BERLIN Dienstag 24.September 1929 10 Pf. Kr. 448 B 223 46. Lahrgaay. Lrschetottisltch»oser Sonntiz«. Augltich Abendausgab« de«.Doewirts'. Bejugtreei« beide Au«gaben Sö Pf. pro Woche.«.««M. pro Monat. Redaktion und Tmdition; Berlin SW 6S. LindenSr.» „Ibwasfa» »ieigesbrel«: Die einspaltige Nonpareweieil« SO Pf.. Reklame, eilt 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheekkont»: VorwSrt«-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 17536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Wunder bei der Reichswehr! Ein gehetzter, aber nicht gemaßregelter Republikaner. Di«„Rote Fahne" veröffentlicht heute einen n«uen Brief aus dem Reichswehrministerium. Empfänger soll General Hey«, Ab- sender ein hoher ostpreußischer Reichowehrofsizier sein. Der Brief. der vor mehr als einem halben Jahre geschrieben wurde, dreht sich um di« Person des Obersten o. Bonin, dessen Absägung verlangt wird, weil er Verbindungen mit Linkskreisen suche. In diesem Brief h«ißt es: „Lassen Sic mich Ihnen eine Angelegenheit bringen, die mich mit der allergrößten Sorge erfüllt und dringend nach schleuniger Abhilfe schreit. Der neue Ehes beim Wehrkreis, sOberst v. L o n i n. Red. d.„v.") sieht seipe Ausgabe dann, den ganzen Betrieb der Reichswehr in Ostpreußen zu demokratisieren. Oberst v. Bonin, heißt es weiter, habe dem Befehlshaber Bortrog gehalten und diesem gesagt, es sei nötig, die ganze Wehr- Maschine auf eine breitere Grundlage zu stellen. Darum müsse man die Linke für den Wehrgedonken gewinnen und ihre Leute gesellschaftlich gleichberechtigt behandeln. Ski das gelungen, so werde er, Oberst v. Bonin, ste„wickeln". Gegen diese Gedankengänge polemisiert der Briesschreiber— nicht etwa, weil er gegen das„Wickeln" wäre, sondern weil er alles, was links ist, für niizuverlässig hält: Die Ariegsgefchichte aller Zeiten lehrt, daß kleine, begeistert«, gut ausgebildet« Truppen sehr viel mehr leisten als groß« Schwammkörper, die im entscheidenden Augenblick überlaufen. Siehe unsere Erfahrungen im Jahre 1918. Und als Freikorps- führ er hatte man nicht das Bestreben, möglichst viel Menschen unter seinen Befehl zu bringen, sondern sah nur auf Zuverlässig. keit. Bon zehn, die sich meldeten, schied man neun aus. wer es anders machte, schuf sich eine Räuberbande, aber keine Truppe. Der Brief überschlägt sich dann In wilden Denunziationen. Vonin mache in„ausgesprochenen Defaitismus". Einer seiner Vertrauensmänner habe zu einer Versammlung„des bewußten Landesverräters Schönaich" geladen!„Solchen Leuten" würden die geheimsten Dinge der Verteidigung gegen Polen ausgeliefert. In die O f s i Z i e r s g e m e i n s ch a f t e n der Kreis« wolle er die Vertreter der Linken hineinnehmen, was die Zerschlagung dieser Gemeinschaften bedeuten würde. Er gelte schon von Berlin her als„ein D e r t r e t c r de r b l ö d e st e n Demokratie" und habe bei den bescheidenen Leuten de? nationalen Bürgerstandcs in Lötzen Anstoß erregt durch„die Art, mit der er Juden und I u d e n g e n o s s e n n a ch l i« s." Der Briesschreiber schließt: Was soll nun geschehen? Es muß alles daraugeseht«erden. um diesen Krebsschaden sobald wie irgend möglich aus der ge- sährdelen Provinz zu entfernen, wenn nicht ein unabsehbares Unheil entstehen soll. Dazu können verschied«�« Mittel angewandt werden: Man kann die Aufmerksamkeit einer gewissen hohen Persönlichkeit, die in diesem Sommer zu längerem Aufent- halt nach Ostpreußen kommt, aus die geschilderten Verhältnisse richten. Für diese Dinge besteht großes Interesse. Ferner ist die Reichswehr sehr empfindlich auf dem Punkte der„Fühlung mit dem Lande". Wenn an den maßgebenden Stellen bekannt würde, daß jener Mann hier allgemein nicht gewünscht wird, und daß er dem Ansehen der Reichswehr schädlich ist, so würde das unter Umständen zu dem gewünschten Erfolg führen können. Dafür kann es, neben unmittelbarer Einwirkung auf die maßgebenden Reichswehrstellen nicht schaden, wenn die ganzen Verhältnisse in der Provinz bekannt werden. Ich bin fast 60 Jahr« alt geworden, ohne jemals etwas Aehnliches wie«ine Intrige gesponnen zu haben. Aber wir leben noch in der Revolution. und besondere Zeiten erfordern besondere Mittel. Vor allem geht die Sache vor Form und Person, und hier handelt es sich um eine heilige Sache. Soweit der wirklich ungemein interessante Brief. Mit der„ge. wissen hohen Persönsichkeit" ist der Reichspräsident v. Hinden. bürg gemeint, der nn Somrrn m Ostpreußen war. Der unge- nannte Briesschreiber ist offenbar ein in Ostpreußen stationierter oder stationiert gewesener Reichswehroffizier. Sollte er noch nicht aus dem Dienst entlassen sein, so würde die Reichswehr der schwerste Vorwurf treffen. Immerhin Hot der Briefschreiber sein Ziel nicht erreicht. Der Brief muß im Frühjahr geschrieben sein, aber Ober st v. Bonin istnochimmerimDienstundnochimmerinKönigs. berg. Das müßte ja eigentüch das Allerselbstverftändlichste in der Welt sein, daß ein Offizier in der Republik nicht gemoßregelt werden kann, weil er mit Republikanern verkehrt! Leider ist es nicht so selbstverständlich! Wenn Oberst v. Bonin trotz seines Verkehrs mit Republikanern und trotz seiner eigenen offenen Stellungnahme für die Republik im Dienst und an so exponierter Stelle bleiben konnte, so ist das immerhin, an früheren Zuständen gemessen, schon ein Fortschritt. Kein Zweifel kann aber leider daran bestehen, daß der un- genannt« Briesschreiber nicht bloß eine Einzelerscheinung, sondern ein Typ ist. Dieser Typ des borniert konservativen kgl. p eutz'- schen Offiziers, für den die politische und gesellschailliche Minderwertigkeit schon beim Naiiona'liberalen beginnt, ist in der Reichs- wehr noch immer zahlreich vertreten. Und solange er da ist, wird jeder republikanisch gesinnte Offizier als Eindringling gelten und fein Eindringen wird persönlich zugespitzt« politisch« Kämpfe und Intrigen im Offizierkorps zur Folge haben. Dies« Gefahr— eine Gefahr noch mehr für die Reichswehr als für die Republik— kann erst gebannt werden, wenn eine st r a f f republikanksche Führung einsetzt, an der«s dis fetzt ge» fehlt hat. Oberst v. Bonin, ,da6 rote Schwein�. Königsberg, 2i. September.(Eigenbericht.) Di« Veröffentlichung des neuen Reichswehrbrieses durch die kommunistische Presse erregt hier größtes Aufsehen. Oberst v. B o» n i n befindet sich seit etwa einem Jahr als Chef des Stabes in Königsberg und ist von Anfang an durch die Art feines Auf- treten? in republikanischen Kreisen angenehm aufgefallen. Er hat nicht nur mit ihnen gesellschaftlich Fühlung ge- sucht und dafür gesorgt, daß bei der Reichswehr die Symbole der Republik zur Geltung kommen, sondern er hat auch in einer öffent- lichen Ansprackze ausgeführt, daß die Reichswehr nicht der politischen Rechten gehöre, sondern ein Organ des Volkes fei. Darum ist Oberst v. Bonin in den staatsfeindlich gerichteten Kressen der Rechten längst der bestgehaßte Mann, und es ist kein Geheimnis, daß er in d'.esen Kreise» ganz einfach„das rote Schwein" geheißen wird. An der Echtheit de» in der kommunistischen Press« vcrösfent- lichten Schreibens wird unter diesen Umständen hier nicht gezweifelt. Fragen an Klönne. Warum so schweigsam? Nachdem die Erklärungen der unberufenen deuischnatio- nal-französischen„U n t e r h ä n d l e r" auf die Aeitungs- leser nur so herabgeprasselt sind, nimmt jetzt wieder die„Nationale Korrespondenz" dos Wort, deren Mitteilungen den Herrschaften Klönne. „Sie oben Absicht, ssu sliessen Bündnis avcc moi? Ick denken, das nennen man bei Ihnen Landesverrat?" .Herr General, rnr wenn es die andern tun!" die Zunge gelöst haben. Klönnes Erklärungen fügt die Volkspartei- liche Korrespondenz einige verfängliche Fragen an: „Will Dr. Klönne der Welt weismachen, daß er als«in lang- jähriger Politiker sich der Hoffnung hingegeben habe, das Frank- reich Poincares würde ihm alles,. was er gefordert hat, ohne jsd« deutsche Gegenleistung bewilligen? Dann würde er seiner ' Intelligenz ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Es ist über Gegen- leistungen verhandelt worden! Rur schwelgt sich Herr klönne darüber au». Vollständig! Nicht ein einziges Wort entschlüpft ihm hier in seiner sonst so redseligen Erklärung. Gesteht der deutfchnationale Reichslagsabgeordneie Dr. klönne, daß er lu Besprechung der bekannten Rechbergschcn Pläne... bereit war. gegebenenfalls deutsches Blut für die imperialistischen Pläne Frank- reichs zu opfern? Rechberg selbst sagt in seiner Erklärung vom 21. September, daß er Herrn Dr. Klönne an seinen Verhandlungen mit französischen Staatsmännern beteiligt habe, und daß diese Verhandlungen„beruhten auf der Grundlage einer zu verwirk- lichenden intimen industriellen, militärischen und politischen Interessengemeinschaft zwischen Deutschland und Frankreich." Daß es sich bei den bekannten Plänen um ein Militärbünd- nis gegen Rußland handeln sollte, ist bekaynt. Und das ist ja auch der Grund, weshalb die„Unterhändler" so schweigsam sind. Sie wollten, ohne dazu berechtigt zu sein, deutsche Männer und Jünglinge an die sranzösischen Imperialisten verhandeln! Oer Marineskandal in den LtGA. Tkeues Dokument enthüllt. w a s hin g l o n. 24. September.(Eigenbericht.) 1 Im verlaus der weiteren Untersuchung des Senais über die Rüstungspropaganda wurde ein Brief Shearers ans dem Iahre 1928 zutage gefördert. In dem Shearer für das Scheitern der Genfer Konferenz einen größeren Kredit in Anspruch nehmen will und für seine Bemühungen jährlich die Summe von 25 000 Dollar als Belohnung fordert. 3n dem Brief wird ausdrücklich daraus hingewiesen, daß der Erfolg seiner Rüstungskampagne in der Durchführung eines Schisfsbauprogramms in höhe von 740 Millionen Dollar bestehe. Die Konferenz über die Rank. Beginn am 3. Oktober. Paris. 24. September.(Eigenbericht.) 1 Di« letzten Schwierigkeiten, die der Einberufung des Orgoni« fationskomitees für di« internationale Reparationsbank noch im Wege standen, sind nach offiziellen Meldungen in der heutigen Morgenpress« jetzt beseitigt, so daß die Einberufung der Kommission unmittelbar bevorsteht. Als Termin des Zusammentritt wird der 3. oder 6. Oktober genannt, als Ort der Tagung Wiesbaden, Baden-Baden oder eine Stadt an den oberitalieni» s ch e n Seen. Die letzte Möglichkeit käme jedoch nur in Frage, falls Italien bei seiner Weigerung verbleibt,«ine deutsche Stadt als Tagungsort zu wählen. Was die Prozedur betrifft, so ist der ursprüngliche Plan, daß die Einladung von Belgien an die einzelnen Delegierten ausgesandt werden sollen— ein Plan, der im Gegensatz zu den Haager Abmachungen st and und zu den bekannten V e r st i m- mungen. insbesondere von deutscher Seite, geführt hatte—, nunmehr endgültig fallengelassen worden. Die Ernennung der letzten noch aussteheichen Delegierten von deutscher und itaüe- nischer Seite durch die betreffenden Reichsbankprästdenten sei nur noch eine Frage von Tagen. Bon deutscher Seite soll Dr. S cha cht fungieren. Die beiden amerikanischen Delegierten werden sich be reits morgen einschiffen und am nach st en Montag in Europa eintreffen.___ Ziele der Bombenattentäter. Was plaas, Salomon und Techow vor ihrer Verhaftung schrieben.* In der von H a n s G e r d T e ch o w redigierten Wochen schrift„Die Kommenden" erschienen am 13. September, �wei Tage nach der Verhaftung von Salomon und Techow. drei Aufsätze, in denen dieser publizistische Kreis das Treiben des„Landvolt" begrüßte. Plaas schrieb: „Bauernblut ist geflossen! Seit längerer Zeit ist das kämpfende Landvolk Schleswig-Holsteins in die Front des inner- politischen Ringens um die Macht eingerückt. Wenn der Bauer den Pflug in die Ecke stellt, und zum Schwert greift, dann beginnt der letzte, heilige Gang, dann ist die Stunde da, in derein Höherer das Leben selber wiegt. Bauernkrieg, hei- l i g« r Krieg! Bauernkrieg, Schicksalstag! Sogar dos völlig dem Boden und seinen Kräften entfremdete Geschlecht der Großstädte fühlt die eingetreten« Wendung. Wenn der Bauer die Frage um Sein oder Nichtsein der Macht seiner bewaffneten Faust vertraut, dann wird Gericht gehalten über«ine Kultur. In dieser Stund« stehen wir... Der Kampf ist entbrannt. Es geht um Sieg oder Ver« n i cht u n g!" E r n st v. S a l o m o u wurde noch deutlicher: „Bei der Gerichtsverhandlung, bei jeder behördlichen Maß- nähme, die Bauernangelcgenheitcn betrifft, sind Bauern aus der ganzen Provinz zur Stell«, je nach den Umständen allein durch das Gewicht ihrer Anwesenheit oder durch überraschende Ent- schlußakte wirkend. Diese Methode fand Anklang. Im Verfolg seines Kampfes wurde dem Bauern klar, daß er ohne Durchbrechung der bisherigen Ordnung fein Lebensrecht nicht erkämpfen könne. Gerade weil er konservativ ist, muß er revolutionär sein. Das Landvolk muß sich darüber klar sein, in welche Rich- tung seine gesammelte Stoßkraft angesetzt werden muß. Self- gooernment! Und zwar nicht in der Form einer Partei oder eines wirtschaftlichen Zwcckverbandes, sondern in der Form eines, zentralistifch oder föderativ, felbstoerwalteten Gebildes, eines Staates im Staate, der durch Gesandte und Botschafter mit anderen ähnlich geformten berufsständigen Verwaltungen verkehrt. Der Weg zu diesem Ziele wäre dann ähnlich, wie ihn auch Ghandi durchzusetzen sucht; durch passiven Widerstand, durch einen wütenden Kleinkrieg zu einer allmählich immer lockeren Bindung an da« Reich in seiner jetzigen Gestalt zu gelangen, um dann im entscheidenden Augenblick den Gegner vor die Tatsache einer festgelegen Selbständigkeit zu stellen." Hier erscheint zum Putschismus der S e p a r a t i s m u s! Als diese Aufsätze erschienen, saßen die Verfasser bereits unter dem Verdacht der Mitwisserschaft an den Bomben- attentaten des„Landvolk" hinter Schloß und Riegel, ihre putschistischen Hoffnung waren bereits zerstört. Sprengstoff als Handelsartikel. Prag. 24. September.((Eigenbericht) In Kaaden wurde dieser Tage ein 28jähriger Mann wegen Bettelei verhaftet, der sich Wilhelm Heinrich Hindemit nannte und in Amerika beheimatet sein wollte. In seinen Taschen fand man u. a. einen Zeitungsausschnitt, der über den am 26. August erfolgten Ueberfall auf ein Artilleriemunitionsdepot bei Reichenioerg berichtete und eine Legitimation der Garnffonbibliothet Reichenberg. Der betreffende Soldat, auf dessen Namen die Legitimation lautet, gab an, daß sie ihm wahrscheinlich von einem gewissen R i e s n e r entwendet worden sei, der im Februar dieses Jahres aus der Garnison desertierte. Näher« Feststellungen ergaben bald, daß der angebliche Hindemit mit Riesner identisch ist. Er gestand, den Ueberfall auf das Munitionsdepot verübt zu haben und gell, die Namen zweier Mitbeteiligten an. Durch den Ueberfall wollten sich die drei angeblich Sprengstoff« aus dem Munitionsdepot verschaffen, für die sie i n Deutschland einen guten Absatz gesichert hatten. Auf Grund dieser Tatsache nimmt man an, daß Ricsner und seine Komplicen mit den Urhebern der jüngsten B o m b e n a t t e n ta te in Deutschland in Verbindung stehen und ihnen Sprengstoffe liefern wollten. Dorf eingeäschert. IS Hofstellen in Mecklenburg völlig vernichtet. Friedland(Mecklenburg), 24. September. 3n dem nahegelegenen Sauerndorf Schwichtenberg brach gestern nachmittag Feuer aus, das bis S'-'Ahr abends IS Bauernstellen mit über 4l> Gebäuden einäscherte, Sturm, Trocken- heit und Wassermangel begünstigten die Ausbreitung des Brandes, dessen die Feuerwehr bis 9 Uhr abends noch nicht Herr geworden war. Zu dem Grohfeuer wird noch gemeldet: Das Dorf Schwichten- berg bietet einen überaus traurigen Anblick. 