Sdiauspb. am üendarmeninarld A.-V. 162 20 Uhr Staat). Scbiller-Tttealer.Ctiaritb. 20 Uhr Treibjagd TI|I. 2 Voritell. S ord SV, ükr Bai dar«tta 1256 Untere neuen Prelle: Waciienirit 5 Uhr 50 PI. Uli 3 Mark TIP. IV; n. Scnnt. 5 Uhr 1 Hl 6 Mark Original- Raatelli usw. ITägl. S u. 015 Sonni. 2, S s 8" Alex. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE GROSSES SCHAUSPIELHAUS tägl. 8 Uhr Regie; ERIK CHARELL VolKsbtmne riiealei inBiltwolili Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie; Karl Heinr Martin Staaisoper am Pia« der Reuohllk 8 Uhr Iphigenie auf Taurb Staat). Sdiiller-Tb- 8 Uhr Treibjagd Vorverkaufauch im Pavillon der Rein hardtbühnen, Kurfürstendamiru Ecke UhlandstraBe Bismarck 448/440 Oeolidies Ibeater D.I. Norden 123IC 8Us Ende gegen 11 Die FiedermBos Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstatte. L. Kainer Kammerspiele D.i. Norden 12310 SVn, Ende gegen 10', e Der Dnwiderstehliehe Komödie von Gäraldy und Spitzet Regie: Gustaf QrUndgens C AS I NO-THEATER Lothringer Strafe 37. Tftgllch«V4 Uhr Der neue Erottnungs-Sdiiager Wem neliBil mein Mann! Die Komödie |l Bismck.2414/7516 8','iU., Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie; Leontlne Sagen H I Winfer *{3 arten* a diu> /entr. 28111» Raomen«rlauftt (nternat, Vari.ta» Ummer neu. immer gel I Sonnabend u.Sonntag Je 2 Voretollungen I* und Uhr. kleine Preise. Güstau Härtung Renaissance-Theater Heute zum 50. Male: ia't Uhr Die heilige klamme i v.W.S.Maugham. Hegii:(tust. Härtung In ow PremjemniMMUung Ulnpltlz C 1, 0901 II. 2583/84, Hirdenbergtlr. 8 I Direktion Dr. Robert Klein Deutsches KUnsller- Theater Täglich 8';. Uhr Die andere Seite von R. C. Sherrift Regie rheinzHilpert SfifliDBt Met Täglich 8'/« Uhr Zwei Krawalteu von Georg Kaiser Musik; Mischa Spoliansky Regie: Forster Carrlnagg wwmwwmmwmm Theat. n. Westens Täglich 8>r. Uht Sonntag 4 u. SVe Franz Lehan Welterfolg: Friederike Lotte Carola Willi Thunis Teidphon Steinplata u«l u. 5121 "l|. i Lessing-Tbeater Norden 10846 Gruppe funger Schauspieler Täglich 8V« Uhr cyankait I 218 von Fried rta Wolt BETTENHAUS A. SCHONERT Berün so Oranienstr. 12 Ecfthaus Heinrichs- platz, Hochbahn eomtzer Bahnhot Dediiiitteii.... ünterktlen.... Kopfkissen.... Steppdcdien.... Daunendetken... Metallbittei , 12.- 24.- 41.- 55.- .«.- 15.- 32.- 43.- . 4.- 7.- 12.- 19.- . 13.- 15.- II.- 20.- . 40.- 60.- 06.- 95.- 15.- 10.- 22.- 27.- 3fiil. IIilritiei.KeilkiHH 15.- 16.- 24.- 20.- Riesenlüger In Metallbattstmllen und Kinderbetten. Le�erbesuch Pftr alle Artikel reichlich lehnend. Abends[gj Sonntag nadln,.| S| Da« gr. Fest-Programm der Sletttncr sanier Nachmittags 4ialbe Preise, ebenfalls das volle Fest- Programm! OönhoM- Brettl; Variete— Tana Falkner- Orchester. Dazu ein erstkl. bunter Teil. F0r unsere Lesen Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.28 M., Sessel 1.75 M., Sonstige Preise: Parkett u. 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Die Stunde- der Befreiung schlug erst 1918; damals beschlossen die in Amerika lebenden Karpathorussen den Anschluß an die tschechoslowakische Republik als autonomes Glied dieses neuen Staates. Seit zehn Jahren haben sie also erst ihre national« Selbständigkeit; aber kulturell steht das Volk noch durchaus auf mittelalterlicher Stufe. Zn ihren elenden holzhüllen teilen sie den Raum mil dem Vieh; verschmutzte und mit Ausschlägen behaftete Kinder drücken sich zahl- reich zwischen Schweinen und Mistl)ausen Heruni. Erschreckend hoch ist die Zahl der Kretins und der Geschlechtskranken. Die Zahl der Analphabeten erreicht in einigen Landesteilen 70 Prozent. Zur Zeit der ungarischen Herrschaft wanderte«in großer Teil der Männer alljährlich als Erntearbeiter in die ungarische Tiefebene. Dort fanden sie Verdienst bis zum herbst. Aber durch die neu« Grenzziehung ist das unKiöglich gemacht. So gehen sie wieder als Holzfäller in die ausgedehnten Buchen- und Nadelwälder, den einzigen Reichtum des Landes. Ihre Bedürfnislosigkeit stellt wohl in Mitteleuropa einen„Rekord" aus. Kleidung und Wäsche wird niit eigener Hand hergestellt. Die tägliche Nahrung ein Bohnen- er! cht mit h a f e rb r ö t. Fast sämtliche haüp- und landwirt- jchaftlichen Geräte aus holz. Einzige Abwechselung dee sonntägliche Gottesdienst in der griechisch-kathollschen Holzkirch«, deren wunder- barer, pagodenartiger Ausbau an das große„Mütterchen-Ruhland" erinnert. Abgesprengt vom großen, russischen Stamm haben diese unter fremder Herrschaft degenerierten Karpathorussen doch nicht jeden Zusammenhang mit dem Muttervolk verloren. Als die Russen unter Brussilow im Winter 1914 über Galizie» und die Kar- pathenpässe in Ungarn eindrangen, haben viele hunderte Ruthenen ihr« Hinneigung zum Russentum am habsburgischcn Galgen be- zahlen müssen. Monatelang gingen die kämpfe um die karpothenpässe. Wenn man aber heute die Kampfplätze aufsucht, ist man von dem Fehlen jedweder„Schlachtseldindustrie", wie sie so schön im Westen blüht, angenehm enttäuscht. Von den 40 000 Russen, Reichsdeutschen und Ocsterreichern, die hier oben um den Uzsokerpoß gefallen sind, ist nichts geblieben als einig« schlechterhal- ten>e, m oos überzogene holzkreuze ohne irgend- welche Inschrift. Viele liegen in den Wäldern oder in den kaum kenntlichen Schützengräben, die längst von Gras und Farn- kraut überwuchert sind. Nur in Uzsok selbst starrt einen die Ruine des z« r s ch-os s e n e n Bodehauses an; die Bronze- statue eines Herkules, Sem eine Granat« die Brust zerrissen hat, steht triumphierend über dem zerstörten Bassin. Unter den hohen Parkbäumen aber liegen trotz aller Zerstörung bequem auf Liegestühlen die Kurgäste: golizische Juden, die über die nahe Grenze herübergekommen sind, um sich an den noch immer fließenden Heilquellen zu laben. An zahlreichen Stellen der Kar- pathcnhänge sprudeln eisen- und jodhaltige Mineralquellen, aber alle Ladeeinrichtungen wurden während des Krieges zerstört. Nun setzt man neue Hoffnungen auf die Petroleum bohrun- gen, die die„Standard Oil Company" in diesem Gebiet sich gesichert l)at. Nördlich der Karpathen lieg! das galizische Petroleum- dorado von Drohobycz-Boiyjlaw, und verschiedene, schon lange vor dem Kriege gemachte Untersuchungen sprechen für eine ergiebige Ausbeute auch in Karpathorußland. Bei dem kulturellen Tiefstand der Bevölkerung ist es nicht verwunderlich, daß die meisten In- dustrieunternehmungen(die sich in sehr bescheidener Zahl aus holz- bearbeitung, chemische Holzverwertung und Ziegeleien beschränken) in den Händen der I u d e n sind. Di« Juden kamen vor 150 Iahren ins Land, auf der Flucht vor den damaligen Judenverfolgungen in Rußland. Rasch gelang es ihnen, das wirtsckzaftliche Leben zu de- herrschen: heute geht der Handel in den Städten durch ihr« Hand, aber auch als Handwerker sind si« tätig und die städtische In- telligenz ist zum größten Teil jüdisch. Auf den Dörfern haben sie Kramläden und Wirtshäuser. Sic bilden ein Achtel der Gesamt- beoölkerung und zählen als„Nation". Kaftan und Schläfenlocken, am Sabbath auch die Fuchspelzmütze(der„Straml") sind hier typisch. In den Städten unterhalten sie eigene Bibelschulen. Un- entgeltlich werden' hier 5— 12jährige Judenknaben im Talmud unterrichtet. In engen, schlechtgelüfteten Räumen sitzen 30— 40 Kinder zusammengepsercht täglich von 8— 12 und von 2—5 Uhr. Viele von ihnen durchziehen später als„Bacher"(theologische Studenten) oder als„Schnorrer"(Bettler) das Land. Ander« wieder studieren auf eigene Faust weiter und bringen es bis zum Arzt oder Rechtsanwalt. So ist es nicht verwunderlich, wenn man auch in dieser entlegenen Ecke auf den Straßen der Städte und in den Geschäften viel Deutsch hört, wenn es auch meistens der jüdische Dialekt ist, dessen Izauptbestandtcil mittelhochdeutsch mit hebräischen und slawischen Worten gemischt ist. Es gibt auch deutsche Dörfer, von deutschen Kolonisten angelegt und durch ihr« Sauber» keit auffallend von der ruthenifchen Umgebung abstechend. Haupt- Bodenreform hat einen großen Teil dieser Riesengllter zu- gunslen der Kleinbauern aufgeleill. Je mehr man sich dem Süden des Landes nähert, desto frucht- barer wird der Boden. Das Gebirge tritt zurück und zahlreiche Flüsse, die zum Quellgebiet der Theiß gehören, durchströmen die Ebene. U s ch h o r o d(madj. Ungoär) mit 30 000 Einwohnern die Hauptstadt des Landes, liegt schon an dem breit dahinfließenden Ung. hier prallen die zahlreichen politischen und konfessionellen Ratheniscbe Kleinhaaernfamilie vor ihrer Eteadbütte. Gegensätze aufeinander, hier hat die sozialdemokratische Partei des Landes, die etwa 10 000 