BERLIN Sonnabend 21. September 1929 10 Pf. Nr. 444 B 221 46. Jahrgang. erscktlot tbzlich anbei Sonntag». Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. DeiugSxrei« beide Ausgaben SSPs. pro Woche, 3,60M. pro Monar. Redaktion und Expedition; Berlin SW öS. Lindenstr.S Lnietgenprei«tD!e einspaltige Nonpareilleieil« so Pf.. Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärts-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr.»7SZ6. Fernsprecher: Dänhoff SSS bis 29? Oeutschnationale in Paris. Klönne verhandelt über Militärbündnis gegen Rußland. Völkische gegen Nazis. Während der Konferenz im Haag gab der französische Minister- Präsident Briond aus dem Wege über französische Journalisten der Welt die überraschende Kunde, deutsche Nationali st en hätten sich in Paris bemüht, der französischen Regierung klar zu machen, daß sie die gegenwärtige Außenpolitik Deutschlands sort setzen würden, wenn sie ans Ruder kommen sollte'' Diese Mitteilung hat den Zorn der deutschnationalen Partei- Häupter hervorgerufen. Als die Herrn Stresemann nahestehende „Nationalliberale Korrespondenz' Briands Mitteilungen bestätigend weitergab, ließ Hugenberg gröbstes Geschütz auffahren. Durch die dcutschnat'.onale Pressestelle ließ er das Stresemann-Organ b e- dingt der„gemeinen Verleumdung' beschuldigen, wenn es nicht Namen nenne. Jetzt beginnt die Nationalliberale Korrespondenz mit der Namensnennung. Als erster steht der deutschnationale Abg. Moritz Slönne am Pranger. Ucber ihn weiß die„Nationolliberale Korrespondenz" zu melden: Herr Klönne reist seil dem Zahre 192(5 in politischer Mission nach England und.Frankreich. Cr hat in zahlreichen Gesprächen mit französischen Politikern den Franzosen ein Militärbündnis und ein Zusammengehen Deutschlands und Frankreichs gegen öomjelrußland angetragen. Er hat über dasselbe Thema mit einem hervorragenden beamteten englischen Politiker in Paris Besprechungen gehabt. Sin sranzösijcher General, der aus seiner Tätigkeit im Zusammenhange mit Fragen der Ent- wassnung Deutschlands wohl bekannt in Deutschland ist und als ein hervorragender Kenner des augenblicklichen Rüstungszu- stände- in Deutschland gelten muß. ist mit wissen von Herrn Klönne und mit Wissen der hinter ihm stehenden deutschnationalen Hintermänner im Winter 1927/2« inkognito nach Verlin gekommen. um mit deutschen Militärs die Frage eines deutsch. französischen Militärbündnisses zu besprechen. Dieser hohe fran- zösische Offizier stand während seines Ausenthaltes in Berlin in enger Fühlung mit Herrn Klönne, der«s über- nominen hatte, aus hochgestellte Militärs des Veichswehrmini- fleriums einzuwirken. Selbstverständlich verlief aber die Mission des französischen Generals ergebnislos, weil die erwähnten amtlichen Stellen keine Neigung hotten, in diesem Konsortium sich zu betätigen. Daß aber die deutschnationalen Außenpolitiker es unterlassen hatten, das Auswärtige Amt von diesem Schritt in Kenntnis zu setzen, versteht sich von selbst. 5zerr Klönne hat diese Besprechungen Im Winter 1927 /?« in Berlin sortgesetzt und zwar mit französischen, in Berlin tötigen Miütärs hohen Ranges. Im Frühjahr 1928 wurden dies* Besprechungen nach Paris verlegt und maßgebliche Politiker der französischen Rechtsparteien, darunter ein bekannter ehemaliger Militär, beteiligt. Sind die sehr ins einzelne gehenden Mitteilungen richtig? Wagt die deutschnationale Pressestelle sie auch jetzt noch zu bestreiten? Wer hat Herrn Klönne den Auftrog gegeben, ein deutsch-französisches Militärbündnis anzubahnen, das sich gegen Sowjetrußland richten sollte? Wer hat ihm über. Haupt den Austrog gegeben, in Poris und London zu verhandeln? Die deutschnationalen Patentpatrioten erheben � gegen jeden Andersgesinnten, der eine Verständigung mit Frankreich sucht, den Vorwurf des Landesverrats und schreien nach dem Strafrichter. So habe» sie— von S o zi a l. d e m o k r a i e n ganz abgesehen— den Führer der Jungdeutschen. Mahraun. wegen seiner Erkundungsfahrt nach Frankreich dem Staatsanwalt denunziert, damit er den Landesoerraisparagraphen in Aktion fege. Denselben Paragraphen, der nach dem Bolls- begehren auch gegen den Reichspräsidenten und die Reichsminister Wirkung haben soll. Die„Natt. Korresp." erklärt sich bereit, weiter« Nomen zu nennen, wenn es gewünscht wird, und deutet zunächst auf einen Generalleutnant v. Lippe, dem gleiche oder ähnliche„Gespräche lSich« auch 2, Seite.) „Das ist die Politik der vollen Hofe!" Hitler sucht nach Leibeskräften aus der kompromittierenden Nähe der Lombcnattentäter abzurücken. In einer offiziellen Erklärung der Nationalsozialistischen Partei hat er u. a. den Ausschluß aller Nazis oerkündet, die mit der Landvolkbewegung Beziehungen unter- halten. Damit erweckt Herr Hitler das Hohngelächter der v ö l- kischen Konkurrenz. Herr Albrccht o Gräfe- G o l d e b e e ergreift die Gelegenheit, um in seinen„Deutschen Nach- richten" nachzuweisen, daß er viel nationaler, viel völkischer, viel deutscher ist, als Hitler, denn er, Herr Gräfe, steht mit voller Sympathie bei den Bombenattentätern. Allerdings, in einem hat Graz« recht: wenn er nämlich das nachträgliche Abrücken der Hitler- mannen als Ausgeburt der Feigheit kennzeichnet. Er schreibt zu der Erklärung Hitlers: Ich muß gestehen, daß ich in dieser Erklärung auch den leise st en Hauch des..Heldischen", womit sich d i e Nationalsozialisten so gerne brüsten, total vermisse,— man hat vielmehr das unästhetische Gefühl dabei: „Die Rotten verlassen das S ch i s fl" Der Vorgong er- innert mich peinlich an das ähnliche feige Abrücken gewisser deutschnationaler Porteistellen im Reichstage nach dem Kapp- Putsch von dem prächtigen v. Traub,— er erinnert mich an das verlogen« Spiel um unseren Freund Henning nach dem Rothenaumorde,— ja, er erinnert mich an die ganze Erbärmlich- keit des parlamentarisch-politischen Parteilebens nach Petri Muster:„Ich kenne den Menschen nicht!" Gräfe erinnert daran,„mit welchen Mitteln der Demagogie die NSDAP, sich zunächst als Vorkämpferin der Bauernbewegung aufgespielt" hat. Es erscheint ihm darum„geradezu skandalös", wenn Hittler jetzt selbst trotz der sonst so bombastisch gemimten „nationalrevolutionären" Pose,„gerade in diesem Moment von der Landvolkbewegung abrückt". Da ist Albrechl v. Gräfe ein anderer Mann, denn:. Ich für meine Person stehe genau auf dem entgegengesetzten Standpunkte: ich seh« in der Landvolkbewegung,— „wenn sich der Most auch ganz absurd gebärdet, es gibt zuletzt doch noch'nen Wein"!— an sich ein urgesundes und hocherfreu- liches Erwachen des deutschen Bauern für den heiligen Kamps um seine Scholle und reiche ihr deshalb in treuer Kameradschaft die deutsche Hand, unbekümmert darum, ob etwa, wovor keine Organisation ganz bewahrt bleibt, auch einmal Fehler von ihr gemächt werden könnten oder ob einzelne Mitglieder, was auch überall vorkommt, ihrerseits in der Wahl der Mittel vielleicht gelegentlich seht greisen sollten. Ich begrüße mit ehrlicher Freude den persönlichen Opfermut ihrer Führer, die nicht fade Reden der Prahlerei halten, etwa in dem Sinne:„Entweder haben wir morgen ein« national« Regierung, oder ich bin tot' (Hitlers Wort« am Vorabend seines Putsches. Red. d.„V.").— (wir haben zwar keine nationale Reichsregierung, aber wer ist tot?) od«r pomphafte Schwüre der Treue abnehmen, ohne selbst- verantwortlich klare Ziele und Wege zu weilen.— sondern die ihren eigenen Kopf wirklich für die anderen hinhalten und Tommy geht. selb st erhobenen Hauptes wandern." in die Gefängnisse Hugenberg:„Um Gottes willen, bleiben Siel— Da zieht meine ganze schöne Propaganda fürs Volks- begehren ab!" Gleichzeitig führt Reinhold Wulle ist einem Leitartikel aus, daß sich das völkische Drcigestirn Gräfe— Wulle— Henning immer treu aus d«n Boden des Putschismus gestellt hat. Er erinnert daran, wie Henning mit Entsetzen von der deutsch- nationalen Reichstagsfraktion ausgeschlossen wurde, als er nach dem Rathenaumord unumwunden zugestand, mit den radikalen Geheim- verbänden„stlbstverständlich" in Verbindung zu stehen. Wulle «rklärt: Ekelhaft ist die Feigheit, die irregeführte nationale Menschen dem Haß der anderen preisgibt, um dadurch für sich selbst gut Wetter zu erflehen. Die„Einheitsfront der Angst und Erbärmliche keit" umfasse jetzt ebenso den„Lokal-Anzeiger", der sich über die Ergreifung der Boinbenattentäter gefreut und ihre strenge Be- strafung gefordert habe, wie die Nationalsozialisten, die ein« B c- lohnung von 10 000 M. aus die Ergreifung der Täter ausgesetzt haben Ulli) die jetzt„m i t allen Zeichen des Entsetzens von den Verhafteten abrücken". Wulle schließt mit den Worten: „Das ist die Politik der vollen Hofe. Pfui Deibel!" Strafantrag gegen Gaza. Wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Magdeburg, 21. September.(Eigenbericht.)' Wie wir erfahren, hat der Polizeipräsident von ZNagdeburg, Dr. Bärensprung, gegen Herrn v. Gaza Anzeige wegen Vorbereitung zum Hochverrat erstattet und beim Oberstaatsanwalt Erlaß eines Haft- b e f e h l s beantragt. Löschte, Weschke und RWM. Mißbilligung— keine Wiederholung mehr! Das Reichswehrministerium teilt zum Fall des Oberstleutnants a. D. 2 ä I ch k e mit: Täschke hat den in die Attentalsversuche verwickelten weschke persönlich gekannt. Als im Juli die Landvolk- bewegung zunahm, hat Zäschke ohne Wissen seiner vorgesetzten mit weschke eine Rücksprache herbeigeführt und seine Eindrücke in einem Bericht an seine vorgesetzten niedergelegt. Danach sollen die Land- volksührer in ihrem Kamps gegen die Regierung Gewalt maß- nahmen ablehnen. Diese Niederschrift wurde, da es sich um eine persönliche Rücksprache handelte, zu den A k t e n gelegt.