BERLIN Mittwoch 18. September 1929 \ erschetat tätlich«»terS»«»t«ß«. Zugleich Abendausgab« de«.DorwSrU'. Bezug«prei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, 8,60 SR. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWes.LiadenSr.» 10 pk. Nr. 435 B 215 46. Jahrgang. lliei»en»ret«:Die einspaltige Nonpareille, eil« Pf., gieklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckivnt«: VvrwSrtS-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.«7536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 29? Die Reichswehr und die Bomben Verdächtige Briefe.— Was tun die„Zivitnt ajere"? fite.Slot« Sföhne' veröffentlicht folgenden Brief aus dem Be- sitz des Bombenottentäters Wefchke: Lübeck, den lö. 7. 1929, Roeckstratze 10. .Sehr geehrter Herr Weschke! Welen fiank für Ihre freundlichen Zeilen vom 13. d. M. und Ihre Bereitwilligkeit, mir«ine Unterredung zu ge- währen. Ich werde also Dienstag, den 23. 7., 10.36 Uhr, in Itzehoe eintreffen. Falls Ihnen irgend etwas dazwischen lamme» sollte, bitte ich. mir rechtzeitig Nachricht zukommen zu la'sen. Ich bin auch tolephonisch zu erreichen durch I n f.- R e g. 6, Fernruf Lübeck 26035/36, in der Zeit von Ml bis 1 Uhr. Es ineloet sich dann die Zentrale und Sie müssen hierauf Major Tiedemann verlangen, da ich in meinem Zimmer keinen An- schlutz habe. In meiner Privatwohnung ist Fernsprechanschluß Lübeck 21 783. Mit nochmaligem Dank und auf Wiedersehen! Ihr ergebener Jansen." Der Brief beipcist zum mindesten, daß zwischen Weschke und einer Persönlichkeit, die sich bei der Reichswehr zuhause fühlle, Pe- Ziehungen bestanden. Die.R. F." behauptet, der Unterzeichner Jansen sei mit dem Major Tiedemann identisch, der in dem Briefe genannt ist. Im Reichswehrministcrium aber ist, wie von dort ver- lautet, ein Major Tiedemann in Lübeck nicht bekannt. Damit fft Keine Verständigung! porieisührerbesprechung über Arbeitslosenversicherung ergebnislos. Die Führer der Regierungsparteien hotten heut« »ermittag unter dem Vorsitz des Reichsministcrs Dr. Wirch«ine neue Besprechung über die Arbeitslosenvers iche- r u n g. Wie wir hören, ist es auch hierbei zu einer Verständigung nicht gekommen. Die Verhandlungen im Ausschuß, die morgen wieder beginnen, dürften also zunächst ohne Bindurtg der Parteien fortgeführt werden. Der Vorstand der sozialdemokratischen Fraktion trat nach der Parleisührerbcsprechunz zusammen und nahm einen Bericht«nt» gegen. Er beschloß, die sozialdemokratische Fraktion zu Freitag nochmiilag 2 Uhr telegraphisch zusammen, uberusen. die Reichswehr natürlich nicht entlastet, die Sache wird vielmehr noch dunkler. Wer ist dieser cherr Jansen, der bei Weschke eine Unterredung nachsucht«, auf dessen Zusage hin nach Itzehoe fuhr und der sich des Telephons der Reichswehr bedienen konnte? Die Polizei hat allen Anlaß, sich für diese geheimnisvolle Angelegen- heil lebhaft zu interessieren. Die.Rote Fahne" veröffentlicht einen zweiten Brief, den ein gewisser v. Gaza am 26. Zlpril 1929 an den Generalmajor v. 5) a m m e r st e i n geschrieben hat. Dieser Brief ist schon am 17. Juni d. I. im Reichstag von dem kommunistischen Abgeordneten Kippenberger vorgelesen werden. Die Reichswehr hat danach erklärt, daß cherr v. chammerstein diesen Brief unbeantwortet gelassen habe.(Herr o. Hammerstein ist der Chef des Truppenamts.) Herr o. Gozo, ein verkrachter Grundbesitzer au» dem Bezirk Magdeburg, hatte an den Reichswehrgeneral einen Brief gerichtet, iu dem er sich danach erkundigte, welcher Reichswehrgeneral in dem Falle, daß der Reichspräfident auf den Art. 48 zurückgreifen sollte, die Diktatur übernehmen könnte. Der Brief, in dem u. a. die.Aus- rottung der Gewerkschaften mit Stumpf und Stiel" gefordert wird. ist konfuses Gewäsch. Der vertrauliche Ton aber, den der Brief- schreib«? gegenüber dem Adressaten anschlägt, läßt auf recht freund- schaslliche Beziehungen schließen. Das Ganze bleibt immerhin ein bemerkenswerter Beitrag zur Kennzeichnung des Milieus, in dem sich die hohen Offizier« der Reichswehr bewegen. Eine weit ernstere Bedeutung könnte jedoch dem Brief des geheminisoollcn.Jansen" an Weschle zukommen. Es ist unbedingt zu verlangen, daß diese höchst verdächtige Angelegenheit restlos auf. geklärt wird, Das Bureau in der Kaserne. Wir erfahren aus Lübeck: Major a. D. T i e d c- mann ist Zivilang.cstellter beim Standortkom» mando des Reichswehrregiments in Lübeck. Er hat sein Vnreau in der Kaserne. In seinem Bureau ist der Leutnant a. T. I a e s ch k e ebenfalls als Zivilangestellter bei der Reichswehr beschäftigt. Zaeschte stammt aus Itzehoe. Dieser Jaeschke ist der Verfasser des Briefes an den Bombenattentäter Weschke. Tie Kommunisten. dir diesen Brief bcrösfentlickzt haben, haben die Namens» Unterschrift offensichtlich falsch für Jansen gelesen. Die Telephonnummer der Privatwohnung des Jaeschke stimmt mit der in in diesem Brief angegebenen Telephon» «ummer überein. Sie ist jedoch nicht die Telephon» «Ummer des Majors a. D. Tiedemann, sondern eine« Frau, bei der Jaeschke zur Untermiete wohnt. Es ist also unbestreitbar, daß es in der Lübeckeu Reichswehrkaserne ein Bureau gibt, von de�t aus Fäde« zu den Bombcnwerfern laufen. Es ist unvermeidlich, daß in diesem Zusammenhang die Erinnerung an die„halbstaatlichen Tauerstellungen" austaucht, die die Agenten Ehrharitsz die P l a a ß und Genossen, bei der Neichsmarine innehatten. Gibt es in der Reichswehr noch derartige Halbstaat» lichc Dauerstellungen, die Putschisten Unterschlupf bieten und die Möglichkeit zu illegaler Arbeit in der Reichs- wehr? (Siehe auch 2. Seite.) 3)ie tBombenleger in �Berlin © 3)er Syndikus Welchke WMM Wltau Stein, der gtorddumffeur mU demSfandkoffer Staus Stickeis, der Sßombenhauptmann 3>er.Sahnenträger' Stlulhmann 3)ie in Altona verhafteten Teilhaber an den Stombenottentaten find geftem in Sterlin eingetroffen, SBei ihrer' Ankunft am£ehrler �Bahnhof trurden fte einaeln in Taxameter verladen und asum Unlerjuchungsgefängnis gebracht Die Reichswehr und di« Bomben Reichswehrministertum weiß von nichts. Dos Reichsweh nninistsrium konnte bis zum Mittag über seine Erklärung hinaus, daß es einen aktiven Major Tiedemann in der Reichswehr nicht gäbe, nichts weiter erklären. Der Hinweis auf den Oberstleutnant v. Tiedemann in Göttingen geht fehl. dieser Offizier hat mit dem Zivilangestellten Major a. D. Tiedemann in Lübeck natürlich nichts zu tun. Auf unser« Anfrage beim Reichswehrministerium hm, ob Major a. D. Tiedemann und Leutnant a. D. Jaeschk« bekannt seien, konnte das Ministerium noch keine Auskunft geben. Es will morgen darauf zurückkommen. Oer Raiffeisen-Skandal. Die Llntersuchung beginnt Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags zur Nach- Prüfung der Kreditgewährung der Preußischen Zentralgenossenschosts- kaffe an die Landbund, und Raiffeisengenossenschaft begann am Mittwoch vormittag seine Untersuchung. Nach der Eröffnung der Sitzung erhielt der Präsident der Preußenkasse, Dr. Klepper, das Wort zu längeren Darlegungen. Klepper bat die Erörterung unter dem Gesichtspunkt zu führen� daß es sich um erledigte Dinge handle, damit nicht neue Neunruhigung innerhalb der Landwirtschaft entstände und das Genossenschaftswesen geschädigt werde. Er legte dann die Ge- sichtspunkte dar, unter denen sich die Preußenkasi« im Jahr« 1S2S entschieden habe, die Raiffeisen-Bank nicht in Konkurs gehen zu lassen. Dies sei notwendig gewesen, weil sonst eine allgemeine Verwirrung und eine große Schädigung der Volkswirtschaft eingetreten wäre. Berichterstatter Abg. K u t t n e r kündigte eine Anzahl B e- weisanträge an in der Richtung, umgehend sämtliche bei der Preußischen Zentralgenosienschaftskasse befindlichen Vorgänge anzu- fordern, evtl. ihn als Berichterstatter mit der Einsichtnahme dieser Akten zu beauftragen, insbesondere die Denkschrift des Direktors o. Kameke und die Antwort des Aufsichtsrats hierauf dem Ausschuß zugänglich zu machen. Ferner werde er beantragen, sämtliche Strafakten über diese Angelegenheit anzufordern, sowohl die Akten der noch laufen- den Verfahren als auch der eingestellten Verfahre«! ferner, soweit möglich, die Akten der Raiffeisen-Bank herbeizuschaffen, insbesondere auch die darin befindlichen Revisionsberichte. Er schlage aber vor, inzwischen die Zeugen zu vernehmen und evtl., wenn sich aus der Akteneinsichtnahme noch nachträglich Fragen ergeben sollten, diese Fragen später an die Zeugen zu stellen. Im Anschluß daran �stellte K u t t n e r eine Reihe von Fragen »n Präsident Dr. Klepper. Soll Hindenburg ins Zuchthaus? Hitler fordert es ultimativ.-(Stahlhelm gegen§ 4. Der Krach in der Hugenberg-Front spitzt sich zu. Er ist soweit gediehen, daß die Bundesgenossen mit ultimativen Forderungen gegeneinander auftreten. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" be- richtet: „Der Zusammentritt des Präsidiums im„Reichsausfchuß für das deutsche Volksbegehren" ist auf den 21. September angesetzt worden. Geheimral hugenberg wird heute nach Verlin zurückkehren, um persönlich die Verhandlungen wegen der Ab- Snderung des Volksbegehrens zu führen. wie wir erfahren, hat sich nunmehr auch der Stahl- Helm dem Protest des Reichslandbundes und der Christlich- Rationalen Bauernpartei gegen den ß 4 des Volksbegehren» an- geschlossen. Die Rationalsoziali st en verharren ihrerseits u l l i- m a t i v auf der Beibehaltung des umkämpften Paragraphen. Für den 20. September sind Beratungen zwischen den führenden Persönlichkeiten der Deutschnationalen Partei über die kritische Lage vorgesehen." Das ist der berühmte Block Hugenbergs! Es scheint uns mehr ein gärender Brei zu sein, aus dem stinkende Blasen auf- steigen! Senaiswahl in Frankreich. Paris. 18 September.(Eigenbericht.) Aus einem Aufruf der sozialistischen Partei zu der bevorstehen- den Senatswahl geht hervor, daß die Partei im ersten Wahlgang allein marschieren wird: im zweiten Wahlgang wird sie mit den übrigen Linksparteien gemeinsam kämpfen. Der Wahlaufruf betont, daß die sozialistische Partei prinzipiell noch wie vor die Abschaffung des Senats fordert, im Augen- blick jedoch«ine Einschränkung seiner Machtbefugnisse, da er heute die Arbeit der Kammer durch Nichtbeachtung vollkommen sabotieren könne. presse und Lugendkatastrophen. Ausspracheabend des Bundes entschiedener Echulreformer in Schächten und einfallenden Strecken 34,5„(28,7„) 3) in söhligen Strecken und im Abbau. 15ch„(17,7„) 4) durch Sprengstoffe....... 1,5„(1,7..) 5) durch Gase Und Kohlenstaub... 3,0 ,.( 3,0„) Bei Ziffer 2 und 3 handest e« sich hauptsächlich um Unfälle bei der Fahrung und Förderung. f Kongreß für Gewerbehygiene. Oie Fabrikspeisung. Heidelberg, 18. September. Auf der Jahreshauptversammlung der Deutschen Gesell- schaft für Gewerbehygiene wurde als hauptverhandlungs- thema die Frage„Die F a b r i t f p e i f u n g" behandelt. Zu diesem Thema hatte der hyoieniker der Universität Heidelberg, Professor Dr. Gotschlich, ein Referat über„Die wissenschaftlichen Grund- lagen der Volksernährung" übernommen. Sodann sprach zu dem Thema Gewerbemedizinalrat Dr. G e rb i s, Berlin, über„Aerzt- liche Probleme der Fabrikspeisung". Als letzter Referent berichtcte Dr. Reutti, Berlin, über„Praktische Maßnahmen zur Durch- sührung der Fabrikspeisung". Mit einer ausführlichen Aussprache schloß die Behandlung dieses hauplthemas. hierauf begannen kurze Berichts über neuere Beobachtungen und Originalarbeiten auf gewerbehygienischem Gebiete, durch die den Kongreßteilnehmern ein Ueberblick über wichtige aktuelle Fragen des gesundheitlichen Arbeiterschutzes gegeben wurden. Es wurden hierbei u. a. folgend« Fragen behandell: Entwicklung von Lehrlingen; quecksllb erfreie Beizung in der Haarhutindustrie. Be° kämpfung de? Milzbrandes; arbestsphysiologische Probleme der Arbeit im Sitzen und im Stehen; Kohlenoxydvergiftung; Hygiene m Tiefdruckereien: Verchromungsanlagen; Arsenwasserstoffoergtstung; Bleivergiftung; Lärmbekämpfung: gesundheitliche Schädigungen ver- schiedener Art; hygienische Gestaltung von Filmaufnahmen u. dergl. An die Jahreshäuptoersammlung der Deutschen Gesellschaft für Gewerbehygien« schlössen sich die Veranstaltungen einer Aerztlichen Jahrestagung mit dem hauptverhandlungsthema„Die Behandlung der gewerblichen Berufskrankheiten" und eines allgemeinen gewerbe- hygienischen Vortragskursus für das südwestdeutsch« Industriegebiet. Buchdrucker fordern Arbeitslosenschuh. 