Morgenausgabe Nr. 443 �, AlM46'3�0"3 ««q«»mch SS?(, monoMch 8,80 9t »« voraus zahlbar. Pofll-izuz tZZ M. »inlch Il-ßNch SV Psg. P oftzeituiig»-»»» 78 Vfg Postb«st«Ilzkbühn». LuBland«. «0»nnem«nt 8.— M. pro M-n-t. Der.t!ono4rt»*«Ich-lm wochentSg» l>ch zweimal, konntag, und Tü-niag» einmal, die LbendauOgaden für Berlin und im Handel mit dem Titel»Der ■denk*. Illustriert, Beilage».Boll und Zelt* und.jtindersreund*. Ferner .Unterhaltung und Wissen*,.Frauen- pimme*..Technik*.Blitf w die Bochen» elt* und.Jugend- Borwärt»* Berti« er Solksblatt Sonnabend 21. September 1929 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Sic«Infpalttg« NonparelllezeN« •0 Pfennig. Petlamezetle 6— Relch»- mark.„Kletue An�igen�' va» iettge. v ruckte Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), sedee weiter, WoN 12 Pfennig. Stellengesuch» Bat erst» WoN 15 Pfennig, sedee weitere WoN lv Pfennig. WoNe übe» 15 Buchstaben zählen für zwei WoNe. ArbeitsmarO Zeile 00 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennia. 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Zteichstagsfraktion und Arbeitslose Ein einstimmiger Beschluß Die sozialdemokratische Rcichsiagsfraklion hat in ihrer Sitzung vom Freitag zur Arbeitslosenversicherung einstimmig folgende Enlschltehung gesaßt: Die sozialdemokratische Reichstagsfraklion sieht in den sachlichen Erhebungen und Feststellungen des Sachverständigenausschusses sür Arbeitslosenversicherung eine Bestätigung� ihrer wiederholt bekundeten Aussassung. wonach die Beseitigung der nachweisbar bestehen- den Mihbräuche und eine befristete Beitragserböhung in Verbindung mit einer sozialen Neuregelung der Saison- arbeilerunlerstühung die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung ermöglichen, ohne daß eine allgemeine, sozialpolitisch unerträgliche Verschlechterung der Versicherungsleistungen vor- genommen wird. Sie stimmt deshalb den Beschlüssen des Sozial- politischen Ausschusses des Reichstags soweit zu. als ije diesen Rohmen einer Aenderung des Arbeilslosenversicherungs- gesehes nicht überschreiten. Die Fraktion begrüßt aber gleichzeitig den beharrlichen und geschlossenen wider st and. den Bartei und Gewerk- schasten in wochenlangem zähen Ringen gegen alle weitergehenden Gcsehesänderungen und Abbauplän« geseislet haben. Ohne die all- gemein politische Bedeutung irgendwie zu verkennen, die sich aus einer weiteren politischen Zuspitzung im Kamps um die Arbeitslosenversicherung ergeben kann, verlangt die Fraktion, daß auch weiterhin der bei den bisherigen Verhandlungen von den sozialdemokratischen Unterhändlern gezogenen Rohmen beibehalten wird, da die Sozialdemokratie nux innerhalb dieser Grenzen eine Mitverantwortung sür die Reform der Arbeitslosenversicherung zu tragen bereit ist. Obwohl die Sozialdemokratie die Rokwendigkeit anerkennt, die Arbeitslosenversicherung aus eigenen Mitteln zu sanieren, hält sie doch daran fest, daß bei unoorhergesdhener Zuspitzung der tage des Arbeitsmarkte» das Reich die Plslichl zur Leistung von Zuschüssen Hot. Sie lehnt es entschieden ob. daß die Sa- niernng der Reichsslnanzen und der Abbau der Steuerlasten durch einen Abbau der sozialpoli- tischen Leistungen des Reiches erkauft werden. * Nach Erledigung der Debatte über die Arbeitslosenvec- sichcrung. die mit der einstimmigen Annahme der oben wieder- gegebenen Entschließung endete, hielt der Reichsinnenministcr Genosse S e v e r i n g einen kurzen aber instruktiven Vortrag über die innerpolitischc Lage, insbesondere über das Volksbegehren Hugenberg-Hitler und über die Bombenlegeraffäre. Aus seiner Darstellung ergab sich, daß die Republik allen Eventualitäten gewappnet gegen- übersteht. � Reichstag am 30. September. Tagesordnung: Arbeitslosenversicherung. Der Aelleslenrat des Reichstags hat in seiner gestrigen Sitzung unter dem Vorsitz des Abg. Esser(Z.) die Einberufung des Reichstags für Montag, den 30. September, 3 Uhr nach- mittags, beschlossen. Aus der Tagesordnung sollen die beiden Vorlagen über die Arbeitslosenversicherung, die söge- nannte haupworlage und die Sondervorlage, stehen. Die Tagung wird nur wenige Tage beanspruchen, da nicht beabsichtigt Ist, noch andere Gegenstände zur Beratung zu bringen. Für den Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags ist die nächste Sitzung noch nicht bestimmt worden. Steckbrief gegen Herbert Volk. Wegen des Bombenaiieniais auf den Reichstag. Die Skaalsanwallschost beim Landgericht l hat nunmehr auch gegen den flüchtig gewordenen srüheren Drivatdetettiv Herbert Volk, zuletzt wohnhaft Berlin-Eharlottenburg, Augsburger Strohe 7t, den Antrag aus Erössnung der Voruntersuchung, Erlaß des Liastbesehls und eines Steckbri es es bei dem Untersuchungsrichter beantragt. Volk wird beschuldigt, an den Attentaten in Schleswig-Holstein und an dem Anschlag aus das Reichslagsgebäude in Berlin in hervorragender weise beteiligt zu sein. Wefchke hoffte auf Hugenberg. Die kommunistische„Hamburger Voltszeitung" ver- öfsentlicht in ihrer Freitagausgabe aus dem Natizbuch des Bombenattentäters Wefchke den Entwurf eines Briefes an hugenberg. in dem Wefchke sagt, daß es sich durchaus lohn«, Geld in die Londvolkbewegung hineinzustecken. Sollte er, hugenberg, an der Zweckmäßigkeit einer Unterstützung der Land- vo'lkbewegung noch zweifeln, so wäre er, Wefchke, selbstverständlich gern bereit. Herrn hugenberg in Berlin aufzusuchen und ihm Bortrag zu halten über den Stand der Landvolkbewegung und über die finanziellen Boraussetzungen zur weiteren Ausbreitung der Bewegung. Landwirte warnen vor dem„Landvolk"'. Kiel, 20. September.(Eigenbericht.) In der ausnahmslos rechtspolitisch beeinflußten Presse Schleswig-Holstcins mehren sich erfreulicherweise die Stimmen, die in deutlicher Weise von den Bombenattentaiern und ihrer Be- wsgung abrücken. Zumeist sind es die Landwirte selbst, die jetzt vor" der Landvolkbewegung warnen. Wenn auch reichlich spät, beginnt doch die Einsicht und die Bernunst zu erstarken. Aus landwirtschaftlichen Kreisen wird z. B in dem„Ost- halsteinischen Tageblatt" darauf hingewiesen, daß es nur zu einem verschwindenden Teile wirkliche Landwirte sind. die die unbestreitbare Rotlage der Landwirtschaft sich zunutze machten um ihre dunklen potilischen Ziele zu fördern, nicht zuletzt ober auch, um ihre eigene persönliche Existenz möglichst gut ZU sicher n". Die Landvolkbewegung habe es glänzend verstanden, aus der notleidenden Landwirtschaft Geld herauszuziehen. Es fei bekannt geworden, daß zahlreiche Landwirte an der Westküste sür hohe Zinssätze mehrere tausend Mark geliehen und der Landvolkbewegung unter schwerster Belastung von Haus und Hof zur Verfügung gestellt hätten. Daß diese betreffenden Landwirt« setzt nur noch das Nachsehen haben, ja. in jchwercn Verdacht kämen, sei selbstverständlich. Viel wichtiger aber als diese materiellen An» gelegenheiten sei die unbestreitbare Tatsache, daß groß« Teile der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft gerade in der letzten Zeit einem geradezu erschütternden Mangel an Urteil neuen Bewegungen und anmaßend auftretenden„Führern" zum Opfer gefallen sind. Eine ähnliche Sprache führt ein Landwirt in der„Schleswig- holsteinischen Landeszeitung" in Rendsburg, der sich scharf gegen die Attentäter und das Treiben der Landvolkleute wendet und zum Schluß die Bauernschaft fragt: „Billigt man es im schleswig-holsteinischen Bauernstände. daß eine solche Einstellung(von dieser Landvolkbewegung) zu Staat und Volk als mögliche Gesinnung de» schleswig-holsteinischen Bauernstandes und der ihm verbundenen kreise ohne Widerspruch unterstellt wird? will sich einer solchen Einstellung gegenüber der schleswig-holsteinische Bauernstand auch fernerhin schwelgend verhallen und damit indirekt billigen?" Der Landwirt betont schließlich, daß es nunmehr daraus an» komme, ganz Deutschland zu zeigen, daß zwischen den Führern der Landvolkbewegung und der schleswig-holsteinischen Bauernschaft ein großer Unterschied zu machen sei. Herr Goebbels berichtigt. Der nationalsozialistische Abgeordnet« Goebbels schickt uns folgende Berichtigung: „Unter dem Titel„Neue und alte Kämpfe" befindet sich in der Nr. 433 vom lS. September 1929 eine Darstellung, in der es unter anderem heißt, ich hätte versichert:„Wenn wir dereinst Sprengungen vornehmen— die Garantie gebe ich Ihnen—, dann sehen diejelben ganz anders aus." Diese Darstellung ist unwahr. Wahr dagegen ist, daß ich gejagt habe:„Wirklich revolutionäre Attentate sehen anders aus. Wir' haben nicht die Absicht, durch Bombenanschläge, sondern durch eine großangelegte Volksbewegung dem augenblicklichen Erfüllungssystem ein Ende zu machen." Herr Goebbels Hot fein« Rede improvisiert, ein Bericht- erstatter hat diese Stelle stenographiert. Aber Herr Goebbels ist nach seinen Reden vorsichtiger als während seiner Reden! Zweierlei Maß in Nayern. München. 29. September. Di« von der Ortsgruppe München der Kommunistischen Partei sür Freitag abend in das Kreuzbräu einberufene Versammlung mit deni Thema:„Faschismus und Proletariat" wurde durch die Palizei- direktion verboten mij der Begründung, daß dos Ziel der Berfamm- lung den Strafgesetzen zuwiderlaufe. Hitler-Versammlungen sind in Bayern erlaubt— trotz der offenen Hetze der Nationalsozialisten gegen die Lersassung! I Wenzel und Hus. Ein politischer Spaziergang um den Hradfchin. Von Ruckolt Illovy. Prag, Mitte September. Der Veitsdom auf dem Prager hradschin, der viele Jahr- zehnte unfertig dastand, nähert sich seiner Vollendung. In der letzten Septemberwoche soll er in neuem Glänze erstrahlen, denn am 28. September wird mit großem Prunk und Ge- pränge der tausendste Gedenktag der Ermordung seines Gründers, des Schutzpatrons von Böhmen, Wenzel, ge- feiert werden. Etliche Kardinäle aus Rom sind schon angesagt, und auch aus Deutschland kommt die hohe Geistlichkeit. Klug haben die tschechischen Klerikalen dieses Fest ersonnen. Sie schützen vor, es sei gleichzeitig die Feier des tausend- jährigen Bestandes des vormals böhmischen, jetzt tschecho- slowakischen Staatswesens, und lassen dem Volke die bisher sorgfältigst verwahrt» aste böhmische Königskrone, die so- genannte Sankt Wenzelskrone— natürlich gegen Eintrittsgeld— zeigen. König Heinrich I., der Finkler, der die Elbeslawen be- siegte, fiel im Frühjahr 929 nach Böhmen ein, um die deutsche Oberherrschaft, unter die Böhmen zur Zeit der Karolinger gekommen war, wiederherzustellen. Der junge Prager Herzog Wenzel aus dem Geschlecht der Premysliden sah sofort ein, daß er sich gegen die Uebermacht des Feindes nicht wehren kann, ergab sich ohne Blutvergießen und versprach Heinrich I.» einen Tribut, bestehend aus Silber und hundertzwanzig Ochsen, alljährlich nach Deutschland zu schicken. Böhmen wurde dadurch vor einer Verheerung gerettet, und die Tschechen entgingen dem Schicksal der Elbeslawen. Die Edel- leute murrten und verlangten einen Kampf um die Unab- hängigkeit. In Wenzels Bruder Boleslaw sahen sie ihren Mann. Um zum Throne zu gelangen, ließ Boleslaw seinen Bruder nach einem Gelage in Altbunzlau durch Schildknappen erschlagen. Wenzel, der ein gar frommer Herzog war, deutsche Pfaffen und Mönche ins Land rief, Kirchen und Klöster ballte, wurde von Rom heiliggesprochen. Sein Todes- tag ist die alte böhmische Kirchweih, wo man gebratene Gänse und runde böhmische Kuchen sich gut schmecken läßt und auch sonst in volkstümlicher Weise sich erlustigt. Es ist gewiß ganz absurd, einen Brudermord als Ausgangspunkt für dxn Bestand eiues Staates hinstellen zu wollen. Das Datum ist übrigens auch historisch nicht richtig, da damals über Böhmen noch Fürsten der einzelnen Stämme herrschten, die einander oft arg befehdeten und durch keine Zentralgewalt zusammengehalten waren. Wenzel war eigent- lich nur Herzog des Präger Gebiets. Die Acreinigung der Stämme zu einem gemeinsamen Staatswesen erfolgte erst später. Der Hauptzweck des jetzt von den Klerikalen künstlich gezüchteten W e n z e l k u l t u s ist aber, das Andenken an den religiösen Reformator Johannes hus zu schwächen. Der im tschechischen Volke eingefleischten hussitischen Tradition soll die Sankt-Wenzel-Tradition entgegengestellt werden. Als nach der husfeier im Jahre 1925, an der sich o f f i- zielle Vertreter des tschechoslowakischen Staates öffent- lich beteiligten, Prag mit dem Vatikan sich überwarf und der damalige päpstliche Nuntius in Prag, Monsignore Mar- maggi, hals über Kopf nach Rom fuhr, erklärten die Klerikalen, dieser Vorfall müsse bei den Sankt-Wenzels-Feiern im Jahre 1929 seine Sühne finden, hus sei der Apostel der Rebellion, des Freimaurertums und Sozialismus, Wenzel aber der Verkünder der nationalen Einigkeit und der politi- scheu Ruhe. Die tschechische Bourgeoisie ging den Klerikalen auf den Leim. Auch die deutschen Klerikalen aus der Tschechoslowakei werden in treuer Waffenbrüderschaft an dieser Tausendjahrfeier teilnehmen. In seinem Hirtenbriefe an, 4. März d. I. schrieb der Papst den tschechoslowakischen Bischöfen und Erzbischöfen, er freue sich, daß die Situation des Katholizismusinder Tschechoslowakei, die vordem ernsthaft sich zu ver- schlimmern schien, jetzt einer merklichen Besserung entgegen- gehe. Daher empfiehlt er die Errichtung von konfessionellen Schulen und eine intensive Pflege des Religionsunterrichts. Die tschechischen Klerikalen, die vor dem Kriege die festeste Stütze des Thronts und der adeligen Privilegien waren, sehen sich jetzt genötigt, sich umzustellen, da ein Großteil ihrer Wählerschaft den ärmeren Beoölkerungsschichten angehörr. Natürlich geht diese Orientierung nicht leicht vorwärts, und in sozialer Hinsicht ist die Tschechische Volkspartei so nennen sich die Klerikalen— noch immer die rückschrittlichste von allen tschechischen Parteien. Ihr Führer, der Minister für soziale Fürsorge, Monsignore S ch r a m e k, bringt durch seine anti- sozialen Maßnahmen oft den Arbeiterflügel seiner eigenen Partei in merkliche Unruhe. Die allgemeine Unzufriedenheitmitderherr- s ch a f t d e r A g r a r i e r hat in der tschechischen Presse eine Diskussion darüber hervorgerufen, ob ein Zusammengehen der s o z i a l i st i s ch e n P wr t e i e n mit' den Klerikalen ohne die Agrarier, ähnlich wie in Deutschland mit der Zentrums- partei, möglich wäre. Diese Diskussion wurde bereits vor Jahresfrist von einem fortschrittlichen Journalisten eröffnet und fand jetzt ihre Erneuerung durch ein Interview des sozial- demokratischen Abgeordneten B e ch y n e. Genosse Bechyne bejahte die Frage unter der Voraussetzung, daß die Klerikalen sich der Gedankenwelt der Demokratie und des Sozialismus nähern müssen. Der Forderung nach kon- fessionellen Schulen setzte er aber ein entschiedenes„Niemals!" entgegen. Diese Diskussion regt die tschechischen Agrarier un» gemein auf. Sie sehen schon das Gespenst einer rot-schwarzen Regierungskoalition heranrüeken und schreien Aetermordio, obwohl die ganze Diskussion nur rein akademischer Natur war. Nicht geringe Schwierigkeiten bereitet der bürgerlichen Koalition das Verhalten der slowakischen Klerikalen, die durch den jetzigen Prozeß gegen Vela Tuka stark kompromittiert erscheinen. Tuka, Madjare von Geburt, war Eheiredakteur ihrer Tageszeitung, obwohl er slowakisch nur dürftig verstand, und beeinflußte die slowakische Politik in antitschechischem Sinne. Er wird beschuldigt, Horthys Exponent zu sein und eine faschistische Organisation gegründet zu haben, die unter dem Deckmantel eines politischen Kampfes um die Autonomie die Losreißung der Slowakei' von Pra$ und Wiederoereinigung mit Budapest sich zum Ziele setzte. Im Laufe der Gerichtsverhandlung trat zutage, daß Tuka, der Erzklerikale, sogar mit Prager Kommuni st en über ihr Verhalten bei dem geplanten bewaffneten Ausstand Be- sprechungen hatte. Die Koalition hielt lange ihre schützende chand über Tuka, und nur nach energischem Drängen der tschechischen und slowakischen Sozialdemokraten entschloß sich die Regierung endlich zu diesem Prozeß. Der Führer der slowakischen Bolkspartei, Pater chlinka, der die Unschuld Tukas beteuert, kündigt für den Fall der Verurteilung den Austritt seiner Partei aus der Koalition an, was die De- Mission der Regierung und Neuwahlen zur Folge haben könnte. Die Kommunisten sind eine traurige Ruine ge- worden. Fast alle ihre Führer sind schon aus der Partei ausgeschlossen und das Parteibureau verliert eine Position nach der anderen. Die tschechische kommunistische Tageszeitung „Rud6 Prävo" wurde aus der eigenen kommunistischen Druckerei davongejagt, weil das Politbureau ohne zu zahlen nur Schulden machte, die die Druckerei zum Bankerott geführt hätten. Die kommunistische Opposition bemächtigt sich fast aller wirtschaftlichen Objekte der offiziellen Partei. Di« tschechische Sozialdemokratiewächstin sehr zufriedenstellender Weise. Sie wird, wie erst vor kurzem das Parteisekretariat meldete, schon bald mehr Mitglieder zählen. als sie zur Zeit ihrer größten Machtentfaltung, vor der Spal- tung durch die Kommunisten im Jahre 1920. besaß. Krisenhaste Zuspitzung. Prag. 20. September. sEigeabericht.) Die tschechoslowakische Regierung befindet sich in einer schweren Krise. Zu dem heftigen Auftritt der Slo- waten infolge de» hochuerratsprozesse» gegen den slowakischen Ab- geordneten Inka gesellt sich jetzt ein schwerer Konflikt zwischen der Agrarpartei und den tschechischen Klerikalen. Die am Mittwoch bekanntgegebene Ernennung des agrarischen Abgeordneten vyskousky zum Verteidigungsminister ist, wie sich neuerding» herausstellt, ohne Befragen der übrigen Koalitionsparteien erfolgt. Durch die Ernennung eines vierten ügrartfchen vlinister» fülste« sich die tschechischen Klerikalen benach- leisigt und fordern ein dritte, Portefeuille oder Konzessionen auf ku l l u r po l i t i s che m Gebiet. Am Donnerstag und Freitag wurde zwischen den Parteiführern ohne Erfolg verhandelt. Infolgedessen wurde auch der für Freitag nachmittag angesetzte Ministerrat vertagt. Eine Vermiltluag»aktioa de» bekannten nationoldemokrattsche« Führer» Sra marsch ist zurzeit noch im Gange. Die S i t u a l i o n hat sich so zugespitzt, daß mit bat- digen Reuwahlen zu rechnen ist. Aur leide Aufregung! Regierung Streerowitz versichert?1uhe. Wien, ZV. September. Die amtliche Nachrichtenstelle meldet: Die für morgen ange- setzte Heimwehrversammlung hat lediglich den Zweck, dos Pro- g r a m m der Heimwehr in der Frage der Verfassungsänderung zu verkünden. Die Teilnehmer haben einen ruhigen Verlauf g a- r a n t i e r t. Bezüglich der für den 29. September in vier nieder. österreichischen Provinzstädten geplanten Aufmärschen wird das lächerliche Gerücht zurückgewiesen, daß ein Marsch noch Wien geplant sei, die Teilnehmer werden lediglich den üblichen Umzug halten. Energische Worte Schobers. Wien, 20. September. Polizeipräsident Schober erklärte heute im Hinblick auf ein- zelne Auslandsstimmen und Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Putsch in Oesterreich dem Vertreter einer Lokolkorr«- spondenz. er könne schon früher Gesagtes nur wiederholen, wenn er feststelle, daß die staatlichen Machtmittel in Oesterreich ihrer Zahl und ihrer Ausrüstung nach jeder Eventualität gewachsen sind. Jeder Versuch, die össentiiche Ordnung zu stören, von welcher Seite innner ein solcher Versuch unternommen werden sollte, werde energisch zurückgewiesen werden. Es liege demnach kein Anlaß zu irgendeiner Beunruhigung vor, und man möge doch endlich den Versicherungen verantwortungs- bewußter Männer Glauben schenken und sich nicht durch bra- marbasierende Reden und Zeitungsartikel de- einflussen lassen. Woldemaras Rückiriii. Gensation in Litauen.