BERLIN Donnerstag- 12. September 1929 10 pk. Nr. 428 B2itZ 46. Jahrgang. ErscheinttSglich aogerGonntaz«. Augleich Abendausgabe de«.VorwirtS'. Dczugspreit beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,6oM. pro Monat. Vledaklion und Txxedition; Berlin SW 68. Lindenßr. S jMnWwdb l llietgenoreisiDie einspaltige Nonpareillejeil« 80 Pf., Reklameieile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkoat«: VorwärtS-Verlag G. m.b.H» Berlin Nr. 87 536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Time Verhaftung en im Reich. Die Mutter als Briefträger.- Hitler-Redaktion verhastet. Die Vernehmung der gestern in einem Cafe in der Leipziger Itraße festgenommenen drei Personen hat er- geben, daß ste zwar in enger Verbindung mit den in Schleswig-Holstein und in Berlin festgenommene« Per» sonen stehen, daß aber der Verdacht einer Beteiligung an den Bombenanschlägen fich nicht bestätigt hat. Diese drei Personen, Karl Heinz von Winterfeld t, Horst von S a l o m o n und der Flugzeugführer Willy Eichler, werden deshalb heute wieder entlasse« werden. In Ilmenau in Thüringen ist die Mutter des dringend der Tat Verdächtigen, aber in das Aus» land geflüchteten Herbert Volk, Frau Dobel, von Polizeibeamtcn vernommen worden, da sie in engster Verbindung mit ihrem«ohne steht und den Schrift- Wechsel ihres Sohnes mit seinen Anhängern ver» mittelt hat. Frau Tobel ist vorläufig festge» n o m m c n worden und wird dem Richter vorgeführt. Heute vormittag wurden die Vernehmungen der seit gestern früh in Polizeigewahrsam sitzeudeu Personen, die in dem dringenden Verdacht stehen, an den Bomben» attentaten direkt beteiligt zu sein, im Polizeipräfidium fortgesetzt. Bei- Redaktionsschluß dauern die Vernetz- , nungen. über deren Ergebnis bis zur Stunde noch nichts bekannt ist, an. Es ist nicht ausgeschlossen, daß noch weitere Verhaftungen vorgenommen werden. Hitler-�edaktlon verhastet. Hamburg, 12. September.(Eigenbericht.) Durch Ermittlungen von Berliner Polizeibeamteu wurde festgestellt, daß am Montag mehrere Personen von Berlin nach Hamburg gefahren sind, die anter dem Verdacht der Mittäter- bzw. Mitwisserschaft zu den Iprengstoffattcntatcn stehen. Die Personen trafen sich mit anderen im Warttsaal 1. Klasse. Als sie ihn ver» lassen wollten, wurden sie von Kriminalbeamten fest. genommen. Es handelt sich um die Redakteure der nationalsoziali st i schen„Schleswig-Holsteinischen Tageszeitung" in Itzehoe: Bodo Uhse und Willi E h l e r t- Itzehoe, um den Geschäftsführer des GaueS Schleswig-Holstein der Hitler-Partei Emil Brix» Rellingen sowie um den Kaufmann Adolf Rensch- Altona-Eidelstedt. In den Wohnungen der Verhafteten wurden Durchsuchungen vorgenommen, die mancherlei Material ergaben, das noch gesichtet wird. Es besteht starke Wahrscheinlichkeit dafür, daß zwischen der Land- Volkbewegung und der Hitler-Partei personelle Be» Ziehungen bestanden, wenn das auch von den Be- teiligten be st ritten wird. Es handelt sich aber, wie wir hören, fast durchweg um Personen, die entweder vorher bei den Nationalsozialisten waren und dann zur Landvolkbewegung kamen oder umgekehrt. Die Vernehmung der im Zusammenhang mit den Sprengstoff- anschlagen verhafteten Personen im Altoncr Polizeipräsidium wird fortgesetzt. Inzwischen sind weiter« Verhaftungen in der Provinz vorgenommen worden. So wurd« sjeute früh in Heide der Wirt des..Heider Hofes", Lothar Gcngelazky. unter dem Verdacht der Mittäterschaft bzw. Mitwisserschaft ver- haftet. Er war ein intimer Freund des verhafteten Nickels. Die Verhaftung einer weiteren bekannten Heider Persönlichkeit soll bevorstehen. In Itzehoe wurden gestern Haussuchungen sowohl in der Schriftleitung der nationalsozialistischen„Schleswig-Holsteinischen Tageszeitung", als auch in den Wohnungen der Rehakteure dieser Zeitung, Uhse und Ehlers, vorgenommen. Beide befanden sich nicht in Itzehoe: sie wurden in Hamburg festgenommen. Gerüchtweise oerlautet, daß auch der preußische Landtags- abgeordnete Lohfe, der gleichzeitig Schriftleiter der„Schles- wig-Holsteinischen Tageszeitung" ist, in Altona verhaftet worden fei. aber gegen die Verhaftung unverzüglich Beschwerde eingelegt Hab«. Eine amtliche Bestätigung dieses Gerüchts war bisher nicht zu erlangen. Wie das Polizeipräsidium in Altona mitteilt, steht vorläufig noch nicht fest, wann ein weiterer amtlicher Bericht aus- S«geben wird. Gemelnheil!„Mit allen Mitteln der Lift und Täuschung", so beschwert sich die„Deutsche Zeitung", sei die Polizei gegen die armen jungen Leute vorgegangen, die doch nur etwas„Unfug mit Spreng- gerät" getrieben höben. Nein, diese böse Polizei. Vier Wochen lang hat das Nationalistenblatt über die angebliche Hilflosigkeit und Taperei der Polizei gewitzelt und gehöhnt. Nun, wo die Polizei Lrft anwendet, ist es wieder nicht recht! OC.-Hort bei pabst. Zufluchtsstadt Innsbruck. Wie», 12. September.(Eigenbericht.) Die„Arbciter-Zeitung" stellt heute die Zusammen» hänge zwischen den Heimwehren und den reichSdeutfchen Putschisten dar. Dies« Zusammenhänge bestehe« seit 1S20. Nachdem die deutsche Arbeiterklasse den Kapp-Putsch be- siegt und fich die Organisatoren des Putsches auf den Gütern bayerischer Reaktionäre versteckt hatten, habe Dr. Steidle den Hauptmann Pabst eingeladen, «ach Tirol zu kommen, wo Pabst unter falschem Namen die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt und die Leitung der Tiroler Heimwehr übernahm; er hat die Verbindungen mit den reichsdeutschen Putschisten, namentlich mit der Organisation C o n s u l, nie abreißen GW mich nicht unter den Linden... »Die Derhosteten da?— Kennen wir nicht, nie gesehen!" lassen. Als im August 1S21 die Erzberger-Mörder Schulz und Tillesse« nach Innsbruck geflüchtet waren, erhielten sie auf Veranlassung des Pabst vo» der Tiroler Landesregierung falsche Pässe. Als im Jahr darauf die OC.-Leute Rathenau ermordet hatten, flüchtete eine Anzahl Verschwörer nach Inns- brück, wo ihnen Pabst wieder falsche Pässe und sogar Anstellungen bei Tiroler Firmen verschaffte. Wären fetzt die Bomben attentäter rechtzeitig nach Innsbruck geflüchtet, so hätte ihnen Pabst auch weiter- geholfen. Die„Arbeiter-Zeitung" weist auf den Parallelismus der Bewegung in Deutschösterreich uud im Reiche hin. Die Faschisten hüben und drüben haben i« Innsbruck ihren Zufluchtsort. Verhaftung in Hannover. Hamburg, 12. September.(Eigeubericht) ver Führer der„Landvolk'bewegung im kreise Winsen an der Luhe, der Hofbesitzer Amadeus Sicks in Rönne, ist am Mittwoch im Zusammenhang mit den Attentaten v e r h a s t c l und nach Altona übergeführt worden. Wie Hamkens gefaßt wurde. Breslau. 12. September. 1 Ver Zchährige Slellenbefltzer Wilhelm hamkens aus leteu- buev. Kreis Eiderstedt( Schleswig- Holstein) und der 27jährige vlplomlaudwlrt Walter TN n th m an n aus Elberfeld find in V u ch. w a l d bei Trebnitz bei einem Landwirt verhaftet tzvorden, der am Tage zuvor die Landbuudverfammlung in Reumarkt geleitet Halle. Als die Beamten gestern erfchienen, f r a g t e n die Verfolgten nach der Ursache des Haftbefehls. Als ihnen gesagt wurde, daß es„mit Altona zusammenhänge", erklärten sie:„Dann wissen wirschon.umwosessich handelt." Die Verhaftung er- folgte ohne Störung. „Gruppe Timm" in der Statistik. Man schreibt uns:/ In der Reihe der Berhafteten taucht auch der Namen des .Lilfsrevifors Erich Timm" auf, der nach den bisherigen Ermitte» lungen zu dem Rest der Spreng- und Sabotageorgani- fation Hauenstein gehört, innerhalb deren er mit feinen Kumpanen eine besondere Arbeitsgemeinschaft gebildet hatte. Dieser Erich Timm war im Jahre 1924 Hilfsrevisor in der Knorrbremse. Seit 192S aber ist er auf Empfehlung des völkischen Regierungsrats Dr. Schlange als A n g e st e l l t e r im Preußischen Statistischen Landesamt beschäftigt. In diesem Amt haben dank ähnlicher Protektion sich ganze Nester von Hakenkreuzlern angesiedelt. Die Herren beziehen sehr gern die Gelder aus den Kassen der Rep�hlik, damit sie diese Republik um so rücksichtsloser bekämpfen können. Oer Kampf um die Arbeitslosen Sozialdemokratischer Antrag niedergestimmt. Der Soziale Ausschuß des Reichstags trat am 12. September zur zweiten Lesung über die Reform der Arbeitslosen- Versicherung zusammen. Abg. Aushäuser(Soz.) be- gründete die sozialdemokratischen Anträge auf Sicherung Per Melde- Pflicht offener Stellen und der Anzeigepslicht für besetzte Stellen. Nach eingehender Aussprache wird die sozialdemokratische Eni- schließung für die Meldepflichl von den bürgerlichen und kommunistischen Abgeordneten niedergestimmt. Der weitere sozialdemo- kratische Antrag für die. Anzeigepslicht besetzter Stellen(Wieder- Herstellung der Regierungsvorlage) wird mit den Stimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums bei Stimmenthaltung der Kommunisten angenommen._ Das Geheimnis von Bühlerhöhe. Monlaten in der„OAZ." Unter der spannenden Ueberschrift«Das Geheimnis von Bühlerhche" weiß die„Deutsche Allgemeine Zeitung" Ausführliches über das zu berichten, was am Montag in Bühlerhöhc zwischen Hermann Müller, Severing, Wissel! und Hilf er- ding besprochen worden und auch über das, was zuvor und was danach gewesen sein soll. Kennzeichnend ist, daß die„DAZ." da- bei von einer Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion am Sonnabend zu berichten weiß, die überhaupt nicht stattgefunden hat. Man kann sich danach denken, wie ausgezeichnet sie erst über die Besprechungen von Bühlerhöhe unterrichtet sein muß. Ein Blatt, das politisch ernst genommen werden will, sollte sich hüten, seinen Lesern solche Moritaten vorzusetzen, Die Handelspolitik der Staaten. Internationale Wirtfchastsdebatte in Genf./ Breitscheids wegeweisender Bericht. Oer Auswechselbalg. Was im Zldelsbegehren unter den Tisch fiel. Als Herr Seldt«— es ist nun schon gut ein Jahr her— sein« Mannen in zwei Gliedern zum Volksbegehren antreten ließ, da gab er die Stahlhelmparole aus:„Mehr Macht dem Reichs- Präsidenten!" Sein Entwurf hatte dementsprechend zwei Paragraphen: der erste verlangte, daß der Reichspräsident die Ministe? ohne Rücksicht auf die Mehrheit des Parlaments ernennt. der zweite forderte die Einschränkung der Abgeordneten-Jmmuni- tät. Nachdem dieses Unternehmen bankrott gemacht und Hugenberg die Konkursmasse im Ramsch übernommen hat, ist das neuaufge- bügelte Adelsbegehren auf fünf Paragraphen angewachsen. Aber von den schönen Dingen, die Herr Seldte wollte, ist— nichts übriggeblieben. Der Reichspräsident ist in dem Hugenberg- Entwurf nicht einmal genannt, und das mit gutem Grund: denn die einzige Möglichkeit, den Reichspräsidenten in Hugenbergs Entwurf hineinzubringen, wäre die gewesen, daß man in§ 4 auch gegen ihn— wie gegen die Reichsminister— An- klogeerhebung wegen Landesverrats gefordert hätte. Nach dem neuen Entwurf sollen ja die Minister, die dem Poung- Plan zustimmen, als Landesverräter ins Zuchthaus. Es ist nicht logisch zu begründen, warum Reichspräsident Hindenburg, der doch Stresemann so warmen Herzens zu seinem Haoger Erfolge gratuliert hat, davon ausgenommen wird. Di« Leser der Hugenberg-Presse werden allerdings nicht mer- ken, daß man ihnen für das eine Volksbegehren ein anderes aus- gewechselt hat. Sie hätten sowieso weder das eine noch das andere gelesen, da sie gewohnt sind, blindlings und ergeben zu ollem, was ihnen von oben- vorgesetzt wird, ihr lautes, freudiges I— A bsizu- pflichten. Oer 24. Deutsche Anwaltstag. Beginn der Homburger Verhandlungen. Hamburg, 12. September. Nach der Abgeordnetenversammlung des Deutschen Anwalt- vereins am Mittwoch wurde der 24. Deutsche Anwaltstag am Donnerstag vormittag in der Musikhalle mit einem Festakt zur Feier des Svjährigen Bestehens der Reichsfuftizgesetze eröffnet. Zu der Tagung selbst sind einige tausend Anwälte in Hainburg ein- getroffen. Nach einem Orgelspiel hieß der Präsident des Deutschen Anwaltsvereins, Iustizrat Dr. Drucker- Leipzig, die Erschienenen willkommen. Sodann begrüßte Reichsjustfzminister von Guörard namens der Reichsregierung und seines Ministeriums die Teilnehiner. Er führte u. a. aus: Der Gruß, den ich dem Deutschen Anwaltstage namens der Reichsregierung und insbesondere der Reichsjustizver- waltung, zugleich aber auch für die Landesjustizverwaltungen entbieten darf, gilt der gesamten deutschen Anwaltschaft, die am 1. Ok- tober auf ein SSjähriges Bestehen zurückblickt. Der Justizminister schloß mit den Worten:„Ich kann Ihnen nur die ißersicherung geben, daß ich mich stets dafür einsetzen werde, daß die Anwaltschaft nicht in ihren Entwicklung?- und Betötigungsmöglichkeiten weiter eingeengt werde." Im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg hieß Justizsenator Dr. Noeldecke die Erschienenen herzlich will- kommen. Namens der Hamburgischen Universität sprach Professor Saun in Vertretung des derzeitigen Rektors. Als Vorsitzender der Bereinigung der Vorstände der deutschen Anwaltskammem be- grüßte Rechtsanwalt Dr. Ernst Wolff-Berlin den Anwaltstag. und im Namen de« Verbandes deutscher Rechtsanwälte in Prag Rechts- anwalt Dr. Joseph Eckstein-Prag. Die deutsche Handelsflotte. Ausführungen des Geheimrats Euno. Hamburg, 12. September. Auf einem Begrühungsabend der Hamburg-Amerika-Linie zu Ehren des in Hamburg weilenden Chefs der Marineleitung, Ad- miral Raeder, sprach Geheimrat Euno über die Bedeutung der deutschen Handelsflotte. Er führte u. a. aus: „Dank dem Verständnis, daß die Führer der neuen Zeit unserem Beruf« entgegenbrachten und dank dem ungebrochenen Willen der deutschen Seeoffiziere und Reeder begann bald nach dem Kriegsende der tatkräftige Wiederaufbau der Reichs- und Handelsmarine." „Bei einem Gefamtschiffewert von 800 Millionen Mark hat die deutsch« Handelsflotte in den Jahren 1326 und 1927 mit je 390 und 350 Millionen Mark zur Verbeflerung der Handelsbilanz beigetragen und diese Zahlen im Jahre 1928 gewiß noch wesentlich erhöht." Nachprüfung von Greuelmeldungen. Die Leichen der Palastinaopfer werden ausgegraben. Hebron, 12. September. Die Leichen der Opfer der letzten Unruhen werden jetzt aus- gegraben, um festzustellen, ob sie, wie behauptet wurde, ver- st ü m m« l t worden sind. Juden und Araber werden in dem Fest- stellungsausschuß vertreten sein. Oer Oberkommissar des Irak plötzlich gestorben. Bagdad, 12. September. Der Oberkommiffar des Irak, Sir Gilbert C l a y t o n, ist plötzlich gestorben, nachdem«r kurz vorher an einem Polospiel teilgc- nommen hatte. Nuhe in Mandschurien. Mulden meldet Kampfeinstellung. M u t d e n, 12. September. Räch einem amtlichen Bericht sollen die Kämpfe bei Mandschnli(russisch: Mandschurin) am Abend des S. September aufgehört haben. Die Eisenbahn-. Post- und Zollbeamten von Pograuitschnaja haben ihren Dienst wieder angetreten. Bestattung gefallener Roter Soldaten. Moskau, 12. September.