Mitglieder hauptsächlich unter Madjaren und Tschechen zählt, ihren Sitz. Wöchentlich einmal er- scheint ihr Parteiblatt. Eine gedeihliche Arbeit ist bei der Rück- stöndigkeit der Ruthenen außerordentlich schwer. Leichter machen es sich die Kommunisten, die über einen starken Anhang verfügen: Si« schicken ihre Agitatoren zu den darbenden Bauern und lassen ihnen Anzüge und Schuhe anmessen oder laden sie ein. sich schon jehl die besten Grundstücke au» dem Schönbornschen Lefitz auszusuchen gegen die Verpflichtung, kommunistisch zu wählen. Am Rande der Stadt prunkt das neue Verwaltungsoiertel, dos die Tschechen in kurzer Zeit in modernem Stil geschaffen haben. Der Anblick dieser wohldurchdachten Bauten«rinnerr an die elenden strohgedeckten, licht- und lustlosen Hütten in der Vrcho- vina(dem Hochland), an die zwischen ihrem Vieh dumpf dahin- lebenden ruthenischen Bauern, denen die ganze„Kultur" nichts weiter bedeutet als ein« neue Art Schikane. Bezeichnend für gewisse koloniale Methoden, die von der tschechischen Polizei in Karpathorußland angewendet werden, ist«in polizeiliches Verhör, dos mit einem rumänischen Hochstapler statt- fand. Der hatte angeblich«inen Einbruch in eine Kasse verübt, war gefaßt worden und wurde alsbald von dem Kommissär verhört, Hinter dem Stuhl des Rumänen wurde unauffällig ein Detektiv postiert, der mit zwei„Pendreks" ausgerüstet ist (unter„Pendret", einer Derbollhornung von Bärcndreck, versteht man den Gummiknüppel der staatlichen Polizei). Zunächst wird mit dem Delinquenten das Nationale aufgenommen. Do er sich als Ingenieur bezeichnet, ersucht ihn der Kommissär, den pythagoräischen Lehrsatz aufzuzeichnen und zu erläutern. Der angebliche Ingenieur gerät ins Stottern, worauf der Kommissar nur drei Worte spricht: Oos mu jecino!(Gib ihm eins). Sofort saust der Pendrek mit voller Wucht auf die rechte Schulter des Rumänen. Der verliert di« Fassung, sucht sich zu beschweren, wird aber mit ruhiger Höflichkeit wieder auf seinen Platz gebeten. Der Kommissär bohrt weiter. Es stellt sich heraus, daß auch di« ersten Angaben falsch waren.„Daj mu dyel*(Gib ihm zwei). Nun sausen beide Pendreks auf die Schultern des Sitzenden. Und so geht das Verhör weiter, bis der Kommissär alles heraus hat, was er wissen wollte. Warum aber garade die Schuiterpartie als Prügelstell« dient? Nach fachmännischem Urteil hinterläßt der Pendrek gerade an dieser Stelle di« gering st en Spuren, was bei etwaigen Konflikten mit dem Arzt immerhin von Wert fein kann, Noch einen raschen Gang durch die Stadt Uschhorod! In den engen Straßen Geschäft an Geschäft. Moderne Fassaden werden eingebaut. Neubauten drängen sich zwischen niedrigen, altersgrauen Häusern ans Licht, Banken prangen mit stolzen Aufschrijten, die in drei Sprachen(russisch, madjarisch, tschechisch) wenigstens dem Gros der Beoölkerung gerecht werden wollen. In dem weitläufigen, weißgestrichenen Theater spielt gerade Emil Jannings als„Othello", aber nur im Film. Nicht weit von der im maurischen Stil er» bauten, stattlichen Synagoge funkeln die vergoldeten Türme der russischen Basilika. Aus einer Anhöhe zerbröckeln die uralten Feslungsmauern, die zu Räkoczys Zeilen ein wichtiger Stützpunkt der ungarischen Rebellen waren, heute liegt inmitten dieser Mauern ein griechisch-katholisches Kloster. Man hört fast nur madjarisch sprechen, und je weiter man die Reise nach dem Süden fortsetzt, um so mehr verstärkt sich der Eindruck, in rein madjarischcm Gebiet zu weilen. Auch die Landschaft weist ungarische Züge aus: einsame Ziehbrunnen, um di« sich präch- tige Ochsenherden versammeln, endlich, um Beregsas herum, Weinberge, deren Trauben ausgezeichneten Wein liefern. In den.Kaffeehäusern spielen Zigeunerbandcn'die traditionellen ungarischen Lieder, ab und zu versuchen si« auch einen Tanz. Außerhalb der Stadt haben die Zigeuner ihre Siedlung. Elende, wcißgetllnchte Lehmhütten, meist ohne Türen, überall Schwärme Kinder mit 2lusschlägen auf Gesicht und Händen. Die mit soviel Hoffnungen in Uschhorod gegründete Zi» geunerschul« ist nach kurzem Bestehen wieder eingegangen. Immerhin trifft man Zigeuner auch arbeitend an. In Ziegeleien, als Bauarbeiter verdienen sie sich einen schmalen Tagelohn, der für ihre geringen Bedürfnisse ausreicht.— Im östlichen Teil des Landes sitzen di« Huzulen, bekannt durch ihre malerischen Trachten und ihre primitiv-kunstgewerbliche Handfertigkeit, hier, wo das Land an Rumänien stößt, steigen die Karpathenberge über 2000 Meter hoch.. Die Hirten, die den Sommer mit ihrem Vieh auf den Berg- weiden verbringen, sind nicht selten von Bären und Wölfen bedroht, gegen die che sich nachts durch Anzünden von Feuer und durch Geschrei zu schützen suchen. In Urwäldern haust noch Luchs und Dachs, Füchse und wild- eber, die oft in die kümmerlichen Felder der Huzulen einbrechen. Man irrt, wenn man diese Gebirgsbewohner in ihrer waldreichen Umgebung jür gesund hält. Tuberkulose ist hier wcitoer» breitet; die elenden Unterkünfte, ungenügende Ernährung, Alkohol- mißbrauch leisten der Schwindsucht Vorschub. Der Krieg hat natürlich nur verschlimmernd gewirkt. Pei jeglichem Mangel an Verständnis für hygienische Forderungen sucht der Gebirgsbewohner nur ungern den Arzt auf. Infektiöse Erkrankungen werden lieber geheimgehalten, um nicht in das verhaßte Krankenhaus transportiert zu werden. Brunnen, die noch die ungarische Rc- gierung nach der Choleraepidemi« in den Iahren 1912/13 bauen ließ, wurden so selten benutzt, daß das Wasser zu faulen begann. Jüdischer Beter, mit Stirnriemen and Gebetmantel gegen Osten gewendet, in der Eisenbahn, nnbekümmert am die Außenwelt. heute sucht man auf dem Gebiete der Hygiene all das gutzumachen, was die kgl. ungarische Regierung versäumt hat. Wasserleitungen werden gebaut, Kanalisationen durchgeführt. Ausklärungskurse abgehalten, die Krankenhäuser renoviert. Eine schwere Arbeit steht der tschechoslowakischen Republik in dieser östlichen Provinz bevor; doppelt schwer, weil bei dem Haupt- teil der Bevölkerung jegliches Verständnis für zeitgemäße Reformen fehlt. Es wird schon viel erreicht sein, wenn wenigstens di« hälft« der jungen Generation in den Schulen Lesen und Schreib nz erlernt haben wird. Heimat Kromnusr. (12. Fortsetzung.) Zum Verwechseln gleich standen nm anderen Tage die beiden Särge, mit schwarzem Flor und silbrigen Beschlägen verziert, liefer- bereit in der Sonne: nur die wuchtige Kehlung, erhob den der Bürgermeisterin über den des alten Schmiedes. Als nun Heinrich am darauffolgenden Tage mit dein Meister den blitzblanlcn Sarg zum Rathaus trug, fühlt« er«in wenig Mit- leid für den Alten. Denn wie würde er sich gegenüber dem be> deutendsten Mann der Stadt rechtfertigen. Wird er sein Versehen eingestehen? Und wird der Bürgermeister seinen Wunsch— der auch vielleicht der Wunsch der Verstorbenen war— so mir nicht? dir nichts umbiegen lassen? Ein Zittern fuhr dem Jungen durch die Glieder, als Timm dreist zur Lüge griff, indem er, auf den Ein- wand des Bürgermeisters kurz erklärte: man habe wohl zuerst zwischen schwarz und eichen erwogen, doch zuletzt habe der Bürger- meister sich bestimmt für schwarz entschieden. Im übrigen wäre ihm die Auesührung in Eichen viel angenehmer gewesen, denn schwarz erfordere bedeutend akkuratere Arbeit. Es wirke allerdings auch viel vornehmer, zumal wenn eichen— wie in diesem Falle— nur mit dem Pinsel aufgetragen sei. Nach dieser korrekten Beweisführung entschuldigt« der Bürgermeister seine irrige Meinung mit seinem Zustand, in dem sich infolge der Trauer sein« Nerven befänden. Heinrich konnte nicht recht ins Reine kommen, warum der Meister so unehrlich vorging. Auch Jakob verurteilte dieses Ver- halten. Zumal keinerlei Gefahr bestand, daß der Bürgermeister etwa die Annahme des Sarges verweigert hätte. Es war ein Sonntag hell und klar. Die Sonne lag schon voll auf Heinrichs Deckbett, als er erwachte und zu seiner Verwunderung wahrnahm, daß Jakobs Bett leer war. Erst dein. Ankleiden besann er sich, daß er heut den lang ersehnten Sonntag vor sich hatte. Obgleich die letzten Tage ihn sehr müde gemacht hatten, wälzte er sich gestern abend lange im Bett, ehe er Schlaf finden tonnte. Die beiden Toten ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Immer wieder schrak er im Halbschlaf auf, als berühre er die eiskalten Füße der junge» Mutter. Und offenen Auges starrte er ins Finstere, wenn der alte Schmied mit grauem Stoppelbart und den Kupfermünzen auf den Augenlidern gar zu deutlich vor ihm stand. Doch nun bei hellem Sonnenschein war aller Spuk der Nacht verschwunden. Ein frohes Liedchen