— Rätselraten um die Gründe. S o w a o. 20. September. lEigenbericht.) Der Rücktritt der Regierung woldemaras hai hier geradezu sensationell gewirkt. Die eigentlichen U r. lachen der Demission sind jedoch immer noch nicht bekannt. Es wird davon gesprochen, daß Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Staatspräsidenten und woldemara» über da» neue U n I v e r s l t ä t s st a l u l den äußeren Anlaß zu der Krise gebildet hoben. An sich bestanden jedoch innerhalb der Regierung schon seil sechs Monaten scharfe Dlsserenzen über den inneren Kur» von Moldemara». Seine Wirkungen nach innen und außen dürsten dl« wirklichen Ursachen der Krise gebildet haben. Der al» Mlnlsterpräsldenl in Aussicht genommene bi». herlge Kultusminister T u b j o l l» ist am Freitagabend au» seinem Knraufenkhalt in der Ischechoflowakei nach Kowno zurück- gekehrt. Zämmerlichkeii jammervoller Gestallen. Ein Bundesgruß Hitlers an den �eichsausschuß. Heute tritt das Präsidium des Reichsausschusses für das famose Hugenberg-Volksbegehren zusammen, um über die Bedenken gegen den 8 4 zu beraten. Entweder werden einige der beteiligten Organisationen kuschen, oder es kracht. Die Rationalsozialisten ersparen den Deutschnatio- nalen nichts, aber auch gar nichts! Am Vorabend dieser Sitzung schlägt der„Völkische Beobachter" noch ein- mal gegen den Reichslandbund und den realpolitischen Flügel der Deutschnationalen los. Er gibt die letzte Mit» teilung des„Stahlhelm" wieder und fügt hinzu: „Wir hoffen, daß mit diesen Mitteilungen die„Bedenken" der betreffenden„bürgerlich-nationalen" Helden aus der Welt geschafft sind. Die gesamt« Iudenpresse hatte schon freude- geschwellt erklärt, auch der S t a h i h e l m sei gegen den§ 4. Das ist. wie gejagt, nicht der Fall, es wäre auch einnationalerSkan- dal allerersten Ranges. Es genügt« schon, daß der Stahlhelm überhaupt auf da» jämmerliche Gewinsel Hinhörle: den Erfolg dieser„Haltung" hat er ja schon gesehen. Die H e r r s ch a f t« n, die sich gegen den§ 4 des Volksbegehrens stemmen, sind jene jammervollen Gestalten, denen wir Dawes und Locarnopolitik mitzuverdanken haben, die weder folgerichtig denken noch ganze Entschlüsse fassen können. Man fleht die Erfüllungspolitit entweder als Unheil an oder nicht. Im ersten Fall müssen auch ihre Führer zur Berant- worwng gezogen werden. Und diese abgebrühten Herren erledigt man nicht moralisch, sondern nur, wenn sie wissen, daß ihnen für ihre weitere V e r s k l a v u n g s a r b e i t das Zucht» haus sicher ist. Dies« unsere sachliche Stellungnahme bleibt unverrückbar. Was Hindenburg anbetrifft, so ist dessen selbstver- ständliche Pflicht, die Gegenzeichnung de» eventuell vom Reichstag angenommenen Doung-Planes bis zum Volksbegehren und Volksentscheid zu verweigern. Eventuell auch den Reichs- tag aufzulösen, was ihm alles als verfassungsmäßiges Recht zusteht. Hindenburg hak nicht nur auf die heutige SoaUtton zu hären, sondern auch die nationalistische des deutschen Volkes W ie leicht Hindenburg zu Unterschristen veranlaßt werden kann, zeigt die Tatsache, daß derFilmjudeSiegmundMoos, Mitdirektor beim Filmjuden Karl Laemmle, auch über ein Bild Hindenburgs mit Unterschrift verfügt. Der Laemmle stand während des Krieges an der Spitze der gesamten gemeinen Filmhetze gegen Deutschland und verfertigt« u. o. da» Niederträch- tigst«„Der Kaiser, das Biest von Berlin". Und der Mitarbeiter erhält von Hindenburg— der offenbar auch hier falsch unter- richtet worden war— sein Bild. Wir fordern deshalb vom Reichspräsidenten eine gesetzlich neutrale Haltung, weiter nichts." Da soll nun Hugenberg„Bedenken ausräumen"! Alls Auslegungskünste versagen vor dieser markigen Sprache, selbst die Herren Bang und L o h m a n n können nicht da- gegen an. Es muß ein Hochgenuß für die Deutschnationalen sein, die Hitlerschen Maulschellen stillschweigend einzustecken und sich dem nationalsozialistischen Ultimatum zu unterwerfen. Es ist nicht zu glauben, wieviele Prügel die Ehe aushält, die sie mit Hugenbergs Segen mit den Haken- kreuzlern eingegangen find.„Jämmerliches Gewinsel, jammervolle Gestalten"— ein wahrhaft bundesgenössischer Ton! Die Hitler-Leute benutzen die Chance, die ihnen Hugen- berg gegeben hat, um den Dawes-Flügel der Deutschnatio- nalen mit Schimpf und Schande von seiner eigenen Partei wegzuprügeln. Und die Sache mit Hindenburg? Wem sie jetzt noch nicht ssar ist, dem ist nicht zu helfen! Ein Ausweg. Wir sind barmherzig, und wollen den Deutschnationalen des- halb nicht vorenthalten, daß der Ausweg aus der Lage, in die sie geraten sind, bereits aufgezeigt ist. In der„Deutschen Republik" bringt Heinrich Teipel eine Reihe von notwendigen Ergän- zungen zu Hugenbergs Gesetzentwurf in Vorschlag, darunter die folgende Ergänzung zu§ 4; „Reichskanzler und Reichsminister sowie Bevollmächtigte des Deutschen Reiches, die sich noch§ 4 straffällig gemacht haben, werden wegen tätiger Reue st rasfrei, wenn sie mit Angehörigen der Deutschnationalen Bolkspartei in eine Regierungskoalition eintreten." Es ist die Quadratur des Zirkels! Lungdeutsche gegen Hugenberg. Das Hochtapitel des Iungdeutfchen Ordens oeröstentlicht eine EntschließiKrg, in der es heißt: „In einmütiger Empörung stellen wir fest, daß eine Anzahl Führer der Rechten mit einer verblüffenden Leichtfertig- k e i t im Begriff ist, die nationale Opposition in eine noch nie dagewesene Niederlage zu führen. Wir legen V e r wa h- rung dagegen in, daß im Namen des nationalen Deutschlands ein Volksbegehren veranstaltet werden soll, dessen katastro- phaler Ausgang schon heute besiegelt ist. Wir fordern all« sachlich denkenden und verantwortungsbe- wußten Kreise auf, das Katastrophengesetz der Herren Hugenberg, Hitler, Seldte schon in der nationalen Opposition zu Fall zu brin- gen, um die sichere Blamage aus diese Herren zu beschränken und die nationale Bewegung vor einer Mitschuld zu bewahren." Das �bewährte" kapitalistische(System. K. B. Düsseldorf, 20. September.(Eigenbericht.) Die rheinische Wirtschaftsmetropole steht im Zeichen der Jahre stagung des Reichsverbandes der Deut- fchen Industrie. Mehrere tausend führender Industrieller sind dem Rufe de» mächtigsten Jndustrieverbandes gefolgt. Wie auf der letzten Tagung im Herbst 1927 Frankfurt a. M., die Stadt des kapital- stärksten deutschen Trusts der I. G. Farben-Industrie, als Sitzungs- ort gewählt wurde, so ist auch die Wahl Düsseldorfs sicherlich kein Zufall. In weitem Umkreis der Rheinstadt pulsiert das Wirtschasts- leben Deutschlands am stärksten, Eisenhütten, Stahlwerke, Kohlen- zechen und ein« Unzahl Fabriten umrahmen den Horizont Düssel- dorfs. In der Stadt selbst aber sind die Machtzentren der Schwer- industrie oereinigt. Hier sitzen die Leiter des Rheinisch-Westjälischen Stahltrusts, hier sitzt der Stahlwerksoerband, als Spitze der deutschen Eisensyndikate, sowie der Mannesmannkonzern, einer der bekannte- sten selbständigen Stahl- und Walzwerksunternehmungen. Der erste Derhandlungstag am Freitag begann mit einer Be- grüßungsansprache des Borsitzenden, Geheimrat Dulsberg, des Präsidenten der I. G. Farben-Industrie. Als wichtigster Punkt seiner Eröffnungsrede ist hervorzuheben, daß von einer Debatte über den Zoung-Plan Abstand genommen werden soll« und doß diese Frage der Entscheidung einer außerordent- liehen Mitgliederversammlung im November oder De- zember überlassen bleiben solle. Offenbar ist im Reichsverband selbst zurzeit noch keine einheitliche Stellungnahme zu diesem wichtigen Problem erzielt worden. Sodann gab Herr Dulsberg einen Rückblick über die zehnjährige Tätigkeit des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Im Jahre 1919, wenige Monate nach dem Zusammenbruch ist der Reichsoer- band aus dem Zusammenschluß des schwerindustriell interessierten Zentraloerbondes der deutschen Industrie, eine Verbesserung des schwerindustriell eingestellten Zentraloerbandes des Bundes der In- dustriellen, welcher die verarbeitende Industrie oertrat, sowie des Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie ent- standen. Der Redner betonte ausdrücklich, daß der Reichsverband als Zweck seiner Tätigkeit die Vertretung und die Wünsche der deutschen Industrie in allen wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Fragen sehe und dem politischen Tageskompf unbedingt fernstehe. Wie vor zwei Iahren in Frankfurt unterstrich Herr Dulsberg auch diesmal wieder die positive Einstellung zum heutigen Staat. Der Reichsverband der Deutschen Industrie könne seine Stellung nicht gegen oder neben dem Skaak, sondern nur in ihm finden und verfolge in diesem Zusammenhange eine scharfe Absage an jegliche Abenleurerpolitit. Wenn aber Herr Dulsberg hierbei betont, daß der Reichsverband in seiner Staatsaufsassung die Republik anerkennt und seinen staats- bürgerlichen Pflichten nachkommen will, so beweisen doch seine weiteren Ausführungen, daß in der Frage des Ausbaues des Deut- schen Reiches zu einem sozialen Staat der werktätigen Massen u n- überbrückbare Gegensätze zwischen Unternehmertum und Arbeitnehmerschaft bestehen. Herr Dulsberg nimmt die Wohnungszwangswirt- s ch a j t zum Anlaß, um gegen die Betätigung öffentlicher Stellen in der Wirtschaft energisch Front zu machen. Noch dieser leichten Plänkelei fährt er schwerstes Geschütz auf und erklärte, daß es dem empfindlichen deutschen wirtschastsapparal unmöglich fei. die Erschütterungen sozlolistisch-kommunistischer Experimente im Zunern Deutschland» zu ertragen. Es müsse ein für allemal gesagt werden, daß der Reichsverband der Deutschen Industrie solche Katastrophenpolitik mit aller Schärfe ab- lehne. Welcher Art diese mystischen sozialistisch-kommunistischen Experimente sein sollen, gegen die der Redner sein ganzes Tempera- ment aufbot, verschweigt Herr Dulsberg leider. Die Forderung nach einer Wirtschaftsdemokratie versucht der Redner damit kurzer Hand abzutun, daß es jetzt nicht an der Zeit fei, kostspielige Versuche mit ungewissem Ausgang zu machen. Wir sollten uns in Deutschland auf das Bewährte beschränken, und das kapitalistische Wirt- schaftssystem habe sich bewährt. Wenn Herr Dulsberg hierbei auf den hohen Lebensstandard des Volkes, und die gestiegenen Reallöhne hinweist, so vergißt er, daß diese erst in erschütternden Kämpfen und unter schweren Opfern von der Arbeiterschaft dem Unternehmertum abgerungen wurden, und daß die vom Reichever- band als so harmlos hingestellten Kartelle unter dem bewährten kapitalistischen System mit ihrer rücksichtslosen Preisdiktotur am ehesten am Lebensstandard der werktätigen Massen zehren. Er vergißt völlig die Arbeltslosen, hat sich für sie„das kapitalistische System bewährt"? Als zweiter Redner ergriff das geschästssührende Präsidialmitglied des Reichsverbandes, Geheimrot K a st l dos Wort zur Frage der internationalen Wirtschastspolitik. Er ging davon aus, daß gerade die gegenwärtigen Verhältnisse die deutsche Industrie zwingen, ihren Blick über die nationalen Grenzen hinaus in das Riesengesüge der internationalen Wirtschaft zu werfen. Deutschland sei sowohl als Objekt wie als Subjekt an der internationalen Wirt- schastspolitik auf das stärkste interessiert. In den letzten Jahren habe die Betätigung auf dem Gebiete der internationalen Wirtschaftspolitik enorm zugenommen. Deutschland müsse sich jetzt mit diesen neuen Erscheinungsformen und Arbeitsgebieten unbedingt auseinandersetzen, um sich im richti- gen Augenblick an der richtigen Stelle einzuschalten. Der Redner gab hierbei einen Ueberblick über die Organe der internati». nalen Wirtschaftspolitik, wobei er besonder« auf die wichtige Rolle des Völkerbundes und der Interna tlo- nalen Handelskammer hinwies. Er streiste in diesem Zu- sammenhang das Problem Rußlands. China», Japans i�id Alriias unter Hinweis auf die Bedeutung der überseeischen Nohitossgebiet«, wobei er die Entwicklung der paneuropäischen Bewegung, sowie der panasiatischen und panamerikanischen Bewegung besonders betorne. Leider sei nicht zu leugnen, daß trotz der mehrjährigen Arbeit auf den internationalen Wirtsehastskonserenzen zwischen Theorie und Praxis noch ein sehr großes Mißverhältnis in der Politik, in dem Vorgehen der einzelnen Staten bestehe. Jedoch müsse man, wie bei allen wirtschaftlichen und politischen Bewegungen damit rechne», daß Aktion und Reaktion einander abwechseln, und man müsse hassen, daß auch aus dem Gebiete der internationalen Wirtschastspolitik es zu einer wünschenswerten Einigung zwischen Aktion und Reaktion käme. Zum Schluß ging Geheimrat K a st l, der in Paris neben Schacht als Sachverständiger eine wichtige Rolle gespielt hat, auf die Reparae Hugenbergs H 4. »Wir werden auch vor der Autorität des Generolteld- Marschalls nicht halt machen, weim er sich zum Popan, der schwarzrotgoldenen Verräterrepudli» degr�dieie» läßt." Abg. Söbbele(Nat..Soz.) Hugenberg:-Keine Sorge, Herr Reichspräsident, der§ 4 gilt gar nicht Lhnen!� Vor den Eaarverhandlungen. Sitzung des Saaraussthuffes. tionsfrage kurz ein. Er bezeichnete den grundsätzlichen Charakter des Reparotionsproblems als ein Weltwirtschaftsproblem und wies darauf hin, daß es sich vor ollem in dreifacher Gestalt auswirke: einmal als Exportproblem, dann als Konsumproblem und schlietzlich als Kapitolproblem. Als dritter Redner sprach ein Mitglied des Verwaltungsrats der I. G. Farben-Industrie Dr. Kalle über die Ausgaben der Jndu- strie im öffentlichen und kulturellen Leben der Nation. Die Rede er- schöpfte sich in einem einzigen Lobeshymnus auf die Tätigkeit des deutschen Unter- nehmerlum» in der Uorkrlegsvergangenheil und im letzten Jahrzehnt. Natürlich erschienen in dieser Rede die Unternehmer von allen den Gegensätzen bereinigt, die sie in entscheidenden Fragen von der Masse der Arbeitnehmerschaft trennen, cherr Kalle leugnete den Gegensatz zwischen Kopital und Arbeit und wandte sich sehr lebhaft gegen die marxistische Einstellung, die heute nicht mehr allein die Masse der Arbeiterschaft beherrsche, sondern schon weit in das Bürgertum hin- eingedrungen sei. Es kennzeichnet den Standpunkt des Redners, daß er zwar immer und immer wieder die persönliche Tüchtigkeit des Unter- nehmertums und der leitenden Beamten in der Industrie in den Bordergrund schiebt und die Arbeit dieser Männer als das eigentlich Entscheidende beim industriellen Aufschwung anerkennt. Die Lei- stungen der Millionen fleißiger chände in den Betrieben und die zusammenfassende Arbeit der Belegschaften erscheinen offenbar Herrn Kalle als nebensächliche Begleiterscheinung im Produk- tionsprozeh. Die Genien der Standesherren. Erste Lesung deS Geseheniwurfs im Rechtsausschuß abgeschlossen. Der Rechtsausschuh des Reichstages setzte am Freitag die B«- ratung des Gesetzentwurfes zur Regelung älterer staatlicher Renten fort. Im Verlaufe der weiteren Einzelberatung wurden zunächst die Paragraphen 11 bis 20 der Regierungsvorlage angenommen, die das Anmeldeverfahren, die Juständtgkest der Oberlandesgerichte und des Reichsgerichts, die Zuständigkeit von Sondergerichten und andere Fragen betreffen. Die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartei, die Wirtfchastspartei und die Bayerische Volkspartei enthielten sich meist der Stimme, so daß die Annahme der betreffenden Para- graphen zum Teil durch eine Minderheit erfolgte. Schließlich wurde auch der Rest der Vorlage genehmigt. Dann war die erst« Lesung des Gesetzentwurses zu Ende. Der Ausschuß wird demnächst eine zweite Lesung vornehmen. Sowjetkormption. 