BERLIN Sonnabend 14.September 1929 Der Abend Erfdetnttäglich außer Sonntag& Sugleich Abendausgabe des Vorwärts. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 10 Pf. Nr. 432 B 215 46. Jahrgang. #nzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezetle 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b.H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Zweites Geständnis in Altona. Das Attentat von Schleswig in allen Einzelheiten geschildert. Hamburg, II. September.( Eigenbericht.) Heute nacht hat ein weiterer Festgenommener ein zweites Geständnis abgelegt. Er gab zu, daß er an dem versuchten Attentat auf das Haus des Regie. rungspräsidenten Grimpe in Schleswig beteiligt war und schilderte alle Einzelheiten des Attentats. Nach dem Geständnis von Weschke, der das Beideuflether Attentat in allen Einzelheiten geschildert hat, ist nun mehr ein giveiter Anschlag annähernd aufgeklärt. Landvolkführer die Auftraggeber. Hamburg, 14 September.( Eigenbericht.) Su einer Breffebefprechung, die heute vormittag im Altonaer Bolzelpräsidium ftattfand, erflärte Polizeipräsident Eggerstebt, baß die Untersuchung gegen die Landvolfleute faft volle Klärung gefchaffen habe. Der Ring gegen fie ist nahezu geschlossen. Zur Selt felent fwa zwanzig Landvolfleule in Haft. Bermuth Behen noch weitere Berhaftungen bevor. Benn Jeßt das „ Lanboolt von Nidels abrüde, so fel demgegenüber festzustellen, bas Ridets im Befige eines Presseausweises dest asboolts gewefen fei. Es set festgestellt worden, daß vom Bandoolt 14 Presseausweise ausgegeben sind, die alle auf die Namen von bekannten Führern der Landvolkbewegung lauten. Menn jetzt die einzelnen Personen in ihrem Geständnis auch noch zurüdhielten, fo fei das erklärlich, solange fie noch die Hoffmung hätten, daß man thnen Positives nicht nachzuweisen vermöge. Die beiden bisher abgelegten Geständnisse lassen erkennen, daß planmäßig und im Zusammenhang gearbeitet worden ist. Beiber laffe fich, wie Polizeipräsident Eggerstedt erflärte, aus den bisherigen Ermittlungen folgern, daß bie Landvolkführer die Auftraggeber der Aftentate gewefen find. Sie haben nicht nur die Gebäude ausgesucht, sondern auch die Leute bestimmt, die die Attentate auszuführen hatten. Die Absicht dieser bewußten und planmäßigen Handlungen war ganz Der Vater des Volksbegehrens. Nationalfozialift Frick, M. d. R. Zum 25jährigen Jubiläum der Arbeiterjugend. * Die Feier im Herrenhaus. Mehr als 20 Tote in Parma! Die Opfer des Hauseinsturzes. Untersuchung ergab, daß der Ermordete Friedrich August Rigaudin heißt und der Sohn der Anarchistin Marie Blanc ist, die am 25. April d. J. von unbekannten Tätern er drosselt wurde. Zu dem Hauseinsturzin Parma wird gemeldet:| in dieser Stellung mit Stricken festgehalten wurde. Die Die Aufräumungsarbeiten, zu denen auch Mi litär herangezogen wurde, dauerten den ganzen Nach mittag und die Nacht hindurch an. Bis jetzt sind 18 Tote geborgen worden, doch liegen bestimmt 3 bis 4 Tote noch unter den Trümmern. Verlegt wurden 25 Per sonen, einige von ihnen lebensgefährlich. Die Ursache der Explosionstatastrophe wurde zuerfit darin gefehen, daß die Benzinbehälter der im Hause untergebrachten Drogerie egplodierten, aber nach dem„ Messaggero" hat sich diese Anficht als falsch herausgestellt, da die Benzinbehälter unverfehrt sind. Die Ursache der Explosion ist daher noch vollständig unbekannt. Unmittelbar nach der Benzinerplosion war die Unglüdsstelle von einer dichten Raudywolte eingehüllt. Die Zahl der Opfer ist deshalb so hoch, weil im Augenblick der Explosion sich zahlreiche Runden in der Dogerie sowie in einem nebenanliegenden Raufladen befanden und vom Hauseinsturz überrascht wurden. Zudem befand sich vor dem Hause eine Haltestelle der Straßenbahn, an der mehrere Personen warteten. Die halbe Straße war mit Trümmern des eingestürzten Hauses angefüllt. offenbar, Unruhe in die Landvolkbewegung zu bringen, weil nur durch weitere Beunruhigung die Landvolkbewegung aufrecht zu erhalten und auch ihre Zeifung zu erhalten mar. Und weiter sollte, wie sich aus den Waffenfunden ergebe, die planmäßige Be- Polizisten und Sanitäter ernste Verlegungen erlitten. waffnung der Landvolkbewegung vorbereitet werden. Deutschnationale und Landvolt. & iel, 14. September.( Eigenbericht.) Wie wenig angeblich die Rechtsparteien mit den verhafteten Landvolkführern gemein hatten, ergibt sich aus einem abgefangenen deutschnationalen Rundschreiben, wonach in den nächsten Tagen eine öffentliche Versammlung im Stolper Landkreis stattfinden sollte, für die der verhaftete Hamfeus- Tetenbühl als Referent vorgesehen war. Die Versammlung wird ja nun nicht mehr stattfinden tönnen, da Hamkens verhaftet ist. Indeffen zeigt diese enge Berbindung, wie start die Deutschnationalen an der Bewegung der Bombenattentäter interessiert gewesen find. ortlegung auf der 2. Seite) Während des Rettungswertes haben zahlreiche Feuerwehrleute, Als Ursache der Explosion wird vermutet, daß sich eine Kleinig. feit Benzin auf den Boden ergoß und in Brand geriet, worauf das ganze Lager in die Luft flog. Ermordung eines Anarchisten. In einem Koffer verstümmelt aufgefunden. ber. Paris, 14. September.( Eigenbericht.) Auf dem Bahnhof in Lille wurde in einem Koffer, dem starke Verwesungsgerüche entstiegen, die stümmelte 2eiche eines Mannes entdeckt, der mit zerbrochenen Knochen dreimal zusammengelegt war und Die Ermordung der Fau, deren Mörder bisher nicht festgestellt werden konnte, hatte großes Aufsehen eregt. Man sprach von einer anarchistischen Geheimorganisation, die sich aus irgendwelchen Gründen der beiden Menschen entledigte. Die Obduktion der Leichen hat ergeben, daß Rigaudin erst niedergeschlagen und dann in der gleichen Weise erdroffelt wurde wie feine Mutter. Sein Körper wies außerdem noch viele Mefferffiche auf. Inzwischen wurde festgestellt, daß der Ermordete am leßtent Sonntag einen Rohrpostbrief erhalten hat. Gleich darauf erklärte er, daß er verreisen müsse. Seitdem ist er verschwunden. Rigaudin war als ein sehr nervöser und melancholischer Mensch bekannt. Der Koffer, in dem man seine Leiche fand, war von unbekannten Bersonen an eine nicht zu ermittelnde Adresse nach Lille aufge geben worden. Was ist mit dem„ Woikow"? Mostau dementiert. Wie die Blätter aus Mostau melden, werden von der Sowjetregierung die Meldungen über den Untergang ruffischer Kriegsschiffe während eines schweren Sturmes in der Ostsee entschieden in Abrede gestellt. Die Meldungen über den Untergang russischer Kriegsfchiffe", also mehrerer Schiffe, beruhten auf einem Irrtum. Es hat sich immer nur um ein Kriegsschiff, den ,, Woikom", der früher Troßti" hieß, nach der Aechtung des Volkskommissars für Heer und Marine aber auf den Namen des ermordeten russischen Gesandten in Warschau umgetauft wurde. " So erklären sich die Meldungen, daß zwei russische Kriegs" schiffe, Woikow" und„ Trotti" gesunken feien. Was mit dem Boitow" geschah, ist vorläufig noch ungeklärt. Hoffentlich wird auch er seinen Ausgangshafen ohne Verlust an Menschen erreichen. Die Bombenverbrecher. (Fortsetzung von der I.Seite.) Altona, 14. September. An einer Besprechung beim Regierungspräsidenten Abegg in Schleswig nahmen außer dem Polizeipräsidenten von Altona noch der Polizeipräsident von Kiel, Oberpräsident Kürbis sowie die Land- räte der Provinz Schleswig-Holstein teil. Nach einem Vortrag des Polizeipräsidenten Eggerstedt-Altona wurde in der Hauptsache über Schritte beraten, die unternommen werden sollen, um neue Attentate zu oerhüten. Im Laufe des Tages sollen weitere Verhaftungen in der Pro- oinz vorgenommen worden sein, doch war eine Bestätigung von amtlicher Stelle bisher nicht zu erlangen. Bombenleger und Synagogenschänder. Lüneburg, 14. September.(III.) Da» Landeskriminalamt hol interessante Zusammenhänge aufgedeckt. Als seinerzeit der erste Anschlag in Lüneburg gegen das hau» Dr. Strauß' erfolgt war, vermutete ein Teil der Bevölkerung. daß die Bombenleger sich in den Kreisen befinden könnten, die seiner- zelk dt« Synagoge in gemeiner weise geschändet hatten, und gegen die Dr. Strauß als Beaustragter der Synagogengemeinde gerichtlich vorgegangen war. Diese Zusammenhänge sollen seht nahezu erwiesen sein. Der in» Ausland geflüchtete Sohn des hier lebenden deutfchbaltischen Rechtsanwalts Adalbert Volk, Herbert Volk, soll zu dem Sprengkommando gehören. Er soll anch den Lüneburger Anschlag mit vorbereitet haben. Neuer Sprengstöffdiebstahl. Raftenburg, 14. September. 'In den letzten Tagen sind die an dem Rastenburger Friedhof angelegten Ausbewahrungsräume einiger hiesiger Firmen, die sich mit dem Verkauf von Puloer zur Herstellung von Munition für Jagd- und Scheibenbüchsen sowie von Sprengstoffen befassen, e r- brachen und beraubt worden. Es sind insgesamt etwa drei- zehn Kilogramm Sprengstoff und Pulver entwendet worden. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Bang und die Bombenleger. Deutschnationale Briefe an Verschwörer. Die„Hamburger V o l t s z e i t u n g" veröffentlicht aufsehenerregende Dokumente, denen zu entnehmen Ist, daß Deutsch- nationale in guten Beziehungen zu den jetzt entlarvten Bombenlegern standen. Die rechtsbolschewistische„Deutsche Zeitung" be- st ä t i g t heute morgen ausdrücklich, daß zwifcyen dem schwer be- lasteten Oberleutnant und Landvolkführer M a s ch k e und dem deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Oberfinanzrat Bang ein Brieswechfel stattgefunden Hot. Bang schrieb nach den Ver- ösfentlichungen der„Hamburger Volkszeitung" am 11. August an M a s ch k e: „herzlichen Dank für die hohe Auszeichnung, die Sie und Ihre Freunde jetzt durch Reudeutschland erhalten haben. Es wird alles seine Zinsen trogen, auch dos Schwere, das Sie jetzt durchmachen müssen." So schreibt«in deutschnationaler Reichstagsabgeordneter an Leute, die eben mit den Strafgesetzen in Konflikt gekommen waren! Der Dank Bangs bezieht sich nämlich auf die Gefäng- n i s st r a f e n, die Maschke und Konsorten auf sich nehmen muhten. Am lö. August erhielt derselbe Maschke einen Brief von einem Nationalsozialisten, in dem es hieß- „Hitler selbst ist mit seinen Getreuen schon den weg gegangen. den Sie und die lalensrohen Männer der Landvolk- bewegung in Ihrer AAion jetzt gehen. 3n diesem Sinne fühle ich mit Zhnen und der Landvolkbewegung treu verbunden und grüße Sic herzlich." � Diese Aeußerung zeigt, daß die Bombenleger nicht nur die Sympathie aus den deutschnationalen Kreisen um Bang hatten, sondern auch aus den Kreisen um Hitler. „Das wäre Selbstmord!" Die strategischen Geheimnisse der„Deutschen Zeitung". Während sich die ganze übrige Rechtspresse d.>m Hitler- Hugenbergschen„Volksbegehren" gegenüber in ein Schweigen hüllt, das Bände redet, fährt die alldeutsche, den, Borsitzenden Hugenberg besonders ergebene„Deutsche Zeitung" fort, den tollen Gesetzentwurf des famosen Reichsausschusses vor dem Gelächter der Welt in Schutz zu nehmen. Da waren allerhand verfängüche Fragen gestellt worden: Was soll denn geschehen, wenn der Boung-Plan fällt, der Dawes-Plan in Kraft bleibt, die Besetzung fortdauert? Auf sie antwortet die „Deutsche Zeitung": Wir kennen die weiteren Pläne des Reichs- ausschufses nicht und können nur daraus hinweisen, daß er in seiner Begründung betont, das Volksbegehren bilde die Einleitung zu der erstrebten völligen Umstellung der deutschen Außenpolitik. Was nach dem Volksbegehren kommen soll, ist also eine F ra gb der Zukunft. Für die Politik gelten ähn- liche Gesetze wie für die Kriegführung. Bei beiden tritt zunächst der Stratege auf den Plan: sein« erste Ausgabe ist die Bereit- stellung der Streitmittel, der Aufmarsch. Dieser Aufmarsch ist im Gange. Das erste operative Ziel der nationalen Opposition ist die Bernichwng des Pariser Tributplans, das Endziel die völlige Umstellung der deutschen Außenpolitik. Mit dem Kampf gegen den Tributplan wird, nachdem der Aufmarsch vollzogen ist. der Feldzug eröffnet. Ueber den ersten Zusainmenstoß mit dem Feinde hinaus können operative Pläne im allgemeinen nicht festgelegt werden. Der Feldherr behält sein großes Ziel im Auqe. Der Feind aber kann nicht erwarten, daß der Führ.-r seine Ab- sichten vorzeitig enthüllt: das wäre Selbstmord. Die Erfüllungs- presse wird sich also gedulden müssen. Das d.-utsche Volk, das aufgefordert ist, dem„Volksbegehren" zuzustimmen, darf also nicht erfahren, was seii»e Urheber damit eigentlich beabsichtigen. Es soll stimmen im Vertrauen auf den „Feldherrn", der„sein großes Ziel im Auge behält". Leider erfährt es aber auch nicht, wer der Feldherr ist! Ist es nun Herr H u g e n- berg oder Herr Seldt« oder Herr Hitler? Oder ist es gar Herr F r i ck, der sich ja rühmt, daß der ganze geniale Feldzugs- plar- in seinem Kopfe entstanden sei? Gleichviel! Recht hat die„Deutsche Zeitung" mit der Ber- sicherung, daß die Enthüllung dieser strategischen Geheimnisse ??' b lt m a r d wäre. Denn wollten die Herrschastcn erzähl.'n, ">05- sie an Eseleien noch olles vorhaben, könnte ihnen auch er Letzt« davonlaufen! Die Befreiung des Rheinlandes. Englische Truppen ziehen ab.— Königstein frei. Frankfurt a. M.. 14. September. Die englische Besahung von K ö v i g st e i v ist im Abtransport begriffen. b4 Wohnungen sind bereits geräumt. Der Ober- kommandierend« von königstein hat sich bereits v«m den Truppen verabschiedet. Englands Kriegsminister an die Besatzun»siruppen. Kriegsminister Shaw hat in einem Schreiben an den englischen Obertammandierenden der Besatzungstruppen, Sir William Thwaites, den Dank der Regierung für die ritterliche und höfliche Art und Weise ausgesprochen, in der er die Besetzung des Rheinlandes durch- geführt habe. Es sei ihm ein großes Gefühl der Befriedigung, zu wissen, daß die britischen Truppen, geachtet von der Bevölkerung. in der sie solange gelebt hätten, vom Rhein zurückkämen. Oer Krieg soll vergessen sein. Eine Maßnahme der Arbeiterreaierung. London, 14. September.(Eigenbericht.) Die britische Regierung hat durch Runderlaß an alle englischen Ministerien die nach dem Kriege verfügten Strafmaßnahmen und BeförderungSbe» schränkungcn gegen Beamte und StaatSarbeiter, die im Kriege aus Gewissensbedenken sich g e w e i g e r t haben. Kriegsdienst zu leisten, aufgehoben. Diese Beamte» werden nunmehr, was Dienstalter, Beförderung und Pensionierung betrifft, ihren Kollegen im selben Dienst- alter g l e i ch g e st e l lt. •* Der Premierminister, der Schatzkanzler und noch andere Mit- glieder der britischen Arbeiterregierung gehören zu diesen„ncm. consenters", die lieber ins Gefängnis als in Kasernen und Schützen- grüben gingen. Aber wie lange sollen in Deutschland noch An- klage und Verurteilung gegen.Lriegsverbecher" möglich sein? französische Räumungsvorbereiiungen. Paris. 