Morgenausgabe Nr. 455, A 229 �6. Jahrgang «Sch e,Mch SS Pf.»»»«Sch MMWL km oorau» zahlbar. Poftdezug iJO St »wschltehltch«0 Pfg. Poftzettu»g»» 72 Pfg. Postdestell gebühre». VuslandO« adonnemem k.— M. pro Monat. Der.Conodm- erlchewt«ochentäg. lich zweimal. Sonntag»»nb Montag« einmal, die vbendousgaden für BerU» und im Handel mit dem Titel.Der Kbenb'. gllustrierte Beilagen.voll und Zett� und.Kinderfreund-. Ferner .Unterhaltung und Wissens.graue». gmme".Technik"..Blick t« die ücherwell" und.2ugend»Lorwärt»" MP> Berliner Volksblatt Sonnabend 28. September T929 Groß-Äerlin IT Pf. Auswärts pf. Di««tnfpatttg« StonparelllezeN» 10 Pfennig. Retlame;eile b.— Reich». mark.„Kleine An�eige»� da, iettg«. druckt» Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte),«edes weitere Wort 12 Psennia. Stellengesuch» da» erste Wort IS Pfennig, jede» weiter» Wort Iv Pfennig. Worte über lS Buchstaben «ablen für zwei Worte Arbeitsmortt Lette SO Pfennig. Famttienanzelgen Zeil« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHauvt» aeschäft Lindenstroße S. wochentSgltch von Vi, bi» 17 Uhr, Venteawvsan der Sozialdemotratifche« Partei DeutfONmdS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhofs 2$2~zn. Telezramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vonväris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 87 öZS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten and Beamten, Wallstr. 65. Diskonto-Gesellschaft, Deposttenkasie Lindenstr. 8. Schobers Regierungserklärung. Zweideutige Wendungen über die Heimwehr.- Wachsames Mißtrauen der Sozialdemokratie. Mea. 27. September. Der Beginn der für 11 Uhr angeraumtsn Sitzung des National- rats verzögerte sich bis gegen 12.4S Uhr, da, wie verlautete, einig« Aenderungen und Ergänzungen in der Regie- rungserklärung, besonders hinsichtlich der Stelle über die Heim- wehr sowie ein von der Großdeutschen Porte, an den Präsidenten des Nationalrats gestelltes Verlangen, den zehnjährigen Erinn«. rungstag an St. Germain in gebührender Weise zu begehen, noch eingehendere Besprechungen der Parteiführer und der Rezie- rung erforderten. Bundeskanzler Schober erinnerte zu Beginn seiner Ausführungen an das Jahr 1921, als«r damals aus der Not der Zeit und der Not de» Landes heraus gut Regierung berufen wurde: Leider muß ich auch in der Einleitung meiner heutigen Erklärung auf das damalige Wort zurückgreifon, auch diesmal sieht sich die Regierung einer schwie- rigen Lage gegenüber. Die polltische Lage war in den letzten Monaten stark zugespitzt. Aus breiten Schichten der BevSl» kerung ertönte der Ruf nach durchgreifenden Reformen auf dem Gebiete der Derfafsung und der Verwaltung. Es hieße, die Augen vor der Wahrheit verschließen und Vogel-Strauß- Politik treiben, wenn man übersehen würde, daß eine starte Volksbewegung Träger dieses Gedankens ist. Gerade in einem demokratischen Staatswesen kann und darf eine solche ve> wegung als Ausdruck der Stimmung weiter Kreis« der Bevölkerung von der Regierung nicht übersehen werden, auch dann nicht, wenn die Träger dieser Bewegung der Regierung nicht angehören. In diesen. Zusammenhange sei ein Wort über die Heimweh rbewegung gestattet. Der Aufschwung dieser Bewegung ist onzwelselhast aus die Geschehnisie von Mitte 3aH 1927 zurückzuführen. Tadellose Männer aus allen Schichten der Bevölkerung gehören den Heim« wehren an in der Erkenntnis, daß viele unserer öffentlichen Einnich. tungen dringend der Abänderung bedürfen. Das bisher eingeschla- gsne T e m p o der Behandlung solcher Fragen auf parlamentarischem Boden ist derart schleppend, daß der Ruf nach Reform immer stärker geworden ist. Manche Leute haben diese Erscheinung als eine auf Putsch und Bürgerkrieg abzielende bezeichnet. Das ist oerfehlt und ungerechtfertigt und hat bereits dazu geführt, daß im Auslande eine ganz falsche Darstellung er- weckt wurde. Ich muß daher mit aller Entschiedenheit der im Aus- lande verbreiteten Annahme entgegentreten, daß es sich hier um eine gewaltsame, auf Umsturz gerichtete Bewegung handelt. Unsere Aufgabe wird es sein, entsprechenden Kontakt mll den Heimwehreu zu unlerhallen. um jene Bewegung auf den Weg zu leiten, der zur Erfüllung ihrer Foiderungen, soweit sie berechtigt sind, aus legalem Wege führt. Im übrigen stelle ich neuerllch im vollen Bewußtsein meiner Der- antwortung und in genauer Kenntnis der Sachlage fest, daß die Machtmittel des Staates stark und ausreichend und vollkommen verläßlich und daher in jeder Hinsicht dieser Lage gewachsen sind. Eingehend befaßt« sich der Bundeskanzler mit der verfastungsreform, die die Regierung rasch fördern werde und die in ihrem Grund- gedanken auf ein« Stärkung der Staatsgewalt und Maßnahmen für die gesicherte Führung der Verwaltung imb die gedeihliche Entwicklung des Staatslebens und der Wirtschaft hinaus- laufe. Zu erster Linie soll die Stellung de» Bunde». Präsidenten erweitert werden, besonder, durch das Recht zu Ernennung und Entlastung der Bundesregierung sowie zur Auf- lösung des Nationalrates, ferner durch den Oberbefehl über das Bundesheer und durch die Befugnis, in bestimmten Fällen die notwendigen gesetzändcrndcn Anordnungen zu erlassen, schließlich durch das Recht, bei erheblichen Unruhen den Ausnahme- zustand zu verhängen, um durch sofortiges Eingreifen Sitva- tionen zu vermeiden, deren Behebung große Opfer in jeder Hinsicht losten müsie Um die erforderlich« Verfügung über die Sicherhelts. mittel des Staates zu haben, sei eine Regelung der Polizei. frage notwendig. Eine Neuregelung wird auch die Siellvng Wien, erfahren müsien. wobei der Bedeutung und dem eigenartigen Charakter der Hauptstadt voll Rechnung getragen, ober auch der Gedanke berücksichtigt werden soll, daß die Bundeshauptstadt das ideelle Eigentum aller Bürger der Republik ist. Schließlich soll den Berussständen Einfluß auf die Gesetzgebung«ingeräumt. eine Reform des Wahlrecht, durchgeführt und der Finanz- ousgleich mit den Ländern auf eine neue Basis gestellt werden. Die Arbeiten der früheren Regierung zur Prüfung und Behebung der Ursachen der wirtschaftlichen Krise werden fortgesetzt werden. Besonder, soll den Ersparnismaßnahmen in d«r öffentlichen Verwaltung. d«r Hypertrophie dar pari«««»» tarischen Einrichtungen in Bund, Ländern. Bezirke» rmd Gemeinden besondere» Augenmerk zugewendet werden. Der Bundeskanzler erklärt« weiter, daß die auswärtige Politik der Regierung keine grundstürzenden Aende- r u n g e» erfahren werde. Unsere Politik ist«in« Politik der Freundschaft mit allen Staaten, besonders mit unseren Nachbarn. Daraus folgt, daß die Politik der Republik eine der Neutralität ist und bleiben wird. Wir treten leiner Staaten- gruppe bei und richten unsere Politik gegen niemand. Wir wissen uns darin ein» mit der Politik de, Deutschen Reiche», dem wir in bösen wie in guten Togen brüderliche Trene b«> wahren. Zum Schluß appellierte der Bundeskanzler an da» Hau» und sagt«:„Wir wollen ein« Regierung sein der Tat und der Arbeit für da» gesamte Volk, und bei diesem Wert müssen Sie uns helfen."(Lebhafter Beifall bei den Mehrheitsparteien.) In der Debatte kritisierte als erster Redner der sozialdemo» trottsche Abgeordnete Dr. vaaneberg an der programmatischen Erklärung des Bundeskanzlers zunächst, daß sie angesichts der gegenwärtigen Lage Oesterreichs die unbedingt wünschenswert« Klarheit und Deutlichkeit vermissen lasse. Bekonder» sei nicht zum Ausdruck gekommen, was man mit der Verfassungsrefarm eigentlich wolle, denn«in« Verfassung und eine Derfassungsreform hätten nur dann«wen Sinn, wenn auch die Sicherheit für die Verfassung gewährleistet erschein« und nicht Unternehmer und Großgrundbesitzer bewajfnele heerhausen «rganisiereu könnte«. Die Mehrheit des Parlaments könne jeden- falls zwar wohl die poilamentarischen Arbeiten bestimmen, nicht aber die Sozialdemokraten zur Stimmabgabe in einer bestimmten Richtung zwingen. Einzelne der angeregten Dersassungsfrazen feien immerhin der Erwägung wert, nur wäre«» zu wünschen, daß sie im Parlament in ihrer Gesamtheit und nicht stückweise behandelt werden. Uebrigens erscheine den Sozialdemokraten angesichts der wirtschaftlichen Notlag« die Derfassungs- reform durchaus nicht so dringlich, als es von den Heim» wehren hingestellt werde. Was die Person de» Bunde,- tanzler» betreffe, so komme er von einer Tätigkeit her, die von vornherein keinesweg» Sympathien genieße, und die Ereignisse de» Juli 1927 hätten eine allgemein« Mißstimmung in d«r Ar- beitertlasse gegen ihn ou»g«iöst, die durch die Tatfach« der Wiederausnahm« der Beziehungen zwischen dem Rathaus (Se i tz— Red.) und der Polizeidirektion(Schober— Red.) nicht au» der Welt geschafft werden könne. Wenn die Aeußerungen des Butcheskanzlers über den Kontakt mit den Heim» wehre» et»» in dem Sinne eine» Paktieren, gemeint gewesen wären, so würde sein Bekenntnis, das er in anderer Eigenschaft vor einigen Wochen abgegeben habe, als ein hohles Wort erscheinen, und die Regierung würde aus demselben Boden stehen wie die Regierung Streeruwitz. Unter solchen Umständen müßten die Sozloldemo traten der Regierung mit Mißtrauen und in geschlossener Opposition gegenüber« stehe«. Da» vertrauen der Arbeiterklasse könne sich die Regierung nur durch Taten erwerben, vi« Sozialdemokratie iverde ihr« Pflicht im Dienst« der Republik und der Arbeiterklasse erfüllen. Sie fürchte sich nicht: weder vor der Heftnwehr, noch»ar einer Regierung, möge sie auch ein« Regierung der eisernen Hand genannt werben. Vi« Sozialdemokratie lasse sich nicht ein- schüchtern und nicht provozieren. In hunderte» von Versammlungen habe die Arbeitet Nasse ihre Entschlossenheit bekundet, ihre Recht« und die Rechte der demokratischen Republik zu verteidigen.„Rechnen sie damit", so erklärt« Dannenberg zum Schluß,„und ziehen sie daraus die Konsequenzen." Der christtich-sozwle Abgeordnet« »uaschak erklärt«, daß sein« Partei nicht wegen des Reglenmgsprogromme» Vertrauen zu Schober hätte. Sie habe schon früher zu ihm Vertrauen gehabt und werbe ihn unterstützen. Aehnliche Er« klärungen gaben auch die Vertreter der Großdeutschen»nd des Landbunde» ab. Schober an Hermann Mütter. Bundeskanzler Schober hat an Reichskanzler Müller folgende« Telegramm gerichtet:„Bei der Uebernohm« der Regierungsgeschäste der Republik Oesterreich ist e» mir ein aufrichtiges Bedürfnis, Sie, Herr Reichskanzler, zu versichern, daß mir und allen Mitgliedern meiner Regierung die Pfleg« und der Ausbau innigster Beziehungen zwischen dem deutschen Brudervolk ich Oesterreich besonder» am Herzen Legt. Sozialistischer Kulturtag. Oer jüngste Zweig der modernen Arbeiterbewegung. Von Solnrivd Lcdute. In Frankfurt a. M. findet am Sonnabend und Sonntag eine sozialistische Kulturtagung statt. Veranstalter ist der Soziali st ische Kulturbund, der seine Legitimation wiederum von der gesamten sozialistischen Arbeiterbewegung erhält. Der Sozialistische Kulturbund ist keine selbständige Organisation mit zahlreichen Mitgliedern und eigener Satzung und Kassensührung, er ist ein Aktionsausschuß, eine anregende und leitende Spitze für die kulturellen Organisa- tionen und Bewegungen der sozialistischen Arbeiterschaft. Di« sozialistische Bildungs- und Jugendbewegung mit ihren päda- gogischen Abzweigungen der Lehrer und der Kinderfreunde, die Arbeiterwohlfahrt, die Arbeitersportbewegung und der Arbeitergesang bilden eine organisatorische Grundlage des Sozialistischen Kulturbundes, die durch eine Reihe weiterer kultureller Organisationen, so vor allem durch die Volks- bühnenbewegung, erweitert und verstärkt wird. Für be- stimmte Aufgaben zieht der Sozialistische Kulturbund noch andere Verbände und Bewegungen zur Mitwirkung heran, so daß er der tatsächliche Wortführer und Wegweiser der sozialistischen Arbeiterbewegung in allen kulturellen Fragen ist. Di« regelmäßige Berichterstattung an den Parteitag der deutschen Sozialdemokratie läßt diese Vertrauensstellung noch klarer erkennen und bedeutet für ihn zugleich Entlastung und Beauftragung. Der Sozialistische Kulturbund ist erst nach dem Kriege entstanden. Im alten Obrigkeitsstaat wäre für ihn kein Platz und keine Arbeitsmäglichkeit gewesen. Nicht nur, daß die Vereinsgesetzgebung jener Zeit in Verbindung mit behördlichen und polizeilichen Verfolgungen ihm das Leben schwer gemacht hätte, er würde auch keinen Widerhall über die engeren Parteikreise hinaus gefunden haben. Die Angelegenheiten der sozialistischen Kultur mußten damals in engen Funktionärkonferenzen erledigt werden. Die sozalisti- sche Dildungsbewegung befand sich wie die sozialistische Ar- beiterbewegung überhaupt noch in einer Art Ghetto. Nach dem Kriege fielen die lächerlichen vereinsrechtlichen Fesseln, nach dem Kriege stieg die Sozialdemokratie über Nacht außerordentlich w der öffentlichen oder doch öffentlich zur Schau getragenen Wertschätzung. Vor allem strömten der sozialistischen Bewegung Tausende und aber Tausende Männer und Frauen des geistigen Deutschland zu. Männer und Frauen, die nicht wie bisher durch Wirtschaft- liche Not unter dem Druck schwer erkämpfter politischer Er- fahrungen und Erkenntnisse zur Partei gekommen waren, sondern die plötzlich im Sozialismus, bis dahin von ihnen falsch gesehen und unterschätzt, den einzigen Retter aus poli- tischer, wirtschaftlicher und kultureller Not erkannten. Jetzt galt es, neue Torefürden Sozialismus zu öffnen. Neben der Partei, neben den Gewerkschaften und Genossenschaften mußten organisatorische Formen und wer- bende Einrichtungen geschaffen werden, die den neuen Zu- ström auffingen und ihm zugleich Gelegenheit gaben, mit dem Sozialismus geistig und feelisch zu verwachsen. Die alten Bildungseinrichtungen der Vorkriegszeit behielten ihre Bedeutung wie bisher für die Schulung und kulturelle Förde- rung der organisierten Arbeiter. Aber sie mußten doch über diese engeren Aufgaben hinaus neue Ziele aufrichten. Sie mußten Verbindungen mit den übrigen Volksmassen schaffen und Wege schlagen und bahnen von der sozialistischen Kultur- weit zum überlieferten Kulturgut. In Dresden fand im Jahre 1921 der erste sozialistische Kulturtag statt, der in der gärenden Unruhe jener Tage zwar zu einer weithin leuchtenden Fackel wurde, aber über die Ziel« und Wege der sozialistischen Kultur im neuen Volks- staat noch zu keiner ausreichenden Klärung gelangte. Im Jahre 1924 fand in Leipzig der zweite Kulturtag statt, dessen Bedeutung vornehmlich darin bestand, daß er die Not- wendigkeit einer neu fundierten und bis zu einem gewissen Grade auch organisatorisch selbständigen und aktiven sozialist:- schen Kulturbewegung erkannte. Die Auswertung der Er- gebnisse der Leipziger Tagung führte zur Gründung des Sozialistischen Kulturbundes. Dieser jüngste Zweig der modernen Arbeiterbewegung sah seine nächste Arbeit in der Feststellung seines Arbeits- gebietes und seiner Aufgaben. Mit dem sozialistischen Kultur- tag in V l a n k e n b u r g im Jahre 1926 trat er zum ersten- mal in breiter Front vor die Oeffentlichkeit, indem er sein Programm in einer Reihe sirundsätzlich wichtiger und orientierender Referate mit anschließenden Debatten darlegte. Reben ständigen Ausgaben, wie sie der Vildungsarbeit, der Jugend- bewegung, den pädagogischen und fürsorgerischen Cinrich- tungen, den Theater-, Musik- und Sportorganisationen im Sinne ihrer Sonderprogramme obliegen, wurden aktuelle Fragen wie die Bekämpfung von Schmutz und Schund, wie das Raichsschulgesetz, vom Standpunkt der sozialistischen Kultur behandelt. Die Blankenburger Tagung brachte viel, vielleicht zu viel und mußte Einzelproblemen darum viele? schuldig bleiben. Der sozialistische Kulturtag in Frankfurt a. M. übt demgegenüber eine weise Beschränkung. Er hat zwei Probleme zur Erörterung gestellt: Film und Funk, zwei kulturelle Bewegungen, die jüngster und allerjüngster Technik ihr Dasein verdanken. Beide befinden sich in stürmischer Ent- Wicklung, besonders das Funkwesen, beide haben in kürzester ■oeit den stärksten Einfluß auf die breitesten Bolksmassen ge- wonnen, beide enthalten gewisse Gefahrenquellen für die Kultur, aber unendlich größer unii stärker sind doch die Quellen, aus denen sich von ihnen aus wertvollste und frucht- barste Stöme über das gesamte Kulturleben des Volkes er- gießen können. Es gilt, die wenigen Gefahren zu erkennen und zu bannen, viel wichtiger aber ist es, darüber hinaus das Filmwesen und das Funkwesen als gebende Kräfte und die Voltsmassen als Nutznießer dieser Kräfte anzuregen und auf- einander abzustimmen. Die arbeitende Bevölkerung, zahlen- mäßig stark, wirtschaftlich schwach, hat das größte Interesse daran. Film und Funk nicht auch wie die älteren Kultur- einrichtungen, wie Theater und Konzert, wie Bücher und Kunstwerke, zu mehr oder weniger ausschließlichem Vorrecht der Begüterten werden zu lassen, sondern aus ihnen stärkste Hebel für die allgemeine Volkskulwr zu machen. Den künstlerischen Höhepunkt der Tagung wird ein Konzert bilden. Der Sozialistische Kulturbund hat durch ein Preisausschreiben jüngere Komponisten zu Ton- schöpfungen angeregt, die aus der Gefühls- und Gedanken- weit der kämpfenden sozialistischen Arbeiterklasse heraus ge- boren zugleich erhebend und begeisternd auf sie zurückwirken sollen. In dem Festkonzert des sozialistischen Kulturtages erleben die preisgekrönten Tondichtungen ihre Uraufführung. Das Konzert wird auf den Frankfurter Sender und von hier auf fast sämtliche deutschen Sender übertragen; sicherlich wird es noch weit über Deutschlands Grenzen hinaus gehört. So tritt in Frankfurt a. M. durch die Musik symbolhaft der Fortschritt unserer Tage technisch, künstlerisch und sozial in die Erscheinung: der Sozialismus, einst verlacht und verfolgt, verkündet der Welt seine kulturelle Mission! Reichstaasatteniat aufgeklärt? Ernst v.(Salomon schwer belastet. Volkspartei und Arbeitslose. Gegen Beitragserhöhung, für allgemeinen Abbau. Die Reichstagsfraktion der Volkspartet hatte gestern eine Sitzung, an der die Minister Strefemann und C u r t i u s teilnahmen. Ueber ihr Ergebnis wird mit- geteilt: Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei billigt nach eingehender Besprechung der Vorschläge zur Reform der Ar- beitslosenversicherung einmütig die Haltung ihrer Ver- treter im Sozialpolitischen Ausschuß. Sie hält an der Auffassung fest, daß ein Ausgleich der Ein- nahmen und Ausgaben der Reichsanftält für Arbeitslosenversicherung unter Wahrung oller berechtigten sozialen Gesichtspunkte ohne Beitrag serhöhuirg und ohne neue Belastung des notleidenden Reichshaushalts möglich ist, wenn die von der Deutschen Volkspartei wiederholt gegebenen Anregungen zur Grundlage der Reform ge- macht werden. Sie erblickt in der Sanierung der Arbeitsloferwer- sicherung die erste notwendige Maßregel zur Herbeiführung einer Gesundung der deutschen Wirtschaft und der Wiederherstellung ge- ordneter Reichsfinanzen. Sie beauftragt.ihre Vertreter, di« Verhandlungen in diesem Sinne weiterzuführen. Falls dieser Mitteilung mehr als akademischer Charakter zukommt, geht es bei der Abstimmung über die Beitrags- erhöhung im Reichstagsplenum um zwei Möglichkeiten. Ent- weder die Beitragserhöhung wird von einer knappen Mehr- heit— Weimarer Koalition plus Bayerische Volkspartei— angenommen oder von einer knappen Mehrheit— Kommunisten, Deutsche Volkspartei, Deutschnationale, National- sozialisten und sonstige Splitter— abgelehnt. In dem zweiten Fall würde dieser Äblehnungsmehrheit die Aufgabe zufallen, die Reform der Arbeitslosenversicherung ohne Beitrags- erhöhung positiv zu gestalten. Oie Kolgen der Vaiionalifierung. Frauen besser, Männer schlechter beschäftigt. Amtlüh wird gemeldet: vom Zl. August bis zum 15. September ist die Zahl der Hauplunterstühungsempsänger iu der Arbeitslosen- Versicherung von rund 726 000 aus 735 000, also um 9000 oder V* Proz. gestiegen. Diese Zunahme erstreckt sich allein auf die männlichen hauplunlerstühungsempsäng'r, die u m t S 0 0 0 Personen angewachsen sind, während die unterstützten Frauen um 7000 abgenommen haben. Diese verschiedenartige Entwicklung bei den beiden Geschlechtern dürste größtenteils auf die Belebung in denjenigen Industriezweigen zurückzuführen fein, die besonders weibliche Arbeitskräfte beschäftigen. Die hmiptunler- stühnngsempsänger in der krifenunterstühung haben in der ersten Septemberhälfte um rund 2000 Personen zugenommen: ihre Zahl bel'es sich daher Mitte des Monats auf rund 159 000. Wenn es auch im vorstehenden Bericht heißt, daß der gleichzeitige Rückgang der Zahl der weiblichen und die Zunahme der männlichen Unterstützungsempfän- ger„g r ö ß t en t e i l s" zurückzuführen fein dürfte auf die Belebung der Industriezweige, die vornehmlich Frauen be- schäftigen, so ist mit dieser mutmaßlichen Teil- erklärung nichts gesagt. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Rationalisierungserscheinung. Bisher war der Borgang so. daß der Abstieg bei den Männern schneller, der A u f st i e g langsamer als bei den Frauen vor sich ging. Nun ist trotz der wachsenden Ent- lassung von Arbeitskräften die Wiederaufsaugung durch die anziehende Konjunktur so groß geworden, daß bei den weiblichen Arbeitskräften— die vornehmlich die männ- lichen Angelernten ersetzen— eine Abnahme der Arbeits- lofigkeit eintritt. G'f Beweis für die gute Konjunktur und die starke Rationalistenftig, die zur Vermehrung der Arbeits- losigkeit führt.____ Einigung Hendersan— Dowgalewsti. Zuerst Ernennung der Äoffchaster. wie amtlich mitgeteilt wird, haben die vorbesprechn». gen zwischen den Vertretern Englands und Sowjelrußland, zu einer Vereinbarung geführt, wonach«ine Reihe von Fragen durch Verhandlungen zu regeln sind, wenn ibe diplomatischen Beziehungen durch wechselseitige Ernennung von Bot- schastera in vollem Umfang wieder aufgenommen sein werden. Die Vorbesprechungen werden am Dienstag weNergeführl«erden. vor dem Untersuchungsrichter Landgerichtsdirektor Mafur wurde gestern der Arbeitslose L. mit den Brüdern von Solomon konfrontiert. L. hatte bei der Polizei ausgesagt, daß er in der Rächt vom 31. August zum 1. September beim Brandenburger Tor zwei Männer beobachtet habe, von denen einer ein großes, viereckiges Paket unter dem Arm trug. Einige Zeit später kamen die Männer ohne Paket wieder und fuhren von der Dorolheenstraße mit einem Auto, das dort gehalten hatte, weg. Mieder einige Zeit später hörte L. die Explosion. Bei der Konsronlatioo erklärte L. mit voller Bestimmtheit, in Ernst von Solomon einen der Männer aus der Alteutatsuachl wiederzuerkennen. Der Aussage L.s wird erheblich« Bedeutung bei- gemessen. HamkenS aus der Hast entlassen. Auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Luetgebrun«,(Böttingen, sind gestern vom Untersuchungsrichter beim Landgericht I, Berlin, Land- gerichtsdirektor Dr. Mafur, die in der Bambenattentatsangelegenheit angeschuldigten Landoolkangehörigen, Hofbesitzer Hamkens, Diplomlandwirt M u t h m a n n und Siedler Matthe? aus der Haft entlasten worden. Die Haftenilastung ist erfolgt, weil«in drin- gcnder Tawerdacht an den Sprengstoffattentaten bei diesen Angeschuldigten nicht mehr vorliegt und im übrigen Fluchtverdacht nicht mehr begründet ist, weil es sich um Hof- und Grundbesitzer handelt. Gegen die jetzt aus der Haft Entlassenen liegt nicht mehr der Verdacht eines Verbrechens, sondern nur«ine» Vergehen» gegen da» Spreng st offgesetz und wegen Unter- lafsung einer Anzeige vor. Hamkens wieder verhaftet! Nachdem di« In der B ombe runter s uchungshast befindlichen Hof- besttzer Hamkens und Landwirt Muthmann gestern abend nach Auf- Hebung des Haftbefehls im Haftprüfungsverfahren aus dem Unter- suchungsgefängnis Moabit entlasten waren, wurden sie am Tor des Untersuchungsgefängnisses von Beamten der Politischen Polizei wieder festgenommen. Sie wurden trotz chres Protestes zum Polizeipräsidium gebracht, wo sie sich zurzeit noch befinden. Gegen d'e neue Verhaftung durch die Politisch« Polizei hat der Ver- leidiger der Inhaftierten, Rechtsanwalt Dr. Luetgebruns, sofort tele- graphischen Protest an den Polizeipräsidenten gerichtet. Heinz und die Bomben. Haussuchung bei dem Abenteurer. Hannover. 27. September.(Eigenberichl.) Der..Volkswille' berichtet am Freitag, daß die hannoversche Polizei bei einem gewissen Leulnanl a. D. Heinz Hans- s n ch u n g e n vorgenommen hat, weil er in dringendem verdacht steht, mit den Bombenatlentätern in Verbindung gestanden zo haben. Das Ergebnis der Haussuchung und der Vernehmung reichten jedoch zu eiaer llcbersührong de» Heinz nicht au». Er steht jedoch nach wie vor in dringendem verdacht der AUlwisser- schaft. Heinz war bis vor kurzer Zeit Redakteur des hannoverschen Hiller-Organs„Der: niedersächsische Beobachter' und zugleich F ü h- r« r der Ha nnovers che n R atr on a l! oz i a li st e n. Ueberall, wo in den Jahren noch der Revolution ein politischer Mord cder ein Attentat geschmiedet oder ausgesührt wurde, war Heinz dabei. Er war allerdings immer so geristen. sich vorher ein Alibi zu verschaffen, so daß er jedesmal mit einem blauen Auge davon gekommen ist. Am 16. September 1321 wurde Heinz, der kurz vorher den Besuch Killingers empfangen hatte, unter dem Verdacht eines Verbrechens nach Z 139 des StGB, festgenommen. Der Untersuchungsrichter nahm nicht ohne Grund an. daß Hemz von dem Vorhaben der Ermordung Erzberger» Kenntnis er- halten hatte. Am 13. Oktober 1921 wurde Heinz wieder aus der Haft entlasten, da sich nicht genügend Anhaltspunkte gegen ibn ergeben hatten. Am 21. Juni 1922 wurde Heinz abermals verhaftet. Dies- mal mit dem Kapitän T i l l e s s e n, dem Bruder des Erzberger- Mörders und dem Geschäftsführer Ehrhardts, P t a a ß. Es ist ferner anzunehmen, daß Heinz auch an dem Attentat auf Scheide- mann beteiligt war und die damals benutzte Biausäurespritze persönlich nach Kassel gebracht hat Er wurde aber sowohl im Rathenau- wie im Scheidemann-Prozeß freigesprochen Auch beim Hitler-Putsch war er aktiv beteiligt und saß deshalb lang« in Haft. Von 1925 bis 1327 war Hein; führend in der Bundesleitung des Stahlhelms lälg. Dort schied er aus, weil er wegen Anstiftung zum Fememord verhaftet wurde. Wiederum saß er monatelang hinter Gefängnismauern und wiederum wurde er damals trotz einer Fülle von Belastungsmaterial in Gießen freigesprochen. Im Verlauf der Verhandlungen erklärt« Kriminal- kommistar Tormann-Frankfurt a. M. als Zeug«, daß er im Juli 1921 bei Heinz eine Haussuchung vorgenommen habe, weil er bei der oersuchten Sprengung der Frankfurter Synagoge «in« Roll« gespielt habe. Kriminalkommistar Glinke-Magdeburg sagte aus, daß Heinz im Juli 1921 eine Karte an die Bundes- leitung des Stahlhelms geschrieben habe, aus der er be- merkte, die Regierung müsse in die Luft gesprengt werden. Ferner schrieb er:„Schwarzpulver für Sprengen genügt nicht Nehmt andere Mittel!' Ein anderer Zeuge äußerte unter Eid daß Heinz der bös« Geist derBrigadeEhrhardt, der Chef der Terror- gruppen der OT. gewesen sei, alle Attentate dieser Organisation angestiftet und mit ausgeführt habe. Auch der unabhängige sozial- demokratische Abgeordnete Garreis in München sei auf sein Anstijlen hin von Kern erschosten worden. Vor einigen Monaten tauchte Heinz plötzlich in Hannover auf und übernahm di« Führung der Hakenkreuzler. Jetzt ist es aber auch hier mit seiner Herrlichkeit zu Ende. Man hat ihn wegen seiner engen Verbindung mit den Bombenattentaten kurzer Hand aus der Partei ausgeschlossen. Der nationalsozialistische Studienrot Ruft teilt« am 1. September z B. in einer Orts- gruppenführersitzung mit, daß er Heinz aus der Partei ausge- schloffen habe, weil dieser enge Beziehungen zu den Jtzehoer Bombenattentätern gehabt Hab«. Heinz halte schon Ende Iunt erzählt, daß es noch ganz anders knallen würde, ja, daß auch noch einig« Minister daran glauben müßten. Er ist auch mit den Verhafteten, Mutmaim und von Solomon, be- freundet und hat dauernd an der Landvolkzeitung mitgearbeitet. Seine Freund« hallen ihn für außerordemlich schwer belastet und sehen in ihm aus Grund der Tatsach«, daß Heinz trotz seiner engen Beziehungen zu den LandoolkatteMaten bisher nicht verhaftet worden ist, einen Polizeispitzel.'...r Staatstheater und Volksbühne. Oie Oberrechnungskammer konstatiert eine„ungerechtfertigte staatliche Subventionierung". In ihrer Kritik an den Zuschüssen der Staatstheater weist di« Oberrechnungskammer insbesondere auf die angeblich viel zu billigen Preise hin, zu denen di« Kroll--Oper der Berliner Volksbühne ein« bestimmt« Anzahl von Plätzen wöchentlich abgibt. Die Oberrechnungskammer bringt in ihrer kritischen Aus- lastung zum Ausdruck, daß der Vertrag zwischen der Staatsoper und der Volksbühne jeden Versuch einer wirtschaftlichen Ausgestal- tung der Berliner staatlichen Theaterbetrieb« von vornherein aasz schwerste beeinträchtig«. Ferner beeilt sich die Oberrechnungs- kammer, zu bemerken, daß ihrer Austastung nach in den Vedin- gungen der Slaatstheater gegenüber der Volksbühne«ine unge- rechtsertigte indirekte staatliche Subventiomevung der Derliner Volksbühne vorlieg«. Ohne im einzelnen zu den Auslastungen der Oberrechnungs- kammer Stellung zu nehmen, müsten wir doch zum Gegenstand selbst grundsätzlich folgendes bemerken: Wenn schon di« Ober- rechnungskammer Kritik an der Wirtschaftsführung der Staats- theater üben will, dann gäbe es zweifellos dankbarer« und schlag- kräftigere Argumente für ihr« Thesen als diesen Hinweis auf den Vertrag mit der Volksbühne. Die staatlich«» Zuschüsse sind nach den Feststellungen der Oberrechnungskammer von 1600000 Mark im Jahre 1921 auf 6 915 000 M. im Jahre 1928 gestieg«n. Im selben Zeitraum haben jedoch di« Leistungen der Ver- liner Volksbühne an die Staatstheater ein« wesentliche Aen- derung nicht erfahren, unter keinen Umständen jedoch eine Min- derung. Infolgedesten kann für die Steigerung des Staats- Zuschusses innerhalb der erwähnten Periode die Volksbühne nicht verantwortlich gemacht werden. Aus diesem Tat- bestand ergibt sich, daß wesentlich ander« Gründe, die außerhalb des Bereichs des Vertragszustandes zwischen den Staatstheatern und der Volksbühne liegen, zu der maßlosen Erhöhung des De- sizits der Siaatstheator geführt haben. Es muß hier ferner die weitere Feststellung getrosten werden, daß der Betrieb der Staatstheater Aufwendungen in einem Um- fange erfordert, der selbst bei hundertprozentiger Ausnutzung der höchsten möglichen Frequenz der Staatstheater aus eigenen Ein- nahmen auch nicht annähernd abgedeckt werden könnte. Auch die Oberrechnungskammer wird nicht behaupten, zumindest aber nicht Französischer Einatterabend. Großer Erfolg in der RepabiittOper. „Die spanische Stunde' von Raoell,„2> er arme Matrose' von MIlhaud,„2lng«liqu«' von I b e rt, ein heiteres, ein tragisches, ein burleskes Spiel. Unter Alexander von Zemlinstys musikalischer, Gustaf Gründgens' szenischer Leitung glänzende Wiedergab« der drei für Berlin neuen Werk«. Lebhafter Beifall schon nach dem ersten Stück, der sich nach dem zweiten, dem tragischen Haupt- und Mittelstück des Abends, zu starmisch«« Kundgebungen steigert. K. R. beweisen können, daß der Zuschußbedarf lediglich aus di« Mirtde- rung der Leistungen des Theaterpublitum» zurückzuführen ist. Endlich ober erscheint es wieder einmal notwendig, aus das Kernproblem innerhalb dieser Diskussion überhaupt hinzuweisen. Die Staatstheater erfordern gewaltige Zufchüste, gewiß. Run kommt es aber doch auch darauf an, welche praktisch« Verwertung solche Zuschüst« finden können. Es mag in den Augen eines Finanz- beamten gleichgültig sein, ob di« Aufwendungen einem Institut gegeben werden, das sich im Lauf« eines Jahres an ein« halbe Million Menschen oder nur an hunderttausend wendet. Uns scheint dies« Frage aber keineswegs gleichgültig. Da die Oper noch wie vor, soweit sie ihre Plätze nicht an Volksbühnenmitglieder abgibt, eine Anstalt lediglich für sozial.höhere' Schichten darstellt, da sich di« beiden Staatsopern keineswegs über einen Mangel an Plätzen, sondern weit eher über«inen Mangel an Besuchern zu beklagen haben, und da schließlich das Volksbühnenmitglied ent- weder nur auf dem Wege über die Volksbühne oder überhaupt nicht zur Oper zu gelangen vermag, kann es wirklich nicht mehr schwierig sein, diese Aufwendungen in einem innerlich gesunden Zusammenhang zu einem praktischen Zweck zu bringen. Gerade weil es sich gegeigt hat, daß die Zuschüsse für die Staatstheater sich fast vollkommen unabhängig von der Einnahmeleite der Theateretats entwickelt haben, muß es eine der vornehmsten Aufgaben einer verantwortlichen Behörde bleiben, diese Aufwendungen wenigstens zu einem Teil fachlich gerechtfertigt zu sehen. Dies« fach- liche Rechtfertigung ergibt sich aber aus der Tatsache, daß Zehn« tau sende von Menschen, di« ohne ihre Volksbühnenmitgliedschaft niemals in die Oper und niemals an ein« Kaste der Staatstheater gehen würden, wenigstens jene Plätze füllen, die sonst zu neun- zig bis fünfund neunzig Prozent ohnehin frei bleiben würden. Zum Schluß fei noch ein Hinweis gestattet: Der Vertrag der Staatstheater mit der Volksbühne kommt ja auch nicht ausschließlich einem reinen Liebesverhältnis gleich; sondern die Berliner Volks- bühne hat sich durch erhebliche sinanz teile Aufwen- dungen in schwerer Zeit für di« Kroll-Oper«in moralisches und juristisches Recht auf ein« bevorzugte Behandlung durch die Staatstheater erworben. Auch dieser Punkt sollt« ohne Rot nicht übersehen werden. Eine grundsätzliche Aufrollung des gesamten Fragenkomplexes muß einer späteren Gelegenheit vorbehalten bleiben. Falsche Gerüchte über Mieterhöhung. Zu den in der Press« erschienenen Nachrichten über eine angeblich bevorstehend« Mict- erhöhung erfährt der Amtlich« Preußische Prestdienst aus dem Ministerium für Dolk-wohlfahrt, daß B e f p r e ch u n g e n in dieser Richtung zwischen den maßgeblichen Stellen nicht stattgesun- den haben. UUS.-Funfflonär ermordet In Zarwinica wurde der sozial- demokratische Parteifunktirnär Kowalszyk von einem bisher unbekannten Täter durch drei Revoloeftchüste er- mordet. Der Mord hat nach dem bisherigen Verlauf der Unter- suchung einen politischen Hintergrund. Banken-Kusion «to o Geieilie Dividende— — doppelte Dividende! Mussolinis Rache. so Jahre Zuchthaus für Cefare Nossi. Rom. 27. September. Der vor ungefähr einem Zahre an der»aNenisch-fchweizerischen Grenze bei Campione verhaftete politische Flüchtling und frühere Pressechef Mussolinis, Cesare Roffi, ist heule nach kurzem Prozeß vom Ausnahmegericht zum Schuhe des Staates zuZOIahrenZuchlhous. lebenslänglicher Entziehung der bürgerlichen Ehrenrechte und drei Jahren scharfer Ueberwachung verurteilt worden. Da» Urteil entspricht dem Slrafantrag de» Staats- amvalts. während der Untersuchungsausschuß die Todesstrafe gefordert hatte. Als Beweismittel für fein Komplott gegen das faschistische Regime und da» Leben Mustolinis dienten B r I e s e, die Rossi aus seiner Der- banaung in Frankreich an die Adresse von Antifaschisten in Italien geschickt halte, die aber stet» von der römischen Polizei abgefangen wurden. Als e I n z i g e r Zeuge ist im Prozeß der Generaldirek- tor der italienischen Polizei. B o c chi n i. aosgetrelen. Entlastung». zeugen wurden nicht vernommen. Der Verteidiger. Strafrechtslehrer Manastero, plädierte erfolglos für ein mildes Urteil. * Cesare Rossi, langjähriger Vertrauter und Pressechef Mussolinis, war sicherlich keine sympathische Erscheinung. Daß er Italien unter Mitnahme äußerst kompromittierender Doku- mente für den„Duce" oerließ, aus denen sich die direkte Mit- schuld des Diktators an der Ermordung Matteottis klar ergab, geschah nicht etwa aus Reue, sondern wegen per- sönlicher Zerwürfnisse mit seinem Chef. Seine Enthüllungen haben gewiß der antifaschistischen Bewegung viel genutzt, aber die italienischen Sozialdemokraten/ im Auslände habsiv stets jede Verbindung mit dem ehemaligen Helfershelfer Mussolinis abgelehnt..-:••• Etwas anderes ist allerdings die Frage der f k a n d a- losen Umstände, unter denen Rossi auf Schweizer Boden bei Lugano durch italienische Spitzel und Poli- zisten auf italienisches Gebiet gelockt oder vielmehr ver- schleppt worden ist. Seine Verhaftung erfolgte in Campione, einer italienischen Enklave mitten im Schweizer Bundesgebiet am Südufer des Luganosees. Selbst wenn er freiwillig nach Campione gegangen wäre, was sicher nicht der Fall war, so konnte er von dort nach Italien nur über Schweizer Gewässer gebracht werden, eine Handlung, die eine eklatante Verletzung der Schweizer Souveränität darstellte. Die Berner Regierung hat zwar damals gegen diesen Völkerrechtsbruch protestiert, aber Italien hat sich über diesen berechtigten Einspruch der kleinen Schweiz einfach hinweggesetzt. Mussolini dachte natürlich nicht daran, diese kostbare Beute preiszugeben, an der er feine Rache würde befriedigen können. Bei aller Würdigung der schwieri- gen Lage der Eidgenossenschaft gegenüber dem übermächtigen Italien meinen wir, daß die Bundesregierung dennoch die Pflicht gehabt hätte, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. sondern nötigenfalls beim Haager Gerichtshof die Herausgabe des widerrechtlich entführten Cesare Rossi zu fordern, nicht Rossi, soichern dem Souveränitätsprinzip zulieb«. Mit 30 Iahren Zuchthaus soll nun Rossi seinen persön- lichen Verrät an Mussolini büßen. Vielleicht fühlt sich der Diktator durch dieses grausame Urteil befriedigt. Aber die Enthüllungen Rossis, deren Echtheit nie bestritten werden konnte, sind durch kein Racheurteil aus der Welt zu schaffen. Der fäschistische Staat wird bestimmt keine 30 Jahre dauern, abyr üdch in 300 Iahhen Med der Name Mussolinis in Ver- bindung mit dchn Mord änMaiteötti und mit vielen anderen Verbrächen förtlebert. Die Tagung der Städte. Die Arbeiterschaft und die Kommunen. „Gefährdung der Gtaatsficherheit". Mecklenburger Justiz unter der Rechtsregierung. Der Fememordprozeß Eckermann wird in Mecklenburg- Schwerin unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Grund: Gefährdung der Staatssicherheit. Wer glaubt an diesen Grund? Die„Schwarze Reichs- wehr" ist weltbekannt, im offiziellen Sprachgebrauch wird das Wort hemmungslos angewandt— es gibt nichts mehr zu oertuschen, von einer Gefährdung der Staatssicherheit ist keine Rede mehr. Daß die Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden würde, konnte die Telegraphen-Union bereits nach der Festsetzung des Verhandlungstermins mitteilen. Das Gericht hat den Beschluß zur Ausschließung der Oeffentlichkeit unmittelbar nach dem Antrag verkündet, ohne zu beraten. Die Beratung ist also vorweggenommen worden. Alles spricht für ein politisches Motiv. Es ist sehr durch- sichtig. Herr Eckermann wird begnadigt werden, wie� das Urteil auch ausfällt, weil die Begnadigung der Fememörder der Kaufpreis für die Unterstützung der Mecklenburg- Schweriner Rechtsregierung durch die Nationalsozialisten ist. Eine öffentliche Verhandlung, die die besondere Roheit der Femeverbrecher vor der Mecklenburger Oeffentlichkeit auf- zeigen müßte, würde dies politische Handelsgeschäft in ganz besonderer Beleuchtung zeigen. Gefährdung der Staatssicherheit? Rem, nur Gefährdung der Sicherheit der Mecklenburger Rechtskoalition l Was die Oeffentlichkeit nicht erfahren soll. Heber den Fememord an Beyer, der die Grundlag« der An- klage gegen Eckermann ist, gibt Gumbels Buch.Verräter versallen der Feme" folgende Darstellung: „Drei Tag« lang wurde in Klubsesseln, hinter hermetisch abge- schlossenen Türen, unter Alkoholdruck konferiert. S ch ö l e r, von