25 Mark Sonderuntrrfiühung für Berliner Ausgesteuerte. Di« Notlage der Arbeitslos«, und der Kampf der freien Ge- werkschaften um die Arbeitslosenversicherung bildeten den Haupt- punkt der Tagesordnung einer stark besuchten Generalver- sammlung der Berliner Buchdrucker am Dienstag abend im Bewerkschaftshaus. Nach einem mit Beifall aufgenommenen Vortrag des Sekretärs des ADGB., Genossen Spliedt, über den von den Unternehmern geplanten Generalangriff auf die Sozial« Versicherung wurde folgende Entschließung gegen wenige Stimmen angenommen: „Die Generalversammlung des Verein? der Berliner Buch- drucker und Schriftgießer protestiert entschieden» gegen den Abbau und die Verschlechterung der Ar- beitslosenoersicherung. Die Funktionäre wenden sich gegen die Vorschläge des Reichsrats und die Hetze der bürgerlichen Presse. Es ist nicht tragbar, daß infolge von Naturereignissen, wie es der außergewöhnlich harte und langandauernd« Winter war, und unter Vorgab« von Mißbräuchen beim Bezüge der Ar- beitslofenunterstützung die Arbeitslosen der kümmerlichsten ExistenMittel beraubt werden. Die Funktionäre erklären ein- mütig, daß sie alle Verschlechterungen zurückweisen. Sie ver- langen von ihren Vertretern in den Parlamenten und Instanzen, daß sie mit aller Energie und mit ollen zu Gebote stehenden Mitteln für die Opfer der heutigen Wirtschasts» weife eintreten. Ferner bewies die Generaloersammlung praktische hilfs- bereitfchaft durch materielle hilf« für die Arbertslosen. Auf ein- stimmigen Beschluß wird allen arbeitslosen Mitgliedern, die bis zum 21. September ausgesteuert sind, ein« Sonderunter» stützung von 25 Mark ausgezahlt. Der Geschäftsbericht des Gauvorsitzenden Braun spiegelte die Arbeitslosigkeit im letzten Quartal wider, die nicht mehr nur eine Konjunkturerscheinung, sondern in erster Anie «ine Folge der Rationalisierung im Buchdruck- gewerbe ist. Don rund 15 700 Mitgliedern sind fast 170 0 arbeitslos. Zu den Maßnahmen des Gauoorstandes zur Linderung langanhallender Arbeitslosigkeit gehören die bereits durchgeführt« Einbeziehung des Buchdruckgewerbes in die Krisen- fürsorge. lieber Verlängerung der Unterstützungstmue, wird verhandelt. Dem Buchdruckergesangoerein„T y p o g r a p h i a" werden aus Anlaß seines öOjährigen Bestehens 5000 Mark als Ehrengab« überwiesen. Als Kandidaten für die Wahl von drei Beisitzern für den Derbandsvorstand wurden von der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung Bruno Kretschmer, Karl Krüger, Lrtur Petzold. Otto Pieper und Alfred Schulze aufgestellt. Die Urwahl erfolgt in der nächsten Woche. Reichspräsident von hindenburg hat heute vormittag Berlin oerlassen, um«inen etwa 14tägigen Erholungs- und Iagdaufenthalt auf dem Lande zu verbringen. Zerieniage eines freien Schriststellers. Von Friedrich Natteroth. Ich habe zu meiner Frau gesagt: „Anny, also von morgen ab beginnen unsere Ferien. Es ist zwar schon etwas spät im Jahr, aber das Wetter ist noch sommerlich. Ich bewillige uns vier Wochen." Meine Frau hat nichts gesagt, was eigentlich viel schlimmer ist, als wenn sie etwas gesagt hätte. Sie wäre so gern einmal an die See, ich in den harz gefahren. Abends im Schlafzimmer sagte ich: „Jetzt beginnen wir unsere Ferienreise. Du weißt, in der Nacht reist es sich bei der Hitze besser als ain Tage. Du wirft von der Ostsee träumen und ich von Schierke. Ich fühle schon ganz deutlich. wie die Tannen über mir rauschen und dann— dieser herrliche Ozon. Merkst du es nicht?" Meine Frau wandte mir den Rück«,, sie tat. als od sie bereits schliefe. Aber nach einem Weilchen begann sie davon zu sprechen, daß ich mir zum Anzug eine zweite Hose taufen müßte. Die aste Hose frans« berests aus. auch bekäme sie die Flecken nicht mehr heraus. Ich schämte mich, daß ich Fleckenwassergeruch mit Tannen- duft verwechselt hatte und fand zuletzt diese falsche Illusion uner- träglich. Wir gerieten in Streit, ob die Schlafzimmerfenster ge- öffnet werden sollten oder nicht. Ich war dafür, wenigstens für die Zeit unserer Ferien. Mein« Frau behauptete, ich wäre verrückt; von Ferien merke sie nichts. Auch könnte sie unmöglich bei dem Geräusch auf der Straße«inschlafen. Ich bewies ihr, diese Geräusche wären die richtigen, denn sie gehören unbedingt mst zu einem Ferienaufenthalt. Auf dem Lande jaulen die Hund« auch die ganze Nacht, und morgens um drei Uhr beginnen bereits die Hähne zu krähen. Sie wisse das doch von ihrem Besuch bei Tante Amalie, an einen Schlaf ist da nicht zu denken. Wir reißen also alle Fenster der Wohimng auf, damit ein tüchtiger Durchzug entsteht und schlafen uns tüchtig in die Ferien ein, wenigstens ich. Ich bin in dieser Nacht, weiß Gott wo, in Spitz- bergen und erlebe das große Wunder der Mitternachtssonn«. Man muß mir die große Wunschkraft besitzen, dann erreicht der Mensch alles, was er will. Morgens um vier Uhr hatten ww bereits unser erstes Ferienerlebnis. Wir werden durch einen Spek- takel wach, der im Fenster entsteht. Da sitzt ein Spatz auf dem Fensterbrett und schimpft und schilpt zur Stube herein, bis wir ihm drohen und ihn verscheuchen. Dabei entdecken wir auch die Ursache seiner Erregring: ein Spatzenjunges hat sich im Schlafzimmer unter das Bett verflogen. Meine Frau erklärt, es wäre meine Pflicht, unter das Bett zu kriechen und das Tier zu fangen. Ich protestier«, denn sie weiß ebenso wie ich, daß ich bei meiner Fülle nicht um... die niedere Betsstatt gelange, während es meiner Frau bei etwas Nachhilfe schon besser gelingt. Derweilen aber schilpt und piepst dos Junge unentwegt weiter. Meine Frau unterm Bett schimpft auch, daß ich ihr blaue Flecke drücke, und wie wir uns bemühen, aus dieser unhallbaren Situation zurückzufinden, werfen wir den Apollo von Belveder« vom Ständer, der mir schon lang« ein Dorn im Aug« war. Von dem Gepolt«? werden nun auch die Kinder wach, die sich an der Jagd nach den, kleinen Vogel beteiligen. Die Leute unter uns klopfen an die Deck«. Endlich haben wir ihn gefangen. Ich sag«'„Weißt du, mein Schatz, vor 20 Iahren wäre dieser Bogel bestimmt«ine Nachtigall gewesen. Du verstandest dich damals besser auf das Fangen!" „Ach was, laß ihn fliegen!" sagt meine Frau. Die Kinder pro- testieren, sie wollen erst noch ein bißchen Spaß haben. Ich schlage vor, daß wir abstimmen, denn ich bin dafür, daß wir ihn als „Taube auf französisch« Art" auf den Tisch bringen. Der Dorschlag wird von ollen entrüstet abgelehnt. Der Spatz flattert also wieder zur Stube hinaus und wir bücken in bloßen Hemden und barfuß aus den Fenstern ihm nach. Die Sonn« kommt eben über dem Dach hervor. Wir sehen zu, wie die Spatzenmutter auf dem gegenüberliegenden Balkon erst das Junge schilt, dann es füttert und zuletzt ibm gütlich zuredet. Worauf sie mit ihm noch dem heimischen Nest unter der Dachrinn« fliegt. „Genau wie auf dem Lande!" sage ich. Am Nachmittag des ersten Ferientages Hot meine Frau und ein Kind Mandelentzündung durch dos Aarfußstehen am Morgen be- kommen. Sie gurgeln und kühlen. Aber in schwierigen Augen- blicken findet meine Frau immer den rechten Humor.„Genau wie auf dem Lande!" sagt sie. Am zweiten Ferieniage beschaffe ich mir Attest«, Medizin und einen Arzt. Abends lese ich meiner Frau aus Heines Werken„Die Nordsee" und„Die Horzreise" vor, wobei unser beider Wunsch nach der Ferne zufriedengestellt wird. Am dritten Ferientag« lasse ich mir als freiwilliges Mitglied der Ortskrankenkasse einen Zahn ziehen. Am vierten Tag steht meine Frau auf und ich lege mich ins Bett, weil mein« Backe geschwollen ist. Wir wärmen mit heißen Sandsäcken, auch habe ich Komillenduft im Munde wie auf dem Lande. Ant zehnten Tag meiner Ferien stehe ich auf und schreibe dieses Feuilleton. Weil einem müden und abgedroschenen Schrifssteller immer die besten Gedanken in einem Ferienaufenthost kommen. Zwei amerikanische(Schlager. Schauburg. Das muß man den Amerikanern lassen, sie verstehen den Film volkstümlich aufzuspielen. Sie wenden sich an die primitiven Instinkt« und langweilen die Leute nicht mst ausgetlügesten Sachen. Wir freilich möchten«ine andere Volkstümlichkeit, einen anderen Gehalt und andere Vorzeichen. Aber in der Art, wie sie so einen handgreiflichen Film anpacken, könM«n wir von ihnen nur lernen. Da ist zunächst Tom Mix, bei uns ebenso populär wie drüben, in einer neuen Rolle(„D er Sohn des goldenen W e st« n s"). Immer wieder hat man sein« Freud« an den braoou- rösen Künsten, er restet wie das llngewitter, ist ein Meister in allen Finten und Halsbrechereien. Diesmal kommt er uns historisch als Postrester, der im fernen Westen es mst einer ganzen Band« von Banditen auszunehmen hat, die der von ihm überbrachten Post nachstellen. Vergnüglich ist es mit anzusehen, wie die Amerikaner um des Effektes willen sich selber blohstellen; daß die Post geplündert und dabei so und so viele Menschen getötet werden, das scheint dort vor 60 oder mehr Iahren etwas Alltägliches gewesen zu sein. Aus sein« Art ebenso volkstümlich sst Louis W o l h« i m, den wir schon von verschiedenen anderen Filmen her kennen, ein Kraft- ierl mit der eingeschlagenen Nase, wie ihn Rodin und vor diesem längst die Antike bereits gestallet haben. In„Kamerad S l a g" kommt er uns von der sentimentalen Seite. Wegen seiner Tapser- keit ausgezeichnet, kehrt er aus dem Krieg zurück und beginnt seine Friedenstätigkeit in seinem Heimatnest mst einem erfolgreichen Einbruch. Das Geld verwendet er, um seinen wieder entdeckten Scchn in ein« Militärschul« einzukaufen. Rührend ist das Verhüll- nis von Dater und Sohn gezeichnet. Väterchen wird dem Jungen zuliebe Stallknecht in dessen Schule, gibt das Sausen und Stehlen auf und gibt sich ihm erst zu erkennen, als er im Kampf mit ehe- maligen Spießgesellen tödlich verwundet ist. In diesem Film wird gleichzellig nicht nur die aufopfernde Vaterlieb« gefeiert, sondern vor allem auch Onkel Sams herrliches Militär. Di« Pest des Militarismus scheint danach drüben heut« ebenso verheerend zu grassieren wie früher bei den Preußen. Ein entzückender Junge, gekennzeichnet durch seine Sommersprossen, ist Junior C o h l a n. Sotsseidank keine Nachahmung von Iackie Coogan, sondern Eigen- wuchs. r. „Oer 13. Geschworene." primus-palast Den 13. Geschworenen bekommt man nur im Titel zu sehen, denn im Film selbst kommt er nicht vor. Dieser hat ein unmögliches Manuskript, das widepspruchslos ertragen wird, weil das Publikum sich augenblicklich machtlos gegen di« Kriminalfilmseuch« dünkt. Ein Rechtsanwalt, der romantische Beziehungen zur Unterwelt hat, spiell vor Gericht Komödie. Er appellier» derart wirkungsvoll an die Tränendrüsen, daß er stets Freisprüche erzielt Per Zufall aber wird er selbst zum Totschläger und sein Freund gerät dieser- halb in Mordverdacht. Da gelingt es ihm nicht, oen Unschuldigen zu retten. Endlich gesteht der Rechtsanwalt(dessen Schweigen völlig unerklärlich sst), und wird freigesprochen. Es scheint so, als ob jeder Regisseur heute erst sein« Eignung für den Kriminalfilm erbringen muß. um von der Industrie über- Haupt beschäftigt zu werden. Edward Laemmle wirkt durch Theaterefsekt«, die durchaus kein Leweis für wahres Filmkönnen sind. Bei Francis Buschmann, dem Advokatestdarsteller, bemerkt man die Schmink« und die Mach« und man wird verstimmt. Grauen erregend ist Martha M a t o x al» Hausdame. Sogar für Nervenstarke geht immer von dieser Frau ein gewisses Gruseln aus. das sich die smarten Amerikaner für besondere Schauerszerxn zu sichern wissen._«. K Die Ausslelluna„Toni und Xanjfof.