pfeifend, eilte er hinunter zur Werkstatt. Ein verirrtcs Bienchen stieß summend gegen die lichten Scheiben und die Gesangen« segelte stracks in die Morgensonne hinein, als er das Fenster öffnete. Ihr sehnsüchtig nachschauend, schlug er die Hemdärmel hoch und begann den Wochenstaub von einer Reihe Stiefel zu putzen. Nachdem er dann alle Wannen und- Zober der Küche vom Marktbrunnen voll Wasser getragen hatte, reicht« ihm die Meisterin dankbaren Blickes das Semmellörbchen. Als er mit frischem Gebäck zurückkehrte, schmückt« Frau Rosil den weißgedeckten Kaffeettsch mit einem süßduftenden Lindenstrauß, während der Jakob einen schonen Gruß von den Förstersleuten aus- richtete. Gleich trat auch Meister T'mm mit einem„Grüß Gott" durch die Tür, sich den Seifenschaum vom freirasicrten Kinn trocknend. „Alte, Alte, du wirst ja immer vornehmer." „Bitte sehr, Alterchen,«in Morgengruß aus dem Försterhaus." Die Meisterin wies lächelnd auf Jakob, der von seinem Morgen- spaziergang zu erzählen begann. „So, so, das tun Sie auch: ich denk, dos ist bloß was sür Ge- studierte, wie der Herr Schöneich einer ist." Der Alt« sah den Jakob über die dampfende Kaffeetasse hinweg prüfend an, als dieser versonnenen Blicks weiter sprach, wie er in früher Dämmerung dem aufsteigenden Sonnenrot entgegenschritt: Oft stand er, kaum atmend, in Ehrfurcht lauschend. Am Mühl. berge hielt er Rast, auf der Wurzel einer alten Birke sitzend. Zu Füßen die weiten Wiesen und Felder, links aufwärts den schwei- gendcn Wald. Geschlossene Feldblumen neigten ihre Köpfchen noch schlafend der Erde zu. Uchermächtig ergriff ihn die Stille. Kein Blatt, kein Halm regte sich, kein Laut, weder nah. noch fern... Heller und heller ward's mit dem aufsteigenden Rot im Osten. Ein frischer Odem blies vorüber, und im Laub der Birk« begann es zu lispeln. Eine Ameise kam, unsicher tastend, an seinem Schuh hoch, ein Weilchen zu ihm aufschauend. Dann machte sie schnell kehrt, rannte hinüber zu einer jungen Kiefer, stieg eilends hinauf und schlürfte mit ihren Kameraden den süßen Morgentrank von frischen Nadeln. Vereinzeltes müdes Piepsen der Meisen und Finken ging bald in lebhaftes Pfeifen und Zwitschern über, und aus den Feldern jubilierten Lerchen himmelan. Warm strahlend wuchs die feurige Glut höher und höher. Die Blumen erhoben die gesenkten Köpfchen, die sich wie Wimpern schlafender Augen öffneten. Dann schauten sie lächelnd, wie erwachende Kinder, ins wärmende Licht. Meister Timm brach die knusperige Semmel auseinander, wäh- rend Frau Röfels Hände noch gefaltet in> Schoß ruhten. Sie blickte fragend zu ihm auf. Er aber wehrte ab:„Laß gut fein: das war Morgenandacht genug." Und all« begannen zu essen, ohne das an Sonntagen übliche Morgengebet zu verrichten.„Wär' ich jung". fuhr der Alt« fort,„gleich wandert« ich mit hinaus in die schöne Gotteswelt" Auch Ros'l schien ganz begeistert von der neuen Sonntags- Heiligung des Jakob.„Host recht. Alterchen", begann sie.„Auch mein sel'ger Vater sagt« immer, in Wald und Feld sei man dem lieben Gott am nächsten. Doch wir sehen und hören wohl nicht mehr fein genug und brauchen einen Vermittler. Darin hätten wir uns schon In der Jugend üben müssen." Jakob stimmte der Meisterin zu und sprach gleich weiter:„Ein Menschenleben reicht bei weitem nicht aus, um das geheimnisvoll« Walten Gottes zu ergründen, doch ist man ihm erst mal auf der Spur, lockt es zu immer tieferem Eindringen und schärft die Sinne. Darum wär's auch für Heinrich gut, brauchte er nicht die schönen Sonntage in der trüben Kapell« sitzen." Die Alten blickten sich verlegen an.„Ich mein' halt", begann Ros'l,„man kann dos eine tun und braucht das andere nicht lassen. Doch die Jugend braucht Führung von Gottes Hand, sonst verfehlt sie de» rechten Weg." Timm war froh. Er hätte nicht geglaubt, daß Ros'l mit solchem Geschick sein« Entgleisung wieder in die recht- Bahn lenken würde, l „Jawohl, so ist e?!" stimmt« er- ihr lebhaft zu:„Ein junger Baum muß verschnitten und gerichtet werden, soll er gute Frücht« trogen." Aus Rücksicht auf das Alter der Beiden vermied Jakob, die Unterhaltung weiterzutreiben. Auch war er sich der Zuneigung des Heinrich ohnehin sicher. Wenn auch der Junge in letzter Zeit oft widersprach, so war ihm das nur ein Beweis, wie ernstlich dieser schon über Lebenssragen nachzudenken begann. Eine Stunde später traten Timms Gesell« und Lehrbube aus der Haustür. Während die Gläubigen beider Richtungen mit kühlem Gruß aneinander vorbeiliesen, verschmolz sich das Glockengeläute ihrer Kirchen, in Gassen und Winkeln zu einer berauschenden Har- moni«. Das alte Glogauer Gesangbuch in der Hand, schritt Heinrich neben Jakob her, der ebenso sichtlich«in fein säuberlich mit Umschlag versehenes Buch trug.„Faust" hieß es, und der Dichter des Erl- könig habe es geschrieben, erklärte der Jakob. Den Erlkönig kannte Heinrich aus seiner Schulzeit, jedoch dessen Dichter hatte er ver- aessen. Unter Rotdornbäumen lenkte Heinrich hinüber zur Schindel- kirch«, während Jakob Über die Ochelbrücke und links ab den Wiesen- steg am Flüßchen entlang eine klein« Anhöhe hinaufstieg. Bor dem Haupteingang wandte sich Heinrich um und schaute dem Gesellen ein Weilchen nach. Da packte ihn Glaser Franzke am Arm und zog ihn vorwärts.„Um Gottes willen, nimm dich vor dem da in acht, mei Iungel. Der treibt ein gar freventlich Spiel mit'm Herrgott", flüsterte er Heinrich zu, als«r zum Chor hinaufstieg. Vor Jakob in acht nehmen? Warum denn? Der ist ja besser als ihr alle!— Gewiß, beten mag er wohl nicht, aber er flucht auch nicht und bringt überhaupt kein unanständiges Wort über feine Lippen. Er spielt nicht Karten, trinkt keinen Branntwein.— Und der Franzke ist gerade der Rechte: Läßt die armen Lehrjungen die schweren Glasroffel immer allein tragen und stolziert wie ein Baron mit dem Stock nebenher, wenn's über Land geht. Dann sitzt er im Dorfkrug, während die Jungen das Dorf nach Arbeit abklappern müssen. Wehe, springt mal«in« Glasscheibe beim Schnitt an unrechter Stelle, dann flucht und tobt er und ohrfeigt sie vor allen Leuten, daß sie vor Scham vergehen möchten. Und so einer will den Jakob schlecht machen?... Auf dem Chor saßen all« die, die keinen Mietplatz bezahlen konnten: Gutsarbeiter. Ortsarme, Gesellen und Lehrbuben. Hein- richs Platz vorn an der Brüstung gleich neben der Orgel war heut schon besetzt. Er ließ sich gerade am Ende der Bank nieder, als der Meister unten vom Schiff nach ihm Ausschau hielt. Gleich danach nickte auch Frau Ros'l befriedigt zu ihm hinauf. „Alles, was in unserem Willen ist, das ist böse, und alles, was in unserem Verstände ist, das ist Irrtum und Blindheit." Die von tiefen Orgellönen vibrierende Luft stand plötzlich still: und wie zur Fruchtbarkeit vorbereitete Erde nahm die Gemeinde den Text der heutigen Predigt auf. Wissen sei Ueberhebung, fuhr Pastor Blechschmicd fort, und vom Teufel besessen seien alle die Besserwisser. Der liebe Gott lasse sich nicht von elenden Menschlein hinter seine Werte schauen. Sie möchten sich zwar durch allerhand List die Gottesmächte dienstbar machen, um es dem gewaltigen Meister gleichzutun, doch drängen sie zu tief in der Erde Schoß, verschütte er sie, und oersuchten sie gar, sich ihm hoch durch der Lüfte Reich zu nähern, ließe er sie elendiglich herabstürzen. Denn er allein sei der Herr des Himmels und der Erde.„Mit unserer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren" So schloß der Pastor seine Predigt, die Heinrich so recht den Grund offenbarte, warum der Jakob nie die Kirche betrat. In einem Kessel von dichtem Hoselgebüsch umgeben lag indessen Jakob ohne Rock und Schuh, sich ganz der Sonne preisgeben. Unter sich silbriges Plätschern am Flußgestein, um und über sich das Singen und Klingen der Vogelwelt. Imnier höher träumte er sich in das Himmelsblau hinein, was ihn nachdenklich machte und den ihn umspinnenden Schlaf vertrieb. Leis', von f«rn her, kam der Orgelklang, den Kirchengesang übertönend. Nach kurzem Lauschen schlug er das neben sich liegende Buch auf und begann zu lesen: Was sucht ihr. mächtig und gelind, Ihr Himmelstöne, mich am Staube? Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind. Die Botschaft hör' ich mohl, allein mir fehlt der Glaube: Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind. Zu jenen Sphären mag ich nicht zu streben, Woher die holde Nachricht tönt:— Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt, Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben. Es war ihm, als hielte er seine eigene Seele in Händen. Dieses Suchen, Sehnen, Ringen, Bekennen des Faust war ja auch in ihm. — Sein tiefst Innerstes sah er vor sich in Worte gebreitet... Ein Erleben ward ihin jede Zeile... Glockengeläute gemahnt« ihn an die Mittagszeit. Ungern erhob er sich. Wie himmelhoch stand dieses Dürsten nach Wahrheit über dem althergebrachten seichten Glaubensgebimmel. Und noch im Gehen las er: Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen, Wenn es nicht aus der Seele dringt, Und mit urkräftigem Behagen Die Herzen aller Hörer zwingt. Sitzt ihr nur immer! Leimt.zusammen, Braut ein Ragout von andrer Schmaus, Und blast die kümmerlicizen Flammen Aus eurem Aschenhäufchen'raus! Bewund'rung von Kindern und Affen, Wenn euch danach der Gaumen steht: Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schassen, Wenn es euch nicht von Herzen geht. Dorfleut«, die vom Kirchgang heimkehrten, entbläßten ihr Haupt und schlugen des Kreuz vor dem heiligen Florian, der an der Eck« des Erkelsdorfer Weges stand und Haus und Hof vor Feuers- not und das Land vor Kriegsgefahr behüten sollte. Aber beinahe ebenso ehrfürchtig erhoben die Frauen ihr« Blicke und Männer zogen mit leichtem Gruß ihr« Kopfbedeckung vor dem jungen Mann. der barhäuptig mit entfaltetem Buch an ihnen vorüber der Stadt zu ging.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. 4ii;ii:iiiiniiinimiiiiiniiiiiiiinniiiiiiiiuiiiniiiiiiiiiiiinnuiunnniiiiimiiiutinuiiiiiiiiiuiuiuiiiiNiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiniiiimiiiMiiiiiiiini Wie ein Schuster Grat wurde. In monarchisch regierten Staaten ist es niemals schwer gewesen, durch einen sürstlichen„Gnadenakt" zu einem der„Edelsten der Nasion" zu werden, wurde doch z. B. in Polen und Ungarn nach einer mehr oder weniger siegreich verlaufenen Schlacht das ganze Heer geadelt, woraus sich die erdrückende Fülle des polnischen und ungarischen Adels ergibt. Auf eine so eigenartige Weise wie der Schustergesclle Kommissarow im Jahre 186? ist aber wohl niemals einer zu seinem Grafensitel gelangt. Als nämlich am 16. April 186? der russische Student Karakasow in Petersburg auf Kaiser Alexander 11. einen Revolver abfeuerte, wurde der auisällig neben Karakasow stehende»beN noch Petersburg gekommene Schuster- gesell« Ossip Jwanowitsch Kommissarow durch den Knall des dicht neben ihm abgefeuerten Revolvers so erschreckt, daß er ohnmächtig zu Boden fiel. Der neben dem Kaiser gehende Adjutant glaubte nun gesehen zu haben, wie Kommissarow den Arm des Täters zur Seite geschlagen habe und daraufhin von diesem zu Boden ge- schleudert worden sei. Der Retter des Kaisers wurde jetzt in über- schwänglicher Weise gefeiert. Als er aus seiner Ohnmacht erwachte. befand er sich in einem prunkvollen Saal, wurde von Alexander 1k. umarmt und geküßt, und ersuh», daß er zum Dank für seine mutige Tat vom Zaren zum Grafen gemacht worden sei und von jetzt an Kommissarow-Kostromsky heiße, weil er aus dem Gouvernement Kostroma stamm«. Di« nächsten Monate verbrachte der junge Graf in einem wahren Traumleben. Er wohnte in einem prunkvollen Palast, wurde von Festlichkeit zu Festlichkeit geschleppt, konnte ess.-n und trinken, was er wollte und der einzige Schatten, der seni Giuck umwölkte, waren die Schulstunden, da man ihn zwang, Lesen und Schreiben zu lernen. Bei einer genaueren Untersuchung des Attrn- tats stellte sich nun heraus, daß der so überschwenglich gefeierte Schustergeselle nicht nur nicht der mutige Retter des Kaisers gewesen war, sondern ein über den Schuß zu Tod erschrockener Kleinbürg:r aus irgendeinem vergessenen Winkel Rußlands, dessen Vater zudem in den sibirischen Bergwerken schuftete. Nun war die Verlegenheit groß. Den Grafentitel wollte man ihm nicht nehmen, ebenso beließ man ihm die eigens für ihn geprägte Medaille und die vielen aus- ländischen Orden, die der tapfere jung« Mann erhalten hatte, aber man versetzte Ihn als Stabsrittmeister in eine entfernte Garnison. wo er den Augen des Zaren und der Hofgesellschaft, die ihn in lo überschwänglicher Weise gefeiert hatte, für immer entzogen mar. Auch das ihm von Alexander II. verliehene Wappen durfte er be- halten, das in goldenem Felde einen blauen Arm zeigte, der eine Hydra an der Kehle würgt« und die Umschrift trug:„Durch die Hand der Vorsehung." Die nichtgewaschenen Hemden. In dem historischen Wäscheartikel in der„Frauenstimmen". Beilaae des„Vorwärts" von gestern, sei folgende Tatsache nachgetragen. die auch Heinrich Heine erwähnt: Jsabclla, die Frau des spa» nischen Habsburgers Ferdinand der Katholische, leistet« ein heiliges Gelübde, ihr Hemd mch: eher zu wechseln, als nicht die Mauren(Araber) auch aus dem letzten Rest Spaniens vertrieben seien. Es dauarte lange Jahre, bis mit der Eroberung von Granada dieses Ziel der Christenheit erreicht war. Das Hemd ober, das die Königin jetzt allerhöchstselbst auszuziehen geruhte, hatte jene Cau» leur angenommen, die seither„isabellensarbig" genannt wird.— n. Steckbrief aus der guten alten Zeit. In der„Frankfurter kaiserlichen Reichs-Ober-Postamts-Zeitung" vom 1?.- August 1797 befindet sich nachstehender Steckbrief, der von dem Bürgermeisteramt der freien Reichsstadt Nürnberg hinter der Opernsängcrin Catharina Schröfl und dem Schauspieler Petrin erlassen wurde:„Es ist ein« gewisse Opcristin, Namens Catharind Schröfl mit ihrem Amanten, dem Schauspieler Petrin, welche sich beide bei der hier anwesenden, unter hochgräjlicher von Fuggerschen Intendance stehenden Augspurger deutschen Schauspielergesellschast laut eines von ihn«n eigenhändig unterzeichneten Contracts d. d. 24. April dieses Jahres, und zwar die Schröfl als erste Sängerin und der Petrin als zweiter Tenorist aus ein Iahx engagiert haben ohngeachtet ihrer ansehnlichen, allwöchentlich richtig erhaltenen Gage, mit einem an die Direction noch über dieses geschuldeten, sehr beträchtlichen Geldoorschußrestes In den jüngst verwichenen Tagen von hier heimlicher und böshaster Weise entwichen und haben durch diese böswillige Entweichung die Direcction in nicht geringen Schaden versetzt. E? war den daher jede Ortsobrigkeit in subsiclium Iuris et sub oblotione reeiproei in similibus geziemend ersucht, die ent- wichene Madame oder Demoisclle Schröfl, wi« sie sich zu nennen belieben wird, welche groß und stark von Person, dann an ihr«n schwarzen Haaren und ihrem großen Mund kennbar, gleichwie ihr Verführer Petrin, ein Tyroler von Geburt, der von schlankem lang«» Wuchs, auch an seinen braunen Haaren und stets gefütterten Waden, wie auch nicht minder an seiner Landessprache, welche er stark durch die Nase spricht zu erkennen ist, auf betretenden Fall zu arretiren und sofort gegen Erstattung der Kosten ohne Weiteres durch«in« sichere Gelegenheit anhero ausliefern zu lassen. Das Bürgermeisteramt der freien Reichsstadt Nürnberg." Gotthard Brodt. kreitsg, 6. September. , Berlin. 16.00. Dr. Devid Beumgardl: Zum 200. OeburtiUse de» Philosophen Moses Mendelssohn. 16.20 Orchesterkonrert. 17.50 Bildfunk; Stadttor von Neubrandenburj. Oberinjr. Tramm Of ürstenbert i. d. Marki Neustrelitr, Feldberg). 18.20 W. Priwin: Deutschland spricht mit Uebersee. 19.00 Abenduotcrhaltune. 20.00.Xlga", Szenen von Qethari Hauptmann. Regie: Alfred Braun. Nach den Abendmeldongen: Btldfnnk. Königrewuaferhansen. 16.00 Dr. Axel Neels: Bedeutung der OroBen Dentsehen FankaaMtellug fOr den Schulfunk. 16.20 Mersmann: Einführung in Sonate und Sinfonie. 17.00 Naehmittagskonzert von Leipzig. 18.0 August Müller: Ddnisehe und holländische Vorbilder für die deutsche Oe. nosscnschaftsarbelt. 18.20 Englisch für Eortgescbrittene. 18 55 Reichenbach; Die Gesetzlichkeit der Natur. 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 30.15 Sinfonie-Konzert. Ditig.: Bruno Seidlcr-Winkler. v dJi&rfxjnjUoJfiLel Götterdämmerung? Die wankende Front der„Oppositionellen". Bor kurzem halten wir in einem Aufsag„Rückkehr zur S? c r n u n f t" dargelegt, daß die„eng verbundene Kompsgemcin- schaft" der aus dem Arbeiter-Turn. und Sportbund Ausgeschlossenen bereits bedenklich erschüttert ist, denn nach einem Jahre„bester" Zusammenarbeit im Kampf gegen die Zentralverbände muß man nun feststellen, daß nichts, aber auch gar nichts erreicht worden ist, statt vorwärts ging es zurück. Man fragt sich vergeblich, was die von der KPD. inspirierte Kartelleitung der Ausgeschlossenen tat- sächlich getan hat, um die„Einheit des Arbeitersports", das„Selbst- bestimmungsrecht der Mitglieder" und die„Wiederaufnahme der Vereine in den Bund" zu erreichen. Das sind doch die Parolen der Ausgeschlossenen, zu denen noch die der„Ueberporteilichkeit des Arbeitersports" hinzukommt. Außer den Resolutionen und üblen Schimpfereien gegen die Zentralverbände ist nichts geschehen, was dazu beigetragen hätte, eine wirkliche Einigung unter Anerkennung der Grundsätze der Gesamtbewegung des Arbeitersports herbei- zuführen. Im Gegenteil, die Ausgeschlosfeuen entfernen sich immer mehr von der Gesamt- bewegung, sie sind nur ein Splitter gegenüber der riesigen Zentralbewegung und werden sich früher oder später im Kampfe gegeneinander aul- reiben. Bei den Ausgeschlossenen besteht ein„Selbstbestin.mungs- recht der Mitglieder" nur soweit, als es iip Augenblick die KPD. noch zulassen muß. Di« kommunistischen Besserwisser wollten schon vor der Spaltung dem Arbeitersport die KPD.