Morgenausgabe Nr. 427 A 215 46.Iahrgang Wöchentlich SS Pf, monatlich Z.S0 M. »m voraus zahlbar. Postbezug 4�? M. einschließlich 66 Pfg. Postzeiwng»- 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»- abonnement 6.— M. pro Monat. Der.VorwSrts' erscheint wochentSg- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im liandel mit dem Titel.Der Abend-. Illustrierte Beilagen„Dolt und Zeit- und. Kinderfreund-. Ferne? .Unterhaltung und Wissen-..Frauen. stimme-.Technik-.Blick in die Vücherweli" und.Iugend-Vorwarts� Berliner Volksbla« Donnerstag 12 September 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die« I n f p altig« NonparelllezeN« ») Pfennig. Reklameietl» b.— Reich». mark.„Kleine An�iaen�' da» settg� druckt« Wort 2b Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» wettere Won 12 Pfennig. Stellengesuch« da» erst« Wort IS Pfennig« jede» weiter« Won Iii Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. ArbeitsmarA Zeile SO Pfennig. Familienanzetgen Zeil» 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- ««fchäst Lindenstraße S. wochentäglich wo» ftV» bis 17 Uhr, Zentvaloesan der SozialdemokvaiisOen ISartet Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 öZS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. KS. Ditkonto-Gesellschaft, Deposttenkasse Lindenstr. 8. Der Griff ins Bombennest. Neue Verhastungen/ Die Vernehmung der Verhasteten dauert an. Mit den drei gestern nnchurittag Verhasteten befinden sich jetzt insgesamt 13 Personen in Gewahrsam des Berliner Polizeipräsidinms. Alle sind der- nommen worden. Die Festgenommenen befinden sich samtlich in Einzelhaft, so daß eine Verständigung unter ihnen nicht möglich ist. Einzelne der Verhafteten spielen, wie sich herausgestellt hat, eine erhebliche Rolle in der Rechtsbcwegung. Die Polizei hat«och verschiedene Beweise in der Reserve, daß man die der Tat dringend Verdächtigen, die zum prosten Teil ihre Beteiligung au den Bombenatten» taten ableugnen, an Hand des vorliegenden Materials zu überführen hofft. Wie wir noch erfahren, liegt bisher gegen keinen der Festgenommenen ei« richterlicher Haftbefehl vor. Das Laboratorium in Neukölln. Der Polizeipräsideat teilt mit: Die im Zusammenhang mit den in Hamburg und Schleswig. Holstein erfolgten Verhaftungen am Morgen des lt. September festgenommenen Personen wurden im Lause des Tages vernommen. Dabei stellten sowohl die zur Gruppe Solomon als auch die zur Gruppe Timm gehörenden Personen jede Verbindung mit den Zkitentaten in Abrede. Durch das beschlagnahmte umfangreiche Schrislmaterial und auch durch Zeugenaussagen ist jedoch schon einwandfrei festgestellt, daß die zur Gruppe Solomon gehörenden Festgenommenen in engster V e r. bindung mit den in Holstein festgenommenen Per- sonen standen. Bei den zur Gruppe Timm gehörenden Personen ist fest- gestellt worden, daß noch in lehter Zeit in der Wohnung des Timm versuche mit Sprengstossen. Tränengas und Sprengwasser(Pikrin und Ztikroglyzerin) angestellt worden sind. Die Chemikalien stammten von dem festgenommenen ehemaligen Feuerwerker w i l s k e, dessen Wohnung in der Bodesiraße in Reukölln ein v o l l. ständiges Laboratorium darstellt und dessen Einrichtung und Bestände zurzeit von einem Sachverständigen eingehend unter- sucht werden. In diesem Laboratorium wilkes. der sich Laborant nennt, sind praktische versuche zur Herstellung von Sprengkörpern vorgenommen worden. Der ebenfalls zu dieser Gruppe gehörende festgenommene Schlosser Roßteutscher war früher Mitglied des„Ausschusses für die Organisation öffentlicher Kundgebungen", der„Sportabteilung" der Rationalsozialistischen Partei und ist zurzeit Vorsitzender der Ortsgruppe Berlin de« Bundes der Frennde Schlageters. Die ganze Gruppe Timm ist noch ein Ueberbleibsel der ehemaligen Spreng, und Sabotage- Organisation Hauen st ein. die von ihrer Tätigkeit in Oberschlesien und im Ruhrgebiet bekann« ist und in der die Personen um Timm eine Arbeitsgemeinschaft bilden. In einem Ease in der Leipziger Straße wurden heule nachmittag um 3.50 Ahr der Zöjährlge Vertreter ho r st v o n S a l o m o n. der 27jährige Knrt Heinz von Winterseldt und der 2gjShrIge Flugzeugführer Willy Elchler festgenommen, weil sie sich in verdächtiger weise über die vombenatlentäter unterhielten. Sie wurden der Abteilung I A des Polizeipräsidiums zugeführt. „Oer Dummkopf ist ins Garn gegangen" Ucber die Verhaftung der in dem Polizeibericht genannten weiteren drei Personen weiß eine Lokalkorrespondenz noch zu melden: In der K o n d i t o r e i H i l l b r i ch in der Leipziger Straße unterhielten sich drei jung« Leute über die Bombenattentate und als einer von ihnen im Bezug auf den verhafteten Dr. Salinger den Ausdruck gebrauchte:„Jetzt ist der Dummkopf doch der Polizei ins Garn gegange n". benachrichtigten Personen. die vom Nebentisch her unb:absichtigt das Gespräch mit angehört hatten, die Kriminalpolizei. Nach einiger Zeit erschienen auch drei Kriminalbeamte und nahmen die drei fest, die als der 2.5jährige Der- treter Horst von Solomon, der 27jährige Pilot Kurt Heinz von Winterseldt und der 29iährige Flugzeugführer Willy Eichler festgesteM wurden. Der letztere hat während des Ruhrkampfes unter dem Namen Sadowski unter der Führung hauen st eins dem Schlag«terkr«is angehört. Die drei Festgenommenen wurden dem Sonderdezernat der Politischen Polizei zugeführt. * Bis in die späten Rachtstunden hinein sind gestern die in einem Easö in der Leipziger Straße Festgenommenen von Solomon. von winterseldt und der Flugzeugführer Elchler von kriminal. tommissar vlühlsricdel eingehend vernommen worden. Alle drei stellen in Abrede, mit den Bombenanschlägen auch nur das geringste zu tun zu haben. Sie behauplen. sie Höllen sich zwar über die vor- gange der lehlen Zeit und besonders über die gestern erfolgten zahl- reichen Verhaftungen unterhalten, bestreiten aber jede Beteiligung oder Milwisserschast an den Attentaten. Diesen Angaben wird zunächst noch wenig Glauben geschenkt. Alle drei wurden kurz nach Mitternacht in Polizei- gewahrsam gebracht. Die Haussuchung im Bureau Consul. Wie schon im größeren Teil unserer Wendausgabe mitgeteilt werden konnte, wurde am Mittwoch auch in dem Bureau Ehrhardt in der Lützowftroße gehoussucht. In dem Bureau lausen die Fäden der ofsiziell aufgelösten„Organisation Consul" zusammen. Als die Polizeibeamten im Laufe des Vormittags erschienen, war jedoch noch niemand im Bureau anwesend. Die Haussuchung verzögert« sich infolgedessen. Erst gegen Mittag erschien die Selretörin, ein Fräulein L q n z t e. Die Beamten nahmen diese �ame mit aus das Polizeipräsidium, nachdem sie das gesamt« im Bureau vorgefundene schriftlich« Material be schlag- nahmt hatten. Der Geschäftsführer des Bureaus, namens Plaß, war nicht aufzufinden. Es wird vermutet, daß er sich ver- borgen hält. Weitere Verhaftungen in Hamburg. Hamburg, 11. September. In Verfolgung der Aufklärung der Bombenanschläge ist heute abend hier eine weitere Anzahl Perso» nen von den Beamten der Abteilung I A deS | Polizeipräsidiums Berlin festgenommen worden. Nachdem einige der verdächtigen Personen in einem Cafe beobachtet worden waren, versuchten mehrere andere, die vor dem Lokal Aufpasserdienste leisteten und mißtrauisch geworden waren, in einem Auto davonzufahren. Die Kriminalbeamten sprangen aber blitzschnell hinzu und hielten das Auto, das sich eben in Bewegung setzen wollte, an. Die Männer wurden ebenso wie die in dem Lokal sitzenden Personen fest- genommen und vorläufig dem Hamburger Polizei» Präsidium in Gewahrsam gegeben. Altona, 11. September. Die Vernehmung der in Verbindung mit den Sprengstoff- attentaten verhafteten und in Altona eingelieferten Personen dauerte den ganzen slag über an. Ein offizieller Bericht wird morgen vormittag vom Polizeipräsidium ausgegeben werden. Mehrere der mit der Untersuchung der Angelegenheit beauf« tragten Beamten haben sich heute nachmittag wieder in die Provinz begeben. Man erwartet weitere Verhaftungen. Die Vernehmungen in Altona. Altona, 11. September. Di« Vernehmung der in der Angelegenheit der Bomben- anschlage Verhafteten wurde im Lauf« des heutigen Mttwoch fort- gesetzt. Sämtliche Festgenommenen bestritten, irgendetwas mit den Anschlägen zu tun zu haben. Nur Nickels gibt, wie bereits gemeldet, den Transport der Höllenmaschine von Heide nach Hamburg zu. Im Lause der vergangenen Nacht sind bei sämtlichen Festgenom- mencn Haussuchungen vorgenommen worden. Dabei wurden an zwei Stellen Handgranaten gesunden. Die in der Re, daktion der Itzehoer Zeitung„Das Landvolk" beschlcignahmten Papiere und Schriftstücke werden zurzeit einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Wie aus Breslau gemeldet wird, sind dort inzwischen der Landvolkführer Harnkens-Tetenhüll sowie der Diplomland- wirt M u t h m a n n verhastet worden.(Muthmann war der Fih- nenträger in der bekonnten„Landoolk"-Demonstration in Neumünster. Um die von ihm geführt« schwarze„Sensensahne" entspann sich damals der Kampf mit der Polizei, der zu offenem Aufruhr aus» artete.) Der verdächtige Kraftwagen, der in Krempe führerlos aufgefunden wurde, gehört einem Mann namens Herbert Volk, der, wie gemeldet, auch von der Polizei gesucht wird, aber mit falschem Paß ins Ausland geflüchtet ist. Es handelt sich um einen Ford- wagen, der die Nummer I? ZS 088 trägt. Ueber die Perfonalien der Verhafteten wird noch folgendes bekannt: Der Bankbeamte Kart Pünjer ist ILA in Mona geboren, der verhaftete Hans Plöhn wurde 1881 in Hannover geboren und ist Goldschmied in Itzehoe. Da er ein geschickter Bastler ist, glaubt die Polkzei annehmen zu können, daß Plöhn an der Herstellung der Bomben beteiligt ist. Der Kaufmann Johnsen wurde 1883 in Husum geboren. Schriftleiter Bruno von Salo- man stanimt aus Stettin, wo er 13 nach de?'A«fdeck«ng-Zusammenhänge ein p»i»fctÄ?s chrin o t a l i s ch e s Alibi zu veHchaffen. Daher der Ruf nach der ganzen Schärfe des Gs- setzes! Wir fordern hierzu die ganze Schärfe der moralisch- politischen Verurteilung gegen alle, die den Boden bereitet haben, auf dem dies« Verbrechen gedeihen tonnten! Di«„Deutsche Zeitung" nennt die Polizeiaktion«inen „Generalangriff gegen rechts", einen„Schlag gegen das nationale Deutschland". Die„Deutsche Zeitung" ist ein Blatt der Hugenberg-Front, die das„nationale Deutschland" reprä- sentieren will. Die Fabrikanten der Höllenmaschinen, die Bombenattentäter, die Mörder und Verbrecher von der OC.— das ist das..nationale Deutschland"! Herr Hugenberg hat ihnen allen Unterschlupf gegeben, er hat ihnen die Möglichkeit zu neuer Tätigkeit gegeben, so wie er denen um Hitler neue Möglichkeiten gegeben hat. Diese politische Tatsache schafft kein Abrücken und keine„außerordentliche Freude" über die Verhaftungen aus der Welt! Eine Warnung an die Führer der Agrarbewegung! Die ständige Drohung mit der Rebellion der Verzweiflung, mit der Wiederhollina der Vorgänge von Kyritz und von Beiden- fleth, setzt jene Elemente in den Sattel, denen die wahren Interessen der Landbevölkerung nichts sind, das politische Verbrechen gegen die Republik aber alles. Die Führer der sogenannten„grünen Front" haben eben erst sachliche An- träge und Forderungen mit diesen agitatorischen Drohungen verbrämt. Diese Methode muß eingestellt werden, wenn nicht künftig die republikanische Oeffentlichkeit hinter solchen Kundgebungen lediglich die Absübt des politifäi-n Angriffs gegen den Staat, die Absicht der Förderung putschistisch-ver- brecherischer Bewegungen sehen soll! Hitler-Hiigenbergs Volksbegehren Die Spuren verwischen...! Verdächtigung, am abzulenken. Hitler hat in seinen bombastischen Aufrufen, in denen er gor ein« Lelohnung aussetzte, in d«n letzten Tagen noch den Verdacht ausgesprochen, daß die Attentate auf Anzettlung p r e n ß i- scher Polizei st«llen erfolgt ftien. , Darüber ist fast ixrgesftn worden, dost die„Deutsche Zeitung" de» Herrn El a ß schon am 2. August— unmittelbar nach dein Attentat auf das Haus des Rechtsanwalts Strauß in Lüneburg— die gleiche schamlos« Verdächtigung oerössem lichte. Sie brachte damals unter der provozierenden Uebeischrift: „Bombenanschläge auf Bestellung?" und in großer Aufmachung einen Aufsatz, in dem dies« Sätze zu lesen waren: „Der fast als schsmatisch zu bezeichnende Verlauf der bis- herigen Anschläge läßt den Verdacht aufsteigen, daß«» sich bei allen diesen Anschlägen um«tue in ollen Polizeislaaten so beliebte cockspihelarbeit handeln kann, um eine„provokattou", wie der Fachausdruck lautet. E» ist kein Geheimnis, daß g«. wisse Kreise nur aus eine günstige Gelegenheit warten, um eine Rühe ihr höchst unbequemer und daher verhaßter n a- tionaler Verbände— sa sogar Parteien— auszu- lösen. Bieiel sich eine solch« Gelegeaheii nicht, dann muh sie eben geschasse« werden. Ebenso leicht,»sie zum Zweck von Stimmungsmache mit Hilfe verkleideter Beamten„Feme- Oer Oawes-plan sott foribesteh�n! Der Hstler-Huzenberg-Seldte-Ausschuß gibt jetzt den Wortlaut des„Gesetzentwurfes" bekannt, den er durch ein Volksbegehren zum Volksenischeid bringen möchte. Das Volksbegehren soll in Szene gesetzt werden, sobald der Reichs» lag die neuen, zur Ausführung des Poung-Planes nötigen Gesetze beschlossen und ein Drittel des Reichstags die Aussegung der Verkündigung der Gesetze beantragt hat. Daß sich ein Drittel des Reichstags zu dieser Wahnsinnstat, die die Fortdauer der Besetzung zur Folge haben müßte, bereit finden wird, ist unwahrscheinlich. Die hinter dem„Volksbegehren" stehenden Parteien oerfügen nur über 90 Mandate. Der Reichstag hat 4SI Mitglieder. es sind also bei vollbesetztem Hause 164 Stimmen notwendig, die auch durch Hinzustoßen der 34 Kommunisten— aus die man offenbar rechnet— und der Splitter kaum zu er- reichen sind. Sollten sie erreicht werden, so wären noch rund 2 Millionen Stimmen aus dem Volke notwendig, damit ein Volksbegehren zustande kommt, das dem Volksentscheid zu unterbreiten ist. Werden sie nicht erreicht, so sind 4 Millionen Unterschriften nötig. Ein Beschluß des Reichstags kann nur dann außer Kraft gesetzt werden, wenn sich die Mehrbeit der Stimmberechtigten an der Abstimmung beteiligt. Da für die Gegner des „Volksbegehrens" kein Grund zur Beteiligung vorliegt, müßten also seine Urheber die Mehrheit aller deutschen Wähler und Wählerinnen mit Ia-Zetteln an die Urne bringen! Selbst unter den Mitgliedern des famosen„Reichsaus- schusies" dürfte sich niemand befinden, der s o dumm ist, die Erreichung dieses Zieles für möglich zu halten. Wir lassen nun den Wortlaut des Gesetzentwurfs folgen, indem wir jedem Paragraphen gleich unsere Bemerkungen hinzufügen. Der Entwurf nennt sich„Gesetz gegen die Ber- sklavung des deutschen Volkes". Es müßte richtig„Gesetz zur Verewigung der Versklavung des deutschen Volkes" heißen, wie man sehr bald bemerken wird. s 1. Die Rtichsregierung hat den auswärtigen Mächten unverzüg- lich in feierlicher Form Kenntnis davon zu geben, daß das er- zwungene K r i cg-s s chu!da n e r k e n n t n i s des Versatlkr Vertrages der geschichtlichen Wahrheit widerspricht, aus falschen Voraussetzn ngen beruht und völkerrechtlich unverbindlich ist. "Den auswärtigen Regierungen ist hinreichend bekannt, daß schon Graf Brockdorff-Rantzau in Versailles im Namen der Regierung Scheioemann am?. Mai 1919 die Anerkennung der deutschen Alleinschuld am Kriege feierlich ab- gelehnt hat. Diese Ablehnung ist dann, von der Regierung Bauer angefangen, von den verschiedensten deutschen Regierungen wiederholt worden. Eine nochmalige Wieder- holung würde an dem gegebenen Zustande des Bölkerrechts nichts ändern. 