(!) Zäschke wird vom Reichswehrministerium immerhin der Vor- wurs gemacht, daß er sich mit Vertretern einer radikalen politischen Bewegung in Verbindung geseht hat: da» sei ein wihgriss und das Reichswehrministerium werde dafür sorgen, daß derartige Miß- griffe künftighin nicht vorkommen. Zedensalls stehe fest, daß die Reichswehr weder über Zcschke, noch über den General v. hammerstcin mit den Attentätern in irgendeiner Verbindung gestanden Hobe. Das Ministerium wird demnächst einen Strafantrog wegen Leteidi- gung gegen die Zeitungen stellen, die einen solchen Zusammenhang behauptet haben. Der Brief des Herrn v. G a z a an General v. hammerstei« sei vermutlich aus dem Papierkorb gestohlen. General v. hammerstcin ist gegenwärtig aus einer dieustlichen Auslandsreise. Für die Zivlleinstellung des Herrn Bender bei der Reichswehr habe stch weder v. Gaza noch v. hammerftein oerwandt. Der „verein hirschmann", der in der„Roten Fahne" von heute als Deckorganisalion solcher Beziehungen erwähnt wird, sei ein Schweißhund-Züchterverein. Ein internationales wirtschostsparlamenl, bestehend aus Abord- nunaen vieler Parlamente, wird nächste Woche im Reichstag ver- sammelt sein. Aus Polen allem z. B. kommen 30. Teilnehmer. Anklage gegen Klönne. (Fortsetzung von der 1. Seite.) und Unterhandlungen wie Klönne sie geführt hat. nachgejagt werden. Während diese Angehörigen der Hugenberg-Partei mit Frank- reich gefchastlhudern, selbstverständlich hinter dem Rücken des Aus- wärtigen Amtes, läßt Hugenberg durch seine Press«„neue außen- politische Erkenntnisse" suchen: sie gehen auf eine Annäherung an England hinaus, nachdem die militärische Bindung an Frank- reich einstweilen nichts geworden ist! Die Helden vom Versklavungsbegehren, die dem deutschen Volke mit aller Gewalt die Dawes-Lasten nicht erleichtern wollen, werden sich wegen ihrer militärischen Ver- sklaoungsabsichten noch zu oerantworten haben! Oeutschnationale Erklärungen. Au den Enthüllungen der„Nationalliberalen Korrespondenz" wird von gut unterrichteter dcutschnationaler Seit« niit- geteilt, daß Herr Klönne, der augenblicklich nicht in Berlin weilt, zu einer Stellungnahme noch keine Gelegenheit gehabt habe. Zweifellos aber werde er zu der Darstellung der„Nationalliberalen Korrespondenz" einiges zu sagen haben. Entscheidend, so wird serner erklärt, sei die Zeit, in der die Verhandlungen, von denen die„Nationalliberal« Korrespondenz" spricht, stattgefunden haben sollen. Es handele sich nämlich um das Iahr 1927, in dem die Deutschnationalen In der Regierung saßen, so daß der Vorwurf einer Privatpolitik aus eigene Faust auch dann nicht stimme, wenn die Mitteilungen der„Nationalliberalen Karre spondenz" einen wahren Ken: enthielten. Es müsse aber festgestellt werden, daß, wenn überhaupt Klönne- Verhandlungen geführt habe, und zwar mit dem Ziele einer West- � Orientierung gegen Osten, diese Verhandlungen den politischen Grundsätzen der Deutschnationalen nicht entsprächen. Niemals habe Herr Klönne, immer vorausgesetzt, daß er oerhandelt habe, i m N a m e n der Deutschnationalcn Volkspartei solche oder ähnlich« Verhandlungen führen können. Die Pläne, die die „Nationalliberale Korrespondenz" enthülle, erinnerten jedoch an Gedankengänge Rcchbergs und des Jungdeutschen Ordens. Oer Nationalrat einberufen. Eine Kundgebung der Bauern. Wien, 21. September.(Eigenbericht.) Ter Natioualrat ist für Tonnerstag einberufen. ES ist mit einer stürmischen Session zu rechnen. Die Nachricht von einem bevorstehenden Rücktritt des Bundeskanzlers wird zwar offiziell nicht dementiert, immerhin in Regierungstreisen angezweifelt. Die Bauern wollen Ruhe. Wien, 21 September. Der niederösterreichische Bauernbund ist heute zu einer großen Tagung zur Besprechung der wirtschaftlichen und politischen Lage zusammengetreten. Nach Ansprachen des Bundeskanzlers S t r« e ru- w i tz und der Führer des Bauernbundes, wurde eine Resolution angenommen, die unter Ablehnung des Klassenkampfes und Betonung der Bolksgemeinschast ausspricht, es sei Pflicht des Bauern- bundes, Hand in Hand mit der Heimwehr und im vollen Ber- trauen zu den legalen Sicherheitstruppen mit allen erlaubten Mitteln den Reinigungsprozeß durchzuführen, um dem ideellen Zweck des Hcimatschutzgedankens zum Durchbruch zu verhelfen und den bodenständigen Arbeiter in gemein- samer wirtschaftlicher Kampffront zum sozialen Aufstieg zu bringen. Das freigewählte Parlament müsse auf dem Boden bleiben, aus dem ganze Arbeit für Wirtschaft und Kultur geleistet werde. Schiießl'ch wird der Regierung Streeruwitz das Vertrauen des Bauern- bundes ausgesprochen und weiter betont, daß die Regierung un:er der Führung eines hervorragenden Mannes der Wirtschaft stehe, der Wege finden werde, denen das Parlament folgen könne und daher folgen müsse. Diese große Bauernorganisation der Christlichsozialen ist vor einigen Wochen korporativ der Heimwehr beigetreten, wobei nach Versicherung der Führer die Absicht bestimmend war, die Heimwehr in den Bahnen des Gesetzes zu halten. Während die Heimwehr zu allermeist aus Bauernburschen und noch aus hakenkreuzlerischen Beamten. Landärzten, Advokaten und sonstigen Intellektuellen besteht, bei denen jedoch Sozialistenhaß und— Reserveoffiziersgeist den Intellekt stark überwiegt, umfaßt der Bauernbund die Hofbesitzer, Getreide-, Obst- und Weinbauern, die ihre Ruhe haben und ausreichend verdienen wollen. Ihr Hauptabsatzgebiet sind die Städte und die Hauptmasse der Käufer sind die Arbeiter und Angestellten. Zu ungestörter Produktion, zu stetigem Absatz und zur sicheren Anlage ihrer Gelder brauchen die Bauern Ruhe im Staat. Ihre Interessen sind denen der Heimwehrabenteurer genau entgegengesetzt und zwischen der vorstehenden Kundgebung und dem drohenden Geschrei der abgetakelten Offiziere unter land- und volksfremder Pabst- Führung gibt es überhaupt nur einen gemeinsamen Punkt: das„schandenhalber" angeführte Wort„Heimwehr". Hakenkreuzler als Ltnruhestister. Nächtliche Schlägereien in der Innenstadt. Am Freitagabend hielten Hakenkreuzller im Krieger- vereinshaus eine Versammlung ab, in der es recht lebhaft zuging. Nach Schluß dieser„Kundgebung" kam es in der Chaussee- st r a ß e zu wiederholten Zusammenstößen zwischen Haken- k r e u z l e r n und Kommunisten. Die Polizei trieb die Gegner auseinander und nahm mehrere von ihnen fest. Kurze Zeit später spielte sich an der Ecke Elsasser und Acker st raße , ein blutiger Zwischenfall ab. Hatenkreuzler, die sich aus dem Rückmarsch befanden, gerie.en mit Kommunisten in em Handgemenge. Mit Messern und Schlag»! nngen bearbeiteten sich die Gegner. Ein S0jährig«r Arbeiter «chumann aus der Iehrbelliner Straß« wurde durch mehrer« Messerstiche schwer verletzt. Sch. fand im Hedwigskranken- baus Aufnahme. Jswei an der Schlägerei Bet.-illots wurden als die mutmaßlichen Täter zwongsgestellt. Eine andere Schläger« entwickelte sich um 1 Uhr uachls am Zahnhof Wedding. Durch das rechtzeitig« Eingreifen der Polizei Die Gchiffskönige wissen nichts. Von Treibereien gegen die Abrüstung. Washington, 21. September.(Eigenbericht.) Die Untersnchung des Senatsausschusses ergab bisher. daß die Schiffsinteressenten allein im Jahre 1927 rund 143900 Dollar für Propaganda gegen die Abrüstung und für die Beeinflussung der Gesetz» gebung über die amerikanische Handelsflotte aus» gegeben haben. Washington, 21. September. Der Senatsausschuß«rösfnete die Untersuchung wegen der Flottenbau-Propaganda mit der Vernehmung des Präsidenten der New-Aorker Schissbaugesellschait Clinton Bardo. Dieser er- klärt«, drei amerikanische Schissbaufirmen hätten in Besprechungen vereinbart, den Propagandisten Shearer als Beobachter zur Genfer Marine- koaferenz 1927 zu entsenden, um zu berichten und weitere Informationen zu geben, die nicht von den Zeitungen gemeldet, aber von Interesse für die Schissbaufirmen waren. Die Vereinbarung wurde in einer Zehn-Minuten-Konferenz in New Park im März 1927 getroffen. Außer Bardo seien anwesend gewesen der Vizepräsident der Newportnews Schisfbaugesellschast Palen, der Vizepräsident der Betiehem Schisfbmtgesellschaft Wakemann, der Anwalt und Shearer. Dieser habe 2S lXX) Dollar Honorar gefordert. Die New- Dorker Schifsbaugesellschaft habe Shearer sofort ein Drittel der geforderten Summe als ihren Anteil bezahlt. Er, Bardo, sei vorher über den Zweck der Konferenz nicht unterrichtet gewesen. Bardo erklärte weiter, Shearer habe geäußert, daß ihn die Frage der Rüstung zur See seit langem interessiere. Die Kenntnisse, die er zu besitzen schien, hätten Eindruck aus ihn, Bardo, gemacht. Auf ein- Frage über den Zweck der Konferenz antwortete Bardo: Wir befanden uns in einer ungünstigen Lage. Es war für uns von Interesse zu wissen, ob die Genfer Konferenz das Bavprogramm zerstören würde. Zur Zeit der Genser Konserenz war die Gesell- schaft im Begriff, zwei Kreuzerkontrakte der Regierung zu übernehmen. Die bisher übernommenen Kontrakte enthielten eine Klausel, die jederzeit ihre sofortig« Streichung gestattete. Bardo erklärte weiter, daß man zwar an der Genfer Konferenz sehr inter- essiert war, aber nicht an einem Fehlschlag. Bardo sagte weiter, sein Sekretär habe Shearers Bericht« als leeres Geschwätz bezeichnet. Die Berichte seien ohne Erwägung zu den Akten gelegt worden. Senator Robinson bemerkt« hierzu, daß Shearers Berichte zum großen Teil die Seemacht der Nationen behandeln, und fragte Bardo: Waren Sie daran interessiert? Bardo verneinte. Robinson fragte weiter, warum er Shearer dies nicht mitgeteilt Hab«. Bardo antwortete, er Hab« seinen Berichten niemals viel Aufmerksamkeit geschenkt. Auf«ine Frag« erklärte Bardo, es sei? e i n e Zeit gewesen, sich vorher über Shearer zu erkundigen. Shearer sei am 17. Dezember 1927 durch den Anwalt der Schissbaufirmen Hunter entlassen worden. Bardo gab weiter an, er habe nicht gewünscht, daß Shearer überall verkünde, daß er die Schiss- bansirme» in Gens vertreie. Die beiden Schiffbaugesellschaften Newportnews Schifsbaugesellschast und die Bethlehem hätten an Shearer insgesamt etwa 4 6 7 5 9 Dollar gezahlt. Shearer sei nicht ermächtigt gewesen, sich in den Kreuzerkamps in Genf einzumischen. Bardo gab schließ- lich an, die' Schiffbaugesellschaften hätten jetzt einen Vertreter in Washington, der Tatsachen, welche die Zeitungen nicht bringen, melden, Kurierdienst« leisten solle u. dgl. Der Vertreter sei aber nicht ermächtigt, sich in die Gesetzgebung einzumischen. Oer Artikel �9. England drängt aut Revisionsmöglichkeit. Paris, 21. September.(Eigenbericht.) Das nationalistische„Echo de Paris" tischt unter Protestgeschrei bie Genfer Sensation ans, daß England eine« neue«„revolutionären" Angriff auf die Friedens» vertrage unternehmen wolle. Die englische Delegation habe am Freitagabend gedroht, wenn dem chinesischen Antrag auf Revision des Artikels 19 nicht gefolgt würde, England den Antrag stellen werde,' daß sämtliche bei dem Bölkerbnnd deponierten Verträge revidiert werden. Unter den Alliierten und der kleinen Entente herrsche deshalb ungeheure Aufregung. Man bereite sich vor, dem Vorstoß aufs energischste zu begegnen, der geeignet sei, das Prinzip der territoriale» Integrität der europäischen Staaten in Frage zu stellen. Die Abrüstungsdebatie. Pari», 21. September.(Eigenbericht.) Mit stolzer Genugtuung begrüßt heute die Pariser Presse die Nachricht, daß Lord Robert Eecil sich bereit erklärt habe, seinen Dorftoß in der Abrüstungssrag« auszugeben und der von Po- litis auszuarbeitenden Kompromißformel nicht zu widersprechen. Nur Leon Blum erhebt im„Populaire" seine kritische Stimme. Lord Cecil, erklärt Blum, habe mit seinem Antrag durchaus das Recht auf seiner Seite. Was Cecil fordere, sei das einzig Wirksam« für die Abrüstung. Es gebe kein anderes Mittel, als tatsächlich die Ziffer der stehenden Heer« und der ausgebildeten Soldaten sowie des Materials herabzusetzen. llnüberbrückbare Gegenlätze. Die S. P. D. unnachgiebig. * 5. "<9. "'o, Vchfc »e« schloß« tojictttmotlOiilA« eoWiefcMj zu SejialtOoftB "Oi. 'OH "'o» Die sozialdemokratische Reichstagssraktion hat einen Beschluß zur Arbeitslosenversicherung gefaßt. Wie er wirkt, zeigen diese Zeitungsüberschriften. Sie stammen aus der agrarischen„Deutsch-n Tageszeitung", der schwerindustriellen„DAZ." und aus der„Roten Fahne"...! konnte der Kampfplatz schon nach wenigen Minuten gesäubert wer. den. Eine Person wurde leicht verletzt. Zwei der Räde'sführer wurden der Abteilung I A im Polizeipräsidium zugeführt. Kurz nach 1 Uhr erschien im Untergrundbahnhof Friedrichstodt eine Horde hakenkreuzler. die sich unverschämt benahmen und andere Fahrgäste belästigten. Zwei Personen wurden von den Strolchen durch Schläge verletzt. Auch hier mußte die Polizei einschreiten. Bier Nationalsozialisten wurden zwangsgestellt._ Viesenbetrug in England. Finanzgrößen unter Anklage. Candon. 