üm" in der Staatlichen Kunllbibliotbet wird bis Ende Lliob r verlängert. Tie ist um Kostüm-Aqu-rrelle von OStar Schlemmer(BaubauS) und Sntwüife von Steian Seböck und Moholy-Nagy zu der Frage„Tanz und Theater« bereichert worden. Curt Herrmann. Zluif seinem Landsitz im oberfränkischen Pretzfeld ist der Maler Eurt Herrmann im 76. Lebensjahr gestorben. In Berlin hat er geschlossen zum letztenmal 1921 bei Cassirer ausgestellt; einzelne Bilder von ihm hat man vielfach und an manchen Stellen gesehen. Immer waren es Blumen, Landschaften, mst Vorlieb« winterlich« Schneemotio« und Interieurs, die durch ein« sehr eigene Handschrist und leuchtend« Farbenpracht entzückten. Mehr gehauchte Disionei. von schönen Dingen als Abbilder, in«in«? Technik gemalt, die von der spätesten Entwicklung des Impressionismus herkam, dem Pointillismus der Seurat und Signat. Neben Paul Baum war Herrmann der einzige Maler in Deutschland, 0er sich dieser schwierigen und in ihrer Wirkung beschränkten Malweis« bedient hat. Anfangs hat der(am 1. Februar 1854 in Merseburg geborene) Künsfler, Schüler von Slefseck in Berlin, dann von Lindenfchmit in München, in solider,.fast altmeisterlicher Technik Bildnisse gemalt. Die große Wandlung setzte mit feiner Uebersiedlung nach Berlin 1893 ein, wo er der Sezession angehört«" als eins ihrer fortschrittlichsten Mitglieder. Sein« seit mehr als dreißig Iahren entstandenen Ge- mälde sind von hohem dekorativem Reiz, dank ihrer Schönsarbigkeit und der ausgezeichneten Fleckenverteilung: letzte Ausläufer der impressionistischen Bewegung, di« mit Curt Herrmann«inen ihrer begabtesten und liebenswürdigsten Vertreter verloren hat Dr. Paul F. Schmidt. Nie modernste Bühne der Welt. Der Umbau des Münchener Staatstheaters, mit dem bekanntlich schon vor zwei Iahren begonnen wurde, hat durch den Beginn der Winterspielzeit«ine neuerliche Unterbredjung erfahren. Man hofft jedoch, denselben 1931 fertiggestellt zu haben. München hat dann di« modernst« Bühne der Welt. Die neue Bühne wird als versenkbare Doppelbühne hergestellt, die außerdem eine groß« Hinterbühne hat, die durch einen eisernen Vorhang von der eigent- lichen Spielbllhve getrennt ist. Die ausnutzbare Gesamttiefe der Bühnen wird sich auf 60 Meter belaufen. Auf zweien von den vier ziemlich gleich großen Bühnenflächen, die in zwei aufeinander- liegenden Stockwerken vorhanden sind, kann abwechselnd gespielt und auf den jeweils zwei freien die Dekoration aufgebaut werden. Die Gesamtunkosten des Umbaues werden auf etwa IM Millionen Mark veranschlagt. Ein neues Gist. Das Geheimnis eine» tödlichen Giftes, das von einem bisher anbekannten Bazillus ausgeschieden wird, wurde kürzlich durch einen Vortrag von Professor Leonard Hill, dem Direktor der Abteilung für angewandte Physiologie des Londoner Nationalinstituts für medizinische Forschung, enthülst. Der Forsch«? oerbreitet« sich aus- führlich über die ungewöhnlich starke Wirkung des Gifte«, lehnt« es ober vorerst ab, auf Namen und Art de» gefährlichen Bazillus näher einzugehen. Er begnügte sich mit der Erklärung, daß ein klein«? Teelöffel dieses Giftes genüge, um einer Million Menschen den Tod zu bringen. Hill sagte u. a.:„Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf einen gewissen Bazillus lenken, der namenlos bleiben muß, der aber leicht zu kustivieren ist. Wenn Menschen für das von ihm ausgeschiedene Gift so empfindlich sind wie Meerschweinchen— und es besteht kein Grund, daran zu zweifeln— so ist die Tatsache festzustellen, daß «in Gramm, d. h. ein kleiner Teelöffel des getrockneten Giftes genügt, um«ine Million Menschen zu töten. Di« Giflwirkung erfolgt durch Einatmen oder durch die Berührung des gisthastigen Staube» mit den Augenschleimhäuten. Was kann uns unsere ganze Krieg?« rüstung nützen, wenn Menschen es sich einmal angelegen sein lassen. «in solches Gift zu präparieren und oermittels Flugzeugen zu ver- breiten'? Ist«s nicht an der Zeit, die enormen Summen, die wr für die Kriegsrllstung ausgeben, lieber dazu zu verwenden Krankheitsverbreitung einen Damm entgegenzustellen?" Rüstung zum Wahlkampf! Versammlung der Betriebsvertrauensleuie. Eine Sberfüllke Versammlung der sozialdemokraiischen Letriebsverlrauensleule und Gewerkschafksfunkllonäre Verlin» zeigte, wie wir geistig den Kommunalwahlkamps vorbereiten. Auch hier versuchten einige kommunistische Gewerkschaft»- funktionäre Einlaß zu finden. Sie wurden ohne viel Aufregung von der Kontrolle aus dem Saal gewiesen. Einer von ihnen, dem es gelungen war, durch die Kontrolle zu schlüpfen, besaß sogar die Unverschämtheit, sich als erster Diskussionsredner zu melden. Er stammelte aber so wirres Zeug, daß er selbst sein« Rede über die„Verrätereien der Sozialdemokratie" unter dem Ge- lächter der Versammlung abbrach, bevor er hinausgeführt wurde. Das Referat des 2. Borsigenden des Berliner Bezirksoerbandes Genossen Litke:„Der Kampf um die Kommune" wies aus die Bsdeutung hin, die der Kampf um die sozialdemokra- tische Mehrheit im Berliner Stadtparlainent weit über Verlin hinaus als Ansporn für ganz Preußen und als Kampf um die größte aller deutschen Kommunen hat, die weitergehende und wich- tigere Aufgaben erfüllt als mancher deutsche Bundesstaat. Aber weil den Gemeinden die Ausführung vieler Reichs- und Landes» gssetze in solchen Einzelheiten obliegt, die tief in das soziale und private Leben der Werttätigen eingreifen, sind gerade diese Exekutiv- organe weit wichtigere Machtpositionen als vielfach geglaubt wird. An Hand eine» sehr ausführlichen Zahlenmaterials zeigte der Referent die Bedeutung der kommunalen Arbeit der Sozial- demokratie auf den Gebieten der Sozialpolitik, des Wohnung». baus und der Kulturpolitik. Er wies auf die bisher erreichten Erfolge hin, die aber noch u n g e» n ü g e n d sind, weil die Sozialdemokratie kome Mehrheit hatte. Immerhin find bei der Beratung des Stadtetats SO proz. aller angenommenen Anträge von der sozialdemokratischen Fraktion gestellt worden. Mit der heuchlerischen Arbeiterfreundlichkeit der Bürgerlichen oller Schattierungen und der arbeiterschädlichen und verlogenen Radaupolitik und Demagogie der Kommunisten rechnete Genosse Litke unter Hinweis auf die Tätigkeit ihrer Fraktionen besonders gründlich ab. Gegenüber den Lobpreisungen russischer Verhältnisse und der Beschimpfung der Leistungen der deutschen Sozialdemokra- tsn konnte er darauf hinweisen, daß Berlin allein für die ge- samte Kommunalsürsorge 18mal niehr ausgibt als sämt- liche russischen Äommunalverwaltungen! Wirk- liche Arbeit für das Proletariat wird in der Kommune nur geleistet von der Sozialdemokratie! Genossin Wurm richtete noch«ine kurze anfeuernde Aussprache an die Versammlung zur verstärkten Agitation und Aufklärung unter den Berliner Frauen, die die Mehrheit der Berliner B«- völkerung bilden und zu einem sehr großen Teil selbst Werktätige sind. Der Kampf der Sozialdemokratie ist ihr Kampf! Amerikas warnendes Beispiel. Eine Lehre für die Berlehrspolitik Berlins. Stadtrat Genosse R eut« r. der Dezernent des Verkchrswefens der Stadt Berlin, sprach über das Verkehrswesen amerita- nt scher Großstädte vor einem engeren Kreis kommunal- politisch interessierter Persönlichkeiten, vor sozialdemokratischen Mit- gliedern der Stadtverordnetenversammlung, des Magistrats, der Bezirksämter. Di« Studienreise nach Amerika ist keineswegs so„ertraglos" gewesen, wie in manchen bürgerlichen Blättern behauptet wird. Stadtrat Reuter hat durch die Verkehrszustände Amerikas bestätigt gefunden, daß die Stadt Berlin recht getan hat, die Verkehrsunternehmen in ihre Hand zu bringen and zu einer Einheit zusammenzufassen. Er ist, sagte er, aus Amerika zurückgekehrt mit der Ueberzeugung, daß die amerikanischen Vertehrsverhältniss« für uns nicht vorbildlich sein können und daß w i r einer ähnlichen Entwicklung zuvorkommen müsien. Die amerikanischen Städte sind von der starken Zunahme des Verkehrs, im besonderen von der unaufhaltsamen Mehrung des Autos, überrascht worden. Sie haben sich jetzt dem gesteigerten Der- kehrsbedürfnis städtebaulich anzupassen, was nur unter Aufwendung ganz außerordentlich hoher Mittel möglich ist. New Uork muß für den Bau von Brücken, von Tunnels, von Autostraßen viele Hunderte Millionen Dollars ausgeben, und andere Großstädte Amerikas sind zu ähnlich hohen Auswendungen gezwungen. Die. selbst für amerika- nisch« Begriffe manchmal geradezu phantastischen Summen, die da erfordert werden, führen dazu, daß in Amerika die Ausgaben der Städte verhältnismäßig viel stärker als bei uns anschwellen. In New V o r k, wo die ganze Politik der Stadtverwaltung von privatwirtschaftlichen Anschauungen beherrscht wird, hat man in dem Geschäftsviertel des Stadtinnern bis in die Wolken hinein drauflos bauen lassen. Der Bodenwert ist dort zum Borteil der Privatwirtschaft ins Maßlose gestiegen, aber die Kongentrierung des Verkehrs in diesem Geschäftsviertel hat eine Verkehrs- stopfung der Verkehrswege gebracht, die jetzt d i e Stadtverwaltung zu sehr kostspieligen Abhilfe- maßnahmen zwingt. Für Berlin ist die Lehre zu ziehen, daß man nicht jeden bauen lassen soll, wie er will,, und daß man für Verkehrsmittel nicht nur da sorgen soll, wo die Rentabilität gesichert ist. So treibt es die Prioatwirlschast, aber niemals werden das Kommunalpolitiker tun, die dem Gemeinwohl dienen wollen. Die Stadt Verlin hat mit der kommunalen V e r k e h r s p o l i t i k, die sie fetzt befolgt, den richtigen Weg eingeschlagen. Sie kann, nachdem sie dk« Verkehrsunternehmen kommunalisiert hat, das ganz« Verkehrsnetz planvoll ausgestalten, die Außenbezirke ge» bührend berücksilhtigen und deren Besiedlung erleichtern und beschleunigen. Daß sich das alles nur machen läßt, wenn die Der- kehrsunternehmen einheitlich zusammengefaßt sind, beginnt man jetzt auch in Amerika einzusehen. Die Entwicklung der Verkehrszustände mancher amerikanischen Großstädte ist ein abschreckendes Beispiel dafür, wohin man gelangt, wenn Verkehrswesen und Städtebau von der Privatwirtschaft beherrscht werden. Stadtrat Reuter unterstützte seinen lehrreichen Dortrag durch einen auf der Amerikareise gedrehten Film, der mit seiner Dar- stellung amerikanischer Verkehrszustände sehr überzeugend wirkt. „Sammlungskampagne". Die KpO. braucht Geld. Kein Tag vergeht, an dem die Anhänger und Nachläufer der KPD. nicht zu Geldsannnlungen für die IAH., die RH. und sonstige Filialen der KPD. zu Geldsammlungen aufgeforderi werden. Für den wilden Rohrlegerstreik sind jetzt eine ganz« Anzahl von Sammel- stellen eingerichtet worden. K o e n e n hat zwar bei seinem„Auftakt zu den Kommunal- wählen" festgestellt, daß die absolute Vere lendung der Massen zur Tatsache geworden sei. Das hält die KPD. jedoch nicht ab. die Parolen auszugeben: Verstärkt die Sammelkampagne! Liefert Lebensrnittel ab." Man nimmt alles mit Dank an. In der Funktionärverfmmlung der KPD. am Dienstag, in der angeblich weit über 2000 Funktionäre anwesend waren und bei der die Vertreter von 22 kommunistischen Organisationen, ins Präsidium gewählt wurden, ist durch einstimmig? Entschließung eine sofortige Seldsammlung für den wilden Rohrlegerstreik vorgenommen worden. Fünf Listen wurden in Umlauf gesetzt und zwei Listen gezählt mit 108, 03 M. Die Parole wird begreiflich, die sammelkampagn« zu ver- stärken. Auch für den Wahlfonds soll gesammelt werden! Wetter für Berlin: Zunehmende Bewölkung, am Tag« noch warm, südlich« Winde.