-Linie aufzwingen, deshalb ist es nicht verwunderlich, daß bei der engen Bindung der Oppositionellen Kartelleitung mit der KPD. der Kurs der Aus- geschlossenen nunmehr von dieser Partei bestimmt wivd. Bereits beim„14. Kreisfest" hat es die KPD. verstanden, der Der- anstalwng einen politischen Charakter zu geben, so daß lebhafte Auseinandersetzungen dem Kreisfest folgten. Das Bezirkskartell Neukölln protestierte damals ganz energisch gegen die Anmaßungen der KPD. Weit schlimmer war es. bei der Veranstaltung des „Roten Sport- und Kulturtages". Da hatten die Sportverein« einfach mitzumachen und die wüsten Schimpfereien der Neumann und Kirsch gegen die eigenen Klassengenossen in den Gewerkschaften hinzunehmen. Daß mehrere Vereine, so die Frei« Turnerschaft Neukölln, die Freie Turnerschaft Eharlottenburg, Verein« von Spandau und viele Fichte-Gruppen voller Empörung der Ver- anstaltung fernblieben, haben wir bereits mitgeteilt. Der Rote Sport- und Kulturtag. der dem Kampfe der KPD. mit den „revolutionären" Unorganisierten gegen die so lebenswichtigen freien Gewerkschaften dienen sollte, für den die KPD. auch die aus- geschlossenen Arbeitersportler mißbrauchen wollte, hat ganz be. sonders dazu beigetragen, den verführten Arbeitersportlern die Augen zu öffnen. Zurück zum Bund. dieser Gedanke faßt immer mehr bei den Ausgeschlossenen Fuß. Alte Bundesmitglieder der Freien Turnerschaft Neukölln haben das Verlangen ausgesprochen, dem Bund wieder beizutreten. Lediglich der bekannte Deutschmann hat«inen Beschluß des Vereins noch verhüten können. Interessant ist, daß derselbe Deutschmann jetzt sein Amt als Vorsitzender niederlegte, weil eine Resolution von ihm. die sich gegen die Treibereien der KPD. im Ar- beitersport richtete, mit knapper Mehrheit abgelehnt wurde. Die Einsicht setzt sich bei den Mitgliedern und Funktionären der Ausgeschlossenen allmählich durch, soweit sie nicht von der KPD. wirtschaftlich abhängig sind. Selbst in„Fichte" brodelt es. von mehreren Abteilungen wird der Wiedereintritt in den Bund und die Loslösung von der KPD. gefordert, auch in der Frei«n Turner- schaft Spandau sind die gleichen Forderungen mit aller Schärfe bei den Vereinssunktionären geäußert worden. Auch in der Märkischen Spieloereinigung machen sich„opportunistische" Ansätze bemerkbar. Es verlohnt sich die Frage, warum denn bisher wed«r die Kr«is- noch die Kartelleitung der sogenannten Opposition nicht ehrlich um Verhandlungen beim Bund oder der Zntralkommission nachgesucht hat. Die Antwort ist einfach: Wenn die«inzelncn Dereine nicht von sich aus den Antrag auf Wiederaufnahme in d«n Bund stellen, so können sie bis auf den�jüngsten Tag warten, denn die von der KPD. abhängigen Kreis- und Kartellfunktionäre werden es nie tun, weil sie dazu der Genehmigung der SPD. bedürfen. Die KPD. braucht nämlich diese Sportovganisatim, genau so. wie sie die Unorganisierten als Renomiertruppe verwendet. Man war bei den Arbeite�portlsrn nur zu voreilig, man glaubte genügend vorgearbeitet zu haben, um mit vollen Segeln den Kurs der KPD. zu steuern. Es ist nicht unwichtig, daß ausgerechnet der bekannte Dr. Bergmann starte Bedenken gegen ein allzu schnelles Tempo in der Bindung der oppositionellen Arbeitersportbewegung an die Kam- munistische Partei äußerte und dabei genügende Sicherungen durch die Bildung von Ver«insfrattionen forderte, bevor man eine Sektion der Roten Sportint«rnationale bildete. Wie die Oppositionsbewe- gung im eigenen Lager beurteilt wird, zeigt uns das Organ der aus der KPD. ausgeschlossenen Kommunisten:„Gegen den Stro m". Dort wird gesogt: „Heute sehen wir, daß die Thälmänn«r ganz mechanisch die oppositionelle Arbeitersportbewegung als eine Abteilung des Zen- traltomitees der Kommunistischen Partei betrachten. Sie fassen Beschlüsse und treffen Anordnungen, die von den Sportlern durch. geführt werden sollen, ganz gleichgültig, ob das zum Vorteil oder zum Nachteil der Arbeitersportbewegung ist....* Deshalb sollen auch alle Sportfunktionäre, wie die letzte Parole der Berliner KPD.-Sportfraktion lautet, beseitigt werden, die nicht auf der Parteilinie stehen— sollte das vielleicht der Grund der Kündigung Kienbaums in seiner Stellung im Sporthaus Fichte fein? In der kleinen Alexanderstrahe wird diktierl. in der Landsberger Straße muh ausgeführt werden! Wir fragen uns vergeblich, wo bleibt denn bei diesen Zuständen das „Mitbestimmungsrecht der Mitglieder", wo ist die„Ueberparteilich- kcit des Arbeitersports", wie sieht die„Einheitsfront" der Ausge- schlofsonen aus? E, wird endlich Zeit, daß sich die noch anständigen Oppositionellen freimachen von dem Wust falscher Vorstellungen und Lügengeschichten über die Zeniraloerbände des Arbeitersports, si« sollten bald einen dicken Strich ziehen unter diese unwürdigen Zu stände, in die sie durch irre KPD.-„Größen" hineinlanciert wurden. Wer die Einheit des Arbeitersports will, findet sie in der Gesamtbcw«gung. Der kann aber auch nicht verlangen, daß für ihn besonder« Gesetze geschaffen werden, sondern die Einheit einer Bewegung ist nur möglich bei gleichen Rechten und Pflichten oller Mitglieder. 3n den Zentralverbänden hoben nur die INilgliedcc zu bc- stimmen, da wird nicht geduldet, daß ein« politische Partei den Weg vor- schreibt. Es sollte interessant sein zu sehen, welcher Funktionär und welcher Verein den Weg zur wahren Einheitsfront zuerst' findet. LinKeitstront! In Haspe- Westfalen fand eine Versammlung der„Freien Turnerschaft Haspe" statt, die sich mit dem Wiedereintritt in den Arbeiter-Turn- und Sportbund befaßte. Natur- lich nur, um die„Einheit" zu retten. Es darf nämlich unter keinen Umständen sein, daß Vereine„einzeln" zum Bund zurückkehren, so lautet die Parole der KPD.-Beauftragten. Die Gesandten der „Opposition" holten sich aber in Haspe eine ganz unerwartete Abfuhr und muhten mit longer Nase abziehen, weil die Versammlung diese Leute nicht mehr hören wollte. Der Wiedereintritt in den Bund wurde dann auch mit großer Mehrheit beschlossen. Und so geschehen in dem so revolutionären 6. Kreis. -ARBEiTER. TUSSBALL Serienspiele am S. September. Der kommende Sonntag bringt In allen Gruppen Hochbetrieb. In Köpenick auf dem Eiche-Platz stehen sich die Köpenicker und Luckenwalde I gegenüber. In Weißensee, im Stadion am Faulen See, wird es das interessanteste Spiel des Sonntags geben: Die Wcißenseer erhalten hier den Besuch von Hertha 11. Die Herthaner hoben schon in dem Spiel der ersten Serie einen starken Gegner für Weihensee abgegeben. Germania und Nowawes stehen sich auf dem Andreas-Hofer-Platz in Pankow gegenüber. Oberspree erwartet in der Wuhlheid« den Verein aus Eisenspalterei. Hoppegarten spielt „Dem Volke glll's, wenn wir zu spielen scheinen 1" Eine Ssndskulphir Im Freibad Grünau, ausgeführt von Arbeiter-Rettungsschwimmern. nun in kurzer Zeit zum dritten Male gegen Karow. Ob es den Hoppegartener diesmal gelingen wird, einen Sieg herauszuholen, bleibt fraglich. Weitere Spiele: Schöneberg gegen Jüterbog: Potsdam gegen Kloster Zinna: Treuenbrietzen gegen Butab: Vorwärts gegen Spandau 2.?: Trebhin gegen Werder: Ruhlsdorf gegen Lichtenberg l; Woltersdorf gegen Luckenwalde II. Zweite Mannschaften: Ober- lpree gegen Rathenow: Rathenow 3 gegen Knoblauch: Lichtenberg I gegen Germania: Karow gegen Hoppcgarten: Oderberg l gegen Eisenspalterei: Vorwärts gegen Spandau 2S: Vorwärts 3 gegen Schöneberg. Jugend: Saxonia gegen Weißensee: Ketzin gegen Werder: Vorwärts gegen Lichtenberg I: Rathenow gegen Lichten- berg II. I.i M ii n ch e b e rg findet ein Propagandaspiel zwischen Lichten- berg II und Herzfelde statt. Das Spiel soll dazu dienen, auch in Miincheberg einen bundestreuen ArbeiterfuAallverein ins Leben zu rufen. lUngleampte in der Bodcbraucrci. Di« gestrigen Kämpf« in der Bockbrauerei beganen mit dem Treffen Debie-Rheinland gegen Renter-Estland. Der erheblich schwerere und stärkere Deutsche siegte in der 19. Minute durch