BERLIN Mntag 2Z.Septembtt 1929 10 Pf. Nr. 446 B 222 46. Jahrgang. erscheivt täglich«»ter Senntaz«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Deiugsprei« beide Ausgaben 8SPf. pro Woche. s.kv M. pro Monat. Redaktioe und Ervedition-, Berlin SW68.!indenSr.» oieigenvreittDie einspaltige Nonpareilleieil, so Pf.. Reklamejeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. »ßscheckkonto: Dorwärts-Verlag G. m. b.H� Berlin Nr. S7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Verhandlung mit dem, Erbfeind� Die Nationalisten diesseits und jenseits. Paris. 23. September.(Eigenbericht.) Die Berliner Polemik über die Verhandlungen einiger Kührer der Dcutschnationalen Partei mit französischen Generälen und Politiker« hatte bisher in Paris nur mähiges Interesse erweckt. Diese Haltung hat sich aber mit einem Schlage geändert» als am Sonntag bekannt wurde, daß als politischer Gegenspieler der deutschnatio» nalen Unterhändler, der Pariser reaktionäre Abgeord- nete Paul Reynaud aufgetreten war. Reynaud ist ein kleinerer franzöfischer Hugenberg. Auch er befitzt allein das einzig unfehlbare Urteil über alle politische» Fragen, auch er urteilt von ganz oben herab über die Stärke und Schwäche der patriotischen Gefühle bei allen französischen Parteien und Politikern ab. Reynaud ist der innenpolitische Inspirator des reaktionären„Echo de Paris", in dem Pcrtinax alltäglich die Bcrsöhnuugspolitit Briands als Vaterlandsvcrrat verdammt, und wo ein junger innenpolitischer Redakteur namenS Kerillis sogar am Patriotismus eines PoincarS Mängel feststellen kann. Dah sich Reynaud auch im Ausland be» tätigt hat. war bisher in der Leffentlichkeit nicht bekannt. Man kannte ihn nur als den großen Prediger für die Wiederaufrichtung des„Bloe National". Und dieser Reynaud soll nun mit den deutschnationalen Unterhänd» lern neben allen anderen militärischen und politischen Vorschlägen auch noch die Rückgabe des polnischen Kor» riidors besprochen haben? Ter sozialistische„Populaire" erklärt, er erwarte mit gespannter Neugier die Rechtfertigung Reynauds über diese geheimen Verhandlungen, die er wahrscheinlich gern für immer geheim gehalten hätte. Ter„Toir" schreibt: „Wir Sozialisten sind an erster Stelle berechtigt, von Herrn Reynaud Aufklärungen zu verlangen. Wenn wir mit unseren Brüdern von der Sozialdemokratische« Partei Deutschlands uns offen und ehrlich zu Verhaud- lungen zusammensetzen, werden wir von jenem Reynaud als Vaterlandsverräter gebrandmarkt. Und nun ist es Reynaud selbst, der insgeheim mit den schlimmsten Ehauvinisten und Revancheschreiern jenseits des RheinS verhandelt und ihnen politische und militärische Ange» böte von größter Bedeutung macht!" Oeutsch-französisches Miliiärabkommen Worüber Klönne und die Seinen verhandelten.— Eine Erklärung Rechbergs. Herr Arnold Rechberg schickt uns eine Erklärung über die Unterredungen, die er und seine Freunde, also auch Herr Klönne, in Frankreich geführt haben. Diese Erklärung lautet: „1. In allen Unterredungen, welch« meine deutschen Freunde und ich mit französischen Staatsmännern, Abgeordneten, Militärs und Wirtschastssührern über ein deulsch-französisches INilitärabkommen als Ergänzung der— durch den deutsch-sranzösischen Kalipakt, den d-utsch.französischen Eisenpakt und den deutsch-sranzösischen Chemie. pakt in den Jahren 1926 und 1927 verwirklichten— deutsch-franzö- fischen industriellen Interessengemeinschaft gehabt haben, ist immer ausdrücklich betont worden, daß sich ein solches Abkommen keines- «egs gegen irgendeine dritte Macht richten solle. Außerdem wäre das Abkommen schon nach der Fassung des zur Diskussion stehenden Vorschlages rein defensiven Charakters. Der Wert eines solchen Abkommens würde nach meiner Ansicht darin liegen, daß es— gekoppelt mit der deutsch-sranzösischen in- dustriellen Jnteressengemeinschast— jede Wiederkehr eines deutsch- französischen Krieges materiell ausschlösse und zugleich mit realer Macht den europäischen Frieden gegen etwaige (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Hitler und die»Knirpse". Aus dem Reich der Reichserneuerer. Soeben hoben die nationalsozialistischen Bundes- genossen Hugenbergs ihre Agitatoren mit dem ersten Referentenmaterial für das„deutsche" Volksbegehren vcr- sehen. Da sich das Begehren offiziell gegen den Aoung-Plan richtet, durfte man schärfste Kritik des Voung-Planes, der deutschen Haag-Delegotion unter Stresemanns Führung und der Regierungs- oder ,.Derstlaoungs"-Parteien erwarten. Aber kein Gedanke! Nicht über den„Tributplan" orientieren die Hakenkreuzler ihre Redner, sondern über die edlen Bundesbrüder im Hugenberg- Ausschutz. Wir erfahren zunächst, daß der Reicheausschuß gegen eine falsche Front kämpft. Nicht gegen den Voung-Plan müßte er anrennen, sondern gegen die— Deutsch nationalen, denn ohne deren Um- fall im August 1924 gäbe es überhaupt keinen Noung-Plan, so belehrt die Hitler-Führung ihre Mannen. Sie sagt, die Dawes- Gesetze„stellen die Voraussetzung füx den Doung-Plan dar" und fährt fort: „Insofern sind auch die Deutschnationalen, wenn gleich sie diesmal„Nein'-Zettel abgeben werden und sich am Volks- begehren gegen den Young-Plan beteiligen, für die Voung-Gesehe verantwortlich. Ohne ihren am 29. August 1924 erfolgten llmfall gäbe tf keinen goung-Plan. Darauf können wir nicht oft genug hinweisen." Das heißt: Die Leute um Hugenberg haben von Rechtswegen in der„nationalen Front" überhaupt nichts zu suchen, sie gehören Goebbels. Was die größte Tat des Volksbegehrens werden sollte- - und was die erste Tat wurde! eigentlich mit zu denen, die Graf Reventlow im„Dritten Reich" der Nazis vor den Staatsgcrichtshof gestellt und mit dem Tode bestraft sehen will. Gäbe es ohne deutschnationalen Umfall keinen Aoung-Plan, so würde selbstverständlich auch ein Volksentscheid nicht nötig sein, so daß es, nach nationalsozialistischer Darstellung, ausschließlich Schuld der veutschnotionalen ist, daß überhaupt für ein Volksbegehren die Trommel gerührt werden muß. Das wird den lieben Brüdern eindringlich plausibel gemacht: „Wenn alle Deutschnatiouolen am 29. August 1924„N e i n". Zettel abgegeben haben würden, so wäre schon 1924 der Wille des deutschen Volkes gegen weitere Versklavung zum Ausdruck gekommen, und zwar auf eine viel einfachere Art als es nun heute durch Volksbegehren und Volksentscheid geschehen soll... Damals— 1924— wäre es eine Leichtigkeit ge- wefen, es hätten lediglich all« Deutschnationalen„Nein"-Zettel abzugeben brauchen. Heute nun— 1929— müssen erst riesige Apparate zur Durchführung von Volksbegehren und Volksentscheid in Szene gesetzt werden, deren Ausgang immerhin zweifelhaft ist." Immerhin zweifelhaft? Ach nein, er ist todsicher! Die Hugenberg, Seldte und Hitler werden am Ende ihrer Aktion aus. rufen:„Ein großer Aufwand nutzlos ward vertan!" Lehrreich ist die Eindringlichkeit, mit der die nationalsozla. listische Parteiführung ihren Agitatoren auseinandersetzt, daß nicht etwa die Hitler-Leute sich den Hugenbergern zu gemeinsamen Kampf« angegliedert hätten, sondern daß umgekehrt aus der Sachs «in Schuh werde. Nach den Nazis wandeln die hugenberg. Seldte, Schiele, von Velow und alle die anderen im Schlepplau hillers. Darüber verkündet das besagte Refcrentenmaterial auf Seite 2( ,.E» wäre sachlich falsch, wenn wir sagen würden, wir hätten uns mit den Deutschnalionalen. den christlich-nationalen! Bauern, dem Stahlhelm usw. zusammengeschlossen. Rein, diese haben sich un» angeschlossen." Daran werde auch durch die Tatsache nichts geändert, daß di« Einberufung der Besprechung, die zur Bildung des Reichsausschusses für das Voltsbegehren geführt hat, durch den Stahlhelm erfolgt sei, denn: „Von den Nationalsozialisten war sicher— das wird niemand bestreiten wollen—> daß sie auch ohne die Bildung dieses„Reichsausschusses" alle ihre Kraft aufgeboten haben würden, unser Volk gegen den Young-Plan in Bewegung zu setzen." Die Nationalsozialisten attestieren ihren Bundesgenossen also ganz unverblümt, daß sie unsicher« Kantonisten sind, denen nur über den Weg zu trauen ist, wenn sie im Rcichsausschuß von den Nationalsozialisten fest an der Strippe geführt werden. Noch mehr, die Nazis sind auch so lieblos zu offenbaren, daß die Führer der Deutschnationalen, des Stahlhelms, des Land- bundes, der Vaterländischen Verbände, der christlich-nationalen Bauern usw. usw. sich ihrer Unzulänglichkeit auch b«. wüßt sind und sich deshalb in die Gefolgschaft Hitlers begeben haben: „Die Einberusung der Sitzung zur Bildung des Reichs» ausfchusses bedeutete nur die Vekennung de» willen» der anderen. mit den Ralionalsozialiflen zusammenzugehen, und der gebildete „Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren" stellt die Form dar, in der sich di« Deutschnationale Volkspartei, die Christlich» Rationale Bauernpartei usw. der nationalsozialistischen Bewegung angeschlossen haben." „Angeschlossen"— köstlich! Hitler kommandiert, Hugenberg und die anderen„Angeschlossenen" parieren. Der Münchener Bürgerbräu-„Rett«r" führt sie alle am Gängelbande! So haben e» die nationalsozialistischen Referenten dem Volte zu .sagen, wenn stc darstellen, warum und wieß» es zur Bildung des Wahnsinnstat Linter der Anklage des Mor Wegen versuchten Mordes an seiner sünsjährigen Tochter Charlotte ist der Diplomingenieur Kurt Frank an- geklagt. Es handelt sich um eine Verzweislungstat des An- geklagten, der freiwillig aus dem Leben scheiden und sein einziges Kind mit ins Jenseits nehmen wollte. Im letzten Augenblick wurde die Tat entdeckt und die beiden schon be- wuhklosen Personen konnten noch wieder Ins Leben zu- riickgerufen werden. Der Angeklagte gründete im Jahre 1926 mit sieben Genossen eine landwirtschaftliche Genossenschaft: man wollte bei den Bauern Getreide einkaufen und ihnen Dünger oertaufen. Jeder Genosse brachte nicht mehr als 10 Mark Anteil ein, die Haftung der Genossenschaft belief sich auf St> Mark. Schon das erste Jahr ergab einen Umsatz von anderthalb Millionen Mark. Bald zeigten sich aber Schwierigkeiten. Die Bauern verlangten Bar- Zahlungen für ihr Getreide und Kredit beim Düngereinkauf. Da schließlich das Geld fehlt«, nahm Frank zu Gefälligkeitswechseln Zu- flucht. Deckung fehlte. Frank verlor bald den Kopf. Selbstmord- gedanken begannen ihn zu plagen. Einmal öffnete er auch schon den Gashahn. Sein« Frau versuchte ihn zu trösten. Man fand einen Ausweg, indem sie eine Bürgschaft für 45 000 Mark unter der Bedingung einer Anstellung auf fünf Jahre übernahm, die im Fall« seines Todes oder bei einer vorzeitigen Entlastung als gelöscht gelten sollt«. Frank fand aber trotzdem keine Ruhe. Er litt an nervösen Störungen und Schlaflosigkeit. Als er im Februar dieses Jahres in den Vorstand gewählt wurde, begannen ihn neue Sorgen eines Vaters. Versuchs am eigenen Kinde. zu plagen. Als ein Gespräch mit einem Vorstandsmitglied am 19. Februar in Frank die Vermutung entstehen ließ, daß man ihn entlasten wolle, faßte ihn endgültig die Verzweiflung. Er beschloß, Selbstmord zu begehen und kaufte sich einen langen Schlauch sür den Gashahn. Dann kam ihm die Idee, daß er bester mit Hilfe von Verona! aus dem Leben scheiden könne. Am 20. Februar spielte ihm der Zufall, wie er behauptet, sein Töchterchen auf der Straße in die Hände. Wie ein Blitz durchzuckte ihn der Gedanke, du nimmst auch das Kind in den Tod mit. Er nahm ein Auto, fuhr nach Berlin, stieg hier bei seiner Tonte ab und schritt am nächsten Tage um 8 Uhr morgens, als er mit dem Kind allein in der Wohnung ge- blieben war, zur Ausführung der Tat. Er gab der Fünfjährigen fünf Tabletten Verona! im Wasser aufgelöst, nahm selbst 15 Tabletten «in, öffnete den Gashahn und legt« sich mit dem Äin!» zu Bett. Er erwachte erst, als die Beamten in der Stube waren. Der Angeklagte machte einen völlig gebrochenen Ein- druck. Don seinem Kinde und von seiner Tot kann er nur mit einer von Tränen erstickten Stimme sprechen. Weshalb er eigentlich das Kind habe mitnehmen wollen, fragte der Vorsitzende.„Es war mir so ähnlich/ sagte er.„Es hing an mir mehr als an der Mutter/ Hätten Sie auch ohne das Kind mitzunehmen Selbstmord begangen?�—„Ja/ antwortete der Angeklagte und fügte auf die Frage des Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Pindar, hinzu:„Ich bin der Ansicht, daß ich das Recht habe, über das Leben meines Kindes zu bestimmen, denn ich habe ihm ja dos Leben gegeben. Ich fürchtete, es würde es ebenso schwer im Leben haben wie ich." famosen Reichsausschustes für das„deutsche" Volksbegehren kam. Und sie dürfen nicht vergessen, ihrem Volke auch zu sagen, das alles sei ganz selbstverständlich, denn wir leben„in einer Zeit, in der nur Knirpse sichtbar sind"(Adolf Hitler am 8. Mai 1929 in seinem Protest gegen den Völkischen von Gräfe) und nur ein „M o n n von Blut".' Klönne in Paris. (Fortsetzung von der 1. Seite.) lggresjioe Absichten dritter Staaten jicher- stellen mutz. Auch scheint es kaum ersichtlich, wie praktisch ein Fortschritt in der Abrüstungsfrage erreicht werden kann, solange nicht zuerst einmal die Armeen der beiden wichtigsten konttnental-europäischen Staaten, Deutschland und Frankreich, in Rekrutierung, Ausrüstuag und Bewaffnung auf den gleichen Renner und in ein gewisses zahlenmäßiges Verhältnis zueinander gebracht werden. 