Morgenausgabe 7ir.421 � t ämT46-311� Wöch«»wch SS monatNch ä.MKt kn ooraus jailiiai. Paftbezug woltungsjahr 1S2S/30 sich darstellt.»Bei genauer Durchsicht läßt sich ein Fehlbetrag von wenigsten» 1200 Millionen voraussehen, aber da» ist so undurchsichtig gemocht durch di« Der- rechnung derRuck stände, daß man zu keinem klaren Schluß kommen kann. Aus den parlamentarischen Schriftstücken erfährt man über recht unvorhersehbare Ausgaben, von denen man früher gar nichts wußte. Dos Kriegsbudget beläust sich im Voranschlag auf 2716 Millionen Lire, ohne die Luftschiffahrt, außerdem 34 Mil- lionen für eventuelle Ausgaben. Es gibt einen Fonds von 781 500 Lire für„Prämien für besonderen Fleiß", worunter man S p i o- nage versteht. Im Ministerium desInnern findet man unter anderem einen Fonds von Millionen für Telegramme für die faschistische Propaganda in der Presse, 1 Million für die Balilla, die noch von verschiedenen anderen Ministerien unterstützt werden; 3 Millionen für- geheim« Dienstleistungen; 2zh Millionen für geheime Polizeioperationen: 3 Millionen für vertrauliche Ausgaben, vorwiegend im Ausland (Kap. 74 des Budgets): 7 Millionen für besonders wichtige Aus- gaben der faschistischen Miliz, und schließlich die ungeheuerliche Aus- gäbe(Kap. 83) von 30 Millionen für politische Ausforschungen. Diese Summen stehen Mussolini ohne irgendwelche Kontrolle zur Verfügung. Einen Fonds für Geheimaus- gaben haben weiter di« drei militärischen Ministerien, das der Finanzen, der Kolomen und vor allem das Auswärtige Amt. Die faschistische Regierung verfügt über mehr al» 200 Millionen Lire al» Geheimfonds, hauptsächlich für die auswärtige Presse und die politisch« Spionage. Die Geheimausgaben des Auswärtigen Amtes belaufen sich anscheinend nur auf 1:2 Millionen Lire, aber wir finden weiter(Kap. 36) 2.4 Millionen für unvochergesehene Aus- gaben, 5 Millionen für Geheimausgaben, die mit inter- nationalen Bewegungen zusammenhängen, 1 Mil- 'üon für Propaganda im Ausland, 400000 Lire für Unterstützungen an Dalmatiner Studenten(b. h. für die Propaganda gegen Jugoslawien) usw. Gewisie Zeitungen des Auslandes nehmen die Telegramme auf, die die faschistische Regierung ihnen gratis übermittelt und haben sehr„schätzbare" Gründe, nicht immer Widersacher des Faschismus zu sein. Die Finanzlage Italiens wird immer ernster, aber die einzigen Ausgaben, die der Faschismus durchaus nicht einschränkt, sind di« Militärausgaben, die für Spionage und fiir faschistische Propaganda." Grundsteinlegungsfeier in Genf. Durch Wochenendausflüge konkurrenziert. Genf, 7. September.(Eigenbericht.) Am Sonnabend nachmittag fand die Grundsteinlegung des neuen Völkerbundspalastes statt. Der Völkerbunds- fekretär, der persische Ratspräsident und der Präsident der Böller- bundsversammlung hielten die Weihereden. Sir Eric Drummond erinnert« an di« Gründer und Wegbereiter des Völkerbundes, wobei er unter anderem den Präsidenten Wilson�und den verstorbenen -schwedischen Sozialisten B r a n t i n g nannte. Er teilte mit. daß in der Kassette, die im Grundstein eingemauert wurde, ein Sonderdruck des Völkerbundsvertrages, eine Dar- stcllung des bisherigen Werkes des Völkerbundes und Münzen der verschiedensten Länder niedergelegt seien. Der Ratspräsident wies darauf hin, daß dos neue Gebäude von allen Völkern als gemein- fames Eigentum betrachtet werden könne. Der Präsident der Völkerbundsversammlung begrüßte die Stadt Genf und die Schweiz ols Heimat des Völkerbundes. Der Schweizer Bundespräsident H a a b schloß die Zeremonie mit dem Versprechen, daß die Schweiz das Gebäude und das Wert des Völkerbündes mit allen ihren Kräften schützen und unterstützen werde. Leider war die Feier in einer der großen Mission des Völker- bundes wenig würdigen Weise arrangiert worden Jeder Flaggen- und Blumenschmuck fehlte sowohl ouf dem Festplatz, in der Stadt und an den Gebäuden des Völkerbundes und Arbeits- amtes. Eine Reihe von Völkerbundsdelegierten und Beamten hatten «s vorgezogen. Wochenende zu feiern, statt der Grundstein- legimg beizuwohnen. Das wenig erschienene Publikum war sinn- los weit vom eigentlichen Festplatz abgesperrt.. Gtrefemann redet am Montag. Gens, 7. September.(Eigenbericht.) Der Völkerbund hielt am Sonnabend entgegen dem fest- geleoien Tagesprogramm nur«ine Vormittagssitzung ab. Die N a ch m i t t g g, s j tz u n g. die die Rebe Stresemanns bringen fällte, wurde abgesagt, Störungen der Telephonverbindunz mit Deutschland und Hinweis der deutschen Pressevertreter auf das Nichterscheinen der Sonntagszeitungen in der Provinz, hatten Stresemann veranlaßt, um Vertagung seiner Wortmeldung bis z u m Montag zu bitten. Es sprachen am Sonnabend: der Vertreter Indiens, der litauische Diktator Woldemaras. V e n i z e l o s- Griechenland und der Vertreter Spaniens. Von ihnen meldeten der Inder und der Grieche die Annahme der Fakultativklausel durch ihre Länder an. Der Spanier wies darauf hin, daß er die Klausel schon unterzeichnet habe, das gleiche gilt für Litauen. Der Indier ver- langte di« baldige Durchführung der allgemeinen Abrüstung ols Basis des Friedens, und er forderte weiter eine bessere Berückfichti- gung der Interessen der asiatischen Völker in der Politik des Völker- Hundes. Woldemaras setzte sich mit den Versuchen Briands und anderer Redner, dem Völkerbund«ine hervorragende Rolle in der Entspannung Europas zuzuweisen, auseinander. Er behauptete, daß die praktische Anteilnahme des Völkerbundes an den wichtigsten politischen Streitsragen minimal gewesen sei. Er sprach die Befürchtung aus, daß der Vorschlag der englischen Delegation, das Kriegsverbot des Kellogg-Paktes in den Völkerbundvertrag zu über- nehmen, ebenso in einer Kommission verschwinden würde, wie ein gleicher Antrag, den e r auf der vorigen Bundes- Versammlung stellte. Er verlangte die Schaffung einer inter- nationalen politischen Toleranz, wobei er darauf hinwies, daß die Lüge von der einseitigen S ch u l d a m A u s- bruch des Krieges noch immer in offiziellen Verträgen stünde. Allerdings erinnerte er nicht daran, daß in seinem eigenen Lande jede politische Toleranz verpönt ist. Er trat für einen besseren Schutz der Minderheiten ein und lenkte unter An- führung der Unterdrückung der 40 Millionen Ukrainer die Aufmerk- samkeit des Völkerbundes auf di« Gefahren der ungeklärten Probleme Osteuropos. Au» V e n i z e l o s' Rede war eine klare Absage an alle griechi- schen Reoanchegedanken gegenüber der Türkei bemerkenswert. Befreiung! Oos Werk der Haager Konferenz. Von Wilhelm Sollmann. Binnen wenigen Monaten wird der Boden der deutschen Republik von dem letzten Besatzungssoldaten geräumt sein. Fünf Jahre vor dem im Friedensvertrage günstigsten Falles vorgesehenen Endtermin von 193S. Uebrig bleibt die für ewige Zeiten vorgesehene EntMilitarisierung der deutschen Zone am Rhein. Leider einseitig, denn die französische Grenze ist mit Garnisonen und Festungen gespickt. Z u r ü ck g e- wiesen ist aber nun für immer die in langen gefahrvollen. Jahren verfolgte französische Politik auf eine Loslösung der Rheinlande oder doch auf ein irgendwie geartetes fran- zöfifches Protektorat über dVe f e s Gebiet. Die deutsche Abordnung im Haag ist politisch mit einem großen nationalen Erfolge zurückgekehrt. Die Männer der nationalen Phrase bestreiten diese nationale Tat. Ihr Per- halten hat zwei erklärliche Gründe: sie haben nie an die friedliche Rettung der Rheinlande geglaubt, und sie hoben nie etwas für dieses Ziel getan. Man wird der Größe des politischen Ereignisses vom Haag nicht gerecht, wenn man es an der Gegenwart mißt. In der nun sicheren Gewißheit des festen Besitzes unserer Rheinlande muß man sich erinnern, wie oft und wie stark im Laufe eines Jahrzehnts diese Gebiete in höchster Gefahr sich befanden. Man muß aussprechen, daß in diesen Jahren es Stunden gab, wo.mr ein großer, fast vermessener Glaube noch mit der Aufrechterhaltüng preußischer und deutscher Staatshoheit über die Rheingebiete rechnete. Es sind nicht immer gerade die lärmendsten Patrioten gewesen, in denen diese Gläubigkeit lebte. Erinnern wir uns: Die Wintermonate des Jahres 1918. Noch war kein Friede. Nur Waffenstill- stand. Gewaltige Truppenmassen der Alliierten auf beiden Ufern des Rheins. Im Innern Deutschlands blutiger Bürger- krieg um die Nationalversammlung. Der leidenschaftliche Ruf nach proletarischer Diktatur ohne Rücksicht darauf, daß diese Diktatur am Rhein ihre Grenzen haben müßte. Stärkste Zweifel im Bürgertum, ob die Wahlen zur Nationalversamn:- lung erfolgen, und wenn ja, ob die Nationalversammlung die Verhältnisse meistern könnte. Da kamen die ersten vorsichtigen Lockrufe aus Frankreich. Keine Loslösung der Rheinlande von Deutschland! Aber eine rheinisch-westfälische RepublikimRahmendesReiches. Es sind ihnen damals viele erlegen, haben viele diese Rufe mindestens ernst- Haft erwogen, weil sie ehrlich glaubten, nur so sei eine Neu- Ordnung Deutschlands von Westen her möglich. Nur winzig gering war damals im rheinischen Bürgertum die Zahl der- jenigen, die an die Möglichkeit glaubten, mit denMittelnfriedlicherPolitikdieBesatzung jemals wieder loszuwerden, wenn man nicht den Wegder Ausrufung eines Rhein st aates gehe. Es ist jetzt leicht, über diesen Irrtum erhaben zu rechten. Und liegt das fern. Wir stellen nur eine geschicht- liche Tatsache fest, um die damalige Größe der Gefahr auf- zuzeigen. Wir haben allerdings das Recht, hinzuzufügen: nicht die bescheidenste Organisation der rheinischen Sozial- demokratie hat auch nur eine Stunde geschwankt, alle diese Versuchungen zurückzuweisen. Jetzt, da die Besatzung zum Abissarsch rüstet, erinnern wir uns daran, was die letzte Aktion der Arbeiter- und Soldatenräte am Rhein gewesen ist, ehe sie durch die Waffen der Besatzung zur Auflösung gezwungen wurden: ein Protest gegen jeden Versuch der Loslösung vom Reiche oder auch nur von Preußen. < Im Sommer des Jahres 1919 die kritische Frage, ob der Friedensvertrag zu unterzeichnen sei oder nicht. Inzwischen begann unter französischem Schutze der i l l e g a l e S e p a r a- tismus sich auszubreiten, D orten putschte vergeblich in Koblenz. Aber auch rheinische Politiker unzweifelhaft deutscher Gesinnung glaubten nicht an den Frieden ohne Auf- richtung einer rheinischen Republik. Wie fern klingt heute, was damals Männer mit Namen beschlossen haben: Die aus freier Selbstbestimmung erfolgte Vereinigung der Länder am Rhein zu einem westdeutschen Freistaat wird eine„F r i e d e n s r e p u b l i k" sein. Sie bietet die nötige Gewähr für den Frieden Europas, bildet einen Dcnmn gegen bolschewistische Ueberflutungen und sichert die friedlichen Beziehungen zwischen Westen und Osten. Die Unterzeichnung des Friedensvertrages durch Sozial- demokratie und Zentrum baute einen festen Damm gegen diese Bestrebungen auf. Aber immer wieder drangen sie in irgend- einer Form vor. Kapp-Putsch, kommunistische Unruhen, Ministermorde, nationalistisches Abenteurertum in Bayern. passiver Widerstand belebten die Gedanken einer Rhein- republik. Folgerichtige Ersüllungs- und fried- 1 1 ch e Befrsiungspolitik hemmten diese Pläne und haben sie nun durch dieBefreiung der besetzten Gebiete für immer z e r st ö r t. Nun soll diese Räumung auf einmal nicht viel bedeuten. eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Aber es sind noch keine sechs Jahre her, da verkündete Herr Poincarö Tag für Tag seine These, die Besatzungsfristen hätten noch nicht zu laufen �begonnen. Und Deutschland hatte keine Waffe gegen ihn als Leidenschaftliche Rechtsverwahrung. Es trtsrden in diesen Tagen sechs Jahre, daß Deutschland an der Rnhr kapitulieren mutzte.'Militärisch besetzt bis tief nach WestfÄen, abgeschnürt vom Reich, die Eisenbahnen in fremder muPärischer Regie, die Bevölkerung unter Kriegs- gericht und Militärdiktatur, die Beamten von oben bis unten und die Volksstrhrer ausgewiesen, auch der kümmerlichste Rest der Reichssmroclränität am Rhein vernichtet. Separatisten- aufstände, die Ätädte und Dörfer terrorisixrten. Im Innern Deutschlands aber ohne jede Rücksicht auf die bedrohten Rheingebiete wilde nationalistische und kommunistische Macht- kämpfe. Wieviele von denen, die jetzt an dem pdlitischen Ergebnis der Häager K o n f«« r em z e n mäkeln, mögen denn damals daran geglaubt haben,"daß im Jahr« 1930 das Rheimland noch oder wieder unter deutscher Hoheit stehen, ja daß es von der Besatzung geräumt fern würde? So groß warem damals die Zweifel, daß das böse Wort aufkam, die Rheinltfnde müßten„abgeschrieben" werden, um zunächst dos übrige Deutschland zu retten. Bis in das Reichs- kabinett drangen die Anregungen vor, Zahlungen, selbst sozial- politischer Natur, in das Rheinland einzustellen. Wohl ver- standen: nicht aus leichtfertiger Verantwortungslosigkeit, sondern«eil die Vertreter dinser Meinungen keinen anderen Ausweg mehr zur Reorganisation Deutschlands zu sehen glaubten. Daß Stresemann damals zu denen gehört«, die keinen Augenblick zu solchen Verzweiflungsaktionen neigten sollte ihm nie vergessen werde». Vor noch nicht sechs Jahren: Damals wurde von sehr ernsthaften bürgerlichen Politikern, keinen Phantasten, son dern nüchternen Männern in hohen und höchsten Stellungen verlangt, den Ariedensvertrag mit Frankreich und Belgien für aufgelöst zu erklären. Man rechnete mit dem akuten oder doch mit dem latenten Kriegs- zustand, mit de r dauernden Zollgrenze an Rhein und Ruhr, mit der gewaltsamen Bil dung eines Rhein- und Ruhrstaates. Die Maniier der Finanz und der Wirtschaft bereiteten eine rheinische Währung vor. Der französische Ober kommisiar spann feine Fäden überall im Lande. Es gab kritische, überaus kritische Stunden. Wer dachte damals an dw Räumung auch nur in Jahren? Wer wagte, zu prophe- zsien, wie auch nur nach Tagen die politische Gestaltung der Rheingebiete sein würde? Wer konnte wissen, wieviele Stunden noch die arbeitslose, hungernd«, gequält«, teprorl sierte, führerlose, durch wilde Nachrichten und durch die mahn witzigen Putsche der Rationalisten im Reiche verwirrte Be- nölkerung �»«m Ansturm von ajlen Seiten trotzen könnte?: Man'muß sich diese fast trostlosen Zeiten vergegen «ärtiM�om«in Maß zu gewinnen für den Weg. den wir seither zükückgelegt haben, einen Weg. der trotz ollem klar und unbedingt aufwärts geführt hat. Deutschlands Erneuerung war und ist nicht möglich ohne die Riesenkräfte an Rhein und Rühr. Erhalten wurden uns diese Gräfte ollein durch die zähe, friedlicheBe- freiungspolitik eines Jahrzehnts An dieser geschichtlichen Wo hrhelt Ist nicht z» rütteln Aber die Kontrolle der entmilUarisierten Gebiete! Wir nehmen sie nicht leicht. Indes ist sie im Friedensvertrage vorgesehen, den zu erschüttern gerade deutschnational beeinflußten Regierungen bisher am wenig sten möglich gewesen ist. Unsere Erfüllungspolttik aber hat unvergleichlich gefährlichere Kontrollen über die Rheingebiete verhindert, als eine fern? Schlichtungskommission und den Völkerbundrot. Sie hat abgewehrt: die Rheinrepublik unter französischem Protektorat, die Verewigung der Besatzung und die lange von Frankreich angestrebten öl�movte stadlea, die ständigen Kontrollorgane am Rhein. Die Marschbefehle an die Besatzung zeigen uns und der Welt, daß Deutschlands Grenzen so, wie sie der unglückliche Ausgang des Krieges gezögen hat, nunmehr gesichert sind. In diesen Grenzen gibt es zwar noch keine volle deutsche Souveränität, aber doch«ine Ausweisung der deutschen Staatshoheit,� die noch vor wenigen Iahren gerade von denen für unmöglich gehalten wurde, die jetzt laut ihre Un- Zufriedenheit bekunden. Nicht e i n Besatzungsfoldat ist durch nationalistische De- monstrationen von deutschem Boden verdrängt worden. Nicht ? i n deutsches Hoheitsrecht haben uns die Deutschen Tage und Paraden Unter schwarzweißroten Fahnen wiedergeholt. Das Ergebnis dieses ganzen Lärmens ist ein großes Nichts. Die Rettung der Rheinlande und damit Deutschlands, der Abmarsch des fremden Heeres, die Wiederkehr deutscher Staatshoheit und die Festigung der Grenzen des Reichs sind die nationalen Erfolge der Republik. Sie hat ihre friedliche Befreiungspolitik zu einem ersten großen Ziele geführt. Wir freuen uns des Erreichten um so mehr, als es zugleich der Befriedung Europas dient. Was hat der deutsche Nationalismus zur Rettung des Reiches geleistet� Die Phrase. D i e Republik jedoch wird am Tage des Rückzuges der Fremden ohne Triumph, aber mit S'tölz die heiligen Färben deutscher Freiheit hissen als Zeichen einer befreien» den Tat. v Die Räumung von Koblenz. Überlegung ver Truppenteile nach Elsaß-Lothringen. Frankfurt a. JH., 7. September.(Eigenbericht.) Ein großer Teil der französischen Garnison in Koblenz wird bereits in den nächsten Togen nach Frankreich zurückgezogen werden. Am Iii. September verläßt das Infanterieregiment N. 1.Sl das Rheinland, um Nach Metz überzusiedeln. Ebenso wird dos 23. JnfaNierie-Regiment nach Hagenau und Weißenburg im 6lsaß verlegt. Das in Koblenz stätionierte Feldartillerie-Regi- mevt Nr. Ig soll gänzlich aufgelöst und die MotmschasteN in Kürz« M die Heimat«Ntlassen werden. vergts und Westarps Tendenzlügen. Gchwindelhaste Darstellung der Vorgänge von-1924. Zu unseren Betrachtungen über die Borgänge, die zur Annahme des Dawee-Pattes durch die Deutschnationalen führten, äußern sich die„Mittel lungen der Deutschnatiovalen Volkspartei" noch einmal. Sie erklären dies„im Einvernehmen mit den dazu berufenen Herren" zu tun. Das können nur die Herren Hergt und Westarp fein. Diese„berufenen Herren" also erklären: Richtig ist die schon längst bekannte Talsache, daß schon vor dem Brief der Deutschen Volksparlei nicht nur Vertreter der Deutschen Volkspartei, sondern auch solch? des Zentrum» aus eigener Initiative mündlich an die Deutschnakionale Reichstagsstak- tion das Anerbieten überbracht haben,- sie im Falle der Annahme de» Dawes-Planes an der Regierung zn beteiligen, und daß über diese Anerbietungen dabei auch gesprochen worden ist. U n w ach r ist die Darstellung des.Vorwärts", daß aus Grund dieser Anerbietungen Irgendein Abkommen geschlossen worden sei. weder in offener noch in versteckter Form« weder über die köpfe der Führer hinweg noch mit deren Zustim- mnng." Unwahr ist daher sehbstverständlich die weitere Behauptung des.Vorwärts", daß sich Herr hergt.sofort nach der Abstim- Mnng zum Vollstrecker diese» Abkommens gemacht und den Reichskanzler JRarx zum Rücktritt aufgefordert habe". Richtig ist im Gegenteil, daß der FrakNonsvorflhende sich dem Angebot der Regiernngsteilnohme gegenüber mit aller Entschieden- hcit für eine einmütig olilchnende Haltung der FroMon ein- geseht hat. Ein neuer Angriss de»„vorwärts" vom 4. September gibt endlich Anlaß zu der Feststellung, daß auch Herr v. Liudeiner keine Verhandlungen dieser Art geführt hat. und zwar weder im ausdrücklichen Auftrag noch im Geheimauftrag mit der JNSglichkeit. später von ihm abzurücken, noch aus eigener Initiative. Die Behauptungen der Herren Hergt und Westarp sind bewußt unwahr. De» ausführlichen Beweis dafür zu erbringen, behalten wir uns für jene Stelle vor. an die sich die beiden Herren nun wohl wenden müssen, wenn sie den Borwurf der bewußten Unwahrhaftt gleit nicht auf sich sitzen lasien wollen. Einstweilen stellen wir fol- gendes fest: Am 17. September 1924 veröffentlichte die deutschnatio nale Parteitorrespondenz— Stirn alles ableugnet— einen Dl? Voraussetzung für dir Zustimmung deutsch- nationaler Reichslagsabgeordnele? war dl? Zusicherung der Regierungsparteien, daß wir den un» zustehenden Anteil an der Verantwortung für die Durchführung des Londoner Paktes erhalten würden, wenn wir auch an der Verantwortung für seine Annahme unser Teil übernehmen würden, wir haben diesen Teil schweren herzen» und nach schwerstem inneren Ringen übernommen. Sollten w i r Deutsch naSoNSlest uns Nun nicht, scheuen, diesen Londoner Pakt, sein? Unmöglichkeiten, sein? unerträglichen Bestimmungen abändern,»er- bessern und ebenso revidieren ja können, wie wir da« vtrsailler Diktai revidieren müssen? Sollten wir nun vor dieser uns gewordenen Aufgabe zurückschrecken? Rein! hinein> n die Retchsregieruilg heißt deshalb unser« erste und nächste Parole. I'«.| V. VI./«. V- VI»- VW V| Ul./(• VI-I-• dieselbe, Die �Zetzt mit dreister in Aufsatz, in vem es hieß: Die deutschnationale Partei hat also nach Bekundung ihres offiPellen Organs unter der Voraussetzung, daß sie dafür in die Regierung kommen werde, ihren Teil an der Verantwortung für die Annahme des Dawes- Plans übernommen. Sie hatte die Zusicherung, daß sie in die Regierung aufgenommen würde, wenn sie die Vor- aussetzung dafür erfülle, von den Regierungsparteien er- halten. Sie hat sich dann auf diese Zusicherung berufen. Angesichts dieser Tatsachen das Bestehen eines„Abkommens" zu leugnen, dazu gehört schon eine eiserne Stirne! Nach derselben deutschnationalen Parteikorrespondenz hielt Herr Hergt zur selben Zeit in Gleiwitz eine Rede, in der er sagte, daß„w i r einen Anteil an der Durchführung des Paktes erhalten sollten, wenn w i r auch an der Berantwor- tung für seine Annahme u n s e r T e i l übernommen" hätten. Dazu bemerkte damals die„Deutsche Zeitung": Damit schließt sich Exzellenz Hergt selbst— unsere» Wissen, zum erstenmal— ausdrücklich in die Verantwortung sür da» Ja der 48«in. Der Bericht der deutschnationalen Korrespondenz und die von der„Deutschen Zeitung" daraus gezogene unbedingt schlüssige Folgerung fanden damals keinen Widerspruch von seiten des Herrn Hergt. Am 16. September veröffentlichte der„V o r w ä r t s" einen„Iustinian" gezeichneten Artikel, in dem der juristische Beweis erbracht wurde, daß der zwischen Deutschnationalen und Volkspartei geschlossene Vertrag nichtig sei, weil er gegen die guten Sitten verstoße. Die deutschnationale Presse antwortete darauf keineswegs mit der Behauptung, daß ein solcher Vertrag nicht besteh?. Sie erklärte vielmehr, daß der Vertrag bestehe und g ü l t i g s e i. So in des Grafen Westarp.Kreuz-Zeltung" vom 19. September ihr juristischer Mitarbeiter Dr. Ritter- W a l d e ck:, So kämpsi d?r..vorwori»". wnn er juristisch auflr'ti! E r g i b t z u. daß die Deutschnationalen ein„Angeld" aus deu vertrag geleistet hätten, also ein Recht auf Gegenleistung ihnen nicht abzustreiten sei. er räl aber, ihnen mit einem.Fußtritt" zu antworteu. statt mit der Gegenleistung, womit die Sozialdemokratie die ganze Schwärz«- ihrer Seele enthüllt, womit sie erweist, wa» sie von der Heiligkeit der Verträge hält und damit, wa» mau mm ihr ol» verlragsgegner zu erwarten hat. Herr Hergt hat sich denn auch zum Vollstrecker de» Ab- kommens oder, mit Ritter-Waldeck zu sprechen, des„heiligen Vertrages" gemacht, indem er kurz nach der Abstimmung an den Reichskanzler Marx die brüske Anfrage richtete, wann er denn nun zurückzutreten gedenke. Hinzuzufügen haben wir nur noch, daß die deutschnatio- nalc Parteikorrespondenz ihren neuesten Artikel kurz und treffend—„T e n d e n zl ü g e n" überschrieben hat. Es hav- delt sich in der Tat um Tendenzlügen der Parteikorrespondenz und der Herren Hergt und Westarp, die wider bessere? Wissen die Unwahrheit behaupten. Wollen.sie das bestreiten, so wisien sie. wohin sie zu gehen haben! Die Schlacht von München. Hitlers Siegesbericht. München, 7. September.(Ezgenbericht.» Bei der blutigen Schlägerei, bi« sich am Freitag abend zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten abspielte, handelte« sich ganz eindeutig um einen schweren Fall von Landfriedensbruch, begangen- durch die Hitler-Leute. Die bisherige En- Hebung ergab, daß die Hitler-SA.