Morgenausgabe Tlr. 451 A 227 46. Jahrgang «-che,««««. m->»-«« IM». w, oorau» ,»HId« Pofttij», Ol HL •« Ldenaauegaden für Salt» ,nd im Sandel Mi» dem litei»Dee Ntend* aaimnerte Beilagen and 3eU* unö.Rinderfreunf. Ferna Knin' »Ich» p- Aeriiner Vottsblatt Vonnersiag 26. September 2929 Groß-Äerlin Z>f. Auswärts 15 Pf. 91»«»» I»«Iii,« Psennig. ReName, eil« I Zianpaeelllezell» mnig. AeNameieiie i.— Reich». Marl,„«leine Antigen" da, ieng druikl» Wari 25 Pfennig(zuliFtg mtl Mtgetnntte Warle), fede» weitere Wart 12 Pfennig. Slellengeluch, da» erfie Wort IS Pfennig, fede» weiter« Wort 1» Pfennig. Worte iida IS Puchstaden »iblen für zwei Worte. PrbeitemotD Zeile SV Pfennig. Familienanzetgen Zeil, U Pfennig, ilnzeigenannahme imSoupt- «afchif» LIndenftrah,». wachentSglich «an 5»/,»i» 17 Ute, Jenwalorsan der«KozialdemoSratischen Vaetei Neuischlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernspiecher: Dönhoff SOS— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat verlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin ZI SZS.— vankkonto: Bank der Srbeiter. Angestellte» nnd Beamten, Wallstr. SS. Ditkonto-Gesellschaft, Deposttenkasie Lindenstr. S. Regierungswechsel in Osterreich Polizeipräsident Schober wird wieder Bundeskanzler Wien, 25. September. Auf Ersuchen de, Dundeskanzlers Streeruwlh traten vor der heutigen ZMnIsterratssihuag die Vertreter der Mehrheils. Parteien mit den Miniftern zu einer kurzen Sitzung unter dem Vorsitz des Obmannskellvertreters des Ehrislllch-sozialen Klubs, Abg. Suaschak. zusammen. Bundeskanzler SIreeruwih gab die Er- Närung ab. daß er in Anbetracht der politischen Situation zu dem Entschluß gekommen sei, die Reform der Versassnng einer anderen Regierung zu überlassen. Er schlug als Nachfolger den ehemaligen Bundeskanzler. Polizeipräsident Schober, vor. Die Vertreter der Mehrheltsparleien. Dr. S e l p e l. Dr. wo- t a w a und Dr. Schönbauer, gaben unter Worten der wärmsten Anerkennung und de» besten Dankes für den Bundes- kanzler und fein Kabinett die Erklärung ab, daß sie in Anbetracht der politischen Lage die Erklärung des Bundeskanzler» zur Kenntnis nehmen müssen und seinem Vorschlage hinsichtlich der Nachfolger. frage zustimmen. Daraufhin trat der Ministerrat zusammen und stimmte dem vorschlage des Bundeskanzlers auf Demission der Gesamtregierung zu. Noch im Lause des Abends begaben sich die drei Obmänner der Mehrheilsparleien zu dem Polizeipräsidenten Schober. Bundeskanzler Streeruwih begab sich sodann zum Bundespräsidenten M i k l a s nnd machte ihm von der erfolgten Demission der Regierung Mitteilung. Der Bundespräsident betraute die Regierung mit der Fortführung der Geschäfte bis zur Neuwahl der Regierung. Weiter wird gemeldet: lieber die neu« Kabinettsbildung verlautet, daß der Heeres- minister D o u g o u i n Vizekanzler, Innenminister«in Mitglied des Landbundes werden soll. Zur Vorgeschichte der Krise wird folgendes bekannt: Im Parlament, wo sich die Klubs der verschiedenen Parteien im Hinblick aus die Nationalratssitzung am Donnerstag versammelt hatten, herrscht« wegen der Haltung des Landbundes Krisen- stimmung. Der Landbund stellt« sich auf den Standpunkt, daß die gegenwärtige Regierung nicht stark genug sei. um die notwen- digen Arbeiten im Parlament durchzuführen, und daß die notwendig« Beruhigung der Bevölkerung nur durch Einsetzen einer starken Regierung möglich sei. Hierüber hat der Landbund bi» in die Abendstunden beraten. Um 7 Uhr abends verlautete, daß seine Entscheidung dahin ausgefallen sei, daß die Demission des Kabinetts Ctreeruwitz empfohlen werde. Die Mehrheitsparteien und der Ministerrat traten sofort zusammen, um hierzu Stellung zu nehmen. Nicht lang« danach erfolgt« die Bekanntgabe des Rücktritts der Re- gierung. Der Landbunb ist«Ine bäuerliche Gruppe grohdeutfchen Tharak- ters, die im Nationalrat nur S Mann zählt. Der bisherig« Vize- kanzler Schumy gehört zu ihren Mitgliedern. » Es darf als ziemlich sicher angenommen werden, daß sich der Uebergang von der Regierung Streeruwitz zur zweiten Regierung Schober ohne Erschütterungen voll- ziehen wird. Die Mehrheitsparteien haben sich auf den Wiener Polizeipräsidenten als Nachfolger des scheidenden Bundes- tanzlers geeinigt, er hat grundsätzlich angenommen, und wenn alles programmäßig verläuft, wird der Hauptausschuß morgen oder übermorgen durch Mehrheitsbeschluß dem Par- lament die Wahl des parteilosen Beamten Schober vorschlagen, die dann nur.noch eine Formalität ist. Der Wiener Polizeipräsident Johann Schober, der dem- nächst 55 Jahre alt wird, hat vor etwa 30 Jahren seine Lauf- bahn im Wiener Polizeipräsidium begonnen und es dort bis zum Hofrat gebracht Nach der Revolution wurde er mit der Leitung betraut. Das Bundeskanzleramt hatte er schon einmal in einer sehr schwierigen Lage, im Jahre 1S21. übernommen und es ungefähr ein Jahr lang geführt. Nach diesem Besuch in der Politik, der seinen Namen in der Welt bekanntmachte, kehrte er wieder an seine gewohnte Wirkungs- ftätte, in das Polizeipräsidium, zurück. Die Tragödie vom 15. Juli 1S27 brachte ihn in einen scharfen Konflikt mit unse- ren österreichischen Genossen. Schober wies die Angriffe zu- ruck und schien seitdem darauf bedacht zu sein, seinen guten Ruf. der nach seiner Ueberzeugung zu Unrecht Schaden ge- litten hatte, wiederherzustellen. In einen Konflikt mit Seipel geriet Schober, als Seipel in einem Interview des„Daily Telegraph" behauptete, die H e i m w e h r sei aus dem Wiener Polizeipräsidium mit Waffen versorgt worden. Schober wies diese Behauptung erregt und mit großer Bestimmtheit zurück. Wenn man bedenkt, daß Schobers Tätigkeit stets in der Hauptsache darin bestanden hat, für die E r h a l t u n g von RuheundOrdnungzu sorgen, so wird man zu der An- nähme neigen, daß er für sein neues Amt Eigenschaften mit- bringt, die er sehr gut gebrauchen kann. Denn die Republik Oesterreich steht jetzt unter der Gefahr eines gewaltsamen Angriffs auf ihre Verfassung, den abzuwehren die Regierung verpflichtet ist. Da kann ein tüchtiger und loyaler Polizeipräsident einen großen Teil der notwendigen Arbeit schaffen, indem er die Kräfte organisiert, die den un- gestörten Fortbestand gesetzlicher Zustände gewährleisten. Wenn die Heimwehr weiß, daß sie im Falle eines ge- waltfamen Vorstoßes Polizei und Militär geschlosien gegen sich haben würde, dann wird sie es bei den großen Worten bewenden lasien und sich hüten, zu Taten überzugehen. Dann wird sich auch das Wirtschaftsleben in Oesterreich wieder er- holen, desien schwere Störung durch den drohenden Putsch einen Hauptanlaß zu dem Regierungswechsel gebildet hat. So klar und einfach die Aufgaben des neuen Bundes- kanzlers auf dem polizeilichen Gebiet sind, so schwierig und verworren sind sie auf dem politischen. Er steht an der Spitze einer Regierungsmehrheit, deren Parteien samt und sonders innerlich zerrissen sind. Ein Teil von ihnen symphatisiert mit dem Heimwehrputschismus, ein anderer möchte Verfasiung und Gesetzlichkeit aufrechterhalten. In diesem Wunsche trifft er sich mit der sozialdemokratischen Opposition, die mit ihren geschlosienen Arbeiterbataillonen den Kern des Widerstandes gegen den Heimwehrputschismus darstellt. Die Frage, ob die Verfassung gegen gewaltsame Angriffe geschützt werden soll, ist jedoch nicht die einzige, die Oesterreich beschäftigt. Nebenher geht die Frage, ob und wie sie auf legalem Wege geändert werden soll. Eine legale V e r- f a s s u n g s ä n d e r u n g ist, da sie eine qualifizierte Mehr- heit erfordert, gegen die starke sozialdemokratische Opposition nicht möglich. Wer also die Gewalt ablehnt und die Gesetzlich- lichkeit unter allen Umständen wahren will, ist genötigt, die V e r st ä n d i g u n g mit der Sozialdemokratie zu suchen. Wenn der neue Bundeskanzler eine Verfassungsreform durchführen will, die legal, also nach Verständigung mit der Sozialdemokratie erfolgt, aber doch die. Extremisten in den bürgerlichen Parteien und der Heimwehr befriedigt, so steht er vor der Quadratur des Zirkels. Denn es ist selbswer- ständlich, daß eine Reform, die die Verfassung aus dem Demo- kratischen ins Faschistische revidiert, auf' den härtesten Widerstand der Sozialdemokratie stoßen wird. Dann wird man vor der Frage stehen, ob man auf die Reform verzichten oder ihre Durchsetzung unter Bruch der Gesetzlichkeit versuchen will. In dieser Frage fällt noch nicht di« letzte Entscheidung, wenn der neue Bundeskanzler, wie er es als Polizeipräsident in den letzten Tagen schon wiederholt getan hat, erklärt, daß er sich mit beiden Füßen auf den Badender Gesetzlich- t e i t stelle. Aber diese letzte Entscheidung kann hinausge» schoben werden, und es kann ein Zustand geschaffen werden, der dem Parlament erlaubt, ohne Druck von außen sachlich zu arbesten. Diesen Zustand zu schaffen und ihn mit allen Mitteln zu sichern, ist die erste Aufgabe, die der neue Bundes- kanzler zu erfüllen haben wird. Serr Streeruwitz, der jetzt von der Bildfläche verschwin- är bis zu dem Augenblick, in dem er die schwere Erb- schaft S e i p e l s antrat, ein der Welt unbekannter Mann. Man wird sich nirgends wundern, daß er gescheitert ist, denn die Situation, wie sie in Oesterreich entstanden ist, kann nur von einem erfahrenen Politiker gemeistert werden. Herr Schober bringt in sein Amt einen Namen mit, der bekannt und lebhaft umkämpft ist. Wird er beweisen, daß er nicht nur gegen erregte Arbeitermassen energisch sein kann und daß er nach allen Seiten hin der Mann der strengsten Gesetzlichkeit sein will? Das ist eine Frage, die heute nicht nur Oesterreich inter» essiert, sondern ganz Europa und vor allem Deutschland. Das Volk von Oesterreich ist ein Teil des deutschen Volkes, und in Oesterreich wird ein Stück deutschen Schicksals ent- schieden. Die sozialdemokratischen Arbeiter Deutschlands und darüber hinaus alle republikanisch gesinnten Bevölkerung»- kreise nehmen an den Kämpfen um die Demokratie in Oester- reich innerlich den stärksten Anteil. Sie blicken deute auf Wien und fragen, ob die neue Regierung willens und imstande sein wird, die Gesetzlichkeit der Demokratie aufrechtzuerhalten � Oesterreich vor dem Bürgerkrieg zu retten. Die Wiener �Arbeiier-Zeitung' über die Krise. Wien. 28. September.(Eigenbericht.)' Die Mener„Arbeiter-Zeitung" schreibt: Der Sturz der Regierung Streeruwitz ist eine Folge der In- trigen im bürgerlichen Lager selbst und ein Anzeichen der forsschrellenden Zersetzung der bürgerlichen Parteien. Daß die bürgerliche Mehrheit nicht mehr imstande ist, eine pacta- mentarische Regierung unter eigener Führung und eigener Verant- Hugenberg-Krise. Thüringer Regierung vom Hugenberg-Block gesprengi. Weimar, 28. September. Die Ehrifllichnationale Bauern- und Landvolkpartei, die Wirt- schaftspartei, di« Deutschnationalen und die Nationalsozialisten nahmen heute Stellung zurHaltungdesThüringer Land- tage» gegenüber dem Poung-Plan. Es wurde ein An- trag angenommen, wonach die Regierung beauftragt wird, i m Reichsrat gegen di« Gesetzesvorlagen der Reichs- regierung betreffend Annahme des Haager Ab- kommen» zu stimmen. Dieser Antrag bedeutet praktisch die Sprengung der Thüringer Koalition, da sich die vier genannten Parteien durch ihre Halwng in offenen Gegensatz zu den anderen Koalitionsparteien, der Deutschen Voltspartei und den Demotraten, gestellt haben. Vor der Hand steht noch nicht fest, ob und wann der Landtag zusammentreten wird, da ein Antrag auf Einberufung noch nicht vorliegt. Es ist aber anzunehmen, daß nunmehr die Auflösung de» Landtag» beschleunigt werden wird. « Herr Hugenberg will die D a w« s- K r i s e herbeiführen, bisher hat er jedoch nur eine Krise einer Länderregie- r u n g hervorgerufen, an der seine Leute beteiligt sind. Der Beschluß dieser vier Parteien ist die Folge eines national- sozialistischen Ultimatums. Der Hugenberg-Dlock verfügt in Thüringen über 20 Man- date von 56, Demokraten und Volkspartei zusammen über 8 Mandate. Die Sozialdemokratie hat 18, die Kommunisten 8 Mandate, je eins entfällt auf die Aufwertler und den Ex- Hitler-Mann Dinier. Nach diesem Antrag der Hugenberg-Leute ist nicht nur di« Regierung«ntzwei, sondern tatsächlich keine mögliche Ne- gierungskombination mehr sichtbar. Stahlhelm spielt Krieg. Und beschimpft die Republik. Köln. 28. September.(Eigenbericht.) Di« sozialdemokratische„Rheinische Zeitung' berichtet am Mittwoch über ein Stahlhelmmanöver, da» am Sonn- tag in der Nähe des Rheinlandsender� Langenberg stattfand und an dem ungefähr 3000 Menschen teilgenommen haben sollen. Der Langenberger Gruppe des Stahlhelm fiel laut„Manöverbefehl' die Aufgabe zu, den vom„Feind' gefährdeten Langenberger Sender .zu schützen. In Ermangelung von richtigen Maschinengewehren rasselten Trommelwirbel. Die Feldhaubitzen wurden durch Böllerschüsse de- monftriert. Auf einem besonders günstig gelegenen Platze hatte der „Gr o ß e�G en e ralstab' seinen Standort aufgeschlagen. Er bestand aus nicht weniger als 200 Mann. Kaum hatte di« „Schlacht' begonnen, als der Große Generalstab umzingelt wurde. Mit Entsetzen mußte der Generalftabschef, ein Major a.D. Heider, den Irrtum seiner Manövertruppen feststellen und den Kampf für eine halbe Stunde abblasen. Mit dem Spazierstock bei Fuß ließen sich di« Stahlhelmrekruten über ihr« Fehler belehren. Plötzlich erschien Prinz August Wilhelm von Preußen im Auto. Jetzt wurde das Manöver abgesagt, damit der Hohenzollernsprößling die Parade abnehmen tonnte. Als das geschehen war, kehrte man zum feuchtfröhlichenTrunt in den Ratskeller«in, wo zahl- reiche Haßgesänge auf die Republik angestimmt wurden. Ein Unbeteiligter, der diese Exzessc im Ratskeller beobachtet«, hat inzwischen Anzeig« erstattet. mortung zustande zu bringen, daß sie, nachdem sie lange Zert m i t den Putschisten kokettiert, die Putschisten gefördert, die Putschisten als ihre Werkzeuge benutzt hat, jetzt keinen anderen Aus- weg mehr weiß als abzudanken und sich selbst unter die Führung des Polizeipräsidenten zu stellen, um das durch die Putsst- drohungen beunruhigt« inländische und ausländische Kapital darüber zu beruhigen, daß die bürgerlich« Ordnung nicht gestört werden wird, zeigt die ganze Jämmerlichkeit und Schande dieser bürgerlichen Politik. Was lul man, wenn alles drunter und drüber geht? Man holt die Polizei. Was tun die Bür- gerlichen, weim sie einen Bundeskanzler aus ihrer eigenen Mitte nicht mehr zustande bringen? Man holt den S ch o b e r. Die Ar- beiterklass« kann kaltblütig abwarten, wie Schober seine Regierung zusammensehen und was für eine Politik er betreiben wird. Mit 800 000 organisierten Arbeitern und Angestellten wird kein« Regierung fertig, wie innner sie aussieht. Was immer jetzt komme, man wird die Sozialdemokratie bereitfinden. Schober wahrt feine Entschlußfreiheit. Wien, 25. September. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wird der für morgen einberufen« Nationalrat nur die formell« Bekanntgabe des Rücktritts Streeruwitz' durch den Präsidenten entgegennehmen, um sich dann zu vertagen. Es verlautet weiter, Polizeipräsident Schober habe bei seinen längeren Beratungen mit den Vertretern der Mehrheitsparteten die Frage gestellt, ob und welche Bedingungen an die Uebernahme der Regierung geknüpft werden. Auf die Antwort, daß keine Devin» gungen gestellt würden, ihm auch überlasten bleibe, ein Beamten- oder parlamentarische» Kabinett zu bilden, habe er zwar sein« endgültige Entschließung für morgen vorbe- halten, doch könne die Annahm« des Bundeskanzlerpostens durch ihn als sicher gelten. Man erwartet, daß die Bildung des neuen Kabinetts, dem n»chrere Mitglieder der bisherigen Regierung an- gehören werden, in kurzer Frist erfolgt. In parlamentarischen Kreisen wird erklärt, angesichts der großen Autorität, der sich Schober eis loyaler, staatstreuer Beamter im In- und Ausland erfreut, er- warte man allgemein, daß im wirtschaftlichen Leben und in der politischen Lage eine rasche Beruhigung eintreten wird, zumal Schober auch bei den ch e i m w e h r e n, die sein« Berufung jetzt wiederholt in Versammlungen forderten, sehr geschätzt werde. An- dererseits seien ja von sozialdemokratischer Seite die seit dem 15. Juli 1S27 unterbrochen gewesenen Beziehungen zu Schober in der letzten Jeit wieder aufgenommen worden. Konferenz der Kleinen Entente. Gens, 25. September.