Morgenausgabe Sonnabend j�*6.Urism w> 14,©epfember 1929 ÄÄÄtSS Tf|##jtj_A. �Sdl"« V' �n,chi,.bi>ch so P!g. v-ftz-uung- IH L�gg M W M fA H W H W W W F/ W"" 72 Dtg, Vostbestellgebühren. Buflanbf w) BH("-- «bonnemtm 6.— 531 pro Konot �KRH•pOH.■ H H W> H H H WJ H»W //»te.(•(»• m*.«onporeMqrN, ■Bfialgl W> W>— LW I IL Pfennig. ReNome�eU» d.— Neichn» » V JW I WW n HP H VW �>!.>>>> JfiBLjalSt,«ort.„ittetne«nzetnea" do, jeug«. .och.�'■!■■ H M,■ MWs � �»Är�srÄs essS Vevttnev Vvwsviatt �WZkM Äentealorgan der«Aozialdemokratikchen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff SV2— 297. Tclegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Der Kampf um Vorbereitung der Reichsraissihung. Die Besprechungen der Reichsregierung mit den Vertretern der deutschen Länder über die Reform der Arbeitsloseover. s i ch e r u n g wurden, wie WTB. meldet, gestern sortgeseht. Unter Vorsitz des Staatssekretärs Dr. P ü n d e r wurden in der Reichstanzlei mit den Reichsratsoerlretern von Preuhen, Bayern. Sachsen. Württemberg und Boden die in den letzten Tagen von der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung vorbereiteten Kompromißvorschläge unter Beteiligung von Vertretern der zuständigen Reichsressorks eingehend durchgesprochen. Die Reichsratsverlreler übernahmen es, zwecks Vorbereitung der abschließenden Reichsratsverhoudlungen am kommenden Rkontag, ihre Regierungen sofort zu unterrichten. Eine ebensolche Aussprache mit den Reichsratsvertretern der übrigen deutschen Länder soll heute in der Reichskanzlei staltsiadeu. Neue Belastung der Vorlage? Heber den Inhalt der Kompromißvorschläge, die dem Reichs- rot unterbreitet werden sollen, wird in der Press« solgendes ver- breitet: Die Verständigung in der Frage der Arbeitslosenversicherungs- rcsorin zwischen Reich und Preußen ist ans der Basis erfolgt, daß für die gutbezahlten Saisonarbciterberufe der Beitrag von Z auf 4V2 Proz., also um 1% Proz., und für die anderen Der- sicherten von 3 auf 3% Proz., also um K Proz.,.erhöht wird. Weiter soll die A n w a r t s cha s t S z e i t für Ledige unter. 4 3 Iahren so sestgelegt werden, daß erst noch Z2 Wochen ein Anrecht auf Vollunterstützung besteht. Vei kürzerer Anwartschafts- zeit sollen die Leistungen der Versicherung entsprechend gemindert werden. Die Vcrläsigerung der Wartezeit für Lcdige ist wie in der ersten Vorlage der Reichsregierung festgelegt worden, sie soll 14 Tage betragen. Mit den Einsparungen und den Beitragserhöhungen will man mit 249 Millionen Mark weniger auskommen. Dos würde bedeuten, daß immer noch ein Fehlbetrag von ungefähr 39 Millionen Mark bleibt, der wieder seine Deckung finden wurde durch die Abstellung von M i ß b r ä u ch e n, die in den vorher. stehenden Berechnungen nicht mit einbezogen sind und wodurch man zu einer Einsparung von mindestens 30 bis 50 Millionen Mark kommen will. Sollte es zutreffen, daß über Kompromißvorschläge solcher Art verhandelt wird, so läßt sich das nur aus der Tatsache erklären, daß der zuständige Ausschuß des Reichsrats, wie schon gemeldet, einen tiefgreifenden allgemeinen Lei- stungsabbau im Sinne des bayerischen Antrags be- schlössen hat. Gegenüber diesem Beschluß bedeuten jene Vor- schlüge aber immerhin ein Minus. Vom Standpunkte der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften bedeuten sie jedoch ein Plus an unerträglichen Belastungen. Wie wenig Aussicht besteht, daß diese Belastungen von der Sozialdemo- kratischen Partei und den Gewerkschaften akzeptiert werden können, geht aus ihrer bisherigen Haltung hervor, an der sich nichts geändert hat. Ein Artikel der„Gewerkschastszeitung" Die„Gewerkschaftszeitung" beschäftigt sich in ihrer neuesten Ausgabe ausführlich mit dem Problem. Sie schil- dert den schweren Kampf, in dem der Reichsarbeitsminister steht, um dann zu seinem Entwurf zu erklären: .Der Inhalt des Entwurfs ist trotzdem für die Gewerkschaften, auch in der gegen die Volkspartei und gegen mehrere Mitglieder des Kabinetts durchgesetzten Form, la einzelnen Teilen eine untragbare Belastung." Im einzelnen wird die Definition des Begriffs„Arbeits- losigkeit" in dem Entwurf beanstandet und dann zur Saisonarbeiterfrage Stellung genommen. Gegen- über dem Entwurf, der die Untestlltzung ähnlich wie der An- China macht Nußland verantwortlich. Für die Opfer der Beschießungen. Nanking. 13. Teptenzber.(Reuter.) Ter chinesische Minister des Aeußern hat de« chlne- fischen Vertreter in Genf angewiesen, die Sowjetregierung davon in Kenntnis zu setzen, daß die chinesische Regierung die Sowjetunion für die Men- schenopfer und den Schaden verantwortlich machen wird, die durch die Beschießung durch Sowjettruppen in den Grenzgebieten der Mandschurei verursacht find. Die chinesische Regierung hat ihren Genfer Vertreter ferner beauftragt, auf die Haltlosigkeit der von der Sowjetpropaganda aufgestellten Behauptungen hinzu- weisen, daß Sowjetbürger in Ehina schlecht behandelt würden. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. die Arbeitslosen. trag Riesener nach Lohnklassen staffeln will, wird an der Forderung, wenigstens die Sätze der Krisenfürsorge zu zahlen, festgehalten. Dazu wird dann weiter ausgeführt: ,Lu diesem Zugeständnis hoben sich ine freien Gewerkschaften insbesondere auch deshalb bereit gefunden, weil sie die Gefahr eines Mißverhältnisses zwischen der Unter- stützungshöhe und dem Lohn üblicher winterlicher Ersatz- arbeiten oder auch zwischen Unterstützungshöhe und dem Lohn san- stiger schlecht bezahlter Arbeitergruppen, mit denen der arbeitslose Saisonarbeiter räumlich zusammenlebt, zu vermeiden bestrebt sind. Sie sehen aber keinen Grund, daneben noch der weiteren Vestim- mung des Entwurfs zuzustimmen, die die höhe der Unterstützung anpassen will an die Lohnverhältnisse des Unterstützungsorte» und die auf alle Fälle zutreffen soll, in denen ein Arbeitsloser mehr als die Hälfte der Beschäftigungszeit in einem anderen Ort ver- bracht hat als dem Orte, in dem die Unterstützung zu gewähren ist. Auch di.-se Bestimmung würde vorwiegend die Saisonarbeiter er- soffen. Sie könnt« daher dazu führen, daß neben einer Kürzung etwa bis zu den Sätzen der Krisenunterstützung darüber hin- aus eine weitere Kürzung entsprechend den Lohnverhältniffen des Untcrstützungsortes eintritt. Unseres Erachtens hätte eine solche Bestimmung nur Sinn, wenn die Saisonarbeiter im Winter den Wffpruch aus die Spitzensätze der Arbeitslosenunterstützung behielten mit» ihn in ländlichen Gegenden geltend machen könnten. Wird dieser Anspruch ober ohnedies verkürzt, so ist eine besondere An- passung der Unterstützung an das Lohnniveau des Unterstützungs- orte» entbihrtich und auch gefährlich.", Die Verlängerung der Wartezeit auf 14 Tag« für alle Arbeitslosen ohne zuschlagsberechtigte Angehörige wird als „f o z i a l p o l i t i fch untragbar" bezeichnet, und nach weiterer Begründung dieser Auffassung wird gesagt? .Die vorher erwähnten Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, daß selbst der dem Kabinett vom Reichsarbeitsminister Wiffell in dieser Form nur mit Mühe abgerungene Entwurf in den Gewerkschaften und zweifellos wohl auch in der sozialdemo- kratischen Fraktion teilweise aus schärfsten Widerspruch stößt." Das alles gilt, wie gesagt, von dem Entwurf ohne die neuen Belastungen, die er bei den Verhandlungen mit den Ländern erfahren hat oder erfahren soll. Wie danach der Entwurf m i t diesen neuen Belastungen beurteilt werden wird, ergibt sich von selbst. Eine Falschmeldung. Bei dieser Gelegenheit sei die immer wiederkehrende Falschmeldung zurückgewiesen, nach der Gen. H i l f e r d i n g im Kabinett gegen den Entwurf als nicht weitgehend genug gestimmt haben soll. Hilferding war bekanntlich damals im Haag und hat überhaupt nicht mitgestimmt. Protest des Baugewerbes. Die Verbände des Baugewerbes haben gegen eine weitere Beitraserhöhung, die ihnen nach Zeitungs- Meldungen zugemutet werden soll, bei den zuständigen Mi- nisterien und parlamentarischen Körperschaften Protest erhoben. Gihung der Neichsiagsfrakiion. Del Vorstand der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion beschäftigte sich gestern mit der Arbeitslosenversiche- rung. Angesichts der noch schwebenden Verhandlungen hat der Vorstand die Einberufung einer Sitzung der Ge- famtfraktion in Aussicht genommen, die voraussichtlich i am Freitag der kommenden Woche stattfinden wird. Eine genaue Festsetzung des Termins und die nähere Benach- richtigung der Mitglieder der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion wird in einer vom Fraktionsvorstand auf An- fang nächste Woche anberaumten Sitzung erfolgen. (Weitere Meldungen siehe auch zweite Seite.) Moskau— London. Reue Vorverhandlungen. vl o s k a u. 13. September. Dl« Sowjetreglerung hat die Einladung der britischen Regierung aogroommen, erneut Bevollmächtigte zur Ve- sprechoag der Prozedur bei den künftigen Verhandlungen über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen nach London zu entsenden. Räch tzl Taqeo Hungerstreik gestorbeot Von den im Zusan'.m«n. hang init der Derschwörung in Lahor« Verhasteten, die in Hungerstreik««treten waren, ist einer gestorben. Er hat 61 Tage g«hung«rt. Fünf Häftling« erklärten, daß si« den Hunaerstveit nunmehr aufgäben, zwei dagegen setzen den Streik fort. Postscheckkonto: verlin Z7S3S.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. KS. TiSkonto-Gesellschaft, Depositenkaff« Lindenstr Z. Lex Frick. Rationalsozialist Frick reklamiert die Vaterschaft des Hilgen- berg-Voltsbegrhrens.- Revision noch vor der Entscheidung. Das Hugenberg-Bolksbegehren ist bereits revisionsreif! Der Reichslandbund weigert sich, dem Paragraphen 4, der die Regierung des Landesverrats bezichtigt, seine'Zustimmung zu geben. Die Hugenberg-Presse hat versucht, den Bruch der Hugenberg-Front hinwegzudementieren, aber die dem Landbund nahestehende„Deutsche Tageszeitung" erklärt: „Die„DAZ." berichtet, daß das Präsidium des Reichs- landbundes sich in einer Sitzung am Mittwoch einstimmig gegen die Aufnahme des Z 4 des Gesetzentwurfs für das Volksbegehren gegen den Poung-Plan(Strafbarkeit künftiger Unterzeichnung von Verträgen, di« auf der Kriegsschuldlüge basieren) ausg«sproch«n habe: dieser Beschluß sei bei der Veröffentlichung des Entwurfs nicht mehr berücksichtigt worden.-Die Meldung der„DAZ." trifft im wesentlichen zu. Es ist aber anzunehmen, daß alsbald Verhandlungen über eine entsprechende Aenderung des Entwurfs geführt werden, der ja dem Reichsinnenministerium noch nicht zuge- leitet worden ist." So steht Erklärung gegen Erklärung,„Deutsche Tages- zeitung" gegen Hugenberg-Presse, Reichslandbund gegen das Präsidium des Reichsausschuffes für das Volksbegehren. Das Durcheinander ist vollständig. Der Entwurf, der eben erst veröffentlicht worden ist, wird nicht einmal von Hugenbergs Reichsausschuß einmütig gebilligt. Die Regie entspricht dein unsinnigen Inhalt, politische Unfähigkeit' hier wie da. Diese grenzenlose Blamage wird hervorgerufen durch die Fassung des Paragraphen 4. Ueber ihn schreibt die„K ö l- nilche Zeitun g", die den Entwurf ein erschütterndes Dokument politischer Unfähigkeit nennt: „Der entsprechende Paragraph des Strafgesetzbuchs, der aus- drücklich in dem Gesetzentwurf für das Volksbegehren zitiert wird, besagt:„Wer vorsätzlich ein ihm... ausgetragenes Staats- geschäft mit einer anderen Regierung zum Nachteil dessen führt. der ihm den Auftrag erteilt hat, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Iahren bestraft." Vorsätzlich zum Nachteil! Wie soll man diesen Passus im Volksbegehren, der— nicht offen, aber verschleiert aus dem Hinterhalt— auf die Verhandlungen der de u t- schen MinistcrimHaagabzielt, nennen?... Uns fehlen die parlamentarischen Ausdrücke dafür. Wundern muß man sich allerdings über die Naivität des Reichsausschuffes: denn wenn die Unterzeichnung des Poungschen Plans Landesverrat sein soll, was war dann die Abstimmung der deutschnationalen Ja- s a g e r vor fünf Iahren? Qualifizierter Landesverrat etwa? Es liegt schneidende Selbstironie in dem„Gcsetzent- wurs" der Veranstalter dieses Volksbegehrens. Wir bedauern es tief und aufrichtig, daß die Führer des Reichsausschuffes, Hugenberg, Hitler und Seldte, sich mß diesem Ausruf vor aller Oeffentlichkoit den Anspruch verscherzt haben, als ernsthafte Politiker gewertet zu werden." Hier tritt die politische Bedeutung dieses Paragraphen. der tiefere Grund der Ablehnung durch den Reichslandbund hervor: dieser Entwurf und dieser Paragraph schließt die Beteiligten auf lange Zeit von ernsthafter praktischer Politik, von allen Kombinationen möglicher parlamentarischer Regie- rungen aus, er ist die völlige Unterwerfung des realpolitischen Flügels der Deutschnationalen unter die Diktatur des atti- vistifchen Rechtsradikalismus. Er bedeutet die Unterwerfung Hugenbergs unter die Führung der Hitler und Kompagnie. Diese Leute nehmen die Vaterschaft des Entwurfs für sich in Anspruch. Herr Dr. Frick reklamiert sie in einem Artikel im„Völkischen Beobachter". Er hätte die Fassung des Paragraphen 4 noch brutaler und be- leidigender gewünscht: „Zarte gesellschaftliche Rücksichten auf Anhänger der Strese mann- Partei haben anscheinend eine derart allgemein verständliche Fassung verhindett, während wir Nationalsozialisten auch«ine gesellschaftliche Aechtung der Strese- männer o b ihres ungeheuerlich en Verbrechens am deutschen Volke für eine Selbstverständlichkeit erachten. So muß die den Entwurf erläuternd« Propaganda das dort versäumte nachzuholen versuchen." Hier ist die Absicht der Verleumdung und der Hetze brutal herausgesagt. Hier offenbaren sich die Kräfte, die diesem Plan das Gesicht gegeben haben, und die Ziele der Aktion. Das Ziel ist Sabotage der Befreiung des Rhein- landes, Sabotage der Ingangsetzung des Poung-Plans. Frick legt dar, daß die Nationalsozialisten das Haupt- gewicht auf die sofortige Einreichung gelegt haben, um einc Beschlußfassung des Reichstags zu verhindern: „Deswegen hat nunmehr der Reichsausschuß beschlossen, bevor noch der Reichstag überhaupt in die Lage kommt, dem Trrbutplan zuzustimmen, ein Volksbegehren zu stellen, das diese Zu st im- mung unmöglich macht, wenn nicht Regierung und Reichs- tag sich eines glatten Verfassungsbruches schuldig machen wollen." Herr Frick behauptet, daß die Emreichung eines Volks- begshrens automatisch das Beschlußrecht des Reichstags suspendiere— eine unmögliche staatsrechtliche Konstruktion! Das würde bedeuten, daß eine lächerlich kleine Minderheit ein aufschiebendes Vetorecht erhielte» daß eine solche Minder- heit mit Erfolg den Vollzug staatspolitischer Notwendigkeiten von höchster Bedeutung sabotieren könnte! Diese offene Be- kundung der Sabotageabsicht ist ein vernichtendes Dokument für die Macher des Volksbegehrens. Herr Frick— ausgerechnet Herr Frick— als Vater des Volksbegehrens! Herr Frick legt den Kurs der Hugenberg Front und damit den Kurs der Deutschnationalen Volks partei auf lange Zeit fest, Hitler und die Seinen führen Hugenberg und feine Parteil Im deutschnationalen Lager seufzt man nach einer Ver Hinderung des Volksbegehrens. Man läßt Versuchsballons steigen, ob nicht S e v e r i n g das Volksbegehren, wenn nicht verhindern, so doch für verfassungsändernd erklären und damit eine Rückzugslinie öffnen werde. Keine Illusionen! Das Reichsinnenministerium ist entschlossen, das demokratische Recht des Reichsausschuffes, sich selbst zu entlarven und lächer lich zu machen, kräftig zu schützen? Ihre wahre Lteberzetigiutg. Wir finden in einer illustrierten Zeitungsbeilage ein Bild von Koblenz, darunter die Unterschrift:„Das Rheinland wird frei!" Bild und Unterschrift geben die Empfindungen wieder, die jeden Deutschen angesichts des Erfolges der Haager Konferenz beseelen — Freude und Befreiung. Bild und Unterschrist finden sich in der Bilderbeilage, der Kreuzzeitungl Das sind ihre wahren Empfindungen— aber trotzdem Hugenberg-Voltsbegehren, um die zu bespucken, die die Befreiung erreicht haben. Kriegsminister Tom Shaw an die englischen Aesatzungstruppen. London, 13. September.(Reuter.) Der StaatssekretSr für das Kriegswesen, Tom Shaw hat an den Oberstkommandierenden der britischen Rheinarmee ein Schreiben gerichtet, in dem er den Armeeangehörigen aller Dienst grade seinen tiefsten Dank für die Art zum Ausdruck bringt, in der sie sämtlich Englands Ruf der Ritterlichkeit, der Höflichkeit und des bair play während der ganzen Zeit aufrecht erholten hätten, wo das Rheinland von britischen Truppen besetzt war. Weiterhin bringt der Brief tiefe Genugtuung darüber zum Ausdruck, daß es den englischen Truppen vergönnt sei, vom Rhein zurückzukehren, begleitet von der Achtung des Volkes, in desien Mitte sie so lange«inquartiert gewesen seien. Sozialer. Ausschuß vertagt. Nächste Sitzung Donnerstag. In der Fortsetzung der Beratung des Sozialen Aus-fchusies - wurden mehrer« sozialdemokratische Anträge abgelehnt Abg. Graßmann(Soz.) wendet sich gegen einen Antrag der Wirtschaftsportei, daß die Sperrfrist in allen Fällen vier Wochen betrogen soll, während sie nach der Regierungsvorlage aus 14 Tage verkürzt werden kann. Der Antrag der Wittschaftspartei wird gegen die Antragsteller abgelehnt. Der Redner begründet weiter die sozialdemokratischen Anträge auf Abmilderung der Be stimmungen über Sperrftisten. Die Anträge werden gegen So zialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Abg. Frau Schröder(Soz.) fordert, daß§ 8Sa in der Fassung des Ausschußbeschlusses der ersten Lesung geändert wird. Jetzt gilt nicht als arbeitslos,„wer im Betrieb« der Angehörigen den gemeinsamen Lebensunterhalt mit erwirbt oder mit erwerben kann, falls dies den Beteiligten billigerweif« zugemutet werden kann". Wir fordern, daß dies insbesondere dann nicht anzunehmen ist, wenn die Beteiligten nicht in häuslicher Gsmeinschaft leben. Frau Abg. T e u f ch(Z.) spricht gegen den sozialdemokratischen Antrag. In der Mstimmung wird der Antrag mst allen bürger lichen Stimmen gegen die sozialdemokratischen und kommunistischen Stimmen abgelehnt. Abg. Iäcker(Soz.) weist daraus hin, daß für die Forst- a r b e i t« r, die auf Jahresarbeitsvertrag angestellt sind, große Härten bestehen. Dieselben sind versicherungspflichtig durch eine Entscheidung, in der erklärt worden ist, daß die Forstarbeiter in der Zeit, in der infolge der Witterungsoirhältnisse nicht gearbeitet werden kann, ein« Unterstlltzungsberechtigung nicht gegeben ist, weil das Beschäftigungsverhältnis weiter besteht. Er fragt die Regierung, ob die Waldarbeiter aus der Versicherung ausgenommen sind. Sollt« das nicht der Fall sein, müssen dieselben, wenn sie nicht beschäftigt werden, Unterstützung bekommen. Ministerialdirektor Weigert erklärt, daß die Forstarbeiter nicht als arbeitslos anzusehen sind, da das Veschäftigungsvechältnis fortbesteht. Es dürfte sich empfehlen. kurzfristige Arbeitsverträge zu schließen oder einwandfreiere Jahres- Verträge abzuschließen, die den Forstarbeitern auch während der Winterzeit eine Entlohnung zugestehen. Das Reichsarbeitsministerium will mit der preußischen Forstverwaltung Rücksprache nehmen. Abg. A u f h ä u s e r(Soz.) verlangt ein« neue Fassung des 98a, um die Wohlfahttsarbeiter der gemeindlichen Arbeitsfür- iorge hinsichtlich der Anwartschaft nicht zu benachteiligen. Der ent- sprechende sozialdemokratisch« Antrag wird nach längerer Debatte gegen Sozialdemotruten und Kommunisten abgelehnt. Abg. K a r st e n(Soz.) begründet zu 8 83 folgenden Antrag: ..Die Annahm« der Arbeitsunfähigkeit ist auch in diesem Falle aus- geschlossen,.wenn ein Anspruch des Arbeitslosen auf Leistungen der Reichsoersicherung rechtskräftig deswegen abgelehnt worden ist, weil er nicht als arbeitsunfähig anerkannt worden ist". Karsten weist darauf hin, daß der Arbeitslose in jedem Fall aus einer Ver- sicherung unterstützt wird. Der Antrag wird angenommen. Auf Antrag der Frau Abg. Schröder(Soz.) wird in zweiter Lesung hinsichtlich der Lehrlinge folgende wesentliche Verbesserung beschlossen:„8 ISl) Abs. 2 Nr. 1 wird dahin geändert, daß hinter den Worten„maßgebend ist und" die Worte eingefügt werden: „für unentgeltlich beschäftigte Lehrlinge und für Lehrlinge, deren Arbeitsentgelt geringer als 6 Reichsmark in der Woche oder 25 Reichsmark im Monat Ist, jedoch mindestens in Bruchteilen dieses Betrages". Abg. Esser(Z.) schlägt vor, nunmehr den Ausschuß auf den nach st en Donnerstag zu vettagen, da in der Zeit die Ab- geordneten des Zentrums durch die Teilnahme an dem Kongreß der christlichen Gewerkschaften abgehalten sind. Graf Westarp schlägt vor, den Ausschuß erst wieder zusammenzuberufen, wenn eine neue Vorlage der Regierung unterbreitet werden kann. A u f h ä u s e r(Soz.) widerspricht diesem Borschlag und be- steht darauf, daß die Verhandlungen Donnerstag zu Ende gefühtt werden. Der Ausschuß beschließt, gegen die Deutschnationalen, am Donnerstag, 2 Uhr, wieder zusammenzutrete«. Die Untersuchung der Attentate. Vi« AUonaer Protokolle zur Berliner Llnlersuchung herangezogen.