(Ost-Expreß.) Die Beerdigung zweier bei einem Grenzgefecht gefallener Soldaten fc:r Roten Armee in Chabarowsk gestaltete sich zu einer großen Demonstration. Genf, 12. September.(Eigenbericht.) Die Technische Kommission des Völkerbundes begann am Donuerstag vormittag die Behandlung ihres hauptgegen. standes, der wlrkschaftstäligkeit de» Völker. buade». Abg. Breit scheid(Soz.) hat al» Bericht- erstatter eine Einleitung gegeben, die entgegen der üblichen Sekretarialsunterfchrlft den Stempel seiner persönlichen Ar- beit trägt. In der Einleitung weist Breitscheid auf den Enthusiasmus hin. mit dein im Jahre 1927 die Weltwirtschaftskonferenz und ihr Programm, der Ersetzung des Wirtfchafts-Natio- n a l i s m u s durch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit der Nationen begrüßt worden war und stellt demgegenüber die bedauerliche Tatsache fest, daß Ende 1929 noch kein entschei- dender Schritt zur Erfüllung des Programms der Weltwirt- schafts-Konferenz gelungen sei. .Zu den Grundanschauungen der haadelspolittk". schreibt Breit- scheid,»hat sich bis heule nichts geändert." Die Situation fei derart, daß man sich fragen müsie, ob die bis- herige Arbeitsweise richtig sei oder ob nicht neue Wege Leichenfund in der Spree. Opfer eines Derbrechens? heute früh wurde an der Oberbaumbrncke die Leiche eines jungen Manne» an« der Spree ge- landet. Verdächtige Begleitumstände gaben ver. anlassung, die Befervemordkommlssion herbei- zurufen. Ein Arbeiter, der gegen 6 Uhr über die Brücke ging, sah im Wasser eine männliche Leiche treiben. Mit dem Rettungs- kahn landete«r den Toten und brachte ihn nach der Kleinen Promenade am Gröbenufer. Polizeibeamte, die hinzukamen, ent. deckten am Kopf der Leiche mehrere Verletzungen, die auf einen gewaltsamen Tod schließen ließen, und benachrich- tigten Kriminalpolizei und Mordkommission. Unter Leitung von Kriminalkommissar Zapfe wurde dann der Befund aus- genommen. Zunächst konnten an Hand vorgefundener Papiere die Personalien des Toten festgestellt, werden. Es ist ein 19jähriger Arbeiter Erich R e h b e i n aus der zZ r a e tz st r a ß e S5 in Treptow ver Tote hatte am linken Unterkiefer und unter dem linken Auge mehrere stichartige Verletzungen. Außerdem wurden ver- letzungen festgestellt, die allerdings von einem Fall herrühren können. Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß Rehbein vielleicht in eine Schlägerei geraten und von seinen Gegnern ins Wasser geworfen ist. Rehbein, der Mitglied eines Arbeitersportvereins war, hatte einen schwarzen Russen- k i t t e l an. Dieser Kittel und die Hosen sind an einigen Stellen zerrissen. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei erstrecken sich darauf, festzustellen, wann und wo der junge Mensch zuletzt gesehen worden ist. Nach dem Zustand der Leiche kann sie höchstens zwei bis drei Tage im Wasser gelegen haben. Die Leiche wurde beschlagnahmt und zur Obduktion ins Schauhaus gebracht. Giurz aus dem O-Zug. 3n Schlaftrunkenheit die Tür verwechselt. Fürstenberg, 12. September.(Eigenbericht.) 3n der vergangenen Nacht machte ein Streckenwärter zwischen den Stationen Fürstenberg und v o g e l s a n g an der Strecke Berlin— Breslau einen entsetzlichen Fund. In dem Graben, der neben den Gleisen herläuft, entdeckte der Bahnbeamt« im Scheine seiner Laterne den Körper eines älteren Mannes, der nur mitAinem Schlafanzug bekleidet war. Der Schädel des Unbekannten war zertrümmert. Der Beamte alarmierte sofort die Bahnpolizei und die Gendarmerie, die sofort an die Fundstelle eilten. Schon nach kurzer Zeit konnten die Per. sonalien des Toten ermittelt werden. Es ist ein 41jährig«r Fabrik- besttzer Hans Zweig aus Ratibor. Zweig hatte den O-Zug Berlin— Breslau benutzt! er hat vermutlich m der Schlaf- truntenhett beim Aufsuchen der Toilette die Türen verwechselt und ist aus dem mit großer Geschwindigkeit fahrenden Zuge ge- stürzt. Ein Verbrechen scheint nach dem Befund ausgeschlossen, denn die Kleidungsstücke sowie die Wertsachen und das Gepäck sind vorhanden und waren völlig unberührt. Außer der schweren Kopf- Verletzung— es wurde ein doppelter Schädelbruch festgestellt, der den sofortigen Tod zur Folg« hatte— konnten durch den hinzu- gezogenen Arzt weitere Verletzungen nicht ermittelt werden. Die Leithe wurde beschlagnahmt. Die Schiffstaiastrophe auf der(Schelde. „Gffella* sank innerhalb von zwei Minuten. Amsterdam. 12. September. Es bestätigt sich, daß bei dem bereits gemeldeten Untergang des belgischen Dampfers„E stell a" auf der Westerschelde 14 Per- s o n e n, davon 13 Mitglieder der Besatzung und der belgische Lotse, ums Leben gekommen sind. Das Schiff, das die„Estella" zum Sinken brachte, ist neueren Meldungen zufolge der deutsche Holzdampfer„Herwin". Der Zusammenstoß erfolgte dadurch, daß die„Estella" in der Nähe des Hafenplatzes Walsoorden un- gefähr 2 Uhr morgens eine plötzliche Drehung vornahm. die von dem aus entgegengesetzter Richtung kommenden deutschen Dampfer augenscheinlich nicht rechtzeitig genug entdeckt werden konnte. Durch den Anprall der beiden Schisse wurde in die Längsseite der.Estella" ein große» Loch gerissen, so daß die»Estella" innerhalb von zwei Minuten zum Sinken kam. Die„Herwin" kreuzte bis heute früh Uhr an der Unfallstelle. Di« Bemannung der Gerwin" unternahm nach dem Zusammen- stoß alle erdenklichen Anstrengungen zur Rettung der Be- satzung der„Estella". Drei Leichen der Ertrunkenen sind inzwischen an der Küste von Waarde angespült worden. Der deutsche Dampser fuhr schließlich nach Antwerpen weiter. Er ist am Bug erheblich beschädigt. gesucht werden müßten. Es sei nur ein Beweis für die bisherige Erfolglosigkeit, daß der von Staatsmännern in der Völkerbundsversammlung erhobene Ruf nach einer Wirt- schafts» Reorganisation Europas ein unmittelbares Echo gefunden habe. Die Schuld an der Erfolglosigkeit trage aber weniger die Wirt- schastsorganifation des Völkerbundes, als das mangelnde Gemeinschaftswollen der Staaten. Breitfcheid gibt dann eine einzelne Aufzählung der Arbeiten der Wirtschaftsorganisation und legte eine Entschließung vor, die bedauert, daß erst zehn Staaten das Abkommen ratifiziert hätten. Zu dem Inkrafttreten bis zum 30. September müßten aber achtzehn Ratifikationen einliiufen. Di« Entschließung dringt weiter auf schnelle Fortführung der ver- schiedenen begonnenen Arbeiten und fordert die Staaten auf, das Staatenabkommen vom Dezember 1928 zu ratifizieren. Im Anschluß an die Borlage des Berichtes legte Breit- scheid als Vertreter Deutschlands den Standpunkt Deutschlands zu den Wirtschaftsarbeiten und den französischen und englischen Anträgen dar. Nur nicht alt werden! Die Tragödie eines Zweiundsiebzigjähriaen. Nach wochenlangen Verhanblungen vor dem Arbeitsgerich: endet« durch einen sehr mageren Vergleich die Tragödie eines 72jährigen Arbeiters, der 49 Jahre lang in einer Berliner Hausschuhfabrik als Stepper gearbeitet hatte. Vor drei Iahren, als der Mann 69 Jahre alt war, wollte die Firma ihn entlassen, der Betriebsrat aber verweigerte seine Zustimmung. Schließlich ver- sprach man tvm Arbeiter eine monatlich« Rente von 49 Mark, so baß er zusammen mit 54 M. Invalidenrente knapp zu leben hatte. Nach zwei Iahren wurden trotz ständiger Proteste des alten Mannes nur noch 29 Mark gezahlt, nach weiteren l'/i Jahren sollte auch das aufhören, weil der Geschäftsgang zu schlecht sei. Als Aequwalent mutet« man dem völlig erschöpften, abgearbeiteten Greis, dessen zitternd« Hände zu keiner Arbeit mehr taugten, eine sogenannte leichte Beschäftigung zu, die er aber keineswegs mehr leisten konnte. Endlich entschloß sich die Ehe- stau, beim Arbeitsgericht zu Lagen. Die Zeugenaussagen konnten nicht einwandfrei klären, ob es sich damals um ein Unter st ützungsversprechen auf un- bestimmte Zeit oder um ein vegelrechtes Penfionsoer- sprechen gehandelt hatte, jedenfalls aber waren die früheren Kollegen fest überzeugt, daß man den alten Mann auf Lebenszeit pensionieren wollte. Die Firma versucht« ihre Unterstützung als nie dagewesene Großzügigkeit hinzustellen, mußte aber von der Vorsitzenden das Gegenteil höreN: Frau Assessor Dr. Klausner hatte durch Erkundigungen festgestellt, daß zählreiche Firmen, bei denen keine PeMynskasse. existiert,, Arbeitern, chi« viel weniger. 49 Jahre im Betrieb waren, Altersrenten zahlen. Derartige Zu- Wendungen feien durchaus nicht als Geschenk zu betrachten, sie- bedeuteten nichts anderes wie einen wohlverdienten zusätzlichen Lohn für jahrzehntelang geleistete Arbeit. Zum Schluß einigte man sich auf eine einmalige end- gültige Abfindung von 599 M. Ein gutes Geschäft für die Firma, wenn der alte Mann das Unglück hat, noch länger als 12Z-- Monate zu leben._ Das Otternhagener Moor brennt. Hannover, 11. September. Seit Sonntag brennt das zwischen den Dörfern Scharrel und Otternhagen im Kreise Neustadt und Resse im Kreise Burgdorf gelegene etwa 6999 Morgen große Otternhagener Moor. Gestern stand der Wind auf die staallichen Forsten zwischen Resse und Otters««, so daß für diese diegrößteGefahr bestand, unter Aus- gebot aller möglichen Löschmannschaften konnte aber ein Ueber- springen auf den S t a a t s w a l d verhindert werden. Nachdem sich das Feuer gegen Abend in nördlicher und nordwestlicher Richtung weitergefressen hatte, steht der Wind seit heut« früh wieder auf die Staatsforsten, man hofft aber, auch diesmal, sofern kein« unvorher- gesehenen Ereignisse eintreten, den Brand auf das Moor b e- schränken zu können. Ein völliges Ablöschen ist nur möglich, wenn starker Regenfall eintritt, der m e h r« r« Tag« anhält. Kein Kaiser-Wilhelm-Realgymnasmm in Reukölln. Mehrfach ist im„Vorwärts" vor Monaten darauf hingewiesen worden, daß es nötig fei, dem nach Neukölln verlegten staat- liehen„Kaiser-Wilhelm-Realgymnasium ein«n zeitgemäßeren Namen zu geben. Als End« Mai das für diese Anstalt gebaute neue Heim nahe dem Bahnhof„Köllnische Heide" ein- geweiht wurde, erwartete man, daß bei dieser Gelegenheit auch die Namensänderung erfolgen würde. Daß fi« ausblieb, erregte damals Aufsehen. Jetzt endlich hat der Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung das Versäumte nachgeholt. Er hat angeordnet, däß die Anstalt den Namen„StaatlichesGymnasiumzuBerlln- Neukölln(Reformgymnaflum und Reformreal- gymnasium)" erhält. Daß die schwarzweißrote Presse darüber schimpft, oersteht sich von selbst. Explodierender Gaskompressor tötet zwei Arbeiter. Parts. 12. September.(Eigenbericht.) In einer Fabrik in Bordeaux hat sich am Mittwoch durch Explosion eines Gaskompressors ein schweres Unglück er- eignet. Ein Heizer und ein Werkmeister wurden durch die aus- strömenden Gase getötet, zwei andere Arbeiter wurden durch die Explosion schwer verwundet. Einig« junge Mädchen, die in dem Betriebe arbeiteten, erlitten Vergiftungen. !lm die Zukunft de« philharmonischen Orchesters. Im Berliner Haushaltsausfchuß ist jetzt die Vorlage, die eine Arbeitsgemeinschaft zwischen der Stadt Berlin und Preußen zum Zweck der Erhaltung des Philharmonischen Orchesters vorsteht, angenommen worden. Die im Bertrage vorgesehene Einzel- regelung der Gehaltsfrage wurde abgelehnt, dagegen bestimmt, daß die Vergütung und di« Aufwandsentschädigung für den Diri- genten des Orchesters durch besonderen Bertrag zwischen Gesellschaft und Dirigenten geregelt wird, während die Bezüge der Mitglieder des Orchesters von der Gesellschaft festgesetzt werden sollen. Das Dorf Bon Hat Von Ungarn läßt sich unmöglich sagen, daß es von marxistischer SittenverÄerbnis angefressen sei. Ein Staat: bürgerlich bis auf die Knochen. Hier regieren chorthy und seine Herren Generate, und auch an betonter Ehristlichkeit läßt das öffentliche Leben nichts zu wünschen übrig. Ginge es nach den Moralpaukern, so müßten, wenn nicht in Budapest selbst— denn Großstadt bleibt schließlich überoll Großstadt— so doch mindestens auf den ungarischen Dörfern paradiesisch« Zustände der Reinheit und Unverdorbenheit herrschen. Ein derbes Bauerngeschlecht müßt« wettergebräunt über die Felder schreiten: Furchen aufreißend und Samen streuend, trutzig im Gott- vertrauen, unantastbar und lauter. Zu Hau» am Kochherd steht die wackere Magyarin, eine knorrige Seele, nur bedacht auf das Ge> deihen des Hauses, ehrhaft und fleißig. Sonntags ist Gottesdienst. Das Glöcklein läutet. Die Gemeinde sucht Erbauung und seelischen Trost. Aber da erfahren wir, daß auf einem der ungarischen Dorfer sich Ding« zugetragen haben, die in dieses Bild nicht recht passen. Vierzig Frauen von Ragyreo haben innerhalb von siebzehn Iahren ungefähr fünfzig Menschen ermordet: Ihre Männer, Väter. Mütter, Kinder... wie es gerade kam und wer ihnen gerade im Wegs stand. Es hat ein wahrer Mordbetrieb geherrscht, und der unnatür- liche Tod ist der natürliche gewesen. Frau Maroth! hat ihren Schwiegervater vergiftet, Frau Lipta drei Verwandte und ihren Mann, Frau Tolas ihren Mann und ihren Geliebten, Fräulein Sülye ihren Vater, Frau Kovaos ihren Sohn, Frau Dari ihre Mutter, ihren Mann und ihren Geliebten. Das sind nur einige Fälle. Zwischendurch ist dann noch»in bißchen erschlagen und er. würgt worden. Nagyrev, wird man sagen, gibt es einmal in Ungarn: Ein Ausnahmefall, ein« Einmaligkeit, nichts beweisend, für nicht charakteristisch, ein kriminalistisches Sonderphänomen. Ja, natürlich, es wird nicht die Regel sein, daß auf ungarischen Dörfern die Frauen ihren Mann mit Arsen vergiften, aber es ist doch ein bißchen überraschend, daß nicht eine Frau, nicht drei, nicht sechs, sondern vierzig an dem Ausnahmesall beteiligt sind: Vierzig Frauen, die vor dem Beginn der Mordseri« sich vermutlich in nichts von den