BERLIN Sonnabend 28. September 1929 10 Pf. Nr. 456 B 227 46. Jahrgang. erscbetatttslich«»!«» Sonst«»«. Fugltich Adendaurgabe de«.Vorwtrtt'. Beiug«»rei« beide Ausgaben 8üPf. reo Woche. s.mM. reo Monat. «edaktw» und Trredition; Berlin SWss.LindenSr.S Sfiaiaubgaße xlei l BlctgcnttciliSie einfraltige Nonrareklleiell« Vf.. Vleklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. »Sscheekkvnt»'. Dorirärtt-Werl-g G. m. b.H« Berlin Nr. B7dZS. Ferns»recher: Dönhoff 292 bis 297 Streichholz- Anleihe? Schwedentrusi bietet dem Deutschen Z�eich 600 Millionen an. Das Attentat auf den Reichstag. Die„B. Z. am Mittag" verbreitet die überaus sen» sationelle Mitteilung, daß der Führer des schwedi- scheu Züudholztrusts Jvar Kreuger dem Reich einen Kredit von KOR Millionen Mark angeboten habe. Als Gegenleistung wolle Jvar Kreuger die Vergrößerung seines Einflusses in der von der deutschen Regierung überwachten Zündholz- industrie erreichen, von der er bersits seht 70 Prozent toutrolliert. Geplant ist der Ausbau dieser Wirtschaft- lichen Machtstellung zu einem Monopol. « Eben erst hat sich auf dem Gebiet des Bankwesens ein Zu- summschluß vollzogen, der von der lawinenartigen Zusammen- ballung des Großkapitals dos eindruckvollst« Bild bietet— und nun taucht über Deutschland die Gestalt eines internationalen Finanz- königs auf, der den Staaten Europas Kredite bewilligt und ihnen dafür seine Bedingungen diktiert. Aehnliche Verträge, wie len geplanten hat Jvar Kreuger schon mit Frankreich. Polen, Lettland, Südslawien, Ungarn, Rumänien. Brie- chenland und der südamerikanschen Republik Ecuador ob- geschlossen. Was ihn jetzt zu dem Versuch veranlaßt, auch die Deutsche Republik mit ihren 62 Millionen Einwohnern in sein Monopol- Imperium einzubeziehen, ist zweifellos/ die Sorge vor dem Eindringen der russischen Konturrenz. Die sowjetist, sche Zündholzindustrie, die als Staatsmonopol be- trieben wird, hat sich seit einiger Zeit auf den Export gestürzt, der von der rujsichen Regierung auf das lebhasteste unterstützt wird, roeil mm durch ihn fremde Valuten in das Land bringen will. Die russische Zündholzindustye bedient sich dabei des Vorteils, daß ihr aus den russischen Staatsforsten Holz in jeder beliebigen Quantität und zu beliebigen Preisen zur Verfügung steht. Die Gegner des russischen Zündholzimports haben Kalkulationen aufgestellt, aus denen sich ergibt, daß Rußland trotz alledem seine Streichhölzer unter den Herstellungskosten verkauft, also Dumphng treibt, und sie fordern Maßnahmen zur Bekänipfung dieses Dumpings. Dabei kommen auch insofern Arbeiterinteressen in Frage, als der Schwedentrust die von Deutschland gebrauchten Streichhölzer in Deutschland selbst produziert. Seit der Zusammenfassung der freien deutschen Fabrikanten mit den deutschen Großbetrieben des fchwedisch-amerikanifchen Zünd- Holztrusts im deutschen Zündholzsyndikat sind die etwa 2000 Zünd- Holzarbeiter nicht zur Ruhe gekommen. Zuerst wurden sie mit Rationalisierungsgründen entlassen, dann mit der Begründung der russischen Konkurrenz. Zum Glück ist es der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion seinerzeit bei der Beratung des Zündholzgesetzes gelungen, für die Angestellten und Arbeiter einen besonderen „Stillegung s�schutz zu schassen. Er müßte bei einer neuer- lichen Rationalisierungswelle weiter ausgebaut werden. Im übrigen sind die deutschen Arbeiter durch ihre Genossen- sch asten auch Zündholzproduzentcn. Gegen diese Macht würde auch Herr Kreuger vergebens anrennen. Es läßt sich voraussehen, daß das Angebot des Zündholzkaisers. über das in engeren Kreisen