- Richterlich« Entscheidung soll bald erfolgen. Durch einen Beamten des Berliner Polizeipräsidiums sind der Abteilung la am Freitag die bisher in der Attentatsafsäre in Schleswig-Holstein aufgenommenen Vernehmungsprotokolle der dort oerhafteten Personen übermittelt worden. Ausgabe der Berliner Kriminalpolizei ist es nun, durch Vergleich der Altonaer Pro- tokolle mit den Ergebnissen der Berliner Verhöre festzustellen, ob daraus neues belastendes Material gegen die in Berlin Festgenom- menen sich ergibt oder ob zur Klärung von einzelnen Punkten noch- malige Vernehmungen oder auch Gegenüberstellungen notwendig sein werden. Erst wenn diese immerhin recht umfangreiche Arbeit beendet ist, wird die Polizei an eine D o r f ü h r u n g der in Berlin in Gewahr- sam befindlichen Personen vor den Vernehmungsrichter denken können. Auf jeden Fall soll aber die Uebergabe der Polizei- atten an den Richter so schnell als möglich erfolgen, zumal schon eine ganze Reihe diesbezüglicher Anträge von Rechtsbeiständen vor- liegen. Wiederfreilassung von drei verhasteten Nationalsozialisten. Altona. 13. September. Am Freitag nachmittag gegen S Uhr wurden die am Mittwoch abend im Altonaer Hauptbahnhof verhasteten Nationalsozialisten, der Redakteur Ehlert von der„Schleswig-Holsteinischen Tages- zeiwng", der Gaugeschäftsführer der NSAP. B riz- Altona, sowie der Kaufmann R e n tz s ch aus Pinneberg auf freien Fuß g« se tz t. Der Hauptschnftleiter U h s e wird noch weiter in Haft behalten. Hiniergründe der Vombenverschwörer. Wefchkes Beziehungen zu Stahlhelm, Landbund und Nationalsozialisten. Dem„Soz. Pressedienst" wird aus Holstein geschrieben: Bon den Verhasteten in der Attentatsaffäre hat bisher allein der„Landvolksyndikus", Oberleutnant a. D. Bruno Wefchke aus Itzehoe ein Geständnis abgelegt. Er hat die Mittäterschaft an dem Anschlag zu Beidenflech zugegeben. In diesem Zusammenhang dürfte die Mitteilung interessieren, daß Wefchke Kreisgeschäftsführer des Laadbundes i« Itzehoe war. Dies ist um so bedeutsamer, als die Parteien und Organisa- iionen der Rechten ängstlich bemüht sind, jeden Zusammenhang mitt der Landvolkbewegung und den Bombenwersern in Abrede zu stellen. Weschke hat aber nicht nur beiden Organisationen an- gehört, nein, er war geradezu der Schrittmacher des Landbundes in der Landvokkbewegung. Die Land- volkbewegung Schleswig-Holsteins, die neben der berufsständischen Organisation der Landbevölkerung in Landbund und Bauernbund als rein politische Bewegung einherging, stand zunächst unter dem Einfluß des Bauernbundfllhrers Iohannsen- Neuen- koog und H a m k e n s- Tetenbüll. Da nun der Dauernbund, d. h. die vom Schleswig-Holsteimschen Bauernoerein unter diesem Namen aufgezogene Einheitsorganisaiion, dem Landbund bedeutend Abbruch getan und auch die Leitung der Landwirtschaftskammer an sich gerissen hatte, fürchteten die Landbundführer eine weitere Verstärkung des Bauernbund. cinflusses, wenn auch die Führung der Landvolkbewegung in seinen Händen blieb. Die Landbundführer gaben also Weisung an ihre Anhänger, die Londvolkbewegung auf dem Wege„friedlicher Durch- dringung" an den Landbund zu binden. Neben den Landbundgrößcn Wolf- Eisendorf und Hansen-Breitenfelde war es oornehmii h Weschke, der dieser Aufgabe diente. Er knüpfte enge Fäden zwischen Wchrverbänden und Landvolkbewegung, gründete mit Hilfe des Stahlhelms und der Reiter» vereine des Landbundes die zum Teil berittene Jung» nordmarkwehr, eine faschistische Iungbauernorganisaiion. Daneben war Weschke auch an der Gründung der dem Stahlhelm nahestehenden Wehrorganisationen„Grüne Front" und„W a ch- gesellschaft Westküste" beteiligt. Alle drei Wehrverbände verflocht er aufs innigste mit der Landoolkbewegung, innerhalb deren er sehr oft als Redner austrat. Seine Hetzreden fielen sogar neben dem wüsten Geschimpfe der Landoolksührer auf durch b c- sonders niederträchtige Agitationslügen und die mit kalter, wohldurchdachter Bosheit vorgebrachten Anpöbelunzen der Regierung und der Linksparteien. Wefchke unterhielt auch enge Beziehungen zu den Nationalsozialisten, mit deren Hauptfinanzier, dem Mühlsteinfabrikanten Schneider, er eng befreundet war. Schneider hat bisher zur Finanzierung der„Schleswig-Holsteinischen Tageszeitung", des nordmärkischen Blattes der NSDAP. SO 000 M. beigesteuert. Besonders liebreich nahm sich Weschke auch der Dorf- siedelungen des Lockstedter Lagers an. Dort sind ehe- malige Baltikum- und Ehrhardt-Truppen angesiedelt, die heute alle völkisch oder nationalsozialistisch organisiert sind und durch ihr terroristisches Auftreten seit langem der Schrecken von West- und Mittelholstein sind. Warum Hiiler krampfhast abrückt. Kiel, 13. September.(Eigenbericht.) Hitlers Versuch, von den Bombenattentätern in Schleswig- Holstein abzurücken, ist nicht ernst zu nehmen. Die Tatsache ist unbestreitbar, daß die Beziehungen der Attentäter zu den Nationalsoziali st en recht enge gewesen sind. So hat bei- spielsweis« der oerhaftete Goldschmied P l ö h n aus Itzehoe noch im letzten Wahlkampf wiederholt nationalsozialistische Versammlungen geleitet. Wenn auch der Konkurremz- kämpf zwischen den Naiionalsozialisten und den Landvolkkeuten offiziell zeitweilig recht hart war, so blieb die P e rs o na lun l o n nicht weniger Führer beider Bewegungen bis m die letzte Zeit hinein bestehen! Jedenfalls kann keine Red« davon sein, daß die Nationalsozialisten Schleswig-Holsteins jemals ohne Derbin- dung mit den verhafteten Bombenattentätern gewesen sind. Nichter und Nepublik. Die Vertrauenskrise der Lustiz und die Lustizresorm. Köln, 13. September.(Eigenbericht.) Der deutsche Richtertag setzte ein mit einem erfreulichen ekenntnis zur Republik. Nach den Ansprachen des Reichsjuftizmmisters o. Guerard und des preußischen Justiz- Ministers Schmidt betonte der Vorsitzende des Deutschen Richter- bundes, Senatspräsident Reichert, im Schlußwort des Be- grühungsaktes: „Die deutschen Richter stehen treu zur Verfassung. Dieses ist für sie kein Lippenbekenntnis, sondern es ist ihnen ernst mit dem Eid, den sie auf die Verfassung geleistet haben. Sie dienen der Ver- assung nicht nur äußerlich mit dem Verstände, sondern auch inner- lich mit dem Herzen." Trotz dieses Bekenntnisses war es nicht ganz zutreffend, wenn einer der späteren Redner meinte: Hiernach müssen alle Angrifft auf den Richterstand verstummen, und es wäre nicht loyal, nach solchem Bekenntnis noch weiter den Vorwurf der Rxpublikfeindlichkeit gegen die deutschen Richter zu erheben. Das Volk bildet sich sein Urteil über die Richter nicht nur nach den Bekenntnissen auf den Tagungen, 'andern vor allem nach dem Maß des Schutzes, den unsere Richter der Republik angedeihen lassen. Der erste Tag behandelte die Frage, ob eine grundlegende Iustizreform notwendig ist. Diese Frage wurde vom ersten Referenten, dem Landgerichtspräsidenten H e r m s e n, Koblenz, b e- j a h t. Herr Hermsen will allerdings das Wort von der Vertrauens- krise nicht mehr für berechtigt halten, er räume der Vertrauenskrise aber ein Gutes ein. Sie habe das Interesse der Richterschaft für Reformen angeregt und neu belebt. Mit vollem Recht betonte Land- gerichtspräsident Hermsen: heule trägt nicht mehr das Amt den Richter, der Richter muß sich vielmehr das vertrauen seiner Volksgenossen, das ihn tragen muß. durch sein können, wissen und durch seine Persönlichkeit erringen. Deshalb will auch Hermsen nichts von einem besonderen Richter- 'chutzgesetz wissen, denn nicht ein solches Gesetz kann das Ansehen des Richters sichern, sondern der Richter kann sich nur durch seine Persönlichkeit zu Anfthen verhelfen. Im übrigen ist Hermsen der Ansicht, daß es uns an Ri ch t e r p e r s ö n l i ch k e i t e n fehlt. Allein in Preußen gibt es 7000 Richter. Diese könnten unmöglich alle Persönlichkeiten sein, vielmehr mache sich hier der Durchschnitt breit. Hermsen sieht die Zukunft in einer einschneidenden Permin- derung der Zahl der wirklichen Richter. Hierzu kann seiner Ansicht nach nicht die sogenannte kleine Justizreform, auch nicht die Ver- Minderung der Instanzen helfen, sondern als Radikalmittel schlägt hermsen vor, die freiwillige Gerichtsbarkeit völlig von der streitigen Gerichtsbarkeit zu trennen. Der Richter der Zukunft soll n u r n o ch entscheiden, alles rein Verwaitungstechnische, die Porbereitung des Verfahrens usw. soll ihm von Richtergehilfen abgenommen werden, die auch Volljuristen, aber keine eigentlichen Richter sein sollen. So soll das Amt des Richters ausgeübt werden von einer kleinen Schar erlesener und hochqualifizierter Männer. Man wird gegen diesen Gedanken vielleicht Zweifel vorbringen können, er ist aber jedenfalls eine gründlick)« Prüfung wert. Sehr gegen dieses Referat fielen die Ausführungen des zweiten Redners ab, des Reichsgerichtsrats Linz. Seine Ausführungen waren im Grunde der beste Beweis, daß die verirauenskrise noch nicht überwunden ist. Zur Justizreform wußte Herr Linz herzlich wenig Material beizu» bringen. Dagegen setzte er sich in polternder und sehr oberflächlicher Weise zur Wehr gegen die Kritik, die von der linken Seite an der Justiz geübt worden ist. Daß es auch eine viel heftigere Kritik in letzter Zeit von der Rechten gibt, daß die Femeurteil« von der Rechts- presse als Bluturteile und die Richter in den Femeprozessen von den Nationalsozialisten als Lumpen beschimpft worden sind, davon scheint Herr Reichsgcrichtsrat Linz noch nie etwas gehört zu haben. Der Ton, in dem sich dieser�Richter mit der Presse auseinandersetzt, wird etwa durch folgenden Satz charakterisiert:„Laien, die sich zutrauen. Rechtskenntnisse zu besitzen, greisen zum Stifte und pöbeln die Recht- sprechung an, weil in irgendeinem Urteil ihre Meinung nicht ge- trossen ist." Nach Herrn Linz sind natürlich anallemnurdi-Kritiker schuld, die nichts verstehen und von der Wahrheit keine Ahnung haben, daneben sind die Parlamente schuld und die Gesetzgeber, auch die Minister. Nur die Richter selber sind an der Iustizkrise völlig unschuldig. Es ist bezeichnend, daß zu den Kraststellen des Herrn Linz ein Teil der Versammlung demonstrativ applaudierte. Nament- lich, als Herr Linz behauptete, daß das Ansehen der Justiz geschädigt worden sei von hohen Stellen, die sich abfällig über einzelne Urteile geäußert hätten. Dabei prägte Herr Linz den seltsamen Satz:„Das Ansehen jeder Behörde im Volk ist nur abhängig von ihrem Rang und ihren Bezügen(er fordert nämlich Gehaltserhöhung). Die Wertschätzung des Volkes für die Justiz reicht genau so weit wie die Wertschätzung, die die Reichsregierung der Justiz angedeihen läßt." Das ist eine seltsame Selbsteinschätzung! In der Aussprache ergriff unter anderem Reichsjustizminister a. D. Schiffer das Wort. Roch seiner Ansicht kommt es nicht auf eine andere Verteilung der Geschäfte an, sondern die Geschäfte selber müssen vermindert werden. Weniger Richter für weniger Rechtssachen! Der große Ballast der Gesetze und Verordnungen müsse radikal vermindert werden. Was er selber als Minister in dieser Hinsicht getan hat. führte Herr Schiffer leider nicht an. Aus zum fröhlichen Volksbegehr! Die Mobilmachung der LA- Säger. Klotteneinigung erzielt! Von Washington amilich bestätigt. Ilew Dort. 13. September. Die Washingtoner Regierung gibt amtlich bekannt, dah eine englisch-amerikanische Flotlenverständi- gung erreicht sei. Rem V o r k. 13. September. Die amtliche Bekanntgabe über die Kloltenverständigung zwischen England und Amerika erfolgte durch Staatssekretär S t i m s o n mit der Bemerkung:»wir sind nun fürdiekonserenzderwächte bereit." Diese Erklärung Stimson» wird in ollen Washingtoner Meldungen stark unterstrichen. Auch wird berichtet, dah die Klottenverständigung aus der Grundlage erfolgt sei, dah die Beschränkung der Rüstungen nach Schisssklassen erfolgen müsse. Das bedeutet, daß sie sich nicht nur aus die Sreuzersrage bezieht. 3a der Behandlung einiger Einzelfragen sollen aber noch kleinere Differenzen zwischen England und Amerika bestehen. doch kann die Einigung als vollzogen betrachtet werden, nachdem die Verständigung in der kreuzerfrage herbeigeführt wurde. Die Grundlagen der Einigung. London, 13. September. Die englisch« Admiralität hat, wie oerlautet, ein« Mindesttonnage festgelegt, die als die unterste Grenze der Reichssicherheit bezeichnet wird. Diese Ziffer beträgt 339 990 Tonnen und bezieht sich n u r aus Kreuzer, die den�strittigen Punkt bei den Verhandlungen mit Amerika darstellen. Auf dieser Grundlage würde die englische Flott« ein Mehr von 49999 Tonnen ver- glichen mit der amerikanischen Kreuzertonnage erhalten. Dieses Mehr von 49 999 Tonnen stellt denn auch den„kleinen Unter- schied" in den beideiseitigen Auffassungen dar und gleichzeitig den zukünftigen Berhandlungsgegenstand Macdonolds in Amerika. Osfentsichtlich ist man in London bereit, in diesem Punkte zu einem Vergleich zu kommen. Schon seit längerer Zeit wird daraus hingewiesen, dah England den Hauptwert nicht so sehr auf die Größe, sondern auf die Zahl der Kreuzer leg'. In London betont man immer wieder das Interesse Amerikas an der Bermel- dung eines großen Neubauprogrammss. Auch rechnet man heute damit, daß man sich auf halbem Wege einigen wird, das heißt, die Vereinigten Staaten würden mehr 19 999-Tomien-Kreuzer erhalten als England, was auch bereits in dem englischen Vorschlag 18: 15 zum Ausdruck kam. Der Besuch Macdonalds in Washington soll nicht länger als eine Woche dauern. Er wird einige Tage Gast des omerika- nischen Präsidenten im Weihen Hause sein. Heute am Spätnachmittag fand in der Downingstreet«ine Kabinettssitzung unter der Leitung von Ministerpräsident Macdonald statt. Man geht wohl in der'Annahme nicht fehl, daß es sich hauptsächlich um die Besprechungen in der Flotten- abrüstungsfrage gehandelt hat. Englands neue Außenpolitik. London unabhängig vom Quai d'orsay. Wien in Bewegung. Wenn die Arbeiterpartei ruft... Zur Vorbereitung der etwa notwendigen Abwehr eines Faschistenputsches— denn Wien ist nicht Rom— veranstaltet die weit über 499 999 Mitglieder starke sozialdemokratische Organisation Wien in dieser Woche 499 Mitgliederversammlungen der Partei- sektionen. Sie sind alle massenhaft besucht, sehr oft müsien Parallel- Versammlungen auf der Straße, in anderen Lokalen usw. abgehalten werden. Kommende Woche versammeln sich bezirksweise die sozial- demokratischen Frauen, und in der übernächsten Woche folgen allgemein zugänglich« Volksversammlungen. Ueber die Weiter- s ü h r u n g der Aktion, die auch auf dem Lande und in den Pro- vinzstädten betrieben wird, ist noch nicht beschlossen. Der R e p u- blikanische Schutzbund hat bereits tausend Reubei- tritt e, einzelne und körperschaftliche, zu verzeichnen. Die Untersuchung von St. Lorenzen. Infolge der Schlacht von St. Lorenzen sind zwei Schutz- bündler gestorben, aber kein Heimwehrler. Verhastet sind bis jetzt zwei Sozialdemokraten, der Parteisekretär T ö s ch und der Kljährige M o sa u e r— beide nur auf Beschuldigung durch die Heimwehr: gegen auch nicht einen Faschisten ist bisher eine Unter- suchung eingeleitet. Zu einem Lokaltermin in St. Lorenzen waren "ur die B e s chu l di ge r zugezogen, die Beschuldigten nicht, und ihr Verteidiger wurde ausdrücklich ausgeschlossen— nachdem der faschistische Direktor der Böhlerwerke mit dem Untersuchungsrichter „gesprochen" hatte. Dieser Untersuchungsrichter, eigens aus Graz hingeschickt, leidet an dem Gebrechen des Stotterns und ist vielleicht dadurch gebieterischen Einflüssen leichter zugänglich. Von den R i ch- t e r n des Kreisgerichts Leoben trägt einer stets dos H e i m w e h r- a b z e i ch e n, ein anderer führt den Wehrturnerzug der Heimwehr und marschiert ihm bei Aufmärschen voran. Da soll man Vertrauen zu dieser Justiz haben! Cs kriseli in polen. PPS. für Einberufung des Parlaments. Warschau, 13. September. Der Vollzugsausschuß der sozialistischen Partei Polens hat die Entscheidung über die Beteiligung an der vom Ministerpräsidenten Switalski angeregten Kon serenz zwischen Sejmvertretern und Regierung der parlamentarischen Fraktion übertragen. Immerhin hat sich der Vollzugsausschuß prinzipiell für die Einberufung einer Sejmsession, jedoch gegen die Be- tdligung an dieser Konferenz ausgesprochen, sofern diese nicht im Sejm stattfinden sollte. Im Lause des heutigen Tages wird die sozialistische Sejmsraktion eine Beratung abhalten, um zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Morgen werden die Vertreter der pol- nischen Linken und des Zentrums eine Besprechung abhalten, wobei, wenn mpglich,«ine gemeinsame Stellungnahme beschlossen werden soll. Man erwartet, daß bis zu diesem Zeitpunkt Sejmmarschall D a s zy n j k i irgendwelche näheren Informationen erteilen kann über den Charakter der von der Regierung bzw. Mar- schall P i l s u d s k i geplanten Beratung. Es wird nämlich für heute oder morgen die Rückkehr Marschall Pilsudskis aus Druskieniki er- wartet. Genfer Kommissionsbeschlüsse. Gens, 13. September.