Morgenausgahe Freitag ---------- �sD MG?!'#4»,_ «inwiefindjNw�softittting»--* H I h W HL�HHIB HH H r/ Hr recfg.QoftbtfttiigtbaigrnLBiuiuk«»| j BB VW VW W) W» W> WW«Wi BS HB �B WaS T•j/ obtnnrmnu 4— 3Ä. pr» Stonat. MW f-W■■■■■■■■ H � B Mi jL» VÄ * �Hl �W QH BH■ HB HUI HV> WU kW HB VW JMMuBK&/«are..«letneAn�lz«,- ba, B fl mM> Mk> B-ftl JBLML. M B �w/m MMZD Veettnev Vvttsblatt tegfss Zstttvawvsan der Sozialdemokratische« Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhofs 292—297. I«legrannn-Ldr.: Sozialdemokrat Berlin. Vor der Entscheidung. Von 8. �ukKSuasr, lt. 6 R. „Berliner Tageblatt' vom U. September 1329. „Nach Kommissionen. Fraktionen und anderen nur zur Hölste erleuchteten Berowngskörpern treten jestt die Träger der Verantwortung, Parlament und Regierung, in ihr Recht und ihr« Pflicht. Es wird nun zuerst das Gerumpel der Arbeits-. losenreform, das schon zu lange den Weg und die Aussicht oer- sperrt, fortzuräumen sein.' Wenn hier«in« der großen Tageszeitungen die zurückliegenden wochenlangen Verhandlungen der Regierungsparteien mit soviel Mangel an Wertschätzung überschüttet, und die Reichsrezierung mahnt,.die Parteien wieder an die leitende Hand zu gewöhnen', so könnte der Anschein erweckt werden, als wäre das bisherig« Ringen um die Reform der Arbeitslosenversicherung ein kleinliches, jeder höheren politischen Einsicht ermangelndes Parteigezänks gewesen. Nach diesen Ratschlägen, wie sie sich in den letzten Tagen fast in der gesamten bürgerlichen Presie häufen, käme es jetzt nur daraus an, daß sich die über den Wassern schwebend« Regierung von all den lästigen engen Parteimeinungen loslöst, um von sich aus ein« genau auf der Mitte zwischen den Meinungen der beiden Flügelparteien liegend« Kompromißlösung zu diktieren. Wenn also z. B. die Deutsche Lolk»- parte!«inen Abbau der Leistungen um 90 Proz. verlangt, die Sozial- demokrati« jeden Abbau bekämpft, so müßte das Ergebnis der jetzt so dringlich empfohlenen höheren staatsmännischen Erwägung sein, daß die Arbeitslosenversicherung um 43 Proz. abgebaut wird. Es wird von den betriebsamen Ratgebern nur die Kleinigkeit übersehen, daß es um das Arbeits» und L e b e n s s ch i ckf a l von hundert tauf enden werktätiger Menschen geht, mit denen kein politisches Parteispiel getrieben werden darf.. Deshalb dürft« der immer lauter werdende Ruf nach einer starken Reichsregierung, die die Fraktionen zur Raison bringen soll, nicht ausreichen, um ein« reibungslose Abwicklung der bevorstehenden bedeutsamen Reichstagsverhandlungen zu gewähr» leisten. Die bürgerlichen Parteien, denen daran liegt,«in baldiges positives Ergebnis bei diesem Resormmert herbeizuführen. werden sich schon bemühen müssen, dem nun feit Monaten klar entwickelten und vertretenen StandpunktderSozialdemo- k r a t i.e Verständnis entgegenzubringen. Das Rezept im Hinblick auf noch zu erledigende aridere groß« politische Ausgaben, der Sozialdemokratie in der Arbeitslosenversicherung ein« Einigung um jeden Preis zumuten zu können, Hilst wirklich nicht. Wenn in all der Kritik über die bisherigen, in den Hauptstreik. punkten ergebnislosen Derhandlungen der Regierungsparteien soviel Zorn und Hohn über die unpolitischen Köpfe In den einzelnen Fraktionen ausgeschüttet wird, so dürft« die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion dadurch kaum beeindruckt werden. Es waren wohl doch politische Gesichtspunkte für die bisherige Haltung unserer Partei maßgebend. Politik machen heißt zwar auch, mit anderen Parteien rechnen, die zu einer Mchrhfitsbildung notwendig sind. Wenn aber die Rücksicht auf die bestehende Regierungskoalition soweit getrieben werden soll, daß sie bis zur politischen Gleichgültigkeit gegenüber den vitalsten Arbeiterinteresien führen müßt«, dann hätte«ine solch« Politik aufgehört, sozialdomokratische Politik zu sein. Der weitere Hinweis, wonach die Reichsminister zum Schutz« der Republik gegen die augenblicklichen staatsfeindlichen Unternehmungen ihr« eigenen Fraktionen zum beschleunigten Aufgeben ihres bisherigen Standpunktes in der Arbeitslosenversicherung veranlassen müßten, Ist, soweit es sich um den Widerstand der Sozialdemokratie gegen den Bersicherungsabbau handelt, geradezu staatsgefährlich. Jene staatsfeindlich« Agitation von völksicher und kommunistischer Seite kann nur überwunden werden, wenn ihr da« Reichskabinett die denkbar höchst« sozialpolitisch« Aktivität ent- gegensetzt. Die Gegner des neuen Bolksftaate» warten nur darauf, daß mit Hilfe der republikanische* Parteien der Arbeitslosenschutz ab- gebaut wird, um dann politische Nutznießer einer wachsenden Er- werbslosennot sein zu können. Es darf an die Maiwahlen 1924 er» innert werden, die aus der Verzweiflung der Inflationsannut zum politsichen Machtzuawch» der völkischen und deutschnationalen R«. aktion geführt hatten. So wird unser Kampf gegenden Ab» bau der Leistungen in de r Arb e I t»: o s en v ersich e. r u n g nicht nur als gut« Politik der Sozialdemokratie, sondern auch al» der wirtsamste Schutz der Republik gewertet werden müssen.• Die sozialpolitisch vertretbaren Vorschläge zur Reform der Arbeitslosenversicherung brauchen von der Eozialdemo. kratie und ihren Reichsministern um so weniger preisgegeben zu werden, als sie auch nachweislich geeignet und ausreichend sind, ein« Sanierung der Reichsanstalt herbeizuführen. Die vereit» schaft, das Reich noch Möglichkeit von eintt übermäßigen Belastung durch Zuschösse oder Darlehen an die Dersicherungsanstalt zu befreien. sit wiederholt ausgesprochen worden. E» muß aber anderseits mit aller Entschiedenheit dagegen angeganzen»erden, daß in der Oeffent» llchteit immer miede« mit eine« laufende» Defizit von 273 Million«» Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Mark jährlich operiert wird, um damit den Abbau zu erzwingen. Diese angebliche Mehrausgab« ist wie folgt„errechnet worden': Jährliche Ausgaben: 1.1 Mill. Arbeitslose unter Berücksichtigung eine» Monatsaufwandes von 83 RM für den Arbeits- losen, das sind 1,1X83X12, vermindert um 3 Mill. auf Grund einer Kontrollberechnung,... 1 HS Mill. Mk. Jährliche Beitragseinnahmen: Beiträge.............. 840.» Defizit 279 Mill Mk. vi« ganz« Defizttrechmmg beruht also auf der geichätzten Durch- schnittszahl von 1,1 Millionen Arbeitslosen für die kommenden Jahr«. Die Sozialdemotratte hat nochweisen können, daß die durch- schnitttich« Arbeitslos« nzisfer von 1924 bis 1928 nur 853 000 be» tragen hat, also bei einer Schätzung von 1 Million Arbeitslosen immer noch eine statttich« Reserve vorgesehen sit. Legt man dies« Durchschnittszohl zugrunde, so ergibt sich folgende Berechnung: Jährliche Ausgaben: 1 Mill. Arbeitslos«, 1X85X12, vermindert um 3 Millionen............. 1 017 Mill. Mk. Jährliche Beitragseinnahmen...... 840.. Defiztt 177 Mill. Mk. Dieser Fehlbetrag von 177 Millionen Mark vermindert sich durch die ssprozentige Beitragserhöhung um 140 Millionen Mark jährlich, jo daß noch 37 Millionen Mark zu decken wären. Dieser Betrag "wird durch di« b>«h«r schon gefaßten Beschlüsse des Reichstagsaus- schusie», die über 00 Millionen Ersparnisse bringen, reichlich gedeckt. Dabei sind die Ersparnisse, wie sie durch die Beseitigung der Miß- bränch« eintreten müssen, noch nicht einmal mit in Rechnung g«> stellt, so daß noch«in« weiter« Reserve zur versüglmg steht! Der Reichstag wird nunmehr im Plenum in offener Feldschlacht zu entscheiden haben. Ein« Mehrhettsbildung mit der Sozialdemokratie ist nur unter Verzicht auf den allgemeinen Leistungsabbau möglich. Wer da» Zustande- kommen des Reformwerke» ernstlich wünscht, muß auch mit dieser wiederholt bekundeten einmütigen Auffassung der soziakdemokra- tischen Reichstogsfroktton rechnen. Schober gewählt. Hainisch Handelsminister. Wie», 26. September.(Eigenbericht.) Der Nationalrat wählte am Donnerstag«ach» mittag mit 88 gegen 64 Stimme» der Sozialdemokratie die Regierung Schober nach den Vorschlägen des Hanptansschnsses. Di« Regiernug hat folgende Znsammensetzung: Bundes- kanzler Schober. Vizekanzler und Minister siir das Heerwesen B a« g o i«» Justizminister der bisherige Justizminister Dr. Slama, Minister für soziale ver- waltung. Universttätsprofessor Theodor I» nitzer, Minister für Land- und Forstwirtschaft der bisherige Minister Foedermehr, Minister für Handel und Ber- kehr der frühere Bundespräsident Hainisch. Innen» minister der bisherige Vizekanzler Schnmh. Mit der Leitung der Ministerien für Finanze»«ud Unterricht wurde einstweilen Bundeskanzler Schober beanftragt. Am Freitag vormittag um 11 Uhr tritt der Rational» rat zur Entgegennahme der RegiernagS- erklärnng zusammen. « Di« Ernennung des früheren öfterreichtschea Bundes- Präsidenten Michael Hainisch zum Handelsminister ist dt« einzige und nicht unerfreuliche Ueberraschung dieser Kabinettsbildung. Denn als österreichisches Staatsoberhaupt hat Hainisch, der stets das Vertrauen auch unserer Genossen besaß, sieben Jahre lang und unparteiisch amtiert und er wäre auch mit den Stimmen der Sozialdemokraten wiedergewählt worden, wenn nicht S e i p« l diese abermalige Kandidatur vereitett hätte. Insofern ist die Rückkehr von Hainisch in die akttve Politik als ein« Konzession Schobers an die Gefühle der Sozialdemokratie und zugleich als«ine Spitze gegen Seipel anzusehen. Für di« Heimwehrbewegung bedeutet der Name Hainisch auf der Schoberschen Ministerliste jedenfalls eine schwer« Enttäuschung, denn er bildet«ine Garantie für Verfassungstreue. Heimwehr abgeblitzt. Lm Donnerstag mittag hatte der Helmwehrführer Steiöl« ein« Unterredung mit Schober, dem bald danach vom rechten Flügel der Christgchsozialen das Ansinnen gestellt wurde, einen Vertreter der Heimwehrbewegung, z. 58. den Grazer Ingenieur A r b e s s e r, in fem Kabinett aufzunehmen. Schober lehnte diese Zu- mutong ab. sSester« Meldung«« steh« 2. Seite.) Postscheckkonto: Berlin Z7 638,— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten nnd Beamten, Wallftr. 00. Ditkonto-Gesellschast, Depositenkasie Liudenstr. S. Oer Tag der Städte. Die Kongresse in Krankfurt. Von Obordürgorinvtstar Beims-Magdebarg. Die Jahreshauptversammlungen der beiden großen Bereinigungen deutscherStädte, der Deutsche S t ä d t« t a g und der damit verbundene Preußische S t ä d t e t a g werden Freitag und Sonnabend in Frankfurt am Main stattfinden. Wer unbeeinflußt von dem jahrelangen Geschrei der Par» teien und gewisser Teile der Privatwirtschaft den Gang der Dinge in deutschen Städten miterlebte, wird diesen Tagungen immer erhöhtes Interesse entgegenbringen. Denn sie ver- walten nicht nur die Allgemeininteresscn von 26 Millionen Menschen, sondern sie sind auch die Verwaltungskörper, auf deren Schullern alle die großen sozialen Pflichten, die kultu- rellen Belange der Nation liegen. Sie waren und sind nicht nur die untersten Verwaltungskörper, sondern auch kultu- r e l l e K r a f t z e n t r e n, die für das Gesamtleben des Volkes entscheidende Bedeutung haben. Vielleicht erklärt sich daraus ein Teil jener übelwollenden Aufmerksamkeit, die gewisse Kresse den Städten allgemein und unter ihnen besonders den Großstädten entgegenbringen. Es ist nicht neu, vom„Sündenbabel Berlin' zu reden: Jahr» zehnte der Vorkriegszeit brachten solche Kritiken an der„Ver- derbtheit' der großen Kulturstädte,— wo einige Auswüchse der menschlichen Seele sich offenkundiger zeigen als in dem verschwiegenen Sündenpfuhl ländlicher Schlösser. Vergleicht man heute die Stellung der Reaktion zu den Städten mit jener Vorkriegszeit, so hat sich nur insofern etwas geändert, als jene Kräfte weit lauter, anmaßender und gewiß nicht klüg« r geworden sind. Und das erklärt sich aus der hemmungslosen Opposition der ehemals allein Herr- schenden Klasse, die heute behauptet, an allen Zeitübeln sei nur die Demokratie schuld, nicht aber ihre eigene Unfähigkeit und ihre irrsinnig ubersteigerte Herrschsucht. Man darf im Lager der Reaktion niemals zugeben, daß der von ihr ge- wünschte Weltkrieg mit zwingender Gewalt die unge- heuren politsschen und sozialen Umwälzungen bringen mußte, die das heutige Leben der europässchen Völker durchdringen und neugestalten. Di« Angriffe der Städtegegner richten sich gegen die hohen lokalen Steuern, gegen die wirtschaftliche B e t ä t i- gung der Gemeinden und gegen die große Aktivität der Städteführung bei dem Wiederaufbau. Aber das ist nicht alles. Die Entschlußfähigkeit d e r S« l b st v e r w a l t u n g ist das anstößige. Das Nächst- liegende ist die Forderung, die Kommunen an die Kandare zu nehmen. Und das findet ein freudiges Echo in der Bureaukratte der Länder. So ist der Abbau der Selbstverwaltungsrechte eingetreten. An ihrer Stelle schwollen die Aufsichtsorgane unförmlich an und der Leerlauf in den Verwaltungen nahm bedenklichen Umfang an. Gleich- zellig wurden di« Verwaltungsaufgaben der Gemeinden durch die Gesetzgebung außerordentlich vermehrt und die F i n a n- zierung dem Zufall überlassen. Die Quälereien wurden zahllos und die Verwaltung stark verteuert. Das sind die nüchternen Ergebnisse dieser Kampagne. Hat nun die euzeit eine Vermehrung der städtischen wirt- schafflichen Regiebetriebe gebracht, gegen die der Haß sich richtet? Wir sehen das nicht: vielmehr muß heute leider «in Abbau der Regiebetriebe festgesjellt werden und die Zunahme gemischtwirtschaftlicher Unter- nehmungen sst zweifellos. Wer sehen will, kann leicht feststellen, daß ohne die Ueberschüsse der städtischen Regie- betriebe die kommunalen Steuern erheblich erhöht oder die Ausgaben gesenkt werden müßten. Diese Senkung der Ausgabe« wird ja auch empfohlen. Dabei nennt man meistens nur die aus An- leihen errichteten Bauten, die doch so wenig bedeuten. In Wirklichkeit will man aber den sozialen und kultu- rellen Einrichtungen an den Leib; die Demokratie ist der Reaktion zu soziall D as ist der Kern der Feindselig- keiten. Zu diesem Zweck holt man alte vor andert'oalb Jahr- Hunderten abgetane Theorien aus Staub und Asche hervor. Danach sollen die Städte nur die Nachtwächterrolle einer„freien' Wirtschaft übernehmen. Das„Laisne- faire, laissez aller' einer versunkenen Zeit, die nichts kannte als di« nackte Geldmacherei auf dem Rücken der arbeitenden Klassen, ist wieder zum Wirtschastsideal erhoben. Staat und Gemeinde haben bei dem grausamen Spiel nur zuzusehen, daß dem Kapital freiester Spielraum gegeben wird. Alles nun, womit Geld zu verdienen ist, das bleibt der freien Wirsschaft vorbehalten. Die Folgen übernimmt der Besitzlose. Um ihn hat sich niemand zu kümmern. Diejenigen, für die der Tisch des Lebens nicht gedeckt ist, mögen sehen, wo sie bleiben.— Daß man solche Ideengänge heute ernsthaft propagieren kann, beweist die sozialpolitische Verworrenheit gewisser Wirtschafts führer. Als einstmals ein Bürgermeister verlangte, man möge seiner Stadt helfen, über das furchtbare Elend der überaus starken Erwerbslosigkeit durch Kredit- gewährung hinwegzukommen, well sonst Unruhen unaos- Endkampf im Michsiag. Oer Kampf um die Arbeitslosen. bleiblich seien, wurde ihm gesagt, es sei gleichgültig, ob die All/;uo:elen bei den Unruhen umkämen oder langsam ver- hungerten! Und als ein anderer für die Kabelerneue- rung des Elektrizitätswerkes Kredite anforderte, wurde geantwortet, er solle seine WcrkeandiePrivat- Wirtschaft ver kaufen, dann brauche er keine An- leihen! Ein andermal sprach man offen aus, daß der W o h n- bau nicht Sache der Gemeinden, sondern der Privatwirtschaft sei. Man solle die Mieten in Altwohnungen so erhöhen, dafj der Bau neuer Wohnungen rentabel würde, dann wäre der Wohnungsmangel sofort behoben. Bor allem aber müsse die Zwangswirtschaft abgebaut werden. Daß dann die Lohnforderungen nicht ausbleiben können, wird nicht be- stritten: ober wenn einmal erst alle die gesetzlichen Schranken zum Schutze der Arbeit gefallen sind, dann wird man schon damit fert-g werden. Das find Proben antisozialer Zeitströmun- gen, die die eng« Verbundenheit der Kommu- n a l w i r t s ch a f t unserer Zeit mit den sozialen Be- dürfnissen des Volkes klar aufzeigen. Würden sie auch in den Parteien überall erkannt, so müßte auf die Gesetz- gebung ein starker Druck erfolgen, diese wichtigsten Vermal- tungsorgane in den Stand zu setzen, ihren Aufgaben gerecht zu werden. Darum müssen diese Fragen in Frankfurt erneut besprochen und dabei müssen mit möglichster Eindeutigkeit die Probleme aufgedeckt werden. Es ist nicht nur ein wesentlicher Teil politischer Zeitfragen, was in diesen Dingen steckt; es ist auch ein Stück wichtigster sozialer Arbeit, die ver- richtet wird. Die Gemeinde steht in unmittelbarer täglicher Fühlung mit allen Interessen und allen Klassen der Beoölke- rung. Sie hat daher auch alle Krisen unmittelbar zu spüren. Und sie hat die große Aufgabe, sie auf allen kulturellen Ge- bieten zu bewältigen. Dazu gebraucht sie neben den finanzi- ellen Mitteln auch das Verständnis der Beoölke- rung. Die Gemeinde von heute ist weit mehr als je zuvor der Apparat, der das Zusammenleben der Bürger in jeder Beziehung beeinflußt und bestimmt. Es liegt auf der Hand, daß diese Institution mehr ist, als ein Versuchskaninchen für vrivatwirtschaftliche Anatomiter. Es ist Zeit, die Bedeutung der unteren Berwaltungskörper zu betonen, denn der Schaden, der sich aus der Vernachlässigung der Gemeinden ergibt, trifft vor allem die Besitzlosen. Oer Dfctchsfinanzminifler an der Teilnahme verhindert. Der Reichsmini st er der Finanzen Dr. Hilferding hat an das Präsidium des Deutschen Städtetages in Frankfurt a. M. folgendes Telegramm gesandt: Meine feste Absicht, an Frankfurter Verhandlungen Deutschen Städtetages teilzunehmen und über aktuelle Fragen deutscher Finanzpolitik zu sprechen, oermag ich zu schmerzlichem Bedauern nicht zu erfüllen. Rückkehr des Reichskanzlers und po. li tisch« Lage erfordern Verhandlungen von großer finanz- politischer Trogweite, die meine Anwesenheit zu unbedingter Rot- wcndigkeit machen. Au» gleichem Grunde muh Staatssekretär �r. Popitz Frankfurter Verhandlungen fernbleiben. Mit meiner Vertretung ist Ministerialdirektor Dr. Zarden beaustragt Unter ernsuter Versicherung aufrichtigsten Bebaue rirs, der mir als Reichs- rnanzminister gerade jetzt so wichtigen Frankfurter Stäk!:tagung nicht beiwohnen zu können, wünsche ich den Verhandlungen besten Verlauf. Das neue Kabinett Schober. Die Minister vereidigt. Wien. 26. September. Bundespräsident Mitlas hat die Vereidigung der in Wien anwesenden Mitglieder der neuen Regierung noch in vor- gerückter Zlbendstunde vorgenommen. Wird der Kinanzminister aus Amerika geholt? Wien. 26. September. Wie verlautet, ist für den Posten des Finanzministers der Uiliversitätsprofessor und frühere Finanzminister im Kabinett Lammasch, Dr. Joseph Redlich, für den Posten des Unter- nchtsministers der Umversitätsprofessor Dr. E i s e l s b e r g in Aus- ficht genommen. Bis zur endgültigen Regelung führt p r o o i s o. lisch Bundeskanzler Schober auch die beiden genannten Mini- sterien. Der für das Finanzministerium in Aussicht genommene Univer- sitätsprosessor Dr. Josef Redlich, geb. 1869, war auch im Kabinett Lammasch, in den letzten Tagen der Monarchie, Finanzminister, cr weilt gegenwärtig in Amerika, wohin er vor mehreren Jahren als Professor für Staatsrechtssragen an die Harvard- Universität berufen wurde. Ob er die Berufung annimmt, ist nach fraglich. Gaarverhandlungen gegen 20. Okiober Interne Beratungen in Paris. Pari», 26. September.(Eigenbericht.) Die zur Vorbereitung der deutsch-sranzösischen Saarverhandlungen gebildete französische Ministerial. Kommission ist am Donnerstag im Ouoy d'Orsay zu einer ersten jedoch rein geschästsordnungsmäßigen Sitzung zusammengetreten. Der Generalinspektor des Grubenwesen» im Ministerium für öffentliche Arbeiten Fontaine wurde zum Führer der französischen Delegation bestimmt. Die Verhandlungen dürften, wie hier verlautet, um den 29. Oktober herum beginnen. Oer Shearer-Ekandal. Neue Enthüllungen.- Sin Seheimbrief an Lloyd George. Washington, 26 September.