Unter- griff über den Estländer. Naber— Gocksch, zwei gleichwertige Gegner, rangen 2ö Minuten ohne Ergebnis. Der mehrmalige Weltmeister im Schwergewicht Hans Schwarz war seinem Gegner Dierholz weit überlegen und siegte schon noch 5 Minuten durch einen Untergriff. Im letzten Kampf standen sich Pcicrson-Finnland und Gebhardt gegenüber: der erster« gewann nach 5S Minuten Gesamtzeit dank seiner besseren Technik. Am Mittwoch rangen: Der Berliner Gocksch konnte sich gegen den bedeutend stärkeren Russen Michaloff nur 18 Minuten halten, er verlor durch Untergriff von hinten Die beiden gleichwertigen Gegner Aroküll-Finnland urtd Debie-Rheinland schieden nach zwei Gängen ohne ein Ergebnis. Jan Iaogo zeigte sich Naber-Ostpreußen voi? Anfang an überlegen, er siegt« nach 20 Minu- ten mit Ausheber aus dem Stand. Auch der Südamerikaner Girfo besiegte Bierholz schon im ersten Gang durch Hüftfchwung. Heute, Freitag abend ringen im Entscheidungstampf Debie— Aroküll-Finnland, ferner Martinoff— Naber, Peterson— Gocksch und Zirfa gegen Renter. �ündJpaXIL/ Die nächsten Spiele. Die kommenden Sonntag« werden von den Mannschaften noch reichlich zum Training ausgenutzt, denn am K. Oktober beginnt die neue Serie. Da heißt es noch viel arbeiten, um die Serienkämpfe glücklich bestehen zu könne». In Erkner spielt der Ortsverein 2. Männer gegen FTGB.-Südost 2 um 11 Uhr und die 1. Männer gegen FTGB.-Neutölln 1 am i5Vj Uhr. Neukölln 2 fährt nach Fichtenau und spielt dort um IS Uhr. FTGB.-Kaulsdors und FTGB.-Stralau führen um ISü Uhr in Mllcheberg ein Werbefpiel durch. In Hennigsdorf spielen Dorwärts-Hennigsdorsl und Freie Turnerschaft Wilmersdorf 1 um lOVs Uhr und die gleichen Frauenmannschaften um 16 Uhr. FTGB.-Adlershof spielt in Adlershof gegen Zossen, um 101� Uhr spielen dl« Iugendmannschasten und um 11 1b Uhr die Männer. FTGB.-Osten hat sich Kaulsdvrs verpflichtet: es spielen in Hohen- schönhausen, Sommcrftroße, die Iugendmann schaft gegen FTGB.- Neukölln um 14 Uhr: die 2- Männermannschost um IS Uhr und die 1 Mannschaft um 16 Uhr. FTGB.-Südost 1 spielt gegen FTGB.- Pankow um 11 Uhr im Plänterwald. Freie Turnerschast Velten 1 hat um 1Z Uhr in Velten die Freien Schwimmer Chorlottenburg als Gegner. Die Städtemann schalt! Etwas empfindlich war die Niederlage, die die Stödtemavnifchoft im letzten Spiel gegen Halle erhielt. Da nun am IS. September da« Treffen von Berlin und Leipzig in Leipzig stattfindet, mußten einige Spieler gewechselt werden. Das Probespiel der Mannschaft fand am Donnerstag gegen eine kombinierte Mannschaft von FTGB.-Wedding statt. Der nasse Rasen verhinderte leider die volle Entsaltungsmög- lichkeit der Spieler, ober trotzdem gab ein jeder sein Bestes her. Sa arbeitet« dos Jnnentrio der Städtemonnschoft gut zusammen: die Erfolge konnten durch schnelle» und lebhaftes Abspielen ernmge.i werden. Die Weddinger Mannschaft beschäftigte die Städtemannschast reichlich und hielt sich manchmal längere Zeit vor dem Tor der Städtemannschaft auf, verpaßte aber die Erfolge durch ungenaue Schüsse. Leider mußte das Spiel beim Stande von 4: 2 für die Städtemannschaft der Dunkelheit wegen abgebrochen werden. Blendfreie Scheinwerfer! Neue Versuche mit malten Scheiben. In der Dunkelheit auf der Landstraße durch entgegenkommende Autos geblendet zu werden, ist die größte Unannehmlichkeit, die dem Autofahrer passieren kann. All« behördlichen Vorschriften haben nicht vermocht, den Fahrern das Abblenden der Scheinwerfer beizubringen. Alle Versuche, durch eine besondere Gestaltung der Scheinwerferscheiben eine Blendung zu verhindern, schlugen fehl, der Uebelstand blieb bestehen. Jetzt ist eine Hamburger Firma mit einem besonderen Ver- fahren herausgekommen, um V l e n d> ch u tz s ch e i b« n zu er- halten. Man„rastert" die Scheiben durch Anblasen von Sandstaub, Indem einzelne Punkte in der Größe von etwa einem Quadrat- Millimeter matt gemacht werden, während wieder die danebenliegenden Stellen frei, also durchsichtig bleiben. Diese Rasterung hat nian in ein bestimmtes System gebracht und so erreich!, daß eine Blen- dung des entgegenkam ni enden Fahrers völlig ausgeschlossen ist. Man stellte schließlich noch die erfreuliche Nebenwirkung fest, daß die Streuung des Lichtes viel größer wurde, was der Kurvenbeleuchtung zugute kam. Kürzlich machte man praktisch« versuch« aus der Avus und auf der Chaussee bei Pichelsdorf. Der objektiv« Beobachter konnte fest- stellen, daß man bei vollem Licht in die Scheinwerfer hineinsehen kann, ohne ein« Spur von Blendung zu haben. Die Beleuchtung der Straß« war gut, wenn auch etwas abgeschwächter, als bei klaren Schemwerfern und sich begegnend« Autos konnten mit vollem Licht fahren. Der Fahrer erkannt« dabei alles für ihn Sehenswerl« auf der Straß«. Rur«ine« ist bei der neuen„Li-Ra-Sch«ibe" noch zu bedenken: Solange die Autofahrer nickst gehalten sind, alle die neuen blend- freien Scheiben zu jähren, solang« genießt immer der andere den Borteil der blendfreien Scheiben. tu*, streit«!», 6. September,!0 Ul>r. Monatsversemmluna bei Lchni«t, Auhlenstrafte Eike Brommqbritcke.— Di« straueiiabteilung trainiert Hi-t Donnerstaft» von 30— 2i Uhr Turnballe Kietbolzfir. W Arbetter-Rad- und Krastfadrer-Bund.Solidarität�, vrtoaruppe»rod- «erliu,«au S, Be». 1 l unk it.«cschdt.- tz. Abt.: 14 Uhr Schulze»dort. Statt Iriftftr. 63.—«dt. edarlotteudur«: 6 Uhr Baoenb-rae. Start»anal. Ecke Dilmerodorfer Ttrefte...«dt. Schinebera: 7. Se»temb-r. Z6 Uhr, zum Ltlstunastel« der Abt. Wilmersdorf im Diktortaparten. 8 Uhr lbrohes steilster. Start ctubrnrauchstr. So.—«dt.«eulollu: 7. S-piember. A> Uhr. ZZ, Stii» tunaakest bei tkliem«, Hafeutzeide. II Uhr NulewUMpe. Start Sohenzollern- »bt. Sichtender,: 7 ll»r AUdersdorser Kalkbcrae. Start Eudbri»,, Alt-striedrichsfelds«.—«dt. vderschöiexi»«! 6-% Uhr Blld-rsdorl. Start Wilhelminenhotstr. 64.—«dt.«eißeusee.AoiueroddrI: 7 Uhr«roß-DM». Start Seinersdorser stirche.—«dt.»eiuickeudorl: 7 Uhr«amensee. Start Pr-Dln, strafte Ecke Bankowrr Allee.—«otoesodrer.«dt. steenider«: 3 Uhr staikenbera bei streienwalde. Start Baltenplatz. 6. Septemder, 26 Uhr. Eitzuna Reickienberaer Str.»1. Sindlqn-lle,—«dt. striedrich-boin: 7 Uhr Seddinsee. veranstaltet von allen Arbeiiersportvereinen und der SPD, stahnenweih« de« Rilmeredorser Str. il. Neimer.— Abt. richtender»: 6 Uhr W-rbelliusee. Start Iunaltr. 2» Scke Sderstrafte.«nschrist: Sri»«aier.£>. 112,«irbach- str-fte 73. bei«nothe._«dt. Pank»»: 7 Uhr Ctöritzfee. Start Sumannpla». —«bt. Vbertchöneweide: Uhr Buckow(«ärkische Schmeizt. Start Wilhelminenhofstr.«4.—»enutahrerl Die Nennen am Counntaa i« Stahion tollen au«, dafiir Tr«intn,,t,ur. Eammelstart 7 Uhr Bahnhof strauksurter Allee. Touristenperelu.Die Naturfreunde�. Zentrale«ieu.«dt.«darlotteudnra: streit»». 6. September. 2» Uhr. Spreestr. 30: cheschattliche«. Sinasan,.—«dt. eudost: streita«. 6. September, SO Uhr. Britzer Sic. 27;..Senossenschaits. beweaun,'.-«bt. Trept»»: istreitatz. 6. Sep'ember. 20 Uhr. Elsenstr. 3: Lichtbildervortrag.—«dt.»eddiu«: streit««. 6. September. 2» Uhr. See. straft» 34:„Bon arofter stahrt".- Bhotogemeiuschast: Montag. S. Septemb.-e. 2» Uhr. Krofte stronkfurtcr Str. l«. Saat:. LiniensiiHruna und Aufbau de« photoaraphischen Bildes. Bortrag mit Ltchtbiidern.—«bt. Britz: Sonntaq. 3. September. 14 Uhr.„stest der Arbeit", Bolkssrst in der Drofttieblung Britz. veranstaltet von allen«rbeitersportvereinen und der SPD. stohnenmeihe de« Touristenvereins..Die Nolursr-unde». Abt. Britz, stestbeitra« 50 Bf. Alle sireund- unserer Brweguna find herzlichst ein«- laden. Irestpunkt aller Natur. freunde 13 Uhr Ehausseestraft« Ecke Temvclhoser Wea lstirchrt. Montag. 9. Sev- tember. 30 Uhr. Chausseestr. 43: Geschäftliche».- Rallunftgemeiuschast: M-n. ton, 9, Septemder. 30 Uhr. Wrangelstr. 123.— Iugendgruppe Osten: Montag. 9. September, 20 Uhr, Echarnweberstr. 29: Liederabend. «r»«t»r.S«iitz.».Bu»d. Da, Bagonschieften fällt in stukunft am streiia, au«. Uedunqsabende tind: Mitte: Jeden Dien�ag SN Uhr bei Lohan. Brüder. straft« 167-13. Schäneder«: Jeden Manta» 20 Uhr bei Iiiraen». Schäneberq. BarbarossaNr. 3«.— Kleinkaliberschieften Sonntags 10 Uhr. Boaenschjeften BetKn'8*' isri«drich«seld'. Am Uppstallwe«. Spartplatz*»«. Grsft. «inzelfahH« I« Arbeiter. Turn, und.Sportdund. 1.«Mi«. Sonnabend. Sonntag. 7. und 3. Stvtcmbcr. qrofte Treffahrt nach dem Seddins«?. Treff. »unkt gegenüber Seddinwall. D-enttag. 10. Sepiembcr. 