BERLIN Zreitag 13. September 1929 10 Pf. Nr. 430 B 214 46. Jahrgang. SescheiottSslich a»§erG»antag«. Augleich Abendausgabe de«.Vorwürt«'. BezugSprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche. 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Ervedition; Berlin SW 68,!inden3r.3 fMrtutwdb* E «iets«n»rei»i Die einspaltig« Nonpareillejeil« Pf.. Reklameieile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkoot»: Dorwärts-Verlag G. m. b.H.» Berlin Nr.»7 536. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bi« 297 Nie Waffen der Attentäter. Maschinengewehre, Gewehre und Handgranaten beschlagnahmt. Hamburg. 13. September. Wie der Polizeibericht meldet, wurde bei eiuer Durchsuchung, die in der letzten Nacht auf dem Anwesen des Vaters des in der Sprengstoffangelegenheit fest» genommenen Landmanns Amandus Vick in Rönne lkireis Winsen) vorgenommen wurde, auf dem Haus» boden folgende Waffeu-undMunitionsvorräte gefunden: 2 Maschinengewehre. 28 Gewehre, 35 Stielhaud» granaten, 7 Schachteln Sprengkapseln. 7 Gewehrläufe. 5 Kästen Maschinengewehrmunition. 2 käste» Gewehr» munitio«. austerdem Ersatzteile. Werkzeuge» Del» uud Wasserkästen. Das Versteck dieser Gegenstände war ein drei Meter tiefer ausgemauerter Schacht, der Fustbodeu war an der betreffenden Stelle des Hausbodcns herausgeschnitten und in die entstandene Luke wieder hineingelegt worden. Eine große Futterkiste, die über diesem Ausschnitt stand. verdeckte die Stelle. Anch Amandus Vick senior wurde festgenommen. Nie Höllenmaschine von Hamburg. Hamburg. 13. September. Am 11. Sexteniber wurde in der Wohnung des Kaufmanns Alfred Pünjer, Hamburg, Elindweg 39. ein mit braunem Packpapier umschnürtes Paket aufgefunden, das er von einem gewissen Nickels erhalten hat. Dieses Paket enthielt eine Zigarrenkiste sür 199 Stück und war 22 Zentimeter lang, 12 Zentimeter breit und 19 Zentimeter hoch. Auf der Rückseite der Kiste sah man eine Flügelmuttex und vier Schraubenköpfe herausragen, für welche in die Wandung bc- sondere Löcher eingeschnitten worden waren. Weiterhin waren auch auf der Rückseite zwei Leitungsdrähte ngch außen geführt, die durch je«inen Klebestreifen aus Papier und Isolierband festgelegt war- Pen war. Im Innern der Kiste hcfanden sich drei Taschenlampen- batterien(Pcrtrix) mit Kennzeichen 99 19, ein Uhrwerk, dos an einer Rückwand der Kiste angebracht worden war, und weiterhin ein« Blechbüchse, die durch WellpappiR festgelegt und durch einen Bindfaden noch besonders festgebunden worden war. Die Büchs« 3)as Snnere der Xöllenmaf chine: Sprengladung, Wecker, VafchenlampenbaUerien. hatte 19 Zentimeter höhe und 19 Zentimeter Durchmesser. Sie be- stand aus Weißblech(Konservenbüche) und war auf der oberen Seit« flachgedrückt. In die Büchse führten durch ein? Bohrung zwei Leitungsdrähte hinein. Die Anordnung des Zeitzünders unter Vor» wendung von drei Taschenlampenbatterien und einem Uhrwerk war die gleiche wie im Falle Lüneburg und Schleswig. Der Minuten. zeiger der Uhr war entfernt. Der Stundenzeiger stand aus ö?s Stunde. Die Zündung sollt« durch Stromschluß bei Berühren des Stundenzeigers mit dem auf 12 Uhr befindlichen Pole erfolgen. Zur Untersuchung der Büchse wurde diese von unten geöffnet und der Sprengstoff entnommen. Die gesamte Menge betrug 733,5 Gramm. E5 handelt sich zweifellos um einen Ammoufalpeter» Nach der Verkündung. »Nanu? Ich spitz mein Ohr:— Wo bleibt das begeisterte Echo der VolksBassen--- 1" Dynamit. Fünf Opfer eines Explosionsunglücks. Grevenbrück. 13. September. � I» der Fabrik Förde der Aktiengesell« schaft Siegener Dtznamitfabrik. Köln, er» eignete fich heute vormittag eine Explosion, welcher der stellvertretende Betriebsdirektor, der Betriebschemiker. ein Meister und zwei bewährte Arbeiter zum Opfer fielen. Genauere Nachrichten stehen noch aus. Russisches Kriegsschiff gesunken Neue Katastrophetk im Finnischen Meerbusen Stockholm, 13. September. Wie aus Hesingsors gemeldet wird, ist bei dem letzten Sturm im Finnischen Meerbusen aller Wnhrschein» lichkeit nach das rnssischeKriegsschiff„W o i k o to" verloren gegangen. Eine amtliche Bestätigung liegt noch nicht vor, da aber von dem Schiff Trümmer an Land gespült worden sind, wird mit Sicherheit angenommen. daß das Schiff mit der gesamten Besatzung— 220 Mann — untergegangen ist. Spreng st off, dessen chemische Untersuchung noch nachträglich ausgeführt wird. Der.Sprengstoff füllte die Büchs« nicht vollständig. sondern es war eine Schicht wärmeisoliercnden Zellstoffs(Watte und Lappen) über den Sprengstoff gelegt, um nach dem Einfüllen der Ladung die Büchs« gefahrlos bewegen zu können. Die Matte und der Lappen bildeten wahrscheinlich ein elastisches Polster, durch das ein Ring aus Isolierband von innen gegen den ausgeschnittenen Deckel gedrückt worden war. Daraus war die Büchse von außen her gut verlötet worden. Im Innern der Ladung befand sich die Zündung. Wie im Falle Lüneburg und Schleswig war ein behelfsmäßiger Glühzünder mit großem Geschick hergerichtet und eine Sprengkapsel 8(Kupserhülse mit einem Hütchen) verwendet worden. Der Glühzünder bestand aus einem feinen Glühdraht, der zwei Klingeldrähte als Zuleitung hatte, die Drähte waren durch zu- lammengefaltetes Papier und anscheinend Zündholzstückchen festgelegt und seitlich mit zusammengefaltetem Isolierband verklebt. Dieser Glühzünder war mit in die Sprengkapsel eingezogen. Er enthielt den gleichen rötlichen Zündsatz wie in Lüneburg und Schleswig- Holstein, der feiner Beschaffenheit nach von abgeschabten Zündholzköpfchcn herrühren kann. Glühzylinder und Spreng- kopsel waren durch ein Stück zusammengelegtes Fettpapier zusammengehalten, das seitlich oerklebt, oben noch einmal besonders umgefaltet und mit Isolierband beklebt worden war. Zum Schutze der Zuleitungsdrähte gegen die scharfen Kanten an der Durch- bahrung des Deckels ivar über die Drähte die Umspinnung von Stromlitzen geschoben worden. Die untersuchte Sprengladung unter- scheidet sich nur äußerlich und durch ihre Größe von den in Schles- wig und Lüneburg gefundenen Ladungen, während die eigentliche Anordnung mit diesen weitgehend übereinstimmt, und es dürfte sich auch in diesem Falle um Ammonil II(Bergwerkssprengstofs) handeln, was durch die chemisch« Untersuchung in der Chcmisch-Tech- nischen Reichsanstalt noch zu bestätigen wäre. Hilgenberg will verhandeln. Das Volksbegehren: Verständigungspoliiik ohne Verstand. Es muß schon ein Bergnügen sein, den noch nicht dagewesenen Unsinn, den die Hitler-Hugenberg-Seldte in Form eines„Volksbegehrens" aufgetischt haben, verteidigen zu müssen. Di« Berliner Rechtspresse hat sich denn auch bisher zu diesem Liebesdienst noch nicht bereit sinden lassen. Desto eifriger betreibt ihn die Deutschnationale Parteikarrespondenz. Wie sie das tut, ist amüsant genug. Da wird zunächst versichert:„Wem der Wortlaut dos Gesetz- entwurfes mißfällt, der wird dafür das Weimarer Berfas- sungsrecht verantwortlich machen müssen." Arme Weimarer Verfassung! Aber hat die deutschnationale Korrespondenz nicht am Ende recht? Die Weimarer Bersassung gibt allerdings jedem Esel das Recht, so laut I-A zu schreien, wie er will. Aber sie gibt auch jedem das Recht, lachend dieses Schauspiel zu genießen und weiter- zugehen. Darum ist sie auch gar nicht so schlecht. Besonders peinlich ist den Herrschaften die Feststellung, daß die Ablehnung des Doung-Plans völkerrechtlich gar nichts anderes bedeutet, als das Weiterbestehen des Dawes-Plans. Mit dieser unangenehmen Tatsache versuchen sie sich gleich in Zwei verschiedenen Artikeln auseinanderzusetzen. In dem einen heißt es: Nicht um den Eintausch des Zoung-Planes gegen den Dawes- Plan handelt es sich, sondern darum, die deutsche Wirt» schaft vor dem Zusammenbruch und das deutsche Volk vor dem staatlichen Untergang zu retten. Damit wird auch die niederträchtige Fälschung widerlegt, als ob das Volks- begehren nur gegen den Poung-Plan anginge, sonst aber ent- schlössen sei, den Dowcs-Plan aufrechtzuerhalten. Niemand hat gesagt, daß die Antragsteller„entschlossen" seien, den Dawes-Plan aufrechtzuerhalten. Aber festgestellt wurde, daß die Annahme ihres Antrags tatsächlich die Ausrechtcrhaltung des Dawes-Plans zur Folge hätte.. Diese Feststellung ist so zwingend, daß niemand ihr zu widersprechen imstande ist. In dem zweiten Artikel wird sie sogar b c st ä t i g t. Da wird nämlich gesagt: Da ist vor allem die Behauptung, daß die Ablehnung des Poung-Planes die völlig« Zustimmung zum Dawes-Pakt bedeute. Diese Behauptung ist ebenso unsinnig wie böswillig. Lehnt Deutschland die Ratifizierung des Jouna-Planes ab, so bleibt selbstverständlich der Dawes-Plan in Wirkung. Aber der Dawes-Plan enthält ja die Sicherungen und die Re- Visionsbestimmungen, die aus dem Poung-Plan ausgemerzt worden sind und auf Grund dieser Sicherungen und dieser Reoisions- Vorschriften werden unser« Reparationsgläubiger gezwungen sein, in neue Verhandlungen mit Deutschland einzutreten, wenn sie nicht in Mitteleuropa das Chaos entstehen lassen wollen. Dieses Geständnis ist kostbar! Es handelt sich also nicht darum, „die Ketten zu sprengen", wie sonst so pathetisch gejagt wird, Jon» ficrn wir darum, für neue Verhandlungen, für die Fortsetzung der Verständigungspolitik, neue Grundlagen zu g«- Winnen. Zu diesem Zweck soll erst der Dawes-Plan in Krast bleiben, dann soll die Dawes-Krise inszeniert werden mit der automatischen Wirkung, daß all« kurzfristigen Aus- landskredite gekündigt werden, wodurch«ine Krise der deut- schen Wirtschast in größtem Ausmaß herbeigeführt wird. Das ist das berühmt« Rezept Hugenbergs: man müsse den Mut hoben, auch„eine Zeitlang(!) Proletarier zu sein"'. Dann wird kräftig um Hilfe geschrien, und dann werden die guten Gläubiger herbei- eilen und helfen, damit„in Mitteleuropa kein Chaos entsteht". Ein schönes Befreiungsrezept— aber ist es nicht schon ange- wandt worden? Das erstemal brachte es uns das Londoner Ultimatum, das IZZ-Milliarden-Diktat, und das zweitemal— nach dem Ruhrchaos-- den Dawes-Plan. Nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt die Annahme, daß es das drittemal besser kommen könnte. Woher nehmen diese Leute den Mut zu glauben, sie würden mit ihrer Lerständigungspolitik ein besseres Resultat erreichen, als es im Poung-Plan vorliegt? Wenn wir schon Verständigungs- Politik treiben müssen, zu der sich die Narren des Volksbegehrens jetzt auch bekennen, dann wollen wir sie doch lieber mit V e r- stand betreiben, als ohne Verstand. Reichsregierung und Volksbegehren. Offiziell noch nicht eingereicht. Di«„Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet:„Wie wir erfahren, wird Reichsinnenminister S e o e r i n g das soeben von dem Hugen- bergschen Reichsausschuß eingereicht«„Volksbegehren gegen die Ver- sklavung Deutschlands" für zulässig erklären." Diese Meldung eilt den Tatsachen voraus. Der Entwurf ist noch nicht eingereicht worden, so daß eine amtliche Prüfung noch nicht erfolgen konnte. Die Haltung des Reichslandbundes. Der Reichslandbund hat sich zu der Mitteilung noch nicht ge- äußert, daß er den§ 4 des Hugenberg-Volksbegehrens ablehne. Dafür verlautbart die Hugenberg-Preffe: „5n verschiedenen Berliner Zeitungen wurde die Meldung oerbreitet, daß der Reichslandbund deni Gesetzentwurf für das Deutsche Volksbegehren in einem Punkte angeblich feine Zu- stimmung verweigert habe. Dies ist unzutreffend. In der Sitzung des Bundesvorstandes des Reichslandbundes wurde die bisherige Haltung der Landbundführer, die an der Aktion des Volksbegehrens beteiligt sind, in vollem Umfange ge- billigt. Die Stellungnahme des Bundesvorstandes ging einmütig dahin, daß der Landbund sich auf den Boden des schärfsten Kampfes gegen Pariser Plan und Kriegsschuldlüge stellt. Ein Aus- scheiden des Reichslandbundes aus der nationalen Oppositlons- front kommt daher nicht in Frage. Niemand kann und darf die Behauptung aufstellen, daß der Landbund sich dem bevorstehenden Tributkampf versagt." Das ist«ine Verlegenheitserklärung, die vorsichtig um den Kern der Sache herumgeht! Die Brüchigkeit der Hugenberg-Front läßt sich nicht hinwegerklären. Die Spannung zwischen den National- sozio listen und dem Landbund ist sehr groß. Das Organ Hitlers, der„Völkische Beobachter", wirst deni Landbund »sfen Verrat vor: „Der Landbund, dessen t r a u r i g e G e s i n n u n g wir neulich schon charakterisieren mußten, bekämpft uns National- foziolisten in einer Art, die M a r x i st e n alle Ehre machte. Obwohl der Landbund der Einheitsfront für das deutsche Volks- begehren beigetreten ist, d e n t t s e i n e P r e s s e n i ch t d a r a n, die Bauernschaft über die Folgen des Lerstla- ounaspaktes, wie es nötig wäre, aufzuklären, unterlassen es feine Führer, die Bauern zu tatkräftigen Verfechtern deutscher Freiheit zu erziehen, viel wichtiger scheint es diesen Verrätern am deutschen Einheitsgedanken, die Bauern gegen die aufzuputschen, die seit Iahren im Kampfe für deutsch« Freiheit in vorderster Linie stehen." So sieht die Einheit und Geschlossenheit der 5)ugenberg- Front aus! pferdemisi ins Gesicht! Was sich ein?ieichswehrgefrei! jetzt nicht bloß in der Buchhandlung Dietz, sondern auch urch die. V o r w ä r t s"- S p e d i t i o n« n für nur 20 Pf. zu "den, kann bestellt, abonniert und einzeln gekauft werden. Oer Soziale Ausschuß lagt. Westarp und die Wahrheit.