Frauen anderer ungarischer Dörfer, anderer Dörfer irgend- wo in der Welt, unterschieden haben. Plötzlich wird ihnen da von t>er Sünde. s Bauer einer Hebamme der Bazillus des Mordgedankens ins Blut geimpft. — und da zeigt es sich, daß sie keine Abwehrstoffe haben. Gewiß, gewiß, die Scheußlichkeiten von Nagyrev sind nicht symptomatisch. Aber darf nicht vielleicht der Großstädter, der sich von dem uneinsichtigen, überheblichen Teil der Landbevölkerung ja immer wieder nachsagen lassen muß, er wohn« in einem knochen- zerweichenden Sündcnpfuhl und fröne allen erdenklichen Lastern und könne sich an seelischer Gesundheit nicht entfernt mit dem ur- wüchsigen Bauern vergleichen, darf der oielgeschmähte Großstädter nicht vielleicht doch in der moralischen Notwehr auf jenes Nagyrev verweisen? Dort hat das Fehlen von russischen Filmen, zeittenden- ziösen Theaterstücken, linken Rathausmehrheiten und ähnlichen Nichtswürdigkeiten und das Vorhandensein von Gotteshaus, Kuh- stall und Ackerkrume eines der abscheulichen Messenverbrechen aller Zeiten mindestens nicht verhindern können! Nein, wir glauben nicht mehr an die Walze von der bäuerlichen Unempfänglichkeit gegen das Schlechte. Die Menschen auf der Welt sind sich all« viel ähnlicher, als die Nationalisten und Bußprediger es sich träumen lassen. Die Unterschiede, die sie dennoch aufweisen, erklären sich weniger aus der Verschisdenartigkeit der Sprüche, die man in sie hineintrichtert, als aus den Verhältnissen, unter denen, aus dem Milieu, in dem sie leben. Wer aber mit offenen Augen beispielsswsis« durch die Bauerndörfer seiner Ferienwochen ge- gongen ist, hat dort, auch wenn er nicht gerade in Nagyrev war, keineswegs ein höheres und besseres Menschentum angetroffen, am allerletzten ein« größere Naturliebe. Der Städter kst von Stein- mauern und Asphalt umgeben, der Bauer von Wies«. Feld und Getier. Folge: Der Städter sehnt sich hinaus ins Freie. Rührend oft anzusehen, wie er Sonntags«inen dreckigen Fetzen Grunewald liebend mit den Augen streichelt, wie an einem Kanarienvogel, an einem Hauskätzchen sein Herz hängt. Der Bauer ist längst ab- gestumpft gegen die Wunder der Natur. Er benutzt sie, beutet sie aUs. Sie ist sein Beruf. Den Acker betrachtet er vom Vermögens- standpunkt, und zu feinen Tieren ist er manchmal roh und kennt nur ihren Schlachtwert. Nagyrev stellt keine Reges auft�- außer der. daß die auf dem Holzweg sind, die die Gesundung ausnahmslos vom Dorf erwarten und den Verfall ausnahmslos von der Stadt. Großfeuer in Bremen. Die Fokkewulfs-Flugzengwerle völlig niedergebrannt. Bremen, 12. September.(Eigenbericht.) I« der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag ist die bekannte Fokkewulff-Flugzeugwerke-Gesell- k ch a f t in Bremen von einem verheerenden Groß- fe u e r heimgesucht worden, das die Flugzeugwerke mit ihrem wertvollen Inhalt fast völlig vernichtete. Gegen Mitternacht— die Arbeiter hatten, wie üblich, die Arbeit um IS Uhr beendet und die kaufmännischen Angestellten das Konstruktionsbureau verlassen— brach Plötzlich in der Tischlerei Feuer aus, das mit rasender Schnelligkeit um fich griff, so daß /beim Eintreffen der Feuerwehr die Anlagen in hellen Flammen standen. Aus insge- samt neun Schlauchleitungen wurde ununterbrochen Wasser gegeben. Unglücklicherweise stand der Wind so u n g L n st i g, daß der Fuukenflug die große Flug- zeughalle auf dem Bremer Flughafen bedrohte. Zu ihrem Schutze mußten zwei Schlauchleitungen an sie herangelegt werde»; sie konnte geschützt werden. In den Fokkewulff-Flugzeugwerke« befanden sich mehrere fast fertiggestellte Flugzeuge. FüufFlugzeuge sind v e r- bräunt; drei hingegen konnte« gerettet werde». Bon der bekannten„Ente" ist«ur«och der Rumpf übrig ge- blieben. Die Entstehungsursache ist vollkommen rätselhaft, um so mehr, als di« Heizung nicht in Betrieb war und bei Fokkewulf nur mit Kaltleim gearbeitet wird. Das große Werk ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Der Schoden ist sehr hoch, aber voll durch Dersicheruyg gedeckt. Der Brand brach gerade an dem Tage aus, an dem der Langstrecken-Weltretord für Leichtflugzeuge des Bremer Chefpiloten Edzard offiziell anerkannt wurde. Wie verlautet, steht die Fokkewulf mit der Flughafen- leitung des Bremer Flughafens in Verhandlungen wegen Ueber- lassung von Räumen, um den Betrieb provisorisch aufrecht- zuerhalten. Einstweilen sind die Arbeiter aber beurlaubt worden. Zeppelin über Westdeutschland Ziuhige und schnelle Jahrs. Düsseldorf. 12. September. Als der»Graf Zeppelin" von seinem Abstecher nach München- Gladbach wieder nach Düsseldorf zurückge- kehrt war, war er noch etwa 20 Minuten lang über Düsseldorf sichlbar, wobei er über der Stelle, wo im 3ahre 1909 der alte Gras Zeppelin erstmalig mit seinem Luftschiff landete, eine Schleife zog. währenddessen stieg vom Flugplatz ein Flugzeug zur Lc- grühung des»Graf Zeppelin" aus. In seiner Ansprache von der Sendestelle de» Rundfunk» au» führte Oberbürgermeister Dr. Lehr aus:»Mit Freude und Wehmut grüßt Düsseldorf dich stolzes schön« Lustschiff. 20 Iohre ist« her. seit zum ersten Male der a'le Graf Zeppelin in einem feiner Lussschiffe Düsseldorf ansteuerte. Du stolze» Schiff bist ein Stück von Deutschland und hast den un- c sästikterlichen Glauben an unsere Zukunft rund um den Erdball gelragen. Die Völker aller Länder grüßten dich mit vewuade- r u n g." Der Gruß des Oberbürgermeisters an den»Graf Zeppelin" wurde über die westdeutschen Sender übertragen. Essen. 12. September. In ruhiger und schneller Fahrt nahm das Luftschiff »Graf Zeppelin" seinen Weg über Westdeutschland. Um 7.2S Uhr nähert« sich der Weltumsegler Hagen überfliegend dem rheinssch-westfälischen Industriegebiet. In schneller Fahrt wurden die Städte Dortmund, Bochum. Essen, Mülheim(Ruhr), Duisburg, Oberhasssen überflogen. » Von dort kehrte das Luftschiff in geringer Höhe zurück und nahm leinen Kurs auf Gelsenkirchen, Buer und R e ck l i n g- hausen, die nordwestliche Grenze des rheinisch-roestfälischen Industriegebiets, wo es um 9.48 Uhr eintraf. Don dort setzte der „Graf Zeppelin" sein« Fahrt nach Nordwestdeutschland in Richtung M ü n st e r i. W. fort. Die Nachtfahrt des Lustschiffes. Nachdem wenige Minuten nach 11 Uhr nachts die Passagiere — 28 an der Zahl— in der Luftschiffholle eingetroffen waren und sich an Bord begeben hatten, wurde der„Graf Zeppelin" um 11.12 Uhr aus der Halle nach Westen ausgefahren. Das Wetter war für den Aufstieg wieder sehr günstig. Bei st e r n k l a r e m Humnel wehte nur«in leichter Wind. Nach nochmaligem kurzem Aus- wiegen hob sich der„Graf Zeppelin", der sich nur wenige Meter von der Halle entfernt befand, um 11.18 Uhr in die Lust. Eine kleine Zuschauermenge sandte dem Lustschiff beim Abflug« noch herzlich« Grüß« nach. Das Luftschiff nahm zunächst Kurs nach Westen und oerschwand dann in nördlicher Richtung den Blicken. Unter den Passagieren befinden sich der amerikanische Konsul in Stuttgart Maynard, die Reichstagsabgeordneten Ersing und Dr. Hertz. Ministerialrat Cloß, die Regierungsräte Schiller und Zejka, Kapitän z. S. Wolfram, Professor Göbel, Vertreter der Hapag, Rcgierungsrat Wittlinger vom Hauptzollamt Friedrichshafen und zwei Damen. Musikerstreik im Veba-Palast. Oer Bescher maßregelt die Organisationsvertreter. Die Beda- Palast-Licht spiel« in der Kasseralle« 178 in Wilmersdorf haben vor einigen Wochen ihren Besitzer gewechselt. Der neue Besitzer führte sich bei den Musikern damit ein, daß er versucht« die Arbeitsbedingungen feines Orchesters ganz erheblich zu verschlechtern. Der M u s i k er oe rba nd, mit dem der Besitzer der Lichtspiele jede Verhandlung über di« Beilegung des Konfliktes ablehnte, hat den S ch l i cht u n g s a u ss chu ß angerufen, vor dem heute nachmittag verhandelt werden soll. lim diese Verhandlungen nun illusorisch zu»machen, wurde den Orchestermitgliedern von der Direktion ultimativ ein Hau». t a r i f vorgelegt, der aber nicht ein- der berechtigten Forderungen der Musiker erfüllt. Da die Musiker sich geweigert haben, diesen Hauotarif zu unterschreiben, hat die Direktion die fünf Sprecher des Orchesters entlassen, was von dem gesamten Orchester mit der Arbeitsniederlegung beantwortet wurde. Die streitenden Musiker der Beba-Palast-Lichtspiele erwarten. daß ihnen kein Berliner Musiker bei ihrem Abwehrkampf in den Rücken fällt. Neue Schauspielmuflk. Kurt Weil! und Hanns Sisler. Entliterarisierung des Schauspiels: In diesem Zeichen hat di« neue Spielzeit«ingesetzt. Schlechte Stücke, gute Schauspieler, gute Ausführungen: wenig Drama, viel Aufwand an Mitteln, es zu verwirklichen— und schon, es zu ersetzen. Di« Mittel, Ausstattung, Aufmachung, werden Selbstzweck, die Zutaten Hauptsache; unter ihnen gewinnt die Musik erhöht« Bedeutung. Musik als Teil der Aufführung— richtiger: Ausführung de« Wertes, Teil der Insze. nierung, Mittel der Inszenierung, Musik neben Schauspielern, Bühnenbauten, Farben, Lichteffetten-, neben diesen und verbunden mit diesen: stilistisch gebunden, eines mit ihnen durch den Geist der Inszenierung... Ein Idealfall für Schauspielkunst(und von Schauspielkunst) ist in„Hzppy tn d", in der Aufführung des„Theaters am Schiffbaue rd am m" gegeben. Brecht, Weill, Engel— Dichter, Musiker, Regisseur— sind hier zu einer vollkommenen Einheit verschmolzen, und in jedem der drei ist davon«in Teil. Ein Stück Dichtung, umgesetzt in Theater, steckt auch in der Musik Kurt Weills. Der hat gelernt, die heterogenen Stilelemente seiner Drei-Groschen-Musit zu einer Art persönlichem Stil zusammen- zufassen, einem volkstümlich-balladesten Song, souverän auch in der Beherrschung de» Handwerks. Aber der Vorsatz hat ihn ge- hemmt, genau in der Linie der„Drei-Groschen-Oper" zu bleiben. Ein Erfolg läßt sich nicht verlängern und noch weniger mit den- selben Mitteln wiederholen. Der nächste Schritt auf diesem Weg müßt« zur Routine führen: der gescheite Könner wird sich nach neuen, neuartigen Anregungen umsehen müssen. Zu„Dantons Tod", für Martins Inszenierung in der Volksbühne, hat Hanns Eisler di« Musik geschrieben. Hier ist es der Dichter und Dramatiker Büchner, der stark genug ist, dem Theater, auch dem heutigen, den Ton anzugeben: auch die Musik bleibt in den Grenzen der Aufgab«, die das Werk, nur das Werk, der Bühne stellt. Aber Martin hat wie kaum ein anderer Regisseur das innere Ohr für die Musik, nach der das Drama oerlangt, weit hinaus über die Anweisungen des dramatischen Autors, und er weiß diese Musik durch das Organ de» Musikers herauszuholen. Und Hanns Eisler— man kennt ihn als Vorkämpfer und Bahn- brecher der neuen Arbeitermusik— hat in kurzen Vor- und Zwischenspielen, in untermalendem Detail den Stil dieser Insze- nierung, die das Revolutionsdrama aus der Perspektive der heutigen Arbeiterwelt hinreißend verwirklicht. Reichere Gelegenhett hervor- zutreten findet der Musiker freilich im Theater am Nollendorsfplatz, im„Kaufmann von Berlin", bei Piscator, der, ähnlich wie Charell— auf geistig höherer Eben« selbstverständlich—, dem fragwürdigen Ziel des Theaters ohne dramatische Substanz, des Theaters um setner selbst willen zustrebt, genauer: um der Ge- sinnung und der Maschinerie willen. Wie der Dichter Mehring ist auch der Komponist Eisler am stärksten, nämlich produktivsten in den Songs, in denen sich— gewissermaßen wie in den Arien der Händel-Oper— das Wesentliche der dramatischen Situation zu kon- zentriertem Ausdruck niederschlägt. Daneben aber, um Uebergäng« und Verwandlungsgetöse zu decken, gibt es auch mancherlei Leer- laufendes: herkömmliches Gejazze und nicht eben geeignet, die Atmosphäre der schon„historisch" gewordenen Inflationszeit lebendig zu machen. Aber zu der ungemein starken Theaterwirkung des Abends hat alles in ollem di« Musik viel getan. K. P. Eine Deutsch« pädagogische Au»land»sielle ist in der Gründung begriffen. Ihre Notwendigkeit ergab sich au» dem von Jahr zu Jahr wachsenden Austausch zwischen Deutschland und dem Aus- land auf allen Gebieten de» Bildungswesens. Die Auslandsstelle, die mit Unterstützung des Reichsministerium» des Innern und des Auswärtigen Amt» und unter Mitwirkung der pädagogischen Fach- verbände jeder Art ins Leben gerufen worden ist, soll unabhängig von den Behörden arbeiten. Sie soll die für ihren Aufgabenkreis schon vorhandenen Einrichtungen keineswegs ersetzen, sondern ihnen nur einen Mittelpunkt für zweckmäßiges Zusammenwirken schaffen Itefl Langer veranftaitet aus Einladung der volttdilbne am Freitag, dem 20. September. La Uhr. im Bllrqerlaal de» Rathaule», unter Mit- Wirkung von Siefan Meilel einen.Lustigen Abend". Einlaßkarten zum Preise von Sl. 0,60 in den BorverkaufSstellen der Bolksbllhne. »Der Las de» Norden»" der für heut« im Univeriwn augesehte 2m»- Trenler-Fllw. kann erst Freitag zur Uraustühnwg kommen, Das Wasserstoffatom gesprengt! Der Berliner Professor Dr. Bonhösfer hat nach einer tele- graphischen Mitteilung auf dem Kongreß der„American Chemical Society" in N«w Pork die sensationelle Mitteilung gemacht, daß es ihm gelungen sei, das Wasserstoffatom zu sprengen, und daß die resultierenden zwei Gase verschiedene Wärmeleitungen, verschiedene Spektren und verschiedenen Gefrier- und KochpunU haben. Bon- höffer bezeichnet die beiden Gase als Parawasserstoff und Orcho- Wasserstoff und erklärte, daß die beiden Gase sich in ihrer Struktur dadurch unterscheiden, daß in dem Parawasserstoff die Elektronen gegeneinander kressen, während sie in dem Orthowasserstoff mit- einander kreisen. Dies« Mktteilung hat naturgemäß in der Sitzung da» allergrößte Aufsehen erregt, und der Vorsitzende des Kongresses, der berühmte Chemiker Professor Taylor, hat darauf hingewiesen, daß diese Entdeckung des deutschen Forschers eine der bedeutungs- vollsten wissenschaftlichen Taten der letzten Jahrzehnte sei. In den letzten 10 Iahren sind auf dem Gebiete der Atom- Zertrümmerung großartige Versuche gemacht worden, die von einigen Teilerfolgen begleitet waren. Der erste Gelehrte, der zugleich den rätselhasten Vorgang beim Radium als spontanen Atomzersall er- klärt«, nämlich Rutherford, war auch derjenige, der den Versuch unternahm, diesen von der Natur gezeigten Atomzerfall auf künst- lichem Wege