18 Hofftellen find dem Element zum Opfer gefallen, darunter 18 Wohnhäuser, 21 Ställe und 17 Scheunen. Die abgebrannte Fläche hak zu beiden Seiten der vorfstraße eine Länge von über S00 Meter. Erst gegen 9 Uhr abends gelang es, der großen Gefahr eines weiteren Umsichgreifens des Feuers Herr zu werden. Weinend und jammernd schleppten die Ge- schädigten die noch geretteten Gegenstände durch das Dorf, teilweise vergeblich nach Unterkunft suchend. Soweit bisher festgestellt, sind ungefähr ZU Schweine, fast ebensoviel Kälber und viel Kleinvieh verbrannt. Da die D i e b st ä h l e an dem geretteten Gut einen großen Umfang annahmen, traf abends gegen 9 Uhr ein Kommando der Staatspolizei aus Neustrelitz ein. An der Brandstell« traf eben- iall» Regierungsrat Steuding ein zur Ermittlung der Entstehung?- Ursache des Brandes, da die Möglichkeit einer vorsätzlichen Brand- J stiftung besteht. Die von Friedland an der Brandstelle erschienene; Feuerwehr konnte fast nicht In Tätigkeit treten, da in ganz kurzer! Zelt der fast ausgetrocknete Vorsteich, die einzige Wasserstelle, leer-| gepumpt war. Personen sind nicht zuschaden gekommen. Mitver- brannt sind die gesamte Ernte und die Futtervorräte der 18 Besitzer. Die Tragödie eines Bauern. Auf seinem eigenen Grund und Boden verscharrt. Zhre Aufklärung scheint jetzt eine Bauernlragädie zu finden, die sich vor 10 Zahlen in dem Orte G r u n o w im kreise West-Slernberg abgespielt haben muß. Seit Ende Oktober 1919 wurde der damals 59 Zohre olle Eigentümer Friedrich Deickert vermißt. Die eigentümlichen Berhäll- niste in der Veickertschen Familie gaben Veranlassung, daß Gerüchte«stauchten, der alle Mann sei von Familien- angehärlgen ermordet worden. Seinerzeit waren auf die Auffindung der Leiche 1000 Mark Belohnung ausgesetzt worden. Das hatte eine ganze Reihe von Leuten aus der Gegend angespornt, auf eigene Faust nach dem Berschwundenen zu suchen. Ein Stellmacher aus der Gegend, den die Suche schon seit Jahren beschäftigt, fertigte sich für seine Zwecke eine besonders lange Eisenstange an, mit der er Bohrungen in einem zu dem Deickertschen Besitz gehörenden Wäldchen anstellte. Auch den arbeitsfreien Sonntag benutzte er zum eifrigen Forschen. Es wurde, wie er meint, fein„Glückstag". An einer Stelle stieß er in etwa 1,20 Meter Tiefe auf Knochen. Cr benachrichtigte sofort die Polizeibehörden. Zuerst wurde der Schädel, dann aber das ganze Skelett freigelegt. Da das Skelett vollkommen entfleischt war und keine Reste von Kleidungsstücken sich mehr zeigten, ja war es immer noch Zweifel- Haft, vb die sterblichen Ueberreste des Deickert gefunden waren. Die Erde um das Skelett herum wurde vorsichtig ausgehoben und durch ein Sieb geworfen. Dabei blieb zurück eine alte silberne Schlüsseluhr, wie Deickert sie zu tragen pflegte. Auf dem Rückendeckel waren innen Reparaturoermerke. Es gelang den Uhrmacher jeftzi»- stellen, der bestimmt erklärte, es feien feine Zeichen, die er bei einer Ausbesserung der Uhr im September 1919 angebracht habe. Die Tat- fache, daß Deickert auf seinem eigenen Grund und Boden vor- scharrt worden war, gab Veranlassung, gegen die Ehefrau und die drei Söhne erneut Haftbefehle zu erlassen, die sofort vollstreckt, wurden. Die Söhne, die nacheinander an das Grab des Boters geführt wurden, zeigten keinerlei Erschütterung. Sie sagen überein- stimmend aus, sie wüßten nicht, wie die Leiche des Boters dorthin gekommen fei. Bei der Beseitigung des Deickert hat es sich nicht nur um die Ueberschreibung des Gehöftes auf den Sohn Heinrich gehandelt, es sprachen noch andere Beweggründe mit. Die Söhne hatten sich ver- schiedene Diebstähle zuschulden kommen lassen, von denen der Bater wußte. Bei den Verhandlungen, die bis zum Kammergericht gingen, zwangen sie den Bater durch Prügel, zu ihren Gunsten und entlastend auszusagen. Der alte Mann hatte wiederholt erklärt, er werde mit der Wahrheit herausrücken, konnte aber gegen die lieber- macht der Frau und der Söhne nichts ausrichten. Wenn auch die Beschuldigten noch kein Geständnis abgelegt haben, so ist doch kaum daran zu zweifeln, daß die Söhne mit Wisser der Mutter den Vater beseitigten, um den lästig--n Zeugen zu entfernen. Wie wir heut« vor Redaktionsschluß erfahren, ist der Fall des seit zehn Jahren verschwundenen Hofbesitzers Deitert in Grunow jetzt restlos aufgeklärl worden. Der Frau des Gerichtsdieners ist es gelungen, die Ehefrau Deitert zu einem Geständnis zu bewegen. Die Frau erklärt«, daß sie an einem Sonntag im Jahr« 1919 mit ihrem Mann einen Streit gehabt habe, in dessen Derlaus sie von ihm bedroht worden sei. Ihr Sohn Paul sei dann dem valer nachgegangen und habe ihn in der Scheune erwürgt. Frau Deitert hat ihr Geständnis spät nachmittags vor dem Richter wiederholt Im Aerlaufe der weiteren Vernehmungen, die bis in die späten Nachtstunden dauerten, legte auch Paul ein Geständnis ab. Er wurde nach Mitternacht noch einmal vor das zusammengesetzt« Skelett des Vaters geführt und g e st a n d den Mord ein. Inwieweit die anderen Söhne mitbeteiligt sind, steht noch nicht fest. WeUkonferens in Berlin •Die 3)elegierien zur 3tUer naiionalen partamentorifchen '.Handelskonferenz auf der Freitreppe den Steichslags Kein Geld für Kriegsbeschädigte. Beichsbahn gegen Hauptversorgungsamt. In den lehlen Tagen ist es zwischen dem hauplversorgungs- amt und der Reichsbahndirektion zu eigenartigen Differenzen ge- kommen. Mehrere Kriegsbeschädigte, die vom hauptoersorgungsamt Gutscheine für freie Bahnsohrt zu einem Kuraufenthalt in Schlesien erhalten hatten, mußten am Schalter des Görlitzer Bahnhofs die Uebecraschung erleben, daß ihnen der Umtausch der Gut- scheine gegen Fahrkarten verweigert wurde. Als Grund für diese sehr sonderbar anmutende Maßnahme wurde an- gegeben, daß die Versorgungsämter bereit» früher ausgegebene Gutscheine nicht eingcöst hätten und mit einigen tausend Mark— der genaue Betrag wird nicht näher genannt— im Rückstand geblieben seien. Auf unsere Anfrage beim Hauptversorgungsamt wird uns entgegen anderslautenden Nachrichten versichert, daß der Kon- slikt, den in besonderem Maße das Reichsarbeitsministerium als übergeordnete Behörde beschäftigte, inzwischen beigelegt worden ist. In den Kassen der Bcrsorgungsämter herrschte vor einigen Wochen taffächlich Geldknappheit und infolgedessen konnten die mit der Reichsbahn vereinbarten Zahlungstermine nicht ein- gehalten werden. Wie weiter mitgeteilt wird, sind die rückständigen Beträge inzwischen gezahlt worden und die Gutscheine werden an sämtlichen Fahrkartenschaltern wieder anstandslos gegen Fahrkarte umgetauscht. Da scheinbar einige Bahnhofsvorsteher über ihre Befugnisse hinaus ziemlich rigoros gehandelt haben, ist das Reichsarbeits- Ministerium mit der Reichsbahndirektion in Verbindung getreten, um diese Angelegenheit restlos zu klären. Regelung des boliolanifch-paraguayschen Zwischenfalls. Die soraguaysche Regierung bot die Vermittlung der neutralen Mit» pieder dir bolioianisch-paraguayschen Schlichtungskommission in Washingtoi, zur endgültigen Regelung des Grenztonflikls vom letzten Dezember a n g« n o m m e n. Zwei Todesopfer des Auiounglücks. Ehepaar Wollank den Verlegungen erlegen. Dos schwere Autounglück, das sich gestern abend an der Kreuzung der Küstriner-, Jlestor- und Droysenslraße in Charlottenburg ereignete, hat zwei Todesopfer gefordert. Nachdem bald nach ihrer Ciulieferuug in das Krankenhaus in der Achenbachstraße die 48 Zahre alle Frau des Rittergutsbesitzers Wollank starb, ist auch der 66 Zahre alte Gatte noch im Laufe der Räch« seinen Verletzungen erlegen. Die Polizei nahm gleich nach dem Unglück mit mehreren Be- amten die Untersuchung zur Klärung der Schuldsrage auf. Ritt- meister von Wollank, der selbst leidend war, hatte sein« Ehefrau aus einer Holenseer Klinik abgeholt und war mit ihr und einer Pflegerin � in seinem Privatwagen, der von dem Ehaufseur Alfred Pohl ge- steuert wurde, auf dein Heimwege Mit Rücksicht aus die Kcankheir der Dam« suhr Pohl ganz langsam und vorsichtig und nahm den Weg durch die Küstriner Straße, um den belebten Kur- fürstendamm zu vermeiden. Die Küstriner Straß« trifft im spitzen Winkel auf die Droysenstraße, die jenseits des Kursürstendamm? ihre Fortsetzung in der Restorstraße hat. Pohl war mit seinem Wagen bereits über die Hälfte der Straßenkreuzung hinweg, als in schneller Fahrt aus der Nestorstraß« ein anderer Privatwagen kam. Es war, wie später festgestellt wurde, das Auto des Direktors Karl Vollrath aus der Witzlebenftraße, des Leiters der Westfälischen Kohlcnoertaufsgesellschaft vom Nollendorfplatz 1. Diesen Wagen führte der Chauffeur Otto Gosel aus der Mathieu- strahe 3. Der Zusammenstoß war unvermeidlich. Der Vollrathsche Wagen faßte das Auto des Rittmeisters auf der rechten Seit« etwa in Höhe der Hinterräder. Der Anprall war so heftig, daß sich der gerammte Wagen zweimal überschlug und beim drittenmal auf die Kühlerhaube eines Lieferautos fiel, das in der Droysenstraße stand. Das Auto des Direktors Vollrath war mit Gummipuffern aus- gerüstet ustd ist nur wenig beschädigt Die Krankenpflegerin ist ebenfalls verletzt, man hofft ober, sie am Leben erhalten zu können. Am besten ist der Chauffeur fortgekommen, der dem Stoß am wenigsten ausgesetzt war. Lastauto gegen Straßenbahn. Verkehrsunglück in der Potsdamer Straße.- 6 Verletzte. heule mitlag ereignete sich an der Ecke Potsdamer und Pallas flraße ein folgenschwerer Zusammenfloß zwischen einem Straßenbahnwagen der Linie 89 und einem Lastauto. Bei dem heftigen Zusammenprall wurden zahlreiche Scheiben zertrümmert. Sechs Fahrgäste wurden durch herumsliegend« Glassplibler im Gesicht und an den Händen verletz«. Außerdem erllllen mehrere Frauen Nervenschocks. Die verunglückten wurden in das Schöneberger Krankenhaus gebracht, vou wo sie. da sich ihre Verletzungen als nicht sehr schwer herausstellte«, noch Anlegung von Notverbänden wieder entlassen werden konnten. Der schwerbeschädigte Straßenbahnwagen muhte aus dem Verkehr ge- zogen werden. Durch den Vorsoll entstand eine Verkehrsstörung von >5 vlinuten. Von der Polizei ist eine lintcrsuchnng über die Schuldsrage eingeleitet worden. Vor dem Hause Mcmeler Straße 38 wurde in den Mittagsstunden die sechsjährige Annemarie Lecke aus der Gubener Straße 13 von einem Privatauto überfahren und auf der Stelle getötet. Schreiber— Bischof von Berlin. Aber zunächst nur Verwalter. Der Bischof von Meißen, Dr. Schreiber, ist heut« vom Papst Nim Administrator der Diözese Berlin ernannt worden. Die sofortige Ernennung zum Bischof konnte noch nicht erfolg:«, weil die organisatorischen Aorbereitungen noch nicht erledigt sind. Der Administrator soll sich den Berwaltungsapparat erst selbst schasse«. Königliche Möbel. Von Ferdinand Künzelmann. Salon In Nerlin.— Militärs des alten Heeres, hohe Beamte in Pension und ihre Damen,«in paar Zhinstler, die in jedem Gespräch erzählen, daß nur die Juden ihren Ruhm und Ruf verhinderten: mit einem Worte ein« Gesellschaft, die sehr unzufrieden mit der Gegenwart ist, aber von den hohen Ruhegehältern d«r Republik ganz behaglich lebt. D:« Dam« des Hauses? Von ihr isi zu sagen, daß sie aus gutem lleinen hannoverschen Landadel stammt, daß sie als Malerin vor dem Kriege etwas geleistet hat, daß sie überhaupt ein ganz vernünftiger Mensch war, bis sie in jenen merkwürdigen Jahren, die Karin Michaelis das gefährliche Alter nennt, einen viel jüngeren Mann heiratete, einen schneidigen Offizier, der ein Jahr nach dem Watfenstillstand schon bei den Roß- boch-Leuten gelandet war. Seitdem ist sie halt ein wenig gestört, denn getreu dem Spruche:„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen", ist sie ihrem Manne von den Rotzbach-Leuten zum Stahlhelm und von dort zu den neuesten Formationen gefolgt, die im Stahlhelm schon wieder eine müde, zahm« Alterserscheinung sehen... Ihr Salon ist mit erlesenem Geschmack eingerichtet, ihr Teetijch ist nicht nur entzückend gedeckt, sondern es lohnt sich auch, von seinen Herrlichkeiten zu kosten. Niemals fehlen bei ihr die ausgesuchtesten ausländischen Leckerbisten der Jahreszeit. Einmol fällt das Wort. „Deutsche Zigaretten sind gut für Kriegerverein»" Alle Gespräche um diesen Tisch klagen die Gegenwart an und bejammern die Verelendung, der„man" anheimgefallen ist. Eine Zuspätgekommene setzt sich auigeregt nieder und fragt: „Wißt ihr, wen ich gesehen habe?" Eine alte Jungser, die noch nicht weih, daß Hindenburg für diese Herrschosten längst abgetan isi, weil er nicht geputscht hat, fragt mit bebender Stimm«:„Etwa Hindenburg?" Man locht und freut sich über die naiv« Seele. Dann sagt die Ausgeregt«, nachdem sie sich wirkungsvoll in ihren gestreiften Sessel zurückgesetzt hat:„Scheidemonn. Er stieg vorm Adlon aus einem Auto." Ein entrüsteter Chor erhebt sich: man einigt sich darauf, daß „sie"— damit scheinen linksstehend« Parlamentarier gemeint zu sein— wieder einmal bei Adlon eine Orgie feiern. Dabei muß«ine Dam« bekennen: ihr Mann hätte diesen Scheide- niann neulich einmal irgendwo getroffen. Er hätte einen ganz l lugen, vor ollen Dingen emen ganz manierlichen Eindruck gemocht Die Dame de? Hauses steht, düster, wie Medea nach dem Kinds- inord anzusehen, mitten im Raum, zieht die Augenbrauen hoch, reckt die Stupsnase zum Himmel und sagt:„Für mich ist dieser Mensch, dieser Scheidemann, ein für ollemal erledigt, denn er hat sich mit königlichen Möbeln ausgestattet, als er nach Kastel gs- kommen ist." Ein ehemaliger Oberst fühlt sich doch verpflichtet, oegutigend zu sagen:„Es ist festgestellt, Gnädigste, daß er sie bezahlt hat..." Alles schreit:„In der Inflation... Mit seinem Stadtpapier- geld.. Möglich.." Die Dame des Hauses winlt ab:„Bezahlt? Was liegt daran'' Das kümmert mich nicht. Es waren königliche, also unantastbare Möbel, sie waren ohne die Einwilligung Seiner Majestät nicht zu verkaufen. Wer anderer Auffassung ist—; bitte, nach Belieben Ich sehe in der ganzen Geschichte Raub und Diebstahl." Dabei trifft mich ihr Blick,.und da sie lange auf die Gelegenheit wartet, mich zu zer- schmettern, denn sie weiß genau, wie sehr weit leit einem fernen damals freundlichen Verkehr unser« Wege auseinandergegangen sind, redet sie mich an und fragt mit Richternnene:„Und Sie.?" „Ich bin auch für den Raub und den Diebstahl", sage ich sehr gelassen.