— Für Deutschland: Im Osten heiter, in Mitteldeutschland zunehmende Bewölkung, im Westen Wetter- Verschlechterung. Ueberoll am Tage warm. (Schluß des redaktionellen Teils.) Die Prater-Lichtspicle. Der Berliner Prater hat mit btm DeAinn de» Arrbstcs seinen Derqniinunqsrark geschlossen. Dafür bietet er aber seinen An- l> linaern eine andere ilttroltion: die Prater-Lichtspi-le in neuem Semande. .-i-n- e..___ J.- v_______ cn S. n 33.» r. wurden in Bot, Decke und Pfeiler in Eold gctont, und man er/,ieltc mit Sil'e von Rohrenbeleuchtungen diskrete Lichtwirtungen. die dem Baum, troti seiner Hi'morlstcn Eduard von der Becke und zwölf hjtbslben Girls und schließlich der erfolgreich« Eroßfilm„Es slilstert die Nacht' mit Lil Dagavcr und Sans Stllwe. Bcrantwortlicki für die Redaktion: Fr,», Sllih», Berlin; Anzeigen: Th. 3.I.L. J A Mfttwoch, 18. 9. Staats-Oper | Unter d. Linden A.-« 194 19'» Uhr Staats-Oper Arn Pl.d.Rcpubi. Vorst 48 19'! Uhr Die «MW Mittwoch, 18. 9. Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus IV 19't, Uhr Samson und Dallla Staatl. Sdiaospb. im Bendarmenmarlrt A.-V. 172 20 Uhr WelT dem der lügt Staat). Seliilier-Tlieater.Charltl). 20 Uhr Treibjagd vonubttmie mutet anSlllovDlili Täglich 8 Uhr OantonsTod v. Georg Büchner Regie; Karl Heinz Martin Staat). Sdiilier-Tii- 8 Uhr Treibjagd itaaisoperam Platz aar lepniillk l'h Uhr Die Fledetmaus Piseator- Bübne S'/» Uhr OerKaufraann von Berlin Metropol-Tb. Tägl.»>/. Uhr Naricfla Moslk v. Oskar Strans Käthe Dorsch Michael Bohnen Vorverkauf auch Im Pavillon der Reinhard tbühnen, Kurfürstendamm, Ecke UhlandstraBe Bismarck 418/449 Oeotsdies Met Norden 12310 Ende gegen 11 Die Fiedermans Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt Dirigent E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainei 0.1. SU., Kammerspieie D.I. Norden 12310 S'/s. Ende gegen 10'» Der Unwiderstehiieiie Komödie von G�raldy und Spitzer Regie: Gusuf Gründgens Die Komödie ) 1 Bismck.24l4/7S16 h'/a. Uhr Ende geg. lO'i Uhr Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie Erich Engel Direktion Dr. Roberl Klein Denlsehes Ifinstler- Theater Barbarossa 3937 Täglich 8'J. Uhr Die andere Seite von R. C Sherritf Regie: HeinrHilpen Berliner TDealer Dönhoff 170 Täglich 81. Uhr Zwei Hrawattee von Georg Kaiser Musik: Mischa Spoliansky Regie: Forster Larrinaga »»»»»»»»WM Banowsky Theater in der Xanippritzer StraBe 8>/. Uhr flannibalante portas Komödienhaue Täglich 81,» Uhr toibbys Soppen liDd die besten Lustspiel von Julius Berstl Theat. d. Westens Täglich 8'/. Uhr Biaoban Operette von Ottenbach Sonnab. u. Sonntag nachm. 4 Uhr Lehen Wellerfolgl Friederike Planelariam ■'■ am Zoo■ i■ Varlii]. Judrinilhaiv SMi ß.ö Barbarossa 3378 15' 4 Uhr Herbatabende am Stareee nimmel 18i/.(jhr Bla an die Bremen der Welt 20-< Uhr RJleel das Stemenlientaa Tägl.außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder SO Pt Mittw.: Erwachsene 50 Pf. Kinder 23 Pf. L Winfer ★ uarren* ust» Zntr. 2818» Biaom eriaadi Oajos Bela nnd wettere VarMi-kenhalten Rose- Theater, Grote FrenkforterStr. U2. Bestellkasse: Alexander 3422 Täglich 8.13 Uhr: Die Weber Schauspiel in 5 Akten von Gerbari Hanpimeaa Regie: Paul Rose Jeden Sonnabend 3.00 Uhr und jeden Sonntag 2J0 Uhr Schneewittchen er. ADsstattongsmarchen scam 71,1. 2 Vorstell. 5 nd•'/, Ii kr _ Saikamsa 92» Itasare aeuea Prelta: WookenlJs« S Okr 50 PI. bis 1 Hart Tlgl. I'k i. Saaal. 5 Ukr 1 tls 6 Hark Original- RaatelU new. Tägl. S u.»15 S00IIL2.3I 8" Alex. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE pIpA�a Gustav Kartung Renaissance-Theater Ucbcr 50 Mal; 7S.'* Uhr Die heiiige Fiamme v.W.S.Meugbarn. Rhu; Gust. Härtung btainpietz C 1, 0901 n. 2583/84, Hardanbemstr. 6 I ßacAfllloPC vfrbaa sied dii RUHEN ANZEIGE! DüdUnaCid ts isr CtsasHaflagt hillilfl te„TortirtT nd bvhtai Mtewdnrtlidi ülllly 1 CASINO-THEATER Lothringer Strohe 37, T&glidi S>« Uhr Oer nsuu Erottnungs- Schlager Wem seftört msin Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Leser; Gutschein für I— 4 Personen Fauteuil nur 1.25 M-, Sessel 1.75 M-, Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M Reichshallen-Theater Abende[ 8 I Sonntag nedim.| S| Fest- Prog ra m m I ittioer Nachmittags halbe Preise, das volle Fest-Programm! Billettbest. Zentrum 112 63 Dönhoff- Brettl: 10 Spezialitäten' Falkner- Orchester.— Tanz. LustspleihaDS Friedriqh5tn236 Bergmann 3922 Täglich 8i/. Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Trianon-T!LM�,ur Täglich 8i/. Uhr Dergr.laitspleiarlalg Das kämmt doch alle Tage vor Johannes Riemann, Vllma v. Aknay, Max l.anda.Lotte Kllndcr Lessing• -Theater Norden 10846 Gruppe fanger Schauspieler Täglich 8V4 Uhr cyankail I 218 von mctHlm voll Kleines Theat. Merkur 1624 Heute 7>fs Uhr Premiere AI«- Berlin mit Max Adalbert alt Kante meai.anKaiiD.ror Kottbusser Str. 6 Tägl. 8 Uhr euch Sonnt. nachm. 3 U. Elite- sanier Das Saptamtar-Sdilager PfnoraniMl GROSSES SCHAUSPIELHAUS tägl. 8 Uhr v _ ÄMuskMere Regie: ERIK CHARELL Sasatm-lissuiiug: Prot, erat! Sinnt.! Proler-Lichtspiel-Palast Kastanienallee 7-8 BOhnensdiaa E« flüstert die Nedxt mit Oogover, H. Stöwe Revue; Der eile Preter im neuen Glanz, 25 Mitwirkende, 12 Bilder CIRCUS BUSCH Täglich H Uhr, Sonnabends und{ Sonn.aga auch nacbai. 3 Uai Sie müssen dtn portuoles. Schulreiter deVasconceltos u. dla neuen Clrcus-AitraKtloae* gesehen haben I Die kleinen Busch-Preiael Bedien- Fürs« Gegründet 1908 Eiacrnc DeUatellen, Kinderwagen, Dettfedern, Inlette Fabrik Ar sämllldie Polstermöbel Berlin«Neukölln! 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Dieser im gedruckten Protokoll jenes Kongresses vervielfältigte Bericht enthält so schlimme Berdächtigungen meiner Person und anderer bekannter Mitglieder der deutschen Sozialdemokratie, daß ich mich veranlaßt sehe, die Frage ihres Wertes etwas näher zu beleuchten. Auf Seite 913— 914 des besagten Protokolls liest man mit Bezug auf ein Manuskript über die deutsch« Ideologie: „Und«in solches wichtige Manuskript blieb den deutschen BeZeru unbekannt. Auf Grund von verschiedenen Normen des Nourgeoisrechts ward dieses Manuskript als Bern- st eins Eigentum betrachtet." Was soll der Ausdruck„Bourgeoisrecht" da besagen? Bor Bolschewisten gebraucht, hat er nur Sinn als Verdächtigung, daß irgendein vom Bourgeoisinteresse konstruiertes Recht miß- b r ä u ch l i ch benutzt worden sei, jenes Manuskript als das Eigentum einer Person zu erklären, die keinen vor Sozialisten zu rechtfertigen- den Anspruch darauf gehabt habe. Bevor ich dazu übergehe, zu zeigen, wie wenig der tatsächliche Stand der Dinge dieser Redensart entsprach, wird es angezeigt sein, zunächst einmal das Testament von Friedrich Engels, in dem dieser unter anderem über den Manu- skripten Nachlaß von Marx und ihm selbst Verfügung traf, in wortgetreuer Uebersetzung bekanntzugeben. Ist es doch in verschiedenen seiner Bestimmungen schon für die Biographie seines Verfassers von nicht geringem Interesse. Vorausgeschickt sei, daß dem erwähnten Testament von Friedrich Engels zwei vorausgegangen waren, durch deren erstes er Karl Marx zu seinem Universalerben eingesetzt und daneben nur Legate für bestimmte Personen— seine Richte usw.— verfügt, im zweiten nach Marx' am 14. März 1883 erfolg- ten Tode, besten noch lebende Töchter, die Kinder der mittlerweile verstorbenen Jenny Longuet, der ältesten Tochter von Karl Marx, und die brave langjährige Hausangestellte von Marx und dann ihm selbst. Helene Demuth, von ihnen„Nimmy" gerufen, zu gleichen Teilen als seine Erben eingesetzt hotte. Als dann die Letztere im Juli 1893 einer Krankheit erlegen war. setzte Engels am 29. Juli 1893 folgendes abgeänderte Testament fest: Testament von Friedrich Engels Vom 29. Juli 1893 „Ich, Friedrich Engels, von 122 Rcgents Park Road, London, widerrufe hiermit alle früher von mir ge- ni achten Testamente und erkläre dies für meinen letzten Willen. Ich ernenne meine Freunde Samuel Moore von Lincolns Brn, Gerichtsadvokot, Eduard Bern st ein von S0 Highgate Road, London, Journalist, und Louise Kautsky, die jetzt bei mir in 122 Park Road wohnt, zu Vollstreckern dieses ineincs Testaments und verinache jedem von ihnen 2ö0 Pfund— zweihundertstinfzig Pfund— für seine oder ihre Mühe. Ich ver- mache meinem Bruder Hermann das jetzt in mcinein Besitz befind- liche Oelgcmälde meines Vaters, und falls der genannte Bruder mir im Tode vorangehen sollte, vermache ich es seinem Sohlt. Hermann. Ich vermache alles Mobiliar und andere zur Zeit meines Todes für mein Wohnhaus beschafsten oder bestimmten Effekten, die nicht Geld oder Geldsicherheiten sind, oder worüber ich sonst durch dieses mein Testament ober in einem Kodizill dazu verfüge, an die genannte Louise Kautsky. Ich verinache an A u g u st B e b e l von Berlin, Deutsches Reich, Mitglied des Deutschen Reichstags, und Paul Singer von Berlin, ebenso Mitglied des Deutschen Reichs- tags, zusanunen als anvertraut die Summe von Eintausend Pfund, die sie und ihr Nachkomme für den Betrieb der Wahl in den Deut- schen Reichstag von solchen Personen, zu solcher Zeit oder Zeiten und an solchem Ort oder Orten verwenden sollen, welche die genannten August Bebel und Paul Singer oder ihr Nachfolger nach ihrem ' oder seinem absoluten Urteil für geeignet halten. Ich vermache an meine Nichte Mary Ellen R o s h e r, Gattin von Percy White Rosher von Brading Road, Ryde, Agent und Buchhalter, die Sumine von dreitausend Pfund. Ich bestimme, daß alle Manuskripte literarischer Natur in der Handschrift meines verstorbenen Freundes Karl Marx und alle von ihm geschriebenen oder an ihn adressierten Familienbriefe, die zur Zeit meines Todes in meinem Besitz sind oder meiner Verfügung unterstehen, von meinen Vollstreckern an Eleonor Marx Aveling von 7 Grays Iren Square, die jüngere Tochter des erwähnten Karl Marx, gegeben werden sollen. Ich vermache alle Bücher, die zur Zeit meines Todes!n meinem Besitz sind oder meiner Verfügung unterstehen, an die er- wähnten A u g u st Bebel und Paul Singer. Ich vermache alle Manuskripte, die zur Zeit meines Todes in meinem Besitz sind oder rueiner Verfügung unterstehen(ausgenommen die erwähnten literarischen Manuskripte von Karl Marx)-und alle Briefe (ausgenommen die erwähnten Familienbriefe von Karl Marx) an die erwähnten August Bebel und Eduard Bern st ein. Was meinen übrigen Besitz anbetrifft, so bestimm« ich. daß er in acht gleiche Teile ausgeteilt wird: ich vermach« drei von diesen � Teilen an Laura Lafargue von L« Perreux nahe von Paris(Frankreich), die ältere Tochter des erwähnten Karl Marx und Gattin von Paul' Lafargue, Mitglied der französischen Deputlartenkammer: ich vermache andere drei dieser Teile an die hesqgte Eleanox SRarx Aveling. und die verbleibenden zwei Teile des besagten Rest- eigentums vermache ich an die besagte Louise Kautsky. Ich bevollmächtige meine Testamentsvollstrecker, zu irgendeiner ihnen possenden Zeit oder Zeiten irgendeinen Teil meines Nach- lasses in dem Anlagewert oder-zustand, den er gerade hat, für die Befriedigung irgendeines Legats oder Anteils an dem besagten�Rest / meines Nachlasses anzuweisen oder zu übertragen, mit der Voll- macht, für diesen Zweck bei Ucbereinstimmung den Wert meines besagten Nachlasses oder irgendeines Teils davon in solcher Weise festzusetzen, wie sie es für zweckmäßig hallen. Zum Zeugnis, wofür ich, der besagt- Friedrich Engels, unter