Morgenausgabe Nr. 441 A 222 46.Iahrgallg Söche»Mch«5Vs,»o»aMch»MM. tm oorou» zahlbar. Postbezug iJU 9L «tnschltestlich 60 Pfg. Postzeiwng»- 72 Pfg. Postbestellgebühreu. Ausland»» abonnement S.— M. pro Monat. ver erfchewt wochentSg. lich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgaben für Bern» und tm Handel mit dem Titel.Der Abend", gllustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und.Kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen» ■Umme'.Technik'.Blick in die Bücherwelt" und.Iugend-VorwSrt»" f Berliner volesblatt Freitag 20. September 1.929 Groß-Äerlin 1V Pf. Auswärts 15 Pf. Di«• t■ t p« 1 1 1 g« vonpareillezea« 90 Pfennig, ReNamezeil» 6.— Reich». «art.„Kleine Anzeigen�' da» setlge» druckt» Wort 25 Pfennig lzulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erste Wort 15 Pfennig, jede» weitere Wort lv Pfennig. Worte über 15 Buchstaben Kblen für zwei Worte. Arbeitsmarkt >ile SO Pfennig. Familienanzetgen Zeil« l> Pfennig. Anzeigenannahme im5?aupt» Geschäft Ltndenstraße S. wochentäglich von 6V| di» 17 Uhr. Jenivalovgan der SozialdemoSratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 5K>2— 2S7 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrar Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postfchecklonto: BerNn 37536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Aiigcstclllcn anb Beamten, Wallstr.6S. Diikonto-Gesellschaft, Depositenkaffe Lindenstr. 3. Woldemaras tritt zurück. Ltmbildung des litauischen Kabinetts. s o w« o. IS. September. Sämtliche Minister haben dem Präsidenten der Republik ihre Portefeuilles zur Verfügung gestellt. um ihm die Umbildung des Kabinetts zu er- möglichen. Der Präsident der Republik hat den Rücktritt der Regierung angenommen. Die Minister werden die Geschäfte bis zur Bildung des neuen Kabinetts weiter» führen. Mit der Bildung der neuen Regierung wird vor» aussichtlich F l n a u z m i« i st e r T u be lis beauftragt werden. • Diese Nachricht hat— wie die Tll. au, Kowno meldet— größtes Aufsehen hervorgerufen. Niemand hat es bis heute für möglich gehalten, daß bei dem überragenden Nnftuß des Mi- »isterprästdenten Woldemaras, der bisher in keiner Weife de- einträchtigt schien, eine so grundlegende Umbildung des Kabinetts Platz greifen könnte. Die Gründe für di« Umbildung müssen demnach sehr ernster Natur sein und sind wahrscheinlich in den tief- gehenden Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Kabinetts zu suchen. Die Tatsache, daß der Staatspräsident nicht den bisherigen Ministerpräsidenten mit der Neubildung des Ko- binetts beauftragt hat, läßt die Vermutung zu. daß der Einfluß Wo ldemaras' stark geschwächt ist. Tubelis gehört der gemäßigt en Richtung innerhalb der Tautininkai an, als deren geistiger Führer Steatspräsidenk Smetona gilt. Schwache Regierung in Wien. Kein Mut gegen die Putschisten. Meu, 13. September.(Eigenbericht.1 In der Donnersiagsitzung des Rechnungsausschusses brachte Dr. Deutsch(Soz.) den„Warnruf' der cheimwehr zur Sprache. Er erklärte:„Wir Sozialdemokraten sind nicht geneigt, die Artikel der cheimwehrzeiwngen allzu ernst zu nehmen. In diesem Falle wird aber offen mit dem Bürgerkrieg gedroht, und wir wissen,£aß auch Rüstungen für den Bürgerkrieg veranstaltet werden. Die Leidtragenden eines.Bürgerkrieges und der Bürgerkriegsdrohungcn sind olle Klassen im Staat. Wir richten deshalb an die Regierung die Frage, wie sie sich die Weiter- entwicklung vorstellt. Sie muß auch sagen, was sie zu tun gedenkt, um wieder no r m a l e Zustände herbeizuführen, und ob sie zum Parlament und zur Verfassung steht und diese wirNich schützen will.' BIzekanzler S ch u m y erklärte, er nehm« die cheimwehr- drohungen nicht gar zu ernst. Alle Handlungen der Re- gierung würden auf der Grundlage der bestehenden Gesetz« und der bestehenden Verfassung vor sich gehen. Allerdings müsse er auch in aller Oessentlichleit darauf hinweisen, daß die Volks- bewegung, di« gegenwärtig zu verzeichnen wäre, darauf ab- ziel«,«ine Aenderung der Verfassung herbeizuführen. Er persönlich lehne eine Aenderung der Verfassung ab. wenn sie da» demokratische Prinzip beseikigen wolle. Die Dinge könnten sich gewiß zuspitzen. Aber er wisse, wa» er zu tun habe, wenn er di« Gewißheit habe, daß die Grundsätze der Legalität in Gefahr seien. Der Sozialdemokrat Dr. E i s l e r bezeichnete di« Erklärungen des Vizekanzlers als sehr schwach und stellte fest, daß der Auf- ruf der Heimwehr sich vor allem gegen die bürgerlichen Parteien richte. Der ehemalig« Iustizminister Dr. Waber(großdeutsch) ver- suchte ebenfalls, von dem Ausruf abzurücken; wenn auch stark« Warte gewählt wurden, so dürfe man nicht gleich dahinter«in« Drohung mit dem Bürgerkrieg sehen. In der sozialdemokratischen Press« wird die Erklärung des Vizelanzler» dahin aufgefaßt, daß er zwar gegen die Drohungen ist, die Regierung aber nicht den Mut hat, irgend etwa» zu unternehmen. • Es muß einmal der Schwindel von der„volksbewe- gung' auf reaktionäre Verfassungsänderung aufstoßen. Wenn die Provinzadvokaten Steidle und Psriemer nach solcher Aenderung schreien, die hakenkreuzlerischen Ingenieure der steirischen Eisenhütten— im Sold des reichsdeutschen Stahlwerksverbandes— und andere Akademiker mit dem Vierzipf an der Uhr, den Schmissen im Gesicht und dem Bierherz im Leibe dazu Beifall brüllen, die schieß- und kommißfreudlgen Bauernsöhne mittun und die alten Bauern- Politiker des„Landbundes" davor umfallen, so ist das noch längst keine Volksbewegung und das Geschrei einiger Zeitun- gen mit geringer Auflage, aber großen Unternehmer- subsidien. Bankpauschalien und geldbringenden Kuppel- inseraten macht auch noch keine Volksbewegung. Jede Wohl in Deutschösterreich hat gezeigt— und so sie frei ist, wird sie es auch weiter zeigen—. daß z w e i große Parteien fast das ganze Volt umfassen: di« Sozialdemokratie und die Chrislllch- sozialen. Dabei hat die Sozialdemokratie die Mehrheit oder wenigstens den weitaus größten Anteil aller Stimmen in den Gemeinden mit 2000 Einwohnern, die Christlichsozialen sind überwiegend die Partei des Landes. Ter großen Masse der Bauern liegt aber gar nichts ferner, als nach Aenderung einer Verfassung zu schreien, die das politische Gewicht des Bauerntums ganz gewaltig erhöht hat und unter deren Wei- tergeltung die Bauern Aussicht haben, die von der Sozial- demokratie geforderte Bodenreform zu bekommen— ebenso wie jetzt die Regierung di« sozialdemokratische For- derung nach dem bauernfreundlichen Getreidehandelsmonopol angegriffen hat. Einer der lautesten Heimwehrschreier ist der 14fache Schloßbesitzer"Fürst' Startenberg, ein großmäuliger Feudaljüngling, der als Grande am Kaiserhof die Bauern vor Hochnäsigkeit überhaupt nicht sehen würde, wenn die Revo- lution nicht diesen Spuk verjagt hätte. Die Heimwehrführer, besonders die heimlichen, aber eigentlich maßgebenden, sind sämtlich frühere aktive oder Reserveoffiziere, deren Dünkel und Roheit im Krieg, als sie die Macht hatten, die Bauern noch lange nicht vergessen haben. Nichts wünschen sie weniger als die Wiederkehr dieser Herrlichkeit. Oie Verfassungswünsche der Putschisten. Man höre, was die kleinste Gruppe des Parlaments, der Landbund, auf Befehl der Heimwehrschreier als Verfassung»- „Reform' verlangt: Neben der direkten Wahl des Bundespräsidenten, asso nicht mehr durch das Parlament, das Recht für ihn, wenn das Parlament nicht versammelt ist, Gesetz« zu«rtassen! Das wäre die Wieder- kehr des altösterreichischen§ 14, der dazu führt«, daß man das Parlament auf Jahr« ausschaltete, die Gesetze zu dekretieren! Natürlich wird auch eine— nicht näher bezeichnete— Wohl- rechtsänderUng, fürs erste die Umwandlung des Bundes- rate in ein— Ständehaus gefordert.' Wien soll die Selb- stänbigkeit und die Steuerhoheit eines Landes verlieren, seine Steuern sollen eben nicht mehr zur Schaffung von Volkswohnunqen, Spende von Säuglingsheimen, zur Förderung der Volksgesundheit, zum Ausbau der neuen Schul«, nicht mehr zu all den großen sozialen Werken verwendet werden, für die man das eigen- artige Schimpfwort„Marxismus' erfunden hat. Die weitreichend« sozialistische Werbearbeit dieses ruten Wiens durch di« oroßen Lei- stnngen seiner sozialistischen Verwaltung zu zerstören, diese lebendige Kraft zu vernichten— das ist der faschistische Antrieb de» ganzen Heimwehrgsschreis und seiner Hintermänner im In- intd Ausland!_ Ein europäischer Skandal. Opfer der tschechischen Spionen furcht. Prag. 13. September.(Eigenbericht.) vor sechs Monaten wurden der deutschösterreichische Staat». bürg« Norbert Böhm und seine Gellebte Grete S t e l n d l. gleichfalls Oesterreich«!«, beim Photogrophi««» des v ahnhose, in Mährssch-Neustadt unt« Spionogeverdacht verhastet und in Untersuchungshaft geseht, ohne daß bi,h« eine Anklage erhoben wurde. Dies« Tage wurde Böhm im Hose de» Sreisgerichtsgesäng. nisse» in Olmüh au» geringfügig« Ursache von einem Mlthäslling erschlagen. Bei d« Nachricht von seinem Tod« unternahm seine Gellebte einen Selbstmordversuch. Die österreichischen Behörden haben fehl aus diplomatischem Wege Ausklärung über den Fall v«. langt. Außerdem wird eine Schadeaersahklage gegen den tschechoslowakischen Staat angekündigt. Grete Steindl soll dies« Tage aus freien Jnß gesetzt werden. Die beiden unglücklichen Menschen dürsten wohrscheinsich ein halbe» Zahr unschuldig in Untersuchungshaft gesessen haben. Böhm hat diese» Schicksat dazu auch mit dem loda bezahlen müssen. Paragraph 4. Volksbegehren und Neichspräfideni. Es gibt Menschen, die lieber in der Lotterie spielen oder sich an einem Preisausschreiben beteiligen, als daß sie einen Prozeß führen. Ihre Abneigung gegen die Anrufung der Ge- richte beruht auf der nicht zu leugnenden Unsicherheit, die mit der Rechtsanwendung verknüpft ist. Ein Richter hält für Miete, wps ein anderer für Pacht erklärt; dem einen scheint ein Kaufvertrag zu sein, was ein anderer für Tausch erachtet. Indessen darf man doch nicht so weit gehen, als das das Rechts- leben beherrschende Prinzip als Axiom des griechischen Philo- sophen„Alles fließt" anzusehen. In der rechtlichen Beurtei- lung sehr vieler Erscheinungen und Tatsachen besteht unter Juristen keine Meinungsverschiedenheit. Wie zum Beispiel die von den deutschnationalen Führern Bruhn und Hugenberg herausgegebenen periodischen Druckschriften unter strafrecht- lichen Gesichtspunkten zu würdigen sind, das ist juristisch nicht zweifelhast. Und ebenso kann von keinem Kenner des Rechtes geleugnet werden, daß der§ 4 des Gesetzentwurfes, dessen Annahme der Hugenbergfche Reichsausschuß dem beut- schen Volke empfehlen will, den Reichspräsidenten mitZuchthausftrafebedroht. Dieser§ 4 soll lauten: „Reichskanzler und Reichsminist« sowie Bevollmächtigte de» Deutschen Reiches, die entgegen der Vorschrift des§ 3 Verträge mit auswärtigen Mächten zeichnen, unterliegen den im Z 32 Nr. 3 RStGB. vorgesehenen Strafen" Die Strafrechtslehrer sind sich zwar darüber nicht einig. ob der Reichspräsident als Beamter anzusehen ist, daß er aber Bevollmächtigter des Deutschen Reiches ist, kann nur jemand leugnen, dessen Abneigung gegen die Weimarer Verfassung so weit geht, daß er sie nie gelesen hat. Wer auf Grund der Willenserklärung eines anderen an dessen Stelle in eigenem Namen handelt, ist Bevollmächtigter. Die Ver- tretungsmacht kann auf rechtsgeschPtlicher Bestellung oder auf Gesetz beruhen. Durch die Reichsverfassung sind dem Reichs- Präsidenten zahlreiche Aufgaben zugewiesen, die er für das deutsche Boll in Ausübung der von diesem ausgehenden Staatsgewalt zu erledigen berufen ist. Dahin gehört z. B. die völkerrechtliche Vertretung des Reiches, die Begnadigung für das Reich, die Ausfertigung und Verkündung der ver- sassungsmäßig zustande gekommenen Gesetze, die Anordnung von Volksentscheiden, die Auslösung des Reichstags. Der Reichspräsident ist hiernach hoch st es Organ des im Staat organisierten Volkes, also dessen Be° vollmächtigter. Könnte hieran irgendein Zweifel bestehen, so würde er durch die Tatsache beseitigt werden, daß der Reichs- Präsident nach Artikel 43 RV. auf Antrag des Reichstages durch Volksabstimmung abgesetzt werden kann. Ein Vertreter, dem die Vertretungsmacht von seinem Auftraggeber entzogen werden darf, kann nichts anderes als ein Bevollmächtigter fein. Der§ 4 des Hugenbergschen Gesetzantrages stellt also nicht nur den Reichsministern, sondern auch dem Reichspräsi- deuten Zuchthausstrafe in Aussicht. Ist den deutschnationalen Antragstellern diese Konsequenz ihrer Aktion nicht klar geworden? Dies erscheint« angesichts der großen Anzahl von hervorragenden Juristen in der Deutschnationalen Partei ausgeschlossen. Da ist der unnach- ahmliche Herr E o e r l i n g. der, wenn das Dichterwort„Ein jeder gibt den Wert sich selbst" Geltung beanspruchen kann. der bedeutendste aller zurzeit lebenden Rechtsgelehrten ist. Das scheint auch allgemein anerkannt zu werden, denn noch stets, wenn Herr Everling einen der Unglücklichen, die ihm ihre Vertretung übertrugen, verteidigt hat, haben die Richter nach seinem Plädoyer geäußert:„So etwas ist noch nicht da- gewesen." Da ist Herr Landgerichtsdirektor L o h m a n n aus Altona: wenn man ihm bescheinigt, daß er selten klug ist. macht man sich nur einer geringen Uebertreibung schuldig. Seine geistige Begabung hat seinen Wählern derart imponiert, daß sie ihn bei der letzten Reichstagswahl nicht wieder auf- gestellt haben, offenbar deshalb, weil er ihnen für das Par« lament zu schade war. Da ist der Geheime Iustizrat Theodor W o l f f. der das Kunststück fertig bekommen hat, nachzuweisen, daß seine Partei aus einem Vertrage, dessen Abschluß ihre Führer leugnen, einen unentziehbaren Anspruch auf vier Ministerposten erlangt hat, und der, wenn er nicht Jurist ge- worden wäre, als Beamter der Sicherheitspolizei Taten voll- bracht haben würde, die seine juristischen Leistungen noch ver- dunkelt hätten. Mit welcher Sicherheit hat dieser ausgezeichnete Mann festgestellt, daß das Bombenattentat auf das Reichstagsgebäude von Sozialdemokraten be- gangen worden ist! Sein Verdienst wird selbstverständlich durch den Nachweis nicht verkleinert werden, daß die Attentäter Mitglieder derselben Nationalsozialistischen Partei sind, mit der sich die Deutschnationalen für das Volksbegehren verbündet haben. Auf die Kühnheit allein kommt es an. Nein, es ist unzweifelhaft, daß die scharfsinnigen und juristisch vorzüglich beratenen Führer der Deutschnationalen Partei die Beziehung der Strafandrohung des � 4 zur Person des Reichspräsidenten erkannt, und daraus ist zu folgern, daß sie sie gewollt haben. Aber nicht zu begreifen ist, warum sie r nicht alle mit der gleichen Offenheit wie Herr Bang zugeben, daß sie im Kampf um die Befreiung Deutschlands auch die persönliche Frechett des Reichspräsidenten nicht respektieren. Mit einem Mangel an Mut kann ihr Leugnen wohl nicht er- klärt werden. Denn ganz abgesehen von ihrem heldenhaften Verhalten in den Revolutionstagen beweist auch ihre völlige Gleichgültigkeit gegen die Lächerlichkeit, daß ihnen das Gefühl der Angst fremd ist. Es bleibt also nur die Annahme übrig, daß die Rücksicht auf das hohe Alter des gegenwärtigen Reichspräsidenten sie bestimmt, der Wahrheit die Ehre zu versagen, was diesen Fanatikern der Aufrichtige keit sicher nicht leicht wird. Aber sie sollten einsehen, daß sie die unmögliche, einschränkende Auslegung ihres Para graphen 4 um so weniger aufrechterhalten können, als der gegenwärtige Reichspräsident vielleicht einmal einen Nach folger erhält, der ihnen noch weniger sympathisch sein könnte, als es Hindenburg Herrn v. Freytagh-Loringhooen ist. Wollen sie dann im Wege eines neuen Volksbegehrens eine Erweite- rung des Z 4 beantragen? Es hat beinahe den Anschein, daß sie an der einen Volksinitiative genug haben. Vielleicht ist indessen der Reichsausschuß in der Lage, dem 8 4, wenn Herr Göbbels es gestattet, einen zweiten Absatz des Inhalts hinzuzufügen:„Auf den gegenwärtigen Reichs- Präsidenten findet diese Bestimmung keine Anwendung."' Dann wäre die Sache in Ordnung. Die Deutschnationalen wären aus der nicht gerade angenehmen Situation befreit. den Mann, den sie als den„Retter" verherrlicht haben, der schwersten Freiheitsstrafe zu überantworten, und man könnte auch wirklich nicht sagen, daß der zweite Satz ihres Z 4 des Verstandes und Sinnes in höherem Maße entbehre als der erste. Oer Oawes-Graf. Wefiatp, der„Vorwärts* und der Dawes-Plan. Die erste Konsequenz einer Annahme des Hugenbergschen Volksbegehrens würde sein, daß der Dawes-Plan automatisch weiterläuft. Wir haben diese Kons«- quenz unterstrichen und dazu geschrieben: „Der Voung-Plon darf nicht in Kraft gesetzt werden, damit der Dawes-Plan in Kraft bleiben kann! Das Käthchen von Heilbronn war ihrem Ritter vom Strahl nicht so treu, wie es die Deutschnationalen dem Dawes-Plan siftd'... Dies« Feststellung wie die Erinnerung an die Dawes- Abstimmung ist den Deutschnationalen sehr unbequem, um so mehr, als der Reichsausschuß in einem knallroten Flugblatt „An die deutschen Arbeiter" den Dawes-Plan in Grund und Boden verdammt. Graf Westarp bemüht sich daher in der„Ä r e u z- Z« i t u n g", diese Konsequenz hinwegzu disputieren. Er veröffentlicht einen vier Spalten langen Ar tikel, dessen Quintessenz lautet:„Die Wahl heißt nicht Dawes-Plan oder Doung-Plan, sondern Dawes-Krise oder Doung-Krise."' Woraus man entnehmen kann, daß die deutschnationale Politik lediglich auf Krisen und Katastrophen abzielt. Graf Westarp hat seinen Ausführungen die oben wieder- gegebenen Sätze aus dem„Vorwärts" als Motto" voran- gestellt. Vier Spalten vergebliches Bemühen, um ein« in vier Zeilen gefaßte Wahrheit Hinwegzudisputieren! Wir haben seinerzeit diese Sätze-geschrieben, weil eben die Beziehungen der Deutschnätionalen zum Davdes-Plan ganz besonderer Art sind. Allein den Deutfchnatipnalen lst die An- nähme des Dawes-Planes zu oerdanken, und sie sind, wie sich jetzt herausstellt, deswegen enger mit ihm verbunden als jede andere Partei. Wir haben diese Zusammenhänge dargelegt und auf das Abkommen ikder die vier Ministersitze verwiesen. Graf Westarp hat seinerzeit das Abkommen geleugnet. Wir haben ihn der bewußten Unwahrheit geziehen, wir haben ihn aufgefordert, uns zu verklagen— aber wir haben von Graf Westarp nichts weiter gehört, bis zu der genialen Entdeckung, daß die Alternative nicht Dawes-Plan oder Aoung-Plan laut«, sondern Dawes-Krise oder Doung-Krise. Das hätte der Herr Graf kürzer abmachen können! Biel- leicht hätte er dann noch Zeit und Raum gefunden, um sich — diesmal wahrheitsgemäß— zu der Frage zu äußern, aus welcher vertragsmäßigen Bindung die Anhänglichkeit Deutschnationalen an den Dawes-Plan stammt! Beschlüsse des sozialen Ausschuffes. Immer noch unklare Lage. der Die Renten der Gtandesherren. Oer Dstechlsausschuß nimmt den NegierungSentrvurf an. Der Reichstagsausschutz für Rechtspfieg« setzt« gestern di« Be- ratung des Entwurfs eines Gesetz«» zur Regelung älterer stoat- sicher Renten fort. In einer längeren Aussprache zur Geschäftsordnung unter- nahmen die Deutschnotionalen und die W i r t sch a f t s- parte! gemeinsam den Versuch, die Vorlag« zu verschleppen. Der Antrag der Wirtschaftspartei auf Abbruch der Beratungen wurde jedoch mit ollen Stimmen gegen die Stimmen der Deussch- nationalen und der Wirtschaftspartei abgelehnt. Die Vorlage der Regierung wurde im wesentlichen unver- ändert angenommen. Oer Cliquenkampf in der KPO. Thälmann stillschweigend versenkt. Da, Organ der Brandler- Gruppe„Gegen den Strom" schreibt:„Roch vor wenig mehr als einer Woche hat der nach der stillschweigenden Versenkung des„historischen Führe s" Thälmann maßgebende Hermann Remmele mit eiserner Stirn die Cliquentämpfe im Schoß der„eisernen bot- schewistischen Kohorte" abgeleugnet. Jetzt erfahren wir aus zuver- lässiger Quelle, daß die führende Garnitur der Berlin- Branden- burger parleiorganlsaiion. Pieck. JJseisser. Beulling, Kasper usw„ abgesägt würde. Der bisherige Gewerkschastsleiter von Berkin, B e u t li n g, arbeitet bereits seit Mittwoch, dem 18. September, im Bund der Freunde der Sowjetunion. Hänschen Pfeiffer, der bis- hicige Generalstaatsanwalt der Berlin-Brandenburger Organisation, soll nach Moskau in» Organisationsfetretariat. Pieck soll künftig die Kommum>l„politik" der Partei in Bertin machen, während der „rühmlichst" bekannte Gewertschaftsspalter Walter Ulbricht Pol.