BERLIN Sonnabend ?. September 1929 10 Pf. , Nr. 420 B 209 46. Jahrgang. CrfSetKt ti« l t ch auterGonotag«. Zugleich Abendausgabe de«.DonvSrt«'. Bezugsprei« beide Ausgaben 85 Pf. xroWoche, Z.soM. pro Monat. Rebaltton und Expedition-, Berlin SW es. LindenKr. s ffibwaSifa l »»ttgenprei«: Die einspaltige Nonxarcilleieil, «0 Pf.. ReNameieile S M. Ermäßigungen nach Tarif. ostschecklont«: DorwSrt«-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»rssa. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 291 OasZüsiungskapital in Angst. Treibereien gegen anglo-amerikanifche Abrüstung/ Eingreifen Präsident Hoovers. New Bork, 7. September.(Eigenbericht.) Gegen die Flottennbrüstung, die durch englisch. amerikanisches Abkommen festgesetzt worden und auch durch den bevorstehenden Besuch Macdonalds gefördert werden soll, mache» sich allerhand offene und geheime Treibereien bemerkbar, hinter denen das R L st u» g s« kapital stehen dürfte» das sich natürlich in seinem Profit bedroht fühlt. Diese Gegenarbeit hat solche» Umfang angenommen, daß Präsident Hoover sich zum Eingreife« veranlaßt sieht. Der Präsident beauftragte de» Bundesstaatsanwalt» eine genaue Unter» s u ch u u g dieser Einflüsse vorzunehme« und festzustellen. ob große Finanzinterefseu und Schiffsvau» gesellschaften hinter dieser Propaganda stände« und diese f in anziere«. Diese Prapagand» läuft i�ach de» Worten des Präsidenten darauf hinaus, das gegenseitige Mißtraue« und de« internationalen Haß zn vermehre«. Es sei daher zu erwäge», ob nicht nötigenfalls die Gesetzgebung gegen dies« Manöver in Bewegung zu setzen sei. Eine» Beweis für diese Treibereien des RSstungs- kapitals gibt folgende weitere Meldung: Washington. 7. September. Präsident Hoover hat in einer formelle» Er- kläruug offiziell von einem Prozeß Kenntnis genommen. de» ei« sich Marineexpert nennender gewisser Shearer gegen drei Schifiswersten angestrengt hat. I« diesem Prozeß gibt Thearer an. er habe als Teil- Honorar für seine Werbetätigkeit SV vvv Dollar von den Werften erhalten» habe aber vertraglich»och auf weitere 2SV000 Dollar Anspruch. Nach Zeitungsberichten soll Thearer bei der Senfer Seckonferenz 1S27 unter Mitglieder» des Washing» toner Kongresses für vermehrte Rüstnnge« ein» getreten sein, und zwar in seiner Eigenschafi als an» gestellter Agent amerikanischer Schiffbauer. Hoover bemerkte hierzu, es sei ein Monat ver- gangen, ohne daß diese Angelegenheit befriedigend auf» geklärt worden sei. Jede Firma sei berechtigt, für ihre Fabrikate zu werben, wenn aber Werfttn. die Kriegs- schiffe bauen, tatsächlich für A u f r ü st u n g Propaganda gemacht haben sollten, so gehe dies das öffentliche Interesse an, und die Regierung werde Schritte er- wagen, um eine Praxis zu unterbinden» die den auf Verminderung der Rüstungen gerichteten Wünschen des amerikanischen Volkes zuwiderlaufen. Äauprogramm 4924 erfüllt! Washington, 7. September. Der neue Kreuzer„N o r t h a m p t o n" ist gestern in Quincy vom Stapel gelaufen. Morgen folgt der Stapellauf des Schwester- schiffes Houston in Newport News. Die drei Kreuzer„Pensa- cola",„Saltlake City" und„Ehester" sind vor einigen Monaten vom Stapel gelaufen: die restlichen drei„Louisville",„Ülugusta" und„Chicago" folgen im nächsten Jahr. Diese acht Schiffe stellen dds 1924 aufgestellte Bauprogramm der sogenannten Vertrags- kreuz er dar. Diese Schiffe haben eine Wasserverdrängung von 19 999 Tonnen: sie haben Oelfeuerung und entwickeln 3914 Knoten Geschwindigkeit. Sie find ausgerüstet mit 9 achtzölligen Kanonen, sechs Torpedorohren und 4 fünfzölligen Fliegerabwehrgeschützen. Von dem diesjährigen Bauprogramm sind bisher keine Schiffe auf Kiel gelegt, da Präsident Hoover am 24. Juli beschlossen hat. die Ausführung zu verzögern, bis Klarheit über die Mög- lichkeit einer Einigung mit England geschaffen se- Die Suche nach den Bombenlegern Oer Motorradfahrer hat sich gemeldet. Die Untersuchung des letzten Bombenanschlages in Lüneburg wird von der Polizei mit allem Nachdruck fortgesetzt. Aus Berlin ist eine Reihe Hon Beamten der Abteilung IA des Polizeipräsidiums nach Lüneburg gefahren, um gemeinsam mit den dortigen Unter- candtagsobqeordaeler v. Sillinqer wird Redakteur. Der nationl- sozialistische„Sächsische Beobachter" richtet in Dresden ein« eigen« Schriftleiwng ein. für die der Landtagsabgeordnet« von Killinger verantwortlich zeichnen wird. SDie SprengUelle in Xüneburg. Jn ilefem Xellerfenfler mar die SSombe untergebratht, die In der tlaehl»um Srellag Im Xüneburger Xeglerung* gebSude explodierte und groüen Schaden In der ganxen Umgegend anrichtete. suchungsbehörde» die notwendigen Festellungen zn machen. Ferner sind mehrere Sachverständige der chemisch-technischen Reichsanstalt in Lüne- bürg eingetroffen. Aus den Trümmern im Keller des Regierungsgebäudes, in dem die Höllenmaschine explodierte, hat man viele kleine Stücke der bei der Explosion völlig zerrissenen Höllenmaschine gefunden und hat- sofort ermitteln können, daß auch in diesem Falle dos gleiche Uhrwerk wie in Berlin und den anderen Attentaten in Lüneburg, Schleswig und Oldenburg Verwendung gesunden hat. Man glaubt, daß es sich bei dem Uhrwerk um ein deutsches Fabrikat handelt.. �Die chemische Untersuchung in Lüneburg hat ergeben, daß der Spt�ngstoss von bedeutend größerer Explosivtrasl als oll? bisher bei den Attentaten zur Verwendung gekommenen Höllen- Maschinen gewesen ist. Davon zeugen auch die Verheerungen, die im Keller des Regierungs- gebäudes angerichtet wurden. Der Druck war so stark, daß nne starte Decke zum Berstcn gebracht wurde und noch bis auf eine Entfernung von 59 bis 199 Metern zahlreich: Fensterscheiben in den Nebenstraßen zertrümmert wurden. Zwei, die sich selbst bezichtigen. Inzwischen ist in Berlin der Kaufmann H e t t, der sich be- tanntlich in Frankfurt a. M. der Staatsanwallschaft unter der Be- zichtigung, das Bombenottentat auf den Reichstag in Berlin verübt zu hoben, eingetroffen. Die Berliner Kriminalpolizei wird Hett nach im Laufe des heutigen Tages vernehmen. Auf Grund der in Berlin vorliegenden Ermitt- lungen hat man bisher nur wenig Anhaltspunkte für eine direkte Beteiligung des Hett. Außerdem hat sich heute vormittag auf einem Berliner Polizei- revier ein Mann gemeldet, der erklärte, daß er an dem Bomben- anschlog auf das Reichstagsgebäude beteiligt gewesen sei. Der Mann, der sich beharrlich weigerte, seinen Namen anzugeben, wurde daraufhin in Haft behalten uNd später dem Poliz.'ipräsidiiun zugeführt. Seine Vernehmung hat bisher noch nicht stattgefunden. Was den in Lüneburg in der Anschlagsnacht beobachteten Mo- torradfahrer angeht, so haben sich bei der Kriminalpolizei be- reits verschieden« Zeugen gemeldet, die einige wichtige Angaben machen konnten. Während die Nummer des Motorrads von keinem der Zeugen festgestellt worden ist, ist als Herkunftszcichen das h a n- nooersche Zeichen l 5 beobachtet worden. Me wir kurz vor Redaktionsschluß erfahren, soll sich auch der Motorradfahrer bereits bei der Polizei gemeldet und ihr ein einwandfreies Alibi angeboten haben. Hitler wird aktiv. Wie 4923 und 49llS. Am gestrigen Abend sind an zwei verschiedenen Orten Deutsch- lands, in München und in Oranienburg, kommunistische Versammlungen von Hakenkreuzlern überfallen worden. Jn beiden Fällen gab«s Messerstechereien und Verletzte, in beiden Fällen waren die Hitler-Leute die Angreifer. Niemand wird bei uns Sympathien für die Kommunisten vermuten. Sie tragen an der Verrohung des politischen Lebens ein gerüttelt Maß von Schuld. Sie hoben die Methoden, die jetzt gegen sie angewendet werden, selbst oft genug gegen politisch Anders- denkende, besonders auch gegen Kommunisten selbst, die gegen den Parteistachel zu löken wogten, zur Anwendung gebracht. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß an den beiden Vorfällen von gestern die Nationalsozialisten augenscheinlich die Alleinschuld tragen, und daß auch die Kommunisten Anspruch aus polizeilichen Schutz haben, wo sie sich in der Rolle der Angegriffenen befinden. Die Vorfälle von München und Oranienburg sind aber offenbar nur i>er Beginn einer größeren Aktion, die die Hitler-Leute für diesen Herbst vorbereiten. Darüber hat gestern abend Herr Dr. G o e b b e l s in einer nationalsozialistischen Versammlung in der„Neuen Welt" einiges zum besten gegeben. Di« ihm befreundete Hugenberg- Presse berichtet darüber: Dr. Goebells erwähnte in seiner Rede die g r o ß e A e h n l i ch- keit der heutigen Zeit mit dem Jahre 192 3. Genau wie damals stehe das Wirtschostsleben vor dem Zusammenbruch. Der Herbst werde Erschütterungen bringen, wie wir sie jeit dem Ja h'r e 1918 vielleicht noch nie gesehen hätten. Zunächst ist es ja nicht ganz so schlimm gekommen. Der putschistijche Elan der begeisterten Versammlungsteilnehmer tobte sich nur gegen«in« Schausensterscheibe des„Voripärts"-Verlages aus. Di« Nationalsozialisten, aus'deren Zug heraus diese Scheibe ein- geworfen wurde, kamen aus der„Neuen Welt". Bei dieser Gelegenheit sei ein Irrtum von heute morgen richtig gestellt. Zu einer Sistierung voii Parteigenossen ist es in der letzten Nacht vor dem„Vorwärts"-Haus nicht gekommen. Wohl aber hat die Polizei, der«s nicht gelungen war, den Täter zu ergreifen, später die Straße geräumt und dabei Parteigenossen, die ihrem Unmut über das Treiben der Hitler-Iungen Ausdruck gaben, hart angefaßt. Wir sind weit davon entfernt, Schaufensterattentate tragisch zu nehmen, aber der ursächliche Zusammenfuing zwischen der Goebbels- Rede und dem Bierflaschenwurf steht fest, und auch dem Hitler-Putsch von 1923 sind Angriffe auf die Redaktion der„Münchener Post" vorausgegangen. Auf keinen Fall möchten wir dafür plädieren, daß die Herrfchaften weniger ernst genommen werden, als sie selbst wünschen, und wenn sie für diesen Herbst erschütternde Er- f i g n t f f e antundig«n. dann ist es die Pflicht der republikanischen Staatsgeroalt, mit unerschütterlicher Festigkeit ihre Gegenmaßnahmen zu treffen. Kein vernünftiger Mensch hält es für möglich, daß die Hitler-Leut« oder die Kommunisten, die ja sehr bald mitspielen «erden, durch Putsch oder Gegenputsch zur Macht gelangen könnten, wohl aber kann durch sie an Menschenleben und Wirtschaftskrast ein großer Schaden angerichtet werden. Dem rechtzeitig entgegenzutreten, ist die Aufgab« der republikanischen Staatsgewalt. Die Herrschaften werden ja bekanntlich sehr nervös, wenn man im Zusammenhang mit ihrem Treben von den Spreng st off- anschlügen spricht, deren Reihe nicht abreißen will. Trotzdem muß festgestellt werden, daß sich die Stimmung einer gewissen Presse mit jedem gelungenen Attentat sichtlich hebt. So ist die„Deutsche Zeitung" heute morgen angesichts des neuen Bombenanschlags von Lüneburg in geradezu strahlender Laune. Sie läßt gegen die Links- presse, die über die Attentate nicht so vergnügt ist, ihren besten Humo- risten los und läßt ihn schreiben: Der letzte Bombenanschlag in Lüneburg hat— ganz pro. grammwidrig— diesesmal einen verhältnismäßig bedeutenden Sachschaden verursacht und insofern auch einen Personen- schaden angerichtet, als durch den Luftdruck ein schlafen- der Regierungspräsident aus dem Schlummer geweckt und sogar beinahe aus dem Veit gehoben worden ist. Das ist gewiß bedauernswert. Schlimmer sind jedoch die Verwüstungen, die in den Schristleitungen gewisier Berliner Zeitungen angerichtet worden sind. Die tägliche Keilerei. „Nun, Kollege, wo wollen wir heute unsere Keilerei veranstalten?" So geht es eine ganze Weile weiter, bis zum Schluß grinsend versichert wird: Nach dein ersten Lüneburger Anschlag am 1. August haben wir den dacht ausgesprochen, daß es sich bei allen Bomben- ans.!.l um bestellte Arbeit, um ein erbärmliches Thc orer handelt, das von den Hintermännern derjenigen Kreis« ausgezogen worden ist, die ihr« Machtstellung durch die immer stärker anschwellende nationale Bewegung bedroht fühlen. Sie wollen deshalb künstlich Borwändc schaffen, unter denen sie diese Bewegung, vor allem aber die verfassungsgemäß zu- lässige Werbung für das Volksbegehren durch diktatorische Polizei- maßnahmen niederknüppeln können. Die Methode ist bekannt. Sie ist, wie erst heut« morgen hier nachgewiesen wurde, schon bei allen nationalistischen Mordan- schlügen der früheren Jahre angewandt worden, solange es nicht gelungen war, die Täter zu fassen. Herr Goebbels hat also gar nicht so unrecht, wenn er in historischen Reminiszenzen schwelgt. Offenbar suhlen sich die um Hitler durch Hugenbergs mächtige Bun�desgenossenschaft zu neuen Taten ermutigt. Für die republikanisch gesinnte Bevölkerung, für die sozialdemo- kratische Arbeiterschaft heißt es: Augen auf! Brandenburgs Jahrtausend. Oer Festakt im Dom. Am Sonnabendvormillag wurde Brandenburgs Zahrtauscndscier mit einem großen Festakt im vom fortgesetzt. Das Innere der alten Kirche war geschmückt mit den blauweißgrünen Farben der Stadt Brandenburg und den schwarzrotgoldenen Farben der Deutschen Republik. An allen Pseilern hing das Schwarzrotgold, und wirkungsvoll umrahmte es den Allarraum. Mit den Stadtverordneten und dem Magistrat waren Vertreter der Reichsregierung, der Staats- regierung und der Prooinzialverwaltung erschienen, Abordnungen von Vereinen und viele Einwohner der Stadt. Auch die Gattin des verstorbenen Reichspräsidenten Eberl nahm an der Feier teil. Da» Sinfonieorchester der Berliner Schutzpolizei leitete mit Beethovens„Egmont".Ouoertüre die Feier«in. Ober» bürgermeister Genosse Dr. Fresdors begrüßte die Festteilnehmer. Diese Feier soll sein, sagte er, ein Zeichen und Sinnbild eines Sich- erinnerns. Wir wollen der Leistungen Brandenburgs in der alten Zeit gedenken, andererseits aber auch in Verehrung vor dem Wappenschild des neuen republikanischen Deutschland uns beugen und mutig und freudig zu ihm bekennen. Justitzminifter Dr. Schmidt beglückwünschte im Namen der preußischen Staatsregierung die Stadt Brandenburg, die am Anfang der preußischen Geschichte gestanden habe. Brandenburg sei des Obersten Gerichts gewesen. Glückwünsche des Deutschen des Obersten Gerichts gcwel«n.f Glückwünsche des Deutschen Städtetages und des Preußischen Städtetages brachte Präsident Dr. M u l« r t, der die Selbstverwaltung, die stärkst« Stütz« sür Wiederaufbau und Fortentwicklung von Staat und Dolksgemein» schaft nannte. Für die Prooinzialverwaltung Brandenburgs sprach Landesdirektor v. Winterfeldt. Dr. Reumann gab in seiner Festrede einen Ueberblick über die Geschichte Brandenburgs. In einer Schlußansprache erinnerte Oberbürgermeister Dr. Fres- dors an ein Wort des Freiherrn v. Stein, des Schöpfers der Selbst- Verwaltung für Preußen, der die Belebung des Gemeinsinns und des Bürgersinns, die Erweckung eines lebendigen, fest strebenden, schaffenden Geistes gefordert hat. Edison wieder gesund. Wie aus West-Orange berichtet wird, durste der berühmte Erfinder Thomas A. Edison nach seiner Er- trantunz an Lungenentzündung am Freitag zum erstenmal das Bett oerlassen. Der Tod in den Mpen. Hat Student Halsmann seinen Vater ermordet? ..Alle Wasser unserer Berge werden nicht