(Eigenbericht.) Am Montag soll da»„britische Geheimdokument". da» im Verlause der Untersuchung der Senatskom.nission über das Flottenbauprogramm eine große Rolle spielt, anläßlich der Vernch. mung Shearers bekanntgegeben werden. Das Dotumem soll u. a. cinen angeblich vom Juni datierten Brief eine» tonseroa» tiocn Ministers an Lloyd George enthalten, der a u ß e r- ordentlich scharf« Ausdrücke gegen Amerika enthält. Man befürchtet, daß der bevorstehende Besuch Macdonald« durch die Bekanntgabe dieses Briefes eine gewisse Trübung erfährt. vor seiner Reise nach Washington, die er am Freitag antritt, batte Macdvnald noch ein« längere Unterredung mit Botschafter D a w e». Mektorenstolz vor Oer lehte Grund d Die ersten Zeugenvernehmungen des Preußischen Untersuchungs- ausfchusies in der Raiffeisensache sind, wiewohl sie nur die Beamten der Preußenkass« und noch nicht die eigentlichen Schuldigen vom Raiffeisenverbano umfaßten, bereits»ußerordentlich auf- f ch l u h r e i ch gewesen. Die Hintergründe des 69-Million«n-Verlustes beginnen sich abzuzeichnen. Sehr wesentlich war ein« Erklärung, die am Schluß der Donnerstagvormittagssitzung der jetzige PräsideM Klepper von der Preußenkasse abgab. Hätte im Jahre 1924 bei Eingehung des Kreditengagements die Preußenkasie von der Raiffeifenbank Aus- schließlichkeit der G e s ch ä f t s b ez i e h u n g e n ge- fordert, so wäre es der Raiffeifenbank unmöglich gewesen, von anderen Geldinstituten noch Nebenkredite aufzunehmen und mit ihnen ihre dunklen Spekulationsgeschäfte zu finanzieren. Es wären dann natürlich auch die aus diesen Spekulationsgeschäften entstandenen Riesenverluste ausgeblieben. Di« Aus- schließlichkeitserklärung war aber Anfang 1924 von der Raiffeisen- kasie zu haben, weil damals mit der Kreditgewährung der Preußen- lasse kein anderes staatliches oder privates Institut konkurrieren konnte. Die Ratffeisenbank wäre gezwungen gewesen, die verlangte Erklärung abzugeben, wenn die Preußenkasse. sie gefordert hätte. Der für die Unterlassung verantwortliche frühere Präsident Semver suchte vergeblich gegen diese Darlegung Stichhaltiges vorzubringen. Seine irrig« Anschauung, daß die Verlust« der Ratffeisenbank größtenteils bereits vor der Kreditgewährung von 1924, nämlich während der Inflationszeit entstanden wäre, wurde sofort an Hand der Akten als irrig widerlegt. Schließlich ergab sich, daß Semver vom Präsidenten Dietrich nicht nur hinsichtlich der Höhe der Verluste, sondern auch hinsichtlich ihres Ursprungs gröblich getäuscht worden war. Es scheint eben, daß sich Semver van der Raiffeisenbank und namentlich von ihrem Var- sitzenden, dem deutschnationalen Reichstagsvizepräsidenten Dietrich viel zu sehr hat imponieren lassen. Gewiß glaubt es Herrn Semoer jedermann, wenn er auf eine Anfrage des Vorsitzenden Deerberg mit Entrüstung jeden Verdacht zurückwies, als ob ihn gesellschaftliche oder freundschaftliche Beziehung zu Dietrich zu einer Verletzung seiner Amtspflicht verleitet hätten. Wir behaupten das ganz gewiß nicht. Aber die Sache war so: Präsident Semver war geblendet von den deutschnakionalcn JührerpersönNchkeiten, die nach außen hin das Raiffeisenlnstlwl rcpräsenklerten. Im blinden Vertrauen auf einen Dietrich, auf einen S e e l- Femeprozeß Eckermann. Am Freitag vor Dem Schweriner Schwurgericht. Vor dem Schweriner Schwurgericht beginnt am Freitag, dem 27. d. M., die Verhandlung gegen den wegen Anstiftung zum Morde angeklagten früheren Oberleutnant z. S. und jetzigen Kauf- mann Richard Eckermann, der jetzt im 39. Lebensjahr steht. Die Anklag« legt ihm zur Last, Mitte Dezember 1923 in Schwerin als stellvertretender Leiter des dortigen Kommandos der Schwarzen Reichswehr den früheren Feldschutzbeamten und Feldwebel in der Schwarzen Reichswehr B e l t durch Ueberredung zum Mord be- stimmt zu haben, indem er ihm den Austrag erteilt«, den seiner Ansicht nach in französischen Diensten stehenden Spion Fritz Beyer zu erschießen, was dieser dann auch in der Rachr vom 15. zum 16. Dezember in der Nähe des Dorfes Mecklenburg bei Wismar getan hat. Beit wurde deswegen Anfang Dezember 1925 zur Todesstrafe verurteilt, die in lebenslängliches Zuchthaus und später in eine Gefängnisstrafe von IM Jahren umgewandelt worden ist; den Rest der Strafe hat das neue mecklenburgische Staatsministerium im Gnadenwege erlassen. „ Es handelt sich hier wieder um einen„Feme'-prozeß. Eckermann war nach feinem Ausscheiden aus der Marin« und vorüber- gehender kaufmännischer Tätigkeit bei einer Großbank zur Schwarzen Reichswehr übergetreten und kam nach dem Zusammen- bruch des Kirstriner Putfches mit dem Bataillon v.'Senden nach Schwerin. Dieses stand unter der Leitung des Oberleutnants v. P a n n w i'tz, dessen Adjutant Eckennann war— Kurz« Zeit nach der Erschießung Beyers ging Eckermann ins Ausland, und zwar zunächst nach Mexiko und von dort nach Guatemala. Dort erfolgte am 18. Mai 1928 seine Verhaftung. Oer schimpfende Mörderfreund. „Viehische Gemeinheit" und Fememörder.. vor dem Schöfsengerichk Verlin- INitle fand gestern die verhand- lung gegen den Vorsitzenden der nolionalen Rokhilfe v. Oppen- Tornow stakt. Er war angeklagt, den Oberstaatsanwalt Sethe und den Stootsanwaltschastsrat Ceffer öffentlich beleidigt zu haben. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe in höhe non 600 Mark, im Richteintrelbnngssalle zu 12 Tagen Gefängnis. » Rittergutsbesitzer und Rittmeister o. D. von Opp«n-Tornon> ist Dorsitzenber der sogenannten Nationalen Nothilf« und bezeichnet sich als Beauftragten„der als sogenannten Fememörder verurteilten alten Soldaten". In dieser Eigenschaft bereiste er Deutschland, um für die Fememörder Stimmung zu machen und beschimpfte in allen Ton- arten den preußischen Justizminister und die Staatsanwaltschaft Land- gerichi III, die das Urlaubsgesuch des zum Tode verurteilt«» und später zu 7� Jahren Gefängnis begnadigten Femeleutnants Fuhrmann. denseine angeblich erblinde!« Mutter noch einmal sehen wollte, abgelehnt hatte. Er nannte diese Handlung des in Frage kommenden Ober- staatsanwalts Sethe und Staatsanwaltschastsrots Lesser in einer Bersammlung in Freienwald« am 17. Februar dieses Jahres „viehische Gemeinheit". Ungeachtet dessen, daß gegen ihn wegen dieses Ausdrucks ein Strafverfahren eröffnet wurde, wieder- holte er denselben in verschiedenen Versammlungen und soll das gleiche unter anderem auch im Zirkus Busch am 29. Juli getan haben. Bor dem erweiterten Schösfengericht Berlin-Mitte erschien der Vorsitzeittie der Nationalen Nothilse in Begleiwng des von den Fememordprozcssen bekannten Rechtsanwalts Dr. Goltz. Er er- klärte den beleidigenden Ausdruck„viehilche Gemeinheit" bewußt gewählt zu haben in der Absicht, ein Strafverfahren gegen sich herauf- zubeschwören. Herr von Oppen-Tornow hatte während seiner Anwesenheit in Bremen Prof. Grunert, dem Bruder der Frau Fuhrmann, empfohlen, daß sowohl sie als auch der verurteilte Sohn ein Gesuch an das Ministerium etnreichen mögen mit der Bitte, dem letzteren vierzehn- IMchnaiionalen. s Raiffeifenkrachs. mann unterließ er es, ja wagte er es nicht einmal, die Forderung der Ausschließlichkeit der Krediientnahm« bei der Preußenbank gegen die Raisfeisenbank zu stellen. Aus dem gleichen Grund« unterließ er eine Reihe anderer notwendiger Sicherungen, unterließ er vor allem auch die— wie Klepper mit Recht betonte so überaus notwendig« Revision der Raiffeifenbank. Herr Dietrich aber. Vizepräsident des Deutschen Reichstags, hat das blinde Vertrauen Semvers damit gelohnt, daß er ihn, wie Semver heule entrüstet zugeben muß, in der unerhörtesten Weise hinters Licht führte. Im weiteren Verlauf der Sitzung zerstob noch e'ne Semver- sch« Illusion: daß nämlich die Raifseisenbank mit Hilfe des Ueberbrückungskredites sanierbar gewesen wäre. An Hand harter nüchterner Zahlen wies der jetzige Referent Direktor Siedersleben das Gegenteil nach. Der Gewinn von 1,5 Millionen jährlich, den dl« Raisfeisenbank sich errechnet habe, und der an sich schon nicht zur Abdeckung des Ueberbrückungskredites von 49 Millionen aus- reichend gewesen sei, erweise sich bei Licht als ein Berlust von mehr als einer Million jährlich. Die Bürgschaften der Genossenschafter für die 49 Millionen seien erst 1938 fällig gewesen, bis dahin würden die zahlungsfähigen Genossenschafter wahrscheinlich abge- wandert sein, wenn dies Damoklesschwert der Bürgschaft über ihnen hängen geblieben wäre. Alle theoretischen Erwägungen über die Tragbarkeit dieser Bürgschaften scheitern an der harten Tatsache, daß schon die Realisierung von 29 Millionen durch Abschreibungen des Aktienkapitals bei mehr als 4999 angeschlossenen Verbänden be- sonder« Stützungsaktionen notwendig gemacht hat. So blieb nicht» anderes übrig, als die Raisfeisenbank zu liquidieren und aus den das Aktienkapital überschießenden Teil der Lürgschasten zu verzichken. Am Schluß der Sitzung gab es eine Komödie: ein deutsch- national-kommunistischer Antrag verlangte einen zweiten Be- r i ch t e r st a t t e r. Da einig« Vertreter der Linksparteien sich schon entfernt hatten, wurde dieser Antrag angenommen. Aber bei der Bestimmung der Person des zweiten Berichterstatters ging die deutschnational-kommunistifche Koalition in die Brüche, da jede Gruppe natürlich aus ihren Reihen den Berichterstatter stellen wollte. Sowohl der D eu t s ch n a t i o n a l e Becker wie der Kommu, n i st R a u kandidierten, aber der ein« wurde mit 19 gegen 19. der andere mit 4 gegen 19 Stimmen abgelehnt, so daß ein zweiter Berichterstatter einstweilen nicht vorhanden ist. Am Dienstag, dem 1. Oktober, setzt der Ausschuß die Zeugen- verhehmungcn fort, und zwar werden die ehemaligen Direktoren der Raisfeisenbank, in erster Linie Herr Dietrich, Prenzlau. vernommen werden. tägigen Urlaub zu gewähren. Der Justizminister übersandte beide Gesuche an die Generalstaatsonwaltschaft und diese übermittelte sie der Staatsanwaltschaft III. Staatsonwaltschastsrat Lesser äußerte sich dahin, daß ein Urlaub nicht gewährt werden könnte, da die Erfahrung gelehrt habe, daß die Fememörder allzu gern ins Ausland entschlüpstsn und ihnen zu diesem Zwecke auch reichliche Mittel zur Verfügung ständen. Diese Ablehnung des Urlaubsgesuches hatte v. Oppen-Tornow als„viehische Gemeinheit" bezeichnet. Er wieder- holte diesen Ausdruck, obgleich die Staatsanwaltschaft bereits ang LI. März im Anschluß an einen Brief des Reichstagsabgeordneten Eynern sich bereit erklärt habe, Fuhrmann in dos Bremer Gefängnis zu überführen, damit seine Mutter ihn hier besuchen könne. Früher hätte davon keine Rede sein können, da Frau Fuhrmann die ganze Zeit über bettlägerig gewesen war. Frau Fuhrmann erhielt die Möglichkeit. 14 Tag« hintereinander ihren Sohn ju besuchen und bedankte sich dafür schrift- lich beim Justizministerium. Ungeachtet besten erklärte der Angeklagte v. Oppen-Tornow selbst gestern noch, daß er den Aus- druck„viehische Gemeinheit" nicht zurücknehme! Das Gericht oerurteilte den Angeklagten wegen öffentlicher Beleidigung in einem Fall, und zwar wegen der Rede in Freienwalde, zu 699 Mark Geldstrafe oder Hilfsweife zu 12 Tagen Ge» sängnis. Eine kleine Bombe. Die neueste rechtsradikale Mode. Der katholische„Bayerische Kurier" in München hatte es gewagt, sich etwas über Herrn Ludendorff und seine neuesten geistigen Produkte lustig zu machen. Daraufhin erhielt er aus Berlin das folgende Schreiben: „Sie hetzen gegen unseren großen preußischen Führer Ex» «llenz Ludendorff. Das wird Ihnen noch in diesem Jahr mit einer kleinen Bombe heimgezahlt. Der dazu Auserwählte. Mögen alle ultramontanen bayerischen Schwein« oerrecken. Das walte Gott. Hoch Deutschland, hoch Preußen! Hoch die Monarchie!" Die„kleine Bombe" scheint in den nationalistischen Kreisen die neueste Mode zu sein. Wenn sie dann wirklich platzt, will man von ihr nichts gewußt haben. Severins und die preffa. Ausstellungen und ihr Ergebnis. Köln, 26. September.(Eigenbericht') In einer anläßlich der Eröffnung der Magdeburger Sportaus st«llung gehaltenen Red« hat Reichsinnenminister Severing die deutschen Städte zu alleräußerster Sparsamkeit ermahnt und u. a. auf das Defizit der P r« s s e a u s st e l l u n g in Köln verwiesen. Auf Grund dieser Ausführungen wendet sich jetzt di« Kölner bürgerliche Presse und di« Stadtverwaltung gegen den Reichsinnenminister. Er wird der Inkonsequenz geziehen. weil er im vorigen Jahr am Schluß der Presia in einer Rede dem Erfolg der Presse Lob gespendet hat. Als Severing di« Schlußrede auf der Preffa hielt, lag das finanzielle Endergebnis dieser Aus- ftellung noch gar nicht vor. Im anderen Falle würde er damals wahrscheinlich anders geredet haben. In Erwiderung auf die Be- hauptungen der Stadtverwaltung, nach denen die Presto in Einnahm« und Slusgabe mit rund 7 Millionen Mark balanc'ttt, ist schließlich folgendes zu sagen: Wenn man die Amortisation der großen rechts. rheinischen Museums- und Messe bauten, in denen die Pressa unter. gebracht war. außer acht laßt, dann allerdings kalten sich die Sin- nahmen und Ausgaben der Presto ungefähr die Waage. Daß es sich aber bei den Ausstellungsbauten um einen Zinsendienst von 29 Millionen Mark handelt und die Amortisationspstjcht bei dem Zinsfuß der Stadthauptkaste in die Millionen geht, sagt man nicht. Woldemaras klagt— über Zensur! Antifaschistischer Sturz der neuen Regierung? Sowno. 26. September. Bei dem Presseempfang des Ministerpräsidenten T u b e l i s riefen Bemerkungen, die der Vertreter des.T a u t o s Kellas" an den Ministerpräsidenten richtete, großes Aufsehen hervor. Der „Tautos Kellas" ist das Organ der f a s ch i st i s ch e n Elemente, unter denen der ausgeschiedene Ministerpräsident Woldemaras befon- ders starken Anhang hatte. Der Vertreter des„Tautos Kelias", der bisher schreiben konnte,»as er wollte, beklagte sich dem Minister- Präsidenten gegenüber, daß der„Toutos Kellas" plötzlich unter schärfste Zensur gestellt worden wäre. Eine Anzahl von Telegrammen, die Sympathiekundgebungen für Wolde- maras enthielten und an das Blatt gerichtet waren, wurden auf Verfügung des Jimenministers vom Telegraphenamt einfach nicht weitergeleitet. Auch konnten an den Staatspräsidenten gerichtete Telegramme, in denen dos weitere Verbleiben Woldemaras''gefor- dert wurde, nicht veröffentlicht werden. Der Ministerpräsident erwiderte hierauf, daß ihm von derartigen Vorgängen nichts bekannt fei. Die Ausführungen des Vertreters de« ..Tautos Kellas" bestätigen die Meldungen, daß gegen die fafchifti- schen Elemente in Litauen, die mit Hilfe des früheren Minister- Präsidenten Woldemaras planmäßig organisiert wurden, mit aller Schärfe vorgegangen wird, um die Gefahr eines Putsche? zu beseitigen. Wie verlautet, sind seitens des Innen-■ nnnisters alle Vorkehrungen getroffen worden, um etwaigen geplan- ten Ueberraschungen vorzubeugen. *>cr Berliner Gesandte wird Außenminister. Sowno, 26. September.(Ngenbericht.) Da» Organ der christlichen Demokraten meldet, daß die Er- nennung des litauischen Gescmdten in Berlin, Eidzikaustas, zum Außenminister bevorstehe. Woldemaras habe sich am Mittwoch von den Beamten der bisher von ihm verwalteten Ministe- rien verabschiedet und werde voraussichtlich eine längere Italienreise antreten. Reue Anklagenote Moskaus an China. Wegen Beschießungen und lleberfällen. Di« Sowjet-Regierung hat durch deutsche Vermittlung eine neuescharfeProtestnoteandie Regierungen in N a n k i n g und M u kden überreichen lassen, in der abermals über Usberfälle und Beunruhigungen von Sowjetbürgern und-truppen durch Weißgardisten und Chinesen Klag« geführt wird. Es werden darin 28 Einzelfälle vorgebracht. Die Note schließt mit den Worten: „Wie au» den erwähnten Tatsachen erhellt, ist die Nankinger Regierung wie auch die Mukdener Regierung nicht gewillt und hält es nicht für nötig, angemessene Maßnahmen zu irefsen zur Einstellung der verbrecherischen Tätigkeit ihrer örtlichen Behörden smoi« der im Austrage dieser Behörden handelnden chinesischen Truppen und Weißgardistentrupps. In Anbetrocht dessen bleibt der Sowjetregierung nichts übrig, als zu bestätigen, daß die gesamte Verantwortung für die geschaffene Lag« und für etwaig« weitere Folgen wie auch für den in der Sowjetgrenzzone verursachten Schaden voll und ganz der Nankinger und der Mukdener Regierung zufällt und daß das Sowjetmilitärkommando auch fernerhin ge- zwangen fein wird, olle nötigen Maßnahmen zu er- greifen zum Kampfe gegen die erwähnten Vorfälle und zu deren Abwendung in der Zukunft.". Bekanntlich erhebt ebenso häufig und kategorisch die Nankinger Regierung ähnlich« Anklagen gegen die Sowjetunion, die durch Truppen und Flieger chinesische Ortschaften, Bahnhöfe usw. be- schießen lasse. Kommunistischer Kabrikdirektor läßt Arbeiter- korrespondenten ermorden. Wer Witt alie Gewehre kaufen? In Paris werden sie versteigeri. Pari». 26. September.(Eigenbericht.) Das französische Kriegsministerium kündigt durch öffentliche Ausschreibung die Versteigerung zahlreicher alter Waffen an. Es sollen versteigert werden: 2674 Karabiner, 33859 Gewehre, 13 560 Gewehrläufe, 40 000 Seitengewehre und 10 200 Säbel, dazu noch 18 Millionen Schuß Munition. All« Waffen stammen aus dep Jahren 1866 bis 1874. Die gesamte Presse protestiert„gegen den verbrecherischen Leichtsinn" des Kriegsministeriums. Interesse an den Waffen hätten nur die terroristischen Organisationen auf der äußer- sten Linken und Rechten. Außerdem bestände die Gefahr, daß die unruhigen Elemente in den srangösischen Kolonien mit den Waffen ausgerüstet werden könnten. Linke poale Zion aufgelöst. Die kommunistische Zionistenorganisation. / Jerusalem, 26. September.(ITA.) Der Distriktkommissar von Jaffa hat die Auflösung der linken Arbeiterpartei P o a l e Zion verfügt. E» handelt sich um den kommunistischen Flügel der Poale-Zion-Bewegung. der der Moskauer Internationale ange- Woge« ist. Da» Auflüfungsdekret kommt ihr wohl sehr zustatten, denn da Moskau entschieden Partei für die Araber gegen die „imperialistische" zionistisch« Bewegung ergriffen hatte, machten die kommunistischen Zionssten in Palästina ein« schwere Krise durch. Slowakische Demonstration gegen Prag Tuka als Spitzenkandidat aufgestellt. Prag, 26. September.(Eigenbericht.) Die slowakisch« Volkspartei(bisher der Koalitionsregierung angehörend) beschloß am Mittwoch, den Abgeordneten Dr. Tuka, besten Hochverratsprozeß bisher noch nicht beendet ist, im Wahlkreis Kafchau in der Ostslowakei bei den kommenden Parlamentswahlen als Spitzenkandidat aufzustellen. Reichskanzler Hermann Müller und Außenminister Strese- mann sind am Donnerstag in Verlin wieder eingetroffen. Die deutsche Völterbundsdelegation trifft am Frcita� nachmittag ein. — Entgegen Aeitungsmeldungen wird von zustandiger Stelle er- klärt, daß am Freitag noch keine Kabinetsfitzung stattfinden wird. da sich der Reichskanzler erst über olle wichtigen Punkte berichten lassen muß. Kuhsladeu.Slodler abermals verurteilt. Wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz(Beschimpfung der Republik) wurde vom Schöfsengericht Halle der Schriftsteller Dr. Stadler aus Berlin zu 300 Mark Celdstrafe verurteilt. Stadler hatte in einem Dortrag in der Hauptpersammlung des Kreislandbundes in Delitzsch über„Die Not Deutschlands" das ihm zugerufene Wort„Kuhfladen" aufgegriffen, dos er schon in einer Versammlung in Massow in Pommern gebraucht hatte. Erste Wirkung. Moskau, 25. September(Ost-Expreß). In der Ziegelfabrik in Staraja Russa ist ein p o l i- t i s ch e r Mord geschehen, der großes Aufsehen erregt. Ermordet wurde der Arbeiter K i r i l l o w, der sich als„Robkor" (Arbeiterkorrespondent) eines Sowjetblattes betätigte und verschiedene Enthüllungen über den Direktor der Fabrik Schabochow verösfentlicht hatte. Schabochow, ein Mitglied der Kommunistischen Partei, hat nach Kirillows Enthüllungen Eigentum der ihm anvertrauten staatlichen Fabrik veruntreut, einen schwunghaften Handel mit Privathändlern ge- trieben und zur Verschleierung seiner Unterschlagungen die Bücher gefälscht. Kirillows Angrife richteten sich aber auch gegen die örtliche Parteigruppe, die von den Verbrechen des Direttors wußte, aber nichts unternahm. Um den unbequemen und gefährlichen An- greiser loszuwerden, ließ Schabochow ihn durch mehrer« an seinen Verbrechen beteiligte Personen ermorden. Zu diesen gehört u.a. der Leiter des Fabrikkomitees Stoljarmo, der zur Aufnahme in die Kommunistische Partei vorgeschlagen war. Es steht ein großer Prozeß bevor. Kommunisten-Verhastungett. 3n Bulgarien.— Belastendes Material und Bomben angeblich gesunden. Sofia. 26. September.(Bulgarisch« Telegraphenagentur.) Eine Untersuchung über die Geheimorganisation der Kommunistischen Jugend führte in der Wohnung eines Arbeiters zur Entdeckung von Material des Zentralkomitees der Partei insbesondere eines Schriftwechlels mit der Kommunistifchen Internationale und den Führern der agrar-kommuniftifchen Emigranten, ferner mehrererBom- den. Allrs war in einem besonders hierzu eingerichteten Keller versteckt. Diese Entdeckungen stellen den Erfolg der Ermittlungen dar, die nn Anschluß an die kürzlich vorgenommene Festnahme eines ausgewanderten Verschwörers namens Step Hanoff angestellt wurden, der als Kurier zwischen den Führern der kommunistischen Emigranten in Jugoslawien und dem Zentralkomitee austrat. Man iand in feinem Besitz zahlreiches belastendes Material. Dieser ersten Verhaftung folgte die Festnahme eines Tabakarbeiters namens Karadinoff in Plowdiw, der vor drei Iahrne ausgewandert war und nach längerem Aufenthalt in Rußland und Südflawien kürzlich auf Befehl der Kommunistischen Internationale nach Bul- garien zurückkehrte, um die Leitung des Zentralkomitees der Kom- munistischen Partei zu übernehmen. Die Verschwörer werden dem- nächst dem Gericht zuführt werden. Auf die Thüringer Regierung hat das Hugenbergfche Voltsbegehren bereits große Wirkung gezeitigt. Vom werdenden Gtrafrecht. Hausfriedensbruch/ Rötigung/ Eigenmächtige Heilbehandlung. Der Strafgssetzausfchuß de» Reichstags beriet gestern§ 277 des Entwurfs, der wegen Hausfriedensbruch Gefängnisstrafe demjenigen androht, der in einer Wohnung, einem Geschäftsraum oder einem befriedeten Besitztum, in einem abgeschlossenen Raum. der zum öffentlichen Verkehr bestimmt ist, gegen den Willen des Berechtigten eindringt oder sich, wenn er ohne Befugnis darin weilt, auf die Aufforderung des Berechtigten sich nicht entfernt. Ein sozialdemokratischer Antrag, die angedrohte Gefängnisstrafe bis zu zwei Jahren auf eine Gefängnisstraf« bis zu drei Monaten herabzusetzen, wurde abgelehnt und der Re- gierungsentwurf angenommen. Alsdann wurde 8 278 beraten und angenommen, der Gefängnis- strafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe demjenigen androht, der «inen anderen mit einem Verbrechen bedroht. Eine längere Debatte entfesselten die§§ 279 und 280, die wegen Nötigung und Ehreanökigung demsemgen Gefängnisstrafe b i s zu 5 Iahren androh«, der jemand mit Gewalt oder durch Drohung mtt Gewall oder mit einem Verbrechen oder einem Vergehen zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, oder der jemand durch Drohung mit einer Strafanzeige oder mit der Offenbarung einer Tatsache, die geeignet ist, den Ruf zu gefährden, nötigt, sich einer gegen die guten Sitten oerstoßenden Zumutungen zu fügen. Der Versuch soll straf- bor und in besonders schweren Fällen soll die Strafe Zuchthaus bis zu 5 Jahren sein. Abg. M a r u m(Soz.) wandte sich gegen die zu schweren Straf- androhungen, gegen die Strofbarkeit des Versuches, der Nötigung und vor allem dagegen, daß in besonders schweren Fällen sogar auf Zuchthaus soll erkannt werden können. Er wies daraus hin, daß der Nötigungsparagraph früher in Fällen von Streiks vielfach gegen streikende Arbeiter angewandt worden sei. Solche Fälle sollten für alle Zukunft unmöglich gemacht werden. Bei der Abstimmung wurde bei 8 279„Nötigung" der sozial- demokratische Antrag auf Herabsetzung der Gefängnisstrafe auf 2 Jahre abgelehnt, auch von den beiden Demokraten. Auch der sozialdemokratische Antrag auf Strsichung der Strafbarkeit des Versuchs verfiel bei derselben Stimmverteilung der Ablehnung. Dagegen wurde die Möglichkeit, in besonders schweren Fällen auf Zuchthaus zu erkennen, mit allen Stimmen gegen die der Dentfchnattonalen und der Mirtschastspaptei gestrichen. Bei der Abstimmung über§ 280(Ehrennötigung) wurde der sozialdemokratische Antrag auf Herabsetzung der Gefängnisstraf« mit Stimmengleichheit