Pannwitz und der Oberleutnant z. S. a. D. Eckermann schlugen vor, Beyer im Ofsizierskasino de» Reichswehr-Arfillerie- Regiments bei einer Sauferei durch vergifteten wein umzubringen, die Leiche sachgemäß zu zerstückeln und die etozelneu Teile in den iahen Ostdorfer See zu werfen. Otto Stucken, ein Offiziers- sielloertreter der Schrvarzen Reichswehr, der in ihr zum Ober- leutnant befördert war. wehrt« sich heftig gegen die Usbernahme der ..Schlächterarbeit". Leutnant a. D. Erich Franz, ein ehemaliger österreichischer Offizier, der das Gift besorgen sollte, holt« sich bei dem völkischen Arzt Dr. Rohardt eine schroff« Abfuhr. Darauf beschloß man, den ganzen Plan fallen zu lassen und Beyer zu er- schießen. Mit dieser Aufgab« wurde der Feldwebel Boldt von der Schwarzen Reichswehr betraut. Am 14. Dezember erfchien Boldt in der Käfern« und erzählte dem Beyer, daß er auf dem Gute seiner Mutter Arbeit für ihn als Kutscher Hab«. Am Abend des 18. Dezember sichren die beiden von Schwerin ob. In Bad Kleinen verließen sie zu später Nachtstunde den Aug. Auf dem Wege nach dem Dorf Mecklenburg, in dessen Umgebung das imaginäre Gut liegen sollte, nahe der Chaussee, ließ Boldt fein ohnungslofes Opfer vorangehen, angeblich um etwas an feiner Kleidung in Ordnung zu bringen. Dann hob er die Pistole, die er schon lang«— in der tiefen Dunkelheit fiir den anderen nicht er- kennbar— entsichert in der Hand getragen hatte, irnd streckte den Beyer auf zehn Schritt Distanz durch z-m-efi Schüsse in den-Hinterkopf zu Boden. Auch der Siahlhelm hat verhandelt. Eine Widerlegung seiner Erklärungen. Der Stahlhelm hat seine Beteiligung an den Berhandlungen mit französischen Politikern dementiert. Demgegenüber gibt Alb recht Freiherr v. Lamezan folgende Erklärung ab: „Durch meine Vermittlung hat vor der Pariser Reis« des Herr» Arnold Rechberg im Frühjahr dieses Jahres in meiner Gegen- wart eine Besprechung zwischen den Herren Seldte, Düster- b e r g und mehreren anderen Stahlhelmführern einerseits i'nd Herrn Arnold Rechberg andererseits stattgefunden. Herr Arnold Rechberg hat dabei die Internationale Lage geschildert und die Be- dingungen umrissen, welche realen Derständigungsverhandlungen mit den beiden Westmächten Frankreich und England oder gegebenenfalls mit Frankreich allein zugrunde gelegt werden sollten. Es wurde schließlich verabredet, Herr Rechberg möchte zunächst in Paris sondieren und dabei französischen Staatsmännern gegenüber vertraulich seine Unterredung mit den Stahlhelm- führern erwähnen und dazu bemerken, daß dies« in den umrissenen Bedingungen eine P e r ha n d lung s- basis jähen." Kapitän Ehrhardt- für Verständigungspolitik. Kapitän Ehrhardt teilt mit:„Ich denke gar nicht daran, mein« Unterredungen mit französischen Politikern im Hause Rechbergs in Abrede zu stellen oder sie gar dadurch zu beschönigen, daß ich dem Auswärtigen Amt gewissermaßen Meldung erstattet hätte. Ich kann mich unterhalten, mit wem ich will, ohne jemanden davon zu unter» richten. Ich bin der Ansicht, daß Deutschland versuchen mutz, sich zunächst mit seinem größlea Gläubiger Frankreich, der jederzeit mit Waffengewalt setu« Forderungen eintreiben kann, ehrlich, ohne Hintergedanken, zu verständigen. Die kleineren müssen dann zwangs- läusig folgen. Ob das Herr Stresemann macht oder Herr Rech- b e r g oder sonst jemand, ist mir gleich. Hauptsach« ist, daß jemand den großen Wurf wagt. Für mich geht es nur um Deutsch- land, um keine Person." * Mit dieser Erklärung distanziert sich Ehrhardt vom Hugenberg-Block. Der Hugenberg-Block verfolgt reaktionäre und putschistische innenpolitische Tendenzen, die er unter außenpolitischer Demagogie verbirgt. Ehrhardt verfolgt die gleichen innenpolitischen Tendenzen, aber ohne außenpolitische Maskierung. Die Hakenkreuzler im Gporipalast. „Er gab kein Ja den Oawes-Keiien." Nachdem Hugenberg und Seldte sich am Dienstag im Sport- palast produziert hatten, sprach gestern der Berliner Nationalsozialist G o e b b el Er will tatsächlich Ernst machen: Er oerlangt, daß alle Verantwortlichen für die Abkommen von Versailles, von Lon- ton, von Locarno und vom Haag hinter schwedische Gardinen kam- men. Dennoch hat er vor Hind.-nburg etwas Angst. Um sich um den erwünschten§ 4 des Bolksbegehrens zu drücken, oersteckt er sich hinter billigem Antisemitismus und ruft unter stürmtschem Jubel: „Wenn sich die jüdische Journaille hinter dem breiten Rücken Herrn von Hindenburgs versteckt, so werden wir sie hervorlocken und auch dorthin bringen, wo st« hingehört." Frankfurt a. Al.. 27. September.(Eigenbericht.) Der Städtetag trat nach der Begrüßungsansprache von Innen- minffter Grzesinski in die Aussprache ein. In der Diskussion erklärte G ö r l i n g« r- Köln, der Ausbau der Selbstverwaltung dürfe keine Machterweiterung für die Oberbürgermeister bedeuten, sondern eine stärkere Mitarbeit der gewählten Vertreter der Be- völkerung. Die sozialistische Arbeilerfchast sei seit zehn Jahren die stärkste Stühe der Kommunen und der stärkst« Motor der kommunalen Entwicklung. Großes sei von den Gemeinden geleistet worden, aber noch größere Aufgaben harrten ihrer Erfüllung. Wenn sich die Gemeinden nicht mit aller Kraft der Opfer der Wirtschast und der Inflation in der groß- zügigsten Weise angenommen hätten, wäre es dem Staat niemals möglich gewesen, so unerschüttert aus all den Krisen der Vergangen- heit hervorzugehen. Deshalb müßte vor allem die Wirtschaft Am interessantesten an der ganzen Dersammwng war et« Transparent, das an der Wand hing. Man las die Verse: Dar Poung kann Euch nur Hitler retten, Er gab kein Ja den Dawes-Ketten. Wer gab eigentlich ein„Ja den Dawes-Ketten"? 48 deutsch- nationale Abgeordnete, Gefolgsmänner also des Herrn Hugenberg, mit dem Hitler heute in Volksbegehren macht! Eine verträgliche nette Kumpanei, diese verschiedenen Herren Volksbebegehrlerl * Einige Nationalsozialisten mußton wegen Randalierens zwangsgestellt werden. Tollers Fefihaliung ein Mißverftändm's! Landung nach langem Verhör gestattet. Rem Jork, 27. September. Dem Schriftsteller Ernst Toller, der, wie gemeldet, gestern von der Einwanderu ngsbehörd« festgehalten wurde, ist heute nach kurzem Verhör die Einreise ins Gebiet der Ver- einigten Staaten und ein Aufenthalt von drei Monaten g e st a t t e t worden, ohne daß Bürgschaftsstellung verlangt wurde. Toller, der zu einer Vortragsreise nach den Vereinigten Staaten gekommen ist, ist nach der Erklärung der Einwanderungsbehörde vorläufig fest- gehalten worden, weil er unter die Kategorie der Ausländer fall«, die«ine Freiheitsstrafe haben verbüßen müssen. Die Ein- wanderungsbehörde ist aber dann zu dem Befund gekommen, daß das Vergehen, für das Toller«ine fünfjährige Freiheitsstrafe er- haken hat x o l i t t j ch e r Natur war. den Gemeinden zu großem Dank verpflichtet sein, be- sönders die deutsche Industrie, die den Gemeinden so große Lasten aufgezwungen habe. Aber dieselbe Industrie, die nie Gelb besitzen wolle, habe genügend Rliltct. den Stahlhelm und die Nationalsozialisten zu finanzieren. Die gesunde Entwicklung der Kommunen sei die Vorbedingung für den Ausstieg der Arbeiterklasse. An der Diskussion beteiligten sich noch Falk- Köln, Dr. M S n n i g- Köln, Dr. C a s p a r i- Berlin, Frau N o s e n t a l> Berlin, Stadtverordneter Langemark- Stralsund und Stadtver- ordnetet K i t s ch e r- Berlin, die jeweils den Standpunkt ihrer politischen Fraktion zu der kommunalen Selbstverwal- t u ng und der Finanzlag« sowie der vom Vorstand hierzu vor- gelegten Entschließungen darlegten. Diese Entschließungen wurden unter Zlblehnung aller Adänderungsanträge angenommen. Die polnische Verfassungskrise. Pilsvdffi-Regierung holt sich einen neuen Korb. Warschau, 27. September.(Eigenbericht.) Im Mittelpunkt des politischen Interesses steht hier zurzeit die von dem Führer des Regierungsblocks Oberst S l a w e k angeregte Konferenz der Fraktionsvor sitzenden über die Frage der Verfassungsänderung. Bisher haben die Na- tionaldcmokraten. sowie der deutsche und der jüdische Minderheiten- block«ine Teilnahme an der Konferenz abgelehnt. Die Ukrainer, die Weißrussen und die K o m m u n i st e n sind von Slawe? überhaupt nicht e rst eingeladen worden. Sie sind nach seiner Ansicht als„st a a t s v e r n e i n e n d e El«- mente" nicht berufen, an einer Debatte über Verfassungs-Reforni- fragen teilzunehmen. Die sozialistische Sejmfraktion hat die Einladung Slaweks noch nicht beantwortet. Aber auch sie dürft« sich voraus- sichtlich negativ entscheiden. Zwischenfall aus der Lt-Bahn. Falsches Gerücht über einen schweren Llnfall. Auf dem Bahnhof Friedrichstadt der Untergrundbahn stürzte gestern nacht ein betrunkener Mann aus das Gleis. Ein einfahren- der Zug wurde vom Führer rechtzeitig angehalten. Bor Schreck fielen jedoch einige Frauen in Ohnmacht. Es entstand ein Auflauf— und infolgedessen das Gerücht von einem schweren Unfall, das sich jedoch erfreulicherweise nicht bestätigte. Die Spaltung wird organisiert. Die KPO. berust einen Gewerkschastskongreß ein. Den Dosichewisten ist klar geworden, dah sie weder mit der sirattionsbildung innerhalb der Eewerkschaften, noch mit der„Revo- littionienrng' der Arbeiter durch Verleumdung der Funktionäre und Angestellten der Gewerkschaften Fortschritte innerhalb der Gewcrk- sckiaften machen. Sie haben dann die Unorganisierten auf die Gewerkschaften gehetzt, dies« Unorganisierten, die nach dem Aufschrei eines kommunistischen Reichstagsavgeordneten„tausendmal besser sind als die Organisterten". Jetzt ist die KPD. einen Schritt weiter gegangen. Am Mittwoch hat der kommunistische Reichs- tagsabgeordnete Dahlem vor den Berliner Referenten der KPD. u. a. folgende Ankündigung gemacht: „Ende November aber tritt der erste Gewerkschasts- kougretz der revolutionären Opposition zusammen. zu dem die Betriebe und die Erwerbslosen aus allen Teilen Deutschlands 1500 bis 2300 Delegierte entsenden werden. Dieser Gewerkschastskongreß wird das aktuelle revolutionäre Programm der deutschen Arbeiterklasse auf die Tagesordnung stellen. Er wird die Linie des proletarischen Angriffs festlegen und ein Ausgangspunkt sein für die festere Zusammenreißnag der revolutionären Front, für die Orgaai- s i e r u n g der wirtschaftlichen und politischen kämpfe und für die siegreiche Durchführung der Betriebsrätewahlen im Frühjahr lSZO." Dieser Kongreß, sagte Dahlem weiter,„ist daher der wich- tigste strategische Punkt, auf den die Partei Tag für Tag in den nächsten Wochen und Monaten ihr« chauptkräfte konzentrieren muß". Das bedeute„eine energische und kühne Umstellung der Politik und Organisation t«r Partei". Hier ist mit aller Klarheit ausgesprochen, daß die KPD. nunmehr endgültig,„energisch und kühn" zur Spaltung der Gewerkschaften übergeht. In allen Ländern, wo es bisher den Bolschewjsten gelungen ist, die Gewerksdjoften zu spalten, begann das Spiel mit einem larnmunistischen Gerne rkscl)aftskongrsß. Auch als die KPD. im Jahr« 1924 den ersten Versuch unternahm, kommunistisch« Gewerk- schaften zu gründen, leitete sie den Rummel mit einem Kongreß ein. Dag hat man unter„Zusammenreißung der revolutionären Front" zu verstehen. Die deutsche Arbeiterschaft empfindet sicherlich jeden inneren Kampf schmerzhast. Sie weiß auch, was es bedeutet, gerade jetzt das groß« Bollwerk gegenüber den kapitalistischen Angriffen, die Gewerkschaften einem verschärften Streit innerhalb der Arbeiter- schaft auszufetzen. Di« Arbeiterschaft wird alle Kräfte zusammen- fassen müssen, um den Sieg über die Sozialreaktion des deutschen Unternehmertums davonzutragen. Die Kommunisten erveistn sich in diesem Kampf als die Helfershelfer der deukschen Sozialreaktionäre. Cs ist aber vielleicht ganz gut. daß die Kommunisten den breiten Arbeitsmassen zeigen, was sie wollen, wenn sie jetzt die Maske der „Einheitsfront" und der„Revolutionierung der Arbeitermassen" oder wie die Schlagworte der Kommunisten sonst lauten, fallen lassen. Bei dem Kongreß wird es sich um eine Tagung der„r e v o l u- tionären Unorganisierten" handeln, verstärkt durch kleine Grüppchen, die man durch die Bereinigung der Rohrleger in Berlin ja zur Genüge kennen gelernt hat. Die Kommunistische Partei hat die Hoffnung aufgegeben, von den mehr als 5% Millionen freigewerkschaftlich organisierten Arbeitern und An- gestellten einen nennenswerten Teil cdzusprengen. Wie die Gelben, setzt sie ihre Hoffnungen auf die Unorganisierten. Die Kommunistisch« Partei erweist sich damit als ein Gegner, ein Feind der freien Gewerkschaften. Das ,st die Lehre, die wir aus der neuen Taktik der Kommu- nisten ziehen. Das mutz auch dem letzten Arbeiter und der letzten Arbeiterin nahegebracht werden. Es muß in allen Gewerkschafts- Versammlungen, auf allen Bertrauensmännerkonferenzen und in allen Belegschaftsversammlungen immer wieder daran erinnert werden, daß die Kommunistische Partei nicht mehr eine Partei der organisierten Arbeiter ist. Dahlem sagt freilich, daß diese Spaltung vor sich gehen soll,„neue Organe und Organisationen" geschaffen werden sollen,„ohne natürlich auf die Weite rorbeit in den unter reformistischem Einfluß stehenden Organisationen zu ver- zichten". Aber die KPD. irrt, wenn sie glaubt, ein solches Doppelspiel, Spaltung von außen und innen, sei möglich. Wer sich in den Gewerkschaften künftig noch zur KPD. bekennt, erklärt damit, daß er ein Feind der Gewerkschafte» ist. Die Holzarbeiier zur Nationalisierung. Das Ethos im sozialen Leben. Bremen, 27. September(Eigenbericht). 'Räch der mit großem Beifall ausgenommenen Rede des Genossen Tornow über Totfachen und Probleme der Rationalisierung, hoben verfchisden« Delegierte die Schädlichkeit der Umstellung der Problem« hervor. Das Material, das Tornow vorgetragne hott«, wurde als das erschütterndste des gangen Berbandstages bezeichnet. Tornow habe das große Organisationsproblem des Sozialismus aufgezeigt. Mit großer Sorge hoben die Delegierten die Arbeitslosigkeit hervor, die der Ärbeitsumstellung auf dem Fuße folgte. Dos gesamt« Problem wurde von Tornow im Schlußwort noch ciinnal zusammengefaßt. Die Technik müsse dazu dienen, dem Arbeiter die Arbeit erträglich zu machen. Die Behauptung, daß durch die Rationalisierung die Arbeitsfreude geringer würde, beruhe aus falschen Schlußfolgerungen. Die Lebensfreude müsse im Menschenleben liegen und nicht in der Arbeit selbst. Das Ethos im Menschen ist nie aus der A rb e i t gekommen, sondern aus dem g e- samten sozialen Leben heraus. Wichtig ist es, die wirt- fchostlichen Erfolge in einer Besserung der Arbeit ausklrngen zu lassen. Die bereits mitgeteilte Entschließung zur Rationalisierungs» frage wurde gegen drei Stimmen angenommen. Heber die Internationale Hplzarbeiter-Union sprach der Verbandskafsierer Lehmann, wobei er besonder» aus den letzten Kongreß in Heidelberg einging. Die Zurückoerie gung des Internationalen Sekretariats nach Deutschland und die Besetzung durch Tornow sei von allen Ländern beifällig ausgenommen worden. Ein Kommunist empfahl in der Aussprache mit dem russischen Holzarbeiterverband zwecks Zusammenschlusses in Verbindung zu treten, worauf Tornow erklärte, daß die Russen schon morgen Mitglied der Union sein könnten, wenn sie sich den Statuten unter- ordnen. Der Verbandstag trat in die Beratung der Statuten und An- träge ein. Berichterstotter war F r e i g a n g- Berlin. Der geschickten Versammlungsleitung Tornows gelang es, die Beratung und Er- lsdigung der über 300 vorliegenden Anträge schnell durchzuführen. Von den gefaßten Beschlüssen erwähnen wir die Erhöhung der Streikunter st ützung um 10 Prag. Dieser Beschluß wird dazu beitragen, in Zukunft den kämpfenden Holzarbeitern noch mehr als bisher das Durchholten zu ermöglichen. Heber die Vsschwerdek ommission berichtete S p ill- Danzig. In der.Hauptsache drehte es sich um die Beschwerde wegen des Aus- lchlusses der Mitglieder der sogenannten oppositionellen Richtung. Die Beschwerde gegen den Ausschluß von Pieck und Genossen wurde gegen die Stimmen der Kommunisten zurückgewiesen. Bei der mm folgenden Vorstandswahl wurde der alte Vorstand gegen drei Stimmen wiedergewählt. Tornow dankte in seinem u,id im Namen der übrigen Dorstondskollegen für das große Vertrauen und versprach, daß der Vorstand versuchen wolle. auch in Zukmrst sich des Vertrauens würdig zu erweisen. Eine halbe Million im Baugewerksbund Oer Aufstieg nach der Inflation. Am 10. September ergab die allwöchentlich vorzunehmend« Arbeitslosenzählung im Deutschen Baugewerksbund eine Gesamt» mitgliederzahl von 501 088. Damit hat der Deutsche Baugewerksburch die halb« Million überschritten. Die Entwicklung der Mitgliederzahlen innerhalb dieser Organi- sation zeigt besonders in den letzten Jahren einen erfreulichen Auf- stieg. Es ist eigentlich nichts Neues, wenn der Deutschs Baugewsrks- bund über Million Mitglieder zählt. Ende 1922 verzeichnete diese Organisation den höchsten Mitgliederstand, den sie je gehabt hat, nämlich 543 578 Mitglieder. Di« durch die Inflation sich über- stürzenden Lohnbewegungen fesselten die Arbeiter an ihr« Gewerk- schaften. AI» dann im„Billionensegen" der Inflation die deutsche Mark ertrank und schließlich die Deflation eingesetzt hotte,»erließen viele Arbeiter die gewerkschaftliche Fahne, weil nun mit einem Male die Gewerkfchasten arm und weniger einflußreich geworden waren. Immerhin konnte der Deutsche Baugewerksbund am Jahresschluß 1923 noch 420 005 Mitglieder mustern: jedoch der Rückgang ging trotz der Markstabilisierung im Baugewerksbund wie in anderen Ge- werkschaften weiter. End« 1924 erreicht« diese Organisation ihren Tiefstand an Mitgliedern, nur noch 319 376 Mitglieder wurden Ende 1924 gezählt. Im darausfolgenden Jahre wurde der Deutsch« Baugewerksbund, wie auch schon im Jahre vorher, in große Lohnkämpse verwickelt. Ende 1925 zählte der Deutsch« Baugewerksbund 342 235 Mitglieder. Das Jahr 1926 brachte die allgemeine Krise. Der Mitgliederstand des Deutschen Daug« Werksbundes verringerte sich infolgedessen um einig« Tausend. Ende 1926 zählte die Organisation 339159 Mit- glieder. Seit Beginn des Jahres 1927 kam dann«in« besser« Kon- junktur. Ende 1927 zählt« der Deutsche Baugewerksbund 402 252 und End« 1928 sogar 458 048 Mitglieder. Auch im Jahre 1929 vermehrte sich nach Heberwindung der um geheuren Frostperiode die Mitgliederzahl im Deutschen Baugewerks- bund. Sie stieg höher und höher, so daß am 16. September fest- gestellt werden konnte, daß nunmehr über Vi Million Mitglieder dieser Organisation angehören. Der erfreuliche Mitgliederaufschwung zeugt von dem sich immer mehr festigenden Vertrauen der Bauarbeiter zu ihrer Organisation. Werksiudenien als Landarbeiter. Solidarität mit den Streitenden. Auf dem Rittergut w Marienborn, Kreis R«Haldensleben. wurde kürzlich ein Landarbeiter fristlos entlassen. Der Le- sitzer hatte dabei aber nicht an die Geschlossenheit der übrigen Land- arbeite? gedacht. Als sich herausstellte, daß der Besitzer die Wieder- einstellung ablehnte, legte die Belegschaft die Arbeit geschlossen nieder. Noch zwei Tagen wurde der betreffende Landarbeiter wieder«in- gestellt und die Arbeit wieder mifgenommen. Am ersten Streiktag kamen 30 Werkstudenten, die schon vorher angefordert waren, nach Marienborn. Der Besitzer gab sich der Meinung hin, nunmehr eine ausgezeichnete Hilfstrupp« gegen die Landarbeiter in der Hand zu haben. Dieser Glaube wurde schnell zunichte gemacht. Als die Studenten hörten, was vorgefallen war und welche Rolle ihnen zugemutet wurde, erklärten sie sofort, daß«ine Arbeitsaufnahme solange nicht in Frage kommt, bis die Differenzen mit den Landarbeitern aus der Welt geschafft sind. Roch mehr: sie traten an den Vertrauensmann des Verbandes heran und baten ihn, sie in den Verband aufzunehmen. Es widerstrebe ihnen, so erklärten sie, Landarbeit zu verrichten und nicht Mit- glieder des DLV. zu sein. Dies« Haltung gereicht den betreffenden Studenten zur Ehre! Sie haben sich erinnert, daß sie Proletarier sind und im entschei- denden Augenblick proletarisch gehandelt. Zur Nachahmung ollen Werkstudenten empfohlen. Tagung der KrankenkassenangesieMen. Aachliche Aortbildong.