Morgenausgabe Dienstag "##> V/ 24.©epfemto 1929 Tfl MM» MGOchA � -tn,chii»biich«>v!g.P°ftz.«w»g,. BS Ii JS WU W H Lx bI H K M W W y/■TP 72 P>g. Posldeftcllgcbühr,». Zw->»«»». �äJHM rp�aKS>> W) B» MW«A WS MW fC|H WH p-- Y »b»nn«mem 6.— TO. pro TOsnat MMmB r�SH W> HB DI D) WWI! Y/ tut•taipoltla« 5lonpania<>tiu WW! W»■■ H MH HB H H9 H MW M M«ftimig. JWIamnril. 5.-«nch» Tj-m HS W■ HB H■ D JKB&tiStf""rt..Äleln» luftige»' d°» I-Ug� Sn.Sensdru-7 B« ST'*. S--ll'ng.,uq. da.«r(t. and im fianbtl mü dem litel.Der B� WW> HH\ // Mi®0""Sftnnlg, lebe» oelter.»or. «benb-, Snuftrlerte Seiloqen Boll»« Pfennig, ffiorte übet 15 Sudjllaben and Zel,' und.Kinderfreund-. Ferner �BBB�� � � � � � � V XHM* ,,D." PüJt«�-il.moiki essss berliner VvßWbtatt fefiiss Jentvalovsan der Sozialdemosvatischen Vartei Neutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 ffi ttl ft Postscheckkonto: Serrtn 37536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestelll-U Fernsprecher: Dönhofs 202— 29T. Telegramm.Adr.: Sozialdemokrat BerNn. ladung des Materials der Regimenter begonnen. In 3 Wochen, und �war bis zum 14. Oktober, werden sie ihre Quartier« geräumt haben. Vom 15. bis 19. Oktober oerlassen das 23. und das 151. Insanteric- regiment Koblenz und beziehen ihre französischen Garnisonen. Dos 151. Regiment wird nach Metz übergeführt, wo es beheimatet ist. Die interalliierte Rheinlandkommission wird am 15. November von Koblenz nach Wiesbaden übersiedeln. Sie wird von 173 Köpfen auf etwa 55 bis 60, etwa 40 Franzosen, 10 bis 12 Belgier und 5 Engländer, herabgemindert. Die jetzt in Wiesbaden stationierteil 150 Franzosen werden dort bleiben und die Ehrenwache für die interalliierte Rheinlandkommission bilden. Die 30. französische Armee und die 38. französische Infanteriedivision werden am 4. November in' Koblenz aufgelöst. Aus Trier wird am nächsten Samstag das 5'französische Kürassierregiment abrücken. Damit hat praktisch die Räumung der dritten Zone durch die Franzosen begonnen. Königstein geräumt. Fronksurl a. M.. 83. September.(Eigenbericht.) Die Stadt K ö n i g st« i n ist seit Montag frei von Truppen. Das 2. Bataillon des Leicefter-Regiments verlieh die Stadt um 1 Uhr 40 Minuten in einem Sonderzug. Räumung und Reichsarbeiter. Sozialdemokratischer Antrag für überzählig werdende Arbeitskräste. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Reichstag folgenden Antrag«ingebracht: Der Reichstag wolle beschliehen: Der Reichstag nimmt Kenntnis von den bisherigen Dorsorgemaßnahmen der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung zur Unterbringung der durch die Räumung der zweiten und dritten'Zone des besetzten Gebietes voraussichtlich überzählig werdenden Arbeiter und Angestellten der Reichsvermögensverwaltung. der Besatzungsämtrr und der Feststellungsbchörden. Der Reichstag ersucht die Reichsregierung, auf die übrigen Länderregierungen einzuwirken, sich dem Borgehen Preußens anzu- schließen. Der Reichstag erwartet von allen Behördenstellen des Reichs, der Länder, Gemeinden und Gemeindeverbänden des besetzten und angrenzenden Gebiets, daß diese bemüht bleiben, die noch arbeitsfähigen Arbeitnehmer bevorzugt unterzubringen. Der Reichstag ersucht die Rcichsregierung zur Bereitstellung von Mitteln zur Gewährung von Unterstützungen 1. in Form von Umzugs- und Trennungsunterstützungen bei Vermittlung von Arbeit an anderen Orten, 2. zur Zahlung eines wesentlich erhöhten Uebergangsgeldes beim freiwilligen Ausscheiden. 3. eines Reichszuschusses bis zum Eintritt der vollen Invalidität für alle über 60 Jahre alten Arbeiter und Angestellten, sofern sie mindestens 5 Jahre im Dienste des Reiches, eines Landes oder einer Kommunalverwaltung beschäftigt gewesen sind. Saar-Neraiungen in Heidelberg. Völlige Einmütigkeit zwischen lieich und Saar. Heidelberg. 23. September.(Eigenbericht.) Am Montag fand hier über die bevorstehenden deutsch- französischen Saarverhandlnngen In Gegenwart de« Leiters der deutschen Delegation, Staatssekretär a-D. von Sim- s o n. eine eingehend« Aussprache zwischen Vertretern aller beteiligten Behörden desReiche». Preußens und Bayerns mit den Vertretern der politischen parleiev und aller Mirlschastskreise des Saargebietes statt. Die Aussprache ergab vollkommene Einigkeit Über das Ziel der kommenden Verhandlungen. Im Interesse der engsten Znsammenarbeit zwischen der deutschen Delegation und dem Saargebiet wurde ein k l e i n c r Ausschuß eingesetzt, der Vertreter aller in Betracht kommenden Schichten und Berufe umfaßt und der der deutschen Delegation jederzeit mit seiner Sachkenntnis und seinen Ratschlägen zur Seite stehen soll. ZranzSsifche Interessenten gegen Gaar-Rückgabe. Paris. 23. September.(Eigenbericht.) Angesichts der bevorstehenden deutsch-französischen VerHand- lungen über die Rückgabe des Saargebiets be- ginnen sich die französischen Wirts chaftskreise eifrig zu rühren. Der Verband zum Schutz« der französischen Interessen im Saargebiet hat sein« Anhänger für die nächste Woche zu einer Ta- gung zusammenberufen, auf der die Wünsche und Forderungen der französischen Interessenten festgelegt werden sollen. Ferner hat der republikanische Abgeordnete B o i s s e a u eine Interpellation über die„il nzeitigkeit�der Saarverhand- lungen angekündigt. In der Begründung erklärte der Abgeord- nete, Frankreich setze alljährlich Waren im Werte von zwei M i l- liarden im Saargeblet ab. Da die französisch« Außenhandels- bilanz sicherlich in diesem Jahre ein Defizit von zehn Milliarden aufweisen werde, müßte jede Acnderuag des Saar-Statuts die schlimmsten Folgen für Frankreich nach sich ziehen. Im übrigen lMten die französischen Handels- und Wirtschaftskreise, die in den letzten zehn Jahren im Saargebiet Großes geleistet hätten, einen Anspruch darauf, bei den Saarverhandlvngen ihre Wünsch« wirksam zur Geltung zu bringen. Hindenburg in der Drecklinie. Wie die Volksbegehrenspropaganda gegen ihn betrieben wird Der famos« Reichsaiisschuh des Herrn Hilgenberg hat den Reichspräsidenten von hindenburg wohl juristisch amnestiert und will ihn nicht wegen Landesverrats ins Zuchthans bringen— in der Drecklinic der Landcsverratshetz« bleibt er doch. In einer nationalsozialistischen Bersannnlung in Apolda sprach der Redner, ein gewisser Nierfeld-Köln von dem Reichspräsi- deuten als von einem Mann,„vor dem jeder Respekt aufhört' und unter dem Beifall der Versammlung, in der überdies sich zahlreiche Stahlhelmmitglieder befanden, verlangte Nierfeld die schleunig« Ent- fenning des Reichspräsidenten, denn er könne keine Achtung mehr erwarten, well er den deutschen Vertretern im Haag seine Aner- kennung ausgesprochen habe. Vor einem Staatsstreich? Sie Heimwehrgefahr in Oesterreich. Von TuUus Deutsch, Wien. Die„heimatfchutz-Zeitung", ein Organ der österreichi- schen heimwehrverbände, brachte dieser Tage einen alar- mierenden Artikel„Die letzte Warnung". In diesem Artikel wurde die Regierung ausgefordert zurückzutreten, um „einer starken Regierung" Platz zu machen,„in der auch die heimatwehr, die derzeit stärkste Machtgruppe im politischen Kräftespiel, den ihn'gebührenden Einfluß besitzt". Den bürger- lichen Parteien wurde gedroht, daß sie von einer„Volks- bewegung vollends verschlungen würden, wenn sie nicht den Entschluß faßten, das Staatsruder in die Hände neuer Männer zu legen, welche die Fähigkeit und die Macht haben, eine Gesundung unserer politischen und wirtschaftlichen Per- Hältnisse durchzuführen. Der Zeiger geht auf 12. Die Par- teien sind gewarnt, zum letztenmal!" Man könnte diese Drohungen der heimwehr zu den übrigen legen; denn an derlei Drohungen Hot es wahrlich in den letzten Monaten nicht gefehlt. Die Heimwehrführer haben keinen Aufmarsch vorübergehen lassen, ohne sich nicht in wilden und wüsten Drohreden zu ergehen. Es ist indes fraglich, ob die zahlen mäßige Macht der heim- wehren in den letzten Wochen wirklich erheblich größer geworden ist. Alles Bramarbasieren der Führer der heim- wehrverbände vermag den nüchternen Beobachter nicht darüber zu täuschen, daß da unter großem Geschrei sich oer- hältnismäßig wenig Wolle verbirgt. Die Reklame der bürger- lichen Zeitungen plustert die heimwehr zu einer Bolksbewe- gung auf, die sie in Wirklichkeit in diesem Maße gar nicht ist. Die heimwehr ist auch in den letzten Wochen das ge- blieben, was sie früher war, nämlich ein Sammelbecken aller möglichen unzufriedenen, ja deklassierten Elemente, die von putschstischen Offizieren militärisch gedrillt werden. Die siroßen Massen des Volkes stehen sowohl in Wien wie auch in den übrigen Bundesländern Oesterreichs abseits. Aber wenn auch die heimwehrhewegung an sich keineswegs«ine zahlenmäßige überwältigende Macht darstellt, wäre es doch falsch, zu ver- kennen, daß die politische E n t w i ck l u ng sie nunmehr zu einer Gefahrenquelle ersten Ranges gemacht hat. Die Gefahr liegt darin, daß sowohl die Regierung als auch die bürgerlichen Parteien es nicht wagen, den heim- wehren entgegenzutreten. Die Auseinandersetzungen, die vom 17. bis 19. September im österreichischen Nationalrat geführt wurden, haben«ine sehr traurige Klarheit geschaffen: der christlich-soziale Bundeskanzler Streeruwitz wagte sich gar nicht selbst ins Parlament, sondern überließ die Vertretung der Regierung seinem landbündlerischen Stellvertreter, dem Vizekanzler S ch u m y. Dieser erklärte am ersten Tage der Auseinandersetzung, daß die Regierung entschlossen sei, allen Putschabsichten mit den staatlichen Machtmitteln entgegenzu- treten. Zwei Tage später aber war er bereits viel rück- haltender geworden und deutete an, daß er persönsich keinen Putsch mitmachen, sondern eher zurücktreten werde... War schon die Haltung des Regierungsvertreters mehr als zaghaft, so ließen die Redner der bürgerlichen Parteien Oer veränderte Paragraph 4. v. STKes'rw HUäBHBBHCr Schließer Hilgenberg: ,3* hiern jewisser Hindenburg? Sie tonn' raustommen. ver Ausschuß hat Ihnen bejnadicht!� erkennen, daß sie vollends vor den �eimwchren die Segel ge- strichen haben. Aus dem bürgerlichen Lager wird, das hat diese Parlamentsdebatte gelehrt, der Widerstand gegen einen gewaltsamen Vorstoß der Heimwehr nur sehr schwach sein: Wohl gibt es eine Anzahl bürgerlicher Politiker, die sich mann- hast zur Demokratie bekennen, insbesondere die Führer der christlichen Gewerkschaften, die durch die Heimwehrgewerkschaften am unmittelbarsten bedroht sind, scheuen sich N'cht, sehr starke Worte gegen die Putschisten zu gebrauchen. Aber ob die Führer der christlich-sozialen Ar- beiterseftaft stark genug sind, sich im Lager der antimarxisti- schen Einheitsfront durchzusetzen, ist wieder eine Frage, auf d'e scbwer eine Antwort zu geben ist. Im Lager dieser anti- marxistischen Einheitsfront geht es nämlich drunter und drüber. Den meisten politischen Führern graut es wohl vor dm putschistischsn Heimwehren, aber nur wenige haben den Mut. dies zu sagen. So ziehen die einen hin, die anderen her, können sich weder auf positive Forderungen«inigen, noch die negativen Bedrohungen durch die Heimwehren abwehren und bieten alles in allem ein Bild der Zerfahrenheit und kläglicher Ratlosigkeit. Die Verteidigung der Demokratie und der Berfassunq ist zum allergrößten Teil auf das organi- sierte Proletariat übergegangen. Dort herrscht aller- dmgs eine Kamvfesentschlössenheit wie nie zuvor. Eine wirkliche Bolksbewegung ist über Nacht ent- standen, die Hunderttausende in ihren Bann zog. Niemals waren die Versammlungen der Sozialdemokratischen Partei stärker besucht als jetzt, niemals war die Stimmung be geisterter und niemals mar der Zustrom zum republikanischen Schutzbund stärker als in den Tagen, in denen die Heim- wehren ihre Staatsstreichdrohungen in die Welt schleuderten. Karl S e i tz. der Bürgermeister von Wien, hat dieser Tage in einer Bersammlungsrede dem österreichischen Proletariat aus dem Herzen gesprochen, als er erklärte, daß sich die öfter- reichische Arbeiterschaft selbst dann stark genug fühle. Verfassung und Demokratie zu schützen, wenn der behördliche Apparat versagen sollt«.„Da gibt es keinen", so rief er aus,„vom Jüngsten bis zum Aeltesten, der nicht jeden Augenblick bereit ist. seinen Mann zu stellen und mit seiner ganzen Person einzustehen für die Rechte des Volkes." Angesichts der Kampfesentschlossenheit der Arbeiterklasse und der guten Disziplin des Republikanischen Schutzbundes baben die Heimwehrblätter vorerst noch einmal zum Rückzug geblasen. Sie lassen jetzt verkünden, daß sie keineswegs einen Putsch oder einen Staatsstreich beabsichtigen, sondern nur darauf drängen wollen, daß das Parlament eine ihnen genehme Verfassungsänderung durchführe. Die akute Krise scheint durch diesen Rückzug der Heimwehren im Augenblick behoben zu sein. Aber man darf sich nicht dar- über täuschen, daß sie morgen wieder in voller Stärke aus- brechen kann. In der Heimwehr kreuzen sich so viele ein- ander widersvrechende Interessen, Intrigen und persönliche Ambitionen, daß irgendein Unverantwortlicher leicht eine Ab- t'ilung' mitreißen und zu Putschversuchen zu bringen vermag. Was aus solchen Ereignissen entstehen kann, ist nicht voraus- zusehen. Von vielen Seiten wird der Sonntag des 29. September als ein„Lostag" angesehen. An diesem Tage finden nämlich 'n der weiteren Umgebung Wiens vier Heimwehraufmärsche Latt. Tags vorher werden in den gleichen Orten die Scharen das Republikanischen Schutzbundes aufmarschieren. Zur gleichen Zeit, in der die Heimwehrversammlungen stattfinden, werden die Sozialdemokraten Niederösterreichs in 700 Volks- Versammlungen zu den Massen sprechen. Bei dem Aufgebot 'olch?r Masten kann es natürlich zu Zwischenfällen kommen, die sich unter Umständen zu größeren volitischen Ereignissen ausweiten. Aber es ist immerhin zu hoffen, daß der 29. Sep- tember zu keiner ernsten Gefährung der öffentlichen Ruhe >wd Ordnung in Oesterreich führt:'denn angesagte Revolutionen pflegen nicht einzutreffen. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß für die nächste Zukunft keine Gefahren bestehen. Ob«in Putschversuch am 29. September oder an einem anderen Tage gewagt wird, ver- �ag heute niemand vorauszusehen. Aber sicher ist. daß jeder Putschversuch auf den unbeugsamen und entschlossenen Wider- stand der organisierten Arbeiterklasse stoßen wird. Endlich freigelassen! Die beiden soz'aldemokratischen Verhasteten von St. Lorenzen auf frefem Kuß. Wien, 23. September. Die Mittogsblötter melden aus Lsobcn: Diebeiden sozial- demokratischen Parteimitglleder Toesch und Moser, deren Verhaftung noch dem blutigen Zusammenstoß in St. Lorenzen unter den Sozialdemokraten besondere Erregung hervorrief, sind gegen Stellung einer Kaution aus der Haft entlassen worden. Verhetzte Bauern. Beginn des Freiberger Landfriedensbrvch-prozesses. Freiberg, 23. September.