14. September. Der„Staatsanzeiger" vom Sonnabend veröffentlicht die ver, änderungen für die Generalstabsoffiziere de» 30. Armeekorps und der 38. Infanteriedivision, die zurzeit als Teile der Rheinarmee in Koblenz liegen und am 4. November a u f g e l ö st werden sollen. Die Mörder von Eberswalde. Eine neue Verhaftung bei Stettin. Räch einer Meldung aus Stettin ist es der Polizei gelungen, in einem Dorfe dicht bei Stettin den 4Zjährigcn Hermann Vöhls, der in dem dringenden Verdacht steht, die Zigarreuhändlerin Elle- brand in Eberswalde ermordet zu haben, zu verhaften. Böhls wurde nachts von einem Gendarmen festgenommen und erkannt: er wurde nach Eberswalde übergeführt. Außerdem ist ein zweiter Landstreicher, der Zljährige Johannes D a m m i h, fest- genommen worden: er wird von der Polizei als der yauplläler bezeichnet. v„ der im Polizeigcsängnis von Eberswalde unter- gebracht ist, hat bereits einen Selbstmordversuch unternommen. Er schnitt sich die Pulsadern auf. doch wurde fein Vor- haben von Gefängnisbeamleu rechtzeitig bemerkt, und er wurde sofort in das Krankenhaus gebracht. Für fein Leben besteht keine Gefahr. Außer Bahls und Dammitz befindet sich noch ein dritter Land- streicher. Peter Schnell, wie wir mitteilten, in hast. Er scheint zwar an der Tat nicht direkt beteiligt gewesen zu sein, ist aber Mit- w l s f e r. Zm Besitze von Bahls wurden annähernd 200 Mark ge- funden. über deren Herkunft er eine recht unglaubwürdige Geschichte erzählte. Er will die Summe in Berlin nach einer Bummeltour von mehreren Frauen als Geschenk erhalten hoben. Es ist anzunehmen, daß es bald gelingen dürste, die Täter zu einem Geständnis zu bringen. Oer tödliche Boxerhieb. Wer ist der Täter? wie wir zu Anfang der Woche mitteilten, wurde bei einem Streit in einem Lokal in der Knesebeck st rahe in Ehar- lottenburg der 40jährige Baumeister Otto Kreklau von einem unbekannt gebliebenen Manne durch einen L o x h i e b zu Boden gestreckt. K. stürzte so unglücklich, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt, an dessen Folgen er im Krankenhaus bald nach seiner Ein- lieferung gestorben ist. Bisher hat sich nicht feststellen lassen. wer der Mann ist, der den tödlichen Boxhieb gesührt Hot. Die Polizei hat aus diesem Grunde eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt. Nach Zeugenaussagen wird der Gesuchte wie folgt beschrieben: er ist etwa 2V Jahre alt, 1,80 Meter groß und hatte blondes Haar: er trug einen dunklen Anzug. Alle Nachrichten, die zur Ausklärung des Falles dienen können und die auf Wunsch streng vertraulich behandelt werden, sind an den I. Kriminalbezirk der Inspektion Charlottenburg zu richten. Zuchthaus für pecha. Oer Fall Hidasnemeti. Der tschechische Eisenbahner Pecha, dessen Verhaftung durch die ungarischen Behörden auf ungarischem Boden in der Grenz- station Hidasnemeti seinerzeit den schweren politischen Konflikt zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei hervorgerufen hat, wurde vom Militär gerichtshof in Budapest zu fünf Jahren schweren Kerkers mit einem Fasttag monatlich verurteilt. Der Mitangeklagte Landmann T o t h erhielt drei Jahre schweren Kerkers. Vielleicht wäre dieser Fall stillschweigend erledigt worden, wenn nicht auch die Tschechen an Spionenriecherei das Möglichste täten. Es ist eben ein sehr wackliger Frieden an der slowakischen Grenz«._ Griechische Räuberbanden. Sie lassen aber mit sich handeln. Athen, 14. September.(Eigenbericht.) Das Räuberunwesen hat in Mittel-Griechenland Formen angenommen, die die Regierung zu großen Truppenkonzen- tralionen veranlaßt hat. Die Räuber legen es vor allem aus die Ergreifung junger Frauen an, für deren Herausgabe sie hohes Lösegeld sordern. Am Freitag kam es in der Röhe der Stadt I r i k k a l a zwischen Truppen und Räubern zu einem schweren Feuergesecht, in dessen verlaus zwei Banditen, ein Gendarm und ein Offizier getötet ! wurden. In der Umgebung der Städte Larissa und E l a s s o n e waren in den letzten Tagen auch wiederholt blutige Zusammenstöße zwischen Militär und Räuberbanden zu verzeichnen. Der Räuber. Hauptmann forderte am Donnerstag von den Angehörigen einer geraubten jungen Frau 4 Millionen Drachmen Lösegeld. Er er- klärte sich schließlich mit der Hälfte einverstanden, weil dl« Angehörigen den anfänglich geforderten Betrog nicht ausbringen konnten: der Häuptling drohte aber mit der Ermordung der Geraubten, falls die 2 Millionen Drachmen bis Freitag milternochl nicht gezahlt sein sollten. ver Regierung und den lokalen Behörden sind diese Dinge bekannt. Sie sind anch über Sitz und Stärke der Räuberbande unterrichtet, können jedoch mit Rücksicht auf das Leben der geraubkea Personen kaum ernsthaft gegen die Verbrecher vorgehen. Vorläufig Hot die Regierung angeordnet, daß alle Freunde und verwandten der Räuber auf längere Zeit deportiert werden._ Oer Kranksurier Versicherungsskandal. Direktor Kirschbaum bleibt in Hast. Frankfurt a. M.. 14. September. Ueber den Haftprüfungsantrag des Direktors Dr. Kirschbaum von der Frankfurter Zlllge- meine« Versicherung- A.-G. verhandelt« das Ge» richt gestern ununterbrochen von st Uhr bis 18 Uhr nuter Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen. Der Beschluß des Gerichts wurde heute vormittag ver» kündet. Danach.wird der Haftbefehl aufrecht- erhalten, da in zahlreichen Fällen dringender Verdacht strafbarer Handlungen besteht und das Gericht auch die Frage nach Fluchtverdacht und Verdunkelungsgefahr bejaht hat. Gtraßenfchlacht in Sankt Pauli. Hamburg, 14. September. In der Nacht zum Sonnabend fanden im Hamburger Ver- gnügungsoiertel St. Pauli zwei größere Schlägereien zwischen Maurern und Zimmerleuten auf der einen und umher- treibenden Leuten, die wahrscheinlich von den Handwerkern als Z u. häitertreisen angehörig angesehen wurden, aus der anderen Seite statt. Im ersten Fall, der sich aus der Straße abspielte, wurden mehrere Personen leicht oerletzt. Sechs Personen mußten fest. genommen werden. Im zweiten Falle erstürmten mit Aexten bewaffnete Zimmer- und Maurergesellen«ine in der Silbersackstraße befindliche ,W i r t s ch a f t, jagten die Gäste hinaus und zertrümmer- ten das Lokal. Auch hier gab es einige Leichtverletzt«. Fünf Personen wurden festgenommen. Die Streitenden tonnten nur durch tatkräftiges Eingreifen der Polizei getrennt werden. Die Vorgänge dürften noch ein ernstes gerichtlichesNach- spiel wegen Landfriedensbruchs usw. zur Folg« haben. Gegen den Alkoholismus? Frankfurt a. Main. 14. Septemb rr. Im Dolksbildungsheim fand hier»unter Leitung des Oberver- waltungsgerichtsrats a. D. Dr W e y m a n n die Hauptoersamm- lung des Deutschen Vereins gegen den Alkoholismus statt. Der Vorsitzend« gab einen Ueberblick über die zunehmenden Alkoholschäden und-gefahren, sowie über die Fortschritte der Ab- wehrarb.-it, namentlich bei der Reichsbahn, der Reichspost usw. Universitätsprofessor Dr. K e ß l- r- Leipzig behandelte das Thema „Welches Interesse haben Handel und Gewerbe an der Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs?" Ministerialdirektor Dr. Gries er vom Reichsarbeitsministerium behandelte di- Frage„Trinkerfürsorge im Rohmen der öffentlichen und privaten Wohlfahrtspflege". An die Annahme einer Entschließung für die Ausrechterhaltung der Polizei- stunde schloß sich eine intern« Mitgliederversamm- lung an. s- Wahres Gefchichtchen. Großer Tag im Bezirksparlament. Die Kommu- n i st e n haben ihre Anhänger vollzählig auf den Tribünen ver- sammelt. Einer unserer Genossen hält ihnen in eindrucksvoller Rede den Wahnsinn ihrer Kommunalpolitik vor. Lärmen und Schreien aus der Tribüne. Der Redner:„Und wenn die Kommunistische Partei wirklich einmal einen Führer von Format hat, wirst sie ihn ja doch nach- vier Wochen wieder hinaus!" Kommunistischer Chor auf der Tribüne:»...mit Hilfe der Sozialdemokraten!" Was müssen die ffffs verfluchten Sozialdemokraten doch für eine unheimliche Macht haben! So geschehen in der Bezirksoersammlung des Bezirk- Mitte, am 13. September 1S29!_____ Vier Tote durch ein Bombenflugzeug. Pari». 14. September. Ein Bombenflugzeug fing über der Orlschafl Tourville in der Rühe von E h a r l' e s p'.ö�'.H F-uer, nachdem zu vor der Motor ausgesetzt hatte. Da» Flugzeug stürzte ab und die vier Znsassen wurden gelölel. Heldenseuche. Von Paul Gutmann. In Unqarn hat man den Antrag gestellt, ehemaligen Teil- nehmern am Wellkrieg als nachträgliche Auszeichnung den bürgsr- liehen Ehrentitel>F>«ld" zu verleihen. Ob dieser Antrag Gesetzeskraft erlangt hat, entzieht sich mkiner Kenntnis. Auch unter uns würden viele, namentlich solch«, die im sicheren Hinterland durchgehalten haben, vor Glück schier zerplatzen, wenn man sie nicht mit ihrem bürgerlichen Namen, etwa Herr Krause oder Herr Meier, sondern Herr„Held" anreden mühte. Wir wissen freilich, nicht bloß aus Remarques Buch, daß die wirtlichen Hellfen sich einer besonderen Erwähnung ihrer Taten schämen, und daß es die Schwächlinge sind, die die Heldenpos« äsfen. In Deutschland gibt es Menschen, die der Ansicht sind, daß man nur durch unermüdlich« Arbeit, rastlose Zähigkeit, kluge kauf- männische Berechnung der Möglichkeiten vorwärts kommen könne. Das ist die Mehrzahl. Im Krieg machten bekanntlich Professoren den Unterschied zwischen Engländern und Helden, aber davon scheint man abgekommen zu sein. Dagegen ist eine Minderheit unreifer oder von schlauen Drahtziehern mißleiteter Menschen wieder einmal stark der Meinung, daß man Heldentaten verrichten müsse. Die im vollen Tageslicht der Kritik verrichtete mühsame Arbeit unserer Staatsmänner ist in ihren Augen erbärmliche Feigheit, während der Ueberfall von hinterrücks, die Sprengung von Dersammlungen, das Bombenlegen im Dunkeln, rohe Anwendung von Gewalt gegen Andersdenkende Heldentum darstellt. In ihren Augen ist es weniger heldenhaft, ein Gebäude zu errichten, als die Fensterscheiben eines solchen zu zertrümmern. Man wunderte sich während des Werltkriegs, daß auf der ganzen Erde, in keinem der am Krieg beteiligten Länder ein gutes Heldengedicht entstanden ist, wie sie in friedlicheren Zeiten Massen- hast versaßt wurden. Wer die unendliche Plage des Daseins erkannt hat, wer voll von Verantwortungsgefühl ist, der lehnt die billig« Phrase des Heldentums ab. Es sind die innerlich Armen, die seelisch Verkümmerten, die Hysteriker, die durch Kraftmeiertum ihr« Schwäche verdecken müssen. Ueberkompensicrung nennt es der Arzt oder den männlichen Protest des Neurotikers. Man kann es in Ver- sammlnngen beobachten, daß es die Weibischen sind, die verworrenen Schwächlinge, die das größte Geschrei erhebe«. Der gesträubt« Schnurrbart, die klirrende gepanzerte Faust Wilhelms II. war ein solcher Protest eines entarteten Schwächlings, der durch feige Flucht sich der Verantwortung entzogen hat. Die Verantwortlichen sind die Staatsbürger, die Verantwortungslosen die Helden. Jeder Iugcnderzieher sollt« sich die Frage vorlegen, ob er Helden oder Staatsbürger erziehen wolle. Bisher war die Erziehung in Deutschland vornehmlich auf das Ideal des Helden gerichtet. Nicht die großartigen Verfassungen der antiken Staaten dienten als Vorbild, sondern mehr oder minder sagenhafte Meuchelmorde, Verschwörungen oder Raubzüge. Es ist natürlich bequemer, auf den in jedem Jungen schlummernden Wilden hinzuwirken als auf den sozialen Pflichtmenschen. Die bunten Indianer- federn, der Helmbusch oder Schild des Achill, der wackere Schwabe, der die Türken wie Schießbudenfiguren absäbelt—„Zur Rechten sah man wie zur Linken einen halben Türken herniedersinken"— sind natürlich seinem steinzeitlichen Geschmack anisprechender als die Verfassung Athens und Roms oder die von Weimar. Dennoch sollte endlich einmal die staatsbürgerliche Erziehung, wie sie in England oder der Schweiz geübt wird, intensiv betrieben werden. Vom beut- schen reaktionären Oberlehrer bis zum Irrsinn der Bonrbenleger führt ein gerader Weg Die Mehrzahl in Deutschland steht den Ver- brechen gegen den Staat fern, aber lebt nicht ein steinzeitliches Ideal in Millionen Köpfen? Warum pflegt« man in Deutschland den angeblich größten Staatsmann ausschließlich in herausfordernder Kriegsrllstung darzustellen? Warum ist der Mann mit Schmissen im Gesicht ehrfurchtgebietender als der unverstümmelte Arbeiter? Waruni wird mir das Schlachtfeld das Feld der Ehre genannt und nicht der bürgerlich« Beruf? Aber leider sind es nicht bloß die in falscher Ideologie heran- gewachsenen Völkischen, die in Gewalttaten gegen Wehrlose, sogar gegen Tot« Zeichen von Heldentum erblicken: zu unserem Schaudern erlebten wir es soeben, daß Arbeiterkinder einen Einbruch in eine Schule verübten, um das Bild Friedrich Eberts zu zertrümmern. So geht die Heldcnseuche bei uns um, so wird das Gemeinschafts- gefühl vom Heldentum zertrampelt. Die Mitschuldigen. Fememörder-Agitation und Bombenattentate. Wir lesen im„Bayerischen Kurier": „Dazu kommt noch«i» anderes. Gerade unter ihrer gegen- wärtigen Führung hat sich die Deutschnationale Partei sowie die ihr nahestehende Presse monatelang beinüht, im Interesse der Herstellung einer Einheitsfront mit dem Nationalsozialismus ihren Angehörigen die Erkenntnis einzuhämmern, daß der politische Mord, insbesondere der„Fememord", wenn er aus„vater- ländischen" Beweggründen und zur Wahrung von„vaterländischen" Belangen geschieht, nicht«in(wenn auch mit besonderem Maßstab zu bewertendes) Verbrechen, sondern eine preis würdige Tat sei. Die politischen Morde aber waren(wenigstens oft genug) ebenso „individuelle" Terrorakte, Talen von vermeintlichen„Privat- richtern", Erzeugnisse einer„vnterlänbifdjen"„Rachejustiz", Maßnahmen einer vermeintlichen„Notwehr", wie es die letzten Bomben- attentat« der rechtsradikalen Terroristen gewesen sind. Wie soll sich da in überhitzten Köpfen nicht die Meinung festsetzen, daß, was in dem einen Falle zulässig und ruhmwürdig war, auch im anderen Fall« der Anerkennung des „nationalen" Deutschlands würdig sein müsse? Wie soll da nicht in fiebernden Gehirnen der Glaub« entstehen, daß das„nationale" Deutschland und die„nationale" Press« die im„nationalen" Interesse erfolgenden Attentate ebenso„d e ck t", wie es die Fememord« gedeckt hat und— zu einem großen Teil— auch die an Erzberger und Rathenau verübten Taten„gedeckt" hat? Wie soll da nicht im Geiste von