— Tarif« und Oienstrecht. Der Reichsfachausschuß der im Zentrawerbond der Angestellten organisierten Kravkenkassenangestellten hielt im Echolungsheim des Verbandes in Ahlbeck fein« Tagung ab. Der Zentralverband der Angestellten ist bemüht, die fachliche Fortbildung der Soziawersicherungsongestellten nach Kräften zu fordern. Zu den bisherigen Fortbildungsmitteln— dem Fachorgan, den Fortbildungs- schriften und den örtlichen, bezirklichen mrd zentralen Lehrgängen— soll künstig ein Fernunterricht treten. Er ist in erster Linie für diejenigen geplant, die wegen großer räumlicher Entfernung an den bestehenden Fortbildungskursen nicht teilnehmen könne. Weitere Fortbildungsmaßnahmen sind in Vorbereitung. Eigehend beschäftigte sich der Reichsfachausschuß auch mit dem Stande des Tarif» und D i e n st r e ch t s bnd mit der Frage der Militäroersorgungsanwärter. In einer besonderen Entschließung trat der Ausschuß den Bestrebungen entgegen, die den Versorgungsanwärtern ein D o r r e ch t bei der Besetzung von Stellen in der Sozialversicherung einräumen wollen. Ein solches Vorrecht ist um so weniger begründet, als erhebliche Zweifel an der Eignung der Versorgungsanwärter für den sozialen Versicherungsdienst be- stehen. Oer Nepräseniani seiner Gewerkschaft. Gewerkschaftliche Funktionärschulung. Der Berbandsftmkttonör im Betrieb ist der Repräsentant seiner Gewerkschaft. Er hat den Arbeitskollegen durch fein Verhalten und durch feine Kenntnisie den Wert und die Bedeutung der gewerkschaftlichen Organisation täglich vor Augen zu führen, auch wenn er keine großen Reden hält. Mehr noch, er vertritt in vielen kleinen Einzelfällen, als Betriebsrat oder auch als Vertrauensmann, die Belegschaft und damit auch die Gewerkschaft gegenüber dem H n t e r n e h m e r. Es ist deshalb begreiflich, wenn in einem Be- triebe der Verband den Ruf genießt, den sein Ver- trauensmann oder der gewerkschaftlich organisierte Betriebsrot sich bei dem Hnternehmer und bei der Belegschaft erworben hat. Ein Vertrauensmann oder Betriebsrat, der nichts kann und nichts weiß. ist für die gewerkschaftliche Organisation nicht nur nicht brauchbar, sondern direkt schädlich. Di« Gewerkschaften geben sich deshalb alle Mühe, den Stamm ihrer Funktionäre und Betriebsräte so auszubilden, daß sie allen An- forderungen des gewerkschaftlichen Kampfes und der gewerkschaft- lichen Agitation im Betriebe gerecht werden können. Die Berliner Arbeiter- und Angestelltengewerkschaften unterhatten zu diesem Zweck die Berliner Gewerkschaftsschule. Ihr« Lehrgänge erstrecken sich auf folgende Gebiete: Arbeitsrecht, Betriebs- lehre. Volkswirtschaft, Sozialpolitik und G e- wertschaftswesen. Alle diese Gebiete muß ein Gewerkschaftsfunktionär einigermaßen übersehen, besonders aber auf den Gebieten des Arbeitsrechts und der Betriebslehre muß er völlig zu Hause sein. Cr muß wissen, welche rechtlichen Grundlagen für den Einzelarbeitsvertrag unii Tarifvertrag bestehen. Er muh den für seinen Betrieb geltenden Taris- vertrag genau kennen, er muß als Betriebsrat, aber auch als Ver- trauensmann genau im Bilde sein über das Vetriebsrätegesstz und seine praktische Anwendung, er muß weiter den Betrieb in seiner wirtschaftlichen und technischen Gestaltung kennen und genau über- sehen. Hat er doneben noch einige volkswirtschaftliche und sozial- politische Kenntnisse, so wird er seinen Kollegen in jedem Falle e i n vorbildlicher Berater und Führer, seiner Betriebs- leitung aber ein scharfer und vor allen Dingen aber sachlicher und gutgerüsteter Gegner im sozialen Kampf sein. Di« Berliner Gewerkschaftsschule wird jährlich von rund 4500 bis 5000 Funktionären der Berliner Gewerkschaften besucht. Ihr Lehrplan kann von sämtlichen Ortsoerroaltungen der Berliner Gewerkschaften angefordert loerden. Im Bureau der Schule, Engelufer 24/25, vorn I, Zimmer 6, finden wöchentlich zweimal. Montags und Freitags, von 4 bis 7 Hhr, Lehr- beratungssprechstunden statt. Hier können sich Funk- tionär«, die über ihren Bildungsgang unschlüssig sind, fachmänmscl, beraten lassen. In den Sprechstunden können auch AnmeLmngen zu den Kursen vollzogen werden. Die Lehrgänge beginnen in der Woche vom 14. bi» 19. Oktober. Es ist deshalb notwendig, daß die Anmeldungen sobald wie möglich vollzogen werden. Internationaler Kohlenfrieden. Pari». 27. September.(Eigenbericht.) Das Exekutiokomile- der Pergarbeilcrinlernolionalc hak seine Pariser Veralungen am Freitag beendet. Es hat seine nächste Sitzung aus den S. Januar 1930 in Madrid sestgeseht. Der allgemeine Kongreß der Vergarbeilerinternatlonale soll in Sra- kau etwa um die Osterzeit des nächsten Jahres stattfinden. Den Delegierten der vergarbeiterlnternationate für die Tagung der Mirtschaftsableiiung des Völkerbundes ist als Instruktion ein„offizielles Dokument" mit aus den Weg gegeben worden. In diesem Dokument wird die Einrichtung eines internationalen Kohlenkontrollamts für die Kontingentierung der Kohlen- produklion gefordert. Es wird in ihm serner eine Vereinheitlichung der Löhne in allen Ländern unter verücksichtigung der kanksrast de» Geldes und endlich eine Vereinheitlichung der Arbeitszeit verlangt. Lohnerhöhung der rheinischen Gemeindearbeiter. Köln, 27. September.(Eigenbericht) Zwischen dem Verband der Gemeinde» und Staatsarbeiter und dem Arbeitgeberverband Rheinsscher Gemeinde» und Konimimaloerbände kam nach schwierigen VerHand- hingen folgende Verständigung zustande: Die Löhne werden in der Sonderklasse und Ortsklasse I in allen Lohngruppen ab 1. Oktober 1929 bis 31. März 1930 um 3 Pf. und ab 1. April 1930 bi? 31. März 1931 um weitere 2 Pf. erhöht. In der Ortsklasse II und III werden die Löhne ab 1. Oktober 1929 bis 31. März 1930 um 2 Pf und ab 1. April 1930 bis 31. März 1931 um w-itsre 2 Pf. in allen Lohngruppen erhöht. Die Tarife sind zum 30. Sep- tember gekündigt worden. Es ist also kurz vor Ablauf der Tarife eine Verständigung zustandegekommen.. Aufgehobene Sperre. Wie uns der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten mitteilt, sind die Differenzen in dem Betriebe Groß-Destillation Schulz. Königsberger Ecke Memeler Straß« beigelegt. Die Sperre wird hiermit aufge- hoben. •------- Moniaa, 1®H Udi, in den Bllracrsälen. Dollversammluna du EPD..ArbeiIu..Angestellten und Bezirl-amt Reulrlln! Veegstr. 147, Dollverfamu„u„u»u«v�'-eeruenu,-Vtngttlellten und -BcaiiNen der lommunalen Verwaltungen und Betrieb« Zleuköllns-"ie »ezirk-verordn-tensraliion ist«drn fall» eingeladen. Tagesordnung: 1. SemelNdcoolltU und die städtischen Arbeiter. Angestellten und Be- amten. Vnerent Scnosse E-adtrat Wilbelm Reitrann We'stensec i TOrfumott. 3 Wichtige fftalil°n»ange,eg.nheit?n'»Wnen � Zutritt. De. Fraltion, noestard. «chhma, Elsen bahn er! Dienstaa, 1»U Abt. in arfimibi« Öciefl- tchaftsfmu«, Vcrlin, örnchtstr. 3to,®i(mng aller Im E'nbcitr-crdand bei Eisenbahner Deutschland, organisierten Parteigenasle» Scrlino. Tage»°rdnunn: 1. Partei»rd«ewerklckzast. Sicsereat Genost- Emil Sie ieoorstchenden«ommunalroahlen. E» ist PsNiSt der Varteigenostcu, bestimmt»n dieser Sistnng ,u erscheine» nnd sich gegeasritig aus die Sihuag aufmerklam ,u machen. Mitglied« dSchee Jjni-ei.unb Gcwcrt'ctasl legitimieren. De» werbean-schnst. Sarotti! Vwniag, IS'.z Udr. bei Ilbluiann. Ro beslraß«. Tage». orbliung:..Unser Aufbau". Referent Genosse G. Vartb. Werkmesster und Angestellte der«EG.,»runnenftra&e. Listung aller Genossen der SPD. am 30. September, l.WH Uhr, bei Caru», Voltastr. Ii». Mitgliedsbuch legitimiert. Regen Besuch erwartet Der Fraktiousuorstand. -Z��reie GewerkfchafiS'ZuqendVsrlln. Achtung, Mitglieder der Sonderabteilungeu der Polr,bllb»e! Dienstag 1. Ottoner, um 20 Uhr, in Öaverlands ssestliilen. Neue ssriedrichl straste 35, Eingang Rvchstraste. Mitgliedernertammlung fllr die Conder. abteilungen. Wir ersuck>e» olle Kollegen und Kolleginnen, die Mitglied dieser Crnderadtcilungen sind, an dieser Persammlung teilzunehmen.— Achtuna Sprechchor! Seute. um ISlh Uhr. Leseprobe de» Chorwerks in den Räumen dJx Berliner Hewerkscholtsschule, Gewerkschastshau». Cngelufer 24— gz, tw l Treppe link».— S Ii den, Südwesten: Rachlwanderung durch ds» Treffen'im 20 Uhr Stettiner Bahnhof. Rormalichr. wuwtrutiar. Verantwortlich fflt Politik: Dt. Curt Geyer: Wirtschaft: G.»liroeldötei- Gereelschgstsbewegung: Z. Steiner: Zenilleton: Dr. Zohn Schitowski- Lnkaleä und Sonstiges?r.>, ttarstädt: Auzeiaen: Zb. Gloss-! sämtlich in Berlin Verlag: Borwärts-Berlag G. m b. S• �"lii, Druck: Lorwllrt-.Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Tinger u. Co.. Berlin CW 6« Lindcrstr-d» IL Hier,» 2 BeUagen NN».Unterhalt»»«»od Vilsen»'' 7tr. 455* 46. Iahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 28. September 1929 Hastbefehle gegen die drei Sklareks Konkurs über die KVG. verhängi. Der Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium, Amts- gerichtsrat Dr. Pieper, dem gestern mittag von der Kriminalpolizei das gegen die Gebrüder«klare! und ihre« Privatbuchhalter und Sekretär Friedrich Lehman« vorliegende Belastungsmaterial zugeleitet worden ist, hat nach kurzem Studium der Akten und de« vorgeschriebenen Vernehmungen der Beschuldigte» gegen Max, Leo und Willy Sklarek, sowie gegen Leh» mann Haftbefehle erlassen. Diese Maßnahme er- folgte, weil gegen die vier Beschuldigten der drin- gende Tatverdacht der schwere« Urkunden- fälschung und des Betruges besteht, ausserdem Verdunkelungsgefahr von dem Richter als vor- liegend angesehen wurde, so das» der Erlast der Haft- befehle geboten erschien. Bürgermeister Schalst hat den Stadtkämmerer Lange beauftragt, die Direktoren der Stadtbank Schmitt und Hoffmanu unverzüglich über die gesamten Vorgänge bei der Kreditgebarung der Stadtbank, die bestehenden Ge- schäftsanweisungen sowie über die Frage der Jnnrhal- tung der Geschäftsanweisungen und der Ticherungsvor- schrifte« eingehend zu vernehme», sie auch über persön» liche Beziehungen zu den Inhabern der Firma Sklarek zu hören. Der Kämmerer hat ferner den Auftrag er- halten, auch weitere Beamte der Stadtbant verantwortlich z« hören, wenn sich aus de» Ver- nehmungen Veranlassung dazu ergibt. Bei diesen Ver- nehmungen soll möglichst auch der Stadtsyndikus tätig mitwirken. Der Verwaltungsrat der Stadtbank hat, wie das Nachrichtenamt der Stadt Berlin mitteilt, Freitag uachmitag getagt und de» Sklarek-Krcdit be- handelt. Der Verwaltungsrat erwartet, durch von ihm eingeleitete Maßnahme» die Abwicklung des Kredites in einer Weise zu erledigen, daß Verl» st e der Stadt- b a n k auf ein Verhältnis« ästig geringes Mast beschränkt werde» dürften. Zur weiteren Behandlung der Angelegenheit ist ei» besonderer Ausschuß des Verwaltungsrates unter dem Vorsitz des Stadtkammerers eingesetzt worden. « Die Akten gehen � nunmehr an den Untersuchungsrichter zwecks Fortsetzung der weiteren Ermittlungen, und zwar liegt die Unter- suchung in Händen des Generalstaatsanwalts Wild« und des Staatsanwaltschaftsratz Dr. Richter. Neben dieser staatsanwalt- schaftlichen und polizeilichen Untersuchung lausen ober noch mehr disziplinarische Ermittlungen, die sich hauptsächlich gegen den geschäftsführenden Direktor der Stadtbank Schmitt und den Direktor ch o f f m a n n richten, und die vom Stadtkämmerer Dr. Lange, der auch bekanntlich Vorsitzender des Aufsichtsrat» der Stadtbank ist, geführt werden. Durch diese Untersuchung soll vor allem festgestellt werden, ob die leitenden Direktoren der Stadtbank die Sicherungsvor. schritten in genügender weise beachtet haben. And ob etwa den Gebrüdern Sklarek ihre betrügerischen Manipu- lationen durch eine mangelnde Kontrolle der Stadt ermöglicht worden sind. Darüber hinaus wird dia Untersuchung des Stadt- kämmerers gegen die beiden leitenden Beamten der Stadtbank aber noch einen weiteren sehr heiklen Punkt berühren, nämlich das persönliche Verhältnis der beiden zu den drei Inhabern der Firma Gebrüder Sklarek. Die Gebrüder Sklarek werden von Rechtsanwalt Dr. Alsberg, Rechtsanwalt Golnick und Rechtsanwalt Dr. Max Iaffä verteidigt, die bereit« gestern mittag beim Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß Sprecherlaubnis beantragt und auch erhalten hatten. Nach der Er- klärung der Verteidiger bestreiten die Gebrüder Sklarek aus da» entschiedenste, sich strafbar gemacht zu haben. Bisher hätte keiner der Gebrüder Sklarek ein Geständnis oder Teilgeständnis abgelegt, sondern nur zugegeben, daß sie einen sehr großen Kredit von der Sladlbank zur Finanzierung der laufenden Lieferungen an die Stadt Berlin erhalten hätten. Das Unternehmen der KVG. sei durchaus gut finanziell fundiert und der höchst wertvolle Monopolvertrag mit der Stadt Berlin laste es ausgeschlossen erscheinen, daß sie zu den ihnen zur Last gelegten betrügerischen Manipulationen überhaupt gegriffen hätten. Die Verteidigimg macht sogar den Magistrat den Borwurf, daß er durch das rigorose Vorgehen mit der Strafanzeige, hinter der politische Motive vermutet würden, die Abwicklung der Verbindlichkeiten gegen- über der Stadt, sowie die Interessen der Gläubiger der KVG. und das Vermögen ihrer Inhaber geschädigt hätte. Zu dem vorliegenden Geständnis des Privat sekretärs Friedrich Leh- mann, durch das die Gebrüder Sklarek auf das schwerste betastet werden, wird seitens der Verteidigung bisher nicht eingegangen, sondern nur erklärt, daß höchstens Unterlagen, die statistischen Zwecken dienten, aber in keinem Zusammenhang mit dem Vertrag mit der Stadt und dem Kredit ständen, gefälschte Unterschriften ge- tragen hätten, von denen jedoch die Gebrüt«r Sklarek nicht das geringste gewußt hätten. Inzwischen hat das Amtsgericht Berlin- Mitte auf Antrag der Berliner Stadtbank ein allgemeines Veräußerungsverbot gemäß 8 6 der Konkursordnung an die Firma KVG., Kleiderver- triebsgesellschast Gebrüder Sklarek in Berlin, Kommandanten- straße 80/8!, an die Firma Willy Sklarek, Inhaber Gebrüder Sklarek, die Firma Textil-Croßhandel Gebrüder Sklarek und an die drei Inhaber persönlich erlösten. Dem Konkursantraz der Stadt wird demnach also stattgegeben werden. Der Magistrat hak ferner beschlosten, die Geschäflsräume der Sklarekschen Unternehmungen in der kommandauteastr. 80/81 nicht schließen zu lassen, und zwar mit Rücksicht auf die etwa ZOO Arbeiter und Angestellten. die durch eine derartige Maßnahme arbeitslos würden. Darüber hinaus hat sich der Magistrat sogar bereit erklärt, da die Postscheck- und übrigen Konten von der Krimmalpolizei beschlagnahmt worden sind, die am Ultimo fälligen Gehälter, sowie die Löhne für die Arbeiter durch die Stadtbank zur Auszahlung gelangen zu losten. Am Donnerstag hat man übrigen» den in New Jork«eilenden Oberbürgermeister Böß in einem Kabellelegramm nach New Pork von den bei der KVG. aufgedeckten Betrügereien unterrichtet. „Ekel" und„Spitzbuben" unterm Sowjetstern. Bei der sowjetrufstschen Handelsvertretung in Berlin haben sich im Zusammenhang mit dem Eierexport aus Sowjetrußland Unregel- Mäßigkeiten ereignet, die in der Sowjetpreste erörtert werden. Die Moskauer„Prawda' bezeichnet die Angestellten der Handelsver- tretung in Berlin mit den nickt sonderlichen wohlklingenden Titeln „Esel" und„Spitzbuben". Schulstreik in derRüdersdorferSiraße? Das hau» der ZO.Gemeiudeschule in derRSder» dorfer Straße gibt seit langem Anlaß zur Mißstimmung tu Elterntreisen. Den baulichen Mängeln des ver- alleleu Gebäudes, über die geklagt wurde, wird ja nun durch Umbau abgeholfen. Aber durch die Langsamkeit der Bauausführung wird der Schulbelrieb so gestört, daß die Eltern schließlich die Geduld verlieren. Eine Elternversammlung hat beschlossen, in den S ch u l- streik zu treten, wenn nicht baldigst ein ordnungs- mäßiger Schulbetrieb ermöglicht wird. Der Eltern- betrat hatte nichts unversucht gelassen, zu erreichen, daß Störungen vermieden würden. Lange vor den Sommerferien hatte er bei den in Betracht kommenden Stellen verlangt, daß der Umbau des Schul- Hanfes und besonders dl« Erneuerung der cheizanlags in den Ferien vorgenommen würden. Leider blieben diese Bemühungen erfolglos. Mit den Arbeiten an ter Heizanlage wurde erst drei Tags ooi Schluß der Ferien angefangen, so daß nach Wiederaufnahme des Unterrichts die ärgsten Störungen auftraten. Der Vorsitzende des Elternbeirats schreibt uns hierzu: „Der Unterricht mußte, kaum begonnen, acht Tage unterbrochen werden. Dann wurde er in einem benachbarten Schulhaus(Memeler Straße) notdürftig in der Weife weitergeführt, daß die eine Schule Unterricht hatte, während die andere einen Ausslug oder etwas Aeha- liches unternahm. Das dauert aber nun schon eine Reihe von Wochen— und ein Ende dieses Zustandes ist noch nicht abzusehen. Es kann Eltern und Kindern nicht zugemutet wer- den, dies« Störungen länger zu ertragen. Die Ge- duld der Eltern ist erschöpft, zumal da bekannt geworden ist, daß der Rest des bewilligten Baugeldes vom Rathaus noch nicht angowiesen wurde. Da besteht die Gefahr, daß das Bezirksamt die Arbeiten einstellen lasten muß, wenn es nicht noch in letzter Stunde das Geld erhält. Die fast vollzählig versammelten Eltern haben einstimmig beschlossen, vom 10. Oktober ab ihre Kinder so lange nicht mehr zur Schule zu schicken, bis das Schul- Haus gänzlich fertig ist und der Unterricht in ge- ordneter Weise wieder aufgenommen werden kann. Der Elternbeirat, aus allen Parteien zusammengesetzt, ist fest entschlossen, in diesem Kampf die Führung zu übernehmen und ihn erfolgreich durchzuführen. Es ist nicht seine Schuld, daß es so weit kommen mußte." Wir hoffen, daß sofort alles geschehen wird, den Eltern diesen äußersten Schrittzu ersparen. Die bevorstehen- den Herbstferien bieten die Möglichkeit, die Bauarbeiten schleunigst weiterzuführen und zu Ende z» bringen. Oachstuhlbrand in Wilmersdorf. Em großer Dachstuhlbrand beschäftigte gestern nachmittag vier Züge dar Feuerwehr in der Schweidnitzer Straße Z in Wilmersdorf. Tro� starken Wassergebens aus zahlreichen Schlauchleitungen größten Kalibers brannte der Dachstuhl des Gartenhauses, der in seiner ganzen Ausdehnung von den Flammen erfaßt worden war, nieder. Kurz nach IS Uhr bemerkten Hausbewohner, wie plötzlich aus den Lodenluken des Gartenhauses die hellen Flammen empor- schlugen. Beim Eintreffen fand d!« Feuerwehr bereits einen sehr ausgedehnten Brandherd vor. Der gesamte Dachstuhl stand in Flammen und es mußten oll« Bemühungen darauf gerichtet werden, die angrenzenden Dachstühle der beiden Seiten- slügel, die eine Zeit lang äußerst bedroht waren, zu schützen. Nach «instündiger angestrengter Tätigkeit gelang es, das Feuer eir-»-» dämmen. Der Schaden ist sehr erheblich. Die Wohnungen her oberen Stockwerke sind durch Wasserschaden arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Entstehungsursache konnte zwar noch m'cht einwandsrei ermittelt werden, e» scheint aber, daß Brondstiftting vorliegt. von A.M, Frey- copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A.