— Eine politische Zweckmeldung der deutsch- nationalen Pressestelle. Bei Beginn der Sitzung des Sozialen Ausschusses des Reichstags gab Abg. Riesener(Z.) gegenüber der unwahren Berichterstattung der Deutschnatronalen Pressestelle über die gestrige Ausschußsitzung folgende Erklärung ab: „Die Deutschnationale Prefleslelle hat über die gestrig« Sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses eine Mitteilung verbreitet, die in zahlreichen Organen der Rechtspresse abgedruckt worden ist. Es wird in dieser Mitteilung behauptet. Herr Abgeordneter Graf W e st a r p habe in der gestrigen Sitzung gesagt, daß „die interfraktionelle Besprechung, die der Sitzung vorange- gangen war, wiederum keine Einigung über die Reform der Ar- beitslosenversicherung gebracht hat und daß Zentrum und Sozial- demokraten dahin übereingekommen seien, das ganze Defizit der Reichskasse aufzubürden. Eine Antwort erhielt Graf Westarp nicht." Da in dieser Nachricht der Deutschuationalen Pressestelle meine Fraktion genannt ist, stelle ich hiermit sest, daß Herr Gras Westarp gestern in seiner Bemerkung zur Geschäftsordnung weder von einer interfraktionellen Besprechung noch von einem Uebereinkommen zwischen Zentrum und Sozialdemokraten ein Wort gesagt hat. Herr Graf Westarp hat lediglich für eine längere Redezeit bei der Bs- Handlung der politischen Fragen gesprochen, und dabei die neuer- dings aufgetauchten Gerüchte erwähnt, daß das ganz« Defizit der Reichsanstalt auf die Reichskasse abgewälzt werden solle. Für uns lag keine Veranlassung vor, dem Herrn Grafen Westarp aus dieses Märchen zu antworten. Die D e u t s ch n a t io n a l e P r e s s e st e l l« hat also, wie mir jeder Teilnehmer an der gestrigen Sitzung bestätigen Nird, wieder ein- mal eine gänzlich unwahre und entstellt« Zweck. Meldung in die Welt gesetzt. Es hat vor der gestrigen Sitzung keine iniersraklionelle Besprechung stattgefunden und es sind kein« Vereinbarungen zwischen Sozialdemokraten und un» erfolgt, was ich hiermit ausdrücklich sesisiclle." Im Anschluß an dies« Erklärung versuchte Graf Westarp aber- mals zu behaupten, er habe gestern die Verhandlungen zwischen dem Zentrum und den Sozialdemokraten besprochen. Der Vorsitzende des Ausschusses, Abg. Esser(Z.). stellt dem- gegenüber unter Zustimmung des ganzen Ausschusses außer Westarp nochmals fest, daß die Darstellung der Riesenerschen Erklärung zu- trifft, das heißt, daß der Herr Graf zu bestimmten Zwecken die Unwahrheil verbreitet hat. Alsdann trat der Ausschuß in die Weiterberatung über die Arbeitslosenversicherung ein. Abg. Esser erklärt es für zweckmäßig, die Vertreter der Kasienspitzenverbände zu hören. Abg. L i t k e(Soz.) fragt den Vertreter des Reichsarbeits- Ministeriums, ob der Verband privater Krankenrersicherungsunter- nehmungen nunmehr ein zweites Angebot über die Krankenversiche- rung der Arbeitslosen überreicht hat, ferner b'ttet er um Auskunft, ob die Aerzteorganisationen seitens des Reichsarbeitsministeriums oder der Reichsanstolt befragt wurden, ob si: bereit sind, einer Aenderung des Aerztesystems zuzustimmen. Ministerialdirektor Weigert erwidert, daß am gestrigen Tage der Vorstand der Reichsanstalt über ein protokolliertes Angebot des Verbandes privater Krankenversicherungsunternehmungen ver- handelt hat. Der Präsident der Reichsanstalt wurde beauftragt, den Leipziger Aerzteverband um Stellungnahme zu bitten, der Vor- stand der Reichsanstalt will dann endgültig Beschluß fassen. Dem Reichsarbeitsministerium ist bis heute von einem Angebot privater Krankenversicherungen„amtlich" nichts bekannt. Auf einen Zwischenruf erklärt Ministerialdirektor Weigert, daß das Reichsarbeitsministerium betreffs der Uebertragung der Krankenversicherung der Arbeitslosen aus eine private Versicherung die stärksten Bedenken hat. Die Sitzung geht weiter. Bürgerblack zur Kommunalwahl? Kühren will- die Oeutsche Volkspartei! In Berlin wird bei der am 1 7. N o v e m b e r zu vollziehen- den'Kommunalwahl die Sozialdemokratie sich der Gegner rechts und der Gegner links zu erwehren haben. Daß sie in der Berliner Kommunalverwaltung mit wachsendem Erfolg zum Wohl der BeMjlkerung gearbeitet hat. oerzeihen ihr weder die Kommu- nisten noch die Bürgerlichen. Wird von rechts her ein Bürger- block zum gemeinsamen Kamps gegen die Sozial» demotratie ausmarschieren? Aus dem Lager der kleinen Demotratischen Partei ist einstweilen eine Ablehnung dieses Gedankens gekommen. Jetzt will die in Berlin noch kleinere Deutsche Boltspartei sich an die Spitze des heiligen Krieges stellen, den man gegen die Sozialdemokratie zu führen gedenkt. Dieses Grüppchen schlägt für die Kommunalwahl von 1929 vor, daß die bürgerlichen Parteien, wenn ein gemeinsames Vorgehen nicht möglich sei, wenigstens einander im Wahltampf schonen. Der deutschnationale„Berliner Lokal-Anzeiger" bringt mit der Ueberschirft„Burgfrieden für die Berliner Wahlen!" die folgende ihm von der Deutschen Volkspartei zugegangene Mitteilu�j: „Der Geschäftsführende Ausschuß des Wahlkreisverbandes S der Deutschen Volksziartei hat gemeinsam mit der Stadtverordnete»- fraktionsleitung über die Stadtverordnetenwahlen beraten und folgenden Beschluß gefaßt: Bei den besonders schwierigen politi- schen Verhältnisien in der Reichshauptstadt wäre ein g e m e i y- sames Borgehe�n aller bürgerlichen Parteien zu den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen erwünscht gewesen. Da jedoch nach den schon frühzeitig abgegebenen Erklärungen anderer bürgerlicher Parteien ein solches gemeinsames Vorgehen nicht möglich ist, ist zur Erreichung eine» bürgerlichen Wahlerfolges in Berlin dringend notwendig, daß unter den bürgerlichen Parteien Burgsrieden gewahrt wird. Die Deutsche Volks- partei im Wahltreis 3 macht es deshalb allen chren Mitgliedern, insbesondere aber den im politischen Kampfe stehenden Partsi- freunden zur Pflicht, die Bekämpfung bürgerlicher Par- teien zu v e r m e i d e n." Das wäre also ein maskierter Bürgerblock! Wird der Borschlag den erwarteten Beifall finden? Und wie weit wird gegebenenfalls der Kreis der bürgerlichen Parteien reichen, die sich dem vorgeschlagenen Burgfrieden anschließen wollen? Die Wähler- schaft der Sozialdemokratie möge aus diesen Plänen er- sehen, was sie von drüben zu erwarten hat. Wer die Weiter- sührung der besonnenen und umsichtigen Ausbau- arbeit der Sozialdemokratie in Berlin sichern und fördern will, der wird am 17. November für die Kandidaten- listen der Sozialdemokratischen Partei stimmen. KassadenNeiierer Kastner ausgebrochen. Flucht aus Tkgel. Ter berüchtigte Fassadenkletterer und Hoteldieb Paul K a st n e r, der nach zahlreichen großen Hoteldieb- st ä h l e n in Berlin festgenommen und zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden war, ist heute aus einer doppelt gesicherten Zelle in Tegel ausge- brachen und geflüchtet. Oer Raubmord von Eberswalde. Noch keine Ausklärung. Zu dem Raubmord in Eberswolde erfahren wir. daß die Ermittlungen in den späten Abendstunden am Donnerstag noch einen wetteren Verdächtigen in den kreis der Untersuchung gezogen haben. Außer den bereits erwähnten Böhls und Weihe wird jetzt auch nach einem 24 Jahre alten Max B a r tz gesucht, der sich auch Max Normann genannt haben soll. Er soll aus Berlin stammen und hier in der Mulackstraße gewohnt haben. Die Ermittlungen haben weiter ergeben, daß Peter Schnell sich mit den drei ande- ren schon am Montag abend um 7 Uhr in einer Herberge in Angermünd« getrosfen haben soll. Wenn unter den Gesuchten wirklich einer oder auch zwei die Tat verübt haben, so ist es möz- lieh, daß sie in A n g e r m ü n d e davon gesprochen haben. Dem- nach müßte Schnell mehr von dem Mord« wisse», als er bisher zugegeben hat. Die Untersuchung zur Klärung aller dieser Einzelheiten ist aber noch nicht abgeschlossen._ Kommunistische Einsali und Roheii. Nach Schulschluh haben sechs Kinder kommunistischer Eltern sich mittel» eines Nachschlüssels Einlaß m einen Klaffenraum der 3 4.(weltlichen) Schul» in der Scharnweberstraße in Lichtenberg verschafft und mit einer eisernen Gardinenstange das Bild des verstorbenen Reichspräsidenten E b e r t zertrümmert. Sie haben es noch bespuckt, zerrissen und die Stücke dann weg- geworscn. Es ist bedauerlich, daß den Kindern, vielleicht weniger durch die Schuld der Eltern als durch Gewissenlosigkeit von Führern der kam- munistischen Jugendorganisationen, durch bewußt« Irreführung Haß gegen unser« Bolkssührer eingeimpft wird. Bezeichnend für die politische Irreführung der Kinder ist ihre Aussage, sie hätten das Bild deshalb zerstört. weilEbertderMörderLiebknechts seil Die Eltern dieser Heldentinder aber kommen jetzt gelaufen und bitten, den Porfall nicht der Schulbehörde zur Kenntnis zu bringen. Das scheint uns ein Zeichen ganz besonderen Mutes bei den Kommun�en zu sein. Ein Lehrer auf dem Weg zur Schule toigefahren. Auf der Moltteb rücke in Moabit ereignete sich heut« früh ein schwerer Verkehrsunfall. Dort wurde der Lehrer Bruno Teßmann aus der Nordhausener Straße, der sich mit seinem Rade auf dem Wege zur Schule befand, van einem L a st a u t o Übersahren und schwer verletzt. Er starb aus dem Transport zum Krankenhaus. Die Schuldfrag« tonnte noch nicht geklärt werden. Schulkursus in Tinz. Die Heimvolks Hochschule Tinz ladet zur Teilnahme an ihrem vierzehnten Männertursus«V Di« Lehrfächer, die in diesem Kursus im Lordergrund« stehen, sind: Wirtschastslehre, Geschichte, Psiichologie und Kulturlehre, Staatstheorie und Staats- recht. Gewertschaftswesen, Arbeitsrecht, Erziehungssrygen. Aufnahme finden Bewerber im Alter von 18 bis 30 Iahren, die keine höhere als Volksschulbildung genossen haben. Die Be- Werber haben einen selbstgeschriebenen Lebenslaus einzureichen. aus dem neben den allgemeinen Daten über Alter, Stgatszugehörig- keit, Berufsausbildung usw. der Bildungsgang und der Zweck, der mit dem Besuch der Schul« angestrebt wird, hervorgeht. Ferner ist ein Aufsatz abzuliefern, über den von der Schulleitung den Bewerbern nähere Mitteistmg gemacht wird. Das Schulgeld, in dem die Kosten für Wohnung und Ler- pilegung indegriisen sind(Bettwäsche mitbringen), beträgt für den ganzen Kursus für Tdtiringer 150 M.. für die übrigen Reichsdeutschen 180 M., für Zlusländer 200 M. Das Schulgeld ist bei Kursusbeginn zu entrichten. Hierzu tritt die Verpflichtung, durch regelmäßige, Arbeitsdienst(8 Stunden wöchenttich) an der Erhaltung der Schule mitzuarbeiten. Der Kursus beginnt am 18. Januar 1930 und dauert bis 18. Juni 1930 Di» B e w e r b u n a e n find spätesten, bis 28. Ok- tehir 1929 einzurcich-n Di-' Entscheidung des L-Hrerkollegium» über die Aufnahme ersotgt Mitte November 1929. Anfragen und Bewerbungen Ist Rückporto beizufügen. Oer Richiertag in Köln. Begrüßungsfeier und Eröffnung/ 900 Teilnehmer. Köln, 13. September. Im großen Saale des Gürzenich fand am Donnerstag abend > die offizielle Begrüßung der zum 8 Deutschen Richtertag erschienenen Gäste statt. Im Namen der rheinischen Richter und Staatsanwälte hieß Amtsgerichtsdirettor Stein die Teilnehmer herzlich willkommen. — In seiner Erwiderung sprach Dr. Reichert, Senatspräsident am Reichsgericht. Er entbot dann den fast ölXZ Tellnehmern aus allen deutschen Gauen namens des 8. Deutschen Richtertages«in herzliches Willkommen in Köln. Der preußisch« Justizminister Schmidt hielt eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Es ist mir eine hohe Ehre und aufrichtig« Freude, dem 8 Deutschen Richtertage im Austrage der preußischen Staats- regierung und zugleich namens der übrigen hier vertretenen reichs- deutschen Länder die herzlichsten Grüß« zu entbieten und Ihren Arbeiten den reichsten Erfolg zu wünschen! Soll das Bewußtsein von den hohen Ausgaben der Justiz nicht schwinden, soll das Vertrauen zu ihr erhalten bleiben und gestärkt werden, so wüsten unsere Volksgenossen wissen, daß diejenigen. die in erster Linie Hüter des Rechtes sind, mitten im vielgestaltigen Leben stehen, dem ewig werdenden und sich ver- jungenden Rechte und damit dem ganzen Volke dienen und dienen wollen, und ernst und ehrlich an den großen Problemen mitarbeiten, die da, rastlose Leben täglich neu entstehen läßt. Wenn Sie über Justiz und Presse verhandeln, so bs> sprechen Sie Fragen, die in unserer praktischen Arbeit im Mittel- punkt des Interesses stehen. Wir Ehess der Justizverwaltungen begrüßen es mit Freuden, daß Sie sür Ihre Tagung Beratungs, gegenständ« gewählt haben, die die unlösliche Verbindung des Richters mit dem praktischen Leben zeigen, und erhosfen sür uns und unsere Ministerien aus Ihren Beratungen reiche Anregung für die eigene Arbeit. Der Reichsjustizminister G u e ra r d erklärt« u. a.: Mein Gruß gilt nicht nur den hier Erschienenen, er gilt der ge- samten deutschen Richterschaft, die teil hat an diesem Iubliäum. Ich kann nur an das anknüpfen, was ich gestern auf dem Hamburger Anwaltstage gesagt habe. Rechtseinheit ist«in Stück Reichseinheit. In unserem einheitlichen Recht besitzt unser Volk ein Gut von un- schätzbarem Wert. Die hinter uns liegenden Jahre haben auch die Rechtspflege und die, die sie auszuüben berufen sind, vor Aufgaben von einer nie geahnten Größe und Schwierigkei gestellt. In diesen Jeiten, wo die Gesetzgebung mit der Entwicklung nicht immer Schrill halten konnte, siel dem Richter die Aufgabe zu, Mittler zwischen dem starren Gesetz und der Seele des Volkes und damit Träger der lebendigen Rechts- «ntwicklung zu sein. In welchem Umfang« zur Erfüllung Ihrer heutigen Aufgaben «in« freier« Stellung der Richter ahne Hemmung der Richterpersön- ilchkeit unter vollster Wahrung der Unabsetzbarkeit notwendig ist, dos werden Sie bei Beantwortung der Frag«:„Bedarf es einer grund- legenden Iustizreform?" erörtern. Daß Sie dies« Frage alz ersten Punkt auf die Tagesordnung gesetzt haben, zeigt den Geist, in dem Sie auch künstig an der Weiterentwicklung unserer Rechtspflege mitarbeiten wollen. Ich kann es auch nur aufrichtig begrüßen, daß � Sie, die Berussvertretung der deutschen Richterschaft, mit den berufenen Dolmetschern der Volksseele, der Presse, zusammenkommen, um sich über ihr« gegenseitigen Beziehungen, letzten Endes da» große Problem des gegenseitigen Sichverstehens auszusprechen. Sie werden sich zusammenfinden und erkennen, daß Sie dagselbe wollen: Dien st am Bolk«._ Arbeiterpariei und Krankreich. Erklärungen Mordonaldel. Pari», 13. September.