BERLIN Montag 16. September 1929 10 Pf. Nr. 434 B 216 46. Jahrgang. erscheint täglich aater Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 8SPf. pro Woche, s,eoM. pro Monat. Redaktion und Erpedition; Berlin SWöS.LindenSr.» »VfYtOtLffa l llzeiginpret«: Die einspaltige Nonpareillezeil« so Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. »ftscheckkoatoi Vorwärts-'Verlag G. m. d. H.. Berlin Nr.S7&36, Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Geständnisse um die Bomben. Neue Verhaftungen- Einige Verhaftete freigelassen. Altona» IS. September. Ueber die Untersuchung der Bombenattentate verlautet, daß einer der Verhastete« in der letzte« Nacht ei« Geständnis ablegte, das den B o m« Vena» schlag in Niebüll betraf. Damit wäre« nur noch die beide» Anschläge in Lüneburg und am Reichstagsgebäude in Berlin' zu klären. Die Uebcrführung der in Hast genommenen Personen aus dem Polizeigewahrsam in Altona in das Altonaer Unter» suchungsgefätrgnis kann nicht vor morgen erfolge«. Altona. 16. September. Bit da« Polizeipräsidium mitteilt, wurden im Lause de» Sonn- lag« der Landwirt Franz Luhmann aus Clues bei Binsen an der Luhe und der Diplonlandwirt Rittmeister a. V. Balter Dohm aus Altona festgenommen. Wie die Telegrophen-Union weiter erfährt, finden am heutigen Montag im Justizministerium Besprechungen darüber statt, wohin die in der Bombenassäre Verhafteten und sich in Altona befind» lichen 23 Personen gebracht werden sollen. Man nimmt an, daß sie möglicherweise nach einer Zentrale, höchstwahrscheinlich nach Berlin, geschafft werden. Die meisten Anschläge aufgeklärt! Altona, 16. September.(Eigenbericht.) Das Preußische Landeskriminalpolizeiamt teilt mit: Die vom Preußischen Landeskriminalzolizeiamt unter Leitung des Kriminal. polizeirots Weitzel im engen Einvernehmen mit den zuständigen Polizeibehörden in Altona, Berlin, Flensburg, Hamburg, Hannover, Harburg. Wilhelmsburg, Kiel, Lüneburg und Schleswig durch. gesührten umfassenden polizeilichen Ermittlungen sind nach eingehender Prüfung des umfangreichen Schriftmaterials und de.r zahlreichen Zeugenaussagen bis zu einem gewissen Ab» schluß gelangt. Di« Feststellungen haben ergeben, daß die ver. schiedenen vombenattentote. von denen die meisten schon seht restto» imf. geklärt werden konnten. auf eine einheitliche politische Bewegung rechts» radikaler oktivistischcr Kreise zurückzuführen sind. Als Mittel» punkt dieser Bewegung ist allein Anschein nach die Reichshauptstadt anzusehen. Er wird jetzt die Abgabe der in Berlin und Altona ent» standenen polizeilichen Ermittlungsvorgänge an die Organe der Justiz in die Weg« geleitet. Von den in Berlin festgenommenen elf Personen werden im Laufe' des Montag vormittag sieben Personen den zuständigen Richtern zugeführt werden und zwar Ernst v. Salomon, Hortmut Plaaß, Ernst Timm, Herbert Miltelsdorf, Kurt Roß» t e u t s ch« r, Heinrich B a u d e r und Willy W i l s k I. Die übrigen vier Personen: Georg Kruschki, Laß, Dr. Salinger und Hans Gert Techow wurden Im Laufe des Sonni�g entlassen, da das zurzeit�vorliegende Material zu ihrer Ueberführung nlcht aus» reicht. Bon den in Altona in polizeilichem Gewahrsam befind» lichen 24 Personen erscheinen 23 Personen so stark belastet, daß gegen sie von der Polizei richterlicher Haftbefehl erwirkt werden wird. Zu diesen 23 Personen gehören u. a. folgend« leitende Persönlichkeiten der Landvolkbewegung: der Landwirt K l a u s H e i n aus St. Annen. Oesterfeld, Anstifter und Leiter von Sprengstoff. anschlagen, und Hofbesitzer Wilhelm Hamkens- Teten. büll. serner die Angestellten der Zeitung„Das Landvolk' Mittel, Kühl. Bruno v. Salomon, John Johnson, Weschke und Mutmann. Schließlich noch die Landwirt« Schade (K a t h« n) und M a t t h e s(beide auf Grund des Geständnisses von Weschke) und Bick junior— Rönne. Johnsons Zigarrenkiste Itzehoe, 16. Geptember. Zu dem Geständnis des verhaften Johnson über da, Attentat auf das Landratsamt in Itzehoe wird von nichtamtlicher Seite bekannt, daß der Geschäftsführer der Zeitung „Das Landvolk", Johnson. dieBombevonRickelserhalten und auf die Redaktion der Zeitung gebracht hat. Er ist dann mit dem Redakteur Bruno oonSalomonzur„Stumpfen (Siehe auch 2. Seite.) Wlaffenaufmarfch der SoaiaJiflifchen Jlrbeiferjugmid sur 25 SahrSeier ihrer Organitation, Verteidigung der Saager Abmachung. Offensive der französischen Regierung. Paris, 16. September. Innenminister T a r d i e u oerteidigle in einer Rede zu Delle bei Belfort die Haager Regierungspolitik gegen die Defaitisten des Friedens. Er sagte: Ich spreche nicht nur von den Defm» tisten au» Profession, die auf der äußersten Linken und aus der äußersten Rechten unter der Maske einer falschen Demokratie oder eines falschen Patnottsmus bewußt ihre Zerstörungsarbeit zum Nutzen der Konkurrenten Frankreichs fortsetzen. Ich spreche auch von den Millionen braver Leute, die. ohne zu wissen warum, den ersteren in die Hände�orbeiten. Sie erklären meist, daß uns nichts vom Siege übrig bleibe: die Augen auf diejenigen Frie- denstlauseln gerichtet, die aus Grund des Vertrags nur p r o v i s o- r i s ch e.n Charakter hatten, find sie verzweifelt darüber, diese Klauseln-nicht definitiv gestalten zu können. Sie haben aber nicht einen einzigen Gedanken für die Klauseln, die in voller Stärke fortbestehen und politisch und wirtschaftlich unsere gegenwär- tige und zukünftige Macht begründen. Tordieu zieht dann Bilanz des Sieges für Frankreich: die luygsfreihett..... unsere Politik wiedergewonnen: Elsaß und Lothringen in den die Unabhängigkeit Frankreichs wiederhergestellt; die Hand- sfreiheit nach anderthalb verhängnisvollen Jahrhunderten für Feuer im„Deutschen Dom". Die Feuerwehr wurde heute mittag nach dem Gen» darmenmarkt gerufen, wo im sogenannten Deutschen Dom Feuer ausgebrochen war.» Auf dritten Alarm eilten vier Löschzüge an die Brandstelle. Da uns die Nachricht bei Redaktionsschluß erreicht, war über den Umsaug des Brandes Näheres«och nicht zu erfahren. Schoß der französischen Familie zurückgeführt; Zertrümmerung des Verskiavungsinstmments, das sich Dreibund nannte; an unserer Seite auf unserem befreiten Kontinent Belgien, die Tschechoslowakei, Rumänien, Serbien, Griechenland: das linke Rheinufer und 50 Kilometer des rechten Rheinufers für das Heer unserer Nachbarn gesperrt; unser nordafrikanischer Besitz von der deutschen Hypothek auf Marokko befreit; unser Kolonialreich mit Syrien, Kamerun und Togo um 800 000 Quadratkilometer, 16 Millionen Einwohner und einer halben Milliarde Handelsver. kehr vermehrt. All das zählt nicht für diejenigen, die bensismäßig die Nation entmutigen und für ihre leichtgläubigen Anhänger. Vergessen sind auch die wirtschaftlichen Mittel, die der Sieg uns eingetragen hat und die wir in der Hand halten: Frank- reich befreit von dem Joch, das ihm die Klausel des Frankfurter Bcrtrages von 1871 auf den Nacken legte, auf Grund dessen Deutschland an allen von uns erzielien Zallerinäßigungen teil- nahm, unsere Landwirtschast dank äfcr elsässischen Kaligruben in der Lage zu exportieren, unsere Produktion an Gußeisen und Stahl verdoppelt, Wolle und Baumwolle um«in Drittel erhöht, unsere Bersorgung mit Brennstoffen durch die Petroleumquellen von Mesopotamien gesichert, unsere Handelsflotte im Vergleich mit der Vorkriegszeit mehr als verdoppelt, unsere industrielle Aus- stattung verzehnfacht. Don oll dem spricht aber niemand. Mar» zieht vor, wie ein Papagei zu wiederholen, daß der Sieg sich in Rauch verflüchtigt habe. Tardieu macht dann der durch den Parteitlüngel begünstigten innerpolitischen Zersetzung und Verhetzung den Prozeß. Er bemän- gelt vor allem, daß man zu sehr doktrinär«ingestellt sei, was sich in der Vergangenheit übel ausgewirkt habe. Biel- leicht i werde auch bei WiederzusammentriU des Parlaments ein Ansturm von rechts und links gegen eine Regierung einsetzen, deren einziges Unrecht sei, im Haag das getan zu haben, womit drei Wochen vorher die Mehrheit des Parlaments sie ausdrücklich beauftragt habe. Tardieu forderte daher«ine Reinigung der Atmosphäre und eine Sammlung der ungebrochenen Kräfte. Unser Land, so schloß er, Ist an der Arbelt, und seit zehn Jahren hat es viel hervorgebracht. Wecken wir die alten Tugenden des gesunden Venkens, des ehrlichen Glau- den, und der guten Laune, die zum republikanischen Erbe gehören und UNS unser wahres Gesicht wiedergeben werden. Trotz der Fehler, die man hat begehen können, hat unser« Politik der Kon- tinuität nicht ermangelt, und ihre Ergebnisse sind gut. Trotz unserer Lasten sind unsere Möglichkeiten gewaltig. Es handelt sich darum, weder die Siege Frankreichs noch die der Republik zu unterschätzen und freudig auf dem Wege unseres Schicksals vorwärts zu schreiten. Die Bomben-Attentate. (Fortsetzung von der 1. Seite.) Ecke" gegangen. Dabei nahm er eine Zigarrenkiste mit, die genau so wie die Bombenkiste aussah. Diese angebliche Bombenkiste enthielt Agitationsmaterial. Er ließ sie in der„Stumpfen Ecke" stehen mit dem Bemerken, er wolle sie am nächsten Tage wieder abholen. Damit wollte er den B e r- dacht von sich ablenken, falls«r mit der Kiste gesehen würde. Dann ging er zur Redaktion zurück und holte die richtige Bombe, die er dann vor dem Landratsamt niederlegte. Von dort begab er sich in ein Kabarett bis kurz vor zwei ilhr. Dann nahm er sich ein Auto, um nach Hause zu fahren. Als er bei dem Auw stand, ertönte der Knall. Die Kreiskommunaloerwaltung hat beschlossen, unverzüglich a u f zivilrechtlichem Wege die Zeitung„Das Landvolk" auf Schadenersatz in Höh« von 10 000 Mark zu verklagen. Nickels erklärte u. o. bei seiner Vernehmung, daß er berechtigt gewesen sei. monatlich 1000 Mark von den einkassierten Geldern für sich zu be- halten. Munition im V-Bahnwagen. Ein Fund am Bahnhof Spittelmarki. Zu der Nacht zum Sonnlag wurde beim Reinigen eines U-Vohnzuges auf der Station Spiltelmarkl eine Kiste gefunden, in der sich mehrere hundert Schuß Munition und Schießpulver befanden. Die Kiste enthielt 388 Schuß Jnsanteriemunition in Ladestreifen, 2 2 Platzpatronen. 