(Eigenbericht.) Der französische Arbeitsminister L o u ch e u r begründete und begrüßte am Freitgvormittag die englisch-sranzösiscy- belgische Einigung in dem im Vordergrund nicht nur des Wirtschaftsressorts, sondern der diesjährigen Völkerbundsversamm- lung überhaupt stehenden Zoll- und Kohlenfrage. Die drei Mächte gehen vollständig gemeinsam vor in dem Bestreben, so bald wie möglich einen zo ll p o li t is ch e n Waffenstill. stand herbeizuführen. England und Frankreich lassen ihre bis- herigen Anträge zur Kohlenfrage fallen zugunsten einer gemein- samen Förderung der europäischen Kohlenregelung, die in weitem Umfang« die Vorschläge der Vergarbelter-Inlernallonale, die von Deutschland vollständig übernommen worden waren, berücksichtigen. Die endgültige Formulierung des gemein- samen Kohlenantrages der beiden führenden Kohlenländer ergibt das folgende Bild: Die Regelung der Arbeitsbedingungen des Bergbaues soll dem Internationalen Arbeitsamt übertragen werden, das auf einer 1939 zu veranstaltenden Arbeits- konferenz internationale Abkommen über Arbeitszeit, Löhne und sonstig« Arbeitsbedingungen abschließen soll. Diese Regelung soll durch eine, sobald als möglich vom Berwaltungsrat des Arbeitsamtes einberufene technische Konferenz der interessierten Regierungen, Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor- bereitet werden. Der Völkerbundsrat soll aus Grund des Ergeb- nisses der gemeinsamen Beratungen der Kohlenarbeiter und Kohlenarbeitgeber eine Konferenz der interessierten Regie- ru n g e n zum Studium einer internationalen Kohlenregelung ein- berufen. Die Teilnahm« der Arbeitnehmer an dieser dritten Konferenz ist o f f e n g e la s s e n. Aber der englische Staatssekretär D a l t o n betonte, daß sich seine Regierung die internationale Kohlenrcgelung in engstem Einvernehmen mit den Bergarbeiter-verbänden denke. Es gelte, durch Mitarbeit im Völkerbund den Arbeitern Europas und der ganzen Welt zu zeigen, daß Genf eine Werkstatt für den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Frieden sei. Die englisch-französische Kohlenverständigung ist unter Mitarbeit von Albert Thomas und Jouhaux zu- stände gekommen. Deutschland bemitzte di« Möglichkeit, sofort in eine Linie mst den beiden anderen Kohlenländern zu kommen. nicht. Die englisch-sranzösisch-helgische Entschließung icher den Zoll- frieden trägt den deutschen Bedenken.Rechnung, indem nicht nur die direkte, sondern auch jede indirekte zolltechnische Erhöhung der Zölle während zwei Jahre verboten werden soll. Siaaissekretär Staudinger. Ministerialdirektor Staudinger vom Preußischen Handels- Ministerium ist zum S t a a t s f e k r e t ä r in demselben Ministerium ernannt worden. Er tritt sein Amt am 1. Oktober als Nachfolger des Staatssekretärs von Leefeld an, der die Altersgrenze erreicht hat. Staatssekretär Staudinger war zunächst im Kriegsernährungs- amt, später im Reichswirtschaftsministerium tätig. Im Herbst 1927 schied er als Ministerialrat aus und wurde als Ministerialdirektor ins Preußisch« Handelsministerium berufen. Staudinger ist Sozial- demokrat. Paris, 13. September.(Eigenbericht.) Das Interview, das Macdonald dem Chefredakteur des„Petit Parisien" in Genf gewährte und besten Veröffentlichung das Pariser Blatt auffallenderweise um mehrere Tage verzögert hat, stellt eine progranimatische Erklärung von außerordentlicher pvliti- scher Tragweite dar. Der Ches der englischen Arbeiterregicrung hat darin nicht nur eine klare und eindeutige Erklärung für die Haltung Snowdens im Haag und seine eigene in Genf gegeben, sondern er hat darüber hinaus kein Hehl daraus gemacht, daß die englische Arbeiterpartei die Regierung übernommen hat mit der festen Absicht, der englischen Außenpolitik, die bis dahin ausschließlich imSchlepptauFrankreichs gesegelt war, eine neue Richtung zu geben. Die Kritik, die Macdonald bei dieser Gelegenheit an seinen Vorgängern geübt hat, war scharf, aber sicher nicht unbegründet. „Die Politik des konservativen Kabinetts gegenüber Frankreich konnte nicht mehr eine Zusammenarbeit genannt wer- den. Sie war Subordination geworden und in volle Ab- h ä n g i g k e i t vom Quai d'Orsay geraten." Macdonald will an ihre Stelle keineswegs eine gegen Frankreich gerichtete Politik setzen, im Gegenteil, er hat ausdrücklich betont, daß er die freundschastliche, auf die Gemeinsamkeit der Interessen und die gegenseitige Sympathie begründete Zusammenarbeit fortzusetzen beabsichtigt, und er hat diese Erklärung unterstrichen durch die Feststellung, daß die politischen Ziele beider Länder und beider Völker nach wie vor gleich seien. Es wäre also ein großer Irrtum, aus den Erklärungen Macdonalds die Absicht eines englischen Abrückens von Frank- reich folgern zu können, wovon der englische Premierminister ab- gerückt ist. ist die vorkriegs-Konzeption der europäischen Politik, die glaubte, durch Koalition den Gegner im Schach hallen zu können. „Das englisch-französische Bündnis," erklärte er wärt- lich,„war ausgesprochen gegen Dritte gerichtet. Die Auffassung der Arbeiterpartei aber geht dahin, daß die frenndschastlichen Beziehungen zweier Völker unter keinen Umständen eine Spitze gegen einen Dritten haben darf." Unzweideutiger kann man seine politischen Absichten kaum auslegen. Die englische Arbeiterregierung, die sich die Festigung des Friedens und die Förderung der internationalen Verständigung zum Pro- gramm gesetzt hat, will zunächst einmal Unabhängigkeit und Völker- sreiheit sicherstellen. Daß sie entschlossen ist, dieses Programm ener- gisch in Angriff zu nehmen, hat sie bereits in Genf gezeigt, wo ihre verschiedenen Initiativen einen erfrischenden Luftzug in die internationale Diskussion gebracht haben, die mehr und mehr in allzu großer Passivität zu erstarren drobt«. Der Antrag, die Völkerbundssatzungen im Sinne des Kcllogg-Paktes abzuändern, und ihr Versuch, die A b r ü st u n g s- d e b a t t e n endlich aus dem Stadium unfruchtbarer Phrasen- drescherei herauszuführen, hat im nationalistischen Frankreich W u t ausgelöst. Macdonald aber scheint nicht gesonnen, sich durch ihr« Polemik in irgendeiner Weise beirren zu lassen. So hat am Freitag die englische Regierung durch Lord Robert C e c i l in Genf den Antrag gestellt, die von der Abrüstungskommission im vergangenen Jahre ausgearbeiteten Entwürfe gründlich zu revidieren, was diese Kontroverse in den nächsten Tagen wahrscheinlich noch weiter verschärfen wird. Englands Abrüstungsvorstoß. Paris, 13. September.(Eigenbericht.) Der Genfer Korrespondent des„Temps" glaubt die R e s o« l u t i o n, die Lord Robert Cecil am Freitag abend oder am Sonn- abend im Namen der englischen Regierung in der A b r ü st u n g s- k o m m i s s i o n abgeben wird, wie folgt resümieren zu können. Der englische Antrag zerfalle in zwei Teile. Er verlange im ersten Teil die Beschleunigung der vorbereitenden Arbeiten derart, daß die immer und immer vertagte groß« Abrüstungskonfe- r e n z endlich zusammengerufen werden kann. In ihrem zweiten Teil verlangt die englische Resolution Aufklärung über folgende Punkte: 1. ob di« Abrüstung allgemein sei und in gleicher Weise die Armee und das Kriegsmaterial zu Wasser, zu Lande und in der Luft umfassen soll,.;,, 2. ob die Besprechungen der Abrüstungskommission sich lediglich auf die Effektivstärken der Armeen oder auf die Dauer ihrer Ausbildung richten oder beides zusammen«rfasien sollen, 3. ob nach Abschluß einer Vereinbarung die vertragschließenden Parteien bereit seien, sich einer internationalen Kontrolle zu unterwerfen. In dem zweiten dieser Punkte erblickt man in Frankreich einen englischen Vorstoß in der Frag« der ausgebildeten Reserven, in der Frankreich dank der Unterstützung Chamber- lains im oergangen Jahre sich mit seinem Standpunkt durchzusetzen oermochte und in der die gesamte französische Rechtspresse schon jetzt etwaige Konzessionen Frankreichs für unannehmbar erklärt. Kriegsliquidierungskonferenz aller Donau- staaten und polen? Paris, 13. September. Der Genfer Berichterstatter des„Journal des Döbats" spricht von Schritten, die anscheinend gegenwärtig in Genf zum Zweck« der baldigen Einberufung einer Konferenz aller Donau'- st a a t e n unter Hinzuziehung von Polen unternommen würden. Als Zweck dieser Konferenz werde angegeben, daß sämtliche aus dem Krieg sich ergebenden strittigen Fragen, Grundeigentum, Eisen- bahnen, Transportwesen, Bankwesen, Staatsangehörigkeit usw.-- örtert werden sollen. Arbeitsmarkt stagniert. Konjunktur andauernd günstig. Nach den eudgülligen Berichten der Lande sarbeilsämler hat die Zahl der hauptunterftühungsempsänger in der Arbeitslosenversicherung— die in der Zeit vom l. bis ld. September zum ersten ZNale wieder eine Steigerung auswies— in der zweiten Blonats- hälfte in geringem Umfange weiter zugenommen, und zwar von rund 7lb000 aus 726 000, d. h. um 9800 Personen oder 1,4 Proz. Die Zunahme entfällt ausschließlich aus die Männer. während bei den Frauen auch diesmal noch ein Rückgang zn verzeichnen ist. Die Zahl der männlichen hauptunterstützung?- empfänger betrug am 31. August 5Zg 500, die der weiblichen 196 000. Auch die Zahl der hauplunterstühungsempsänger in der Srisenunterstühung ist in der verichtszeit in geringem Maße. nämlich um rund 3000 Personen oder 1.9 Proz. gestiegen. Die prozentuale Zunahme ist hier bei den männlichen und weiblichen hauptunterstühungsempsängern gleich. Die Gesamtzahl der Haupt- iinterstühungsempfängcr in der ärisenunterstühung betrug am 31. August 125 000 männliche und 32 000 weibliche, zusammen 157 000 Personen. *. Ans diesen Mitteilungen, die als Gradmesser für die Kon. jgnktur nur bedingten Wert haben, ist besonders hervorzicheben das weiter« Absinken der Jahl der weiblichen Hauptunter- stützungsempsänger, während die der männlichen hcmptunter- stützmrgsempfänger weiter, wenn auch nur langsam, orrsteigt. Es ist ein« typische Folge der Rationalisierung, daß die Gelernten teil- weis« durch Angelernte, diese durch Weibliche ersetzt werden. Dieser Umstand und die Saisonarbeit in der Landwirtschaft haben wohl den fortgesetzten Rückgang der weiblichen hauptunterstützungs- empfänger verursacht. Aber die 883 000 Unterstützungsempfänger der Reichsanstalt und der Krisenfürsorge stellen bei weitem nicht dos ganze Kon- tingent der erwerbslosen Arbeitsuchenden dar. Daneben gibt es noch gut eins halbe Million Arbeitsloser, die aus der Wohl- fahrtspflege oder überhaupt nicht unterst ützt wer- den. Und dies im relativ günstigsten Augenblick des ganzen Jahres! Was soll im Winter werden? Dabei ist zu bemerken, daß die Konjunktur sich hält, eher als g ü n st i g zu bezeichnen ist. Wenn die Betriebe Arbeiter entlassen, so liegt das nicht etwa daran, daß diese Betrieb« die Pro- duktion einschränken. Im Gegenteil! Oft geht eine Steigerung der Produktion Hand in Hand mit einer Entlassung von Ar- beitern. Die»Wirtschaft� blüht, die Dividenden steigen, die großen Unternehmungen schwimmen in Rücklagen, Sonderrücklogen und ähnlichen stillen Reserven. Di« Arbeitslosigkeit aber bleibt chronisch, weil Kaufkraft und Arbeitszeit nicht in Uebereinstimmung gebracht werden mit der Produktivität der Betriebe. Maffenentlassungen bei Bergmann. Mit Zustimmung der kommunistischen Betriebsräte. wie die Interessen der Arbeiter durch die sogenannten„roten Betriebsräte" wahrgenommen werden, zeigte sich vor einigen Tagen vor dem Gewerbeausslchtsamt. als dort über den Antrag der Firma Bergmann-Rosenthal auf Entlassung von 510 Arbeitern und Arbelterinnen verhandelt wurde. Bei Verhandlungsbeginn richtete der Vertreter des Metall- arbeiler Verbandes stach I an die Direktion die Frage, ob mit den Betriebsräten über eine Versehung der Arbeiler oder eine Verkürzung der Arbeitszeit verhandelt worden sei. Der Vertreter der Direktion erklärte daraus, daß die Betriebsräte von den geplanten Entlassungen informiert worden seien, aber keine Einwendungen dagegen erhoben hätten. Die„Revolutionäre" mußten b e st ä l i g e n. daß sie mit den vor- schlügen der Direkt.» on vollständig einver- standen gewesen sind. Daß der Betriebsratsvorsihende gerode an diesem Tage, wo über das Schicksal von 510 Menschen entschieden wurde, eine E Inz eltlog e vor dem Arbeltsgericht vertrat, verdient auch feftgeholteu zu werden. Auf den Gedanken, den Termin einige Tage verschieben zu lassen, um an dieser wichtigen Verhandlung teilnehmen zu können, ist dieser„Revolutionär" natürlich nicht gekommen. Räch- dem die Betriebsvertretung der Direktion so schön die Weg« geebnet hat. ist kaum noch damit zu rechnen, daß di« Gewerbe- aufsichlsbehörde die Zustimmung zu den Massenentlastungen ver- weigern wird. Sozialpolitische Notwendigkeiten. Konferenz Ver Arbeitersekre<äre. In Würzburg waren dieser Tage die deutschen Arbeiter- fekretär« zu einer bedeutsamen Konferenz zusamnKN, zu der die Reichstagsfrakti'on den Genossen K a r st e n entsandt hatte. Genösse Peterhansel vom ADGB. referierte zunächst über Auf- und Ausbau der Unfalloersicherung, wobei er in der Haupt- fache das dritte Gesetz über Unfallversicherung vom 20. Dezember 1928 behandelt«. Dieses Gesetz bringe zum Teil eine völlig« Abkehr von den bisherigen Grundlagen der Unfallversicherung und kennt nicht mehr den Begriss des Betriebes und der Betrickstätigkeit. Das neue Recht umsaht nunmehr auch Unfälle bei Lckensrettung und Der- suchen hierzu, sowie die Gewährung von Renten bei Unfällen, von denen Mitglieder solcher Vereine betroffen werden, die einen Betrieb zur Hilfeleistung bei Feuersnot oder anderen Unglücksfällen unter- halten. Der Unfallversicherung unterstehen auch die Feuerwehren und die öffentlichen und privaten Einrichtungen der Kranken-, Wcchl- fahrts- und Gesundheitspflege.. Der Referent verwies dann noch weiter auf die Mängel, die der Unfallversicherung immer noch an- hasten und deren Beseitigung dringend erforderlich ist. Nach der sehr eingehenden Aussprache wurde eine Entschließung einstimmig angenommen, die folgende Forderungen enthält: „Die versicherungsmäßige Erfassung aller Betricke und Tätig- leiten öffentlicher und privater Art. Die Berechnung der Renten nach dem vollen Entgelt und die Beseitigung der Bestimmung, nach der nur OEft Proz. des Jahres- arbeitsverdienstes als Vollrente gelten. Die Berechnung der Renten für die in der Landwirtschaft Beschäftigten hat nach den gleichen Grundsätzen wie in der gc- werblichen Unfallversicherung zu erfolgen. Di« periodisch« Umrechnung der Renten nach dem jeweils gellenden Arbeitsverdienst. Das Pfleaegeld an hilfslose nach d«n Grundsätzen des Reichs- Versorgungsgesetzes zu ändern. Während der Zeit der Krankenhilse sind mindestens die Leistungen der zuständigen Krankenkasse zu gewähren.' Die Leistung«n der Unfallversicherung sind von Amts wegen festzustellen. Ein Verjährung der Ansprüche darf nicht«intreten. Die organisatorischen Grundlagen der Versicherung müssen den oeränderten wirtschaftlichen Derhältnisien angepaßt werden, wobei insbesondere die Bestimmung der Reichsvcrsassung aus maßgebendes Mitbestimmungsrecht der Versicherten zu verwirk- lichen ist." Das folgende Referat über den Ausbau der Invaliden- und Angestelllenversicherun erstattete Genosse Backhaus vom ADGB. Er legte eingehend dar, daß auf beiden Dersicherungsgebieten noch wesentlich« Der- befserungen geschaffen werden müßten. Die Zlu-sproche ergab völlige Uebereinstimmung. Uckcr die Forderungen der Gewerkschaften hinaus: „Erhöhung der Renten durch Aufbau weiterer Lohn- und Beitragsklassen, Herabsetzung der Inoaliditätsgrenze von auf 50 Proz., Gewährung von Witwenrente auch ohne vorliegende In- Validität, Beseitigung der Kürzungsbestimmungen nach§ 1311 RVO. betreffend Zusammentreffen von Invalidenrenten mit Unfall- renten, Neuregelung der Lastenvcrteilung zwischen Invaliden- und Angestelltenversicherung," hicll die Konferenz noch eine Reihe von Gesetzesänderungen für not- wendig, die di« Gewährung von Waisenrente und Kinderzuschuß in Dienstag abend T'/s Ubr. MusikersZle. Kaiser-Wilhelm-5ira9e 31 Funktionärkonferenz I aller BetriebseerlraaeiuteDle a. GcwerkicfaaitsfunktionSre. Reidistagsabgeordneler Genosse Karl Liike:„Der Kampf um die Kommune." Ansprache der Genossin M. Wurm, M. d. R. Diskussion.— Parteibuch und FunktlonArkarie legitimieren Reger Besuch wird erwartet. Das Betriebssekretariat der Sozialoersicherung bis zur Dollendung des 18. Lebensjahres, die Anrechnung der Beiträge zur Invalidenversicherung auf die Wartezeit der Angestelltenversicherung, die Weitörgewährung der Kinderzulagen in der Sozialversicherung über die Vollendung eines bestimmten Lebensalters hinaus, wenn das Kind aus eigenem Ein- kommen nicht unterhalten werden kann, für die Erhaltung der An-. wartschaft in der Invalidenversicherung Berücksichtigung der Militär- zeit, Milderung der Bestimmungen über Verfall der Anwartschaft, maßgebende Mitwirkung der Versicherten in der Invaliden- und Angestelltenversicherung entsprechend den Bestimmungen der Reichs- Verfassung. Eine weitere Entschließung, in der die B e s ch l« u n i- gung der Spruchverfahren in den Instanzen, besonders aber vor den Oberversichcrungsämtern gefordert wird, wurde ein- stimmig angenommen. Nunmehr behandelte Peterhansel die Verordnung über Krankenbehandlung und Berufsfürsarge vom Februar 1928. Er unterließ nicht, trotz des Fortschritts, den die Verordnung erkennen läßt, auf den bedauerlichen Umstand hin- zuweisen, daß die Unfallverletzten immer noch minderen Rechts sind als die Kriegsbeschädigten.• Die Arbeiters ekretär« werden- also auch auf diesem Gebiet ein«achsames Auge haben und darauf hin. wirken müssen, daß den Berletzten ihr Recht wird. hierauf reserierte H a u ck, Düsseldorf, über die Kranken- Versicherung nach dem jetzigen Stand. Anschließend sprach Z i p p c l- Berlin über die Prozeßvertretung der Ar- beitersekretäre und berührte damit ein Thema, dos außer- ordentlich interessierte, weil die Arbeitersekretäre bei Vertretung in Zivilprozessen sehr oft viel Zeit und Mühe aufwenden müssen, die sich des öfteren kaum lohnend auswirkt. Das ergab die Aus- spräche ganz deutlich. Zum letzten Punkt„Die Verordnung über Berufskrank- h e i t e n vom 2. November 1929" referierten Dr. Meyer-Brod- n i tz von der gewerbehygienischen Abteilung des ADGB. und Back- Haus. Nach kurzer Aussprache fand eine von beiden Referenten vor- gelegt« Entschließung einstimmige Annahme, in der unter An- erkennung des erzielten Fortschritts im einzelnen die noch nicht berücksichtigten Berufskrankheiten aufgezählt werden. Zum Schluß heißt es: „Die Konserenz der Ackeitersekretäre empfiehlt dem Herrn Reichsarbeitsminister, gestützt aus die praktischen Erfahrungen der Arbeitersekretäre bei der Vertretung der Interessen de Versicherten, alle Berufskrankheiten in die Perordnung aufzunehmen. mindestens aber die oben genannten vornehmlich zu berücksichtigen. Die Konferenz weist bei ihren Forderungen daraus hin, daß die finanzielle Belastung der Berufsgenossenschaften durch di« Eni- schädigung der Berusskrankheiten sich bisher als keineswegs un- tragbar erwiesen hat. Di« ausreichende Entschädigung der Be- rufskrankheiten und besonders ihr« Verhütung durch wirksamen Gesundheitsschutz im Betricke liegt im Interesse der deutschen Wirtschast und der Volksgesundhcit." Damit fand die ackeitsreich« Tagung, die sowohl in den Referaten als auch in der Aussprache ein« beachtliche höhe er- kennen ließ, ihr Ende. R. Peterhansel. Die Parolen werden verbreiieri. Die Ttiederkirchnet-Mache flaut ab. Da die wilde Streisront der RoHrlogergruppe um Niederkirchner trotz aller Aufmachung in der KPD.