8 2. Die Reichsregierung hat darauf hinzuwirken, daß das Kriegsschuldanerkenntnis des Art. 231 sowie die Art, 429 und 430 des versailler. PftAqgps f ö x m l i�ch außer Kraft gesetzt werden. Sie haf.'ferner-charaus'cht'N�nw fp-ke m, daß die besetztei» Gelnet« nunmehr unverzüglich und bedingungslos sowie unter Ausschluß jeder Kontroll« über deutsches Gebiet geräumt werden, unabhängig von Annahme oder Ablehnung der Beschlüsse der Hooger Konferenz. Die Abänderung des Versailler Vertrags auf dem Ver- Handlungswege ist nur zu erreichen, wenn sich alle Mächte, die diesen Vertrag unterzeichnet haben, bereit er! I ä r««, über sie zu verhandeln. Solange, bis diese Bereitschaft vor- Händen ist, bleibt alVs beim alten. Wäre es aber möglich, neue Verhandlungen herbeizuführen, so wäre es eine an Idiotie grenzende Bescheidenheit, nur über p r.a k. tisch bedeutungslos� Artikel.zu verhandeln, wie über Kriegsschuld und das nur aftj dem Papier stehende Recht der Wiederbesetzung(Art. 429, 4�1), nicht aber über K o r r i- dar. Oberschlesien. �upen-Malmedy. Anschluß Oesterreichs. Entwaffnung und finan- zielle Belastung. Im übrigen ist die ganze Unter- hallung sinnlos, weil es eben r4Ht wöglich fein wird, die Gegner auch nur an den Verhandlungstisch zu bringen. Die gegenwärtige Reichsregien�ng hat nicht nur auf die Räumung.Hingewirkt", sonder�' sie hat sie erreicht. Dieses Erreichte soll wieder zerfchlagvn werden, damit man auf die Räumung.Hinwirken" kann. Äuch die Verhandlun- gen über die Befreiung des SaargeiMets würden wieder zerschlagen. § Auswärtigen Mächten gegenüber dürfen neth? Lasten>md Verpflichtungen nicht übernommen werden, die auf Hem Kriegeschuld- anerkenntrris beruhen. Hierunter fallen auch die Lasten und Verpflichtungen, die auf Grund der Vorschläge der Pariser Sachveriltöndigen und nach den daraus hervorgehenden Vereinbarungen.von Deutsch- land übernommen werden sollen. Das ist nun das Tollste vom Tollen! Netze Lasten dürfen nicht übernommen werden. Das heißt, d.ig alten bleiben bestehen. Der Aoung-Plan darf nicht in Kr.tft gesetzt werden, damit der Dawes?Plan in Kra�t bler- ben kann! � Das Käthchen vob Heilbronn war ihrem Ritter vom Strahl nicht so treu, wie es die Dawes-Deutschnation�len dem Dawes-Plan sind, dem sie am 29. August 1924 mit ihren Stimmen zur Annahme verholfen haben. l ß 4. Reichskanzler und. Rcichsminifter sowie Bevollmächtigte des Deutschen Reiches, die entgegen der Vorschrift des§ 3 Verträgä mit auswärtigen Mächten zeichnen, unterliegen den im§ 9? Nr. 3 StGB. vorgesehenen Strafen. Staatsrechtliche Pfiffikusse, die sie sind! Sie drohen—- fürchterlich!— der Reichsregierung mit dem Landes- Verratsparagraphen. Die Reichsregierung kann aber Verträge von der gemeinten Art nur mit Zustumnung des R e i ch s t a g s beschließen, der den§ 4 des Gesetzes--- wieder aufheben kann, wenn es ihm beliebt. § s. Dieses Gesetz tritt Mit seiner Verkündung in Kraft. Das Gesetz zur ewigen Versklavung des deutschen. Volles wird niemals angenommen, also auch niemals verkündet werden und daher amh nie in Kraft treten. Dieser Paragraph ist also vernünftig. Im Ganzen jedoch hat man den Eindruck, daß hier Ver« ächter der Demokratie am Werke sind, die sich mit dem deutschen Bolle einen rohen Scherz erlaubst. Die Zumutung, für einen solchen Gesetzentwurf zu stimmen, mutz von jedem zur Not noch denk- fähigen Menschen als eine Beleidigung zurückgewieselt werden. sitzungen" im Berliner PGlizeipräsidium gemimt und bildlich dargestellt werden, so können auch Sprengstoffanichläge künstlich iu Szene gesehk werden.— ebenfalls, mn gewisse„Snm- mungen" künstlich zu erzeugen. Daß dabei einige Gebäude und Wohnungssinrichtungen zerstört werden und der Schaden ersetzt werden muß, bedeutet dabei herzlich wenig— wir Habens ja dazu. Derartige„Provokationen" sind im bolschewistischen R ä i e st a a i e gang und gäbe und werden von den dortigen Machthaber» und ihren Kreaturen oft und gern ausgeführt. TUornm sollen diefe bewährten Tschekamethoden nicht auch Im haibbolfche- wistischen Preußen mit Erfolg angewandt werden, wenn es gilt, „Material" gegen den v-rhaßlen„Feind von Rcchrs" zu sammeln'?" Nach am Montag ließ die gleiche„Deutsche Zeitung" durch de» Sachverständigen über unsittliche politische Verträge, Geh. Iustizrat Theodor Wolfs, die Behauptung oerbreiten, die einzigen Interessenten an den Bomdcnat'entoten seien die— Sozialdemokraten und deshalb müßten die Täter auch in ihren Reihen gesucht werden! Der Plan, die Spuren von vornherein zu verwischen, ist also sehr deutlich.zu erkeiiiien gegeben! Die Saarverhandlungen. Simson führt die Delegation. Das Reichskabinett befaßte sich, wie amtlich mitgeteilt wird, in seiner gestrigen, unter dem Vorsitz des Reichsministers für die besetzten Geöie!«, Dr. Wirth, obgehaltcneu Sitzung mit der Zu- iammcnsetzung der Delegation, die bereits in allernächster Zeit m Paris über die Rückgliederung des Soargcbietes mit Frankreich ver- handeln wird. Die Führung dieser Delegation wird Staatssekretär a. D. Dr. von Simson übernehmen. Ihm werden als Delegätionsmit- glieder Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Ministeriums für die besetzten Gebiet«, des Rcichsfinanzministcriums, des Reichswirtschafts. Ministeriums, Preußens und Bayern« beigegeben. Es bleibt vorbehalten, nach Maßgabe des Fortschreitens dex Ver. Handlungen zur Delegation auch noch Vertreter anderer Ressorts abzuordnen. Die engst« Zusammenarbeit der Delegation mit Ver. Zeppelin wieder in Fahrt. Besuch des rheinisch-wesifälischen Industriegebiets. Da» cvslschiss„Gras Zeppelin" ist gestern abend um 2Z.tS Uhr zu der bereit, ougckündizlen Fahrt nach dem rheinisch- we st säli- scheu Industriegebiet mit 28 Passagieren an Lord ans- gestiegen, ver Start vollzog sich vollkommen reibungslos. Da» eust- schiff entfernte sich sofort Iu nördlicher Richtung. treten, der Unternehmer und Gewerkschaften sowie der sonstig«« beteiligten Kreise des Saargebietes und der benachbarten deutsche« Gebietsteile ist sichergestellt. Dietrich an die„Grüne Front". Treffende Antwort des Fieichsernährungsminifiers. Der Reichsernährungsminister hat die neuesten Forderungen der landwirtschaftlichen Spitzenverbände, der sogenannten„Grünen Fron t", umgehend beantwortet. Die prompte Antwort des Mim- sters läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Er oer- wahrt sich mit Recht gegen die anmaßende Tonart in dem Schreiben, die den Anschein erweckt, als ob die Agrarführer der Reichsregierung gänzlich neue Mittel und Weg« zur Behebung der landwirtfchast- liflzen Not vorzuschlagen hätten. Minister Dietrich, der den Agrarführern mit einer langen Liste von Stützungsmaßnahme» und Subventionen, die von der Rcichsregicrung im Interesse der Landwirtlchast durchgeführt wur- den, aufwarten kann, zögert auch nicht, den Herren Schiel«, Brandes, Hermes und F c h r das Gedächtnis etwas zu stärken. Zu den Anträgen der„Grünen Front" selbst bemerkt der Minister, daß Maßnahmen für eine Stützung des in der Tat sehr niedrigen Roggenpreises im Gange seien, die ober zurzeit im ureigensten Interesse der Landwirtschaft nicht öffentlich zu diskutieren sind. Die vorgeschlagenen Hilfsmaßnahmen für den Kortoffelmarkt erforderten nach den Wünschen der Antrag- steller ein Kapital von insgesamt 35 Millionen Mark. Es fei leicht, solche Forderungen aufzustellen, viel schwerer aber bei der gegen- wärtigen Finanzlage des Reiches das notwendige Kapital zu de» schaffen. Die Forderungen auf Erhöhung des Malzzolles erscheine völlig unverständlich. Die fast grotesk« Forderung der Agrarführer, den Handelsvertrag mit Finnland sofort zu kündi- gen, während zurzeit Deutschland mit diesem Staate in Handels- politischen Verhandlungen steh«, wird von dem Minister natürlich rundweg abgelehnt. Di« weitere Forderung aus Erlaß der Rentenbonkzinsen könne notüilich nur möglich sein, wenn der Vaung-Vlon zur Durchführung gelange. Mit feiner Ironie be- merkt der Minister, daß bei einer derartigen Forderung der lon�- wirtschaftlichen Spitzenverbände angenommen werden darf, daß sämtliche Unterzeichner damit der Annahme des Paung- Plane» zustimmen. Di« von den vier Männern, darunter drei ehemaligen Reichs- ernährungsministern. gegen ihren jetzigen Kollegen unternommene Attacke richtet sich durch ihre rein agitfltvnsche Grundlage von selbst Jedenfalls sollte sich die Landwirtichost darüber im Haren sein. daß in den Zeiten, xoo auch nur einer von diesen vier Männern im Reichsernährungsministcrium saß, nicht ein Bruchteil von dem durchgerührt wurde, was unter der gegenwärtigen Regierung im Interesse der Landwirtschaft geleistet worden ist. Hugenbergs Herz. Während eitler Cheruskerrede. Während der Oawes-Abstimmung. Abschluß der Genfer Debatte. Die Antrage gehen an die Kommissionen. KP.«Dämmerung in Frankreich. Moralischer Niedergang und Moffenflucht. 1'\> Paris. 11. September.(Eigenbericht.� Die.Humanite" hat nach dem Hinauswurf von sechs Redot. teuren in dem bisherigen Direktor des Parteiorgans in Roubair Florimonde Bonte einen Chefredakteur erhalten, der das Blatt nach den Instruktionen des Parteinorf tan des zu leiten hat. lieber die Perfönlichsit und Vergangenheit dieses Direktor» weist der so- zialistische Abg. Evrard ausführliche Einzelheiten zu berichten. Florimonde Bonte, der einer der skrupellosesten Gesinnungslumpen sei, ist in einem Jesuitenkloster erzogen worden. Er war im Kriege einer der aktivsten Führer der reaktionären Iugendverbände in Roubaix, wo er für die Unternehmerverbände den Kampf gegen die sozialistischen Organisationen und vor allem gegen den alten So-- zialistenführer Jules G ue sde geleitet hat. Im Kriege war er Offizier, erst nach dem Friedensschluß hat er seine antimilitaristifche Gesinnung entdeckt. Der Zersetzungsprozest der Kommunistischen Partei und ihrer Gewerkschoftszentrale macht unaufhaltsame Fortschritte. In den sogenannten revolutionären Gewerkschaften gewinnt, wie der ..Peuple" mitteilt, die Auflehnung gegen die Diktatur der ausschließlich nach den Befehlen Moskaus arbeitenden Zentral« täglich an Bedeutung. Di« versucht« Säuberungsaktion, die in einer ganzen Reih« Gewerkschaften mit dem Ausschluß verdienstvoller Vorstandsmitglieder eingeleitet wurde, hat nicht nur eine Verschär- fung der Protestbewegung, sondern auch ZNasseuauslrltte zur Folge gehabt. Die Gewerkschaftszentrale scheint jedenfalls froh darüber zu sein, den für Ende September in Aussicht genommenen Gewerkschaftskongreß, auf dem der Konflikt sicher explodiert wäre, abblasen zu können. Auch der„Populaire" stellt fest, daß die Regierung mit ihrem Verbot den Kommunisten wieder einmal einen unschätzbaren Dienst leistet. Innenminister Tardieu Hab« sich zu diesem Gegendienst wahrscheinlich oerpflichtet geglaubt durch die tatkräftige Wahlhilfe, die die Kommunisten im vergangenen Jahr der Reaktion geleistet haben. Rusiungspropagandist Shearer. Mit amtlichem Marinematerial nach Genf! Washington. 11. September. Im Weißen Hause ist«in Brief des Präsidenten der Bethlehem Steel Ship Building Corporation, G r a c e, eingetroffen, in dein cr zugesteht, daß die Gefellschaft den Shearer als Beobachtet nach Genf geschickt habe, dafür 25 000 Dollar Entschädigung vereinbart worden ui�» schon«in Drittel bezahlt sei. Dagegen de- lauptet Grace, daß Shearer, wenn er auch long« Zeit im Dienste der Gesellschaft als aktiver Propagandist gestanden habe, seit einiger Zeit nicht mehr beschäftigt werde. Inzwischen scheint aber Shearer noch lang« nicht alle sein« Trümpfe ausgespielt zu haben. Er er- klärt nämlich, daß das kleine Blaubuch, dos ihm während feiner Tällgkeil in ' Genf so nützliche Dienste geleistet habe, Ihm vom amerikanischen Warinsdepartement übergeben worden sei. Zwei Tag«, bevor er nach Genf abreiste, sei ihm«in großer offizieller Briefumschlag des Marinedepartsments auf seinen Ramen übergeben worden. In diesem Umschlag habe sich das Blau- buch befunden, das die Statistiken über sämtliche Flotten der Welt enthielt. Shearer erklärte, daß nur hohe Beamte des Blarinedepartement» auf diese» Blaubuch ein Anrecht hätten, und daß er bereit sei, das Buch, das er noch besitze, der Untersuchungskommission vorzulegen. Das Marinedepartement ist demgegenüber der Ansicht, daß dieses Buch keine groß« Be- d« u t u n g habe und nichts anderes fei als«in Schulbuch. Das Eingreifen Präsident Hooverö. Washington, 11. September. Zur Frag« der propagandistischen Tätigkeit Shearers. der be- Hauptes, ihm seien von ungenannter Stell« im M a r i n e a m t ge- heim« Aufstellungen über die Kampfwerte der britischen und der amerikanischen Flotte zugesandt worden, die er dann 1027 in Genf zu seiner Pressekampagne benutzt Hab«, wurde im Weißen Hause erklärt,«s sei klar, daß eine weitangelegte Propaganda- tätigkeit bestanden habe und nach besteh«, um die«nglisch-ameri. lanischen Verhandlungen über die Rüstungsherabsetzung zu behin- dern. Präsident H o o v e r sei daher«ntschiossen, diese Machen- jchaften gründlich zu untersuchen und bloßzulege». Die Oderkommission. paager Entscheidung gegen den Anspruch polen«. Amsterdam, 11. September.(Eigenbericht.) Der Haager internationale Gerichtshof entschied in der Frage der territorialen Grenze der Oderkommission mit 9:3 Stimmen, daß deren Befugnisse sich auch aus Teil« jener Nebenflüsse per Oder erstrecken, die aus polnischem Gebiet liegen. Hinsichtlich der Zuständigkestsgrenzen stromabwärts verweist der Gerichtshof auf den Versailler Artikel 331, der dafür die Befahrbarteit der Oder und ihrer Nebenflüsse voraussieht. Die drei polnischen Richter stimmten dagegen.__ Oer Tonfilmkrieg. Apparat in Vvdapest beschlagnahmt. Budapest. 11. September. Auf Anzeige der Firma Si«m«nsu.Halske wurde in dem Lichtspieltheater Forum, einem der größten Budapester Kinos,-in Apparat zur Produktion von Tonfilmen wegen Patent ein. griff, gerichtlich konfisziert. Der Apparat soll einen Bestandteil, für den die Firma Siemens n. Hal-k« dos ausschließliche Potent besitzt, entholten.' Der»echtsausschuß des Reichstages ist für Donnerstag, den 19. September,«inberufen worden. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung des Gesetzentwurfes zur Regelung älterer staatlicher Renten.(Standesherren.) W. ScTiw. Genf. 11. September.(Eigenbericht.) Es hatte nach dem Zusammenbruch der Großmachtspolitik namentlich in Deutschland die rührende Vorstellung geherrscht, daß der Fortschritt in der internationalen Welt von den kleinen Staaten ausgehen müsse, und nachgewirkt hat diese Vorstellung bis in die jüngst« Zeit z. B. in der Forderung, daß Deutschland im Völkerbund sich an die Spitze der kleinen Nationen stellen solle. Die heute zu Ende gegangene Generaldebatte hat deut- licher als je bewiesen, daß die Güte der internationalen Politik eines Staates nicht von seiner Größe abhängt, sondern von den Funktionen der gesellschastlichen und politischen Reife seiner Bürger. Gewiß ist von verschiedenen kleinen Staaten manches hübsche und zutreffende Wort gefallen, aber die Initiative, den Völkerbund zu festigen, dos internationale Recht aufzubauen und die Wirt- schaftsinteriÄlonale zu örganlsieren.H ph'sie'�ucksiD ouf-Pie Größe der Staaten von denfenigen unter ihnen ausgegangen, die die p r>. litifch fortschrittlichsten Delegationen nach Genf«nt- sandten. Hier ist jeder Vertreter eures Landes ein Exponent der herrschenden oder zur politischen Herrschaft aufgestiegenen Schichten und jeder Leiter«in Expose der in diesem Lande herrschenden geistigen Kräfte. So nimmt es nicht wunder, daß die positiven Vorschläge aus dem Staatenkreis heroorwuchsen, der innerhalb Europos die entwickeltste gesellschaftliche Struktur Hot: im Norden England und Dänemark, im Westen Frankreich, in der Mitte und im Osten Deutschland. Dort, wo die organisierte Arbeiterschaft am meisten politische wacht hat. wird die fortschritl- lichste ialeraational« Politik getrieben. Di« tontreten Vorschläge Englands, die Anregungen Frankreichs und die Kritik Deutschlands sind die treibenden Kräfte, die nunmehr die Kommissionsarbeit in dieser und der nächsten Woche bestimmen. Diese Kommissionen sind nicht wie in einem Parlament kleine Körperschaften, die nur einen geringen Teil der Abgeordneten umfassen, sie stellen den Völkerbund im ganzen dar und unterscheiden sich von der Vollversammlung nur dadurch, daß jeder Staat nicht drei oder mehr, sondern nur je einen Delegierten entsendet. Die Beratung der Wirtschaftskommission über die Fülle der vorliegenden Anträge beginnt morgen mit einem Bericht Dr. Breitscheids, der alsbald zur Darlegung des besonderen deutschen Standpunktes übergehen wird. Die Fülle der vorgelegten Anregungen ist so groß, daß L o u ch e u r bereits davon gesprochen hat. diese Kommissionen müssen morgens und nachmittags tagen Die Beratungen dieser Kommission und der Verfassungskommission werden das Gesicht der nächsten Tage