abgelehnt, aber ebenso auch der Antrag auf An- nähme des Regierungsentwurfs. Infolgedessen ergab sich eine Lücke. Abg. Ehlermann beantragte nunmehr die Wiederherstellung der Regierungsvorlage mit Herabsetzung des Strafmaßes von 5 Iahren auf 2 Jahre. Dieser Antrag wurde a n- genommen. Alsdann wurden die sozialdemokratischen Anträge auf Streichung des Abf. 2 und 3, die die Strafbarkeit des Versuchs und der besonders schweren Fälle vorsah, angenommen. Bei der Abstimmung über den Antrag Ehlermann leisteten sich die Kommunisten ein besonderes Stück. Sie hatten vorher gegen die Gefängnisstrafe von 5 Iahren und für den sozialdemokra- tischen Antrag auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr gestimmt Als dann der Antrag Ehlermann zur Abstimmung gelangte, stimmten sie gegen den Antrag. Infolgedessen wäre der Antrag Ehlermann gefallen und damit die Gefahr der Festsetzung einer fünfjährigen Strafe von neuem entstanden, wenn nicht einige bürgerliche Vertreter mit den Sozialdemokraten für die zweijährige Höchststrafe gestimmt hätten. Von der Vertretung einer Arbeiterpolitik kann da wirtlich nicht mehr die Rede sein. Eine längere Debatte rief Z 281 hervor, der die eigenmächtige Heilbehandlung betrifft. Nach dem Entwurf soll mit Gefängnis bis zu 3 Jahren oder mtt Geldstrafe bestrast werden, wenn jemand einen anderen gegen dessen Willen zu Heilzwecken behandelt. Oder wenn ein approbierter Arzt gegen den Willen einer Schwangeren eine ärztlich gebotene Unterbrechung der Schwangerschaft oder Tötung eines in der Geburt begriffenen Kindes vornimmt. Straflosigkeit soll einst eten, wenn der Behandelnde oder der Arzt nach den Umständen außerstande war. die Einwilligung des Behandelten oder der Schwangeren rechtzeitig einzuholen, ohne ihr Leben oder ihre Ge- fundheit ernstlich zu gefährden. Abg. E m m i n g e r(B. Vp.) erkannte an, daß der Mensch gegen eigenmächtige Eingriste der Aerzte geschützt werden müsse, Er bat aber um Streichung der Bestimmungen über die Schwanger- schaftsunterbrechung, offenbar hauptfächlich deshalb, wsil er nicht wollt«, daß das Gesetz irgendwie eine Schwangerschaftsunterbrechung durch den Arzt anerkenne. Abg. Dr. Moses(Soz.) hielt dagegen den§ 281 für unbedingt erforderlich. Ein Schutz des Kranken gegenüber dem Arzt und vor allem gegenüber dem Kronrenhausarzt ist erforderlich. Aerztliche Widersprüche gegen Z 281 solle man nicht beachten, diese Bestimmungen seien gegenüber der Cxperimentierwut, die in manchen Krankenhäusern herrscht, dringend notwedig. Was wolle der Wille des Kranken im Kranken- Haus besagen, wo doch der Krank« fast wie beim Militär mehr oder minder dem Willen des Krankenhausarztes unterworfen fei. Oft wurden auch Operationen als harmlos hingestellt, um den Patienten geneigt zu machen, sich mit der Operation einverstanden zu erklären: hinterher stellte sich heraus, daß die Operation mit Lebensgefahr oer- Kunden gewesen sei. Vielfach ließen Krankenhausdirektoren Patien- ten schon bei der Aufnahme einen Revers unterschreiben, in welchem sie sich von vornherein und generell mit allen ärztlichen Maßregeln, die ergriffen würden, einverstanden erklären. Wenn ein solcher Revers bindend fein würde, so wäre das zu bedauern. Das würde zu unmöglichen Zuständen führen, die das Gesetz nicht dulden solle. Oberreichsanwalt Ebermayer erwiderte, daß§ 281 die Aufgabe habe, den Patienten zu schützen, als Herr über seinen Körper. Zu den von Dr. Moses vorgetragenen Mißständen fei hervorzuheben, daß ein solcher genereller Revers straflos machen solle. Er würde aber gegen die guten Sitten verstoßen und zu einer Umgehung des § 281 führen. Soweit reiche die Gültigkeit des Reverses nicht. Kragen der Rationalisierung. Entschließung des Holzarbeiterverbandstages. Bremen. 26. September.(Eigenbericht.) Der Berbanbstag der Holzarbeiter nahm am Donnerstag einen Vortrag des Verbandsvorsitzenden Fritz Tornow über„Tat- fachen und Probleme der Rationalisierung" ent- gegen, der den Höhepunkt der Tagung brachte. Tornow unterstrich, daß es sich bei der gegenwärtigen Ratio- nalisierungsbewegung nicht um ein« zufällige, sondern um eine allgemein« Leistungssteigerung handele. Der Holzorbeiterverband untersuche seit Iahren die Rationalisierung in der Holzindustrie. Ganz gewaltige Fortschritte habe die Rationalisierung in den schwedischen Sägewerken ergeben. Heute sei die Arbeits- leistung des schwedischen Sägewerksarbeiters achtmal so groß als die eines bayerischen Arbeiters. Durch die technischen Fortschritte werde der Bedarf an Arbeitern geringer, insbesondere sei eine Entwertung der Leistungen des Kaiharbeiters festzustellen. Im Holzgewerbe mache sich diese Entwicklung durch das An- wachsen der ungelernten und der angelernten Arbeiter bemerkbar. 1882 arbeiteten in Deutschland noch zwei Drittel aller Holzarbeiter, IS2S dagegen nur 21 Proz. ohne Maschinen. Man schätze, daß jede investiert« Pferdestärke in der Holzindustrie mit den an ihr hängenden Arbeitsmoschinen drei bis vier Arbeiter ersetze. Trotz- dem sei die Zahl der Beschästigten in der Holzindustrie in dem in Frage kommenden Zeitraum um 60 Proz. gestiegen. Di« Bewegung erflöre sich zum Teil daraus, daß Kapital angelegt werde, ohne daß es angewandt werden könne. Unrichtig sei es, sich gegen die Rationalisiernng und den technischen Fortschritt zu stemmen. Die Rationalisierung müsse aber volkswirtschaftlich ausgewertet werden. S« müsie den breiten Massen zugute kommen. So gebe es heute bereits kein Arbeitzeitprogramm mehr, das man mit einer be- stimmten Zahl, etwa mit dem Achtstundentag ausdrücken könne. Heute sei bereits eine erhebliche Verringerung der Arbeitszeit möglich, ohne daß man die Produktionsmenge zu senken brauche. Die bestehend« stark« Arbeitslosigkeit erkläre sich durch Kap i t»l- M a n g«l, der auch die Schranke der Arbeitszeitverkürzung sei. Hier müsse das Mittel systematischer Kauskraftpolitik eingesetzt werden. Sie sei die zentrale Frage der Gegenwart. Die Mittel zur Steigerimg der Kauftraft lägen u. a. aus sozialpolitischem und wirtschaftspolitischcm Gebiet. So habe man auf sozialpolitischem Gebiet die Unternehmer gezwungen, die Arbeitslosenbeiträge zu be- zahlen Dazu komme die Tarisoertragsgesetzgebung und das ganz« Schlichtungswesen, das von größtem Einfluß auf die Lohn- bäh« sei. Aus dem Gebiet der Wirtschaftspolitik ergebe sich die Notwendigkeit einer Preisüberwachung. Hier fei feftzu- stellen, daß die Preishöhc durch Kartelle und Trusts gehalten würde und daß trotz Ueberproduktion eine Preissenkung nicht eintrete. Wichtig für die systematische Kaufkraftpolitik seien auch die Mittel der Steuer- und Handelspolitik, die stark zur Hebung der Kaufkraft beitragen könnten. Es hänge von der Macht der Arbeiter- s ch a f t ab, so schloß Tornow seine Ausführungen, ob au» dem Ktach der Rationalisierung ein Segen weiden soll. Der Verbands tag nahm den Vortrag mit großem Beifall entgegen. Dann wurde folgende Entschließung zur Rationali- sierung vorgelegt: „In Uebereinstimmung mit der allgemeinen gewerkschaftlichen Auffassung begrüßt der Derbandstag sede Verbesserung der Produk- tionsverhältnisse als eine Boraussetzung für die Erhöhung des all- gemeinen Lebensstandards und die Berdesierung in der Lag« der Arbeiterschaft. Die Bejahung des wirtschaftlichen Forischritts ist aber nicht gleichbedeutend mit der Anerkennung der Rationali- sierungsmethod« des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Der Vervandstag erkennt, daß dieses System in der Gegenwart die produktiven Kraft« vermehrt, ohne aber die Fähigkeit aufz». bringen, den Güteroerbrauch ebenso schnell zu ent- wickeln wie die Kunst der Gütererzeugung. Aus diesen Mißverhält- nissen ergebe sich zwangsläufig eins große Arbeil-losigkeit, vor- mehrte Unsicherheit der Existenz für die Arbeiter und eine unratio- nelle Verschwendung volkswirtschaftlicher Erzeugungskraft. Was ge- eignet wäre, den allgemeinen Wohlstand zu erhöhen, wird infolge- dessen zu einer Quelle drückender Rot und größeren Elends für die arbeitenden Masten. Der Berbandstag ist sich bewußt, daß die Fortschritt« der Technik und der Arbeitsorganisation nicht ausgehalten werden könne und daß dies auch nicht im Interesse der Arbeiterklasse läge. Das Miß- Verhältnis zwischen Produktionskraft und Berbrouchskroft muß viel- mehr beseitigt werden durch eine Hebung der TNastenkau straft, die durch die lohnarbeitenden Klasten repräsentiert wird. Die Lösung dieser Ausgabe erfordert sowohl«in« aus dieses Ziel ge- richtete Wirtschafts- und Sozialpolitik wie den un- mittelbaren Einsatz der gewerkschaftlichen Macht zur Erhöhung des Reallohnes. In dem Maße, wie auf diesen beiden Wegen Fortschritte gemacht werden, wird auch die Freiheit des privat- kapitalistischen wirtschaftlichen Systems zugunsten gewerkschaftlicher Wirtschastsmacht eingeschränkt. Das Ziel dieser Entwicklung der Wirtschoftsdemokratisierung kann kaum anders sein als die Beseitigung des privaten Kapitals durch den Abbau des gesellschaftlichen Wirtschaftssystems. Die Ueberwindung der sozialen Uebel, die sich aus der gegenwärtigen Rationalisierungpraxis ergeben, hängt deswegen entscheidend von der Kraft des gewerkschaftlichen Lohnkampfes und von dem Einfluß der Arbeiterklassen im Staat und auf die Gesetzgebung ob." Aeue„revolutionäre" pleite. Streikzusammenbruch bei Loewe-Radio. Der von der sogenannten Opposition bei der Firma Loewe- Radio aufgezogen« mild« Streik ist jetzt, wie vorauszusehen war. kläglich zusammengebrochen. Die Gewerkschaft, deren Warnungen man in den Wind schlug, stt jetzt gut genug, das zertrümmerte Por- zellan wieder zu kitten und den Opfern der irrsinnigen Politik ge- wistenloser Drahtzieher beizuspringen. Auf die Ursachen und Aus- Wirkungen dieses Teilstreits ist im„Vorwärts" bereits hingewiesen morden. Wir hatten berichtet, daß in einer Versammlung der Streikenden am Freitag voriger Woche die ersten Lebensmittelrationen der IAH. verteilt werden sollten. In dieser Versammlung muhte der junge Mann von der IAH. jedoch mitteilen, daß die ver- sprochenen Leben s'm ittel noch nicht zur Verfügung stehen, daß er aber dafür 1600 Mark überbringe, die«? unter die 125 Streikenden oerteileu lietz. Er vertröstete die Streikenden auf den Montag, wo ihnen die Lebensmittel- pakete im Anschluß an«ine gemeinsame Demonstration mit den streikenden Riederkirchner-Rohrlegern ausgehändigt werden sollten. Seme Hauptaufgabe sah er jedoch darin, den Kompfesmut der Streikenden durch den Hinweis auf die„glorreichen" Kämpfe bei Terna Fermasit und AEG. Hennigsdorf zu heben, wobei er sich jedoch aus begreiflichen Gründen über den Auegang dieser Kämpfe ausschwieg. Am Montag wurde nun ein Teil der Arbetter, die infolg« des Teilstreikes in der Röhrensabrik ausgesperrt waren, von der Firma aufgefordert, die Arbeit wieder aufzu- nehmen. Dieser Aufforderung kamen auch die meisten Arbeiter am Montag dieser Woche nach. Am Dienstag erklärt« die kommu- nistijche Streikleitung in einer Versammlung der Streikenden, daß sie am Ende ihres Lateins sei und«in st immig beschlossen habe, den Abbruch des Streiks zu empfehlen. Die„Revolutionäre" gaben weiter zu, daß sie nicht in der Lage seien, die Streikenden und Ausgesperrten wieder in den Betrieb zu bringen, sondern daß dies höchstens dem Metallarbeiter- verband möglich wäre. War schon dieses Eingeständnis bezcich- nend für die Unfähigkeit dieser Streikleitung, so lieferte der kommunistische Stretkleiter bei den Abschlußoerhand- lungen mit der Firma ein wahres Meisterstück der Dumm- heit und W ü rdel o s i g ke I t. Dieser sonst so großsprecherische Kommunist bekam es fertig, den Betriebsleiter als siegreichen, aber edlen Feind zu titulieren und ihn zu bitten, doch auch gegenüber den Streikenden und Ausgesperrten edel zu handeln. Wäre ein Gewerkschaftsvertreter in solcher Ehrfurcht vor einem Betriebsleiter erstorben, würde die„Rote Fahne" mit Kübeln von Unflat über ihn herfallen. Einem echten Kommunisten nimmt man es aber weiter nicht übel, wenn er vor einem Unternehmerverlreter auf dem Bauchs rutscht, um den festgefahrenen Parteikarren wieder flott zu machen. Die Arbeiter des Lvewe-Radio- Konzern«, die den Rattenfänger- Melodien der kommunistischen Stveikmacher so leichtgläubig gefolgt sind und jetzt das Straßenpflaster treten müssen, dürste die viel- gepriesene kommunistische Streilstrategie zu der Erkenntnis geführt haben, daß ohne«ine straffe gewerkschaftlich« Organi- s a t t o n gegen dos gutorganisierte Unternehmertum erfolgreiche Kämpfe nicht geführt werden können. Verbindlich erklärter Schiedsspruch. Sil», 26. September. ver Schiedsspruch vom 21. September für das rheinische Braunkohlenrevier, de» die Vemerkschaftev abgelehnt hatten, ist Donnerstag abend vom Rcichsarbelksmivlster für verbind- lich erklart worden. (Gewerkschaftliches siehe auch 2. Beilage.) SeranNv-rtlich für Politik: Dr.«ort Seq«r; Wirtichast:»M>li»g«ldSK«: iSco.rkschoitsdewegung: Z. Steinet; Feuilleton: Dr. John SchiW»,«; CotaU« und Sonfttae«: Fri» Saestidt: Anitriaen: Tb. Sloeke: iifmtiich In Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. b. H., Berlin Druck: Lorwärts-Buchdruckeret und Berlagsanftalt Paul Singer u. S.o., Berlin EW. 68, Lindenstrob« L Kirr,» 2 Beilagen..Unterhaltung und Wissen» nn».Stadtbeilage-. '.v;;"»fr■• Leipziger Str.(Versand-Abt) Königsir, Rosenthaier Str. Moritzplatz Preise ffir Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat, Mengenabgabe rorbehaltea. Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt Dr. A. 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Pfund 1.45 JßCase Brie»oUXett, ParvonMUle* 0.18 Ramadon... sn<* 0.22 Camembert«oiifcit 0.24 Limburger pu. 0.58 0.98 Steinbus eher 0.22 0.95 Edamer pmnd 0.72 0.98 Holländer pm. 0.22 0.98 Tilsiicr vom««, Pfand 0.90»» Schweizer ohn« iand* 1.15 Schweizer danfadmr 0.95 ifccee Margarine pw.*»■ 0.50»» Kokosfett Pfund von 0.50»u Schweineschmalz 0.75 Molkcrcibottcr Pfd. 1.86 Tatelbutter Pd. 1.98 2.14 Dänische Butter billigst tfConserv&n '/t üose Leipziger Allerlei 0.90 Gem. Gemüse wnnfh 1.15 Junge Erbsen....0.20 Kaisersebo'.en....1.65 Karotten«»«efanmene 0.42 Jg. ganze Karotten 0.68 Jg. Brechbohnen I 0.80 Jg. Schnittbohnen I 0.80 Vi Kose Stg. Spargel mm-fafart. 2.95 Senfgurken»v. Doac 1.80 Pfiaumen mit stein. 0.62 Mirabellen...... 0.96 Saure Kirschen«*»*1.08 Ananas"«*»«..... 1.20 Kollt. Aprikosen.■ 1.55 Heringe norv»„ l Tomat 0.20 Frisches Fleisch Kalbskamm u.-Brust...Pfand Kalbsnicrenbratcn...... Pfand Kalbskeule g«, und gete«.»..Pfand Kalbsschnitzel.......... Pfand Rinderkamm u.-Brust Pfand Querrippe fu. O.SO Gulasch.'w. ohne Schmorfleisch 1.10 Knoch. Roastbeef mit Knodien....... Pfand Rinderzungen.......... Pfand Gebadetes............. Pfand S ch wcincbauch*• iJJßSSig.. Schweinekamm*• Pfand Prima Oefriarflelsch Rinderkamm u. Brust...Pfand Hammelvorderfleisch...Pfand Geflügel u. Wild Tauben i"« 0.78« Puten p„ü 0.90» Junge Ganse....... pw-d tm 0 98« Suppenhühner...... Pfand«. 0.98» Junge Brathühner..Pfands« 1.10« EntCn frbch gacUocIitat....Pfand von 1.20 m Hirsch-Ragout........ Pfand 0.48 0.90 0.95 1.10 2.10 0.85 0.95 1.30 1.10 1.20 0.80 1.24 1.26 0.80 0.88 Fische Grüne Heringe...... 5 Pfand 0.72 Merlan u. Schellfisch... Pfand 0.22 Goldbat S obn» Kopf, gaiu« FUch. Pfand 0.28 Seelachs Ob« Kope, emr, FI»ed«, Pfand 0.34 Kabeljau ohne Kopf, ganze Fische, Pfund 0.35 an Vanille- Oesctimat* 20 PL GöttenpeUe. Dom n. Arrak-, 23 Pf. Gurt«»... 33 PL 3? PL Ghst Um Semuse Pflaumen 5 Pfand o.65» Tomaten w«rdemch« o.lO Kodiäpfel 3 Pfand 0.15 Kochbirncn 3 Pfand 0.25 Butterbirnen Pfund 0.18 Transparcniäpfcl 0.15 Welniranben.Pfand 0.15 Bananen.... Pfand o 35 Pfirsiche.... Pfand 0.45 Sdunorgorken s pm. 0.10 Senfgnrkcn 0.05 0.10 Möhren gcwme*, pw. 0.05 Weißkohl»oiat, ph. 0.05 Rotkohl tlotaMnar.PM. O.lO Wirsingkohl moisl 0.12 Zwiebeln.. 3 Pfand 0.20 Rosenkohl belU Pfand 0.36 Kartoffeln i«Pfdem zum Streit. Der Sohn packte den Alten, warf ihn In den Chausseegraben und« r- würgte ihn. Di« Leiche schleppt« er nach einer Schonung, ließ sie dort liegen und eilte aus das GeHöst zurück, wo«r der M u t t e r Mit- teilung machte. Auf einer Karre brachien sie dann abends in der Dunkelheit die Leiche nach dem GeHöst zurück und legten sie in di« Scheune. Anfänglich wollten sie den Toten dort verscharren, es kamen ihnen dann aber Bedenken. In der nächsten Nacht luden sie die Leiche wieder aus den Karren und fuhren sie nach dem Waldstück hinaus, wo setzt das Skelett des Ermordeten gesunden wurde. Es stecht jetzt fest, daß sowohl die Mutter wie der Bruder Heinrich von der Tat gewußt und an den Besprechungen über die Boseitigung der Leiche teilgenommen haben. Bei einer Beratung mit den Vertretern der Staatsanwaltschast Frankfurt a.d. O. wird darüber entschieden werden, ob Frau Deickert und der Sahn Heinrich als Mitwisser des Verbrechens«bensolls dem Gefängnis zugeführt werden sollen. Gefährliche Rauchgase. Zwei Feuerwehrleute schwer ertrautt. Am Donnerstag nachmittag wurde die Feuerwehr nach der Lranten straße 131 alarmiert. Im K e l l« r des Hause« hasten sich aus zunächst ungeklärter Ursache stark« Rauchmafsen an- gesammelt, die ihren Weg auf die Treppenausgänge nahmen und die Bewohner in Gefahr zu bringen drohten. Mehrere Feuer- wehrbeamte drangen in den Keller ein. Die Vermutung, daß es sich um einen Brand Handelle, bestätigte sich nicht. Dagegen wurde festgestellt, daß aus einer schadhaften Schornsteinklappe große Rauch- massen in den Keller hinabgedrückt wurden. Zwei Feuerwehrleute, Brandmelster Bnick und Oberseuerwehrmann Göhr«, erlitten bei den Arbeiten durch Einatmen von Kohlcnoxydgasen schwere Vor- giftungen und mußten in« Urban-Krankenhaus übergeführt werden. Gebrüder Eklarek verhafiet. Die Stadt Verlin um große Summen geschadigt. Die bekannten Kaufleute und Rennstallbesitzer, die Gebrüder Max, Leo und Willi Sklarek sind unter dem Verdacht umfangreicher Betrüge- reien, die in die Hunderttausende gehen, von der Kriminalpolizei verhaftet und ins Polizeipräsidium» gebracht worden. Die Verhaftung der drei Brüder erfolgte ganz überraschend. Wie es heißt, sollen weitere Verhaftungen bevorstehen. Bei der Stadt Berlin war der Verdacht entstanden, daß die Kaufleute Leo, Max und Willi Sklarek in Firma KVG.(Kleider Vertriebsgesellschaft Gebr. Sklarek), die auch als Rennstallbesitzcr einen Namen haben, durch umfangreiche Betrügereien und Urkunden- fälschungen die Berliner Stadtbank geschädigt hätten. Als sich dieser Verdacht durch sofortige Revisionen erhärtet hatte, erstattet« Bürger- meister Scholtz und Stadtkämmerer Dr. Lange noch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag beim Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß Strafanzeige. Dr. Weiß ließ in der frühen Morgenstunde des Donnerstags die beschuldigten Gebrüder Sklarek zum Verhör ins Polizeipräsidium holen. Im Anschluß fandest Durchsuchungen der Wohmmgm und der Geschäftsräume der Beschuldigten statt, die zur Beschlagnahme erheblichen Beweismatcrials führten. Die Vernehmungen in Verbindung mit dem Beweis- Material verdichteten den Verdacht des Betruges und der U r- kundenfälschung derart, daß die Polizei die Beschudigten vorläufig festnahm. Oie Stadt Berlin hat hierzu folgendes festgestellt. Die Gebrüder Sklarek hatten auf Grund eines Vertrages der Stadt ein Recht auf Beliefe- rung der städtischen Dienststellen. Anstalten und Bezirksämter mit sämtlicher Bekleidung, Textilien und Schuhwaren. Dieser Vertrag läuft noch bis 1S3S. Die Gebrüder Sklarek, die auch ihre sonstigen Geschäfte über die Stadt- dank leiteten, haben sich auf ihre Forderungen an die Be- zirksämter und Anstalten von der'Stadtbank Vor- schüsse genommen, und zwar in der Weise, daß sie die Rechnungen für gelieferte waren an die Skadibank mik dem vermerk gaben, daß Zahlung nur aus das Konto der Gebrüder Sklarek bei der Stadlbank zo leisten ist. Die Stadtbank gab diese Rechnungen durch eingeschriebenen Brief an die Bezirksämter und die anderen Dienststellen weiter. Di« auf dieser Grundlage gegebenen Kredite, deren Höh« jeweils von dem Kreditausschuß der Stadtbank festgesetzt wurde, erreichten im Lause der Zeit einen Umfang von nlehrercn Rlllllonen vlark.