-Press« und trotz oller brutalen Terrorakttonen nicht zu verbreitern ist, lassen die Drahtzieher sich die Verbreiterung ihrer Parolen angelegen sein.»Gelöbnis der Bauarbeiter."»D i e Metallarbeiter geben einen Stundenlohn," wird geprahlt, im schärfsten Gegensatz zu den Tatsachen. Zu Donnerstag mittag waren alle»revoluttonären" und„oppo- sittonellen" Bauarbeiter zu einer öffenllichen Protestoersamm- lung nach den Sophiensälen befohlen worden. Zweck der Uebung, die Finanzierung des wilden Rohrlegerstreiks. Die Arbeiter w ssen vorher, daß der Klingelbeutel umgeht und bleiben den kommunisti- schen Zirkeln fern. Nach dem Bericht sind die Arbeiter vieler Baustellen geschlossen mit Transparenten zu der öffentlichen Versammlung marschiert. Der Saal war jedoch so groß, daß die Marschkolonnen in einer Stärk« von insgesamt etwa 130 Personen sich darin verloren. Die Sttmmung war stark gedrückt, denn die Mache ist zu plump. Und diese»Protestkundgebung der Berliner Bauarbeiter" von 150 Mann mußte die Beschlüsse einer ebenso.revoluttonären", ober noch viel. kleineren kommunistischen»Baudelegiertenkonferenz"— einen Stundenlohn für den wilden Rohrlegerstreik— bekräftigen und beschließen,»mit aller Kraft am Tage der Reichstagseröffnung den letzten Bauarbeiter für den et n st ü n d i g« n Proteststreik zu mobilisieren". Doch wohl erst nach Feierabend, fönst kostete die G»- schichte mindestens zwei Stundenlöhne in einer Woche. Niederkirchner hatte gleichzeitig seine revolutionären Be- triebsräte und Vertrauensleute am Donnerstag besonders um sich versammelt und sie ein« Entschließung fassen lassen, wonach alle Metallarbeiter aufgefordert werden sollen wöchentlich«inen Stundenlohn für den Niederkirchncr-Streik herzugeben. Und dieser Stammtischbeschluß bekommt in der„R F." die Ueberschrist: »Die Metallarbeiter geben einen Stundenlohn für die Rohrleger." D i e Metallarbeiter werden samt den Bauarbeitern der KPD. samt Niederkirchner etwas pfeifen und ihren Lohn nützlicher ver- wenden, keinen Pfennig den Gewerkschaftsfeinden und Gewerkschaftsschädlingen um Niederkirchner._ Augen auf und Taschen zu!_ Bata vor Gericht. OaS»System" wird öffentlich untersucht. Prag, 13. September.(Tigenbericht.) heute begann vor dem Schöffengericht die Hauptverhandlung in einem Prozeß, welchen der Verfasser des bekannten B a t a- Buches Rudolf Philipp gegen den Leiter des Rcchtsbureaus der Firma Bata, Podlipfky, angestrengt hat. Der Letzgenannte ist der Verfasser einer Notiz, die im August 1928 im„Prager Tageblatt" erschien und in der er Philipp vorwarf, die in seinem Buch ver- öffenttichten Dokumente gegen das System, welches bei der Firml Vota üblich ist, seien erlogen. Der Verteidiger des Angeklagten erklärte in der Hauptoerhandlung, daß er für fein« Behauptung jeden Wahrheitsbeweis erbringen werde. Dagegen verwies der Vertreter Philipps auf das Urteil des Preußischen Kammergerichtes in Verlin vom 7. August 1929, in dem auf die Berufung Philipps dos Verbot seines Buches aufgehoben sei, und er führte weiter aus, daß dieses Urteil auch glaubhaft macht, daß bei der Firma Bata auf di« Zeugen Druck ausgeübt wird. Er stellte sich daher gegen die Vernehmung der Zeugen durch das Bezirksgericht in Zlin, dem Sitze Batas, und verlangte Vorladung nach Prag und Kon- frontierung mit Philipps. Schließlich beantragte er Beweise über di« Zeugenbeeinslussung, Beschaffung der Akten des Preußischen Kammergerichts und Beweise dafür, daß die im Buch Philipps ab- gedruckten Dokumente echt sind. Der Vertreter des Beklagten sprach sich gegen diesen Antrag aus. Der Schöffenjenat beschloß aber di« Zulassung sämtlicher von beiden Parteien be- antragten Zeugen und im Sinn« des Klägers Ladung vor das Prozeßgericht in Prag und Beschaffung der Akten des Preußischen Kammergerichts in Berlin. Darüber, ob Philipp selbst als Zeuge vernommen wird, wird sich das Gericht noch schlüssig werden. Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Kinderschuh in der Landarbeit. Ueber den Schutz der Kinder in der Landackeit beabsichtigt der Deutsch« Kinderschutzverband am 21. September d. I. im Wohlfahrtshous, Oranienburger Straße 13/14 zu Berlin, eine allgemeine Zlussprache heckeizusühren. Anlaß hierzu hat der Antrag der Zlrbeiterwohlfohrt gegckcn, den Schutz .der Kinder in der Landackest in den zurzeit im Reichstag vorliegen- den Entwurf eines Arbeiterfchutzgefetzes aufzu« nehmen. Der Deutsche Kinderschutzverband, der dem Schutz der Kinder in der Landackest schon lange seine Ausmerksamkeit zugewendet und die damit zusammenhängenden Fragen im Jahre 1922 zum Gegenstand eingehceider Rundsragen gemacht hat— Dr. Helene Simon ver- ösfentlicht das Ergebnis in ihrem bekannten Werk über die laickwirt- schoftliche Kinderarbeit—, hat zu der Aussprache außer den be- teiligten Ministerien und Spitzenverbänden eine größere Anzahl von Persönlichkeiten, die mit diesen Fragen besonders vertraut sind, sin- geladen. Einleitende Vorträge werden Herr Landesrat Dr. Thode, Kiel, und Frau Dr. Mießner, Breslau, halten. «rdeitsatnt Oft. SKontofl, 164 Udr. Versammlung bft SPD.Mit. M H gliedcr de» Arbeitsamts Ost in Wcgncrs Vercinshous. Verlin-Lichls»» irs "Z berg, grankfurtcr AH« 236. Resercnt Besirksnerardnetrr Mar Toltsdorf Ei ttbtt»Die Vedcutung drr So.,iald»mokratie im Stadtvarlamrut". Emu- 3 W vathiliercndc sind willlommcn! Drr Araktioa»»orsta»d. c j �reie Gewerkfcbafts-Iuqend Berlin. Daran, rig«! Conntag, IS. Centcmbcr,»Tag drr Jugend". II Udr: »Reif sein ist alles". Iugendlcier Im Mercedes-Palast. Berlin R.. Utrechtcr Straße. Drogramm: Ansprache, giim. Sprech, und Be. megungstior. Untostenbettrag 30 Pf. Um 14 Ubr: Treffen Leopoldplati. 14'-, Uhr: Abmarsch vom Leovoldplah ,um Schillerpark. IS'i Ubr: Erbffnungs. tundgebung im Echillerpark. ISVi Uhr: Sportliche Spiele. 19 Uhr: Schlustkund- gebung. Redner: Alcrander Knoll, Paul Lüde. Anfchlickcnd Demonstration.— Die gugendausstcllnng im Gewerkschaftshans, Engelufer 24—25, im Saal N und III ist wochentags von 17—22 Uhr und am Sonntag, 13. September, von 10—14 Uhr geöffnet. �uciendoruppe Peel fZentralverbandes der Angestellten ) Leute. Sonnabend. Ichtes Training ,um morgigen Spieltrcffen auf dem Eportplah Sumboldthain ab 18 Uhr. Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein: Wirtschaft: G. glingelhöscr: Eeoarkschaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton: Dr. Zoh» Schitowski: Lokales und Sonstiges: Waller Trojan: An, eigen: Th. Glocke: sömtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag lL. m b. ch.. Berlin Druck: Bvrwärls.Buchdruckeret und Verlaasanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68. Lindenstrahe 8. chier,» eine Beilage.„Unterhaltung und«igen' und„Jugend. Vorwäria«. Die�M- führenden Geschäfte raten Ihnen:„Waschen Sie Leinen-, Seiden- und Wollsachen ohne Reihen im mildreinigenden Schaum der Lux Scifcnflockcn, H dann bleiben sie so schön ■LaSUcI wie am ersten Tage." SEIFENFLOCKEN SUNLICHT GESELLSCHAFT A. G, MANNHEIM Nr. 451» 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 14. September 1929 Sozialistische Lugend feiert. z/Sir werden neu die Weli gestalten.. Gestern fand lm ehemaligen Herrenhaus aus Aalatz des Z5jShrigea Jubiläums sozialistischer Jugendbewegung eine eindrucksvolle Kundgebung statt. Nach der Erössmmg der Ausstellung im Gewerkschastshaus und den Demonstrationen und Versammlungen der Arbeiterjugend in den Bezirken bildete die gestrige Feierstunde den Höhepunkt der in dieser Woche gemeinsam von allen Organisationen der sozialistischen Arbeilerjugendbewegung getrosfeneu Veranstaltungen. De? große Sitzungssaal hatte reichen Blumen- und Pftanzen- schmuck erhallen, das Parkett und die Ränge waren dicht von frohen, jungen Menschen erfüllt. Die Anwesenheit der Genossen, die alz Pioniere in Zeiten schwärzester Reaktion als Lehrlinge den Grundstein für die heutige stolze Arbeiterjugendbewegung legten, gab der Feier eine besondere Weih«. Die Berliner Arbeiter- Jugend hat erneut bewiesen, daß st« es versteht, ihre Feste würdig und eindrucksvoll zu feiern. Nach Begrühungsworten des Bor- sitzenden der freigewerkschastlichen Iugendverbänd«, Genossen Pickert, übernahmen die Schöpser der sozialistischen Jugend- bewegung, die Genossen Max Peters, Max Scharf und Richard Timm, ehrenhalber das Präsidium der Versammlung. Btax Barchels„Aufruf*, innerlich bewegt und meisterhaft von dem Jugend genossen Anklom gesprochen, leitete nach dem„Wach aus*, vom Jungen Chor unter Leitung von Heinz Thießen pcllendet vorgetragen, zu den Reden des Abends über. Der Verbandsvorsttzende der Sozialistischen Arbeiterjugend, Erich Ollenhimer. tritt als erster an dos Rednerpult. Es ist die besondere Eigenart jeder Jugendarbeit, daß sie immer wieder von vornherein beginnen muß, daß sie immer wieder Anfang ist. hieraus ergeben sich nicht nur schwierig« Probleme, sondern auch«in untrüglicher Maßstab für die Lebendigkeit unserer Bewegung. Eine Jugendorganisation, die sich nur auf die persönliche Initiativ« ihrer Gründer stützen würde, müßt« in dem Augenblick untergehen, in dem die Begründer das Werk aufgeben. Unsere Arbeiterjugendbewegung ist f« st verwurzelt im Denken und Fühlen der arbeitenden Jugend. Sie steht heute l e b e n s- kräftiger und mächtiger vor uns als je. l9t14 war es ein kleines häuMn junger Menschen, das hier in Berlin das Recht der Jugend auf Freiheit und Leben forderte. heute ist dl« sozialistische Jugendbewegung eine Organisation. die mehr als 800 000 Menschen umfaßt. Eine Bewegung, die nicht nur getragen ist vom Vertrauen der Jugend, sondern darüber hinaus vom Vertrauen der gesamten sozialistischen Arbeiterbewegung. 1908 verbietet uns das Reichsver. einsgesetz den Anschluß an den internationalen Bund der sozio- listischen Jugend, heute stehen wir führend in der Sozialistischen Jugend-Jnternationale, und der Sitz des Sekretariats ist Berlin. Di« demokratische Republik ist auch unser Werk, sie ist die Grundlage, auf der wir weiterbauen wollen. Vor uns, den jungen, liegt die große Zlufgabe, den neuen Staat mit sozialistischem G e ist zu erfüllen Wir bekennen uns frei und offen zu unserer roten Fahne. Wir geloben, die Treu« zur Arbeiterbewegung, di« Treue zum Sozialismus. Für die Arbeitersportbewegung nimmt dann das Wort de? Genosse Fritz Wildung. Er üherbningt die Grütze der gesamten Arbeitersportbewegung. und im besonderen die Grüß« der Arbeitersportjugend. In Berlin seh« es heute wieder hoffnungsfreudig in unserer Bewegung au«. Di« Aufgab« der Jugendorganisationen sei es, sich fest zusam- menzuschlletzen, um gemeinsam am Werk schaffen zu können, heute kann die Arbettersportbewegung wieder reinen Herzens mit der gesamten sozialistischen Arbeiterbewegung zusammenstehen. Di' Jugend hat die groß« Aufgabe, den Glauben an den Sozia» l i s m u s, den Glauben an die M e n s ch h« i t der jetzig.m und der kommenden Generation nahezubringen. Ich rufe euch auf bei Beginn des neuen Abschnittes eurer Geschichte, das feste Gelöbnis abzulegen, noch mehr als bisher das höchste für den Aufftieg der Arbeiterbewegung einzusetzen. Dann wird der neue Zeitabschnitt die Krönung in der Geschichte der Arbeiterjugend darstellen. Anschließend sprach der Jugendsekretär des Allgemeinen Deut- scheu Gewerkschoftsbundes, Genosse Waller waschke. Es sei wohl angebracht, heute auch vom Standpunkt der T e w e r i- schaften einig« Gedanken zu dem Jubiläum der Sozialistischen Arbeiterjugendbewegung auszusprechen. Diese Bewegung habe in außerordentlich starkem Maß« alle Zweige der Arbeiterbewegung beeinflußt. Roch im Jahre 1908 betrachtete man auf dem Gewerk- schaftskongreß in Hamburg die Schaffung einer eigenen Jugend- organifatton für unmöglich. heule ist ein« Schar von über 300 000 Jugendlichen in den freigewerkfchafllicheu Zugendverbänden organisiert. In ollen Kreisen der Bevölkerung sei heute die Ansicht durchgedrun- gen, daß der jungen Generation die Wege für ihr« Entwicklung freigemacht werden müssen. Die Arbeit, die unsere sozialistischen Jugendorganisationen leisten, sei für die gesamt« Arbeiterbewegung und für die Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse von überragender Bedeutung. An Stelle des durch wichttge sozialpolitische Verhandlungen verhinderten Genossen Karl S e v e r i n g überbrachte der persön- liche Mitarbeiter des Reichsinnemniwsters, Genosse Bau- r i ch t e r, die Grüße der ReichsregierunK: Wir müßten immer wieder betonen, so führt« er aus, daß der Staat, wie er heute ist, uns gehört, daß wir ihn besitzen und nach unserem Wkllen ausbauen wollen. Nach«inigen Worten des Genossen Max Peters faßte der Genosse Ludwig Diederich von der Berliner Arbetterjugend den Zweck und Sinn der Feier noch einmal zusammen. Er schloß seine Ausführungen mtt einem h o ch auf die sozialistische Arbeiterjugend- bewegung. Mit dem gemeinsamen Gesang des Kampfliedes„Brüder. zur Sonne, zur Freiheit* fand die eindrucksvolle und schön« Kund- gebung ihr Ende. Lokaltermin im Hal*mann:prozeß. Mayrhofen. 13. September. Am Freitagvormittag trafen der Gerichtshof med die Geschworenen des Halsmann-Prozesfe,«n Mayr- Hofen ein. Don Mayrhofen aus wurden sie mtt Autobussen nach G i» z l i n g befördert, von wo aus sie zu Fuß nach dem Brett- lahner gingen. Der junge halsmann fuhr in Begleitung eines Gendarms um 3.45 Uhr früh von Innsbruck mtt dem Zug ab und kam um 8.22 Uhr in Mayrhofen an, wo er gleich weit«? zum Brettlahner geführt wurde. Mit einer so frühen Ankunft hatten die Mayrhofener kaum gerechnet, so daß nur wenige Leute auf der Straße waren und der Transpott kein weiteres Aufsehen erregt«. Dachstuhlbrand in der City. Gestern abend wurde die Feuerwehr nach der Wall- st r a ß e 5— 6— olarmiett, wo im D a ch st u h l Feuer ausge- krochen war. Durch starkes Wassergeben aus mehreren Schlauch- lettungen konnte der Brand nach einstündiger Löschtätigkeit nieder- gekämpft werden. Die Eutstehungsurfach« ist noch un- bekannt.— Ein anderes gefährliches Feuer brach gestern vor 20 Uhr in einem Schuppen auf dem Hof des Grundstückes Zionskirchstraße 40 aus. Große Heu- und Strohvor- rät« fielen den Flammen zum Opfer. Dem tatkräftigen Eingreifen der Wehren war es zu verdanken, daß der Brand schon nach kurzer Zeit auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Die Mannschaften hatten unter dem starten, beißenden Qualm sehr zu leiden. Schweres Ltnglück in Zialien. Vier Tote, dreizehn Verletzte in Parma. Parma, 13. September. Infolge der Explosion eines Benzinlagers stürzte ein wohnhau« ein. Zahlreiche Personen wurden unter den Trüm- mern begroben. Man meldet v i e r T o t e und dreizehn Ver- letzte._ Vorsicht vor falschen Steuerbeamten. In letzter Zeit sind wiederholt falsche S t e u e r b e a m t c bei Gewerbetreibenden erschienen. Sie geben an, Auftrag zu haben, die Geschäftsbücher nachzuprüfen, lassen sich die Steuerbescheid« vorlegen und ziehen die rückständigen Steuern sofort ein. Das Landesfinanzamt Berlin weift darauf hin, daß nur die Boll- Ziehungsbeamten ermächtigt sind, Steuern beizutreiben und Pfändungen vorzunehmen. Sie sind verpflichtet, dem Schuldner unaufgefordett den mit Amtsstempel versehenen Boll st reckung s- a u f t r a g und ihren grünen Ausweis mit Lichtbild und Unterschrift vorzuzeigen. Der Vollstreckungsauftrag, ohne den eine Veitreibung überhaupt nicht durchgefühtt werden darf, muß die Art der Steuern und deren höhe genau erkennen lassen. Es kann nicht dringend genug geraten werden, sich Auftrag und Aus- weis vor Zahlungsleistung genau durchzulesen. Ueber die empfangenen Beträge müssen die Beamten Quittung auf vor- gedrucktem, mit dem Stempel des Finanzamts versehenen Muster erteilen. Quittungen, die diesen Erfordernissen nicht ent- sprechen, werden vom Finanzamt nicht anerkannt. Andere Beamte sind nicht ermächtigt, Zahlungen von Reichssteuern entgegen- zunehmen oder zu verlangen. Es werde Licht! In« Phoebuspalast in der Königgrätzer Straße erlebte in dieser Woche eine freigeistige Revue„Es werde Licht" von Karl S ch n o g ihre Uraufführung. Der Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung hatte dies« Matinee veranstaltet. Man mag über den künstlettschen Wert dieser Revue verschiedener Ansicht sein: jedenfalls muh man den Mut zur Tat begrüßen. Der Verband hat mtt seiner Wahl einer satirischen Revue als Agttationsmittel einen sicheren Instinkt für die Zerstreuungsbedürfnisse der Menschen unsever Zeit bewiesen. Die Aufführung unter ber Regie von Theo Maret war flott und geschmackvoll. Achtung bei beschädigten Reichsbanknoten: Seit einiger Zeit werden Roten in den Verkehr gebracht, die in betrügerischer Absicht aus Teilen echter Reichsbanknoten der gleichen Wetthöhe zusammengesetzt sind. Diese Roten sind daran zu erkennen, daß die einzelnen Teile durch Klebestreifen ver- bunden sind. Es wird deshatb allgemein vor der Annahme zusammengeklebter Roten gewarnt, da stet, die Möglichkeit be- steht, daß es sich um Fälschungen handelt, und der Empsänger Ge- fahr läuft, sie bei der Reichsbank nicht umgetauscht zu erhalten. Es empfiehlt sich, zusammengeklebt« Roten nicht anzunehmen, sondern die Inhaber an die Reichsbank zu verweisen. Wenn sich die Zahlung mit solchen Roten unter verdächtigen Umstanden vollzieht, ist die Kriminalpolizei zu benachrichtigen. Für die Ermittlung und Festnahme der Hersteller verfälschter Noten gewähtt die Reichsbank Belohnungen bis zu 1000 Mark. von. A.MPFey. Copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A.