3a der russischen Handelsvertretung in Leipzig. Der linkskonKbunistische„Volkswille" meldet die Aufdeckung eines neuen Korruptionssalles in der russischen Hgndelsoertretung. Diesmal ist die Rauchwarenabteilung der Handelsvertretung in Leipzig betroffen, deren Leiter Seidenberg sich zur Verantwortung nach Moskau begeben mußte. Die Reise steht im Zusammenhang mit dem plötzlichen Verschwinden eines ge- wissen Bragin, der an der Spitze des Leipziger Lagerhauses stand. Bragin ist heute Sozius in einem großkapitalistischen Pariser Rauch- warengeschäst. Seinen Anstellungsvertrag und sein kommunistisches Parteibuch sandte er.�ur gefl. Verwendung zurück*. Die mazedonische Mordserie. Ein Auslandsvertreter in Bulgarien getötet. varna, ZV. September. Georgi vaidarosf. der Vertreter der mazedonischen revolu- lionäreu Organisation im Auslande, wurde hier ermordet. Er war einer der bekanntesten Anhänger de, ermordeten Generals Protogeros f. Ja Begleitung Baidaross« waren sein Leibwächter und Christo S o tz e f f, ein ehemaliger führender mazedonischer Revolutionär, die schwer verletzt wurden. Baidaross war der Hauptrivale de« Mazedonienführer» Jwan Michalofs, aus dessen Befehl im Juli 1928 Protogerosf ermorde rt wurde. Die Polizei hat zwei Personen verhaftet, die im Verdacht flehen, an dem Mord in Borna beteiligt zu sein. Sohesf erkannte in dem einen der beiden Festgenommenen namens Tschawdarofs einen der Mörder. Hafenschlachi in Manila. Chinesen wollen an Land gehen... New Jork, 20. September.(Eigenbericht.) Im Hafen von Manila(Philippinen) kam e» zu schweren Zu- sammenstohen zwischen der nordamerikanischen Hasenpolizei und chinesischen Seeleulen, denen untersagt war. an Land zu gehen. Ach« Personen, darunter zwei Amerikaner, wurden im Nahkamps schwer verletzt. Zwei Kompagnien Infanterie stellten die Ruhe wieder her. Die chinesische Schiffsbesatzung wurde bis auf den letzten Mann verhastet und abgeführt. Das Ende einer Extratour. Aüsfchluß Maxions aus der Liga gegen den Imperialismus London, 20. September. Dem„Daily Herald* zusolge hat die britische Gruppe der za gegen den Imperialismus* gestern abend bekannt gegeben, ih sie ihren Vorsitzenden M a x t o n, der zugleich Parlaments- ":eii und Vorsitzender der Unabhängigen Arbeiterpartei lst, g e s ch l o s s e n hat. Die Begründung lautete Maxton habe sich geweigert, die Arbeit des Bundes entsprechend den Be- hlüssen des Vollzugsausschusses durchzuführen. Dies soll sich de- W-der, auf Maxtons Haltung in der Frage der britischen Pokitik j, Aegypten und P a l ä st i n a beziehen.(Die bewußte„Liga* i'i bekanntlich ein kommunistischer Münzenberg. Laden. Als Mit- 1- ied und sogar Vorsitzender der JLP.. die der Sozialistischen In- t.'nationale angeschlossen ist. hätte Maxton diesem Unternehmen gar nicht beitreten dürfen. Es geschieht ihm also ganz recht, wenn er jetzt von den Kommunisten diesen Tritt erhält, den er sich bei stärkerer internationaler sozialistischer Disziplin erspart hätte. Red. d. ,.V.*.) Deutscher und Preußischer Städtelag. Zur diesjährigen General- Versammlung des Deutschen und Preußischen Städtetages in Frank- furt a. M. treffen sich die so-iaidemokratischen Teilnehmer zu einer Vorbesprechung am 2 7. September, vorm. 8 X Uhr. im Palmengarten, Saal?. Ein Vertreter der Kommunal- politischen Zentralstelle wird anwesend sein. Komnmnalpolitssche Zentralstelle beim Parteworstand(SPD). Am Montag findet in der Stadthalle lu Heidelberg eine Sitzung des Saarausschusse»«it den Vertretern der Reichs- und Länderminlsteriea unter Aaweseaheit des Führers der deutschen Delegation für die deuisch-franzöfischen Saar- Verhandlungen, des Staatssekretär» z. D. von Simsou statt. Gegenstand der Tagesordnung ist eine Aussprach« über die bevor- stehenden deutsch- französischen Saarverhandiungen und die Beteiligung der Saar an diesen Verhandlungen. Die deutsche Delegation für Pari» wird bei diesen Beratuu- gen zum erstenmal vollständig versammelt sein und ihre Ergänzung durch die saarländische« Sachverständigen erfahren. Kein Gejohle beim Truppenabzug! Eine Warnung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz. Koblenz, 20. September.(Eigenbericht.) Die Pressestelle des Oberprasidiums teilt mit: Die bei den Per- Handlung«,.«» Haag hinsichtlich der R ä um ungdesLesetzten Gebiete» erzielten Erfolge sind von der Levölkerung des be- setzten Gebietes mit Freude und Genugtuung begrüßt worden. Es liegt jedoch im dringenden deutschen Interesse, daß allgemein und insbesondere beim Abrücken van Truppen all« Kundgebungen unterbleiben, die als«in« Behelligung der Besatzung aufgefaßt werden könnten, damit da» Werk der Besreiung unserer Rheinprootnz nicht mit unliebsamen Auseinander- setzungen belostet wird. Genfer Kommissionsbeschlüffe. Keine Einigung über den englischen Abrüstungsvorstoß. Gens, 20, September.(Eigenbericht.) Die Kommissionsarbeiten gehen ihrem Ende zu. Rur in der Abrüstungskommission stehen sich die beiden Lager Rachspiel zur Kluchi aus Lipari. Repressalien gegen Unschuldige. Pari», 20. September.(Eigenbericht.) Das Organ der antifaschistischen Konzentration, die hier er- scheinende„Liberia* erfährt aus Italien, daß die Flucht der Zwangsoerschickten Rosselli,� Nitti und Lussu außer der Verhaftung von Rossellis Frau und der Deportation seines Bruders noch weitere Repressalien veranlaßt Hot. Der Genosse Paolo Fabbri, der Organisator von Molinella, der in Lipari qfs Wäscher das Leben fristete, ist v e r h a s t e t worden, weil er, nach Aussage eines Mannes der faschistischen Miliz, am Abend der Flucht in der Nähe der Küste, wo die drei sich ins Meer warfen, gesehen worden wäre. Be- teiligung Fabbris ist natürlich ausgeschlossen. Die Flucht war nicht in Lipari, sondern-in Frankreich organisiert worden. Daß er selbst hätte fliehen wollen, ist deshalb unmöglich, weil er in sechs Monaten feine Zeit„abgebüßt* Hot, also sicher nicht sein Leben auss Spiel gesetzt hätte, um diesem Rest der Strafe zu entgehen. Weiter hat man natürlich die mit der Bewachung betrauten Pvlizeibeamten st rasversetzt und hat die Badeerlaubnis aufgehoben und die Zahl der Appell« vermehrt. Alle Zwangsoerschickten, deren Hütten an der felsigen Küste lagen, von der die Flucht ausging— hoch über dieser Küste und ohne Ausblick auf sie sind genötigt worden, aus Befehl des General-Jnspekteurs der Polizei, vom Morgen bis zum Abend, in zwölf Stunden, ihre Hütten zu räumen und sich anderswo niederzulassen. Diese Maßnahme trifft etwa hundert Famili e n. Da besonders die englische Presse sich darüber aufgehalten hat, daß der General Bencivengo und der Unwersitätsprosessor M i s u r i, sowie andere„Polttische* sich in beständiger Gesellschaft von gemeinen Verbrechern befinden, hat Mussolini die Ueberführung dieser Verschickten nach der Insel P o n z a verfügt, io daß sich nunmehr„Politische* nur in Ponza und Lipari befinden. Ueber die erste Wirkung der Flucht erfährt man, daß zunächst die größte Bestürzung herrschte. Um 9 Uhr war RossellI zuletzt gesehen worden, um 10H Uhr war schon alles arlamiert. Zunächst zeigte sich, daß ein der Anhänger und der Gegner der englischen Entschließung s o scharf gegenüber, daß man noch nicht sieht, wie es möglich sein soll, eine Einstimmigkeit in der Versammlung zu erlangen. Sonst ist man überall auf dem Weg zu mehr oder minder glücklichen Lösungen. Zurzeit wird hinter den Kulissen verhandelt über eine Resolution, mit der P o l i t i s(Griechenland) das Eingreisen der Lölkerbundsversammlung in die Abrüstungsarbeiten unter der Maske der Zustimmung unschädlich machen will. Bis- her lehnt England ab. Die Kommisssion für Wirtschastssragen nahm am Freitag den von Breitscheid vorgelegten endgültigen Bericht über die Einleitung de» Zollsrieden» in einer Fassung an, die dem R a t die Entscheidung über die Teil- nehmer an der Zollsriedenskonferenz überläßt. Man beschäftigt« sich serner mit dem Antrag über die Reparationsbank, der von dein Norweger mit Worten begründet wurde, die durchscheinen liehen. daß die Anträgsteller nicht die Absicht haben, ihren Antrag in voller Schärfe durchzudrücken. Am Sonnabend werden B r e> t s ch e i d und L o u ch e u r zu diesem Antrag Stellung nehmen, der dann mit einer Loucheurschen Formel abgetan werden dürfte. Die Kommission für politisch« Fragen Hot chre Arbeit mit der Annahme einer endgültigen Entschließung über die Flüchtlingsfroge beendet. Die Kommission für juristische Fragen überwies den englischen Antrag auf Anpassung des Bölkerbundspaktes an den Kellogg-Pakt einer Kommission von elf Mitgliedern, die im ersten Bierteljahr des kam- menden Jahres zusammentreten und auf Grund eines eingesorderten Gutachtens der Regierungen der nächsten Bölkerbundsverfammlung «inen neuen Text der betreffenden Artikel vorschlagen soll. Der dänische Antrag auf Untersuchung der Möglichkeit«hier schnellen Ratifikation der Völkerbundsabkommen wurden einer siebengliedrigen Kommission überwiesen. Unerledigt bleibt der chinesische Antrag über Artikel 19, der am Sonnabend behandelt werden dürste. leitenber Polizeibeomter nicht zur Stelle war und mit einem Motor- boot geholt werden muhte. Als man die R a d i o st a t i o n e n in Funktion setzen wollte, stellte sich heraus, daß sie unter dem Kom- mando der Kriegsmarine standen und trotz der Wut der Polizei nur von dieser Befehle empfangen konnten. Kurz nach hals elf Uhr nacht» ging die verfolgende„Flptte" ,n See. Die Motorboote hatten Befehl, die Flüchtigen tot oder lebend zur Stelle zu bringen, jebes Fahrzeug«nzuhalten und, wenn es auf Aufforderung nicht still stand, erst einen blinden Schuß abzugeben, dann s ch a r f zu schießen. Dieser Befehl galt auch für Schisse unter ou«- ländischer Flagge. Zwanzig Meilen von der Nordküste Siziliens stießen die verfolgenden Motorboote auf ein Italienisches Schiff, das auf Anruf erklärte, ein kleines mit riesiger Geschwindigkeit fahrende» Motorboot angetroffen zu haben. „Wieviel knoten fahrt ihr?* fragt der Kapitän.„Normaler. weife nicht mehr als 15*.—„Dann ist es zwecklos. Die haben fechzig Meilen Vorsprung.* So tam die..Flptte" gegen Morgen nach Lipari zurück: Kein Lussu. kein Nitti, kein Rosselli, weder!ot noch lebendig. Das war bitter. Wo doch M» f s o l t n i aus Rom hatte telegraphieren lassen:„Se. Exz. der Ministerpräsident ver- langen bis morgen die Verhaftung)>er Flüchtlinge". Slraßenumbenenuungen in Bozen. Wie die Innsbruck«? Blätter erfahren, wurden in den letzten Tagen in Bozen die in» Italienisch« nicht übersetzbaren deutschen Straßennamen aufgehoben und durch italienisch- nationale ersetzt. Es Handelt sich dabei u. a. um die Andreas-Hoser-Straße, die Adolph-Pichler« und die Gilmstraße. Zentrum und Arbeitslosenversicherung. Die Zentrumsfrattion de» R«ick>stag«s wird am Sonntag, dem 29. September, vormittag«, in Berlin zu einer Sitzung zusammentreten. Gegenstand der Ver- Handlungen wird die Reform der Arbeitslosenversicherung sein. Dcutschnationale Mißwirtschaft. In mehreren Verlammlungen der Saarbrücker Bevölkerung wurde gegen den d e u t I ch n a t i c- nalen Oberbürgermeister wegen seiner finanziellen Miß- Wirtschaft folgende Entschließung angenommen:„Die Versamm- lungen der Bürgerschaft der Stadt Saarbrücken mißbilligen auf da» schärsste das F i n a n z g e b a r« n des Oberbürger meister» Dr..Reites und ersuchen die Stadtverordneten n- st r e n g st e Kontrolle." Lwww��w�. Theater, Lichtspiele usw. | Sonnabd., 21. 9. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 197 20 Uhr Tosca Sonnabd., 21. 9. Stadt. Oper Bismarckstr Turnus IV 191/2 Uhr Staats-Oper Am PI.d.Republ. R.-S. 160 20 Uhr MO Staat). Sdiaaspt!. am Gendarmentnarlrl A.-V. 175 20 Uhr StaalLSeliiilef-Tlieater.Cliarltli. 20 Uhr Treibjagd Tlgl. t Vorsleli. 5 und«'/- Uhr Baibaretu 925t Ugisre aenea Pralle: «actaal-p 5 Ukr 511 Pf. bis] Hart «gL IV; i, taut, i Ubr 1 1ii 6 Mirt Orlarlnal- Rastellt nsw. PI/Aza 1 T8gl. B ii. 8» J Sonm.l.Sn 8U | Alu. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE GROSSES SCHflUSPiELHflllS tägl. 8 Ubr VoiKsbltline tüeatei amBOlowjistz Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin StaatLSdiilier-Ili. 8 Uhr Treibjagd mal.».Westens Täglich 8'/, Uhr Sonnab u. Sonntag 4 und 8Vs Uhr Oer Weller'olg Friederike Musik von Franz Lchar Regie: ERIK CHARELL Sesamt-iUissmilwiD: Pro). Ernst Stern. Gustau Härtung Renaissance-Theater Ueber SO Mal: 11t Uhr [Die heilige Flamme I v.W S.Maugham. Rigit; Gust. Härtung btJiriD alr C 1. 0901 o. 2583/84, Hardenbercsb. 6. IP I Rose- Theater. Grobe Frankfurter Str. 192. Hcnle 5 Uhr naffln. Sehneeunttchen Gr. 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C Sherriff Regie: HeinzHilpcrt Berliner Theater Dönhoff 170 Täglich SV« Uhr Zwei Krawatten von Georg Kaiser Musik; Mischa Spoliansky Regie: Forster Larrinaga Pianeiannm —■ am Zoo 'irlin. ludilnthiiir ilnli B.5 Barbarossa 5578 16'« Uhr Herhtf- abendeim Sternenhimmel ISV« Uhr Bit an die Bremen der Welt 20V. Uhr Rätsel des Sternenliciites Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. Mk, Kinder SO Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 Pf. Baniowsky-BQliiieD Theater in der KBniggrltzer Straße 8V. Uhr Hannibaiante Portas Komödianhau. Täglich 8Vi Uhr irrihhk Soppen Lustspiel von Julius B e rs ti Trianon-Tti.MMr9kr Täglich 8V. Uhr Ocrgr.listspisiertolo Das kimiBl doch alle Tage vor Johannes Riemaan, Vilma v. Aknay, Mix Landa, Lotte Klinder Sonnab. u. Sonntag nachm. 4 Uhr isehenbrbdel Lessing-Theater Norden 10845 Gruppe fanger Schauspieler Täglich 8V. Uhr Cyankali # 218 von Ertsdrlia wall Metropol-Tb. Tägl. 8V. Uhr Narfciia Mnslk v. Oskar Slrans KAtbc Dorscb Michael Bohnen FürNewöse: Wund« Bewirkt dal k meuf, nachdem kein! i>r Täolbra» lillel mebr bellen wollte. Ich war an schwerer Jsrrzichwäche erkrankt; nachdem ich den ersten Löffei Retcbei. „Bildruneni" eingenommen halte, bekam ich eine merkwürdige Rüde. So schreiben Diele bei nervöser SdiloslosigheiL reuboret Schwache. SchwindelansiMen, hu nerer Unruhe, Nervenkrümpsen usw. FL Mk. 1.50 und 2.50. In Drogerien und Apvldeken er- b-IIlich. sonst bei Kilo Reichel. Berlin SO. 33, Eisenbadnstr. 4. Vor Vocho Innungen unter tSu- Ichend ähnlichen Namen ich ü dl nur Baldrameni IiI.EMkZKI«EI«kIK JedeiWomz PI. FrtfsiinidlB Wirt 25 PI. ftolinig 2 lettiulniiti Wort«).— Siillajsiidie das I. f irt(tethtilruit) 15 Pf., iedesnilinWiin 18 Pf. Wirti all mebt alt 15 8, dnl.be» tihln ■für mi Wirb. Imign.»ei du fit die gidute Kunoer bestimmt sitd.niuabiinitoins 4V, Ubr nnänitfags 1» der Haupt-ExpeditioB des Vorwirts, Ligdeutriti Z. ebgegebo mdci. 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Berlin, den 20. September 1929 Geschäftsleitnng und Personal der Vorwärts-Bncbdmckerci. Beisetzung; Dienstag, den 24. Erp- tember, 15»/, Uhr. aus dem städtischen Friedhot Friedrichsfelde. Deotsüier Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeise Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Schlosser Erich Schäfer geb. 17, Juli 1884, am 16. September gestorben ist Ehre seinem Andenteu! Di- Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 21. September, ibV, Uhr, im Rrematorium Baumschuienweg statt Rege Beteiligung erwatlet vi« Orlsverwatlung. telleDangebote figdei im Yorvirts SdilosserD.Uasitiincn- dauer erb t. d. See- maschin: st.-Lausba hn Rat u. Aus! v. längs. 1 Maichn. Zuschrit.it R. E. 7485 bei Rmlcll Mosse. Bambtirg 1. Eine Packung Kukirol• Pflaster mit dem Garantie- Sdiein koste! 75 Pfennig. Kukirol hilf! sicher! Bei Nicfaterfolg erholten Sie Ihr Geld zurück! Nr. 44Z» 46. Jahrgang Go»maSe«d, 2�. September 4929 „Bibliothek und Museen zeichnen die anmutig gelegen« Stadt Bischosshousen aus, deren gewerbliche Tätigkeit dem Fleihe ihrer Bewohner dos beste Zeugnis ausstellt", so schrieb vor hundert Jahren der liebenswürdige Wanderer durch Deutschland: Karl Julius Weber, Heute würde es heißen: Hunderte von Schornsteinen, Funktürme, Stadion und Autostraßen, Flughasen, Hoch- und Unter- grundbahnen-r das bestimmt heut« die Signatur einer Weltstadt. Die gepflegt« Straße, die Parks, der Blumenschmuck— das mag auch heute noch als sichtbare Visitenkarte für den Fremden gelten — aber Bibliothek und vollends Museen? Dieser geistigen Visitenkarte wird heute nicht mehr die gleiche Bedeutung wie zu Goethes Zeiten zugemessen. Und wie die Fremden— nicht olle glücklicherweise!