(Swrm-Abteilung) die Spren g u n g der von etwa 150 Kommunisten besuchten Versammlung planmäßig vorbereitete und ein Rollkommando von 120 Mann zusammenstellten, die mit Gummiknüppeln und Schlag- ringen ausgerüstet,.schon eine Stunde vor Versamm- lungsbeginn die sogenannten strategischen Punkte des Saales besetzton. Die Saalschlacht entwickelte stch schon vor Eröffnung der Versammlung. Das Organ Hitlers gibt darüber folgend? Schilde rung: „Es war ein unaufhörliches Krachen und Knacken, sin Klirren und Brechen, Dutzende von Biergkäsern UM» Aschenbechern sausten oft zur gleichen Zeit hinein in die wütend Kämpfenden. Das Blut flöß in Strömen, bei den unseren, bei den anderen. ES war nichts anderes zu erwarten bei der Erbitterung unserer Leute über den plötzlichen Ueberfall. In dier Minuten war kein Kommunist mehr im Saal. Sie waren über die Treppen geflüchtet wie wilde Tiere, hotten sich selbst herunter- gestoßen in ihrer Angst und ihrem Schrecken. Dann erschien die blaue Polizei. Sie halte nicht mehr viel zu tun. Ueberall waren bereits unsere Sanitäter am Werk. Meist waren e, schwere Hiebverletzungen auf dem Kbpf." Daß die Kommunisten die HakenkrSUzler überfallen haben, ist natürlich«in dummdreister Schwindel. Die Hitttrianer geben ja selbst zu, daß sie unterallen Umständen die Durch- führung der Versammlung verhindern wollten, und zwar mit allen Mitteln der Gewallsanwendung, weshalb sie sa auch ihre Sanitäter zum Ueberfall mitgenommen hatten. Ueber die Zahl der Verletzten sind noch kein« sicheren Angaben zu erlangen. Äußer den Ist der Polizei gemeldeten und in die Krankenhäuser Transportierten' hatten beide Parteisn noch eine weitere erhebliche Anzahl Verwundeter, die sie aber bei ihrer Flucht vor der anrückenden Polizei mitnahmen. Hitler selbst gibt die Zahl seiner Verletzten mit 18 an. Merkwürdigerweis« hat die Polizei bei der Saal- und Straßenräumung von jeder Äerhaftung ab- gesehen. Der amtliche Bericht erklärt, Verhaftungen wären unmög- lich gewesen, weit es in erster Linie darauf ankam, der Schlägerei ein End« zu bereiten. Inzwischen seien aber Erhebungen eingeleitet worden, um die Täter festzustellen. Goebbels schreibt: Revolution, Aufstand, Aufruhr.— Zeltungen verbieten' Der Nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete G o e b b« l» schreibt in seinem„Angriff(verantwortlicher Redakteur Doebbe>?. M. d. R.) das Folgende: Jetzt ist der Augenblick gekommen, da die sogenannt« nati? nale Opposition mit allen ihr zur Verfügung stehen den Mitteln gegen di? Person Stresemann? und icin« verwerfliche Außenpolitik zu Feld? ziehen muß. Da? Volksbegehren gegen Poung erhält nun erhöhte po-- litis che Bedeutung, und es ist jetzt vornehmlich die Aufgabe unserer Bewegung, ihm über den rein taktischen Zweck hinaus, den wir bei einigen ihm angeschlossenen Gruppen oermuten zu dürfen glauben, einen ausgeprägt revolutionären Eharakter zu geben... Ist es da ein Wunder, daß wir gegen diesen Irrsinn zu Feld« ziehen, den aktiven Ausstand gegen diese» verbrecherische System mit allen JNiffeln organisieren und dem Ausschrei eines gepeinigten Volkes zum Durchbruch verhelfen? Weg mit diesem Verrat an der deutschen Freiheit! Vstanzt die Fahnen des Mderstande» und de» Aufruhrs m>t' Die Siroße frei! Damit der Humor nicht fehle, heißt es an einer anderen Stelle des Blattes in einem Aufsatz desselben Verfassers: Zeitungen, die gegen das Gemeinwohl«er- stoßen. sind zu verbieten. Dies hat jedoch, wohlverstanden, erst zu geschehen, wenn Der unganfch« Pressebeirot v. Ziegler Ist bei dem„Atten- to' in seinem Bureau so geringfügig oerletzt worden, daß er die Klinik noch Entfernung des Steckschusses äus der Hüfte zu Fuß verlassen und nachmittags wie gewöhnlich im Bursau fein konnte. S-in Sekretär erzählt, es habe sich ihm ein kleiner Mann vovge- stellt, der sich Dr. Budat nannte und mit Ziegler tn einer Potz- anzelegcnheit sprechen wollte. Diesem.habe er sich als Rechts- anmalt vorgestellt. Da der Presseleiter erklärte, die Paßangelegen- heil falle nicht m sein Ressort, ging der Mann wieder weg, kam aber bald zurück und verlangte noch einmal mit dem Presseleiter zu sprechen. Dann hat er auf ihn geschossen, nachdem er nochmals die Erledigung seiner Angelegenheit verlangt, und, ai» der Presse- leiter ihm erklärte, nichts tun zu können, gesagt hatte:.Hann muß ich schießen". Au« der ungarischen Emigration wird mitgeteilt, daß ihr weder ein Cholupy noch«in Budai bekannt ist Der Attentäter soll einen verwirrten, sogar geistesgestörten Eindruck gemacht haben; mit Politik hat sein Borgehen nicht» zu tun. Der Attentäter Dr. K o l o m o n Budai ist tzt Jahre alt, war Richter, dann Advokat und hat gegen seinen Bater, einen Pfarrer, Prozesse geführt. Nach dem Umsturz wollte er sich der Revolution anschließen. Man lehnte aber seine Disnste ab. Nach dem Sieg der Gegenrevolution schloß er sich den Erwachenden Ungarn an und wurde in Fünfkirchen ihr Präsident.* Budai, der als Querulant bekannt ist und auch nicht ganz normal sein soll, geriet mit seinen Gesinnungsgenossen- in Streit und wurde allmählich ,n 14 Prozesse verwickelt, vor denen er ins Ausland geflüchtet ist. Er wandt« sich nach Wien und»«rsank hier ins Elend. Durch den Pressechef suchte er eine Amnestie für seine Pressedelikte zu erlangen. Nevolveraiieniat in Triest. Auf einen faschistischen Abgeordneten. Mailand. 7. September. In Triest hat sich heute nachmittag ein antifaschistisches politi- sche» Attentat ereignet. Ein unbekannter Mann feuerte auf einer verkehrsreichen Straße vier Reoolverschüsse auf den faschistischen Abgeordneten Domenighini ob. Domenighini ist Inspektor des faschistischen Jndustriesynditats von Trieft. Er befand sich in Begleitung des Sekretärs des Metallarbeiterver- dandes. Letzterer und ein Passant wurden durch die Schüsse leicht verletzt, während der faschistische Abgeordnete unverletzt blieb. Der Attentäter wurde verhaftet. Einleitung eines Slrafverfohrea» wegen Ausruhr, gegen Dresdener Kommunisten. Wie die kommunistisch«„Arbeiterstimm«" mit- teilt, soll gegen die anläßlich der Demonstrationsunruhen am Donnerstag verhafteten Kommunisten ein Strafverfahren wegen Aufruhrs eingeleitet worden fem. Haifa, 7. September.«Eigenbericht.) Bei Zamach an der palästinesisch-transjordauischen Grenze stieß eine mehrtausendköpfige Beduinenbande nach Palästina vor. Ed gab lange und sehr blutige Kämpfe. Die Angreifer würben durch englische In- fanterie. PanzerautoS und Flieger zurückgeschlagen. SV Engländer find verwundet, die Verl"ste hxr Bedninen werden ans einige Hundert geschabt. England dementiert seine angeblichen Verluste. London. 7. September. Von maßgebender Seite oerlautet, daß die Berichte aus Palästina über ein Tressen zwischen den britischen Truppen und den Arabern, bei dem die ersteren zahlreiche Verlust« erlitten hätten, jeglicher Begründung entbehren. Der einzig« Verlust der britischen Russische Greuelnoie. Drohung mit Repressalien.' Eine Note der Sowjetreyierung an die deutsche Botschaft in Moskau behauptet im Gegensatz zu chinesischen Regierungserklärungen. daß taufende Sowjetbürger in China den schlimmsten Verfolgungen, ja, selbst Folterungen, Martern aller Art, Hin- richtungen und sogar der Leichenschändung ausgesetzt seien. Hieraus sei leider der Schluß zu ziehen, datz die von den deutschen Konsuln bisher getroffenen Maßnahmen zum Schutz der Sowjetbürger kein nennenswertes Ergebnis gehabt hätten. Die Sowjetregierung werd« von den deutschen Konsuln über alle diese Gewalttaten und Brutalitäten nicht informiert. Die deutsche Botschaft werde gewiß nicht ermangeln, alle nötigen Maß- nahmen zu treffen und auch den deutschen Konsulatovertretern in China die nötigen Anweisungen zu geben, damit den umnensch- liehen Akton, zu denen die chinesische Regierung und die chinesischen Behörden in so weitem Maße greifen, möglichst rasch, ein Ende be reit« wird. Das Außenkommissariat sei überzeug-, daß der gute Will« und die energischen Vorstellungen der deutschen Regierung bei der Nankinger Regierung dazu führen werden, die überaus schwierige Lage zu erleichtern, in der sich die Sowjetbürger in China befinden. Zugleich erklärt die Sowjetregierung, sie sehe sich durch die oben angeführten Umstände gezwungen, den Weg der Repressalien zu betreten, und zwar gegenüber einer gewissen Kategorie chinesischer Bürger, die auf dem Grund und Boden der Sowjetunion leben und sich in Verhältnissen befinden, die mit denen. unter den die Sowjetbürger in China zu leben gezwungen sind. nicht verglichen werden können. Clemenceau macht Scherze. Der bestellte Ehirurg war nicht für ihn. Paris, 7. September.(Eigenbericht.) Die geheimnisvolle Krankheit Clemenceous, die feit Tagen die französische Oeffentlichkeit beunruhigt und zu allen möglichen Ge- rächten Anlaß gab, Hot jetzt eine überraschende und heitere Auf- klärung gefunden. Es stellte sich heraus, daß der greise Tiger überhaupt nicht krank war. In der Nähe seines Gutes in der Vende lebt eine Fischerfamilie, deren 18jährige Tochter seit über einem Jahr an den Folgen einer Blinddarment- zündung krankt. Clemenceau, der mit dieser Familie befreundet fit, tvnnte die Leiden des jungen Mädchens nicht mehr länger mit ansehen und telegraphierte kurzerhand einem erstklassigen P o- riser Chirurgen, cr solle sofort noch seinem Gut kommen. Ln Paris glaubt« man selbstverständlich, daß Clemenceau selbst er- krankt sei, und dieser, der einen sprichwörtlichen Abscheu gegen Jour. nalisten hegt, weigerte sich, den wahren Sachverhalt bekanntzugeben, i i_ WMMM/ &£ Truppen sei die vor zwe- Tagen gemeldet« le-cht« Verwundung«rnes britischen Soldaten Washington gegen arabische Wünsche. Washington, 7. Sepiember. Araber amenkanischer Staatsongehörigkeit trugen im Aus-. trage der„Palestine National Leogue" und anderer mohammcda nischer Vereinigungen Staatssekretär S t i m s o n die Forderung flUff* Aufhebung der Bolfour-Deklaration und nach. Gründung eine? freien arabischen statt eines jüdischen Staates in Palästina vor. Staatssekretär Stimson ging auf die Ansprüche nicht ein, sondern sprach die ernste Mahnung aus, daß es sich um eine Sache der Zivilisation handele, die nicht durch Gewalt oder Ab- schuldigungen gefördert werde Als gute Amerikaner sollten sie viel mehr zur Mäßigung roten und zur Vermeidung meiteren An- vergießens beitragen. da et befürchtete, die bösen Zeitungen konnten chn— de" o�iäbT gen!— mit dem kranken Mädchen ins Gerede bringen Oer große Hinauswurf. Auftakt zu den Kommunalwahlen. Em« von der kommunistischen Presse veröffentlichte Anweisung des Zentralkomitees der KPD. zu den bevorstehenden Kommuna! wählen bestätigt die Nachricht, daß mit der K a n d i d a t e n o u f stellung der Kömnumisten eine Generalsäuberung sämtlicher Kandidatenlisten verbunden ist. Das Zentralkomitee dro Herrn Remmele befiehlt: „Kandidaten können nur Genossen sem, die s e st zur Linie und zu den Beschlüssen der Partei stehen und die das in der Vergangenheit bewiesen haben. Heraus mit allen Rechten und versöhnlerischen Elementen aus diesen Körperschaften! Kandidatenlisten, die diesen Anforderun gen nicht genügen und die voreilig jetzt aufgestellt rvur- den, sind zu annullieren." Mit dem letzten Befehl will das Zentralkomitee allen Ver suchen der„Versöhnler" vorbeugen, irgendwo noch eine Position in den Kommunal- und Prooinzialparlamenten zu erlangen. In einer Reihe von Bezirken und Orten sind tatsächlich die von der KPD- Mitgliedschaft aufgestellten Kandidaten vom ZK. gestrichen worden, weil sie nicht fest genug zur„Linie" stehen Die Städte warnen! Sie wollen nicht mehr Losten tragen. Hannaver, 7. September.(Eigenbericht.) Der gegenwärtig in Bad Pyrmont tagende Hannoversche Stätdetag befaßte sich auf Antrag der sozialdemokrati- f ch e n Fraktion u. a. auch mit der Frag« der Arbeitslosen- Versicherung und nahm dazu einstimmig folgende Eni schließung an: „Die Entwicklung der Arbeitslosenversicherung erfüllt den Hannoverschen Stödtetag mit großer Sorge. Die Beratungen über eine Abänderung des Gesetze» über die Arbeitslosenversicherung lassen erheblich neue Belastungen der Stadt« befürchten, für die eine Deckung in den Gemeindehaushaltsplänen nicht vorhanden ist, zu- mal die Reichssteuerüberweisungen- nach Aufstellung der städtischen Haushaltspläne erheblich gekürzt sind und viele Gemeinden schon bisher ihr« Haushaltspläne nur mit Schwierigkeiten zum Ausgleich bringen konnten. Der SS. Hannoverische Städtetag erhebt daher Einspruch gegen neue Belastungen und verlangt, daß für etwaige Belastungen voller Ersatz vom Reich oder Staat ge- währt wird. Außerdem fordert er, daß der unerträgliche und uN- natürliche Zustand, daß Gemeinden und Arbeitsämter des Reiches nebeneinander und zum Teil gegeneinander eme Fürsorge tür beitslose ausüben, beseitigt werde. »Die nationale Landbevölkerung ist gegen den roten Terror... .. alo Schuh gegen das marxistische Verbrechergesindel... rftajidiim tr im Kampf für Ruhe, Ordnung und Sicherheit... .. die festeste Stühe des Staates?" Neuer Kampf in Palästina. Beduinen zurückgeschlagen. FORTSETZUNG DER GARDINEN-AUSSTELLUNG ■DIE GARDINE IM RAUM II. STOCK Die sportlich« Mode des Vormittags bevorzugt Tweed, c.. der als Kleider- und Mantelstoff beliebt ist, und zu den verschiedenen modischen Pelzen getragen werden kann.— Die zarte-seiden. mode des Nachmittags und vor allem des Abends zeigt als neue Farbe»Dahliac, die verschiedenen Nuancen der lila Herbst-Dahlie, aber auch»rehbraun« in verschiedenen Abstufungen und grün. Weiß, marine und schwarz erfreuen sich weiter allgemeiner Beliebtheit WOLLSTOFFE SEIDENSTOFFE DAMENKLEIDÜNG Kleidertweed O95 Ä75 70 cm 130 cm Manteltweed uocmbr«» /LSO 020 Wob Btt Absen« CFn Crepe Georgette reine Seid«, gute Kleider- wäre, neueste Farben, ca. 100 cm breit BBB Bedruckt Crepe Satin in neuesten Mustern, reine Seide, ca. 100 cm Die neuen Kleider mit verkürzter Taille und längerem Rocks 1052 in guter,«eh tH englischer Qualität I KJ mam VOGUE SCHNITTMUSTER Taft Chine reine s«i. September morgens im Lüneburger Regierungsgebäride eins Sitzung stattfinden sollte, in der über Maßnahmen zur Sicherung der Regierungsgebäude gesprochen werden sollte. Zu dieser Sitzung sollten hinzugezogen werden die Vertreter der politischen Abteilung der Schutzpolizei und anderer in Frage kommender Stellen. Die Attentäter sind also um einen halben Tag dieser Beratung zuvorgekommen. Aus der Tatsache, daß eine derartige Beralunz stattsinden sollt« ist ersichtlich, daß man in Lüneburg mit einem weiteren Anschlag gerechnet hatte. In der Stadt laufen Gerüchte um, wonach der Regierung schon vor dem Attentat ein anonymes Schreiben zugegangen sei, in dem der Plan des Attenäts mitgeteilt worden sei. Diese Ge- rllchte entsprechen in keiner Weise den Tatsachen. Im Laufe des Sonnabendvormittag hat eine Besprechung stattgefunden, in der der Lüneburger Vizepräsident, der Oberstaatsanwalt von Lüneburg, der politische Dezernent und der von der harburger Kriminal- polizei beauftragte Kriminalrat teilgenommen haben. Bei der Polizei hat sich bekanntlich in der Nacht zum Sonnabend ein Mann gemeldet, der sich als der Teilnahme an dem Attentat auf das Reichstagsgebötide selbst bezichtigt hat. Vor dem Kriminalkommissar Dr. B r a s ch witz, dem er gestern nachmittag zugeführt wurde, erklärt« er, daß er an der Tat beteiligt gewesen sei. und auf die Vorhaltungen des Kommissars hatte er nur als Antwort, daß dies Geständnis doch genügen mllste und daß er mit Rücksicht auf seine Kameraden nichts weiter sagen könne. Es handelt sich um einen 2» Jahre allen Ar- beitslosen namens W e r n e r M ü l l e r. Die Vernehmung endete schließlich damit, daß er sein Geständnis zurücknahm. Als Grund für die eigenartige Selbstbezichtigung gab er schließlich an. daß ihn unglückliche Liebe zu diesem Schritt getrieben habe. Nach seinen Angaben, die psychologisch recht unwahrscheinlich sind, will er von der von ihm geliebten Frau nicht erhört worden sein, und aus diesem Grunde wollte er von der Polizei in Haft genommen werden. Da Müller später einige Angaben machte, die von einer ziemlich genauen Kenntnis der näheren Umstände des Anschlages zeugten, hat ihn die Polizei in Haft behalten und prüft seine Angaben über seinen Aufenthalt zu der fraglichen Zeit genau nach. Zurzeit steht aber noch nicht mit Gewißheit fest, ob an dieser Selbstbezichti- gung irgend etwas Wahres ist. Die Gerücht«, daß sich der verdächtige Motorradfahrer, der sich bei Artlenburg hat über die Elbe setzen lassen und nach Berlin gefahren sein soll, bei der Polizei gemeldet hat, um sein Alibi nachzuweisen, haben sich nicht bewahrheitet. Bei der Polizei hat sich bisher dieser Motorradsahrer noch nicht gemeldet. Per- Ichiedene Personen wollen allerdings einen Motorradfahrer mit der Erkennungsnummer„I S" gesehen haben, sie vermochten jedoch keine positiven Angaben zu machen, die der Polizei irgendwelche näheren Fingerzeige geben. Strakantrag der Reichswehr. Berliner Blätter hatten im Zusammenhang mit den Bomben- atten taten Gerüchte veröffentlicht, wonach gewisse Beziehungen der— bisher unbekannten— Attentäter zu R e i ch s w« h», besonders zu Marine st ellen beständen. Wie der Reichswehrminister jetzt mitteilt, sind diese Behauptungen völlig aus der Luft ge- griffen? Beschuldigungen. Er hat deshalb gegen«in Berliner Abendblatt und gegen das Kommumstenorgan St r a f a n- trag wegen Beleidigung der Reichswehr gestellt. Aitio fährt in eine Kinderschar. Dresden, 7. September. Am Freitag nachmittag überschritt ein Lehrer aus Hermsdorf mit seiner Schulklasse den Pirnaischen Platz in Dresden. Trotzdem die Straße von dem Derkehrsposten für die Fußgänger freigegeben war, fuhr ein Personenkraftwagen in die Schul- linder hinein. Vier Kinder gerieten unter den Wagen, zwei von ihnen erlitten schwer« Verletzungen und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Neues Funkhaus am Ausstellungsgelände Auf der Funkausstellung, die heut« abend ihre Pforten schließen wird, ist auch das interessante Mo- dell des künftigen Funk- Hauses zu sehen, das wenige Schritt« weiter am Scholzplatz nach dem Entwurf von Professor Poelzig bereits in natürlicher Größe aus dem Boden zu wachsen beginnt. Ein gewaltiger Gebäudekom- plex in Dreiccksform wird einen geräumigen Hof umschließen, in dem die großen Senderäume ihren Platz finden. Reichsrund- funkgesellschaft, Berliner F u n k st u n d e und Deutsche Welle, die infolge der Ber- größerung des Betriebes mit den alten Räumen nicht mehr auskamen, werden hierher spätestens bis zum 1. Januar 193! übersiedeln. Nach den neuesten Ersahrungen in der Akustik werden die großen Senderäume, die Räume für Borträg« und Konzerte gestaltet. Die in der letzten Zeit beim Bau der Mllnchener Sendegesellfchaft erprobten Forischritte werden natürlich verwertet, sämtliche elektrischen Leitungen werden abgeschirmt, damit sie nickt die Sendeleitungen beein- flussen. Im obersten Stockwerk wird ein Rundfunk-Museum aufgemacht, das täglich bei freiem Eintritt geöffnet sein wird. Ein umfangreiches Archiv und ein« reichhaltige Bücherei wird Interessenten zur Verfügung stehen. Paternoster-Auszllge werden die vier Stockwerke miteinander oerbinden, Erholungsräume und ein großer Dachgarten sind für die Angestellten vor- gesehen. Der alte Funkturm wird nur noch eine Rolle als Aussichtsturm spielen. Ein gutes Modell des umfangreichen neuen Funkhauses mit seinem Lichtreklameturm und Garagen ist aus der jetzigen Funkausstellung zu sehen. von A.Mfrey. Copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A-Gs Berlin Sonst tanzt immer der andere: mir auf dem Kopf herum, denkt er zornig. In zornigem Spaß fuchtelt er mit der Gerte zu seinen Sprüngen, deren Formen er immer kecker erfindet. Während er so die Runde seiner Zuschauer austanzt, schlägt er dem einen und anderen Mann haarscharf, mit der ungehemmten Sicherheit des Alkoholisierten, die Mütze vom Schädel— bis er, bei einem allzu kühnen Pas, die eigene verliert. Von der Mannschaft will keiner zugreifen, sie meinen wohl, es gehöre zum Theater, aber von den Herren will gleich ein halbes Dutzend herbeischießen. jedoch der Alte, bleibend in Bewegung, kreischt ihnen entgegen„liegen lassenl"— und sie müssen sich zurückziehen. Er macht nun wirklich ein Theater aus dem kleinen Unfall, improvisiert eine Episode— aber sie mißlingt leider. Es ist wie immer: der Adjutant soll recht behalten und siegen. Pummer will tanzend, federnd in die Kniekehlen schnappen, um die Mütze vom Boden aufzuraffen, aber die Situation wird zu seinem Erstaunen so, daß er neben leine Mütze zu sitzen kommt. Obendrein in eine der wenigen tiefe- ren Drecklachen, die von der warmen Frühlingssonne noch übriggelassen sind.. � Auch jetzt springt der Hannes nicht zu. Glaubt er immer noch, es gehöre zur Gaudi? Möglich: er glaubt wohl nicht daran, einem Regimentskommandeur könne so etwas wider seinen Willen zustoßen. Aber der Adjutant greift dem Herrn unter die nassen Ellbogen. Denn Pummer bleibt liegen, wohl mehr au- Ber- wunderung. als aus mangelnder Beweglichkeit. Dann steht er wieder, verspürt klar, wie er von all den Seinen, allen Offizieren verlassen ist— und beginnt schallend zu lachen, hinüber zu den Soldaten, die schallend erwidern. Welch ein Viech mit Haxen, dieser Kommandeur, ein Ur- viech, ein gemütliches!— Das Lochen jubelt vor Respettlosig- keit, Pummer hört deutlich das allzu Brüderliche des Tones heraus— und er bricht jäh ab. Er bricht ab und geht sehr aufrecht und schnell, wenn auch abermals in ungewollten kleinen Bögen, ins Haus zurück. Vom Hosenboden, den der elegante kurze Waffen- rock freiläßt, trieft das Schmutzwasser der Pfütze. Die Musik spielt unentwegt den Donauwalzer. So ist Oberstleutnant von Pummer von der Front in die Etappe getanzt. Er wird ersetzt durch einen unsympathischen Herrn, einen kalten Streber,«inen kalten Gamaschenknopf mit glatter, un- gesund zarter Gesichtshaut und einem Zwicker vor den ver- kniffenen Augen— der nur Majorsrang hat. denn die höhe- ren Chargen, die im Felde mitmachen wollen, fangen an, rar zu werden. Dafür aber, und wie zum Ausgleich, ist der Nachfolger des widerborstigen, hin- und herschnellenden Lipp ein lang- samer, bärbeißiger, im Grunde gutmütiger alter Kasten: der Oberarzt Huckl. ein Bauerndoktor aus Schwaben. � Daß er. obwohl zehn Jahre älter als Lipp, noch nicht Stabsarzt ist, rührt daher, daß Lipp bis nah an den Krieg heran aktiver Militärarzt und dadurch in der Karriere voraus war. während Huckl schön brav die Stufen der Reserve durchstiefelt hat. „Sie sind ja gut eingearbeitet, Funk," sagt er.„Wisien Sie. die Melderei, die ist nicht meine Leidenschaft. Da will ich Ihnen gar nichts dreinreden. Machen Sie das, wie Sie es für nötig halten, aber machen Sie möglichst wenig. Wir wollen die Soldaten kurieren, damit wir den Krieg sicher gewinnen, aber wir wollen die Aktenstöße der Herren Etapvenärzte nach Möglichkeit nicht vergrößern." Er war rechtschaffen und dumm. Er glaubte immer noch an das siegende Deutschland. Er hielt sich eine Zeit» schrift, die die Ziele der Alldeutschen vertrat und propagierte. In einer bescheidenen Kammer sitzend, er bevorzugte die ein» fachen Unterkünfte, las er zum Qualm seiner Bauernpfeife mit ingrimmigem Fleiß die anmaßenden Forderungen, die da an Europa gestellt wurden— er, der persönlich bescheiden und schlicht war. Aber es muß wohl so gewesen sein, daß ein unerschütter- liches Vertrauen in das Rechtmäßige der Postulate jener Herren ihn vollständig verblendete. Er brachte Funk diese einzige Lektüre, die er pflegte, und befahl:„Das lesen Sie, damit Sie wissen, warum wir die große, die schwere Zeit mitmachen, und wie sie belohnt werden wird." Im übrigen ließ er Funk in Ruhe. Er quengelte nie, schimpfte nie, tobte nie wegen irgendeines Rapportes, der nicht zusammenging, verspätet abging oder ganz unterblieb. Er war ein aufrechter Mann.„Der Divisionsarzt soll mal auf dem Verbandplatz arbeiten, bei der nächsten Gelegen- heit, wenn's wieder sakrisch viel zu tun gibt. Da wird er das Nebensächliche der Tintenkleckserei einsehen." Herr Oberarzt, hier wär' gleich etwas, das den Herrn Divisionsarzt betrifft und von ihm kommt:«in Befehl, daß in Zukunft unsere zehntägigen Krankenrapporte weniger Hautleiden verzeichnen müssen." „Stimmt denn die Zahl nicht, die Sie angeben? „Sie stimmt." „Ich versteh' nicht. Und wieso—?" „Der Divisionsarzt teilt mit. dem Herrn Korpsarzt, an den er ja die Meldung weitergibt, falle unangenehm auf, daß unser Regiment eine höhere Zahl von Hautkranken zeigt als die beiden anderen der Division. Er soll wohl eine Er- klärung dafür geben— die er nicht weiß. Er verlangt des» halb, daß wir unsere Zahlen anders verteilen. Etwa so: weniger Haut, dafür«in paar Darm und Brust mehr, wobei jedoch die Gesamtsumme der Erkrankten nicht über eine gc- wisse Höhe hinausgehen darf." Huckl dampfte dicke Wolken.