-0„ Berlin Die Untergründe des Schlosses Fontaine füllen sich mit Schmerz, mit Fieber, mit Blut. Bald sind alle Räume voll- gestopft, sie wären es auch dann, wenn Major Dusang sich stärker einschränken wollte. Man muß organisieren. Stabs- arzt Fünfer, durch die Umstände gezwungen, organisiert da- hin. daß die hoffnungslosen Fälle, nachdem sie unten ver- sorgt und als hoffnungslos erkannt sind, wieder hinaufge- schafft werden. Rückwärtige Teile des Schlosses behaupten sich noch, eine Art Flügel, ein Anbau: die Waschküche, die Garage, ein Raum für die Gärtnerei. Dorthin lagern sie die Sterbenden. Eine solche Bestie ist der Krieg: sie. die gar Nichts mehr wert sind, die nach ärztlichem Urteil bestimmt draufgehen werden muffen sich in erhöhtem Maß einer abermaligen Katastrophe aussetzen. Die der größten Sorgfalt in der letzten Stunde bedürften, geraten sehr in die Gefahr, noch einmal verwundet zu werden. Jenem sind schon beide Beine zer- malmt? Vielleicht werden ihm jetzt obendrein die Arme zer- schmettert. Da er noch nicht tot ist, wird es ihm weh tun. Funk fragt sich, ob das Schrecklichste, was in dieser er- zwungenen Unmenschlichkeit liegen kann, eintritt: ob die Auf- gegebenen erkennen, daß man sie bereits auf den Abfallhaufen wirft Von Zeit zu Zeit geht Dr. Model mit Funk hinauf:.mit der Spritze und mit Morphium. Da liegt«in Leutnant einer Mafchinengewehrkompagni«: die Brust ist ihm aufgerissen in der ganzen Breite, die Rippen sind weggeschlagen, die ver- letzten Lungen arbeiten schaumig, er feucht Schweiß läuft über ein immer noch kräftiges Gesicht. Man kann ihn aar nicht verbinden, so ungeheuer ist die Zerstörung, rote Blasen steigen und fallen raffelnd— aber er lebt immer noch. Reben ihm in einer Zeltbahn liegt«in anderer Offizier, liegen Reste. Biel ist nicht mehr vorhanden, dreißig, vierzig Pfund Fleisch und Knochen. So haben sie ihn herbeigeschafft. Die Rückseite einer Menükarte, weiß Gott woher sie stammt, Mit einer Sicherheitsnadel am Tuch befestigt, sagt Namen und übriges. Er soll im Garten des' Schlosses beerdigt werden, sobald die Krankenträger Zeit haben, für ihn und«in paar Dutzend, die sich tot angesammelt haben, Gräber auszuwerfen. Ein Marokkaner hat Schüsse mehrfach durch die Brust. Er hat die hohe Mütze bis zum Kinn übers Gesicht gezogen. Lebt er noch? Er fühlt sich kalt an. Funk zieht sacht an der Bedeckung und legt das Gesicht frei. Die Augen öffnen sich zum seltsamsten aller Blicke, sie haben nichts zu tun mit Schloß Fontaine, Nordfrankreich, Kanonen und Krieg— nicht das mindeste. Er sagt ein Wort, es klingt wie gezirpt, wie ge- haucht— Wort der Heimat. Ein Wunsch, eine Verwünschung? Es bleibt völlig unklar. Funk will dem ockergelben Mann den Trinkbecher mit Kaffee an den Mund setzen: die Lippen bleiben gepreßt. Model will Morphium injizieren(obwohl man sparen soll, sparen! würde unwillig jener Chef das Haupt schütteln. Was ist uns Marokko!), aber der Arm zieht sich zurück, die Hand kriecht empor zur Mütze und holt sie wieder ganz über das Antlitz. Er sondert sich ab von Europa, das ihm den sinnlosen Tod bereitet hat. Für einen anderen aber ist Morphium sehr notwendig, für einen französischen Mitrailleusenfeldwebel, der eine schwere Kopfwund« hat. Apfelgroß fehlt ihm ein Stück Hirn- schale über der Schläfe. Die Augen sind geschloffen und vor- getrieben— bei tiefblauen Lidern. Das grüne Gesicht ist ge- dunsen. Er hat den Verband beiseite gezerrt, die Finger zupfen an schwarzgelockten, blut- und schmutzverklebten Haaren, zupfen an den Wundrändern. Zerrissenes Gehirn pulst dazwischen, wie ein kleines braunrot überkruftetes Kiffen, das sich in rasendem Takte bläht und senkt. Er ist mit allen Gliedern in einer schwimmenden, greifenden, kletternden Unruhe. Sie verbinden ihn von neuem.„Umsonst," sagt Model. „Er macht's nicht mehr lang." Er ist ohne Bewußtsein, aber sie geben ihm doch eine Spritze, damit er das Stilliegen lernt. Damit nicht, wie es geschieht bei solchen Hirnverletzten, schließ- lich zwei Mann schauerlich grotesk mit ihm ringen müssen, um ihn an die Bahre zu fesseln. So siegen viele in Reihen auf Heu, auf Matratzen, mit zerstörten Därmen, zerplatzten Harnblasen, zerhackten Lungen, zerschossenen Röchelhälsen, eisenversehenen Schädeln— die Aufgegebenen. Sie wurden nicht einmal weggeschafft, wenn die Rumpelkästen der Sanitätskompagnie angeprescht kommen, wenn die in Schweiß und Angst getauchten Fahrer und Be- gleiter ihr« Wagen überstürzt füllen— in Angst deshalb. weil sie mit jeder weiteren Minute fürchten müssen, Artillerie bricht erneut los und über sie herein, wenn sie unterwegs sind. Rein— fortgejchafjt werden zuerst die. die nach irgendwie dem Arzt Hoffnung geben, sie könnten mit dem Leben davon- kommen. Aber auch sie kommen manchmal nicht mehr weit, sondern sehr schnell um. Ein Sanitätswagen, mit sitzenden und liegenden Passo- gieren angepfropft, nimmt Abschied. Beneidet wie immer werden die Leichtverwundeten, sie haben es hinter sich, sie gehen„in Pension". Sie haben es nicht hinter sich, keine hundert Meter weit holpern sie, da zerreißt ein Volltreffer Wagen und Pferde. Es werden nur noch zwei dorthin zurück- gebracht, von wo sie eben abgerollt sind: erst schwach verletzt, jetzt schwer. Alle anderen, soweit noch Körperhaftes da ist, gelangen gleich in den Garten— zu denen, die schon einen beträchtlichen Haufen bilden. Aerzte und Sanitätsunteroffiziere finden sich paarweise zusammen, die Paare lösen einander ab. Fünfer und Bethge von Mitternacht bis drei. Model und Funk ab drei bis sechs, und so fort. Es gibt ober oft genug zu tun, um alle auf die Deine zu bringen. Funk hält die armselige Kerzenflamme so nahe wie mög- lich an den Hals, den Rumpf, den Fuß, der umwickelt werden soll. Er muß acht haben, damit das Stearin nicht in die Wunde, nicht auf das Gesicht des Elenden tropft. Gesicht! Hat der noch eines, den sie da bringen? Sein Kopf ist ein schwärzlicher Klumpen, von Blutrinnen durch- zogen, Haut hängt überall losgelöst herab und riecht ver- brannt. Wo ist die Rase? Kann er sprechen? Rein, er lallt unverständlich. Hat er noch seine Zunge? Jedenfalls lebt er und ist bei Bewußtfein. Ob die Augen erhalten sind, läßt sich nicht erkennen. Feuer ist ihm mitten ins Gesicht gesprungen. Was kann Man für ihn tun? Nichts. Ihn nicht reinigen, ihn nicht anfassen. Ptit«in paar Mullagen die Verwüstung zu- bereiten, ihn in einen Gobelinsessel setzen und den Kopf zu- rücklehnen lassen— das ist alles. Wird er fortkommen, bevor er hinüber ist? Inzwischen knallt und kracht es draußen fern und ncch. Um die Schloßtrümmer her toben die Brifanzgranaten gleich irrsinnigen Teufeln. Der ganze Keller bebt und ruckt, als er- hielte er Stöße, die ihn um einen Meter verfckjieben. Eine Explosion durchschlägt die Barrikade vor einer Luke und diese selbst. Alle Kerzen erlöschen im heißen Luftdruck. Steinstaub würgt im Hals, Steinsplitter reißen die Haut auf, wer im Raum ist, wird zu Boden geworfen. Die Tische, auf denen Verbandzeug, Spritzen. Instrumente liegen, fallen um. Di« spärlichen Mengen an Starrkrampfantitoxin, an Koffein- und Morphiumampullen zerbrechen.(Fortsetzung folgt.) Opfer trunkener Ziaufbolde. Das Drama in der Graunstraße vor Gericht. Die beideu Vartei genossen p a e g« und Heinrich wurden in der Nacht auf den S. Marz d. 2. vor dem Lokal Graun st rahe 41 von tödlichen Messerstichen verletzt. Zwei allgemein beliebte und nüchterne Arbeiter, Männer, die im össentlichen Leben ihren Platz aufs beste ausfüllten, sind Opfer trunkener Raufbolde geworden, vor dem Land- gericht I hatten sich heule als Täler der arbeitslose Schlosser D ü v e l und die ehemaligen Arbeiter S t e i n k e und Man- tey zu verantworten. Das blutige Drama in der Graunstraße, das zwei blühende Menschenleben ausgelöscht hat, ist in dem Wirkungskreis der Ge- töteten seinerzeit viel besprochen worden. Ob die Angelegenheit auch irgendeinen politischen Hintergrund gehabt hat, wird erst die Gerichtsverhandlung, zu der etwa 30 Zeugen geladen sind, klarstellen. Daß aber die ersten beiden Angeklagten übel beleumdete Rauf- b o l d e sind, steht schon jetzt fest. Der Angeklagte Düvel befand sich in der verhängnisvollen Nacht etwa gegen Uhr in betrunkenem Zustande auf dem Heimweg«, als ihm zwei Frauen entgegen- kamen. Er belästigte sie und wurde deshalb von einem Schupo- Wachtmeister zur Red« gestellt, folgte aber trotzdem den Frauen in das Lokal Graunstraße 41, in dem der Baugewerksbund verkehrt. Eine der Frauen— die andere war ihre Schwester— beklagte sich über Düvel bei ihrem Mann, den sie abholen wollte. Dieser forderte, daß er sich entschuldige, woran Düvel gar nicht dacht«. Er wurde ausfallend, erhielt eine Backpfeife und ge- langte mit Hilfe eines Fußtritts auf die Straße. Das war der An- fang einer Schlägerei, di« zum Tode Paeges und Heinrichs führte. Düvel schickt« seine beiden Freunde, die chn zum Lokal begleitet hatten, in eine Kneipe in der Sortzingstraße, er lieh sie von dort Hilfe holen. Es trafen tatsächlich bald Steinte und Mantey ein. Düvel ließ sich von Steinte einen Gummiknüppel geben, begab sich zur Eingangstür des Lokals, öffnete sie und rief:.Letzt komm« heraus, wer will!" Als Heinrich und Paege in die offene Tür traten, fiel man sofort über sie her, und' einige Augenblicke später lagen sie mit schweren Stichwunden auf dem Boden. Wenige Zeit darauf verstarben sie, in der nächsten Nacht fand die Verhaftung der mutmaßlichen Täter statt. Düvel spielte bei der Verhandlung den Angegriffenen und das Unschuldslamm. Die Frauen habe er nicht belästigt, sagte er, im Lokal Graunstraße sei ihm Unrecht geschehen, mit dem Knüppel habe er nicht geschlagen, mit einem Messer nicht gestochen; im Gegenteil, er habe selbst einen so wuchtigen Schlag erhalten, daß er Hut und Uhr verloren habe; daß bei der Keilerei zwei Menschen Stiche abbekommen hätten, habe er erst aus den Zeitungen erfahren. Und was sagt S t e i n k« dazu? Er schimpft auf Düvel los. Nicht dieser, sondern er habe einen wmh- tigen Schlag erhalten. Den Gummiknüppel habe er thm nur ge- geben, weil«r Gewalt fürchtete. Düvel Hab« etwas aus der Tasche gezogen, was er für ein Messer gehalten habe. Später habe sich Düvel gerühmt:„Sie haben es vielleicht bekommen! Die Pese(Gummiknüppel) war gut, und der Mantey hat gestanden wie «ine Eins und hat dazwischengewienert." Mantey aber weiß natürlich gleichfalls von nichts. Die Frauen der beiden— Paege hat auch zwei kleine Kinder Hintertassen— sind als Zeugen geladen. Sie tragen tiefe Trauer und können innner noch nicht oer- stehen, daß sie auf so furchtbar« Weis« ihrer Männer beraubt wurden. Die Fälschungen des Kassierers. Oer Betrug bei der Stadtbank vor Gericht. Im Herbst vorigen Jahres wurde der bei der Berliner Stadt- bank beschäftigte Verwoltungsobersekretär Rowold verhaftet. Ihm wird zur Last gelegt, im Jahre 1926 28 000 M. und bis zu sein«r Verhaftung im Oktober v. I. alsdann noch weitere 134 000 M. nach und nach aus den Beständen der Stadtbank in der Neuköllner Filiale veruntreut zu haben. Zur B«rdeckung seiner Verfehlungen hat er Bücher gefälscht und amtliche Unterlagen, Quittungen, Urkunden und Belege vernichtet. Mitangeklagt sind Stadt- obersekretär Emil Rothgänger, der Stadtsekretär Max F a l i tz e r und der Stadffekretär H i n k e l, die beschuldigt werden, von den Berfehlungen Rowolds Kenntnis gehabt und ihn darin be- günstigt zu haben, teilweise sollen sie ihm auch Beihilfe geleistet haben. Weiterhin sind der Hofbesttzer Max Sehnte und dessen Ehefrau Meto Behnk« wegen Hehlerei mityngeklagt. Rowold be- hauptet, daß er 134 000 M. den Eheleuten Behnke zinslos über- lassen habe. Die schon sehr schwer vorbestraften Eheleute bestreiten das und wollen nicht-mehr als 33 000 M. erhalten haben. Sie haben aber zugegeben, daß ste ssch mit finanzieller Unterstützung Rowolds ein großes Gut bei Danzig gekauft haben. In die Unter- fchlagungsaffäre war noch ein fünfter Beamter der Berliner Stadt» dank, der Stadtinspektor Storch verwickelt, der unmittelbar nach der Aufdeckung d«r großen Unterschlagungen Rowolds Selbst- m o r d verübte. Frau Behnke, so sagt der Angeklagte Rowold aus. Hab« ihm eines Tages erzählt, daß sie einen Prozeß zu schweben habe, der ein Grundstück im Werte von 250 000 Mark betreffe. Allerdings fehlte ihr das Geld, um den Prozeß ganz durchzufechten, so daß si« Rowold bat, da er doch an der Quell« sitze, ihr etwas Geld zu borgen. Aehnkes machten dem Kassierer größere Versprechungen. Sie wollten das Geld mit 6 Proz. verzinsen, inzwischen solle er sich ein schönes Haus in Berlin aussuchen, daß sie für ihn kaufen wollten. Behnke und Rowold wurden gute Freunde. Der AngeNagt« Behnke spiegelte dem Hauptangeklagten vor, daß er in Lenzkau bei Danzig von einem Grundstücksmakler ganz billig ein Gut erwerben könne. Nur ein« Zlnzahlung von 35 000 Mark sei dazu notwendig. Rowold erklärte sich nach einigem Hin und Her auch dazu bereit, di« 35 000 Mark zu zahlen. Später zahlte er 10000 Mark für den Makler und in den folgenden Monaten gab Rowold dem Ehepaar nach seiner Angabe im ganzen 122 000 Mark für die Einrichtung des Gutes. Behnke bestreitet allerdings, diese Summe bekommen zu haben, lediglich 35 000 Mark hätten sie von Rowold erhalten. Die Beweisaufnahme erstreckt« sich besonders darauf, ob die Eheleute Behnke wußten oder wissen mußten, daß Rowold dos Geld unterschlagen hat, sowie ferner darauf, nachzuweisen, daß die mit- angeklagten Beamten dem Hauptangeklagten Rowold Beihilfe oder Begünstigung geleistet haben. Der geladene Sachverständige, Amt- mann Bambszus, wurde auf Antrag der Bertddigulig vom Gericht abgelehnt, da die Besorgnis der Befangen- heit bestand. In seinem Plädoyer vertrat der Staatsanwalt die Auffassung, daß der Angeklagte Rowold im vollen Sinne des Gesetze» der Unterschlagung von 1 63000 Mark schuldig sei. Der AngeNogte sei ferner der Bestechung des Mit- angeklagten Hinkel, des versuchten Betruges und der Urkunden- beseitigung schuldig. Besonders erschwerend se- die Tatsache, daß er es war, der die Mitangeklagten Beamten in seine Ver- fehlungen hineingezogen habe. Weiterhin sei zu berück- sichtigen, daß durch die verbrecherssche Handlungswesse Rowolds der Tod des Stadtobersekretärs Storch herbeigeführt worden sei. Er beantragte schließlich gegen Rowold ein« Zuchthausstrafe von zwei Iahren und neun Monaten und 1500 Mark Geldstrafe. Der Angeklagte Rowolt wurde wegen einfacher Amtsunter- schlagung, fortgesetzter schwerer Amtsunterschlagung und schwerer Urtundenbeseitigung zu einer Gesamtstrafe von 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und 1000 Mark Geldstrafe verur- teilt. Gegen Politzer wird wegen Begünstigung auf eine Gefängnis- straf von 2 Wochen erkannt. Da er aber nicht aus verbrecherischer Neigung, sondern aus Leichtsim, gehandelt habe, wird ihm eine dreijährige Bewährungsfrist zugebilligt. Dos Ehe- paar Behnk« wird wegen fortgesetzter Hehlerei zu je zwei Iahren Gefängnis verurteilt. 8 Monat« der erlittenen Untersuchungshaft werden den Angeklagten Rowolt und dem Ehe- paar Behnke angerechnet. Die Angeklagten Rothgänger und Hinkel wurden freigesprochen. Das„Haus der Kinder". Ccin Erfolg sozialdemokratischer Kommunalpolitik. Am Freitag konnte das unter sozialdemokratischer Leitung stehende Bezirksamt Weißens«« in Anwesenheit der Bezirkskörperschaften und der Press« durch Stadtrat R« i m a n n das neu erbaut«.Haus der Kinder" der Oeffentlichkeit über- geben. Eine Säuglingskrippe mit Krabbelstube,«in Kindergarten und-Hort sind in diesem Heim der Kleinen, das für seinen Zweck nach'den neuzeitlichsten Grundsätzen eingerichtet wurde, untergebracht. Bor dem Haus ist ein Spielplatz mit Sand- spielkästen, eine Rasenspielftäche und ein Pflanzgarten für die neu« Tagesstätte angelegt worden. Im Erdgeschoß gelangt man zunächst in den Aufnahmeraum für die Sä u g l i n g s k r i p p e. Dort werden di« Kinder mit der Heim- k leidung oersehen und dann nach dem an der Südseite gelegenen Tagesraum weitergeleitet. Ein großes, helles, in lichten Farben gehaltenes Zimmer enthält 20 Kinderbettchen. Für die etwas älteren, sogenannten Krabbelkinder, steht ein Raum mit 15 Ruhe- betten zur Verfügung. Er enthält.Mnderboxen" und die Schränke. die zur getrennten Zlusbewahruny des Spielzeuges dienen. Ebenso Wandschränke, die Wäsche, Decken und sonstiges Inventar aufnehmen. Die Säuglinge werden von geschulten Säuglingsschwestern sorgsam betreut und gepflegt. Bei günstigem Wetter bietet der ge- räumige Balkon einen zweckmäßigen Freiluftapfenthalt. Neben dem B ad e rau m, der für das„tägliche Bad" vorgesehen ist, wurde eine Küche eingerichtet, in der das Essen für die Kinder von den Schwestern selbst zubereitet wird. Durch einen vom Korridor angehenden Schacht wird die schmutzig« Wäsche auf schnellste und einfachste Weise von der Krippe in den Keller befördert. Im ersten Stock nimmt dar Kindergarten die noch nicht schulpflichtigen Kinder auf. Der Bor- räum und Korridor dienen als Kleiderablage. Der Saal als Tages- räum kann 5 0 K i n d e r aufnehmen. Durch große drehbare Schränke mit anhängenden Türen ist die Teilung' des großen Saales in mehrere Räume möglich. Jedes Kind findet in seinem eigenen Schubfach Spielzeug und Veschäftigungsmaterial. Kindergärtnerinnen sorgen für die Beaufsichtigung und Unterhaltung. Wandtafeln'dienen jür die ersten Versuche im Zeichenunterricht. Für die Mittagsruhe ficht jedem Kind ein Liegestuhl mit Kissen und Wolldecken im Leinenbezug zur Verfügung. Der Waschraum hat Fußbecken erhatten und Fächer für jedes Kind zur Aufbewahrung aller Reinigungs- gegenstände für die Körper-, Mund- und Zahnpflege. Der für 50 Schulkinder bestimmte Hort liegt nn dritten Stock. Auch der dritte Stock enthäll Fuß-, Brause, und Wannenbadeeinrichtungen, ebenso geräumige Balkon«. Ein Isolierzimmer ist für plötzlich er- krankende Kinder vorgesehen, um Jnfekttonen zu vernwden. Vorrichtungen für Höhensonnenbestrahlungen sind vor- handen. Das Haus fft zentral mit Warmwasser gcheizt und hat fließendes kaltes und warmes Wasser. Jeder Raum hat moderne, zweck- entsprechende Beleuchtungskörper, die sich den Farbenstinnnungen der durch groß« Fenster Licht und Luft durchflutenden Räume an- passen. Das HausderKinder darf für sich in Anspruch nehmen, eine der vorbildlichsten Einrichtungen auf dem Gebiete des Gesund- heits- und Wohlfahrtswesens zu fein. �eichsminister Wissel! über Arbeiisschuh. Eröffnung der Tagung der Arbeitsschutzmuseen. Am Freitag vormittag wurde die Tagung der Leiter der Arbeitsschutzmuseen und des Unterausschusses für Unfallverhütung des Internationalen Arbeitsamtes vom Reichsarbeitsminister W i s s e l l im Deutschen Arbeitsschutzmuseum Berlin-Charlottenburg eröffnet. An der Tagung nahmen teil Ver- treter von England, Frankreich, Italien, Japan, Belgien, Holland, Schweiz und Ungarn. Da die gegenwärtige Tagung, so sagte der Minister u. o., zeillich zusammenfalle mit der Tagung des Internationalen Arbeitsamtes, so sei es auch den Wiigliedern dieses Ausschusses möglich, sich an den Beratungen der Museenletter zu beteiligen. Beide Gruppen wollen ja der Verhütung von Unfällen und Gesundheits- schädigungen bei der gewerblichen Arbelt dienen. Da die soziale Gesetzgebung die Folgen solcher Unfälle und Schädigungen leider nur lindern könne, sei die vorsorgende Fürsorge. insbesondere die U n f a l l v e r h ü t u n g von allergrößter Bedeutung für den einzelnen wie für die Gesamtheit. Der Minister gab dann ettwn kuopvev htftorffch« Rückblick auf die gtittuWuHg de» Arbeit». schuhe». Schon in den neunziger Jahren de» vorigen Jahrhundert» sei gerade von industriellen Kreisen gewünscht worden, eine Z« n t r a l st e l l e zu schaffen, bei der alle Erfahrungen der unsolloerhütenden Fürsorge gesammelt werden. In England sei dieser Wunsch sogar schon in den fünfziger Iahren de» vorigen Jahrhunderts geäußert worden. Der Deutsche Reichstag habe 1901 beschlossen, eine„Ständige Ausstellung für Arbeiterwohlsahrt" zu schaffen. Daraufhin sei 1903 dos heutige Deutsche' Arbeiterschutz- niuseum eröffnet worden. Bon nun an sei der Gedanke des Arbeiter- schutzes mehr und mehr Gemeingut geworden. Der Minister schloß seine Ausführungen mit den besten Wünschen für die Tagung des Ausschusses für Unfallverhütung. Die Rede des Ministers wurde durch den Dolmetscher des Inter- nationalen Arbeitsamtes ins Englische und Französische übersetzt. An die Eröffnungsfeier schloß sich ein« Besichtigung des Museums. Die Tagung dauert bis zum 1. Oktober. Llm den Auiobusverkehr. Gegen die Angriffe auf die OmnibvSführer. Im Zusammenhang mit den letzten Autobusunfällen hat in einem Teil der Presse ein Kesseltreiben gegen die Autobus- chauffeure eingefetzt. Es wird dabei manchmal der Eindruck erweckt, als läge die Schuld an den letzten Unfällen bei den Omnibus- chauffeuren. Der Vorwurf der Autoraserei. den man ihnen dabei macht, ist gegenüber der Behauptung eines Berliner Abend- blattes, daß die Berliner Autobuschauffeure ein« Lebensgefahr seien, noch recht milde. Diese alarmierenden Nachrichten beunruhigen selbstverständlich nicht nur das fahrende Publikum, sondern auch die Omnibusführer, wodurch die notwendige Verkehrssicherheit keineswegs gefördert wird. Man kann sich ja vorstellen, daß auch der sonst routinierteste Omnibuschauffour aus seiner Ruhe kommen muß, wsim er sich jetzt dauernd von berufener und un- berufener Seite kontrolliert weiß. Dabei haben di« letzten U nterfuchuuge» einwandfrei er- geben, daß die allgemeinen mißlichen Berkshrsverhättnisse Groß- Berttns jedem Kraftwogenführer vor die s ch w i e r i g st« n Auf- gaben stellen, vor allem den Omnibusführer, der an einen bestinnnton Fahrplan gebunden ift. Freilich muß sich ein solcher Fahrplan cm die bestehenden Derkehrsverhältnisse anpassen. In ihm muß sowohl ein Optimum von Sicherheit für den Der kehr- wie auch eine irgendwie zutäfsige Berkehrsgeschwindigkeit berücksichtigt fein. Uns scheint die in einem Boulevardblatt in«in« Artikelserie veröffentlichte Kritik am Berlin« Vmnibusvertehr wenig« im Interesse des fahrenden Publikums geübt zu fein, als vielmehr im Interess« der Besitzer von Privatautos. Das zeigen auch deut- lich di« den Artikeln beigefügten Illustrationen. Denn dies« stellen einen unerhörten Angriff gegen die Autobuschauffeure dar, der von uns mit allem Nachdruck zurückgewiesen werben -muß. Auch die ebenso unsachliche Kritik an. der Leitung der BWG. ist unberechtigt. Die großen Bemühungen der Direktion der BBG. nm die Bewältigung der täglich wachsenden Anforderungen für di« günstigste Zlbwickelung des Eroß-Berliner Riefenverkehrs wurden von uns wiederholt gewürdigt. Es bedarf daher eigentlich kaum noch einmal eines ausdrücklichen Hinweises, daß bei Heraus, ftellung irgendwelcher Mißstände die BBG. sicherlich nach best« Mög- lichkeit eingreift. Heimgang August TaeierowS. In der Nacht vom 26. zum 27. September ist urtf« Genosie August Toeteroro im Krankenhaus Bethanien verstorben. Genosse Taeterow gehört« über fünf Jahrzehnte der Sozialdemo. kratischen Partei an und hat lange Jahre hindurch mit an der Spitze der Berliner Sozialdemokratie gestanden.