(Eigenbericht.) Der.Petit Parifien" veröffentlicht ein Interviow mit dem Premierminstter Wacdonald, das in erster Linie die englisch- sranzösifchen Beziehungen zum Gegenstand hatte. Macdqnald er- klärte, die Polllik der Ao»rseroativen hatte nicht in einer gleich- berechtigten Zusammen arbqit mit Frankreich, sondern in einer Unterordnung bestanden. Di« ösfentliche Meinung Eng- lands sei über diesen Stand der Dinge so irritiert gewesen, daß selbst wenn keine wirklich« Reibungssläche bestand, es früher oder später zu einem Konstikt hätte kommen müssen. Ein gründlicher Wechsel in der Methode und in der Haltung Englands mußt« vorgenommen werden. Die Allianz der Borkriegszeit sei im Geiste jener Zeit gehallen gewesen: Mit der Spitze gegen an- der«. Di« Politik der A-r b e i t e r p a r t e i aber verlange, daß die Freundschaft von Volk und Volk niemals gegen dritte Völker gerichtet werden dürfe. Es fei daher notwendig gewesen, die Sprach« und die Formeln von damals den neuen Ideen und der neuen Zeit anzupassen. Dies sei auch der Sinn der Regierungserklärung der Arbeiterpartei gewesen, die von einer Erstarrung der Entente cordiale sprach. Die veraltete Formel müßle durch eine der Heuligen Zeit angepaßte erseht werden, ohne daß damit eine Feindseligkeit gegen Frankreich ausgedrückt wird, für das Macdonald nach wie vor die sreundschasllichsten Gefühle hege. lieber die englisch-amerikanischen Flottenverhondlungen befragt, er- klärt« Macdonald, er habe niemals daran gedacht, mit irgendeinem Staat über ein Bündnis zu verhandeln, von dem Frankreich aus- geschlossen oder das gegen Frankreich gerichtet sei. Oeuischlands Schuld in LtSA. Fast gleich seinen FUtxuotioneUahlungen. Washington. 13. September.(Eigenbericht.) Einer Mitteilung der amerikanischen Handelsbank zufolge borgte Deutschland in den letzten fünf Jahren seit der Verwirklichung des Dawes-Planes in Amerika 1179 OOO 060 Dollar, während Deutschland? Reparationszahlungen in der gleichen Zeit 1990000 000 Dollar betrugen. Amerika und die �eparationsbonk. ' New Aork. 13. September.(Eigenbericht.) pi« amerikanischen Finanziers Raison, Reynolds und Malvin Traylor sind zu Mitgliedern des Internationalen , Finanzkomitees ernannt warden. dessen Ausgabe ist. die Gründung der Reparationsbank vorzubereiten. Luryfreie Kunffschau 1929. ll Einzelne Künstler. Die große Ueberraschung der Iuryfreien sind die Italiener. In den letzten Jahrzehnten traten sie mit großem Apparat als Revolutionäre auf, mit dem letzten Ziel einer Revision nach rechts. Marinetti war ein flagranter Vorläufer des Faschismus; m den Futurismus seiner Anhänger kann man ebenso wie in der Malerei der Valori Plastid die militante Tendenz des heutigen Italien symbolisiert sehen. Von all diesen intellektuellen Experimenten scheint man sich radikal befreit zu haben. Der Riesensaar des Moabiter Glaspalostes. der die Bilder der Vereinigung N o v e- cento Italiono enthält, bietet das Bild eines durchaus klaren und einheitlichen Kunstwollens. der auf gute Malerei ohne alle Problematik gerichtet ist, und ein höchst respektables Können. Ein solches Maß von Qualität ist seit dem Ausgang des Rokoko nicht mehr von italienischer Seite ausgebracht worden. Man freut sich mit besonderer Intensität, dies feststellen zu können, wenn man an den früheren Elaboraten der Marinettischule heftige und begründete Kritik geübt Hot(wie in meinem Falle). Darstellerisch überwiegt die geschmackvoll gerundete Kampa- sition aus dem Leben, von allen Phantasmen hat man sich gründlich abgekehrt. Es gibt eine ausgezeichnete, in Farbe. Technik, Bild- Zusammenschluß vollkommene Akt- und Porträtkunst; ihre wesent- lichsten- Vertreter: M. Sironi, der ausgezeichnete Earena Muchi(der die Ausstellung glänzend gehängt Hot). M. Tozzi, dessen konzentrierte Form an unseren Schlemmer denken läßt. Vielseitige Meister, fast ist man versucht zu sagen Virtuosen: C a s o r a t i(mit merkwürdigen Stilleben und Kompositionen), Zanini, Achill« Funii zu den Landschaften zählt, neben Tosi, de Graba, Salietti und d e P i s i». vor allem E o r r», der das Erbe Renoirs würdig verwaltet. In die Masse der eigentlichen Iuryfreien qmrd« nur wenig Disposition gebracht. Man unterscheidet die kecke Malerfurie und phantastische Laune der Düsseldorfer Jugend; den sehr merk, würdigen W. Gilles, Otto Pankoks monumental verwegene Tierzeichnungen, die temperamentvollen Malereien von Hundt, de Haer, Erdls, P. Jansen, dt« zarten Bisionen von Ih. C h o m pi o n(geistreich pointierte Landschaften mit dem Zauber des SelbstverloRnen); die flächenhasten Farbenstimmungen von Otto Hossmann und P u d l i ch geben einen tresflichen Eindruck von diejer immer wieder produktiven Künstlerstadt. Den bedeutendsten. Zankel Adler, der in neuartiger Form einen spirituellen Inhalt gibt(ebenso wie den längst nach Berlin ge- zogenen W o l l h e i m. den unbezweiselten Führer), muß man bei der Novembergrupp« suchen Seschlossei, treten auch die Dresdener auf; nicht vollständig, ober sehr mteressant. Neben den Gründern der Sezession von 1918: Otto Long«, der ausgezeichnet in Form ist, H e ck r o t t, M. Collande. Winkler.«in guter Nachwuchs: I o h. B e u t n« r, ein sympathisches Talent, zart und derb zugleich. Grundig, naiv-sächsischer Erzähler, der kunstvolle aber akademisch imprägnierte Rosenhauer, und Kriegel, eine Maler- erscheinung von besonderer, phantasievoller, wenn auch nicht durch- weg angenehmer Art. Zu den durch Reichtum der Technik oder lebhafte Erfindungs- gäbe über den normalen Realismus hinauswachsenden Darstellern gehören Annot, Heinrich Schwarz, Ringelnatz, H. H o e r l e liebt das Rätselhaft-Irrationale, Geigenberger den groß und schön konstruierten Landschaftsraum, I. Kutter«ine breit auftragende Weise voll naiven Inhalts. Sehr fein und empfunden, voll bester Traditon und nobler Materie, sind Bildnisse und Landschaften von H. Reifferscheid; Otto Herbig. kondensiert seine sparsamen Motive zu tiefer Farbenwirkung; M i ch e l s o n s Landschaften werden bei impressionistischer Technik heiterer und wohliger im Räumlichen. Die veristische Gruppe tritt nicht sehr hervor. Man sieht poesie- volle Landschaften mit der Lieb« zu genauer Linienführung, gemalt von Edith Dettmonn; interessante Kombinationen von Pn- Wirklichkeit und krasser Sachdetaillierung bei F. Meyer, E h m i g, Hugo und vor allem Anton Räderscheidt. Unter den reinen Zeichnern sollen durch ihre grüblerische Ein- bildungskraft Paul Holz und S ch a m o n i auf; bei Holz äußert sie sich in diabolischen Deformationen der Tier- und Menschenlinien, bei Schamoni in einem Hexensabbath toller Fratzen, die die Linie H. Basch-G. Dore mit großer Begabung sonsetzen.- Unter den Skulpturen sieht dos rein Plastische bei L. F. Keller. Müller-Oerlinghausen und E m m y Wigmann in guten Händen. Stärker und neuartiger wirken L. G i e s(mit einem zottig-torsohasten Kopf eines„Predigers�). Judith Speer- Klausners gedrungene Gestalten, und Wissel mit seinen lieblich-wunderlichen Mädchentorsen und Kopsen aus getriebenem Metall. Motors hat nur sehr schöne Holzschnitte geschickt. Gustav H. Wolfs füllt mit seinen außer- ordentlich gedrängten und ausdrucksvollen Plastiken ein Sonder- kabinett in der Mitte der Ausstellung: neben den interessanten Schreiner und M a r ck s. Ein paar von den. jüngsten Malern schließt man besonders ins Herz, weil sie mit dem ganzen Elan eines jugendstarken Tempera- ment«s den Eindruck eines Beginnens von unten auf, eines„aus sich rollenden Rades" machen. Dazu gehören die fast dekadenten Zartheiten Br. G o l l« r s und ihr Gegensatz, die wild und Pracht- voll gemalten Brutalitäten I. R y b a ck s(bei der November- gruppe), die düster anklagenden Fratzen von W. Scholz und die heiteren Landschaften Gertrud Stemmlers. Am reinsten und unschuldvollsten aber prägt sich dieser Charakter jugendhaften Aufschwungs bei Susanne Eisend! eck aus. Ihre Cafe- und Strandszenen, erstaunlich gekonnt, pon süßer Herbheit des Aus- drucks und köstlicher Textur der Farbmalcrie, gehören zum Lieb- lichsten, das ich seit langer Zeit gesehen habe. Man möchte ihr einen glückhaften Ausstieg wünschen; ihr Talent, verwandt der Laurepcin, ganz selbständig, oerdiente ihn. Or. Baus F. Schmidt. „Manetta" Metropol-Theater. An Minderwertigkeit sticht die Operette nicht: sonst wäre sie längst tot. Sie stirbt ab. weil sie—- wir wollen darob nicht klagen— den Anschluß an die Gegenwart versäumt hat. Sie stirbt hin und lebt nur noch aus Gewohnheit, lebt von der Träg- heit des Theaters und des Publikums, die beide nicht merken wollen, daß die Gattung sich rettungslos überlebt hat. gegen die jahrzehntelang aller Widerjpruch, alle Kritik ohnmächtig war, diese Gattung der seriösen Operette mit der sentimental verlogenen Hoch- dramatik und dem gespreizten Opernpathos. Operette als Halb- bildungsgut. dieses Oper- und Dramenspielen mit geistig und künst- lerisch unzulänglichen Mitteln, es wird sich nicht mehr halten lasten. Die Branche suhlt sich nicht mehr sicher; man versucht es, immer wieder, mit bewährten alt«n Sachen, oder mit neuen Namen für die Sache(wenn schon nicht: neuen Formen). Auch„Marietta" möchte keine Operette sein; was sie in Wahrheit ist oder fein soll, darüber gibt der Theaterzettel keine Auskunst. Im französischen Original war's ein winziges Schauspielchen(von Sascha Guitry) mit Musik von Oscar Straus; man erzählt, daß es in Paris, locker und anmutig hingeplaudert,«in hübscher Theaterabend gewesen sei; jedenfalls«in Serienerfolg. Eine Bagatelle von Handlung: Marietta, kleine Opernsängerin irgendwo in der Provinz, wird die Geliebte des Prinzen Louis Napoleon Bonaparle, just an dem Abend, an dem er Präsident pon Frankreich wird; als er. drei Jahre später Kaiser wird, muß or die Geliebt«, muß sie ihn aus- geben. In einem Nachspiel wird die Hundertjährige gezeigt, wie sie,«in bißchen rührend,«in bißchen komisch, dem Jugenderlebnis treu geblieben. Man kann das alles nichl leicht genug nehmen. Nun hat«», für Berlin, Alfred Grünwald in unser geliebtes Operettendeutsch übertragen, vergröbert, verbreitert, sentimentali- siert, banalisiertr und Oscar Straus hat sehr viel verschämte Operettenmusik hinzugetan. Musiker von Metier und Routine, die Operettenwelt beglückwünscht ihn zum LSjährlgen Komponisten- jubiläum; aber diese exzessive Gewöhnlichkeit des Musikempsindens, dieses Schwelgen in Plattheit ist auf die Dauer nicht leicht zu er- tragen. Operette? Bei Rotters ist ein Bühnenweihkammerspiel daraus geworden. Dauer; vier Stunden; davon die ersten zwei ohne Unterbrechung, auch die musikalischen Intermezzi in verdunkeltem Haus«. Man kommt um vor vornehmer Verhaltenheit und feierlicher Langweil«. Als Prinz Bonaparte ficht Michael Bohnen auf der Bühne. Verblüffend«cht in der Maske, herrlich anzusehen: kein lauter. aber auch kein lebendiger Ton: halb Wachsfigur, halb Ftüster- baritou. Es war ein Mißgrisf, die Rolle, die nach einem Schau- spieler etwa wie Curt Götz oerlangt, mit einem Opernsänger zu besetzen, der entschlosten ist, seine Stimm« nicht hören zu lassen. Wenn Lohnen im letzten Bild auftaut, lustig, liebenswürdig, über- mütig wird, sein« Persönlichkeit spielen läßt, isf? zu spät. Das elegant« Premierspublikum, besten Willen», einen ereignishasten Abend zu erleben, bleibt kühl.