(Eigenbericht.) Unter großer Anteilnahme der Oefsentlichkeit begann am Montag vormittag vor dem Schösfengericht in Freiberg der Land- friedcnsbruch-Prozeß. Angeklagt sind 19 Landwirte, Gewerbe- treibende und landwirtschaftliche Arbeiter. Der Erösfnungsbeschluß beschuldigt sie, am 12. März 1928 gelegentnlich einer Kundgebung vor dem Freiberger Finanzamt zusammen eine Reihe von Straftaten, wie schweren Hausfriedensbruch, Land- irieden-bruch, Aufruhr, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Zuwiderhandlung gegen das Ncpublikschutzgesetz begangen zu haben. Zunächst schilderte der Vorsitzende den Hergang der Ereignisse. Die Angeklagten sollen versucht haben, de» Zugang zum Finanzamt unter tätlicher Bedrohung der Palizcibeamien gewaltsam zu stürmen, und nur durch Anwendung der blanken Waffe sei es den Polizei- beamten gelungen, den Ansturm abzuwehren. Hierauf begann die Vernehmung der Angeklagten. Eberl-Denkmal in der Oberpfalz. In Neumarkt in der Ober- pzalz, dem sogenannten Schwarzen Bergtetl von Bayern, ist jetzt ebenfalls ein Ebert-Denkmal enthüllt worden E» hat seinen Platz in dem neu erbauten Viertel. Die Aufftellung in der Stadt- mitte hatte die reaktionäre Stodtratmehrhect verhindert. Mit be- senderer Genugtuung wurde deshalb vermerkt, daß sich an der Ent- hullungsseier neben hohen Staatsbeamten auch der erste Bürger- nielstcr der Stadt beteiligte. Der Er-.bischof von Pari», Kardinal Dubais, ist gestern nach- mittag verschieden Der apostolisch« Nuntius in Paris Maglione befand sich am Sterbebett. Vor schweren Kämpfen. Ein Sturmsignal aus dem Lager des Kapitals. „H e r b st st u r rn" überschreibt die„DAZ.", das Organ mächtiger Kapitalistengruppen, einen Leitaufsatz, der sich mit den Fragen der Lastenverteilung beschäftigt. Sehr richtig wird darin die Reform der Arbeits- losenversicherung als„ein Teilproblem der großen innerpolitischen Auseinandersetzung" bezeichnet, die jetzt be- gönnen hat. Es wird— mit Recht oder Unrecht sei dahin- gestellt— prophezeit, daß die Reform an dem Widerstand der Volkspartei gegen die Beitragserhöhung scheitern werde. Dann werde das Schicksal der Regierung auf des Messers Schneide stehen. Es handle sich aber, so führt das Unternehmerblatt weiter aus, keineswegs nur um die Arbeitslosenversicherung. Als noch wichtiger bezeichnet es die Neuordnung der Reichs- finanzen. Daß diese in der Richtung auf Steuersenkung rasch und durchgreifend erfolge, wird kategorisch gefordert. Durch den Hinweis auf die„ohnehin schon tief gesunkene Steuermoral" und die Kapitalflucht ins Ausland wird die Forderung unterstrichen. Das„nationale" Kapital droht, sich unter den Schutz des sogenannten„Feindbundes" zu begeben-- und t u t es schon! Der wirtschaftlichen Drohung folgt dann die politische auf dem Fuße: Die parlamentarische Entscheidung steht vor der Tür. Erweist sich die Reichsregierung weiterhin als hilflos, dann wird sie abtreten müssen. Eine Koalitionsregierung mit der Deutschnationalen Partei ist in den nächsten Monaten noch(!) unmöglich. Die Lösung wird darin liegen müssen, daß sachlich geeignete, anlorilalive Persönlichkeiten, die das vertrauen des Reichspräsidenten besitzen. In gemeinsamer Peranlwortlichkelt, allerdings auch im Besitze de» Auslösung edekrets, vor da» Parlament treten und mit ihm arbeiten. aber wenn nötig, auch kämpfen. Wie man sieht, handelt es sich um einen recht stürmischerr Versuch, der gegenwärtigen Reichsregierung und den in u)t vertretenen Parteien den Willen einer bestimmten Inter-� effentengruppe aufzuzwingen. Für die S o z i a l d e m o k r a t i f ch e P a r t e i können wir jetzt schon sagen, daß dieser Versuch fehlschlagen wird. Eine Regierung, die keine unverantwortliche Steuer» demagogie treiben will, wird ihr Hauptaugenmerk darauf richten müssen, daß Reich, Länder und Gemeinden, bei aller gebotenen Sparsamkeit, finanziell befähigt werden, ihre sozialen und kulturellen Pflichten am Volke zu erfüllen. Darum müssen die Ersparnisse aus dem Voung-Plan zunächst dazu benutzt werden, das vorhandene Defizit zu decken und einen Betriebsmittelfonds zu schaffen. Erst wenn die Erfüllung dieser Voraussetzung gesichert ist, wird man, unter Berücksichtigung des sozialen Moments, an eine Reform des Finanzsystems und besonders des Steuerwesens herantreten können. Die Sozialdemokratie wird sich entschieden gegen den Versuch wehren, durch Minde- rung der sozialen Leistungen und durch eine finanzielle Banketottpolitik die Steuerlasten der Besitzenden zu senken. Eine Regierung, die solche Absichten hegte, würde ihre Mehrheit rechts von der Sozialdemokratie suchen müssen. Die„DAZ." ist daher konsequent, wenn sie über eine Ab- weichung vom parlamentarischen System den Weg zurück zum Bürgerblock sucht. Ob aber die von ihr vertretene „Wirtschaft" durch die Entfesselung schwerster inner- politischer Kämpfe zum Ziele gelangen wird, ist eine ganz andere Frage. Wer diese Kämpfe entfesieln will und vor den Erschütte- rungen der wirklichen Wirtschaft, die sie im Gefolge haben wird, nicht zurückschreckt, der mag sich das Programm der„DAZ." zu eigen machen. Die Front der Abrüstungsgegner. Briand und Mussolini gegen Abschaffung der �Jl-Boote. Paris. 23. September.(Eigenbericht.) ver..3 a l r a n I> g e a n t" weiß am Montag, wenn auch unter Borbehall. aus Genf zu berichten, daß vriandundMussolini sich durch Vermittlung der Genfer Völkerbundsdelegationen über die Bildung einer Einheitsfront in der Seeabrüstnng ge- einigt hätten. Frankreich soll sich nach dieser Meldung zu dem ungeheuren Opfer bereit erklärt haben, die Floltengleichheit 3< a l i e n» auf allen Gebieten, auch für die kleinen Kreuzer, die Zer- störer und die Unterseeboote anzuerkennen. Dafür werde 3talien aus der bevorstehenden Londoner Seeabrüstungskoaserenz mit Frank. reich die angelsächsischen Vorschläge auf vollkommene Abschaffung der Unterseeboote bekämpfen. 3 a p a a sei über diese französisch-itaNenischen Sonderverhandlungen auf dem lausenden ge- halten worden und zeige sich ebenfall» zum Eintritt in die antl- englische Einheitsfront bereit. Kompromißformel über Artikel 49. Genf, 23. September.(Eigenbericht.) Nach langen schwierigen Beratungen, in deren Verlauf es manch» mal schien, als ob die Bemühungen auf völlig« Unter» drückung des chinesischen Antrages über die An- Wendungsmöglichkeiten des Art. 19, die nancenilich von feiten der Kleinen Entente unternommen wurden, zu einem Erfolg führen würden, ist«s einem Unterausschuh des Völkerbundes am Montagabend gelungen, eine einstimmig« Entschließung zu diesem chinesischen Antrag zustondezubringen. In der Entschließung, die von deutscher Seite als das Beste, was in Bezug auf Auslegung des Artikels 19 erreichbar war, bezeichnet wird, heißt es, daß die Wichtigkeit des chinesischen Antrags anexkannt wird. Der Hauptteil der Entschließung lautet dann: „Die Versammlung erklärt, daß jede, Mitglied de» Völker- bundes auf eigene Verantwortung unter Eiahaltuag der Gcschäftsordnungsregeln der Versammlung die Frage vorschlagen kann, die es aus Grund de» Artikel» 19 behaadett zu sehen wünscht. 3 e d e r Verlrag oder alle Verträge, von denen ein Mitglied glaubt. daß sie unabwendbar geworden sind, oder daß ihre Fortdauer den Frieden der Welt stören würde, müssen in einer Form vor die Versammlung gebracht werden, daß ihre Vorbringnng durch den Arttkel 19 gedeckt wird." Breiischeids Wirischastsbericht. Warnung vor Illusionen. Genf, 23. September.(Eigenbericht.) Die Völkerbundsversammlung ist sichtlich ermüdet. Die harten Debatten in den Kommissionen haben ihren Schwung erschöpft. Die Dollversammlung kann sich in den meisten Fällen damit be- gnügen, ohne Diskussion die Beschlüsse der Kommissionen anzunehmen. Auch der Wirtschaftsbericht des Genossen Breitscheid wurde ohne Diskussion genehmigt. In dem Bericht wird auf die geringen Erfolge der bisherigen Bemühungen hinsichtlich einer Beseitigung der Zollschranken hingewiesen und der Abschluß eine, befristeten Zollsrtedeu» empfohlen. Breitscheid begleitet« die Dorlag« seine» Bericht» mit einer Warnung vor verfrühtem Optimismus. Schließlich wies er noch auf die Bedeutting der Wirtschaftsarbett de» Völkerbundes für die Arbeiterschaft aller Länder hm und appelliert« an den Völker- bund, sich des Wertes der Zustimmung und des Bertrauensder Arbeiterschaft an seinem Wirtschaftswerk bewußt zu fein. Breitscheid hielt dann noch ein Schlußwort, da» reichen Beifall fand. Er erinnerte daran, daß man ihn zu Ansang der Debatte«inen Pessimisten genannt hätte und fühtte u. a. aus:.Ich glaube an den Völkerbund und ich glaube an die Möglichkeit einer wirksamen Ordnung der internationalen Wirtschaftsprobleme. Ich hatte nur den Eindruck, daß es notwendig fei, die realen Schwierig- k« i.t e n aufzuzeigen, um vor Illusionen zu warnen, besonder» vor Illusionen auf da» Tempo der Arbeiten. Der englisch« Ber- treter D a l t o n hat sehr richtig daran erinnert, daß die Völker in allen Ländern von den Arbeiten posittoe Resultat« erwarten, unt» daß wir hier ein« Art Werkstatt sind, um ein nützliches Werk zu beretten. Bergessen wir nicht, daß es nicht genügt, daß wir selbst mtt unserem Werk zufrieden sind, sondern daß es notwendig ist, die Ungeduld in allen Ländern der Welt zu befriedigen. Der Völkerbund braucht die Unterstützung der Masten und nicht in letzter Lim« der Masten der Arbeiter. Wir haben die Pflicht, an die Interessen dieser Masten zu denken und ihre be- rechtigten Ansprüche zu befriedigen. Aber bei dem augenblicklichen Stand der Dinge, dem Charakter der Regierungen, die den Völkerbund bilden, haben wir auch die Pflicht, bei ihnen keine Hoffnungen zu erwecken, die wir nicht zu verwirklichen oermögen. Es würde für unsere Organisation gefährlich sein, wenn die, die auf uns blicken, sich in ihren Hoffnungen getäuscht sehen." Einem fünfgliedrigen Ausschuß, der sich mtt einer besteren Rege- lung der Raum- und Arbeitsverhältnisse der Völkev. bundsversammlung beschäftigen soll, gehört u. a. auch Dr. Breit« scheid an. Antrag Setreffend Reparationsbank zurückgezogen. Genf, 23. September.(Eigenbericht.) Der Antrag auf«ine Verbindung des Völkerbundes mtt der Reparationsbank wurde am Montag in der Wirtschaftskom- Mission des Völkerbundes von den Antragstellern unter dem Darbe« halt zurückgezogen, daß diese Bank keine Finanzdiktatur aus- üben werde. Die Antragsteller erklärten sich von den deutschen und französischen Ausführungen über Charakter und ArbeiisfeG der Bank befriedigt, behielten sich aber vor, wenn nötig, zu einem späteren Zeitpunkt den Antrag wieder einzubringen. Kabinett Tubelis ohne Woldemaras. Oer Ministerpräsident vorläufig auch Außenminister. kowao, 23. September. ver Staatspräsident genehmigte heute abend um S Uhr die Liste des neuen Kabinetts. Zum Ministerpräsidenten. Finanzminister und vorläufigen Minister de» Auswärtigen ist Tubelis ernannt. Zum Minister für Ackerbau und Landwirtschaft A l e k s a. Zum Minister für nationale Verteidigung Varia- k o j l». Zum 3ustizminister Z i l i n s k a s, zum verkchrsminister v i l e i f i s. zum Minister de» 3nnern M u st e i k l s und zum Kultus- minister S a k e n i».__ Die tschechische Krise. Prag, 23. September. Präsident" Masaryk hat durch ein an den Vorsitzenden der Re- gierung gerichtetes Handschreiben die Session der beiden Kammern der Nationalversammlung zum 22. September für b e- endet erklärt. Durch dies« Entschiießung wird die achte Session der zweiten Wahlperiode der beiden Kammern geschlosten, die am 29. März begonnen hatte. Sie sollte mit der Sitzung des Abge- ordnetenhauses, di« für Mittwoch, den 23. Sepetmber, einberufen war. ihre Fortsetzung finden. Infolge der Entschließung des Prä- sidenten entfällt dies« Sitzung. Ausstand gegen Tkanking. Von Moskau unterstußt? In S ü d ch i n a ist seit einigen Tagen ein Aufstand gegen die Kuomintang-Regierung von Nanking im Gange, dessen Zentrum in der Umgebung von Kanton liegt. Die Meldungen über die Lage sind widerspruchsvoll: die einen besagen, daß sich die Be- wegung ausbreitet, während Tschiangkaischek sich sehr zuversichtlich geäußert hat. Sic fügte hinzu, daß eine„fremde Sroßmachl" diese Bewegung unterstütze, die Interesse an neuen Unruhen m China habe. Er meinte damit offenbar die Sowjetunion, da er hinzufügte, es sei sicher, daß die Kommunisten und die Dritt« Internationale ihre Hand im Spiele hätten. Weltwirtschastsparlament inBerlik Lniernationale parlamentarische Handelskonferenz im Reichstag ämlich am 26. April d. I. ausgesucht und ihm hierbei Mitteilungen er gewisse Gespräche gemacht hat. die von ihm unmittelbar vorher mit einem französischen Abgeordnelea in Berlin geführt worden waren. Diese Unierhaltungen haben mithin ohne jede, vorwissen de» Auswärtigen Amtes stattgefunden. Auch hat Staatssekretär von Schubert den Abg. Slönne nicht im unklaren gelösten, daß seiner Ansicht nach die in jenen Unter- Haltungen erörterten Gedanken für die deutsche Außen- Politik nicht in Betracht kommen könnten. Staatssekretär von Schubert hat setbstverfländlich von der ihm zuteil gewordenen Information auch dem Herrn Reichsaußenminister Kenntnis gegeben. Die französischen Sozialisten wollen interpellieren. Paris, 23. September. Die Abendpress« bespricht ausführlich die Berliner Berösient- lichungen über private deutsch-sranzösische Verhandlungen. Die .Liberia nennt in ihrer Besprechung der Angelegenheit die Namen der Generäle Stallet, Walch und Lerond und fordert sie und die anderen Beteiligten dringend auf, stich zu den Gerüchten über ihre angebliche Bereitschaft zu weitgehenden Verzichten gegenüber Deutschland zu äußern. Alle Parteien und das ganz« Land hätten, so sagt das Blatt, ein Recht daraus und erwarten mit Ungeduld die Aufklärung der Angelegenheit. Der„Soir" druckt einen Artikel des sozialistischen Abgeordneten F r o ss a rd ab. in dem es heißt: Es wird behauptet, daß der Ab- geovdnete Reynaud reoanchelustigen Deutschen, also denen, die Briand in seiner Genfer Rede anklagte, die öffentlich« Meinung zu vergiften, die Rückgabe des Danziger Korridors, und wenn man Rechberg glaube, die Wiederherstellung der deutschen Militärmacht angeboten habe. Wir wollen wissen, ob das wahr ist. wir wollen wissen, ob Reynaud uns zu einer Entente führen will, in der Frankreich übers Ohr gehauen wird, and für die Frank- reich und der Friede die Kosten tragen würden, einer Entente mit den Deutschen, die für den letzten Krieg oerartworttich stndrurd dte entschieden« Borbereiter des nächsten Krieges sind? Sind dies« Fragen indiskret? Werden wir allein sie eventuell im P a r l a- ment aufrollen? Reynaud ist leider jetzt in Amerika. pari», 23. September.(Eigenbericht.) Der„Te mps" beruhigt seine Leser am Montag mit einem höchst bureaukratischen Kommunique, in dem es heißt, daß Reynaud augenblicklich leider in Amerika auf Reisen sei und er erst nach seiner Rückkehr im Ottober auf die gegen ihn gerichteten Anwürfe antworten könne. „Haupt und Eliie Deutschlands." Faustdicke französische Komplimente an die Oeutfchnationalen. Die von Herrn Klönne inauguriert« Verständigung der deutschen und der französischen„Erbfeinde" macht reißend« Fortschritte. Voll jener g'schämigen Verzücktheit, mit der alternde Kokotten Kompli- mente einsammeln, berichtet die„Äreuzzeitung", wie der wild«. französische Nationalist G u st a v e H e r o ö für die Verbrüderung mit seinen pangermanistischen Gesinnungsgenossen schwärmt und die Deutschnatiönalen in folgendem Hymnus umwirbt: Man dürfe nicht vergessen, daß di« Deutschnationale Partei die intellektuelle, moralische und soziale Elite Deutschlands darstellt, daß in dieser Partei sich das Herz und das Hirn Deutschlands befinde, nämlich die Großindustrie, der Großhandel, die Universitäten, die Großgrundbesitzer m Preußen, der protestantische Adel, die Kreise der alten preußischen Verwaltung. Der Zahl nach sei zwar die Sozialiftiiche Partei größer, aber in der Deutschnationalen Partei befindet sich das Haupt und die Elite Deutschlands. Im Kriege titulierten deutsche und französische Nationalisten einander als Halbtiere, Barbaren. Schweine.