-JJeiter von Berkin werden soll. Dem sozialen Reichstagsausschuß lagen bei seinem Wieder- zusammentritt am Donnerstag die beiden Gesetzesoor- lagen der Reichsregierung zur Arbeitslosenver- s i ch e r u n g vor. Die Gliederung ist derart, daß die meisten der umstrittenen Fragen in ein befristetes Sondergesetz ver- legt worden sind. Zu einer Reihe von Beschlüssen des Reichsrats hat die Reichsregierung Doppelvorlagen gemacht. Graf Westarp(Dnat.) und Rädel(Komm.) versuchten zunächst, der Weitelberatung geschäftsordnungsmäßige Schwierigkeiten zu machen, blieben aber in der Abstimmung in der Minderheit. Ein kommunistischer Antrag auf Vertagung wurde gleichfalls abgelehnt. Zur Tragung der Kosten für die Spruchkammern hatte der Reichsrat eine Reuregelung beschlossen, durch die di« Reichs- anstalt finanziell belastet wird. Der Reichstagsausschuß beschloß mit Mehrheit die Regierungsvorlage. Zu§ 36, in dem das V o rfch la g s r« cht zur Selb st ver- w a l t u n g geregelt wirb, hatte der Reichsrat«infchrän- kende Bestimmungen beschlossen. Abg. Gerlach(Soz.) be- gründet einen Antrag auf Wiederherstellung des Reichstagsaus- fchußbeschlusses. Der Antrag wird jedoch abgelehuk, da die bürgerlichen Abgeordnekea dagegen stimmen und die Kommunisten sich enthalten. Die Anzeigepflicht der Arbeitgeber für die besetzten Stellen hatte der Reichsrat gestrichen. Die Sozial- demokratie beantragte Wiederherstellung des gestrichenen Para- graphen 6Sa, wird jedoch überstimmt. Auch hier entHallen sich die Kommunisten der Stimme. Damit ist die von Arbeitgeberseite heftig bekämpfte Meldepflicht im Ausschuß endgültig gefallen. Di« im Reichstagsausschuß erreichten Verbesserungen hinsichtlich der Lehrlinge sind im Reichsrat ebenfalls beseitigt worden. Der Reichstagsausschuß beschließt die Wiedeeherstellung seiner früheren Beschlüsse. Bei der Fessstellung des Begriffes geringfügieger Beschäftigung wird der sozialdsmo- kretische Derbesserungsantrag wiederum gegen Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Ebenso finden di« sozialdemokratsschen Anträge aus Milderung der Bestimmungen über di« Sperrsristen keine Mehrheit. Dagegen wird di« vom Reichsrat beschlossene Verschärfung der Sperrfristen abgelehnt. Ein neuer§ 107a ist ebenfalls vom Reichsrat geschaffen worden und bezweckt die Kürzung von Unterstützungen, die den Lohn über- schneiden. Abg. Zanschek(Soz.) begründet den sozialdemokratsschen Antrag auf Streichung, da die unterste Lohnklasse der Arbeitslosen- Versicherung in jedem Falle als das Existenzminimum ausrecht- erhalten bleiben muß. Der Antrag wird abgelehnt. Hinsichtlich der Wartezeit wird die vom Reichsrat vorge- schlagen« Verlängerung abgelehnt. Da aber die Mehrheit gleichzeitig beschließt, di« geltenden Bestimmungen zu ändern, so bleibt hier ein« L ü ck e in der Vorlage. Hinsichtlich der Anrechnung von Sozialrente Wartegeld usw. auf die Arbeitslosenunterstützung kommt eben- falls über den neuen§ 112a in der Gesamtabstimmung kein Be« s ch l u h zustande. Die vom Reichsrat beschlossene Verschlechterung hin- sichtlich der Verrechnung der Gemeinden mit der Reichs- anstalt wird abgelehnt. Die Bestimmungen über Strafen gegen Arbeitgeber werden wiederum gegen die Kommunisten beschlossen. Im übrigen wird die Hauploorlage nach mehrstündiger Beratung verabschiedet. In den wesentlichen Streitpunkten dieser Bor- läge sind teils keine Beschlüsse zustande gekommen, teil» gegen die Sozialdemokratie. Die Beratung der befristeten Sondervorlag« soll noch vor Zu- sammen tritt des Plenums des Reichstag» im Ausschuß erfolgen. Der Vorsitzend« wird ermächtigt, den Termin zu bestimmen. Llniernehmer für Leistungsabbau. Köln, IS. September. Der Düsieldorfer Industrietagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie ging heute in Leverkusen eine besonders stark besuchte Präsidial- und Lorstandssitzung unter dem Borsitz von Geheimrat Prof. Dr. Dr. Dulsberg voraus. Eingehend beschäftigte sich der Lorstond mit der Form der Arbeitslosen- Versicherung. Der Reichsverband ist mit der Vereinigung der deutschen Ar- beitgeberverbände der Meinung, daß, ohne berechtigte soziale Ge- sichtspunkte zu vernachlässigen, eine finanzielle Sanierung der Reichs- answlt für Arbeitslosigkeit auch möglich ist, wenn eine Erhöhung der Beiträge vermieden wird. Darüber hinaus betonte der Vorstand, daß es unbedingt notwendig sei, die Arbeitslosen- Versicherung in einer Form durchzuführen, die eine B e l a st u n g des Reichshaushalts ausschließt. Sei in besonderen Fällen«in Darlehen nicht zu vermeiden, so müsse die Reichsregie. rung durch Herabsetzung der Leistungen für alsbaldige Deckung sorgen. Der Vorstand des Reichsverbandcs sehe in der Art, in der bisher di« Reform der Arbeitslosenversicherung be- handelt worden sei, einen außerordentlich schweren Fehler, der zn den schlimmsten Folgen führen müsse. Obwohl es schon vor Mo- natcn klar gewesen sei, daß die Arbeitslosenversicherung in sor- meller und materieller Hinsicht geändert werden könne, sei es bis heute noch nicht gelungen, dem Parlament«ine Regierungsvorlage zuzustellen, für die die Regierung in allen Punkten die Perant- wortung zu übernehmen gewillt sei. Der Reichsverband fordert daher im Jnteresse der Gesamtwirtschaft mit größter Beschleunigung eine Reform der Arbeitslosenversicherung, die chre D u r ch f ü h- rung ohne Beitragserhöhung irgendwelcher Art und ohne di« Heranziehung öffentlicher Mittel ge- währleistet und Mßbräuche ausschließt. i- in Genf. Oie Revifionsgegner schweigen.— Ein Ltnterausschuß eingesetzt. «,[1ittr2.�n'n®alt0- Vor der Wohnuno des Präsidenten der Vasd-Partei kam es anläßlich zahlreicher Gerüchte über eine bevorstehende Regierungskrise zu großen Demonstratio» nen. Die Polizei wurde von den Manifestanten mit Stetnen bewors««�Mehrere Beamte wurden oerletzt. 13 Personen wurde« al, Täter verhaftet. W. Schw. Gens, 19. September.(Eigenbericht.) Nachdem es in zweitägigen Verhandlungen gelungen waren, den chinesischen Antrag aus Behandlung des Revisionsartikels 19 der Völkerbundssatzung durch den Aeltestenausschuß hindurchzubringen. wurde er heute unter großer Spannung im Verfassungsausschuh be- sprachen. Der Vertreter Chinas wies auf die ungleichen Friedensverträge hin und empfahl dl« Einsetzung einer fünfköpfigen Kommission zur Ausarbeitung des in der Völkerbunds- verfassung vorgesehenen Revisionsverfahrens. Der deussch« Vertreter K o ch- W« s e r unterstützte den Antrag. Es fei die lo- gische Konsequenz, daß in demselben Grade wie der Krieg abge- schafft werde, friedliche Mittel zur Aenderung von Verträgen aus- gearbeitet würden. Deutschland sei nicht sür einen konservativen, sondern für den evolutionären Pazifismus. In der weiteren Debatte schwiegen di« Reoisionsgegn» voll- ständig. Man sah den Rumänen Titulescu wutentbrannt den Saal verlossen. Zum Worte meldeten sich die außereuropäischen, dem Imperialismus ausgesetzten Rationen, wie Persien, Haiti, Aethiopien. Auch Australien sprach zugunsten des chinesischen Antrages. Unter äußerster Aufmerksamkeit erklärt« der ausgezeichnete belgische Jurist Henry Rolin, Mitglied der belgischen Sozialistischen Partei, er habe mit vollständiger Ruhe den chinesischen Antrag zur Kenntnis genommen, dies um so mehr. als die belgische Regierung mit China bereits Reparationsverhand- lungen geführt habe. Der Artikel 19 fei ein wesentlicher Be- standteil der Völkerbundsverfassung. Glücklicherweise sei er ebenso- wenig wie der Sanktionsartikel 16 bisher angewendet worden, aber dies nur, well sich keine Gelegenheit dazu geboten habe. Rolin brachte nun eine Entschließung ein, wonach jedes Mitglied des Völkerbundes das Recht hat, die Aufmerksamkeit der Versamm. lung auf einen unanwendbar gewordenen Vertrag zu lenken, und die Versammlung daraufhin, wenn sie die Forderung für ernst- hast begründet hält, sie der zuständigen Kommission überweisen kann. Im Namen Großbritanniens setzte sich der Arbeiterabg. Professor Baker grundsätzlich für die chinesische Initiative ein. Der Revisionsartikel der Völkerbundsverfassung entspreche einer Notwendigkeit des internationalen Lebens. Die Berfassungsgeber konnten den Artikel nicht vorsichtiger abfassen als sie getan haben, und zweifellos steht er im Anfang einer langen Entwicklung. Wenn di« Mehrheit der Kommission dafür sei, werde er den chinesischen Antrag unterstützen, sonst sei er sür die Eixssetzunz eines Unterausschusses und genaue Formulierung des Antrages Rolin. Der Vertreter Ungarns unterstützte den chinesischen An- trag, wobei er offenherzig sagte, daß der Artikel 19 die moralisch« Basis— also der Grund— sür den Eintritt Ungarns in den Völkerbund gewesen sei. Dem Chinesen fiel e« schwer, auf seinen Antrag zu verzichten. Cr gab sich aber mit der Einsetzung de» Unterausschusses� zu- frieden. Nachdem auf die zweimalige Frage des holländischen Vorsitzenden Limburg kein einziger Staat sich gegen die Einsetzung einer Unter- kommisston ausgesprochen hatte, wurde so befchlossen. Dieser Kom- Mission gelhören Koch-Weser, Baker und Rolin und der Italiener Pilot! an. Die Beratung des Unterausschüsse» beginnt Freitag früh. Die Abrüstung in der Sackgasse. W. Schw. Gens, 19. September.(Eigenbericht.) Im Abrüstungsausschuß begründete Lord Robert Cerll den An, trog, die Vorkonferenz zu beauftragen, ihre Arbeiten auf dt« Be, schränkung der Reserven undde» Kriegsmaterial» umzustellen. Er lehnte die von der ftanzöstjchen Presse proi pagierte These, man dürfe dem Vorbereitenden Abrüstungsausschuß kein« Dorschrisien machen, ab. E» sei gerade die Aufgab«, der völ- kerbundsversammlung ein« Direktive zu geben. Die Btehrheit der Völker wolle nur eine wirkliche Abrüstung. Di« Abrüstung sä aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich: sie werde in den Friesens- Verträgen gefordert und. sei der einzige direkt« und absolut« Schutz gegen den Krieg. Seit 1927 habe man zwar Snhenmgen für den Frieden geschaffen, aber nicht» für ein« direkte Ab- rüstung getan. Besonders scharf wandt« sich Cecil gegen de« Versuch, die Kriegsmateria lbeschränkung zugunsten eiuer bloßen Derösfentlichung der Ausgaben für Kriegsmaterial fallen zu lassen. Das heiße, dem Volt Steine für Brot geben. England sei bereit, an der Schaffung einer i n t e r- nationalen Kontrollin st anz mitzuarbeiten. Es hoffe, daß Frankreich und das französische Volt ihre Mitarbeit an einer wirtlichen Abrüstung um so weniger oerweigern, als Frankreich seinerzeit die Abrüstungskommsssion gefordert habe und Frankreich als Locarno-Macht an einer der besten Vorbedingungen für die Ab« rüstung beteiligt sei. Der holländische Borfltzend« der Vorkonseven z. Loudon. derselbe, der auf der letzten Tagung di« Forderungen der sozialistischen Jnter- nationale entgegengenommen hatte, begrüßte die Rückkehr Cecils, bedauerte aber die Aenderung der Politik, da man doch durch gegenseitiges Nachgeben auf dem Weg« der Einigung— d. h. des ZZerzichtes auf Abrüstung— gewesen sei. Der Franzose Massigll besaß den Takt, auf die Möglichkeit eines englischen Regie- rungswechsels anzuspielen: Er erklärte, die französische Re> gierung könne nicht einsehen, weshalb man die Beschlüsse-der Vorbereitenden Abrüstungskommission jetzt noch einmal r e v i d i e> ren solle. Es wäre nicht angängig, daß man, wenn In einem Lande die Regierung wechsele, aufs neue mit den Arbeiten beginne. Di« Beschlüsse, die die Abrüstungskommsssion seinerzeit gefaßt hätte, seien einstimmig zustondegekommen. und es bestehe daher kein Anlaß, jetzt auf die Dinge wieder zurückzukommen. Es sei notwendig, daß alle Regierungen mitLoyalität an dem Problem der Abrüstung zusammenarbeiteten.(Sehr richtig! Und nichts ist illoyaler als das Verhalten der jetzigen französischen Regierung in der Abrüstungsfrage! Red. d.„V.") Graf Bernstorff forderte mit ebensoviel Entschiedenheit wie wenig Aussicht auf Erfolg die Revision der bisherigen Arbeiten der Konferenz. Er erinnerte daran, daß er in der letzten Tagung des Vorbereitungs-Ausschusses jede Verantwortung für die Beschlüsse der Mehrheit abgelehnt habe. Gegenüber der von dem französischen Vertreter aufgestellten Behauptung daß in dem Ausschuß Einstimmigkeit geherrscht habe, betonte Bernstorff, daß keine einzige wichtige Entscheidung einstimmig gefaßt wort»«, sei. Würde man die Beschlüsse der Mehrheit de» vor- bereitungs-Ausschusses Inrchführe» Mb den AdrüstungseMvenf ta feiner jetzigen Form annehmen, so bedeute das kernen ernsten 2lb- rüstungsschritt, sondern den Abschluß eines zehnjährigen Abkam- mens auf gegenseitige Unter st ützung gegen die Ab- r ü st u n g. Vernstorsf erinnerte schließlich an die deutschen Forde- rungen m der Reserven- und Kriegsmaterialfrage. Deutschland ver- lange nicht die Abschaffung der Reserven, sondern nur ihre Verrechnung. Es werde jeden Antrag, der einen wirklichen Fortschritt für die Abrüstung bedeute, unter- stützen, und sei infolgedessen durchaus bereit, die eng'isch« Entschließung anzunehmen. Die— am Freitag weitergehende— Diskussion zeigte mir von neuem, daß man sich auf falschem Wege befindet, wenn man das Abrüstungsproblem auf einmal als ein Ganzes anpacken will. Obfchon durch die englisch-amerikanifchen Verhandlungen die See- abrüstung aus der Genfer Diskussion abgespalten wurde, bieten Land- und Luftabrüstung ein« solche Unzahl von Änderständen von leiten des Milstärs. des Rüstungskapstals und aller derjenigen, die in der allgemeinen Dien st Pflicht eine unbedingte Rot- wendigkest sehen, daß nichts anderes übrigbleiben wild, als die Friedensoffensive nicht auf einmal gegen alle Rüstungen, sondern zuerst auf einzelne Rüstungsorten zu richten. Großbritannien unterzeichnet die Gchiedspflicht. W. Schw. Gens, 19. September. tEigenbericht.) Heute nachmittag unterzeichneten der britische Außenminister Henderson im Namen Groß-Britannien» und nach ihm die Vertreter der britischen Dominien, Irland», Reuseelands, Südafrikas und Indiens die Fakultatwklaufel über die Schiedspfkcht. Die Delegationen der beiden Bundesstaaten St a- nada und Australien hotten eine Instruttion noch nicht erhalten. Die britisch« Unterschrist gilt für 10 Jahr« und gilt weiter, wenn sie nicht gekündigt wird. Sie umfaßt nicht Streitigkeiten, die au» Angelegenheiten vor der Unterzeichnung entstanden sind. Das englische Parlament wird dies« Unterzeichnung zu ratifizieren haben. Außerdem haben heute Frautrelch, dt« Tscheche- s l o w a k e i und Peru unterzeichnet unter gleichem Vorbehalt wie England und natürlich der Ratifizierung durch ihr Parlament. England und die Dominien schlössen all« Konflikte« n t« r« i n- ander au». Frankreich und die Tschechoslowakei gaben eine fast wörtlich gleichlautend« Erklärung ab. Neuwahlen zum Haager Gerichtshof. Gens. 19. September.(Eigenbericht.) Die Bollversammlung de« Völkerbundes nahm am Donnerstagnachmsttag die von verschiedenen Kommissionen in- zwischen serttggestellten Bericht« in der Ausschußfassung an. Sie wählte serner den englischen Kronanwalt C e c i l h u r st mit 40 und den französischen Regierungsanwalt Fromageot mit S7 Stimmen zu Richtern des Internationalen Ge- richtshofe». Der Völkerbunds rat beschloß am Donnerstag die direkten Ver- Handlungen zwischen Ungarn und Rumänien über die Optanten- frage unter dem Vorsitz Hendersons fortführen zu lassen. Hamkens Geständnis. Sein Rechtsvertreter dementiert— die Polizei erNSrt. Altona, 19. September.(Eigenbericht.) Der Rechtsvertreter des in Hast befindlichen Landvolkführers Hamkens hat am Donnerstag behauptet, daß sein Klient eine Beteiligung an den Bombenattentaten nach wie vor entschieden be- streitet. Er hob« überhaupt nie ein Geständnis abgelegt. Da« Polizeipräsidium Altona erklärt dazu:„Wir haben niemals behauptet, daß der Landvolkführer Hamkens d i e Täterschaft oder Mittäterschaft bei einem Bomben- attentat« gestanden hätte. Di« Mstteilung, die wir veröffent- lichten, lautet« wie folgt: �Ver im Zusammenhang mit den Spreng- stofsanschlägen verhastet« Landoolksührer Wilhelm Hamkens hat feine Mitwisserschaft bei den Bombenanschlägen einge- standen. Di« Zeitung„Das Landvolk' hatte bisher jeden Zu- jaminenhang zwischen Hamkens und den Attentaten entschieden be- stritten.' Diese Mitteilung entspricht in jeder Hin- ficht den Tatsachen. Hamkens hat oor dem Berliner Krstni- nalrat Weitzel zugegeben, daß er von den Vorgängen Kenntnis hatte. Er fügte wörtlich hinzu:„Nicht nur ich wußte es, fondern oll« dithmarschen Bauern. Wenn Sie alle Mit« wisser verhasten wollen, müssen Sie ganz Dithmarschen festnehmen.' « Die politischen Verteidiger der Verbrecher bemühen sich, den Eindruck der Geständnisse abzuschwächen. Di«„Deutsche Zeitung* besitzt die Dreistigkeit, zu behaupten, es sei Zweifel- hast, ob die Polizei auch nur einen einzigest der wirklichen Täter dingfest gemacht habe. Sie spricht von Rechtsbruch, von Tfchekamethoden und Willkür. Di« Hugenberg-Preffe, die zunächst von den „Frevlern* abgerückt war, sekundiert. Morgen wird diese Presse erzählen, die Bomben- a t t e n t ä t e r seien ebenso nationale Männer wie die Fememörder, und übermorgen wird sie ein lautes Ge- schrei anheben. Amnestie für die Bombenverbrecher! Schon jetzt beginnt die wüsteste Hetze gegen das Gericht. Mit dieser Haltung ist der Beweis für die Gesinnungs- qemeinfchaft der„Deutschen Zeitung' und der Hugenberg» Presie mit den Bombenverbrechern gellefert. Dreistes Verbrecherpack. vie Herren Äombenwerfer und ihre Strafanzeigen. Seitdem die Polizeiaktion gegen die Bombenattentäter erfolg- reich einsetzt«, halben diese großspurig mit Strafanzeigen. Beleidigung»klagen, Beschwerden usw. in der OeffeMlichkeit gefuchtelt. Die ihre Toten deckende Rechtspress« hat nicht verfchlt. jeden einzelnen dieser Schritte in sensationeller Auf- machunug anzukündigen, obwohl der normale Menschenverstand so- fort einsah, daß es sich hier lediglich um Verzweiflungsgesken der Erlappken ohne jede Spur von realer Aussichk Handell«. Mit besonderem Aplomb hat die Rechtspresse jüngst ein« Strafanzeige gegen den Polizeipräsidenten Eggerstedt von Altona bekanntgegeben, die der Rechtsanwall de, verhafteten Gastwirts Gengelatzky wegen„Freiheitsberaubung' erstattet hat, weil sein Klient— angeblich im Widerspruch zu§ 128 der Straf- Prozeßordnung— nicht sofort nach seiner Verhaftung dem Unter- suchungsrichter vorgeführt worden sei. Run bestimmen allerding»— in England nämlich— die Habeas-Corpus-Acte, daß jeder Verhaftet« inn«rhalb24Stun. de» der» Richter vqrzusühy» ist. D« deutsche Grsttzged-Ng de» Die drohende Heimwehr. vie Heimwehr:-Holt's mi z'rvck, sunst g'schiacht a Unglück!*' vie Arbeiterschaft:-La— dir!*" Marxismus und Quaah-schismus. Oer Hausleerer der Raiion. In einer Versammlung in Frankfurt a. M. sprach der deutschnational« Reichstagsabgeordnete Quaatz über.Erfüllungspolitik'. Dabei wurde der.Marxismus' wieder einmal gehörig angeprangert und enthüllt. Dabei oerzapfte er, laut Hugenbergjcher Telegraphen. Union, folgende Weisheiten: .Itmner mehr vollziehe sich eine Konzentrotion der Wirtschaftskraft. Die Großen saugten die Kleinen auf. In rasch steigendem JDlaße versink« der Mittel- stand. Marxismus und Steuerdruck förderten diese Eni- wicklung mit allen Kräften. Der Marxismus wolle wenige Unter- nehmungen und ein« unterschiedslose Masse von Abhängigen. Darum fei er auch der Feind der Landwirtschaft. Um dies« Ver- nichtung im Innern durchführen zu können, treibe der Marxismus«ine willenlose Unterwerfungspolitik gegen- über Frankreich. Man könne sagen, daß er eigentlich von FrantreichsGnaden leb«. Für Frankreich sei der Marxi»- mu» da» Werkzeug, mit dem es veulseitt»ch ta ßäOe Timm und Genossen käme. Das soll nun nach dem„Lokal-An- zeiger' eine„unerhörte" und die Rechte der Angeklagten„aufs schwerste beeinträchtigende' Gesetzesverletzung sein. Es wird dabei verschwiegen, daß gegen die Gruppe Timm längst«in richter- licher Haftbefehl, nämlich des Vernehmungsrichters beim Polizeipräsidium, vorliegt! Wieder Kriegshandlungen gemeldet. Diesmal klagt China an. Peking, 19. September. Das chinesische Oberkommando aus Charbin teilt mit, daß eine sowjetrussische Kavallerieabteilung am Mittwoch in der Nähe von Pogranitschnaja die Grenze über- schritten hat. Die russische Kavallerie hat die chinesische Grenzwache beschossen und sie gezwungen, sich noch weiter zurückzuziehen. Russische Flieger haben auch Erkundungsflüge unternommen und zwei Bomben auf das Hauptquartier der chinesischen Armee in Mulin abgeworfen. Durch die Bombenwürfe geriet ein Eisen» bahnzug in Brand, der von chinestischen Truppen gelöscht wurde. Nach eingetroffenen Verstärkungen ist es den Chinesen ge- lungen, die russische Kavalleriestellung zurückzuwerfen. Bei diesem Kampf haben die Russen einen Tunnel unterminiert, der später in die Lu f t g e s p r e n g t wurde. Bei dieser Explosion sind russische und chinesische Soldaten ums Leben gekommen. Umgekehrt wird gemeldet: RussischerRückzugsbefehl Tokio, 19. September. Nach einer Meldung aus Charbin hat die Verwaltung der chinesischen Ostbahn die Mitteilung erhalten, daß die Sowjet- truppen im mandschurischen Abschnitt, die vor einigen Tagen anfingen, sich in Richtung auf Dauri und Haranor zurückzu- ziehen, die Räumung dieses Teils der Linie jetzt so gut wie beendet haben. Ferner wird gemeldet, daß die Sowjeltruppen an der Ostgrenze bei Pogranitschnaja vor mehreren Tagen begonnen haben, sich auf Richolsk zurückzuziehen. Man glaubt, daß sie Beseht dazu aus Moskau erhalten haben, und daß der Zweck der Bewegung ist, Zusammenstöße mit den Chinesen zu vermeiden. Macdanald und Saowden Ehrenbürger von London. Die Stadt- Verwaltung von London hat einstimmig beschlossen Macdonald und Snowden zu Ehrenbürgern der Hauptstadt zu ernennen. Die Ueberreichung der Freibriefe in goldenen Behältern wird demnächst in feierlicher Zeremonie erfolgen. In einer Eni- schließung der fast durchweg konler vativen Stadtoäter wird die Ehrung im Falle des Ministerpräsidenten Macdonald mit seinen Verdiensten um die a n g l o- a« e r i k an il che ver. Hnbiauaa«nb bat Flottensriede» begründet. Drei Trompetenstöße. Mussolinis neueste Rede. Locarao. 17. September.