Fanatikern die Anschauung erstehen, daß die„nationale Erhebung" heute bereits jetzt wieder so weit ge- diehen sei, daß der„nationale" Terrorakt wieder die gebührende Würdigung findet?" Der„Bayerische Kuoier" ist das Hauptorgan der Bayerischen Volkspartei, die mit den Deutschnationalen zusammen in Bayern regiert. Oer Deutsche Z�ichtertag. Neuwahl des Vorsitzenden. Köln, 13. September. In der gestrigen Lertreterversammlung des Deutschen Richter- bundes wurde an Stelle des bisherigen Vorsitzenden, Senatspräsi- denten Reichert(Leipzig), mit Wirkung vom 1. Januar 193» ab Reichsgerichtsrat Linz(Leipzig) zum Vorsitzenden des Richterbundes und Landgerichtsdirektor Dr. Wunderlich(L e i p- zig) zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die Entschließung. Nach längerer Aussprache über die beiden Referat« nahm die Versammlung gegen zwei Stimmen bei mehreren Stimmenthaltungen folgende Entschließung an: Die Frage, ob eine grundlegende Iustizresorm in Deutschland notwendig erscheint, muß bejaht werden. Darunter ist die Gesamtheit derjenigen Maßnahmen zu verstehen, durch die planmäßig auf die für die jetzigen und kommenden Rechtsbedürfnisse unseres Volkes notwendig« Hebung des deutschen Rechtswesens hin- gearbeitet werden soll. In erster Linie muß hierzu ein für die neuen Erfordernisse hinreichend vorgebil- deter Richter st and in allen Instanzen vorhanden sein. Nicht minder aber ist in der Vereinheitlichung des Rechts- weges fortzufahren. Soweit nicht die Reichsgesetzgebung einzugreifen vermag und die Iustizhoheit noch bei den Ländern liegt, muh danach getrachtet werden, ein tunlichst einheitliches Vorgehen in allen Punkten zu er- zielen. Der Deutsche Richterbund bietet hierzu seine Mitarbeit an und ist bereit, Hand in Hand mit dem Deutsch«» Anwaltsverein und dem Deutschen Notarverein zu gehen. Bei der Aufstellung von Richtlinien müssen aber auch die übrigen Berussstände herangezogen werden. In diesem Sinne beantragt der Deutsche Richterbund das Bundespräsidium, das Erforderliche in die Wege zu leiten. Die Klotienabrüsiung. Staatssekretär Stimson feiert die Einigung. Washington, 14. September. Staatssekretär Stimson sprach der Presie seine Befriedigung darüber aus, daß die große Arbeit nunmehr glücklich beendet und di« Einigung mit England über das der nächsten Seekonferenz vor- zulegende Programm erzielt sei. Er betonte, daß bei einer Gesamttonnnge von 1 Z00 000 Tonnen, di«.Amerika besitzt, ein kleiner Unterschied von wenigen tausend Tonnen, der zurzeit noch bestehe, ziemlich unwichtig sei. Es handle sich eventuell sogar nur um die Größe und da, Kaliber der Geschütz« in dieser strittigen Tonnag« von etwa 30 000 Tonnen. Dies« Frage lasse man bi« zur Konferenz der fünf Mächte unentschieden, da es ja doch von den Wünschen-der drei anderen Seemächte abhäng«, welches endgültige Bauprogramm jedem Staat zufalle. Sollt« di« von England und Amerika erzielte Einigung von den drei übrigen Mächten angenommen werden, so würde nicht nur ein« Beschrän- kung, sondern ein« tatsächliche Herabsetzung erzielt, be- sonders in der teuersten Klasse der Schlachtschiss«. Dies« Verständi- gung zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten, die jetzt durch den Besuch de» britischen Premierminister» feierlich bekräftigt werde, schaffe ein« ganz neue Atmosphäre des gegenseitigen Ver- trauens und stoppe automatisch jedes Wettrüsten. Auch sei die» von großem vorteil für die amerikanische Admiralität, di«. sobald ein internationales Abkommen erzielt und vom Staat ratifiziert sei, endlich ein festes Programm erhalte, mit dem sie arbeiten könne, anstatt wie bisher von der jeweiligen Stimmung des Kongresses über die Zahl der zu bewilligenden Schiffe abhängig sei. Tast not least(als Letztes, nicht als Schlechtestes) würden dem am. Oer römische Tempelbezirk in Trier. Professor Siegsried Loeschke. der Leiter der Ausgrabungen bei Trier, wo der größte römssch« Tempelbezirl nörtssich der Alpen nach und nach freigelegt wird, hat jetzt einen eingehenden Bericht über die Ergebnisse seiner Grabungen herausgegeben. Man hat nicht nur große Baureste aus römischer Zeit freigelegt, sondern hat auch Ce- wißheit darüber erhalten, daß vor der römischen Siedlung bereits «in keltifch-germanisches Trier bestanden hat. Im letzten Jahre sind allein ö Tempel mit Umgang und 11 Kapellen ausgegraben worden. In den Tempeln und Kapellen, die teilweis« sogar Unterkellerung aufwiesen, fand man tünsllerisch überaus wettvoll« Götterstatuen, die zum Teil ganz neu« Einblicke in den römischen Götterkult nördlich der Alpen gewähren. Loeschke bezeichnet di« Grabungsergebniss« des letzten Arbeitsjahre» als„so erfolgreich wie in keinem Jahr« zuvor". Z» der»,«idle wurde dl« Srftauffübrung von»eor« Kallers.Kol» Portage» auf Montag»erlchoben. Die fär Sonnabend gelösten Kotten beHallen skr Montag Siltlgkelt. 3# der StädUlchen Optt wird Wilhelm Furtwängler am 20. September zum ersten Male in dieser Spielzeit dirigieren, und zwar.Tristan und Wolde". Auistihrende sind Sigrid Qnegin und Frieda Leider sowie Lautttz Melchior, Max Roth und Sdwin Heyer. „Militarmusik" Uraufführung in Leipzig. „Militärmusik", drei Akt« von Brooks und Li st er. un- gemein erfolgreich in Amerika, von der Berliner Piscator-Bühne zu freiester Umdichtung und Ausbeutung erworben, erlebte im Leip- ziger K o m ö d i c n h a u s die mit großem Beifall ausgenommen« deutsche Uraufführung. Das Theater präsentierte das Antikriegs- stück mit einfachen Mitteln, wortgetreu und ohne Berstärkung der Tendenz. Am Beispiel einer von Kriegslieferanten finanzierten mexikanischen Militärrevolution, die durch programmgemäße Er- schießung amerikanischer Bürger den gewünschten Kriegsgrund und die ersehnte Intervention der Bereinigten Staaten in Mexiko herbei- führt, werden die kapitalistischen Ursachen eines Krieges demon- striett. So weit ist das Stück, dessen Autoren von Upton Sinclair gelernt haben, löblich. Aber die Kunst, mit der Brooks uttd Lister ihre Gesinnung gestalten, ist gering. Dieses handfeste Volksstück mischt Kolpottageromantik und Gesellschaftskritik so skrupellos, daß die Konzessionen an den billigsten Geschmack in Liebe und Verbrechen uns oft peinlich werden. Dabei befremden uns weniger die krassen Vorgänge als die papiernen Dialog« und marionettenhaften Fi- guren. Immerhin wagen es die Autoren, das bappx end des Liebespaares mit einer höhnischen Schlußgrimasse in Frage zu stellen. Vottrefslich spiegeln sie mit Lautsprecherbotschasten an Volk und Marine, mit Funkreportage und Nationalmärschen, wie der Wahn des Patnotismus inszeniert wird, und die Verhöhnung der klein- bürgerlichen Massen, die in Eitelkeit und Dummheit sich freiwillig zum Heere melden, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. K. W. Heringssegen über Oeuischland! Ueberraschend reiche Ernte bringt di« deutsche Heringsfischerei, für die diese Herbstwochen die wichtigste Zeit im Jahre sind, diesmal nach Haus«,— doppelt überraschend nach tfen schlechten Erträgnissen des Heringsfangs in den letzten Iahren. Die Heringszufuhr aus den deutschen Fischmärkten»st in den letzten Tagen derartig gestiegen, daß die Industrie die angebotenen Mengen kaum noch verarbeiten kann: täglich werden dort mehrer« Millionen Pfund Heringe ver- steigert. Die Konservenfabriken in den Hafenstädten der Nordsee arbeiten fieberhaft an der Verwertung des gewaltigen Ernteertrags. Während im Durchschnitt der Jahre vor dem Krieg auf deutschen Loggern etwa 21 Proz. des deutschen Gesamtverbrauch» an Heringen gefangen wurden, waren es in den letzten Jahren nur noch etwa 12 Proz. Auch diese Zahl kann sich durchaus noch sehen lassen; denn Deutschland ist mit 700 Millionen Pfund jährlich oder 12 Pfund auf den Kopf der Bevölkerung der größte Heringskonsument der Welt. Immerhin mußte die weitaus größte Menge au« dem Ausland eingeführt werden. Di« Flott« der Hettngsfsschcrei hatte sich von 1S12 bis 1927 dauernd vermindert. 1927 gab es 133 Sdiiffe mit 2300 Matrosen. Da die Betriebskosten für jeden Logger durchschnittlich etwa 40 000 Mark betragen, beansprucht di« Unterhaltung der Flotte der deutschen Heringsfischer also ständig mindestens fünfeinhalb Millionen. Die Gesellschaften, die dieses Kapital geben, haben in den letzten Iahren fast ständig Verluste erlitten; dies liegt in erster Linie daran, daß nicht genügend Fische gefangen wurden. Ueber die Ursachen dieses Rückgangs gibt es verschiedene Ansichten. Entscheidend scheint die -englische Konkurrenz zu sein. Die deutschen Fischdampfer müssen weit von ihrem Standort entfernt den Fang aufnehmen und dann die gefangene Beute auf dem Schiff gleich einsalzen. Die Engländer hoben es wesentlich leichter, da ihre Fischdampfer von ihrem Fang- platz aus schnell die Küste erreichen können; sie können die Fische ungesalzen ans Land bringen. Während ein deutscher Logger durch- schnittlich vier bis sechs Wochen unterwegs sein muß, damit sich die Rückreise lohnt, kehren die englischen Schiffe sehr viel öfter an die Küste zurück und arbeiten dadurch wesentlich billiger. Den günstigen Ertrag dieses Jahres fühtt man hauptsächlich auf günstige Wasserverhältnisse zurück, durch die die Brut gut ge- diehen ist. während in anderen Iahren ungewöhnliche Witterungs- Verhältnisse ganze Hettng»jahrgänge vernichtet haben. Man rechnet damit, daß der Erntefegen noch bis tief in den Oktober hinein an- halten wird._ Der neue Leiter de» Ztädtischea Schauspielhauses in Leipzig. Zum Direktor de» Städtischen SchausplelbauseS in Leipzig wurde an Stell« de« nach Frankfurt a. M. abgegangenen Dr. Kronocher der künstlerische Letter «n Bremer Schauspielhau» Detlev v terck gewählt. Kommunistische Betriebsräte. Sie stimmen Maffenentlaffungen zu. Der„ Borwärts brachte heute früh die Feststellung, daß die fommunistischen Betriebsräte bei Bergmann- Rosenthal dem Antrage der Firma auf Entlassung von 510 Arbeitern und Arbeiterinnen nicht nur nicht widersprochen, sondern zugestimmt haben. Gleichzeitig wird in der„ Rofen Fahne" festgestellt, daß in zwei weiteren Fällen kommunistische Betriebsräte versuchten, dem Kampfe gegen Entlassungen auszuweichen". Wörtlich heißt es: In der AEG. Brunnenstraße gaben fommunistische Betriebsräte ihre Zustimmung dazu, daß 150 Arbeiter ent Iassen werden sollen. Sie begründen ihre Haltung damit, daß die Direktion für den Fall der Verweigerung der Zustimmung des Betriebsrates Kurzarbeit einführen und nach der gesetzlich vorgeschriebenen Frist die Arbeiter doch entlassen würden. Die Arbeiter würden dann, so sagten sie, auf Grund des während der Kurzarbeit verringerten Lohnes eine geringere Erwerbslosenunterstützung beziehen als jetzt, wenn sie sofort, ohne furz gearbeitet zu haben, entlassen werden. In der AEG. Hennigsdorf stimmte der tommunistische Betriebsrat dem Verlangen der Direktion, Sonntagsarbeit zu machen, zu und machte sich die ,, Begründung" der Direttion( wenn die Sonntagsarbeit nicht ausgeführt würde, große Aufträge der Firma verlorengehen und dann Entlassungen vorgenommen werden müßten) zu eigen." Das Berhalten dieser SPD.- Betriebsräfe wird als opporfu. nistisch bezeichnet und dazu bemerki: ,, Es geht nicht nur um die 150 Arbeiter, die bei der AEG, Brunnenstraße entlassen werden sollen. Es geht nicht nur darum, ob einige hundert Arbeiter bei der AEG. Hennigsdorf Ueberarbeit leisten( also auch nicht um die 500 Arbeiter und Arbeiterinnen, die bei Bergmann- Rosenthal entlassen werden. D. Red.), es geht um Sonnab., 14. 9. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 190 20 Uhr Sonnab., 14. 9. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 1912 Uhr Der Barbier von Don Carlos Sevilla Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.d.Republ. R.-S. 158 1912 Uhr Freischütz am Gendarmenmarkt A.-V. 169 20 Uhr Hans im Schnakenloch Staatl. Schiller- Theater, Charlth. 20 Uhr 2x2= 5 SCALA Tägl. 2 Vorstell 5 und 812 Uhr Barbarossa 9256 Unsere neuen Preise: Wochentags 5 Uhr 50 Pf. bis 3 Mark Tagl. 82. Sonnt. 5 Uhr 1 bis 6 Mark Original Rastelli usw. PLAZA Tagl. 5 u. 815 Sonnt. 2, 5 n. 815 Alex. E. 4.8066 INTERNAT. VARIETE GROSSES SCHAUSPIELHAUS tägl. 8 Uhr 3Musketiere Regie: ERIK CHARELL CASINO- THEATER Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr Der neue Eröffnungs- Schlager Wem gehört mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Leser: Gutschein für 1-4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. LUNA das PARK VARIETE dar 50000 am Sonnabend und Sonntag Ununterbrochen Programm erstkl. 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Deutsches Theater: Dia räte, sobald es darauf ankommt, die Arbeiter im Stich laffen und Fledermaus. Rammerspiele: Der Unwiderstehliche. Die Komödie: dem Kampfe gegen Entlaffungen ausweichen". Kolportage. Theater am Rollendorfplag: Der Raufmann von Berlin. Theater in der Röniggräger Straße: Sannibal ante portas. Romödienhaus: Scribbns Suppen sind die besten. Großes Schauspielbaus: 3 Musketiere. Seite. Theater des Beftens: Blaubart. Deutsches Rünstlertheater: Die andere Trianon Luftspielhaus: Grand Hotel. Leffing- Theater: Cnantali. Theater: Das tommt bod) alle Tage vor. Metropol Theater: Marietta. Berliner Theater: 8wei Arawatten. Deutsches Bollstheater: Der arme seinrich. Die Tribüne: Herr und Frau Conundío. Aleines Theater: Rose- Theater: Die Beber. Renaissance Theater: Die heilige Flamme. Cafino- Theater: Bem gehört mein Mann? Schloßpart Theater Steglig: Arm wie eine Rirchenmqus. Blaza, Wintergarten, Stala: Internationales Bariete. Theater Reichshallen Theater: Stettiner Gänger. am Rottbuffer Tox: Elite- Sänger. Das ist die kommunistische Pragis, die weit arbeiterschädigend ist als die kommunistische Theorie. Bei den nächsten Betriebsrätemahlen werden wir die bisherigen Wähler der fommunistischen Betriebsräte an deren Taten erinnern. Doch schon am 17. November ist Gelegenheit, richtig zu wählen; fozialdemokratisch! Textilarbeiterstreit in Armentiers. Lille, 14. September. 1800 Arbeiter der Textilfabriken von Armentiers haben die Arbeit niedergelegt, meil die Arbeitszeit zu lang und die Löhne zu Der kommunistische Texgtilarbeiterverband hat für furz find. Donnerstag den Generalstreit" angekündigt. " 1 Theater der Woche. Bom 15. bis 23. Geptember. Bolfsbühne. Theater am Bülowplay: Dantons Tad. Staatstheater. Staatsoper Unter den ginden: 15. Götterdämmerung. 16. Stigoletto. 17. Boris Godunoff. 18. Othello. 19. Der Barbier pont Bagdad. 20. Andrée Chenier. 21. Tosca. 22. Die Meisterfinger. 23. Madame Butterfin. Oper am Blag der Republit: 15. Jphigenie auf Tauris. 