2. Eine für die Zukunft unseres Vaterlandes so entscheidende Frage wie die der deutjch-sranzösijchen Verständigung darf nach meinem Dafürhalten nicht mit der Porteipolitit belastet werden. Aus dieser Erwägung habe ich mich der Parteipolitik stets fern- gehalten und von vornherein fowohlden deutscheuRechts- Parteien wie den deutschen Mittel- und Linksparteien angehörige Politiker und Wirtschaftsführer an meinen Verhandlungen mit den Franzosen beteiligt. Auch in Frankreich haben meine deutschen Freund« und ich Fühlung mit französischen Staatsmännern und Abgeordneten sowohl der Rechten wie der Linken erfolgreich auf- genommen. Ebenso bin ich von dem Generalleutnant a. D. Herrn von der Lippe ermächtigt, hinzuzufügen, daß auch er vor und nach seiner Pariser Reise im Frühjahr dieses Jahres nicht nur mit deutschen offiziellen Persönlichkeiten, darunter mit solchen hohen militärischen Ranges und mit prominenten Abgeordneten und Wirt- fchaftsführern der deutschen Rechten, sondern ebenso auch mit solchen der deutschen Mittel- und Linksparteien eingehende Rücksprach« ge- nommen hat." Aus dieser Erklärung geht hervor, was der Kernpunkt dieser Unterhaltungen gewesen ist: de ut s ch- f ra n z ö s i s che s Mili- tärbündnis, deutsche Au f r üst u n g im Einverständ- n i s mit Frankreich. Die Beteuerung des„rein defensiven Charakters" eines solchen Bünlmisses schafft die Tatsache nicht aus der Welt, daß in solchen Militärbündnissen so starke Versuchungen zur Agressioität gegen dritte liegt, daß sie eine Bedrohung des Friedens darstellen. Im übrigen ist bekannt, daß Herr Rechberg diese und ähnliche Pläne gemeinsam mit dem verstorbenen General Hofsmann verfolgt hat. Die Absicht war dabei, nach dem offenen Geständnis Hoffmanns, den Interventionskrieg gegen Sowjet- r u ß l o n d vorzubereiten. Aus diesem Grunde wurde auch der holländisch« Oelmagnat Deterding hineingezogen, der ein sehr reales Interesse an dem Oelvorkommen im Kaukasus hatte. Pari», 23. September. Di« Enthüllungen der„Nationalliberalen Korrespondenz" über angebliche Pläne eines de u t s ch- f ra n z ös i s ch e n Bünd» n i s s e s finden in einigen rechtsstehenden und linksstehenden Blättern besonder« Beachtung., Der Berliner Korrespondent des.Echo de Paris" glaubt, daß die Reichsregierung durch Bekanntgabe der Vorgänge auf die anläßlich der Haager Konferenz gegen sie geführte Kampagne habe antworten wollen. Denen, die Strefemann beschuldigten, Frankreich zu weit entgegengekommen zu sein, wolle der deutsche Außenminister beweisen, daß die Nationalisten selbst nicht vor Zugeständnissen zu- rückschreckten. Das heiße, gute Innenpolitik treiben. Die kommu- »iststch«„H u m a n i t e" ist auch der Ansicht, daß es sich um einen innerpolittschen Gegenschachzug der Reichsregierung handele. Blätter wie das radikale„Oeuvre" und der sozialistische „Populoire" sind aufgebracht darüber, daß einige notio- nalistische französische Parlamentarier(Reynaud) mit den rechts- stehenden deutschen Kreisen, die bisher die Widersacher des Friedens gewesen seien, oerhandelt hätten, und erwarten von ihnen ein« Stellungnahme,„üuotidien" spricht sogar von einem Skandal, denn während die Regierungen auf die Geheim- diplomati« verzichteten, gebe es einfälttg« Leute, die die Geheim- diplomntie auf eigene Faust wieder einführten. Zufrieden ist nur die„V i c t o i r e"(Herves Blatt), die in der Tatsache, daß deutsche und französische rechtsstehende Kreise miteinander in Fühlung getreten seien, ein günstiges Omen erblickt.„Figaro" hebt hervor, daß auch dem Vorschlag der deutschen Nationalisten niemals Vertrauen entgegengebracht werden könne, denn es «erde darin die Streichung des Paragraphen von der Kriegs- schuld gefordert. Stahlhelm und Reichswehr. Vkackensen nimmt Parade ab. Hannover, 23. September.(Eigenbericht.) Der„Verein«heinaliger König-Karl-Dragoner" weihte am Sonntag auf dem Kasernenhof des hiesigen Reiter- regiments ein Gefallenen-Denkmal ein. Dabei schritt Generalfeldmarschall von Mackensen die Front der Reich»- wehr und Kriegerverein« ab, die gemeinsam auf dem Kasernenhof Aufstellung genommen hatten und am Schluß auch eine gemeinsame Parade machten. Bei seiner Ankunft in Hannooer wurde Mackensen als E h r« n m i t g l i« d d e s Stahlhelm von einer Ehrenkompagme des Stahlhelms, dem Luisenbund, und von Stahlhelmführern begrüßt. -vienstliche Gründe" gegen Arbeitersänger. Herr Bombenleger Weschke, Oberleutnant a. D., ist, wie au» Itzehoe gemeldet wurde, vor seiner Festsetzung auch in Offiziers- kreisen der Garnison von Itzehoe häufiger und gern gesehener Gast. Seine„Berichterstattung" an den früheren„bekannten" Oberstleutnant a.D. Iaeschk« ist daher wohl aus diesem trauten Verhält- nis des Offizierkasinos zu erklären. Ader die Garnison von Itzehoe ist sonst das Gegenteil von vertrauensselig. Als zum Beispiel der dritte Bezirk des Gaues Schleswig. Holstein des Deutschen Arbeit« r-Sänger- Bunde» ein Lezirkesängerfest in Itzehoe abholten und dabei ein große» Thorwerk zur Uraufführung bringen wollte, benötigte er al» den größten Raum des Orte» die Reithall« de» dortigen Artillerie-Regiments. Diese wurde jedoch„aus dienstlichen Gründen" verweigert. Hätten die Arbeitersänger einige„Oberleutnants" und„Oberst- lentnvnt? an der Spitze, die im Ojfizlerkasino aus- und eingehen, oer.n hotte der Raum auch wohl sür ihr großes Konzert bereit- gestanden. So aber— ja, was wollen die Arbeitersänger eigent- lich? E« liegen doch Dienstlich« Gründe" vor! Weliwirischastsparlameni in Berlin. Internationale Konferenz im Reichstag. Parlamentarier aus 40 Ländern der ganzen Erde sind seit heute früh in verschiedenen Sälen des Reichstagsgebäudes an der Arbeit, um die internationalen Fragen der Kohlenwirtschaft, der Arbeiterwanderung sowie des Ein- und Auswanderns, der Handelsgesetzgebung, des Radioverkehrs usw. zu klären. Die Sachbearbeiter in den Parlamenten wissen am besten, wie es mit der ministeriellen und gesetzgeberischen Bearbeitung dieser Dinge in ihrem Lande steht. In mehreren Plenarsitzungen werden zusammen- fastende Vorträge über die Hauptsragen, darunter auch über die Rationalisierung gehalten werden. Die feierlich« E r- öffnungssitzung beginnt heute 14,30 Uhr. Protektoren des Kongresses sind Reichskanzler Müller und Reichstagsprösident Löbe. „Einmütig und befriedigt." Die„Begehrlichen" bescheinigen es sich selbst. Der Hugenberg>Hitler�seldte-(HHS.)-Ausschutz oerbreitet fol» gende Mitteilung: Di«„Führer der Landesausschüsse für das deutsche Volks- begehren" traten am Sonntag zu einer Sitzung zusammen, die bis 3 Uhr nachmittags dauerte. Dies« Sitzung beschäftigte sich ausschließlich mit organisatorischen Fragen. Die Versammlung gab„einmütig ihrer Befriedigung" über das Ergebnis der Präsidialsitzung des Reichsausschustes Ausdruck. Nachdem die„Präsidialsitzung" eben erst den Text des Be- gehrens-Entwurfes in sehr wesentlichen Teile hatte abändern müsten, sind die Landesführer wieder einmal„einmütig" befrie- digt?! Sie werden erst recht„einmütig und befriedigt" fein, wenn sie die Pleite ihres Unternehmens leibhaftig vor sich sehen, an der sie ohnehin nicht zweifeln._ Verbot der Hehversammlungen. Vorläufig in Hinterpommern. Auf Anordnung des Stettiner Oberpräsidiums sind olle nationalistischen Versammlungen, die in den nächsten Tagen an verschiedenen Orten H i n t e r p o m m e r n s abgehalten werden sollten, verboten worden. Anlaß zu dem Verbot gaben die unverschämten Hetzreden, die in einigen bisherigen Versammlungen, besonders von Sendlingen aus Schleswig-Holstein gehalten wurden, und die ganz offen mit Steuerstreik und Gewalttaten gegen den Staat drohten. Unwetter überall. Die Küstengebiete an der Nordsee besonders gefährdet. Der Sturm, der im Laufe des Sonntags über Berlin tobte, hat erheblichen Schaden angerichtet. Die Feuerwehr wurde etwa ZOmal alarmiert, da der Sturm Dachrinnen. Gerüste und Werbeschilder in verschiedenen Stadtteilen abgerissen hatte. Auch Störungen Im Stroßenbahnverkchr waren zu verzeichnen, da der Sturm verfchiedenklich Schäden an den Oberleitungen verursacht Halle. Die Direktion der Berliner Flughafengesellschaft, die für den gestrigen Sonntag ein Schausliegen vorgesehen hatte, mußte infolge des Wetters auf die Durchführung eines Teils der Flugveranstaltungcn verzichten. Der Kunstslieger Udel ließ es sich aber troßdem nicht nehmen, seine schwierigen kunstsiüge zu zeigen, obwohl er dabei stark mtt dem Unwetter zu kämpfen hckkte. Aus Hamburg wird gemeldet: Auch den Sonntag über hielt dos stürmische Wetter an. Die Böen erreichten zeitweilig eine noch größere Stärke als an den beiden Vortagen. Sowohl in Cuxhaven als auch im H a m- burger Hafen erreicht« da» Wasser zur Flutzeit eine erhebliche Hohe(fast 7 Meter), so daß verschiedentlich Warnungsschüsse abgegeben werden mußten. In den Kanalhösen Holtenau und Bruns- büttel hat eine ganze Reihe Küstenfahrzeuge Schutz gesucht, um ruhigeres Wetter abzuwarten. Wir aus Helgoland gemeldet wird, mußte die Küstenfischerei vorläufig eingestellt werden. Die in See befindlichen Fahrzeuge konnten jedoch all« rechtzeitig einen Hafen erreichen. lieber die Wetterlage teilt die Deutsche Seewarte in Hamburg mit: Nachdem in der vergangenen Nacht das von Island kommende Sturmtief die Nordsee und mit seinen Ausläufern Nordwestdeutschland überquert hatte, was ungefähr um 3 Uhr morgens erfolgte, wo auch die größte Windstärke, nämlich Starke 8, erreicht wurde, hielten die Nordwestböen den ganzen Sonntag über, begleitet von Regenschauern in wechselnden Stärken, ant All- mählich wurden die Böen jedoch schwächer, so daß am Abend in der deutschen Bucht nur noch Windstärken von 5 und 6 gemeldet werden. Wenn auch mit einem Abflauen des Sturmes zu rechnen ist, so dürfte die Wetterlage doch einen stark veränderlichen Charakter beibehalten. Infolge des herrschenden Sturmes stieg der Wa f s e r s p i e g e l der Ost« um mehrere Meter. Die Außendeichweiden waren voll- ständig unter Wasser. Das Vieh mußte sich auf Wurten flüchten, wo es bis zum Leibe im Wasser st and. Drei mit Stack- busch beladen« Motorschiffe wurden durch den Sturm vom Anker losgerissen und gerieten in den Außendeichen sest. Das Motorschiff „Albatros" geriet in Brand und wurde vollständig vernichtet. Wie aus Stade gemeldet wird, hat der Sturm auch auf der Unterelbe und besonders auf der Elbinsel Krautsand ver- heerend gehaust. Der Außendeich war vollständig über- schwemmt, so daß die gemähte Bohnenernte abgeschwemmt wurde. Das auf den Wiesen befindliche Vieh wurde größtenteils durchein- anderget neben. Die Landungsbrücke wurde durch den Sturm zerstört. Hapagdampser in Seenot. „Höchst" im Indischen Ozean auf Grund gelaufen. Ein Funkspruch von Lord de» hapagdampfers„h L ch st", der bei der Znsel Miaicoi Im Indischen Ozean ans Grand geraten ist. besagt, daß einige Schotten im Bug des vampfers voll Wasser gelaufen find. Auch die untersten Laderäume sind überslulet und die Mannschaft ist nicht imstande, das eindringende Wasser abzudämmen. Die Schifssleikung hatte schon vor- her durch Funkspruch mitgeieilt, daß ein Teil der Ladung, hauptsäch. lich Gummi und Tee, über Bord geworfen wird, um das Schiff. wenn möglich, flottzumachen. Der Schlepper„Herkules", der am Sonnabend zur Hilfeleistung von Eolombo abgegangen ist, dürsle die höchst heute früh 10 Uhr erreicht haben. Heimwehr im Arbeiierbezirk. Erst schießen, dann in eine Kirche fluchten? Wien, 23. September,(Eigenbericht.) Am Sonntag nachmittag kam es nach einsm Heimevehrfest in dem Proletarierbezirk Favoriten zu Auseinandersetzungen zwischen Roten Falten und Angehörigen der Heimwehr. Als verschiedene Arbeiter den Roten Falken zu Hilfe eilten, feuerten die Heimwehrleute 12 Schüsse ab und flüchteten dann in eine Kirche, wo sie von der Polizei verhastet wurden. Verletzt wurde durch die Schüsse niemand. Abfall von Nanking. Zwei Provinzen lösen sich los. Peking, 23. September. Der Oberbefehlshaber General Wu-Fulin hat die Selb- st ä n d i g t e i t der Provinz H u p e h erklärt. Die Provinz hat eine neue Regierung gebildet, wird ihre Beziehungen mit der Nanking- Regierung abbrechen und eine s e l b st ä n d i g e chinesische Armee bilden. Der Sitz der neuen Provinzialregierung wird vor- läufig Jtschang sein. Wu-Fulin erklärte weiter, daß er die Politik der Generale Feng und Jan-Sin-Tschang gegen die Nanting-Regierung unterstützen werde und die sofortige Auflösung der Nanting-Regierung mit Morschall Tschiangkaischek qn der Spig« verlange. Wie amtlich mitgeteill wird, hat Marschall Tschiangka,- schek T r u p p e n nach Hupeh entsandt. Die amtliche japanische Telegraphenagentur hat eine Nachricht aus Peking erhalten, daß die Provinz Kuangsi mitgeteilt hat, daß sie ihre Beziehungen zu der Nanking-Regierung abgebrochen hat. Di« Truppen der Kuangsi-Regierung versuchen, sich mit der Schantung-Provinz in Verbindung zu setzen, um dort einen gemeinsamen Kampf gegen Tschiangkaischek zu führen. Tschiangkaischek erklärt« in einer Konferenz seiner Militärführer in Nanking, daß«r imstande sein werde, die Ausstände in China niederzuschlagen. Die„vierte eisern« Division" hat den Befehl erhalten, sich sofort marschbereit zu machen, um nach der Kuangsi-Provinz befördert zu werden. Die chinesische Kriegssioli; begibt sich nach Kanton, um dort die Möglichkeit eines Auf- stände» gegen die Nanking-Regierung zu beseitigen. Da, Programm der dSnIlcheu Sozialistenregierung für die nächste Zeit ist vom Partsivorstand genehmigt worden. Es nimmt rreitgehende Steuerrefornv der Sozialaejetz� � Abrüstung in Aussicht. An Leserschwund eingegangen ist de» katholisch», ober faschistenfreundkiche„Eorriere d Jtalia". Die Fahrt ins Leben. Jugendweihen der Berliner Arbeiterschast. Die dlecjährigen herbstjugendweihcn, gemeinsam von den Berliner Organisationen der Sozialdemokratischen Partei und der Freidenker veranstaltet, haben am Sonntag