— In der Vorkriegszeit hat er vor allen Dingen seine Kraft dem chemaligeu ersten Berlin« Wahlkreise gewidmet. Auf vielen Parteitagen hat er die Berlin« Genossen vertreten. Reben anderen führeirden Genossen war auch Genosse Taeterow an der Gründung der Bor- w ä r t s- Buchdruckerei beteiligt.— In der Pressekonunission des Vorwärts" hat« viele Jahre d« Redoktion und dem Verlag mit Rat und Tat zur Seit« gestanden. In August Taeterow verliert die Berliner Sozialdemokratie«inen von der alten Garde und wird seiner stets ehrend gedenken. Die Einäscherung findet am Montag, dem 3 0. September, 18 Uhr, im Krematorium Gerichtstroße statt.— Wir bitten unx recht reg« Beteiligung. Wilhelm Lamm gestorben. In der Nackt zum Freitag ist Genosse Lamm, iangfähriges Vorstandsmitglied der Konsumgenossenschast Berlin plötzlich ver. starben. Genosse Lamm, der eben sein 62. Lebensjahr vollendet hatte. stammt au» dem Vuchdruckerberus und gehört« zu den Pionieten der Genossenschastsbewegung in Berlin. Bon 1900 an war Lamm ehren- amtlicher Borsitzender, von 1907 ab besoldeter Kassierer des„Bct- liner Konsumoereins". Als dieser sich 1908 mit der.Konsum- genossenschost Berlin" verschmolz, wurde Lamm in den vorstand der vereinigten Organisation gewählt. Im Sommer dieses Jahres trat er in den Ruhestand, den«r leider nur wenige Monate ge- nießen konnte._ Typographia! Sonntag, den 29. September, vorm. 10 Uhr, sehr wichtig« Sängerbesprechung auf„Tivoli". Erscheinen Pflicht! IStrümpfe hallen länger durch Pflege mit LUX SEIFEN FLOCKEN Strumpf haus H.Mctzqer A:G.mDarlin SUNUCHT GESELLSCHAFT A.C. MANNHEIN/I Die fahrenden Schläfer. V e r l i n ist eine arHeitsam« Stobt, eine der emsigsten und aktivsten Menschenfiedlungen der Welt überhaupt, diesen überall unbestrittenen Ruf und Ruhm oerdankt Berlin seinen Arbeitern, den mit Kops und Hand Werktätigen, deren .Leben"— Bureau, Fabrik, Lagerschuppen, Drehbank, Wertstätte oder Laboratorium heistt. Es sind— leider!— nicht immer nur die acht Stunden, die einem dieses Leben abnötigt, es sind oft mehr! Und mehr auch als nur einmal in der Woche geht der halbe Tag für die Arbeit drauf. Für die Erholung und für das Notwendigste, den Schlaf, bleibt da oft nur wenig Zeit. Aber geschlafen muß werden. Ein wenig muß man einmal, wenn zu Haus« die Zeit dazu nicht reichte, selbst draußen die Augen schließen, sich innerlich e n t- spannen und freimachen von dem tobenden Getriebe der Um-' � weit. Nur ein bißchen! Nur ein paar flüchtige Minuten! Es ist ja kein regelrechter Schlaf, kein tiefer, befreiender, nur so ein Nickerchen, so ein ganz leises, mit halbwachen, zum Handeln immer noch fähigen Sinnen. Zehntausende schlafen diesen leisen, zarten Schlaf in den durch die Tunnel sausenden Unter- grundbahnen, Zehntausende tun, mit halbentspannten Kräften und sacht gelockerten Muskeln, zwischen fünf Haltestellen ihrer Straßenbahn diesen mimosenhaft empfindlichen Schlaf, der oft voll der phantastischsten Vorstellungen und Träume ist: Zehntausende schwanken im Morgendämmer der Früh« und im Dunkel der Nacht, ouftdem W eg e nach Hause oder zur Arbeit begriffen, oben auf den Decks der Autobusse traumschwer hin und her— an jeder neuen Haltestelle schreckten sie auf, immer in der Furcht, ihr Ziel zu verfehlen. Es gibt aber auch Virtuosen unter den fahrenden Schlä- fern, solch«, die tief und fest im Stehen schlafen können, in dem stoßenden Rhythmus des dahinfausenden Zuges schwanken sie wie ein Rohr im Winde, aber das stört weder ihr« Balance noch den Schlaf— und sie kriegen es sogar fertig, zur rechten Zeit an der richtigen Haltestelle aufzuwachen. Diese virtuosen Schläfer bedauern mit Recht jene, die schlafend ihr Ziel verpassen und erst an der Endstation aufwachen. Die Virtuosen sind, daraus kann man zehn gegen eins wetten, auch bei der Arbeit die „aufgewecktesten" Leute. Ihr geistiger und körperlicher Organismus ist wie ein feines Instrument exakt auf die Notwendigkeiten des Augenblicks eingespielt, sie sind, selbst traumbesangen und schlafschwer, jederzeit zum Handeln bereit. Und Berlin beher» ' bergt ihrer nicht wemgel Sie sind also nicht die Schlechtesten, die sohrcnden Schläfer! �aubübersatt aus einen Auiomobilisten. Bei Lichtenrade bewußtlos aufgefunden. Ein geheimnisvoller llebersall, der lo seine» Tlnzelheitcu noch ungeklärt ist. beschäftigt die Kriminalpolizei. Auf der Chausiee zwischen den Ortschaften Lichtenrade und Glasow fanden gestern abend kurz vor 20 Uhr zwei Passanten neben einem viersitzigen Sportwagen, der mit den Borderrädern im C hau ss e« g r a b e n stand, den Führer des Autos bewußtlos auf. Di« Leute hielt«« den Chauffeur eines unmittelbar darauf die Stelle passierenden Prioatauios an, der den Bewußtlosen nach der Rettungsstelle m Tempclhos brachte. Den Bemühungen des Arztes gelang es bald, den Lewußliosen, der am Kopf leichte Verletzungen aufwies, ins Leben zurückzurufen. Wie aus feinen Personalien hervorging, handelte es sich um den Asährigen Willi W. aus der Rigaer Straße. Nach seinen Aussagen hatte er im Spreewald sein« Braut besucht und befand sich auf dem Rückwege. Zwischen Glasow und Lichtenrade wurde er von dem Scheinwerfer eines aas cntgca-»gesetzter Richtung kommenden Autos derart geblendet, daß er die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor und gegen eine» Baum fuhr. Von da an fehlt ihm jede Erinnerung. • W. ist scheinbar überfallen und ausgeraubt worden. In seine» Augen befanden sich noch deutliche Spuren von Pfeffer. Außerdem fehlte ihm die Briestasch«, in der sich etwa .tvv Mark befunden haben sollen. Nach allem hat es den Anschein. als ob W das Opfer eines planmäßig vorbereiteten Raubübersalles geworden ist. Da sich sein« Verletzungen als nicht schwer herausstellten, konnte er alsbald in feine Wohnung entlassen werden. Gozialdemokraiifche Arbeit in Neuköttn. Gelände an der Hasenheide wird Dotfspark. Di« Kreisdelegierten der Neuköllner Parteiorganisation traten zusammen, um die Aufstellung der Stadt- und Bezirks- verordneten vorzunehmen. Bürgermeister Genosse Scholz hatte das Referat übernommen. Die S oz ia ldemokratie, so führte er aus. hat zwar nicht die Mehrheit in den Stadtparlamenten, aber doch die Führung der Kommunalpolitik seit vier Iahren. Wir haben für die Kommunalpolitik die Verantwortung, die wir auch freudig übernehmen können, denn die Leistungen auf diesem Ge- biete sind unbestritten. Die Stadt Berlin hat in den letzten Iahren eine außerordentlich gute und weitsichtige Erundstückspolitik getrieben, die ts heute ermöglicht, die Großstadt mit genügend Freiflächen aufzulockern. Berlin hat heute«ine Bauordnung, die das Spekulantenwm herabdrückt und dafür sorgt, daß hygienisch einwandfreie Wohnungen, in die auch Licht und Luft kommt, gebaut werden. Riesiges Gelände ist für die Dauerklein» gärten ausgewiesen. Ber Bezirk Neukölln Hai auf diesem Gebiete mustergültige Anlagen geschaffen, so den großen Bolkspark an der H a s« n h e i d e und den Sportpark am Tempelhoser Feld. Damit nicht genug, wird das Bezirksamt das ganze Gelände um die Hasenheide aufkaufen und es der Neuköllner Bevölkerung als Erholungsanlage erschließen. Auch auf dem Gebiete des Schulwesens ist gute Arbeit geleistet worden. Auch dem Arbeiter ist es heut« möglich, fein Kind in die höhere Schul« zu schicken. Im Bezirk Neukölln sind an den höheren Schulen über SO Proz. Freistellen. Der Mitarbeit der Sozialdemokratie im Dezirk Neukölln ist es zu danken. daß auch auf dem Gebiete des K ra n k e n h a u s w e f« n s und der Wohlfahrtspflege die Verwaltung im Dienst« des Volkes. im Dienste der arbeitenden Schichten, gewirkt Hot. Mit einem Appell an die Mitglieder der Partei, alle Kräfte anzuspannen, damit bei den Kommunalwahlen der Einfluß der Sozialdemokratie gerade in den Arbeiterbezirken noch wächst, schloß der Re- ferent sein« Ausführungen. Die Versammlung nahm dann«ine R e s o l u t i o» an in der die Regierungsstellen aufgefordert werden. mit allein Nachdruck gegen vre terroristischen Gruppen von rechts und links vorzugehen. Bei der Kandidatenausstellung wurde Ge- nvsse Harnisch an erster Stelle gewählt. «Ma« DI,»en»Mn»e«. l«.«A». Vra» 2 Tr.. besinnt am 1 ftll»6et mit einem Renen«utlu» fuc frrmbe Lprachen. besonder» Enalisch nnb«ramölilS. Di» Unterricht»gedl!br ist iufeeril«etina.*mncl6unaen sterben bis«um 4. Ottober entaeaeneenammen. Heil, Huter, Heil! Der Weltbund in dem Echulzimmer. Ein Klassenzimmer des Friedrich. Wilh«lm»Gym. n a s i u m s. Anwesend zehn Frauen, fünf Männer und der Red- ner. Versammlung des Huter-Vundes Sein Gruß ist: treu und fest: sein Ruf: Heil, Huter. Heil; seine Farben: hellgrau, blau, orange: sein Symbol: Efeu, Eichenlaub, Holunderblume: seine Grundlehre: Carl Huters Psycho-Physiognomik: sein ethisches und ästhetisches Bekenntnis: Kallisophi«(was, wohlbemerkt, kein Mädchen ist): sein Ziel: Wahrheit. Schönheit und Glück. Der Be- gründer dieses Bundes ist Carl Huter, leider weilt er nicht mehr unter uns, weil er 1312 gestorben ist. Aber er hat 36 Bücher ge- schrieben, als er auf dem Sterbebette lag, waren dazu noch acht in Arbeit, und so können wir ja nachlesen, was hinter dem schönen Buchtitel:„Cleinentarstrahlen und strahlende Lebenskraft Helioda" für ein Zauber steckt. Wir dachten unter irgendwie belastete Leute zu kommen, aber weit gefehlt. Do saßen nette Kontoristinnen, so um zwanzig herum, ganz modern gekleidet, mit schön ondulierten Bubenköpfen, dann mit den Mädchen glcichatterig« jung« Männer, Angestellte mit aus- geweckten Gesichtern, alle todernst bei der Sache: statt schwimmen zu gehen, englisch zu lernen oder sich um ihren Tarif zu kümmern! Dazu mehrer« ältliche Damen, diese allerdings mit einem unverkennbaren Stich. Noch ein: kein einziger Arbeiter war da. Der Vortrag über Körperfarm und Charakter stand unter dem Motto:„Ich seh's an deiner Stirn«, du hast'ne weiche Birne!" Be- wunderns- und staunenswert, wie da Plattheit an Plattheit onein- ondergereiht wurde, so herrlich einleuchtend und oberflächlich. Hätte es noch länger gedauert, dann hätten wir armen Marxisten doch noch tränenden Auges gestanden, was wir für groß« Trottel sind. So kam es aber nicht zu unserer Aufnahme in den Huter-Lund, denn nach Z 3 Absatz 2 der Satzungen müssen wir erst„ein« ge. nügende Vorbildung in den Elementarschulen der Carl Huterschen Psycho-Physiognomik nachweisen, worüber der Vorstand und die ordentlichen Mitglieder entscheiden." Und dazu wird es wohl bei uns armen Irrenden niemals reichen. Aber die anderen, diese jungen Menschen, waren gefangen und klatschten laut Beifall. Schade um die jungen Seelen. Mordversuch und Selbstmord. Oer Grund der Tat: MitteUosiakeit. In einem Gasthof in Kottbus war ein Paar abgestiegen, da« sich für Eheleute Oswald B e r g« r und Frau Dora aus Berlin ausgab. Gestern fand man den Mann in dem Zimmer erhängt aus, die Frau lag mit angeschnittenen Pulsadern blutübei> strömt im Bett. Sie wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht uu: man hofft, sie am Leben erhalten zu können. Nach den in Derlen angestellten Ermittlungen scheint es sich nicht um ein Ehepaar sondern um Geschwister zu handeln. Weiter ist festgestellt, das die beiden Leute unier dem Namen Bornemann und Böttcher au in anderen Städten als Ehepaar Quartier genommen hatten. Aus einem hinterlassenen Zettel hat der Mann mitgeteilt, daß Mittel- losigkeit der Grund zu der Tat war. Der Mann war etwa 60 Jahre all, 1,65 Meter groß und hatte stark ergrautes Haar. Sein Oberhemd war O. B. gezeichnet. Die Frau verweigert :m Krankenhaus« jede Auskunft über ihre wahre Persönlichkeit. Schweres Eisenbahnunglück in Frankreich. Fünf Streckenarbeiter überfahren und getötet. pari», 27. September. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich in der Nähe von St. Jean de Mamieaux. Ein Zug, der auf einer abschüssigen Stelle ins Rollen gekommen war, fuhr in«in« Kolonne Streckenarbeiter hinein. Fünf Arbeiter wurden sofort getötet. Zwei Arbeiter wurden lebensgefährlich verletzt und mußten in hoffnungslosem Zustande, ins Krankenhaus geschafft werden. Sittlichkcitsvergehen eines Greises. Wegen fortgesetzter Sittlichkeitsoerbrechen an Mädchen von 6 bis 8 Iahren wurde in der Nachbarschaft des Stettiner Bahnhofes «in 86 Jahre aller Schuhmacher sestgenommen und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Der all« Mann hatte die Kinder in seinen Keller gelockt. Bisher sind drei Mädchen festgestellt, die er obendrein mit einer Krankhell angesteckt hat. Wahrscheinlich aber ist die Zahl seiner Opfer damit noch nicht erschöpft. Sein Treiben wurde durch ein« Muller ausgedeckt, dic_ ihre Tochter zum Abend- essen rufen wollt« und sie nach langem Suchen in dem Keller fand. "tDasj sagt 6er Bär? %- f/.V'i " yf"''V/-. ,,,,,, /> XSsJk k'hrM -i.f-r.WAli/fLjO y. Tf. ■' /ZW MD � CL' V' 7# Z*ii& ' r'>W Ll vs JO Ül40 •lii.'A'oVv.1 Sir SfücR Orient verkörpert im Berliner Si&diJbild diese Moscheeo An ferne Länder erinneri sie, in denen Jener wurzige Tabök reiff, dessen Dufi die Rä ucher immer wieder in den Bönn ziehi von JteseiiiJimmo Berlins meisigera uchier 4«8 Cigareite Verlin— Heffenwmtel. v-ß di« BDG. V-rbessermigen in dem ZZerk�r nach den«nt, fernten Berliner Ausflugsarten trifft, ist ein« für den Wochenendler besonders wertvolle Tatsache. Ein Beispiel, auf dos mit Bachdruck hingewiesen werden muß, ist die Einstellung de» Omni- bu» 22 Rahnsdorf— Heffenwinkel in den allge- meinen BVG.-Verkehr und die Eröffnung der Linie Friedrichshagen tBahnhof)— Freibad Rahnsdorf als Verlängerung der Linie 187 Behrenstraße— Friedrichshagen. Diese beiden ineinandergreifenden Verbesserungen haben den Zweck, jenem prächtigen Ausflugs, und Wohn(!!)gebret zwischen dem Frei- bad am Müggelsee und dem Dämeritzsee die lufthungrigen Berliner zuzuführen, für einen Preis, der im ganzen nur die„20 Pfennig" für ein Billett erfordert. Man steigt in Berlin«in, steigt in Röhns- darf aus, besteigt dort den harrenden Omnibus und fährt auf einer Peachtstraße meist an netten Häuschen moderner Siedlungen vorbei, nach Heffenwintel an den Dämeritz. f«. Am Rande des Sees stehend, hat man gegenüber Reu-Buchhorst und zur Linken Erkner. Wenn die neue Verbindung erst genügend bekannt ist. wird di« jetzige halbstündige Abfahrt der Wagen nicht aufrechtzuhalten sein. Ein« Abschlußoerbindung mit Motorbooten von Hessenwinkel nach Erkner wird sich dann auch wohl ergeben. Die große Aenderung auf dieser Strecke ist so recht sichtbar, wenn man bedenkt, daß noch vor wenigen Wochen die längs des Müggel- seeufer» hinführende Linie 84 am Wasserwerk halt machte, so daß man entweder die halb« Stund« Fußniarsch bis zum Freibad leisten oder für den hohen Preis von 40 Pf.(Teilkarten gab es nicht) sich de» Sonderommbus Fricdrichshagen— Rahnsdorf— chessenwinkel bedienen mußt«. Daß Linie 187 ab Bahnhof Friedrichshagen noch eine Schar der mit der Eisenbahn gekommenen Badelustigen empfängt, ist eine weiter« erfreuliche Folge ihrer Verlängerung, die fast ausschließlich durch Wald führt. Man wird in dem tkreise dieser Fahrgäste es gern sehen, wenn an der Haltestelle Bahnhof einige Bänke für die Wartenden aufgestellt würden. Zahnärzie und Krankenkassen. Am Freitag tagte im Lehrerveroinshaus der Reichsoer. Band Deutscher Krankenkassen- Zahnärzte, bei dem der Genosse Dr. Alexander Drucker über die Bezie» Hungen zu den Kassen sprach. Cr führt« aus, daß es endlich di« Aufgabe der Zahnärzteorganisation sein müsse, nicht gegen, sondern mit den Kassen im Interesse der Volks- gesundheit zu arbeiten und wies darauf hin, daß di» von der zahn- ärztlichen Standesorganifation erhofft« und erstrebt« Abschaffung der zahnärztlichen Behandlung durch Dentisten niemals vom Reichs- tag beschlossen werden würde und daß es deshalb vollkommen falsch fei, durch Propaganda für das zahnärztliche Studium ein Ueber- angebot an Arbeitskräften zu schaffen. Auch die von verschiedenen Zahnärzten geforderte Vernünderung der zahnärztlichen Leistung bei Erhöhung der Bezahlung durch die Kassen zeige eine vollkommene Verkennung der wirklichen Lage. Ebenso sei die von der Zahnärzte- Organisation in di« Wege geleitete gesellschaftlich« Boytot- t i« r u n g der Zahnärzte, die für ein friedliches Zusammen- arbeiten mit den Kassen eintreten, ein unmögliches Beginnen. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: Der Reichsverband Deutsche� Krankenkassen- zahnärzt« ynrd mit den Kronkenkassen im Zsnter- esse der Versicherten immer in freundschaftlicher und fried- sicher Weise verhandeln. Die Forderungen des Reichsverbandes Deutscher Zahnärzte können nicht den Deutschen Krankenkassenzahn- Srzte?verband veranlassen, seine auf jahrzehntelange Erfahrungen begründete Zusammenarbeit mit den Krankenkassen zu unterbrechen. Der Reichsyerband Deutscher Krankentassenzahnärzte betrachtet«s im Interesse einer g, regelten zahnärztlichen Versorgung als sein« Ausgabe, sein« Organisation über dos ganze Reich auszubauen. Der Verband verpflichtet sich ferner, alle Boykoltoersuche gesellschaftlicher Art gegen sein« Mitglieder in die breitest« Oessentlichkeit zu bringen, um endlich diesen Dunkelmännern für die Zukunft das Handwerk zu legen. Di« Feuerwehr dient dem volle. Zu dem unter dieser Ueber- fchrift in Nr. 427 des„Vorwärts" veröffentlicht«» Artikel werden mir von berufener Seit« darauf aufmerksam gemacht, daß zum Schluß dieses Artikels einig« Wendungen vorkommen, die m den .Kreisen des Feuerwehrpersonal» den Eindruck erweckt haben, als ob nur die Brandmeister eine ganz besondere Verantwortung tragen. Es lag uns natürlich fern, die Tätigkeit und Verantwortung der Feuerwehr- und Oberfeuerwehrmänner durch Nichterwähnung geringer zu bewerten als die der Brandmeister. Wir glaubten, durch die ausführliche Schilderung der schweren Arbeit der~ daß der Feuerwehrmann erst dann das Anfangsgehalt der Besol. dungsgruppe Vla schält, wenn er in eine planmäßige Beamten- stelle«ingereiht wird. Wir geben dieser Zuschrift gern Raum, da wir davon überzeugt sind, daß jeder Beamte der Feuerwehr große Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit trägt. Halsmann-Prozeß wieder am 1«. Oktober. Zunsbruck, 27. September. Der Halsmann-Prozeß wird am 16. Oktober weitergeführt werden und in zwei bis drei Tagen beendet fein. Die medizinische ~okuItät in Innsbruck hat mit der Ergänzung und Ueberprüfung r Gutachten bereits begonnen. Am Donnerstag wurde der jung« Halsmann in bezug auf feine K u r z s i ch t i g keit untersucht. Heute wurden der Fakultät von den Verteidigern die Fragen über- mitteü, die zur Ergänzung des Gutachtens notwendig sind. Eine Zurückziehung der Anklage, wie dies von den Verteidigern beim Justizmnnstermm gewünscht wurde, kommt nicht in Frage. Freifahrkarte« für die Berliner Blinde«. Um die vielen Rückfragen zu vermeiden, macht die Zentral- stelle für Blindenwohlfahrt, Berlin SO. 36, Oranien- straß« 26(Fernspr. Mag. 46S, Sprechstunden von 10—13 Uhr), Dieses.Interview der Woche" hatte seine Berechtigung. Eisenstein, der Regissour des„Panzerkreuzer Potemkin" stand vor dem Mikrophon. Man erfuhr von ihm, wie beherrschend in der russischen Filmproduktion die Tendei« ist: Werk«, die den Kollefti- oismus predigen, und die wichiigsten Tagesfragen diskutieren, "lan würde" müssen en werden. Man glauben, daß bei solchen Voraussetzungen enilloser Weltanschemungskitsch entstehen müsse— wenn man nicht schon vom Gegenteil überzeugt word Den Kits __ worden wäre. Es ist umgekehrt. Den Kitsch produzieren w ist."Kunst läßt sich eben weder durch Formeln einfangen noch vertreiben: sie ist an die Be- j, an das Genie gebunden, das sie au» innerer Notwendigkest raus— gleichviel unter welchen Umständen— der Well schenkt.— Die musikalischen Darbletungen waren hauptsächlich auf Unter Haltung abgestimmt: das Schallplattenkonzert mit Gesangsvorträgen das sie aus innerer Notwendigkest .. Ol W>. ng- von Heinrich Schlußnus und Richard Tauber, Ernst Stesfans selbst komponierte Schlager, die neapolitanischen Lieder Albert Tostinis.— „Das Wochenende" leidet schon unter der Herbststimmung. Viel« wagen sich nicht meist allzuweit hinaus. Die Ratschläge von Dr. Matthias Sommer, wie man für 20 Pfennige mit den Berliner städtischen Derkohrsmsttoln der Großstadt entfliehen und in die srounöliche Natur gelangen kann, kamen daher recht gelegen. Tes- erneut darauf aufmerksam, daß die Erneuerung der Freifahrkarte für die städtischen Verkehrsmittel bereits im Laufe des Monats No vember bei ihr beantragt werden muß. Fahrkarteninhaber, die erst im Dezember oder gar Januar Bilder für die neue Fahrkarte ein- reichen, können nicht damit rechnen, pünktlich zu Anfang des neuen Jahres im Besitz der Freifahrtorte zu sein. Brand auf stadtischem Gut. In der Nacht zum Freitag entstand im Dachstuhl eines A r- beiterwohnhauses auf dem städtischen Gut Selchow bei Lichtenrade Feuer. Zwei Perjonen, di« in einer Dachkammer schliefen und von dem Feuer überrascht worden waren, konnten sich noch im letzten Augenblick retten. Der Dachstuhl brannte nieder. Den Löscharbeiten der freiwilligen Feuerwehren der umliegenden Ortschaften gÄang es jedoch trotz schwierigster Wasserverhältnisse, einen Teil de» Wohnhauses vor der gänzlichen Vernichtung zu retten. vi« Berliner Somwlsfioo für Ilawrdeukmnlpfiege veranilaltel in diesem Winter im Vortragssaat des Märkischen Museum«, Wallllr. S2/St. eine Reche Lichtbildvorträge über Naturschud, für die sich u. o. dle£>erten Dr. Hilzbeimer. Prof. Dr. Echoenichen, Studienrat Dr. Nägler. Studienrat Dr. Klose, Pros. Dr. Solger und Dr. Heinrolb zur Verfügung gestellt babeu. E« finden insgesamt sechs Vorträge stall, für die eine Hörergebübr von insgesamt 1 M. erhoben wird. Der EinIriitSpreiS für den Einzelvortrag beträgt 25 Pf. Karten find erhältlich an der Abendtaffe und im Vorverkauf im Märkischen Museum wertläglich von 10— 3 Uhr. Die Vorträge finden, mit dem Monat Lltober 19-29 beginnend, jeweils am 1. Freitag im Monat statt. Die Vortragsreihe wird mit dem Vortrag von Dr. Hilzheimer über dt« einheimischen Krtechliere und Lm che am Freitag, dem 4. Oktober 1929, eingeleitet. Dieler Vortrag wird verbunden mit einer Ausstellung lebender Kriechtiere und- Lurche der Mark. jlWSozialMcheArbetterjugendGr.'Verlin ckwsendimaen für dies« Nudtti mir«I da» Zuzuidlelreiariai Seriin 62568, Ctndeaflrait» isir die Zugendaiteilri»« der volkebShoe werden noch Smueldunaen im SSretariat entgegengenommen. Lichtbilder vom Zugendtag im Schill ervari liegen tat Anficht und Befielluns un w werden i Genossen ürdfelretariat aus. Schanwlelban» morgen. Eonnlag, uns am Eingang Cchiffbauerdamm. es euch möglich ist. heule, Sonnabend. Lichte uberg.Rord: Lemonstratioa als Auftakt tu den Sommunalwahlen. Antreten ISU Uhr.Note Ecke".— Temvelhof: ssunktionärfigung im Heim. Seginn pünktlich 20 Uhr.—»nchholz: ffunktlonSrfifiung Schule Berliner Strafie.—«rbeitegewei-lchaft der Rote» Falle»G„ Waldenburg, und eines Gaslieferungsvertroa? mt der IL4. für da» und«leltrtzttät. Köln. Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW SS. Lindenitraße 3. parieinachn'chien für Groß-Berlin st«t»«n da» Bezlrktlekr.tariai Ü. Hos. 2 Treppe» recht», ju richte» 7. Ärei» ilharlottenimr«»r.d Spondau. Juristische Sprechstunde am Sonn- abend, 28. September, von 17—18 Uhr im Jugendheim Rostnenstr. 4.<5e- legenheit zum Kircheuaustritt. 11. strei» Scho-.ebero.ZZeiedrnau. Ali« Eenoifiuncu und Eenosteu werde» ac- bete», sich a» der e>kbn!ahiscicr der Snzialiitiichen Arbeiterinaend, Werbe- bezirr Schöneberg, am Sonnian, 2». September, 11 Uhr. im Turma-Palast, Schöncberg, Hauptsirahe, zu beteiligen. Eintrittelarten»um Preise»o» ü» Pf. sind an der K-sie zu haben. 17. Krei» Lichtenberg. Sämtliche Abteilungen beteiligen sich heute. Sonn. abend, 28. September, an dem Umzug und an der Bannerweih« der IIS. Abt. Tresspunkr IS'/i Uhr Do sie. Ecke Sllrtclstraß«. Isahncn und Transparente sind mitzubringen. 21». Kreis Reinickendorf. Die Kundgebung der SAJ. am Sonntag findet nicht statt. heule. Sonnabend, 28. September. 15. Abt. Heule in Büttner« ssestsälc». Schwedter Str. 28—24» Zubilarfeier und Abteilungsoeronügen.«ufauq AI Uhr. Festredner sil Konrad Ludwig, M. d. R. Mitwirkend«: Meinelescher Mäuuerchor Rieseutombola. Eintritt 75 Pf. 83. Abt. Di« BczirksMhrer rechnen am Montag, 80. September, bestimmt mit dem Kassierer ob. Eventuell Bertreter schicken. Gleichzeitig sind die Büchcrkreisbände abzuholen und abzurechnen. 114. Abt. Alle Genossen beteiligen sich heut« an dem Umzug. Treffpunkt 17% Uhr Do sie- Ecke Gllrteistrah«. 118. Abt. Lichtenberg. Die Genossinnen und Genossen beteiligen sich heut« an dem Umzug der IIS. Abt. Treffpunkt 18s4 Uhr Dosse. Ecke Gürtelstrah«. 11». Abt. Heute. Sonnabenb, Antreten der gesamten Abteilung zur Teil. rahme an dem Umzug dcr IIb. Abt. 17�4 Uhr ssrenavlah. Ecke Wotan» strasic. Erscheinen aller ist Pflicht. Abmarsch pünktlich 17% Uhr. Morgen. Sonntag. 2g. September. 14. Abt. Die Eenofsiunen und Genossen beteiligen sich restlos an dcr Krri»- Mitgliederversammlung. 28. Abt. 12 llbr im Eiektra.Palast, KSsliner Ecke Wiefenstrasil, ftrrisnrit. aliederverfammluna. Wir erwarten restlos« Beteiligung aller Genossen. 77. und 7». Abt. Schöneberg. Di« Genossinnen und Genossen werden g«. beten, recht zahlreich die Morgenfeier der SAJ. um 11 Uhr im Turma» valast, Hauptstrasie, zu besuchen. 88. Abt. Neukölln 88., 84. und 85. Bezirk: 18 Uhr wicht!«« Besprechung bei König. Böhmische Str. 48— 44. Jagendveitaen der Sozialisten und Freidenker Berlins «m Sonntag, dem 39. September 1929 TormUteg» 9 Uhr Im Grobe» Sehaiupielhatu, Berlin, K«rl*tr. vormittags II Uhr in der VoUexbtthne, Berlin, Am Bölowplatz vormittags 11 Uhr L d. Aula d. Lyzeums, Pankow, GSrsdssir. 43 Musik— Sprechchor— Gesang— Weiherede— OrgclspieL Mitwirkende; Der junge Chor— A-cappella-Vereinigung des„Berliner Volkschor"— Männergesangverein JZukunu", Pankow— Der Sprechchor lür proletarische Feierstunden— Volksmusikschule der Musikantengilde Steglitz— Cello-Trio— Tanzgruppe der SAJ-Sprechgemeinschatt Niedtr- schönhausen. Weiheredner: Wilhelm Landa, Dr. Kurt Loewenstein, Lehrer May. Karten sind noch an der Kasse zu haben; Erwachsene 75 Pfg-, Kinder 50 Pfg Iungsozialislen. Gruppe Lüden: Fahrt nach Bernau— Hellsee. Treffpunkt 8 Uhr Stittiner Borortbahnhof. Montag. 80. September, beteiligen wir uns an dem Vortrag des Benosscn Ernst Reinhard in der Kochstr. 18. Gruppe Friedrichshain: Die Mitglieder beteiligen sich an der Fahrt der Gruppe Süden. Gruppe Eharlotteuiue«: Treffpunkt Sonntag 8 Uhr Bhf. Zungkernheide zur Teilnahme am SAJ-�ag. Arbeitsgemeinschaft der Siaderfreunde. Krei» Keenzberg, Gruppe Südwest: Die Zungsalke» treffen sich Sonntag 7 Uhr Borck. Eck« Belle-Alliance�traft« zur Fahrt nach Birkenwerder. Trink. gefäh« und 60 Pf. sind mitzubringen. �' i» LidF'-.- ___. Isen an...»U_________...__»_____________ Raihausstrasie.— Morgen, Sonntag, 28. September, findet, unser Kreistreffen i7. Kreis Lichtenberg. Leute," Sonnabend. 28. September, beteiligen wir uns geschloffen an der Demonsiration der Partei. Treffpunkt 18 Uhr Baracken in Kaulsdorfaöüd statt. Alle Kinder bringen einen Trinkbeiber mit. Treff. punkt: Gruppe Rord: 8>4 Uhr Bahnhof Lichteiiberg-Frictri-Hsfelde: Gruppe Reu-Lichtenberg: 8sii Uhr Bahnhof Neu-Lichtenberg: Gruppe«aulsdorf: 10 Uhr Bahnhof Kaulsdorf. Iungfalken Reukölln: Sonntag Fahrt nach den Dosen« Bergen. Treff. punkt 714 Uhr Ecke Fulda- und Kaifer-Friedrich�ptrahe.— Dienstag. L vkto- der, von 16—18 Uhr im Heim Flughafenstrah«. SchZueberg.Friedenan: Die Arbcitcriugend Erhöneberg.Friedenau bat am Sonntag, 28. September, 11 Uhr, eine Morgensei« im Turwo-FIora-Palast, Hauptstraße 144. an der wir uns beteiligen. Paul Löh«, Präsident de» Reichstags, und Eduard Bernstein werden sprechen. Evrechchor. Boikstan, und der Film vom Internationalen Jugendtag 1929 in Wien werden vorgewhrt. temb«. Sek Sans Jakobs, Schdneberg, Tempelbof« Str. 18, Falkenratssthung. Besprechung des Monatsprogramms und der Parolen für Oktober. Morgen, Sonntag, 29. September, treffen sich alle Roten Falken um 9>,4 Uhr vor dem Turma»Flora»PaIaft. Geburlskage. Jubiläen usw. 25. Abt. Unserem Genosse» Rabatt«»r.d sei»« Ehefrau, Bißow. stroßc 28, die beste» Glückwünsche zur Silberhochzeit. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 3. Abt. Am 26. September ist im 72. Lebensfahre unser alter Kamps. und Weggenosse August Taeterow, Sebastianstr. 87, verstorben. M.t ihm ist wieder ein hochverdienter Genosse dahingegangen. Ehre seinem An. denken! Einäscherung am Montag. 80. Seplember. 18 Uhr, im Krematorium Geridüstrasie. Starke Beteiligung wird erwartet. 74. Abt. gehlendors. Die Beerdigung unseres vorgestern verstorbcncn zweiten Borsihenden. des Genossen Wilhelm Mahlow, findet heute. Sonn» abend. 14 Uhr. von der Leichenhalle des Jehlendorfcr Friedhofs, �ehlenborf. Mitte. Srandaucr Straße, statt. Voriräg�VereineundVersammlungen. Reichsbanner„Schmarz-Rot-Goid". ««schält, stelle: Berlin 5 14, SebaNianftr. 87.88. ko' 2 Tr. Sonntag, 28. September. Kreuzberg: 8.28 Uhr Fahrt nach Blanken. G mannszug und Fahnen. Pflichtveranftaltung. Rudcrrieqc: 12 Ahr interne Sleqatta dcr RBA. Erscheinen Pfiid»!, ixt wir UNS auch daran beteiligen.— Nennmannschaften 8 Uhr Bootshaus. Training zur internen Regatta. Arbeite r-Abstinenten. Bund, Kreuzberg. Marheinekcplaß 3—4. Am Sonn- abend, 28. Eepiemder. 20 Uhr, findet ein Vorlragsabeud statt, wozu alle Mi!- glieder und käst« eingeladen sind. Referat des Genossen Lindig: Tagung in Halle und Frankfurt a. M." Esperanto. Ocfsentlicher Vortrag über.Die Weltgeltung des Esperanto sRedner Herr Ernst Wichcrt) Montag, 80. September, 20 Uhr, in dem Mühl- räum der Konditorei Windclbandt, Seudelstr. 31 fdicht am Spittelmarl). Interessenten willkommen. Eintritt frei. Esperantg-Eefellsilaft Eharlottenbvrg. Montag. 80. September, 20 Uhr» Konditorei Wolter. Vismarckstr. 114 fKnie), Klubzimmer, Vortrag des Herr» Dr. Fulda:„Sportliche Erlebnisse". Gäste willkommen. Rrilbsbnnd der Kriegsbefihädiqten. Kriegsteilnehin«» nnd Krlcqcthiuter. bllebenen, Ortsgruppe Obcrfpre«. Versammlung Dienstag.' Oktober. 20 Ul r, im.Einsiedler", Johannisthal. Etcrndamm. Referent Herr Allmann. Film- Vortrag:.Gsnossenfchaffliche Versidierung der Arbeilcrfchaft". Erscheinen Pflicht. Gäste willkommen. 4. Matinee am 29. September Rudolf Nelson u.Walter Josef Kate Kuehl Die fünf Abels Jan auf zwo! FkOgsln Heiter»(Jeder Vorverkauf Bote& Bock, Wertheim und Großes Schauspielhaus um» /.ontr. 2619» Baadies erianti Dajo« 641, und weiter« Vsfietd-Üsuhettsn Sonnabend n. Sonntag Jt 2 VorstaHungm ,>*• und 3 Uhr. i* kleine Preise. T!|l. 2 Torsten. 5 and»V- Uhr Ba'kamsa 1284 Ooiert neuoa Preise; Wochealrgs 5 Ohr 56 Pf. bis 3 Kerb Tigl. I", i. Soanl. 5 Uhr l hli 6 Birk ..Rar noch 3 Tafte" Orisinnl-Ruktelli nwnr. VolksblUine fhihtir imSaiowglzli Täglich 8 Uhr DantonsTod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin StaatLSdiiller-Tli. 8 Uhr 2x2=5 Rose- [ rhealer. Grobe Frankturtcr Str. 152. Täglich 8.15 Uhr (Sonntags 5.15 u- 9 Uhr) Die Weber von üerharl Haupimann Jeden€onnabend 5.r'0 Uhr und jeden Sonntag 2�0 Uhr Soünse&'iilchen Und äiesioösnzwor-ga VoionzeijJc! | Ab 2. Okt jed. Mittwoch 5 U. nachm. | Dastapterescnnciderisln Direktion 5r, Robert Klcir Cenlsehes Rdnstler-Theat Barbarossa 3937 Wi Uhr Die anDere Seite i�rünef Tiieaip MMiefHTO 8 Vi U Zwei Srawälten von Georg Kaiser Musik Spolianskv Pianeiarium ......... am Zoo 'erläDo. fMdiiosthslßr"itraB! 3.5 Barbarossa 557F WI* Uhr Harbst- abon je am Sternen- hlmmei ISVi Uhr Bi» an die Grenzen oer Welt 20»/« Uhr RSteal des Sternenlicntes Fägl. außer Montags u. Mi nw. Erwachs. I Mk.f Kinder 50 Pf. Mittw.; Erwachsene 50 Pi. Kinder 25 Pf. Nacii erloieiero Umhau und Renovierung empfehle ich den Lesern meine firo�desftllalton hänläsöeräer üöfe fteraeler Str. 25 Sfrofts Georg Sdiniz Hein Loüal Isl nldit mehr gesperrt Vorverkauf anch im Pavillon der Rein hardtbllhnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 Ofiiiisdiei Ibeaier Norden 12310 Ende gegen II Die Fiedermaos Musik v.Joh. Strauß Regie: Max Reinhardt. Dirigent E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer D. I. SU. Kammerspiele D.I. Norden 12 310 SV», Ende gegen lOV» □er llnwiderstehliehe Komödie von Gdraldy und Spitzer Regie: Gustaf Grilndgens Die Komödie Jl Bismck. 2414/7516 8'/i Uhr Ende geg. 10V« Uhr Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Metropol-Th. Tägl. 8V« Uhr Narielfa ülusUt v. Oskar Strans Käthe Dorsch Michael Dohnen 5-� do CLlrf' m ma�. IE �cARM'�föANe öA�2EllEfl "ß>ei£: woif0' fplTQk austav Härtung Renaissance-Theater Uebcr SO Mal: 7 Vi Uhr Die heilige Flamme _ v. W.S.Maugham. Qust. tiartun? siteinolatz C 1. 0901 u. 2583/84. Karder berestr. E GROSSES SCHAÜSPiEUiAUS tägU 8 Uhr timi} ÄwuMtlere Regie; ERIK CHARELL Besamt-Aosstaitunn: Prot. Emst Stern. 3 Ufer Sonntag nachmittag unsek. halbe Prt I »■/.Uhr CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. Unwiderruflich nnr bis 3. Oktober wem gehört mein mann! Freitag, den 4. Ok'ober zum I. Male werteste Hcchzeiisnacni! Outscnein tür 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 Mm Sessel 1.75 M. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 080 M. Reichshallen. Theater AIlabcndL|T] Sonntag naefam.| 3 j Stettiner so Sänger -- Jahre--— y Fest- Prog ram m 1 Nachmittags halbe Preise. Dönhoff- Brettl: Variotö Tanz— Konzort �S6€€€««w«SSSSSSK�, & Unserem langfährigen."Ä % treubewährlen Jahislellenwirt ü/ « Otto SeeZeld Z Schulstr. 114, ,n fewem Ak 2 3» fdhrig.»eschaffofnbtkcknm � P die horzltchskeu Glückn»ünsd?e � yO Deutscher Baagewcrhsbond(// 0) Berlin, Bezirk Wedding tz, Sonnabend SOMMERS IBSCHIED ■ Jeder Bceaoher erhalt■ ein Abschiede- Präsent flj MIUTAR. KONZERT ausgeführt vom Musikkorps der Kommandantur Berlin | Dirlg: Obermueikroelster F. Ahlers Brillant-Feuerwerk| Sämtl. Ehren- u. Freikarten gültig, Sonnabend, 28. Sept. nachmittags ZV? Uhr rneai. u. wesiens 1 Täglich 8*1. Uhr Sonnab u. Sonntag 4 und 8'/t Uhr Der WeUerlolg krieaerMe Musik von Franz Lchar Lastspielbtns Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8»h Uhr Grand Hotei Lustspiel von Paul Frank Sfernowsky-SDhQefe Theater In dor K6niggrätzer StraOe 8«/« Uhr Bannibalaote porias Komödianhaus Täglich 8'/i Uhr Soiiibys Soppen doi! die besten Lustspiel von Julius Berstl Kleines Ideal. Merkur 1624 Täglich 8'/« Uhr Max Adalbert als Nanle am Flügel Rudolf Nelson Tätai.aniKoiui.ior Kottbusser Str. 6 Tägl, 8 Uhr auc.i Sonnt. nachm. 3 U. Eiüe- sander Das Seatenber-SiClaser Pragramiii! Lessing- Theater Norden 10846 Gruppe langer Scfaaaspielcr Täglich 8»/ft Uhr Cyanhatt § 218 von rrtosmb woif| IriMon-Th.Mi5r,krr Täglich K'/i Uh. Doror-Lostsgleieiloia Das kämmt doch alle Tage vor Johannes RI«n:ann, Vilma v. Akr.ay, Mar Landa, Lulle Klinder Sonnabend nachm. 4 Uhr Sonntag nachm.3U. Asclienbrödel s-sÜjSi M DulltDngs-.Rabütt- a.Seklamemarken gegen Naclahmung gesetzl. gesch. (ertigt seit-48 Jnhr als Spezialität. Conreia ilüllcr Leipzi~c hciidin A. SCHONER? BETTENHAUS Arbeitsmarkt-: Berlin SO Oranienstr. 12 Eckhaus Heinrichs- piatz, Hocft&ahn Qoriitzer Bahnhot Osdibetten ODtflbttttn. Kopfkisstn. Sleppdedien. Daiinemlcdito Metailbetten 12.- 2t.- II.- 55.- . ID.- 15.- 32.- 43.- . 4.- 7.- 12.- 19.- . 13.- 15.- IB.- 211.- 43.- 63.- 86.- 95.- 15.- IB.- 22.- 27. 3ttil. HttntUDJiilkiuEB 15.- IB.- 24.- 28.