— Daneben sind dann später außer den Rechnun- gen in der vorgenannten Weise auch die Bestätigungen großer Aufträge von städtischen Dienststellen und Anstalten als Kreditunterlagen benutzt worden, und zwar in der Weise, daß ein« Abschrift des Bestätigungsschreibens der Gebrüder Sklarek an die Dezirksämter der Stadtbank eingereicht wurde. Diese» Bestätigungsschreiben war die Durchschrift eines von zwei städtischen Beamten unterschriebenen Bestellungsnachweises beigefügt. In diesen Fällen sind dann ine Aufträge bzw. Rechnungen nicht in der üblichen Weise an die Bezirksämter usw. mit eingeschriebenem Briet geschickt worden, sondern es wurde die Abschrift des Bestätigungsschreibens nebst Durchschlag des Auftrags als ausreichend ange- nommen und in den Zivilakten der Stadtbank verwahrt. Die Prüfungen haben fehl ergeben, daß diese Auskrage und VestSligungsschreiben singierk gewesen sind, wobei auf den De- stellnachweisen die llnlerschrisien der städtischen Beamten gefälscht worden sind, so daß für diese Aufträge Ansprüche und Forderungen der Ge- b rüder Sklarek an städtische Dienststellen und Anstalten gar nicht bestehen. Die vorläufig« Untersuchung bei zwei Bezirks- ämtern hat ergeben, daß den angeblichen Forderungen der Ge- vrn A.N. Frey- Öls Copyright IflW by Qustav Kiepenheuer Verlag A,-a„ Berlin Infolge der Gummiknappheit ist größte Schonung der Krankenautos gebotenl Auf schlechten Wegen sind die Pferde- wagen der«Sanitätskompagnien zu benutzen. Wo sind die Wege gut hier draußen, �err Chef? Gerade auf den miserab- len Straßen wären die federnden Autos angebracht und nicht Rumpelkasten mit Gäulen davor. Aber dringender als Scho- nung des Menschen ist Materialschonung. Verbandplätze und Lazarette des Feindes müssen„rest- los erfaßt" werden. Erbeutetes Sanitätsmaterial ist„von außerordentlicher Bedeutung für die Verwundetenfürsorge." So weit sind wir. Wir müssen schauen, Stoffbinden zu er- qattern. weil bei uns schon die Papierbinden rar werden. Mit erhöbtem Eiser aber lassen die von drüben das Material sorechen. das sie ja so reichlich haben. Heftige Beschießung von Schloß Fontaine setzt ein. Die Sanitätsleute kommen tagelang nicht nach oben, teils wegen des Feuers teils weil, wenn es kurz nachläßt, viel Verwundete beranoeschlepot werden und viel zu tun ist. Sie leben da unten im Keller bei den gelblichen Tupfen der Stearinkerzen. die aus dem muffigen Dunkel immer nur einen winzigen Kreis hell herausheben: ste wissen manchmal tatsMich nicht, ob draußen Tag oder Nacht ist. ste kennen den Wochentag nicht, das einzige, was Funk weiß, ist das Monatsdatum, er braucht es ja für seine Zettel und Eintragungen. Langsam bricht Fontaine über ihnen zusammen. Ihre Kellerdecke wird auf die große Probe gestellt. Sie besteht sie. Und als die Steinhaufen sich öv Bergen und zum Bollwerk türmen, da sagt Feldwebel Bethge— und er dreht den Bart befriedigt nach oben:„Jetzt haben sie uns einen Dienst geleistet mit ihrem unaufhörlichen Geböller. Jetzt ist der Keller gut eingedeckt, jetzt schlägt kaum eine Granate mehr durch. Wahrhastig, sie'sind besser daran als damals, da die BMa noch stand. Da hätten Geschosse eine Wand, eine Zimmerdecke und auch die des Kellers schließlich erledigen können. Das geht heute nicht mehr so leicht. Dafür muß man verzichten auf die großartige» Räume, die es vor einer Woche noch gab. Damals schlich der eine und der andere in den Feuerpausen hinauf— über breite Treppen, auf denen Velourläufer lagen, nur daß sie schon stellenweise samt den Stufen zerlöchert waren. Man mußte achthaben, durch solche Gruben nicht schnell wieder nach unten zu fahren. Oben aber belohnen einen märchenhaft eingerichtete Räume. Scheu und lüstern gehen Soldaten darin umher und kramen in den Schränken, den Schubladen. Alles ist noch da, als solle morgen wieder ein herrschaftlicher Haushalt im großen aufgenommen werden. Aber morgen, das ist gewiß, geht die ganze Ware zum Teufel. Aus sieht es, als wollten Luxus und geselliges Leben weiter triumphieren, aber was triumphieren wird, Ist der Schutt. Sie suchen, was sie brauchen können, sie möchten gern gute Beute machen. Aber kann man Gemälde mitzerren, schwere Perserteppiche, Mahaaonimöbel, Spitzengardinen? Die Ledersessel skalpieren sie, Leder ist so überaus kostbar ge> worden. Zum Silber entschließen sie sich ungern, es belastet zu sehr den Tornister, und wer weiß, wie arg man laufen muß, rückt man eines Tages ab, falls die Glieder überhaupt heil bleiben.— Das schöne Porzellan, die feinen Gläser! Nichts damit, es zerbräche doch nur, wollte man's einpacken. Sie tragen es höchstens hinunter in den Keller, um ihre Kaffeebrühe aus echtem Sdvres zu schlucken. Wonach sie am meisten suchen, ist Wäsche. Es ist das einzige, was sich nicht finden läßt, wenigstens keine Männerwäsche. Die Franzosen müssen sie schon mitgenommen haben, oder die Preußen. Auch Funk war eines Nachmittags hinaufgetappt und spürte umher. Die Unwahrscheinlichkeit der Situation war groß. Weshalb stand gerade dieses Schloß noch? Dorfhäuscr ringsum, die Kirche, Obstgärten, Kastanienbäume lagen schon vernichtet. Es stand um so herrlicher, üppiger, zauberhafter. Es war eine Absurdität in dieser Umgebung, im zur zer- fetzten Leiche gewordenen Land— eine Ungereimtheit, die geradehin weh tat, unheimlich war. besser verschwand.— Ein sehr holdes Frauenbildnis lächelt Funk an. Es wird erschossen werden, es ist gut so, es ist nicht mehr lebensfähig. Weshalb denn soll es noch irgend etwo» bedeuten hier— mit ver» zärtelter Haut, ringbeladenen spitzen Fingern, seidiger Taille — wozu soll es herablächeln auf deutsche Soldaten im vierten Kriegsjahr? Auch Funk fabndet umsonst nach Wäsche. Er findet Damenßemdcn und Battistbosen mit Stickereien � altertümlichen Schnitte», vielleicht d>e eines meißhoarigen Fräuleins. Er nimmt sie mit und zieht später zwei, drei solcher Stücke übereinander an. Es reicht nicht an den Ecken, die Hemden find ohne Aermel, die Hofen zu kurz— es ist dennoch eine Erlösung, das monatealte eigene Baumwollhemd mit den Läuserudeln darin wegwerfen zu können. Er lacht nicht, als er den Wechsel vornimmt, keiner von den anderen lackt, alle bleiben ernst, man hat nicht mehr Sinn für„Komik, man hat nur nock Sinn dafür, wie sich durchschlagen. Außer den Säores-Porzellanteilen haben sie auch Bett- zeug hinuntergeschafft, Seide und Daunen. Aber das hält noch weniger lang vor als die Tassen. Das Zeug verschmutzt un- glaublich schnell und ärger als Holzwolle oder eine Pferde- decke. Es nimmt überdies zu viel Platz weg, Plumeaus türmen sich, Fünfer schimpft, aber ist zu gutmütig, um„durch- zugreifen", der Kommandeur tut es kurzerhand: er gibt schmetternd Befehl,„den ganzen Kram" zum Haus hinauszu- werfen- Er selbst benötigt ihn nicht: daß er und die Aerzte sich in ihren Räumen längst mit dem besten Bettzeug versorgt haben, ist selbstverständlich. Funk zögerte sich noch zweimal hinauf: über eine Treppe, die immer unpassierbarer wurde. Etwas zog ihn herbei, etwas stieß ihn ab. Er mußte sich überzeugen davon, daß es kein Traum war, geträumt im dunklen Keller bei wachem Hirn. Und warum war es wertvoll, sich davon zu überzeugen? Vielleicht nur um zu wissen, daß man noch nicht heimlich ver- rückt geworden war. Weißt du, so ganz unscheinbar wahn- sinnig— ein Zustand, den kein Arzt erkennen würde— den jeder auch ignoriert hätte. Bleibt k. v. Weitermachen. Horch was kommt, während sie herumspionieren, hoch- singend aus den Lüsten, in einer Klangkurve fallend zum dumpfen Gebrumm, zerplatzend in jähem Gebrüll? Be- schießung setzt wieder ein, und fix flüchten hinunter, sie stiefeln ein letztes Mal über Teppiche. Die Nacht bringt das fast völlige Zusammenstürzen des Gebäudes und jene schreckliche Minute, die der Keller übersteht. In ihn ergießt sich wachsend der Strom der Erledigten. Die Krankenträger reichen nicht aus für alle Arbeiten, Hilfs- krankenträger sind zugeordnet: die Musiker haben ihre Jnstru» mente weit hinten lassen müssen, bei der großen Bagage, hoben Stangen bekommen mit Zeltbahnen, und in ihnen schleppen sie heran, was sie draußen im Gelände aufstöbern: Stöhnendes. Umhilferufendes. Verstummtes, Nebrigens tragen auch die alten Träger lieber mit Zelt- bahn und Stange: man ist beweglicher, man kommt die Keller- trepne besser hinunter: die Armeetrage, die jener Chef jo sehr der Schonung anempfiehlt, scheidet zum Teil von selber aus ihrer Ilnhandlichkeit wegen, (Fortsetzung folgt.) Die Anföabe jedes überzeugten Sozialdemokraten muH es sein, der Partei neue Anhänger und dem„Vorwärts" neue Leser zu werben. Wer unser Blatt bereits _ liest, sorge dafür, daH auch seine Nachbarn und Freunde es abonnieren, damit sie im Wahlkampf überzeugte Mitkämpfer werden! tirüber Sklarck in höhe von mehreren hunderltonsend Mark tat- sächlich nur ganz geringe rückständige Zahlungen der Bezirksämter gegenüberstehen, hiernach besteht die Wahrscheinlichkeit, daß auch bei den angeblichen Forderungen an andere Dezirksämter Fälschun» gen in großem Stil vorgenommen worden sind. Die Stadt Hot alle Schritte unternommen, um sich wegen ihrer Forderungen an dem Vermögen der Gebrüder Sklarek schadlos zu halten. Bis zu welchem Grade dies gelingt, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Der Vertrag der Stadt mit den Gebrüdern Stlarek auf Be- lieferung der städtischen Dienststellen und Anstalten mit Kleidern, Textilien und Schuhwaren geht zurück auf die Maßnahmen, die seinerzeit bei der Liquidation der städtischen Aleidervertriebsgesell- schoft erfolgt sind. Damals hat die Firma Gebrüder Skiarek die ge- samten Warenbestände der aufgelösten städtischen Gesellschaft käuflich übernommen, während die da- maligen Fordeningen der Gebrüder Sklarek an die Kleidervertriebs. gesellfchaft aus die Stadt übertrogen wurden. Im Anschluß daran ist dann der Beliefenmgsvertrag abgeschlossen worden, der später verlängert worden ist. Vorsicht mit Untermietern. Eins Diebesbande stiehlt beim Zimmerbesichtigeu. Seil Ansang August d. 3. treibt in Berlin eine Diebesbande ihr Unwesen, die in der Maske von Wohnung- suchenden schon eine ganze Reih« von Vermielerinnen empfindlich bestohlen hat. Erst kürzlich tauchten drei Personev, zwei Männer und eine Frau, bei zwei alten Frauen in der Keithstraß« auf und stahlen hier wertvolle Schmucksachen, während sie di« Räume„be- sichtigten". Jetzt sind die Spitzbuben wieder mit Erfolg in der L ü.tz o w st r a ß e»nd i» der Potsdamer Straße am Wert gewesen. Gewöhnlich kommen ein Mann und eine Frau, die das Ehepaar markieren und durch ihre solide Kleidung Der- trauen ern>ecken. Wenn drei Personen kommen, zwei Männer und die Frau, so erzähle» sie, daß sie für einen Bruder oder Schwager ans Magdeburg oder 5)alle zwei zusammenhängende gut möblierte Zimmer suchen wollen. Einem Mitglied der Band« fällt die Auf- gäbe zu, die Vermieterin durch irgendwelche Fragen abzulenken, während die anderen stehlen, was sie nur erwischen können. Zu- weilen machen sie die Vermieterin dadurch sicher, daß sie etwas an- zahlen. Das bedeutet für sie keine Einbuße, denn die Anzahlung er- folgt immer erst dann, wenn der Komplice sich die Taschen schon gefüllt hat. In der Lützowstraße sind den Diebem Schmucksachen im Werte von etwa 3000 Mark in die Hände gefallen, in der Potsdamer Straße erbeuteten sie sogar für äOOO Mark und noch 300 Mark bares Geld. Größte Vorsicht gegenüber derartigen Mietern kann den . Wqhnungiünhabern nur angeraten werden. Wer über die Per- sönlichkciten dieser Bande oder ihren Aufenthalt etwas weiß, wird ersucht, sich an Kriminalkommissar Stiller bei der Dienststelle C 6 des Pclizcipräsidiüms zu wenden.� Zoologische Briefbeschwerer. Di« moderne Zeit verlangt eigenartige Umstellungen, die beim ersten Blick Kopfschütteln erregen mögen, aber etwas ganz Natürliche» sind. Bei Tietz in der Leipziger Straße präsentiert sich zurzeit eine Ausstellung, die durchaus wissenschaftlich gewertet werden will. Es ist die„A c t e r n i t u s", eine Schau von originellen Tier- und Pslanzenpräparaten nach einem Verfahren, das die Formen und Farben der Dinge genau so wiedergibt und konserviert, wie sie in der Natur bestehen. In diesem Sinne spricht die Ausstellung zuerst zum tünstlerischen Gefühl. Es ist ungemein anziehend, kleine Tierkörper, Schlangen. Mdlche, Echsen, Pilz« oder Seesterne auf polierten Platten aufmontiert zu sehen, als hätte ein geschickter Künstler sie naturgetreu modelliert. Die Acternituspräparatc können für Schulen und Univer- fitäten als das beste Anschauungsmaterial verwendet werden: die alten unästhetischen Spiriwspräparate sind ganz in Fortsall gekom- men. Proscssor H i ck vom Zoo, der die Ausstellung mit einigen er« läuternden Hinweisen eröffnete, wies auf di« Wichtigkeit des von den Wiener Anatomen Hochstetter und Schmeidel entdeckten Verfahrens hin, da? eine uneingeschränkte Naturbeobochtung erst ermöglich«. Die Ausstellung diene auch der Belebung des Naturinteresses im guten gemeinnützigen Bolksbildungsfinne. Freispruch im Braudstiftungsprozest Goldreich. Noch zweitägiger Verhandlung kam das Schwurgericht II zur Freisprechung von Frau Marie G o l d r« i ch, die mit ihrem 78jährigen Vater und ihrem Ehausfeur angeklagt war, vor- sätzlich zum Zwecke eines Versicherungsbetruges ihre Villa in Neu- Zittau in Brand gesetzt zu haben. Das Schwurgericht betonte in der Urteilsbegründung, daß die Angeklagten trotz erheblicher Ver- dochtsmomentc mangels Beweises freigesprochen werden mußten, da verschiedene Belastungen, die zur Anklage geführt hatten, wohl auf einen unglücklichen Zufall beruhen könnten. Der Staats- anmalt hotte gegen Frau Goldreich l'A Jahre Zuchthaus, gegen ihren Vater, Hüdicke, 1 Jahr Zuchthaus wegen vorsätzlicher Brand- stiftung und gegen den Chauffeur Krasse 5 Monate Gefängnis wegen Unterlassung der Anzeige beantragt. Demnächst wieder Antornf in Berlin. Nachdem der Magistrat in seiner Sitzung vom 18. September beschlossen hat, die selbstschuldnerische Bürgschaft der Stadt Berlin für ein Darlehen einer Großbank an die Arbeits- gemeinfchaft Berliner Kraftdrofchkenverbände in Höhe von ISO 000 Reichsmart zu übernehmen und die Weiterbenutzung der städtischen Straßen und Plätze für die Zwecke des Autoanrufs freizugeben, kann die Wiedereinführung des Autoanrufcs als gesichert angesehen werden. Eine entsprechende Borlage ist der Stadtverordnetenver- fammlung bereits zugegangen. Nach längeren Verhandlungen ist es nunmehr auch gelungen. das Drofchkcngewerbc selbst für die Fortführung des Unternehmens zu gewinnen. Die Arbeitsgemeinschaft Berliner Krastdroschkenocrbände, in der fast sämtliche Droschkenbesitzer durch ihre Berufsorganisationen für die Zwecke des Autorufs zusammen- geschlossen sind, hat sich mit den Gesellschastcni der alten Autoruf- Aktiengesellschaft geeinigt und übernimmt die gesamten An- lagen zu einem Kaufpreis von insgesamt ISO<100 RM., einem Betrage, zu dem die Anlagen heute nicht hergestellt werden können. Die Arbeitsgemeinlchaft hat sich mit den von der Stadt gestellten ollgemeinen Bedingungen einverstanden erklärt, die auf eine Stör- kung der i-ädtifchen Rechte hinauslaufen, was nach den früher ge- machten Erfahrungen als durchaus geboten erscheint. Zeppelins Schweizfahrt. Nachmittags in Kriedrichshafe» gelandet. Zrledrlchshafen. 26. September. Das Lufsschiff.Graf Zeppelin", da» gestern früh 6.25 Ahr unter Führung Dr. Ecken er» aufgestiegen war, ist gestern nach neunstündiger Fahr! über Schweizer Gebiet um 17.28 Ahr vor der Luft- schiffhalle in Friedrichs Hafen glatt gelandet. E« verlautet, daß entgegen den nrfprüngstchen Absichten bereits am Sonnabend eine wettere Fahrt nach der Schweiz nnternommen werden wird. » Der achtstündige Süddeutschlandflug wird am kommen- den Sonnabetck», 28. September, durchgeführt werden. Am 1. vk- tober wird der Schweizflug wiederholt werden. Es steht jetzt end- gültig fest, daß die Fahrt nach Berlin erst am S. Oktober stattfindet, und zwar geht die Verschiebung dieser Fahrt um vier Tag« nirf einen Wunsch der Berliner Stadtverwaltung zurück. Das Luftschiff wird am übernächsten Sonnabend, etwa um 4 Uhr nach- mittags, in der Reichshauptstadt ankommen und bis zum darauf- folgenden Sonntag abend am Ankermast bleiben. In der Nacht zum Sonntag wird di« Weiterfahrt nach Ostpreußen angetreten werden. Daran schließt sich am 10. Oktober die geplant« Fahrt nach den Niederlanden. Auch in der zweiten Oktober- Hälfte sind noch einige größere Fahrten geplant, darunter voraus- sichtlich auch ein weiterer Besuch der Schweiz. Einzelheiten über diese Fahrten dürsten in einigen Tagen bekanntgegeben werden. Kurzes Glück. Wie er unterschlagenes Geld vergeudete. Zunge kaufmännische Angestellte mit dürftigem Ein- lammen, durch deren Hände aber höhere Beträge gehen, er- liegen nur zu leicht der Versuchung. Unterschlagungen zu be- gehen. Wstder wird uns ein Fall bekannt, der allerdings dieses Mal nur aus Lelchlferligkeil entstanden zu sein scheint: In Bonn unterschlug ein 13 Jahre alter kaufmännischer Angestellter einer Holzhandlung der Firma 8417 M. Er er- warb sofort eine Schlafwagenkarte und kam im O-Zug nach Berlin. Seine erste Sorge hier war, sich possend in Smoking und Lackschuhe zu kleiden, einen kleinen Lacklederkoffer anzuschaffen und Unterkunft in einer Pension in der Taubenstraße zu suchen. Dann ging er los. Von der Gegend des Alexanderplotzes bis zum Kurfürstendamm gab es keine Vergnügungsstätte, an der er sich als spendabler Gast nicht die Nacht um die Ohren geschla- gen hätte. Sein rheintändisches Temperament und di« Tatsache,. daß er sein Geld unbekümmert lose in der Rocktasche trug, machten ihn überall zu einem hochgeehrten Gaste. Ein Rest kauf- männischer Korrektheit war dcmchmgcnMann aber doch verblieben. Für alles, was«r kdüste adek'wä�sr verzehrte-. ließ er- sich eine Rechnung ausstellen, die er säuberlich in dem kleinen Koffer ver- wahrte. Die großen Geldausgaben dieses jungen Menfchm hatten aber doch Verdacht erregt, und gestern holten Kriminalbeamte den kleinen Genießer aus seinem Bett heraus. Sein Köfferchen war gestrichen voll von Rechnungen, so daß sein Tun und Treiben in Berlin bei Nacht auf Schritt und Tritt zu verfolgen war. Bon dem ganzen Reichtum hatte er noch 80 M. Di« Tatsache, daß man ihn als D e f r a u d a n t e n erwischt hat, scheint ihn wenig zu bekümmern. In Bonn wird sich ja herausstellen. ob sein Optimismus berechtigt ist. Bielleicht wird er zur Besinnung kommen, wenn ihm nach der verbüßten Straf« der Fluch„Bor- bestraft" anhaftet und er sich wieder einfinden soll in das Leben. Ebenso wie junge Arbeiter und Angestellt« nicht ernst gemig vor Unregelmäßigkeiten gewarnt werden müssen, so ist auch der Arbeitgeber anzuhalten, seine Angestellten durch gewissenhafte Kontrolle vor Leichtfertigkeit und Gefängnis zu bewahren. Hier- an fehlt es leider mir zu oft! Oer flüchtende Auioloife. Gestern nachmittag bog ein« Chrysler-Limousin« mit dem Kennzeichen II U 9184 aus der Heilbronner Straße in rasender Ge- schwiNdigkest in die Georg-Wilhelm-Straße ein. Hierbei fuhr dos Auto mit voller Wucht gegen einen hallenden Kohlenwagen. Der Anprall war so heftig, daß der Kraftwagen vollständig:n Trümmer ging. Der Führer, ein junger Mensch, verließ flucht- artig den Wagen. Es stellte sich kurze Zeit daraus heraus, daß der Wagen gestohlen war. Der Besitzer, ein Herr aus Afchaffen- bürg, hatte sich dieses jungen Mannes angenommen, der sich ihm gegenüber als A u t o l o t f e ausgegeben hatte. Der Besitzer ver- ließ auf kurz« Zeit den Wagen, und diese Gelegenheit benutzte der angeblich« Lotse, um mit dem Wagen, der wertvoll« Koffer enthielt, auf und davon zu fahren. Der kühne.Lotse" ist flüchtig und konnte bisher noch nicht festgenommen werden. * Am H a ll e sch« n Ufer fuhr in der vergangenen Nacht ein« Autodrofchke in schneller Fahrt gegen einen Baum. Der Wagen wurde zertümmert und der Chauffeur, ein 27iähriger Max Selig aus der Ioachim-Friedrich-Sttaße 34, sowie der 27iährige Fahrgast Georg G u m m e l aus der Bornstedt«? Straß« 6 in Wilmersdorf. wurden schwer oerletzt. Beide fanden im Urban-Krankenhau» Auf- nähme. Selbstmord eine» Arztes. In seiner Wohnung in der L u d w i g- kirchstraß« 10 wurde gestern der öljährige vr. meck. Paul Przygod« tot aufgesunden. Da die Todesursache nicht festgestellt werden konnte, wurde die Leiche beschlagnahmt und zur Obduktion ins Schauhaus gebracht. Es ist wahrscheinlich, daß der Arzt Gift genommen hat. Sport. Rennen zu Grunewald am Donnerstag, dem ZL. September. 1. Rennern 1. RochuS(Andeile), S. DiantduZ, Z. Sendbote. Toto: «7:10. Platz: 2l, 13:10. Ferner liefen: Silberfasan. Palmleri, Munin. 2. R e n n c n. 1. Eidorach Uhr bei Bondlke. Echnlftr. 74. Bei schlechtem Wetter fällt die Tahrt aus. Eharlotteuburg: Serbstwanderung der«amerad- schart Westend nach Buckow sMärk. Schwei,) mit Angehörigen. Abt-did morgens 6.12 Uhr Bhf. Eharlottendurg. Söpenick(Ortsvereinl: 16 Uhr Be. teiligung an dem Preisschieften des ÄÄis. Republik im Wilhelmshof, Sirsdr- garten.— Wintersportabteilnng: Sonnabend, 28., und Sonntag, 22. September, Endspiel unseres Tcnnisiurnicrs auf den Tennisplätzen Neukölln, staiser-ssried- rich.Str. 163 lNingbahnhof!>aifer.zriedrich.Eiraftcl. Preisverteilung Sonn. tag, 28. September, 12 Uhr. in Schneiders Hotel, Königstraße.— schönerreid:, Johannisthal: Sonnabend. 28. September, im Restaurant.„Zum Einsiedler in Johannisthal Beisammensein mit Angehörigen, ssilmoorrührung:„Unsera Bersassungsseier 1929 in Berlin" und«in Lüstspiel. Anschlieftend Tan,.» Be- ginn. 20 Uhr..Die kameradschaib marschiert geschlossen.m>u Ob-rschch»ew-ide, Bürgergasten,-mit Musitz-und Taenlmurtorr»« um-10 Uhr ynn„fflnslrtln?. Reichskarte» Republik,«anntag, 2». September. Sportplatz Friedrich». selbe: Di« Schicftsiändc sind für alle Ortsoerein« ohne desonter« Festlegung. Sonntag. 6. Oktober, Preisschieften. Bedingungen folgen noch. Steglitz(Orts. ver-inl: 2—12 Uhr Uebunqsschieften Lichterselder Schützenhaus.— lUpeaicke Scrbsrfest im Restaurant Wilhelmshof am Bahnhof Hirschgarten. Preisschieften Beginn 16 Uhr. Eintritt 60 Pf. Reichooereiaignng ehemaliger striegsgelangener. e.>. Am Sonnabend, 28. September. 20 Uhr. feiern in den Musiker- llestsälen, Saiser-Wilhelm» Strafte 31. die beiden Gruppen Berlin-Norden I und II da» Hess ihres ,chn- sährigen Bestehens. Gleich, eitig findet eine Bannerweihe der Gruppe 91. II statt. Alle„Ehemaligen" sowie stzreunbe und Bekannte sind hierzu herzlich ein. geladen. �. Reichebund der stiiegebeschädlgten, gri egstei l nehmet und striegerhinter. blicbcnen. Bezirk Zentrum. Sonnabend, 28. September, 20 Uhr, findet in den-tzestsäle» Sackcschcr Sas. Rosenthaler Str. 40—41, unser Serbstpergniig-It statt. Sssstc herzlich willkommen. Der Neinrrttaa ist für die Weihnacht». seier bestimmt. Reichsbund j»bischer ssrontsoldaien. Ortsgruppe Berlin. Bezirk Oft. Eon», abend, 28. September, 20 Uhr, Koniordia-zestfäle igrofter Saals. Andreas- straft- 64. Dortragzabent mit anschließendem Beisammensein. Referent Herr Reichsminister a. D. Dr. Bernhard Dernburg. M. d. R. Thema:„Der Doung. Plan und seine wirtschaftlichen Auswirkungen".— B«»>rk Zoo: Montag, 30. September. 2014 Uhr, Restaurant»aufmann, stleiststr. 14, Bortragsabend. Referent Herr Dr. Kurt Zielen, iger. Thema:„Paris— Saag— Genf". Arbeiter-Abstinentea-Bund, Ortsgruppe Lichtenberg. Jeden Montag Sitzung von 121? bis 22 Uhr Im Jugendheim(Sportplatz) rn«er Sauffstrafte, Nähe Bahnhof Neu-Lichtenberg und Stadthaus. Ortsaruppenleiter DenUoff. Gäste und Gönner sind herzlich willkommen. Arbeiter.Esperanto-Bund veranstaltet Anfänge rkurf«. Mittwoch, ltzuj Uhr: Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22: Neukölln: Schule Rütlistrafte: Norden: Schule Vutbusser Str. 8.— Tonnerstag. IS'b Uhr: Wetding: Schule Uttechter Sttaft«: Weiftensee: Jugendheim Roelckestrafte.— ssreitaa, 12 W Uhr: Osten: Jugendheim Am Ostbahnhos 17: Zentrum: Schule Gipsstr. 28*.— Am 22. Se». tember beteiligen sich die Arbeitcr�ksperantisien am Herbstsest in Hauelhausen. Abfahrt 8 Uhr Stettiner Bahnhof. Radfahrer treffen sich See- Ecke Marksttafte. Nepntlikanlfch« Redncrvereinigunq. Montag. 20 Uhr, Bortragsabend mit Diskussion im„Alten Askonier". Anhaltstr. II. Es spricht Genosse Stern» berg über„Resorm der Arbeitslosenversicherung". Gäste willkommen. Kurzschrift. Unterricht Stolze. Tchreg. Ein neuer Kursus mirb am Montag. 