48 Nickelmantelgeschosse ohne Hülse, 97 kleine Zündhütchen: außerdem befanden sich in einer Blechbüchse etwa 299 Gramm Schwarzpulver. Der„vergeßliche" Fahrgast scheint alle Ursache gehabt zu haben, sein„Gepäck" im U-Bahnwagen stehen zu lassen. Die Politische Polizei, der der Fund übergeben wurde, hat die weiteren Ermittlungen aufgenommen. Unannehmbares Kompromiß. Aufhäuser über das Zriedensziel im Reichsrat. In einer parteigenössischcn Korrespondenz veröffentlicht Ge- nosse A u f h ä u s e r einen Artikel über den gegenwärtigen Stand der Arbeitslosenfrage. Aufhäuser erinnert daran, daß der Soziale Ausschuß des Reichs- rats vor zwei Wochen eine brutale Unterstützungskürzung beschlossen hat, und er erklärt die Haltung Preußens aus der Absicht,«ine „weniger radikale Einschränkung" zur Basis der Verhandlungen zu machen. Dann fährt er fort:„An diesen Zwischenberotungen war auch das R« i ch s k a b i n e t t beteiligt. Wäre die Teilnahme der Reichsminister eine beratend« gewesen, so könnte sie unbedenk- lich sein. Sollte indes die kombinierte Kabinettssitzung von Preußen und Reich für die Reichsminister eine Bindung dahin bringen, daß sie die etwaigen Beschlüsse des Reichsrats ohne eigene Gesetzesoorlage, also unverändert, an den Reichstag weitergeben müßten, so wäre damit allerdings eine neu« politische Situation geschaffen, durch welche die ohnehin schwierig« Position der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion auf keinen Fall erleichtert wird." Aufhäuser erklärt die neuen Vorschläge für unannehmbar und fährt dann sort: „Für eine vernünftig« finanzielle Begleichung der Arbeitslosen- Versicherung hat die Sozialdemokratie wiederholt Berechnungen und Vorschläge unterbreitet, die sowohl für die Allgemeinheit der Arbeit- nehmerschaft, als auch für die Saisonarbeiter sozial vertretbar sind. Sie hat darum auch immer wieder in mehrfachen Kundgebungen der Vorstände von Partei, Fraktion und Gewerkschaftsbund die Grenzen aufgezeichnet, die innegehalten werden müssen, soll die Sozialdemokratie eine Mitverantwortung für das neue Gesetz über- nehmen. Bei den beharrlichen Versuchen, die Sozialdemokratie von ihrem Widerstand gegen den allgemeinen Leistungsabbau abzu- bringen, find gewisse politische Absichten unverkennbar. Das Gesetz ist 1927 von einer bürgerlichen Reichsregieruna�geschaffen worden. Sein grundsätzlicher Abbau soll einer Regierutsjfskoalition zugemutet werden, in der die Sozialdemokratie führens beteiligt ist. Die Sozialdemokratie soll bei ihren eigenen An- hängern in Mißkredit gebracht werden. Das darf und wird nicht gelingen! Die neuen Kompromißoorschläge, wie sie aus dem Reichsrat kommen, erinnern an eine Art von Friedensvermittlung, die uns aus dem Weltkrieg in Erinnerung ist. Es ging dort im Anfang nur um materielle Ziele, während später politisch« Gesichtspunkre für die Entscheidungen über Krieg und Frieden maßgebend wurden. Auch der Krieg um die Arbeitslosenversicherung hat mit angeblich finanziellen Erwägungen begonnen, die durch die Abschaffung von Mißständen erreicht werden sollten. Jetzt dagegen wird die p o l i» tische Belastung der sozialdemokratischen Mini st er und damit der Partei als das Ziel unserer Gegner immer sichl- barer. Die Friedensoorschläge des Reichsrats' kämen einer Kapitulation der Sozialdemokratie gleich. Opfer dieses politischen Kampfes gegen die aufstrebende Sozialdemokratie aber wären die Arbeitslosen. Mögen die Zwischenverhandlungen unter den Ländern unter Hinzuziehung des Reichskabinetts für die Ent- scheidung des Reichsrats in sich von taktischer Bedeutung gewesen sein. Für den Kampf der Reichstagsparteien können sie in jedem Fall nur ein Zwischenspiel darstellen. Wenn die sozialdemokratischen Mini st er in den Kabinetten für die Zeit der Reichsratsentscheidungen Zwischen» stellungen zur Abwehr von Angriffen bezogen haben, mögen sie ihre Gründe gehabt haben. Die Gesamlfront der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion steht u n- verrückbar. Das wird die bevorstehende Fraktionsfitzung allen denen bestätigen, die für ihr« parteipolitischen Zwecke einen Rück- zug der Sozialdemokratie so nötig brauchen könnten. Di« Fraktions- sitzung wird auch zeigen, daß wir bereit sind, zum gegebenen Zeit- punkt vom Stellungskrieg zum Bewegungstampf über- zugehen." Was der �Vutab" sagt. Gegen Verschlechterung der Erwerbstosenversicherung. Der vorstand de» Bunde» der technischen Angestellten und Beamten befaßte sich am Sonntag mit den Vorschlägen de» Sach- verständigenausschusse» zu dem Problem der Arbeitslosenversicherung und den Beschlüssen de» Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags. Er hieß die Vorschläge und Beschlüsse, unbeschadet der Notwendigkeit gewisser Verbesserungen Insoweit gut. als sie die Beseitigung wirk- licher Mißbräuch« und die Verbesserung de» Verfahrens bezwecken. Insbesondere wurde die Einbeziehung der leitenden Angestellten begrüßt. Auch könne unter Berücksichtigung der schwierigen Finanz- läge der Reichsanstalt einer befristeten Erhöhung der Beiträge um H proz. zugestimmt werden. Dagegen sei sowohl eine Verlängerung der Wartezeit als auch eioe Herabsehung der Leistungen bei weniger al» SZwöchiger Beitragszahlung aus das entschiedenste zu verwerfen. Oer Fluch auf Hindenburg. Goebbels verachtet ihn. Die Kundgebung, in der der Reichspräsident sein« Be- friedigung über das Ergebnis vom Haag ausspricht, ist für die Volts- begehrler ein Schlag ins Kontor. Dafür nimmt in seinem„Angriff" der Nationalsozialist Dr. Goebbels Rache, indem er erklärt, Stresemann habe durch Hindenburgs Mund sich s e l b st den Dank ausgesprochen. Curtius, dieser„g e r i s s e n e 3 u n g e", habe dem betagten Retter diese Erklärung mit ihren„unglaublich leichtfertigen Sätzen" abgeluchst. Aber so fährt der Statt- Halter Adolf Hitlers fort: Wir find erbarmungslos und werden in unserem Kampf gegen die Versklavung des deutschen Volkes auch vor der Autorität des Generatfeldmarschall» nicht halt machen, wenn er sich als Präsident dieser Republik zum Bopanz der schwarzrotgelben ver- röterpolitik degradieren läßt. Es geht nicht um Hindenburg, es geht um Deutschlands Zu- kunft und um das Schicksal von drei Generationen. Die werden dem Retter wenig Dank wissen für Kundgebungen, die heute noch den Beifall des Pöbels, aber morgen den Fluch und die Verachtung einer erwachenden Nation finden werden. Die national« Bewegung für dos Volksbegehren beginnt also mit einr munteren Hetze gegen den Reichspräsidenten von Hinden- bürg._ Hugenberg gegen Hindenburg. „Subjektive Gesichtspunkte".—„Landesverrat" und Reichspräsident. Dortmund. 16. September. Auf einer Tagung der Christlichnationalen Bauern- und Land- volkpartei in Dortmund sprach am gestrigen Sonntag nachmittag Landrat a. D. Dr. Gereke, der bekanntlich der engeren Partelleitung der Landvolkpartei angehört, über die Stellung der Landvolkpartei zum Poung-Plan und dem Volksbegehren. Gegen den Gesetzentwurf für das Volksbegehren bracht« der Redner schwer- wiegende Bedenken vor. Es sei bekannt, daß das Präsidium des Reichslandbundes, wie auch die beiden Abgeordneten der Landvolk- parte!, die dem Vorstand des Reichsausschusses persönlich angehören, dem 8 4 des Gesetzentwurfes ihr« Z u st i m m u n g nicht ge- geben hätten. Gegen diesen Paragraphen bestünden in der Tal ganz besondere Bedenken. Man müsse sich vorstellen, daß aus Grund dieses Paragraphen auch der Reichspräsident v. H i n de n b u r g als der oberste„Bevollmächtigte" des Deutschen Reiches dem Landesverratsparagraphen unter- stellt werden könnte! Die Verö-ffentlichung des Gesetz- entwurfs für das Volksbegehren in der vorliegenden Form ohne Zustimmung jener Kreise des Landvolks, die für seine Durchführung unerläßlich seien, könne auch die Bedenken nicht beseitigen, daß subsektioe Gesichtspunkte in dieser großen vaterländischen Frage eine zu groß« Rolle gespielt hätten. Völkerbund und Reparaiionsbank. Ausschußberatung in Genf. Genf, 16. September. Der Tagesordnungsausschuß hat heute morgen beschlossen, den dänisch-norwegisch-polnischen Antrag aus Herstellung einer Bezie- hung zwischen der Reparationsbant und dem Völkerbund dem zweiten Ausschuß zu überweisen, der die technische Organisation des Völkerbundes behandelt. Bei der vorhergehenden Aussprache äußerten verschiedene Redner, darunter auch der deutsche Ver- trfter. Bedenken dagegen, daß die Bank, die noch nicht einmal -«stehe, in die in Artikel 24 des Völkerbundstatuts ausgezählten inter- 1 irfionalen Bureaus eingegliedert werden soll. j Schlagwetterkatastrophe! Wieder drei Bergarbeiter getötet. Aus Metz wird gemeldet, daß sich heut« morgen auf der St.