(Eigenbericht.) Die Außenminister der Kleinen Entente htflftn am Mittwoch in Genf ein« Zusammenkunft ab, in der u. a. über die österreichisch« Frage gesprochen wurde. Wie zuverlässig verlautet, ist man in der Beurteilung der Log« in Oesterreich nicht einig. Während der Bericht eines Militärattaches, der eine gewiss« Roll« in diesen Verhandlungen spielt«, zu dem Schluß kommt, daß in drei bi» vier Monaten in Oesterreich«in cheim wehrputsch bestimmt zu er- warten sei, sah Benesch die Lag« viel ruhiger an und behauptete, ein friedliches Kompromiß zwischen Christlich-Sozialen und den Sozialdemokraten würde die jetzige gespannt« Lag« in Oesterreich bald klären. In dem Bericht des Militärattaches wird ferner be- hauptet. daß die Heimwehr dem Republikanischen Schutzbund infolge besserqr Bewaffnung und ein«? größeren Kaders früherer Berufs- offiziere militärisch überlegen sei und in einer bewaffneten Aus- einandersetzung siegen würde. Don einer Seite wurde in der Diskussion behauptet, daß Italien auf dunklen Umwegen d i e Heimwehrbewegung unterstütze. Di« Außenminister beschiosten, die nächste Tagung der Kleinen Entente im Mai in Prag abzuhalten. „Ein Waschkorb voll Wechsel." Oeulschnationale Geschäfismethoden bei der Raiffeifenbank. Die Mittwochverhandlung des preußischen Untersuchungsaus- schusses über den Raiffeisenskandal zeitigte durch die weitere Der- nehmung des früheren Präsidenten Semp'er, des jetzigen Präsi- deuten Klepper und des Staatssinanzrat» O g r o w s k i von der Preußentast«— letzterer war Korreferent in der Raiffeisensache, der Referent Staatsfinanzrat Dr. Dänisch ist verstorben— sehr interessante Ergebnisse. Roch nicht restlos, aber bis zu einem gewissen Grad« wurde beispielsweise die Frage geklärt, woher die Roiffeisenbank das Geld für ihre nichtgenossenschaftlichen Verlustgeschäfte(das beißt mit den Schiebern Uralzeff, Riebe, Thia« usw.) genommen habe. Zeuge Semper meinte zunächst, daß dies au» den für genossenschaftliche Zwecke gegebenen Krediten der Preußenkaste nicht geschehen sein könne, da für diese Kredite als Unterlagen nur Ge- nofsenschaftswcchsel eingereicht worden seien. E» ergab sich aber, daß im Jahre 1925 der als Vertrauensmann der Preußenkasse bei der Raisfelsenbank fungierend« Direktor Albert berichten mußte, daß den 43 bis 45 Millionen Wechseln der Raiffeisenwarenanstalten nur ?>6 bis 37 Millionen.Forderungen gegenüberstanden, so daß also für 8 bis 10 Millionen Mark Gefälligkeits- n t z e p t e gegeben waren. Diese» Bild einer üblen Wechselreiterei wurde ergänzt durch den Zeugen Ogrowski, der erklärte, von der im Jahre 1926 eingesetzten Direktion der Raisseisenbank gehört zu haben: «Die frühere Direktion Dietrich-Seelmann-Schwarz Hab« immer einen Waschkorb voll Wechsel st ehe» gehabt, in den sie noch Bedarf hineingegriffen habe." Auch da» Kapitel der persönlichen Korruption erfuhr eine wesentlich« Illustrierung: Aus den Akten stellte der Bericht- erstatter fest, daß die Direktoren der Raisteisenbant sich selber in ausgedehntem Maß als Kreditnehmer beteiligt haben:'an der Spitz« steht der deutschnational« Reichstagsvizepräsident Dietrich, der einen persönlichen Kredit von 74 000 M. seiner Bank entnahm, obwohl er, wie e, in dem Revistonsbericht seiner Parteifreundes v. Kamecke heißt, nach seinen persönlichen Verhältnissen ihn gar nicW nötig gehabt Hab«. Der Abteilungsdirektor Krause erwirkte einer Firma In Berlln-Tempelhof einen Kredit von zirka 275 000 M., der restlos verloren ging. Nachher stellt« sich heraus, daß diese Firma niemand anders— als er selber war! An der Firma Thia» u. Co. hat die Raiffeisenbont über eine Million verloren. Begründer der Firma war der Prokurist und Abteilungsleiter der Raisseisenbank. Tannen! Der Revisionsbericht von Kamecke stellt sämtlichen sechs Abteilungsdirektoren der Roiffeisenbank das Zeugnis größter Unzuverlässigkeit und einer bis ans Be- trügerische gehenden Unehrlichkeit gegen ihr« eigen« Bank aus. Immer wieder kam zur Sprache, daß die Preußenkasse unter Präsident Semper diesen Mißstände« gegeuübet zu zSger»d Genfer Friedensarbeit. Völkerrecht, Weltwirtschaft und Arbeiterschaft. W. Schw. Genf, 25. September.(Eigenbericht.) Die zehnte Bundesversammlung ist zu Ende. Die meisten der bisherigen Versammlungen im letzten Jahrzehnt hatten eine Art von triumphalen Ausgang gehabt: neu« Kollektivabkommen zur Förderung des Friedens wurden entworfen. Wer immer wieder hatte sich gezeigt, daß die Versammlung sich allzu sehr von der Realität der heimischen Regierungen, Parlamentsmehrheit«» und Volksstimmung entfernt hotte: di« kühn«ntworfenen neuen Rechts- konstruktionen traten nie in Kraft. Gewiß bedeuteten das Genfer Protokoll von 1924 und die Generalakte von 1S28, um nur zwei von einem Halbdutzend großer Bertnvgsentwllrfe zu nennen, eine Reoolutionierung der diplomatischen und politischen Geist«?. Aber allmählich droht« hinter der Fülle der Projekte die rechtliche Wirklichkeit zu verschwinden. 2Ius dem Bund« der Regierungen wurde kein Bund der Völker, die sich über die Der- fastung ihrer Beziehungen klar sind, sondern«in Bund von Fachleuten, di« allein sich im Labyrinth von geltenden, entworfenen, geplanten und erstrebten Rechtsnormen auskennen. Es ist das bleibende Verdienst der leitenden Köpfe der X. Bundesverfamm- lung, daß st« am Grabe so vieler vergangenen Hoffnungen schließlich doch kein« neue aufpflanzten, sondern vor allem solide Friedensarbeit leisteten. Der wirklich« Fortschritt dieser Tagung besteht in zweierlei. Emmal darin, daß die vor dreißig Jahren zum erstenmal zwischen den Staaten distutierie Schiedspflicht für Rechts- strettigkeiten nun mehr Gemeingut der im Bölkerburch zu- sammengeschlostenen Bölkergesellschaft wird Ueber dreißig Staaten, darunter die wichtigsten und wichtige— Deutschland, Großbritannien mit seinen sechs Dominien, Frankreich, Italien, Tschechoslowakei, Brasilien, Peru— haben die Schiedspflicht unterzeichnet und es unterliegt keinem Zweifel, daß die im Wortsinn« epochemachende Initiative der englischen Arbeiter- regierung durch die Ratifikation des einmal gegebenen Wortes binnen kurzem eingelöst werden wird. So rückt sichtbar der Tag näher, wo die Schiedspflicht als das geltend« Recht der Völker- gemeinschoft verkündet werden kann. Die Führung der eng- tischen Arbeiterregierung brachte auch den zweiten positiven Friodensgewinn dieser Tagung: di« Festlegung des Völker- bundes daraus, daß der K rieg s v« rz i ch t» v e rt r a g in di« Bundesoerfassung einzuarbeiten ist. Das dient nicht nur der Rationalisierung des Völkerrechts durch Vereinfachung, die ein dringendes Erfordernis für die Besterung des Verhältnisses breiter Bevölkerungsschichten zum Völkerbund« ist, sondern dem Kampf gegen das Recht auf den Krieg überhaupt, das noch lang« nicht bis in seine letzten Schlupfwinkel oerfolgt und ausgerottet ist. Wir be- grüßen es, daß diese Einarbeitung nicht in einem Begeisterungs- stürme erfolgt ist, sondern im Ansang nächsten Jahres«ine Elferkommission diese Derfastungsreform durchzuberoten hat. Dabei wird dann der Vernichtungskampf gegen die berüchtigten Vor- behalt« der Landesverteidigung auf«igen« Faust zu führen sein, die soviel dazu beitrugen, di« ausgezeichneten Formulierungen des Kellogg-Pattes im öffentlichen Bewußtsein zu entwerten. In der gleichen Richtung liegt es, wenn— beiden, ol wieder unter Führung der britischen Arbeiter— der Völkerbund die ursprünglich deutschen Vorschläge zur Kriegsausbruchverhütung durch Stärkung- der Rats- kompetei� und den ursprünglich finnischen Lorschlag zur Finanz- Unterstützung eines Angegriffenen wiederaufnahm. Es entspricht nur dem gegen den Krieg fortschreitendem kollektivistischen Bewußtsein der X. Bundesversammlung, wenn sie gleichzeitig noch in dreifach anderer Hinsicht Ansänge zeigt. Da ist erstens die Diskussion über den Revision»«�1 i kel 19, die« als die herrschende Meinung festgestellt hat, daß die Berhandlung und Aufhebung unanwendbar gewordener Verträge Bestandteil der Völkerrechtsordnung ist. Wäre der Vorstoß Chinas früher ge- kommen uizd hätte sein Delegierter sich freier gefühlt und taktisch beweglicher gehandelt, so wäre nach der Austastung der in den ver- traulichen Beratungen des Unterausschusses des Berfostungsaus- schustes beteiligten Köpfen schon diesmal ein formeller Beschluß der Buiülesversammlung zugunsten der Aushebung der ungleichen Der- träge Chinas möglich und damit der Präzedenzfall gefchasten gewesen. Zweitens gehört in dies« Reih« der von den englischen stark unterstützte, von den dänischen Arbeitern angeregt« Beschluß, ein« Siebenerkommission einzusetzen, um das Inkrafttreten aller Bölkerbundsoerträge— auch der über das Weltarbeits- recht— gegenüber denjenigen zu fördern, die absichtlich oder fahr- lässig die internationale Zusammenarbeit zu verletzen, indem sie die Genfer Kollektiv-verträg« nicht unterschreiben und nicht ausführen: hier tauchen die Umrisse einer kollektiven, sich gegenüber der einzcl- staatlichen durchsetzenden Souveränität auf. Das gleiche z«gt sich in der Gesamtaktion gegen den Wirtschafts- Nationalismus» die durch den zweijährigen Zollfrieden eingeleitet werden soll, auf den sich die X. Bunde sversammlun a? geeinigt hat. So sehr dabei Pläne auf kontinentale Zu- sammenschlüss« auftauchten, es hat sich im Endergebnis doch gezeigte daß der die weltwirtschaftlichen Verknüpfungen so fest über di« ganze Erde gespannt sind, daß der Wirtschaftskrieg aller gegen all« nicht durch einen Wirtschaftskrieg von Gruppen gegeneinander, sondern nur durch den Wirtschaftsfrieden aller mit allen ab- gelöst werden kann. Erst wenn dieser stabilisiert- ist, wird di« Der- einheitiichung politisch getrennter, wirtschaftlich gleich hochstehender Gebiete möglich. So sehr hie Verwirklichung des Wirtschaftsfricdens noch Gegenstand künftiger Kämpf« ist, diese Zusammenarbeit ökonomisch gleichstehender Länder war hier bereits fetzt in dem Mit- einandergehen und Miteinanderrinzen von Deutschland, England und Frankreich um die Wirstchoftspolitik sichtbar, das sich in den drei Persönlichkeiten des französischen Handclsministers L o u ch e u r, des britischen Arbeiterobgeordneten, Professors der Wirstchasts- Wissenschaften und Staatssekretärs im Außenmirnsterium D a lt o n und des deutschen sozialdemokratischen Delegierten Dr. Breit- scheid verkörperte. Wenn wir manchmal bedauerten, daß die völkerrechtspolitisch« Roll« unserer Nation auch diesmal in Gens nicht bedeutender als die Frankreichs gewesen stt: dank seiner handelspolitischen Sachbeherrschung hat Dr. Breitscheid, als einziger Deutscher zum Berichterstatter an die Plenartagung gewählt, für Deutschland, um einen in Genf nicht mehr gebrauchten Ausdruck einmal anzuwenden,«ine Vormachtstellung erkämpft, die auch für die Zukunft gesichert ist, da Deutschland auch im Rat für Wirtschaft»- fragen federführend ist. Es kommt darin zum Ausdruck, daß jeden- falls in Deutschland die Handelepolitik als gleichberechtigte Schwester neben die eigentliche„Außenpolitik" zu treten beginnt, wobei beide sich mehr und mehr in Genf konzentrieren, jene zur Wirtschast»- Politik, und diese mehr und mehr zur Völkerrechts- Politik wird. Erfolge und Ansätze sind so auf diesen beiden Gebieten das Kennzeichen der X. Bundesversammlung gewesen. Di« Ab- rüstung hingegen scheint so hoffnungslos verfahren wie je. Sie ist noch immer der Kampf um die Abrüstung des anderen. Alle wollen die Abrüstung, aber olle wollen sie so, daß sie für alle anderen unannehmbar ist. In der Tat: gibt man der Vorkonferenz Anweisung, sich zu einigen, so einigt sie sich durch gegenseitiges Nach- geben. Sie beschließt dann nicht, sondern sie oerhindert die gemeinsame Abrüstung. Es wird an der Zeit, die.Vorbereitende", die Vorkonferenz an ihre wahre Aufgabe zu erinnern, nämlich vorzubereiten, das heißt sich zu veruneinigen und die Gegensätze scharf herauszu- arbeiten. Dann haben die Regierungen daran zu gehen, durch diplomatische Verhandlungen die Punkt« und die Methoden herauszuarbeiten, über di« die Einigung zuerst möglich ist und sie dann auf Konferenzen durchzuführen. Di« anglo-amerikanischen Verhandlungen stellen schon«inen Anfang dazu dar. Wie die Politik zur Abrüstung weiter zu treiben ist, wird später darzu- legen sein. Grundsätzlich ist gerade angesichts der völligen Ergebnis- losigkeit daran festzuhalten, daß die Abrüstung so gut wie jedes � andere weltgeschichtliche Problem zu bewältigen ist. E» kommt nur darauf an, es mit dem revolutionären Realismus anzu- fassen, der sich in der Räumung de» Rheinlandes, der Lösung des Reparatiopsproblemes und jetzt wieder in den anderen Ergebnisten der zehnten Bundesversammlung der Bölker und Regierungen durchgesetzt hat. Schluß in Genf. Genf, 2S. September.(Eigenbericht.) Die 10. Vollversammllmg des Völkerbundes fand am Mittwoch mittag ihr Ende. In di« dreizehngliedrig« Kommission zur Nachprüfung d« Der- Hältnisse des Bölkerbundssekretoriats, des Internationalen Arbeits- amts und des Bureaus des internationalen Gerichtshofes wurden u. a. Graf B e r n st o r f f, Lord C e c i l und L o u ch e u r gewählt. Die Zurückziehung des Antrages über die Reparationsbank wurde zur Kenntnis genommen, die Entschließung über Artikel 19 ohne Widerspruch in der Kommissionsfastung angenommen. In seinem Schlußwort erklärte der Präsident Guerrero (San Salvador), daß die Versammlung ein weites Aktionst Programm entworfen habe. Sie habe ferner erhebliche Fortschritt« in bezug auf die internationale Ge- richtsbarkeit gemacht und man könne infolgedessen sagen, daß die 10. Jahresversammlung des Völkerbundes«ine glücklich« Der- sammlung gewesen sei. reagiert hat. Die Taktik der Raifieisenbank, dringliche, mehrfach wiederholte Anfragen wegen versprochener, aber nicht eingehaltener Sicherheiten einfach unbeantwortet zu lassen, hat zwar den oer- storbenen Referenten Bönisch, wie der Zeuge Ogrowski bekundet, zu Wutanfällen und Tobsuchtsszenen am Telephon veranlaßt. Aber auf das naheliegend« Mittel, der Raifieisenbank bis zur Erfüllung der Bedingungen den Kredit zu sperren— was Wunder gewirkt haben würde—, ist man nicht verfallen. Ein« sehr eingehend« Untersuchung knüpfte sich auch an die optimistische Berichterstattung Semper» an den Finanzminister. Im Bericht vom 16. Januar 1926 heißt es, daß nach einstimmiger Ansicht des Direktorium» der Preußen- koste die an die Raiffeisenbont gegebenen Kredite nicht als ge- f ä h r d e t anzusehen seien. Dieser entscheidende Satz ist vom Präsi- denken Semper handschriftlich in den Bericht«ingefügt worden, nachdem die Mitdirektoren ihn bereits unterzeichnet hatten. E i n Beschluß über die Einstimmigkeit ist nicht herbei- geführt worden, sie scheint auch— trotz teilweise widersprechender Aussagen— keineswegs in solchem Umfang bestanden zu haben. Sachlich ist die Auffassung Sempers insofern von Bedeu- tung, als er die eingetretenen Verluste erst auf die Liquidation der Raifseisendank durch das Direktorium Klepper zurückführt. Nach den Ergebnissen des Revisionsberichts von 1928 ist es aber ausge- Ichlossen, daß die Raisfeisenbank in absehbarer Zeit die eingetretenen Verluste hätte wieder aufholen können. Bezeichnend ist auch folgendes: Am 2. März 1925 erhielt die Preußentaste erstmalig, wenn auch sehr unvollständig, Nachricht von den Verlustgeschäften der Raisfeisenbank. Trotzdem geschah nichts Entscheidendes, weil sich der Referent Bönisch gerade in Krankheit»- urlaub befand. Erst im Oktober ließ die Preußentasse durch die Treuhandgesellschaft bei der Raisfeisenbank revidieren. Die Der- zögerung erklärt der Zeuge Semper zunächst damit, daß er— wie bereits feststeht— von Dietrich über den Umfang der Derluste getäuscht worden ist. ver Berichterstatter bringt nunmehr die Angelegenheit des Herrmann-Konzorns zur Sprache, die der»Vor- wärts" im Juli 1925 meldete. Aus der ErNSrung der Raifieisenbank hierzu mußte doch das Direktorium der Preußenkasse erkennen, daß es von Dietrich und Schwarz hinter» Licht geführt war. Semper bejaht dies.— Berichterstatter: Warum nun noch immer eine Der- zögerung der Revision um zwei Monate?— Semper:„Aus t e ch- nilchen Gründen." Ehrhardts Geschäftsführer bleibt in Hast Abgelehnte HastentlassvngSanträge. Die hasteatlassungsantrSgc der drei sm Zusammenhang mit der Bombenangelegenheit in Mülheim festgenommenen Personen und de» Gefchästeführer» p l a a» sind in dem hastprüsungetermin. der am heutigen Mittwoch in Moabit skallsand. abgelehnt morden. Or. Galinger unbeteiligt. Der Polizeipräsident hat an den Verband, in dem Dr.. 45 pl Perluntersatz..... 45 pl Wichsbürste� 45" Wachstuchrest 45" Dentsdier Metallarbeiter Verband Verwaltungsstelle Berlin Tode san zeisen Den Mitgliedern ,ur Nachricht, dab unsere Kollegin, die Arbeiterin Ida Scbaal geboren am 12. September 1871, am 22. September gestorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 26. September, 16 Uhr. von der Leichenhalle des Eophien-Kirchhoses in Berlin, Bergstr.. aus statt. Am ZV. September starb unser Kollege, ber Former Otto Weber geboten 8. Juni 188t. Die Einäscherung findet Freitag, den 27, September? I7>/, Uhr, im Kre» matorium Berlin, Derichtslrafie, statt, Ehre ihrem Andeuten! Rege Beteiligung erwailet VI» Orlsocroallnng. Am Freitag, dem 20. September, 21V, Uhr, verschied mein lieber Man» und unser Vater, der Former Otto Weber durch Etseudahnunsall, Die» zeigen tieibetritbt an Wwe. August» Weber u. Kinder Sem er Straße 39. Die Einäscherung findet Freitag, den 27. September, 17»/, Uhr, un Krematorium Serichtstr. statt Freie Turoersebaft CroB-Beriin Bez. Charlottenburg. Allen Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere allverehrte Turngeuosfin Gertrud Levin am 34. September verstorben ist. Ehre ihrem Anden!»». Einäscherung: Freitag, 27 September. ISV, Uhr, Krematorrium Serichtstr. Vollzählige Beteiligung erwartet 0«» Vorstund. Am Dlensiag, dem 24. d, Mts» verstarb pläßiich und unerwartet meine liebe Frau und gute Mutter, Frau Oerti-udi Levin geb. Strahl im 4L Lebensjahre. Der trae ensde Galt» u. Sohn HcIbs Haeselerftr 14 a Die Einäscherung findet am Freitag, dem 27, September, ISV, Uhr. im Krematorium«erichtltraße. statt WlMMMrtW veruraitungsmitgiieden Am Freitag, dem 27. Septeneber: Sitzung der atfticrca Crteocc. Di« Orlieer uaUung. iet.gäi FreleTurnersdialt Groß- Berlin Mitgl. d. A.