imstande sein. das Blut, das an seinen Händen klebt, herunlerzuwaschen. Cr ist schuldig." Der Staatsanwalt im ersten Halsmann-Prozeß. Die Geschworenen, Tiroler Bauern, sprachen ihn des Vater- mordes schuldig. Vergeblich versuchte der berühmte Wiener An- walt Dr. P re ß b u r g e r die Berussrichter zu bewegen, den Wahr- spruch auf Grund des§ 232 StPO. für nichtig zu erklären. Sie ver- urteilten den Studenten der Dresdener Technischen Hochschule, den 22jährigen Rigenser, Philipp H a l s m a n n, wegen Vater- mordes zu 10 Jahren schweren Kerkers. Der Verurteilte tobte: Justizmord! Nicht ich bin der Ver- brecher, die Geschworenen sind es; ich will die Schande nicht mehr mit anhören— und wurde abgeführt. Das Publikum machte seinen Unwillen in lauten Demonstrationen kund—, der Gcrichtssaal wurde geräumt. Vier Professoren der Innsbruck«: Universität, darunter der Dekan der Juridischen Fakultät und der Strafrechtslehrer, richteten aus eigener Initiative eine Eingabe an die Justiz- behörde: der Indizienbeweis sei nicht schlüssig gewesen, sie als Gc- schworene wären nicht zu einem Schuldig gelangt. Wildfremde Menschen bezeugten schriftlich dem Verurteilten ihre Sympathie. Neue Zeugen meloeten sich. Studenten der Dresdener Hochschule erhoben ihr« Stimme sür ihr« Kommilitonen. Pressenotizen sprachen unverhohlen von einem Justizmord. Der Fall halsmann war über Rächt zu einem berühmten kriminalsall geworden: weit über die Grenzen Oeslerreichs hin- aus hatte er auf sich die Aufmerksamkeit der Oessentlichkeit konzentriert. Der oberste Gerichtshof gab der Nichtigkeitsbeschwerde des Verteidigers statt. Unzulänglichkeiten der Voruntersuchung, wie Formverletzungen in den Gerichtsoerhairdlungen hatten Zweifel entstehen lassen, ob der Spruch der Geschworenen unter Wahrung der vom Gesetz geforderten Rechtsgarantien zustande gekommen war. Am 9. September beginnt die auf 14 Tage berechnete zweit« Verhandlung gegen den Studenten Halsmany. Der Lettländer Halsmann, Zahnarzt zu Riga, befand sich auf einer Ferienfahrt: mit Frau, Tochter, Pariser Studentin und Sohn Philipp, seit zehn Semestern Student der Dresdener Technischen Hochschule. Roch verschiedenen erfolgreichen Bergpartien in Frankreich und in der Schweiz bestiegen Vater und Sohn am 19. September den Schön- bichlhorn in den Zillertaler Alpen. Man sah sie noch im guten Einvernehmen in der Dominikushütte und später auf dem Wege von ihr nach Breitlahne r. Am Nachmittag wurden aber plötzlich Bergbewohner und Touristen vom sich wie verzweifelt gebärdenden jungen Halsmann alarmiert: sein Vater sei abgestürzt. Der Wirt der Dominikushütte schöpfte sofort Ver- dacht; an dieser Stelle, meinte er, könne niemand abstürze»:: er stellte beim alteD Halsmann drei schwere Kopfverletzungen fest und fand auf der Platte, an der vermutlichen Absturzstelle, einen mit Blut, Knochenteilchen und Haaren besudelten Stein, eine Schleif- spur zum Abhang und Blut sowohl im Grase als auch an der Stütz- mauer. Der junge Halsmann wurde verhaftet: er bestritt die Tat. Er erzählte, daß er den Vater hinter sich gelassen, weil dieser ein Bedürfnis verrichten mußte, daß er plötzlich«inen Aufschrei gehört uno, als er sich umdrehte, seinen Vater rücklings den Abhang her- unterstürzen gesehen habe. Entsprach diese Darstellung der Wirklichkeit? war der nicht schwindelfreie und herzleidende Vater, erschöpft von vorher- gegangenen ermüdenden Gebirgstouren. selbst in den Tod gestürzt oder halle ihm die Hand seines Sohnes den Tod gegeben? halle der Sohn überhaupt ß:gendwelchen Grund, seinen Vater zu töten? Der Staatsanwalt beantwortete beide Fragen mit einem«nt- schiedenen„Ja". Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, sagte er, war durchaus nicht das beste. Wochenlang sprachen sie mitein- ander nicht. Der Vater jähzornig, ausfallend, beleidigend, der Sohn reizbar, empfindlich, leicht gekränkt: der Dater nicht der beste Ehe- mann, der Sohn leidenschaftlich der Mutter ergeben. Hatte er sich nicht in einem Brief bitter beklagt, daß er verraten und verkauft sei? Da war«in verhängnisvoller Streit zwischen beiden gut möglich. 'Gar die obejktioen Spuren der Tat! Die Darstellung des Sohnes konnte nicht zutreffen. An der angeblichen Absturzstelle fand man keine Spuren des Absturzes: dafür aber um so mehr Spuren an der Stelle, von wo aus der Sohn den Absturz gesehen haben wollt«: den blut- und hautbeschmutzten Stein, die Blutlache und die Schleisspur und Blut an der Stützmauer, die der Körper hinabgefallen sein mußte.„Steine reden", sagte der Staatsanwalt. Hatten die Sachverständigen nicht mit aller Entschiedenheit behauptet, daß die drei Verletzungen keineswegs von einem Fall herrühren konnten? Der Sohn hatte im Streit den Schädel des Daters mit einem Stein eingeschlagen und dem noch Lebenden aus Furcht vor Entdeckung zwei weitere Verletzungen beigebracht. So der An» klüger. Nicht anders die Tiroler Bauern: sie sprachen den Ange- klagten schuldig. Die Verteidigung? Ihr schien alles voller Zweifel. Nicht die Behörden hatten die ersten Spuren gesichert, sondern der mißgünstig« Wirt der Dominikushütte in Halsmanns Ab- Wesenheit: Menschen waren an der angeblichen Tatstell« hin- und hergegangen, Gegenstände über das Gras geschleift worden. Konnte nicht die erste Verletzung beim Absturz entstanden und konnten die weiteren Verletzungen nicht vielleicht dem noch Lebenden von irgend- einer dritten Person in Raubabsicht beigefügt worden sein? Wo waren denn die Schweizer Franken geblieben, die der alt« Hals- mann bei sich führte: und weshalb fand man 19 Tag« nach dem Vorfall dem Toten gehörende 59 Schilling nahe dem Tatort unter einem Steine versteckt? Dieser Sohn, der seinen Vater s o liebte, dessen Leumund s o gut ist. hatte ihn nicht getötet und nicht löten können. Die Tiroler Bauern gaben aber mehr auf ihren Berg- genossen als auf die Redekünste und Warnungen des Wiener An- walts: sie sprachen den Sohn des Datermordes schuldig. Die neue Verhandlung wird es nicht leicht haben, den Rätselknäuel der Zillertaler Alpen zu entwirren. halle etwa Halsmann unter dem Eindruck des Todes seines Vaters eine unbewußt falsche Darstellung über die Situation gegeben? War der Dater, als er zurückgeblieben, vielleicht doch von jemand überfallen worden, der nach ihm schon lange gelauert, und hatte etwa dieser Uebeltöter ihm später, während der Sohn hilfesuchend den Berg hinauflief, noch die zwei weiteren Verletzungen beigebracht? Dies die Vermutung der Vertetdigungl Die Vorzeichen der zweiten Gerichtsoerhandlung sind nicht günstig für Halsmann, die neu« Augenscheinnahme hat. nichts für ihn ergeben. Dem Wunsch der Verteidigung, den Prozeß außerhalb Innsbrucks stattfinden zu lassen, wurde nicht nachgegeben: auch diesmal werden Einheimisch« über i den ihnen wesensfremden Halsmann zu urteilen haben. Die antisemitische Atmosphäre der ersten Verhandlung ist aber% noch zu gut in Erinnerung. Ihr Rechnung tragend hat der Wiener Anwalt Dr. Preßburger sein Berte idigeramt niedergelegt und es genehmeren örtlichen An- wälten überlassen. Geschworene Richter sind nicht kühle Logiker, sie hören auf ihre innere Stimm«: darin liegt die Gefahr dieses Jndiziei'.prozesses! Hoffentlich gelingt es, einem Fehlurteil aus dem Wege zu gehen! Oer litauische Terror. Französische Sozialisten ersuchen Henderson um Einwirkung. Paris, 7. September.(Eigenbericht.) Die französische sozialistische Partei richtete ein Telegramm an den englischen Außenminister Hcnderson in Gens. IHe Partei bittet dringend den«instigen Präsidenten der Internationale, beim litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras gegen die Ein- kerkerung der 399 litauischen Sozialisten, von denen 22 mit der Todesstrafe bedroht sind, zu protestieren und die sofortige Befreiung der-399 Sozialisten zu oerlangen. Der„Populaire" hat om Freitag einen großen Artikel über die litauischen Zustände ver- öffentlicht und setzt seine Protestaktion gegen die dortigen Terror- akte fort. Oenkschrist der Emigranten gegen Woldemaras. Kowno, 7. September. Litauische demokratische Gruppen haben dem V.ö lkerbunds- rat ein Memorandum eingereicht, das sich über dl« politische Lag« in Litauen verbreitet und gegen verschieden« Behauptungen wendet, die in der Rote Woldemaras' an den Völkerbund enthalten sind. Das Memorandum ist vom„Komitee zur Rettung der Demo- krati« in Litauen" unterzeichnet. Die Organisation der litauischen Sozialdemokraten im Ausland hat ein ausführliches Memo- randum der Internationale eingereicht. In diesem Memorandum wind betont, daß die litauischen sozialdemokratischen Emigranten Terrorakt« ablehnen. Auch wird bestritten, daß sich im Wilnagebiet irgendwelche von Poien besoldete oder ausgebildete mili- tärisch« Gruppen litauischer Sozialdemokraten befinden. Woldemaras hat dies in seiner Rot« behauptet. Attentat in Wien. Oer ungarische Pressechef verletzt. Wien, 7. September. heute mittag IZ Uhr schlich sich der ungarische Emigrant Ehalupny ln das Amtszimmer des Pressechef» der ungarischen Gesandlschaft v. Z i e g l e r und gab. als dieser ihn nach seinem Begehr sragle, aus ihn z w e i S ch ü s s e ab. durch die Ziegler ver- letzt wurde. Der Attentäter wurde verhastet und gab an. er habe auf Ziegler geschossen, weil er sich politisch verfolgt fühle und in dem Prestechef die Ursache der gegen Ihn gerichteten Quertreibereien erblickte. Erirunkene Veiier. Tragischer Tov. .Paris, 7. September.(Eigenbericht.) Das mystische Gesetz von der„Serie" hat sich in Frankreich am Freitag aus tragische Welse bewahrheitet. In einem kleinen Dorfe an der Alsne spielten die achtjährige I v a n n e und der siebenjährige Andre am Ufer eines Flusses, als der Knabe plötzlich durch einen unvorsichtigen Schrill ins Wasser stürzie. Die acht- jährige Kleine zögerte nicht einen Augenblick, ihrem Spielgefährten zu HIlse zu eilen und zu retten, was ihr auch laisächlich gelang. Sie selbst aber wurde von einem Krampf ersaßt und ertrank. An einem anderen Ork der Meeresküste, nahe dem Badeort von B e r ck. war es ein Franziskanerpriester, der bei dem Versuch, sechs Kinder einer Ferienkolonie, die beim Baden von der Flut fortgerissen wurden, zu retten, das Leben lassen mußte. Der Priester konnte nur als Leiche geborgen werden. Elf Opfer der See. Zwei spanische Dampfer zusammengestoßen. San Sebastian, 7. September. Bei einem Zusammenstoß der beiden spanischen Dampfer ..Robertina Teresa" und„Pepe", beide ans Vlgo, lind eis Mann der Besahungen ums Leben gekommen. Don den >8 Köpfen zählenden Besahungen der Dampfer, die beide sanken. konnten zehn Mann nach 14stündlgem Kamps mit den Fluten durch einen aus San Sebastian stammenden Fischdampser gerettet werden. Drei von ihnen starben jedoch an Erschöpfung. Vier Arbeiter toi. Schweres Bauunglück in Mailand. M a l l a n d. 7. September. An einem Gebäude, auf das zwei neue Stockwerke ausgesetzt wurden, stürzte ein beträchtlicher Teil des Reubau» ein. Label wurden vier Arbeiter getötet und mehrere verletzt. Trotz Wächter und Alarmvorrichtung. Eine Pelzfirma' in her Leipziger Straße hatte vor«inigen Tagen die Türen zu ihren Eeschästsräumen mit Eisenblech beschlagen lassen. Sie besitzt aber auch außerdem noch«ine A l a r m v o r- richtung und beschäftigt einen Wächter, hatte also alles erdenkliche zu ihrem Schutz getan. Trotzdem«nyiesen sich alle dies« Schutzmaßnahmen als nutz- und zwecklos, denn die Herren Ein- brecher waren wieder einmal gewitzter als die besorgten Herren Chefs. Von dem Hofe drangen sie durch eine Seitcnmauer, die sie durchftemmten, ein, stahlen Pelzmantel im Wert von etwa IZ 999 M. und entkamen mit ihrer kostbaren Beute ungehindert. Ein Musterlöndle. Zehn Jahre sozialdemokratische Führung in Anhalt. Das klein« Lanti Anhalt hat in der inneren Politik Deutsch- kands wenig von sich reden gemocht. Die letzt« Mitteilung, die in einen größeren Teil der deutschen Presse überging, betraf das zehn- jährige Amtsjubilöum des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Heinrich D e i st. Seit 1918 hat die überragende Führung der Sozialdemokratischen Partei eine stetige Politik und eine vernünftige Entwicklung des Landes im Rahmen der deutschen Reichspolitik ge- währleistct. Kurz vor der Revolution, am 8. November 1318, wurde der damalige Geschäftsführer des„Volksblatts für Anhalt". Genosse D e i st, vom letzten Herzog zum Mitglied des Staatsrates im Neben- amt ernannt, am 31. Januar 1919 übernahm Genosse Deist das Staatsratsamt hauptamtlich. Seit dieser Zeit, mit einer viermonati- gen Unterbrechung durch ein Rechtskabinett im Jahre 1924, führt unsere Partei zusammen mit der demokratischen Fraktion die Re- gierung des Landes. Diese Regierung ist- seit mehreren Iahren ein Minderheits- kabinett. Der Landtag von 36 Abgeordneten setzt sich zusammen aus 1ä Sozialdemokraten und zwei Demokralen, denen als widernatür- liche Opposifton 3 Kommunisten und 16 Abgeordnete der Hausbesitzer, dir Volkspartei. der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten gegenüberstehen. Da aber diese Opposition nicht in der Lage ist, irgendeine positive polftische Tat zu vollbringen, hat es die Regierung unter der sehr zielbewußten und taktisch besonders geschickten Füh- rung des Genossen Deist immer wieder verstanden, nicht mir den Etat durchzubringen, sondern auch— mit wechselnden Mehrheften— für das Land Anhalt bedeutungsvolle Vorlagen zur Annahme zu verhelfen. In diesem Jahre hat diese planmäßige und überlegene Politik der Regierung Deist-Wsber und unserer Fraktion hintereinander drei schöne Erfolge erzielt. In der Stadt Desiau besteht seit über hundert Iahren das F r i e d r i ch- T h e a t e r, dos zugleich den Elzarakter des Landestheaters hat. Naturgemäß erfordert die auf außerordentlicher Höhe stehende Bühne erhebliche Zuschüsse aus öneuilichen Mitteln. Der ansteigende Etat des auf einer starken musikalischen Tradifton fußenden Theaters brachte im letzten Jahre eine so große Erhöhung des Zuschusses mit sich, daß eine Theater- krise ausbrach und die Existenz des Instituts gefährdet erschien. Die foftaldenwtratische Fraktion hatte aber, von dem allgemeinen kulturellen Gesichtspunkt abgesehen, ein erhebliches Interesse am Fortbcstand des Theaters. Es wäre unzweifelhaft ein Mißerfolg unserer Regierung gewesen, wenn urfter ihr das Theater eingegangen rnrirc! zumal in einer Zeit, in der sich die Zahl der von der Arbeiter- schaft durchgeführten Voltsvorstellungen von jährlich 28 auf über 80 erhöhte. Es gelang der Minderheftsregierung durch die Energie, mit der sie dem. zwiespältigen Landtage gegenüber auftrat, durch die sachliche Begründung der Vorlag« und durch die Aus- arbeitirng eines geschickten Vertrages zwischen Staat und Stadt Dessau, daß das wertvolle Kunstinstitut erhalten bleibt. Der zweite Erfolg der R«gierung Deist und unserer Fraktion mar die Annahme des Etats mit den Stimmen der Deuischnationalen gegen die der Volkspartei, Hausbesitzer und Kam- i'-uniften. Anhalt hat eine eigene Staatsschule, für die aus einem E.ift von rund 32 Millionen Mark 11 � Millionen ausgegeben i"� den. Daraus ergibt sich schon, daß eine auf die kullurelle Ent- r ickl>'ng der Bevölkerung sehr bedachte Finanzpolitik betrieben wird. Ebenso günstig ist daS Bild des Etats noch der sozialen Seite i iN! abgesehen von den im Rahinen der gesetzlichen Bestimmungen reichlich dotierten Wohlsahrtsbestrebungen ist, vor allem infolge der rrbildlichen Bodengeseggebung, der Wohnungsbau in befon- de's gutem Stande. In Anhalt wird das gesamte Aufkommen aus der Hauszins st euer, neben anderen Mitteln, zum W o h- nungsbau und zur Förderung eines großzügigen Siedlungs- w.'sens verwandt. Dieser Etat, der beinahe Position für Position in wochenlangein parlamentarischen Kampfe heftig umstritten war, ift mit ganz'geringen Abänderungen der Regierungsvorlage ange- nommen worden. Die dritte Frag«, die das kleine Land Anhalt feit mehreren Jahren immer wieder beschäftigt, ist das Schicksal der A n h a l- tischen Solzwerk«. Infolge der Eigenart des gewonnenen P-otmkts(Karnallit) sind die V�rke seit langem Zuschußbetriebe. Im letzten Staatshaushalt mußte ein jährlicher Zuschußbetrag von 899 996 Mark bewilligt werden, nur um die Werke vor der Still- legung zu bewahren und der Belegschaft die Weiterbeschäftigung >u ermöglichen. Das ist auf die Dauer natürlich ein unhallbarer Zustand, und deshalb plante die Staatsregierung seit langem die Anlehnung der Werk« an«inen größeren, leistungsfähigeren Kon- -ern. Dos sollte auf der Grundlage geschehen, daß die den Werken zugeteilt« Kaliquote von 34 vom Tausend an einen größeren Konzern überginge, der für diese Verpachtung der Werke eine ent- sprechende Rente an den anhaltischen Staat zahlen solle. Selbstver- ständlich strebt« die Regierung von vornherein an. für diese An- lehnung nicht einen Prioatkonzern zu finden, um nicht ein Der- mögensobjekt von 25 bis 39 Millionen Mark der Privatindustrie zu übereignen, sondern es wurden vom Ministerpräsidenten Deist Verhandlungen mit der Preußischen Bergwerks- und Hütt«n-A.