be. gönnen. Im Großen Schauspielhaus, das siir solche Feiern sich besonders eignet, versammelten sich mit dreihundert der Weihe beirrenden Jungen und Mädeln die Angehörigen der Kinder und viele Freunde der Jugend. Der weite Raflm füllte sich bis zu den obersten Bankrcihen hinauf. Vom Geist, vorwärtsdrängender Jugend war die Feier durchweht. In seiner Weiherede wies Genosse Max Westphal darauf hin, daß der Austritt aus der Schule ein Abschluß und ein Ansang ist. Mit dem Eintritt in die Berufs- und Erwsrbstätigkeit beginnt«in neuer Abschnitt des Lebens. Kämpfe wird es unseren Jungen und Mädeln bringen, harten Kampf auch um die Befreiung der Arbeiterklasse, den sie mitkämpfen müssen. Was in diesem Kampf die Alten errungen haben, soll die Jugend nicht nur erhalten, sondern weiter ausbauen. Sie soll sich fühlen als die junge Garde der Arbeiterklasse, die um ihren Aufstieg ringt. Franz Rothenfelders für die Zu- gendweihe geschaffene Dichtung«Beginne, Jugend!", vorgetragen vom Sprechchor für proletarische Feierstunden(mit Hein- rich Witte und Elsa Wagner als Einzelsprecher), oerkündete zukunsts- froh:„Jugend muß den Kampf gewinnet!" Musikoorträge(Orgel, Liebermanns Cello-Trio, Gesänge des Jungen Chors) umrahmten Jlmeriha-3>ofi über Wöhi Das Satavult.Flugzeug der„Bremen" landete dies- mal im Rieyler Rheinhasen in Köln. Ein« knappe Viertel- stunde nach seiner Ankunft starteten bereits mehrere Flugzeug« nach allen Teilen Deutschlands mit der umgeladenen Amerikapost. Unser Bild zeigt die Landung der„New Bort" im Riehler Rheinhasen. die Feier. Sie wurde unter kundiger Leitung für alle Teilnehmer, für Jung« und Alle, zu einem stark wirkenden Erlebnis, Im M e rced e s- Pa l a st, in der Hermannstraße in Neu, k ölln. fand die Jugendweihe der Sozialisten und Freidenker Berlins statt. Der riesige Bau, in ganz klaren, edlen Linien gehalten, paßte zu diesem feierlichen Akt besser wie Tome oder Kirchen mit ihrem mystischen Dunkel, denn der junge Proletarier soll klar das Leben erkennen und es nicht durch Ge- fühlsschleier betrachten. Dies war der Grundgedanke der Rede Stadtrats Schndider. Er sagte: Der junge Proletarier niujz ein Gelübde ablegen: Der Menschheit zu dienen. Her- angewachsen in der Zeit des schwersten Kampfes, des Krieges, der Inflation und der Arbeitslosigkeit weiß er, daß Glaube nichts, Wissen dagegen alles bedeutet. Kampf dem unser- standenen Schlagwort und Dienst a n der Gemeinschaft. An der Zukunst, an dem Sieg des sozialistischen Gedankens weiter- arbeiten, dos muß der»Leitsatz des jungen Proletariats sein. Das Kammerorchester de? Gemeinnützigen Vereinigung zur Pflege beut- scher Kunst und die.�-capella Vereinigung des„Berliner Dolts- chors" trugen Kompositionen von Mozart, Wagner und Flemming vor. Mit dem Liedc„Brüder, zur Sonne" schloß die eindrucksvolle und schöne Feier- Jn Köpenick hatte man als Raum für die Jugendweihe der Sozialisten und Freidenker den Saal des Union-Theaters gewählt. Musikbeiträg«, die den Ernst der Stunde charakterisierten, um- rahmten die Feier. Auch die Weiherede des Genossen Sacht- leben war darauf abgestellt, den Jugendlichen nicht einmal in der Ekstase der Feier Hoffnungen vorzugaukeln, die das Leben niemals erfüllen kann, sondern sie auf die Kräfte, die in ihnen selber schlummern, aufmerksam zu machen. Der arbeitende Mensch kann durch den Zusammenschluß mit allen Klasiengenossen das Ziel der Völkerversöhnung verwirklichen. Er kann die Lebensbedm- gungen der kommenden Geschlechter erleichtern. Genosse Sacht- leben schloß mit dem Wunsche, alle denen, die nun die Jugendweihe erhalten hatten, später als tapfere Pioniere für Sozialismus und Freidenkcrtum wieder zu begegnen. Der Weiheredner war auch der Jugendlehrer aller der Jungen und Mädel gewesen, für die die Feier bestimmt. Seine Worte, fern von allem unechten Pathos, h-nterließcn bei den Jugendlichen, zu denen er einen wirNichen Kon- nex gewonnen hatte, tiefen Eindruck. „Gefährdung der Gtaaissicherheii?" Wtil Bauern Waffen versteckten? Hannover, 23. September.(Eigenbericht.) Da» Oüneburger Schöffengericht verurteilte am Sonnabend zwei mit den kürzlich gemeldeten wassensnnden im Srels« Winsen im Zusammenhang stehend« Personen zu je einer Woche Gefängnis mit dreijähriger Bewährungsfrist! Die Oessentlichkeit wurde wegen angeblicher Gefährdung der Staatssicherheit(.'!> a'ZSgeschlessen Welche Gründe das Schöjf-ngericht veranlaßt haben, eine „Gefährdung der Staatssicherheit' anzunehmen, geht aus der Mel- dung leider nicht hervor. Wenn Bauern Waffen verstecken, was nicht gerade zum Beruf des Landwirt» zu gehören pflegt, so ist das«ine Handlung, die im Interesse der Staatssicherheit sehr scharf angepackt und beurteilt werden muß und zwar jo o r aller Oessentlichkeit. Durch seinen Besästuß hat das Schöffengericht viel mehr die Staatesicherheit gesährdct. als wei'.u es Lfseutlich verhandelt hätte. Denn jetzt ist bei jedermann Raum jür jede Ver- nuiiung geschaffen, vor allem für die, daß es wirklich Ding« gibt» die zu verbergen sind! 50 Lahre T Festkonzert in de Seltenes, bedeutsames Jubiläum der jungen deutschen Arbeiter- sängerbewegung: der„Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer Typographia" feiert den Tag seines SOjährigen Be- sichens. 1879 gegründet, brachte er es im ersten Jahr— unter dem Namen„Gesangverein Berliner Typographia" damals— auf 52 Mitglieder; heute zählt er über tausend, den Ehor bilden 218 Sänger. Seit 1893 ist die„Typographia" Mitglied des DAS.: 1925 wurde ihr durch die Behörde die Anerkennung der Gemein- nützigkeit ausgesprochen. „Gemeinnützig"— der Ehrenname, mit dem als realer Gegen- wert der Nutzen der Steuerbefreiung verbunden ist, gebührt dem hochverdienten Verein in jedem und im besten Sinne. Den Anfech- tungen eines halben Jahrhunderts, vom infamen Druck des Sozia- listengesetzes bis zu den Nöten der Kriegs- und Nachkriegszeit hat er unerschütterlich standgehalten, aus bedrängten Anfängen wachsend in die größere Zukunst, an deren Schwelle er die Berliner Arbeiter- chorbewegung geführt hat. Ermißt man heut«, wieviel opferbereiter Idealismus, aber auch Tatkraft und Zielbewußrsein nötig waren, in Jahren der schwersten Bedrohung und Gefährdung nicht den inneren Zusammenhalt zu verlieren, auch im härtesten politischen und wirtschaftlichen Kampf der Sache der Kunst unbeirrbar treu zu bleiben? Begreift man heut« noch, was es— ein Beispiel nur— für Berliner Arbeiter bedeutete, im furchtbaren Jahr 1923 ein« Konzertreise durch Hessen und Thüringen, 2Ö0 Mann stark von Stadt zu Stadt zu fahren und den Genossen im Land Musik, Freude, Erhebung zu bringen— mitten im tollsten Wirbel der Inflation, der Auflösung, der Berzweiflung? Von je hat die„Typographia" die künstlerisch«, doch auch die sozial« Aufgabe einer proletarischen Sängergemeinschaft verstanden und erfüllt: gesellschaftlich-geselliges Zentrum für die Werksgenossen zu fein in guten Tagen und für frohe Stunden: aber auch, wenn es darauf ankommt, Kraftquelle des Klassenkampfes, Hilfsquelle für die kämpfenden Massen. Den aus- gesperrten Krimmitschauer Webern, den streitenden Bergarbeitern Westfalens haben die Berliner Buchdrucker und Schriftgießer finan- ziellen Beistand— ersungen, mit dem Ertrag ihrer Konzerte den Kämpfern den Rücken gestärkt. Das war, lang« vor dem Umsturz, Im Anfang des Jahrhunderts. Und im Krieg haben ss« durch Ber- aisttaltung von Wohltätigkeitskonzerten dazu geholfen, dos Elend in den Reihen ihrer Freunde zu lindern. Und vor kurzem haben sie vor den Gefangenen der Strafanstalt Plötzensee gesungen. Die Sänger der Typographia haben den Ruhm des deutschen Arbeitergesangs über die Grenzen des Reiches getrogen: nach Wien, Agrarierstolz. Von S. Iankowiak. Vor einiger Zeit hatte ich Westpreußen zu bereisen. An einem Sonnabend landete ich spät abends und ermüdet in einem Kreis- städtchen, in dessen Bezirk feudale Rittergüter lagen. Bor dem Schlafengehen noch einen Blick auf den Marktplatz. Friedlich standen auf dem Viereck Synagoge, Kirche, Rathaus und Gasthaus beiein- ander. Der gute Mond, dem Architekturen und Farben nie ge. genügen, hatte den Marktplatz auf seine Weis« verzaubert. Hier ist iefster Frieden, was wissen die Leute hier von politischen Er- regungen. Jedoch in der Nacht' ist die Hölle los, Radau, Tsching-bum- trara, und entsetzt klingle ich nach der Bedienung. Und? Die Feudalherren sind eingetroffen für das morgige Kriegervereinsfeft. Als ich dann morgens zum Frühstück hinunterging, war ich bereits mit Berlin versöhnt und hatte alle Kleinstädte mit Maulhelden zum Teufel gewünscht. Ein Läufer kam und verkündete, daß der Kriegevverein im Anmarsch sei. In die ferne Musik mischten sich freudig bewegte und gezogene Kirchenglocken und der edlen besoffenen Recken be- möchtigt« sich Kampfstimmung. Plötzlich— ein Schrei:„Schlagt die Juden tot!" Settflqschen sausten durch den Raum, und immer toller schrie es„schlagt die Juden tot". Ätzt wurden Judenleichen verauktioniert— höher und höher die Preise für die Iudenhaut. Tschingda-Tschingda-bumtrara— Kirchenglocken— Gebrüll versoffener Menschen— und hier in diese blutgeschwängerte Lust ruft jemand durchs Fenster hinein:„Eohn ist da!" Wie ein elektrischer Schlag durchsauste dieser Ruf die Tobenden und sofort war olles draußen: ich eilt« und drängte hinterher, um dem armen Ccchn in seiner letzten Stund« beizustehen. Draußen— endlich— von der Morgensonne geblendet, schließe ich noch eine Sekunde die Augen, um mich zu sammeln und dann nach dem gemeuchelten Eohn zu sehen. Aber Cohn,«in eleganter, parfümierter junger Herr, stand in einem eleganten Auto und hielt vor seinem Benzinthron Ecrcle ab. Die Iudentöter aber umtanzten den mächtigen Mann und aus ihrem Gesang hörte man Bruchstück«: „Eohn, was gibt es— kommen zu mir— Weizenpreis«— Flachsanbau— Roggen." Tfchingdarachumbum— und:n voller Stärke zog nun der Kriegerverein vorbei; die Herren Aktiven in blauen Friedensuniformen hoch zu Roß und tropp-trapp, Brust raus, Hintern rein die Gemeinen hinterdrein. Und aus trutzlgen Männerkehlen hörte man—„und wie das Aug« bricht--". General Cohn stand indessen immer noch auf seinem Thron, flankiert und gedeckt von edlem Agrarlerblut, beantwortete die Grüße der Ge< ineinen mit Handschuhwinken und das joviale„R' Tag, Cohn" der Herren durch Anlegen eines Fingers an seinen steffen Hut— abgesehen davon, daß Cohn nunmehr auch«in tellergrohes Monokel «ingegeklemmt hatte. In meinem Winkel faß ich nachher erschöpft und philosophierte über die Fragen: Konnte Eohn nun seine Lelit«— hatte er die Parade abgenommen, oder hott« er gar vielleicht nur den erhöhten Platz� gewählt, um so besser sein« Bilanz zu überprüfen?-- Anion herrnseldt, der mit seinem bereits verstorbenen Bruder Donat in Berlin da» Herrnseldt-Theater gründete und leitet«, ist im Alter von S3 Jahren in Berlin einem Gchlaganfall erlegen. Er hott« seinerzeit das klassische Stück de« Iargontheaters„Die Klobriaspartie" von Budopelt noch Berlin gebracht und damit un- geahnten Erfolg, der dann zur Errichtung eines eigenen Theater» sührt«. Anton Herrnseldt spielte darin in seinen eigenen Stücken meist den„Bäm". Noch Aufgabe des eigenen Theater«, dem all» mählich die Stücke ausgingen, übersiedelle Anton nach Amerika, wo er neue Erfolg« erzielte. Später kehrt« er nach Berlin zurück und versucht« mit dem alten Genre ein« neu« Bühne aufzumachen. Oer konslilt Äerlner- Hmlan. siwilcken den Tchauipicürn Fritz Kortner u»d iieit da< Un war k-Z iriitueiib der Pretzen im„Ltaatlichen Schauspiel, bau»"»u Disfeienzen und Sluteinanderjetzungen gekommen Bus Vera« lassung Jehner« landen nun vergleichsverhondlungen tiatt. die schliebltch zu einer Siuigung slibrten.«ahrlcheinlich werden ttorMer and Harlan auch demnächst wieder zusammen auftreten. » � WJr wf WW * Philharmonie. in die Tschechoslowakei. Der Berliner Rundfunk hat ihre Kunst in die Welt gesandt, und sie ist in Homocord-Schallplatten niedergelegt. Die künstlerische Gesamtleistung des Vereins gehört der Arbeiter- Musikgeschichte an, seine Leistungsfähigkeit, oft glänzend bewährt, bedarf keiner fachlichen Würdigung. Jeder,. der diesem Chor an- gehört, jeder einzelne hat heut« daran seinen Anteil. Wir wollen uns aber auch an das besondere Verdienst dessen erinnern, der als Chormeister mehr als ein Bierteljahrhundert an der Spitze stand: Alexander W c i n b a u m, wohl nicht aus Ueberzeugung bei der Sache der Arbeiterschast, aber mit allen Kräften und mit überlegenem Musikerkönnen am künstlerischen Werk. Run steht sein Nachfolger vor uns: Dr. S i r e l i tz e r— kleine Zwischenfrage: heißt er eigent- lich Hugo oder Sebastian?