nachzuahmen. Es find jetzt genau 10 Jahre her, daß er mit einem sinnreich erbauten Apparat mit Hilfe von Alphastrahlen Wasserstoffatomc aus anderen Elementen herausschoß. Damit war aber der eigentliche Vorgang der Atomzertrümmerung noch nicht ermöglicht, denn der Atomkern widerstand bisher allen Angriffen, di« man mit natürlichen und künstlichen Mitteln gegen ihn richtete. Der Atomkern ist außerordentlich klein und wird durch ungeheure Kräfte zusammengehalten, der«n Freiwerdung der Menschheit auf billigstem Weg« die gewalligsten Energien liefern würde. Aus wissenschaftlichen und aus praktischen Gründen haben darum di« Forsch«? all«r Länd«r die größt«n Anstrengungen gemacht, die Zer- trümmerung des Atoms zu«rreichen. Immer noch blieb als stärkstes Mittel«in Naturprodukt übrig, nämlich die Alphastrahlen, die aus den geborstenen Radiumatomen herausstürmen und eine Gewalt be- sitzen, wie sie bisher von menschlichen Kräften nicht dargestellt werden konnte. Erst vor kurzer Zell hat ein Assistent Rutherford«, der Gelehrte Dr. Kapitza. elektrische Felder mit Spannung von 500 000 Gauß künstlich erzielt und dabei dem elektrischen Strom seine zerstörende Wirkung genommen. Er hat auf diese Weis« auch ein künstliches Mittel geschaffen, das im Kampfe gegen den Atomkern in Zukunft verwendet werden kann. Die bisherigen Fortschritte auf dem Wege zur Atomzertrümmerung sind sogar bereits sichtbar und hörbar ge- macht worden. Alle diese Fortschritte waren gewissermaßen di« Schrittmacher für den großen Erfolg Bonhöffers, der in erster Reihe auf wissen- schaftlichem Gebiete seine Bedeutung erlangen wird. Besonders für die Erforschung des Wesen» der Atome dürfte er voraussichtlich von einer Tragweit« sein, die heute noch nicht zu übersehen ist. Bon- höffer selbst sst der Ueberzeugung, daß seine Entdeckung technisch« Konsequenzen noch nicht haben wird. Es ist aber eine alte Er- fahrung, daß nach den notwendigen wissenschaftlichen Dorarbellen auch die technische Verwendung ermöglicht wird. C. A. Berufung eines Schulreformer». An die«rziehungswissenschaft- liche Abteilung der Technischen Hochschule in Braunschweig wurde der bekannt« Schulreformer Jensen- Berlin berufen. Jensen leitete zuletzt die Rütli-Schule in Derlin-Reukölln und ist durch seine pädagogischen Schriften, u. a. durch das bedeutsame Werk„Schul- kaserne oder Gemeinschaftsschule?" bekannt geworden. Jensen wurde in Braunschweig zum Professor ernannt und wird hier voraussichtlich eine Refonnschul« aufbauen. Das Ende der Schuldhaft in der Türkei. Die Schuldhaft, die ja in noch nicht allzu ferner Zell auch bei uns noch üblich war, ist jetzt in der Türkei abgeschafft worden. Dort galt bisher noch immer das Gesetz, daß jemand, der seine Schulden nicht bezahlle, eingekerkert wurde. Jetzt ist das nicht mehr statthast, und all« Schulligefangenen sind in Freiheit gefetzt worden. Die Wirkung des neuen Gesetzes wird sich besonders bei den unteren Klassen bemerkbar machen, unter denen man bisher Geld ohne jede Sicherheit verlieh und damit rechnete, daß der andere aus Angst vor der Einsperrung schon b-- zahlen werde. paßvergehen vor Gericht. Llnd was attes dahinierstecki. Paßoergehen... Es klingt harmlos. Dahinter stecken aber nicht selten schwer« Tragödien. Sie sind mehr als un- erlaubte Grenzüberschreitungen, mehr als ein Sichnichtkehren an die Gesetze des Landes, dessen Gastfreundschast man in Anspruch nimmt. Seelische und materielle Not sind nicht selten der Boden, auf dem diese auf den ersten Blick so harmlosen Vergehen entstehen. Deutschland wehrt sich gegen die Invasion aus den Nachbarstaaten. Es ringt schwer um seine Existenz, kämpft mit Arbeitslosigkeit und kann sich nicht den Luxus leisten, für fremde Not«in allzu geneigtes Ohr zu haben. So geht es gegen illegale Ein- Wanderer vor, die dem Staat zur Last fallen könnten. Deutsche oder polen? Natürlich sind sie Polen. Sie nennen sich aber Deutsche. Als ihre Eltern für Polen optierten, waren sie Kinder. Jetzt sind sie erwachsen. Ihr« Muttersprache ist deutsch, sie sollen im polnischen Heer dienen, das wollen sie nicht. Vielleicht ist es über- Haupt Unlust, sich in das Joch der Militärpflicht zwängen lassen zu müssen. Vielleicht wird ihnen erst in diesem Augenblick bewußt, was es bedeutet, nicht mehr zu Deutschland, mit dem sie fühlen, sondern zu Polen, dem sie fremd sind, zu gehören.„Sie sind Pole", sagt der Richter zu einem Einundzwanzigjährigen mit dem Vornamen Bruno, einem Burschen, dem man polnisches Blut nicht anmerkt.„Nein, ich bin Deutscher", sagt er. Natürlich ist er Pole. Der Staatsanwalt beantragt drei Tage Haft wegen un- erlaubter Grenzüberschreitung. Das Gericht verurteilte ihn zu einem Tag Haft. Ob er vielleicht nach Abbüßung der Strafe einen Paß bekommen könnte?„Ich bin doch kein Pole. Weshalb sollte ich dort zum Militär!" Sein Freund ist gleich ihm aus Eraudenz. Er war bereits gerade einberufen und ist desertiert. „Ich wollte nicht dienen, ich bin Deutscher, ich kann nicht da- für, daß meine Eltern Polen geworden sind." Diesmal beantragt der Staatsanwalt nur noch einen Tag Haft. Nicht anders lautet das Urteil. Grenzüberschreiiung aus Not. Dieser einundzwanzigjährigH Arbeiter ist schon seit Juli in Deutschland. Vielleicht wollte auch er dem Militärdienst entgehen. E r sagt, er habe Polen oerlasien, weil er dort keine Arbeit ge- funden habe. Vier Wochen hat er an der Grenze gearbeitet, dann kurze Zeit in Berlin, bis man ihn verhaftet«. Der Staats- anwalt meint nicht mit Unrecht, er solle doch besser nach Frank- reich gehen, da fehlen immer noch etwa 1S00 Arbeiter pro Tag. Deutschland habe genug Arbeitslose, und beantragt drei Tage Hast. Leicht gesagt, nach Frankreich gehen, liegt Deutschland nicht näher? Er wollte sich in Deutschland niederlassen. Dieser hier hat in Deutschland Beschäftigung gefunden. Auch er zählt nur 21 Jahre, stammt aus Polen, lebte in Holland, erhielt in Rotterdam ein Einreisevisum bis zum Juli 1923, das vom Fremdenamt zuerst auf einen Monat, dann auf einen weiteren verlängert wurde, mit dem endgültigen Bescheid, daß er am 30. August Deutschland verlassen müsse. Er wollte aber nicht reisen. Er hatte hier eine Vertretung für holländisch« Firmen über- nommen, lebt« bei seinem Schwager und fühlt« sich wohl. Drs Fremdenamt sah sich schließlich gezwungen, ihn dem Richter vor- zuführen. Staatsanwalt und Richter meinen, es gehe nicht an, daß er sich das Recht, sich in Berlin niederzulassen, einfach erzwingen wolle: das Urteil lautet auf drei Tage Haft. Oer Rumäne auf der Durchreife. Ein 2Zjähriger rumänischer Schneider reist von Belgien über Deutschland in seine Heimat. Er legt einen Brief vor, aus dem zu ersehen sein soll, daß seine Eltern ihn auf- gefordert haben, schleunigst nach Rumänien zurückzukommen, weil Deserteuren, die sich bis zu einer gewissen Frist gemeldet haben, Amnestie gewährt werde. Der rumänische Konsul in Belgien verweigert« ihm einen Paß, weil er Deserteur ist. Er überschreitet die deutsche Grenze ohne Papiere und wird gesaßt. Allerdings ist er in Deutschland bereits zweimal wegen Paßvergehens b e st r a f t worden. Der Staatsanwalt beantragt diesmal eine Haftstraf« von zehn Tagen. Der Schneider meint: Wahrscheinlich ist das gerecht, ich sage nichts dagegen. Er bittet nur, daß man ihm ge- statte, auf eigene Rechnung weiterzufahren. Darüber hat der Richter nicht zu entscheiden. In einer Woche, nach Verbüßung der Haft, wird die Abteilung 1�. sich mit dem Mann zu befassen habe». Dielleicht hat sie wirklich nichts dageg«», daß er auf eigen« Rechnung fährt. Di« Paßschwierigkeiten sind«in böses Kapitel. Der weiß, vielleicht sind sie doch unumgänglich. Weller für Berlin: Weitere Erwärmung und noch vorwiegend heiter, südliche Winde.— Für Deutschland: Im größten Teil des Reiches beständiges Wetter mit weiter ansteigenden Temperaturen, im Westen Bewölkungszunahme. Dollnerstsx, 12. September. Berlin. 16.05 Prof. Dr. Mackovsky: Anselm Feuerbath. Zu seinem 100. Qeburtslas. 15.30 Joseph v. Eichendcrff.(Gelesen von Erwin Kleist.) 17.00 Fajottvorträre.(Karl Leuschner. Fasott; Erna Klein, Flügel.) 17.30 Unterhaltsames.(Kapelle Alfred Brox.) Anschließend: Werbenachrichten und Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin- Mitte außerhalb des Programms der Funkstunde. 19.00 San.-Rat Dr. Paul Frank: Medizinisch-hygienische Plauderei. 19.30 Volkslieder aas aller Welt(Schallplattenkonzert). 30.00 Kammermusik.(Das Kamraertrio; Dr. V. Ernst WoIH. Cembalo: Heina hard Wolf, Viola d'amore; Eva Heinitz, Viola da Gamba). 21.00 Groteskes. Heitere Stunde. Mitwirkende: Erna Feld, Max Qülstorif. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik(Kapelle Gerbard Hoffmann). Während der Pause Bildfunk.*' KSnlgswusterhausen. 16.00 Rektorin Irmgard Bär: Probleme der Freizeit für Jugendliche. 16.30 Dichterstunde: Iwar von Lücken.'Einleitung: Albert Ehrenstein. 17.00 Von Berlin: Nachmittagskonzert. 18.00 Prof. Dr. Curschmann; Die Ortsnamen der Mark Brandenburg. 18.30'Gertrud van El seren. Cäsar Mario Alfieri: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Präsident Weber: Katoffelernte und Kartoffelverwertung 1929. 19.20 Georg Hausdorf: Praktisch angewandte künstlerische Werbetätigkeit(II). 30.00'„Zeitberichte". Gleichzeitig mit der Frankfurter Uraufführung. Szenen aus dem 14. Parteitag der russischen Kommunistischen Partei. Kampf gegen die Opposition und Ausschluß der Oppositionellen Trotzki und* Sinowiev ans der Partei. Anschließend:„Die Straße". Ein Ueberblick. Anschließend: Ueber tragung von Berlin. Bcrnntwortlich für die Scboftion: Scan) Älühs, Berlin; Anzeigen: Th.»locke, Bertin. Bering: Dormöris Bering®. m. b. S>.. Berlin. Druck: Bonnürts Surft. beudeeei uuh Bcrlngsnnstnlt Pnul Singer 5c Co.. Berlin SW 68. Linhengrnge 3. Sirrin 1 BeiInge. | Theater, £ Lichtspiele usw. Donnerst, 12. 9. Stoats-Oper Unter d. Linden A.-V. 188 20 Uhr Mit Staats-Oper Am Pl.d.RepubI. R.-S. 164 20 Uhr Staat). Sehiller-' Donnerst, 12. 9. Staat Oper Bismarckstr. Turnus III 20 Uhr Tyll Staatl. Sdiaosph. am eendarmenmarkt A-V. 167 20 Uhr Hans im Sdinakenlodi tieater.Charlth. 20 Uhr 3X2= 5 Tlff. 2»ersten. S eil«V- nr ßaitaraita 1256 Unsere neuen Pralle: Wocbenteis i Dir 50 Pf. eis J Hark Hpl. IV, i. tonnt. 6 Dltr 1 5it 6 Marli Orlarlnsl- RmotelU srow. GROSSES SCHAUSPIELHAUS tlgl. 8 Uhr Regie: ERIK CHRRELL Die KonUle J 1 BismcK.2414/7516 Bnie grsdürmm Sonnabend, 14. Sept. Th Uhr Zum I. Male Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Rose- Theater, Grobe Frankinrter Str. 132, Bestellkasse: Alexander 3422 Täglich 8.15 Uhr Die Weber von Gerhart Hauptmann Regie: Paul Rose GartcnhQbne 8.15 Uhr; Die Scheidungsreise Moderne Operette in 3 Akten Regie: Hans Rose Sonntag, den 15. Sept., nachm. Z30 U. Die ente MärcLenvoretellang MttdieD lind die sieden Zwerge voiKstmtuie lheatir mBlIßnliti Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin Staad SdiillRT-Ib. 8 Uhr 2*2=5 SlaalsoporiDiPHU der Rcpatltk 8 Uhr Salome Plseaior- BObne «Vi Uhr DerKaufmann Ton Berlin Netropol-Th. Heute Donnerstag 7lh Uhr »Dtsch. Urauffflhr. Narietfa Mnjlk t. Oskar Strans Kkthe Dondi Michael Bahnen l-Theater Norden 10846 Gruppe Junger Sdbaospiclcr Täglich SVi Uhr cyankali I 218 von med na voll lüeines Theat. Merkur 1624 Täglich Nli Uhr Max Adalbert Clubleute Thea l. an Rttn.Tgr Kottbusser Str. 6 <* Tägl. 8 Uhr a\ auch Sonnt. lle nachm. 3 v. 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Kainer PUmelaiiam am Zoo w f it dag. hMHlW« llnh B.S Barbarossa 5578 16'/« Uhr Borbot- tbendo am Sternoo- hlmmtl 18V« Uhr Bit an dia Qranzaa dar Walt 20'/« Uhr Rdtaal da» Stamaaliebtaa Tägl. au ße r Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 Pf. Baroovskj-BQIineii Tkaatar In dar Kßniggritzar Straß» 8-/. Uhr Hannibil«nie portis KomSdienhaus Täglich 8'/« Uhr Cbarieys Tante mit Cnrt Vota. Theat. d. Westens Täglich 8'/« Uhr Berlins größter Theatererlolg Blaabarl Operette von Orlenbach Sonnab u. Stg, 4 U. Ccban Wellerfolg 1 Friederike Trianon«,k.ur Täglich SV« Uhr Dergrlastsplelcrtolg Das kämmt doch tllß Tage Ter Johannes Riemann. Vilmav.Aknay, Max Landa, Lotte Klinder Direktion Dr. Robert Kleto Denlsehes KOnstler- Theater Täglich 8V« Uhr Die andere Seite von R. C Sherriff Regie:HeinzHiIpert Berlinnr Tbeater Täglich 8'/. Uhr Zw« Krawütteii von Georg Kaiser Musik; Mischa Spoliansky Regie: Forster Larrinaga Kammersplele D.I. Norden 12310 SVi, Ende gegen lOVi Der DnvMerstehliülie Komödie von Gäraldy und Spitrei Regie: Gustaf Gründgens Lastspielhaas Friedrichsbr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8V« Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Wintor ★ Gairen* t Olr* Znir. 9819• Baidian erumai{ Da|as Bdla und weitara VarieK-Reuheitaa Sannabaad s. Sonntag Ja 2 Voratallungaa 1 3*- und 8 Uhr. 3* kleine Preise. Rclchshallan-Theatmp Abends[Fj Sonntag nachm.|7| Fest-Programm 1 Uoh ü Säigti Nachmittags halbe Preise, das volle Fest-Programm! Billettbest Zentrum 112 63 [Dönhoff- Sro 1 1 1; -' 10 Spezialitäten! Falkner-Orcheater,— Tanz. CASINO-THEATER Lothringer Straße 97. T&glidb 8>/< Uhr Der neue Erotfnungs-scbleger Wem oeliörl mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 Sessel 1.75 M� Sonstige Preise: Parkett u. Rang OAO M Gustav Härtung Renaissance- Theater Ueber 50 M«I: 7�e Uhr Die heilige Fiamme v.W S.Maugham. 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Gegr. 1864: S 14, Sebastianstr. 