-T. u. Sp.-B. Unser Bundesgenosse Paul Wenzeck Kaulsdorf, ist nach turzer, schwerer -.Krantheit am Eonnabend. dem 21. September verstorben. In unermstd. licher Arbeit wirtte er für den Fu» sammenschluß der bundestreuen Genossen. Die FDGB, und besonders der Bezirk Kaulodors verlieren in dem Verstorbenen einen eitrigen Förderer unserer gemeinsamen Sache, Die Einäschkning erfolgt am Donnerstag, dem 28, Sept. I9Ve Uhr, im Krematörium Gerichtstraße. Unsere Bundesgenosfin Gertrud Levin Bezirk Eharloitenbura verstarb wartet am ZL September infolge vom uneiwartet Serzschiags.— In stiller, aber eisriger Arbeit hat die Berftorbene viele Jahre jür den Arbeitersport gewirkt. Mit dem Bezirk Eharlottenburg trauert der Berem um eine unserer besten Senosfinneit Die Einäscherung erfolgt am Frei. tag, dem 27, Eeplember, 18'/, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße Ehre ihrem Andenken. De» V orot and. Offene Füße «rampfabergeschwsire. schwerb eilende Wunben, schmerzhaste EntZilndungen etr. unerträgliche» Juden hei» nachweisbar laut lausenden Oanssagungen die milde wohltuende vrllnda G...Z' i;/'■ i i■-'! � • r,,.r;-. Ur;;,: 1 V,'-. J" �*'M J/rt!:i.{ f j'i' I.■ Küchen, Reformküchen u. viele and. Huster von M 70.- an Schlafzimmer von M 379.- an Speisezimmer von M 375.- an Herrenzimmer von M SPS an In lost. Austührg,— Ps itsr- u. Flnretm.bsl Tellrahlg. d, zu 24 Mo.tten.— 6°/, Rabatt. Aato-Llefemnar frei Haas! Adolf Zebrowski, Berlin 0 27 Paul- Singer-StraBe 84 und 28 st» Aadieaaglat* habe Bcbiea. Bbl Nur feinste Qualitäten Apfelwein, herb, mar Bowle.«•••«. Liter 0.60 Apfelwein, püO, In...........» Liter 0.75 Johnnnlsbeer,»00, da« Be«te•••••• Liter O.SO Kirnchwetn,«00, da« Feinnte..... Liter 1.10 E�rdbeerweln«»ÜB, das Beste.••••• Liter 1.45 Tarragroiia, echt,«ÜB........... Liter 1.35 Malaien, echt,«00, irold......•••» Liter 1.60 Grlcchenvreln, echt,«00, hell.... Liter 1.40 Pepsinwein, echt, fOr Kranice.... t/s Liter 1.30 Hoaro Portwein, echt, da« Feinste.. Liter 2.80 Tasano. echt, sOD, das Feinste..... Liter 1.00 Wermnth, für Kranke.......... 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Hundertmal durchgeschwitzt, hundertmal wieder gescheuert, geputzt, gebürstet, durch Pfützen ge- schleift, vom Exerzierplatzsand dünngefressen! Jeder, der auch nur einen Knopf am Kragen hatte, durfte seine dreckigen Stiefel daran abtreten. Gewiß—«s gab auch eine erst« Garnitur, blitzblank. wi> Samt anzugreifen, aber daran durfte der Soldat bei ganz guter Führung höchsten»— träumen. Das war damals. Aber man kommt nicht an diesem Vergleich vorbei, wenn man Menschen und Ding«, von denen hier die Rede sein soll, auf dies« zwei Worte:.Vierte Garnitur", stellen muß: Menschen, die im Schatten dssKünstlertums an hoffnungslosem Richtkönnen und. grenzenlosem Dünkel dahinkränleln. Also:.Künstlertum", vierte Garnitur, zerkinmtscht, zerschwitzt, durch Pfützen g.'schlmft... Da ich keine Sage erhalte. Es ist in einem jener Lotale. die an Lohn- rnrd Sonntagen bis auf den letzten Stuhl mit einem radaufreudigen Amüsierpublikum vollgepfropft sind. Viel Musik, schwitzende Tanzpaare, sehr, sehr m«l dicker Tabakrauch und noch viel mehr Bier und zwischendurch di« erstklassigen Kabaretteinlagen.— Steigt also ein Mann auf das Podium mit der Papiergirlande. Mit Chaplinhut und Sackhosen legitimiert er sich als Komiker. Der Cutaway, setzt zu einem Frag- ment zusammengeschnttten, ist früher mal sein gute» Sonntagsstück gewesen, und später hat er wohl an einem soliden Schreibpull da- mit gesessen, denn di« Zlermel sind blankgewetzt, sehr blank. Wenn er mit seinen Armen in de? Lust herumrudert, dann schimmern sie hell auf. Manchmal sieht es aus, als wenn er eine große Fenster- choibe putzt, so rudern die Arme, und dazu sagt er etwas auf, Zotige», verstaubte Familienblattlyrik, Witz«, Schnodderigkeiten, alle-- durcheinander. Wenn das Gesicht zu einem Grinsen ausholt, starren mittendrin schwarze Zahnlücken. Da» alles wirkt gar nicht lustig— nein, häßlich. Wie schlecht zusammengekitter wirkt das alles um den Mann herum, er selbst, seine Gesten, seine verbrauchte Stimme, und man könnte sich vielleicht gar nicht wundern, wenn Mann, Sackhose, Chapllnhut, die schlenkernden Arme und das schlecht ge- schminkte Gesicht zusammenfallen würden, zerrieseln zu einem Haufen Müll. Man ist darum auch nicht erstaunt, wenn ganz zum Schluß die Stimme da oben glitschig und ölig wird und zu ; einem Appell an die Herzen des Auditoriums ausholt:»Da ich sür meine Darbietungen von der geschätzten Direktion dieses hause» keine j Gage erhalte, werde ich mir erlauben, an die Tisch« zu kommen, um eine kleine Aufmerksamkeit von dem geehrten Publikum entgegenzunehmen." Also nur ein Bettler, genau wie die vielen, die an die Türen kommen und die Hand ausstreck.-n. Terpsichore weint. Auch Amüsierbetrieb, nicht feiner, aber gleißender, statt Mollen mit Bier Likör und Mokka und manchmal Sekt. Es wird getanzt, zuviel getanzt und zu wenig Likör konsumiert. Also Pause— Parkett frei, imd herein hüpfen drei kleine Dingerchen, ,lhr Porträt tür SO Pfennig.' jung, knabenhaft und mächtig angetuscht, sehr entkleidet, und taiiu. werfen die Deine in die Lust, drehen sich, trippeln und zappeln aus dem Parkett herum. An jedem Abend dreimal, als Matrosen, als Hampelmännchen, für sechzig Mark Monatsgage— und hinterher werden sie mit Herrn Müller aus Chemnitz oder Herrn Maier aus Gloiwitz billigen S.-kt trinken. Das ist die Hauptsache: Viel Sekt trinken, dazu sind sie verpflichtet. Wer mag es diesen kleinen. Dingern mit den viel zu großen Augen, in denen der Hunger nach dem großen Erlebnis glimmt, angetan und ihnen das Märchen von der großen Chance, die auf sie wartet, ins Ohr geflüstert haben? Man müßte ihn verprügeln. Run hoppeln sie hier. Abend für Abend, und trinken Sekt, Abend für Abend, und geben ihre Gesundheit dem Teufel Alkohol. Da ist wohl eine enge, schlecht gelüstete Hinterhauswohnung, in der es innner nach Kohl riecht, und ein arbsitsgebeugter Vater, eine sorgenzerfressene Mutter und viele, viele Mäuler, die all« Tage gestopft sein wollen. Und da ist ein schöner Traum von glitzernden Dingen und von vielem Geld. Mar-. gen wird er zerflattert sein, der Traum, wenn der Sektkonsum zu sehr heruntergeht und drei kleine Tanzmädels tüchtigeren»Künst- lerinnen" Platz machen müssen, und wenn jeder Agent, dem sie, Engagement suchend, vortanzen, die Achseln zuckt und sie diskret belächelt, und wenn sie dann endlich wieder irgendwo unterschlüpfen dürfech tanzen und— Sekt saufen, sonst nichts. Sie können nicht mehr fort davon, zurück an die Schreibmaschine, hinter den Laden- Usch, denn das haftet an ihnen, dieser Schminkenduft, und sie sind verliebt in sich, wie sie sich auf dem Parkett bewegen dürfen und gepuderte Nacktheiten zeigen.—— Drei kleine Tanzmädeto tanzen in die Hölle— und jeder, der eine Flasche Sekt bezah�-i kann, darf seine dreckigen Pfoten an ihnen abwischen. Auf der Straßic. Eigentlich ist sie ja unter allem zu finden, unter den Menschen und den Dingen um die Menschen herum, diese»Vierte Gar.- nitur", aber gerade unter der Maske des Künstlertums drängt es sich nach vorn, aufdringlich Beachtung heischend. Steht da aus dem Rummelplatz zwischen den bunten Buden, eingehüllt von den Schmalzkuchendüften, ein« Staffelei, und der Mann, der vor ihr hockt, hat eine feine braune Samtjacke an, und sein Kopf ist. in eine wallende Haarmäyne«mgeimckolt. Gewiß will er damit beweisen, daß er ein Künstler ist, vielleicht aus Eitelkeit, oder aus Go«> schäftsrücksichten. Die Leute scheinen ihm das gar nicht zu glauben, denn uninteressiert gehen die meisten vorüber und begucken nicht einmal die Porträts, di« schlecht, und recht oder wenn man so sagen will, recht schlecht mit Bleistift gezeichnet sind, und auf ein- große Pappe geklebt, an der Staffelei baumeln.»Dein porlrät sür fünfzig Pfennig." Aber das Geschäft geht schlecht. Läßt sich mal wirklich einer auf dem schönen weißen Zeichenpapier verewigen, dann will er sich nachher aus den Linien und Schatten nicht wiederkennen' und macht Krach, und die Leute, die dabei stellen, geben ihm Recht. Na— er hat ja schließlich auch recht. Und der Mann in der Samt- sack« zuckt die Achseln und steckt die fünfzig Pfennig ein. Gott ja. wir müssen ja alle leben, und man ist ja noch lange rein Bösewicht. wenn man schlechte Porträts für gutes Geld macht, und zehn Stück wi A.M.Frey. Copyrighi lOjo fcy Gustav Kiepenheuer Verlag A-Q-, Berlin Dusang, befehlsgewohnt, läßt sogleich seine Stimme er- schallen. Der Sanitätsmannschast wird ihr Platz genommen: sie kann ja im Verbandraum kampieren. Der«ine Kranken« räum fällt ebenfalls an Dufang. Trotzdem vermag er sich nicht restlos im Keller zu installieren. Seine Schreiber müssen hinauf ins Parterre. � Zwei Vorteile bringt er wenigstens mit für Fünfer: Telephonisten richten in einem Winkel den Fernsprecher ein, und ein Verpflegsosfizier schaut persönlich nach, ob die Herren genug zu essen haben. So könnte der Krieg denn wieder konzentriert beginnen. Und er tut es. Gleich nachdem Dusang eingetroffen ist, lebt das Feuer der feindlichen Artillerie auf. Sie hat sich erholt, ist zur Ruhe gekommen, in Stellung gegangen, hat sich orientiert, sie beschießt planmäßig und wachsend. Dusong ist noch nie so weit vorn gesessen. Die Regiments- befehlsstsllen liegen meist hinter den Verbandplätzen. Er macht gute Miene zum bösen Spiel. Ihm ist anzumerken, daß er denkt: vorläufig kann ick nichts Besseres tun als mich mit dem Hauijudsn vertragen. Wer weiß: wenn ich Pech haben- sollte, brauche sogar ich selber ihn. Auch er mustert kritisch die schönen, aber jetzt nicht sehr zweckmäßigen Gewölbe. Und mißtraut der Festigkeit.der Kellerdccke alsbald so. daß er von Ordonnanzen und vom Sanitätspersonal, über das er gar nicht zu verfügen hätte und über den Kopf des Arztes hinweg anmaßend verfügt. einen Niedern Stollen in die Tiefe treiben läßt, schräg abwärts in den Boden, der Schußrichtung abgewandt. Er kommandiert zur Arbeit mit Hacke und Spaten„nur" — wie er sagt dasjenige Sanitätspersonal, das gerade keinen Dienst'im Verbandraum oder draußen im Freien tut. Daß diese Leute in der Zeit, da sie nicht Sanitätsdienst machen, ruhen sollten— daß sie deshalb ihren eigentlichen Dienst nicht machen, damit sie ausruhen können—. das übergeht er. Er. der sonst übe? alles, was Sanität heißt, hochnäsig hin- wegsieht, treibt jetzt persönlich diese Leute zur Arbeit an. Ja, später stellt er sich sogar zu den Aerzten vorüber- gehend wie gleich zu gleich—: alz es mit der Verpflegung hapert und nichts Rechtes, nämlich nur Feldküchenfraß un- regelmäßig herangeschafft werden kann, weil man zu sehr beschossen wird. Nun zehrt er mit von den Vorräten, die im Hipblick auf Verwundete etwas reichlicher von Anfang an deponiert waren. Setzt stärkeres Feuer auf Schloß Fontaine ein, so kriecht er als einziger in den begonnenen Stollen. Mehr Menschen- leider faßt das unfertige Stückchen Raum nicht. Sowohl sein Adjutant wie die Zlcrzte können außen bleiben, von der Mannschaft gar nicht zu reden. Vielleicht fällt ihnen allen die Kellerdeckc auf den Kopf. Das wichtige Leben des Komman- dcurs ist dann wenigstens gerettet Ja,— so weit vorn zu sein, ist bisher nicht seine Sache gewesen. Jetzt geht es auch ihm einmal dreckig und er muß fraternisieren mit den Pflasterkästen. Aber das gibt sich frei- lich bald, gibt sich, so wie er wieder aus der„Scheißgassen", wie die Soldaten sagen und die Offiziere es ihnen nachsprechen, heraus ist. Während er sich so ein- oder zweimal des Tages in er- höhte Sicherheit begibt, ergeht es seinen Schreibern oben im Parterre sehr bedenklich. Und als sollte ihm demonstriert werden, durch welche Kleinigkeiten man um die Ecke gebracht werden kann und wie gut Stollenbauten für Kommandeure sind, bekommt eines Morgens der jüngere der beiden Kanz- listen ckin Splitterchen in Linsengröße ab. Er hat ihr selbst nachgelauscht, der Granate, die im Garten krepiert ist, offenbar dicht an der Mauer, denn man hört Holz und Steine krachen— da rumpeln schon eilige Stiefel die Kellertreppe hinab. Sie tragen und schleifen ihn zwischen sich, der nicht mehr gehen kann. Wo fehlt's ihm denn, ist er getroffen, wo ist er getroffen? Er blutet nicht, die Uniform ist heil— soweit eine deutsche Uniform 1S18 heil genannt werden kann. Unbegreiflich, aber deutlich sichtbar verfällt er in wem- gen Sekunden. Hier ist ganz eindeutig zu sehen, wie der Tod das Leben erobert. Schritt um Schritt und Grift um Griff, mit sicherer Faust. Funk steht vor ihm, der stehend von den anderen fest- gehalten wird, und weiß nicht, was tun. Es geht zu schnell. Er macht ihm den Kragen auf, er nestelt diese verfluchte Sol- datenkrawatte los, diesen unnützen Würgapparat. Jener ist weiß, wird arau, dann gelb. Sein Mund schnappt einmal, zweimal kräftig— und ebenso oft um eine Kraffttufe schwacher. Die Lippen werden farblos— unterm nächsten Zugriff schimmern sie blau. Er hat die Augen ge- schlössen— daß sie nun halb aufgehen, ist kein Erwachen. kein Zurückkehren, es ist das Erschlaffen der Lider, die auf Halbmast gehen und keinen Blick mehr enthüllen, nur das Gebrochene ehemaliger Blicke. Das alles spielt sich ab, während sie ratlos den Kameraden halten und ihn anrufen wie einen Schlaftrunkenen. Ehe sie ihn hinlegen können, ehe die Uniform vganz offen steht, ist es vorbei. Stabsarzt Fünfer faßt nur noch an einem Körper umher, der schon kalt wird. Dusang, aus seiner Ecke heraus, beunruhigt über die Aussicht, mit einem Schreiber sich behelfen zu müssen, fragt gereizt:„Wie steht's also mit dem Huber?" „Da ist offenbar etwas ganz Kleines mitten ins Herz gedrungen," formuliert Fünfer seine Diagnose ungewollt und ungewöhnlich albern. 35. Von feiten der Gruppe, der das Regiment augenblicklich angehört, ergehen, unterzeichnet vom Chef des Generalstabes. Weisungen,„für den Sanitätsdienst bei Bewegungskrieg und Angriff." Drei eng betippte große Zlktenseiten, einundzwanzig wichtigtuerische Punkts, die Funk bitter grinsend studiert. Wegen besserer Arbeitseinteilung sei nur ein Truppen- Verbandplatz anzustreben.— In Wahrheit: weil euch die Mittel ausgehen. Die Verbandplätze müssen sich darauf beschränken, die Verwundeten schnell ti�lnsportsähig zu machen.— Mach' du mal jeden Durchlöcherten im Handumdrehen transportfähig. Tragen schonen, weil auf Nachschub von solchen aus der Etappe nicht zu rechnen ist!— Es hat noch kein Träger eine Trage zerbrochen, an die Wand geschmissen oder kleingehackt. Der sie zerschmeißt und zerhackt, das ist die Allerwestsgranatc. Und wenn sic's getan hat, Herr Chef, ist Ersatz ans der gött- lichen Etappe also nicht mehr zu erwarten. Erfrischungsstellen für zurückflutende Verwundete richten sie ein. Wie das klingt! Es wird sich bestenfalls um so- genannten Kaffee, verfertigt unter Vermeidung jeglicher Bohne, handeln. Beschilderung der- Wege ist„rechtzeitig" durchzuführen. — Was heißt rechtzeitig? Darüber sollen sich die vorne den Kopf zerbrechen. Hauptsache, daß der Befehl glatt auf dem Papier steht. Kriegsgefangenen sind die Verbandpäckchen abzunehmen und zu benutzen, um eigene zu sparen.— Und die Gefangenen. falls sie verwundet werden?(Fortsetzung folgt.) mb hm Stetgem find hnmer fünf Karl od giti ober schlecht. Aber soviel wird es selten an einem Tage, höchsten» Sonntags mal.