bestimmen. In dieser letzteren werden in einer Menge, die sich noch nicht völlig übersehen läßt, die Problem« der Kriegsächtung, der Schiedsgerichtsbar- keit, der Sanktionen, der internationalen Polizei und der Revision oon Verträgen im Anschluß an den eng- lischen Verjasiungsreoisionsgedaiiken öffentlich aufgerollt werden. Hinter den Kulissen gab es heut«, noch«inen recht ernst- haften Kampf um die Behandlung des China- Antrages über die Revision von Verträgen. Im Tagesordnungsausschuß ist man sich über die weitere Behandlung noch nicht einig. Namentlich Staaten mit übermäßigem, noch nicht recht verbautem Gebietserwerb wchrcn fsth auf da» äußerste dagegen, daß Artikel 19 der Völkerbundsfatzung überhaupt be- sprachen wird. Da» ist etwa so, als ob in einem Parlament über einen Berfassungsartikel nicht diskutiert iverden dürfe, weil das gewissen Leuten auf dl« Nerven fällt. Dieser Zustand darf natürlich nicht länger andauern, und dies um so. weniger, ol» sich— wie bei dem Völkerbundskongretz im Juni und auch sonst in der Politik— alsbald herausstellen wird, daß die ärgsten Krakeeler diejenigen sind, die die geringsten sachliche» Kenntnisse haben. Die unmittel- bar« juristische und politische Tragweite des Art. 19 ist l S n g st nicht so groß, kvie vielfach angenomnEn wird. Eine ernst« Diskussion würde gerade denjenigen, gut tun, die sie am meiste» --> fürchten und nur znr Beruhigung dieser allzu leicht aufgeregten Gemüter führen. Deutschland und die Wil tschastsanträge. Gens, 11. September(Eigenbericht.) I» einer Pressebesprechung gab die deutsche Völker- bundsdelegation der offiziellen Skepsis gegenüber den in der Dundesversammlung eingebrachten Wirtjchaftsan- trägen Ausdruck. Deutschland verkemic nicht, daß die Wirt- schckftsfragen Hauptgegenstond der diesjährigen Völkerbundberatun gen bilden würden, man zweifle aber an praktischen Er- gebnissen der von Frankreich und England vorgeschlagenen Wege. Den englischen Antrag einer Konferenz über die A r b e i t s b e- ding un gen im Bergbau werde Deutschland unter- stützen, weist aber darauf hin, daß dem Internationalen Arbeitsamt die führende Nolle in dieser Angelegenheit zu- komm«, lieber die.Zweckmäßigkeit der von den Franzosen gefpr- dexten dipftuyotisthen Kohlen- und Zuckerkonserenz könne erst entschieden werden, wenn das Ergebnis der am 30. September statt- findenden gemeinsamen Konferenz der Arbeitnehmer, und Arbeit- gebersachoerständigen des Bergbaues vorliegt. Die Frage eines zweijährigen Zollfriedens sei ernsthaft zu prüfen. Mo» > ruß aber nach den Erfahrungen mit der Zollsenkungsaktion der Weltwirtschaftskonferenz vom Jahre 1927 vor jenen Hoffnungen in dieser Beziehung warnen. Auch die Zweckmäßigkeit einer neuen Weltwirtschoftskonferenz sei anzuzweifeln, da aus dem sronzösi- lchen Vorschlag nicht hervorgehe, womit sich diese Konferenz he- schäftigen soll. Dagegen legte Deutschland großes Gewicht darauf. daß die Frage der Behandlung ausländischer Personen und Firmen auf der für den November vorgesehenen Völkerbundskonferenz einer weitgehenden internationalen Regelung unterworfen werde. Völkerbund will eigene Radiostation. Genf, 11. September.(Eigenbericht.) Am Mitiwochmittag tagten drei Bölkerburidskommisiionen. Die Abrüstungskommission beschäftigte sich mit der Frage einer Radio- st a t lO n des Völkerbundes. Die Mehrheit, darunter Deutschland, das damit seinen früheren Standpunkt preisgab.. verwarf den Borschlag der Schweizer Regierung, eine neugebaute Schweizer Station bei Genf als Völkerbundstation zu benutzen und schloß sich einem englischen Antrag an, der«ine u n n t> h ä n- gig« Völkerbund st ation errichten will. Eine dement- sprechende Eiitsehließung wurde der Budgetkommiffion zur Prüfung der Kostenfrage überwiesen. Die Budgetkonrmission behandelte die Gehälter der Mitglie- der des internationalen Gerichtshofes und ging dann zur Be- ratung des Voranschlages für 1930 über, der gegenüber dem Budget von 1929 eine Mehrausgabe von 12ä 000 Franken vorsieht. Der Ver- treter Deutschlands, der Zentrumsabgeordnete K a a s. trat dafür ein,, daß das Budget weit genug gefaßt würde, um die finanzielle Bewältigung der sich von Jahr zu Jahr vermehrenden Aufgaben des Völkerbundes zu gewährleisten. Die humanitäre Kommission behau- delt« Kinderschutzfrogen, ohne ihre Debatte darüber obzu- schließen. Die Sprengung des Wasserfloffatoms. Vortrag Prof. Vonhorffer« in Amerika. Blinneapoli», 11. September. In der Jahresversammlung der American Clzemicol Society demonstrierte der deutsch« Chemiker Dr. K- F. B o n h o e s s« r, Professor am Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin feine neue Hydro- g e n t h e o r i e. derzufolge das Wasferstoffatom sprengbor ist. Die daraus resultierenden zwei Gas« haben vonentander verschiedene chemisch« Eigenschaften. Dr. T a y l o r. der Vorsitzende der American Chemical Society nennt die neue Theorie die größte Erfindung von 1929. Die Blätter berichten darüber ausstchrlich und sagen, wenngleich es sich zunächst um ein rein wissenschaftliche» Problem handelt, so könne die Theorie dennoch von größter praktischer Be- deutung für die Gewinnung van Gasolin und für die Petroieumindustric werden.(Die Mögtichkeii, daß früher sozusagen als der Grundstoff geltende Wasserstosjotom durch bestimmte Bestrahlung zu sprengen, ist an sich schon seit einigen Jahre« bekannt. Red. d.„&*) Arbeitsmarkt und Konjunktur. Trotz stärkerer Veschästigung höhere Arbeitslosigkeit. Befinden wir uns in einer abgleitenden Konjunktur? Nimmt man die Zahlen der Arbeitslosen, dann kommt man zu einer Bejahung dieser Frage. D'e Rationalisierung in Industrie, Handel und Landwirtschast hat ober sooiele Arbeitskräfte überflüssig gemacht, ohne daß durch eine entsprechende Steigerung der Kaufkraft und«ine Verkürzung der Arbeitszeit die aus der Produktion ausgestoßenen Arbeitskräfte wiederum in die Produktion eingereiht werden. Statistisch läßt sich bei unserer primitiven Pro- duktionsftatistil leider noch nicht nachweise», wieweit der Arbeitsmarkt belastet wird durch die Steigerung der Pro- d u t t i v i t ä t. Es komnrt hinzu, daß alljährlich Hunderttausende neue Arbeitskräfte untergebracht werden müssen, während ein großer Teil von Arbeitskräften, der'vor dein Kriege aus der Pro- duktion ausschied, darin verbleibt oder länger zu verbleiben bestrebt ist, als es früher der Fall war. Das trifft nicht nur auf die Fronen zu, sondern auch auf die Alten und auf den Teil der Arbeitskräfte. der früher selbständig geworden wäre, heute aber infolge des größeren Kapitalbedarfs bei Etablierung eines Betriebes nicht mehr dazu in der Lage ist. Dazu kommen noch die Schichten der früheren Selbständigen, die durch die sogenannte Reinigungskrise wieder in das Proletariat hinabgestoßen wurden. Vergleicht man die B e s ch ä f t i g u n g s z r f f e r, die sich auf- baut auf den Mitgliederbestand der Krankenkassen, mit der Zahl der verfügbaren Arbeitsuchenden, so macht man die Feststellung, daß die Beschäftig ungsziffer steigt, während gleich- zeitig auch die Anzahl der Arbeitslosen steigt. Nimmt man die Beschäftigungszifser vom l. Januar 1925 mit 199, so betrug diese Beschäftigungszifser im Mai 1928 111,8. Im selben Zeitpunkt betrug die Anzahl der verfügbaren Arbeitsuchenden Z2:j«cht»»«, eicmcnc-s�udcrt, Metal- unb ftabclxtl! Heute 1« Übe r I i- au�dcm Alemannia-Eportplab. Gartenfeld, wichtige Berfammiun» aller i-z SPD.-Veniisfinneii uird.Genossen. Genosse Barth spricht ttber.Partei. Fl M arbeit im Eilmenz.Aon?ern'. Jeher Genosse hat die Pflicht, zu er- M ll scheinen. Ginnpathisscrenb« können einaesiihrt werbe». '.l Angestellt« im Siemen»- tionzerol ssreitag, li Uhr, im Lokal oon :- Marsand,„Heidekrug", Bersammlung sämtlicher SPD.-Genossinnen und£3 rS Genossen auo den Angestelltenkreisen. Enmpathisierende können ein- Fi M aefiibr! werden. Genosse tk. Bortb soricht über.Di« Parteiarbeit im.F W Siemens. Konzern!" Regen Besuch ei4>ai!-t D«r Araktiooooorstaub. W Achtung, SPD.-zroktio- der ASS.. Kabelwerk uud Trauosorma- l-3 fü toten! ssreitog. 16 Uhr. bei Sachs. Schillerpromenate 2. wichtige szrak.£3 tionssisiung. Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstand. Der grutralorrbaud der Angestellten beruft für den 13. September. in Kaocrland» lZestsälen. Reue zriebrichstr. 35, eine Versammlung aller ssllr- sorgerinnen unb ssllrsorgcr ein, in der die Genossin Paula Kurgas Uber .Die gemeindlichen Ausgaben der Wohlfahrtspflege" sprechen wird. ,�reie Gewerkschafis-Zuqend Verlin. Die Gruppenveranstaltungen fallen au». Beteiligt euch an den heute stattfindenden Veranstaltungen und Kundgebungen: Kundgebung.» Köpenick um IS Uhr im Stadtthcater. Kundgebung im Sumboldthain mit anschließender Demonstration. Treffen um 1814 Uhr am Brunnenplaß. Demonstration in Neukölln. Treffen um 1» Uhr R-uterplaß.— Die Jugend. ausstellung im Gemerkkchastshaus. Engelufer 24—25, Saal n unb m. ist Wochentag» von 17-22 Uhr, am Sanntag, 15. September, von 10—14 Uhr ge. öffnet. .�uaenvqruppe des Zeniralverbandes de? Angestellten. Heute, Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Pankow» � Riede rsckGobansen: Görschstr. 14. Vortrag:.Jugendoflege und Jugend. filrsorge". Referent Stadtjugendpflegcr Henscl.— vsten: Jugendheim Litauer Straße 18. Bortrag:.Die sozialistischen Denker und ssllhrer". Referent Artur Rachow.— Treptow: Jugendheim Wildenbruchftr. 53 ikugang oon der Graeß. straße). Dortrag:.Sozialismus und Indioidualiomus". Referent Artur Rachow.— Schöuedcrg: Jugendheim Hauptstr. 15 tSofgebäude. Thllringen. zimmert. Wir besuchen die Piseator-Borstelluna.— Spiel und Sport: Soor!. vlaß Olb-rsstraßc am Bahnhof Iungsrrnh-id- ad 20 Uhr, Sportplatz Humboldt- Hain ab 18 Uhr. Drrantwortlich sttr Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: G. Klingrlhöfer; Seoorkichastsbewegung: I. Siriarr: Feuilleton; Dr John Sckikow,ki: Lokale» und Sonstiges: Walter Trojan: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwäris-Berlag G. m b. H. Berlin Druck: Borwärls-Buchdruckcre« und Berlagsanftalt Paul Singer u. So.. Berlin SW 68 Linden straße ll. Hier»» I Beilage»od.Unterdeltuna und Wisse»" ,.. Stc Siclv einen Rauchen Sie EN VER 6EY igarehen Nr. 427* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Oonnersiag, 42. September 4929 Vas tragische Geschick der Feuerwehrleute Ehrl st et. Stemm und pseisser. die bei dem großen vochstuhl- brand am Sursürstendamm ums Leben kamen, hat der Bevölkerung wieder einmal mit aller Deutlichkeit gezeigt, wie g e s ö h r l i ch der Kamps gegen das entfesselte Element des Feuers ist. Man kann im allgemeinen nicht sagen, daß die Vevälkerung tem Verständnis habe für die schwere und zugleich gefahrvolle Tätig- knt de? Feuerwehrmann«?. Doch nur wenige wissen, daß die Arbeit de? Feuerwehrmannes an der Brand- und Unglücksstelle zwar d'e gefahrvollste und am meisten anstrengende, aber doch nicht die Tätigkeit ist, die sein« Arbeits- und Neroenkrast am meisten in Anspruch nimmt. Man könnte beinah« sagen, daß die Bekämpfung der Brände und die Hilfeleistung bei Unglücksfällen wohl der Happtpveck der Feuerwehr, ober eigentlich nur eine Nebenbeschäftigung des Feuerwehrmannes ist. So ist zum Beispiel eine große Feuerwehrwache im vorigen Monat 40 mal alarmiert worden. Die gesamte Tätigkeit der Wachmannschaften bei rdiessn Alanniernnzen nahm 4 5 A rb e i t s st u n d e n in Anspruch, von denen jedoch der größte Teil in der Zeit der sogenannten D i« n st b e r e i t s ch a f t lag. Aehnlich sind auch die Tätigkeits- berichte der übrigen Feuerwchrwochen. Lediglich in den Winter- Monaten wird die Feuerwehr mehr in Anspruch genommen durch die Hilfeleistung bei Wasserrohrbrüchen. Die Hauptarbeit des Feuerwehrmannes— und das wissen eben die wenigsten— wird auf der Feuerwache geleistet. veirelen wir einmal mit einem Feuerwehrmann eine Wache, um seine Arbeii kennenzulernen. Zunächst sei bemerkt, daß der Feuerwehrmann in Berlin und in einer Anzahl anderer deutscher Städte 24 Stunden hintereinander Dienst und anschließend 24 Stunden Freizeit hat. Don den 24 Stunden Dienst sind 8 Stunden Arbeitszeit und die übrigen 16 Stunden sogenannte Dienstbereitschast. Der Feuerwehrmann leistet also in einer Woche dreieinhalb mal 24— 84 Stunden Dienst. Wenn der Feuerwehrmann um 8 Uhr morgens seinen Dienst antritt, wird er zunächst mit kleineren Ar- beiten an den Fahrzeugen oder Geräten beschäftigt, muß dann eine halbe Stunde turnen und Freiübungen machen und schließlich am theoretischen Unterricht teilnehmen, ein Teil der Vormittagszeit ent- fällt auf Exerzitien an den Fahrzeugen, Geräten oder am Uebungs- türm. Die übrige Zeit bis 12 Uhr mittags wird mit Arbeits- dienst ausgefüllt, ebenso wieder die Zeit von 14 bis 18 Uhr. Während dieser eigentlichen Arbeitszeit übt jeder Feuerwehrmann meist eine seiner Vorbildung entsprechend« Beschäftigung aus. Bei der Feuerwehr werden nämlich nur solche Leute zwischen 21 und 2? Jahren eingestellt, die nicht nur kerngesund sind. sondern, die auch ein Handwerk erlernt haben und es gründlich verstehen müssen. Jede Feuerwehrwache hat ihre eigene Tischlerei, Schlosserei, Schmied« usw., wozu noch aus einigen Wachen einige Spezial- werk statten kommen wie Lackiererei, Stellmacher«!, Schlauch- macherei. Wie gewissenhaft gerade bei der Berliner Feuerwehr gearbeitet wird, geht daraus hervor, daß jeder bei einem Brande gebrauchte Schlauch sofort ausgewechselt wird. Die Schläuche kommen nach den verschiedenen Schlauchmachereien, wo sie ge- ryaschen, geprüft und eventuell ausgebessert werden, so daß in Berlin jeder Schlauch nur etwa drei, bis viermal in Gebrauch kommt. So steht nun jeder Feuerwehrmann an seinem Arbeitsplatz und ist mit der Instandhaltung der Fahrzeuge und Geräte beschäftigt, bis es entweder Feierabend ist oder der Zug alarmiert wird. Schrillen die Alarmglocken in den Räumen, läßt jeder seine Arbeit Bei Aufräumungsarbeiten, liegen, läuft im Eilschritt in die Fahrzeughall« und stülpt seinen Helm auf. Wenn man schon auf den Fahrzeugen sitzt ob« steht, wird noch der Rock angezogen, und 40 bis 50 Sekunden nach dem Alarm geht es in rasender Fahrt dem ungewissen Schicksal, vielleicht dem Tod, entgegen. klein« der Männer weiß, vor welch« Aufgaben et in den nächsten Minuten gestellt sei« wird. Auf der Brandstelle lautet die erste Frage: SindNenfchen- leben in Gefahr. Wird diese Frage bejaht, dann kennt kein Feuerwehrmann Rücksicht auf sich selbst, sondern geht mit Todes- Verachtung ans Rettungswerk. Die beiden nächsten Fragen sind: Wo brennt es?, das heißt: Wo befindet sich der Brandherd, und was brennt? Beide» ist für die z w e ck- mäßige Bekämpfung des Feuer« von größter Wichtigkeit, da nicht gegen jeden Brand mit Wasser vorgegangen werden kann. Ein Wasserstrahl auf einen brennenden Elektromotor oder«inen Dynamo kann für den Rohrsührer den Tod bedeuten, da diefer Wasserstrahl ein vorzüglicher elektrischer Leitet ist. Di« Art der Feuerbekämpfung zu schildern, ist einfach unmöglich, weil sie fast zu einer Wissenschaft geworden ist. Kehren wir nun mit unserem Feuerwehrmann nach gesahr- voller und schwerer Arbeit zur Feuerwehrwache zurück. Jetzt heißt es: Die Fahrzeuge sind gebrauchsfertig zu machen, denn in kurzer Zeit kann unter Umständen ein neuer Alarm erfolgen. Ist olle« wieder in Ordnung gebracht, geht es, sofern e» noch nicht 18 Uhr ist, an den verlassenen Arbeitsplatz. Während der Stunden von 22 Uhr bis 8 Uhr morgens liegen die Mannschaften auf ihren Schlafstätten in Bereitschaft, die Stiefel stehen vor den Betten zum Hineinsteigen bereit, Rock und Helm hängen griffbereit neben dem Bett. Gegen 24 Uhr kommen die Theaterwochen zurück. die Schläfer werden unruhig. Doch wenn es gut geht, erfolgt in der Nacht kein Alarm. Da die meisten Brände aber in den Abend- und Nachtstunden entstehen, passiert es oft, daß die Mann- fchaften kurz vor Ablauf ihres 24stündig«n Dienstes aus den Betten geklingelt rverden und den Kampf mit dem Feuer ousnehmen müssen. Da« ist. mit grob« Strich«, skizziert, da» Tagewerk«iar» Feuerwehrmannes, wie« sich hinter dm Mauern der Fever wehrioachev abspielt. Man kann diese kurze Betrachtung nicht abschließen, ohne noch einige Wort« über die Sterblichkeitsquot« und die B e s o l d u ng unserer Feu«w«hrl«ute zu verlieren. Hier sprechen die Zahlen eine beredte Sprache. Noch einer Feststellung des Verbandes deutscher Berufsfcucrwehrmäuner sind bei 40 deutschen Berufsfeuerwehren m den Iahren 1920 bis 1924 von 108 verstorbenen Feuerwehrleute» 70 Proz. vor Erreichung des 50. Lebensjahres gestorben, weiiere 25,1 Proz. verstarben vor Dollendung de» 60. Lebensjahres, und nur 4.9 Proz. hatten das Glück, über 60 Jahr« alt zu werden. Trotzdem dies« Leute in den Iahren um zwanzig bei voller Gesundheit in den Dienst der Feuerwehr traten, erreichten sie nur«in von A.M. Frey- copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A.