30. September, 19'4 Uhr, im Köllnischen Gnmnasium, Insclstr. 2—6(U-Bahnbok Infelbrückes.«röfsnet. Unterrichtstage: Montags und Donnerstags. Der ver. anstaltende B-rein Stolzescher Stenographen(Spstem Stolzc-Schrep) hält an gleicher Stelle jeden Donnerstag feine Diktotildungen ab, zu denen alle Schriftfreunde als Gäste willkommen sind. Auskünfte erteilt Erich Lutz, gcpr. Lehrer der Stenographie. Berlin-Tempelhof. Manteuffelstr. 13. Lngllsd Lonrersolloool Club loundeä 1878. Meetings every Frlckay 8 p rn. Ca« fosty. Potsdamer Platr. Lecturer: Mr. Hahn-Zumpt on:„Economical and pölitical Education.* Oues«, Ladies and Gentleman, are welcome. „Ein Versuch wird Jeden Zweifel beheben! Kaffee Hag schmeckt tatsächlich ebenso gut wie anderer Bohnenkaffee bester Qualität. E« Ist eine Mischung feinster zentral- und südamerikanischer Kaffeesorten und hat dazu noch den Vorzug, daß er coffeinfrei und völlig unschädlich ist. Sie können ihn Jederzeit ohne Bedenken trinken. Versuchen Sie ihn doch mal, Sio werden Überrascht sein, gnädige Frau!*4 etafcBbuag» f3t dies« Ztndrtt slnb B c 1 1 i o SS<8, Lilldenslraß« 3, stet» n da» Bezirk« sekret-rt«« 2. Hot 2 Treppe« recht», zu richten. Mittwoch, den 9. Oktober flndeo an SWle der Abkeilongs Versammlungen und Zahlabende Kreismitgliederversammlungen «tll folgender Tagesordnung flaff: ,Gprengstoffattentate, Hugenberg- Volksbegehren, Sozialreaktlon". Referenten find die Berliner Reichstags- und tandtagsabgeord» neten. Alle Genossen müssen teilnehmen. *■' l- Jtei* Ritte. Achtum! Sii« Sitiur.fl jut Gründung einer Gruppe der ?un>>so,ialistrn findet nicht deute, greitao. sondern erst om Dien». tag, l. Oktodrr. Udr. bei lZpieqes. Alterstr. s. ftott. kU S- Breie Deddinq. Soontoo. in. Septeinber. 12 llhe. Brei.mit- Ig i j-,N-dei,«r!awwlur.ft im Eleitrp.Palast, B««liner Str. S, S.npan» W feJ«lesenstrohe. Vortroq de« Senolse» isranz Bünftler. M.». iiber x-z ! So« dedeuten die Berliner DtadtneroiGnetenmohle» sie die Arbeiter. g schostk» Erscheine, oller Porteiaenofsen ist Psllcht.£Z 5. Brei» nriedrichidain.«erbe-imschn» der SPD. de» Sezirioanrt, Friedrich,. dal»- beute, K«ita,. 27. September. IS>? Udr.«ersanrmlnna in den Ard:«a» x. Es ist mit Dank zu begrüßen, daß durch diesen Vortrag weitere Kenntnis über die Arbeit der Ambulatorien in das Publikum getrogen wurde: sicherlich ist damit auch«in erhöhtes Dertvauen zu diesen Einrichtun- gen bei vieien geweckt worden. Des. Binderdort» lattenburflr 1». Brei,"■ ___ MW, Mn>'LUil iUUU 1* H dort»»nd de» Alter»dein, e». Iresfpnnkf lÄ» Udr Park- Ecke Edar- taaeBbtiiatt CodHoitlrfutf u» fallt sotianfis nie». heule. Zreikag. 27. September. tSt. Abt. Riedrrtidandanlen. A> Uhr in der Schul« Blankenburg« Straß« Versammlung der tungen Genissen und der SAI. Vortrag:»Dir kommen. den Bommunalwaplen. Ziefcrent Genosse Bub,«. Morgen, Sonnabend. 28. September. 48. BW. 9;b l8Vj Udr Abrechnung sämtlicher Vriirksführer bei Belle«, Fürssenstr. 7. Wir bitten um recht pilnktliche» Erscheinen. t>i>. Abt. Lichtenberg. I«>4 Udr Ecrbenmznq be» gesamt»« Breile».„ @ Abmarsch Dossc- Eck« SLrtclstraß«. Anschließend Fabnenweib« Im Lokal S=) a Schoncrt, Sir-lau. Bnnnftstraße. Festredner: Rudolf Wisscll. M. d. R. W W Eintritt einschließlich Tan» Sil PI. Barten find bei allen Funktionären B erhältlich. Di» RachbaraWeilnngc» ssnd freundlichst eingeladen. >17. Abt. Lichtenberg.>20. Äbt. Friedrich»felde. t2>. Abt. Ba-I-dorst. Die Adteilunaen beteiligen sick, mit idren?-<,iu,cn und Ranncrn an dem Um- »ug der HZ. Abt. Lichtenberg. Treffpunkt l7>. Ilbr Dosse- Ecke Gürtel- stroß» in Lichtenberg. Anschließend Fahnenweihe im Lokal Schoncrt, Stralau, Bnnostsiroß«. 724. Abt. Mahl-dorf. 20 Uhr Flugblatiauogode bei Ander» und im Lokal Nord- stern. All« Freidenkergenoslen müssen daran teilnehmen. IZt. Abt. Riederschiinbaufe». Pünktlich 2i> übr bei Blindt. Am Friedensvlad. Funkt'onLrssßung. delegierten. Sterbetafel d«r Groß> Berliner vartei- Organisattoa j Wichtiae Besprechung und Wahl der Dezirkslag». Zrauenveranslallungen. zg. Abt. Sounebend. 28. September, 14 Uhr. Dampserfahrt nach dem Müggel- schläßchen. Hin. und Rücksabrt l M. Treffpunkt lZ'.h llbr punktlich Ianna» wißbrücke am Dampfer. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrl. 3. Brei, Dcdding. Di« Sißung der Fackiaruppe Zugendwohlfahrt findet am Freitag. 27. September, der Brei»«ertrkterversammlung wegen nicht statt. Reuer Termin wird noch bekanntgegeben.— Dienstag, I. Oktober. Ig Uhr, Be- fichtigung der Gcfundbeitsausftellnng de« Sefundbeitsamte» Weddinq in der Schule Pankftr. 20. Ecke Wiefcnltraße. Treffpunkt auf dem Schulhof. Alle Mit. gliedcr der Arbeitcrwohlfahrt lind herzlichst eingeladen. E.» wirden die Ge. nassenlinncnl dringend gebeten, die angemahnten AW.-Hefte und AW.-Marken foiort beim Bosfierer Genossen Redlafs, Pankftr. 78. abzurechnen. 7. Brei» Eharlottenbnrg. Di« Altenbesprechung um 7t. Uhr fällt ans, da wir un» an der Einäscherung der Senofftn Levin beteiligen. Der Vortrag findet statt. Zungsozialisten Gruppe Tempelbot-Mariendorf. Sonnabend. 28. Septemder. Hirschsobrt nach Zoachimstbal. Treffpunkt Baiserin-Auqufto-Straße um 19% Uhr l Stettiner Ferndahnhof'20.4» Uhri. Gruppe Deddivg. Gesundbrunnen! Heute. Freitag, l»�, Uhr, im Jugendheim Orthstraß«>«, Mufti- und Unterhaltungeabrnd. S» wird sehr intercssant. P-nteigenosscn und interesfterte GAI.nbenofteu ftnd al» Säfte willl»mm«». Gruppe Gch?ncber«! Heute, Freitag, pünktlich 20 Uhr, im Zugendbeim Hauvlftr. Id. Schwal-enlan dz immer..Znnervolitilcher Znformationsabrnd".— Sonntag. 29. Eextemder, beteiligen wir UN» an der Zehnjahrfcier der SAZ.- Schijneberg. Arbesksgemeinschafi der stindcrfreunde. Gros. Berlin! Di» rächst» Kelfernertamwlnng kann wegen der Reichokousc. reu» erst am Freit««, lt. Oktober, 20 Uhr. im Sißnnaosool deo Bezirksamts Breuzberg, Bsrckftr. tt, stattfinden. Tagesordnung: Füns.Minutcn.Refcratr der Brrlsleiter über die Arbeit in de« Breiten. Bericht über die Reich»konfercn». Berschiedene«.— Erinnert wird au die Abdolnna der Zelt« aus der Linden- ftraßc Z am Lannnadend, 28. September, ab lä Uhr. Gruppe Prenzlaner Berg: Heute. Frei'og. 27. September. 18 Uhr, in der Schule Danziger Str. 23. Lautenkursu». Daselbst um 17 Uhr wichtiae Sißung des Falkenrats mit dem Helferkrei». Jvgevllveldell lIer8oÄsll8tell nvö kre ltanker Berlins u» Sonntag, dem XB. September 1929 ▼ormlttags 9 Uhr Im Großen Sehamptelhaiu, Berlin, Karldr. ▼ormitiagi II Uhr In der Volksbühne, Berlin, Am h ü! o M p 1 ,'■/ vormittags 11 Uhr 1. d, Anla d. Lyreom», Pankorr, Gdrschsir. 42 Vuslk— Sprechchor— Gesang— Weiherrde— Orgelspiel. Mitwirkende; Der Junge Chor— A-cappella- Vereinigung dcss.Berliner Volkschor"— Minnergesangverein»Zukunft". Pankow— Der Sprechchor für proletarische Feierstunden— Volksmusikschule der.Musikantengilde Steglita— Cello-Trio— Tanzgruppe det SAJ-Sprcchgemeimchaft Nieder- schonhausen. Weiheredner: Wilhelm Landa, Dr. Kurt Locwertsiein, Lehrer May- *. Abt. Unser Genosse Paul Albrecht ist verstorden. Ehr« seinem Andenken! Beerdigung am Sonnabend, 28. Septemder, Ibsh Uhr, ans dem Friadhot in Nordend. Zionsfricdhof. 74. Abt. Un» allen vollkommen unerwartet ist am Dannerotag früh unser Genosse Wilhelm Mahlow, der zweite Borftßend« unserer Abteilung, »crftorben. Roch am Abend vorher hatte er in voller körperlicher und geistiaer Frische an der Breiodclegiertenversammlung teilgcnoinmen. Der Verlust diese» eifrigen und tüchtigen Genossen trifft die Abteilung schwer.— Weiter« Wit» tcilungen erfolgen im Anzeigenteil de»..Porwär!»"._ £cifers£ottcm. Der Dienst am Kunden wird immer weiter ausgebaut. Heute heißt es für den seriösen Kaufmann nicht nur,„wie bediene ich meinen Kunden?", sondern er will auch von ihm wissen, von welchen Gesichtspunkten aus er seinen Einkauf macht, woraus er also den größten Wert legt. Um nun die Wünsche ihrer großen Käuferzahl — im vergangenen Jahre waren es über 3 Millionen— gründlichst kennenzulernen, veranstaltete das Schnhhaus Leiser ei» P r c i s a u s s ch r c i h c n, das olle jene Punkte enthielt, die beim Schuhkauf zu derücksichtigen sind. Das Publikum sollte nun ent. scheiden, woraus es das Hauptgewicht legt, ob auf Qualität, Paß- form, Preis, Auswahl, gute Bedienung usw. Auf 1478 ausgegebene Losnummern fielen Bargcwinnc und Gutscheine im Gesamtwert von 120lAZ M.— Unter Assistenz eines Notars drehte sich in der Leiser-Filiale, Leipziger Straße, das Glücksrod und bescherte den Hauptgewinn von 1000 M. der Frau Käte Preßlmann in Friedrichsfelde. Die Bekanntgabe der weiteren Ge- winne erfolgt wie stets in den großen Tageszeitungen. Bei Sich- tung des eingegangenen Materials slellte man fest, daß von den S1 000 Einsendern 12 000 die Qualität an erster Stelle nannten und daß eine große Anzahl auf„liebevolle Behandlung"' durch das Per» kauf-personal großen Wert legt. ZiiünlmmwMmimMniimimmmmMimmmiumiMmimlmummtimmuintmtiimiintmmmimimmmmmlimmlmtu Ssedlong eoiiander Hoppedarfen PARZELLEN hanreli I bequemt billig 1 s Verkanfibfiro: GeiHU an der Frankfurter Chaussee Fernrnfi Hoppegarten 114 'i'iiiiNiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiii!iiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiii!iiiiiiiiniiiiMiiiiiiii,'iiii!iiiiiiiiiiniiiniiiiiiiiiimiiiiiiiiiniiiiiiiiiimF Alexanderplalr Nsii» Königstr. 43 ■i firelBitelialrikj Für Mobelsuchendc bwjondere Gelegenheik.— Voriiber- Keüend an Priraf verkauft zu ffUiiHtisen P r c i m e n: Speise-, Herren- u.| Schlnlzimnier O An, & K< OCQi in rrstklassigen Uolz- und Sftl- arti'n. Herrorracende � Wcrk- stalfarbpif. 3 Jahr« Garantie. 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Pfi 0.30 Konfitüre Pflaumen-Konfitüre, ca. i Pfi-Gl OJM Himbeer-KonßtÜTe.'ca. I Pfi-Gl 0.98 Aprikosen-Marmelade ca-i Pfi-Gl 0.80 Viejrucht-Marmelade ca.: Pfi-Etm 6.98 Apfelgelee......... ca. l Pfi-Gl 0.80 Honig............. ca. 1 Pfi-Gl 0.00 Himbeer-KonfitÜTt hm...... Pfi O.BS Preiselbeeren lo«.......... Pfi 0.50 W M Edelpfirsiche.............Pfi 0.08 Goldwein Pfi 0.80 Tafeläpfel....... ,,,,,,,.tPfi. 0.83 Kochbimen.............. Pfi 0.00 Pflaumen lUtue......».»»».Pfi 0.08 Tomaten huMge............Pfi 0.00 Preiselbeeren.............Pfi 0.08 Kartoffeln.............. 10 Pfi 0.80 Frank/- Kranz........StA aa 0.50 Schoholaden-Torte........ StA 0.98 BlatterteigtMnA.......»StA an 0.08 Spritzkuchen.«......... 3 StA 0.88 Kosrnerv-Stolien........stA 0.00 Hbg- Wiener-Barche»...StA an 0�0 Mohnstangen............ StA OJM Streusel und Bienenstich..stA. 0-20 i I Suppen-Hühner.......Pfi aa 0.98 Mast-Gänse..............Pfi 0.98 Mast-Enten Pfi OJM Brathähnchen........, an Pfi 0.90 Hirschblätter Pfi OJM WXdragout......... ,,,,.Jfi OJM Wild u. Gefiüge .U:BAWNMOF HFRMANNPLÄTZ/ DER KARSTADT 5 BARNMOF I '' Nach furbem Sranfcnlaflet entschlief om Mittwoch- dem 2t. Sept. S' ,UHr vormittags, im Zlltee von 61 Jahren mein innigsigeliebier Mann, unser guier Datei, Schwieger- und ffitoh- »ater, Schwager und Onfel, der Dastund Landwirt kllgllS! U»0liSNVSI'g Dies zeigt iiefbciriibt an im Namen der trauernden Hinierbiiebenen knns u/ollonvsi'g, geh. Zerpenfchieuse, den 27. Sept. 1929 Die Beerdigung findet am Sonn- abend.demZi Sepiemder. nachmittags t> Uhr, vom Trauerhause au» statt Mir die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beider Beerdigung meines lieben Baters Hennsim Martinke sage ich allen Bekannten, insbesondere den Kollegen der Borwäris-Druckerel. dem Verband der Buchdrucker und Schriftgießer und Herrn Werner für die triistlichen Worte am Sarg« de» Entschlafenen meinen innigsten Donk. Helene Zeb, geb. Martinke eijmhn lauschlose l-S-Zimmcr- OUUIIS wohnong gegen Abstand u. weißen Schein, möglichst im Bezirk Kreurberg od. Westen. Angebote IN. Abstand u. Friedensmiete an KartRollen- hngen, SW48, Friedrlchitragc»19. (Tel- Bergmann«200) Gesunden Schlaf kräFh'oe Nerven xcezcschäfft bei längerer Hur WZ JKöaZMM ecMeeuf den gsss. gesch. Hamen. Zu haben in Apotheken und Drogerien. Wo nichterhältlich, weisen wirVerkaufsstellen nach Otto Stumpf A.-Q., Chemnitz. Verkäufe Tapeten. Lzillat, RolanitCtafie 9_ W-tkeilc». Teppich«. ---- 2*3 1«.— SEI. 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Der Richter droht: ,Du schwärze Seele, Im Kittchen büßt Du Deine grobe Fehle,' Jedoch der Her rVert eidiger wäscht mit Fleiß, Und mit Benzit die schwarze Seele weiß. Versuchan Sie einmal einen Fettfleck mit gewöhnücher Seife zu entfernen— es geht nichtl— Und nun nahmen Sie Benzit. Benzit- Waschmittel mit ihrem patentierten Lösungsmittel lösen auch verstaubte Fettver- schmutzungon. 75� aller hartnäckigen Verachmutzungen sind Schweiß, Fett oder Speisereste. Daher zum Waschen— Benzitl FOr«üo grast» Wä»ch«: Benilt-Uebersoda(25 Pf.)«um Elnwolehsn ßanilt-Selfe 145 Pf i zum Anwasthen B»nzlt-Ueb«rselfe(60 P(.) pum Abhoshen FOr Wall», Seid« und bunta Wäsch» eenzli-Uaberselfo(80 Pf.) Benzit Clbensoda II Benzit AKtJongesellscheft, Benin NW 7 7tr. 453* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Kreitag, 27. September 4929 ie neue M'esenbank. Die erste Welle der kommenden Konzentrationsflut. Der völlig überraschende Zusammenschlnh der beiden gröfjlen deutschen Vankkonzernc. der Deutschen Vant und der D i s c o n t o g e s e l l s ch a f l. ist ein ErÄgni, von ungeheurer wirtschaftlicher Bedeutung. Zur Durchführung der Verschmelzung wird die Deutsche Bank ihr Kapital von tS0 Millionen aus 2S5 Millionen Mark erhöhen, hierzu kom- men noch die offenen Reserven der beiden Konzerne in höhe von 156 Millionen. Die Umsähe bei der Deutschen Bank und der Disconlogesellschaft erreichten im lehlen Geschäslsjahr 1328 fast die 400-Milllorden. Grenze. Räch der lehlen Monalsbilanz Ende August 1323 befanden sich in den grossen Geldsammelbccken der beiden Gesellschaften über chZ Milliarden an fremden Geldern. Dies sind fast 30 Proz. der Ginlagesummeu bei sämtlichen deutschen Aktienbanken. An Ueberraschungen hat es die Wirtschaft im letzten Jahrzehnt wirklich nicht fehlen lassen. Dafür sorgte schon der durch sämtliche Wirtschaftszweige laufende Konzentrat ionsprozeß, die Gründung von Riesentrusts sowie die Bildung weltbeherrschender internationaler Kartelle. Kaum ein Ereignis hat aber so eingeschlagen wie die von keiner Seite erwartete Verschmelzung der beiden bisher völlig getrennt marschierenden Großbanken, der Discontogesellschaft und der Deutschen Bank. Die Ueberrumpelung sämtlicher Wirt« schaftstreise sowie der gesamten Oeffentlichkeit ist vollkommen. Nicht einmal an der Börse, wo man bekanntlich das Gras wachsen hört, bestand auch nur etwas Aehnliches wie eine Vorahnung von dieser Aktion. Der Kreis der Eingeweihten war also derart eng gezogen, daß bis zum Tage der Entscheidung auch nicht dos geringst« nach außen durchgesickert ist. Jetzt, wo die Aktion der beiden Großbanken die Oeffentlichkeit vor vollendete Tatsachen stellt, erkennt man erst, daß die Rede des Bantdirettors Kehl auf der Düsseldorfer Unternehmer« tagung bereits deo Schallen kommender Ereignisse vorauswarf. Kehl, da» jüngst« Vorstandsmitglied in der Deutschen Bank und der Benjamin der deutschen Großbankdirektoren, hotte in der Einleitung seines großen Referates kurz und klar die Tatsache einer offensichtlichen Üebersetzung des deutschen Bankenappa- rates festgenagelt. Er hat auch zugegeben, daß dadurch die Selbst» kosten der Banken, die natürlich die Zinskosten entscheidend be- cinflusten, zu hoch gehalten werden. Kehl forderte ferner umfassende Zusammenschlüsse in einer ganzen Reihe von Industrien, um die Arbeit künftig noch rationeller zu gestalten. Er vertrat die Ansicht, daß sich die Erkenntnis der Zwangsläufigkeit weiterer Kvnzentra- tionen unaufhaltsam durchsetzen werde. Di« Deutsche Bank setzt also die Forderungen, die ihr Leauf- ttagter in Düssewdrf vor 3000 Unternehmern aufstellt«, wenige Tage danach bereits in die Praxis um. Es ist gar nicht daran zu zweifeln, daß nach diesem gewaltigen Auftakt mst einer neuen stürmischen Konzenlrallonswelle in der deutschen Wirtschaft gerechnet werden muß. Welch« enorme'Macht das zusammengeschweißte Finanzkapital der Deutschen Bank und der Discontogesellschaft verkörpert, sollen einig« Zahlen beweisen. Das Kapital der beiden Unternehmungen zusammen beträgt 283 Millionen, hierzu kommen noch ISS Mil- lionen offener Reserven, so daß sich die eigenen Kapitalien des neuen Unternehmens auf über 310 Millionen Mark stellen. Nach der letzten Monatsbilanz vom August 1929 besaß die Deutsche Bank an fremden Geldern(Kreditoren) einen Bestand von 2SZ1 Millionen, die Discontogesellschaft von 1778 Millionen Mark. Der neue Bankries« verfügt also mit zusammen 4,3 Milliarden fremder Gelder über 40 Proz. der gesamten Einlagen bei den Berliner Großbanken und fast 30 Proz. der Einlagen von sämtlichen 101 deutschen Aktienbanken. Das letzte Geschäftsjahr 1928 schlössen dies« beiden Großbanken mit folgendem Ergebnis ab: Deutsche Bank Discontogesellschaft Umsatz 225.1 Milliarden 165,9 Milliarden Rohgewinn.«»... 130,0 Millionen 71,2 Millionen Reingewinn,»,»« 2-5,7. 15,3. Dividende...... 10 Proz. 10 Proz Aussichtsratstantieme. 677 419 Mk. 656 756 Mk. Es ist auch notwendig, sich bei dieser Gelegenheit die Männer etwas näher anzusehen, die als Bankdirektoren und Zlufsichtsrät« dieses Kapital verwalten. Wie wir in jedem industriellen Großkonzern heute die führenden Bankiers vertreten sehen, so dient unigekehrt auch der Aufsichtsrat einer Großbank als Sammel- decken für die Industrieniagnaten. So finden wir unter den 63 Aufsichksräten der Deutschen Dank Max S t e I n t h a l, Vorsitzender, früherer Leiter der Deut« schen Bank, A. v. Gwinner, gleichfalls srüherer Leiter der Deutschen Bank, Generaldirektor Bierwes, Mannesmann-Konzern, Fritz Blüthgen, Generaldirektor des Glanzsioff-Konzerns, Ernst v. Dorsig, Leiter des Borsig-Konzerns. Fahrenhorst, Generaldirektor des Phönix, E. Fickler, Generaldirektor, harpener Bergbau, Fürst v. hatzfeldt, schlesischer Magnat, Philipp Heinecken, Präsident des Norddeutschen Lloyd, Aron Hirsch, Leiter des Hirsch. Kupferkonzern», Paul Reufch, Generaldirektor der Gutehoffnungshütt«, C. F. v. Siemens, Paul Silverberg, Generaldirektor des Rhein. BrmmkohleN- konzerns. Unter den 44 Zlufstchts raten der Disconlo: Emil Kirdorf, Gelsenkirchener Bergwerke, Wilhelm Cuno Generaldirektor der hapag, Louis Hagen, Bankier, Dr. haslacher, Generaldirektor bei Rheinstohl, Peter Klöckner, Leiter des Klöckner-Konzerns, F. Springorum, Leiter des Stahlkonzerns hoesch. Unter den leitenden Direktoren der Deutschen Bank sind am bekanntesten Herr v. Stauß, Oskar Wassermann und die Direktoren Kehl und F e h r. Herr v. Stauß hat in den letzten Jahren mehrfach bei den Kreditgeschäften mit der Ufa und mit Daimler-Benz eine recht unglücklich« Hand gehabt. Herr F e h r war nach dem schwarzen Börsenfreitag im Mai 1927 in der Oefftnt« lichkeit eine sehr umstrittene Persönlichkeit. Man erinnert sich, daß die ganze Wut der enttäuschten Börse sich auf sein« Per- son konzentriert«. Herr Kehl, das jüngste Mitglied im Borstand der Deutschen Bank, stammt aus dem Westen Deutschlands und ist mit der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie verschwistert und ver- schwägert. In den Händen von Oskar Wassermann ist wohl auch heute noch das Börsengeschäft der Deutschen Bank zusammen. gefaßt. Bei der Discontogesellschaft sind die leitenden Männer weitaus aller, und die Entwicklung bei dieser Bank Hot gezeigt, daß der Ueberalterungsprozeß in dem dortigen Vorstand ziemlich« Fort- schritte gemacht hat. Es wird bereits jetzt behauptet, daß die Ge« schäftsinhaber Urb ig und Dr. Solomons ohn sich überhaupt vom akttoen Geschäft zurückziehen wollen. Es ist ganz klar, daß sich dieser zu Rotionolisierungszwecken durchgeführt« Zusammenschluß der beiden Großbanken in allererster Linie gege« die 20 000 Mann starte Angestelltenschast der beiden Gesellschaften auswirken wird. Durch Vereinfachung der Verwaltung, Zusammenlegung von Depositenkassen und Lereinhett« lichung des Geschäfts wird eine neu« Abbouwelle über die Bankangestellten hereinbrechen. Bei der Discontogesellschaft haben bereits 400 Angestellte da» Kündigungsschreiben in der Tasche. Um so unglaublicher mutet die Nachricht an, daß sämtlich« 107 Auf« s i ch t s r S t e, die bisher in beiden Banken oertreten waren, ge» schlössen in da« neue Unternehmen mitübernommen werden sollen. So also sieht die Rationalisierung an der Spitze au», deren Ueber- füllung da» Unkostenkoillo der Großbanken stärker belastet, ol» dies eine Lohnerhöhung bei einigen 1000 Angestellten tun würde. Jedermann weiß, wie erbärmlich die soziale Log« der Bankangestellten heute in Deutschland ist. Die Bankangestellten ge« hören zu den ganz wenigen Gruppen der Arbeitnehmer, deren Gehäller sogar nominell noch unter Lorkri«g»z«tt liegen. Dabei hat die Ausbeutung der Arbeitskraft in den mechanisierten Bureaubettieben Jahr für Jahr zugenommen. Wenn daher jetzt wieder da» Gespenst de» Abbaue» über den Angestellten der Großbanken schwebt, so mutz zum mindesten gefordert werden, daß die vom Abbau betroffenen unglücklichen Angestellten«ine der- artige Abfindung erhalten, datz sie in der Lage sind, sich ein« neu« Existenz zu gründen. Di« übrigen Angestellten aber, die im Be- triebe einem neu«n verschärften Rationolisierungsprozetz aus- gefxtzt sind, müssen sich zu 100 Proz. in ihren Organisationen zusammenschließen und sich eine menschenwürdig« Existenz erkämpfen. K. B. stand al» zu Ende de» vorige» Bettieb-jahres festgestelli. Im einzelnen ergaben sich folgend« Endzahlen: Es wurden 114P Million«» Oappelzcntncr Rüben(1927/28 nur 106,6 Millionen Topvelzentixr) verarbeitet, die bei einer Zucker- ausbeute von 16 Proz.