— Ein anderer ist tüchtiger, mit Samtjackett und Stirnlocke. Er hält sich an feinere Kundschaft. In Nacht- und Nepp- lokalen sitzt sie. Nicht, daß sie gerade auf ihn wartet, aber er schlängelt sich von Tisch zu Tisch und betet überall seinen Vers her- unter, von dem hungernden Künstler, von der Kunst, die nach Brot geht, und von dem Können, das sich mühselig, aber ehrlich durch- ringen muß. Es gibt ja noch so viele Beispiele, vielzuviele. Was verkümmert an Musikern in rauchgefüllten, üblen Lokalen, fristet seine Tage von Bettelgroschen, geht dem Leben verloren? Was zerbricht feine Jugend, feine Hoffnungen, seinen Lebensmut an den Schmieren- t h e a t e r n, die es immer noch gibt? Schwindel mit Bausparkaffen. Die Betrogenen sehen sich zur Wehr. Die Wohnungsnot haben sich schon eine ganze Reihe Leute zunutze gemacht, um durch allerlei Prospekte über Bausparkassen Wohnungsuchenden Geld aus der Tasche zu locken. Es ist in der Nachkriegszeit schon oft genug gewarnt worden, derartigen Neu- einrichtungen all zu schnell Glauben zu schenken und auf die Lcistun- gen derartiger Gesellschaften große Hoffnungen zu setzen. Eine ganze Reihe Berliner Wohnungsuchender haben ihre Leichtgläubigkeit wieder bitter büßen müssen. Bor einigen Monaten inserierte eine„Gemeinnützige Bau- spar lasse G r 0 ß- B e rl i n", die versprach, billige Wohnungen zu bauen. Im Bureau dieser Gesellschaft waren fertige M i e t s- k 0 n t r a k t e, die leider zu rasch unterschrieben wurden. Der G e- nossenschaftsanteil sollte 720 M. betragen, die aber nicht gezahlt werden brauchten. Es wurde lediglich eine Vermittler- gebühr von S0 M. pro Zimmer abverlangt. Die betreffende G e- scllschast besaß nicht einmal das Grund stück, auf dem angeblich Wohnungen erbaut werden sollten. Auch die Haus- zinssteuer konnte nicht bewilligt werden, weil es der Gesellschaft nicht gelang, den Nachweis über die restlichen Baugelder zu er- bringen. So kam naturgemäß recht bald der Zusammen- bruch der Gesellschaft und nun erst stellten die Genossen- schaftler fest, daß sie mit ihrem Anteil von 720 M. haftbar sind, und zwar in doppelter Höhe, also mit 14�0 M. Die Geschädigten hielten kürzlich eine Versammlung ab, in der sie eine Entschließung an- nahmen mit der Forderung, das Zentralwohnungsamt mög« eingreifen. Das Zentralwohnungsamt wurde ersucht, die Z!erordnungen, wonach Neubauwohnungen, die mit Hauszinssteuermitteln erbaut worden sind, nicht durch Ver- mittler gegen Provision vermietet werden dürfen, periodisch der Oeffentlichkcit bekanntzugeben. Außerdem soll durch die zuständige Behörde jede Annonce, die Wohnungen anbietet, kontrolliert wer- den. Die Forderungen der gewerkschaftlich organisierten Mieter gehen dahin, daß mehr Mittel aus der Hauszinssteuer den wirklich gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaiten zugeführt werden, die der Kontrolle der Gewerkschaften unterliegen. Außerdem ist es vor- nehmste Pflicht für die Gewerkschaften, bei Tarifverhandlungen die Neubauten mit in die Lebensindexziffer einzukalkulieren, damit auch die Mieter, die erst jetzt eine Wohnung benötigen, nicht schlechter ge- stellt sind, als diejenigen Mieter, die im Besitz einer Altwohnung sind. Dieses Ziel zu erreichen ist nur möglich durch einen festen Zu- sammenschluß nicht mir in den Gewerkschaften, sondern auch in der größten Arbeitnehmerpartei, der SPD. Opfer seiner Aotlage. Verrat des Z�eichsschuldbuchgeheimnisses. Unter der Anschuldigung, das Schuldbuchgeheimnis ver- letzt zu haben, hatte sich der Angestellte h.. der bei der Reich». schuldenvcrwaltung als Beamter vereidigt gewesen war. vor dem Schössengerichl Lerlin-Rtitte wegen passiver Bestechung zu verantworten. Rlit ihm waren der Bankier Löwen» st e i n und dessen Angestellter Simon wegen aktiver Be» slechung angeklagt. Luwenstein war in Berlin für eine süddeutsche Bankfirma tätig und hatte den Auftrag, Forderungen von Auslandsgeschädigten an das Reich aufzukaufen. Am wertvollsten waren ihm hohe Forde- rungeu, die schon in das Schuldbuch amtlich eingetragen worden waren. Durch seinen Angestellten Simon lernte er eines Tages H. kennen, der in der Reichsschuldenoerwaltung in der Abteilung ar- bettete, in der die Eintragungen der höheren Forderungen in das Reichsschuldbuch vorgenonimen wurden. H. klagte, daß es ihm sehr schlecht ginge und daß er einen Nebe»verdien st suche. Löwenstein gab ihm darauf ein Darlehen von 200 M. mit der Aufgabe, ihn doch über die amtlichen Eintragungen in das Reichssckuldbuch auf dein laufenden zu halten und ihm die Zldressen der Geschädigten mitzuteilen. H. gab ihm die gewünschten Auskünfte und verletzte dadurch sein Amtsgeheimnis. Der Verdacht lenkte sich auf H., der seine Straftat sofort zugab. Im Gegensatz zu ihm bestritt Löwenstein seine Schuld. Nach seiner Behauptung wollte er den Beamten nur veranlassen, auf Anfragen von Geschädigten, die ihre Forderungen gleich oerwerten wollten. sein Bankhaus zu nennen. Die Beweisaufnahme ergab jedoch, daß der Sachverhalt so lag, wie H. es zugegeben hatte. Der Staats- anmalt beantragte gegen die Angeklagten Gefängnisstrafen von drei, vier und sechs Monaten. Das Gericht bestrafte H. unter Berücksichtigung seiner bisherigen Unbestraftheit mit 20 0 M. Geldstrafe, da er durch den Verlust ferner Stellung schon hart gestrast wurde. Löwsnstein erhielt eine Geldstrafe von 3000 M. und sein Angestellter Simon wegen Beihilfe zum Betrüge 300 M. Geldstrafe. prolest gegen die Hundesperre. In einer voll besuchten P r 0 t e st v'e r s a m m l u n g in der Sttiöneberger Schloßbrauerei forderten die Mitglieder und Freunde des Allgemeinen Tierfchutzvereins In einftiimnig gefaßter Resolution sofortige Aufhebung der Hundefperre, zumindest aber Lockerung der darin enthaltenen Vorschriften. Der Rcferenl des Abends, Rechtsanwalt Walter Bahn, rekapitulierte in launig gefärbter Rede den ganzen Sachverhalt. Der Stein des Anstoßes, die wutverdächlige Bestie, die drei Menschen gebissen haben soll, ward in seinem Munde zu einem zierlichen, lammfrommen Pinscher- Hündchen, das, durch Freiheitsberaubung in Harnisch gebracht, seinen Eerberus(feie Hausangestellte) in den Finger gebissen hätte. Der Kadaver des einige Tage später verendeten Tieres sei nach dem Kochfchen Institut geschafft worden, wo man in unbegreiflicher Uebertrsibung und Aufbauschung Tollwut festgestellt und daraufhin die ganze Hundebesitzerfamilie zu Serumeinspritzungen gezwungen hätte. Es war aus all der juristischen Spiegelfechterei leider nicht zu entnehmen, ob der Befund tatsächlich Tollwutverdacht ergab. Nach Ansicht des Referenten sei es bisher in Deutschland über» Zwei Brandstifiungsprozeffe. Krau Goldreichs Villa.— Oer Brand im Männerheim. Im Hinblick auf die vielen Brände der letzten Zell, namentlich Dachstuhlbrände, bei denen sehr häufig der drin» geude verdacht einer vraodstlftnng vorhanden war. ohne daß es möglich wurde, die Schuldigen zu ermitteln. dürfte» zwei Brandstiflungsprozesse ialeresflerea. die vor den Schwurgerichten l und II begannen. In beiden Fällen wird von der Anklagebehörde vorfählich« Brandstiftung angenommen. Vor dem Schwurgericht II begann ein mehrtägiger, auf In- dizien sich stützender Bvandstiftungsprozeß, der sich gegen drei An- geklagte richtet. Es Handell sich um das große Schadenfeuer, das am 23. Juli v. I. gegen Mitternacht in der D i l l a d e r F r a u G 0 ld re i ch in Neu-Zittau ausgebrochen war. Di« Villen- besitzerin Frau Marie Goldreich und deren 78jähnger Vater Albert Hädicke werden beschuldigt, gemeinschaftlich zum Zwecke eines Versicherungsbetrugs ein« Brandstiftung verübt zu haben. Als dritter Angeklagter wird der Schiffseigner Wilhelm G raffe aus Posen genannt, der beschuldigt wird, von dem geplanten Derbrechen Kenntnis gehabt zu haben und«ine Anzeige unterlassen zu haben. Sämtliche Angeklagten, die noch nicht vorbestraft sind, bestrellen ihre Schuld und es ist von der Staatsanwaltschaft II ein umfangreicher Indizienbeweis mit 4? Zeugen und mehreren Sachverständigen gegen die Angeklagten angetreten worden. Frau Goldreich bewohnt« mit ihrem Sohne und ihrem alten Bater allein das Haus. Zlls der Brand ausbrach, war Frau Gold- reich mit ihrem Sohne in, Berlin und nur der alle Vater, der im Keller wohnte, anwesend. Der Brand brach in den Obergeschossen au». Bei dem Löschungswerk soll sofort starker Petroleum- g e r u ch wahrgenommen worden sein und es sollen auch an verfchie- denen Stellen des Hauses getrennte Brandherde entdeckt worden fein. Frau Marie Goldreich,«ine Frau von 51 Jahren. hat ein romantisches Dorieben. Sie war einst eine erfolgreiche Ballett- und Verwandlungstänzerin, die an Hoftheotern und an den eisten Varietebühnen des In- und Auslandes auftrat. Bei einem Gastspiel in Budapest lernte sie ihren späteren Ehemann kennen, der dort als Box- und Fechtmeister gleichzeitig auftrat. In Peters- bürg heiratete sie ihn mit 17 Iahren. Das Ehepaar trat viele Jahre in Amerika auf. Dazwischen war es oft in Deutschland und erwarb sich ein Grundstück in Neu-Zittau. Der Ehemann war amerikanischer Staatsbürger geworden. Bald nach Ausbruch des Krieges reifte er mit einer Frau aus Neu-Zittau wieder nach Amerika. Die Ehefrau konnte nicht nachfahren und er nicht zurückkommen. Seitdem ist das Ehepaar getrennt und die Eh« wurde vor drei Iahren geschieden. Eine wesentliche Rolle In dem Drozejj spielt die Frage der sinan- stellen Lage der Frau Goldreich zur Zeit des Brandes. Sie bestrettet entschieden, daß sie in verzweifelter Lage gewesen sei. An jenem Tag« sei sie in B e rli n gewesen und habe, da e» zu spät geworden sei, bei ihrer Schwester übernachtet. Anrufe nach Haitf« seien vergeblich gewesen, da sie keine Verbindung bekam. Als sie am nächsten Morgen heimkehrte, habe man sie sofort verhastet. Oos Männerheim des Deutschen Heilsboten in der Gollnowstraße — eines Konkurren zu nternehmenn der Heilsarmee— war am 31. Mai d. 3. nicht schlechter besetzt als sonst, lim 10 Uhr abends. als die Asylisten sich bereits im ersten Schlaf befanden, ertönte plötz» lich Feueralarm. Eine Schwester vom gegenüberliegenden Haus« hatte aus dem Dach Rauch, aufsteigen sehen und der Haus- burfche Keil telephonierte sofort nach der Feuerwehr. Während der Portier de» Männerheims voll philosophischer Ruhe meinte: �Laßt's doch brennen, was ist denn weiter los/ bemühte sich der Hausbursche besonders eifrig um di« Garderobe, indem er sie nicht, wie man er- warten sollte, weg von der Brandstelle schaffte, sondern im Gegenteil ihr näher brachte. Die Feuerwehr stellte Brandstiftung fest» der Verdacht fiel auf den H a u s b u r s ch e n. Er war g e st S n d i g. Er bestritt aber, dos Heim in Brand gesteckt zu haben in der Absicht» Diebereien zu verdecken. Er erklärte vielmehr, er habe es aus Miß» stimmung gegen den Inhaber des Männerheims getan. Dieser habe nicht allein seinen Freund, den Leiter des Männerheims, entlassen, sondern auch dessen Mutter, die in einem arideren Heim tätig war, und dessen Bater, der den Posten eines Wächters inne hatte. Vor dem Landgericht I, das gestern die Brandstiftung ocrhan- delte, lernte man sowohl den entlassenen Heimleiterals auch den Inhaber des Männerheims kennen. Dieser bezichtigte jenen der Anstiftung. 14 Tage vor der Tat habe er gedroht,»wenn ich ent- lassen werde, hat H.(das ist der Inhaber des Männerheim») kein Heim mehr. Wenn er meine Ellern entläßt, bin ich zu allem fähig/ Der Letter sagte aber:»Da» stimmt nicht, ich habe mein Herz Gott geschenkt. Als Ehrist nehme ich niemandem etwas übel. Ich kenne keinen Groll. Ueber meine Entlassungsgründe kann ich nichts jagen, ich habe mich ehvenwörtßch oerpflichtet, zu schweigen/ Darauf antwortete der Inhaber des Heims:„Das mit dem Ehrenwort hat nichts mtt der Sache zu tun. Er hat sich nämlich eingebildet, mtt meiner Frau ein Verhältnis zu haben. In Wirk- lichkeit hat er sich aber verschiedene Unreblichkeiten zuschulden kommen lassen. Das war der Grund für feine Entlassung/ Natürlich bestritt der also Berleumdete sowohl die Unregelmäßigkette« wie auch ein nur„eingebildetes' Verhältnis. Er habe mtt der Brandstiftung nichts zu tun, wenn er auch mtt dem Angeklagten öfters ausgegangen fei und dieser bei einem Gehalt von 1,50 M. pro Tag plus 6 M. wöchentlich für die Verwaltung der Garderobe viel ausgegeben habe. Der Heimletter blieb unvereidigt, weil er der Anstiftung verdächtig war. Der Hausburfche, selbst ehemaliger Asylant des Heims, wegen Diebstahls bereits vorbestraft, wurde zu 1 Jahr S Monate» Zuchthaus verurteilt. Haupt nicht gelungen, den Tollwuterreger festzustellen, e» sei noch niemals zu einer Seuche, fondern lediglich zu einzelnen perdäch- tigen Füllen gekommen: feiner Meinung nach bedürfe es also keiner solch durchgreifenden Maßnahmen wie die Verhängung der Hundefperre über 7 Stadtbezirke und das daraus folgernde„rigo- rose' Vorgehen der Hundefänger. Nach einer mehr als lebhaften Diskussion wurde obenerwähnte Resolution gefaßt. Das Ende vom Liebe. Kaiserliches Erbgut unter dem Hammer. Dieses Inserat läßt ein Kölner Anttquariat jetzt in einem in Berlin erscheinenden Fachblatt für Kunsthandelsinteressenten veröffentlichen: „Palais Schaumburg, Bonn. Inneneinrichtung, Kunftgegcnstände, Antiquitäten, Silberkammer. Perferteppiche usw. Konkursmass« Frau Alexander Zoubkoff, Victoria, geb. Prinzessin von Preußen. Die Versteigerung erfolgt im Auftrage des Konkursverwalters, Herrn Rechtsanwalt Dr. Rhein, Bonn. Zeitechte und Stilmöbel, zum großen Teil Erbgut aus dem Kaifer-Friedrich-Palais in Berlin: darunter einige französische Fourniermöbcl des 18. Iahrh., zahlreiche Möbel des Empire und des deutschen Klassizismus, Barockmöbel, schön« Sißmöbel usw.: Porträts und Porträtbüsten von Fürstlich- leiten desHohen zollern- und Welsen Hauses, dar- unter Werk«, von: Franz Krüger, Heinrich van Angeli. Christian Rauch usw. Die ungemein reiche Silberkammer enthält neben einer Anzahl altdeutscher Arbeiten hervorrag. Werke Londoner Silber- schmiede d. 17. bis 19. Iahrh. Besichtigung im Palais Schaumburg, Bonn, Koblenzer Straße 141. Donnerstag, 10., bis Samstag, 12. Oktober, je 10—1 und 3—6 Ubr, Sonntag. 13. Oktober, 10—1 Uhr. Versteigerung ebendaselbst: Dienstag, den 15., bis Samstag, den 19. Ottober, je 10— 1 und Z'A— 6 Uhr. Reich illustrierter Quartkatalog 5 M/ Wenn auch bereits feit langem bekannt ist, daß aller Besitz der Prinzessin Victoria von Preußen, verehelichten Frau ?llexander Zoubkosf, nicht mehr ihr, sondern zur Konkurs- Masse gehört,(0 hatte man doch niemals so recht daran glauben wollen, daß die Welt je erleben würde,„Erbgut aus dem Kaiser-Friedrich-Polais in Berlin" unter dem Hammer des Zwangsversteigerers oerauktioniert zu sehen. Wilhelm in Doorn ist sich auch hierbei treu geblieben. Lieber läßt er seine Schwester auspfänden und die Hinterlassenschaft seines Vaters ver- schleudern, al» daß er sich die Ordnung der Sache Geld kosten ließe. Bervssturse für Maler und Nunggewerbler. ES ist wenig bekannt, daß im Stadtteil Vioabit Bildungcmöqlichteiten slir Angebörige der schmückenden Beruse bestehen.?ln der in. Berufsschule. Bremer Str. 18/20, iinden abends folgende Kurie statt: Zeichnen und Malen nach der Natur, Ornamentkompositionslekre.-zeichnen und-malen. tonstruIliveZ Zxjchnen, >GeonieIrie— geometrisches Zeichnen. ProjeltionS zeichnen. Schaltenlehre und Deiipektive), lünstlerische Schrist. Modellieren. Ferner sind noch solgende Klassen eingerichtet: SlUIehre. Chemie für Kunstaewerbler. Zeichnen sür Lackierer, sür Reklame- und Schildeimaler, Fachklasscn lür(Bäriner, geweib- liche Buchsüb: ung. Rechnen. Deutsch. Stenographie, Engiisch und Schön- schreiben. Nähere NuSkunst und Anmeldung tpr Lchulbureau täglich von 9— 1 Ubr und ausier Sonnabends IS— 20 Uhr. Beginn des VinieriemesterS am 1. Oktober. Tie Kurse tonnen besucht werden von BerujSangehörigen joden Alters. 104. Arso-Wandervug. A'.beitSgemeinschast sür Forstschutz und Natur- tunde E V.: Sonntag, den 29, September, Fahrt nach SberSwalde. 8e- fichtigung der naturwissenichastlichin Sammlungen der Forstlichen Hochschule unter Führung von«eh. Reg.-Rat Pros. Dr. Eckstein. EberS valde. Abfahrt ab Stettiner Fernbabnhos vormiitaq« 8.50 Uhr nach EberSwalde. Sonn- tagSrücksahrlarte 3. Kl. 2,30 Mk. Mitglieder frei, Gäste 0,30 Mt. 50 Jahre Arbeitergesang. Iubitaumsfeler der»Lleveriafel Derlka-West�. Die Arbeitersängcr de, alten Berliner Westen»(Siran in diesen Tagen den Abschluß einer 50jährigen Eatofaflirogv und Täligkeilsperlode begehen. Diese Im Zahre 1879 be- ginnende Periode deckt sich mit der Geschichte and dem Aufstieg des Arbeilergesanges durchaus. Der Ruf nach einem Zusammenschluß der Kräfte zm» Zweite einer Steigerung der gesanglichen Leistungen und einer sicheren Fundierung des Bereinsgebäudes überhaupt hat sich im Laufe der Jahre unter den Arbeitersängern des allen Berliner Westens restlos durchgesetzt. Während früher in diesem Stadttett imndesten» sechs Arbeitergesangverein« mehr neben, als miteinander der Sache dienten oder dienen wollten, existiert heute im alten Westen Berlins nur e i n Arbettergesangverein, und zwar sst dies die dem Deutschen Lrbetter- Sängerbund angeschlossene.Liedertafel Berlin-We st'. Als Mutteroerein hat hier der im Herbst 1879 gegründet« Männer- gesangverein.Larmonia' zu gelten. Aus diesem entstand im Ottaber des Jahres 1892 durch einen Zusammenschluß mit dem Verein „Phönix' der Arbeitergesangverein„Gerechtigkeit". Au» zwei weiteren Dereinen, und zwar„Frühlingslust' und„Freiheit 1" bildete sich im Mai 1899 der Arbeitergesangverein„Freiheit-West', und schließlich entstand dann im August 1907 durch den Zusammen- schluß der Vereine„Gerechtigkeit",„Freiheit-West" und„Froh' Hoff- nung" als einziger Arbeitergesangverein im allen Berliner Westen die schon oben genannte„Liedertafel B e r l i n- W e st". Als einzige Rechtsnachfolgerin aller früheren Arbeitcrgesangver- eine im alten Westen veranstaltet die.Liedertafel Berlin-West" am Sonnabend, dem 28. September, in dem sür die Arbeitersänger des allen Berliner Westens quasi historischen Saal des früheren.Lönigs-- hos"(jetzt„Rotionalhof"), Bülowstraß«, eine Erinnerungsfeier an das verflossene Holbjahrhundert, zu der auch alle Freunde des Arbeitergesanges als Gäste Zutritt haben. Und wahrlich: reiche Erinnerungen sind es. die hier wieder ausleben werden, die hier zu feiern sind. Bildeten doch in schwerster Zeit politischer Knebelung, d. h. zur Zeit des Sozialistengesetzes, auch die Arbeiter- gesangverein« mit einen Sammelpunkt der besten und treuestcn An- Hänger der Partei. Die Arbeiterfänger der damaligen Zeit ließen sich selbst durch die schwersten Drangsolierungen der staatlichen („königlichen") Behörden nicht davon abbringen, auch an ihrem Teile dem Sozialismus zu dienen. Und da man dies zur Zeit des Sozia- listengesetzes nicht offenkundig tun konnte, wurde durch Anwendung .von mancherlei„Kunstgriffen"— so z. B. durch Ankauf von Kirchen- und patriotischen Liedern— der eigentliche Zweck der damaligen