BERLIN Zreitag 20. September 1929 10 Pf. Nr. 442 B 220 46. Lahrgang. erscheiattSgltch avter Sonntag«. Zugleich Zldendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben Sä Pf. pro Woche. S.so M. pro Monat. Redaktion und Erpedition; Berlin SW SS. kindenSr.s tt|e<«(n»rci<:£{( einspaltige Nonparewezeil« 80 Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. ofischeckkoot«: Vorwärts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr.«7SZS. Fernsprecher: Dknbvff SSS bis 29? Diktatur in Litauen. Die klerikale Opposition im Aufstieg. K d tu n o 20. September. sLst-Expreß.) Ter Rücktritt Woldemaras' hat aufs äußerste über» rasch t. Gerüchte über die Schwächung seiner Stellung waren so oft in Umlauf gekommen, daß man ihnen nicht mehr glaubte und sie nur noch als Manöver der Oppost- tion ansah. Schon seit längerer Zeit bestanden Tifferen- zen zwischen der Regierung und der Regierungspartei (Tautininkai). sie waren in der Hauptsache auf das selbstherrliche Auftreten Woldemaras' zurück- zuführen, der keine ebenbürtige Persönlichkeit neben sich dulden wollte und sich nur mit gehorsamen Werk- zeugen zu umgeben suchte. Es gelang ihm auch, bisher alle Persönlichkeiten, die seiner unumschränkten Macht gefährlich werden konnten, aus dem Kabinett und der Armee zu entfernen; Neuerdings wollte er auch de» Innenminister M u st e i» k i s aus dem Kabinett ausschalte«. Während Wolde- maras für die strenge Aufrechterhaltung der Diktatur eintrat, strebte ein Teil der Regierungs- Partei nach einer Aussöhnung mit der klerikalen Opposition. AlS Vertreter dieser gemäßigten Richtung der Regierungspartei gilt auch der Staatspräsident S m c t o n a, der infolgedessen mit Woldemaras wieder- holt Meinungsverschiedenheiten gehabt hat. Daß Tub» j a l i s, der ebenfalls einer Verständigung mit den Klerikale« nicht abgeneigt ist, zu Woldemaras' Nach- folger ausersehen ist, scheint für einen Kurswechsel auch in dieser Richtung zn sprechen. Die Klerikalen begrüßen den Rücktritt des Ministerpräsidenten mit Genugtuung,' da e r als Haupthindernis für eine Verständigung zwischen der Regierungspartei und den Klerikalen galt. Der klerikale „Rytas" formuliert folgende Bedingungen für die Zusammenarbeit der Parteien: Wiederherstellung der Gesetzlichkeit und der verfassungsmäßig gewährleisteten politischen Freiheit. Demokratie und Verständigung auf Grund eines Kompromisses. Die bereits geschehenen Ereignisse bedeuten ja schon einen Abbau der Diktatur bis zu einem gewissen Grade. Es läßt sich noch nicht absehen, wie weit die Regierung auf diesem Wege gehen will und wieviel von den Bedingungen der Klerikalen Aussicht aus Erfüllung hat. Die starke linksoppositionelle Partei der V o l k s s o z i a l i st« n hat bisher nicht Stellung ge- nommen.__ Halsmann-prozeß vertagt. Das vorliegende Fakultätsgutachten überholt. � Innsbruck, 20. September. Die weiteren Verhandlungen im Halsmann-Prozeß sind heute überraschend aus unbestimmte Zelt vertagt worden. Der ver- »eidiger. Rechtsanwalt Dr. Mahler. hatte den Antrag gestellt, da» vorliegende Zatultätsgutachten nicht zuzulassen, da es durch ver. schiedene im Dause de» Prozesses zutage getreten« Momente Über- hol» sei. ver Staatsanwalt stellte den Zusahantrag, der Fakultät Gelegenheit zu geben, neuerdings zu den neuen BeweismomeMen Stellung zu nehmen und eventuell ein neue» Gutachten auszu- arbeiten. Räch zweistündiger Beratung verkündete der Vorsitzende. Dr Ziegler. den Beschluß des Gerichts, dem Antrag de» Staat». anwalts stattzugeben und die Verhandlung auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Der Angeklagte bat. ihn nicht weiter zu quälen und einen Ausweg au» dieser Situation zu suchen. Die«echtsanwätte schlugen Im verein mit dem Staatsanwalt Kompromisse vor. Da» Gericht war jedoch durch die Strafprozeßordnung gebunden und konnte seinen Beschluß nicht umwerfen. Rumänisches Gtudentenvergnügen. In P u t n a in dewBukowina kam es bei der Abschlußtagung der christlichen Saudenten tzu schweren Judenverfolgungen. Mehrere hundert Studenten oerprügelten die im Schnellzug Ezer- nowitz— Bukarest besindlichen Juden und zerrissen deren Fahrkarten. Ein rumänischer Professor, der den Studenten entgegentrat, wurde verprügelt. Das Zugpersonal soll den Studen- ßen gegenüber vollständig machtlos gewesen sein. Bombenhauptmann Nickels. Das Früchichen von der„Apo". Aus Oberschlesien wird uns geschrieben: Der wegen Beteiligung an der Bombenlegerei verhastet« Nickels ist im Jahre 1921 bei der ob e r s ch l e s i s ch e n Ab- stimmungspolizci eingestellt worden Nach kurzer Zeit wurde er Hauptmann und Führer der Hundertschzst(Karlsruhe O.-Z. Als solcher zeichnete er sich besonders durch leichtsinnigen Lebenswandel aus. Geldverlegenheit, Mangel an guter Kinderstube, drauschgängerisch, stets zu jeder Schandtat bereit, all: Eigenschasten des verrohten Frontsoldaten besitzend, eine typische Nachkriegserscheinung mit ungestillter Aben- t e u c r l u st, die ins bürgerliche Leben kaum noch zurückfindet, das war das Bemerkenswerteste an ihm. Nach Auflösung der Apo ging er ins besetzte Rheinland, nachdem er in Oberschlesien seine golden« Uhr oersetzt chatte, um das Reisegeld aufzubringen. Im Rheinland soll er der Schlag eter-Orgonisation angehört hoben und an deren Taten nicht unbeteiligt gewesen sein. Als man ihm dort auf den Fersen war, kam er wieder nach Oberschlesien und hielt sich bei seinem Onkel, dem Amtsvorsteher und Stphlhelincr Rüge in Halbendorf bei Oppeln, aus. Nachdem er seine' Bekann- a. u p t rn a Chafta-Führer der 2. Hdschft, Polizci-Oberschlesien. ten aus der Apozeit aufgesucht hatte, verschwand er wieder nach dem Westen, getrieben von einem unwider st chlichen Drang nach Erlebnissen. Don besonderem Interesse ist der Abschluß seiner segensreichen Hauptmannszeit in Obcrschlcsicn. Bekanntlich mußte die gesamte Apo bei ihrer Auflösung die Waffen an die Interalliierte Kommflsion abliefern. Nickels arrangierte zwei Tage vor der Auflösung mit seiner Hundertischost ein Abschicdsvcrgnügen mit Tanz. Alles klappte vorzüglich. Als die müden Tänzer in den Morgenstunden ihr« Lagerstätte aufsuchten, mußten sie entdecken, daß die i l l e g a- len Horden, die damals noch die Wälder Oberschlisiens belagvr- ten, sämtliche Waffen und Munition verladen und in Sicherheit gebracht hatten. Warum und wozu— dos dürste nur Herr Nickels wissen. Interessant wäre es festzustellen, w i e Nickels als N i ch t o b e r- s ch l e s i e r in die Absiimmungspolizei als Ossizier eingestellt werden konnte. Aufschluß hierüber könnt« vielleicht sein Busensreund, der frühere Sachbearbeiter bei der Interalliierten Kommission in Oppeln, Oberleutnant K o ß m a l l e, jetzt Hauptmann und Lehrer bei der Polizeischulc in Münster, geben. Koß- malle ist auch rechtsradikal. Die Untersuchung über sein Der- halten bei ben Prügeleien gegen die p o l ni s ch c n Schau. s p i e l e r am 28. April dieses Jahres in Oppeln ist anscheinend noch nicht abgeschlossen!--- Bestraste Klaggenschander. Endlich Flaggenräuber gefaßt und richterlicher Milde ausgeliefert. kiel. 29. September.(Eigenbericht.) Vom Schöffengericht in Kiel sind der Landmannssohn Heuer und der Gärtner Ticdje wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz verurteilt worden. Stach einer Verfügung des Innenministers sind bekanntlich die Badeverwalwn» gen verpflichtet, in den Bädern die deutsche Reichsfahne öffentlich zu zeigen. Auch im Ostseebad Schönberger» strand, in den: sonst die deutsche Reichsfahne sich keiner großm Sympathie erfreut, Hot man notgedrungen einen Flaggenmast aus- stellen müssen, an dem die schwarzrotgoldene Fahne gehißt wurde. Aber der Amtsvorsteher konnte kaum jenian finden, der die Fahne morgens hißte und abends wieder einzog! Der Mann, der sich schließlich dazu bereit fand, wurde von Rechtsradikalen dauernd angepöbelt. Wiederholt ist dann die Reichsfahne heruntergerissen worden, die Flaggenlein« zerschnitten und der Flaggenmast umgeworfen worden. Endlich ist es dann dem Landjäger gelungen, die beiden jetzigen Angeklagten als Täter zu fassen. Sie haben in der Nacht zum 1. Juni d. I. die Reichsslaxge heruntergerissen und einige hundert Meter weiter im Sand ver- graben. Di- Fetzen der Fahne blieben oben am Mast hängen und wurden am Morgen auf Veranlassung des Amtsrichters«inge- zogen. Vor Gericht entschuldigten sich beioe mit Trunkenheit. Das ist die übliche Taktik der Rechtsradikalen. Das Schöffengericht ver- urteilte beide wegen B-schimpfling der Reichsfahne auf Grund des § 8 des Republikschutzgesetzes zu je zwei Wochen Gefängnis. Di- Strafe wurde umgewandelt in ein« Geld st rase von 159 M.l Beim Verlassen des Gerichtsgebäudes hörte man Schönberger' Einwohner, die sehr zahlreich der Versammlung b-igewohnt hatten, sage«:„Dat is so noch rech got gohn!" S o viel Milde Hot man mischeinend der republikanischen Justiz gar nicht zugetraut. Katastrophe im Nachtlokal. 25 Personen getötet, 50 verletzt. Detroit(USA). 20. September. Zu einer fürchterlichen Katastrophe kam es hier beim Brand des Rochtlokal» Study Club. 25 Personen wurden ge- tötet und 50 verwundet, das Gebäude brannte vollständig au». Die hohe Zahl der Opfer erklärt sich einmal daraus, daß der Brand im Keller ausbrach und so den Gästen der oberen Stockwerke sehr rasch der Ausgang verlegt war. Das Feuer hotte schon einen beträchtlichen Umfang angenommen, bevor jemand im Haus die Gr- fahr bemerkte. Die Feuerwehr wurde infolgedessen erst alarmiert. at» zufällig ein Polizist von der Straße aus die Flammen ausschlagen sah. Unter den Gästen kam es zu einer Panik, die sich noch dadurch verschlimmerte, daß aus dem zweiten Stock nur eine enge Treppe nach unten führte. Als der Rauch immer dichter wurde, sprangen die Gäste aus den Fenstern aus die Straße hinab. Unter den ins Hospital eingelieferten Schwerverletzten be- finden sich viele, denen die Kleider am Leib verbrannt sind. Ein weiteres Telegramm aus Detroit meldet: Bei der Brandkatostrophe in dem Nachtlokal Study Club hat, soweit es sich bis jetzt übersehen läßt, anscheinend die Panik schlimmer gewütet als der Brand. Aus unaufgeklärten Gründe;: hat sich ein großer Teil der Besucher, statt sich einen Weg ins Freie zu suchen, in die Toilettenräume geflüchtet. Als die Feuerwehr sich den Zugang erkämpft hatte, fand sie die engen Räume gepfropft voll von Menschen, die dos Bewußtsein verloren hatten. An dieser einzigen Stelle wurden allein 25 Opfer ge- borgen.___ ' Ekkis Modesorgen. Wohin schickt man bloß diese Lvnartscharstaja. Paris. 29. Septembcr.(Eigenbericht.) Der„Quotidien* verzeichnet das Gerücht, daß der ehemalige Volkskommissar Lunartscharski zum Botschafter in Paris-r- nannt werden könnte, wenn Dowgalewski nach London gehe. Di- Gattin Lunartscharskis, erklärt das Blatt ironisch, könne in Paris init ihrer Eleganz, hie den Moskauern unliebsam sei, als wir'- sames Propagandamittel verwendet werden. Frumkins Absehung. Moskau, 29. September.(Ost-Expreß.) � Di« Entfernung Frumkins von dem Posten als stell-ver- tretender Finonzkommissar wurde schon seit einiger Zeit als unausbleiblich erwartet. Frumkin war bekannt als einer der ZZorkämpstr der Rechtsopposition. Er kritisiert« im engeren Kreij« die Wirtschaftspolitik der Somjetregierutig und opponierte gegen die von der Rechtsopposition als überstürzt onge- sehenen Industriaiisierungspläne. Die Gesinnung Frumkin» blieb nicht verborgen, besonders nachdem er in einem Brief an das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei seiue» Tadel der Agrarpolitik der Somjetreglerung sehr deutlichen Ausdruck verliehen hatte. li-r ganz« Text dieses Schreibens ist zwar nie bekanntgegeben worden, wohl aber wurden einzelne Stellen von der Sowjetpresie zum Zweck der Polemik veröffentlicht. Frumkins Stellung wurde unhaltbar und es tauchten schon Gerüchte derart auf, doh die von der Smvjetregierung bekämpften Kulaken in Frumkin „ihren Mann� erblickten. Die nunmehr erfolgte Amtsenthelnrng itwT nur«in« Frage der Zeit- Sittliches Pathos... ... und sehr bedenkliches Deutsch l Der La ndtagsabg« ordnet« Ja c ob y- R a s so u f(Z.) lenkt ourch folgende.�kleine Anfrage* die öffentliche Ansmerksawkeit ai»f sich: Auf der Insel N a>m edy bei Andernacham Rhein ■ind 2000 Kinder untergebracht unter der Leitung des Herrn Dr. Löwen st ein. Die Kinder beiderlei Geschlechts im Mter bis 14 Jahren : n d älter wohnen, schlafen und baden zusammen. Mit roten .fsahnen, singend:„Wir brauchen keinen Gott*, ziehen dieselben . umher. Diese Unterkunft und das Verhalten haben bei der rheinischen Bevölkerung groß« Entrüstung hervorgerufen und lehnt dies« Art Kultur ab, welche besser nach Moskau als am Rhein pafft. Di« rheinische Bevölkerung hält �est an der christlichen Kultur und legt Wert darauf, daff mch ihre Jugend von dieser(!) Kulturart verschont ' l e i b t.