„Nur meine ich, daß er längst vor Herrn Scheidemann und von ganz anderen Leuten begangen ist." Sie fragt höhnisch:„Wieso? Ich bin neugierig, auf welche Sophisterei das wieder hinausläuft." „Nur auf ein geschichtliches Faktum. Dies« Möbel in Kassel, die Sie mit einem Pathos, um das Klara Ziegler Sie gewiß be- neidet hätte, königliche Möbel nennen, leben in meiner Erinnerung zunächst einmal als kurfürstlich hessische Möbel, die freilich im Jahr« 1866 gestohlen wurden, mitsamt den Schlössern, mit der Stadt Kassel, mit dem ganzen Kurfürstentum dazu. Damals wurden die Hohen- zollern Hausherren im kurfürstlichen Schloß zu Kasse! es ist mir nicht bekannt, daß sie dem vertriebenen Kurfürsten die Möbel ab- gekauft hätten. Sie meinen: das fei etwas anderes. Sie wollen sagen: die Annexion Hannovers und Hessens wäre eine deutsch« Not- wendigkeit gewesen? Möglich. Aber dann erlauben Sie mir zu glauben, daß auch die Ereignisse von 1918 eine Notwendigkeit'für Deutschland gewesen sind, und seien Sie mir nicht bös«, wenn ich Ihnen bekenne, daß mir jedes Möbelstück, das sich Herr Scheide- mann gekaust hat, tausendmal lieber ist als jede.''andere, mit dem ein viel zu geduldiges Volk das Haus Doorn eingerichtet hat. Womit ich die Ehre habe, mich Ihnen zu empfehlen." Ich bin sicher, daß man, als ich fort war, sehr liebevoll von mir gesprochen hat. Der Hosprcdiger. der uns ganz im Anfang des schönen Tees ergreifend von dem pruntvoll-schlichten, wupdevoll-gemütlichen Leben im Hause Doorn erzählt hat, wird, hoffe ist, gleich den großen Dann über mich ausgesprochen haben. Was zu tragen sein wird. Oaszinski gegen pilsudsti. Eine Erwiderung des Sejmmarschasts. Marschau, 24. September. Sejmmarschall D a sz y n s k i beantwortet heute in einem längeren Aufsatz den letzten Artikel des Marschalls P i l s u d s k i. Daszynjki bestätigt, daß er im Juni dieses Jahres Marschall Pilsudski auge- fsucht, ihn auf die schwere Wirtschaftslage aufmerksam ge- macht und hierbei auch die Möglichkeit einer Mehrhei tsbil- düng erörtert habe. Niemand habe ihn, so schreibt Daszynski, zu Pilsudski gesandt. Er sei in das Belvedere-Schloß einfach deshalb gegangen, weil dort ein Mann wohne, der seit dem Mai 1926 die tatsächliche Macht in der Hand habe. Er habe nicht so lange warien wollen, bis die wirtschaftliche und politische Lage des Landes so u n- erträglich würde, daß man wieder Kanonen auf die Straßen bringen und Blut vergießen müsse. Seini: Vorschläge seien von Marscholl Pilsudski abgelehnt worden. Der Miuisterprösi- dent Major S w i t a l s k i und der Führer des Regierungsblocks Oberst S l a w e k seien überdies nachher nach Frankreich gefahren. Erst jetzt habe man ihm die Ehre angetan, auf seine Anregungen einzugehen. Er glaube aber, daß der Sejm, selbst wenn er sich unter- werfe, keine Gnade vor den Augen des parlamentsfeindlichen Marschalls Pilsudski finden werde. Besprechungen Moskau-London. Oowgalewski bei Henderson. Loudon, 24. September. Der Pariser Botschafter der Sowjetunion, Dowgalcwski, der die Verhandlungen über die Wiederausnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Sowjetrußland führen soll, hat heute morgen dem Foreign Osfice«inen Besuch abgestattet und mit dem Staatssekretär des Aeußeren Henderson eine erste Be- sprechung gehabt. Verspätete Entdeckung. „E>treikbrecher"-�nseraie im, Vorwärts". Di« KPD. läßt nichts unversucht, um den Lesein ihrer Presse die Ausfassung zu suggerieren, alle im Deutschen Metollarbeiter- oerband organisierten Rohrleger und Helfer, deren Lohn- und Ar- beitsbedingungen durch einen für allgemein verbindlich erklärten Torisschiedsspruch geregelt sind, seien Streik- brechcr. Und zwar einmal deshalb, weil sie die Spaltung der Rohr- legerbranche durch Niederkirchner nicht mitgemacht haben, ferner, weil sie sich nicht des Tnrisbruches schuldig machen wollen und weil sie mit dem wilden Streik nichts zu tun haben wollen, den die KPD. ongezcllell hat. Ein wilder Streik, der nicht auf dem von der Opposition sonst so sehr befürworteten Wege der U r a b st i m m u n g beschlossen wurde. Ein wilder Streit, dessen Spitze sich weit weit weniger gegen die Unternehmer richtet, sondern in erster Linie gegen die zuständige Organisation, den Deutschen Metall- arbeiieroerband. E i n wilder Streik, der dem eigenen Laden Nieder- tkrchners aufhelfen, der kommunistischen gewertschostsseindlichen Svlllierorganisation der Rohrleger die Slnerkennung als I a r i st- parket ocrichasten soll, durch denselben wilden Streik, der irofz■ und gegen Torifvertrog unternommen wurde; gegen einen sür all- gemein verbindlich erklärten Tarifvertrag, von Drahtziehern, die es als«ine Lebensaufgabe der Arbeiter bezeichnen, die Tarifver- träge zu durchbrechen und sie durch gelegentliche Forderungen auf „Wirtschaftsbeihilfen" oder„zwischentarifliche Lohnregelungen" zu unterhöhlen. Die Leitung des wilden Streiks die sich von einzelnen Betrieben ihre außertariflichen Forderungen durch Einzel- torifverträge vorläufig bewilligen und ihre Streikenden arbeiten läßi, die Leitung der kommunistischen Gewerkjchafts- Gsgenzentrale, nimmt sich heraus, unsere Gewerkschaftsgenossen der Rohrlegerbranche im DMV. als Streikbrecher zu beschimpfen und ihren ganzen Anhang auf dies«„Streikbrecher" zu hetzen. Der bolschewistischen Diktatur gegen das Proletariat werden die gswerkschaftstreuen Rohrleger sich nicht unterwerfen. Sie haben in jeder Beziehung, insbesondere auch in moralischer Beziehung ein Recht zu arbeiten und all« Gemeinheiten gegen sie, dei ein Niederkirchner mit seinem Namen decken muß, reichen nicht aus, sie zu„Streikbrechern" zu stempeln. � Der„Vorwärts" brachte am IS. September fünf Inserate mit Arbeitsangeboten für Heizungsmonteure und Helfe'' und am 22. Sep- tember wiederum drei solcher Anzeigen. Die KPD.-Presse gibt jetzt«in« dieser Anzeigen vom 22. September als neueste Ent- deckung wieder, mit der Balkenüberschrift:„vorwärts" und„Leip- ziger Volkszeitung" suchen Streikbrecher, um dem Berliner Rohr- legerstreik den Garaus zu machen". Der„Vorwärts" wird sich durch diese Verdrehung nicht abhatten lasten, auch weiterhin Arbeitsangebot« aufzunehmen, da sie durchaus einwandfrei unter tariflichen Bedingungen gemacht werden. Wenn die wild streikenden, von Niederkirchner in Arbeit vermittelten Rohrleger zu tariflichen Bedingungen arbeiten können, müssen die KPD.-Herrschaften schon gestatten, daß die im Tarif- Verhältnis stehenden freigewertschaftlich organisierten Rohrleger und Helfer ebenfalls arbeiten. Sie werden sich ihr Recht darauf von der KPD. nicht streitig machen lasten, sondern es trotz der tommu- nlstischen Stoßtrupps zu sichern wissen. Die Gärung in Palästina. Araber propagieren Iuven-Boykoti. Jerusalem, 24. September. Der Sonderberichterstatter der Telegraphen-Union meldet: In Jaffa sind seit einigen Tagen zahlreiche Araber am Werk, durch Verteilung von Flugschriften zum D o y k o t t j ü d i s ch e r Waren aufzufordern. Di« englischen Behörden haben nunm-hr eine um- fastende Jagd aus die Werber veranstaltet und zahlreich« Personen verhaftet. In der galiläischen Kolonie Mischmar Hayarden haben Beduinen neuerdings wieder Roubüberfäll« verübt. Keine Araberleichen verstümmelt. »«! der zur Nachprüfung gewister Gerücht« durchgeführten Ausgrabung der Opfer der bekannten Unruhen in Hebron ist »ach dem Bericht der arabischen Aerzte an keiner der 22 Leichen, die untersucht worden sind, eine Derstümmelung festgestellt worden. Milde S? äsen sür p'«schlü'lr-ac Aoichisten i» Ruwäuien. In � dem Prozeh gegen die faschistischen Putschisten wurden die Führer der Bewegung am Sonnabend mit Gefängnis bis zu 0 Monaten bestraft 28 Angeklagt« wurden freigesprochen. „Die stärkere Macht." Eapitol. Im fernsten Rußland. Die sibirische Bahn ist eben ierng geworden. Der erste Probezug soll noch Moskau gehen. Im Zuge sitzt der Militärgouoerneur Fürst Wogarin mit seinem Gefolge, das im Luxuswaogan eine Sektorgie feiert. Ader im Zug« befindet sich auch ein revolnttonärer Lokomotivführer und der Strösiinz Jegorow. Sie haben dem verhaßten Despoten den Untergang ye schworen. Der Zug ist auf ein falsches Geleife gelenkt worden und wird über eine noch nicht vollendet« Brücke ins Wasser stürzen. Der Lokomotivführer springt ab, Iegerow soll ihm folgen; da ent- deckt er, daß seine Tochter Marsa auch im Zuge ist.(Der Gou- verneur, der sie zunächst zu verführen gedachte, will sie von seinem Sohne trennen, der sich sür st« eingesetzt Hai. und verschickt sie aus- gerechnet mit diesem Zug.) Iegerow koppelt unter Lebensgefahr die Lokomotive von dem übrigen Zug los, überläßt sie ihrem Schicksal und rettet die Zuginsassen. Rechtzeitig trifft der Sohn des Gouverneurs ein, der von der falschen Weichenstellung gehört hatte und Marsa retten wollt«. Alles endet in Butter. Das junge Paar liegt sich in den Armen, der Gouverneur begnadigt Iegerow. Das ist der sensationell« Höhepunkt dieses Russenfilms, der unter der Leitung von R i g h e l l i in Deutschland gemacht wurde. Er arbeitet mit längst gewohnten Kontrasten und Spannungen. Hier das ossiziell« in Uniformen strahlende Rußland, dort die ge- knechtete und mißhondette Schar der Verbannten, die in Ketten hart« Fronarbeit leisten muß. Dem grausamen unerbittlichen Go�- verneur ist der gerecht Denkende und mit den Unteren empfindende Sohn gegenübergestellt. Der Bau der Bahn durch die Verbannten, ihr Leben, ihre Verfolgung und Peinigung ist in breiten Szenen ausgemalt und im Gegensatz dazu der Luxus und die Sittenlosigkeit der regierenden Klasse gezeigt. Aber alles ist schon dagewesen und im Verhältnis zu den echten Rustenfilmen fehlt der letzte entschei- dende Anhauch der Echtheit. Fritz K o r t n« r ist der Gouverneur. aber er überzeugt keineswegs immer in der Rolle dieses grimmen Tyrannen, der zu.Hause den zärtlichen Vater spielen möchte. Di« beste darstellerische Leistung gibt Theodor Leos als Sträfling, der dem Empörerwillen kräftigen Ausdruck verleiht. Sympathisch ist da» junge Paar: Alma Taylor, einfach und ohne Pose als Tochter des Sträflinzs, und Will F r e f h m o n als Gouverneurs- söhn, jugendfrisch und mitfühlend. Man sollte den rustischen Film definitiv den Rüsten überlasten. Ein neues werk von Paul Raynol. Der Dichter Paul Raynal, in Deutschland bekannt vor ollem durch sein Stück„Das Grabmal des unbekannten Soldaten", arbeitet zurzeit an einem neuen Werk, das ursprünglich den Titel„La Marne" führte und nun vom Autor in„I.a Francerie"(ein vom Dichter frei erfundenes Wort) um- getauft wurde. Während die Pariser Aufführung für Mitte Februar geplant ist, schweben zurzeit Berhandlungen für die baldige Uraufführung des Werkes auch in Deutschland. Paderewski operiert. Der Pianist und ehemalige polnische Staatspräsident Paderewski, der sich zurzeit auf seiner Besitzung Morges am Genfer See aufhält, wurde in der Nacht vom Sonn- abend zum Sonntag in«ine Lausanne! Klinik gebracht, wo er sich unverzüglich einer Blindarmoperation unterziehen mußt«. Die Operation Hot einen guten Verkauf genommen. Erfolgreiche Glctschersorschungen i» Zentrnlasie«. Wie Nach- richten au» Seh in Kaschmir besagen, ist e« dem holländischen Forscher Bister, der«ine Expedition in das Karakorumgebirg« und nach Tibet unternommen hat, gelungen, die ganze gefährlich« Gletschergegend östlich vom Nubratale und auch die Hauttaler öst- lich von dem Schyoktale.zu erforschen. Mehr als ZWX) Quadratkilometer hohe Gebirgszüge, die mehr als SO bisher unerforschte G'estcher aufweifen, wurden erkoricht und ouk Korten verzeichnet. von der vr«»»«ner vottsdüh»« ist für den lammende» Vinter eine Konzertgemeinde geschaffen worden, die zu verbilligten Preisen 16 Symphonielonzerte veranstalten wird. Arbefterkuliur aus Gchallplaiien. „Die A r b e i t e r w e l t in Wort und Musik" heißt eine Serie von Schollplatten, die die„Neue Truppe" herausgc- bracht hat. Zum erstenmal ist hier der Versuch gemach:, auf die schwarze runde Platte, die bei dem heytigsn Slonde der Technik '■?'armvollendet große Opern- und Orchestermusik vermittelt, die ?uch durch die Maisenverbreitung der öden und geistlosen r zur Trägerin der Unkultur geworden ist. den Rhythmus i-u.er tampfbegeisterten klassischen Dichtung zu bannen, in der sich die Aufwärtsentwicklung der deutschen Freiheit?- und Arbeiterbe- wegung widerspiegelt. Damit ist die Schallplatte in den Dienst der Arbeiterkultur- bewegung gestellt. Alfred B e i e r l«, als Schauspieler und Rund- funksprcchcr auch den Berlinern wohlbekannt, war für eine ganze Serie von Platten der Sprecher. F r e i l i g r a t h(requiescat) und H e r w e g h(Die Partei) begeistern uns wieder oder viel- mehr immer noch durch den unerhörten Schwung ihrer Gedichte; da wird durch das genial in den Rhythmus gebannte monotone Auf- und Niedergehen des Webstuhls in Heines Anklage„Die Weber" zum furchtbaren Klagefchrei und erschütternden Erlebnis; der Atem unserer.Zeit weht durch die Schöpfungen der heutigen Zlrbetterdichter; M a t B o r t h e l(das Zlchtstundengedicht„Der große Hammer"), Ernst Preczong<„f)ons Jörg"), Heinrich Öcrsch(„Ein Kamerad");— die historischen Gedenktage der deutschen Freiheitsbewegung sind berücksichtigt: 1848 durch Her- w e g h(„Achtzehnter März") und F r e i l i g r a t h(„Die Toten an die Lebenden"): 1918 durch Otto Meier(„9. November"): der Bersassungstag durch Karl Bröger(„Vekenittnis") und H e r w e g h(„Hoch die Republik").— Nicht nur künstlerisch hoch- wertig, sondern von agitatorischer Wirkung sind Beranger(„Die heilige Allianz der Völker") und die(„Fragen an eine Arbeirer- stau"), Platten, die bei ollen Werbeaktionen der Partei, besonders auf dem Lande, eine erwünschte Beigabe werden können Es war sicher auch«in guter Gedanke der Weltgeschichte aus dem Grammophon«ine Tribüne zu schassen. So hören wir Victor Hugos groß« Rede auf Voltaire, Robespierres Rede über die Menschenrechte, den berühmten Brief Z o l a s an den Präsidenten der Republik„j'aeeuse"(„Ich klage an"), Briese auch von Jack London, Rosa Luxemburg und die«r- schütternden Abschiedsworte von Sacco und Vanzetti an ihre Söhne. Schließlich sei noch die„Totenrede auf Klabund" erwähnt, die der Dichter Gottfried Benn seihst aus zwei Platten ge- sprachen hat.— Die Platten sind aus den Rückseiten mst ent- sprechender Orchestermusik bespielt: International« Sozialisten- und Reichsbannermarsch und bei den Briefen mit Klaviersoli von Mozart und Schubert. Leider sind bis jetzt unsere herrlichen Arbesterchöre dabei unberücksichtigt geblieben. Wir werden diesen Mangel aus das Konto der Tatsach« buchen, daß es sich hier um einen Anfang handelt. Aber es ist«in vielversprechender Ansang. Beierl« hat Tem- perament und vor allem den Mut. den Kitsch, der neben vielen guten und technisch vollkommenen Leistungen der Schallplatten- Industrie das Publikum verbildet, der Arbeiterbevölterung ihre Literatur auf Sprechplatten zu bieten. Mit Z,SO Mark ist der Preis für die Platte nicht unerschwinglich. Jedenfalls verdient sein ernstes Streben Würdigung und Förderung Sonderobteiluvaea der voltsbühn«. Im groben EitzungSsael der Poll«- bübn«, Linunftr. 227, spricht DonnerSiag, abend« SV, Uhr, Zl. Dubow über „Russisches Theater», da« er aus seiner Ruhlandrrise kennenlernte. Die erst« Fernrakete. Nach eingebender Beratung mit den in Frag« kommenden Experten im Reichsmarineamt wird die erst« Fernrakete von Professor LS-rth in der ersten Ottoberhälste m der Nähe der Greffswalder Ol« abgeschossen werden. vorlrilae. Dr. Erwin Stranik, im Rahmen des Oesterreichisch- Teulichen Vollsbundes. Mittwoch, 8'/, Ubr. tn der„Deutlchen Mesellschaü" iSchadowstr. 6/7). über:„DaS Merarische Jungöücrreich und seine Sc ziehmigen zum Deutschen Reiche». Säst- willkomme«! Anmeldungen bei» BolkSbund. Berlin NW. 40, Kronprmzenuser 19. Mord an der Schwägerin. Die grausige Tai eines geistig Minderwertigen. Weil seine Schwägerin ihn schlecht behandelte, erwürgte sie der Z4jährige Landarbeiter Paul Krüger, heule steht der geistig minderwertig Angeklagte vor dem Landgericht III und soll sich wegen Totschlags verantworten. Psychiatrische Sachverständige werden über den Grad seiner Zurechnungs- fähigteit zu urteilen haben. Krüger, Sohn eines Landarbeiters, kam nur bis zur dritten Klaff«, dann wurde er K n c ch t. Er war wohl kein guter Arbeiter und mußte seine Stellung immer wieder wechseln. Dann passierte ihm ein Malheur; ein Auto überfuhr ihn, während er auf der Landstraße radelte. Er verließ das Krankenhaus mit einem ver» krüppelten Bein und war zur Landarbeit nicht mehr fähig. Sein verheirateter, zwei Jahre älterer Bruder, Arbeiter in Berlin, ließ ihn im November vorigen Jahres zu sich kommen. Zwischen beiden, wie auch zwischen dem Angeklagten und der Schwägerin bestand anfangs ein gutes Einvernehmen. Das Berhältnis ver- fchlimmerte sich aber, als der Angeklagte im Streit zwischen Bruder und Schwägerin die Partei der letzteren ergriff. Jetzt begann der Bruder ihn schief anzusehen. Beide schämten sich auch, ihn mitzu- nehmen, wenn sie ausgingen, da er keinen Anzug hatte. Die Schwägerin stichelte ihn, weil er keine Arbeit hatte: die 1l) Mark PZohlfohrtsunterstützung, die er ihr abgab, genügten nicht. All- mählich häufte sich in ihm die Wut. Er fühlte sich zurückgesetzt. Am Sonntag, dem 10. März, mußte er zu Hause bleiben, als Bruder und Schwägerin auf geschenkte Karten ins Theater gingen. Nachts kam der Bruder betrunken nach Haus«: später erschien auch die Schwägerin in Begleitung des Nachbarn. Sie zog den Mann aus, brachte ihn zu Bett und eirtfernts sich mit ihrem Begleiter. Am Morgen des 11. März machten Bruder und Schwägerin ihm Vorwürfe, daß er kein Waffer geholt hat.