-.Aber Marietta ist Käthe Dorsch. Wundervoll, wie immer. Wenn sie im vorletzten Bild ihre große Szene hat. mit der tief schmerzlichen Resignation, hie große Szene, die wir aus der unseligen.Friederike" kennen— nur, daß chr Goethe diesmal Napoleon heißt, dann ist es doch kein verlorener Abend gewesen._ K.?. Der lettische Dichter Roinis gestorben. Der bekanntest« Dichter Lettlands. Rainis. ist im Alter von 02 Iahren plötzlich gestorben Zahlreiche Werke des Verstorbenen sind in sremde Sprachen über- setzt worden. Mehrer« Dramen von chm, u. a. das Drama.Losevh und seine Brüder", wurden im Ausland« ausgeführt. Raini» lst einer da Hauptgrund« da lettische« Sozialdemokratie gewes«, „Alibi" Terra-Ltchtspiele. Das Publikum ist augenblicklich für Kriminalsilme außerordentlich aufnahmefähig. Darum durste auch Roland West mit seinem .Alibi" keck, selbstbewußt und auf den Kamps gesamten in der amerikanischen Dekektivfilm-Serjen-Produktion erscheinen. Der Film ist nach dem Melodrama„Nighistick" gemacht. Man kann sich vor- stellen, daß dieses die packendsten Gruselszenen enthält. Dt« Tochter des Hauses, die einen Polizisten zum Biter und einen Detektiv zum Verehrer hat, heiratet einen Verbrecher. Sie will ihn auf den guten Weg bringen, er aber wird zum zweifachen Mörder. Aus einer wagehalsigen Flucht endet er selbst durch Todessturz. In seiner Regie spielt Roland West sehr oft Wild-West. gebraucht er doch nahezu barbarische Mittel, um das Publikum zu fesieln. Mitunter ist es ihm nur um den Knalleffekt zu tun. zum Beispiel bei einem brutalen Verhör bei der Polizei, das eher ein« Erpressung al« ein« Dernehmung ist. Dann schaltet er wieder— als er den Polizeispitzel sterben läßt— ganz weiche, rührsame Mo- mente ein. Von unerhörter Spannung ist er bei der Festnahme des Verbrechers. Von unerhörter Spannung ist er bei der Fest- nähme des Verbrechers. Seelisch untermalt er, als der Detektiv den Revolverhelden aus privater Rache heraus Todesangst erdulden läßt. Mit Ausnahme von einigen Szenen, die an Theaterdialoge erinnern, wird anständiger Film gespielt. Die Schauspieler sind nur die Schachfiguren des Regisseurs. Bei der Premiere des Films war die Ausnahme sehr geteilt. Di« Zuschauer, die Spannung als Entspannung lieben, waren froh ob des durchlebten Grauens. Die Zuschauer aber, die Inhalt ver- langen, suhlten sich unnötig malträtiert. Warum verschwendet man so viel Kraft sür ganz kühl ausgerechnete Effekte? Könnte man die Aibeitskrast nicht lieber sür wirtlich« Probleme verwerten? e. d. Das Deutschlandlied in Staatsbesitz. In Nummer 191 des„Völkischen Beobachters" wurde behauptet, die Reichsregierung habe sich die Gelegenheit entgehen laflen, bei einer Versteigerung des Dokumentennachlasses des Dichters Hoff- mann von Fallersleben die Originalhandschrist des Deutschlandliedes zu erwerben. Die Originalhandschrift befindet sich aber schon seit langer Zeit im Besitz« der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin. Bei dem Schriftstück, das zur Versteigerung stand, handelt« es sich um eine Nachbildung des Originaltextes vom Deutschlandlied. Von dieser Nachbildung sind bereits früher mehrere Stücke für die Hofs- mann-vpn°Fall«rsleben-Sammlung erworben worden, die sich zu- sammen mit anderem für die Geschichte des Deutschlandliedes wichtigem Material im Archiv des Reichskunstwartes befinden. Speyer ehrk Anselm Feuerbach. Aus Anlaß der 100. Wieder- kehr des Geburtstages des Malers Anselm Feuerbach wurde das Geburtshaus in der Allerheiligenstraße in Speyer angemessen instand gefetzt und mit einer neuen Gedenktafel aus Stein versehen. Sie trägt folgende Inschrift: «In diesem Hause ward der Maler Anselm Feuerbach, de» Archäologen Sohn, des Kriminalisten Enkel, am 12. September 1829 geboren. Die hochstnnigs Frau Henriette Feuerbach betreute hier den jungen Genius als zweite Mutter von 1331 bis 1830." London hat fast 3.Millionen Einwohner. Nach der halbamtlichen Zählung, die der Londoner Stadtrat zu Anfang d. I. durchgeführt Hot, zählt Groß-London 7 805 870 Einwohner/ Man schätzt, daß infolge verschiedener Eingemeindungen London jetzt 8 Millionen Ein- wohner Hot. vte premlere im SomSdieudou».Scribby« Soppen...» ist auf Sounodend verschoben. Karten behalte» Gültigkeit. „(Sin wirksamer Auftakt�... Zu einer kommunistischen Pleite. Im IS. Bezirk Berlins sind etwa 1800 Erwerbslose. Di« KPD. lud sie zu einer Versammlung am Sonnabend mittag. Mehrere Tage hindurch wurden Mugblötter und Handzettel in die Großbetrieb« geworfen mit den gegenwartig so beliebten Schimpfereien über den Verrat der Sozialsyschisten. Landtags» abgeordneter Cafper zeichnete verantwortlich für den Unsinn. Im Anschluß an die Erwerbslosenversammlung sollten die in den B«> trieben stehenden Arbeiter, ungefähr 10 000 un Zahl, mit den Erwerbslosen gemeinsam einen Demonstrationszug bilden. In der„gutbesuchten" Versammlung waren noch nicht 100 Personen anwesend. Aber„einstimmig" wurde eine Resolution angenommen, in der die Arbeiterschaft aufgefordert wird, mit den schärfsten außerparlamentarischen Mitteln zu antworten und vorberelkungen zum politischen Massenstreik zu treffen. Die von den„revolutionären" Vertretern in den Großbetrieben mit dem Erwerbslosenausschuß vorgesehen« Demonstration sollte um 1k Uhr vom Marktplatz in Oberschöneweide aus vor sich gehen. Eine halbe Stunde später warteten die 14 Mann der Schalmeien- kapelle und mit ihnest ungefähr 25 Demonstranten, die sich recht vereinsamt fühlten. Sie wollten durch Niederschöneweid«� nach Johannisthal ziehen. In der Hoffnung auf Zuzug setzte sich der Zug der betrübten Lohgerber in Bewegung und als er in Johannisthal ankam, war er auf SS Personen angewachsen. Ueber diese Aktion konnte man am Sonntag einen Bericht im Moskaublatt mit den Ueberschriften finden:„Der Kampf der Erwerbslosen",„Kampfbeschlüsse der Arbeitslosen im 15. Bezirk". Der Bericht schließt mit dem Satz:„Die Demonstration war ein wirksamer Auftakt zur Formierung der Kampffront gegen den Verrat der Sozialfaschisten". Es ist notwendig, gelegentlich zu zeigen, was dahinter steckt. Oie Neba-Palast-Otrektion halsstarrig. Oer Musikerstreik geht weiter. Der KonMt der Musiker in den Beba-Palast-Lichtspielen in Wilmersdorf, über den wir gestern im„Abend" berichteten, ist trotz einer Verständigung vor dem Schlichwngsausschuß noch nicht beigelegt worden. In den Verhandlungen, die Donnerstag nachmittag geführt wurden, einigten sich d.e Parteien dahin, daß das gesamte Orchester heute wieder e i n g e st e l l t wird und lediglich über die Weiterbefchäftigung von zwei der fünf gemaßregelten Orchestermitglieder noch einmal ver- handelt werden solle. Dieser vom Vorsitzenden des Schlichtungsausschusses gemachte Vergleichsvorschlag wurde sowohl von dem Vorsitzenden der Ortsoerwaltung des Musikerverbandes, Barta, als von dem be- vollmächtigten Vertreter der Direktion des Beba-Palastes, Dr. Friedmann, unterzeichnet. Die Direktion hat aber heute das Orchester nicht wieder eingestellt und begründet sein Verhalten damit, daß Dr. Friedwann von ihr nicht mit so weitgehenden Vollmachten aus- gestattet worden sei. Damit hat die Direktion den Burgfrieden, den beide Parteien gestern für 14 Tage geschloffen haben, durchbrochen. Die Musiker des Beba-Palastes sind nunmehr gezwungen, durch eine Klage vor dem Arbeitsgericht ihr Recht zu erstreiten. Kranzöflscher Gewerkschastskongreß Fiasko der kommunistischen Spaltungsarbeit. Am Dienstag beginnt in Paris der Bundestag der französischen Gewerkschaften lCGT.--- Confederotion Generale de Traoail). Für die Geschichte der französischen Gewerkschaftsbewegung wirb dixse Tagung von grZßter Bedeutung fein, denn sie bringt«ine Klärung im Kampfe zwischen der Amsterdamer und der Mos- lauer RichtuNg. Die von den Kommunisten ins Leben gerufener, „revolutionären Syndikate" sind einem unaufhaltsamen Verfall ausgesetzt. Man rechnet damit, daß ein großer Teil dieser Organi- sationen, die sich nach der Spaltung in Tours vcn den bolschewift:- schen Lockungen irreführen ließen, den Rückweg zum französische', Gewerkschaftsbund finden wird. Für den Kongreß sind vier Tage in Aussicht genommen. Er hat ein ungewöhnlich reichhaltiges Arbeitsprogramm. An der Spitze steht die Frage der Sozialversicherung, deren Ein- führung durch Gesetz für das Jahr 1030 festgelegt ist. gegen die ober schon jetzt von de-, Unternehmeroerbänden und den reaktw- nären Parteien eine lebhafte Unterminierarbeit im Gange ist. Von den übrigen Beratungsgegenständen seien die Forderungen nach Einführung der Einheitsschulen, nach Ausbau des ge- werblichen Unterrichts und nach gesetzlicher Sicherstellung eines bezahllen Urlaubs für Arbeiter und Angestellte und nach Ausbau der kollektiven Tarifverträge erwähnt. Unter den Orgam- sationsfragen steht die Eingliederung der Beamtenverbände, die im Laufe der letzten Jahre in großer Zahl ihren Anschluß an die EGT. vollzogen haben, an erster Stelle. Detter für Berlin: Meist wolkig und etwas kühler, schwache veränderliche Wind«.— Für Deutschland: Auch nach Ostdeutschland fortschreitende Abkühlung. Ueberall vorwiegend wolkig, nur strich- weise etwas Regen. Serantwortlich Mr di« Nedaktisn: Franz ttlift«, Brrlin; Anzeigen: Th. Olcit, Berlin. B erlag: Vorwärts Verlag®. rn. b. H.. Berlin. Druck: Larwärts Buch» druckerei und Verlagsa ristalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 58. Lintenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Freitag, 13. 9. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 189 20 Uhr Staats-Oper Arn Pl.d.Republ. Vorst 45 20 Uhr Der kliWile »MM Freitag, 13. 9. Staut. Oper Bismarcks tr. Turnus Iii 19'/i Uhr Staatl.Sdraiisph. im fiNdtmenraarkt A.-V. 158 20 Uhr Weif dem der Ifigt Staatl.Scliiiler-Tlieater.CM. 20 Uhr Treibjagd T3|l. 2 lorrttB. S n< SV, Skr Baitemu 9255 Uoieie neuen Preise: Weckee'i|i 5 Dbr 50 Pf. Hl 3 Mark Tifll-«'/, u. Soent. 5 05f 1 Hl« Mert Oriarlnal- RBatelll naw. Tägl.» u. 013 Sonnt. 2. 5 8- 8U | Alax. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE vvUttvtuwe Ibeit« anBllmliti Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin Staatt.Sdriller-Ili. 8 Uhr Treibjagd Siastsoptr bd Platt der Bepntillk 8 Uhr Der tliegeode »MM Plsettor- Bilme S'/u Uhr DerKanfmann Ton Berlin Kammersplele D.I. Norden 12310 S1,1:, Ende gegen lOV» Der »DwidersteUiehe Komödie von Gdraldy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens Laslspielhm •Friedrichstr. 235 Bergmann 2922 Täglich 8Vi Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Vorverkauf auch im Pavillon der Reinhard tbühnen, Kurfürstendamm, Ecke UhlandstraBe Bismarck 448/449 DeM« Mr 0.1. Norden 12310 8U„ Ende gegen II Die Fiedermans Musik v.Joh.StrauB. Regie; Max Reinhardt Musik. Einrichtung E.W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Direktion Dr. Robert Kiels Deitsehes Iflnstler- Thealer Barbarossa 3937 Täglich 8>/4 Uhr Die andere Seite von R. C. Sherriff Regie; HeinzHMpert BirllDer Mer Dönhoff 170 Täglich 8V« Uhr Zw« KiawattM g h Musik: Mischa Spoliansky Regie: Forster Larrinaga Netropol-Th. Tägl. 8V« Uhr Narlefia HnikT. 0 Uir sums Käthe Doruch Midieel Bohnen Rose- Thealer, Grote Frankfurter Sir. tSX. Bestellkasse: Alexander 3422 Täglich 8.15 Uhr: Die Weber von Gerbart Hanpimann Regie; Paul Rose G ar le n b flbn e 8.15 Uhr: Die scheldungsreise Moderne Operette in 3 Akten Regie: Hans Rose Sonntag, den 15. SepL, nachm. 2J0 U. Die erste MärdtearorsfeUBBg MttdHiiilie stellen Zwerge Zu noch niel dagewesenen Preisen oringen wir Stores, Gardinen Bettdecken Künstler-Gardinen in besten Qualitäten von...... 2�5 ai Halbstores in allen Webe- a'ten von........ 1,75„ Bettdecken von........ 2jü, Dekorationsstoffe von... 3,— Einzelverkauf von 9—7 Uhr Spezial-Garilinen-Werlfstättenl S. Krüger Neukölln, Iler£-Str«£e67 2. Stock am Ringbahnhof Kda Ladool| Gustav Härtung Renaissance-Theater Ueber SO Mal: 72« Uhr Die heilige Fiamme i i v.W.S.Maugham. Iigii: Gust. Härtung C 1. 0901 ,.»03/84. Hardenberoitr. 0. ntato. Westens Täglich Vit Uhr Berlins g r ö 0 t e r Theatererfolg Blaabarl Operette von Ottenbach Sonnab n. Stg. 4 U. Lebart Wellertolg I Friederike Die Komödie J1 BIsmck. 2414/751 6 hmic amkioosni Sonnabend,14.Sept. 71/5 Uhr Zum 1. Male Koinoriade Komödie von Georg Kaiser Regie- Erich Engel MDBEL Schlaf-, Speise-, Herrenzimmer. Küchen. Einzel- u. Polstermöbel Kredit bis 30 Monate anm ohne Anzahlung Möbelhaus Lindemann vorm. Bergmann. Seit 40 Jahren NO, Goilnowstr. 28 29. Aebtnng 4 Schaufenster 1 Kleines Theat. Merkur 1524 Täglich 8V« Uhr Nax Adalbert in Clubleute zur Miete WjO, Ansbach entr.l Guftav Baracndc CUIBltTTBIKI« Wdourstofer Straße 79(W)k KrfQn'endam*) VMicheMslialle 11(s H!«.» BM Chvlbo. od B-Bhf. Saoh'e-ChT'. 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Das erschien als der vorläufig« Abschluß einer Begebenheit, die seit fünf Togen die Gemüter der mehr oder minder Beteiligten mochtig aufregte, aber auch die breitere Oefsentlichkeit fragen ließ: Was ist unter dem Regime der Plötzlichkeiten wieder einmal los? Was los war? Mlhelm II. war lo»! In der zweiten Maihälfte 1902 weilte er, wie so ziemlich jedes Jahr um die gleiche Zeit, in Lothringen; er fühlte sich hier wo hier als im Elsaß, wo es nach seinem Ausspruch in vertrautem Kreis« „zuviel schwarze Soutanen und zuviel Ballonmützen' gab. Sein Landsitz war Schloß Urvill« bei Courcelles; wurde sein Besuch angesagt, freuten sich in einem Radius von 80 bis 40 Kilometern die Bauern diebisch, allerdings weniger aus Patriotismus als weil dannUlle Straßen bis herab zum elendsten Dizinolweg auf Reichskosten in herrliche Ordnung gebracht wurden. Aber auch die paar Tage, die er in Urville verbracht«, saß der Reisekaiser nicht still, sondern zuckte nach seiner Gewohnheit durchs Land. Tatü lala, bald hier, bald da, wie der Volksmund das Hupensignal seines Autos deutete.