14 BlerdrucK-Apparate- Kaffeemaschinen mineralwasser-maschinen Castsiätten- Einrichtung� Sport-9tesiaurani CanUansirafle(Exer) Alfred Otpaltkl (Beilage Donnerstag 12. September 1929 DrrAbimi) fcnJnmlfnü«ch» lirttafA Tiermord aus Liebe Plauderei für Zoobesucher Von Erna Büsing Tierliebe Schriftsteller haben schon mehr als einmal als Anwälte der Tiere Klagen über die Folgen des Massenbesuchs in einem Zoologischen Garten erhoben. Ein Tier hat mit dem Darm zu tun, da es schwer Verdauliches gefressen Hot, dos andere hatte Kopfschmerzen, da sein Magen überladen war, das dritte stand eben vor dem Erbrechen, und das vierte war verärgert. Solche kritischen Zustände sind, so gerne man es möchte, leider nicht in das Bereich dichterischer Phantasie zu verweisen, sondern sie gehören in das Ge- biet nackter Tatsachen. Quittiert doch ein jeder Zoologische Garten einen Massenbesuch mit ein bis Zwei toten Tieren. Von den Opfern wird aber, das muß man zur Ehr« aller Besucher sagen, keins totgeärgert. Hin und wieder ist freilich mal ein Flegel unter den Zuschauern, der«in Tier neckt. Doch schaffen in solchem Fall die Milbesucher Abhilfe. Zwar if� auch auf diesem G«- biet der Selbsthilfe ein« beachtenswerte Wandlung eingetreten. Während die Leute, z. B. in Berlin, vor der Revolution den Wärter riefen, schreiten sie jetzt, selbstbewußter geworden und von dem All- gemeinheitsgedanten mehr durchdrungen, einfach selbst ein. Da heißt es abwehrend:„Aber Kinder, laßt das doch", oder wie neulich ein Temperamentvoller, der auf Widerrede stieß, sich vernehmen ließ: „Bei mir Weihnachtsmarkt, det soll keen Quälen sind, paß uff, ick kiekele dir ooch gleich mal mit mein Spazier stock in de Reese, vastehste?" Wenn auch kein« Tier« totgeärgert werden, so werden sie doch lotgesüttert. Es ist kein Märchen, oll« Tiergärtner fürchten das gute Herz der tierlieben Besucher. Es helfen keine Schilder„Füttern verboten", gefüttert wird doch. An Ueberflltterung aber sind bereits wiederholt eingegangen Renntier«, Hirsche, Steinböcke und sogar Ziegen, die doch wirtlich allerlei vertragen können. Ebenso ist das eine oder andere wertvolle, nur schwer wieder zu beschaffende Tier aus Lieb« totgefüttert worden. Gefährlich find nämlich Brot in großen Mengen, angegangene Konserven, Zucker und für etliche Tiere Salz. All« Tiere in den Zoologischen Gärten bekommen satt zu fressen, und ein Füttern von privater Seit« ist immer ein gewisses Ueber- füttern. Aus Publikumshand fressen die Tiere meistens nur aus F u t t e r n e i d. Bei Affen liegt die Sache außerordentlich günstig, weil Sach- verständige eine Portion Affenfutter leicht für Verkaufszwecke zu- rechtmachen können. Im großen und ganzen vertragen die Affen auch fast alles, was die Besucher ihnen geben, mit Ausnahme von dem groben Unfug, Zeitungspapier und Spiegel hinzureichen. Da- gegen besteht für die Affen in hohtm Maße die Gefahr der Znfektionsübertragi�ng. � In allen Tiergärten macht man die Erfahrung, daß— in diesem Falle kommen die männlichen Besucher in Frage— mit Spazierstöcken in den Affenkäfig gestoßen wird. Ost sind dadurch Tiere oer- letzt worden. Aber wenn der Fall auch weniger kraß liegt, ist die Spitze des Spazierstocks für das Tier immer eine Gefahr. Sie hat >nit dem Straßcnkot Bekanntschaft gemacht und wird leicht zum Infektionsträger für die, das kann gar nicht genug betont'werden, ge- sundheitlich so überaus empfindlichen Affen. Hingegen sind die Affenbifs« für den Menschen sehr gefährlich, denn sie erzeugen leicht Blutvergiftung. Also restzxstiere man in jedem Zoo das Gitter, namentlich beim Affenkäfig. Das gilt für die kleinen Sorten wie für die Menschenoffen. Mögen dies« noch so manierlich ihre Bananen essen und ihre Abendsuppe auslöffeln, sie können furchtbar grob werden. Dabei haben sie oft fast menschliche Ma- nieren, ja, sie rauchen-sogar. Einen direkten Vorteil bringt ihnen diese Sitte gerade nicht, wie man sich denken kann, ober ein Schimpanse des Berliner Zoo, ein starker Raucher, wurde bei diesem Laster 15 Jahre alt. Er war zu einer Zeit, wo das Zigaretten- "rauchen noch gar nicht so verbreitet' war,«in leidenschaftlicher Zigarettenraucher und bevorzugte Russen mir weichem Papier. Sehr oft wird die Theorie aufgestellt, ein Tier in der Wild- form(nicht der zivilisierte tierische Hausgenosse) wisse, was ihm bekömmlich sei oder nicht. Ja, man sagt, selbst die menschlichen vorgeschichtlichen Urahnen müßten eine Ras« für die ihnen zu- träglichcn Kräuter gehobt haben. Wir Menschen hätten durch die Kultur den Instinkt für giftige Nahrung verloren. Daß aber auch Tiere mitunter Vergiftungen bei der ihnen natürlichen Nahrung erliegen. erfuhr man bei den so umsichtig geleiteten Tiergrotten in Bremer- Häven. Dorthin waren von einer Räucherei angestoßene Ma- krelen geliefert worden, die sie ausmerzt«. Die Fische sahen prächtig aus, waren gut im Genich und die Tierwärter ließen sich etliche Fische räuchern, die sich für sie freilich nicht als gut bekämmsich« Kost erwiesen. Da bekamen sie eine große Angst um ihr« Pfleg- linge, Kormovane, Silbermöven und Seehunde. Diese gehören bestimmt zu den besten Fischkennern der Welt, sobald es sich uin lebende Beute handelt. Und was zeigte sich am andern Morgen den erschreckten Wärtern? Zwei Seehund«, zwei Silber- möwen und zwei Kormorans waren tot. Gestorben an einer Fischvergiftung, die bei Menschen nur eine kleine Un- päßlichkeit hervorgerufen hatte. Also hatte sich die Theorie von der genauen Kenntnis des Tieres, was seine Nahrung anbetrifft, ganz gründlich als falsch erwiesen. Ein Seehund war übergeblieben, ober ihm war die Freßlust ein- für ollemal vergangen. Sonst hotten ihm seine Seehundkollegen das Futter vor der Nase weggeschnappt, jetzt durfte er ungestört fressen, soviel ihm bekömmlich war, aber er konnte das Alleinsein nicht vertragen. Da entdeckte sein mitleidiger Wärter auf einer Schuttabladestelle einen Riesen- spiegel. Er hotte ihn und befestigte ihn am Seehundbassin. Sofort beäugte der Seehund sich, und von Stunde ab— fraß er wieder. Jetzt ist er bereits sieben Jahre alt, tollt munteif schwimmt mit ein«, jüngeren Gefährtin im Wasser und weiß nichts davon, daß er nur um Haaresbrette dem Tiermord aus Lieb« entging. Der Gesang der Soldaten von 1848 Eine Zuschrift von Eduard Bernstein In dem schönen Gedenkartikel Hermann Wendels im„Abend" vor einigen Wochen über Pierre Dupont, feinerzett neben Gustave Leroy der populärste der Arbetterdichter Frankreichs in der Epoche der Blüt« seiner unvergleichlichen Arbeiterdichtungen, ist eine Dichtung Duponts nicht erwähnt, die nach meiner Meinung nicht minder verdient unvergessen zu bleiben, wie das prächtig« Lied vom Brote. Es ist dies fein im Herbst 1848, zu einer Zeit, wo nach der Niederlage des Pariser Proletariats im Junikampf in ganz Europa die Reaktion wieder ihr Haupt erhob, verfaßter„Gesang der Arbeiter an die Soldaten", ein feuriger Aufruf zu revolutionärer Tat im Gesst der Februar- und März-Erhebungen. Adolf Strödt mann hat ihn 1863 seinem Buch„Die Arbeiterdichtung in Frankreich" in größtentells recht packender Uebertragung ein- verleibt, die freilich nicht immer den Gedanken völlig sinngetreu wiedergibt. Schon die Anfangszeilen „Tonte TEurope est sous les armes, Cest le cri dernier des roisl Soldats, ne soyons plus gcndarmes, Soutenons les peuples contre leurs tyransl" sind im Deutschen, wo sie lauten: „Dos ist der Kön'ae letztes Beten! Europa glüht im Äriegesschein! Soldaten, laßt zum Volk uns treten, Und länger nicht Gendarmen fein!" mit der Uebersetzung von„le cri dernier" in„letztes Beten" mehr umschrieben als wiedergegeben.„Le cri dernier" heißt„der letzte Schrei", was etwas ganz anderes bedeutet als ein„letztes Beten". Noch mehr entfernt sich vom Text des französischen Rundreims: „Aux arrrvesl, aux armesl Aux armesl Courrons ä la frontier« Pour mettre aux buts de nos fusils Les oppresseurs de tout pays, Les carabines de RadeUkyl Les peuples sont pour nous des freres, Et leurs tyrans nos ennemis!" Die deutsche Uebersetzung: „Zum Kampf, wo Siegezgötter thronen. Wir richten jeden Henkersmann. Der Frei« tat in Acht und Bann Und dessen Stirne Frevel sann! Denn Brüder sind uns die Nationen Und Feind ein jeglicher Tyrann!" In Einzelfällen sind die Abweichungen des deutschen Textes von dem des Originals freilich nicht so bedeutend, um zu ernst- haftem Widerspruch zu reizen. Aber wie sie sich durch das ganze Gedicht ziehen, umschreiben sie dessen so einfache, klare Sprache doch zu oft, um es davor zu sdilltzen, in die Deklamation von schönklingenden Wortbildern auszuarten. Vielleicht ist dieser Um- stand dafür verantwortlich, daß das Gedicht in der Strodtmannschen Wiedergabe jeden tieferen Eindruck auf Hermann Wendel ver» fehlte, von ihm daher nicht der Anführung wert erachtet wurde. Uebrigens ist auch der Rundreim von Duponts„Lied vom Brote" pOn n'arrete pas le murmur« Du peuple quand il dit ,fai faiml* Car c'est le cri de la nature: II kaut du pain, il laut du painl" mit Strodtmanns „Man hält nicht von den Mormorswfen Das Volk zurück mit seiner Not! Denn die Natur gebeut zu rufen: Brot tut uns not! Wir fordern Brot!" nicht sonderlich glücklich iviedergegeben. Gerade die einfache und dabei so kraftvolle Sprache des Originals macht uns die von Strodtmann so eindrucksvoll geschildert« rührend« Lieb« der Pariser Arbeiter jener Tage für dieses Lied verstehen. Ich will aber nicht verschweigen, daß Strodtmanns Der» deutschungen französischer Arbeiterdichtungen oft selbst solche Freiligraths an wahrhaft dichterischer Schönheit übertreffen und sein 1863 erschienenes Buch„Die Arbeiterdichtung in Frank- reich" eine Lektüre darbietet, die noch heute jedes sozialistisch fühlende Herz zu bewegen vermag. Als die Schutzbündler hier waren Wie es ihnen in Berlin gefallen hat Fraucnleidie im Haifiscbmagcn Wie von den Kapverdischen Inseln gemeldet wird, fanden Fischer in der Tawatal-Bai im Magen eines gefangenen Haifisches die Reste eines Frauenkörpers. Der Fisch war viereinhalb Meter lang und hatte augenscheinlich die Unglückliche erst kurz vorher verschlungen. Eine Feststellung der Persönlichkeit des Opfer» war nicht möglich, da am dam Schiübmch dort nicht» bekannt geworden M. In dem Monatsblatt des Republikanischen Schutzbundes, dem Wiener„Schutzbund", schreibt Alfred Magaziner über die Reise zur Verfassungsfeier: Eine letzte Umdrehung der Räder noch, der Zug steht, wir sind in Berlin, wir haben eine ldstündige Bahnfahrt hinter uns und sind heilfroh, aus den Waggons herauszukommen. Der Schutzbund marschiert durch die Straßen Berlins. Voran die rot« Fahne, Rei-Hsbannerleute führen uns, hinter dem Zuge fährt langsam ein Uebcrfallauto der Schupo.„Ein Tempo ist dos hier", konstatiert ein Genosse,„wie die Straßenbahnen, Autos und Omnibusse vorbeirasen."„Ja, dös is a anderer Verkehr wie bei uns in Wean", wird anerkennend zugegeben.„Aber da schau her, dös gibt's do a no?" Eine Droschke, von einem zum Umfallen müden alten Klepper gezogen, schaukelt langsam und gemächlich vorbei. Aus dem Bock«in Mann in einer seltsamen schäbigen blauen Livree mit einem Zylinderhut auf dem Kopf. Er muß mindestens 76 Jahre alt sein. Im„Vorwärts"- Haus werden wir empfangen und be- willkommnet. Wie herzlich doch die als trocken« Menflhen bekannten Berliner sein können. Jungvolk in blauen Wander- kitteln ist auch da, Burschen und ZNädel. die bei dem große« Znlepnationolen Zugendtressen in Wien waren. Die Augen der jungen Leute leuchten, und wo» do» für ein Jubel ist» wenn sich Bekannte treffen. Bei der Ueberreichung der Quartierzettel werden wir freund- schaftlich gewarnt:„Paßt auf, daß euch nichts geschieht!"„Auf- passen? Sind die Hackinger») bei euch so frech?"„Ach so, ihr wißt ja noch nichts: nun. gestern haben Kommunisten einen eurer Kameraden überfallen und schwer verletzt."„Na, schön ist das, seine Zustände."„Ja. das ist so bei uns in Berlin, es gibt tägliche Ueberfälle auf Reichsbannerkameraden." Die Wiener wohnen am K r e u z b e r g, in Neukölln. Unsere Ouartiergcber sind Proletarier, Li« sich schwer schinden müssen, um durchs Leben zu kommen. Aber das tut der Gast- freundschaft keinen Abbruch. Das beste Bett gehört dem Gast und auch für reichliches Essen sst gesorgt. Die Berliner Genossinnen tun ihr möglichstes, um zu beweisen, daß die Berliner Küche weitaus besser ist als ihr Ruf. Um ein« Legend« gleich abzuhin: man ißt in Berlin wirklich nirgends Heringe in Schokolodentunke.„Eßt", sogen die Quartier- frauen,„sonst macht ihr schlapp und sogt, die Berliner Schwestern haben euch nichts gegeben." Es hat keiner von uns schlapp gemacht. Aber auch hier spürt mau die Tragik der reich?» deutschen Arbeiterbewegung. Einer unserer Quartier- geber hat seinen Sohn im Spital liegen; der wurde am 1. August von einem Kommunisten in die Lunge gestochen.„Wer hätte das gedacht", sagt die Proletariermutter und zeigt uns die Photographie des„Verunglückten", wie sie den todwunden Sohn nennt. Schwarzrotgoldene Fahnen überall. Schulkinder ziehen, die Reichsfarben voran, zu den Lerfassungsfeiern der Schulen auf den großen Sportplätzen. Zehntausende Reichsbanner-� l e u t e sind in Berlin, die ganze Riesenstadt ist von ihnen in Besitz genommen worden. Zwischen ihren Uniformen sieht man die schwarzen Monturen unserer Eisenbahner und die Windjacken *) Hacting ist«in äußerer Bezirksteil von Wie»;»an nennt KatentTnnder fe.«e*. fe. JL- der Schutzbündler. Die Gruppen begrüßen einander mit„Frei HeiP und„Freundschaft" in allen deutschen Mundarten. Es wird berlinert und gesächsell, brigittenauerijch(Wien XX.) und steirisch wird auch gesprochen. Die Leute von der Wasserkante kann man natürlich überhaupt nicht verstehen, aber man hat auch nrtt den Berlinern sein Kreuz.„Doos" und„knorke" kann man ja mit der Zeit seinem Wortschatz einverleiben, doch wenn einem erklärt wird, daß knorke dreimal so dufte als schnafte ist, dann ist man eben einfach platt. Manchmal dreht man sich überrascht um, och so, ja natürlich, Bayern sind auch do. und die sprechen ja— fast deutsch, hätte ich jetzt bald geschrieben. Es gibt«in« Unmenge Veranstaltungen. Wohin soll man zuerst gehen? Samstagnachmittag haben die Eisenbahner ihre Anschlußkundgebung, die einen ganz großartigen Verlauf nimmt. Es folgt eine begeisterte Schilderung der Feier bei Kroll und des 11. August: dann heißt es: Wir marschieren. Rot« Fahnen am Flügel. Voran die Marsch- musiken. Uns gefallen die Pfeifer- und Trommler« ka pellen des Reichsbanners recht gut. Die Berliner scheinen von unseren Kapellen mehr zu halten. Nach jedem Marsch steigt Beifall auf. Der Bericht schildert nun die Begrüßung der Echutzbündler durch die Zuschauer, ihren Beifall zu jedem Kommandoruf und fährt fort: Schon auf dem Schloßplatz sind die Lenle mit Zigaretten und Zuckerln gekommen für die österreichischen Sameraden. Da st«hen nun Frauen und Männer mtt ganzen Büscheln Bananen unter dem Arm und verteilen sie an die Marschierenden. Die St«irer geben zum Dank dafür das Edelweiß, das ein jeder von ihnen an der Kappe trägt.