„Wenn es so weiter geht, dann bleibst du nicht mehr lange hier", hieß es. In dem An- geklagten kochte es. Er hatte sich schon eine schwere Flasche aus dem Vorraum geholt. Jetzt nahm er sie zur Hand, ging auf die schlafend« Schwägerin zu— sie hatte sich ausgekleidet und zu Vett gelegt— und schlug sie mehrmals auf den Kopf, so daß nur der Flaschenhals in seiner Hand blieb. Die Schwägerin erhob sich, beide kamen ins Ringen, er drückte sie nieder, schlug auf sie mit dem Flaschenhals ein, sie rangen weiter er drückte sie nochmals nieder und würgte die Frau so lange, bis sie leblos vor ihm lag. Jetzt wischte er mit einem Handtuch das Blut vom Boden auf, ver- setzte sich selbst eine Schnittwunde in die Hand, um einen Angriff der Schwägerin auf ihn vorzutäuschen, verbrannte sein blutiges Hemd und begab sich zu Verwandten. Hier wurde er am selben Tage verhaftet. So schildert der Angeklagt« unter Weinen immer wieder stockend und mit Mühe die Fragen des Vorsitzenden beant- wartend, die Motive der Tat und den Vorgang selbst. Der Bruder des Angeklagten hat ihm den Tod der Frau nicht verziehen. Er erzählt, wie er den Bruder auf dessen Bitten hin zu sich genommen, weil dieser auch ihm früher aus- geholfen hatte, wie der Bruder in Berlin Arbeit gesucht und nicht gefunden und wie dieser nur ungern im Hause geholfen habe. Es fei nicht richtig, daß er und die Schwägerin sich des Bruders ge- schämt hätten. Im übrigen schildert er den Anlaß zur Tat ähnlich wie der Angeklagte. Weller für Lerlinr Nachts sehr kühl, früh, neblig, am Tage. heiter, aber nur wenig wärmer.— Für Deulschlanb-/ Beständiges Wetter mit kalter Nacht und nur wenig höheren Tagestempcraturen.! Kommunistische„Darlehen". Streifunterstühung wird zurückgefordert. Ein eigenartiger Prozeß spielte sich vor dem Amtsgericht Ber- lin-Mitte ab. Die kommunistische Leitung der Filmgewerk- s ch a s t hatte 1327 einen wilden Streik in Szene gesetzt. Wie bei allen kommunistischen Organisationen war auch hier zur Unter- stützung das notwendige Streikgeld nicht vorhanden. Infolgedessen ging man überall mit dem Klingelbeutel herum. In dem Prozeß kam zur Sprache, daß das Gesamtvermögen des Verbandes nur 6M0 Mark betrug. Dieses Geld wurde durch Mittels- leute an Beauftragte der Filmgewerkschaft zwecks Finanzierung des Streiks überwiesen. An diese Quelle gingen auch die gesammelten Gelder. Die auf die Parolen der Kommunisten eingespielten Streitenden erhielten keine Slreikunkerslühung, sondern Darlehen von wöchentlich zehn Mark. Nach zwei Iahren schickte man nun an die damals Unlerslützlen •Das Qeburlshaus von Marl lllarx in tarier Sosfaldemokryllfckur SParM hat daa ffeburtshaus Marl tttarx' in Trier gekauft und tritt et in der Sorm nieder herftellen, in der et au JCebaeilen Marl lllarx' bef landen hat. St soll dann alt llüifeum und Archiv für'lllarx- Sorfchungen eingeriditei werden. Zahlungsbefehle und versucht durch Gerichtsbeschluß die Einziehung der damals gegebenen Darlehen. Daß die Gelder damals auf Sammellisten für die Streikenden einkamen, berührt die kommunistischen Arrangeure wenig, sondern diese sind der Auffassung, daß sämtliche Samme!« gelder ihnen gehören und wer nicht mehr„Heil Moskau" ruft, der wird durch den Gerichtsvollzieher gezwungen, die einmal ge, währte Streikunterstützung zurückzuzahlen. Darum„Taschen zu" bei Sammellisten kommunistischer Or- ganisationen, denn mit Hilfe von Gerichtsvollziehern werden die für die Streikenden gezeichneten Beträge von den Streikenden später wieder eingezogen._ Lohnzulage-„kommt nicht in Krage". Die Industrie Oberschlesiens in 7tot? S a l l o w i tz. 24. September. � Die Lohaverhandlnngen Im ostoberschlesischen Bergbau wur- den nach mehrstündigen Beratungen ausgehoben, da der Ver- treter der Unternehmer die Forderung derArbeiter in höhe von 1? Prozent sürundiskulabel erklärte und hinzufügte, daß eine Lohnerhöhung infolge der schlechten Wirtschaftslage der ober- schlesischen Industrie überhaupt nicht in Frage komme. Die Arbeitsgemeinschaft der Gewerkschaften hat daraufhin die Angelegenheit dem Schlichtungsausschutz zur Entscheidung übergeben. „Voller Gtreikerfolg". Der Wilmersdorfer Notstandsarbeiter. Am Mittwoch wußte di«„R. F." von einem vollen Streik» erfolg der Wilmersdorfer Notstandsarbeiter zu berichten. Schon in der Ueberschrift wurde als Erfolg gepriesen, daß der Obmann in seine alten Reche eingesetzt und ein Streikbrechr entlassen worden sei. Wie steht's mit diesem Erfolg? Durch ein Versehen des Wohl-» fahrtsamts wurden die Notstandsarbeiter fünf Tage in der Woche beschäftigt, anstatt an vier Tagen. Wohl um die Differenz wieder einzubringen, sollten ab Montag nur noch drei Tage gearbeitet werden, während, wie gesagt, an vier Tagen zu arbeiten war. Daraufhin wurde der Streit beschlossen, obwohl 116 Mann fehlten. Selbst der Versuch einer Klarstellung der Sachlage wurde abgelehnt. Von den Drahtziehern wurde erklärt, der Prooin» zialausschuß der KPD. habe ohnehin beschlossen, einen General st reik der Notstandsarbeiter in ganz Groß- Berlin herbeizuführen. Es zeigt« sich jedoch, daß bei den übrigen Bezirksämtern„die Vorarbeiten" noch nich erledigt waren. Am Mittwoch wurde di« Arbeit wieder aufgenommen. Bis zum 30. Oktober wird jetzt an fünf Tagen gearbeitet. Ledige arbeiten vier Tage. Und der Streikerfolg? Richtig ist, daß der kommunistische Obmann wieder„in seine alten Rechte" eingesetzt wurde, doch erst nachdem er ein vollständig loyales Verhalten fernerhin versprochen hat. Dieser nach oben jetzt loyale Kommunist soll«in schlimmerer Antreiber sein als der Bauleiter. Die«Areiktage werden nicht bezahlt, wie die„R. F." behauptet, vielmehr soll den Streikenden eine Streikentschädigunz von 2 Mark gezahlt werden. Einer der am Streik beteiligten Not» standsarbeiter hat sich ausgerechnet, daß der Streit sich erst recht auswirkt, wenn 26 Wochen verflossen sind. Er steht in seinem Lohn «ine Stuf« tiefer und erhält dementsprechend geringere Unterstützung. Die KPD. kann weder mit diesem Streik noch mit dem„Streik- erfolg" Staat inachen. Verantwortlich fvr'die Redaktion: Franz Nliih«, Berlin; Anzeigen: Th. chlocke, Derlin. Verlag: Vorwärts Verlag(8. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» drucke«! und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin 63B 68, Lindenstraße Z. Hierzu I Beilage. TiiScrtek-, Lichtspiele usw. Tlfl. 2 Vinte«. S n««Vr 6» Biilvnu UU Unsen neuen Preist: «Kteetigs 5 Uhr 60 Pt. eis Z Merk Tljl.>'/-» tnnnl. 6 Uhr 1 bis 6 Hart OrlBlnal- Raotelli nsw. plAza Tägl. S u. J Sonni.2.Sntu I Alex. E. 4. 8066 [INTERNAT. VARIETE Rose- rhessler, Groije Franktarier Str. 1 52 Tägl ch 8.15 Uhr (Sonntags 5.15 u. 9 Uhr) Die Weber von Gerhars Hauplmam Jeden onnabend 5.noUhr und jeden Sonntag 230 Uhr Schneewittchen und die sieben Zwerge Vor anzeiget Ab Z OkL jed. Mittwoch 5 U. nachm. Des tapfere schnelderleln VoiKsbUime lliiitvinBlllovuliti Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin Staatl. Sdiiller-Ib- 8 Uhr Der KaDfraano von Yeneitig Staauoper am Plau dar Bapabllk Tb Uhr Carmen Piseitor- Bflhne UV, Uhr OerKaurmann von Berlin Vorverkauf auch Im Pavillon der Reinhard tbühnen, Kurfürstendamm, Ecke UhlandstraBe Bismarck 448/449 Oentsdies Ttieat« Norden 12 310 Ende gegen Ii Die Fledermaus Musik v.Joh.StrauB. Regie: Max Reinhardt. Dirigent E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer D.I. 8Un Kammerspiele D.I. Norden 12310 gv». Ende gegen 10"» Zum 23. Male Der DDWiderstebliebe Komödie von Gdraldy und Spitzer Regie: Gustai Gründgens Ote Komödie J I Bismck.2414/7516 8-/« Uhr Ende geg. 10'/» Uhr Kolporfagc Komödie von Georg Kaiser Regie. Erich Engel Lessing-Tbeater Norden 10846 Gruppe langer SdsaospteleT Täglich PI, Uhr cyanhaii I 218 von FrtadrtiB Voll Kleines Theat. Merkur 1524 Täglich PI, Uhr Max Adalbert als Nante am Flüge Rudolf Nelson Laslsplelbaus Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8V, Uhr Grand Hotel Lüstspiel von Paul Frank GROSSES SCHAUSPIELHAUS tägl. 8 Uhr BarnswskHDliii Theater in der XUniggrätzer StraUe SV, Uhr Hannibalante portas Komödienhaus Täglich 8� Uhr Itribbyt Soppen tioil die betten Lustspiel von Julius Berstl Reichshallen-Thealer_ Abends[T] Sonntag nadbm,| 3| Das Fest-Programm der Sletdner Sänger nur noch bis 30. September. Nachmittags halbe Preise. Billettbest. Zentrum 112 63 önhoff- Brett. Varletö— Tanz Falkner- Orchester. Direktion Jr. Robert Klein Deotsebes (Inslltr-Thett Barbarossa 3937 SV, Uhr Die andereSeite lerlioer Tbeatei Oönhofmo SV» u Zwei Iravalien von Georg Kaiser Musik Spoliansky meai, d. ffestens Täglich 8V. Uhr Sonnab. u. Sonntag 4 und 8'/. Uhr Der W eitert olg ftledertüe Musik von Frans Lehar Tnnt.inKatn.Tor Kotthusser Str. 6 • Tägl.«Uhr � auch Sonnt. jjfb nachm. 3 U. ffl Enteil Sänger Das SeplenDer-Sttiioer Planetarium am Zoo— Vtrll«. JndiiBnfluln itnSc B.5 Barbarossa 5578 16'/» Uhr Harbit- abeaUeam Staraan- himmal 18V» Uhr Bit an die Grenzen der Welt TO'» Uhr Rätsel de« Stemenlic.itee Tägl.auBer Montags u. Mittw. Erwachs- 1 Mk, Kinder 50 Pf. Mittw. Erwachsene W Pf. Kinder 2» Pf. Regie: ERIK CHADELl aisamt-msitaniuio: Prof. Ernsl Stern. i. 1 Uhr s,8- nachm. ungekürzte v Ulli Vorst, zu haiueo Preisen. 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Prfiwer Eintritt 1 Mk TFiMon-Th.�oT Täglich 8'/» Uhr Dergr.lnsuplelerlola Das kämmt doch alle Tage vor Johannes Riemann, Vilms v.AknaT, Max Landa.Lotte Kllnder ian i gut und billig T Nur Gross- Berlin Alexanderplatz Winker ★ Qarreru r Uhr« Zentr. 2810- Kaaden erloubi Dajos 661a und weitere Varletd-Neuheiten I Gustau Härtung Renaissance-Theater IUcber SO Mal: 7ä» Uhr Die heilige Fiamnh v.W S.Ma igbam. tHit: Lust tiar I..Ol«tz C 1 0901.*53: 81 Hart : a s i n o• r lit t;.? t.olhr.n�er Strafe 57 rtglldi ftVft Uh> nur noch wenige Auffuhr.. n«,t»i ffem getiörl mein Mann! Dazu ein erstkl. bunter Teil. Für unsere Leser. Gutschein für 1-4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M, sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. föeilagc Dienstag, 24. September 1929 3pr AbenS tfnfa ySfX l�i'lPtlWX Tribunal der Meinen Sünder Eindrücke vordem Schnellgericht Amtsgericht Berlin- Mitte, Abteilung 137.... chier zeigt die Justiz militärischen Schneid. Dieses Schnellgericht übt seine Funktion unvergleichlich prompter als die Moobiter Kollegien, die flitzende Akkuratesse ist sozusagen seine Lebensaufgabe. Das geht ohne große Voruntersuchungen, ohne lang« Beweisaufnahmen, ohne gründliche Plädoyers. Der Staatsanwalt Hot bei der Fülle der Termine, die hier Tag für Tag angeordnet sind, gor nicht die Möglichkeit, über die paar kargen Worte zur Darstellung des Tat- bcstandes hinaus seinen Antrag zu begründen: Verteidiger gibt es grundsätzlich nicht; der Richter kommt, selbst bei größter Erfahrung, N'cht selten in die Lage, daß die Rapidität des Verfahrens die Qua- lität der Entscheidung bedroht. Das Schnellgericht ist dos Tribunal der kleinen Sün- der..Kordinalfälle" gibt es hier kaum. Für den größten Teil der im Strafgesetzbüch als Verbrechen rubrizierten Delikt« ist dieses Gericht nicht kompetent. Darum sind die hier verhandelten Pro- zcsfe jedoch keineswegs minder interessant. Im Gegenteil: in diesem Saal erlebt der Zuhörer die merkwürdigsten und bezeichnendsten sozialen Einblicke. So ein Schnellgerichtsvormittag ist oft ein voll- kommener Querschnitt durch das heutige proletarische Leben, ein packender Film, der die tausend Banalitäten und Lächerlichkeiten des Alltags ebenso scharf propziert wie Elend und Not der Hundert- tausende, der Namenlosen, der Bedrückten und Unterdrückten. » Da ist der Fall eines Maschinenarbciters. Sieb stahl im Rückfall. Als er aus dem Gefängnis entlassen wurde, bekam er zehn Mark ausgehändigt. Er wendet sich an verschiedene Wohl- fahrtsinstanzen, wird aber überall abgewiesen. Endlich setzt er wenigstens den Bezug von Erwerbslosenunterstützung durch. Na- türlich reichen diese 12,80 Mark zum Leben nicht aus. Der Mann macht die größten Anstrengungen, Arbeit zu bekommen. Einmal märe es ihm auch beinahe gelungen. Aber da hat der Arbeitgeber seine V o r st r a f e erfahren und zuckt nun bedauernd die Achseln. In seiner Verzweiflung stiehlt der Angeklagte eines Tages ein Motorrad. Aber gleich darauf wird er schon verhaftet. Nun steht er vor dem Richter:„Aus Vergnügen habe ich es bestimmt nicht getan. Ich muß neun Mark Miete in der Woche bezahlen und stehe vollkommen allein da. Auch war ich früher in der Fürsorge." Das Gericht billigt ihn, mildernde Umstände zu. Trotzdem: sechs Monate Gefängnis. Aehnlich erging es einem verheirateten Bauarbeiter. Er war wegen A r b e I t s in a n g e l s entlassen worden. Bis Ansang 'August bezieht er noch Erwerbslosenuntcrstützung, dann fallen auch diese Notpfennige weg. Seinen letzten Anzug trägt der Man» zum Psondlecher. Als er völlig mittellos und hilflos dasteht, nimmt auch er seine Zuflucht zum Diebstahl: in zwei Fällen dringt er In Wohnungen ein und entwendet Wäschestücke. Da er erheblich vor- bestraft ist, fällt das Urteil sehr hart aus.' Ein Jahr vier Mo- n a t e Gefängnis. Was aus der Familie des Mannes in dieser Zeit wird, dainit hat sich der Strafrichter nicht zu beschäf- tigen. Ein Straßenmädchen erscheint vor den Schranken. Frage nach dem Beruf— resignierte Antwort:..Ick treibe jewerbsmäßije Un> zucht". Mit Galgenhumor ergibt sich dieses Geschöpf in ein un- gewisses Schicksal. Der Fall ist rasch geklärt: einen Diebstahl, "b Mark, die sie einem Bauarbeiter weggenommen hat, räumt die Angeklagte ohne weiteres ein. Der Schoden ist bereits wieder gutgemacht. Bei den weiteren Punkten der Anklage bestreitet sie energisch ihre Schuld. Die Beweisausnahme gibt ihr Recht. Im Fall zwei erklärt der geladene Zeuge, die Schwester der Angeklagten habe den Raub, es handelt sich um 4? Mark, ausgeführt. Endlich erscheint noch ein Herr als trauernder Hinterbliebener einer silbernen Uhr. Aber da ist nichts zu machen. Der Zeuge, zur Zeit des Diebstahls reichlich alkoholisiert, kann sich heute nur noch auf den schwarzen Mantel und Pelzkragen der Diebin besinnen. Das trisst auf die Angeklagte zu.„Zur Uebersührung nicht ausreichend," konstatiert der Richier. Und wieder ein Schicksal, gekenizzeichuet durch das harte Sig- »um„erwerbslos": Ein 2üjähriger gelernter Schmied war bis Mitte August als Bauarbeiter tätig und ist seither ohne Arbeit, er- hält aber auch keine Erwerbslosenunterstützung. Hierauf eine Woche Gefängnis wegen Diebstahls. Nach der Entlassung nach wie vor keine Arbeit. Bei einem Stellenvermittler machen sich zwei flüchtige Bekannte von ihm,„Hans" und„Hugo", über verschiedene Koffer her. Einen Teil der Ausbeute erhält«r, der Erlös ist recht spärlich und reicht kaum einen Tag zwm Leben.■ Der Mann erhält zehn Tage Gefängnis wegen Hehlerei. Eine schlechthin rührend« Gestalt ist der alte Gustav. So lautet die populär« Bezeichnung für den über kl) Jahre alten Ar- heiter, der mit Gelegenheitsarbeiten eine kümmerliche Existenz fristet. Gustav leidet schwer an Asthma. Es ist ein Hundeleben, das er in einer kleinen, der Zugluft ausgesetzten Laube führt.