Arbeitergesangvereine mit zu verdecken gesucht. Aus dieser mehr politischen wie gesanglichen Betätigung der damaligen Arbeiter- gesangvereine— auch der des alten Berliner Westens, in deren Mitgliederlisten man Namen findet, deren Träger späterhin als politisch« odek Gewerkschaftsführer allgemein bekannt wurden— hat sich der Arbeitergesang jetzt zu einem einzig dastehenden Kulturfaktor ent- wickell, der als solcher auch von Musittapazitäten, die nicht ans dem Boden der Arbeiterbewegung stehen, ohne jede Einschränkung anerkannt wird. Wie enorm groß der Unterschied— rein kunstwert g betrachtet— zwischen dem, was die Arbeiter in früherer Zeit sangen und ihrem jetzigen Repertoire ist, dafür bietet das Programm der am 28. September stattfindenden Erinnerungsfeier der„Liedertafel Berlin-West' einige recht interesiante Bergleichsproben. Für die Arbeiterfänger de« alten Berliner Westen» war und Ist es auch heut« noch ein« selbstverständliche Pflicht, sich der Partei und den Gewerkschaften zu ihren Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Vonnerstag 26. September 1929 Unterhaltung und �Vissen Beilage des Vorwörts Andre Stahl: 3)as*&agehuek deslflooh Sief« vom Vater Zioab eiften�tindia«iedeeseschrieben« llrluntl — bie flttt«tipe Schrift kes Alkodoliier» ist unoerftnnbet— wurde acht. mal der Llavemie der Wissenschaften vorgelegt, die sich oder entschieden weigerte, eine Ueberprstfung vorzunedme». Man must wohl annelimen, daß binter dleser Weigernng kleinNch« Eifersucht oder volitischc ffirünic verborgen find. lAnmerlun» de» Autor».) Ich bin sehr zufrieden. Wenn das Wetter meiter so schön bleibt. werde ich meine Weinernte mn«inen Monat früher als vorige» Jahr einbringen können. Am nächsten Tag. Gott hat mich für morgen bestellt. Das ist schon das achtemal. Er läßt mich wegen jeder Zkleinigkeit rufen. Unter solchen Umständen kann man nicht ruhig arbeiten. Am folgenden Tag. Gott hat mich empfangen. Er war reizend. Er ist jetzt nicht mehr so unnahbar wie früher. Er wird eben müde und alt. Er hat mich oertraulich beim Ann genommen und gesagt:„Mein lieber Noah, es wird regnen...' „0 Herr,' antwortete ich,„dein Wille geschehe. Es ist sicher. daß ein bißchen Regen meinem Wein nicht schaden wird.' „Es handett sich nicht um ein bißchen Regen, es wird durch vierzig Tage regnen. Das Wasser wird die Gipfel der Berge über. fluten. Es wird ein« schrecklich« Katastrophe werden.' „Darf ich mich nach den Gründen dieser Sintflut erkundigen, o Herr?' „Gewiß, ich will das System von Ebbe und Flut«inführen. Aber beim erstenmal wird es nicht so glatt gehen. Auf der einen Seite wird zuviel Waffer und aus der anderen Sette nicht genügend Wasier sein. Ich muß also«in« Sintflut veranstalten. Und dann will ich auch etwas für die Fische tun. Dies« Tiere find zu reizend Sie reden nichts und verlangen nichts von mir. Es wird also eine Sintflut geben. Aber du sollst nicht umkommen.' „Ich?' „Du bist ein netter, gerechter, anständiger vnd anhänglicher Mensch. Ich kenne dein« Fehler. Aber du host«in gute, Herz. Mache also folgendes. Du wirst ein Schiff aus Baumstämmen, die du mit Pech zusammenfügen wirst, erbauen. Wenn du merkst, daß der Regen kommt, wirst du dos Schiff mitsantt deiner Frau besteigen und durch vierzig Tag« darauf bleiben...' „Vierzig Tage mit meiner Frau? O Herr, das ist ein« fürchtcr- liche Straf«, die ich nicht verdient habe. Da möchte ich lieber ersaufen. Du machst dir keine Lorstellung, was vierzig Tage in Gesellschaft meiner Frau bedeuten. Mit ihr oerglichen ist der Plesiosanrus ein Lämmchen.' „Du mußt sie dennoch mitnehmen. Nichts kann eine Frau so besänftigen wi« das Leben an Bord eines Schiffes, llebrigen» werdet ihr nicht allein fein. Du wirst auch dein« drei Söhn« und ihre drei Frauen mitnehmen und weit«? je ein Paar von ollen unreinen Tieren und je lieben Paare von allen reinen Tieren.' „'Aber, o$xr?. da brauche ich ja ein riesiges Schiff...' „lind wenn schon. Ich will dir deine Aufgabe erleichtern. Ich will für dich einen Zypressenwald erschaffen. Es werde ein Zypressen- wali!" Augenblicklich entstand vor meincn Blicken ein hundertjähriger Zypressenwald. Gott ist nun einmal so. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der olles so verwickelt macht. Es wäre ihm ein leichtes gewesen, sogleich die Arche zu«rschasfen, damit lch mir die Mühe erspare. Daran denkt er nicht. Er macht alles so im Handumdrehen. „Hier ist der Wald,' sägte er, indem er in einer Wolke ent- schwand.„Beeile dich. A)r müßt euch olle in die Arche begeben. Wenn ihr heute abend anfangt, könnt ihr in hundert Jahren ganz gut fertig werden.' Einen Tag später. Ich habe die Arche in Angriff ge- nommen. Das Gerücht, daß eine Sintflut kommen wird, hat sich rasch verbreitet. Meine Frau konnte die Neuigkeit nicht bei sich behalten. Jetzt herrscht ein furchtbarer Andrang von Tieren, die alle Plätze belegen wollen. Da klopft mir all« fünf Minuten so ein riesiger Kerl von einem Löwen auf die Schuller und bittet mich, ihn doch mitzunehmen.� Das ist sehr peinlich. Schrecklich ist es, wie ungeduldig die Schnecken sich gebärden, sie haben Angst, nicht zurecht- zukommen... (Es verfließen hundert Jahre.) Am Tag vor der Sintflut. Also, die Arche sst fertig. Gott hat heut« um drei Uhr die Arche feierlich besichtigt. Die Innen- cinrichrung hat gut gefallen. Wir haben vereinbart, daß sich jeder seinen Proviant selbst mitbringt. Die Einschiffung beginn: morgen früh. Ich ohne, daß es«in heilloses Durcheinander geben wird. Gott hat mir nach Schluß der Besichtigung die Hand geschüttelt, indem«r sagt«:„Sehr gut. Ich bin sehr zufrieden, Noah. Du er- innerst dich: je ein Paar von den unreinen Tieren und je sieben Paar« von den reinen Tiere». Ich verlasse mich auf dich, daß du niemanden vergißt. Und allsogleich fing e» zu regnen an. Am zweiten Tag. Dieser Wolkentarch hört ntcht auf. Meine armen Weingärten sind schon vollkommen unter Wasser. Das Gedräng« in der Arche ist schrecklich. Das Schiff hat sich in be- unruhigender Weif« zur Seit« geneigt, als die sieben Paare Elefanten auf eimnal einstiegen. Unangenehm ist es, daß wir von den Raubtieren nur je ein Paar mttnehmen dürfen. Acht Wespen sind gekommen. Die ganze Familie war vier Stunden lang damit beschäftigt, sechs von ihnen wegzujagen. Der Hirsch hat mit seinem Geweih die Tür eingestoßen. Mein Sohn Sem beschäftigt sich mit Lebensmittelgeschäften. Auch steh« ich vor einem unangenehmen Problem. Der Einsiedlerkrebs will allein mttsahven. Nun muß ich aber gemäß dem Befehl des Herrn ein Paar mitnehmen. Wenn ich aber ein Paar mitnehme, dann sst der Einsiedlerkrebs kein Einsiedler- krebs mehr. Ich kenne mich nicht aus. Am fünften Tag. Der Regen fällt unablässig. Die Aus- ficht ist unheilverkündend. Nur einige Baumwipfel ragen aus der Flut enzpor. Alles sondert sich voneinander ab. Wir mußten den Streptokokken und anderen Bazillen ein Eckchen reservieren, da sie niemand in seiner Nähe haben wollt«. Eben hatte ich die Eingangstür« geschlossen, als ich sse wieder öffnen mußte. Es war die Schildkröte, die verzweifelte Zeichen von sich gab. Mit der Riesenschlange leb« ich im besten Einoernehmen. Sie ist entzückend. Sie hat uns gern« gestattet, sie«an Plafond auf- zuhängen, um die Wäsche trocknen zu können. Am siebenten Tag. Der Regen wird immer stärker. Es ist koll.�Msin Sohn Sem hat einen kleinen Pelzhandel begonnen. fremd ist, habe ich die Tür geöffnet und ihr gesagt:„Wenn es dir nicht paßt, du brauchst nur zu gehen, bitte.. indem ich auf die unendliche Wasserfläche wies. ... i g st e r T a g. Ich habe mich sehr geärgert. Da habe ich an jedem Morgen, um die Tage zu zählen, in ein Stück Holz«ine Kerb« gemacht. Jetzt hat der Tiger das Holz verwendet, um sich die Zähne damit zu putzen. Ich weiß nicht, wieviele Tag« wir noch in der Arche verbringen müssen. Vielleicht zwei, vielleicht auch zwanzig... Es regnet. Der Ausblick sst schrecklich Alles, was auf der Erde lebte, ist zugrundegegangen. Glücklicherwesse gab es»och nicht allzu viel Lebewesen auf der Erde. Gottes Weishest ist unermeßlich Wenn ich bedenke, daß er feine Sinsslut um zehn Millionen Jahr« später hätte veranstalten können... ... i g st e r T a g. Es gießt ununterbrochen. Bei den Tieren herrscht die größte Unordnung. Di« Ruh« der elften Tage ist einer begreiflichen Erregung gewichen. Die Katzen laufen den Mäusen nach, die Löwin hat ein halbes Lamm gefressen und die Eule läßt niemanden in Ruhe schlafen. Die Giraffe hätte sich beim Ausstehen fast tödlich verletzt: denn der Plafond ist niedrig. Auch Geburten sind zu verzeichnen. Die Kuh Hot ein Kalb bekommen. In der Dunkelheit hat sich dos Känguruh geirrt und das Kalb in sein« Drusttasch« gesteckt. Noch weiter« acht Tag« und ich werde oerrückt... ... i g st e r Tag. Das ist kein Regen mehr. Das ist ein Wolken- bruch. Gott hat sich wohl geirrt. Es regnet schon länger als vierzig Tage. Oder vielleicht hat er vergessen? Di« Lage sst keine tröstliche. Ich habe versucht, die Taube wegzuschicken, um zu sehen, ob Irgendeine Aussicht aus besseres Wetter bestehe. Ich öffnete die Türe und machte:„Ruck... ruck...' Unbegreislicherweis« bezog der Elefant dies auf sich und siel wie ein Idiot mit einem Verzweif- lungsschrei ins Wasser. Dieses sein vorzeitiges Ende erfüllt« die ganze Besatzung mit großem Schmerz. ... i g st e r T a g. Mit aller Vorsicht ließ ich die Taub« ausfliegen. Sie flog dreimal um die Arche und entfernte sich. Mein Sohn Sem nahm Wetten bezüglich des Zeitpunktes ihrer Rückkehr an. Sie kam schon einige Minuten später zurück und hielt einen Oelbaumzweig im Schnabel. Dann fuhr die Arche auf den Gipfel eines Berges auf, den ich auf Geratewohl Ararat taufte. Am Himmel erschien ein verschieden- farbiger Bogen. Ich faßte ihn als eine Offenbarung der göttlichen Güte auf, ließ aber dessenungeachtet für den Fall der Gefahr meine Frau zuerst aussteigen. Dann folgten erst die anderen. Am Land. Ein schreckliches Leben. Man könnt« fast taub werden. Man hört unablässig„Habtschi... Habtschi.. Buchstäblich jedermann, die Ent«, der Leopard, die Kröte, das Zebra, der Hase, der Bär, der Geier, die Spinne und der Maikäfer, jedermann ohne Ausnahme hat Schnupfen! tBercchtistl U«b«rtragung au» dem ssranMilchen»on Leo Rotten.) Aksnn« Erich Jimninfhi: Auf der Suche nach Suropa Nichts sst beglückender, als für ein Ideal, da» man in der Brust trägt, die Fundament« schon in der Wirklichkeit zu entdecken, in einer Wirklichkeit obendrein, die dem Ideal eigentlich ins Gesicht zu schlagen scheint. Vielleicht gibt es darum gegenwärtig nichts so Tröstliches für einen guten Europäer wie eine Reise noch Florenz. Denn in Florenz, im Mittelpunkt de» fas«hsstischcn Italiens, sprechen selbst die Stein« von der europäischen Idee lauter als in jeder anderen Stadt der West. Florenz beweist, daß Eu- ropa ein Ganzes ist, daß es ein« europäische Seele gibt, die kein Mussolini auszulöschen oermag. Ein Bekenntnis zu Europa sind die Verse Lorenzo di Blrfrfd«, die über Florenz schweben wie ein Motto:.Rur die Jugend ist ohne Sorgen, die so schnell uns doch entschwebt, fröhlich sei darum wer lebt, unbekannt bleibt uns was morgen...' In diesen melancholisch-entschlossenen Worten liegt nicht nur di« Seele von Flo- renz, in ihnen liegt die Seele des Abendlandes. Westliches und Göttliches ist in dieser Stadt geschaffen, eine Geschichte ist über ihre Plätze, durch ihre Straßen gerollt, wie sie großartiger und mannigfaltiger kein« Weltmacht haben kann: aber über alles steht immer der Wunsch, noch rasch zu genießen, und die Angst, daß es kein Morgen gibt. Daher die Sucht nach Vollendung und nach einer Unsterblich- keit, die ganz von dieser Welt ist! Was für Heiden müssen die Florentiner gewesen sein, die immer neu«, immer schönere Kirchen bauten und mit jedem Bau nur bewiesen, wie sehr sie fürchteten. es könnte ihnen ein Genuß verlorengehen. Gott und die Heiligen baten ihnen nur Anlässe, ihre Künstler zu beschäftigen und sich mit Dingen zu umgeben, die das Leben verschönern. Michelangelo be- stritt, daß Gott ihn zu seinen Werken inspiriert habe: der Dämon, den er in seiner eigenen Brust trage, habe sse geschaffen, sagte er zu Vittoria Eolonna. Die Maler, die Frauen in sehr welllichen Verzückungen malten, waren nicht gläubiger, aber um die Leute mid das eigene Gewissen zu beruhigen, gaben sie ihren Bildern den Namen irgendeiner Heiligen. Nein, die Florentiner können nicht fromm gewesen sein. Mäch- ttger als der Glaube an das Jenseits war ihre Angst davor. Atheisten aber wollen sich des Lebens freuen, jeden Tag wie den letzten feiern und sich lieber in Werken verewigen als auf die Un- sterblichkeit ihrer Seele vertrauen. Aus diesem Geist heraus sind die überlebensgroßen Schöpfungen der Renaissance entstanden, deren Pantheon Florenz ist. Darum ist es. obgleich nur eine Mittelstadt, die gegenwärtig völlig unter dem Einfluß einer nationalistischen Diktatur steht, eine unvergängliche Stadt, Geist von jenem Geist, in dem Europa am Ausgang des Mittelalters wiedergeboren wurde zu dem. was es in seiner hellenischen Kindheit war: zu Freiheit und Größe, zu Arbeit und Toleranz. In diesem Geist lag und liegt seine Schöpferkraft, fern Dämon, seine Unauslöschlichkeit. Es sst kein fröhlicher, kein unbekümmerter Geist. Die Genies, deren Florenz so viele besaß, waren all« beladen mit Skrupeln, zerfressen von Zweifeln, gejagt von Aengsten, gepeinigt von Lange- well«. Nicht einer von ihnen war glücklich Dante, Boccaccio, Guicciardini, Macchiavelli, Michelangelo, Lionardo, Savonarola: all« waren sie gekrümmt von der Last des Lebens, arme Neur. astheniker, trostlos, gehetzt, besessen. Und Lorenzo der Prächtige, der Fürst, der Millionär, der Künstler, der Mann, von dem man am ehesten annehmen sollte, daß er glücklich-aar, schrieb die Derse, die di« Grundstimmung der großen Florentiner am vollendetsten ausdrücken.... Man kaim diese Stadt und ihre Menschen nicht begreifen, wenn man an der Politik vorübergeht, für die sie sich alle, echte Euro- päer, leidenschaftlich interessierten. In Florenz war di« Politik immer Schicksal. Seit den Tagen der Staufer bekämpften sich Her Guelsen und Ghibellinen wie nirgend sonst, der Florentiner Dante schrieb in der„Göttlichen Komödie' das Werk, in dem die Idee des ghibellinischen Weltreichs als geschlossenes Gebäude er- scheint, und Saoonarola folgten seine bedeutendsten Mitbürger, als er die Media stürzte und noch einmal die Republik zum Leben erweckte. „Die freie Kommune im einigen Weltreich', das war, auf eine kurze Formel gebracht, das Bekenntnis der Florentiner. Mit der Freiheit der Stadt verschwand auch ihre Größe: als die selbständige Kommune im Großherzogtum Toscana aufgegangen war, gab es kein« Genies mehr in ihr. Heute sst Florenz eine italienssche Pro» vinzstadt wie andere auch. Aber europäisch, eine Erinnerung und eine Verheißung, ist da» Bild de, Stadt geblieben. Wenn man auf der Piazzale Michebangelo steht, hinter sich einen Abguß von Michelangelos David und noch weiter zurück die mit weißen und gelben Häusern, auf deren Dächern die Sonne glänzt. Fern sieht man schneebedeckte Berggipfel, seitlich krümmt sich der Arno in zahllosen Windungen, di« in den Horizont laufen. Welch holdes, friedliches Bild, über dem die weiche toscanische Lust wie eine bläuliche Glasglocke liegt! Vorn aber im Tal sieht man Florenz und inmitten dieser sanften Umgebung erscheint die Stadt beinahe düster mit der breiten Kuppel des Domes, mit dem Gc- mäuer des Ponte Vecchio, mit dem nackten Gestein von Santa Croce, mit den: Palazzo Signoria, dessen Turm wie ein Speer gen Himmel stößt, und mtt zahllosen Mauerresten, Türmen und Toren... Ein Bild des Zwiespalts zwischen der Angst vor dem, was kommt, und der Sorge um das, was ist, zärtlich und leiden- schastlich, ungläubig und trotzig, ein Bild des Promethidcnloses, das slorentiinsch, das europäisch ist. ...