„Also ein frisierter Rapport? Gibt's bei uns nicht, Funk. Schau die Gesell- schaft an. sie oerlangt auf gut Deutsch, daß wir schwindeln. Man muß ihnen alles schwarz auf weiß zurechtschmteren, und dann soll man's obendrein fälschen? Wir schreiben unsere Zahlen, wie sie sind. Und wenn es dem Divisions- arzt nicht recht ist, dann red' i ch mit ihm."— Wohin— in welch abgrundtiefe Versenkung war Lipp entschwunden! 28. M�ricourt ist— Funk hat es eines Tages erfahren— bald nach ihrem Abzug in Grund und Boden geschossen worden. Auf solche Weise hat der Frühling dort Einzug gehalten. Der Engländer versuchte vorwärts zu kommen und streute mit vollen Händen, aus dem Reichtum seiner Mittel, Granaten aus. Kein Stein ist auf dem anderen geblieben, und viele sind umgekommen. Funk glaubte später zu wissen, wer. Hatte man ihm Namen und Schicksale wirklich berichtet, oder hat sein gequältes Hirn sie sich zurechtgelegt? (Fortsetzung folgt.) 3)mWoMlahrislorwm in Brandenburg Dem Andenken Friedrich Eberls geweiht Lei der Jahrtausendfeier Brandenburgs wurde gestern der G r u n d st e i n für ein neues großes Hallenschwimmbad gelegt. Es ist ein Teil des Wohl» fahrtsforums, das neben diesem Schwimmbad auch einen Turnhallenbau, ein großes Gemeindeschulhaus und das Verwaltungsgebäude der Ortskrankenkasse umfassen wird. Der Magistrat hat einmütig beschlossen, das Schwimmbad nach dem ersten Präsidenten der deutschen Republik, dem so früh verstor- benen Friedrich Ebert, zu benennen. Bei der Feier der Grund- steinlegung wies Bürgermeister Pta- witz darauf hin, daß E b e r t s Lebenswerk dem Wohle des Voltes(jalt, und daher diese dem Wohle des Voltes dienende Anstalt seinen Namen tragen soll. Hammer- schlüge zur Grundsteinlegung tat an erster Stelle die verwitwete Gattin Friedrich Eberts, danach im Auftrage des preußischen Wohl- fahrtsministers der Justizminister Dr. Schmidt, im Auftrage des preußischen Innenministers der Staitssetretär A b e g g, weiter die Vertreter der städtischen Körper- schaften. Dann folgte die Ein- weihung der neu gebauten Langen Brück«, die eine Verbindung zwischen Altstadt und Neustadt ist. In Vertretung des preußischen Innenministers vollzog Staatssekretär Abegg die Weihe der neuen Brücke;„Iahrtauscndbrücke* soll künftig ihr Name sein. Ein Wagenzug der Straßenbahn, mit jubelnden Kindern besetzt(Brandenburgs Kinden hatten an diesem Tage schulfrei) fuhr als erster über die Brücke und durchbrach das sperrende Band. Ihm folgte ein langer Wagenkorso, an der Spitze dieFeuerwehr, die Po st und der Arbeiter-Samariter- bund, hinter ihnen die Wagen großer Betriebe der wichtigsten Gewerbezweige, die in Brandenburg ihren Sitz haben. Dicht« 3)as„ITohlfnhrlsfonim' der Sladl Sirandenburg nach feiner&ert1gfteUung Menschenmassen bildeten Spalier. Die Bevölkerung ganz Branden- burgs schien auf den Beinen zu sein. Glückwunsch des Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident sandte der Stadt Brandenburg das folgende Handschreiben:» Der Chur- und Hauptstadt Brandenburg sende ich zu ihrer Tausendjahrfeier meine herzlichsten Glückwünsche und Grüße. Mägen der Fleiß und die Tatkraft ihrer Bürger die alte preußische Stadt einer gesegneten Zukunft, würdig ihrer Vergangenheit, entgegen- führen. Von Hindenburg. Kältewelle in den Vereinigten Staaten. Temperatursturz um 30 Grad. Jtem Jork. 7. September. Aus die unerträgliche Hitze der letzlea Tage ist nunmehr eine von Südwesten nach dem mittleren Westen fortschreitend« kälte- welle gefolgt, die innerhalb von zwei Tagen Temperatur- Veränderungen von etwa 30 Grad Celsius gebracht hat. Au» dem Staat Wyoming werden zahlreiche Sch n e e- stürme gemeldet. In einigen Gegenden ist dort l 4 Zoll Schnee gefallen. Auch in Nebraska herrschen Frostlemperaluren. Temperatursturz im Zttesettgebirge. Hirschberg. 7. September. Aus dem Riesengebirge ist die Temperatur in den letzten 24 Stunden u in etwa 20 Grad gefallen. Auf der Schneekoppe war in der letzten Nacht ein Grad Kälte bei leichtem Schnee- fall und Graupeln. Auch Rauhreif und Glatteis zeigte sich auf dem Koppenkegel. Heute vormittag ist die Temperatur wieder gestiegen. Internationale Tagung der Kleingärtner. Im Essener Saalbau versammelten sich die Teil- nehmer der Internationalen Tagung der Klein- gärtnerverbände. Außer den deutschen Abordnungen waren etwa 40 Vertreter von Kleingärtneroerbänden aus Oesterreich, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Holland, England, Dänemark, Schweden, Finnland, Polen, der Tschechoslowakei, der Schweiz und Italien erschienen. Unter den Ehrengästen bemerkte man u. a. den preußischen Wohlfahrtsminister H i r t s i e f e r, Verbandspräsident Happ und Oberbürgermeister Bracht, Essen. Minister Hirtsieser überbrachte die Glückwünsche der Reichs- r e g i e r u n g, des Landes Preußen und des Siedlungsoerbandes Ruhrkohlenbezirk. Oberbürgermeister Bracht erinnerte an die Ver- dienste der Städte und Gemeinden um die Förderung des Klein- gartenbaues. Rektor Fischer führte als Vertreter des, Deutschen Kleingärtner-Reichsvcrbandes aus, der Kleingartenbau sei«in vor- zügliches Mittel, Menschen der verschiedenen Berufsklassen einander näherzubringen. Nach Erstattung des Geschäftsberichts, der die Auf- niärtscntwicklung des deutschen Kleingartenbaues widerspiegelt, hielt Ministerialrat Dr. Kaisenberg, Berlin, einen Vortrag über:„Die Rechtsgrundlagen des Kleingartenwesens'. Zukunft das Zusammenleben zu erleichtern. Man be- schuldigte keine der fremden Möchte, sondern oersuchte, die Fehler- quellen im eigenen Lager zu entdecken. Der Mandatsmacht sprach man das vollkommene Vertrauen aus, besonders nach der großen Rede Ramsay Macdonalds in der Völkerbundsvoll- Versammlung. Zionistische Jugend für Frieden. Die beiden Versammlungen der jugendlichen Z i o n i st e n in Haoerlands Festsälen verliefen bei überaus starker Beteiligung in vorbildlicher Solidarität. Aus allen Reden sprach zwar die tiefe Erschütterung über die letzten Vorgänge in Palästina, aber auch der Wunsch, durch systematisches friedliches Zusammenarbeiten in Die schwere Explosion tn Tiefensee. Wie die Lokomobile in die Lust flog. Wriezen, 7. September. lieber das ungewöhnlich schwere Cxplosionsunglllck aus dem G u l Tiesensee bei wriezen. über das wir bereits kurz Im„vorwärts" berichteten, werden nunmehr folgende Einzelheiten bekannt. In der Nähe einer Scheune des dem Besitzer de Gruyter ge- hörenden Gutes Tiefensee waren einige Arbeiter mit Dreschen von Getreide mit einer Lokomobile beschäftigt. Mit der Lokomobile verbunden war ein« Strohpress«, die anscheinend nicht richtig funktionierte, so daß die Lokomobile nicht schnell genug laufen konnte und der Dampfdruck andauernd stieg. Schließlich warf der Maschinist Franz Kaldowjky aus Tiefensee mit den Worten„ich kann's nicht mehr halten" den Treib- riemen von der Maschine und oersuchte in seiner Angst, den zu hohen Dampfdruck durch Eingießen von Wasier in die Felierbuchse herabzumindern. Hierdurch erfolgte eine gewaltige Explo- sion, die die ganze, etwa 120 Zentner schwere, Loko- mobile hoch hob und von der Stelle, wo sie stand, etwa IS bis 20 Meter weit fortschleudert«. Der ebenfalls 100 Zentner schwere Dreschkasten wurde einig« Meter weit fort- geworfen. Vorder- und Hinterwand der Lokomobile wurden heraus- gerissen, und Sprengstücke flogen weit im Umkreis umher. So wurde z. B. der etwa zwei Zentner wiegende Ueberhitzer soweit von der Unglllcksstelle fortgetragen, daß er bis jetzt nicht aufzufinden war. Von den an der Lokomobile beschäftigten Personen wurden der Maschinist Franz Kaldowsky, die unverehelichte Eva Kuhnert und der Kriegsinoalide Reinhold Schröder außerordentlich schwer verletzt. Kaldowsky, mit dessen Auf- kommen kaum gerechnet werden kann, geriet unter einen sortge- schleuderten heißen Eisendeckel der Lokomobile, wodurch ihm d i e ganze linke Körperseite schwer verbrannt wurde; außerdem trug er schwere innere Verletzungen davon. Der Invalide Schröder erlitt«inen Oberschenkelbruch, Eva Kuhnert schwere Gesichts- und Armverletzungen. Etwas leichter verletzt wurden die Arbeiter Lachmann, Hayer und Paulinsky. Ferner trug ein« Anzahl weiterer Personen leichtere Schrammen und Risse davon. Ueber die Schuldfrage kann vor Abgabe der amtlichen Untersuchungsergebnisse noch nichts gesagt werden. Die Schwer- verletzten wurden in das Auguste-Viktoria-Heim in Eberswald« übergeführt. Tsg der Schiffskaiaflrophen. HiobSposten aus Finnland und von der Ostsee. Helsingfors, 7. September. Ueber eine furchtbare Schiffskatastrophe wird aus dem Seengebiet von Tammerfors berichtet: Ein Dampfer mit 100 Passagieren an Bord ist in der Nähe des Ortes im Sturm gekentert und binnen einer Minute gesunken. Man fürchtet, daß mindestens 80 Personen den Tod in den Wellen des Sees ge- fanden haben. Eine weitere Meldung klingt sogar noch trüber. Sie lautet: Zn der Nähe des Hafens von Tammerfors aus dem See N a e s i- jaervi ist Freitag nachmittag der Dampfer„Kuru" gesunken. 150 Menschen sind dabei ertrunken. SO Fahrgäste und ein Teil der Besatzung wurden gerettet. Unker den Ertrunkenen sind zahlreiche Schulkinder, die sich für Sonntag aus dem Wege nach Hause befanden. Das Dampferunglück ist das schlimmste dieser Art. das sich in Finnland je ereignet ha«. Das Ltnglück auf der Ostsee. Ein dänischer Dampfer gesunken. Danzig, 7. September. Der 3500 Tonnen große dänische Dampfer„D a n", der gestern nachmittag mit ZS Mann Besahung und 3200 Tonnen Kohlenladung den Danziger Hasen verlassen hat. um nach helsingfors zu dampsen, soll gesunken sein. Heute früh 4 Uhr trafen kurz hintereinander drei SOS-Rufe von der„Dan" ein, die darauf schließen ließen, daß sich das Schiff in höchster Seenot befand. Auf die Funksprüche um Angabe der näheren Position hat der Dampfer nicht mehr geantwortet, io daß angenommen werden muß, daß er gesunken ist. Ein von der Marinestation Pillau mit der Suche nach dem vermißten Dampfer betrautes Torpedoboot hat ebensowenig wie das von Warne- münde aus aufgestiegene Flugzeug eine Spur des vermißten Schiffes finden können. Es wird die Vermutung ausgesprochen, daß der Dampfer bei Gotland a u f e i ne M i n e g e l a u f e n ist. Das Ltnglück von Veichenberg. Liegt Fahrlässigkeit vor? Reichenberg. 7. September.(Eigenbericht.) Das furchtbare Straßenbahnunglück der üeschkeulini«, wobei e» drei Tote und 21 Berlehte gab. hat meist Arbeiter. Frauen und Kleinhändler getroffen, die ihre waren nach der Stadt bringen wollten. Die Rettungsgesellschafl arbeitete hervorragend und halte eine Stunde nach dem Vorfall sämtliche Verletzte in Spitalspslege gebracht, wo ihnen sechs Aerzte Hilfe leisteten. Bei der Abfahrt de» wagen» hat der Anterfchafsner dem Ober- schasfner gesagt, daß der wagen nicht fahren dürfe, da er nicht für die Zeschkenlinie geeignet sei. Daraufhin habe der Oberschoffuer erklärt, er werde doch fahren._ Oer Mörder des Ehepaares Hummel. Innsbruck, 7. September.' Als Täter des Mordüberfalles auf den Schul direktor Ludwig Hummel und seine Ehefrau, das am 19. Juli in der Näh« von Brandenberg ermordet aufgefunden wurde, kommt nun- mehr«in Bauernbursche aus dem Unterinntale namens Michael Stern in Frage. Der Mörder befindet sich bereit» wegen einer anderen Straftat in Haft. Vorsicht, Kreuzottern! Anton fängt euch! Ein Rekordfänger von Kreuzottern ist der 18 Jahre alte Anton Pantak in Paletsch bei Millejchau in Böhmen. Er sing an einem Nachmittage 14 Kreuzottern und hat beim Gemeindeamt« bereits innerhalb einiger Tage 09 Kreuzottern abgeliefert. Die«bliche Schlägerei. Kurz vor 21 Uhr ist es zwischen der Babelsberger und Prinz- regenten-Straße zu Schlägereien zwischen Kommunisten und Haken- kreuzlern gekommen. Polizei ist eingeschritten. Die erkrankten Fenerwehrlente. Di« bei dem Großfeuer in der Wiebestroße an Rauchvergiftung erkrankten Feuerwehrleute, der Brandmeister G r o l l m u s und die Feuerwehrleute K o r k o w und M a tz k e sind noch weiterhin dienstunfähig. Ihr Zustand hat sich aber wesentlich gebessert, es besteht keinerlei Gefahr mehr. Grollmus ist Parteifreund von uns. Allen drei Männern wünschen wir rasche Genesung. Der Reichsverband Republikanischer wotorradsahrer, Orts- gruppe Berlin, beteiligt sich am Sonntag, dem 8. September 1929, an der Einweihung des F r i e d r i ch- E b e r t- D e n k in a l s in Templin(Uckermark). Die Mitglieder treffen sich um 8 Uhr vormittags auf dem Berliner Schloßplatz und werden über Alexanderplatz, Prenzlauer Allee, Buchholz, Schönerlinde, Wandlitz. Zerpenjchleufe, Groß-Schönel'eck nach Templin fahren, wo sie etwa gegen 11 Uhr am Rathaus eintreffen werden. Dort beteilig! sich die Organisation an der Einweihung des Denkmals, die durch den Ministerpräsidenten a. D. Stelling vollzogen wird. Um 5 Uhr erfolgt die Rückfahrt auf derselben Strecke wie die Hinsahr». onopo chinesische m Wortz.cres.ae ■Federn----- Pfd.M. 3.eo ■Halbdaunen Pfd.M.S.io Daunen----- Pfd.M. 3. so echt chinesische UM Worte. ges.ges ch. „Monopol" ist die Bezeiehnung für besonders preiswerte u. tlauer- ÖofteSettfeClem u.Ttaunendiinesisch. Ursprungs. Meine Firma hat die Iii. vorxilgllcften Higensc&aften dieser Beti federn vor Jahrzehnten er- Sl jl£jl j 1 Pf| Pl hanni und diese Erkenntnis zum Besten des Publikums verbreitet. Der Erfolg■ QUQl I zahlreiche Aneiltennungen und ständige Weiterempse&lung.$1 I(5UStCLV insu lSl�r6ismarch-y 40000 haben Klingenberg besichtigt. Besucher aus allen Weltteilen. Seit di« Bewag den ersten Grundstein für dos Großkraftwerk Klingenberg gelegt hat, ist diesem Werk fowohl während seiner Erbauung als auch nach der Inbetriebnahme von allen Seiten das regste Interesse entgegengebracht worden. Besser als Wort« beweist dies eine B e s u ch e r st a t i st i k, die seit Inbetriebnahme des Groß- kraftwerks im Mai 1927 geführt wird, hiernach betrug die Zahl der Besucher im Großkraftwerk Klingenberg im Jahresmittel unae- fähr 4 5 Besucher pro Tag. Insgesamt konnten über 40 000 Besucher gezählt werden. Wohl ziemlich alle prominenten Vertreter der Weltwirtschaft und der dami« zusammenhängenden kam- merz>ellen und industriellen Verbände haben die Anlagen besichtigt. In der Reihe der Prominenten des Zluslandes finden wir Namen wie Lord L i n d f a y, den englischen Botschafter, Präsident King von der Republik Liberia. Dr. D u a n, chinesischer Unternchtsmini- ster, König Amanullah, Exzellenz Bahrcun. Kabinettschef des Königs von Persien und viele andere mehr. Neben Vertretern der deut- swen Staats- und Kommunalwirtschaft, hervorragenden Partei- und Wirtschaftspolitikern sowie Künstlern und Gelehrten des In- und Auslandes sei aber besonders hervorgehoben, daß auch die breite Masse des Laienpublikums einen sehr hohen Prozentsatz der Be- sucherzahl stellt. Ein besonders reges Interesse wird von selten der technsschen Hochschulen, Universitäten und Mittelschulen den maschinellen und elektrischen Einrichtungen entgegengebracht. In neuerer Zert wird auch reges Interesse der an das Groß- kraftwerk angegliederten Frühgemüsezucht, in der zurzeit vornehmlich Gurken und Tomaten gezüchtet werden, entgegenge- bracht. Die Bewag sieht ihre vornehmste Aufgab? gegenüber den Besuchern ihrer Werke darin, nicht nur Eindrücke über die deutsche Ingenieurkunst zu vermitteln, sondern vor allem freundschaft- lich« Beziehungen zu pflegen, die zu regem und befruchten- dem Austausch von Erfahrungen auf dem Gebiete der Krosterzeugung und der Wärmewirtschaft führen. Wir leisten praktische Kulturarbeit. Die Wohnungsaussiellung des Bezirksamts Kriedrichshain. Franzosen und Deutsche Hand in Hand Heimkehr französischer Austauschschüler. Am Sonnabend vormittag reisten 63 franzilstsche Schüler, die sich während der letzten fünf Wochen in Berlin aufgehatten hatten, in ihre Heimat zurück. Es handelte sich hierbei um den Einzelaustausch junger Franzosen, die während ihres Aufenthaltes in Berlin bei Familien untergebracht waren, deren Söhne zum Teil bereit» an einem Austausch nach Frankreich teilgenommen hatten, oder die demnächst an einen solchen teilnehmen werden. Sie stammten aus den verschiedensten französischen Städten, unter anderem aus Pari» und Mar- s« i l l e. Während ihres Aufenthalte« haben sie industrielle Unter- nehmungen und eine Reihe öffentlicher Einrichtungen besichtigt. Dadurch wurde ihnen«in Bild deutschen Geistes, und Kulturlebens geboten, das dem besseren Verständnis deutschen Wesens dienen wird. Am Donnerstag bereits hotte Reichsminister Severing im Garten des Innenministeriums zu den jungen Franzosen gesprochen. Deutsch« und französische Zeitungen haben über seine zündende Rede berichtet. Genossin Helene Leroi, die Leiterin des deussch-französischen Schüleraustausches in Heidelberg, schreibt uns dazu: Als ich vor vier Iahren die ersten Versuche eines Schüleraustausches zwischen Deutschland und Frank- reich machte, stieß ich auf starken Widerstand. Mehr und mehr hat sich inzwischen die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß das Sichkennen- lernen der Jugend ein sehr wirksames Mittel zur Völkerverständigung ist. 1926 hatten wir nur SO deutsche und französische Schüler aus- getauscht. In diesem Jahre hat die von mir vor einigen Monaten neu gegründete Organisation schon weit über 6 00 Kindern die Möglichkeit verschafft, angenehme und lehrreiche Ferien im ehemals feindlichen Nachbarland zu verbringen. Von Jahr zu Jahr wird naturgemäß dies« Zahl steigen. Ich bin überzeugt, daß wir Grund zum Optimismus haben. Di« Bedingungen, unter denen wir im Jahr« 1930 arbeiten werden, sind andere, bessere. Wie- viel« Hemmungen und Beschränkungen werden zum Beispiel oer- schwinden, wenn erst der letzte französische Soldat in seine Heimat zurückgekehrt ist!! Die intensive Beschäftigung mit Austausch läßt auch hier ein Austauschschild vor mir erstehen: Abzug der f ran- züsischen Truppen und dafür Einzug französischer Kinder— Friedensboten!!_ Sonntag für die Arbeiter-Samariter. Wer kennt nicht die Arbeiter-Samariterkolonne Berlin, die im Interesse ihrer Mitmenschen täglich und stündlich überall da helfend eingreift, wo es erforderlich ist, sei es beim Wasserrettungsdienst in Soatwinkel. m den Frei- b ädern oder bei sonstigen Veranstaltungen. Ueberall sieht man sie sich in uneigennütziger Weis« betätigen. Hat die Kolonne doch mit ihren Mitgliedern im Jahr« 1928 in nicht weniger als 17 583 Fällen eingegriffen, getreu ihrem Motto: An jedem Ort, zu jeder Zeit, sind wir zur ersten Hilf« stets bereit. Die Arbeiter-Samariter Das Bezirksamt Friedrichshain, dessen rühriger Bürger- meister der Sozialdemokrat TN I c l i h ist, hat mit der Ausstellung .Die billige und schöne TBohnung" eine knilurelle Tat vollbracht, lieber die Eröffnung der Ausstellung, die unter der künstlerischen Leitung Prosessor» Spanoagels. des Leiter» der städtischen Tischlerschrle. steht, hat der»Vorwärts- bereits berichtet. 3« ganz besonderer Weise hat sich um das Zustandekommen der ver- anstaltung Genosse G e n s ch ve»3fent gemacht, der als unbesoldeter Stadtrat dem Dezernat für ll�'dung und Schulwesen im Bezirksamt Friedrichshain vorsteht. Erst wenige Tage ist die Ausstellung geöffnet, und schon sind Tausende von Besuchern durch die Bäume � gegangen. Sie kann für sich in Anspruch nehmen, der Prapagie- rnng einer wahren Wohnungskulwr der werktätigen Bevölkerung unschähbare Dienste geleistet zu haben. Die im Friedrichshain ver- anstaltele Schau ist nur ein winziger Teil der gewalkigen Arbeit, die die Sozialdemokratie an allen Stellen für die arbeitende Ve- völkerung leistet. Aber gerade dieser Teil unserer Arbeit ist von außerordentlicher Wichtigkeit. Zn den kommenden Wochen werden wir nicht versäumen, die Wähler auch aus die Erfolge dieses Zweiges sozialdemokratischer Gemeindearbeit hinzuweisen. Alles was an Wohn-, Eh-, Schlaf- und Küchenmöbeln in der Ausstellung gezeigt wird, entspricht den Bedürfnissen der großen Massen, das heißt, dem schmalen Geldbeutel und dem engen Wohnraum. Die Preislagen für eine Zimmereinrichtung bewegen sich etwa zwischen 400 und 800 M. Wichttg ist, daß all« Möbel auch einzeln gekaust werden können. Damit wird das System der»fertigen Zimmer-, wo der Möbelfabrikant vorschreibt, was zu einer»kompletten Einrichtung- gehören mußte, auch wenn man es gar nicht brauchen konnte, durchbrochen. Man kann also nach Dedarf und eigenem Geschmack selbständig kombinieren. Zwar sind auch 400— 800 M. noch eine Menge Geld, aber alles ist solide und anständig gearbeitet und kann mit Zahlung»«?