16. Salome. 17. Det fliegende Solländer. 18. Die Fledermaus. 19. Carmen. 20. Carbillat. 21. Fidelio. 22. Soffmanns Erzählungen. 23. Galome. Stäbtische Oper, Charlottenburg: 15. Die Hochzeit des Figaro. 16. Geschlossene Borstellung. 17. Der Bildschüß. 18. Samson und Dalila. 19. Wilhelm RoseTheater, Große Frankfurter Str. 132. Bestellkasse: Alexander 3422 Täglich 8.15 Uhr: Die Weber von Gerhart Hauptmann Regie: Paul Rose Gartenbühne 8.15 Uhr: Die Scheidungsreise Moderne Operette in 3 Akten Regie: Hans Rose Sonntag, den 15. Sept, nachm. 2.30 U Die erste Märchenvorstellung Sneewittchen und die sieben Zwerge Reichshallen- Theater Abends 8 Sonntag nachm. Fest- Programm! Stettiner Sänger ahre Nachmittags halbe Preise, das volle Fest- Programm Billettbest. Zentrum 112 63 Dönhoff- Brettl: 10 Spezialitäten! Falkner- Orchester. Tanz. Vorverkauf auch im Pavillon der Rein- Kammerspiele hardtbühnen, D.1. Norden 12 310 Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße 81, Ende gegen 10% Bismarck 448/449 Deutsches Theater Der Unwiderstehliche Komödie von D. 1. Norden 12 310 Géraldy und Spitzer Regie: 8 U., Ende gegen 11 Die Fledermaus Gustaf Gründgens Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Direktion Musik. Einrichtung Dr. Robert Klein und Leitung E. W. Korngold. Deutsches Die heilige Flamme Ausstattg. Kainer Künstler- Theater v.W.S.Maugham. Regie: Gust. Hartung In der Premierenbesetzung Steinplatz C 1, 0901 u. 2583/84, Hardenbergstr. 6. Εκ spielt! CIRCUS BUSCH Heute 8 Uhr Galaeröffnung. L, Barbarossa 3937 Täglich 8% Uhr Barnowsky- Bohnen Die andere Seite Theater in der von R. C. Sherriff Königgrätzer Straße Regie: HeinzHilpert 8% Uhr Hannibal ante portas Komödienhaus 7% Uhr Uraufführung Scribbys Suppen sind die besten von Julius Berstl. Berliner Theater Dönhoff 170 Täglich 8% Uhr Zwei Krawatten von Georg Kaiser Musik: Mischa Spoliansky Regie: Forster Larrinaga Alubleute. Nachmittagsvorstellungen: Theater am Rollendorfplag: 15., 22. Die Räuber. Theater bes Westens: 15., 21., 22. Friederike. Trianon Theater: 21., 22. Aschenbrödel. Renaissance- Theater: 22. Krankheit der Jugend. Rose- Theater: 21. Schneemittchen, 22. 14 Uhr Schneewittchen; 174 Uhr Die Weber. Blaza: Inter. nationales Barieté, Bintergarten, Stala: 15., 21., 22. Internationales Barieté. Reichshallen Theater: 15., 22. Stettiner Gänger. Theater am Rottbuffer Tox: 15., 22. Elite- Sänger. -W Erstaufführungen der Woche: Mantag. RomBdie: Rolportage. Mittwoch. Stäbtife Doet Samson und Dalila. Reines Theater: Alt- Berlin. Wetter für Berlin: Ziemlich heiter und warm, meist schwache Luftbewegung. Für Deutschland: Im Nordwesten zeitweise bewölft, ohne wesentliche Niederschläge, im übrigen Reiche feine wesentliche Menderung. " Bolt und Zeit, unsere illustrierte Wochenschrift, und „ Der Kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Berantwortlich für die Redaktion: Franz Klühs, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Bud druckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sieran 1 Beilage. KONSUM GENOSSENSCHAFT BERLIN U. UMGEGEND E. G. M. B. H. po sop 3 K B G Neue Speisekartoffeln 10 Pfd. 36 Pf. Prima Weiße... 10 Pfd Odenwälder Blaue 10 Pfd.40 Pl. Gelbfleischige Zwickauer.. 10 Pfund ادر للداود BAHNHO Fm Brennpunk M der City STEINMEIER TANZ Die Abgabe der Waren erfolgt in der KonsumGenossenschaft Berlin und Umgegend nur an Mitglieder. Die Mitgliedschaft kann von jedermann erworben werden. K 48 Pt. Aufnahmegebühr 50 Pfennig Mitglieder- Aufnahmen werden in sämtlichen 280 Abgabestellen der Konsum- Genossenschaft vollzogen. гр FRIEDRICHSTR CAFE KABARETT EINTRITT FREI KABARETT KAFFEE TANZ- PALAST Feinmeier FRIEDRICHSTR.96 AM BAHNHOF Die Komödie volksbühne J1 Bismck.2414/ 7516 Heute geschlossen! Theater am Bülowplatz Montag, 16. Sept. 7% Täglich 8 Uhr Dantons Tod Kolportagev. Georg Büchner Zum 1. Male Komödie Regie: von Georg Kaiser Karl Heinz Martin Regie: Erich Engel Musik: Walter Göhr Ernst Schütte Metropol- Th. Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr 2x2= 5 am Zoo Theat. d. Westens Planetarium Täglich 8% Uhr Berlins größter Verlaag. Joachimsthaler Straße Theatererfolg B.5 Barbarossa 5578 Blaubarton Storenhimmel HerbstTheat. am Kottb.or Lessing- Theater Kottbusser Str. 6 Norden 10846 Gruppe funger Schauspieler Täglich 84 Uhr Operette 18% Uhr Bis an die Cyankali Grenzen der Welt $ 218 von Offenbach. Sonnab. u. Stg. 4 U. 20% Uhr Rätsal des Lehar Welterfolg! Sternenlichtes von Friedrich Wolf Friederike Täglaußer Montags 2391 Trianon- Th Merkur Täglich 8% Uhr Das kommt doch Tägl. 8 Uhr Kleines Theat. Derr.Lustspielerfolg Marietta Taglich 8% Uhr Merkur 1624 Musik v. Oskar Straus Max Adalbert alle Tage vor Käthe Dorsch Michael Bohnen in Johannes Riemann, Max Landa, Lotte Klinder, Clubleute Vilma v. Aknay, u. Mittw. 1 Mk., Kinder 50 Pf Mittw.: Erwachsene 50 Pf. Kinder 25 Pf. Lustspielhaus Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8 Uhr rägl. 8 Uhr auca Sonnt. nachm. 3 U. EliteSänger Das September- Schlager Programm Selbst Greise Klavierspielen lernen in 2-3 Monaten. Korrekt nach Noten jedoch fabelhaft leichte Erlernung. Grand Hotel Alles überragende Erfindung eines blinden Musikers. Prospekt Nr. F. 9 sofort kostenlos durch Verlag Isler, Lörrach( Baden). Lustspiel von Paul Frank Geilaäe Sonnabend, 14. September 1929 SprÄbmö SfiÄlnui�a�Q da IbvärA Eine weltgeschichtliche Kleinstadt Was Rastatts Mauern erzählen Die!>euische Kleinstaaterei bringt es mit sich, daß wir Städtchen besitzen, di- längst zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken sind und selbst von den näheren Nachbarn übersehen werden— ganz zu schweigen von den Durchreiseirden. Wie lange hat es gedauert, bis Rothenburg o. d. T., Dinkelsbühl und Nördlingen entdeckt wurden! Der ganze Schwann von sränkischen und schwä- bischen Nestern, die gleich ihnen in einen Dornröschenschlaf ver- sunken sind, aber gerade dieser Bedeutungslosigkeit sür Wirtschast und Verkehr ihren einzigartigen Reiz verdanken, die Vergangenheit in Reinkultur bewahrt und eingefangen zu haben, harrt noch der Erschließung sür den Fremdenbesuch. Wer kennt Ueberlingen am Bodensee, wer W e r t h e i m am Main oder Markgrönin- gen unweit Stuttgart? Dazu kommen die zahllosen Barockstädte, kleinfürstliche Grün- düngen aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Da ist die württem« bergische Residenzstadt Ludwigsburg, nur 12 Kilometer von der Hauptstadt entfernt und in ihrem Schatten verdorrt. Selbst an größeren Städten, wie Karlsruhe, scheint sich die Rache des Schicksals zu vollziehen— dafür, daß sie nicht einer wirtschaftlichen Notwendigkeit, sondern der Laune eines kleinen Monarchen und seinem Ehrgeiz, es dem Gründer von Versailles, Ludwig XIV. von Frankreich, gleichzutun, ihr Dasein verdanken. Karlsruhe mit seinem fächerförmig vom Schloß als dem Mittelpunkt des ganzen Gemeinwesens ausstrahlenden, städtebaulich vollkommen unsinnigen und unbrauchbaren Grundriß, war immerhin seit dem End« des 18. Jahrhunderts wirtschaftlich noch mehr begünstigt als die kleine Nachbarresidenz R a st a t t. Dieses Rastatt ist, ähnlich wie Ludwigs. bürg, das immerhin doppelt soviel Einwohner zählt, als die Gar- nison, als die schrecklich ungemütliche große Kaserne, in die es das 19. Jahrhundert, aus Verlegenheit sozusagen, verwandelt hat, in Verruf gekommen. Nicht ganz mit Recht: es besitzt noch immer, obwohl greulich mißhandelt/ einige sehr sehenswerte Bauwerke aus seiner Glanzzeit. Dazu kommt, daß es in der Geschichte eine ungemein wichtige Rolle gespielt hat— in der badischen nicht allein, sondern in der gesamtdeutschen. Im„Pfälzer Mordbrennerkrieg', der nicht mehr und nicht weniger ein Mordbrennerkrieg war wie jeder ander«, wie beispielsweise di» Feldzüge Friedrich II., war 1689 die Hauptstadt der„oberen" Markgrafschaft, Baden-Baden, samt seinem inalerisch über dem Städtchen thronenden„Neuen Schloß" in Flammen ausgegangen. Als der Markgraf Ludwig Wilhelm, der sich, wie sein Vetter, der Prinz Eugen von Savoy.-n, derweile r.ij�cn Türken herumschlug und dxsholb„Türtcnlouis" getaust nWrde, endlich wieder einmal nach Hause kam, sand et einen Tslünpnerhotisen vor. Vielleicht war er Lar nicht so unglücklich darüber: hatte er doch-inen willkommenen Vorwand, aus dem engen Schwarzwaldtal in die Rheinebene hinauszuziehen, wo man sich pompös ausbreiten und sein kleines Versailles anlegen konnte, Palast, Schloßpark und Stadt nach einheitlichem Plan kom- paniert. Er wählt« sich den nur wenige Kilometer entfernt«», eben- falls gänzlich verwüstet.-» Marktflecken Rastatt dafür aus. Der kaiserliche Hof in Wien empfahl ihm den süditolienisch.-n Architekten De R o s s i. Um 1699 begann der Bau des Schlosses, eines rot- verputzten, dreistöckigen, wuchtigen Frühbarockpalastes, der mit Zwei zweistöckigen, leichteren Seitenslügeln und einem ti-sen französischen Ehrenhof dazwischen— der ganze Komplex geschickt auf eine er- höhend« Terasse gerückt— nach der Stadtseite hin noch in seiner alten Masestät dasteht, und durch zwei Kuppeln über den Treppen- Häusern und eine Mittelkuppel überhöhten, die als Symbol monarchischer Allgemalt, �-er Blitze schl.-udernde, vergoldete Göttervater Jupiter bekrönt. Van einem, von alten Bäumen beschatteten Vorplätzchen aus strah- lcn, genau wie zu Versailles, yi spitzem Winkel' die Hauptstraßen der Stadt aus. Das ist aber vi«l vorsichtiger und kluger gehand- habt als in dem 25 Jahre später gegründeten Karlsruhe. Der Marktplatz, den diese Hauptstraßen schneiden, ist eigentlich mir eine verbreiterte, mit Bäumen bepflanzte Straß«, in die ein« lebhaft b-wegt« barocke Stadtkirche, ein, später verhunztes, Rathaus und drei pvchtige Monumentolbrunnen hineingestellt sind. Di« Vollendung seiner neuen Miniaturresidenz hat der„Türken- louis" nicht mehr erlebt: er starb 1797, als das Schloß kaum recht trocken war, an einer Verwundung, die er im Kampf der Kaiser- lichen gegen den von Frankreich ausgehaltenen Kürfürsten von Bayern, Max Enmnuel, bei Donauwörth empfangen hatte.(So was nannte sich damals„deutscher Reichsfürst'!) Seine Witwe, die nach einer sehr bewegten Jugend in religiösem Wahn verfallene Sibylle Augusta, vollendet« den Bau der Residenzstadt und ließ sich in einer ungemein kostbaren Schloßkirche beisetz«», in der ihr« Grab- statte noch heute den Besucher auffordert,„für die große Sünderin' zu„bete n'. Selbst wenn man seine Sympathie nicht so weit treibt, wird man an der Schloßanlage und dem Marktplatz, und vor allem an dem am Fuße des Schwarzwalds in einem streng französisch stilisierten Park prächtig gelegenen und ungemein kostbar ausgestatteten Lustschlößchen„Favorite', das 1725 fertig- geworden ist, seine Freude haben. In einer hölzerner Bußkapelle, mitten auf einer abgeschlosienen Parkwiese, hat sich die fromme Dame in vorgerücktem Lebensalter selber mißhandelt— getreu stein volkstümlichen Spruch:„Junge Huren, alte Betschwestern.' Fleißige Schüler wissen, daß im Schloß zu Rastatt von 1713 bis 1714 Friedensverhandlung'«» geführt wurden zwischen Frankreich und Oesterreich, die den Spanischen Erbfolgekrieg beende- t«n. nachdem schon zu Utrecht ein Präliminarfrieden geschlossen war. Sie wissen aber nicht, in welch empörendem Mißverhältnis die Luxusbtmlen de» Dynasten. geschlechte, zu dem Wohlsland 4ne, noch nicht 100 000 Seelen zählenden Ländchen» stand, wie es die Markgrafschast Baden-Baden gewesen ist. 1771 starb diese Seitenlinie aus und ihr Territorium wurde mit der protestan- tischen Markgrafschast Baden-Durlach vereinigt. Die Beamten- jchaft und die Hoshaltung zogen nach Karlsruhe und Rastott verödete. «chhichvstw � w»«»cht Stgeo. teil. Bon 1797 bis 1799 tagt« hier ein Kongreß, der die durch den Frieden von Campo Formio geschaffen« neue Log« klären sollt« Bonaparte hatte Oesterreich in Italien aufs Haupt geschlagen und verlangt« das ganz« linke Rheinufer für die Französisch« Republik. Beinahe zwei Jahre verstrichen in ergebnislosem Diplomatenschacher. Die französischen Gesandten wurden van Bonaparte abberufen. Sie hatten kaum am ZS. April 1799 die Stadl verlassen, als sie von ungarischen Husaren überfallen und ermordet wurden. Deutsche Professoren haben sich schreckliche Mühe gegeben, die K. und K. österreichische Regierung von diesem Verbrechen reinzuwaschen, aber man weiß heute, daß der Husarenoberst einen geheimen Befehl hatte vom Generalquartiermeister, sich der Papiere der Gesandten zu bemächtigen. Das war gleichlautend mit einem Mordbefehl. Neunzehn Jahre später fallen die Schatten der Kaspar. Hauser-Geschichte in die kleine stille Stadt. Großherzog Karl, der Dat«r des mit Kaspar Hauser, dem 1833 in Ansbach ermordeten„Findling von Nürnberg' identisizierten badischen Prinzen ist im Rastatter Schloß, erst 32 Jahre alt, an einer mysteriösen Krankheit gestorben, nachdem er schon 1814, auf dem Wiener Kon- greß, mit genauer Not einem Gistottentat«ntronnen war. Die ganze legitime Nachkommenschaft des Großherzogs Karl Friedrich ist damals auf rätselhafte Weise aus dem Leben geschieden, um Karl Friedrichs Bruder, dem üblen Despoten Ludwig, Platz zu machen. Ludwig hatte sich offenbar verpflichten müssen, nich: zu heiraten. Als er 1839 starb, kamen die illegitimen Nachkommen Karl Friedrichs aus dessen zweiter Ehe mit der Baronin Geyer auf den Thron. Der berühmte Kriminalist Anselm von Feuerbach hat die Ermordung aller legitimen Sprößlinge Karl Friedrich, von Baden. der 1S11 gestorben ist, einschließlich Kaspar Häuser,, der Geyer und ihrem Spießgesellen Ludwig zur Last gelegt. Und dann kommt das letzte und trübste Kapitel in Rastatts düsterer Geschichte, die„F e st u n g s t i d'. Der„Deutsche Bfcnd" hatte beschlossen, ein«„Bundesfestung' aus Rastatt zu machen, die die Südwestecke des Reiches schützen sollte. Der Festungsbau,«in unsinnig kostspieliges und ganz zweckloses Unternehmen, begann 1841 mit der Vernichtung des prachtvollen französischen Parks, der sich an die Rückseite des Schlosses anschloß. Es wurde ein« Sand» wüste daraus, ein Exerzierplatz. Als die Festung«ndlich nach 7 Jahren fertig war, dient« sie den gefangenen Freischärlern aus dem badischen Oberland als Kerker. Aber di« Gefangenen steckten ihre Wächter mit ihren Ideen an, und im Mai 1849 meuterte die Garnison. Di« Oesterreicher rückten ab; der Kommandeur eines badischen Regiments, Major von B i e d e n s t l d, trat an die Spitze der Aus- ständischen. Kurz darauf trafen die Reste der von denf Polen Mzeroslawski befehligten, bei Waghäusel