dieses mein Testament an d:csem 29. Juli 1893 meine Unterschrift gesetzt habe." gez.: Friedrich Engel». Daneben: Von dem genannten Erblasser als seinen letzten Willen in Gegenwort von uns Anwesenden unterzeichnet, unter de« wir zur gleichen Zeit und jeder in Gegenwart des anderen unser« Namen als Zeugen gezeichnet haben. gez.: Frederic Leßner, 12 Fitzroy Street, Fitzroy Sq., W. E. gez.: Ludwig F r e y b c r g e r, M. S., L. R. C. P. 11 Gower Street, Fitzroy Sq., W. C. Am 26. Juli 1895, zehn Tage von seinem Tode, er- gänzte der schwerkranke Friedrich Engels unter Beistand von seinem und Karl Marx' al�en Freunde, Samuel Moore— gerufen Sam—, das oorftchende Testament durch das folgende Kodizill: Itodmil von Friedrich Engels ,�jch, Friedrich Engels, von 41 Regents Park Road, London, vordem von 122 Regents Park Road, ebendaselbst, erkläre dies für mein erstes Kodizill, das ich diesen 26. Juli 1895 meinem vom 29. Juli 1893 datierten Testament anfüge. Ich widerrufe das in mMem erwähnten Testament gemachte Legat von 3900 P f u an meine Nichte Mary Ellen Rosher, die Ehegattin von Percy White Rosher, und vermache ihr statt dessen die Summe von Friedrich Sngels 2230 Pfund, und ich vermach« ihr ferner den Hekmfallzins des erwähnten Percy White Rosher an gewiss« Gelder, zu denen er in Hinblick auf den bevorstehenden Tod seiner Ellern gemäß deren Ehevertrag berechtigt ist oder war: welchen Heimfallzins ich von ihm für die Suimne von 240 Pfund gekauft habe, was mich serner 30 Pfund gesetzliche Ausgabe kostete und zusammen den Betrag von 270 Pfund ausmacht. Ich bestimme, daß alle Geldzahlunzen, die ich ohne Gegenwert dafür zu erhalten a» Percy White Roshir, seine Ehefrau Mary Ellen Rosher, Paul Lafargue. Laura Lafargue, Doktor Edward Aveling. seine Ehefrau Eleanor Marx, Eugen Oswald und Friedrich Leßner oder an irgendwcn von ihnen gemacht habe, als freie Geschenke an die Betreffenden betrachtet werden, und ich vermache sie entsprechend. Ich verinache an Doktor Ludwig Freyberger von 41 Regents Park Road. London, als eine Anerkennung und Entschädigung für die unablässige Sorgfalt, mit der er mich jahrelang beruflich behandelt hat ohne je eine Bezahlung anzunehmen, die Summe von 80 Pfund für jedes seit dem 1. Juli 1893 bis zum Datum meines Todes abgelaufene Jahr und ferner die Summe von 50 Pfund für den noch so kleinen Teil eines Jahres vom 1. Juli von meinem Tod bis zu meinem Todestag. Und ich mache dieses Legat davon abhängig, daß er keine Forderung an mich oder ineinen Nachlaß für seine beruflichen Dienste erhebt. Ich bevollmächtige meine Vollstrecker und weise sie an, der!n meinem Testament Louise Kautsky genannten Louise Freyberger, die jetzt die Ehefrau des erwähnten Doktor Freyberger ist, bevor sie den Mietvertrag über mein Haus Nr. 41 Regents Park Road im offenen Markt ausbicten, die Wohl zu geben, eine Zession dieses Mietvertrages unter der Bedingung der Zahlung des Mietzinses und der Ausführung der im Vertrag festgesetzten Bedingungen zu nehmen und meinen Nachlaß souste die Vollstrecker für alle Forderungen des Vermietens auf Grund des Vertrages zu entschädigen: die erwähnte Wahl ist innerhalb eines Monats nach meinem Tode durch fchrift- liche Ankündigung an einen andern Vollstrecker als die erwähnte Louise Freyberger zu vollziehen. Während ich iy meinem erwähnten Testament bestimmt habe, daß alle von Karl Marx oder an ihn geschriebenen Familienbriefe, die zur Zeit meines Todes in meinem Besitz sein oder meiner Verfügung unterstehen sollten, von meinen Vollstreckern an Eleanor Marx-Aoeling gegeben werden sollen, widerrufe ich hiermit die besagte Bestimmung mit Bezug auf Familienbriefe und bestimme statt dessen, daß alle von dem erwähnten Karl Marx geschriebenen oder an ihn gerichteten Briese(ausgenommen mein« Briefe an ihn und seine Briefe an mich), die zur Zell meines Todes in meinem Besitz sein oder meiner Verfügung unterstehen sollten, von meinen Vollstreckern der besagten Eleanor Marx-Aveling gegeben werden sollen, die die gesetzliche persönliche Vertreterin des besagten Karl Marx ist. Und ferner bestimme ich durch dieses Kodizill, daß olle zur Zeit meines Todes in meinem Besitz befiitdlichen Briefe von der Hand meiner Der- wandten in Barmen und Engelskirchen, van Percy W. Rosher oder besten Ehefrau Ellen, von, Paul Lafargue oder dessen Frau Laura, von Dr. Edward Aveling oder dessen Frau Eleanor Marx, von Doktor Ludwig Freyberger oder dessen Frau Louise ynd von der Familie Beust in Zürich von meinen Bollstreckern deren Schreibern zurückgegeben werden, und demgemäß widerrufe ich hiermit das Vermächtnis in meinem besagten Testament von allen Briefen in meinem Besitz(ausgenommen die erwähnten Familienbriefe von Karl Marx) an August Bebel und Eduard Bernstein und vermache stail besten an die besagten August Bebel und Eduard Bernstein alle Briefe mit Ausnahme derer, von denen dieses Kodizill bestimmt. daß sie an Eleonore Blarx-Avelivg zu geben find und mit Ausnahme derer, über die in diesem Kodizill anderweitig verfügt ist. Und nach dem hier Ausgeführten bestätige ich mein besagtes Testament. Zum Zeugnis wofür ich am oben angegebenen Tag und Jahr meine Unterschrift gesetzt habe. gez.: Friedrich Eugels. Zusatz(daneben): Don dem oben genannten Friedrich Engels in Gegenwart von uns Beiden als ein Kodizill zu seinem letzten Willen gezeichnet und erklärt und worunter wie beide in seiner Gegenwart und jeder in Gegenwart der anderen unsere Unterschrift als Zeuginnen gesetzt haben. gez.: Ada Pearce, Krankenpflegerin, 41 Regents Part Road. gez.: S. Nichols Nichols, Köchin, 41 Regents Park Road. Ferner fand sich im Schubkasten von Friedrich Engels' Schreibtisch folgender, von Engels' Hand geschriebener und vom 14. November 1894 dotierter Brief an seine Testanientsvollstr.'cker, der dos Testament und Kodizill in gewissen Punkten ergänzt: Ergänzungsbrief zum Testament und Kodizill von Friedrich Engels An d i e in meinem Testament genannten Vollstrecker. 1. Die folgenden Zellen sind Ergänzungen und ErNärungen meines Testaments. Sie drücken nur Wünsche von mir aus und sollen mein: Vollstrecker in keiner Weise gesetzlich binden. Im Gegenteil, wo sich herausstellen sollte, daß sie dem gzsetzlihen Sinn meines Testaments widersprechen, sollen sie unberücksichtigt bleiben. 2. Es ist mein entschiedener wünscht), daß mein Körper eingeäschert und meine Asche bei erster Gelegenheit in» Meer versenkt werde. 3. Ich wünsche, daß unmittelbar noch meinem Tod« eine Ab» schrift meines Testaments an meinen Bruder Hermann Engels in Barmen oder, im Fall seines Todes, an Hermann Engels junior « Engelstirchen nahe bei Köln gesandt werde. 4. Falls Sam Moore zur Zeit meines Todes nicht in Eng- land ist und nicht sofort seine Vollstreckers ll)ost antreten kann, werden Bernstein und Louise ohne seinen Beistand vorzugehen haben. In diesem Fall und selbst wenn Sam Moore nicht in London, sondern irgendwo sonst in England sein sollte, empfehle ich ihnen, von meinem Testament eine Abschrift für ihren persönlichen Gebrauch anzufertigen und das Original den Herren Crosse u. Sons, Anwälte, 7 Lankcaster Place, Strand, zu übergeben, damit sie es beglaubigen lasten und meinen Vollstrecke'» gesetzlichen Beistand leisten. Diese letzteren werden sofort für folgende Punkte Sorge zu tragen haben: a) Von den Herren Crosse zu ermitteln, welche Schritte sie zu machen haben, um so schnell als möglich die volle Verfügung über mein Guthaben bei der Regentstreet-Flliale der Aktiengesellschaft Union Bank os London und das Recht der Verfügung über die- jenigen Teile meiner Kapitalanlagen zu erlangen, die etwa für die Bestreitung laufender Ausgaben verkauft werden müssen. b) Den Wert meines Nachlasses festzustellen. Meine Möbel, Bücher usw. müssen abgeschätzt werden, die Herren Croste werden das besorgen. Der Wert meiner Anlagen in Staats- papieren, Aktien usw. zur Zeit meines Todes kann auf Grund der amtlichen Kursliste der Staats- usw. Papiere berechnet werden, mit der meine Bankiers, die Herren Cloyton u. Aston, 4 Tornhouse buildmgs, Jolmhoufe Pard, E. C., meine Vollstrecker versehen werden. c) Wie die Herren Crosse meinen Vollstreckern erklären werden, sind verschiedene, In meinem Testament gemachte Geldlegote nicht zu ihrem vollen Nominalbetrag auszuzahlen, sondern unterliegen dem Abzug des auf jedes davon entfallenden Zlnteils an der Erb- schaftssteuer. 5. In meinen Büchern wird man verschiedene Geldbeträge ver- zeichnet finden, die von mir in eine gute Zeit hinter uns liegenden Jahren an Laura und Paul Lafargue, Percy und Ellen Rosher, Edward und Eleanor Marx-Aveling gezahlt worden sind. Diese Beträge zählen,» wie ich ausdrücklich festzustellen wünsche, nicht mir geschuldete Darlehen auf, sondern sind und waren stets frei« Gaben von mir. Sie sind daher in keiner Form oder Fastung zu beanspruchen. 6. Als Teilzahlung auf das von mir an Ellen Rosher hinter- lassene Legat ist von meinen Bollstreckern der Anspruch auf gewiste Fonds zu verwenden, die an Percy Rosher nach dem Tod« r>»» seinem Vater und seiner Mutter zu zahlen waren, und den ich dene besagten Percy Rosher abgekauft habe. Ich wünsche, daß er Ellen Rosher zu dem B.-trog belastet wird, nämlich niit 250 Pfund Sterling, die ich Percy Rosher gezahlt habe, und mit 30 Pfund Sterling für Anwaltsgebühren bei diesen: Vertrag, insgesamt 280 Psuad Sterling. 7. Ich wünsche mein Testament durch folgen»« Einzelheiten über die Verwendung der von mir hinterlassencn Papiere zu ergänzen, nämlich: a) Alle Papiere in der Handschrift von Karl Marx, ausge- nommen seine Briefe an mich, sowie alle an ihn adressierten Brief«, mit Ausnahme meiner Briefe an ihn, sind an Eleanor Marx-Ave- ling als der gesetzlichen Vertreterin der Erben von Karl Marx zu- rückzugeben. h) Alle an mich geschriebenen Briefe von Percy und Ellen Rosher, Laura und Paul Lafargue, Edward und Eleanor Marx- Aveling oder von meinen Verwandten in Barmen und Engels- tirchen, oder von der Familie Beust in Zürich sind an die Schre b.'i- derselben zurückzuerstatten. Das ist alles, was ich glaub« sagen zu sollen. London. 14. November 1894. gez. Frederick Engels. Postfkripwm. Es versteht sich, daß das Honorar oder Tan- ttemen, die von Sonnensch-in*) für dos.„Kapital" und für meine.Lage dor arbeiten d,en Klaffen"(Englands) be- zahlt werden, wie bisher zu zahlen sind— die ersten an die Erben von Marx und die Uebersetzer(ein Fünftel an Laura, ein Fünftel an Tussy, ein Fünftel an Jennys Kinder, sechs Fünfundzwanzigsiel an Sam Moor», vier Fünfundzwanzigstel an Ed. Aveling) und die letzten vollständig an Florence Kelly"). H Originaltext von Engels:„Jt is my distinet wish that my body be cremate'd and my ashes be thrown into tbe sea of the first opportvmity". *) Verlag Iwan Sonnenschein u. Co., London. **) Die Amerikanerin Florence Kelly-Wischniewietsky, die Engels' Uliage der arbeitenden Klassen Englands" mit ebensoviel Lieb« wie Verständnis ins Englische übertragen hat, (22. Fortsetzmig.) Ruhig sprach der Alte. Nicht Ankläger, nur warnender Be- rater wollte er sein. Das fühlten die Meister sehr wähl, und doch gab es heiß« Köpfe, als wir bei Kaffee und Kuchen die Red« be- sprachen. Die Jugend poltert« nach beendeter Versammlung die Treppe hinunter wie ein geschlossener Protest gegen den Kaffee ohne Milch und Zucker. Vor der Tür sammelten sie sich und sprachen voller Eifer durcheinander. Hier hatten die Wortt des Alten gezündet. Man unterhielt sich über sie. Man unterhielt sich über die Meister, schimpfte und äffte sie nach, bis der Schornsteinfegermeister Haß um die Ecke bog. Da stoben sie davon wie ein Schwärm aufgeschreckter Rebhühner. In der Kirchgosse stieß cheinrich auf Kolbes Wilhelm. Der geleitete ihn hinüber in den Kuhweg und iprmer weiter hinaus zur Stadt, wobei er eifrig auf ihn einredete. Der Vereinsabend der .Katholischen sei heute ausgefallen und etliche seiner Kameraden seien schon voraus. Bei Klaukes stehe heut wieder mal ein lustiger Abend in Aussicht. Der Hermann sei mit seinen beiden Schwestern ganz allein zu Hause. Und Schuster-Paul sei auch da. Heinrich wollte umkehren, ober Wilhelm ließ nicht locker, wußte er doch, was den Freund seiner Schwester bedrückte.