(Eigenbericht.) �/urch drei Trompetenstöße ist der Eintritt M u s s o- l i n i s in die Versammlung der faschistischen Funktionäre im Palazzo Venezia angekündigt worden. Das ist faschisti- scher Stil. Früher, im vorfaschistischen Italien, waren drei Trompetenstöße das Signal, durch das die Auflösung einer Versammlung oder einer Volksmenge einge- leitet wurde: stob die Menge nicht auseinander, so ging vre Polizei vor. Solche Dinge gibt es im faschistischen Re- oime nicht mehr. Heute fängt man damit an, womit sich früher jeder Versuch ankündigte, den Willen der Massen niederzuwerfen, seine Aeußerung zu ersticken. Wenn man gerade dieses Zeremoniell gewählt hat, so ist das natürlich ein Zufall. Was wissen die Leute, die man im Palazzo Venezia zusammengestaut hat, von Volksversammlungen? Wer die drei Trompetenstöße von früher kannte, für den waren sie gewiß auch schon damals das Signal gewesen, über Wehrlose herzufallen und menschlichen Willen durch Waffen und rohe Gewalt zu brechen. Sind doch viele frühere Polizisten unter den Parteifunktionären! Trotzdem war es sicher eine ganz unfreiwillige Symbolik, die ein Polizeisignal für den allerfeierlichsten Augenblick wählte: wenn der„Duce" herabsteigt, zu seinen Werkzeugen zu sprechen. Mussolini hat lange geredet. Er ist noch immer ein Dauerredner, der mit vielen Worten wenig Sinn verbindet. Mit jener moralischen Farbenblindheit, die ihn kennzeichnet. hat er die Courage gehabt, sich auf„zwanzig Jahre politischer Schlachten" zu berufen, in denen er „allein die Entscheidungen ausreifte". Niemand könne vor- her wissen, was in ihm reife. Nur einer würde rechtzeitig informiert: Seine Majestät der König. Seit zwanzig Iahren? Da haben sich wohl in Mussolinis Kopf die Jahr- zehnte etwas verschoben. Wir glauben nicht, daß der König seinerzeit im voraus informiert wurde, als Mussolini aus dem sozialistischen Parteitag von dem A t t e'n t a t als„dem Berufsunfall der Könige" sprach. Wenn der Premierminister von„meinem Regierungsstil" spricht, sollte er sich wenigstens in bezug auf die Jahrzehnte einigen Zwang antun. Sonst kommt er in die Jahrgänge, als er sich noch, aus Angst vor einem Zusammenstoß mit den Re- publikanern, die Begleitung der Genossin Balabanoff und den Schutz der Carabinieri erbitten mußte. Sachlich hat man aus der Rede wenig Neues erfahren. Die sogenannten„Werke des Regimes" sind aufgezählt wor- den, bis zum Aquädukt von Apulien, dervor3öIahren begönne'» wurde. Wie Mussolinis„RegierungsstU" zu- rückreicht in die Zeiten seiner blanquistischen und dyna- mitarden Jugend, so ergreift auch das Regime rück- wirkend das Verdienst früherer Geschlechter. Ueber die Arbeitslosigkeit werden die offiziellen Zahlen ange- �ührt— 201 000 Arbeitslose Ende Juli—, wobei aber immer zu bemerken ist, daß es sich nur um die Personen tndelt, die Recht auf Arbeitslosenunterstützung haben, also um die Hälft« der Arbeiterschaft. Rückgrat der ganzen Rede ist, wie immer, die Polemik mit dem Antifaschismus, mit der Emigration. Durch sie ist Mussolini wie h y p- n o t i s i e r t: man hat den Eindruck, als denke und handle er nur im Hinblick auf sie, als müsse er zwangsläufig in Trutzstellung gegen sie dastehen. Er spricht von den Skan- dalen des Regimes, aber auch diese existieren für ihn nur in bezug auf die Emigration, als Material, dessen sich diese gegen sein Regime bedient. Er schämt sich nicht, eine Paral- lele zwischen den heutigen Skandalen und der Matteotti- Sache zu ziehen. An allen Ecken und Enden sind Hierarchen des Diebstahls, des U n t e r s ch l e i f s, der Erpres- s u n g überführt worden. Diese Vorgänge erscheinen als eine so durchaus normale A e u ß'e r u n g des ganzen Regimes, daß man eine eigene permanente Partei- instanz zu ihrer Beilegung außerhalb der gewöhnlichen Strafgerichtsbarkeit eingesetzt hat. Und nun verfällt Musso- lini in die„gerechte Entrüstung" des unschuldig Angeklagten: „Angesichts solcher Dinge finde ich den Tonfall des 3. Ja- nuars wieder" ruft er aus und meint damit jenen 3. Januar 1 925, an dem er in der Kammer die abwesende Opposition aufgefordert hat, Beweise für seine Mitschuld an der Er- mordung Matteottis beizubringen. Der damalige Tonfall war der des hohlen klopffechterischen Pathos und der ge- meinen Provokation, die wirklichen Schuldverhältnisse waren ebenso bekannt, wie sie es heute sind. Dasselbe Re- gime, das damals seine Gegner ermorden ließ, um sich zu befestigen, bildet heute jene festverbundene Clique von Profi- tierern und Dieben, gegen die die Regierung ebenso macht- l o s ist, wie die faschistische Partei. Eine Verbindung zwischen dem früheren und dem jetzigen Zustand wird nichs, wie Mussolini wähnt, durch die Skandalsucht der Emigration hergestellt. Das Band zwischen Gewalttat und Eigentums- verbrechen ist im Faschismus viel tiefer: das Wissen um vielfache Blutschuld dient denen als Schirm und Schild, die heute in Staat und Gemein- den die öffentlichen Kassen, in den Banken die der Privat- leute plündern. Mussolini hat in seiner Rede gesagt, es hätte nie weniger Skandale gegeben als heute in Italien. Das mag schon stimmen. Durch die Bleiplatte der Bedrückung gelangt nur wenig an die Außenwelt, wo es Skandal wird. Aber nach den Stichproben, die man so gewinnt— die Unterschleife im Institut für nationale Kinematographie, die Mailänder Podestä-Verwaltung— kann man sich leb- Haft vorstellen, was alles unter der Platte vorgeht. Woher kommen die riesigen Vermögen der faschistischen Hierarchen, ihr Grundbesitz, ihre Villen und ihre Autos? Wie sind diese Leute aus dem Nichts zu solchem Reich- tum gekommen? Es mag die Kraft eines Regimes beweisen, wenn so etwas in einem armen Lande möglich ist, ohne daß sich das allgemeine Rechtsgefühl aufbäumt, ohne daß die Geplünderten Schutz bei einem Richter finden; eine Bürg- schaft der Dauer ist es nicht. Wie zu erwarten stand, hat Mussolini das Gerede über die Auflösung der faschistischen Partei dementiert. Don prak- tischer Bedeutung für ein Land, das sich auf den Krieg vorbereitet— und deshalb auch für die Länder, die als eventuelle Gegenspieler in Betracht kommen— sind die nachstehenden Erklärungen: .Das Wichtigst« bei den jüngsten Veränderungen ist mein Ver- zicht auf die militärischen Ministerien, die ich vier Jahr« hindurch verwaltet Hab«, in w«lch«r Z«it sehr viel gearbeitet wurde. Was man zur geistigen Einigung der bewaffneten Macht, einschließlich der Miliz, tun konnte, ist vollbracht worden. Ein Ministerium der nationalen Verteidigung würde zu großartiges Ausmaß haben für die Kraft«ines einzigen. Andererseits hat dl« ganze bewaffnete Macht einen höchsten Lenker in der Gestalt des Chefs des General- ftabes, der unmittelbar von dem Regierungsoberhaupt abhängt. Durch Maßnahmen, die in Vorbereitung sind, w«rden demnächst, außer der Miliz, der Staatsrat, der Oberrechnungshof, di« Ado»- katur des Aerars und die Polizei mir direkt unterstellt werden. Die letztere ist ein zu wichtiges und empfindliches Institut, um nicht direkt vom Regi�rungsoberhaupt abzuhängen." Die Ausschaltung des Königs aus allen Sachen der„Landesverteidigung" war schon eine vollendete Tas- fache, die ihre gesetzliche Sanktion gefunden hatte. Nunmehr wird auch die Unterstellung aller administrativen Kontroll- instanzen unter die Exekutive, die in der Tat schon besteht, gefetzlich formuliert werden. Je nötiger der faschistische Staat Kontrolle braucht, um so weniger verträgt und duldet er sie. Darin zeigt sich nicht Diktatorenkraft, sondern Diktatoren- schickjal. Ueber die Beziehung zur Kirche haben wir nur die Betonung der faschistischen Staatsdoktrin und die Fest- stellung, daß die meisten Priester dem Regime treu seien. Wo sie es ausnahmsweise nicht waren, habe man rechtzeitig Maßnahmen ergriffen. Von einer„indirekten Macht der Kirche" will Mussolini nichts wissen. Mit vielen Worten sagt er der Gnstlichkeit nichts anderes als: Findet euch mit dem Faschismus ab:«s wird euer Schaden nicht sein. Und derselben Ansicht ist auch der Papst. Beide suchen beieinander ihren Nutzen und finden ihn. Darüber kräuselt sich ein bißchen Zeitungspolemik, unverbindlich und sich selbst Zweck, wie die Seeschlange. fleisch und Eier in Rußland rationieri. Dafür mehr Schnaps. In Sowjetrußland wird zu der bereits bestehenden Brot- und Butterrationierung die Lebensmittelkarte für Fleisch und Eier eingeführt. Die Butterration wird gekürzt. Wie in großer Zeit... Zum Trost soll das W o d ka k o n t i n g e n t des Jahres 1930 um mehrere Millionen Hektoliter erhöht werden, obwohl der seiner- zeit mit so außerordentlichem Reklowelänn verkündet«„Fünfjahr- plan" eine jährliche erhebliche V e r m i n d e r u n g der Schnaps- Produktion vorsieht. Aber dies ist wohl kaum der einzige Punkt, in dem dieses am Studiertisch ausgearbeitete Projekt papierene Verheißung bleiben wird. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) B-rantwortlich Mr P-litik: Dl. Curt Scqc«! Wirtschaft:».»tiagllhöt»»: Gllartschattsbewegung: J. Sllta«»! ffeiitlleton. Dr. John Eckilowoli: Lokairs und Sonliiges:«alter Trojan: Anzeiarn: Th.»locke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag®. m. b. Berlin. Druck: Lorwärts-Buchdruckerrt und Berlagsanftalt Baut Singer u. To., Berlin ZW. 08. Lindenstraü« o. SIe?,u i Beilagen..Stadtbeilage- und.Unterhaltung und«igen-. WERTHEIM Leipziger Str.(Vereand-Abt) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise für Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat, Mengenabgabe rorbehalten. Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt HOILLD. IBILUMENZWlEBEOil Tölpel.. SlOck TON OilOan 10�' 0.95u Hfizlntlieo SfOck von 0,25 an 10 vi'2.2San HjakintbenglNer»-is...... stock 0.18 SdineeijllckclieD 2 x'- 0.15™ 10='■ 0,70 Krokus..... 3 vi 0.25™ 10�"°" Narzissen.. 2§ 0.25™ 10®! 1.10« Annahme v. Bestellungen z-Herbst-u, Fiühjahrslief. Är; DAHLIEN�SCHAU Frisches Fleisch 1 wurstivaren CviS-WA Pf.inH A AK 1 Rinderkamm u.-Brust l-k--» 0.85 Querrippe«». 0.80 Gulasch pu 0.95 Schmorfleisch mttK,Ä 1.10 Ä 1.30 Roastbeef mit Knochen....... Pfund 1,05 Kalbskamm u.-Brust...Pfund 0.96 Kalbsnicrenbratcn...... Pfand 1.05 Kalbskeule f««.d gnum. w. x. 9m 110 Gehacktes m 0.80 Liesen m 0.85 Schweinebauch*" iSfaSW«. pt™d 1 24 Schweinekamm*- Phu* 1.28 Schwein cschinkcn....... pomd 1.34 Kaller OUM geuUea......... Ptnnd 1.42 Kalbsschnitzel........ Pfand 2.20 Frische Rinderzungen Pfm>d 1.18 Prima Oafrierflalsch Rinderkamm u. Brust.. pw«, 0.80 Hammel dicke Rippe B*D�d 0.88 Geflügel Junge Tauben...... stack, Puten.............. Pfand i Suppenhuhner...... Pfand Junge Ganse....... pwnd. 0.72*n 0.90»n 0.98« 0.98«n Fische Schellfische............. Pfand 0.12 GoldbarS Ohn« Kopf, zraze Fische, Pfand 0.14 Rotzungen......... pmnd 0.18 0.38 Bratschollcn mitteigrof*..... piund 0.20 Süize....... Pfand 0.45 Blut- n. Leberwurst. ballesche. Pfund U.1X Dampfwurst.Pfund 0.90 Landleberwurst pm- 1.25 Fleisdiwurst. Pfand 1.25 Mettwurst STÄ 1.45 Jagdwurst...Pfund 1.45 Filetwurst.. Pfund 1.65 Schinkcnpolnische 1.65 Feine Leberwurst 1.80 Zcrvclat u.Salami.__ Holsteiner, Pfund Zervelatwurst 2.40 Speck f-u... Pfund 1.30 Sdiinkcnspeck 2.1 0 Kflnlgstr.« Rosenthaler Str., Morltzpf.i Berl. Mettwurst Pfd. 0.98 W ienerWürstch. Pfd. 1.1 5 Bierwurst... piund 1.45 Käse u. Feite Camembert 0.24 O Porttonen 0.72 Ramadou... stndi 0.24 Limburger AI lg., halbfett 0.56 voflfott 0.95 HoUander halbtell. Pfd. 0.70 yotttefl 0.95 Edamer belblclt, Pfd. 0.72 ooWctt 0.98 Stcinbusdicr nQn. n, volllett, Hund U.ilU l.Uo VollfettcrTllsitcr-.. Pfund von ü.yüan Tilsiter Art ohn,! Ä 0.68 Schweizer Art ohne Ulnde, aas drelvierielfett. Pfund l.rj Schweizer dJnispfurnd 0.92 bayr., vollfeft, Pfund von 1.28 an Kokosfett Pfund vo« 0.50™ Margarine Pfi»on 0.50™ Molkercibntter Pfd. 1.86 TafclbuttcrPid. 1.98 2.14 Konserven >/> Dose Spinat.......... 0*53 Leipziger Allerlei 0.90 Gemischt. Gemüse... lein 1.5U Junge Erbsen....0.70 Jgc. Erbsen«>" i-w 1.45 Jg. Dr.. n. Sdrniltbohn. 0.62 Sig.-Wachsbohncn 0.92 Karotten 8«ctmtitcne 0.42 Jg. kleine Karotten 0.80 «a Doos Brudispargcl 3.00 Stangenspargcl»eahrrk 3.10 Scntgurken...... 0.84 Mirabellen'/« d. 0.58 0.96 Saure Kirschen ZU 1.40 Kalitorn. Ptirslsche 1.40 Corncd Beet•• o»™ 0.95 Norweg. Heringe in Tomaicn, Dose Oclsardincn'/« Ktnba. 0.45 Konfitüre Vi Eimer Pflaumen 0.92 Orange 1.05 Johannisbeeren« Kirsch 1.15 Himbcer 1.35 Erdbccr, Ananas 1.40 Obst mm. Gemüse Efj- u. Kochapfcl Pfund 0.09 Eh- u. Kochbimen Pfund 0.12 Tomaten Pfund o. 10 Krebsbirnen Pfund Malvaderbirnen AlexandcrSptel Tirol. Aeptcl«rnia, 0.11 Weintrauben. Pfund 0.15 Bananen... Pmod o.32 Blaue Pflaumen 0.07 0.10 0.15 0.15 0 18 0.18 Scfamorgurkcn*d 0.10 Senfgurken.. Pfund o.05 Mohren»«wasch., Pfd. o.05 Weihkohl Holst, prd. 0.05 Rotkohl Holsteiner, Pfd. 0.10 Blumenkohl ,< von 0.10 an Zwiebeln■• 3 Pfand 0.10 Kartoftcln..'und 0.16 0.31 5 Pfand tob 0.58 am Kolonialwaren Linsen... Pfund oj. o.ll Wci�c Bohnen»-*• 0.18 Viktoria-Erbsen neue, Piund 0.31 neue, Pfd 0.18 Grüne Erbsen"W 0.18 Gelbe Erbsen �"oÄ 0.30 Bruchreis srooksmtr 0.10 Kartoffelmehl pfund o.io Weizengrieß"M-o-s« 0.14 Eicr-Schnittnudcln Piund 0.30 Backobst«Ä« 0.40 Pfund 0.M 0.48 Räuc&erwttren Fettbücklinge 0.25 Makrelen, Rotbars 0.40 Flcckheringe. Pfund 0.45 Seelachs—. Pfand 0.45 Wein Renetten-Apfelwein«nddeutodier.. Johannisbcei wein«uß. feine Quaiiiai. 1918 Maikammcrer guter ptaiiwcin. Tafel-Rotwein u. Tarragona.. Wermutwein„Evisa" nUß.krSulenel* Kieler Bücklinge ms 0.52 Sproitcn... Pfw>d 0.52 BundaalC Bund von 028 an Spickaale Pfund von 245 an Tom Faß Ufer Uier Utcr Liier Ufer 0.58 0.80 1.20 1.20 1.40 1918 Gleiszcller Kirchberg aernfg, snißg..... 0.95 1918 Obcrmoselcr«ngenehmer Bowlenmosel..... 1.20 1916 Nicrstcincr Iruchtlger Rhelnhcsse......... 1.40 1917 Nittelcr Leiterchen Riesling spritzig. Mosel 1.60 Jlr. 441* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, 20. September 1929 Schädiger Berlins. Abrechnung mit ihnen in der Stadtverordnetenversammlung. Den notwendigen Ausbau der städtischen Elek- srizitätswerke wollten in der Stadtverordneten- Versammlung gestern die Deutschnationalen und die Deutsche Votksparten verzögern und verschleppen. Sie versuchten sich als die Retter Berlins auszuspielen, die ange- sichts der gespannten Finanzlage der Stadt eingreifen und Halt gebieten müßten. Für die sozialdemokratische Fraktion antwortete ihnen unser Genosse Dr. L o h m a n n, daß gerade die Werk« das mächtigste Kreditinstrument Berlins sind. Wer ihren Ausbau erschwert, der treibt kommunale Katastrophen- Politik. Lvhmann rechnete scharf mit diesen Schädigern Berlins ab, deren Treiben— wenn man sie gewähren ließ«— den Kredit Berlins erschüttern müßt«. Sie spekulieren aus die Leichtgläubig- keit der Wählerschaft, um deren Gunst sie zum 17. November wer- den. Dasselbe taten aus ihre Art nachher auch die Kommu- nisten, die in einer Erwerbslosendebatte«ine Flut von sinnlosen Schmähungen über die Sozialdemokratie ausschüt- teten. Di« Deutschnationalen, ihr« Bundesbrüser, hatten ihre Freude daran. Unser Genosie B u b l i tz brandmarkte die Demagogie der Kommunisten. Ueber den vom Genossen Fla tau begründeten sozialdemokratischen Antrag zugunsten der erwerbslosen An- ge st eilten und über einen ähnlichen Antrag bürgerlicher Par- teien konnte, werl unter dem Toben der Kommunisten die Bersamm- lung sich stark gelichtet hatte und offenbar beschlußunfähig war, noch nicht entschieden werden. » Di« Ausweisung von 80 Hektar städtischen Geländes als Reichsheimstättengartengebiel brachte«in« kurze Debatte, in der Genosse Kamrowsti den Beschluß des Magistrats begrüßte. Allerdings seien die 80 Hektar ein bescheidener Anfang, doch müsse man einsehen, daß es schwer war, solche Ausweisungen vorzunehmen, solang« noch kein Generalbebauungsplan vorlag. Kamrowski wandte sich gegen die Absicht der Rechten des Hauses, gegen die weitere Ausweisung von Heimstättengebiet zu stimmen und nannte dabei die sonst immer von der Rechten betont« Lieb« für die Klein- gärtner sehr bescheiden. Di« Ausweisung wurde beschlossen. — Bei der zweiten Beratung der Vorloge wegen der Bewilligung von S4 212 168 Mark zur Ausführung des Bauprogramms der Elektrizitätswerke (Nachtrag II für 1928 und 1. Abschnitt 1929) meint« Stadtv. Klinghordt(D. Dp.), ob man nicht Maßnahmen beraten soll, um der Spißeninanspruehnahme der Werke besonders vor großen Festen begegnen zu können. Um dies« Spitzenleistungen vollbringen zu können, mußten so erhebliche Mittel, wie gefordert, investiert werden. Die Elektrizitätswerk« sollten nicht so sehr den Klein st oerbrauch propagieren, der Zuschußbetrieb sei, als vielmehr den Großverbrauch. Der Redner erklärte, daß seine Freunde der Vorlage mit Rücksicht auf die Bedenken nicht zustimmen werden. Im Namen der sozialdemokratischen Fraktion sprach*. i Genosse Dt. Lohmaon. der sich rüekhaltlos sür die Bewilligung der Vorlage einsetzte. Alle Bedenken über die Annahme oder Ablehnung der Borloge können nicht darüber hinwegbringen, daß man entweder die städtische Werk- Politik mitmachen oder aber in die Zeiten der privat wirtschaftlichen Bersorgung Groß-Berlins mit Elektrizität zurücksallen will. Es ist doch nicht zu verkennen, daß die Vorteile einer richtigen Werkpolitik die arbeitende Bevölkerung genießt, daß aber auch Unterlassungssünden von denselben arbeitenden Massen getragen werden müssen. Im Ausschuß ist sehr viel von der ge- spannten Finanzlag« der Stadt gesprochen worden. Schuld daran ist nicht die �Mißwirtschaft der städtischen Körper- schaften", wie die Rechte e» darzustellen beliebt, sondern die verkehrte Anleihepolitik der Reichsbant und insbesondere der Beratungsstelle für Auslandsanleihen. So bleibt nichts anderes übrig, als kurzfristige Kredite aufzunehmen, die natürlich höhere Zinsen erfordern. Es muh aber immer wieder darauf hingewiesen werden, daß di« Stadl Berlin keine Schwierig. ketten in der Vermögenslage hat. sondern allerhöchst««? In der Liquidität. Auf einen Zurus des deutschnatlonaten Stadtverordneten von Jäcklin antwortete Genosse Lohmann: Ich weih sehr wohl, daß es gewissen Kreisen darauf ankommt, den Kredit Berlins zu untergraben: es sind dieselben Kreise, denen die städtischen Werke schon immer«i« Dorn im Auge sind!(Sehr richtig bei den Soz.) Di« Sozialdemokraten sind sich darüber Nor, daß es Politiker in Berlin gibt, die recht gern wieder ein Aktienpaket der städtischen Werk« erwerben möchten, um damit Geschäfte machen zu können. Deshalb hoben wir es gerade sehl besonder» nötig, an der Fortführung der werke in städtischer Regie festzuhalten und die Kreditwürdigkeit der Stadt Berlin nicht untergraben zu lasien. Es handelt sich, im Gesamtbild gesehen, nicht darum, ob man das ein« oder das andere Mai eine Vorloge des Magistrats, die sich auf die städtischen Werke bezieht, annehmen oder ablehnen will, sondern es handelt sich schlechthin darum, ob dt« Rokwendigkeften der städtischen Werke erfüllt werden sollen. Für uns Sozialdemokraten steht das außer allem Zweifel: Wer zu den städtischen Werken steht, muß auch di« Forderungen für deren notwendigen Ausbau bewilligen. Genosse L o h m a n n erinnerte daran, wie seinerzeit di« städtischen Werke in Schwierigkeiten kamen, als sie nicht leistungsfähig genug waren, den Strombedorf sicher- stellen zu können. Es ist kein Zufall, daß gerade die Vertreter der Wirtschaft sich für ein« Einschränkung der Werke und ihrer Leistun- gen aussprechen. In diesen Kreisen gehl man schon immer mit dem Gedanken von Tariferhöhungen um. nur spricht man es jetzt nicht aus, weil die Stadtverordnetenwahlen vor der Tür stehen. Einen Spitzenverbrauch und eine dadurch bedingte Bereitstellung von Maschinen in den Elektrizitätswerken wird es immer geben: wer gegen«inen solchen Spitzenverbrauch ankämpfen will, muß Tages- und Jahreszeiten verleugnen. Eine Egalisierung der Splhenleistuaa durch eine larlserhöhuag wäre auch unsozial. roeil dann auch die arbeitende Bevölkerung an den höheren Tarif- sätzen beteiligt wäre. Dem ungestümen Andrang der kurzfristigen Kredite steuern wir nicht durch di« einmalige Ablehnung von Forde- rungen für den Ausbau der Werke, sondern durch«in« planmäßig« Verteilung oller Ausgaben und eine Beschränkung der Auegaben auf das Notwendigste. Unter dem Beifall unserer Genosien bezeich- net« Dr. Lohmann die Ablehnung der Forderungen für die städtischen Werke al» katastrop.henpolilik. Die Sozialdemokraten seien sich längst klar darüber, daß es für gewisse bürgerliche Politiker sehr schwer gewesen ist, dem Ausbau der städtischen Werke die Zustimmung zu geben; ebenso schwer war es allerdings auch für di« Kommunisten, mitzumachen. W i r Sozialdemokraten haben aber eine gesund« städtische Werkspolitik immer bejaht und wenn wir stets dafür sind, daß di« Werke, entsprechend den Erfordernissen der Zeit, ausgebaut werden, so tun wir dos, weil wir die Interessen der arbeitenden Bevölkerung vertreten.(Lebhaftes Bravo bei den Soz.) Der Kämmerer erklärt«, daß die Hälfte der 64 Millionen Mark auf langfristige Kredite von etwa 2 bis 3 Jahren aufge- nommen werden könnten. Stadtverordneter Long«(Komm.) warf den Sozialdemokraten Koalitionsgemeinschaft mit den Deutschnatio- nalen vor zu dem Zweck, die Toris« der Werke zu erhöhen(l). In der Abstimmung wurde schließlich ein Antrag der Deutschnationalen, der den Stromoerbrauch gedrosselt wissen will, abge- lehnt, die Vorlag« dagegen mit großer Mehrhett ange- nommen. Die Festsetzung der Kosten für Schulneubauten in Steglitz, Schöneberitz Wittenau, Schmargendorf und Johannis- thal wurde mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Kam- munisten beschlossen. Die Debatte darüber wurde bereits am vergangenen Donnerstag geführt. In den Aufsichtsrat des Philharmonischen Orchesters wurden von der sozialdemokratischen Fraktion die Genossen H e i m a n n und F l a t a u. von anderen Fraktionen die Stadtverordneten Seelmeinn-EMebrecht, Dr. Easpari und Lange ge- wählt. Eine längere Geschäftsordnungsdebalte riefen dann die Kom- munisten mit ihrer Forderung hervor, ihre Antröge zur Er- werbslosenfrag« bevorzugt zu behandeln. Dem kommu- nistischen Fraktionsführer Gäbel entschlupft« dabei dos Geständnis, daß e» den Kommunisten vornehmlich daraus ankomme, den Sozialdemokralen Schwierigkeiten zu bereiten. Die Behandlung ihrer Anträge und die Linderung der Not der Er- Verbslosen war ihnen also recht gleichgültig. Die Tribüne, zum Teil besetzt von den Anhängern der Kommunisten, nahm bbhnsten Anteil an den Verhandlungen. Als dann nur die alten Koalitions- freunde, Kommuni st en und Deutschnotioncle, für die Umstellung der Tagesordnung stimmten, belegte die Tribüne die Stadtverordneten, besonders natürlich die Soziald« nokraten, mit den gröbsten Schimpsworten. Schließlich wurden di« Anfrage und der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion be- raten, die sich ebenfalls mit Erwerbs losenfragen befassen. Die Anfrage fragt den Magistrat, wieviel von den in den letzten drei Iahren wegen Arbeitsmangel entlassenen städtischen Angestellten bei eintretendem Bedarf wieder eingestellt wurden, und ob bei den bevorstehenden Wahlarbeiten arbeitslose Angestellte beschäftigt wer- den sollen. Der Antrag verlangt, daß der Magistrat bei besonderer Mehrarbeit«rwerbslose Angestellte aus den öffentlichen Nachweis m einstellt. Genosse Flatau wies in seiner Begründung aus die große Not der erwerbslosen Angestellten hin und bat um Annahme des Antrages. Stadtverordneter Sommer(Dqm.) bat um Annahm« eines von den Deutschnationalen, Bolksparteilern und Demokraten gestellten Antrages, der einen dem sozialdemokratischen Antrag ähnelnden Wortlaut hat. Stadtrat Genosse Ezeminski beantwortet« di« Anfrage dahin, daß bereits im Sinne der Anfrage gehandelt wird, weil nicht zuletzt die Tarifverträge das verlangen. An die Bezirksverwaltungen sei im Sinne der Anfrage rundgeschrieben worden. Besonders wurde auch die Enflajsu-K älterer Angestellten untersagt. Im übrigen setze aber die Rationalisierunq in der Ber- waltungsarbeit den Bedarf von neuen Angestellten herab. Es war selbstverständlich, daß der Debatteredner der Kommunisten den Krakeel von der Geschäftsordnung her fortsetzte. Nach seinen, Wisnewskis, Zlusführungen vermittelten die Arbeitsämter Streikbrecher, wobei er wohl auf den Rohrleger streik� des kommunistischen Parteiangestellten Niederkirchner anspiett«. Die Tribüne und di« KPD.-Froktion assistierte dem Wisnewski sehr laut. Die Abstimmung am 17.— August—(statt November) werde mit den Urich und Konsorten, diesen Streikbrechern, abrechnen!" Daraus kam es also den Kommunisten bei ihren Anträgen und ihrer Rederei an: Wahlreden vor den hinbeslelltcn Tribünen- besuchern zu halten. Genosse Voblih: Herr Wisnewski hat es für nötig, gehalten, wieder eine Rede zu halten, di« in nichts weiter gipfelt« als in einer beifpiel- losen Beschimpfung der Sozialdemokratie. Der Redner wies dem kommunistischen Redner völlige Unkenntnis der Materie und der Gesetze nach. Wenn es den Kommunisten mit ihren Erwerbslosen- antrügen ernst gewesen wäre, hätten sie sich schon vor Wochen lin Aeltestenausschuß mit der U-berweisung an den Erwerbslosen- ausschuß einverstanden erklärt. Aber darauf kam es ihnen nicht an, sie hätten dann auf ibre schönen Reden verzichten müssen.