(!!) T r o k.d e m Dr. Löwenstein nach. Pressenachrichten r klärt haben fall, in Berlin fei es noch viel schlimmer. Auch soll ''efe Kinderrepublik vom Staat und Reich Zuschüsse erhakten oben. Ich frage: Was gedenkt denn das Staatsministerium zu tun, um diese Uhstände für nächstens abstellen zu lassen? Ein anderer Abgeordneter soll daraufhin ein« Anfrage an die Regierung gerichtet haben, ob die Schulverhältnisse am Rhein sich ieit der Schülerzeit des Abg. Jacoby-Raffauf gebessert hätten? 3ünfSBig$ahre 3tei chsgeri cht Seltsame Begrüßung. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung* widmet der Düsseldorfer Tagung de, Reichsoerbandes der Deutschen Industrie eine Be- griiffungsbeilage, die quer über das ganze Blatt die Uebrtschrift trägt: Schluß mit der Zerstörung der Wirtschaft! Zehn Zahre Reichsverband der Deutschen Industrie. Das scheint uns doch das Unfreundlichste zu. sein, was seit langer Zeit über den Rcichsverband der Deutschen Industrie gesagt worden ist! Gewerkschaftskongreß in Krankreich. Sozialpolitische Forderungen. Paris, 20. September.(Eigenbericht.) Der Kongreß des sozialistischen Gewerkschaslsdundes(EGT.) »ahm am Donnerstag eine Entschließung an, in der die vollständig» und loyale Inkraftsetzung des im Frühjahr vom Parlament genehmigten neuen Soziatgesetzen verlangt wird. In einer anderen Entschließung wurde die Neuorganisa- tion des Krankentassenwesens nach den modernen Gesichtspunkten der Selbstverwaltung verlangt. Ein« dritte Eni- schließung fordert die sofortig« Erledigung des schon seit längerer Zeit dem Parlament vorliegenden Gesetzes über die Arbeits- f» r i« n, die den Arbeitern eben so wie den Angestellten und Be- omten gewährt werden müßten. Gleichzeitig wird verlangt, daß diejenigen Unternehmer, die nur Saisonarbeiter beschäftigen, eine entsprechend« Abfindung in eine besonder« Kasse zahlen. Der Streit um die Musiktantiemen. Der in der Oessentlichkeit viel besprochene Meistbegünstigungz- oertrog zwischen Reichskortell der Musikveranstalter und Genossen- kchoft Deutscher Tonsetzer, der der Vereinheitlichung de» musikalischen Aussührungsjchutzes dienen soll, war von der Gema in einem Prozeß angefochten worden, mit dem Antrage, diesen Bertrag als nichtig zu erklären und d«r Gema einen Schadenersatz, den sie vorläustg mit 200 000 Mark bemessen hatte, zuzusprechen.> Di« Gema hatte behauptet, die Tendenz dieses Meistbegünstigungsoertrages bedeute den wirtschaftlichen Ruin der Gema und der mit Ihr verbündeten österreichischen Autorengesellschaft. Diese Klage ist von der Urheberrechtskammer des Landgericht» 1 (Landgerichtsdirektor Weigert) im ersten Termin kostenpflichtig ab- gewiesen worden. Soeben geht vom Kammergericht die Nachricht ein, daß dieses Urteil rechtskräftig geworden ist. Damit ist die Rechtsgültigkest des Meistbegünstigungsvertrages, der für die Aus- gestaltung de» Tantiemerechtes von gnindleaend-'!' Bedeutung ist, anerkannt worden. Das Drama von Olmütz. Oer nun Erschlagene hatte sein Kind fahrlässig getötet. Prag. 20. September. Zu dem ausseheNerr«genden Totschlag auf dem Hofe des Olmützer Gefängnisses berichtet ein Lokalblatt: Der 32jährige Norbert Böhm aus Steiermark und die 25jährige Grete Steindl au» Tirol, die beim Photogrophieren des Bahnhofs Mährisch-Neu- stadt und ohne Pässe angetroffen und oerhastet wurden, hatten einige Zechprellereien oerübt. Nachdem das Paar ins Gefängnis eingeliefert worden war, kam«in Auslieferungsbsgehren der österreichischen Behörden mit dem Ersuchen, Böhm, der in Graz wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt worden war, zu übergeben. Böhm hatte durch unvorsichtiges Fallenlassen eines Wassertruges«in Kind, das ihm die Steindl geboren hatte, getötet. Die Untersuchung wegen Spionage gestaltete sich überaus schleppend. Die Akten Böhm- steindl" wanderten monatelang von einem Amt zum anderen, und so mußte das Payr die unverhältnisiiiäßig lang« Untersuchungshaft erdulden. Gegen den Fleischergehilfen Rudolf, der den Böhm erschlag«» hat, wurde das Strafverfahren eingeleitet. Am 1. Oktober 1929 feiert da» Xcichtgeridil in Xeipsig fein 30 jährige» Jubiläum, Unter 3Hld neigt die fieben Präsidenten des Xeidtsgerichl» im Xaufe Seine* 3Seftehens: Simfon, v. OeMfdiläger, Qulbrod, r. Seckendorf, Ädhrödl, Simon» und— seil April diese« Jahres— 3>r. 3tumke. Beruhigende Wiener Stimmen. Wien, 20. September.(EP.) Nach dsm gestrigen Tage der wilden und unkontrollierbaren Ge- rüchte hat die Beurteilung der innerpolitischen Lage eine Wendung zum Lesseren erfahren. So gibt Dr. Reisch, der Präsident der Notionalbank, in der„Reuen Freien Presse* seinem E r st a u n e n und seiner Entrüstung über die Gerüchtemacherei Ausdruck. Wenn es je zu einem Umsturzversuch kommen sollte, würden sich auch in Oesterreich die bestehenden staatlichen Einrichtungen als ausreichend«rweisen, um jede Gewalttat zum Schei- t«rn zu bringen. Alle Gerüchte von drohenden Bankzusammen- brächen und Gefährdung der Währung entbehrten jeder Grundlage. — Angstoerkäufe von Wertpapieren, deren Kurs dadurch gedrückt wurde, hatte Vizekanzler Schumy im Ausschuß des Nationalrats bedauernd zugegeben. Zu einer anderen bemerkenswerten Kundgebung gestaltete sich ein« Rede des Bürgermeffiers Seih in einer der vielen sozialistischen Massenversammlungen. Seine Ausführungen gipfelten in der Erklärung, daß die Sozialdemokratie zu jeder vernünftigen Verfassungsänderung, die nicht ungleiche Bankpräsident und Bürgermeister. Rechte schasse und zu einer sachgemäßen Prüfung der wirtschaftlichen Gesetzesoorlagen, sowie zur alkgemeinen Abrüstung bereit sei. Das alles müsse sich aber nach dem Gesetz der D e m o k r a t i« vollziehen. Die Arbeiterschaft sei jedoch auch bereit, die Demokratie und ihre Verfassung gegen jede Gewalttat, wie immer sie beschaffen sei, jeden Putsch und Staatsstreich zu verteidigen. Die Schreier blödeln weiter. wie«. 20. September. Die Pressestelle der Selbstschutzverbände schreibt. Verbände, die korporativ beitreten wollen, sollten sich zweckmäßig dem neu- gegründeten Heimatbund und nicht der Heimwehr al» einer reinen Kampsorganisatton anschließen. Der Augenblick erfordere die Der- stärkung des Drucks aller Wirtschaftskreise und der ganzen vaterländisch denkenden Bevölkerung auf die a n t i m a r x i st i s ch e n Parteien, schnell und entschlossen einen grundlegenden Systemwechsel herbeizuführen, um das Volk vor dem Kriegszustand(!) zwischen der bodenständigen Bevölkerung und einer gemalt- tötigen von ooikssremden Führern irregeleiteten marxistischen Minderheit zu befreien. Die Zeit des Organisserens großer Massen in Kampsverbänden sei vorüber, die Zeit des Handelns sei gekommen. Frische Lust iut doch not! Eine Berichtigung und eine Antwort.. wir berichteten am IS. September über gewisse u n- haltbore Zustände in der Zuftizverwaltung. Die Zu st izpresse stelle Verlin sendet uns diese ve- richtignag: „Der in Nr. 433 des„Vorwärts" vom 15. September d. I. erschienene Artikel„Frische Luft tut not!* enthält eine Reihe von Unvichtigkeiten. Angesichts der schweren Angriffe, die in dem Artikel gegen die Verwaltung des Amtsgerichts Mitte erhoben werden. bitte ich um Ausnahme folgender Berichtigung:»Aus die Eni- Justizangeste UterKern au f der Anklagebank Aus dem„Abend" vom 19. März 192%. lassung von Angestellten haben weder Justizsekretäre, noch Justiz- inspektoren im allgemeinen Einfluß, noch m dem besonderen Fall R. Einfluß gehabt. Politische Parteizugehörigketten der Angestellte!! und Beamten sind weder bekannt, noch werden sie in irgendwelcher Hinsicht beachtet. R. ist wegen Abbaus von Kräften entlassen war- den, da er an allen Dienststellen, in denen er beschäftigt wurde, den zu stellenden Anforderungen nicht voll genügte. Im übrigen hat R. ungeachtet des geringfügigen Schuldbetrages es dazu kommen lassen, daß- gegen ihn Haslbefthl zur Erzwingung des Offenbarungseides erging und er in das Schuldnerverzsichnis eingetragen wurde. Der Angestelltenrat ist gehört, Einspruch gegen die Entlassung ist nicht erhoben. Kern ist nicht rechtskräftig verurteilt, vielmehr ist durch Beschluß des Landgerichts II in Berlin das Verfahren gegen ich» gemäß§ 2 Abf. 1, 3 des Reichsgesetzes über die«trajfrejheit vom 14. Juli 1928 eingestellt worden. Da seine dienstlichen Leistun- gen den Durchschnitt überragen, kam deshalb seine Entlassung nicht in Frag«: zur Geholtsentziehung während der Unterfuchungsdauer waren gesetzliche Unterlagen nicht vorhanden." Wir erwidern: Wir danken dem Amtsgericht Mitte für die Belehrung, daß auf die Entkassung von Angestellten weder Justiz- sekretäre noch Justizmspektor«, Einfluß haben. Diese Belehrung war aber unnötig, das wußten wir schon. Daß aber Justizsekretär« und Justizinspektoren aus die Ausfüllung von Führungszeug, nissen Einfluß haben, ist uns gleichfalls bekannt. Auch kennen wir, vielleicht nicht ganz so gut wie das Amtsgericht Mitte, ge- setzliche Bestimmungen. Wir wissen zum Beispiel, daß d.r Offenbarungseid nicht ins Strafregister eingetragen wird. Der Herr Direktor des Amtsgerichts Mitte wird uns darin zu- stimmen, daß über den Offenbarungseid nicht im Reichsstrafgesetz- buch, sondern im Bürgerlichen Gesetzbuch bestimmt wird. Weiter werden die Herren vom Amtsgericht Mitte im zweiten oder dritten Semester gelesen haben, daß im§ 259 BGB. steht:„In Angelegenheiten von geringer Bedeutung besteht eine Berpslichtung zur Leistung des Offenbarungseides nicht* Rund 20 M. sind ge wih von geringer Bedeutung. R..Hot nach der Berichtigung den dienstlichen Ansprüchen nicht genügt. Wir wären dem Amtsgericht Mitte dankbar, wenn< diese Behauptung aktenkundig durch Führungszeugnisse belegte. Herr Kern muß gegenüber Herrn R. ein g a« z b e s o n- ders tüchtiger Beamter sein, ein Mann von hervor- ragender Qualität. Um)s1Z Uht am 16. April 1928 hat ein deutsches Gericht gegen ihn wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zwei Monate Gefängnis verhängt. In der Urteilsbegründung führte der Borsitzende au», daß bei dem Uebersall auf die kommunistische Musikkapell« das ungeheuerlich brutal, vorgehen der Ralionalsozlallsten besonders hätte berücksichtigt werden müssen. Das Amtsgericht Mitte hat voll- kommen recht, wenn es schreibt, daß dies Urteil nicht rechts- kräftig geworden sei: Durch das Amnestiegesetz der Regierung Hermann Müller„gemäß Z 2 Abs. 1, 3 des Reichsgesetze» über die Strasfrecheit vom 14. Juli 1928* hat Herr Kern seinen Knast nicht absitzen müssen. Cr ist deshalb sür eine Beschäftigung in der Zuftizverwaltung anscheinend ganz besonders geeignet. Ein Mann, der auf Grund einer Amnestie ein« Strafe wegen Körperverletzung nicht abzusitzen brauchte, muh bleiben, weil er über besondere dienstliche Fähigkeiten verfügt. Ein Mann, 1er zum Offenbarungseid, einer Handlung, die mit dem Strafgesetzbuch nicht das geringste zu tun hat, geladen wurt>«, fliegt. Leichtfertige Anschuldigungen. Unschuldig der Brandstiftung bezichtigt In einem bürgerlichen Berliner Abendblatt wird in sensationeller Aufmachung von der Unschädlichmachung eines Brandstifters, der in der letzten Zeit in slliffzehn Fällen vorsätzlich Feuer gelegt haben soll, berichtet. Es sollt« sich um den 2Sjährigen Tischler Fritz K. aus Johannisthal handeln, der Mitglied der freiwilligen Ortsfeuerwehr ist. Diese schweren Beschuldigungen haben sich� wie wir inzwischen ermitteln tonnten, als völlig haltlos erwiesen. Richtig an der ganzen Angelegenheit ist lediglich die Tatsache, daß gegen K. der Verdacht ausgesprochen worden war, daß er bei einigen Bränden, die in letzter Zeit in Johannisthal und der näheren Um- gegend ausbrachen, selbst das Feuer angelegt Hobe. K. wurde daraufhin von der Kriminalpolizei f e st g e n o m m e n und von Be- amten de» Branddezernals eingehend verhört. Es stellte sich dabei heraus, daß die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen ganz hinfällig sind. Dem jungen Mann gelang es sogar in mehreren Fällen, sein Alibi einwandfrei zu erbringen. Jedenfalls wurde keine Schuid an ihm gesunden und K. konnte sofort wieder auf sre-ien Fuß ge- setzt werden. Welche Beranlassung man gehabt haben kann, den jungen Mann eines so schweren Verbrechens zu bezichtigen, wird noch festzustellen sein. Eine Aufführung der freigeistig-parodisttschen Revue:.Es werde Licht!* findet heute, Freitag, den 20. September, TVi Uhr, in Reinickendorf, Schützenhaus, Hauptstraße 1, statt. Der Eintritt ist frei. Die Mitglieder des Verbandes für Freidenkertum und Feuei- bestattung in R-inickendors werden gebeten, �ie Veranstaltung zu besuchen. Faschismus! Unter diesem Ruf flüchteten in Rioiera) einige Italiener, nachdem sie einen Faschfft Mannt war, n>« d e r g es» o s s« n Rieder mit dem Cannes(französische Hotelbesitzer, der als yatten._ ..Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Hugenberg als Tinienfisch. Wozu das Volksbegehren dient. Don Wilhelm Nittmann Hugenberg markiert im Reichstag den Schweiger und Schwänzer. Nur einmal hat er im Reichstag eine Rolle gespielt, allerdings auch nur ein« passive. Es lag ein Antrag einer Staatsanwaltschajt aus dem Westen vor, die Genehmigung zur Strasoerfolgung Hilgenbergs zu erteilen, weil er gegen K 296 des Strasgesetzbuchcs gesündigt habe, der da besogt: „Wer zur Nachtzeit, bei Factellicht oder umer Anwendung schädlicher oder explodierender Stosse unberechtigt fischt oder krebst, wird mit Geldstraie oder Gesänonis bis zu 6 Monaten bestraft." Unter Heiterkeit des Hauses wurde Hugenberg vor dem Kadi bewahrt. Aber das Fischen im Dunklen und Trüben scheint Hugenberg im Aute zu liege»! auch in der Politik. Hinter den Kulissen arbeitet«r mit dem Geld«, das er in der Inflation zusammengeramscht, gegen die Republik, den Parlamentarismus und die Linie der deutschen Auhenpolitik. Er möchte eine neueauszen- politische Katastrophe, die«ine neue Inslation im Gefolge ha beb würde. In dieser neuen Inflation würde Hugenberg aufs neue alle» zusommenramschen, was infolge seiner Katastrophenpolitik zusammenbrechen würde. Di« rechtsradikalen Desperados, die mit Gewalt die Republik stürzen wollen, tanzen um das goldene Kalb, dos er ausgerichtet hat. In der deutschnationalen Reichstogsfrattion galt er lange Zeit als der kommende Mann. Als der Bürgerblock in Trümmer ging, schlug Hugenbergs Stunde. Bis dahin hotte es in der deutschnationalen Fraktion ge- heißen:„Der Graf hat befohlen." Nunmehr muhte Graf Westarp Hugenbergs presse. „Tag" und„Lokal> Anzeiger" bringen keinen Bericht über den DRaiffeisen-Ilnlersuchungsaueschuß. Manneswert vor Königsthronen. Oie preußische Hofrangliste »Oies heiße Ziaiffeisen fasse ich nicht an das Kommando an Hugenberg abtreten. Boshafte Leute behaupten, Westarp und seine Freund« hätten Hugenberg selber vor- geschoben, damit er sich schnell abwirtschafte und endlich als ver- meintlicher Retter ausgespielt habe. Hugönberg hat den nationa- listischen Sreisen, die ihn aus den Schild gehoben, auch zunächst große Enttäuschungen bereitet,"denn unter seiner„Führung" blieb bei den Deutschnationalen olles beim alten. Das hat den„großen" Mann offenbar dazu getrieben, in den letzten Monaten den „großen Schlag" vorzubereiten, der ihm die Macht im Staate bringen soll. Mit seinem in der Inflation zusammengeramschten Geld« hat er sich Stahlhelm und Nationalsozialisten hörig gemacht und durch seine Press« eine wüste Hetze gegen Regierung, Parka- ment, Republik und Außenpolitik in Szene gesetzt. Die von seiner» Trabanten betriebene Demagogie hat, besonders in den agrarischen Gebieten, eine Atmosphäre geschassen, der die Bombenottcn- tat« entsprungen find, di» jetzt von der Polizei ausgedeckt wurden. Natürlich wäscht Hugenberg seine Hände in Unschuld. Seine Presse leugnet jede Berbindung mit den Bombenattentätern. Aber es steht bereits fest, daß nicht nur ideell« Zusammenhänge zwischen den Attentaten und der Hugenberg-Propaganda bestehen. Auch Fäden zur Reichswehr scheinen aufgedeckt zu sein. In diesem Zusammenhang gewinnen die Putschdrohun- gen der Heimwehren in Oesterreich erhöht« Bedeutung. Steckt nicht auch hinter ihnen das Geld der Hugenberge? Sollen st« den Auftakt geben zu dem„großen Schlage" Hugenbergs in Deutschland? Glaubt man im Hugenberg-Lager, durch einen Putsch in Oesterreich da» deutsch« Reichsbanner zu provozieren und sich dadurch selbst in eine Abwehrstellung hineinmanöoerieren zu können? In welchem Lichte erscheint in dieser Situation das Hugen- bergsche Volksbegehren gegen den Boung-Plan? Es fällt schwer, die Intelligenz Hugenbergs so niedrig einzuschätzen, daß er mit einem Erfolg dieses„Volksbegehrens" rechnet, ganz ab- gesehen von dessen verunglückter Formulierung. Auch Hugenberg muß wissen, daß er die Stimmenzahl bei der Reichspräsidentenwahl nicht wieder erreichen, geschweige denn um ein halbes Dutzend Mil- lionen Stimmen überbieten kann. Auf«inen positiven Erfolg dieser Aktion kann Hugenberg also nicht rechnen. Welche Absicht wird aber dann mit dem Volksbegehren verfolgt? Will man es lediglich zu einer großangelegten Rechtspropaganda ausnutzen? Wohl kaum. Offenbar soll da» Volksbegehren die Kulisse sein. hinter der Hugenberg seinen„großen Schlag" führen will. Das Volksbegehren als legales Mittel soll die illegalen Bestr«. düngen verhüllen. Hugenberg produziert sich mit dem Volksbegehren als Tintenfisch, der das Wasser trübt, um sich besser zu oerberAen. Offenbar spekuliert er darauf, daß es ihm gelingt, durch skrupellose Demagogie beim Volksbegehren in der politischen Atmosphäre«in» Siedehitze zu erzeugen, die zu einem Chaos führt, in dem er dann»nieder im Trüben fischen kann. Am Sonnabend, dem 2l. September, wollen die österreichischen Heirmoehren chren großen Putsch-„F!lm" abrollen lassen, am gleichen Tag- tritt der Hugenbergsche R-ichsausschuß für das Volksbegehren zusammen. Zufall? Wer glaubt daran? Deshalb heißt es für die deutschen Arbeiter wie für die Reichsrcgierung: Augen auf und beroßt zu energischer Abwehkrl Wenn die Republik, wie am Berfassungstag«, Feste feiert, ernst und würdig, so ist deren Grundgedanke stets das Staätswohl und die aufbauende Volksgemeinschaft, und die Männer, die bei solchen Feiern hervortreten, sind hierzu nicht durch Geburt und Namen, sondern durch ein Führertum berusen, daß sie ihren, dem Urteil des Volkes offen liegenden Toten verdanken.— Das scheint heute allen so selbstverständlich,— wenigstens allen, die sehen wollen und es ehrlich meinen. Abseits aber steht ein Häuflein Grollender, die Schutzgarde des Niewiederkehrenden,„die ihren Kaiser liebt". Seufzend gedenken sie jener Zeit, wo Vorrecht« der Geburt und des Namens, erworben ohne das geringste eigene Verdienst, vollauf genügten, um durch Rang und Stellung haushoch über dos arbeitende Volk hinaus- gehoben zu werden, von dessen Schweiß sie«in üppiges Leben führten. Das war einerseits„gottgewollt", andererseits sehr an- genehm. Und wer gegen den Stachel dieser auf dem System der Arbeitsbienen und Drohnen aufgebauten Staatsordnung leckte, ivar ein„vaterlandsloser Geselle". Was Wunder, daß die heutige Weis- heit dieser Gesellschaftsklasse auf das hinausläuft, was Goethe seinem Minister in der Walpurgisnacht sagen läßt:„Denn freilich, da w i r alles galten, da war die rechte goldene Zeit!" Geburt und Name galten, nicht eigenes Derdienst. Das jing schon beim Fürsten an, den seine Geburt, nicht sein Können, zum Träger der Krone, zum Herrscher machte. Der ost sehr mähige und geistig wenig durchsetzte Persönlichkeftsivert des Monarchen mußt« dann durch äußeren Glanz gehoben werden, um dem Volke die innere Hohlheit des Systems zu oerbergen. Di« Grundlage höfischer Prachlentsoltung war zu ollen monarchischen Zeiten der sogenannt« Hofstaat. Im Gcsolge des Regenten marschierten die Puppen, nur zu dem Zwecke ausgebaut, ihm als Folie zu dienen,— Ordens- brüste auf Beinen: Köpfe sehlten, waren zum mindesten entbehrlich. Statt sich mit bedeutenden Männern zu umgeben und dadurch diese und sich selbst zu ehren, hatten unser« verflossenen Monarchen nur das traditionell« Bestreben, dem„hohen Adel" als den mrmeintlichen besten Stützen des Thrones einträgliche Pfründen an ihren Häfen zu schaffen. Wie ein Dokument aus Byzanz liest sich das„Hof rang- reglement des königlich preußischen Hofes, ge- nehmigt durch Allerhöchste Ka b i n« tt s o rd r« vom 19. Januar 1878". Man oersteht es heute kaum mehr, daß erst elf Jahre dahin sind, seit die Revolution auch diesen tönernen Götzenfuh des Monarchismus zerschlug- Wer«varen denn die „ersten" Männer des preußischen Staates geniäß dieser allerhöchsten Kabinetsordre? Etwa der Kanzler des Deutschen Reiches oder die höchsten Richter im Staat«, oder die Präsidenten der Parlament«? I, bewahre! Der Reichskanzler hatte als solcher überhaupt keinen Rang am preußischen Königshose und al» preußischer Ministerpräsident kam er erst an dritter Stelle. Der erste Mann am Hofe war der Oberstkämmerer! Ihm solgien im Militär- und Obrigkeitstaatc die Generalfeldmarschälle, hinter denen, wie schon gesagt, der preußische Ministerpräsident gehen mußte und dann folgten als weitere erste Stützen des Thrones der Oberst- Marschall, der Obersttruchsetz, der Oberstjchcnk usw.(Wenn du, lieber Leser, dir unter der einträglichen Tätigkeit dieser Inhaber der Oberst- hofämter nichts denken kannst und kein Lexikon hast, so lasse Schiller reden, der in„Kabale und Liebe" einen gewissen Hofmarschall von Kalb literarisch wie solgt ousgehauen hat:„Der Notnagel zu sein, wo die M e n j ch e n sich rar machen: in einem Augenblick sieben- mal lang und siebeimial kurz zu werden; ein Register zu führen über die Stuhlgänge seines Herrn und der Mietgaul seines Witzes zu sein..") An 11. Stelle kommt schon der Vizepräsident des preußischen Staatministeriums und es bedeutet allerhand, daß er den Dortritt vor den aktiven Generalen hat. Manchem Katholiken, der sich noch nicht zu einem ehrlichen Bekenntnis zur Republik durchringen konnte, dürfte die Tatsache nicht uninteressant sein, daß die Erzbischöfe und Bischöfe an 29. bzw. 31. Stelle rangierten. Vor den Vizepräsidenten der beiden Häuser, die an 27. Stell« kommen(die Präsidenten an 14.) gehen noch„die Nachgeborenen der sürstlichen und ehemals reichständischen Familien(19.), falls sie das Kordon eines preußischen Ordens besitzen." Die Generalsuperindenten, denen es so schwer wird, am Geburtstage der Republik zu flaggen und Glocken läuten zu lassen, was sie am kaiserlichen Wiegenseste zu unterlassen nie gewagt hätten, durften schon an 37. Stelle marschieren, kamen aber immer noch vor dem Berliner Oberbürgermeister, der schließlich doch nichts war, als das gewählte Haupt einer Millionenstadt— also weder sürstlicher, noch reichsständischer Nachgeborener noch sonst etwas ähnliches: er hatte Nummer 39. Die Oberhof- und Dom- Prediger kamen an 46. Stelle, würden aber wohl schließlich die Ehr«, ganz hintendrein marschieren zu dürfen, auch noch mit krummen Rücken und erbaulichen Predigten bezahlt haben. Aber die letzten Plätze waren eben vergeben— an wen meinst du wohl, lieber Leser? Ganz zuletzt, um die Schönheit des Bildes nicht ungünstig zu beein- trächtigen, namentlich aber um dem Herrscherblick S. M. nicht unan- genehm auszufallen, kamen an— 58. Stelle die erwählten Vertreter des Volkes, das den ganzen monarchischen Theaterpomp bezahlen durste, die Mitglieder beider Häuser des Landtages; unter ihnen rangierten nur noch Rittmeister und Leutnants, sowie die Herren Kammer- und �ofjagdjunker. Und wer jnm nqch sagt, daß es unter Wilhelm nicht schöner»var, wenn Feste gefeiert wurden, al» jetzt, wo am Berfassungstag der Reichspräsident sogar im schlichten Zipil und Zylinder die Front abschreitet, der hat eben noch nicht erkannt,»velche erhabene Zweck- Mäßigkeit bei höfischem Glanz in einem solchen Hofreglement waltet. A. 8. Kuliusbauten der Gegenwart. Photographien und Entwürfe von Kullusbauten zeigt eine Aus- stellung im Künstlerhaus Bellevucstrohe, veranstaltet vom„K u n st- dienst Dresden". Die entschieden aufs Sachlich-Moderne gerichtet« Tendenz dieser„Arbeitsgemeinschaft" ofsenbart sich mit er- sreulicher Offenheit in der Anordnung der Bildmontag« des rück- blickenden Teils, der unter anschaulichster Gegenüberstellung der Entwicklung von 18 Jahrhunderten und den geradezu lästerlichen Greueln des Kirchenbau«» in den Vereinigten Staaten zu der „Kardinalsrage" kommt:„Ist unserer Zeit die Kraft zu religiöser Gestaltung noch gegeben?" Ein« Frage, die man sich sehr zu Herzen nehmen sollt«; die aufzurollen hier nicht der Platz ist und die diese Ausstellung auf ihrem Gebiet mit einem schüchternen und bedingten Ja beantworten möchte. Denn selbstverständlich ist es der sortschrittiichen(„junktionalisti- fchen") Baukunst noch nscht im entferntesten gelungen, das Problem des modernen Kirchenbaues zu lösen. Das wäre schon aus dem Grunde ausgeschlossen, weil viel zu wenig Aufträg« und Weit- bewerbe zur Bersügung stehen, und aus reiner Freud« an abstrakter Lösung dieser— uns nicht gerade auf den Nägeln breynenden— Frage hat sich nur ein Künstler zu Entwürfen entschlossen. Aber es gibt tatsächlich so ein„theoretisches Projekt einer evangelischen Basilika": Hans Soeder hat es 1925 gei»agt: eine Kirche, die ganz aus horizontal gelagerten Flächen besteht, tubisch wie ein Wohnhaus von Gropius, das Flachdach mit Oberlicht versehen. Es fehlen