- leichterungen erworben werden. Was gezeigt wird, hält im Rahmen der Preisgrenze bis auf kleine Entgteisrmgen ein hohe» Niveau. Neben privaten Firmen beteiligten sich besonders Haus- rot Gildenhall, Hausrat Sachsen, die Tischlerschule Berlin und vor ollem die Konsumgenossenschaft mit zahlreichen guten Proben. So zeigt der Konsum eine erstklassige Kücheneinrichtung für 360 M. Die Beteiligung der konsumgenossenschost ist besonder» erfrea- lich, well hier in der Tal eine große Ausgabe der Konsumvereine liegt: durch Schaffung moderner, gediegener Möbel zu billigen Preisen die Preisgestaltung zu beeinflussen und die Massen ans diese Weise vom Möbelspekulanten abzulenken und zur Hebung der Wohnungskullur beizutragen. Was zum Beispiel die(Be h a g rein ästhetisch mit ihren Siedlungen erreicht hat, könnte die Konsumgenossenschaft mit Möbeln erreichen, durch Entwürfe hervorragender Architekten und rationeller Massenherstellung. Und wenn der schöne saubere Rahmen des Neubaues noch wegfällt, dann braucht die H i n t e r h a u s st u b e erst recht ein« freundliche und zweckmäßige Einrichtung. Professor S p a n n a g e l hat sich bei seinen eigenen Schöp- fungen bemüht, einen Mittelweg zwischen der sich oft zu radikal gebärdenden»neuen Richtung- und dem»Althergebrachten- zu sin» den. Gleich gegenüber diesen Wohnräumen hat man als»Gegen- b e i s p i e l' ein Zimmer aufgebaut, das ein typisches eichenes Dutzend-Speifezimmer darstellt. Wobei man nicht ver- gessen darf, daß die schönen neuen, zweckmäßigen Möbel, wie sie in der Ausstellung gezeigt werden, weil billiger sind als die alten mit allem möglichen„Motiochen" versehenen Prunkstücke. Es ist erfreulich, daß die Ausstellungsleitung von Zeit zu Zeit auch Borträge veranstaltet, um den Besuchern zu sagen, welche Ge- danken bei der Zusammenstellung der einzelnen Räume bestimmend gewesen sind. Die Ausstellung ist bis zum 22. September in der Tischlerschule in der Straßmannstraß«(am Baltenplatz, in der Näh« der Frank- furter Allee) unentgeltlich von 10 bis 21 Uhr geöffnet. B e r- l i n e r(nicht nur ihr aus dem Friedrichshain), sie ist wert, daß ihr sie euch anseht! geizen nicht nach Ruhm und Ehre, sondern versehen in aller Still« ihre manchmal nicht leichten Arbeiten. Besonders an Sonntagen, wo sich alles an der Natur erfreut, steht der Samariter aus Wacht, um immer hetsend einzugreifen. Wenn der Samariter auch nicht auf Dank rechnet, so hofst er doch, daß man ihm die dazu notwendigen Mittel zur Verfügung stellt. Es wird viel gebraucht, um die Rot unserer Miknenfchen zu lindern. Darum ergeht die Bitte de« ASB. an die Berliner arbeitende Bevölkerung: spendet reichlich für den ASB., geizt nicht mit euren Spenden an den Sammeltag am 8. September 1929._ Charles schlägt Diener Ico. lleber 35 000 Besucher im Poststadion. Die gestrige Veranstaltung im Poststaksion war das größte boxsportliche Ereignis der letzten Jahre, das sogar die be- kannten Großkampftage im Sportpalast noch weit in den Schatten stellte. Der Andrang war ungeheuer. Etwa 35000 bis 40 000 Zuschauer hielten den Jnnenraum und die Tribünen besetzt. Ein großer Erfolg für den Veranstalter D a m s k i, dem anläßlich des Jubiläums seiner 25. Veranstaltung verschiedene Ehrungen zuteil wurden. Di« Organisation allerdings ließ mehr als zu wünschen übrig, und es kam zu recht unerquicklichen Szenen. In sämtlichen Kämpfen gab es harten und ausgezeichneten Sport. Das Haupttnteresse konzentrierte sich natürlich auf den Kampf um die Europa-Schwergewichtsmeisterfchaft. Pierre Charles hatte seinen Titel gegen seinen Herausforderer Franz Diener zu verteidigen. Charles wog 95,5 Kilo, während Diener nur 86,5 Kilo in den Ring brachte. Charles beherrschte den Kampf fast vom ersten Gongschlag an. Es war für Diener von Beginn an eine ziemlich aussichtslose Sache. Der Belgier war, man kann es ruhig sagen, um eine Kasse besser. Diener mußte unheimlich vi«! einstecken, von der 7. Runde an war der Kampf für ihn bereit» offensichtlich verloren. Di« 9 Kilo, die Charles mehr mit in den Ring brachte, und vor allen Dingen feine überlegene Reichweite waren für seinen Sieg mit ausschlaggebend. In der(9. Runde nmßte Diener dreimal zu Boden, nur der Gong rettete ihn. In der 1§ Runde kam dann das Ende. Gleich zu Beginn wurde Diener noch völlig groggy durch einen Rechten über die Zeit zu Boden geschickt. Diener hat einen heroischen Kampf ge- liefert, einem Charles konnte er aber niemals gefährlich werden. In den Rahmenkämpfen siegt« S ch ö n r a t h(87,5 Kilo) über Maurer(86,5 Kilo) hoch nach Punkten. Der Italiener I a c o- vazzi(72,3 Kilo) und Hartkopp(71,4 Kilo) trennten sich nach einem flotten und schönen Kampf unentschieden. Der rückständige Schlachthof. Er muß modernisiert werden. In der jüngsten Versammlung der im Verband der Nahrung»- mittel- und Getränkearbeiter organisierten, in den Engros- schlächtereien und Nebenbetrieben beschäftigten Gesellen refe- rierte der Stadtarchitekt Stadtverordneter L em p ert über da» Thema»Der Berkner Städtssche Schlachthof in Gegenwatt und Zukunft-. In dem außerordentlich instruktiven Referat bezeichnet« der Bor- tragend« die Aufgabe, den Berliner Schlachthof modernen Anforderungen entsprechend umzuge st alten, als ein Problem, dessen Lösung durch die neuen Bauprojekte ein gut Teil oorwätts geschritten sei. Bor allem sei notwendig, viel unproduk- tive Arbeit, die zurzett infolge der o er a l t e t e n Anlagen ge- leistet werden muß, auszuschalten. In ausführlichen Darlegungen beschäftigte sich der Redner mit den neuen Bauprojekten, vornehmlich dem Rinder- nnd Schweinehochschlachthaus, welch letzteres es ermöglichen soll, an einem Arbeitstag« 10 000 bis 20 000 Schwein« zu schlachten, während die heuttge Höchstgrenze bei den veralteten Anlagen ttwa 3500 bis 4000 bettägt. Bei den Neubauten soll in dieser Beziehung, dank de- fortschtttt- lich sozialistischen Gesstes der Stadtverwaltung, Abhilf? geschaffen werden. Auch an die Schaffung schnellster ärztlicher Hilfe bei Unfällen ist gedacht. Di« Diskussion unterstttch die Ausführungen des Vottragenden durch Forderungen, die sich hauptsächlich mit der unmenschlichen Arbeiteausbeutung in den Lorottschlachthäusern beschästigen, wo hinler verschlossenen Türen Tag und Rachl gearbeitet wird, trotz großer Arbeitslosigkeit unter den Engroßfleischergeselln. Strengst« Kontrolle durch die zuständigen Gewerbeaufsicht-ämter ist zu fordern. Ferner wurde bemängelt, daß bei den neuerbaulen Hallen aus dem Fleischgroßmarkt für Aufenthalts-, Garderoben- und Wasch- räum« für die zahllosen beschäftigten Fleischereiarbeiter nicht gesorgt wurde. Abhilfe ist hier unbedingt zu schaffen. Man sollt« über- Haupt in allen einschlägigen Fragen auch Vertreter der Ar- beit nehmer hören. Eine Reihe Redner fllhtten Klage über das Aufsichtspersonol de» Magistrats, das in keiner Wels« dafür Sorge trage, daß die Anordnungen der Direktton betr. Schlacht- und Räumungsschluß und dergleichen befolgt werden. Hier müßt« sofott scharf durchgegriffen weiden und, falls keine Abhilfe erfolgt, die Oeffenttichkeit mobil ge- macht werden. Lesorxen Sie sieh Karten für die Modesehaa bei Kroll JDas schöne Kleid", am 16.-19. September, Preis 1.50 Mfc. (Tanzabend am 19. Septemb. 2.— Mk.), an meinen Kassen. COBDS DAS HAUS DER GÜTEN QUALITÄTEN BERLIN W 8, Leipziger Straße, Ecke Charlottenstraße Das Bn'her Fest der Arbeit. Republikaner, ihr seid eingeladen! Am heutigen Sonntag um VA Uhr veranstaltet die S P D> Britz aus dem Gesamtgelände der Grotzsiedlung ein großes Fest der Ai-beit. Das Programm sieht vor einen Fest�ug der Tausend, ein Festprogramm an dem von der Deutschen Bauhütte erbauten Turm der Arbeit, in dessen Mittelpunkt ein Sprechchor„Wir W e r k l e u t e all" steht. Darauf folgen Vorführungen der 17 am Fest beteiligten Verbände: Turn- und Ge- selligkeitsspiele, Musik- und Gesangsgemeinschaften, alte und neue Dolkstäntze, Spiele der Kinderfreunde, Zirkus, Siniultanschachfpiel und vieles andere. Bei einbrechender Dunkelheit wird ein Kinder- f a ck e l � u g überleiten j;ur Schlußkundgebung im Hufeisen. Das Hufeiseninnere wird während dieser S ch l u ß s e i e r durch rote Feuer taghell erleuchtet werden. Der Sprech- und Bewegungschor der Freien Gewerkschaftsjugend spricht das Chorwerk„Fa- briken", der Junge Chor singt, außerdem Fackelschwingen. Bon 12 Uhr ab finden Führungen durch die Siedlung statt. Alle Werktätigen Berlins, alle Freunde des Volkes sind ein- geladen und mit Frauen und Kindern herzlich willkommen. D SozjalistifcheArbLiterjllgendGr.-Verlin «ktnfendvnlieii für dies« NiidrN nur i Berlin<52068. OiNenstmir 5 da« ZugendsNreinrlnt Im Rahmen de» Ingendtage, am 15. September soll ein Propaoanbalaiis durch den Wedtina durch.iesllhrt weiden. Eeunssen tgute Läufer) kijnnen sich im Iugendselreiariat melden. Heule, Sonntag: Niederschöneweide: Treffpunkt aum„ssest der Arbeit" 12� Uhr Dahnho' Niederschöneweide.— Südwest: Wir beteiligen uns nrn„sscft der Arbeil". Treffvunit 1214 Uhr Velle-Allianee.Plnti.— Südweft-Sallesche, Tor: Wir treffen uns ,um..gest der Arbeit" in Zirih um 1214 Uhr am Lalleschen Tor. — Dahlem lRote galten): Besuch der SAI.. Ausstellung.— Tegel: Leim Bahn» hofstr. 15. Keimabend.— Schönhauser Vorstadt: Der angesehte Leimabend fallt aus.— Bnchhola: Besuch der Ausstellung.— Reukölln VI: Treffpunkt »um..iseft der Arbeit" in Brih pünktlich 1214 Uhr am Kohenaolleruplah. ssahnen und Transpareule nicht pergeffen.— Norden: Treffpunkt für die El» »ffnungsfeier im Sewerkschaftshaus um 1114 Uhr am Dinetaplvt,.— Pankow: Wir besuchen gemeinsam die Ausstellung„25 Jahre SAI." Treffpunkt 10 Uhr Mllhlen- Ecke Berliner Etrahe. Werbebezirk Neukölln:„liest der Arbeit" in der Siedlung Brih. Treff- Punkt 1214 Uhr Lohenaollernplah. Jahnen mitbringen. Werbebeairk Tiergarten: Treffpunkt aur Werbefahrt mit Rädern und aur Nugblai tverbreitung um 1414 Uhr im Kleinen Tiergarten. 1914 Uhr lseier- stunde im Jugendheim Lehrter Str. 18— lg. Wcrbebeairt Neukölln: Morgen. 91) Uhr. lehtes Ueben des Sprechchors im Leim Bergftr. 29. Alle Denofsen werde» gebeten, bestimmt au erscheinen. Morgen, Monkag, 18�- Uhr: Moabit l: Leim Waldenserstr. 20—21. sseierstunde anlählich des 2Sjährigen Bestehens der Soaialistifchen Arbeiterjugend.— Kalkplah l: Leim Sonnen» burger Str. 20. Werbeabend.— lvolkplsh II: Leim Sonnenburger Str. 20. Aus- spräche:..Wie werben wir?"— Luwannplah: Heim Scherenbergstr. 4. Vortrag: „Die politische Lage Amerikas".— Rotdosten II: Leim Danaiger Str. 62. Baracke 3. Bortrag:„Wie steht es in der Welt aus?"— Schönhauser Lorstadt: Leim Sonnenburger Str. 20. Bortrag:„(beschichte der SAI."— Lallefche» Tor: Leim Porckftr. 11. Bortrag:„Wirtschaft der Uraeit bis aur Markgenossenschall". — Charlotten bürg, Nord: Heim Olbersstrahe. Bortrag:„Iugendtage der Arbeiterjugend".— Baumsckulenweg: Leim Ernstste. 16. Werbebeairksabend.— Tempelhof: Lnaeum chermaniastr. 4— 6. Sprechchorvrobe im Leim um 20 Uhr. Werbebeairk Wedding: Heim Lorhingstr. 19. Lichtbildervortrag. Werbebeairk Schöneberg: Werbebeairtsoorstandsstüung im Leim Hauvtste. 15. Sleickiaeitig tagt die tzeitungskommifsion. Bolkstanakufus Ebersstr. 5n Süden mcisl heiler, und aui Tage mästig warm, im Norden, auch östlich der Elbe, Beirölkungszunahmc mit etwas Temperalurerhöhung. Herbstneuheiten bei Cords. Das Haus Cords, Leipziger Straße, wartet mit einer ganze.i Reihe von Stoffneuheiten auf, die in den kommenden Tagen das modische Bild aus der Straße und im Parkett stellen werden. Für die Nachmittags- und Abendkleidung beoorzugt man buntbedruckl« oder in sich gemusterte, weichfiießeiide Stoffe wie Velour-Chiffon inprime, Satin saconnä Metall, Lame goffre, Crepe Satin, Moire glatt und gemustert, Taft broche unu Georgette Lome. Mannigfaltig wie die Gewebearten sind auch die Farbtöne. Neben dem stets vornehm und apart wirken- den Schwarz sieht man sehr viel Gemustertes. Besonders schön wirkte ein schwarzer, weichfließender Moire mit buntem Streu- biumendessin, dann große und kleine Blalimusterungen auf braunem oder schwarzem Grund. Für das Straßenkleid und den dazugehörigen Mantel beherrscht braun in allen Farbtönen, angefangen vom zarten Beige bis zum kraftigen Schokoladenbraun den Modemarkt. Da- neben sieht man noch Flaschengrün und ein kräftiges Weinrot. Die Stoffe sind stork angerauht, aber sehr weich im Faden. Tweed, der engiiscbe, herrenortig« Stöfs, verschiedenanig in sich gemustert, Diagonal, Duoetin, Zcbii und Noppen sind die beliebtesten Mäntel- stoffe: für Kleider verwendet mon Woll-Frise, Crepe Granyo, Kasch- mir-Beloutine, Jersey-Trikot und Crepella. Die Forben der Kleider- stoffe korrespondieren oielfach mit dem Braun des Mantels, daneben sieht man auch noch sehr hübsche grüne, blaue und rote Farbtöne. Im 8irl»o Busch, Bahnhof Börfe, find viele fleifiiae Hände beschäftigt, um die Gala-Eröffnuna am Sonnabend, dem 14. September, abends 8 Uhr. vor. aubereiten. Die Rirkusfreunde wird es besonders interesstere», daß ein erst. kfafstaes Rirku-proaramm mit internationalen Weltartisten ausammengestellt ist. Als besondere Ueberraichuna hat auch der Zirkus Busch, den Reitverhältnissen entsprechend, die Preise herabgesetzt, so daß für jedermann ein Rirkusbösucki leicht erschwinglich ist. Verantwortlich für Politik: Richard Bernstein: Wirtschast:«. Klingelhöse»: Der»rkschastsdewegung: I. Steiner: Feuilleton: Dr. John LchikowsII: Lokale« und Sonstiges: Walter Trofa»: Anaeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Berlag®. m. b. L.. Berlin Druck: Vorwärts»?'"' druckerek und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin EW. 68. Lind, straßr 8. Hierzu 4 Beilagen und„Unterhaltung und Wissen". WeiSe Zäbne: Ghlorodont RTHE1M Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz 3n dieser Wocäe: 'ßisstelluM) Filz- Troiieur Kappe flott fiestickt neue Farben zweifarbig, Jlotte Form 90 Sso Jungmädchen- Hut Mt m. zweifarbiger S Filzgarnitur Filzglocke mit durchflochtener Garnitur A\J Filzkappe elegante Form, neuait.Schleier g ßjj jvj Damenhui vornehme Form a. Haarfilz '13* 50 Velours Hui vornehm ��,5� Damen-Hut � komb., große Kop weit,«r 7� Atefier-Hut elegant, Haarfilz 8 N 74 Kieiderhut aparte ä® Form, hanJ eaibeitet FilzgJodte lür Kinder«390 Backfisch-Hut- mit ßindgarnilur"ä1 75 Backfisdi-Hut• eieg. Aus.ührung V 75 3Jr. 421* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonntag, S. September 1929 Warum billigere Elektrizität? Massenkonsum verbittigt und schafft Wohlstand. Cs ist ein» alte Weisheit, daß die Herstellungskosten jeder Ware um so niedriger werden, je oollornmener die Maschinen bei der Produktion ausgenutzt werden. Es gibt aber kein Erzeugnis. dessen Kosten so stark von der Produktwns- und Derbrauchsmenge abhängen wie die elektrische Energie. Unterschiedliche Tarife. Der Berliner Stronwerbraucher zahlt für eine Kilowatt� stunde 16 Pfennig. Das Rheimsch-Westfälische Elektrizitätswert hat für die Haushaltungen zwei Tarife, einen für Lichtstrom, wobei eine Kilowattstunde 32 bis 38 Pfennig kostet, und einen für Kraft- ström, wobei der Preis für eine Kilowattstund« zwischen 8 und 9 Pfennig schwankt. Die Berliner Barortselektrizitätswerke, deren Versorgungsgebiet unmittelbar an das Berliner Stadtgebiet an- grenzt, nimmt 40 Pfennig f ü r L i ch t- und 30 Pfennig für Kraft- st r o m. In solchen Fällen, wo zwei Tarife bestehen, gilt in der Regel der Lichtstrompreis: die Berechnung nach dem billigeren Kraststromtarif hat zur Voraussetzung, daß ein zweiter Zähler eingebaut wird und auch sonst noch einige mit Kosten verknüpfte Installationen notwendig sind. Es gibt weiterhin in Deutschland zahlreiche Städte und Landgemeinden, wo der Stromtarif 30, 60 und noch mehr Pfennig beträgt: und im Durchschnitt kann für das Deutsche Reich wohl ein Preis von 50 Pfennig für eine Kilowatt- stunde angenommen werden. Es gibt aber andererseits i n- dustriell« Großverbraucher, denen vom Elektrizitätswerk die Kilowattstunde nur lnit 1K oder 2 Pfennig berechnet wird. Was ist eine Kilowakksiundc? Um die Ursache dieser unterschiedlichen Tarife zu verstehen, muß man sich über den Charakter der Maßeinheit(Kilowattstunde) zu- nächst klar werden. Eine Kilowattstunde ist, wie der Name besagt, der einstündige Gebrauch einer Leistung von einem Kilowatt. Die Grundeinheit der elektrischen Leistung ist das Watt, doch wird meistens eine größere Einheit benutzt: ein Kilowatt(KW), d. h. 1000 Watt. Zur Veranschaulichung ein Beispiel. Hat jemand eine ?0-Watt-Glühbirne und brennt diese Lampe 20 Stunden lang, so beträgt die verbrauchte Leistung 20 mal 50 Wattstunden, d. h. eine Kilowattstunde. Ein elektrischer Kocher, der inst 500 Wast arbeitet, braucht dagegen nur' zwei Stunden, um eine Kilowattstunde auf- zubrauchen. Unter ein-un Kilowatt muß man sich etwa eine Leistung von Vi Pferdestärken(PS) vorstellen, die ihrerseits viermal großer ist als die normale Menschenstörke. Ein Kilowatt ist somst rund fünfmal mehr, als ein erwachsener Mensch mit Hilfe seiner Muskeln und ohne jegliche Maschinen und Haistiwerkzeuge leisten kann. Der Preis einer Kilowattstunde setzt sich aus zwei Posten zusammen, sosern es sich um ein Dampfkrastwerk handelt, nämlich erstens um die festen Kosten, b. h. Verzinsungs- und Abnützungskosten der in Form von Maschinen, Leitungsnetzen ujw. gemachten Anlagen, zweitens um die Kosten für den Kohleverbrauch. Bei einem Wasserkraftwerk fällt dieser zweste Posten fort. Für die Abhängigkeit der Strvmljosten von der Größe des Berbauchs wählen mir ein Zahlenbeispiel, dos wir einer Abhandlung von Professor Windel entnehmen. Dampfkraftwerk feste Kosten je KW jährlich -- 174 Mk Ä 0 fi e n 1c KWh Feste Soften Äoljlciitoftcrt Zusammen Ziihrl. Bernchunz»- dauer in Eninden 300 1000 3000 6000 8760 in Ps. 58,0 17,4 5,8 2,9 2,0 rn Pf. 2,6 2,6 2.6 2,6 2,6 Pf. 60,6 20,0 8,4 5,5 4,6 Wasserkraftwerk feste Kost, je KW jährt—240 Mk. Kosten> e KWh (nur feste Soften) in Pf. 80,0 24,0 8,0 4,0 2,7 Wir sehen, wie vor allem beim Wasserkraftwerk, dessen ein- malig« Herstellungskosten höher liegen als die eines Dampfkrajt- werks, der Gsstehungspreis einer Kilowatifwnde schwankt, je nach- dem die Benutzungsdauer größer oder kleiner ist. Die in der letzten Zeile genannte Zahl von 8760 Stunden ist die höchstmögliche Benutzungsdauer. da ein Jähr eben nur 8760 Stunden zählt. Wie gesagt, handelt es sich hierbei nur um ein Bei- j p i e l. denn es gibt Kraftwerke, die mit wesentlich niedrigeren Sslbstkosten arbeiten. Wenn also ein Berliner Stronwerbraucher die Frage stellt, wie sich der 16-Psennig-Tarif der Bewag(ohne Grundgebühr) erklärt, so muß man zunächst einmal wissen, wie viele Stunden im Durchschnitt ein Kilowatt der«ingebauten Maschinenleistung aus- genutzt werden kann. Ein Elektrizitätswerk, das beispielsweise nur Stromabnehmer für Beleuchtungszwecke hat. wird einen sehr hohen Tarif haben, denn da elektrische Beleuchtung im allgemeinen nur in den Abendswilden verivandt wird, ist hier die Benutzungs- Möglichkeit der Anlage auf«inen Bruchtell der möglichen Ausnutzung beschränkt. Versorgt dagegen das Elektrizitätswert auch am Tage und in den Nachtstunden industrielle Unternehmungen und Verkehrsbetriebe mit Strom, so wird die Ausnutzungsmöglichkeit wesentlich besser und die Herstellungskosten wesentlich geringer sein. Stromerzeuger und-Verbraucher haben also beide ein starkes Inier- esse daran, daß die Maschinenleistung der Werke so ausgiebig wie möglich ausgenutzt, also der Stromverbrauch vermehrt wird. Eines der willigsten Mittel hierfür ist der vermehrte Elcktrizitäts- verbrauch in den Haushaltungen. Erkenntnisse nnd praktische ZNahnahmen. „Es kann gar nicht entschieden genug betont werden, daß in der westeren Steigerung des Absatzes für Haushalls- und ähnliche Zwecke das sicherste Mittel für die Verbesserung unserer Elektrizität»- Wirtschaft zu suchen ist." Diese wichtige Feststellung findet sich im Jahresbericht 1928 der Bereinigung der Elektrizitätswerke. Soweit diese Förderung durch Reklame betrieben werden kann, besteht gewiß kein Mangel. Die bekannte Parole:„Elektrizität in jedem Gerät" und die zahllosen Aufsordcningen an das Publikum, nur noch elektrisch zu kochen, zu heizen, zu backen und zu waschen, ge- nügen jedoch allein noch lange nicht. Ein Jndustriedirektor wies kürzlich darauf hin, daß zwar der elektrische B el e u cht u ng s< betrieb bei einem Stromtarif von etwa 50 Pf. noch Wettbewerbs« fähig sei, aber andererseits nicht zu bezweifeln wäre, daß der Großverbrauch im Haushalt nur dann der Elektrizität zufallen werde, wenn für Kochzwecke der Strom etwa zum Preise von 10 bis 12 Pf. und für Heißwasserbereitung für 6 bis 8 Pf. je Kilowattstunde abgegeben werden kann. Von den deutschen Elektrizitätswerken ist zivar nicht bekannt ein wie großer Bruchteil ihrer Stromabgabe in den Haushaltungen verbraucht wird: im Durchschnitt dürfte sich jedoch der jährlich«! Stromverbrauch je Haushaltung nicht mehr als auf 100 bis 150 Kilowattstunden belaufen. Ganz wesentlich höhere Ziffern finden sich in den Vereinigten Staaten. Hier stieg der durchschnittlich� Haushaltsverbrauch von 1925 bis 1928 bei den 41 größten Elek« trizitätsgesellschaften von 447 auf 507 Kilowattstunden je Haus« halt. Einzelne Gesellschaften weisen jedoch noch viel größer� Ziffern aus. Interessant ist es auch, auf welche Weife amerikanische Gesell-! schasten einen Mehrverbrauch an Strom zu veranlassen suchen. So, hat z. B. die Niagara Electric Service Corporation einen Tariß, wonach die ersten 60 Kilowattstunden im Monat mit 5 Cents (21 Pf.) berechnet werden, die nächsten 120 Kilowattstunden mit 4 Cents und jeder höhere Verbrauch mit 1,5 Cents. i Das Ziel der amerikanischen Elektrizitätsgejellschaften ist, eineq sogenannten„V o l l v« r b r a u ch" der Haushaltungen zu erreichen� der auf 7800 Kilowattstunden jährlich geschätzt wird. In einem solchen Haushalt würde dann tatsächlich jede Arbeit elektrisch, gemocht werden. Allein die Einführung elektrischer Plätteisen, Rost* I 22 Minuten' dauert ein Gang durch die große, sehenswert« Herbstausstellung�. „Dic schöne Gardine— Das schöne Bett" f i in meinem Hause Leipziger Straße 20/22.& Ich zeige Ihnen 63 neue Gardinemnodelle und zeitgemäß«, geschmacv+ J volle Stoffe, sowie deren neuartige vielseitige Anwendungsrnö gliche■? testen.< i Um den Besuch der Ausstellung recht lohnend zu gestalten und bist Besucher mit allen Einzelheiten vertraut zu machen, finden vom 9. bis 21. September von vormittags 9 Uhr bis abends 7 Uhr zu jeder halben und vollen Stunde Führungen statt. luiulutir Größtes Sonderhaus für Leinen und Wäscht Ldnäer- und Städtewappen alkr Erdteile in Gold- und SilherdrucJC: Die FREUDE des KURMARK-RAUCHERS ............................................. __' WWWC rq seinen,(Deister schon, selber ?v l' 1 also viel Reäens unSAuflisbens yunj&hersagens so rnandhßrSpraiWeax vw uirr Äie Gute einßrTQarel �Jebroebes Wfori IstjuL vuet � arw3 dodh�iL roGrugj I iülMflMK ßPEZIAL- MAZEDONEN-MISCHUNG SerGgarrfiE oer neuen, Gpochßl �(�aruin-2 Lobspmcfr öir oltegeit! ____ � Gf'chtsKc uui J&U* dem Bwchr vd �chrobttscb, fordern&c»KüR�/\RK„PRIVArpA)CKJLINOf.{o/mg PfiLwf ap parate, Kaffeemühlen mtö Ventilatoren bedeutet nach amerttant» jchen Berechnungen einen Mehrverbrauch von 200 bis 300 Kilowatt- stunden jährlich. Wie bei den amerikanischen Stromtarifen, die mit wachsender Stromabnahme sinken, elektrische Haushalts- gerate verwendet werden, zeigt z. B. die amerikanische Statistik, wonach im Jahre 1928 nicht weniger als 809 884 elektrische Wasch- Maschinen und 1049 686 elektrische Staubsauger abgesetzt werden konnten. Vermehrter Elettrizitätsverbrauch im Haushalt bedeutet nicht nur eine Entlastung der Hausfrauenarbeit. sondern zugleich einen volkswirtschaftlich großen Nutzen. Hier liegt akso noch ein dankbares Betätigungsfeld für die Elektrizitätswerke, auf die ß. die öffentliche Hand einen starten Einfluß hat, um durch vernünfttge Tarife den Elektrizitätsabsatz so groß wie möglich zu machen.— b- I�uhrsyndikai und Kohlenfriede. Oie Bergarbeiter sollen nicht mitreden. Der Direktor des rheinisch-weftfälischen Kohlensyndikats. Dr. H e r b i g, nahm auf einer Veranstaltung westfälischer Kohlen- Großhändler zu dem auch im Haag viel diskutierten Thema einer internationalen Kohlenverständigung Stellung. Bergrat Herbig wies bei dieser Gelegenheit auf das Wider- sinnige des verheerenden Konkurrenzkampfes auf dem Welttohlenmarkt hin, wobei die deutschen, englischen und polnischen Kohlenzechen den«uisländisäien Käufern weitaus billigere Kohlen liefern als ihren eigenen Heimatindustrien. Einen außer- ordentlich wichtigen Schritt auf dem Wege eines deutsch-anglifchen Kohlenabkommens stellten die von der Labour-Regiening in Eng- land eingeleiteten Syndizierungsmaßnahmen dar. Diese seien die unbedingte Voraussetzung für einen Weltkohlenfrieden. Man müsse sich von vornherein klarmachen, daß eine internationale Verständi- gung nur auf der Grundlag« von Kompromissen Zustandekommen könne. Wenn Dr. Herbig bei dieser Gelegenheit die von den B e r g- arbeiterorganisationen verlangte Beteiligung an den kommenden internationalen Verhandlungen zurückwies, weil dadurch der rein geschäftliche(!) Charakter der Weltkohlenverständigung gefährdet würde, fo wird hierüber noch ein Wörtchen zu reden sein. Jedenfalls werden weder die deutschen, noch die englischen Bergarbeiterorganisationen gewillt fem, sich bei den hoch bedeutsamen kommenden Verhandlungen ohne weiteres ausschalten zu lassen. Zu der im Haag erfolgten Neuregelung der Reparationskohlen- lieferungen, wonach England künftig 1,1 Millionen Tonnen an Stelle von Deutschland nach Italien liefern wird, bemerkte der Redner, daß der britische Bergbau sich von dieser Neuregelung eine Mehrbeschäftigring für 4000 Bergarbeiter verspreche. Allerdings werde die Freude an djescm rm Haag erzielten Erfolg in England durch die Befürchtung getrübt, daß der deutsche Bergbau sich einen Ersatz für diesen Absatzverlust oerschaffen und dement- sprechend den Weltmarkt erneut beunruhigen werde. Aus dieser englischen Befürchtung ergebe sich jedoch ein erneuter Antrieb sllr rasche Syndikatsbildung in England, die ihrerseits wieder die Bahn Ur.die Weltkohlenoerständigung freimache. «4>«loa........... Drückeberger. Oie Großbanken und der Frankfurter Skandal. Verschiedene von den deutschen Großbanken, deren Vertreter im Aufsichtsrat der zusammengekrachten Frankfurter All- gemeinen Versicherung nach dem Uyteil der Oeffentlich- keit völlig versagt haben, wollen sich jetzt offenbar vor den Folgen des Frankfurter Krachs drücken. So haben sie zuerst die englischen Gläubiger des Frankfurter Konzerns ersucht, ihrem so- genannten Stillhaltekonsortium beizutreten. Nach der strikten Weigerung der Engländer haben sich die Großbanken jetzt an die Reichsbank, das Reichswirtschafts- und das Reichsauhenministerium um Unter st ützung gewandt. Gestern haben bereits in Berlin Besprechungen im Reichswirt- schaftsministerium stattgefunden, die sich mit der Abwicklung beim Frankfurter Versicherungskonzern befaßten. Das Ziel der Großbanken bei diesen Verhandlungen ist offenbar, ihre Verant- w o r t u n g möglichst weitgehend von sich abzuwälzen. Daß die Banken mit diesem Vorgehen den deutschen Kredit im Auslande bestimmt nicht stärken, liegt auf der Hand. Gerüchte um Opel. General Motors sagen ja, Nüsselsheim sagt nein. Die ziemlich überraschende B« tri« b se i nschr ä n k u n ge n bei den Opel-Werken in Rüsselsheim haben zu den ver- schiedensten Gerüchten Anlaß gegeben. So wurde behauptet, daß die Tagesproduktion bei Opel auf 140 Wagen zurückgegangen sei, starke Arbeiterentlassungen stattgefunden hätten und daß die Verwaltung beabsichtige, zur dreitägigen Arbeitswoche überzugehen. Diesen Meldungen steht eine Nachricht aus New Jork gegen- über, die zweifellos von dem jetzigen Besitzer der Opel-Werke, der General Motors Co., ausgehen dürfte, daß die Opel-Werke in Rüsselsheim in absehbarer Zeit, also noch im Laufe dieses Jahres, mit einem neuen Kleinwagentyp herauskommen, einer 5/25-I'L-Jnnenltmousine, deren Verkaufspreis etwa 1890 Mark betragen soll. Diese Nachricht wiederum ist«m der Opel-verwoanng dementiert worden. Nun weiß ja die Oefsentlichteit, was von Dementis bei Opel zu halten ist. Wir erinnern nur daran, daß Opel Anfang des Jahres das Abkommen mit General Motors strikt dementierte, als der Ver- trag in seinen Grundzügen bereits fix und fertig war. Es wäre im Interesse der Oeffenttichkeit und ganz besonders im Jnter- esse der beunruhigten Belegschaft dringend zu wünschen, daß die Ver- waltung der Opel-Werke derartige Widersprüche so schnell wie möglich klarstellt. LlmsteNung bei den Deutschen Werken. Oer Nationalisierungsprozeß in Spandau beendet Die zu dem reichseigenen Niag-Konzern gehörenden Deutsche Jndustriewerk« A.