„Und da wollt ick mal'n paar Fenster versetzen," erklärt er. Er hat nämlich zwei kleine Fenstergläser von einem Eisenbahnwoggon heruntergeholt— tatsächlicher Wert: knapp 1 Mark— und ohne Erfolg beim Trödler zu verlausen gesucht. Die Geschichte liegt schon ein paar Monate zurück. Ein blöder Zufall hat doch noch zur Aufhellung dieses„Falles" geführt. Da die Firma, die übrigen» die beiden Wertgegenstände wohlbehalten zurückbekommen hat, An» trag auf Strafverfolgung gestellt hat— sie vermutete den Täter unter ihrer Arbeiterschaft—, so muß das Gericht die Lappalie ab- urteilen. Gustav muß auf vier Tag« ins Gefängnis. So will es der Buchstabe eines Gesetzes, bellen Revision nach menschlichen Maßstäben eines der dringendsten Gebote unserer Zeit ist. Unverständlich wirkt ein« Freiheitsstrafe auch in folgendem Fall: ein 26jähriger Expedient, der lange Zeit im Krankenhaus zugebracht hat. hält sich am Abend nach seiner Ent- lassung zu lange in einer Bierkneipe auf. In einer Augenblicks- laune reißt er nachher einem auf der Straße vorbeifahrenden Ge- fangenenwagen das Schild herunter. Darin erschöpst sich das„Ver- sthen". Geschädigt ist niemand. Dennoch drei Tage Ge- f ä n g n i s! Hätte da nicht auch eine leichte Pylizeistrase den Fweck erfüllt und obendrein dem Manne eine Eintragung in das £>trafregister erspart? Eine häufig wiederkehrende Angeklagtenspezies des Schnell- gerichts: die illegalen P e n n c r. Einmal ist es ein Terzett — zwei Burschen und ein 22iähriges Mädchen, eine ehemalige Lehrerin, die dem wenig günstigen Einfluß eines der Mitan- geklagten erlegen ist. Die drei haben, wie Zeugen angeben, mehr- fach auf dem Dachboden eines Hauses genächtigt, das offenstand. Eines Tages wurden sie in der Frühe durch die Polizei herunter- geholt. Schwerer Hausfriedensbruch. Das Mädchen wird frei- gesprochen—§ 153,3—, die beiden anderen werden zu Haststrafen von verschiedener Höhe oerurteilt. Ein anderer Angeklagter bevorzugt den Wartesaal des Pots- damer Bahnhofs. Dort hat man ihn schon einige Male nächtlicher- weile erwischt und verwarnt. Jetzt muß er diese hartnäckig« Pas- sion mit 14 Tagen Gefängnis sühnen. Die kapitalistischen Gäste der Luxushotels werden über die Problematik seines Falls vermut- lich nicht unterrichtet sein. » Ebenfalls zum täglichen Brot des Schnellgerichts gehören die zahllosen Paßvergehen. Typisch ist etwa folgender Sachver- halt: Ein 22jährig«r Äemonn, französischer Staatsangehöriger, hält sich seit Mitte August ohne Paß und andere Ausweise in Deutschland auf. Geboren ist er in Karlsruhe(Baden). Seine Mutter optiert« sür Frankreich, sie läßt sich 1919 in Rossingen (Elsaß) zusammen mit ihrem Sohn nieder. Im März 1927 stirbt die Mutter. Der junge Mensch ist elternlos. Er findet auf einem französischen Handelsdampser Arbeit. Im August dieses Jahres kommt er mit dem Dampfer noch Danzig. Dort geht er vom Schiff ab. Er sährt nach Berlin, um hier Arbeit zu suchen. Er will in Deutschland bleiben, vor allem auch, um dem französischen Militärdienst zu entgehen. Der Staatsanwalt beantragt Einstel- lung des Versahrens: das Gericht beschließt dementsprechend. Der Freigesprochene erklärt noch, er möchte deutsche Papiere be- kommen. Der Richter verweist ihn an dos Fremdenamt. Dann wieder konnnen polnische Staatsangehörige, häufig ebenfalls aus Gebieten, die vor dem Versailler Frieden zu Deutsch- land gehörten. Auch hier spielt die Abneigung vor dem Militärdienst eine Rolle. Manche aber hoffen in Deutsch- land Arbeit zu finden. Ausgerechnet in Deutschland mit seinem Millionenheer von Arbeitslosen! Mit Schärfe demonstrieren dies« Fäll« die Folgen eines Krieges, der einen ganzen Kontinent wirt- schaftlich und sozial in allen Fugen erschüttert hat. Chaos fast überall. Kleine Haststrafen werden bei diesen Paßvergehen meist fest- gesetzt als Präventivmittel gegen eine Belastung des deutschen Arbeitsmarktes durch Ausländer. Aber die Anarchie der Weltwirt- schaft, die die treibende Ursache bei allen Vorgängen dieser Art ist. kann kein Gericht beseitigen.\Y. Scb. Das Gespenst der Rachitis Eine Kinderkrankheit und eine politische Frage In der letzten Zeit wurde die medizinische Wissenschast durch einige aufschlußreiche Rachitisforschungcn bereichert. Einig« alte Ansichten über die englische Krankheit sind durch diese Forschungen hinfällig geworden: dagegen wurde die Auffassung, daß es sich hier um eine ausgesprochen« Proletarierkrankheit handelt, neu bestätigt. Nach den neuen Entdeckungen spielt bei der Rachitisfroge das unsichtbare, aber durch starke Wirkungen ausgezeichnete Ultra- v i o l e t t l i ch t eine sehr große Rolle. Einige Gelehrte haben ge- sunden, daß, wenn der in den tierischen und pflanzlichen Geweben sich befindende chemische Körper— Ergo st c r i n— durch dieses ultraviolett« Licht bestrahlt wird— das betreffende Prodult rachitis- heilend wirken kann. Das Fehlen dieses Produktes— Vita st e» r i n genannt— ruft Rachitis hervor. Jedes tierische und pflanzliche Gewebe ist reich an Ergosterin. Der Reichtum an Vitasterin, also an durch Ultraviolett bestrahlten Ergosterin hängt aber von der Stärke der Sonnenwirkung ab. Danach folgt, daß die vitasterin- reichsten Pslanzengewebe die grünen Pflanzenteil« sind, weil das in ihnen enthaltene Ergosterin am meisten dem Licht ausgesetzt ist und am leichtesten in Vitasterin unigewandelt werden kann. Von den Gemüsen sind die Sommergemüse an Vitasterin reicher als die Wintergemüse. Pflanzenfette, die aus Früchten stammen, enthalten kein Vitasterin: sie sind aber sehr reich an Ergosterin. Dieses kann künstlich bestrahlt und in Vitasterin umgewandelt werden. Von Fetten ist am vitasterinreichstcn der Lebertran. Der Mensch deckt seinen Vitasteringehalt aus zweierlei Quellen: aus der Nahrung und aus Luft und Licht. Das aus der letzteren Quell« stammende Vitasterin entsteht in der Haut oder den Haut- gefäßcn, wenn Ultraviolettlicht den Menschen(bzw. das Tier) trifft. Der Mensch bedarf also viel Lust, Licht und der Nahrung, die der starken Lichtwirtung ausgesetzt ist. Das alles fehlt aber den Prole- tarierkindern sehr oft. Auf diese Weise sind sie von der Rachitis be- sonders bedroht. Der bekannte Rachitisforscher, Kinderarzt Prof. Rudols Deckwitz, sagt in seiner jüngsten Arbeit: „Ein Defizit an Vitasterin in der Nahrung ist durch ein Ucberangebot an Vitasterin aus der Uniwelt durch direkte Zu- führung reicklicher Ultraviolettenergie kompensierbar(ausgleich- bar). Ein Defizit, in dem natürlicherweise aus der Ilmwelt stammenden Vitasterinbetrag ist durch eine erhöhte Zufuhr mit der Nahrung ausgleichbar." Dieses Defizit zu decken ist einem Großstädter und insbesondere einem Proletarier sehr schwer. In der Großstadt ist das Ultraviolett- licht durch die Rauch- und Dunstschicht recht spärlich. Davon abge- sehen, daß der Mensch damit unter dem starken Ultraviolettlichtverlust leidet, sind die in den Städten wachsenden Nahrungsmitteln an Vitasterin ärmer als auf dem Lande.„Innerhalb der Großstädte"— sagt Prof. Deckwitz an anderer Stelle—„werden diejenigen besonders bedroht sein, die in s ch l e ch t b e l i ch t e t e n Q u a r- tieren wohnen und außerstande sind, dies« Quartier« für längere Zeit während des Tages zu verlassen, um das lokal vorhandene Ultraviolett möglichst restlos auszunützen. Ist eine Ausnutzung des lokal vorhandenen spärlichen Ultraviolett in der Stadt überhaupt unmöglich, so wird auch eine aus normal belichteten Gegenden stammend«, normale Vitasterinmengen enthaltende Nahrung außerstande sein, das Entstehen der Rachitis bei einem hohen Prozentsatz von Kindern zu verhindern. Das könnte nur geschehen, wenn die Nahrung zur Deckung des Defizsts einen abnorm hohen Ditasteringehalt hätte. Kommen nun in der Großstadt zu der Un- Möglichkeit, das lokale Ultraviolett auszunützen, wirtschaftliche Moment« hinzu, die den Erwerb normal vitasterinhaltiger Nahrungs- stoff« verhindern, werden von der Mutter billige Fette und vom Kind billige Wurzelgemüse verzehrt, so wird bei der Verstopfung beider Vitasterinquellen die Rachitis besonders häufig und besonders schwer auftreten müssen— das städtische Proletariat i st innerhalb der Stadtbevölkeruäg vor allem für die Rachitis prädestiniert und erkrankt am häufig st en und schwer st en." So ist und bleibt das Rachitisproblem äußerst aktuell. In den Versuchen, diese Plage zu bekämpfen, ist man bis jetzt nicht einig. Don der Erörterung einiger von der Industrie hergestellten Be- kämpfungsmittel sehe ich an dieser Stelle ab: ebenfalls von einer Kritik der Tätigeit der F ü r s o r g e st« l l e n. Beides gehört in die spezi�l« Literatur. Eins ist hier nur zu bemerken, daß vernünftig organisierte Fürsorgestellen recht gute Dienst« in der Rachitis- bekämpfüng leisten können. Also auch die Lösung des Rachitis- Problems hängt vielfach vom Ausgang der kommenden Kommunal- wählen ab. Die Ausgestaltung von Fürsorge st«llen für R a ch i t i k e r ist eine der wichtigsten Aufgaben der kommunalen Gesundheitsfürsorge. Diese muh sich aber vor allem auf eine g e- sunde Wohnungspolitik stützen können. Di« Wiener Arbeiterkinder sind deshalb weniger der Rachitisgefahr ausgesetzt, weil sie seit dem sozialdemokratischen Sieg— 1. in den sonnigen Wohnungen wohnen und 2. weil sie in der Lage sind, den ganzen , Tag unter Aufficht von Kinderpslegerin»«» im Freien zu verbringen. Aber abgesehen von der gesunden Wohnungspolitik müssen die 'Kinder auch richtig gewählte und ausreichende Ernährung be- kommen: Möhren, Tomattn, andere Gemüsearten, Obst— das ober durch die Zollpolitik verteuert und durch die Lohnpolitik unerjchwing- lich gemacht wird! dl. Xentorcnvicr. Niels Ryberg Einsen Zu seinem 25. Todestag am 24. September Finfen, geborener Isländer, ein Märtyrer in seinem persön- lichen Dasein, da der seit der Jugendzeit schwer Erkrankte nur mit Hilfe einer überaus strengen Diät seine geistige Arbeitskraft zu er- halten vermochte, ist einer der Wohltäter der Menschheit. Durch seine Krankheit isoliert, hat der Forscher sich früh ge» wähnt, eigene Wege zu gehen. Das beweist �ein Wort von ihm, das man als Motto seinem Leben voransetzcn könnte:„Geht man einen Weg, welchem alle folgen, so wird es einem sehr schwer fallen, eine Blume zu finden, welche die anderen nicht schon gesehen haben; geht man dagegen in den Urwald, wo keiner früher gewesen ist, wo weder Weg noch Steg ist, und wo man sich durchschlagen muß. ist es kaum zu oermeiden, etwas Neues zu finden." Die Prophezeiung sollte in Erfüllung gehen. Niels Ryberg Finsen fand in der Tat etwas Neues: er wurde der Begrün- der der modernen Lichttherapie. Fast durch Zufall, dem die großen Entdeckungen so oft ihre Entstehung verdanken, kam der Forscher zu seiner Methode: sein schweres Leiden war es, dem die Welt Finsens große wissenschaftliche Tat verdankte. Da er leicht fröstelte, setzte er sich gern bei seinen Arbeiten in die Sonne: dabei war es nun, daß er ein ganz besonderes Wohlbehagen emv- fand, das er meinte, sonst niemals zu verspüren. Das führte ihn zunächst auf die Lichtftudien und alsbald zu seiner Rotlichtbehand- lung der Pocken. Um die Abhängigkeit beologischer Prozesse von der Lichtintensität zu prüfen, studierte Finsen dann zunächst die periodi- schen jährlichen Schwankungen des Blutfarbstoffgehalts, und bald darauf schuf er dann endlich die moderne Lichttherapie durch Ein- führung konzentrierter chemisch wirtsamer Lichtstrahlen. Der Leitgedanke war die Ausnützung der bakteriologischen Eigenschaften des Lichtes, besonders des blauen, violetten und ultra- violetten Anteils des Sonnenspektrunis. Die Schwankungen der Sonnenscheindaner zwangen den Forscher, nach einer konstanteren Lichtquelle zu suchen. So benutzte er in zweiter Etappe eine Kohlen- bogenlampe, bis Finsen schließlich einen eigenen Apparat schuf, bei der die für Ultraviolett undurchlässigen gläsernen Sammellinsen durch solche auf Quarz ersetzt wurden. Freunde und Gönner, die Verständnis für-ine Bedeutung der Endecktung hatten, ern>öglichten dem Forscher die Gründung eine» medizinischen Lichtinstitutes, das bald zu großer Bsrühnirhcit ge- langen sollte. Innerhalb von sechs Iahren wurden in dem Institut 800 Lupusbehandlungen vorgenommen mit bis dahin noch nie da» gewesenem Erfolg. Auch sonst wurde in dem Institut so erfolgreich praktisch und theoretisch gearbeitet, daß dem Forscher für seine Der» dienste der Nobelpreis verliehen wurde. Finsen lebte und arbeitete für das Wohl der Menschheit. Daß er sich dessen bewußt war, scheint schon daraus hervorzugehen, daß ex, wie Röntgen; es ablehnte, seine Erfindungen patentieren zu lassen. Diese waren ihm nicht Mittel zur persönlichen Bereicherung. sondern Allgemeingut der leidenden Menschen. Dr. List Herrberg. f�Dman von Ulax ßarlkel (1. Fortsetzung.) Hinter Nürnberg hatte sich ihr ein Mitreisender genähert,«» älterer Herr mit leblosem Gesicht, in dem die Augen unruhig man- derten. Er stellte sich als Aribert Hondt vor und war Theateragsnt, der sich auf Anfängerinnen spezialisierte und sie obskuren Bühnen ebenso gern zuführte, wie reichen Lebemännern. Herr Hondt be- fragte das Mädchen nach ihrem Reiseziel, und sie erzählte von einem Besuch in Berlin. Dann kam die Rede auf das Theater. Marianne begann zu schwärmen. Hondt fuhr nach Leipzig und berichtete von großen Namen, die er berühmt gemacht habe. „Kleines Fräulein,* sagte er zum Abschied,„hier ist meine Karte. Wenn Sie in Berlin länger bleiben, besuchen Sie mich bitte, ich konnte Ihnen Engagement an der Bühne verschaffen. Mit Kuß- band. Die Dorsch habe ich entdeckt und auch die Frigga Brodt, der Reinhardt ist ein alter Bekannter von mir. Sie haben ganz die Figur, die man braucht, und auch das Gesicht ist nicht übel. Das Theater ist eine große Sache. Haben Sie Lust zur Bühne?" „Ach," sagte sie,„ich habe auch schon einmal eine kleine Rolle gespielt. Meine Freundin Flora ist Schauspielerin. Ich habe schon Lust, aber noch mehr zum Film." „Zum Film ist ollemal noch Zeit, Fräulein," sagte er.„aber auch da könnte ich dienen. Der Direktor der Filmschule ist mein guter Freund. Aber wie steht es mit dem da?" Er machte die Geste des Geldzählens, und als er das erschreckte Gesicht des Mädchens sah. lachte er und fuhr fort:„Na ja, umsonst ist der Tod, Pinkus mutz zwitschern, ober wenn ein schönes Mädchen zwitschert, ist das allemal noch viel mehr wert als Pinkus." Marianne wußte nicht, was Pinkus war, aber sie lächelte und versprach, Herrn Aribert Hondt in Berlin aufzusuchen,. wenn die Schwester nichts gegen die Bühne oder den Film einzuwenden hätte. lind für die Filmschule interessiere sie sich sehr. Der Mann mit den unruhigen Augen tätschelte ihr, als der Zug in die mächtige Halle des Leipziger Hauptbahnhofs einfuhr, geliribe ihre schönen Hände, er zog seinen Künstlerhut, nahm den kleinen Lederkoffer, auf dem die bunten Marken ausländischer Hotels leuchteten, und grüßte er- geben, als er das Abteil verließ. Das Mädchen atmete auf, als sie allein war. Aber sie blieb nicht lange allein. Ein blonder Handlungsreisender kam und vir- sucht- auf der Reise durch das flache Land ein flaches Gespräch über irgendeine billige Revue und fand erst Interesse, als er vom Film zu erzählen begann und stolz gestand, daß er jede Woche fünfmal ins Kino, ins Lichtspieltheater, wie er sagte, gehe. Zwei Dialekte. der sächsische und der schwäbische, oereinten sich bis Bitterfeld, der schwarzen, häßlichen Fabrikstadt, zu einem Hymnus auf die Zauber- macht des Films. Der Reisende stieg aus und verkaufte kosmetische Artikel. Auch er winkt« lange vom Bahnsteig wie in Leipzig der Herr Hondt. Bitterseid war schon ein bitteres Feld! Vom Zug aus sah das Mädchen in die schwarze und trostlose Landschaft. Sie sah in die tiefen Krater der Kohlengruben und in die kummervollen Straßen- fluchten der Arbeiterquartiere. An der Strecke bauten sich die grauen und verwaschenen Hügel der Halden auf. Di« Wälder waren arm und gelichtet. Vor ihnen flatterten wie Fahnen oder Flammen die grünen Wipfel der Birken. Marianne bekam Angst. Sie sehnte sich nach der Heiterkeit schwäbischer Landschaft. Berlin, das wußte sie, lag zwischen Sand und Sumpf. Und aus Sand und Sumpf sollte das Lichtwunder des Films kommen? Der Eisenbahnzug rollte und hämmerte wsiter, donnerte über die breitdahinfließende Elbe, hielt einige Minuten in Wittenberg und ließ die Türme der alten Stadt sehen. Hinter den Türmen der alten Stadt aber standen die Schornsteine und Eisenkonstruktionen einer neuen Siedlung. Wie ein Gleichnis unserer Zeit hatte sich dort die chemische Industrie festgesetzt: aus der alten Historie und auch aus Wittenberg holte sich die neue Zeit sür ihre geschäftlich gut fundierten Lichtspiele die rührenden