dem Holzmodell oll« Detailangaben, die eine Beurteilung der Rauinwirkung ermöglichen würden. Unter den ausgeführten Kirchen überwiegen naturgemäß die halben Lösungen, die sich den unvermeidlichen Stilgewohnheiten gotischer oder romanischer Form meist glücklich und geschmackvoll anpassen: die besten von Jost, Büchner, Blattner; eine fast zeitlos« Anmut und Einfachheit in der sehr noblen Kapelle von Schaefser- Heyrothsberge. Den entscheidenden Schritt von der Tradition zu moderner Konstruktion und Raumgefühl tut der ausgezeichnete Dominikus Böhm, dessen umfassend« Be- gabung von der katholischen Kirche geschickt und großzügig In Aktion gesetzt wird. Berlage, der holländisch« Bahnbrecher, wirkt zu nüchtern: M. E l s ä s s« r führt die heutige Sachlichkeit bereite wieder zur Konvention über und dürste am meisten Anklang finden. Etivas fundamental Neues(nicht ohne Einwirkung der in der Entwicklung überall weit voraneilenden Franzosen, namentlich A. G. Perrets) gibt allein der Züricher Ka rl M ose r, ein Architekt von Phantasie und großem Format. Seine(katholische) Antoniuskirche in Basel ist derzeit das überzeugendste Beispiel einer Neuschöpsung des alten Kirchenraumes aus dem Geist der lichtfreudigen, in der Konstruktion grundähnlichen Gegenwart: ein in jeder Beziehung bedeutendes und beispielgebendes Bauu>erk. Dr. Paul F. Schmidt. „Das Schiff der verlorenen Menschen." Ufa-Pavillon. Man glaubt sich in die schlimmsten Zeiten des Schaue rfilms zurückversetzt, wenn man diesen angeblichen Millionenfilm über sich ergehen läßt. Aber.zwischendurch stutzt man: da sind famose.Hell« dunkelwirkungen der Photographie und kraftvoll arrangiert« Massen- szenen. Maurice Tourneur, Manuskriptverfasser und Regisseur in einer Person, hat vor Jahren einen anderen Film ähnlicher Art, „Die Insel der verlorenen Schiff", gestaltet. Der war noch viel phantastischer und romantischer, aber vielleicht gerade deshalb packte er. Die verlorenen Menschen, di« dieses unwahrscheinliche Segel- schiff bevölkern, sind ein« Sammlung ausgesuchter Golgerwögel, die bei der erstbesten Gelegenheit meutern und ihren Kapitän von gleichem Kaliber über Bord werfen. Ihre Hauptbeschäftigung!st daneben, sowohl zu Lande wie zu Waffer. Sausen und wüst« Keilerei. Als sie nun gar noch an Bord ein iveibliches Wesen entdecken, eine aus den Fluten gerettet« amerikanische Millionärstochter, die sich aus purem Uebermut an einem Ozeanflug versucht hat, beginnt ihre Wüst- heit Orgien zu feiern. Doch der rettend« Engel in Gestalt eines jungen Amerikaners schützt die Unschuld, und zur rechten Zeit trifft ein Riefenluxusdampser ein, der das edle Paar an Bord nimmt und dazu den Koch, den einzigen von der Besatzung, her ein Mensch»vor. So unmöglich die Handlung, so wenig ertragreich die Dar- stellung. Fritz K o r t n e r als Kapitän hat kein besseres Los ver- dient, als über Bord geworfen zu»erden. Allein Wladimir S v- koloff als Schiffskoch weiß durch sein« nuancenreiche Miinik zu interessieren. Auf»velchem Tümpel mögen diese Meeresszenen ausgenommen sein? r. Die Bioline und ihre Meister. Kunstabend des Volksbildungsamies Eharlattenburg. Saiteninstrumente, die man als Vorlauser der Violine und der etwas größeren Alt-Violine, der Viola, ansprechen kann, sind schon im Altertum bekannt. Die heutige Form der Violine stammt aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, aus jener Zeit also, in der sich eine Revolution in dem gesamten Musikleben vollzog. Die Musik begann, sich aus den starren Formen der Ueberlieserung zu lösen. Die Instrumente bekamen Eigenart, ihre Ausdrucksmöglichkeiten wurden entdeckt und in Werken für Soloinstrumente verwertet; der Einzel- kunstgesang, ja, selbst die Vorläufer der heutigen Oper, erstanden in diesen Jahrzehnten. Die Violine entwickelte sich rasch zur vollen Höhe— im Bau des Instrumentes wie in der für sie geschriebenen Literatur. Bereits im Anfang des 18. Jahrhunderts ivar dos Instrument so vollkommen, daß unsere heutigen Violinbauer es nicht übertreffen, ja, sogar längst nicht an Klangschönheit erreichen können. Die Violinen der Amati, Guarneri, Stradivari gelten jedem Virtuosen al» köstlichster Besitz. Sie sind durchschnittlich 299 Jahre alt. Seitdem hat sich die Form der Violine nicht mehr verändert. Damit ist die Violine das älteste der heute gebräuchlichen Instm- mente. Professor Schünemann, der Direktor der Staatlichen Hochschule für Musik, schilderte- diese Geschichte der Violine in einem Vortrag„Die Bioline und ihre Meist er", den er im Rahmen eines Kunstabends des Volksbildungsamte» Chorlattenburz im Schillersaal tsielt. Professor Schünemann. der das Thema kurzweilig, leichtverständlich, mit Anekdoten gewürzt, vortrug, führte gleichzeitig in die bedeutendste Literatur für Violine ein, aus der Professor Gustav Havemann einige köstliche Proben spielte. Es verdient besonderen Dank, daß Professor Havemann seine große Kunst in den Dienst dieses Bildungsabends stellt«. Er hatte seine Auswahl so liebevoll getroffen, daß man über die Schönheit der Werke und de» Vortrags den belehrenden Zweck völlig vergas?. Leider war der Sagt nur zur Hälft« gefüllt. Diese»nehr al» wohl- feilen, außerordentlich wertvvllen Kunstabende sollten wirklich eine stärkere Beachtung sinden. ir. Billige Theaterzettel in SowjetrußlaiW. Die teuren Theater. Programme in Zeitschristenform werden im Sowjetstaat, genau w!« bei uns, vom größten Teil des Publikum» als unerwüiftchte De. lastung empfunden. Nunmehr hat der Letter der Moskauer Glawistuftwo(Hauptbehörde für Kunst) Swidersti angeordnet, daß billige Theaicrprograimne zum Verkaufspreise von 6 Kopeken her- zustellen sind, die außer dem Personenoerzeichniz und den Namen der Darsteller ei»« Inhaltsangabe der Stücke und alle notwendigen Erläuterungen entholten muffen. vi« für den Zt. oagesehte Schauspleler-Nachtvorsiell� v»a.ftMntali' (flr die»ohlstchrttkassen der BSHnevigenojsenschaft sind et nicht statt. I Iu XUealec, Lidtispiele usw. GROSSES SCHAUSPIELHUS tägl. 8 Uhr Freitag, 20. 9. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 196 20 Uhr Andrä Chenier Staats-Oper Am Pl.d.Renubl. Vorst 49 20 Uhr M\M Freitag, 20. 9. Stadt. Oper. Bismarckstr Turnus IV 19 Uhr Tristan n. Isolde Staat). SdiaDsph. am fiendannenmarkt A.-V. 174 20 Uhr Staat). Schiller-Theater, Charllb. 20 Uhr 2X2= 5 VolKsbQluie riisater am Sülflwplati Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin Staat). Sdiilier-Di- 8 Uhr 2*2= 5 Siaaisoper an Plau der fiepabilk 8 Uhr Cardülac Piscator- Bühne 8V» Uhr DerKaufmann von Berlin Kleines Tfteat. Merkur 1624 Täglich SV* Uhr Alt- Berlin mit Max Adalbert ais Nante BarBowsky-fiabDea Theater in der Hniggritzar StraBe 8V* Uhr itannibalante portas Aomedianhau* Täglich 8-/- Uhr Scritihys Suppeo Lustspiel von Julius Berstl Vorverkauf auch im Pavillon der Reinhard tbflhnen, Rurfürstendamm, Ecke UhlandstraBe Bismarck 448/449 Oeotsdies Theater D.I. Norden 12310 8Us Ende gegen 11 Die Flederinans Musik v.Joh. StrauB. Max"-681" Dirigent E. W. Korngold. Ausstatte. L. Kainer Ret ic Reinhardt. Kammerspiele D.I. Norden 12 310 SVz.Endegegen lO'h Der Onwiderstehliehe Komödie von Gdraldy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie J 1 Bismck.2414/7516 8V# Uhr Ende geg. lO'A Uhr KolporlaHe Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Netropol-Th. Tägl. 8 V» Uhr Naricffa Mnsih v. Oskar Strans Käthe Dorsch Michael Bohnen Trianon-Th.Mi3r9kr Täglich 8V* Uhr Derar.Laslapielartolg Das kämmt doch alle Tage vor Johannes Riemann, Vilma v. Aknav, Max Landa, Lotte Klindcr Sonnab. u. Sonntag nachm. 4 Uhr iscbenbrBdel Regie: ERIK CHARELL I fidsaml-Aasslatung: Prol. Erast Stern. Rose- Thealer, Grobe FraoldmierSfr. 132. Bestellkasse: Alexander 3422 Täglich 8.15 Uhr: Die Weber Schauspiel in 3 Akten von Gerharl Haaptmann Regie: Paul Rosa Jeden Sonnabend 5.00 Uhr und jeden Sonntag 2J0 Uhr Schneewittchen 8r. 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Sonntag Ja 2 Voratsllongon 3» und 8 Uhr. ä*1 kleine Preise. ICaR Tlgt 2 Tonten. 5 aad«'/:>hr Bat bar uu 9255 Uoiera oeaen Preist; »oedsafap 5 Ubr 50 PI. bis 3 Wart Hg. IVt a Staat 5 CSr 1 tls 5 Wart Griff Inal- Ra.telll nnw. PLAZA Tägl. S u. SIS , Sonnt. 2,S i.8u I Alax. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE Lichterfelder Festsäle Zetalendorf er SiraOc: 5 Ökonom Otfio Sctiillin� Telephon; Lichterfclde G 3 1445 Festdle mit moiiero eiogeriditeteD BöftDen für VoransfallyöBM jeder Irt Hodizeituäle- VereiDszimmer für SO bis 100 Persooeo, T&eat.amKoim.Tor Kottbusser Str. 6 p Tägl. 3 Ubr g\ auch Sonnt. Ji� nachm. 3 U. M kille- |f sanier Das Septamber-Sdilaggf. Prenraaml zur Niete WS0, Ansbachers tr.1 v-v-b-v� Im iBrennpunld �mofy IrV, kv BAHNHOi | FRIEDRICH STRJ Ä wZV-' Wp, KABARETT. eiNTanr fRQ I KABARETT-KAFFEE• TANZ- PAL AST l rcffiiffeier iFRIEDRICHSm. 96 AM BAHNHOF j sputei- Behanfli. ■nrfflr Isdiias in BBtien, Gesan und Bein, wenn enUJistgesteili im 13 Tagen sind sdtvnrn Fllte hesnlflgt«ordnn. 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Harry Liedtke Die 7 Abenicner der Frau Venns Welt-Kino Alt-Moabit 99 Ich lebe Mr Dich m. WHh. Dielerle Ausgewähltes Beiprogramm Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 7 u. 9.15 U, S. ab 3 U. Vorsicht, Mädchenhändler mit SIezak Harold Lloyd's liebe Schwiegermama- Moderne MOlter m l. Rieh. Marlnndorf Titania s�Lserg) Hauputraße 49 Beginn ab 6J0 Uhr Manolescu m. Brigitte Helm u. Iwan Mosjnldn Das ausgezeichnete Beiprogramm W Frlndenau W Friedenauer Lichtspiele Kaiserallee III(hundertelf) Die nngekrAnle Königin mit Corinnc GritlUh BrldihalHgc« Beiprogramm Wllmnrsderf Atrium Beba-Palasl Kaiserallee, Ecke Berliner StraBe Beginn 7, 9.15, Sonntags 5, 7, 9.15 Uhr Uraufführung: Erpressung Bühne: Das bdaardowa-nallel ■««•■iMa■ Titanla-Palast Steglitz, Schloßstr.S. Ecke Gutsmuthsstr. Im Prater bWh'n wieder d. Bäume Auf der Bühne: Lajos Szendy (Parodien am Flügel) > UchfrfbMb-W— t> Mi f i Wochentags 6.30, 9 Uhr m-U Stg.5,7, 9Ü. Stg. 3U..I.-V. Hindenburgdamm 58a BOhnenschao Herzog Hans'l mit W. PUtschan t Ihr großer Flirt W, Südwnztnn> Füm-Paiast Kammersäle Teltower Str. 1— 4 Beginn 6 U. Links der Isar- rechte der Spree Die Beute der Bankräuber Jkf a T S Marlendorfer na-lwl Lichtspiele ChausseestraBe 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Es flOstert die Nacht mit LH Dagorer, Stttwe Polizei mit George Baneroft BOhnenschau Jugendliche haben Zutritt W«Udaw> Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 3.45 Uhr Mntterltehe mit Henny Porten Was eine Fran Im FrOhling tränmt Filmeck Be8inn:W-|;Ä Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Meine Sdiwetier and ich mit Madv Christians, Jack Trevor Gate Bfihncnschaa Luisen-Theater sonnt's6 u. Reichenberger Str. 34 BahnenKhao Der Hand von BackerviDc Böhne: Moablier Bilderbogen Urania-Theater Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 6.45, 8.45 Uhr. Stg. 2.45, 5. 7. 