21. September. ver Finanzmann hairy. Leiter eines bedeutenden Konzern» von sieben Gesellschaften, dessen Aktien an der Börse nicht mehr ge- Handell werden dürfe«, wurde heute mit drei anderen Finanzleuten seiner Gruppe wegen Betruges in höhe von 209 l4t Pfund (4L Millionen Mark) unter Anklage gesetzt. Mit M20rei JßebengreHer In diesen Tagen erhielten, wie wir mitteilten, drei Angehörige der Berliner Feuerwehr die Rettungsmedaille. Sie hatten bei einem Brande mehrere Kinder vom Tode des Erstickens errettet. Nachdem das Rettungswert gelungen war, waren die Retter an der Hausschwell« zusammengebrochen. Unser Bild zeigt von links nach rechts Oberfeuerwehrmann K n o b l o ch, Oberbaurat Dr. Nolte ut>d Feuerwehrmann Quetschke: durch die Veröffentlichung einen schweren Schlag gegen die äußer« und innere Unabhängigkeit der Richter geführt. Zur Wiederherstellung der Ehre der vom Vorsitzenden in der Oesfentlichkeit bloßgestellten Richter innerhalb des Vereins wird der Antrag 1 gestellt. Die Unmöglichmachung ähnlicher Vor- kommnisse für die Zukunft und der Wahnmg der richterlichen Unabhängigkeit dient der Antrag 2." Vom Richter verlangt man als erstes Fähigkeit zu Selbst- kritik und inneren Einkehr. Der Tadel einer so ge- mähigten Organisation wie des Preußischen Richtervereins hätte die Prenzlauer Richter in besonderem Maße zur Selbstkritik ver- anlassen sollen. Daß sie statt dessen nur Protestgeschrei erheben, zeigt, wie sehr die Herren Prenzlauer Richter der obersten richterlichen Tugend ermangeln. Künf'Llhr»Ladenschluß am Sonnabend! Das gute Beispiel der Parteibuchhandlung I. H. D. Dietz Nachf. hat bereits Nachahmung gefunden. Auch die Buchhandlung der Gewerkschaften, die Buchhandlung des Allgemeinen Deutschen Gcwerkschaftsbundes, in der Jnselstr. 6a. schließt vom 2l. September 1929 ab ihre Geschäftsräume Sonn- abends um S Uhr. Möge dieses Vorgehen der Parteibuchhandlung und der Buchhandlung der Gewerkschaften auch bald in anderen Kreisen Nachahmung finden. Oer Film ist ein Stück unserer Zeüaeschichte. Im Film spiegelt sich die Kultur und öfter noch die Unntttur unserer Tage wider, jene Verflachung des Geistes und der Gefühle, jenes krasse Gegenüber von arm und reich, die das wesentliche Merkmal der Epoche des ausgehenden Kapitalismus sind. Oft ist man erstaunt darüber, daß Filme, die mit einem ungeheuren Aufwand an Kosten, Technik und künstlerischen Emzelleistungen hergestellt sind, einem Ding« zu bieten wagen, die man in das Bereich der übelsten Kolportage zurückverweisen muß. Die Ursache ist in jener absoluten Gewissenlosigkeit zu suchen, die der kapitalistischen Entwicklung eigen ist. Ein Blick hinter die Kulissen des Films zeigt, wie wenig man sich hier von künstlerischen und— es sollte dasselbe sein— ethischen Absichten leiten läßt, wie viel mehr alle edleren Regungen im Sumpf des Kapitalismus ersticken. Diesen Blick hinter die Kulissen läßi un, Max varthel in seinem neuen Roman tun. mit dessen Abdruck wir demnächst im„Abend" beginnen. Den Aufstieg der Begabten. den Aufstieg jenes Frauentyps schildert er, der zum Film, zum großen Schauspiel und zu der großen Komödie dieses Lebens vor und hinter den Kulissen wie geschafsen ist. Als junges Mädchen entflieht Marianne, die Tochter des Briefträgers Hull, dem kleinen Städtchen und der Boralpenlandschoft am Bodenfce. um im Strudel der Weltstadt, im Strudel Berlins unterzutauchen. Aber dieses Untertauchen Ist ein Auftauchen in die— nur zu oft— von falschem Flimmerschein umstrahlten Höhen einer Filmdiva. Schicksalhaft wird Marianne in den Bann des Films gezogen. Die ganze Hohl- heit dieses Daseins, seine Amoral. se'ne Raffgier und seine Scham- losigkeit erfüllt sich an ihr in einem traumhasten Wirbel des Geschehens. Ein Stück Film zieht an uns vorüber in diesem Roman. et» Stück Weltstadt, ein Stück Kapitalismus. �esi-Langer-Abend. Berliner Rathaus. Die Boltsbühne veranstaltete im Bürgersaal des Rathauses einen lustigen Rest-Langer-Abend. Lange vor Beginn der Veranstaltung war der Saal überfüllt— der untrügliche Beweis, daß die Mitglieder der Volksbühne die Künstlerin schätzen und lieben. Natürlich kamen auch diesmal wiedcr alle auf ihre Kosten. Zuerst brachte Rest Langer Büschs„Fromme Helene", die sie witzig mit Mimik und Gesten illustriert. Manchmal macht sie geradezu Busch Konkurrenz. Ihr Spiel ersetzt sein« Bilder: klein und bescheiden stehen die Vers« darunter. Ein„Bunter Teil" folgte. Hier sprach Rest Langer auf Wunsch neben heiteren auch ein pathetssch ernstes Gedicht, i« Galeere". Damit geriet sie auf einen Abweg: diese Töne liegen ihr nicht. Ganz anders ist«s mit dem„Jußzwieback". Hier fehlt jedes Pathos. Rest Langer fühlt sich in das dumpfe Annutsmilieu so ein, daß sie mit der traurigen Resignation, die aus diesen Versen spricht, auf das tiefste erschüttert. Das Gedicht von„Jußzwieback" gehört zu dem Besten, was die Künstlerin zu bieten hat. T. 8. Kunst und Volk. Bor den Mitgliedern der ,Lupe E. 23." sprach der Kunsthistoriker Dr. Max Osborn über dieses Thema im Wirtschafts- politischen Saal des Reichswirtschastsrats. Plastisch und feinsinnig entwarf er den Querschnitt verschiedener Kunstepochen und beleuchtete vorerst die Beziehung des Volkes aller Zeiten zur Kunst. Eine Kluft ist zwischen Volk und Kunst, die zu überbrücken unsere Aufgabe werden solle. Die Kunst, an sich aristokratisch, müsse jedoch, ein erdenoerwurzelter Baum, ihre Lebenifäft« aus der Volksseele ziehen. Sonst wird sie abwegig, blutleer. Andererseits fei das Volk heut« wie ehedem fern jedes echten Kunstgenusses. Wirtschaftliche und politische Faktoren spielen hier eine Roll«. Kunst gedeiht nur im Frieden und Wohlstand. Ewig aber besteht ein un- bewußtes Zueinandersehnen zwischen Künstler und Volk. Gefährlich wäre es. den Künstler bewußt zum„DoMtünstler" erziehen zu wollen: was sein Kunstwerk an Brette gewinnen würde, verlöre es an Tiefe. Der umgekehrte Weg scheint der bessere zu sein. Osborn deutet an. daß vielleicht dl« Russen eine gute Methode gefunden haben. Ein Führer(«in Musiker oder Maler etwa) zieht sich einen Kreis von Menschen und gestaltet das. was sie hören oder sehen wollen. Indem er jedoch so ihren Wünschen nachgibt, mengt er unmerklich Eigenes in das Gezeigte und führt seine Gruppe bergauf. Ein nachdenklicher Abend. v. L.-dl. „Die Todesfahrt im Weltrekord." Solosseum. Schönhauser Allee. All« erfolgreichen Szenen, dl« man bisher in Zirkus- und Kriminalfilmen gesehen hat, werden noch einmal durcheinander. gemengt, um«inen Kriminalfilm lm Zirkusmllieu entstehen zu lassen. Ein Grasenliebchen schreit um Hilfe. Ein Artist erscheint als Retter, wird aber von der Dame des Mordes besck�ildigt. So hat sie sehr geschickt jeden Verdacht von ihrer Täterschaft abgelenkt. Doch, im Film werden immer die Bösen bestraft, darum ereilt auch sie ihr Schicksal. Es kommt sogar zu einer Verhaftung im Weltrekord- tempo. Salto King ist der Artistendorsteller Schreibt man in Zu- kunft für den jungen Menschen gute Manuskript« und werden diese oon cinsallsrcichen Regisseuren in Arbeit genommen, dann kann mancher überalteter Sensationsdarsteller abbauen. Di» ganze G«. lenkigtett und Tollkühnheit, mit der so viel« sich nur brüsten, ist bei Salto King wirklich vorhanden. Er beherrscht seinen Körper vollkommen und ist gewillt, viel zu wagen, weil er sich auf sein« Muskeln und feine Sehnen verlassen kann. Er baut nicht aui Zufallsglück, er traut seinem erarbeiteten artistischen Können. Der Regisseur Kurt Blachnitzky geht allbekannte Wege, man be- merkt auch nicht einen Einfall, den man seiner Erfindungsgabe zu- sprechen könnte. C l a i r c R o m m e r ist nett wie immer, ohne zu einer schauspielerischen Leistung zu kommen. Der Polizeihund 'Greif verdient Sonderbeisall, obwohl gerade er bei der Uraus- führung sich aus dem stürmischen Beifall gar.nichts machte. Drei Spanier(zwei Damen, ein Herr), die unter dem Ziamen Maya Afgax arbeiten, fanden dank ihrer Gesänge, ihrer Tänze und ihrer prächtigen Kostüme herzliche Anerkennung. e b Arno Holz als Aobelpreiskandidat. Au» der Mitteilung eines Königsberger Blatte» wird jetzt bekannt, daß die philosophische Fakultät Königsberg bereits .zum fünften Male Arno Holz als Nobelpreis- kandidaten vorgeschlagen hat. Aus dem bisher ängstlich vermiedenen Aorschlagssystem in Deutschland wird in dieser Mit- teilung. etwas der Schleier gelüftet. Der Vorschlag der philoso- phischen Fakultät in Königsberg ist, wie es heißt, den Stimmbercch. tigten, zu denen sämtliche deutsch« Hochschullehrer der Literatur und Aesthetik gehören, vorgelegt und mit überwältigender Mehrheit, über 469 von ihnen haben sich für Holz entschieden, angenommen worden. Man muß bei dieser Sachlage fragen, warum erfährt die Oesfentlichkeit erst jetzt von Stimmberechtigten, von einer Umfrage und von dem Ergebnis derselben? Warum werden in der Press« alle anderen möglichen und unmöglichen deutschen Kandidaten genannt, nur der nicht, für den sich die überwältigende Majorität der berufenen Stimmberechtigten erklärt hat? Und der daher nach menschlichem Ermessen der Aus- sichtsoollstc sein müßte. Des Rätsels Lösung ist wohl darin zu finden, daß hinter Remarque, Thomas Mann usw. rührige Kliquen und einflußreiche Verleger stehen, die die Reklametrommel für ihr« Schützlinge zu rühren wissen. Arno Holz aber ist sein Leben lang ein Einsamer gewesen. Ist allein seinen SVeg gegangen, der von Anbeginn ein Leidensweg war. Und— leider— es noch heute ist. Hoffen wir. daß das ausschlaggebende Stockholmer Komitee sich durch den Tamtam Unberufener und geschäftlich Interessierter nicht irre liiachen läßt. Wenn ein deutscher Poet den Nobelpreis verdient, seit Jahrzehnten verdient«, so ist es der 2Zegründer und Bahnbrecher der neuen deutschen Dichtkunst, der Mann, auf dessen Schultern sich die anderen, Glückbegünstigten, erst erhoben. So Ist es Arno Hol,. Was wird aus den philharmonischen Konzerten? Bei den zwischen der Stadt Berlin und dem P h i l h a r m o- nischen Orchester schwebenden Verhandlungen interessiert dos musikalische Publikum Berlins besonders die Frage der P h i l h a r- monischen Konzerte. E» darf wohl als selbstverständlich angenommen werden, daß die technische und administrativ« Leitung in der bisherigen Form der Konzertdireltion erhalten bleibt, die diese Konzerte vor beinahe fünf Jahrzehnten gegründet und sie zu einem Hauptsaktor nicht nur unseres Berliner, sondern de» ganzen europäischen Kongertlebens gemacht hat. Die Konzertdirektion Hermann Wolft und I. Sachs, die seiner- zeit die Dirigenten Hans von Aülow, Artur N'rtlsch und Wilhelm Furtwängler zur Leitung der Philharmonischen Konzerte berufen hat, hat diese auch durch ihre Leitung des kaufmännischen Betriebe- durch alle Schwierigkeiten unserer wechselvvllen Zeit geführt ui� ihnen interpotional« Bedeutung erhalten. Disziplin gegen