(1927/38 gleich 15,3 Proz.) 18,64 Millionen Doppelzentner(16,75 Millionen Dapp«lz«ntner) Rohzucker lieierten. Eingeführt wurden in diesem Betriebsjahre 0,78 Millionen Doppelzentner Rohzucker gegen 0,42 Millionen Doppelzentner im Borjahre. Dt« erhöht« Einfuhr«rsolgte in den Monaten September bis Dezember 1928, da seit der Zollerböhung im Dezember l928 nur noch verschwindende, fast ausschließlich zollbegünstigte (Donzig) Mengen eingeführt werden. Die Ausfuhr stieg von 1,5 auf 2,2 Millionen Doppelzentner Rohzucker, während d«r Ver- brauch von lb,2 auf. 16,9 Millionen Doppelzentner Rohzucker an- wuchs. Die Derbrouchssteigerung um 4L Proz., die zweifellos bei weniger großer Arbeitslosigkeit und besserer Massen- k a u s k r o f t stärker gewesen wäre, übertrifft immerhin d i e d u r ch j ch n i t t l i ch« V« r b r a u ch s st e i g e r u n g in Europa von 3,3 Proz. Die Bestände haben mit 2,56 Millionen Doppetzentner Rohzucker(einnflahr früher 2,24 Millionen Doppelzentner) die Höh« des deutschen Verbrauchs in fast zwei Monate» erreicht. London verteuert den Kredit. Dank von England erhöht Diskont von SV, auf S'/, proz. Die fett Monaten gefürchtet« Verteuerung de» Kre- dites in England ist jetzt durch die dortig« Notenbank vollzogen worden. Diese Maßnahme der Bant von England ist«ine Folge des starken Goldabflusses nach Paris und New Uort. Di« sofortige Heraufsetzung des Diskontsatzes der Bank von England um ein volles Prozent auf 6,5 Proz. kann natür- lich auf die internationalen Geldmärkte nicht ohne Folgen bleiben. Schweden ist bereits dem Beispiel Londons gefolgt und hat seinen Diskontsatz gleichsalls um 1 Proz. auf 5,5 Proz. erhöht, und auch in Deutschösterreich wird mit einer Heraussetzung des vsfiziellen Zinssatzes um ein Prozent in den nächsten Tagen ge- rechnet. Welche Folgen diese Maßnahm« der Bant oon England für Deutschland haben wird, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Soviel scheint wenigstens sicher, daß mit einer Senkung de» Reichsbankdiskonts bei der gegenwärtigen Situation nicht mehr zu rechnen ist._ Die AEG. in Südamerika. Uebernahme eines NrofiwerteS? Entsprechend verschiedenen Meldungen, die über den Erwerb eines südamerikanischen Kraftwerkes durch die AEG. zu berichten wissen, teilt die Verwaltung der AEG. jetzt mit, daß ein Bevollmächtigter des Konzerns in Südamerika sich befindet, um mft der Eompania Nattonal de Eleetrizidad Panama Verhandlungen über eine engere Interesiennahme zu führen. Da» genannte Kraftwerk, das vollständig mit ASG.- Mo- s cht n e n ausgerüstet ist, soll also offenbar auch von der AEG. selbst künftig betrieben werden. Da die Eompania Nattonal in Panama in Konkurrenz mft der Panama Licht- und Krast«Qes«Oschaft steht, die vollständig von Amerikanern beherrscht wird, ergeben sich hier gewisie Reibungspunkt« mit dem Genervt Electric Konzer», der erst kürzlich ein Akttenpatet von. 30 Millionen von der AEG. er« worden hat. Wie hierzu aber von der AEG.-Verwaltung mitgeteilt wird, schließen Ihre Abmochubgen mit ber General Elec- trlc Eomp. wedereine Konkurrenz in Südamerika noch in anderen Teilen der Welt au». Das Zuckerjahr-1926/29. Derbrauchssteigerung um 4,3 Prozent. Di« Zeitschrift„Die Deutsche Zu ck e ri n du st ri«' ver« öffentlicht soeben die Betriebsergebniss, der deutschen AuckTrfabrike« für das Betriebsjahr 1928/23(vom 1. September 1928 bi» 31. August 1929). Da sowohl die oevardeitete Rübenmeng« wie der Zuckergehalt der Rüben höher al» im Vorjahre war. übertraf die Zuckererzeugung die des Vorjahre» u m mehr als 11 Proz., da andererseii» eine verbraftchK« zunahm« von nur 4,3 Prozent zu verzeichnen war, wurde ttotz erhöhter Ausfuhr am S1. August dieses Jahre» ein höherer Be« Die Kreditbanken Ende August. Zuwachs der Sinlageu. Di« Monatsbantbilanz«» für den 31. A u g u st zeigen vor allem«ine Steigerung d«r Kreditoren. Lei den sechs Berliner Großbanken liegt gegenüber End« Juü eine Erhöhung von 9.989 Milliarden auf 10,162 Milliarden vor. bei den deutschen Kreditbanken insgesamt ein« solche von 13,274 auf 13,898 Milliarden. Die Steigerung der Kreditoren dürft« zum größten Teil auf den Zufluß von kurzfristigem Auslandsgeld zurückzuführen sein. Infolge der Pariser und der chaoger Konferenz wird also die für unser« Wirtschast so notwendig« Heranziehung ausländischen Kapitals wieder möglich. Diese Besserung kam zum größten Teil der Finanzierung der Wirtschost zugute. So haben sich bei den Berliner Großbanken die Bestände an Wechseln und Schecks von 2.062 Milliarden auf 2,119 Milliarden erhöht, bei den dsutfchen Kreditbanken von 2,674 auf 2,796 Milliarden Mark. Rohstahlkartell wird verlängert. Der Derwoltungsausschuß der Internationalen Roh« st a h l g« m e i n s ch a f t ist in Wien zusammengetreten und Hot beschlossen, für das vierte Quartal das Produktionsprogramm in bisheriger Höh«, d. h. mit etwa 32 Millionen Tonnen, beizubehalten. Di« Versammlung Hot von dem Bericht der Kleinen Kommission, deren Aufgabe es war, Richtlinien für«in« Derlängerung der Internationalen Rohsiahlgemeinschaft über den 31. Oktober hinaus zu prüfen, Kenntnis genommen. Mit Rücksicht darauf, daß eine endgülttge Entscheidung vor Neuhilhung verschiedener nationaler Berbände nicht herbei« geführt werden kann, ist man übereingekommen, die Internattonal« Rvhstahlgemeinschoft bis zum 31. März 1930 zu verlängern. Die Verhandlungen haben bei allen Gruppen den einmüttgen Wunsch erkennen lasien, in Kürze zu einem«ndgülttgen Abkommen zu gelangen. Die nächste Sitzung findet am 14. Dezember in Düssel« darf statt. Höhere Warenhausumsätze im Juli. Wie bi«.Zeitschrift für Waren- und Kaufhäuser' mitteilt, üb»:. trafen die Warenhausumsätze im Juli 1929 die des gleichen Monats de» Borjahres um 3� Proz. Die Hauptsteigerung hoben di« Rahrungv- und Genutzmittel aufzuweisen, die die Umsätze des Vorjahres um nicht weniger als 36 Proz. übertrafen Die Lebensmittelabteilungen haben also ihren Anteil an der Versoc- gung der Bevölkerung bedeutend vergrößern können. Auch der Umsatz in Hausrat unhMöbeln ging wesentlich über den des Borjohres hinaus-, die Steigerung betrug annähernd 14 Proz. In Bekleidung blieb der Umsatz um 0,6 Proz. hinter dem Juli des Vorjahres zurück, was wohl in der Hauptsache aus die A« r l e g u n g de» Sgisonausverkauss in den August zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist der Rückgang des Absatzes in B a u m w o l l- waren um fast 20 Proz.: schon seit längerer Zeit bleiben die Zif- fern dieser Abteilung regelm äßig hinter den Dergleichsziffern des Vorjahres zurück. Dies« Erscheinung ist die Folge des ständig wachsenden Absatzes von Kunstseideerzeugnifsen. Di« Be- dentung der M a s s« n t a u s l r a s t für die Warenhausumsätz« geht aus den monatlichen Umsatzziffern mft großer Deutlichkeit hervor. Im Vahr« 1928 übertraf jeder Monat den des Vorjahres, aber m der zweiten Halst«, de« Jahre» 1928 mit der absinkenden K«n- junktur bedeutend weniger als in der ersten. Im Jahr« 1929 blieben von den sieben ersten Monaten nicht weniger als drei hinter twn Dergleichsmönaten des Vorjahres zurück. Die Herren Einzel« Händler hätten die Umsatzzahlen der Warenhäuser wie ihr« eigenen etwa« studieren sollen, ehe sie in Hamburg als Unter» « e h m« r chre Beschlüsse zur Arbeisloseniroge faßten, die nur eine weitere Senkung der Mossentauftrast herbeiführe» könnten. Amstellong bei Hartman». Die Umstellung bei der Sächst« scheu Maschinenfabrik vorm. Richard Hartma»n A.-G., dem früher bedeutendsten Maschinenunternehmen Sachsen«. ist noch ttn vollen Fluß. Der Lokomotivbau wurde bereits vor einem Jahr an Schwartzkepff abgegeben: die Anlogen in Dre»- den rmlrden stillgelegt und der Betrieb in Ehemnitz konzen- triert. Jetzt hat die Hartmann A.-G., die schon für Spinne« reimaschinen die größte deutsch« Fabrik ist. ihr« überragende Stellung im Textilmaschrnenbau neck' durch Uebernahm« de» Kunstseidenmaschinenbau» der Ratinger Maschinen- fabrik verstärkt. E» solle» aber nicht nur Kunstseidenmaschinen hergestellt, sondern auch ganze K u n st seiden fa b rt k« n voll- ständig«Ingerichtet werden. Mtt den gesamten Modellen, Zeichnun« gen und Unterlagen werden auchdie Fachleute mit ihren Spe- zialersahrungen nach Ehemnitz übernommen. Schwere Verluste bei de» Hausa-Aulomobilwerten. Di« Hansa» Automobllwerk« LA. bei Bremen, die noch im Vorjahr einen Rein« gewinn ausweisen konnten, schließe« das Geschäitchahr 1928 mit einem V e r 1 u st von fast 380 000 M. ab. Nach dem Bericht de» Vorstandes ist ein Teil der Verlust« daraus zurückzuführen, daß sich besonders bei älteren Außenständen erheblich« Verluste ergaben. Die Gesellschast war nicht in der Lage, einen Absatz zu erzielen, der eine Rentabilität de» Betrieb«» ficherstellt«. Di« Absatzstockung hat bereits z»»i««r E»»fchrt»t«»« da» vetriab«»»eßchrt. Kommunistische Auslegung. Wer nicht wUv streikt, ist„Streikbrecher*. Die„Rote Fahne* schweigt sich über unsere Feststellung aus, daß die Niederkirchner-Rohrleger auf dem Tietz-Neubau nicht mit st reiten, sondern nach anderen Bausteller» zur Arbeit abgerückt sind. Dos hält die Drahtzieher nicht ab, selbst mit Provokationen die Arbeitsein st ellung der anderen noch auf dem Bau beschäftigten Berufsgruppen zu er- zwingen. Zu diesem Zweck wird zum Beispiel mitgeteilt, daß Arbeitskräfte vom Nachweis geschickt werden sollen. Wir stellen demgegenüber fest, daß bis zur Stunde weder vom Facharbeitsnach- weis noch vom Baugewerksbund Arbeitskräfte angefordert noch vermittelt sind. Es wird ferner ganz unverblümt ausgesprochen, daß«in Zu- sammenstoß mit der Polizei herausgefordert werden soll, um so die Besetzung der Baustelle zu erzwingen. Man erwartet, dadurch die Ein st ellung der Arbeit der anderen Berufsgruppen zu erreichen. Di« Rohrleger sind sa inzwischen auf anderen Baustellen untergebracht worden. Man kann deshalb für die übrigen Berufsgruppen auf dem Tietz-Neubau mit allem Nach- druck die Masienstreitparol« ausgeben. Ueber den Streik der Bauarbeiter in der Hebbel» st r a ß« wird die Lüge verbreitet, der Baugewerksbund habe die Streitsanktion verweigert, obgleich es sich dort um die Erfüllung der tarifvertraglichen Bedingungen handele. Tat- fache ist aber, daß dem Baugewerksbund von den angeblichen tarif- lichen Differenzen kein Wort mitgeteilt wurde und deshalb auch die Streiksanktion nicht abgelehnt zu werden brauchte. Dem Baugewerksbund ist auch von der A rb e i t s e i n st e l» l u n g auf dem Neubau des Metallarbeiter-Der» bandshauses von der Belegschaft keine Mitteilung gemacht worden. Die Lügen der„Roten Fahne* sind zu durchsichtig. Kein denkender Bauarbeiter wird sich dadurch irre machen lassen. Oer Konflikt im Gastwirtsgewerbe. Geschlossene Front der Angestellten. Wenn die Scharfmacher im Gastwirtsgewerbe geglaubt hatten. durch ihre ablehnende Antwort auf die vom Zentraloerband der Hotel-, Restaurant- und Cafeangestellten eingereichten Forderungen der Bewegung die Spitze abzubrechen, so werden sie durch ihre Spitzel jetzt davon unterrichtet sein, daß sie das Gegenteil erreicht haben: die vollkommene Geschlossenheit der gastwirt- schaftlichen Angestellten. Das war der überwältigende Eindruck, den die gestern im Hackeschen Hof abgehaltenen drei öffentlichen Bersammlungen auf alle Beteiligten ausgeübt haben. Die Versammlungen, die in em und demselben Saal, jedoch wegen des verschiedenen Betnebsschlusies bzw. Schichtwechsels zu verschiedenen Tages- und Nachtstunden vom Zentralverband einbe- rufen waren, zeichneten sich dadurch aus, daß eine Diskusston über- Haupt nicht beliebt wurde, denn die Führung im Kampfe hat un- bestritten der Zentralverband. Die Vertreter der Hirsch- Dunckerschen und christlichen Richtung beschränkten sich darauf, Solidaritätserklärungen abzugeben, nachdem der vom führenden Verband« gestellte Referent Kollege Bürde erklärt hott«, der Verband werde sich weder durch das provozierende Verhalten der Unternehmer noch durch das hysterische Geschrei der äußersten Linken von dem Wege abbringen lassen, den er kür den richtigen hält. Denn auch darüber wurde kein Zweifel gelassen, daß nach dem Spruch des Schlichtungsausschusses, der heute nachmittag 4 Uhr zusammentreten wird, nur die o r g a n i s i e r t e n Angestellten über Annahm« oder Ablehnung des zu erwartenden Schiedsspruches beschließen werden. Die Ausführungen des Referenten stießen auf besonderes Ver- smndnis. als er daran erinnerte, wie sich gewiss« führende Unternehmer, die sich nach ihrem im Namen der drei Arbeicgeberoerbände abge- sandten Schreiben infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse zu einer Lohnerhöhung nicht verstehen können, mit ihren Familienangehöri- gen den größten Luxus erlauben können. Bei manchen Unterneh- mern ist die„Notlage* so groß, daß sie nicht einmal die Beiträge ader-idi man nur»em ZIadiw»,»»n Deunchkli MuNker-rrbandr,. vrrlln. Kom- mandantenftr. 63,61 Dllndott 1277—74 »«lchöftizrU 9—5. Sonntag» 10— 1 Uhr Bul Wunich: Vrrtreterbesuch. zur Sozialoersicherung entrichten können, obgleich dieselbe»] den Angestellten abgezogen werden. 2lber auch die in letzter Zeit in einem gewissen Teil der Tages- presse angedeutete Drohung, daß die Kellner durch Servier- damen ersetzt werden sollen, zieht nicht, denn diese sind auch organisiert, und das übrige mänrllich« und weiblich« Hilfs- personal, nicht zu vergessen dajt qualifiziert« Personal in der Küche, wird den Unternehmern noch viel weniger den Gesollen tun, aus der Reihe zu tanzen. Wollen diese den Kampf, so werden sie auf eine geschlossene Front aller Ange st eilten und aller Richtungen stoßen und dem Referenten in die Hände arbeiten, der seine Ausführungen unter tosendem Beifall mit der Mahnung schloß, einig zu sein und in den Zentraloerband einzutreten. Einigung im Aauanschlager-Konflikt? Sie Arbeitsnachweisfrage noch nicht geregelt. Im Lohnkonflikt der Berliner Bauarrschläger scheint es nunmehr zu einer Verständigung zu kommen. Die Unternehmer haben bezüglich der Neufestsetzung der Löhn« und Akkorde und der Rege- lung der Arbeitsvermittlung«in neue» Angebot gemacht, das den im Metallarbeiterverband orgamsierten Bauorrschlägern am Dienstag zur Entscheidung vorlag. Während sich die Unternehmer in den letzten Verhandlungen bereit erklärt hatten, die Tariflöhne ab 1. April 1930 von 1,75 M. auf 1,83 M. und den Zuschlag auf die Vorkriegsakkorde von 100 auf 110 Proz. zu erhöhen, sind sie jetzt gewillt, bereits ab 1. Januar 19 3 0 die Löhne aus 1.79 M. and den Akkordzuschlag aas 105 Proz. zu erhöhen. Am 1. April soll dann die Heraufsetzung der Tariflöhne o u f 1, 8 3 M. und des Akkordzuschlages auf 110 Proz. erfolgen. Die Unternehmer hatten weiter in den letzten Verhandlungen die Zu- sage gemacht, in Zukunft alle Arbeitskräfte vom paritätischen Arbeitsnachweis zu beziehen, mit dem Vorbehalt, daß sie 20 Proz. der Belegschaft pro Jahr frei einstellen können. Die Unternehmer wollen jetzt nur noch 15 Proz. der Arbeiter ohne Vermittlung des Arbeitsnachweises einstellen. Um endlich eine geregelte Arbeitsvermittlung für die Bau- anfchläger zu erzielen, verpflichteten sich die Unternehmer, gemeinsam mit dem Metallarbeiterverband an das Landesarbeitsamt den Antrag zu stellen, daß beim Arbeitsnachweis ein paritätischer Fachausschuß für da» vauanschlägergewerbe gebildet wird. Da» neue Lohn- und Arbeitsnachweisabkommen soll bis zum 31. Dezember 1930 gelten. Die Bauanfchlöger stimmten dem neuen Derhandlungsergebnis mit knapper Mehrheit zu, knüpften jedoch an chre Zu- stimmung die Bedingungen, daß die Organisation das Abkommen nicht eher unterzeichnet, bis über die Frage der Arbeits- Vermittlung und besonders über die Bildung der paritätsschen Kom- Mission eine endgültige Verständigung erzielt ist. Die Versammelten verlangten, daß die paritätische Kommission noch in dieser Woche gebildet wird. Sie gaben der Branchenkom- Mission die Vollmacht, den Manteltarif zu kündigen, falls die Unter- nehmer diesem Verlangen nicht umgehend nachkommen sollten. Die Unternehmer haben e» also nunmehr selbst in der Hand, den schon seit Anfang diese, Jahres schwebenden Konflikt wegen der Arbeits- Vermittlung endgültig beizulegen. Gewerkschaften und Panzerautos. Vor wenigen Tagen feiert« der russische Transport« arbeiterverband sein zehnjähriges Jubiläum. Anläßlich dieser Feier wurde vom Zentralvorstand des Verbandes beschlossen, daß sämtliche Mitglieder de» Verbandes(nahezu 200 000) einen Samstagnachmittag abarbeiten sollen, um dem Volkskommissariat für Heereswesen Mittel zum Bau einer Panzerautokolonne zur Verfügung zu stellen.(„Trud* vom 18. September.) achstehend aufgeführten Lauten sind Einsetzer gesperrt: Firma Weihensee, Stealitz. Stein- ierschöneweide, Zeppelinstraße, Achtung, Sinseherl Die nachstehend aufgeführten Lauten wegen Loyndifferenzen für S t i k k la s. Bautischlerei in W strahe Ecke Bismarckstroße, Ob Block 7, Adlershof, Kaiser-Friedrich- Ecke Bismarckstroße, Reinickendorf, Grüner Weg: Bautischlerei Schmidt und Völker, Tempelhof, Friedrich-Karl-Straß« Eck« Manteuffel- straße, Weihensee. Gustav-Adolf-Sttahe: Tischlermeister Müller aus B a r u t h i. d. M., Bau: Blumentholsttahe Eck« Scharnweberstraße. Deutscher Holzarbeiterverband. Die Ortsverwaltung. Oie Nergarbeiier«Lniernationale. Doris, 26. September.(Eigenbericht.) Das Exekutiv-Komite« der Bergarbeiter- Internationale ist am Mittwoch in Poris Im Gebäude des Sozialistischen Gewerkschaftsbundes(EGT.) unter dem Vorsitz von Herbert Smith zusammengetreten. Etwa 20 Delegierte aus Deutschland, Oesterreich, England, Belgien, Frankreich. Spanien, der Tschechoslowakei, Polen und Holland sind anwesend, �luf der Tagesordnung steht neben der Festsetzung von Ort, Datum und Programm des Internationalen Bergarbeiterkongresi«» von 1930 vor allem die Stellungnahme der Bergarbeiter-Internationale zu den bevorstehen- den Genfer Verhandlungen über das Kohlenproblem. »«,irt»amt gri«drich,l>ai»! Leute 19Z4 Ufte in den Andrea»,�-». M lAIen, Andrcasstr. A, wichtiqc ZZcrsammluna der Arbeiter, Angeslellten O und Bcamtcn bes Lezirlsamt» ssri«brich»l>ain. fflcnolie M. Scnbc- W mann sprickit Uder„Reparatuincn unb Arbeitncliin-rsiiiaft". ff» m rb S»ahlrelcher Vkiuch erwartet. Der iZratti»»»»»rft»nd. El Achtnna, BS®., Abtrilnaa Sa»»tn>«riftatt. S'radenbal,«! Conn- abend. 19 Ulir. im Lakai Last.»Zum Nußbaum�, in Pliistensee. Straße 12, e am Berbinbunqskonal, iZraktionsfistuna sämtlicher in bcr Äauntwerk. W statt beschststiaten Genossen. Genosse Ä. Dresse! spricht Uber„D�e (=3 Sojialicmolcolie im stampf". Svmpatbifierenbe unb ssraue» können W mitaedracht werben. Der gooktioneoorsionb. ES ÄchtAna, BBS.. Werkstatt Srunrwalb! Am Tonntofl, 2». Scp'em. El der, 10 Uhr. bei Seebok, Williboid-Alerio-Str. 5. wichtige Zraktions- Versammlung aller SVD.. Genossen. VollMbligen Besu-� erwartet ZZ Der Kr»»iou»vorsta»b. »�reie Gewerkschafts-Iuaend Berlin. f beut«, ssreitag, 19Z4 Übe, tagen die Grurwen: Sbarlottenbnrg! Augend- beim Sprcestr. 30. Vortrag:„Augendrecht und Augendschub'.— »«»pelinvlati: Jugendheim de» Veairksom!» Wedbinq. Turiner ff che See- ftrasie sffingang Turiner Straße). Vortrag:.Ernstes und Keitere» von der WaUe".— Sermaonplab: Jugendheim Sanberstr. 11, Ecke Lobrechtstraste. Vor. trag:.Warum soziale Unterstlitiung in den Gewerkschaften?"— ffHben, fffib. westen: Grupvenheim Wassertorstr. 9, vorn»ort. Liebrradeitb.— Bäumst'» len- weg: Jugendheim Vaumschulenmeg, ffrnststr. 16. Vortrag:„Ein Tg« auf dem Arbeitsgericht".— Achtung, Voranzeigel Mitgliedcr de» Evrcch. und Ve- «cgungschgr» Probe am Sonnabend. 28. September, um 19 Uhr, in der Ver. liner Gewerkschaftsschule, ffngelufer 24— 23. 2. Los, 1 Tr. �uoendaruppe des 3eniralverbank>es Per Anaesiellten mr/f! Heut«, ssreito«, finden folgende Veranstaltungen statt: Auaeichheim Lausener Str. 2. Vortrag:.stdrverkultur". Friedrich Weigelt.— stZpenIek: Jugendheim Grünauer Str. b. Zimmer 2. Vorirag:.Die parlamentarischen Parteien in Deutschland". Referent Dr. Mar Schütte.— Südwest! Der Gruppenabend fällt heut« au»I Vberspree: Neserent A*HEFTER SEIT 15 JAHREN HEFTERS billige Qualitäts-Fleischwaren; RiniUronUdeB.......... Mk. 1.40 p. Pfd. KoIbstdinUzel........... 1.00„, Kahler kämm............ 1 SO,„ tcfawelnebaacfa m. 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Jnnersuropäisch« Dorgänge interessieren die Masse der Amerikaner fast gor nicht. Damals, so kurz nach dem Krieg, war Kenntnis und Verständnis von Europa selbst in den großen amerikanischen Redak- tionen erschreckend gering. Meine Ankunft in dem Nachrichtenbureau war deshalb recht freudig begrüßt worden, ich wurde ohne weiteres zur„europäischen Autorität" ernannt. Den gestellten Anforderungen dieser Würde konnte ich entsprechen, ich hatte zum Beispiel kurz« Heii vorher sogleich sagen können, wer dieser„Guy" Knut Hamsun war, der den Nobelpreis bekommen hatte. In unserer Redaktion hat es sonst keiner gewußt... und unsere„authentische Information" ging durch Hunderte Blätter Amerikas. Diesmal hatte der„Boß" gedacht, es müsie sich wohl um den letzten König von Bayern handeln, wenn man so etwas Überhaupt kal>«ltc. Als ich ihn enttäuschen mußte, warf er den Meldestreifen sogleich in den Papierkorb. Unser„Boß" war einer der besten, bekanntesten Journalisten Amerikas. Cr wer der große Mann, der durch eine einzige vor» eilige Depesche aus Boulogn« ganz New Dork den Abschluß des Waffenstillstandes aufs wllste schon... am IL. November 1S18 feiern ließ. Das ist ihm als sein größter„Scopp", als seine größte .