— den stillen Schätzen einer Stadt weniger Jnter- esse entgegenbringen, so hat auch die bodenständig« Bevölkerung— leider in hohem Maße!— die Fühlung mit der Kunst verloren____ Alarmzeichen. „Der Besuch der Berliner Museen hat nachgelassen."... In Italien hat„Mussolini die Beseitigung oller Museum-Eintrittsgelder angeordnet..." Zeichen der Zeit— aber auch Alarmzeichen. Hat die Forderung eines Eintrittsgeldes in Berlin den Besuch ungünstig beeinflußt? Oder liegen andere Gründe vor? Dem Entgegen- kommen der Generoldirektion der Berliner Museen verdanken wir die hier folgenden aufschlußreichen Zahlen. Die Verwaltung umfaßt Alte» und Ikeue» Museum, Saiser-Ariedrich. Museum. Schloß-Museum, Zeughaus, Museum für Völkerkunde l und II, Sammlung für deutsche Volkskunde. Die Nationolgalerie mir ihrer Ablage Unter den Linden und mit der Bildnissommlung am Schinkelplotz gehört nicht unter die allgemeine Verwaltung. Im Jahre 1928 betrug die Gesamtzahl der Besucher dieser Museen 7Kf) 394, davon entsielen auf das Zeughaus 270 7S1, also mehr als e n Drittel. Die Zahl der Schüler, die 1928 dos Zeughaus be- suchten, war ll 384— die Zahl der Zahlenden— die Zahl kann aus den eingegangenen Eintrittsgeldern nur geschätzt werden, da es gewisse Ermäßigungen gibt— war etwa 36 000, die der erwachsenen Besucher an zahlfreien Tagen 222 495. Di« Bevorzugung des Zeug- Hauses erstreckt sich erfreulicherweise nicht auf die Schüler: ste liefern nur etwa 5 Proz. der an zahlfreien Tagen dieses„Kultur a. D."- M'�Ieum betretenden Besucher. Dagegen stellen die Schüler etwa 11 proz. der Besucher des Allen und Venen Museum» und nahezu b proz. der Besucher des Oaiser-Inedrich-Museums. Um mit den Zahlen über den Schülerbesuch abzuschließen, sei bemerkt, daß in 1928 an zahlfreien Tagen 42 768 Schüler die genannten Museen besuchten, was unter Berücksichtigung der Ferien einen Durchschnitt von 150 Schülern pro Tag ergibt— gerade keine überwältigend« Zahl! Nach dem Zeughaus hat dos Schloß-Museum die größte Besucherzahl: 154 340 im Jahr« 1928. Auch hier dürfte der Wunsch, dos Schloß kennenzulernen, der Hauptzweck des Besuches gewesen sein. Die Museen für Völkerkunde wiesen 1928 102 706 Besucher aus, die Sammlung für deutsche Volkskunde 17 023— es bleibt für die reinen Museen: Altes und Neues Museum und Kaiser-Friedrich- Museum 1928 ein Besuch von 221 556, davon waren 26000 zahlend« Gäste. Für 1929 liegen uns Angaben über die Besucherzahlen in den sechs Monaten Januar bis Jimi vor. Sie ergeben für die ersten fünf Monat« einen Rückgang: für Juni«inen Zuwachs zu den ent- sprechenden Zahlen von 1928. Das Minus ist nicht groß im April und Mai— im März beträgt es etwa 7000, im Februar 27 000, im Januar 14 000 Besucher. Unter den Fremden, die die Museen besuchen, stellt Amerika, dann England das größte Kontingent. Aber wie gering ist doch die Zahl der Besucher überhaupt! Das Kaiser- Friedrich-Museum— sozusagen der Stolz Berlins!— hatte im April dieses Jahres 13 743, im Mai 7844, im Juni 10 540 Besucher. Der Gesamtzahl von 32 127 in den drei Monaten steht«ine Gesamt- zahl von 31 229 in 1928 gegenüber— also ein nünimalcr Fort- schritt, jedenfalls kein Rückschritt. Der Rückgang, von dem ge- sprachen wird, dürfte stch auf die Zahl der zahlenden Besucher beziehen— diese gehen zurück. Dos Durchschnittsergebnis des Be- suches im Kaiser-Friedrich-Museum stellt sich auf etwa 350 Personen pro Tag. Soll man sich damit zufrieden geben? Die sieben Museen brachten 1928 ein« Einnahme von 156 182 Mark. Davon wurden an das Finanzministerium 125 009 Mark abgeführt— den Rest dürste die Museenverwaltung für Katalog«, Publikationen usw. ausgeben. Diese Zahlen sind so klein— gemessen an den Zahlen eines modernen Budgets—, daß man sich nicht gut vorstellen kann, welche Gründe es gewesen sind, die diese Maßnahm« hervorgerufen haben. Schloß-Museum und Zeughaus bringen zusammen etwa 125 000 Mark aus, möge diesen der Tribut bleiben. Aber die Kunstmuseen befrei« man so bald als möglich von einer Einschränkung, die keinerlei Begründung hat. Wenn die Re- gierung die Leiter der Museumabteilungen fragen würde, würde sie sicher nur Stimmen hören, die für Abschaffung de» Eintritts- Der auf dem Stuhl sitzende Museumsdiener— in dem Saale ist kein Mensch. gelbes sind. Di« Kunst dem Volke— den Männern, die unsere Berliner Museen auf eine so erfreuliche Höhe gebrocht haben, ist es Ernst mit dieser Forderung. Man muß es der Generalverwallung der Staatlichen Museen lassen, daß si« ernsthaft« Versuche gemacht hat, den Museen größere Beachtung zu erwerben. Man hat einen Ailm laufen lassen, der Ansichten und hervorragende Werke darstellt, man hat im Winter „Rührungen"([gegen Entgeld von 50 Pf. Sonntags und von 1 M. an Wochentagen) eingerichtet, und man hat in den einzelnen Museen Sonderveranstaltungen eingerichtet, die zum Teil die Neu- erwerbungen zeigten, zum größeren Teil aber der Vorführung von speziellen Gebieten der Kunst gewidmet waren. Dankenswerte Darbietungen, die ober mehr den Kunstgenießer als der großen Masse etwas boten und den Zweck, Besucher in die ägyptischen Grabkammern und in die Gefilde der deutschen Kleinplastik zu ziehen, doch nur in geringem Maß« erfüllten. Plakate, die allmonatlich die. neuen Ausstellungen— 6 bis 10 an der Zahl— ankündigen, find verteilt worden: den Weg zum Volke werden sie meist nicht gefunden haben. Auch der Versuch, durch Ossenhaltung eine» Museum» in den Abendstunden das große Publikum zum Besuch zu veranlassen, ist gemacht worden. Leider mußt« dieser Versuch wegen der Beleuchtungsfrage im Schloß-Museum eingestellt werden. Er endete mit einem Mihersolg. Als maßgebend kann man ihn aber nicht betrachten. Eine neue Museumsauffassung. Wer Museen ernsten Sinnes durchwandert, weih, daß dieser Gang«ine schwere Arbest ist. Eine unendliche Reihe von Gemächern steht zu Gebote, eine Füll« von Eindrücken stürmt auf den Besucher ein. Sollte neben der sportlichen Einstellung des modernen Menschen dies« Uebersülle des Gebotenen nicht abschreckend wirken — in einer Zeit, wo„Tempo" Gebot jeder Stunde ist? Und in der die Schul« höchst selten ein« entsprechende Vorbildung gibt. Sollt« daher nicht das ganze Mufeumssystem einer Aenderung be- dürfen? In dem Sinn«, daß der ganz« Komplex für den Spezialisten und den Kunstfreund verwahrt wird, während der Masse der Durch- schnittsmenschen Ausschnitt« vorgesetzt werden, die ihn:— mit Hilfe kurzer, verständlicher Leitfaden— eine ganze Kunstepoche er- schöpfend schildern. Und zwar nicht nur aus dem Bestände eines Museum», sondern auf Grundlage des gesamten Kunstbesitzes. so daß Mobiliar, Kupfer st iche, Plastik usw den Gemälden hinzugefügt werden. Eine solche Ausstellung müßte eine künstlerische Sensation sein, müßt« die Fremden noch Berlin ziehen und müßte den Berlinern sagen: hier ist etwas, dos zu euren Sinnen spricht, dos zu schaffen«in Stolz für eure Stadt ist, das bisher nicht zu sehen war. Kunst ist Kultur— Kunst ist nicht Selbstzweck der Museen: wird der Schritt nicht getan, die Kunst in das Volk hineinzutragen, dann wird auch das neu« Geschlecht noch registrieren können: täglich 350 Besucher im Kaiser-Friedrich-Museum! Oder sollte die Zahl etwa gar noch kleiner geworden sein? von. A.M. Frey- Copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A.-«r sich schnell zu einem Großfeuer entwickelte. Als die Feuerwehr anrückte, war der enge Mietskasernenhof völlig verqualmt. Die Rauchgase zogen in den Treppenaufgängen nach oben und drangen in die Wohnungen ein. Eine Panik hatte sich der Bewohner bemächtigt, gellende Hilfe- rufe ertönten, allen war der Rückweg über die Treppen abge- schnitten. Di« Situation war äußerst kritisch. Kopflosigkeit hatte alle erfaßt; im Keller des Haufes ein brodelndes Feuermeer, das bereits auf eine Parterrewohnung übergegriffen hatte, und oben n den Wohnungen Menschen, haupffächlich Frauen und Kinder, denen der Erstickungstod droht«. Da erschienen noch im rechten Augenblick die Retter, die Feuerwehr rückte an. Menschen sind in Gefahr, so hallte es den Wehrleuten entgegen. Nur mit den leichten Gasmasken ausgerüstet, bei derartigen Verqualmungen ein ungenügender Schutz, drangen sie nach oben. Mehrere Personen waren bereits ins Freie geholt, über Leitern hatte man andere schon völlig erschöpft nach unten gebracht. Bis sich plötzlich ein Bewohner er- innert«, daß stch oben im dritten Stockwerk noch zwei Neine Kinder allein in der Wohnung befinden müßten. Dr. Noll«, Quetschte und Knobloch stürmten die Treppen hinauf. Bewußtlos lagen die Kinder dicht an der Wohnungstür. Queffchke brach selbst unter der Ein- allein in der Wohnung befinden müßten. Dr. Nolle, Queffchke und fetzt drei Menschen m Sicherheit zu bringen. Ihr Wagemut hatte Erfolg. Glücklich erreichten sie den verräucherten Hof, mit ihrer Kraft war es ober auch zu Ende, sie sanken halb ohnmächtig in die Arme der hinzueilenden Kameraden. Die Kinder waren dem sicheren Tode entristen. Die drei tapferen Retter fanden im Krankenhaus Aufnahme. Don einem Schakal schwer verletzt. Aus dem Rummelplaß in der Köpenicker Straß« ereignete sich gestern abend«in schwerer Zwischenfall. Als b«- sondere Attraktion sollten mehrere dressierte Schakal« ge- zeigt werden. Der 22jährige Dompteur Martin Höpfner befand sich bei den Tieren im Zwinger, als er plötzlich von einem k r ä f- tigen Tier angegriffen wurde. H. versuchte den Schakal abzuwehren, dabei wurde er an beiden Händen von dem wütenden Raubtier durch Bisse schwer verletzt. Außerdem trug er mehrere Bißwunden am Körper davon. Nur mit Mühe konnte der Dompteur von hinzueilenden Schaustellern vor weiteren An- griffen des Schakals bewahrt werden. H. wurde durch das Rcttungs- amt ins Urbankrankcnhaus gebracht. Vesteht eine Kohlenknappheii? Die Kleinhändler behaupten es. Wr haben bereits mitgeteilt, daß der Magistrat energisch bemüht ist, ein« ausreichende Kcchlenversorgung Berlins für den kommenden Winter sicherzustellen. Stadtrat Genosse Dr. T r e i t e l ist beim Reichskohlenkommissor vorstellig geworden, um die Frage der genügenden Berforgung zu klären. In dem Organ des Vereins selbständiger Holz- und Kohlenhändler von Berlin und Ilmgegend, dem Fachblatt des Kohlen- kleinhandels, wird die Kohlenvorsorgung im kommenden Wiitt«r gleichfalls behandelt. Es wird Klage darüber geführt, daß die Berforgung eines Teils des Berliner Kohlenkleinhandels durch die Großhändler ungenügend sei. Es wird darauf hingewiesen, daß eine ganze Reihe Berliner Kohlenhändler trotz aller ihrer Bemühungen in vielen Fällen kaum 50 Proz. der Mengen bekommen haben. die fle in der gleichen Zeil des Vorjahres erhallen haben, obwohl die Kohlenproduktion Deutschlands im allgemeinen, wie die der Niederlausitz im besonderen, fortgesetzt höher« Ergebnisie, als in all den vorausgegangenen Jahren aufweise und obwohl der Eingang fester Brennstoff« oller Art nach Berlin gleichfalls nicht unerheblich gestiegen fei. Die Kohlengroßhändler meinen, daß man derartige Klagen nicht verallgemeinern dürfe, und daß die nicht genügende Versorgung einzelner Händler wohl auf Produttivns- fchwierigkeiten des Braunkohlensyndtkats und der Zechen zurückzilführen seien, die unter dem Kohlemvirffchaftsgesetz besonders durch die Preisfestsetzung in ihrer Rentabilität gehemmt würden und unter diesen Umständen kein Interesse an der Vermehrung der Produktion ins Ungowisie hätten. Die Kohlenkleinhändler glauben, daß die vom Braunkohlenfyndikat vor einiger Zeit vor- genommene Umkontingentierung, durch die die Mengen einiger Awffchenfirmen heruntergefetzt worden feien, die Ursach« der von ihnen selbst beklagten uneinheitlichen Versorgung fei. Es wird im Kohlenhandel behauptet, daß in diesem Jahr viel mehr Kohlen nach Berlin geliefert worden seien, als im vergangenen Jahre, aus den Angaben der Reichsbahndirektion und des Reichskohlentvmmissars geht aber herbor, daß dies Plus gar nicht so hoch ist, denn vom Jamiar bis August sind nur 1866 S67 Tonnen gegenüber 1 708 780 Tonnen des Jahres 1028, also nur 157 708 Tonnen Briketts mehr nach Berlin geliefert worden. S0 Ausflügler ertrunken! Sturm über Mexiko. New Nor?, 30. September. Wie„Slflociated Preß" ans Mexiko meldet, ken- terte während eines schweren Sturmes ei« mit heim- kehrende« Ansfliiglern besetztes Motorboot in der Nähe von Pnerto Fallerta im Staate Jalisco. 30 Ans- flügler ertranken. wissenden oder naiven Augen auf oll« dies« irgendwie po- pulären oder weltberühmten Stätten, o nein, sie riskieren mir einen schnellen, schüchtern abgeblendeten Blick aus die baedekergest ernten Sehenswürdigkeiten, so im Dorübergehen und so, daß niemand etwas merken soll. Ihr Malheur ist es nur. daß man trotzdem etwas merkt! Schließlich sind auch die Kyritzer nur neu gierige Menschen und wenn sie sich auch nicht äffen und vor aller Welt vor ein Dichter- denkmal aufbauen und es mit bewundernden„Ahs" und ,F>hs" bestaunen, so tun sie dies doch mit Diskretion und aus sicherer Entfernung, so etwa süiffzig Schritte ab von diesem Denkmal oder jenem Bau.— aus einem unbeobachteten Punkt, von dem aus sich der Gegenstand ihrer Neugierde in Muße betrachten läßt. Ja, so sind»mn einmal die Kyritzer! Dringende Warnung vor Zuzug nach Berlin. Di« allmäblick wieder ansteigende Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Stadt Berlin ll8S 138 am 24. August 1929) läßt es geboten erscheinen, erneut aus die dringend« Notwendigkeit einer Beschränkung der Beschäftigung ortsfremder Arbeitskräfte hinzuweisen. Der Zuzug solcher Arbeits- kräfte ist nach den amtlichen Feststellungen nach wie vor erheblich und«»erschärst unnötig die an sich schon empfindliche Belastung des Berktner Arbeitsmarktes. Do die ortsfremden, zum Teil der Land- Wirtschaft entstammenden Kräfte, selbst wenn sie Arbeit in Berlin finden, meist nach kurzer Zeit wieder arbeitslos wer- den und in den seltensten Fällen tn ihre Heimat zurückkehren, wird BerlinimmermehrzumSammelbeckenfürMassen von Arbeitskräften, die hier völlig brach liegen, während sie auf dem Lande dringend gebraucht werden. Es Ist da- her erwünscht, daß sowohl behördliche wie private Arbeitgeber in Groß-Berlin nicht die bei ihnen sich meldenden Ortsfremden«in- stellen, sottdern auf da» bei den Arbeitsämtern vorhandene Arbester- angebot zurückgreifen. Ein« Hcinrich-Zille-Gedächlms-Ausstellunq veranstaltet zurzeit die Konsum-Genossenschast Berlin und Umgegend In ihrem Waren- haust I am Oranienplatz, Oranienstraße 164/185, deren Besichtigung völlig kostenfrei ist. Das sich in gutem Besuch zeigende große Interesse der Bertiner Bevölkerung veranlaßt die Konsum- Genossenschaft Berlin, die Ausstellungsdauer umeineWochezu verlängern, so daß sie bis zum Freitag, dem 2 7. Sep- tember, geöffnet bleibt. Der Zugverkehr«ms den Brocken wird am 15. Oktober eingestellt und am 1. Mai nächsten Jahres wieder ousgenom- men Den Deickehr auch im Winter bei Eis und Schnee durchzu- führen, läßt sich infolge technischer Schwierigkeiten nicht ermöglichen. Irl» der Llu««« w lenipelhos.' DaS B-zirlzjuq-ndamt Neukölln. «bteisimg Iua-ndpfle«-. veranslaliet am S°nntaz dem 22. S-Pt-mb-r 1929 im V°!k»parr Temvelhoser Feld iai d v i t t- u n d l e b t- d i- S, a h r. g- K i n d e r f e st. Di- ZZcranstaliuna Nagt de Bezeichnung st-« d er Blumen-. Sin st-stzuxi letzt sich um tt Uhr»om PIaS 1 de»«Port- par»(im Auge der Si-gsti-dstra«-) zum V°lk»P-lrI in Bewegung Aul der grasen Freilichtbübne finden Reigenlanze der Kmder und art.st.sche Dar- bietungen statt. Drei K a I P e r I« b ü h n e n werden grag und klein in gewähnter lustiger Weise unterhalten. Em R.esenfackelzug und«m Brillantseuerimri werden den Tag in der so beliebt gewordenen Weise be- schließen. Die Jrde«rd-,ter.Espee,. Uhr Jugendheim laude», Lwienstr. 83-85.-«ursuZgeld 4 Mk fllr hrduch 1.50 Mk), sllr den Metallarbetterkurius 2 Mk. 3. theis Wedduu». Sur ffuflblathictbreihm« ffit den ssreidenkerverband treffen sich die Genossen Sonnabend, 17 Uhr, an der ihnen bekannten Stelle. Sahireiche Beteifiouna wird erwariei. 13.«reis Tempelbos. ifraftioiissiimn« am Montag, dem 23. Sepfmfxr, Ubr, in lemperbuf, Dorfstr. 42. 14.«rris Neukölln. Die Ordner zur Iuaendweihe treffen sich am Eonnfaa, dem 22. September. 9 Uhr. im Mercedes. Palast. Hermannstrasie. 1«.»reis»Spenick. Iusendweihe der Sozialisten und ltzreidenker am Sonn. ta«. dem 22. September, 10 Uhr, im Union-Theater,«övenick, Am«oll- nisehen Pia». Genossinnen und Genosfeit werden um reae Teilnahme er- sucht.— Achtung! Sämtlich« Billrits zur Zugeudweihe sind bis heute, Ssuu-Hen», 2t. September, beim Genofie» Schubert,»ipentck,«albbueq- fttafce IIb. bestimmt abzurechnen. Nicht abgerechnete«arten gelten als perkauft. >».«reis Paulo». Rontag, 23. September, 2» Uhr,»ei Meter," 5� Zstrkifches fielt. Breite Strohe, Deteaiertenverfammlung. Tagesordnung: rFl Wahlen. Oho« Deleaiertenausweise und Paririlnicher kein Zutritt. Fi g Die»ersammlnng wird pänktlich an 2« lldr criffnet. Heute, Sonnabend, 21. September: 1. Abt. Ab 18 Uhr bei Spiegel. Ackerstr. 1. filugblallverbreituna. 17. Abt. Flugblätter von Dose, Nordbafen«, abholen. 