-Charles-Grub« bei Petit Rosselle eine Schlagwetter- explofion ereignete. Drei Vergarbeiler wurden gelölet, fünf schwer uud verschledene andere leicht verletzt. Die Hauptbelegschaft in Stärke von 499 Mann konnte durch«inen Nachbarschacht gerettet werden. Die Explosion wurde mehrere Kilo- meter im Umkreise gehört. Durch den Luftdruck flog das Dach des Maschinensaales in die Luft. Ein Brand, der kurz danach ausbrach, konnte gelöscht werden. Man glaubt, daß die Aufräumungs- und Wiederherstellungsarbeiten einen Monat dauern werden. Schweres Explosionsunglück. Zwei Arbeiter verbrannt. Essen- Steele, 16. September. Aus der stillgelegten Zeche Deimelsberg in Steele werden zurzeit von einer Unternehmersirma Abbruchorbeiten ausgeführt, bei denen auch Schweißapparat« zur Verwendung kommen. Bei diesen Arbeiten ereignet« sich auf bisher noch nicht geklärte Weise eine Explosion an den Schweißapparaten. Zwei Arbeiler standen sosork in Flammen. Obwohl diese von Mitarbeitern schnell gelöscht werden tonnten, er- litten die beiden Arbeiter doch schwere Brandwunden am ganzen Körper. Sie wurden ins Siedler Krankenhaus eingeliefert, wo einer von ihnen nach am Sonnabend st a r b, während der Zustand des anderen als äußerst bedenklich gilt. Auiobus gegen Straßenbahn. 25 Fahrgäste verletzt. Arn Sonntag abend gegen 29 Uhr ereignele sich in nächster Mhe des Bahnhof, Friedrich st raße ein schweres Verkehrsunglück. An der Ecke Dorotheen- und Friedrich st raße fuhr ein Autobus der Linie 5 mit einem Straßenbahnwagen der Linie 2 zusammen. 2S per- fönen, sämtlich Fahrgäste des Aulobus, worden verletzt. Bis auf eine schwerer verletz te--Lrau konnten alle verunglückten nach ärztlicher Behandlung ihre Wohnungen aussuchen. Der Vorfall rief in der stark belebten Haupt st raße große Ausregung hervor. Der Zusammenprall der beiden dichtbesetzten Verkehrsfahrzeuge erfolgte mitten auf der Straßenkreuzung. Der Straßenbahnwagen hatte bereits die Mitte der Kreuzung erreicht, als der Autobus mit großer Wucht seitlich hineinfuhr. Aus dem Innern des Autobus ertönten laute Hilferufe und Schmer. zensschreie. Die Fahrgäste waren restlos von ihren Sitzplätzen geschleudert worden. Die Mehrzahl hatte Hautabschürfungen und Schnitwerletzungen erlitten. Auf die Nachricht von dem Unglück hatten das Rettungsamt und die Feuerwehr sofort mehrere Kranken- wagen an die Unfallstelle gesandt. Inzwischen hotten sich P a s s o n- ten und Polizeibeamt« schon um die Verletzten bemüht. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt halle, stellte sich heran», daß die Folgen bei weitem nicht so schlimm waren, wie es zuerst den Anschein halle. Zehn Personen wurden zur Rettungsstelle in der Ziegel- st raße gebracht. Fünfzehn weitere Fahrgäste, die leicht« Der- letzungen erlitten hatten, fanden sich gleichfalls auf der Rettungs- stelle ein. Die Mehrzahl von ihnen erhielt Notverbände angelegt und konnte dann sogleich wieder entlassen werden. Lediglich eine S2jährig« Frau Klara Adomschewsti aus der Ackerstrabe 34, die innere Verletzungen erlitten hatte, mußte in die Klinik in der Ziegelstraße übergeführt werden. von den Fahrgästen de» Straßenbahnwagen» ist glücklicher- weise niemand zu Schaden gekommen. Beide Fahrzeug« wurden aus dem Verkehr gezogen. Di« Schuldfrage konnte bisher noch nicht einwandfrei geklärt werden. Der Verkehr war nahezu ein« halbe Stunde gestört. Schießerei im Scheunenvieriel. Die Folgen eines Wirtshausstreites. In der Sonnlagnacht kam es in der Hirten st raße zu einer schwere« Schlägerei, in deren Verlans meh- rere Schüsse abgefeuert wurden. Einer der Beteiligten erhielt einen lebensgefährlichen Brustschuh.- er fand im Krankenhaus am Friedrichshain Ausnahm«. Mehrer« G ä st e waren in einem Lokal in der Hirtenstrah« in Streit geraten, der auf der Straß« fortgesetzt wurde und in eine blutige Schlägerei ausartet«. Plötzlich fielen mehrer« Schüsse. Von einer Kugel in die Brust getroffen, brach der IZjöhrige Schlächter Paul D r e w» aus der Hirten- straße 29 blutüberströmt zusammen. Sofort stob die ganze Ge- sellschost fluchtartig auseinander und ließ D. hilflos liegen. Ein Kriminalbeamter, der auf seinem Dienstgange durch die Schüsse aufmerksam geworden war, eilte herbei und nahm sich des Verletzten an. von mehreren Zeugen wurde ein Maurer P. al» der Revolver- schütze bezeichne», er wurK festgenommen. Er bestreite» entschieden. den Schuß abgegeben zu haben. P. wird vorläufig noch in Gewahrsam behalten. Alz in der vergangenen Nacht kurz nach 3 Uhr ein Polizei- oberwachtmeister die Chausseestraße hinunterging, wurde er von einer Frau angesprochen. Als der Beamte, der außer Dienst war, sich a b l e h n« n d verhielt, st ü r z t e n sich der Ajöhrige Willi Roth und der 31jährige Oskar K o b s ohne jeden Grund auf den Beamten und streckten ihn durch mehrere Boxhieb« zu Baden. Der Polizist erlitt stark blutende Verletzungen im Gesichi. Dem herbeigerufenen Uebersallkommando gelang es, die beiden Täter festzunehmen.— Fast um dieselbe Zeit wurde der Sljährige Maler Mathias Hitzenberger in der Beußel- straß« von unbekannten Männern überfallen und niedergeschlagen. H. trug so schwere K o p s o e r l e tz u n- gen davon, daß er ins Moabiter Krankenhaus gebracht werden mußt«. Frau Falkenfeld sucht wiederum den Freitod. Wie uns aus Frankfurt o. d. O. mitgeteilt wird, hat in der Nacht zum Montag die Witwe des kürzlich durch Freitod aus dem Leben geschiedenen Genossen Max F a 1 k e n f e l d«inen neuen Selbst- Mordversuch unternommen. Sie wurde von ihrer Haus- angestellten in der Küche ihrer Wohnung durch Gas oergiftet bewußtlos aufgefunden. Die Wiederbelebungsversuch« der Feuerwehr waren von Erfolg, doch war der Zustand der Lebens- müden so bedenklich, daß sie sofort ins Frankfurter Kran- k« n h a u s eingeliefert werden mußt«. Skelettfund in Btesdorf. Am Sonnkag nachmillog stieß ein S l e d l e r auf seinem Grundstück in Siesdorf-Süd. Alberlstr. 117, beim Ausheben einer Grube tu etwa 1 Meter Tiefe auf Teile elue» mensch. lichen Skelelks. Die Polizet ist von dem Fund sofort be- nachrlchtigt worden nnd bat d'" Ermittlungen ausge. n o m m e n. Da der Schädel e.uc tsinschuhossnung aufweist. so kann man damit rechneu, daß vor Iahren an dieser Stell««in Ermordeter beiseite gebracht worden ist. 0 Vei Hugenberg. Die erste Bombe Hai gekrachi,— Bei Hilgenberg wird sroh gelach«. bettelten Geld« müsse« sie dem Veranstalter abgeben.. Durchweg bekommen die Europäer in den Schauen da» zu sehen, was die Zuschauer, geschult an Schmäkerlsteratur, sehen möchten. Ebenso wie auch das handwerkliche Können auf die primitivste Art dargestellt wird, die in den orientalischen Städte« längst überholt ist. Dorum Schluß mit diesem Pseudo-Orient, er- ist eine ernste Gefahr für'einen jeden, der um eine eigene An- schauung ringt.?.nu Biismg. Katzen im Staatsdienst. In den Listen der Staatskosten der Vereinigten Staaten wird, wie wir dem Augustheft der Monatsschrift„Da» Tier" entnehmen, ein« besondere Rubrik für das sogenannte „Ka tz e n b u dg« t" geführt. Es sind dieses tue Unterhaltung�» kosten für die in den Postämtern der USA. lebenden Katzen— e» sind weit über tausend—, deren Aufgabe es ist, die Postpakete gegen die Angriffe von Ratten und Mäusen zu schützen. Jeder Familien. zuwachs wird dem Generolpostdirektor amtlich gemeldet und be- wirkt eine Erhöhung der Unterholtskosten. Auch in Frankreich bekleiden die Katzen, besonders in den grpßen Militärhafendepvts, Staatsstellungen und haben die gleichen Pflichten zu erfüllen wie ihre Artgenoffen in Amerika. Ihr tag» liches Einkommen beläuft sich auf 10 Centime», die. vom Staate für ihren Lebensunterhalt angewiesen werden. London besitzt zwei Staatskatzen, die sich besonderer Wertschätzung erfreuen, den alten Kater„Michael", der im Britischen Museum seinen Wohnsitz Hot («r hält sich am liebsten in der ägyptischen Abteilung auf. vielleicht in weiser Erkenntnis der Verehrung, welche die alten Aegypter seinen Vorfahren erwiesen hoben), und die Katze Emilit die das Reichsinnenministerium betreut. Letzter« läßt keine Sitzung de» Ministeriums vorbeigehen, ohne sich zu dieser einzufindeck, wobei sie die Teilnehmer stet» mit freundlichem Schnurren zu begrüßen pflegt. S (20. Fortsetzling.) Die Zwischentür öffnete sich und heraus trat der junge Meister, dem Hedwig ihres Herrn Auftrag vortrug. Sie sei wegen des Ilmzuges, den Meister Timm gleich nach dem Weihnachtsfest aus- führen soll«, gekommen. Ihr Herr habe an der neuen Kunstschule zu Frankfurt eine Lehrstelle angenommen. Und sie freue sich schon unbändig auf die schöne große Stadt. Die plaudert heut wieder mehr als nötig ist, dachte Heinrich und ging hängenden Kopfes zurück zur Werkstatt. Als ihr der Meister die Antwort erteilte, lief Hedwig mit kurzem Gruß hinaus. Rasch blickte sie noch einmal, versöhnend lächelnd, durchs Werkstattfenster. Aber der Heinrich bemerkte sie nicht, er stand, fest drauflosarbeitend, an seiner Hobelbank. — Bist feig, Heinrich, das mag ich nicht leiden!— Und wie sie vor ihm stand, mit glühenden Wangen und weißblitzenden Zähnen.— Niederschmetternd, vernichtend war dieses Urteil... Jedoch niedergeschlagen hätte ihn der Pol« in seiner Wut.