-O., Bertin Man weiß nicht, wo die Tage bleiben, durch die man hin- regetiert, wo die Orte, in denen man die Tage hastig ver- trödelt: alles schleicht endlos und farblos— und ist schließlich doch im Hui und seltsam grell vertan. Du wachst nur wirklich auf, in ein fiebergeschütteltes Dasein, wenn es dir unmittelbar ans Leben geht. Sie sind auf dem Marsch. Funk betreut den von Sergeant Malz verlassenen Sanitätswagen des zweiten Bataillons. Er muß daher mit der kleinen Bagage ziehen. Man kommt im Vorrücken an eine Straßenstelle, die unterm Feuer der französischen Artillerie liegt. Der deutsche Infanterist weiß, wie gut sie schießen, die Franzosen, und daß ihre Geschütze den unseren überlegen sein sollen. Vermehrt solch Wissen die Furcht, die Unsicherheit, das Grauen? Die Geschütze belegen in bestimmten Zeitabständen die Straßenstelle. Von einer Antwort deutscher Kanonen auf diese Herausforderung ist weit und breit nichts zu hören. Das deprimiert und macht dich gänzlich verlassen. Wie zur Schlachtbank wirst du geführt. Die Schüsse kommen ungefähr jede funfundzwanzigste Sekunde. Alle zählen mit aufgerissenen Augen das Intervall. Der Troß hält, auf Befehl des Bagageführers, an einem halbwegs geschützten Platz. Die Straße krümmt sich hier um einen Hang und gleichzeitig etwas ansteigend tn den Feuerbereich der Franzosen. Es werden die Pausen zwischen den Einschlagen ab- gepaßt. In diesen Pausen heißt es: Wagen für Wagen passiert! So beginnt das aufregendste Glücksspiel, das man treiben kann. Der Weg ist noch einigermaßen fahrbar, er weist nicht so viel Löcher auf. daß man sie nicht vermeiden könnte. Zu beiden Seiten der Straße, ins weiche Feld, in den steilen Hang, schlagen Schüsse und streuen von dort aus ihre zer- schmetternden Splitter. Lange kann die Beschießung noch nicht währen, doch liegt schon dort«in Wagen, hier ein Pferd, pa?»och lebt— drüben ein Toter. Die hier halten, sind noch in Sicherheit, die dort drüben halten, sind es einigermaßen wieder. Wer innerhalb der dreihundert Meter steckt, durchquert den Rachen des Todes— den stummen, den entsetzlich laut schweigenden, der nur manchmal ausbrüllt wie ein gigantisches Vieh und zerreißt, was ihm erreichbar ist. Alles, Mensch und Pferd, passiert vom Grauen gepeitscht diese mörderischen dreihundert Meter. Ihnen ausweichen kann man nicht. Dem Bagageführer ist dieser Weg auf der Karte vom Regiment vorgeschrieben, er hat keinen anderen zu fahren. Könnte er überhaupt in einem weiten, vielleicht Stunden beanspruchenden Bogen die Gefahr umgehen? Un- möglich, wo ist schließlich bestimmt keine Gefahrzone? Wo wäre zudem die andere Straße, und wie sollte der Zeitverlust des Umweges wieder gewonnen werden? Denn es eilt, das Regiment ist auf dem Vormarsch, es soll eingesetzt werden. soll zusammengeschnurrte. erledigte, unzuverlässig gewordene Truppen ablösen. Mancher läuft schlecht, gerade hier, wo er besser laufen sollte als je in seinem Leben. Er torkelt, er schlottert, die Angst setzt ihm so sehr zu. daß er behindert ist statt an- getrieben. Und mancher, der undurchlöchert drüben landet, sinkt zu- sammen, als seien ihm die Knochen weggeschmolzen in der brennenden inneren Not. Schweißbäche laufen unter dem Stahlhelm hervor und überschwemmen ein leidendes» tief er- blaßtes, verfallenes Gesicht— das doch irgendwo, um die ein- gesunkenen Augen, eine Regung armseligen Glückes zeigt. denn man hat ja wieder einmal fein Leben durchgepascht. Und wenn man hier nun„gefallen* wäre— verträgt sich solch Ende, schmähliches, bebend befürchtetes, fluchend und betend abgewehrtes Ende mit der Bezeichnung„Helden» tod*? Bevor Funk loslief, sah er mit dem Fahrer zusammen die Pferdestränge nach. Ihm schien auch zweifelhaft, wie die Gäule es überstehen würden. Seit längerem hatte der Fuchs einen Granatsplitter durch den Hals—«inen„harmlosen" durch„Weichteile"—, der Apfelschimmel einen im Hinterteil. Beide Wunden eiterten und setzten den Tieren zu. aber bei der Knappheit an jeglichem, auch an Pferdematerial, war nicht daran zu denken, die biederen schweren Bauerngäul« gegen andere umzutauschen. Der Fahrer mußte sich auf den Bock setzen. Das war für den Augenblick kein angenehmer Platz. Dort war man in die Höhe gehoben, wie hineingehoben in die Flugbahnen der französischen Geschosse. Besser blieb man möglichst nahe dem Boden— nahe der Gelegenheit zu kriechen, zu schlüpfen, sich hinzuwerfen. Funk beneidete den Fahrer nicht, wenn auch der viel- leicht schneller vom Fleck kam. Er sagte sich, lieber versuche ich dicht hinter dem Wagen oder neben ihm herzulaufen, und habe so etwas wie Deckung. Vorwärts, der Pflasterkasten," kommandierte der Bagageführer, heiser vor Erregung. Als Funk nun rannte, hinterm davonjagenden Sanitäts- wagen her, horchte er angespannt. Schlimmer als die Schüsse war die Ruhe. Denn nach ihr kam ja der Schuß— je länger sie dauerte, um so gewisser kam er. Das Rattern oes Wagens, der schwerfällig hüpfte, das Klötern seines durcheinandergeschmissenen Inhalts hatte etwas albern und dünn in die Weite Verlorenes. Der halbe Weg ist geschafft— da liegt ein Reitpferd, es hat auffallend neues Lederzeug—. will niemand den Sattel mitnehmen? Wo kommt bei uns im dritten Kriegsjahr, ein nagelneuer Sattel her? Befehl: Das Material muß aufs sorgsamste gesammelt werden— will denn niemand—? Funk ist schon vorbei, er denkt: wo mag der Reiter sein? Ihn hat man fortgetan, das noch lebende Pferd liegt da. Es lebt nicht mehr lange, niemand braucht ihm die Pistole hinters Ohr zu setzen, niemand nähme sich auch die Zeit— ein Offizierspferd—, es ist bestimmt in den nächsten fünf Minuten erledigt, aus ihm bricht ja Blut wie ein Strom. Dann kommen wohl andere... Denn diese Franzosen erwischen— aus großer Entfer- nung— das Chausseestückchen erstaunlich gut. Dies gedacht ohne jede Erregung gegen den„Feind', ohne Haß gegen ihn. Wäre nicht tobende Wut das Natürliche, das Richtige — das einzig Erträgliche in dieser Lage? Aber der die Gra- naten herschickt, ist'— das spürt man schon lange— nicht anders ein Geknebelter, ein Verdammter wie der, dem sie gelten. Weshalb also immerfort die ganze Sauerei? Ach ja, richtig: dshalb— und deshalb— und deshalb-- wie man uns jagt. Und obwohl man es uns sagt, wird es doch immer mehr so, daß keiner es weiß. Keiner weiß es. Es ist, als ob man zum Gegner hinüberrufen sollte: Könnt ihr's nicht einrichten, daß eure Kanonen allein weiter arbeiten? Viel- leicht könnt ihr sie dahin überlisten, daß sie ins Leere schießen? Inzwischen kommt ihr herüber zu uns, und wir reden und fluchen einmal mitsammen über den miserablen Krieg, der uns alle auffrißt.(Fortsetzung folgt.) Nie wieder Krieg! Eine Aniikriegsausstellung in einer Berliner Volksschule. Die Anlikriegsaosstellovg, die gestern abend in der Aula der 2L Volksschule in der GSrliher S i r o h e 51 eröffnet wurde, ist ohne Zweifel eine Tal, ist der beste Beweis dafür, daß in den Berliner Schulen ein neuer und frischer Geist herrscht. Wieder springt einem das Grauen des Krieges an. Der Krieg, der in der 21. Voltsschule gezeigt wird, den Zwölf- bis Vier- .zehnjährige dargestellt haben, ist ein anderer als der, den man sonst in Lesebüchern findet. An allen Wänden der Aula hängen Statistiken, Klebebilder, Zeichnungen, die den Irrsinn der vergange- ncn Kriege kennzeichnen. Ueber einem Ausstellungstisch hängt das eine Wort: Wofür? Und darunter steht ein Sarg, liegen Orden und Prothesen. An einer anderen Stelle sieht man das Gesicht des kommenden Giftgas- krieg es. Neben dem Ausspruch Musiolinis:„Ich erwarte von den Chemikern, daß sie uns Gase entdecken, die noch viel wirksamer sind als die erforschten, damit wir unsere Feinde leichter überwinden können� hängt die Tuschzeichnung eines Zwölfjährigen, eine Zeich- nung, unter der dieser Satz steht: „12 Levisiigasbomben genügen, um eine Millionenstadt zu vernichten.' Einer hat Lebensmittelkarten auf«in Stück Papp« ge- klebt, ein anderer Hot Verstümmelt« gezeichnet. Diese Jugend sieht den Krieg, wie er in Wirklichkeit i st. Rektor Millbrodt begrüßte die zahlreich erschienenen Cltern und Schüler.„So mancher wird fragen, warum wir diese Ausstellung veranstaltet haben, jetzt, wo uns schon fünfzehn Jahre vom Kriegsausbruch trennen? Nun, dem wollen wir sagen, daß die Greuel des Krieges bei uns niemals in Dergesienheit geraten sollen, denn aus diesem Vergessen entstehen die neuen Krieg«. Mit Papier- Hut und 1)olz.sSbeln fing's bei den Jugendlichen an, und es endete später mit zuckenden Leibern im Drahtverhau. wir wollen die Jugend im neuen Geiste erziehen: jeder mutz daraus hinwirken, dah statt des völkerhasse, die Völkerver- söhnung Platz greift.' Nach Rezitationen und einem Vortrag des Spvechchors ging Lehrer Dageförde auf die Entstehungsgeschichte der Ausstellung ein. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß hosfentlich auch noch ander« Schulen ähnliche Ausstellungen veranstalten. Auch Professor Paul O e st r e i ch riß die Zuhörerschaft durch seine temperamentvollen Ausführungen zu Beifallsstürmen hin. Er betonte, daß die „K r i e g s p oef i e' der Vergangenheit aber nicht mehr der Zukunft gehöre und daß es in den kommenden Kriegen nur noch Besiegte geben werde. Heldentum bestehe nicht im Morden von Mitmenschen, wahres Heldentum fei, sich frei zu machen vom Hätz gegen den Bruder. Lehrer, die heute noch die Jugend im Geiste des Krieges erzögen, seien Derbrecheran der Menschheit. Der Jugend- erzieher habe in der Schule keine Partei-, sondern Menschheit»- politik zu treiben. Mit Rezitationen und dem gemeinsamen Gesang der„F r i«- denshymne' fand die Feier ihren Abschluß. Di« Ausstellung ist bis Montag, dem 16. September, geöffnet. Oer Ausbruch des Kaffadenkletterers. Bereits wieder hinter Schloß und Bieget. Am Freitag mitlag brach der berüchtigte Fassadenkletterer und Hoteldieb Paul S a tz n e r aus der Strafanftast in Tegel, in der er zur verbütznng einer längeren Gefängnisstrafe nntergebracht war, erneut aus. Seine Freiheit währte jedoch nicht lange. Schon am Nachmittag faß er wieder hinler Schloh und Riegel. Als gegen Mittag ein Wärter den Verbrecher aus der doppelt gesicherten Zelle abholen wollte, standen die Türen offen und Kaßner war verschwunden. Es zeigte sich, daß außer ihm noch ein anderer Insasse, ein gewisser Hermann Behrens, ein Mitglied der„K o l o n n- A r n o l d geflüchtet war Beide hatten auf' dem Hof« mehrer« Müllkästen aufeinandergestellt und die Mauer überklettert. Sosort wurde eine umfassende Verfolgung durch den Tegeler Forst vorgenommen und es gelang, katzncr bei den ehemaligen Schietzständen zu stellen. Da er auf Anruf nicht stehen blieb, sondern weiter lief, gaben die Beamten hinter ihm her Schüsse ab, von denen einer Kaßner ins Gesäß traf. Er wurde wieder je st genommen und dem Lazarett eingeliefert. Sein Helfershelfer Behrens, der in seinen Kreisen als guter„Schließer' bekannt ist, konnte noch nicht wieder gefaßt werden. Kaßner hat seinerzeit durch seine großen H o t e l d i e b- stähle viel van sich reden gemacht. In Berliner Hotels erbeutet« er einmal 30 000 M., ein andermal sogar 48 000 M. in barem Geld«. Er oerschwand dann nach Düsseldorf und machte auch einen Abstecher noch Wiesbaden. Hier stieg er in«in Zimmer in einem Sanatorium«in, das von einer alten Dame bewohnt wurde. Diese erschrak so sehr, daß sie einen Herzschlag erlitt. Bereits vor drei Tagen lief das Gerücht um, daß Kaßner aus Tegel entwichen fei. Es scheint, daß er und Behrens da schon die Vorbereitungen für die gemeinsam« Flucht getroffen hatten. Auf welche Weise Behrens in den Besitz von Nachschlüsseln gelangt ist, wird noch untersucht._ Kleine Mörderbeute in Gberswalde. Oer Mörder nur noch nicht gefaßt. Zu dem Mord an Frau Ellebrand wird aus Ebers-, walde folgendes mitgeteilt: Peter Schnell wurd« einem eingehenden Verhör unter- zogen. Er war nicht dazu zu bewegen, genauere Angaben über seine gemeinsame Wanderung mit Dahls, Bartz und Weihe nach Anger- münde zu machen. Seine Angaben sind so unbestimmt und lücken- hast, daß die Polizei auf Vermutungen angewiesen ist. Schnell trennte sich als erster in Gartz a. d. O. von den anderen und wanderte auf Schwedt zu. Die anderen sind anscheinend mit Lastkraftwageir in Richtung Stettin mitgefahren. Vor der Stadt müssen sie sich aber- mals getrennt haben, denn nur Bahls, und dieser auch nur einen halben Tag, hat sich in der Stadt aufgehalten. Wohin die beiden anderen gezogen sind, weih man noch nicht. Von Schnell ist auch keine Andeutung über die Täterschaft einer bestimmten Person her. auszubekommen. Eine überraschende Feststellung hat man übrigens bei einer erneuten Durchsuchung der Wohnung in der Viktoriastraße gemacht. Der Täter hat nicht, wie es zuerst hieß, 600 M., sondern nur 20 0 M. erbeutet. Das übrige Geld ist in Verstecken gefunden worden. Danach können also- die Aswegungsgeldcr, über die. der oder die Mörder oerfügen, nicht allzu groß, sein. Gründung eines Fernseh-Vereins. Unter dem Ehrenvorsitz des Reichsfunk-Kommissars Staatssekretärs a. D. Dr. Hans Bredow und des Ministerialdirektor« Krukow hat gestern die Gründung des„Allgemeinen Deutschen Fernseh-Verein«(ADFV.), Geschäftsstelle Berlin W9, Potsdamer Str. 134-, stattgefunden. Dem Vorstand gehören an: die Herren Leopold Lehmann als 1. Vorsitzender, Prof. Hans Philipp Weitz als 2. Vorsitzender sowie Dr. Magnus, Direktor der Reichsfunk-Gesellschaft. Hans Neuert, geschäftsfllhrendes Vor- ftandsmitglied des Reichsoerbandes Deutscher Funkhändler und Dr. Rudolf Lothar. Zu den Gründern des Vereins gehören u. a.: Friedrich Georg Knöpfte, Direktor der Funkstunde A.-G., Dr. Fleuch, Intendant der Funkstunde A.-G. und Dr. Banneitz vom Reichspost- zentralamt. Nach den Satzungen bezweckt der Verein die Förde- rung des Fernsehens und die Vertretung oller damit zu- fammenhängenden Interessen, Anregung und Unterstützung prak- tischer, wissenschaftlicher und technischer Versuchsarbeiten, Förderung und Sammlung einschlägiger Literatur, Belehrung und Information der Mitglieder durch eine Zeitschrift, Unterstützung gleichgerichteter Bestrebungen, organisatorische, wirtschaftliche und finanzielle Ver- «inbarungen mit anderen für die Mitgliederintercsscn wertvollen Verbänden oder Vereinigungen. „Revolutionäres" Rowdytum. In der KPD. scheint man nunmehr endgültig von dem„ver- altetcn' Kampf mit geistigen Waffen Abschied genommen zu haben. Die rote Faust, das Dolchmesser, der Totschläger und ähn- liche Errungenschaften der Durchbolschewisierung der KPD. sind Trumpf.. In..zufälligem' Beisein des kommunistischen Landtags- abgeordneten G o h l k e versuchte ein gewisser Moser, ein physssch durchaus geeigneter Vertreter dieser Kampsmethode, gestern abend Genossen U r i ch, den Bevollmächtigten des Metallarbeiter- Verbandes, zu einer handgreiflichen Austragung der Meinungsver» schiedenheiten herauszufordern. Der unentwegte Bolschcwist benahm sich so rabiat, daß er schließlich mit drei Schupomännern zur Ruhe gebracht werden mußte. Wir geben der KPD. zu bedenken, daß ihre Anhänger nicht nur g e i st i g, sondern auch in der Zahl so sehr unterlegen sind, daß diese Methode schließlich für die Anhänger der roten Faust noch übel ausgehen kann. Die Zeichnungen für die Berliner Stadtanleide. Von der neuen Berliner Stadtanleihe(Zprozentige Schatz- anweisungen) sind bis zum Ablauf der Zeichnungsfrist 25000000 Mark fest gezeichnet worden. Da die Nachfrage gerade in den letzten Tagen sehr lebhaft war, wird die Anleihe zu denselben Zeichnungsbedingungen durch das Konsortium weiter freihändig ver- kaust, so daß auch weiterhin Zeichnungen bei den bekannten Zeich- nungsstellen erfolgen können. Alammentod einer fünftöpfigen Familie. In der Gemeinde Schönwald in Nord mähren brannte das Haus des ehemaligen Legionärs Hetzel nieder. In den Trümmern des Hauses wurden fünf Leichen vorgefunden, nämlich die des Ehepaars Hetzel und der drei Kinder, von denen das älteste zehn Jahre, dos jüngste sechs Monate alt war. Es verlautet, daß Hetzel in einem Anfall von Schwermut Frau und Kinder ermordet und dann das Haus angezündet hat. Do die Leichen tellweife ver- brannt sind, wird erst nach der gerichtlichen Obduktion festzustellen fein, ob es sich um einen Mord oder um ein Unglück handelt. Emmerichs 200 Millionen Dollar. Eine phantastische amerikanische Erbschastsgeschichte. Der phaniasiische Erbschafisstreil der Familie Emmerich um das vermögen der amerikani- fchen Mllliardärsfamilie Astor bildete den hinler- grnnd einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Charlottenburg, in der sich heute die 2Sjöhrige Krankenschwester Berta Kirchner wegen Betruges in 10 Fällen zn verantworten hat. Die Angeklagte, eine sehr hübsche und stattliche Frau, ist schon wiederholt wegen Hochstapelei bestraft worden. In den Fällen, die zur Anklage stehen, handelt es sich darum, daß sie auf Grund der Vollmachten, die sie erhalten hatte, um das Vermögen der Familie Astor den Familienmitgliedern der Emmerichs zur Auszahlung zu bringen, verschiedenen Leuten Gelder, und zivar bis zu 3000 Mark, abgeschwindelt hat. Die Angeklagte, die früher fünf Jahre lang in Amerika als Krankenschwester tätig gewesen war, lernte vor einiger Zeit in Karlsruhe einen Polizeioberwachtmeister Hubert kennen, mit dem sie sich schnell befreundete und der ihr die Grundlage des Erb- fchaftsstreites auseinandersetzte. Er selbst ist--------——* Mitglied der Karlsruher Erbfchafksvereiniguug Emmerich, die au» ungefähr 110 Miigliederu befiehl, und behaupiei, daß die Astors ihr ein vermögen in höhe von 700 Millionen Dollar schuldig find. Die Grundlage dieser Ansprüche ist folgend«: Im Jahr« 1775 wanderte der letzte Johann Emmerich aus Dieffen- dach, ftreis Ettingen, nach Amerika aus. Er gründete dort«ine Reederei, di« sehr schlecht ging. Kurze Zeit danach folgte ihm sein Freund Astor und traf mittellos bei ihm ein. Aftors Geschäfts- tüchtigkeit gelang es, dos Geschäft des Emmerich hoch zu bringen. Als Emmerich im Jahre 1816 bei einem Schiffsunsall getötet wurde, fand man ein Testament mit der Bestimmung, daß ein Drittel seines Vermögens dem Freunde Astor gehören sollte. Die übrigen zwei Drittel sollten 90 Jahre lang der Familie Astor überschrieben werden, die sich aber verpflichten mußte, nach Ablauf dieser Frist das Vermögen den Nachkommen der Familie Emmerich zuzustellen. Auf Grund dieser Be- stimmung hatten stch in Deutschland die Mitglieder der Familie Emmerich zusammengeschlossen und ihre Ansprüche geltend gemacht. Auch in Amerika besteht eine Erbenvereinigung dieser Familie, die ungefähr 1200 Mitglieder saßt. Das Streitobjekt, die 700 Millionen Dollar, sollen bei dem Bundes- gericht in Philadelphia deponiert worden sein. Im Januar 1928 bekam nun die Erbschaftsoereinigung vom Konsulat die Ausforderung, daß sie einen Stammbaum der Familie aufstellen müßte, um das Testament geltend zu machen. Der Polizei- vberwachtmeister Hubert erzählte dies alles seiner Freundin Kirchner und forderte sie aus, da sie doch die amerikanischen Verhältnisse kenn«, sich der Erbschaftsvereinigung zur Beifügung zu stellen, um ihre Ansprüche durchzufechten. Die Verhandlungen, die Berta .Kirchner mit dem Vorstand der Erben führte, ergaben, daß sie die notwendigen Vollmachten ausgehändigt erhielt. Da die Vereinigung keinerlei Geldmittel besaß, erklärt« sich die Angeklagte bereit, auf eigene Kosten nach Amerika zu fahren, um dos Vermögen zur Aus- Zahlung zu erhalten. Für ihre Mühe fordert« sie Z Proz. der ausgezahlten Summe, die fi« auch zugesagt erhielt. Bei Auszahlung des Gefamtoermögens hätte diese Provision 21 Mit- lionen Dollar ausgemacht. Vor ihrer Abfahrt nach Amerika ver- suchte die Angeklagte nun, alle möglichen Geldmittel flüssig zu machen. Ans Grund ihrer Vollmachten erhielt sie Beträge, über die sie später keine Rechenschaft ablegen konnte. Auch ihren Freund Hubert hat sie dabei um Geld geschädigt. 