—, Mann von Gesinnung und Begeiste- rung, übrigens auch von beträchtlicher Dirigentenerfahrung, die er in Jahren der Kopellmeisterpraxis erworben hat, Musiker von Rang: der Ehor ist in guten Händen. Festkonzert in der Philharmonie. Die Namen Händel, Schubert. Schumann, Bruckner zierten den ersten Txil des Programms: der zweite war dem Fortschritt gewidmet, dem die neue Männerchorsammlung des DAS. den Weg weist. Man horte russische Volksweisen in der aüsgezeiäzneten Bearbeitung von Alfred Guttmann, darunter das eindrucksvolle Lied von der letzten Nacht vor der Hinrichtung. Auch gab es«ine Uraufführung:„Frei- h e i t" für Männerchor und Orgel von James Simon. Das äußerlich wirkungsvolle Stück erhält höhere Bedeutung durch den Nomen des Dichters, von dem die Worte stammen: des Italieners Vanzettt, der sein Märtyrerdasein auf dem elektrischen Stuhl enden mußte. Es war«ine schöne Geste der Klassenoerbundenheit, dem Opfer des schändlichsten Justizmordes im Rahmen dieses proleta- rischcn Festabends zu huldigen... Das Programm bereicherten solistische Darbietungen: Eva Liebenberg mit ihrem herrlichen Mezzosopran, der Pianist Arpad S a n d o r, der Organist Walter D r w e n s k i waren zur Mitwirkung gewonnen..An das Konzert schloß sich ein gesellschaftlicher Festakt, mit Festreden. Ansprachen, Glückwünschen. Wir schliegen uns den Glückwünschen an— auch für den Mitbegründer des Vereins Hermann R e t t e r m a n n, der heute wie vor fünfzig Jahren mit seinem Tenor und mit dem Herzen bei der Sache der Typographia ist. Die Berliner Buchdrucker und Schriftgießer dürfen stolz sein auf ihre musikalische Sektion. Wie sie sich auf ihr Handwerk verstehen, das zeigt die schön ausgestattet« Festschrift, die sie ihren Freunden als Iubilöumsgabe überreichen. Klaus Pringsheim. iOO Lahre Ziehharmonika. In Paris ist der Vorschlag gemacht worden, das in diesem Jahr fällige hundertjährige Jubiläum der Erfindung der Zieh- Harmonika in irgendeiner Form festlich zu begehen. Die Zieh- Harmonika, die auch Aktordion genannt und scherzhaft als„Orgel der Armen" bezeichnet wird, Ist in der Tat im Jahre 1829 von Damian in Wien erfunden worden. Einen Anlaß, die Feier des hundertsten Geburtstages der Ziehharmonika anzuregen, hätten Zunächst di« Pariser Midinettes und ihr« Kavaliere, die«s dem bescheidenen Instrument zu danken hoben, daß st« für den. geringen Preis von 1 Frank für Getränke und 25 Centimes für den Tanz die Freuden eines Ballvergnügens auskosten können. In vielen dieser billigen Tanzlokale bestreiten eine Ziehharmonika und ein« Trommel die musikalischen Kosten der Tanzunterhaltung nicht schlechter als die großen Jazzbanden der teuren und eleganten Nachtlokale. Hundete von jungen Porisern und Pariserinnen, deren Sinn für den Tanz besser entwickelt ist als der für die Musik, haben allen Grund, dem Wiener Erfinder dankbar zu sein. Damian be- gnügt« sich bei seinem Bestreben, den Lärm in der Welt um«ine neue Nuance zu vermehren, mit einem Instrument, dessen Klaviatur nur drei Ventile auswies. Im Laufe einer hundertjährigen Eni- wicklung hoben es die Akkordions bereits auf 85 Ventile gebracht, die, von. den geschickten Händen eines munteren Spieler» betätigt, uns einen fragwürdigen Ohrenschmaus vermitteln, der es mit dem der in Mißtönen schwelgenden Jazzbanden unbedingt aufnehmen kann. Wie beliebt die zum Straßeninstrument geworden« Zieh- Harmonika auch heut« noch in Paris ist, bezeugen die Auskünfte der Instrumentenhändler, nach denen gegenwärtig mehr Akkordions abgesetzt werden als je zuvor. Deutsche Volksbüchereien. Nach einer im 2. Band des Neuen Großen Brockhaus enthaltenen Zusammenstellung besitzen jetzt im Deutschen Reich 30 Städte Volksbüchereien mit mehr als 25 000 Bänden, während es im ganzen Über 450 solcher Büchereien in Orten mit mehr als 10000 Einwohnern gibt, davon etwa 300 in Preußen, 40 in Sachsen und 30 in Boyern. Hamburg hat in einer Zentrale und 5 Filialen 160 000 Bände, Essen i» der Kruppschen Bücherhall« 155 000, Breslau 121000, Frank- furt a. M. 113 000 Bände. In Berlin haben namentlich einzelne Bezirke wie Schöneberg, Wilmersdorf, Steglitz das Dolksbücher,,- «esen stark ausgestaltet. Zu den besonders umfangreichen Bolks» büchereien gehören weiter diejenigen in Düsseldorf, Dresden, Stral- sund,- München, Leipzig, Köln, Magdelmrg, Barmen, Homburg v. d. H. und Eibing. Reife Bananen in der Pfalz. Auf der Versuchsstation Limburgerhof der JG. Farbeniudustrie sind inj Gewächshaus reife Bananen geerntet worden. Für Dünge- oersuche in geschlossenen Räumen sind zwei Arten von Gewächs- Häusern vorhanden. Im Kalthaus, das nach holländischem Muster gebaut ist, werden hauptsächlich Untersuchungen darüber angestellt, in welchem Matz« sich die Erträge der Gemüsegärtnerei durch früh. zeitigeren Beginn der Vegetation im geschlossenen Raum ohne Heizung steigern lassen. Di« Wannhäuser dagegen dienen zu Ver- suchen mit tropischen Pflanzen, Blumen usw. Sie bergen Kautschuk. arten, Zuckerrohr, Reis, Baumwolle, Äasfe«, Tee usw. sowie wichtige Arzneipflanzen. «akeiensahrt in Sicht? Die Vorardeften für den Vau der von der Ufa und Fritz Lang gemeinsam finanziellen ersten Weltraum. rakete sind durch Professor Oberth so weit gefördert worden, daß schon in der nächsten Zeit der erste Borverfuch gemacht werden kann. Fällt das Resultat der ersten Proberatete günstig au», so wird Oberth in einiger Zeit den Versuch machen,«ine Postraket« von Berlin nach Amerika abzuschießen. »vfitchrovil. DaS erste der drei-rohen Lmsonietovgerte de« Berliner Sinftmieorchesto», unter Leitung»«» Ernst«mnvakd, findet Freit«. S vir. im Bach-Saal statt. Aus den Braunkohlenrevieren. Die Arbeiter melden ihre Korderungen an. halle, 23. September.(Eigenbericht.) Am Sonntag nahm in Halle eine Konferenz von über 500 Delegierten aller an dem Tarifvertrag für den mitteldeutschen Braun- tohlenbergbau beteiligten Gewerkschaften zu den strittigen Lohn- fragen Stellung. Der zweite Vorsitzende des Bergbauindustrie- orbeiteroerbandes, Schmidt- Bochum, wies nach, daß nach dem Ablauf des Tarifoertrages Ende Ilovember eine Lohnerhöhung er- forderlich und der Braunkohlenbergbau dadurch in der Lage fei, eine Lohnerhöhung zu tragen. Einmütig wurde folgende E n t» f ch l i e h u n g angenommen: Die am 22. September 1929 in Halle tagende Konferenz von über 550 Funktionären aller am Tarifvertrag beteiligten Organifotio- nen nimmt Stellung zu der Lohnfrage im mitteldeutschen Braun- kohlenbergbau. Sie beauftragt die Gewerkschaften, zum nächstmög- lichsten Termin die jetzt gültigen Lohntafeln zu kündigen. Die Kon- ferenz fordert: 1. Erhöhung der Durchschnittslöhne unter be- sonderer Berücksichtigung der Löhne der Jugendlichen und Arbei» terinnen sowie Lehrlinge um eine Reichsmark je Schicht; 2. Verringerung der Spanne zwischen Kern- und Rand- ceoieren; 3. Aenderung der Lohngruppeneinteilung. Die Funktionäre der Gewerkschaften rufen hiermit die Beleg- schaften des gesamten m'tteldeutfchen Braunkohlenbergbaues auf, sich geschloffen hinter diese Forderungen zu stellen. Von der Stärke der gewerkschaftlichen Machtentfaltung hängt der Erfolg ab. Die Gewerk- schaftsfunktionäre fordern zum eigenen Wohle aller im Braun- kohlenbergbau Beschäftigten und ihrer Familien die Unorgani- sierten auf, restlos den Gewerkschaften beizutreten." Linksrhein-GchiedSspruch abgelehnt. Köln, 23. September.(Eigenbericht.) Die Schlichtungskammer für das Rheinland fällte am Sonnabend für den linksrheinischen Braunkohlenbergbau einen S ch i e d s- fpruch, der u. a. bestimmt, daß die zurzeit geltende Regelung der Arbeitszeit vom 1. Oktober 1929 ab in Kraft bleibt. Die gegenwärtig geltenden Tariflöhne werden mit Wirkung vom 1. Oktober 1929 u m 6 P r o z. und mit Wirkung vom 1. Oktober 1 9 3 0 um 2 Proz. erhöht. Diese Regelung ist erstmalig am 15. Juli kündbar. Eine Revierkonferenz der Funktionäre des Bergbau- induftriearbeiterverbandes gm Sonntag in Köln lehnte den Schiedsspruch einmütig ab. Die Braunkohlenbarone werden nicht nur versuchen, die Kosten einer notwendigen Lohnerhöhung auf die Brikektperbraucher abzuwälzen. also auf die große Masse der Arbeitnehmerschaft, sondern obendrein nichts unversucht lasten, um dabei noch ein Extra-. g e s ch S f t zu machen. Schon jetzt wird vielfach über Vriketlmangel geklogk. Der An- reiz zum.Zurückhalten" ist bei gewissen Kreisen gegeben. Um so mehr muß darauf geachtet werden, daß nicht etwa größere Bestände der zu den bisherigen Löhnen geförderten Braunkohlenbriketts erst dann in die Hände der Konsumenten gelangen, nachdem eine Preis- erhöhung infolge erhöhter Löhne durchgedrückt worden ist. Die Lohnbewegung der Braunkohlenarbeiter, der wir nicht nur Erfolg wünschen, sondern mit zum Erfolg verhelfen müssen, ist zedeu» falls eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse, bei der der Verbraucherschuh rechtzeitig einsetzen muß. Hungerlohn im Aerztebund. Was das Arbeitsgericht feststellen mußte. Ein junges Mädchen, das im Bureau des Groß-Berliner Aerzte- bundes als Re g ist ra t o r i n beschäftigt war, hatte die Stel- lung ohne Kündigung verlassen. Deshalb wurde ihr «in Teil des oerdienten Gehalts nicht ausgezahlt. Als sie beim Arbeitsgericht auf Zahlung klagt«, machte der Vertreter des Aerzte- bundes geltend, er habe den Betrag— es handelt sich um 2 7 Mark — zurückbehalten, weil ihm die Klägerin durch kündigungs- loses Verlassen der Arbeit Schaden verursacht habe, denn es habe an Stelle der Klägerin eine Aushilfe eingestellt und mit 8 Mark pro Tag bezahlen müssen. Wenn der Aerztebund so nobel ist, daß er die Aushilfe mit 8 Mark täglich bezahlt, dann sollte man annehmen, daß auch die Klägerin, wenn nicht ebenso hoch, doch recht gut bezahlt worden ist. Aber ihr gegenüber hat sich der Aerztebund keines- wegs nobel erwiesen, denn er hat ihr ein ZNonatsgehalk von 67 Mark gezahlt und dabei wurden noch unbezahlte Ueberstundeu von ihr verlang. Man kann es der Klägerin nicht verdenken, wenn sie eine so elend entlohnte Stellung sristlos verließ, um ein« bester bezahlte Arbeit anzutreten. Das hat auch das Arbeitsgericht, welches den Aerzte- bund zur Zahlung des zurückbehaltenen Betrages verurteilt«, anerkannt. In der Urteilsbegründung wird gesagt, die Klägerin habe zwar den verlrag verletzt, aber sie habe keine zum Schaden- ersah verpslichlele unerlaubte Handlung begangen. Da ihr Gehalt weit unter dem üblichen lag und zum Lebensunterhalt nicht aus- reichte, so könne kein« Rede davon sein, daß ihr Verhalten einem so gering entlohnenden Arbeitgeber gegenüber, der, wie unbe- stritten, auch noch unbezahlte Ueber stundenarbeit in erheblichem Maße verlangte, als verstoß gegen die guten Sitten anzusehen sei. Der scheint in diesem Falle mehr bei der anderen Seite zu liegen. Wetter für Berlin: Weitere Beruhigung des Wetters, aber sehr kühl« Nacht.— Für Deutschland: Im Westen heiter, auch im Osten Beruhigung, nachts allgemein sehr kühl. Streik auf dem Tieh-Aeubou. Z?ieder?irchner'!)stohrleger als Streitbrecher. Auf dem Tietz-Reubau in der Chausseestraße sind die Maurer. Zimmerer und Hilfsarbeiter am Donnerstag wild in den Streik getreten, um eine außertariflich« Wirtschaftsbeihilfe von 20 M. pro Woche durchzusetzen. Die„Rote Fahne" berichtet darüber am Sonnabend und fordert Fliesenleger und Stukkateure, die bei einem anderen Unternehmer als die Maurer und Zimmerer arbeiten. und auch die Putzer auf, sich dem Srrck anzuschließen. Schanihajt verschweigt sie aber, daß nicht nur Putzer, Fliesenleger und Stukka- teure die Arbeit fortsetzen, sondern auch alle sonstigen Berufs- gruppen, wie Dachdecker. Klempner, Parkettbodenleger, Elektriker, Schlosser und Rohrleger. Doch nicht etwa die Rohrleger im Metall- arbeiterverband, die als„Streikbrecher" beschimpft werden, sondern die„streikenden" Rohrleger der Richtung Nieder kirchner. Da dieser Streik von der neuen KPD.-Gewerk- schaftszentrale angezettelt wurde und jeder Arbeiter, der entgegen dem Befehl der KPD. es wagt, zu den tariflichen Bedingungen weiterzuarbeiten, als Streikbrecher bezeichnet wird, so präsentieren sich noch der kommunistischen Logik auch die Nieder. kirchner-Leute aus dem Tieh-Neubau als Streikbrecher, die so die Bauarbeiter daran hindern, den„revolutionären" Kampf siegreich durchzuführen. Im übrigen sind diese streikenden arbeitenden und beim Tietz-Neubau„stveikbrechenden" Rohrleger bei der Strohmann- Firma Kunz u. Teichert beschäftigt, welche dies« Arbeiten für die nicht bewilligende Firma Krutsch u. Zöllner ausführt. Zuzugeben ist, daß die Rohrleger versprochen hoben, durch Abschluß des Tarifvertrages zu den tarifvertraglichen Bedingungen zu arbeiten, sogt doch der Vertrag der Niederkirchner-Leute, daß Sonderverträge und Lohnabkommen ungültig sind, daß also, um aus dem kommunistischen Wortschatz zu schöpfen, dit Rohr« leger„an Händen und Füßen gefesselt" und der Unternehmerwillkllr durch die Niederkirchner-Bureaukrotie„brutal ausgeliefert" sind. Die kommunistische Praxis spottet der kommunistischen Theorie. Tragisches Ende eines Ausflugs. Auf tragische Weise ist gestern der 16jährige Maurerlehrling P o h l m a n n aus der Danziger Straße 90 ums Leben gekommen. Der junge Mann hatte mit mehreren gleichalterigen Kameraden eine Wanderung unternommen und abends sollte von Buch aus an der Bernauer Straße die Rückfahrt angetreten werden. Als der elektrische Zug einlief, stürzt« Pohlmann plötzlich v o m B a h n st e i g. Er stel so unglücklich, daß die Räder eines Wagens über ihn hinweggingen. Der Tod trat auf der Stell« ein. Der Reglerungsfeldzug gegen die polnischen Krankenkassen, die durch Auslösung der meist sozialistischen Verwaltung entrissen werden sollen, hat nun auch die Eisenbahnerkasse in Katto- witz betroffen, was«ine Verletzung des Genfer Abkommens sein dürfte. Beschwerde ist auch beim Völkerbundskommissap «ingelegt. »erantwortlich für die Redaktion:?ra», glüh», Berlin; Anzeigen: Td. Olttc, Berlin. B-rlag: Borwärt- Verlag G. rn. b.$., Berlin. Druck: Vorwärt- Bück- druckerei and Berlagsanstalt Paul Singer Sc To.. Berlin SB SS, Lindcnstraß- 3. Sierzu l Beilage. herumspazierte und ihm die Brocken aus dem Munde fraß. Dieß Freundschaft mit der„wirtlich klugen" Maus, wie er sie nennt, w« aber ein trauriges Ende befchicden. Eines Nachts hatte sie an fein« Türe genagt und in seiner Zelle auf einem hölzernen Teller so töl und lustige Kapriolen gemacht, daß die Schildwache es hörte. Di Offizier, dem darüber Bericht erstattet wurde, gab, einen neu« Fluchtversuch von der Trencks befürchtend, die Meldung eiligst weit« und so öffnete sich bei Tagesanbruch plötzlich sein Gefängnis u« herein trat der Platzmajor mit Maurern und Schlossern. Man unts suchte Boden, Mauern und Ketten, nahm auch eine Leibesvisitatio des Häftlings vor, konnte aber nichts Ausfälliges finden. Endli! fragte man ihn, was er denn nächtlicherweile gearbeitet und gepolta habe.