— Sich wehren, hieß« doch: d«n Löwen tn den offenen Rachen lausen. Er dachte an Försters Len«. Wäre die nicht dem Jakob nach- gereist, der würde er sich ganz anvertrauen. Denn die war klug wie ein« Mutter und wüßte sicherlich Hedwigs Verhalten zu deuten. Schlag auf Schlag ließ er den Holzhammer auf das Stemm- eisen niedersausen und begann im Takt ein Liedchen zu singen. Das Fest der Liebe. Obgleich mit dem Nahen des Weihnachtsfestes die Tag« immer trüber und kürzer wurden, verlängerte sich der Arbeitstag des Tischlers dennoch gar leicht um ein Stündchen. Denn von dessen Fleiß hing es zuweilen ab, inwieweit die Festesfreuden ohne Ver- druß vorbereitet werden konnten. So war denn alles Notwendige an die Kundschaft geliefert und in Meister Timms Haus herrschte Stille, frohe Stimmung, als die Glocken durch die gefrorenen Werkstattfenster zur Christnacht einluden. Die Gesellen horchten ein wenig auf vom Waschen und ihre nackten Oberkörper rauchten in der kalten Luft. Heinrich schnitt rasch ein paar Handvoll Stroh in Fußlänge und polstert« des Meisters Stiefel aus. Nirgend fröre man so wie in der Kirche, sagte der Alte. Dann machte auch er sich bereit zur Christnacht. Heut bewegte sich fast alles in der Richtung zum Kirchlein am Mühlteich. Die Katholischen feierten die Geburt Jesu am ersten Festtag in der Früh. Nur ab unh zu huscht« ein katholischer Lehrbub mit kurzem Gruß an Heinrich vorbei. Sonst schien alles in die Erwartung von etwas Unbestimmten versunken. Obwohl Heinrich nicht mehr an die althergebracht« Lehre der Liebe glaubte, stimmte er dennoch gleich kräftig mit ein in den Gesang der lieb- und frohtlingenden Weihnachtsli«der. Es lag eiwas Mächtiges darin, daß in dieser Stunde Millionen Menschen auf dem ganzen Erdenrund dieselben Lieder sangen und auch sonst eines Sinnes waren. Immer deutlicher stiegen die ihm so ver- trauten nächtlichen Bilder Bethlehems vor seinem geistigen Auge aus, je inniger er mitsang. Dieses Ergriffensein gab ihm Gewißheit, �aß Wahrheit darin/ liegen müsse. Wie ja auch der Jakob es ihm zu erklären oersucht hatte: In dieser Nacht ward ein Mensch geboren, der an Geistes« große und ollen guten und edlen Eigenschaften seine Zeitgenossen weit überragte. Der infolge seines rein menschlichen Wesens als Berater und Helfer aller Geächteten und Armen auftrat: und der im Bewußtsein der in ihm wohnenden Geisteskräfte den Kampf gegen alles Böse und Ungerechte der Htelt rücksichtslos aufnahm. Da saß er nun unter all den Gläubigen, deren Köpfe sich demütig senkten, als Blechschmied die Gemeinde mit einer Schafherde ver- glich, der es unter der Führung des himmlischen Hirten an nichts mangeln werde. Einsam, ausgestoßen fühlte er sich als eines der störrischen Schafe. Doch fühlte er sich gleichzeitig emporwachsen über die, die schuldbeladen unten saßen. Kannte er doch fast alle die Beamten, Meister und Krämer der Stadt: und wußte er doch, wie sie sich aus Großmannssucht und Brotneid einander be- sehdeten, wie sie ihre Dienstboten und Lehrjungen behandelten und wie sie sonst gegen die Gebote ihres Gottes verstießen. So oerließ er die Christnacht gehobenen Hauptes. Er dachte wiederum an Jakob Frohnknechts Wort«: Es sei richtiger, die Lehren des großen Menschen Jesu beachten— soweit sie der Lebensfreude dienen— als ihn zum Gott zu erheben und wie unartige Kinder Um Vergebung ihrer bösen Taten zu bitten. Bor dem Schaufenster des Buchbinders Müller machte er Halt. Der große Globus stand zufällig so gerichtet, daß sich der Landweg über Oesterreich, Serbien und die Türkei hin nach Kleinasien ver- folgen ließ. Was konnte ihn hindern, dorthin zu wandern, wenn er Geselle war. Die Vorstellung machte ihn ordenttich froh, und er summte die frommfröhlichen Weisen wieder mit, die beim'Auf- leuchten der Weihnachtsbäume gedämpft auf die Straße drangen. Auch Frau Rofl hotte, mit Lisbeths Hilfe, alles getan, um in ihrem Haufe wahre Weihnachtsfreude auszulösen. An Stelle der üblichen Abendsuppe gab es heut Tee mit Rum und Zucker, und zum Brot standen vielerlei Wurstsorten bereit, die Heinrich nur vom Ansehen kannte. Noch dem Essen ließ sich der junge Meister am Klavier nieder und stimmte Weihnachtslieder an. Währenddessen oerteilte LIsbeth unterm leuchtenden Tannenbaum mit Aepfeln und Nüssen gefüllte Teller, auf eines jedem Platz. Die Gesellen sangen mit. Auch Heinrich nahmen die so lieb- lichen Weisen gleich wieder in ihren Bann: jedoch mttsingen konnte er setzt nicht. Ein leichter Schlag auf die Schulter ließ Heinrich erschreckt zusammenfahren.„Sing doch mit, Heini, du kannst es doch sonst so schön." Di« alle Meisterin stand hinter ihm. Gezwungen lächelnd, wie bei einer Untat ertappt, hob er den Kopf und bewegte den Mund. Er war froh, als sich die Gesellen erhoben und dankend ihren Teller und den doppelten Wochenlohn mit hinüber zur Werkstatt nahmen. „O, beinah Hütt' ich's vergessen!" rief Lisbeth, und hing ein Paar blitzblanke Schlittschuhe auf Heinrichs Schuller. Sie hielt sein« Hai� ein Weilchen fest, während er ganz verdattert sich be- dankte.„Du, dafür ländlern wir morgen aber einen auf dem Mühlteich." scherzte sie.„Oder bist du etwa schon einer anderen versprochen? Das will ich nicht hoffen", fügte sie lachend hinzu, als er betroffen zu ihr aufblickte. Erst als er allein auf seinem Lettrand tn der Gefellenkammer saß, den blanken Taler fest in Papier wickelte und dann die blitzenden Schlittschuhe probeweis« an seine Stiefeln schraubte, rang sich die Freude bei ihm durch. Denn so reich ward er noch nie beschenkt. Und so schrstt Heinrich am folgenden Nachmittag hinaus zum Mühlteich, auf dessen blanker Fläch« schon fung und alt lustig umherflitzte. � Er drückte sich am Ufer hin, um sich hinterm Erlengebüsch laufbereit zu machen. Noch nie war er auf zwei Schlittschuhen gelaufen. Mit kläglichen Gliederverrenkungen schob er sich vorwärts. Hinkend, das rechte Bein immer vorschiebend, ging es die Ochel entlang, weit hinaus aufs Wieseneis, wohin sich nur vereinzelte Läufer des schneidenden Ostwindes wegen wagten. „Sieh einer an! Hast mich ja schön versetzt!" Ehe er sich umdrehen konnte, ergriff ihn rechts eine Frauen- und links eine Männerhand.„Eins— zwei, eins— zwei" zählend, ging es wie im Fluge vorwärts.„Siehst du, mir entwischt du nicht. Nun ländlern wir doch miteinander", lachte Lisbeth. „Nun ist s genug, sonst kommt er gegen den Wind nicht wieder zurück", sagte der junge Meister. Der jung« Meister und leine Frau faßten sich an und schwangen im eleganten Bogen hinüber zum nächsten Dorf. Immer wieder sausten flotte Läufer an Heinrich vorbei, dem Nachbardorf zu. Dort trank man ein Gläschen Grog, dann ging es in fröhlicher Laune be! klarem Mondschein wieder heimwärts. Verzweifelt, gegen den Wind ankämpfend, schlug sich Heinrich seitwärts aus der Bahn, um den Spötteleien der Vorüberfahrenden zu entgehen. Indessen kam eine Gruppe just mit dem Wind auf ihn zugesegelt, und schon von fern hörte er seinen Namen rufen. Er erkannte rechts den Schuster-Paul, links den Kolbe-Wilhelm und in der Mitte die Hedwig. „Der hat einen Warmen zu viel genommen", hänselte der Schuster und Hedwig lachte übermütig, als ihn die drei umkreisten. „Ahh! vernickelt— fein.— Möchtest« nicht tauschen, Heinrich? Zu deinen verkvbnpelten Stiefeln passen die hier besser." Hedwig berührte mit ihrem Schlittschuh Heinrichs harten Stiefelschaft, d«r sich durch die Hose hindurch abzeichnete. Heinrich sah in ihr blühendes Gesicht und wandte sich ab. Nun lief sie gar mit ihm Hand in Hand, mit dem Schuster, den sie nicht leiden mochte! Was ging's ihn an! Mochte sie laufen mit wem und wohin sie wollte. „Komm mit, Heinrich, los!" Mlhelm packte ihn an den Schullern und schob ihn vor sich hin..Lauft ihr voraus, wir kommen nach!" rief er seiner Schwester zu. Aber Hedwig kam zurück..Lauf du mit Paul voraus und ich komm« mtt Heinrich nach." Wilhelm sauste davon, den betroffen dastehenden Schuster mllsichreißend. Heinrich versuchte zu entwischen. Vergeblich. Immer wieder fing Hedwig ihn ein. So ging es ein Weilchen neckend hin und her, bis beide hart aneinanderpraMen und zu Fall kamen. Unter Lachen und Weinen schall Hedwig ihn aus und machte vergebliche Anstrengungen, sich auszurichten. Heinrich wollte di« Gelegenheit benützen und davonlaufen. Als das Mähchen jedoch klagend liegen blieb, bekam er Gewissensbisse und kehrt« um. Er befreite sie von den Schlittschuhen und nahm auch sein« ab. Nur mit Mühe gelang es ihm, sie aufzurichten. Jammernd und über Schmerzen im rechten Fuß klagend, stützte sie sich auf sein« Schulter. Es begann zu dunkeln. Schweigend hinkte sie neben ihm her. Heinrich sann nach, auf welchem Wege sie am raschesten tn die Stadt kommen könnten. Indessen lenkte Hedwig ihn, trotz seines Widerstrebens, auf einen schmalen Fußsteg, der hinter der Stadt hinaus zu Schöneichs Haus führte.„Noch Hause geht's übermorgen früh zum Abschiednehmen", sagt« sie.„Und wenn du dich mit Meister Timm nicht recht zeitig zum Möbelpacken aufmachst, dann bin ich mit Frau Schöneich wahrscheinlich schon auf dem Weg« nach Frankfurt,«he ihr da seid." „Du, nach Frankfurt, mit deinem Fuß?" Er blickte sie ver- wundert an.„Den Doktor wirst du aussuchen, aber nicht reisen." „Nicht reisen?" Lachend entwand sie sich seinem Arm und sprang lustig tanzend vor ihm her.