9 Uhr Der Tenielsreporler mit E. Polo V agabnndenllebchcn mit Reg. Oenny BOhncn schan Primus-Palast Hermannplatz Beginn 7, 9,15 ü. Sonnt ab 4.45 U. Mütterliche mit Henny Porten Oazn das gute Beiprogramm Auf der Bühne: 2 Ellemf, Musical-Akt M. n. W. Astra, Billardknnst Elysium(Fiim-p�t) Hasselwerderstraße 17/ Varletäschan Die Arche Noah Kit Dolores Costello Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentags 6 Uhr, Sonntags 3 Uhr Der Krieg im Dnnkel mit Greta Garbo Die Liebe der Sofia Nikolafewna Auf der Bühne: Das sensationelle technische Hörspiel; Nerven Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Männer ohne Berat m. Harry Plel Bühne: L. Werkmeister, Os. Sabo Große B&hnenscfaaa Concordia-Palast Andreasstraße 64 Bahnenschan Es flOsieri die Nacht mit LU Dagover Große Revue: Lehe, liebe, lache Kosmos-Liditspielc Lichtenberg, Lückstraße 70 Männer ohne Bern! mit Harry Fiel Revue: Im siebenten Himmel Grobe BQhnenscfaaa ■ Friadrichsfeld«> Kino Busdi Begs% Alt-Fried richsfeide, 3 Wetterleuchten mit). Barrymore Rlntinüns schwerster Sieg mit C. Horn „Elysium"§ä£lrd Prenzlauer Allee 38 Bühnen schaa Der Hand von Baskervillc Ausstattun?s-Revue: Rand am den Ozean Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205—210 Varlettscha» Männer ohne Bern! m. Harry Plel Revue: Berlin ist richtig f aeinicknncaorf-Ozt D Bürgergarten-Lichisp. Hauptstraße 51 Babnenschan Mutterliebe mit Henny Porten i Beiprogramm Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Manolescn mit Brigitte Helm Revue: Berlin nnter der ZeUlnpc Colosseum Mh„<�hl, Schönhauser Allee 123 W. 6250, So. 5.30, Stg. ab 4 U. Urauffg.:Todesfabrt imWcttrekord mit Clalre Rommers Bühne: Spanische Tänze Elektra-Palast£???e n" gegeben habe! Man sieht, daß es unter den Hohcnzollern auch früher schon Prachtexemplare gegeben hat. Und daß sie Orden aller Art schleppten, war selbstverständlich. Heute müssen sie sich mit dem—„Stahl- helm">Abzeichen begnügen, wozu noch das Hakenkreuz kommt! Unter dem Sozialistengesetz Bruno Schönlanks Roman«Agnes' Berlin ist illuminiert. Der alte Kaiser hält seinen Einzug durch dos Brandenburger Tor und durch die Linden. Er ist von seiner Verwundung genesen. Der Attentäter ist verhaftet. Das bürger- lich« Berlin weiß sich vor Freude nicht zu lassen. Bismarck erlebt einen seiner größten Tage. Denn während das Bürgertum m übersteigertem Patriotismus macht, wirkt sich in der Dunkelheit.und hinter dem Rücken der Jubelnden das Sozialistengesetz aus, das Bismarck nach diesem Attentat geschaffen hat. Dies ist der Austakt von Bruno Schönlanks Roman „Agnes", der im B ll ch e r k r e i s, Vertin, vor kurzem erschienen ist, die dunkle Ztulisse, die man so gern in bürgerlichen Romanen, die dies« Zeit behandeln, übersieht. Die Gründerzeit und der Krach ist beinahe vergessen. Das Bürgertum wagt wieder Atem zu schöpfen. Da treten die Arbeiter mit ihren Forderungen auf den Plan, zerstören ein Gartenlaubenidyll, das eben erst im Entstehen ist. Aber nichts darf die Harmonie der besten oller Welten, d. h. der bürgerlichen stören, deshalb müssen diese Ruhestörer unschädlich genwcht werden. Es ist emer eisernen Staatsroison gleichgültig, ob sie das Glück unzähliger Familien zerstört und ob sie ein Spitzel- wefen heranzieht, das in dieser idealen Ausprägung kaum noch von Rußland erreicht wurde. Tüchtig« Arbeiter müflen plötzlich ihre Stellungen aufgeben, weil sie der Sozialdemokratischen Partei angehören, müssen Berlin Hals über Kopf verlassen, weil sie die Ruh« eines Friedhofes vielleicht stören könnten. Und der Staat verfügt über sehr viel Geld. Wenn man nicht ganz charakterfest ist und vor der drohenden Ausweisung steht, dann schwankt man vielleicht und tritt, mehr der Not gehorchend als dem eigenen Triebe, ins andere Lager über, verrät plötzlich seine Gesinnungsgenossen und wird zu einem sogenannten staatserhaltenden Element, das niemand achtet. Andere geben alles auf, oerlassen Familie und Beruf und bieiben ihrer Gesinnung treu, einer Weltanschauung, die heute zum Siege geführt worden ist. Immer ist es so, daß man die namenlosen Kämpfer oergißt, daß nur die Führer in das Pantheon der Geschichte eingehen. Schönlank erwähnt die Namen der Führer, gestaltet aber das Schicksal der Namenlosen an«inigen hervortretenden Typen. Äleine Maurer, Zimmerleut« oder Bierkutscher entwickeln ganz unpathetisch einen Heldenmut, der sicher ebenso groß ist als der vor Mars la Tour oder Gravelotte, und als Kontrast zu diesen stillen Kämpfern setzt Schänlank in ein paar kurzen, aber plastisch gesehenen Szenen ein selbstzufriedenes, gemästetes Bürger- und Beamtentum, das beim Weißbier seinen Tag beschließt und dos hinter der Maske des Hurrapatriotismus seine wohnsinnig« Angst vor dem vierten Stande verbirgt. Ein paar andere Szenen schildern den Mechanismus der Staats- Maschinerie, das wohldurchdachte Spionagenetz, in dessen Zentrum Bismarck und fein« Kreatur der Berliner Polizeipräsident Madai saß. Hier wird Schönlanks Darstellung durchaus objektiv und fach- lich, hier wird der Lyriker zum kühl beriöhtenden Romancier. Eni- gegengesetzt zu den Feststellungen in sozialistischen Parteigeschichten über den Wydener Kongreß in der Schweiz kommt Schänlank durch Studium der Berliner Polizeiatten zu dem Resultat, daß der Sozialdemokrat Heufclder der Berliner Polizei genaue Berichte über die Vorgänge auf dem Kongreß geliefert hat. Ganz kurz skizziert Schönlank die Spaltung in der Partei, die unzufriedene Hallung von Brauseköpfen gegenüber einer klug abwartenden Parteileitung, die genau wußte, wann ihr Tag kommen würde und die schließlich auch über die radikalen Elemente siegte. Parallelen zur Gegenwart können hier gezogen werden. Revolu- tionen, die mit Bomben und Erschießungen arbeiten, haben meistens keinen langen Bestand. Die Gestaltung dieser Zustände bleibt die Hauptsache. Die Schicksal« der Titelheldin Agnes, eines Proletarier- oder besser Kleinburgermädchens, das sich zur Borkämpferin für die sozialistische Idee entwickelt, treten dagegen in den Hintergrund. Das Verdienst dieses Romans liegt darin, daß er ein Zeitbild gibt, daß er versucht, ein stilles Duldertum dem Gegenwartsmenschen einzuhämmern, daß er m künstlerischer Gestaltung die Erinnerung an das Heldenzeitalter der Partei wach erhält. f.S, rj[ m (24. Fortsetzung.) .„Willst mit mir spaßen, mein Junge? Gibst deinem Gesellen- stück gax schon einen polnischen Namen." Dabei klppfte er Heinrich verschnigt zwinkernd, auf die Schulter.„Gine Vibelhodeg mit Armlehnen. Großartig! Wo man sich nach Feierabend draufsetzc», kann wie puf die Bank vor der Haustür. Hinter sich im Schrank feine Zigarren und einen guten Branntwein, he!" Heinrich mußte lachen.„Bücher werden hineingestellt, doch kein Branntwein." „Ich weiß, ich weiß, mein Junge." „Und der vorspringende Sockel." fuhr Heinrich fort,„ist eine Truhe, in die man Notenblätter und Schreibpapier hineinlegen kann und auf deren Deckel.. „Man sich niederläßt, um in der Bibel zu lesen. Ich höre schon, mein Freund, du oerstehst deine Sache.— Aber natürlich ist dos bloß was für vornehm« Leute. O, was meinst wohl, ich kenne das. Für Grafen und Barone habe ich in der Fremde ge- arbeitet. Sogar auf dem Schloß des Fürsten Bismarck Hab ich «ine Treppenstufe erneuert. Die war von Eichenholz und kein .Hobelstoß durfte zu fühlen sein." Heinrich war sroh, als das Dröhnen der Hobelmaschine des Alten Prahlereien unterbrach. In den darauffolgenden Wochen kamen noch andere Meister, um ihn zu prüfen, sie legten ihr mangelhaftes Fachwissen genau wie der erste an den Tag. Ein Gemisch pon Tag und Nacht herrschte jetzt in Timms Werkstatt, denn tief und grau hing der Himmel über den Dächern. Es war die Leidenszeit der Schwachsichtigen, die verzweiselt zur Lampe griffen, wodurch aber ein Lichtgehräu entstand, das füp ihre schwachen Augen noch unerträglicher wurde. Es war die Jahres? zeit, die den alternden Herbst in den Verruf bringt, er sei grau- sainex als der Winter selber, und in der jeder, der in die Werkstat: trat, ein Weilchen d«n großen Furnierofen streichelte und Hände- reibend oersichert«, das Tischl«rhandwert sei das angenehmste unter der Sonne. Timms Gesellen saßen noch Feierabend um den warmen Ofen und plauderten von ihrer Heimat und ihren Liebschaften. Andere arbeiteten an allerlei Geschenken, durch die sie ihren Neigungen sichtbaren Ausdruck gaben. Im Banne s«iner Gesühle nützte auch Heinrich jede freie Stund«. Wie spielenden Kindern jedes Zeitmaß verloren geht und sie erschrocken aufblicken, wenn ihr Spiel jäh beendet wird, so schloß auch seine Arbeit stets mit einem Bedauern, wegen der so schnell verflogenen Zeit. In einem Zuge hätte er an den Heiden Nähkästchen arbeiten mögen, bis sie blitzsauber vor ihm stünden. Denn das»ine war für Schwester Honnchen bestimmt, die er im Geiste schon voller Freud« ausjubeln hörte und sich von ihr im tollen Tanz herumwirbeln fühlt«. Das andere hatte Freund Wilhelm bestellt. Sein zukünftiger Schwager, der Former Weiß, wollte es der Hedwig zum Weihnächte- aeschenk machen. Mutter Kolbe hatt« im Einverständnis mit dem Freicrsmann die Verlobung endgültig auf den kommenden Fast- nachtstag festgesetzt. Obgleich Wilhelm den Plan mit erkennbarem Bedauern vor- trug, gerieten Heinrichs inneren Gefühl« dennoch in heillofe Ber- wirrung unh stritten mit dem Verstände: ob er angesichts dieses neuen Streiches den Auftrog annehmen dürfe. Um aber s«ine Erregung nicht zu verraten, sagt« er kurzerhand zu, ohne zu wissen, ob«r recht daran tat. Nun freute er sich der Zusage mit jedem Tage mehr. War's doch ein rechtes Zwiesprachehalt«n, dieses einsame Arbeit«n nach Feierabend, bei trübem Lampenlicht. Zuweilen ergriff ihn tiefes Mitleid.— Wie konnte Mutter Kolbe ein solch Spiel treiben? Glaubte sie wirklich, ihrer Tochter Zustimmung erzwingen zu können?—. Eine Mutter mutz doch ihres Kinde» Seele kennen... So unverbrüchlich fest Heinrich an Hedwig glaubte, war er in solchen Stunden doch hin und wieder von bösen Ahnungen gequält, die, weil sie kein« gedankliche Gestalt annahmen, ihm ein Ansporn waren, immer mehr seine Gefühle mit der ihm so U«bgewordenen Arbeit zu verweben. Mild und weich' rundete und glättete«r jede Kant«. Immer noch ein wenig half er den Schattierungen mit dem Säure�tift nach, bis einen die Blumen und Sterne, mit denen das Innere der Kästchen ausgelegt war, grundlos wie wahre Herzensf«nsterchen anschauten. Das ganze glich bald einem schonen Frauengesicht, bei dessen längerer Betrachtung dem Beschauer Lust anwandelt«, es einmal recht fest an sich zu drücken. Lange stand Wilhelm eines Abends vor dem fertigen Geschenk. Als Heinrich den Deckel anhoh und das alabasterweihe Fächerwert mit seinen- in allen Farben strahlenden Hölzern erglänzte, sagt« er bewegt:„Du, da wird Hedwig doch wohl endlich anderen Sinnes werden.. Groß sah Heinrich seinen Freund an, als der nach dem Preise fragte. Fest, als gelte es eine arge Beleidigung abzuwehren, erwiderte er:„Nichts tostet es!" „Nichts? Ich hob's doch für den Former Weiß bestellt! Der ist reich und zahlt gern, was d» forderst." „Ich will aber dessen Geld nicht haben!" „Mag der Weiß selber zusehen, wie er mit dir ins reine kommt." Wilhelm packte das Geschenk vorsichtig ein und ging von dannen. * Endlich war der langersehnte Tag da. Heinrich putzt« mit feinem Haarpinsel jedes Stäubchen aus Winkel und Ecken seines Gesellenstückes, das nun im Magazin stand und dos Herrenzimmer für Herrn Oberamtmann Brauer vervollständigt«. Zuerst standen die drei Prüfunflemeifter ganz benommen davor. Dann unterbrach Schöpke das Schweigen, den Zweck pnd die Vor- züglichkeit dieses Schrein» erklärend. Die Meister beäugten es pon allen Seiten, öffneten und schlössen Türen und Schubladen und suchten ihr« Ai/gen durch Fühlen und Streichen mit den Fingern zu unterstützen. Doch olles war dicht ineinandergefügt und-glatt und sauber bearbeitet, auch Schlösser und Bänder verliefen mit dem Holz in eine Fläche. Nachdem auch Hobel und Sägen auf Schnitt und Gangort g«- prüft worden waren, ging es hinüber zum Ratskeller. Dort saßen die Böttcher, Stellmacher und Drechsler mit ihren Jung- und Alt- gesellen im Innungsstübchen beisammen. Schöpke nahm eine Priese und ließ� die Dose herumgehen. Dann begann er zu berichten. Am Zusammenbau und an der Bc- arb«itung des Gesellenstücks sei nichts zu tadeln, und die Arbeit könne dem jungen Gesellen wie seinem Meister zur höchsten Ehr« gereichen, wäre sie nach altem Handwerksbrauch hergestellt: so ober habe«ine dem Handwerk feindliche Krast mitgewirkt und das Berdienst der beiden sehr geschmälert. Die arideren nickten zustimmend.„Ja die Maschinen." Wonach Meister Preuß ergänzend«insetzte:„Wären Gesimse und Kehlungen mit Meisel, Feil« und Kratzer hergestellt nach üblichem Brauch, dann wär's eine Leistung.— Aber so:— kein Zapfen, kein Schlitz von der Hand geschnitten, kein Loch gestemmt.— Gewiß, ich Hab die Sägen probiert, sie gehen wie in Butter, aber im Grund« kommt's doch darauf an, ob er sie führen kann. Auch Fasen und Schnitt der Hobel— und Stemmeisen ist gut. Doch kinderleicht ist es, das Eisen in eine Lehre festschrauben und diese gegen den von der Maschine getriebenen Schleifstein drücken. Auf Rutscher noch altem Brauch Werkzeug schärfen, so wie es heut, Gott sei Dank, zumeist noch üblich ist, das ist die rechte Grundloge zum tüchtigen Tischler." „Zu klagen keine Ursach, nein! Auch ich nicht," erhob sich zuletzt Meister Winkelmanns dünnes Stimmchen.„Ein Glanz klar wie Wasser. Doch nicht mit weißem Bimsstein vorgeschliffen. sonst mühte hie und da ein Schrämmchey hervorlugen. O nein, mit feinstem Glaspapier um Kork gelegt, so hat er's mit leichter Müh bewältigt. Nicht von der Traufe Schneewosser aufgefangen, mit Blau- und Gelbspohn in Pottasche zusommengekocht unh so das Birkenholzes Flammen in feurige Forben gleich versetzt— ach nein, es ist ein Holz, das überm großen T«ich gewachsen, da hat er gleich drauflos poliert, wie's der Herrgott eb«n schus.K.Mit Schwefel, Kalk und anderen Mitteln bracht ex einen Glanz zustand, wie ich ihn selten sah. Sollt er mit Leinenzeug in Spiritus genetzt das Oel zum Schwinden bringen, ich glaub er brächt'? bei Gott nicht fertig." Stirrirunzelnd nahm Obermeister Baih dos Wort:„So gerecht unh ehrbar auch euer Urteil klingt, jedoch den Freisperuch kann's nicht hindern. Denn nicht auf's Wie kpmmt's an: nach Gesetz und Recht bestimmt Erfolg allein." Laut und vernehmlich verlas er den Gesellenbrief. Einen Taler vierundzwanzig Silbergroschen zählte Heinrich vor dem Lodemeister auf, bevor der ihm unter Handschlag den Freibrief übergab. Freigesprochen!... Endlich frei... Heinrich schritt über den verschneiten Marktplatz. Eigentlich hätte er warten müssen, bis ihn sein Meister verabschiedete, doch im Gefühl des Freisein» kam ihm dies« Anstandsverletzung gar nicht zum Bewußtsein. Lange betrachtete er oben auf her Gesellenstube den Freihrief. Frei?