„Rechts schaut!" Mit gesenkten Fahnen marschieren wir an dem schwarzrotgoldenen Ehrenmal vorbei. Dann Defttierung an der Tribüne der Ehrengäste vorbei. Reichstagspräsident Löb« begrüßt uns. Abends wurden an vielen Stellen Volksfeste gefeiert.� Ueberall mtt Feuerwerk. Krachend explodierten die Feuerwerkskörper und mit Flammenschrift steht es am Himmel geschrieben: Es leb« die Deutsch« Republik! � � Wie schwer ist es doch. Abschied zu nehmen.„Auf Wieder- sehen!" sagt die Quartiergeberin und füllt noch«ine Flasche mtt Kaffee. Die ganze sozialistische Arbeiterjugend ist am Bahnhof. Ein letztes Händeschütteln, dann rollt der Zug aus der Hall«. „Freundschaft!",„Freundschaft 1" tönt es uns aus tausend Kehlen noch«inmal nach. Schwächer und schwächer werdend mit jeder Umdrehung der Räder._ Ein neues Arbeiterheim in Wien ist eröffnet worden und zwar in D ö b l i n g. dem 16. Stadtbezirk. Döbling ist der westlichst« Bezirk von Wien, liegt an der Donau und an den Abhängen des Leopold- und des Kahlenbergs, umfaßt neben Weinbergen und den Suffstätten der ,�?eurigen"-Lokale die Ortschaften Heiligenstadt und Nußdorf, wo Beethoven im Sommer wohnte— aber sehr wenig Industrie. Noch vor zehn Iahren gab es in diesem Bezirk, der viel Villen enthält und dessen Weinhäuer einst«in Sturmtrupp der Christlichsozialen waren,«in Häuflein Sozial- demakraten, jetzt hat die Partei in diesem Bezirk allein über 12666 Mttgliederl Da» neu« Arbeiterheim steht selbst wi« eine Villa aus. od« MO leine« spitz«» Tünnchen weht dt» rot» Fahne. 35 (17. Fortfttzung.) Das Ganz« zu einem Bündel zusammenrollend, spät Nikolaus die Straßenbiegung herunter. Günther hatte sein« Beobachtungen aufgegeben. Wahrscheinlich stärkt er sich im Gasthof nach dem aus- regenden Dienst, dachte Nikolaus. Lorsichtig ging er den Weg zurück und trat durchs Hintere Hoftor in das Gehöft der Gastwirt- schuft«in. Leise winkte er der dort hantierenden Magd, gab ihr einen Sechser und sie möchte ihm Bescheid geben, ob der Polizist im Gastzimmer sei. Das Mädchen kehrte kopfschüttelnd zurück, wies aber mit der Hand nach dem Herrenstübchen. Nikolaus trat durch die Hintertür ins Haus. „0, du mein!" Die junge Wirtin erschrak und schlug das Kreuz gleich dreimal hintereinander.„Sie sein doch der heil'ge Moan von gestern?" „Der bin ich." Der Mönch stand inmitten der Gaststube, in seinem zerschlissenen Kuttensaum einer gerupften Kräh« gleichend. „Sie schaun auf mein Gewand, schönes Frauchen: doch ist's ein Wunder, wenn man sich die ganze Nacht mit dem Teufel herum- schlagen muß, der mit verstärkter Macht sofort wieder in die Stadt einzog, nachdem der heil'ge Bischof zum Tor hinausgefahren war? Ich bin gekommen, gutes zu tun. Hier ist ein Taler. Schenken Sie dem Gast im Herrenstübchen vom Gutgemengten ein, so viel er trinken mag. Doch nichts verraten. Weisen Sie auch mir«in Stübchen an. wo ich ein gut Frühstück verzehren kann." Durch den Anblick des Mönchs in Schrecken versetzt, erfüllte die Wirtin alle seine Wünsche, nachdem sie den blanken Taler in zitternder Hand betrachtet hatte. Als sie mit Wurst und Brot in das entlegene Stübchen eintrat, hatte sich der Mönch bereits in einen biederen Handwerksmann ver- wandelt.„Dem Günther, unserm Herrn Wachmeister, wird eure Gnade zuteil," sagte sie, schüchtern die oeränderte Gestalt betrachtend. „Gut. Wenn er den ersten Liter ausgetrunken hat, dann schicken Sie ihn zu mir." Nach längerer Zeit trat Günther, singend und eine voll« Flasche schwenkend, ein. An«in Wiedererkennen war nicht zu denken. Und Nikolaus stellte sich als Viehhändler aus einem Oderdorfe vor. Günther war fröhlicher Laune. Auf ein Stündchen kam es heut nicht an nach so schwerem Dienst, wie der gestrige war, er- klärte er. Bis in die späte Nacht habe er sich mit dem liederlichen Pack herumplagen müssen. Das glaube er gern, erwiderte der andere, denn vorhin sei er noch einem Pilger begegnet, der anscheinend unter den Folgen der Wallfahrt sehr gelitten hat. Und mehr aus Mitleid habe er ihm dieses Bündel für einige Zehrgroschen abgekauft. Doch nun. wolle er gleich mal nachschauen, wa» es enthalt«. Günther erkannte an dem Inhalt sogleich das Gewand des Mönches, und zu tollen Streichen aufgelegt, warf er sich die Kutte über. „Ha, prächtig!" schmeichelte Nikolaus.„O, das gäbe einen Spaß, wollten Sie sich als Mönch verkleiden und unserer frommen Frau Wirtin ein wenig Angst einjagen." Günther warf seine Uniform bis auf Hemd und Unterhosen ob und Nikolaus verwandlte ihn eilends in einen echten Kloster- bruder. Während der Wachmeister, unter Lachen und Johlen der an- deren Gäste, hinter der verängstigten Wirtin dreinjagte, schnürte Nikolaus dessen Uniform in ein Bündel und verschwand in einem unbemerkten Augenblick durch die Hintertür hinaus in den nahen Wald. Am anderen Morgen hemmten die in aller Frühe nach Neusalz zur Arbeit eilenden Wartenberger ihr« Schrstte und sahen entsetzt hinüber zur Grenztasel. Dort, gleich neben dem Gasthof„Zun, letzten Heller", hing ihr Polizeidiener in voller Uniform, mit Helm und Säbel angetan. Erst als sie nähertraten und die schlaffhätigen- den Arme und Bein« befühlten, gewahrten sie zu ihrer Freude, daß sie nur mit Heu und Stroh gestopft waren. Lachend und über den Zusammenhang de» Schauspiels lebhaft diskutierend, setzten sie ihren Weg fort. Längere Zeit niußte der gestrenge Ordnungsmann dem Gespött standhalten, ehe er durch Dienstversetzung erlöst wurde. Mönch Nikolaus war vom Tag« an spurlos verschwunden, ihn hatte die Landstraße wieder. Neuer Geist zieh: ein. Der gotilos« Landstreicher wurde bald als ein vom Teufel Be- sessener verächtlich gemacht, dessen Worten kein wahrer Christen- mensch ungestraft glauben dürfe. Mit welch grausamer Tücke«in solch von Gott Abtrünniger ausgerüstet sei, beweise die Rache an ihrem Polizeidiener. So suchte man das ketzerische Gerücht des Mönchs wirkungslos zu'machen und den alten Wunderglauben wieder zu festigen. Nur die Protestanten wollten die Gelegenheit nützen und die Vorzüge des lutherischen Glauben» ins rechte Licht rücken. Aber niemand wagte gegen den Wunderglauben der anderen öffentlich aufzutreten. Sie bedauerten Ihren eigenen Fanatismus. Denn nicht einer hatte sich unter die Wallfahrer gemischt, um mit eigenen Augen den rätsel- haften Vorgang zu beobachten. Darum schlichen allabendlich Wiß- begierige in Timms Werkstatt und liehen sich durch Jakob und Heinrich das Gerücht bestätigen. Heut kam der Glaser Franzke mit dem Seiler Böhm den Hof entlang: sie waren vorsichtshalber durchs hinter« Hoftürchen herein- geschlüpft. Der fromme Glaser kam dem Jakob gerade recht. Bald gerieten beide in heftigen Stre>t. Es hieße doch dem Teufel in die offenen Arm« laufen, rechtfertigte sich Franzke, hätte man die Komödie der Katholiken mit- machen wollen. Und jeder Glaubensfeste müsse dergleichen Der- suchungen widerstehen. .Weit gefehlt!" versetzte Jakob. Keiner Versuchung aueweich-n. sie durch die Krqft der besseren Usberzeugung unwirksam machen, sei Stärke. Wolle man die Anschauung anderer bekämpfen, müsse man sie genau kennen. Während der Glaser die Vorzüge des lutherischen Glaubens pries, verwarf Jakob beide Richtungen. Gr gab zu, daß einst, als der Mensch dem Walten der Natur noch hilflos gegenüberstand, der Gottesglaube ein« zwangsläufige Notwendigkeit war, um unseren armen, unwissenden Vorfahren das Leben erträglich zu machen. Jedoch heut', wo das Eintreffen seder Mond- und Sonnenfinsternis auf die Minut« vorausgesagt werde, wo sich das Erscheinen der Ko- meten auf Hunderte von Jahren vorausbestimmen läßt, wo man überhaupt Bahnen und Bewegungen Tausender Himmelskörper genau kenne und wisse, wie nulliardenfältig das Ganze im un- ermeßlichen Wellenraume umeinanderkreise, sei es beschämend für Menschen mit gesunden Sinnen, noch im alten Bibelglauben dahin- zuleben. In stiller Ehrfurcht lauschte Heinrich Jakobs Vortrag. Kein Wort wußten die beiden auf der Oertenbant sitzenden Allen zu er- widern. Als Jakob auf einer glattgehobellen Bettwand die Sonne mit ihren Planeten aufzeichnete und an deren Bewegungen das Eni- stehen von Mond- und Sonnenfinsternissen darstellte, erhoben sich Franzke und Böhm mit gefalteten Händen, beteten«in Vaterunser und verließen ohne Gruß die Werkstatt. Kopfschüttelnd blickte Jakob den Zweien nach. Auch Meister Timm, der solang« still zugehört, rutschte von seiner Hobelbank.„Ich kanns versteh»: Niemand mächt sich den Himmel rauben lassen.— wo man jeden Tag hofft, in ihn einzu- gehn— auch ich nicht!" Für Heinrich bedeuteten diese Abend« den Anfang einer Lebens- wende. Die quälenden Zweifel, die sich in letzter Zeit immer mäch- tiger gegen seinen Glauben auflehnten, schwanden. In dem Neuen lag Vernunft und Sinn, es ließ sich begreifen, er konnte sich danach ein« Lorstellung machen vom ewigen Werden und Vergehen. Es war ihm unmöglich, weiter zu glauben, Gott habe die Welt in sechs Tagen erschaffen. Und er nützte jede Gelegenheit, das Neue zu verbreiten. Da stand er abends im Halbdunkel unter der großen Lind« am Schloßgarten, umringt von einer Schar Lehrjungen, wozu sich auch deren Schwestern und Freundinnen gssellten. Eine Weile hörten alle still zu, sobald sich ober einer mit Widerspruch vorrvagtc, folgten auch die anderen und die Worte Heinrichs oersanken in einer Flutwelle von Gegenreden. Daß der Jakob klug sei und es mit dem Bürgermeister und vielleicht auch mit dem Herrn Pfarrer aufnehmen könne, gaben alle zu, aber daß er nun gegen Gott und seine ewigen Werk« vorging, das war ein furchtbarer Wagemut. Und viele sahen im Geist« den Jakob schon in echiger Höllenpein schmachten. Nur der Buchbinder- Ambrosius trat für«die neue Lehre ein. Auch Hedwig und ihr Bru- der Wilhelm suchten im Meinungsstreit vernntteind einzugreifen, ab« es Keß sich nicht erkennen, ob ihr Tun der neuen Lehre oder nur Heinrichs Freundschaft gall. Wie wenn ein Habicht zwischen ein Taubenoolk stößt, so plötzlich sprengte eines Abends die Bersammlung auseinander. Und ehe sich Heinrich oersah, saß ihm ein fester Griff an der Kehle und Ohrfeigen patschten links und rechts.„Dir werde ich die gottlosen Prahlereien austreiben, du nichtswürdiger Teufel!" Polen-ke, Lehrer an der katholischen Schule, war es. Er setzte Heinrich eimge Sprünge nach, als er seinen Händen entwischte und in der Finster- nis oerschwand. Am darauffolgenden Sonntag rief Frau Rosel nach dem Jakob: der Heinrich verweigere nun auch noch den Kirchgang, wo ihr Haus durch Lehrer Polenske ohnehin schon in Verruf gebracht würde. Jakob fand Heinrich m der Schlafkammer auf dem Bettrand sitzend. Er sprach freundschaftlich auf ihn«in: den Alten zulieb solle er den Kirchgang ruhig weiter wie eine Pilicht erfüllen, denn Pastor Blechschmied biete in seinen Predigten gewiß mancherlei, was sie dann zusammen kritisch auswerten könnten. Widerspruchs- los folgte Heinrich dem Rat seines Freundes. « Wie jähes Erwachen eines Blinden, der im tiefsten Traum alle Hsrrlichkeiten der Well erblickte, so erschü.ierte Heinrich der Briest den Jakob laut vorlas. Haltlos wce ein junges Bäumchen, dem der stützende Pfahl, an dem es zur Sonne empor wollte, Plötz- lich entrissen wird, und dessen Wurzeln noch nicht tief genug griffen, um den rauhen Winden zu trotzen, stand er abgewandt, die hervor. brechenden Tränen verbergend. Nach Haus« mußte der Jakob, gleich mit dem nächsten Zuge. Sein Dater liege schwer danieder, schrieb seine Mutter und der Jakob müsse dessen Werkstatt weiterführen. Auch Maister Timm und Frau Ros'l waren schwer betroffen; aber dennoch halfen' sie Jakobs Fortreise beschleunigen, als fühlten sie dessen EUern Leid wie ihr eigenes. Und Heinrich rannt« hinaus zur Fasanerie und überreichte Försters Lenchen den Brief. Doch gleich mitreisen, wie es der Jakob wollte, konnte sie nicht. Dieses macht« Heinrich froh. Erschien ihm doch jetzt das gute Mäd- che» wie ein zurückgebliebener Teil seines Freundes. «-- Erst jetzt empfand der Meister so recht, welch feste Stütze ihm der Jakob war. Er konnte sich nicht entschließen, einen der durch- wandernden Gesellen, die vorsprachen, einzustellen, denn keiner galt ihm als Ersatz für den rechtschaffenen Burschen. Endlich fand sein Aeltester, der bei den Glogauer Pionieren als Feldwebel diente, einen Ausweg, indem er einen Tischler, der bei seiner Komgognie zur Entlassung kam, vermittelle. Zur Zeit des Jakob pergrub sich der Alte immer tiefer in seiner Eck« zwischen Uhren, Schirmen und Stöcken. Nur in ganz dringen- den Fällen wurde sein Rat oder seine Hilfe gewünscht. Das war Ihm auch recht, zumal er wußte, je freier er den Jakob schalten ließ. mit desto freudigerem Eifer gedieh dessen Arbeit.