-G. lP r e u ß a g)«mgeleftet. Der erste Derträgsvorfchlag der Preußag mußte indes von der Regierung zurückgezogen werden, weil die Rechtspartelen die Verpachtung an den privaten Wintershall-Kon- zern wünschten und die Kommunisten, die natürlich auch in Anhalt von ctnem blinden Haß gegen die Sozialdemokratie besessen sind, den Rechtsparteien dabei Hilfsdienst« leisteten. Da sich Indessen auch im neuen Geschäftsjahr dl« Lag« der An- baltischen Salzw«rte weiter verschlechterte, leitet« die Regierung neue Verhandlungen e«i, und diesmal hatte sie mit ihrer Vorlage den Erfolg, im Haushaltsausschuß wiederum eine Mehrheit zu gewinnen. Die stetig« Politik, die sachliche Arbeit und die zielbewußt« Führung hat Anhalt in den Fragen der inneren Verwaltung, der sozialen Wohlfahrt, der Schulpolitik und der Finanzpolitik zu einem wirklichen Musterländl« gemacht. Eerdard Seger. Die Eröffnung der piscator-Bühn e Walter Mehring:„Oer Kaufmann von Berlm". Mehring hat ein ganz einfaches Inflationsstück geschrieben. Er will volkstümlich wirken. Der famose Chansondichter Mehring, der erste, der den Kabarettschund wieder auf die Höhe brachte, sucht immer den volkstümlichen Efjekt. Sein historisches Schauspiel aus der deutschen Inflation ist nichts anderes als ein etwas lang ge- patenes Chanson vom polnischen Kaftan, der mit 199 Dollar 1929 nach Berlin kam und dort reich und wieder arm wurde und schließlich in Moabit endete. Dieser Kastan, Kutisker war sein Name in Wirk- lichkeit, kaufte ganz Berlin. Er verkaufte den Litauern Waffen, die er gar nicht besaß. Er fingierte alle Potsdamer und anderen Putsche. Jeder anständige Mensch krepierte während dieser Zeit in Geldnot. Nur Kaftan schwelgte, weil ihm die Staatsbank das Geld nachschmiß. lind als der Jude Kaftan, der Stahlhelmliebling, zu- sammenbricht, stürzt sich auf ihn die Pöbelmeute, um die Fang- prämie, die auf seinen fetten Leib gesetzt wurde, einzukassieren. Das ist das Skelett des Stückes. Mehring, der auch einen Pa- riser Roman geschrieben und stcb hierbei ebenfalls an Boulevard- romantik übernommen hat. kann die verfluchte Literatur und Moral nicht lassen. Er erinnert sich, indem er diesen Schieber Kaftan zum Untergang befördert, daß auch Shylock ein Herz besaß und auch die Balzac-Geizhälf«, die zwar römisch-katholisch, doch an Geldgefrähigkeit ebenso stark waren wie der Venetianer Jude, fco gibt Mehring dem Schieber Kaftan eine Tochter, die, genau wie'Shylocks Kind Iessika heißt. Sie ist außerdem lungenkrank. Zur Heftung dieses Kindes hat Kaftan geschoben und betrogen. Es ist also ein tragischer Vater. Als das krank« Töchtertein trotz aller Sorgfalt zu Boden sinkt, ist das Trauerspiel des Geizhalses und Schiebers vollkommen. Allent- halben wird der Fluch des Geldes offenbar und kaum gemildert von dem Dichter, dem die Abgebrütheit 1929 zuzumuten wäre. Es ist noch des Militärs zu gedenken, das in dem historischen Schauspiel ein« große Rolle spielt. Das Militär rekrutiert sich aus einem ver- blödsten Putschgeneral und einem halben Dutzend Ehrhovdt-Typen. In ihrer Abscheu erregenden Gemeinschaft sollen gezeigt werden die Erzberger- und Rathenau-Killer, die mit dem jüdischen Schieber ge- meinsom« Sache machen. Der Stoff ist volkstümlich, er ist Kino und alles mögliche, was sofort in Auge und Ohr und Verstand eingeht. In sein Volksschau- spiel hat Mehring ein paar prächtige Chansons eingestreut. Die Chansons könnten sich ohne das Stück hören lassen, und.man würde das Talent dieses geradezu genialen Bänkelsängers bewundern. Was macht P i s c a t o r aus alledem? Etwas großartig Mißlungenes, eine radikale, am Ende von der roten Fahne überwehte Revue, die an vielen Ecken den Zuschauer und Zuhörer zur Tobsucht aufmuntert. Piscator läßt mft fieberischer Phantasie die Inflation, den Putschgeist, die Iudenrnisere und die Feme der Potsdamer wie- der aufleben. Mit seiner großartigen Maschinerie, die übrigens sehr kostspielig ist und die dem Theaterbudget und dem durch sausende Räder und laufende Bänder bedrohten Schauspielerknochen sehr ge- sährlich wird, bringt er den Szenenwirrwarr in Gang. Man-merkt aber allenthalben, daß die Technik wichtiger wird als die Kunst. Das Stück wird durch die Technik meist gar nicht gefördert, es wird nur gestoppt, obwohl sich alles dreht, obwohl alles auf den Kopf gestellt, in den Schnürboden gezogen oder in die Versenkung hineingetrieben wird. Man kann sich denken, daß Mehrings Volksstück auf einer primitiven Bühne gespielt wird. Dann wird es immer noch wirken, weil es ganz gesunde Kolportage bringt. Piscatorisch aufgeführt, mit den flitzenden Kinobildern durchmischt, mit den Biihnenlegmen- tcn, die in mehreren Stockwerken gezeigt werden, wirkt alles auf- gedonnert und beinahe überflüssig. Ständig hört man das Ma- schinengeratter, auch dann, wenn die Leute auf der Bühne sprechen. Etwas unerhört Märchenhaftes erwartet man. Was dann kommt, ist eben nur ein kleines, ein nicht schaif, sondern grob pointiertes Gerede um Schiebergeschäfte oder es ist ein militärisches Putsch- kauderwelsch, in dem verhandelt wird. Es w.rd z. B. auf dem Film die Killung der Erzberger und Rathenau annonciert. Zlber die Politik der politischen Mörder wird kaum charakterisiert, weder knallend pathetisch noch beißend ironisch. Allein die Chansons bleiben, das Lied der jammernden Juden, das Lied der Straßenkehrer, die den ganzen Papiergelddreck und da; Stahlhelmsymbol der So'dateska auf den Mistkarren schaufeln. Solche Szenen zünden gewaltig. Un- abhängig vom Schauspiel und vom Regisseur behalten sie ihren Wert. Wenn ober eine klägliche Leiche auf den Mistkarren gelegt wird, dann verstehen die Zuschauer keinen tragischen Spaß mehr. Sie werden vom Brechreiz überrpunden und erleichtern sich durch Spektakel. Schauspielerische Leistungen werden nicht geboten. Paul B a» ratoff, eine jiddische Weltberühmtheit, spielt den Kaftan und er ist nach unserem Geschmack nur ein Darsteller mit allerderbsteft Mitteln. Er wäre ein schlechter Shylock, er ist auch ein schlechter Jnflationsgalizier. Er ist offenbar nur gewohnt. Attraktion für ein vorstädttsches Theater zu sein. Die Filmgröße Schünzel svielt schlecht und recht den Drahtzieher der Inflation, der sich an Haken- nase und an Hakenkreuz bereichert. Ein halbes Hundert Typen und Chargen ist mit nützlichen, nicht auffallenden Künstlern besetzt. Sie wurden mit unendlicher Mühe einexerziert. Doch die Bewegung, die auf der Bühne herrscht, springt nur deshalb auf den Zuschauer. räum über, well Piscator nun einmal zum Streitobjekt des Par- teienknegs wurde. Die Freund« beten ihn an, es bespucken ihn die Feinde.'Mzx Hochdorf. „CS flüstert die Aacht." primuS-palast. Victor I a n s o n, als Regisseur ein gründlicher Arbefter. wendet sich mft seinen Filmen immer in bestimmte Kreise. Einmal spekuliert er auf den amerikanischen Export,«in andermal auf die deutsche Provinz, und dismal möchte er allen kunstsinnigen Zuschauern etwas geben. So hat sein neuer Film viele Feinheit«», die sich einem beillos verkitschten Publikum nicht sofort erschließen werden. Das Manuskript von Franz Rauch ist für«ine lebensecht« Aus- gestaltung sehr geeignet. Ein Offizier gerät in einen schweren Seelenkonslitt, da er'das verehrte Mädchen als die Frau seines Obersten wiederfindet, der nur Alkohol, Weiber und Karten kennt. Heber seine eigene Frau aber hat er seinen Burschen zum Auf- passer gesetzt. Als die beiden Liebenden sich zu einer Zusammenkunft von einem Ball heimlich fortstehlen, beobachtet der Bursche sie und will zum Erpresser an der Frau werden. Rein blöd vor Uebermut und Selbstbewußtsein, ergibt er sich dem Alkohol, fängt erst mit seinen Kanieraden und dann mit dem jungen Offizier Händel an. Der Bursche greift zum Messer, der Offizier zum Revolver und der Zufall läßt den Offizier zum Totschläger werden. Natürlich wird der Rittmeister freigesprochen, und da der Film ein gutes Ende haben muß, bekommt der treu Liebende di« angebetete Frau. Der gute Schluß ist überbetont. Hans S t ü w e, der ein« sehr gute Figur hat und ein äußerst filmgeeigneter Darsteller ist, spielt den Rittmeister wunderbar fein überlegt. Nie b«tont er den Offizier, nie ist«r ein renommierender Uniformträger, stets ist er«in Mensch. Darum ist es auch begreiflich, daß di« Liebe bei ihm nicht Episode, sondern Schicksal ist. Die schöne Lil D a g o v e r glänzt als seine Partnerin. Harry Hardt gefällt als Freund, während Veit Harlan den Burschen derart brutal anlegt, daß er mftunter nicht in den Rhythmus der durchweg fein- sinnigen Schauspielkunst paßt. Die Londfchaftsbilder machen Naturfreunden hell« Freude.«. d. � Oas Kreisblä«chen. Wieder einem Hetzblatt di« amtliche Quaiifilation entzogen. Die Republikanische Beschwerdestelle Berlin hat durch mehrfache Vorstellungen bei dem Regierungspräsidenten in A u r i ch erreicht. daß dem„Anzeiger für Harlingerland' in Wfttmund, der das amt- liche Kreisbkatt für den Kreis Wittmund war. mit Wirkung vom 1. August 192® die amtlichen Bekanntmachungen entzogen worden sind. Dieses Blättchen hol, trotzdem es amtliches Organ war, fortgesetzt in wüstester Weise republikanische Periönlichkeften, die preußische Regierung und Mitglieder der Reichsregierung verleumdet und beschimpft. Es ist zwar nicht anzunehmen, daß dieses Blatt seine Be- schimpfungen jetzt einstellen wird, jedoch werden sie wenigstens nicht mehr mft Hilf« amtlicher Gelder erfolgen. „Auster, der Mlmreporier." Gloria-Palast. Man kennt ihn zur Genüge, diesen Hans im Unglück, diesen neuen Schlemihl mit dem melancholischen Blick und der angeborenen Tapsigkeit. Was er anfaßt, mißlingt, und wo er hingerät, richtet er Verwirrung und Unheil an. Buster K e a t o n spielt immer dieselbe Rolle, nein: er prägt immer dieselbe Gestalt aus, und es scheint den Amerikanern, denen der Erfolg und die Smartneß alles ist, dieses Gegenstück zu ihnen besonders zu gefallen. In immer neuen Siwa- tionen, in einem wahren Filmwirbel wird uns der Unglücksmensch vorgeführt. Die tollsten Kapriolen werden geschossen. Buster als Filmreporter— schon die Ankündigung macht lachen; aber das Un- mögliche wird wahr. Wie er fchli�lich mft Hilfe eines jung.'n Mädchens(von Marceline Day sehr sympathisch dargestellt), die in seine Hilflosigkeit verliebt ist, aus dem Schlamassel herauskommt, ihr das Leben rettet und so ganz aus Zufall den großen Erfolg erntet— das alles ist ein Märchen von heutzutage. Für dos Temp' ist gesorgt, und die uns weniger sympathische große Keilerei und Schießerei— diesmal im Chinefenviertel— verschafft di« vorge- schrieben« Sensation. Aber in all dem filmisch erfüllten Durch- einander steht unentwegt Buster, der Unerschütterliche. r. 3n der Solksdfitnc wird alt nächste Zluslübning Wedekindt.Früb« lingt Erwache»" in der Jnizenierung von K-»l-<'einz Martin in Szene gehen. Die Bilhnenbilder werden von Caspar Neher entworsen. Gedent'eler für den Chemiker Sekult. Au« Anlaß de» 100. Geburt«- taget de» bcrübmten Ebemiker» August Kekniö von Stradonitz fand in der Bonner Universilät am Freitag ein Festakt statt. Kekult war annähernd 30 Jahr« an der Bonner Unwerfität alt Lehrer und Forscher tätig. „Zyankali" im Lesfing-Theaier. Friedrich Wolf hat ein Tendenzstück geschrieben. Er kämpft gegen die Anwendung des Strafgesetzparagraphen 213 (Zuchthausstrafe für Abtreibung der Leibesfrucht). Wer das namen- lose Elend kennt, das durch diesen unseligen Paragraphen allein in Deutschland jährlich 809 999 Mütter trifft, der fühlt mit diesem jungen Arzt. „Zyankali" ist ein« Premiere der Wahrheit. Wir gingen mit, wir waren gleich verschwistert mft diesen Menschen, die uns drüben auf den Brcftern ein Stück Leben vor- führten. Schweres Leben. Es kam einem der Gedanke, ein großer Filmoperateur sei heimlich über der Stadt gestanden, mit einem Objekt, das keine Hindernisse wie Hausdächer und Wände kennt, und hätte Teile aus diesem zuckenden, zueinander wogenden, tausend- fältigen Leben gekurbelt. Ein junges frisches Mädel ist da, Hete, sie liebt ihren Paul. den Heizer drüben aus dem Werk. Heiraten? Nicht doch! Wo denkst« hm, Mensch! Heiraten ohne Pinke? Aber sie lieben sich. die beiden. Und so kommt es wie immer. Das alles geschieht in einem Arbeiterhaus, einem Bienenstock mit überfüllten Räumen, in denen gerade noch die Sorge Platz hat. Hinter diesem Haus steht drohend der Schatten der Fabrik, das Gespenst der Aussperrung, der Hunger. Sie ist was besseres, die Hete, sie kann die Ausfperung nicht so stark treffen. Mutter Feiet (Hetes Mutter), hat«in paar Kostgänger, Paul ist einer von ihnen. Dann Maxe, der Metallarbeiter, und der Zeitungsverkäufer Kuckuck. Unmerklich bereftet sich die Katastrophe vor. Es sind Kinder, große, vom Leben verprügelte Kinder. Ei« alle sind und blechen menschlich mit ihren Schwächen und Vorzügen. Sie reden ihre einfache Frauen- spräche, die nicht immer nach Rosen duftet. Aber wir lieben sie. Es sind Menschen aus unserer Mitte. Rene« Dobra wa, wohlbekannt aus„Raoolte im Erziehung?