(Furch,. barer Radau bei den Kommunisten im Saal und auf den Tribünen.) wenn es je eine Partei gegeben hat. die sich stets für die Er- werbslosen eingesetzt hat, so war e» die Sozialdemokratie. (Erneuter Krach bei den Kommunisten.) Der Redner bleibt aus der Tribüne unverständlich. Genosse B u b l i tz erklärte schließlich, die sozialdemokratische Fraktion werde für den Antrag der bürgerlichen Parteien stimmen, könne aber ihren eigenen Antrag nicht zurück- ziehen. Bei einer weiteren„Rede" des Wisnewski kommt es zu weiteren Tumultszenen an der Rednertribüne. Den Vorsteher ge- lingt es aber, die Ruhe wiederherzustellen. Doch der Krach wieder- hote sich, der Vorsteher mußte die Kommunisten ersuchen, ihren eigenen Redner anzuhören.— Die Abstimmung wurde vertagt. von A.M, FPey- copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A.-O., Berlin Er stellt gleich hundert Fragen, ohne alle Antworten ab- zuwarten. Zwischendurch keift er ein bißchen mit dem kleider- verstauenden Burschen, der ihm still-energisch zu begegnen weiß.„Nu mal langsam jeschwind, ich muß doch bitten, meine Hosen nich so in den Koffer zu. hudeln." Der Wichser murmelt etwas, das Protest so gut wie Er- gebenheit sein kann, und packt im gleichen Tempo weiter. Sachte jeschwind", kreischt Fünfer.„Erst die Litewka, dann die Stiebel!" Was verlangt er? denkt Funk, der zuschauend sich zur Tür zurückgezogen hat,— daß etwas langsam und geschwind zugleich geschieht? Das kann gut werden. Ob der Komman- dcur doch recht hat, wenn er meint, diese nervöse Rasse dürfe nicht an die Spitze von Feldaktionen gesetzt werden? Aber alsbald ist er ganz beruhigt, weil sich's um nichts anderes dreht als um den simplen Fall, daß der Diener Anton Geschwind heißt und aus Nürnberg stammt. Dann wandern sie zusammen über Feld.„Herr Stabsarzt wollen auch in Molinchart wohnen? Aber dort stehen nur ein paar elende Häuschen. Unser Revier ist im statt- lichsten. Die übrigen sind besetzt von Kompagniekanzleien" Oh. das werde sich schon machen lassen. Ob im Revier selbst nicht ein Raum für ihn sei? Nicht viel Platz, aber viel Wanzen. Die Wanzen scheinen ihn nicht zu stören. Er ist einer der wenigen Stabsoffiziere, vielleicht der einzige, der dauernd mit Läusen zu tun hat, wie Funk später erfährt. Auch sie machen ihn nicht unglücklich. Schließlich wird es noch recht gemütlich. Er läßt-inen Raum ausmisten, ein Kämmerchen neben Funks Zchreibstull. Kein jüngster Leutnant im Ruhequartier begnügte sich mit solchem Loch. Dort hinein läßt er ein zweifelhaftes Bett requirieren. Aber er schläft gut darin. Er speist auch lieber hier, als drüben im Schlößchen an langer, weißgedeckter Tafel mit Blick in den vornehm verschneiten Park, zu feiten von Major Dusang. Der Major ist beglückt und«rbost zugleich über solche Absonderung. Fünfer entschuldigt sie mit dem Dienst, besucht die Herren zur Kaffeestunde, nimmt ihre Kla- gen entgegen, oerteilt Pyramidon gegen Alkoholexzesse und Piro gegen die Gefahren in Venere. Im übrigen absentiert er sich, behandelt sorgsam seine Kranken, drückt unbarmherzig Furunkel aus, verfolgt mit Interesse den Heilverlauf vrn Ekzemen, gibt ungern einen hartnäckigen Fall aus der Hand ins Lazarett, denn Hautgeschichten sind sein Spezialgebiet. Seine Offiziersrationen, roh gefaßt, läßt er der Revier- küche überweisen und speist am gemeinsamen Tisch mit Funk und dem Feldwebel Bethge— recht als ein Vater des ganzen kleinen Betriebes. Er spricht mit ihnen— weil's ihm Bedürfnis ist, zu„quasieln"— von daheim, von Frau und Kin- dern, liest einen Brief des kleinen Sigmund vor und zeigt voll Baterstolz eine Malerei der noch kleineren Ruth. Hier wäre endlich einmal einer, der nicht besser, der kaum anders lebt als seine Leute um ihn her. Zugegeben: aus Bequemlichkeit, aus Anlehnungssucht, und weil man ihn oertrieben hat von dort, wohin er auf Grund der hoffärtigen Ordnung eigentlich gehört. Und wie wir es ihm ausgelegt? Es mindert noch mehr seinen Kredit. Er ist erst recht unten durch. Er macht sich gemein mit der Mannschaft, er hält nicht Distanz, das taugt nichts. Man hinterbringt es dem Kommandeur, er beschließt, seinen Stabsarzt zur Rede zu stellen. Doch ehe es dazu kommt, ereignet sich etwas, das dessen militärisches Ansehen noch stärker untergräbt. Einer der Seinen benimmt sich unbotmäßig. In der Revierstunde führt der rothaarige Sanitäts- Unteroffizier Beiß Kranke seines Bataillons vor, das gerade in Ruhe liegt. Ein paar genießen ambulante Behandlung, sie werden mit Salben beschmiert und dürfen umherlaufen. Fünfer überwacht den Berbandwechsel. Was ihn empören kann, ist falsche Schmiere auf einer falschen Haut- stelle. Aber was ihn außer sich bringt, das ist ein wahlloses Umherfahren mit der gleichen Spachtel in allen Töpfen. Er weiß offenbar noch nicht, daß solch ungewollte Mischungen oder gar verkehrte Aufstriche die besten Heilerfolge zu bringen vermögen. „Beiß, Mann Gottes, was treiben Sie wieder!" kreischte er...Wie oft loll ich sagen: fahrt mir nicht mit dem Ichthyol- löffel in die Zinksalbe." Beiß schmeißt den Löffel hin, bekommt einen Blaukraut- köpf, auf dem die roten Haare doppelt gefährlich leuchten, und wickelt eine Binde um ein Bein, als wollte er es hastig abbinden. „Die Touren langsamer!" fistelt Fünfer.„Herjemineh, so kann doch keene saubere Arbeit jeleistet wern!" Beiß wickelt, dem Bersten nahe, doch tut er es ohne Bosheit, nur gänzlich ratlos vor Wut. Sein Arm geht kaum schneller als der Sekundenzeiger der Uhr. „Na fixoc doch'n bißchen!" kreischt der Stabsarzt. Beiß richtet sich langsam auf, läßt die Binde fahren, noch betäubt, ober dem Durchbruch nahe. Sein Gesicht hat so wenig Menschliches mehr, daß Fünfer sofort flüchtet— mit einem Satz des fetten Körpers hinter den breiten Bethge. Einen gleichen Satz macht Beiß, aber nicht hinter Fünfer her— auf den kleinen Ofen zu mitten im Raum, er brüllt: „Himmiherrgottkreuzkruzifix, jetzt hast mi durchaus narrisch g'macht, i woaß nimma, was i tu!" Aber er weiß es recht gut, er packt mit oberbayerischen Riesenkräften das eben er- kältete Schützengrabenöfchen und schmeißt es— nicht auf Fünfer zu. sondern durch die Scheiben zum Fenster hinaus in den nassen Schnee. Bethge springt bei und hält den Rasenden fest. Er ist unschwer zu halten. Er keucht mehr, als es die Brust erfordert, er stammelt Verwünschungen, die wohlakzentuiert sind. Und als Fünfer sich ihm vorsichtig nähert, läßt er, ohne Zwischenfälle zu inszenieren, sich nicht ungern von ihm gut zureden. Wie endet es? Famos für Beiß. Er kommt zur Beob- achtung seines Allgemeinbefindens ins Lazarett. Er hat eine günstige Stunde genützt, hat einen Zustand echter Erregung emporgetrieben zur sinnlosen Toberei. Drei Jahre ist er im Feld, sein Hirn darf oersagen. Soll man ihn einsperren? Be- denklicher Ausweg. Laufen lassen? Noch bedenklicher. Man macht ihn krank. Er wandert über die Nervenstation in die Heimat und ist geborgen. Wie endet es für Fünfer? Weniger schön. Zu allnn anderen nun auch dies. Er weiß nicht Autorität zu wahren. Sein Personal schmeißt indirekt mit Oefen nach ihm. Hätte der Ofen ihn tüchtig getroffen— es wäre die beste Lösung für uns! Auch er verschwände ins Lazarett. So aber muß Dusang ihm Vorhaltungen machen. Er tut es mit zugekniffenen Augen hinterm blitzenden Glas. Seine rosig rasierte Wange spannt sich. Fünfer verspricht Besierüng— und speist den ganzen Winter hindurch weiter im Revier, fängt Läuse, salbt Sol- datenbeine, liest SigmundsBriefe vor. kriegt von der Gattin koschere Wurst geschickt und teilt sie mit Funk. Man weiß es an hoher Stelle, man läßt es geschehen, man gibt ihn aus.(Fortsetzung folgt.) Bürgerliches Korruptionsgeschrei. Mit kommunistischer Llnterstühung. Ein früheres Direttionsmitglied der Berliner Müllabfuhr A.-®. (Bewag) hat in einem Rundschreiben Stadtrat Wege der Korruption bezichtigt und Stadtrat Reuter dafür verantwortlich gemacht. Die geflissentliche Ausdehnung der Angriffe auf den Genossen Reuter ist völlig unberechtigt und skrupellos. Ein kommunistisches Abendblatt benutzte sofort die Gelegenheit, eine der üblichen Stinkbomben aus die Sozialdemokratie zu schleudern. Wir bleiben gegenüber diesen perfiden Angriffen der Kommunisten überaus kalt. Die Leute können uns nur leid tun. Sie haben in der praktischen Ar. beit auf der ganzen Linie versagt und stehen nun oer- legen mit leeren Händen vor den Wählern. Das städtische Nach- richtenamt teilt folgendes zu der Angelegenheit mit: Das frühere Direktionsmitglied der Berliner Müllabfuhr A.-®. Friedrich Wilhelm Krüger hat an die Mitglieder der Stadtverord- neterwersammlung ein Rundschreiben gerichtet, in dem einem Mit- gllev« des Magistrats der Vorwurs gemacht wird, betrügerisch« Handlungen im Geschäftsbereich dieser Gefellschaft geduldet zu haben. Di« Berliner Müllabsuhr A.-G. war im Jahre 1323 als eine pri- »ot« Gesellschaft gegründet worden, an der die Stadt Berlin nur z« 25 Proz. beteiligt war. Die städtischen Körperschaften hielten «» auf Grund der schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Lag« der Stadt und der besonderen Schwierigkeiten im Müllabfuhr- geschäft gegen Ende der Inflation nicht für zweckmäßig, die Müll- beseitigung im alten Berlin, die früher von der zusammengebroche- «en Wirtschaftsgenofsenschaft der Hausbesitzer betrieben wurde, in die städtische Verwaltung zu übernehmen. Da die Berliner Müll- abfuhr A.-G. mit unzureichendem Kapital arbeitete, ergaben sich im Laufe der Jahre finanziell« Schwierigkeiten, die den Magistrat oer- «mlaßten, End« 1326 den Dezernenten, Stadtrat Reuter, mit einer Nachprüfung der Verhältnisse zu beauftragen. E» stellte sich heraus, daß ein Teil des Verladegeschäfts der Müllabfuhr A.-®. von einer Untergesellschaft betrieben wurde, der Güterverladunge <8. m. b. H., deren Anteil sich zum Teil in den Händen der Bewag, zum Teil der Niktoriapart A.-G.(der Inhaberin des Majoritäts» pakets) und zum Teil de» Herrn Direktors L e t t o w, des Fuhrherrn Georg Schulz und des Stadtrats Wege befanden. Herr Stadt- rat Wege war als Priootaktionär sowohl der Bewag wie der Viktoriapart A.-G. Aussichtsratsvorsitzender dieser und stellvertreten- der Aufsichtsratsvorfitzender der Berliner Müllabfuhr A.-®. Bevor der städtische Dezernent Dorschläge für eine endgültige Regelung der Beziehungen zwischen der Stadt und der Lemag machte, stellte er die Forderung, daß die Anteil« dieser Untergesell- schaft restlos von den bisherigen Anteilseignern auf die Bewag übertragen würden. Dieser Forderung wurde nach längeren Der» Handlungen Genüge geleistet und im März 1327 die Uebertragung durch notariellen Akt vollzogen. Erst nachdem sind die Derhand- lungen über den Erwerb der Aktienmajorität aufgenommen worden, die im Laufe des Sommers 1327 dazu führten, daß die Stadt Majoritätsaktionär der Gesellschaft wurde. Es kann also kein« Red« davon sein, daß die Stadt in einer ihr gehörenden Gesellschaft Vor- gänge geduldet hat. die zu irgendeiner Kritik herausfordern können. Im übrigen ist bei den Verhandlungen über den Erwerb der Aktien- Majorität vereinbart worden, daß die bisherigen Vertreter privater Jnteresien nicht wieder gewählt werden, sondern bei Ablauf ihrer Wahlperiode turnusgemäß ausschalten. Kommunistische Stinkbomben. In einer geradezu perversen Vorliebe für schmutzige Ding« de- mühen sich die Kommunisten gegenwärtig, zur Belebung des Wahl- kampfes sich mit gewissen Sexualfragen zu beschäftigen. Da ihnen augenscheinlich andere Objekt« nicht zu Gebot« stehen, schnüffeln sie hinter Sozialdemokraten her tn einer Weis«, wie st« kaum die Sitt- lichkeitsschnüffler der frühesten Dunkelmännerperiode fertig gebracht haben. Wir haben nicht die Absicht, ihnen auf diesem Gebiet zu folgen. Wenn aber das kommunistische Zentralblatt in einer Riesenaufmachung davon spricht, daß der sozialdemokratische„Dorsteher des Wohlfahrtsamtes de» Bezirk» Friedrichshain' sich des Amtsmißbrauchs schuldig gemacht Hobe, indem er zu Frauen, die seiner Fürsorg« unterstanden, gegen Erhöhung ihrer Unter- stützungssätze geschlechtliche Beziehungen angeknüpft habe, so ist da doppelt auf einmal gelogen. Denn erstens ist der Mann, der so beschuldigr wird, nicht.�Vorsteher de» Wohlfahrtsamts de» De- zirk» Friedrichshain', sondern«in Bezirkswohlfahrtsvorsteher— ein Unterschied, der dem Informator der„Roten Fahne', dem Bezirks- verordneten Schindler stcher besser bekannt ist als den russischen Dirigenten de» Blattes—, zweitens weiß jedermann, daß nicht ein einzelner Bezirksvorfteher die Höhe der Unterstützungssätze bestimmt, sondern die Wohlsahrtskommission, zu der in diesem Fall« auch der kommunistisch« Bezirksverordnet« Schindler gehört. Daß die„Rote Fahne' die Nomen der angeblich miß. brauchte» Frauen mit voller Abreise veröffentlicht, gehört auch in das Kvoitel besonderer Schmutzereien. Im übrigen hat dos Bezirksamt Friedrichs ha in. wie uns mitgeteilt wird, ein« Unter- suchung in der Angelegenheit eingeleitet und behält sich weitere Schritte vor. Flugzeugunglück bei Schneidemühl. Pilot und Fluggast gelötet. Schneidemühl. 10. September. heule nachmittag stürzte in Schneidemühl ein ZU e s s e r- schmidl- Leichtflugzeug der Bayerischen Fing- werke A.®. in Augsburg, da» sich aus einem Propaganda. slug durch Deutschland befand, bei einem Landungsversuch aus dem Gelände de» früheren Albatros- Flugzeugplahes an» sehr geringer Höhe infolge Aussehen» de» ZUolor» ab. von den beiden Insassen war Hauptmann a. D. Hermann(Schneidemühl), einer der ältesten deutschen Flugzeugführer, aus der Stelle tot. Der Pilot Dr. L i e b i g. der früher Fluglehrer ln Schleisheim war, ist steine» schweren verlehuugen kurze Zell später im hiesigen Krankenhaus erlegen. Das Flugzeug wurde voll- ständig zertrümmert. Dr. Llebig war am Donnerstag um Uhr in Dauzig auf. gestiegen und um 11 Uhr in Schueidemühl gelandet. Gr wollte der Kameradschaftlichen Bereinigung der Flieger und Luftschiffer auf seinem Wege nach Berlin einen Besuch abstatten und bei dieser Gelegenheit die Maschine einem Kreise von Interessenten vorführen. E» wurde tu Schueidemühl ein« Belriebsstossmischung aus Beuzia und Benzol ausgenommen. Fachleute nehmen an, daß diese Letriebsstoffmtschuog für den Motor nicht einwandftei gewesen war. trod daß der Unfall aus unregelmäßige» Arbetlen de» Motor« zurückzuführen ist. Dr. Liebig hatte den Hauptmann Hermann auf dessen Wunsch mitgenommen. Gegen 4 Uhr, at, da» Flugzeug Wade» wollte, rutschte e» aaj dem Flügel ab und Neß sich in der gertagea höhe voa 1»— 20 Meter nicht mehr aufsaugen. Schweres Mugzeugunglück bei Memel. Zwei Mmttsihe MMSrstieger getötet. Memel, 19. September. In der ItOhe de»«at»«lttzof bei Memel ist heute dem ..Memel« DampfbooT zufolge«i» litauische» Mllltärflugzeug tu- folge eine« Motordesett» abgestürzt. Beim Aufschlag aus d« Erde explodierte d« Motor und setzte da» Flugzeug in Flammen. Die beide» Flleger, Hauptmann S um schal ll, und Oberleutnant wedaito. oerbranutea. An Stell« de» llhanso« mit der seingeschliffenen oder auch grob zugehauenen erotische» Point« ist der Song getreten, der weit über die erotische Svhäre hinausreicht, der gewissermaßen alle Dinge de» Lebens umfassen möchte, mvtest parodierend oder melancholisch untermalend. Song, da« ist m erster Linie Rhythmus, gestrafft hämmernd. ,�Song heißt die Abendveranstaltung der Berliner Funkstund«, bei der sich der Breslau er Intendant B i sch h o j f den Berlinern al» Regisseur vorstellt. E» ist kein« Vortragssolge mit Nummern, sondern eine Art von Funkmontage. Songs werden ihren Stimmungsgehall, ihren Rhythmus, manchmal auch ihren Wortassoziationen nach, miteinander zu einem lausenden Band ver- knüpft. Manchmal erklingt Abenteuerliches, manchmal Groteskes, manchmal Trauriges und manchmal Besinnlichem Berfe von Kestner, Brecht, Tucholsky und Schnack, Musik von Weil! oder Nick bilden den Rohstoff der Montage, der Bischhoft eine zwingende Form gibt. Als Jntermezzo„Musik in Harlem', der Neger- stadt in New Hork, ein paar Vers«, die das traurige Los der Aus- gestoßenen behandelt, umspielt vom Jazz, der Schöpfung des Negers, in der Interpretation des prachtvollen Paul Whitman. Song, das ist ein Stück modernen Lebens, und diesen Eindruck hinterläßt die Veranstaltung, Das Schal 1p lattenkonzeri! am Nachmittag bringt dramatische Szenen und Arien von Wagner und Verdi. Allerdings handelt es sich nicht immer um Dramen, denn das zweite Aida-Finale, oder das Quintett aus den Meister- singern sind überhaupt nicht dramatisch empfunden, Vieikrichi mar hier die Neuheit der Platte entscheidender a's ihr Gehalt. F, h. Wegen Erpressung verurteilt. Nachspiel zu der Himmelsbach-Asfäre. vor dem Großen Schässeugerlchi Berlin- Alitte begann heut« morgen uuier Vorsitz von Land- gerichlsdirettor Marquardt der Prozeß gegen die kauf- (rate Breslaner und Schneider, die bekannkich in der Himmel»bach-Afföre sowohl die Firma Himmel»- b ach als auch den Verleger de»„Holzmarkt'. Otto Fern- buch, zu betrügen versucht haben sollen. Breslauer, der mehrfach vorbestraft ist, hatte dte Feindschaft Himmelsbachs und Fernbach» für sich auszunützen versucht, indem er beiden Partekbn vorspiegelte, daß er über den Gegner Material besitz«. Breslauer hat aber von beiden Parteien Geld erhalten. Cr und Schneider sind deshalb wegen Urkundenfälschung, gemeinsamen Betruges und versuchter Erpressung angeklagt. Beka.mtlich hatten Lreslauer und Schneider über diese Betrügereien hinaus auch noch dem Berleger Fernbach die eides- stattliche Erklärung gegeben, daß Kommerzienrat Himmelsbach, der Seniorchef der Firma, einen„Mordanschlag' gegen Fernbach angezettelt habe. Unter Berücksichtigung der Persönlichkeit der Angeklagten und des ungewöhnlichen Niveau», auf dem die strafbaren Handlungen aufgebaut sind, beantragte der Staat»anwalt, da beide Par- teien den Angeklagten ihren Betrug nicht allzu schwer gemacht hätten, gegen den Angeklagten Breslauer wegen versuchter Er- Pressung eine Gefängnisstrafe von 2Monat«n und wegen Betruges und Urkundenfässchung ein« Gefängnisstraf« von 5 M o- n a t e n, die- in eine Gesamtstraf« von sechs Monaten umzu- wandeln seten. Gegen den Angeklagten Schneider beantragte der Staatsanwall eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten. Nach langer Beratung verkündete der Borsttzende, Landgerichts- direktor Marquardt, folgendes Urteil: Der Angeklagte Breslauer wird wegen versuchter Erpressung zu«tner Gefängnis- strafe von zwei Monaten verurteilt. Der Angeklagte Schneider wird freigesprochen. Oer Mädchenschreck von poisdam. Missetaten eines Sadisten. Groß« Beunruhigung verursachten im Frühjahr diese» Jahres zahlreiche Ueberfälle, die m Potsdam auf junge Mädchen verübt wurden. Vornehmlich waren es Hausange st ellte und Ver- käuserinnen. die von einem Manne hinterrück« überfallen, geohrfeigt und zu Boden geworfen wurden. Eine» Nacht» hört« ein R«ich»wehrfoldat Hilferufe und Schreien au» der Kap«ll«nbergstraße. Im selben Augenblick kam ein junger Mann angelaufen. Al» der Soldat ihn fragt«, was da los sei. rief der Mann: Laß das Mädchen doch brüll enl Was gehl's m i ch a n. Er oersuchte, über einen Zaun zu klettetn. Man ver- haftete ihn. In der Kapellenbergstraße fand man eine Köchin blutend auf der Straße liegen. Der Berhaftete. der 24jähriae Schornsteinfegeraeselle Alfred M. aus Potsdam, hatte die Köch'n hinterrücks überfallen, ihr mehrere Schläge auf den Kopf gegeben und dann die Halbbewußtlofe im Vogen auf dos Straßenpflaster geschleudert. Damit nicht genug, erhielt das Mädchen von dem Unhold noch Fußtritte, Alle vorhergehenden Ueberfälle kamen auf das Konto des Verhafteten. Einem Mädchen hatte er«ine Wunde am Oberschenkel beigebracht, eine andere erhielt auch Hiebe über den Kops usw. In einer Nacht fanden drei Attacken auf alleingehende Mädchen statt. Das sexuelle Moment schaltete sedoch bei den Ueberfallenen aus. Nunmehr hatte sich M. vor dem Potsdamer Schöffengericht wegen gefährlicher Körperverletzung mittels hinterlistigen Ueb»falls und tätlicher Beleidigung zu oerantworten. Der Angeklagte ist ver- beiratet und sein Eheleben durchou« normal. Gericht und Psychiater standen vor einem Rätsel. Der Angeklagte entschuldigt sein Vergehen damit, daß es ihm ein Vergnügen berettet habe, alleingehenden Madchen einen Schreck einzujagen. Der Anklagevertreter Staat-aruvallschajtsrat R o e t h e r geißelte in scharfen Worten diese Ueberfälle. Er führte aus: Unser« Frauen und Töchter, ob sie aus eleganten Theatern, aus Bureaus oder vom Kochherd kommen, müssen vor solchen nächtlichen Elemente» geschützt werden und das Gericht kann sie nur schützen, wenn ma» lolchein Rohling eine exemplarische Strafe gibt. Er beantragte urs� gesamt ein Jahr vier Monate Gefängnis. Das Urteil erging auf acht Monate Gefängnis, wovon vier Monate verbüßt werden rnu!!� Für den Rest wurde Bewährungsfrist auf drei Jahrs zugemlllgr unter Zahlung von 100 Mark Buße an die Gerichtskoffe. „Die Psychiater des Potsdamer Gerichts standen also vor einem Rätsel.' Wirklich? Uns will es scheinen, als ob die sexuelle Grund- läge der Ueberfälle ziemlich deutlich erkennbar ist. Reuer Auebruch des Moni pele. Bisher keine Menschenopfer zu beklagen. pari», IS. September. Nach Meldungen aus der frauzöstschen Kolonie Martinique! ist der Vulkan Moni pelö plötzlich in Tätigkeit, getreten. Die letzten Nachrichten lauten außerordentlich beunruhigend. Die atmosphärischen Bedingungen sind die gleichen, wie in den Jahren 1302/03 beim letzten großen Ausbruch, der Tausenden von Menschen das Leben kostete. Die Bewohner der am meisten bedrohten Gegenden haben Befehl erhalten, sich nach dem Hauptort der Kolonie, dem Fort de France, zu begeben, Der Auszug vollzieht sich ruhig, obwohl der Dulkan eine erhöhte Tätigkeit zeigt. Verluste an Menschenleben sind bisher nicht bekannt geworden._ Fabrikbrand m Bautzen. In den Linke-Hofmann-Bufch-Werken, Bautzen. 