„Wssenschaftlich' wurde von beiden Teilen die absolut« moralische Derkommenheit der Gegenseite bewiesen. Jetzt sind die Halbtiere zur„moralischen Elite" avanciert, jeder Teil bescheinigt dem anderen di« Vollkommenheit des Geistes. Hervc umschmeichelt di« Deutschnationalen, die— weit von jedem Protest entfernt— mit Kußhand das Lob einstecken. Klönne triumphiert— die nationalistische Internationale marschiert, nur Hugenberg macht Volksbegehren mit Landesverratsparagraphen — gegen wen eigentlich?! Die Ltntersuchung gegen die Attentäter. Oie Hastbefehle gegen die Timm-Gruppe bestätigt. Dle Untersuchung gegen die Bombenattentäter und verdächtigen ist von dem Untersuchungsrichter, Landgertchtsdirckkor Dr. Masur, jetzt so weit gefördert worden, daß auch hier in Berlin Festgenommene eingehend verhört worden sind. Diese Vernehmungen haben zum Ergebnis gehabt, daß Dr. Ulasur gegen alle sieben, d. h gegen Ernst v. Solomon und die sogenannte Timm-Gruppe, die vom Der- nehmungsrlchler erlassenen haftbesehlebestäligl hat. da ihm der vorliegende verdacht für ausreichend erschien. Hakenkreuz-Verleumder verurteilt. Laadtagsabgeordneter Or. Ley muß ins Gefängnis. . Köln, 23. September. Das Gericht verurteitte den Schriftleiter des„Westdeutschen Beobachters", den nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Dr. L e y, und den Koblenzer Filialleiter des Blattes, B e> reffen wegen übler Nachrede und Beleidigung zu j e einem Monat Gefilngnis. Die Verurteilten hatten in einem Artikel zu einem längst erledigten Prozeß gesagt, der in dem Prozeh Frei- gesprochen« habe nach eigenem Geständnis bei einem anderen Prozeß seinem Rechtsanwalt ein Faß Wein und dem Staatsanwalt ein Tisch- telephon geschenkt. Es werde mit zweierlei Maß gemessen: recht behalte, wer blaue Lappen besitze. Das Gericht erblickte hierin den Vorwurf bewußter Rechtsbeugung. Ausschluß! Ausschluß! Moskau schmeißt den schwedischen KP-Vorstand heraus Stockholm. 23. September.(Eigenbericht.) Die Komintern haben den Vorstand der schwedisch e>i Kommuni st en aus der Partei a u- g e s ch l o s s.e n, da er es unterlassen hatte, die im vergangenen Sommer in Schweden ange- kündigte Revolution durchzuführen. Von dem Ausschluß wer- den 17 der bekanntesten schwedischen Kommunisten betroffen, samt- liche Mitglieder der kommunistischen Stadtverordnetenver- jammlungen von Stockholm. Die Arbeiter und der Staat. Tornow aus dem Verbandstag der Holzarbeiter. Bremen. 23. September.(Cigenbericht.) Die Eröffnung des Derbandstages erfolgt« im Rahmen einer künstlerischen Feier am Sonntagabend. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Bremer Geschäftsstelle. Schlüter, eröffnete der Verbandsvorsitzend« Fritz Tornow den Verbandstag. Tor- now-Berlin und Schlüter-Brcmen wurden zu Vorsitzenden gewählt. Im Namen des Bremer Senats und zugleich im Namen des Ortsausschusses des ADGB. begrüßte Senator S o m m e r den Verbandstag. Er verwies auf die Errungen. schatten, die die Bremer Arbeiterschaft in der Staatspolitik des Landes und auf kulturellem Gebiet geleistet hat. Das beste Denk- mal ist die Errichtung des Bremer Volkshauses und die Wirtschaftseinrichtungen, die darin Unterkunst gefunden haben. Die Verhandlungen im Bremer Volkshaus begannen im Man- tag früh. Das schöne Heim der Bremer Arbeiterschaft war festlich geschmückt. Als erster von den Gästen nahm der zweite Vorsitzende des Vurtdcsvorstandes, Peter G r a ß m a n n, das Wort. Der Holz- arbeiterverband nehme infolge seiner inneren Stärke und der stets bewiesenen Solidarität seiner Mitglieder einen besonderen Platz in der deutschen Gewerkschaftsbewegung ein. Graßmann ging dann auf die gegenwärtig im Vordergrund stehenden Fragen ein. Darunter sei hie Arbeitslosenunterstützung die brennendste. Es sprachen noch ausländische Gäste: P e t e rse n-Kopenhagen. M a s o n> Manchester, S p a l t m a n n- Amsterdam und Gries- Tschechoslowakei. S chu l Z e- Bremen sprach im Namen der Bremer Arbeitcrkammer, Et h« als Vertreter der Bremer Parteiorganisation. Den Geschäftsbericht des Vorstandes erstattete der Vorsitzende Tornow. Die Mitgliedschaft des Verbandes ist von 278 000 auf 320 000 zur Zeit gestiegen. Diese Erfolg« sind immerhin beachtlich, wenn man bedenkt, daß diese Zeit durch eine große Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Krisen gekennzeichnet war. Wenn auch eine hundertprogentigs Organisierung der Holzarbeiter das Ziel des Verbandes ist, und die Organ!« sation den Weg bis zu diesem Ziel erst bis zur Hälfte zurückgelegt bat, so tritt doch ihre Stärke innerhalb der verarbeitenden Wirt- schaft und innerhalb der Arbeiterbewegung sehr deutlich hervor. Der Verband hat es an Bemühungen, an die Unorganisierten heranzukommen, nicht sehlen lasten. Neben sonstigen Widerständen ist es der sch ä b i g e Egoismus, der viele Arbeiter abhält, sich der Organisation anzuschließen. Sie nehmen wohl die D o r t e i l e in Anspruch, sind aber nicht geneigt, die Lasten mit zu tragen. Die Duldsamkeit der organisierten Holzarbeiter muß einmal ein End« nehmen. Durch die Tätigkeit der sogenannten Opposition wird eine Unmoral in die Arbeiterbeldegung hineingetragen. Es wird Zeit, sich gang energisch dagegen zu wehren. Die Einführung der Invalidenunter st ützung habe sich vorzüglich bewährt. Der Verband hat sich damit viel« Freunde erworben. Sehr gute Erfolge sind auf dem Gebiete der Jugendbewegung erzielt worden. Der Verband beschäftigt zurzeit 28S besoldete Kräfte einschließlich 38 Personen Burcaupersonal. Diese Beschränkung könne aus die Dauer nicht ausrechterhalten werden. Namentlich der Hauptvorstand fordert eine Ergänzung. Wenn diese eintreten soll, dann muß Bureauraum geschaffen werden, und der Vorstand erwägt, ob nicht der Bau eines neuen Hauses in Angriff genommen werden soll. Der Verband wird die Bildungsmöglichkeiten er- weitern müssen, um tüchtige Kräfte heranzuziehen. In diesem Zusammenhang ging Tarnow aus die Wandlungen der Methoden der Wirtschafts- und Gesellschasts- f o r s ch u n g«in. Die Grundsteinlegung der Gewerkschaftsbe- wegung gegenüber der Wirtsclzoft und dem Staat ist positiv ge- worden. Die Arbeiterbewegung hat wichtige Mochtposi- t i o n« n errungen. Von hier aus muß der Versuch gemacht werden, das System der kapitalistischen Wirtschaft umzugestalten. Die Hoffnung auf einen Zusammenbruch der Wirtschaft hat in der Arbeiterbewegung keinen Platz mehr. Alles, was wir erleben, soll und muß sich unter den Händen und Fäusten der Arbeiter- schaft entwickeln. Sie muß den Wille« hoben, die Wacht zu erobern und von ihr Gebrauch zu machen. Tornows Rede wurde mit großem Beifall airfgenommen. Den Be> richt der H a U p t k o f s e erstattete der Kassierer Lehmann. In den zwei Berichtsjahren hat die Hauptkasse eine Einnahme von 19 Mil- lionen Mark gehabt, und zwar 17,8 Millionen M a r k an Beiträgen, 334 000 M. an Einnahmen für die Inoalidenunter- stützung, 83 000 M. aus BeitrittsgeHdern und 724 000 M. aus sonstigen Einnahmen. Von den Gesamtausgaben in Höhe von 11,4 Mil- lionen Mark verschlingen die Unterstützungen allein 8,2 M i l l i o n« n Mark, davon für Stibiks und Lohnbewegungen 3,1 Mill. M. und für Arbeitslosenunterstüifung 3,2 Mill. M. Es wurde eine Mehreinnohme von 7,6 Will. M. erzielt, so daß das Verbandsoermögen eine Steigerung auf 10H Mill. M. erfuhr. Den Bericht der Redaktion gab K a y s e r. Er konnte darauf aufmerksam'machen, daß die„Holzarbeiterzeitung' mit ihren Vorgängern in diesem Jahre 30 Jahre besteht. War das Verbands- organ früher das einzige Bildungsmittel der Organisation, so habe sich aus diesem Gebiete viel geändert. Ein Vergleich mit den früheren Lerhältnisten zeigt, daß sich das Bildungsniveau der Kollegen ganz gewaltig gehoben Hab«. Um den Erfordernisten moderner Presse- erzeugnisse gerecht zu werden, sei die Redaktion bemüht gewesen, in der Zlufmachung und im Stoff zu neueren Methoden zu schreiten. Es sei Ausgabe der Redaktion, sich durch Bildschmuck und Ver- weritwng leichteren Lesestosses auch Leser in der Familie zu werben. Lohnkonflikt der Wasserwerksarbeiter. Bei ven Eharlottenburger Wasserwerken. Für den Neuabschluß des am 30», September 1929 ablaufenden Lohntariss haben die Arbeiter der Charlottenburger Wasserwerke eine Erhöhung des Stundenlohnes um 13 Pf. ge- fordert. Diese Forderung ist durchaus berechtigt, wenn man neben der allgemeinen Preissteigerung berücksichtigt, daß die Ge- sellschost an Rohrleger z. B. einschl. Frauen- und Kinderzulage 1,27 M. je Stunde bezahlt, während für die Privatindustrie für diese Gruppe ein Stundenlohn von mindestens 1,70 M. allgemein anerkannt ist. Auch allgemein liegen die Löhne wesentlich niedriger als bei den Städtischen Wasserwerkes? wenn die seit vielen Iahren übliche Abgeltung für die minderen sozialen Rechte gegenüber den städtischen Wasscrwerksarbeitern und der Beitrag für die Ruhegeldskasse in Abzug gebracht wird. Bei den Lohnverhandlnngen wurde die Forderung der Arbeiter abgelehnt und eine Lohnerhöhung von hoch st«ns 2 Proz. als tragbar bezeichnet mit der Behauptung, daß die ungünstige finanzielle Lage der Gesellschaft eine höhere Belastung nicht zusäßt. Demgegenüber steht fest, daß in den letzten Iahren die Modernisierung und Erweitening sämtlicher Anlagen, darunter der vollständige Neubau eines größeren Wasserwerkes, aus schon ge- deckten Anleihen und lausenden Mitteln durchgeführt wunde. Durch diese Rationalisierung und eine bedeutend gesteigerte Ar- beitsleistung war es möglich, die ungefähr 30prozentige Steigerung des Wasterkonsums seit der Inflation bis zur Uebernahme der Der- sorgung von Schöneberg und Steglitz durch die Städtischen Wasser- werke mit ungefähr gleicher Belegschaft zu bewältigen. Laut Ge- schäftsbericht erhöhte sich der G e s ch ä s t s g c w i n n im Borjahr von 10 auf 12,7 Millionen(bei einem Kapital von 60 Millionen), so daß nach Absetzung aller Unkosten Zurückstellung von mehr als einer Million ein Reingewinn von 5,3 Millionen verblieb. Di« Arbeiter des Rohrnetzbetriebs haben während der schweren, lang anhaltenden Frostperiode und die Arbeiter der Jnnenbetriebe während des langen trockenen Sommers zur Aufrechterhaltung der Berliner Wasterversorgung ganz außergewöhnliche Arbeitslciswn- gen vollbracht. Sie haben damit der Oeffentlichkeit wertvolle Dienste geleistet und dem Unternehmer olle Erwartungen übersteigende Ein- nahmen gesichert. Sie erhalten nun durch diese Art der DeHandlung ihrer Lohnforderung die Quittung dafür. Di« Arbeiterschaft, die vollständig organisiert ist. wird in der heutigen Betriebsversammlung die Maßnahmen de- schließen, die notwendig sind, mn den Arbeitern zu ihrem Recht zu verhelfen. Erfolgreicher Gireik. der Luxuspapierbranche und den Sieindruckereien. Der Streik in der Luxuspapierbronche und den Sieiicd ruckereien Ist erfolgreich beendet. Am 12. September kam es zu Verhandlungen mit den Unternehmern, die aber daran scheiterten, daß die Firma P t t t i u s ihre Arbeiter und Ardeiterinnen nicht wieder einstellen wollte. Am 16. September kam schließlich nach nochmaliger VerHand- lung eine Vereinbarung zustande, wonach alle Zeitlöhne u m 3Proz. erhöht und die sich aus dieser Erhöhung ergebende Lohn- summ« den Akkordarbeitern und Arbeiterinnen auf den Wochenoerdienst zugeschlagen werden soll. Das Abkommen gilt bis zum 3 0. September 193 0. Nicht zu vermeiden war jedoch, daß bei der Firma Pittius zwei Arbeiterinnen nicht wieder eingestellt wurden. Die Streikenden haben in geheimer Abstimmung zu dem Verhcindlungsergebnis Stellung genommen und es mit Mehr- heit angenommen. Die Streikenden waren. mit der Verhand- lungskommission der Auffasiung, daß die Wiederaufnahme der Arbeit nicht an der bedauerlichen Maßregelung der beiden Arbeiteriuneu scheitern dürfe. Wenn man berücksichtigt, welchen hartnäckigen Wider. stand die Unternehmer den Forderungen der Streikenden entgegen- gesetzt haben, darf ohne Ueberhebung gesagt werden, daß der Streik mit einem ansehnlichen Erfolg beendet worden ist. Di«„Rote Fahne' verbreitete sich am Sonnabend in der üblichen Art über den Streik. In der Notiz wird behauptet, daß„der von der reformistischen Bureaukratie aufgezogene Streik mit einer Nieder- läge geendigt' habe und daß die Streikenden in die Betriebe gehen mußten. Die„Note Fahne' stellt auch hier wieder, da es sich um keinen von der KPD. inszenierten Streik Handell, die Tatsachen auf den Kopf. Der Streik-war bekanntlich dadurch entstanden, well die Unternehmer es hartnäckig abgelehnt hallen, einen den Forderungen der Arbeiterschaft entsprechenden Lohntarif abzuschließen. Mit den „Erfolgen', die die KPD. bei ihren ohne und gegen die Gcwerk- schaften geführten Streiks bisher gehabt hat, hält der Streikerfolg der Buchbinder in der Berlirker Luxuspopierindustrie und den Stein- druckereien jeden Vergleich au«. 