- heim", spielt Hete, di« Tochter, die Geliebte. Wahrhaft, selbst ohne das Pathos des Unpathetischen. Man erlebt mit ihr all« Qualen der werdenden geheimen Mutterschaft, alle Zweifel und Kämpfe um das Unmenschliche einer Tat, der sie entgegentreibt, hilflos, gefesselt von Konvention, Enge und Gesetz. Gerhard B i e n« r s Heizer Paul, ein Kerl mit gesundem Kopf, wird durch das Unglück«in Instrument der Wahrheit. Eine aus den Angein gebobene Tür, die kreischt und polternd zu Boden splittert... Ludwig Roth als Hausoerwalter Prosnlck, ein Getretener, der zum Treten anderer bestimmt ist. Tierisch, dumpf, von einem leisen Schimmer Mensch- tums umstrahlt. Da ist ein fast Unbekannter, Reinhold Bernd t (Zeitungsverkäufer Kuckuck), der chaplinhafte Laune verbreitet. Ein Tragikomiker. Es istHansHinrichs erste Inszenierung in Berlin. Er ver- dient Loh. Das Publikum spendete den Schauspielern und dem an- wefenden Autor begeisterten Beifall. A. von Sacher-Masock. nebre zurück! Alles vergeben!" Marmorhaus. Das kleine Sportmädel gcht dem kommerzienrätlichen Papa urch, weil es einen zu dick geratenen Better aus Holland heiraten fall. Die Situationen, in die die junge Dame bei ihrer Flucht gerät, sind aus Film, und Bühnenjchwänken bekannt, sie gehören zum unveräußerlichen Inventar dieser Gattung, aber sie sind so nett gruppiert und so frisch aus Hochglanz gebügelt, daß der Zu- schauer taffächkch ungetrübtes Vergnügen empfindet. Der Regisseur Erich Schönselb er liefert gute Arbeit und sucht allen Dingen di« komische Seite abzugewinnen. Die Hauptrolle spielt Di na Gralla, eine der wenigen Schauspielerinnen im deutschen Film, die ohne sentimentale Anwandlung lustig sein können und eine Freude an der Groteske zeigen, die an Amerika erinnert. Kein Film, der in irgendeiner Beziehung überragend ist, keine Spitzen- leistung, aber eine befriedigende Durchschnittsleistung.— X Die Schließung der Hafler-Revue. 15 Musiker klagen beim Arbeitsgericht. Im Dezember 1923 crhielt Direktor H aller die Konzession zur Ausführung seiner Revue im Abmiralspalast unter der Vor- Aussetzung, baß er gewisse von der Baupolizei bestimmt« bauliche Veränderungen im Theater ausführen lasse, linier anderem sollte auf dem Grundstück ein Schuppen zur Aufbewahrung von Theatergerät errichtet werden. Fünf Jahre wurde die challcr- Revue im Admiralspalst aufgeführt, aber der Schuppen wurde nicht gebaut, weil die Besitzerin des Grundstücks, die Firma V o ß u. C o., die erforderliche Baustelle nicht hergeben wollt«. Nachdem die Polizei im Laufe der Jahre öfter, aber imnier vergebens, um die Errichtung des Schuppens gemahnt hatte, fordert« sie den Direktor Haller am 1. Februar 1929 auf, sein« Derpslichwng nunmehr bis zum 1Z. Februar zu erfüllen, andernfalls müsse das Theater geschlossen werden. Direktor Haller schloßdas Theater am lä. Februar und setzte ohne Rücksicht auf dl« noch laufenden Anstellungsverträge fein gesamtes Personal aüfdi e Straße. Der größte Teil der Entlassenen scheint sich damit abgefunden Zu haben. Rur 18 Musiker, die laut Vertrag bis zum 1ö. März engagiert waren, klagten, vertreten durch den Deutschen Musikerverband, beim Arbeitsgericht auf Zahlung ihres Gehalts bis zum Ablauf des Vertrages. Sie forderten zusammen 1S49ö Mark. Der Vertreter des Beklagten macht« geltend, er habe doch nicht gegen den Willen der Grundstückseigentümerin den Schuppen bauen können, es fei technisch unmöglich, diese Arbeit in 14 Tagen aus- zuführen, also sei ihm nichts weiter übriggeblieben, als die von der Polizei angedrohte Schließung vorzunehmen. Demnach liege ein Fall höherer Gewalt vor, der ihn von der Erfüllung der mit den Klägern abgeschlossenen Verträge entbinde. Demgegenüber führt« der Vertreter der Kläge- aus. von höherer Gewalt könne keine Rede sein. Seit fünf Jahren habe der Be- klagte gewußt, daß er mit der Schließung des Theaters rechnen müsse, wenn er die von der Polizei angeordneten baulichen Der- änderungen nicht vornehme. Wevn er trotzdem Saisorwerträge mit den Klägern abschloß, fo habe er den Schaden, der ihm aus der Nichterfüllung der Verträge erwachse, zu tragen. Das Gericht unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Pierau v e r- urteilte den Beklagten zur Zahlung des von den Klägern geforderten Betrages mit der Begründung, es lieg« weder höhere Gewalt noch ein Verschulden des Beklagten, sondern Annahme- verzug vor. Die Kläger hätten sich für die DertragÄdauer zur Verfügung gestellt, der Beklagt« habe ihre Dienste nicht angenommen, also habe er das Gehalt bis zum Ablauf des Vertrages zu zahlen. Verstoß gegen den Tarif. Durch den Vorsitzenden einer Llniernehmerorganisation. Der Tarifvertrog für das Speditionsgewerbe enthält eine Bestimmung, wonach die Löhne der Arbeiter, die durch Alter, linfall oder Invalidität weniger leistungsfähig sind, einer besonderen freien Vereinbarung unterliegen, unter vorheriger Anhörung der Arbeitervcrtretung.— Gegen diese Bestimmungen hat die Firma Jgcob und Valentjn, deren Inhaber Valentin Vorsitzender des Reichsverbandcs der Spediteure ist, fortgesetzt»er- st o ß c ni In dem Betriebe der genannten Firma ist seit Jahren ein Arbeiter beschäftigt, der zwar die Altersrente der Arbeiterversich«- rung bezieht, aber noch im Vollbesitz seiner Arbeitskraft ist und seine Arbeit wie jeher andere leistet. Trotzdem hat die Firma diesem Arbeiter seit länger als einem Jahre den Tariflohn erheblich gekürzt, und der Einspruch, den der Arbeiter da- gegen erhob, hatte keinen Erfolg. Die Firma hat die Lchnkürzung aus eigener Machtvollkommenheit vorgenommen, ohne eine Der- einbarung mit ihm getroffen und ohne den Betriebsrat angehört zu haben, wie es der Tarif vorschreibt. Run hat der Arbeiter, vertreten durch den Verkehrsbund, die Nachzahlung der Lohndifferenz im Betrag« von 528 M. ein- geklagt und das Arbeitsgericht hat die Firma zur Zahlung verurteilt, weil ste die Tarisbestimmung— Vereinbarung und Anhörung des Betriebsrats— nicht ersüllt hat und weil der Kläger noch dem Zeugnis des Bodenmeisters trotz seines Alters nicht weniger leistet als seine jüngeren Kollegen. Landeskonferenz der Staatsforstarbetter. Der Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiter- Verbandes hat zum 14. und 15. September eine Landeskonferenz für die preußischen Staatsforstarbeiter nach Wernigerode (Harz) einberufen. Di« Konferenz soll sich mit folgenden Fragen be- schäftigen: 1. Fachliche Arbeitstehre als Mittel zur Leistung?- und Verdienststelgerung. Referent Forstossessar Hannes Gläser, Assistent am Institut für forstliche Arbeitswissenschaft in Eb«rswalde. 2. Lohn- und Tariffragen. Referent: Bern! er vom Vorstand des Deutschen Landarbeiter-Lerbandes. 3. Forstarbeiterfragen im Preu- ßischen Landtag. Referent: Landtagsabgeordneter Branden- bürg. 4. Di« Forstarbeiter und die Arbeitslosenversicherung. Re- ferent: zweiter Berbandsoorsttzender Löhrke. 5. Stellungnahme zur Zusatzversorgungsanstalt des Reiches und der Länder. Referent: Vorstandsmitglied Bernier. k. Die Ausgaben der Betriebsräte im Forstbetrieb«. R�erent: Vorstandsmitglied Kreutzer. Wetter für Verliö: Vorwiegend heiter, am Tage etwas wärmer. abflauend« westlich« Winde. Für Deutschland: Im Nordosten noch veränderlich, sonst größten- teils heiter mit Wiedererwärmung, auch im Süden Bcwölkungs- abnahm«._ Theater der Woche. Vom S. bis 16. September. Volksbühne. ?h«ter»>» Dantons Tod. Staatstheater. Etaotsopu llstcc den LixbM! 8. Wallil». 9. Macht d-s Schicksals. 10. Ma. bamt Blitterfly. 11. oimfririi. 12. Icnufa. 13. Mona Lisa. 14. Barlner von E-villa. IS. Döttordiimmcrunil. 13. Rigoletto. Staatsoper«m Platz der Rcpudlit: 8. Der fliegende Holländer. 9. Wieder. maus. U>. Iokiigenie auf Tour!?. II. Hofnnanns Er�öhlungen. 12. Salome. 13. Der fliegende Holländer. 14. Freischütz. 1Z. Iphigenie auf Tauris. 16. Salome. Städtisch« Optt eharlattroburg: 8., 14. Don Carlo?. 9., 16. Geschlossene Vorstellung. 10. Di« schwor,« Orchidee. 11. Wildschütz. 12. Tqll. 13. Zauber- fläte. ii. Hochgeit de» Figaro. Schauspielha», am Gendarmen Marli: 8.. 9., 10., 12.. 14., IS., 16. Hans im Schnakenloch. 11. Wallensteius Lager. Piccolomini. 13. Weh dem, der lügt! Schiller. Theater, Charlottenbnrg: 3.. 9.. 10.. U-. 13., 14., 15., 16. 5x!= 5. 12. Treibjagd. Theater mit festem Spielplan. Theater am«chisfbaocrdamm: Hamm End.— Thalia Theatee: 8. Geschlossene Gesellschaft. 9. Geschlossen. 10. bis 13. Komödie der Irrungen. Der »erbrochene Krug.— Deutsche» Tbeater: Die Aledermaus.— Kamme ripiete: Der Unwiderstehliche.— Die Komödie: Bis 12. Freudiges Sreignis. 13. Ge. schlössen. 14. Kolportage.— Theater am Ziolendarfplatz: Der Käusmann von Berlin.— Theater in der Käniggrötzer Straße: Sonnibal ante Porta».— Komöbieahaus: Chorleps Tante. Große» Schoufpirlhan«: Di« drei Muple- tiere.— Theater de» Westen«: Friederike.— Dentsche» Künstle«. Theatee: Di» andere Seite,— Luftspielhaus: Grond-Soiel.-4 Leifing- Theater: CounkuN.— Zriauon-Theater: Do? kommt doch all« Tage»or.— Metro pol. Theater: Blau» bort.— Berliner Theater: zwei Krawatten.— Deutsche» Bolkstheater: Der arme Heinrich. Die Tribll»«: Wollen Sic mit mir spielen?— Casin». Theater: Wem gebärt mein Ronnl— Rose-Theater: Dir Weber,«arten. dühne: Die Scheidungsreise.— Pla,a. Wintergarten, Seala: Internationole, Variete.— Zicichshallc». Theater: Stettiner Sänger.— Theater am Kottkmffer Tor: Elite. Sänger. Rachmittagsvorfieilungeu: Theater de»«eftr»,: 1». Friederike.— ZKetropol-Theater: 8.. 15. B.au- hart.— Ziase- Theater, G-rtenhüh-e: Konzert und Bunter Tel!.— Plaza: Internationales Variete.— Wintergarten: 8., 14., 15. Internat, onalkj. Variete.— Seal»: Internationales Variete.— Zieichshaleu-Theatcr: 8., lo. Stettiner Sänger.— Theater am K-ttbuster Tar: 8., 15. Clitc-wanger. Erstaufführungen der Woche: Dieustaa. Thalia- Theater:«omodie der Irrungen. Der zer. drochene Krug.— Donnerstag. R e t r o p o l. T h e a t» r: Warietta.— Freitag. Komödie: Kolpor�igc.— Komödienhans: Scribovs Suppen. Sooasdeock. 7. September. Berlin. 16.« N-rni-on Kasack: Zeilschrift und Leset. 16.30 Erwin Eckersberj: Eise halbe Stunde. 17.00 BiasCrdiestcr-Koniert. Anschliellend: Mitttilunsen des Arbeitsamtes Eerlm-Miüe. 18.50 Volkstjspcn ans dfcsopotamien(Büdlunk). 19.00 Reporta je.._ ,,,, 19 40 Erlebnisse in Mesopctamien qnd Babjlonlen, Dr. Armin T. wegner. 20 00 Bunter Abend. Mitwirkende: Cläre Waldo«. Arnes Straub. Robert Koppel, Kurt von Wolowski. Witt. Carr and Reed(Jazz auf drei Nlireln). Kapelle Marek Weber. Nach den Abendmeldunren; Tanzmusik. Während der Pause: Bildlualr. 0.30 Heiteres zur Nacht. KOnirswusterhansea. 16.30 Else Pisch: Ledlrenwohnunrsbaa and Beamtenschaft. 17 00 Nachmittarskonzert vo» Hamburt- 18.00 Inj. E. Lostir; Dialot einer AntestellteafaniiUe Im Wochenendhaus. 18.30 rraniösisch für Anlänrer. 18 55 Dr.-Inr. W. Reisser; Heutige remsehveifahren. 19.20 Dr.-Ing. Ernst Scblcnker: fette und Oele. ihre Oewinnung. Verwendung und Rolle in der Zivilisation. Soostas, 8. September. Berlin. 6.30 friihkonzert. 8.00 Viertelstunde für den Landwirt, 8.1» Wochenrückblick auf die Marktlage. 8.30 Saatauchtdircktor Dr. W. Lande: Die sachgemJBe Saatbeetherstellur.g zum Wintergetreide. 8.55 Glockenspiel der Potsdamer Qarnisonklrche. 9.00 Morgenfeier. AnschlieOerd Glockengeläut des Berliner Doms» 10.00 Wettervorhersage. 11.00 Eiternstunde. Lehrer sagt, das Kind ist faul! (Zwiegespräch:.Schulrat Georg Wolff und Dr. Bruno Klopfer.) 11.30 Aus dem Grollen Schauspielhans: Orohesterkonzert. 13.15 Heiteres: Oskar Karlweill. 13.45 Unterhaltungskonzert. 15.30 Klavierrortrlge. 16.00 Dr. Dolittles Abenteuer. Z.„Der Tierzlrkus." 17.00 Blasorchesterkonzcrt. Kosleckscher Bläserbnnd. Anschliellend Werbenachrichten. 19.20 Eduard KOnneke(Bildfunk). 19.30 Ednard-MOrike-Stunde. Einleitwig: Dr. Paul P echter. Leseproben: Theodor Loos. 30.15 Uraufführung der im Auftrage der funkstnnde geschriebenen Rundfunkmusik Nr. 6. Tinzerische Suite In fünf Sätzen für eine Jazzband und grolles Orchester von Eduard Künneke. 21.00 Populäres Orchesterkonzert. Dir.: Seidler-Wjnkler. Anschliellend: Zeit. Wetter. Tagesnachrichten. Sport. Anschliellend bis 0.30; Tanzmusik(Kapelle Robert Qadhn). Königs Wusterhausen, 18.30 Hanns Marschall: Das Brot im Volksglauben. 19.00 Prof. Dr. von Hauff: Die eleusinischen Mysterien. Ab 20.15 bis 0.30: Uebertrsgungen von Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Fran» Will, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: vorwärts Verlag S. m. b. H.. Berlin. Druck: vorwärts Luch, druckere! und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin LW 68, Lindenstroß- 3. Hierin 1 Beilage. (> <> Theater,< Lichtspiele usw. � Sonn ab.. 7. 9. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 183 20 Uhr Sonn ab., 7. 9. Stadt Oper Bismarckstr. Turnus II 19, st Uhr Die Mm Weiber von Windior Staats-Opcr Am Pl.d.Republ. ' R.-S. 157 19' s Uhr Don Giovanni Staat). Sdiauspb. am Gendarmenmarkt A.-V. 163 20 Uhr Hans im Sdmakenioth Staat). Seliiiler-TlieaUarltl]. iO Uhi 2X2= 5 Ti|l.! Ventitz. 5 ni(/4 Uhr Sonntags 4 u. S'/t Blaubarl Operette von Offen bach Grete Flnkler, Hanns Wilhelm zor Miete W50, Ansbacherstr. 1 seder Art liefert peti»wert Panl Golleta oonn. Robert Meyer Marfannenstrahc 3 Site Ziaunynstratze Amt ZNoritzpL 103 08 «25Uß0.'r»ßE2'rEB Lothringer Strohe 37. TtgUeb»1/4 Uhr Dar neue Erorinungs- Schlager Wem neliört mein Mann! 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Robert Klein Deolsehes lOnstler- Thealer Täglich PU Uhr Die andere Seite von R C. Sherriff Regie; HeinrHilperl Befliner Tbeater Täglich 8'/4 Uhr M Rrawattni von Georg Kaiser Musik: Mischa Spoliansky Regie: Forster Carrinaga Theat. n. Westens Täglich8'/i Uhr Sonntag 4 u. 8'/. Fraaz Lebars Welterfolgl FrlederiKe Lotte Carola Willi Thunis Telephon Steinplatz 0931 u. 5121 Lessing-Tbeater Norden 10846 Gruppe langer Sehaasplelcr Täglich 8>/. Uhr Cyanhall I 218 von mwlrttt voll Kleines Theat Merkur 1624 Täglich SV. Uhr Max Adalbert in Ciubleute Luslspielhais Friedrichstr. 234 Bergmann 2922 Täglich SV. Uhr Grand Botel Lustspiel vor Paul Frank Trlanon-Tli.�r Dlr.LtzOVBlUtzrälett Täglich 8'/. Uhr Das komml doch alle Tage Ter untsp.*. Sven Raergtrd Johanne* Riemann, VümaT.Aknar.Majt Land a, Lotte Klioder GROSSES SCHAUSPIELHAUS ti«l. 8 Uhr Sonnabend Wochenende in Wien Die DeBUcbmelsler spielen au! Wiener Walzer Heurigen•«Schänken Grosses Feuerwerk Sonniae in Hanomeg-Preisaewerb wnl 1 fluto verschenkt LJUERGENS ALEXANDER PLATZ NEUE KÖNIGSTRASSE 43 dSelloge Sonnabend� 7. September 1929 9rrAton9 S/mlaaifaJ&i-dto IbtodrA Die Marne-Schlacht Die Unheiltage: 6.