�Crsttneldung" angerechnet worden Der„Boß", der Leiter einer Redaktion, aus deren Nachrichten. Artikeln und Bilderdienst 300 amerikanisch« Provinzzeitungen chren vollkommen uniformen Inhalt erhielten, der Leiter der Redaktion, die darüber hinaus noch 1200 nord» und südamerikanische Zeitungen zu ihren Nachrichtenabonnenten zählte, der„Boß" saß in seinem Zimmerchen, das in Wahrheit nur ein Holzverscfjlag war. Es war darin nur ein Raum für seinen Schreibtisch, seinen Drehstuhl,«inen Befucherstuhl und den Schreibmaschinentisch seiner Sekretärin. Ein ebensolches eigenes.Limmer" hatten sonst nur noch der Geschäfts- führer, der Kassierer, und seltsamerweis« auch der erste Handels- redakteur. Wir andern alle saßen in einem gemeinsamen riesigen Raum, dem sogenannten Nachrichtensaoi. Wir alle— da» waren Über sechzig Köpfe. Ich werde es nie vergessen, wie ich zum ersten- mal vom„Baß" zu meinem Schreibtisch in diesen Saal geistiger Arbett geführt wurde. Durch sechzehn Fenster strömt« betäubendes Sonnenlicht, dabei brannten aber zahllose Glühlampen, und der Raum dröhnte vom Ticken und Klappern dutzender Schreib- rnaschinen. Telegraphenapparate und Fernschreiber. Dazwischen schrillten Telephone. Ich war totunglücklich, glaubte, daß ich da nie ein« Zeil« würde schreiben können, und wäre am liebsten mit dem nächsten Schiff wieder heimgefahren. Der Lärm war tatsächlich so ungeheuer, daß man, wenn man mit einem Kollegen sprechen wollte, ganz dicht beisammenstehen und einander in die Ohren schreien mußte. Am ersten Tage vermochte ich keinen Gedanken zu fassen, aber nach acht Tagen wußte ich, daß dieser Lärm so groß war, daß er schon wieder isolierend wirkte und gegen Ablenkung schützt«. Man arbeitete unter der Glocke dieses Lärms wie in einer totenstillen Einzelzell«. Mein Schreibtisch stand an der Schmalwand, an der wir „Foreigners" plaziert waren. Darunter war ich der einzige Aus- länder. Mein Nochbar zur Rechten, der Korrespondent des Lon- doner„Daily Expreß", war ebenso waschechter New-sgorker wie der Kollege zur Linken, der Mexiko und Südamerika bediente, und dessen Nebenmann, der für Australien arbeitete. Sie hießen King, Ruskin, Mason, aber wir wurden nur London, Australien und Gcrmany gerufen. Die ganze Mitte des Raumes füllt« ein riesiger Block von Schreibtischen, an denen die„amerikanischen" Kollegen auf ihre Schreibmaschinen loshackten. Sekretärinnen gibt«s für amerika- nlsch« Journalisten im allgemeinen nicht. Jeder hat seine Maschine vor sich und überträgt seine Geistesarbeit gleich auf die Tasten. Ich verursachte in den ersten Tagen Sensation, weil ich, um ein paar wohlgefeilte Artikel zu schreiben, mit einem Tintensläschchen und einem Federhalter angerückt kam.(Denn selbst gegen ein« Füllfeder sträubte sich damals noch meine Feuilletonistenempfindlichkeit.) Sie standen alle eine Disrtelstund« staunend um mich herum und am anderen Tage beschenkten sie mich dann— mit einem Gänsekiel. Die Mehrzahl der jungen Leute an den Schreibmaschinen, olle nur in Hos« und Hemd, mit aufgerbllten Aermeln und mit einem grünen Blindenschiid Über den Augen, waren Reporter. In ameri- konischen Redaltioney telephoniert man sehr wenig. Ueber Land werden die Bericht« aus eigenen Leitungen telegraphiert(bei der Konkurrenz der privaten Telegraphengesellschaften drüben kann man Übrall hin Drähte ständig oder fallweise mieten), und auf dem eigenen Draht lausen Fernschriften nicht länger al« ein Telephon- gcfpräch. das man erst stenographisch aufnehmen und dann über- tragen muß. Die Amerikaner haben auch Fernschreiber,„Ticker", die nicht wie die unserigen nur Pap«rstreifen, sondern ganze Blätter beschreiben, die man sogleich redigieren und In die Setzerei senden kann. Von solchen Tickern lärmten fast z>vei Dutzend in unserem Arbeitssnal, wo an der«inen Längswand auch noch zwölf Tele- grnphisten(an Normaltagen), die wiederum unsere Berichte weiter- morsten Das Ist der Ferndienst. Bei New-Borker Lokalereignissen glauben' die Zeitungen drüben nicht an den Wert telephonischer Er- tundigunaen bei Polizei. Feuerwehr. Magistrat usw. Sie glauben nur an den Augenschein, senden zu jedem Ereignis je nach seiner Größe 2 bl» 20 und 40 Reporter. Diese Reporter, das Rückgrat jeder amerikanischen Zeitung sind ein sel-same- Volk. Schreiben können sie fast gar nicht, die Berichte. d>« sie abliefern sind stilistisch meist unmöglich.(Diese Bericht« werden auch gar nicht veröffentlicht, sie werden, mindestens zwei oder mehr von jedem Ereignis, einem„revrlte man", einem Um- schreiber, übergeben, dem übrigens auch die Telegramme der Korre- spondenten ausgehändigt werden, und der an« allem erst den schönen, packenden Bericht macht.) Die Arbeit des Reporters besteht also darin, durch alle Türen und Sperren vorzudringen, alles zu erftagen und möglichst viel Tatsachenmaterial ins Bureau zurück- zubringen.„Große Reporter' sind sie nur in Romanen rnid No, vellen. Im Leben werden sie erbärmlich bezahlt, weil viel zu viel« jung« Amerikaner zu diesem„romantischen" Beruf drängen. Hoch- bezahlt wevden nur die politischen Reporter in Washington. Unser „Boß" erklärt« mir das einmal so:„Bon unserem Mann in Washington verlange ich. daß er auf meinen telegraphischen Befehl den Senator Smith auch um zwei Uhr früh aus dem Bett klingeln kann, um ihn zu fragen, was für ein Kleid sein« Frau beim Präsi- dentenempsang tragen wird— und daß er nicht nur um zwei Uhr früh diese lächerliche Frage beantwortet erhält, sondern trotzdem auch weiterhin mit Senator Smith gut Freund bleibt..." Dies also bringt das größte Geld in der amerikanischen Journalistik. Im übrigen liegen die Redaktionsgehälter drüben weit unter dem Ein- kommen eines tüchttgen Ladenverkäusers. An diesem besonderen Nachmittag aber, von dem ich noch er- zählen wollt«, als ich also aus dem Zimmer des„Boß" zu meinem Schreibtisch zurückkam, hatte ich und hatten meine ausländischen" Kollegen gar nichts zu tun. Wir konnten beisammenstehen und reden, ich konnte zum hundertsten Maie ihr« neugierigen Fragen nach der sozialen Orgamsatun der deutschen Journalisten beant- warten— sie haben«« drüben noch zu keinerlei Gewerkschaft, keinerlei Versicherung usw. gebracht—, konnte mit Muße das Leben in diesem Saal bettachten, immer wieder am meisten gebannt von der Erscheinung des News Editors, des Beherrschers dieses Saales, der buchstäblich erhöht wie der Galeerentreiber über der Galeere sah. Sein« Augen verfolgten und zählten jeden Gang zum Trink- wasser-Siphon hinten in der Ecke, er konttollierte, daß die acht Stunden Dienstzeit auch wittlich voll durchgearbettet wurden, durch einen hypnotischen Blick riß er den Redakteur vom Stuhl hoch, der nicht gleich aufgesprungen war. um die letzte Nachricht voin Ticker M reißen. Eben gab er dein jungen Watson ein Wochengehall und die soforttge Entlassung, weil das Geschäft jetzt im Herbst kleiner werde und ein Mann deshalb abgebaut werden müsse— sehr blaß rollte Watson die Aermel herunter, zog den Rock an und ging weg, das war alles. Der News Editor war an sich ein sehr gutherziger Mann, aber er war bestellt als Wächter jener Mechanisierung, der sich auch die geistige Arbeit drüben einfügen muß. Ick) ging zu ihm hin und sagte:„Armer Watson!" Er zuckte die Achseln:„er war der schwächst«—" Ich hatte, wie gesagt, alle Muße, das Leben dieser Redaktion zu beobachten, nicht das kleinst« Stückchen Nachricht kam heute in die Redaktion— denn dies war der größte Nachinittag für jede amerikanische Redaktton: soeben begann da draußen nahe dem Eeast River das Schlußspiel um die Baseball-Meisterschaft. Australien, London, Deutschland, die Dago-Länder wollten davon kein Wort wissen, aber all« unsere Drähte und Ticker waren von zwei bis fünf für jede andere Nachricht gesperrt. Ein kompliziertes Uebermittlungsfystem brachte uns Schlag um Schlag, Minute für Minute des Spiels in die Redaktion, und Schlag um Schlag, Minute für Minute wurde das Spiel in blitzschnell verfaßten, otemraubend spannenden Schilderungen wieder ins Land hinein verbreitet. Wir hatten heute 25 statt 12 Telegraphisten im Saal. Vor unseren, Haus drängten sich Menschenmassen und starrten auf unser« Aus- hänge, und auf den fernsten kleinsten Bahnhöfen im weiten Amerika drängten sich die Farmer um den Stationstelegraphen, aus dem unsere Berichte herausringelten. Ich stand noch neben dem News Editor und mir ging noch die— beinahe— Nachricht van dem Tod des letzten bayerischen Königs im Kopf herum.„Was täten Sie fetzt," schrie ich dem alten Withney in die Ohren, der ein wirklich guter und gewissenhafter Journalist war,„was täten Sie jetzt, wenn die Nachricht von der Ermordung eines ganz großen Potentaten käme?" Er sah mich mit einem leeren Blick an.„Ich weiß nicht," sagte er verquält.„Voriges Jahr an diesem Tage hatte ich einen solchen Fall. Da kam die Nachricht von einer Schlagwetterkatastrophe in Pennsylvanien. Ich glaub«, es waren 550 Todesopfer. Da ließ ich für eine Minute, für ein« einzige kurz« Minute den Baseball-Dienst unterbrechen und jagt« einen„Flash" mit der schrecklichen Nachricht durch Wir bekamen 300 Prottstteiegramme unserer Abonnenten. Ob wir verrückt geworden seien? Ob sie dafür die teuren Extra- preise für den Baseball-Sonderdienst zahlten? Schlagwetterkata- strophen gäbe es ein Dutzend im Jahr, aber mir ein Baseball- Schlußspiel, deshalb halte man doch den Druck nicht auf! „Sind wir dazu Journalisten?" sagte ich vor mich hin. Er sah mich wieder mit seinem verbitterten Blick an. Dann wies er mich zuvecht:„In Europa haben sie eben keine wirkliche Sport- leide nschaft." Xola JCandnu: dCßl'bflltllCllI Des Nachts strahlt der herbstliche Himmel in einem grausamen und kallen Leuchten. Wie eine weiße Peitsche fegt da« Mondlicht über die kahlen Felder, das niedergestampft« Gestrüpp des Kartoffel- krauts und die kleinen traurigen Aschenhügel. Die nackten Wände der Dorfhäuser mit ihren zerzausten Gärten glitzern gespenstisch, starr und totenhaft stehen die Astern und Sonnenblumen, eine Lähmung hat alles Leben ergriffen. Die Dorfsttaße liegt ohne Laut: wo sst' nun der Singsang der Menschenstimmcn auf und ab, das Rascheln und Gewisper, das Gelächter der Mädchen, das zärtlich die Luft aufrührt«? Nur immer stärker leuchtet der Mond, immer schneidender wird das weiße Grinsen über der Verwesung. Hinter den Stoppelfeldern breitet sich wie«in schwarzes zottiges Fell der unermeßliche Wald aus. Und von dort tönen plötzlich— o Wunder, mitten In dem greisenhaften Verfall der Herbstnacht— brüllende Laute. Vom heiseren Röcheln der Wut bis zu aufheulen- den langgedehnten Schreien der Sehnsucht erzittert der Wald. Man mächt« glauben, der Dämon des Waldes selbst trommelte mit beiden Fäusten auf seine Brust und stampfte ausbrüllend durch das Dickicht. Aber es gibt keine Dämonen mehr, und dies sind auch keine schwäch- lichen Menschenrufe, diese Urschreie, die langsam anschwellen, bis sie im donnernden Echo bersten. Dies ist die noch ungebrochene Tier- seel«, die man einstmals den großen Göttern zusprach, die Zerstörung und Zeugung zugleich über die Erde ausstreuten. Es sind die brünstigen Hirsche, die ihre Unruhe durch den Wald tragen und die Stille aufwühlen. Da schreitet er, der Dämon, der verzauberte Gott des Waldes, mit seinem Geweih, der Hirsch an. der Spitze seiner Herde von Weibchen, die er vor sich hertreibt. Und auf anderen Wegen schleicht der Einzelgänger, der einsame Hirsch, durch das Gestrüpp, von Liebe gepeinigt wirft er stöhnend den Kopf zum Himmel auf. Der Trieb fuhrt ihn sicher, daß er der fremden Herde begegnet. In verzwoifel- ter Wildheit stürzt er sich auf den Nebenbuhler, ein mörderischer Kampf beginnt, bis der Schwächere zusammenbricht oder flüchtet, und de? Sieger mit der Herde, der eroberten Liebesbeute, abzieht. Deutlich unterscheiden sich die beiden völlig verschiedenen Laute der Hirschbrunst, der Kampfruf und der Sehnsuchtsschrei. Der Klagelaut ist ein. longgezogener tiefer Mollton, maßlos und von unendlicher Schwermut, rasend bis zur Selbstzerfleischung. Bis- weilen bricht er in einem wehen Todesröcheln ab. Keine menschlich« Sttmme könnte eine solche Ähnsucht singen oder weinen, wie diese Tierseel« e» vermag. Das ist Liebe, die an den Tod streift, mit Todesgrauen gefüllt, kein satte» Glück, sondern grundlose Wildnis. Dann antwortet irgend'woher aus der schwarzen Waldeck« der andere Ruf. Auch dieser Laut ist tief, aber hat ein Dröhnen der Kampfes- wut: dies ist eine Löwenstimme, Dlut auf der Zunge und ohne Erbarmen alles niederstampfend, was sich ihr in den Weg stellt. Wehe, wenn die beiden Stimmen zusammenstoßen! Sie werden mit- einander kämpfen, bis die eine zerttcten sich im Walde verkriecht. Und während in den großen Städten zur Zeit der blassen scheidenden Sonne, in Angst vor der Todesstarre die Menschen sich zum Leben aufstacheln mit künstlichen Lichtsttömen, mit Spielen und Tänzen, vollzieht sich im Walde, im Dunkel, das große Geheimnis, der Schrei der Schöpfung, der den Herbst überwindet. 3)ie Sir öle im Volksglauben Der Kulturmensch ist heute daran gewöhnt, zwischen sich und dem Tier ein« starke Schranke zu empfinden. In früheren Jahr. taufenden jedoch kannte man diese bewußt« Trennung nicht. Der primitiv« Mensch empfand das Tier als ebenbürtig, oft genug über- legenen Gefährten im Lebenskampf. Die enge Naturverbundenheit, das harte Ringen um die Notwendigkeiten des Leben», das sich In engster Verbindung mit Plfanzen- und Tierwelt abspielte, ließ keine der heute bestehenden Grenzen aufkommen. Aeußerst interessant ist die Stellung des primitiven Menschen zur Kröte, diesem so harmlosen und ungefährlichen Tier, das aber bis heute Im Volksglauben eine besondere Rolle spielt. Sie schien von altersher manches Geheimnisvolle und Unheimliche zu bergen. Staunend nahm man an ihr Eigenschaften wahr, die dem Menschen fehlten, die Fähigkeit, auf dem Lande wie im Wasser zu leben, oder zeitweise wie tot zu liegen und dann plötzlich zu neuem Leben zu erwachen. Auch die große Fruchtbarkeit, mit der die Kröte begabt ist, ließ die Anschauung aufkommen, daß sie mit aubhergewöhnlichen Kräften begabt sei. Sie schien ein dämonisches, ein göttliches Wesen zu sein, da« Man überhaupt nicht oder nur zu bestimmten Zeiten täten durfte. Ost begegnet die Anschauung, die Kröte, sei«in ver- zauberter Mensch. Bei der Bildung dieser Vorstellung haben uralte totemistisch« Anschauungen mit der zeitlich jüngeren Vorstellung vom „Seelentier" zusammengewirkt. Das Wort Totem ist der Indianer- spräche entnommen und bedeutet das Tierzeichcn, das eine Familie trägt, die mit dem betreffenden Tier in mystischer Beziehung steht. Das Tier gilt als Stammvater des Geschlechts. So herrschte zum Beispiel bei den Vuffalostämmen der Ohama der Glaube, daß sie ans Büffeln entstanden seien und nach ihrem Tode wieder in diese Tier- gestalt zurückkehrten. Litauische Sagen erzählen, daß Storch, Krebs und Frosch vom Menschen abstammen. Durch Jahrhunderte wirkten solche Vorstellungen im Volksglauben nach. Das Grimmsche „Märchen von der Unke" hat Reste diese» Glaubens bewahrt. Kind und Unke stehen in mystischer Beziehung zueinander. Solange das Kind mit der Unke seine Mahlzeit einnimmt, gedeiht es und wächst heran. Aber als di« Mutter das Tier tötete, da siecht das Kind dahin und stirbt. Aehnliche Vorstellungen, die noch durch die An- schauung verstärkt werden, daß die Kröte ein verzauberter Mensch sei, wirken In der Begründung nach, mit der man an manchen Orten die Kinder vom Töten einer Kröte abhielt:„Ihr könnt nicht wissen, ob sie nicht eure Großmutter ist." Das Ehristentum, das Gebräuche und Anschauungen dieser Art antraf, baute klug seine eigene Glaubenswelt auf dieser Grundlag« auf. Die Kröte wurde zur Trägerin der armen, verwunschenen Seele, di« keine Ruhe finden kann, bevor sie ihre Sünden gebüßt hat. So werden die Friedhofskröten zu Trägerinnen„armer Seelen", die Erlösung suchen. Nach anderem Volksglauben hoben die armen Seelen die Erlaubnis, am Silvester in Krötengestalt zur Erde zurückzukehren. Man muß sich deshalb besonder» hüten, an diesem Tag« eine Kröte zu töten. Andererseits aber betrachtet man die Kröte als glückbringenden Hausgeist, der die Lebensmittel in gutem Zustand halte und Wohl- stand ins Haus brächt«. Auch als Schatzhüterin ist sie aus Sagen und Märchen vielfach bekannt. Ebenso wird sie an manchen Orten gern an Quellen und Brunnen gesehen. So erzählt eine alte hessische Dolksfag« von der„Kröte im Born", die das Wasser rein halte und wohlschmeckend mache. In der Oberpfalz erzählten sich die Leute, es sei schädlich, im Winterhalbjahr aus dem offenen Brunnen zu trinken, denn„dann sitzt die Kröte nicht darin, die im Sommer das Gift an sich zieht. Will man dennoch trinken, so blas« man dreimal hinunter oder werfe drei Brotkrumen hinein". Eigenartige, in uralten Glaubensvorstellungen begründete Bräuche, die bis vor kurzem als Aberglaube auf den Dörfern weiterwirken. Erst die modern« Technik, die an Stelle der Dorfbrunnen die Wasserleitung setzte, haben sie zum Schweigen gebracht. Aber auch das tote Tier noch sollte Gluck bringen und besondere Kräfte ausströmen. Man nagelte es an die Innenseite der Stalltiir oder hing«e in den Rauch. Seine Asche war ein beliebtes Zauber. mittel. Endlich galt die Kröte ihrer großen Fruchtbarkeit wegen als Zaubermittel bei ausbleibendem Kindersegen. Di« Frauen opferten Kröten aus Eisen oder Wachs und trugen Krötenamulette. Vor allem in Süddeutschland kannte man dicie Gebräuche in der Gegend vom Elsaß bis zur bayerischen Grenze. So wurzeln die uralten Glaubensvorstellungen des Primitiven. die er im Umgang und im Kampf mit der Natur und ihren ge- heimnisvollen Kräften in Unkenntnis der naturwissenschaftlichen' Zu- sammenhänge gewann, tief im Volksglauben und wirken weiter bis in unsere Zeit. Und vielleicht werden noch Jahrhunderte vergehen müssen, bevor die letzten Reste dieser Vorstellunpswelten den Erk-nnt- nissen der Vernunft und Wissenschaft gewichen sein werden. M B ILLIG UND G UT KÄSE UND FETTE Romedour...... staok 22rt; ülodikUtVkMm�u. oart ßIock]c&M! BnmMUulw Art, 80»(,............. ml." Echt Emracnikaier AllgguerStengmkSte wi................. jinsart Hollfinder» v~. n«. 7»�. Edamcrto,f,..„...K4. 78?t Dfin. Schweiler xn*™. 98«. Edamer«i»...... fu. 1,05 Hollander«V--Ftä. 1.05 THiüer toikm..... m 90Pt PUL nm 1,1*»n Molkereflnüler.... fm 1,78 Grasbutter......... m 1,94 Aus!. Tafclbnöer..Pfd. 2,04 Margarine....m 50, 62pl Kokosfett.......... Pfd. 50Pt FRISCHES FLEISCH Gulasch...........-........ Pfd. 1,10 Suppenfleisch....Pkm>d v»»84pf.»o Schmorfleisch kmI*» Xa, m 1,30 Schabefleisch............... Pfd. 1,30 Hackepeter K«vant........PM. 1,30 Talg suceluatB.............. Pfd. 56pf. KONSERVEN% | Kalhsbaxe».............Pfd. 7Spt Kalbskamm shM BsOac*• Pfd. 00pl Kalbsnlcrenbraien«.Bie�ptdL 93rt Kalbskeule us• Pfand nhir«,, Osler geteilt................Pfd. Schweinebauch Batlac«, Pfd. 1,26 Schweinescbinkenod.Bt«it,Pid. 1,34 1 Schweinekotelett o. bau, Pfd. 1�4 Kassler mild........ Pfand von 1,40»n Rückenfett bntMMwwt.Pfd- 1,08 Talg rok...................... Pfd. 46 Pf. Hamm elrorderfl eis ehfidt 1,08« Kalbsroulade fwoüt, Pfand 1,58 Kalbssdmitsel....... Pfand 2,10 Roastbeef a Knscbaa, Pfand 1,58 Rinderzungen ad kMai ra. 1,04 Kaiser schoten....... 1,65 Junge Erbsen f«ta..... 1,25 Junge Erbsen......... 70pl Gemüseerbsen....... 50 Pt Junge Erbsen m-cweknlttcnenEamUaa 78 PL Gem. Gemüse fain.... 1,45 Leipziger Allerlei..... 95pt Reineclauden... Berliner Allerlei...... 85 Pf Spinat dlok»-» tob 98pr.an GEMÜSE UND OBST Saiiial- Apfalveia, süss .Cider' Utor 75pt Rotf-r dabaanislistmla LU?r 80pt 1828ar Rbtiapf&lur Liter 1'° Natarretn— Alkoholfial riUsalgos Obst, Apfel- and Birnenmoat, herrorrae. Q C im Gaaclunack,'J, FLiP3Pt Zar Bowlai Carta d'Or, rorafUtL Pmollt- eehanm\reia, alnachlfasa lfasaL<|4a Glaa and ßtenar,'1, FL Möhren(•Traacbaa, Kohlrüben......... Welsskohl Rotkohl... Schmorgurken. Tomaten.......... Stangenbohnen. Zwiebeln......... Kartoffeln Zitronen........... Bananen Sa-aiaa.. .. Pfd. 5pf. ...Pfd. 4PL ..Pfd. 5Pf. .Pfd-lOpt s Pfd. lOpi. .....Pfd.»Pf. M.«.Pfd. 18pl ....... 3 Pfd. 20Pf. «O Pfd. 28, 3 2 PI Dataand 48 Pf. ......... Pfd. 42pt Essbirnen... Kochbirnen... Bergamotten»a 20fl Pflaumen................. b m 65pf. -___ Pfd. 18pf. .....• Pfd.»PL| Amerikanische Gravensteiner Klata...... 11,50 toaa..... Pfd. 32 Pf. Kochfipfel................ pid. 5Pf. Tafeläpfel pm. 15pt. 1 Korweintrauben......... Pfd. 24 if. Franz. Weintrauben... Pfd. S5pl FISCHE UND RÄUCHERWAREN Makrelen guduk. Pfd. 36Pf. Schellfisch garSat>« Wirt OrlKlnal- na. teilt maw. lägt. S u. 811 SOBOt. 2, i 8- 0U __ Alex. U, 4. 8066 NTERNAT. VARIETE eustav Härtung RemlssaRce- Theater Ueker SO Mal, 79« Uhr Die RelSiBe Flamme i ▼.W�Maugham. Iqk: Out Härtung 6 1, 0901 a. istl/u, RBdxbBD,»» 9« Uhr ammel ist Härtung B karMaMtgsS. I. D.I. su> Vonrerkaof aaeft Hb Pavillon der Bein hardtbflhnen, KurfOrstcndamm, Ecke UhlandstraBe Bismarck 448/449 Oeafsdies MM Norden 12 310 Ende gegen II Die nedermaos Musik v.Joh. S trau ß Regie: Max Reinhardt Dirigent E.W. Komgold. Ausstattg. L. Kainer Kammersplele D.I. Norden 12 310 8Mi, Ende gegen 10'fi Der Bnwiderstelillelie Komödie von Göraldy und Spitzer Regie: Gustaf GrBndgens Die Komödie J1 Blsmclc.2414/7S16 8V. Uhr Ende geg. f0>A Uhr Kolporfaee Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Sinovskj-iföluiei) Theater la dar iCBnlggrltzar Straße PU Wir aannlbalante Portas K«mSdianhauB Taglich 8V. Uhr »oililieiieiteQ Lustspiel von Julius Berstl GROSSES SCHADSPIEUMOS flgL• Uhr ZMusMere Regie: ERIK CHARELL Gnami-aissunui: Prot. Enui surn. 3 Uhr Sonntag nachmittag otifjek. bälge Iva aa TheaL l Westens Täglich 81/* Uhr Sonnab u. Sonntag 4 und 8V« Uhr Der Weiter folg FnedertKe Musik von Fraaa Lehar Lostsplelbtas Friedrichsir. 236 Bergmann 2922 Täglich PU Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Reichshalleii.Tha«t«r AlUhendS.[T| SoobU»..Am,(T| Slette so sanger Fest- Prog ra m m I Nachmittags halbe Prefte. Dönhoff-Brotti VerieM Tan*— Konaat» Rose- rbexter. Grobe Fruüdar.cr Sit. 142. Täglich 8.15 Uhr (Sonntags 5.15 u. 9 Uhr) Die Weber von Gerhart Haoptmoam Jeden Sonnabend 5.00 Wir und jeden Sonntag 2J0 Uhr schneewinchen und die sieben Zwerge Vor anaelge; Ab 2. Okt jed. Mittwoch 5 U. nachmo Das tapfere Schnelderiein CASSNO-THEATER Lothringer Sirahe 97. Täglich SV. Uhr nur ooeb wenige Auflaurungen ffem DBliört mein Mann! Dazu ein erstkl. banter Teil. 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Ein Kampf der Geister, eine reinliche, fachliche Auseinandersetzung mit dem Gegner könnte so etwas wie«ine Erfrischung, etwas Belebendes lein. Gegenwärtig belieben unsere Gegner lediglich ihre satt. sam bekannten Unratkübel über uns auszuschütten. Da» „prachwolle' Manifest der Funktionärkonferenz der Berliner A r b« i t e r o r ga n i s a t i o n e» l!), das die Kom- munisten ausgeheckt haben, zeigt das so recht klar. Persönlich« Der- »nglimpfungen einzelner im Bordergrund stehender Parteigenossen wechseln ab mit faustdicken Lügen und Entstellungen der wirk- lichen Tatsachen. Gerade einem mit so primitiven, niedrigen Mitteln arbeitenden Gegner gegenüber, dessen Methoden das Niveau zeigen, welches er bei seinen Anhängern voraussetzt, soll man nicht in gleicher Art, sondern mit Sachlichkeit und Wahrheit begegnen. Sozialdemokratie und Gewerkschaften. „Feststellungen', wie vielleicht die:„die Sozialdemo. kratie hat sich als«in bewährter Agent der de- sitzenden Klasse erwiesen', werden nicht richtiger durch ihr» phonogrophenhaste Wiederholung. Solche Berleumdungen „erledigen' sich von selbst. Es wird weiter„manifestiert': Die Sozialdemokratie lehnte ab: die Unterstützung streikender und gemahregester Arbeiter, die Senkung der Wohmingsmieten, die Gewährung von unentgeltlichen Lernmitteln IN Volks, und Berufs- schulen, die Bereitstellung von 20 Millionen für Schulhausneubauten. die Bereitstellung von 2,5 Millionen von Kronkenhausneubauten. di« Erhöhung d«r Mittel der Tuberkulosebekämpfung, di« aus- reichende Erhöhung der Richtsätze für Wohlfohrtsunterstützungs- empfänger, die Erhöhung der Ausgaben zur Durchführung der Notftandsaktian sür Erwerbslose, 30 000 Mark für den Arbeiter- spart. Die Sozialdemokratie bewilligt«: 15 Millionen sür di« staatlich« Schutzpolizei zur Niederschlagung der Arbeiter. 