21. Abt. Alle Mitglieder beteiligen sich rege an der Mugblattverbrritnng für die ssreidenker. Abholung von Kroll. Utrechter Str. 2t, ab t8 Uhr. 32. Abt. Die Mitglieder werden gebeten, die Flugblätter aus den bekannten Lokalen abzuholen. 35. Abt. Die Bezirisssihrer rechnen heut« die«arten zur Veranstaltung der 34. Abteilung restlos beim Genossen Langer, isrankfurter Allee 305, ab. 4«. Abt. 19 Uhr filugblattverbrettung von Eichhol». Cuvrystr. 23, aus. Rege Beteiligung wirb erwartet. »7. Abt. Renkölln. Bezirksftthrer, Klugblätter abholen von Rohr. Siegsried- strafte 28-29. Morgen. Sonntag. 22. September: 9. Abt. 9 Uhr bei Hiibner, Wilsnacker Str. 34, wichtig« Klugblattverbrettung. Besonders haben sich die Kreitenkergenossen daran zu beteiligen. Zungsoziatisten. Stvppe Friedrichs Hai». Sonntag, 22. September, Kahrt nach der Dubroto. Treffpunkt 7 Uhr Warschauer Etrahe, Stadtbahnhof. Arbeitsgemeinschaft der Kinderftennde. «rris Ritte, Gruppe Ernst Toller. Heute. Sonnabend, 1« Uhr, Treffen am Jugendheim fiehdeniiker Strohe, zur Fahrt nach Dudrowber«. Wir über» nachten in der Jugendherberge. Turn-, Badeanzug. 50 Pfennig.><- Pfund Reis, Brot und Schmiere. ledes gesondert mitbringen. Montag, 20 Uhr. fiehdeniiker Sttahe 24,«reishelsersthuna. Wir sprechen Uber die Sufammenardett mit der Arbeiterjugend. «reis Tiergarten. Gruppe August Bebel. Wir tteffen uns»um Sportteft noch Pankow am Sonntag, dem 22. September, um 11 Uhr, im«leinen Tier. garten, am Benkmal. Mitzubringen ist: 20 Pfennig Isahrgeld. blaue Mit- gliedskarie mit Bersicherungsmatke für 1929, Trinkbecher und Essen wr den �«reis Sienkölln. Am kommenden Sonntag beteiligen sich alle Gruppen voll- zählig an dem stinderfeft des Jugendamtes im Volkspark. Semeinsamer Treff» pnnit ist um 1314 Uhr auf dem Sportplab 1 des Sportparke«, an der Sieg- frlrdstrahe. Wimpel find mitzubringen. Die Arbeitsgruppe trifft sich Sonntag. 6Vii Uhr, in der Baracke Ganghoferftrabe. | Gierbeiafel der Groß- berliner Partei- Organisation 5. Abt. Untere Genossin Anna Herzog,«leine Alepanderstr. 27, ist im Alter von 52 Jahren verstorben. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung am Dienstag, 24. September. 17 Uhr, im«remawrium Geridststrahe. SozialistischeArbetterjugendGr.-Verlin Sinsendungen für dies« Ziubttk nur an das Zugendsekrttaeist Derlin SWS«, linden fstate, Lichtbilder vom Zugendtag liegen zur Einsicht und Bestellung im Jugend- sekretariat aus. Preis 25 Pfennig. Helfer für die Jugendweihe im»rohe- Schauspielhan» morgen. Sonntag, 8 Uhr, Eingang Schifibanerdamm. werden dringend benitigt. Genossen und Senoissune». bmart, soweit es euch möglich ist. Heute, Sonnabend. 21. September: «ottbusser Tor: Heim Beiher Str. 27—30. Bolk-tanzabend. onlchliehend Nachtfahrt.— Reutrlln V: Treffpunkt zur Fahrt nach der Dubrow um l8 Ubr Babnhof Neukölln. Unkosten 150 M.— Neukölln VI und VII: Treffpunkt 18 Uhr Herhbergplah. Genossen, welche nicht mitfahren können, beteiligen sich als Ordner morgen nachmittag beim Kinderfest im Volkspork Reukölln.— Neu. köll» III: Treffpunkt zur Wanderung 22'A: Uhr Bahnhof Neukölln. Nachzügler morgen Uhr eben dort.— stöllnischer Pari: fialirt nach dem Morsee Treffpunkt 2014 Ubr Schlesischer B-bnhos. Unkosten 50 Pf.— SchSuhanser Vorstadt: Treffpunkt zur aiiherordentlichen �unktionärversammlunq 19 Uhr..Sozialisten. -'O ollti �Treffpunkt zur Fahrt um Uhr Reuterplah. Noch. zügfrr 8 Uhr Bahnhof Neukölln. «erbebe, Irl«edding: Badeabend im Stadfbad Gerichtstraße um 19'/- Uhr. Mttafiedskarten sind mitzubringen. SSG. Neukölln: fiahrt noch Uehdors. Treffpunkt Wi Uhr Stettiner Bahn. Hof. Kosten«5 Pfennig. BSG. Prenzlauer Berg: Heim Danziger Str. 62, Baracke 3. Diskussions. öoeno über den Vortrag:„Die Schulqemeinde". c.,.®?!?- Tcttowkanal: Arbeitsbefprechuna um 17 Ubr im Inaendheim Efealth. »lbrech.str. 14a, wichfige Tagesordnung. Jeder sozialistische Schüler muh erscheinen. Werbebezirk Teltowkanal: Werhebezirkevorstandssihunq um 19 Uhr im Jugendheim Sfeglth, Albrechtstr. 14a. Eruppe Arnold. Air fressen uns heufe um 18 Uhr am Gorliher Bahnhof zur lsahrt in die Dubrow. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Tambourkorps. Uebungsabend im Alters- heim. Gonziger Str. 62. Schönebreg IV«Bote fialken): Jährt nach dem Werbelinsee. Kosten 3 M. Uhr KWP.. Nachzügler A Uhe� Stettiner Bahnhof. � 5odre«AI. Riede rschönhansen. 20 Uhr im..Sanssouci", Nieder. 3 g schönhousen-Nordend. Rezitation, Sprechchor, Szenenspiel, gemein- e-4 g fornet Volkstanz. Am 22. September auf dem Bolle.Sportplah. Nieder. W? Z schonhausen.Nordend 12V, Uhr. Werbeumzug durch Niederschönhausen. P4 g �dr Völkerball Handboll. Stafette, Ginrhono-Staffel. fiirkns. F- � A Ps��' Teilnehmerkarte(Nir beide Tage) Erwachsene 40 Vf.. Kinder Fl ZNorgev, Sonntag, 22. September: Wrrbelezlri Weste«: Werbeveranstaltung in Spanbau. Treffpunkt 12 Uhr �?dnhof Svandou-Dest. Die anaesesite Werbebezirksmitgliederversammluna mit Bortrag über„Jugend, Porte! und Politik" IRefereni: E. Ollenhauer). findet erst am 5. Oktober im Jugendheim Wilmersdorf statt. Werbe brziri Reukölln: Wir beteiligen uns als Helfer bei der Iuaendweihe >m Mereedes-Palast. Treffpunkt 10 Uhr am Eingang des Mereedes-Palastes. Nachmittags treffen sich die Helfer für das Kinderfest im Volkspark vom Bezirksamt um Uhr am Einaana des Volksparkes. l: Treffpunkt Aur �brt durch den Krämer mn k Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. Vorträge, Vereine undVersammlungen. W Reichsbanner..Schwarz-Roi-Gold". Geschäftsstelle: BerNn®. 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 Zr. Lichtenberg. Sonnabend. 21. September. 20 Uhr, alle KKS.-Kome- roden erscheinen zu einer wichtigen Sikung im Bereinsheim. Svorl» Plast. Aufstellen der Mannschaften für Rathenow am 29. September.-- Sonn. taq, 22. September, ssriedrichshain. 12 Uhr Antreten mit Musik und Jahnen auf den Eammefplösten zu der fiahrt noch Schönriche. fiahrfarte bis Rahnsdorf lösen. Die Angehörtgen treffen sich in Horns Kurhaus. Schoneiche, 10 Minuten vom Bahnhof Rahnsdors. Renkölln-Brist. 14 Uhr Treffpunkt Bahnhof Röhn«. dari zur Beteiligung an der Veroirftoltung Echöneiehe, Angehörige können teil- nehmen. R-chzügler treffen sich in Horn'««urhau, in Schöneiche. Wintersport- aiNeilnng. Alle Kameroden nebst Angehörigen erscheinen um 15 Uhr aus den Tennisplästen Rehberge, Afrikanische Strasse, zu unserem Tennisturnier sowie um 20 llhr zur Preisverteilung in der Sochschulbrauerei, See- Ecke Amrumer Strasse. Bessersporiabtrilung, fiug Havel. Bootshaus Tiefwerder, Dorfstr. 15/16. Logervlast Gatow(gegenüber dem Grunewaldturm). Sebönejche(Kameradschaft). Achtung. Kameraden! 14 Uhr Antreten aller Kameraden in Bannerkleiduna zum Empfang der auswärtigen Kameradschaften und»um Werbeumzua in Iichlenau und Schöneiihe. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht.— Montag. 23. Sep» tember.«renzberg. Inngmannschaft l. 20 llhr Jugendheim Porefstt. 11, fi. 11, Referat. Kameraden anderer fiüge willkommen. 3. Iugendzug. 20 Uhr Versammlung im Jugendheim Wranqelftr. 128. Renlölln-Brist. 2. fiug. Versamm» Iting um 20 Uhr im Lokal Tiesler. vorm. Wifke. Reuterstr. 47. Vortrag des Kameraden Wilh. Paestel. 3. fiug. 20 Uhr Lokal Ratgeber. Kaifee. Friedrich. Strasse 212. Vortrog des Kameraden Bornemonn über„Kommunafvofitik". Reichs lattell Republik. Sonntag, 22. September,«ipentck: 9 Uhr Ver. Berg. Die folgenden Tage bis einschliesslich Freitag bleiben den obengenannten Ortsvereinen ebenfalls frei. «rbeftsgemeinlchaft für Forsts chnst»nd Raturiunbe, e. B. 102. Arfo-Wande- enng: Eonnabend, 23. September. Wanderung von Königswusterhausen nach Mittemvalde. Bestdttfgnng der vorgeschidstllchen Ausgrabungen auf dem Pennigsberg. unter Führung von Herrn Dr. Albert Kiekebusch, Direktor der vorgeschidstlichen Abteilung des Märkischen Museums. Treffpunkt: 15V4 bis 16 Uhr Bahnhof Königswusterhausen. Mitglieder frei, Gäste 90 Pf.— 193. Arso- Wanbernng: Soitnta«, 22. September, Besuch des Instituts für Bienenkunde in Berlin-Dahlem, unter Führung vo» Herrn Prof. Armbruster. Treffpunkt 10 Ubr Instituteingang Lensteallee 86. Mitglieder irei.(Säfte 30 Pf. Freireligiöse Semeiud«. Sonntaq. 11 Uhr, Pappelallee>5, Vortrag des Herrn Dr. K. Sturm: Henrik Ibsen. Harmonium: Hebräische Smtagogal-Musil. Gäste willkommen. Berbaub der Wohunnglnchenben». v. Versammlungen mit Vorträgen: Redttsanwatt Dr. Stein und Rechtsanwalt Karl Richter. Dienstag. 24. Sep» tember, 20 Uhr. Ortsgruppe Schöneder«. Neuer Rgtskellrr. gm Rudolf-Wilde- Plast. Portal 1. Donnerstoa, 26. September, 20 Uhr, Ortsgruppe Steglist, Albrechisbo!. Albrechtstr. 34—35/ Eintritt, Reehtsauskunst, Satzung frei. Wohniingsuchende und Tauschlufttge sind eingeladen. .Der Inng« ckbor"(MvDASB.). Ächtung. Jugendweihe! Treffpunkt am Sonntag, dem 22. September, 8«( Uhr, Grosses Schauspielhaus. Eingang vom Ufer. Vollzähliges Erscheinen ist notwendig. Deutsch« Gesellschaft für Pilzkunde. Berlin-Dahlem, Köniain-Luise-Stt. 1/3. Sine Pilzausstelluna findet von Montag, 23. September, bis Mittwoch. 25. Sep- tember, statt, in den Räumen der Mariendorfer Oberreolschule. Mariendorf, Kaiserstr. 20, von 14 bis 19 Uhr. Eintritt frei(zusammen mit der Ausstrllung: Wunder der Natur). Pilzfreunlx werden arbeten. Pilze für die Ausstellung mitzubringen. Arbeitcr-Samariter-Ssunb C. B., Kolonne Berlin. Armbind« Nr. 56« sowie Ausweis 569 und Mitgliedsbuch auf den Nomen Arthur Sander laufend ist ver- loren gegangen. Desgleichen Sammelliste Nr. 12 609. die zur Sammlung am 1. und 8. September bestimmt woe. Beides wird hiermit für ungültig erklärt. Finder werden gebeten, alles gegen Srftattuna des Fahrgelde» an oben an- aegebener Adresse abzugehen. Da auf die Eammelltste noch nichts gezeichnet war. bitten wir dieselbe be! eventueller Vorlegung anzuhalten. Gemeinsames Frelluftkonzeri der Gesangvereine.Freier Bolkschor" Tegel. Gemischter Chor„Polvhpmnia" Tegel,„Freiheitsklänae" Borsigwalde.„Männer. chor" Tegelort am Sonntag, dem 22. Seplember, 14 Uhr, in Tegel auf der Dorkaue, Aauvtftrasse. Vereinigung der Freund« uon Religion und Böllersrieden, Genosse Pfarrer Bleier spricht am kommenden Sonntag, dem 22. September, um 10 llhr, in der Trinltafiskirche. Eharlottenburg. Karl-Augusi-PIatz, im Rahmen einer religiösen Feierstunde über das Thema:„Abendmahl und soziale Frage". Aebetter-Rabio-Bund Deutschlands». Gruppe Friedrichshain. Am 23. September trchnischrr Studienabend im Gruppenlokal Codiner Str. 10. Wellerberlchk der öffentlichen welferdienststelle Berlin%nb Umgegend chbr. verb.) Zeitweise aufheiternd, kühl, vereinzelt noch Schauer, frische nordwestliche Winde.— Für Veiitschlond: Auch im Osten und Süden nach ergiebigen Regensällcn kühle? und unbeständiges Weiter. Um wollene Baliykleidim� weidi und frisch zu eiiialten, rät Ihnen ARNOLD MUIXER, DEtTSCHtAWDS OHÖSST SPEZfAXHAUS FÜR KLMDEniOLBlDVNC: Verwenden Sie nur LUX SEiPENPLOCKEN -- äe».»»'S-*' SUNÜCHT GESELLSCHAFT A C.MANMCM LUX SflftNfLOCKEN Das Programm der Landwirtschast Schlechte Methoden und schwere Widersprüche. Auf der Hauptversammlung des Deutschen Laudwirtschaftsrats in Münster i. W. nahm Präsident Brandes Gelegenheit, ein landwirtschaftliches Rentabilitäts Programm zu entwickeln. Damit gab die sogenannt« Grüne Front gewissermahen eine Begründung ihrer Forderungen, die sie vor einigen Togen der Reichsregierung übermittelte und die in der Hauptsache auf eine primitive und mechanisch« Erhöhung von Zöllen hinauslaufen. Findet sich eine Mehrheit für dies Programm von Brandes, dann kann man sich auf allerhand gefaßt machen. Seine Verwirklichung dürste wohl in erster Linie eine neue all- gemeine Lohnbewegung hervorrufen. Das Kennzeichen des Programms ist überhaupt der Widerspruch in sich selbst. Im Rahmen seiner Ausführungen in Münster gestand der Prösi denk des Deutschen Landwirtschostsrates Brandes mehrfach den Bankerott der tradikionelleu Zollpolitik der Agrarier«in, was ihn aber nicht hinderte, sich als Mit- glied des Viermännerkollegiums der Grünen Front für Zoll- erhöhungen in unerhörtem Umfang einzusetzen. Di« von ihm vor- geschlagenen Bezugsscheine sind nichts anderes als verkappter Zoll. Für dieselbe Sache ist nur ein anderer Rame gesunden worden. Im übrigen soll die Politik übersetzter Agrarzölle, trotz besserer Erkenntnis großer Kreise in der Land- Wirtschaft, weitergesteuert werden. Die unbedingten Zollfreunde haben in Münster nochmals gesiegt, obwohl die Gegenseite diesmal durch Brandes öffentlich erklären konnte, daß der starre Zoll zur Erreichung angemessener und stabiler Preise ein untaugliches Mittel sei, und u. a. so weit ging, vor der vor zwei Iahren so heftig propagierten Extensivierung der Landwirtschaft zu warnen. Das Kräfteverhältnis hat sich offenbar in der Landwirtschaft noch nicht ausgeglichen. Wenn man das Rentabilitätsprogramm des Deutschen Land- wirts chastsrats auf sich einwirken läßt, hat man das Bild eines monopolisierten Trusts, der aus irgendwelchen Gründen nicht zur Senkung seiner Gestehungskosten kommt und der deshalb. ohne Rücksicht auf die Interessen der Gesamtwirtschaft, zu einer hemmungslosen Preiserhöhung greift, wobei er die bedenkliche Folge in Kauf nimmt, sich ins eigene Fleisch zu schneiden und seinen Absatz zu drosseln. Die Art und Weise, wie Brandes in Münster die Steigerung der landwirtschaftlichen Rentabilität durch eine Verringerung der Ausgabenkonten behandelt«, erinnert an die schlechtesten Methoden der industriellea Rationalisierung in Deutschland. Ziel ist für Brandes nicht die Erhöhung der Ein- nahmen durch produktionstechnisch« Leistung, sondern ein« mecha- nische Streichung der Ausgaben. Selbstverständlich muß der Präsi- dent des Deutschen Landwirtschaftsrats dabei zu dem Schluß kommen, daß sich s o eine Steigerung der landwirtschaftlichen Rentabilität ergeben wird. Eine zehnprozentig« Senkung der Steuer verringere den landwirtschaftlichen Fehlbetrag, wie Brandes in Münster vor- rechnete, um 4 Proz., die gleiche Ermäßigung der Soziallasten nur um 2,2 Proz., eine Herabsetzung der Zinsbelastung von 10 auf S Proz. auf 5 Proz. und ein« lOprozentige Senkung der Löhn« und Gehälter um rund 20 Proz. Bemerkenswert ist der Hinweis auf den Lohn- und G e hol ts a b b a u, obwohl in der Rede von 'Brandes an anderer Stelle an die gesunde Kraft des deutschen Landarbeiters appelliert wird. Bei dem Lohndruck, der doch sicherlich schon jetzt groß genug ist, da sich in den letzten Jahren kaum eine Schlichtungsinstanz an eine Lohnerhöhung gewagt hat, denkt man auch an eine Einsparung von Arbeitskräften, von der sich Brandes jedoch nicht viel verspricht. Der falsch« Ratio- nalisierungsplan— Bild des schlecht geleiteten industriellen Trusts!