(Forts, folgt.) »« «« FÜR DEN KLEINGÄRTNER. uiiuiiiiiinniiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiminiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiimuiiminiiimiuminniiiiHuiii(iiniiuiiinuiuiiinuiuiiiniiiiimiiiiiiiiuitiujuiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiuniiiiiiiiniiiiinB Fräse und Pflug. Daß die Fräse, der neuzeitlich« motorgetriebene Konkurrent des Pfluges, für den Kleinsiedler ebenso wichtig ist, wie für den Großagrarier, ist eine Tatsache, die schon allein durch den Hinweis auf die Frühjahrsarbeit klargestellt wird. Die schnelle Fräsenarbeit ist bei der Frühjahrsbestellung, wo die Zubereitung des Landes zum Pflanzen die messt« Zell fortnimmt, für jeden von Vorteil. Aber wegen dieser einmaligen Arbellserleichterung kann sich kein Klein- siedler eine Fräse anschaffen und solange nicht Kleinstadt- und Dorfgemeinden zu der Anschaffung einer Kommunalfräse sich entschließen oder gemeinsames Interesse der Mitglieder einer Sied- lung diese hierzu bewegt, so lange wird die Arbeitserleichterung durch die Fräse ein frommer Wunsch bleiben. Einen Vergleich zwischen Fräs« und Pflug hinsichtlich der Art der Bodenbearbeitung gibt eine in den„Landwirtschaftlichen Jahrbüchern", Band 7k>, Heft I. ver- öffentlichte Untersuchung von Diplomlandwirt Carl Gade: Einfluß von Fräse und Pflug auf Bodenzustand und Ertrag. Die Arbell ist offenbar aus den Angaben der an die Einführung der Fräse be- teiligten Kreise entstanden, daß bei zehn versuchen acht Versuche für das Fräsland bessere Durchschnittsstruttur und Mehrerträge ergaben. Der Verfasser geht nun davon aus, daß„dieses zu- gunsten der Fräsarbeit sprechende Ergebnis bis- her von der Praxis nicht bestätigt wurde.... So erschien es lohnend, weitere Versuche anzustellen." Di« über Sll Seiten lange Abhandlung über die 1927 durchgeführten Unter- suchungen kommt zu folgenden Schlüssen: Der gefräste Boden ist kurz nach der Bearbeitung dem gepflügten bzw. gegrubberten Boden an Porenvolumen, Wasser- und Luftgehalt, Wasser- und Lust« kapazität überlegen. Doch ist diese Strukturüberlegen- heit infolge des schnelleren Setzen» des gefrästen Bodens im allgemeinen nicht viel länger als etwa 100 Tage nach der Bearbeitung zuverlässig nach- w e i 5 b a r.... Die Erträge zeigten aus dem Fräsland gegenüber dem Pflug- oder Grubberland bei Zuckerrüben eine annShernde Gleichheit: bei den meisten übrigen Früchten eine gering« zumeist nicht gesicherte Steigerung: bei einem der zwei Kartoffelversuche auf rohem, unkultiviertem Boden eine bedeutende, voll gesicherte Steige- rung,... Das Fräsen vermochte bei den vorliegenden Unter- suchungen wohl günstigere physikalische Bodenzuständ« zu schaffen als das Pflügen bzw. Grubbern: doch hatten diese auf die Erträge im allgemeinen nur geringen Einfluß. Die Erklärung für diese unerwartete Erscheinung dürste darin liegen, daß die günstigen physikalischen Zustände des Fräslandes nur während eines Teils der Wachstumszeit der angebauten Fcldfrüchte erhalten bleiben." Für den Kleinsiedler birgt diese Feststellung einen bemerkens- werten Finaerzeig: Viele Gemüse, auch Frübkartoffeln, können in der„günstigen Zeit von 100 Tagen' nahezu zur Vollen- dung gebracht werden. Es liegt also auf der Hand, daß gefrästes Land sich gut für Gemüsekultur eignet. Dazu tritt die viel schnellere und bequemere Arbeit Dem Gedanken, daß auf korporativem Wege die Kleinsiedler sich in den Besitz einer Fräse letzen sollten, hat diese Arbell zweifellos eine wertvolle Unterstützung gegeben. Hühner' und Taubenm'st ist eln cm Stickstoff und Pbosphorläurr besoiVers reicher Dünaer der durch feinen Kalk und Kallgehalt noch an Wert gewinnt. Man muß aber wegen dieses reichen Inhalts an Nährstoffen mit der Verwendung vorsichtig sein, damit keine Ueberdüngung eintritt. Will man ihn trocken verwenden, so setze man ihm nach seiner Zerkleinerung reichlich Erde zu und bring« ihn floh unter. Na- mendlich für Kohl, Salat, Spinat, bei denen«me scknelle und massig« Entwicklung gewünscht wird, ist dieses Verfahren ange- bracht. 0 bis 10 Kilogramm je Ar genügen. Bequemer ist die flüssige Verwendung, die das Borhandenfein eines größeren Be- hälters voraussetzt. Ihn fülle man mit Wasser und werfe nun immer den neuen Dünger hinein, dos zum Gießen entnommene Wasser durch frisches ersetzend. Ist die Lösung noch zu stark, so ist Wasserzusatz in der Kanne nötig. Für den Anfang wird man etliche Tage warten, damll erst eine Lösung erfolgt. Wichtig ist die Reinhaltung des Hühnerstalles und des Taubenschlages. Nicht bloß wegen der Gesundheit der Tiere, sondern auch um Heber- tragung von Krankheiten usw. durch den Dung aufs Land zu oerhüten. Gründüngung im Obstgarten. Die Dorzüg« der Gründüngung behufs Verbesserung des Bodens sind hier schon erörtert worden: gerade im Herbst, wo so mancher Acker bereits abgeerntet ist und nicht mehr angebaut wird, dürste das Einschieben einer Gründüngung sich als zweckmäßig erweisen. Namentlich ist dies der Fall im Obstbau, zumal bei den Beerenobst- Pflanzungen, wo nach der Ernte der Anbau der Gründüngungs- pflanzen durchaus angebracht ist und in keiner Weise störend wirkt. Obstbäume, die in Grasgärten stehen, werden durch das Umpflügen der Grasnarbe und Gründüngung sehr gefördert, zumal wenn Phosphorsäur«, Kali und Kalt als Kunstdünger beigegeben wird. Baumscheiben mit Gründüngung zu behandeln, erscheint weniger angebracht, wegen etwaiger Wasserentziehung. Aber auch der Land- mann kann nach Frühkartoffeln oder Roggen noch ein« Aussaat mll Erbsen vornehmen, da die Zeit bis zur Unterbringung— die danff erfolgen soll, wenn die stickstoffsammelnd» Kraft der Leguminosen ihren Höhepunkt erreicht hat, also kurz vor dem Fruchtansatz— noch eine genügende Entwicklung ergibt. Spätkohl spät ernten. Wie die blauen Pflaumen auch erst den vollen Geschmack er- halten, wenn sie durch einige der nächtlichen Spätsommernebel hin- durchgegangen sind, so sst auch für den späten Kohl die nebelreiche Zeit des Spätherbstes durchaus wohltuend. Man wird deshalb den Weiß, und Wirsingkohl erst dann ernten, wenn wirklich stärkerer Frost zu erwarten ist. Ein nächtlicher Reif schadet ihm nichts— aber gegen allzu hohe Kältegrade sind die Köpfe natürlich empfind- lich. Es gilt, wie so oft im Leben, den richtigen Augenblick abzu- passen, um die Höchstleistung zu erhalten. Unkraut auf Gartenwegen. Selbstherzustellend« Bertilgungsmittel siich Viehsalzlösungen, mit denen man die Wege wiederhott besprengt. Die nicht tief wurzeln- den Unkräuter werden dadurch beseitigt; auch kann man Rest« bei Regenwetter dadurch zerstören, daß man aus den Standort Viehsalz ausstreut. Diefwurzelnde Kräuter, wie Löwenzahn, Disteln. Sauer. ampfer, kann man durch Aufgießen von Petroleum bei Sonnen. schein zerstören. Auch zur Vernichtung solcher Pslanzen zwischen Steinen zu empfehlen. Wo Moos vorhanden, muß dieses durch ungelöschten Kalk beseitigt werden.— Ein anderes Mittel ist ver- dünnt« Salzsäure, ebenfalls mit einer Gießkanne(ohne Fc-bcn- anstrich) auszugießen. Vor der Weiterverwendung find die Gieß» können gründlich zu säubern. Von chemischen Fibriken he�ge- stellte Unkrautvernichter gibt e» nahezu ein Dutzend. Von ihnen ist »in Mittel giftig, so daß es nur auf Giftschein hin geliefert wird. 9 Wissen �ie schon daß hornlose Ziegen häusig erhöbte Milchleistungen aufweisen. und daß sie auch sonst vieles vor den Hornziepen voraus haben? daß Zuchtgänse nicht gerupft werden dürfen, weil das die Tiere schwächt? daß man die lästige Stallfliege durch Streichen der Wände und Fenster mit Alaunlösimg vertreibt? daß Iunghllhner besser gedeihen, wenn man ihnen in das Weich- futter, das übrigens nur krümelig gereicht werden soll, etwas Vieh- lebertran mischt? G. Brockt. Sportliches� Allzusportliches! Be! den Frauen-Leichtathletikmeisterschnften der deutschen „Sporlbehörde" für Leichtathletik in Frankfurt a. M. wurde die Amsterdamer Olympiasieg«?!,, im 8«)-Meterlaus� Frau R a d k e- Breslau, vermißt. Wie wir erfahren, waren ihr 310 Mark R e i s e s p e s e n, die sie von ihrem Verein für die Reise und Zweitägigen Ausenthalt in Frankfurt bewilligt erhielt, zu wenig. Sic verlangte, wie für die Hinfahrt, so auch für die Rückfahrt die Bahnsahrt 2- Klasse bezahlt, und alz ihr das nicht bewilligt wurde, verzichtete sie auf die Tetlnohm« an den Wettkämpfen. Der Fall reizt zu einem Vergleich. Frau Radke waren 310 Mark für die Teilnahme an den Leichtathletikmeisterschasten zu wenig. Bei dem 2. Bundesfest des Arbeiter--Turn» und Sport- bundes in Nürnberg traten zu den Leichtathletikmersterschaften 405 und zu den leichtathletischen Bundesfestwettkämpfen 1150 Sportler und Sportlerinnen an. die aus Idealismus und auf eigen« Kosten nach Nürnberg gekommen waren. Auch Preis« und Diplome gab es in Nürnberg nicht. Die Leser mögen selbst entscheiden, in welchem Verbände gesunde sportlich« Erziehungs- arbeit geleistet wird! Zu Ghren des verstorbenen Führers de, Deutschen Fußball- bundes Stadtrat V l a s ch k e- Kiel, fanden im Bezirk Kiel des DFB. ,.®«d ä ch t n i s s p i e 1 e" statt, die zum Teil zu alles anderem, aber zu keiner Ehrung für den Verstorbenen wurden. In Schles- wig mußten beim Spiel der Ortsgegner Rasensport— SSV. 06 schon bis zur Halbzeit je ein Spieler wegen Unsportlichkeit vom Platz gewiesen werden. Zehn Minuten nach Halbzelt, beim Stand von 3:0 für Rasensport, griffen die Zuschauer in das Spiel ein, wo- bei auf dem Rücken eines Rasensportlers«in Handstock flöten ging. Das Spiel mußte abgebrochen werden. Auch in Rendsburg wurde das Spiel abgebrochen.— Eine recht eigenartige Totenehrung! Dr. D i« m, Generalsekretär des bürgerlichen Deutschen Reichs- ausschusses für Leibesübungen wird von den deutschen Kommu- nisten gehaßt bis dahinaus. Jetzt hat Dr. Diem die Ehre, mehrere Tage beim Hohen Rot für Physische Kultur in Moskau als gerngesehener Gast zu verweilen.— Wir wissen nicht, ob die russischen Sportführer mit Dr. Diem über die neue Ein- heitsfront reden, oder sich feine Erfahrungen im Kampf gegen den Arbeitersport in Deutschland vortragen lassen. Bei der gegen. wärtigen Taktik der Kommunistischen International«, der der russi» sche Sport unterstellt ist. liegen beide Annahmen sehr nahe. �ehlendork ruft! Gegen die Sdiwarzwei�roten. In Zehlendorf existiert ein sehr rühriger Arbeiter- s p o r t v e r e i n, der sich bisher immer der freiorganisierten Arbeiterschaft zur Verfügung stellte, kurz, überall dabei ist, und sogar zum Bundesfest mit 26 Teilnehmern nach Nürnberg fuhr. Wenn man erfährt, daß die Zehlendorfer durch eifrige Werbung in den letzten zwei Iahren über hundert neue Mitglieder gewonnen haben, dann darf man überzeugt sein, daß dort gearbeitet wird. Den Gegnern ist kein Mittel zu schlecht, um den Berein klein zu kriegen. Am 15. September veranstalten nun die Zehlen- dorfer«in Sportfest und haben Plakate herausgebracht, die zum Besuch des Sportfestes auffordern. Aber keins hängt länger als einen Tag, dann ist es abgerissen oder beschmutzt. An all« Brudervcveine ergeht daher der Ruf: unterstützt am 15. September das Zehlendorfer Sportfest, tragt zum Gelingen bei. Zeigt den Feinden des Arbeitersports in Zehlendorf eure Macht und euren Brüdern dort eure Solidarität! Die Fahrverbindung ist gut: Mit der Untergrundbahn bis Thielplatz, umsteigen in den Omnibus Linie 1 bis Zehlendorf, Hauptstraße, dort Restaurant Lindenpark (Umkleidelokal). Mit Omnibus 20 bis Zehlendorf, Gartenstraße. Treffpunkt: 13.30 Uhr im Lindenpart. Ausschreibung. Männer: Bierkampf(100 Meter, West. sprung. Kugelstoßen, Speerwerfen): Jugend: Dreikampf(100 Meter, Weitsprung, Kugelstoßen): Frauen: Dreikampf(100 Meter, West- sprung, Ballweitwerfen).— Einzelkämpfe. Männer: 200 Meter, 3000 Meter, Hochsprung, beidarmig Kugelstoßen, Ballweitwerfen: Jugend: 1500 Meter, Hochsprung: Frauen: Kugelstoßen.— Stafetten. Männer: 4X100 Meter, 10X�Runde(175 Meter), Olympische: Jugend: 4X100 Meter, Schwedenstafette: Frauen: 4X100 Meter, kleine Olympisch«. Meldungen an Willi Braatz, Zehlendorf, Forststraße 5. Farbe bekannt! Bnndesgcnouc: Die KPD. I Die Berg- und Friedmänner hielten es bisher nicht für rat- sam, sich offen zur Kommunistischen.Partei und ihren Zielen zu bekennen. Sie wissen, daß sich unter ihrer Mitläuferschast viel« «unsichere Kantonisten befinden, jung« Leute, denen man vorgelogen hat, daß die alten Arbeitersportverbänd« ihren Grundsätzen untreu geworden seien. Es befinden sich aber auch eine große Anzahl Leute darunter, die es ablehnen, als Kommunisten angesprochen zu werden. Das sind die, deren politisches Denkoernwgen nicht eben stark entwichest ist und die wenigstens einen Teil des Schwindels glauben, den die Kommunisten gegen die Sozialdemokraten ver- breiten. Diesen Leuten gegenüber mußte man zunächst die Ziele verschleiern, bis sie sich an den neuen Laden gewöhnt haben. So weit glauben die Drahtzieher zu sein, denn sie beginnen die Maske ein wenig zu lüften. In einem Artikel, der zu drei Biertelteilen aus einer wüsten Schimpferei gegen die Sozialdemokraten besteht, schreibt das Haupt- organ der Ausgeschlossenen: „... Wir sind gegen Kulturreaktion und Berdummung durch die Pfaffen. Wir sind gegen das Konkordat, und Mitkämpfer sind uns die oppositionellen Freidenker. Wir hasten Schlichtung». verfahren und Wirtschaftsdemotrati« für Schwindel, für Abkehr vom Klassenkampf, so sind uns Freunde die oppositionellen De- werkschaitlerl Wir sind für den Befreiungskampf der Arbeiter. klasse, für den Sozialismus, so ist uns Bundes genösse die Kommuni st ische Partei. Niemand befiehlt un», niemandes Parole übernehmen wir blind. Wenn unsere Mst- kämpfe? auf unserem eigenen Gebiet, der Körperkultur» durch Propaganda, durch Agitation helfen, wir schämen uns dessen nicht, wir danken ihnen dafür. Wenn revolutionäre Arbeiterorgamsatio- nen zur Veranstaltung von Demonstrationen ausrufen, so prüfen wir in jedem Fall neu. Ergibt die Prüfung das Gemeinsam«, dann machen wir mit, andernfalls verzichten wir. Selbständig entscheiden wir. und wir sind daher stolz, daß Millionen Arbeiter in Deutschland, In der ganzen Welt für das gleiche Ziel kämpfen. So beantworten wir die Frage der„Neutralität"... Das ist zwar Immer noch sehr vorsichtig, läßt aber doch schon den Pferdefuß erkennen. Grotesk wirkt kie Versicherung der Selbständigkeit, man befrag« einmal Wiest und feine Freund« danach. In Wirklichkeit ist die ganze Bewegung„linientreu" bis auf die Knochen, sonst hätte sie nicht den Segen der Remmel«, Dahlem und Neumann. Würden die ehemaligen orientalischen Eierhändler namens Friedmann und Bergmann(ihre Wäre soll damals schon oberfaul gewesen sein) sich erkühnen, nur ein einziges Mal gegen den Stachel der Linie zu löcken, sie würden sofott zur Fliegergruppe versetzt werden. Die Herren werden das aber nicht tun. denn ihre Treue lohnt sich besser als der Handel mit rumänischen Eiern. Ein Boxerjubiläum. Ueber einen beispiellosen Rekord verfügt der Berliner Amateur- boxer Volkmar, Mitglied des BE Heros, der gestern im Krieger- vereinshause mit dem Teutonen Nörtemann seinen 250. Kampf bestritt. Volkmar wurde bisher fünfmal hintereinander Berliner Meister, 1S26 auch deutscher Meister im Federgewicht. Der Ber- liner hat 28mal in Länder- und Städtemannschaften gekämpft. 42 Kämpfe gegen beste internationale Klass« geliefert und von seinen 250 Kämpfen 217 Kämpfe gewonnen, 13 un«ntschied«n gestallet und nur 20 verloren. In den übrigen Kämpfen des Abends siegten u. a. Gaißler-Kottbus über Riege(Heros), Friedrich-Kostbus über«lemp (Heros), Bächler(Heros) über Kroeker(Teutonia). ■ARBEiTEH WSSEALL Sachsens Vorheirsdiafi im Fußball getährdei? Diese Frage wurde in letzter Zeit unter den sächsischen Arbeit«?