13. September. Im alten Modell-Lagerschuppen der Li n k«-Ho s mann-Vus ch- Waggonfabrik brach«in großes Feuer aus. Der Schuppen mit seinen vielen Modellen verbrannt« in kurzer Zeit. Das Feuer griff auch auf das Gebäude der Emkaufsäbteilung des Werkes über, aus dem zwar vieles gerettet werden konnte, wo aber im ersten Stock trotzdem noch wertvolles Material, vor allem Zeichnungen und Pläne, dem Brand zum Opfer fielen. Den zahlreichen Wehren, die ihr Wasser der Spree entnehmen mußten, gelang es, dem Feuer Einhalt zu gebieten, bevor es das neu« Modellager erreicht hatte. Der Schaden ist erheblich, aber durch Versicherung gedeckt. � Bauunglück in Oesterreich. Sia Arbeiter tot, mehrere Verlebte. Wien, 19. September. In Gallspach in Oberösterreich hat sich auf einem Neubau, den der durch sein« eletttomagnetifchea und radioaktiven Suren bekannte Wunderdoktor Zeilei» ausführen ließ, ein schwere» vauunglück ereignet. Au» unbekannter Ursache stürzte da» 9H Meter hohe Baugerüst in einer Länge von 35 Metern zusammen und begrub mehrere Arbeiter. Ein Arbeiter wurde getötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt. lieber die Ursache de» Einsturzes konnte bisher nicht« Gen naoe» festgestellt werde«._ Die Berliner Sondiloreu-Mesie findet auch w diesem Jahr wieder in den Gesamträumen de» Zoo, und zwar bis zum 20. September statt. Es ist aber nicht, wie das Publikum vielfach glaubt. «ine Ausstellung der Konditoren und ihrer Erzeugnisse, sondern eine Ausstellung f ü r Konditoren. Di« Messe ist wieder sehr reich beschickt. Besonder» groß ist dte Auswahl in Teigrühr, und Sa h n e s chl a gm a schinen und in Groß-Kafseemascht- nen. Unter dra letzteren sieht man solch«, dt- in der Stunde bis zu 600 Tassen Kaffee brühen können. Dem Fachmann wird ein neuartiges Tortenmesser interessieren. Ein« Bertiner Kon- sitürensabrik spielt ihre süßesten Trümpfe aus. Auch die B e r- liner Städtischen Gaswerk« hoben ausgestellt. Backsette und Eier werden vielfach angeboten. Mühiensabriken empfehlen sich zur Vermehlung. Kurz und gut, e» ist alles da» da, was ein Konditor und ein Cafetier in feinem Betrieb braucht. Der Besuch an den beiden ersten Tagen war über Erwarten gut. Auch die Provinz ist sehr gut vertreten. Der Zoo aber sollte an solchen Tagen kberaler sein und die Besucher der Messe nicht von dem Besuch de» Zoo dadurch abschrecken, daß er von jedem, der in den Zoo will, auch noch 1,50 M. verlangt, solche Elntrtttspr.-ise schreien geradezu nach einem Lolkstierpark. wegen Sittlichkeitsvergehra an kl ei neu Mädchen wurde ein 52 Jahre alter Mann aus der Strausberger Straße von der Kri- minalpolizei festgenommen Die Prahlerei eines Kinde», das er mit Schokolade beschenkt hatte, führt« auf seine Spur. Der Mann ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Er gibt die Verfehlungen zu, behauptet aber, es müsse sich dabei um erblich« Belastung handeln. Er wird dem Untersuchung». richter vorgeführt werden, da ihm mehrere Fälle einwandfrei nach. gewiesen sind. Dr. Ecken er ist Donnerstag nachmittag wieder in Fried- richs Hasen eingetroffen. Tii»»«r»vtilch-, Crdrefl«. Uftmiwisftimbe iefcm fftrttefl»H llb« ta»en- min, Scimannstr. 196>staurant»um Sängerheiw). Dirleeut: Sri» Streicher und Bllfer willkommen. „Wis denken Sie Uber Kaffee Heg? Mein Arzt empfiehit ihn mir, schmeckt er denn?" „Aber ganz vorzüglich! Er ist ja bester Bohnenkaffee, dem das Coffein entzogen ist. Ich trinke ihn seit langer Zeit, und Sie sehen, wie frisch ich dreinschaue- Keine Spur von Zerstreutheit und Schlaflosigkeit mehr." „Dann will ich doch dem Ratdes Arztesfolgen.•• „Unbedingt, es istlhrvorteil. Vollendeter Kaff ee- genuQ und Schonung der Nerven, Anregung ohne Aufregung- was wollen Sie mehr?** Aus der Partei. schlestens; diesem Kongreß kommt für die Arbeiterbewegung Polens große Wichtigkeit zu. Am 8. Oktober tritt in Wien der Parteitag zusammen, der sich vor allem mit den Heimwehrdrohun» gen und der reaktionären Verfassungskampagne be- schäftigen, aber auch ein Bodenresormprogramm ausstellen wird. Eiafendimgea für diese Rubrik find Berlin SW 63, Lindensrraße 3, parieinachrichten�W sürGroß-Nertin stet, an da« Bezlrk-sekretoriat i. Hof, 2 Treppen rechts, ja richten. Fürsorgerinnen und Fürsorger! Sonnabend, den 21. September 1929: Vesichtlgung der Schul- sann Znsel Scharfenberg. Treffpunkt: 2,30 Uhr pünktlich End- Haltestelle der Straßenbahnlinie 2S Tegelort.— Aahrverbindung: Untergrundbahn bis Seestraße, von dort mit der Straßenbahnlinie 2S bis Endhaltestelle. Rege Beteiligung wird erwartet. * Z. itrei« Weddina. Sonnabend. 2L September, 19 Ilde, kkreiskonferenj bei Wende, Noloniefir. Ifl. 8. Jirei«»reujberp. kommunale itommiffio».«rbeiterwohlf-brt und ganl. tionäre. fireitaa, 27. September, llbr, bei Rabe, ffichtefir. 2g, Vor- trau:„Ingendfllrsors«, Iuaendpflege und Bildungswesen�. Referent: Emil Dittmer. 7. itrei» Spandau und Ebarlotteubura. Juristisch« Sprechstund« am Sonn. abend, dem 21. September, 17— 18 Uhr, im Jugendheim Rofinenstr. 4. Geleaenheit„um itircheuanetrittl 14. itrei» Reukölln. Heut», ffreitaa. 20. September, lilb Uhr. Sihunp de, gwölfer-Ausschusse« mit dem engeren Vorstand und den Abteilungsleitern Im Parteibureau. lt. itrei» Tempelhof. Heute, greitaa. 20. September, pllnltlich im Ahr, bei Ricndorf, Mariendorf, Ehanfieestr. 19, itreisvorfiandsstiiung. Wir bitten um pünktliches Erscheinen, da da» Zimmer geräumt werden muh. heule, Freitag, 20. September: 13. Abt. Achtung, lsreitenkergenosseni sslugblätter müssrn von der Spedition fiosevb. Wilh-lm»hap»ner Str. 48, ,ur Verbreitung abgeholt werden. Di« fllr Sonntag, 22. September, angesellte Demonstration sn Spandau iillt au». 42. Abt. Wir beteiligen uns an der Mugblattrcrbreituna der ssreitenker. Die Veeirksstibrer holen die Mugblätter von Wiersdorsf, Urbanstr. 6. ab. 88. Abt. Lichtenrade. Achtung! Die Vorstaudostllung mit dem Rorcmbersrier. Anoschutz sindet»mständehalber nicht dente Itreitag, sondern �st»w Dienstag, dem 24. September, 2» Ah«, im Lokal Delam, Bahabofstrabe Eck» tbolsstraß«, statt. 118. Abt. Lichtenberg. 19ih Abr im Lokal Ludwig, Prinjenallee. anherordeut. lich« Fanktionärstll«»«. Sehr wichtige Tageoordnung. Erscheinen dringend ersorderlich. Morgen, Sonnabend, 21. September: 11. Abt. Sonnabend und Sonntaa islugblattoerbreiwng von Berger, Levrllow» stralle 2l, au». Die Bejirkssührrr nebmen das Material schon am Sonn- abend In Empfang und rechnen bestimmt bi» zum 2S. September mit dem S« nassen Tfchirne ab. 14. Abt. Mugblattverbreiwn« der ssreidenier. Die Begirksstihrer holen die ügbläiter um 17 Uhr von Sottschalk, dl« Genossen um 18 Uhr von d«« ihlab«ndlokalen ab. Alle Genossen müssen ,ur Stelle sein. & Ab». 20 Uhr bei Lembl«, liuhrische Ecke Trakehner Elraße, ssunktionär» stllun« mit den kreisdelegierten. Pünktlich erscheinen. m Kopf- und Hervenschmerzen bei Rheuma, Gicht, Ischias u. Erkältungskrankheiten, hoben sich Togal- Tabletten hervorragend bewährt. Togal kann mit vollem Vertrauen genommen werden. Mehrere hundert Aerzte betonen neben prompter Wirkung besonders die Unschädlichkeit des Togal und über 5000 Aerzte haben sich l. notariell. Bestätig, anerkennend über Togal geäußert! Ein Versuch überzeugtl Fragen Sie Ihren Arzt. In all. Apoth. Mt. 1.40. 0,46 dilti. I2ch Lith. 74,3 Acid. acet. aal. ad 100 Amyl 78. Abt. 1*14 Uhr wichtige Sillung der Funktionäre nrit den krrisvertroter» bei Burg, Prenzlauer Allee. 41. Abt. 17 Uhr treffen sich sämtlich« Genossen in ihren Zahlabendlokal«» zur wichtigen Flugblattverhreitung. 43. Abt. sslugbiottvertici bei Burg, Prenzlauer Allee. 17 Uhr Ire"' stgen Flugb______■___ Abt. sslugblattvertreitung von den Zahlabendlokalen au». Die Peziris- «ihrer holen die Mugbliitter am Freitag, Ä. September, 17 Uhr, von Krepp, Planufer 7»— 76 ab. 54 Abt. Eh-rl»tt«ndn»a. 20 Uhr bei Eafper, Guerickestr. 1, Funktionärstllun«. 112. Abt. Rahnsdorf. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Witt«. Knrsten- Vortrag:»Die Kaager Loa- walder Strahc igeacnüber dem Friedhof). sereuz". Referent: Ernst Reumann. 9. Abt. Tegel. Achtung, Dezirksfiihm! Flugbliit 139. Abt. Tegel. Achtung, B«zirk»fllhrer! Flugblätte« können von 17 bis 18 Uhr vom Jugendheim Bahnhvfstr. 16 abgeholt werden, Pete sdagea. 20 Uhr Im Lokal„Zum alten Dessauer", Monatsvcrfammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Matthes-Herzfelte, Mitglied des Ktsisausschufse», über:„Die bevorstehenden Kommunalwahlen". 2. Aus- spräche. 3. Änfstellung her Kandidaten für die Gemeindevertretung Vetcrs» hegen. 4. Verschiedenes. Gäste, die der Partei beitreten wollen, find willk-nnmenl Die Parteigenossen»»» vogelsdoef find auf Veranlassung des i�nterbezirisvorstanbes zu dieser Versammlung eingeladen. Sonntag, 22. September: 34. Abt. Ab«ads«>ir in be»«adreas.Feftszl«», Anbeeasftr. 21. Re- W zltatiaueu: Alfred Bcierle. Festred«: Eugen Brückner, M. d. L. Tnrue- i- rifche Vorführungen. Gesangsvorträg« d«, Kegar-Shor». B«gi»» 1« Uhr. lZ) Eintritt»»«,» 8» Pf. einschiielllich Tan,. Säst«»illkomm«». 37. Abt. 9 Uhr bei Middeldorf, Ebelingstr. 1, Funktionärstllun« mit den Kreisvertrctern. Es darf keiner fehlen. Wichtige Fragen kommen zur Verhandlung. Iungsozialisten. Di« Ga»k»»se«»z der Btrlir.Brandenbargrr Znngfozialifl«» findet«m 21. nnb 22. September 1929, in der Jugendherberge Voblill b«i Lübbenau statt. Sonnabend, 21. September, 1914 Uhr, Referat de» S«noss«n Seig« wasser über „Die Aufgaben der Internationale". Sonntag, 914 Uhr, organisatoriich« An- gclegenheiten, Aussprach« über die Gauarbeit. Der Zug für die Teilnehme, fährt»m Sonnabend um 1714 Uhr vom Sörliller Bahnhof. Treffpunkt dort um 1714 Uhr. Jede Gruppe entsendet zwei Delegierte. Gruppe W«dding. Gesundbrunnen. Heut«. Freitag. 20 Uhr. im Iugendhiim Orthstr. 10, Forts-llung der Arbeitsgemeinschaft de» Genossen Ahlfeldt. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Rot« Fallen Wilmersdorf, Gruppe Freitag, 20. September, 18 Uhr, im Jugendheim. Einteilung der Arbeit. Jeder Falke kommt pünktlich, Sonntag, 22. September. All« Kinderfreunde treffen ssch um 714 Uhr an der Sozialistenecke zur Beteiligung an der Ver. anstaltung des Ortsausschusse«, 40 Pfennig Fahrgeld mitbringen. Wimpel nicht vergessen. All« Eltern ssnd zum Treffen gern gesehen. Fricdrichshagen. Es ist Bastelmaterial eingetroffen, beute abend, Freitag, 20. September, wird gebastelt. Freundschaft. Ebert. Gruppennachmitlaz Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation| 81. Abt. Friedenau. Unsere at» treu««enosstn Klahr, 84 Jahre alt, ist am 18. September verstorben. Ehre ihrem Andenken. Beerdigung am Sonn. «abend, dem 21. Sevtember, 1814 Uhr, auf dem Friedenauer Friedhof, Stuben» rauchstrall« Eck« Südwestkorso. Wir bitten um rege Beteiligung. Modenschauen bei Tietz. In den Warenhäusern von T i e tz herrschte«in starke» Ge- dränge, denn die Käuserinnen konnten in schön arrangierten Mode- schauen sehen, was für Herbst und Winter modern wird. Doch nicht nur die Damen, auch die Herren konnten sich orientieren, weil ele- gante Männer Herrenkleidung in ansprechender Weise zur Schau trugen. Man sich sie aber nicht nur in der Abend-Garderobe, son- dern ebenso im Schlafrock und in der Hausjacke. Wie auch für und an Damen alles gezeigt wurde, vom Morgenrock bis zum großen Abendkleid. Unter den Stoffen fiel schön gemusterter Sammet auf, der einen wunderbaren, weichen Glanz hatte. Interessant war auch der neuartig« glitzernd« Schmuck, der immer passend zu den Kleidern getragen wurde. Man muß sagen: Er hat heute eine ganz un- ahnt« Größe angenommen. Bei den Mänteln mit den großen Pelzkragen wurden vielfach große Hüte getragen. Da sie aus weichem Material hergestellt sind, schiebt der große Kragen sie nicht lästiger- weise in» Gesicht, sondern gibt ihnen durch einen leichten Knuff die zum ganzen Anzug passende Form. Jedem Geschmack wurde in diesen Modeschauen Rechnun wollende Frau wird genau so Frau, die durchaus auffallen muß. en, dem» die«einfach wirk« os Passende finden, wie dtst �Oas schöne Kleid.* Unter dieser Devise veranstalteten die Firmen Cords- Michels und die Damenschneiderinnen-Innung ihr« Modeichaucn bei Kroll. Dies« Veranstaltungen waren derartig stark besucht, daß schon zweiundeinviertel Stund« vor Beginn die sehnsüchtigen Zu- schauerinnen Schlange standen. Und zu sehen gab es wirklich aller- Hand in Oualitätsstofsen und Oualitätsverarbeitungen. Verstehen die Maßschneiderinnen es doch bestimmt, jede Frau individuell zu kleiden, mag es sich nun um das Vormittags-, da» Nachmittags-, das kleine oder das große Abendkleid handeln. Diese sind durch ein Jäckchen oder ein Cape geschützt, und da» ist unbedingt notwendig, denn sie sind im Rücken so tief dekolletiert, daß sie oft den ganzen Rücken sehen lassen. Nun ja, es heißt wohl auch nicht umsonst: „Ein schöner Rücken kann auch entzücken.' Viel Eigenart sah man im Schnitt, in den kleinen, aber bedeutsamen Zutaten, wie Blumen usw., und in den Stoffen. Da hat man wetterfest« Stoffe für den Vormittag elegant wirkende für den Nachmittag und hauchfein« für den Abend. Bei den anmutigen Vorführdamen sah man viel be- tonte Schlankheit, dennoch kann jede Frau ihrer Figur entsprechend modern und glücklich sein. Diese Klasse-Schauen boten viel An-« regungen._ Neue Gardinen bei Grünfeld. Unter der Devise„die schöne Gardine— das schön« Bett' zeigt die Firma Grünfeld, Leipziger Straße, eine groß« Anzahl geschmackvoller- Neuheiten für Fensterverkleidung und Bett- bezug. Nach wie vor werden aus Gründen der Hygiene und des guten Geschmacks helle, lichtdurchlässige Farben für die Gardine bevorzugt. All die hübschen, indanthrengesärbten Stoffe in uni und gemusterten Dessins bilden eine ungemein wirksame Verschönerung des Heims. Die Drapierung erfolgt in den verschiedenartigsten Dekorationskünsten. Einmal ist die Gardine glatt gespannt, mit hübschen, in der Farbe abgestimmten Fransenteilen garniert, das andere Mal zieren Wolkenbehänge das Fenster, sehr hübsch wirken auch die kleinen zierlichen Scheibengardinen für Neubauwohnungen. Für Bettbezüge gelangen zarter Leinenlbattist mit Wickelajour und Filet in weiß und farbig zur Verwendung, daneben sieht man sehr hübsche hauchzarte Bettgarnituren, reich mit Dalenciennespitzen ver. arbeitet. Bis zum 21. September ist diese recht sehenswert« Aus- stellung geöffnet, und manches hausfrauliche Auge wird daran seine wahre Freude haben._ Du» blaue Band ist ein Siegeszeichen und ein Svinbol böchster Leistung aus verschiedenen Gebieten— in der Marine, beim Sport usw.—. In diesem Sinne kann e» auch zu einem besten Erzeugnisse der Industrie in Beziehung gesellt werden. Daran denkt man sogleich, wenn man von d«r neuen und doch alle» erfahrenen Hausfrauen schon so vertrauten Marqarinemarke„Rama im Blaudanb hört und liest. Denn hier hantelt es stch tatsächlich um eine Höchst- leistung auf dem Gebiete moderner Volksernährung. Interessant« Unterhaltnng im gemttllichen Heim— oh man allein ist oder i»«reise Ii«b»>~ a«M"~ Ein« angeregt«____________________________________ M gute»„Sramola".Mussiinstrument„mit im Spiele" ist. Da legt man«in« von den neuen eana«, Pfd. 0.28 Seelachs ohru Kepf tn tmmem.Pfd 0.20 Rotbarsch-f»» P-»f....... Pfd. 0.46 Fischfilet............... Pfd 0.33 Grüne Heringe......... Pfd 0.43 Aale iA«ui............ Pfd.. 4.60 Karpfen iA«id............ Pfd 4.30 Bücklinge............... Pfd 0.28 Butler und Käse) Delikatessen Tafelbutter"»ad s«au«t.. Pfd 4.43 Süßrahmbutter aOrfemsu. Pfd 4.98 Pflanzenfett............ Pfd 0.30 Landeier............« StA. 0.98 TUsiter-Käse«•/. Pfd«-»» 2o»/0 0.63 Emmenthaler Art«-Pfd-BiaA 0.88 Camembert s-umt...... stA. 0.63 Harzer-Käse......... i-Pfd.-p, 0.42 *>.-" Konfitüren Schokolade VoOm.. BuTtm..ioo-t.T. 0.23 Nußblock VoOm, Bnrgm.. UXPg-T. 0.23 Pralinen Brrtmuhu,,.«cvt-PAf. 4.00 Makronen............. Pfd 0.93 Tcegebäcfe............ ►••Pfd 4.40 Erfrischungswaffeln....Pfd 0.93 Gelee-Früchte.......... Pfd 0.95 Haushalt-Kakao l—..... Pfd 0.38 Wild u. Geflügel Wild-Ragout........... Pfd 0.60 RehrRücken............ Pfd 2.40 Hirsch-Blätter:.......... Pfd 4.20 Wildschwein-Blätter.. iPfd 4.30 Suppen-Hühner....Pfd t-to 0.98 Mast-Gänse......... Pfd ai 0.95 Junge Tauben........ stA. at 0.40 Rebhühner........... stA. ai 4.43 Sauerkohl in WcfncdAnm«..Pfd 0.44 Matjesßlet............. 2 stA 0.23 Heringssalat............ Pfd 0.90 Ochsenmaidsalat....... Pfd 0.95 Krabben a g frei in feiner Anridüung i Haas! 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Gegenüber dem August vorigen Jahres waren die Schweineouftriebe sogar um etwa 13 Proz. geringer. Diese «norme Steigerung des Schweinepreises ist für die Verbraucher. masien fast unerträglich geworden und ist auch für die Landwirt- schaft im höchsten Grade ungesund, da bei dieser Loge scharfe Rück- schlage wi« vor zwei Iahren kaum ausbleiben können. Die durch- schnittlichen Kleinhandelspreis« betrugen für 1 Pfund Schweinefl. Rindfl. Kalbst. Gefrierst. im August 1929. 1,59 1,24 1.47 0,75 M. N im Vormonat 1929 1,52 1,23 1,45 0,74„ im August 1928 1,38 1,22 1,41 0,73, Sie ganze Unsinnigkeit der von den bürgerlichen Parteien gegen den Willen der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion erzwungenen Ge f r i e r fl« i s ch r e g« l u n g geht aus der Preisbewegung für Gefrierfleisch während des Jahres 1928 und des ersten Halbjahres 1929 hervor. Die Entwicklung stand im Zeichen der Herabsetzung der zollfreien Einsuhrmengen von 120 000 auf 50 000 Tonnen, die am 1. Mai 1928 in Kraft trat. Obwohl hier und da erhebliche Preissteigerungen durch die Kontrolltätigkeit der Gemeinden vermieden werden konnten, ist doch für die Mehrzahl der Orte im Freistaat Preußen«in« spürbar« Erhöhung der Preise eingetreten. Mit der nicht funktionierenden Kontrolltätigkeit dürft« auch vorwiegend die vorliegend« Preisubersetzung zusammenhängen. Ein Zeichen dafür ist das uneinheitliche Bild der Preisbewegung. So betrug der Iahresdurch- fchnittspreis für 1928 je 1 Kilogramm mittlerer Sorte z. B. in Hannover 1,70 M., in Breslau und Frankfurt dagegen nur 1,20 M. Das ist ein Unterschied von nicht weniger als 50 Pfennigen. Be- merkenswert ist, daß sich in einigen Orten die Gefrierfleisch- preise durch die Herabsetzung der Kontingente nicht verändert haben. Ein besonderes Kapitel sind die Spannen zwischen den Groß, und Kleinhandelspreisen. Sie schwanken im Durchschnitt 1928 zwischen 14 Pfennigen in Breslau und 55 Pfennigen in Elberfeld. Man kann daran nur die Vermutung knüpfen, daß die Kontrolltätigkett z. B. in Elberfeld weniger durch- schlagend ausgeübt worden ist als beispielsweise in Breslau. Giahl- und Walzwerke im August. Stark erhöhte Leistungen gegenüber dem Vorjahr. Di« Produktton der deutschen Stahlwerke beltef stch nach der Zeitschrist„Stahl und Eisen" im August dieses Jahres auf 1,40 gegen 1,46 Millionen im Juli. Im August 1928 wurden bei der gleichen Anzahl Arbettstag« 1,33 Millionen Tonnen Rohstahl erzeugt. Di« durchschnittlich« arbeitstägliche Leistung ging gegenüber dem Vormonat von 54 271 auf 51915 Tonnen, also um 4,5 Proz. zurück. Dieser Rückgang ist bei der sommerlichen Geschäftsstille im August durchaus normal, und es bleiben die Ergebnisse der beiden folgenden Herbstmonate adzu- warten, bevor man sich über die Weiterentwicklung der Eisen- konjunkwr ein Bild machen kann. Auch die Leistungen der deutschen Walz- und Preß- werte lagen im Monat August mit 1,01 Millionen etwas unter den Ergebnissen des Juli mit 1,03 Mllionen Tonnen. Jedoch ist die durchschnittliche arbeitstägliche Leistung im Berichts- monat mit 37 506 gegen 38 154 Tonnen im Juli nur um 1,7 Proz. zurückgegangen. Di« Produtttonsergebnisse der deutschen Stahl- und Walzwerke in den letzten drei Monaten liegen wett über den Leistungen der entsprechenden Zett von 1928. Di« durchschnitt- llche arbeitstägliche Gewinnung vom Juni bis August stellte sich bei den Stahlwerken auf 54 466 gegen 49 900 Tonnen im Juni bi» August 1928. Di« Produttions st«igerung betrögt also annähernd 10 Proz. Wenn auch nicht in dem gleichen Maße, so doch immerhin beachtllch, ist auch die Produttionssteigerung bei den deutschen Walz- und Pveßwerten. Hier belief sich die durchschnitt- lich« Leistung je Arbeitstag in den letzten drei Monaten auf 38358 Tonnen gegenüber 56 533 Tonnen in der entsprechenden Zeit des Vorjahre». Es ergibt sich also eine Erhöhung um rund S Proz. Einträgliche, Sohlengefchöft. Di« Hedwigs-Hütte A.-G. in Stettin, die hauptsächlich den Handel mtt englischer Kohle betreibt. hat trotz aller Bilanzkünste nicht verschleiern können, daß bei der anhaltenden Kälte im letzten Jahr für sie ein Bombengeschäft heraus- gesprungen ist. Die Dividende bleibt mit 7 Proz. die gleiche wi« im letzten Jahr, da ein großer Teil der Gewinne in den u m 40 Pro.z. herausgeschraubten Abschreibungen ver- schwunden ist. Wie gut die Gesellschaft bei Kasse ist, geht daraus hervor, daß sie ihre Schulden um rund 400 000 Mark bis auf 3.1 Millionen senk« n konnte, während die Forderungen sich auf über 5 Millionen Mark erhöhten. Im Geschäftsbericht wird erwähnt, daß die außergewöhnlich harte Kätterperiod««inen Re- kordabsatzimHausbrandgeschäftzur Folge hatte. Wenn die Verwaltung nach einer solchen Bombenkonjunktur jetzt Preis- «rhöhungen das Wort redet, so muß das als ein« glatte Unver- frorenheit bezeichnet werden. vom Tonsilm-Sriegsschouplaß. Die beiden in der Fabrikattcm von Tonsilmapparaten führenden Länder, Vereinigte Staaten und Deutschland, liegen sett dem mißglückten Londoner Einigungsvevsuch in heftiger Fehde. Es handelt sich um zwei Monopolistengruppen: die amerikanisch« Western Electric und die deutsche Interessengemeinschaft Tobis-Klangfilm. An der Klangjilin A.-G., die allein in Deutschland Apparate herstellt, sind die AEG. und Siemens maßgebend beteiligt.