550 000 Klagen vor den Arbeitsgerichten! Lohnkämpfe vor Gericht. Wie aus einer Erhebung über die Tätigkeit der deut- schen Arbeitsgericht« hervorgeht, wurden im Jahr« 1928 von rund 527 Gerichten 380 000 Streitfälle behandelt. Ihre Zahl hat sich gegenüber der Zeit, wo die Gewerbe, und Kaufmanns- gcrichte noch zuständig waren, stark gesteigert. Die Entwicklung komnit sicherlich den breiten Arbeiterinassen zugute. So gehen z. B. allein die eingeklagten Lohnsummen in die Millionen. Die freien Gewerkschaften haben nun im Jahr« 1927 insgesamt 17 Millionen Mark für Bildungszwccke ausgegeben. Dadurch wurde auch ein« arbeitsrechtliche Schulung der Funktionäre be- zweckt und erreicht. Sie wirkt sich bereits segensreich aus. Somit können die eingeklagten Lohnsummen auf den Einnahmen- feiten der Bildungsbilanz gebucht werden. Folgen der Mechanisierung. Fast dreimal mehr Llnfälle in der Landwirtfchafi. Im Jahr« 1928 wurden in der Landwirtschaft nicht weniger als 243 920 Unglücksfälle festgestellt gegenüber' 9b 852 im Jahre 1924. In diesen Zahlen prägt sich ohne Zweifel eine ganz bedenklich« Entwicklung aus. Die Schuld an dem rapiden An- wachsen der Unglücksziffer wollen die Landwirte auf die Opfer, die Landarbeiter abwälzen. Dem widersprechen aber die Fest- stellungen im Verwallungsbericht der Brandenburgischen landwirt- jchaftlichen Berufsgenosienschaft. Diese betont ausdrücklich, daß die Landarbeiter jede Gelegenheit zur Ausklärung über die Berufs- gefahren benutzen. Dieser Feststellung kommt wohl besondere Be- weiskraft zu, weil in den Genossenschaften die Unternehmer noch inimer unumschränkt herrschen. Niederlage des Landbundes. SchiedSspruch-Sabotage in Pommern beendet. Der Deutsche Landarbeiterverband hat noch wiederholten ver- geblichen Versuchen am 13. April 1929 einen Schiedsspruch erlangt, der, oon der Gegenseite abgelehnt, am 6 Ma! 1929 für verbindlich erklärt wurde. Der pommersche Landbund focht diesen Schiedsspruch als nichtig an, da«r in einem ungesetzlichen Verfahren gefällt worden sei. Der Landarbeitcrverband hatte eiren Freiarbeiterlohn von 26 Pf. die Stunde, gefordert, der. LanWmnd wollte nur 22 Ps. zugestehen. Bei der Abstimmung über den Frei- arbellerloh» sei keine Mehrheit erreicht worden, weshalb das Schlich- tungsv erfahren— nach Meinung des Landbundes als gescheitert zu gellen hatte und eine erneute Verhandlungen und Beschlnßfasiung über den Freiarbeiterlohn nicht zulässig gewesen sei. Der Schiedsspruch lasse es auch zweifelhaft erscheinen, ob bei dem Lohn der Froiarbeiter nach diesem Schiedsspruch die Erntezu- läge gezahll werden soll oder nicht. Ein Schiedsspruch, der aber seinem Inhalt nach zu so erheblichen Zweifeln Anlaß gibt, sei nicht als gesetzlicher Schiedsspruch anzusehen. Der Schiedsspruch sei auch nicht ordnungsmäßig verkündet. Der Deutsche Laudarb eiterverband hat Abweisung der Klrge beantragt. Er machte geltend, die Nochprüfung der angeblichen Mängel in dem Schlichtungsversahren bei der Abstimmung über die Freiarbeiterlöhne sei dem Arbeitsgericht entzogen, da es sich um Ve/fahrensmängel bei der inneren Willensbildung der Kammer nach dem Vortrage der Klägerin handle. Das Arbeitsgericht trat zwar dem Antrag der Klägerin bei, das Landcsarbeitsgericht hob das Urteil jedoch wieder auf. Der Landbund legte dagegen Revision«in. Das Reichsarbeitsgericht wies die Revision zurück und legte dem Landbund die nicht unerheblichen Kosten auf. Das Reichsarbeitsgencht stehe auf dem Standpunkt, daß die Schlichtung?» verfahren nicht nachzuprüfen sind, höchstens wenn Ber- fahrensverletzungen von so gröblicher Natur sind, daß dieses notwendig erscheint. Es ist hier zweifellos ein ordnungsmäßiger Schiedsspruch gefällt und der Einspruch der Slägzr unberechkigt. Der Schiedsspruch habe somit Rechtswirksamkeit erlangt. Achtflundeniag in Argentinien. Sieben Stunden für Ttachtarbetter. Der argentinische Senat hat mil großer Mehrheil einen Gesetzentwurf gebilligt, der den Achtstundentag als gesetzliche Arbeitszeit für Argentinien vorschreibt und 7 S t u n d e n als Höchstarbeitszeit für llachtarbeiter seslseh«. Die Zustimmung des Abgeordnetenhauses steht noch aus. Erfolgreiche Gewerkfchastsarbeit im ZdA. Generalversammlung der Ortsgruppe Berlin. Die fällige Vierteljahresversammlung der Delegierten der Orts- gruppe Groß-Berlin des ZdA., die am 19. September im Lehrer- vereinshaus stottsand, war außerordentlich stark besucht. In seinem Geschäftsbericht konnte der 1. Bevollmächtigte, Genosie Gott- furcht, wiederum auf eine günstige Mitgliederbewe« g u n g in der Ortsgruppe, die auch im Gesamwerband zu verzeichnen ist. hinweisen. In der Bcrichtszeit fanden zwei wichtige und»ut besuchte Beranstallungen statt: die Gaukonserenz und ein Gaujugendtreffen. In die Berichtszeit fallen auch die Dar- arbeiten für das neue Berbandsbureau in der Hedemannstraßc. Mit einem Hinweis auf den parlamentarischen Kamps, der um die Arbeitslosenversicherung geführt wird, stellt« Genosse Gotlsurcht fest, daß die Gewerkschaften unter keinen Umständen gewillt sind, Verschlechterungen dieses für die Angestellten so wichtigen Gesetzes zu akzeptieren. Mehr als je gelle es, gegenwärtig die Geschlossenheit und Einmütigkeit in der Bewegung; gegen diejenigen, die gegen dies« Geschlossenheit arbeiten, wird die Organisaiion mit aller Schärfe und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln vorgehen. Den Kassenbericht gab Genosse Weyland. Vor Beginn der Generalversammlung hatte der Vorsitzende in einem warmen Noch- ruf des verstorbenen alten Borkämpfers der Bewegung, des Kol- legen August Penn, gedacht. Der Verlauf der Generalversamm- lung bewies, daß die Funktionäre des Verbandes gewillt find, der Führung der Ortsgruppe Groß-Berlin vertrauensvoll zu folgen. Die Rauch- und Schnupflabakarbeiler kündigen, dem Beschlusi« ihrer jüngsten Reichskonserenz in Frankfurt a. M. folgend, den Reichstorif.zum 31. Oktober. Den Unternehmern wurden in der Hauptsache folgende Forderungen unterbreitet: Erhöhung der Ferien von 8 auf 10 Tage; Erhöhung der Tariflöhne um 8 Proz; Herabsetzung der Altersgrenze der Bollarbeiter auf 20 Jahre. Eisenbainwerlliatt«ni»»»x»ld!?»nnkrstas. WZ Uhr, wichtig« iZraltionsvrrsammIuna aller SPD.. Genossen in der alten«aniine, Ir) Torderstr-Ke. Peaen Besuch erwartet Der?rattion«»orst-nd. Loren, Temoelhof. Donnerstaa, t»ZZ Ulir. Bersaimnluna l't der SPD.-IZraltion und Snmpatbisierenden im Lokal Pommerening, W Tcmpellwk, Berliner Str. tvo. Referent Genosse Emil Barth über .Unser Airfbau". t-j Adlcrchof. IZraklionoversammluna der SPD. mit Tnmpathisserendcn h aller Adlershoicr Belried» greitaa, WZ Uhr, im Cchultheiß,«dler, ei aestcll, acgenilbcr dem Bahnhof. Referent Emil Barth Uber.Unter i-i Aufbau". DZ H�FreieGewerkschafts-Iuaend Berlin. Achtung, Borau, eiae! Die greund« der internationalen Kleinarbeit veranstalten am Donnerstag. 2«. Tevtember, vllnktlich 30 Uhr, im «rohcu Laal de» Gowerlschaftshauses, einen-nglis-ben Liedcrobrnd. Es ssngt«m englischer Schlilcrchor von 30 Teilnehmern. Die Echillcr geben ,um Bartrag: Englisch« Balladen, Volk», und EeemannsgesSnge. Sie wachen uns aber auch vertraut mit den Liedern andersfarbiger Biisler. ebenso w-.r- den wir durch sie moderne englisch« Komvoniften kennenlernen. Eine Eigen. ort dieses Ehorcs aber ist es. dag er es durch ssleih und Begabung dahin gebracht bat. sogar in sllns verschieden«« Svrachrn«i singen. E« läuft ausser. dem der Wien-ffilm. Eintritt frei. Leute, Dienstag, WZ Uhr, tagen folgend« Gruppen: Sumboldt: Iua-nd- beim Graun- E-te Lorssingftraße. Bortrag:.Das Betriebsriiteaefess".— Spandau: Städt. Jugendheim Lindenufer 1. Vortrag:.Gewerkschaftlich» Kampsmethod:»". — Mariendors: Jugendheim Dorfstr. 7 tAlte Schule). Bortrag:.Ausgaben und 3 tele der lfGI.'.— Lichtenberg: Jugendheim Dassestr. 22. BerufliSier Bl-uder. abend,— Rcu-Lichtenbera: Jugendheim Sunterstr, 43. Bortrag:.Das Jugend- gerichtswefen".— Landsberger Blast: Eruppenhcim Dirstelmener Str. S. Bor. trag:.Da, Dinta und die freien Gewerkschaften".— frankfurter Alle«: Städt. Ipgendhemt Litauer Str. 18. Bunter Wcrbeabend,— Trevtow: Schule Wilden. bruchftr. kS— 84 l So rt, immer). Bortrag:.Utopischer Eotialismus". föh �uaendaruvve Ve6 �entralvettand«! Oer Anaestellken Leute. Dienstag, finden folgend« Veranstaltungen statt: Nordwest: ' Jugendheim Lehrter Str. 18— 19. Vortrag:.Wirtschaftspolitische Tage». fragen". Referent Willi Derkow. Aus der Partei. Warnung vor einem Gelben. Aus dem Büro des Parteivorstandes wird uns sseschrieben: Der frühere nationalsozialistische preußische Landtazsabzeordnetc Johannes Kaiser, geb. 1. Juli 1894 zu Oberhausen, der im pommerfchen Landbund gelber Arbeiter- s e k r e t ä r war, hat sich am 5. Oktober 1923 in Finow, Kreis Oberbarnim, als Mitglied unserer Partei gemeldet. Auf Grund des Z 2 des Organisationsstakuts ist gegen seine Aufnahme Einspruch erhoben worden. Die Aufnahm« gilt als nicht erfolgt. Um zu ver- hindern, daß Kaiser in einer anderen Ortsgruppe versucht, seine Aufnahme zu bewerkstelligen, geben wir diese Tatsache hiermit bekannr. Berantworilich für Bolitil: Dt, Enrt Seper! Wirtschaft-«lingelhofe»! Geo l u n g in den Räumen der Berliner Tischlerschule. S t r a ß m a n n st r a ß c 6, gesunden hat, veranlaßt das Bezirksamt, die Ausstellung nach bis einschließlich Sonntag, den 29. September, zu verlängern. Die Ausstellung ist täglich von 10—21 Uhr geöffnet. Eintritt ist kostenfrei. Autounglück in 6harlot3KnenJRama ImJBlaubancL Denn j edcvlV ürfel tragt sichtbar dasSdchen clcr'Jnsch�fur guten(Smkauf die besteGerodhr! MARGARINE Rannq »PfJBOPig im doppelt so gut Nr. 442» 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 24. September 4929 Kampf um die Zieichsbank. Gpekulantenentfchadigung auf Reichskosten? Cm Unterausschuß des Joung-Organisationskomitees hat den Entwurf über die Anpassung des heutigen Reichsbant- gesetzes an den neuen Zahlungsplan auszuarbeiten. Dieser Unterausschuß wird in Verlin tagen. Angeblich herrscht— so berichten die Handelsblötter— deswegen in den Kreisen der Inhaber von Rcichsbankanteilen seit Wochen große Aufregung. Der Kurs der Reichsbankanteile, der von ISZ(Januar 1928) schon bis auf 349(Frühjahr 1928) gestiegen war und seitdem„abbröckelte", „tanzt" setzt Jazz. Es ist verständlich, daß das die Besitzer von Reichsbankanteilen ärgert. Sie haben zwar von 1924 bis 1926 je 10 Proz. Dividende bezogen und sllr 1927 und 1928 sogar je 12 Proz. — aber sie wollen mehr! Sic haben, wie sie meinen, ein Mitanrecht auf die Reserven der Reichsbaak erworben und das wollen sie enisprechend angemessen abgegollen haben, wenn das neue Reichsbankgesetz ein« Aenderung der Gewinnverteilung vornimmt. Vom Reingewinn der Reichsbank entfielen: au? das Reich auk die AnieUeUmer Divid. In Proz. 1913.... 31.9 Mill Mk 15.2 Will. Mt. 8.43 1924.... 55.6.. 9.0.. 19 1925.... 12,2.„ 12,3., 19 1956.... 4,2.„ 12,3.. 19 1927.... 5.5.. 14.7.. 12 1928.... 5.2„, 14,8.. 12 Run ist die Reichsbank keine beliebige Aktiengesellschast, die sich nicht um das Reich zu kümmern braucht und nur an ihre Aktionäre zu denken hat. Sie hat vom Reiche das Notenprivileg über- tragen bekommen. Das ist ein Monopol. Dafür sind enr- sprechende Gegenleistungen an das Reich zu tragen. Das neue Reichsbankgesetz von 1924 hat dieser Berpslichtung bei weitem nicht ausreichend Rechnung getragen. Die Gründe dazu lagen nicht nur im Dawes-Plan. Die da'.nalige von Luther stark beeinflußte und dann geführte Regierung dachte und Handelle privatkapitalistisch nach dem Grundsatz: Fort vom armen Reich! Man meinte wohl auch, es sei gut, das Kapital der Reichsbank durch gute Gewinn- aussichten für das Ausland reizvoll zu machen. Die tatsächliche Entwicklung hat dann nicht vorausgeahnte Wege eingeschlagen. Das aus dem Notenbankprivileg ausgebaute kon- kurrenz. und risikolose Reichsbankgeschäst brachte von Jahr zu Jahr steigende Gewinne. Im Geschäftsbericht 1928 heißt es deswegen auch ganz offen und ehrlich, daß der wiederum gestiegene Gewinn sich aus den gegenüber dem Vorjahr erhöhten Zinssähen erkläre. Aus den nicht ausgeschütteten Gewinnen sind inzwischen bei der Reichsbank beachtliche Reserven entstanden. Es find das für End, 1928: gesetzlicher Reservefonds........ Delkrederesonds(Reserve sllr �waige unsichere Forderunge»)........... Rücklage für Notenneudruck....... Baurcserve.......■...... Spezialreservefonds s künftige Dividendenzahlg. 48,8 Mill Mt 75.9.. 55.9.„ 35,9„„ 45,8„„ 239,6 Mill Mk. Die Reserven sind heute also schon höher als das gesamte aus- gegebene Aktienkapital(122,8 Millionen Mark). Hierbei lassen wir die im Reichsbankschatten etwas versteckte Golddiskontbank der Einfachhell halber ganz außer acht. Run erklärte der Reichsbankpräsident Dr. Schacht schon im Herbst 1928 öffentlich: „Die Anteile der Reichsbank werden leider scheinbar von der internationalen Spekulation getrieben, die teilweise wohl Erwariungen hegt, daß bei einer eoentuellenkünstigen Aenderung des Reichsbankgesetzes eine Absindung der Anteilseigner stattfinden müsse. Die Spekulanten vergessen aber. daß bei einer Aenderung des Reichsbankgesetzes, das ja immer deutsches Reichsgesch bleiben würde, im Zusammenhang mit einer definitiven Dawes-Regelung eine andere Regelung gefunden werden muß." Es ist anzunehmen, daß Herr Schacht seine Meinung inzwische» nicht geändert hat. Die Anteileigner haben ihm deswegen schon Daumenschrauben angesetzt. Sie meinen, das neue Reichsbankgesetz — das hoffentlich dem Reiche gibt, was des Reiches ist— müsse ihnen, den Aktionären, zur Genehmigung vorgelegt werden. Und sie möchten nur genehmigen, wenn ihnen irgendeine Entschädigung dafür gewährt wird, daß sie in Reichsbankanteilen spekuliert haben, weil sie aus weiter steigende Dividende und auf Ausschüttung von Reserven gehofft haben! Die heute vergessen, daß Reichsrecht ihrer Genehmi- gung noch nicht unterliegt. Die ganz Klugen verweisen darauf, daß man doch die Aus- länder nicht vor den Kopf stoßen dürfe, und achtzig Prozent der Anteilseigner feien Ausländer. Das stimmt ober gar nicht! Nach den Stammbüchern der Reichsbank waren in den' Händen von Znlliccdern ctuslävdern Perloneo Marl Personen Mark 31.12.1927... 9 789 190 529 599 1 399 22 267 699 31 12.1928... 9 928 199 352 899 1 399 22 435 399 Es sind also nur rund 29 Proz. des Kapitals der Reichsbonk in den Händen von Ausländern. Man sagt uns, die offiziellen Zahlen des Stammbuches seien in Wirtlichkeit falsch, die Reichs- bankanteile würden schon seit Jahren gehandelt, ohne daß die Besitz- änderungen der Reichsbant für ihr Register gemeldet würden. Es würde zu weit führen, wollten wir die geschäftlichen Hintergrimde dieser Vorgänge untersuchen. Es sei deswegen unterstellt, daß die offiziellen Zahlen über die Verteilung der Reichsbonkantcile falsch sind. Man sagt nun, daß � „der leiseste Schimmer einer Rechtsbeugung" dem deutschen Kredit im Auslande einen schweren Stoß geben würde. Man dürfe also die Erwartungen der ausländischen Speku- lanten auf eine Sonderausschüttung aus den Reichsdankreserven nicht enttäuschen. Angesichts solcher Argumente muß man sich daran e«innern, daß eben erst die deutschen Banken und die Handelspresse den Stand- punkt vertreten haben, daß diejenigen Schweizer Finanzleute und englischen Kreditgeber, die der„Frankfurter Allgemeinen" viele Mil- lionen Mark geliehen hatten, auch am Verlust beteiligt werden müßten. Jetzt plötzlich sollen diejenigen Ausländer, die auf ihre Reichsbankanteile pünktlich hohe Zinsen bekommen haben, sogar Anspruch aus den Erfolg ihrer Spekulationen haben! Sind es denn überhaupt Ausländer, für die plötzlich so eifrig eingetreten wird? Alle Vermutungen sprechen dafür, daß sich hinter ihnen ganz brave und nationalgesinnte Inländer in erheblicher An- zahl verbergen. Wir empfehlen strengste Revision des Stammbuches unter Ausschallung oller„N«ben"buchungen. Manche der heutigen Anteilseigner erklären, ihr(!) Kapital fei durch die Zusammenlegung der Reichsbankaktien im Verhällnis von 2: 1 seinerzeit» so geschädigt worden, daß sie jetzt zum min- besten den Anspruch auf die doppelte(!) Mindeftdwidende hätten. Die einen meinen dabei 8, die anderen 12 Proz. zukünftig gesicherte Dividende. Dos wäre hundertprozentige Sonderauf- wertung. lieber diese Forderung sollte man die Kriegsanleihebesiher abstimmen lassen! Die Gewinn« der Reichsbank gehören vor allem zuerst dem Deutschen Reich. Die spekulativen Käufer von Reichsbant- anteilen sind gewarnt worden, und dazu von autoritativer Stelle. Wer bei rotem Licht über die Straße geht, tut das aus eigene Ver- anlwortuirg! Soll das Reich auch noch fehlgeschlagene Spe- kulationen entschädigen? Die Reserven der