von der preußischen Uebermacht geworfenen Freischärlerarmee in der Festung ein, die alsbald von den Truppen des„Karlälschenpriazen' Wilhelm belagert wurde. Der Prinz, der als einsacher Bürgersmann aus Berlin hotte verduften müssen, schlug nun, von doppeltem Krieger«hrgeiz beseelt, sei» Hauptquartier im Schlößchen Faronte auf. Seine Tätigkeit beschränkt« sich im wesentlichen darauf, nach der Uebergabe der Festung am 23. Juli auf„Gnade und Ungnade' Dutzende von Todesurteilen gegen die braven, opfermukigen Demokraten zuunterzeichnen.die in den finsteren Kasematten schmachteten. Monatelang wütete ohne Gnade und Erbarmen im Namen de» Großherzogs von Baden dos Kgl. Preußische Standgericht in den Festungsgräben von Rastatt. Viele Bürgerfomilien zogen von Rastatt weg, weil sie das ewige Schießen nicht mehr hören konnten. Das preußische Militär ist bis Ende 1859 im Lande geblieben und hat hier wie auf feindlichem Bod«n gehaust. Die Unglücksfestung hat ihre unrühmliche Rolle 1899 ausgespielt— da wurde sie«ndlich geschleift. Ein Gesuch um Errichtung eines würdigen Grabdenkmals für die Opser der preußischen Militär- reaktion wurde von dem Gouverneur der Festung noch 1874, an- läßlich ihres 25jährigen Todestages, schroff abgelehnt mit der Begründung:„Die Lcichkn zu Tode beförderter Individuen gehören dem Gericht'. Inzwischen hat sich diese Ansicht etwas geändert. Die Allgemeinheit, das freiheitlich gesinnt« deutsche Volk, hat seine Vorkämpfer, die ihm gehören und nicht„dem Gericht", mit einem schönen Denkmal auf dem Friedhof geehrt. Den Eisenfressern und Bureautraten aber, die sich gar so sehr wundern über die tiefe Abneigung der badischen Bevölkerung gegen die Preußen, kann man mit ein«m einzigen Wörtchen antworten: «kastatf. Hermann Hieber Unsittliche Frauenkleidung Eigentlich haben ja die katholischen Geistlichen mit den Frauen gar nichts weiter zu tun, als daß fie ihnen di« Beicht« abnehmen. Aber«s ist erst neuerdings wieder bekannt geworden, wie sehr auch die weibliche Toilettensrag« die kacholtsche Geistlichkeit inter- essiert. Di« unsittlichen ärmellosen und kniefreien Kleider haben es ihr letztens besonders angetan, obwohl ihr dos doch ganz wurscht sein könnte, da sie ja doch infolge der kirchlichen Prinzipien den Umgang mit Frauen der anderen Männerwelt überlassen müssen. Sie glauben wahrscheinlich, den Männern zu Hilfe kommen zu müssen, die ihren Frauen sowieso zu wenig zu sagen hoben. In dieser Hinficht befolgen sie übrigens nur berühmt« Vorbilder. Der Kampf der Kirche gegen die Unsittlichkcit der weiblichen Bekleidung ist nämlich nicht mehr ganz jung. Wer noch das„Buch der Bücher' besitzt, lese einmal nach, was schon der Prophet Jesaias im 3. Ka- pitel ab Vers 16 schimpft: 16. Und der Herr spricht: Darum, daß die Töchter Zions stolz sind, und gehen mit ausgerichtetem Halse, mit geschminkten An- gesichtern, treten einher, und schwänzen, und haben köstliche Schuh« an ihren Füßen, 17. So wird der Herr die Scheitel der Töchter Zions kahl machen(betrifft bis jetzt im wesent- lichen die Männer), und der Herr wird chr Geschmeide wegnehmen. 18. Zu der Zeit wird der Herr den Schmuck an den köstlichen Schuhen wegnehmen und die Hefte, die Spangen, 19. Di« Kettlein, die Armspangen, die Hauben, 29. Die Flitter, die Gebräme, die Schnürlein, die Bisamäpsel, die Ohrenspangen, 21. Die Ringe, die Haarbänder, 22. Die Feierkleider, die Mäntel, die Schleier, die Beutel. 23. Di« Spiegel, di« Koller, di« Borten, die Ueberwürf«: 24. Und wird Gestank für guten Geruch sein, und ein Strick für einen Gürtel, und eine Glatze für ein kraus Haar, und für einen weiten Mantel ein enger Sack(auch schon Mode gewesen!): solches alles anstatt deiner Schöne. Kap. 4 V. 1. Daß sieben Weiber werden- zu der Zeit Einen Mann ergreifen(wie jetzt, wo man die Männer vielfach totgeschossen hat) und sprechen: Wir wollen uns selbst nähren und kleiden: laß uns nur nach deinem Namen heißen, daß unsere Schmach von uns genom- men werde. (Aufgestöbert von Bei« Linke.) WAS DER TAG BRINGT. Die enttäuschten Sowjets. Man hatte sich so schön auf den Besuch der amerikanischen Milliardäre eingerichtet in Moskau, hatte die großen Hotels mit ihren prächtigen Appartements vorbereitet und sich vielleicht über» Haupt ein bißchen ein Beispiel genommen an Potemkin, dem grbßen Baumeister der Dörfer. Und es sind auch tatsächlich amerikanische Touristen in das Land gekommen, 159 an der Zahl, aber es waren leider keine Milliardäre, sondern typisch« Kleinbürger, die nicht daran dachten, eine Unmenge von Dollars im Lande zu lassen, sondern vielmehr aufs energischste wehklagten ob der Teuerung im Lande. Man ist sehr enttäuscht über diesen Besuch, und die offiziöse „Prawda' bezeichnet ihn als„eine Gesellschaft scheußlicher Burschui". El Salvador. Di« kleinste der zentralameritanischen Republiken wird im Süden vom Großen Ozean, sonst von Guatemala und Honduras begrenzt. San Salvador ist der Name der Hauptstadt. Das Land hat rund 99999 Einwohner. Der größte Fluß, Lempa ge- nannt, ist infolge des Klimas oft sehr seicht oder teilweise sogar eingetrocknet. An Häfen sind La Libertad und La Union von einiger Bedeutung. Ausfuhrgut ist in größerem Maßstabe Kaffee, an Silber ist das Land nicht arm. Die Post hat eine Briefmark« herausgebracht, die einen Frauenkvpf mit B u b i f r i s u r darstellt. Der überzählige Patient. In der Versuchsstation des Krankenhauses der Stadt Helena (Montana) gelang es vor«inigen Tagen abends einem Gorilla, zum Fenster hinaus� zu entwischen. Trotz seiner sofortigen Ver- folgung konnte er während der ganzen Nacht nicht gefunden werden. Li»»ächjtn, Zltprge», ak die Wärter in grnnfmfrww dm mimimiiuinmmttmniiiiuiiiiiiimmniinmmmnmnr Patienten das Frühstück ans Bett brachten, entdeckte einer der Wärter zu seiner großen Ueberraschung, daß in seinem Saal«in Bett mehr besetzt war. Er schlug die Decke, die' der Patient sich bis über di« Ohren gezogen hatte, zurück— und der Affe grinst« ihn freundlich an, packte dann plötzlich die Zuckerdose und mochte sich über deren Inhalt her. Seiner Arretierung setzte er nicht den geringsten Widerstand entgegen. tRosa" hat Heimweh, Bor einigen Tagen kaufte ein Schwarzorter Fischer die Milch- kuh Rosa aus der Gegend von Schäferei und brachte sie mit einem Boot über das Haff nach Haus«. Am nächsten Tage wurde die Kuh auf die Weide gebracht. Als man sie aber am Abend abholen wollte, sah man Rosa mit.„Kurs nach Osten" dos Haff durch- schwimmen. Nur mit Müh« gelang es, als man sie mit einem Motorboot eingeholt hatte, st: wieder zum Zurückschwimmen zu veranlassen. Mutter oder Kind? Auf den Spuren des St. Buveoukratius stieß ich auf diese» Aktenstück des Kgl. Preußischen Oberhofmais challomtes: Gehorsamer Bericht: Die Ehefrau des Stallknechtes Schultz«, Frau Emilie Schultze, ist gestern von einer Tochter entbunden wor- den, und hat dieselbe die Vornomen Elfriede Margarethe erhalten. Gezeichnet: Voigt. Verfügung: Diese Namensänderung der Ehefrau Schultze dürste unzulässig sein. Oder sollte etwa das Neugeborene gemeint fein? Gezeichnet: v. R. Gehorsamer Bericht: Es wor dos Neugeborene gemeint! Ge» zeichnet: Voigt. Zu dm QW-jU-fchiHIl U IL A (19. Fortsetzung.) „Ueberhaupt heut." Der Bursche besah unter der Lampe die Wunde, die ihm ein Gußspritzer in die Hand gebrannt hatte. „Das sind Formertoappen, die muß ein jeder haben." Kolbe hielt seine breiten Hände daneben, die voll großer und kleiner Narben waren, während die Mutter ein Salbenpftaster anhaucht« und auf Wilhelms Wunde legte. Der hat es aber gut, dachte Heinrich, als sie dabei ihren Jungen bedauerte und ihm kosend die oerletzte Hand tätschelte. Als Wilhelm nach dem Essen den Sonntagsrock anzog, bat Frau Kolbe auch ihren Mann, er möchte sich ein bißchen schmuck machen. Der sah verwundert auf.„Warum, was steht denn heut noch in Aussicht?" „Hedwigs Geburtstag! Das weißt du nicht?" Da trat auch schon Hedwig mit zwei Schulfreundinnen«in. Heinrich reichte ihr die Hand und gratulierte ein wenig stockend. Wie groß und hübsch die Hedwig schon war! Seit dem Ausammen- treffen bei Schöneich hatte er sie nur flüchtig von fern gesehen. Alle setzten sich um den Tisch und betrachteten Hedwigs Ge- schenke. Mutter Kolbe befühlte sachkundig das Hemden- und Schürzenzeug, Wilhelm griff nach den Aepfeln und Birnen, die in einem Körbchen daneben standen, und begann sie zu oerteilen und Bater Kolbe mühte sich mit dem Lesen des Titels eines Buches ab. „Ham— mer und— Am— boß von Fried— rich— Spiel— Hägen. Seht an, ollo bonnör!(ö k banne beure). So was kann, ein Schmied auch?" „Aber, Dater", versetzte Hedwig,„Spielhagen ist doch ein Dichter, kein Schmied!" „Haha, so was wie dein Herr Schöneich." „Ach— Schöneich ist Maler." .,3hh was! Maler. Dichter, olles egal! Ich frag bloß: Was oersteht so einer vom Schmiedehandwerk?" Hedwig lachte.„Magst recht haben Dater. aber der Dichter meint sicherlich etwas ganz anderes mit dem Titel." „Nu hör einer an! Jetzt will mir das Mädel weißmochen, wenn einer von Hammer und Amboß spricht, dann meint er vielleicht ein« Kuh und eine Nachtigall. Ne. mein Kind, mit solche Finessen darfste mir nicht kommen!" Ein paar harte Schläge gegen die Tür und Schuster-Paul trat «in, zwei Paar Schaftstiebel über die Schultern hängend. Mit lautem Hallo begrüßte die Jugend den munteren Burschen, der prahlerisch ein blankes Z-Mark-Stück auf den Tisch warf.„Kauft Kuchen und gutgemengtep Branntwein dazu. Bald bin ich zurück." Und schon verschwand er zur Tür hinaus. „Wo hat der Junge bloß das viel« Geld her?" Mutter Kolbe hielt die Glasflasch« gegen das Licht und wischte immer noch einmal mit der Schürze über sie" hin. „Woher? Gestohlen wird«r's nicht haben. Hier, Wilhelm, hol!" Kolbe reichte dem Jungen das Geldstück. Wilhelm sprang mit Heinrich davon. Er kannte die best« Branntweinquelle und bog zur Großdestillation am Markt ein. Dann sausten sie über den Markt zum Kaufmann Hübner. Fritz, der Lehrling, sprang schläfrig hinterm Ladentisch auf.„Aber dufte wiegen!" flüstert« Wilhelm scharf. Der Junge setzte das halbe Pfund aus kleinen Gewichten zusammen, legte noch ein Sü-Gramm-Stück hinzu und— wog genau, denn seine Herrin beobachtete durch ein« Glastür von der warmen Stube aus kuis Zünglein der Waage. Beim Bäcker endlich zählten sie den letzten Rest des Geldes auf, währenddessen die Meisterin alle Zbuchenrest« vom Tage zusammen- packte, wobei es auf ein Stückchen mehr nicht ankam und noch für beide ein Endchen als Zugabe abfiel. Bald saßen all« in heiterer Runde und Schuster-Paul erzählte, wie mühelos er zu dem Geld« kam. Die alte Jüdin Goldberger war ollen bekannt. Und obwohl man ihr nachsagt«, daß niemand ihren Laden verließ, ohne betrogen zu sein, so kausten dennoch alle Frauen Kleider und Wäsche gern bei ihr ein. Paul lieferte ihr gestern ein Paar Schuhe ab, die der Meister selber in Ordnung gebracht, weil ihr selten jemand etwas rechtmachen konnte. Durch ihr« scharfe Brille beäugte sie die Arbeit von allen Seiten.„Na, weil diesmal es einigermaßen gelungen, will ich schon zahlen de« Taler", sagte sie freundlich und tat noch einen Groschen als Trinkgeld hinzu. Paul hatte zwar ein eigen- artiges Gefühl, als seine Hand das Geldstück umschloß, öffnet« sie aber erst im Licht von Schlächter Muches Ladenfenster. Und richtig, es stand drauf: Fünf Mark. Um ganz sicher zu sein, trat er in den Laden und oerlangte eine Groschenwurst. Warhhaftig! Der Fleischer legte 4 Mark 90 Pfennig daneben. „Wer einen Juden betrügt, kommt bestimmt in den Himmel", sagte Vater Kolbe und trank ein Gläschen extra. Alle lachten. Sie gönnten der reichen Jüdin den Reinfall. Aber Heinrich glaubte in seinem Innern«in fortwährendes Rufen: Un- recht— Betrug! zu vernehmen. Wäre er mit Paul allein gewesen, hätte er ihm sicherlich gesagt, wie er darüber dachte. Indessen lobte Vater Kolbe den Schuster, wegen seiner Pfiffigkeit. O, das machte Spaß! Ein Gefühl heimlicher Freude empfand der große Junge über das Gelingen seiner erfundenen Geschichte. War es doch nicht das erstemal, daß er Unrecht mit Lüge so fein ummäntelte. Und es war ja inesesmal gar nicht so schlimm: denn in Wirklichkeit fand er das L-Mark-Stück.. Im Grase, unter der Klopkstange, im Garten lag es. Er sah zwar, wie es beim Reinigen der Sonntagskleider seines Meisters aus einer Tasche glitt— wäre ihm das entgangen, dann hätte er es wahrscheinlich tief in den Rasen getreten.— Was dann?— Gewiß, der Alte blickte miß- trauisch zu ihm auf beim Absuchen des Platzes, doch gesagt hatte er ihm kein Wort... Unterdessen hob Frau Kolbe all die guten Seiten des Schuh- macherhandwerks hervor. Ein Schuster sei ebenso nützlich, wie ein Bäcker, meinte sie. Und immer täglich käme Geld ins Haus und schnell sei die Arbeit fertig, wohingegen bei einem Schneider oder gar bei einem Tischler oft Wochen oergingen, ehe man den Lohn der Arbeit sehe. Da gäbe es Sorgen und eine solche Frau Meisterin wisse zuweflen nicht aus noch ein mit ihrem Hausstand. Je länger Frau Kolbe die Jungen und Mädel beobachtete, desto deutlicher glaubt« sie wahrzunehmen, wie Hedwig durch allerlei klein« Aufmerksamkeiten Heinrich Schwarzbach begünstigte. Und so wollt« sie die so zueinanderneigenden Pflänzchen beizeiten ein wenig nach ihren� eigenen Wünschen zurechtbiegen Hedwig sah vom Lottospiel auf.„Ein Schuster? Das ist nicht mein Fall!" „Ein femes Prieschen. ist heut gerade fünfzehn und,.." „Du hast doch angefangen!" unterbrach das Mädchen, wandte sich um und schlang beide Arm« um Mutter» Hol».„Heut ist mein Geburtstag, und ich freue mich so." Mutter Kolbe war einen Augenblick oerlegen, und gab der Unterhaltung eine heitere Wendung. So verging die Zeit. Als Heinrich als erster zum Aufbruch mahnt«, bestimmt« die Mutter. WUhelm müsi« sein« Schwester bis vor Schöneichs Haus begleiten, wie er es schon so oft tat. Laut stürmte die Jugend die Trepp« hinunter. Doch wortlos. ganz automatisch, gruppierte sie sich vor der Tür in Pärchen und ehe sich'Heinrich versah, gingen Wilhelm und Paul mit Hedwigs Freundinnen von bannen und«r stand mit Hedwig allein... Eine Schrittlänge lief Heinrich seiner Begleiterin voraus. „Lauf mir doch nicht davon", rief sie ihm zu, und hing sich an seinen Arm. Ein unbekanntes Gefühl kroch Heinrich prickelnd am Körper herauf. Ein Singen und Brausen im Kopf macht« ihn fast wirr. Sich losreißen und davonlaufen hätte er mögen. Doch Hedwig begann zu plaudern, traut wie eine Schwester. Von damals sprach sie, als beide vom Forsthaus Milch und Wein holten. Kein Wort der Erwiderung brachte Heinrich hervor. Je unhöflicher er fein andauerndes Schweigen empfand, desto fester legt« es sich um seine Kehle. Nur schnell, schnell vorwärts, dacht« er, damit er aus diesem peinlichen Zustand« herauskäme. Al» sie gar zu schmollen begann, drängte und brodelte es in ihm, al« ob er die Brust zer- sprengen wolle. Vor Schöneichs Gartentür angelangt, streckte er ihr zum flüchtigen Abschied die Hand entgegen. Doch sie umfaßte sie fest und im Nu umschlang sie den großen Jungen und«in« Anzahl Küsse brannten auf seinem Munde.