und tragischen Stoffe. Aber davon wußte das Mädchen noch nichts. Die Elbe war überquert. Dann kamen Wälder und Heiden, kleine Dörfer, grün« blühende Wiesen und wogende Felder. Zwei, drei Städte reckten sich aus der Landschaft, blieben zurück und bald zeigte Berlin seine ersten Siedlungen. Villen leuchteten, Wohnlauben und Gärten verdeckten den Sand. Dann kam die versteinerte Wucht der Vorstädte. Wie die großen stählernen Nervenbündel der Welt- stadt liefen die vielen blanken Gleise der Strecke neben dem Zug. Bald klirrten elektrische Schnellbahnen auf hochgestellten Anlagen vorbei. Ein Gasometer bläht« sich. Fabriken qualmten. Von den schwarzen Wetterwänden hoher Häuser knallte Retlame. Kanäle wurden wie im Anlauf übersprungen. Ein Hafen öffnet« seine Becken. Dann kam die Dunkelheit. Marianne fuhr in die schwarze. Halle des Anhalter Bahnhofs ein und trieb im Strom der Reisenden durch die Sperr«. Sie war nun in Berlin. Marianne war in Berlin und deponierte zuerst den kleinen Koffer. Sie überzählte ihre Barschaft. Siebzehn Mark, dos war dos ganze Vermögen. Die Pola Negri hatte drei Mark, als sie nach Berlin kam. Marianne hatte ein mutiges Herz. Auch ihr würde das Glück lächeln. Das Glück war ja bei ihr. In der Handtasche fühlte sie den grünen Götzen aus China. Es war abends in der fünften Stunde. Die Bureaus schloffen. Und als sie' sich nach der Friedrich- straße durchgefragt hatte— das Europahaus verblüffte sie, der große Park dahinter machte sie freudig— rollte sie in der Menschenflut wie ein winziges Sandkorn di« Straße abwärts und wunderte sich sehr, daß olle Leute grußlos aneinander vorbeitrieben. Di« Leute eilten und trieben aneinander vorbei, als hätten sie keine Zeit, als Lop?r>eti« 1929 by„Der Bücherkreis O. m b. H." Berlin SW 61. müßt«» sie immer hetzen und jagen, es war, als seien sie auf einer atemlosen Flucht. Aus der Erde, aus den Bahnhöfen der Untergrundbahn quollen di« Menschen in den frühen Abend, Männer und Frauen, Mädchen und Jünglinge. Ueber den blankgescheuerten Aspholt sausten die Autos. Die Ampeln an den Straßenkreuzungen flammten gelb. grün und rot auf und regellen den Verkehr. Durch die Leipziger Straße klapperten die gelben Straßenbahnen, rollten die Autos, schwankten wie riesige Büffel die großen Autobuffe. Ja, es war auch Frühling in der Stadt. Irgendwie wehte in den heißen Dünsten Erinnerung an kühle Meere, tiefe Wälder und blühende Wiesen, aber es war ein phantastischer Frühling, in dem über alle Erinnerungen die Technik allein triumphierte. Marianne war wie erschlagen. Zu Hause hatte sie einmal einen Film gesehen, der das Leben und Treiben einer amerikanischen Großstadt zeigte, aber d'e Lichtbilder waren ja stumm und geisterhaft gewesen, Schatten einer fernen Welt, aber nun war die Well da, di« Schatten gegenständlich, mit den Händen zu greisen, brüllend und gefährlich. Auch die vielen Frauen und Mädchen der Stadt erschreckten sie. Das war ja alles selbst wie ein Film oder wie der Anfang eines Spieles, in dem auch aus Schönheit und Rejchtum große Tragödien hervorbrechen. Viele der Frauen und Mädchen waren geschminkt und gepudert. Sie trugen am Werktag kostbare Kleider und saßen lässig in den weichen Sesseln der großen Cafes. Neben ihnen saßen elegante Kavaliere. Manchmal hörte man auf der Straße die Fetzen wilder, hymnischer Takte aufwühlender Musik. Das Mädchen ging weiter und verweilte an den Schaufenstern der großen Waren- Häuser, in denen der Reichtum aller Länder aufgestapelt war. Und als sie vor einem Juweliergeschäft stand und die edlen Stein« sah, die wie funkelnde Wintersterne flammten, wurde sie angesprochen. „So allein, gnädiges Fräulein?" fragte ein« dunkle Stimme. Sie drehte sich um, sah in ein kühnes Gesicht und wurde verlegen. „Ja, ganz allein." sagte sie endlich,„ich bin erst heute nach Berlin gekommen. Das ist aber«ine sehr große Stadt." Der Mann stutzte. Dann lachte er leise. „Und bei den Brillanten bleiben Sie stehen? Das ist gefährlich, liebes Fräulein." „Warum?" fragt« sie voller Unschuld. „Das ist ein« lange Geschichte. Ich will sie Ihnen gern er- zählen. Aber nicht auf der Straße. Darf ich mir erlauben, Sie zu einer Tasse Kaffee einzuladen?" Er wartet« kein« Antwort ab, nahm ihren Arm und führte sie die Straß« entlang. Das Mädchen ließ sich willenlos führen. Sie sagte kein Wort auf seine Fragen, sie wagt« nur ob und zu einen schnellen Blick in das schöne Gesicht. Das Cafe war bald erreicht. Marianne lächelte. Ja. es war schon wie in einem Film. Ein reicher Herr spricht ein armes Mädchen an und führt sie freundschaftlich durch«ine große, fremd« Stadt. Ihr Begleller ließ ihren Ann frei, ein gold- betreßter Portier schlug die spiegelnde Drehtür auf und diese Tür schaufelte sie in einen kostbar ausgestatteten Raum. In einer blitz- schnellen Sekunde sah sie alles: die tiefen roten und weichen Sessel, die eleganten Kavaliere, die geschminkten Frauen und Mädchen, ein Neger sang in einer fremden Sprach« ein schluchzendes Lied. dazu näselten die Saxophone, auf den weißen Marmortischen standen rot« Rosen— das alles sah das Mädchen in einer blitzschnellen Sekunde und ließ sich voller Angst durch die drehende Tür wieder auf die Straße schieben. Dann lief sie atemlos und schnell davon. Sie schämte sich ganz einfach, in dem billigen Kleidchen unter die schönen Frauen und Mädchen zu treten. Ihr Begleiter stutzte, kam auch auf die Straße und sah ihr« schnelle Flucht. Zuerst war er verdrossen, dann lochte er leise nachdenklich. Das Mädchen lief und lief und hielt erst Unter den Linden an. Endlich beruhigte sie sich und bummelte dem Bahnhof zu. Die Straßenmädchen an der Dorothcenstraße beneidet« sie um die schönen Kleider, sie fühlte sich unglücklich, sie schämte sich auch ihrer Fluch!. Aber dann hatte sie Hunger und aß bei Aschinger mit dem gesunden Appetit junger Menschen viele belegte Brötchen, sie dachte dabei an jenen Mann, der sie bei den Brillanten angesprochen hotie und hätte brennend gern gewußt, was sür eine Gefahr bei den funkelnden Steinen laure. Dann ging sie weiter. Am Admiral-- palast sah sie in den Schaukästen die Bilder der halbnackten Frauen und Mädchen ausgestellt. Si« schämte sich sür die ihr unbekannten Schwestern und hörte nicht, daß«in junger Mann aus sie einsprach und ihr galant« Anträge machte. Der junge Mann, ein Student der Philosophie, verfolgte sie bis zur Weidendammer Brücke und ließ sie dann mit einem zynischen Fluch weitergehen. Berlin, Berlin! Wie groß und abenteuerlich war doch dies« Stadt! In der Spree verblutete das Gold und loderte auch um den Vergnügung?- dampfer, der vom Müggelsee heraufkam und mit den bunian Schleifen, den. lachenden Menschen und der letzten Musik voller Frühlingslust war. Hinter der Spree ober lagen die steinernen Straßen und schwarzen Täler der Wohnquortiere. Nicht weit von den Krankenhäusern protzten die Theater. Wie die fahrigen Fahnen vieler Bekenntnisse waren die vielen Geschäfte, Cafes und Buch- Handlungen anzusehen. Marianne lief weiter bis zum Stettiner Bahnhof und dann nach dem hohen Norden zu. wo die Fabriken beginnen. Und dort oben besann sie sich endlich, daß sie ja zur Filmbörse wollte. Sie befragte einen jungen Arbeiter nach dem Weg, aber der verstand kein Schwäbisch und meint«, sie suche ein Kino. Da führte er sie in ein Lichtspielhaus, das sich kühn Kristall- palast nannte und einen Film zeigte, der am Rhein spielte. In diesem Film wurde viel geliebt, viel getrunken und auch viel ge- sungen, wie sich eben das Leben am Rhein verdorbene Phantasie vorstellt. Der Jllngliyg war begeistert, und als er erfuhr, daß Marianne vom Bodensee herkam, mußte sie in der Pause davon erzählen. Als das Licht erlosch und der junge Mensch ihre Hand faßte und drückte, stand sie mitten im Spiel auf und verließ das Theater. Di« Tränen waren ihr nahe. Nun war es Abend geworden. Die ersten Lampen brannten schon auf der Straße. Unweit des Kinos lärmt« ein Vergnügungs- park. Marianne schlenderte durch das bunte Tor und dachte an den Zirkus des Herrn Marteau. Sie ging die lauten Reihen ab, sah Ringkämpfer, Sterndeuter, Glücksspiele und Glücksbuden. Wurst und Schinken wurden verlost und auch di« Niet« war hier noch Gewinn: die nichts gewonnen hatten, bekamen jeder eine Scheibe Wurst in den Mund gesteckt. Der Zirkus in der kleinen Stadt war schon schöner. Ja, da gab es«inen fernen Mond und Feuer und Schwert: die alte und die neue Welt. Sie war einsam unter den vielen Menschen. War sie deshalb nach Berlin gekommen? Plötzlich erschien ihr die Flucht sinnlos. Ach ja, sie wollt« ja Star werden, sie dachte an die Negri und an Herrn Hondt. Sie würde morgen schon zu dem Agenten gehen. Bühne oder Film: alles war so gleichgültig! Was hat der Vater getan, als er den Brief bekam: Lieber, lieber Vater, ich bin fortgegangen und komme erst wieder, wenn ich berühmt bin? Lieber, lieber Vater, behalt« mich lieb? Sie verließ den Vergnügungspark und war trotz aller Schwer- mut Kind genug und war auf dem Karussell gefahren. Sie trottete die endlose Müllerstraße entlang bis zur Chausseestraß«. Auf der Friedrichstraß« stieß sie mit ihrem Schicksal zusammen. Das Schicksal der Marianne Hull war ein Mann. War der Mann, der sie vor dem Juweliergeschäft angesprochen hatte, der Mann, dem si- an der Drehtür entflohen war. Das Schicksal hieß Eugen Lyssander und war der bekannt« Schauspieler Lyssander, der im Film eine große Rolle spielte und unter dessen Regie bedeutende Lichtspiel« «ntstanden.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. ijniniinniimntniwmininniniinMnnniiniifniiiaiiiniimiDiannnmHnmnmnünMiimiiawnniininiuiüiniiimniniiiiiiniiiHuniHnnnüiiinnuiiuiiiiinnminniiininuuiiiiimiiui Zur Naturgeschichte der Wurst. Es würde sin leichtes fein, ohne Uebertreibung die Verschieden- heit der deutschen Voltsstämme in der Verschiedenheit ihrer Würste nachzuweisen. Meister Uhland hat es nicht unter der Würde des Dichters gefunden, die Wurst in seinem schönen„Metzelsuppenkied" poesivoll zu besingen. Seine Landsleute, die Schwaben, haben die Wurst schon seit undenkbaren Zeiten so liebenswert gefunden, daß dort im Lande auch das Sprichwort läuft: der Bauer wünsche sich dort lieber eine lange Wurst als eine lange Predigt. Eine gewisse Sentimentalität, verbunden mit raffiniertestem Geschmack drückt sich darin aus, wenn in Mittel- und Süddeutschland die delikaten Leber-, Hirn-, Blut-, Knack-, Brat-, Röst- und Schwartenwürste hergestellt werden. Norddeutschland ist weit weniger auf die weiche Wurst versessen: es hat in seinen fetten, gewürz. und speckreichen Mett- würsten den eigenen, das Derbe und das Erdhaft« bevorzugenden Geschmack kultiviert, ebenso wie die Länder des Buchweizens ihre Heide und Sandsteppen wiederum in ihren Griitz- oder Pinkelwürsten die heimische Note finden. Diele deuffche Städte, z. B. Braun- schweig, Göttingen, Gotha, Hall- u. o. haben durch ihr« spezielle Wurstbereitung den Kranz des Ruhmes und geschichtlichen Unsterb- l'chkeit errungen, was ihnen bei anderen Dingen nicht geglückt ist. vieostax, 24. September. Berlin. 16.30 Kon/erf. 17.15 Kinderstunde. 16.00 Unterbalfunssniosik. 30.00 Aictilellex. 20.30 Sinfonisch« Jtra M4 Operctta. Nach des Abendmeldnssea BUdfunt KSalgsVaeteTh aasen. 17.00 NacJunittajskonrert. 18,00 Prof. Mersmann:„Masikverstehea.*' 15.30 Franrösisch für Fortseschrittene. 18.53 Rochluz: Der innerpolitische Horizont des Amerikaner,'. 30.00..Die beiden Oeirlaen", Komische Oper von Qrdtry. Dann:„Philotnelt und ihr Narr". Musikdrama mit Musik in drei Teilen von R. 9t. Hoff- menn. Musik von M'Iioiere. Zur Geschichte der Wurst selbst, die sonst erst wenig erforscht ist, finden wir eine ganz frühe Mitteilung in dem Erlaß de» morgen- ländischen Kaisers Leo IV.(886 bis SN), welcher der damals aus- kommenden Bereitung der Blutwurst den Krieg erklärte.„Wir haben," so heißt es in seiner Verfügung,„in Erfahrung gebracht, daß die Menschen geradezu toll geworden sind, teils des Gewinnstes, teils der Leckerei wegen, Blut in eßbare Speisen zu verwandeln. Es ist uns zu Ohren gekommen, daß man Blut in Eingeweide wie in Röcke einpackt und so als ein ganz gewähnliches Gericht dem Magen zuschickt. Wir können nicht länger anstehen und zugeben, daß die Ehre des Staates durch eine so frevelhafte Erfindung bloß aus Schlemmerei freßlustiger Menschen geschändet werde. Wer. Blut zu Speisen umschafft, er mag nun dergleichen kaufen oder verkaufen. werde hart gegeißelt, zum Zeichen der Ehrlosigkeit bis auf die Haut geschoren und auf ewig aus dem Vaterlande verbannt. Auch die Obrigkeit der Städte sind wir nicht geneigt, frei ausgehen zu lassen: denn hätten sie ihre Aemter wachsamer g-führt, so wäre eine solche Untat nie begangen worden. Sic sollen ihre Nachlässigkeit mit 10 Pfund Goldes büßen." Die Löwener Bibliothek. Die Löwener Bibliothek, die jetzt noch d«r Wiederherstellung des Bibliothekgebäudes wieder eröffnet worden ist, weist infolge der deutschen Wiederherstellungen und freiwilliger Spenden aus fast allen Teilen der Welt einen großen Reichtum an wertvollen Büchern auf. Deutschland hat 300 000 Bände geliefert u. a. etwa 300 Perga- ment-Manuskripte aus dem 15. und 16 Jahrhundert und ein Manu- skript aus dem 11. Jahrhundert. Obwohl von der Löwener Uni- versität angeblich nur die Rückerstattung der in Sicherheit gebrachten Bücher gefordert worden war, hat Deutschland vier Millionen Mark zum Ankauf von Büchern für die Löwener Bibliothek zur Verfügung gestellt. Zu den von Deutschland gelieferten 300 000 Bänden kommen 350 000 Bände aus den Spenden der verschiedenen Länder, u. a. Ä 000 aus Groß-Britannien und 33 000 ans Frankreich. Spuk, Von blassem Entsetzen gepackt wurden Bürger der Gemeinde Ostermünchen, die während eines furchtbaren Gewitters heimwärts eilten und plötzlich im Schein der Blitz« auf der Straße einen Sorg stehen sahen, dessen Deckel sich bewegte. Die Sache klärte sich aber harmlos auf: De: Schreinergeselle, der den Sarg transportierte, hatte vor dem Regen Schutz im Sarge gesucht Der internationale Arbeitersport. Zur Tagung der SASI. vom 12.— 14. Okiober in Prag. Eigentlich könnte man die Frage auswerfen: Ist eine inter- nationale Zusammenfassung des Arbeitersports not- wendig? In allen Ländern betreiben die Arbeiter Sport— dos bedingt schon die kapitalistische Arbeitsmethode— zur Gesunderhaltung des Körpers, womit wir uns offenbar zufriedengeben könnten. Nein technisch gesehen, Hot jedes Land auch seine besonders beliebten Sportarten und Sportmethoden, die in der ganz verschieden ge- arteten wirtschastlichen, klimatischen und kulturellen Entwicklung be- grüntet und international nicht auf ein« völlig einheitlich« Linie zu bringen sind. Dazu kommen die sprachlichen Schwierigkeiten, die auch durch Esperanto bisher nicht gelöst werden konnten. Und dennoch steht fest: Die glänzendsten Sportveranstaltungen haben durch internationale Beteiligung eine ganz besondere weihe erhalten! Die Olympiade in Frankfurt o. M. führte uns über ein Sportfest hinaus zur internationalen Verbrüderung, dos Prager Fest, die Tschechen in Berlin im vorigen Jahre, das große deutsche Arbeiter- jportsest in Nürnberg und viel« andere Veranstaltungen im In- und Ausland bracht« spontane Begeisterung, die in dauernder Er- innerung geblieben ist. Eine gleiche Wirkung wird auch die nächste Olympiade in Wien hoben. Die eigentliche Notwendigkeit inter- nationaler Zusammenfastung ergab sich aber aus der s o z i a l i st i-' fchcn Grundlage des Arbeitersports. Für den So- 1 zialismus ist eine internationale einheitliche Grundlage die Voraus- sstzung seines Erfolges. So entstand die politische und gewerkschast- liche, dann die konsumgenossenschaftliche Internationale. Der Ar- bcitersport war zunächst in der Luzerner Sportinternotional« zu- jommengefaßt, die auf dem Kongreß in Paris 1923 dann«in« feste und systematisch ausgebaut« Form in der .Sozialistischen Arbeiler-Sparl.Znternationale(SASZ.j cihielt.