20 Ubr Restaurau.! .Sonnenuhr". Am Oberbaum 3. Sitzung mit B-rirag des Genossen Tausend. freund. Gaste willkommen. «.?1'"«"»«o I t«2*. Ber«in»lokol: Nudalf«eckmanu Berthclsboefer Str. 7. S'tzung ieb-n st>»,taa. 20 Uhr. Mitglieder werben«ch aufgenommen. Anschriften an Robert Ianosfe, Neukvlln, Bcrchel�rsrr Straft« 13, vor» i Tr. Fahrt auf Gowjetbahnen. Ein Kapitel aus dem bolschewistischen Paradies. Wie bequem reist«» doch die Delegationen durch Rußland— was aber hätten si« gesagt, wenn man sie etwa von Moskau nach Charkow und von Charkow nach Kiew mit der grauen Masse hatte zusammen reis«n lassen. Da hätten sie wohl Sehnsucht be- kommen nach unserer 4. Klasse. Wie dort das Volk sährt, darüber erzählt der Mitarb«iter der Sowjetzeitschnst„Krasnaja Niwa" (Die rote Aue). Das dars dein Leser nicht vorenthalten werden Cs heißt dort also: „Wir besitzen die Mibe, gewallige Experimente zu Wege zu bringen, uni der Mass« die Technik vertraut zu inachen, doch zugleich umgehen wir gleichgültig tlassende Abgründe der Unkultur, die uns aus Schritt und Tritt begegnen. Die Eiseilbahnoerhältnisse eines Landes sind von je her ein guter Maßstab für die Bewertung seines Kulturstandes. In den Arbeiterzügen Deutschlands reist sich's ausgezeichnet, da sie fast dieselben Bequemlichkeiten bieten wie die internationalen Expreßziige. Das Gegenteil bei uns. Ich fuhr aus Moskau nach Charkow im„internationalen Wage»". Der Schaffner in nagelneuer sauberer Kleidung war die Zuvor- komnienheit selbst. Die Lust im Wagen war rein und frisch, ebenso das Wasser in den Waschberken. Fiir die Fahrt von Charkow nach Kiew bestieg ich den hartsitzigen Wagen(die«hemalige � 3. Klasse) des Schnellzuges. Zwar war es auch hier nicht besonders schmutzig, doch war der Wagen augenscheinlich vor kurzein desinfiziert worden: es roch unausstehlich nach Karbol: die Reisenden ersaht« Schwindel und ihre Rosen bluteten. Der Schaffner war offensichtlich übel gelaunt. Von Zeit zu Zeil schrie er die ärmlicher gekleideten Passa- giere a». Unter denselben befand sich der Vorsitzende eines der größten Trusts, der vor kurzem von einer halbjahrigen Abkomman- dierung in die Vereinigten Staaten von Amerika zurückgekehrt war. Cs war unerträglich heißem Wagen. Alle unbequemen Seitenbänke waren eingenommen von Militär und einsachere« Leuten, hierin osfenbarle stch die Klassenpolikik der Fahrkartenausgabe. Dieses Kuriosum ist kein reiner Zufall. Im Verlauf« meiner ge- samten sechswöchigen Reise konnte ich beobachten, daß die Inhaber der s ch l c ch l e st« n Plätze Armeeführ«r ivaren oder L«ute in Leder- sacken und Schaststiefeln.. Das Wasser in den Waschbecken der ehe- ihaligen 3. Klasse des Schepetow-Zuges war rostig trübe. Es war bald verbraucht und der befragte Schaffner«ntgegnetc düster:„So wascht euch weniger, für euch reicht«» nie!" Dafür aber wird im„internationalen Wagen" das Wasser in 24 Stund«» mehr- mals erneuert. Auf den großen Stationen verschloß der Schaffner die Toilette und vergaß sie wi«der zu öffnen. Er muhte geweckt werden. Schimpfend und brummend, mit Mühe die Beine b«- wegend, ging er unwillig aufschließen, empört, daß man ihm nicht einmal nachts Ruhe gönn«. Von Kiew bis Odessa fuhr ich mit dem Pcrsonenfrachtzug. Dieser grauenvolle Zug wird mir wohl stets in Erinnerung bleiben. Als d«r Zug um Mitternacht vorfuhr, stürzte ein gewaltiger M«nschenhallf«n auf den Bahnsteig, beladen mit Kisten, Bündeln und Ballen, mit hastenden Frauen, schreienden Kindern. Mit auserlesenem Geschimpfe, Geschrei und Rippenstößen regelt«» der Kontrolleur und der Agent der GPU. die Bewegungen dieses Mensch«nstrvmes. Er. setzte sich zusamnien... aus Rot, n r in i st e n, die auf Urlaub gingen. Studierenden der Arbeiterfqkulttit, Feld-.und Fabrikarbeitern. Kein Protest wurde .laut, keine- Klage. Da«erden Menschen beschimpft, geschlagen, gestoßen. als ob das alles so sein müßte. Roch fehlte das Zugpersonal, es hatte den Zug noch nicht in Empfang genommen. Eine halbe Stunde trabte das Volt vor dem Zuge auf und ab. Rur eine Viertelstunde war noch bis zur Abfahrt geblieben. Die Kühnsten machten d«n Versuch, die Türen zu öffnen. Sie waren unoerschlossen. Run wurden die Wagen gestürmt. Sieben Minuten vor Abgang kam der Schaffner. Schreiend und schimpfend vertrieb er die Reisenden, die sich's schon behaglich gemacht hatten, aus dem Wagen. Da half weder Bitten noch Drohen. Und von neuem begann di« Per- stauung. » In drei Stockwerken übereinondrr legten sich die Leute nieder, fast aufeinander. Sofort war di« Luft erfüllt von unerträglichem Gestank, wie ich ihn ein einziges mal im Leben hatt« über mich ergehen lassen müss«n— in den Typhus- b a r a ck e n zur Zeit des Bürgerkrieges. Massig lagen die schmutzigen Körper und schmutzigen Kleider der Männer, Frauen und Kinder auf schmutzigen Bänken. Auf jeder Haltestelle fast ging der Kon- trolleur durch den Wagen. Mit einem Faust schlag und einem Fußtritt in die Rippen weckte der Schaffner die Reisei�ien. Und alles geschah unter grobem Anschreien, Schelten und Schimpfen...* Das englische Antigewerkschastsgeseh. ES wird wieder aufgehoben! » L o n d o n, 6. September. Der Vorsitzende T i l l e l t erklärte am Schluß der Vonnerstag- fitzung des Gewerkschaftskongresses Ministerpräsident Mocdonald habe ein verbindliches versprechen über die Aushebung des Gewerkfchaftsakles gegeben. Soweit er wisse, bereite der Generalstaatsanwalt bereits eine entsprechende Gesetzesvorlage zur Durchsührung dieses Versprechens der Regierung vor. Stellungnahme gegen die kommunistischen Spalter. Die Uebermittlung brüderlicher Grüße von den Arbeiterparteien aller Länder nahm einen breiten Raum in den Verhandlungen de» Gewerkschaftskongresses in Belfast«in. Sassen dach wies auf die zunehmende Slärt« der Gewerk- fchaften in der ganzen Welt hin, die selbst in den Ländern zu ver- spüren sei, wo die Arbeiter noch nicht genügend ausgeklärt seien. Die letzten Jahre hätten eiii«n großen Fortschritt der Be- wegung gebracht. Mit Interesse oerfolgten die Zuhörer die Aeuße- rungen der kanadischen Bartreter, die sich besonders mit Aus- wanderun gsfragen beschäftigten. Der Kongreß verhandelte eingehend über den Jahres- bericht des Generalrats Es kam erneut zu Erörterungen über die Stellung der Gewerkschaften zu den K o m in u n i st e n. Verschiedene Redner wiesen aus kommunistisch« Einwände darauf hin, daß die Gewerkschaften der Minorität gegenüber stets die größte Geduld gezeigt hätten. Es fei den Einftüffen der Kam- muniftifchen Internationale, der Roten Internationale der Arbeiter- gcwcrkschaften, der englischen Kommunistischen Partei und der Minoritätsbewegung zuzuschreiben, wenn Uneinigkeit in die Reihen der Arbeiter getragen würde. Ben T i l l c t t betonte eingehend die Bedeutung der Franc n für die Gewerkschaft««. Die Frauen könnten durch die Unterstützung der Gewerkschaften nur gewinnen. Die Angestellten in der oberschlesischen Metallindustrie erreichten durch Tarifverhandlungcn eine Gehaltserhöhung von 4 Proz. ab 1. September. Einen Schiedsspruch mit der gleichen Er- höhung hatten die Unternehmer abgelehnt und auch die Verbindlich- kcitserklärung war diesem Schiedsspruch versagt worden. Nochmals: Abbau bei der Oisconio. Täusch ungsverfuch der Verwaltung. Der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten teilt mit: Die in einigen Börsenblättern von der Berwaltung der Dis- eonto-Gcsellschaft anläßlich des neuerlichen Personalabbaues ge- machten Angaben entsprechen in allen Punkten nicht den Tatsachen. 1. Es ist unwahr, daß die Disconto-Gescllschaft bezüglich des Zlbbaues bisher äußerst zurückhaltend gewesen sei. Das Gegenteil ist richtig: denn seit der Inflation bis Ende 1328 hat die Disco ihren Personalbestand von 47 4l)l)— unter Berücksichtigung der Uebernahme der Bant für Thüringen— auf 6SÜl) o e r m i n d e r t. 2. Es sind nicht nur junge Mädchen und ungelernt« Angestellte in den Jahren der Deflation entlassen worden, son- der» die Berwaltung weiß so gut wie wir, daß sie hunderte junger Mädchen neu eingestellt hat. um deren Anzahl sich die Zahl der abgebauten Zlnge st eilten in den höheren Tarisgr nppen noch vermehrt. 3. Gelegentlich des im Zuge befindlichen neuen Abbaues ist bisher keine einzige Pensionierung erfolgt: es handelt sich vielmehr ausschließlich um Kündigungen, wobei es unangebracht ist. die Einhaltung der Bestimmungen des Gesetzes zum Schutze der älteren Angestellten als besondere soziale Tat hinzustellen. 