„Nun weißt du, wi« es mit uns steht!" Heftig atmend oerschwand sie durch die Pforte. Ein Weilchen stand Heinrich... War's ein Traum? O nein, befand er sich doch unter den mächtigen Ulmen der Boberniger Chaussee. Das Herz sprang ihm bis zum Halse herauf. Nicht mal den Gutenachtgruß konnte er erwidern, den Hedwig ihm von den Stufen, die zur Haustür hinaufführten, halblaut zurief. Vorwürfe begannen aus seinem Innern auszusteigen, al» er wie um Taumel den Rückweg antrat. Wie dumm hatte«r sich benommen! Aber wi« konnte er das denn ahnen!„Nun weißt du, wie es mit uns steht!" das war sehr lieb von der Hedwig g«> meint, aber heiraten durften sich beide gewiß nie, sie waren ja zweierlei Glaubens. Vom Turm erklangen zehn Schläge in Heinrichs Gedanken. Er begann schnell zu laufen, daß auch der zünftigst« Gesell« in den Glauben oersetzt worden wäre, er führ« in so später Stund« noch einen hochwichtigen Auftrag seine» Meisters au«. Er spürte die eisige Kälte des Bette», die ihm sonst Zähne. klappern gemacht hatte, kaum. Heulend rieselle der Wind trocken« Schneekörner übers Pappdach. Immer wieder schreckte er aus dem Halbschlaf auf, und fühlte Hedwig» glühend« Lippen auf seinem Munde, während sein Herz klopft« und ihn In ein ängstliches Wonnegefühl versetzte. Stoßweise, wie auf mächtigen Wellen trug der Sturm die elfte Stunde vom Turm herüber. Er zählte die Glockenschläge. — Auch an ihr Ohr klang der Ton.— Derselbe Wind trug ihn ihr zu und rüttelte an ihrem Fenster und sang sie in den Schlaf. Froh macht« ihn solch gleiches Fühlen mit ihr. Er fühlt« sich aus seiner Bedeutungslosigkeit herausgehoben. Es war ihm, als sei er gar nicht mehr ein Junge, der auf jedermanns Befehl laufen und springen müsse. Nun war ihm jemand zur Seit«, der auf ihn hoffte, ihm vertraute und mit ihm fühlte, wenn ihm unrecht geschah. Ein Gefühl der Selbständigkeit erwachte in ihm. Be- glückt sckfloß er die Augen. * Als Heinrich bald danach eines Morgens Waschwasser für die Gesellen bereitgestellt, den Ofen angeheizt und den Leim warm» gemacht hatte, mußte er Koslowski Hilfe leisten. Ellends sprang «r zwischen dessen Hobelbank und dem Ofen hin und her. bald die Türenhölzcr bald den Leim anwärmend. Doch rechtmachen konnte er es heut dem rauhen Gesellen nicht. Immer erregter wurde der Geselle, fügte sich nicht gleich«in Stück dicht an das andere, wenn er die Tür zwischen den Bankhaken zusammenschraubte. Dabei warf er Hammer und Schraubzwingen fluchend umher und schalt auf Heinrichs Ungeschicklichkeit: die allein an dem Mißlingen der Arbeit schuld sei. Heinrich erkannte die Mängel sehr genau, deren sich der Pole beim Zurichten des Holzes schuldig gemacht halte. Als er auf «inen schief abgesetzten Zapfen hinwies, schlug der Wüterich mit dem Maßstab auf ihn ein. Heinrich wich den Hieben aus und sprang dem Ausgang der Werkstatt zu. Doch fuhr er erschrocken zurück, als Hedwig die Tür ins Schloß drückend, mit schüchternem Gruß eintrat. Ganz verdattert stand er vor ihr, während sie ihn niit ver- legenem Lächeln ansah und nach dem Meister fragte. Stotternd gab er ihr Bescheid und geleitete sie hinüber zu des Meisters Wohnung. Im Flur ergriff sie Heinrichs Hand.„Du läßt dich schlagen von dem Grobion?" fragt« sie im Eifer. „Was soll ich dagegen tun?" Scham trieb Heinrich die Röte in? Gesicht. „Darfst dich doch wehren!" „Nein, das kann ich nicht" „Doch! Ich hätte es getan! ich nicht leiden!" Ihr Mund zuckte erregt. Du bist feig, Heinrich, das mag (Fortsetzung folgt.) Sonnabend, 14. September. Bertis. I«.« Pul io schnell wie der Schall!" Walter Klelfel; Das Plu»reuerenneB nm den Schneiderpckal. 16.30 Lustige Persiflagen. 17.30 Paul Morgan erzählt Anekdoten. 1S.00 Ans dem Lunapark: Konzert Lunapark-Orehester. Dir.: Bruno Ouander. Anschließend: Werbenachrichten and Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin- Mitte außerhalb des Programms der Kunkstunde. 19.30„Das Land ohne Schatten".„Erlebnisse in Mesopotamien und Baby- lonien". Dr. Armin T. Wegner: In der verbotenen Stadt Kerbela. 20.00„Bluff", heitere Hörfolge von Viktor Heinz Fuchs. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik(Fred-Bird-Tanzorchesfer). Während der Pause: Bildfunk, Königsvusterhauses. 16.00 Dr. H. Böttcher: Die Neugestaltung des Prlvstmasikunterriehts, 16.30 Fricdr. Wieg: Die Reiehsbahnbeamten unter den Dawes-Oesetzen. 17.00 Von Hamburg: Nachmittagshonzert. 18.00 Emil Lind: Theaternot und Schauspielerelend. 18.30 Lektor Claude Orander. Gertrud van Eyseren: Französisch für Anfanger. 18.35 Landeshauptmann Dr. Huebner: Das geistige und physische Antlitz Deutschlands: Mitteldeutschland. 2000 Sendespiele:„Der Vogelhändler"! Operette in drei Teilen von M. West und L. Held. Musik von Karl Zeller. Regie: Cornelia Bronsgeest. Dir.: Bruno Seidler-Winkler. Anschließend Uebcrtragnng von Bertin. Sonntag, 15. September. Berlin. 6.30 Frühkonzert. 7.10 Funkgymnastik. Geleitet von Arthur Holz, Sportlehrer. 800 Für den Landwirt. 9.00 Morgenfeier.(Berliner Kammerchor. An der Dominator-Orgel und am Flügel: Hans Georg Görner. Sprecher: Johannes Schultzke.) Anschließend: Glockengeläut des Berliner Dorna. 10.00 Wettervorhersage. 11.00 Eltemstunde. Dr. Alfted Adler, Wien:„Schwer erziehbare Kinder". 11.30 Orcheslerkonzet. Dirigent: Prof. Julius Prüwer. 13.15 Konzert.(Groß-Russisches National-Orchestor W. H. B. Ltg.: Alesander Michailowskii.) 14.15 Schallplattenkonzert. 15.00 Klaviervortrüge.(Am Flügel: Fanny Weiland.) 15.30 Märchen. Erzählt von Anna Höllering. 16.00 Studie.„Die Flucht ins Primitive." Einleitende Worte; Indendant Dr. Hans Fiesch. Ltg.: Walter Oronostay. 16.30 Unterhaltungsmusik.(Kapelle Arkadi Flato vom Restaurant Burgund im Centrai-Hotel.) 19.00 Arien.(Carola Tanna, Sopran. Am Flügel: Ludwig Knkartz.) 19.30 Aktuelles. 20.00 Suiten. Dirigent: Bruno Seidler-Winkler.(Berliner Funkorchester.) Anschließend: Nachrichten, Tanzmusik. Kömigswustarhausei. 18.30 Dr. Heinrich Hefer und Mitw.: Lieder mit Orgel und des Kammerorchesters. 19.10 Prof. Bubpoff: Dostojewski und der Sozialismus. 20.00 Detlev von Liliencron.(Gelesen von Leo Reuß.) 21.00 Alte Musik.(Gertrud Werlheim, Cembalo; Dr. Ernst Römer mit seinem Orchester.) Anschließend bis 0.30 Uebertragung von Berlin. Rätsel-Ecke des„Abend". uniniiuiniuimuamnnniiiRnniinui Rösselsprung. Pechvogel. Den Bauer quält da» Wort mit„Z", Drum legt er stöhnend sich zu Bett. Al» ihn noch lange schmerzt das Weh, Eilt fluchend er zum Arzt per„B". Kapselrätsel. kr. Den Wörtern umwenden. Schnalle, Leumund. Zentrifuge, Neuwied, Erdkunde, Lendenschurz. Godlin, Schreiberhau. Bequemlich- keit, Dirigent, Lampendocht, Lachtränen, Westpreußen sind je drei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, beim letzten Wort nur zwei. Sie ergeben, richtig gesunden und aneinandergereiht«in Zitat von Novoii». trr. IIIIIlIIlINllIllIllIlIWlIlIIlIlllIlIIIIUllIIII»l»IIlIIIIlIMIIII»IIIIIIII»III»IIIIttIIIII»IIIII!lIIIII> Zahlenrätsel. 1234ö2S<7897 von der Sozialdemokratie bekämpfte Wellanschauung: 2 8 2 S 4 italienischer Geigenmacher: 3 2 7 7 2 9 Stadt in Bayern: 4 6 6 Nebenfluß des Rheins: 8 2 3 4 2 9 Ort in Ostpreußen: 2 8 2 7 4 2 Ort in Kleinasien: 6 2 3 7 9 7 Fehler; 4 6 8 4 7 Raubtier: 7 5 2 6 6 Tierbehausung: 8 2 7 8 Teil des Segelschiffes: 9 6 8 Stadt in Süddeutschland: 7 2 8 7 Stossari. lcr. Oie fehlende Mittelsilbe. Aus den Silben af dach bein berg berg bruch el flug glas greif har haut köpf o of pfei rei ruß schäum schnep sei stau ster ton sollen zwölf dreisilbige Wörter zusammengesetzt werden mit gleicher zu ergänzender Mittelsilbe.— Wie heißt die Silbe und wie heißen die Wörter? ab. Tatsache. Drei Ding« stecken in meinem Wort, Bin Vogel, Fluß und Badeort. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) — kr.— AuflSsung der Rätsel aus voriger Nummer. Rösselsprung: Wer dir berichtet fremden Fehl, Dem sollst du drum nicht trauen. Er möchte>o mit seinem Hehl Den Nachbar auch erbauen. Friedrich Rückert. Geographisches Füll�ätfel: Andorra. Landcck Spanien. Levante, England, Teheran. Literaturrätsel: l. Schiller: 2. llhland: 3. Droste-Hüls hoff: 4. Eichendorff: S. Raab«: 6. Mann: 7. Anzengruber, 8, Nestroy S. Stetzsch«.— Sudermann. Maglsch«« Quadrat: Esse, Shaw, Sag«, Ewv. Nr. 432 46. Jahrgang Sonnabend 14. September 1929 Aur SBcrmeibung von Unglücksfällen im Eisenbahnbetrieb, deren Ursachen z. B. auf.falsche Signalisierung, falsche Weichenstellung oder durch das Ueberkahren von Signalen hervorgerufen werden können, verwendet die Reichsdahn die modernsten technischen Einrich- t u n g e n. Diese Hilfsmittel sind zugleich so ausgeführt, daß dadurch«in« Kontrolle des Lokomotivführers möglich ist. Außer den angegebenen Fehlerquellen besteht ein anderes Gefahrenmoment für den Eisenbahnbetrieb darin, daß bei starkem Nebel die Nedelsignale kaum oder erst in dem Augenblick zu erkennen sind, wenn die Lokomotive das Signal erreicht hat. Auch hierfür sind neuerdings Einrich. tungen getroffen worden, die sich besonders in nebel- reichen Gegenden, z. D. auf Strecken in Nor- wege.n, die bei Verwendung der sonst üb- lichen Formsignole vollkommen lahm- gelegt wurden, glänzend bewährt haben. Im Berliner Stadtbahnbetrieb werden jetzt an Stelle der Hebel- oder Formsignale neuartig« Signale, nämlich Tageslichtsignale in Anwendung gebracht, die mit L i n s e n s y st« m ausgestattet sind und ein Erkennen auf lOOO Meter Entfernung gestatten. Derartige Signale ver- billigen die Anlog« ganz bedeutend. Ferner kommen Fehler- quellen in Fortfall. Aufstellung und Sichtbarkeit dieser Zeichen ist von den örtlichen Umständen viel weniger ab- hängig, als es bei den früheren Formsignalen der Fall war. Die Lichtsignole gestatten bei normalen Verhältnissen«in« Sichtweite von 1 Kilometer bei vollem Sonnen- licht. Bei den Bor« und Hauptsignalen hat man die bisher angewandten Farben beibehalten. Signale für Sonder- zwecke, also innerhalb des Bahnhofgebietes sind in anderer Art zusammengestellt, so vielfach als Zahlen bei der Angabe, welches Gleis in der Endstelle befahren werden soll Um diese Signale gegen Ueberstrahlung bei Sonnenlicht zu schützen, sind genügend tief eingebaute Lampenkörper vorgesehen. Der Anschluß der Signal« erfolgt direkt an die Netzspannung. Als Lampenkörper werden normale 4t1-Watt-Glühlampen verwendet. Ausfahrt» s i g n a l e bei Bahnhöfen benötigen nur die halb« Lichtstärke, da der Zugführer das Signal dicht vor sich hat. Die Tageslichtsignale können durch Einbau eines Blinkapparates noch besonders wirtsam gestaltet werden, dadurch ist der Vorzug leichterer Erkennbarkeit gegeben.... Das neue Sich« run g ssy stem, das ein Ueberfahren von Signalen unmöglich macht, ist aus der Skizze erkennbar. Der Aufbau einer Lokomotive mit dem Zugbeeinflussungssystem„3n- dulor". System C, Lorenz A.-G., ist folgender: Auf der Lokomotive befindet sich eine dauernd laufende Dampfturbine, die mit einer G l« i ch st r o in dy na m o ge- kuppelt ist, die den©irom für die Lokomotivbeleuchtung und für die Signalisierung der Zugsicherungseinrichtungen liefert. Der O.om wird über einen Umformer der Zugbeeinflussungseinrichtung zu- geleistet. Als Wecheselstrom durchfließt er ein Relais auf dem am Tender angebrachten Lokomottvmagneten. Der Anker des Relais steuert wiederum«inen Kontaktfatz, der zwei farbige Signallampen und den Bremsauslösemagneten betätigt. Neben dem Gleis befinden sich die G l« i s m a g n e t e, das sind fein unterteilte Eisenkerne mit einer Wicklung und einem Konden« sator. Diese Gleismagnete liegen 28 5 Meter hinter dem Vorsignal und direkt am Hauptsignol. Di« Wicklungsanschlüsse der Gleismagnet« sind mit dem Signalslügelkontakt äm Hauptsignal verbunden und werden je nach der Signalflügelstellung geschlossen oder geöffnet. Fährt nun ein« Lokomottoe am Gleismagnet vorbei, dessen Signal auf Halt steht, so wird der Strom im Lokomotiomagnet so beeinflußt, daß das Relais keinen Strom mehr erhält und seinen Anker abfallen läßt. Hierbei erlischt die bishe» brennend« u�iße Lampe, und die rot« Warnlampe leuchtet auf. Dabei wind gleich. zeitig die Stromzusuhr zum Bremsauslösungsmagneten unter- brachen. Dieser läßt seinen Anker abfallen, das Auslöseventil wird geöffnet, und die Drucktust des Hauptbehälters gelangt über ein /ey/esta Steuerventil in das Notventil, dos in Tätigkeit gesetzt wird. Dabei wevden die Bremsen des Zuges automatisch angezogen und der Zug zum Stillstand gebracht. Wenn der Zug hält, so muß der Fahrer von der Lokomotive absteigen und den Auslöseknopf, der unter dem Führerstand an» gebracht ist, drücken. Dadurch gelangt die Anlage wieder in die An» fangsstellung. Die rot« Warnlamp« erlischt und die weiße Heber- wachungslamp« leuchtet aus. Bei Umstellung der Zugbeeinslussu�gs- einrichtung in den Normalzustand gehen alle Ventile in ihr« Grund- stellung zurück. Soll ein im Halt stehendes Signal, z. B. ein Warnsignal über- fahren werden, so zieht der Führer nach Passieren des Vorsignales den Wachsamkettshebel, einen auf der Lokomotive angebrachten Hebel, der den mechanischen Kontrolleur des Lokomotivführers darstellt. Der gezogene Hebel verharrt jetzt in seiner Stellung. Di« Druckluft des Hauptlustbehälters gelangt infolge des gezogenen Wachsamkeitshebels in das Steuerventil und steuert dasselbe in eine ander« Stellung. Beim Ueberfahren des Gleismagneten fällt der Anker ob, ebenso der Bremsouslösemagnetanker, das Auslöseventil öffnet sich und die Druckluft des Hauptbehälters gelangt über das Auslöseventil und über das Steuerventil zum Rückstellventil, dessen Kolben den Relais- anker wieder andrückt. Dadurch schließt der Bremsauslösungsmagnet das Auslöseventil und der gezogene Wachsamkeitshebel geht in sein« Grundstellung zurück. Es wird jetzt die Luftzusuhr zum Steuer- oenttl unterbunden, da« Ventil erhält von der Gegenseite Druckluft aus dem Hauptluftbehätter und geht in seine Grundstellung zurück. Sollte nach dem Ziehen des Wachsamkeitshebels und vor dem Ueberfahren des Gleismagneten das in Warnstellung