- fußbollspielern eifrig besprochen. Gründe waren, daß nach mehr- Jähriger Inhaberschaft des Bundesmeistertitels durch sächsische Mannschaften(Leipzig-Stötteritz und Dresdner Sportverein) der Titel in den letzten zwei Iahr«n nicht mehr nach Sachsen fiel. Auch gewannen die sächsischen Spitzenmannschaften in letzter Zell in Freundschaftsspielen mit führenden Mannschaften anderer Kreise nicht mehr in dem gewohnten überzeugenden Stil. Hinzu kam«n die Beobachtungen, daß in anderen Kreisen technisch gute Fortschritte gemacht wurden. Besondere Vergleiche der Spielstärken wurden den am 31. August und 1. September stattgefundenen Spielen der sächsischen und württembergischen Auswahlmannschaft beigemessen. Sachsen gewann in Dresden 5: 2 und in Leipzig, trotz besserem Spiel der sächsischen Mannschaft als in Dresden, nur 2: 1. In einer Nachbetrachtung zu den zwei letztgenannten Spielen hat einer der berufensten Köpfe der sächsischen Arbeiterfußballspieler. der Geschäftsführer Ott vom Leipziger Fußbollbezirk, zur sächsischen und außersächsischen Spielstärke und Spielweise Stellung genommen und im„Sachsen-Fußball" nachstehende sehr beachtenswert« Aus- führungen gemacht: „Die Süddeutschen hatten genau so wie in Nürnberg(beim Bundessest. Di« Red.) die typische süddeutsche Kompfesart. Sie verhindert sehr viel Erfolgsmöglichkeiten, hat aber bei einer auf- merksamen gegnerischen Verteidigung nicht viel Gelegenheit. Tore zu erzielen. Der Torwart steht bei dieser Spielweise an der Spitze, er fegt wie«in Berserker im Strafraum herum und hat in Dresden, wie noch mehr in Leipzig, die unmöglichsten Sachen herausgefischt. Nun sei«ine Frage erlaubt: Könnm unsere Tech- niker bei ihrer Lehrtätigkeit«in Teil der süddeutschen Spielweise mit an den Mann bringen?— Jawohl!— Eine Mannschaft in Sachsen sei herausgegriffen:„DSV. 10. Sie hat die Teckmik und das stäche Paßspiel der Sachjen und die robuste(nicht mit roh zu vergleichen) Spielweise der Süddeutschen. Und dies war bei ihren Erfolgen ausschlaggebend. Also trotz aller Technik, trotz aller Fairneß der Körper, soweit wie es erlaubt ist, mit beim Spiel einsetzen/ sonst— dürfte es bald um die Vorherrschaft Sachsens im Fußballspiel innerhalb des Bundes geschehen sein Abgesehen von diesem Gedankengang haben beide Spiele be- wiesen, daß die sächsischen Fußballer den stilgerechteren und ge- schmackvolleren Fußball demonstrieren. Möge uns dies trotz allem Kampf beim Fußballspiel erhalten bleiben. Dann dürften wir immer als Lehrmeister den anderen Bundesgenossen voranstehen." Fußball in Charlottcnburg und Neukölln. Dem Wunsche der Mtglieder der FTGB., Bezirk Char» lottenburg, entsprechend, ist beabsichtigt, eine Fuhball- abteilung zu eröffnen. Fußballinteressenten aus Partei- und Gewerkschastskreisen werden gebeten, ihre Adresse an Erich Haustein, NW. 87. Zwinglistr. 7, abzugeben.— Am 22. September feiert der Bezirk seinen ersten Geburtstag und ladet alle Freund« und Be- kannte, besonders aus die anderen Bezirk« der FTGB., herzllchst ein. * Am 20 Oktober kann der Freie Fußballverein Neu- k ö l l n I 2 8 auf ein«injähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß veranstaltet der Verein Sonnabend, 14. September, 20 Uhr, in den Posiage-Festfälen, Neukölln, Bevgstr. 151/152, sein erstes Stiftungsfest. Der Freie Männerchor Berlin sowie die SAI. haben ihr« Mitwirkung zugesagt. Der Verein erwartet von den nahe- stehenden Organisationen zahlreich« Beteiligung. Eintritt 1 Mark inklusive Steuer und Tanz._ VUUYidUOOW. Werbetag in Drewitz. Die Kreisspielleitung im 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportbundes und die Freie Turn- und Sportvereinigung Drewitz veranstalten am 22. September in Drewitz«inen Handball- W« r b e t a g. Für den Handballsport soll bei den nicht Handball- spielenden Vereinen des Bundes sowie bei der Bevölkerung ge- warben werden. Berbunden damit Ist«in« Lehrstunde unter Lei- tung des Kreisspielleiters Richter. All« Bundesvereine, die diesen Tag beschicken wollen, wenden sich an Sabach, Drewitz, Stern- sttaße 17a, Erwartet wird eine rege Teilnahme der Verein« des 3. und 4. Bezirks. Nachstehend das Programm: 10 Uhr: Lehr- und Werbestunde im Lokal Grahl: 1 Uhr: Werbeumzug.— Spiele: 1 Uhr: Schüler Zchlendorf— FTGB. Nord- Ost: 2 Uhr: Männer Zehlendorf— Schenkendorf: 3 Uhr: Frauen Berlin-Süden— Berlin-Norden: 4 Uhr: Männer Drewitz— Born- stedt: 5 Uhr: Jugend Bornstedt— Zehlendorf.— Ab S Uhr im Lokal Grahl Bühnenfchau und Tai�. Besonder» die Tambour- riegen mögen sich recht zahlreich an dem Fest beteiligen. Nachricht erbeten._ Schwimmkurse für Blinde. In der Sitzung des Ausschusse» für Blinden- und Taubstummen- w«sen wurde eine Uebersicht über den Stand der S p o r t b e- wegung unter den Blinden gegeben. Eine Schwimmvor- führung vor einigen Tagen im Flußbad Klingenberg hat bewiesen, daß auch die Blinden Wassersport treiben können. Es wird daher beabsichtigt, für den kommenden Winter besondere Schwimmkurfe für Blinde in einem der städtischen Hallenbäder durchzuführen. Bis zur Errichtung de» Lichthaus«, wird das Bezirksamt Wedding de» Blinden einen Sportplatz zur Pfleg« der Leibesübungen zur Be rfügung stellen. Bata fördert den Sport! Herr Bata ist auf dem Schuhweltmarkt etwa das, was Henry Ford für den Weltmarkt in Autos bedeutet: er ist der große Unter- nehmer. Er ist der Mann, der die Tschechoslowakei zum größten Schuhexportland der Welt gemacht hat. Thomas Bata konnte die Welt mit Schuhen überschwemmen, weil er den Dreh gefunden hat, di« niederträchtigste Arbeitsfron, das höchste Maß an Ausbeutung und Rationalisierung in billige Ware umzumünzen. Nicht genug damit. Herr Bata versucht auch mit 5z!lse einer gefügigen Presse und eines ungeheuren Propagandafonds seinem Werk ein soziales, fortschrittliches Mäntelchen umzuhängen und sich den Anschein eines Wohltäters zu geben. Erst das Buch des links- gerichteten Schriftstellers R. Philipp„Der unbekannte Diktator" hat diese Legende zerstört. Das Buch, von Bata mit wütendem Haß verfolgt, erbringt den Nachweis der unglaublichen Ausbeutungs- Methoden. Aber all das würde nicht rechtfertigen, diesen Mann an dieser Stelle zu„würdigen". Interessant ist Th. Bata für die Sportler besonders deshalb, weil er den unverfälschten Typ des im schlechten Sinne modernen Unternehmers darstellt, der neben anderen 5tulturerscheinungen auch den Sport in den Kreis seiner gerissenen Geschäftspraktiken, seiner Propa- ganda für die Bataschen Erzeugnisse einbezieht. Ebenso wie sich Literatur und Kunst nicht gegen den Mißbrauch durch solche Geschäste- mache? zur Wehr setzen können, ebenso ist es heutzutage auch dem Sport nicht möglich, sich vor einer Verfälschung durch die Batas zu schützen. Rudolph Philipp gibt in seiner lesenswerten Schrift ein Beispiel für die skrupellose Herunterziehung einer Kulturbewegung in die Ebene kaufmännischen Konkurrenzkampses. Herr Bata läßt in seinen Retlameschriften den Eindruck er- wecken, als werde bei ihm Massensport getrieben. Das ist nicht wahr. Bata legt das Hauptgewicht auf eine gute Reklame- fußballmannfchaft, deren Aufgabe es ist, Wettspiele gegen «rstklasiig« Klubs zu gewinnen, um so den Namen Batas berühmt zu machen. Neben dieser Fußballmannschaft treiben noch nicht einmal hu nder-t andere Werksangehörige von den vielen tausend Arbeitern Sport. Sie verschmähen den Sport nicht etwa aus Mangel an Interefle, nein, sie haben absolut keine Zeit, sich dem Sport auch nur für kurze Zeit zu widmen. Batas Ausbeutungs- und Ueberstundensystem sorgt dafür, daß kaum ein Arbeiter in den Genuß geregelter oder auch nur gelegentlicher Leibesübungen kommt. Anders freilich steht es mit der repräsentativen Fußballmannschaft. Diese Sportler, zumeist Berufsspieler, werden aus allen Ecken und Enden des Landes regelrecht zusammengekauft! Aber auch aus dem Ausland werden Spieler verpflichtet, nur Schuhmacher gibt es komischerweise in dieser Mannschaft einer Schuhfabrik nicht. Die Spieler, die zumeist irgendwelche Druckposten erhalten, werden ver- hälwismäßig gut bezahlt. Wenn die Fußbäller Spiele gewinnen, bekommen fi« Extraprämien. So erhielt jeder Spieler nach einem Kampf gegen die„Sparta" 800 Kronen und 2 Paar Schuhe— also für zweimal 45 Minuten mehr als den Monatstohn eines Arbeiters. Auch brauchen die Spieler nach solchen Siegen häufig mehrer« Tage nicht arbeiten. Verliert die Mannschaft dagegen einmal, so werden Repressalien angewandt. Di« Fußballer müssen dann auf ihren Stellen genau so schwer arbeiten wie oll« anderen, werden evenwell auch schließlich entlassen. Daß bei solchen Methoden auch andere Unsportlichkeiten— gelinde gesagt— an der Tagesordnung sind, versteht sich am Rande. Wegkaufen von Spielern. Spielenlassen unter falschem Namen, falsche Aussagen vor den sportlichen Spruchkammern usw. ergänzen das lieblich« Bild dieser Sportschusterei. Dieser Bata ist der Typ jenes Unternehmertums, dem Sport und Körperkultur gerade gut ist, um als zugkräftige Reklamemethode mißbraucht zu werden. So wenig sie sich scheuen, den Arbeiter bis aufs letzte auszupressen, so wenig sind sie besorgt, die Idee der Körperkultur könnte durch solch« verwerflichen Methoden Schaden erleiden. Ihr Treiben ist um so gefährlicher und abstoßender, als sie sich, wie Herr Thomas Bata, nicht genug damit tun können. daß sie„Förderer des Sports, Mäzene der Körperkultur" seien! Freunde des Sports? Elende Heuchler und Geschäfte- mache? sind's! Wie die Konjunktur gerade geht, mal machen sie in Hosenknöpfen, mal in Sport und mal in Bata-Schuhen. ib. Der Freie Fußballverein„Oberspree" ist im Bezirk Treptow der einzige bundestreue Verein des Fußballfports. Da seit der Gründung die Mitgliederzahl ständig gestiegen ist, wird beabsichtigt, im Ortsteil Treptow«ine neue Abteilung zu gründen. Die erste Versammlung findet Mittwoch, 18. September, 20 Uhr, im Lokal von Döhling, Kiesholz- Ecke Elsenstraße statt. Interessenten sind herzlichst ein- geladen.______ ffXMS., Bewirf Lichtenberg. Der Turnbetrieb ig in allen Hallen»oll auf- aenomin-n. Di« neueröffnet« Mtinncradteilun» turnt leben fsreitaa in der Schule Holteistroß« von 20—22 Uhr. In ber oberen Turnhalle derselben Schule turnen folgende«bteilunzen: Schiller. Dienvtaa und ffreitag von 18—20 Uhr: Iunenb, Dienotae und tzreitaa von 20—22 Uhr: grauen Uber 2ö Jahre, Mitt. «och von 20—22 Uhr. Di« Halle de» Iohn-Rcalavmnasiuins wird wie f»I»t bcnuht! Schülerinnen, Dien»taa und tzreito« von 18—20 Uhr: lVrauen und Iunamadchen, Dienstag und isreitaa von 20—22 Uhr. Kilr die neu auf. gestellten Kandballinannschaften der Manner. Jugend und tzvanen können sich Interessenten ebenfalls auf obengenannten Hallen melden. Gäste und neue. Mitglieder heulich willlommen.— Inaegdauslchuh. Sihuna Sonnabend, 14. September, 20 Uhr, nicht Geschäftsstelle, sondern Iugendhewi Grohe prallt- kurier Str. IS.—»indeeturnan-schnh. Sitlung Sonnabend, 1«. September, 20 Uhr. ftTGB.-tSeschäftzstelle.-«e,irf»rist.«usterordentliche Versammlung Sonnabend, lt. September, IDV Uhr, Jugendheim Rathaus Vrist, Chaussee- strage.— Bezirt de« z.»r«i»b«»iel». Sistung aller Zuaendleitcr und Ver- treter der männlichen und weiblichen Iugend-Abteilungen Donneritag, 12. Cep. tcmder. 20 Uhr. bei Erdmann, Schänwalder Str. 22 iam Weddinaplah). Berliner gnhballllnb.Vorwärt," sWedding). Anläßlich des Uüiährigen Bestehen» der Arbeitrefugend fällt die Sihung heut« aus. Alle Genossen mttssen ssch an der Demonstration deteiligen. Treffpunlt»»d Umlleideramn im Jugendheim Orthstrasse lLedigenheim am Brunnenplass), 18!» Uhr. Nächste Eissung Freitag, 1». September, bei Grumvald, Kameruner Str. 10. Jugend- lich« um 19 Uhr, anschliessend Männer. Ausnahme neuer Mitglieder. Spiel- möglichieit aus dem Sportploss Rehberg«...„ Freie« ssussb»l> verein Reuläln I 28. All- Mitglieder haben Donnerstag. 12. September, 10 Uhr, auf dem Reuterplass ju erscheinen, um am Umeug der SAI.. Gewerischafts- und Sportfugend teilinneihmen.,„ «SC.(Serein für Leichtathletik. Socke», Handball. Symnastik.) Da» Hallen- tralntng der Männer und Iugend beginnt Freitag, 18, September, 20 Uhr, im Realgpmnastum am Treptower Rathau,. � Die ssrauenabtelluiia trainiert Donnerstag» von 20—22 Uhr in der Turnhalle K>efhol»str. 48. Gaste leder» Zeit willtommcn. Aeboiter-Rad»„b Kraftsobeer.Bnnd.Solidaeität«, Gau 9, Be,irk 1, 2 und 21 Ortigruppe Eross-Berlin, Geschäftistelle SW. 11, Schönebergec Strasse I7>. Am Sonntag, den- 18. September, findet im Schillerpark der Abschluss der Iubiläummvoche der So,ialiftischen Arbeiterjuacnd statt. Wir fordern unser« Mitglieder, hauptsächlich die lugendlichen, auf. am Festdua, welcher vv« Lrvpoldviai» geht, teilwnehmen tzeit bette in der Presse nachsehen.—.Am Sonntag, dem 1«. September, werden folgend« Fahrten gemacht! t. Abt.:«14 Uhr«ltmänchwinkel. Fanglchleus». Start: Blllowstr.«. — 2. Abt.,« Uhr Bernau-LIevnissse«. Start: S-Henstausenplass, Normaluhr,— I.«it.! Sonnabend. 14. September, l«1-? Uhr, kossen�perenberg. Sonntag, 1«, September, 7 Uhr. Kossen-Sper-nberg. Start: Landsberger Plass.— 8. Abt.: 7 Uhr Uetchorf Uber Bernau. Start: Stvlpisch« Str. Z«. Goldschmidt.— 0.«it.! 7 Uhr Lehnissse«. Start: Triftstr, 88, Schreiber.— Abt. Charlotten- bürg! Wt Uhr, Ziel am Start, Kanal. Eck« Wilm-r»dorfcr Strasse.—»it. Schöneberg! 8 Ubr Mellens««. Start: Migge. Swbenrauäistr. S».— Abt. Ren- lUn: 8 Uhr Püssec Vordersee. Start: Hohenmllernplass.— Abt. Treptow- Oiaumschnlevweg: 7 Uhr. 3icl am Start. Bahnhof Ziainnschulenweg.— Abt. Oberschäneweid«: Sonnabend, 14. September. 101b Uhr, Köpenick. Stobttbeater. »ur Bannerweth«.— Abt. W-isse»Ie«>Hei»«r»dors: 7 Ubr Uessdorf. Start: H«in«r,dvrfev Kirch«.— Abt. Rahl»d»rl: Sonnabend. 14. September. 18 Uhr. und Sonntag, US. September, 6 Uhr, Gorinsee. Start bei Ander».— Motor- fairer,«it. Kreuöberg: Fahrt nicht eingesandt.— Tret. Friedrich» dain: 7 Uhr Moggelhort. Schlnnnilpe Start:?avd»bero-r Psgss.— Abt. Nevkölln: T Uhr Fechsee. Statt: Koheiuollernplass.— Abt. Lichtenberg: 7 Uhr Mowrrerdssabere- tressenSe» Tl. B«»irk« tn Sophienstädt. Start: Ftthe. Iungstr. 20.«kcke ObctUrttEi. �(falchäffc-Jln&igiir � (fteziwk Jtorden-Csten. 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