'Bei ihrer Vernehmung bestritt die Angeklagte jede Betrugs- absicht. Sie erklärte, daß sie vermögend genug war, um ihr Vor- haben durchzuführen. In der Beweisaufnahme handelte es sich um die Frage, ob die Zeugen, die Anzeige gegen sie erstattet hatten, tatsächlich geschädigt worden waren, oder ob sie ihr das Geld damals nicht freiwillig gegeben hatten. Der Vorsitzende der Erbschaftsvcreinigung schilderte dem Gericht, daß das Vermögen, um das hier der Kampf geht, aus einem Barvermögen von ungefähr 170 Mit- lionen Dollar und Bergwerken und Grundstücken bestand. Die Vereinigung hatte bereits eine Klage gegen die Familie Astor auf Herausgabe des widerrechtlich angeeigneten Vermögens angestrengt. Als die Schwester Kirchner anbot, die Vertretung der Vereinigung in Amerika zu übernehmen, glaubten alle Mitglieder, die geeignet« Persönlichkeit gefunden zu haben. In der Sitzung, nach der ihr die Vollmachten ausgestellt wurden, nahmen die Mit- glieder ihre Ausführungen mit großem Beifall auf. Es wurden darauf die Zeugen vernommen, die der Angeklagten Geld geliehen hatten. Da sie nach Uebernahme der Vollmachten nicht mehr pflegen konnte und nach ihren Angaben ihr eigenes Geld nicht flüssig war, Halle sie sich von allen möglichen vekannlen Geld geliehen. Es flevle sich aber in der Verhandlung heraus, daß es sich größlen- teils um keine Betrügereien handelte, da sie ihren Gläubigern den Sachverhalt genau auseinandergesetzt hatte. Ein Kammermusiker aus Mannheim hatte sie angezeigt. Bei seiner Vernehmung ergab sich, daß er nicht nur dos geliehene Geld von ihr nicht zurückgenommen hatte, sondern daß er ihr auch angeboten hatte, sie monatlich zu unterstützen. Die Anzeige geschah wahrscheinlich aus Eifersucht, da die Angeklagte sich nach einer Aussprache mit seiner Frau von ihm abwandte. Der frühere Freund und Verlobte der Angeklagten, der Polizcioberwachtmcister Hubert, der sie in den ErbfchastSkompf mib hineingezogen hatte, fühlt sich auch von thr geschädigt.' M00 M� tii< di«�Angeklagte in Wert- papieren anlegen sollte, sind ausgegeben worden. Allerdings ergab die Verhandlung, daß die Aufwendungen zum Teil für feine Söhne gemacht wurden Schweres Autounglück bei Wattersdorf Autlertod auf dem Sommerweg. Am Freitag nachmittag fuhr bei W a l t e r s d o r f an der Rudower Chaussee ein Kraftwagen gegen einen Baum, wobei der Besitzer von Jmhooen schwer verletzt wurde, während der 27jährige Fahrer Otto Bresser auf der Stelle tot war. Das Unglück hat sich wie folgt abgespielt: Um einem Fuhrwerk auszuweichen, geriet der zweisitzige Graham-Paige-Sportwagen auf den Sommerweg, fuhr über einen Steinhaufen und überschlug sich mehrfach. Schließlich stieß er dann gegen einen Baum und wurde völlig zertrümmert. Der schwerver- letzte Besitzer wurde in das Buckower Krankenhaus gebracht, wo besorgniserregende innere und äußere Verletzungen festgestellt wurden. -> Gestern abend ereignete sich vor dem Hause Potsdamer Straße 88 ein schwerer Unfall. Beim Ueberschreiten des Fahr- dammes wurde ein noch unbekannter Mann von einem Autobus der Linie 5 überfahren und im Fahr- ge stell eingeklemmt. Die alarmierte Feuerwehr befreite den Unglücklichen aus seiner entsetzlichen Lage, doch trat bereits auf dem Wege zum Elisabeth-Krankenhaus der Tod ein. Ein weiterer tödlicher Verkehrsunfall trug sich am W i l h e l m u f e r zu. Dort wurde der Postschaffner Alfons Haida aus der Karl st r. 21 von einem Privatauto über- fahren und schwer verletzt. Haida wurde in das Augusta-Hospital gebracht, wo er einige Stunden nach seiner Ausnahme an den Folgen schwerer innerer Verletzungen gestorben ist. In beiden Fällen ist die S ch u l d f r a g e bisher noch nicht geklärt. „Variete für Orchester' wurde aus dem großen Saal der Musikhalle Hamburg übertragen. Siegfried S ch e f s l« r hat mit dieser Humoreske ein ausgesprochenes Rundfunkwerk geschaffen: akustisches Variete. Die Temperamente, di« Beweg- lichkeit, die Ausdrucksfähigkeit der einzelnen Instrumente sollten sich in Solodarbietungen produzieren. Einzelne„Nummern" waren recht gelungen: die elegische„V a l s e triste' der Bratschen, das humoristische Duett der„Brüder Fagott', di« Saitenfprllng« der Harfe, der schmalzige Gassenhauer der Trompete wirkten sehr amüsant. Dabei konnte man von einer„Komposition' Schefflers nicht gut sprechen: die Melodien waren abgegrissene Unter- Haltungsware, die er hübsch blankgeputzt und den � einzelnen Instrumente» paßrccht an geschneidert hatte. Eine halbe Stunde am Nachmittag war— anläßlich ihres 110. Geburtstages— dem Andenken Klara Wiecks, der Gottin Robert Schumanns, gewidmet. Man hätte über diese sehr interessante Künstlerpersön- lichkeit, dieser gefeierten Pianistin, wohl mehr als einen ein- leitenden Satz sagen können. Immerhin war es mit Donk zu begrüßen, daß Oskar Wappenschmied und Adelheid Mariette einige ihrer Kompositionen für Klavier und Gesang ausdrucksvoll zu Gehör brachten. T es. Kehraus am Humboldthafen. Oer Verlin-Hamburger Verkehr hört auf. Durch Polizeiverordnung sind die Lodeslrahen am Sronpriazeu- und Friedrich. Karl- User für den Eil- und Stäckgutvertehr gesperrt worden. Damit hat der wichtigste Teil des Humboldthafens, der Der. li«— Hamburger verkehr, aufgehört zu existieren. Wo sich einst Kisten und Tonnen, Ballen und Fässer zu Bergen türmten, wo Sirenen heulten und Kräne surrten, wo Kutscher fluchten und Stauer schwitzten, ist es still geworden. Verödet liegt das holprige Kopfpfloster der breiten Lad.'stratze da, kein Dampfer und kein Kahn sind mehr an der Kaimauer vertraut. Nur zwei Warnungstafeln sind übrig geblieben, auf der einen mahnt der Magistrat die Kinder, nicht am Wasser zu spielen, das ist lebens- gefährlich, auf der anderen warnt das Zollamt die Schifser vor ein.'r Spundwand. Aber es ist niemand da, der sich vorsehen müßte. Die Kontore der Schifssgesellschaften, die alten verstaubten han- seatenstlialen, haben Bücher und Regal«. Frachtbriefe und Firmsn- schilder eingepackt und sind nach dem Westhosen gezogen Wo die Schlestsche Dompfercompagni« und der Berliner Lloyd hausten, hängen Stubengardinen und Thermometer vor den Fenstern, in die Räume der Neuen Norddeutschen Flußdampferge- g e s e l l s ch a s t ist ein Watallkonzern gezogen, die Wellblechbaracken der kleinen Reedereien hat der Althändler geholt. Im Grunde genommen Hot der Humboldthafen auch gar nicht in jene Gegend gepaßt. Das Moabiter Zellengefängnis wie dos Reichstagsgebäude, dos Kolonialmuseum wie das Bunsen-Jnstiwt umlagerten den Hafen uich dachten wohl, warum so eilig dort unten? Und wen» obmds die Schiffssührer mit den Bootsleuten auf Deck saßen und Pfeife rauchten, dann strich die Musik aus den Zelten herüber, so dicht am Tiergarten war der Humboldt Hafen. hineingestellt in«in« fremde Welt, wer zum Wedding wollte, mußte an der Charit« vorbei, nach Moabit an der Kunstausstellung, nach der City an der Kroll-Oper. Aber nicht an den Schornstein einer Fabrik vorbei. Das wäre die Arbeit neben der Arbeit gewesen. Die paar Schienenstränge der Hamburger- Lehrter Bahn konnten das Bild nicht ändern. Die Schisse haben draußen zwischen der Iungsernheide und den Geleisen der Nordbahn ein neues Quartier bezogen, in chrer alten Wohnung ist nur der Geruch von Kohlen, Oel und Teer geblieben. Urtd ein leichter hauch von Wehmut. Lleberfatt im Grunewald fingiert! Oer Wärter gesteht seinen Schwindel ein. In der Nacht zum vergangenen Dienstag wurde, wie erinncr- lich. an der Tankstelle am K r o n p r i n z c n w e g, nahe dem Bahnhof Grunewald, der 24 Jahre alte Wärter Karl h o b o vom hindenburgdamm 8l/82 zu Lichterfelde anscheinend überfallen auf- gesunden. Zwei Männer mit einem Motorrad, die getankt hatten, sollten ihn niederg«schlagen und beraubt habe». Wie sich jetzt herausstellt, war das Ganze ein Schwindel- manöver des angeblich Überfallenen hobo. Am Freitag wurde hoba aus dem Krankenhouse entlosten und zur Vernehmung noch dem Polizeipräsidium gebrocht. Am Darmittag gab er noch eine ins einzelne gehende Schilderung des Ueberfalls. Die Nachforschungen hatten aber verschiedene Anhaltspunkte erbrocht, A�sliroai'lionvi'lillieiu»»«««««« sofort die Atusiellon« ,15 Jahre Arbelterfogendbevegaiig* im Gewerkschaftshaus, Berlin SO, Engelufer 24-2.5. die nur noch heute von 17—22 Uhr, und morgen, Sonntag von 10—14 Uhr geöffnet ist Tag der Jagend morgen, Sonntag U's Uhr, Jngendieier Im Mercedes-Falaat, M., Utrechter StraSe. Einlaß nur mit Karte. 141/» Uhr, Antreten aar Demonstration am Leopoldplatz. IS' i Uhr, Eröftnongshandgebnng des Jngendfestcs im Schillerpark. Es sprechen. Bfireerir.eister Leid. Franz Künstler, M. d. R, Robert Bredow, Ludwig iederich. Aufführungen, Spiel, Sport Bewegungsspiele u am.- Schlußkundgebung mit Fackelspiel, Sprechchor und Gesang. Es sprechen; Alexander Knoll und Clara Bohm-Schuch, M.d. R. Anscfalfegend Fadcelzng zum Gartenplaiz. die die Erzählung zweifelhaft erscheinen ließen. Am Nochmittag wur- den ihm von Kriminalkommissar Werneburg alle Wider- spräche vorgehalten, und bei Anbruch der Nacht räumte hoba endlich ein, daß er olles erfunden habe. Die Unordnung im Wärtcrhöuschen war fein Werk. Um auch dos Fehlen der Benzin- menge wahrscheinlicher zu gestalten, hatte er die Kontrolluhr vor- gerückt; Auch seine„Krankheit" verstand er überaus geschickt vor- zutäuschen. Das angeblich geraubte Geld hatte er beiseite gebracht. Sich in seinen Besitz zu setzen, war der Hauptzweck seines Unter- nehmens. Das Geld ist jetzt wieder herbeigeschafft. Der ganze schein- bar so gefährliche Ueberfall läuft also aus nichts weiter hinaus als auf einen groben Unfug. Dafür wird hoba sich auch zu ver» antworten haben, denn durch feine Täuschungsmanöver sind erheb- lichc Polizeikosten entstanden. Wahrscheinlich werden sie von hobo eingezogen werden. Typographla! Sonntag, den l?. September, vorm. 10 Uhr. hauptprob« in der Philharnioni«, am Freitag, dem 20. September, nachmittags 5— 7 Uhr, Generalprobe in der Philharmonie, Eingang Kothener Straße. SozialiUcheArbetterjugendGr.-Verlin (kfnfmdunzen für diese Tlubrtf nur an da« zujenbftfrtlariat Berlin<5Ä68, ttnOenftrate J Hauptprobe tue Morgenveeanstaltnug in Meeeedea-Palaft heute, S pünktlich 1»'� Uhr, in der Echulauln Wüldenserstr. 20— W. Des voll- W m aählise Erscheine» aller Genossen des Sprech, und Betveaungschors ist 3 � unbedingt erforderlich. Baldurfahrer! Molos von der Baldurkährt'nach Stetttn� liegen'»ur�Änficht und Bestellung im Zugendsekretoriat Lindenstraste 3 aus. heule. Sonnabend. 19� Ahr. ffharlaltenfmtfl-Süb; Seim Stihelflt. 2:„"Jltieitetiufleni, was Tie ist und tnas fie fein soll".— ffallplag I; Wir treffen uns«rr Destchtigung de« iFIuq- hafcns um 1714 Uhr am Kolosseum. ZIachgügler um 18 Uhr am Eingang des Flughafens.— ftaltplaft TT: Alle Genossen, die die Ausstellung noch nicht he» sucht haben, treffen sich heute, Sonnabend, um 7 Uhr Bahnhof Nordring.— Wilnersbori! Einfithrungsadend(Irma ssechenhachl.— Tempelhof. Mariendorf: Die AA..Genossen treffen sich heute schon um 19 Uhr im Realgnmnastum. Eltern»nd ssteunde um 20 Uhr.— Stegltg: Treffen sur Ausstellung im Ge. werkfchofishaus um 18 Uhr Rathau sola h lAutobus 5).— Südwest. Kalleiches Tor: Die Erupoen besuchen die Ardeiierfugend-Ausstellung. Treffpunkt 18 Uhr Bfücherplah(Uhr).— Süden: Wir treffen uns tue Besichtigung der Ausstellung im Kewerkschattsbaus 18 Uhr„Rate Ecke". Weehebesirk Tel tankanal: Der Werhehesirk heteiligt sich geschlossen an den Werbeabend der Gruppe Tempelhof.Mariendorf. Tempelhof. Realgiwinassum, ltaiferin.Augusta.Strafte. Beginn 20 Uhr. Eintritt frei. TS«. Pren, lauer Berg: Seim Dansiger Str. 62, Baracke 3;.Die Schul- gemeinde". Werbebezi rl Neukölln: Engere Werbehesirksvorftandsfistung im Parteifekre. iariat, 19 Uhr. Alle Gruppen müssen unbedingt nertrefen fein. Tambourkorpa Prenzlauer Berg: Seute Uchunasabcnb im Altersheim Dan- ztget Str. 62. Alle Genossen müssen erscheinen. Bilder sind abzuholen. Sport. Rennen zu Grunewald am Jreilag. dem IZ. Seplember. 1. R e n n e n. 1. Lanstanchi(Bleuler), 2. Alba, 3. Senora. Toitü 56:10. Platz: 21, 21, 29:10. Ferner liefen:(Biaumaie, Jagdpassion. G arlbaldl, Fiametta, Florett, Neguß, Hetman, Gerolstein, Flunder. 2. Rennen. 1. Heroine(sasdik), 2. Georgia, 3. Machvoran. Toto: 22:10. Platz: 14, 64: 10. Feiner liefen: Moni Dore, Munin, Held. 3. Rennen. 1. Felix eflo(G. Ianct), 2. OtiZ, 3. Copribi. Toto: 27:10. Platz: 16, 18, 22:10. Ferner liefen: Gilgamesch, Panier, Jrmin, Anton, Gebelaunc. 4. Rennen, t. Gergnium(Grohsch), 2. Pellegrino, 3. Junker. Toto: 33:10. Platz: 17, 13:10. Ferner lief: VolumniuZ. 5. Rennen. 1. Bellina(Klotz), 2. Palsrey. Tolo: 28:10. 6. Rennen, l. Oron iWohIgemuIbi, 2. Meion, 3. Norge. Toto: 60:10. Platz: 17, 13,17:10. Ferner Uesen: Morgenrot. Mädchentraum, Hebräer. Kadewitt, Griland. 7. R e n n e n. 1. llontesta(Zebmlsch), 2. Waisenknabe II. 3. Ping Pong, Toto: 42: 10. Platz: 16, 22, 17:10. Ferner liefen: Smaragd, Königstlind, Slilicho, Sebastiano, Lctava. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E 14. Sebastianstr. 37/38, Sof 2 Tr Borsigwalde: Sonnahend. 14. September, 20 Ubr. im Stranbfchiosi Tegel. Stiftungsfest mit Theateraufführung und Tanz. Repuhii» konst sind herzlich eingeladen.— Treptow: Sonntag, 15. September, Auto- fahrt nach Reu-tzitiau. Antreten 9 Uhr hei 17. Döhltng, Elfenftr. 100. Pflicht» oeranstaltnng.— Mitte, Iungbanner: Montag. 1«. September, 20 Uhr, Jugend. heim Tieckstöaße, Bortrag Kam. Niffka:„Aufgaben der Jugend im neuen Staat".— Peenzlaner Seeg, Kameradschaft Seueselder Platz: Montag, 18. Sep» ternber, 20 Uhr. Versammlung bei Seiles. Prenzlauer Allee Ecke Metzer Siratze. Vortrag:„Sommunalpolitifdie aufgaben". Referent Stadtverordneter Kam. Käming.—»reuzberg: Montag. 16. September, 20 Uhr. Jugend I: Jugend- heim Porckstr. ll, Rimmet S, Referat Kam. Salingrs:„Der Oesterreichifchc Schutzbund und die Seimwehren". Jugend II: Versammlung bei Krepp, Pia». ufer 75—76. Erscheinen Pflicht.__ Bereinigung der ärennde von Neligio» und Böllerfriedeu. Genosse Pfarrer Bleier spricht am kommenden Montag, 16. September, 20 Uhr, in der Aula der 18. Gemeindefchule, Charloitenhurg. Pestalozzistr. 40, über das Thema „Als Pazifist im deutschen Land". Eintritt 20 Pf. zur Deckung der Unkosten. Arbeitslose 10 Pf.(sreitag, 20. September, 10 Uhr, findet die Einsegnung der Kinder in der Triniiafiskirche statt. Sonntag, 22. September, 10 Uhr. spricht Pfarrer Bleier im Rahmen einer religiösen Feierstunde in derselben Kirche. Das Thema lautet„Abendmahl und Sozialismus". Bund Entschiedener Schulreform er. Oeffentliche Monaisverfaimnlung der Entschiedenen Schulreformer am Dienstag. 17. September, 19� Uhr, in der Aula des Wemer.Eiemens.Nealgnmnasiums. Sohenstaufenstr. 47—48(nahe Untergrundbahnhof Bikioria-Luife-Platz). Thema:„Die Beranfmortung dee veffentlichkeit, insbesondere der Presse, für die Jugendfataftrophen". Redner: Dr. Heinrich Dehmel, Dr. Gertrud Bäumer, Karl Meunicke, Paul Oestreich. In der Debatte wird». a. Etudiendirektorin Dr. Susanne Engelmann sprechen. sseei religiöse Gemeinde. Sonntag. 11 Uhr, Pappelallee 15, Vortrag de, Seren S. Alfken:„Die engltfch�rmerikanifchen Gegensätze auf dem Weltmarkt'. Sarmonium: Eaoattne(Raff). Gäste willkommen. Arbeite e-Ahsttnenten-Bund, Gau Berlin.Brandenburg. Am Sannabend, 14. September, 20 Ubr, findet in unserer eigenen alkoholfreien Gaststätte, Marheinekeplatz 3— 4, eine autzerordentliche Mitgliederoerfammlung statt, zu der alle Mitglieder eingeladen sind. welterberichf der öffentlichen wellerhienststelle Berlin und Umgegend (Rachdr. perb.) Wolkig und etwas kühler, ohne nennenswerte Nieder- Ichläge.— Für Denffchland: Auch im Osten langsam zunehmende Bewölkung und noch etwas wärmer, in Milteldentschland bewölkt bei etwa» niedrigeren Temperaluren. nur bereinzelt leichte Regensälle, int Westen allmähliche 9c» wölkungSabnahme, am Tage wärmer. Eiurn interessanten Prolpett über Gardiuea, Teppiche und Decken hat die Tirma Wertheim herausgegeben, die in diesen Attikeln einen grotzen Verkauf in ihren vier Geschäften veranstaltet. Dieser Prospekt, der heute den grotzen Tageszeitungen deiliegt. und auf Wunsch auch zugesandt wird, erleichtert den Einkauf autzerordeutlich. An Saud vorzüglicher Abbildungen kann man seine Wahl treffen, ganz gleich oh man fertige Dekorationen für Wohn, oder Schlaf- zimmer, nur Stoffe, Teppiche»der Läufer kaufen will. Die grotze Auswahl fchäuer Muster wird ferner edenfg grotzes Interesse finden, wie die hekannten billigen Preise erneut in Erstaunen setzen. In den Möbelabteilungen sind nie!« fertig eingerichtete Zimmer ausgestellt, die wiederum Anregungen für Ausführung der Innendekoration geben. Das ist der AchtQDfif**"* biUe ausschneiden 1 w•• � � �3mnoon*$*i*icsey Ä« BH 0- lOHXöna ADLER FAVORIT Ein repräsentatives Fahrzeug! Bestechend in der Form, zweckmäßig und solid— Sechs große Fenster, vier breite Türen, eine vollendete Innenausstattung— Ein ungewöhnlicher Komfort für diese Preisklasse! Und das Begehrenswerteste: der Motor! 30 Jahre Erfahrung und ein glücklicher Wurf!— Fachleute des In- und Auslandes anerkennen die Reife dieser Konstruktion.-- Störungsfrei und wirtschaftlich wie nur je ein Vierzylinder, in Anzug und Geschmeidigkeit vielen größeren benzin- und steuerfressenden Sechszylindern überlegen... Sic fahren langsam, 10.— 8,— 6,— 5 km im direkten Gang!— plötzlich Bahn frei und Gas! 