-G, Berlin-Spandau, die m der Kriegszeit Heereslieferimgen in größtem Umfange aus» führten, haben jetzt das Kapital von 12 auf 24 Millionen herauf- gesetzt. Die neuen Aktien werden von der Viag Übernommen. Die Rationalisierung in den Spandauer Betrieben, in denen während des Krieges etneBelegschaft von 60 000 Mann beschäftigt war, ist jetzt endgültig durchgeführt worden. Da ein großer Tsil der Anlagen im Laufe des Krieges völlig planlos errichtet worden war und die vor zehn Jahren von heute auf morgen vorgenommene radikale Umstellung auf Friedensproduktton gleichfalls nicht planmäßig vor sich ging, so stellten sich einer Reorganisation der Betriebe ganz erhebliche Schwierigkeiten entgegen. Nach Abstoßung verschiedener unrentabler Produktionszweig« be- steht der Kern der jetzigen Betriebe aus einem Stahlwerk mst etwa 116000 Tonnen jährlicher Leistung und einem im letzten Jahr neuerstandenen Walzwerk, in dem fast ausschließlich für den Berliner Markt Stabeisen ausgewalzt wird. Außer dem Schmiede- und Preßwerk betrieben die Deutschen Jndustriewerk« die Fabrika- tion von Kraftfahrrädern(v-Rad), Landmaschinen und Schrauben. Während in den Jahren der Umstellung und Reorgani- sation die Spandauer Betriebe eine ständige Derlu st quelle waren, kann jetzt damit gerechnet werden, daß auch diese Betriebe künftig wieder rentabel arbeiten werden. Leichte Belebung des Arbeitsmarktes. Fast 4600 Arbeitssuchende in Verlin weniger. Nach dem Bericht des Landesarbeitsamtes Bran- d e n b u r g hat sich der Arbeitsmarkt in der Berichtswoche vom 26. zum 31. August in dem Bezirk Berlin-Brandenburg-Grenzmark er- freulicherweise etwas gebessert. Wie im Reich war auch aus dem Berlin-Brandenburger Arbeitsmarkt in den letzten zwei Wochen ein Stillstand und stellenweise sogar ein leichter Rückschritt ein- getreten. Wenn auch die Zahl der Hauptunterstützungs- empfänger nur um III Personen zurückging, so vermindert« sich doch die Zahl der Arbeitsuchenden um 4329 auf 212183 Personen. Hiervon entfalle» aus Berlin 160 629 Arbeitsuchende. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung betrug 108 332. wovon auf Berlin 88 383 entfallen. Dazu kommen noch insgesamt 21 321 Krisenunterstützte. Die leichte Besserung des Arbeitsmarkte? erklärt sich aus der stärkeren Aufnahmefähigkeit der Landwirtschaft, obwohl Anforde- rungen von Arbeitskräften für die Kartoffelernte noch nicht vorlagen. Auch der Braunkohlenbergbau sowie die Berlin«? Metall» i n d u st r i e waren gut beschäftigt, nicht so günstig dagegen die Metallbetrieb« in der Provinz. Die feindlichen Brüder. Zwischen der Gebr. Dopp A.-G., die in der Hauptsache automatische Waagen herstellt, und ihrer Ver- kaufsabteilung der Dop p-S chnellwaage n-Vertriebsgesellschaft, waren im Herbst vorigen Jahres Streitigkeiten ausgebrochen, die dahin führten, daß der in der ersten Hälft« des Jahres 1928 erzielte bedeutende Gewinn in der zweiten Hälfte wieder verloren ging. Auch die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr werden infolge dieser Vorfälle ungünstig beurteilt. Erst im August dieses Jahres wurde ein Vergleich geschlossen, nach dem die Gebr. Dopp A.-G. ihre Fabrikate von jetzt ab wieder selb st vertreiben wird. Der Verlusworttag wurde mit 46 739 M. fast unverändert vorgetragen. Da die Hauptakttonäre sich inzwischen geeinigt zu haben scheinen, blieben Ueberraschungen in der gestrigen General- Versammlung aus. Der Auloabsatz im August. Die Erwartungen der Auto- i n d u st r i« auf eine Belebung des Autoabsatzes im August über den saisonüblichen Charakter hinaus ist nicht eingetreten. Nur Kleinautos mit einem Hubraum bis zu einem Liter wurden um etwa 70 Proz. mehr abgesetzt als im August 1928. Auch der Absatz in schweren Wagen war um etwa 12 Proz. besser als im August 1928. Dagegen war der Verkauf von mittleren Wagen im ganzen genommen unbefriedigend. Nach den Mittel- lungen von etwa 22 Automobilsabrrken liegt der Gesamtverkauf im August um etwa 10 Proz. über den Absatz zisfern des August 1928. Nach den bisherigen Schätzungen kann man da- mit rechnen, daß der G e f a m t a b s a tz im laufenden Jahr den des Vorjahres nur um etwa 3 Proz. übersteigen wird. Dieses Er- gebnis würde bei der durch die Rationalisierung herbeigeführten Pvoduktionssteigerung im Automobilbau ziemlich ungünstig sein. Großhandelsindex unverändert. Die auf den Stichtag des 4. September berechnete G r o ß ha n d e ls ind e x zi ff e r des Statistischen Reichsamts ist mit 137,9 gegenüber der Vor- woche unverändert geblieben. Eine Erhöhung der Index- Mer für industrielle Rohstoffe und Halbfabrikate wurde durch Rückgänge der Indexziffern sür Agrarstoffe und industwelle Fertigwaren ausgeglichen. •isltsbanaen für diese Rubrik sind «» r l i» 6S«8, Liadenitraße 3. parieinachrichien�� sürGroß-Berlln stets n tss Bezirksseiretorlat 2. Hof, Z Treppe» recht», zu richte». Die Z5-Zahr-Aeier der sozialistischen Zugendorganisakonen wird unter dem Motto 25 Jahre Arbeiterjugendbeweguug In der Aestwoche vom S. bis 15. September durch verschiedene ver- ansiallungen(Ausstellung, Rundfnnkvortrag, Kundgebungen, Tag der Zugend) durchgeführt. Das nähere Programm ist in der Heuligen Ausgabe veröffentlicht. Mir empfehlen allen Genossinnen und Genosieo, die Deran- stattungen zu besuchen. Bezirksvorstand der SPD. ♦ Die Urlisten zur Auswahl der Schöffen und Geschworeaen sür das Zahr 1930 aus den zum Amksgerichlsbezirk Lerttn-MItte gehörigen Gemeindebezirken Groß-Berlin liegen aus.— Für das Zahr 1930 kommen nur Personen aus den Straßen mit den Anfangs- buchstaben M und 31 in Frage.— Die Abteilungen, soweit sie zum Amtsgerichlsbezirk Berlin-Mitte gehören, werden dringend ersucht. spätestens bis zum Mittwoch, den 25. September, geeignete Personen namhaft zu machen. Die genauen Adressen der als Laienrichter in Betracht kommen. den Personen sind umgehend einzusenden au das Ausschußmitglied Karl Jaeobi, Berlin SW. 61, Bclle-Alliance-Str. 7/10. -» 2. Ztrei» Tiergarten. Achtung. KreizmIIgNederl Au, Anlaß de» SjShrigcn Beliehen, der EAI. veranstaltet unsere Sozialistisch« Arbeiterjugend«in» Kundgebung mit anschließendem Fackelzug am Dienstag. 1» September, um lg Uhr im Kleinen Tiergarten. Die(Ssnossen werden gebeten, sich recht zahlreich daran zu beteiligen und Fahnen mitzubringen. l. Krei» Prenzlauer Berg. Dienstag, 10. September, Werbcumzug der EAI. mit Fackelzug. Treffpunkt und Abmarsch lg Uhr Arnswalder Ploß. Siege Beteiligung der Parteigenossen ist Pflicht. 5. Krei, Friedrichshai». Montag.». September, J9'/i Uhr. Kreisfunitionär. üßung in Schmidts Gesellschastshaus, Fruchtstr. Sßa. Mtgliedsbuch und Funktionärkarte bitte mitbringen.— Den Parteimitgliedern hierdurch zur Kenntnis, daß die SAI.. Crnntpc Osten, ans Anlaß de, ZSjSdrigen Be- stehen» am Dienstag. 10. September, einen Demoastratiaosnwzug ver. -nftaltrt. Trrffpnnkt ans dem Saltrnplaß. Nach dem Umzug sindct eine Kundgebung NM 2g Uhr in der Schnlaula. Fricdenftr. 31. statt. Die De- nasse» werden gebeten, beide Beranstaltunqen recht reg« z« besuchen, um so»o» neuem den Beweis des einigen Zusammcnarbeiteas zwischen SAI. nnd Partei zu bring«». «. Krei, Kreuzdcrg. Montag, g. September, pünktlich lg Uhr, bei Krüger, Grimmstr. 1, kurze Besprechung mit den Abteilungsleitern und Material. ausgäbe. Beim Waldfest am»ergangen«» Sonntag ist eine Kasfeedccke gefunden worden. Abzuholen vom Genossen Urban, Porwärtsspetition, Laustßer Ploß. ._..____.. n«.____________... teilungsvorslande der Partei sind herzlichst dazu eingeladen. Genosse Wilk, Kreisvorssßcnder und Genosse Liigewasscr, Bors, des Arbeitsaus. fchusse, der Iungfozialistcn, sprechen. Krei» Wilmersdorf und 11. Kreis SchöneSerg. Mantaa, D. September, 20 Uhr Beamten Versammlung im Biktoriaqarte», Wilhrlmsau« 114115, Noter Kalinosaal, Eingang zur Kegelbahn. 1 Tr. lipk». Genosse Polizei. oberst a. D. Dr. Hermann Schüßinqer spricht über: Kommunalpolitik und Beamtenschaft". Erscheinen aller Genossen erbet«». 10. Krei, gahlendoes. Arbeiter wohl fahrt. Kostenlose Sprechstunde in ollen Wohlfahrtsangelegenheiten beim Genossen Zander, Zehlcndorf, Sven. Hedin-Straße 74. Donnerstag» von 17 bis lg Uhr. 12. Kreis Steqliß. Montag,». September. ISts Uhr. Fraktionsssßupg im Rathaus Steglitz. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. 14. Krei» Neukölln. Die SAI. ladet die Genossinnen und Genosse»«In zu ihrer Mitgliederversammlung am Dienstag, III. September, 19V4 Uhr. in der Aula der Walter-Ratbenau-Schule. Boddinstraßc. Genosse Dr. Kur! LLwenftetir spricht itber:.Sozialistische Erziedungsproblemc". 17. Krei» Lichtenberg. Mantaa,». Septrmbrr, lOVl Uhr, Krelraii. S=- glicdrrversawmlnnq. Thema: ttlnler« komnnuialr Arbeit i»«egnuaart und 3«fu»(t*. Res. Stadtorrordneter Rogah. I» de« Aula de»«efarm. m Somnasiums, Parlone. Mitgliedsbuch legitimiert. Ttirlontroll«: 11». Ast. JS 20. Kreis Reinickendorf. Montag, S. September, lg Uhr. im Kleine» Eitzungs. faal des Rathauses in Wittenau, Sitzung des Krcisvorstand«, mit allen Abteilungsleitern. heule, Sonnlag. 8. September. 90.«dt. Britz.Bnckow. 14 Uhr„Fest der Arbeit" im«kazieuwäld. chen am Stubenrauchrinq. Alle Freund«. Genossinnen und Genossen sind herzlichst eingeladen, llnkostenbeitrag SO Pf. Beginn de« Festzoac- pünktlich 14 Uhr. Alle Teilnehmer müsse» um IZih Uhr in der Pnrchimer � g Alle« an der Schule antrete». Die Mitglieder der gg. Abteilung treffen sich um 1.1',4 Uhr zur Teilnahme am Feftzuge i» der Onlrl-Bränq. Straße. De« P-rstand. Morgen, Monkag. S. September: Funktionärfitzungen in den nachstehend angegebenen Lokalen der Abteilungen. 1. Abt. 20 Uhr bei Spiegel. Ackerstr. 1. SSt 1� ttho bei Brandis. Strolauer Str. Ig. Aufstellung der Kandidaten. �u�wnführern a� � in gutunft»Unser Weg" von den Zbt. M> Uhr bei' Lilbner, Wilsnacker Str. 34. }»• 2°,, Uhr bei Sondow, Flensburgcr Str. 3. Ndt. Igz. Uhr bei Lausch, Bredowstraße, Eck« Wielekstroße, Stellungnahme ,, hur Aufstellung der Kandidaten für die Kommunalwohl. }i- Zbt. 20 Uhr bei Lanritzen, Putbusser Str. 11. ?«' SJ." ühr bei Galle. Swinemünder Str. 102. 20. Abt. ZI. Abt. -2.«bt. bei Pose. Koloniestr. IL. bei Kroll, Utrecht«! Str. 21. .... bei Senkel, Uirechter Str. 10. 2?' S?'- lsli Uhr bei Grunewaldt, Kameruner Str. Ig. -«• Abt. 20 Uhr bei Burg, Prenzlauer Allee 180. 3j. Abt. Jeden Wontag von 18 bis 1g>ch Uhr tagt unser» Kindersreundc. gruppc wieder regelmäßig im neue» Jugendheim, Fraukfurler Allee 307. Die Genossen werden gebeten, ihr« Kinder dorthin zu schicken. 3». Abt. 20 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, Funktionär- ützung, Abrechnung. Ansang pünktlich. 41. Abt. 20 Uhr bei Lipfert, Mariendorfer Str. 6. 42.«bt. 20 Uhr bei Wiersdorsf. Urbanstr.«. 43. Abt. IgOj Uhr bei Krepp, Planufcr 7ö/7S. 4j. Abt. Ign. Uhr bei Wienzicrs, Reichenberger 47. Abt. 20 Uhr bei Linie, Baldcmarstr. KS. 48. Abt. Die Lunktionärfitzung fällt in diesem Monat au«. Di- Funttio. nore laden zur Mitgliederversammlung am Mittwoch, 11. September,-in. 57. Abt. Grunewald. 20 Uhr bei Wurzbacher, Lorstandsfltzung mit allen Funktionären. M. Abt.»«riendorf. 30 Uhr bei Niendorf, Ghausseestr. 1». Str. 104. ua AUfYOKAUr m DETAIL c&antn t gW.'!».74* In allen Abteilungen vom Backfisch bis zur stärksten Figur Gediegene Pelzondniei Snsai ESelcSri« Ausverkaufspr. fi*ers3ssnitc!r ScSziras _ PrOher b!» 1150.-_ AusverlutuUprei» TISU.— Ha1i»ko9eSea _ FrOher Ms 550.— Ausverlumispieis 30(3. BkreCäscligss/sBnz L08«r,e,Ill-nt'«h._ Fr'h.r Auiverkauispreis Unat».- WlaltrmMnM, blau,«hwon, braun.«In» Einzelne PelznSnlel. Fracht, tO-ü« ScalpUMualntcl terbl» un« kanIa,t».Zlatt«. mit und ohne PcU hoher bU eoo—«00.-»Ca- 105a- WollpIOidK Krimmer-. Imli. P«Uplfl,Am*nlel hOher dl, ta—,»— in— 135—1 85—"»wa"""• hoher hl, 7».- 95.- 11«.- 140,- 17S.- An,TCTkaahpr.35'' 45.* 60.' 15,' 6S.~ An,Ter!canf>pr.259.- 350.* 450.* 600.* Au,Teikaufipr.39.- 49. 59." titfl.- 09.- eamml, lommer. Trencöconi, Selsen,«i-nziseill.. Berrengtcttnt&atel froher hl, 1«.- 29— 48- 79- 91.- Krrsei&oae, Komizlete. Kteialor früher bis 29.— 65- 15- Wesflmann AtUTtlJudiDreU IS.— SS.- 3tt.—»s.- Xu.rerieul.pr. to,- so. ■«Q. BERLIN W. MOHREN STU 37* ■caflntB. M.(tH. all ffnttfttonJrwrfontmhms W Sch-ixS», Weichsel. ftra|e 5,— 91. äÖ. I8V4 llhr bei Uthfe, Hermannstr. 10.— 92. Abt. Pünktlich 20 Uhr bei Wolfs, Kaiser. Friedrich. Ltrahe 173. Erscheinen aller Fuuvionar« drinacnd« Pflicht.— 94. Abt. 19� Uhr bei Schröder, Stein, niehstrab« dZ.— 9S. Abt. Pünktlich 201� Uhr bei Krieger, Lessingstr. 9, Sitzung de» Porstand«, mit allen Funktionären, den Obleuten der Kommissionen. Betriebsoerlrauenoleuten usw. Der Vorstand trifft sich bereits um 19 US« ebendort. Wichtige Vesprcchung.— 9«. Abt. ISli Uhr bei Teich, KnesebeSstr. IZö. Abt. Britz. Buckow. Pünktlich 1914 Uhr wichtige Funktionärsitzung bei Becker. Ehausseeftr. 91. Abt. Ltchtenbcr«. 1914 Uhr Sreinmitglicderversammlung in der Schulaula. Parkaue. Abt. Buch. 20 llhr Vorftaiidssitzung bei Göpfert, Am Bahnhof. Abt. Rofenthak und Slieterschiuhaufen.Weft. A> llhr bei Frische, Krön. pringenstratze. Ecke Niederstratze. Erscheinen aller Funktionäre dringend crforderlich. Dienstag, 10. September. Abt. 20 llhr Funktionärsitzung»ei Ankert, Steinmctzstr. Z«,. Abt. Alle Kenoffen beteiligen sich am Aufmarsch der TAI. um 1» llhr Arnswalder Platz. Abt. Alle Tenossen beteiligen sich am Fackel»ug der SAZ. 19 Uhr Arn». walder Platz. Abt. 20 Uhr Abteilungoversammlunq bei Jung. Dreibundstr. 11. Vortrag: .Wohnungsnot und Micterschutzgesetz". Referent Landgerichtsdireklor Ernst Rüden. Abt. Wilmersdorf. 20 Uhr hei Kulka, Lauenburger Etr. 21, Mitglieder. Versammlung. Vortrag:„ktommunalvolitischc, aus Wilmersdorf". Ref. Genosse Opxsl. Abt. Köpenick. Achwnqi Die Mitgliederversammlung findet diesmal nicht am Mittwoch, 11.. sondern bereit» am Dienstag, 1». September, 1S'4 llhr, im Stadttheater, Friedrichstr. 0, statt. Vortrag:. Di- Kommunalwahlcn am 17. November". Ref. Max Tolksdorf. Aufstellung der Kandidaten. Abt. Bohnsdorf. 20 Uhr bei Leimann Vorstandssttzung. Abt. Reinickendsrs.West. 20 llhr Funktionärsitzung im Volksbaus, Scharn. weberstraße 114. Mittwoch. 11. September. A»t. Achtung I 1914 llhr Mitgliederversammlung im Vereinshau» des Nordens, Kartenstr. 6. Vortrag:.Ein Ausschnitt au, der Berliner Kom. munalpolitik". Ref. August Niemann. Abt. 1914 Uhr im Kleinen Saal des Taalbau Friedrichshain, Am Fricdrichshain, Mitgliederversammlung. Vortrag:.Unsere Arbeit im Stadtparlament". Res. Stadtverordneter Max Kreu,iger. Abt. 1914 Uhr in den Beralina.Festsälcn, Schönhauser Allee 29, Mit. gliederverfammlung. Die BexirksMhrer laden daeu schriftlich ein. Abt. 1914 Uhr Rahlabende: Gruppe Comeniussäle und Krugmann haben einen gemeinsamen Rahlabend bei Reumann, Gubener Str. 4ö. Die ilbrigen Rahlabende wie bisher Eadiner Str. 11 und Romintener Str. 7. Die Bc- -irksfvhrer werden dringend gebeten, da« einzuladen. 99, 11». »4. 141. 27. 4». 99. 108. 111. 137. 7. 25. 28. 34. 39a Abt. Mohren.. .»er young Alt. Kohlmorgeu. Früh S llhr Zahlmorgen im Lokal.Rum fZ I-ruIalemee Str. 9 Vortrag des Genossen Emil Barth über: f~ mng.Plou". Alle Genossen müssen anweseud sein. 139.«dt. R-iuick-udorf.vst. Di« Bezirksfllhrer werden dringend gebeten, be. stimmt zu den gahlabenden am 11. einzuladen. n 138. Abt. Sermsdorf. veffeutliche«erkammlung um 20 Uhr im Lokal II s 1 Lubwigslust, Bi-marckftrahe, Ecke Albrcchtstratze. Vortrag:„10 Jahre H ? Berliner Kommunalpolitil". Ref. Friedrich Schlegel. Wir rrwartrn zahl- H S reich« Beteilignng. U Wildau. Jeden zweiten Mittwoch nach dem Ersten findet im Dereinzlokal der « Rahlabend unseres Wahlvereins statt. Arauenveransiallungeu. 12. September tresfen sich die Genossinnen der Kreise: Mitte, hohoin, Köpenick, Lichtenberg und Tiergarten, Eharlottenburg, W M Spandau, Wilmersdorf, Rehlenborf, Schöneberg, Steglitz, zur Führung S ss durch die Gehag. Siedlung in gehlendorf um 14 llhr<2 llhr nachm.! am f? ' U-Bahuhoi Thielplatz. V Kr. Donnerstag, 12. September, treffen sich die Genossinnen zur ung der Sebag-Siedlung um 14 Uhr am O-Bahnhof Thielplatz. 8. Kr. Friedrichshain. Montag. 16. Septeinber, 1914 Uhr(Lokal wrrd nach. sten Sonntag bekanntgegeben), Kreisfraucnabend. Dortrag:„Das Repa. sssiigm ms Veranstaltungen uer Festwoclse vom 8. bis is. September 1929 Veranotaltaatfsiotgei Aosslelliuiö»25 Jahre irbeilertuöenflbeweäcnö" im Oewerkschafuhaus, Berlin SO, Engelufer 24, AS, geöifnet täglich 17—22 Uhr, am Sonntag, den is. 9., 10—14 Uhr. Eintritt frei. Simffllanhvorlraä am Dienstag, den 10. September 1929, 16 Uhr. Stadtrat Peters, Spricht über„25 Jahre Arbeiterjngendbewegung" üDnädebnng»25 Jahre ArbeUerlageodhewegnng" im früheien Herrenhaus, Berlin, Leipziger Straße, am Freitag, dem Ii September 1929,>9>i, Uhr— Es sprechen: Erich Ollenhauer/ Fritr Wildung/ Walter Maschke und Reichsinnenminister Karl Leserin g.— Zutritt nur mit Kane. Bnndgebaiigen In den Bezirken am Dienstag, den 10. Septeinber 1920. Krenrberg und MUte: 19>4 Uhr, In der Schalaula Kochstr. Ii Lichtenberg: 19 Uhr, Brunnenplati, anschl. Kundgebung im Humboldihain. Treptow nud Köpenick: I9>4 Uhr, Stadttheater, KOpenlck, Wilhelmplatz Neukölln: Treffpunkt zur Demonstration mit anschl. Kundgebung 19 Uhr. Reuterplatz. Tag der Jngend am Sonntag, dem Ii September 1929, vormittags, W e r b e 1 a u f durch den Bezirk Wedding.— 11 30 Uhr Jugendleier im Mercedes-Palast N 65, Utrechter Str.— 14 IS Uhr am Leopoldplatz Aufstellung zur Oemonstratton zum Schillerpark, anschließend Jagendtag im Sdüllerparh Aufführungen, Spiel, Sport Bewegungsspiele, Ansprachen führender Genossen Sozlalislisdie Arbeiterjugend GroR-Bcrlin Kartell für Arbeitersport und Körperpflege e. V. FreigewerkschafUidie Jogendzenlrale im Orlsanssdiah des ADGB. Jungsozfalistiscbe Vereinigung der SPD. Arbeitsgemelnsdiaft der Kinderfreunde 13. rationssroblcm".—.Der Kampf um die Lastenverteilung". Referentin Die Abteilungsleiterinnen werden gebeten, schriftlich ein. bei Arndt, Schräderstr. 2. Bar. Referentin Gerda Weyl. ckigung der GeHag-Eiedlung in >nhof Bülawstratze zur Fahrt Lichtenrade, Dl« für Mittwoch, Käthe Kern. zuladcn. 7. Abt. Montag, 9. September, 1914 Uhr, trag:„Der Weltkrieg in der Literatur�. 8. Abt. Donnerstag, IZ. September, Rehlenborf. Trefspunkt 13 Uhr am bis Thielplatz. Kr. Tempelhof, Marienborf, Marlenfelde, Lichtenrade. Dl« für 11. September, angesetzt« Besichtigung des Jugendheim» Lichtenrade mutz ......ML.,__» umständehalber ausfallen. Der spätere Termin wird noch bekanntgegeben. 41. Abt. Dirnstag, 1ü. September, treffen sich die Genossinnen zum Kaffee. kochen im Bolkspark Neukölln um 1514 Uhr an der Friesen-, Gck« ffidicin- stratze. 191. Abt. Treptow. Dienstag, 10. September, Lü Uhr, Funktionärinnensitzung in der Vorwärts-Speditlon Eraetzstr. 50. 125. Abt. W-itzens-e. Montag. 9. September, 1014 Uhr. Restaurant zur Laupt. »oft, Eharlvttenburaer., Eck« Tassostratz«, Borirag:„Lustige, au. Alt. Berlin". Bortrazenber Hann, H. Kampi. 139. Abt. Rcluickenbors-Ost. Dienstag, lltz September. 10 Uhr, Btsichtignng der Ausstellung der Berliner Titchlerschule. Stratzmaunstr. 0. Treffpunkt SM llhr Echützenhaus und Se«bah oder s?4 1ll>r Bernauer Stratze, fönst 10 Uhr Etratzmannstratze. vezirksomsschuh für Arbeikerwohlfahrl. 4. Kreis All« Keller n. Kellert Uvea de, 4. Kreifcs Preuzlov«__________________________________ treffeu sich am Routag um i4 llhr IM dem Kinderfest auf dem Exerzier» platz, Eavtiauftratz«. Treffpunkt Sportrestaura nj Eautianftratze. 7. kreis Eharlottenburg. Freitag, 13. September, 19V4 llhr, Akten. besprechung. Fortfetzung de, Vortrages:„Sozaliltifche Gerichtshilfe" st» Rat- hau» Eharlottenburg. Rumnsr 140. 37. Abt. Am«onuabevd, dem 14. September, in den SefamtrSumeu des Löweu-Böhmifche» Brauhauses, Landsberger Alle«, grotze» Kerbst- uergnügeu. Mitmirleub«:.Sozialistische Arbeiterfugeud, Rote Spatzen". Frei« Turnerschast Giotz-P-rsiu. Bezirk vsteu", Rieieutombola, Tau». Ansaug 1914 llhr. Saalcröffuuug 19 llhr. Ende? Billett, gub bei dem Funktiouareu zu haben. Parteifreund« ans anbereu Abteilungen sin» «iugelodeu. Rehlenborf. Kreisausfchutz-, Helfer- und Kelferinnen�kitzung gm Dienstag, dem 17. September, 1914 Uhr. bei schnorre, Rehleniorf, Potsdamer Stratze 8. Da wichtig« Tagesordnung, pünktliches und vollzähliges Erscheinen Pflicht. Der Krclsl-lter, Genosse Ränder, ist vom Urlaub zurückgekehrt und hält wieder leben Donnerstag von 17—19 Uhr Sprechstunde ab. Zungjozlalisten. Parteigenossen, die SAZ.. sowie"andere �SV..Sruppen, sind frundlichst«in- geladen. Arbeitsgemeinschaft der Sladerfrenade Groh-Berlin. Kreis Prenzlauer Berg. All» Roten Fallen beteiligen sich am Dienstag. dem 10. September, an der Demonstration der SAZ., um 1» Uhr, Arn» walder Platz. �. Kreis Eharlottenburg. Donnerstag, 12. September, 30 Uhr, ha Zugeudheim Rosinen str. 4, Elternabend. All« Eltern werden gebeten, bestimmt»n erscheinen. Kreis Neukölln. Wir treffen uns heute zum»Fest der Arbeit" pünktlich um 12'4 Uhr am Sohenzollernplatz. Erschein vollzählig.— Srnpp, Kermannplatz. Morgen. Montag. 1g>4 Uhr, Schul« Kaifer-Friedrich-Str. 4, SItrrnversammlung. Kreis Treptow. Gruppe„Rote Wacht, Oberfchönewetb«. Seute, Sonntag. Teilnahme am„Fest der Arbeit" in Britz. Wir treffen uns am Bahnhof Nieder. fchöneweide sHaupteingan«) um 12 Uhr. Fahrgeld 25 Pf.— Montag. 9. Sep- tember, 1914 Uhr. in der Spedition Eraetzstr. 50, Kelfersttzung. Wichtige Tages- ordnung. Kreis Wcdding. Wir beteiligen uns an der Kundgebung.25 Zahse Ar- beiterjugend" am Donnerstag, dem 12. September, im Sumboldthain. Treff. Sunkt 1814 Uhr Vrunncnplatz. Fahnen und Wimpel sind mitzubringen. Di« tr Donnerstag, den 12. September, vorgesehene kreishelserversammlung findet l-ustr. m th erst am 19. September statt. Kreis Weitzenfee. Gruppe„Gemeinschaft" Lohensdiönhaulen. Dienstags fpielnachmittag der Ncstfalken in der Schulbaracke Dingelstedter Strasse.— vnncrstas. Rot« und Iungfalken im Zugendheim ssreienwalder Strasse. Unser Programm im September.— Sonntag. 8. September. Wir sind in Meissners- Hof.— Donnerstag, 12. September. Bastelnachmittag.— Sonntag, 15. Sep» tember.„25 Jahre Arbeite rjugenb." Auf»um Schillerpark.— Donnerstag, 19. September. Wir stngen Kampftieber.— Donnerstaa, SS. September. Bassel» nachmittag. Wir bitten die Eltern, die Kinder Pünktlich zu unseren Beran- staltungen zu schicken. Kreis Ticrgarteu. Gruppe August Bebel. Rot« Falken. Dienstag, 10. Sep- tember, von 1714— 19i4 llhr. im Keim Waldenserstrass«. Diskulsionsabendt Ar. beiteriunge und Arbcttermädel in der Gemeinschaft.— Jungfallen. Menstag ebtnda Volistanzabend.— Küken. Mittwoch. 11. September, von 17—19 Uhr, ebenda Selmabend. Donnerstag, 12. September. Spielen aller Gemeinschaften von 18 Uhr bis zum Eintritt der Dunkelheit auf dem Bremer Spielplatz.— Tiergarteu-Süd. Dienstag. 10. Septtnber. Seimabeud im Keim Blllvwstr. 86, von 17—19 Uhr. Freitag, IS. September, Spielen im Grossen Tiergartrn lZiofen. garten). Treffpunkt 1714 Uhr vor dem Seim Bülvwstvasse. Geburtstage. Jubiläen usw. 19. Kreis Pankow. Unserer lieben«enosssu Berta«»big, der Kreisleiterin des 19.»reise, Pankow, z» Ihrem ZZiäheigen Barteifubiläum die herzllchfts» Glückwünsche. Die Geuossinnen des 19.