Terror. Die kommunistischen„Verbündeten der Zukunft". Der Bevollmächtigte der Berliner Metallarbeiter Paul Eckert gab am Freitagabend in einer überfüllten Berfammlung der ver- bandstreuen Rohrleger und Helfer in den Sophien- fälen einen ausführlichen Situationsbericht über den wilden Rohrleg er streik. Nach den Behauptungen Niederkirchners haben Kl) Firmen fein« Forderungen.restlos anerkannt". In Wirk- lichkeit find unter diesen Firmen nur drei, die für das Rohrleger- gewerbe überhaupt von Bedeutung find, während die übrigen nur kl eine Betriebe find mit höchstens 5 Arbeitern. Ueberdies hat ein Teck dieser Firmen die Forderungen nur für die nächsten drei Monate bewilligt, ein anderer Teil hat sich mir verpflichtet, nach Beendigung des wilden Streiks die Differenz zwischen dem Tarif- lohn und der dann etwa von Niederkirchner durchgefetzten Lohn- erhöhung nachzuzahlen. Ein Kapitel für sich ist die Ausgabe der Arbeitsbsrechtigungskarten. Wer sich verpflichtet, von seinem Arbeitslohn wöchentlich 10 AI. zu zahlen, bekommt eine Arbeitsberechtigungstart« und darf arbeiten. Der Sicherheit halber wird diese Arbeitseslaubnis von Woche zu Woche verlängert, nachdem die 10 M. bezahlt wurden. Unter diesen Umständen kühlt sich die Begeisterung für den wilden Streik merklich ab. Die nicht arbeitenden Streikenden mach- ten lieber arbeiten und Geld verdienen, als sich mit der durstigen Streikunterstützung abspeisen zu lasiea. die Arbeitenden aber sind nicht entzückt davon, wöchentlich 10 TN. von ihrem Cohn hergeben zu müssen. Bei Beginn des wilden Streiks waren im Deutschen Metall- arbeiterverband noch rund 2200 Rohrleger und Helfer organ-isicrt, während es heute bereits über 2K00 sind. Täglich melden sich auf dem Verbandsbursau Mitglieder der Niederkirchner-Bereinigung, die um die Wiederaufnahme und die Anrechnung ihrer a'ten Mitgliedschaft ersuchen. Das ist auch kein Jeichsn der Stärke der Position Nisderkirchners, um so charakteristischer für die Art der kommunistischen Strategie, daß man mit feinem Liebeswerben um Verbündete selbst vor den Deutschnationalen nicht zurückschreckt. „Helf, was helfen mag!" In einer von dem kommunistischen Landtagsabgeordneten Kasper unterzeichneten Ausforderung an die Angestellten der G e- sundheitsindustrie, den Kampf der Rohrleger finanziell zu unterstützen, findet sich zum Schluß der bezeichnende Satz: „Die Solidarität aller Angestellten, ganz gleich, ob sie dem Zentralverband der Angestellten, dem Gewerkschcftsbund der Angestellten oder dem Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband angehören oder unorganisiert sind, muß den Rohrlegern, den Verbündeken der Zukunft, zum Siege verhelfen." Diese Parole rief in der Berfammlung hell« Entrüstung hervor. Eckert schildert« dann einige von den ungefähr 30 Terrorfällea, die sich in den letzten Wochen ereignet haben. Wenn diese Zahl auch im Verhältnis zu den mehr als 2000 zu tariflichen Bedingungen arbeitenden DMB.-Rohrlegern gering ist, so ist es doch bezeichnend für die moralische Minderwertigkeit der Leute um Niederkirchner, daß sie solche Roheiten nicht nur billigen, sondern sie sogar unter- stützen. Wenn Stoßtrupps von 30 Wann drei bis vier Rohrleger auf dem Bau überfallen und sie mit Gasrohren aus die köpfe schlagen od«r wenn sie zur Arbeit gehende Rohrleger auf den Treppensluren überfallen und niederschlagen, dann ist das ein» Kampfesweise, die nur im„revolutionär"-kommunistischerr Läger Beifall flndet. Die Ortsverwoltung des DMV. hat nunmehr Maßnah- men in die Wege geleitet, um diesem Terror ein Ende zu machen. Sie wird auch die verantwortlichen Drahtzieher zur Rechenschist ziehen. Mit dem Appell an die Versammelten, der Organisa- tion weiterhin die Tr«ue zu halten und den Terra- listen energisch entgegenzutreten, schloß der Bevollmächtigte seine mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen. In einer längeren, mit größter Sachlichkeit geführten Aussprache wurde von allen Rednern den rohen Gesellen, die für Niederkirchner handgreiflich„kämpfen", die tieffte Verachtung ausgesprochen. Die Versammlung war beseelt von einer mustergültigen Disziplin und von dem Willen, sich dem Terror Jliederkirchners und seiner Stoß- trupps nicht zu beugen. Aus einem kommunistischen Betriebe. Opposition wird nicht geduldet. In der„Peuvag"- Druckerei, einem kommunistischen Unternehmen, war der Korrektor P. seit Jahren beschäftigt Ost kam er zu spät zur Arbeit. Solange er unentwegt zur Moskauei Richtung hielt, wurde ihm kein Vorwurf wegen feiner Bummelei gemacht. Als er aber der Opposition beitrat, da hatte die Gemütlichkeit ein End«, wenigstens bei der Geschäftsleitung. P., der nach wie vor u n p ü n k t l i ch zur Arbeit kam, wurde verwarnt und mit Entlassung bedroht. Wegen seiner Zugehörigkeit zur Opposition wurde P. aus der Kommuni st ischen Partei ausgeschlossen. Nun gab sein« Unpünktlichkeit, die er sich immer noch nicht abgewöhnt hatte, der Geschäftsleitung Grund, ihn zu entlassen. Beim Arbeitsgericht klagt« P. auf Wiedereinstellung oder Zah- lung einer Entschädigung von 1S87 M. Er behauptete, er sei aus politifchenGründsn, nämlich wegen seiner Zugehörigkeit zur Opposition, gemaßreg«lt. Wäre er noch Mitglied der KPD., dann würde man ihn wegen gelegentlichen Zuspätkommens nicht entlassen haben.— Der Vertreter der„Peuvag" versicherte dagegen, wegen seiner politischen Haltung habe niemand im Betriebe Nachteile zu be- fürchten. Höchstens die Hälfte der im Betriebe Beschäftigten seien Kommunisten, die übrigen �eien parteilos oder Mitglieder anderer Parteien.— Darauf erwiderte P.:„3a, mit den Parteilosen leben die Kommunisten in Frieden." Wer aber innerhalb der KPD. eine ander« Meinung vertritt als die jeweilige Parteileitung, der werde als Parteifeind betrachtet und als solcher behandelt. Nach langem Hin- und Herreden kam durch die Bemühung des Vorsitzenden ein Vergleich zustande, wonach P.«ine Entschädigung von 300 M. erhält._ Theater der Woche. Vom 22. bis Sv. September. Volksbühne. nttitt«n«il-wvl-tz: Danton» Tod. Skaalsthealer. Staat«»«« Hat«« den Linden: 22. Mcistcrsinarr. 2Z. Madam« Butterfln. 24. ssiflato» Lochitit. 25. Tannhäuler. 26. Dcr Scha»gräb«r. 27. Rosen. la voller. 26. Tidelio. 2g. Tannhänscr. 30. Intermezzo. •£taaJ»o»ct am Platz der Republik: 22. Solfmaons Erziililungcn. 23. Salome. 24. Carmen. 25. gledcrmaus.£6. greischiltz. 27. und 23. Spanisch« Stunde. Der arme Matrose. Anaeliaue. 28. Tliepende Lolländer. 30. Fidelio. Städtische Op«r Charlottcaburg: 22. Pik-Dame. 23. Geschlossene Borstellung. 24. Troubodour. 25. Entführung aus dem Serail. 26. Tiefland. 27. Samson und Dalila. 28. Lochzeit de, Figaro. 2g. Tosca. 30. Freisckllltz. Tchauspielhau« am Geudarmenmartt: 22., 25., 28. Erdgeist. 23., 24., 28., 27., 2g.. 33. Lans im Schnatenloch. Schitler-Ttzeater Charlottenbnrg: 22., 28., 25., 28., 30. 2x2— 3. 24., 28., 27., 28. Kaufmann von Venedig. Theater mit festem Spielplan. Theater am Schissbauerbamm: Lavvo End.— Deutsch«» Theater: Die Fledermaus.—«ammerspiele: Der Unwiderstehliche.— Di« Komödie: Kol- Vortage.-* Thealee«» Rogendorfplatz: Der Kaufmann von Berlin.— Theater in der Kiiuiggrätzer Straße: Sannibal ante Portas.— Somödienhau»: Scribbns Suppen find die besten.— Große« Schanspielhou«: 3 Musketiere.— Theater de» Westen«: Friederike.— Deutsche» Küuftler-Theater: Die andere Seite.— Lustspielhau«: Grand-Lotel.— Lessiaa-Tdeater: Enankali.— Trianon. Theater: Das kommt doch alle Tage vor.— Metropol-Theater: Marietta.— Berliner Theater: Zevei Krawatten.— Deutsche» Boltatheater: Der arme Keinrich.— Di« Tritiiu«: Zerr und Frau So und So.— Kleine« Theater: Ält-Berlin.— Rcnaifionee. Theater: Die heilig« Flamme.— Rose-Theater: Die Weber.— Cafino. Theater: Wem gehört mein Mann?— Schloßpark. Theater Steglitz: Arm wie eine Kirchenmaus.— Plaza, Wiatergarten, Seala: Internationales Variete.— Reirdahallen-Theater: Stcttiner Sänger.— Theater am Kottdufler Tor: Eltte-Sänger. Thealer mtl wechselndem Splelplom. Theater in der Klofterftraße: 22.. 24., 28.. Perlmutter. 23., 27. Spiel im Schloß. 28., 29.. 80. Pottasch vah Aachmittagsvorstellungen: Theat« am Rollendorsplatz: 22., 29. Die Räuber.— Tbvrter de» West«-»: v>« Friederike.— Trianon. Theater: 22., 28. Aschenbrödel. 29., 1414 Uhr: Aschenbrödel. 17 Uhr: Iohanuisfeuer.— R-uaiss-ute The-ter: 22.. 23. Krank- _ cRnfo.TfiMtcr: 28. Schneewittchen. 29., 14 r»losterstrai 28. Robinson._ «äbinkan 17 llbr- Spiel im Schloß..— Plaza: Internationale»� uotiei«.— Wintergarten: 22., 28., 29. Internationale» Variete.— Seala: Int�naiiona.ez Variete.— Reich»ha0en-Thcat«r: 22., 29. Stetttner Sanger.— Theater am «ottbuffer Tor: 22., 29. Elitc-Sänger. Dienata«. T l dagegen sehr."— Erstaufführungen der Boche: e a t l r in der Behrenstraß«:.. Bater sein pagegrn legr.—*tittwoch. Staatsoper UnterdenLindeu: Tann- Häuser.— Freitag. Oper am Platz der Republik- Spanisch« Stunde. Der arme Matrose. Angeligue. Sounsdeuck, ZI. September. Berlin. 16.05 Paul Spatr: Am Adlettorst. 16.30 Orchesterkonzert. Dirigent Bruno Seidler-Winlder. 18.30 Reisebilder aas Jozoslawien(Wilhelm Konrad Qomoll). 19.00 Heiteres(Schallplattenkonzert). 19.30 Karl-Wolfeant Philipp: Menschenschicksale im Orenzlanä. 20.00 Ans Bildungsstätten der Musik. Nach den Abendmeldungen bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Gerhard Hottmaaa). Während der Pause Bildfunk. Königsvrnsterhanten. 16.00 Dr. Hans Boettcher: Die Neugestaltung des Privatmusikunterrichts(IT). 16.30 Obersteuersefcretär v. Falkenberg: Beamter und Industrieller. Der steuerliche Buchprüfer. )7.00 Nachmittagskonzert von Hamburg. 18.00 Dr. Bruno Broecker: Staatliches Schlichtungssvesen. 18.30 Lektor Claude Orander, Gertrud van Eyseren: Französisch fflr Anfänger. 18.55 Dr. Heinroth(Mitv. Hermann Klanenberg); Heimische Vogelstimmen.(II.) 20.00 Aus den„Miniaturdramen" von Maurice Baring. Anschließend bis 0.30 Uebertragung von Berlin. Sonntag, 22. September. Berlin. 7.00 Funk-Qymnastik. 8.30 Dr. A. Peters:„Landwirtschaftlicher Betriebsvoransdi]a* und Betriebs.' kon trolle." 9.00 Morgenfeier. 10.30 Jugendweibe der Arbeiterschaft QroB-Beriins.(Musik- Chöre. Stadtrat Schneider: Weiherede.) 11.30 Das Oeschwister-Prablem(Zwiegespräch). 12.00 Mittagskonrert. 14.00 Erich Kästoer(eigene Gedichte). 14.30 Konzert. 15.40 Märchen. 16.05 Operndramatnrgie(Schallplatten nnd Vorlesnng). 19 30 Friedrich Hölderlin.(Gelesen von Lothar Mflthel.) 20.00 Orchesferkonzert. K ö n i g s w n s t e r h a a s e n. 18.30 Stunde des Alters. Paul Friedrich: Seeiisehe Verlüagung. 19.00 Dr. A. Ehrenstein: Chinesische Volkslyrik. 19.30 Einführung in Beethovens„Fidelio". 20.00 Unterhaltungsmusik.— 20.30 Aus, des deutschen Spießers. Wnnderhora. Von Onstav Meyrlnk. 21.30 Kammermusik.■■--' Welker für Berlin: Weiterhin kühl und unbeständig, onlangz noch einzelne Schauer, frische westlich« Winde.— Für Deulschland: Ueberau Fortbestand des veränderlichen, kühlen Witterungs- charakters, vielfach Regenschauer, später im Westen des Reiches wieder Besserung des Wetters. Verantwortlich für die Redaktion: Franz Klüh», Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Berlag: Vorwärts Verlag S. m. d. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer dt Co.. Berlin SW 88, Lindenstraße 3. Sictju 1 Beilage. Sonnabd., 21. 9. Stoats-Oper Unter d. Linden A.-V. 197 20 Uhr Tosca Staals-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 160 20 Uhr fitt Sonnabd., 21. 9. Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus IV 191/j Uhr StaatLSdiaospl). ■m üandarmenmarlrt A.-V. 175 20 Uhr Staat!. SeMller-Theater.Ctiarltb. 20 Uhr Treibjagd Vorverkauf auch im Pavillon der Reinhard tbllhnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 DüDtsdiet Theater 0.1. Norden 12310 8U., Ende gegen 11 Die Fledenpans Musik v.)oh. StrauB. Regie; Max Reinhardt. Dirigent E.W. Komgold. Ausstatte. L. Kainer VoiKsbliline lßiilir araBQIowßlati Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie; Karl Heinz Martin Staatl. Slfailler-Ita- 8 Uhr Treibjagd Pianetartmui am Zoo»m» Vwlinj. luiSintbilu Slnli B.S BarbarossaSS78 Wk Uhr Harbst- abanda am Starnan- himmal 18'/« Uhr Bia aa dia Qrenzan dar Walt 20'k Uhr Rätael das Starnanlichtea Tägl. außer Montags, u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder SO Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pt. Kinder 25 Pt Direktion Dr. Robert Klein Denlsehes lOnstler- Theater Barbaros' 937 Täglich Uhr Zum 2 ,ale Die andeii! Seite von R C. Sherriff Regie: HeinzHilpert Kerlioer meater Dönhoff 170 Täglich SV» Uhr Zwei Ktuatteo von Georg Kaiser Musik: Mischa Spoliansky Regie: Forster Larrinaga Lnsispielbaos Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8V» Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Kamtnerspiele D.I. Norden 12310 SVi.Ende gegen lOV: Der önwidersteWielie Komödie von Gäraldv und Spitzer Gustaf Gründgens Die RomOdie J> Bismck.2414/7516 SVi Uhr Ende geg. 10W Uhr Koiporfage Komödie von Georg Kaiser Regie; Erich Engel Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8'/. Uhr All■ Berlin mit Max Adalbert als PuDte BaiBovskj-ElbBeB Thaater in dar KSniggrätzar StrtBe 8V» Uhr HanntbaUnte portas Komödionhaus Täglich 8«b Uhr MM Soppen siod die besten Lustspiel von Julius Berstl Winfer ck Qarreru S nu> Zatr. 2810• Bastin truobt Hajes 841» oad weitere Varietd-Ienhitten Sonnabend n. Sonntag Ja 2 Varatallungan 3» und 8 Uhr. 3" kleine Preise. CAS I NO-THEATER Lothringer Straße 57. TSgUdi«>/, Uhr Oer neue Eroffnungs- Schlager Wem Miiil mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Lesen Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M„ Sessel 1.75 M„ Sonstige Preise; Parkett u.Rang 080 M. 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Uhr Narlclia Unslk t. Oskar Straas Käthe Dorsch Michael Böhnes ThtaLanKottlLTor Kottbusser Str. 6 p Tlgl. a Uhr «V auth Sonnt. a Ith nachm. 3 U. HB EUle- II Sftnger Das SaetnUiRr-Sdiiagar' Preonwaii Theat. d. Westens Täglich 8>/. Uhr Sonnab u. Sonntag 4 und 8V» Uhr Der Wellertolg FnederiHe Musik von Fraos Lahor B «sonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im „Vorwärts- und trotzdem «btlUgS Rose- Thetler, Gro�cFrankfurtcr Str. 1S2, Beete 3 Bfer eeivm. schneewmchen er. AOsstattungsmarchen 8.13 Dhr Die Weber Schauspiel in 5 Akten von Gerhart Haoptmann Regie: Faul Rose GROSSES SCHAUSPIELHAUS ttgl. 8 Uhr Regie: ERIK GHAREll BBsaini-ABSsiaituno: Ptol. Emst Siern. ZOO* AQU A Heute Sonnabend ab 2 Uhr nachm. Eintritt Eft itg. je Uli Kinder die Hälfte. ab 4 Uhr GR. KONZERT Hei» Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! föeiloge Sonnabend, 21. September 1929 SivÄbimd SfinJstni&TJü da}L+u>ärC Im Lande des Dollars and der Wolkenkratzer Städtebauliche Probleme in Amerika und ihre Rückwirkung auf den deutschen Städtebau Stadtbaurat Genosse Dr. Martin Wagner vcrösfcntlicht jetzt eine Broschüre, die das Ergebnis seiner mit anderen Mitgliedern des Berliner Magistrats unternommenen Amcrikareise dar- stellt. Das Wert heißt„Städtebauliche Problem« in amerikanischen Stödten und ihre Rückwirkung auf den deutschen Städtebau", und ist im Verlag der Deutscht Bauzeitung G. m. b. ch., Berlin, erschienen. Der Wert der ausgezeichneten und richtungweisenden Schrift wird durch zahlreiche interessante photogrophische Aufnahmen noch wesentlich erhöht. Das Buch verdient unsere größte Beachtung. Hier weist ein anerkannter Städtebauer die Wege für die künstige städtebaulich« Gestaltung der Rcichshauptstadt. Der Verfasser hat Typisch* Proletarier„bäaser" In Chicago. das Land„des Dollars und der Wolkenkratzer" mit den Augen des Sozialisten gesehen. Einer Photographie, die die gewaltigen Wolkenkratzer auf der Südspitze von Manhattan in New Pork zeigt, gib� der Verfasser solgende Unterschrift:„Der Stolz der Amerikaner und.die Ueberraschung aller Europäer. Der Städte- bauer entdeckt in diesem Hausgebirge aber überirdische und unter- irdische Höhlenbewohner mit einer Unfreiheit, die das hoch- kultivierte Urvolk dieses Landes, die Indianer, nicht kannten." In diesen Sätzen ist besser und klarer als in langen Ausführungen das Urteil über diese Art chaotischen und lediglich dem Profit- streben einiger Kreise dienenden Städtebaus gesprochen. Wir geben nachstehend einige der markantesten Stellen der Schrijt wieder. Die städtebauliche Gesetzgebung. Nachdem Wagner darauf hingewiesen hat, daß in Amerika amtliche Dienststellen, die sich ausschließlich mit städtebaulichen Fragen beschästigen, nur in einzelnen Städten zu finden sind, und daß das Gefühl der„individuellen Freiheit" von keinem amerika- nischcn Städtebauer oerletzt werden darf, erklärt er:„Die amerika- nischen Städte, ihre Stadtversassung und ihre städtebauliche Gesetz- gcbung sollten uns«ine Warnung sein! Es ist zu bedauern, daß diese Warnung nur gelegentlich irgendeiner Studienreise einzelner Persönlichkeiten in unsere gesetzgebenden Körperschaften und Verwaltungen dringt. Mit den amerikanischen Städten hat Berlin das schnelle Wachstum gemeinsam. Es hat mit ihm fernerhin gemeinsam das rasche Anwachsen des Autömobilverkehrs, das steigende Anwachsen der Fahrten pro Kopf aus den Massen« Verkehrsmitteln, die von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung des Flutverkehrs und die damit verbundene Höchstbelastung der Haupt- straßen. DaS Auto tötet die Innenstadt. Die Ausführungen, die Wagner über die Verkehrspro- blcme amerikanischer Städte macht, wollen nicht vom Standpunkt des Berkehrstechnikers aus gemacht sein. Er will den Verkehr nur insoweit darstellen, als er von allgemeiner städtebaulicher Bedeutung ist. Das Auto ist in Amerika zu einem Volts- Verkehrsmittel geworden. In New Pork rechnet man heute mit einem Auto auf S Köpfe(und 1935 mit 1 aus 3,8!). Trotzdem sind alle anderen Verkehrsmittel in den Flutzeilen so mit Fahr- gästen überfüllt wie das in Berlin kaum denkbar wäre. Ein schnelles Fortkommen mit dem Auto ist nämlich auf den Straßen der Innenstadt nicht möglich. Es ist das Verkehrsmittel jür das W e c k e n d, für dos flache Land und sür die Sport- und Erholungs- pläge. Das Automobil tötet die Innenstadt, aber es er- schließt dem Großstädter das stäche Land und dem Landbewohner die Großstadt. Das Auto hat sür die Stadtgrenzen einen neuen Maßstab geschaffen. Jedem deutschen Städtebauer muh es auf- jallen, daß die amerikanischen Städte von der Möglichkeit der Straß'enoerbreiterung in der Innenstadt verhältnismäßig wenig Gebrauch machen. Die amerikanischen Städte haben den Zeitraum für ihre Straßcnoerbreiterungen verpaßt. Der Grundbesitz ist bereits zu teuer geworden, und nach echt amerikanischer Art scheut man sich, irgendwo„geheiligten Privatbesitz" anzutasten. Das Flugwesen steckt in Amerika, wie bei uns in Deutsch- land noch in den Kinderschuhen der Entwicklung. Auch das Flug. wese'n ist eine reine Angelegenheit privatkapitalistischer Gesellschaften. So trifft man auf Fluganlagen, die uns außer- ordentlich primitiv erscheinen. Die Mehrzahl dieser Flugplätze sind von einer Dürftigkeit der Ausstattung, die zu dem Reichtum Amerikas nicht recht passen will. Freistächenpolitit amerikanischer Städte. Los Angeles hatte im Jahre 1928 bei einer Einwoh.ierzohl van 1 367 000«inen Freislächcnbestand von 2050 Hektar, das h-itzt, also etwa 15 Quadratmeter pro Kopf der Einwohner. Der Generalbebauungsplan von C h i c a g o rechnet mit etwa 40 Quadrat- meter Freifläche pro Kopf. Philadelphia hat etwa 13 Quadratmeter Freifläche auf den Bewohner. Groß-New-Pork weist rund 36 Quadratmeter Freifläche pro Kopf auf. Diesen amerikanischen Städten gegenüber besitzt die Stadt Berlin innerhalb ihres Weich- Hildes heut« bereits über 20 000 Hektar, d. h. 46,5 Quadratmeter pro Kopf und hat außerhalb ihrer Grenzen in nicht allzuweiter Entfernung noch etwa 8500 Hektar, die diese Ziffer noch um rund 20 Quadratmeter auf 66 Quadratmeter erhöht. Die Stadt Berlin läßt also in der Freiflächenpolitik alle amerikanischen Städte weit hinter sich. Das Charakteristische der amerikanischen Parkanlagen ist ihre auf Einnahmen eingestellte Anlage. So bringen die Sand- und Grasgolfplötze der Stadt Los Angeles eine Jahres- einnähme von 680 000 Mark. Die drei klassischen Grundsätze, nach denen die amerikanischen Städte heut« ihre Parkpolitik treiben, fand Genosse Wagner in New Park so formuliert: 1. Sie verspricht Gesundheit, Arbeitskraft und guten Bürgersinn. 2. Sie steigert den Wert des Baulandes. 3. Sie bringt der Stadt Einnahmen aus den Erholungsstätten und den Konzesstonen. Wir wollen keine Wolkenkratzer! Wer amerikanische Städte nicht als Künstler, sondern als Städtebauer gesehen hat, dem entschleiert sich bald das erhobene Gesicht der Wolkenkratzer zu einem Verbrechen des einzelnen Bauherrn an dem Wohl und der Existenz der Großstädte und ihrer Bevölkerung. Der Hochhausbau in Amerika ist lediglich ein Ge- schüft. Di« Verwahrlosung ganzer Jnnenstadtviertel ist ein charakteristisches Kennzeichen amerikanischer Städte, die vom Hoch- hauskoller befallen sind. Der durch den Bau der Wolkenkratzer in die Höhe getriebene Bodenpreis macht sich bezahlt. Daß die Ang« st eilten in dunklen Räumen sitzen, in den Flutzeiten des Verkehrs die überfüllten Bahnen bei langen Fahrzeiten benutzen müssen, das alles und noch mehr— macht sich bezahlt! Welche Lehren haben wir aus dem amerikanischen Hochhausproblem für Berlin zu ziehen? Wagner mahnt Berlin, sich mit alten Kräften gegen die Entwicklung des Hochhauses in der City zu wehren. Deutschland und Berlin seien nicht reich, nicht kurzsichtig und nicht fahrlässig genug, seine wirtschaftliche Zukunft, fein« öfsent- lichen Finanzen und das organisch gewachsen« städtebauliche Gefüge dem Profitstreben einiger Kapitalistengruppen zu opfern. Oer Wohnungsbau in Amerika. Genosse Wagner, der sich als Schöpfer der D e w o g- Bewegung in besonderem Maße um den sreigewerkschaftlichen Wohnungsbau in Deutschland verdient gemocht hat, schildert in seinem Buche auch die Struktur der amerikanischen Wohnungs- Wirtschaft ausführlich. Die amerikanischen Statistiken zeigten, daß das Einfamilienhaus nach wie vor der Wohnungstyp ist, der vom amerikanischen Volt verlangt wird, und das habe seine guten Gründe. Das Auto, das Kino, das Radio und die Fünstage- woche locken in die Einfamilienhäuser der Vorstädte. Wenn Amerika auch heute einen Ueberfluß an Wohnungen«habe, so Hab« es m seinen Großstädten doch«ine qualitative Wohnungsnot und ein großes Wohnungsclend. Da das Hauptinteresse der am Wohnungsbau interessierten Kreise die Wertsteigerung des Bodens sei, würden die Einsamilienhäuser in einer Weise ausgeführt, die das Zeichen der Vergänglichkeit an der Stirn tragen. So komme es, daß inanchmal ganze Ortschaften oder Vorstädte auf den deutschen Betrachter den Eindruck von Filmstädten machten. Nach einem besonderen Kapitel über die Baupolizei gibt der Verfasser noch seine Eindrücke über die amerikanischen Schulbauten wieder. Wagner hat sich besonders die neueste Großschule in New Bork angesehen. Alle Schulen New Ports seien Wobnangsbaa in Amerika.