befindliche Vor- signol in freie Fahrt übergehen, so ist die Einrichtung derart ge- trofsen, daß der Wachsamkeitshebel automatisch in sein« Grund- stellung nach Ablauf einer Strecke von 300 Meter zurückgeht. Jedes Ueberfahren eines in Halt befindlichen Gleismagneten. sowie jede Betätigung des Wachsamkeitshebels vxrden auf einer Registriereinrichtung besonders aufgezeichnet. Ferner ist di« Ein- richtung so getroffen, daß die Lokomotive nur fahren kann, wenn die Zugsicherung in Ordnung ist, andernfalls treten sämtliche Bremsen in Tätigkeit. Die beschriebene Einrichtung ist aus einigen Strecken bereits voll ausgebaut.andere stark befahrene Strecken haben teil» weise diese Sicherheitseinrichwng. Der Ausbau weiterer Strecken steht bevor. Ing. H. D. V«.j«eM'iseiwMona8sineLi»Mim Ein„elektrisches Auge"— in technischer Sprache„Photozelle" genannt, ist«ine klein« Glasbirne, die wie eine gewöhnliche Rund- funkröhr« aussieht. Innen ist diese Birne auf der einen Seit« mit einem Belag von Kalmm, Natrium oder sonstigem Alkalimetall ver- sehen, der die negative Elektrode(Kathode) bildet und beim Auf- treffen von Lichtstrahlen einen Strom elektrisch geladener Teilchen (Elektronen) nach einem im Mittelpunkt der Birne befindlichen Metallring, der positiven Elektrode(Anode), entsendet. I« Heller die Beleuchtung ist, um so stärker ist dieser Strom; er ist im Dunkeln gleich Null, erreicht aber bei größter Helligkeit seinen Höchstwert und nimmt inzwischen— ollen Abstufungen der Beleuchtung«nt- sprechend— alle möglichen Werte an. Diese, lichtempfindliche Organ hat sich nun im Laufe der letzten Jahre für die verschiedenartigsten Zweck« verwenden lassen; e, hat u. a. zum erstenmal die Konstruktion von gebrauchsfertigen Bildtelegraphen und elektrischen Fernsehern möglich gemacht. Wenn die Photozelle in ihrer Wirtungsweise vielfach an ein menschliches Aug« erinnert, so ist sie ihm in einem Punkt sogar überlegen: Das Auge braucht nämlich eine gewisse Zeit, um sich auf einen Wechsel der Beleuchtung einzustellen: das..elektrische Auge" hingegen folgt einer schnell wechselnden Beleuchtung so gut wie momentan, ohne irgend- wie feststellbare Trägheit. Auf einer kürzlichen Zusammenkunft der Amerikanischen Elektrotechnischen Gesellschaft wurden von John V. Breisty. Forschungsingenieur b«i Wefttnghouse, einige inter- essaM« neu- Dienstleistungen dieser so vielfach verwendbaren Bor- richtung demonstriert. Zunächst ließ der Vortragend« ein brennendes Streichholz in emen mit Benzin und Petroleum gefüllt«! Behälter am Redner- pult fallen. Kaum war der Rauch des entstehenden Brandes ficht- bar, als auch schon das photoelektrische Rauchsignal in Tätigkeit trat, ganz automatisch Kohlensäure aus einem Eisenbehälter abgab und damit das Feuer löschte, bevor sich noch die Zuhörer recht des Vor- fall«? bewußt geworden waren. Daß ein derartiges Feuerlösch- oerfahren weit leistungsfähiger ist als die bisher üblichen, auf dem Temperaturanstieg beruhenden, dürste ohne weitere» einleuchten: in erster Reihe empfiehlt es sich durch seine verblüffend schnelle, durchaus oerläßliche Funktionsweise, di« jede auch nur nennens- werte Ausdehnung des Feuers verhindern mußte. kleMMschss Auge eis Zähler und Kontrolleur. Eine weitere Probe seiner Leistungsfähigkeit legte das„elektrische Auge" dann dadurch ab, daß es sämtlich« den Vor- tragssaal betretendenPersonen selb st tätigzählt es und zwar in dem Augenblick, wo sie einen quer vor der Eingangs- tür verlausenden Lichtstrahl passierten. Man braucht« also keinen Knopf zu drücken und auch sonst keinen eigentlichen Kontakt herzu- stellen. Del jedesmaliger Unterbrechung des Lichtstrahls trat die Photozelle In Aktion und löste eine Zählvorrichtung aus. In ähn- licher Weise kann man Photozcllen für eine selbsttätige Ver- kehrsstatistlk benutzen, und zwar z. B. am Eingang zu Ausstellungen, Vergnügungslotale n usw., ferner an zollpflichtigen Brücken und Wagentunnels. Auch zur automatischen Zählung von massenweise fabrizierten Waren („wie zur Feststellung jedes Risies in einem ablausenden Papier- band und zur automatischen Stillsetzung der sonst gefährdeten Maschinen läßt sich das stets wachsame elektrische Auge verwenden. Beim Sortieren und bei der Korctrolle sertiggestellter Waren hatte das menschliche Auge bisher ein« ermüdende, einförmige Tätigkeit zu bewältigen. Hier tritt jetzt dos„elektrische Auge" ein, das bei Tag und bei Nacht, in Hitze und Kälte mit nie erlahmenj)er unfehlbarer Sicherheit und größerer Genauigkeit arbeitet, so daß die früher un- entbehrlichen menschlichen Arbeitskräfte für weniger eintönige Dienst- leiswngen frei werden. Wie dies geschieht, zeigte der Vortragende in eindrucksvoller Form. Er ließ auf die zu prüfende Fläche einen Lichtstrahl fallen, der von dort aus die Photozelle zurückgeworfen wurde. Solange gleich- mäßig beschaffen« Päckchen unter dem streng sondierenden Lichtstrahl vorbeipassierten, ereignete sich nichts; sobald aber irgendwo das Etikett oder sonst etwas fehlte, trat die Photozelle in Aktion, betätigte eine Ausrückoorrichtung und sorgte auf diese Weise für automatische Entfernung der fehlerhaften Ware. In ähnlicher Weise lassen sick z. B. größere in allen Teilen gleichmäßig sein� sollende Flächen kotr trollieren, läßt sich fehlerhaftes Papier ausmerzen und lassen sim Farbtönungen auswählen, die mit bestimmten Anstrichen, farbigeii Fliesen. Geweben usw. harmonieren sollen. Das elektrische Auge ist in solchen Fällen ausnahmslos verläßlicher und auch genauer als das menschlich«. 5ehutz gegen Explosionen. Ein weiterer interessanter Versuch zeigte, wi« sich Gas- und Petrolsumöfen für den Hausbedarf gegen Explo- sionsgefahr wirtsam schützen lassen. Erlischt aus irgendeinem Grunde die Flamm« eines solchen Ofens, so kann bei der sonst üblichen Anordnung der Gas- bzw. Oelstrom nicht sofort zum Stillstand kommen. Die Photozellc hingegen tritt in solchen Fällen momentan in Tätigkeit und verschließt automatisch die Zu- fuhr von Brennstoff, so daß jede Explosionsgefahr wegfällt. Die zur Betätigung einer Photozelle erforderliche Energiemenge ist ganz winzig. Sie beträgt häusig n u r e i n M i l l i o n st e l W a t t, d. h. 75 Millionen mal weniger, als zum Betrieb einer 75-Watt-Lampe nötig ist. In solchen Fällen müssen die von der Photozelle erzeugten Stromstärken natürlich zunächst verstärkt werden, und zwar ganz ebenso wie sonst in der Elektrotechnik, d. h. mit Hilfe der üblichen Verstärkerröhren. Auch als vorzüglicher Diebesschutz läßt sich die Phoiozelle verwenden; man braucht nur die Hand zu nähern, um eine geeignet« Reaktion zu bewirken und eine Alarm- glocke auszulösen. „Teievox", der automatische Diener, hatte gewissermaßen elek- irische Ohren; er nahm lautliche Signale auf und führte auf Grund davon gewisse Handlungen aus. Jetzt bekommt er ein Seitenstück. gewissermaßen einen Bruder, in dem gleichfalls von i»er Westing- house-Gesellschaft erfundenen„Telelux", der, wie sein Name ver- muten läßt, mit seinen„elektrischen Augen" auf Lichtsignale reagiert. Will man mit einem solchen Automaten arbeiten, so braucht man nur ein« kleine Scheinwerferlampe nach Art der Taschenlampen, mit der man auf ein« Photozell«, den sogenannten Linienwählcr. einen oder mehrere Lichtblitze(je nach der gerade auszulösende» Handlung) richtet. Wenn dann das Licht derselben Lampe ein einziges Mal kurz auf die andere Photozelle, der sogenannten „Arbeitszell«" fällt, so schließt„Telelux" sofort den Strom und führt damit den jeweils gewünschten Befehl aus. Trotz dieser vielseitigen Anwendungsformen ist die Technik der Photozclle aber in ihren Anfängen, und man kann für die Zukunft noch weit größere und mannigfaltigere Leistungen erwarten als bisher. Dr. Alfred Grodenwitz. Eersohungserheiten deutscher Ingenieure. „Der indizierte Wirkungsgrad der Gas- Maschine" betttelt sich eine Arbeit in Heft Nr. 316 von Dr.-Ing. H. Schnell.— Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer Kraftmaschine bedient man sich vielfach als Vergleichsmaßstab des fo- genannten Gütegrades(auch indizierter oder thermodynamifcher Wirtungsgrad genannt). Das heißt also das Verhältnis der in- diziertcn zur theoretisch überhaupt mögliche» Leistung. Bei Dampf- kroftmafchinen hat er sich als Maß für die Güte der ausgeführten Maschine sehr gut bewährt und weitgehendste Anwendung gefunden. Bei Berbrennungskrastmaschinen beschränkt man sich meist zur Be- urteilimg ihrer Güte auf die Ermittlung des Brennstoffverbrauchs und des Wärmeverbrauchs pro Pferdekraftstund«. Bei Bestimnnnig der theoretischen Leistung ist es gebräuchlich, vereinfachend« A» nahmen zu machen, die die Berechnungen zwar einfach gestatten, jedoch geschieht dies auf Kosten der Genauigkeit. Vor allem, für den Gasmaschinenfachmann wichtig« Faktoren, wie Kompressiono- Verhältnis, der Brennstosszusammensetzung, des Lustüberschusses, sowie die Gasvorwärmung werden uniberücksichtigt gelassen. In der vorliegenden Arbeit entwickelt der Verfasser eine Theorie zur ge- naüen Berechnung des thermischen Wirkungsgrades unter Berück- sichtigung der genannten Faktoren. An Hand einer großen Zahl der gebräuchlichsten Fälle werden die Wirtungsgrade berechnet und tabellarisch zusammengestellt. Eine wertvolle Arbeit, die dem Fach- mann manche Anregung geben wird.— Im Anschluß an diese Arbeit schreibt Dr.-Ing. E. fieder über:„D e r Einfluß des Wärmeüberganges auf den indizierten Wir- kungsgrad der Gasmaschine." Der Derfasier ermittelt den Wert des thermischen und indizierten Wirkungsgrades unter der Voraussetzung, daß nur ein Verlust durch Wänneübergang an die Zylinderwand austritt und andere Verluste unberücksichtigt läßt. Der Berechnung werden die von Nusselt ausgestellten Formeln für Wärmeübergangszohlm zugrunde gelegt, die zum Schluß mit den angestellten Dersuchsergebnissen eine gut« Bestätigung finden. Es wird festgestellt, da? der Wärmevertust zunimmt mit dem Luftiiber- schuß, mit der Drehzahl und mit der Größe der Maschine. Auch wird gezeigt, daß die endliche Berbrennungszeit der wirklichen Maschine den indizierten Wirkungsgrad herabsetzt. Durch Vergleich mit früheren Versuchen wird gefolgert, daß rund 50 Pro.z. der Wärmeverluste auf Wandwirkung entfallen. Auch dies« Arbeit ist geeignet, dem Praktiker sowohl wie dem Konstrukteur für seine Be- rechnungen wertvolle Fingerzeige zu geben. lag. E. Hoff. ~ Sportund SpielDie letzten Rennen auf der Olympiabahn. Auf der Olympia- Radrennbahn werden morgen zum letzten Male in der Saison Radrennen ausgefahren Unter den sieben engagierten Dauerfahrern wird der Lokalmatador Sawali Mühe haben, die Rundenvorgaben in dem Hundert Kilometer Rennen aufzuholen. Vor allem ist Bréau sehr schnell, er ist ein Stürmer, und wenn er spurtet, muß auch Sawall alles her geben, um ihn zu halten. Benoit ist zwar nicht ganz so schnell, dafür aber zäher. Diese drei Fahrer starten vom Mal, Sawall hinter den Ausländern. Der vierte Fahrer, Leddy, erhält eine Runde Vorgabe. Bon seinem Schrittmacher Ceurremans, der die Plößenseer Bahn gang genau fennt, wird er nur profitieren können, trotzdem will die Runde zurüderobert sein. Mit zwei Runden Vorsprung geht Sausin ins Rennen. Bauer, der gar nicht daran denkt, ab= zudanken, wird auch morgen wieder ein gewichtiges Wort mitzu reden haben. Bei der großen Vorgabe von sechs Runden ist sein reden haben. Bei der großen Borgabe von sechs Runden ist sein Sieg nicht unwahrscheinlich. Christmann ist in dem SiebenerFeld der jüngste. Von seiner Leistung hängt viel für ihn ab, denn sein gutes Abschneiden in Berlin ist mehr wert als ein Sieg in der Provinz bei fleineren Rennen. Der Beginn der Rennen ist auf 15% Uhr festgesetzt. Handball Leipzig gegen Berlin. Die Berliner Arbeiterhandballer müssen morgen zu einem Städtetreffen in Leipzig antreten. Die Treffen der repräsentativen Mannschaften sollen immer die Spielstärke der betreffenden Gebiete zeigen, hoffentlich zeigt auch dieses Spiel die tatsächliche Stärke; denn das Spiel gegen Halle war ein Mißerfolg. Das erste Spiel beider Städtemannschaften, das 1927 in Leipzig stattfand, endete mit einer Niederlage von 9: 0, trog bester Gegenwehr. Beim Rückspiel im gleichen Jahre beim Internationalen Spielfest holte sich die Berliner Mannschaft die Revanche und siegte mit 4: 1. Die Berliner Vertretung, die in vielen Teilen neu aufgebaut ist, hat folgende Zu jammenstellung: Geist( Süden) Graumann( Schöneberg) Megner ( Süden) Hoppe ( Wedding) Ersay: Paschte( Wedding) Bohl( Süden) Drägestein( Wedding) Hoffmann( Wedding) Wenzel( Neukölln) Butter Blosche ( Süden)( Wedding) Engenbad ( Schöneberg) Etwas schwach war beim letzten Probespiel der linte Läufer, er muß in Leipzig etwas mehr aus sich herausgehen. Hoffentlich gestaltet die Berliner Bertretung dieses Spiel zu einem Siege. Die Ringer in der Bockbrauerei. Das erste Zusammentreffen der beiden bisher unbesiegten Teilyehmer am Ringerwettstreit in der Bockbrauerei, Fidicinstraße, Schwarz und Martinoff, hatte ein sehr zahlreiches Publikum herbeigelockt; die beiden gleichstarken Ringer kämpften mit größter Erbitte rung. Der erste Gang wurde ausschließlich im Stand durchgeführt; der bärenstarke Russe war auch im zweiten Gang stats der Aggressivere. Das ganz ungewöhnlich harte Ringen zeitigte, troz größter Anstrengungen, innerhalb von 25 Minuten fein Resultat, ein folgender Entscheidungskampf wird diese beiden Favoriten des Ländermettstreits noch einmal zusammenführen. Renter- Estland behauptete sich diesmal gegen seinen großen Landsmann Jaago fast 7 Minuten lang. Der fabelhaft gewandte Berliner Moebus brillierte im Treffen mit Bierholz in allen Bariationen der Ringfunft, er brachte seinen Gegner oft in härteste Bedrängnis, aus der dieser sich nur mit größter Mühe herauswand. Der schöne Kampf endete mit einem Unentschieden. Der mit großem Elan durchgeführte Entscheidungsfampf Wolfe- Bremen gegen den starken Finnen Peterson endete in der 40. Minute mit dem Sieg des stärkeren Meisters von der Wassertante. Schaffung einer Ringtampfsportbehörde. Der Internatio nale Ringerverband hielt am Freitag in Berlin eine außer= ordentliche Generalversammlung ab, die sehr start besucht war. Als michtigster Punkt stand auf der Tagesordnung die Errichtung einer Obersten Ringtampfsportbehörde, deren Schaffung mit 68 gegen 9. Stimmen beschlossen wurde. Für die Durchführung der gesamten Organisationsarbeiten wurde eine engere Kommission gewählt." Die Japanreisenden in Moskau. Die am Mittwoch von Berlin abgereiste Expedition