1 Million für Seelkorge, für kirchliche und reaktionäre Vereine, sie tritt ein für «in« meitsstgchend« Unterstützung privater höherer Schulen und Kürgerticher S portverbände. Auf diese erlogenen Behauptungen soll hier Punkt für Punkt eingegangen warben. Die Sozialdemokratische Partei und ihre Gliede- rangen, also auch die Berliner sozialdemokratische Stadtverordneten- fraZtion, pflegen die innigste Verbindung mit den freien Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten. Niemals werden sich aber Parteikörperschaften onmohen, in die Kämpfe der Gewerkschaften und in gewerkschaftliche Maßnahmen ungefragt hineinreden zu wollen. Die Gewerkschaften allein haben über den Zeitpunkt, zu dem ein Wirtschaftskamps beginnen soll, ja entscheiden. Sie werden dies tun im Lntersse ihrer Mit- glieder, nicht zuletzt auch unter Berücksichtigung der finanziellen Voraussetzungen, die hierbei eine ausschlaggebende Rolle spielen, wenn der Kampf erfolgreich sein soll. Niemals haben die freien Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten eine derartige sinan- zielle Hilfe in wirtschaftlichen Kämpfen durch die Städte verlangt. di« doch sonst immer gerade von den Kommunisten als„k a p i t a- l istische Berwaltungen' hingestellt werden. Von solchen „kapitallstischen Verwaltungen' dürfen doch streikende„Klassen- kämpfer' kein Geld annehmen, wenn sie sich nicht an den Grund- sätzen der heiligen Bonzensynod« in Moskau versündigen woll«n. Das hindert die Herren Kommunisten aber nicht, in den Stadtparlamenten dauernd Anträge für«ine Unterstützung irgend- welcher wilder„revolutionärer' Streiks zu fordern. Wohnungsbau und Schulhäuser. Di« sozialdemokratisch« Fraktion hat in Berlin in bezug auf den Wohnungsbau mehr getan, als nur rein agitatorische An- träge gestellt, etwa«inen solchen, der allgemein die„Senkung der Mieten' betrifft. Auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion hat die Stadt Berlin aus eigenen Mitteln bisher zur SsI nervösen Störungen, ErregungsiustÄnden. unruhigem Sdtlaf, Schlaflosigkeit hilft Ihnen Baldramenf Reichel, die natürliche Nervenmedizin. Fl. M. 1.50 u. 2.50, in Drogerien und Apotheken. sonst durch Otto Reichel, Berlin 4a SO. Eisen bahns trabe 4. Verfügung gestellt: 64,5 Millionen Mark für Zusatzhypo- theken, 580 000 Mark sür Darlehen an Kriegsblinde und Kriegsbeschädigte. 7,5 Millionen Mark für Darlehen an Beamte und Angestellte, 15 Millionen Mark für die Errichtung von Woh- nungen ohne Hauszinssteuermittel, 1,7 Millionen Mark für die Errichtung von Alters-, Rentner- und Ledigenheimen. Darüber hinaus ist aber gleichzeitig auch erreicht worden, daß der allerdings leider immer noch zu hohe Mietpreis wenigstens zu einem Teil dadurch ermäßigt wurde, daß einer Gruppe von Klein- Mahnungen noch besonder« billige städtische Hypocheken gegeben wurden. Jawohl, die Kommunisten haben in jedem Jahre p a p a- geienhast ihre alten Anträge wiederholt! Sie haben auch in jedem Jahre so getan, als wäre«s ihnen ernst mit der Forderung der Lieferung sämtlicher Lernmittel an die Volks- und Berufs- fchüler durch di« Stadt Berlin. Die sozialdemokratische Fraktion ist weitergegangen. Sie sieht di« Lieferung von Lernmitteln als eine Pflicht des Reiche» und des Staates an, die nicht von der Stadt übernommen und für diese zu einer neuen großen finanziellen Betastung führen soll. Einen derartigen Antrag hat die sozialdemokratisch« Fraktion eingebracht. Cr wurde auch an- genommen. Der Bau von Schulen in Berlin ist«ine dringend« Not- wendigkeit. Systemlos kann gerade auf diesem Gebiete nicht vorgegangen werden, am wenigsten in einer Zeit der Wirtschaft- lichen Not, in der wir gegenwärtig leben. Die in Angriff genom- menen bzw. geplanten Schulhausneubauten in Lichtenberg, in Neukölln, in Weihensee, in Zehlendors, in Schöneberg usw. zeigen deutlicher als kommunistische Anträge, was durch die Initiative der Sozialdemokratie und mit deren Mitwirkung auf dem Gebiet« der Schulneubauten in Berlin geschehen ist und weiter geschehen wird. Wir sorgen für die Kranken und Siechen. Mit einem Kostenaufwand von insgesamt etwa 6 0 Mit» l i o n e n Mark sind 5520 Krankenhausbetten neu geschaffen worden, hiervon als besonder» dringlich und sofort in Bau zu nehmen 2200 Betten, und zwar l>00 Betten im Bezirk Prenz- lauer Berg(Neubau), 200 Betten im Bezirk K r« u z b e r g (Erweiterungsbau Urban), 200 Betten im Bezirk W i d d i n g(Er- wefterungsbau Dirchow-Krankenhaus) und 900 Betten im Bezirk Wilmersdorf(Neubau).' vi« sozialdemokratische Fraktion kann ftir sich in Anspruch nehmen, dafür gesorgt zu habe», daß In vorwiegend proletarischen Bezirken Bersäumnisie früherer Zeiten, in denen in Berlin der bürgerliche Einfluß maßgebend mar. ausgeglichen wurden. Beim Berliner Haushalt für 1929 ist ein Antrag der Sozialdemo- traten angenommen worden, der ein Programm für den Ausbau des Berliner Krankenhauswesens forderte. In diesem Programm sollen vorgesehen sein: a) Einrichtungen, di« geeignet sind, die hochwertigen Krankenhausbetten zu entlasten (Leichtkrankenhauser, Krankcnhausambulatorien)- h) Einrichtungen zur Rationalisierung der Krankcnbehandlung(Spezialabteilungen in zweckmäßiger Anordnung und Verteilung über alle Stadtgebiete): c) eine Rauschgift-Entziehungsanstalt, lieber die Wichtigkeit dieser zuletzt genannten Einrichtung gibt aussührlich ein Artikel in der ersten Beilog« der Nr. 447 vom„Vorwärts' weitestgehend Auf- schluß.— Die Tuberkulosefürsorge gehört in dos große Gebiet der Sozialhygiene, zu deren ständiger Verbesserung seitens der sozial- demokratischen Fraktion eine groß« Anzahl von Anträgen gestellt wurde. Hierzu gehört auch der bei der letzten Ctatberatung ange- nommene sozialdemokratische Antrag, den Beköstigungssatz sür Hospitaliten in Tuberkulose st ationen van 1,46 M. aus den entsprechenden Krankenhaussatz von 1,85 M. zu erhöhen. Im Mittelpunkte des von der städtischen Gesundheitsoerwaltung gegen die Tuberkulose zu führenden Kampfes müssen die Fürsorge- stellen stehen. Für deren Ausbau ist die sozialdemokratische Fraktion stets eingetreten, ebenso sür die Versorgung dieser Für- sorgestellen mit den notwendigen Instrumenten und mit guten Röntgenapparaten. Was das»Manifest" nicht erzählt. Di« Kommunisten haben selbst den Ertrag ihrer gesamten Steuervorschläge im Haushaltsausschuß und im Plenum der Stadt» verordnetenversammlung auf 25 Millionen Mark geschätzt. 25 Millionen Mark sollen den Ausgleich darstellen für die agita- torischen Mehrforderungen in Höhe von rund 240 Millionen Mark. Davon spricht aber das neu« kommunistische„Manifest nicht. Würde es dies tun. so würde ja die ganze Berlogenheit de: kommunistischen Vorgehens zu deutlich selbst dem dümmsten„Rote Fahne'-Leser vor Augen treten. Aber man zählt da nach meh: „Schandtaten' der sozialdemokratischen Fraktion aus. 30 000 M. für den Arbeitersport hat sie verweigert! In dem Haushalt fm 1929 sind 30 000 M. für di« Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege eingesetzt, also sür die Zentralstelle, die für den Arbeitersport die allein berechtigte Vertreterin ist. Di« sozialdemokratische Fraktion hat auch angeregt, 50 000 M. für den Bau einer Arbeiter-Turn. undSport- schule bereitzustellen, und hat verlangt, daß spezialisierte Pläne hierüber vorgelegt werden sollen. Nackstiem die Kommunisten sich von der Verantwortung sür di« Etatgestaltung gedrückt hatten, nachdem sie also auf solche Weise die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion zwangen, eine Per- bindung mit bürgerlichen Fraktionen einzugehen, well die Verantwortung für«ine Etatkatastrophe nicht getragen werden konnte, ist die kommunistische Fraktion selbst schuld, wenn nicht restlos nur proletarische Wünsche erfüllt werden konnten. So muhte auch dem Deutschen Reichsousschuß für Leibesübungen der gleiche Betrag gegeben werden, wie ihn die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpstege erhalten hatte. Nur böswillige oder blöde Menschen können behaupten, daß bürgerliche Sport- verein« in„weit höherem Maße" bedacht worden seien als prole- tarische Gruppen. Man weiß wirklich nichl, was in diesem„Manifest" mehr zu bewundern ist. die nachweisbare Unkenntnis In allen diesen Dingen oder die Dreistigkeit, mit der erlogene Behauptungen aufgestellt werden. Die sozialdemokratische Fraktion ist auch nach der kommunistischen Meinung eingetreten für die Unterstützung privater höherer Schulen. Diese Behauptung soll sich wahrscheinlich auf die sogenannten Privat-Lyzeen beziehen. Am 21. Mai 1926 wurden bei den Beratungen im Berliner Haushaltsa>i»sch"ß zunächst alle Mittel für die Privat-Lyzeen gestvichen. Es sollten dann einige Privat-Lyzeen bestehen bleiben, bei denen die Schul- Verwaltung einwandfrei nachwies, daß vorläujig für sie nicht recht- zeitig Ersatz beschasst werden könne. Vor der endgültigen Verab- schiedung des Etats im Jahre 1926 brachen die Kommunisten aber aus der Linksmehrheit aus. Die Folge davon war. daß durch das Notwendigwerden einer Verbindung mit bürgerlichen Fraktionen diesen weitere Konzessionen in bezug auf das Weiterbestehen der Privat-Lyzeen gemacht werden mußten. Wenn die Kommunisten jetzt dies« bewußt unwahren Hinweis« geben, so scheinen sie mit der Vergeßlichkeit derer zu rechnen, die nun einmal nicht zu beictzr-n sind Wir sind gerüstet? Die hier gemachten Ausführungen zeigen, was an den sinnlosen Behauptungen der Kommunisten wirklich daran ist. Sie machen aber auch deutlich, daß alles, was als ein Entgegenkommen an di« Bürgerlichen gedeutet werden könnte, zurückzuführen ist auf die Berantwortungslosi gleit der Kommunisten gegenüber dem Berliner P r o l e t a r i a t. Dieses Berliner Proletariat dars und wird sich durch die kommunistischen kommunalpolitischcn Hasardeure nicht irr« machen lassen. Die sozialdemokratische Fraktion kann in oller Oesfentlichkect und gerade vor einem rein proletarischen Forum alles das vertreten, was in den Jahren von 1925 bis 1929 an praktischer Arbeft von ihr geleistet worden ist. Sicher sind noch viele Wünsch« unerfüllt geblieben. Die Gründe hierfür sind, soweit sie nicht der wirtschaftlichen Situation entspringen, in der intransigenten Haltung der Kommunisten im Berliner Rathause zu finden. In dem jetzt beginnenden Kampf müssen alle Kraste lebendig werden, um dieses Verhalten der Kommunisten der Oesfentlichkeit zu zeigen. Alles muß geschehen, damit durch die Wahl vom 17. N o- v e m b e r der verstärkte Einfluß der Sozialdemokraten im Berliner Rathaus ein weiteres Babanquespiel kommunistischer und deutschnationaler Verantwortungslosigkeit unmöglich macht. Die Parole heißt jetzt: Hinein in den Kampf? Aus der Arbeit der Bezirke. Ltm das Verufsschulprojeki. 6, Vezirk- Kreuzberg. In der letzten Begirksversanvnlung brach!« das Bezirksamt den Haushaltsplan für das Geschäftsjahr 1930 ein, nachdem b-» reit» in de« zuständigen Deputationen die entsprechenden Etat- kopitel vorberaten wurden. Der Doranschlag schließt bei einem Soll von rund 31 Millionen und einer einmaligen Anforderung von rund 4L Millionen Mark mit einem Bedarf von 28 Millionen Mark ab. Die laufenden Einnahmen und Ausgaben sind in diesem größten der 20 Verwaltungsbezirke mit einer Einwohnerzahl von 38k 414 ge- bunden an von der Zentrale errechnete„Einheits.zcchlen*. das sind Erfahrungswerte, die zwar nicht vollkommen, so doch annähernd dem besonderen Charakter der Bezirke Rechnung tragen und der Zentrale sowie den Vezirksverwalwngen die Aufstellung des Haus- Haltsplans erleichtern sollen. Bürgermeister Genosse Dr. herz gab eine kurz« Uebersicht über die Projekte� welche durch Einsetzung erster Raten in den Voranschlag gefördert werden sollen. An erster Stelle ist das Verufsschulprojeki von poelzig zu nennen, welches nach einigen Acnderungen jetzt zur Verwirklichung reif ist, wenn die Zentrale die Mittel bereitstellt. Es waren ursprünglich drei Berufsschulen— hauptsächlich für das graphisch« Gewerbe vorgesehen. Da aber die in der Brandenburg- straße 37 untergebrachte Mädchensortbildungsschul« längst nicht mehr ausreicht und ein« große Zahl von Schülerinnen auf andere bis zu einer halben Wegstunde von der Hauptschule entfernte Klassen ver- teilt sind, mußte in dem großen Berufsschulprojekt am Arbonplah auch eine viert« Schule für Mädchen vor- gesehen werden. Ein zweites großes Projekt, da» jetzt zur Aus- führung reis ist, ist da» Ledigenheim am Kottbuser Ufer Ecke Lausstzer Straße. Da auch die Zentrale ein großes Interesse an diesem der Wohnungsfürsorge für Ledig« dienenden Bau hat, ist mit einer baldigen Inangriffnahme zu rechnen. Gute Arbeit wird auch auf dem Gebiet« der Straßengestalwng geleistet werden. Nachdem der Moritzplatz fertig ist und der Berkehr dort stch glatt abwickelt, wird jetzt auch der Oranienplatz mnstergülttg umgebaut. Es ist eine große Ausgabe des Bezirks, den Blücherplatz und das Kottbuser Tor zweckentsprechend umzugestalten. Der B ü r- g c r m e i st e r erwähnt« dann noch die ersolgt« Einrichtung des Iugendhouses Dorckstraß« und den Plan, im Gesundheitshous Krenzberg eine Krebsberatungsstelle bereit zu stellen. In der an- schließenden Aussprache erkannt« Genosse Litte die Fortschritte an, die durch die gute Arbeit des Bezirksamts gegen alle Wider- stände— nicht zuletzt von kommunistischer Seite— geleistet seien. Wir hoffen auf bessere Zeiten, um neben anderen dringenden Auf- gaben auch die von uns so oft geforderte und sehr notwendig« Bodeanstalt im Südosten(Görlitzer Biertet) bouen zu können. Genosse Litke rechnet« sehr wirksam mit den Kommunisten ob, die zwar der aufbauenden Arbeit unserer Genossen jede erdenk- lichc Schwierigkeiten bereiten, aber selbst nicht den Mut der Kon- fequenz haben, wenn es gilt, Farbe zu bekennen. Das Hab« man am besten am 2. Mai gesehen, als auch in Kreuzberg keiner der im Be- zirksamt beschäftigten kommunistischen Funktionäre den Mut aufbrachte. der Streikporol« feiner Partei zu folgen. Eine böse Abfuhr erhielten die Kommunisten auch bei Beratung unseres Antrages, der die Beseitigung der Staubplag« am Kottbuser Tor durch eine bessere Besprengung verlangte. Nach einer sachlichen Begründung seitens des Genossen Eichberg wußte der verant. wortlich« kommunistisch« Dezernent Gehlmann nichts anderes zu stammeln, als daß ihm die Mittel fehlten, um die Ska- lißcr Straße besser sprengen zu können. Sein Parteifreund Iae- dicke suchte ihm beizuspringcn, konnte ober nur erreichen, daß die unfruchtbare„Arbeit" der Kommunisten nur noch augenscheinlicher wurde. Gegen deutschnaiionale Demagogen. 11. Bezirk— Schöneberg. Die erste Bczirksversammlung nach den Ferien nahm einen stürmischen Verlauf. Zu Beginn der Sitzung wurde für den verstorbenen Stadtrat. Genossen Herzberg, der Genosse Robert Buth eingeführt. Für den ausgeschiedenen Bezirtsverordneten Müller(KPD.) trat Frau O« f« l« i n in die Bezirksoersamm- lung«in. Der Vorsteher E v e r s gedachte des verstorbenen Ge- nossen Herzberg. Beglückwünscht wurde zum 70. Geburtstage unser Genosse P« t e r s o n, der seit vielen Jahren als Stadtverordneter in Schöneberg und jetzt als Bezirk«verordneter tätig ist. In kurzer Zeit erledigte die Versammlung die unbedeutenden Tagesordnungspunkte, um dann zur Beratung einer deutschnatto- nalen Anfrage über die gemeiitsam« Schuloerfassungsfeier auf dem Dominikusplatz überzugehen. Bei der Begründung der An- frage leistete stch der deutschnational« Stadtverordnete und Major a. D. Merkel wüste Ausfälle gegen die Verfasiungsfeier. Er nannte die vom Bezirksamt einstimmig beschlossene Feier einen parteipolitischen Rummel, was stürmischen Widerspruch her- vorrief. Stadtrat Hannemann(DBp.), wies bet der B«- antwortung der Anfrage daraus hin, daß von den fast 1l 000 Kindern, die an der Bersassungsfeier teilgenommen haben, etwa 88, vielleicht auch noch einig« mehr, daß läßt sich nicht genau feststellen, leicht« Ohnmachtsanfäll« erlitten hätten, er müsse aber feststellen, daß die verfassungsseier einen sehr würdigen Ber- lauf genommen habe. In der Debatte wiesen die Stadwerordnet« Zobel(Dem.), und insonderheit unser Genosse F l a t a u die pöbel- hasten Anrempelungen des deutschnationalen Stadtverorkmeten und Major a. D. Merkel auf das Entschiedenst« zurück. Genosse Flatau erinnert« daran, daß bei Kaisers-Geburtstogs-Feiern, bei Spalierbildungen und sonstigen monarchistischen Anlässen der Lorkriegszeit von der Fürsorge für die Kinder nichts zu spüren war. Die wüst« Hetz« gegen die Bersassungsfeier fei dem Penstonsempfänger Major Merkel vorbehalten geblieben, dessen politisches Ungeschick nicht zu übertreffen sei. Nach längerer Diskussion, bei der da, Bezirksamt nicht angegriffen wurde, erhob sich plötzlich der deutschnationale Bürgermeister Berndt. um seinen bedrängten Parteifreund Merkel zu Hilf« zu kommen. Der Bürgermeister lieh jede Maske fallen und produziert« sich als ausgesprochener deutschnationaler Parteimann. Genosse Fl stau erteilte dem Bürgermeister Berndt«ine derbe Absuhr. Er erklärt«, es steh« wohl einzigartig da, daß der Berwaltungschef des Bezirks sich als Sprecher der deutsch- nationalen Fraktton und nicht als Bürgermeister aufgeführt habe. Um das Bild abzurur�m, muß noch erwähnt werden, daß die Kommunisten sich wieder einmal als freiwillig« Helfer der deutsch- nationalen Fraktion erwiesen. Die Aufstellung unserer Kandidaten. Di« Kreisdelegiertenversammlung de« I. Kreises, die am 20. September 1929 stattfand, hatte die Borschlagsliste für die Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen am 17. Na- vember auszustellen. Der erweiterte Kreisvorstand hatte bereits vorher in gründlicher Arbeit einen Dorschlag vorbereitet, der mit den Vorschlägen der einzelnen Abteilungen zur Debatte stand. Eine lebhafte Aussprache über die einzelnen Vorschläge und die Grund- sätze, die zu ihrer Aufstellung führten, bewies das große Interesse, das der Arbeit der Bezirks- und Stadwerordnetenversammlung für den nächsten Wahlabschnitt entgegengebracht wird. Di« von den Abteilungen gestellten Abänderungsanträge wurden mit großer Majorität abgelehnt und der Vorschlag des erweiterten Kreis- Vorstandes gegen wenige Stimmen angenommen. Es stehen an erster Stelle die Genosse» Riese. Loewy. Harsch und Thomas, die auch in der alten Stadtverordnetenversammlung schon tätig'waren; für die Stadtliste wurde der Genosse Dr. Sieg- fried Weinberg vorgeschlagen, der die Stadt Berlin im Preußi- schon Staatsrat vertritt. Die Kreisoertreterversummlung des Kreise« Tiergarten wählte zunächst die Beisitzer zum Kreisvorstand, wie es das neu« Statut vorsteht. Man hotte sich geeinigt, sechs Beisitzer zu wählen. Die Wahl fiel auf die Genossen Willi S u h r, Paul Rei f e r, Bernhard G ö h r i n g, Hermann K r e s s! n, Hermann Wäger und itte Genossin Anna P a« r s ch. Der Genosse Paersch(Borsitzender der Bezirksfraktion im Kreis Tiergarten) referierte über die Tätigkeit der Fraktion in den letzt n vier Jahren. Die Sozialdemokraten hatten im Kreis Tier- garten einen besonders schweren Stand. Aus der Zzülle der Anträge kannte man erkennen, mit welcher Energie sie trotzdem gearbeitT haben. Man kann auf allen Gebieten Fortschritt« konstatteren, be- sonders in der Gesundheitspflege. In allen Kommissionen waren sozialdemokratische Abgeordnete tätig. Die Fraktion bestand aus 19 Bezirksverordneten. Nachdem schritt man zur Wahl der Stadt- und Bezirksverordneten. An die ersten vier Stellen wählte man ca bloc die bisherigen Stadtverordneten Genossen B u b l i tz und C l a ju s, die Genossin Frankenthal und den Genossen Hädicke, darauf auch en bloc an fünfte und sechste Stelle die Genossen Hennig(Kreisleiter) und Bethge(Stadt- rot). Die Kreisleiterin Genossin Jordan wurde an siebente Stell« gewählt. «iaSensttah«» im KoW-Titaitt werde» iirfol» de»«-ier-rdeaMchen Zu- fvruck«»Iibt»in wie bieder Sonnode nd» und Eonntaso. i»»d«r» auch vom 2. Ottoin an ledin Mittwoch um 5 Udr stattfinden. Wsthread am San»- abend und Sanniaq.Schneewittchen" auf dem Svielvlan bleibt, aelanqt an den Mittwochnorstellunnen.Da» tapfere Schneiderlein" pon Leinrich RSmcr in der Neueinstudierung durch Willi Rose zur Auffllbrun«. wetlerbettchl der SsseuMche» Wetterdienststelle Seriw und (Nachdr. verb) Noch ziemlich Jielter und etwa« l» inner, schwache Li ehmende Bewölkung wegung.— �Sr Deutschland! Oestlich der Oder bei wenig geänderten Temperaturen, im übrigen der Schönwetterlage. Am Tag« etwa« wärmer. Umgegend he Lullbe- lcichc noch Fortbestand Bei Rheuma, Riehl, Ischias � M und Kopfschmerzen. Erkältungskrankheiten und Grippe haben sich Togal-Tabletten hervorragend bewährt, lieber 5000 notariell be- glaubigt« ärztliche Gutachten! Davon mehrere hundert Berichte, in denen neben prompter Wirkung besonders die Unschädlichtett des Togal hervorgehoben wird. Togal scheidet die Harnsäure aus! Ein Versuch überzeugt! Fragen Sie Ihren Arzt. In all. Apoch. Mk. 1.40. 8,46 cd in. 12£ Lith. 74,3 Acld. acet sal ad. 100 Amjt onnaben0 Kaffeekanne �hrkTka�eekärwe-Extra wl00 Vim. 1.55 KAISERN KAFFEE d.m 2fio 2.60 2.8© 3.00 3.20 3,6©*1,00 M/iO H,eo f »ESCllAFt Ufw■ m ITBER 1000 FILIALEN �iiorgen ist Sonntag �Veue öie"Deinen mit riaem Kuchen- s elbftgcbadscn- Tlimm�Rama im'Blaubandr toird koftlidi munden- 6r bringt frohe Stimmung und bchaglicheXüunc. 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