„Wüßt dich nicht so abseits stellen, Heinrich, dadurch wirds bloß ärger." begann er..Last du schon mal einen Brief von Hedwig bekommen?" „Nein, noch nie," antwortete Heinrich scheu. „Wirst auch nie einen erhalten." Heinrich erschrak. Allerlei böse Ahnungen stiegen in ihm auf. „Meine Alten sind mächtig aufgebracht," fuhr Wilhelm sort, als Mutter den ersten Brief, den Hedwig an dich geschrieben hat, abfing. Sie hat dem alten Holitscher das Versprechen abgewonnen, alle Briefe, die von Frankfurt an dich gerichtet sind, ihr auszu. händigen. Ueber den zweiten Brief war sie noch wütender" „Deine Mutter gehört ins Zuchthaus!" brauste Heinrich auf. Zehn Jahre älter fühlte er sich.„Wir sind uns einig! Sag das deiner Mutter!" Wilhelm erwiderte ruhig:„Rede nicht so närrisch. Du bist Lehrjunge und Hedwig ist das Kind meiner Mutter. Im übrigen weißt du ja. auf wessen Seit« ich stehe. Aber verrate mich nicht." Sie waren vor einem strohbedeckten Häuschen angelangt, durch dessen Fenster mattes Licht schien. Wilhelm trat«in. Heinrich folgte ihm. Sie sahen, wie drinnen die Flasche kreiste. Man sang zur Mundharmonika und jauchzte. Schuster-Paul führte mit Klaukes Emma— der fünfzehnjährigen Tochter des Hauses— einen wilden Tanz auf. Schmiede-Paul versucht« mit der merzehnjährigen Anna herumzuquirlen. Andere Jungen stelzten, den Eins-Zwei- Dreitakt zählend, dazwischen. Klaukes Hermann schlug den Takt an der Ofentür. „Das wird fein!" rief Wilhelm entzückt.„Die Alten sind nicht hier! und trat näher. Heinrich machte kehrt und verschwand in der Finsternis. Nein, dazu war er heute nicht aufgelegt. Auch dachte«r an die dummen Streiche, die er neulich mir verübte, und an die Angst, als der Polizeidiener Greif aufgeregt in der Werkstatt kam, um nachzuforschen, wann der Lehrbub gestern abend auf sein«r Kammer gewesen sei, die ganze Stadt stehe Kopf: Das Sieb des Scheren- fchleifers Böhm häng« an der großen Brez«l beim Bäcker und Stadtverordn«ten Volkmann und dazu der Schandvers: Wenns Mehl läuft durch dies Sieblein fein, Wird dir die Kundschaft dankbar sein. Dem Herrn Kirchenältesten Franzke hätten die Burschen den rot- und weißgeschcckten Mastochsen vom Schlächter Muche auf den Schaukasten gesetzt und ihm das Branntweinfäßchen des Böttchers Lemke um den Hals gehängt mit der Schmutzinschrift: Alter Sünder! Lehrlingsschinderl Sieh dir an den Ochsen Muh, Der besauft sich nicht wie du! Laurenzius, dem Heiligen, der schon einige hundert Jahre im stillen Winkel am Kirchplatz stehe, hätten die Buben des Schlosser- meisters goldenen mächtigen Reklameschlüss«! in den rechten Arm gelegt, und in die linke Hand einen Bogen Papier gedrückt, auf dem geschrieben stehe: In Ehrfurcht schaun wir zu dir auf In später Abendstunde, Wenn feurig deiner Tränen*) Lauf Uns gibt die heil'ge Kund« Von deinem Dasein in Himmelshöhn Und niemand erhöret unser Flehn, In zehnter Uhrenrunde. Die Straßen still, die Häus«r zu, Im Herzen steiget die Plage, Wenns letzte Lichtlein geht zur Ruh Beim zehnten Glockenschlage. Unds Pförtlein tut sich nimmer auf, So sehr wir drücken s«inen Knauf. Lauschend des Wächters Sage. Die lieben, braven Meistersleut, Es ist ein rechtes Sorgen, Sind stets mit harter Straf bereit, Sogleich am andern Morg«n. Drum übe du des Schlüsstl« Macht: Dann schleichen wir uns heimlich, sacht Ins Hau» und sind geborgen. Heinrich hatte wie die andern gesagt, er wüßte von nichts, und die ganz« Sache war gut abgelaufen, ober noch heut« durch- zuckt es ihn, wenn er an die Angst dieser peinlichen Stunde zurück- dachte. Eilig schritt er dahin, als er von hinten umfaßt wurde. Klaukes Emma war es.„Bist ja dumm, Heinrich, wo es bei uns heute so lustig hergeht!" flüsterte sie.„Geh zurück. Ich hole noch Plefchkes Guste, Winklers Berta und Prüfers Este Dann wirds aber fein, du." Sie traten zur Seite, als drei in Tücher vermummte Ge- *) Das Fallen von Sternschnuppen:(Tränen des heiligen Laurenzius). / stalten nahten. Doch gleich gab es ein jubelnd Erkenn«». Heinrich gewaltsam in die Mitt« nehmend, ging es,«he er sich» versah, wie im Flug« auf und davon. Die gezähmten Wässerlein. Seit jenem Ab«nd verebbte das Gerede von Heinrich und Hedwig. Alle waren froh, daß er sich wieder an ihren Unter. nehmungen beteiligte, obwohl er es mit einiger Vorsicht tat, und immer zur Vernunft mahnte. Nachdem er Hedwig den Grund ihres verhinderten Bn«s- austausches mitgetellt hatte, erfuhr er auch durch Wilhelm nicht» mehr von ihr. Doch er war gefaßt. Sein Glaube ließ sich nicht erschüttern. Endlich— es war am Heiligen Abend— überraschte ihn Freund Wilhelm am Marktbrunnen mit der Nachrickst, daß Hedwig zu Besuch komme. Mutter Kolbe schlug das Kreuz deutlicher als sonst und Hedwig tat es ihr getreulich nach, als die beiden Frauen am folgenden Tage an der Haupttür der katholischen Kirche vorbei uyd auf Heinrich zukamen. Schon seit langem wich die alt« Frau Heinrich» Gruß aus, doch heute machte sie es besonders auffällig und wollte auch Hedwig veranlassen, hinüber nach dem Pfarrhause zu schauen. Ein Schrei, inbrünstig und. aus tiefster Seele, riß der Alten Kopf zurück. Hedwig war, seinen Nam«n rufend, auf Heinrich zugeeilt. Nur um Armlänge voneinander«ntsernt, standen sie sich gegen- über. Einen Atemzug lang— und die Alte zog von Sünd und Schande geifernd, mit Hedwig davon. Ein paar Herzschläge lang blickte er Hedwig nach. Als sie sich noch einmal umwandte, schritt er. innerlich jubelnd, die finstere Schulgasse hinaus in den Bobernig«r Kirchsteg. Hier war er allein, nur der Schnee quiekte unter den Sohlen. So ganz naturgewaltig, von sehnsüchtiger Hingabe erfüllt, hatte Hedwig seinen Nomen herausgeschrien. Er versuchte, ihren Ruf nachzuahmen. Ver- wundert, ja entzückt war er, wie er bei jeder Wiederholung ihrem Klang und Ausdruck näher kam und wie auch sein« Gefühle-n den ihren immer mehr aufzugehen schienen. Als er spät zur Stadt zurückkehrte, fürchtete er förmlich die nochmalige Begegnung, wodurch ein Mißton entstehen und die schöne Seclenharmonie, in der er sich hineingelebt, verletzen könnte. Im frohen Bewußtsein, es gab«in Herz, das auch für ihn schlug, ging er nach dem Fest wieder mit freudiger Zuversicht an die Arbeit. Jahre vergehen. So reihten sich Monate zu Iahren auf. Unterdessen waren draußen am Rohrbach gewallige Ver- änderungen vor sich gegangen. Seit undenklichen Zeiten waren seine Wässerlein in gemäch- licher Breite zur Ochel hinuntergeplätschert. Kamen ihnen kleine Hindernisse in den Weg, so trugen sie die auf schwankendem Rücken davon und setzten sie an einer flachen Uferstelle auf den Sand. Groß« und schwere umtanzten sie leis murmelnd, bis ihnen eines Tags unter Blitz und Donner, aus schwarzer Wolke, Millionen- fältig« Hilfe zuströmte. Hei, dann gabs«in Krachen und Stöhnen. Alles, was in den Weg kam, trugen und wälzten sie mit sich fort. Jawohl, sie beherrschten die Well, wenn sie chr« Kräfte vereinigten! Seit aber die ersten nockenden Kmderfüßchen auf ihrem steinigen Grunde herumpatscht«», und rotwangig« Wäscherinnen Linnen in ihren Wellen spülten, begann chr« Freiheit zu schwinden. Und gerade an den Windungen ihres Bettes, wo sie sich immer mit bestem Erfolg frei« Bahn schaffen konnten, stieß«« sie sich nun an schweren, llbereinandergeschichteten Steinen wund. Bald danach kamen eine Anzahl Männer mit Schippen und Hacken ausgerüstet, geführt von einem jungen, blonden Burschen in blauer Schürze. Freundlich schauten die dem munteren Spiel des Wassers zu. Mit«inemmal hackten und stachen sie wie besessen auf die Flußbettwand ein und dämmten den jahrhundcrte alten Lauf des Baches ab. Ehe es sich die Wässerlein recht versahen, waren sie in«inem großen Becken versammelt. O, fein sein! Das war ja ein rechtschaffen Ausruhen vom ewigen Wandern. Man stand ganz still; allenfalls fuhr einen der Detter Wind«in bißchen spazieren. Immer mehr Wässerlein liefen herbei. In solch groß«» Mengen waren sie noch nie beieinander gewesen. Mit jeder Stunde fühlten sie ihre Krast wachs«». Wenn sich jetzt unsere Brüder unter Blitzen und Donnern wieder mal aus schwarzer Wolke befreien. dann können wir wieder die ganze Erde in unser« Gewalt nehmen, dachten sie in ihrem Kraftbewuhtsein. Doch als nach einer kühlen Nacht die goldnen Sonnenstrahlen ihre Rücken wärmten, begann ein Gleiten und Sinken nach unten und ein unaufhaltsames Ziehen und Drängen nach einer Richtung. Haha, es geht wieder ans Wandern! Nun, das ist ja lustig, nach so langem Ruhen, flüsterten sie einander zu. Aber, o weh! In«inem tiefen Schacht, mit stellen harten Wänden, ging«s sacht vorwärts und in ein dunkles Mauerloch hinein. Doch was ist das?... Em Weilchen standen sie. sich ihrer Kraft besinnend. Dann hastenichtgesehen stürzten si« kampfem- schlössen in die Tiefe, den schauselförmigen Armen des Ungeheuers entgegen. Die folgenden Mengen stürzten nach und rissen die mächtigen Arme mit hinunter. Vor Anstrengung schäumend wälzten sich die Wässerlein um«in- ander.„Es weicht, es weicht!" riefen sie aufmunternd. Doch immer neue Arme sperrten den Lauf, und einer endlosen Kette gleich gingen sie auf und nieder. Immer heftiger setzte das Tosen des Kampfes ein. Immer schneller senkten und hoben sich die unzähligen Arme.„Seht,. seht. wie es tanzt! Es hängt nur noch an einem Fädchen!" riefen sie und schwammen stegesfroh davon... Unterdessen zog der junge Meister Timm an einem Hebel und in allen Enden und Erken des Maschinenraumes begann ein Summen und Surren von Rädern und Treibriem«». Die Gesell«» traten aus der anstoßenden Werkstatt ein und beäugten die blanken Moschinen von allen Seiten. Erst als Adolf die pfeifende Band- säge in Gang setzte, wagten einig«, die Erfahrung hatten, auch die Fräse, Kreissäg« und Bohrmaschine zu probieren. Am Eingang stand Lisbeth, die jung« Meisterin, um heiteren Blicks und im Hochgefühl hoffender Mutterfreude dem Spiel der unsichtbaren Kräfte zuzusehen. Ermunternd sprach sie auf Frau Rosl ein, die neben ihr vor Ueberraschung den Kopf schüttelte und die Hände fallet«. Doch alle Redetünst« der Jungen vermochten nicht, die Alte auch nur noch einen Schritt vorwärts zu bewegen. Leis schrie sie auf. fuhr ihres Sohnes Hand dicht an blanker Säge vorbei. Hier legten die Menschen ihr Schicksal in die Hände un- bekannter Mächte... Erst als die Hobelmaschine mit lufterschütterndem Dröhnen«in» setzte, trat auch der alle Meister ein. Sich die Ohren verstopfend. verharrt««r am Eingang und ließ seinen Blick über das Ganze schweifen.„M«in Gott!" stieß er entsetzt hervor und riß Lisbeth am Arm beiseite, die. von Hobelspänen bedeckt, die weißglänzenden Bretter auffing, die ihr Mann unausgesetzt d«m brüllenden Un» g«heu«r in» Maul steckte, und schob sie mit samt seiner Rosl zur Tür hinaus. Bald trottete«r den Frauen nach. Himmel und Hölle! wie im Irrenhaus! Er ging Hirniber zur allen Werkstatt, di« nun als Magazin dient«, wand sich durch die fertigen Möbel hinein in seine Ecke und begann die Räder eines allen Uhrwerks blitzblank zu bürsten. Aber das n«ue Wert seines Sohnes li«ß ihn keine Ruhe finden. Eigentlich mußte er stolz sein auf seinen Sohn. Alles, was der in die Hand nahm, schien sich in Gold zu wandeln. Und doch— er half das ehrbare Handwerk zugrunderichten!... (Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend (t HiiiiiininiiiunuiniuiiiininiiiuiiiiiniiiiiunnitnininnnimiinininniinnnimnuniuiE Zahlenrätsel. 