„Ich hatte die Maus natürlich selbst gehört," so berichh von der Trenck weiter,„mußte das arme Tier nun anklagen und va raten. Gleich wurde befohlen, sie abzuschaffen. Ich pfiff, und sofol war sie auf meiner Schulter. Nun bat ich für ihr Leben, und d« wachthabende Offizier nahm sie mit sich in sein Zimmer, unter de» heiligsten Versprechen, er wolle sie einer Dame schenken, wo es ig gut gehen sollte. Er trug sie von bannen und ließ sie im Wachzimnu laufen. Sie war jedoch für keinen anderen Menschen zahm und vfl steckte sich gleich. In der nächsten Nacht hatte sie aber, wie die Schill wache am Mvrgen meldete, wiederum beständig an meiner äußer« Tür« genagt,, so daß die Merkmale sichtbar waren Zu Mittag, h man zum Visitieren hereinkam und damit boschästigt. war, lief a» einmal meine Maus mir in die Beine herauf, auf die Schulter u> machte allerhand Sprünge, um ihre Freud« zu bezeigen. Iedermon war erstaunt und wollt« diese Maus haben, der Major nahm sie fis sein« Gemahlin mit. Diese hatte ihr einen schönen Käsig mach« lassen, in welchem sie aber jegliche Nahrung verschmähte und na» einigen Tagen tot aufgefunden wurde." wenn sie ihr« pädagogischen Aufgaben begreift. Ein« wirkliche Mit- arbeit der Elternschaft, die wichtig und nützlich ist, ist bei uns bis jetzt noch nicht erreicht. Das würde eine freiere Gestaltung des Schulwesens voraussetzen. Dr. Deiters faßte seine Ausführungen in folgender Grundide« zusammen: Die Erziehung ist bestimmt von gesellschafllichen Notwendigkeiten. Eine zeittose Erziehung ist nicht möglich. Die Jugend zur Bereiffchaft zu erziehen, an den politischen Aufgaben des Volkes mitzuarbeiten, ist unsere pädagogische Gesamt- aufgab«. Uebersieht man das Ganze, so kann man nicht behaupten, d«i die nordischen Staaten in der Schulpolitik erheblich weiter war« als wir: denn auch dort steht manches bisher nur auf dem Papi« (auch in Lettland). Aber ebensowenig können wir mit unsere, Schulprogramm, wie es jetzt noch besteht, etwa die kulturpolitifä Führung Nordeuropas beanspruchen. Möglicherweis« können wi dies aber dann, wenn wir unser wunderschönes theoretisches SchtH Programm nun auch recht bald in die Praxis umsetzen. (Bmafb Böhm. (�pmcn von Ulax ßarlliei Die Versuchung. Der Gimmel scheint In einer tleinen Stadt der Erde viel näher zu sein als in Berlin, und wenn diese kleine Stadt in der Nähe des ' Bodensees liegt, kommt der chimmel an den schönen Sommertagen bis auf die Erde und berührt die Wälder, Hügel und Wiesen, gliiht in den Blumen und leuchtet im nahen See und in den fernen, wild- gezackten Bergen der Schweiz. Das Leben geht seinen gelassenen Gang, und auch der Briefträger Hull in jener kleinen Stadt ging seinen gelassenen Gang. Jeden Tag wanderte er durch die Straßen, ein Bote des Schicksals, und oerteilte Licht und Schatten, Freude und Leid. Hull war ein stolzer Mann, er kannte die Welt und hatte viele Freunde, aber sein größter Stolz war seine Tochter Marianne. Sie war schön und in ihrer strahlenden Gesundheit wie eine kleine Madonna anzusehen. fjull war ein stolzer Träumer. Seine Frau war gestorben, aber sie schien in ewiger Jugend in ihrer Tochter auferstanden zu sein. In seinen früheren Jahren hatte Hull als Matrose die Meere befahren und viele Andenken von seinen Reisen mitgebracht. Und wenn der Vater von den fremden Ländern erzählte, da war es, als ob die Stube gläserne Wände hätte. Die Lackarbeiten, die Holz- schnitzereien und Matten belebten sich und waren mehr als Kulisse schöner Berichte. Die schwäbische Sommcrsonne erfüllte das Zimmer und rückte Amerika, Australien und Asien in ihre Glut. Und wenn der Vater als Bote des Schicksals seine Post verteilte, stand Marianne bei den fremden Gegenständen und hörte die Stim- men fremder Länder und Meere. Ihre Kinderseele war aufrühre- risch, ihre kleinen Gedanken jagten in die Welt und suchten das Abenteuer. Vor ollen schönen Dingen liebte sie einen kleinen chinesi- schen Gott, sie nannte ihn: Herr Du. Der Vater, der die Lieb« des Kindes sah, schenkte ihr den steinernen Götzen. Damals war sie dreizehn Jahre alt. Die Puppen liebte sie nicht mehr, sie trieb sich mit den Iungens im nahen Wald und manchmal auch am See herum, sie konnte schwimmen, laufen und klettern wie ein Junge. Ihre blonden Haare flogen um das erhitzte tdesicht wie eine Flamme. Jeden Tag kam eine alte Frau, die das kleine Haus in Drd- nung hielt. Manchmal half auch Marianne mit, ober sie lag lieber in den Wäldern oder auf dem Wasser. Der Vater ließ ihr allen Willen und liebte sie zärtlich. Marianne wurde vierzehn Jahr«, und an ihrem Geburtstag kamen Zirkusleute in die Stadt. Der große Krieg war schon lange vorbei. Der Direktor der weißen, wehenden Zelte nannte sich Pierre Marteou und stellte wilde Tiere, Hanswürste und Seiltänzer zur Schau. Mit dem Vater und der Wirtschafterin besuchte das Mädchen jenen Zirkus, die alte Frau schrie, als die Seiltänzer über die dünnen Seile liefen und tanzten. Marianne schrie nicht, sie legte die weiße Hand in die rote Klaue des Vaters und besah sich mit kühlen Au�en die Löwen und Tiger, die schwarzen und die weißsn Pferd«. Sie bewunderte auch die chinesischen Gaukler, die mit Feuersbrünsten und Schwertern arbeiteten. „Gelt, dos ist schönt" sagt« der Vater und erzählte dann leise von Schanghai, der großen Stadt, in der sich die all« Welt und die neue Welt wie zwei haftig« Gewitter treffen. Marianne wußte nichts von der alten und nichts von der neuen Wett, aber als sie die gelben Leute mit den Schwertern und den Feuern hantieren sah, wurde das Schwert für sie die alte und das Feuer die neue Welt. Sic lächelt« den Vater an. Hull lächelt« zurüch Kein Liebespaar tonnte sich ohne Worte besser verstehen als Eugen und Marianne Hull. Dann kamen zwei Artisten, die sich bunte Bälle zuwarfen und das Spiel schön und bunt ausbauten. Das Mädchen ließ den Vater allein. Sie hatte, als sie klein war, auch mit Bällen gefpiell, jetzt war sie alt. ihr Herz flog anderen Dingen zu. Sie schlich sich fort und kam in ein Extrazelt, in dem der junge Marteau ein Fernrohr bediente und die Besucher in den Himmel blicken ließ. Vor allem ober in den Mond. Es war Abend. Der Mond rollte am Himmel. Kein Mensch war bei dem Fernrohr. Der junge Marteau blickte auf, als Marianne kam. Und Marianne blickte in den Mond. Henry war siebzehn Jahre alt, er war ein schöner Jüngling mit wilden Augen. Er stellte der Vierzehnjährigen das Glas ein und erklärte dann melodisch das bleiche, ferne Gestirn. Sie hörte nur die Musik, nicht den Sinn der Worte, sie sah in den Mond, der im Weltraum rollte und auf seiner Silberkugel die erloschenen Krater, die brandigen Narben hoher Gebirge und die dunkleren Schatten zerrissener Täler zeigte. Das Dach de» kleinen Zelte» war der warme Sommcrhimmel, in dem die Sterne wie Funken stoben. Aus den nahen Stallungen kam das Geknurr der drei Löwen. Hier war die feste Erde. Im großen Zelt tanzten die Bälle der Artisten, Bei- fall und Gelächter kam in den Abend. Ein Clown machte seine Späße. Der junge Marteau wurde unruhig. Er sah nicht« als das Mädchen, die nach dem Mond blickte. Der Wind kam sanft und flüsternd aus dem nahen Wald, und da beugt« sich der Siebzehn- jährige nach der Vierzehnjährigen und küßte sie. Sie zuckte zu- lammen. Der Mond entrollte und fiel in Nichts. Sie war nun auf der Erde, ein junger Bursche legt« seinen Arm um sie undhettelte: »Gib mir einen Kuß." „Laß mich los!" herrscht« sie ihn an,„Du bist ein Feigling. Da hast du deinen Kuß wieder!" sagte sie und stieß ihre Faust vor seine Brust. Dann stürzte sie aus dem Zelt, weinte ein wenig vor Scham, trockenete die Tränen und kam zum Vater zurück. Er hotte ihre Ab- Wesenheit gar nicht bemerkt. Die Artisten waren abgetreten. Ein junges Mädchen raste auf einem schwarzen Pferd durch die Arena. Di« Peits�en knallten, der Elown lief der schönen Reiterin nach und machte tragische Fratzen. Copyright 19» by„Der BQeherkreis Q. rn. b.H.B, Berlin SW61. „Wie gefällt es dir, Marianne?" fragte der Vater. „Es ist schon schön," antwortete sie.„und zu meinem nächsten Geburtstag habe ich einen großen Wunsch." „Was ist dein großer Wunsch?" „Ich will ein schwarzes Pferd. Ich will Kunstreiterin werden. Ich will zum Zirkus." Der Vater lachte. „Ich schenke dir einen indsschen Elefanten," scherzte er,„einen richtigen, mit so großem Rüssel!" Dabei zeigte er die Größe des Rüssels und stupste sie an die Brust. Marianne wurde fröhlich, sagte kein Wort von den Küssen unter dem Mond, sie besah sich dann mit dem Vater noch den kleinen Film, der gezeigt wurde, und ging friedferttg nach Haus«. Aber der ferne Mond verfolgte sie noch lange. Sie ließ d>e Freundschaft mit den Iungens, ihr« Augen verschleierten sich, die Hände wurden fahrig, und manchmal wachte sie mitten in der Nacht auf. Do lag die Kammer vor strömendem Licht. Die Sterne waren zu sehen und man hörte auch das ferne Sausen der Welt. Das Mädchen fieberte und war kühl, die kleine Brust hob und senkt« sich, sie fühlte sich einsam und oerlassen. Der Vater war weit und lebte wie auf einen anderen Stern. Die Stadt schlief schon lange, vom Bodensee her hörte man die kurzen Explosionen der Motorboote, die auf Fischfang aus waren. Die Sterne waren fern, der Mond war nahe, das süße, sehnsüchtige Lied eines Nachtvogels im nahen Gehölz begann zu flöten. Und dann kam in die helle Kammer und durch das strahlende Licht ein junger Mensch, der kleine Franzose kam und küßte sie. Solche Wachträume erlebte sie viel, und am Morgen war sie wie zerschlagen. Der nächste Geburtstag brachte kein schwarzes Pferd, sie ging nicht zum'Zirkus, sie kam bald aus der Schule und wurde zu einer Putzmacherin in die Lehre gegeben. Aus dem wstden Mädchen Marianne wurde ein Fräulein Marianne, das um starre Formen belangloser Hüte schwellende und duftige Gebilde baute. Sie schloß sich vom Vater immer mehr ab und fand die Freundschaft einer Neunzehnjährigen, die auch Hüte machte und für das Theater schwärmte. Die Freundin hieß Flora und stammte aus Pforzheim. Sie spielte im Stadttheater in winzigen Rollen und schwärmte von großen Rollen in Berlin. In Marianne fand sie eine willige Zu- Hörerin. Ueber diese Mädchenfreundschaft wäre noch viel zu erzählen, nur das soll gesagt sein, daß Flora und Marianne unzertrennlich wurden, daß Mariann« manchmal das kleine Theater besuchte und einmal in einer stummen Rolle mitspielen durfte. Der chinesische Gott, der Herr Du. war gestürzt, neue Götter wandelten durch ihr Herz, die Schauspieler auf der Bühne, die großen Helden oder schwarzen Schufte auf den weißen Wänden der Lichtspielhäuser, die auch hier zwei große Kinos eingerichtet hatten und das Gesicht der, Menschen umformten. Marianne ließ sich leicht umformen, sie schnitt 1 die schönen Haare ab, sie trug ganz kurze Kleider, sie erregte Auf- sehen und war stolz darüber. Mit Flora sah sie den ersten Film, die rührende Leidensgeschichte eine» amerikanischen Mädchens, das aus aller Armut und Erniedrigung wie ein Stern aufstteg und am guten Ende über alle Niedertracht siegte. „Das ist Kunst, Flora," flüsterte sie, als sie das Kino verließen. „Das ist Kunst, Flora, und viel mehr als auf dem Theater. Ich will auch Filmschauspielerin werden." Auf der Bühne ist die viel größere Kunst, Mariannle," ont- wartete Flora,„auf der Bühn« muht du reden, und das ist viel, viel schwerer, als nur das Gesicht zu verziehen." Sie stritten sich eine Weile darüber, was die größere Kunst fei. das Theater oder das Kino, und konnten sich nicht einigen. Und vier Wochen später reiste Flora ab, sie ging nach Konstanz und hatte dort an dem Theater eine feste Anstellung für kleine Rollen bekommen. Marianne war wieder allein, sie wurde melancholisch und wetterwendisch wie ein Tag im April. Der Vater bemühte sich sehr um seine Tochter, er erzählte neue Geschichten von seinen Abenteuern, aber diese Geschichten wiegelten nur ihr Herz immer mehr auf. Und einmal fuhr sie nach Konstanz hinüber und kam in eine Gesellschaft junger Leute, denen die Welr ein grandioses Theater und das Theater eine grandiose Welt war, wenn sie auch hungerten. Flora hatte eine Liebschaft mit einem jungen Maler, der Heiligenbilder und neue Sachlichkeit malte, und al» er Marianne kennenlernte, ließ er seine alte Freundin und schwärmte mit der kleinen Putzmacherin durch den schönen Tag. Am Abend gab es Tränen von Flora, und Marianne mußte versprechen, nicht mehr nach Konstanz zu kommen. Sie kam auch nicht mehr nach Konstanz, die Jahre rollten vor- bei und waren unfaßbar schön und unsagbar traurig. Marianne war bald in der kleinen Stadt verschrien. Die Leute schüttelten die Köpfe, wenn sie von ihr sprachen, keiner prophezeite ihr ein gutes Ende. Sie sammelte Autogramme berühmter Filmhelden, und als ihr Herz immer verzweifetter wurde, sie hatte keine Freundin, da lleß sie sich mit einem jungen Kaufmann ein und suchte in seinen Küssen doch nicht» als den ersten Kuß, sie fand kein Glück und da reifte in ihr der Plan, die Stadt zu verlassen. Sie war achtzehn Jahre alt. Die jungen Männer liefen ihr nach. Es war ihr gleich- gültig. Flora war nicht mehr in Konstanz, sie war jetzt in Nürnberg und hatte geschrieben, daß sie nach Berlin wolle. Und Berlin war auch ihr Reiseziel. Sie hatte große Pläne. Das Theater lockte. Aber noch mehr der Film. An jenem Frühlingstag war sie besonders zärtlich zum Dater. Sic küßte ihn und ließ sich wieder küssen. Sie hörte geduldig seine alten Geschichten von der Seefahrt an, sie blickte ihm frei ins Ge- sicht, als wolle sie für immer die guten und oertrauten Züge be- wahren. Dann weinte sie und ließ sich wie ein kleines Kind trösten. Am Abend verließ sie die kleine Stadt. Dem Vater hatte sie einen Brief hinterlassen, einen verzweifelten Brief, der sein Herz rühren sollte. Sie fuhr durch den dunklen Abend, sie reiste durch die lange Nacht, sie kam durch den aufblühenden Morgen und durch yieie Dörfer und Städte. Deutschland war ein schönes Land und war auch dann noch schön, als sich keine Berge mehr erhoben. Berlin, Berlin, hämmerten die Räder der Eisenbahn auf den blanken Schienen. Sie wußte wenig von der Stadt. Sie wußte nur, daß in der Friedrichstraße die großen Filmgesellschaften saßen und Rulmi und Reichtum verteilten. Sie wußte, es gab dort Cafes, in denen Arbeit vergeben wurde. Sie kannte die Geschichte des polnischen Fxäuleins Ehalupcz, das. unter dem Namen Pola Negri wettbe- rühmt war, und die Pola Negri kam auch einmal arm und hilflos in die Stadt Berlin und leuchtete jetzt über der Welt wie«in großes Feuer. Daher dachte Marianne an den Vater. Der Dater würde ihr verzeihen. Ja, einmal würde er stolz auf feine Tochter fein. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Salpeterfunde in Südafrika. In Kapstadt erregt die Mitteilung des Professors Smeath Thomas großes Aussehen, der socken aus Südwestafrika zurück- gekehrt ist und nun einen ausführlichen Bericht über ausgedehnte neuentdeckte Salpeterlager in diesem Gebiet erstattet. Danach kann kein Zweifel daran bestehen, daß Südwestafrika in den ernsthaftesten Wettbewerb mit Chile treten wird, und daß auch der künstlichen Stickstoffprcduktion ein gefährlicher Konkurrent entstanden ist. Die Salpeterlager sind in einem ungeheuren Gckiet festgestellt worden, aber noch läßt sich nicht vollständig die Ausdehnung und der Reich- tum der Lagerstätten ermitteln. Professor Thomas schreibt in seinem Bericht unter anderem:„Im Allgemeinen ist Südwestafrita in geologischer Hinsicht Ehlle ziemlich ähnlich. Es ist ein unfruchtbares Land in der gleichen Höhenlage über dem Meeresspiegel, und auch die physikalischen und klimatischen Beziehungen stimmen in mancher Beziehung überein. Wir haben Nitrate in einem Gebiet von wenig- stens 10 000 Ouadratmeilen entdeckt und ermittelt. Das Gelände beginnt bei Mariental im Norden, und wenn man sich SO Mellen östlich in der Richtung auf die Kalahariwüste begibt, so gelangt man zu einem Platz mit dem Namen Stampriet. im Tale des Auob- Flusses. Geht man weiter, so stößt man auf zwei weitere Ströme, den Elefantenfluß und den Nossob. Diese Wasserläufe schneiden in die Ebene«in und bilden dort Kanäle. Hier ist die Stelle, wo man .�ontox, 23. September, Berlin. 1SJ0 HocWorf:„Der Kerbet un« 61« Qenles".. 15.55 Spitier:„Wohin in Berlin?" 16.55 Walter Hteeaclever liest kleine Oeschiobtes. 17.00 Tee-Mosik. 18.30 Cnsllsch für Anfänger. 19.00 Dr. Rothe:„Jeder ist seines Glückes Schmied! Ist es so?" 19.30 Unftrhaltant. 70.00 Die vereinigten SUiten von Europa, ein Rückblick von Genf. 71.00 Vom Menuett bis tum Walter. K8nlt»tPBSterb»n*da. M.SO KiDderstunde. 15.00 Ertlehangsberttung; Kleinkinder in der Familie. 15.45 Frauenstunde. 16.00 Schulrat Hylla;..John Devey". 16.30 Dr. Harald Braun: Zeitdichtung alt Zeitspiegel. 18.00 Dtllberg: Schicksale berühmter Gemälde. 18.30 Englisch für Anlänger. 19.30 Otte: Automobillahrkunst. 20.00 Von der Pavane bis tum Menuett. 21.00 Romantik. MUiiuiuimnmmmminmiiumiiiomiimniiiiiniiiuiiiimiiiiiimiiiiiiiniiumiunMiniiu) den Salpeter gefunden hat. Es ist nun anzunehmen, daß die Lager- stätten sich unter dem gesamten Plateau entlangziehen— aber das muß erst noch bewiesen werden. Doch sind die Spuren des Sal- peters in jedem Flußtal gefunden worden, und die Natur des Felsens ist einheitlich: die Annahme, daß die Nitrate also in dem ganzen Gebiet auftreten, liegt deshalb sehr nahe. Es gibt dort Lagerstätten, deren Muster bis zu 86 Prozent Nitrat enthalten. Es gibt auch Wasser in diesem Territorium, wenn auch nicht an seiner Oberfläche. Artesische Brunnen sind sofort in die Erde getrieben worden, die 12 Millionen Gallonen Wasser täglich spenden können. Die Eisenbahnfahrt ist öü Meilen entfernt, aber wenn die Logerstätten erst einmal abgebaut werden, wird die Transportfrage keine Schwierigketten machen Man kann schätzen, daß an jeder Tonne des Materials 66 bis 86 Mark zu verdienen sind. Bibelfest. Ein Kolonialwarenhändler in N. hatte kein Geld zum Steuern- zahlen, aber einen anderen Schatz, der zwar nicht steuerpflichtig, aber gelegentlich gut zu verwenden war— er war bibelfest. So reichte er an das Finanzamt ein Gesuch um Stundung ein und schloß seine Ausführungen mit den Sätzen: „Mir geht es wie dem armen Knecht, dessen Bitte sie in der Bibel, und zwar Mattheus 18 Vers 22 finden werden. Ich hoffe, daß mir das hochvermögende Finanzamt eine Antwort erteilt, wie sie in demselben Kapitel. Vers 27, zu lesen ist." Jetzt war das Finanzamt in Verlegenheit, denn keiner war unter ihnen bibelfest. Selbst der Finanzamtsdirektor versagte und die sollen doch alles wissen. Bücher hatte es zwar genug auf dem Finanzamt, aber keine Bibel. Also wurde zwei Tage bei allen Be- kannten herumgefragt, bis endlich ein Exemplar aufgetrieben wurde Es dauerte geraume Zeit, bis die richtige Stelle gefunden wurde. Matth. 18 Vers 22 lautete: „Herr, habe Geduld mit mir. ich will dir alles bezahlen". Vers 27 aber besagte: „Da jammerte den Herrn desselbigen Knechte, er lies ihn los und dke Schuld erließ er ihm auch!" Da kratzten sich die Herren vom Finanzamt hinter den Ohren und brüteten darüber nach, wie man dem bibelfesten Steuerschuldner ein« ebenso tresfende Antwort geben könne. Aber trotz eifrigen Suchen» in der Bibel haben sie bis heut« noch keine passende Bibel- stell» gefunden. Achtstundentag für Bajaderen. Zur Verbesserung ihrer sozialen Loge und zur Wahrung ihrer Berufeinteressen haben sich die Bajaderen Mittel Indiens zu einer Gewerkschaft zusammengeschlossen. Die Tänzerinnen haben sich, an die britische Arbeiterregierung gewandt und Protest gegen ihre Ausbeutung erhoben und gesetzliche Einführung des Acht- pundentages verlangt. dfior/lMWoJ/wel Das Spielfest in Sdiöneberg. Hand« und Fußballspiele der Bundestreuen. Weder Regenschauer noch das Absporteln der sogenannten Opposition konnten dem Verlaus des Spielfestes des bundes- treuen Zlrbeiter-Sportvereins Schöneberg-Frie- d e n a u 0 7 gefährlich werden. Selbstdisziplin schuf Ordnung in das durch Organisationsschwierigkeiten entstandene Chaos, und in einwandfreier Weise konnten sich die verschiedenen Spiele abwickeln. Zwangen auch die immer stärker werdenden Regenschauer einige Male die Spieler, den Platz zu verlassen, so konnte das keineswegs die vorherrschend« einheitliche Stimmung der Spieler beeinträchtigen, die zusammen gekommen waren, um im friedlichen Wetttompf für den Gedanken des Arbeitersports zu werben. Die aufgezogene rote Fahne mußte auf hinwirken der Moskowiter eingezogen werden, die sie„nicht den Vorschriften noch Anschauungen der Platzverwal- tung entsprach". Daß di« Zuschauer voll und ganz auf ihr« Rech- nung gekommen, zeigen nachstehende Ergebnisse: Handballspiele der Zugend: Velten I»— Schöneberg II 5:1. Das bessere Zusammenspiel Veltens bracht« ihnen nach großer Ueberlegcnheit den Sieg.— Rowawes I— Schvneberg I 1: 1. Nach hartem Kampf und ausgeglichenem Spiel trennten sich di« Gegner mit einem Unentschieden. Handballspiele der Frauen: Moabit I— Schöneberg II 2:0. Moabit, durch besseres Fangen etwas überlegen, konnte das Spiel zu seinen Gunsten entscheiden.— Rowawes I— Schöne- berg I 1:0. In letzter Minute tonnte Rowawes, durch Zufallstor nach ziemlich ausgeglichenem Spiel den Sieg an sich reißen. Handballspiele der Männer: Rowawes II— Schöneberg III 4: 1. Schöneberg muhte sich von der überlegenen Mannschaft von Rowawes geschlagen bekennen.— Friedenau I— Schöne- be r g II 6:4. Schöneberg, durch seinen zerfahren spielenden Sturm benachteiligt, wurde nach flottem Spiel von Friedenau knapp besiegt.— Rowawes I— Schöneberg I 4:8. Schöneberg war hier entschieden die bessere Mannschaft, was auch im Resultat zum Ausdruck kommt. Die meisten Angriffe von Rowawes gingen an der Schöneberger Hintermannschaft zuschanden, während der ichußfreudig« Schöneberger Sturm durch gute Kombination und schönes Flügelspiel der gegnerischen Verteidigung viel zu schaffen machte. Fußballspiele der Männer: hohenlychen II— Schöneberg II 3; 1. Nach fairem Spiel entschied hohenlychen durch etwas über- legene Spielweise das Treffen für sich.— Borussia I— Eiche Köpenick 4:2 und Kloster Zinna I— Schöneberg I 1: 2. Nach zeitweiter Ueberlegenheit tonnte hier Schöneberg das Spiel knapp für sich entscheiden. Kinder in Wildau. Das Wetter meint« es gestern nicht gut und ließ einen durch- greifenden Sturm über das Land fahren. Aber dadurch wurden die Kinder der Freien Turnerfchaft Groß-Berlin nicht abgehalten t und erschienen doch zum Abturnen in Wildau. Am Vor- mittag wurden di« Dreikämpfe durchgeführt: Di« Mädchen führten Weilsprung, Vallweitwerfen und 7S-Meter-Lauf und die Jungen hcchsprung, Kugelstoßen und 7ö-Met«r-Lauf durch. Der Beginn des Festzuges wurde zwar durch den einsetzenden Regen oerzögert, aber nachher sührte gut« Musik zum Sportplatz, wo die Freiübungen und di« Volkstänze der Mädchen gezeigt wurden. Eifrig waren die Kinder bei den Stafetten, denn«in jeder wollte seiner Abteilung zum Siege oerhelfen. Di« ständigen Regenschauer veranlaßten dann aber doch die Leitung, die weiter« Abwicklung im Saal« zu voll- ziehen, wo die Kinderabteilungen in Sondervorführungen ihr« Fertig- leiten zeigten. Mtt leuchtenden Fackeln ging es nachher dem Bahn- Hof zu, um trotz alledem wohlgestimmt und mit dem Bewußtsein, «inen guten Tag verlebt zu haben, in di« Heimat zu fahren. Rachstehend di« Resultat«: Mädche» sat» 12 Zäh«»: I.»umpel-MIdou 122 Punkte: Z. Telvei- ZSildau 10g Punkte: S. Lteinfeld-NeuILlln 108 Punkte.— Mädchen fibee 12 Zabre: 1. ftl«in.£i6(tfpree 83 Punkte: 2. Noch-Weddinq#9 Punkt«: 3. Kautz- Zlcukölln 58 Punkte.— Stnobnt unter 12 Jahr«: Luhan II» Punkt«: 2. Lindner 117 Punkt«: 3. Wobner 115 Punkte, alle Neukölln.— Knaben über 12 Z»d«! 1. Seeniann-Often 114 Punkte: 2. Lach-Weddina 108 Punkt«: 3. Herrath. Weddinq 107 Punkt«.. 4X75 Mater Statett«: Mädchen. 1. Neukölln 59,2 Sei.; 2 ZLcddina 59,4 Eck.— Knaben unter 12 Jahren: 1. Neukölln 54 Sek.: 2.»ordelt II 54,9 Sek.: 3. Nordost I 56S Sek.— Knabe» Sbe» 12 Zahrr- 1. N-ukälln 58j Sek.; 2. Wildau 50.7 Sek,; 3. Sedding 49,2 Sek. Berliner Flugbegeistenin�. Trotz des Sturmes: Es wird geflogen! Der.Flugsportverein ehemaliger Flieger t. B." eröffnete gestern in Faltenberg bei Grünau seinen zweiten Segelflugplatz, nachdem für die Mitgliedschaft der westlichen Bororte schon«in Platz in Gatow besteht. Die Beranstolwng, zu der sich ein zahlreiches und inicressiertes Publikum«ingefunden hatte, litt naturgemäß sehr unter den starken Windböen« die besonders schwer di« ungeschützten Falkenberge umheulten. Trotzdem also die Boraussetzung des Segel- flugs, regelmäßiger Wind, vollkommen fehlt«, wurden mehrere in Anbetracht der widrigen Umstände recht achtbare Gleitflüge aus- geführt. Es muß bemerkt werden, daß es sich bei allen Flügen rings um Berlin immer nur um Gleitflüge handeln wird, da die gelungenen Weitstreckenflüg« gewissermaßen nur im Rücken eines Gebirges resp. von Dünen ausgeführt werden tonnten. Leider wurde die ein« Maschine— der Derein besitzt vorläufig zwei selbstgebaute Fahrzeuge— schwer beschädigt. Beim Landen au» Zirka 30 Meter höh«, stieß da, Flugzeug schon hart auf. wurde dann aber von einer Bö nochmale kopfüber in die Lust gerissen. Glücklicherweise kam der Pilot bei den, gefährlich au»- sehenden Sturz ohne ernst« Verletzungen davon. ch Es gehört.»in besonder» hoher Grod von Flugbegeisterung da- zu. bei Sturm und Regen nach Tempel hos hinauszupilgern. Gestern gab es einige hundert Berliner, die es täten. Sie standen auf den Bänken, pusteten sich in die Hände und rissen faule Witze. Sie rannten in den Bi-rkellir. sobald der Himmel sein« Schleusen öffnete. Und da, geschah in der Stunde so etwa viermal. Gegen Abend stieg— unerhört« SensationI—«in« Derkehrsmaschin« in die Luft. Und dann wurde es Ernst Udet zu dumm. Er riß seinen„Flamingo" hoch, dreht« Looping«, Rollen, macht« Rücken- flüge. Es regnel« zwar auch wieder, aber nun merkten es die Zu- schauer nicht mehr. Sie standen da und starrten nach oben. Und da sie ja nun einmal naß und durchgefroren waren, blieben sie«ich draußen, bis die Dunkelheit vollends hereingebrochen war, bis der Scheinwerfer, der„Luftpolizeifinger", den Himmel abtastete, und Ernst Udet abennols startete, um im Scheine der an der Maschine besestigten Magnesiumfackeln einige Kunstflüge zu absolvieren. Man nahm jehr schöne Eindrücke und— einen Schnupfen mit nach Hause. Deutsches Saint Leger. Grat Isolani überlegener Sieger. Daß der Derbysieger„Graf Isolani" in seinem Jahrgang eine Sonderstellung einnimmt, ersah man einmal mehr am Sonntag auf der Grunewaldbahn im Deutschen Saint Leger, der legten klassischen Prüfung der Dreijährigen. Seinen stolzen Triumphen im Union-Rennen, Derby und Großen Preis von Köln folgte bekanntlich in Frankfurt a. M. die erst« Niederlog« durch den vorjährigen Derbysieger Lupus und im Großen Preis von Baden mußte er sich einem Oleander beugen. Stets zeigt« er sich jedoch seinen Altersgefährten überlegen und im Saint Leger bestättgte er noch einmal nachdrücklichst, daß ihm keiner von den anderen Drei- jährigen auch nur annähernd gewachsen ist. Graf Isolani gewann die mit 41 000 M. ausgestattet« Prüfung im gewöhnlichsten Hand- galopp mit fünf Längen Borsprung gegen Avantt, dem fast ebenso weit zurück die Mtefelderin Bolladolif folgt«. Obwohl dos regne- rische Wetter nichts Gutes für den äußeren Erfolg des Tages ver- sprach, war die Gruncwoldbahn erstaunlich stark besucht. Hammneabi-Nen»«»: 1. Sre««r sBLsIke): 2. Kalvani: 3. Lansranchi. Tete: 27:10. PIc�: 18, 31:10. ferner liefen: Scrobios. D-HImnnn.Ncnn-n: l. Sternfahrt fSnibil); 2. Patriarch: 3. Shamberlin. To!»: 240:10. P!a8: 30, 18, 17:10. IZctntt liefen: ftortiffim«, Habicht II. Henoill, Urfula. Wahlftatt-Rennen: I. Silberstreif«Prinienl: 2. Nohrvast: 3. Sergius. Toto: 32:10. Plag: 17. 