� Jetzt ist es der deutschen Kruppe gelungen, mit der englischen führenden Gesellschaft, der British Taltina Picture» Ltd.. ein Abkommen zu treffen, wonach sie im britischen Weltteich zusammen gegen die Western El-cttic arbeiten werden. Damit ist die Forderung der Deutschen nach Aufteilung der Welt in Interessengebiete zum Teil erfüllt, während die Amerikaner wegen ihres Vorsprungs am freien Wettbewerb festhalten wollen. Inzwischen geht der Kampf zwischen Europa und Amerika um die Patente vor den Gerichten der verschiedensten Länder weiter. Wer ist Schwerbeschädigter? Die Schwerbeschädigung muß erst amtlich abgestempelt sein� Der Bergmann N. war seit dem 7. November 1322 bei der Aktiengesellschaft für Bergbau auf der Grube R o s e n b e r g be- schäftigt. Am 20. Juli 1927 erlitt er einen schweren Betriebsunfall: durch Herabstürzen einer Bergwand wurde chm der rechte Unterschenkel abgequetscht. Dieser Unfall machte eine längere Ärankenhausbehandlung des Klägers und eine Operation erforderlich, bei welcher ihm der rechte Unterschenkel unter halb des Knies abgenommen werden mußte. Nachdem der Kläger am 3. Februar 1928 aus dem Krankenhaus entlassen war, wurde er bei der Beklagten wieder eingesteltt. Der Betrieb der Grube Rosenberg wurde aber am 33. April 1328 stillgelegt. Dem Kläger wurde trotz der schweren Verletzung. die er sich im Dienste der Beklagten zugezogen hatte, ebenfalls g e- kündigt. Am 7. Mai 1928 wurde dem Kläger eine Rente von 63 Proz. mit nachträglicher Wirkung vom 4. Februar 1928 ab gewährt. Der Kläger vertritt den Standpunkt, daß durch diesen Rentenbescheid fest- gestellt sei, daß er schon zur Zeit der Kündigung Schwer- beschädigter im Sinne des Z 3 des Schwerbeschädigtengesetzes vom 12. Januar 1923 gewesen sei, und daß infolgedessen die ohne Zustimmung der Hauptsürsorgestelle erfolgte Kündigung rechts- unwirksam gewesen sei. Er verlangt daher seinen Lohn nach- gezahlt. Die Beklagte oerlangt Abweisung der Klage. Sie hat gellend gemacht, daß dem Kläger der ß 13 des Schwer- beschädigtengesetzes nicht zugute kommen kann, da seine Schwerbe- schädigteneigenschaft erst durch den nach seiner Entlassung erfolgten Rentenbescheid festgestellt worden sei. Zur Zeit der Kündl- g u n g sei der Kläger noch nicht Schwerbeschädigter ge- wesen., Das Arbeitsgericht in N i e d e r l a h n st e i n hat zugunsten des Klägers entschieden. Gegen dieses Urteil hatte die Beklagte B e- r u f u n g eingelegt, die aber vom Landesarbeitsgericht in Frankfurt a. M. zurückgewiesen wurde. Um in dieser Frage eine grundsätzliche Entscheidung herbeizuführen, legte die Beklagte Revision ein. Das Reichsarbeitsgericht kam aber zu einem recht un- verständlichen Urteil. Es hob das vorinstanzliche Urteil aus und wies den Kläger mit seiner Klage ab. Als dem Kläger gekündigt worden sei, sei er noch nicht als Schwerbeschädigter im Sinne des Gesetzes anerkannt worden. Da der Betrieb stillgelegt wurde, so konnte auch dem Kläger gekündigt werden, ohne die Hauptfürsorge- stelle zu verständigen. Knappschaftsversicherung und Hauptsürsorgestelle gebrauchen also länger als neun Monate dazu, um den Bergarbeiter mit dem ver- lorenen Unterschenkel offiziellals schwerbeschädigt zu er- klären. Noch ein volles Bierteljahr nach der Entlastung aus dem Krankenhaus als geheilt, mit einem Bein, dauert es, bis der Bescheid ergeht. Die noble Aktiengesellschaft für Bergbau brauchte nicht zu wissen, daß der so in ihren Diensten verstümmelte Arbeiter Schwerbeschädigter geworden ist, als sie ihn wieder ein- stellte. Und wenn der arme Teusel beide Beine verloren hätte — Schwerbeschädigter war er e r st dann, nachdem er es schwarz aus weih hatte von der Hauptsürsorgestelle. Das Reichsarbeitsgericht ist mit dem ganzen bureaukratischen Apparat verbunden. Es kann ihn nicht mißachten und den gesunde nMenschenver st and walten lassen, der in diesem Falle in den Urteilen der untergeordneten In- stanzen zur Geltung kam. Wenn der Schiedsspruch verbindlich... Müssen auch die Außenseiter Tariflohn zahlen. Das gilt zwar als selbstverständlich, mußte jedoch so- wohl dem Arbeitsgericht in Erfurt wie dem Landesarbeitsgericht vom Reichsarbeitsgericht erst klargemacht werden. Die Metallarbeiter in Thüringen führen schon seit Monaten einen Zioilprozeß gegen einen Teil der Metallindustriellen wegen der N i ch t a n e r-k en n u ng des für verbindlich erklärten Schiedsspruchs. Zwischen dem Verband Thüringer Metallindustrieller und verschiedenen Arbeitnehmerverbänden besteht ein Tarifvertrag, der aus einem durch beiderseitige Annahme für die Tarifvertrogsparteien verbindlich gewordenen Schiedsspruch vom 11. Februar 1928 beruht. Ein weiterer Schiedsspruch wegen der Lohnverhältnisse ist aus dem gleichen Grunde am 3. April 1928 für die Bertragsparteien ergangen und für sie verbindlich geworden. Durch ihn wurde die frühere für die Parteien gültige Lohntafel mit gewissen Abänderungen einschließlich Erhöhungen der Spitzenlöhne der Lohngruppen 1—6 wieder in Kraft gesetzt. - Eine Anzahl Firmen gehörten dem Derbandc Thüringer Me- tallindustrieller nicht an: sie wurden daher durch den Tarifvertrag zunächst nicht betroffen. Allein auf Betreiben des Deutschen Me- tallorbeiterverbandes hat die Schlichterkammer des Schlichtungs- aucschusses in Eisenach am 16. Mai 1928 folgenden Schieds- f p r u ch gefällt:„Die Firmen erkennen den jetzt gültigen Mantel- tarif nebst Lohntafel für die Thüringer Metallindustrie an." Mehrere Firmen haben sich dem Schiedsspruch nicht unterworfen. Er wurde deshalb vom Schlichter0. Ferner Uesen: Mihgrifi. Sroica, Banner. trSger, Gangs, Eilig/ Maxime, Flunder. 5. R e n n e n. 1. Impressionist(Narr), 2. Geranium, 3. Farn. Toto: 36: 10. 8 Uesen. 6. Rennen. 1. Marliita sHdllein), 2. Die Saar, 3. Servilla. Toto: 22:10. Platz: 21, 33, 16:10. Ferner Uesen: BUle, Burggraf, Leudelfing, Greifenkrone, Zihmphenburg, UitzU»»a,Tda»t,Melat. Aospa, Mtrtani, OGeeBnA. 7. R e n u- n. 1. Phartsier(«oblgemuth). 2. Ltmanov». 8 Parmnride«. Toto: 27: 10. Platz: 11. 18, 14: 10 gerner Uesen: Lazruburg, Lindwurm, Irrlicht, Eoriola». Wetterbericht der»ffentNche» Wetterdienststelle Serti» nnd nngegenk (Rachdr. verb:«-INg und etwa? küpler. ohne wesentliche Niederschläge, mäßige wesUiche Winde.— Für oeuUchlaud: In Süddeulschland vielsach regnerisch und kühler, auch in Mittel, und Ostdeutschland Temperatur. rückgang bei meist wolligem Detter, im Nordwesten keine venderung. A Uaagenabgalie»oebedatte»— Tarkurf eowdl Vorrat Gemüse MöhrCfl gonuehea............ Pfond 5 Pf. Kohlrüben...... 5 pf. Weisskohl..... 5 pt ROtkOhl...........—....... Pfnnd 1 0 Pf. Schmorsurken........., pomd 1 0 pt Tomaten............ n«nd 1 0, 1 4 pf. Spinat.................. ptud 1 2 pf. Zwiebeln....�____, Pfand 20 pt. Kartoffeln.............. io Pfand 28 pt. Konserven� Junge Erbsen Mkr mm_________ 1,45 Junge Erbsen i«4n........ �..�1,25 Junge Erbsen mittaifeia 78pi. Qemüseerbsen................... 50pt Junge Erbsen fdn, mit Karott««.. 1,20 Junge Erbsen mittoj, mu Karotun 9Spt. Gem. Gemüse mitui............. 1,15 Leipziger Allerlei............. 95pi. Junge kleine Karollen....... M..90pf. Aprikosen halb« Pro-ht........... 1,40 Sauerkirschen ohn« suu....... 1,60 Süssklrschen mit 1.25 Preisseibeeren................ 1,20 Reineclauden................... 1.00 Stachelbeeren................... 1,00 Ananas s K°d«n>«a................. 1,20 Zweifruchtmarmelade 1-Pfand-Eimer.......................*4vjpt Fischkonserven Sardinen in Tomstm.......... som 38pi. Porlug.Oelsardinen a �Kinbd«. 85pi. Sardinen ohn« oriun,,........ Do««85pf. Porlug. Sardinen 4 PortionadoMn 95fi. Norweg.Heringe i.Tomatem.'/.Do.« 50pl Norweg.HeringetTomaian.'/jOo«« 78pi. KonKiüren Teegebäck................>>, piad 55pf. Borkensdiokolade......»f, Pfand 6Spt. Sandgebäck...........„.•(, Pfand 45pt Spezialmischung........ i, ptud 45pf. Gebrannte Mandeln..«f, piud 48pt Creme-Schokolade....♦ Tauin 85pt Vollmilch- oder Vollmilch- Nuss- Schokolade...... s T»fain» 100» 95pt Bonbonmischung........>/, Pfand 25pf. Billige Seilen und Toiletteartilel lik�jS-IMttSZLUS nnthltLuTtomini, Cellophan-Paket mit 3 groason Badestttcken"DPf. ReHia-Edellannensellß grsadrotSOpf. sstl.iO Kßln.-Wasser- oder LdTendel-BaileieUe Karton mit 3 Stück....................... 95 Pt Echte Palm- md OliFeafil-Seile« stock 85pt Eucalyptos-Mnndwasser.... •Urk konzentriert...... Fluohe OOPL ud 9dPt 1,25 Fische und Räucherwaren Tebende Karpfen......... ptud 1,35 'Schellfisch ohne Kopf......... Pfnnd 1 5Pf. *Qr. Kabeljau ohne Kopf....Pfand 26Pf. •Qr. Seelachs ohne Kopf..... Pfand 18Pf. 'Qoldbars.................... Pfand 1 4pf. 'Kabeljaufilel.............. Pfud 35pt 'Zander gefroren.............. Pfund 58Pf. 'ßralschollen...........» Pfand 58pf. 'Grüne Eieringe........ b Pfud 58pt 'Rotzungen.................. Pfud 26pf. Seelachs gerinchert........... Ptud 42P1 Rolbars....................... ptud 40pf. Bundaale..................... Bud 27pt. Schellfisch oderMakrelen..Pfand 36pt Seeaal abgezogen..............Pfud 78pt Fleckheringe................. ptud 45pf. Geräucherter Aal•urk...Pfud 2,80 Bücklinge............. Ptud 24, 48pf. •) Nur Lefpzlgtr Str� Älexanderpl.. fronkf urler Ali ec« Kottbus. Domm, Belle-Alllonce-Str, WÜmendorfer Sir. Svtfches«lelftt Suppenfleisch..... ptud un 84pt an Gulasch ohne Knochen...... Pfud 1)10 Schmorfleisch Keaioiui«KiL,ptd.1 ,28 Schabefleisch............ ptud 1,30 Hackepeter............... ptud 1 ,30 Eisbein mit ipllzhela, gepshalt, Pfud84pf. Rückenfett bratfertig, oLok'r. Pfä. 1 ,08 KaSSler mild geealzen, Ptud von 1 ,40 an Schweinebauch ohne Beiig�pfd. 1,24 Schweineschinken ed.Biatt. ptd. 1 ,34 Kalbshaxen............... ptud 78?/. KälbSkamm ohn» Benage.. Pfud OÖPf. Kalbsnierenbraten..... ptud1,05 Hammelvorderfleisch pfd.T.1 ,1 San Talg ausgelassen............. Pfud 56pi. Talg roh.................... pfud 42pf. Kalbsschnitzel.......... ptud 2,20 Kalbsroulade g«niit....ptud 1 ,58 Roastbeef ohne Knochen... Pfd. 1 ,58 Rinderleber triseh...... ptud 1,34 Rinderzungen mitschiud, ptd. 88?/. Oefi>iex*f leisoli Schmorfleisch«. Kn«ch«n, ptudl ,22 GUlaSCh ohne Knochen...... Ptud 98?/. Suppenfleisch...... ptud ronGSptu Hammelvorderf leischpfd.T 88?/. u Hammelrücken........... ptud S8?i Hammelkeulen........... ptud 1,12 Schweineköpfe Meeh.......... Rinderbacken o.KmMseh.p/ud 58?;. Rinderherzen trueh_______ pfudS4p,. Rinderlungen tri-oh........ Pfud34pf. EUter frisch................... Pfand 28?/. Rinderschwänze Mach... p/udTSpr. Schweinenieren frisch., p/nnd 1,18 ........................... Pfand 54?/. Wursiwaren Sülze..................m...... Pf and 45?/. Sülzwurst............... �....Pfud 88?/. 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Schwimmen und Baden sind Mittel, die die Gesundheit und die Krast des arbeitenden Volkes erhalten und fördern. Wie hoch die Berliner Bevölkerung das Baden im Wasser, an Luft und Sonn« für die Körperpflege einschätzt, zeigt der starke Besuch der sreien Flutz- und Seebäder. Wurden doch allein die st ä d t i- s ch e n Freibäder im Durchschnitt in einer Woche von mehr als 200 000 Menschen besucht. Insgesamt stehen der Berliner Bevölke- rung 14 Freibäder zur Verfügung, davon sind 11 im städti- s ch e n Besitz. Auf Alt-Berlin entfällt davon nur eines, dos ini Wassersportplatz Plötzensee. Bier Flußbäder, die innerhalb der Altstadt gelegen waren, sind im Lauf« der letzten Jahre wegen der zunehmenden Berunreinigung der Spree aufgehoben worden. Es verbleiben hier nur noch 4 Fluß- und Seebäder, darunter das alte„S t u d e n t e n b a d* in der Ratiborftraße, das sich aber in Privatbesitz befindet. Uebrigens sucht die Stadt die Anstalten, die sie verpachtet hat, baldmöglichst in Eigeirbetrieb zu übernehmen. Die Außenbezirke sind in bezug auf Badegelegenheit in offenen Anstalten naturgemäß viel besser gestellt. Außer den städtischen Freibädern sind hier noch 33 Fluß- und Seebäder vor- Händen, davon 11 in städtischem Besitz. Der Bezirk R« i n i ck e n- darf verfügt allein über 8 Frei-, Fluß- und Seebäder, Spandau hat deren 6 und Charlottenburg 5, Treptow und Köpenick je 6. Seit 1925 sind 15 Kaltbadean st alten hinzugekommen, (5 wurden geschlossen, so daß eine Zunahm« von 9, verbleibt. Alt- Berlin hat gegenwärtig insgesamt also nur 5, die Außenbezirk« 42 Fluß- und Seebäder. Durch die st ä d t i s ch e Berliner Verkehrs- Aktiengesellschaft(BBG.) sind Verbindungen nach den Badeplätzen wesentlich verbessert worden, so daß der Berliner relativ schnell und billig auch an die entfernten Badeanstalten gelangen kann. Ueber die Besucherzahl der Nußbadeanstalten liegen einwandfrei« Zahlen nur von den in st ä d t i s ch e m Eigenbetrieb befindlichen vor. Da andererseits der Besuch ganz wesent- lich von der Temperatur abhängt, so lassen sich aus den so gewonnenen Zahlen kaum richtige Schlüsse ziehen. Wenn z. B. die Besucherzahl in den Kaltbadeanstalten im Jahre 1928 um rund dreiviertel Millionen geringer war, als 1927, so kann daraus sicher- lich nicht der Schluß pezoqen werden, daH das Badebedürfnis bei der Berliner BeyMerung nachgelassen habe, sondern, der Rückgang in der Zahl der Frefbadenden erklärt sich aus der ungünstigeren Witterung des vergangenen Jahres. Die höchste Besucherzahl der Kaltbadeanstalten im Jahre 1928 wie» bemerkenswerterweise nicht das Freibad W a n n s e e, sondern der Wassersportplatz Freibad Plötzensee aus. Die Besucher- zahl betrug im Freibad Plötzensee Wannsee 192« 880 000 704 000 1927......... 883 000 842 000 1928......... 741 000 684 000 Das Zugendwerk der Kommune. Erfolge der Berliner SoziolSemokratie. Jugendheim« sind die wichtigsten Stützpunkte jeder jugend- pflegerischen Tätigkeit, die in irgendeiner Form von Jugend- vereinen und Erwachsenengruppen geleistet wird. Das Elternhaus mit seinen kargen und einförmigen Lebensformen— meist so gestaltet durch schlecht« soziale Verhältnisse— bietet keine abwechslungsreichen Freudeerlebnisie für junge Menschensehnsucht. Großes für die jeweils heranwachsend« Generation hat in dieser Hinsicht im Verlauf von drei Jahrzehnten die Jugend- beweg un g geleistet. Sie hat den Jugendlichen wirtschaftlichen und seelischen Halt vermittelt und ihrem Leben einen Inhalt ge- geben. Jede Jugendbildungsarbeit ist undenkbar ohne die Jugend- grupp«. Aber das wichtigst« Problem ist dabei die Raum frag«. In Jahrzehnten ihrer Arbeit war die Jugend in der Raumfrag« immer noch abhängig vom Elternhaus oder insbesondere vom Wirtshaus. Erst in den letzten Iahren hat sich die Situation bedeutend gebessert. Di« Sozialdemokratie und die Gewerk- schaften nahmen sich der Jugend an und schufen Heim« und Unter- kunftsstätten. Im neuen Staat tragen auch Schuloerwaltungen und Gemeinden dem vorhandenen Notstand Rechnung. Schulräume werden in vielfacher Zahl für die Zusammenkünste der Jugend zur Verfügung gestellt. Aber auch hier kann sich Jugend nicht ohne weiteres heimisch fühlen, denn kahl« Schulräume rufen leider noch allzu oft unangenehme Erinnerungen an traurige Iugendtag« wach. Jugendheime dienen nicht nur dem Zweck, die Jugend vom Schundkino, vom Wirtshaus, vom Tanzboden und vom Schmutz der Straß« fortzuführen. In Jugendheimen läßt sich am trefflichsten unbefangene Geselligkeit treiben, hier gestalten sich am besten in der gemeinsamen Arbeit an der eigenen Fortbildung Iugen dg«meinschafte n. Die persönlichen Wünsch« wachsen zum Gleichstrom gemeinsamen Strebens. So wurde die Schaffung von guten Jugendheimen eines der wichtigsten Betätigungsgebiete kommunaler Iugendpflegeorgan«. Und gerade die Bezirke unter sozialdemokratischer Leitung, so zum Beispiel die Bezirke Wedding Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg. Neukölln, Treptow, Lichtenberg. Köpenick, Weißensee haben auch hier vorbildliche Arbeit geleistet. Im Bezirk Friedrichshain be- stehen jetzt allein sechs schön« Heime, zum Teil mit Lichtbildvor- führungseinrichtungen und mit großen Bibliotheken oersehen. Das Iugendwerk immer mehr zu fördern und auszubauen, wird nach wie vor höchste Aufgabe der Berliner Sozialdemokratie sein. Schafft überall in den Bezirken und insbesondere in der Stadtverordnetenversammlung sozialdemokratische Mehr- bieten und es wird auch auf diesem wichtigen Gebiet kommunaler Arbeit wieder vorwärts gehen! Der Grund ist wohl darin zu sehen, daß das gut einge- richtete Freibad Plötzensee, besten Schöpfung in der jetzigen Form ein verdienstvolles Werk des sozialdemokratischen Bürgermeisters Leid ist, inmitten der nördlichen volkreichen Stadtteile liegt. Es kann schnell und zum Teil ohne Aufwendung von Fahrkosten aufgesucht werden. Die städtischen Warmbadeanstalten sind in den letzten Iahren um einige neue modern st«r Art ver- mehrt worden. So wurde in L i ch t e n b« r g ein Hallenschwimm- bad mit einem Kostenaufwand von 2 Millionen erbaut. Di« alte unzureichende Badeanstalt in der Garten st raße(Bezirk Mitte) stt geschlossen worden und wird jetzt erweitert. Nach dem Umbau, dessen Kosten auf 3% Millionen Mark veranschlagt sind, wird diese Anstalt da» größte Schwimmbecken de» kontinent» mit 1100 Quadratmeter Wasserfläche ausweisen. Hier soll zum ersten Male der Grundsatz durchgeführt werden, An- kleide- und Nebenräume von den Schwimmhallen vollständig zu trennen. Insgesamt hat ganz Berlin 23 Warmbadeanstalten. davon 11 mit Schwimmhalle. Bei diesen letzteren hat im Juli d. I. das Stadtamt für Leibesübungen eine Umfrage ver- anstaltct über die Zahl der Bäder, die im Höchstfalle täglich ver- abreicht werden können. Das Ergebnis war das folgende: Im Laufe eines zehnstündigen Betriebstages können 29 720 Schwimmbäder. mit den Wannen-, Brause- und Heilbädern zusammen ins- gesamt rund 52 000 Bäder gegeben werden. Die 12 kleineren An- stalten fallen wenig ins Gewicht. Von den städtischen Körperschaften ist die weitere Vermehrung der städtischen Warmbadeanstallen und ihr Ausbau beabsichtigt. So sollen zunächst neue Badeanstalten in Schöneberg, Reinickendorf, Pankow und P r e n z- lauer Berg errichtet werden. Diese Anstalten soll«» weniger als Schaustück und Luxusbad gebaut werden, sie sollen vielmehr als „Z w e ck b a d e a n st a l t e n" als oberstes Gcs«tz die Zweckmäßigkeit haben. Die Baukosten werden demnach entsprechend geringer werden, si« sollen bei diesen nicht mehr als 800 000 bis 1,2 Millionen Mark betragen. Außer den städtischen bestehen in Berlin noch «1 privat« Anstalten, wovon 6 über 30, 2 über 40 Wannen zur Verfügung stellen können.-ß. * Vieles ist auch auf diesem Gebiete noch zu tun. Wi« bei allen sozialen Forderungen sind auch hier die Rechtsparteien nur hem- mend. Sie sehen in allen sozialen Einrichtungen der Stadt das Gespenst der zunehmenden„S o z i a l i s i e r u n g". Wir aber inüssen, Männer und Frauen, dafür sorgen, daß die Vertreter der großen Masse d«r werktätigen Bevölkerung Berlins, die Sozial- demokrat«n, nach dem 17. November so stark in das Stadt- Parlament einziehen, daß die von ihnen begonnene Arbeit fortgesetzt und weiter ausgebaut werden kann. Hochhaus in der Bendlersiraße. Zehn Stockwerke.- Baubeginn noch in diesem Jahre. Von den zuständigen Behörden ist nunmehr die prinzipielle Genehmigung zur Errichtung des projektierten Hochhaus«- der Rhenania-Ossag in der Königin-Augusta- Ecke Bendler- und Regenten st raße erteilt worden, so daß mit dem Bau sofort nach Beendigung der im Gange befindlichen Ab- tragungsarbeiten noch in diesem Jahre begonnen werden kann. Auch die Häuser Bendlerstraße 25/26 werden bis zum 1. Oktober geräumt und sofort abgerissen. Das neue Hochhaus, das nach dem Entwurf von Prof. Fahren- k a m p errichtet wird, soll sich harmonisch dem architektonischen Ge- samtbild des Tiergartenviertels anpassen. An der Ecke Bendler- Königin-Augusta-Straße wird es zehn Stockwerke erhalten, die dann stufenweis« bis zur Regentenstraße auf fünf Stockwerke herunter- geführt werden. Der Haupteingang, der besonders architektonisch und künstlerisch ausgearbeitet wird, kommt in die Ecke an der Bendlerstraße. Die gesamte Länge der drei Straßenfronten be- trägt 200 Meter, der Umfang der zu bebauenden Fläche 4000 Qua- dratmeter. Das Haus ist ein moderner Eisenskelettbau, der Natursteinverkleidung erhält. Das Gebäude, das lediglich Büro- zwecken dienen soll, wird mit den modernsten technischen Ein- richtungen wie automatische Aktenförderanlagen, gewaschener Lust usw. ausgestattet. In dem geräumigen Hos ist eine groß« Garage und«ine Tantanlage vorgesehen, während auf dem Dach ein Garten für die Angestellten geplant ist. Man rechnet mit einer Bauzeit von 1Z4 Jahren. 370 Millionen Berliner Sparkassengelder. Die Sparkasse der Stadt Berlin hat im August 1929 einen Spareinlagenzugang von 6 328 576 M. auszuweisen. Damit haben sich die Spareinlagen auf 370 Millionen Reichsmark erhöht. Die Zahl der Sparkonten ist im Bcrichtsmonat um 13 136 auf 743 621 gestiegen. Bei der Berliner Stadtbank-Girozentrale der Stadt Berlin be- trugen die Kreditoren nach der Monatsbilanz für den 31. August dieses Jahres 199 429 211 M. Im Spargiroverkehr(kommunalen Giroverkehr) wurden im Verichismonat 103 418 Posten mit 273 435 026 M. im Eingang und 59 331 Posten mit 242 236 502 M. im Ausgang ausgeführt._ volkstümliche» Vokalkonzert. Die VolkSbildungZämter.Prenzlauer Berg' und„lzried r ichshai»' veranstallcn am 2. Oktober im Saalbau kifriedrichshain, am izricdrichZhaiii 16/23. ihr diesjähriges 1. Pokal» lonzert. Es wirken mit: Kapellmeister Georg Oskar Schumann, daS .Berliner Sinjonie-Orchester', der.Lendvai-Cbor' und der.Gemischte Chor Groh-Berlin'. Eintritt 1,— M., für Mitglieder der Kulturgemcinfchast —.75 M. und sür Schüler-,50 M, Die Wahlvorbereitungen. Auslegung der Wählerlisten. Der Magistrat hat in seiner Sihang vom IS. September nach § 7 Ziffer 2 der Wahlordnung zur einheitlichen Leitung der vor- bereitung und Durchführung der am 17. November stattfindenden Wahlen der Stadtverordneten und Vezirksverordneten in Verlin zum Sladtwahlleiter Stadtrat Dr. Richter, zu seinem Stellver. treter Stadtrat Genossen C z e m i n» k i ernannt. Die Wählerlisten liegen vom 12. bi» 25. Oktober aus. Nach 8 14 Ziffer 1 der Wahlordnung wird bestimmt: Die Wählerlisten sind in sämtlichen Verwaltungsbezirken 14 Tage lang, und zwar vom 12. bis einschließkich 25. Oktober, an den Wochentagen von 12 bis 19 Uhr, an den Sonntagen von 10 bis 17 Uhr zu jedermanns Einsicht öffentlich auszulegen. Wir sorgen für Mieissenkung. 3. Kreis.— Wedding. In der letzten Bezirksversammlung des Bezirks W e d d i n g stand die Beratung des Haushaltsplans auf der Tagesord- nung, der ein« Ausgabe von 34 335 410 M. vorsieht. Der Kämmerer wies darauf hin, daß der Bezirk für das W o h l f a h r t s w e f e n fast 17 Millionen, für das Gesundheitswesen b'A Millionen ausgeben muh. Genosse H e n n i ck e, der Fraktionsredner der Sozialdemokraten, wies darauf hin, daß die Wohnungsnot die besondere Aufmerksamkeit seiner Partei fände. Am 31. März 1929 waren 16 940 Wohnungsuchende im Bezirk Wedding einge- tragen: in der Zeit von 1926 bis 1. Mai 1929 konnten aber noch nicht 4000 Wohnungen neu erbaut werden und die Mieten in diesen Wohnungen sind sür die arbeitende Bevölkerung bei weitem zu. hoch. Die SPD. brachte deshalb folgenden Antrag ein: Zu der Erwägung, daß die Mieten der Neubauwohnungen für weile kreise der Bevölkerung nicht tragbar sind, hält die Bezirtsversammlung eine Senkung der Mieten au» allgemeinen Mitteln sür dringend notwendig. Die Versammlung beschließt deshalb, da» Bezirksamt zu er» suchen, sofort beim Magistrat dafür einzutreten, daß Mittel sür Mietsenkungen in größerem Umfange in den Haushaltsplan ein, geseht werden. Die gedankenlos« Arbeit der KPD. charakterisierte Genosse Hennicke beim Kapitel Stndtbllchereien und Lesehallen. Beim Kapi- tel Kleingartenwesen stellte die sozialdemokratische Fraktion folgenden Antrag: ,.Das Bezirksamt wird ersucht, in Zukunft bei Zuteilung von Parzellen an Kolonisten in Dauerkleingärten insbesondere Fomiliea mit schlechten gesundheitsschädlichen Wohnungen sowie Kinderreiche und gesundheitsgefährdete Personen zu berücksichtigen/ Die Sozialdemokratische Partei ist der Ansicht, daß der Dauer- kleingarten einen Ersatz für die ungenügende Wohnung darstellen soll: darum mußte sie dem kommunistischen Antrag, welcher for- derte, daß nur Kolonisten berücksichtigt werden dürften, die ander- weitig eine Parzelle aufgeben mußten, ihre Zustimmung versagen. Bei der Begründung eines kommunistischen Antrages über das Unterstützungswesen, dessen Durchführung 250 Millionen Mark kosten würde, weigerte sich der kommunistische Redner, sich der Ge- schäftsordnung zu fügen. Deswegen muhte die Sitzung vorzeitig geschlossen werden. Kommunisten bekommen Wuiansälle. 