-G., Berlin Während Model das Schriftstück liest, stößt er hervor: „Welch fürchterliche Möglichkeit: das geht uns noch ab." „Das geht uns ab; welch großartige Möglichkeit," pariert Funk. Und er führt aus, wie er es meint. Model aber ist skep- tisch. Er bezweifelt die heilsamen Folgen, von denen Funk träumt. Er argwöhnt, die Gegner könnten sich weiterhin durch gar nichts aufhalten lassen, könnten— jeder für sich— solch ein Geschehen als„Kriegsglück auslegen und einander fiebernd belauern, wem die Seuche die gräßlicheren Lücken reißt— nicht mehr auszustopfende, in die man dann hinein- prellen kann, um gleichsam im ausgestorbenen Raum den endgültigen Sieg aufzurichten. Aber die Fragen erledigen sich von selber, denn«in Kampf gegen die Pest oder gar einer mit ihr Arm in Arm wird nicht aktuell. Andere Kämpfe auf dem Gebiet der Krankheiten werden zunchmend wichtig. Der Sanitätsoffizier hat immer mehr mit den Schlichen jener Soldaten, die um jeden Preis aus- scheiden wollen, sich herumzuhauen. Hat mit der heftig wachsenden Schar der Kriegsmüden burlesk« Tänze zu be- stehen. Der Gefreite Köbifch hat zweifelsohne einen Tripper und muß ins Lazarett abgeschoben werden. Wo hat er ihn her? Die Infektionsquelle ist festzustellen, damit sie möglichst ausgemerzt werden kann. Aber Köbifch hat zu wenig Phan- tasie, um irgendeine Umarmung zu flüchtiger Stunde in irgendeinem Winkel zu erfinden. Es ist ihm auch nicht leicht gemacht, denn das Regiment ist seit langem mit Frauen nicht m Berührung gekommen. So muß er, in die Enge ge- trieben, mit der Wahrheit herausrücken: er hat die Krank- heit von einem bezogen, der vorige Woche aus dem Heimats- urlaub infiziert zur Truppe zurückkam. Ehe dieser, in der Großstadt mit Gift Versehene, dem Lazarett zugeführt wurde. hat Köbisch ihm gegen zwei Mark ein wenig E'ter abgekauft und sich damit beschmiert. Es häufen sich in der Folge Tripperfälle, deren Herkünft« nicht immer so eindeutig, aber doch sehr verdächtig such. Ihre Träger werden zum Teil der Selbstverstümmelung' angeklagt und werden später bestraft. Aber was tut es? Vorerst sind sie mal wirtlich krank, müssen kuriert werden und ent- rinnen dem Grabendienst. Beliebt ist auch Erzeugung des Verdachtes auf eine frische Lues. Man gewinnt das Krankheitsbild durch reizende Beeinflussung. Es hat sich von den Lazaretten her zur Truppe hin herumgesprochen, welche Praxis zu bevorzugen ist. Man legt eine Sublimatpastille zwischen Vorhaut und Eichel. Man hat höllische Schmerzen auszuhalten, aber es gibt alsbald eine hübsche Entzündung, die den Truppenarzt schleunigst veran- laßt, diesen des Primäraffekts Verdächtigen ins Hinterland abzuschieben. Die Sublimattablette, die höllischen Schmerzen haben sich bewährt. Man kommt auf alle Fälle weg von der Front, man gewinnt Zeit, man kann aufatmen, man kann hoffen, daß man entronnen ist. Mit den wirksamen Tabletten wird heimlicher Handel getrieben: wo man sie stehlen, kaufen, aus der Heimat sich schicken lasten kann, da tut man es. Ausgezeichnete Möglichkeiten bieten die häufigen Bein- geschwüre. Man verlängert und verschlimmert sie so, daß Revierbehandlung nicht mehr ausreicht— dadurch, daß man auf die bloßen Wunden, unter die Verbände, Kupfergeld- stücke, Stanniolpapier, kratzende Strohhalme, Eisennägel ein» schmuggelt. Hat man schlaflose Nächte, von feuriger Pein durchzuckte Tage? Was tut esKEiner lernt es vom anderen. Mit Blutvergiftungen, unter der Gefahr, das Glied schließlich amputiert zu bekommen, schleppen sie sich hin. Bester ein Bein verlieren als den Kopf. Nur das Leben nicht verlieren! Aber es ist verloren, Bruder, wenn du hier draußen noch länger weitermachst. Es muß verloren fein, es dauert zu lang, es dauert noch Jahre— und einmal erwischt es dann jeden. Der junge Peter Gallinger leidet an Verstopfung. Er bekommt in der Revierstunde„Soldatenhonig", einen fchwap- pend vollen Löffel Rizinus zudiktiert. Gleich soll er ihn nehmen, Asam hält ihm das Medikament unerbittlich unter die Rase. Er schluckt es bei großem Widerwillen; er geht, während er an dem Oel würgt, vor Grausen tief in die Knie- beuge. „Komödiant!" schreit der Arzt mit sardonischem Lächeln. „Aber mach' nur Turnübungen obendrein: da wird's dir den Stöpsel schnell und kräftig hinaushauen." Gallinger horcht gleichsam dieser Verheißung nach, mit rundkugelnden Augen— und dann leidet er in der Folge an unstillbarem Durchfall, der ihn schließlich ins Lazarett bringt. Es stellt sich später heraus—«r ist von einem kranken Kameraden beobachtet worden—, daß er wieder und wieder heimlich in den Untersuchungsraum eingedrungen ist und aus der großen Rizinusflasche mächtige Züge getan hat. Kam ihn dabei Erbrechen an, so schlug er die Hand vor den Mund und schluckte dagegen, bis ihm das Oel aus der Ras« lief. Rur nicht auslasten, nur dies« Chance, nach hinten zu kommen, nicht verlieren! Der Bauernbursch Johann Epp, töricht und ohne Bor- stellungsvermögen, durchschießt sich absichtlich mit dem Ge- wehr die link« Hand. Er stellt die Waffe mit dem Kolben aus den Boden, formt«ine Faust über der Mündung und zieht mit der Zehe ab. Es geschieht im Graben, während er auf Wache ist, niemand ist in der Näh«. Sein Gebrüll, das andere herbeilockt, ist«cht, es ist wahrhaftig nicht simuliert. Di« Hand ist fürchterlich zugerichtet, Knochensplitter stehen zum Rücken heraus. Wieso er den einen Stiefel ausgezogen habe? Er gibt an, es habe ihn etwas am Fuß gedrückt, da habe er nachsehen wollen. Er ist halb ohnmächtig vor Schmerzen. er kann nur lallen und taumelnde Worte sprechen:— währenddem sei der Schuß gefallen. Auf welche Weise er überhaupt getroffen worden sei? Cr sei doch gebückt gestanden. Nein, da sei er aufrecht gewesen. Cr habe ja auch selbst gefeuert, weil er drüben etwas gesehen habe— gleich nachher— nein, gleich vorher... Die Innenfläche der Hand zeigt dem Arzt Brandspuren. Mitleidslos sagt er:„Der Franzose, der dich verwundet hat, muß auf einen Meter Entfernung vor dir gewesen sein, das ist aber seltsam." Der Dursch gibt nach.„Herr Doktor, es war anders. Ich Hab' mich nicht getraut, die Wahrheit zu sagen," stöhnt er.„Mir ist das Gewehr aus Versehen losgegangen, und ich Hab' die Hand grad' an der Mündung gehabt." „Dorthin hast du sie gern gelegt," sagt ihm der Arzt auf den Kopf zu, denn es ist nicht das erstemal, daß einer den Drücker mit der großen Zehe gegen sich selbst in Bewegung setzt.„Dich muß ich dem Herrn Kommandeur melden." Die Aerzte haben strenge Order, jeden Verdacht von Selbstverstümemlung anzuzeigen. Epp läßt alles fahren.„Herr Doktor, ich hob' nicht gewußt, daß es so schlimm sein wird, sonst Hütt' ich's gewiß nicht getan.",(Fottjetzunz frtgr) Frische Lust tut not! Wie es in den GerichSsgebäuden der deutschen Republik aussieht. Die Gerichtsferien neigen sich dem Ende zu. Die Gesetzes- Maschine beginnt in kurzem wieder zu klappern. Leider haben wir keinen Grund, mit frohen Hoffnungen den Auswirkungen der er- kennenden Justizgewalt entgegenzusehen, denn diese Justizgewalt ist auch in verwaltungstechnijcher Beziehung immer noch beeinfluht und durchzogen vom Geiste der R ü ck st ü n d i g k e i t, des Hinhaltens, der Ermüdungstaktik gegen alle notwendigen und gesunden Neue- rungen. Diese Rückstcindigkeit ist schon in äußeren Merkmalen erkennbar: ein Beispiel ist das Gebäude des Landgerichts I und Amtsgerichts Berlin-Mittc an der Grunerstraße. Seit dreißig Jahren schon ist im wesentlichen nichts an s a n i- t ä r e n Maßnahmen für dieses Gerichtsgebäude geschehen. Di« Entlüftungsanlagen sind im höchsten Grade mangelhaft. Ohn- machtsanfälle von arbeitenden Damen und beim Publikum infolge der verdorbenen heißen Luft sind keine Seltenheit. Seit dreißig Jahren lagert und hängt derselbe Staub an den Regalen, an den Wänden und Decken. Daß es Staubsauger gibt und daß man sie auch gebrauchen kann, ist anscheinend unbekannt geblieben, ist jedenfalls trotz der dringenden bezüglichen Anträge der Personalver- tretungen der Gerichte noch nicht in das Erkenntnisvermögen der zuständigen Baudirektion gedrungen. So wandern, während die Preußen in den Terminszimmern ihr Recht suchen, die „Schwaben und Franzosen� an den Wänden entlang, wo sie nach erfolgreicher Jagd mit dem Lineal erschlagen als Trophäe und „Asservat" kleben bleiben. Und die Rechtsanwälte und das Publikum?— Sie entrüsten sich mit Recht über die zahllosen Wiederholungen der Jnsignien aus der w i l h e l m i n i sich e n Zeit auf diesen Tapeten, sie verstehen«S heute nicht mehr, daß vor dreißig Jahren ein wildgewvrdener Byzantinismus, die Knechtseligkeit, es sich nicht nehmen ließ, in Tausenden und aber Tausenden von Wiederholungen durch das ganze Gebäude hindurch die„Kronen" anzubringen— Kronen in Schmiede- eisen an den Jrrgartengeländern der Lichthöfe, Kronen in den Zwischenhöfen, wo sie trotz neuerlicher Wandreparaturarbeiten und Aufstellung eines teuren Gerüstes Nicht etwa entfernt, nein viel- mehr— o du herziger Schalk von Malermeister!— ausgerechnet rot überstrichen wurden, in hundertfacher Wiederholung Kronen auf den Fußbodenfliesen der Lichthöfe, Kronen insbesondere in den Tapeten! Es ist nicht wahrscheinlich, daß das Justizministerium mit der Verewigung dieser Geschmacklosigkeiten einverstanden ist, im Gegenteil. Auch in den Richterkreisen des Land- und Amtsgerichts beginnt man sich der Erkenntnis nicht zu verschließen, daß es so nicht weitergehen karin. Bisher vergebens: Wiederholt ist schon, zuletzt von der republikanischen Beschwerdeftelle, auf diese öden Wandbekleidungen hingewiesen und außerdem aus hygienischen Gründen ihre Entfernung gefordert worden.— Der Antrag kam über die ersten Instanzen nicht hinaus und wurde durch einen enorm hohen Kostenvoranschlag der Bau- und Finanzdirektion, besten Höhe aber sachlich in keiner Weise gestützt werden kann, abgedrosselt. Wird man sich nun immer noch nicht entschließen, reinen Tisch zu machen? Hinaus mit allem, was den Geist der Rückständig- ke it atmet, aus den Gerichtsgebäuden des republikanischen Staates. Ein kräftiger Luftzug muß endlich> die verstaubten Justizstuben säubern. durchschnittliches Lebensalter von 44 Jahren und lüsisi- Dienstjahren. Von den 108 Verstorbenen sind zusammen 20,3 Proz. durch Betriebs- oder sonstige Unfälle ums Leben gekommen. Im Reichsdur ch- schnitt betrug der Hundertsatz der lödlich Verunglückten im Jahre 3923 nur 3,9 Proz. und 1924 genau 4 Proz. Hinzu kommt noch die große Zahl derjenigen, die infolge von Erkrankungen der Atmungs- organe und der Nerven vorzeitig ihren Dienst quittieren müssen. Diese Zahlen bedürfen keines Kommentars, denn sie zeigen mit unverhüllter Deullichkeit, daß der Beruf des Feuerwehrmannes wirklich nicht beneidenswert ist. Schließlich sei noch auf die Besoldung dieser im Dienste der Bevölkerung stehenden Menschen hingewiesen. Die Feuerwehr- männer stehen in der Besoldungsgruppe VI a mit einem Anfangsgehalt für Verheiratete von ungefähr 2Z0 Mark und einem End- geholt nach 18 Dienstjcchrev von 364 Mark. Die Oberfeuer- wehrleute sind in die Besoldungsgruppe Vb eingereiht mit einem Anfangsgehalt von 278 Mark und einem Endgehalt von 399 Mark. Bei den Brandmeistern, die als Truppführer oder stell- vertretende Zugführer eine ungeheure Verantwortung tragen, herrscht eine tiefe Erbitterung darüber, daß man sie in zwei B«- soldungsgruppen eingereiht hat, und zwar einen Teil in die Gruppe Va und den anderen in IVc. Dabei wird von allen Brand- meistern die gleiche Arbeitslei st ung verlangt. Jedenfalls ist die Besoldung der Feuerwehrleute nicht so glänzend, daß sie nicht verbesserungsbedürftig wäre. Auch den Feuerwehrleuten ist bei der Besoldungsneuregelung im Dezember 1927 bitteres Unrecht zugefügt worden, das durch die kürzlich ausgezahlte Kälte- zulage für den letzten Winter in Höhe von 200 Mark nicht gutgemacht wird. Die Feuerwehrleute wollen für sich kein« Extvazugabe haben, sondern nur in ihrer Arbeit so gewertet werden, wie es ihrer schweren und gefahrvollen Tätigkeit zukommt. Vaier Bariett neunzig Jahre alt! Genosse Wilhelm B a r t e l t, Große Frankfurter Straß« 21, im Nikolaus-Bürger-Hospital wird heute neunzig Jahre alt. Ein ganzes Menschenalter schon ist er Mitglied der Partei. Bis heute»och ist er in der 38. Abteilung für die Ideen des So- zialismus aktiv tättg. Bei keiner noch so anstrengenden Deinon- stration der SPD. fehlt Vater Bartelt: Flugblätter will er nach wie vor selber austragen, jede Rücksichtnahme auf sein Alter weist er entrüstet zurück. In den Zahlabenden und Mitglieder» Versammlungen ist Alt-Genosse Bartelt beileibe nicht nur Hörer, sondern Diskussionsredner, der seinen jüngeren Mitkämpfern viel zu sagen weiß. Bei Vater Bartelt muß man sagen: Seine Energie bannt das Alter. Er will den weiteren Auf st leg der Partei miterleben. Wünschen wir von Herzen, daß die nächsten zehn Jahre seines Lebens in dieser Hoffnung, ihm reiche Früchte bringen! Grziehungsarbeit an der Lugend. Eröffnung einer neuen Iugendlesehalle. Die Stadtbücherei Verlin»Mitte, vormals„Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle" in der Adalbertstraße 41, die als Stiftung des hochverdienten Genossen Hugo Heimann vor 30 Jahren ins Leben gerufen wurde und nach ihrer Uebernahme durch die Stadt im Jahr« 1919 im Sinne des Begründers weitergeführt worden ist, wurde jetzt durch eine Jugendlesehalle und Jugend- bücherei erweitert. Diese Neueinrichtung wird allen Freunden der Heimannschen Bestrebungen eine große Genugtuung be° reiten, handelt es sich doch darum, den Kreis der Lesergemeinde zu erweitern und der Jugend die Möglichkeit geistiger Fortbildung zu geben. In diesem Geiste waren auch die Ausführungen des Bürger- meisters Genossen Schneider vom Bezirk Mitte bei der Eröffnung der neuen Lesehalle gehalten. Er wies auf die enge Verbindung hin, die erfreulicherweise zwischen der Elternschaft und den Schulen besteht. Die Kinder sollen den Gefahren der Straße entzogen werden. Man hat ihnen hier ein freundliches Heim geschaffen, in dem sie sich alle sehr wohlfühlen werden. Schon die äußere Aus- gestaltung der aus einer Vierzimmerwohnung entstandenen Räume zeugt von diejem Streben. Im Vorraum der Jugendbücherei be- findet sich die Kleiderablage und«ine Waschgelegen- h e i t. Jedes Kind darf die Bücher nur mit sauberen Händen benutzen, ein erzieherischer Faktor, der nicht unterschätzt werden darf. Besonders schöne Bücher werden in einer geschmackvollen Wandoitrine aufgestellt. Die Lesehalle selber besteht aus einem großen lichten Raum, der in freundlichen Farben gehalten ist. Die künstlerische Ausgestal- tuag, die halbplostische Wandbemalung aufzeigt, wurde von Prof. Ba tu sche k, Prof. Schnecken bc rg und den Kunstmalern Knoop und O r l o w s k i ausgeführt. An runden Tischen und auf bequemen Stühlen können 6 Kinder Platz zum Lesen finden. Kleine Schreibpulte sind für das eigenhändige Ausschreiben der Lesekarte besttmmt. Künstlerische Skulpturen und Blumenschmuck sorgen weiter dafür, dem Raum einen freudigen Ton zu geben. Wie sehr diese neue Lesehalle einem dringenden Bedürfnis abhilft. geht aus dem großen Zuspruch hervor, den sie schon vor ihrer offiziellen Eröffnung verzeichnen komite. Die Jugendlesehalle umsaßt 8 09 Bände, die im Berichtsjahr noch auf 1000 Werke er- höht werden soll: die Iugendbücherei beginnt mit einem Bestand von 2000 Bänden. Später wird man hier über- 3900 Werke ausleihen können. In gutangelegten und erläuternden Katalogen lernen die Kinder die Bücher selbst auszuwählen, wobei sie von bibliothekarischen Kräften bestens unterstützt werden. Di« Lesehalle ist werktäglich in der Zeit von 2 bis S Uhr geöffnet. Ein neues Werk sozialdemokratischer Gemeindearbeit ist in den Dienst der Oeffentlichkeit gestellt worden. Die Eltern, die jetzt im Bezirk Berlin-Mitt« die Möglichkeit haben, chre Kinder ,n die neue Lesehalle zu schicken, werden am 17. November nicht vergessen, daß em Sozialdemokrat der Schöpfer dieser neuen Stätte war. Ei» Kurzschluß uud seiue Folge». Durch einen ungewöhnlichen Vorfall wurden gestern abend kurz vor 19 Uhr die Fohrgäste eines Straßenbahnwagens in Schrecken versetzt. Vor dem Hause Große Frankfurter Straß« 21 geriet der sogenannte Kontroller am Führerstand des Wogens in Brand. Es entstand Kurzschluß, und mehrere I s o l a t i o- nen glimmten unter starker Rauchentwicklung. Der Fahrgäste bemächtigte sich eine begreifliche Erregung, und alles drängte dem Ausgang zu. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Die alarmierte Feuerwehr konnte den Brand nach wenigen Minuten ersticken. Der Wagen mußte auö dem Verkehr gezogen weroen. Die E n t st e h u n g s u r s a ch e des Brandes bedarf noch der Klärung. Schon wieder eiuer... Ein fanatischer Berteidiger der kommunistischen Politik hat vor «inigen Tagen die„alleinseligmachende" Partei verlassen. Der Z entraleaugeßellte und Wauderredner Heinrich Ferwig, Neukölln, teilt in einem Schreiben an das Bureau der Bezirksversammlung mit, daß er sein Mandat als Bezirks- verordneter niederlegt und aus der Kommunistischen Partei austritt, da er diese Politik nicht mehr mitmachen kann. Noch in der letzten Bezirksversammlung vor den Ferien richtete er scharf« Angriffe gegen die Sozialdemokratie und steigerte diese Angriffe zu einer matzlosen Hetze, � als ihm einige unserer Frakttonskollegcn im scherzhaften Tone zuriefen:„Heinrich, nicht so wild, wir nehmen dich nicht in unser« Partei auf!" In der Neuköllner KPD. geht«s überhaupt schon seit Monaten drunter und drüber. Ferwig ist der dritte, der in ganz kurzer Zeit der„revolutionären Arbeiterpartei" den Rücken kehrt. Vatermordprozeß Halsmann. Liegt Zeugenbeeinflussung aus Antisemitismus vor? Zausbruck. IL September. Im Prozeß halsmanu wurden im weiteren verlauf die Zeugeu Frau Witwe Ofckuna und der Bergführer Alfous hör- hager, der Führer der Rettungsexpedikion, und Obermedizinalrak Dr. Rainer von Fügen vernommen. Obermedizinalrat Rainer schilderte ausführlich die Eindrücke an der Ereignisstelle, die Blut- uud Schleiffpurea und auch die Beobachtungen an der Leiche, die er jedoch nicht berührt hat. Es kam darauf zu einem Zwischenfall mit dem Berteidiger .Dr. Peßler, der erklärte, der Zeuge Rainer halte ein Plä- doyer statt auszusagen. Er fragte den Zeugen:„Haben Sie bei der letzten Hauptverhandlung draußen im Gange dem Zeugen Alois jkraus gesagt: Bei den Zudcn mußt du links aussagen, bei den Christen rechts?" Dr. Rainer antwortete:„Das ist erlogen. Ich habe nur dem Zeugen gegenüber erklärt: Rur nicht das Wort Jude gebrauchen, denn sonst heißt es sofort: Er ist ein Juden hetz er." Dr. Peßler erklärte, er stelle seine Behauptung unter Beweis und mache dafür zwei Zeugen namhaft. Der Staatsanwalt bat uni Ablehnung der Anträge, und dem Ersuchen wurde Folge geleistet. Weekend und Einzelhandel. Angeregt durch de» Aufruf des Polizeipräsidenten Genossen Z ö r g i e b e l zum Sonnabend-S-Uhr-Ladenschluß und die darauf folgenden Ausruf« des„Vorwärts", hat sich die Geschäftsleitung des Parteioerlages I. H. W. D i e tz N a ch f l g. anerkennenswerterweise dazu entschlossen, im Sortiment den Sonnabend-S-Uhr- Ladenschluß einzuführen. Die Geschäftszeit der Parteibuchhand- lung ist also jetzt durchgehend von VtO bis 19 Uhr, Sonnabends von 'AO bis 17 Uhr. Hoffentlich findet das gute Beispiel bald recht viele Nachahmer. Herbstausstellung in Wilmersdorf. Die Kunsthalle Wilmersdorf, Pariser Str. 45, am Ludwigs kirchplatz, eröffnete am Sonntag, dem 15. September, vormittags 11 Uhr, ihre diesjährige Herbstausstellung, verbunden mit einer Kollektivausstellung früherer und jetziger Werke des Wilmersdorfer Künstlers„Adolf Ob st". Der Eintritt ist frei. Besuchszeit: 11—13 und 16— 18, Sonntags 11—13 Uhr. Das Schallplattenkonzert legt einen Querschnitt durch die Programmusik. Unbekanntes steht neben trivial gewordenem. Im großen und ganzen erhält der Hörer einen Ueberblick über die Höhepunkte dieses Genres. Sehr interessant die Wiedergabe einer Ravel- schen Komposition in der Interpretation durch OttoKlempcrer, einer Komposition, die impressionistische Stimmungen mit einem starken Ausdruckswillen vereint. Abgesehen davon, daß Schallplatten im Radio mindestens ebenso gut klingen wie Originalmusik, ist die Leitung in der Lage, mit erstklassigen Solisten und Orchestern ein ausgezeichnetes Konzert zusammenzusetzen. Die aktuellen Liebes- lieder, die der Tenor Kurt M ü h l h a r d t in den Abendstunden singt, zeigen, daß die alten Liebeeliedcr, selbst der bullerweiche Gesang „Nur eine Nacht sollst du mir gehören" doch noch besser sind als diese sogenannten Kompositionen als Fox oder Blues. Der Hörer kann feststellen, daß mit diesen Songs tatsächlich ein selten erreichter Tief- stand gekommen ist. Die Eellovorträge von Mauritz Frank, be- gleitet von Bruno Seidler-Winkler, erfreuen durch einen breiten, gesättigten Strich und durch einen beseelten Vortrag. Abends wird als Sendespiel Müller-Schlössers Komödie„Schnei- der Wibbel" gegeben. Die Darsteller gehören dem Düsseldorfer Originalensemble des Dichters an. Die Aufführung ist ausgezeichnet in ihrer scharfen Herausarbeitung der Situationskomik, die auch im Rundfunk, also ohne Bühnenbild, zu einer starken Wirkung gelangt. F. S.' Zeppelin kommt nicht nach Berlin. Fahrt ins westfälische Industriegebiet. Frledrichshafe«, 11. September. Der Start des„Graf Zeppelin" zur bereits angekündigten Fahrt in dos rheinisch-westfälische Industriegebiet ist von der Schifssleitung auf heule nacht um 11.30 Uhr anberaumt worden. Ein Besuch Berlins kommt, wie jetzt feststeht, diesmal n i ch k ln Frage. Da» Lllflschiff wird vielmehr von Hannover ab wieder südlichen Surs in Richtung Braunschweig nehmen. Auf der heimfahrt sollen auch die Städte Salbe an der Saale. Zena, Erfurt, Gotha. ZNelningen, Erlangen, Dinkelsbühl und Ahlen überflogen werden. Wieder 14(Seeleute ertrunken. Ein belgischer Dampfer gesunken. vlisfiogeu. 11. September. Der belgische Danipfer„E stell a", der sich auf der Fahrt von Antwerpen nach Hansweert befand, ist m der vergangenen Nacht ungefähr gegen 2 Uhr auf der Westerschelde-bei Walsoorden mit einem anderen fcheldeaufwärts fahrenden Dampfer, anscheinend deutscher Nationalität, zusammengestoßen und sofort ge- s un k« n. Da die Besatzung der„Estella" zur Zell des Zusammen» stoßes sich größtenteils unter Deck in den Kdjen befand— nur zwei Mann hielten sich auf Deck auf— und da das Wasser sofort voa allen Seiten in das Schisf drang, steht zu befürchten, daß ungefähr 14 Mann, darunter auch der Kapitän, ertrunken sind. Nach den bisherigen Feststellungen konnte nur der erste Maschinist und ein Matrose, die längere Zeit aus dem Wasser trieben, ge» rettet werden. Die Leiche des ertrunkenen belgischen Lotsen wurde bereits geborgen. Die„Estella", von der nur noch die Masten aus dem Wasser herausragen, ist ein 1919 in Rotterdam erbauter Dampfer. Tausend Menschen durch Feuersbrunfi obdachlos. Targoviste(Rumänien), 11. September. Im hiesigen serbischen Viertel wurden durch eine Feuerst t> r u n st drei Straßen in Asche gelegt. Den Flammen sind auch große Erntevorräte und Futtermittel zum Opfer gefallen. Feuerwehr und Militär konnte wegen des starten Windes des Brandes erst nach achtstündiger Tätigkeit Herr werden. Etwa 1000 Einwohner sind obdachlos geworden. Der Schaden ist außerordentlich hoch. Die Betroffenen sind zum größten Teil serbische Gemüsegärtner. Die Taguug der Lebensgemeinschastsschulen. Vom 29. September bis 1. Oktober 1929 tagt in Berlin die Vereinigung der Lebenzgemeinschaftsschulen. Am Sonntag, dem 29. September 1929, ist von 10 bis 14 Uhr: Eröffnungsveranstaltung im Städt. Lichtspielhaus Neukölln, Bergstraße: Gesangs- und Sprechchoraufführungcit von Eltern, Referate und Aussprache über Clternarbeit in den Gemeinschaftsschulen und ab 16 Uhr: Besichtigung von Schülerarbeitcn in Neuköllner Gemein- schaftsschulen. Montag, den 30. September 1929, finden am Bor- mittag Unterrichtsbesuche statt. 16 bis 19 Uhr: Referat Karsen über„Unterrichtliche Arbeitsformen" mit anschließender Aussprache. Dienstag, den 1. Oktober 1929, ist am Vormittag Besuch der Halb- jahrsschluß-Veranstaltungen verschiedener Schulen, am Nachmittag finden geschäftliche Besprechungen der Delegierten statt. Ei» Todesopfer vou Ticfensec. Wie wir berichteten, wurden in T i e f c n s e e drei Landarbeiter bei der Explosion einer Lokomobile schwerverletzt in das Kranken- Haus in Eberswalde eingeliefert. Leider erfahren wir. daß ein Arbeiter seinen Verletzungen erlegen ist, während die beiden anderen in bedenklichem Zustande darnicderliegcn. Der neue Leiter des Berufs- und Fachschulwesens In der Magistratssitzung am Mittwoch wurde der Direktor der Kreisberufsschule in Eislebcn, Otto Hof mann, zum Mag!» stratsfchulrat für das Berufs- und Fachschulwesen gewählt. Hoimann, der im 47. Lebensjahr steht, war fett dem Jahre 1912 Gewerbelehrer(Mctallgeworbe), dann stellvertretender Direktor in'Frankfurt a. Main. Im Jahre 1920 wurde er als Direktor an die Gewerbeschule in Eisleben berufen, und seit 1927 ist er in gleicher Stellung an der Kreisberiifsschulc des Monsfeld« Seekreiles tätig. Typogrophia! Die Vormsttagsübungsstunden Donnerstag, 12. September, und Donnerstag, 19. September, fällen aus. Versuflliste der Groschen. Jeden Sonnabend flattert das„Am tsblott der Stadt Berlin" auf den zeitungüberladenen Tisch. In diesem Blatt sieht alle 14 Tage ein« Liste, mal länger, mal kürzer, hineÜTgegebc» vom Vorstand der Sparkasse. Es ist die Liste der verlorenen Spar- buch er, sie berührt kaum irgend jemand. Die sie etwas angeht, lesen wiederum das Amtsblatt nicht und erfahren somit niemals etwa? von ihren publizistischen Ehren. Dabei gehört dies« zweiwöchige List« zu den seltsamsten Publikationen, die es nur gibt. Ein Neichsbankinfpek- t o r beklagt den Verlust von 1,23 M., ja, einer Mark und dreiund- zwanzig Pfennigen: ein O b e r st a d t a r ch i t e k t die phantastische Summe von SOO OLK 33 1 Ofig,— M. Wir müssen erst Zahl für Zahl nochrechnen, um den Wert erfassen zu können, aber es sind nur Pap i e rm a rk von«instmals. Der Kegelklub„In alter F r i f che" meldet sin verlorenes Buch über ISO M., der Verein der 7. Marktholl« nur eins über 33,83 M.. doneben stehen Malermeister und Verkäuferinnen. Küchenchefs und Gemeindebotcn, Flugzeug- führen und Hausangestellte. Der eine mehr, der ander« weniger, aber immer vom Munde abgesparte Groschen. Eine der Frauen fragt« ich neulich:„Haben Sie Ihr Sparkassenbuch schon wieder?" Es war eins über 5382,94 Papiermark, viel Schweiß hat es den alten Leuten gekostat, da- Geld damals zusammenzutragen. Die Antwort war erschütternd. Mit tränenerstilkter Stimm« schildere die Frau, wie dies« fünftausend Mark ihnen die Sorge fürs Alter abnehmen sollten, wie gut ver- wahrt das Buch gel«gen hat, wie di« Diebe noch«ine Uhr, eine Kette und oin«n Ring mitgehen ließen, daß es um die Mittagsstunde war, als der Diebstahl passierte, alle diese kleinon Einzelheiten und dazu ein Fluch den Spitzbuben.„Ich kann gar nicht daran denken, acht Tage lang war ich wi« vor den Kops geschlagen," schluchzte die Frau. Wer kann ahnen, daß hinter jener harmlosen Verlustliste der Groschen so viel ftuinmer liegt? Der bohrende, immer wieder- kehrend« Schmerz des kleinen Rentners. An dem Geld Nebt« Schweiß, an dieser Liste aber hängen bittere Tränen. Photographie«»o» der versassungskier und vom Internationalen Jugendtreffen in Wien find in ca. 20 verschiedenen Ausnahmen in der Parteibuchhandlung I. H. W. Dietz Nachflg., Lwdcnstr. 2, erhältlich. ? e r Ii, 8 ___ ftadrit sind «S, Lwdenstraße Z, parieinachrichien für Groß-Verlin —*B da» Btjirf.stfrttflri« !. Hos,* Xreppn recht», zu richten. Am Sonntag, dem 15. d. M., veranstalten die sozialistischen Zugendorganisakoven im Schillerpark(Wedding) als Abschluß der Woche.25 Jahre Arbeiten, igendbewegung" eine« großen Jugend- kag Ob 15 Uhr.— Die Parteigenossinnen und-genossen werden gebeten. ssch recht zahlreich zn beteiligen.— Ferner machen wir nach. mal» darauf ausmertsam. daß di« Ausstellung»25 Jahre Arbeiter- ingendbewegung" im Gewerkschaftshaus. SO., Engelofer 24/25, bis 15. d. HL geüsfnet ist und zwar werktäglich von 17 bis 22 Uhr. am Sonnlag. dem 15. Sepiember. von 10 bis 14 Uhr. Sezlrksverbaud Berlin der SBC. • 2. ftrei» Tieroaite» Achtuu«. Hilda 12. Srptrmder, 30 Ahr, Sitmng der Bt lieder! Am Donnerstaa. .. ounmfffou bei Ztrllger, Bat. lihttraß» 10. Z. flrei» Weddin«. greitog. 18. Levtrmdrr, 194 Uhr, Ärtialotifetea* bei Wende, Kolon,»ffr. 117. h. fltti» Kr« Upberg. iZreitag, 15. September. 1»4 Uhr. Siffano des engeren «reisaorstonde» mit ollen Abteilungsleitern bei Krüger, Srimmffr, i. -u.«reis Z«wp«Ib»s. Errito». 1». SeMembrr. l»>i Kr, grattton-ffgu««) Dorsstr.«1. ,=, T». Stet»«einickendors. Freit««, 13. September, 30 Uhr, im e. W Schckdenba»», Stetnitfenbotf.Off.»esidcnzstroh«.»eeisoertreteraerlsmat. WZ � Inn«. Aasstellunq der Knndldoten sie die St« dt. and«e,irt,«er»id." »ete»»«bl. Morgen, Freitag. 1Z. September. 88. Abt. iichterselde. 20 Uhr bei Luandt, Moltkeffr. ZI. Funitionärffiuing. Erscheinen aller dringend erforderlich. 89. Abt.»«ri,»d«rs. 3» Uhr Sldana de, engeren Vorstandes beim Ab. teilunqsleiter Genossen Kllter, Dorsstr. 2. 124» Abt. 9K»hl«d»rf-Sitd. 30 Uhr bei Drob«. Uhlandstr. I«. Mitglieder. Versammlung. Stellungnahme zu©tobt« unö BeHirrsverordneten- axrf)Icn. Fraueaveranstaltung. 12S./1SO.«bt. Vemltm. Freitaa. IS. September. 194 Uhr. bei«ober. Berliner Ecke Prin».S«inrich»Straß«.«ichtig« Besprechung. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 7. Krei» aborlottendarg. Die Aklenbesprechuna am Zreitaq, 18. Septem- ber, 194 Kr. stillt au», da gräulein Blank»erhindert ist. Lojioliftilch»«t-de-te»!«-»ialistssiher S»»sck«l-»»Ickm»-«er. W eiiiaang Sozialdea»le» tischer Stndierender: Beteiligt euch» diese» Woche a» de» Deeonftolttingeu der Sozieliftischca�Arbeiirriagendl Be- Z-l teilignng an der Demonstratio» mit Fahnen am Sonntag. 18. Septem� � der. lresspintt 1« Uhr llatelgrnadbahahol Leopoldplad. Jungsozialisten. Achtung! De« m heut« angelegte Inlormationsabend mit de« Thema .Aibeit-loltnneiflcherarg' m»h»wständehalder»»»fallen.— Wir earpsehle» alle»»enosten de« B«s»ch»er SAI..Au»st«ll»»g«,d bitte»»m Beacht»»» »Nieree Ecke. Die««»ftellnng ist geilt»et»»» 17—22 Uhr. Wir weise» noch »!»mal dar»»! bin. daß Senoff, Kan» Seigemaffcr jegt Berlin-Steglih.»ugge. straß«»1, m»h»t. ss�sßi'val'vollvt'jtioelilwvtvesiing UllaagevimKell In den BeztiKen Kenic, Octuerdag: Vedding and Retnlckeiidork: Treffpunkt zur Demonstration l 8 1'| Uhr, Brunnenplatz, anschl. Kundgebung im Humboldihain. Treplow und KSptnick: 10'« Uhr, Stadtihealer, Köpenick, Wilhelmplatz, NcokölLn i Treifpunkt zur Demonstration mit anschl. Kundgebung l9Uhr- Reuterplatz. Morgen, Freitag: Kondgehong„25 Johrc Aibeiterjogendbewegonp*' 10''j Uhr. im ehemal. Heirenhaus, Leipziger Straße. Es sprechen; Erich Ollenhauer, Fritz Wildung. Walter Masch k« und Reichsinnenminister Severing.— Es singt;„Der Junge Chor",— Eintritt nur mit Karte. Die Aiuslellrng„25 Jahre Arbcilerjogcndbevegang" im Gewerkschaftshaus, Berlin SO, Engelufer 24/25, ist bis zum 15. d. Mts. geöffnet, und zwar werktäglich von 17—22 Uhr, am Sonntag von 10—14 Uhr. Scnnlag, den 15. Seplemben Morgenfeier ll'ra Uhr, im Mercedes-Palast, dl.. Utrechter Straße. Antreten zur Demonstration HVt Uhr, am Leopoldplatz. Fe»l der Jagend ad 15'/, Uhr, im Schillerpark i Wedding). Es sprechen; Bürgermeister Leid, Franz Künstler, M.d R, Bredow. Ludwig ulederich. In der Schlußkundgebung sprechen. Alexander Knoll und Clara Bohm- Schuch, M.d. R. In den Be.iirken, in denen die SAZ. ihr« Kandgebnng«» neransteltet, de» tetliges ftch die dort befindliche» Jnngfotialiftengrappen rrftln». Die gefamt« Berliner Orfsgrapp« beteiligt sich gelchloffe»»n der Demnn- stratio»«m Sonntag, 15. September, vom Lcopoldpiah»m 14 Uhr au» und anschließend am Jngendta« der SAZ. im Schillerpark. Restlose Beteilig»», a» diese« Leeanstnliangen ist»»bedingt erforderlich. Gruppe ffriedrichaha!»: Der Inforuiationsabend im Bwrleamt Kreutberg fällt amständehalher äu». Dafür Heute. Donnerstag. 