20:10. ftemet litten: Antrstgnane,. öleto. R-chrnputi-r.Nenncn: 1. Zrmin(Saibil): 2. ffatinelli: 3. Tcneriffe. Solo: «5:10. Plat,: 24, 30:10.-z-rncr liefen: Irrlicht. Lentfche» Snint-Leaer: 1. Kraf Ifolani lGrabfch): 2. AvantI: 3. Balladalid. Soto: 15:10. Plofc: 14, 20, 28:10. Kerner liefen: Taniris, Aialante, Sterneck. Srcnodicr, Pellcgrino. ftenitH-Nennen: 1. Keldberg lNarr): 2. Norana: 3. Iraner fco. Toto: 138:10. Plofc: 36. 24. 46:10. Ferner liefen: Kafancndenne, Iaao, Hetmann, Kreon. Garwbal. Schloguhr, Wissenfchaft. Srrvatrir, Mi». IfeNbal. Lnnrin.Nenne». 1. 9lM.: 1. Pcrwechflung IBäblkel: 2. Tan'or: 3. Norg«. Toto: 45:10. Platz: 15, 15, 14:10. Ferner liefen: Habafuk. Fechter. Chinico, Serww. Sonnenlicht.— 2. Abt.: 1. Meiravedis ITarras): 2. CEldon: 3. Peritu». Toto: 80:10. Platz: 25, 30, 14:10. Ferner liefen: Barasdin, Tarnhelm. Nettel- beck. Alike. Die Saar. Radsportliches Allerlei. Rütt verregnet! Die Sommerradrennsaison nähert sich ihrem Ende. Rütt, dessen gestrige Deronstaltung dem Wetter zum Opfer fiel, läutet schnell noch zweimal die Glocke, und zwar am 24. September und am 6. Oktober. Dann nimmt der Mann am Rundenanzeiger seinen Kasten und schiebt von dannen...„Kehraus* der Olympiabahn wird es am kommenden Sonntag heißen: Zehn Nachwuchs- Steher will die Direktion hier starten lassen. Inzwischen ist aber auch die Bahn im Sportpalast fertiggestellt und erwartet viele Gäste zur Pvemiere am 5. Oktober. Auf der Landstraße gab es gestern noch einige Rennen. So brachte der Gau Berlin des Bundes Deutscher Radfahrer als letzte diesjährige Veranstaltung auf der Nauener Rennstrecke ein Trost- rennen über 100 Kilometer für die Unplazierten der Saison zuin Austrag. Da über 120 Meldungen vorlagen, wurden zwei Gruppen gebildet, die im Abstand von 15 Minuten entlassen wurden. Der Sieg fiel an Pietsch(Pfeil-Charloienburg), der die 100 Kilometer in 3: 07: 54 fuhr. Dichtauf folgten Schöpflin(Spurt 88), Schafs- mann(Falke-Charlottenburg). Bei den Senioren, die auf der gleichen Streck« ein Dorgabefahren bestritten, gewann Tätweiler (Sturmvogel) die 100 Kilometer in 3: 26: 41 mit 10 Minuten Vorgabe. Zweiter wurde W. Müller(Argo) mit 3: 28: 25 und 10 Minuten Borgabe. Bergemonn von Defekt 02 folgte mit gleicher Dorgabe dichtauf.— Die Mannschaftsmeisterschaft der D R II. über 100 Kilometer wurde aus der Strecke Leipzig— Oschatz— Leipzig durchgeführt. Don den gemeldeten 13 Mannschaften fehlten Semper-Breslau und Opel-Dortmund. Bei dem stürmischen und kalten Wetter hatten die Fahrer schwer zu kämpfen, so daß nur mäßig« Zeiten herauskamen. Die Mannschaft von Opel-Hannover, die sich nach dem 60. Kilometer di« Führung erkämpft hatte, mußte auf dem letzten Teil der Strecke dem Titelverteidiger Opel-Berlin weichen, dessen Mannschaft Lutter, Zaiser, haock, Tallmann, Goerk«. Schneider neuerlich den Herausforderungspreis gewann. Ergebnis: 1. Opel-Berlin 3:03:02: 2. Opel-Hannover 3:03:33; 3. Diamant- Magdeburg 3: 04: 07. Im„Großen Preis von Europa", ein 100 Kllometer-Dauer- rennen auf der Bahn in Leipzig- Lindenau, behauptete sich Sawall, der die Startnummer 1 gezogen hatte, mit 93,800 Kilo- meter über Maronnier(39,620), Lewanow(98,830), Breau(97,650), Hill«(97,180), Snock(87,670) und Mauera(70,310). Mauera tot in der 39. Runde einen bös« aussehenden Sturz, kam jedoch mit Hautabschürfungen davon.— Die Weltmeister Michard und Paillard starteten im„Kehraus" auf der Pariser Bufsalobahn mit Erfolg. Während Michard im Endlauf der Flieger M. Bergamini über- legen schlagen konnte, sicherte sich im Gefamtklassement der drei Steherläuf«(20, 30 und 50 Kilometer), Paillard mit 4 Punkten den ersten Platz. Folcallcämpte des Freien Keglerbundes. Der zweite Tag in den Ausscheidungskämpfen brachte auch dl« Gruppe B an den Start. Während von der Kampfstätte der Gruppe A im Keglerheim Oberspree teilweise noch bessere Resul- tat« al» am ersten Kampftage zu melden sind, hat die Gruppe B im Keglerheim Lindengarten zu Mahlow unter entsprechenden Bahn- Verhältnissen sehr beachtenswerte Ergebnisse erzielt. Nachstehend die Wertungen(pro Klub 5 Kegler bei j« 100 Kugeln): Gruppe A (Bezirk Osten): 1. Bötzow 3650; 2. Glatt« Balm 1925 3618 holz (Bezirk Süden): 1. Aha 3719-, 2. Sechs Kalte 3713 holz. Beste Einzelleiftungen: E. Sorgalla(Aha) 768. Zahlmann(Stchs Kalte) und Franz Ullrich(Bögow) je 751 hol,;. Gruppe B: 1. Schöne- berg-Sütmest 3569: 2. Hansa 3539; 8. Husch-Husch 3484; Rand oder Sand(Weißensee) 3481: 5. E. w. n. 3473 holz. Beste Einzel- leistungen: Loscht«(Hansa) 723, Model(Schöneberg-Südwest) 721, Domnick(Schöneberg-Südwest) 715 holz. Polizeiboxkompslag Berlin— London. Dienstag, 3. Oktober, wird im Sportpalast eine ausgewählte Boxmannschaft der Londoner Polizei gegen eine vom Posszeisportverein gestellte Mannschaft der Schupoboxer antreten. Der Schnelligkcitswahnsinn fordert wieder zwei Menschenleben. Beim Uebungsfahren für das„Ecce-Homo-Renne»" er- eignete sich am Sonnabend ein Zusammenstoß, bei dem der Rennfahrer h o r a k aus Prag und der Motorradfahrer Müller aus Sternberg getötet wurden, horat stieß knapp hinter dem Ziel mit Müller zusammen. Müller wurde in die Luft geschleudert: er blieb mit lebensgefährlichen Verletzungen liegen, horak erlitt einen Bruch der Schädelbasssi fein Mechaniker trug leichtere Verletzungen davon. Beide Kraftfahrzeuge wurden vollständig zertrümmert. horak sührte den von vielen Siegen bekonnten Wagen des Di- rektors Iunet, mit dem dieser aber im vorigen Jahr auch tätlich stürzte. Das Unglück ist, wie verlautet, durch Unvarfichtigeit des Motorradfahrers Müller entstanden. Der Zuverlässigkeitsfhig. 35 Flugzeuge zugelassen. Am Nachnennungsfchluß zu dem vom 27. bis 29. September 1329 stattfindenden Zuverlässigkeitsflug des Deutschen Luftfahrtverbandes«. B. hatten insgesamt 50 Leichtflugzeuge von DLV.-Dereinen und privaten Flugzeugbesitzern ihr« Nennungen ob- gegeben. Infolge der knappen Geldmittel konnten nach Streichung einiger Bewerber mit ausländischem Motor nur 35 Nennungen gemäß Ausschreibung zugelassen werden. Unter diesen 35 Teil- nehmern befinden sich 23 Klemm-Maschinen, 5 BFW. M. 23 b, 2 Focke-Wulf„Kiebitze", 3 GMG. und 2 Raab-Katzenstein„Gras- mücken". Sämtlich« Typen sind vielfach bewährt; die Klemm- und BFW.-Flugzeuge konnten erst kürzlich im„Internationalen Rund- flug 1929" ihre hohe Leistungsfähigkeit gegen scharfe ausländische Konkurrenz beweisen. An Motoren sind 20 deutsche und 15 aus- ländisch« Typen vertreten, und zwar: 13 Daimler-Benz mit 20 BL, 7 5K mit 80 PS(ein Motor dieses Typs gewann unter Führung von Morczyk den„Europaflug 1929"), 11 Salmson mit 40 PS und 4 Anzani mit 35 PS. E» gehen insgesamt 31 Piloten und 106 Orter an den Start; die Gesamtkilometerzahl, die in den 3 Wettbewerbstagen durchflogen werden soll, beträgt 53 370 Kilometer. Durchschnittlich inuh jedes Flugzeug also 1525 Kilometer oder täglich 508 Kilometer erledigen. Von dem Wettbewerb werden 54 deutsche Flughäfen berührt, unter diesen am häufigsten Böblingen, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Köln, Mannheim, Münster und Berlin. Die'große Zahl der zu bewältigenden Kilometer, der gemeldeten Flugzeuge und der Piloten läßt schon heute das Urteil zu, daß der Deutsche Lustfahrerverband, dem als Streckenentschädigungen insgesamt 43 000 M. zur Verfügung standen, mit geringsten Mitteln die größtmögliche Wirkung zum Nutzen de« deutschen Flugsports erzielt, der Zweck des Wettbewerbs wird damit vollauf erfüllt werden. Für 50 000 Dollar Sportler! Vor nicht allzu langer Zeit hatte den Rekord als best- bezahlter Daseballspieler noch der amerikanische Sport- nationalheid Labe Ruth inne. Er machte besonders von sich reden, ale er vor«inigen Wochen„streikte", um ein neues„Salär" zu fordern, das höher war als das des amerikanischen Präsidenten hoover! Jetzt hat Labe ein anderer übertroffen. Dieser Prosessio- nal aus LrooNyn Dazzy Vance bezieht das hübsche Gehalt von 50000 Dollar. Er ist diesmal nicht nur sin Riesen-, sondern sogar ein Mammutbaby, denn er wiegt nicht mehr und nicht weniger als 220 Pfund, und auch' sOIn Kräfteumsatz ist unerhört. Von diesem fetten Athleten behauptet man, daß er an einem Trainingsnachmittag glatte 5 Pfund, verliere. Was muß der Kerl essen, um am nächsten Tage wieder auf der höhe zu sein! In England ist neulich für die Ablösung eines Fußballspielers ein« enorm hohe Summe bezahlt worden. Es handelt sich diesmal nm den Mittelstürmer James Smith, den der erstklassige englische Ligavcrein Liverpool dem schottischen Club Ayr United für die nette Summe von rund 6000 Pfund Sterling, das sind 120 0 00 M.. abkaufte. Zahlreiche andere Vereine hatten sich ebenfalls um Smith beworben, aber das Angebot von Liverpool schoß den Vogel ab. «.Bitte*' recht freundlich." So sprach vor 10 Iahren nach der Photograph, wenn er sich zur Personenaufnahme anschickte. Das Resultat war dann ein Bild, von dem der Aufgenommene sagt«:„So sehe ich ja gar nicht aus." Dos kam daher, weil sich das Opfer des Kameramannes nicht natürlich geben konnte. Ein wahres Bild muß das Objekt in Bewegung und in seiner ganzen Natürlichkeit erfassen. Wie man dies am besten anstellt, darüber spricht im Touristenoerein, Die Naturfreunde, Photogrupp«, Montag, 23. September. 20 Uhr, im heim, Frank- surter Allee 307, Friedrich-Ebert-Saal, Professor Stetiger und wir „bitten recht freundlich" um regen Besuch. Eintritt frei für jeder- mann. SPD.-Sporller Berlin-INitle. Mittwoch, 26. September, 20 Uhr, Fraktionssitzung der parteigenössischen Sportler bei Lohan, Brüderstr. 16—18. Zahlreiches Erscheinen ist in Anbetracht der Kommunalwahlen Pflicht. .�reie Spiel- und Sportvereinigung„Oberspree". Abt. Treptow. Nächste Persammlung Mittwoch, 25. September. 20 Uhr, iin Lokal „Elseneck". Kiesholz- Eck- Elsenstraße. Spielansetzung für Hand- ball- und Fnßballabtellungen. Mitglieder werden noch aus- genommen. DI« Frei« Arbeiter- Schachoereinigung Groß-Berlin gründet Dienstag, 24. September, ein« neue Abteilung in Friedrichs- f« l d e ,' bei Gustav Tempel, Gudrunstr. 7. Es findet ein Weit- kämpf der Abteilung Friedrichshain gegen Lichtenberg statt, außer- dem ein Simulionwlel des Berliner Meisters Fritz Arendt an 20 Brettern. Schachspieler und solche, die es werden wollen, sind herzlichst eingeladen.— Di« Abteilung Schön eberg jpiell»am Dienstag, 24. September, ab im Lokal Migge, Stubenrauch- Ecke Erdmonnstr. Gäste herzlich willkommen. Montag, 30. September, 20 Uhr, Generalversammlung bei Ewald, Stalitzer Straße 126. Zutritt nur gegen Mitgliedsbuch oder Karte.. „Unser Tennis." So nennt sich das soeben von, Arbeiter-Turnl verla der ig, Leipzig S 3, herausgebrachte neueste Lehrbuch der Bibliothek Leibesübungen. Do» Buch beschäftigt sich eingehend mit der Technik. Lehre und Lehrmethode des Tennisspiels. Vorzügliche Lehr- aufnahmen ergänzen die schriftlichen Ausführungen. Der Ladenpreis beträgt 4,50 M.. Organisationspreis 3 M .?-°ei»«•. Stenttn». Unsere»»de. ygsK&hs 30 bis 21� Iftt, kleine Lalle, grauen ttnd«eiblitbe Stwenb, arosie Halle. Männer und«ännliche Jugend. Großfeuer im Westen. Oachstuhl am Wiiienbergplah eingeäschert. Uch vm Sonnkagnachmilkag war die Feuerwehr in der passauer Straße 35, dicht am Wittenbergplah, mit der vetömpfung eines großen Dachsluhlbrandes stundenlang beschäftigt. Kurz nach 15 Uhr sahen Bewohner des Hinterhauses, wie Plötz- aus den Bodenfenstern dichte Rauchschwaden aufstiegen. Dachstuhl des Vorderhauses übergriffen. Die Situation war so bc- drohlich, daß mehrere Züge nachalarmiert werden mußten. Aus zahlreichen Schlauchleitungen stärksten Kalibers wurden große Wassermengen in das Feuermcer geschleudert. Di« Wohnungen J)er oberen Stockwerke, die unter Wasserschaden sehr gelitten haben, mußten«ine Zeitlang von den Mietern geräumt werden. Man alarmierte Äe Feuerwehr, die bei Ihrem Eintreffen schon einen ausgedehnten Brandherd vorfand. Das Feuer muß längere Zeit unbemerkt ggschwelt haben, denn als der erste Löschirupp nach oben vordrang, brannte der Dachstuhl in seiner ganzen Länge bereits lichterloh. Die Flammen fanden an dem Inhalt der Bodenverschläge und dem trockenen Gebälk überaus reiche Nahrung und griffen mit rasender Schnelligkeit um sich. Die Rauchentwickung war sehr stark und die ganze Passauer Straß« war in eine dicht« Oualmwolke ge- hüllt. Der heftige Wind war für die Löschoktion besonders ungüiftig Diesem Umstand ist es auch zuzuschreiben, daß die Flammen auf den Die Lösch- und Aufräumungsarbeiten währten bis in die späten Abendstunden hinein. Als Entstehungsursache wurde Fahr- l ä s s! g k« i t einer Bewohnerin festgestellt. » Auf dem Gelände der Versuchsanstalt für Luftfahrt in Adlers- h o f entstand am Sonntagmittag in einer großen Wohn- barocke Feuer. Der Dachstuhl brannte nieder.