(In Berlin:„Tatü tata— for unser Ield!") So erlebte in jenem Mai auch das alte Städtchen Bitsch? das schon durch seinen großen Truppenübungsplatz den„obersten Kriegsherrn' lockte, den üblichen aufgedonnerten Empfang mit Tribünen, Girlanden, Flaggenmasten und weißgewaschenen Jungfrauen in Lothringer Bolkstracht. Auch die Notabeln in feierlichem Schwarz fehlten nicht, unter ihnen ein Hüne, der gut zwei Meter ins Weltoll ragte und durch den hohen Zylinderhut noch gigantischer wirkte. Diese Wilhelm II. sofort ins Auge sollende Erscheinung war der Reichstagsabgeordnete von Saargemünd-Forbach, Varon lavier de Schmid. Mit Nichten traf auf diesen Edelmann der„Simplizissimus"- Witz zu:„Wegen allzu hohen Adels des Lesens und Schreibens unkundig!', denn wie man auch über seine geistige Minderbemittelt- heit spotten mochte, ihn in der Sparte Analphabeten unterzubringen, wäre eine leichte Uebertreibung gewesen. Dafür war auch sein Adel wicht allzu hoch. Er stammte aus der napoleonischen Zeit, als die Schmids biedere Pfälzer und gutverdienende Heeres- lieferanten waren; bei einer dieser Lieserungen fiel das„de' fo nebenbei mit ab. Die Nachkommen dieses auf Heubündeln in die Aristokratie emporgekletterten Schmid ließen sich in Lothringen nieder, wo sie in Saaralben Landwirtschaft und Industrie betrieben und durchaus waschechte Franzosen waren. Unser lavier, unterm dritten Napoleon, am 22. September 1858 geboren, hört« sogar nach 1871 noch in seinen ehrgeizigen Träumen das Gewieher der Kürafsiergäule, denen sein Großvater für gutes Geld das Futter geliefert hatte, und trat, um der dritten Republik als Offizier zu dienen, in da» kürassierregiment zu Lvnevill« ein. Aber sein« geistigen Fähigkeiten reichten nur bis zum MarecIiaI-dez-I.oL!s, einem Rang, den äußerst« Höflichkeit mit Bizewachtmeister übersetzt. Dafür langt« es etwa zwanzig Jahre später zum lothringischen M. d. R. In diesem von leidenschaftlichen politischen Kämpfen nicht durchtosten Landstrich wurden damals nicht Parteien, sondern Personen gewählt. Die Wahlausrufe be- gönnen meist: Wähler, Ihr kennt mich alle! Der Volkswitz ulkt«: Vor der Wahl: Ihr kennt mich alle! Nach dem Durchfall: Ihr könnt mich olle! Als sich in Bitsch Majestät mit lavier außerordentlich „gnädig' unterhielt, spitzten die Notabeln die Ohren; anscheinend war in dem Hohenzollern die Vorliebe eines seiner Vorfahren für die„langen Kerle' unwiderstehlich erwacht. In welchem Maß ober der Vertreter des Wahlkreises Saargemünd-Forbach die Gunst des Monarchen errungen hatte, ward ruchbar, als er für«in«n der folgenden Mittage ein« Einladung zur Hostasel erhielt. Wer jedoch nicht erschien, waren die zwei Meter, die Baron de Schmid hießen. Der kaiserliche Zorn grollt«, schon klebte ein Flügeladjutant am Telephon: Saaralben! Saaralben! Was war? Der Baron hatte die telegraphische Einladung nicht erhalten.„Schon wieder die Schweinepo st Verwaltung!' tobte Wilhelm,„also zu heute Abend einladen!' Auf di« Ein- wendung. es gebe keinen passenden Zug mehr, wurde Schmid bedeutet: Extrazug nehmen! Er tat'», braust« an. stieg am Bahnhof Courcelles in die harrende kaiserliche Equipage, und bald saß der Gast aus Saaralben am Ehrenplatz neben dem zufrieden strahlenden Kaiser und ließ sich Speis und Trank so gut schmecken, wie es das schnelle Abservieren gestattete. Wilhelm Halle an Tavier so seiaea Narren gefressen. daß er ihm häusiger zutrank, als seine Gewohnheit war. Immer wieder hob er das Glas:„Man eher baronl*(denn die Pfälzer Schmid hatten auf dem Weg zum französischen Baron ihr Deutsch verlernt), und gleichmütig leerte der Herr Abgeordnete immer auf» neue seinen Kelch Champagner; wenn er etwas tonnte, saufen konnte er. Alz Wilhelm derart mehr Alkohol intus hatte, als er zu genießen pflegte und als er vertrug, wurde er„gemütlich'. Die Schranzen schickte er zu Bett, und unter vier Augen tranken sich Kaiser und Baron zu. Bei einer solchen Zuprosterel aber stutzt« Schmid. Hatten Majestät nicht ganz deutlich gesagt:„A Ja votre bonne sante, rnonsieur Je chef d'escadron!"„Auf Ihr besonderes Wohl, Herr Rittmeister!: So kam der schüchterne Widerspruch: „Sire, ich bin nicht Rittmeister.' Aber Wilhelm nahm nie etwas zurück. Sein Auge blitzt« friderizianifch.„Jetzt sind Sie es!' Ich erneane Sie zum Rittmeister i la suit« meines'— er überlegte—„meines Deutzer Kürafsierregiments Nr. 8. Prost, Herr Rittmeister!' Der Baron klappte zusammen: „Zuviel Ehre, Sir«, zuviel Ehre!' Aber der Kaiser, einen neuen Gedanken aus dem Sektschaum erhaschend:„Müssen gleich mal sehen, wie Ihnen die Uniform steht!' Druck auf die Tischklingel, Befehl für den lautlosen Lakaien, schon erschien, aus dem ersten Schlaf geweckt, der Chef des Militärkabinetts, Graf v. Hülsen- Haeseler, auch ein Riese an Gestalt.„Hülsen-Haeseler, Rock ausziehen!' Kaum erstaunt, denn in der näheren Umgebung des Monarchen war man abgebrüht, gehorchte der General.„Sie auch, lieber Baronl" Trotz der Alkoholnebel, die sein Hirn umhüllten, kam es Schmid zum Bewußtsein, daß es sich für den Untertanen nicht schicke, sich seinem Herrscher in Hemdärmeln zu zeigen, aber Wilhelm blitzt« ihn an:„Herr Rittmeister, ich gebe Ihnen den dienstlichen Befehl!' Der Baron gehorchte, schlüpfte in den Waffen- rock des Generals,. der Kaiser hakte ihm allerhöchsteigenhändig den Kragen zu. klopfte ihm wohlwollend auf den Rücken:„Einen brillanten Kürassier werden Sie abgeben!' Neuer Gedanke, neues Klingelzeichen:„Der Hofgarderobier!' Binnen drei Minuten tauchte ein zweiter aus dem Bett gescheuchter Mann auf und sah verblüfft: die Majestät sichtlich in aufgekratztester Stimmung, den Generaladjutanten in Hemdärmeln und gelangweilt und einen fremden Herrn, der zu einer Zivilhoje einen Generalsrock trug.„Messen Sie dem Herrn Rittmeister eine tadellose Uniform an, Kürasssiere 8!' Als Garderobier und Generaladjutant nach getaner Arbeit ver- fchwunden waren, saßen die beiden weiter zusammen, und der Sekt schäumte im Glase. Plötzlich Wilhelm:„Was wird die Baronin zu Ihrer Beförderung sagen?" Schmid unerschütterlich: „Sie wird Migräne bekommen.' „Wie, Migräne?" staunte der Hohenzoller indigniert.„Ja,' erklärte der neugebackene Rittmeister,„immer wenn etwas Ungewöhnliches vorfällt, bekommt sie Migräne." Wieder besänftigt, erbot sich der Kaiser, die frohe Botschaft der Baronin selbst mitzuteilen. Klingel, Telegrammformular! ER schrieb Adresse und Text französisch: „Madame la baronn« Tavier de Schmid, Saoralben. Habe den Baron soeben zum Rittmeister a la suite Kürassier 8 ernannt, wird der schönste Kürassier meiner Armee sein. Wilhelm I. R.' Am Morgen nach diesem bewegten Abend saß die Familie de Schmid beim Kaffee im Saaralbener Schloß, als der Diener auf silbernem Tablett der am Tisch präsidierenden Mutter der Baronin«in Telegramm überreichte. Die alte Dame öffnete, las staunend, seufzte, und zwei dicke Tränen rannen ihr übers Gesicht. „Aber, Mama, was hast du?"„Da, lies selbst, pvus avons un prussien dans la famille, wir haben einen Preußen in der Famille!' Aber nicht minder niederschmetternd wirkte auf viele Krieger- vereinsgemüter die am gleichen Tag von Wolffs Bureau amtlich verbreitete Kund«, daß Baron de Schmid„zum Rittmeister ä la suite des 8. Kürassierregiments' ernannt worden sei. Die rechts- stehend« Presse erinnerte maulend daran, daß sonst nur Prinzen von Geblüt, hohe Generale, im äußersten Fall Adjutanten van Fürstlichkeiten ä la suite einer Truppe geführt werden; in den Osfizierkörps der Kavallerie fragte man respektlos, wie � „ein Franzosenkopp', ein..Schangel', ein„ehemaliger Korporal' zu dieser mehr als ungewöhnlichen Ehr« komme; im Kasino des betroffenen Kürassierregiments Graf Gcßler(Rheinisches) Nr. 8 war man auch dann noch starr, als Wilhelm II. auf gutes Zu- reden seiner militärischen Umgebung die Ernennung so abschwächte, wie sie dann im„Militärwochenbiatt" veröffentlicht wurde. Als sich Baron de Schmid in Koller und Küraß, mit Helm und Pollasch in Deutz bei dem ersten Stabsoffizier meldete, der dos Regiment in Abwesenheit des Kommandeurs führt«, klemmte sich der feudale Herr das Monokel ein und näselt«:„Aeh... weiß schon... Sie sind der... äh... Schweinezüchter aus Dingsda... aus Lothringen!" Zusammenzuckend machte der Günstling des Kaisers kehrt und fuhr spornstreichs aufs Telegraphenamt, Majestät die erfahrene Unbill zu klagen Prompt eilte aus Potsdam ein Flügeladjutant mit Sonderauftrag herbei. Anderen Tags wurde Baron de Schmid dem aufmarschierten Regiment feierlichst vor- gestellt, und der Stabsoffizier konnte noch von Glück sagen, daß ihm außer einer Versetzung zu den Ulanen nach Saarbrücken nichts widerfuhr. Als einige Tage später der Vertreter von Saargemünd-Forbach im Reichstag einige Sätze über die Aufhebung des Diktaturpara- graphen und die Kredite für die Hohköuigsburg stockend und un- beholfen verlas, machte sich August Bebel einen kleinen Scherz. indem er zur Geschäftsordnung den Präsidenten darauf hinwies, daß der Redner ablese. Auf die Entgegnung, daß der Abgeordnete vorher um Erlaubnis gebeten habe, da er des Deutschen nicht mächtig sei, erhob sich Bebel abermals:„Es war mir um eine Erklärung des Herrn Präsidenten zu tun. Der Herr Baron be- kleidet seil kurzem«ine hohe Stelle in der deutslhen Armee, und da habe ich geglaubt, daß er in der Lage sei, auch eine Rede in der deutschen Sprache zu halten." Verständnisvolle Heiterkeit breitete sich im Saale aus. Aber di« Heiterkeit blieb nicht ungetrübt, auch bei dem Charakter-Rittmeister nicht, denn immer gewohnt, mehr auszugeben als einzunehmen, war er 1906 pleite, pardauz und perdü. Der Kaiser mußte«inen tiefen Griff in seine Privatschatulle tun, um seinem Liebling eine Mustersarm in Südwestafrika zu kaufen. Als aber im Weltkrieg die Briten die Kolonie besetzten, gereichte dem Baron seine Eigenschaft als Deutzer Kürassier zum Verderben. Den ehemaligen sranzösischen Mar6chal-des-Logis hätte man wahrschcin- lich nicht behelligt, aber den preußischen Rittmeister sperrte man in ein Konzentrationslager» wo er bald st a r b. Das war das Ende einer heute schon vergessenen Episode, die darwt, wie Wilhelm II. mit seinen Cäsarenlaunen gerade erprobte Monarchisten und geaicht« Patrioten vor den Kopf stieß. Seine anderen Launen freilich kamen dem deutschen Volk ungleich teurer zu stehen als der Mitternachtsspuk des 21. Mai 1902 in Schloß Urville. Rar! I-udvix. Suchhunde Feststellungen aus d In R a v e n st e i n m ü h l e bei Erkner besteht eine dem Be- zirksobersekretär B ö t t g c r unterstellte Kriminalhundstation, die heute schon all« Anzweifelungen von Berufenen und Unberufenen durch ihre Arbeit widerlegt. Es sind dort etwa zwanzig Hunde femnasigstes Material Und von den besten Fachleuten für die mannigfachen Berbrechensfälle dressiert und eingearbeitet. Bon dort werden nach der Provinz nicht nur bei einzelnen Gelegenheiten Hunde entsandt, sondern diese werden auch mit ihren Führem zu dauerndem Berbleib an anderen Orten abkommandiert: von Raven- stoinmühle kontrolliert, leisten sie überall Vorzügliches. In der letzten Zeit ist die vorläufig noch nicht geklärte Frage aufgetaucht: Wie benehmen sich die Hunde vor Leichen? Der Fall de» Laadgerichlsdirektor» Bombe hat besonderen Anlaß gegeben, sich damit zu beschäftigen. Im Fall Bombe waren aus Raoensteinmühle Hunde weder angefordert noch entsandt. Aber einer der Landjäger, die unter dem Berliner Krimi- naltommissar Busdorf arbeiteten, hatte seinen Hund mitgebracht, offenbar«inen Polizeihund, der recht gut dressiert, ab«r doch nicht als.Suchhund' ausgebildet war. Der Hund fand erstens den Leichnam nicht. Und als di« Fischer den Leichnam gefunden hatten und man den Hund in di« Näh« des toten Körpers brachte, da ging das Tier bis auf zwei Schritt heran und macht« dann mit gesträubtem Haar kehrt. Der sehr stark« Geruch der Leiche ist es kaum, der einen Hund zurückschreckt. Obwohl Hunde durch ihr unendlich viel besseres Riechvermögen den Verwesungsgeruch noch stärker empfinden als der Mensch, haben sie keineswegs denselben Ekel davor. Aas und Fäkalien werden ohne ein Zeichen des Ab- scheues berochen und unter Umständen sogar gefressen. Es ist daher vielmehr anzunehmen, daß der Hund vor dem Anblick des toten und zerstörten Menschenleibos erschrickt. Man hat nun in dem Fall der Hilde Zäpernick «benfalls einen Suchhund angesetzt, und zwar einen ausgezeichnet arbeitenden und sehr feinnasigen Hund namens„Citty" aus Raven- steinmühle. Citty suchte die verschiedenen Kellerräume ab, war auch in dem Keller, in dem die Leiche des kleinen Mädchens vergraben lag. und fand weder das tote Kind, noch markiert« der Hund irgend- wie Auffälliges. Wie bekannt, log dos Kind einen Meter tief in der Erde. So wenig bisher di« Tatsache des Versagens der Hündin > durch Experimente solcher Art geklärt werden konnte, so darf man vor Leichen er Polizeihundpraxis doch wohl annehmen, daß in solcher Tiefe vergrabene Körper, üb-r denen die Erde sich schon geschlossen und sozusagen alle Lustporen im Erdreich verstopft hat, kein« Duftmolcküle mehr an di: Ober- fläch« und in die darüberstehende Luft entsenden können. Weniger tief vergrabene Leichen finden und zeigen di« Hunde. 1908 ermordete eine Frau Z. ihr Kind und gestand die Tat schließlich ein. Sie hatte es in der Wuhlheid: vergraben und sollte nun dem Beamten die Stätte zeigen. Die Frau war aber selbst nicht mehr imstande dazu; sie fand die Stelle nicht wieder. Da brachte der schon damals durch seine vorzüglichen Hunde bekannte Kriminalbeamte Böttger seinen.Frv ck", der«ine Kanon« auf seinem Gebiet war, an die in Frage koinmende Waldftelle. Und Frack fand nach kurzem Suchen den Leichnam. Er kam zurück zu seineni Herrn und zeigte durch sein Benehmen deutlich, daß er ge- funden habe. Man ging ihm nach, als er sich wieder entfernt«, und fand die Stelle, die von Frack gewissermaßen markiert war. indem er das Erdreich etwa handbreit aufgekratzt halte. D«r tote Körper lag etwa'A Nieter tief von Erde bedeckt, die in- zwischen auch schon fest geworden war. Es siheini also, daß ein wirklich guter und erfahrener Suchhund in solcher Tiefe den Körper n o ch w i t t e r t. Es werden jetzt in Ravensteinmühl« die ent, sprechenden Versuche durchgeführt, deren Resultat diese Möglich- keiten einwandfrei feststellen muß. Das Benehmen der Hunde Leichen gegenüber ist außerordentlich verschieden. Im Kriege hatten sich die zahllosen wild umher- laufenden Hunde derart an die toten Soldaten gewöhnt, daß sie keinerlei Scheu vor Laichen mehr hatten, sondern— schrecklich, aber wahr!