— Vom 12. bis 14. Oktober tritt der 3. Kongreß der SASI. in Prag zusammen, dem der Tätigkeitsbericht für die Jahre 1927/1929 vorliegen wird. Einiges aus diesem Bericht wird weiter« Kreise interessieren. Im Jahre 1929 waren, infolge des Krieges, nur 379 999 Mitglieder vorhanden, 1927 war dies« Zahl auf 1 384819, am 1. Januar 1929 aus 1791 926 gestiegen, die sich nach Altersklassen und Geschlecht wie folgt oerteilen: Mitglieder männl.»etbl. 1 917 226 169 362 Jugendliche münnl. mctM. 197 483 78 842 Kinder miinnl. velbl. 135 344 195 667 Die weiblichen Sportfreund« sind demnach international noch daz„schwache Geschlecht", woraus sich die Notwendigkeit einer inten- siveren Förderung des Frauenjports ergibt. Nur in Deutsch- l a n d und Finnland sind Frauen- Sportzeitungen vorhanden. In den Bundesleiiungen haben die Frauen nur eine Vertretung in Polen(Deutscher Verband), Schweiz. Deutschland(8), Finnland(9), Oesterreich, Tschechoslowakei-Prog(2). Ungarn(6), Litauen(1), Polen, Polnischer Verband(4). Der internationale tech- Nische Hauptausschuß wird durch die Lorsitzenden der Fachausschüsse der einzelnen Sparten gebildet. Eine wichtige Veranstallung war der internationale Turn.- und Gymnastikkursus vom 4. bis 8. August 1928 an der Arbeiter-Sportschule in Leipzig, der wesentlich dazu beigetragen hat, die Betriebsweise in den einzelnen Ländern zu vereinheitlichen. Wintersport wird in 9 Ländern be- trieben. Die Handballspiele sind in allen Ländern stark oerbreUet. Von 123.146 Spielen wurden in 14339 Mannschaften 99 136 Spiele ausgetragen. Das Jahr 1939 bringt verschiedene große Fest«, deren Veranstalter auf eine Unterstützung der Internationale hoffen. Ge- meldet sind bis jetzt: im Juli BundeSdiro- und Sportfest in ?l u s s i g, Verbondsfcst in der Schweiz- Ahm, Bundesfest in Lettland im Juli, Internationales Sportfest rn L ü t t i ch im August. Die Berichte der Länder geben eine interessante Ucbersicht. Im ASKOe.(Oesterreich) sind 19 Verbände mit 2699 Ortsgruppen und 239 999 Mitgliedern. Die bürgerlich« Sportbewegung ist schwach, der bürgerlich« Fußballsport dem Professionolismus verfallen. Zur 2 Internarionalen Arbeiter-Olympiade 1931 in Wien wird der Ar- beiterfport alle Kräfte einsetzen. In der Schweiz sind 276 Ver- eine mit 23 986(davon 2682 weiblichen) Mitgliedern. Hier ist der bürgerliche Sport noch sehr stark. Die Tschechoslowakei Hat einen tschechischen(196 425 Mitglieder) und einen deutschen Ver- band(47 912 Mitglieder). Belgien hat 19 315 Mitglieder. Der Arbeitersport entwickelt sich in letzter Zeit günstig, die einzelnen Sportorten sind in Sektionen geteilt. In Frankreich(29 999 Mitglieder) ist noch keine einheitliche Basis gefunden, so daß sich mancherlei Scklwierigteiten ergeben. Holland(4947 Mitglieder) -lt in guter Entwicklung. In Finnland(444 Vereine mit 38 176 Mitgliedern) ist der Arbeitersportoerband die stärkst« Sport- organisation des Landes. L e t t l a n d und E st l a n d sind in guter Aufbauarbeit, In Litauen ist durch die faschistische Gewaltherr. schast Slrbeitersport nicht möglich. D ä n e w. a r k hat in diesem Jahre einen Verband mit 29 999 Mitgliedern begründet, in Schweden scheitert« der gleiche Versuch durch kommunistische Wühlarbeit. Norwegen hat seit 1923 einen Arbeitersportverband mit 29 999 Mitgliedern, der aber der RSJ. angehört. Der polnische Der- bend ist im Verlaufe von 3 Jahren von 499 auf 19 999 Mitgliedern gestiegen. Der jüdische Verband in Polen ist 1924 entstanden, er hat 89 Ortsgruppen mit 4999 Mitgliedern. Der deutsche Verband in Polen hat 3999 Mitglieder. Eine Zusammenfastung der polnischen Verbände wird angestrebt. In Ungarn, Rumänien und Italien liegen die Derhältniste ungünstig. Jugoslawien hat in Slo- wcnien einen guten Sport- und Kulturverband mit 34 Ortsgruppen und diversen Sektion«».. Bosnien und Herzegowina haben einen besonderen Verband. In England ist der Arbeitersport noch in den ersten Zlnfängen. Amerika weist Anfänge des Arbeiter- sports schon in der Vorkriegszeit auf. die aber keinen dauernden Erfolg hatten. Ein« neue Bewegung geht von New York aus, die Mitgliederzahl beträgt zurzeit 359. Die tschechoslowakischen Arbeiter. vereine haben in Ehikago und Cleveland 7 Verein« mit 1999 Mit- gliedern. Deutschland nimmt mit seinen 15 739 vereinen und 1119 521 Mitgliedern naturgemäß ein« sührend< Stellung in der Znter- nationale ein. Nach Entfernimg der kommunistischen Spaltpilze macht sich überall «in neu« Aufblühen der Organisationen bemerkbar. De, internationale Kongreß in Prag wird fleißige Arbeit leisten müsten. wie sich aus der vorstehe ckden Uebersicht ergibt. Es gilt. die durch den Krieg und seine Folgen zerristenen Fäden überoll wieder anzuknüpfen. In einigen Ländern, wie Norwegen und England, stehen die sozialistischen Arbeiter dem Arbeitersport noch interestelos gegenüber und überlassen die Jugend den Bürgerlichen bzw. Kommunisten. Kulturell wird sich der Kongreß mit einem „Erziehungsprogramm der SASZ." beschäftigen, der das gesamte Programm der Sozialistischen Ar- beiter-Sport-Jnternotionole enthält. Hinzu kommt die Vorarbeit für die Olympiade, Referat über den Frauensport, internationalen Gesundheitsdienst und die Bedeutung des Fußballsports. Die ge- somte Tagesordnung umfaßt 14 Punkte, wobei die Frage der „Roten Sport-Internationale" diesmal ausschaltet, da über die Ablehnung der kommunistischen Spoltungsarb«it endlich überall Einmütigkeit herrscht. Nun kann es an die posttive prat- tische Arbeit gehen, wozu wir dem Kongreß guten Erfolg wünschen. Wir schließen uns den Worten im Geschäftsbericht an:„Der Proger Kongreß wird die geistige Rüstung der sozialistischen Ar- beiiersportler schärfen: er wird sie in der gemeinsamen Front mit dem klassenbewußten Proletariat der ganzen Welt an der Arbeit sehen." rüSSBALL Spiele in Shirm und Regen. Sturm und Regen ließen es am letzten Sonntag nicht zu, daß die Spiele einwandfrei zum Austrag kamen. Das bedeutungsvolle Treffen Germania gegen Weißensee mußte schon nach 39 Minuten abgebrochen werden. Bis zu dieser Zeit stand das Resultat auf 9: 9. Wohl hatte Germania, gegen den Wind spielend, stets etwas mehr vom Spiel, gegen die starke Hintermannfchast der Weißens«« war aber nicht aufzukommen.— Eine unverhältnismäßig heche Niederlage holte sich Rathenow von Lichten- b e r g l. Gleich noch Beginn erzielten die Rathenower ihren ein- zigen Treffer. Wohl versuchten sie, das Resultat zu verbestern, gegen die gute Kombination der Lichtenbcrger kamen sie aber nicht auf. In gleichmäßigen Abständen sandten die Lichtenberger sieben- mal ein. Nach der Pause verdoppelten sie das Resultat auf 14: 1. Die zweiten Mannschaften trennten sich beim Stande von 5:1 für Rathenow.— Das neueste Mitglied der Bewegung, der Sport- verein„Freie Scholle", holte sich gleich im ersten Spiel gegen„Vorwärts"-W«dding mit 6: 3 die Punkt«.— Luckenwald« II fertigt« Karow leicht mit 6:1(3: 9) ab. Wansdorf verlor gegen Werder 77 knapp mit 9: 1.„Vorwärts" 2 gegen Weißens« 3: 9. Lichtenberg I Jugend gegen„Vorwärts" 2: 6. Dienst am Vollce. 25 Jahre„Freie Schwimmer" Neukölln. D;c Ortsgruppe Neukölln der FreienSchwimmerGroß- Berlin konnte am 21. September ihr 25jähriges Bestehen feiern. An diesem Tage begründeten im Jahr« 1897 drei Schwimmvereine, .,Vorwärts"-Berlin,„Neptun"-Weißensee und„Nord"-Berlm den Arbeiterschwimmerbund. Dieser neue Bund sollte all« Schwimmer sammeln, die von den bürgerlich-monarchistischen Vereinen nichts wissen wollten. Im Jahre 1994 wurde dann von drei Schwimm- genossen«in«„Abteilung Rixdorf" gegründet, der alsbald 35 Mit- glicder beitraten. Die Ortsgruppe richtete in der Stolzenburgfchen Badeanstalt eigene Schwimmabende ein, die solchen Anklang fanden, daß das erste Vierteljahr der neuen Abteilung«inen Aufschwung bis auf 194 Mitglieder brachte. Die Schwimmer waren sehr aktiv: in den Protokollen des Jahres 1994 wird ein Antrag des Schwimm- g«nost«n Zepmeifel erwähnt, der„eine eigene Badeanstalt für Neu- kölln verlangte"! Die Ortsgruppe jchuf sich recht bald die nötwen- digen Geräte, wie einen Trockenschwimmapparat, um ihre Aufgabe, recht vielen das Schwimmen zu lehren, erfüllen zu können. Eingegliedert in die großen Organisationen der Arbeiterschaft, nahmen die Schwimmgenossen regen Anteil an den Kämpfen der Arbeiter- schast. und gerade aus den Kreisen der Freien Schwimmer haben die Arbeiterorganisationen eine Reihe sehr tüchtiger Funktionär« ge- Wonnen. Das Jubiläum feierten die Freien Schwimmer mit einem Fest- k o m m« r s im Orpheum. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Neu- kölln, Ruthe, begrüßte die zahlreich«rfchienenen Gäste und gab einen Ueberblick über das Wirken der Organisation. Der Sparten- Vorsitzende Schulz beglückwünschte die Organisation zu ihrem Iubi- läum. Im Auftrag« des Bezirksamtes Neukölln nahm Stadtrat Schneider das Wort, der auf den Wert von Schwimmorgoni- sationen hinwies und dabei insbesondere di« Leistungen der Freien Schwimmer hervorhob. Hodcey in Leipzig. Grofj-Beriin verliert gegen Amateure. Am letzten Sonntag weilten die 1. Männer- und Frauen- Mannschaften der Freien Turnerschaft Groß-Berlin, Sportabteilung Nordring, in L e i p z i g, um an dem vom Sportverein „Amateure 94", Leipzig Mölkau, ausgeschriebenen Turnier teil« zunehmen. Leider hatte die Magdeburger Mannschaft in letzter Minute abgesagt, so daß die 2. Mannschaft des Gastgebers teil- nehmen mußte. Das Los entschied, daß am Vormittag die Nvld- ring-Mannschaft gegen die zweite von Amateure spielte— übrigens der einzigste Glücksmoment, den die Berliner hatten.—, während Amateurs 1 gegen Kottbuz das schwerere Vorspiel hatte. Die Spiel« am Vormittag hatten somit weniger Interesse, da man ohne weiteres die Berliner und Leipziger als Sieger betrachtete, was auch eintraf. Die Resultate: Amateure I— Koftbim 5:1 und Nordring— Amateure II 3:1. Die Spiel« am Nachmittag wurden durch ein Frauenspiel ei»- gelestet, daß die erste Niederlage für Berlin wurde. 3: 1 mußte sich die jüngere Mannschaft durch Frauen-Amateure geschlagen be- kennen. Kottbus gewann gegen Amateure II 2:1, ohne die dauernde Ueberlegenheit in Zäk�bores umwandeln zu können. Dann kreuzten Nordring und Amateure die Schläger: es entwickelte sich ein flottes, ausgeglichenes Spiel, trotzdem Nordring gegen Sturm und Regenschauer zu spielen hatte. Bold stand es 1: 9 für Berlin. Aber die Berliner hatten einen schlechten Schiedsrichter auf ihre: Torssit«, der durch zwei Fehlentscheidungen die Leipziger in Führung kommen ließ. Die Nordringleute wurden nun aufgeregt, und ihi Torwart ließ den Ball noch zweimal passieren. Fast die ganze zweite Hälfte wurde infolge Verletzung eines Spielers nur noch mit 19 Mann gespielt, aber trotz leichter Ueberlegcnheit der Berliner nichts weiter erreicht. Mit 4:1 für Amateure endete dann das interessante Treffen. Der vergehliebe Weltmeister. Schikat sucht seinen Diamaniengürtel. Der bekannte ostpreußische Berufsringer Richard Schikat, der vor e.iniger Zeit in Amerika zum Weltmeister im freien Ringkampf erklärt wurde, erwarb mit diesem Titel zugleich auch einen wer. vollen Meisterschaftsgürtel, der mit Gold und Dia- manten besetzt, einen Wert von 19 999 Dollar repräsentiert. vor einigen Tagen schwebte nun der starke und in Amerika sehr populäre Ostpreuße in tausend Aengsten, da ihm durch seine Ver- geßlichteit der wertvolle Gürtel abhanden gekommen war. Schikat kam von Philadelphia nach New Tork, um sich, wie sich das gehört, in seiner neuen Würde photographieren zu lassen, natürlich mit seinem neuen gold- und diamontbesetzten 19 999-Dollar-Meisterschafts- gürtel. Er nahm sich vom Bahnhof zum Bureau des Ringkampi- Veranstalters Jack Curley ein Auto, verfrachtete seine 229 Pfund nebst seiner wertvollen Bauchbinde in dem Wagen, entsrachtete sich am Ziel, vergaß aber ganz sein wertvolles Angebinde. Er vest-- zur nächsten Polizeistation in der 47. Strohe, aber niemand hatte es abgegeben. Ein geknickter Weltmeister wankte davon, sein schöner. Gürtel war flöten. Wie sollte er sich nun der Kamera zeigen? Plötzlich klingelt« Curleys Telephon. Der Wachthabende von der Polizeiwache in der 31. Straße meldete,-daß ein Taxichauffeur so- eben ein Wertstück abgegeben habe, das entweder um ein Faß od«» um einen Ringkämpfer passen müsse.„Dick", wie Richard Sch'.lut drüben ollgemein genannt wird, fuhr sofort hin und fand hocherfreut das„Goldkorsett". Gründung des Deutschen Wintersport-- Verbandes. Nach den republikanischen Wassersportlern haben sich nun auch die Verbände der republikanischen Wintersportler zusammengeschlossen und am 13. September den„Deutschen Wintersportverband" gegründet. In den Statuten des neuen Verbandes wird ausdrücklich hervorgehoben, daß zusammen- gefaßt werden sollen alle Wintersportler und Vereine innerhalb des Deutschen Reiches, deren Mitglieder sich zur republikanischen Staatsform bekennen. Der Wintersport soll gefördert und auch den Minderbemittelten zugänglich gemacht, soll ein wahrer Volkssport werden. Zu dem Aufgabengebiet wird zunächst einmal gehören, winter- sportliche Erziehung und Belehrung und di« Veranstaltung von größeren Wintersportsahrten. Durch die gemeinsamen Fahrten soll es auch dem Arbeiter möglich werden, einmal die Mittel- und Hoch- gebirge im Winter besuchen zu können. Die Verbilligung der Fahrten wird erstrebt durch Bereitstellung von llntertllnsten. Sportlich werden die Mitglieder ausgebildet in Lehr- und Trocken- kursen. Vorträge werden die Wintersportier auch mit dem Rettungs- wesen vertraut machen. Mitglied des Verbandes kann, jeder Republikaner werden, parteipolitische oder konfessionelle Gebunden- heit bleiben unberücksichtigt. Für den Winter hat der Verband schon ein umsassendes Programm aufgestellt. Während der Weih- nachtsfeiertage werden die Mitglieder in die Oetztaler Alpen fahren und zu Ostern in das Riesengebirge. Ende Januar wird ein Skikursus im Harz durchgeführt. Zu gleicher Zeit wird dann das erst« Wintersportsest und die erste Tagung des neuen Verbandes abgehalten. Sportwetttämpf« und Springkonkurrenzen werden das Programm bereichern. Um unter den Mitgliedern eine enge Verbindung zu schaffen, wird schon in nächster Zeit eine Zeil- jchrift herausgegeben. Zum Präsidenten des Verbandes wurde Dr. Dietzel- Weimar gewählt, die Geschäftsstelle des Verbandes befindet sich vorläufig Berlin SW 68, Markgrafenstraße 22. Immer der betete. Otto Peltzer kommt immer zu spät, das ist nun mal sein Schicksal. Sein Unglück blieb ihm selbst aus dem Wege nach Japan über Moskau treu. In Warschau hatte er mit einem Kollegen das Pech, den Zug nach Moskau zu verpassen. E? setzte zwar in einem Rekordlauj dem abfahrenden Zuge nach, kam auch glücklich vor seinem Konkurrenten an. der sich jedoch ebenfalls noch placieren konnte, aber— o weh!— es war der falsche Zug. Inzwischen war der richtige Zug von einem anderen Bahnsteig abgefahren und Otto und sein Leidensgcnosse mußten ohne Schlafwagen hinteitrudeln, um zwei Tage später in Moskau anzukommen, das die Reisegesell- schast bereits wieder verlassen hatte. Die Ankunft in Tokio wird drei Tage später erfolgen. Nach diesem hervorragenden Training wird unser freund in Japan ganz sicher einen seiner berühmten Siege seiern können. Berufs- und Amateurboxkämpfe. Der„Ständige Box- ring" bringt Freitag, 27. September, folgendes Programm zur Abwicklung: W. Peter-Berlin gegen H. Schulz-Königsbera, Koskn- Gleiwitz gegen Hülsebus-Bremen, Gohres-Duisburg gegen Zinndorf- Wiesbaden, Kracht-Hamburg gegen Boguhn-Berlin, F. Kuhn- Hirschberg gegen Ahrens-Berlin.'— Der Boxsport-Club „Sparta" c. V. veranstaltet Mittwoch, 25. d. M. 29 Uhr, in seiner Uebungsstätt«, Clzarlattenburg, Kaiser-Friedrich-Stroße 97, einen Kampsabend, der hauptsächlich dem Nachwuchs gewidmet ist. Da die Teilnehmer schon bei Turnieren guten Knmpigeist gezeigt haben, dürfte es harten Sport geben. 