------.... Marmorfassade der Kirche San Mignato, schweift der Blick über Mein«»yrau beginnt zu schmollen. Mtt einer Energie, die mir sonst das wunderbarste Panorama. Sanft steigen die Hügel an, gefleckt Sin neuer Wlafchinenmenidli ' Im Zusammenhang mit der großen Frmkausstellung führte eine Firma eine ortige Spielerei vor, den Radiohund. Das etwas unförmige Tier aus Holz und Pappe lief auf seinen Herrn(den Vorführer) zu, vollführte nach dessen Wunsch die seltsamsten Drehun- gen und Wendungen und stand bellend oder vielmehr laut knurrend still. Seine Befehle erteistc der Herr nicht mtt der Stimme, son- dern vermittels Lichtstrahlen, die er aus einer Lampe in eines oder in beide Augen des Hundes fallen ließ. Die Augen bestehen aus sogenannten photo- oder lichtelektrischen Zellen, das sind Kör- pcrchen, deren eleitnscher Widerstand sich bei Bestrahlung je nach der Stärke der Belichtung ändert. Mit Berstärkerröhrcn und Motoren im Innern dcs Tieres in Berbindung stehend veranlassen sie abwechselnd Vorwärtsbewegung oder Drehung, je nachdem beide oder mir eine erregt wird und ifioen Motor in Bewegung setzt. Bei zu starker Bestrahlung werden die Motoren ausgeschaltet und der Hund bleibt, ein rasselndes Geräusch ausstoßend, stehen. Hier wurde die lichtelekttische Zelle für eine bloße Spielerei benutzt, die stets zahlreiche Besucher anlockte. Aber sie findet heute schon eine vielfache praktische Anwendung z. B. beim Fernsehen, wo mit ihrer Hilfe Lichtschwingungen in elektrisch« verwandest wer- den, die am entfernten Orte dann wieder in Lichtschwingungen zurückverwandelt werden. Auf der Funkausstellung wurden auch von der Postoerwaltung Versuche vorgeführt, die zeigten, wie in großen Zügen dieses Problem bereits gelöst ist, das seiner Ver- oollkonnnnung zur weit verbreiteten praktischen Benutzung wohl rasch entgegen gehen wird. Don einer anderen verheißungsvollen Anwendung der photo- elektrischen Zell« berichtet die Frankfurter Wochenschrist„Die Um- schau'. Sie wurde vor kurzem bei einer Vorführung der ameriko- nischen Westiirghouise Electric Company als jüngster Maschinen- mensch gezeigt,, dem die Befehl« durch den Lichtstrahl statt durch die Stimme übermistest werden. Auch dieser Apparat oder Ma- schinemnensch enthält zwei licht elekttssch« Zellen, die man als seine Augen bezeichnen kann. Die eine Zelle dient als Wähler: durch sie wird mittels des Lichsstrahls, den man etwa aus einer Taschen- lampe auf sie fallen lassen kann, einer von drei elektrischen Strom- kreisen ausgewählt, der dann mittels der anderen Zelle geschlossen oder geöffnet werden kann. Der automatisch« Diener, dem sein Erfinder den Namen Telelux(Fernleuchter) gegeben hat. sollte bei der Vorführung die elektrische Beleuchtung des Vorführungsraumes ein- und ausschalten. Mittels der einen Zelle wurde aus einer Entfernung von 25 Meter die Lampengruppe ausgewählt, welche benutzt werden sollte, und Nüttels der anderen Zelle wurde sie zum Aufleuchten gebracht. Di« technssche Möglichkeit, mss immer weiteren Gebieten menschliche Arbeit überflüssig zu machen, schreitet mit Niesen- schritten fort. Sorgen wir dafür, daß auch die gesellschaftlichen Zustände eine Form annehmen, in welcher für die breite Masse daraus nicht Unsegen durch Arbeitslosigkeit, sondern Segen durch Anteilnahme an den Kulturgcnüssen entspringt. Lt. weihdornhecken und Vogelschuh. Eine Iagdzoitschrist berichtet über eine 1(X>0 Meter lange Weißdornhecks entlang einer Bahn- streck« in Thüringen. In dieser Hecke wurden nicht weniger als 132 bewohnte Reiter von Singvögeln vorpdunden. In einer anderen Hecke des Bodenseegebiets von 160» Meter Länge fanden sich IIS Nester. Man erkennt, wie wichtig die Hecken für den Bogel- schütz sind, am wirksamsten die Dornenhecken Was die Schwalbe verzehrt. Ein Schwalbenpärchen, das noch kerne Jungen hat, fängt im Monat etwa 40 000 Infekten Mich etwa fünf Junge im Nest, so erhöh, sich die Zabi der vertilgten Fliegen und Mücken auf etwa 270 000 im Monat. Es gibt Schwalbenpärchen. die im Laufe des Sommers weit über ein? Willion Insekten verzehren. A SozialWcheArbetterjugendGr.-Verlm Äwsmdvngcn für diese Ziubtt! nur-u da« Zuzendsekeetaeiat Sellin SWS», iaidtnflrale» Die Freuade der Znkeruakioaaleu Sleinarbelt voeaustaUea heute dünltlich 20 Abi i»«rohe» Saal de» SeoxiAcKaftibiUlse» «tu«» englische« Liederabend. S» ti»l>t ei- enalischer Schülerch-r-o-»0 reU-eh««-». Di« Schüler-ebe» »um Vortraa: E-glische D-lladeu, Bolls- ulld Seeul-u-sgesä-M. Sie mache- uu? aber auch vertraut mit de- Lieder- auderasariioer Völler, ebeslo merdeu mir durch fie e-elische Som-vaiste» len-e-lerue-. Elpe Eigenart diese» Chores aber ist daß er e» durch fjeih und Bea-bu-a dabi» gebracht bat. sogar i- siius verschiedene- Sprachen im fingen. E» läuft außerdem der Wtea-�ilm, Eintritt srei.* Meldungen dortselbst oder vorder Im Zuaendselretariat. All« interesfierte- De. nassen und Genossinnen, auch Anfänger, find eingeladen. Die fiusamnle-kllnft» finden in de: ssolgereit allwöchentlich einmal statt. Der Tag der regelmäßige» , Zusammenkünfte wird auf der Vorbesprechung sestgeltellt. Lichtbilder»am Zugenbtag im Schill erparl liegen»ur Einficht und De. stelkung im Iugendsekretariat au». Heute. Donnerstag. 1954 Uhr. Rord«»: Keim Lorßing- Ecke Sraunftraße: Auaspracheadend.— Falkplaß l: Seim Eonnenburger Etr, 20:»Di« Spaltung im Arbeitersport".— Rard- oste» II: Seim Dantiger Str.»2, Baracke»:»ltlassenkämpfe im Parlament".— Schö-dauicr Vorstadt: Seim Sonnenburger Str. 20:»Vroletarische Jugend und Elternhaus".— ltiipe-Icker Viertel» Seim Wrangelstr. 12»:»Di« kammunistlsch» Bewegung".— jtottb-fier Tor: S«im Brißer Str. 27—30:»Tagespoliiischt {frefl-n*.— Sitaxth Keim Lrndenftr. 4: JBwenbt und WIM t» der»emrt» sä>aft",— Schö-eberg II: Seim Sanvtstr. IS: Reh n-Minuten-Referate.— Westend: Etädt. Jugendheim Sportplaß Westend:»Bud und Mädel". Z. Teil. wilmeredors: Keim Wilhelmsaue 123:»Die Welt der Arbeiterjugend". Sehlen, darf: Ziordschuls, Potsdamer Str. 5—7: Rehn-Minuten-Referate unter dem Thema„Was ist Wirtsäxnt?" Arbeitsgemeinschaft.— Tegel, Seim Bahnhof» frtoße 15:»Ein Jugendlicher vor Gericht". Wittenau: Seim Rosenthaler Straße lZ:»Bub und Mädel".— Pa-l-w III lZiot« Salle»): Keim Kissingen. straße 4»:.Daaesvolilisch.e ssragen", Werbe bezirl lt-«u,barg: Wir beteiligen uns geschlossen an der Veranstaltung d«r»Freunde der Internationalen Sleinarbeit" im Sewerlschattshaus. Beginn pünktlich 20 Uhr. Werbe be, Irl Oberspree: Ueben der Musiker 19�4 Uhr im Seim Niederschöne. weide, Berliner Straße. Da» Erscheinen aller Genossen ist unbedingt not. wendig. Werbe bezirk Weddiug: Aeute, pünktlich 20 Ahr. Leben im Jugendheim der 312. Gemeindeschule, Seestraße. Das Erscheinen aller Mitglieder, besonders der Sidtistcn, ist dringend nötig. » schtu-g, Genosse» I Der Bemegungschor von Martin Gleisner fällt des englischen Liederabend» wegen heute aus. Dafür wieder nächsten Donnerstag um 20 Uhr für Anfänger und 21 Uhr filr Fortgeschritten« in der Turnhalle Tanziger Str. 23. Rege Beteiligung ist erwünscht. Die Mode der kommenden Tage. Das Haus Wertheim, Leipziger Straße, zeigt in diesen Tagen eine großangelegt« Ausstellung der neuen Herbst- und Wintermoden. Im reich mit bunten Herbstblumen de- korierten Raum der Damenkonfektionsabteilung präsentieren sich die verschiedenen Neuschöpfungen. Schwarz, Dahlia(die neue Mode- faroe), Flaschengrün und Weinrot für Nachmittags- und Abend- kleidung. Braun in den verschiedenen Farbtönen für die Straße, lautet die Farbenfkaka der neuen Saison, Das mobische Bild zeigt ein« durchaus vornehme Nor«, es wird nicht nur dos bisher bloß gelegte Zknie, sondern auch Wade und sogar oft noch ein Stück de:» Fußes durch wallende, kunstvoll drapierte Stoffverarbeitung oer- deckt. Die Linie zeigt— abweichend von der jüngst ausgegebenen Devise„Vollschlank ist modern"— wieder ganz schlanke formen, Der Oberkörper ist bis zur Taille straff gewickelt, dann beginnt sich der Rock sachte zu weiten, um nach unten hin in Glocken, Falbeln, Zipfeln usw. lang auszufallen. Die Taille sitzt dort, wo sie von der Natur geschasfen wurde, und wird meist durch einen schmalen Gürt«l gekennzeichnet. Moire, Taft, Crepe Georgett«, Crepe Satin für Nachmittag und Abend, Tweed, Crepella, Diagonal, oerschiedei'.» artige Strickgewebe für die Straße, bilden das Stoffmaterial. Die Hüte sind größer und weicher in der Linie geworden, man fiehl vielfach die kleidsame Napoleonform, doneben flotte Glocken und für den Abend auch noch ga-nz kleine, enganliegende Kappen mit wallenden Riesenschleiern. «illiflee Ei-ka-f, billig« Preise! Di« Firmen Leiser und Stiefelkönia find MWWWMWMWMWWWWWMWWMW---------------.efelkön zu einem Einkauiskonzein zusammengeschlossen, der den größten Berlins da». stellt. 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Berlin SB- 68, Lindenstraße/ Kietzu 2 Beilage-,»Anterhaltung und Wissen" und.Stadtbeilage", fe preußische Landesrentenbant Verlin verweist für die Daueranlage von Kapila, auf ihre 8°/« Gold- Landesrentenbriefe Reihe ll it. ll mit Staatsgarantie mit dinglicher Sicherheit reichsmündelsicher 0/ <0 Tilgung: Nur durch Auslosung zu Iva Nicht durch Rücktauf am freien Markt Für jede Reihe zweimal im Jahr Stückelung: Goldmark 100.—. 200.—. 500.—. 1000,—. - 5000— Amtl. Börsenkurs: Z. Zt. 95 Y*®/» Di« Preußischen Landesrentenbrieie warben zur Finanzierung der landwirtschaftlichen Siedlung mugeaeben. Die Abgabe erfolgt- Spattitstcke pr-otfia-sket — durch alle Banken, Sparkasse» pp, und durch hie Preußische Staatsbank(Seehandlung) Berlin V 6S, Markgrafeustraße 3S Fernsprecher: A 6 Merkur 12381 r�\ Theater, Lichtspiele usw. | Donnerst, 26. 9. Staais-Oper Unter<3. Linder A.-V. 202 '» Uhr Schatzgräber Donnerst, 26. 9. staut Oper Bismarcksu Turnus I 20 Uhr Hill Slaals-Qper I Am Pl.d.Republ. Vorst. 54 1�-2 Uhr Der Freisdiiltz Staat!. Seblller-' StaatLSdiaospti. em Gendarmenmartrt A--V. 179 20 Uhr Hans lrn SOuiaKenlodi beater.Cbarltli. 20 Uhr Der Kaufmann t. Venedig läjl. 2 Konten S in«»'/- Utr Boitamu Rhi iinjere neuen Pralsi: Wnckulsis 5 Uhr SO Pf. tu 3«ort T«|l.«>/, Scnnt 5 ll>r 1 dit 6 MnrK Orislnal- NMtelll a-w. Tägl. 5 u. SIS Sonol.2.3B>u Alex. E. 4. 8066 J INTERNAT. VARIETE Winfer ★ uarren� s üür• Zcntr. 2810» annöien erloimt Dajos Böla and Meiter« Varietd-Neahelten VolHsbtlline liintn inNlovolati Täglich 8 Uhr DantonsTod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinr Martin Staat). Sdriller-Tb- 8 Uhr 3» KaDfiabs von VeDedig Itastioper Chi Plau der BeptmUk ■Wt Uhr Der Freisdiiltz riseälor- Bahne iVi Uhr DerKanfmano von Berlin VBose- Thealer. Große Franklnrter Sfr. H l- Täglich 8.15 Uhr (Sonntags 5.15 u. 9 Uhr) Nse Weber von Gcrhort Hauptmann Jeden �onnabend 5.00 Uhi und jeden Sonntag 2J0 Uhr scnnsewittchen und die ste&sn Zwergs Vor anxelgei Ab 2. Okt. jed. 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Sonntag 4 und 81/4 Uhr Der Wellerfolg Friederike Musik von Frans Lehe r Lessing-Tbeater Norden 10846 Gruppe Jmtgcr Scbaasplclcr Täglich 81/4 Uhr eyankdii I 218 von MellNiv Vot! Metropol-Tb. Tägl. 81/4 Uhr Narielfa UnsikT. Oskar Straas Käthe Dorsifa Michael Bohnen Hilf Donnerstag, 26. Sept. nachmittags ZV» Uhr Die RomSdie |I Bismck.2414/751« SV* Uhr Ende geg. t0>s Uhr Kolporlade Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel SS225/Tt Cr fühlt sich Sunlicht Seife gibt seinem Nadithemdchen und seinem frisdi überzogenen Bett die wohltuende Weichheit, den angenehmen Wohlgeruch und das schneeige Weiss. Sie enthält nichts Scharfes, was sich in der Wäsche festsetzen und die empfindliche Haut des Kindes wundscheuem könnte. v Sunlicht Seife macht das Waschen leicht. Sie gibt im Nu prächtigen Schaum und ist sehr ausgiebig, also billig. Keine Farbe, kein Fädchen leidet Schaden. 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Die Heringszusuhr ist ans den deutschen Fischmörklen derart gestiegen, daß die Industrie die angebotenen INengen kaum noch verarbeiten kann. Täglich werden Iftitlionen p s und Heringe versteigert, wer die Tluhnießer dieser reichlichen Spende von Mutter Ralur sind, zeigt folgender Beilrag. Wer kennt nicht die Not und die Schwere des Fischerberufes, den Kampf des Fischers mit den Elementen, seine Abhängigkeit von Wind und Wetter, von den Zugrichtungen der FischschwSrme, seinen zähen und oft aussichtslosen Kamps um eine erträgliche Existenz. Das ist das Bild des Fischerei-Kleingewerbes, gewissermaßen des Fischerei-Handwerkes. Wir haben daneben aber in den jüngst vergangenen Jahren in Deutschland eine sehr starke Entwick- lung zur Fischerei- Großindu st rie gehobt. Mit ihr kam es zur Bildung eines Seefischerei-Trusts Er beschäftigte 1924/25, also in den Ansängen seiner Entwicklung, 999 Arbeiter und Angestellte, im Jahre 1928/29 arbeitete er schon mit 3000 Arbeitern und Angestellten. Die„Nordsee* Deutsche Hochseefischerei Bremen-Cuxhaven AG. arbeitet nach der jüngsten Erhöhung mit 29 Millionen Mark Kapital. Sie besitzt den Fischereihafen Nordenham an der Unterweser und den Fischereihafen Cuxhaven(vom Hamburger Staat gepachtet). Ihre Flotte umfaßt mehr als 199 Hochseefischdampfer. Ihre Betriebsanlagen umsasien alle notwendigen Apparaturen von der Räucherei bis zu automatischen Entgrätmaschinen und von Fischmehl- sabriken bis zu Tranextraktionsaniagen. Der Seefischerei-Trust hat nahezu 299 Groß- und Kleinhandelsfilialen in den wichtigsten Städten Deutschlands. Seine wichtigsten Beteiligungen umfassen die folgenden Unternehmungen: Novltal In BeteMgung SRiU. 3R. in Proz. Cuxhaoener Fischmehl-u.Dampstranwerke A.G. 9,23 96,85 Deutsche Dampssischerei Nordsee G. m. b H. Wien...... österr. Schilling 9,2 199 Cuxhavener Eiswerke 21.®....... 9,44 96,45 Cuxhavener Klippfischwerke A. G...... 9,21 SS1/* Deutsche Seefischhandels A. G., Cuxhaven.. 1,2 99,77 Dierking-Werke 2l. G, Cuxhaven..... 9,32 19,91 Hochseefischerei Rhein-Ruhr A. G...... 0,4 25 Tauwerk Heinr Ahlers& Co. Komm. Ges. Wesermünde-Geestemünde...... 9,14 7,94 Hochseefischerei Bremerhaven A. G, Bremer- Häven............ 2,9 61,5 Erste dtsch Stock- u Klippfischwerke G. m. b. H., Wesermünde............ 1,6 6,88 Hochseefischerei A G.„Trave*, Lübeck... 9,72 Der Um sa.tz.Aes�Trusts betrug. 19?si/2T_-!- als er nach nichl voll komm m zusammengefaßt war— rund 27 Millionen Mark, bis 1927/28 stieg der Umsatz schon aus rund 39 Millionen Mark. Für 1928/29 hat die.Nordsee* ihre Geschäftsentwicklung mehr bekanntgegeben. Es ist aber anzunehmen, daß der Ilmsah bei etwa 50 Millionen Mark gelegen hat. Selbstverständlich finden wir auch in der Seefischerei, seitdem sie Großindustrie geworden ist, die Vertreter der groß- kapitalistischen Interessen. Der Aufsichtsrat des Seefischsreitrufts setzt sich aus den folgen- den Personen zusammen: 1. I. F. Schröder, Geschäftsinhaber der I. F. Schröder Bank, Bremen. Borsitzender. 2. Generalkonsul Dr. 21. Strube, Geschäftsinhaber der Darm- ftädter und Nationalbant. Bremen, stellvertr. Bors. 3. Dr. Karl Melchior, i. Fa. M. M. Warburg u. Co., Hamburg, stellvertr. Vors. 4. Ernst Kritzler, i. Fa. S. Bleichröder. Berlin, stellvertr. Vors. 5. Carl I. Busch, i. Fa. Carl I. Busch u. Co., G. m. b. H., Berlin. 6. Paul Barckhan, i. Fa. Herm. Dauelsberg, Bremen. 7. Bankier Georg Behrens, Hamburg. 8. Bankdirektor Dr. Franz 21. Loner, Direktion der Disconto- Gesellschaft, Berlin. 9. Senator Dr. W. A. Burchard, Hamburg. 19. Generaldirektor Ernst Gläsel, Norddeutscher Lloyd, Bremen. 11. Bankdirektor M. W. Kochem, Deutsch- Asiatische Bank, Hamburg. 12. Direktor Ferdinand ßirtt, Commerz- und Privatbank 21.-G., Hamburg. 13. Herrn. Marwede, Geschäftsinhaber der Kaiserbrauerei Beck u. Co. K. a. K., Bremen. 14. Alfred Michaelles, i. Fa. R. Petersen u. Co„ Hamburg. 15. Dr. Guido Möring, Rechtsanwalt, Hamburg. 16. Bankdirektor Gustav Nordquist. Dereinsbank in Hamburg, Hamburg. 17. Wilhelm Oelze, i. Fa. F. 21. Ebbeke, Bremen 18. Regierungspräsident Dr. Rose, Stade. 19. Max Warnholtz, Direktor der Hamburg-Amerika-Linie. Hamburg. 29. Emil Wätjen, i. Fa. D. H. Wätjen n Co., Bremen Der Reingewinn des Trusts betrug für das Geschäfts- jähr 1925/26 rund 568 999 M., für 1928/29(Jahresschluß am 39. Juni 1929) ist er schon auf 3 322 999 M. gestiegen. Die Dividende wuchs in der gleichen Zeit von 6 auf 12 Proz. Der Kurs der „Nordsee*-Aktien, der vor wenigen Iahren noch bei etwa 29, also ein Fünftel des Nennwertes der Aktien, lag, steht heute auf 163! Man sieht, daß sich die grohindustrlelle Hochseefischerei lohnt. Man versteht, mit welcher Bitterkeit der kleine selbständige Seefischer zusieht, wie er innner mehr an den Rand gedrängt und seine Existenz ständig unsicherer gemacht wird. Der freie Fischer wird durch den Fischereiarbeiter abgelöst, es spielt sich auch hier ein Stück der Entwicklung zur kapitalistischen Industrialisierung und Konzentrierung ab. Die»Nordsee* kann stolz verkünden, daß sie im vergangenen Jahre wieder fünf neue Dampfer in Dienst gestellt hat. und da sie durch die Uebernahme der Hochseefischerei Bremerhaven einen Zugang von weiteren fünfzehn modernen Schiffen vier Hochseemotorschiffen, drei Schleppern und zwei Leichtern ihr eigen nennt. Weiter wurde die Zahl der Geschäftshäuser vermehrt, 6 wurden käuflich übernommen, weitere 5 wurden erworben. Im übrigen teilt man mit. daß das neue Geschäftsjahr 1929/39 sich bis- her recht gut angelasien habe und bisher ebenso gut weiter verlaufm sei. Man sieht, die Fische bringen gute Dividenden. Rurt Heinix. Das verteuerte Linoleum. Mißbrauch der Monopolmacht. Seit dem 16. September sind von den Fabriken der Deut- schen Linoleumwerke A.