— Straße mit EiatamlUenbiuaern, typisiert und ihre Sondereinheiten, wie Klassen und Einrich- tungen streng normalisiert. In der praktischen Einrilhtung dieser Schulen seien uns die Amerikaner zweifellos überlegen. Der neue New-Porker Schultyp sei der gleiche, den man auch in Berlin entwickelt Hab« und der seine reinste Form in der Damm- weg schule finden soll. Eine Betrachtung über die kommenN Weltausstellung in Chicago 1931 beschließt das Werk. Für die künftige städtebauliche Gestaltung Berlins sind die Ausführungen Dr. Wagners von außerordentlicher Be- deutung. Es kommt jetzt daraus an, daß die Geschicke der Weltstadt Berlin in den nächsten Zahren von Männern bestimmt werde«, die im Bewußtsein ihrer Verantwortung eine voraussihauende. vor- wärlslreibende Kommunalpolitik durchführen. Auch hierüber werden am 17. Pooembex die Berliner Wähler zu entscheiden haben. Die Erforschung der Erdrinde Der 15. internationale Geologenkongress in Pretoria/ Von Privatdozent Dr. Otto Pratje Seit mehr als fünfzig Iahren werden internationale Geologen- kcngresse abgehalten, doch zum ersten Male tagte er aus der s ü d- lichen Halbkugel. Es war ein großes Wagnis der südafrikansslhen Unionsregierung und ihrer Geologen, das aber in vollstem Maße glückte: denn trotz der großen Entfernungen sind mehr als 320 Mitglieder aus 46 verschiedenen Staaten zusammen- gekommen und 34 Regierungen hatten 74 offizielle Vertreter gesandt. Deutschland tonnte mit etwa 45 Mitgliedern aufwarten, darunter den um die Erforschung Südafrikas hochverdienten Geheimrat Prof. Kaiser- München, die Professoren Range, Salz- Berlin, C l o o s- Bonn und Schneiderhöhn- Freiburg. Lcrhandlungs- sprachen waren Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italic- nisch, doch sprachen die Spanier und Italiener sranzäsisch, um ver- standen zu werden. Di« Umgangssprache unter den Teilnehmern war neben Englisch hauptsächlich Deutsch. So standen einmal sechs Herren zusammen, zwei Südafrikaner, ein Nordamcrikaner, ein Italiener und zwei Franzosen und sie verständigten sich, ohne daß ein Deutscher dabei war, deutsch. Auch wissenschaftlich war Deutschland überall mit in der Füh- rung der einzelnen Abteilungen des„Rates". Die von dem Kongreß beschlossene Herausgabe der Internationalen Geologischen Karle der Erde liegt ganz in deutschen Händen, die geologische Karte von Europa ist schon vergriffen. Als Vorarbeit zu dieser Erdkarte ist auf Veranlassung des Geheimrats B e y s ch l a g von Dr. S chrie l- Berlin eine Uebersichtskarte bearbeitet worden. Diese Karte fand auf dem Kongreß, aus dem sie ausgelegt war, all- gemeine Aufmerksamkeit. Di« eigentlichen Kongreßverhandlungen vom 29. Juli bis 7. August in Pretoria umfaßten neben allgemeinen Themen viel« Sonderfragen, für die in Afrika besonderes Interesse vorlag. So war die Abteilung, in der über magnetische Differentiationen, also über die Aufspaltung der feurigflüssigen Gesteinsmassen im End- inner» in verschieden geartete Laven und Gesteine verhandelt wurde, sehr gut besucht. Ebenso eifrig rvaren die Wissenschaftler in der Abteilung„Korroo-Forination", einem auf dem Lande in der Zeit zwischen dem Karbon und dem Sura zum Absatz gekomme- nen Schichtenkomplex, der im wesentlichen auf die südliche Halb- kugel beschränkt ist. Auch die alten Eiszeiten, älter als die des Diluviums, interessierten sehr, ebenso die„Rift-Walleys", die tekto- nisch bedingten Täler. In ollen Abteilungen kamen Deutsche zum Wort. Weniger besucht waren die Berhandlungen über das Petro- leum und über die geeologische Tätigkeit von Mikroorganismen. da sie für Afrika nicht besonders brennend sind. Schon in den Sonderabteilungen, noch mehr aber in der all- gemeinen Sektion kam der internationale Charakter der Veransta'- tung dadurch zum Ausdruck, daß über mindestens 15 verschiedene Länder oder Erdteile ausführlicher berichtet worden ist. Die Aufteilung in einzelne Sektionen hotte theoretisch unbedingt große Bor- teil«, doch die Praxis bewies das Gegenteil. Die Vorträge folgten in unvorhergesehener Reihenfolge, wie gerade die Redner anwesend waren, und so konnte einer, der sür einzelne Vorträge in ver» s ch i e d e n e n Sektionen Interesse hatte, nur durch einen besonde- ren Glücksfall gerade das zu hören bekommen, was ihn besonders reizte. Da hätte vielleicht etwas mehr organisiert werden könne». Doch auf diesen internationalen Kongressen sind die Vorträge nicht die Hauptsache, dos Wesentliche ist die gegenseitige Aussprach« und das Sichkennenlernen und bei den Geologen außerdem die B«- obachtung in der Natur. Hierfür waren unter sachkundiger Führung eine große Zahl Exkursionen durch alle Teile des Landes und für alle Interessengebiete angesetzt. Die Diamarrtenvorkommen in den Vulkanschloten und in den Flußablagerungen wurden gezeigt. der alte Goldbergbau am Witivaterstrand und die ganz jung« Platin- gewinnung im Buschrvald wurde besucht, weiter kam man in Kohlen-, Asbest-, Kupfer- und Nickelminen, Zinn und Vanadium, Beryll und Halbedelsteine wurden im Abbau gezeigt, so daß die bergmännisch und lagerstättenkundlich interessierten Geologen reiche Anregung fanden, aber auch die anderen kamen voll auf ihre Rech- nung, sind doch die Lagerstätten nur ein kleiner Teil im großen Bau des Landes, der in Afrika so ganz anders als in Europa ist. Außerdem gingen zahlreich« Exkursionen im Gebiete, wie in die kapsallengebirge, in die karroo und ins Zululand. die nur rein geologisches und paläontologifches Interesse haben. Alle diese Exkursionen waren glänzend vorbereitet und durchgeführt und das will in einem so wenig dicht bevölkerten Lande mit seinen riefigen Entfernungen schon etwas heißen, denn 60 und mehr Men» schen nahmen gelegentlich daran gleichzeitig teil. Durch die Mithilse der südafrikanischen Bahnen, die auch die meisten Autobuslinien lausen lassen, wurden die Schwierigkeiten überwunden. Sonder- wagen, bei größerer Zahl der Teilnehmer Sonderzüge, stellten Transportmittel und.Wohngelegenheit oft für eine Woche long dar. An den Bahnhösen, wo die Wagen abgestellt wurden, standen Autobusse zur Weiterbeförderung bereit, die gelegentlich mit der Bahn befördert worden waren. Die Exkursionen begleitete jeweils ein„Kurier" der Bahnverwaltung, der dafür sorgte, daß djes klappte, und es klappte auch vorzüglich. Die reibungslos« Abwick- lung schuf ein« angenehme Stimmung unter den Teilnehmern, und wissenschaftliche Besprechung und persönlicher Gedankenaustausch wird nicht durch Stellungnahme zu Fehlern der Leitung beein- trächtigt. Noch sind die Teilnehmer auf den Schlußexkursionen über dos ganze Land verteilt, aber schon läßt sich sagen, keiner wird be- dauern, die weite Reis« gemacht zu haben, wird an Erfahrungen reicher heimkehren und wird den Südafrikanern Beobachtungen und Anschauungen aus weiteren Ländern als Vergleichsmaterial nahe- gebracht hoben zum gegenseitigen Nutzen. Wir sind der südafrika- nischen Regierung uni, ihren Geologen dankbar für diesen ersten Kongreß auf der Südhalbkugel. Der nächste tagt in drei Iahren in den Bereinigten Staaten. (Schluh.) Ob solcher Wandlung des Alten roard Heinrich wie dem Märchenprinzen, der in einen Esel oerzaubert, die groszl« Schmach erleiden muhte, dem aber seine Peiniger die Füße küßten, nachdem der Zauber von ihm genominen war. Also das war der knorrige Bierbrauer, vor dem olle Lehr- jungen der Stadt teuflische Furcht hatten, daß sie schon zwanzig Schritt vor ihm die Mütze zogen? Vor dem die ganze Nachbar- schaft aufhorchte, wenn er mit seinen Leuten im Brauhouse herum« lobte? Und von dem man heimlich tuschelte,«r Hab« schon Lehr- jungen zu Tode geprügelt? Ja, ja, es war der Gejürchtete, und es war dasselbe Bier, das er unter ärgsten Beschimpfungen und Mißhandlungen der Lehr- jungen herstellte und es nun mit den höflichsten Verbeugungen den Gästen vorsetzt. Heinrich konnte noch nicht die Macht des Geldes, die den rohesten Tyrannen zum demütigsten Diener macht und den Unwürdigsten zu Ansehen und Achtung vorhilft. Cr fand die Sache zuletzt ganz groß- artig, sich von einem solch wichtigen Manne bedienen zu lassen. Forschen Schritts ging der junge Geselle Hinaue, eine mächtige Rauchwolke zurücklassend. � Gern wäre er vorbeigeschlüpst, als er von fern« sah, wie seine Lehrkameraden auf dem Kirchplatz umhertollten. Doch«he er flch's versah, umstanden sie ihn schon, lobten sein verändertes Aussehen, das ihm der neue Angug verlieh, und liehen die Tabakpfeif« schmauchend von Mund zu Mund'wandern. Zuletzt sollte er sich mit einem Liter Gutgemengten loskaufen, wollte er die Pfeife wieder zurück haben. Er aber verwies auf das neue Verbot, noch dem es allen Gastwirten untersagt war, an Lehr- ling« Branntwein für eigenen Bedarf abzugeben.„Hoch!" riefen sie durcheineinder.„Zum Lachen! Du holst ihn, und das Trinken ist uns nicht verboten!" Nach längerem Hin und Her einigten sie sich auf eine Lage Bier, draußen in der Wurstmühle. Das Gasthaus, zu dem eine Windmühl« gehörte, lag vor der Stadt in der Richtung auf Neusalz. Weil der Wirt stets frische Wurst bereithielt, hieß sein Wirtshaus die Wurstmühle. Auf Heinrichs Anraten bog die Gesellschaft um die Ecke des Gasthofes und betrat durch den hinteren Eingang, der den neu- gierigen Blicken entzogen war, das Lokal. Die alte gebückte Wirtin lief wie erschrocken aus dein Gast- zimmer und riefl ihren Sohn Andreas, während sich die übermütigen Mist« geräuschvoll im Herrenstiibchen niederließen. Heinrich erhielt sein« Pfeife zurück. Er rauchte sie von neuem an. Das erhob ihn wieder über die anderen. Dabei sah ihn Klaukes Hermann, der nur noch zwei Monate zu lernen hatte, mit verhalte- nem Neid an.„Ja, du rauchst— und wir?" sagte er heraus- fordernd. Heinrich zuckte die Achseln.„Meinetwegen. Wenn's rauskommt, sitzen wir eben all« in Teusel« Küche." „Ach was, hier übernehm ich die Verantwortung!" rief der junge Müller, und bracht« zu den acht Bier gleich ebensomel Zi- garren. Dann stieß er mit seinen einstigen Lehrkameraden an und le«rte sein Glas in einem Zug«. „Oho!" rief H«rmal>n dem trinkfesten Burschen.zu.