— 10. September 1914 Während die„notionafe* Opposition die zehn- oder fünfzehn- jährige Wiederkehr irgendeines Schlachttages mit lautem Getöse zu feiern pflegt, ist sie in der zweiten Septemberwoch«, der blutigen Woche der M a rn eschlacht, meist sehr still— und läßt die Daten des gröhten, feldzugentscheidenden Ringens im großen.Stahlbad" sang- und klanglos vorübergehen, weil sie weiß, daß für die deutsche Führung in jenen Tagen herzlich wenig Lorbeeren herauszuholen find. Die Schlacht. Die Schlacht an der Marne, die am 8. September durch den Vorstoß des Generals Galliern in die Flanke des deutschen Heeres aus Paris begann und am lll, September durch den Rückzug der deutschen Armeen von der Marne hinter die Aisne ihr Ende nahm, ist vom deutschen Feldheer verloren worden, weil die Führung ihrer operativen Aufgabe nicht gewachsen war. Das deutiche Westheer rannte sich, entsprechend seinem Aufmarsch- plan, der die Erdrückuug des Gegners durch den starken Nordflügel vorsah, in den ersten Sepiembertagen zwischen den Festungen Verdun und Paris fest. Eine weitere Umfassung war durch die Festung Paris unmöglich gemacht und der Befehl zum operativen Durchbruch konnte in de» Köpfen der Obersten Heeresleitung und der Armeeführcr nicht reifen, weil man im deutschen Generalstab nur eine Operation, die Umfassung, gelten ließ. Trotzdem die Oberste Heeresleitung weit rückwärts in Luxemburg saß, und keiner- lei Einfluß auf die Armeeführer ausübte, bahnte sich von selbst durch die unwiderstehliche Stoßkraft der Truppe der Sieg an. Die zweit« und dritte Armee rannte in der Mitte der Front die Franzosen über den Haufen und warf sie gegen die Seine zurück. Am rechten deutschen Flügel, bei der ersten Armee aber gelang es, die.Armee von Paris" neuerdings zu umfassen und zurückzuwerfen. Dadurch entstand allerdings eine Lücke zwischen der ersten und zweiten deutschen Armee. Hier stieß der Engländer vor. Voll Schreck starrte der Führer der zweiten Arme«, der über den rechten deutschen Heeresflügel zu befehlen hatte, oof dieses Loch, in dem Augenblick, in dem ein Beauftragter der Obersten Heeresleitung, der Oberstleutnant Hentsch, die letzte Entscheidung gab. Da die oberste Führung nicht zur Stelle war, da die deutschen Armeeführer nicht um.Heereslücken" zu fechten verstanden und unfähig waren, aus einer operativen Ilmfassung von selbst einen operativen Durch- bruch anzubahnen— verlor man die Schlacht, trotzdem die Truppe siegreich war. Man hatte nicht operieren gelernt. Moltte und Kalkenhayn. Das deutsch« G e n c r a l st a b s w e r k. das im Rcichsarchiv unter dem Titel.Der Weltkrieg 1914�-18"(Verlag Mittler u. Sohn, Verlin) erscheint, nimmt sich erfreulicherweise bei der BeurteUung der damaligen Fllhrersünde» kein Blatt vor den Mund. Der eigentliche zünslig« Geneoalstab, d. h. die kleine Gruppe höchst- qualifizierter Offiziere der Operationsabteilung des alten Heeres. geht mit den verantwortliche» Männern jener Zeit, vor allem mit Moltke und Falkenhayn scharf ins Gericht. Verantwortlich für deren Ernennung ist bekanntüch niemand anders wie der Kaiser selbst. General von Moltke, der Führer zur Marneschlacht wird vom Reichsarchiv völlig abqnalisiziert. Es heißt dort(IV. Band, Seite 538): ..Gerade in den Jahren, i» denen der reisende Mann lernen muß...in denen die seelischen Kräfte in Kampf und Arbeit gestellt werden sollen... ipar der jugendliche Generalstabsoffizier als persönlicher Adjutant... ohn« ernste Bc- rufspflichten irnd ohne große Verantwortung... Als er schließlich in die w i ch t i g st e Stellung der deutschen Armee berufen wurde, da waren ihm nianche starken und gesunden Anlagen erstickt." Das heißt doch wohl nichts anderes als: Der Kaiser liat einen völligen Ignoranten und höfischen Außenseiter mit der Führung sei, res Heeres betraut! Auch General von F a l k c n h a y n, der die Marneschlacht zu liquidieren hatte, wird vom Reichsarchiv als oberster militärischer Führer rundweg abgelehnt. Im soeben erschienenen V. Band des Kriegswerkes.Der Herbstfcldzug 1914" wird nämlich rundweg erklärt: Generalleutnant von Falkenhayn gehörte nicht zu dem Kreis jener Generalstabsoffiziere, die eine besonders vertiefte operative Ausbildung erfahren hatte». Er konnte ebensowenig als Vertreter der in strenger Schule strategisch durchgebildeten höheren Generolstabsossiziere gelten, wie sein Vorgänger General- oberst von Moltke. General von Falkenhayn hat diesen Mangel gelegentlich wohl auch selbst empfumden und sich als „Autodiktokt" bezeichnet." Damit ist dem System der kaiserlichen Kriegsmaschinerie, das zwei höfisch« Adjutanten an die wichtigste Stellung des deutschen Feldheeres brachte, das Urteil gesprochen. Es kann sich niemand, der dem Kaiser eine derartig« Funktion zuerkennt, darüber be- klaaen, wenn der deutsche.Soldatenkaiser" damit sein« wichtigste Schlacht verloren hat. Totschweigen der Marneschlacht. General von Falkenhay» hat sich pbrigens dagegen gewehrt, das operative Erbe seines Vorgangers vor der Oesfentlichkeit zu übernehmen. Im V. Band des Reichsarchivs heißt es auf Seite S: .Don Anfang an hatte General von Falkenhayn die Absicht, die deutsche Oesfentlichkeit über die wahren Vor- gang« in der Marneschlachst in rückhattloser Weise auf zu- klären. Am 28. September sandte er an das Auswärtige Amt einen Bericht, in dem er nach einer Darlegung der militärischen Operationen den Rückzug an der Marne und die Ungunst. der Lag« auf dem westlichen Kriegsschauplatz freimütig zugab. Auf die Vorstellungen des Auswärtigen Amtes verhinderte der Reichskanzler die Veröffentlichung des Berichtes des Generalstabes. So kam es, daß der deutschen Oefsenttichkeit die große Bedeutting der Marneschlacht lang« Zeit verboogen ge- blieben sind." In diesem Totschweigen mißlicher Schlachtberichte lag Übrigens System. Wahrend man in England und m Frankreich ganz gern schwarz in schwarz malte, war die deutsch« Kriegs- berichterstattung von Anfang bis zu Ende von kleinlicher Gängelei und behördlicher Stimmungsmache beherrscht. Selbst der General- stabschef wurde.zensiert", wenn er über die wichtigste Schlacht des Krieges die Wahrhett zu sagen wagt. Wettlauf zum Meer. Nach dem Rückzug der fünf deutschen Armeen von der Marne zur Aisne begann dann der berühmte Wettlauf des deutschen und englisch-französischen Nordflügels zum Meer. Das Reichsarchiv niacht es dem General von Falkenhayn zum Vorwurf, daß er es nicht verstand, aus dem Zurücknehmen der deutschen Front von der Marne eine Schlachtenentscheid-ung in Nordfrankreich anzubahnen. Es ist der Meinung, Falkenhayn hätte die Beweglichkeit der an der Marn« erstarrenden Front durch kühn« Rückzüge und Bil- dung neuer Flügelftaffeln etwa in der Gegend von Balanciennes erhalten und durch Stöße tief in den Rücken der englisch-französischen Front etwa in der Gegend von Amiens an der unteren Somme die Schlachtcnentscheidung herbeiführen sollen. Ein derartiger Dorschlag wurde dem neuen Generalstabchef vom bisherigen Leiter des deut- schen Nordflügels General von Bülow gemacht:„General von Falkenhayn traf vorerst keine Entscheidung. Er erklärte, die G e n e h m i g u n g d e s Kaisers herbeiführen zu müsfen..." Es geschah aber nichts. Die Front an der Aisne blieb erstarrt. Ein kühner Rückzug an die belgische Grenze wurde nicht gewagt und so mühte sich der deutsche Nordflügel von Woche zu Woche vergeblich lim die Umsaisung der feindlichen Hecresflanke ab. bis die Front bei Ostende am Kanal ein Ende fand. Riesige Opfer wurden in vergeblichen Angriffen vor allem von den jungen Reservcrcgimentern und Kriegsfreiwilligenformationen verlangt. Das Ergebnis war strategisch aber gleich Null. Ueber die völlige Verständnislosigkeit der Obersten Heeresleitung, für den wahren Zustand der Truppe wird bittere Klage geführt. „Es war verhängnisvoll, daß die obere Führung— den wahren Zustand der Truppe nicht rechtzeitig erkannte: sie trieb diese fortgesetzt zu neuen Angriffen vor und forderte von ihr Leistungen, die sie— unmöglich erfüllen konnte." An einer anderen Stelle heißt es:.Dies zeigt, wie wenig ihe Erfahrungen der vorangegangenen Kämpfe bis zur Obersten Heeresleitung zurückgedrungen waren..." Ein erfahrener Chef des Gcneralstabs aber bricht im Reichs- archiv in die zornigen Worte aus:„W as die Truppe brauchte, war Ruhe, Auffüllung der stark gelichteten Linien, reichliche Munition uitd— Vertrauen zur oberen Füh- r u n g. Don alledem erhiell sie— nicht s." Deutlicher kann man das Verjagen jener beiden vom Kaiser berufenen obersten Heerführer in und nach der Marneschlacht nicht zum Ausdruck bringen. Oer ,Kindermord�. General von Falkenhayn ist der vor allem Verantwortliche für den verbrecherischen Einsatz der kriegsunerfahrenen Frei- willigen um Ppern, den sogenannten„Kindermord". Das Reichs- archiv macht ihm den Vorwurf, daß er die neuausgestellten jungen Verbände nicht rechtzeitig in ruhig« Fronten geschoben und dafür kampferprobte Armeekorps am Entscheidungsflügel versammelt hätte. Es stellt sich damit in eine Linie zu dem englischen Kriegsimnister Churchill, der auf Anforderung neu aufgestellter englischer Der- bände erklärte, die jungen Freiwilligen seien nicht zum Abschlachten, sondern zum Kampf da. Es heißt im V. Band des Reichsarchivs:„Zudem lastete schwer das bedrückende Gefühl auf General von Falkenhayn, nicht nur den Rückschlag an der Marne zu einem schweren operativen Mißerfolg er- w e i t e r t, sondern zugleich die jungen Kräfte— vor Erlangung der Kampstüchtigkei: vor eine unlösbare Aufgabe gestellt und er» falglos verbraucht zu haben." Im übrigen stellt sich das Reichsarchiv auf den Standpunkt, daß mit der Erstarrung der deutschen Front nach der Marneschlacht und dem„Wettlauf zum Meer" der Krieg strategisch verloren war:„So drohte der Zweifrontenkrieg in eine Kriegführung aus- zuarten, die nach Schlieffenscher Auffassung auf die Dauer zur gänzlichen Aufreibung des deutschen Heeres führen konnte. Das bedeutete über kurz oder lang Niederlage und Unter- gang." Dos Reichsarchiv sagt also bereits in der strategischen Kritik der Marneschlacht dos bittere Ende voraus! Für den Dolchstoß scheint ja dann nicht mehr viel Raum zu sein. Kühl an die Reichswehr. Der General der Inf. von Kühl. Ane der größten Autoritäten des ölten Generolstabes und ehemaliger Generalstabsoffizier der dcuffchen Flügclarmsc hat am 16. lllovember 1922 einen Vortrog im Reichswehrminiftenum gehalten, den er mit folgenden Worten ichließt:„Wir sind 1914 mit der besten und glänzendsten Truppe ins Feld gezogen, die es je gegeben hat und haben doch den Marne feldzug und vielleicht dadurch den ganzen Krieg verloren, nur weil die oberste Führung versagt hat. Einiae sechs bis sieben Köpfe haben das ganze Unglück verschuldet. Es ist unsere eigene Schuld, wenn nicht die richtigen Männer an der richtigen Stelle gestanden haben. Dies« Erkenntnis ist nötig, wenn wir aus den Tatsachen lerne» wollen." Was wir daraus lernen können ist in zwei Sätzen gesagt: Ein Militärs! aat, dessen„Soldatcnkaiser sich seinen General- stabchef mit den Worten wählt:„Ach was— das bißchen Friedens- ausbildung machen sie schon, und im Krieg mache ich meinen eigenen Generalstabchef", verdient es nicht besser, als daß er in der größten Schlacht geschlagen wird. Allmählich hat sich diese Binsenwahrheit offensichtlich auch bei den alten Militärs und der einstigen Um- gebung des Kaisers durchgesetzt. HIcrm. LcbuUmgcr. Der Aufstand der Effendis Die Ursache der Palästina-Schlächtereien Der folgende Bericht eines jüdischen Gelehrten, der nun . in Palästina lebt und dem sein langes und schweres Leben in Mitteleuropa den sozialen Blick geschärft hat, zeigt auch, für wen sich neben junkerlichen Deuffchnationalen— die Kommunisten einsetzen! I. A— y. Jerusalem. Ende August.(Eigenbericht.) El Barak— der Blitz— heißen die Araber den Maucrrest, an dem die Juden als letztem Rest des Tempels Salomonis beten und an dem— nach dem Moslemglauben— der Prophet Mohammed sein weißes Feuerpferd„El Barak" angebunden hat, ehe er darauf gen Hinimel ritt. Wochenfeiertag der Moslem ist der Freitag. Da er zu Ende dämmert, jubeln und tafeln sie, während zur gleichen Stunde der Jirdenseiertag beginnt. Sie stört der Jubel der Araber in ihrem Gebet, während die Araber sich als rechtmäßige Besitzer des Grundstücks betrachten und den Juden, die den ganzen Sonn- abend dort beten, die Aufftellung einer Sitzgelegenhett verwehren. Vor dem Weltkriege bestand die Bevölkerung Palästinas über- wiegend aus zwei Kasten: den Effendis und den Fellachen (Bauern). Di« ersteren besaßen etwa 90 Proz. des gesamten Bodens. Sie ließen ihn durch die Fellachen bearbeiten, die die Hälft« der Ernte dem Eigentümer abführen mußten. Zu Wirklichkeit waren die Fellachen nichts mehr als Leibeigene. Dan einer Bodenverbesserung konnte kein« Red« sein, die Bearbei- tungsmechode glich der von Jahrhunderten zuvor, der arbeitend« Fellach erhielt soviel, daß es kaum für ein« Pttah(auf Kohlen ge- backenes Plätzchen) und rohen Kohl genügte, aber der Grundherr konnte auf der faulen Haut liegen oder im Kaffeehaus die Rargillah schmauchen. Nach dem Kriege begann die starke Einwanderung von Juden: sie zahlten dem Effendi für den Boden Preise, die er nie auch nur zu träumen gewagt hätte. Die Effendis schwelgten in Wonne, wäh- rend die Fellachen als Entschädigung für den Verlust eines Teiles ihrer Arbeit bar entschädigt wunden, wofür sie dem Grundherrn Baden abkauften. Der anpassungsfähige Fellach lernte bald vom Juden modern« Arbeitsmethoden, der Boden zab immer größeren Ertrag, aber angesichts der starken Jmmigratian stiegen die Preise der Bodenprodukte. Der arabische Arbeiter lernt« von seinem jüdi- schen Genossen aber auch, nicht mehr als bloßes Ausbeutungsobjekt zu dienen. So kam es, daß das Araberoolk, dessen Leben zuvor von dem eines Hundes sich nicht viel unterschied, allmählich sich an besseres Leben gewöhnte und heute bereits Vata-Schuhe, Socken und Gumniistrumpfbönder trägt, auch als Mensch behandelt werden will. Den Kürzeren zog dabei der E s f e n d i. Das schöne Geld, das er für einen Teil seines Grundbesitzes erhalten, wurde von den jungen Herrchen(Junker haben überall dasselbe Gesicht) mit Weibern und im Kartenspiel verjuxt. Der Fellach will nicht mehr Frondienst leisten, somit wirst der restliche herrenboden keinen Ertrag mehr ab. selbst ihr« Häufer in den Städten verloren bedeutend an Wert, denn die Juden erbauten moderne Häuser und niemand findet Vergnügen daran, die allen, von schädlichen Mikroben durchdrungenen Häuser zu benutzen. Man möchte gern fette Pfründen an A e m t e r n be» kommen, aber man hat nichts rechtes gelernt und die„Ingliji" (Engländer) geben auf die schönen Titel und die vielen adligen Vor» fahren nichts. Der Ruf nach Autonomie, d. h. nach Aomtern mit gutem Gehalt und fettem Bakschisch wurde immer lauter, doch der Engländer antwortete, das Mandat gestatte mit Rücksicht auf das bestimmungsgemäß zu schaffende Natianalhenn der Juden nicht, die Verwaltung vorher aus der Hand zu geben. Dies alles und der Wunsch, alle die dllrch jüdisch« Arbeit geschaffenen schönen Güter zu bekommen, erregte das Bestreben, die Juden um jeden Preis zu entfernen. Da aber die Herren zu schwach sind, um dies mit Gewalt durchzusetzen und der Fellach'der Wohltaten des Adels noch zu sehr eingedenk ist, um ihm zu folgen, mußte man sich gedulden, bis eine günstig« Stunde geschlagen. Wenn vor politischen, ökonomischen und dergleichen Lockungen den Fellachen sein gesunder Instinkt schützt— in Glanbensfragen läßt er ihn im Stich. Rur noch„Allah" konnte helfen. Endsich kam die Stunde durch— El Barak! (13. Fortsetzung.) Angesi?)ts beffcn wanbelte Jakob bie Lust an, auf den Sockel neben bem HeUigen zu steigen und einige goldene Wahrheiten aus seinem Buch in die betörte leichtgläubige Menge zu werfen. Jedoch ebenso schnell, wie der Gedanke kam, verwarf er ihn, als er an die Folgen dachte Am frühen Nachmittag schritt Heinrich unter alten mächtigen Ahornbäumen die Allee hinauf zu Schöneichs Villa. Er hielt sich auf der entgegengesetzten Straßenseite, und seine Schritte verlangsamten sich, je näher er dem Heim des Künstlers kam. Zaghaft, unent schlössen stand er nun vor der eisernen Pforte und wagte nicht auf die Klinke zu brücken. Unschlüssig blickte er die Allee hinunter.. Arn liebsten hätte er umkehren mögen. Wie sollte er sich solch feinen Leuten gegenüber benehmen? Da hätte ihn der Jakob aber auch «inführen können. Sich hinter Flieder- und Haselgebüsch verbergend, wiederholte er die Worte, die er sich für die Begrüßung zurechtgelegt hatte. Nahendes Gespräch von drinnen nötigte ihn, aus dem Versteck hervorzutreten. Sich am Rock herunterstreichend und an der Mütze rückend, trat er zaghaft zur Gartentür ein. „Nur immer herein, junger Freund!" Es war der Herr des Hauses, der ihm so ermutigend zurief und auf ihm zutrat, während sich Frau Schöneich mit Försters Lenchen und Jakob auf einer Bant niederließ. „Warum so spät?" Jakob zog die Uhr. „Warum? Weil es vornehm ist, ein Weilchen auf sich warten zu lassen. Was, Kleiner?" sagte der Maler freundlich, Heinrich die Hand reichend und ihn seiner Frau vorstellend. „Laß die Männer reden, kleiner Krauskopf." Die sonnen- gebräunte Frau strich ihm sanft übers Haar und sprach mütterlich auf ihn ein.