-G., der Hauptmacht des europäi- schen Linoleumtrusts, die Preise um 5— 19 Proz. erhöht worden, und zwar der Preis für Bauware um 6—7 Proz., für die meisten anderen Sorten noch höher. Als Begründung wird die Steigerung der Leinölpreise genannt. Linoleum ist im Begriff, ein immer wichtigeres Bau- und Haus- Haltungsmaterial zu werden; die wachsende Linoleum- Verwendung ergibt sich ja auch aus den steigeichen Umsätzen der Deutschen Linoleumwerke. Sie betrugen 1926: 69, 1927: 75 und 1928: 86 Millionen Mark. Im laufenden Jahr ist mit einem lOU-Millionen-Umsah zu rechnen. Eine 5— 19prozentige Preiserhöhung bedeutet somit für den Verbrauch eine Belastung um 5— 19 Millionen Mark. Bekanntlich sind in der Linoleumindustrie in den letzten Mo- naten einige wichtige Transaktionen durchgeführt worden, wodurch die schon vorher von dem europäischen Trust erzielte monopolartige Stellung, wenigstens in Mitteleuropa, noch bedeutend gefestigt worden ist. Wir erinnern an das Eindringen der Kontinentalen Linoleum-Union, die zunächst die deutschen, skandinavischen und Schweizer Werte umfaßte, in die holländische Fabritatwn. die Angliederung der wichtigsten französischen Prvduktionsgruppe (Sarlino), sowie die Verständigung mit dem konzentrierten eng- tischen' Linoleumkapital. Auch mit dem einzigen deutschen Außenseiter, den Llnoleumwerken in Bedburg, wurde ein Preis- abkommen getroffen. Mit all diesen Vorgängen scheint jetzt auf dem deutschen Markt jede Konkurrenz, auch jede misländflche. so gut wie restlos ausgeschaltet zu sein. Bereits im Frühlahr dieses Jahres erhöhten sich In Deutsch- land die Linoleumpreise um 5 Proz.. nachdem vorher einige kleinere Precsherabsetzungen stattgefunden hatten. Durch die Frühjahrs- Preiserhöhung wurden sie aber bereits mehr als ausgeglichen. Man hat der Oeffentlichkeit gegenüber als Sinn der cinoleumoertrustuag erst im nationalen, dann im internationalen Maßstab die„R a t i o- nolisierung* bezeichnet. Jede Rationalisierung bewirkt eine Derminderung der Unkosten; eine Preisermäßigung ist immer der sichtbarste Ausdruck einer rationelleren Fabrikation und eines ratio- nelleren Absatzes. Und jetzt quittiert der Linoleumtrust seine Ratio- nalisierungserfolge mit Preiserhöhungen. Ganz zweifellos sind die Lei» öl preise in den letzten Wochen gestiegen. Linoxyn, d. h. erstarrte» Leinöl, ist neben Kork. Holzmehl. Kolophonium, Jute. Farbstoffen usw. ein zur Linoleum- Herstellung.wichtiger Rohstoff. Anfang 21ugust 1927 zahlte man an der Hamburger Produktenbörse für 1 Doppelzentner Leinöl 72,75 M., im Oktober 1928 67 M., im Mai dieses Jahres 69 M., im Juli bereits über 88 M., Anfang SepNember 87 M. und in der zweiten Septemberwoche 199—119 M. Aber ebensowenig kann de- stritten werden, daß der w i ch t i g st e Rohstoff des Linoleum«. nämlich die Jute, eine sinkende Preistendenz zeigt. In London wurde Jute im August 1927 noch mit 35 engl. Pfund je Tonne no- tiert, Anfang dieses Jahres mit nicht ganz 32 englischen Pfund. In den letzten Monaten schwankte der Preis um etwa 31 engl. Pfund je Tonne. Man muß daher fragen, warum weder die aus der Zu- fammenfafsung und Rationalisierung sich ergebende Unkosten vermin- derung, noch das Absinken der Iute-Preife im Linoleumprei« s i ch bemerkbar gemacht haben. Da das bisher nicht geschehen. ist. wird man wohl die wesentlichste Ursache der Preisherauf- fetzung In der verstärkten ZNonopolmacht de» deutschen sowie des europäischen Trusts zu suchen haben. ,.M a» vermißt bisher den R a ti o n a l i fi e ru ng s er f o lg für den K o n j u m,* meint auch die„Frankfurter Zeitung*, die eben. falls der Ansicht ist, daß eigentlich„die fett der Fusion möglichen Rationalisierungsmaßnahmen eine beträchttiche Crhöfmng der Materialpreise ausgleichen müßten*. Die Annahme, daß wir es hier in der Haupffache mit einer Monopolmaßnahme zu tun haben, wird noch dadurch bestärkt, daß sich, soweit bisher bekannt, die Preis- erhöhung auf den vom Trust vollkommen be- herrschten deutschen Markt beschränkt, während auf anderen Märkten, wo eine Konkurrenz immer noch besteht, bisher eine Preiserhöhung nicht eingetreten ist. Vranntweinmonopol und Spnipreise. Produktionsdrosselung wegen M hoher Bestände. Am 1. Oktober geht das Geschäftsjahr der Branntwein- monopoloerwaltung zu Ende. Dank der hohen Spritpreise geht die Monopolverwaltung mit verhältnismäßig großen Lrannt- weinbeständen von rund 899 999 Hektoliter in das neue Geschäftsjahr. Der Beirat der Monopolverwaltung, der am 24. September in Berlin über die Geschäftsführung im neuen Jahre beschließen sollte, sah sich daher vor die Notwendigkeit gestellt, die Branntweinproduktion im kommenden Geschäftsjahre etwas zu drosseln. Er hat dos Brennrecht der einzelnen landwirffchaft- lichen Brennereien im Verhältnis zum Vorjahre um 15 Proz. gekürzt. Im krassen Widerspruch zu dieser Kürzung steht jedoch eine andere Maßnahme: Die Erhöhung der Branntwein- übernahmepreife um 2 Mark aus 65 Mark je Hektoliter. Es ist sicherlich zu begrüßen, daß die Branntweinmonopolverwaltung die Alkoholerzeugung im kommenden Jahre etwas drosselt. Wir sind aber der Meinung, daß durch die Art der Drosielung, nämlich durch Herabsetzung des Brennrechts für alle Brennereien und gleichzeitige Erhöhung der Uebernahmepreise gerade der ostelbischen Landwirt- schaft, soweit sie auf armem Boden wirtschaftet und wirklich auf eine Brennerei zur Verwertung ihrer Kortoffeln angewiesen ist, schlecht gedient ist. Gerade diejenigen Betriebe des Ostens, denen die Liebesgaben der deutschen Branntweinpolitik zugedacht sind, werden künftig zu- gunsten der günstige.r gelegenen Betriebe auf besserem Boden leiden. Daß die deutsche Branntweinwirtschaft einer g rü n d- lichenReform unterzogen werden muß, beweisen diese Bcschlüsie des Beirates der Monopoloerwaltung aufs neue. Weitere Entlastung der 3steichsbank. Oer Stand in der dritten Septemberwoche. Noch dem Ausweis der Deutschen Reichsbant vom 23. September hat eine weitere Entlastung der Kapital- anlage stattgesunden. Die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln, Schecks und den Lombaödbeständen verringerte sich um weitere 147,1 M.ll. aus insgesamt 2257,6 Mill. Marls, Die Wechsel- bestände einschließlich der Reichsschatzwechsel gingen um 135 Mill. und die Lombardbestände um rund 12 Mill. Mark zurück. Erheblich stärker als die Entlastung der Kapitalsanlage wir aber der Rückfluß an Noten. In der Berichtswoche flössen insgesamt 222,3 Mill., darunter fast 219 Mill. Reichsbanknoten cn die Kassen der Bank zurück. Der gesamte Umlauf an Reichs- banknoten und Rentenbankscheinen ging in der Berichtswoche auf 4592,4 Mill. Mark zurück. Ziemlich erheblich sind die Gold- und Devisenbestände in der Bevichtswoche aufgefüllt worden. Sie erhöhten sich um ins- gesamt 9,5 auf 2518,6 Mill. Mark. Hiervon entfällt auf die Goldbestände ein Zuwachs von 5,7 Mill. auf insgesamt 2192 Mill. und auf die deckungsfähigen Devisen ein Zugang von 3,8 auf insgesamt 326,6 Mill. Mark. Die Goldzufuhren dürsten in erster Linie von der Bank von England herrühren. Die Deckung der Noten durch Gold allein erhöhte sich von 49,6 aus 52,2 Proz. und die Deckung durch Gold und deckungsfähige Devisen von 56,9 auf 59,9 Proz. Insgesamt sind seit dem Augustende, an dem sich die Kapital- anlagen bei der Reichsbank um rund 748 Mill. erhöht hatten, in den ersten drei Septemberwochen fast 679 Mill. Mark zurückgeflossen. Diese Entwicklung geht im übrigen mit der im September 1928 vollkommen parallel. Reichsverkehrsminister bleibt fest. Tarifwünsche der Reichsbahn wieder abgelehnt. Bom�R.e Ich anxiJ ehr s mirrTsterlu m wird in der Frage der Erhöhung der Reichsbahntarife auf die Erklärung des Ver- wollungsrats der Reichsbahn mitgeteilt: Der Reichsverkehrsminister hat nie verkannt, daß die Finanz- läge der Reichsbahngesellschaft angespannt ist. Nach seiner Aus- fassung liegt jedoch im Hinblick auf die st e i g e n d e n Ein- nahmen der Reichsbahn gegenwärtig ein zwingendes Bedürfnis für eine Erhöhung der Tarife nicht vor. Es muß zunächst abgewartet werden, wie nach der endgültigen Gestaltung des PounH-Planes dieser auf die Finanzlage von Reich und Reichsbahn sich auswirken wird. Nach der ersten Antwort des Reichsverkehrsministers S t e g e r- wald an den Berwaltungsrat der Reichsbahn konnte auch nach dem nochmaligen Vorstoß der Reichsbahn in der Frage der Er- höhung der Eisenbahntarife keinaandere Stellungnahme des M i n i ft e r s erwartet werden. Die Reichsbahnverwastung, die es mit ihrer erneuten Tariferhöhung so eilig hat, wird hoffentlich den Dorschlag des Reichsverkehrsministers annehmen und vor weiteren Schritten die endgültige Klärung der durch den Poung-Plan neugeschaffenen Lage in Deutschland abwarten. Krupp entläßt �000 Arbeiter. Konjunkturrückgang oder Rationalisierungsfolge? Die Firma Krupp verbreitet eine Mitteilung, daß sie infolge des Konjunkturrückgangs m der Eisenindustrie, der bereits zur Stillegung mehrerer Hüttenwerke des Ruhrreviers geführt habe, gezwungen sei, einer großen Zahl von Arbeitern der Guß- st a h l s a b r i k«ine„vorsorgliche* Kündigung auszusprechen. Es feien von dieser Maßnahm« 799 Mann der Feuerbetriebe und 399 Mann der Hilfsbetriebe betroffen. Da«ine Abkürzung der vierwöchigen Sperrfrist nicht beantragt sei, würde der kommende Auftragseingang über den tatsächliche nUm- fang der Entlassungen entscheiden. Uns erscheint es zweifelhaft, daß der Konjunkturrückgang zu einer Entlassung in diesem Umfange geführt hat. Wahr- scheinlicher ist, daß diese Entlassung wenigstees zum Teil ein« Folge der Rationalisierungsmaßnahmen ist. Sind doch nach neuesten Angaben des„Reichskuratoriums für Wirt- fchaftlichkeit* in dem Kesselhaus eines Stahlwerkes noch der Rationalisierung die Beschäftigten von 84 auf 19 Mann zurück- gegangen. Sprozentige Gold-Landesrentenbriese der preußischen Landes- renlenbank. Die Preußische Landesrentenbank in Berlin veröfsentlicht in der vorliegenden Ausgabe eine Anzeige, in welcher sie auf ihre 8prozenttg« Gold-Landesrentenbriefe hinweist. Di« Preußische Landesrentenbant hat die Aufgabe, den für die landwirtschastlich« Siedlung erforderlichen Dauer- tredit zu beschaffen. Sie wurde Anfang 1928 unter gleichzeitiger Auflösung der provinziellen Rentenbanken im Interesse einer ein- heitlichen Geldbeschaffung und Verwaltung errichtet. Landesrenten- briefe sind durch die ihnen gegenüberstehenden Rentenleistungen der Siedler voll gedeckt und dinglich gesichert; außerdem sind sie mit Staatsgarantie versehen. Sie besitzen auch die Reichsmündelsicherheit und sind reichsbanklombardfähig. Hervorzuheben ist, daß die Tilgung nur durch halbjährliche Aus- losungen zu 199 Proz., nicht durch Rückkauf am freien Markt er- folgt. Der Kurs ist seit der Einführung an der Berliner Börse (Februar d. I.) unverändert 951-1 Proz. geblieben. Bei Uebernahme einer Sperroerpflichtung werden die Landesrenten- briese provisionsfrei berechnet. Dasselbe gilt für freie Stücke, soweit sie von der Preußischen- Staatsbank(Seehandluna) in Berlin direkt bezogen werden. Kampfstellung der Holzarbeiter. Auch der Lehrling ist ein ausgebeuieier Arbeiier. Bremen, 25. September.(Eigenbericht.) Cammer« SJerttn sprach heute über die Vertrags» Politik in den Branchen. Das Jahr 1928 kann als«in Kampfjahr der Branchen bezeichnet werden. Ununter. brachen wurde versucht, die Lohn» und Arbeitsbedingungen der zahlreichen Branchen weitgehend zu beeinflussen. Dehemmt wurde dl« Tätigkeit des Verbandes dadurch, daß di« Unternehmer. Organisationen zu einem Teil in der„Auflösung� be- griffen sind. Sie lösten sich aus, um im gleichen Augenblick neue erstehen zu lassen, die angeblich nur einen wirtschafts- politischen und nicht sozialpolitischen Zweck verfolgen. Das wird gemacht, um nicht als B« rt ra g s p a rt n e r bei Tarif. vertragen anerkannt zu werden. Trotzdem konnten viel« Ber» tragsabschlüsse vollzogen werden. Meistens wurden die Berträg« örtlich oder betrieblich abgeschlosien. Reichstarif« abzuschließen war nur in geringem Maße möglich. Der Bericht Dammers führte in plastischer Preise vor Augen, wie eine De- wertschaft, die mit zersplitterten kleinen Verträgen des rleinsten Dorfes zu rechnen hat, arbeiten muß. Die Debatte war sehr ausgedehnt. Hingewiesen wurde vor allem darauf, daß die Ortsklassendifferenzierung zu groß sei. Rur wenige Redner traten auf, die die Tätigkeit der Organisation im allgemeinen nicht lobend anerkannten. Schleicher behandelt« in seinem Schlußwort die Ein» gruppierung der einzelnen Beruf« in Lohnklassen. Zum Schluß ging er auf di«. Regelung der eehrlingssrage ein. Die Handwerker laufen mit ihren Berbänden geradezu Sturm gegen di« tarifliche Beitrags regelung. Der Verband ist bereit, über die Ausbildung der Lehrling« zu verhandeln, aber über das Arbeitsverhältnis der Lehrlinge könne nicht ver- handelt werden. Darauf wurde ein« Entschließung zur Lehrlingsfrage angenommen, die folgendes� sagt' In den letzten Iahren ist es den Handwerkerorgamsationen ge- lungen, die K o st« n der Lehrlingsausbildung in steigendem Maß« den Eltern der Lehrlinge aufzubürden. Während früher der Lehrling von seinem Meister Kost, Wohnung und vielfach auch Kleidung erhielt, werden gegenwärtig auf Anweisung der Hand» Werkerorganisationen Entschädigungssätze für Lehrlinge gezahlt, die oft kaum das notwendige Fahrgeld von und zur Arbeitsstelle decken. Der Zweck der Lehrlingshaltung ist lediglich nicht die LehrkingsausbUdung, sondern di« Beschaffung billiger Arbeitskräfte für den Unternehmer. Bisher sind alle Versuch« der Gewerkschaften, das Entgeld, den Erholung?. urlaub und die Arbeitszeit der Lehrling« auf der sogenannten berufsständigen Grundlag« ausreichend zu regeln, an dem Wider» stand der Handwerkerorgamsationen gescheitert. Ein« Aende» rung dieser Derhältnisse ist nur möglich, wenn der wirtschaftlichen Macht der Handwerkerorgamsationen die Kraft der G« wertschaft entgegengestellt wird. Die Handwerks- lehre ist nicht nur ein Ausbildung sverhältnls. sondern auch ein Arbeit»- Verhältnis. Auf dem Weg« der tariflichen Regelung ist eine wirklich paritätische Mitwirkung der Gewerkschaften möglich. Der Ler- bandstag protestiert gegen diejenigen Bestimmungen in dem Entwurf des B e ru f»a u s bi l d u n g» g e s e tze», durch welche nicht nur die Arbeitsausbildung, sondern auch die Arbeitsoer- h ä l t n i s s e der Lehrling« der tarifvertraglichen Regelung e n t» zogen werden. Er fordert die Gewerkschaften und die Dertreter der Arbeiter im Parlament auf, an der bevorzugten Regelung der Arbeitsverhältnisse durch Tarifvertrag festzuhalten. Ueber die Arbeit der Reformkommission des ADGB. berichtet der Verbandssekretär Jahn« Berlin. Er legt« dar, wie seitens des Gewerkschaftsbundes der Versuch gemacht wird, ein« Vereinheitlichung der statutarischen Einrichtungen und der Unterstützungsarten herbeizuführen. In diesem Sinn« ist die Re formkommission tätig. Diese Bestrebungen werden vom DHV. auf das eifrigst« unterstützt. Jedoch ist nicht zu verkennen, daß nach so vielen Aenderungen des Statuts vorläufig in gewisser Beziehung eine Ruhe eintreten muß. Der Holzarbeiteroerband ist aber nach wie vor bereit, den Bestrebungen zur Angleichung der gewerkschaft- lichen Einrichtungen die bestmöglichst« Hilf« angedeihen zu lassen. In der Aussprache legte Graßmann die Auffassung des Bundesvorstandes dar. Tornow führte aus. daß di« Schaffung eines allgemeinen Streikfonds sehr schwierig sei, aber vielleicht kann bei der nächsten Gelegenheit, wo eine Bundeshilfe verlangt wird, di« Frage geprüft werden. Man könne z. B. dazu übergehen, die Verbände, di« für ihr« eigenen Kämpf« nicht stark in Anspruch genommen werden, stärker mit Kampfkosten zu be» lasten. Vereinbarung in der Metallindustrie. J Prozent Gehaltserhöhung ob 1. Oktober. Mit dem Verband Berliner Metallindustrieller wurde am 24. September folgend« Vereinbarung getroffen: „Die Tarifgehälter werden mit Wirkung ab 1. Oktober 1929 um 7 Proz. erhöht. Familienzulage und Telephonistenzulag« bleiben unverändert. Die Abrundungen erfolgen in derselben Weise, ' wie bei der letzten Gehaltserhöhung. Dieses Abkommen gilt bis zum 31. März 1931 und wird von einem etwa vorherigen Außerkraftreten des Manteltarifoertrages nicht berührt. Wird das Abkommen nicht einen Monat vor Ablauf gekündigt, so verlängert es sich jeweils mit der gleichen Kündigungsfrist um ein Vierteljahr." Außerdem hat der DBMI. folgende schriftlich fixierte E r- k l ä r u n g abgegeben: „Der Verband Berliner Metallindustrieller wird auf sein« Mit» gliedev dahin einwirken, daß eine Anrechnung übeltariflicher Zulagen aus die ab 1. Oktober 1929 vereinbarten Erhöhungen der Tarifgehälter nicht vorgenommen wird, soweit nicht be- sondere Umstände ein« solche Anrechnung rechtfertigen. In Streit- fällen sst der VBMJ. bereit, vermittelnd einzugreifen." Das Verhandlungsergebnis wurde in den Funktionärversamm- lungen des Butab, DWV. und ZdA. am 24. September a ng«- n o m m e n. Die Allgemeinverbindlichkeitserklärung, d. h. also die Ausdehnung der neuen Vereinbarung auch auf die Betrieb« der Berliner Metallindustrie, die dem VBMJ. nicht angeschlossen sind, wird vom AfA-Metallkartell sofort beantragt werden. AfA.