16. Bezirk— Köpenick. Di« Bezirksverordnetenversammlung am 18. d. M. als erst« nach den Ferien hatte als Hauptpunkt die Verabschiedung der Bedarfsnachweisung für 1930 zu tätigen. Der Bürger- mcister Gen. Kohl nahm in einstllndiger Rede Veranlassung, auf die Arbeiten im Bezirk eingehend hinzuweisen und dessen Erforder- nisse zu begründen. Die debattenlofe Kenntnisnahm« des Berichts durch die Mehrheit der Versammlung brachte die Kommunisten der- artig in Wut, daß sie durch endlose Geschäftsordnungsdebatten, ge- würzt durch wüst« Schimpsereien, Anpöbelungen, Beleidigungen unh hysterisches Kreischen, die Sitzung zu sprengen versuchten. Der Bor- steher, Gen. W o i ck, war gezwungen, die Sitzung auf kurze Zeit zu vertagen. Nach Wiedereröffnung begründet Gen. Rhode als Vorsitzender des Etatsausschusses eingehend die Vorlag«. Wieder ver- suchten die kommunistischen Krakeeler die Weiterberatung zu ver- hindern, so daß von der Mehrheit der Antrag gestellt wurde, die Vorlage en bloc unter Ablehnung aller gestellten Anträge angu- nehmen. Unter wütendem Geheul und Gekreisch der kommunistifchen Meute nahm die Versammlung unter energischem Eingreifen des Vorstehers die Vorlage nach Antrag an und vertagte die Beratung der weiteren Tagesordnungspunkte auf Freitag, den 20 d. M. Schon bei Beginn der Sitzung hatten die Krakeeler durch endlose Geschäft» ordnungsdebatten die Versammlung zu stören und zu provozieren gesucht. Nette Vertreter von Botksinteressen! Neue v-Bahn-Strecken! Im Laufe dieses Jahres werden folgende Derlängerungs» strecken der U-Bahn in Betrieb genommen: 1. Die 3 Kilometer lange Strecke Thielplatz— Alfenftraße mit den neuen Bahnhöfen Oskar-Helene-Heim, Fischtal und Alfen st raße; 2. die Strecke Stadion— Ruhleben mit einer Länge von 1200 Meter und 3. die Strecke Tempeihof— Südring mit einer Länge von 940 Meter. Die Strecke nach R u h l e b e n wird zum Teil als Oberflächen- bahn über einen eigenen Bahnkörper geleitet. Die Inbetriebnahme der neuen Strecken wird teilweise im November bzw. Dezember erfolgen. Neuorganisation des Autoanrnfes. Der Magistrat Hot in seiner Sitzung vom 18. September be- schlössen, die selbstschuldnerische Bürgschaft der Stadt für ein Dar- lehen der Commerz- und Privatbank an die Arbeitsgemeinschaft Berliner Kraftdroschkenoerbände in Höhe von 150 000 M. zu übernehmen. Gleichzeitig soll die Weiterbenutzung der städtischen Straßen und Plätze für Zwecke des Autoanrufs freigegebei» werden. Berliner Gefangenenfürsorge. Startes Bedürfnis nach individueller Fürsorge. Die Berliner Gefangenenfürsorg« übergibt soeben der Qeffentllchteit ihren Tätigkeitsbericht vom L Januar 1928 bis zum 3L März 19|9. Welch ungeheure Entwicklung sie im Lause der vier Jahre ihres Bestehen» gemacht hat, beweisen die darin angeführten Zahlen. Im Jahre 192ö ist die Fürsorgestelle von Rat- und Hilfesuchenden 7S94 mal aufgesucht worden! im Jahre 1927 von 17 692 und während der Berichtszeit waren es 2S 449 Personen. Die Berliner Gefangenenfürsorge kann nur«ine Durchgangs- stelle sein. �Es wäre von großem Interesse, m einem der nächsten Berichte zu erfahren, in wie hohem Maße da» Bedürfnis der in- dioiduellen Fürsorge durch die Berliner Gefangenensür- sorge für bestimmte Fäll« besteht. Es unterliegt keinem Zweisei, daß die Uebergab« eines Entlassenen an iias zuständige Bezirksamt in den Fällen, wenn sich der Betreffende bereits an den Fürsorger der zentralen Gefangenenfürsorge gewöhnt hat, ungünstige Wirkung haben kann. Es wäre wohl denkbar, daß ein« Anzahl privater Helfer der Berliner Gefangenenfürsorge zur Lersüglmg stünde, und daß bei Uebernahme der materiellen Hilfeleistung durch da» zuständige Bezirksamt diese» auch den Helfer zweck» Betreuung des Entlassenen übernehme. Interessant wäre auch, eine zusamme» «fassend« Darstellung der Gefangenenfürsorge in sämtlichen Ber. Lner Bezirksämtern zu erhallen. Der Tätigkeitsbericht greift einig« der wichtigsten Problem« der Gefangenenfürsorge heraus und gibt bedeutsame Anregungen. So beschäftigt er sich mit den Arbeitseinstellungen von Strafentlassenen und begrüßt es, daß Staat und Kommune als Arbeitgeber jetzt auch Borbestraste emstellen. Im übrigen unterstreicht der Bericht, welch große Schwierigkeiten vorbestraft« auf de« Arbeits. stätten zu überwinden haben. i Der Tätigkeitsbericht nennt auch einig« gesetzliche Bestim- «Hingen, die die Wiedereingliederung Strafentlassener erschweren: so z. B. den§ 831 BGB., der bestimmt, daß eine Ersatzpslicht bei angerichtetem Schaden nur dann nicht«inzutreten habe, wenn der Geschäftsherr bei der Auswahl der bestellten Personen die erforder. liche Sorgfalt beobachtet hatte. Da» hat zur Folg«, daß die Ber» kehrsunternehmungen keine Strafentlassenen anstellen können. Di« 88 S7, 57a und b der Gewerbeordnung machen Vorbestraften die Erlangung eines Wandergewerbeschein«» unmöglich. Und die Berliner Meldeordnung, dergemäß sämtlich« Borstrafen auch auf einzelnen Polizeirevieren niedergelegt sind, wird den Strafentlassenen nicht sellen zum Verhängnis. Aeußerst bedeutsam Ist die Anregung tn bezug auf die Vereinheitlichung der Betreuung Heimat- loser Strafentlasiener in Deutschland. Aus der Statistik de» Berichts wäre»och heroorzuheben. daß von den 25 449 Ratsuchenden 19 783 Neuausnahmen waren, 1727 Frauen und 2197 Echutzaufsichten. Verausgabt wurden im ganzen 132 478 Mark. Dem Bericht liegen Auszüge au» Briefe» bei, die «on Strafentlostenen an die Berliner Gefangenenfürsorge gerichtet wurden, und die zeigen, wie anhänglich und dankbar viele de? Be- treuten sind. Kommunalarbeii in Zehlendorf. Genosse Oraemert berichtet. In dem etwas entlegenen kommunawolitisch stillen Zehlen» darf, dem Hauptort des 19. Berliner Verwaltungsbezirk«, der i» seiner Verwaltung und seiner Bezirk»Verwaltung leider noch immer eine Domäne der Deutschnationalen ist, ist unsere Partei mit einer sehr gut besuchten Mitgliederversammlung in den Wahlkomps ein. getreten. Wenn der einzige sozialdemokratisch« Stadtverordnete de» Bezirks, Genosse Richard Draemert, in seinem ausführlichen Bericht über die kommunalpolitischen Arbeiten der kleinen Zehlen» dorfer sozialdemokratischen Fraktion mitteilen tonnt«, daß in vier Jahren nur 22 Plenarsitzungen der Zehlendorfer Bezirksverfammlung stattfanden gegenüber 299 Stadtoer- vrdnetensttzungen, so geht daraus deutlich hervor, wie unendlich gering der deutschnationale Bezirksbürgermeister Schumacher den kommunalen Parlamentarismus einschätzt. Zehlendorf hätte auch nie- mals so schnell Verkehrsverbindung mit Berlin durch die modernsten Autobusse bekommen, die zurzeit in Berlin fechren und würde noch viele Jahre auf die Verlängerung der U-Bahn warten könne«, wenn die Berliner Verkehrsmittel weLer wie bisher in Hä Gesellschaften geblieben wären. Händen privater Die LAG. ist nicht nur die größte kommunale verkehngefell- schaf« de» Festlande», fle ist mit ihrem ZO-JJst-Iarif«mch die billigste. Und wer hat sie zustande gebracht? Die SozMdemotrakiet Durch ihr« ständig« Verbesserung und Erweiterung wird auch das wichtig« Wohnungs- und Si e diu n g» w ert, da» Wohnen in den Außenvororten.«rnSglicht. Unsere Partei Hot m dem 19. Bezirt mit allem Nachdruck und auch mit Erfolg den Bau neuer Schulen betrieben. Der Bau von Volksschulen ist in Borbereitung. Das neue. Rathau» Hot ber Bezirksbürgermeister einzig und allein der Sozialdemokratie zu verdanken und es ist sehr bezeichnend, daß man zum Dank dafür dem einzigen besoldeten sozialdemokratischen Stadtrat ein miserable» Ar- be'.tszlmmer anweifen wollte. Bezeichnend ist es weiterhin, daß der deutschnationale Bezirksbürgermeister Schumacher sich zwar um die Ausschmückung der Innenräume mit Bildern Friednchs II. und Bismarcks, des Freiherrn vom Stein und de» zweiten Reichspräsi- denten bemuht hat, daß er aber offenbar vergesien hat, daß da» Bild des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert wohl zuerst in di« nsuen Räum« gehört hätte. Diese Versäumnis hat unser« Partei glücklicherweise nachgeholt, indem sie durch freiwillig« Spenden au» Parteikreisen ein Bild de» ersten Reichspräsideneen aus der Künstler- band Hans Valuscheks nachträglich gestiftet hat. Abgesehen von diesen speziellen Angelegenheiten de» 19? Bezirk» gab Gen. D r a«- wert einen interessanten Ueberblick über die Arbeiten und Erfolge unserer Frattion im Berliner Rathaus. In der Aussprache führt« Gen. K a m o r o w s k i aus, daß unsere Partei auf dem Gebiet des Wohnungswesens unter den gegenwärtigen Verhältnissen das Menschenmögliche geleistet habe. Unter starkem Beifall der Ber- sammlung betonte er, daß dieAusschmückungderBerliner Rat- und Verwaltung shäuser mit Bildnissen verdienter Staatsmänner und Kommunalpolitiker nicht Aufgabe der Parteien fem könne. Di« offizielle städtische Kunst- pflege müsse veranlaßt werden, dafür zu sorgen, daß PorrrSts verdienter Männer und Frauen durch hervorragend« Künstler ge- schassen und sodann den Rathäusern zugeteilt werden. Er schloß mit den Worten: Die Somv.unalpolilik ist das U und 0 der ganzen PoNllk. 3n England muß der Politiker erst durch die Schule der Kommunal- poliilk gegangen sein. Die Kommunalpolitik kann gar nicht anders als realpolitisch or- betten. Im weiteren �Zerlaus des Abends kam man zur Wahl der Kandidaten für die Stadtverordneten- und die Bezirksoerordneten- Versammlung. Als Spitzenkandidat wurde Genosse Richard Draemert vorgeschlagen, als weitere Kandidaten die Genossen Holtz, Schneider, Zietemann, Scholz, Zander� Bosse, Schnorre, Fehl- berg, Birth, Meinetts, Trojan und König. Eine Frau wird an aus- Uchtsreicher Stelle placiert werden. Die Organisation der Bauaussiellung. Zu der von einer heutigen Mittagszeitung verbreiteten Nachricht über die angebliche Bestellung des Herrn Professor Dr. Sied- ler zum künstlerischen, technischen und wissenschaftlichen Ober- leiter der deutschen Bauausstellung Berlin 1931 und der getnel- beten Bewilligung von Mitteln für die Zwecke der Bauausstellung durch den Magistrat, teilt das städtische Nachrichtenamt berichtigend mit, daß Prof. Dr. Siedler zum wissenschaftlichen Sachbearbeiter der Abteilung„Neues Bauen" der Bauausstellung bestellt worden ist. In gleicher Weis« sind für die übrigen Abteilungen Wissenschaft- liä)« Sachbearbeiter bestellt worden bzw. vorgesehen. Hinsichtlich der Gesamtausstellung bleibt nach wie vor der aus Ber- tretern der Stadt und des Vereins Bauousstellung zusammengesetzte Verwattungsrot für die ideeliche Gestaltung und das Ausstellungs-, Messe- und Fremdenoerkehrsamt für die Geschäftsführung der ge- samten Bauousstellung zuständig. Desgleichen untersteht die Ge- samtleiwng des Generalbebauungsplanes nach wie vor den Herren Stadtbaurat Dr. Wagner und Professor P ö l z i g. Was die seitens der Stadt für die Bauausstellung zur Verfügung gestellten Mittel anbetrifft, so sind außer den durch Beschluß der Stadtverord- nete nverstunmlung vom 29. Dezember 1928 bewilligten 8,5 Millio- neu Mark für die Erschließung de« sogenannten Zwischengelände», den 7L Million«« Mark für die eigentlichen Ausstellunysbaute» und einem rückzahlbaren Darlehen von 6 Millionen Mark wettere Mittel bei de« städtischen Körperschaften seithe? VtUz angesorderS noch bewilligt worden.__ Volkspart in Köpenick. Das dem Krankeichaus in Köpenick vorgelagert« 7 Hektar groß« Forstgeländ« ist durch den Bezirk als Bolkspar? angelegt worden. Di« von 59 Meter breiten Pflanzungen«mg«- faßt« große Rasenfläche prangt jetzt in frischem Grün. Sie soll später, wenn die Rasennarbe genügend erstarkt ist, als Lager- fläche für die erholungsuchend« Bevölkerung freigegeben werden. Breite Wege fassen diese mit einem prächtigen Blriend« stand durchsetzt« Fläch««in. Alle Weg« haben Sitzgelegenheiten und im ganzen Park sind weit über 60 Bänke aufgestellt. Besucher, die den Hauptzugang an der Müggelheimer Straße benutzen, lenken ihr« Schritt« zuerst zum Spindler-Brunnen, der jenseits der Rajen- fläche einen schönen Blickpunkt bietet. Solang« die schönen Herbst- tag« jetzt noch anhalten, wird der Brunnen an den Wochentagen von 14 Uhr und Sonntags von 19 bis 19 Uhr in Bettneb fein. Er schließt gleichzeitig die vor dem Krankenhaus sich hinzichende Rasenonlage, die im kommenden Jahr mit breiten Blumenrabatten eingefaßt werden soll, wirkungsvoll ab. In dem südöstlichen Teil des Bolksparks an der Achenbach- straß« sind vier Tennisplätze hergerichtet worden. Ein Trink- immnen bildet den Abschluß der an de» Tennisplätzen vorbei- führenden Allee. MMelM Pepsin in Weinbrand ist keine Arne! oder Geheimmiilel,»andern magenttArkende» Genabmittel für federmann. Ve rkaufsprelsei*/« Llefl. M. 7,25>/, Ltrfl. M. 5,00 >/. Ltrfl. M. 3,00 st« Ltrll. K. 1,50 E. Klctnke. Restaurant o. Welnhdi£.Nelke'- Neue Kantstr. S. Syphon u Kannenblere und Weine frei Haus Antust Landskron, Rest..Jägerhaus*, Spandauer Berg S. Kannenbier auB. d. Hause Franz Lenz,.Brauhof-Stuben', Brauhofstr. 9. Syphon u. Kannenbier frei Haus Berta Mäbius,.Kleiner Ratskeller", Berliner StraBe 76. Syphon u. Kannerb. frei Haus Bclnricn Neumann. Restaurant, Roscherstr. 13 Syphon und Kannenblere auB. d. Hause Richard Plelke, Weinstuben.Erdener Treppchen', MotzstraBe 14 llax Preuss, Restaurant, BismarckstraBe 92. Syphon u. Kannenblere auBer dem Haus Friedrich Rausch, Rest. Uctzenburgcr Str. 15. Syphon n. Kannenblere auBer dem Haus Bcnnaon Schmldtke. Rest.Mflnehner Hof". Leibnizstr. 17. 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Sssmjon Kondratjitsch schaute 'hr nämlich gestern mit der Ergebenheit eines treuen Hundes in die Augen, und als er sie um Erlaubnis bat, heute zu chr zu kommen, ging ihm sogar die Luft aus. Beim Abschiodnehmen drückt« er ihr lange die Hand und seufzte. Werotschka sprengte im Zimmer ein wenig mit billigem Kölner Wasser herum, rückt« einig« Kleinigkeiten aus dem Tisch zurecht und wollt« noch ein offenes Buch auf den Tisch legen, als es im Vor- zimmer läutete.„Dreimal, ja das ist er!" Ssemjon Kondratjitsch räusperte sich lange im Vorzimmer, hustete und trotzdem, al« er endlich„Guten Tag" hervorbrachte, kam es so leise und heiser heraus, als ob er einen unheilbaren Kehlkopfkatarrh hätte.— In der Hand hielt er ein Päckchen, mit einem blauen Band umwunden, und außerdem eine Rolle. „Was haben Sie denn da, Es«njon Kondratjitsch?" „Bitte, das ist für Ei«. Wera Rikolajenma," beeilt« er sich.— „Da» sind Vonbons„Goldene Erdäpfel", ich glaub«, Sie haben da» gern?" „0 ja, sehr, wie nett Sie sind! Und was ist das für»h»e Rolle?" Ssemjon Kondratjitsch preßte die Roll« au sein Herz:„Nichts, nicht», das ist gar nichts," murmelte er. „Etwas Geschäftliches, vom Amt vielleicht," j „Nein, nicht vom Amt... st) im allgemeinen..." .Ast das auch für mich?" Ssemjon Kondratjüsch schwieg und steckte die Rolle verlegen zu sich. „Run gut," sagte Werotschka.„setzt richte ich noch geschwind den Tee her und dann zeigen Sie mir, was st« da eigentlich Hadem nicht?" Sie holte die Tasten aus dem kleinen Wandkästchen, der Samorxrr war schon lange bereit und fünf Minuten spät» stand der Tee schon auf dem Tisch, neben den belegten Brötchen und den „Goldenen Erdäpfeln". Werotschka ließ ihren Gast am Tisch Platz nehmen und blickt« seine Rocktasche fragend an. „Also, was haben Sie dort versteckt? Her damit!" Ssemjon Kondratjitsch wurde purpurrot:„Ich genier« mich wirtlich, Wera Rikolajewna". „Wer. Sie brauchen sich doch nicht genieren, ist«»«tn Dedicht? Nicht wahr, jetzt habe ich es erraten?" „Ne-ein, kein Gedicht." „Warum werden Sie denn rot, wenn e» kein Gedicht ist?" Cr errötet« noch mehr und gab keine Antwort. „Also geben Sie es doch her, sonst bin ich ernstlich dSfe." und Werotschka langte nach der Rolle. Ssetnjon Kondratjitsch lacht«, al» od er gekitzelt worden wäre, holt« die Roll« hervor, hielt sie einen Augenblick unschlüssig in der Hand und brachte mit Verzweiflung in der Stimme heraus: „Sehen Sie, Wera Rikolajewna, ich war in einer Versammlung über modern« Eh« und Familie, und da hat ein« Frau etwa» vor- geschlagen... und das hat mir so gut gefallen.... da habe ich halt..." „Was denn?" Werotschka blickt« ihn ganz zärtlich an. „Habe ich mich entschlossen, wie st« es gesagt hat... also lesen Sie, was da steht, ab» mich dürfen Sie dabei nicht anschauen." Er übergab Werotschka die Roll«, trat ans Fenster und begann mit den Fingern auf der Scheibe zu trommeln. Werotschka setzt« sich nieder und blickte das Papi» zunächst verständnislos an. Während sie weiter las, wurde ihr Gesicht ebenso WLoderne 8he rot mit vorhin das ihres Gastes. Auf dem Bogen Papi» war zu lesen: Ehevertrag: Di« Unterzeichneten, Bürger Ssemjon Kondratjitsch Kostrizin und Bürgerin Wera Rikolajewna Pekarskaja legen hiermit ihr gegenseitiges Eiiwerständnis über folgende Punkt« fest: 1. Die Unterzeichneten verpflichten sich als Mann und Frau mit- einander zu leben mit allen sich daraus ergebenden Folgerungen. 2. Bürgerin Pekarskaja verpflichtet sich, ihren Wohnsitz in die Wohnung des Bürgers Kostrizin zu verlegen, zu welchem Zwecke d» Letzgenannte d» Erstgenannten einen angemessenen Raum in seiner aus Zinnner und Küche bestehenden Wohnung zur Verfügung stellt. 3. Bürger Kostrizin übernimmt die Sorge für die Beschaffung der Existenzmittel. Sollt« Bürgerin Pekarskaja ihren Posten auf- geben, so ist sie verbunden, die Sorge um die Führung des Haushalts zu übernehmen. Darunt» fallen Instandsetzung der Wohnung, Sorge um die jkleidung, Zubereitimg des Wens und so fort. Anmerkung. Unt» der Sorg« um die Kleidung ist nur Kleinarbeit zu verstehen wie Annähen von Knöpfen, Socken- stopfen und dergleichen mehr. Da» Aufwaschen de» Boden» w der Wohnung und Waschen der Wäsche wird durch speziell hier- zu ausgenommen« Personen bewerkstelligt. 4. Di« Geburt ein«» Kinde» kann nur nach Abschluß eine» spe- ziellen vertrag«» durch die Unterzeichneten, jedensall» nicht vor Ablauf von 18 Monaten vom Tag« der Unters ertigung des gegenwärtigen Bertrages an gerechnet, erfolgen. S. Bürger Kostrizin oerpflichtet sich mindestens zweimal monatlich mit der Bürgerin Pekarskaja ins Theater zu gehen oder«inen anderen Unterhaltungsort aufzusuchen. 6. Bekd« Teile erkennen an. daß Besuch oder Empfang von Gästen nur gemäß einer anzulegenden und strikte einzuhaltenden List« vor sich gehen kann. An merkung. Erweiterunge» der List« sind nur in Au». nahmefällen zulässig. 7. Beide Teil« verpflichten sich,«inand» jedesmal beim verlassen des Hauses darüb» AufNSrung zu geben, wohin st« sich begeben und wie lange sie auszubleiben gedenken.... Ohne die Fußnoten und Anmerkungen zu zählen, gab«, ins» gesamt im Bertrag 57 Punkte. Als Werotschka beim 28. Punkt an- langt«, der von den„intimen Pflichten der Ehegatten" handelt«, warf sie den Bogen auf die Erde, sprang auf und schüttelte die.Goldenen Erdäpfel" eilig aus der Base in die Schachtel zurück. Kostrizin drehte sich um:„Was ist denn mit Ihnen, Wem Rttolajenma," fragt« er. Werotschka schloß die Schachtel, drückt« sie dem Bürg» Kostrizin in die Hand und machte die Tür aus. „Nehmen Sie Ihr« Erdäpfel und schauen Sie. daß St« weiter- kommen. Ich hoff«, ich habe Ei« zum letztenmal bei mir gesehen. Berstanden!" Kostrizin dockte sich, hob vom Boden das zerknitterte Papier auf, wurde rot und ging zur Tür. Dort blieb» stehen. „Ick) verstehe Sie wirklich nicht, Wera Rikolajewna," begann», jMte ist doch nur«in Entwurf, ich bin ja zu Abänderungen bereit. zum Beispiel im 28. Punkt..." hinaus!" schrie Werotschka hysterisch,.Hinaus!" Im Vorzimm» brauchte Kostrizin wiederum sehr lange di» er sich angezogen hat. Er hustete und murmelte vor sich hin. Auf der Ettege steckte» sich einen„Goldenen Erdapfel" in den Mund und wurde wieder lustig:„Ich pfeife aus sie," sagte er,„ich werde schon eine andere, wirklich modern« Frau finden". Nlu» tu» Russischen tlbersedt von Alexander Scrschentr»n.i jetzt abgetragen wird.„Nicht lange mehr", und es ist so nieder, daß vielleicht wieder das Meer darüber fluten kann bei der nächsten großen Bodensenkung. Just um die Zeit, da dieses Gebirge sich auf-� faltete, entwickelte sich wieder eine neue Art von Lebewesen: die Menschen, die jene Bodenfalten Alpen nannten... Wie oft sprechen wir davon, daß diese Menschen sich die letzt« und endgültige Blüte am Baum der Erde dünken, dem sie entwachsen sind, als sein Endziel und wahrer Sinn. Der Geschichtsschreiber der Erdgeschichte aber lächelt' ironisch bei diesen schönen Träumen. Der ungeheure Entwicklungsweg des Menschen von der Horde des Ur- menschen bis zu Nietzsche und den Radioabonnenten der Gegenwart entspricht also im Leben der Erde einem Faltenwurf, der im Begriff ist, sich zu glätten. Bis die Alpen verschwunden sind und neue Meere blauen, kann dieser Mensch das Schicksal d» Panzersische, d» Trilobiten, der Riesenlibellen, der Saurier, der Siegel- und Schuppen- bäum« geteilt haben. Sie alle sahen aus einem Ast, d» abbrach, ste sind ausgestorben. Das variskische Gebirge, seine Wälder und seine Lebewelt sind ausradiert aus dem Bild der Erde, und es kamen viele neue Perioden. Warum glauben also so viel«, jetzt sei die letzte da? Die Menschheit hat eine kürzere Lebensdauer als die Erde, üb» die sie herrschen will. Man kann es als Denker nicht glauben, daß die Erde ihrer Herrschaft nicht entgleiten werde. Was sollen uns- Ewigkeit und Weltenraumt Unser Intellekt ist auf keine weitere:\ Sphäre eingerichtet, als unseres Daseins Spanne bedeutet. Versteht man denn nicht, was es bedeuten soll, daß des Menschen Geist.'