„Nicht böse sein, Heinrich!" sagte sie zu ihm und siel ihm um den Hals.„Ich bin ja so froh!" Ehe sich'? Heinrich versah, brannten mit Freudentränen vermischt« Küsse auf seinem Mund. Nun werde sie wohl endlich Ruhe haben vor dem frechen Schuster, der ihr immer nachlaufe, und den ihr« Mutter noch dazu ermutig«: es habe ihr sehr leidgetan, daß sie Heinrich durch die unbesonnenen Worte neulich gekränkt habe. Fürs ganze Leben wolle sie ihm eine treue Freundin bleiben. In Heinrich begann ein Klingen und Brausen. Er war keines Wortes mächtig. Wie bestrickt ging er neben ihr. ,La. Freunde, aber Mann und Frau können wir doch nie werden", stieß er schließlich gepreßt hervor. Hedwig lachte.„Meinst wegen des zweierlei Glaubens? Was ich mir daraus mach! Wenn Voter und Mutter es verwehren, dann warten wir halt noch fünf Jahr. Wenn du mich ebenso schrecklich gern hast, wie ich dich, wird uns das Warten nicht zu lang— du— na und— du mußt eben mein Mann werden!" Di« Worte platzten so innig heraus, daß Heinrich wie ange- wurzelt stehen blieb, sich aber willig neigt«, als Hedwig ihn herzhaft zu sich herabzog. Sie schrttten die alte Allee hinauf unter den mächtigen Rüstern und Linden, während die blasse Mondscheibe hinter der Stadt heraufzog und geisternd« Schatten aus ihren dunklen Verstecken lockte. Heinrich durchlies ein Zittern, als gingen beide etwas un- geahnt Herrlichem entgegen, dessen Erfüllung er aber im Geheimen fürchtete, ohne die Kraft zu finden, es abzuwehren. Erleichtert fühlte er sich, als Hedwig wieder begann:„Heut zum Abschied mußt du's erfahren. Wenn ich allein bin, gleich sind alle mein« Gedanken bei dir. Und dabei wird mir ganz heiß vor Freude, wenn ich's mir so richtig ausdenke, wie schön es sein muß, wenn wir so richtig als Mann und Frau beieinander sein werden. Und wenn ich so daran denke, dann fühle ich. daß auch du mit deinen Gedanken bei mir bist. Wir brauchen gar nicht traurig sein, weil ich übermorgen nach Frankfurt reise. Menschen, die sich so gern haben, sind nicht zu trennen. Zum ersten Male sah ihr Heinrich still und tief in die Augen. Nicht roh« Leidenschost. nein, tiefgefühltes Mitleid von jauchzender Glückseligkeit überstrahlt oerkündete sein Blick. War's doch die Er- füllung seines geheimen Sehnens, was Hedwig ihm sagte. Schweigend schloß er sie in seine Arme, jede ihrer Fragen, einem heiligen Schwur gleich, durch inniges Ansichdrücken bejahend. Und beiden ward's inn«: Es gibt nur ein Leben, für einander, in einander. Zweierlei Möbel. Am Tag« nach dem Fest stemmt« Heinrich den mit Latten und Werkzeug beladenen Wagen die Alle« hinauf. Der Alt« und August halfen schieben. Mit Hammer und Zange stand Schöneich wartend aus der Treppe. Er nahm den Meister gleich in Empfang und führte ihn in den Vorraum, wo alles kunterbunt durcheinander lag. (Foniegung folgi.) WAS DER TAG BRINGT. Wo der Storch sein Nestchen baut.,. Es war ein wirklicher und kein übertragener Storch, der auf dem Schornstein eines Müllers in Dinkelsbühl sein Nest gebaut hatte. Der Müller, dem das nicht paßte, begann seinen Dampfkessel mit feuchtem Holz und Stroh so stark zu heizen, daß dichter Rauch dem Schlot entstieg und es dem Storch wirklich ungemütlich wurde. Der aber dachte gar nicht daran, das Feld bzw. den Schornstein zu räumen, sondern er holte im Schnabel Erde und Lehm und vermauerte in kürzester Zeit kunstgerecht die rauchende Otffnung. Und jetzt war es der Müller, den der Rauch aus seiner Behausung trieb. Er hatte aber Humor genug, sich geschlage� zu bekennen. Der Storch wohnt heute noch auf seinem schwer erkämpften Schornstein. Ehescheidung in Montenegro. In dem Teil« Jugoslawiens, der früher Mont«n«gro hieß, sind Scheidungen nur gültig, wenn sie vom Priester vollzogen werden. Den Antrag auf Scheidung kann nur der Ehemann, niemals aber die Ehefrau stellen. Gibt der Priester nach Prüfung der Gründe dem Antrag statt, so hat sich das Ehepaar mit seinen nächsten Ver- wandten in di« Kirche vor den Altar zu begeben. Dort segnet der Pfarrer zunächst den in einem Kelch befindlichen Wein und reicht ihn dann dem Nächststehenden. Der Kelch macht dann die Runde und gelangt zuletzt in di« Hände des Ehemannes: trinkt dieser nicht, so hat er damit zu erkennen gegeben, daß er seinen Antrag aufrecht erhält und di« Scheidung wünscht. Der Geistliche läßt sich in diesem Falle die„Brautschürze" geben, die eine Braut in Montenegro am Monta«, 16. September. Berlin, IS 30 Engltecb für Anfänger. 19.00 Dr. Pohl: Sozialpolitische Umschau. 19.30 Streichquartette. 20,00 Interview. 20.30 Konzert ans Budapest. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. KSnigswusterhansen. 18.00 Dr. Pranz DOIIberg: Schicksale herDhmter Gemälde Uj 18.30 Direktor Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfiager. 18.53 Dr. O. Simon: Unkrautbkämpfnng im Herbst 19,20 Dipl.-Ing. Paul Priedmann: Das Automobil und seine Behandlung(Vif). 20.00 Aus der Staatsoper:„Salome". Mus'kdrama in einem Aufzuge. Mualk von Richard StrauS. Dirigent: Alexander von Zemllnsky. Regie: Ernst Legal. AnschiieSend bis 0.30 Uebertragung von Berlin. nmmnmmiirainmimmuinimnmuiniimnmnnmnimimiiiiiiiiiMimuii) Tage ihrer Hochzeit stets von ihren Schwiegereltern oder ihrem Manns bekommt, und fordert di« beiden Väter auf. die Schürz« zu hallen. An Stelle der Väter können auch zwei andere, dem Paar verwandte Männer die Schürz« halten. Dann nimmt der Priester ein« eigens zu diesem Zweck bestimmte Sichel und schneidet sie, ein Gebet murmelnd, der Länge nach durch. Ist das geschehen, so erhält jeder— Ehemann und Ehefrau— seinen Segen getrennt: der Geistliche faltet die Hände und sagt: „Der Himmel hat euch geschieden," womit di« Scheidungs- Zeremonie beendet ist. Eitelkeit braucht Zeit. Ein schwedischer Gelehrter, der anscheinend sehr' viel Zeit übrig Haft hat nach jahrelangen Beobachtungen die Behauptung aus. gestillt, daß«in junges Mädchen an jedem Tag durchschnittlich fünfzehn Minuten vor dem Spiegel zubringt, während Frauen zwischen zwanzig und siebzig Jahren ein« gute halbe Stunde pro Tag für den Spiegel übrig haben. Danach hätte also eine Frau von siebzig Iahren im Laufe ihres Lebens insgesamt 6CK> 000 Stunden oder 250 Tage vor dem Spiegel zugebracht. Diese Berechnungen werden nun noch von Professor Höfert in Wien dahin ergänzt und vervollständigt, daß ein Mensch im Alter von ungefähr 72 Iahren durchschnittlich in seinem Leben zwei Jahr« zum An- und Auskleiden, neun Jahre und acht Monate zur Erholung, dreiundzwanzig Jahre und vier Monate zum Schlafen, sechs Jahr« und zwei Monate zum Essen, vier Jahre für Krankheiten, sechs Jahre und zwei Monat« zum Fahren oder Reisen und neunzehn Jahre und acht Monat« zum Arbeiten braucht. Hoffen wir, daß die gelehrten Herren sich nicht in ihren Be- rechnungen geirrt haben: denn es ist immer schade, wenn Menschen Jahre ihres Lebens nutzlos verschwenden. Leider ist noch immer nicht statistisch festgestellt worden, wieviel solcher Menschen es' in Europa glor. Statistiker vor die Front! Ahal Im preußischen Finanzministerium war in vorkrieg»flutlicher Zell Regierungsrat I tätig! der wegen seiner Neugierde und Pedan» terie berüchtigt war. Eines Tages taucht in der ihm unterstehenden Kanzlei ein neues Gesicht auf. Der Regierungsrat schickt darauf folgende schriftliche Anfrage an den Herrn Bureauoorsteher: „Wer ist der blonde jung« Mann, der seit gestern an der Fensterseite der Kanzlei sitzt? gezeichnet: I, Regierungsrat." Der Bureauvorst«her antwortet, und später findet man auf dem Schreibtisch des Regierungsrats das Schriftstück mit folgender Be- m«rkung versehen: „Gehorsamer Bericht: Der blande junge Mann ist seit drei Tagen hilfsweis« einberufen. Gezeichnet: K., Bureauoorsteher." Darunter hatte der Regierungsrot diese Verfügung gesetzt: „Verfügung: 1. Aha! 2. Zu den Akten, gez.: T, Regierungsrat." dJl&rfzjru�oJfZLel Aus eigener Kraft! Arbeiferanglcr und graphische Hillsar heiler bauen eine Wocfaenendkotonie. Dieser Tage fani die Einweihung der Arbeiter-Angler- Kolonie Klein-Köris statt, die in Verbindung mit der Ein. wcihung des G e w e r t s ch a f t s h e i m s des Verbandes der graphischen Hilfsarbeiter errichtet wurde. Erschienen waren außer den Vorstandsmitgliedern des Arbeiter-Angler-Burrdes und des Ver- bandes graphischer Hilfsarbeiter eine groß« Anzahl Vertreter von Arbeitersport- und Kulturorganisationen, Krankenkassen und De- Hörden. Der Ortsausschuß Berlin des ADGB. hatte seine Mit« glieder Siegle und Fricke entsandt. Im Verkehrslokal der Freien Wassersportler begrüßt« G l o t h vom Verband der graphischen Hilfsarbeiter die Anwesenden und sprach den Erschienenen im Namen des Wassersportvereins Klein- Köris sowie des Verbandes graphischer Hilfsarbeiter seinen Dank aus für die bisherige Unterstützung der gemeinnützigen Arbeiten. Gloth stellte fest, daß ohne die guten Beziehungen des Arbeiter- Angler-Bundes zu den Behörden schwerlich solche Anlagen geschaffen werden konnten. Pfaffenschläger erklärte, daß besonders die finanzielle Hilfe durch den Verband der graphischen Hilfsarbeiter und die mehr als ideelle der Behörden hoch anzuerkennen sei. Dann ging Pf. auf die Geschichte der Kolonie ein, die Vorarbeiten dazu liegen bereits drei Jahre zurück. Er erinnerte daran, w'e vor drei Iahrekk ein Teupitzer Ortsblättchen die zu erwartende Anglersiedlung