der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik hat am Freitag Mostau erreicht und traf hier mit Dr. Diem zusammen, der bereits einige Tage zuvor zum Studium der modernen russischen Körpererziehung und der Moskauer Hochschule für Leibesübungen nach der russischen Me tropole gereist war. Der Generalsekretär des Deutschen Reichsaus schuffes für Leibesübungen, der auf Einladung der japanischen Regierung die deutsche Leichtathletikmannschaft nach Tokio begleitet, wurde in Moskau von einem Mitglied der deutschen Botschaft empfangen, anschließend folgte eine Rundfahrt mit der Besichtigung der Sportanlagen und des Kreml. Sodann leistete Dr. Diem einer Einladung beim deutschen Botschafter Folge, der dem deutschen Sportführer ein Essen gab, bei dem auch die russi Ichen Sportführer zugegen waren. So meldet man per Draht aus Moskau, damit der bürgerlichen Sportöffentlichkeit nichts von der großen Berbrüderungsaktion der einzig flaffenbewußten Mostauer Arbeitersportführer mit den deut schen Faschistensportlern( die Bezeichnungen entlehnten wir der Roten Fahne". Red.) verloren geht. Herbstregatta des D.W.V. Morgen Sonntag, veranstaltet der republikanische Deutsche Wassersport Berbanb seine diesjährige Wassersport- Berband Herbstre gatta am Sportrestaurant Sadowa. Die Kanu- und Ruderrennen, die um 13,30 Uhr beginnen, haben ihr Ziel beim genannten Restaurant. Es werden insgesamt 18 Rennen ausgefahren, zu tenen 15 Vereine mit etwa 70 Booten gemeldet haben. Gäste sind zu der Beranstaltung herzlichst willkommen. Was ist mit Nurmi? Die Rekordsucht rächt sich. Nach langem Verschollensein ist der ,, schweigsame Finne" Paavo Nurmi, ehemals der Kassenmagnet und vielgepriesenste Mann des bürgerlichen Sports, wieder aufgetaucht, nachdem es schon mehrere Male von ihm verlautete, daß er die Rennschuhe endlich ausgezogen habe. In Polen ist er gestartet und mußte nach langer Beit zum erstenmal eine Niederlage hinnehmen. Daß er aber immer noch Großes zu leisten imstande ist, bewies seine Revanche am Tage darauf. Die bürgerliche Sportwelt aber zeigt heute teine Ergriffenheit mehr, wenn ein Nurmi, ihr Nurmi, einen Sieg in Arbeitersportkartell Berlin! Die Sportgenoffen freten morgen Sonntag, um 14 Uhr, in Sportkleidung zum Feftzug der SAJ. am Leopoldplatz, Nazarethfirchstraße( Spitze zur Müllerstraße) an. Umkleidegelegenheit ist in der Barackenschule am Leopoldplatz. Die Teilnehmer an den Vormittagsveranstaltungen können an der Maffenspeisung, die im Anschluß an die Feier im Mercedes- Palast beginnt, feilnehmen. Napf und Löffel sind mitzubringen. Nach der Schlußkundgebung nehmen die Arbeitersportler in der Edinburgstraße, Spike Barfußstraße, Aufstellung zum Fadelzug. Seid pünktlich, übt Disziplin, am Sonntag ist Losung: Sonntag ist Cofung: Schillerpart! J. 2.: F. Barthelmann. einer Zeit läuft, die kaum ein anderer schaffen kann. Nicht einmal seine glühendsten Anhänger von gestern werden aus der Ruhe fommen, wenn sie vernehmen, daß Paavo Nurmi 5000 Meter in 14:58 gelaufen ist. An diesem Beispiel zeigt sich der bürgerliche Sport in seiner wahren Gestalt. Das Leben eines Sportmannes bedeutet für fie wirklich nicht mehr als eine schnell gezeichnete Kurve: es steigt an und fällt. Der ansteigende Teil ist in verschwenderisches Licht getaucht, der absteigende liegt in tiefem Schatten. 3ynisch und kalt schreibt über den heutigen Nurmi eine füddeutsche Sportzeitung:„ Wer einmal mit seinen Leistungen auf einsamer Höhe war, der muß es sich gefallen lassen, daß man sich von ihm abwendet, wenn er einmal nur achtbare Resultate erzielt." Man kann im Grunde all die Sportler nicht bedauern, denen es heute so geht; bei der Mentalität einer sensationsgierig gemachten Masse konnten sie nichts anderes erwarten. Sie bekommen restlos den Fluch auszukosten, der von jeder Sensationsleistung, von jedem Weltrekord ausgeht. Sobald der erste Eindruck verwischt ist, gibt es für den Könner nur eine Möglichkeit, seine Anhänger in Begeisterung zu bringen, nämlich eine Steigerung seines Könnens. Stillstand wird von der undankbaren Masse mit Unpopularität quittiert. Die Glorie ist vorbei, sobald man einem Athleten nicht mehr zutraut, daß er alle seine früheren Leistungen noch einmal in den Schatten stellt. Dieselbe eben erwähnte Zeitung scheut sich nicht, auszusprechen: ,, Was heute Nurmi widerfährt, ist nicht etwa gemeine Undankbarkeit oder schnöde Vergeßlichkeit, es ist auch nicht etwa Unsportlichkeit der Wasse, nein, es ist einfach eine kleine Ungerechtigkeit des Schicksals. Vielleicht ist es auch nur ein gerechter Ausgleich, daß der Sportsmann, dem alle Herzen entgegen schlugen, schließlich auch die Kälte spürt." In Wahrheit liegt es doch daran, daß die falsche Psychologie der Anhängermassen, entstanden durch systematische Erziehung zum Rekordsport, den Mann abschiebt, denn der Mohr hat ja seine Schuldigkeit getan. Man glaubt die Rechnung beglichen. Werfährt mit? Faturen for Haloof candl Die nächsten Wochenendfahrten. Die nächste Wochenendfahrt des Touristenvereins„ Die Natur freunde" Reisebureau findet Sonntag, 29. September, nach Frankfurt an der Oder statt. Die Teilnehmer werden Sonntag früh vom Bahnhof Frankfurt mit dem Autobus eine Rundfahrt durch Frankfurt machen und werden dabei das Stadion der Ostmart, die Siedlungen der Reichsbahn, der Gewoba, die neue Schule, das alte Rathaus besichtigen. Am Nachmittag wird die Teilnehmer ein Spaziergang nach Buschmühle und zur Steilen Band an der Oder bringen. Am 5. und 6. Oftober geht eine Wochenendfahrt nach Tangermünde. Besichtigung der Stadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten, anschließend findet ein Besuch der Stadt Stendal statt. Teilnehmerfarten in der Geschäfts, stelle des Vereins, N. 24, Johannisstr. 15, täglich, außer Sonnabends, 17-20 Uhr; ferner bei Ginn, Stettiner Str. 30, Meckelberg, Treptow, Graegstr. 50, Walter, Neukölln, Siegfriedſtr. 55, Schmidt, Rantestr. 30, Thomas, Luxemburger Str. 1. Gäste herzlich willkommen. Das Jugendtreffen in Strausberg. Zu dem Jugendtreffen des 1. Bezirts im 1. Kreis des Arbeiter- Turn- und Sportbundes, das gemeinschaftlich mit der Jugendveranstaltung der Freien Turnerschaft Groß- Berlin am 21. und 22. September in Strausberg stattfindet, soll nicht, wie irrtümlich gemeldet, der Zug um 16.42 Uhr benutzt werden, sondern der zwei Stunden später, also um 18.42 Uhr von Raulsdorf abgehende. Nach der Ankunft in Strausberg erfolgt die Weiterfahrt mit der Straßenbahn in die Stadt, wobei der Jugendfahrschein von der Reichsbahn zur ermäßigten Straßenbahnfahrt benutzt wer den kann. Abends findet ein Fadelzug mit Abschlußfundgebung auf dem Lindenplatz statt. Für das Nachtquartier find Decken mitzubringen. Teilnehmergebühren für Jugendliche 15 Pfennig, für Erwachsene, die herzlich eingeladen sind, 25 Pfennig. Kein Jugendlicher darf die Veranstaltung verfäumen. Fahnen, Transparente und Wimpel sind mitzubringen. fauf aller Teilnehmer nach dem Pestalozziplay; 9.45 Uhr: StraßenProgramm: 7 Uhr: Beden der Spielleute; 9 Uhr: Stillauf: 11 Uhr: Fuß- und Handballspiele; 14 Uhr: Festzug; 15 Uhr: Sportliches. Karows 1. Fußballmannschaft sucht für morgen, Sonntag, auf eigenem Platz Gegner zum Freundschaftsspiel, da Weißensee das angesetzte Verbandsspiel absagte. Telephon ab 20 Uhr Buch 8248. Bundestreue Vereine teilen mit: FEEB., Bezirk Tempelhof- Mariendorf. Der Gymnastikabend für Frauen unter Leitung der Genoffin Pohlemann findet Montag, 16. September, im Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffelstraße, von 20 bis 22 Uhr, ftatt. Montag legter Epielplazbetrieb. Bezirk Lantwik. Bir turnen Montag und Donnerstag in der Eendligstraße von 20 bis 22 Uhr. Bezirk Neukölln. Das Sallengebäude in der Lessingstraße( am Mittelweg) steht zum Hallenturnen wie folgt zur Verfügung: Montag und Mittwoch von 20 bis 22 Uhr, Jugend, obere Salle. Dienstag und Freitag von 20 bis 22 Uhr, Frauen bzw. Jungmädchen in der oberen, Sport- bzw. Männer- Abteilung in der unteren Halle, Die Alters- Abteilung übt Donnerstags von 20 bis 22 Uhr in der oberen Halle. Die Kinder- Abteilungen turnen Dienstag und Freitag von 18 bis 20 Uhr in beiden Hallen. Die Kleinkinder am Mittwoch nur oben. Die Musterklasse ist auf Mittwoch, und zwar in die Räthe- Rollwig- Echule am Richardplak verlegt. Uebungszeiten 18-22 Uhr. In der Turnhalle Chauffeeftr. 137 in Bris Die Tennisitben Montag die Frauen, Tonnerstag Männer, vorher Kinder. Abteilung trainiert jeden Montag und Mittwoch von 18 bis 22 Uhr in der Halle Mariendorfer Weg. Nähere Auskünfte auch über Handball, Hoden und Tennis erteilt Paul Schulze, Stuttgarter Str. 18. IIL Die Kartell für Arbeitersport und Körperpflege, 13. Bezirk Tempelhof. angeschlossenen Vereine werden ersucht, sich heute, Sonnabend, 19% Uhr, in der Schule Kaiserin- Augusta- Straße an der Filmvorstellung der SAJ. beteiligen. Freier Körperkulturkreis Kreuzberg. Morgen, Sonntag. Abreißen der Zelte auf dem Gelände. Ab Montag, 16. September, jeden Montag von 20% bis 22 Uhr, Nadtbadeabend. Zutritt nur für Mitglieder mit Lichtbildausweis. Ruderverein Vorwärts.. Mitgliederversammlung Donnerstag, 19. Eeptember. Bolkstanzkreis Prenzlauer Berg. Der Kreis trifft sich Eonntag, 144 Uhr, Spielwiese aur Demonstration ant Leopoldplay. Danach auf der 16 Uhr Boltstanz. Ab 19 Uhr tanzen wir im Altersheim Danziger Str. 62, wozu wir Freunde und Gäste herzlich einladen. Autofahren ist gefährlich! Vom wilden" Fahrer. 00 Bir bringen hier den Schluß unserer Artikelferie:| die Verminderung der Geschwindigkeit fordern, existieren für ihn " Führerschein oder nicht Autofahren ist nicht; schlimmstenfalls fann er sich auf seine Fahrkunst und seine gefährlich." Ein Autofachmann äußert sich zu diesen Bremsen„ verlassen". Bei durch ihn herbeigeführten Unfällen wichtigen Fragen. schimpt er am lautesten, glaubt entweder selbst an seine völlige Schuldlosigkeit oder versucht durch seine Schimpferei die anderen einzuschüchtern. Der erfahrene Chauffeur und der seriöse Herrenfahrer wissen, daß wernünftiges, diszipliniertes Fahren am ehesten vor Pannen und auch vor Unglücksfällen schützt. Eine besondere Kategorie der„ wilden" Fahrer bilden manche Neben den auf die Straßenverhältnisse zurückzuführenden Gefahrenquellen, zu denen man auch die Schlaglöcher zerfahrener Chauffeen rechnen muß, fommen die zufällig auftreten den Hindernisse. Plötzlich scheuende Pferde oder vor das Kraftfahrzeuge springende Hunde, in gleicher Richtung auf der Mitte der Landstraße fahrende Fahrzeuge, auf der falschen Seite entgegenkommende, nachts unbeleuchtete Fuhrwerke find leider allzu häufig Beranlassung zu Zusammenstößen oder Unfällen. Dazu tommen noch die durch unachtsame Passanten und rücksichtslos darauflosfahrende Radfahrer verursachten Unglücksfälle. Wie oft freuzen Bassanten gerade im ungeeignetsten Augenblick die Straßen, wie oft zwängen sich Radfahrer, noch dazu bei schlüpfriger Straße, durch Automobilkolonnen! Der zunelymende Automobilverkehr, für den bald unsere breitesten Straßen in den Städten zu eng fein werden, erfordert, daß sich alle anderen auf der Straße bewegenden Fuhrwerke und Personen auf den Schnellverfehr einstellen. Man wundert sich oft über die Harmlosigkeit, mit der sich Leute und Fuhrwerte auf den Berkehrsstraßen bewegen. Sie sind sich der Gefahren scheinbar gar nicht bewußt und verlassen sich ganz auf die Geschicklichkeit des am Steuer sigenden Fahrers. Ueberhaupt bedeuten die rücksichtslosen, die sogenannten„ wilden" Fahrer, zu denen neben den„ wilden" Radfahrern und Fahrern von Pferdefuhrwerfen und Handwagen auch gewisse Automobilisten und Motorradfahrer ges hören, große Gefahrenquellen. Der„ wilde" Motorfahrer hat es immer eilig, sehr eilig. Ihm geht es darum, in möglichst furzer Zeit eine Strede Tempo nur um ein geringes in den Kurven und schneidet sie sehr zu überwinden, auch wenn er Zeit genug hat. Er mäßigt sein scharf; jedes vor ihm liegende Fahrzeug ist ein Gegner, der unbedingt niedergerungen werden muß. oft geht der Kampf kilometerweit, bis der Sieg" erfochten ist oder der Klügere den Wahnfinn aufgibt. Ich will doch nicht in der Staubwolfe des anderen fahren, das ist die Ausrede, die alles entschuldigen soll, wobei aber nicht daran gedacht wird, daß der lleberholende ja nun selbst wieder zum niederzuringenden Stauberzeuger wird. Nicht schnell genug ausbiegende und rechts herausfahrende Fahrer werden von ihm mit den schmeichelhaftesten Ausdrücken belegt. Er drängelt gern und ist der Raubritter der Landstraße, der seinen Tribut verlangt und auf nichts Rücksicht nimmt. Warnungstafeln und Schilder, Fuhrleute, die sich durch kein Signal aus der Ruhe bringen laffen, mitten auf der Chaussee, ja sogar auf der linken Seite, entlanggondeln und das endlich erzwungene Plazmachen mit wüsten Schimpfereien verbinden. Daß Fahrzeuge aller Art sich vorzugs weise unübersichtliche Kurven zum Barten aussuchen, ist eine ebenso oft zu bemertende Tatsache wie das übermäßig schnelle Heraus fahren aus Seitenwegen, das Richtabblenden der Scheinwerfer, das Fahren ohne Licht und das Aufstellen unbeleuchteter Fahrzeuge auf dem Wege, Lagern von Steinen und Holz und ähnlichen gefahrbringenden Dingen. Alle diese„ wilden" Leute mit ihren schlechten Gewohnheiten, ihrem Mangel an Disziplin und Anstand, ihrer Rücksichtslosigkeit sind die Schrecken der Chaussee. Zwar bemühen sich Automobil, Motorrad. und Radfahrerverbände, aufklärend und erzieherisch zu wirken, haben aber selbst nicht einmal bei all ihren Mitgliedern Erfolg, wieviel weniger bei all denen, die außerhalb derartiger Organisationen stehen. Es sollten daher Sondermaßnahmen getroffen werden, um stärker auf die Desperados der Landstraße einzuwirken und um Schädlinge unmöglich zu machen. Weit ent fernt davon, etwa neue Autofallen schaffen, oder den Landjäger zum Gutachter bestimmen zu wollen, möchte ich dennoch eine be ist, wirksam zu sein: hördliche Regelung in Borschlag bringen, die vielleicht in der Lage Ueberwachung des Verkehrs auf den Chauffeen durch eine Landstraßenpolizei, die ihren Dienst auf Motorrädern ausübt, und die rüdsichistos gegen alle Außenseiter einschreitet, möglichst wie in Amerife unter sofortiger Einziehung der Strafen. Obgleich das fast nach Verkehrsfeindlichkeit aussieht, ist kaum etwas anderes vorzuschlagen. Ohne Straßendisziplin und ohne vernünftige Fahrweise ist alle Ber fehrsentwicklung ein zweischneidiges Schwert, das zum Schluß alle Freunde der Verkehrsentwicklung selber schlägt, weil es in der Hand von Rohlingen geschwungen wird. Artur Vieregg.