20 Uhr, im Jugendheim Tifstt-r Str. 4 Sruppenohend. Thema;„Broblemc und Aufgaben der Eo,iali. h'.fchen Arbeiter-Internationale". Referent Hans Seigewai'fer. Iütereüiertc Parteigenossen und Mitglieder der SAI. sind eingeladen. Gruppe Süden: Unser Gruppenabend fällt heule au». Gruppe Wedding-Eesundbrnunen: Heute. Donnerstag, 184 Uhr. Treffpunlt Brnnnenplaft»ur Teilnahme an der Kundgebung der SAZ.— Morgen, ssrei» tag. 18. September, im Zugendheim Orthstr. 10, Bortrag:„Die Internatio- nole. Rescrent Hans Seigemasser. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-Lerlin. Am Sonntag, 15. Sepiember, beteilige» mir NN» an de» BeranstaUnnge» her SAI. g»r Teilnah»« a» der Demnnstratio» treffe» ftch all« Kreil« pnntr- l'ch»m 14 Uhr am Leopoldnlaß. Zm Schillerpark steht de» 5ti»derfre»»d«a eine besonder« Wies« ,»« Spiel ,»r B-rfSanng. ssahne» vn» Sportgeräte mit- dringen! Zeder Krei» entsendet bei A-knnft aus der Spielmiele ei»«» Bei. tretcr lue Besprechung. Karten lue Veranstaltung im Mercedes-Palast find «rgrisfen. Krei» Reuköll». Alle Zeltlagericilnehmer beteiligen stch an der Ehorprobe für Sonntag, morgen, ssreitog. im KssR. um 174 Uhr. Die Gruppenleiter treffen sich um 17 Uhr am selben Ort»weck» einer Besprechung de» Kinder. feste» am 32. September. Genosse Wolfram LSwensteln hat die Arbelt über. nommcn. Geburlstage. Jubiläen usw. 88. Abt. ll»screm lieben treuen Jubilar Wilhelm Bartelt»» sei»ew 90. Geb»rt»tage die herzlichsten Glückmijnlchc. Die Znbilarfeiee findet he»te, Do»nee»tag. 13. September,»m 1»'r llhr, i» Schmidt» Gesellschaft»»»»», Zruchtstr. Zllo, flotL � Sterbetafel der Groß«Berliner Partei> Organisation| 88. ML Am 9. September ner starb unser Genosse Karl S t«»,« s. IM. Begirk,»wei Tage vor seinem 70. Geburtstage. Er war 58 Jahr« Mit- glied der Partei. Ehre seinem Andenken! Einäslheruna beute, Donnerstag. 12. Septcmhcr. 181b Uhr, im Krematorium Baumschulenmeg. SozialifijscheArbetterillgendGr.-Verlin i für diese Ttobrtf nur an da« Z-gendsefeefaela, S. Ltndenltrate 3 S» Rahme» de, Zngentäag«» am 18. September soll«in Brnvagandalaui durch den Wedbing durchgeführt werden. Genossen sgut« Läuser) können stch im Ugendsekretariat melden. lbteilo»>i-leitee, schickt bitte da» Sktoberprogramm für Lugend voran" ein! «VßM-.l!. �.Sode« EAZ."- I ofte» II:. Selm Danxige,. Si». 42*.Lara che- A„Vildungmnögltchieilen Ol ÄB-«I4-.SU-.27�.______-V,. fTM heute, Donnerstag, 19 Uhr. Rord- iten bt» Arbeiters".— SchSnhanler Vorstadt; Heim Sonnenburger Str.- 20:„Die«, lchichtlidie«ofgabe der prolelvrlschcn Zugeuh", iDorg ssabian).— Kßpenickcr Viertel: Leim Wrangclstr. 128:..Kärverpileg« und Kärperkullur".— Kali. busser Tor: Heim Brihrr Str. 27—80;..Erwerbslosenoerstchcrung".— Südwest; Heim Lindenstr. 4;..Barum bin ich in der SAZ.?"— Echäuebeug II: Heim Houpiftr. 15: Lichtbildervortrag.— Schöneberg III: Heim Houpistr. 15; �Luftiges an» Alt-Berlin".— Westend: Stiidt. Ziigenbheim Svortplall Westend; „Wie entstand die Sotialistifch» Arbeitenugent?"— Ichlendorf: Rordlchulc. Potsdamer Str. 5—7:„Warum bin ich in der SAI.?"— Tegel: Heim Bahn. hofflr. 15:„Wir und die Gewerkschaften".— Witt«»»»; Heim Rvsenthaler Straße 15: Bunter Abend.— Panlow j--■—• junt gemeinsamen Best W-rhearb-tt.— Tempelhas: Wir treffen uns um 7 Uhr am Blif. Tempelhof Besuch der Ausstellung.— wörther Plag; Treffpunkt tut ArbHterjugend.Ansstalstng um 7 Uhr Prentlaucr Alle« Ecke Lothringer Slroße Britz I: Treffpunkt zur Demonstration um 184 Uhr Jahn- Ecke Rndower Straße.— Norden: Treffpunkt äur Kundgebung im Kumboldthain Gustav. Meier-Allee nm 179» Uhr. Tambonrkapellr Prenzlauer Berg: Wir spielen üur Demonstration In Reu- kölln. Treffpunkt I8>) Uhr Danxiger Straße Ecke Prentzlaucr Alle«. Nornial. »Hr. Rachäüalei IS Uhr Neukölln. Reuterplatz. «erbebe, tri P~" Reuterplatz. «erbebe, iri Wedding und Reinickendorf: Oeffentlich« Kundgebung im Hum» boldthain. Borher Demonstration. Treffpunkt 184 Uhr Brunncnplatz. Treptom-Köpenick: 1S4 Uhr öffentliche Kundgebung im Stodtiheater Köpenick. Wilhelmsplatz. Baldnefaheerl Photo» von der Baldurfahrt nach Stettm liegen ,»r Ansicht und Bestellung im Zugendsekretariat. Lindenstr. 8. aus. Neukölln: Demonstration und Kundgebung. Treffpunkt 19 Uhr Vorträge, Vereine und Versammlungen. M Reichsbanner„Schroarz-Rot-Gold*. Geschäftsstelle: Berlin 6 14. Sebastianstr. 87138, Hot 1 Xc Weißensee: sZreitag, 13. September, 19 Uhr, Festausschuß bei Gallas, 20 Uhr sämtliche Funktionäre. Kamerad Küier spricht über die Auswirkung de» Berfassungsfages.— Borssgmald«: Sonnabend. 14. September, 20 Uhr. im Strandsdiloß Tegel, Stiftungsfest mit Thrateraufführung und Tan,. Republikaner find her,lichst eingeladen. Frei« Arbeitee-Efperanto. Vereinigung Berlin. Wir laden hierdurch unsere Mitglieder ,u der am 12. September stattindenden Monaisversammlung«in. Wege» der Wichtigkeit der Tagesordnung:„Unsere Lerbstknrse" ist da» Er- scheinen sämtlicher Mitglieder Pflicht. Arbeiter. Samariter-Kolo»»« Berlin. Geschäftsstelle; N. 24, Große Hain. burger Str. 20. Telephon: Norden 8840. Armbinde Nr. 430 forme Auswmz Nr. 726, laistend auf den Nomen Fritz Liebelt. Borssgwalde„ Ernststr. 1, sind verloren gegangen, und werden hiermit für ungültig erklärt. Mißbrauch stras. bar. Finder werden gebeten, dieselben obe»be,etchneter Gesdiaftsstelle zu». »ustellen. Rä»»erck>or Frirdrichshain, Mitgl. d. DASB. Die Cangesbrüder treffen stch am Sonnabend, 14. September, l« Uhr, Lauvteingang Schlestsdier Bahn. Hof. Die Frauen der Cangesbrüder treffen sich Sonntag. 15. September, 9 Uhr. Modal- Ecke Koppenstraße. Für Nach,ügler Waldburq, Sirschgarten. Bereinigung der Arbeiter-Phatograpben, Be,irl l Mitte, tagt jeden Donnerstag, 20—22 llhr, Eeorgenkirchltr. 14, Lokal Perschke. Enoilsh Conversniiunal(,!uB tounücd I»78. Meetings every Friday 8 p. m. Cald Josty. Potsdamer Platz. Lec'.urer; Mr. Hahn-Zumpt on;„Expediiions to the aretie Pole." Quests, Ladies 4 Qentlemen, are welcome. wellerberichl der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend sRachdr. nerb.) Vorwiegend Heiter, am Tage etwas wärmer als bisher, bei leichten südlichen Winden.— Zur Denffchland: Auch im Nordosten Besserung, sonst im ganzen übrigen Aeiche, abgesehen non den örtlichen Morgennebeln, heiler bis wolkenlos bei allgemein etwas höheren TageS- tempcralnren. Bnrstchtl Kein»»gewaschene» vbst esse». Diese Warnung ist gerade jetzt wieder sehr angebracht. Nur die Banane kann man ohne Bedenken soiort nach dem Kauf essen, denn ihre Schale schützt die Frucht vor schädlichen Bakterien. Zede Hausfrau sollte deshalb beim Einkauf von Bananen darauf achten, daß ste nur Fuffes-Bananen mit der blauen Marke erhält, denn diese Früchte werben täglich den Händlern frisch geliefert und sind gesund, nohr. hast und bngicnisch. Gewlnaauszng S. Klasse ZZ. Preußssch-Süddeutlche Klassen-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verbvle» Auf jede gezogen« Nummer sind zwei gleich hohe Gewinn« gcjaUea, und zwar je einer aus di« Lose gleicher Rummer i» den beiden Abteilungen I und 11 30. Aiehungstag IL September 1929 3n ber heutigen Schluß-Ziehung wurde« Gewinn« über 150 M. gezogen 2 Gewi»», t* 2000 SB. nt M* Heide» Prümle» M» i» 000000 OL Heien enf Bt 127183 2««Winne|» 10000 BL 03808 4«emmn« M 3000 rn. 219634 357980 2»«Winne ,» 2000 93L 340900' 8«etofn». in 1000 Ol 108919 166445 286354____ 64«etstnM in 500 fflt 4623 20718 27073 38369 42629 75854 76624 83537 103785 133806 156122 158228 158274 176783 178589 221232 232316 236889 238433 269436 271412 273313 281265 303597 318798 322291 342901 345236 376728 386913 386321 393823 78»ewmn, ,» 300 M. 973 2743 5635 10441 35805 70240 75135 83127 123106 124451 134617 139988 150000 163797 170501 195067 201664 222706 224126 226555 225557 246632 250011 251460 262203 272236 273569 292600 293770 295114 30226? 303161 325877332826 345069 363369 384403 373026 397920 In der heutigen Echlußztebung wurden die beiden Prämien von 5-0000 M. der mit einem Gewinn von je 2000 M. gezogenen Lose Nr. 127 183 zugeschlagen. Sie fielen in Abteilung I nach Köln, in Abteilung II nach Berlin. iVur feinste Qualitäten ApMweln, herb»»itr Bowle...», Apfelwein*«ttö, la.......... JobanBisbeei», fsüO* da« Beste..., Klrsehwelo*«1111* das Feinste.., Erdbeerwein* süß, das Beste... Tarrairona,«cht, sflß......... Malaga, echt, süß, srold........ Crriechenwein, echt, süß, hell.., l'epslnwoln, echt, für Kranke k.. Donro Fortwein, ei« im Haag aufgenommene Diskussion über die i n t e r n a t i o- nale Kohlensrage wird am 30. September in Genf vor dem Wirtschastskomitee des Völkerbundes fortgesetzt werden. Schon lange fühlt sich England in der Konkurrenz auf dem Kohlenmarkt, ins- besondere in Italien, durch das„unnatürliche Element der Sach- lieferungen* geschädigt. Dieser Ausspruch Grahams führt zu der interessanten Frage, inwieweit der Rückgang der englischen Kohlenförderung und des englischen Kohleexportes durch die Repara- tivnslieferungen beeinflußt fein mag. Die englische Steinkohlensörderung ist seit 1S13 bis 1928 von 292 Will, auf 241,6 Will. Tonnen oder 17L Proz. zurückgegangen. Dieser Verringerung der Förderung geht parallel ein Verbrauchsrückgang im eigenen Lande um etiva 19 Proz., von 192,3 auf 169,2 Will. Tonnen. Die Gründe hierfür liegen in der allgemeinen Wirtschaftskrise in England, der durchweg schlechteren Beschäftigung der verarbeitenden Industrien sowie in den Fortschritten der Wärmetechnik verankert. Di« stetig wachsend« Verwendung des Oels als Hcizstoff für Schisfsmoschinen hat den Absatz von Bunkerkohlen um 29 Proz. von 21.37 auf 17 Mill. Tonnen gesenkt. Und schließlich ist die Skeiakohlenausfuhr »ou 74.58 Mill. Tonnen im Jahre 1913 auf 59,86 Mill. Tonnen im Jahre 1928 um 23,72 Mill. Tonnen oder 32 Proz. gesunken. Der Rückgang der Steinkohlenförderung um 61,4 Mill. Tonnen wird also fast zur Hälfte durch die niedrigere Ausfuhr, zu 45 Proz. durch den Minderverbrauch des englischen Inlands und zu 9 Proz. durch Minderabsatz von Bunkerkohlen erklärt. Einen Vergleich der englischen Steinkohlenausfuhr nach den wichtigsten Absatzländern in den Jahren 1913 und 1928 bietet folgende Tabelle: Stcinkohlenausfuhr Englands(in Mill. Tonnen) 1913 1928 Veränderung Deutschland.... 9,9 5,4— 3,6 Frankreich..... 12,9 9,2— 3,7 Belgien...... 2,9 2,2+ 9,2 Italien...... 9,8 6,7— 3.1 Skandinavien... 19,9 4,4— 5,6 Rußland..... 6,9 9,92— 6,9 Europa insgesamt., 69,2 38,2— 22,9 Amerika..... 7.9 5,8— 1,2 Andere...... 7,3 6,8— 9,5 Gesami-Auslandsabsatz 74,5 50,$ ■23,7 Der außereuropäische Absatz ist nur nach Argentinien knfolge der Konkurrenz der Dereinigten Staaten merklich niedriger geworden. Die „ikilernalionale* Kohlenfrage ist also eine europäische Angelegenheit. Den Hauptposten des Exporlrückgavges bildet der Ausfall des russischen Marktes: die seit 1913 nicht unbedeutend, von 27,3 auf 30 Mill. Tonnen, gestiegene russische Förderung deckt den geringeren Bedarf des kleine- ren Gebietes. Der gewaltige Rückgang des Absatzes nach Skan- d i n a v i e n ist vor allem eine Folge des mit aller Gewalt forcierten polnischen Exportes. Während 1913 aus Oberschlesten nur geringe Mengen exportiert wurden, betrug der polnische Export 1928 13,5 Mill. Tonnen, d. s. 35 Proz. der Förde- rung. Der Rückgang des Absatzes noch Deutschland ist eine Folge des Kampfes um das bestrittene Gebiet, dessen Kosten auf dem Umwege über die Syndikatsumlage und hohe Inlands- preise die deutsche Verbraucherschaft zu tragen hat. Diese Derschlech- terung der englischen Kohlenhandelsbilanz bedeutet also, Volkswirt- schaftlich gesehen, keineswegs einen restlosen Gewinn für die deutsche Kohlenwirtschaft. Bleiben noch die Länder, nach denen Deutschland Repara- tionskohlen zu liefern hat, Frankreich. Belgien und Italien. Nach Belgien hat sich die englische Ausfuhr sogar etwas erhöht: nach Frankreich ist sie seit 1913 um 3,7 Mill. Tonnen, nach Italien um 3,1 Mill. Tonnen gefallen. Zum Vergleich seien die deutschen Exportziffern angeführt: 1913 1928 Steinkohle Kot» Steinkohle Koks in Millionen Tonnen Frankreich....... 3,5 2,3 5,1 3,8 Belgien........ 6,1 9 9 4,9 2.4 Italien........ 1,9 9,18 4,5 0,2 10,7 3,4 13,7 6,4 Davon Reparationslieferungen—— 10,4 4,0 Die deutsche Ausfuhr nach Belgien ist also, Koks in Stein- kcchle umgerechnet, genau so hoch wie 1913. Di« hohe Koksausfuhr geht fast ausschließlich nach Luxemburg, das frachtgünstiger zum Ruhrgebiet als zu England liegt. Die Ausfuhr nach Frank- reich ist etwa um den Betrag des englischen Rückgangs gestiegen, die deutsche Ausfuhr nach Italien dagegen hat sich vervielfacht. Von den Reparationslieferungen(Koks in Steinkohle umgerechnet) gingen etwa 9 Mill. Tonnen nach Frankreich, 4 Mill. Tonnen nach Italien und 2 Mill. Tonnen nach Belgien. Wahrscheinlich wäre die deutsch« Ausfuhr nach dem frachtungünftiger liegenden Italien und nach Frankreich ohne die Reparationsoerpflichtungen nicht so hoch, zumal das Reich dem Kohlensyndikat 69 Proz. der Differenz zwischen Ausfuhr und Inlandspreis für die Reparationskohlen vergüten muß. Sicher aber wird der englische Erportrückgang nur zu einem Bruchteil durch die Reparalionskohle verursacht, so daß ein Fortfall der Reparationsverpflichtung kein« grundlegend« Besserung für den englischen Bergbau bringen würde. Mit dem im Poung-Plan festgelegten Abbau der Sachlieferungen— die Vereinbarungen in Haag bedeuten keine Berschlechterung— wird an die Stell« der Lieferungen über Reparationskonto mehr und mehr der freie Wettbewerb zwischen deutscher und englischer Kohle treten. Dabei wird die Stellung des deutschen Bergbaus vom nächsten Jahre ab schon in- sofern schwächer werden, als dann die erwähnte Verpflichtung des Reichs zlir Differenzzohlung in Fortfall kommt, wodurch die Verständigungsbereitschaft der deutschen Unternehmer zweifellos ver- stärkt wird. Eine Fortsetzung de» Kampfes um deu Absah würde beiden Ländern neue und höhere Exporwerluste bringen, wovon allein die importierenden Länder profitieren. Di« deutsche wie die englische Kohlenarbeiterschaft hat sich schon seit Iahren gegen die unsinnigen Konkurrenzmethoden auf dem Weltmarkt gewandt und sich für eine grundlegend« Verständigung der europäischen Kohlenlänber eingesetzt. Die Kumpels an der Ruhr, wie in Süd- wales oder Sosnowic« haben seit Jahr und Tag die Rackenschläge dieses verlustreichen Kampfes um den Kunden zu spüren bekommen und ihre Vertreter werden dafür sorgen, daß die einmal begonnene Diskussion über den Abschluß eines internationalen Kohlenfriedens nicht wieder im Sande verkSuft. Kohlendebatte in England. Halsstarrige Lluternehmer. Das Kohlenproblem bildet in England eine der schwierigsten Fragen der inneren Politik. Seit der Beendigung des riesigen Arbeitskampfes im Jahre 1926, der den Unternehmern einen vollen Sieg brachte, haben die Zechenbesitzer sowie das konservative Kabinett Boldwin so gut wie nichts unternommen. um der chronischen Kohlenkrise in England zu Leibe zu gehen. Fast drei Jahre haben sich die englischen Zechenunternehmer, die ihre wichtigsten Kampfziele, Lohnsenkung und Verlängerung der Arbeitszeit, mit Hiife der Regierung erreicht hatten, auf ihren Lorbeeren ausgeruht. Die Rationalisierung innerhalb des sehr zersplitterten englischen Bergbaues, sowie die Zusammenschlüsse der verschiedenen Unternehmungen, blieben Stückwerk. Die sozialreaktioaären Erfolge des englischen Kohlenkapitalismus haben aber nicht verhindern können, daß der britische Bergbau in den letzten beiden Jahren mit ganz«normen Verlusten gearbeitet hat. Bon den Gewerkschaften der englischen Kohlenarbeiter und von der Labpur Party ist bei sämtlichen Kohledebatten der letzten Jahre immer wieder darauf hingewiesen worden, daß der englisch« Berg- bau sich nach deutschem Vorbild zu einem«»nheitlichen Syndikatzusammenschließen müsse, das die Produktion und den Absatz nach einheitlichen Gesichtspunkten zu regeln habe. Die