— Heute vormittag brach in einem Papierlager in der Prenzlauer Straße 42 Feuer aus. Zwei Züge der Feuerwehr löschten den Brand nach einstündiger Tätigkeit. Der Schaden ist erheblich. So wird's gemacht! Oeutsthnationale Hetze gegen Giadt Verlin. 3tt ihrem Kamps gegen die Berliner Stadtverwaltung schrecken die Deutschnalionaten vor den gewagtesten Mitteln nicht zurück. Es wird noch in Erinnerung fein, daß im vorigen Hahr �die deutschnationale S tadtverord- netenfrakkton wegen angeblicher Bestechung von An- gestellten des städtischen An s ch a s f u n g s a m t es nicht aus dem sür Stadtverordnete ordnungsmäßigen Wege vorging, sondern— das Gericht in Bewegung sehte, wie wenn die Berwaltung, an der ja auch sie be- c teiligt sind, gar nicht vorhanden wäre, fabrizierten die Deulschnationalen selber eine Strafanzeige und überreichten � sie der Staatsanwaltschaft. Dieser Skandal, dieses in der Geschichte der Berliner Stadt- Verwaltung einzig dastehend« Vorgehen einer Stadt- verordnetenfraktion/ wurde vom Magist rot damit beantwortet, daß er sofort eine eingehende und gründliche Unter- s u ch u n g vornahm und das Ergebnis den Stadtverordneten zur Kenntnisnahme mitteilte. Das Ergebnis war gleich null, aber die Deutschnationalen hatten die Dreistigkeit, in der Aus- spräche über diese Angelegenheit es noch als einen liebergriff des Magistrat hinzustellen, daß er in seiner Vorlage ihr skandalöses Verhalten gekennzeichnet hatte.„Wir bedauern, daß"— sagte der Magistrat—„eine Fraktion der Stadtverordnetenoersammlung unter Umgehung der städtischen Körperschaften und ohne ausreichendes Beweismaterial zu haben, es für richtig gehalten hat, Strafanzeige gegen Angestellte einer städtischen Ge- fcllschaft zu erstatten." In der Stadlverordnetensitzuna nahmen die Deutschnationalen von ihren Behauptungen und Anschuldigungen nichts zurück. Der deutschnationale Redner prahlte mn seinem Beweismaterial, das er sich hier nicht herauslocken lassen wolle. Er verwies auf die gerichtliche Klarstellung, die nach der Strafanzeige zu erwarte» sei. Jetzt, nach anderthalb Jahren, kann der Magistrat den Stadt- verordneten in einer neuen Vorlage zur Kenntnisnahme endlich mitteilen, was die Staatsanwaltschaft nach langer Untersuchung festgestellt hat. Das Ergebnis ist wie- der gleich null. Keine von den Straftaten, die in der Straf- anzeig« der deutschnotionalen Etadtverordnetenfroktion behauptet worden waren, hat bewiesen werden können. Das„Beweis- Material" der Deutschnationalen ist in nichts zerflossen, so daß das Verfahren eingestellt wer- den mußte. Selbstverständlich hatte der Magistrat die Staatsan- waltschaft bei ihrer Untersuchung in jeder möglichen Weise unterstützt, weil ihm an einer völligen Klarstellung lag. Er teilte die Adressen aller entlassenen Angestellten mit, aber auch die Staats- anwaltschast tonnte aus den Vernommenen kein weiteres„Beweis- Material" herausholen.„..... Das Vorgehen der Deutschnotionalen war ein Angriff gegen die Stadtverwaltung, denn die Strafanzeige mußte den Anschein erwecken, daß vdn der Verwaltung selber keilte Klarstellung zu erwarten sei. Man wird sich diesen Angriff merken müssen und sich seiner erinnern, wenn wieder einmal die Deutsch- nationalen gegen die Berliner Stadtverwal- tung hetzen. Darin werden sie ja in dem bevorstehenden Kommunalwahlkamps ganz Hervorragendes leisten. Wahlhehe gegen Meißen. Oeutfchnationole wollen den Kredit einer Stadt untergraben INeihen, 23. September. sEig.mberichi.) Hugenbergs Presse behauptet bereits sei Tagen, die Stadl Meißen stehe vor dem Bankrott. Tatsache ist, daß die Stadt Meißen seit Wochen von Darlehnsgebern hart bedrängt wird. Nicht minder aber ist Tatsache, daß diese Bedrängung unmöglich wäre, wenn nicht der frühere gutbürgerliche Ober- bürgermeister ein allzu kurzfristiges Darlehn feinem Nach- folger hinterlassen hätte. Tatsache ist ferner, daß der jetzige— nicht, minder gutbürgerliche— Oberbürgermeister es nicht oerstanden hat, rechtzeitig dem Uebel zu begegnen. Aber gerade zur Stunde, wo die bürgerlichen, hahtriefenden Wahl- artikel erscheinen, war in Wirklichkeit eine gangbare Lösung der Finanzschwierigkeiten der Stadt gefunden. Es scheint fast, als sollte die Wahlarbeit gegen die Stadt Meißen vielleicht auch die Aufgabe haben, noch in letzter Minute den sicher in Aussicht stehen- den Kredit der Stadt zu untergraben. R a t und Stadtvcrord- netenoersammlung der Stadt Meißen hoben am Sonn- t a g nach Erscheinen der gegen die Finanzlage Meißens gerichteten Artikel e i n st i m m i g folgende Entschließung gefaßt:„Die in mehreren Zeitungen gegen die Stadtgemeinde Meißen gerichteten Artikel sind tendenziös ausgezogen, stark übertrieben und entsprechen zum weitaus größten Teil den Tatsachen nicht. Vor allem wird der Vorwurf der Mißwirtschaft entschieden zurückgewiesen. Die finanzielle Lage Meißens ist zwar gleich der anderer Städte schwierig, gibt aber zu irgendwelcher Beunruhigung keinerlei Veranlassung. Diese Artikel stellen sich vielmehr als eine starke Verleumdung der Stadtgemeinde dar Da» Stadtverordneten» kollegium hat überdies einstimmig beschlossen:' Der Stadtrat wird beauftragt, gegen die verantwortlichen Zeitungsredokteur« wie gegen die Zuträger der verleumderischen Artikel das Notwendig« zu veranlassen." Oer Raubmord in Eberswalde. Hastbefehl gegen Damitz. Zu den Verdächtigken. den Raubmord in E b e r s w a l d e be- gangen zu habeu. gehört auch der ZZjährige Johannes Damitz. Er erscheint durch das Ergebnis der Rachforschungen und die Aussagen der Zeugen so schwer b e l a st e t. daß er im Laufe des Montag dem Untersuchungsrichter in Eberewalde vorgeführt werden wird, der voraussichtlich einen h a s I b e s e h l erlassen wird. D a- m i h selbst hat noch kein Geständnis abgelegt. Damitz hatte bei der Händlerin E l l e b r a» d erheblich« Schul- den gemacht. Acht Tage vor dem Morde war er aus dem Kranken- häufe enttaffen worden und trieb sich ohne Beschäftigung in der Stadt umher. Seine Braut hott« ihm angekündigt, st« werde die Beziehungen zu ihm lösen, wenn er nicht schleunigst Geld herbei- schaff«. Durch Zeugenaussagen ist einwandfrei festgestellt, daß er noch zwei Stunden vor dem Morde an Frau Ellebrand nicht einen Pfennig besaß. Am Montagabend aber war er im Besitz reich- licher Mittel, die ihm ermöglichten, an verschiedenen Stellen kleine Schulden zu bezahlen und sich einen neuen Anzug zu kaufen. Ueber die Herkunft dieses Geldes befragt, erzählte Damitz eine höchst unglaubwürdige Geschichte. Damitz erklärte, er sei am Montag in dem Zigarrengeschäft gewesen. Er habe seine Schulden be- zahlt, woraus sein Nam? von der Schuldnertafel gelöscht worden sei. Das trisft niäst zu, denn am Vormittag« hatte er noch kein Geld. Ungeklärt ist der verbleib eines dunkelblaueu Jackett» und der Mefle, die Damitz am Montag getragen hak. ffr hat!« später die Kl eftrang gewechsek!. An Set aufgefutäeaen Hoftz sind keine Blutflecke zu sehen. Das Verschwinden des Iackettzl und der Weste erklärt Damitz dahin, daß die Sachen verloren. gegangen sein müßten. Er war aber durchaus nicht so gestellt, dasj er ohne weiteres Teil« eines noch guten Anzuges wegwerfen konnte. Zeugen, die ihn nach dem Morde sahen, haben kein Blut an seinen! Händen bemerkt. Er hatte sich in der Ellebrandschen Küche die Händg gewaschen und abgetrocknet. In dem dunkelblauen Stoff seine? Anzuges waren Blutflecke nicht ohne weiteres zu erkennen.— Damitz hat übrigens zu anderen Insassen des Krankenhauses erzählt, er habe mit einem Komplicen in Leipzig einen Raubüberfall auf em Goldwarengefchäst verübt und den Inhaber niedergeschlagen. Es wird nun nachgeforscht werden, ob diese Erzählung wahr ist und was der Helfershelfer war. Hakenkreuzler- Kommunisten. Zusammenstöße in Neukölln.- Dr. Goebbels festgenommen — und wieder entlassen! Die Rationalsozialislen veranstalteten gestern in Reukölln einen Ilmzug. Sie hatten aus ganz verlin ihre Leute zusammengetrommelt. die sich am Bahnhos Kaiser-Friedrich- Slrohe zu einem Zuge formierten. Die Beteiligung war kümmerlich, etwa vierhundert Braunhemden marschierten im Zuge mit. Etwa ln gleicher Stärke war die Polizei vertreten. Don dieser„Kundgebung" wurde niemand Notiz genom» men haben, wenn nicht die K o m m u n i st e n wieder einmal dos Bedürfnis gefühlt hätten, von sich reden zu machen. Di- Kommunisten hatten eine Gegendemonstration zum Reuterplatz.einberufen. Di« Polizei riegelte alle Verbindungsstraßen zum Bahnhof Kaiser- Friedrich- Straße und die Kaiser-Jriedrich-Straße selbst ab, so daß zunächst der Zug der Nationalsozialisten ohne Störungen durch Neu- kölln geführt werden konnte. Die Straßen in Neukölln waren leer. die republikanische Bevölkerung zeigte demonstrativ, daß sie von den Hitlerfreunden nichts wissen wollte. Einige kommunistische Trupps fielen am Hertzbergplatz über die Nationalsozialisten her und es ent- wickelte sich die übliche Prügelei. Ueber die Weserstroße marschierte der Zug der Nationalsozialisten zur Mariannen- nud Adalbertstraße. In dieser Gegend kam es mehrfach zu Zusammenstößen und kleinen Schießereien. Auch aus dem Auto des Führers Dr. Goeb, bels wurden zwei Schüsse abgegeben. Daraus wurden die Insassen des Autos festgestellt. Dr. Goebbels behauptete, von den Kommunisten bedrängt gewesen zu sein und sich nur mit einer Schreckschußpistole gewehrt zu haben. Die Pistole und zwei Patro- nen wurden auch im Wogen gesunden. Nach Feststellung dieses Tatbestandes wurden die Nationalsozialisten wieder ausderHaft entlassen. Den Zug der Nationalsozialisten begleitete eine wüste Horde von nichtuniformierten Nationalsozialisten, die alle mit Stöcken bewaffnet waren. Einem dieser Leute wurde der Stock ab- genommen, er selbst auf Waffen untersucht, wobei die Polnzei ein» Teschingpistole fand. Wenn der ganze Zug durchsucht worden wär� hätte die Polizei sicher eine sehr ftattlieh« Waffensammiung zu« sammenstellen können. * Auch in anderen Stadtteilen ist es am Sonntag mehrfach zq Schlägereien zwischen Links- und Rechtsradikalen gekommen. In der.Berliner Straße in Hirschgarten wurden zwölf M c t- q l i e d e r des Arbeiterradsahrerbundss„Solidarität" van Nationalsozialisten überfallen. Di« Polizei war je« doch schnell zur Stelle und nahm zwei der Täter fest.— In der Bahnstraße in Schöneberg wurden um IL Uhr 80 Kommunisten» die in einem Lastkraftwagen mit Anhänger die Straße durchfuhren) wegen Nichtbefolgung polizeilicher Anordnung zwangsgestellt und dem Polizeipräsidium zugeführt.— Am Bahnhof in Rahnsdorf gerieten Stahlhelmer mit Kommunisten in ein Handgemenge, zwei Personen erlitten dabei Kopfverletzungen. Außer den 80 eingelieferten Kommunisten wurden im Laufe des Sonntags noch 21 Personen dem Präsidium zugeführt, die sich an politischen Schlägereien beteiligt hatten. Englischer(Schülerchor in Nerlin. Die„Freunde der internationalen Kleinarbeit", die besonder» den gegenseitigen Besuch unter den Sozialisten der Deutschland am nächsten liegenden Länder erfolgreich pslegen, um damit der Sozia» listischen Arbeiterinternationale zu dienen, werden, ehe sie wieder ihre lieuen Sprachzirkel eröffnen, einen Englischen Lieder« abend bei freiem Eintritt veranstalten. Es handelt sich um den in England sehr bekannten Schulcrchor der„Firth Park Secondary Schoo l", Shiregreen, Sheffield, der durch Be» Ziehungen zur Musikabteilung des Terromarc Oiiicec eine kurze Deutschlandreise unternimmt. 30 Knaben im Alter von 12 bis 14 Jahren— unter Leitung ihres Chormeisters Mr. MacMahon— werden am Donnerstag, 26. September, pünktlich um 20 Uhr im großen Saal des Gewerkschastshauses, Engelufer 24/25, zum Bor- trag bringen englische Balladen, Volts- und Seemannslieder. Gesänge farbiger Völker, Lieder moderner englischer Komponisten und solche in deutscher Sprache. Da die Schule unter sozio- listischer Leitung steht und auch die Stadtverordnetenoersammlung Sheffields in ihrer Mehrheit der Labour Party angehört, ist es be- sonders zu begrüßen, daß dieser Chor in Berlin zuerst singen wird vor Mitgliedern und Freunden der Vereinigung sowie der ebenfalls teilnehmenden freien Gewerkschafts- und Sozialistischen Arbeiter. jugend. Gleichzeitig wird auch der Film vom Internationalen Jugend» treffen in Wien zur Vorführung kommen, der insbesondere den jungen englischen Freunden zeigen soll, daß nie erlahmende Kräfts zur Erhaltung des Friedens am Werke sind. Oer vermißte Schüler wiedergesunden. Vermißt wird seit einigen Tagen der 14 Jahre alte Schuker Martin Lock aus der Hellwigstraße zu Adlershof. Er hatte, mi« er seiner Mutter erzählte, in den Muggeldergen eine Sparbuchs» gefunden und oerließ die elterliche Wohnung. Schulkameraden trafen ihn gestern in Pichelsberg«, wo er, mit einer Decke aus» gerüstet, eine Art Eampleben führen wollte. Ihrer lleberredung gelang es, ihn zur Heimkehr zu bewegen. Auf dem Pcipus-See hielt«in Sowjet-Küstemoachdoot tn den estländijchen Hoheitsgewässern eine Fijcherbarte an und führte dies« nach der russischen Küste, wo die Besatzung durchsucht wurde. Alle wurden freigelassen mit Ausnahme eines Mannes, der«ine be» deutende Summe Geldes bei sich trug. Nach Maskau ist energischer Einspruch gegen die Verletzung der Hoheit Estland» gegangen. Der Meißener Bibliothekar Gröschl sitzt seit langem wegen an« aeblicher Spionage in tschechischer llniersuchungshaft. Gesandter Dr. Koch ersuchte im Außemninisterium um Beschleunigung, iwa berief sich aber auf neue Verdachtsmomente.