als„Klosettanlage", die aus Margarinekisten und Marmcladenfässern erbaut werden würde, bezeichnet hatte. Di« fertige Siedlung in Klein-Köris zeige, wie es damit in Wirklichkeit aussieht. Die Ge- meinde Klein-Köris wird auf die Siedlung in jeder Richtung stolz sein dürsen. Psaffenschläger schloß seine Ausführungen mit dem Wunsch, daß die anwesenden Vertreter der Gewerkschaften. Kranken- lassen und Behörden dieser Stunde stets eingedenk sein mögen, wenn wieder einmal Arbeitersportorganisationen um Unterstützung ihrer gemeinnützigen Unternehmungen bitten. Köris kann eine Migter- kolonie aufweisen, deren Besichtigung nur empfohlen werden fann. Ministerialrat Dr. S e i d e l bezeichnete die Gründung dieser Angler. kolonie von großem Wert, weil wohl in ganz Deutschland Angler. Vereinigungen ein Gewässer von derartigem Ausmaß nicht besitzen. Und an diesem eigenen Sportrevier haben die Angler eine Muster. kolonie errichtet, haben eigenes Land am eigenen Wasser. Er wünschte dem Verein und dem Bund weitere gute Entwicklung. P u r a vom Hauptvorstand der graphischen Hilfsarbeiter sHrach seinen Dank für alles Gebotene aus; es sei geradezu überwältigend, was hier aus eigener Kraft geschaffen wurde. Schließlich hieß Ge- meindevorsteher Noak, Klein-Köris. die graphischen Hilfsarbeiter und die Arbeiter-Angler herzlich willkommen. Die Feier war vom schönsten Wetter begünstigt. Motorboot. fahrten auf dem Wasser, gemeinsam« Mittags- und Kaffeetafeln schlössen den Tag und werden noch lange die Erinnerung an den schönen Nachmittag wachhalten. Allen Arbeiterorganisationen und Behörden sei die Besichtigung der Arbeiter-Angler-Kolonie am Köriser See angelegentlichst empfohlen. Roter Sport in Zchlcndorf. Ablurncn der Lehhlalhlclcn. Keine noch so niedrig» Gehässigkeit der Zehlendorfer Reaktion, kein Abreißen und Beschmieren der Werbeplakate, kein Einwerfen von Fensterscheiben bei Sportgenossen, konnte auch nur einen Moment long das gestrige, von der Freien Turn- und Sportvereini- gung Zehlendorf veranstaltete Sportfest beeinträchtigen. Im Gegen- teil,«s war ein froh-festliches Bild, als sich um 14 Uhr ein stattlicher Zug Arbeitersportler unter roten Fahnen zum Festplatz hin in B«- wegung setzt« und den Schwarßweißroten sagte, wir sind auch noch da. Die Beteiligung war sehr stark und das Programm so reichhaltig, daß auf die Durchführung einzelner Kämpfe verzichtet werden mußte. Hier die Ergebnisse: Män-il-enila»,?: 1. Schuiert.tZrielxnau 254V, Vunkte: 2. Kri-ael-iZebli«. boef 299 P.: 3. L-Wann-Ostrina 2S1U D.— ffmurn.DniiampI: t. D-r«-. Cchön-btM Zt» P.: 2. Villmann-Lüd-n S47 P.: 3. Rkich«.i P. 1 O sirin« 8:43,3.—«chweden.Znn-ndstals.l: 1. Ofttin« 2:17,8.— tllei»«»ly«. rifftc Stoucnftoftrt«: 1. Südtn�vort 57,8.—$««bbal: 60btn—©ABnebn« 4:2.— Ziuhdall: 3«Irte«ierf— Semvelbof 8; 0. Regatta unter Schwarzrotgold. Die Herbslwelffohilcn des DWV. Der Deutsche Wassersportverband konnte am gestrigen Sonntag bei prächtigem Wetter und glänzender Beteiligung seine 4. Herbstregatta durchführen. Im Sportrestaurant Sadowa sammelten sich die Sportler und Freund« der Bewegung: reicher Flaggenschmuck zeigte auch nach außen, daß die republi- konischen Verbände auffahren, Di« Veranstaltung hatte ein ausgezeichnetes Programm, die Rennen waren gut organisiert und ausgezeichnet besetzt: 80 Boot« mit etwa 200 Sportlern waren zum Start gemeldet. Auch die Sportabteilung der Berliner V e r k« h r s g e s e l l s cha f t. die sich zum Bestritt angemeldet hat, beteiligt« sich an«inigen Rannen. Di« 18 Kanu, und Ruderkonkurrenzen brachten gute sportliche Leistungen. Besonders spannende Kämpfe bot da» Iungmonnen- Doppelkajak-Rennen. Neun Boote rangen erbittert um den Sieg, Wassersportverein Müggelspree gewann schließlich mit knapper Boots- länge. Im Riemenvierer Host« sich die„Bewag".Mannschast den Sieg. Das Rennen der Achter konnte leider nicht durchgeführt «erden, der Reichswasserschutz hatte nicht genügend abgesperrt, die von den Ausflügen heimkehrenden Boot« durchfuhren fortgesetzt die Rennstrecke. Einige Achter kamen dadurch in Havqri«, ihr« Riemen schlugen zusammen und zersplitterten. Das Rennen wurde abgebrochen. In der Frühjahrsregatta bot gerode dieses Rennen die interessantesten Kampfmomente, auch diesmal wäre sicher ein harter Endkampf zu erwarten gewesen. Im Tportrestaurant Sadowa überreicht« der Derbandsvorsitzende Küter den Sportlern ihre Plaketten und Preise. Srtultat«: t.€. B.~ Zun,m»nn-u,_________ 4„________________..... L_______ ■ m- Et. 2000 Meter: 1. Neichzdanner 8:854: 3. Berliner Stenn. _ 1.«iaaenaUm, 2000 Meter: 1. Bewag 745,5; 2.(Sofcg.- rf-WVS?.m- St. für Damen, 1000 Meter: 1. Sasag 5:20; 2. Sethnet Brenn. [584»««f— 2- Bi««»°i«rrr, 2000 Sttttz: 1. ZiriKsbanner.Z! Udertieg, Der«letzte" Olympiatag. Sawall siegt in Rekordzeit. Der gestrige Renntag auf der O l y m p i a r a d r e.1 n b a h n sollte angeblich der letzte der Saison sein: aber diesem Schluhtag folgt nun noch«in„volkstümlicher Renntag" mst zehn Nachwuchs- fahrern. Fast 5000 Zuschauer umsäumten gestern die Bahn, der 100-Kilometer-Laus der Steher wurde zum ersten Mole aus einen deutschen Sender übermittelt. Der— wie man ulkte— vom Verfolgungswahn befallene Bahnmatador Sawall gewann das Steherhandikap überlegen mit neuen Bahnrekorden. In regsl» mäßigen Abständen hoste sich Sawall Rund« um Rund«. Exweltmeister Sawall. Bräau und Benoit starteten vom Mol, der Deutsche mst der letzten Startnummer. Thomas hatte sieben, Sausin zwei, Bauer sechs und Christmann zehn Runden Vorgabe erhalten. Walter Sawall startet« in aller Höchstform, seiner glänzen- den Fahrt mußte sich alles beugen. Beim"30. Kilometer hatte er sich auf den dritten Platz vorgeschoben und beim 40. Kilometer be- reits Baue/ vom zweiten Platz verdrängt. Bald war Sawall wieder mit neuem Bahnrekord bis 100 Meter zu dem noch führen- den Christmann aufgerückt, Von der 157. Runde an erreichte er nach kurzem Geplänkel mit Christmann dessen Position und behielt die Spitze sicher bis zum Schluß, riß die restlichen Bahnrekorde noch nieder und erziehst««inen neuen Stundenrekord. Der Stürmer Lreau war für den Matador der einzig gefährliche Gegner, Sawall muhte alles hergeben, um ihm parieren zu können. Durch einen Reifenschaden auf den vorletzten Platz geworfen. Holl« Breau be- ständig auf, es glückt« ihm noch kurz vor dem Abläuten dem führen- den Sawall von seinen fast vier Verlustrunden ein« abzustreichen. Bauer warfen Defekte auf den sechsten Platz zurück. Christmann verlor außer seinen Vorgaberunden noch einige westere. Der für Leddy eingesprungene Thomas verlor durch Reifenschaden und durch Motorschaden viel Boden: Schrittmacher Pasquier führte seinen Schützling Sawall 26 mal an ihm vorbei. Sausin fuhr sehr schwach, wurde aber trotzdem noch vierter. Auch der dritte Malmann Benoit konnte kein« Roll« spielen, sicherte sich aber trotzdem den dritten Platz, Ergebnis: 1. Sawall. 1:21:25,1: 2. Breau, 1520 Meter: Z. Benoit, 2250 Meter:. 4.Sausin, 4400 Meter: 5. Christinann, 4600 Meter: 6. Bauer, 7900 Meter: 7. Thomas, 26 Runden zurück. Den„Großen Olympiapreis" für Amateur« gewann der nach Punkten führend« H. Schulz-Concordia. Das äußerst stark be- setzte Punktefahren über 4000 Meter endete mit dem Sieg von Patzak-Concordio mst 7 Punkten vor Schers-Grünwalde und Gröning-Concordia mit 5 Punkten. JBcrolma'" in Karlshorsi. Mst der„Berolina" stand wieder ein klassisches Hindernisrennen auf dem Karlshorster Programm. Früher den älteren Jahr- gängen offen, ist dos Rennen seit 1925 dem Steeplernachwuchs reserviert. Die in der Siegertist« verzeichneten Dreijährigen gehörten sämtlich einer guten Klasse an. Ein Pferd sehr guter Zukunft steckt fraglos auch in der diesmaligen Siegerin Kopja, die unter Iockey Gorsler mühelos das reiche Rennen heimbrachte. In sehr schneller Fahrt führten anfangs Wendelin und Salamander Kopf an Kopf, sie legten bald viel« Längen zwischen sich und das übrige Feld. Gegenüber kam das von Vici, Kopja und Liebeszauber angeführte Rudel den beiden Piloten näher und in der Geraden ging dann Kopja an die Spitze und gewann überlegen gegen Liebeszaubcr und Neuer Ulster. 819«. Nenm». X.©nroan(Souftt): 2. Tarnschild; 8. Sichnrich. Tele; 15; 10. CraniaeenmflfSStbtnttnncn. 1, Sonerfa(ffiolff); 2. fftibttim; 8. ftnmm voran, Tvtv: 48: 10. Platz: 25, 28: 10. ffetner liefen: Paroli(4), Martanlu». gottuno-Ptci». 1. Brandmeister(v. Sollen'); 2. Bandola: 3. Stoppet. Solo: 22: 10. Stei« von Derne tlhin. 1. A d t.: I. SrargtSfin(5-®. v, Schmidt-PaulO: O, aotu;ieiüui.H.-i-oio;-in. ita. 1«�: IS, 19: Kl. ffetnet liefen: JftiebttiTe l4l. Pflicht, Andromeda. Petarde. Minle- Mädel. »«%f9c'iaCu iv(®otsTct); 2. Liebeszauber: 3. Neuer Ulster. To�o: 51:10. Platz: 19. 17, 40: 10. ffetnet Tiefen; Siel(4), Midgard(gel.), Saig. wandet, Alstetstetn, Parndemarsch, galstaff. Wendelin, Sidsgeigei lauegebrO. „ p«ft'OcH(iSIä9et.3oflbtennen. 1. M-nitou In. Borcke); 2. Erdferkel: So'o: 19: 10. Platz: II. 18, 15:10. gerner liefen: '«. fallet, geuermal, Borns. Anfänger-Ktirdenrennen. L Tiber lAckermann); 2. Finnland. 