„Bist noch nicht Herr über deine Zeit. Hast gewiß tüchtig rennen müssen. Wirst recht hungrig sein." Dabei führte sie ihn hinauf zur Berando, wo er am Kaffeetisch Platz nehmen mußte. Sie füllte sich auch«ine Tasse mit Kaffee, ließ sich ihm gegenüber nieder und fragt« nach Heimat und Eltern, wie ihm sein Handwerk gefalle und nach vielem anderen. Das mütterliche Wasen der jungen Frau nahm ihn gefangen. Immerfort hätte er in ihr gebräuntes Gesicht schauen mögen, doch wenn ihn ihr Blick traf, schlug er die Augen nieder. Sie erhob sich und füllte zum drittenmal sein« Tasse.„Nur nicht zwren". nötigte sie, als er bescheiden ablehnte.„So ein lieber netter Junge muß immer fest zupacken, beim Essen, beim Spiel, bei der Arbeit und— na, damit hat es noch Zeit— nur nicht zimperlich fein. Auch darfst du nicht, wenn jemand mit dir spricht, deine schönen Augen ver. stecken. Immer dreist angeschaut, als ob man des anderen Herz bis auf den Grund durchleuchten wollte. Das tut wohl und fordert zur Aufrichtigkeit heraus." Sie entfernte sich durch die weit offene Tür in«in geräumiges Zimmer, aus dem gleich darauf liebliche Akkorde eines Flügels herausdrangen. Neben ihm im grünen Windenspalier summten Dienen, sich bald in einen blauen, bald in einen weißen Blüten- trichter versenkend. Wie in ein Wunderland fühlte er sich versetzt. Einmal ließ die Spielerin die Beethovenfche Musik zu mächtigem Gewitierrauschen anschwellen, als bearbeite sie mit ihren kleinen Händen alle Tasten zugleich, dann wieder erklang sie weich, sanft und wie aus weiter Ferne. Recht unbehaglich warm machte der Kaffee. Heinrich knöpfte seinen dicken braunen Rock auf und betrachtet« die großen bestaubten Stiefel. Dabei fand er heut seinen ganzen Anzug beinah als ebenso ungeeignet wie einen Strohhut zur Weihnachtszeit. Hier, wo alles eitel Sommerlust war und die Menschen sich auch äußerlich in das heitere Bild einfügten, fühlte er sich ein wenig bedrückt und wäre am liebsten still auf und davon gegangen, als die Musik geendet hatte Verlegen blicke er um sich. Ein etwa vierzehn Jahre altes Mädchen kam, mit einem Ballnetz schwenrend, zur Veranda herauf- geeilt.„Wo bleibst du. Heinrich?" Es war Kolbe Hedwig, die Schwester des Former-Wilhelm. Heinrich war froh, hatte er doch nun eine bekannte Gesell- schaftertu. Beide rannten zur hinteren Gartentür hinaus und den anderen noch, die zwischen wogenden Kornfeldern der Fasanerie zu- schritten „Die Jugend voran!" rief Schöneich, als die beiden in längerem Abstand hinterdrein schritten.„Hildegard mit Lenchen in der Mitte. Und wir Männer wollen dem Ganzen einen würdigen Abschluß geben" „Ich denke, das starke Geschlecht geht immer voran", bemerkte Frau Schöneich heiter. .„Wenn's zum Kampf geht; wir aber wollen uns der Freude und dem Genuß hingeben." „Wie bescheiden die Männer sind!" Hedwig machte ein paar Sprünge. Ein Schwärm farbenpräch- tiger Falter segelte wie trunken hinein ins blühende Kleefeld. Nun erst betrachteten alle das tausendfältige Treiben auf dem würzig duftenden Blütenmecr, in dem sich Bienen, Hummeln, Libellen, Schmetterlinge und Käfer dem süßen Mal« hingaben. „Könnten wir Menschen uns doch auch immer so an den ge> deckten Tisch setzen", seufzte Lenchen. „Können wir. Schau her!" Jakob zupfte«in« Anzahl Blüten- kelch« aus einer Klesdolde und sog den süßen Nektar ein.„Hier, bitte!" Lenchen wehrte lachend ab.„Danke. Das Hab ich in meines Vatcrs Bienenstöcken bequemer." „Schau einer an! Und das sagst du so leicht hin, als ob sich die von allein mit Honig füllten." „Das nicht. Aber weil wir Menschen«s nicht können, sammeln die Bienen den Honig für uns." Der Maler lachte.„Die ahnungslosen Tierchen denken gar nicht daran, für uns zu arbeiten. Sie treffen nur Borsorg« für den Winter." „So ein scheußliches Meh!" schrie Hedwig in die Belehrungen hinein. Auch die anderen blickten entsetzt zur Erde. Schöneich bückt« sich.„Aber ich bitt' euch! Borhin war alles entzückt beim Anblick der bunten Folter; und hier habt ihr doch«inen so lieben prächtigen Kerl in seiner Entwicklung!" Er hob die grün- und ratgezeichnete Schlangenraupe am Wulfmilchzweig in die Höhe. „Die Farben sind nicht etwa willkürlich von dem Allerweltsmaler draufgetupft, sondern zweckdicnend gewählt. Seht, hier die Wolfs- milch: grün, rot, gelb. Ein« Farbenübereinstimmung wie aus ein und demselben Pinsel." „Wirf das Tier weg, Bernhard!" sagte Frau Hildegard mehr befehlend als bittend. „Es ist doch giftig und die Wolfsmilch auch", ergänzte Lenchen. „Giftig? Das ist ein Irrtum, unter dem Tiere und Pflanzen oft zu Unrecht leiden müssen." „Fräulein Lenchen weiß aus Erfahrung, daß kein Tier außer deinen abscheulichen Lieblingen die Wolfsmilch berührt." „Diese Wolfsmilch hat zu ihrem Schutz im Geruch und Geschmack etwas Widerliches. Sonst würde sie jedes Tier mit Behagen ver- speisen, und meine Lieblinge müßten des Hungers sterben." Im langsamen Dahinschlendern hob der Künstler hier einen Stein auf, dessen Zusammensetzung und Entstehungsgeschichte er- klärend, dort streifte er ein Käferlein von einem Blatt, dessen Lebenslauf erneuernd. „Schaut hier, eine Leiche!" Er löst« eine Kohlraupe ab, die an Spinnfäden an einer Kohlpflanze baumelte.„Halt! Da ist auch schon ihr Mörder." Die Raupe auf der flachen Hand und«in wespenähnliches Infekt, so groß wie ein Luchwsizenkörnchen. zwischen Daumen und Zeigefinger haltend, erklärte er den Borgang, wie vor- bedacht auf ihre Nachkommen die Wespe die fette Raupe anstach und ihr« Eier in deren weichen Leib hineinlegte. Mit dem Feder- messer trennte er den Leib der Rc-upe auf, in dem Hunderte kleiner Maden herumwimmelten.„Ein jedes dieser Würmchen bringt im Laufe des nächsten Sommers auch mindestens«inen dieser Schädlinge um." Frau Hilde lachte.„Ohne diese kleinen Wohltäter müßten wir dann die Erbsen am Ende ohne Sauerkohl essen!"— Nachdem die Wespe auf des Gelehrten Hand einen kleinen Er- holungsfpaziergang gemacht, setzte er sie behutsam auf eine Kohl- pflanze nieder. Nach einer Weile machte er vor einer mächtigen Distel halt, die wie mit Bajonetten gespickt strotzend vor ihm stand. Hildegard wandte sich um.„Mein Gott, Bernhard, der Mond geht ja auf, ehe wir die Spielwiese erreichen." Kopfschüttelnd schritt sie mit den anderen voraus. Eilend lief SchGneich nun hinterdrein. Di« Worts Hildegards schmerzten ihn ein wenig. Gern hätte er allen, die mit sehenden Augen blind durch die Well liefen, die Sinne für das Walten in der Natur geschärft. Aber nicht einmal sein bester Freund, sein Weib, bracht« ihm Derständnis entgegen. Doch als er die Gesellschaft«in- geHoll, war die kleine Verstimmung verflogen und er fuhr mit seinen Belehrungen fort:„Was meint ihr wohl: auch eine Distel regt zum Nachdenken an. Sie trägt ihr« drohenden Stacheln durchaus nicht bloß zum Verdruß der Menschen. Sie will sich nur vor ihren Feinden schützen, um sich zu erhallen und fortzupflanzen." Sie waren am Waldeingang angelangt. Schöneich betrachtete ein strauchähnliches Bäumchen seitlich des Weges, dann blickt« er hinauf zur breiten Krone des danebenstehenden Mutterbauines. „Was gibt's denn da schon wieder?" fragte Hüde etwas ungc- duldig, während sie mit der Rechten über die Zweige des iungen Bäumchens fuhr.„Au! Das sticht ja!" schrie sie aus Schöneich lachte.„Siehst du, mein Kind, die Natur will uns überall auf ihr Zweckbewußtsein hinweisen. Nähert sich ihm ein Reh oder Hose, um seine frischen Blätter zu verspeisen, dann ergeht es denen genau wie dir. Und nun schau mal nach oben. Das ist die Mutter des Kleinen, an ihr ist kein Stachel mehr zu entdecken, well da hinauf weder Rehe und Hasen noch gedankenlose Menschen reichen. Um ihr Schaden zufügen zu können. Und das ist mit Bor- bedacht von der Natur so gewollt. Lohnt es nicht, dergleichen Dinge zu beachten?— Aber nun das Spiel!" Er warf seinen Rock ab. Zuerst erschien es Heinrich ein wenig sonderbar: Ein solch hochgelehrter Herr, und an die Vierzig war er gewiß auch schon, und der wollte Kinderspiele mitmachen?— Stadtleute sind doch mitunter recht komisch. Er dachte an den albernen Hansjörg in Neuhof, der Sonntags immer mit den Dorfkindern spielte, er galt aber auch darum als Dorfnarr, mit dem jeder feine Possen trieb. Frau Hildegard, die er bedeutend jünger«inschätzte als deren Mann, wollte Heinrich noch als Spielgefährtin gelten lasten Bald jedoch versetzte ihn Schöneichs Gewandtheit in Staunen, der wie«m wilder Junge auf der großen Wies« umhersprang. Immer wußte er neu« Spiele in Vorschlag zu bringen, nahm nichts übel, fügte sich und hielt auf ehrliches Spiel. So wurde er zuletzt Heinrichs liebster Spielgefährte. „Trinken! Trinken!" rief Frau Hilde, sich wie die andern er- hitzt ins Gras werfend., „Woher nehmen?" sagte Schöneich, langgestreckt in den blauen Himmeln schauend. „Das Forschaus ist wett," versetzte Lenchen.„und die Früh- milch wird schon gut abgekühlt sein. Da werden Jakob und>ch gleich mal hinüberspringen." Doch Schöneich wehrte ab. Und Hedwig stand schon laufbereit, um Geld und Auftrag in Empfang zu nehmen „Einen Krug Milch und einen Krug Beerenwein" rief Schön- «ich und Hedwig eilte davon. „Will dein Spielkamerad nicht mit dir?" fragte Frau Hilde lächelnd auf Heinrich blickend. Heinrich sprang auf und folgt« Hedwig. Sie gingen ohne ein Wort zu wechseln, bald neben-, bald hintereinander, wie es die Bäume gerade zuließen. Sonderbar. Mit einemmal hier so mit ihr allein, erschien Hein- rich die Hedwig beinah fremd. Keins sprach ein Wort, nur ihre Blicke trafen sich hin und wieder. Kurz vor dem Forfthaufe machte Hedwig halt. Sie blickte zu ihrem Bsgleiter auf, während sie ihr verworrenes Haar zurecht- strich.„Ich geh allein hinüber," sagte sie kurz.„Es brauch uns keiner sehen." Und schon oerschwand sie hinter dem Gebüsch. Verwundert, aber dennoch froh, daß endlich der Bann des Schweigens gebrochen war, blieb Heinrich zurück. Als er gelangweill Ausschau nach ihr hiell, sah er zu seinem Erstaunen, wie das Mädchen unweit, hinter Strauchwerk verdeckt, einen tüchtigen Zug aus der Milchkanne trank. „Hedwig!" rief er warnend. „Ich hall« so furchtbaren Durst," sagte sie näherkommend.„Hier nimm," und reichte Heinrich die Kanne mit Beerenwein. „Schäm dich!" verfetzt« Heinrich streng. Schweigend schrill sie hinter ihm drein.„Wehe, zeigst du mich an!" begann sie nach einiger Zeit.(Fortsetzung folgt.) RätseI=Ecke des„Abend". lUiiniiuiiiniiiiiiiiiiiiiniiiiiniiiiiiiiiuinimiiniiiiiHiinnniimHiiiiiiiuiiiRuiinnniniuinninaDmiiinitiiiHinininiimnuiiuimniiimiimnmiiuiniiniiiiniiiniiiuiiiiimiiiiiiiiiiR Königszug. Kapselrätsel. Den Wörtern Bormittag, Andernach, Jugend, Wochenend«, mußte. Hermann, Wanzleben, Genua, Mime, Haltern, Derjüngung, Derunglimpfung, vorzustellen, Bereinigung, sind je drei auseinander- folgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergereiht«inen de- kannten Sinnspruch ergeben(h--- ein Buchstabe). t-r. Leid und Freud. Es bringt Verletzung, wohl gar Tod, doch steht das Wörtchen„vor" zuerst, dann schützt es sicher dich vor Not, und sorgt, daß du nun nichts entbehrst. Zwar war die Freud' nur augenblicklich, depn«s bleibt immer unerquicklich, wenn das Gegebene man roh dir wieder nimmt am Ultimo. A. M. Abzählrätsel. au, lich, nicht, ge, ist's, ruh, flam, noch, wen. men, al, kann, und, ler, ich, klop, wärts, nicht, fen, doch, ver. hört, sah, dam, ich, ich, men, man, man, un, che», ches, tröst, herz— Vorstehend« Silben sind durch eÄe M ermittelnde Zahl abzuzählen, one«ander gereiht ergeben dieselben ein Zitat von Uhland. Icr. Verwandlungsrätsel. In den Wörtern Wetter, Onkel, Heck, Leder, Engel, Paul, Beil, Elm, Garbe, Daumen, Hand, Nadel, Iller, Kabel sind die Anfangsbuchstaben durch neue zu ersetzen. Di« neugenindenen Buchstaben nennen aneinandergereiht einen Festtag der Republik. — kr.— Visitenkartenrätsel. STINE THIEL PRAG Welchen Beruf übt Fräulein Thiel aus? Gut und gefährlich. Mit„o*«in Wahlspruch, mit„e" ein Insekt, Das man im Kleiderschrank entdeckt. kl. — kr.— Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1 Gruß; 3. gekocht: 6 Ballspiel: 8 offener Güterwagen; 9. Getränk; 11 Lerhällniswort; 12. etwas Auserlesenes: 14. biblischer Frauenname: 15 Tierprodutt; 16. geheime Gerichtsbarkeit; 17 zum Gerben benutzte Flüs- sigkeit; 18. griechische' Göttin; 19 Wurfspieß— Senk- recht: 1 Spange; 2 rus- sticher Fluß; Z. Brettspiel; 4. Papageienart: 5. Zins- empfönger; 7. Fanggerät; 8. lateinischer Ausdruck für„tödlich"; 19. norwegischer Dichter: 13 männlicher Bornam«; 15<Äe> meinschaft Kt. (Auslösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Rümmer. Kreuzworträtsel. Wagerechte 1. Henne; 4. Politik; 7. Sund; 9. Tell; 10. Ate; 11. Abt; 12. Anker; 13. Bei; 15. Aie; 17. grau; 19. Ebb«; 22. Alkohol; 23. Ernst.— Senkrecht. 1. Horn; 2. Nil; 3. Eibe; 3. Ost; 6. Alb; 8. Donau; 9. Treue; 14. ego; 16. Lei; 18. Ahle; 29. Brot; 21. Don. Kapselrätsel: Nafaden, Fuchsjagd. Zimmer, Golgatha, Grenzpfahl. Bleuen, Madagaskar, Nachlfitv.ma, Bautzen, Nachtdienst, Striemen, Cmanuel, Lichtenberg.