1234567892 Voltsherrschaft. 2 6 9 5 7 Blume; 3 2 8 7 weiblicher Vorname; 4 8 8 4 3 7 6 männlicher Vorname; 5 4 3 4 1 2 Möbelstück; 6 2 5 8 4 6 Schulleiter; 7 3 3 2 Kind«» Pflegerin; 8 7 8 7 6 2 Menschenrasse; 9 3 5 2 6 2 9 Bienenzucht; 2 6 7 8 4 Muse. kr. Aus der Vogelwelt. Aus den Silben am che drof el en fla f«r gen glitz go hu ler mein min pfei re fs ssl lel ster stieg te u sind zehn Vogelnam«n zu bilden und in eine bestimmte Reihenfolge zu bringen, so daß die Anfangsbuchstaben einen Nachtvogel nennen.»b. Kopfwechsel. Die D. bleibt undurchlässig, wie man'» auch nimmt. Hat's seine R., verlaß dich drauf, es stimmt. Und W. ist von Bedeutung, ist großen Gewichts, Die N. dagegen ist so gut wie nichts.»d. fstlttvocd, 18. September. Berlin. 16.09 Theodor Kappstein: Die Schwell In der deutschen Dicbtont. 16.90 Jugendstunde für die Qrfileren. 17.00 Unterheltungsransllc. AnsehiieBend Werbeneehrlchten außerhalb des Proirrammj der Pnnkttnnde. 18.30„Arbeitavermlttlnnf für Werkmeister and technische Angestellte." 19.00 Orgelmusik. 19.30 Die Abels singe«, Nach den Abendmeldungen bis 0.30 Tanzmusik. KSelgsvasterhanaen. 18.00 Ob.-Reg.-Rat Prof. Dr. Rllhlraano; Der Staatsgedanke In der Schul 18.30 Dr. Heinrich Moeller und Mitwirkende; Wandemde Melodien(III). 17.00 Nachmittagskonzert von Hamburg. 18.00 Magistratsrat Dr. von Diemen: Das Problem der Obdachlosigkeit 18.30 dertrud van Eyseren. Cdsar Mario Alilerl: Spanisch dir Anfänger. 18.55 Pfarrer Hank: Religiöse Reformbewegnng der Gegenwart 30.00 Wovon man»pricht(Redner und Thema werden durch Rundfunk bekannt gegeben). 20.30 Im Rahmen der Internationalen Abende: Spanien. Dirigent: Pedro O. Morales.(Berliner Tunkorcbester.) Anschließend Uebertragung von Berlin. Kapselrätsel. Aus den Wörtern Hanfschnur. Perlmutter. Bedienung. Sachsen,' Mühewaltung. Indisches, Schwein, Tonsatz, Verschiebung, Brief- gewicht. Ehefrau. Sendung sind je drei, aus den letzten beiden Wörtern j« zwei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die. aneinandergefügt einen allen Voltswitz nennen. ad. Umstellaufgabe. Die Wörter Breslau, Notar, Viole, Attas, Geibel. Malve, Hunger, Elend, Delta sind durch Umstellen chrer Buchstaben in neue zu verwandeln. Die Anfangsbuchstaben der richtig gefundenen Wörter nennen einen ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. dl. Botanisches. Aus d«n Silben a an an cal chry da der e eh grün hör im kres lo le mer mi mum o preis re ren ro sa se se se s«e sie fter te ten thy sind 11 Blumennamen zu bilden und in eine bestimmt« Reihenfolge zu bringen, so daß die Anfangsbuchstaben«ine Gemüse- art nennen.»b. (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Rösselsprung. E» lieben Kinder und Vög«lein die glücklichsten aus Erden—, Bevor sie abends schlafen ein, Noch einmal laut zu werden. dittc Tensu. Zahlenrätsel: Kapitalismus, Amati, Passau III, Tapiau, Amasia, Lapsus, Illis, Stall, Mast, Ulm, Samt. Pechvogel: Zahn- Bahn. Kapselrötsel: umwenden,«cb-nalle, teumund. Z»tti, si.#« Neun» ed, Erdkunde. Lendenschurz. Gablin. Schreiberhau. B.'» quemlichkeit. Dirigent. Lampendocht. Lachtränen. Wcstpreußen.— Wenn alle untreu werden, so bleib ich dir doch treu. Die fehlende Mitlelsilbe: Silbe sen.— Affenhaut, Seifenschaum. Elfenbein. Reifcnbruch, Glasfenster, Greiffenberg. Pfeifenkopf. Ofenruß, Offenbach. Harfemon, Schnepfenslug, Staufen» berg. Tatsache: Elst«r. � Uhor/ir� c//ZLe/ ij.b■■■! iii wim imunmimmmmmmammmmmmm mmwmtmKmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmmmmmmmtmammmm Ausdrucksgymnastik/Bewegungschor Von Delsarte bis Laban. Was tfi eigentlich Gymnastik? Ist das ein fest umrisiener Be- griff, wie z. B. Fußball, oder ist es ein Sammelname für stark differierend« Begriffe? Wenn heut« die Gymnastik ms das Zu- tunftsideal der Leibesübungen propagiert wird, so müßte man das erftere annehmen. Gehen wir der Sache aber auf den Grund, so finden wir unter der Bezeichnung„Gymnastik" ein Sammelsurium verschiedenster Begriffe, die sich in ihren Extremen wie Tag und Naht unterscheiden Von der schwedischen Gymnastik zu Laban und von Tode zu Delsarte gibt es keine Brücke. Es trennt sich die körperbildend«, Kraft und Mut erzeugend« Gymnastik von der künstlerischen Gymnastik, die die Schönheit der Form und des Ausdrucks in den Vordergrund stellt. Di« letztere Gymnastik soll im nachfolgenden kurz erläutert werden. Der 1870 verstorbene Franyois Delsarte war ein bekannter Lehrer für Musik und darstellende Künste in Paris. Als Künstler kam er zu dem Resultat, daß der darstellenden Kunst die Körper» erziehung und der körperlich« Ausdruck zugrunde liegen müsse. Er war begeistert für die griechischen Vorbilder der Schönheit, ohne deswegen die griechische Gymnastik als besonderes Sportsystem zu propagieren. Sein Schüler Steele-Mac-Kaye verpflanzt« diese Uebungsformen nach Amerika, aus dieser Schul« ging Geneviewe S t« b b i u s hervor, die einen festen Plan ausstellte für„har- manische Gymnastik". hier stand das körperliche bereits im Vordergrund. es war nicht mehr Mittel zum Zweck— die Darstellungskunst neu zu beleben, wie bei Delsarte—, sondern Selb st zweck! Von Delsarte ausgehend, haben sich dann eine ganz« Reihe Gymnastik- systeme herausgebildet. Frau M e n s e n d> e k stellte die gesundheit- liehe, Frau Kallmeyer die künstlerisch« Seite in den Vorder- grund. Die L oh« l and- Schule bei Bremen, von Frauen geleitet und in der Hauptsache besucht, stellt die zweckmäßige Atmung an erste Stell«, die in fließender Bewegung unter wichtiger Mitwirkung der Musik geübt wird. Bei Dalcroze stand die Musik vollends im Vordergrund, die Körperübung war begleitendes Moment. Di« bekannte Gymnastiklchule in h«ll«rau gab ihm gute Gelegenheit zur Propagierung seiner Ideen. Sein Schüler Bode propagierte den Rhythmus kraftvoller Körperbewegungen, wobei die Musik nur die Aufgabe hatte, das Fließende bei der Gymnastik herbei- zuführen. Bode hatte vier Grundübungen: Entspannung, Schwung (zur Crzielung des Fließenden), Spannung und Ausdrucksbewegun- gen(zur Erreichung von Mut und Kraft: Stoß-, Schlag-, Gleich- gewichts- und Widerstandsübungen). Bekannt sind auch Mary W i g» man(eine Schülerin Labans), Jutta Klamt und viel« andere durch ihre mustergültigen öffentlichen Vorführungen und Lehrkurse. Der Tätigkeit Rudolf von Labans soll hierbei aus besonderem Grunde etwas eingehender gedacht werden. Bei Laban ist— wie bei Delsarte— der Kunst gedanke das Entscheidende Er war zunächst Maler, dann Bildhauer, um schließlich im künstlerischen Tanz das Ziel seiner Wünsche zu finden. Der Tänzer ist ihm Inbegriff höchster Vollkommenheit: „Tanz ist alle Kultur, alle Gesellschaftlichkeit, alles Wissen, Schauen und Bauen, das den Forscher- und Tatmenschen erfüllt." Laban hat auch«ine neu« Tanzschrift in s«iner„Choreographie" ge- schassen, die die Aufzeichnung der Bewegungen ermöglicht. Die reine Simsttechmk Labans kommt für die Masse überhaupt nicht in Frage. Anders ist es mit dem Laientanz im Bewegungschor, der die Frage der Massenchör« auswirft. In Berlin haben wie die„Bewegungschöre Laban" und den Bewegungschor der Freien Turucrschafl Groß-verlin. die diesem Ziele zustreben. In einem Buch„Tanz für alle" bringt Martin Gleisner, der Leiter dieser Chöre, neben einer Stellung- nahm« zu Turnen und Sport— die er als unzulänglich ablehnt— reichhaltiges Material. Der Massenchor könnte«ine Lücke aussüllen. Das alleinige Streben nach sportlicher Höchstleistung, die Züchtung und Käuflichkeit sportlicher„Kanonen", hat teilweis« bereits zur Demoralisierung und Korrumpierung geführt. Der Arbeitersport lehnt dies« Tendenzen ab. Er will die Leibesübungen zur Hebung der Volksgesundheit auf volkstümlicher Grundlage. So weit gut. Aber wenn wir den Materialismus und Egoismus ausscheiden, so brauchen wir zur Popularisierung des Sports, zur Ausschmückung und Hebung der Zugkraft unserer Sportfeste einer Ergänzung durch die künstlerische Form. Vor uns liegt die Olympiade in Wien. Technisch kann Nürnberg, das an Vielseitigkeit und Qualität der Leistung hervorragendes bot, nicht allzusehr übertroffen werden. Wildung sagt in diesem Sinn«:„Wenn wir der Arbeiter» Olympiade in Wien eine Prognose stellen dürfen, so ist es die: Sie möchte ein« Olympiade de« Weltsozialismus werden. Nur so kann sie eine Steigerung der Tage von Nürnberg bringen." Deshalb wird vorgeschlagen, die Eröffnungsfeier aus dem Saal— vor geladenen Gästen— in das große Stadion als Massenkundgebung zu verlegen. Im großen Rahmen der hunderttausend können Fest- reden und Gesang nicht den Höhepunkt der Begeisterung bringen. hier muh da» sichtbar« szenische Bild, der vlassenchor auf künstlerischer Grundlage. geschaffen werden Einige Erfahrungen haben wir bereits auf diesem Gebiete, die zum Weiterbou ermutigen. Wir haben den Bewegung«- chor gesehen, teilweise wurde» dies« Darbietungen auch mit einem Sprechchor verbunden. Sie brachten neu«, begeisternde Moment«, einen Festgeist, der uns aus dem kleinen Alltag in die höhe vec- bindenden Idealismus hinausführte. Ein Bedenken steigt leider auf: Wird sich«in Künstler finden, der auch den Weg zur Sportlermass« findet? Gleisner meint: Die Gegen. wartsaufgabe des Lewegungschors kann nur durch Alleinwirken ge- fördert werden, bis der Tanz die gleiche Verbreitung hat wie Dichtung und Musik. Das ist Selbstisolierung, die im kleinen Zirkel Genüge findet, und auf diesen„Tanz für a l l e" werden wir daher lang« warten müsien. Der Leiter des Bewegungschors, wie wir ihn brauchen, muß in d'« Plyche des Bolksganzen«indringen, au» dem Lolk für das Boll schaffen. Roch einiges zum Sprechchor. Als selbständige künstlerische Leistung dürfte er im weiten freien Raum der Sportfeste kaum zu größerer Bedeutung gelangen. Da- gegen ist er als erklärende Beigab« für den Bewegungschor»vichtig und erleichtert das Verständnis des Dargebotenen. Rein künsllenfch gesehen, will die Ausdrucksgymnastik der Bewegungschör« in den fließenden Bewegungen das Denken und Fühlen ausdrücken, es soll ein eigenes Erleben sein, das sich nicht ohne weiteres in Worte kleiden läßt. Die Mossenchöre werden ihre Darbietungen aber zweck- mäßig etwas erläutern müsien, um chr Verständnis zu erleichtern. Wir sehen aus all dem Vorhergesagten, daß die Ausdrucks» gymnastik, oder der neue Tgnz, oder wie wir es nennen wollen, im Bewegungschör, zur Mass« zusammengeführt, ein««mpffnMich« Lücke in unserer Kunstschulung und Hebung unserer Festkultur aus- füllen kann. Wir streben einer neuen Zeit zu, die das Schöne und Edle in den Vordergrund stellt. Es soll uns Feierstunden geben nach dltm profanen Alltag. kst. W-a/vuLbaCL Lcipz g gegen Berlin 8:3(3:1). Di« Berliner Stödteelf stand in einem guten, an spannenden Momenten reichen Kampf der Leipziger Mann- fchaft gegenüber. Berlin hatte Anwurf und spielt« sich gut durch, verlor aber bald den Ball an die Leipziger, die durch gute Bor- lagen den Vorteil sofort verwerteten und zum ersten Tor unhaltbar einsandten. Wieder kann sich Leipzig schnell durchspielen, ein plazierter Wurf und das zweite Tor ist errungen. Trotz eifriger Abdeckung der Leipziger Außenleute gelingt es dem Mittelstürmer im entscheidenden Moment, einen scharfen Schuß anzubringen, den der Berliner Torhüter nur noch ins eigene Netz lenken kann. Erst kurz vor der Pause gelang es dem Berliner Sturm das erste Tor zu schießen. In t«r zweiten Halbzeit kann der Leipzig«? Sturm, durch planmäßige Arbeit der Läuferreihe, in regelmäßigen Abständen drei Tore erzielen. Der Berliner Sturm wurde dann etwas besier und verschaffte der Leipziger Hintermannschaft viel Arbeit, t»« aber bewältigt wurde. Nach einem Durchbruch konnte der Halbrechte dann ein Tor aufholen, während Leipzig durch Alleingang des Rechtsaußen bald das Resultat auf sieben Tore er- höhen konnte. Unermüdlich kämpfte Berlin weiter, konnte auch noch das dritte Tor herausholen, während Leipzig kurz vor Schluß das achte Tor buchen konnte. Die Berliner Mannschaft zeigte diesmal eine bessere Spielweis« Äs damals gegen hall«. Der Sturm Haffe Pech, war zeiiweis« unentschlossen und tonnte sich bei der Leipziger Hintermannschaft zeit- weis« nicht genügend durchsetzen. Rechtsaußen fiel aus, auch wären bei mehr Flügelspiel die Außenleute etwas mehr zur Geltung ge» kommen. Die Läuferreihe Hätte mehr zur Unterstützung eingreifen müssen, der Mittelläufer war hier die olleinige Stütze. Die Der- ieidigung war dem schnellen Leipziger Sturm nicht gewachsen, während der Torhüter gute Abwehrleistungen zeigte. 