— Er ließ sich auf die Bettkant« nieder.— War es nicht vielmehr ein S ichlossprechen der Alten von den Jungen? Ein Hinauestellen des Jungen ins Leben? Niemand übernimmt noch Verantwortung für sein ferneres Tun, er ganz allein soll abwägen, was Recht und Unrecht ist. ... Gewiß, die gute Mutter sorgte sich im stillen sicherlich noch um ihn, aber offen wagte sie schon lange nichts mehr gegen den Willen des großen Jungen einzuwenden. War ek doch hoch- hinau-gerückt über alle dt« anderen,- denn er konnte etwas, was mit vieler Mühe erlernt werden mußte und sogar Verwunderung erregt«. Und die ganze Nachbarschaft kam am Christfest angelaufen, um Hamichens Nähkästchen zu betrachten. Sogar Meister Fröhlich hatte staunend davorgestanden und die Arbeit als eine Geheim- tunst bezeichnsl. Vater Schwarzbach dachte schon lange nicht mehr daran, sich über das Forlkommen seines Aeltesten Gedanken zu machen. Wer hatte sich um ihn gekümmert? Seit dem dreizehnten Lebensjahre stand er allein in der Welt.— Und der Heinrich hat ein Handwerk gelernt, ist achtzehn Jahre alt und— hat«inen Kopf wie ein Schulmeister. Nein, nein, um den braucht sich niemand sorgen. Diese Gedanken machten den jungen Gesellen heut einsam. Er las den Freibrief noch einmal bedachtsam durch, wobei ihm der Hinweis:„Alle Gewerksgenossen sollen den Gesellen überall nach bestem Können zu seinem Fortkommen verhelfen," Trost gab. So fühlte er sich longsam hinein in die Zukunft. Der Anblick der untersten Verzierung des Freibriefes gab seinem Gedanken eine neue Wendung. Da war ein romantisäies Berggelände zu sehen, auf dessen gewundener Straße ein junger Bursch mit Stab und Ranzel frischen Muts dem nahen Dörfchen zuwandert«. Dieser Anblick erweckte geheim« Sehnsucht in ihm. War er doch auch nun ein freier, ungebundener Bursch! Nur der Ausgang de» von Mutter Kolbe geplanten„Fastnachtsspiel" konnte die Richtung bestimmen, in der er eines Tags aus der Stadt hinaus« marschiren würde. Der erste G«sell«nlohn. Am darauffolgenden Sonntag lag Heinrichs erster G«s«ll«nlohn neben seinem Eßteller. Der alte Josef, der wieder mal Winter- quartier bezogen hatte, streckte sich nach dem Mitagessen behaglich aufs Bett.„Was wirfte nun machen?" fragte er Heinrich, der im neuen Anzug inmitten der Gesellenstube stand.„Das Rumstehen mit den Lehrjungen an den Straßenecken hat nun aufgehört! Nun bist du Kollege ünd hast dich dementsprechend zu benehmen." Der Alt« erhob sich und kramte in seiner an der Wand hängenden Reisetasche.„Was gibjtc?" Eine halblange Tabak- pseise hielt er in der Hand.„Nimm se man, ich schulde dir ja noch zwei Böhm für den Branntwein von damals. Kauf dir ein Päcksl Tabak dazu, dann siehst« wenigstens nach was aus. Zum Abend kommfte rüber auf die Herberge, damit ich dich vorstellen kann." Unten im Magazin stand nun Heinrich und bließ dicke Rauch- wölken vor.einem großen Spiegel.— Wirklich, ganz mannbor machte ihn die Pfeife mit dem bemalten Porzellankops. So ließ sich wohl ein Gang durch die Stadt machen. Dicht unter den Fenstern drückte er sich am Hause seines Meisters hin. Einig« Züge kräftig paffend, bog er hinüber auf die Straße und spuckte und rauchte wie«in rechtschaffener Bürger. Doch bald wurden die Rauchwolken schwächer, und je mehr er zog, desto übler schmeckt«'der Tabak. Bald hielt er die Pfeif« nur noch wegen des Aussehens zwischen den Zähnen. Ein Weilchen trug er sie wie einen Spazierstock. denn an Schwefelhölzer hatte er nicht gedacht. Jenseits der Straße lag das Brauereiwirtshaus, dessen Doppel- bier berühmt war. Er sann ein Weilchen, dann steuerte er stracks hinüber. Di« Gaststube war noch leer. Dicht an der Schenke ließ er sich nieder, strich Feuer am Schwefelbrett, und hell flammt« es aus dein Pfeifentopf, als der Kirchner Brauer selber durch ein« Nebentür gehumpelt kam. Hei'mich zuckte ein wenig zusammen, als der Alte ihn mit scharfem Blick maß, ehe er nach dem Be- finden des Meister« fragt«. Milder fügt« er hinzu, ob Heinrich feine Prüfung auch gut bestanden habe. Erst dann füllte er das Glas, stellte es mit höflichem„Bittschön" vor den jungen Gast und schob das Zehnpfennigstück mit freundlichem Dank in die Hosen- tasche. (Schluß folgt.) WAS DER TAG BRINGT. qniiii»iHiiHiiiiiiiimiinii»nniiiuiH»iimniiiiiwiH mnmiuimnuwiminmmwmraiiiimHiimiiiiwiiiiiiiiiiimmmnmiimimiiummiiimiiimiiMuiiim Handschuhe und Unfallverhütung. Der Jahresbericht des französischen Handelsministeriums erzählt, daß eine Reihe Arbeitsunföllc durch dos Tragen von Handschuhen hätte verhindert oder gemildert werden können. Durch dys Tragen von Handschuhen in bestimmten Benifen hätten sich 5 Mil- starben Franken ersparen lassen. Es ist festgestellt worden, daß in besonders schmutzigen Berufsarbeiten leicht« Hautriss« durch Infektionen in schwere Wunden verwandelt worden sind, und in Uebereinstimmung mit den Bersicherungsgesellschaften fordert des- halb das Handelsministerium, daß in solchen Berufen, z. B. bei Bedienung von Maschinen, Handschuhe getragen werden sollen Remarque und der Nobelpreis. In der Presse, besonders in der skandinavischen, ist Erich Mario Remarque, der Autor von„Im Westen nichts Neues", als Nobel- Preisträger vorgeschlagen worden. Die Verleihung des Robelpreises an Remaroue ist in diesem Jahre nach dem Statut unmöglich. Dieses bestimmt, daß das Werk des eventuellen Nobelpreisträgers vor dem l- Februar des Jahres, für das der Preis perliehen werden soll, bei der in Frage kommenden Sektion dxr Robelstiftung angemeldet werden muß. Da der Erfolg des Buches von Remarque erst nach diesem Zeitpunkt eingetreten ist, ist die An- Meldung unterblieben. Jedem sein eigenes Plugzeug! Die amerikanische„Automobile Association", der eine Sektion für Aviatik angegliedert ist, macht die interessante Feststellung, daß sich Mitte August 8064 Flugzeuge im Privatbesitz in den UL�.. befanden. Di« Ziffer ist etwas höher als die Zahl der Automobile. die 1900 die tl8.A. besaßen. In zwei Jahren ist die Privat- benutzung de« Flugzeuges in Amerika um volle SOO Prozent gestiegen. Der Segen des Achtstundentass. Auf einer Konferenz über Psychotechnit in Utrecht berichtete M a h q über Untersuchungen während eines Jahres an den 2dOO Arbeitern einer Motorenfabrik. Er fand, wie die„Deutsch« Med. Wochenschr." mitteilt, daß durch Einführung des Achtstunden, tage» und der 1)4stündigen Mittagspause die Zahl der Unglücke- fälle»ermindert werde. Bor allem fällt auf, daß die Zahl per Unglücksfälle in Pen letzten Arbeitsstunden nicht mehr zu- Nimmt wie früher. Nach ein paar Ruhetagen nimmt die Zahl der Unglücksfälle ab, während sie an dem Tage vor einem Feier, tage zunimmt. Neu eintretende Arbeiter erleiden mehr Unglücks- fälle als älter«: künstliches Licht erhöht die Zahl der Un- fälle. Da manch« Arbeiter immer wieder neue Unfälle erleiden, so ist«ine sorgfältige psychotechnische Untersuchung und Auswahl vor der Berufswohl erforderlich.— erx. Wer wird Herrn Kenny scheren? per Rew-Norker Milstonä/ William F. K e u n y, der sich eigens einen Rew-Dorker Haarkünfüer nach Europa kommen ließ, weil die europäischen Friseure ihm nicht gut genug sind, ist jetzt aus Pari» nach London gekommen. Der amerikanische Friseur soll dieser Tage mit dem„Leviathon" in England«intresscn, aber trotzdem ist es noch nicht sicher, ob er die Möglichkeit haben wird, Herrn Kenny, per übrigens ein« wallende Glatze sein eigen nennt, unter sein Schermesser zu nehmen. Korr Kenny hat ihm nämlich zwar einen Paß und ein Bisum oevschasst, aber er hat vergessen, daß auch ein« Arbeitsbewilligung erforderlich ist. Nun hat die Der- «inigung der Londoner Friseure eine Eingabe gemacht, in der sie das Aroeitsministerium auffordert, die Einreise des amerikanischeck Friseurs nicht zuzulassen, weil sein Auftreten in England«ine Be- lejüigung süp die englischen Friseure wäre. Das�Arbeitsministerium erklärt, daß die Einwanderungsbehörden iy der Sache zu entscheiden haben. Es kann also passieren, daß Herr Kenny das Geld für die Ueberfahrt des Friseurs hinausgeworfen hat. Selbst die Macht eines Dollarmillionärs hat ihre Grenzen. Zwei Ferpsprechbücher. Bor fast 50 Iahren, am 14. Juli 1881, erschien das erste Berliner Fernsprechbuch. Es war nur ein dünnes Hestchen: Aus 15 Seiten finden wir 153 Fernsprechanschlüsse verzeichnet. Das heutige Berliner Fernsprechbuch ist 1378 Seiten stark, es enthält pie genauen Bezeichnungen der rund 400 000 Haupt- und Neben- anschlusse, die wir in Berlin jetzt haben. Zur Herstellung der Gesamtauflage dieses Riesenwerkes werden etwa 80 Eisenbahm Waggon» Papier perwendetl Oerichtspause wegen Zeppelin. Au» Bochum kämmt di« Kunde, daß der„Graf Zeppelin" sogar den Lauf der Justiz aufzuhalten imstande ist. Als der„Zepp" Bochum überflog, wurden sämtlich« Sitzungen des Amtsgerichts von den Vorsitzenden auf fünf Minuten unterbrochen, und Richter. Staatsanwälte. Zeugen und Angeklagt« pereinigten sich in aller Eintracht an diln Fenstern, um sich das ungewöhnliche Ereignis nicht«fltgehen zu lassen. Die wahre Ursache der Textilkrise. Als d!» englischen Textilindustriellen beim Schatzkanzler Snpwden vorsprachen, um sich über geeignete Maßnahmen zur Ueberwlndung der Textilkrise zu unterhalten, wußte Snowden für di« Ursache der Krise ein« sehr einfache Begründung:„Bisher be- nötigte man, um«in« Frau zu bekleiden, die Wolle von 3 bi» 4 Schafen/ erklärt« Snowden,„jetzt braucht man dazu nur«inen Seidenwurm." Das gewissenhafte Ehrenmitglied! Der Berliner Sdilittschuhclub bezahlt seine M Amateure". Wir haben schon immer an d«m reinen Amateurcharakter des bürgerlichen Sports gezweifelt. Mehr als einmal haben wir zu dem Verhalten und„Benissleben" einzelner Aktiver kritisch Stellung genommen. Sie haben Berus«, ja, aber solche, in denen sie meist wenig oder gar nicht arbeiten brauchen. Ein Sportzweig, der E i s l a u f s p o r t, besonders aber sein Berliner chauptvertreter, der feudale„Berliner Schlittschuhclub", warf sich immer stolz in die Brust, wenn von v e r st e ck t e m B e' ru f s s p o r t l e r t u m die Red« war.„Bei uns ist so was uu- möglich!" Aber nun ist es doch ans Tageslicht gekommen. Der bürgerliche Sport hat nun auch in Berlin seinen Profiskandal. Es ist peinlich, wenn man ein so gewissenhaftes Ehrenmitglied in seinen Reihen hat, dann besonders peinlich, wenn dieser Herr, sein Rame ist G ü tz l a f f, obendrein noch Kassenrepisor ist und die Möglichkeit besiizt, noch so verschleierte Quittungen aufzustöbern. Durch einen Krach persönlicher Natur ist nun in diesen Sumps von Vereins- lgrruption Hineingeleuchtet worden und es wird einem bestätigt, was man zwar schon immer oermutete, daß die vielen„Internatio- nalen" des Berliner SchlittschuHclubs, uns allen von den Spielen im Sportpalast her wohlbekannt, ein I o h a n n je n- Schweden, Rochc-Kanaha,.st a st l e r- Frankreich u. a. vom Schlitt- fchuhclub mit ganz horrenden Summen bezahlt und gehalten wurden. Allein für die Zeitspanne von 3 Monaten tonnte sterr Gützlaff 30gv M.„Aufwandsentschäd!- gungen" aus den Büchern seststellen. Es hilft dem Echlittschuhclub nichts, wenn er jetzt von einem ,, sportlichen Betrug" seines jetzt natürlich an die frische Luft gesetzten alten Ehrenmitglieds spricht. Es bleibt die Tatsache, daß man auf heuchlerischste Art diese Handlungen zu oerdecken suchte und zu allem Uebcrsluh noch andere mit Schnrutz bewarf. Es sei an den Sportlehrer stolz erinnert, der lediglich wegen seiner Eigenschaft als Sportlehrer aus Betreiben des Schlittschuhclubs vor Jahresfrist zum Professional erklärt wurde. Der Skandal wird aber vollständig, wenn man erfährt, daß seit etwa einem Jahr der „Brandenburgische Eislausvcrband" vom Club verständigt war und sn einem Schreiben vom 12. April 1929 alles deckte. Aus diesem Grunde glauben wir auch nicht, dah in diesem„klaren" Fall endlich einmal reiner Tisch gemacht wird. Am Schluß war„alles nicht so schlimm" und die berühmten Mißverständnisse stellen sich ein. Wir aber richten doch an das Preußische Innenministerium die Bitte, einnial festzustellen, wohin die 39 999 M. für die„Opel, Eisbahn" gewandert find, die dem Brandsnburgischen Eislauf- verband gegeben wurden,„um in Berlin eine Kunsteisbahn zu errichten".