- Riasanltlsor In Matallbattstallcn und Klndarbettan. Lagarbesuch für all# Artikel reichlich lohnend. Wer gibt orbeitsliebcndem l7iäh:ig«n Wckkzcugmad:er, auf Kunftmaferet be. .währt, sofort Arbeit. Angebote unicr 'S. 28 an Vorwärtsfpeditioii Müller. ! ftraße M. Stellenangebote liichttyo FSiesaniesGi* und Hilfsarbeiter stellt ein Lehr a Co., Berlin Nitf 40, Werftstrafle 12. Moabit S118 und 5119. Sonnabend 25. September 1929 Unterhaltung und ÄVtssen Beilage des Vorwärts Stemmer SlogaUa: 3)tC Fernab liegt daz schöne Sizilien. Aber an einer Stelle seiner Küste begreift man es kaum, daß es auf derselben Insel grün- golden« Orangenbäume gibt und die tiefblau umrandete Schnee- kappe des Aetna und das klassisch-schöne Toormina mit dem griechischen Freilusttheater, wo seit neuestem wieder gespielt wird- Auch das allerärmlichste, kleine, nein, verhältnismäßig große Glück, in einer halbverfallenen Hütte zu hausen, mit vielen Kindern, Ziege und Schwein, liegt w«it, unfaßbar weit ab. Oer Mensch ist das stärkste Lebewesen. Es gibt nur Elend, gelbes Elend, in der Schwefelgegend an der südlichen Abdachung der M a d o n i e zum Meere. Das Land sieht wie ein gigantischer gelber Ameisenhaufen aus, mit Hunderten von schwarzen Löchern: den Stolleneingängen. Ringsumher ist es öde und trostlos. Kilometerweit kein Grashalm, kein Insekt. Die Schwefcldämpfe der Meiler vernichten und verjagen das zartere Leben, nur der Mensch, das widerstandsfähigste Lebewesen, zieht nach der gelben Erde und in die gelbe Erde, weil dabei etwas zu verdienen ist. Nirgends gibt es solches Elend, so unmenschliche Lebensbedingungen. Bei den Gruben sieht man weit und breit kein Haus, die Picconieri, die schwergeplagren Heuer und ihre Hel- fer, die bedauernswerten Carusi, haben überhaupt keine Unterkunft. Sie schlafen im Sommer wie die Tiere im Freren und im Winter an Orten, die auch das liebe Vieh nicht aushalten würde, nämlich in der dunstgeschwängerten Stickluft der Schwefelgruben. Nun: es ist ihr freier Wille, was die Picconieri anlangt, die Carusi aber, das ist das Entsetzliche, in unserem Zeitalter kaum Faßliche, die Carusi sind Hör ge, Leibeigene, Sklaven— Kindersklaven. Die kleinen Sklaven. Für ein paar hundert Lire Vorschuß sind die Knaben ihren Eltern quasi abgekauft worden. Es sind die Picconieri, die die Kinder„anwerben". Den Vorschuß, den die Heuer auf die Kind-r- arbeit zahlen, können die in der bittersten Not lebenden Eltern meistens nicht zurückzahlen, äe lacto fast nie. Also verbleibt der Knabe in der Grube, so»schrcckiich es ihm dort auch ergeht. Von dem lächerlich geringen Lohn, den er bekommt, wird dos Essen ab- gezogen, und der Picconieri sorgt dafür, daß die Rechnung aufgeht. Tagein. tagaus, jahrein, jahraus muß das der Pflege der El!«cn entzogene, unter rohesten Menschen lebende, auf das brutalste de- handelte, zumeist noch zarte Kind Last«n schleppen, von einem Ge> wicht und in einer Luft, die es, wenn nicht dem frühen Tode, so dauernder Verkrüppelung zuführen. Man stelle sich lange Reihen von säst nackten Knaben oor. die keuchend die schweren, unregelmäßigen Stufen des Stollens empor- klimmen, das Grubeniicht auf der Mütze, wie Irrlichter, eine Last van zwanzig KUo und.wehr, auf dem Rücken. Schweißtriefend und mit zitternden Knien taumeln sie durch die düsteren Schächte. Die Hitze ist unerträglich, 40 Grad Reaumur und darüber. Am Stollenausgang bläst ein eiskalter Wind über die schweißtriefenden Knabenkörper. Jetzt laufen sie das letzte Stück bis zu den Ealca- roni, den Schwefelschmelzen, wo sie sich endlich ihrer drückenden Last entledigen, um wieder 80 bis 100 Meter tief hinabzusteigen tn die gelbe Hölle, wo die Arbeit von neuem beginnt. Oft können sich die niedergedrückten Knabenkörper nicht mehr aufrichten und laufen gebückten Rückens zur Grube zurück, als drücke sie«ine unsichtbare Last nieder. Oester versagt die Kraft in den Stollen, dann hilft der Heuer mit der Peitsche nach: oder wenn die Peitsche nicht mehr hilft, verbrennt er dem Knaben mit der Grubenstimpe die Waden. Was wunder, wenn Verzweiflung die Kindersklaven zu Fluchtoersuchen treibt Sie gelingen selten. Oester geschieht es, daß die unfreiwilligen kleinen Bergknappen wieder eingefangen und halb od«r ganz zu Tode geprügelt werden. Im letzteren Falle wirft man ihre Körper in einen alten verlassenen Stollen. Es geschehen so viele Unglücksfälle, wer will es kontrol- lieren? Die Carusi finden ihr« Erlösung erst im Tode, der freilich nicht sehr lange auf sich warten läßt. Selten überlebt ein Carusi das 25. Lebensjahr, am häufigsten stirbt er an der Tuberkulose. � Vorher ist meist schon das Rückgrat verkrümmt und die Vrust eingesenkt. Im zarten Alter von 6, 7 Iahren begann vor nicht langer Zeit schon die Sisyphusarbeit der sizilianischen Grubenjungen, jetzt hat man die Altersgrenze auf 12 hinausgesetzt, aber die Bestimmungen des Kindevschutzgesstzes sind ungenügend und die Ueberwachung ist mangelhaft. Gegenüber dem Eigennutz einflußreicher Jndustr. eller bleibt die Staatsgewalt ohnmächtig. Die Dämpfe des Todes. Di« 400 Gruben, die heute noch in Betrieb sind, zeigen die primitivsten Einrichtungen. Sie stützen sich auf Raubbau, unter Vernachlässigung jeglicher Vorsichk. Man arbeitet wie vor 100 Jahren, und selbst die wenigen, mit Maschinen ausgestatteten Gruben müssen diese einrosten lassen, i>a die Picconieri von den alten Sitten, respektive Unsitten, nicht abzubringen sind. Wenn der Staat sich streng nach den geltenden Schutzgesetzen halten würde, müßte fast die Hälfte der Gruben gesperrt werden, weil sie nicht vor- schriftsmäßig eingerichtet sind. Das glaubt der Staat nicht tun zu müssen, um nicht unter einer armen Bevölkerung die Arbeitslosig- kcit zu vermehren und die finanziell schon schwer kämpfenden Grubenbesitzer vollends zu ruinieren. Die meisten Gruben sind verpachtet. Ünglllckrfälle sind also an der Tagesordnung. Häufig entstehen sie durch Entwicklung schwerer Giftgase, die sich zu Boden senken und mitunter cinen Meter Höhe erreichen. Die Schwefel- gase sind sichtbar, bilden einen milchigen Nebel. Fällt jedoch ein Arbeiter in dieser Gasschicht zu Boden, so ist er unrettbar verloren. Cr ist sofort betäubt, und man kann ihm auch kein« Hilfe bringen. Will einer ihn aufheben, so fällt er in die betäubende Gasschicht hinein Ich lann mich eines Falles erinnern, wo bei einer»er- suchten Rettung sechs Mann liegengeblieben und erstickt sind. Das Sckmelzen. Die Masie wird nur mit der Haue abgeschlagen, das ganze Stollen ist Muskelarbeit, Stück für Stück. Haue und Schaufel sind die zwei einzigen Werkzeuge des Picconieri in den meisten Gruben. Holzverschalungen sind eine Rarität, und die künstliche Ventilation fehlt gänzlich. Was die modernen, zumeist englischen Gruben an- langt, da gibt es pneumatische Hämmer, elektrische Bohrer, Gruben- bahnen und alles was zu einem modernen Betrieb gehört. Aber es gibt auch dort Carusi, ohne die ist eine sizilianische Schwefel- grübe nicht zu denken. Die Picconieri können ohne Carusi nicht arbeiten, auch wenn die Förderung mechanisch erfolgt. Die Färdermasse wird zunächst zerkleinert, wiederum von Carusi mittels Körben auf der Schulter getragen und in die kalk- ofenähnlichen Schwefelschmelzen, die Calcaroni, geschüttet. Die Oefen laufen innen spitzig nach unten zu und haben am Ende eine Ausflußröhre nach außen, die mit Tonerde zugestopft ist. Wenn der Ofen gefüllt ist, wird er mit einem Eisendeckel mit Abzugöffnung zugedeckt. Unten wird der Schwefel angezündet und er brennt dann weiter. Welthin sichtbar steigen hellblaue Dämpfe aus den Röhren zitternd in den dunkelblauen Himmel. Nach 5 bis 6 Stun- den wird die Tonerde der Abflußröhre zum ersten Male durch- gestochen und der Zolsogreggio, der Rohschwefel, rinnt schmutzig- gelb in futtertrogartige Formen: Balate. Dieser Schwefel, der noch 10 bis 15 Prozent Unreinigkeiten enthält, wird alsdann er- kalten gelassen. Die Liebhaber des Pulvers. Die abgekühlten Balate werden nach den Hafenplätzen gefahren. Kaiania ist der Hauptstapelplatz, und die Hafenanlagen sind gelb angehaucht wie der Grubonrayon, dessen Zentrum die Stadt Cal- tanifatta ist. Nur ein Fünftel des gewonnenen Schwefels(von den, es sieben Sorten gibt) wird in den Hafenplätzen Siziliens raffiniert und als Schwefelblume oerkauft. Der Rest geht roh ins Ausland. hauptsächlich nach Frankreich, wo das Schießpulver besonders beliebt ist. Di« E n g l ä n d e r indessen haben ihre eigenen Gruben in Sizilien, zwar nur drei, aber sie sind die größten, modern ein- gerichtet und liefern drei Viertel der Gesamtproduktion. In Eng- land liebt man das Pulver womöglich noch inniger. Obwohl nun die Pulverproduktion beileibe nicht abnimmt, geht die sizilianische Schwefelproduktton rasch und stark zurück. 181? wurden noch 2H Millionen Tonnen, jetzt wird zirka eine Million gewonnen. Di« Arbeiterzahl sank von 30 000 auf 10 000. Es ist heute einfacher, den Schwefel chemisch im Laboratorium zu er- zeugen, außerdem machen japanische und amerikanische Gruben Konkurrenz. Ein Amerikaner hat für 300 000 Pesetas einen 5000 Meter hohen Vulkan von einem mexikanischen General gekauft. Dort befinden sich heute die modernsten und reichsten Gruben der Welt. Man sieht: die Pankees haben die großzügigste Liebe zum Pulver. Salamon ä)embilser: ffiückhlick auf Sollte man es für möglich halten? Man lebie zehn Jahre in einem Judenstödtchen und es passierte fast gar nichts darin, man sah täglich dieselben zwei Märkte und die kleinen, verschlafenen, ein- stöckigen Häuschen. Und die Einwohner standen vor den Türen ihrer Geschäfte oder saßen auf den Schwellen ihrer Häuschen und guckten... weiter nichts. Nennen sie vielleicht dies eine erwähnenswerte Begebenheit, daß zwei einzige Male zur Sommerszeit zwei Läufer aus fremden Städten kamen? Aeltere, abgelebte Männer, welche in weißer Clownuniform mit Glöcklein dreimal den Markt herumliefen. Die Elöckchen klangen sehr laut und das ganze Städtchen sah sich in höchster Erregung das Schauspiel an. Aber als der Läufer dann von Tür zu Tür ging und mit dem Topf das„Honorar" einkassieren wollte, waren die meisten ver- schwundcn. Sie waren schon längst im Bethaus und besprachen das Ereignis. Sollte nichts in dieser langen Zeit mehr passiert sein? Oh, doch! Einmal hatte es sogar getirannt. Um Mitternacht war ein schreckliches Feuer ausgebrochen und«in einsames Häuschen stand vollends in Flanimen. Die meisten Leute liefen im Hemd herum und schrien zu Gott um Hilfe. Aber weil keine richtige Feuerwehr vorhanden war, flackerte dieses Häuschen ungestört weiter... dann geschah es, daß eine kleine, ältere, sehr fromme Frau auf dem Balkon eines Nebenhauses erschien und die Hände ringend laut zu schreien begann: sie hätte fünf unversorgte Kinder und wenn das ihr gehörig« in dem Haufe befindliche Kolonialwaren- geschüft ganz vernichtet werden sollte, dann wüßte sie nicht, was ge- schehen soll— und falls Gott in diesem Slugenblick das Feuer nicht einstellen sollt«, dann müßte sie sich gleich vom Balkon hinunter- stürzen! Da wurden die Leute ganz entsetzt und schrien zu ihr hinauf: das wäre ja die reinste Drohung— ob man Gott auf dies« Weise versuchen darf? Gott weiß, was er tut... Beherzte Menschen schleppten die Frau vom Balkon herunter und mährend sie diese niit Borwürfen überhäuften, meinte die Frau resigniert:„Gut, gebt ihm nur Recht, gebt ihm nur Recht. Dann wird er auch eure Häuschen anzünden!" * Sollte im Laufe dieser Jahre wirklich nichts passiert sein? Doch, einmal kam ein neues Regiment an. Die Offiziere veranstalteten ein Bankett im Kasino, das sich inmitten des Marlies im Rathaus, das zugleich Gefängnis war, befand. Die Herren Offiziere waren an diesem Sommcrabend in sehr guter Laune. Sie öffneten die Fenster ob«n und riefen Vorbeigehende heran. Und als viel« bei- sanimen waren, warfen sie plötzlich Geld hinunter. Als die in dem Gäßchen befindlichen Leute das von weitem sahen, ging durch das ganze Städtchen ein Schrei:„Geld wird geworfen!" Geld und Gott, das waren die wichtigsten zw«: Objekte, auf die sich das Denken und Fühlen dieser Leute konzentriert hatte. Sie stürmten alle zum Rathaus und balgten sich auf der Erde, um die Kreuzer zu erwischen. Und als die Offiziere sahen, daß das ganz« Städtchen auf der Erde liege und sich um das Geld herumschlage, leerten sie noch die Reste aus ihren Portemonnaies und gössen gleichzeitig noch Wasser hinunter. Ein übermütig wildes Gelächter— würdig der Offiziere Kaiser Franz Josefs— erscholl oben, während sich unten ein Gekreisch und Gejammer erhob— würdig der Einwohner dieses Nestes. * Ist das schon alles? Keinesfalls. Es gab bestimmt noch Dinge, die aber kaum noch erwähnens- wert sind, so zum Beispiel, daß«ine einzige Zeitung aus der Haupt- stadt in dieses Städtchen kam und die wichtigsten Ereignisse wurden noch Monate lang besprochen und gaben Stoff zu ausgiebigen De- batten. Und der, der die Zeitung abonniert hatte, war der An- gesehenste im ganzen Städtchen... Aber auch der Apotheker wurde geachtet. Der ging vierzig Jahr« lang durch dieselbe Straße zur selben Zeit. Ging spazieren, dreimal hin und zurück, mit einem Schirm, ohne Rücksicht auf die Jahreszeit und keiner konnte sich erinnern, daß der Schirm jemals gebraucht wurde... deshalb behaupteten die Leute, es wäre der haltbarste Schirm der Welt... Außerdem traf es sich einmal, daß der Graf Potocki eines Sommerabends im Städtchen herumlief, um nach Frauen Ausschau zu halten... Cr schien angetrunken und fuchtelte mit seinem Stock. Als die Einwohner dies sahen, verkrochen s!« sich in die Wohnungen und guckten aus ihren Fenstern... einerseits hatten sie Angst vor ihm, andererseits freuten sie sich, daß dieser Mächtig« so herunter- gekommen sei. Vielleicht zur Strafe, weil er sein schönes Schloß vor der Stadt verschlossen hielt und niemanden hineinließ. Ja, auch dieses Ereignis darf nicht vergessen werden. Da kam eines trüben Herbsttages, während der Himmel bewölkt war und schon seit dem dritten Tag ein Landregen niederging— eine Fuhre und hielt inmitten des Marttes. Sie war bedeckt mit einem schwarzen Tuch und neben ihr waren zwei Männer ange- lehnt und blickten traurig auf die verlassenen Keinen Gäßchen und warteten. Zuerst wußte man nicht, was das sei, dann erfuhr man, das wären die zwei fortgeschrittensten, außerhalb der Stadt wohnen- den Lederhändler, die ganz und gar nicht mehr so gläubig waren— und daß in der Fuhre ihre tote Mutter läge, die sie beerdigen lassen möchten. Ja... trotz ihrer Ungläubigkeit wollten sie die Leiche nicht drei Tage liegen lassen, weil sie die Verantwortung für ein« so groß« Sünde nicht übernehmen könnten... Aber die Vorsteher dieses Städtchens hatten gar keine Eile— gar kein«—, die sagten, wenn sie ihre Mutter anständig begraben lassen wollen, müssen sie eben blechen. Sie wollten ja auch blechen, aber nicht so viel. Sie baten um Erbarmen. O, da kamen sie schön an. Mit Ungläubigen Erbarmen? Wo stünde das geschrieben? Und dann, wenn eine Mutter stirbt, kann man schon das Letzte verkaufen, um ihr«in ehrenhaftes--- Ja, aber sie konnten es wirklich nicht. Sie schwuren, daß es über ihre Kräfte ginge--- aber wer glaubt den Ungläubigen? Im ganzen Städtchen kochte es und alle meinten, wenn man bei solchen Leuten nicht nehmen soll, bei wem denn? So blieben die zwei Männer bei der Fuhre die ganze Nacht stehen, es regnete unaufhörlich. Das Wasser ging durch die Decke und der Leichnam wurde sicherlich ganz naß. O, war das ein« Nacht!. Die Geschäfte und Häuser geschlossen, die Gassen leer lind einsam, die Stadtlampen verloschen, es war dunkel, unheimlich und etwas kühl. Der Wind heulte und pfiff und peitschte den Regen in die Gesichter dieser zwei sonst mutigen Männer, die plötzlich er- schraken, weil sie glaubten, die Stimm« eines unsichtbaren Ge- spenstes gehört zu haben-- aber das war kein Gespenst, das war ein neunjähriger Bursche, der aufgeblieben war, um dieses merkwürdige Bild des Jammers zu betrachten. Und der zum erstenmal laut dem Gott dieses Städtchens geflucht hatte. Als der» Morgen zu grauen begann, ging einer der beiden in ein am Markt gelegenes Eckhaus, klopfte lange an das Fenster, das dann schließlich geöffnet wurde, es folgte ein kurzes Verhandeln. Als dann später die Geschäfte geöffnet wurden, die ersten Men- schen zum Bethaus eilten, wußte man schon, daß die zwei Männer unterlegen seien. Sie mußten alles, was man von ihnen verlangte, bezahlen. Allerdings die Hälft« in Wechseln. War es ein Wunder, daß die Leute dieses Ereignis mit sehr viel Alkohol begossen und über ihren Sieg noch jahrelang sprachen? Dies war auch der wichtigste Vorfall im Laufe dieser zehn Jahr«! 3)er amerikanische Spieker Kennen Sie den Mann, der im Restaurant am Nebentifch sitzt und mit Stentorstimme erzählt:„ßieber Mann, da kann ich Ihnen ja nu wirklich authentische Auskunft geben. Wir im jroßen Haupt- quartier haben da ja so den richtigen Einblick jehabt." Oder:„Mein Vetter im Reichswehrnrinisterium hat mir jesagt, und was der sagt, is so jut als wenn der Minister das jesagt hätte. Also die Sache is so..." Kennen Sie diesen Mann? Solch ein fieser Kerl ist auch Lowell Schmaltz, den Sinclair Lewis photographierte in dem Buch:„Der Mann, der den Präsidenten kannte"(Verlag Ernst Rowohlt, Berlin). Beim Lesen dieses Buches sieht man diesen „staatserhaltenden Bürger". Wirklich, man sieht, wie dieser Bureau. warenhändler aus Zenith, USA., im Klub, im Speisewagen, zu Haus oder als Festredner seine Plattheiten losläßt. Wie sich bei ihm Lokalpatriotismus. Nationalismus, Rassenstolz, Geschäftsgeist, Bigotterie und Frechheit zu einem hundertprozentigen Amerikanio- mus mischen, ist grandios gezeichnet. Doch sehr bitter ist das Buch, weil dieser Mr. Schmaltz kein Phantasieprcchukt ist, sondern eine häufig« Figur aus einem Hundert- zehn-Millionen-Volk. Nicht nur aus einem Hundertzehn-Millionen- Volk, sondern das Bild des Spießers bei allen Völkern, in allen Sprachen. Wie dieser Mister Schmaltz Karten spielt oder, vom Hundertsten ins Tausendste kommend, ein Erlebnis erzählt, unter- scheidet sich in nichts z. B. von der Art des deutschen Spießers. Wenn er loslegt:„Die Farmer sind das große Rückgrat und die Stärke unserer Nation," könnte das nickt auch bei uns gesagt worden sein? Er spricht gern und häufig über Politik. Er bat von Politik wie von allen anderen Dingen nicht die geringst« Ahnung, aber er redet darüber. Wer Amerika von der anderen Scite kennenlernen will, lese Sinclair» Buch. kriu janecke. Damen-Strümpfe Sfrapazierqualitäfen 95n KDnsfiiche Seide 1* Künsllidie Waschseide 1» Künstliche Seide 2* Reine Wolle x»**__**.2* Slag garantiert KupfsrMid« ��0 (ktaitl. 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September rerschied nach kurzer Krankheit das ehemalige Vorstandsmitglied der Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend Weg lohnend. Trepp«. R«fen. Wilhelm Laim ■nj&ot, Smokinganzüge. Gehrockanzüge. Bauchanzllge. Winterulster und Pale« tot», für lebe ffigur passend und in jeder Form stet» vorrätig: außerdem hochelegante neue Gar» berobe. oon erstklassigen Schneidern ge. arbeitet,»u staunend billigen Preisen.! Gelegen.heitekäuf« in Herren» und! Damenpelze». Leihbau» Lowick!. Prin» genstraße 166. eine Trepp«. Rein» Lombardware__' Berleth bocheleg, nter Gesellfchakt» Anzüge Leibbau» Lowicki. Prinzen. straße 105 Patrvtmate,»«».P rimisstma'. Metall- bette». Auflegemo tragen, Ghaiselangue«. «alter, Stargaederstraße achtzehn. Rein im �Iter ron 62 fahren. Der Verstorbene bat seit Ende des vorigen Jahrhunderts in nnerraödlicher Arbeit an führender Stelle seine Kräfte in den Dienst der konsumgenossenschaftlichen Bestrebungen gestellt. Von 1900 bis 1907 war er ehrenamtlicher Vorsitzender des Berliner Konsumvereins; bei der Verschmelzung des Vereins mit der Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend im Jahre 1908 wurde er zum Vorstandsmitglied gewählt Mit Pflichteifer und peinlicher Gewissenhaftigkeit hat er zwei Jahrzehnte hindurch die Obliegenheiten seines verantwortungsvollen Amtes erfüllt Nur wenige Monate nach dem Eintritt in den Ruhestand ereilte ihn der Tod. Die Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend gedenkt in tiefer Trauer ihres verdienstvollen Mitarbeiters, der darauf Anspruch erheben darf, als ein Vorkämpfer der konsumgenossenschaftlichen Organisation der Reicbsnauptstadt zu gelten. Sein Andenken whrd unvergessen bleiben. Der Vorstand Der Aufsichtsrat der Konsum-Genossensdiaft Berlin und Umgegend. Allen Genossen, Freunden und Bekannten die traurijre Naohricht, daß mein inniggeliebbor Menn. unser treu- sorge'nder Vater Wilhelm Lamm ®JI1 S7- September, morgen» 3 Uhr, im 82. Lebensjahr« an den Folgen eines SohlaganfaUs versohieden ist. Klar« La mm. geb. Theiß. Willi. Lamm und Frao. Otto 1. m ni und Frau. Emma l-amm. Die EinSscberung findet am Dienstag, dem 1. Oktober, nachmittags 6 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Berliner Str. 101/3. statt. HdümeiMiaen 'die neuerdings Fu6