5portnn5»teIIunH in Magdeburg. Die Stadt Magdeburg veranstaller in der Zeit vom 25. September bis 13. Oktober die„Magdeburger Sport- ausstellung", die erstmalig den Versuch einer ausstcllungs- technischen Darstellung des Sports und der Leibesübungen unter. ninmit. Die große Bedeutung, die der Magdeburger Sportaus- stellung vom Standpunkt der Volksgesundheft beizumessen ist, dürste besonders nachdrücklichst unterstrichen werden durch die Zusage des Reichsinnemninisters S e v« r i n g, die Magdeburger Sportaus- stellung zu eröffnen. Die Eröffnung ist auf den 25. September, 11 Uhr. festgesetzt._ Francnturnen In �choncbcrg. Morgen, Donnerstag, eröffnet der Arbeiter-Sportverein Schöne» berg-Friedenau 07 einen G y m n a st i k a b c n d für Frauen über 25 Jahr«. Tressen um 80 Uhr in der Gemeindeschule Ebersstr. 8, ober« Halle. Die Genossinnen haben hier Gelegenheit, im Kreise Gleichgesinnter ihren Körper zu kräfffgen. Gleichzeitig weisen wir daraus hin, daß der Turnbetrieb für Mädchen auch in derselben Halle um 18 Uhr aufgenommen ist. Wir bitten die Eftern, Kinder zu uns zu schicken. Mcbr Rckordsportlcr— fordern die bürgerlichen Verbände! Seit vor etwa Jahresfrist Dr. Diem vom Deuffchen Reichs- ausschuß für Leibesübungen das Wort von der„Arbeit in die Breite" prägte, hatte die bürgerliche Sportwelt endlich ein bc- quemes Mittel in der Hand, die Kanonenzüchterei abzuleugnen, ohne überzeugen zu können, daß sie auch in Wirklichkeit nicht mehr bestand. Di« Pleite der letzten Veranstaltungen hat jedoch die Herr- schaften zu einer bewundernswerten Ehrlichkeit getrieben, und sie konnten nicht anders als eingestehen, daß ihnen doch der Rekord- spart näher liegt als„die breit« Masse, die gemeint ist, wenn wir von der Arbeit in die Breite reden...!" „Die Leichtathletik", das Fachorgan der bürgerlichen Sportler, zftiert einen Arttkel der„Ostdeutschen Sportzeitung", der besser als alles andere das wahre Gesicht der in die Breite gehenden Rekordsportler aufzeigt. Man liest da: „...Länderkämpfe werden nicht von der großen, breiten Mass« gewonnen, die gemeint ist, wenn wir— und die DSV.— von der„Arbeit in die Breite" reden, sondern von einer Schar auserwählter, hochklassifizierter Sportsleute, von denen jeder ein Spezialist seines Uebungszweiges sein mutz. Die Zahl der Spitzenkönner zu vergrößern, ist notwendig, um internationale Ehren zu erreichen. Mit der Ertüchtigung und Ausbildung der breiten Masse hat das qichts zu tun..." Ganz recht, ganz die Meinung der Arbeitersportler! Es Hot mit körperbildendem Massensport nichts, aber auch gar nichts zu tun; wenn Rekordsportler gezüchtet werden. Das ist denn auch der Grund, weshalb der Arbeiter-Turn- und Sportbund überhaupt besteht. Er und nur er allein verkörpert die Bewegung, die den' Sportrekord ablehnt und den Massensport fördert. Im„Ständigen Ring". Nach längerer Pause kehren am Frei- tag, 20. September, die Schwergewichte Egon Sttes und Hans Schemann in den Ring zurück. Das Paar ist für einen Achtrunden- kämpf verpflichtet. Auch die gleichfalls auf acht Runden angesetzte Begegnung des Rheinländers Heinz heeser mit dem Westfalen Franz Boja wind ein interessantes Duell sein. Der Kampftag steht über- Haupt im Zeichen Westdeutschlands, das das Gros der Kämpfer stellt. Außer den Genannten stehen Uffelmann aus Barmen, Willi Metzner aus Köln und Werner hcrmansson aus Wiesbaden auf der Karte des Abends. SPD. Sportler Kreuzberg! Donnerstag, IS. September, findet bei Krepp, Planuser 7Z, eine wichtige Sitzung der SPD.-Sportter statt. Alle parteigenöfsischen Arbeitersportler müssen erscheinen. Arbeilerhockey. Die Freie Turnerschast Kottbus sucht einige Spiel« mit Berliner Mannschaften abzuschließen. Interessenten melden sich an Albert Compagnini, O. 34, Weidenweg 67. FTGB.- Süden. Donnerstag, 19. September, 18 bis 20 Uhr, öffentliches Turnen der Mädchen, verbunden mit Schulentlassungs- feier. Gäste willkommen. Freie Schwimmer Charlotlenburg 04 E. v„ Kanuabteilung. Monatssitzung Mittwoch, 18. September, 20 Uhr, bei Kriefche, Char- loffenburg. Kaiser-Friedrich- Ecke Grünstraße. Kanufahrer und Falibootsportler können wieder aufgenommen werden; Vermittlung günstiger Kaufgelegenheiten in Falt- und holzbooten. Auskunft bei Walter Neumann, Charlottenburg. Meerscheidtstr. 42. „loo-Quadratmeler-lVanderjolle JUutfi!" Im„Abend"-Spc>rt vom Dienstag hat sich in der Unterschrift unter dem Bild ein Satz- sehler eingeschlichen: die Wandersolle„Mucki" hat«ine Segelfläche von 10(zehn!), nicht 100 Quadratmeter. isrei» Spurt»»-,» Wcißrnse«. Die Lermmmlung am D»nil-r«taa, 1». Sep- tembrr. fällt au» und fiitdet erst Donner»!««. 25. September, bei Dringe statt. .Sslibarität*, Crtefltuppe Serlio-Lichtenb««. Mittwoch, 18. September, 20 Übe. Mona!»Versammlung. Motvrrabiabrer bei griste. Jung- Ecke Sber- ftratze: Nadfabrer bei Wwe. Subbtin!, Alt-griebrichsfelbe 98. Freie galtbootfabitt Berlin. Heute. Mittwoch. gunMonärstäung..Zur stinb«". Ufcestr. 13. Donnerstag, 19. September, tzusammenkunil Sopbieu. Lnzeum. Weinmeisterstr. 1b— 17, um 20 Ubr. Säfte willkommen, gabrten an, Zl.W. September: 1. Buckow— S'obbet, gllhrer: Tummescheit, Abfabrtteit>m Heim. 2. Oranienburg— Helligensee. gllbrer: Hennig.»bfabrt Sonntag 8.22 Stett. Borortbbf. Anfang Okiober beginnt sllr die weibliehen Milglieber ein Komnastikkurfu», es können noch einige Meldungen an A. Hilbebtanbt ab» gegeben werben. gr,I, Inrnerschoft S roh. Berlin, Be». B-Ltowe�Donnerstog. 19. September, Son 20 Uhr. bei Klemm. Berliner Ecke Bodlichfiraste. gunktionärfiHung. Sonntag. 22. September, 11 Uhr, Sockenspiel gDSB.>Pa»k»w— FTSB.-Marienborf, Spar, 'lall Kifstnaenstraste. Am Nachmittag beteiligt stch die-" ,hn.Iahr- geler her SAI. in Niedert chünhausen. woch. 19% llbr, Haoerlanb» Kestläle, Neue st Wtz nlow an der Turoratosthung beute, riebrlchstr. 85. Manufkriple !ZSB.-Zui-mment»rnen der 9 Uhr, in Baumschulenweg, Milswoch. 19i£ llbr. Haverland» steftfäle. Neue' für Oktober-Mitteilungoblatt mitbringen!— stranen über 25 Jahre streltag. 20. September, ,... streltag. Lyzeum Baumschuleustraste. Sludcr.»nd Ztann-Verel» 1924, e. B. Bootshaus: Nabnobors, Mstggelwerber. Generalversammlung Donnerstag, 19. September, 20 Uhr,„Aut Sonnen. Übt", Am Oberbaum 8. streic Schwimmer SbatlaHcnbutg, Konuobteilnoq. Mona tsl! Huna beute, Mittwoch. 20 Übt, bei ltriesche, Cborlsttenburg. staiser-striedrich. Ecke Griln- strafte. lenalo-Slot Groft. Berlin, Hockenabteilun«. Donnerstag, 1». September. 29 llbr. im Werneuchener Schlaft. Elbinger Str. 87. GeneralPerfammluna. streit Ruberer und ftaupfobret, 1. Reet«. Dienstag. 24. September, 19 Ubr. findet im Bootshaus NB..Borwärt»" fOberschöneweibe. Dilbelmsstrandt eine Siftung aller fllr da» Dauerrudern bestimmten stunktionäre statt. Es können noch an dem Abend Meldungen abgegeben werben. Ist l' ennis ein V oirccht besserer Kreise? In einer Berliner Sportkorrespondenz bringt ein gewisser Richard Kirn„eine notwendig« Klarstellung" zu dem Thema: »Wird Tenni» Volkssport?" Roch einer längeren Ein- leitung komnft der Verfasser aus die Kostcnfrage zu sprechen und neigt zu der Ansicht, daß von einem„Bolkssport" infolge der kolossalen, für gewöhnliche Sterbliche unerschwinglich hohen Uu- kosten keine Rede sein könne. Wer allerdings zur Sportbetätigung sich den Jtlub" auswählt, wo es.Usus" ist, außer einem Eintrittsgeld von 50 bis 100 M. noch jährlich« Sonderbeiträge von 20 bis 50 M. zu erheben, darf sich über hohe Kosten nicht beschweren. Der Betreffende muh dann allerdings von vornherein auf Mitglieder verzichten, durch welche man dem Begriff.Volkssport" näher kommt. Da muh man auch selbstverständlich im vorschriftsmäßigen„Dreß"(wie vornehm das klingt!) erscheinen, und nach diesem Rezept bleibt der Tennissport den sogenannten„besseren Kreisen" reserviert. Die Auslassungen Sims atmen so richtig den Geist, wie er im bürgerlichen Lager gezüchtet wird: Abstand wahren, Manieren hochfeudaler Kanonen nachahmen, und vor allen Dingen ja nicht etwa..Volks- spart" betreiben. Di« Leute errichten ja gerade durch die Festsetzung hoher Eintritts-, Monats- und Sonderbeiträge eine Mauer um sich und ihren Anhang und schließen dadurch weniger bemftteft« Sport- freund« aus. Auf dies« Art wird(nach den Worten Kims)„bei uns Tenni» in absehbarer Zeit kein Volkssport werden, wie es etwa Fußball ist"! Vom Arbeiter-Turn- und Sportbund scheint Kirn überhaupt keine Ahnung zu haben, sonst müßte er wissen, daß dort der Tennissport nicht nur«in« sorgsame Pflege ge- funben hat. sondern bereits ein« große Anzahl von Arbeiter- tenmsspielttn in vielen Bundesvereinen oereinigt. Unbekannt scheint Kirn auch zu sein, daß beim?. Bundesfest in Nürnberg ein sehr gut besetztes Tennisturnier stattge- funden hat. und daß den Tennisspielen der Arbeitersportler ständig eine große Zahl begeisterter Zuschauer beiwohnte. Fremd ist dem Verfechter des bürgerlichen Sports auch, daß die Arbeitertenms- spieler bereits Städtekämpfe auch mit ausländischen Arbeitertennisspielern ausgetragen haben und ständig den„weißen Sport" ausüben, ohne daß man dazu unbedingt„jährlich zwei Rackets i 70 M." benötigt. Erinnert sei u. a. nur an das kürzlich von der Freien Turnerschaft Eroß-Berlin veranstaltete Tennis- turmer bei der Zehnjahrfeier. Die stark« Teilnahme der Tennis- spieler von FTGB., Tennis-Rot und auswärtiger spielstarker Bundesmitglieder aus Leipzig und Zwickau beweist, daß der „weiße Sport" in den Kreisen der Arbeiterschaft bereits Eingang gefunden hat und auf dem besten Wege ist„Volkssport" zu werden— trotz der„not- wendigen Klarstellung" ffirns. Die Bundesveretne des Arbeiter-Turn- und Sportbundes können sich bei geringerem Eintrittsgeld allerdings mit Monats- befträgen von etwa 3 M. begmigen, wofür Plätze und Bälle zur Verfügung gestellt werden! Und zum„Sportdreß" der Arbeiter- tennisspieler genügen die kurze Sporthose(ohne Bügelfalte), ein weißes chemd und leichte Schuhe. Wer dänn noch auf die feudalen Manieren und Modetorheiten der Bürgerlichen verzichtet, kann so- gar den Tennissport pflegen, selbst ivenn er tagsüber in Werkstatt und Bureau tätig ist. Allerdings vcrpönen die Arbeitersportler das Züchten von„Sportkanonen", bei deren Erscheinen alles in Ehr- furcht zu erschauern hat Gemeinschaftsgeist pflegen durch möglichst große Verbreitung jeder Sportart, auch des Tennisspieles, dann wird sich Tennis als Volkssport wefter günstig entwickeln! �(Befchäfia-Jlnseiger föezirtz füden-'Wefien. !f Golumbus" Oellfiöel Resfauranf Berlin, KommandantenstrJB NEUKÖLLN Berliner straBe so 81 Ab3llhrnaAlsgeinnel ira- Rieh. 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