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Vorneweg marschierte die Börse, die nach monate» langen Enttäuschungen endlich Morgenluft witterte. Hier find die Hoffnungen auf den Anbruch einer neuen Zeit aber bald zerstoben und hoben einer tiefen Mutlosigkeit Platz gemacht. Einigermaßen zu Unrecht— denn die Erwartung, daß nunmehr wieder aus- länd-fches Geld reichliche» zur Verfügung gestellt würde, hat stch durchaus erfüllt. An Geld für Börsenfpetulationszweck« hat es feit- her nicht gefehlt. Da aber das Publikum mit Anlagekäufen zurückhielt und der Spekulation die Gefolgschaft versagte, erlosch das an der Börse entfachte Strohfeuer sehr bald. Mit dazu beigetrogen hat die Enttäuschung, daß d i e Zinssätze trotz des reichlicheren Auslandsangebotes keine nennens- wert« Ermäßigung erfuhren. In Zeiten allgemeiner Kurssteigerun- gen an der Börse spielt die Höhe der Zinssätze im allgemeinen keine große Noll«, da die erzielboren Kursgewinne den für die Inanspruchnahme von Krediten zu zahlenden Zinsbetrag gewöhnlich mehr als aufheben. Während einer Börsenflaute aber, die statt erhoffter K irrssteigerungen meisten« Kursrückgänge und allenfalls nur geringfügige Veränderungen der Kurse bringt, pflegt auch die Börse mit dem Pfennig zu rechnen. Und so zeigt es stch auf einmal, daß auch die Börse mit dem reichlicheren, aber z u teuren Auslandsgelde nichts anfangen kann. Alle Hoffnungen setzt man jetzt darauf, daß eine Zinsoerbilligunz in naher Aussicht steht, und wenn schon nicht die Börse von diesen Hoffnungen angeregt wird, so erwartet man doch, daß die Wirtschast hiergus«inen neuen Antrieb erfahren wird. In der Tot sind alle Wirtschoftstreife an einer Zinsermäßigung auf das leb- hastest« interessiert, da die Kosten für die Aufnahme von Krediten einen wesentlichen Jaktor für die Preisbildung jeder Ware darstellen. Es könnte wieder billiger und mehr produziert werden, die deutsche Ausfuhrindustri«, die nun gegenüber der mit billigerem Kapital arbeitenden ausländischen Konkurrenz «inen schweren Stand hat, würde in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, wodurch dann wieder der deutsche Export entsprechend gesteigert werden könnte. Wie sind nun die Aussichten für eine Zinsverbilligung? Der Plick richtet sich sofort auf den Reichsbankdiskontsatz, der amtliche Pegel für den allgemeinen Zinsstaud. Er zeigt un- verändert einen Stand von 7V, Proz. für den Ankauf von Wechseln und von 8Vj Proz. für Kredite gegen Pfandhinterlegung, die so- genannten Lombardkredite. Daß die Kreditkosten für den gewöhn- lichen Sterblichen, der im allgemeinen keinen Kredit bei der Neichsbonk erhalten kann, wesentlich höher liegen, ändert nichls daran, daß doch der Reichsbanksatz auch für die Höhe seiner Kreditkosten einzig und allein maßgebend bleibt. Die Zinsen z. B-, die man den Banken für geliehenes Geld bezahlen muß(Debetfatz), bewegen sich stets 1 Proz. über dem Reichsbankdiskontsatz. Der Reichsbovksatz ist nichts anderes als die Basis der Sreditpyramide in der deutschen Wirtschaft, und in demselben Maße, wie sich diese Basis nach unten oder oben verschiebt, senktoderhebtsich das ganze Kreditgebäude. Sind nun die Hoffnungen auf eine baldige Senkung de» Reichsbonksotzes begründet? Sie sind nicht ganz unbegründet und die Möglichkeit, daß das überhohe Zins- Niveau in Deutschland durch dos Vorangehen der Reichsbank mit einer Diskontsenkung ermäßigt wird, ist seit den Haager VerHand- lungen immerhin etwas größer geworden, doch die Entscheidung, im gegenwärtigen Augenblick eine Zinssenkung vorzunehmen, wird der Reichsbankleitung nicht leicht fallen. Zu viel«? ist dabei zu beachten. Zunächst der sogenannte Status der Bank, also die innere finanzielle Lage des Instituts, die Höhe der Deckung«- reserocn für das umlaufende Papiergeld usw. Hier wäre die Vorbedingung für eine Ermäßigung der Bankrate durchaus gegeben. Die Deckungsquote für die umlaufenden Roten Höst sich seit geraumer Zeit weit über der gesetzlich vor- geschriebenen Mindestgrenze von 40 Proz. Die Deckung ist so hoch, daß ruhig eine Diskonlsenkung riskiert werden könnte, obwohl dann eine Erweiterung des Noten- Umlaufes infolge stärkerer Wechseleinreichungen der Wirtschaft die sofortige Folge der Diskontmaßnahme wäre. Der sehr hohe Gold- und Deviseick? esitz der Bank würde«ine Erweiterung des Wechselkredits, d. h., gleichzeitig eine Erhöhung der Notenausgabe, durchaus gestatten. Weniger günstig ficht es dagegen um die anderen Bor- bedingungen für eine Distontsenkung. Die Zinssätze am offenen Geldmarkte, von denen letzten Endes auch die Höhe des Reichsbank, diskontsatzes abhängig ist, zeigen zwar seit einiger Zeit die Tendenz zum Sinken, aber sie liegen noch immer erhchlich über dem Reichsbanksatz. Nun ist es die Meinung der heute vor» herrschenden Theorie, daß der Diskontsatz einer zentralen Notenbank, wenn man von der Zinsdifferenz von 1 Proz. abficht, ihren Satz mit denen des gesamten Geldmarktes auf eine Höhe halten soll. Wenn man dies beachtet, wird man bei der heutigen Höh« der Zinssätze am offenen Markte schwerlich sagen können. daß der innerdeutsche Geldmarkt(für sich betrachtet) zu einer Distontsenkung reif wäre. Ein etwaiger Versuch unseres Noteninstitu's, durch die Senkung der eigenen Zinssätze auch die Sähe des freien Geldmarktes nach unten zu reihen. bleibt immerhin im Ausgange zweifelhaft: denn die Entwicklung der Sätze am offenen Geldmarkt untersteht ihrem eigenen Gesetze, dem Gesetze der Preisbildung durch Angebot und Nach frageoerschiebung: und darauf hat die Reichsbank selbst keinen Einfluß. Hier bleibt einzig und allein die unbestimmt- Hoffnung auf eine weitere Steigerung des Geldangebots durch das Ausland oder auf eine Minderung der Geldnachfrage im Inlande. Beide Fäll« können eintreten, kein Mensch weiß aber, ob sie ein- treten werden. Die Aussichten sind eher ungünstig als günstig. Auch im Aus lande ist das Geld knapper und immer teurer geworden. Die Zinssätze sind in der ganzen Welt im Steigen: sie liegen zwar beträchtlich unter den deutschen Sätzen, aber di« Tendenz geht un verkennbar n a ch o b e n. In demselben Maße wie im Ausland« die Zinsen ansteigen, verringert sich der Anreiz des Auslandes. Geld nach Deutschland zu legen, wenn es am heimischen Platz« ebenfalls höhere Zinsen erhalten kann. Eine Diskontsenkung der Reichsbank würde also auf alle Fälle abschreckend auf da» Auslandsgeld wirken. und da der deutsche Geldmarkt zurzeit nur durch den Zuzug vop Auslandegeld lebensfähig gehallen wird, so ist die Äustechterhaltung einer genügenden Zins- spanne zwischen dem deutschen und den ausländischen Geldmärkten eme bittere aber unumgängliche Notwendigkeit. Unter allen Umständen bleibt bei der undurchsichtigen Lage jede Diskontmaßnahme der Reichsbanf im gegenwärtigen Augenblick e i n Experiment, das gut und das schlecht ausgehen kann. Es sollte aber trotzdem gewagt werden, denn die Konjunktur, d. h. die Wirtschaft überhaupt, braucht einen Antrieb durch Erleichte- n»ng der Zinskosten heute nötiger denn je. F. D. Benzinrebellion. Hinter den Kulissen des Aenzinpreiskampses. In Köln ut zumck'ch unerwartet und sicherlich zum großen Aerger der großen Lieferfirmen der Benzinprsis im Laufe von noch nicht ganz*mei Wochen von 3S auf 22 Pf. j e L i t e r g s s u n k- n. Zwar beschränkt sich dieser Preissturz vorläufig nur auf die Gegend van Köln, doch ist berests die Frage aufgetaucht, ob nicht der ge. samt« deutsche Benzinmarkt dadurch beeinflußt werden könnte. In Deutschland besteht bekanntlich eine Art Monopolorgani- fation, die Benzinkonoention. deren jetzige Regelung jeit dem 1. Oktober vorigen Jahres in Kraft ist. In diesem Kanon- tiovsoertrag. an dem u. a. die Untergesellfchasten des Standard Oil-Konzerns, der großen englischen Gesellschaften und auch des rufsifchen Naphthatrusts beteiligt sind, werden bestimmte Preise festgesetzt, ferner bestimmte Rabatte für Garagenbesitzer. Autodrvsch. kenunternehmer, Zapfstellen usw. Gleichzeitig werden Strafen und Lieferungssperren allen vortragbrüchigan Absatzsirmen angedroht. Wenn auch der be- kannte Plan einer allgemeinen internationalen Produktionsvermin- derung der großen Konzern: noch nicht Wirklichkeit geworden ist, so sind doch einige Etappen aus dem Wege zu einem W e l t m o n o- pol für O e l bereits erledigt. Für bestimmte Markte, so für Deutschland und England, sind Benzinkonventionen abgeschlossen worden, und insbesondere scheint sich allmählich eine engere Zu- sammenarbeit zrofschen dem amerikanischen Standard Oil- Konzern und den beiden englischen Konzernen Shell und A n g l o Persian Oil Co. anzubahnen. Es o:rlaut«tc z. B. Anfang Septembio-, daß dies« drei Gesellschaften die Absicht hoben, in Frank- reich gemeinsam« Rassinerien zu errichten. Nun gibt«i freilich neben diesen großen Gruppen auch noch andere große Konzern:, die sich offenbar durch die Zusammenarbeit der erwähnten Trusts etwas benachteiligt fühlen und in hie Offen- sine übergehen, nicht deswegen, um den Oel- und Benzinverbrauchern billigere Mar« zu liefern, sondern um einen größeren Anteil an d:r Belieferung aussichtsr:icher Märkte zu haben. In Köln handelt es sich um einige Verkaufsgesellschaften, u. a. die Rheinland- Garogen-Gesellschaft, hinter denen jedoch große amen- konische Lieferanten stehen. Es sind offenbar zwei Konzern«, die Texas Company und die Atlantic Refining Company. Die Texas Co. ist neben dem Standard Oel-Konzern wohl die größte amerikanische O.-lgesellschaft. Sie arbeitet mit einem Aktieifkapitol von 164,5 Millionen Dollar, hat es verstanden, allein im vergangenen Jahr ihren Reingewinn zu verdoppeln und besitzt Absatzorgcmisationen in fast allen Teil«, der Welt. Di« Atlantic Refining Co. war zwar bi» 1311«n Glied des Standard Oil-Konzerns, war aber fest der Auflösung im Gegensatz zu den übrigen Gliedern als unabhängige Gesellschaft tätig. Auch sie besitzt außerhalb der Dereinigten Staaten ein« Anzahl Tochter. gesellschoslen für Äbsatzzwecke, u. a. in Italien. Ihr Aktienkapital beträgt 7t> Millionen Dollar. Ms vor einigen Monaten in den Dereinigten Staaten über eine allgemeine Einschränkung der Petroleumerzeugung zwecke Erzieluag höherer Preise verhandelt wurde, waren auch dies« beiden Konzern« beteillgt und Mister R. C. Holmes, der Prästdent der Texas Co., empfahl, als amtlichersetts Schwierigkeiten entstanden, auf olle Fälle.ckne Fortsetzung der Produktionsdrosselung. R. C. Holmes ist übrigens der Rechtsbeistand des American Petroleum Instituts(einer Art Interessenorganisation) und Borsitzender des von diesem Institut gegründ:ten„Allgemeinen Ausschusses für die Weltproduktionsrege- lung". Alles dies spricht also dafür, daß auch die Texas Oel-Gcsell. schaft internationalen Abmachungen für rentable Marktbeherrschung alles ander« als abgeneigt ist und bei der Atlantic Re- fining Co. ist es gewiß nicht anders. Bielmehr handell es sich bei dem Kölner Vorstoß, wie bereits gesagt, wahrscheinlich nur darum, stärker als bisher am deutschen Geschäft beteiligt zu werden: und hierbei haben sich diese amerikanischen Gesellschaften die Unzufriedenheit der Garagenbesitzer mit den jetzigen Rabattsätzen zunutze gemocht. Andererseits ist erst vor wenigen Tagen in Berlin zwischen der Reichs-Kraft-Sprit-G. m. b. H. und-den bisherigen kleinen Außenseitern ein Vertrag zustande gekommen, wonach deren Zapspreise denen der Bmzinkonvention angeglichen werden. Mo- lorradfahrer und Automobilisten scheinen also trotz des plötzlich:» Benzinpreissturzes in der Kölner Gegend wenig Hoffnung auf cire dauernde und allgemeine Benzinnerbilligung zu haben: vielmehr ist zu befürchten, daß in abs'hbar« Zeit eine neue die Preis: diktierende Liefcrantenfront vorhanden sein wird, noch kapitolkröstiger und straffer organisiert als die jetzige Benzinkonoention. Mechanisierung in der Landwirifchasi. Was bei der Produktion erspart werden kann. Das„Haynauer Stadtblatt"' berichtet aus Grund einer Besichtigung der Saatzuchtwirtschast in Ober-Mittlau, Krs. Bunzlau, über die Vorteile, die sich durch die Verwendung des Mähdreschers erzielen lassen. Das Blatt kommt dabei zu folgenden Feststellungen: Durch die Strohernte und den sofortigen Drusch aus dem Felde mit Hilfe der Mähdrescher bleibt jede Bewegung der Garben und de« Strohes durch di« teuere Handarbeit weg. Damit ergibt sich in der Saatzuchtwirtschaft Ober-Mittlau eine ganz wesent- liche Ersparnis an Leuten und Gespannen. Von letzteren werden dort, nachdem bei Anschaffung zweier Raupenschlepper berests 16 Ochsen und 1» Pferde verkauft worden sind, weitere 18 Pferd« nach Inbetriebnahme der Mähdrescher obgezchasst. Die Zahl der Arbeitskräfte wird pro 8 Morgen Betriebsflächc auf höchstens 10 bis 15 reduziert. Die damit freiweodenden Mittel an Löhnen, Fütterungskosten usw. werden sehr erheblich sein. Im Winter sind keinerlei Auswendungen für den Drusch des Ge- treides zu machen, da da» Getreide die Mähdrescher verkausssertig oerläßt. Auch der Landarbeiter wird erheblich« Erleichterungen daraus hoben und stch von solchen Betrieben gern anwerben lassen, da er nicht mehr in staubenden Scheunen, sondern in frischer Lust dreschen wird. Auch sein wirtschaftliches Los ist ein leichler«?, da seine intensivere Arbeit ein« besser« Bezahlung ermöglicht. Der- artig« Betriebe können dann auch aus ausländische Wände r- arbeiter verzichten. Die Raupen haben sämtliche Gespann- arbeiten zu verrichten und werden auch zum Düngerfahren usw. mit sechs bis acht Arthangerwagen benutzt. Diese universale Ver- wendungsmöglichkeit sichert der Raupe die Rentabilität. Damit»st wiederum erwiesen, wie recht alle diejenigen haben, die der Landwirtschaft den Uebergang zur weitmöglichsten Mccha- n i s i« r u ng des Produktionsprozesses empfehlen. Die Mecha- nisterung ist eine kostspielige Sache. Die Vorteile, die sie mit sich bringt, überwiegen die Unkosten aber doppelt und dreifach und lassen die Landwirtschaft zur Rentabilität kommen, ohne daß der so bedenklich« Weg über den Schutzzoll bzw. die Konsumenten- belastung gegangen zn werden braucht. Stärkerer Güterverkehr bei der Reichsbahn. In der letzten Berichtswoche vom 25. bis 3J. August sind an sechs Arbeitstagen bei der deutschen Reichsbahngesellschaft insgesamt 942 944 Güterwagen gestellt wordm. Di« Zahl in der Vor- wach: belief sich auf 932 322 und in der entsprechenden Woche von 1928 auf 927 429. Der Güterverkehr aus der Reichsbahn hat in den letzten drei Wochen wieder eine ständig steigende Tendenz aufzuweisen und ist arbeitstäglich von 153 auf 155,4 bis 157,2(in 1000 Wagen) gesti�en. Er hält sich also auch weiterhin wie schon seit dem Frühjahrsaufschwung erheblich über der Höhe des Borjahre?. Dementsprechend sind natürlich auch die Einnahmen der Reichsbahn ganz erheblich gestiegen. Betrugen sie im Monatsdurchschnitt 1928 rund 273 Millionen und im Juni 1928 265,8 Millionen, so beliefen sie sich bereits im Mai dieses Jahres auf 282V und im Juni erhöhten sie sich weiterhin auf 293,5 Millionen. Da der Verkehrsaufschwung in den nächsten Monaten stch noch ver st arten wird, so kann die ablehnende Entscheidung de? Reichsverkehrsmimsters gegenüber den Toriferhöhimgsmünschen der Reichsbahn nur'begrüßt werben. Steigend« Gewinne im Rheinischen Braunkohlenbergbau. D* Braunkohlenindustrie A.-G. Zukunft in Weißweiler bleibt zwar für das jetzt abgeschlossene Geschäftsjahr 1928/29 bei ihrer Vorjahr sdivldende von 7 Proz., doch sind die Gewinne des Unternehmens bei der anhaltenden Hochkonjunktur für Braunkohlen ganz bedeutend gestiegen. So erhöht« sich der Betriebsuberschuß um fast 1 Million auf rund 5,9 Millionen Mark. Trotz weiterer Hcraufschraubung der Abschreibungen auf 1,85 Millionen oerbleibt ein Reingewinn von 1,15 Mil- lionen gegen 0.97 Millionen im Borjahre.— Di« Kohlenförde- xung stieg im letzten Jahr fast um 30 Proz. auf 3,4 Millionen Tonnen, während die Britettproduttion sogar um fast 45 Proz. auf 0,87 Millionen Tonnen anwuchs. Bezeichnend für die anhaltend gute Konjunktur im rheinischen Braunkohlenbergbau ist, daß auch diese Mehrproduktion restlos abgesetzt werden konnte. Preußens Fremdenverkehr im Sommer 19?S. In der amerikanischen Zahlungsbilanz bilden die Summen, die oll- iähriich von den reisenden Amerikanern ins Ausland gebracht werden, einen ebenso bedeutenden wie umstrittenen Posten. Und von welcher Bedeutung der Fremdenverkehr für die Wirtschast ganzer Länder— weit über das Gastwirtsgewerbe hinaus— fein kann, das kann der am besten beurteilen, der einmal die Schweiz oder Oesterreich oder Oberbayern bereist bat. Aber auch in Preußen haben vielfach die von den Fremden am meisten besuchten Orte ihr« Wirtschast so eingestellt, daß in der„Saison", in den wenigen Sommermonaten, der Lebensunterhall für das ganze Jahr er- arbeitet wird. Nach der preußischen S t a t i st i k wurden in der Zeit vom 1. April bis zum 30. September 1928 in Preußen rund 4,8 Millionen Fremde gewählt, von denen etwa 10 Proz. Ausländer waren. Die Aufenthaltsdauer war länger als im Vorjahr«, sie stieg bei den Gästen aus dem Reich von 4,1 auf 5,1 Tage, bei den Ausländern bon 3,2 auf 3,7 Tag«. Ein Siebentel aller Fremden entfiel auf die Seebäder: hier hielten sich di« Fremden auch am längsten auf, nämlich durchschnittlich 16,2 Tage. In den kleinen Städten blieben di« Gäst« nur 1 bis 2 Tage, in den Graßstädten durchschnittlich auch nur 2,2 Tage. De» Rätsels Lösung? In diesen Tagen fällt die Entscheidung über die Zukunft der S t a h l v e r b ä n d c. Wenn nämlich Krupp den angekündigten Bau eines Rährenwerkes wirklich vollführt, so ist sowohl der deutsche wie der internationale Röhrenoerband gesprengt, was weiterhin zur Sprengung des Dach- Verbandes der Stahlsyndikate, der Rohstohlgemeinschast, führen könnte. Zur Ausstellung dieses Projektes sah sich Krupp genötigt, al» die Mannesmann- Röhrenwerke nach Errichtung eines eigenen Stahlwerkes als Abnehmer des Kruppschen Qualitätsskohles ausfielen. Jetzt hat Krupp aus der Tagung der Rohstohlgemeinschast die, Forderung einer Quotcncrböhung um 10 Proz. oder 175 000 Tonnen erhoben. Wird diese Fo- derung ersüllt, so könnte Krupp den srüher von Mannesman» gelieserien Stahl an den freien Markt bringen und aus den' Bau des Röhrenwertes verzichten. Vielleicht hat das Bauprojekt nr einen anderen Zweck gehabt, al» die Mitglieder der Rohstahlgemeinschast für die Kruppschen Forderungen mürbe zu machen. Bildung eine» Hulkarkells. Elf Firmen aus Berlin und der Provinz Brandenburg haben sich jetzt zu einer Interessen- gemeinschast zusammengeschlossen. Zunächst l*stcht die Interessen- g.-meinschofl nur für die Fabrikation von H e r r e nh ü t e n. Wenn auch dieser Zusammenschluß nur«in Teilergebnis dorstelli. da das stärkste Hutunternehmen, di« B e r l i n. G u b e n e r Hut- sab riken A.