«reif«, Panks». 8. Abt. Unser Genosse Eugen Meyer. Rionskiechste. 10, seU 1098 Pavteimit. glied, begeht heut« feinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren ihm herzlichst. 25. Abt. Unseren braven treuen Genossen Wilhelm«Übe, Landsberger Alle» 45,»u frlnem 09.»eburtotaa« dl« herzlichsten Glückwünsche. 90. Abt. Neukölln. Unser»euoss« Kermaun Brückaer. S-kstt. 8. seit 10 reu Mitglied der Partei, feiert heute seinen 711. Geburtstag. wünsch« von der 99. Abteilung. 193. Abt. DberschSnewetb«. Pente,___ vtto Pcssier seinen 00. 0. September, feiert nnf »tag. wir gratulier»» rocht herÄ�nn�habeä de» Wunsch, thu noch recht lange t» nnlerrr al» Kämpfer ,n sehen. MGAAFi cler neue ortkopadiseke Schuh besser u.bllllger Eine Wohltat für jeden emp« findlichen oder kranken Fuss. Hineinsdjlüpfen und sich wohlfühlen. 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Die Oeffentlichkeit nahm diesen Fall auf und besprach die trostlosen Zustände des Lehrlingswesens, hauptsächlich bei den Kleinmeistern. Neben den Fordeningen nach Jugend- und Lehrlingsschutz wurde in dem im Jahre 1904 vonEduardBern- stein herausgegebenen„Neuen Montagsblatt" aufgerufen zu einem Zusammenschluß der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeite- rinnen. Vierundzwanzig Lehrlinge, also ein ganz winziges Häuf- lein, gründeten dann den„Berein der Lehrlinge, jugend- lichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins". Von diesen Gründern der ersten proletarischen Jugendorganisation stehen heute noch eine Anzahl im Vordergrund unserer Partei, sowie auch im Kommunalleben Berlins. Die neugegründete proletarische Jugendorganisation hatte von Anfang an einen sehr schweren Existenzkampf zu führen. Die er- wachsene Arbeiterschaft stand ihr, wenn nicht gerade ablehnend, so doch sehr reserviert gegenüber. Die Innungen der Handwerksmeister unter Führung des damaligen Obermeisters der Tischlerinnung Karl Rahardt, der später in der Nachkriegszeit wegen ver- schiedener Vergehen mit dem Strafgesetz in Konflikt kam, sowie die christlichen Jünglingsoereine unter Führung des jetzigen deutsch- nationalen Reichstagsabgeordneten Dr. Mumm führten einen Kampf gegen die jungproletarische Organisation mit allen Mitteln. In der ersten öffentlichen Versammlung des Lehrlingsvcreins bei Pachura in der Landsberger Straß« betätigt« sich Herr Mumm mit seinen Jünglingsvereinlern als Versammlungssprenger. Der Zweck dieses Auftretens war, durch den Ausgang der Versammlung den Lehrlingsverein bei den Polizeibehörden zu denunzieren als poli- tischen Verein, damit er der Auflösung verfalle. Im Januar 1905 schrieb die„Deutsche Tischlerzeitung", das Organ der Arbeitgeber, als Antwort auf einen Aufruf des Vorstandes der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter u. a. folgende Sätze: Dem Lehrherrn steht ja das Recht zu, seinem Lehrling all« Organisationsgedanken, wenn nicht anders, dann mit etwas„Nach- druck" auszutreiben. Sicher ist, daß diese Idee des„Vorwärts" nur bei der wurmstichigen Jugend der Großstädte williges Gehör finden wird. Der Boden zur Verwirklichung des Lehrlingsorgani- sationsgedankens will vorbereitet fein; diese Idee kann nur auf dem Sumpfboden der Großstadt Blüten treiben; in dem Milieu der Zuhälter, Schnapssäufer und ähnlicher Ehrenmänner sind ihr die besten Perspekttoen gegeben. Nur für halbwüchsige Burschen, die auf diesem Boden wurzeln, wird die sozialdemokratische Phrase von der Gleichberechtigung etwas Bestechendes und Berauschen- des haben. Die Arbeitgeber, die solchen Anschauungen huldigten, zeigten damit, daß sie als Erzieher der ihnen während der Lehrzeit an- vertrauten Jugend die allerungeeignetsten Männer waren. Je mehr die Gegner die Arbeiterjugend bekämpften, erstarkte die jung« Organisation. Am Jubiläumstag« unserer proletarischen Jugendbewegung soll auch der Männer gedacht werden, die die eigentlichen Vorkämpfer des Jungproletariats waren. Ludwig Frank und Karl Liebknecht haben lange bevor die Partei die Jugendorganisation anerkannt«, in Wort und Schrift, sowie auf den Parteitagen sich für eine prole- tarische Jugendorgarnsation eingesetzt. In Süddeutschland war vor ollem Mannheim, der eigentliche Wirkungskreis von Ludwig Frank, der Sitz einer starken proletarischen Jugendorganisation.„Die junge Garde", das Organ der süddeutschen Jugendorganisation, wurde von Ludwig Frank redigiert und konnte infolge des badischen Vereins- gesetzes, das auch der Jugend eine gewisse politische Betätigung nicht verbot, zu gewissen politischen Fragen Stellung nehmen. Die Bestimmungen des preußischen Vereinsgesctzes zwangen das Organ der Bertiner und norddeutschen Jugendbewegung—„Die arbeitende Jugend"—, sich hauptsächlich nur mit dem Jugend- und Lehrlings- schütz zu befassen. Mit dem Inkrafttreten des Reichsvereins- gesetzes von 1908 trat auch in der proletarischen Jugendbewegung eine organisatorische Veränderung ein. Die in verschiedenen Städten Deutschlands bis dahin selbständig arbeitenden Jugendorganisationen nahmen miteinander Fühlung und bereiteten eine zentrale Zu- sammensassung aller Jugendorganisationen vor. Auf dem im Herbst 1908 abgehaltenen Parteitag der Sozialdemokratischen Patte! in Nürnberg bekannte sich die Partei zur Jugendorganisation und empfahl überall, wo angängig. Jugendausschüsse zu bilden. In diesen Jugendausschüssen waren neben Vettretern der Jugend Ver- treter der Pattei und Gewerkschaften delegiert. Di« Zentralstelle für die arbeitende Jugend hatte zu ihrem Vorsitzenden den damaligen Parteivorsitzenden und späteren Reichspräsidenten Friedrich Cbett. Unter den Einwirkungen des Ktteges und durch die Verhetzung der Nationalisten litt neben der gesamten Arbeiterbewegung auch die proletarisch« Jugendbewegung. Heute ist die proletarisch« Jugend. bewegung wieder im Vormarsch begriffen und organisatorisch so er� stärkt, daß sie unter allen Jugendverbänden Deutschlands die größte Vereinigung ist. Was von unseren Jugendorganisationen aus dem Gebiete des Jugendschutzes, wie auch auf ollgemein kulturellem Ge- biet geleistet worden ist, wird heute auch von anständigen politischen Gegnern anerkannt und gewürdigt. Das Verhältnis der Sozialdemokratischen Parte! zur Sozia- listischen Arbeiterjugend ist freundschaftlich. Vertrauensleute der Jugend werden in leitende Körperschaften der Partei gewählt. Um- gekehrt nehmen Erwachsene, die der Jugend mit besonderem Ver- ständnis gegenübertreten, als Parteivertreter an den Beratungen der Arbeiterjugend teil. Die erwachsene Arbeiterschaft hat erkannt, welche Bedeutung gerade der Jugend im Befreiungskampf des Pro- letariats zukommt. Mit wachsndem Interesse achtet die Pattei dar- auf, daß der junge Nachwuchs zur Mitarbeit herangezogen wird. Große politische Kundgebungen, wie z. B. den Antikriegstag, kann sich kein erwachsener Arbeiter ohne unseren Jungsturm Kenten. Wenn in der Zeit vom 8. bis 15. September 1929 öle Arbeiter- jugend in Kundgebungen und Demonstrationen der 25jährigen Ge- schichte der deutschen Arbeiterjuaendbewegung gedenkt, so sollt« auch die erwachsene Arbeirerschast durch rege Anteilnahme Zeugnis davon ablegen, daß sie sich mit der Jugend verbunden fühlt. ITrane Künstler. Zur Sanierung der Reichsanstalt. Bauarbeiten im Winter mit öffentlicher Hilfe. Der R e i ch s a r b e i t s m i n i st er hat in einem Erlaß sich energisch für die Fortführung von Bauarbeiten wäh- rend des Winters«ingesetzt. Er betont darin, daß die Entwick- lung des Arbeitsmarktes in den letzten Jahren mit besonderer Ein- dringlichkeit gezeigt habe, welch große Bedeutung die winterliche Beschäftigung des Baugewerbes für die deutsche Wirtschaft und für den Arbeitsmarkt hat. Die Erfahrungen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und einzeln« Versuch« in Deutschland hätten be- wiesen, daß es möglich ist, Bauarbeiten in erheblichem Umfange auch im Winter fortzuführen. Er beabsichtige, zu veranlassen, daß die Erfahrungen auf diesem Gebiet durch praktisch« Versuche in einer geplanten Versuchssiedlung erweitert werden. Daneben er- scheine es aber notwendig, Material über die bisherigen Erfahrungen in Deutschland zu sammeln und weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Di« Behörden sollten deshalb so bald wie möglich mit- teilen, welche Erfahrungen auf diesem Gebiet in ihrem Amtsbereich bisher vorliegen, besonders welche technischen und finan- zielten Voraussetzungen für die Fortführung von Vau- arbeiten im Winter sich ergeben haben und welche Mehrkosten gegenüber dem Bau in der milden Jahreszeit entstehen. Auch dieser Erlaß des Reichsarbeitsministers ist zu begrüßen. Dem ersten Schritt muß jedoch angesichts der bereits vorliegenden reichen Erfahrungen in der Winterbauarbeit und mit Rücksicht auf die Lage des Arbeitsmarktes bald ein zweiter folgen. Der Reichs- arbeitsminister muß an die R e i ch s a n st a l t herantreten, damtt diese dafür sorgt, daß im kommenden Winter bei den Notstands» arbeiten systematisch die Bauarbeiten weitergeführt werden. Die Finanzierung von Notstandsarbeiten muß mit der Winter- bauarbeit in Zusammenhang gebracht werden. Die Ge- meinden müsien rechtzeitig darauf hingewiesen werden, daß sie n u r d a n n auf Finanzierung von Arbeiten aus der produktiven Erwerbs- losenfürsorge rechnen können, wenn sie sich verpflichten, mindestens während zwei Wintermonaten ihr« Notstandsorbeiten durchzuhalten. Wir brauchen, wie die Dinge liegen, heute bereits kräftigere Mittel zur Erzwingung von Winterarbeiten. Technisch« Er- fahrungen sind in großer Menge vorhanden! Die amerikanischen Erfahrungen haben deutlich gezeigt, daß Winterbauarbeiten möglich und durchführbar sind. Warum sollen wir in Deutschland die Er- fahrungen Amerikas erst noch bestätigen? In der Frage der Winter- bauarbeiten sind wir bereits über das Stadium des reinen Experiments hinaus. Im vorigen Winter wurde bei sehr großer Kälte in Berlin in der Nähe des Zoologischen Gartens ein stattlicher Hochbau ausgeführt. Einzelexperimente sind nützlich, aber nicht mehr unbedingt nowendig. Was wir brauchen, ist ein Ex- periment im großen. Dieses Experiment muß jetzt in der produktiven Erwerbslosenfürsorge bei den Notstandsarbeiten durch- gefühtt werden. Für dieses Experiment machen wir folgenden Vor- schlag: Die Forderung für Maßnahmen, bei denen Zlrbeitslose beschäs- ttgt werden, d. h. die Notstandsarbeiten dürfen von den zuständigen Reichs- bzw. Reichsanstaltsstellen nur dann bewilligt werden, wenn die Träger des Unternehmens sich verpflichten, einen b«- st i m m t e n Teil der für die Durchführung der gesamten Maß- nahmen notwendigen Summe zur Beschaffung technischer Hilsmittel zu verwenden, die das Winterbau«n sicherstellen. Praktisch würde das bedeuten, daß Notstandsmaßnahmen, sofern sie sich über ein ganzes Jahr ausdehnen, in 1014 bis 11 Monaten durchgeführt werden, also nur an den 30 bis 45 kältesten Tagen im Jahr(Januar. Februar) ruhen, während sie in den sonstigen. bisher berufsüblich stielliegenden Monaten(Dezember und Mitte Februar bis Mitte März) weitergeführt werden. Bei Notstandsarbeiten, die sich ihrem Umfange nach nicht über ein ganzes Jahr, sondern nur über eine kürzere Zeit erstrecken, muß sichergestellt werden, daß ein Drittel der für die Arbeiten notwendigen Zeit auf die Monate November, Dezember. Februar, März gelegt wird. Eine entsprechende gesetzgeberische Sicherung im Rahmen des Z 139 des Arbeitslosenversicherungsgesetzes kann bei den Verhandlungen über die Arbeitslosenfrage un- schwer herbeigeführt werden. Diesen Vorschlag haben wir bereits gemacht. Wir wiederholen ihn heute und betonen nochmals: Ein geringer gesetzlicher Anstoßgenügt.um das gesamte Bauwesen in die für die Zurück- dämmung der berufsüblichen Arbeitslosigkeit notwendigen Bahnen zu lenken und damit auch das Problem der Saifonarbeits- l o s i g k e i t. das b-u den Reformvsrhandlstngen so überaus große Schwierigkeiten macht, auf die wirtschaftlichste und so- zialste Weise zu lösen. Zwischen Baum und Borke. Verelendete Damenkonfektion. Seit Jahren schon gibt es jedesmal bei den Tarifvcrhandlungen für die Berliner Damenkonfektion zwischen dem Bekleidungsarbeiter- verband und dem Verband der Zwischenmeister sowie dem Fabtt- kantenverband ein heftiges Ringen, in dem der größte Widerstand gegen den Tarifabschluß von den Zwischenmeistern ausgeboten wird. Dieser Widerstand ist an sich durchaus begreiflich, da das Risiko des Tarifes fast ausschließlich den Zwischenmeistern zufällt. Sie sind gegenüber den auftraggebenden Fabrikanten Arbeiter, gegenüber ihren Heimarbeitern und-arbeiterinnen jedoch Unter- nehmer. Ihre Arbeiter verlangen von ihnen tariflich« Bezahlung, während sie selbst zum größten Teil von den Fabrikanten j o schlecht bezahlt werden, daß sie keine Tariflöhne zahlen können und deshalb die an sich schon sehr niedrigen Tariflöhne der Heim- arbeiter drücken müssen. Die Organisation der Zwischenmeister, der Zentrawerband der Lohngewerbetreibenden für das Damenschneidergewerbe Deutsch- lands, ist ebenfalls seit Jahren ehrlich bemüht, diesen skandalösen Zuständen ein Ende zu bereiten. Er forderte nicht nur seine Mit- glieder auf, einander nicht zu unterbieten, sondern ver- suchte auch, mit den Fabrikanten feste sogenannte M e i st e r- zuschlüge zu vereinbaren, die es dem Zwischenmeister ermög- lichen, seine Arbeiter tariflich zu entlohnen. Wie in der Versammlung der Zwischenmeister der Berliner Damenkonfektion am Freitag in den Kammersälen berichtet wurde, scheint dies jahrelange Bemühen jetzt endlich Erfolg gehabt zu haben. Am Donnerstag wurde vor dem Schlichter über den Antrag des Bekleidungsarbeiterverbandes auf Verbindlichkeits- erklärung eines Schiedsspruches oerhandelt, der am 21. Juni für die Heimarbeiter gefällt wurde und eine Erhöhung der Heimarbeiterlöhne um 5 Proz. vorsieht. Dieser �Schiedsspruch sieht auch eine Verlängerung des Manteltarifs vor, der den Heimarbeitern einen Anspruch auf bezahlten Urlaub sichert. Der Schlichter hat einen Vergleichsvorschlag ge- macht, wonach die Fabttkanten und Zwischenmeister den Schieds- spruch ab 9. September annehmen sollen. Die Erklärungssrist läuft am Montag um 12 Uhr ab. Da die Fabrikanten den Zwischen- meistern zugesagt haben, mit ihnen ebenfalls einen Tarif ab- zuschließen, in dem der Meisterzuschlag festgelegt ist. ist damit zu rechnen, daß die Fabrikanten und Zwischenmeister dem Vergleich«- Vorschlag zustimmen werden. Mit Recht wurde von vielen Rednern an die Versammelten der Appell gerichtet, wenn der Tarif in Kraft treten sollte, einmal von den Fabrikanten die richtige Bezahlung zu verlangen, ober dann auch nicht mehr die Heimarbeitettnnen mit Bettel- Unsere 25• StUck- Packungen enthalten Refo- Filmbilder mit Kino-Kupon Pfennig«« noH Hause zu sacken. Nne gründNH« Abfuhr hotte sich der Obermeister der Damenschneiderinnung zu Berlin (Zwangsinnung), der in schwerbetrunkenemZu stände(I) auf die Bühne torkelte und dann die Not der Handtverksmeistcr demonstrieren wollte. Ihm muhte nach wenigen Minuten wegen seiner konfusen Bierrede das Wort entzogen werden. Einem Ber treter der W i r t sch a f t s p a rt e i, der in Agitation für seine Partei machen wollte, aber bei den proletarischen Zwischenmeistern keine Gegenliebe fand, erging es ebenso. Künstliche Aufregung. Eine Polemik gegen emil rückständig. In Nr. KS des.Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer" ist unterm Strich ein polemischer Artikel gegen die„gustav-nagel-orthographie" abgedruckt, von einem ungewissen „emil rückständig" verantwortlich gezeichnet. Ganz unvermittelt und zusammenhanglos kommt in dieser Polemik folgender Satz vor: „Wir Arbeiter bekämpfen grundsätzlich Kirche, Militarismus als Berdummungsobjekte und streben nach geistiger Befreiung." Also der sich„rückständig"(emil) nennende Buchdrucker. Worüber nun ein„b.—" zeichnender Mitarbeiter des„Deutschen" sehr ersreut ist und noch viel mehr ergrimmt tut. Nämlich: Das Zcntrumsblatt für Bochum, die„Westfälische Bolkszeitung". hatte— wohl aus Rücksicht auf ihre Abonnenten— ausführlich über den Gautag des Buchdruckerverbandes berichtet.„Und für eine solche G emein» schaft", ruft„d.—" aus,„die grundsätzlich die Kirche bekämpft und sie als Berdummungsobjekt bezeichnet, widmet das Zentrums» blatt„Westfälische Bolkszeitung" in hochherziger Weise 200 Zeilen im Textteil." Der gute emil rückständig wird überrascht sein, plötzlich zu einer „Gemeinschaft" zu avancieren. Denn wie der Buchdruckerverband zur Religion und zur Rclegionszugehörigkeit steht, dar- über ist sich natürlich auch der Mitarbeiter des„Deutschen" nicht im Zweifck. Und wa« die Sozialdemokratie betrifft— siehe Preußen. Berbands�ag öer Sieinarbeiier. Die �.siationszahlen überschritten. Der Zentralverband der Steinarbeiter hält seinen 12. Lertiandstag in der Zeit vom 9. bis IS. September in Berlin ab. Eine reiclchaltige Tagesordnung ist zu erledigen. Nicht weniger als 270 Anträge zum Verbandstag liegen vor. Neben den Berichten des Vorstandes, der Kasse und der Redaktion wird da» für die Steinindustri« äußerst wichtige Thema„Gesund- heitsschutz und Unfallverhütung" vom Redakteur des Verbandes, Siebold, behandelt. Bon der weiteren Tagesord- nung ist noch ein geologischer Vortrag des Genossen Paul Um- breit vom ADBG. hervorzuheben. Die Kenntnisse des Genossen Umbreit auf diesem Gebiete sind bekannt. Der Stcinarbeiterverband hat eine äußerst günstige Ent- Wicklung zu verzeichnen. Bezüglich der Mitglied erbe- w e g u n g gehört er zu den wenigen Verbänden, de den Höchst- fl and der Inflation nicht nur erreicht, sondern über- schritten haben. 1922 zählte der Verband mit den Steinsetzern 01)928 Mitglieder. Das war ein« Verdoppelung gegenüber der Vorkriegszeit und die höchste bis dahin erreichte Mitgliederzahl. ji' Am 1. Juli 1929 zählte der Steinarbeitervcrband 7 3 208 M i t g l i e d e r, was eine beträchtliche Zunahme sogar gegenüber der Sturmflut in der Inflation darstellt. In der Berichtszeik stieg der Verband um 18719 Mitglieder oder um 34,4 Prozent. Am Jahresschluß 1928 waren 68 970 Mitglieder vor- Händen. Das ist eine Entwicklung, die außerordentlich erfreulich ist. Das Vermögen der Hauptkasse wuchs von 896 000 Ende 1926 aus 1 933 000 Mark am Schlüsse des Jahres 1928. Hier ist ein Zuwachs von 1 1 5' P r o z e n t zu verzeichnen! Di« Entwicklung der Kassenverhältnisse wäre noch wesentlich besser ge- wesen, wenn nicht im verflossenen Jahre 1,05 Millionen Mark oder 44 Prozent der Einnahmen für Streiks ausgegeben worden wären. Der Steinarbeilerverband hatte nament- lich im verflossenen Jahre große Kämpfe auszufechten. Daneben mußten für soziale Unterstützung«« nicht zuletzt infolge der hohen Arbeitslosigkeit, groß« Mittel bereitgestellt werden. Betrugen die Ausgaben für sozial« Unterstützungen im Jahr« 192S pro Mitglied 3,21 Mark, so machten sie im Vorjahre 8,96 Mark aus. Bei einer so gewaltigen Beanspruchung der Verbandskasse für Unterstützungen ist der obige Vermögenszuwachs immerhin sehr beachtlich. Der Steinarbeiterverband steht unter den Beibänden des ADGB. bezüglich der Ausgaben für Lohnbewegungen je Kopf der Mitglieder mit 16 87 Mark an vierter Stelle, w der Iahresausgabe für alle Unterstützungen an sechster Stelle und in der Gesamtausgabe an achter Stelle. In vorderster Linie stehen affo die Ausgaben für die Verbesserung de? Lohn- und Arbeits- bediNgungen. Von den zu erledigenden Aufgaben des Verbandstages ist die Einführung der Jnvalidenunterstützung hervorzuheben. Einen breiten Raum von den dem Verbandstag vor- liegenden Anträgen nehmen diejenigen ein, die eine Verb esse- rung der Sozialversicherung und namentlich der 21 r- beitslosenunterstützung verlangen. Das ist insofern er- klärlich, weil auch die Steinorbeiter sehr unter der Arbeitslosigkeit zu leiden haben. Der Verband hatte im Februar dieses Jahres nicht weniger als 77 Prozent arbeitslose ZNitglieder. Es ist also verständlich, daß die Mitglieder einen stärkeren Schutz bei den Wechselsöllen des Lebens fordern. Wir werden über die Tagung berichten. Gewerkfchastliche Zusammenarbeit. Ein bedeutsamer Schritt vorwärts auf dem Wege der Gewerk- schoftsentwicktung ist mit dem Zlbfchluß eines Kartellver- träges zwischen dem Fabrikarbeiter- und dem Metall- arbeiterverband getan worden. Sem Zweck ist: Kongen- tration der Gewerkschastsarbeit. Er steckt vor allem die strittigen Grenzen ab, um so für die Lohn- und Tarifverhandlungen mehr Bewegungsmöglichkeit zu Ichaffen. Jeder Verband führt die Tarif- und Lohnbewegungen sowie die Streiks in feinem Agitationsbezirk selbständig ohne Hinzu- Ziehung des anderen Verbandes, auch wenn d'efer dort eine An- zahl Mitglieder haben sollte. Lohnbewegungen und Streiks, an denen Mitglieder der beiden Organisationen auf Grund der verein- borten Ausnahmen beteiligt sind, werden gemeinschaftlich eingeleitet und durchgeführt. Jede Organisation erhält in diesem Falle eine angemessene Vertretung bei den Besprechungen und Ver- Handlungen. Bei Verhandlungen mit Arbeitgebern, an denen Ver- treter des«inen Verbandes nicht teilnehmen können, sind die Funk- tionäre des anderen Verbandes verpflichtet, für die Mitglieder des ersteren mit einzutreten und deren Interessen zu wahren. Die Orts- Verwaltung oder Gauleitung der Organisation, welche die Initiativ« zu einer gemeinschaftlichen Tarif- oder Lohnbewegung ergreift, hat derselben Instanz der anderen Organisation rechtzeitig Mitteilung von der Bewegung zu machen, damit diese die nötigen Vorarbeiten zu einer Beteiligung an der Bewegung treffen kann. Verzichtet eine der beiden Organisationen auf ein« Beteiligung oder hat sie in dem betreffenden Industriezweig keine Mitglieder, so bleibt es der anderen Organisation unbenommen, allein vorzugehen. Die Organffationszugehörigkeit der M a f ch i n i st e n und Heizer wird durch den Vertrag nicht berührt. Mit dem Ver- k e h r s b u n d hat der Fabrikarbeiterverband einen solchen Kartell- vertrag bereits im Winter abgeschlossen. Generalversammlung derVekleidungsarbelter Verbandsunterstühungen und Arbeitslosenversicherung Dieser Tag« fand die Generalversammlung der Berliner Orts- Verwaltung des Bekleidungsarbeiterverbandes statt, die sich neben dem Kassenbericht vom ersten und zweiten Quartal und der Stellungnahme zu den Beiratsbeschlüssen, mit der Ein- fllhrung der Jnvalidenunterstützung und Aussteuer- bei Hilfe, sowie mit den geplanten Derschlechterungsabsichtcn in der Arbeitslosenverstcherung beschästtgt«. Der Bevollmächtigt«, Genosse Lehmann, gab einen eingehen- dn« Bericht aus der Tagung der Beirotssitzung und ging dann in ausführlichen Darlegungen auf die Neueinführung der Invaliden- Unterstützung und Aussteuerbeihilfe«in. Durch einen Zuschlag von 5—28 Pf. pro Woche erhoben die Mitglieder eine namhafte Unterstützung im Falle der Invalidität. Auch soll den weiblichen Mit- gliedern in Form einer Aussteuerbeihilfe entgegengekommen werden. Trotz Inanspruchnahme der Aussteuerbeihils« bleibt sür das einzelne Mitglied immer noch das Anrecht auf die übrigen Untcrstützungszweige und auch Jnvalidenunterstützung bestehen. Er erläuterte dann die einzelnen Abschnitte der Vorlage und«mpsahl deren Annahme. Die Entscheidung über Annahme bzw. Ablehnung soll durch eine Urabstimmung erfolgen, die wahrscheinlich aus- gangs Oktober stattfindet. Zu diesem Punkt wurde von der Generaloersammlung gegen vier Stimmen eine Entschließung an- genommen, die den einzelnen Branchen die Annahme der vom Beirat verabschiedeten Vorlage zur Einführung der Invalidenunterstützung und Aussteuerbeihilfe empfiehlt und in der es heißt: „Nicht nur das einzelne Mitglied erhält durch Einführung der. Invalidenunterstützung und Aussteuerbeihilfe einen gewissen Vor- teil, sondern auch die Organisation erhält festere Geschlossenheit und Stärkung ihrer Kampfkraft. Die Delegiertenversammlung erwartct deshalb, daß die einzelnen Branchen in ihren Versammlungen sich dafür einsetzen, daß alle Branchenongehörigen bei der Urabstimmung ihre Stimme mit Ja abgeben." Dann berichtete Lehmann noch über den augenblicklichen Stand der Arbeitslosenversicherung. Er unterbreitete der General- Versammlung eine Entschließung, die einstimmig ange- n o m m e n wurde und in der es heißt: „Die Generalversammlung protestiert auf das entschiedenste auch gegen die Absicht der deutschen Reichsregierung, Sonder- bestimmungen und damit Verschlechterungen bei dem Bezug von Arbeitslosenunterstützung sür die Heimarbeiter und Heim- arbeiterinnen der Vekleidungsindustri« zur Einführung zu bringen. Auch ist es sin Irrtum, zu behaupten, die Kontrolle bei Heimarbeitern fei außerordentlich schwierig. Die Versammelten glauben, daß man durch Ausbau des inneren Apparates der ein- zelnen Arbeitsämter und durch Schaffung von Außenkontrollen auch die Kontrolle der Heimarbeiter bzw. Heimarbeiterinnen leicht ermög- lichen kann. Außerdem ist die Gefahr der Schwarzarbeit bei anderen Berufen nicht geringer einzuschätzen." Für die Reparatlonsarbeiler des Naßbaggergewerbe« hat der Deutsche Verkehrsbund an die Arbeitgeber die Forderung gerichtet, einen Tarifvertrag nach dem Muster des bereits für die deutschen Bauarbeiter in Südfrankreich abgeschlossenen Vertrages zu ver- «inbaren. Di« Arbeitgeber haben daraufhin um Vorlegung der Einzelforderungen ersucht. Em Termin für die Verhandlungen ist noch nicht festgesetzt. «cht«»«, Berlchr»b«t riebe, Ba« IHM üb 8. n Ml Montag, ISVt Ubr, bei Schmidt, Luckrnwalder Strai« und Um- formcrwerk Meisdreieck.. wichtig« Versammlung aller Parteigenossen. Der gr-ttionr-orftand! SPD.. Fraktion, Mmeinde und Staatoarbeiter, IS. Brjirt Treptow! Montag. W/i Uhr. im Lokal Tivoli. Neue Krugallit SS, wichtig« grak- tionsverfammlung. Tagesordnung: Vortrag de» Genossin Stllmeister Uber.Englische Wahlen und Weltvalitik". Rege Beteiligung erwartet Baugewcri»b«nd. Bangewerkschost Berlin,«chtnng, gacharnppe der ripser! Mittwoch, HM Uhr. Versammlung in den Rcssdens�Zestsälen, Landsberger Str. ZI. Tagesordnung: Stand unserer Lohnbewegung. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist da» Erscheinen aller Kollegen Pflicht. Die iZachgruppenIeiwng. »�reteGewerkfchafts-IugendVerltn. ' Heute.ffest der Arbeit". Tressen um IS Uhr vor der Lchulbaracke in Brih. T'orchimer Allee.— Die Iugenbau-stellung im Dewerlschaftsdaus. Engelufer 24— 2S, Saal n und m, ist am Sonntag, dem 8. September. Uhr, und am Sonntag, dem sowie Wochentag» von 17—22 von 10—14 Uhr geMnet. IS. September, Jugendgruppe desZeniralverbandes der Angeflellten. Morgen, Montag, linden folgend« Veranstaltungen statt: Wedding: �ugendheim Turiner Eck- Seestraße. Vortrag:.Neri), London, Sinclair. "eildrunn.— Sehinhanser LI. Vortrag:.Gyinnasti!. @ W.........■■ drei Schriftsteller unserer Zeit*. Referent: Georg Heilbrunn Borfiadt: tzugcndheim in der Schul« Kastanienallee N. vort_ Sprechtechnik�Zprechchor". Referent: Otto Polemann.— Lichtenbertt: Jugend. beim Gunterftr. 44. Vortrag:„Von der Wollt»ur Kleidung". Referent: Schreiber.— Urban!~"""— Jahr« deutsche Re, MMf fflbl— IWlllli I______>W Wilhelm Lewinski.—«härlottenburgr Jugendheim Rossnenstr. 4. Bunter Abend.— Spiel und Sport: Sportplaft Tiergarten ab 18 Uhr. cinkbg. 6 93! gebL 9901 mit aller- . feinsten schneeweißen Qänsedannen, 36 80 Geschlissene 0-90, gerupfte 0 80, 0*50 1 Kissen, gefüllt.. Weiß, gerupft od. geschlissen 3 80, l'UO Unterbett, gefüllt. Oaunsn........ 5*8U 1 Oberbett, gefüllt. 410. 3 70. 2'4S 9-80, 8-70. S-SS 11-40. 9-35. v'SS oettleckerm-elalennx bei Einkaut ton M. 20--(Ür einen Stand eratla. KOttllUSSer llsmm 88, ROSODthaler StP. 9, TüPIUStP. 71 Redl vi vus-Kur H PnMMM fttMII Verlangen Sie im Inlcr. Ihrer Gesundheli Prospeki m. Arzi-Sprecfazeli«uw. Rßflivlvus-Kiir-Anslalt,Berlln-Cfiarlnttßnliurfl2.Kanlstr.l48l Stadt— Land" ArDeitsgemeinschan tßr Wohnungsbau angeschlossen: „Stadt und Land"„Heimstatt" U. m. b. 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Insbesondere dem Reichs- danner, der SPD. dem Desangverein „Harmonie", der Innung der Gas- und Wassertachmänner Berlins und dem Voltsseuerdestattungsveretn. Im Namen der Hinterbliebenen Marie Hoebbgasler, geb. Edel. Eharlottenburg, Holtzendorffstr. 6 Danksagung Für die vielen Beweise tiefer Teil- nahm« bei bem Hinscheiden und der Einäscherungsfeier meine» Iteben Manne, uno Bater«, wie auch tlir die herzlichen Worte am Sarge unsere» teuren Entschlafenen sagen wir den Aollegen, sowie den Genossinnen und Genossen der 82. Abteilung und dem Redner de» Verbände» der Freidenter unseren innigsten Dank. Emma Riedel und Tochter Erika Berlin 0. 17. Danksagung Aus Anlaß de« Ablebens meiner Frau sind mir so viele Beweise der Teilnahme »gegangen, iür die ich nur auf di->cm siege besten» danken kann. Im Namen der Hinterbliebenen: Gustav Klingberg FUr bit vte:en Beweiie des tiefen Mtlgelllhis und Anteilnahme, die mir bei der Einäscherung meine» lieben Mannes Fritz Welmann zuteil wurden, meinen beften Dank Innigsten Dans auch dem Berdand her Nahrungsmittel- und»»tränk«- arbeiter, der 22. Abteilung, dem Reichs- banncr sowie allen Genossen, Ww. Gertrud Welmann, MUllerstraße 39. Nach langjähriger Ausbildung habe ich mich als Facharzt für Magen-, Darm- und StoKwecbsel-Krankhelien in Beriin-Schöneberg, Hauptstraße 147. als Nachfolger des verstorbenen Dr Wygodrinski niedergelassen. Ich bin zu allen Kassen zugelassen. Dr. H. PhWpDslltal Sprechstunden: 8—9'/% 4—6. Fernsvrecher: O 1, Stephan 4108L ab«rllnau, Bohnsdorf bis Kirchplal, Uber 90 Parzellen an der Schöneleider Ehausie«. Berk d. Restparzell-n qm I M oil Ver- Cttufti Sonntag» anwesend. C. A. Winkler Zehlendorf-Mitte Tettower Str. 8. Zehlmborf 2228. Znrfidc: Dr. Muskat. Orttopldle, RRn'csa, BehasdU Gehsiij.'ung Berlin W Kurf Urs tenstraße 174 ßlumenspenueu Uber Art liefert pret»wert Paal Golletn vorm. Robert Meyer Mariannen»trage 5 Eck» Naunynstrage Amt MortmU. WS« Theater, Lichtspiele usw. € ( (>\ t- v�/>�VAy �»jV r> MLWWSSZS Sonntag. 8. 1 Sloats-Oser Unter d. Linden A.-V. 184 ISVi Uhr Sonntag, 8. 9. Stäöt. Oper Bismarcks tr Tumas II 19i(i Uhr Staais-Oper Am Piai.Republ. R.-S. 15« 19 Uhr Serfllegesde ggiiändef Stastl. SdigEspti. am Cendarmenmerkt A.-V. 164 20 Uhr Sdmakenloß St38tl.Sehiller-' ltezter.cwltd. 20 Uhr 2X2= 5 Ti|l. I Tantell. 5 ml Bi/j nr eaiiamat K56 Unsen neuen Preis«! VEoctiatagi 5 Utr 60 PI. Wi 3«rt Tin.»'/; u. Seeit 5 Btr 1 W« 6 Hart Original- Raalellt narr. VoliisMiine riiiatii aiaBfiluwulsti Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heini Martin StaatUdiiiler-Ib. 8 Uhr 2*2= 5 »gl. S ii. 8» Sonnt. 2.Si.8u Al«x. E. 4. 806« VARIETE GROSSES SCiMUSPIELfiflllS tägl. 8 Ubr :Vv ÄMsiktler« Regie: ERIK CHARELL Vorverkatiiauch im Pavillon der Reinhard tbflhnen, Kurfürstendamm. Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 Seuttdies lUeatet D.I. Norden 12 310 SUs Ende gegen 11 Die Fledermaus Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E.V. Komgold. Ausstattg. L. Kainer Gustav Härtung Renaissance-Theater IUebcr 50 Mal: 7». Uhr Die heilige Flamme v. W.S.Maugham. Icuic: Gust. Härtung in übp Premie.-emieawznng_ vicinplalr C 1, 0901». 2583/84, Hudtnbergslr. 6 II" 1 Kammerspiele D.I. Norden 12310 S1/», Ende gegen IOVj Dnvidersteleiie Komödie von Gäraldy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie J I Bismck. 2414/7516 S>/4 U., Ende geg. 10 Freudiges Ereignis Lustspiel von Dell und Mitchell Regie; Leonline Sagan CASENO-THEATER Lothringer Strafe 37. Tfiglidi SVs Uhr Der neue Eronnungs- Schlager Wem Bsliört mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Personen Fautcuil nur 1.25 M, Sessel 1.75 AL, Sonstige Preise: Parkett u. Rang OÜO M. Rose- rheaier, Gro�eFrankfar|cr$tr.192. Täglich 8.15 Uhr Der Kleine Kuppler Bekanntes Pariser Lustspiel in 9 Bildern. Regie: Paul Rose Garleabfihne 5.30 Uhr: Die seheidungsreise Moderne Operette in 3 Akten Regie: Hans Rose Ab 9. September täglich 8.15 Uhr: Die weher von Gerbarl Hauptmann Regie: Paul Rose ab 8 Ohr voller Betrieb Kommen Bie reohtseltlgl - bis 8'/, Uhr- zun Hsnomao-Preitbewerl 1 Auto Hanomag• Luxus-Cabrlolat wird verschenkt 1 i 3rii!anl- Feuerwerk. Direktion Dr. Eobert Klein Deuisches XüBStler- Theater Täglich 8>/i Uhr Die andere Seite von R C. Sherrifl Regie:HeinrHllperi SerliDer Tdeater Täglich 8V« Uhr Zwei Krawate von Georg Kaiser Musik; Misch» Spoliansky Regie; Forster Larrinaga - Theater Norden 10846 Gruppe hinger Sdianspieler Täglich 8»/« Uhr cyanttall § 218 von rrienmn von Reichshalien-Theater Abends[T] Sonntag nachm. j 3] Das gr. Fest-Programm der SfeOhier Sünder Nachmittags halbe Preise, ebenfalls das volle Fest- Programm! Dönhoff- Breit'; Varl et«— Tanr Falkner- Orcheetor. FÜR FARBIGE SCHUHE Berliner Ulk-TrlO Neukölln. AS L«lt«ttr.74/7SI GEBRÜDER KRONER, EOS-Werke, Berlin und Danzig Bainovsky-BSbieu Thoatsr In dar KSniggriGsr Straße 8V. Uhr Hannibal ante portas Komödionhau* Täglich 8V* Uhr Charieys Tante mit Gart»ol«. TkBBi.amKeitt.Tor Kottbusser Str. 6 Tägl.• Uhr auch Sonnt. nachm. 3(1. Ellle- sanCer Das SepteauiBr-SdilBBer Pronraami Pianeiartum — am Zoo»m»M forlin«. 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Erhöhung des Aktienkapitals der Gesellschaft auf 1 tOOOOO— RM. 2. Aenderung des Gesellschaftsvertrages; '"" betr. Grundkapital der Gesellschaft(Erhöhungsbe Schluß). betr. Vorstand in neuer Fassung. a betr. Zustimmung des Herrn Oberpräsidenten der Provinz randenburg und von Berlin zu Bestimmungsänderungen. Berlin SO M, den 6. September 192/. „Gehag" Gemebmfltzlae HelmstBHei Ssar- ud Baa-Akflengesellscbatt Der AofsldiltraL ncnucruiik a) 8 3 be b)| 5 b( c)§ 9a! Brani 6roB-Beriin ur Keimtnis! Am Sonnabond, 14.Septemb.1MS, abends S Uhr, beginnt CIRCUS BUSCH Bahnhof BBrao, Horbataplolzolt, vloltachn WOnsohen Bolsond rata eircenaia Programm. Metropol-Tb. TägL S'A Uhr Sonntags 4 n. 8V« Blanbarf Operette von Offenbach Grefe Flnlder. Hanns Wilhelm TFiaMn-TTi.Mäkrr Täglich SV* Uhr Der Bf-UiiiiMBiltlg Das kommt doch alle Tage wer Johannes Riemann, Vllmav. Aknar, Max Land», Lotte Kllnder BeBnleieflen Rrompf obem. Beingefchwüto, f ledlten oller«ftt.Smenentjb« «eienkh., Ischfo». 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September siadimlliatft Z1/* Uhr. DedsilietRetallailieitei-lltM Betriebsräte dar Hauptgruppe 3 Olenafan, den 10. Sepfetnbcc, abend» 7 Ahr, In Siknnflsfaal de« vrrb«>nd«hnnse», Cinlenfftafi« 83.88 Uersammlung oller SftriebscatamltgUcbcr obiger 9 nippt, Tagesordnung 1.»orttop be» Kollegen JonJe., 2. Wahl oer 9-------— Mltgllebsbuch legitimiert ©nippenleitung. nnb»rtriebstalsfctte Achtung. Bauanschlagerl Oienslog.� den f o. SepIenber. abend» Z Ahr. im v«zdand»han», Cinicnflc. 83/85 Dnmehenuersammiung der Bauanscmager. Tagesordnung: 1 Bericht übet die Verhandlungen mit den Unternehm rrn. 2. Sistuffion. 8. Verschiedene«. Zu Anbetracht ber wichtigen Tagesard» zng Iii e» Pflicht, baß sämtliche Rollegen diese Ver'ammlnng besuchen, sämtliche Be» triebe mlllsen vertreten sew. Ohne Mitgliedsbuch lein gnlrltf. ACMUMI weiemetaillndustrlei Dienstag, den 10. September. nachm. 4>/, Ahr. In CEmalb» D et ei na- San». Sfolitzer Sit. 120 uersammlung aller w der Weißmetallindustrie bcsthBf» tigtrn Rollegen und Kolleginnen. Tagesordnung: Bericht von den gestihrien Sohnnerhand» langen und Stellungnahme dazu. Oonncrslo abend» I Ahr. im Sitznngssoal de» .Lfnfenftrak,» 83/83 IHentsg, den 9. 8eptbr. NU an», e mir den 12. September. im Oecbanbshoufes, Konferenz der weiblichen Uertrauens- personen und BetrtebsrBte Tagesordnung: L Der Rampf um dl« Ardeifsioseewer» stcherung. Referent: Rolleg« Bernhard Rrllger. 2. Verdandsangeiegenheifen und Ber» schiedene». Da e» sich um wichiiae Fragen handelt, Ist e« dringend notwendig, daß jeder Be» trieb vertreten ist. Die FunNianäet: lännen orgoniflerie Rolleginnen Ot»< etnstihreu. � 5pislplsn unserer antfnradieflnng. In der Woche»om 8. M» 15. i SiftmMung Bon Agsa-Rohseite 3. Kumoreste. Zn der«och» oom tS. bis 22. i L Im Morgenrot b»r Freiheit. 2. Wasteroertorgung von«erlla 3. Humoreske. Zu der Woche»om 88. dt» 88. i l. gor und Dichter. Z. Hamdurg und sewe Müllabfuhr. 3. Humoreske. 3a der Woche oo» 80. TspL Bio 8. ML: 1. SNteuset sproßer Atpenfilm) 2. Die Fabrtkltiau der vochpeqipe. 4. Humoresle. Ansroaeu omgeu Ueberlolsmig und vesdch der Adietlung find telephonisch oder fchrest» iich on die Ruituradtciiung /Bureau: Liuienstr. 83/85, Akamer 80) ,u richten Sie i Glas, Porzellan, Wirfschaftsartikel TaSSenP®raelUii,Ooldr»nd,Stflck 25Pf. Obslleller PonelUn, rerschie- 1, Liter, St 5,90 Zwei-Röhren• !Netzanschluss-i Empfänger 1 für"Wechsel- { ström, komplstt, mit 1 Laalsprecher und Anschlutssehnor i50 Wassereimer Emaiue, ca. 28 cm..............k" Mülleimer Bmaiiio,, t de mit Deckel.......... Stück I z,4� wi Emaille, rund, hohe nc Wannen Form, weiss... Stück �Pf. Kaffeelöffel Alpaka.................. Stüek 1 8, 22pl Esslöffei Alpaka...................... Stüek 38, 45?/. Ess- od. Dessertbestecke Alpaka. Paar 75?/. 1,45 issbeslecke......... Paar 50p/. Ehenhola. Paar 95?/. Gbslmesser mst/rei..................... Stück 50, 95?/. 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Stück 4,25, 6,50 UlBiller Sir.» Aleiudemlatz* Frukturier Allee Rr. 421* 46. Jahrgang 4. Beilage des Vorwärts Sonntag, s. September 192S Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 8. September: 6.30: Frühlconz�rt. 8: Für den lAodvirt. 8JW: Siuadcnglockenspiel der Potsdamer Garnisonkirdie. 9: Morgenfeier. Anschließend Glockengelänt des Berliner Doms. 10: Wettervorhersage für Sonntag. II: Elterns»unde. 11.30: Orchesterkonzert. 13.13: Heiteres. 13.45: Unterhaltungskonzert. 15.30: Klaviervorträge. 16: Dr. Dolittlcs Abenteuer. 17: Blasorchesterkonzcrt. 19.20: Bildfunk. 19.30: Eduard-Mörikc-Stundc. 20.15: Konzert. 21; Populäres Orchcstcr- konzert. Danach Tanzinusik. Montag, 9. September: 7: Funkgymnastik. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schall- piattenkonzert. 15�0: RosenZUchtung. 16: 4«) Jahre soziale Frauenarbeit. 16,25: Bildfunk. 16-35: Aliied Doblin liest eigene Dichtungen. 17; Tecransik. 18:30: Englisch für Anfänger. 19: Die chemische Industrie in der Volks- und Weltwirtschaft. 19.30: Uebertragung Städtische Oper Charlottenburg:„Der W�dschütz", Komische Oper von A. Lortzing. Danach Tanzmusik. Dienstag, 10. September: 7; Funkssminastik. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirf. 14; Schallplauenkonzert. 15.30: Eine musikalische Plaudere!. 16: 25 Jahre Ardeiter. Jugendbewegung. 16.30: Orchesterkon rert, 18.20; Bildfunk. 18.30: Stunde mit Büchern. 19: Kurzweilige Virtuosität. 19.30; Sven Hedin, Stockholm, spricht über seine Expedition durchs Innere Asiens. 20: Unterhaltungsmusik. 21; Volkslied und Schlager. Mittwoch, II. September: 7: Fankgimnastik. 12-70: Wcttcnneldnngen für dea laadwirt. 14: Schall- plattealconzert. 1S.30: Kindersorsea— Sorgenkinder. 1S-5Ö: Bildfank. 1S.05; TechaiscJie VVochenplaaderei. lfi.30: Unterhaltunjsstaade für die Kleinen. 17: Unterhaltanjsmasik. IS.30: Randschaa für Blumen, and Gartenfreunde. 1': Ceilo-Vorfräse. 19.30: Aktaelle Liebeslieder. 20: Wovon man spricht 20.30:„Schneider Wibbel", Komödie von H. Müller-Schlösser. Danach Tanzmusik. Donnerstag, 12. September: 7: rnnkgymnaatik, 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert 15.30; Was Kinder schreiben. 15.55: Bildfunk. 15.05: Anselm Fenerbach zn seinem 100. Geburtstag. 16-30: Joseph von Eichendorfl. 17: Fagott-Vorträge. 17.30: Unterhaltsames. 19: Medizinisch-hygienische Plauderei. 19.30: Schallplattenkonzert. 20: Kammermusik. 21; Groteske». Danach Tanzmusik. Freitag, 13. September: 7; Funkgymnastik. 12.30: Wettenncldungeu für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15,30; Geheimdienst und Spionage einst und Jetzt 16: Schloß und Park Muskau— Birkenwerder Briesetal. 16�0; Unterhaltungsmusik. 18: Warum ist der Zinsfuß in Deutschland so hoch? 18-30: Zum 100. Geburtstage von Klara Wieck. 19; Mietsallerlei. 19.25: Bildfunk. 19.35: Das Interview der Woche. 20: Sendespiele:„Der Vogclhändlcr", Operette von Karl Zell er. Sonnabsnd, 14. September:_ 7: Funkgymnastik. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schall- piattenkonzert. 15.30: Alexander von Humboldt und die moderne Wissenschaft. 15.55: Bildfunk. 16.05: Das Flugzeugrennen um den Schneider-Pokal. 16.30: Lustige Persiflagen. 17.50: Paul Morgan erzählt Anekdoten. 18: Konzert. 19.30: Erlebnisse In Mesopotamien und Babylonien. 20:„Bluff, Heitere Körfolge. Danach Tanzmusik. Königswusterhausen. Sonntag. 8. September: Ab 6.30; Uebertragung aus Berlin. WL30; Das Brot iiu VoTkgsltuben. 19; Die clcasinischcn Mysterien. Ab 20.15; Uebertragung aus Berlin. Montag, 9. September: 16: Französisch(kulturkundlich-literarische Stunde). 16.30: Dichtersfan de. 17; Uebertragung aus Berlin. 18: Anselm Feuerbach zum 100. Geburtstage. 18.30: Englisch für Anfänger. 18.55: Ernteausfall und Ernteverwertung. 19.20: Das Automobil und seine Behandlung. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft Deutschlandseiider: 20; Lieder. 20.30: Franz Werfet 21; Kammermusik. 21.30: Lieder aus alter und neuer Zeit Anschließend Uebertragung aus Berlin, Dienstag, 10. September: 16.30; Grcßstadtdichtung. 17: Uebertragung aus Leipzig. 18: Musikverstehen. 18-30: Französisch für Fortgeschrittene, 18.55: Rundfunk und Individuum. 19.20: Zusammenhang zwischen Literatur und Leben. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft., Deutschlandsender: 20: Mensch und Uebermensch von Bernhard Shaw, Anschließend Uehert tragung aus Berlin. Mittwoch, IL September: 16: Völkerbund und Schule. 16.30: Kurzgeschichten von Mßücr-Parten- k! reden. 17: Uebertragung aus Hamburg. IS: Entzieht die Börse der Wirtschaft Kapital? 18.30; Spanisch für Anfänger. 18.55; Rundfunk und Individuum, 19.20; Fette und Gele. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. Denfsdilondsender: 20; Uebertragunz au» Berlin. 20.30: Kirchenkonzert. AnschlieBend UeherJ fraguns aus Berlin, Donnerstag, 12. September: 15: Pröbieme der Freizeit für Juiendliche. 16.30: Dichterstunde. 17: Ueher- traffnng ans Berlin. 18: Die Ortsnamen der Mark Brandenburg. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55: Kartofteiernte nnd Kartoffelvem-ertune 1929. 19.20: Praktisch angewandte künstlerische Werbetäfiikeit. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschalt. Dentschl andsender: 20: Zeitberichte. AnschlieBend„Die StraBe", ein UsberbUck. AnschlieBend Uebertiaguhr aus Berlin. Freitag, 13. September; 16; Freie und angewandte Kunst bei der bevorstehenden Berufswahl. 16.3V: Musikverstchcn. 17: Uebertragung aus Leipzig. 18: Warum Ist der Zinsfuß in Deutschland so hoch? 18.30; Englisch für Fortgeschrittene. 18.55: Gesetzlichkeit der Natur. 19.20: Wissenscbaftlicher Vortrag für Zahnärzte, 19.53; Wetterbericht für die Landwirtschaft. Dentsdilandsender: 20; Uebertragung Hamburg: Varietd für Orchester. Anschließend Uebcr; tragung aus Berlin. Sonnabend, 14. September: 16; Die Neugestaltung des Privafmusikuntcrnchts. 1630: Die Reichsbahn» beamten unter den Dawes-Gesctzcn. 17: Uebertragung aus Hamburg. 18; Theaternot und Schauspiclerelend. 18.30: Französisch für Anfänger. 18-55: Das geistige und physische Antlitz Deutschlands. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. Dentsdilandsender: 20: Sendespiele:„Der Voselhändler" schlieBend Uebertragung au» Berlin. Operette von Karl Teller. Ans auefi bis Monatsraten Berlin. 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Nachdem ich lang« überlegt habe, ob ich„Gepäckiräger" oder„Porteur" schreien soll, schlepp« ich mein Gepäck allein, in glühender Hitze, zu einem Zügle. Ich weiß aber noch immer nicht, ob es«in„Zügle" oder schon chemin de fer ist. Es ist ein Zügle; der grün« Beamte rust im Wagen:„Paß!" und wie er nur den Umschlag sieht, geht er weiter. Es ist ein unglücklicher Mensch, scheint mir; er will ossenbar «inen bestimmten herzigen Paß sehen, und unsere sind ganz ge- wöhnliche; so wandert er weiter, von Zug zu Zug, und steht sie. alle nicht an. In Kehl jedoch walten viele Kräfte. Es sind Leute da, die schreien:„alle aussteigen!", dann Leute, die einen in Baracken treiben, dann Leute die einen zwingen, die Koffer zu öffnen, wo man doch die Schlüssel nicht findet und wenn man sie findet, kann man Nicht öffnen, und wenn man öffnet, ist gar nichts zu verzollen, und wenn man zumacht, ist man am Ende seiner Kraft und wankt dem Ausgang zu. Jetzt hat man«inen Kreidebuchstaben auf dem Koffer. Heftig sprechen sie rechts und links französisch; ich denke was wird das noch werden, am Ende kann ich auch noch Französisch. Aber wie ich es versuche und einen Beamten französisch anspreche, klopft er mir auf die Schulter:„Gehen Sie nur über die Gleise",— ich hatte ihn aber um Feuer gebeten. So etwas passiert mir noch öfter in Frankreich, und hat mich immer sehr gekränkt. In Kehl gefiel es mir sonst sehr gut. Es dauert« 20 Minuten. Zwei französische Soldaten spazierten auf dem Bahnsteig: der eine rauchte, der andere pfiff: das war nach meinem Geschmack. Wenn alle Soldaten anfingen zu rauchen und zu pfeifen, ich meine in jeder Situation, wäre bald Friede auf Erden; aber sie rauchen nur in Mußestunden, und so kommen wir nicht weiter. Eine Riesenbrücke, eine riesige Eisenbrücke ließ den Zug, in dem ich fuhr, dann über sich rollen,— und siehe da— — Siehe da, dies war das französische Elsaß, das ich verlassen hatte vor acht Iahren, nicht weit entfernt von dieser Gegend. Und ich sah, es war noch ganz dasselbe Elsaß, nämlich die Felder, die Leute, die drüben gingen, die Straßen, die sauberen, hübschen Dörfer. So furchtbar fremd klingt es: das ist ein anderer Staat. Aber sehr schön winken sie von unten dem Zuge zu; Plakate künden, wenn auch französisch, Abführmittel an. Sei mir gegrüßt, du Abfuhr- mittel, komm an mein Herz— Derzeihung, an meinen Darm,— hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein. Und dann weht die dunkle, steile Flamme des Strohburger Münsters schon über der grünen, sonnigen Landschaft. Ich Hab« nun einmal keinen Sinn für Politik; für Ideen Hab« ich Sinn. Es sind, das genügt mir, Menschen da unten, die leben; und dann gibt's vorsintflutliche Besetz- und Herrschaftsbegriffe, Mammute, die das Land verwüsten. Wie ich mittags aus dem Zug« steige, und auf den Bahnhofs- platz trete, ist der Platz weg. Di« Franzosen haben ihn weggetragen. Sie müsien ihn nach Poris gebracht haben oder in ein Museum; jedenfalls, er ist nicht da. Ich erinner« mich deutlich dieses Platzes: Er fing mit dem Bahnhof an und hörte mit den Hotels drüben auf; dazwischen waren Anlagen, Bäume, Blumen— Grünes, Gelbes, Blaues. Diesen Zwischenraum haben die Franzosen weggetragen. Jetzt ist eine Sandwüste da. Man sagt: Der Platz wird neu bebaut. Meinetwegen: man kann alles in der Welt einmal ändern; es wird olles einmal etwas langweilig: wenn sie nur keinen General auf den Platz setzen; lieber«inen gewöhnlichen Rummel mit Schieß- buden und Karussells. Und wie mein liebes Herz das noch erwägt, erblicken meine selbständig funktionierenden Augen ein großes Leinenplakat, das sie quer über den Platz gezogen haben, bemerken, aufmerksam, wie sie unter meiner Regierung geworden sind, ein« Anzahl Wimpel und Fahnenbündel, und ich lese: Es ist eine Ausstellung und eine Kirmes in der Stadt, die Kirmes mehr draußen. Ich entscheide mich für die Kirmes. Dies tue ich keineswegs, um den Handel und die Industrie herabzusetzen, sondern aus Bosheit. Der Handel und die Industrie lassen mich links liegen, und ich sie. Und stolz fahre ich in einer gemieteten Elektrischen durch die bewimpelten, musik- schallenden Straßen am Kleberplotz vorbei, wo sie mit Riesenplakaten mich ermahnen, beschwören, auszusteigen,— aber ich bleibe sitzen, hartnäckig, hartleibig: ich steige nicht aus; ich bcühe und der Handel blüht. Ich fahre mit vielen Menschen, die fast alle gemüttich Dütsch sprechen, einschließlich des Schaffners. Manche welschen auch, ein bißchen mehr als früher. Dann gibt es einen großartigen Radau, und die Straßburger Kirmes ist da. Was ist das aber für ein Radau? Wie er sich in der ganzen Welt als Rummel vorfindet. Mal ist es Lunapark, mal Iahrmakt, mal Kirmes; immer erfreut er die kleinen Leute, und es läßt sich schön da bummeln. Versäum' es nicht, liebes Herz, das dies liest, hinzugehen und durch die Rummel zu bummeln. Es ist ein Aus- flug aus der Stadt in die Provinz, in die geistige. Die Straßburger Kirmes fing mit einer Serie Drehorgelspieler an. verlängerte sich in Konfiserien und machte sich mit Schießbuden, Photographieständen und Karussells komplett. So viel Karussells, wie ich da sah, gibt es in der ganzen Welt nicht, und die Straßburger Kirmes verdient darum, vor tausend anderen gerühmt zu werden. Staunst du noch eben, daß sich eins dreht, so fliegt schon«in anderes, so wiegt schon das dritte, so schaukelt schon das vierte. Und eine Musik pompöser als die andere. Toska habe ich gehört und Foxtrott und Tannhäuser. Es konnte niemand widerstehen. Die Menschen waren von weither nach Straßburg gekommen, um das Ding zu erleben. Ich sah in Straßburg auf der Kirmes ein Publikum von wunderbarer Kompliziertheit. Abgesehen von mir, waren biedere Elsässer da, und ElsässerinNen mit Hauben, lustige Franzosen, bernalt« Französinnen und waschecht von der Natur imprägniert« und appretierte Braun«, Schwarze, Gelbe. Die trugen olle Uniformen, auch rote Käppis. Und alle schunkelten isoliert oder mit vorübergehend isolierten Damen. Wer dieses Menschenvergnügen aller Eouleurs gesehen hat, zweifelt nicht an einer glücklichen Zukunft. Abends ging ich in die Stadt, saß, wre im Krieg, im Cafö Broglie; man hätte mich beinahe ausgefegt, da ich immer sehr still herumsitze und leicht übersehen werde. Ein kolossaler Bumms war in der Stadt bis in die spät« Nacht: der sechste Ecmcours(cdcral de Musique. Sie machten in kleinen Trupp», auf Wägelchen, mit und ohne Fahnen,«inen vergnügten Lärm, sching-bumm-tmra. Auf der Kirmes passiert« abends noch ein Malheur: Jean Quartier vom 153. Artillerieregiment stürzte vom Karussell des Herrn Lapp, eine Kette riß; der Mann klagt« nachher über Leibschmerzen. ttnUher Appell: SUCltflfdlö Die Schildkröte. Oh Godd, jetzt bin ich awr erschrocken. Was ihn das? s Das iß unsre Schildkreete. Die hat mei Mann dn Kindern mit- gebracht. Aus dr Schdadt. Die kost zwe« Mark. Ja, das Schbielzeich iß so teier. Besondersch, wo ä Mechanis- mus drinne iß. Da iß doch kee Mechanismus drinne. Zu was soll dn da ä Mechanismus drinne sinn? Nu, zum Offziehn. Di« Schildkreete? Nu ja, wie kann dn die sonst loofen? Nu, wie loosen dn sie? Das iß doch gar kee Begleich. Ich bin doch ä lewendges Wesen. Unn die Schildkreete? Das iß Fabrikware. Was gloom sie denn, das Schbielzeich werd jetzt alles maschinell hergeschtellt oder wie das hecst. S wundert een bloß, daß's so teischend ähnlich sieht. Meiner Schwester ihr Kleener, der hat enn« Ende, die watschelt nawrgetreier als wie enne richt'ge. Unn wo mier neilich bei Bekannten war'n, hattense enn Schtorch, der daht eegal das eene Veen heem und dn Schnawel off unn zu klabben... Das warn wohl Diere au» Blech? Nu. daß ich nich lieg(lüge): s kann ooch Hol» gewesen sinn, oder Schtoff. Oder was andres. Jetzt machense solches Viehzeich doch sogar aus Se�se. A.