„Das kost' 'ne frische Lage; hast die Gesellentaufe noch nicht von uns empfangen!" „'s ist zwar schon verjährt, doch ich bin weiß Gott kein Spiel- varderber." Dabei stellte der junge Wirt acht Gläser vor seine Gäste und füllte sie mit- Kirschbranntwein. Als die Bier- und Branntweinlagen etlichemal« gewechselt hatten, begannen die jungen Zecher zu streiten. Einer wollte schon öfter betrunken gewesen sein als der ander«. Absichtlich schoben sie ihre Kopfbedeckungen schief, das erschien ihnen der beste Ausdruck von Männlichkeit. Manch« spuckten unter den Tisch, warfen die schiefbrennenden Zigarren verächtlich weg, traten mit dem Fuß darauf Und spülten den üblen Geschmack mit«in paar Schluck Bier hinunter. Heinrich sog ab und zu an der erkalteten Pfeife, die er wie da« Zeichen seiner Würde fest in der Hand hielt. Er dacht« an sein Ver- sprechen: und seine Kollegen würden ihn gewiß schon auf der Her» berge erwarten. Begierig griffen alle nach dem Sodawasser, das der Wirt zum Schluß spendiert«. Aus dem Heimweg gab es«in trunkene» Tollen. Nur die, die sich wie Mchlsäckc im Schnee wälzten, ließ man aus dem Spiel. Auch Heinrich ließ sich mit in den Strudel reißen. Kurz vor dem Mühl- teich am heiligen Nepomuck, als die Katholischen ehrfürchtig die Kopfbedeckung zogen, vermißte er seine Tabakpfeife. Die hatte bei den Raufereien im Schnee ihr Grab gesunder.. Hinter der Wassermühl« bog er unbemerkt in ein schmale» Gäßchcn und sucht« aus Umwegen zur Herberge zu gelangen. Er griss in die Tasche und zählt« das Geld aus einer Hand in di? andere Zu einigen Litern Branntwein reichte es noch. Mochten sich die Kollegen auf der Herberge satttrlnken. Er spuckte aus. Keinen Tropfen wollte er. mehr. Die matthängenden Glieder straffend, ging er aufgerichtet weiter.— Wa» ist da»? dacht« er, zun, Holzkirchlein aufblickend.— Zwei Türme?— Seit wann denn? Doch je genauer er hinaufsah, desto fester standen die beiden nebeneinander. Auch den Eingang sah«r doppelt. Dicht davortretend, befühlt« er die Pfosten zu beiden Seiten und dazwischen di« Tür.— Unsinn!— Die hereinbrechende Dunkelheit treibt chr Spiel. Damit beruhigte er sich und wandte sich auf kürzestem Wege der inneren Stadt zu. Als fei er soeben von einer schweren Krankheit aufgestanden, so lag es Heinrich am anderen Morgen in allen Gliedern. Den Kopf voll dumpfen Schmerzes, zogen die gestrigen Borgänge in nebelhafter Fern« an ihm vorüber. Der erste Wochenlohn ivar hin, das wußte er, und der zweite stand am schwarzen Brett auf der Herberge. Alle Lebensgeister schienen in ihm abgetötet. Ganz mechanisch bewegte er sich bei der Arbeit. Sogar das Esten widert« ihn an. Und als er sich in der Mittagspause ermüdet auf sein Bett warf, erschreckten ihn greulich« Traumgestalten und ließen ihn kein» Ruhe finden. Hinaus in dt« Ferne! Es vergingen Wochen,«he in Heinrich die Folgen der Sssellen- taufe restlos ausgetilgt waren. Denn immer, wenn ein Teil seines Wock>enlohnes zur Begleichung der Schulden in die Hind des Herbergswirtes glitt, stieg ein widerwärtiges Gefühl in ihm hoch. Doch als mit jedem Tag« dt« heitere Frühlingssonne einen größeren Teil seines Arbeitsplatzes bestrich, erfüllte auch ihn neue Lebensfreude. Und als auf Schlächter Muche» Apfelbaum all« Morgen ein Starmatz fein Morgenliedchen fang, das fein Weibchen gurrend begleitete, da schwellte sich Heinrich, junge Brust, Werkstatt und Städtchen wurden ihm zu eng. Und stand er in der Sonntags- frühe auf dem nahen Mühlberg und schaute ringsum in die weite unendliche Welt, dann blieben seine Blicke am fernen blauen Berg- rücken haften, dahinter stille Sehnsucht weilte---- * Den schwarzglänzenden Berliner am grünen Band über di» Schulter gehängt, die Schuh, und Kleiderbürste ineinandergedrückt obenauf gebunden, schritt der jung« Wanderer auf taufrischen Steinen di« Grünebcrger Straße hinaus. Er hatte absichtlich die noch dämmernd« Frühe gewählt. So begegnete ihm außer einigen vom Dienst heimkehrenden Wächtern fast niemand. Nur ab und zu knarrte«ine Hauetür. Di« Heraus» tretenden liefen eilends wie schlaftrunken der Arbeitsstätte zu: kaum daß sie feinen Gruß erwiderten. Erst nachdem sie«ine Strecke vor- über waren, besannen sie sich:— ach, der Timm-Heinrich! und winkten rasch den Abschiedsgruß zurück. Nachdem er das Grünbergcr Tor hinter sich hatte, schwang er, di« würzigen Düfte des leichten Windes atmend, den Stock, als wollte er singen. Aber ein Rausch von Gefühlen hieß ihn schweigen. Immer wieder wandte er sich um und ließ seinen Blick von der auf- steigenden Höh« zurück über di« Dächer und gelbgrünen Baumkronen des Städtchens schweifen. Als sei's fein« rechte Heimat gewesen. so weh ward ihm zu Sinn. Wie zärtlich hotte Mutter Röf'l ihm die dargereichte Recht« in der Morgendämmerung vom Bett aus gestreichelt, während ihm der gut« Alt« wie segnend sein« welk« Hand auf» Haupt gelegt hotte. Verfolge ihn das Schicksal gor zu schwer in der weiten Welt, dann stehe ihm sein Haue jederzeit offen, hatte der junge Meister gesagt. Und die immer heitere Frau Lisbeth hatte sich gar an» Klavier gesetzt und vor sich hingesummt: ° Nun zieh hinaus durch Wald und Feld, Wo Gras und Blumen blühen. Auf fremder Straße ohne Geld. Wo viele Wandrer ziehen. Dir frommt kein Bitten und kein Fleh'n, Dein Herz nur will dich lenken. Es ruft: Di« weite Welt ist schön! Sie will dich reich beschenken! Es lockt, es drängt, es zieht dich fort In unbestimmt« Weiten. — Weißt nicht wohin, kennst nicht den Ort, Läßt dich vom Schicksal leiten. Auf einmal tritt in deine Bahn Ein anmutstrahlend Wesen. Reich ihm die Hand, es ist kein Wahn! Es sucht dich zu erlösen. — Drum birgt das Wandern allemal Geheimnisvolles Hoffen. Und wer es recht zu pflegen weih. Dem steht der Himmel offen. Noch einmal wollte er zurückschauen, doch wie in einem Grab war alle» hinter ihm versunren. Er hatte die Anhöhe bereits über- schritten und war dicht am Försterhause angelangt. Dahinter stand die Bank. Cr dachte an Hedwig— damals— und ließ sich nieder, um ihren letzten Brief, den er postlagernd erhalten hatte, noch mal zu lesen:„...tausend Dank für das feine Christgeschenk! Hinrm- lisch gefreut hat es mich, als mir der Weiß-Foriner schrieb:«» beun- ruhig« ihn sehr, und er wisse es gar nicht zu deuten, warum du keinen Pfennig Lohn für di« viele Arbeit angenommen hast. Aber desto besser weiß ich es zu deuten, denn wenn ich mir das Kästchen so richtig anseh, ist mir immer, als seiest du«» selber. Gesprochen Hab ich schon zu ihm wie zu dir.— Ich denk, du hältst inich darum nicht für närrisch, nein?— Ach nein, ich weiß, du oerstehst mich, bist ja viel klüger als all die anderen. Am Verlobungstage Hab ich tottrank im Bett gelegen.— Ja, wa» sollt ich machen?— Mutter ist ja rein des Teufel». Ich Hab ihr aber nachher olle« geschrieben, auch dem Weiß-Former. Nun ist wohl alles aus. Ich soll mich aber nie wieder zu Hause blicken lassen: ich will auch gar nicht. Schade, gern wär ich zum Gesellenboll gekommen— aber es ging eben nicht. Ich freue mich ja ja sehr, daß du endlich frei bist. Nun ist es an dir.— Bitte, bitte, komm, überrasche mich, ich er- wart« dich jeden Tag, jede Stunde." Danach müsse er wohl s i e zuerst erlösen, dachte er. Auch in ihm steckte noch recht viel kindliche Sucht nach Uebcrraschung, darum hatte er ihr kein Wort von seinem Kommen geschrieben. Stürmischer Regen peitschte am anderen Morgen gegen die Fenster des Dorskruges. Neben ihm schnarchten die zwei alten Kunden, für die er gestern abend einig« Achtel Branntwein aus- geben mußte.— Nur fort aus deren Nähe, dachte er. Als er reife- fertig war, entdeckte er nach längerem Suchen, daß sein Nochbar sich seiner Reifetasche als Kopfkissen bemächtigt hatte. Trotz aller Bs- hutsamkeit erwachte der Alte, als er sie hervorzog, und erboste sich wegen Heinrichs Rücksichtslosigkeit: Er sei«in unverfchamter Grünling. dem erst Kundengesinnung beigebracht werden müsse. Dadurch aufgestört, versuchte der andere Kunde zu vermitteln, und wies auf die Gefahren hin, die einem unerfahrenen Grünling auf der Land- stroße auflauerten, wenn er sich nicht an alt« Kunden anschlösse. Und die beiden standen im Handumdrehen marschbereit neben Heinrich. Waschen sei nicht nötig, das besorge ja heut der Himmel, sagten sie. � Wie ein Gefangener fühlte sich Heinrich in Gemeinschaft seiner aufdringlichen Wohltäter. Er sann nach, wie er am besten entfliehen könnt«. Aber immer nur einer von betden verschwand in den Bauernhäusern, um sich ein Frühstück zu erdalfen. Am Ende des Dorfes, wo einige Wege die Heerstraße kreuzten, zwitscherten beide zugleich mit dem Korken an ihren leeren Finnen und hielten sie dem Grünling unter die Nase. Es fei alter Kunden- brauch, bei Regenwetter mit gefüllter Flasche zu wandern. Dann werde in ein bis zwei Stunden die Sonne im hellsten Glanz« er» strahlen. Er müsse deshalb mindestens zwei Pascher opfern, wolle er sein Gewissen nicht mit dem Fluch der ganzen Kundenzunit belasten. Die Kunden lenkten ihn hinüber zum Gasthof zum letzten Heller. Heinrich sträubte sich gegen die Aufdringlichkeit und meinte, ein Frühregen ende zumeist von allein gegen zehn Uhr. Er habe noch nicht gefrühstückt und trinke Überhaupt keinen Branntwein. Der Wirt, der den Disput mit angehört hotte, weigerte sich, an Heinrich Kaffee zu verabfolgen: erstens weil Kaffeezeit vorüber fei, und zweiten» müßten solche Kaffeeschwestern schon die Bahnhofswirtschaft aufsuchen, die verpflichtet sei, den ganzen Tag di« Lorke warmzuhalten. Heinrich warf seinen Gefährten zwei Sechser hin, flitzte zur Tür hinaus und ging zum Bahnhof. Schon lange hotte er einmal eine Eisenbahnsahrt mache» wollen. Nun ließ sich das Schöne mit dem Nützlichen verbinden. Die heranbrausende Lokoittotive ächzte ein Weilchen, wie abge- jagtes Pferd, doch pflichttreu legte sie sich gleich wieder ins Zeug und setzte den Zug In Bewegung. Und wie es Heinrich geahnt: die Wolken zerteilten sich und bald erglänzt« die Welt im Sonnenschein. Sitzgelegenheit war damals in der Wagcnklasse der Armen noch nicht vorhanden. Er vermißte sie auch nicht, denn er sprang bald nach dieser, bald nach jener Seite im Wagen, um sich nichts von all dem Neuen entgehen zu lassen. Ee war ja ein rechtes Durchschneide» stiller Felder und sonnigglühender Schmirgeiwiesen, wo hie und da Weh und Menschen erschrocken von ihrer Arbeit auflohen. Denn wie ein rücksichtsloser Herrscher durchbrauste der Zug das friedlich« Land. Wie nach köstlichem Mahls träumt« er zum Fenster hinaus, als sich der Zug mühsam durch tiefe Bergcinschnitte quälte. Es lockte. es zog ihn förmlich hinaus in die reizenide Berglandschaft. Und als der Zug auf der letzten Holtestelle vor dem Ziel anhielt, verließ ihn Heinrich mtt frohem Sprung. Nun ging es einige Stunden bergauf, bergab. War das ein lustig Wandern. Aon einem baumlosen Gipfel hielt er Ausschau in weiter Rund«. Einsam, wie losgelöst von allem, fühlte er sich ein paar Herzschläge lang. Doch wie zum Gruß stiegen Rauchfahnen zu ihm auf, und ein Gewirr von Türmen, Giebel» und Dächern lag in Dunst gehüllt tief unten. Gegenüber zogen sich Häuferreihen strahlenförmig an bewaldeten Hügeln hinauf. Wie gebannt haftet endlich sein Glück auf einem sich über gelb- grünen Baumkronen erhebenden Haufe. Und je länger er hinüber- schaut, desto klarer hebt die lachend« Sonne dessen Einzelheiten her- vor, und immer näher und näher erscheint ihm alles. Da—«in Frauentopf mit weißleuchtendem Häubchen lehnt am hohen Altan und fesselt seinen Blick. Alle Sinn« schzrf darauf gerichtet, meint er da» Gesicht zu erkennen.