— sich von den verwesenden Körpern ernähr» t e n. Ich selbst habe einen Jagdhund besessen, der so dressiert war, daß er Wild, das nicht sofort auf den Schuß, sondern erst weiterhin verendete, auf der Fährte nachsuchte und das Gefunden« verbellte. Bei einer solchen Nachsuche auf einen Rehbock fand der Hund zwar nicht das offenbar nur ganz leicht angekratzte Stück, wohl aber einen Mann, der sich erhängt hatte und schon seit Tagen tot am Ast einer niedrigen Kiefer hing. Der Hund verbellte den Toten genau so, wie den Bock, wenn er ihn gefunden hätte. Ob er im ersten Augenblick erschrocken war, habe ich natürlich nicht feststellen können. Dos wird wahrscheinlich vom Charakter und Mut des einzelnen Hundes abhängen. Es gibt unter ihnen Mutige und Feige, ebenso wie unter den Menschen. Hans Hyan. (18. Fortsetzung.) Nun war alles anders geworden. Der neue Geselle. Stanislaus Koslowski. der im Posenschen beheimatet war, konnte zwar für zwei schuften, doch die erforderliche Akkuratesse fehlte ihm. Der konnte Meister Timms guten Ruf leicht in Gefahr bringen. Da mit Einzug des Winters das Festefeiern und Hochzeitmachen stärker einsetzte und die Aufträge der Bauern immer dringlicher wurden, entschloß sich der Alte, auch die letzte Hobelbank zu besetzen. Und so betrachtete er das schiefbeinige Bürschchen, das eines Tages um Arbeit vorsprach, zwar recht mißtrauisch, doch seine grüblerischen Aeuglein, die durch scharfe Brillengläser schauten, ließen auf atku- rates Arbeiten schließen. Am Ende tut dem grobschrotigen Koslowski ein gewissenhaftes Vorbild gut, dacht« er, als er dem Neuen die Hobelbank anwies. Nun mußte der Alte seine durch Jakob zurückgedrängte Meister- würde wieder zur Geltung bringen. August Krug arbeitete ge- wtfscnhaft, ober das kam auf Kosten grenzenloser Umständlichkeit zuwege. An keinem der beiden Gesellen konnte er«ine rechte Freude haben. Dagegen ging ihm das Herz auf, wenn er aus seiner Bastelecke dem Heinrich ein Weilchen still zuschaute, wie der Bursche im Eifer der Arbeit die ganze Umgebung zu vergessen schien. Jetzt nahm er erst so recht wahr, wie sich die Liebe zur Zlrbeit, die der Jakob in dem Jungen so vortrefflich zu wecken g«> wüßt hatte, bemerkbar machte. „Grüß Gott, Meister und Gesellen!" So klang es an einem Spätherbstabend munter zur Werkstatt herein. Alle blickten zur Tür hin. „A was, um dies« Zeit wird nicht gegangen umschauen!" fuhr Koslowski den Fremden an, als er ins Licht trat und ihm die Hand reichte. „Immer gemütlich, Herr Kollege. Solange nicht Feierabend geläutet ist, steht mir das Recht zu", entgegnete der Fremd«, indem er August und Heinrich die Hand gab. Dann klopfte er mit dem Wanderstab auf des Meisters Bant und streckte auch dem Alten die Rechte entgegen. Ein paar Herzschläge ruhten beider Hände ineinander— dann lagen sich Vater und Sohn in den Arm«n. Am anderen Tage zimmerte Timm einen Arbeitstisch zu- samm� und stellte ihn n«ben Heinrichs Hobelbank, während sich Adolf des Meisters Bank herrichtete. „Rück ein wenig zu, mein Junge." Der Alte bot förmlich, wollte er beim Ausfeilen der Stockkrücken hin und wieder die Hintcrzange von Heinrichs Hobelbank benutzen.„Ja ja, es geht abwärts." Vater Timm hatte seine helle Freude an Adolf, der in der Fremde ein ganz anderer geworden war, und war froh, daß er die Zügel gleich so fest in die Hand nahm. Auch in Küche und Haus traten bald sichtliche Veränderungen «in. Zum jungen Meister gehöre auch ein« junge Meisterin, denn sonst lause die Karr« mit einem Rade im Sande, sagte er. Die hübsche Base im Glogauer Kreise habe ja getreulich auf die Heim- kehr des Adolf gewartet. So flatterte denn gar bald das blonde Mädchen wie ein lustig singendes Vögelein durch Haus und Hof. Heinrich brauchte nur noch das Wasser vom Marktbrunnen heranschaffen, denn den zwei prallen Armen, die nun neben Frau Ros'ls welken Händen hantierten, war das Arbeitsfeld fast zu klein. Küche und Haus schien unter fröhlichem Lachen und Plaudern iis ein lustig Spielkästlein verwandelt. Fast jeder Tag brachte neues. Heute hatte die groß« Eß- schüssel den Platz inmitten des Tisches räumen müssen und weiße Teller voll Suppe winkten den hungrigen Gesellen. Anderen Tages war die Gesellenkammer sauber gefegt, all« Betten glänzten in reiner Wäsche und auf dem Tische stand eine blitzeiche Lampe mit Feuerzeug. Auch in der Werkstatt gingen allerlei Veränderungen vor sich. Die groß« Trennsäge, die unserem jungen Freunde so manche schwere Stunde bereitet hatte, hing nun, wie«in verbotenes Folterwerk, in den Kloben an der Werkstattdecke. Denn Bohlen und Bretter rollten jetzt mit der Bahn nach Frankfurt und kamen, in Furniere und Dickten und in allerhand Zierarten zerlegt, in kurzer Zeit zurück. „Treibst eine heillose Bankerottwirtschaft, mein Jung«!" polterte der Alte zuweilen.„Wirfst das Geld dem Juden in den Hals, anstatt es mit der Hände Arbeit redlich zu oerdienen." Mißmutig betrachtet« er den mannshohen Holzstapel an des Polen Bank.— Ein halbes Dutzend Särge auf Vorrat, mein Gott! dachte er. Ms ob all« Menschen fünf Fuß, sechs Zoll groß und alle gleich dick wären.— Wenn nun der kaum vier Fuß hohe Ziemke- Schneider stirbt?— Und was dann, wenn der sechs Fuß, zw«i Zoll lange Schornsteinfeger Liebe einen braucht?— Rein zum Lachen ist's.— Rock, Hosen, Stiefel, alle», alles muß für jedermanns Leib extra angefertigt werden und zu guterletzt soll der Mensch mit einem xbeliebigen Sarg vorliebnehmen? Dazu machte Heinrich noch einige Kindersärge. „Stehst wohl gar schon mit Gevatter Tod in geschäftlicher Ver- bindung. Ich fürchte bloß, du wirst dein Geschäft eher einsargen, als die Wartenberger, wenn du's so weiter machst." Trotz dieser Sorgen trug der Sohn eines Tages sein« Pläne vor. Eine neue Werkstatt muß errichtet werden mit Maschinen, unter Ausnutzung des Rohrbaches,— dessen Wasser nicht da sei«n. um die Gartenmauer zu unterspülen und müßig in die Oder zu fließen. Vater Timm kratzte sich die Mütze schief.— Neue Werkstatt.— Wasser des Rohrbachs.— Maschinen. Maschinen.— All das Neue wälzt« sich in seinem Kopf bunt umeinander. Der Adolf war ja rein besessen. Es war doch sinnlos, an solche umstürzende Dinge zu denken, unbekümmert davon, was aus dem Vorhandenen werden solltet In Zukunft sitze ein jeder doch auch nur auf einem Stuhl, schlaf« in einem Bett und brauch« zu guterletzt bloß einen Sarg, genau wie jetzt.— Maschinen! Gedankenlos sehnt sich alles danach. Wo doch eine gleich ein Dutzend Gesellen ersetzt. Gut. Di« Ma- schinen werden arbeiten, aber Meister und Gesellen werden ohne Wohnung und Nahrung auf den Landstraßen umherirren. Und das neirnt man Fortschritt? Das soll ein Segen für die Menschheit sein? Der Alte zog sich still in seinen Winkel zurück und vergrub sich schweigend in seine Arbeit. Heinrich dagegen hätte aufjauchzen mögen, wenn Adolf die hunderfältigen Borteile seines Planes auseinandersetzte und die trostlosen Prophezeiungen des alten Meisters widerlegte. Dabei sah er schon im Geiste das größe Wasserrod sich draußen im Mühlbach rauschend drehen. Außer dem Weber Kuschkc dem Seiler Böhm, dem Nagelschmied Lauschte und dem Siebmacher Peschk« würde sich wohl niemand gegen die Idee des jungen Meister» wenden. Diese Tapergreise besuchten an langen Winterabenden des österen Meister Timm in der Werkstatt. Dabei saßen sie tabat- rauchend auf der Oertcrbant und lobten bewundernd des Alten vielseitige Tüchtigkeit, wenn er an einem zerbrochenen Uhrrädchen herumzirkelte, um es durch ein neues zu ersetzen. Dabei erbosten sie sich über die Neu« Zeit und schlugen Feuer mit Stein und Schwamm, wenn'e Pfeifchen oersagte. Denn Zündhölzer seien ein Teufelswerk, durch das eines Tages die ganze Stadt in Flammen aufgehen werde. Und brachte Heinrich das kleine Drehwerk mit einem Fitschelbogen in Bewegung, dann waren sich olle einig: kein Tischler des jüngeren Geschlechts werde es dem Alten gleich tun. Es nahe die Zeit, wo der Mensch nur noch als ein stumpfsinniges Ge« schöpf neben der mit rasender Schnelligkeit und feinster Akkuratesse arbeitenden Maschine dahindösen werde. Es war ein sehr gefährliches Gift für Unwissende und Leicht- gläubig«, das die alten eisgrauen Propheten da zusammenbrauten. Doch Heinrich verhöhnte und verspottete ihre Prophezeiungen im stillen und sah die Zukunft in immer schönerem Lichte, je mehr sie die Finsternis und das Verderben heraufzubeschwören versucht«». Es brodelt« förmlich in ihm vor neuen widersprechenden Gedanken, wenn er aus dunkler Ecke, auf der Hobelbant sitzend, der Alten welt- fremden Ansicht«n lauschte. Blieben bei stürmisch kaltem Wetter die Trübsalbläser aus, dann leistete Koslowski dem Meister Gesellschaft und machte sich durch allerhand Hilfeleistung nützlich. Er tot das, um die Künste des Alten zu erlernen, mit denen er dann als Meister seines Heimat- dorfes die Welt in Staunen versetzen wollte. Er war eine jener Naturen, die unter allen Umständen als die klügsten und tüchtigsten gelten wollen. Auch heut tat er sich wichtig und prahlte mit seinen hervor- ragenden Leistungen als Pionier bei den Soldaten. Währenddessen saß August Krug still auf seiner Bank, nahm den Skizzenblock zur Hand und begann, unauffällig, ober scharf, den Prahlhans zu beobachten. In dem als minderwertig Geltenden vollzog sich eine Wandlung,«in« Vergeistigung, die ihn alles um sich vergessen machte. Zu imm«r neuen Formen steigerte sich seine Phantasie, sah er sie auf d«m Papier sich zu lebhaften Wesen ge- stalten. Als der Pole mit seiner Soldatengeschichte geendet, zog August die letzten Striche auf seiner Skizze, die Koslowski als einen blöden Trottel unter seinen Kameraden darstellt«. Nun erst gewahrte er Heinrich an seiner Seite, der ihm be- wundernd zugeschaut hatte. Als auch der Pol« einen Blick hinüber- warf, beschattet« er das Blatt und ging mit Heinrich hinaus zur Gesellenkammer. Es widerstrebte ihm, fein Liebst«? vor jedermann zu offen- baren, begann er, sich auf den Bettrond niederlasi«nd. Wer Heinrich habe er vom ersten Tage an als feinen stillen Freund betrachtet, weil er gleich dos seelische Verbundensein, herausgefühlt habe. Leider gäbe es unter tausend kaum einen Menschen mit Innenleben. Zum Beispiel habe ihm der alte Meister, der gewiß ein tüchtiger Handwerker, aber auch nichts weiter sei, neulich angedeutet: es sei nützlicher für einen Tischler, einen Schrank oder Tisch vorteilhaft bauen lernen, als Künste treiben, die nichts einbrächten; dafür aber den Nachteil hätten, vom nützlichen Schaffen abzulenken und den Menschen zum eingebildeten Träumer zu machen. „Hach, ich lache! Richtig: ich bilde mir ein, in mir gärt und brodelt etwas, was ihm trotz seines langen Lebens fremd geblieben ist, Tust mir leid, Alter: hast aus des Lebens Grundtiefen nie ge- schöpft! Kennst nicht das Hochgefühl geistigen Schaffens, wobei sich alles Körperliche auflöst, zerfließt und nur die Seele frei formt und gestaltet. Wo sie das Motiv zergliedert, durchdringt, noch Seele sucht, und, wo sie fehlt, eine erfindet. Ja ja, ihr tüchtigen Hand- wertsmeister, ihr reichen Fabrikanten, ihr Fürsten und Könige, ich fühle mich erhaben über euch. In mir formen sich alle Herrlich- leiten des Himmels und der Erde, und ich werde sie eines Tages mit Stift und Pinsel offenbaren." Heinrich war ergriffen von dem tiefinneren Bekenntnis dissss unscheinbaren Burschen, der mit einem Male in bewundernswerter' Größe vor ihm stand, dessen Lebensaufgabe zwar wesentlich anders war als die des Jakob, jedoch, wenn auch auf anderem Wege, demselben großen Ziele zustrebte. Er bedauerte nur die Absicht Krugs, bald das Bündel zu schnüren und gen Berlin und München zu wandern. Geburtstagsfeier. An einem darauffolgenden Wend trieb Heinrich ein dünner Pfiff von draußen her zur Eile an. Rasch durchsucht« er den Spänehaufen und trennte ihn vom Kamin und Ofen, damit nicht etwa ein herabfallender Funke in der Nacht Nahrung fände. Vor der Tür reicht« ihm Kolbes Wilhelm zum Gruß die Hand. Sie drückten sich leis flüsternd an den Häuserfronten hin und schlichen im Schwarzen Winkel, nahe der katholischen Kirch«, zu einer wackligen Tür hinein. Wilhelms Dater saß schwarzberußt am Tisch, während die Mutter in dunkler Ecke am Kochherd das Essen zubereitete. Heinrich nahm auf der großen Lade Platz, die breit unterm Fenster stand. Ein wenig scheu betrachtete er den Allen, in dessen schwarzem Gesicht das Weiße der Augen schreckhaft blitzte.„Ja, ja, ihr Herren Tischler seid fein« Letzte, ihr könnt im Vorhemdchen arbeiten." Kolbe streifte die Hemdärmel hoch und trat zur Ofen- dank, wo sich Wilhelm schon den Formerstaub abwusch.