�r das hat doch alles gar«tischt mit unsrer Schildkreete zu tun. Warum dn nich? Nu, weil das enne richt'ge. lewend'ge iß. Um Goddeewilln. iß das wahr? Unn sowas koofen sie ihrn Kindern? Unn so in dr Schtuhwe lassens« s« rumloofen? Das gäbs ja bei mir nich. Warum dn nich? Nee, das gäbs bei mir nich. Unn ob ich noch emal zu ihn' komm, solange wie sie so ä wildes Dier Hamm, das weeß ich ooch noch nich. Di« iß doch gans zahm. Ja, wartenses nr ab! Wo mr eegal solche Sachen in dr Zeitung liest. Da hat erscht vor ä baar Dagen e Bulle«nn« Kuhmagd I«wr. falln. unn von den Pferd, das Hamms« wohl nich gelesen, was durchgegang iß unn de ganzen Latern umgerissen hat. Unn wo ich kleen war, da hat uns unsre Mutter aus Rußland enn» Geschichte erzählt, da hat ä Wolf ä Kind aus dr Wieg« geholt. Das war L Wärwolf. Warum sag«» sie'n das alles eegentllch? Nu, warum dn? Bestie iß Bestie. Unn wenns bei den' ausbricht, da bassiert ä Mallär.(Malheur.) Sie wern mrsch wieder- sagen mit ihrer Schildkreete. Hoffentlich b«rein je's nich noch emal. Mich sehnse jedenfalls hier nich sobald wieder. Da iß mier mei Lähm zu lieb. Mutterglück. „Guckens« nr, Frau Sems, wiese drinne liegt. Wie ä kleener Engel. Ach, mier sinn gans glicklich. Da Hamm de Leite immer gesagt, mier wärn zu alt unn das däht uns zufiel Schererei machen— ach, woher denn? Ob ses gloom oder nich: mei Mann unn ich, mier zangken uns jedesmal drum, wer se ausbinden derf, wenns«... nu, wenn» ähm neet'g iß, dasse mal ausgebunden werd au» ihrn Bischbettel unn ausn Windeln. Nee, guckense bloß! Richt'g in dr Nähe misiense gucken, kommse nr gans dichte ranl Die zarte Haut. Unn die bumsltge Nase, unn iewrhaubt der kleene niedliche Kobb, das iß zuu scheen alles. Unn gssd)eit iß die. Wennfe bedenken: sier Wochen all unn schon so offn. Damm«. Die heert alles, was mr redt, unn vrschtehn duht fe jedes Won. Awr die hat schon glei sowas B'rschtänd'ges in Blick. Veowachten ses nr mal, wenn se de Oogen osfmacht. Crmgardl, nu mach nr mal deine Buckeln osf, de Frau Sems will se mal sehn. Nu, mach nr, Erm- gardl, mach nr!(Sie stupst und rüttelt das Kind solange, bis es tatsächlich aufwacht.) Sehnse, also was hobb ich gesagt! Jedes Wort vrschteht das Kind. Sogar in Schlaf. Also wenn ich das mein Mann erzähl, da werd der wieder scheen« grinssen. unn ich... ich mit. Nee, so ä Glick! Da liegt so ä Kind in diefsten Schlaft, unn mr sagt gans leise: mach deine Buckeln off,— unn weiß Godd, se macht se off. Fressen kennte mr so ä Ding for lauder Liewe.(Sie nimmt da» Kind aus dem Wagen.) Jawohl, fresien kennt'ch d'ch for lauder Liewe. du kleener sießer Balchi Fressen, richt'g fressen. Gans unn gar fresien. Ermgardl, sollch d'ch mal fresien? Ach, du alte Guhde, nee' daß du de Oog«n ostgemacht hast...(Dem Kinde paßt das aufgeregte Drücken nicht. Es schreit.) Also Frau Semf, sinnse nich ooch schbraachlos? Jetzt weent se. Nee, mei Buddl, braucht» keene Angst zu Hamm, ich freß d'ch nich. Ich wär dich doch nich fresien. Was däht denn da dr Babba sagen? Unn iewr- haubt— sowas sagt mr doch bloß, das macht mr doch nich. Heer nr off zu ween! Jsse« nich iewrwäkt'gend, Frau Sems, jetzt hat das Kind mit sein sier Wochen genau vrschtanden, daß ich gesagt habb, Ich will- fresien Ae. wer werd denn ween? Ich habb doch bloß Schboß gemacht. Also nein, da« Kind! Ich tanns gar nich erwarten, bis ich heemkomm, daß ichs mew Mann rrzähln kann. Ich bin bloß- froh, daß ses mit angesehen Hamm, Frau Sems, sonst däht dersch em«nde gar nicht gloom..." Sonne im Herzen. Babba. unser Lährer hat Helte gesagt, unsre Sonne, das wär gar nich de«ens'g«, dies gibbt. Dos isie ooch nich. Do scheint di« wohl bloß in Deitschland? Di« andern Länder Hamm wohl extra welch«? Das gloowich drwegen nich Awr gähm duhts schon noch welche. Zum Beischbiel 5)ehnsonne. Was isin das? Das iß so ä Abberahd, wo mr ne blau« Brille oftsetz«n muß. Wemmer de Gicht hat. oder Gallnschteene. He, ob der die meent? Bon«nn Abberahd hat der nischt gesagt, unn von Gallnschteen' ooch nich Nu,'s gibbt ooch noch Sonne in dr Westendasche. Zum Fode- grafiern. Bon Fodegrafiern hat der ooch nischt gesagt. Ach, jetzt kann ich mrsch denken, was der gemeent hat. Was dn? Sonne im Herzen. Wie isin das? Also das is so: wenn dr was dr Quere gegang is, oder de hast ne Endd«ischung«riebt, oder se wolln drsch Lähm schwer machen, da mußte ähm Sonne in Herzen Hamm. Wi« macht mrn das? Nu, da denkt mr, großer Godd, was isin da weiter drbei? Wollt ihr mich filleicht ärgern, denkt ihr denn, mit mir kennt'rfch machen? Da habbt'r eich geärrt! Mir kennt'r noch lange nich imboniern. Aus eich mach ich mir gar nischt. Aen alden Dreck!'n Buckel kennt'r mr nunterrutschen. Bon eich laß ich mir meine Laune noch lange nich vrdärm. Was bild'n ihr«ich iewrhaubt ein, ihr... So, das nennt mr Sonn« in Herzen? Ja. Du, Babba! Was dn? Das klabbt ja großart'g. Wieso dn? Unser Lährer hat heile nämlich ooch noch gesagt, ich däht wahr- scheinlich ze Ostern sitzen bleim. Was? Du vrflud;ter Lausejunge, du fauler Lumb, du mise- rawler! Laß mich das nich erlähm, ich doch dich krumm unn lahm, wennde heemkommst. Wag dich nich zr Diere rein, das sag ich dr! Du'.'.. Babba?! Hm? Habb Sonne in Herzen! Pietät. Is das ä richtger ausgeschtobbter Hund, den sie da Hamm? Ja, das is unser Butzi. Mier hatten uns so an das Dier ge- wehnt. Unn da Hamm mier gedacht, wo'r doht war, mr wollnen wenigstens ausschtobb«n lassen, daß mrn um uns rum behalten kenn. Das hat zwans'ch Mark gekost, das Ausschtobben. Ach, ich gloowe, mier hätten ooch fuffz'ch bezahlt. Nee, uns von den Hunde trenn, das hätten mier nich iewrsch Herz gebrocht. Dan sinn mier fiel zu biädät'sch v'ranlagt drzu. Mier reden heit« noch mit den Hund, unn schtreicheln'n, unn d« Kinder, die hatten'n sogar manch- mal ä Schtickel Wurscht an de Schnauze,— als ob'r noch lebte. Nu ja, de Kinder. Ach, mier Großen ooch. Uns is der Hund genau so ans Herz gewachsen. Wo der doht war, da wolltn mier'sch erscht gar nich gloom. Awr wenn nu mal de Motten neinkomm in das Fell? Di« warn schon mal drinne. Drum riecht der doch so nach Kamfer. Awr wissense, das war drwegen ooch weiter nischt. Sehnse, osf der een Seite, da sinn de ganzen Haare abgefressen. Awr seitdem sieht der Hund eegentlich erscht richt'g nadierlich aus. Das is nämlich so: So gerne wie mrn hatten,— so ä großer Rumtreiwer war er. Unn wenn der ahmds heemkam, oder frieh, je nachdem, da sah der jedesmal genau so raud'g aus wie dort, wo der Mottenfraß is. Nowr, Butzi, so«encr warfcht du? Gloomses, wenn ichn sowas frag, wie ähm j«tzt zum Beischbiel, da is mir'sch eegal, als mißte der Hund dn Kobb rumdrehn unn belln. Se Hamms awr ooch scheen gemacht frsch Geld. Die Oogen sinn wohl aus Glos? Ja. Awr wie nadierlich die sinn. Nowr, das fällt Ihn' ooch off. Genau so treiherz'g hat der in Lähm ooch immer geguckt. Gans genau so. Nee, das misiense schon einsehn, wenn mier so enn Hund vrgessen kennten, da mißten mier doch wer weeß wie biädädlos sein Ich kennte mir nich vorschtellen, daß's solche Menschen gibbt. Da is der wohl an Altersschwäche geschtorm? Ach ne«, der war ja noch gar nich so sehr« alt. Der hätte gans gut noch Schticker fünf, sechs Jahre lähm kenn. Nu, an was isin der da geschtorm? Ach, das is so ne Sache. Wenns« nich direkt drnaä) gefragt hätten, hättch's ihn' filleicht nich«mal gesagt. Awr ä Geheimnis isies nadierlich ooch nich. Wisienfe, unsre Frieda, die hat doch korz nachn Krieg geheirat, unn da gabg doch kee Fleesch. Awr lumben lassen wollt« mr sich drwegen ooch nich. Enn Braten wollte mr den Leiten doch vorsetzen. Schon wegen unfern Schwiegersohn sein Brwcrndten. Was hätten denn die sonst von een gedacht. Das heeßt, wenn mrsch hinterher ansieht, da wärsch ja schließlich eegal gewesen—'s hat nämlich alles nischt genitzt. Er hat s« drwegen nich lange behalten. Awr das konnte mr doch damals noch nich wissen. Unn da Hamm Sie den Hund...? Ja, unfern guhden Butzi. Also ich sag ihn', kee Mensch hat was gemerkt. Wies feinste Kalbfleesch hat der geschmeckt. Manchmal, wenn ich'n so offn Fensterbrett schtehn seh, unn ich denke dran,— da leeft mir Heike noch's Wasser in Maule zufamm. grShidennillionen und lachende Erben Ein Ereignis, das an die in Lustspielen so beliebte„Ankunft des Onkels aus Amerika"«rinnett, wird aus R u m a, einer kleinen Stadt-in der jugoslawischen Provinz Syrmien. ge- meldet. Ein Serbe namens Nikolaus Bizumowitsch, der aus der Stadt Ruma stammte, starb im Jahre 1906 in London. Et war der Erfinder einer Haarschneidemaschine, die dann ihren Siegeszug durch die Well antrat und dem glücklichen Eigentümer des Patents ein Millionenvcrmögen einbrackit«. Da er keine direkten Erben hinterließ, so blieb das Riesenvcrmögen zunächst in der Verwaltung des englischen Staates. Die jugoslawischen Behörden wurden aber von England über den Tod ihres früheren Untertanen verständigt, und»s sind setzt Erhebungen über Angehörige angestellt worden, di« noch am Leben sind. Der Erfolg war, daß sich aus Ruma und einigen benachbarten Dörfern gegen 200 Personen meldeten, die sich plötzlich ihrer Verwandtschaft mit Bizumowitsch erinnerten und nun ihre Ansprüche nachzuweisen haben werden, tun in den V der Millionen zu gelangen. Stichard gerlach: SJOftniCflfWlMfCW Sand. Weich und nachgiebig ist Sand. Wenn man sich am Meeressamn in ihm bettet, kann man ihn spielerisch durch die Finger rinnen lassen. Dann fließt er wie Wasser. Gleich der ewig fortschreiten» den Aeit rieselt er im Stundenglas«: wenn heute die Sanduhr bloß noch beim Eierkochen benutzt wird, so achteten sie die Vorfahren höher, sie sahen in ihr das Handwerkszeug von Freund Hein, dem Tod, der wartete, bis das letzte Körnlein niedergerollt war. Granit wurde vom Wellenschlag zu Sand zerrieben, stets von neuem aufgerührt und gemahlen. In dem Mörser der Küste wurde das härteste Gestein zerstampft. Sand ist ein Pulver des Ungedeihens. Zu träge, um Wachs- tum zu spenden, überläßt er sich dem Wind, dem Regen, der Bran- dung und den Gestirnen. Nirgends hat er eine feste Stätte, wandel- bar ist seine Gestalt. Den Menschen bringt er wenig Nutzen. Nur kümmerlichen Disteln und spröden Gläsern gewährt er eine kurze Blüte. Dem Eindringling hängt er sich an die Füße, daß nur ein mühsames Fortkommen ist. Ich aber liebe den Sand. Denn wo er sich ausbreitet, ist Ruhe und Frieden. Die Sandküsten freilich sind im Sommer für zwei Monate mit Badenden überschwemmt. Aber nach chrem Gewimmel gibt er Mäßigung und Dämpfung. Nach dieser Zeit sind die Dünen wieder verlassen und still. Dann ist die hellgelbe Weite wieder Urlandschaft und Zeit- losigkeit. Mir ist, als schritten die Helden des Homer lautlos daher, groß in ihren Gedanken, feierlich in ihren Worten, schicksalhaft tn ihren Taten. Meine Augen folgen dem Jrrlauf einer Ameise, die immer von neuem denselben Berg anrennt und zu übersteigen strebt. Unergründlich ist, was sie treibt. Aber sind unsere Sorgen anders? Und wenn wir schon über den wehenden, gleitenden Sand einmal siegen, was dann? Schließlich ist er in oll seiner Veränderlichkeit beständiger als Mir. Der chinesische Dichter Laotse hat es gesagt: Das Weicheste überdauert das Härteste. Schiffe stranden, das Holz der Planken verwest, das Eisen frißt der Rost. Sand deckt schließlich alle Tra- gödien zu, Sand schüttet die Stelle zu, wo die Liebenden saßen, Sand tilgt den Fleck, wo ein Ertrunkener angespült wurde. Alle Fußtapfen sind bald ausgelöscht. Reglos wie frisch ge- follener Schnee schimmern die Hügel. Du lehnst dich zurück in die sanften Polster, und während du dich faul ausstreckst und zu den Wolkengirlanden emporblinzelst, träumst du von Diogenes, der die Sonnenruhe für den wertvollsten Teil seines Daseins hielt.,. Unschuld der Kreatur. Arglos sind die Unerwachsenen, denn das Glück ruht noch in ihnen selbst. Wir anderen haben das Glück von unserer Person getrennt. Und je weiter wir die Sehnsucht nach fernsten Zielen schicken, um so rastloser und unbeständiger verrinnt das Leben. Kennt der Baum den Zweifel, wo er seine Wurzeln ins Erb- reich senken soll? Schwankt die Hirschkuh, wie sie ihre Füße setzt? Sie wissen olle, was ihnen not tut, die Pflanzen, die Tiere, die kleinen Kinder. Wir aber haben es vergessen. Unsere Trostlosigkeit will die Güter dieser Welt an sich reißen. Aber was halten wir? Wenn wir plötzlich ein schlichtes Wesen erkennen, wie er. schüttert es das Herz. Ich sah einem Hirsch in das braun« sanfte Aug« und wußte, was Ruhe ist. Ich hörte das Lied einer Gras- mistfe und faßte wieder Vertrauen. Ich ahnte tausendfältig Gras und Knospen sprießen und fühlte auch in mir die sraglose Seligkeit, jung zu sein. Der Ruf der Rinder auf den Weiden ist erfüllt von Wiesengrün vnd Heudust. O plumper, wuchtiger Schritt der Kühe. Der winzige Knabe der biblischen Geschichte, im Schilf vcr- steckt, rührt die Frauenherzen, daß sie sich seiner Liebe annahmen. Und sogar die stolze Königstochter, die soeben noch an ihrer goldenen Halskette gebastelt hatte— plötzlich bekam sie weiche Hände. Wie viele Tage habe ich verschwendet mit verhärteten Gedanken und Menschen, die immer etwas von mir wollten. Warum gingen sie nicht dorthin, wo man sie brauchte? Arm ist die Erde an Menschen, deren Seele etwas oerschenken kann. Welches Tiers rißt mehr, als Platz in seinem Magen ist? Sie «ollen alle weiter nichts als ihr einfaches Leben. Uns aber sprengt es von einem Ehrgeiz zum anderen. Und selbst im hingegebenen Kuß noch möchten wir die Ewigkeit überlisten und halten, halten, was uns ein gütiges Geschick heute schenkte. Wie bescheiden und sacht treten die Rehe de« Abends auf die Lichtung. Worum sind wir nicht mehr wie die stillen Geschöpfe der Natur und wünschen uns anderes, anderes? Worum find wir so begierig auf den wunderbaren Zufall, der morgen kommen soll? O, schöner Tag! O, Heute! ZRaft tu der SlHenue Es geht ein dunkles TchnGten ILxn eine müde Sterinen rast. ®st rvar ich) dort ein stiller Gast, Wenn mich) Sorgen vorn Weg versGenchten. t25cnn drangen auf harten'Wegen Der fcnnte füllt tag ging, Bin ich) im Stroh gelegen, Das schwesterlich) mein Teld nrostng. fSlan soll das kleine lieben, "Wenn man die'Welt dnrchchährt. Das Stille bleibt nnd mährt, Wenn das Große vorn Stnrrn vertrieben. Die lanten Gassen starben, Der meich)e Stiebe spann. t5m fKasch)eln goldner Garben Sing leise das Glnrt zn fingen an. fStan rnnß ni�t Immer gehen Ärn hellen Tag in Stanb nnd Glnt. Die Erde schläft in bessrer Hnt. 'Wenn die Sterne am Himmel stehen. Und menn die Dlot ermattet Ans blassen Steinen liegt. C5st an� der fDlonb nmschattet 'Dom'Weh, das in Gottes Fernen stiegt. Will erst die Frende kommen, Dann geh' ich) in den Tag hinein, Dloch) eh' der erste Sonnenschein 2K.uf roten �Wolken entglommen. Und ich finge in allen Gassen, Im Dorf nnd in der Stadt» Vom Teid, das die Scheunen verlassen Und Heimweh nach wandernden Sternen hat. Nrauz D�othenfelber Jaroshtv Stulka:«5�0 Iii Soroc-teo ßulti, tschechischer vrrletorischer Dichter, flofiBritn tn Mai 1924 int Alter rem 28 Jahren. Strci Bücher, ErMluitg«»„Skr. flucht« Menschen" und„Miirder" find sein Werk. Di« Enterbten de» Schicksal», bor Bettler, der Waisenknabe, die Dirne, der Laaabund, die Orfer der Tuberkulose sind seine Stoffe. Die Wiesen, welche von den kühlen Wäldern näher heran zu dem atmenden Dorfe fliehen, erfreuten sich eines goldenen Vor- mittags mit himmelblauen Augen des Vagabunden Paul. Paul, Paul. Paul, dieser von Gott weiß woher gelaufene, Gott weiß wo- hin wandernde Name lief hinter der Marie über dunkle Stiegen aus einen Boden hinauf, erschrak auch nicht vor dem Gestank eines summenden Stalles, und stürzte sich ihr während der Nächte köpf- über in ihre Träume, die wunderbar und geschmeidig waren wie Seide. Am Morgen aber halle die Marie stets glückliche Augen. Der Paul aber war«in offenherziger Vagabund, der nicht demütig um Brot und Milch bettelte, sondern schlichtweg sagt«: „Bäuerin, hobt Ihr etwas zu essen? Ich werd' mir's abarbeiten!" Dann aß er und verschwand im Wolde. So geschah's eines schönen, fröhlichen Tages. Aber die Augm der Marie folgten ihm hinterdrein. lind seitdem laufen sie beständig hinter ihm her. Dein Paul, Paul, Paul. Die Marie liebt den Paul. Und der Paul die Marie. Wenn sie beisammen sind, gibt es kein« Bauernhöfe, Wiesen und Felder auf der festen Erde, sondern sie wellen zusammen irgend- wo oben bei der heißen Sonne und den träumenden Sternen. Und beinahe glauben sie, daß das Leben aus purer Liebe und aus dem Glück bestünde. Daß es keinen Hunger gäbe, der die Hände verwundert fragt, wohin sie die Arbeit gegeben hoben, daß t$ keine wrmd« HSndtz gebe, die da klagten: — In Schwielen und Wunden habe ich mich verwandelt!— — Auch In Brot?— — Auch in Brot!— — Auch in genug Brot?— — Ach, Kamerad, in wenig Brot und viel Schmerzen und Aerger.— Das Leben ist doch durch die Liebe und das Glück geworden! Ihr Wiesen, die ihr fünfzehn Sllick Rindvieh, zwei Paar Pferde. «inen Bauern und eine Bäuerin ernährt, ihr traget auch die schönste Blume für die Marie... Und der Paul findet sie. Und spricht:„Hier hast du, Marie!" Seine Stimm« klingt zufrieden und träumerisch wie dos Abend» lied der Mägde beim Bache hinter dem Dorfe. * Paul blieb zur Arbeit auf dem Hofe, aus dem die Marie ihre Kräfte verkaufte. Der Vagabund faßte Wurzel. Er entdeckte eine neue Sonn«, die er nicht auf jedem Rain. jeder Landstraße, jedem Holzschlage oder Heuschober gesehen hätte. Und sprach er„Marie", so klang es wie ein Gebet. Die Well wurde kleiner, aber halle mehr Wärme und Farben. Und barg auch ein glückliches Liedchcn. Das begann so:„Bis wir einmal..." Und endete so: ,,--- dann bauen wir uns ein kleines Häuschen." Wer zwischen dem Anfang und dem Ende dehnte sich ein ent» setzlicher langer Weg, auf dem sich zwei Panr Hände und zwei Paar Füße abrackerten. * Wenn du schon bei Lebzeiten im Himmel weilen würdest, immer wird sich jemand finden, der dich ausdrücklich daran erinnert, daß du auf den Himmel erst nach dem Tode Zeit genug habest. Bei Lebzeiten schon im Himmel leben, da? kostet viel Geld. Und Paul war ein armer Knecht. Der Gendarm aber hat ein gutes Gedächtnis und lange Anne. Er weiß, wem vor Zeiten im Nachbardorf« ein Huhn und Brot abhanden gekommen ist. Er weiß auch, nach wem er fahnden soll. Weshalb hast du deine Sonne so nahe entdeckt? Ja, ist es denn vernünftig von dir, fünf Kilometer weit sich von dem Ort zur Arbeil zu oerdingen, wo einmal dein Magen dein unumschränkter Gebieter und deine flinken Hände dein Brotgeber gewesen sind? Di« Gerechtigkeit, mein Bübchen, kümmert sich wenig um deine Lieb« und dein fröhliches Liedchen, das da endigt... „Dann bauen wir uns ein kleines Häuschen!" Es liegt ihr nichts daran, daß du Wurzel gefaßt hast. Und noch weniger kümmert sie sich um die abgcweinten Auge« deiner Marie. Die Gerechtigkeit ist ein Gendarm mit einer Fllnte und einem donnernden, selbstgefälligen:„Mordie, Herrgott!" Später ist sie ein Gerichtssaal mit mürrischen Menschen und Christus am Kreuz zwischen zwei Leuchtern, der allerdings nicht spricht:„Lasset die Kleinen zu mir kommen", ebenso nicht:„Selig sind die Armen!" Dann ist die Gerechtigkeit eine Reihe trockener Paragraphen und das Kriminal, wo du genug Zell hast, die Erkemllnis zu bekommen. daß«s das beste ist, wenn du von hier herauskommst, wieder ein Bagabund zu werden, denn es wird sich niemand finden, der dir Arbeit gibt. D u bist«in Dieb l Ein 10 000 Zahre aller Menschenschädel wurde in einer Ziegelei- sondgrub« in Treptow an der Tollense in Pommern gefunden. Zu einer Zell, als die ganze Ostsee und auch Telle Pommerns von riesigen Gletschern bedeckt waren und der Rand des Eises etwa in der Gegend der pommerschen Küste lag, führten die Wasser, die vom abschmelzenden Eis gcblldet wurden, mächtige Sand- und Schutt- Massen nach Süden. Eine solche Schmelzwasserrinno ist das Tollenfe- tol, an dessen Abhängen Sandmassen ungefähr 7 bis lll Meter über der Talsohle gelagert sind, die heute teilweise abgebaut werden. Dabei kam in etwa 3 Meter Tief« der erwähnte Schädel zum Vor- ichein, der nach Untersuchungen des Gcolngisck>-Paläontologischen Instituts der Universität Greifswald etwa 10 000 Jahre alt sein muß und somit den ältesten menschlichen Ueberrest aus Rorddcutschlond darstellt. Sleinplatken als Fensterscheiben. Bevor die Füllung der Fenster- Öffnungen, mit Glas in Frage kam, die in der späteren römischen Kaiserzeit schon bekannt war, verwendeten die antiken Völker dünne durchsichtige Steinplatten als Füllung. Solche steinernen Fenster- scheiden sind noch an verschiedenen antiken Bauten erhallen, so in Ravenna und anderswo. r Franse 3�59- ilö89.- •-$119.- Diirre Blätter auf allen Wegen verkünden den Herbst.— Bei uns finden Sie nichts Veraltetes oder Abgelebtes, sondern nur das Modernste und Lebensfähigste in reicher Fülle zu den bekannten Oadiel'schen Preisen I WoliDlüsch , verkauf nur.. Spondauerstr.32 • r franse, gesreue Copien v.Perser Teppichen Für Äie korain«nB »«et» fortige Kleidung am Lager. »+0,50 Wua# matMffie rusdien. Winter* nkaiei»u» kuneiboxr. ghnUcfaea Stötten, Ua gl» n- Schnitt mit Knopfgarnitur, Taschen, c oderoen Aermeln, Gürtel mitSehnalJe, Grübe 60-10»..nur •+1-5«