— Ja, ja im ganzen, da sitzt die Macht. Verwandlung saufgabe: Skat. Saat Sao: Saul, Maul, Maus. Haus. Hans, Hand, Hund, Mund. Mond. Verdächtig: Blümchenkaffee. Rösselsprung: Mit Unrecht nennt man„Feld der Ehre" Die Kampfesplätze grimmer Heer«. Ein Feld der Ehr' ist jeder Acker, Aus dem der Mensch sich mühet wacker. JL Fvankl. Nr. 420 46. Jahrgang Sonnabend 7. September 1929 Neue Wege des Metallschutzes. Die außerordentliche Bedeutung, die dem Mctallschutz zukommt, versteht sich ohne weiteres von selbst, wenn man seststellt, daß der Rost in jeder Art jährlich an Eisenmetall z. B. allein für etwa Z,ö Milliarden zerstört, die der Dolkswirtschaft endgültig verloren gehem Man hat daher schon lange versucht, durch schützende Ueber- züge diesen Metalloerlust(-verschleiß) wenn nicht ganz zu unter- binden, so doch bis auf ein Mindestmaß zu senken. Man hat jedoch in neuester Zeit aus Grund eingehender Metall« sorschungen Wege gefunden, die es zulassen, wertvolle Metalle gegen die korrodierenden Einflüsse verschiedenster Art wirksam zu schützen. Neben Schutzanstrichen verwendet man in neuester Zeit e'ne Methode, die Metalle durch Uederziehon mit einer dünnen Schicht eines besonderen widerstandsfähigen Metalls vor Korrosion zu schützen. Eine ganze Reihe von Derfahrcn stehen hier zur Der- sügung. Durch Ueberziehen mit Platin-, Silber« und Goldschichten erzielt man natürlicherweise einen vorzüglichen Schutz eines unedleren Metalles: jedoch ist diese Methode nur in beschränktem Maße anwendungssähig infolge des überhohen Preises des zur Verwendung kommenden Edelmetalles. Kupfer und Nickel dienen gleichfalls zum Metallschutz, und zeitweise hat man auch den dem Nickel verwandten Kobalt zu diesem Zweck herangezogen. Weiterhin haben vornehmlich in der Konserven- industrie Zinn sowie Blei und Zink seit langem als Metallschutz Verwendung gesunden. Neuerdings kommen neben den eben all- ghmein geschilderten bekannten Schutzverfahren zwei neue, nämlich das Aufbringen einer Schutzschicht aus Chrom und der Schutz von Metallen durch Ueberziehen mit einer dünnen Schicht aus Kadmium zur Anwendung. Man hat sich lange bemüht. Methoden zu sinden, die es gestatten, aus Chromsaizlösung auf elektrolytischem Weg« Chrom in dünner Schicht auf zu schützende Metalle nieder- zuschlagen und sind die intensiven Bemühungen von Erfolg ge« wesen. Es ist heute möglich, durch Verchromung«inen ganz vor« züglichen Motallschutz zu erzielen. Eine noch neuere Methode des Metallschutzes ist der Metallüberzug mir einer dünnen Kadmium» schicht. Vermittels dieser Ueberzugeschicht erzielt man ein sehr ge- fälliges und ansprechendes Aeußere des geschützten Stückes. Dies« neuen Ueberzugsmetalle u. a. stellen fraglos einen beachtenswerten Fortschritt auf dem Gebiete des Metallschutzes wie der Material- Veredlung dar. Das Parccrverfahrcn. Unter der.Porcerisi«rung' versteht man ein rein chemisches Versahren zum Schutz von Metall gegen Korosion, das darin besteht, daß die zu behandelnden Stücke in ein sehr heißes Bad getaucht werden, das metallische Komplexsalze gelöst enthält. Es handelt sich bei diesen Salzen um phosphorsaur« Eisenmongan- komplexe, die unter dem Namen„P a r c e p 0 w d e r" in den Ver- einigten Staaten gehandelt werden. Bei nicht genügender Reinheit der Metallstücke ist eine Beize, bevor sie ins Bad kommen, erforder» lich. Die Temperatur des Parcerbades wird etwas unterhalb des Siedepunktes gehalten. Es findet nur ein einfaches Eintauchen der Metallstücke und keine Elektrolyse statt. Di« Aufnahmebehäller für Bad und Stücke sind Stahlbecken, die durch indirekten Dampf erwärmt werden. Die Behandlungsdauer schwankt je nach Art des Stückes zwischen 1 und lii Stunden. Die chemische Wirkung des Bades auf das Metall ist ziemlich verwickelt. Auf der Oberfläche des Stückes bildet sich eine fest- haftende und widerstandsfähige Schutzschicht komplexer Phosphate, die in Wasser unlöslich ist und auch den atmosphärischen Einflüssen erheblich widersteht. Man hat die Möglichkeit, die behandelten Stücke nachher noch besonders aufzufärben, indem man sie«nt- weder in ein neues Bad bringt oder ihnen vermittels Anstrich oder Lackicrung den gewünschten Farbton gibt. Die Einrichtung für die industrielle Anwendung des Parcerverfahrens ist einfacher Natur und besteht aus den Beizbehältern, dem Becken zur Aufnahm« des Bades, den etwaigen Farbebvttichen wie einer Spül- und Trocken- anlöge. Wen» man die Ergebnisse des Parcerverfahrens mit anderen gleichartigen bekannten Schutzoerfahren vergleicht, kann man sagen, daß der Parcerüberzug wie die Feuer, und die elektrolytisch« Der» zinkung Hält, daß er der Verzinnung etwas, der Vernickelung sehr überlegen ist: des weiteren verhält sich der Parcerüberzug viel vor. teiihafter als die Mennige, hauptsächlich in Seewasser, Ammoniak, kohlensäurehaltigem Wasser, Wasserdampf und den Säuren. Das Parcerverfahren erweist sich auch der Sherardisterung(ein nach dem amerikanischen Erfinder S Herard genanntes Eisen» verzinkungsverfahren) als überlegen. Unser hier besprochenes»erfahren kann sowohl bei Sugrisen wie bei Stahl im Guß, gewalztem oder geschmiedetem Zustand an- gewandt werden. Die Verwendungsmöglichkeiten sind natürlicher- weise zahlreich, so z. B. in der Eisenbahntechnik, der Präzisions- Mechanik, Kraftwagen(z. B. Dodge-Wagen), dem Flugwesen und vielem anderen mehr. So ist man auch vermittels dieses Verfahrens in der Lage, teure Metalle wie Kupfer und Zinn wie deren Le. gierungen durch parcerisierten Stahl ersetzen. Verdiromung. Trotz her Heroorragenden Eigenschaften des metallischen Chroms zögert« die Industrie verhältnismäßig lange, Ueberzüge von Chrom als Korrosionsschutz auf technische wie Gebrauchsartikel anzuwenden. Weiß man doch, daß das Chrom(Cr) zu jenen merkwürdigen Metallen gehört, welche den sogenannten.passiven Zustand" an- nehmen können, indem sie in ihrem Verhalten den Edelmetallen ähneln, und daß da? Chrom vornehmlich unter den meisten chemischen Bedingungen diesen.passiven Zustand" einnimmt, daß so das Chrom gewissermaßen die Rolle eines Ersatzes von Gold oder Platin spielt. Bei dem Charakter des Chroms als Ueberzugsmetall ist es natürlich von großer Wichtigkeit, daß die Ueberzüge tatsächlich lücken, und porenfrci aussallen, denn der Grad des Korrosions- schutzes der Deckschichten hängt von ihrer Dichtigkeit und ihrer Haft- festigkeit ab. chiee ist es die Methode der Tlektrochromgesellschast in. b. f>; die nach einem sicher arbeitenden goloanotechmschen Der- fahren Chrommetallüberzüge herstellt, die sämtlichen Anforderungen Genüge leisten. Das metallische Chrom, das sich elektrolytisch aus diesen Berchrvmungsbädern in polierfähiger Form abscheiden läßt, zeichnet sich durch seine platinähnliche Farbe und besonders durch große Haftfestigkeit aus, so daß bereits verhältnismäßig dünne Niederschläge von Chrom genügen gegenüber von Niederschlägen, wie sie z. B. in der Vernickelung angewendet werden, damit die überzogenen Gegenstände eine lange Haltbarkeit aufweisen. Man unterscheidet zwei Abscheidungsfonnen von Chrom, und zwar eine glänzende und eine matte Form, so daß im erstcren Falle auf polierten Gegenständen direkt hochglänzeirde Chromüberzüge her- gestellt werden können. Dos metallische Chrom, das nach diesem galoanotechnischcn Verfahren abgeschieden wird, besitzt eine derartig« Härte, daß es bei intensivster Beanspruchung nicht abgenutzt werden kann. Eine besondere Eigenschaft des Chroms ist der hohe Schmelzpunkt. Er liegt fast doppelt so hoch wie der des Nickels. Diese Eigenschaft sowie die große Härte und Haltsestigkeit der Ueberzüge bietet eine außerordentliche Fülle von Verwendungs- Möglichkeiten. U eberall dort, wo es auf große Hitze- beständigkeit ankommt, d. h. wo die betreffenden verchromten MetallteUe mit direktem Feuer in Berührung kommen, wird die Verchromung mit besonderem Vorteil angewendet werden können. DiegroßeHärte gewährleistet große Sicherheit gegen Abnutzung. Da Chrom von der Luft in keiner Weise angegriffen wird und unempfindlich gegen Alkalien, gegen die meisten Säuren und Salze ist, so eignet es sich auch zur Bekleidung von Gesäßen, Rohren und Armaturen. Seine Rostsicherheit und Beständigkeit gegen Feuchtigkeit, Lust usw. bietet ein weiteres Anwendungs- gebiet für die Herstellung chirurgischer und zahnärztlicher In- stvument« wie Destecke aller Art. Die Anlogekosten für den Ver- chromungsbetricb liegen nicht höher wie die für die Vernickelungs- betriebe, wohl gemerkt mit dem unterschiedlichen Dorteil für Chrom, das man hier mit einer Platierungsdauer von 10 bis 20 Minuten Nieberschltjge von Chrom in einer Stärke erhält, wie man sie bei Nickel nur mit einer wesentlich höheren Zeitdauer(dementsprechend auch finanziellem Aufwand) erzielen kann. M. M. Automatischer Richtungsanzeiger Für Flugzeuge und schule Man hat schon oft versucht, Flugzeugen die Orientierung im Nebel und bei Nacht durch eine Dorrickitung zu erleichtern, die nur beim Antritt des Fluges eingestellt zu werden braucht und dem Piloten dann während der ganzen Flugdauer ein zuverlässiger Führer bleibt. Sa wollte z. B. der noch vor Abschluß seiner Arbeiten dahingeraffte Franx Drexler mit einer dreifachen Kreisel- Vorrichtung selbsttätig« Steuerung in allen Richtungen erzielen, und andere Erfinder erstreben, allerdings noch ohne endgültigen Erfolg, ähnliche Ziele. vor einigen Tagen hat mir William Dubilier, der Erfinder der bekannten Kondensatoren, einen auf funktechnischer Grundlage beruhenden Apparat vorgeführt, der das Problem in wirklich einwandfreier Form lösen dürfte. Die nach den Patenten des Piloten W. S. Eaton in der Dubilierschen Fabrik zu New Vork konstruierte Vorrichtung wird gegenwärtig von der amerikanischen Regierung gründlichen Versuchen unterzogen. Auch di« englische Regierung will sie bei der Marine einführen. Der Eatonsche Apparat ist so einfach, daß er sich ohne nennens- werte Kosten an jedem Flugzeug anbringen läßt: er funktioniert ähnlich wie ein Kompaß, weißt aber nicht nach Norden, sondern nach jeder Richtung, auf die er einnial eingestellt worden ist. Will man z. L. von Berlin nach Hamburg fliegen, so braucht man den Zeiger des Instruments nur in der Richtung nach Hamburg ein- zustellen: der Zeiger behält dann die einmal eingestellte Richtung— unabhängig von den Bewegungen des Flugzeuges— unverändert bei, so daß her Pilot unterwegs von jeder Beobachtung des Geländes unabhängig ist. Ein als Höhenmesser ausgebildetes ähnliches In- struinent gibt überdies dem Flieger jederzeit die augenblickliche Höhe seines Flugzeuges über dem Erdboden an und verhindert auf diese Weise jeden Aufprall auf dos Gelände. Ob die Luft windstill oder stürmisch ist, spielt für die Zuverlässigkeit der Ablesungen nicht die mindeste Rolle. Hierzu kommt, daß sich durch einen ähnlichen Zeiger auch im dichtesten Nebel sichere Landung ermöglichen läßt: zu diesem Der automatische Photograph ünstr Bild tilgt dm ,Bh»tomaien" genannten automatisch phefogrgphitrenden Apparat. Das Bild wird direkt auf da* lieht- empfindliehe Papier projiziert. Durch ein besonderes Linsen- System xoird dafür gesorgt, daß das Negativ, das sonst bei photographischen Aufnahmen nicht entbehrt werden kann, gespart wird. Nach 8 Minuten ist die Aufnahme vollkommen automatisch enl- wickelt and getrocknet. Der van Siemens und Halske gebaut* Apparat liefert jedesmal einen Streifen von 18 Bildern. Diese kleinen Photos sind auch für Paßzweske ucw. zugelassen. Zwecke sind in der Längsrichtung des Flughosens Drähte verlegt, die drahtlos« Signale aussenden. Die Apparate arbeiten im Anschluß an die üblichen Flugzeugstationen. Die Konstruktion wird zunächst noch geheimgehalten: nur soviel soll gesagt sein, daß die Kompaßrose eine Reihe strahlenförmiger Spulen hat, die durch ein System von Antennenrahmen i» der jeweils gewünschten Richtung«ingestellt werden. Di« Luftfahrt wird auf diese Weis« von einem guten Teil der bisher immer noch m- stehenden Unsicherheit befreit. In anderer Forin läßt sich dieicil.« Vorrichtung auch für die Zwecke der Schiffahrt benutzen, und zwar vor allem beim Durchsohren enger, vielfach gewundener Kanäle, bei Hoseneinfahrten usw. Auch beim stärksten Nebel ersetzt sie dann dem mit ihr versehenen Schiff den Lotsen. 21. Gradenwitz. Atmende Häuser durch Bims* Sandstein. Die Forderungen der Gesundheitslehre haben auf die Ge- staltung unserer Wohnbauten in den letzten Jahrzehnten einen bedeutenden Einfluß gehabt. Während z. B. die Hausbauten des Mittelalters uick» sogar die des 18. und 19. Jahrhunderts auf Licht und Lust wenig Rücksicht nahmen, ist es das Bestreben der modernen Architekten, auch innerhalb der Wohnung den Menschen so viel heilsames Licht und gesunde Lust wie möglich zu geben. Aus diesem Grund« haben auch die Fe n st er mehr Platz er- halten, um Sonne und Lust in das Heim zu lassen. Erst die Nachkriegsbauten mußten sich wieder notgedrungen 0 u f kleistere Räume beschränken, da sonst infolge der gewaltigen Baukosten die Mieten für dos Durchschnittscinkominen zu teuer waren. Die Wiflenschoft hat aber einen Ersatz für die Heilwirkung des Aufenthaltes in freier Lust durch Verwendung von ultraviolett durchlässigem F e n st e r g l a s � gesunden. Sie gestatten auch im. Zimmer die Segnungen der Ultravioletten Strahlen zu genießen. Zu diesem großen gesundheitlichen vorteil, der bei Reubauten von Mietskasernen möglich ist, kommt noch ein neuer, der in einem verbesserten verfahren der Herstellung von Vau- st«inen aus dem rheinischen Bims besteht. Dieser vims- sandstein wird schon seit langer Zeit als vouftofs verwendet. Auch in ehemaligen vulkanischen deutschen Gebirgen, wie in der Cifel, werden aus ehemaligen vulkanischen Schlammstrsmen schon seit langem die Tuffe von Plaidt rind Kruft und di« in mrterirdischen Steinbrüchen gefundene Mühlsteinlava von Riedermendick als Vau- steine verwendet. Aber dies« vulkanischen Bausteine konnten nicht für große Häuser in Verwendung genommen«erden, da sie zu wenig haltbor waren. Nun ist es durch einige neuere patentierte Fabrikationsverfahren ermöglicht,»imsbauten vom Funda- ment bis zur Eiebelspktz« herzustellen. Besonders auf dem Gebiete des Wohnungsbaues wurde durch die B i f« n t« n- werke, die den rheinischen Bimsstein in großen Mengen als Baumaterial herstellen, eine ganz neuartige vauweise geschaffen, die zugleich«ine äußerst gesundheitliche vauinöglichkeit gewährt, da der Bimsstein in bezug auf Porosität, L e i ch t i g k e-i t und Schallsicherheit dem Kork sehr ähnlich ist. Es ist also mm- mehr möglich, tatsächlich„atmende" Wohnhäuser herzu- stellen, die dieselben gesundheitlichen Vorzüge haben, wie wenn das Haus aus Kork bestehen würde. Diese Häuser sind sehr warm und hoben trotzdem ständig einen unmerk- lichen, nichtsd« st oweniger aber sehr gesunden Luftwechsel.. Es werden mit diesem neuen Baustein bereits Kellerdecken, sämtliche Geschoßdecken, di« Zwischenwände und Außen- wände hergestellt, so daß Holz fast gar nicht zur Verwendung kommt. E» können nach dem neueren patentierten Verfahren auch mehr- stöckige Großstodtgebäude und Hochhäuser aus diesem „Bisanton"-Vaustoff hergestellt werden.— Die Häuser haben noch obenhin den Vorzug, daß sie nicht nur gesuntcheitlich sehr hervor- nagend sind, sondern auch leicht und billig hergestellt werden können. Der Baustoff ist trocken, und auch dos vermauerungsoersahren erfordert nicht viel Feuchtigkeit, so daß der Bau bald nach voll- «ndung bezugsfertig ist.