Reichsbant, soweit sie bei ihr entbehrlich sind, braucht dos Deutsche Reich für die Er- füllung des Poung-Planes und seiner sonstigen Aufgaben. Welche Partei will das im Reichstage bestreiten? I7urt lseinix. Die Zechenherren machen scharf. Was der Eschweiler Bergwerksverein zu berichten weiß Das größte Zechcmmternehmen im Aachener Kohlenrevier, der Eschweiler Bergwerksverein, kann für das am 39. Juni abgeschlossene Geschöstsjahr 1928/29 wieder ein« Dividende von 14 Prozent auszahlen. Diese Dioedeirde erfolgt auf Grund des Jnteressengemeinschaftsvertrages mit dem schwerindustriellen Arbed- Konzern in Luxemburg, ist also vertraglich festgelegt. In den ver- teillen Aktionärsgewmnen selbst kommt also die Entwicklung des Unternehmens nicht zum Ausdruck. Auch der in der Bilanz aus- gewiesene Reingewinn, der mit 3,3 Millionen fast haargenau den Ergebnissen des Vorjahres„eingepaßt" ist, gibt über die Be- triebsentwicklung dieses Zechenunternchmens keinen Aufschluß. Dagegen lassen schon d i e A b s ch r e i b u n g e n aus die Werks- anlagen, die von 3,8 auf 4,24 Millionen herausgeschraubt wurden. erkennen, daß die tatsächlichen Reingewinn« des Unter- nehmen? im letzten Jahre weit höher gewesen fein müssen als in der Konjunktur des Vorjahres. Auch bei den einzelnen Betriebsposten in der Bilang kommt der große Verdienst des Unternehmens zum Ausdruck. Während die Forderungen der Gesellschost mit 22,7 Millionen sich so gut wie gar nicht verringert haben, konnten die Schulden um über 1.2 Millionen auf 16,2 M.ll.on-n gesenkt werden. In welchem Maße die Gesellschaft durch die sehr hohen Abschreibungen sich innerlich stärken kmmte. geht daraus hervor, daß die gesamten Anlagen nur mit 47,3 gegen rund 47,8 Millionen im Vorjahr bewertet sind, obwohl allein im letzten Betriebsjahr. von den vorhergehenden Jahren gar nicht zu reden, 4 Millionen Mark neu indieAnlagen ge st eckt wurden. Nach dem Geschäftsbericht konnte die Förderung trotz der sehr guten Konjunktur im vorhergehenden Jahr nicht nur aus gleicher Höhe gehalten, sondern sogar noch gesteigeri werden. Der Eschweiler Bergwerksverein unterscheidet sich also hierin von einer ganzen Anzahl führender Ruhrzechen, die im letzten Jahr den Rekord- stand von 1927 nicht aufrechterhalten konnten. Alle Welt weiß, daß der deutsche Kohlenbergbau seit Monaten eine Rekord ton junktur durchmacht Zur Bewältigung der Aufträge wurden seit dem Frühjahr trotz der Mechanisierung der Bergwerke und trotz der ganz erheblich gestiegenen Mehrlei st ungen je Mann und Schicht über 12 999 Bergleute neu eingestellt. Diese glänzende Entwicklung erstreckt sich nicht nur auf das Kohlenbecken an der Ruhr, sondern in fast gleichem?lus. maß auf sämtliche deutschen Kohlenreviere, also auch auf dos Aachener Gebiet. Wenn die Verwaltung des Eschweiler Bergwertsvereins dann trotzdem in ihrem Geschäftsbericht zu be- haupten wagt, daß das lausende Geschäftsjahr infolge der neuen Belastung durch Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung sich schlechter stellen würde als das oergangen«, so zeigt dies nur. daß auch Rekord konjuntturen von dyc Unternehmern ins Gegenteil verdreht werden. Im übrigen nehmen� wir zugunsten der Cschw eiler Verwaltung an, daß sie selbst nicht glaubt, was sie im Geschäftsbericht geschrieben hat. GtiNstand auf dem Arbeiismarki. vie Lage in Berlin und Brandenburg. Di« Arbeitsmarktlog« im Bereich« des Landesarbeits- amts Brandenburg erfuhr in der Berichtswoche vom 9. und 14. September keine wesentliche Veränderung. Di« Zahl der Hauptunter st ützungsempfänger nahm um 357 Personen ab, die allerdings ausschließlich aus die weiblichen Berufskräst« ent- fallen. Die Zahl der Arbeitsuchenden erhöhte sich zwar um 1449 auf 216 952 Personen, jedoch ist der Stand der Arbeitsuchenden noch um etwa 799 Personen geringer als in der Berichtswoche End« August. Di« Zahl der Hauptunter st ützungsempfänger in der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung betrug 196 929, in der Krisenunterstützung 21 426, zusammen also 1ZS346 Personen. Die Gesamtzahl der Unterstützten in der entsprechenden Zeil des Bor- jahres belies sich auf 96 641, also um gut 39 Proz weniger. Wie wir schon des öfteren bei Betrachtungen über dl« allgemeine Arbeitslagc im Reich betont haben, ergibt sich auch für den Berliner und Brandenburger Arbeitsmarkt trotz der erhöhten Arbeitslosenzahl lein« Konjunkturverschlechterung der Wirtschaft. Vielmehr liegt auch hier die Ursache der erhöhten Erwerbslosigkeit in einer oer stärkten Freisetzung menschlicher Arbeitskräfte durch die Mechanisierung der Betriebe. Im einzelnen warder Krästebedarj der Landwirt- s ch a f t für die Kartoffelernte bereits sehr stark, konnte jedoch durch- weg befriedigt werden. Der Braunkohlenbergbau blieb wie bisher gut beschäftigt, uneinheitlich dagegen war die Entwicklung in der Industrie der Steine und Erden, die besonders infolge von Absatzschwierigkeiten in der Glasindustrie ungünstig für den Ülrbeits- markt war. Bezeichnend ist, daß in der M e t a l l i n d u st r i c weib- liche Arbeitskräfte noch gut unterzubringen waren, während die Auf- nohmesähigkeit für männliche Arbeiter stark nachließ. Im Holz- und Schnitzstofsgewcrbe sowie in der Papier- und Lederindustrie konnte sich eine leichte Belebung durchsetzen. Das Bekleidungsgewerbe blieb gegenüber der Vorwoche unverändert, desgleichen die Spinnstass- industrie, die ihren uneinheitlichen Beschäftigungsgrad beibehielt. Die abgeblitzte Ufa. Emetta-Mehrheit von der Eommerzbank gekaust. Wir hatten bereits des öfteren auf die zwischen der Hugen- bergschen Ufa und der Münchener E m e l k o schwebenden VerHand- lungen hingewiesen. Der Zweck dieser Verhandlungen war durch- sichtig genug. Der Ufo-Konzern, der bereits mit mehr als 190 Lichtspieltheatern in Deutschland eine durchaus beherrschende Stellung in der deutschen Filmpolitik«innimmt, zielte in den Verhandlungen mit der Emelka daraus ob, auch dieses Unternehmen mit seinem hochwertigen Besitz von etwa 45 großen und modernen Lichtspieltheatern in die Hände zu bekommen. Eine beabsichtigte Aus- saugung der Emelka wurde zwar stets von der Ufa-Direktion a b- g e st r i t t« n, doch war nach dem Inhalt der Verhandlungen nicht daran zu zweifeln, daß trotz eines Weiterbestehens der Emelka als selbständiger Gesellschaft der Usa-Konzern den ent- scheidenden Einfluß aus die Filmpolitik dieses Unternehmens ge- wonncn hätte. Jetzt kommt die überraschende Nachricht, dtfß die Aktienmehrheit der Emel k a von einer Bankengruppe unter Füh- rung der Kommerz- und Privatbank oufgekoust worden ist. Das Kapital der Emelka beträgt zur Zeit 5 Millionen Mark und hier- von sind 2,6 Millionen in die Hände der genannten Bankengruppe gelangt. Die Ufa ist also mit ihren Plänen bei der Emelka voll- ständig abgeblitzt, was filmpolitisch von größter De- deutung ist. Da hinter der Kommerz- und Privatbank als Käufer des Emelka-Aktienpaketes die beiden führenden Tonfilmkonzerne, die Klangsilm A.-G. und das Deutsche Tonbildsyndikat stehen, so scheinen in diesem Fall« die Tonfilmproduzenten recht- zeitig zugegrissen zu haben, um ein« Monopolbildung bei den Licht- spieltheatcrn, also bei ihren Kunden, zu verhindern. Nie kranke Börse. Das Berliner Bankenkartell greist ein. Monatelang haben die Berliner Größbanken der nahezu koto- strophalen Entwicklung der Aktienkurse an der Börse toten- los zugesehen. Die Kurse der deutschen Jndustrieaktien haben un Lauf« dieses Sommers einen Rekordties st and erreicht, der weder durch die allgemein« Lage der Konjunktur in Deutschland noch durch andere wirtschaftliche oder �litische Tcilerscheinunger, be- gründet war. Die Stellung der großen Berliner und Prooinzialbanken zur Börse war dadurch gekennzeichnet, daß sie sich so gut wie g a r n i ch t mehr um sie kümmerten. Erst jetzt, wo die Entwicklung so bedrohlich geworden ist, daß die Bonken selbst Haar« lassen müssen, habe» sie den Entschluß zu einem Eingreisen gefunden. So hat das Berliner Bantenkartell, die sogenannte Stempel- Vereinigung, gestern in einer Sitzung beschlossen, eine durch- greifende Hilfsaktion zur Stützung der Börse einzuleiten. Die Stützungsaktion ist so gedacht, daß das sogenannte Stlltzungskonsor- tium an all den Stellen eingreisen soll, wo dies Kurseinbrüch« be- sonders erfordern. Dos Eingreifen der Banken wird sich aber nicht allein auf eine sogenamit« Kurspflege beschränken, sondern weit darüber hinausgehen, d. h. durch starke Käufe von Aktien die be- sonders zusammengebrochenen Kurse bestimmter Papiere wieder auf- zubessern. Man wird die Beschlüsse der Großbonken abwarten müssen. Da die Abneigung des Publikums gegen die Börse aus bestimmten Ursachen beruht— Willkür und Diktatur des Vorstandes, unge- nügende Aufsicht und. ungenügende Kontrolle, Niedrighaltung der Dividende usw.—, die nicht durch den Zusammentrat der Groß- bankgewaltigen zu beseitigen sind, dürste nicht viel dabei herous- kommen. Notwendig ist eben eine grundlegende Aktien- rcchtreform, die auch vor allem die Forderungen der Arbeiter- schaft nach ausreichender Kontrolle berücksichtigt. Transportkrise in Rußland. In dem Riesenreich Rußland ist das Transportproblem von jeher«ine der schwierigsten Wirtschasts- aufgaben gewesen. So war auch die große Krise des Jahres 192l, als etwa 8 Millionen Menschen verhungern mußten, nicht zuletzt«ine Folg« des völlig zerrütteten Transportwesens gewesen. Hier war sen» auch in der„Periode des Wiederausbaues" zunächst alle Energie angesetzt worden. Jetzt kommen wieder alarmierende Nach- richten, daß sich die Verkehrsverhältnsss« krisenhaft zugespitzt haben. Um möglichst schnell viel Getreide auszuführen, damit die so notwendigen Devisen hereinkämen, jei die Eisen- bahn derart mit Getreidetransporten überlastet, daß all« Trans- fiortplöne über den Haufen geworfen seien. Dadurch sei die Aus- Uhrung sämtlicher Produktions- und Baupläne fraglich ge- worden. Die Rohstoffvorräte sollen, besonders in der Schwer- industrie, nahezu erschöpft sein, während die Lagerräume der Fertigproduktion nicht geräumt werden könnten. Der Oberste Volkswirtschaftsrar habe sich veranlaßt gesehen, bei der Regierung aus schleunigste Mhilfe zu dringen. Börsenkrach in Amsterdam. Die Amsterdamer Börse erlebte gestern«inen schwarzen Tag durch den plötzlichen Zusammen- bruch der Aktien der Margarine-Union. Dieses Unternehmen ist der bekannt« Margarine-Welttrust, desien Aktien infolge der großen Aufsaugeaktion bei den englisch-omeritanijchen Seisen-konzer- nen durch den Margarinetrust sprunghaft in die Höhe kletterten. Der Rückschlag, der nach den spekulativen Aus- wüchsen der letzten zwei Wochen nicht ausbleiben konnte, ist daraus zurückzuführen, daß die Grohspekulation, die bekanntlich das Gras wachsen hört, zur rechten Zeit, also zu den höchsten Kursen Mossenverkäufe ausgab, daß die Banken dann plötzlich den Mittäusern die Kredite kündigten und auf diese Art große Zwangs- verkäuie stattfinden mußten. Auch dieser Börsenkrach, der sich dein Dutzend anderer an den verschiedenen großen Weltbörsen würdig anreiht, wird aber kaum zur Folge haben, daß die Zahl der Mii- läuser an den Börsen sich verringert. Onlenbungtn ffit diese Rubrik sind Berlin SW 63, LiudenstraKe 3. Parteinachrichien für Groß-Berlin stet» an da» Bezirkefclretariai S. Hai. 2 Treppen recht», zu richien. M 3. ikrei» wedding, isreitag, 27. September. IS'/j Uhr. jireiavertreter- [3 Versammlung im Pasieuhaser Au-sckxni, Chausieestr. 6i. Tagesordnung! M W Aufstellung der jiandtdatcu für die Stadt- und Bezirlanerardueteuwahlen. W M. Ii reis sichlendarf. Miiiwoch. 23. September. 20 Uhr. streistclegierten. Versammlung in siehlcndorf, Kaiserhof.Pot-tomer Str. 30. ii. flici» Reulölln. Leute, Ticnotag, 2i. Ecp'cmber, 1S>/-> Uhr, Freidenker- kundgebung in Kliemo Festfölen, Lasenheiie. Die Gcnosfcn werden er- sucht, diese Versammlung zu besuchen.— Donncr-iog, 26. September, 10 Uhr, im Lokal Bergschlohhöhe, Karlagartenstr. 6— ll, Krcisoertretcr- rrfommlung. Tagesordnung! l..Unsere Arbeit in der Kommune�. Rc- rl-ut Bürgermeister Alfred Scholz. 2. Kandidateuausftellung. Eintritt ' mit Mandatolarte und Mitglicdsbuch. heule. Diensiag, 24. September. lu. Abt. 19Mi Uhr Mitgliederversammlung bei Krüger, Vussilcnsir. M. Vor. trag:.Freiderkerbewcgung und die Kammunalmahlcn". Referent Ernst Oberüder.— Achtun«! Die Funküonär« treffen sick> bereits eine halbe Stunde früher ebcnbort zu einer wichtigen Besprechung. Alle Mitglieder müssen erscheinen. 23. Abt. 20 Uhr FunktionSrühung«inschlicblich der gewählten Kreisvertreter bei Grunewaldt, Kameruner Str. IS. 45. Abt. Achtung! Die Bczirksfllhrer rechnen am Freitag, 2?. September, beim Kassierer Genossen Siedelt bestimmt ab. Kartothelkarten sind mit» zilbringrn. 47. Abt. Die Bezirkeführer können ab heute, Dienstag, beim Genossen Erich Marzanls abrechnen. S7. Abt. Marienselde. so Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Schuster, Kirchstr. 63. M. Abt. Reulölln. Vllnktlich 18 Uhr kurze wichtige Besprechung bei Köster, Karlsgarten. Ecke Wissmannstrasie. Mtg'.iederversammlungen und Zahlabende morgen. ZNiktrooch, 25. September. 6. Abt. 191,4 Übe ssahlabende in den bekannten Lokalen. Berichterstattung von der Kreisdelegiertcnvcrsammlung. 7. Abt. 19',j Uhr, Kahlabende! Kubr, Ctrelitzer Str. 55. Döll, Bergstr. 71. Bartrag:..Ferdinand Laffolle". Referent Genosse Bernau. Barwalde, Schlegeistr. 8. Vortrag:„Der Sozialismus in der Gemeinde". Referent Frig Weigel. Vcirau, Vlugstr. 1. Rauser, Bancnstr. 19. Vortrag:„Soziale und technisch« Eindrücke in Rusilaad". Rcserent Alois Sartig. 8. Abt. 1614 Uhr im Natianolhat, BUlowstr. 37, Vortrag: ,L5 Jahre Arbeiterjugend". Reserent Willi Krcßmann. Mustkalisch« Darbietungen und Rezitationen. 9. Abt. 19', 2 Uhr Kahtabend und Diskutierabcnd bei Faber, Stephanstr. 11. Reserent Kurt Ia-k. 10. Abt. 1914 Uhr FunkUanärsittimg und Materialausgabe für die Frei- denlewnajsrn bqp Sandow, Flcnsburgcr Str. 8. 14. Abt. 20 Uhr in der Schulanla Butbusser Str. 14, Vortrag:„Verlin vor. den Wahlen". Referent Vczirksvcrordnctcr Bruno Theek.— Achtungl Die Funktionäre treffen sich bereits um I8?4 Uhr zu einer kurzen wichtigen Besprechung ror der Abteilungsversammlung. 15. Abt. 1914 Uhr bei Dohm, Vinetapiah 7, Vortrag:„Der Kampf um die Arbeilslascnvcrsiäierung". Referent Bernhard Gäring. Die Delegierten zur Kreisvertrctervcrsammlung und die Abteilungsleitung müssen kleftimmt 14 Stunde srühcr erscheinen. 17. Abt.:g>l Uhr bei Schreiber, Triftstr. 63, Bortrag:„25 Jahre Arbeitcr- lugend". Rc'rrcnt Bruno Lösche. 18. Abt. 19>4 Uhr in der Löwen-Brouerei. Lochstr. 2— 4, Bortrag:..Berlin ror den Wahlen". Rcfercnti» Stadtverordnete Dr. Käthe Frankenthal. 29. Abt. 1914 Uhr bei Wende. Kalaniestr. 147. Vortrag:„Was wird aus der Arbeitslosenversicherung?" Referent Dr. Bröker vom ADGB. Wahl der Delegierten zur Kreisvertreterversommlung. 22. Abt. l914 Uhr im gelben Saal der Sochschulbrauerci, SecstraKe Ecke Amrumer Strasse, Vortrag:„Der Kampf um dt« Arbeitslasenversichcrung". Referent Mar Heydcmann. Wohl der Ärctsvertreter. 