8. Surna. Solo: 38: la Platz: 18, 12, 12:10. fferner liefen: Amönenwarle(4). Oase, 9(tC0R1€0C6, PUUKI. Najudi zum 11. Male Tennismcisfcr. Di« Spiel« um die internationalen Tennismeisterschaften der Berufsspieler wurden am Sonntag auf den Berliner Blau-Weiß-Plätzen beendet. Das Hauptinteresse bean« spruchte das Treffen zwischen Najuch und Hermann Bartdlt, das die Entscheidung bringen mußt«. Nach hartem Kampfe gewann Roman Najuch 6:0, 6:4, 7:9, 6:4 und sicherte sich damit zum elften Mal« den Meistertitel. Das Endergebnis lautet: 1. Najuch: 2. H. Barteit: 3. Nüßlein: 4. H. Richter. In der„Runde der Zweiten" sichert« sich der Däne Axel Petersen den 5. Platz vor A. C. Becker und Demasius. Die Entscheidung in der Doppelmeister- schaft zwischen A. Burke-Romillon und Najuch-Richter kam nicht zur Erledigimg, da Richter wegen einer Fußverletzung nicht antreten konnte. Das Endktassement stellt sich hier: 1. Ramillon-Burk«: 2. Najuch-Richter: 3. Plaa-Messerschmitt: 4. H. Bartelt.Nüßlein. Bei den Kämpfen in Forest Hill bei New Park um Amerikas Tennismeisterschaft im Hekreneinzelspiel hat diesmal noch die ältere Garde über den Nachwuchs triumphiert.. Leicht wurde es ihr allerdings nicht gemacht, deny sowohl Tilden als auch Hunter hatten schwer zu kämpfen, um ins Finale zu kommen. Altmeister Tilden fertigte den 20jährigen Kalifornier John Doeg 4:6, 6:2, 2:6, 6:4, 6: 3 ab und auch Hunter hatte Mühe, um F. Mercur 6:4, 6:8, 6:4, 6:3 auszuschalten. Das Schluß- spiel brach« also einmal mehr eine Begegnung zwischen Tilden und Hunter._ Rennsahrerableilung„Solidorilöt". Dienstag, 17. September, 20 Uhr, Funktionärsitzung.bei Lehmann, Blumeshof, Ecke Lützow. straß«. Die nächste Sitzung der bundestreuen Rennfahrerabteilung findet Donnerstag, 19, September. 20 Uhr, Stallschreiberftr. 29, bei Schullheß statt. Da noch Straßen, und Bahnrennen ausgeschrieben sind, auch andere wichtige Sportfragen zu erledigen sind, so müssen alle Mitglieder, Abteilungen und Ortsgruppen pünktlich zur Stelle lein. Für neue Mitglieder bietet sich noch Gelegenheit, sich zu den Rennen anzumelden. Das nächste Straßenrennen findet Sonntag, 22. September, dos nächste Bahnrennen am 29. September statt. Außer dieser Rennfahrerabteilung besteht in Berlin keine mehr. Gäste willkommen. Der Bundesvorstand tagt. Auf dem Wege zur Einheitsfront! Der Bundesvorstand des Arb«iter-Turn- und Sport- bundes nahm in seiner Sitzung am 15, September zu wichtigen Fragen Stellung. Der Vorsitzende G e l l e r t. gab«inen Rückblick vom Bundesfest, das gut verlaufen fei. Besonders erfreulich war dabei der Aufmarsch der Jugend und der wunderbare Zusammenklang der Jugend mit den Alten. Außer der Erinnerungsschrift, die in Kürz« herauskommt, ist das gesammelte Zeitungsmatcrial vom Bundesfest zu einer Broschüre zusammengestellt worden. Der B u n d e s f i l m ist bereits für 196 Tage vermietet. Gellert konnte auch über oiif� sehr gute Entwicklung des Bundes be- lichten. Die Zunahme neuer Mitglieder und Dereine überwiegt bei weitem den Abgang durch Ausschlüsse. Die Zahl der Bundesvereine ist von 6818 im letzten Jahr auf 6903 gestiegen. Von den Aus- geschlossenen sind bereits 22 Vereine zum Bund zurückgekehrt, die„Einheitsfront" ist also bald wieder her- gestellt. Der Termin für den nächsten Bundestag, der in Köln stattfindet, wurde auf den 31. Mai 1930 festgelegt. Di« Spartentagungen gehen voraus, die ZZerhandlungen des Bundestages beginnen am 1. Juni 1930. Wichtige prinzipielle Fragen werden den Bundestag be- schäftigen, so u. a. auch die Beteiligung des Arbeitersports bei be- hördlichen Veranstaltungen, Einweihungen von Sportstätten, Ver- faffungsfeiern. Der Lehrplan der B u n d e s f ch u l e, der für 1930 22 Lehrkurs« vorsieht, wurde genehmigt. Die Schule erfordert große Ausgaben, aber Einmütigkeit herrschte über die Notwendigkeit des weiteren Ausbaus der Schule. Der Bericht über die Lage im Bund wurde entgegengenommen, die Maßnahmen des gefchäftsfllhrenden Ausschusses gutgeheißen. Wieder lagen mehrere Anträge auf Wieder- aufnahm« von Ausgefthloffenen vor, die, soweit sie die Zustimmung vom Kreis und Bezirk hatten, genehmigt wurden. Zum Kongreß der Sozialistischen Arbeitersport- Internationale, der vom 12, bis 13. Oktober in Prag stattfindet, werden neun Mitglieder gewählt. Die Olympiade 1931 wird in Wien abgehalten. Islands Nationalsport. Es ist schon vieles über das reiche Wunderland des Nordens gchchrieben worden, über feine hohe Kultur, feine alt« Tradition und landschaftliche Schönheit, wenig oder gar nichts wurde bis jetzt von dem hochentwickelten Hauptsport des Isländers berichtet, von der G l i m a. Es ist dies«in aus der klassischen Friihzeit stammen- der Sport, der seinen Ursprung in ringkampfartigen Uebungen hat, bei denen gegenseitig Arme und Schulter oder das Kreuz umfaßt werden und zur Schonung der Haut als Gürtelringkanipf in feste Kampfregeln gebracht wurde. Der Leiter der Polkshochfchule Hvitarbakki in Island, Ludvik Gusmundsson, ist nun mit einer Truppe von 17 Glimakänipfern nach Deutschland gekommen, um hier Schau kämpfe zu vcran- stalten. In Neumünster, Kiel, Hamburg und Lübeck haben sie helle Begeisterung erregt, vor allem wegen der großen Meisterschaft, mit der die jungen Isländer, unter denen sich auch einige Glimakönige— jedes Jahr wird in Island der beste Glimokämpjer zum Kampfkönig ernannt— befinden, die Technik dieses Sportes beherrschen. Auch die Stadt Berlin hat die Truppe eingeladen, hier einen Schaukampf zu veranstalten. Das Städtische Amt für Leibesübungen hat am Donnerstag, 19. September, die Turnhalle Friedrichstraße 110/112 (am Oranienburger Tor) zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt. Für den Freund klassischer Leichtathletik wird sich ein Besuch dieser Schaukämpfe lohnen. C. B. StatitU füx«tbeiletfpvtt und«örpetpflege, 20. Be»itl. Heule. Montag, 20 lldt, im Palkehaue. Eckarnweberflt. 115, SoclcBfitzung. __ Tantiftenvetelu„Die N-lntfteunde", tzenltale Wien. Otlsgtuppe Berlin: Mittwoch, 18. Septembet, 20 Ulir, im Hackeschen Hof fgroßet Saal), Nofen- iboler Sit 40— 41: Heftetet Abend. Puggi-Muck spricht. Unloftenbeftrgg 20 Pf.— Abt. Friedrich, Hain: Dienstag, 20 Uhr, Frankfurter Allee 807. Musikalischer Abend.— Abt. Wedding: Dienstag, 17. Leptemher. 20 Uhr, gugend. gruppe, Seeftt. 84: Vortrag.— Abt. Treptow: Dienstag, 17. September, Spiele» auf der Wiese �S, Treptow.— Abt. Panlo»: Dienstag, 17. September, 20 Uhr. GLrfchftr. 14: Bortrag.— Abt. Mitte: Dienstag, 17. September, 20 Uhr, Johannis ftr. 15; Bunter Abend.— Abt. cSefundbrnnnen: Dienstag. 17. Sep- tember, 20 Uhr. Fugen daruppe. Echänftedtstr. 1, Lichtbildernartrag:„Tiere der "'— Abt. Siidoit, Fi'"-•*---- und Bild.— Abt. Selunddtnnnen: Donnerstag. 18. September. 20 Uhr, Pant- Ecke Wiesenftratze: Unsere Ferienwanderungen im Bild.— Abt. Tiergarten: Dannerstag. 18. September, 20 Uhr, Lehrler Str. 15—18: Varlraa.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 18 September. 20 Uhr, ffiunictftr. 44: Mulitabend.- Abt. SjUNveft: Donnerstag. 18. September, 20 Uhr. Porekftr. U: Ferienerleb- ntffe.— Raturlunbliche Abt.: Donnerstag, 18. September.» 20 Uhr, Johannis- stratze 15: Tiroler Bergfahrten. FTSB., FreikSrperknltutfparte. Diensiag, 17. September, ISli Uhr, Bor- trag:„Die Serualnot der Jugend", im Heim Moabit. Schule Waldenferftr. 21. Säfte haben Zutritt. Freie Schwimmet«tatz-Betlin,«tnppe Lichtenberg Die llebungsabende im Städt. Bolksbad Hubettusfttake find: Dienstags, 20 Uhr, männliche Mit. glieder. Männerhalle: weibliche Mitglieder Frauenhalle, Freitag», 20 Uhr. gemeinsame» Ueben, Frauenhglle. Sie müssen mehr verdienen! UndSiewoIIenessicheraudi. 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SpiUelkolonnaden im Abbruch Das Schicksal der Spittelkolon- imden in der Leipziger Straß« voll- zieht sich nun so, wi« die Berliner Genieindebehörden und die preußische Staatsregierung entschieden haben. Mit dem Abbruch des den Verkehr hemmenden Bauwerks ist setzt begon- nen worden, zunächst an der aus der Südseite der Leipziger Straß« stehen- den Kolonnade, linser Bild zeigt, welchen Anblick die Kolonnaden hier geboten haben, sie und die kahlen Hausgiebel, die ihn«» als Hintergrund dienten. Wer an der Meinung fest- hält, daß dieser Anblick„schön" sei, dem ist nicht zu helfen. Die Kolon- nadcn, die ihr Schöpfer Gontard im 18. Jahrhundert in die damals mit niedrigen Häusern besetzte Leipziger Straße hinemgestellt hatte, paßten schon im 19. Jahrhundert nicht mehr zu dem völlig veränderten Straßen- bild. Hätte Gontard sie in dieser Umgebung wiedergesehen, er hätte gewiß selber verlangt, daß man sie hier wegnimmt und a n anderer Stelle in geeigneterer Umgebung neu aus» stellt. Dieser Wunsch ist auch in dem Stadtoerordnetenbeschluß ausgesprochen worden, der dem die Kolonnaden und ihren Abbruch betreffenden Vertrag zwischen Stadt und Staat zustimmte. Ob und wo die Kolonnoden wieder aufgestellt werden sollen, darüber ist noch nicht entschieden worden. Man braucht bei der Wiederauf- k)" Krt, stellung nicht so zu verfahren, wie man es bei den Känigskolonnaden gemacht hat, die früher am Bahnhof Mexanderplatz standen. Es war sehr kurzsichtig, dieses Bauwerk in das Wohn- unt�, Geschäfts- viertel der Potsdamer Straß« hineinzustellen, wo es jetzt schon wieder von der Nachbarschaft hoher Häuser erdrückt wird. Die Spitteltolonnaden sollte man inmitten eines Parkes auf- stellen, in dem keine himmelstürmenden Hausriesen sich auf- recken können. „Schauermärchen" Eingeständnis des Terrors im wilden