(So steht in der ministeriellen Verfügung.) Augen- blicklich wirtschaftet mit diesem Geld der Eisbahnersinder Gurth im Rheinland herum und erlebt«ine Pleite nach der anderen! CUima" 99 Islandische Sporivorlührungcn. Waren 59 Pf. his 1 Mark Eintritt zu teuer? Oder trauten die Berliner den Insulanern in der Nähe des Polarkreises nichts zu? Wer weist! Jedenfalls war die Peranstaltüng, die„Glima"- Vorführungen von isländischen Amateursportlern brachten, zuerst miserabel besucht, nachher füllten sich die Plätze der Zentralturnhalle Prinzenstrahc so leidlich. Um so interessanter war das Programm. Die Zuschauer wurden warm, strahlten vor Freude und spendeten sortgesetzt starken Beifall. Aus dem in der Mitte des Saales errichteten großen Podium gab es gute Gymnastik und scharje Wettkchnpse zu sehen, dazu Gesang, die isländisch« Rationalhynine und zum Schluß das Deutschlandlied, das gut in deutscher Sprache� vorgetragen wurde. Flott und mit Gesang marschierten die Isländer ein, voran ihre große blau« Fahne mit dem Doppelkreuz weiß-rpt. Der Führer Ludvig Gudmunsson richtete in deutscher Sprackie„Worte an Deutschland", dankte dem Stadtamt für Leibesübungen sür die Arrangierung der Veranstaltung und betont«, daß die Tournee durch Deutschland nicht rein sportlich gedacht sei. sondern kulturell die Völker näher bringen soll«. Dach dem Gesang von Islands Nationalhymne, gedichtet 1874 Zur Tausendjahrfeier der Be- siedelung Islands durch norwegische Auswanderer, berichtete der Führer Gudmunsson über das Charatteriftische Islands. Einiges davon wird auch die Allgemeinheit interessieren: 10ÖO Kilometer von Norwegen und Schottland entfernt, wahrend die Vorgebirge schon jenseits des Polarkreises gegen die Gefahren des Eismeeres wachen, ist dys Klima trotzdem mild«.. Es sind keine Eskimos mir dicken Petzen, die hier wohnen. Die«infame Insel hat ein« hohe Kultur mit gut entwickelter Wirtschajtstechnik. jreilich keine Eisenbahn, aber groß« Autostraßen, Auto», Flugzeuge und Telephon. Dazu das älteste Parlament, 939 gegründet. Aller Unterricht in der Volksschule, dem Gymnasium und der Universttät ist unentgeltlich, Literatur und Dichtung sind besondere Lieblings- sächer, neuerdings auch Musik und bildende Kunst«. Die g y m n a st i s ch« Vorbereitung auf die G l i m a, den Nationalsport, fesselte alle Zuschauer- E? sind insgesamt Ge- schmeidigkeitsübungen, die alle Sehnen und Muskeln durchtrainieren. Das System hat viel Aehnlichkeit mit Niels Bukh. ober alles ist Zweckgymnastik, ohne staltungsübungen und standständ«. Desto mehr federnde sortgesetzte Sprünge mit intensiver Beweglichkeit der Glieder. Es oerwunderte zunächst, daß eigentlich« athletische Krast- Übungen fehlten, denn die Ringkämpfer sind doch zumeist athletisch gebaute Figuren. Aber als wir die Glima nachher in der Praxi» sahen, stellt« sich heraus, daß sich dies« Nationolkämpfe prinzipiell von unserem Ringkamps unterscheiden. Glima setzt Be- wegungskunst undSchöstheit an die Stell- roher Muskelkraft. Di« Isländer sind..behende wie Katzen". Die Wettkämpfer, im blauen Trikot mit schwarzer Badehose, tragen einen Doppelgürtel um die stüft« bzw. die beiden Schenkel. Die eine stand ersaßt den Gürtel in der stufte, die andere am Schenkel des Gegners. Die stände dürfen nur im Gürtel arheiten, dagegen ist die Beinarbeit vielseitig. Für den Angriff sind süä-n fest« Regeln mit insgesamt 59 Bariationen ausgestellt, die Ab- wehr ersolgt säst durchweg durch Sprung. Alz besiegt gilt nur der- jenige, der zwischen Knie und Ellbogen den Boden berührt. Jeder Fall -rnterbricht den Kamps und wird sajort neu begonnen, so daß das „Würgen" wegfällt. Die Wettkämpfe sind daher kurz, lehhast und spannend. Es ist mehr Akrobatik als das, was wir bei uns unter Ringkampf verstehen. Di« schöne Form spielt bei den Isländern eine große Rolle. Die olljährlichen Glima-Wettkämps« endigen wit der Feststellung de» Glima-Königs, der all« Gegner gefällt hat, oft wird aber noch um den„König der schönen Glima" gekämpft, wobei der Schönheitssinn und die leicht Form des Kampfes ent- scheidend ist. Einig« Isländerinnen waren zu dieser Veranstaltung in ihrer bunten Alltags- und Festtracht ebenfalls erschienen. Da sie gleichfalls Gymnastik betreiben, wie uns gesagt wurde, so würde ein« Vorführung ihrer Uebuygen sicherlich allseitig begrüßt worden sein. Abgesehen von diesem Mangel, kann die Veranstaltung als gelungen bezeichnet werden. 5tr«Heiu»ei5ter»ch»tt bei«Solidarität". Nachdem kürzlich bei den bundestreuen Rennfahrern des Ar- beiterrad, ynd Krastsahrer-Buisde,„Solidarität" die Meisterschaft über die kurze Strecke ausgefahren wurde, folgt am Sonntag, dem 22. September, die M e i st e r s ch a f t über die längere Distanz auf der Strecke Mahlsdorf. Dogelsdorf, Tasdorf, sterz- selbe. Miincheberg und zurück. Selbstperständlich stick» wieder alle Fahrer am Start, hie bisher schon bei allen anderen Rennen sich siegreich behaupten konnten. So ist Lichterselde, Wilmersdorf, Char- lotterrbyrg, Berlin gemeldet, doch ist e, bei der ständigen Mitglieder, zunahm« sehr leicht möglich, daß die bisherigen Fyporiten einmal nichts zu sagen haben und ein neugeworbenes Mitglied ihnen die Meisterschaft vor der Nase wegschnappt, wie Unger am 1. September bei Falkcnsee. Der Start erfolgt um 7 Uhr früh zwischen Mahls- darf uyd Dahlwitz, wo auch das Ziel ist. Sommelstart für alle Teil- nehmer 5)4 Uhr am Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde. Umklbide? dkvl Alt-Mahlsdvrf 93.„Deutscher Spart". 'ARBEiTBUTUSSBALL Spiele am Sonntag. Nach.der unfreiwilligen Pause, die einig« Mannschaften durch das Städtespiel Kiel— Berlin machen mußten, setzt der Spielbetrieb in vollem Umfange wieder ein. In der e r st e n Klasse findet auf dem Andreas-stofer-Platz in Pankow ein Treffen von besonderer Bedeutung statt: Germania und W e s ß e n f« e geben sich hier fin Stelldichein, um die Führung bzw. um den Anschluß an die Spitze in der ersten Klasse zu finden.— In der Abteilung P muß Weistensee alles hergeben, um weiterhin die Führung in dieser Gruppe zu behalten.— Auf dem Sportplatz in der Kynaststrahe am Bahnhof Stralau-Rummelsburg stehen sich Lichtenberg I und Rathenow gegenüber, stier gilt es siir Lichtenberg I den Anschluß an die Spitze nicht zu verlieren.— In der Wuhlheide treffen sich Oberspree und Nowawes. stier geht es weniger um die Führung, als um den Verbleib in der ersten Klasse. Weitere Spiele: Luckenwald« III gegen Brandenburg, Ruhlsdors gegen Eiche-Köpenick, Eisen spalterei gegen Neukölln, Luckeirwalde II gegen Karow II, Potsdam gegen Lichtenberg II, Caputh gegen Jüterbog, Schöneberg gegen Kloster Zinna, Treuenbrietzen gegen Borussia, Cladow gegen stergsebde, Saxonia gegen Reinickendorf, Wandsdorf gegen Werder 77.— Zweite Mannschaften. Luckenwalde III gegen Branden- bürg, Obevspre« gegen Nowawes, Potsdam gegen Werder, Schöne- berg gegen Eiche-Köpenick. Germania gegen Weißense«. Karpw gegen Oderbcrg, Lichtenberg I gegen Rathenow, Eisenspalterei gegen Neukölln III. Jugend: Auf dem Exerzierplatz Schön, hauser Allee findet vormittags 19 Uhr ein Spiel des Bezirksmeisters des 4. Bezirks im lg. Kreis st e r t h q- Kllstrin gegen Saxonia statt. Brandenburg spielt gegen Spandau 25, Weißenfe« gegen Ketzien, Borwärts-Wedding gegen Eiche-Köpenick. Werder gegen Lichtenberg II. Beginn der Spiele: 1. Mannschaften 1k Uhr: 2. Mannschaften 14.15 Uhr: Jugend 19.89 Uhr. Sic haben sich...1 Was ein Gutsvorsteher stdi leistet! Ein sonderbarer Freund der Jugend und des Wandern» ist her sterr Gutsvorsteher Soundso in Barsdprf im Südzipfel von Mecklenburg-Streiitz. Au» einem, uns zur Verfügung gestellten Schreiben dieses sterrn geht klar hervor, daß ihn der olle selbftherr- liche, wilhelminisch« Geist vergangener Tage noch nicht verlassen Hot. Lassen wir die Tatsachen sprechen: Eine Gruppe der Naturfreunde hotte vor einiger Zeit die Absicht, eine größere Wanderung in» wald- und seenreiche Süd» Meckleitburg zu machen. Naturfreunde suchen möglichst vom Massen« verkehr wenig berührte Gebiete auf. Als ein solches erschien dieser Gruppe u. g. die sogenannte Steinhavel bei Bredereiche. Mehrere Schleusen regulieren den Wasserstand, Mühlen verträumen hier noch ein einsames Dasein. Dos war so ein rechtes Gebiet für Urftzrüng- lichkeii in der Natur suchende Menschenkinder. Jeder wahre Menschenfreund wird freudig solches Streben unserer Jugend untpr- stützen. Doch manchmal kommt es anders. An den sterrn Gutsvor. fteher von Barsdorf hotte man sich mit der Bitte um Quartier- Vermittlung gewandt, wie es bei den Wanderungen in uybe- tanntere Ortschaften üblich ist. Di« Antwort sei hier nicht»er- schwiegen. Sie lautet: „An den Touristenverein„Die Naturfreunde"... Auf dortseitige Zufchrist vom 7. d. M. wird Ihnen mitgeteilt. daß sich ein Gasthof im hiesigen�Orte nicht besindet. Es wird daraus aufmerksam gemacht, daß Sie für Ihr« beabsichtigt« Wan- derung durch Barsdorser Gebiet nur die össenslichen stauptwoge benutzen dürfen und zwar: die Chaussee Blumenow— Barshors, die Landstraße Tornow— Barsdors. die Landstraße Barsdorf— Bredcreiche. Sämtliche anderen Wege find Privat-, xeip. Forst weg« und ist das Betreten dieser, wie auch des Getändes außerhalb dieser Wege, unbedingt untersagst Ebenfalls wird darauf aufmerksam gemocht, dah von den an der stavel besindlichen Schleusen öffentliche Wege hierher nicht be- stehen. Um Ihnen Unannehmlichkeiten zu ersparen, wird Höflichst ersucht, dieses zu beachten. Der Gutsvorsteher. (Unterschrist.) Abgesehen davon, daß eine wirtliche, heute im gesellschaftlichen Leben selbstverständliche Raterteilung in der Ouartierfrog« nscht gegeben wurde, maßt sich der sterr Gutsvorsteher Verbotsrecht« an, die sich böse auswirken können. Die„erlaubten" Wege sind näm, lich nur im offenen Feld gelegen, während gute Wanderweg« im Forst und an der stavel hier einfach gesperrt werden. Uns icheint, dem sterrn muß klar und deutlich ein Privatissinrum stber die Pflichten der Behörden gegenüber dem erholungsuchen- den Staatsbürger auch aus Arbeiterkreisen— gelesen werden. Sporttest beim Seglerverein Stötjcnscc. Der dem Freien Segler-Verband angeschlossene Segler» verein S t ö ß e n s e e wirh am Sonntag, 22. September, herzlichst eingeladen sind. Vormittags um 19 Uhr wird die Perems- regatta gestartet, am Nachmittag finden sportliche Wettkämpfe und Lelusticpmgcn aller Art für jung und alt statt. Zu dem Tanz aus dem„Freilust-Zementparketl" und im Klubhaussaal spielen erste Kapellen. Für die Verpflegung sorgt die vereinseigene Kantine. Eintritt 59 Pfennige. Ein neuer Sporilaaeu. Fabrikation von Kanalschwimmerinncn. Man liest in einer großen Berliner Zeitung solaendes Inserat: Kanalschwimmer! Am 1. Oktober 1929 eröffne ich aus Helgoland eine Trainer- schule für Damen!(Schwimmhalle). Welche erste Deutschs be- zwingt den Kanal?! Nur bemittelte(!), kerngesunde und kräftige Schülerinnen mit großer Energie und Ausdauer wollen sich melTr., Ständige ärztliche Kontrolle. Otis Kemmrich, Weltmeister im Dauerschwimmen, Husum. Man erinnert sich, daß sterr Kemmrich einmal den Kanal durch- schwömmen hat. Ebenso stark wie wir uns daran erinnern, geht uns aber auch der Seifensieder sür die wahren Absichten dieses Kanoltrainers für Damen auf. Man merkt deutlich aus dem Inserat, daß das„bemittelt" das wichtigere Prädikat vor kern- gesund und kräftig ist. Jungfrauen arischen Geblüts, die ihr vor astem bemittelt seid, dann nebenbei auch kerngesund und schließlich noch kräftig(der Maßstab: Herr Kemmrich wiegt 2)4 Zentner), packt die Kosser und segelt nach Husum. Otto Kemmrich erwartet euch. Vielleicht reicht es(guter väterlicher Geldbeutel vorausgesetzt) auch mal zur Kanaldurchquerung. Sonderbare Geschäfte werden doch gemacht! Amateurboxen. Morgen, Sonnabend, 29 Uhr, steigt in der steros-stalle, Scharnhyrststraße b/7. der Klubkamps um den Bruno- Goldstein-Pokal zwischen Polizei und Westen. Außer den Klubkampf bringen die Veranstalter vier gute Rahmenkämpse. Schattenplätze statt Sonnenplätze? Ein« offenbar völlig irregeleitete Elternversammlung der 153. und 154. Gemoindeschule Hot in einer auf dem Schulhof abgehol- t-nen Versammlung einstimmig dagegen protestiert, daß der Schul- Hof von einem Schattenplatz in einem Sonnenplatz und damit in einen wirklichen Spielplatz umgewandelt werden soll. Damit wird gegen einen einmütig gefaßten Beschluß des Stadtamts für Leibesübungen bedauerlicherweise von einer Seite Opposition gemocht, von der man es nicht erwarten sollte. Das Amt für Leibes- Übungen hat seinen Beschluß im Interesse der Kinder gefaßt, denen aus seinem Grundstück an der stovelchaussee, unweit der großen "•rftriliTrti"' «und« des ftratzenbrücke.