23. Abt. 1914 Uhr im Lokal„Steinacker", Sccftr. 45, Bortrag:„Bcrkchrsfragen der Stadt Berlin". Referent Stadtrat Ernst Reuter. 25. Abt. 1914 Uhr fiahlabende bei Baronski, Bastcurftr. 6: Rössler, Goldaver Strasse 9: Kramer, Cotheninsftr. 8: Schmidt, Kniprodcr Strasse Ecke Kurische Strosse, Die Bezirksfükrer laden dazu ein. 26. Abt. 20 Uhr bei Beinlich, Wcissenburger ötr. 1, Lichtbildervortrag:„Unsere Er'olge in der Schule". Referent Genosse Krüger. 27. Abt. l9>4 Uhr in den Schönhauser Feslsälen. Schönhauser Allee 129, Bortrag den Genossen Stadtrat Rosemann. Bericht vom Kreisverirelerlag. 28. Abt. 1014 Uhr Fahlobende bri Maoss, Prenzlauer Allee 2W: Bartelt, Wörther Str. 19. Bortrag des Genossen Otto Mohrmonn! Iänecke. Lagenauer Str. 5: Rechenberg. Choriner Str. 49: Kunde!. Kastanien- alles 2930: Mener. Oderbcrger Str. 29. 29. Abt. 1914 Uhr Kahlabende bei Klug, Tanziger Str. 71: Richter, Schliemann- strosse 29: Riebe. Dunckerftr 15: Klaus, Prenzlauer Allee 51: Buchholz, Prenzlauer Allee 182. 36. Abt. 1914 Uhr Kahlabende. Bezirke 90. 91: Pohst. Lychenep Str. ins Ecke Starqorder Strasse. Bezirke 92 bis 94: Schröder. Pavvelallee 34. Bezirk 97: Lokal Vavvelalle« 80. Bezirke 9G 99: Lofkmann. Lochen er Str. 8. Bezirke 114 bis 128: Mohnkopf. Earmen-Sylva-Str. 128. Bezirke 121 bis 128: Eggert, Wichertstr. 33. Bezirke 124 und 124a: Riebergall, Carmen-Solva- Strasse 22. In allen Kablabenden Bericht vom Krrisvcrtretertag. 32. Abt. 20 Uhr in Schmidts Gcfellschaftshaus. Fruchtstr. 36a, Portroa: „Warum müssen in der Grossftadt Aufbauschulen errichtet werden?" Referent Studienrat Dr. Mittag. Die Funktionäre der Alltcilung treffen üch bereits um 19 Uhr�ebeudort. 33. Abt. 13,45 Uhr Mitgliederversammlung mit Gästen in der Echulaula, Lobenlobcstr. 10 Vortrag:, Fürsorge, Iugendwohlfahrt und Sport in der Stadt Berlin". Referent Stadtrat Klodt. 34. Abt. 19 Uhr in Kruvkats Festfölen, Frankfurter Allee 2, Mitglieder- Versammlung. Vortrag:„Die Arheitsloscnversicherung". Referent Genosse Kunze, vom Arbrilsam! DÜ. Di- BezirkzsMircr werden dringend gebeten, einzuladen. 35. Abt. 19>4 Uhr hei Schulz. Somariierstr. 38. Voriraa:„Die Bedeutung der städtischen Werke".'Referent Stadträt Rudolf Schlichksiig. 36. Abt. 1914 Uhr in drr Schulanla, Strassmonnstr. 6, Bortrag:„Der Kampf um die Arbeitslofenversichcrung". Referent Robert Breuer. Wir bitten um rege Beteiligung. 37. Abt. 1914 Uhr in der Possenbofer Brauerei, Landsberger Allee 27/28, Bortrag:„Der Brune. Plan". Refercnt Emil Barth. 39. Abt. 20 Uhr im Bauaewerkohans, Srossbccrenstr. 96, Bortrag:„Der Komvi um die Arbeitslosenvcrstchcrung". Refercnt Stadtverordneter Hermann Lamperl. 42. Abt. 20 Uhr in Klein« Feftsälen. Blücherstr. 61. Vortrag:„Sozialistische Kulwr- und Erziehungsfragen". Refercntin Irma Fcchenbach. Mitglieds- bücher sind vorzuzeigen. 43. Abt. 1914 Uhr bei Rabe, Fichteftr. 20, Vortrag:„Der Kampf um die Arbeitsiokenversichrrung". Refrrcnt Kurt Kicbmann. 45. Abt. 1314 Uhr In der Cchnlanla. Forster Strosse Ecke Reichenberger Strasse, Mitgliederversammluna. Wahl der Bczirkstagsdelegierten. 46. Abt. 1914 Uhr im Lokal„Kum Krokodil". Am Sochbahnhof Schlesischez, Tor, Vortrag:„Politische Tagesfragen". Rcierentin Elara Bohm-Schuch, M. d. R. 47. Abt. 20 Uhr im Saal 5 des Gewerkschaftshauses, Enaelufer 24:25, Licht- ssildervortrag:„Berliner städtische Werke". Referent Albert Gessncr. lGas, Wasser. Elcktrizilct.f Eharlsttenburg. 51. Abt. 20 Uhr Kahlabendr. I. Gruppr: Schellba». Königin- Elifabeth-Etr. 6. Refercnt Simon Kafienstein. 2. Grupvc: Iomin. Sovhie- Eharlottcstr. 88. 3. Gruvpc: Dö-ee,?anckclm»nnstr. 18. Refercnt Stadtverordneter Gustav Hädicke. Thema in allen Zohlabcnden:„Mit- beftimmungsrecht in Kommune. Land und Reich".— 63. Abt. 1914 Uhr im Lokal„Kum Nussbaum", Plöfcensee, Strosse 12 am Berbindunoskanal, Bortrag:„Die volltische Lage". Refcren-in Marie Kunert, M. d. R. Ein- geführte Gäste haben Kutritt.— 54. Abt. 20 Uhr Mitaliederverfammlung im Jugendheim, Rosinenftr. 4. Vortrag:„Untere Arbeit<ür die Jugend in Berlin". Referent Stadtrat Walter Friedländcr.— 55. Abt. 20 Uhr Funktionärsissung bei Reimer. Wilmersdorier Str. 21.— 56. Abt. 1914 Uhr bei Zuskowiack, Solssendorffstr. 29, Vortrag:„Sozialdemokratie und Kom- munalpolttik". Referent Stadtrat Albert Korlitz. Wahl der Bezirkstags- delegierten. Abteilungsangelegenheiien.— 57. Abt. 20 Udr bei TIninack, Wielondstr. 4. Vortrag:„Die volitische Laar". Referent Josef Ernst.— 58. Abt. 1914 Uhr im Schnlsgal, Ioachimsthaler Str. 32, crweiterle Vorstands- und Funktionärsissung". Stellungnahme zur Wcrbcwochc und Kom- munalwah�en". 76. Abt. Wilmersdorf. Sämtliche Funktionäre hakken zu einer lehr wichtigen Sitzung, 20 Uhr in der Eew-rkschaftsklaufe. Gasteiner Sir. 6, bei Kroiss. zu erscheinen. Schöneberg. 71. Abt. 20 Uhr bei Will. Martin-Lutbcr-Str. 69. Vortran: Ver. kchrsfragen". Referent Georg Raible.— 78. Abt. 20 Uhr bei Rosenthal, Ebersstr. 66. Vortrag:„Kommunalpolitik einst und letz!". Rrfrrcnt Adolph Loffmann, M. d. S. 81. Abt. Friedenau. 20 Uhr Zahlabcnd. 1. bis 3. Bezirk: Alabe. Sondiern- strosse 60 61. Vortrag:. Soziale Anfssavarhest in Berlin".'Referent Felir Fliga. 4. bis 6. Bezirk: Baginski. Stuben rauchsir. 22. Referent Adolf Wufchick:„Der Kamvf um die Arbeltslafcnversicherung". Bsitragsentrichtung und politische Aussprache. 92. Abt. Reukölln. Alle Kreisdelcgierten und Funktionäre müssen bestimmt zu ber am Mittwoch. 25. Sevtevibrr, um 20 Uhr bei Wolff. Kaifer-Friedrich- Strasse 173, stattfindenden Besprechung erscheinen. 104. Abt. Rlederschöneweid«. 20 Uhr bei Tomalla, Berlinrr Str. 38, Vor- standssissung mit allen Funktionären. 116. Abt. Lichtenberg. 20 Uhr bei Sepp, Roeberstrassc. Gruon'nzahlab'Nd. Blnuksnfelde. 20 Ubr Mitgliederversammlung im Lokal Müller. Schildower Strosse Vortrag:„Der Aulbau der Koarmunc". Rcferentin Etadtoer- ordnete Lisbcth K'vbncr. 127. Abt. Knhcnfchönhanfen. Bezirk„weisse Taube". Siedlung der Kinder- reichen: 20 Uhr Mitgliedernerfamn-lung im Lokal Rnssk". Diugefstädicr Strasse 95. Vortrag:„Die politisch« Loge". Referent Gduard Kachert, M. d. L..Borwärt»".L«ser, Sgmpathistcrende sind bcrzlichsi dazu ein- geladen. 136. Abt. RelnlSendorf.vst. 20 Uhr im Schützenhaus, Residenzsir. 1, Mi'gli-dei- Versammlung. Vortrag:„Die Tätigkeit der Sozialdemokratie im Rathau« Verlin". Abteilunasangelegenhelten. Die Dezirksführer haben zu dieser Versammlung einzuladen. Frauenveranstalkungen. 7. Krei« Eharlottenburg. Donnerstag, 26. September, 1914 Uhr, im Jugendheim Rosinenftr. 4. Bbteilungsl-iterinn-n. und Funktionärinnensitzung. 1. Stellungnahme zur Neuwahl der«reisleiterin. 2. Unsere Werbewoche. 9.«reis Wilmersdors. Freitag, 27. September. 20 Uhr, bei Rosenau, Lau- bacher Ecke Varziner Strasse, Funktionärinnensitzung. Bericht von d-r Krcisleiterinnensissung........ 15. Kreis Treptow. Donnerstag, 26. Seotcmber, 19 Uhr, Funktionärinnen. sissung in der Eemcindcschulc Riedcrschöneweide, Lasselwerder Ecke Ber- liner Strasse...... 20. Krei» Reinickendors. Donnerstag. 26. September. 20 Uhr, Funktionärinnen, sissung«Aaitatian und Arbeitcrwohlsahrtf in Tegel, Schöneberger Str. 5, Jugendheim. Jede Abteilung muss vertreten sein. 9. Abt. Heute 1914 Uhr bei Hühner, Wilsnacker Str. 35. Thema:„Boa.ifi- V'an". Reserrntin Ilse Mener.. � 47. Abt. Heute. Dienstag. 24. Sep'ember, 1914 Ubr. in der Schule Waldemar- strosse 77.„Proletarische Fcstkultur". Referentin Ilse Mcper. 55. Abt. Eharlottenburg. Heute. Dienstag, 24. Sep'ember, 20 Uhr, he, Hamvel, Ufenau- Ecke Eickingenstrasse,„Die Frau in Politik und Wirtschaft". Rese- rentin Herta Got'hctf..____ 103. Abt.' Obcrschöneweide. Heute 1914 Ubr in der Schiller-Glocke, Schiller- vromcnade. Vortrag ber Genossin Bohm-Schuch. Thema:„Kulturelle Ausgaben des Sozialismus"..,,_. 109. Abt. Friedrichsbagen. Donnerstag, 26. Scntember, 20 Uhr. im stadt. thcatcr am Marktplass.„Unser Konsum". Resercntin Genossin Bielke. Bor und nach dem Vortrag musikalische Darbietungen. Jungsozialisten. Gruppe Lichteubera: Heute, Dienstag, 20 Uhr, im Jugendheim Gunter- strasse 44, Vortrag:„Die Stellung des Proletariats im Staat". Referent Her- mann Abifeld. Geburtslage. Jubiläen usw. 104. Abt. Riederlchöneweibe. Unserem lieben Genossen Schmendrn und seiner Fron»nr Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation�� 83. Abt. Lichterfeld«. Am Sonnabend vormittag starb der Genosse Ober- ingenieur Hans Steinecke infolge Herzschlages. Di« Beerdigung findet am Mittwoch, I51i Uhr, auf dem Varkfriedhof in Lichterfelde-Süd statt. Reg« Beteiligung erwünscht. 94. Abt. Neukölln. Unser«enosle Ott» Roll. Allerstrasse. ist am 20. September verstorben. Ehre seinem Andenken I Einäscherung am Dienstag, 24. September, 18 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. I23a Abt. Kaulsdors.Süd. Am Sonnabend, 21. September, verstarb unser torium Baumschulenwcg. Wir bitten um rege Beteiligung. il i Soz!'alifiischeArbetterjugendGr..Verlin Tlcrlin G igen n 12068. tllndenstroße» Abteilungsleiter! Karlen vom Merredes-Valoft, Plaketten und Fackeln müssen umgehend abgerechnet werden. Sorgt dafür, dass die Fahnen und Transparente, die dem Sekretariat gehören, umgehend zurückgegeben werden. Lichtbilder vom Zugendtag liegen zur Einsicht und Bestellung im Jugend- sekreiariat aus. Sonderabicilung der Volksbühne! Am Diensiag, 1. Oktober, pünktlich 20 Uhr, findet in Haverlands Festsälen. ReUe Friedrichstrasse, die Mitglieder. Versammlung für die Sonderabteilung statt. Wir ersuchen alle Genossen, die Mitglied dieser Sonderabteilung sind, an dieser Versammlung teilzunehmen, englische Arbeiterp-riei?"- Döriher Vlass: Heim Kastanienalle- 72.„Sozia�- demokratte und Republik."— Friedrichshain: Heim Dicst-Imeoerstr. 5—6. Funk- tionärsissung im Heim.— Südwest: Seim Lindcnstr. 4. Funkt'.onarven>amn:- lung.— Schöneberg III: Selm Hanpistr. 15. Fahrtcnerinnerungen.— Suisue- IV. Rot« Falken. Jüngere:„Die Roten Fallen." A-lt-re: Liederabend.— «..» e..- ,.____' 17 er,,;r* Ol"» uu■ v. -hlendorf! Nordschule. Potsdamer Sir. 5-7.„Inwiefern ist unsere Wir.. cssoft kapitalistisäi?", mit Lichtbildern.— Neukölln II: Seim Bergstr. 29..-alle. Abend— Neutölln III: Leim Flughafcnstr. 68.„Was ist eeazialismus?— Reulölln VI: Leim Treptower Str. 95—96. Mitaliederversammlung.— Reu- kölln VII; Heim Kaiser.Fricdriäi-Rcalgnmnasium.„Ein Jahr Koalitions- Politik."- Neukölln VllI: Schule Rütlistrasse.„Arbei'erdlchter."- Tegel: Heim Bahnhoistr. 15 Fraaekastenobend.— Reinickendorf-Ost: Leim Lindau.- Strasse.»„Unser Wandern."— Britz I: Heim Ehausieeftrasse, Raihans. Vortrag.— Britz II: Schule Baracken lSiedlung). Filmabent.— Wilmerodors: Demonstration durch Wilmersdorf. Treffen 19'.� Ahr K- Uhr. i der SAJ.— Kella, fencr Barl: Heim Waifenftr. 18.„aerueue Prägen, I.— Pankow I: Heim Kissingen- Ecke Granissstrasse.„Alkohol und n."— Echönebcrg II: Heim Laiivtstr. 15.„Tagespolitische Fragen."— In»: Heim Sander- Ecke Lobrechtstrasse.„Bub und Mädel."— Dahlem: Riederschöneweide! Schule Berliner Str. 31.„Wie steht der Sozialist zur Republik."— Wedding-Rorh: Leim See- Ecke Turincr Strasse.„Kulturiorde- rungen der SAZ."— Kölluische» Park: Heim Waisenstr. 18.„Setzuellc Fragen", 2. Teil.—a~'--■-- Nikotin.' Reukölln|_______________|_________________ Heim Nordschule. Potsdamer Str. 6. Arbeitsgemeinschaft IV:„Inwiefern ist unsere Wirtschaft kapitalistisch?"— Brnunenpluss: Heim der 244. weltlichen Schule, Pank. Ecke Wiesenstrasse.„Der Nationalismus."— Schilerporl: 11. Lolksschule, Schöningstrasse.„Jugend und Wehrprogramm."— Zentrum: Heim Landsberger Str. 50.„Arbeitersupend und Körperkultur."— Süden: Heim Porckstr. ll.„Der Poung-Plan."— Neukölln V: Heim Böhmisch« Str. 1<4. Kimmcr 2.„Tagesvolitik, unter besonderer Berücksichtigung der Reichscrwerb». losenreform."— Bnöbholz! Schule Berliner Strasse.„Bürgerlich« und prole- tarisch« Mo'al."— Hasenheid«: Leim Wassertorür. 9.„Die Stellung der SAZ. zur Gewerkschaft."— Pankow II: Seim Görschstr. 14.„Tagespolitik."— Westen II: Seim Bülowstr. 88.„Rohkost, Bortell«»nd Nachteile."— Selnnd- brunnen l: Gotenburger Strasse tRote Schule).„Kehn-Mimiten-Reserate."— wcdding fNote Falken): Schule Llltticher Str. 4. Fragekastenabend.— Arn». walder Platz: Keim Rostendurgei Ecke Wchlauer Strosse.„Der Jugendliche in der politischen Bewegung."— Kelmholtzplatz: Leim Danziger Str. 62. Baracke 2. Reiseabenteuer.— Nordost: Seim Danziger Sir. 28. Baracke 3.„Was will die Die„El t« r n stu n d e" am Sonntag behandelte„D a s(Be- schwisterproble m", das in manchen Familien die Eltern vor unlöslich« Schmieriflkeiten stellt. Ein Kind wird plötzlich„schwer er- ziehbar": es stellt sich in betonten Gegensatz zu den Geschwistern oder zu den Eltern, häufig sogar zu beiden Parteien. Man versucht es mit Ermahnungen, schließlich mit Strafen: nichts fruchtet. Im Gegenteil: es kommt häusig zur offenen Feindschaft. Nelly Wolfs- h e i ni und Dr. Bruno Klopfer versuchten, die Eltern darüber aufjuktären, wie solche schwierigen und schwersten„Fälle" ent- stehen. Einen der Ratschläge, die Frau Wolfsheim gab, sollten sich all« Eltern solchen schwererziehbaren Kindern gegenüber zum Grund- satz machen: Nicht zu Strafen gre'sen, wenn man nicht weiter weih, sondern zur Güte. Sonst ver- stärkt das Kind nur die Abwehrstellung, die eine verständnisvolle Aussprache sehr oft verschwinden läßt. Eine wertvolle Hilfe für die Eltern sind auf jeden Fall die Erziehungsberatungs- stellen, an die sich die Eltern mündlich und schriftlich wenden können.— Unter einem sehr wissenschaftlich klingenden Titel wurde denen, die sich davon nicht abschrecken ließen, etwas sehr Unter- haltendes geboten:„Eine Stund« Operndramaturgie" nannte sich die Veranstaltung, die sich aber daraus beschränkte. Buch- stellen mit den entsprechenden Operntexten und-Melodien zu»er- gleichen, ohne grundlegende Betrachtungen zu bringen. Schall- platten mit Teilen aus„Boheme" und ,La Traoiata illustrierten die Texte, die mit den Parallelstellen aus dem Roman„La Boheme" und dem Dronia„Die Kamcliendame" oerglichen wurden.— Erich Kästner mußt« sich damit begnügen, un- politische Gedichte zum Vortrag zu bringen. Tragikomisch/ aber mit Betonung des Tragischen, spielten sich die kleinen Menschlichkeiten in seinen Versen. In ein paar sachlichen Zeilen gähnen die Zlb- gründe auf zwischen Mutter und Sohn, zwischen Mann und Weib— Abgründe, denen die Menschen den seltsamen Namen „Liebe" gegeben haben.— Aus dem Mercedes-Palast Neukölln wurde die Jugendweihe übertragen, die bereits im„Abend" b«> sprachen wurde. Hier sei für die Darbietung nur dankbar quittiert. ,.Z e i t b e r i ch t e" wurden am Montag abend gesandt. Unter dem Titel„Die Vereinigten Staaten von Europa" war sehr geschickt eine Hörmontage von der Bölkerbundstagung in Genf zusammengestellt worden, die das Echo der verschiedenen Staaten auf die Haager Konferenz wenigstens andeutete. Die Reden hoben sich wirkungsvoll voneinander ab: man hatte zum größten Teil ausge- zeichnete Sprecher gefunden. Nur der„Vertreter Indiens" lispelte stark und sorach iii der Erregung viel zu bemmungslos, und der „Vertreter Australiens" ersetzte mangelnde Vortragsfähigkeit durch ein affektiertes Kauderwelsch, durch das er sich völlig sinnlos bemühte, den„Ausländer" vorzutäuschen.