Labour-Regierung hat gleich zu Beginn ihres Amtsantritts sofort das Kohlenproblem angeschnitten. Sie hat den Zechenunter- nehmern gedroht, die Bildung eines Zwangssyndikats für den gesamten Bergbau Großbritanniens vorzunehmen, falls die Unternehmer ihre bisherigen Widerstände gegen die Syndikats- bildung nicht aufgeben würden. Wie wir bereits berichtet haben, hat diese Drohung der Labour- Regierung ihren Eindruck auf das englische Zechenkap'tal nicht ver- fehlt, und die Bewegung ist jetzt soweit in Fluß gekommen, daß man mit einer Gründung des Syndikats noch im Laufe dieses Jahres rechnen kann. Schon in den nächsten Tagen wird das Zentral- komitec der englischen Bergwerksbesitzer zusammentreten, und die Einzelheiken der Syndikaksbildnng durchberaten. Der Ausschuß des Zentralkomitees, der die vorbe- reitenden Gründungsarbeiten durchzuführen hatte, soll die Grund- sätze für die Syndizierung des Kohlenbergbaues bereits festgelegt haben. Nach dem Muster des Rheinisch-Westfälischen Kohlensynditots werden auch in England Produktionsquoten für die einzelnen Zechenbezirke bestimmt und ein Ueberschreiten dieser Quoten durch Strafzahlungen in eine gemeinsame Kasie aus- geglichen werden. Die englische Bergarbeitergewerkschast(Mincrs Federation) ist in den letzten Monaten gleichfalls sehr aktw gewesen. Sie fordert die Wiedereinführung der Sieben st undenschicht, die ihr durch die Baldwin-Regierung während des großen Arbeitskampfes geraubt wurde, sowie eine herauffchung der Mindestlöhne aus den Stand von 1926 und den Abschluß von Tarifverträgen für den gesamten Bergbau. Seit der Niederlage von 1926 war den britischen Bergarbeitern auch dieses Bollwerk der sogenannten nationalen Tarifabkommen geraubt und durch sogenannte Distrikts- abkommen ersetzt worden. Der Dergarbeiteroerband hat bereits an die Unternehmer das Ersuchen gerichtet, diese Fragen in einer gemeinsamen Konferenz durchzusprechen.. Dieses Ersuchen ist jedoch von den Unternehmern rundweg abgelehnt worden. Der Ministerpräsident Macdonald, der dieser Tage im Bergbaurevier weilt«, hat in einer össentlichcn Rede diese Halsstarrigkeit der Unternehmer kritisiert, womit er zweifellos andeuten wollte, daß bei einem eventuellen Konflikt im britischen Bergbau die Labour-Regierung keineswegs untätig bleiben würde. Jedenfalls hat die schroffe Haltung der Unternehmer das an sich schon gespannte Verhältnis zwischen Arbeiterschaft und Zechcnbesitzern in England noch verschärft. Wenn auch zu hoffen ist, daß England in einer Zeit, in der die ersten Schritte zu einer grundsätzlichen Umstellung im Bergbau und zu einer inter- nationalen Kohlenverständigung bereits getan sind, von einem all- gemeinen Arbeitskampf im Bergbau verschont bleibt, so zeigen diese Vorgänge doch deutlich genug, wie gefährlich noch der im britischen Bergbau angehäuft« Konfliktstoff ist. Oer Maschinenbau im August. Kaum verringerter BeschästraungSgrab. Wie der Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten, der Spitzen- verband der deutschen Maschinenindustrie mitteilt, war der Eingang von AnfragenundAufträgen im August von der Inlands- und Auslandskundschaft im Ganzen genommen schwächer als in den letzten Monaten. Jedoch war der Geschäftsverlauf nicht einheitlich und wurde offenbar durch die übliche sommerliche Geschäftsstille beeinflußt. Bemerkenswert ist, daß der Beschäftigungsgrad, ge- messen an der Gesamtzahl der geleisteten Arbeitcrstunden, sowie in der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit sich nur unwesentlich verringert hat. kfcn einzelnen prägt« sich di« Verringerung des Auftrags« eingangs im Werkzeugmaschinenbau und in dm Betrieben für Holzbearbeitungsmaschinen am deutlichsten aus. Auch der Textil- Maschinenbau blieb im ganzen ungenügend beschäftigt. Dagegen war die Lage im Kraftmaschinenbau, im Ventilatorenbau und auch>n den Pumpen- und Bergwerksmaschinenbetrieben im allgemeinen be- friedigend. Ein« leichte Belebung des Auslandsgeschäftes wurde in der Industrie der Ausberenungsmaschinen(Bergwerksmaschinen) gemeldet, was zweifellos mit der internationalen Kohlenkonjunktur zusammenhängt._ BelegschastsaSSau bei steigenden Llmsähen. Wie der Jarbentrust rationalisiert. Der deutsche Chemietrust hat m letzter Zeit in einer ganzen Anzahl seiner weitverzweigten Betriebe einen Abbau der Belegschaften vorgenommen. Wie die Verwaltung jetzt mitteilt, stehen diese Abbaumaßnahmen im Zusammenhang mit dem Abschluß de» in den letzten Iahren durchgeführten größeren Ausbau- Programms sowie mit einer weiteren Rationalisierung der Betriebe. Der Geschäftsgang ist im ganzen genommen normal und hat sich keineswegs verschlechtert. Die Gesamtumsätze im laufenden Jahre über st«igen sogar trotz der sehr guten Chemie- konjunktur von 1928 di« Ergebnisse des Vorjahres. Diese Vorgänge in den Betrieben des deutschen Chemietrusts des kapitalstärksten Unternehmens in Deutschland werfen ein Schlaglicht auf di« Zustände, die der Rationalisierungsprozeß innerhalb der deutschen Wirtschaft geschaffen hat. Die Meldungen aus den verschiedensten Industriezweigen häufen sich, wonach die Umsätze trotz verringerter Belegschaft weiterhin ge- steigert werden konnten. Es liegt also auf der Hand, daß die Arbeits- losigkeit als solche nur noch einen sehr unvollkommenen M a ß st a b für eine gute oder schlechte Industriekonjunktur gibt. Di« Freisetzung von menschlichen Arbeitskräften durch di« Maschine hat dazu geftkhrt, daß wir zurzeit wohl eine erheblich höhere Ar- beitslofigkeit als Anfang September 1928 haben, daß aber der durchschnittlich« Produktionsinder der letzten fünf Monate mindestens so hoch, wenn nickst etwas höher als im letzten Jahre war. Der Ansturm der Unternehmer gegen die Arbeitslosen- Versicherung unter Ausnutzung dieser durch die Rationalisi.-rung geschaffenen Situation wird daher auf den entschiedensten Widerstand der organisierten Arbeiterschaft stoßen. Besserung in der Lokomoiivindustrie. Velegschastsverstärkung bei Henfchel&(Sohn in Kassel. Das führend« Werk im deutschen Lokomotiobau, die H e n s ch e l u. S o h n A.- G. in Kassel, hat im Läufe dieses Jahres mehrere größere Auslandsaufträge für Lokomotiven erhallen. Da sie auch an der Lieferung von hundert schweren Schnellzugs- und Güter- zugslokomotioen für di« rumänische Staatsbahn mit 29 Maschinen beteiligt ist, für die ein« sehr knappe Lieferfrist vor- gesehen wurde, konnte di« Belegschaft in den Kasseler Be- trieben weiterhin vermehrt werden. Die Gesomtbekgschast. di« in Kassel zu Anfang des Jahres nur 3999 Mann umfaßte, ist inzwischen auf mehr als 5999 Mann angewachsen. Aller- dings entfallen hiervon auf den Lastkraftwagen- und Omnibusbau allein 1259 Mann. Die Lokomotiofabrik und die Kesselschmieden werden gegen- wärtig lediglich von Auslandsaufträgen erhalten, da sich die Reichsbahn bisher imm«r noch nicht zu-iner Vergebung von Lokömotivbauten hat entschließen können. Äii den anderen Be- trieben, dem Lastkraftwagen-, Straßenwalzen- und Sprengwagcn- betrieben, liegen zurzeit noch so gute Auftrogsbestände vor, daß die Beschäftigung bis zum Mai n. I. gesichert ist. Auch in den Stahl- und Hüttenwerken des Henfchel- Konzerns, der Hetnrichshütte in Hattingen a. d. Ruhr, konnten« r- heb li che N c u e i n st e l l u n g e n bei der Belegschaft vorgenom- men werden, die jetzt fast 6999 Arbeiter und Angestellte umfaßt. Oer Arbeiismarki im Reich. Keine Verschlechterung in der ersten(Septemberwoche. Die Kurve der Arbeitslosigkeit ist nach dem Bericht der Reichs- anftall in der Woche vom 2. bis 7. September zunächst nicht weiter gestlegen. Der nach und nach einsetzende Bedarf der Landwirtschaft an Arbeitskräften für die Hackfruchternts, sowie die saifonmäßige Belebung in verschiedenen Zweigen des Rahrungs- und Genußmittelgewerbes und auch der Bekleidungsindustrie schufen für die Gesamtontwicklung noch einen Aus- gleich. Die Zahl der Hauptunterstützungsempjänger hat nur einen ganz minimalen Zuwachs erfahren.. Im einzelnen hat sich im R u h r b e r g b a u die Zahl der Feierschichten weiter oermehrt. Die Entwicklung des B a u m a r k- t e s wird in den meisten Bezirken mit Besorgnis verfolgt, da jetzt bereits die west-- und mitteldeutschen Baustoffindustrien einen früh- zeitigen Abschluß der Bausaison melden. In der Metallindustrie lauten die Meldungen ungleich, jedoch überwiegen infolge eines weiteren Beschäftigungsrückganges bei den Werften und in den sächsischen Maschinenfabriken die u n g ü n st i g e n Berichte. Die Groß-Berliner E l e k t r o i n d u st r i e ist noch gut beschäftigt. Auch das Holzgewerbc und Teile der Spinnstosfindustrie konnten eine gewisse Belebung der Beschäftigung feststellen. Berliner Eisengießerei Härtung A.-G. wieder 4 proz. Dividende. Die Eisengießerei und Gußstahlfabrik Härtung in Berlin-Lichtcn- borg, die sich in den Händen des AEG.-Konzerns befindet, schließt ihr Geschäftsjahr 1928/29 wieder mit einer vierprozenligen Dividende abi Nach dem Bericht der Verwaltung war die Be- schäftigung in dem ersten halben Betriebsjahr, also bis September 1928, nicht ausreichend, dagegen in der zweiten Hälfte gut. Im letzten Jahr sind die neuen Fließon lagen in der Gießerei in Betrieb c-------"'''' �" fähigkeit... Selbstkosten-/uui-iuivit auch zurzeit noch recht gut zu tun, während in dem Brandenburger Betrieb, der Landmaschinen herstellt, infolge des allgemeinen Rück- ganges des Landmafchinenabfotzss über Beschäftigungsmangel geklagt wird. Minimax zahlt wieder 19 Broz. Divldeode. Die bekannte Fabrik für Feuerlöfchapparate, die M i n i m a r Ä.-G. in Lerlin und Neu- ruppin, wird laut Aussichtsratsbefckluß für das jetzt abgeschloli-nc Betriebsjahr 1928 29 wieder die gleich hohe Dividende von 19 P r o Z. verteilen. Gl.inzstoss läßt sich Zeil. Di« Berwaltung des Glanz st off- Konzerns wollte schon vor drei Tagen zu dem überraschenden Kurseinbruch der Glanzstoffaktien an der Börse Stellung nehmen. Wie jetzt verloutet, hat die Direktion ihre Mitteilimg an die Oeffentlichkeit noch einige Tage hinausgeschoben. Offenbar sind sich di- Herren im Glanzstoffkonzern für die Begründung des Börsen- stürze- noch nicht über den richtigen Zunoepschlag einig geworden. Donnerstag 12. September 1929 Unterhaltung unö AAlssen Deilage des Vorwärts Jl. 8. Green: Z)«I' gü �dch Foole kroch aus der Laubhütte in M« Sonne. Einstweilen war das Fieber von ihm gewichen, aber er fühlte sich benommen vor Schwäche. Die Augen tränten in der Sonne, und dem Landstreicher war es jämmerlicher zumute als der Blattwanze, die auf der Ober- stäche des Teiches zappelte. Mit zielloser Aufmerksamkeit beobachtete er das Infekt. Natürlich mußte die Wanze ertrinken; aber vorerst war es noch nicht so weit. Ihr winziger Körper schwamm aus der dichteren Masse des Wassers.„Genau so, als ob-ein Mensch ver- suchen wollte, ob er in steiser Gallerte ertrinkt," dachte Foole. Die Laubhütt«, in der er und sein Gefährte Bilboa noch der Flucht aus dem Gefängnis Unterschlups gefunden hatten, lag am steilen Ufer eines kleinen Teiches von fraglos künstlichem Ursprung. Der Teich hatte die Form eines stark in die Länge gezogenen Nhombus; auf dem der Laubhütte gegenüberliegenden Ufer sah man Zwischen dunklen Büschen Mauerreste, Haufen von Ziegeln und Erde. Der Wald drängte bis dicht ans Wasser; Reisig, Blätter und Blüten trübten den klaren Spiegel. Nur in der Mitte des Teiches wurde die Sonnensäule hell und durchsichtig zurückgeworfen, während rings um den kleinen, lodernden Kreis die Schatten düsterer, umgekehrt »n Wasser stehender Bäume auseinanderliefen. Der Teich war tief, kalt und ruhig. Die ertrinkend« Wanze hatte es inzwischen fertiggebracht, mit Hilf« ihrer Beinchen wieder auf den Bauch zu gelangen. „Bilboa ist kein Jäger," dacht« Foole,„er wird kaum etwas Eßbares mitbringen: ober ich bin so wahnsinnig hungrig— bis zur Uebelkeit. Ach, wenn ich nur«in bißchen mehr Kraft hätte!" Er ließ den Kopf über die Uferböschung herabhängen und l ehrte zu der Wanze zurück. Sie krabbelte heftig und entfernte sich i nme mehr vom Ufer, und Foole strengte sich an, um sie nicht ou? dem Auge zu verlieren. In seiner Blickrichtung waren die ''.Wasserpflanzen am Grunde Heller und spärlicher; glänzende Fische b ischten dazwischen hin und her. Einer von ihnen, der scheinbar > nbewcglich ganz dicht am Boden im Wurzelwerk der Pflanzen >' and. erregte durch eine unnatürliche Krümmung seines wie Kupfer leuchtenden Rückens Fooles besondere Aufmerksamkeit. Er sah hin... Seine geübten, etwas weitsichtigen Augen, die vorher angespannt >"!f den kleinen Punkt des schwimmenden Insekts gerichtet gewesen l'aren, gewöhnten sich rasch an das Spiel zwischen Licht und Schatten und unterschieden trotz des drei Meter tiefen, durchsichtigen U>asscrs bald den Rand eines dicken goldenen Tellers, der, wie es s l ie», einem gekrümmten Fischrücken ähnlich war. Der Teller lag ! l:!ef, stir» untere Hälfte steckte im Schlamin, während die obere, I-rausragende, an einer Stell««inen blendenden Lichtkern reflek- t ertc. Foole griff sich ans Herz. Es tot einen Schlag wie ein Schuß, trieb ihm das Blut in die Wangen. Mit tiefem Staunen, las sich in Schrecken verwandelte, starrte Foole auf die aus dem Dämme r der Waffertief« aufragende Schnitzerei des goldenen D elicrs, bis«r nicht mehr daran zu zweiieln vermochte, daß er »-ihr i-nd wahrhaftig«ine Kostbarkeit vor sich sah Er spähte weiter > Tld- f/it aus: überoll, wohin er blickte, standen oder lagen Becher, s laok! älsige Basen. Kelche und Gefäße von phantastischen Formen z vischeu den zarten Stengeln der Wasserpflanzen. Ihr goldenes Gefunl>1 schien in sternigen Strahlen zu atmen und zu strömen; da» zwischen schössen Fisch« hin und her, tummelten sich schwarze Krebse, bochen Schnecken, die blinden Fühler hebend, auf den Rändern, Te mit im Wasser kaum bemerkbaren Mustern von edlen Steinen ausgelegt waren. Frole zerriß den Hsmdkragen. Er stand auf. streckte zitternd« Hönde nach dem durchsichtigen Grab des Schatzes. Es schwindelte ihm vor H tzc, Schwäche und Erschütterung; wankend begann er sich auszuziehen, zerrt« an den Knöpfen und überlegte keinen Augenblick, oii sein entkräfteter Körper auch tief genug zu tauchen vermöchte. » „Willst du«in Bad nehmen?" fragte Bilboa, sich mühsam einen W'g durchs Gestrüpp bahnend. In der einen öhand hielt er das Soldatengewehr, das man der Wach« im Augenblick der Flucht ab- genommen hatte, mit der anderen schleppte er«in an einen Stock gebundenes kleines Wildschwein. „Als ich noch reich war— und frei, da habe ich auch gebadet: j den Tag, vor dem Frühstück. Hier sind frisch« Schnitzel." „Bilboa." brach es aus Foole.„was wirst du sagen, wenn wir jetzt eine Million Schnitzel kaufen können? Wie?" Der Zuchthäusler lieh dos Gewehr fallen. Er empfand plötzlich Angst vor dem seltsam verfinsterten Blick des Genossen. Foole preßte die Handflächen zusammen und röchelte heiser wie«in Sterbender. „Sieh dort hin," sagt« er gebieterisch,„sieh hin!" Er zog Bilboa neben sich auf den Uferrand.