(Das Material für diese neuartigen Bau- stoffe findet sich am Mittelrhein zwischen den Eifelbergen und den Westerwald-Dergen.) Erwähnt sei noch, daß dieser Bimssandstein trotz seiner porösen Struktur fast dieselbe Wärmeleitzahl hat wie Kork und zehnmal wärmehaltender ist als ein gewöhnlicher Ziegelstein. U�lOr/ünc/c/fLOs/ Kommunisten-Regatta! Was die Ausgcsch!otscnen alles fertig bringen. An einem der letzten Sonntage veranstalteten die k o m m u- n i st i s ch e n Sportler ihre Regatta in Köpenick. Bei dieser Regatta starteten auch Kanuvierer. Nun hat aber die Opposition nicht genügend gutes Bootsmaterial zur Verfügung, so ist sie ge- zwungen sich Boote auszuleihen. Die bundestreuen Wasiersportler lehnten selbstverständlich jede Unterstützung dieses kommunistischen Parteisporls ab, die Opposition erreichte aber, daß die mit ihnen liebäugelnde Ruder- und Kanuabteilung der„Freien Schwimmer Charlottenburg" ihre zwei Kanuvierer zur Verfügung stellen wollte. Der Vorstand der FSC. hätte das auf keinen Fall gebilligt, darpm wurden die Boote in aller Heimlichkeit nach Köpenick gebracht. Niemand wußte wo sie waren. Man besllrchtete das Schlimmste für das teure, mit Arbeitergroschen er- kaufte Bootsmaterial und so begab man sich auf die Suche. Bei den Oppositionellen muhte man auf alles gefaht sein, und so er- wirkte der Vorstand eine einstweilige Verfügung, die das Eigen- tumsrecht der„Freien Schwimmer Charlottenburg" feststellte. Mit An die Arbeifersportlerjugend! 3n diesem INonal sind 25 Zahre verslossen, seil einige beherzte tehrlinge und jugendliche Arbeiter eine eigene Organisation der Znngarbeiler sckiusen. Die Sozialistisch« Arbeiterjugend Berlins»er. anslaltet aus diesem Anlah eine grohzügige Werbewoche. Haupt- rreignis wird der Zugendtag am 15. September im Schillerpark sein. Die jungen Arbeiterjportler werden es sich nicht nehmen lassen, an diesem Tage ihre Sympathie mit der SAZ. dadurch zum Ausdruck zu bringe», daß sie de» Zugendlag mit ihr gemeinsam begehen. SAZ. und Arbeitersportlerjugend haben aus gelrennlen Sachgebieten eine gemeinsame Ausgabe: Geistig und körperlich gesunden Nachwuchs der Arbeiterbewegung zu stellen. Darum übt Solidarität! llnlerstühl die Festwoche der SAZ.! kommt am 15. September zum Schillerpork! Kartell sür Arbeilersporl und Körperpflege, Berlin, E. V. F. Barlhelmann. dieser Verfügung und einem Gerichtsvollzieher begab sich der Vor- stand zum Bootshaus der„Freien Kanufahrer Berlin", wo die Boote lagerten. Der Zutritt zum Bootshaus wurde sogar dem Gerichtsvollzieher verweigert und erst nach Hinzuziehung eines Polizisten konnte der Platz betreten werden. Als dann die Boote abtransportiert werden sollten, schwangen die Oppositionellen einen Kaufvertrag, wonach die Boote angeblich dem F K B. von der Ruder- und Kanuabteilung der FSC. ver- kauft worden seien! Dieser Vertrag war sogar notariell beglaubigt. Trotzdem wnrde» die Boote abtransportiert, da die jetzt oppositionelle Kanuriege nicht berechtigt ist, über das Boots- Material der Freien Schwimmer zu verfügen. Die Boote hatte man ajje'r inzwischen unsohrbpr gemacht, indem man die Paddel, die Bodenbretter und die Verschluhkorken aus dein Boden entfernte. Unter wüstem Schimpfen und unter A n s p e i e» der Bootsmann- schaflen gab man endlich den Weg frei und die Boote konnten fort- geschafft werben.' Ein besonders revolutionäres Mitglied der „oppositionellen" Wassersportler namens Bühler spionierte dann noch auf einem unter schwarzweihroter Flagge sahrenden Motorboot uinhen, wo die Boote wohl nun liegen könnten. Seine Bemühungen waren aber umsonst, die Boote waren für die recht- mäßigen Besitzer sichergestellt. Für die Kommunisten aber wird die Sache»och ein Nachspiel haben, dessen'Ausgang sie sicher nicht gerade erfreuen wird. So sieht diese Gesellschaft aus: Um nach Moskau günstiges über ihre Tätigkeit berichten zu können, eignen sie sich widerrechtlich das Eigentum anderer an! Die Regatta nnihten sie allerdings in ihren Booten fahren. Ringcrwettstreit in der Bockbraucrei. Bei den gestrigen Kämpfen in der Bockbrauerei siegte im ein- leitenden Treffen der sehr starke Girsa über den flinden Estländer Renter, der sich bis zur 13. Minute seiner Niederlage entziehen konnte. Ein selten schöner, flotter und spannender Kampf wurde zwischen Gocksch und Peterson ausgetrogen, das Treffen blieb nach zwei Gängen linentschieden.'Räber verlor nach tapferster Gegenwehr in der 19. Minute gegen den stärkeren Marlinoff-Nuhland. Das letzte Treffen Aroküll-Finnland gegen Debie-Rheinlaird gewann der Finne nach 54 Minute» Kampfdauer.— heute ringen: Martinoff gegen Gebhardt, Wildmann gegen Bierholz. Jaago gegen Debie und Gocksch gegen'Raber im Entscheidungstampf. Die Sportärzte tagen. Am Freitag begannen di« Veranstaltungen, die im Zusanunen- hong mit der Jahresversammlung des Deutschen Aerzte- bundes zur Förderung der Leibesübungen durch- geführt werden. In der Sporthalle des Frantfurler Stadions fand als erste Veranstaltung ein Vortragszyklus statt, der unter der Devise„Körperliche Erziehung in den Schulen" stand. Ministerial- direktor Dr. M a l l w i tz vom preußischen Wohlfahrtsministerium sprach im Namen des preußischen Staat«?-und in Vertretung des Wohlfahrtsministers und stellte mit Befriedigung die gute Zusam- menarbeit zwischen Staat und Kommunen im Hinblick auf die Jugend- und Sportfrage sest. Es folgte eine Rede des Kinderarztes Dr. Hoffa-Bormen ülier„Körperliche Erziehung im Kinder- garten". Einen Vortrag über„Körperliche Erziehung in Schulen ohne Turnhallen" hielt Dr. Schütz va» der preußischen Hochschule für Leibesübungen. Die Leiterin der Schul«„Schwarzerden" in der Rhön, Marie Buchhold, sprach über„Aufgaben der Gymnastik und Körperpflege und der vorbeugenden Erholungsfürsorge", und Stadtmedizinalrat Dr. Hagen- Frankfurt a. M. über die ärztliche Fragestellung bei der Befreiung von Leibesübungen. Die Frage der kärperlichen Erziehung der Berufsschuljugend behandelte Dr. hoske, Arzt der deutschen Hochschule für Leibesübungen. Der Nachmittag des Freitags war internen Sitzungen des Vor- standes des großen Ausschusses des Deutschen Aerztebundes vor- behalten. Für die dabei unbeschäftigten Teilnehmer fand im Stadion die Borführung einer abgekürzten Turnstunde mit systematischen Erläuterungen an einer Knaben- und Mädchenklafle statt. RngZands Luftrennen. Um den Schneiderpokal. Das größte Flugzeugrennen der Welt, dos Rennen um den von dem Franzosen Jacques Schneider im Jahre 1913 gestifteten Pokal, kommt heute in England auf der Reede von Southampton zum zehnten Male zum Austrag. Obwohl das diesjährige Rennen nach dem Ausscheiden der französischen und der amerikanischen Flug- zeuge ein« rein englisch-italienische Angelegenheit ist, ist das Inter- esse in England für den Kampf um das„Blaue Band der Luft" geradezu ungeheuer. Die letzten Probeflüge der einzelnen Ma- jchinen werden mit wachsender Aufmerksamkeit verfolgt, man erörtert eifrig die Aussichten der Konkurrenten und hofft im Stillen, daß England, der Verteidiger des Pokals, auch aus diesem Rennen als Sieger hervorgehen möge. Das Rennen selbst wird fast gänzlich über dem Wasser zwischen der Insel Wight und dem englischen Festland geflogen. All« startenden Maschinen sind Wasserflugzeuge und Eindecker,'dt« ein« kurze, gedrungene Form haben und äußerst leicht gebaut sind. Zur Herabsetzung des Luftwiderstandes auf ein Minimum hat man bei der Konstruktion der Maschinen danach gestrebt, alle Ecken und überflüssigen Verspannungen fortzulassen. Die drei englischen Flug- zeuge, die am Rennen teilnehmen, werden aus zwei„Gloster- Rapier VI" Eindeckern mit Motoren von ungefähr 1000 PS und zwei„Supermorine Rolls Royce S 6" Eindeckern mit Motoren von den höchsten bisher verwendeten Pferdestärken ausgewählt werdeti. Di« italienischen Apparate bestehen aus einem Fiat- Flugzeug mit einem Fiat-Motor, einem Piaggio-Eindecker, dem Macchi-Eindecker„Mohr von Venedig" und einer mit zwei Motoren ausgerüsteten Savoia-Marchetti-Maschine;' die Gesamtpferdestärk« ihrer beiden Motore beträgt 1800 PL. Das Flugzeug selbst hat eiförmige Gestalt. Das Rennen geht über ein« Strecke von ins- gesanrt 350 Kilometer. Die Rennstrecke stellt«in Viereck mit einer äußerst scharfen und drei weniger scharfen Kurven dar. Der Umfang des Vierecks beträgt 50 Kilometer, die Strecke muh also siebenmal durchflogen werden. Bei den relativ kurzen Seiten des Vierecks und den scharfen Kurven erfordert dieses Rennen große Geiftesgegesiwart und hohe technisch« Fähigkeiten der einzelnen Flieger. Die Flug- zeuge werden nacheinander gestartet, um Zusammenstöße in der Luft nach Möglichkeit zu verhüten. England hat bisher dreimal den Schneiderpotal gewonnen und ist gegenwärtig Pokalinhaber. Italien hat gleichfalls dreimal den Pokal erkämpft, Frankreich einmal und die Vereinigten Staaten zweimal. Bei dem Rennen auf dem Lido im Jahre 1927 erzielt« der Engländer Webster auf einem 8V0 PL Supermarine eine Stunden- geschwindigkeit von 433 Kilometer. Diesmal rechnet. ma» bestimmt damit, daß eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 500 Kilometer erreicht wird. Man erwartet zu dem Rennen die ungeheure Zuschauerzahl von«iiier Million, sür deren Beförderung eine große Anzahl Sonderzüge, Autobusse, Dampfer und anderer Berkehrsmittet bereitgehakten«erden. Um die riesenhaft« Meng» über die einzelnen Phasen de; Rennens ständig aus dem Laufend«» zu halten, werden an 19 verschiedenen Punkten ungefähr zwei- hundert große Lautsprecher aufgestellt. Arbeiterradsahrerverein Groß-Berlin. Sonntag. 8. September, 6 Uhr, Paetz, Rest. Riesenberg. 13 Uhr, Eichwolde, Wicherts Ge- sellschoftshaus. Start Waldemarstraße Ecke Mariannenplatz. Gäste ipillkommen. Abend- Trabrennen in Mariendorf. Das mit' großem Erfolg durchgeführte Matadorenmeeting erreicht mit der Abendveranstalhing am Montag fein Ende. Es wird wieder guter Sport auf der ganzen Linie geboten. Die werloollste Nummer ist der„Preis von Wien" für die international« Kiasie. Da für die Schlußnummer, den „Preis von Stockholm", nicht weniger als 54 Pferde gemeldet wurden, mußte dieses Rennen geteilt werden, so daß das Programm aus zehn Nummern besteht. Die Rennen beginnen wieder um 18 Uhr._ Neue Bucfacr. „Körper schönheil trotz Mullerschasl!" Die irrige Auffasiuna, daß die Schwangerschaft eine Krankheit ist, wird in der lesen?» werten Broschüre, die vom Süddeutschen Verlagshaus, G. m. b. f)., Stuttgart, herausgegeben wird, in überzeugender Weise widerlegt. Die Gymnostiklehrerin Lisa Mar und der Mediziner Dr. Balzli weisen mit Recht auf die Gefahren unzweckmäßiger Beköstigunz und Lebensweise hin. Vernunftgemäße Lebenshaltung und Er- nährung lassen die Beschwerden der Mutterschaft leichter ertragen. Werden dabei gleichzeitig vorsichtig und planmäßig gymnastische Hebungen und ordentliche Körperpflege betrieben, dann wird sich auch die Schwangere während dieser Zeit verhältnismäßig wohl fühlen. Viele Frauen leiden an zu schwachen Unterleibsorganen und schlaffer Bauchmuskulatur. Hier ist ein Weg gewiesen, den Frauenkörper zu kräftigen. Selbst im vorgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft empfehlen die Verfasser noch leichte Rumpf- Übungen, die selbstverständlich mit entsprechender Vorsichl aus- zuführen sind. Arbeiterfrauen, die auch während dieser Zeit Hau»- stand und Familie zu betreuen haben, wird die Innehaltung aller Vorschläge allerdings einige Schwierigkeiten bereiten. Anzuerken- nen ist jedoch, daß alle angegebenen Anweisungen sicher dazu bei- trage», auch in der Schwangerschastszeit dem Körper und der Pflege leichter Leibesübungen die notwendige Begutachtung zu schenken. Ist die Mutter gesund und lebensfroh, ist auch eine gesunde Nach- kommenschaft zu erwarten. Die im Text eingereihten 18 Bilder beleben den in übersichtlicher Anordnung zusammengestellten Text des Büchleins, das in sauberer Druckausführung für 1,25 M. erhältlich ist. „Achte auf die Haltung deines Kindes!" Um Eltern und jeden, der sich mit Kindern beschäftigt, auf die furchtbaren Gefahren von Verkrümmungen und Mißbildungen aufmerksam zu machen, hoben die Stuttgarter Gymnastiklehrerinnen Lisa Mar und Frit Bahra in verständnisvoller Zusammenarbeit mit dem Orthopäden Dr. Stauo ein lesenswertes Büchlein herausgegeben, das im Süddeutschen Ver- legshaus, G. m. b. H., Stuttgart, erscheint. In leicht verständlicher Form, durch die Wiedergabe eines Zwiegespräches zwischen Mutter und Arzt, durch die Schilderung des Besuches einer Gymnastik» stunde, werden in übersichtlicher Anordnung die Vorzüge plan- mäßiger Haltungsübungen geschildert. Nicht trockene Belehrungen liest der Interessent: In Spielsorin, also in einer Weise, die den Kindern gerade am angenehmsten ist, sinden wir hier viele Beispiele gesundheitlicher Gymnastik. Die Ruckenkrüinmungen, hervorgerufen durch langes Stillsitzen auf der Schulbank, alle Schäden, entstanden durch zu schwache Muskulatur unjerer Zöglinge, verlieren ä« Ge- sührlichkeit, wenn nach diesen Anweisungen, die durch 16 Bilder unterstützt werden, gehandelt wird. Alle bekannten Kindersingspiele lassen sich im Rahmen dieser Anweisungen oerwenden. Ellern und Erzieher, überhaupt alle int Kinderturnen tätigen Leiter und Helfer. sollten sich mit dem Inhalt dieses Büchleins, das zum Preise von 1,25 M. erhältlich ist, vertraut macheu. Das Heft zeichnet sich durch klaren, sauberen Druck besonders aus. O. L., S«ri«I Nil«ibcitfHe'tt und«»tKttpfl«»,»rddi»«. Msntaa.». Oft Ztfcv im«»rinrfbrtJiÄ n Krtnmn�n her im SportittR bctciliflc». Iteffvunft flrunnttiplo* 18'S UI». 15. Znptsa. Mvniag. 9. September, 30 Uhr, Seeftants« fitiuna im l'olol Eisen. EU. Sirfbolj. Ecke Iklsenstraü.-. ItnrteK Wlihensce. flobenf�önboulen, Kartell sisiunq am Montaz, 9 öep- tember, bei Zjet'rs, Sifllerberset Str. U. Änfana 20 Uchr. Der wichtisen TapesarbniiitA tpeaen skartelloeranswltunz am 6. Olibbee) haben die Delez-.er- ten unb Vereinatechniker zu erscheinen. tugendwan. Den größten Anteil im vergleich zur Bevölkerung hat Elberfeld(7,7 pro Tausend) bei 1278 Mitgliedern. Die Ham- burger Jugendherbergen flnd'fast durchweg Eigentum des Hamburg!» schen Staates. In den letzten Iahren wurden hier für Herbergs. zwecke jährlich 65000 M. bewilligt. In Hamburg haben 1928 in 300 Betten fast 50 000 Personen übernachtet, etwa 8000 wurden noch Altona und Wandsbek verwiesen, während 7000 überhaupt nicht Untergebracht werden konnten. Jetzt wird die Errichtung einer neuen Jugendherberge geplant mit 250 Betten, 100 Pritschenlagern, einigen Iugendheimräumen und einem Saalbau für 600 Personen, Baukosten 600 000 M.— Im gesamten Reichsgebiet sind in 2177 Orten 73 439 Betten(1927 60 175) sowie 28 135 Massenlager vor- Händen. Die Mark Brandenburg ist Hieron mit 5153 Betten und 1685 Massenlagern beteiligt. Am 28. und 29. September findet in Dresden der 11. Deutsche Iugendherbergstag statt, der sich mit der weiteren Förderung des Iugendherbergswesens beschäftigen wird. Referate sind auf dieser Tagung nicht vorgesehen, um der Diskufsim, über praktisch« Fragen den weitesten Spielraum zu lassen.