-Alelallkarlell. Günther. Lange. Iaeger. Annahm« des Tarifentwurfe» aussprachen, beschloß die überfüllte Versammlung in geheimer Abstimmung mit großer Mehrheit di« Annahme des Derhandlungsergebnisses. Akkordtarif der Putzer. Oer Vertrag angenommen. Die Verhandlungen über den Neuabschluß des A k k o r d t a r i f- vertrage? für die Berliner Putzer sind nach mehrtägigen Beratungen nunmehr zum Abschluß gekommen? Seit Jahren schon ist die Fachgruppenleitung der Putzer bemüht, für alle Innen- und Außenputzarbeiten Akkordpreise tariflich zu vereinbaren. Wegen dieses Forderung traten di« Berliner Putzer 1927 sogar in den Streik, der durch einen verbindlich erklärten Schiedsspruch beendet werden mußte. Nur ein geringer Teil der Forderungen wurde damals ver- wirtlicht. Die während der zweijährigen Laufzeit dieses Zwangs- tarifes auf den Baustellen fortwährend auftretenden Differenzen haben mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß die 1927 getroffene Rege- lung einfach u n h a l t b a r ist. Es ist nunmehr erreicht worden, daß auch für die Außenputzarbeiten, deren Bezahlung bis- htr überwiegend der freien Vereinbarung unterlag, feste Preise gelten, an die die Unternehmer gebunden sind. Desgleichen sind auch für die Innenputzarbcitcn verschiedene Verbesserungen durchgesetzt worden. Wie der Fachgruppenlciter Genosse L e h n i g in der Fach- gruppenoersammlung der im Baugewerksbund organisierten Putzer, die Mittwoch abend in Kliems Festsälen zu dem Verhandlungs- ergcbnis Stellung nahm, mitteilte, ist es diesmal leider noch nicht gelungen, alle Forderungen restlos durchzusetzen.. In verschiedenen Punkten mußte mit den Unternehmern ein K o m p r o m i ß ge- schlössen werden, um überhaupt erst einmal den Grundstein zu legen für den alle Putzarbeiten umsassenden Tarifvertrag. Wenn auch ein Teil der Putzer heute bereits auf Grund der guten Konjunktur in freier Vereinbarung höhere Akkordpreise vereinbart hat als sie der Tarisentwur� vorsieht, so muß doch vor allem in Betracht ge- zogen werden, daß die jetzt festgelegten Preis« auch für die Zeiten gelten, wo die Konjunktur weniger günstig ist. Genosse Lehnig empfahl der Versammlung im Auftrage der Obleute, dem Derhand- lungsergebnis zuzustimmen. Nach längerer Debatte, in der sich die meisten Redner für die Oer Streik der Reparaiionsarbeiter. Oeutsche Amtspersonen als Streitbrecherwerber. Der Streit der Reparationsarbeiter am Moselkanal dauert fort. Die Unternehmer bemühen sich— mit Hilfe von deutschen Behörden— Streikbrecher anzuwerben. Sie erhalten bei dem Streik aber nicht nur die Hilf« deutscher, sondern auch f r a n- zö si s che r Behörden. Die französische Gendarmerie steht voll und ganz im Dienst« der deutschen Unternehmer. Von den deutschen Amtspersonen, di« Streikbrecher werben, sei der Bürgermeister von Landstuhl in der Pfalz erwäihnt. Auch Bürgermeister in ländlichen Gemeinden der Pfalz betätigen sich im gleichen Sinn«. Der Arbeitsnachweis von D i l l i n g e n an der Saar verschickt« Schreiben an di« Arbeitslosen, in dem Streikbrecher für den Moselkanal geworben werden. Der Bürgermeister von Mettlach an der Saar hat an die Streitenden seiner Heimat- gemeinde Schreiben gerichtet, worin den Arbeitern mit dem Entzug der Arbeitslosenunterstützung gedroht wird, falls sie di« Arbeit nicht sofort wieder auffnehmen. Diese beiden Amtspersonen befinden sich im S a a r g e b i e t, da» vorläufig nicht unter deutscher Verwaltung steht. Si« scheinen deshalb der Meinung zu sein, sich wie die französischen Gendarmen ausführen zu dürfen. Da nun die Arbeiten auf Reparationskonto von deutschen Unternehmern mit deutschen Arbeitern fertiggestellt werden sollen, so bleibt zu erwägen, ob di« deutsche Regierung das Recht hat, diesenVerletzungen deutscher Gesetze müßig zuzusehen und ob si« nicht di« Pflicht hat, hier endlich einmal durchzugreisen. Ueber die Zustände be! den Arbeitern schreibt uns der Deutsche Baugewerksbund, daß am 20. September zwei Arbeiter getötet und drei schwer verletzt würben und zwar bei Sprengungen. Die mit solchen Arbeiten anscheinend unerfahrenen Leute sind zu früh an die Sprengstell« gegangen. Wer krank wird, wirb abgeschoben. Ein Arbeiter, dessen Ueberführung in«in Krankenhaus vom Arzt angeordnet war, wurde von zwei Gendarmen auf den Wink eines Beamten der Arbeitsgemeinschaft Sohnius, Möller und Kallenbach verprügelt und mußte schließlich von der Streik- leitung das Fahrgeld zur Heimat«chatten. » In der Arbeitsstreitigteit der bei den Moseltanalifationsarbeiten beschäftigten deutschen Reparationsarbeiter hat der Schlichter für das Rheinland im Auftrag des Reichs- arbeitsmini st«riums di« beteiligten Firmen sowie die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände zu einer vermittelnden Aussprache nach Trier auf den 30. September geladen.« Vuhegeld bei der Aewag. Die neuen Bestimmungen für die Angestellten. In einer von mehr als 1200 Personen besuchten Betnebsver- sammlung der Angestellten der Bewag am 23. September res«- rierte der Genosse Zeitz vom Zentralverband der Angestellten gleich- zeitig im Namen der am Tarifvertrag beteiligten freim Gewerkschaften— Bund der technischen AngesteMen und Beamten, Deutscher Werkmeisterverband, Verband der Gemeinde- und Staats- arbeiter— über di« rückwirkend ab 1. Januar 1929 in Kraft getretenen R u h e g e l db«fti m m u n g« n. Es ist nunmehr eine völligeAngleichungandie beamtenrechtlichen Bestimmungen erreicht. Kriegsdienstfahre werden angerechnet, Nichtruhegehalts- berechtigte können entsprechend den Richtlinien de» Magistrats laufende Unterstützungen erhalten. Der Gemeindebeschluß gilt auch für die bei der Verwaltung der Stadtgemeinde Berlin beschäftigten Angestellten. Eine Beitragsleistung für die Ruhegeldgewährung ist ausgeschlossen. Zeitz ließ sein« Ausführungen dahin ausklingen, daß die in den städtischen Verwaltungen und Werken beschäftigten Arbeit- nehmer an der Zusammensetzung der Stadtoer» ordnetenversammlung und des Magistrat» ein ganz be- fonderes Interesse hätten und daher bis zum 17. Rovember besonders von den Angestellten die notwendige Aufklärungsarbeit geleistet werden muß, um den Einfluß der arbeitnehmerfeildlichen Parteien weiter zu vermindern. Die Ausführungen wurden vom starken Lei- fall unterstrichen. Di« Kollegen Arndt und Luca» gaben den Tätigkeitsbericht des Angestelltenrats. Mit der Feststellung, daß nach wie vor die Angestelltenschast der Bewag in den freigewerkschaftlichen Organisationen ihre einzig« und richtig« Interessenvertretung sieht, wurde die Versammlung geschlossen. Stukkateure, meidet Verlin! Laßt Such nicht durch Rundfunk locken! Die Fachgruppe Stuck- und Grpsbau im Deutschen Baugewerksbund schreibt uns:„JDie Arbeitslosigkeit im Stuckgewerbe war in diesem Jahre wieder besonders groß. Es war keine Selten- heit, daß Baustutkateur« 15 bis 18 Wochen hintereinander arbeitslos waren. War dann der Arbeiter an der Reihe, Arbeit zu«chatten, dauerte di« Arbeit 14 Tage, im Höchstfalle vier Wachen: dann konnte er wieder di« Arbeitsnachweisbank drücken. Di« Arbeitsveichältniss« der W ev k st a t t st u k ka t e u r« und Bildhauer aber sind noch viel trauriger. Dies« Arbeiter sind das ganz« Jahr arbeitsla». Durch Inangriffnahme einiger größerer Arbeiten, wie Kinos, Umbau der Komischen Oper und Tietz, haben sich die Arbeitsver- hättnisse vorübergehend gebessert, so daß sich plötzlich «in Mangel an Baustukkateuren ergab. Bildhauer und Weristattstukkateure hofften nun auch in Arbeit zu kommen, leider vergebens. Di« Unternehmer lehnten es ab, dies« Almosenempfänger einzustellen, denn sie seien der Arbeit nicht gewachsen. Die Arbeiterorganisation versuchte oergeblich. diese Kollegen durch Umstellung in den Arbeitsprozeß einzureihen. So müssen denn jetzt di« Werkstatfftukkateure und Bildhauer zusehen, wie Stukkateure aus anderen Städten, die das Landesarbeitsamt auf Veranlassung der Unternehmer herangezogen hat, arbeiten. Di« auswärtigen Kollegen, di« olle verheiratet sind, veriangten nun von den Unternehmern, da sie zu Haus« auch f ü r di« Familie zu sorgen haben, ein« Auslösung. Diese wurde rundweg abgelehnt mit dem Bemerken: „W i r haben Si« ja nicht nach Berlin geholt." Di« Kollegen wären sicherlich nichtnach Berlin gekommen, denn sie wissen aus eigener Erfahrung, daß es sich nur um vor- übergehende Arbeiten handelt. Aber das Landes- arbeitsamt hat sie hierher geschickt und ihnen mit der Entziehung der Arbeitslosenunterstützung gedroht. Dem Zwang gehorchend, nicht dem eigenen Trieb«, kamen sie nach Berlin. Auch der Rundfunk, in Kenntnis gesetzt durch das Landes- arbeitsamt, sucht Stukkateure nach Berlin zu locken, weil in Berlin ein Mangel an Stuikkateuven fei. So am 17. September. Die Folgen blieben nicht aus. Di« Kollegen kamen nach Berlin, gaben ihr« letzten Pfennig« für die Fahrt aus, aber Arbeil haben sie nicht erhallen. Am 21. September waren schon wieder 20 Berliner Bau- stukkaleure arbeilslo» im Nachweis eingeschrieben und n o ch i m m e r melden sich Stukkateur« aus Grund der Rundfunkmeldung. Hier muß«in« Aendevung eintreten. Es darf nicht«inseitig gehandelt werden. Es kvnn nicht so gehen, daß, wenn die Unter- nshmer pfeifen, das Landesarbeitsamt tanzt. Wir verlangen als Arbeitnehmerorganisation, daß, wenn das Landesarbeitsamt Leute von auswärts verlangt, der Fachausschuß der Fa chacht e i lung gehört wird und prüft, ob di« vertiangte Zahl von Stukka teuren in Wirklichkeit benötigt wird und für welche Zeit." Zubilarfeier im Sattlerverband. Am Sonnabend hatte der Vorstand der Berliner Verwaltungs- stelle des Deutschen Sattler-, Tapezierer- und Portes euiller-Verba n des alle Mitglieder, diemehrals2öIahreder Organisation angehören, zu einer Feier im Gewerkschaftshaus zufammenberuien Von den annähernd 500 Jubilaren waren 400 erschienen, die�mtt ihren Frauen und Angehörigen den festlich geschmückten großen Saal bis auf den letzten Platz füllten. Eln Teil hatte wegen Krankheit, Invalidität und zu hohem Alter nicht teilnehmen können. Osten, der 1. Vorsitzende, begrüßte herzlich die Jubilar«. S p l i e d t, vom ADGB., der selber als Jubilar geladen war, hiell die Festrede. Er betont«, daß man nicht von ihm erwarten könne, den Iubilaren ein Loblied zu singen, denn da würde er sich selber laben. Aber in dem Gefühl der Pflichterfüllung, daß wir all« mitgearbeitet haben, ein Bächlein zu graben, au» dem ein Strom geworden ist, der heute all die Massen aufnimmt, liegt das stalze Bewußtsein, etwas Großes geschaffen zu haben. Sa manches Ziel, das einst gesteckt war, ist bereits überschritten. Schon ergeben sich neue Ziele die erreicht lverden müssen. Um di« neuen Aufgaben zu lösen, werden wir weit schwerer« Kämpfe zu bestehen haben. Das neue Ziel, was wir jetzt erreichen müssen, ist das M i t b e st i m- mungsrecht in der Wirtschaftsführung. Ein Orchester des Deutschen Musikerverbandes und das Ebert- Manz-Ouartett bestritten wirkungsvoll den künstlerischen Teil der in allen Teilen gelungenen Feier. Verhandlungen im Braunkohlenkonsiitt. In dem Tarifkampf im rheinischen Braunkohlenreoier haben inzwischen auch die christlichen Gewerkschaften den Schiedsspruch od- gelehnt. Die Unternehmer nahmen den Schiedsspruch an. Am Donnerstag befaßt sich bereits das Reichsarbeitsministerium mit dem Kampf und der Haltung der Parteien. .. 1»»«.*®»-. frinptoertfto«, etiatrabatal Sonn- aben». 1» Uhr. im Lokal Laft Nugbaom', in«[»»enfee, Straß- 12, £ ffraktion-gtiuna färnllfd»- in der Soutmottf. »äst otidxlftiflKn fficnoffen. Sympaibilierende und grauen können mitgebracht werden. d« gvalktianaoarstand. Bd�reteGewerkschafiS'Iuaend Berlin Scufc,?o»ner»tag. Uhr. tauen' bi» Truppen: Oefunbbtnnnen: Ipgendlieim iTote Schule, Sotenduraer Strafte. Borirag:.Lehrlings. recht« und Lehrlingspilichten".— Sedding: StLdt. Ing-nbheim Cttli- straft« 10..Streilsilg« durch die Schundliteratur."— M-abii- Stadt. Jugend. heim Lehrter Str. 18—10. Vortrag:„Die grau im Wirlschaltskampf vor und nach dem Nriege."— Sudosten: Truvvcnheim SIelchenberaer Str. 80'geuerwehr. Haus). Vortrag:„Trste Hilfe bei Ungllllksfällen".— Z«m»«Ih»I: Trupvenhejm Loreum«ermaniaftr. 4—0. Vortrag:.Kommunale Unternehmungen"— Lichtenber« und Reu-Lichtenb«-«: Jugendheim SauNftrafte. an der Lessinaftrafte Vortrag:.Vub und Möbel".— grantfueter«in«: Jugendheim grankfurter Allee 307 iWaltcr.? athenau-Zimmerl. Gruppenabend.— vchöueweid«! Jugend- beim Oberschöneweide, Laufener Str. 2 fobere» hiniere« Zimmer). Schachlebr- abend.—«öpeni«: Jugendheim Trünauer Str. s. Wir gehe»>um»uften. spielabend nach Treptow. � 8 03uofnt>eitungskommissionsmilglieder bei Klaus, Prenzlauer Allee 31. Jede Abteilung muß oeilreten sein und pünktlich erscheinen. 0.«rei» Wilmersdorf. Tonnerstag. 2b. September, beteiligen sich alle Genossen an dem Fackelzug des Reichsbanners. Abmarsch 20 Uhr Fehrbelliuer Plad. Heule, Donuerskag, 26. September. 1. Abt. Die Bezieksführer rechnen bestimmt bis Sonnabend. 28. September. abend», beim Genossen Larven ab. 17. Abt. Die Bezirksstihrcr Müllen die Markenhestände umgehend bei««fr Nossen Söhne abrechnen. 31. Abt. Der in der Iugcndgnippe Schönhauser Vorstadt angeseilte Vortrag .Proletarische Jugend und Elleinhaus' findet heute nicht statt. Morgen, Freitag, 27. September. 8. AM. ist» Bezirksstiheer rechnrn am Kreitag ab 18 Uhr ihr« Wertdestäud« mit dem Kassierer im Lokal Vorliik. Sebastianstr. 87, ad. 38. Abt. Pünlilich 19 Uhr bei Bartusch. Kriedenstr. 88. Abrechnungsstilung mit den Bezirksstihrern und Revisoren. Auch der 150. Bezirk muß vertreten sein. Anschliestend wichtige Sitzung sämtlicher Funktionäre. 93. Abt. Reukölln. 20 Uhr Sitzung der?ieitungskommisssonen im Lokal Rich- monn. Böhmische Str. 7. Jeder Bezirk mutz verirrten sein. Frauenveranstaltungen. ö. Krel, isriedelchohain. Die Abteilungsleiterinnen fstr Agitation werden«e> beten, sich gelegentlich vom llrauensckretariat. Lindenstr. 3, 2. Las. 1 St., Himmer 4, kostenlose..sZraucnwelten" zur Agitation abzuholen. 9. Kreil Wilmersdorf. Die für sZreiiag, 26, September, angesetzte Kunktio- närinnenkonserenz findet umständehalber nicht statt. 24. Abt. Sonnabend. 28. September, Itzfh Uhr. im Altersheim Danziger Strafte 62, llrauenwcrbeabend. Lieder zur Laute. Ansprache der Genosftu Käthe Kern. Gintritt 50 Pf. 141. Abt. Rosenthal.. Leute, Donnerstag, 28. September, 20 Uhr, hei Kofmann, Edelwritzstr. 5.»Der Doung.Plan. Referentiu Ilse Mener. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrl. 3. KMi» Weddiog. Sitzung der Fachgruppe.Iugendwohlfahrt' am Freitag, 27. September, 1914 Uhr. im Ledigenheim Schönstettstr, 1, 6. Stock, st. 15. Tagesordnung wird in der Sitzung bekanntgegeben. Alle Selker der Fach. «ruppe und alle Abteilungsleiter werden gebeten, angesichts der wichtigen Tagesordnung pünktlich zu erscheinen und sämtlich« erledigten und uner» q», immer 1, Vortrag der Genossin Paula Kurpatz»bei* Einflüsse Im Veichsjugendwohlsahrtigesetz'. Alle iuteressterten Genosse» »nd Genossin»«» sind emgclodc». ledigten Akten mitzubringen. 13. Keei» Tempelhof. Am Freitag, 27. September, 28 Uhr, Dorsstr. Sitz»»,», immer 1, Vortrag der Genossin Paula Knwatz über.Konsemonell« Zungsozialisteu. Grnppe Gide»: Heute, Donnerstag, 20 Uhr, im Jugendheim Borchstr. 11. Disiusstonsahend� �kriegsgesahr Im Fernen Osten?'— Achtung! Ab nächster Woche finde» unsere Gruppenabende wieder Freitag» statt. Am Montag, 39. September, 181b Uhr. Issums, r--■- esttzender der Schweitzer W der sozialistischen Arbeitee-Znieenotionale'. Ale interessierten Partei- ß- Montag, 39. Septewber, 19% Uhr. spricht in der«nla de, S h-Wilheln>-ss»>mnassnm-, Kochst«. 13, Genosse Graft Reinhard.|= Sozialdemokeati«) über»Die Ausgäben genossen»nd die älteren Senossen der SAI. stnd herzlichst eingeladen. Zlrbeilsgemeinschafl der Sinderfreunde. Betrifft sseftlaaer Namedy! Die in Rouiedy zneftckgelassenen Zelt« sind an. «eloniM«». So wird gebeten, st« abzuholen a« Sonnabend, 28. September, ab Ii Uhr ans der Lindenstr. 3, 6. Hof. Schuppen. Wege» der zeitigen Dnnlel- deit wird um pünktliche Abdolnng»«bete». Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 51. Abt. Gharlottenbnr«. Unsere Genosstn Lenin, Kaefelerftr. 14, L Gruppe, ist plötzlich«erstorben. Ehr« ihrem AnNnkenl Einäscherung Frei- tag, 27, Seviemder. 18H Uhr, im Krematorium Gerichlstratze. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Goschäktiftelle:«erlin S. 14, Sebastianstr. 37(2«. Ho« 2 Tr. Freitag, 27. September. Schinebrrg�riedena», Kameradschaft Insel: 20V« Uhr Kameradsckaktspcriammlung Kolonnen. Ecke Hohenfried» ssergstratz«. Referent Kam. Raihmann:»Di« politische Lage Deutschland» und Oesterreich»'. Pankow, Iugendkameradschaft: 20 Uhr Sröffnungsversammlung im Jugendheim Görschstr. 14. Erscheinen Pflicht.— Lichtenberg(Ortsoerein): Der Kamerad Paul Wen, eck, Kanlsdorf, ist verstorben. Einäscherun« Donners- Uhr. Baumschulenweg. Dienstfreie Kameraden ver- ihnhos Baumschulenweg mit Fahne». tag 28. September, 19 sammeln sich 18?L Uhr morgens vielfach neblig, am Tage heiler mit unverZndertrn Temperaturen. Freie Vereinignno der Deutschen Zeitnngs- nnd Drnckschrif tenhän dler e.V. Ortsgruppe Beeilst Geschäftsstelle; NO SS, Metzer Str. 26 Sonntag, den 29. September, nadun. 5 Uhr in den Germania-Praditsftlen, Chansseestr. 110 10, Stiftungsfest Konzerl:i Kabarett:: Ball Qntritt 1 Mark. Karten in der Geschäftsstelle und an der Abendkasse.— Gäste herzlich wilikommenl ß erhn. Leiozigep Sfn 122'12i Nie wiederkehrende Kaufgelegenheit! Wegen Krankheit ist in Berlin eines der schönsten und bekanntesten Saal» und Garten-Etablissements mit Wohnhaus(7 Wohnungen), ca. 8500 qm. 270 m Straßenfront, an Park und Wasser gelegen, zu einem Drittel des Vorkriegswertes zum 1. Januar 1930 zu verkaufen, auch tftr Gcwerkodiaften sehr geeignet Angebote unier N. 23 an die Expedition dieser Zeitung. AETERNITAS- AUSSTELLUNG naturwissenschaftlicher und medizinischer Dauerpräparate von Mensch, Tier und Pflanze nach dem Verfahren von Hofrat Prof. Dr. Hochsleticr.Wien und Universit&tsassistcni Dr. von SchmctdcL Unter dem Protektorat der Herren Geh.«Rai Prof. Dr. Heck, Direktor des Berliner Zoologischen Gartens Dr. Heinroth, Direktor des Berliner Aquariums in den Warenhäusern der Firma HERMANN TIETZ Leipziger Str., Grosser Aussteliungssaal, ULStock, Alexonderplaiz, LStock