— führt von selbst zu der Forderung nach Preiserhöhung! „Ohne Preiserhöhung fei das Rentabilitätsprogramm nicht zu lösen." Ueber die Erhöhung von Agrarpreisen läßt sich ohne Zweifel von Fall zu Fall r.eden. Man hat das z. B. in der vom Reichsernährungsministerium eingesetzten Kommission getan, die sich mit der Stabilisierung der Weizenpreise zu beschäf- tigen hatte. Die Entwicklung des Roggenpreises auf unseren Märkten dürfte ähnliche Erörterungen notwendig machen, denn wie lange die Gelder noch zu Roggenstützungskäufen ausreichen, werden die verantwortlichen bzw. sich nicht verantwortlich fühlenden Stellen wohl am besten wissen. Die Frage ist nur die, wo d e r S t a- bilisierungspuntt liegen soll. Das war ja wohl auch der Streit in der oben erwähnten Kommission. Ebenso wichtig ist die andere Frage, wer die Last der Preiserhöhung trägt. Irgendwer muß den zusätzlichen Preis für die Erzeuger doch bezahlen. Soll das die Masse der Konsumenten tun, die bis jetzt schon in dem übersetzten Brotpreis der Müller und Bäcker «inen viel höheren Getreidepreis bezahlt, oder der Handel, von dem ja die Landwirtschaft nicht mit Unrecht behauptet, daß er zu hohe Gewinne einsteckt? Die von Brandes in Münster gegebene Antwort darcmf ist der Teil seiner Ausführungen, der hier am meisten interessiert. Brandes geniert sich wohl, in der Frage des Stabilifierungs- Punktes eine eigene Antwort zu geben. Er beruft sich auf die Grüne Front, deren Programm als gerechten Preis den Lebenshaltungsindex nennt. Damit wird ein gegenüber dem Vorkriegsverhältnis um 50 Proz. gesteigerter Preis gefordert, ungefähr mit denselben Argumenten, wie das Internationale Kupfer- kartell im vorigen Winter und Frühling seine unerhörte Preis- Hausse rechtfertigte. Auch die agrarische Presse hat damals von einer hemmungslosen Ausbeutung der Verbraucher durch die Nordamerika- Nischen Kupfermagnaten gesprochen. Ebenso primitiv wie die Fest- setzung des Stabilifierungspunktes ist das von Brandes vorgeschlagene Mittel, die Preise auf diesen schemenhaften Sta- bilisierungspunkt zu treiben. Mit Zöllen ollein sei das nicht möglich— und jetzt gibt Brandes eine geradezu klassische Be- kämpfung der agrarischen Zollpolitik und die beste Befürwortung des Getreidemonopols. Die gegenüber der Vorkriegszeit unver- hältnismäßig stärkeren Schwankungen am Weltmarkt seien durch die völlig veränderte Struktur der Weltwirtschaft, insbesondere durch die Entwicklung der Absatzmethodcn in Uebersee hervorgerufen worden. Wenn die norimmerikanische Farmerbill die Landwirtschast der Ver- einigten Staaten mit einem unverzinslichen und nicht zurückzahlbaren Kapital von 2 Milliarden Mark ausrüste, so bedeute das eine ungeheure Stärkung der nordamerikanischen Landwirtschaft gegenüber anderen Ländern. Gegen Entwicklungen und Zusammen- ballungen, wie sie im kanadischen Weizenmanopol zu finden sind, könnten Zölle allein nicht helfen. Di« überseeischen lleberschüsse drückten deshalb um so stärker auf den europäischen Markt, weil bei ihrem Verkauf oftmals nicht so sehr der gewinn- bringende Absatz, sonder« das Bestreben ausschlaggebend sei. durch Ausfuhr den Inlandsmarkt und feine Preise zu stützen. Deshalb würden die Zölle der Einfuhrländer nur zu leicht üb'er- sp ru n gen. Also der Zoll versängt nicht, aber, nach Meinung de» Präsiden- ten des Deutschen Landwirtschaftsrats, der von ihm konstruierte B e« z u g s ch e i n. Eine ausgesprochene Luftkon st ruktion. Wenn Brandes die Dietrichsche Preisausgleichsgebühr ablehnt, können wir dos verstehen. Nicht verständlich ist, wenn Brandes eine gewisse Zentralisierung siir nötig erachtet, das Staatsmouopol jedoch verwirft und der Forderung nach Zentralisierung durch seinen Bezugschein Genüge zu tun glaubt. Die Sache mit den Bezugscheinen denkt sich Brandes etwa so: Der Getreideimporteur hat neben dem festen Getreidezoll einen Bezugschein zu lösen. Dessen Preis wird so be- messen, d. h. erhöht bzw. erniedrigt, wenn sich im Inland? der oben geforderte Indexpreis nicht ergibt. Damit ist mal wieder der Stein der Weisen gefunden, dos Ei des Kolumbus entdeckt. Man kratze den Pelz— und es zeigt sich nichts anderes als gleitender Zoll. Preisausgleichsgebühr usw., haargenau dieselben Ding«, die Brandes soeben verworfen hat. Der Präsident des Deutschen Landwirtschafts- rats ist fein tm Kreis herumgeltaufe«. Bielleicht ist da- für nicht Mangel an Erkenntnis verantwortlich zu machen, sondern der Zwang durch das Viermännerkollegium, Zwang der Tradition, die bedenklichste Erscheinung in unserer Wirtschaft und das größte Hindernis für eine wirklich« landwirtschaftliche Ratio- nalisierung. Darauf kommt es scheinbar in der Grünen Front auch nicht an. Sie hat durch die Ausführungen des Herrn Brandes offen bekundet, daß sie die Preissteigerung auf jeden Fall, ohne Rück- sicht auf die Gesomtwirtschast will. Damit erledigt sich auch unsere zweite Frage, wer noch Auffassung unserer Agrarier die Kosten des Preisexperiments bezahlen soll. Dem Handel wolle man nichts an- tun, der fteie Handel soll, so wurde von Brandes ausdrücklich betont, völlig unangetastet bleiben. Der freie Handel dürfe nicht ausgeschaltet, auch nicht zum Kommissionär herabgedrückt werden. Wir können uns denken, daß der Getreidehandel, der sich ja in Magde- bürg mit ähnlichen Erwägungen geplagt Hot, in die dargebotene Hand einschlagen wird, wenn das Kompromiß zwischen Landwirt- schost und Handel nicht schon längst geschlossen und fertig ist. Bleiben die Konsumenten. Do.zu führte Brandes folgendes aus:„Jtoch ein Wort über die Rückwirkung der Preiserhöhung landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus die Lebenshaltung anderer Bevölkerungsschichten. kein Berussstand kann verlangen, daß der Lebensstandard des Bauern dauernd tiefer liegen soll, damit sein eigener Standard aus kosten de» Bauern möglichst hoch liegt." Leider gilt das nicht für die Massen der Arbeiter, Angestellten und Beamten, die aus der sehr«igentüm- lichen Rationalisierung von Münster besondere Schlüsse zu ziehen haben. Deutschlands Ernte. Ergebnisse der letzten drei Jahre. Die lang anhaltende Dürre, die das Wachstum von Kar. toffeln und Rüben stark beeinträchtigt hat, ist für gewisse landwirt- schaftliche Kresse Veranlassung, das gesamte Ernteergebnis dieses Jahres in Bausch und Bogen als ausgesprochen schlecht hinzu- stellen. Da» wirkliche Ergebnis im Vergleich zu den Vorjahren wird durch das untenstehende S ch a u b i l d erläutert. .Ernte 19�7 ,1958«.1959 In 1000 Tonnen 68X4 85 XX 7880 Bl Ii 957 9 5 8 959 6996 684?M62?8 8854 8X7 Ol Xft89 824? X7S8 1X7X9 Rolfen"Weixen Gerste H'afer Tatsach« ist also, daß der Rekordstand des Jahres 1928 bei keiner Getreideart erreicht wurde. Aber im Vergleich zu 1927 ist der Ausfall nicht ungünstig: Roggen wurde«ine halbe Million Tonnen, d. s. nahezu 10 Pro;., mehr geerntet als 1927, während das Ergebnis bei W e i z e n um 10 Proz.(400 000 Tonnen) niedriger lag. Bei G e r st e und Hafer hielt sich die Ernte auf der Höh« des vorletzten Jahres. Oeuischland im russischen Außenhandel. Starker Rückgang des deutschen Exports nach Rußland. In den ersten neun Monaten des laufenden russischen Wirtschaftsjahres 1928/29 stellte sich der Gesamtbetrag der russischen Ausfuhr über die europäischen Grenzen auf rund IM Milliarden Mark gegenüber 0,92 Milliarden in der entsprechen- den Zeit des Vorjahres. Die Einfuhr geht in der Berichtszeit auf rund 0,99 Milliarden gegenüber 1,1« Milliarden im Borjahr zurück. Im einzelnen erhöhte sich die russische A u s f uh r nach Deutschland von 265 auf 292 Millionen, während die Ein- fuhr ziemlich stark von 380 aus 273 Millionen zurückging. Trotzdem steht Deutschland im russischen Außenhandel noch weit- aus an erster Stell« vor England, das den zweiten Platz«in- nimmt. Auch nach England ist die russische Ausfuhr von rund'190 auf 245 Millionen Mark gestiegen, während die schon schwach« Einsuhr Englands nach Sowjetrußland sich weiterhin von 55 auf 59 Millionen verringerte. Die Aussuhr nach den Vereinigten Staaten konnte Rußland gleichfalls von 33 auf über 52 Millionen Goldmark ausweiten, während auch die Einfuhr dieses Landes nach der Sowjetunion um mehr als 20 Proz. auf 171 Millionen Goldmark zurückging. Wir haben also da» typische Bild einer forcierten Aus- fuhr und zugleich gedrosselten Einfuhr im sowjetrussischen Außenhandel. Wieviel von dieser Ausfuhr sogenannte Zwangs- exporte sind, läßt sich erst nach Bekanntgabe der einzelnen Außen- Handelsposten noch Beendigung des letzten Wirtschaftsjahres sagen. Verlust- wegen besseren Geschäftsganges? Die früher« Stinnes-Domäne, Deutsche Gasolin A.-G., die zum Konzern der I. G. Farbenindustrie A.-G. gehört, weist für das am 31. Mörz abgelaufen« Geschäftsjahr 1928/29«inen Verlust von zirka 244 000 Mark aus, so daß sich der Verlustoortrag auf 2,87 Millionen Mark erhöht. Dieser Verlust ist aber einzig und allein ein Produkt der Bilanzierungskunst. Denn nach dem Geschäfts- bericht hat sich das B e n z i n g e s ch ä f t mit der Zunahme des Auto- verkehrs so gebessert, daß alle Fabrikbetriebe ausreichend be- schäftigt waren. Dos künstliche Benzin finde bei den Ab- »ehmern eine sehr günstige Ausnahme: außerdem werden von der Gesellschaft M o t a l i n. der klopsfeste Betriebsstoff, Schmieröl, Asphalt und chemische Erzeugnisse oertrieben. Der Verlust hat folgende Ursachen: einmal wird recht kräftig abgeschrieben: dann wird mit dem steigenden Absatz die Verkaufsarganisatoin aus- gebaut, versteht sich— über Handlungsunkostenkonto, das deshalb auch um 0,75 Millionen Mark höher als im Vorjahre erscheint. Und schließlich ist die Gesellschaft mit stillgelegten Fabriken belastet, die viel Zinsen fressen und nichts einbringen. Daher erklärt sich der hohe Posten B a n k s p e s e n von 0,87 Millionen Mark, der aller- dings um 0,3 Millionen Mark niedriger als im Vorjahre ist, weil die Gläubiger sich um 5 Millionen Mark auf 14,7 Mark ermäßigten. Wenn auch auf der anderen Seite Schuldner um 3 Millionen Mark zurückgingen, so bleibt doch eine Besserung der Bilanz um 2 Millionen Mark— kein schlechtes Zeichen für die Kapitalkraft der Gesellschaft, zugleich ein Zeichen für die fiktive Natur dieses Verlustes! Berliner Bankfirma verkrachi. Den Kursrückgängen an der Berliner Börse in den letzten Wochen hat«in älteres Berliner Bankgeschäft nicht standgehalten. Di« Bankfirma Siegmund Sternheim sst zahlungsunfähig geworden, weil zu den Kursrückgängen noch Ausfälle bei Schuldnern kamen. Die kleinen Gläubiger bis zu 4000 Mark sollen voll, die G r o ß gl ä ubig e r mit 76 Proz. ihrer Forderungen befriedigt werden, vorausgesetzt, daß die Großgläubiger diesem Vor- schlage zustimmen und so der Konkurs oermieden wird. Auf olle Fälle wind die Firma aufgelöst werden. Bayerische Motoren-werke: Börsenkurs und Geschäftsgang. Bei den Kursrückgängen der letzten Tage in«inigen Spezial- papieren fiel es besonders auf, daß sich auch die Zlktien der Vaye- rischen Motoren-Werke(BMW.) darunter befanden, zumal doch das linternehmen in den letzten Iahren die für Maschinenbetriebe sehr hohe Dividende van 14 Proz. verteilen konnte. Wie jetzr bekannt wird, handelt es sich bei diosem Kursrückgang um nichts weiter als einige mißglückte S p e k u l a t i o n e n:�es wurden in den letzten Tagen mehrere Aktienposten, die von den Spekulanten nicht abgenommen wurden, versteigert(exekutiert), was zu dem aus- fälligen Kursrückgang führte. Es ist deshalb auch nicht verwunder- lich, daß der Kurs am Donnerstag sich ebenso plötzlich um 10 Punkte (auf 93%) erhöhte.— Uebrigens wird der Geschäftsgang bei den BMW. als befriedigend bezeichnet. Der Flugmotoren- bau, der infolge Ausfalls der Reichsaufträg« nicht so gut wie im Borjahre beschäftigt sei, habe in de» letzten Togen neue Aus- landsbestellungen hereinbekommen. Und wenn der Motor- r a d a b s a tz nicht so hoch wie im Vorjahr sei, so sei dagegen das Kleinwagengeschäft außerordentlich zufrieden- stellend. Seit Beginn des Verkaufs Mitte Juli betrag« die monatliche Ablieferung etwa 1500 Wagen. Zunahme de» Eoergieverbrauchs. Die Großkraftwerk M a n n h e im A.-G., ein unter Führung der Stadt Mannheim stehendes gemischtwirtschaftliches Unternehmen, teilt in ihrem Geschäftsbericht mit, daß der Stromverkauf in decn am 31. März 1929 abgelaufenen Geschäftsjahr mit 195 Millioi.cn Kilowattstunden um m e h r a l s 1 0 P r o z. h ö h e r als im Vorjahr war trotz der rückläufigen Konjunktur. Infolge Fertigstellung einer Hochdruckanlage erhöhte sich der Wert der Anlagen um 5,5 Millionen Mark auf 17,2 Millionen Mark. Trotz erhöhten Kapitals und er- höhter Anleihezinsen wird wieder eine Dividende von 7 Proz. aus die Stammaktien verteilt. Eigentürnlich berührt es, daß auch dieses gemischtwirtschaftliche Unternehmen sich ge- müßigt fühlt, über Lohn- und Steuerbelastung zu klagen. Uebrigens ist die steuerliche Belastung pro Kilowattstunde von 0,14 Pf., von einem Siebentelpfennig, so gering, daß man damit wohl nicht die Tarifverschlechterung entschuldigen kann. Aber die Verteuerung der Kohle vom 1. Mai 1928 um 2 M. pro Tonn« oder um 15 Proz. dürfte ganz anders ins Gewicht gefallen sein. Schlechtes Zeichen für die russische Planwirtschaft. Man macht in Rußland phantastische Pläne, in denen die Produktion bis ins kleinste und bis ins fünfte Zukunstsjahr vorausbe stimm» ist. In Wirklichkeit werden nicht einwal die Pläne für dos laufende Jahr innegehalten. In den ersten 11 Monaten des Wirtschaft-- jahres 1928/29 blieb die Kohlenförderung des Donezbeckens mit 23,75 Mill. Tonnen zwar nur um 0.7 Proz. hinter dem Bor- anschlog zurück: aber die Mechanisierung des Berg- bau es erreicht bei weitem nicht den vorgeschriebenen Grad, und, was am wichtigsten ist, die Leistung des einzelnen Arbeiters konnte längst nicht in gefordertem Maße gesteigert werden. Wenn das schon bei der wichtigsten und noch am leichtesten zu beurteilenden Urproduktion geschieht, wie wird es dann bei den kleinen Zweigen der verarbeitenden Industrie werden! _ Die Radioinleressen von Siemens. Wie wir hören, hat die «iemens u. Halske A.-G. von der Radiovifor Foreign and C o l o n i a l Ltd. das Recht zur alleinigen Herstellung und zuni Vertrieb von Selenzellen, die bei der Herstellung von Radioapparaten Verwendung finden, für zehn Jahre erworben. Die Siemens u. Halske A.-G. zahlt an die englische Gesellschaft eine Lizenzgebühr siir alle Apparate, die mit diesen Zellen ausgerüstet werden. Um die russische Konzession der ÜG.-Farben. Di« Meldung der bekannten französischen Zeitschrift„Iaurnee Industrielle", die IG- Farben wolle ihre Konzessionsverträge mit Sowjet- rußland kündigen, wird als falsch bezeichnet. Zurzeit be- finde sich zwecks Verhandlung über eine Kon.zessionsverfängeruna eine Kommission der IG.-Farben in Rußland. Die Aussichten für diese Verhandlungen wären olleröings wegen der russischen For- derungen nicht allzu rosig. «ftantroortlid) für P-Iitik: Dr.«»rt Wirtschaft:«Jtnotlhöfrf Srvartschaftsbeweflung: I. 81«»"**: Feuilleton; Dr. Zoh» 8chito«»«- Lokale» und Souftuies: Wolter Troj»»:«njeiqen: Ii),«loche; sämtlich in Serlin Beila«: Vorwärto-Berlao®. m b. S- Berlin Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Vaul Singer u. Go., Berlin SW. 88. LinSenltroSe t. Hierzu 1 Beilage und»Unterhaltung und Tigen» Sonnabend 21. September 1929 Unterhaltung und ÄNissen Vellage des Vorwärts ./Irlhnr fßerger: Unser Eislots« kam die Treppe herab und rief nur das eine Wörtchen:„chmdbjörn!*(Eisbär) in unsere Kabine. Das Fangboot war bald klargemacht, wohlbewaffnet stiegen wir ein, galt es doch zum erstenmal, auf ein so starkes Wild zu jagen. Inzwischen behielten wir die Vären immer im Auge. Sie waren inzwischen über die weite Eisfläche gekommen und näherten sich dem Rande, um auf Sechundsjagd zu gehen, denn hier und da lag einer diesen feisten Gesellen faul auf dem Eise. Fast lautlos glitt unser Boot dahin, dem Packeise zu. Endlich war es erreicht. Ohne Bedenken sprangen unsere erfahrenen Eisleute auf die Schollen, und auch uns blieb nichts anderes übrig. Zwar betraten wir mit einigem Zögern den recht schwanken Boden, und hätten uns nicht die Bären gelockt, wir würden es uns wohl dreimal überlegt haben. Ewig tanzten die Schollen im Takt der Wellen, knirschend rieben sie sich aneinander. Bald öffnete sich ein Spall, und nur durch einen gehörigen Sprung war die nächste Scholle zu erreichen: wehe, wenn man zu kurz sprang! Da trat ein Moment«in, der mir unvergeh- lich bleiben wird: Die Bären eräugten uns, aber anstatt zu fliehen, hoben sie windend ihre schwarzen Nasen— ein wundervoller An- blick—, und dann kamen sie in großen Schritten geradeswegs auf uns los— aus den Anpirschenden waren mit einem Schlag die An- gepirschten geworden. Wir wollten sie möglichst nahe heranlasien, unser Eislotse sagte aber, als sie noch etwa fünfzig Schritt entfernt waren, nun müßten wir schießen, denn sonst würden die Tiere ver> mutlich ins Wasser gehen, unter den Schollen wegschwimmen. Wir waren vom Anblick zweier auf uns heranschreitender Bären so gefessell, daß wir uns kaum zum Schuß entschließen konnten. Ein dringend mahnendes:„Schießen!' von feiten des Eislotsen schreckte uns auf, und fast gleichzeitig fielen die Schüsse. Der erste, stärkere Bär lag im Feuer, war aber sofort wieder hoch und flüch- tcte dem sich blitzschnell wendenden zweiten nach. Dieser Empfang war doch zu unfreundlich gewesen. Schon im nächsten Augenblick bekam er eine wettere Kugel, deren Einschlag als blutiaroter Fleck deutlich auf dem gelblichen Pelz sichtbar wurde. Noch ein paar Fluchten, dann brach er unter einer wetteren Kugel endgültig zusammen. Der andere hatte so geschickt hinter aufgetürmten Eis- schollen Deckung genommen, daß er erst nach fünfhundert Metern uns wieder sichtbar wurde. Nun hieß es möglichst schnell an den ersten, gestreckten, heran, daß er nicht etwa noch mit dem letzten Rest seiner Kräfte ins Wasser gleiten und uns wegtauchen tonnte. Springend ging es von Scholle zu Scholle, bald acht« der Fuß nur für den Bruchteil einer Sekunde auf einem kleinen, sich drehenden Eis klotz, dann wieder glitten wir über meterhohe Flächen. Die Spur ist nicht schwer zu finden, rot zieht sie sich auf dem weißen Schnee hin: Noch sst der Riese nicht verendet. Als wir herankommen, sitzt er da, will auf, flüchten oder sich auf den Feind stürzen. Doch die Kräfte oersagen ihm, stöhnend legt er sich nieder, den Kopf wie ein schlafender Hund aus die Borderpranken bettend, und im nächsten Augenblick befrett ihn ein Schuh von feinen Leiden. Nun heißt es hinter dem andere« her. Der hat einen weiten Bor- sprung, aber vielleicht holen wir ihn doch noch ein. Wohl zeigen Schweißtropfen(Blut) ttt der deutlich im Schnee sich abhebenden Fährte an, daß eine Kugel gesessen hat, aber es scheint nur ein Fleischschuß zu sein, unaufhaltsam ist er weitergeflüchtet. Wir solgen. SchKeßlich dauert es mir zv lang«. Echo« hat der Schweiß auf. gehört, und so beschließe ich, allein nach dem Schisf zurückzukehren, während mein Reisegefährte mit den Leuten allein der Spur folgt. Unendlich langt dehnt sich die Zeit, mit halbgeschlossenen Augen folge ich unseren Spuren rückwärts und erreiche wieder das Schollen- eis Weit draußen auf offener See erblick« ich unseren„Expreß". Bald kam auch mein Freund zurück. Er hatte schließlich die Verfolgung aufgeben müssen, da der Bär dem Lande und den gletscherbedeckten Bergen zugewandert war. So hatte der erste Tag in Spitzbergen uns gleich einen starken Bären gebracht. Täglich gab es Jagd. Der ständige Posten in der