„Ich werd mich auch«in bißchen säubern, deinLrcund fürchtet sich sonst vor mir", sagte er gutmütig. „'s ist auch wahr, den Schmutz könntet ihr in der Fabrik lasten, damit ihr nicht zum Schrecken herumläuft", sagte Mutter Kolbe, indem sie das dampfende Mahl auftrug. „Haft recht. Mutter! Aber wie und wo? Im Brunnentrog ist's Master eingefroren. Und wenn man so zwölf Stunden zwischen Formkasten und Schmelzofen ruinwirtschaftet, daNn fragt man nicht danach, wie man aussieht, dann schreit's in einem nach frischer Luft! Dann geht's ruck, zuck und raus! Was, Wilhelm?" (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. «liMiMMlMMNMMllMMINiMNMUMttlttWIMaui' uiimiinunnutiimHmnHniiiiniiinmraiiuiiiimiiiiiiiuinmiiiimiiumninnuininuiitiiuniiiniiniiiB Mamburger Zeitgenossen. Rund um das Bismarckdenkmal stauen sich die Fremden. Sagt einer:„Siehst«, Luis«, dat is nu der Mann, der de Republik ge- jründet hat!" * Hansens wollen nach Helgoland, nachdem Frau Hansens an- fänglicher Widerstand überwunden. Wer je näher Helgoland kommt, desto übler wird ihnen. Vereint hängen sie über die Re- ling. Und zwischen zwei Opfern an Gott Neptun keucht Frau Hansen:„Da haste deine Gadastrofenpolitik!" » Muckes sind eine kunstbegeisterte Familie. Und weil sie mal in Hamburg sind, besuchen sie unter sachkundiger Fuhrung auch die Kunsthalle. Langsam schrecket man durch die Säle. Muckes sind erschüttert von soviel Schönheit. Und am Schlüsse zieht Mucke mit einem vorsichttgen Blick auf die Famiiis den Führer beiseite: „Sa'n Se mal, wo is'n hier eigentlich dat Lokal, wo de nackten Weiberchen sind?" Der neue Pariser Ostbahnhof ist dem Verkehr übergeben. An Stelle des früheren Labyrinths enger Gänge gibt es nur noch luftige Säle und große Hallen, die in direkter Verbindung mit der Metro(Untergrundbahn) stehen. Für Autos und Omnibusse ist ein« immens« unterirdisch« W a g e n h a l l e da. Di« Reisenden können, ohne die Straße zu betreten, direkt in Autos oder Untergrundbahn steigen. Bei der Cr- ösfnung am Mittwoch ereigneten sich übrigens einige Zwischen- fälle. Infolge der Unvorsichtigkeit emes Beamten explodierten Venzinflaschen und verursachten ein Feuer, da» jedoch rasch gelöscht werden konnte. Einig« Arbeiter wurden leicht verletzt. kreltag. 13. September. Berlin. 16,00 Oeort Eugen Kitzler: Schloß nnd Park tob Mnakan— Birken irerder— Briesetal(27). 16.30' Unterhaltungsmusik.(Kapelle Bruno Hardenberg.) Anschließend Werbenachrichten außerhalb des Programms der Funkstand«. 18.00 Dr. Paul Bonn: Warum ist der Zinsfuß in Deutschland so hoch? 18.30 Klara und Robert Schumann(zum 100. Geburtstag von Klara Wieck). 15.00 Rechtsanwalt Dr. Fritz Weinberg: Mietsallerlei. 19.25 Porträt zum„Interview der Woche"(Bildtunk), 19.35 Das Interview der Woche. 20.00 Sendespiele.„Der Vogelhändler", Operette in drei Teilen ron M. West und L. Heid. Musik von Karl Zelter. Reglet Cornelis Bronsgeest. Dir.: Bruno Seidler-Winkler. Nach den Abendmeldungan: Bildfunk. KSBigswnsterhausen. 16.00 Georg Hansdortt Freie nnd angewandt« Kunst bei der bevorstehenden Berufswahl. 16J0 Prof. Dr. Hau« Mersmann: Musikver stehen Ö. Stete) Clnfttenng hl Sonate und Sinfonie. 1700 Von Leipzig; Nachmittagakonzert. 18.00 Dr. Panl Bonn: Warum Ist der Zinsfuß in Deutschland so hoch? 18.30 Direktor Frlebel, Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55 Prof. Dr. Hans Reichenbach: Gesetzlichkeit der Natur(IV). 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. Thema und Name des Dozenten Warden in den zahnärztlichen Fachzeitschriften bekanntgegeben. 20.00 Uebertragung von Hamburg. Anschließend Uebertragung von Berlin. Der Schmuggel in der Ostsee. Nach Mitteilung der finnländischen Zollbehörden befinden sich im Finnischen Meerbusen und anderen Teilen der Ostsee zurzeit zwanzig Schiffe, die Spiritus noch Finnland schmuggeln. Die Schiff« fahren unter französischer, tschechischer, ungarischer und grie- chischer Flagge, ein Schiff soll sogar die Flagge von Panama führen. Eine alte Stadt wird modern. Südamerika, das früher besiedelt worden ist als Nordamerika, besitzt Städte, die auf ein Aller von 400 Iahren zurückblicken und von einer romantischen Patina überzogen sind. Dazu gehört die Hauptstadt von Kolumbien, Bogota, die im Jahre 1938 ihr vier- hundertjähriges Jubiläum seiern wird. Aber bis dahin soll es auch mit seiner Romäntit vorbei sein Die Stadtverwaltung von Bogota, die gegenwärttg 200 000 Einwohner zählt, wo es aber noch viele alte stille Winkel und Häuser mit Strohdächern gibt, soll nach einem großzügigen Plan modernisiert werden. Ganze Blocks von un- gesunden übervölkerten alten Wohnungen werden abgerissen, Durchbrüche werden geschaffen, bestehende Straßen erweitert, neue Vororte gebaut, Licht- und Kraftleitungen verbeisert. Im Geschäfts- viertel werden eine Anzahl Hochhäuser von je zehn bis zwanzig Stockwerken gebaut. In der Calle Florida, der Wall Street von Bogota, haben bereits zwei Bankhäuser ihr« Hochhäuser errichtet, ander«, darunter der German Banco Antioqueno, werden in Kürze folgen. Neue Bahnlinie im Tanganjika-Territorium. Nach einer Mitteilung des Gouverneurs des Tanganjika-Terri« toriums, der ehemaligen Kolonie D e u t s ch- O st a f r i k a, ist die Verlängerung der im nordöstlichen Teil des Territoriums gelegenen Bahnlinie Tanga— Maschi bis Aruscha vollendet worden. Es handelt sich um eine Strecke von etwa 80 Kilometer, die das Hoch- land des Beru-Gebirges. in dem sich viele Europäer angesiedelt haben, erschließ» wird. Mit dem Bau der Bahn, dessen Kosten aus der vom englischen Parlament im Jahre 1920 bewilligten Ostafrika. Anleihe von 10 Millionen Pfund Sterling gedeckt werden, war 1928 nach de? Vollendung der Bahnlinie'Tabora— Muansa begonnen worden. Der„Pole" im Turban.' Sei der Feie? der polnischen Aufständischen in Kattowitz mar- schiert« im Zuge auch ein turbangeschmllckter Inder.„Welchen Aufstand dieser dunkelgebräunte vermutlich britische Untertan mit- gemocht hat, wissen wir nicht", schreibt die„Kattowitzer Zeitung". die über diesen sAtsamen Demonstranten berichtet. 1929. Aus der Inseraten-Planiage einer Zeitung: Redakteur, 43, statiöse, geniale Erscheinung, Leiter rentablen Unternehmens, wünscht anschmiegsame Ehekameradin, die gern« den geistreichen Worten des Mannes zuhört. Postlagerkarte 88, Berlin 73. PapptN, komm. Alles Lüge. M., N.<2. RlSchte Ihren Wunsch erfüllen. Bitte 58, Postlagerkart« 50. Innigst. Dank für Sonntag nachmittag. Auf Wiedersehen. IV. wurde durch sein« Verwandtschost orientiert. Geheimrat wünscht Gattin aller Schule. Postlagerkarte 129. W. 15. prioakaufnahme. Auskunft, Dienstmädchen frei bis Entbindung. Upj�rtijriolQjflLel -ARBEIIEKTUSSBALL Spiele am 1 5. September. 2Im kommenden Sonntag wird über die Frage, wer die Führung in der Abteilung L der I. Klasse übernimmt, entschieden werden. Weißensee, bisher unbestrittener Führer, hat plötzlich in „Hertha tl" einen ernsthasten Konkurrenten bekommen. Die Weißen» seer müssen deshalb mit stärkster Mannschast nach Karow fahren, wenn sie die Punkte für sich erringen wollen. Hertha sollte es ge- lingen, die Hoppegartener auch auf ihrem Platz zu schlagen.— Einen harten Kampf wird es auch in Neukölln, Freifläche des Tempelhofer Feldes, zwischen dem Freien Fußbolloerein Neukölln und„Ober- spree" geben,-r In den Spielen Luckenwalde V gegen Lucken- walde I, Eifenspalterei gegen Germania und Nowawes gegen Wol« tersdorf dürften die Gastmannschaften die Sieger stellen.— Nicht nur in der J., sondern auch in der II. Klasse wird heiß um die Führung in den Abteilungen gekämpft. In Lichtenberg, Nor- mannenstraße, stehen sich die Spitzenreiter der Abteilung A gegenüber. In Spandau, Seeburger Straß«, spielen die Spitzenkandidaten der Abteilung C Spandau 25 und Saxonia. Weitere Spiele: Caputh gegen Kloster Zinna. Wansdorf gegen Schöneberg. Cladow gegen Treuenbrietzen. Butab gegen Herzfelde. Trebbin gegen Vorwärts-Wedding.— 2. Mannschaften: Werder gegen Rathenow 2. Nowawes gegen Potsdam. Neukölln gegen Schöneberg. Karow gegen Weißensee. Spandau 26 gegen Lichtenberg I. Neukölln 3 gegen Germania 3. Herzfelde gegen Oderberg. Eifenspalterei gegen Vorwärts-Wedding.— Jugend: Spandau 25 I gegen Weißensee. Spandau 25 II gegen Rathenow. Lichtenberg II gegen Vorwärts-Wedding. Eiche-Köpenick'gegen Saxonia. Werder gegen Lichtenberg I. Beginn der Spiel«: 1. Mannschaften 16 Uhr. 2. Mann- schasten UM Uhr. Jugend 10K Uhr. yjxwiJociJiSü Spiele am 15. September. In Hohenschönhausen, Sommerstraße, spielt um 13 Uhr FTGB.- Osten Jugend gegen FTGB.-Lantwitz, die 3. Männer gegen Frei« Schwimmer Charlottenburg 2 um 14 Uhr, die 2. Männer gegen FMU-Südost 2 um 15 Uhr, und die 1. Männer gegen die 1. Mann- schoft der Schwimmer um 16 Uhr. Auf dem Platz an der Schön- hauser Allee spielen um 11 Uhr FTGB.-Nordring 1. Frauen gegen FTGB.-Süden 2, FTGB.-Norden 1 Jugend gegen FTGB.-Norden 3 Jugend um 13 Uhr und Norden 1 Männer gegen FTGB.-Nordost um 16 Uhr. Nowawes hat sich FTGB.-Neukölln verpflichtet: es spielen die Iugendmannschaften um 13 Uhr, die Frauen gegen Neu» kölln 2 um 14 Uhr. die 2. Männermannschaften um 13 Uhr. In Bornstedt spielen die Iugendmannschaften gegen FTGB.-Wcdding 1 um 14 Uhr und die 1. Männer gegen Freie Turnerschast Wilmers- darf um 15 Uhr. Auf dem Sportplatz in den Rehbergen spielen FTGB.-Wedding Frauen gegen Neukölln 1 um 11 Uhr. und die 2. Jugend gegen Strausberg um 16 Uhr. Weitere Männerspiele: Tegel gegen Friedrichsthal um tl Uhr in Tegel, Graf-Roedern-Korso. Berlin 12 gegen Rathenow nm I3K Uhr in Lichterfelde. Hennigsdorf gegen FTGV.-Stralau um 14 Uhr in Hennigsdorf. Fichtenau gegen Kaulsdorf um 15 Uhr in Fichtenau, Köpenick gegen FTGB.-Südost um 16 Uhr in Köpenick, Wcndenschloßstroße, Vereinsplatz. Schöneberg gegen FTGB.-Eüden nm 18 Uhr beim Zehlendorfer Sportfest. Moabit gegen Strausberg um 13 Uhr, Sportplatz Tiergarten. Die StSdiemannschaft. Die Städtemannschaft hatte gestern ihr Probespiel auf dem Urbanplatz, der Gegner war aus Süden und Wsdding kombiniert. Nach 5 Minuten konnten die Kombinierten in Führung gehen, aber die Städtemannschaft glich bald aus. Das zweite und dritte Tor der Städtemannschaft ließen Nicht lange aus sich warten. Auch die weiteren Tore, Kombinierte Nummer 2 und 3, Städtemannschaft Nr. 4 und 5, fielen dann schnell nach Durchbrüchen, einig« sogar kurz nach dem Anwurf. Gleich nach dem Wiederbeginn konnte die Städte- elf das 6. Tor schießen, dem noch zwei weiter« folgtenr Die kom- dinierte Mannschaft tonnte kurz vor Schluß des Spiels, das der Dunkelheit wegen nach 45 Minuten abgebrochen werden mußte, das vierte Tor buchen. Die Städtemannschaft war diesmal gut aufgebaut; im Sturm wurde gutes Abfpiel gezeigt. Die Verbindung zwischen Läuferreihe und Sturm war manchmal nicht zusammenhängend, wodurch weite Würfe gemacht werden mußten, die vom gegnerischen Sturm oft ge- stört werden konnten. Gut war die Arbeit des Mittelläufers, der dem langen Mittelstürmer der Kombinierten viele Bälle wegnahm. Die Verteidigung und da» Tor waren gut besetzt. Die kombinierte Mannschast macht« der Städtemanschaft viel zu schaffen und arbeitete slott und lebhaft. Ehrung eines Arbcitcrsportführers. Die Stadt Leipzig hat einer neuen Straß« im Ortsteil Drobsthsida-Nord den Namen Harnisch strotze gegeben. Karl Harnisch kam bereits In jungen Jahren zur Arbetterturnbewegung und war ein glühender Verfechter ihrer Idee. Sehr bald wurde er zum Vorsitzenden des Bundesausschusses bestellt. Der Bunde«- tag 19l)g in Köln wählte ihn zum Vorsitzenden des Arbeiterturner- bundes(letzt Arbeiter-Turn- und-Sportbunds, dessen Leiter er bis Kriegsende war, wo er in Leipzig an einer Halskrankheit starb. Di« Benennung der Straße nach dem Namen Karl Harnisch hat insofern noch ein« interessante Bedeutung, da sich in nächster Näh« dieser Straße die erst« Geschäftsstelle des Arbeiter-Turner- bundes befand. * Der von der Firma Nitzfche-Leipzig im Einvernehmen mit der »Undesleiwng des ZlTSB. vom 2. Bundesfest in Nürnberg her- gestellte Film ist nunmehr von der Zentralstelle für Billmngs- 'und Unterrichtswesen in Berlin amtlich als Lehrfilm aner- kannt worden. Die Vereine, die den Film aufführen lasten, brauchen demnach keine Vergnügungssteuer zu entrichten. Film und Rcklamematerial sind von der Firma Nitzsche, Leipzig. Kaitstr. 1, zu beziehen. 1 Das Auto auf dem Korridor! Man baut ein zerlegbares Auto. Die Garagennot und die Garagenkosten halten noch viel« Leute ob, sich ein Auto, sei es auch in kleinsten Ausmaßen, zuzulegen. Selbst beim Motorrad hat die Unterbringung sein« Schwierigkeiten, und so beschränkt sich mancher weiter auf Bahnfahrten im über- füllten Abteil, der es finanziell ermöglichen könnte, sich«in Klein- auto zu halten. Dem Mangel will ein Konstrukteur namens Z a s ch k a, der früher schon durch die Konstruktion eines senkrecht in die Lust steigenden Flugzeuges Aufmerksamkeit erregte, abhelfen. Er hat«in Fahrzeug im Versuchsbau fertig, das halb Motorrad, halb Kleinauto ist, sich völlig auseinandernehmen läßt und— bei einigem guten Willen sich in größeren Korridors, Läden, Kellern verstauen läßt. Hier«ine kurz« Beschreibung: Der Erbauer ging bei der Konstruktion von dem Gesichtspunkt aus, daß auf dem Markt ein Wagen fehlt, der, durch einige Hand- griffe in wenigen Minuten in ein paar Aggregate zerlegt, durch«in bzw. zwei Personen getragen werden kann. Um die Unterhaltung»- tosten herabzumindern, muß der Wagen auch st euer- und fllherscheinfrei sein. Der Wagen soll aber trotz seiner Zer- legbarteit nicht unansehnlich wirken, im Gegenteil ist der Konftmk- teur der Ansicht, daß auch der weniger- Bemittelte nicht in einer „Kiste' fahren will. Die komplette Vorderachse mit Kühlerattrappe und Steuerung wird durch Herausziehen einiger Bolzen mit Bajonettoerschlüsten vom Hauptträger getrennt. Im Vorderteil des Hauptträgers sitzt der Motor, im anderen Teil Getriebe uich Hinterrad. Der Hauptträger ist ebenfalls in zwei Teile zerlegbar. Das sogenannt« Spritzbrett wird wie ein Reiter auf den Träger aufgesetzt und seitlich die Fuß- böden heruntergeklappt. Der Sitz mit der Rücklehno und den Seiten- wänden wird ebenfalls wie ein Reiter durch Bajonettverschlüste auf den Träger aufgesteckt. Das ganz« Gestell ist aus Stahlrohr und wird niit einem Kunstlederüberzug, der in der Kühlerattrapp« ein- gehängt und durch Drucktnöpfe an den beiden Reitern befestigt ist, überzogen. Weder zur Montage noch zur Demontage wird ein Schraubenschlüssel verwandt. Di« einzelnen Aggregate sind nur so schwer, daß sie von zwei Personen leicht ge- tragen werden können. Der in den Werkstätten der Firma Ernst Bauermeister u. Söhne, Baumschulenweg, hergestellte Versuchswagen ist mit einem 198-ccmppenstrache.