— Ja, gewiß— es nickt grüßend her- über! Er jauchzt freudig auf, zwei blaue Augen fühlt er lachend auf sich gerichtet. Und mit unwiderstehlicher Gewalt zieht's ihn den Berg hin- unter. Wie im Rausch schreitet er seinem Lebensglück entgegen.... Rätsel-Ecke des„Abend <6 Rösselsprung. Austauschrätsel. In den Wörtern Kante, Else, Adel, Tonne, Elle, Uhr, Esel. Angel. Sumpf, Tante, Armee. Halde, Onkel, Halle sind je ein Buch« stabe auszutauschen, dieselben aneinandergereiht ergeben einen Mahnruf der Sozicldemotratie. irr. Abzählrätsel. Die Silben je sinnt weit seind der es und sich nur liebt falsch ist sich ein ge die selbst sind durch eine zu ermittelnde Zahl abzuzählen, aneinandergereiht ergeben dieselben ein Zitat von Schiller. kr. Exotisch. Mehrmals am Tage schmeck' ich dir, Trennst du den Kopf vom Rumpfe mir Und auch den Fuß, bin ich ein Tier. kr. Zahlenrätsel. 128md um 10'ü Uhr die gleichen 1. Frauen.— FTGB.-Kaulsdorf und Klausdorf stehe» sich in Kaulsdorf, Köpenicker Chaussee, gegen- über: es spielen die 2. Männer um 15 Uhr und die 1. Männer um 10 Uhr.— Vorwärts-Hemiigsdorf 1. Männer spielt in Hennigsdorf um 14 Uhr gegen Steinfurth und um 17 Uhr gegen Mahlsdorf.— In Erkner spielt die Freie Turnerschaft Erkner 2. Männer gegen Velten 3 um 14 Uhr und die 1. Männer gegen Moabit 1 um 15 Uhr.— Die beiden Platzvereine FTGB.-Nordring und FTGB.- Norden 1 stehe» sich auf dem Platz an der Schönhauser 2lllee gegenüber. Es spielen die Jugendmannschaften um 13 Uhr, die 2. Männer um 14 Uhr und die 1. Männer um 15 Uhr. Weitere Spiele: FTGB.-Pankow gegen Strausberg- Schwimmer um 9 st- Uhr in Pankow, Andreas-Hofer-Plotz: Velten gegen FTGB.-Stralau um 15 Uhr in Velten: Eharlottenburg- Schwimmer gegen FTGB-Neukölln und Köpenick 2 gegen Fichtenau um 10 Uhr in Köpenick, Wendenschloßstraße(Vercinsplatz). hein Städieringkampf! Nach Ankündigungen der kommunistischen Blätter in Berlsti soll morgen ein„Städteringkampf Breslau— Berlin", ausgeführt von Mitgliedern des Arbeiter-Athletenbundes. stattfinden. Wie uns dazu vom Arbeiter-Athletenbund mitgeteilt wird, ist die ganze Veranstaltung ein großer Schwindel. Der bundes- lreue Verein„Freie Sportvereinigung 1897 Breslau" denkt gar nicht daran, mit den kommunistischen Spaltern in Berlin einen Kampf auszutragen. Dielmehr haben sich zwei wegen ihrer tommunistiischen Umtriebe ousgeschkosien« Athleten Breslaus einig« Kumpane gesucht, mit denen sie«ine Mannschaft zusammengestellt haben. Sie sind von den Kommunisten nach Berlin geholt worden und beabsichtigen nun hier unter falscher Flagge einen„Städtckampf" auszutragen. Di« Arbeiterschaft wird vor dem Besuch dieses schwindelhaften Unter- nehmens gewarnt Rm Rekord, der Sinn hatte! Eine zeitgemäße Erinnerung. Jede Uebertreibung des Sports ist vom Uebel. Dahin gehört die Rekordsucht, die auch bei einem an sich gesunden Sport keineswegs sinnvoller ist, als die Sucht, in der Alkoholaufnahme eine Rekordleistung zu vollbringen. Wie dadurch manch hoffnungs- volles Leben zugrunde gerichtet worden ist, so auch durch die Rekord- sucht beim Sport. Was hat es z. B. für einen Sinn, den Kanal zwischen England und Frankreich zu durchschwimmen oder gar in ein paar Stunden oder Minuten weniger ans ander« Ufer zu gelangen als ein Vorgänger bei diesem Unternehmen? Eine andere nicht weniger sinnvolle Schwimmleistung, von der man zuweilen hört, ist das'Schwimmen in eiskaltem Wasser von 1 Grad und darunter. Wenn wirklich jemand dabei nicht einen Herzschlag oder todbringenden Krampfansall erleidet, so kann er doch eine schwere Gesundheitsschädigung davontragen, und er nimmt dieses Risiko auf sich, ohne daß irgendein vernünftiger Zweck beim Gelingen seines Unternehmens erreicht werden kann. Sinnvoll ist der Sport nur, wenn er den Körper stählt, so daß er im Notfall auch außer- ordentliche Anstrengungen aus sich nehmen und überstehen kann. Das war z. B. der Fall bei der Schwimmtour, die Fridtjof Nansen vor einigen 30 Iahren(12. Juni 1890) im Eismeer unternahm. Auf seiner berühmten Framfahrt— er ließ sich mit dem gegen Eisdruck besonders fest gebauten Schiffe Fram absichtlich im Eise in der Nähe der Neusibirischen Inseln nördlich von der sibirischen Küste einfrieren, um mit der Eisdrift dem treibenden Eis über den Pol hinweg nach der Ostküste Grönlands zu kommen— verließ er das Schiff, weil es ihm nicht nah« genug an den Pol getrieben wurde, und drang mit nur einem Begleiter auf Schlitten weiter nach Norden vor. Schließlich zur Umkehr gezwungen, erreichten sie nach nochmaliger Ueberwinterung im Eis« am 12. Juni 1890 offenes Wasser, so daß sie die mitgesührten Boote, grönländische Kajaks, besteigen konnten. Nachdem sie mehrere Stunden-am Eis« entlang gefahren waren, machten sie die zusammengebundenen, Kajaks am Eisrande fest, während sie selbst auf«inen Hügel stiegen, um Um- schau zu halten. Da sahen sie plötzlich Zu ihrem Entsetzen, daß sich die Boot« losgerissen hatten und vom Eise abtrieben. Ohne die Boote waren sie verloren, denn alles, was sie besahen, Nahrungs- mittel, Kleidung, Waffen, befand sich an Bord, sie hatten nicht einmal«in Messer bei sich. Kurz entschlossen warf da Nansen die Obertleider ab, sprang in das eiskalte Wasser und schwamm den K a j a k s n a ch. Er erreichte sie glücklich, es gelang ihm mit großer Schwierigkeit, obwohl er fast erstarrt war, hineinzukommen, ja er konnte sogar während der Rückfahrt zum Cisrand zwei Alke schießen, von denen ihm sein Begleiter Johannsen, während er Ichlief,«ine heiße Suppe kochte, dle dann die Folgen der gefährlichen Schwstnau tour beseitigt«. Diese wirkliche Rekordleistung Nansens hatte Sinn und sie zeigt deutlich den Nutzen des Sportes, denn nur ein durch Sport gc- stählter Körper konnte derartiges sich zumut«n uvd gushalten. Sinn- los aber wäre es gewesen, eine solche Leistung erwa aus bloßer Rekordsucht zu unternehmen. Lt. � Dr. Bach im»Ständigen Ring" Der„Ständig« Boxring" wickelte gestern abend vor gutbesuchtem Hause in den Spichernsälen seine 54. Veranstaltung ab. In dem einleitenden Oualisikations« Weltergewichtskampf siegt« Willi Glaser(03,2 Kilo) über Hellmuth Schulz II, Berlin(04,4 Kilo) in der vierten Runde entscheidend. Die Schwergewichtler Willi Simon- Berlin(83,5 Kilo) und U f f e l m o n n- Barmen(87 Kilo) trennten sich nach wechselseitigen Ersogen unentschieden. Die Ban- tamgewichtler Willi Mehner- Köln(51,2 Kilo) und Werner Her» m a n n s s o n- Wiesbaden(53,5 Kilo) licscrten sich einen inter- essanten Kampf, den der Kölner schließlich nach Punkten gewinnen konnte. Kaum etwas anderes als pinc wüste Schlägerei, ab- gesehen von einigen guten Momenten, war das Schwergewichts» treffen zwischen Dr. B a ch- Heidelberg(87 Kilo) und Hans Sche- mann- Dortmund(92,9 Kilo). Der starke Schemann machte einen reichlich hilflosen Eindruck und von Dr. Bach hatte sich die Box» gemeinde ebenfalls mehr versprochen. Dr. Bach siegt« nach Punkten.» Den Schlußkompf bestritten Heinz Heeser II, Koblenz(74,2 Kilo) und Franz B o j a- Dortmund(72,5 Kilo). Der sonst so gute Ko- blenzer war in der fünften Runde durch eine Augenverletzung so stark mitgenommen, daß er den Kampf aufgeben mußte. �btporteln in Schönow! Die Freie Turnerschast Schönow, die als bundestreuer Verein die Interessen der Arbeitersportl?r in Schönow oertritt, begeht ihr Absportlen morgen, Sonntag, auf dem Gemeindesportplatz. Für Männer ist ein Fünfkampf, sür Frauen und Jugendliche ein V-er- kämpf ausgeschrieben. Die Teilnehmer der Gastoereine treffen sich um 12 Uhr am Lokal Otzdorf. Beginn der Kämpfe 13 Uhr. Die Beteiligung von Brudervereinen ist gern gesehen. Iiu-Iit»u-ILur5U5. Die„Sportliche Vereinigung Lichtenberg-Friedrichsfelde 04E. B.� beginnt am 1. Oktober ig ihrer Turnhalle, Friedrichsseld«, Rummels» burger Straße, mit einem Kursus für Jiu-Jitsu. An- Meldungen werden dort jeden Dienstag und Freitag von 20 bis 22 Uhr beim Trainer sowie beim Kassierer entgegengenommen. Der Kursus dauert drei Monat«. Am Dienstag, 24. September, finden in derselben Halle die Heberausscheidungen der Vereinigung zum Länderkampi Wien— Berlin statt. Kleiner Sport. 1. kreis, Schwimmfparle. Zum Kursus für Schwimmwartq ist der Meldetermin bis zum 27. September verlängert worden. Alle Vereins werden ersucht, diesen Termin bestimmt einzuhalten. Der Kursus findet am 19. und 20. Oktober in Spandau, Landes» turnanstall, statt. Morgen, Sonntag, 10 Uhr, Mühlenstrahe, Ecke Bronnnybrücke, Sitzunq der Vercinsschwimmwarte. I. 81.: Klein. Sportverein Moabit. Alle Kamifahrer des Sportvereins Moabit treffen sich zu einer Fahrt durch Berlin mit ihren Booten morgen, Sonntags 9 Uhr, in Tegelort am Leuchtturm oder 11 Uhr alte Plötzenseer Schleuse(Seestraße). Lezirksjugendtressen in Strausberg. Die Sonntagsfahrer treffen sich bereits früh>-7 Uhr am Bahnhof Stralau-Rummels» bürg, Eingang Sonntagstraße, nicht, wie bekanntgegeben, erst um '/,8 Uhr. Die bundestreue Ableitung Oberschäneweide des Arbeiter-Rad» und Kraftfahrer-Bundes„Solidarität" begeht heut« im Bürgerpark� Ostendstraße, ihr 28. Stiftungsfest, bestehend in Reigen- und Kunst- fahren sowie großem Festball. Die Arbeiterschaft ist herzlichst ein- geladen. Die vom Bund ausgeschlossenen früheren Arbeiterrad- sahrer haben am gleichen Tage ein Zusammensein im„Kysfhäufer". Es ist für unsere Freunde selbstverständlich, daß sie di« Leute im Khfshäuser unter sich lassen. Morgen. Sonntag, Rütt-Arena. Das Kriterium der Asse aus der Rütt-Arena wird als 100-Kilometer-Einzelrennen in zwei Läusen zu je 50 Kilometer ausgefahren und folgende siebzehn Fahrer im Kampf sehen: Petri, Blanchonnet, Tonani. Dewolf, Stockelynk, Goebel, Kroschel, Manthey, Hürtgen, Schorn, Schön. Kroll, Micthe, Tietz, Gebr. Wolke, Mandelkow. Sttitr BötuctluUurltci« fltenftbera. conntaq, 22. Eept-mber. Arbeitsbiene auf dem Gelände. äRontaa, 23. September, 2ü Uhr, Nackt badeabcnd Baerwald» ftraße. Zutritt nur mit Kreis» oder SchulaustDeis. ZTGB., Bezirl Reinickenbarf.Weft. Der Turnhallenbetricb hat wieder he» a»nncn. Schiller und Schiilerinnen: Dienstag und Fvitag uan 18—20 llhr, Zrauen und Männer: Dienstag und!Zreitag pon 20—22 llhr. Interessenten für Handball, lluhball und Iauslball können sich in der Turnhalle Angufta- Likioria-Allee 27 anmelden und linden sportliche Betätigung unter Gleich» gesinnte». «rbeiter-Schühenbund. Sonntag, g Uhr Bogenschießen. Ill llhr Kleinkaliber» sckliehen,««S.-Grog.Berlin. Sportplat, sZriedrichsfeldc, Uppstallweg. Montag. 20 Uhr, bei Jürgens, Schöneberg. Barbarossastr. 7a, und Dienstag. 20 Uhr, bei Lohann, Brüderstr. 18—18. tzimmerstutien., Bolzen- und Kugelschiehen. Isländische (xlimakämpfer Auf Einladung der Stadt Berlin trafen 17 isIZrdUdie GUmakZmpfer ein, die diesen V olkopori in Deutschland bekann tmadhen sollen. Es bandelt sich uro eine Art Gürteirfng- kempf, der den Körper besonders tfesefaroeidt� machen soll. Unser Bild zei�t die Gliroakampfer bei ihrer ersten Kampfvorffihrun� in Berlin.