Dstohrlegerstreik. Die Brandmartung der Methoden zur Verbreiterung des wilden Rohrlogcrstreiks in der Freitagausgabe des„Vorwärts" suchte das Kommunisteirblatt als„Schauermärchen" und„Greuelnachrichten" abzutun. Doch so wie das Klischee über die Arbeitsberechtigungskarte in der Druckerei der„R. F." auf den Kopf gestellt wurde, ebenso wurde in der Redaktion des Blattes die Wahrheit auf den Kopf g e st e l l t. Dort aus Versehen, hier aus Gewohnheit und mit Absicht! Die Gen, ein he it, gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, die mit dem wilden Niederkirchner-Streik nichis zu tun haben, in ihren Wohnhäusern als„Streikbrecher" anzuprangern und ihnen die kominuniftischen Rollkommandos auf den Hals zu hetzen, wird nicht mir nicht bestritten, sondern obendrein zu rechtfertigen versucht. Als handele es sich um die einfachste Sache von der Welt, wird in gekünstelter Naivität dazu bemerkt: „Die. Streikenden sind dazu übergegangen, die Hausbewohner darauf aufmerksam zu machen, daß ein Streikbrecher im Haus« wohnt, damit sie wissen, mit wem sie e» zu tun haben. Dieses Mittel hat sich bereits als sehr wirksam erwiesen..." Die Berliner Arbeiterschast weiß jetzt allerdings, mit wem.sie es bei dieser Schurkerei gegen Mitglieder des Metallarbeiterver- bandes zu tun hat: mit der KPD. und ihren Trabanten. Di« Organisationsspalter, die Schädling« der Gewerkschaftsbewegung. suchen vergeblich im Tarifvcrhältnis stehende Arbeiter als„Streik- brecher" zu beschmutzen. Sind diese„revolutionären" Terrorübungen Schauermärchen? Es sind Tatsachen, die von jener Seite zu- gegeben werden. lieber das„Schauermärchen von der geschlagenen Frau", die mit ihrem Ehemann zusammen im Bureau des Deutschen Metall- arbeiterverbandes den Ueberfall.und die Mißhandlung zu Protokoll gegeben hat, geht das Blatt mit der Ausrede hinweg, die Streikenden hätten keine Veranlassung, derartige„Greueltaten" zu begehm. Um so übler, wenn sie es dennoch tun. Da Niederkirchner seine Streikfront nicht„verbreitern" kann, hat er außer seinen Parolen sein Streikkomitee verbreitert. Die Frauen der Niederkirchner-Gruppe wurden zu einer Versammlung kommandiert, in der sie„aus ihrer Mitte" zwei Kommunistinnen in das Streikkomitee zu wählen hatten. Dieses Manöver soll als Gegenbeweis dienen bei der Ableugnung des Ucbersalls der Frau Höhne in ihrer Wohnung. Diese? GltuaNonsberlcht üb«? den wilden Streik schfießt mit der Parole:„Jeder Berliner Arbeiter muß heute einen Stunden- lohn für die Rohrleger zeichnen." Jeder Berliner Zlrbeiter, der noch einen Funken Selbstachtung im Leibe hat, rückt von dieser terroristisch-kommunistischen wilden Streikaktion weit ab! Den kommunistischen Gewerk. schaftsfeinden keinen Pfennig! * Die„Durchbruchsschlacht" der KPD. Daß Niederkirchner bei dieser„Durchbruchsschlacht" mer «ine vorgeschobene Figur ist, die van ihm geführt« und vom Deut- schen Metallarbeiteroerband abgesplitterte Gruppe der Rohrleger und Helfer nur deshalb in den wilden Streik getrieben wurde, um dem„revolutionären" Geltungsbedürfnis der KPD. aufzuhelfen, zeigt sich immer deutlicher. Die Bezirksleitung Berlin-Brandenburg der K o m m u- n i st i s ch e n Partei ladet alle ihre im Baugewerbe tätigen Anhänger heute nach Haverlands Festsälen ein. Die Bauorbeiter sollen mit in diese„Durchbruchsschlacht" einbezogen, mindestens ober dazu getrieben werden, den arbeitenden Rohrlegern, die weder mir Niederkirchner, noch mit der KPD. etwas zu tun haben wollen, auf den Baustellen alle erdenklichen Schwierigkeiten.zu machen. Selbst der„J n d u st r i e v e r b a n d" der Bauarbeiter„wird es sich nicht gefallen lassen, daß irgendein von der KPD. dirigiertes Organ die Bauarbeiter veranlaßt, Forderungen auszustellen, in den Streik zu treten und es dann den anderen freundlichst überläßt, die Kriegskosten zu begleichen". Um so weniger läßt sich das der Baugewerksbund gefallen. Gegen den Terror der kommunistischen Sturmkolonnen muß die gehörige Abwehr, organisiert werden. Es ist kein gewerk- schaftlicher Streik, nicht einmal mir ein wilder gewerkschaftlicher Streik, sondern eine kommunistische Parteiaktion, zu der die Rohrleger der Niederkirchner-Gruppe als„revolutionäre Sturmkolonne" mißbraucht werden. Wer sie irgendwie unterstützt. dient dem Treiben der sich„revolutionär" gebärdenden Hanswurste in der KPD.-Zentrale.__ Zaristische Verschwörer. In Leningrad verurteilt. Moskau. 16. September.(Sowjetagentur.) Di« gegenrevolutionäre Organisation„W iedergeburt" ist aufgelöst. 70 Teilnehmer wurden zu verschiedenen Straf- maßeff verurteilt. Die Organisation hatte sich den Sturz der Sowjetmacht zur Llufgab« gestellt. Sie stand mit Pariser Weiß- gardisten in Verbindung. Um kine sowjetfeindliche Bewegung zu schassen, organisierte sie verbotene Zirkel und bildete deren Mit- gli«der im individuellen politischen Terror aus. Di« Mitglieder der Organisation setzten sich aus früheren Gutsbesitzern, Beamten der Zarenzeit, früheren Ofsizieren und Geistlichen zusammen. weiter für Verlin: Zeitweise heiter, nachts kühl, Tagestempe- raturen etwas ansteigend, leichte östliche Winde. Für Deutschland: In der östlichen Hälfte meist heiter nüt kühler Nacht, in der west- lichcn Hälfte noch überwiegend bewölkt ohne wesentliche Nieder- schlüge. Pcranlwortlich Mr die R-b-kti-n: Fr-i»»lüh«. Berlin;«nzeigrn: r».»U»i«. Berlin. Verlag! V-rwörl, Verlag lS. m.». H.. Berlin. Druck: Varwart, Buch- druckcrei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW L8, Llndenstttlke 2. Licrzu l Beilage. | Xhealet. Lidtlspiele usw. st — i. n--uy—, ji j._«mu__ Montag, 16. 9. StaalsOper Unter d. Linden . A.-V. 192 20 Uhr Staals-Oper Arn Pl.d.Republ. Vorst. 46 20 Uhr Montag, 16. 9. Stadl. Oper ßisrnarckstr. Turnus III 20 Uhr Gischlnieoe forrttlhun) Itaitl.SdiaDsph. am Gendarmenmarkt R.-S. 52 • 20 Uhr Hans im Sdmakenlodi Staatl.Seliiller-Theater.Cliarltli. 20 Uhr 2X2= 5 CA5INO-THEATER Lothringer Strafe 37. Täglich 8', Uhr Der neue Erottnungs- Schlager Wem flshörl mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Leser: Gutschein für 1—4 Personen Fauteun nur 1.25 M., Sessel 1.75 Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M Gustav Härtung Renaissance-Theater Ueber SO Mal: 7»,< Uhr Die heilige Flamme i v.W.S.Maughatn. Rnii: Oust. Härtung _ in der Premlerenbeseuung Meinplate C 1. 0901 o. 2583/84. Härder, bergstr. 8. I Rose- Theater, Grobe Franktnrler Str. 137. Bestellkasse: Alexander 3422 Täglich 8.15 Uhr: Die Weber Schauspiel in 5 Akten von Gerhart Hanptanaaia Regie: Paul Rose Jeden connabend 5.00 Uhr und jeden Sonntag 2J0 Uhr Br. Aässtattungsmarctien VolKsbUlme Tbeilet amBülowplati Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin Staall.1diiile[-Tli. 8 Uhr 2*2= 5 Slaalsoper am Plali der DepukllR 8 Uhr Salome Pisealor- Bühne 8V4 Uhr DerKaurmann von Berlin Vorverkauf auch im Pavillon der Rein hardtbühnen, Kurlürstendamm, Ecke Uhlandstrade Bismarck 448,419 Deutsdies THeatei 0.1. Norden 12 316 8 Us Ende gegen II Zum IUI. Male Die Fledermans Musik v.Joh.StrauB. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung und Leitung E. W. Korngold. Ausstattg. L.Kalnei Kammerspiele D.I. Norden 12310 8'.», Ende gegen lO'/s Der llDwiderstehlictie Komödie von Gdraldy und Spitzet Regie: Gustckl Oründgens Die Komödie J 1 Bismck.2414/7516 T/iUhr Ende gegen 10 Uhr Zum 1. Male Koiporlade Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Till, t lirtlell. S»««7, Ubr Baibtmu Kit Utitere Mten Preltc Wicbeatiii 5 Ubr SO Pf. blt 3 Marl TIqI. tv, I. SlMt 5 Ubr 1>i» 6 Hifk Ortstnml- Rmatclli n.w. PLAZA lägt. S u.«Ii j Soiml. 2. S n. 8 u _|«lax. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETt Thea), d. Westens Täglich 8V# Uhr Blaubarl Operette von Ottenbach Sonnab u. Sonntag nachm 4 Uhr LehartWelteriolgl Friederike Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8V« Uhr Max Adalbert in Clubleule Melropol-Th. Tägl. 8-/. Uhr Narieüa Mnslk v. Oskar Slraos Käthe Dorsch Michael Bohnen Lessing-Theater Norden 10846 Gruppe junger Schauspieler Täglich 8Vi Uhr Cyankali « 218 von rrltdridi Voll Winrer * Garren* 8 Uhr» Zeatr. 2818» Raudien eriaom Oajos 641a und weitere Varietd-Neubeiten Reichshallen-Theaier_ Abende[T] Sonnlag nachm.| 3| Fest-Programm! Iii« ü Sängn Nachmittags halbe Preise, das volle Fest-Programm I Billettbest. Zentrum 112 63 [ Dönhoff- Brettl: 10 Spezialitäten! Falkner- Orchester.— Tanz. Lnstspielhius Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8V« Uhr Grand Holel Lustspiel von Paul Frank Ifianon-Tli.Ms9kr Täglich 8V« Uhr Dernr.Lasbpielerlola Dts kommt doeh alle Tage vor Johannes Riemann, Vilmav.Aknay, Max Landa.Lotte Minder Planetarium — am Zoo Verlies Joidiimdha'trStnli B.S.Barbarossa 5578 16 bis 19 Uhr Lieht- bilderaussteltung 19bisl9<�Uhr Oer abendhimmel 20>. Uhr Das Weltall im Uehthild ntat.fuaKollk.Tor Kottbusser Str. 6 * Tägl. 8 Uhr SV. auch Sonnt. J im nachm. 3 U. Sß Elile- If sanfter ♦|C Das Seviamiier-SiBiastr' P r ua rannt I Besonders in der aeaamt* Auflage des Vorwärts und trotzdem v*a*»Ä* metsn s HOIZ- mstratzen s holz- Betten mau-eir«!, ac Kinderbetten, Polster, Sdilafzimmer, Chaise- .•a lonoues an Private, Ratenzahlg. KatalM 267 frt Eisenmöbeifabrik suhl(Thor.) Hei. Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! 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