Aussichts- tonne meldete bald einen kleinen Seehund, bald eine Bartrobbe. Im Boot oder mit langer Pirsch auf dem Eise brachten wir sie zur Strecke, und schmunzelnd freuten sich unsere Leute über all die Fässer, die sie schon mit dem Speck der erlegten Seehunde ge> füllt hatten. Hier, wo wir am Rande des Festeises lagen, konnten wir beobachten, wie die Robben sich auf den großen Eisflächen Schlupflöcher offenhielten, durch die sie auf das Eis hinaufgelangen konnten, um sich zu sonnen. Offenbar schließen sich diese Löcher selbst bei großer Kälte nicht ganz, da die Seehunde mehrmals täglich für ihr Offenbleiben sorgen und im Notfall durch einen Schlag mit dem Kopf etwaiges Iungeis beseitigen. Diese Stellen sind den Eis- bären wohlbekannt, und schon nach einigen Tagen hatten wir Ge» legenhett, einen Eisbären zu beobachten, wie er die Robbenlöcher inspiziert«. Er ging der Reihe nach an eine Anzahl derselben heran, schnuppert«, offenbar, um sich zu überzeugen, ob die Seehund« häufiger hindurchkamen, und wandert« weiter. Endlich schien er das richttge gefunden zu haben. Er legt« sich an einem nieder, die Pranken settlich des Loches ausgestteckt, um den auftauchenden Hund sofort mit einem mächtigen Prankenschlag zu packen. Wind und Sonn« standen für uns sehr günstig, und so be- schlössen wir, unser Hell mit diesem Eisbären zu versuchen. Diesmal waren die Verhältnisse andere als bei dem ersten Bären, und damtt er uns, falls wir nicht nahe genug herankamen, nicht zu früh aus- rückt« und dem Lande zuflüchtet«, wanderten wir seitlich von ihm dem Festland zu, als ginge uns der Bär gar nicht« an. Erst als wir an ihm vorüber waren, schwenkte unser Zug(wir waren sieben Mann) seitlich um, bildeten eine lange Linie und drängten auf den Bären los. Er wollte oersuchen, an uns vorüber nach dem Land auszurücken, aber da hatte er nicht mtt unserer Schnellfüßigkett ge- rechnet. Wir rannten, was wir konnten, schrien ihn an und er- reichten so unser« Absicht, daß er abbog und dem offenen Wasser zulief. Vom Schiff aus war der ganze Vorgang beobachtet worden, und als der Bär im Wasser war, stieß«in Boot ab, um uns an der Eiskant« für die weitere Verfolgung aufzunehmen. Nun begann die Hetzjagd im Wasser. Da» Tier schwamm er» staunlich schnell, und unsere Ruderer hatten gehörig zu tun, ihm näherzukommen. Da flüchtete er auf eine Eisscholle, aber das Boot blieb Ihm an den Sohlen. So sprang er wieder ins Wasser, Aengst- lich blickte er sich um, suchte seitlich zu entkommen, aber«« half ihm nicht». Wir fuhren ganz nahe heran, denn ich wollt« ein« möglichst gute Aufnahme von ihm machen. Das nahm er ober sehr übel. Mtt einem Mai« warf er sich herum und packte blitzschnell«in Ruder. offenbar, um sich auf das Boot zu stürzen. Mtt einem mächtigen Stoß des schweren Riemens stieß ihn einer der Matrosen zurück. Aber so leicht wollte sich das gereizte Tier nicht abschütteln lassen. Wütend grub es feine Zähne in das Holz. Da baten unsere Nor- weger, ihn zu schießen, denn schon manche« Unheil wäre auf diese Weise passiert. Mein Freund war am Schuß, und im nächsten Augenblick brach der Bär mV einer Kugel im Schädel zusammen. 3>as äUeftemenfchlicheWefen entdeckt Ein Fossilienfund, der von Fachleuten für die wichtigst« bisher gemachte Entdeckung auf dem Gebiet der menschlichen Stammes- kimde bezeichnet wird, ist vor kurzem in einem alten Kalksteinlager bei Peking gemacht worden. Es handell sich um«ine Anzahl von Skeletteilen des sog.„Peking-Menschen", des Sinanthropus Peldnensis, von dem man zuerst durch die Auffindung einiger Zähne gehört hatte. Dies« Pekmg-Mensch stellt die größte An- Näherung an dos sog.„miszios linic*. da« fehlend« Glied zwischen Mensch und Affen dar, das bisher gefunden worden ist. Er weist Züge auf, die dem Menschen sehr viel näher stehen als alle die anderen bisher gefundenen Dorläufer der Menschenrasse, als der berühmt«„Affenmensch von Java", den der holländische Arzt Dubois 1891 entdeckte, und der 1912 in England gefundene „Piltdown-Mensch". Der Peking-Meusch ist zwar noch viel primi- tioer als all« bisher bekannt gewordenen Typen, die dem Menschen- geschlecht angehören, aber er sst doch beretts durchaus«in mensch- liches Wesen, nur noch nicht von dem«enus bomo sapicnz, dem rotr angehören. Nähere Mitteilungen über diesen aufsehenerregen- den Fund werden von dem Pekinger Berichterstatter des„Man- chester Guardian" gemacht. Die erste Spur des Peking-Menschen fand man Ül zwei Zähnen, die von dem schwedischen Ceologen Dr. Andersson 192S an einem Ort namens Schu-ku-tten zwischen den Hügeln südwestlich von Peking gemacht wurden, wo sich die Risse eines ausgehöhlten Kalksteinlagers voll von Gebeinen vorgeschicht- licher Tiere fanden, die hier von oben hineingefallen und in Urzeiten vom Strome fortgeschwemmt worden waren. Die Knochen waren zu einer festen Masse durch den Kalk zusammengeschmolzen, und so wurde da- ganze Material ausgehoben und von dem deutschen Paläontologen Dr O. Adansky nach Upsala gebracht, wo sich unter den Tierknochen zwei Backenzähne von deutlich menschlicher Form. einer eines Erwachsenen und einer jnnes Kindes, fanden, sowie Steinwerkzeuge von allerprimitivster Form. Natürlich machte man daraufhin die größten Anstrengungen, um mehr von diesem Ur- menschen zu finden der die Werkzeuge benutzt hatte, und mit Unterstützung der Rockefeller-Stiftung arttetteten ein schwedischer Paläontologe Dr. Birger Bohlin und ein kanadsscher Gelehrter Dr. Davidson Black mtt größtem Feuereifer an der Fundstelle, bis sie einen weiteren Zahn, einen vorzüglich erhaltenen Backenzahn eines neunjährigen Kindes, fanden. Aus �diesem Fund ergab sich ganz deutlich, daß es sich um einen neuen Typus des„Hominiden" handelte, der weder Mensch noch Affe war. aber dem Menschen sehr viel näher stand als dem Affen. Dieser Zahn, der als„der wichtigste Zahn der Welt" und ein Warkftem in der Entwicklung der Mssschemnsie gefeiert mvxbc, gab Dr. Bohlin«inen neue» Ansporn, und so kehrt« er trotz der Unruhen und der schwierigen Derhällnisse, die sein« Arbeit beretts vorher gehemmt hatten, im vergangenen Herbst nach Schu-ku-tien zurück, arbeitete den Winter über bei furchtbarer Kälte und unter den größten Entbehrungen, aber ergebnislos. Er wollte schon auf- hören, als er am letzten Tage in dem losen Sand, der bei den Grabungen ausgehoben worden war. einen Kiefer entdeckt«,« dem sich noch die Zähne befanden, und dann Teil««wer ganzen Anzahl von Skeletten, darunter mehrere ander« Kiefer und Zähne, ein« Schädeldecke, sowie verschieden« Knochen. Man hofft, noch ein voll- ständiges Skelett, das erst« eines �Renschen der Alten Steinzeit", zu finden. Der frühere Professor der Paläontologie an der Universität Eolumbia, Dr. Amadeus W. Grabau, der mtt Black eine genaue Untersuchung der Fund« vorgenommen hat, fand die nach dem Studium der Zähne ausgesprochenen Vermutungen bestätigt, daß es sich hier tatsächlich um einen besonderen Typus des primitiven Menschen handelt, der bereit» einen gut entwickelten Schädel,«in Gehirn von ziemlicher Größe und Zähne von mensch licher Form besaß, obwohl sein Kiefer noch die typischen Merkmale des Affen aufwies. Verglichen mit dem Affenmenschen von Java ist der Peking-Mensch viel fortgeschrittener. Nach Dr. Blacks An- jchauung sst der Affenmensch von Java ein„Seitenschößling" de» Stammbaumes, der zum Menschen führt, kein unmittelbares Zwischenglied zwischen Menschenaffen und Affen: er wanderte nach Süden und verlor die Beziehung zu dem Hauptstamm, der sich weiter entwickelte. Der Peking-Mensch ist nach Prof. Grabaus Urteil„der wichtigste Fund aus der Frühzeit des Menschen", der je geniacht wurde, und zwar aus folgenden Gründen: l. Der„Peking-Mensch" wurde von wissenschaftlich geschulten Forschern gefunden, die genau wußten, wonach sie suchten, während der Neandertaler und der Ptltdown-Mensch zufällig durch Arbeiter entdeckt wurden. 2. Die Ueberrest« wurden zusammen mit einer großen Anzahl gleichzeitiger Gegenständ« ans Licht gebracht, darunter von fossilen Tierknochen, durch die genaue Anhaltspunkte für die Zeitbestimmung gegeben sind. Z. Es sind Ueberrest« von mehr als einem, vielleicht von einem halben Dutzend Wesen. 4. Die Loge des Fundorts an dem Ostend« des„Eurosiatischen" Erdteils ist wichtig im Gegensatz zu der des Piltdown-Menfchen am Westend«. 8. Di« Zähne beweisen, daß der Peking-Mensch dem heutigen Menschen näher stand als der Piltdown-Mensch. Das Mter des Fundes wird auf etwa«ine Million Jahre ge- schätzt. Wo dieser Typus seinen Ursprung hat. ist noch ungewiß, aber vieles messt nach Mtttelasien hin. Dr. Grabau glaubt, daß für die Entstehung des Menschengeschlechts am ehesten das Sinkiang-Becken in Betracht kommt. Durch die Auffattung des Himalaja-Gebirges vor 29 Millionen Jahren teilt« sich das Gebiet in zwei durch ein« unübersteigliche Mauer getrennte Land- strecken, und für die in den Waldgebieten lebenden Menschenaffen wurden verschiedene Lebensbedingungen geschaffen. Di« südliche Gruppe, der der Assenmensch von Java angehört, veränderte sich wenig, aber die nördliche Gruppe war gezwungen, sich zu ent- wickeln oder zu sterben. Als mit dem Verschwinden der Wälder der Loden allmählich austrocknete, mußten diese Menschenaffen sich einem viel härteren Klima anpassen, und die Ueberlebenden reisten so zu jenem schon menschlichen Typus heran, den der Peking-Mensch darstellt. Jlmerikanifche Wngestieferfarm Einen schweren Kampf führen unsere Vettern jenseits des großen Teiches gegen jene Plagegeister— Küchenschaben, Flöhe, Wanzen, Läuse—, die drüben wie hier als die„Haustiere" unter den Infekten anzusehen sind. Von dem Gedanken ausgehend, daß man den Feind, den man bekämpfen will, erst kennenlernen muß. hat man in der amerikanischen Stadt Vienna zum genauen Studium des Ungeziefers ein eigenes Insektanum erbaut, wo von Staats wegen alle Mittel erprobt werden, die zur Bekämpfung der Plage auf dem Markt erscheinen. In dieser„Flohfarm", wie das Insektarium im Volksmunde genannt wird, werden stets groß« Mengen des betreffenden Ungeziefers großgezogen, in der ihnen gewohnten Umgebung gehalten und studienhalber sorgfältig verpflegt. Küchenschaben haben vorm Tageslicht geschützte Brutkästen, für deren ausreichende Erwärmung gesorgt ist, die hungrige Kleidermotte wird mit bester Schafwolle und Wollumpen gefüttert, und auch den Wanzen glaubt« man Ge> rechtigkett widerfahren zu lassen, wenn man ihnen weiße Mäuse hielt, da Menschen sich nicht fanden, die sich als Wanzenfutter in den Dienst der guten Sache stellen wollten. Es kam aber, wie die Monatsschrift„Wissen und Fortschritt" berichtet, anders als die Gelehrten von der Insektenfarm es sich ge- dacht hatten. Die Wanzen fanden gar keine Gelegenheit, die Mäuse zu beißen, vielmehr wurden sie selber von jenen Nagetieren ausgejressen. Da hieß es denn für neue Bestände sorge- und man beschoß, das mißliebige Insekt für zwei Pfennig das Stück anzu- kaufen. Für dies« geringe Bezahlung aber fanden sich nur wenige, die Zett und Geduld an so mühsame Arbeit verschwendeten, so daß der Preis auf sechs Pfennig erhöht werden mußt«. Da nahm das Wanzengeschäft plötzlich einen unerwarteten Ausgang. Eines Tages erwähnte der Letter der Farm in einer Varbierstube in Washington, daß die Regierung Käufer in Wanzen sei und daß die Börsen- Notierung hierfür sech» Pfennig pro Stück betrage. Zufällig war der Berichterstatter einer gohen Tageszeitung zugegen, der sich den interessante» Stoff nicht entgehen ließ, sondern für einen Artikel verwendet«. Andere Zettungen druckten ihn nach, und so sprach sich die Sache im ganzen Lande herum. Die Wirkung allerdings war verheerend. Ganz« Ladungen von Wanzen trafen aus allen Himmelsrichtungen«in, und es mußte schließlich«in großes Inserat in den gelesensten Zettungen veröffentlicht werden, um die Flut der Sendungen einzudämmen: viele Pakete mußten postfrei an den Ab- sender urückgeschickt werden. Auch sonst haben die Jünger der„Flohfarm" einen schweren Stand. Jede» Mittel muß genau untersucht werden,— und wenn e» am eigenen Leib« ist. Besonders gegen Mücken werden ständig neu« Mittel angepriesen. Der gewissenhaft« Forscher probiert jedes Mittel selber aus, er bestreicht Hönde und Gesicht mit„Antimückin" und geht an stillen Sommeraberrden in die frei« Natur, wo Scharen «m Micke» ihr« Tänze aufführen. Ein zweiter Forscher geht als Gegenprobe mtt, ohne sich mit dem Mittel gesichert zu haben. Dann »»erden die Mückenstiche bei beiden gezählt und verglichen, und »»eist ergibt sich da» betrübliche Resultat, daß die Mücken„sich nicht auskennen" und«ach kurzer Zeit Berfuchsperson ebenso wie Gegen- prob« in die Flucht schlagen. Bisher sind die erzielten Erfolge weit hinter den aufgewendeten Opfern zurückgeblieben. Leider stellt sich bei den meisten der auf den Markt geworfenen Mittel heraus, daß das einzig neue an ihnen em überzeugend klingender Narn«. das Mittel selber aber alt und wertlos ist. Dennoch hoffen wir, daß das Gute schließlich siegt und auch diesen„Märtyrern der Wissenschast" zuletzt ein voller Erfolg tu ihrem verdienstvollen Kampfe beschieden ist. l. h. Wieviel 3>euliche gibt es? Wir wissen wohl, daß die Zahl der Deusschen innerhalb der Reichsgrenzen jetzt über SZ Millionen beträgt, aber wieviel Deutsche überhaupt auf dem Erdball wohnen und wie die Auslandsdeutschen verteilt sind, darüber macht man sich meist keine genauen Vor» stellungen. Deshalb sind die sorgfältigen Untersuchungen de« Wiener Professors Winkler, der das Statsstffche Institut für Minder- hettsvölker kettet, von besonderem Interesse. Nach seinen Fest- stellungen gibt es gegenwärtig 94J4 Millionen Deutsche auf der Erde, von denen 62,2 Millionen innerhalb des Deutschen Reiches wohnen. In europäischen Ländern gibt es 82 862 01X1 Deutsche, etwa 16 Prvz. der gesamten europäischen Bevölkerung. von den Ausländsdeutschen wohnen 19,6 Millionen, also etwa 62 Proz. aller Ausländsdeutschen, m Europa. Der amerikanische Kontinent wird von etwa 11 Millionen Deusschen bewohnt: in Asien gibt es 197 000, in Australien und Polynesien 161 000 und in Afrika 127 000. Unter den Ländern, die die meiste deutsche Bevölkerung noch dem Deutschen Reich hoben, steht natürlich Oesterreich mit 5,7 Millionen an der Spitze: 90 Proz. aller Bewohner des heutigen Oesterreich sind Deutsche. In der Tschechoslowakei leben 3 700 000 Deutsche, 27,4 Proz. der ganzen Bevölkerung, in Polen an die 2 Millionen, in Jugoslawien-4 Million, in Rumänien ungefähr 700 000 Deussche. Rußland hat etwa 1,8 Millionen Deussche, und zu den Ausländsdeutschen im Nordosten gehören auch noch die Dan- ziger, Memeler und die Deusschen in Lettland mtt SOOOOO Seelen. In Schleswig, in Tirol, in Eupen-Malmedy, das jetzt zu Belgien gehört, in Elfoß-Lothringen wohnen an 2 Millionen, von denen 1,7 Millionen auf Frankreich kommen. Die Zahl der Deutschen in den Bereinigten Staaten beträgt 9 Millionen und macht 8'X Proz. der weißen Stammesbevölkerung aus. Außer diesen deutsch-omeii. konischen Bürgern der Vereinigten Staaten hat man aber bei der letzten Volkszählung noch 1 685 000 Deutsche gezählt, die im Aus» land geboren wurden. In Brasilien schätzt man die Zahl der Deut- sehen ungefähr 600 000, in Kanada auf 200 000: in Argentinien gibt es 80000 Deussche«ud in Chile 20000. Eine führende Gewerkschast. Rückblick des Holzarbeiierverbandes. �IN Montag beginnt in Bremen der 16. Verbandstag des Deutschen Holzarbeiterverbandes, der sich neben den üblichen Be- richten vor allen Dingen mit der Lohn- und Vertrags- p o l i t i t des Verbandes und mit den ProblemenderRatio- nalisierung beschäftigen wird. Der Deutsche Holzarbeiterverband gshört im besten Sinne des Wortes zu den führenden Organisationen der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Seine Lohn- und Bertragspolitik war von jeher mustergültig, seine statistischen Erhebungen sind ein« Fundgrube für jeden Kenner, seine Taktik war stets eine sehr be- wegliche. Es ist kein bloßer Zufall, daß aus den Reihen der Holz- arbeiter die Führer der deutschen Gewerkschaftsbewegung, L e g i e n und Le i pa r t, hervorgegangen sind. Zluch der Bericht, den der Verbandsvorstand dem Bremer Ver- bandstag vorlegt, zeigt in seiner gedrängten Kürze, daß der Holz- arbeiterverband seinen V ruhmreichen Traditionen treu geblieben ist. In der Periode, über die sich der Bericht erstreckt, hatte der Holz- arbeitervcrband unter einer außerordentlich starken Arbeits- l 0 s i g k e i t zu leiden. Sie war stets größer als der Gesamt- durchschnitt in den übrigen Gewerkschaften. Im wesentlichen ist diese starke Arbeitslosigkeit zurückzuführen auf die Rationali- s i e r u n g. Der Bericht erwähnt, daß diese Entwicklung anscheinend ihren Höhepunkt noch keineswegs erreicht hat. Trotz dieser großen Arbeitslosigkeit— und gewissermaßen im Widerspruch mit den Er- sahrungen der Vorkriegszeit— ist die Mitgliederzahl ganz wesent- lich gestiegen. Von 278 559 vor zwei Jahren erhöhte sich der Mit- gliederbcstanö bis Ende 3utt 1929 aus über 315 000. Allerdings war die Fluktuation unter den Mitgliedern«ine sehr starke. Der Zunahme von rund 35 00(1 Mitgliedern steht eine Reu- aufnähme von 163 736 Mitgliedern gegenüber, so daß, rechnet man noch die Uebertritte aus anderen Organisationen hinzu, zieht man andererseits die Sterdefälle ab. weit über 100 000 der Neueintretenden wieder verloren gingen. Bemerkenswert ist, daß rund 850 Mit- glieder aus den christlichen, III aus den Hirsch-Dunckerschen Verbänden übertraten, während vom Ausland nur 115 Mitglieder zu- gereist sind. Der Bericht erwähnt, daß in zwanzig Fällen Ausschlüsse vollzogen werden mußten wegen Verstoß gegen die Verbandstags- beschlüsse, die in Abwehr gegen die kommunistischen Zersplitterungsoersuchc gefaßt werden mußten. Sehr'»mfongreich waren die Lohnbewegungen und Streiks. In der abgelaufenen Periode wurden zwei große Lohn- bewegungen durchgeführt. Im Anschluß an die letzte Bewegung kam es in einer Reihe von Bezirken zu außerordentlich hartnäckigen Kämpfen wegen der Einbeziehung der Lehrlinge in den Tarifvertrag, wogegen sich besonders die Innungsmeifter wehrten. Diese Kämpfe sind zurzeit noch nicht abgeschlosien. Durch dies« Kämpfe und Lohnbewegungen sind die Löhne nicht unwesentlich über die Steigerung der Lebeoshaltungskosten hinaus erhöht worden. Von April 1S27 bis Ende 1928 stiegen die Löhne im Holzgewerbe um 12,5 bis 15,3 Pro;., während im gleichen Zeit- räum der Index der Lebenshaltungskosten um 4,1 Proz. gestiegen ist.'Die Streiks waren außerordentlich hartnäckig, besonders im Vorjahre. Während auf einen Beteiligten im Jahre 1927 durchschnitt- lich 12,3 Streiktage sielen, betrug die Anzahl der Streiktage pro Kops im Jahre 1928 32,7. 