—.Leder ist seine- Glückes Schmied", behauptet Dr. med. Ernst Rothe und will es in einer Reihe von Vorträgen beweisen.„Jeder ist der Schmied seines Glücks- gefühls"— in dieser Einschränkung möchte man den Satz gelten lassen. Was Dr. Rothe hierzu sagte, dürfte allgemeine Zustimmung gefunden haben. Nicht der befriedigende Zustand, sondern die Hinentwicklung zu diesem ist von Glücksgefllhl begleitet. Doch auch das scheinbar kleinste Erlebnis kann tiefes, unvergeßliches Glücks- empfinden auslösen, denn dieses hängt nicht von der materiellen Be> deutung des Vorganoes. sondern davon ab, wie stark er erlebt wurde. Solche Glückserlebnisse kann sich aber jeder schassen der die Fähigkeit dazu in sich erzieht. Wenn Dr. Rothe dagegen weiter das Lob der Tüchtiakeit sang, durch die ieder sein Glück schmieden könne, der bei allen Fehlschlügen die Krast zu einem mutigen„Trotz— alledem" aufbringt, so scheint die Praxis ihm doch recht häufig zu wider- sprechen. Tes. zeitschriftcn müssen heu'e bis 22 Utzr beim Genossen Herbert Ecorne im Zogero- beim Arn-walb-r Platz lGruppc). Weblaner Ecke R.aftenburger Strasse, adge- Werbe bezirk Wedbing: Kapelle! Leute pünktlick, 20 Ubr lieben im Ing-rd- beim der 812. Grmeinbcschose. Seestrasse- Das Erscheinen aller MUgl.cdcr. besonders der Flötisten, ist dringend nötig..... Werbcbeurk Tcltowkonal: Alle Veranstaltungen d:r Abtessunaen fei,"' den« aus. Wir beteiligen uns geschlossen an der Dcmr'istration in Wilmersdorf. Treffpunkt 18'.4 Ubr Ratbnns Kcblenborf. lS?4 Uhr Ratban- Steglitz oder 19!4 Uhr am Kaiserplatz in Wilmersdorf. Werbebezirk Lichtenberg: Wcrbebezirksvorstandssttznng 1314 Ubr Gunter» strasse 44. � «ruope Webdiug: Mit'woch, 26. September, 20 Ubr.„Arbeitcrjugrnd und Reichsbanner"._ Die Freunde der Jnkernakionalen Kfeinarbeii eeranstalten gm Donnerstag, 25. September, pünktlich 20 Uhr, im grossen Saal des Geioerkschaktsbauses einen englischen Liederabend. E« flngt ein enalisck�r Sck'öler�or von 39 Teilne'h'ncrn. Die S�'iiler t»cbcn anrn Vortrag: Snaliscke Ballodca, Volts, urb SeemannsaMnae. Sie r.o'rrn«' s aber auch vertraut mit den Liedsra andersfarbiger Volk??, cb?nso m?rd'n r? r durch fie enalifefte Komponisten kennenlernen. Eine Eigenart dieses Eh??es aber ist es, dah er es durch ssleist und Benabuno dabin acbra�t bat. s? aar fünf verschiedenen Sprachen zu singen. Es lauft außerdem der«Hsn-ffil:*. Eintritt frei._ Vorträge,Vereme undVersammwngen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14- Sebastionstr. 37/38. Ho> 2?- HRHtnnch, 25. September. Renkölln-Britz, Junolmnncr: 20 Ussr Mitgliederversammlnng bei Balewski, Boddinstr.57. Erschein:» Pflicht. Treptow sKomcradschaft): Iungkameraden 1914 Ubr im Heim. Bcriuit, Wahl.— Donnerstag. 26. September. Kreis Westen: Sämtliche Ortsverc:»- be- teiligen sich am Fackelzug in Wilmersdorf. Abmarsch 20 Uhr Fcbrbell.ncr Platz. Kreuzberg: 2014 Uhr Baden Baerwaldstrassc. Wilmersdorfn): 20 Uhr Antreten Fehrbellincr Platz zum Fackelzug. PMch»v-ranstaltung—»reuzbcrg: Sonntag. 23. September. 81? Uhr, Bhf. Yorckstrassc. Fahrt na» Blankenfeldc, Iübnsdorf. Verkaufe Linoleum. Szillat. Koloniestrasse 3' Wcbfebler-Tcppiche. «leine W-diebler 2X3 13.— Mark. 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September 4929 Unterhaltung und Wissen Beilage des Vorwärts Werner tRichler: 3)er gackernde&Urfi Das erste Schiff, das nach Aufgehen des Eises im Jahre 17ZS von Rußland in Lübeck einlief, war der Dreimaster„König David", Eigentum des Senators Tobias Stolterfoht. Im Nebel des April- morgens war das Fahrzeug, das den Erben der Firma, Christosfer Stolterfoht, an Bord hatte, kreuzend vor der Bucht erschienen, war tagsüber die Trave hinaufgeschleppt worden, lag nun, gegenüber dein:r~i'ch»r„Der Walfisch", mitten im Strom verankert und war sonnt samt seiner kostbaren Flachsladung geborgen. Im Kontor in der Oberstadt, darüber der nachmittägliche Riesen- schatten der Nikolaikirche immer schwerer niederfiel, saß der junge Stolterfoht dem Batcr gegenüber. Beide, in schokoladebraunem Tuch, die Perücken kreideweiß, lange Tonpfeifen wagerccht an den Lippen, einen gebrauchten Glaskrug englischen Porters vor sich, glichen einander, untersetzt, rundschädelig, breitkieserig wie Brüder; nur daß die Augen des Alten fahl, flach und kalt, die des Sohnes dunkel, kugelig und immer noch ein wenig kindlich, fast furchtsam waren. Die Schiffspapiere waren erledigt, die Buchhalter fort- gefchi kt, so daß es der Vater nun an der Zeit fand, den Sohn dafür zu loben, daß der„König David" als erstes aller lübeckischen Schiffe aus Rußland zurückgekehrt sei. „Ich muß Ihnen gestehen, Herr Dater," sagte darauf aber Christosfer,„daß wir so frühe abgingen, geschah nicht nur dank günstiger geschäftlicher Dispositionen. Es hatte noch eine andere Ursache: mir ist in diesem Winter zu St. Petersburg etwas begegnet, worüber zu berichten mir freilich schwer fällt." Der Alte, froh nur der geborgenen Fracht, bemerkte nicht die plötzliche Gespanntheit im rundbäckigen Gesicht des Jungen.„Gut drei Finger breit ist ja mein Christofferken dicker geworden in Ruß- land," witzelte er,„da wird er sich doch nicht etwa verliebt haben?" Dor Sohn zögerte zu antworten, indes durchs Fenster der Lärm der Kinder drang, die auf der Gasse, wie jedes Frühjahr, mit bunten Steinkugeln zu spielen begannen.„Nichts dergleichen glaube der Herr Dater," sagte er schließlich,„wenn auch Liebe dabei im Spiel ist, so doch eine verzweifelte, unselige, verderbliche. Im Februar war es, am russischen Fastnachtsdienstag, als ich die Kaiserin Anna durch St. Petersburg fahren sah:, stelle sich der Herr Bater vor: ein ungeheures Aufgebot prunkvollster Schlitten oorübertosend, unüber- sehbar schnaubende Pserdeköpfe, blitzende Geschirre, Pelze, Feder- büsche, wohinein der Schnee stiebt und tausend Schlittenschellen wahnwitzig läuten: zum Schluß hinter acht galoppierenden Rot- schimmeln der Schlitten der Zarin. Die Russen fallen in di« Knie, während ich, in einem Hauseingang versteckt, stehend verharre. Als- bald aber fährt alles Volk schon wieder unmäßig lachend empor, kreischend auf einen winzigen Schlitten weisend, der dem der Zarin folgt: außer dem Kutscher hat nur ein Korb darauf Platz, auf dem, die Beine haltlos herobbaumelnd, mit beiden Händen dos Geflecht umklammernd, ein Mann sitzt, totenblaß, aber mit Augen wie Kohlen: und immer wieder reckt dieser Mensch sich bei der wilden Fahrt in den Armgelcnkcn empor und stößt ein sonderbares Geschrei aus, ein heulendes Getriller, das schauerlich gequält klingt und mir ganz unvergeßlich ist. Die grauslichen Moskowiter ringsum aber werfen ihre zottigen Fellmützen empor, zeigen mit Fingern auf den Mann und schreien einander russische Wort« zu, die ich nicht verstand, bis ich einen englischen Matrosen beim Arm erwische und fragte, was das bedeute. Jedoch er antwortet nur„der gackernde Fürst" und ist auch schon wieder von der Menge fortgerissen. In diesem Augenblick aber zupft mich jemand am Pelz: eine Bettlerin, von Kopf bis Fuß in ein verschlissen graues Tuch gehüllt, die sich im Dunkel des Hauseingangs an mich gemacht hat und alsbald auf mich einzureden beginnt, deutsch, wenn auch in einer unbekannten, tief ans dem Gaumen kommenden Mundart.„Ihr versteht das nicht, Herr?" fragt sie, indes aus dem Spalt ihres Tuches schwarze Augen ebenso unheimlich flackern, wie zuvor im Gesicht des Mannes auf dem Schlitten.„So seid Ihr ein Fremder? So wißt Ihr auch nicht, was der arme Märtyrer dort zu leiden hat, den diese ab- scheuliche heidnische Zarin mit sich führt?" Es wurde mir sehr unheimlich, der Herr Dater wird es mir nicht verdenken können, bei solch gesährlichcm Gebühren des Weibes, zumal sie nun von mir dringlichst forderte, ich solle mit ahr gehen, um mir ihre Geschichte erzählen zu lassen: sei ich doch der erste Deutsche, den sie in St. Petersburg finde: so dürfe ich mich ihr, um Gottes Barm- b'rzigkeit willen, nicht entziehen, wobei sie mich auch schon gegen die Höfe hin drängte, darin die Durchfahrt, in der ich stand, mündete. Durch ein Gewirr schmaler,, stinkiger Gäßchen zog sie mich dann, bis an einen zugefrorenen KWal, hier ein Treppchen hinab, ein paar Schritte über das Eis, ein zweites Treppchen wieder hinauf, bis zu einer muschekhaft gewölbten Höhlung in der Rückwand eines dep neuen Paläste, die die russischen Adligen auf Bestchl ihres Zaren Peter haben bauen müssen, in der wohl eigenilich irgendeine antike Gruppe hätte stehen sollen; ein wenig Stroh und Stosfetzen, ein paar abgenagte Knochen lagen nun darin, wie im Lager eines -Tieres. Dies sei ein Bettlerunterschlupf, sagte sie; ich solle mich ffzen doch vorsichtig sein, da der Ort von Ungeziefer strotze. Sic ta» nun auch das große graue Tuch ob: ach. Herr Vater, sie ist noch eme ganz' junge Person, muh einmal drall und doch zierlich von Figur gewesen sein, hat auch noch einen ungeheuren Kranz nutz- b'-auTKN Haares, auf dem Kopf, indes das Gesicht so elend ist. daß man scbon den Totenschädel darunter zu sehen meint. Die Wand. an der wir saßen, sagte sie inzwischen, sei immer warm, weil sie an die Küche des fürstlich Galitzischen Palais grenze, das jetzt allerdings vom Günst'inq der Zarin, dem Grafen Saltykow bewohnt werde. Der Fürst Galitzin hingegen, dem das Haus rechtens gehöre, sei m Ungnade gefallen: er und kein anderer aber se. der Mann, den.ch beute aui dem Schlitten hinter der Kaiserin gesehen habe, wahrend sie s-'bst, die Bettlerin, seine ihm vor G°!t angetraute Frau Voll Schrecken wollte ich aufspringen, aber ihre kleinen, srostroten Hände krallten sich fest in meinen Pelz, so daß.ch sie weiter an- hören mußte. Nichts sei ihr gebl-eben von der surftlichen Ehe, sagte sie dann, als die Galitzischen Wappenknöpfe ihres Rockes: und wir.- lich sah ich mm. daß' sie unter ihrem großen Tuch einen viel zu weiten, grünen Lakaienrock trug, der ihr bis über die Knie reichte. ihn habe ihr eine alte Silberputzerin, die im Palais das Gnaden- brot ißt, eines Nachts im Herbst aus dem Kämmersenster geworfen. Weiter erzählte sie dann, sie sei in der tirolifchen Stadt Innsbruck geboren, wo ihr Vater, Zlndreas Praxmarcr mit Namen, Leinweber und Ratsherr sei— ein mittleres Haus, wie der Herr Vater weiß. doch von solidem Renommee. Abs sie sechzehn Jahre alt war, sei in ihrer Stadt ein reicher Fremder aus Rußland, unterwegs nach Rom, angekommen, habe aber unverhofft lange verweilt, weil ihm die junge Praxmarerin ausnehmend gefiel. Er habe schließlich um sie angehalten und der Vater habe auch die Werbung angenommen, nachdem der Russe zum papistischen Glauben übergetreten sei. Jedermann habe sie um die Heirat beneidet, da ihr Mann sich als Fürst Galitzin zu erkennen gab, von unerhörtem Reichtum, wenn- gleich aus Gründen, die er nur andeutete und die die eingeschüchtee- ten Jnnsbrucker von ihm nicht zu erfragen wagten, vorläufig an der Rückkehr nach Rußland verhindert. Er taufte ein ansehnliches Haus in Innsbruck, ließ es nach französischer Mode möblieren, engagierte Tanzmeister und Sprachlehrer für die junge Frau und alles schien zufriedenstes Glück. Aber nicht lange dauerte es, bis der Russe angesichts der himmelhohen Felsenberge, die ja überall in die Gassen Innsbrucks hineinschauen sollen, von unbesiegbarem Heimweh nach seinen Ebenen ergriffen wurde und eines Tages plötzlich erklärte, nunmehr mit seiner Frau heimreisen zu können. Und wirklich gelangte das Paar auch auf abgelegenen Straßen über Ungarn und die Türkei, über das Schwarze Meer sogar, bis auf die Güter des Fürsten an der Südgrenze des Reiches. Es lebte hier in großer Stille: nach dem Befehl des Fürsten sollte sogar außerhalb seines Gebietes niemand erfahren, daß zurückgekehrt war: einem Leibeigenen, der trotzdem zu einem HarOelsjuden davon geschwatzt hatte, ließ er die Zunge durchlöchern, wie das ja nach den moskowiti- schen Sitten nichts Ungewöhnliches ist. Aber es war wohl schon zu spät. Denn drei Wochen darauf schon kam ein Kurier der Zarin an, der dem Fürsten ein vom Grafen Saltykow gezeichnetes Schreiben der kaiserlichen Kanzlei überbrachte, worin ihm in Huld- reichsten Ausdrücken geboten wurde, eilends und zwar zusammen mit der ihm angeblich im Ausland angetrauten Fürstin bei Hose zu erscheinen. Da hob der Fürst laut zu jammern an, Insonderheit, als er bemerken mußte, daß sein Besitz weithin schon von Kosaken um- stellt war. Und da die Jnnsbruckerin in ihn drang, gestand er:hr schließlich, die Kaiserin selbst sei es gewesen, vor der er aus Rußland geflohen sei: sie habe ihn, nur seines hübschen Aussehens wegen, zum Kapitän der Gardemarin« gemacht, ohne daß er je ein Kriegsschiff betreten habe und ihn dann nächtlicherweile in ihr Schlasgemach befohlen, ihr seinen Dcknk abzustatten: er hat sich wohl dort nicht eben wie der Erzvater Joseph bei der Potiphar betragen, sondern sidi den kuriosen Gebräuchen des Landes gesllgt— dann aber hat ihn doch vor der Unersättlichkeit der gewaltigen, alternden Majestät ein solches Grauen ergriffen, daß er heimlich über die Grenze entwichen ist. Seine Frau nun, an sanftere, deutsche Sitten gewöhnt, ver- mochte dies alles nicht sonderlich ernst zu nehmen, meinte, es sei inzwischen soviel Zeit verflossen und vor allem werde doch Ihre Majestät, als eine christliche Regentin, das Sakrament der Che respektieren. Der Fürst indessen lachte nur verächtlich und sagte, der Graf Saltykow sei ein ausgekochter Schurke und die Kaiserin selbst gleiche einem plumpen, weißen, herzlosen Mehlsack. Und wirklich: als das Paar in St. Petersburg bei versammeltem Hofe herzklopfend vor der Kaiserin niederfiel, ihren Seidenschuh zu küssen, schlug die wilde, alte Frau dem Fürsten ihren Fächer um die Ohren und kreischte wütend:„Bist du wieder da, den ich zu einem stolze» Hahn machen wollte? Nein, du jammernder Nichtsnutz, du taugst nicht zum Hahn, du gackernde Henne. Marsch, Henne, brüte deine Eier aus!" Worauf sofort Leibhusaren heranstürzten, den Fürsten zu einem reglosen Bündel zusammenschnürten und ihn in einen großen, mit Eiern gefüllten Korb warfen, der schon bereit ftand, dergestalt, daß der Dotter weithin die Hofgewänder überspritzte. Die Fürsttn aber wurde von den Husaren mit Schlägen und Püffen aus dem Saal getrieben und schließlich so hart gegen den polierten Marmor der Treppenwände gestoßen, daß sie bewußtlos liegen blieb. Andere Husaren schwangen sich inzwischen auf die fürstliche Karosse, die vor dem Tor hielt und hießen sie eilends davonfahren: und als die unglückliche Frau endlich, der russischen Sprache nicht mächtig, sich dennoch bis zu dem Galitzinschcn Palais zurückgefunden hatte, scheuchten auch hier die Garden sie mit schwirrenden Peitschen und unflättgem Schimpfen davon."