3r«!e Simwmtt»»»H-Beeli» 8. Gruppe ütuIoB*. Grnppcnvrrsamm. lunfl Mittwoch, 28. Scptrrnhtt, 20 Uhr, 6ommctboi. 2öiäbciats Stiftuua»- leit fipnnobcnb, 28. Septrmbrc, 20 Uhr, Orpheum, Lasrnhribe. Gruppe Lichten. btta.©tuppenoetfornrnrun« Soiinlap, 29. September, 1« Uhr, bei Weqcncr. granksurter Allee 28«, Grnpp» vberspree. Augerorbeniliche©euppenversamiu. lun« Moutag. 80, September, 20 Uhr, im Elseneck. 3f»G«., Kpoetabteiliena Roehrinq-. Lepiember. 20 Uhr. Lehrter Sir. 18—19: Unterhaltungsabenb. «bt. Ltchtenberg; Donnerstag. 26. September. Gunterstr. 44:„Allerlei poin Urlaub.—««. eibweft: Donnerstag. 28. September. 20 Uhr. Aprckftr. Ii: Dortrag über Lolftoi"(»efetent Sc. M. Schütte).— Raturlundlickc»bt■ Donnerstag. 26. September. 20 Uhr. Iohannisstr. 15:.Unsere Dinterarbei' Wie Gowietarbeiier leben. Oie kulturlose Wohnung. Das Zcniralorgan der russischen Gewerkschaften„Trud" (Nr. 110) widmet«ine ganze Seite der Knlturlosigkeit des sowjet- russischen Arbeiterheimes. Es zitiert die Entschliehung des 8. Kon- gresses der russischen Gewcrkschasten:„D>e ersolgreiche Lösung der init schneller Steigerung der Produktivität und Intensität der Arbeit oerbiindenen Ausgaben erheischt nicht bloß ein« Gesundung der Produktionsverhältnisse, sondern auch eine Verbesserung der Wohnungsoerhältnisse der Arbeiter." Die Schilderung der Wohnungsverhältniss«, die das Blatt bringt, spricht allerdings jeglicher Menschenwürde Hohn. Da sind z. B. die Arbeitshäuser der ersten Moskauer Krrttun- fabrik, 18 an der Zahl: jelbst die ältesten Arbeiter entsinnen sich nicht, daß je ein« Reparatur vorgenommen wurde. Die Dächer sind schadhaft, die Wände rissig, die Fensterrahmen teilweise zer- stört. In winzigen Zimmern leben eng aneinander gepfercht 12 bis lö Menschen, auf Gnade und Ungnade den Quartalssäufern ausgeliefert. Auf-10 bis 50 Familien kommt«ine Küche: so sind hier Gezänk, Geschimpfe und Prügeleien an der Tagesordnung. Zeitungen und Bücher gibt es nicht, dafür aber bei den jungen Arbeiterinnen Lippenstift und seiden« Strümpfe. So in Moskau. Nicht anders im Moskauer Gouvernement. In der Fabrik„K r a f n y j e O s e r y" ist die Arbeitertasern« erst vor wenigen Monaten renoviert worden. Man merkt aber nichts davon: überall Staub, Kehricht, Spinnengewebe, Schmutz. In besonders schlimmem Zustand befinden sich die Wasserklosetts: die Becken sind.schadhaft, der ganze Unflat fließt samt dem Wasser aus die Fußböden, der Gestank ist unerträglich. Je weiter vom Zentrum, je schliininer. Da ist z. B. das zentrale Bergwerk„S t a n i l o". In den Arbeiterkasernen kein elektrisches Licht: die Decken schnwrz von Lampenruß. Ein« be- sondere Küche gibt es nicht: gekocht wird in den Schlafräumen. Auch die Kleider werden hier getrocknet. Waschbecken gibt es gleich- falls nicht: ein jeder wäscht sich, wo es ihm beliebt. Der Fußboden ist von schmutzigem Wasser überschwemmt. Reinemachefrauen gibt es nicht, wohl aber im Uebermaß Wanzen. lieber die Tvanzenplag« klagt auch ein Arbeiterkorrespondent aus dem„Donbaß".„Wanzen, Schwaben und anderes Ungeziefer", sagt er,„sind Herren der Situation. Der Schmutz in den Arbeiter- kasernen niacht das Leben darin einfach unmöglich. Die Betriebs- rät« und die Gewerkschastsorganisatioiien rühren aber keinen Finger." Ein anderer schreibt aus dem Bergrevier:„Die Bettstellen stehen da ohne Matratzen und Decken: es gibt weder Licht noch Wasser. Dafür herrscht aber allgemeiner Suff. Letztens wurden in der Kaserne auf einem Scheiterhaufen einer nach dem anderen die Koffer der Arbeiter mit' allem Inhalt verbrannt." Und wieder ein Arbeiterkorrespondent schreibt:„In dem Gcineinschaftshause der Metallarbeiter werden Schweine und anderes Vieh gehalten. Di« Kanalisation ist öfters schadhait. Ueberall unsagbarer Schmutz." Aus Kinefchma: „Die Arbeiterkaserne hat 44 Zimmer: die einzige Reinemachefrau ist natürlich außerstande, für Sauberkeit zu sorgen. Es mangelt an heißem Wasser, die Oese» taugen nichts, sie verursachen Dunst und Rauch: im Winter herrscht in den Kasernen bitterste Kälte. Hier, wie fast überall, von Kulturarbeit nichts zu merken." Zum Schluß ein Arbeiterbrief aus K o l o m n a(zwei Stunden Bahnfahrt von Moskau). Der Arbeiter schreibt an seinen Mos- kauer Genossen in der Hoffnimg, daß es diesem gelingen würde,«ine Aenderung der Zustände herbeizuführen. Es sind da nämlich 20 zweistöckige neu« Arbeiterhäuser erstanden. Die Wände, schreibt der Arbeiter, sind so dünn, als wären sie aus Pappe. Die Fensterhälften stoßen beim Oeffnen aufeinander, so daß das Glas entzwei geht: die kalte Luft hat durch die Fensterrahmen freien Zutritt. Die Wasserklosetts verursachen im ersten Stockwerk ständig« Ueberschwemmungcn, in den oberen funktionieren sie überhaupt nicht usw. usw. Das in eben erst erbauten Häusern! Die Beispiele genügen. Das Charakteristische ist, daß, wie fast sämtliche Arbeilerkorrespondcnten feststellen, von einer kulturellen Arbeit innerhalb der Arbeiterkasernen überhaupt keine Rede sein kann. Auch das ist bolschewistisch-sozialistischer Kulturausbau. Man vergleiche damit das rote Wien! Bntlanienschiebung= Todesstrafe. Das Gericht fällte gestern das Urteil gegen die Mitglieder einer illegalen lettischen Organisation, die sich mehrere Jahre lang mit dem Ankauf von Brillanten und Devisen in der Sowjetunion und deren Verschiebung ins Ausland befaßt hatten. Di� Angeklagten Samuel Tatß und Abraham kleiner aus Moskau wurden zum Tode und die Angestellt- der lettländifchen Gesandtschaft, Berta Aschmann, zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Weitere 20 Angeklagte, die meist Klienten dieser Organisation waren, wurden zu verschiedenen Ge- fängnisstrafen und Zwangsarbeit bzw. Geldstrafen verurteilt. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Slurm auf die Sparbank Jn diejem 58iircaii des.Sterllner Spar und ütredHrerefii»", Schiehlerflraße?,{pleiten{ich erregle Saeuen ab, neil die Einleger rergeblieh ihre Qelder aurüchrerlanglen. 3>er Tereiu hat Jionkurs angemeldet. Oer Regierungsrat mit dem Hakenkreuz Nach der Beförderung bespuckte er die Republik. Aus dem Sekretariat der sozialdemokratischen Reichstogsfvaktiou wivd uns geschrieben: Vor einigen Tagen erschien in einigen Blättern eine Notiz, wonach der Rechtsanwalt Stephan F a b r i c i u s vom Reichsfinanz- minister Hilferding zum Regierungsrat beim Landesfinanzamt Brandenburg ernannt worden sei. Diese Ernennung sei erfolgt, trotzdem' Fabricius bis dahin Rechtsanwalt beim Kammergericht in Berlin gewesen sei, der Nationalsozialistischen Partei angehöre und die Republik in hakenkreuzlerischen Blättern wiederholt beschimpft habe. Nach unseren Ennittlungen sind die Angaben in dieser Notiz nicht ganz zutreffend. Fabricius ist schon seit Ende 1920 bei Re i ch s b e h ö r d e n tätig gewesen. Zuerst war er Referent beim Reichsbeauftragten für die Ueberwachung der Ein- und Aus- fuhr. Im April 1922 wurde er Angestellter der Reichszolloerwaltting. September 1927 begann er eine fünfmonatige Probebefchästigung beim Landesfinanzamt Brandenburg. März 1928 wurde er Re- gierungsasiessor und damit Beamter. November 1928 ist er zum Regierungsrat ernannt worden. Wie man hieraus erficht, hat Fabricius die übliche Laufbahn zurückgelegt, bis er beim Landesfinanzamt Brandenburg in der Abteilung für Zölle und Verbrauchssteuern angestellt wurde. Beamter ist er bereits im März 1928 geworden, also zu einer �}eit, in der Genosse Dr. Hilferding noch nicht Finanzminister war. Die Be- sörderung zum Regierungsrat im November 1928 war die Konse- quenz seiner bereits vorher erfolgten Anstellung als Beamter. Wichtig ist außerdem, daß erst nach seiner Beförderung zum Regierungsrat feine Tätigkeit in republitfeindlichen Organi- fationen und Zeitungen bekannt wurde. Der von Beleidigungen gegen die Republik strotzende Artikel im„Völkischen Beobachter" ist ebenfalls erst im August 1929 erschienen. Die Behauptung, daß der Reichsfinanzminister Dr. Hilferding einen völkischen Rechtsanwalt zum Regierungsrat gemacht habe, ist demnach unzutreffend. Richtig ist viel- mehr, daß ein völkischer Beamter, gegen den bis zu seiner Er- nennung ungünstig« Tatsachen nicht bekannt waren, nach seiner Ev- nennung zum Regierungsrat heftige persönliche Angriff« gegen Republik und Regierung erhoben hat. Wir nehmen an, daß die notwendigen disziplinarischen Schritte gegen diesen Beamten eingeleitet worden sind, nachdem im Reichsfinanzministerium seine öffentliche antirepublitanfiche Tätigkeit bekannt wurde. Die sozialdemokratisch« Reichstagsfraktion hat sofort nach dem Bekanntwerden der Verfehlungen des Herrn Fabricius den Reichsfinanzminister ersucht, alle Schritte zur Ein- leitung eines Disziplinarverfahrens zu tun, damit diesem völkischen Mann das Handwerk gelegt wird..«.-- 23. Abteilung, Achtung? Die Mitgliederversammlung unserer Abteilung findet bereits heute Dienstag, den 24. September. 19'A Uhr, im Lokal„Steinacker", Seestr. 4ö, statt.— Vortrag: Berkehrsfragen der Stadt Berlin. Referent: Stadtrat Ernst Reuter.(Nicht, wie irrtümlich angegeben, am Mittwoch, dem 25. September.) Die Funktionärsitzung einschließlich der gewählten Kreisvertr«ter findet erst am Mittwoch, 25. September(nicht heute Dienstag, 24. September) um 20 Uhr bei Grunwaldt, Kameruner Straße 19, statt. � �■■■.■____,, PROGRAMM für die Zeil vpm 24. bis 26. September KINO-TAFEL PROGRAMM für die Zeit vom 24. bis 26. September ©lOICI Potsdamer Strafe 35 Der Hand tob Batkerrille Sein HerzcBsiange mit Rudolf Scfaildkraat Rheinstrage 14 KMcho Der Hnad von BackerTille(7 Akte) Der rasende Ritt(5 spannende Akte) Odcon, Potsdamer Str. 75 Kolonne X mit Reinhold ScfaQnzel Die Regimentstoditer(7 Akte) Turmstratjc 12 Verlängert: Die Ardie Noah mit Dolores Costelle Jugendliche haben Zutritt Moabit Artushof'Lichispiele Film« und Bühnenschau Perleberger Str. 29 und Stendaler Str. Die lustigen Vagabunden Die Prinzessin und Ihr Narr Alexanderstr. 39-40 (Paitatfe) Den ganzen Tag geöffnet! Die Regimentstoditer(7 Akte) Wochenend-Ehen m. Monty Banks ■»«hanabara Alhambra Begf;�S£lsu- Schöneberg, Hauptstr. 30 Bühnensciftna Die Liebe der Brüder Rott mit Olga Tscfaechowa Das Hans ohne Männer Titania(w. sÄbcr*) Hauptstraße 49 Beginn ab 6.30 Uhr Die eltiadie Witwe m. Dol. CotielU Oer Benzin/DBge mit Bobby Bon» g*"" m««i«nau M Friedenauer Lichtspiele Kaiserallee III(hunderfelf) Da» MSdel Aas der Prortna mit A. Dorrt, EhekonflUdc mit L, Lorriag Welt-Kino Alt-Moabit 99 Schützet Eure Töchter Drei junge Adler Schlüter-Thcatcr SchlOterstr. 17 W. 7 u. 9.15 U, S. ab 3 U. Revolte Im Erxlchongshelm Da« gottlose Mäddhen mit Lins Baiqnelte Atrium Beba-Palut Kalserallec, Ecke Berliner Straße Beginn 7, 9.15, Sonntags 5. 7, 9.15 Uhi Erpressung Bühne: Das Eduardowa-Ballett Ab Donnerstag: Zwischen 14 und 17 ■ staam«■ Titania-Palast Steglitz, SchioBstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Da« grüne Monokel Auf der Bühne; P. Scbcldon Witt, Carr and Reed S Uchtarfelde-Wagt■ Wi I 4 Wochentags 5-30, 9 Uhr ni-JLl Stg. 5, 7, 9 U. Stg. 3 U. I.-V. Hindenburgdamm 58a QühnenscbaD Wing«. der grolle Fliegerfilm AU'Wien, cm Künstlerleben Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1— 4 Beginn 6 U. Die Liebe der Betty Patierson Der fliegende Teufel mit Hoof Gibson Jugendliche baten Zutritt Mariendorf MTa T v Marlendorfer lja~Lrl Lichtspiele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Der Sittenpa� Die letzte Warnung M. L. la Plante Bfihncnschau Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 3.45 Uhr Schwarzwald-Kindcr mit A. Steinrück f Sinfonie der Liebe m. Gibson, Haid Südosten Filmeck Beginn:Wi� Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Das Mftdcl mit der Kamera Die Dame hinterm Vorhang mit R« Novarro Gute Bühnenschau Osten Germania'Palast Frankfurter Allee 314 Wochentags 6 Uhr. Sonntags 3 Uhr Der Mann, der nicht liebt mit Gustav Diessl, Agnes Esterhazj Der Draufgänger mit Sid Chaplin. Betty Balfonr Auf der Bühne: Bonnes u. Co. Luna'Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Das M&dcl mit der Kamera Die Frau im Talar m. Fritz Kortner Grofje Bühnenschan Luisen-Theater �Xsu: Reichenberger Str. 34 Bühnenschao Das Prftrlehotel mit Tom Mix Rin-Tin-Tins Millionenhalsband Jugendliche haben Zutritt Urania-Theater fuSüS« Wrangelstr. II, Köpenicker Brücke Woch. 7 und 9 Uhr. Stg. 3, 5. 7. 9 Uhr Der SUfenrlditer- f 218 MtUtoBeiudiofz nnd die Wolken. kretzer- Bühne > Neukölln B Primus-Palast Hermannplatz Beginn 7, 9,15 U-, Sonnt, ab 4,45 U. MoberUebe mit Heany Forlen Dun du gole Beiprogramm Auf der Bühne: HomoiUttodier Drahtseil akt Inge Bo und Pardj, Tanzpaar 1 Niederscliöneweide Elysium(kum"�-..) HasselwerderstraBe 17 Bahnen»«hau Mntterliebe mit Henny Porten Snbmarlne mit Jack Holl Concordia-Palast Andreasstraße 64 Die Nibelnngenf 1# and II. Teil Beide Teile in einer; Vorstellung. Kosmos-Liditspiclc Lichtenberg, Löckstraße 70 Pat nnd Patachon auf d. Weltreise Der wei�e Schelk Jugendliche haben Zutritt Gro�c Bühnenschau > Friedrichs feldd"Hfc Kino Busch Be*sÄrM5 Alt-Friedrichsfelde 3 Der MiticrnachtswaUer mit Gritia Ley Ihr schönster Tag mit Leo Peolcert „Elysium" gJS� Prenzlauer Allee 58 Bübncnscbao Das letzte Fort mit M. Pandler, George Ausstattuncs-Revue: Rond um den Ozean Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205—210 Varieldacban Der Kampf am Paria Oie Baddenbrooka m.M. Christians Bürgergarten-Licfatsp. Hauptstraße 51 Btlbnenscbaa MorgenrAte, Todesstollen 306. mit W, Fütterer Licbcacnracfaca NorOan Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Manolescu mit Brigitte Helm Revue: Berlin unter der' Zeitlupe Colosseum BOhnekSla Schönhauser Allee 123 W. 6.30, So. 5.30, Stg. ab 4 U. Der SÜtcnpa� Links der Isar, rechts der Spree Bühnenschan Elektra-Palast xIAH?. Wiesen-, Ecke Kösliner Straße Die Fahrt ins Glück Die Vampyrc von New York Bühnenschao Forhma-T ageskino Müllerstraße 12 c Beg. 10 U. vorm. Das führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt- prodnktion «Alhambra" Badstraße 58 Bflbnensdiav Nana(Sittenroman nach Zola) Harrys Liebesnest m. Harry Liedlke Ballsdimieder-Lichtsp. Badstraße 16 Grobe Bühnenschan Dulderin Weib mit Maria Corda Links der Isar» rechts der Spree Buhne: Napoleon u.d. Kaffeemühle Metro-Palast Chausseestraße 30 Meine Schwester und ich Der schwarze Domino m.H.Liedtkc Noadc's Lichtspiele Brunncnstralle 15 Wtg. 5 U., Stg. 5 U. Stg. 3 U.(ugendv. Verlängert: Der gr. Film aller Zeiten: Die Arche Noab Beiprogramm lugendliche haben Zutritt Prater-Lichtspiel-Palast Kastanienallee 7-8 BNhnensdiao Krieg Im Dunkel mit Greia Garbo Bühne: Gnsi'l Beer, Grete Lilien Operette: Die sdidne Galalhee „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Diane mit Olga Tscfaechowa Unter Gauklern und Bestien Bühnenschau Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Irrwege der Leidenscbafi Bühne: Reizende Handcrevne Vineta-Kino Vinetapiatz 3, Ecke Woliiner Straße Eine tolle Nacht m. Oui Oswalda und Harry Uedtke la Banne der ewigen Stadl Humboldt-Theater Badstraße 16 Grohe Bühnenschao Venns im Frack mit Carmen Boni Mut Monty mit Monty Banks Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Polizei mit George Bancroft Beiprogramm, Bahneiudtaii a p.wkow i Palast-Theater Liditsp. Breite Straße 21 a Verlängert: Es flüstert die Nacht mit Lil Dagovcr und Stüwe Beiprogramm Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Bühnenschan MSnner ohne Beruf.m Harry Piel Bühne: Internationale Tanzattraktioncu �'NleetarTchBnhauten g Film-Palast Äloaen Blankenburger Straße. Die Büdue der Pandora Glück bei Frauen Tegel Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W. 6, 8'Ii, Stg. 4' i, SVC, 8'.'4 Der rote Kreis mit Lya Mara Zirka, mit Charlie Chaplin Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 8 U, Stg. 5. 7.39