246 392 Verbandsmitglieder gegenüber 158 583 im Jahre 1926 arbeiteten am Ende des Vorjahres unter T a r i s v e r t r ä g e n, die sich auf 335 694 Beschäftigten erstreckten. Diese Kämpfe und die außerordentlich harte Arbeitslosigkeit haben die Finanzen des Verbandes sehr stark in Anspruch ge- nommen. Trotzdem ist es gelungen, auch finanziell den Verband zu kräftigen, dank der größeren Opferwilligkeit der Mit- glieder. Die Einnahmen in der Hauptkaffe betrugen 1927 8 186 000 M., 1928 10 815 000 M. Für Streiks und Aussperrungen wurden 1927 rund 678 000 M. ausgegeben, 1928 rund 2 420 000 M., für Arbeitslosenunterstützung 879 000 M. bzw. 2 338 000 M., für andere Unterstützungen 777 000 M. bzw. 1 119 000 M. Bedeutend sind auch die Ausgaben für Bildungszwecke und die Fach- organe, die in den beiden Jahren nahezu eine Million erforderten. Der Holzarbeiterverband gab nicht weniger als 24 Lücher und Broschüren in einer Gesamtauflage von 141000 für seine Mitglieder heraus, außerdem 18 Flugblätter mit einer Gesamtauflage von 1 282 000. Cr hat eigene Filme im Vertrieb, die gleichfalls der Bildung und Aufklärung der Mitglieder dienen. Außer der ausgezeichneten redi gierten, �Holzarbeiter-Zeitung", dem„Fachblatt für Holzarbeiter" und der„Holzarbeiter-Jugend", gibt der Verband für feine Mit glieder„Wirtschastsziffern heraus, die sehr gutes Material enthalten. Trotz dieser Kämpfe und umfangreichen Tätigkeit steht der Deutsche Holzarbeiterverband heute finanziell gefestigt da. Aus der Inflation konnte er nur 218000 Goldmark retten. Ende 1928 betrug das Vermögen rund 10 350 000 Mark. Aller dings stieg die Beitragsleistung pro Kopf der Mitglieder von 20,51 M. im Jahre 1926 aus 35,37 M. im Jahre 1928, wozu noch die Lokalbeiträge kommen von 13,54 M. im Vorjahre. Die Holzarbeiter, bei denen die Kleinbetriebe noch immer eine nicht unwesentliche Rolle spielen, während die Industrie gleich zeitig vom Strudel der Rationalisierung erfaßt ist, stehen vor schwierigen Aufgaben. Wir wünschen und hoffen, daß der Ver- bandstag in Bremen zur Lösung dieser Aufgaben die Wege weisen wird. Der Verband führte 99 Lohn, und Tarifbeweguugen allein durch und war außerdem an 684 Bewegungen anderer Verbände mit ins- gesamt 55 189 Mitgliedern des Verbandes beteiligt. Ein Teil der Verbandsmitglieder wurde zwei- und mehrmals ins Treffen geführt. Davon ist es 54 765 Mitgliedern gelungen, den Unternehmern ihren Willen ganz oder teilweise auszuzwingen. So wurde für 12105 Mitglieder eine Arbeitszeitverkürzung von zusammen 30 658 Stunden pro Woche durchgesetzt und für 149 Mitglieder eine Arbeitszeitverlängerung von insgesamt 1040 Stunden pro Wache abgewehrt. 51 656 Mitglieder erreichten eine Lohn zu lag« von 268 715 Mark pro Woche und 3104 wehrten«ine Lohnreduktion von 12 282 Mark pro Woche ab. Hinzu kommt noch, daß die Organisation ihren Einfluß auf die tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse erweitern konnte. Während der Zentraloerband der Maschinisten und Heizer Ende 1927 an 388 Tarifverträgen Allein- oder Mitkontrahent war, stieg dies« Zahl bis zum Jahresende 1928 auf 440. Interessant sind auch die Angaben des Jahrbuches über die tot- sächlich geleistete Arbeitszeit der Verbandsmitglieder. Danach arbeiteten von den 55 756 Mitgliedern 27 143 oder 48,7 Prozent bis zu 48 Stunden pro Woche, 21588 oder 38,7 Prozent bis zu 54 Stunden, 5182 oder 9,3 Prozent bis zu 60 Stunden, 463 oder 0,8 Prozent bis zu 66 Stunden und 1318 oder 2,4 Prozent mehr als 66 Stunden. Dieser kurze Auszug aus dem mit zahlreichen übersichtlichen Tabellen und Graphiken versehenen Jahrbuch läßt schon erkennen, daß das Vorjahr für den Zentralverband der Maschinisten und Heizer auch ein Jahr des A u f st i e g s gewsjen ist. Rationalisierung und Gewerkschasten. Beschluß des französischen Gewerkschaftskongresses. pari». 20. September.(Eigenbericht) Am Freitag, seinem letzten Verhandlungstag, nahm der Ge- werkschastskongreß(EGT) den Bericht der Kommission für Er- ziehungswesen zur Kenntnis. Die von der Kommission unter- breitete Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Diskussion über die Erziehungssragen war außerordentlich lebhaft, lt. a. wurde auf die Gefahren der Pfadsinderbewegung hm- gewiesen, die unter dem Dorwand einer sportlich romantischen Be- wegung die Arbeiterjugend der Klassensront abspenstig mach«. Eine ander« Gefahr drohe durch die klerikalen Lehrlingsschulen, durch die in einzelnen Industriegebieten die Unternehmer den Arbeiternach- wuchs, hauptsächlich Lehrlinge, zu kontrollieren versuchten. Di« ein- stimmig angenommene Entschließung fordert die Einheitsschule und die Weiterentwicklung des höheren Erziehungswssens für Arbeiter und Minderbemittelte. Anschließend wurde der Bericht der Kommission für die Ratio- nalisierung verlesen, die eines der wichtigsten Programm« der Ta- gung darstellt. In der Debatte über den Kommissionsbericht wandten sich einig« Redner gegen die Rationalisierungsbestrebungen in der Industrie, ander« beschränkten sich aus die Formulierung von Vor» behalten. Die zu der Frage einstimmig angemnnmen« Resolution besagt: „Der Kongreß stellt fest, daß der EGT. die Rationalisierung weder herbeizuführen wünscht noch sie bekämpft. Er fordert zum wiederholten Mal« das Recht für die Gewerkschaften, bei der Fest- setzung der neuen Arbeitsmethoden mitzuwirken. Er fordert für die Arbeiterschaft ferner das Recht der Ueberwachung und der Kontrolle der Betriebe durch ihre Delegierten. Der Kongreß fordert die Arbeiterschaft auf, sich gegen Mißbrauche des Rotionalisierungsprozesses durch die Unternehmer energisch zur Wehr zu setzen. Wenn sich der Gewerkschaftsbund nicht gegen die Rationalisierung ausspricht, so nur, weil diese«in« Erhöhung der Produktion ermöglicht. Es wird aber gefordert, daß sich dies« Pro- duktionserhöhung in einer Derbilligung der Produtte ausdrückt, und daß die durch die Rationalisterungsbewegung erzielte Produkteverbilligung ein« Politik der höheren Löhne als logische Folge nach sich zieht. Nur unter diesen beiden Bedingungen: Herab- setzung des Wertes und Erhöhung des Arbeitslohnes kann die Arbeiterschaft der Rationalisierung zustimmen." Notschrei der Berufsmusiker. Doppelverdiener nehmen ihnen das Brot weg. Es gibt wohl kaum noch einen Beruf, dessen Angehörigen von Außenstehenden eine so starke Konkurrenz bereitet wird, wie dem der Berufsmusikcr. Nicht nur unfähige Dilettanten fühlen sich be- rufen, den Berufsmusikern Schmutzkonkurrenz zu machen, vielmehr wird aus diese hart um ihre Existenz ringenden Musiker auch noch eine sozusagen behördlichtonzessionierteKontuxrenz losgelassen. Das sind die nebenberuflich tätigen Beamten- musiter und Militärmusiter. Es bestehen wohl sogenannte Richtlinien, die den Beamten „nur" neunmal im Vierteljahr oder 36mal im Jahr gestatten, gegen Entgelt zu musizieren. Die ineisten der Beamten jedoch, die abends oder Sonntags spielen, kümmern sich um dieie Richtlinien nicht im geringsten. Sie spielen im Jahre lOOmat und noch mehr und fragen nicht danach, ob auf dem Arbeitsnachweis arbeitslose Musiker vergeblich auf Beschäftigung warten. Dabei sind es nicht immer die Beamten der untersten Besoldungsgruppen. die sich durch nebenberufliches Mulsizieren ein Zusatzeinkommen ver- schassen, und so dazu beitragen, daß in den Musikersamilien bittere Not herrscht. Den Behörden wird zum Vorwurf gemacht, daß sie so gut wie gar nichts tun, um diese unsauber« Äontuurrenz einzudämmen. Die Beamtemnusiker würben sönnlich dazu angereizt, die Richtlinien zu mißachten. Eine einzige Ausnahme bildet derBerlinerMagi» st r a t, der seinen Angestellten und Beamten dos gewerbsmäßig« Musizieren grundsätzlich verboten hat. Selbstherrlicher als die ZivWehörben treten in dieser Frage die Militärbehörden bzw. die Kommandostellen auf. Auch hier bestehen Abmachungen, wonach darauf gesehen werden soll, daß durch das Spiel der Militärkapellen die Interessen der Zivil- berufsmusiker nicht geschädigt werden. Es bestehen auch pari- tätische Kommissionen, die bei der Vorgebung der Spiel- geschäfte ein entscheidendes Wort mitsprechen sollen, in deren Sitzungen es aber fast niemals gelingt, eine Einigung mit den Militärmusikern herbeizuführen. Die Berliner Musiker, die sich am Mittwoch tn einer vom Deutschen Musikerverband nach den Sophiensälen einberufenen öffentlichen Versammlung mit dieser Konkurrenzsrage befaßten, haben nach längerer Aussprache eine Entschließung an- genommen, in der festgestellt wird, daß in Deutschland 35—40 jjroz. aller Berufsmusiker arbeitslos sind oder als unständig Beschäftigte Arbeit suchen. Die 18 000 bis 20 000 unständig beschäftigten Zivil- berufsmusiker. die versicherungspflichtig sind, erhalten keine Arbeits- losenunterstützung. weil sie die gesetzlichen Vovschristen bezüglich der Anwartschaft nicht erfüllen kömren. „Die Versammelten erwarten vom Deutschen Musiker» verband als der einzig maßgebenden Organisation der Berufs- musiker, daß er auf die Reichsregierung und die preußische Staats- regierung mit allen Mitteln einwirkt, daß den Beamten- und Militärmusikern das entgeltliche Musizieren gänzlich verboten vzw. nur dann gestattet wird, wenn in jedem Einzelfalle«ine Bescheim- gung des zuständigen öffentlichen Arbeitsnachweises beigebracht wird, daß geeignet« Berufsmusiker nicht mehr zur Verfügung stehen. Di« Versammelten sind bereit, den Deutschen Musikerverband in diesem Kampf um die Beseitigung der Beamten- und Militär-Konkurrenz zu unterstützen." Die Maschinisten und Heizer-1928, Die Hälfte der Verbandseinnahmen für Kämpfe. Wie das soeben veröffentlichte Jahrbuch 1928 des Zentral- j Verbandes der Maschinisten und Heizer zeigt, ist auch diese Berufs- organisatton an der kräftigen Aufwärtsentwicklung der freien Ge- werkschaften im Vorjahre nicht unerheblich beteiligt. Der Zent raiverband der Maschinisten und Heizer schloß das Berichtsjahr mit einem Gewinnoon5418 Mitgliedern ab, so daß er am Schluß des Vorjahres 61777 Mttglieder musterte. Das bedeutet eine Steigerung des Mitgliederbestandes um fast 12 Prozent. Da die Berechnung der Mitglieder nach den umgesetzten Beitrags- marken erfolgt, liegt der tatsächliche Mitgliederbestand noch um etwa 4000 Mitglieder höher. Eingetragen waren am Schluß des Berichtsjahres 55 756 Mitglieder. DieEinnahmender Hauptkass« betrugen im Borjahre 2,5 Millionen gegen 1,7 Millionen Mark 1927 und 1,3 Millionen Mark 1926. Es ist also innerhalb zwei Iahren ein« Verdoppelung eingetreten. Die finanziellen Ansprüche an den Verband waren ganz gewaltig. Die höchsten Ausgaben verursachten die Unter- ftützungen für Streiks und Aussperrungen. Von den Gesamt- ausgaben für Unterstützungen wurden 9 8 9 0 0 0 Mark»der 56,6 proz. für Kampszwecke ausgegeben. Die Unterstützungen bei Streiks und Auesperrungen erforderten allein 50,6 Proz. der Mittel iiir Unterstützungezweck«. Das sind er» frauliche Leistungen, Postbeamte und Kn'eden. Verbandstag Deutscher Post- und Telegraphenbeamten. Auf der Tagung des Reichsverbandes Deutscher Post- und Telegraphenbeamten begrüßte Dr. M a i e r- Wien namens der Post- Internationale nnd der österreichischen Postgewerkschasten den Vor- bandstag. Zu den Heimwehrvorstöhen erklärte er, das Heimwehr- Problem sei sehr aufgebauscht. Die angekündigte Revolution der Heimwehr nehme er nicht sehr ernst. Das Geschrei stehe gewöhnlich in umgekehrtem Verhältnis zur Intelligenz der Schreier. Sollten die Hsimwehrleute aber den Bürgerkrieg provozieren, so würden die österreichischen Republikaner sich aus der Stelle finden, an der sie ihren Staat verteidigen können. Die Unruhe in Oesterreich sei an sich vielfach durch den zu engen Lebensroum bedingt und die Ruh« werde daher voll erst nach dem Anschluß an Deutschland«intreten können.(Lebhafter Beifall.) Der Redner, der direkt von Tagungen der amerikanischen Postbeamten kam. teilte mit, daß bald alle ameri- konischen Postbeamten der Po st internationale ange- schlössen sein würden. Di« Briefträger hätten drüben ein Jahresgehaltvonctwa8600 M. 85 Proz. der amerikani- schen Briefträger hätten«in eigenes Auto und auch ein eigenes Häuschen bzw. eine mit allen modernen Errungen- schaften ausgestattete Wohnung. Telephon usw. gehörten drüben zum Existenzminimum. Das amerikanische Volt sei durchaus friedensliebend. Auch bei den englischen Postbeamten habe er Friedensbegeisterung gesunden. Deren.�triegsdenkmal" in Manchester mit der Iisichrift.Kämpft für den Frieden" zeige keinen Stahlhelm, sondern«ine Mutter mit ihrem Kinde. Die Posttnter- nationale wolle die Friedensidee international fördern.(Stürmischer Beifall.)_ Kommunistisches vom Krankenkaffeniag Herr Neubert berichtigt. Unter Berufung auf das Preßgesetz schickt uns Herr Reubert. kommunistischer Delegierter der Betriebskrankenkasie des Gaswerks Tegel,«in« Berichtigung, die zwar den Anforderimgen des Preß- gefetzes nicht entspricht, deren Irchall wir jedoch wiedergäben. Im„Vorwärts" vom 26. August berichteten wir, daß der Kow» mmnst Neubert auf dem Nürnberger Krantenkasientage wohl die üd> lichen Anträge eingebracht hatte, ober nicht zu sehen war. als er sie vertreten sollte. Dazu schreibt Herr Neubert, daß er sich„auf der Bühne in» mitten der Kongreßleitung" wohl bereitgehallen habe, diese Anträge zu oertreten, dazu aber nicht gekommen sei, weil sein« Anträge nicht genügend unterstützt worden seien. Wozu wir bemerken, daß Herr Neubert erst in der nächsten Sitzung sich meldet«, um dem Präsidiuni Vorwürfe wegen angeblich unlauterer Geschäftsführung zu machen. Darauf wurde vom Vor- sitzenden s-stgestellt, daß der Prvtestler im entscheidenden Augenblick dr« Sitzung geschwänzt hatte. Das quittierte Herr Neubert mtt Still- schweigen, mtt demselben Schweigen, mit dem er auch die angeblichen Schiebungen des Vorsitzenden beglettete, obwohl er heute behauptet, sich„inmitten der Kongreßleitung" befunden zu haben. Wenn Herr Neubert etwas zu berichtigen gehabt hätte, dann bätt« er 1. sofort protestieren nzüssen, als feine Anträge angeblich abgewürgt wurden, 2. nicht uns, sondern den Vorsitzenden in Nürnberg be- richtigen müssen. Zugendarbeit im ZdA. Im schönen Erholungsheim des Zentralverbandes der Ange- stellten an der Ostsee, in A h l b e ck. tagte der Reichsjugendausschuß des ZdA., der sich aus jugendlichen Vertretern des ganzes Reich«? zusammensetzt. Dem Bericht über den Stand der Jugendarbeit ist zu entnehmen, daß der Verband, namentlich seit dem letzten Reichs- jugendtag 1928, wesentliche Fortschritte erzielt hat. So- wohl die Mitgliederzahl als auch die Zahl der arbeitenden Jugend- gruppen ist gesteigert worden. Auch die Veranstaltungen der Jugendgruppen haben erheblich zugenommen. Einen gary besonderen Anteil an diesem Ausstieg haben die Veranstaltungen zur b e- r u f l i ch e n Bildung der Jugend. Für den 9. Februar 1930 ist die vierte Reichsjugendkonferenz nach Berlin einberufen worden, die sich vor allen Dingen mit der wirtschaftlichen und sozialen Lage der kaufmännischen Lehrling« und jugendlichen Angestellten beschäftigen wird. Anfang August 1931 wird der 4. Reichsjugendtag des ZdA. veranstaltet werden. Allgcuxin» Dcrbaxd bl» stngt ein»italischer Schstlerchor von SN Teil» nehmern. Di« Schüler«eben»um Vor! rag: Englische Balladen. Bolls, und Seemannsaefäna«. Sie machen uns aber auch vertraut mit den Liedern andersfarbiger Völler, rbenfo werden wir durch st« modern««nalische«ow- vonist, n iennin lernen. Ein« Eigeilart diese» Edorc, aber ist«». daß er e« durch sslei» qnd VegaWiig tabingebra»: bot. sogar in fönf verschiede nev Svvachen Eintritt frei.