4. Die der Oefsentlichteit eröffnete Hoffnung der Ver» w a l t u n g, durch Ausbau des Berliner Stadtnetzes weitere Kündi- gungen zu vermeiden, ficht in striktem Gegensatz zu dem Abbau- Programm der Verwaltung. Sic will weitere 290 ältere Angestellte zum Abbau bringen, während die neu zu er- richtenden Deposttenkassen nur etwa 39 Mann Personal erforderlich machen. Mit Ableiigmingsversuchcn der gekennzeichneten Art verbessert die Disconto-Geselljchaft ihre Position nicht. Sie verschlimmert si« nur. Die Oeffcnilichkeit läßt sich nicht täuschen. Dafür wird der Allgemeine Verband sorgen. Im Wirklichkeit liegen die Dinge so, daß die Disconto-Gesellschait ihren Apparat„ver- j ü n g e n" und gleichzeitig die Relation zwischen den männlichen und de» weiblichen Kollegen zugunsten der letzteren ver- schieben will. , Deshalb sollen die älteren, in den höheren Tarif- g r u p p e n befindliche!» Kollegen abgebaut und durch sechzehn- bis achtzehnjährige junge Mädchen ersetzt werdcn, die man durch Heirat bzw. Kündigung frühzeitig wieder loszuwerden hofft, sobald auch sie in höhere Bernfssahrc kommen. Auf diese Tendenz muß mit allem Nachdruck hingewiesen werden.- Zu sagen ist noch, daß das Rationalisierungsprogramm der Disconto-Gesellschaft total falsch ist. Insofern nämlich, als man den Personalbestand so festsetzen will, daß man die geringste Zahl der Geschästsvorsälle pro Tag innerhalb eines Jahres zur Grundlage der Kalkulation genommen hat. Es wird also von vornherein die Zahl der Betriebs- bslegschaft weitaus zu gering bemessen. So bedingt ein bereits im Jahresdurchschnitt gesehenes Normalgeschäft die Leistung zahlreicher Uebcr stunden, von lebhaftem Geschäftsgang ganz zu schweigen. Dieses ganze unsinnige Rationalisierungs- bzw. Abbaupro- gramm hat in Wirklichkeit mit Rationalisierung gar nichts zu tun. Diese Kampsmaßnahmen verfolgen nur den einzigen Zweck, den bei weitem zu großen und viel zu teueren Leitungsapparat auf Koston der Angestellten weiter aiifrechtziierhqltcn. Dagegen muß mit aller Entschiedenheit Front gemacht werdcn. Deshalb Schluß mit dem Abbau unten, dcr heute bereits viel z» weit getrieben worden ist, dafür aber Ab- bau dort, wo er wirklich notwendig, zweckmäßig und auch finanziell rentabel ist: bei dem Leitungs» ap parat der Disconto-Gesellschaft! Wetter für Berlin: KVHl, zeitweise Wieheraufheiterung, keine erheblichen Niederschläge, mäßige Nordwestwinde.— Für Deutschland: In Norddeutschland kühl und veränderlich, in Süddeutschlond Uebergang zu regnerischem kühlem Wetter. „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauslage bei. für die Zeit vorn 6. bis 9. September I N O-T A F E L PBOGRANM für die Zeit vom 6. bis 9. September I LDO10 Potsdamer Strafe 35 Der Krieg Im Dunkel (Die Sptenin) mit Cb�ta Darbe Rhein strafe 14 Antobt» Nr., mit F ritte Kamper«, Lee Parry Da« gre$e Beiprogramm Odcon, Potsdamer Str. 75 Autobui Nr. 2 mit Fritx Kämpen, Lee Parry Der Sdicidagignind(ft Akte) Turmsirabc 12 Dl e Sdtmngglerbranl von Mallorca mit Jnny Jogo Da« gute Betpragramm Alexandersir. 39-40 (Passage) Den ganten Tag geAffaet! Aotobn« Nr. 2 mit Frttx Kämpen, Lee Parry Kampf am Paria(8 Akte) g slhdifBf Alhambra Schöneberg, Haupfstr. 80 Mutterliebe mit Hegay Porlea Betpragramm--- Moabit Arhishof-Lidiispiclc Film' and Dfihnenscfaaa Perlcberger Str. 29 und Stcndiler Str. Nadilweli mit A. May- Weng Der weige Sdielk BOhnentcbaa Tiiania(ut. HauptstraBe 49 Beginn ab wo Uhr Die rcidute Fraa dar Well Naditbeiach am Sekelmtrcaor V F riedenoucr Lichispiclc Kaiserallee III(hendeffelf) Qaalea der Ehe mit Pola MqdH Nrnnorita mit Weli-Kino Alt-Moabit 99 Minner ohne Beruf mit Harry Plel Das grege Beiprogramm W Char»otta»b*trS"~i Schlüier-Thcaicr Schlflterstr. 17 W. 7 u. 9.15 U, S. ab 3 U. Hingabe Mit Marc. Albanlp-T. ScbleÜow Oehcimaissc des Vulkans m.T, Mix W wumaraOorf H Atrium Beba-Palaal Kaiserallee, Ecke Berliner StraBe Beginn 7. 9.15, Sonntags auch 15 Uhr Uraufführung; Sensation Im Wintergarten Bühne: Original Saaln Qlazerott Sdran Wbanta Tiiania'Palasi Steglitz', SchloBStr.S, Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung: Bobby Burn«. der Benllnfnnge 50 Mlanten Bühnen. dlaa Jugendliche haben Zutritt Wochentags 6J0, 9 Uhr Stg.5. 7t9U. Stg. 3 U.|.-V. Htndenburgdarttm 58a Maliendorr Ma-Li Hi-U Der sefawarze Domino m. H.LIedtke Eva« TAdblcr mit Anny Ondra Südwa isten FUm-Paiast Kammersäle teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. Adiea Maacode mit Ultaa Harrey Rerolvttoa der Jagend Mariendorfer Lldrlipiele ChausseestraBe 305 Stg. 3 Uhr Iug.-V. Die Fran Im Talar m. Fr. Kortncr Vergeasene O erlebter Bllhnenadiaa ■""""■ Th. am Moriizplaiz Beginn: W. ab 6.15 Uhr, Stg. ab 4.30 Uhr Die Kosaken mit John Gilbert Rosenmoniog Filmeck Beginn: W. 5.30 Uhr S. 3 Uhr Skalitzer Straße, am Görlitzcr Bahnhof Gute Bfthnenscfaau Persönlich: W. Bendow, E. Rex. P. Wesfenneier, H. Picha, Grete Reinwald, J. Ewald m. ihrer Rcvnc Film; Kopf hoch, Baby Luisen-Theater soJÄu Reichen berger Str. 34 BQhnenschau Middien am Kren�mit Evelyn Holt» Ernst Vercbes� Osten Germania-Palast Frankfuuer Allee 314 Pollxef mit George Bancroli Auf der Bühne: Knrt Lilien i Hinter den Knlluen d. Rnadfnnks 2 Sewalds, Akkordion-Virtubsen Wochentags 6 Uhr, Sonntags 5 Uhr Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Krieg Im Dankein m. Greta Garbo Revue: Hallo, hier Wien n. Berlin Urania-Theater Wrangelstr. II. Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7. 9 Uhr Die nngekrönle Königin mit Lady Hamilton Zve] Ln«iap., Drei Int. VarleWaitr. Neukftlln Primus-Palast Herihannplatx* Tempo- Tempo m, Luciano Alberlini, Fr. Kämpen, Hilda Rofdi, Herrn. Pldu Oltrer» magbebe Kerne» größte Zauberschau Europas gjlySoraah&nowntdnJ Elysium(n,Wa..>. Hassel Werderstraße 17 Varlelösibaa Flucht In die Fremdenlegion mit Hans SMwe Bühne; Operette: Rendesrona in Oriutng Concordia-Palast AndreasstraBe 64 BObncnsdian De rieb warzc Domino m. H.LIedtke Vorsidit, Verröter I Kosmos-Liditspiele Lichtenberg, LOckstraBe 70 Sündig und«üb mit Anny Ondra Gastspiel: Der gold. Haha. 9 Bild. Grobe BObnensdiau 0 FrlneSrlchitnlfl«- Hg NerdMi Alhambra MOIlerstraße, Ecke Seesfraßc Minner ohne Beruf m. Harry Ptc! Beiprogramm— Varieteschan Collosscum Film- and Bflhnensdiaa Schönhauser Ailec 123 W. 6.30 U. S. ab 4 U. Minner ohne Bernf m. Harry Plel Große Bühne: u.a Tslngtan-Trnppe Elektra-Palast Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Beg. W. 6.15, 8.45, Stg. 5 Uhr Mein Herz Ul eine Jazzband mit Lya Mara Postraab In der TenfeluehlPdii g� Nordogtwi■ «Elysium" Prenzlauer Allee 53 Böbnenschaa Der schwarze Domino m HXIcdfltc Bühne: Paol Hcidemaan Am Flügel: Otto Stranslcy Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205—210 BObncnsdian Mutterliebe mit Hcnny Porten Rand am Wetbensee, Ausst.-Revue H R«lnleknnaoif-Oa1"g Bürgergarten-Liditsp. HauptstraBe 51 Btlbucnscfaao Submarine, T ragödie d. U. 4. Der Rödler der Grenze Tonfilm Bcfprogr. Wiesen-, Ecke Kösliner StraBe Der Graf ron Monte Christo Q.) Ja, die Frao-n sind meine sdiwadie Seile Fortuna-T ageskino Müllerstraße 12c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spliacnfilme der Weltpro dnldlon Metro-Palast ChautseestuSe 30 Kolonne X mit Retnbold Schänzel Mönner ohne Berat m. Harry Plel Noack's Lichtspiele BrunnenstraB« 16 Wtg. 5 U.. Stg. 5 U. Stg. 3 U.)ugendv. 20 Jahre Noadcz Lichtspiele I Das große Jubiläumsprogramm: Mutterliebe mit Hcnny Porten Vergessene Gesldiler(Schwur des H. Adkrti).— Verstärkfes Orchester. «Alhambra" BadstraBe 58 BfUmenscfeau Das Mödel mit der Kamera Gr. Revue: Knrz und bündig Ballsduniedcr- Llditsp. Bad Straße 16 Grobe BÜhnensdsan Matter liebe mit Henny Porten Maclste PotHIlon von Mont CenU Humboldt-Theater Badstraße 19 Große Bflhnexuchaa Kampf am Paris Im Lande Aman Ullahs Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Große Bühnenschaa Revolaiion der Jagend Beiprogramm ■ p'Hfcow m Palast-Theater Breite StraBe 21 a Der schwarze Domino m. Vera Sdunlterlöw u. H. Liedflco Beiprogramm «Rialto" Film u. Böhne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Sonja. Sonja, da«ein Glück mit Harry Licdthc Betpragramm— BOhnenscbaa Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Sobmarinev Tonfilm Frtg:, Sbd. 11.20: Nachtvorstellug: Hygiene der Ehe— BQbnenscxiao Vincta-Kino Vinetaplatz 3, Ecke Wolilner StraBe Blaue Jungen- blonde Möddhen Lockvögel.- Stinktier als Retter Tivoli, Pankow Berliner StraBe 27 Bühne nscfaau Sündig und sfig mit A. Ondra Büc Liditvislonca, Grotcsktönzcg 0 MlüdarBchanSStitüTb Film-Palast SLölSluzen Blankenburger StraBe* Submarine Das Liebesleben d, schönen Helena » T*«*1 a Filmpalast Tegel Bahbhofstr. 2 W.6,81/», Stg. tKc.O'l, 83'4 Der schwarze Domino m. H.LIedtke Mutterliebe mit Henny Porten Union-Theater HauptttraBe 3 Beg. Wtg. 8 U. Stg. 5. 7.33 Un Fem! groben Pretz. Sensation(7 A.) llle Sdblmck m. E. Kalser-Ttetz