„Sieh hin, da sind«in paar Zentner Gold. Fass' mal zuerst das schwarz« Blatt dort ins Auge— da, wo dos Schilfrohr geknickt ist. Don da sieh nach links, auf dos schwimmende Gros. Dann etwa zwei Meter geradeaus, und dam, nach unten. Wie das blitzt! Das ist ein Zehnkiloteller für dein« Schnitzel!" Er sprach hastig, ohne einen Blick vom Wasser zu wenden. Der durch lange Jahre des Leidens genährt« Durst nach Unerwartetem und Wunderbarem war niit einem Schlage in Bilboas aufgestörter Seele lebendig. Er ließ den Blick in der von Foole angegebenen diichtung untertauchen, aber er sah noch nichts „Du fieberst," sagte er. „Um den Teller." fuhr Foole unbeirrbar fort,„liegt noch viel mehr goldenes Geschirr. Ueberall. Da zum Beispiel sind drei— nein, vier— goldene Krüge... einer davon sst zerdrückt. Und da— kleine Tellerchen... und«in Krug mit einer goldenen Schlang« darauf, und-in Kästchen mit einer Figur auf dem Deckel... Oh. Bilboa, siehst du es den« nicht?" Bilboa schwieg noch immer. Das unordentlich umhergeftreute goldene Gerät trat allmählich deutlicher aus dem Schatten hervor. Auch er unterschied jetzt Formen und Linien, fühlt« gleichsam das Gewicht jedes einzelnen Gegenstandes, und in Gedanken spürte«r schon die glückhafte Last in seinen Händen. „Ach," rief er und sprang auf,„hier liegt ein königlicher Schatz im Wasser. Gleich hole ich das alles heraus!" � „Wir sind reich," sagt« Foole. „Wir gehen aufs Festland zurück." „Wir verkaufen dos Gold." „Bilboa." erklärte Foole feierlich,„das hier ist mehr als Reich tum. das ist da, Läsegeld des Schicksals für die Bergangenheit." Der andere warf die Kleider ab. nahm einen Anlauf und tauch« m den Teich Sei» von der Sonne kupferbraun gebrannter Körper schnellte wie ein Pfeil durch die Luft, der ruhige Wasserspiegel spritzte auf, verwandelte sich in wellige Kreis«, die Füße des Schwimmers taten einen letzten Stoß, dann war der braune Körper verschwunden. * Bilboa blieb kaum ein« Minute unter Wasser. Foole aber er- lebte diese ein« Minute wie«inen Zeitabschnitt von unbestimmbar langer Dauer, währenddessen er vor Ungeduld am liebsten in Tränen ausgebrochen wäre. Er beugte sich über das Wasser, wäre beinahe hin-ingesallen; er stampfte mit den Füßen und machte verzweifelte Anstrengungen, das blinde Geflirr des aufgeregten Teichs niit den Augen zu durchdringen. Er, der flüchtige Häftling, war in dieser Minute ein Herr—. wie vor zehn Iahren— ein Herr, den es nach alledem verlangte, dessen er durch Gerichtsspruch und gesellschaftlich Aechtung verlustig gegangen, war: Familie, Haus in Blumen, Rasse- pferde, feine Wasch, jeder Komfort, Bücher, ein achtungerfüllter Bekanntenkreis— das alles kam aus dein geheimnisvollen Wege des Schtzes zu ihm zurück. Es konnte nicht schwer sein, unter anderem Namen das Leben von früher aufzunehmen. Wieder rauschte der Teich. Bilboas nasser Kopf tauchte aus der Tiefe in die Lust. Auf seinem Gesicht inalte sich nichts als äußerste Anstrengung. Geräuschvoll ausatmend schwamm er ans Ufer, bewegt« nur die«in« Hand und hielt die andere, um die es undeutlich glänzte, unter Wasser. Bon einer unbestimmten, drücken- den Borahnung gepackt, starrte Foole auf die schimmernde Beute. Bilboas Schweigen quält« ihn. „Nun?" fragte er endlich leise. Erschöpft klammert« sich Bilboa mit der sreien Hand am Ufer- abhang fest. „Wir sind beide von Sinnen, Foole," sagte er,„gar nichts ist dort. Als ich untertauchte, sprang der Glanz vor meinen Augen hin und her, und ich versuchte vergeblich, ihn zu haschen. Du weißt. ich bin nur kurz von Atem. Aber eiliflefangen habe ich es doch: es sind deine Fußkettcn, Foole, die du vor fünf Tagen mit einem Stein cntzwcigcschiogen und ins Wasser geworfen hast. Da hast du sie!" tAutorifirrtl Uebcrsc�unz von Ruth Adler.) 3)r, 3>aul A. Schmidt: büClfl SEum hunderlflen Qeburislag Regelmäßig und mit Recht wird Feuerbach neben Marees und Böcklin in der Malerei des 19. Jahrhunderts zu den großen„Deutsch- Römern" gezählt; das heißt: zu den Erneuerern des alten klofst- zistischen Ideals Goethescher Prägung, dessen Sinn in einer innigen Derschmelziing deutsche» Ausdruckswillens und italienischer Formen- klarheit besteht, mit starkcin Einschlag hellenischer Bildungsidecn. Gerad: diefes letzte Moment einer verfeinerten Bildung findet sich in der Person und der Kunst Feuerbachs sehr lebhast ausgeprägt. Sein« Familie lieferte schon seit zwei Generationen bedeutend« Gelehrte; sein Großvater war der berühmte Kriminalist, sein Oheim der atheistische Philosoph Ludwig Fcuerbach, sein Vater ein bedeuten- der Archäologe. Die Folge einer so ungewöhnlichen Häufung von Geist war nun nicht nur sein großes Talent, sondern auch ein« see- tische Dekadenz, die Feuerbachs eben zu einem Martyrium gestaltet hat. Denn er vertrug nicht die sinnlose und ungerechte Berkennnng der Welt, die seinem Werk zuteil wurde, und selbst gerechtfertigte Kritik traf bei ihm nur ans gesteigerte Empfinklichkcit. All« Unbill. die einem schöpferischen Menschen vo-n einer baimusisch gesinnten Umwelt widerfahre» kann, hat er erdulden müssen, und er selber war nicht geschaffen, sich darüber hinwegzusetzen. Die Dornenkrone des schöpferischen Menschen ist für Feuerbach darum so übertrieben umfänglich ausgefallen, weil feine Natur, und die Art feiner Kunst nicht minder, ihren reichlichen Anteil daran hatten. Heute, an Fcuerbachs 100. Geburtstag— er wurde am 12. Sep- tember 1829 in Speyer geboren—, können wir Licht- und Schatten- feiten seiner Kunst mit einer Objektivität abwögen, die seiner Epoche schon darum unmöglich war, well diese Jahrzehnte von 1839 bis 1889 den Höhepunkt einer ganz auf Beobachtung der Wirklichkeit abgestellten Malerei darstellen. Für den Idealismus eines Feuer- bach, der von Kindheit an die Luft antikisch und philologisch be- stimmtcr Hochbildung im Ellernhaus eingeatmet hatte, der niemats in seinem eben von diesem Ideal abgewichen ist, war damals kein Raum und kein aufnahmebereites Publikum vorhanden. Ist es heute da? Feuerbachs besondere Tragik scheint es zu sein, daß er zu allen Zeiten unzeitgemäß dasteht, daß sein Idealis- mus nicht hinreicht, die Kluft zwischen den großartigen und wahr- Haft menschlichen Symbolen der Antik« und den Vorstellungen einer gänzlich anders orientierten Gegenwart zu überbrücken. Böcklin hat das vermocht, seine Bilder sind tatsächlich zum großen Teil in unser Volksbewußtsein«ingedrungen und haben die Lorstellung weitester Kreise vöni Wesen der Antike, der griechischen Mythologie und des Südens bestimmt, weil t? die Bildungselemente aus Homer und sonstigen Ballast des Gymnasialunterrichts mit einer vitalen Unmittelbarkeit und farbiger Anschaulichkeit erfüllt hat. Böcklin hat mit anderen Worten das Gespenst der klassischen Antike voll- kommen neu erschaffen; er sah in den griechischen Faunen, Nymphen, Kentauren und Mccrwcsen blutvnllc und durchaus mögliche Symbole, die durch ihre dralle Lebendigkeit auch den nicht„gebildeten" Menschen überzeugen kannten und immer nach entzücken. Fcuerbach ober schätzte durchaus nicht populäre Draftik. Er wollte sich und seine antike Welt vom Betrachter distanzieren und auf unnahbaren Höhen ein Reich von kühler Schönheit klassischer Herkunjt errichten. Auch das wäre nicht möglich gewesen; nur hätte er mehr blntcrfüllte Borstellungskrast besitzen müssen. Hier zeigt sich der wahre Grund seiner Tragik: er war kein Erfinder von der überragenden Gegenständlichkeit eines Böcklin, ohne die seine Phon- tasie lahm wurde. Talsächlich hat er seine schönsten Bilder nach der berühmten Schustersfrau Nana Risi von 1869 bis 1863 und feit 1866 nach der wunderbaren Lucia Brunacci gemalt, die ihm für Mcdea, Eurydike, die Göttinnen des Parisurteils, für seine Amazonen- sässacht und viele Bilder das Wesentliche gab: ihre stolze Erschei- nung. Und nicht nur Intrigen haben ihm in Wien seit 1873(wo- hin er als Professor der Akademie berufen war) das Leben ver- leidet, sondern auch seine Entfernung aus dem Nährboden Rom» hatte ihm die Schwungkraft beschnitten und die letzten sieben Jahre seines Lebens zur Unfruchtbarkeit verdammt. Feuerbach, der deutsche Maler, konnte nur in Rom das ihm ge- mäße Klima finden, nur in Rom feine großen Ideen mit Hilfe der ilalieniifchen Modelle vollenden. So hat er es selbst gewollt, so war es diesem Tragiker deutscher Bildungskunst bestimmt. In feiner Jugend hatte er freilich an Rubens und der verführerischen Mal- technik Karl Rahls in München(1818— 1850), dann in Paris(1851 bis 1851) abwechselnd an Courbet und dem Blender Couture sich gebildet und Bilder von großer malerischer Braoour geschaffen, wie den„Hafis"(1852) und den„Tod des Aretino"(1851), die nichts mit.seinem späteren kühlen Klassizismus zu tun haben. Bor allem hat Amselm Feuerboch aber Landschaften gemalt, deren große deroische Geste und köstliche Tonigkeit in der Linie seines Ideals liegen, deren Klassizität aber von einer solchen Frische und Größe der Anschauung gestützt wird, daß sie zu höchster Wahrheit in der Naturerscheinung wird: und Bildnisse, wie das seiner edlen Stiefmutter, und- Selbstporträts, die vollkommen sind, weil Indi- »idualität und Erhebung zum Geistigen sich in ihnen vereinen. „£Heralurfpielereia Itas den Sonjel 3>oelen erlaubt und verboten ifl Die von Otto Pohl in deutscher Sprach« lierausgegebene bolschewistisch- Wochenschrift„Moskauer Rundschau" bringt in ihrer jüngsten Nummer unter dem Titel„D e r S ch r i f t st e l l e r und die Politik" einen lehrreichen Artikel, der die Be- dingungen bzw. Beschränkungen aufweist, denen die Ausübung der Dichtkunst in Sowjetrußland unterliegt. Boris Pilnjat— heißt es dort— dem bekannten Erzähler, der vor einiger Zeit das Wort geprägt hat, daß die künstlerssche Be- gabung eines dichtenden Menschen in verkehrtem Verhältnis zu seiner politischen Kompetenz stehe, wird der Borwurf gemacht, daß er mit seinem neuesten Buch„Der rote Baum" der Konterrevolution Dienste geleistet habe. Den Angriff eröffnete B. Wolin in der„Literaturnaja Gazeta". Was er Pitnjak vorwirst, ist nicht nur die geistige Haltung der Cr- Zählung selbst, sondern namentlich auch, daß dieser Roman, nach seiner Ablehnung durch dl« sowjetrusssschcn Zeitschristenredattioiicn, im Berliner Verlag Petropolis, einer weißgardistischen Unterneh- mung, erschienen sei, entweder mit Zustimmung des Autors oder doch ohne seinen Protest Ein gleiches Verhalten wird auch einem anderen bekannten Sowsetschnftsteller, Samjatin, zum Borwurf gc- macht, dessen Roman„Wir", nachdem er als für die Sowjetunion als ungeeignet befunden worden war, im Emigranteiiblatt„Wolja Rossii" zum Abdruck gekommen ist. Und Jlja Ehrenbnrg wird von Wolin vorgehalten, daß er sein Buch:„Der Gierige" in zwei Bari- ante»— die eine für die Sowjetpresse, die zweite für die weiß- gardistische— habe erscheinen lassen. In seiner, gleichfalls in der„Lit. Gaz." veröffentlichten Antwort führt Pitnjak zunächst aus, daß sein Werk ohne sein Berschulden nach Berlin gelangt sei. �Jm Berlageverzeichnis des Petravolis fänden sick übrigens mir Sowjetschriftsteller vertreten, leine Emi- granten. Protestiert habe er gleichwohl, aber erst als er erfahren habe, daß die konterrevolutionäre Presse sein Buch in ihrem Sinn ausschrotete. In seinem Protestschreiben habe er auch sein Der- hältnis zur Revolution dargelegt, in Sätzen wie:„Wer vor den Augen keine Binde hat, muß sehen, daß jetzt in der Sowjetunion die Weltgeschichte vorwärtsschreitet. Die Sowjetunion ist im Aufbau. Die überwiegende Mehrheit der Menschen leb-t dort materiell und feelisch das Leben eines Erbauers.oder man kann sagen, das des Soldaten in einem nie dagewesenen Krieg, dem unblutigen Krieg für den Sozialismus... Die marschierende Geschichte, die mar- schiercnde Sowjetunion ist heute ebenso aktuell, ebenso Tatwirklich- keit wie 1918 und 1919." Zum Schluß weist Pilnjak darauf hin, daß er als Erster Erzählungen aus der russischen Revolution geschrieben habe. Di« Polemik wird fortgesetzt. Die„Lit. Gaz." vom 2. September widmet der Angelegenheit fast die ganze erste Seite. Die redaktionellen Ausführungen wenden sich nachdrücklich gegen die ?luffassung, daß der Schriftsteller das Recht habe, abseits der Kämpfe der Zeit zu bleiben. Das Material, das die Redaktion in ihren Händen habe, könne keinen Zweifel daran bestehen lassen, daß ein Teil der Schriftsteller der Sowjetunion um einer Auslandsausgabe ihrer Werke willen die Sowjetliteratur diskreditiere und durch In- anspnichnahme privater Vermittler und Kommissionäre unmittelbar schädige. Die Sowjetöstentlichkeit dürfe von ihren Schriftstellern oerlangen, daß sie der Sache der Sowjetunion dienen. Die„Lit. Gaz." läßt weiter die Wortführer verschiedener lite- rarischer Vereinigungen und Gruppen zu Worte kommen, die in der Verurteilung des Verhaltens Pilnjaks übereinstimmen. Besonders heftig ist in gewohnter Weise das Fut»riste»h.iupt Majakowski. Für ihn ist das fftzerk des Schriftstellers eine Waffe: Wäre es selbst— was in Wirklichkeit unmöglich— über den Klassen, so würde doch seine Auslieferung an die weiße Presse das Arsenal des Feindes stärken. Es müsse ein Ende gemacht werden mit der gegen- standslosen Literaturspielerei und mit der Unverantwortlichkeit der Schriftsteller. Majakowski unterläßt nicht, bei dieser Gelegenheit die Zuverlässigkeit seiner eigenen Schule durch den Hinweis auf ihren Tendenzcharakter in Erinnerung zu bringen. ver spiralig« wuchs vieler Baumstämme ist aus Windwirkung zurückzusühren. Da die Krone nie vollständig symmetrisch gebaut ist und in einer bestimmten Gegend meist eine bevorzugte Wind- richwng besteht, wirken auf den jungen Stamm Druckkräfte sin. die dir Entwicklung in dem genanten Sinne beelnflusseil. Theater, Lichtspiele usw. ��A�A�/V�VAA�A�sfc/a Ponnerst-, 12. 9- Staats-Oper Unter d. Unden A..V. 1S8 ?n Uhr Staals-Oper Am PW.Republ. R.-S. 164 20 Uhr Donnerst, 12 9. Stadl Oper Blsmarckstr Torna» III 20 Uhr Tyll StaatLSdusspli am Gendarrneomarln A.-V. 167 20 Uhr Haas im SAnakenlodi Staat!. Seiiiller-Ttieater.Cliarltli. 20 Uhr 2X2= 9 nn. t»«man. S and$ Uhr Zum 1. Maie Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel CIRCUS man A 14 An Sonnabend, den .Ä-beöiDDl Ol« neua Herbst-Spielzeit. Vlelfsehen Wünschen»olfl,, mit einem rein clrceneiechen Programm, unter anderem» «harlea RIGOULOT dir stärkst! Mann der Welt! RliOHlaft Lelstuasan aiad sa tahtl. he«, 4,8 er auf der Oiyiptod« M elfter wurde. ZdBirstenMali In Deutschland! Das Mirakel d.ägypUuh. Königin Nofretete >«1 winrend s. groSea Kuptzerhreeiien uicii der De Matuig. Zum ersten Male In Oentsckland! __ Die Italiener -— sy� Ort and ii.Mara / In ihrer unerhörten Sensation: „Dur Doppeicprung ums Leben,( Ortend und Mars aneinander ooklammert, seuesn 14 Mater durch den Reum in d.othnenoe Tiefe. Zin ersten Male Ii Oeglacblandl Oer Portugiese Roberto de Vasroncellos Hohe Schule von ungewöhnlicher Eigenart. ZanintanMalilnDintsthland! Luftpotpourri der 7 Wortleja Oer verwegene Saltomortale- Reiter MARASSO mit dem Inder NanaSahlb ZnaerstanMalainDiiitscIilindl Octarios Arche Noah und die lustige Affen-Familie und anderes mehr. Sonr.atiend(auBerEröftnunge- tag) u. Sonntag 3 Uhr: Nachmittag-Vorstellung mit ungekürztem Abendprogramm. Ncn-Ilnlfläriiiig: Keine Nona oder Outecheine: : /M.0.50-M.5.- dafür die Prelee aber nur Ttgllch 3 Uhr u. Sonntag nachmittag 3 Uhr Sonntag nachmittag Kinder nalbe Preise. Sonnabend nachmittag für Erwachs, u. Kinder gleiche Preise M. 0.50- M. S.Vorverkauf: Circuekoeeen und Warthelm. Dircltrion Dr. Robert Kleba Oeiisehes KOnitler' Thealer Täglich NU Uhr Die aadere Seite von R C Sherriff Regie: Hei nzHilpert Berliner TUM Täglich NU Uhr Zwei Rrawattn von Georg Kaiser Musik: Misch« Spoliantky Forster Laninsga mmmmmwmwmm Vartongen Ls mm Vellrcl« FYFFES Bananen Ste tragen immer dluse blaue Marke Theater ia der KSnjggrltzer StreSe NU Uhr BanBlbtl aite porlas Komödlenhaue Täglich NU Uhr Cli8iie;s Tante mit Cvrt Bde. Bakömmlidi Sauber Vitaminreich pumelaimm —— am Zoo ii firliau. Jaadiratkalir Sink B.6 Barbiro$sa6378 IS'U Uhr»erbet- ebMdeen Sternen. hlnmei iS'/i Uhr Ble eu die Q renze« der Welt 20iu Uhr Rätsel dm Stern«nlleMae Tägl.saBer Montags u. Mlttw. Erwachs. 1 MK. Kinder SO PI Mlttw.: Erwachsene 60 PL. Kinder 26 PI Die blaue Marke gewfihrt dia Qarantla fQr QualitSt, gestützt auf übar 30iährige Erfahrung Metropol-Th. Heute Donneistag 7>U Uhr Dtsch. U raufführ. Mariella Uaslk t. Usfcir Nraat Käthe Dereab MUäueel Bobaaa TrlaiioD-Tii.Mävr Täglich 8>U Uhr OarfrjMUpUdailalB Du kemml doch alle Tage Ter Johannes Riemann. Vilm« r.Akaay, Max Lande.Urne Kllnder ReichshallenvThealor Abends[i] Seen leg eadim.(T| F©st- Proo ra m m Mm ßZ SäDW — Nachmittags halb« Preis« �gäu volle Fest-Programm \&M Zentrum 1126 Inü' DBnheff• Brottii 10 Spezialitäten! Falkner. Orchoster.— Tang. Tiiui.iaäane.Ter Kottbusser Str. 6 räg1.aUhr auch Sannt. nachm. 3 U. kille- sanier Da« WvwMr-fH gif ÄÄ ThuLtt. Vesta» Täglich NU Uhr Berlins grö et« r Theatererfolg Blaubarl Operette von Offcnbaek. Scnnab o. Stg. 4 v. Leben WeUerfolg! Friederike NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN Mit den Dampfern der 'SIERRA -KLASSE nach AMERIKA D.„Sierra Vcnlana" D.„Sierra Morena" D.„Sierra Cördoba" D.„Sierra Ventana" 5rcmen 16. Sepfember 7. Oktober 28. Oktober IS. November Nach kurz», schwer» Krem heil nec- schieb am 10. Septemb» 1929 meine liebe, gut« Frau Martha Taube, geb. Reüsdtlag. 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