«in großes Spgrtsest abholten, zu dem«ll« sser, und Landsports und alle Gönner des Vereins DasEausdas Jeden anzieht Der Herbit naht. Der Winter folgt. Es ist Zeit, daß Sie Ihre Kleidung derjahreszeit entsprechend anpassen. Leineweber, das Haui,dasjeden anzieht, hat alles getan, um jeden Kunden zufriedenstellen zu können. Die neusten, schönsten und haltbarsten Stoffe sind in eleganten, gutsitzenden Modellen verarbeitet. Ob Sie einen Anzug, einen Ulster oder einen anderen Artikel gebrauchen: jedes Stück übt in Qualität und Preis seine bei uns sprichwörtlich gewordene Anziehungskraft aus. Besuchen Sie uns. Wir zeigen Ihnen bereitwillig alle Abteilungen. Leineweber- Kleidung schafft aufnedene Leineweber-Kunden. Crinnofhar ikiiitt C Kölln Lscher FisvlmiarKl es ta bat Pause« Ächt und Ziaum zum Spielen geben«II. Di« jetzigen Schulhöfe eignen sich höchsten» zu einem Rundgang in Zweierreihen, wobei die Kleinsten sich oft recht medlich darüber sanken, wer das Recht hoben soll, als erste zu gehen. Die Kinder sollen sich in den Pausen a u � toll e n können, und die Schul- Höfe sollen auch für den modernen Turn- und Spielbetrieb der Schul« geeignet sein. In der von der Elternversammiung angenommenen Ent- s ch l i e ß u n g heißt es, der Platz müsse als„Erholungsstätte für die Pausen" erhalten bleiben. W>e stellen sich die Veranstalter eixent- lich die„Erholung" in den Pausen vor? Meinen sie jenes Schlangen- gehen zu zweien oder sind sie der Ansicht, daß noch dem langen Sitzen aus der Schulbank ein Sitzen im Schatten der Bäume auf dem Schulhofe die richtige Erholung sei? Nein, nein, verehrte Elternschaft, unsere Kinder brauchen Licht und Sonne, Schatten haben sie in den Schulrirumen und daheim in den Mistkasernen genug! In der Versammlung wurde auch behauptet, daß der neu her- gerichtete Schulhos auch von Vereinen benutzt wrrden solle. Ge- wiß, wenn er dafür geeignet ist! Ist dos nicht ein sehr guter Ge- danke? Wenn alle unsere Schulen genügend große Schulhöfe hät- teu, tonnten stundenlange Wege zu den besonderen Spielplätzen in den kurzen Zlbmdstunden gespart werden. Damit würde der ge- samten werktätigen Bevölkerung Berlins ein ganz hervorragen- der Gesundheitsdienst geleistet werden. Außerdem könnte viel Gelände und sehr hohe Kosten für Dereinsplätze gespart werden. Noch ein Wort über den gesundheitlichen und ästhetischen Wert der Bäume Man braucht sie nicht zu missen, sie können an den Rand der Plätze gepflanzt werden, wo sie nicht im Wege stehen urad den Spielbetrieb nicht hindern. Die Forderung der neuen Zeit muß aber lauten: Nicht Schattenplätze, sondern Sonnenplätze für unsere Jugend! Stci» SAtBimnitt®t1 Ubr, Neukölln, Saale- Eike ilaiser-Sriebrich-Strabe.,„Zur Eiche". lSäslc will- kommen. Mitaliebcr werben aufgenommen. Arbeiter. Nad» nah Aeastsabrer-Vunb.Salibaritäi", vrisgtuppe«roh. Berlin. «efchiiftsstelle: Robert Rothbart, SW. II, Schöneberaer Str. 17». Am 19. Okto- ber ftnbet im Saalbou Sriebrichshain unser« Zubilarfeier statt. Es ist«flicht eines jeben Bunbesgenossen, baran teisttunebmen unb fllr recht regen Besuch Sorge ah tragen. Billetts finb in ben Abteilungssthungen unb bei beU Sunk» tionärrn erbältlich. Sür Sonntag. 22. September, siub folgenbe Sabrtcn ge» plant, wvau um recht Aablreiche Beteiligung ersucht wirb. Gäste sinb stets gern aeleben. auch in ben Eihungen.— 1. Abt.: Sonnabenb, 2l. September. Jugend» fahrt nach Nauen. Start Lanbsberger«lag 17 Uhr. 22. September, 7 Ubr. Nassenbeibc: 13 Uhr Stolpe a. b. Norbbobn. Start BUlowstr. Zö.— 2. Abt.: 21. September, IWi Uhr, SUrstenberg—Neustrelih—Neubranbenbi.r«— Waten— Rbeinsberg. Start Stett. Bahnbof. Rstcksahrkarte bis Sllrstenberg lösen. 22. September, 6 Ubr,«ästet Borbersee. Start chobenstaufenplast, Rormalubr.— 3. Abt.: 21., 17 Uhr, Nauen. 22,, 8 Ubr, Liepuistsee. Start Lanbsberger «last.—». Abt.: 22.. 8 Uhr, Summt Uber Mstl>Icnbc-k. Start Stolpisch« Siraste 36.—». Abt.: 22., 7 Uhr. Wanblist. Start Triststr, 53.—«bt.«har. lottcnburg: 3 Uhr Teufelssee. Start Kanal. Eetr Wilinersborser Strafte.— Abi. Schöneberg: 8 Ubr«otsbam— Wilbpark. Start Stubenrauchstr. ö«.— Abt. Reukölln: 6 Ubr Nonnenflieft. Start chobenAollernplaft.— Abt. Treptow» «aumschnlenweg: 7 Ubr Liepnistsee. Start Bln. Treptow.— Abt. Lichtenberg: Nicht eingesanbt.— Abt. vberschöneweib«: Sonnabenb,'21. September, Stiftungsfest im Biirgcrpark, Oberfchöncwcibe. Iablreiche Beteiligung ist «flicht.— Abt. Weiftenser-Seipersdoef: 21. unb 22. September Eberowaibe— Ireienevalbe. Start 21., 5 Ubr. Wciftenfee, Langbansstr. 102.— Abt. Neinicken. b»rs: Nicht eingesanbt.— Motorrabfahrer. Abt«reuAberg: 81»!: Uhr Blnmcntal, Keibelrug Start Boltrnplast.— Abt. Sriebrichshain: 7 Ubr Liepnistsee Uber Bernou:Uekborf. Start Landsberger«last.— Ab». Nentölln: 7 Uhr Ziel am Start SobenAvllernplast.— Abt. Lichtenberg: 7 Ubr Sreienwalbe. E'art Sriste. Iunqftr. 29. Ecke Oberstrafte.- Abt. vberschöneweib«: 13 Ubr RabebrUck. Zfart Wilbelminenboiftr. 63.:-;n»">. AM.(«crcin fllr Lrichtatbletik. chänbtwll. packen. Kymnastiki. Ballen. training b« Männer unb Iugenb Sreitags 20-22 Ubr Turnballe Realgnmna» Uum beim Nathaus Treptow. Neue Nrugallce 10. Sonntag, 22. September, Brreinspartw noch ber Löcknist. Treifpunkt iZH Ubr Schlestscher Babnbos ober 8>», Ubr Erkner. Eisendreher gegen Spaliung. Die kommunistische Opposition am Pranger. t. Am Donnerstag abend war«n im Berbandshaus der Metall- arbeiter etwa 1 4 k> Vertrauensleute der Berliner Eisen- dreher versammelt, die die Spaltung dieser Branche durch die KPD. nicht mitgemacht hoben. Die Konferenz beschäftigte sich zunächst mit Berufsfragen und internen Branchenangelegen- heitcn und nahm dann zu der Taktik der abgesplitterten Dreherver- einigung Stellung, die darauf hinausläuft, die Versammlungen der verbandstreuen Dreher zu sprengen. Der Branchenleiter Waug« teilte Borgäng« aus verschiedenen Betrieben mit, wo vom Metallarbeiterverbond einberufene Werkstatt- Versammlungen der Dreher von dem„Führer" der Opposition, Forster, und seinem Gefolge„besucht" wurden, um den ordnungs- mäßigen Berfaus dieser Dcrsammiungen zu unterbinden. Die Bcrtrauensleitt« des Metallarbeiterverbondes haben diese Versammlungen nicht durchgeiührt, um der Oessentlichkeit nicht das Schauspiel zu bieten, daß sich Arbeiter gegenseitig mit Schmutz bewerfen und schließlich sogar noch nach der Manier der Haken- kreuzler verprügeln. Die Vertrauensleute vertreten den Standpunkt, daß«ine solch« Duldsamkeit gegenüber den Terrormaßnahmen der Anhänger Farsters für die Organifation auf die Dauer unerträglich sei. Dem Terror der„Opposition" müsse in Zukunft«nergisch entgegen- getreten werden. Diese Auffassung wurde in folgender, gegen eine Stimme bei sechs Enthaltungen angenommenen Entschließung niedergelegt: „In der letzten Branchenkonserenz am 18, Juli, die der ehe- malige Branchenleiter der Dreher, Förster, leitete, erklärte dieser: „Wenn wir aus dem Metallarbeiterverbond ausgeschlossen werden, kommen wir trotzdem in die Versammlungen der Dreherbranch« des Metallarbeiterverbandes." Dies« Ankündigung wird, wie einige nur für die Mitglieder des DMV. einberufen« Der- fairnnlungen beweisen, auch durchgeiührt. Wir Vertrauensleute des DMV, haben bisher diese Ber- sammlungen nicht abgeholten, um zu vermeiden, daß sich Kollegen der beiden Richtungen, die im Betriebe nebeneinander arbeiten, die Köpfe einschlagen. Auf die Dauer werden wir uns.aber die Störungen unserer Versammlungen nicht mehr gefallen lassen. Wir verlffntzen für die Mitglieder des DMV. die gleiche Der- sammiungsfreiheit, die die sogenairnte Opposition sür sich in An- spruch nimmt. Di« Forster, Bahls und die anderen„Führer" der Drehervereinigung Opposition warnen wir, diese nach ihrer Meinung revolutionär« Taktik fortzusetzen, die sich nur zum Vorteil der Unternehmer auswirkt. Wir werden alle Mittel an- wenden, die geeignet sind, unsere Versammlungsfreiheit sicher- zustellen."_ Reformistische Abweichungen. Lm revolutionären Rohrleger streik. Wenn die„reformistisch« Gewerkschastsbureaukratie" bei irgend- einer Lohnbewegung sich aus taktischen Gründen auf Teilstreikz beschränkt, dann muß die kommunistische Opposition über„Verrat der„sozialsaschistischen Führer" und nach„Verbreiterung ber Kampf- front" schreien, Der wilde kommunistische Rohrlegerstreik müßte nun der„revo- lutionären Opposition" die beste Gelegenheit bieten, einmal zu zeigen, wie sie sich die Kampsführung denkt und welcher Mechoden sie sich bedient. Doch was fehen wir? Eingeleitet wurde die Aktion, wie oft in den Kinderjahren der Gewerkschaftsbewegung, mit der Aufforderung an andere, Streik- g e l d e r z u J a m m ein, nachdem der Streik im Gange ist. Nieder- kirchner scheint jedoch noch nicht alles vergessen zu haben, was er in der Gewerkschgftsbewegung gelernt hat. Obwohl es vom kom- Munistifch-reMutionären Standpunkt aus appartunfttifch ist, ver- legte er sich auf die verpönten„reformistischen" Teilstreiks. Di« KPD, betrachtet dies« Taktik im wilden Rohrlcgerstrcit offenbar als eine nagelneue revolutionäre Entdeckung. Sie fand, „daß dl« Xetfit des idlstrrifs die Arcml der Lnlernehaier gavz empfindlich gelroffen hol". Derselbe Niederkirchner, der anstatt die ganze Front seiner Streikenden aufzurollen, sich mit Teilstreiks begnügt und Arbeits- berechtigungskarten an feine Streikenden ausgibt, nimmt sich heraus, die zu tariflichen Bedingungen arbeitenden Rohrleger und Helfer als„Streikbrecher" zu beschimpfen und zu terrorisieren, weil sie sich seiner Spaltungsgruppe nicht anschließen, weil sie sich nichk von ihm Arbeitsberechtigungskarten aus- stellen lasten, sondern solche ohne weiteres von ihrer Organisation, dem Deutschen Metallarbeiterverband hoben, Während Nicderkirchner bemüht ist, seine eigene wilde Streik- front möglichst schmal zu halten, statt sie revolutionär zu verbreitern, sucht er sie durch Einbeziehung von Bauarbeitern zu verbreitern. Der wacker« kommunistisch-revolutionäre Gcwerkschaftsspolter und Streikheld kocht jedenfalls mit„reformistischem" Wasser bei seinem wilden Streik, der ja weit weniger die Unternehmer treffen soll, als den Metallarbeiterverband. Das muß man sich merken! England befreit sich vom Alkoholismus. London, 20. September. Nach einer vom Ministerium des Innern veröffent- lichten Statistik für 1828 ist die Herstellung von Bier. verglichen mit 1313, auf 55 Proz. und die von Spiri» tuofen auf 42 Proz. gesunken. Tie Bestrafungen wegen Trunkenheit in(England und Wales sind in der gleichen Zeit von 172 000 auf 55 000 zurückgegangen und die Todesfälle infolge von Alkoholmistbrauch von 3800 auf 2400. Freitag, 20. September. Berlin. 16.00 Vortrag übor ,,Qesinnnng oder Qualität? 16.30 Konzert. 17.00 Wpl.-lng. Pinkus: Leder als technischer Bedarfsartikel. 17.30 Unterhaltungsmusik(Kapelle Michalek). Anschließend Werben achrichtcn außerhalb des Programms der Funkstonde. 19.05 E. W. Trojan: Landsberg a. d. Warthe und das PIciskc-Tal. 19.30 Wer kann da ernst bleiben? Ernste Weisen, gesungen von Felix Leon« hardt. ?0 0D Alfred Polgar liest. 21.00 Opernquerschnitt..Teil" von Rossini. Nach den Abendmeldungcn Bildfunk. Königswusterhausen. 16.00 Rektor Fritz Westermann: Kurzschriftdiktate. 16.30 Prof. Dr. Hans Mersmann: Musikvcrstchen(2. Stufe): Einführung m Sonate und Sinfonie. 17.00 Nachmittagskonzert von Leipzig. 18.00 Dr. Pähl: Das Erdöl und seine Bedeutung für die Weltwirtschaft nnd Wcltpolitik. 18.30 Direktor Fricbel. Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene, 18.55 Prof. Dr. H. Reichenbach: Gesetzlichkeit der Natur(IV). 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 20.00„Song", Wort und Ton der Zeit in zwei Sätzen und einem Zwischcnspie!« Wetter für Berlin: Kühler, unbeständig mit einzelnen Schauern, irische Westwinde,— Für Deutschland: West-ostwärts fortschreitende Abkühlung und Uebcrgang zu unbeständigem Wetter. BeranNvortlich wr die Redaklibn: Franz flliibs, Berlin: Anzeigen: Xb.»l-cke. Berlin,«erlag: Vorwärts Verlag«re Schauf«m(«r . Prüfen Sie diese Beispiele und Sie werden überzeugt sein, daB sich rf! hier eine außerordentlich günstige Gelegenheit zur Deckung Ihres Strumpffbedarfsbletet,— denn wir bringen erprobt haltbare Qualitäten In allen Modefarben, passend zu Kleid und Schuh! Damenstrümpie echt ägyptisch Maco, mit Naht, Doppeisohle n. Hochfetse. Paar Damenstrümpie Seidenflor, kräftige Qualität, in allen Modefarben..... Paar Damenstrümpie Seidenflor, feinmaschige Qualität Paar Damenstrümpie feinster Seidenflor, mit«facher Sohle, schönst. Seidenersatz, Paar Damenstrümpie künstliche Waschseide, feinmasch. elegante Qualität, extra lang, Paar Damenstx ümple künstliche Waschseide„Bemberg Gold", in den neuesten Farbtönen.......... Paar Damenstrümpie Flor mit künstlicher Waschseide, der elegante Strapazierstrampf. 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