„Sin Sommeniachicchai! der Naturfreunde.' Beginn I9i4 Uchr. Eintritt 1 Mark. ■ Rotoesachr«.«enppe ftwueUtr«. S-nt>tvg. 15. September, nach Rcheinz. bei». Statt: 8 llhr Daltenplach. Kommunistische Bestien. Äiehifche Mißhandlung eines Oppositionellen.— Dreimal überfallen. Das rechtstommunistische Organ„Gegen den Strom" berichtet über den Ueberfall auf einen Rechtskommunisten in Erfurt: „Auf den Genossen Schmidt- Erfurt, der schon miederholt tätlich angegriffen wurde, verübte eine Horde von Strolchen(anders kann man diese Burschen nicht nennen) erneut einen ganz schänd- lichen Ueberfall. Genosse Schmidt, der in der Nacht am 28. August von einer Parteiveranstaltung kam und sich auf dem Nachhausewege befand, wurde in einer menschenleeren Gegend vonzirkaKbis8THSl- mann-Iüngern angefallen. Mit einem harten Gegen» stand schlug man ihn von hinten so stark aus den Kopf, daß sofort das Blut hervorspritzte. Genosse Schmidt taumelte und wurde dann von diesen Banditen zu Boden geworfen und mit knüppeln. Schlagringen und diversen anderen harten Gegenständen be- arbeitet. Unter Mitnahme der Aktentasche verschwanden dann diese lebenden Frücht« der heutigen„kommunistischen" Politik. In der in der Nähe befindlichen Kantine der Freien Turnerschast reinigte sich der Ge» nosse Schmidt vom Blut und wurde, da sein Kopf über und über mit Wunden bedeckt war, von Sportsgenossen verbunden und zum Arzt begleitet. vom Arzt kommend wurde der Genosse Schmidt erneul überfallen. Mit Fäusten schlug man auf die eben verbundenen Wunden, und mittels eines harten Gegenstandes wurde dem Genosien Schmidt die Ober- und Unterlippe durchgeschlagen und einige Zähne gelockert. Damit noch nicht genug, wurde er ein drittes Mal überfallen und derart brutal auf die offenen Wunden geschlagen, daß er b e- sinnungslos zu Boden sank. Man sollte meinen, daß die Gesamtpartei von derartigen Strolchen, die diesen Ueberfall verübten, weit abrückt. Das Gegen- teil ist der Fall. Die Erfurter Lokalgrößen sind die intellektuellen Urheber, und dies« wiederum die willfährigen Diener der Herne anstierenden Parteiführung. Ja, diese Taten von Faschisten, die zufällig ein Mitgliedsbuch der Kommunistischen Partei in der Tasche tragen, werden nicht nur gebilligt, sondern es wird zu weitere n Gewaltakten auf- gefordert. So erklärt« der Redakteur der„Neuen Zeitung", W. Kops, in einer Mitgliederversammlung des KIV.: „Das war noch lange nicht der letzte, der nächste ist Hermann Schulze(ein oppositioneller Landtagsabgeordneter): man muß sie totschlagen!">. Dieses Verbrechergesindsl, das den rechtsradikalen Bomben- attentätern würdig zur Seite steht, ist ein Schandfleck der Arbiter- bewegung! Der abgesägte Lunatscharski ist zum Vorsitzenden des Verwal» tungskomitecs der wissenschaftlichen Institutionen beim Zentral- exekutivkomitee ernannt worden. Sein Stellvertreter ist Stekloff. Die Zreundschast Italien-Ungarn ist zwischen dem ungarischen Außenminister W a l k o und Mussolini in Rom neubekräftigt worden, Die Präger Sinder lernen deutsch. Zu Beginn des gegen- wärtigen Schuljahres werden probeweise in verschiedenen Teilen der Stadt Prag 3l> Deulschkurse für Schüler der vierten und fünften Volksschulklasse eingerichtet. Wenn sich die Einrichtung bewährt, soll dieser Unterricht im kommenden Jahre wesentlich aus- gebaut werden. Attordarbetter im Zeitlohn. Neichsarbeitsgericht gegen Metallindustrielle. Schon seit Iahren führen die Metallarbeiter in Hessen und ! Hessen- Nassau einen Rechtsstreit von prinzipieller Bedeutung gegen den Verband der Deutschen Metallindustriellen. Seit dem ! Jahre 1919 besteht eine Tarifvertragsgemeinschaft auf Grund des � sogenannten Kollektivabkommens. Dieses Kollektioabkommen ist am 17. Juni 1928 neu gefaßt wärden. In Ziffer 19 der letzten Fassung des letzten Abkommens ist die Akkordarbeit geregelt. Die ' Ziffern 21 und 22 behandeln insbesondere die Fassung für den Fall, daß ein st ä n d i g e r A k k o r d a r b e i t e r für kurze Zeit i m Zeitlohn beschäftigt wird. lieber die Auslegung dieser Bestimmung ist zwischen den Parteien Streit entstanden. Die Kläger vertreten die Auffassung, ' daß, wenn ein ständiger Akkordarbeiter länger als eine Woche, aber nur vorübergehend im Zeitlohn beschäftigt wird, er immer für die erste Woche den durchschnittlichen Akkordverdienst nach Abzug von höchstens S Proz. desselben vergütet erhalten mifjse. Die Kläger beantragten daher: Es wird festgestellt, daß der durchschnittliche Akkordverdienst abzüglich oo» höchsten» 5 Proz. gemäß Ziffer 21 des Kollektiv- abkommcns auch in den Fällen für eine Woche zu bezahlen ist, wenn ein ständiger Akkordarbeiter vorübergehend länger als eine Woche in seiner seitherigen oder in einer anderen Betriebs- abteilung im Lohn beschäftigt wird, wenn die Ueterbrechung der Akkordarbeit nicht durch Betriebsstörung, die länger als fünf Stunden dauert, hervorgerufen wird. Der Beklagte verlangt Abweisung der Klag«. Er behauptet, daß in dem fraglichen Falle des vorübergehenden Uebergangcs eines ständigen Akkordnrbeiters zum Zeitlohn der durchschnittliche Akkordvcrdienst abzüglich höchstens 5 Proz. nur dann zu zahlen sei, weim die vorübergehende Beschäftigung im Zeitlohn die! Dauer einer Arbeitswoche(sechs Arbeitstage) nicht überschreitet. Wenn also ein ständiger Akkordarbeiter Zwar j vorübergehend, aber länger als eine Woche im Zeitlohn beschäftigt wurde, habe er keinerlei Anspruch auf den durchschnittlichen Akkord- verdienst(abzüglich höchstens 5 Proz.), sondern für die ganz« Zeit, also auch für die ersten sechs Arbeitstage, mit dem Zeitlohn zu bezahlen fei. Das Arbeitsgericht hat am 13. Dezember 1928 folgendes Urteil gefällt: „Es wird festgestellt, daß der durchschnittliche Akkordverdienst nach Abzug von höchstens 5 Proz. desselben gemäß den Ziffern 21 und 22 des Kollektioabkommens zwischen den Beklagten und den Klägern in der Fassung vom 12. Juni 1928 auch in den Fällen s ü r eine Woche zu bezahlen ist, in denen ein ständiger Akkord- arbeiter vorübergehend länger als eine Woche in seiner seit- herigen oder in einer anderen Betriebsabteilung im Zeitlohn be- fchöftigt wird, es sei denn, daß der Betriebsleiter eine längere Be- triebsstörung als fünf Stunden voraussehend, die Beschäftigung des Slkkordarbsiters im Zeitlohn anordnet." Gegen dieses Urteil hat der Verband der Metall- industriellen Berufung eingelegt. Das Landes- arbeitsgericht in Frankfurt hob das vorinstanzliche Urteil auf und wies die Kläger mit ihrer berechtigten Klage ab. Die Freude bei den Unternehmern über die Niederlag« der Metallarbeiter war groß, jedoch der Deutsche Metallarbeiterverband wie auch der christliche Metallarbeilerverband legten gegen dieses un- verständliche Urteil sofort Revision ein. Das Reichsarbeitsgericht beschästigte sich nochmals eingehend mit dieser Sache. Als Vertreter des Deutschen Metall- arbeiterverbandes war Rechtsanwalt Genosse Dr. Fraenkel, Berlin, erschienen. Er wandte sich mit aller Entschiedenheit gegen das ungeheuerliche Urteil der BorinstanZ und verlangte Authebung und Wiederherstellung der erstinstanzlichen Entscheidung. Das Reichsarbeitsgericht folgte dem Antrage und oerhalf somit der Revision zum Erfolg. Das Urteil der Vorinstanz wurde aufgehoben und das Urteil des Arbeitsgerichts wieder her- gestellt. Sie Winderlefehalle im Seasirk Wille, die in diefen Vagen eröffne! wurde. KINO-TAFEL © Potsdamer Strafe 38 Das gigantische Filmwerk: Die Arche Noah m. Do!. Coslello Jugendliche haben Zutritt Rheins tratje 14 Ka(iln-E1crhe) D. Krieg im Dunkel m. Greta Garbo N. d. Roman d. Berl. lllustr. Zeitung v. Ludwig Wolff Odcon, Potsdamer Str. 75 MKnncr ohne Beruf mit Harry Plel (10 Akte)__ Turmstrafje 12 Autobus Nr. 2 mit Frifz Kampers, Lee Parry Die Rache des Verlassenen Moabit Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet Flacht In die Fremdenlegion 7 spannende Akte mit Hans Stfiwe, Loois Ralph, Harry Hardt Die VerfOhrerin, 7 Akte m. L.Arna m Sehönebarg■ Alhambra Beg s'ab1uhVsu' Schöneberg, Hauptstr. 30 Bühncnsdiao Nachtlokal mit Ev. Holl Auf der Bühne: Mordprozeb Hanna Günther Ariushof-Lichfspiele Film- und BQhnenschau Perleberger Str. 29-und Stendaler Str. Die Dame hinterm Vorhand Siam, Land der weisen Elefanten Welt-Kino Alt-Moabit 99 AnsgevShlies Schlagcrprogrami W CharWtienSuna- b Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 7 u. 9.15 S. ab 3 U. Tempo-Tempo m. Luc. Albertlni Das gewisse Etwas mit Clara Bov Der Wächter des GlQcks Wilmersdorf Titania(üf. Hauptstraße 49 Beginn ab 6.30 Uhr D. Krieg Im Danket m. Greta Garbo Das ausgezeichnete Beiprogramm S_. Friedenau M F riedenauer Lichtspiele Kaiserallcc III(hundcrtelf) Meachagge Ist Trampt m. A. Ondra ' Liebe i Symphonie der snis V.Gtbsoa Atrium Beba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Beginn 7, 9.15, Sonntags 5, 7, 9.15 Uht E> ilOaleri die Nadit Bühne: Z AdmiraU v. Colliseum London Delga o. Drago, Casino de Paris ■» Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Meine Schwester and Idi Bühne: Täglich in allen Vorstellg.: Gastspiel Mady Christians Wochentags 6.30, 9 Uhr Stg.5, 7.9(7. Stg. 3 U. I.-V. Hi-U Hindenburgdamm 58a Bühnenschau Der Mann« der nicht liebt* mit Dalty Dora persönlich' Der rasende Ritt > Sildwesteii> Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. Kolonne X mit ReiaboU SdlOoid Sparen im Mkace Mariendorf fef j. T s Martendorf er 1 19- Lrl Lichtspiele ChausseestraBe 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V Matterliebe mit Henny Porten Naditbesnch am Geheimtresor Bühnen, diaa Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 3.45 Uhr D. schwarze Domino m. H. l.iedtkc Das grüßte Opfer m. Ivan Petrovlch Filmeck Beginn:W-|� Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Mutterliebe mit Henny Porten. Eüs. PinafcfE Gute BOhnenschan Luisen-Theater sonnt'fu: Reichenberger Str. 34 BQhnenschau Männer ohne Beruf m. Harry Plcl. Dary Holm Urania-Theater Wrangelstr. 11, KCpenlcker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5, 7, 9 Uhr Der rote Kreis mit Lya Mara 2 Lastspiele— 5 Vartct«nammern > HcuHailn"1 Primus-Palast Hermannplatz Mtaner ohne Dernf M. Harry Piel Auf der Bühne: Otto Sabo, Lotte Werkmeisi in ihrer Szene; Die K&ndigang Maya Afrar, spanische Revue Beginn 7, 9,15 U, Sonnt, ab 4,45 U. �I�darachoncwelde�p Elysium(puSÄst) Hasselwerderstraße 17 Varietesdtaa Der Graf ran Monte Christa(I). Qm, Aassu-Rerue; Sinn and Unsinn ostaii Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Mollerllebe mit Henny Porten Ab Freitag H. Porten peps. anwesend Auf der Bühne; Gastspiel Nicola Lnpo, der weltbekannte iialienische Verwand lungsschauspieler Wochentags 6 Uhr, Sonntags 5 Uhr Verstärktes Orchester Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Erstaufführung für den Osten. Mutterliebe mit Henny Porten Lachrevue: Berlin nnl. d. Zeitlupe Große Bühncnschan Concordia-Palast Andreasstraße 64 BühneiudiAi Der Hund von Baskerrllle Bühne: 1 Stunde Kabarett Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 DieRegimenfslochter m. B. Balfour Die Liebe der Brüder Rott mit Tschechowa Große Bühncnschan Kino Busch �s�uw� Alt-Friedrlchsfeldc 3 Adjutant des Zaren mit Iw. Mosfnkinp Boni Rin-Tin-Tin unter Verbrechern d Nordoatiäw™™*� „Elysium" �e"Bd Prenzlauer Allee 58 Btlhnepschqa Die Arche Noah Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205— 210 Babacnsdiaa Die Arche Noah m. Dal. Coslello �_gglnl«ltdtidorNOtt"b Bürgergarten-Lichtsp. Hauptstraße 51 BUhacnadiao 5- m- n» utott VeniditJ VarUcrl Alhambra MüIIerstraße, Ecke Seestraße Die Arche Noah Beiprogramm, BAhneosdiaa Colosseum Schönhauser Allee 123 W. 630, So. 3.30, Stg. ab 4 U Mutterliebe mit Henny Porten Bühne: Die fünf Abels Elektra-Palast Wiesen-, Ecke Kösliner Straße Tempo-Tempo mit Lac. Alberlini Emden III fihrt am die Welt Fortuna-T ageskino MüIIerstraße 12c Bcg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Wclt- produktion Metro-Palast ChausseestraBe 30 Die Ardhe Noah Jugendliche haben Zutritt Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 5 U., Stg. 5 U. Stg 3 U. Jugendv. Männer ohne Berof m. Harry Piel Oer Traum eines Reservisten „Rialto" Film u. Buhne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Rosenmontag Der Mann ans dem Volke BOhaensdiaa Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Nachtlokal mit Eveline Holt Die Regimentstochter m B. Balfour Bühnenschau Vineta-Kino Vinetaplatz 3, Ecke Woliiner Straße Am Tode vorbei i £hc U Gefahr „Alhambra" Badstraße 58 Bübnenadiau Manolescu mit Iwan Mosfukin, Brigitte Helm Beiprogramm Ballschmieder- Liditsp. Badstraße 16 Große Bübneaschau Die Arche Noah Auf der Bühne: Revue: Es tut sieb was Humboldt-Theater Badstraße 16 Gro�e Bühnenschau Menschen ohne Gewissen Herskönlg Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 GroHe Bühnenschau Männer ohne Beruf mit Harry Piel Bühne: Eine Stunde Varictfe Panko ■ Palast-Theater Lichfsp. Breite Straße 21 a Die elffacfae Witwe mit D. Coslello Das letzte Fort mit Heinr. George Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 BOhnensdbaa Matterllebe mit Henny Porten Beiprogramm— Gr. Btthnensdtaq � WleetnrtehanKnman Film-Palast SÄa«» Blankenburger Straße. Der schwane Domino m H.Liedtke Meineid(Paragraph, d. Mensch, töt) ■ �—'* Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W.6,8>/>. Stg. 4>/«, 6'.'», S'.'s Morgenröte(Todesstollen 306) RevolaHon der Jagend Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 8 U, Stg. 5, 7J0 ssasssaasii