- G., dieser Jnteresseogemeinschasl nicht beigetreten sst. so ist mit diesem Zusammenschluß doch der Auftakt für die Fort- setzung der Konzentration im Hutgewerbe gegeben. Sonnabend 14. September 1929 Unterhaltung unü AAissen Beilage des Vorwärts voTs�Ziriafoch: SOtttte fHif ckSiM Slllß (Schluß.) Diese vier Schwestern waren Töchter eines Salzamtsvarstehers uird bewohnten ein Häuschen neben der Temesbrücke. Das Häuschen war dicht am Ufer gebaut und bot einen glänzenden Ankerplatz für unser Fahrzeug. So kam es, daß wir den ganzen Sommer hindurch fast jeden Tag mit den Mädchen zusammensteckten, unsere freie Zeit mit Schwimmen, Kahnfahren und In-der-Sonne-Liegen oer> bringend. Diese Mädchen nun, die sich bisher unsere Gesellschaft mit Freude gefallen ließen, waren von dem Moment an. als Viktor Cornja im Städtchen auftauchte, wie verwandelt. Wir wußten damals noch nicht, daß sich ein altes Gesetz an uns erfüllte. Diese kleinen Mädchen zogen das Ferne, Unbekannte dem Nahen, Vertrauten vor. Sie folgten dem Lockruf der berauschenden Fremd- heit, die den neuen Knaben einhüllte wie ein leuchtender Mantel, seinen Wert in das Unermeßliche steigernd. In dem kleinen Städtchen konnte natürlich ein Ereignis, wie die Ankunft des„Neuen" nicht verborgen bleiben. Wir selbst sorgten für seinen Nuhm, wenn auch gegen unseren Willen. Wir nannten ihn„Geschniegelter Affe", oder„Uebergent", oder„Schöner Viktor", mit beißendem Spott natürlich, aber nie fielen solche be- leidigende Reden in seiner Gegenwart. Seltsam. Seine Nähe wirkte lähmend aus uns. Es war so viel Selbstverständlichkeit in allen seinen Bewegungen und im tiefsten Herzen bewunderten wir seine Fremdheit. Die Mädchen sahen ihn anfangs nur von ferne, auf der Straße, auf dem Marktplatz oder beim Schwimmen im Fluß. Sie warfen ihm versteckt werbende Blicke zu, die er jedoch nicht zu beachten schien. Wir selbst machten ihn mit den vier Schwestern bekannt, eines Abends vor dem Zigeunercafe. Drinnen fiedeUe die Kapell« ergreifende Volksweisen und draußen auf dem Marktplatze spazierte die Jugend der kleinen Stadt auf und ab. Dieser gewohnt« Abend- korso bewegte sich von der Apotheke bis zum Park(der aus etwa zehn Bäumen bestand) und zurück.. Dieser Gedanke, Viktor Cornja den Mädchen vorzustellen, kam uns ganz plötzlich, ich glaube, Pit Kokor sprach ihn aus. Er sagte: „Sieh mal, da kommt der Affe, und ein Monokel hat er auch im Auge." Die vier Mädchen waren dabei und wir alle dreht« uns gleich- zeitig um. Viktor Cornja kam dahergsschlendert, den weichen Filz in der einen Hand, die Handschuh« in der anderen. Tatsächlich: ein Monokel im Auge. Solch Einglas trugen nach Pit Kokors Meinung nur die Hochstapler in den Romanen. Ueberhaupt habe er, Pit, kürzlich in dem wunderschönen Roman„Die Dame mit dem schwarzen Hund" die Schilderung eines sehr zweifelhaften Herren gelesen, der Viktor Corsa auf das Haar gleiche. Wenigstens äußerlich. Mir standen also in der Nähe des Cafes, als Viktor Cornja, einer Aufforderung Pit Kokors folgend, zu uns trat. Er ver- beugte sich in vollendeter Weis« und blieb abwartend stehen. Sein« Augen waren dunkelbraun und sahen uns höflich fragend an. Pit Kokor stellte mit weit ausladender Bewegung vor. Es war schon ziemlich spät und wir begleiteten die Mädchen nach Hause. Als wir uns der Temesbrücke näherten, stieg der Mond aus den Wolken und glitzerte hell schäumend am Wehr. Es wurde wenig gesprochen. Der schöne Abend wirkte versöhnend auf Pit und mich und schlang vorübergehend ein Band der Einigkeit um uns all«. Die Mädchen schwatzten leise von gleichgültigen Dingen. Der neue Knabe schritt, vorsichtig jede Pfütze vermeidend, schweigend neben uns her. Der Mond spiegelte sich in seinen Lackstieseln. Pit und ich pafften verbotene Zigaretten. Wir näherten uns den, Hause am User. Der große Maulbeerbaum hinter dem Zaun rauschte. --- Durch schweigende Zurückhaltung eroberte der„Neue" an diesem Abend das Herz der Mädchen. Die Ferien kamen. Die Freude und Aufregung der ersten freien Tage ließen uns den geheimen Groll für kurze Zeit vergessen, den wir gegen Viktor Cornja hegten. Denn die Lage hatte sich sehr verschärft. Wir waren für die Mädchen unwichtig geworden, der Ruhm, den wir uns durch eine Reihe gefahrvoller Abenteuer am Flusse erworben hatten, verblaßte vor der aufgehenden Sonne des„Neuen". Sie warben um feine Freundschaft, alle vier zugleich. Wir waren nicht mehr vorhanden, standen plötzlich gleichsam im lustleeren Raum, diese Mädchen, selbst noch launische, grausame Kinder, strichen uns ganz einfach aus ihrer Welt, wie man eine falsche Zahl streicht, vernichteten unseren Wert. Er war der Anlaß. Er drang in unser Leben, ergriff mit un- erhörter Selbswcrständlichkeit Besitz von unserer Welt, fegte uns mit einer seiner eleganten, lässigen Handbewegungen beiseite wie dürres Laub. Ich weiß heute, wenn ich zurückschaue, daß es sicher nicht jeine Absicht war, uns zu verletzen. Er war ganz fremd in der kleinen Stadt und sucht« Freunde. Rur die Welt, aus der er kam, war anders als die unsere. Und das verziehen wir ihm nicht. Neid verzehrte uns und die Grausamkeit unserer Jugend trieb uns zur Rache. Wir sprachen das nie aus— Pit Kokor und ich— auch später haben wir nie darüber gesprochen. Alle Qualen des Neides und> der Eifersucht trugen wir stumm in unseren Herzen. An einem Tage dieses Sommers rächtxn wir uns. --- Gegen Mittag ruhten wir aus. Pit Kokor dreht« sich fme Zigarette aus Seidenpapier und Kukuruzhaaren, saß auf einem Strunk am Ufer und seine Beine, die von der Sonne ver- brannt waren, baumelten in das Wasser. Ich lag etwas höher auf der Böschung und ließ mir von der Sonne den Bauch wärmen. Das Boot schaukelte vor der kleinen Holztreppe. Die vier Mädchen waren gu Hause. Sie hielten sich hinter dem Zaun im Garten auf und zeitweilig klang ihr Lachen herüber. Es mochte ein Uhr mittag sein. Ich lag im Halbtraum auf dem Rücken und erwacht« von einem lauten Pftff. Pit Kokor stand auf einem Bein auf der Nase des Bootes, das beängstigend schwankt«, heftig gestikulierend. Pit war ungewöhnlich geschickt bei solchen Wagestückchen. Außer- dem war er ein guter Schwinnner. Selbst wenn das Boot kentert«, war nichts zu befürchten. Der Grund dieses plötzlichen Balance- aktes war der„Neue", der sich unserem Badeplatz nähert«. Ich sah ihn über die Brück« kommen. Wie aus ein Zauberwort tauchten jetzt auch die Mädchen auf. Eifa ordnete flink ihr Haar, die anderen drei machten es ihr nach. Viktor Cornja kam die Böschung herab. Einen steifen Girardi- Hut auf dem Kopfe, das Einglas im Auge, die Handschuhe in der Linken. Er grüßt« freundlich: „Küsse den Damen die Händ«. Servus, Iungens!" Pit stand gerade in einer schwierigen Stellung auf der Zehn- spitze am Ende des Bootes und überhörte den Gruß. Dann sagte er plötzlich: „Versuche mal, ob du das auch kannst!" Pit Kokor sprang leichtfüßig an das ilfer. Das war«in« Herausforderung. Die Mädchen wandten sich alle dem„Neuen" zu. Sicher lag ihm nicht viel daran, sich zu produzieren, das weiß ich heute bestimmt, aber die vier Paar glänzenden, gespannten Mädchenaugen ließen ihn nicht los. „2>a ist ja nicht viel dabei," meinte er. Und er trat, fo wie er war, im schönen gebügelten Anzug, deu Girardi auf dem Kopfe, die Handschuh« zwischen den Fingern,: in das schwankend« Boot. Wir zwei, Pit und ich, hielten diensteifrig die Bootslein«. Der Neu« trat vorsichtig auf, um feine Lackstiefel zu schonen, denn im Boot stand eine Handbreit Wasser. Jetzt stand er auf einem Bein auf der Bootsspitz« und lächelte. Er lächelte freundlich zu den Mädchen herüber. Es war ein echtes Knaben- lächeln, ein siegesfroihes, her, zerwärmendes Lächeln. Aber wir sahen nur die Gesichter der Mädchen. Und dann sahen Pit und ich uns ein« Sekunde lang an. Scheu, aber mit einem Funkeln des Einverständnisses. Und dann rissen wir an der Leine. --- Als wir ihn herausfischten, waren die Bügelsalten beim Teufel, die Kleider klebten ihm am Leibe, den Girardi hatte der Fluß fortgetrieben. Vom Monokel keine Spur. Die vier Mädchen am User hielten sich den Bauch vor Lachen. Es waren Kinder. Der Bann der Fremdheit war gebrochen. Di« Grausamkeit und Quällust der Kinder brach hervor. Der Neue schwankte die Böschung hinauf, das Haar klebte ihm in der Stirne. Er sagt« kein Wort. Wir brachten Viktor Cornja an diesem Ab«nd heim. Beim Abschied reichte er uns beiden die Hand und sah uns still in die Augen. War er nicht ein Held? maxssemnrdi: Arbeiter Weines Südtirols Weinfaß ist das sogenannte„Unterland", das weit« Tal zu beiden Ufern der Etsch südlich von Bozen bis zur Salurner Klans«. Hinter Saturn, wo sich die Bcrghänge zu einer vchlucht verengen, beginnt sich das Tal bereits zum Becken von Trient zu weiten. Der Fremde kennt das Unterland nur vom Ersenbahnfenster aus. Di« Mittelpunkte der Fremdenindustrien bleiben Bozen und Meran, die Dolomitenwelt, und in der Folg« der italienische Süden. Aufenthaltlos bringt der v-Zug den Reisenden von Bozen etsch- abwärts dem Gardafee zu. Der Blick auf di« langgestreckten Wein- öcker, die sich zu beiden Seitei des Tal«s bis in die Berg« hinein verlieren, ermüdet durch seirmfftetes Einerlei und oermag auch di« gewonnenen Eindrücke des Fremden im Bozener und Meraner Gebiet nicht zu überbieten. An landschaftlichem Naturreiz arm, verzichtet es auch auf jede Frenidenindustrie. Es lobt nur dem Weinbau und Weinhandel. Di« wenigen größeren Ortschaften Branzoll, Auer, Neumarkt, Kalter», St. Margreid, Saturn, teilen sich in d«n Grundbesitz des Unterlandes. Dörfer, die von Spritzkalk und Kupfervitriol blaugrün verfärbt sind, mit kleinen Kirchen, auf deren Mauerwerk uralt«. oft kostbar« Fresken zerbröckeln. Schiefwinkelig stehen die Häuser beieinander, lassen nur die grellweiß«, kalkstaubige»Landstraße mitten hindurchziehen. Miniaturstädte mit einem Kaufhaus, der „Cooperativa", dem großen Krömerladen, in dem alles zu haben ist. Wirkliche Bauernhöfe mit umliegenden Gütern sind selten. Die Bauern haben sich in Ortschaften zusammengetan und leben in enger Gem«infchast als„Grundbesitzer". Ihre Weingüter, Aecker und Felder liegen weit außerhalb der Dörfer, oft nur mit Fuhrwerken erreichbar. Ihr« Häuser aber, die durch das von Generation zu Generation anschwellende Expansionsbedürfnis in ihrer Baulichkeit di« wunderlichsten Formen verraten, zieren winzig« Gärt«n, mit mm Frauenhand gepflegte» Salatbeeten. Nahezu da» ganze Jahr über darf der Salat, zubereitet mit vorzüglichem Weinessig, von der Kresse angefangen bis zum Winter„endioi", bei keiner Mahlzeit fohlen. Er bildet nicht nur ein ausgezeichnetes Erfrifchungsmittel, sondern muß überhaupt das vechältnismäßig wenig angebaute Ge- müf« in vollem Umfange ersetzen. Arbeitstag und Arbeitszeit sind bei dem Unterländer durch die Erfordernisse der Jahreszeit— wie bei aller Landwirtschaft— genau geregelt. Immer wieder, das ganze Jahr hindurch, wird eine Großarbeit verfolgt: Das Umpflügen des Weinackers. Mit Pflug und Ochsengespann und mit der Hark« wird die Erde an der Reb- würzet gelockert. Die Angst vor der gefürchteten Reblaus, die sich in die Wurzeln der Reb« unter der Erde einfrißt, peitscht die Bauern zu einer Sorgsamkeit für ihre R�bstöcke auf, die keinen Vergleich in der Landwirtschaft findet. Ist doch ein einziges Mutter- tierchen dieses Insektes imstande, den völligen Ruin eines begüterten Weinbauern herbeizuführen. Knospen aus den beschnittenen Robstöcken die ersten Blätter, beginnt schon die Sorge um Krankheit und Siechtum des jungen Grüns. Hektoliter von blaugrüner Kupfervitriollösung und Kalk- wasser werden oerspritzt. Schweselschwoden stäuben im grünen Blatt- werk und ersticken Krankheit«« im Keim. Schon rückt der Sommer heran und zaubert aus dem Rankenwerk und den Schlingarmen der krüppeligen und verstümmelten, jahraus, jahrein schwer tragen- den Rebwurzel, die Traube. Die Sorge um das Gedeihen der harten, grünen Traubenfrucht vergrößert sich mit der fortschreiten- den Reif«. Wochenlange Trockenheit ist oft nicht so verheerend wie ein anhaltender Landregen oder ein minutenlang«! Schauer und Hagelschlag. Fieberhaft, unter Heranziehung der ganzen Familie und aller auftreibbarcn Arbeitskräfte, wird in der Reife- und Wein- lofezeit geschafft. Den Unterländer Bauern zwingt sein Weinacker zu Unmensch. llchen Anstrengung«», de»» die Arbeit überstürzt sich mit der schie» henden Kraft des Wachstums und nnt der Fülle und Augenblicklich- keit der Reifezeit. Die dem Weine gewidmete Traube ist viel un- ansehnlicher �ils die zum Versand gelangenden Eßtrauben. Sie ver- bleibt auch länger am Rebstock, selbst auf Kosten ihres Wasser- geholtes, des Traubensaftes. Fault teilweise sogar an und erhält ein ganz unscheinbares Aussehen. Aber der Zuckergehalt erhöht sich mit jedem Tage und mit ihm im späteren Stadium der Weinbereitung der Alkoholgrad, di« Hochwertigtzit des Weines. Auf Gehalt, Blume und Haltbarkeit des Tiroler W«ines, der noch nach Iahren im Gläschen von steiniger Erde, sonnigen Berghängen pnd frischen Bauexnmädchen herb wehmütig dahinträumt, wird besonders Wert gelegt. Di« Gastfreundschaft der Unterländer kennt keine Grenzen und sollte zumindest ebenso bekannt sein wie das angeblich allzu lose Messer in ihren Hosentaschen. Es ist ei» ganz eigenartiger Menschen- schlag. Kleine, untersetzte Leute mit knochigen, sonnverbrannten Ge- sichtern. Leicht aufflammend wie Italiener und dennoch von einer gelassenen Ruhe und Schwerblütigtclt, die den Nordländer aus- zeichnet— ein ständiger Kontrost, der zu den seltsamsten Charakter- äußerungen führt. Rassengemischtes Oesterreich, durchblutet von Nord und Süd und in generationenalter Talinzucht zu einem besonderen Volksstamm gezüchtet. Getrunken wird unheimlich. Der Keller eines jeden Weinbauern ist oer Stolz und Ehrgeiz seines Hauses. Dom allgemeinen Wirt- schaftskeller führt häufig noch eine Falltüre in ein noch einig« Meter tiefer gelegenes Gewölbe: hier lagert dann der allerhöchste Privat- wein des Herrn und Gebieters, mir ihm allein erreichbor. In den Vorkellern befindet sich neben der Verkaufsware der gewöhnliche „Tischwein", ein leichter Tropfen, der zu allen Mahlzeiten wie Wasser genossen wird. Für einen weniger trinkfesten Bruder ge- nügen ober auch schon von diesem Tränklein, ein paar Gläschen, um ihn„vom Weine voll" zu machen. Zum Durstlöschen und als Labsal bei der Arbeit dient der„Leps", das ist, nach dem Prinzip des zweiten Kaffeeaufgusses, ein mittels Wasser, Zucker und bereits aus- gepreßter Weintrauben hergestellter, leicht vergorener Trank, der fast keine alkoholische Wirkung mchr besitzt, dafür aber in der Hitze ein bekömmliches Erfrischungsmittel darstellt. Jeder Gast wird zuerst in den Keller geführt, und wenn er für die Erzeugnisse des Weinbauern Berständnis aufbringt und sich ihrer würdig erweist, bekommt«r auch noch den Privatkeller des Bauern zu sehen und— zu kosten. Man ist da unter sehr freigebig und freut sich über jeden Fremdling, der den W«in zu loben versteht, sei es nun ein reisender Händler,«in über Land fahrender Beamter, Tourist oder Handwerksbursche. In ihrer Einsamkeit und Ab- 't geschlossenheit vom öffentlichen Leben reißen sich die Bauern beinahe um jeden die Dorfstraße entlang pilgernden Landstreicher, und wäre es auch nur, um ihn mit süffigen Weinen anzufüllen, um das gro- teske Schauspiel der Trunkenheit genießen zu können. „Eh! tumm amoooll"(Hei komm einmal her!) schallt der Ruf aus einem Hof. Irgendein Wanderer, der gesenkten Hauptes auf der glühenden Dorsstraß« dahintrottet, wendet sich erstaunt um und lenkt seine Schritte in einen Torbogen. Ein Bauer, gerade mit Au»- bessern von Gebinden beschäftigt, wirst die ihm lästige Heimarbeit hin. „Kumm, trinkst an Wein," sagt«r mit selbswerständlicher Bc- tonung. Dem Bauern ist der Fremdling gerade r«cht, hat er doch Grund, das auszubessernde Faß auf seinem Hofe siegen zu lassen und in den kühlen Keller zu steigen. Acht Meter unter der Erde freut er sich über jeden tiefen Zug, den sein Gast aus dem Weinkrug macht. Oh, er gibt ihm zu kosten und zu trinken, daß der Dürstende vermeint, plötzlich ins Paradies«ingegangen zu sein. Gesprochen wird nur vom Wein und nichts als vom Wein. Nicht ein Stückchen Brot bekommt der Ertrinkende, geschweige irgendeinen Imbiß. Die Räucherkammer gehört nicht zum Keller, sie unterliegt auch der Obhut der Bäuerin. Aber trinken kann sein Gast, Wein soll er trinken, trinken, saufen... Merkt die Bäuerin das Spiel ihres Mannes, schilt sie ihn, trotz seines unbändigen Gelächters, laut aus und erbarmt sich des Voll- getrunkenen. Irgendwo im Schatten eines Maulbeerbaumes wird der weinfroh« Zecher am Abend erwachen, an der Seit« ein sauber verschnürtes Paket: der Bäuerin Gruß und Erbarmen, ein„Trumm" Speck und schwarzes, selbstgebackenes Brot... Die Ueberstürzung der Weinlesearbeiten, die ungeheure Menge des geernteten Weinmostes, der Mangel an modern angelegten Kellereien in den Weindörfern und die Bargeldnot, zwingen fast ausnahmslos alle Weinbauern im Herbst zum Berkauf der Wein- maische an die sich einstellende Weinhändlerschaft. Große Kellere:?» im Ueberetsch und in Bozen kaufen den süßen Most aus, der Preis. der dafür bezahlt wird, ist im Verhältnis zu dem späteren Wein- preis sehr gering, dafür aber ist der Bauer jeder weiteren Arbeit und Sorge um den Jahrgang enthoben und kann sich wieder der neuen Weinackerbestellung widmen. Wae in seinen Gebinden im Kellergewölbe Platz findet, wird natürlich eingekellert, sei es auch nur für den Hausgebrauch— denn zu dem gedachten Berkauf des vollwertigen Weines im Frühjahr kommt es nur in den seltensten Fällen: Entweder ist die M«nge des Weines schon so zusammen- geschmolzen, daß es sich nicht lohnt oder der Weinbauer hängt so an seinen guten Tropfen, daß er ein« phantastischen Preis dafür fordert, den ihm niemand bewilligen kann. In seinem Unmut ver» trinkt und verschenkt er dann di« Waren, deren herbstlichen Maische- wert er längst nutzbringend in seinen Weinkulwrcn hätte unter- bringen können. Die drei Monate Winter gönnen dem Unterländer eine klein« Ruhepause. Da kümmert er sich um die Ausgestaltung seine» An- sitzes, um Familie, Berwandtschaft und um die nächste Zukunft. Politik ist ihm ein ärgerliches Gebiet, das er nur ungerne berührt, in das er sich aber gegebenenfalls Mit kühlem Berstande einzufühlen versteht. Mit der ihnen eigenen Zähigkeit verstanden sie sich trotz der sperrenden Brennergrenze und Gen Ausfuhrschikanen mit ihren Edelerzeugnissen im Auslande durchzusetzen und zu behaupten. Di« erhöhte Aufmerksamkeit auf Qualität und Haltbarkeit des Südttroler Weines im gemeinsamen Schaffen mit den modernen Kellereien des Landes, ließen sie aus der gefürchteten italienischen Weinkonturrenz erfolgreich hervorgehen. Da» deutsche Unterland zwischen Boz«n und Salurn bildet heute eine gefestigte wirtschaftliche Einhett im deutschen Südtirolerblock des Königreiches Italien. Das Bewußtsein, ihr köstlicher, hart erarbeiteter Wein könnte mit einer reich». italienischen Konsumware verwechselt werden, hält sie schon im Herzen als deutsche Bauern wach. Sie lieben ihre Sonderstellung im Weinkatalog— noch viel mehr aber die weite, w«Ue Heimat, die ihrer Meinung nach von ihren Veinackerfurchen bis zur Wasserkante im Norden reichen müßte. Nordwärts bleibt ihr Blick gerichtet und so manch Gläschen kräftigen Tirolenvein, grüßt herb lächelnd di» deutsche» Brüder jenseits der Alp«». CintenfcunMB für tiefe Rubrik sind « t e U n S« 6S, Li.itcnsiraße 3, Parieinachrichten MM für Groß-Bertin stet,«» da» Bezirkesekrrtariai z. Hof. 2 Treppen recht», zu richten. 1.*ctl» tttütlottenbutfl und epanbait. Juristisch« Sprechstunde deute. Sonn. abend, 14. September, von 17—15 Uhr, im Iugendheml Rostnenftr. 4. lt t tzark OrlslBml- Ra. teilt vxow. Tägl. 5 u. SIS SoDnl.2,Sa.8u AI«».£.4.8066 INTERNAT. VARIETE GROSSES SCHAUSPIELHAUS tigL S Uhr Regie: ERIK CHARELL VolüsbUlme rosatu am 3&lo«glati Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regle: Karl Heinz Martin Staat). Sdiiller-Ih. 8 Uhr 2X2= 5 TüeaLO. Westens Täglich 8V< Uhr Berlins g r ö B t e r Theaterertolg Blaobari Operette von Orlenbach Sonnab u. Stg. 4 U. 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