(Schluß folgt.) Die Dllem ITilhelm JCichlenberg: Darf ich ganz kurz die Geschichte erzählen, wie ich meinem Freund Erich aus der Klemme half? Ich schicke voraus, daß diese Geschichte nicht sehr originell, gar nicht spannend ist und auch kaum eine Pointe hat. Aber erzählen will ich sie doch, weil sie eigentlich all* angeht. Und weil jeder von uns einmal in die Lage kommt, einem Freund aus der Klemme helfen zu müssen. Also: Erich ist der reizendste Kerl, den man sich vorstellen kann. Mein bester, einzigster Freund, mit dem ich mich täglich traf und der mir mit der Zeit wirklich unentbehrlich geworden war. Ein Tag ohne Erich war für mich undenkbcr geworden. Ein bißchen leichtsinnig war er ja, der gute Erich. Aber das sind ja gewöhnlich die besten, channantesten Menschen. Eines Tages tat Erich, was er bisher noch niemals getan hatte. Er pumpt« mich an. Etwas verlegen und sichtlich gedrückt sagte er: .Höre mal, lieber Freund, wöcht-st du mir nicht aus einer momen- tauen Klemme helfen?" Ich sagte natürlilb ja. Warum sollte ich auch wicht? Damals wußte ich freilich noch nicht, daß Klemme der einzige Zustand im Leben ist, der nur eine Gegenwart und kein Perfektum hat. Also ich lieh ihm die 200 Schilling und Erich war plötzlich nicht mehr in der Klemme. Dann versprach er mir aus Ehrenwort, die 200 Schilling in spätestens einer Woche zurück- zugeben., Am nächsten Abend wollten wir uns im Caf6 treffen— aber Erich kam nicht. Es war ein verlorener Abend für mich. Am über- nächsten Morgen klingelte er bei mir an und entschuldigte sich sehr verlegen. Wir gaben uns für denselben Abend wieder im Cafe Rendezvous. Diesmal erschien Erich. Aber— es war nicht der alte, liebe Erich, der stets von lustigen Einfällen übersprudelte. Erich war fast über Nacht ein anderer geworden. Er schien gedrückt, zeigte große Nervosität und wir waren froh, als wir— viel früher als gewöhnlich— auseinander gehen konnten. So verging eine Woche, linser Verhältnis war von Tag zu Tag gespannter geworden, einmal stritten wir sogar wegen einer nichtigen Kleinigkeit. Erich hatte die Geschmacklosigkeit, zu sogen: „Glaubst du, weil du mir aus einer momentanen Klemm« geholfen hast, daß du dir alles erlauben kannst?" Als die Woche um war, hatte er mir das Geld noch nicht wieder- gegeben. Er stammelte eine kurze, sinnlose Entschuldigung und vertröstete mich auf den Nächsten Tag. Am nächsten Tag aber wich ich ihm aus. Ich wollte ihn nicht in noch peinlichere Verlegenheit bringen. Wahrscheinlich hatte er in den nächsten vier Wochen das Geld nicht: denn er kam nicht und ich hörte auch nichts mehr von meinem Freunde Erich. Ich beschloß also, ihn doch aufzusuchen. Schließlich konnte ihm ja auch etwas zugestoßen sein. Und ich dachte, daß es eigentlich sehr häßlich von mir war, mich so lange Zeit nicht um ihn zu kümmern. Nun, Erich schien wenig Freude an meinem Besuch zu haben. Er wurde feuerrot, als er mich sah, machte eine gekränkte Miene und sagt« gereizt:„O, du kommst wegen deines Geldes? Wie? Hast Angst, ich könnte nach Amerika durchgehen mit deinen lumpigen 200 Schilling?" Und mit einem Seufzer schloß er-„Tja, das nennt man Freundschaft...!" Ich versicherte ihm, daß ich nicht wegen des Geldes gekommen sei und daß es mich nur interessiert habe, zu sehen, wie es ihm gehe, nachdem wir uns so lange nicht gesprochen hatten. Er setzte eine spöttische Miene auf und meinte sehr von oben herab:„Bitte, bemühe dich nicht, man kennt das. Beim Geld hört eben jede Freundschaft auf...." Ich wurde sehr bös, dreht« m'ch wortlos um und ging. Das hatte ich doch nicht nötig gehabt, mich auch noch beschimpfen zu lassen! Am nächsten Tage hatte ich einen sehr schroffen Brief Erichs, worin er mir schrieb, daß er sich in mir getäuscht habe und daß es im höchsten Grade unschön von mir war, ihn auf so deutliche Art mahne» zu kommen. Und die 200 Schilling bekäme ich selbstver» ständlich schon morgen zurück Der grobe Brief war pünktlich gekommen: die 200 Schilling leider nicht. Ja, Ich muß leider sagen, daß weitere drei Monate vergingen, ohne daß das Geld gekommen wäre. Und es begann mir bereits zu fehlen. Ich konnte doch damals nicht wissen, daß momen- tone Klemmen länger währen als ewige Freundschaft, Da verfiel ich auf einen Trick. Ich schrieb Erich. Und ich macht« mich in diesem Brief sehr arm, teilte ihm mit, daß ich jetzt selbst in einer momentanen Klemm« sei und daß ich das Geld drin- gend benötige, um nicht Not leiden zu müssen und was man in sol- chen Fällen eben schreibt. Na ja, ich muhte doch etwas unternch- men, um zu meinem Geld zu kommen. Außerdem dacht« ich, wenn Erich sich einmal einen Stoß und mir das Geld gibt, wird sich unser Verhältnis wieder bessern. Von Erich kam keine Antwort. Aber durch einen gemeinsamen Bekannten schickte er mir 10 Schilling, und der. gemeinsame Br- kannte sagte mir, als er mir das Geld überbrachte:„Das ist von Erich. Er schickt es dir, damit deine Not ein bißchen gelindert wird. Armer Kerl, wir haben gar nicht gewußt, wie schlecht es dir geht. Du solltest eben doch einen anderen Berus ergreifen. Denn mit der Schriftstellerei geht es scheinbar nicht weiter...." Nach drei Jahren hatte mir Erich die 200 Schilling zurück- erstattet. In ganz kleinen Teilzahlungen, die sich natürlich nie- mals zu jenen 200 Schillingen ansammelten, well man kleines Geld viel leichter ausgibt als größeres. Als ich aber wenigstens formell— im Besitze der entliehenen Summe war, ließ ich durch den gemeinsamen Bekannten bei Erich anfragen, ob er jetzt nicht Lust hätte, unsere früheren Beziehungen wieder auszunehmen. Der gemeinsame Bekannte war sehr oerlegen, als er mir Erichs Bescheid brachte. Denn dieser Bescheid lautete:„Es ist sehr peinlich, mit armen Freunden zu verkehren. �Weil nwn doch nie sicher ist, nicht angepumpt zu werden...." Und deshalb meine ich, daß man nie einem Freund aus der Klemme helfen soll. Denn ein Freund in der Klemme ist immer noch besser als gar keiner.... 3)as'Jllimn der Sahara 0. Olufen gibt u. a. folgende Beobachtungen in seinem Buche ,.Le cllmat du Sahara": Die Behauptung, daß sommerliche Tem- peraturen von 70 Grad vorkommen können, hält Olufen für über- trieben. Nach seiner Meiming dürfte 60 Grad das absolute Mapi- mum sein. Er selbst hat im Winter 1022/23 nur Hitzegrade bis zu ungefähr 40 Grad angetroffen, aber die Witterung war in diesem Jahr« durchaus anormal, wie die häuftgen Regen im Ro- vsmber, Dezember und Januar zeigten. An der Oberfläche der Dünen hat man 70 Grad gemesseg, wobei man nicht mehr auf der Stelle stehen kann. In den Wüstenfeldzügen soll es vorkommen, daß die Soldaten sich lieber den feindlichen Geschossen aussetzen, als durch Hinlegen auf den glühenden Boden Schutz zu suchen. Di« Temperatur der Quellen, die aus 30—35 Meter Tief« kointnen, ist während des ganzen Jahres 20—25 Grad. Frost und Reifbildung tritt in der kalten Jahreszeit häufig auf. Im Jahre 19l0 wurde in Tidikclt eine Kälte von— 30 Grad(!) beobachtet. Der Uebergang von der Tageshitz« zur nächtlichen Abkühlung ist sehr stark. Temperaturstürze von 40 Grad innerhalb von wenigen Mi- nuten können vorkommen. Unter dem Einfluß des geringen Wasier- dampfos in der Luft kühlt der Erdboden so stark ab, daß in der Nähe einer Quelle im Großen Erg eine Wasserschale, die zur Hälfte in den Sand eingegraben war, bis auf den Grnnd ausfror, während die Lufttempera ttir noch 10 Grad war. Andererseits erstreckte sich die starke Erhitzung des Badens am Tage nur auf eine ganz dünne Oberflächenschicht, die somit außerordentlich große Tages- fchwankungen zeigt. Der Niederschlag in der Sahara wird noch aus 100 Millimeter Jahrcssumme geschätzt. Es gibt aber auch viele Orte, wo Jahre vergehen, bis es einmal regnet. Der Nieder- schlag fällt in Form van stärksten Güssen, die in den tiefer gc- legenen Becken Ueberschwemmungen verursachen und den dort lagernden Karawanen gefährlich werden können. Im Oktober 1004 fielen in der Oase Ain Sefra in zwei Tagen 76 Millimeter. Nebel sind selbst an den trockenen Stellen nicht selten und können so dicht sein, daß es schwer ist. sich zu orientieren. Schnee hat Olufen auf seiner Reise nicht beobachtet. Aber auf dem Haggargebirge soll er fast in jedem Jahre fallen und dann auch für einige Minuten, höchstens eine halbe Stunde liegen bleiben. Bei den Gewittern wird häufig beobachtet, daß der Blitz zur Erde fährt, aber sonderbarer- weise ist unter den Eingeborenen nicht bekannt, daß je ein Mensch vom Blitz in der Sahara erschlagen wurde. Verkauf soweit Vorrat Mengenabgabe vorbehalten Tletz Lebensmittel auch in der Woche billig und gut! Käse und Fette CamembertQJb8?üc£l6pL Tüsiter Toiife«....Pfimd92pf. BIo(kkäse�,Äd85pf. B!odckäscÄn�.l,15 Dan. Schweizer p°f'i95pf. Emmenlhailer«cht, 1 i Ä Tollgaltlf........... Pfnnd Ij'O Margarine...... pfundSOpf. Kokosfett...... PfaadSOpt Rohschmalz..prandSOpf. 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Stopftwist S Enlatl Im Karton 25pf. Gummilitze DarStL"1� 25pf. Schuhriemen f�.1.00� 25pt Eisbein mit Spitzbein TOOkea... Pfand 75pf. Berliner Bratwurst................ Pfnndl,10 Hammelvorderfleisch....Pfand wn 1,05 an Suppenfleisch................ Pfand von 78Pf. an Schmorfleisch fhn.0&>oob.nj>{d. 1,22 Schweinebauch okn. Benag»...... Pfand 1,24 Euter Mach............................... Pfand 25 Pf. Rinderlunge......................... Pfand 38pt Rinderbacken ohne Knochen......... Pfand 58pf. Suppenfleisch g« froren, Pfand toh 68 pf. Tiroler Tafel- j D Äpfel............. Pfand MI pf. „Stopa €« der f de S tob nmlegek ragen.,! Dtr. nnr al.| 20 Das Warenhaus Berlins in allen Stadtteilen Talephonische Bestellungen werden umgehend ausgeführt Schreibwaren Butterbrotpapier garantiert fettdicht, zr Bolle 75 Blatt jCDPI. Butterbrotpapier garantiert fettdicht, Bolle 150 Blatt 30pf. Kreppservietten Tro�tnck 35?h SchrankpapierEou« ioMeter 35?,. 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Sonntag 4 und 8'/« Uhr Der Well erfolg Friederike Musik von Frans Lehar PlanetarUun —— am Zoo— Vrläng. IndiimtliilD link B.S Barbarossa 5578 15V« Uhr Harbat- abende am Starnen- himmal I8V« Uhr Bit an die Sraman dar Walt 20V« Uhr RSIssl da Sternenlienta« Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder SO Pf. Mittw..- Erwachsene 50 PI. Kinder 25 Pf. Blaaeiispenden lebet An Ittlect pect amtrt Paal Gollofr, vorm. Robert Meyer Marianncmfrahe 9 Ed» SJaunonftcoH» Ami Mvrihpi 10330 ®Das neue Okasa! -, tnack Geheimrat Dr. med. Lahusen) PatontomtL»ingettif. Pabrikmarka. Dia wirksamen Hauptbestandteile von„obaoa'* werden Jetzt moh einer Methode, welche durch Deutsches Reichspatent Ho. 471708 geeehfitet tot, hergeatentt Allee Nlhera bitten wir an» unterer unten angegebenen Literatur in ersehen. Wenn Oberhaupt noch eine Verheesernng nnserta eeit Jahren bewahrten„Olmsn" möglich war, 00 tat die« Jetzt endlich durch diese Methode, welche In langjähriger Arbeit von einem dentechen Arzt entdeckt wurde, gelungen. B> durfte dadurch„Okasa" wirklich das nnflbertroffene Präparat sein. Ein Geheimnis? M§ 81 Bl Q f! Neue Kraft: „Okasa"(nach Qehalrarat Dr. med. Lthnaen). Das nnfibertroffene hochwertige Sexual-Kräftigen gamltfel(sexneUe Kenraethenle). Kein Reiz mittel, für dss geeamie Nervensystom überaas wohltuend. Uebeiraschende Wirkung! Hotartell beglaubigte Anerkennungen von zahlreichen Aorzten nnd tausend* Dankschreiben dankbarer Verbrancuer beweisen di« einzig dastehende Wirkangl Trotzdem gibt ea noch Zweiflerl Wir versenden daher nochmal» von diesem neuen Präparat Zohnfamencl Probepackungen umsonit. Soeben lit neue Broschüre erschienen. In neuer, gcdlegonater Aass:atiungl Mit neuem, bedeute nd erweitertem, hochinteressantem nnd belehrendem Text. Wir legen diese Broscbära Jeder Probepackang kosten io» bei. ReMlJllMjWU-WMZ Donnerstag, brn 28. Sepfembec, abends 7 Ahr, in den.Andreas Jefffaien-,«nbrensllrohr 21 Versammlung aller Bau-, Gas- u. u/asser- Klempner Zogteorbnung: Der nene Tarif und feine Durchführung. Anlltgenl Noch dem Streif sind eine Reihe von Frozen»n erlebigen, die für jeben Kollegen von größter Wichtigleit ftnb. Jeder Kollege miij einen Tarif bejitzen und(eine Anwendung kennen Die Tarife Jinb in dieser Serjuminlting zu hoben Alle Rollegen müssen erscheinen. Ohne Milgüebabuch lein Zutritt. Donnerstag, hon 26. September, abhs. T Ahr. in Dörfer» Jeflfälcn, Inhaber wilfr, tDeberftr. 17 Branchenversammiung der Sdimledc aus den Gr oh-, Mlilcl-, Fahrwerkf-, Braacrei-, Innungs- Schranben- und Nlelcnbetrieben sowie«Amtliche der Schzniedebrauchc angeschloasencn Karosserieorbelier. Tggeeorbnung: L Steuere Entfcheidunqen der Arbeit«. getidite Seferent: Rvllege Roch II. 2. Auslegung uet Toriioerlräge. 3. Bronchenangelegenheilen. Zahlreicher Besuch wirb erwartet. Donnerstag, den 28. September. abends 7 Ahr. im Cofal oon Oonfdfldger.«baibrrifirahr 21 Branchenversammlung der Drahtarneiter Gros Berlins / Togesordnung: 1. Bortrog de« Rollegen Ionke über Arbeitslosenversicherung. 2. D'sfulsion. 3 Branchenongelegenheiten. Alle Rvllegen werden ersucht, in dieser Beriauimlung zahlreich zu erscheinen. Ohne Mifgiledsduch fein Zutritt. Defrisdsi'sfel Die Befriedsräfe-Zeitlchrisi Nr. IS ts: erschienen und fonn gegen Vorzeigung der Segitimalionsfnrie de» Pelr>eb»ral»-Od. monne« in unserem Bureau, Zimmer 5. täglich dl« 4 Uhr, Freitag» dt» 7 Uhr entgegengenommen werden. Die Orisverwalfemg. v&ue# jw- Qesundheifspfeifa &£&*£ Schonl Herz und Lunqs UnbedenklRauchenlÄrzHich emofohlea! wssss-sss�, Unserem Parielireund Robert tteiöe nebti Gemahlin die herjlldiilcn ffilüifiuünithc jam 2Sjtihr igen Cfjvjabiläum Die Paneloenossen der Flnoa Ucnnann uorsoo. �SSSSSSS i» 6€S€€6C-.e4'' w v!> W J) \l> vif «v » DeDtsdier NlEtallariieitEr YeM Verwaltunvsste le Berlin Todesamelge Den Mitgliedern zur Nodiricht, daß unser Rollege, der Echlosirr �Vslter Kubrinx geb. 5. Ofiober 1886, am 20. Eep» lember gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Einäscherung findet Donner»- log, den 26. töeptemder. 13 Uhr, IM «remoldrium Gerichtstroße statt. Rege Beteiligung erwailet Di« Drtsoertoaltung. Von der Reize zurück t Dr. N. Brann Fadiarzi für Beinleiden Berlin N.« Frleflrldijfrafte 108 ZD Dienstag, 24. September nadimitlAds 2� Uhr. **■ An Aasstellung aueft für Nicht» mitglied r z. Leipziger Messe Prospekt Nr. 66k Osten os iDrutscher Erfinder* Schutz» verbind e V.. München 9 Gegründet 1912. Io-ORgikrankeriitaise der Jaweliere, Gold- ond SilliendiniieJe iZwaogsionong) zu Borlii. Bekanntmachung. Die vom Ausschuß der Rosse beschlossene Rranfenordnung ilt am 9. Eev�emder 1929 oom Bersichernngsami der Stadt Berlin genehmig! w rden und in Rraii geirelen. Druckitücke können im Rafjenlotal in Empiang genommen werden. Der Dorflanb Mor Rost Richard Penning «orsigendee. stello. Schristisihrer. Kap täß-Kaatabak 15 üapitSn-üopenüageoar 20p. Die Marke derFeinschmecker in den meisten Geschäften käuflich' Carl Höcker, Berlin SO, Lictitennercer Str.?2. Kes». Wftj •iimbiw............ rag 3« sind lediglich 40 PI für Doppelbrief-Porto beizufügen(unverlangte Nachnahmen kennen vir prinzipiell nicht). Zusendung diskret verschlossen durch das Generaldepot u. Alleinversand für Deutachl«\nd: Radiauers Kronen- A pol liehe, Berlin W. M, Friedrichstraße 160. Beacii'.en Sie genau! Okasa(Silber) für den Ms- u, Originzlpsckang 9,50 dl. 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