« Ewigkeit so wenig fassen kann, wie Unendlichkeit? Und so lehrt uns die Geschichte dieses variskifchen Gebipges das.! energischste Iasagen zum Dasein und das Nutzen jeder Minute. Nicht»' ist sicher— nur sie. Zwischen Ewigkeit und Welt und zwischen mir liegm noch ungezählte, ungekannte variskische Gebirge der Be» gangenheit und Zukunft, die di« gerade Linie der Gesetze und Wahr� Helten abbrechen, und kein Anknüpfungspunkt an jenem fernen Uf» drüben ist uns verheißen. R. H. F r a n c 6. MerbftUche Meide Schön» ist her Herbst nirgends als da. wo die Heide blüht.! Ihre rotvioletten Llütenwellen find von unzähligen Malern v»- i herrficht worden, und wir können wohl sagen, daß diese Heidebild» j zu unfern schönsten Landschaftsbildern gehören. Leider müssen! wir jetzt schon auf die Such« gehen, wenn wir«inen Tag in Heide-. einsamkeit erleben wollen, denn wo einst das»rote Meer" sich' dehnte, zwischen Lüneburg. Celle, Hanno»», da hat die Landwirt- schaft zugepackt und die unfruchtbaren Heidestrecken w Kornfelder und Weiden voll» Mühe verwandelt. Auch Obst und Spargeb- Pflanzungen, sowie Birtenwäldchen sind da angelegt, wo einst die Erika in Frieden ihr« Glöckchen läuten durfte. Jetzt hat sich die eigentliche Heidelandschaft mit dem Gebiet begnügen müssen, das ihr sozusagen als Naturschutzpark eing»ämnt ist: h!» aber ge- deiht ste in wirklich« Reinkultur, da all» Pflanzenwuchs entfernt Ist, der ihren ursprünglichen Charakt» stören könnte, während man die eigentlichen Heidepflanzen wie Wachold» und Birken mit Sorgfalt hegt und pflegt. Auch di« Tier«, die zur Heidelands chast gehören, fehlen nicht m diesem Naturschutzpark. Schafherden und Bienen bevölkern heute wie«inst di« Gegend, und noch kommende Generationen werden«inen vollkommen richtigen Eindruck von dem Landschostsbilde gewinne� das Deutschland jahrhundertelang ge- boten hat, meilenweite Heideflächen mit rotblühender Erika bedeckt. Auf feuchten Stellen findet man dicke Wollgrasbüschel. Der Baum- bestand ist au» Lirken und Ebereschen gebildet, zwischen denen die Heideschafe grasen. Gerade die Schaf«»»hindern es, daß die Heide von selber im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhundert« sich in Wald umwandelte. Häufig kommt der Wachold» vor, dieser baumartige Strauch, d» in den seltsamsten Formen und Berästelungen auftritt; bald liegt et in großen, flachen Schollen dicht am Boden, bald er- hebt er sich wie«in« ragende Säule. Dann wieder sucht et Schutz im Birkengehölz und gibt mit seinem tiefdunklen Grün einen prächtigen Hintergrund für die»etzt im Herbst wie lauter Goldstücke prunkenden Blätt» der Birken. Jetzt kommen wir sogar an«w paar knorrige Eichen, die Reste! alter Eichenwälder, die d» Landschaft etwas Trutziges und Herbes geben. Findlingeblöcke liegen in Mengen in Heide und Moos verstreut: d» Forsch» kann an ihnen die Einwirkungen d» Eiszeit feststellen. Hünengrüber erzählen von den fernen Tagen, als die Menschen die Heide in Besitz nahmen. Wenn wir an einem sonnigen Herbsttage über die Heide won- dern, haben wir das Gejühl köstlicher Weite und wohltuender Ein- förmigkeit. Was ober sogen wir, wenn wir hören, daß diese Ein- j förmiglett wied» nur für unsere mangelhaften Sehwerkzeug« vor- s Händen ist und daß e» in der Tat in der Heide weil mehr als zweihundert verschieden« höhere Pflanzen gibt? Und dann das mancher- lei Getier, das di« Heide bevölkertl Wir können uns nicht satt sehen. Umnittekbar vor un» steigt di« Heidel»ch« trillernd empor: In dem Blrkemväldchen gurren die Holztauben. D» Würg» schießt mit raschen Flügelschlägen durch die Lust auf seiner un»müdlichen Jagd nach Insekten, dort schwebt«in Turmsalke, und jetzt sehen' wir gar einen Habicht niederstoßen und sich sein« Beute vom Erb- baden holen: ein unglückliches Rebhühnchen, da» sich nicht schnell genug unter der Scholle de» Boden» verbarg. Auch da» helle Ki- witt des Kiebitzes hören wir ganz nah« unserm Ohr. Daneben gibt es sogar schwarze Störche und einige Adler. Jetzt springt ein; wildes Kaninchen vor unserm Fuß auf: wir werden ausmerkscun- und untersuchen den Erdboden: da wimmelt e» von Eingängen zu. Kanin chenbouen.— das mag gute Jagd sein für den Fuchs, der auch ku» zu Haus« ist. i Ist da« eine Wonne, sich aus dem Heidekraut auszustrecken. fast da» Gefühl zu haben, zwischen Himmel und Erde zu schweben und dahinzugleiten durch die herbstklare Lust. Da summen Tausende von Bienen und Hummeln ein dankbares Lied von den Honig- schweren Blütenglocken, Heidehonig, Inbegriff aller Süße und Heilkraft. Das sind liebliche Gedanken, die damit durch den Kopf gehen. — Jetzt holpert ein edelsteingrüner Heuspringer über den nächsten Halm, wie ein köstliches Schmuckstück in edler Fassung. Und Käs»■ mancherlei Art krabbeln und Nett»n an Blättern und Rispen, wie trunken von der Sonne dies» ersten Herbsttage, die viel zu schön sind, um sie eingepfercht in den engen Stuben zu oerbringen. Die Heide lockt uns hinaus,—- gehen wir dem Lockruf nach, denn wir werden reich an Eindrücken und frohen Gedanken heimkehren, mit prangenden Sträußen beladen, die uns bis in den Wirrt» hinein� eine Illusion von Sommerblüten g�»en können. i ii Ernta Wemd.'f Cj Gleichnis vom vi .Laben Sie schon jemals von dem varistischen Gebirg« gehört?" Ich glaube, fast jedermann, dem man diese Frage vorlegen würde, machte erstaunte Augen. Das variskische Gebirge? Was für ein exotischer Name ist das? Wo streckt es seine Zinnen empor? Nun. im schönsten all» Länder, im Land« der Vergangenheit. An einem Punkt, an dem jährlich Hunderttausende gedankenlos vorbeffahren, hat es seine Spuren deutlicher als sonst hinterlassen. Das ist die Wand des Bohlen, an dem sich dicht der Schienenstrang zieht, von Saalfeld in Thüringen nach Bayern zu. In mächtigen Wellen ist an ihr der Bunffandstein gefaltet, und oben sind dann die. Falten wage. recht zugedeckt mit Hellem Kaltgestein. Mehr ist daran nicht zu sehen, ober dieses wenig« erzählt dem Erdkundigen eine lange' und int»- essante Geschichte. Denn dieser in schönen Wellenlinien dahinziehende Sandstein ist uralt. Er lagerte sich aus einem Meere ab, In dem seltsame Korallen ihr stilles Leben spannen, und Urkrebse, Triloblten, krochen, die sich wie Asseln einrollen konnten, und wie Schildkröten gebuckelle Panzer- fische mit einem Auge und zwei großen säbelförmigen Knochenflossen, so absonderlich, wie sie nur von d» Phantasie der Romanschrift- stell», nicht aber von der Fed» eines soliden Raturwissenschastlers beschrieben werden dürften. Er stammt aus einer Zeit, in der es noch gar keine Blumen, keinen Laubbaum und kein höheres Tier gab als Fische. Ein Krokodil— unerhörte Neuerung—, ein Bogel— unmögliche Vorstellung für ein Lebewesen aus jener Zeit. SSugett« und Mensch wurden erst nach vielen Jahrmillionen möglich. Dieses uralte Meer, das einst an Saatfelds Stell« seine Wasser rauschen ließ, mußte erst austrocknen, sich in einen Sumpf oerwandeln, in dem da und dort die Wälder der Steinkohle grünten, mit ihren Schachtel- Halmen und Siegelbäumen, den Blattschaben und Riesenllbellen, die säst dreiviertel Meter klafterten und den walnußgroßen Kops mit einem Papageischnabel bewehrt hatten. So viel Zeit mußte in die Ewigkeit hinabtropfen, daß von den steinkohlesührenden Sandsteinen und Schiefern, von denen sich sicher in einem Menschenleben ein kaum Nennenswertes ablagern tonnt«, rund 2800 Meter der Erd- rinde zugefügt wurden. Erst dann entstand das Banskische Gebirge. «ine ungeheure Faltenbildung im„Devon- und Oberkarbon", wie es die Geologen nennen, ein Drängen und Pressen. Anetnander- ftürmen und Auffalten des allen Meeresbodens, daß in ganz Mittel- europa ein Riesengebirge aus dem Boden stieg, noch ausgedehnter al» die Alpen von heut«, an deren Stelle ein sumpfiger Meerstrand dampfte, und vielleicht ebenso hoch wie st« und ebenso malerisch: ein llrgebirze, dessen Gipfel alle jungfräulich blieben, denn da» höchst irishifchen Gebirge organisierte Landtier, da» in feinen Wäldern kroch, war nur ein eidechsen ähnliches Wesen. Und diese Alpen verschwanden! Sie wurden abrasiert, abgetragen wie ein Erdhügel von ein paar Arbeitern: Europa wurde einge- ebnet, wie ein Garten, den man umgraben läßt. Ein Welt- »eigni», dessen Großartigkeit man sich gar nicht ausdenken kann, vollzog sich in d»„kurzen" Spanne Zeit, während deren sich die Steinkohlensümpfe in die Fele- und Kieswüsten der nächstfolgenden Formatton wandelten. Eine kurze Spanne, allerdings gemessen an der Erdenttvicklung: so kurz, daß während dies» Zeit das Leben kaum einen Fortschritt machte. An ihrem Ende waren die er- reichten Höhepunkte im Pflanzenleben die Bildung d» Nadelbäum«, in der Tierwelt die Urmolch«. Und von beiden gab es einfachere Formen schon in der Steinkohlenzeit. Natürlich wirft man sich ein: ob denn solches nicht ein Irrtum sei? Ab» di« Bohlenwand sagt es ganz unzweifelhaft. An ihr ist mit großen Schriftzügen der Natur hingeschrieben: in diesem Bunt- sandstein und kleinen Resten d» Kohlenzeitablagerungn sind noch die Spuren der Faltungen enthalten, d urch die das variskische Hochgebirge entstand. Ab» die Sättel dies» Fallen, ihr ober» Rand ist abgetragen und aus ihm liegen waagerechte Meeresablagerungen der permischen Zeit. Also bezeugt die Natur selbst, daß üb» dem Gebirge das Meer spät» seine Wellen zog und seinen Kalk zu Boden sinken ließ. Das Zechsteinme» verschlang die übriggebliebenen Stümpfe eines d» größten Gebirge, die Europa je getragen hat. Und damit kann ich'mich wieder vom Fachwissenschaftfichen zum Allgemeinverständlichen wenden. Die..kurze" Spann« Zeit, in der das variskische Gebirge abze- trogen wurde, bedeutet an der Menschheit gemessen, eine halbe Ewig- keit. Denn nicht Katastrophen haben jene weggewischten Hochberge im Thüringerland, am Rhein und in Schlesien zusammengebrochen. sondern nur das Ragen der Zeit. Wir haben keine Ursache, andere» anzunehmen, als was auch heute in den Alpen wirksam ist. Der Steinschlag, der an jeder Felswand jeden Tag«In paar Steine zu Tal befördert, das heimliche Riefeln des Schutte», die Bäche, die ihr Geröll jeden Tag ein paar hunbort Meter weit schleppen die Früh, lingswässer, die Gewitterregen, sie nagen ein Gebirg« ab, sie haben auch die varislischen Alpen eingeebnet. Wenn man an das denkt, blitzt der Gedanke auf: auch jetzt ereignet sich auf Erden nicht» anderes als damals. Bor„kurzer" Zeit entstand durch Faltungen. dort wo früh» ein Meer war, wied» em Hochgebirge, da» eben 0 Voriräge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner �Schwarz-Rot-Golb". Geschäfts stelle: Berlin E. 14. Eebastianstr. S7/38, Sok 1 Tr Gauvorstand. Sonntaa, 22. September, 15 Ilhr, Endspiele des I. allgemeinen Reichsbauner-Tennisturniers auf den Tennispläden Redberge, Afrikanische StraKe. AuKerdem beginnen um 14 Uhr ebenfalls im Bolkspark Rehberge die Landballspiele, u. a. Berlin gegen Äottbus, 14 Uhr: Tiergarten gegen Neukölln, 15J4 Uhr: Prenzlauer Berg ll gegen Schoneberg, 16�z Uhr: Prenzlauer Berg I gegen Köpenick. Zahlreicher Besuch erwünscht.— ftrettog, 20. September. Mitte: 10 Uhr trifft sich das Iungbanncr Köllnuchen Park Ecke Runqestrake. Tiergarten,«ameradschast Westen I: 20 Uhr Versamm- lunu im Naiionalhoi. Blliowstr, 37. Vortrag des Kam. Mischlcr: Echuichund nnd Heimwehren". GSste au» anderen Kameradschakien willkommen. Lichtenberg: Kameradschastsversammlungen um SO Uhr: Borhogen bei Stöber, Jung», Ecke Oderstrahe. Travrplah bei Ecipke. Scharnwebcr» Ecke«ronprinj-nstrah'. Rummelsburg bei Pflug, Emanuel- Ecke Leopoldstraste. fsriedrichsfelde bei Echwart, Eapriviallee 102. Karlshorst bei Rommel, Treskow. Ecke Waldow, aller. Raulsdorf bei Sllbncr, Bahnhofstr. 18. Mahlsdorf bei Anders, Bah». hofstr. 33-37. Reinickendorf.West: 20 Uhr Vorstandssikung im Verkehrslokal.— Soiinabcnl), 21. September. Lichtenberg: Versammlungen um 20 Uhr: Gustav Temorl bei Tempel. Sudrunstr. 7. Biesdorf bei Porath. Marzahner Str. 31. Alle aktiven und passiven Kameraden lmben 3U erscheinen. Wittenau lKamerao- sch-ft): Die Stettinfahrer pünktlich lMt Uhr Verkehrslokal P. Sehnte, Oranicn. burasr Str. 88— 89. � S-nntag, 22. September,»reis Osten: Die Ortsvrreine treten rur Kreisveranstaltung ISl� Uhr am Bhf. Rahnsdorf lEtrecke Erkner) an. Mitte: Die Kameradschaften treten ,ur Kreisveranstaltung IZVi Uhr Bhf. Rahnsdorf an. Anoehörige treffen sich in �»rns Kurhaus" in Sch»nc:che. Schlesisches Tor. Köpenick, Kameradschaft �riedrichshaqen: Treffpunkt 14 Uar Bbf. Rahnsdorf. Lichtenberg: Ortöverein mit Tambourkorvs und ssahnen vilnki» lich 124 Uhr Bhf. Stralau-Rummelsburg, Erkner-Bahnsteig. Veranstaltung des Kreises Osten in Schöneiche. Pflichtbeteiligung. Rachtsigler 134 Uhr Bhf. Rahnsdorf, sh-milienangehörige treffen sich Horns Kurhaus. 10 Minuten vom Bhf. Rahnsdorf. Reinickendorf.West: Besichtigung de» Kentralflnghafens Tempelhof, unter Mhrung des„Sturmvogel". Drei fireiflllge werden unter den aktiven Kameraden verlost. Treffen mit Angehörigen um 134 Uhr im Verkehrslokal. Gäste willkommen. N SozjalistischeArbetterjugendGr.-Verlm Einsendungen für dies« Bubrtl nur an da« Zugendsekretartat Verlin GW 08. TMdensiraöe 9 Abteilungsleiter! Karten vom Mercedes-Palast, Plaketten und ssackeln mllssen umgehend abgerechnet werden. Sorgt dafilr, daß die roten Fahne» und Transparente, die dem Sekretariat gehören, umgehend zurückgegeben werden. Lichtbilder vom Iugendtag liegen zur Einsicht und Bestellung im Jugend- fekretariat aus. Preis 2Z Pfennig.„.. Achtung, Genosieal Am Sonntag ist im Schillerpark ein Brotbeutel ge- funden worden. Der Brotbeutel ist im Iugendfekretariat abzuholen. heute. Freitag. 20. September. 13� Uhr: Schöueberg l: Heim Hauptstr. 13. Vortrag:„Arbeitslosenversicherung".— Wedbiug: Aeltere Gruppe, Schule Lütticher Str. 4. Vortrag:„Sozialistische Außenpolitik".— Stralauer Viertel: Seim Goßlerstr. 61. Vortrag:„Sexuelle Fragen II".— Friedrichshai»: Heim Diestelmenerstr. 3—6. Vortrags„Geschichte der SAI."— Moabit 1: Heim Waldenserstr. 20-23. Vortrag:„Der KonNikt zwischen Rußland und Ehina".— Baumschul-uw«: Heim Ernftstr. 16. Bor» trag:„Die Kommunalwohlen".- Falkplah II: Schule Sonnenburger Str. 20. Vortrag:„Arbeiterdichter".— Weißenlee: Heim Parkstr. 36. Vortrag:„Partei. Staat und Wehrsrage".— Hansa: Heim Bochumer Str. 8d. Vortrag:„Unsere Bücher".— Moabit II: Heim Lehrter Str. 18—19. Zimmer 1. Vortrag:„Unser 23i ährige« Bestehen" Aruswalbee Plaß: Heim Raste nburger Eck« Wehlouer Straße. Bortrag:„Der rulsiseh-chinesische KonNikt".— Huniaunplaft: Heim Scherenbergstr. 4. Vortrag:„Religiöser Sozialismus".— Nordost: Heim Dan- ziger Str. 62, Baracke 3. Vortrag:„Unsere Kinderfreund«". Bericht vom Feld» lager.— Wörther Blaß: Heim Kastanienallee 82. Politisch-satirischer Abend.— Budreasplaß: Heim Brommnstr. 1. Vortrag: J25 ftahre SAI."— Warschauer Viertel: Heim Litauer Str. 40. Vortrag:„Zehn Jahre Reichsverfassung".—, Schönebeg IV(Rote Falken): Heim Hauptstr. 15. Aufklärungsvortrag III.— i Charlotten bürg Süd: Heim Senbelstr. 2. Vortrag.— Dahlem(Rote Falken); Nordschule, Potsdamer Str. 5—6. Werbeabend:„Wir sind das Bauvolk".—> Mariendorf: Heim Dorfftr, 7. Diskussion:„Alkohol und Nikotin".— Treptow: Heim Elsenstr. 3. Vortrog:„Die Ziele der Parteien".— Brig II: Schule, Baracken(Siedlung).„Humoristisches." Werbebezirt Neuköllu: Heute Funktionärsißung im Heim Kanner Straße. Beginn 194 Uhr.Nachwahlen. Vortrag Uber Rote Falken und Kinderfreunde» gruppen. Werbebezirt Weddiag: Aelterengruppe. Gerichtstr. 12— 13. Thema:„Sozia- listilche Außenpolitik". Kölluischer Park: Wir seiern Geburtstag! Anfang 194 Uhr. Annen- stroße 1, Aula. Unkoftenbeitrag 23 Pf. Aus dem Programm: Fahnen» weihe. Theaterstück:„Erwachen", Rezitation, Volkstanz, Film. Alle Partei-, Jugend- und Äindcrfreundegenossen sind eingeladen. Wcrbebezirk Westen: An Stelle der Mitgliederversammlung am 21. Sep. teinber, wegen Verhinderung des Referenten, Genosse Erich Ollenhauer, findet eine Funktionärkonferenz des Werbebezirk, im Jugendheim Rosinenstraße um 194 Uhr statt. Thema:„Unser Iugendtag am 28. und 29. September 1929 in Nauen". Das Erscheinen oller Funktionäre ist Pflicht. Dachsteiufahrer! Gruppe Arnold. Wir trefsen uns am Sonnabönd. 18 Uhr. am Görlißer Bahnhof, zur Fahrt in die Dubrow. �Unmnwv&mi Kurz- Opern �ind dos Neueste 10.000.- M. Bedingungen Im Septemberheft der illustrierten Monatsschrift»Die Stimme seines Hern», mft der Sonderbeilege:»Klassische und moderne Orchester-Werke». Dieses Heft Ist au haben In allen offiziellen Verkaufsstellen, kenntlich durch nebenstehende Schutzmarken. ie Stimme. seines Herrn.. .Gramola- lastcumervie. sindunerrciclit! ID"EZUT*SCH E GRAMM O PHON-AKTI EN G EG ELL6CHA F"!" 8eh.tzm«rk«»r du Auiud Elnpatt�� Schutimarkes' Grammophon-Spezialhaus G. IN. BERLIN> Frledrlehstr. 189. Kurfurstendamm 24 b. H. Steglitz, Schloßstr. 25 Freitag, 20. 9. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 1% 20 Uhr Andrä Chenier Staats-Oper Am Pl.d.Republ. Vorst 49 20 Uhr Freitag, 20. 9. staut Oper Bismarckstr Turnus IV 19 Uhr Tristan n. Isolde StaatLSdiaDspb. in 6mdannenmarkt A.-V. 174 20 Uhr Staatl.Sehilier-Theater.Charitii. 20 Uhr 3X2= 5 sjäR Till. 2 S nl S'/, Itr Baibaresu CES lettre eeeee Prelle: Veekeiti|i b Uhr M Pf. Iis 3 Hart Till, l'/a«■ tuet, b lir 1 1i» I Sir» Orlvinnl- Rn. teilt vsw. Rose- Thealer. Grote Fraakiorter Str. IS3. Bestellkasse: Alexander 3422 Täglich 8.15 Uhr: Die Weber Schauspiel in 3 Akten von Gerharl Hauptmann Regle: Paul Rose 4' ecken Sonnabend 3.90 Uhr nd jeden Sonntag 2J0 Uhr Schneewittchen 8r. Aüsstattungsmärchen Gustav Härtung Renaissance-Theater lieber SO Mal: 73U Uhr Die hellige Flamme n I _ v.W.S.Maugham. Regie; Oust. Hartunf_ Steioplalr C 1. 0901 1 2303/14, Hirdenbergetr. b 1 Winker ★ Garten* 8 nur» 2«Hl. 2810» sondien crHBbt Da|tn Uli und»eitere Variell-Reiiheltm SonufeMd u. lanntsg Ja 2 Verstellungea 3» und tt Uhr. i" kleine Preise. CASINO-THEATER Lothringer Strafe 97. Täglich»Vck Uhr Oer neue Erottnungs- Schlager Wem neliört mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Personen Pauteuil nur 1.2S M-, Sessel 1.75 Sonstige Preise: Parkett u. Rang 080 M. GROSSES SCHAUSPIELHAUS tigl. 8 Uhr ÄVWMtl-r« Regie: ERIK CHARELL eoMBl-AntsUttinig: Prot. Brust Stirn. R«lchshallen-Theater_ Abende[TJ Sonntag nachm. j�aj Das Fest-Prooramm der Slcdiner Sänöer nur noch bis 30. September. Nachmittags halbe Preise. Billettbest Zentrum 112 63 OönHoff» drettl: Varletö— Tanz Falkner- Orchester. TolluotUine llnitir iBBIIovplali Tlgtlch 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Bflchner Regle: Karl Heinz Martin StaatlStbiller-Tb. 8 Uhr 2*2= 5 Staatsaper an Plati Oer DopaDllk 8 Uhr Cardillac Plsealor- BOhne S'/i Uhr DerKaufmann von Berlin Vorverkauf auch im Pavillon der Reinhard tbühnen, Kurfürstendamm, Ecke UhlandstraBe Bismarck 448/449 OeotsdiK Theatßf D.I. Norden 12310 8U, Ende gegen II Die Fiedermans Musik v.Joh. Strauß Regie: Max Reinhardt. Dirigent E. W. Korngold. Ausstatte. L. Kainer Der große deutsche Sensationsfilm Die Todesfahrt iiiiiuiiiimniiiiiinniniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiniiniiiinniiiiiiiiiiiiiiiiiniiniiiiiinimiiiiii im Weltrekord Regie: Curt Blachnitzky In den Hauptrollen: Ciaire Pommer Salto King Bernh. Goetzke, Gerhard Dammann Valery Boothby, Carl Auen Uraufführung ab heute Colosseum Schönhauser Allee 123 Kammerspiele D.I. Norden 12310 8V1, Ende gegen 101;» Der Doviderstebliehe Komödie von Göraldy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens Auf der Bühne: Die große spanische Revue MAYA APGAR vom Kgl. Opernhaus Barcelona in ihren orig. spanischen Gesängen und Tänzen betitelt:„Die psy- chotechnische Sprachmethode" (431. Auflage). Es wird an Hand von Beispielen gezeigt, wie: der Votabelschatz einer fremden Sprache ohne Auswendiglernen erworben u. das Studium d. Grammatik durch Psycho-Auto- matisierung ersetzt werden kann. Wer schnell u. mühelos in vollendeter Geläufigkeit Englisch, Französisch usw. meistern möchte, erhält das aktuelle und lehrreiche Buch umsonst und portofrei Obersandt vom: Verlag für zeitgem. Sprachmethodik, München A 12, Ba- variaring 10. Es genügt Angabe von Adresse und der Sprache, für die man sich in erster Linie interessiert. Bamowsky-BOliiieii Theater In öer Kiniggritzer 3 trade 8Vi Uhr Hannibalante portas Komödienhaua Täglich Uhr Lustspiel von Julius Berstl Planeiartam — am Zoo— Virliaq. Joadiimsftialer StraB« B.5 Barbarossa 5573 16V« Uhr Herbst- abende am Sternenhimmel 18V« Uhr Bit an die Grenzen der Welt 20V« Uhr Rätsel des Sternenlichtes Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk� Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene SO Pf. Kinder 2.s Pf. Oeotsdier Metallarbeiter-VeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser kriedrirti Baltzer geb. 29. März 1883, am 18. September gestorben ist. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 2 1. September, 13»/, Uhr, im Krematorium Baumschutenweg statt. Am 17. September starb unser Kollege, der Emaillierer kräirc Stachowitz geb. 9. März 1887. Die Einäscherung findet am Mon- tag, dem 23. Eevtemder, 17 Uhr, im Krematorium Gerichtstratze statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet vi« Oelsacenoltang. Anfangszeit: Freitag 680, Sonnabends80, Sonntag-*00 Die Komödie J 1 Bismck. 2414/7516 8-/. Uhr Ende geg. 10>b Uhr Kolporlade Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Metropol-Tli. Tägl. 8'/« Uhr nariella Uoslk t. Oskar Straas KAthe Dorsch Michael Bohnen Ideal, fl. Westens Täglich S'h Uhr Sonnab u. Sonntag 4 und 8>/. Uhr Der Welt erfolg Friederike Musik von Franz Lchar »«t(MM BMI I gut und billig T Nur eross-Bariio AJoxandorplatx TüMi.aaiKoiiä.Tor Kottbusser Str. 6 P Tigl 8 Uhr gl auch Sonnt. Ufr nachm. 3 U. ift Eiile- Ifsaimer Das SeplRRilier-ädUagtr Fra|nm� Lessing-Tbeater Norden 10846 Grnppe junger Schauspieler Täglich 8V« Uhr cyankali I 218 von Frieürlffi Voll Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich Si/e Uhr Alt- Berlin mit Max Adalbert ais Manie Trianoii-TlLM|Sr Täglich 8V« Uhr Dcrgr.LMtsplelcnoia Das kommt doch alle Tage vor Johannes Riemann, Vilmav.Aknay, Max Lands, Lotte Kllnder Sonnab. u. Sonntag nachm. 4 Uhr ischenbrödel Lustspielbans Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8V« Uhr Grand Botel Lustspiel von Paul Frank Direktion Dr. Robert Kfeln Deutsches Unstler- Thealer Barbarossa 3937 Täglich 8-/4 Uhr Die andere Seite von R C Sherriff Regie: HeinzHilpen Bitllner Tieater Dönhoff 170 Täglich 8-/4 Uhr Zwei toatten von Georg Kaiser Musik; Mischa Spoliansky Regie; Forster Larrinaga Bäumchen, Bäumchen rüttle dich Wirf schöne Kleider üner mich Ne Schachtel„Lebewohl"* dazu Dann hat mein Hühnerauge Ruh. *) Gemeint Ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten mpfohlene Hühneraugen- Lebewohl und Lebewohl- Ballenschelben, Blechdose(8 Pflaster) 73 Pfg., Lebewohl» Fußbad gegen empflndJiche Füße und Fußschweiß, Schachtel(2 Bäder) 50 Pfg., erstältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewohl In Blechdosen und weisen andere, angeblich„ebenso gute" Mittel zurück. r W MW TELEFUNKEN-MATINEE rm GROSSEN SCHAUSPIELHAUS 3. Matinee am 22. September TRUDE LIESKE:: PAUL GRAETZ FRED BIRD-ORCHESTER Vorverkauf Bote& Bock, Wertheim und Großes Schauspielhaus � EINTRITTSKARTEN VON 0,50 BIS 1,50 R/W.