schon seit langem gesprochen worden ist. in Deutschland zu sehr lebhasten Kämpfen führen wird. Die Anhänger dieses gigantischen Projekts werden vor allem in denjenigen»reisen zn suchen sein, die eine möglichst weitgehende Steuersenkung— besonders für die Besitzenden— als Folge der Erleichterungen aus dem Young-Plan so rasch wie möglich herbei- führen möchten. Es ist bekannt, daß die Ersparnisse des laufenden Rechnungsjahres restlos zur Deckung des Defizits dieses und des vorangegangenen Jahres sowie zur Deckung unvermeidlicher Nachforderungen drauf- gehen werden. Im nächsten Jahr werden die Ersparnisse rund 700 Millionen betragen. i(Fortsetzung auf der 2, Seite.).>1' Hastbefehl gegen Zreiherrn von Oncken-O«o. Die Justizpressestelle teilt mit: Die Voruntersuchung wegen der Sprengstoffattentate ist auf den Frei- Herrn v. Oncken-Otto ausgedehnt. Der Unter- suchungsrichter hat Haftbefehl gegen ihn erlasie«. Ihm wird zur Last gelegt, im Herbst 1928 einem anderen eine fertige Höllenmaschine gezeigt und dabei eine auf einen Anschlag gegen den Reichstag hindeutende verdächtige Aeußerung getan zu haben. Die Aufhebung der gegen die Angeschuldigten H a m» kens, Muthmann und M a t t h e s erlassenen Haft- befehle durch den Untersuchungsrichter ist nur erfolgt, weil bei ihnen weder Verdunkelungsgefahr noch Flucht- verdacht besteht und bei Hamkens und Muthmann nur Mittäterschaft an einem Sprengstoffdelikt(8 13 des Sprengstgffgesetzes), bei Matthes Mittäterschaft allein an dem Attentat in Beidenfleth angenommen wird. wie wir zu dieser Meldung der öustizprcsseslelle erfahren, ist die v e r h a s k u n g des Freiherrn v. Oncken-Ollo heule früh in Berlin e r f o l g l. Ob der verhaslete mit den anderen in der Spreng- sloffassäre festgenommenen Personen irgendwelche näheren Be- Ziehungen hat, muß die weitere Untersuchung ergeben. Bauern gegen Hugenberg. Teilnahme am Volksbegehren abgelehnt. Der Gesamtvorstand des„W« st f L l i s ch« n Bauern- b u n d e s", der der Deutschen Bauernschaft angehört, lehnte die Beteiligung an Hilgenbergs Volksbegehren mit folgender Begrün- dung ab: »Mit Rücksicht auf die schädlichen Folgen, die aus außen- und innenpolitischem sowie wirtschastlichein Gebiete durch da« Volksbegehren hervorgerufen werden, fordern wir unsere Mit- glieder nachdrücklichst auf, sich von jeder Beteiligung an der Bor- bereitung und Durchführung des Volksbegehrens fernzuhalten." Auch die„Vereinigung der Deutschen Bauern- oereine", die zweite große Bauernorganisation, hat die Be- teiligung an dem Volksbegehren abgelehnt. Die Lage in Oesterreich. „Das Land geht schweren Kämpfen entgegen." » Wien, 28. September.(Eigenbericht.) Tie„A rbeiter-Zeitung" schreibt zu der Pro- grammerklärung der neuen Regierung: „Man muß Schober dankbar sein. Seine Erklärung hat Licht in das Halbdunkel gebracht. Nach dieser Er- klärung kann kein Zweifel mehr über die Absichten Schobers bestehen. Eine Regierung der Befestigung und der Befriedung der Demokratie ist diese Regierung Ichober nicht. Das Land geht, wenn Schober nach diesem Programm handelt schweren Kämpfen entgegen." Sowjetrußland in London. Zusammenlegung der Londoner AreoS-BureauS. London, 28. September. »Daily Expreß" meldet: Die Handelsniederlassung der Sowjet- rcgierung, die Arcos Limited, wird heute im Zentrum von London, in einem Gebäude am Strand, von einer großen Anzahl Bureauräumen Besitz ergreifen, die sechs Stockwerke einnehmen und viel« tausend Pfund Sterling im Jahre kosten. Sie werden Platz für ein Personal von 400 Beamten bieten. Hiermit werden die vereinzelten Abteilungen der Arcos, die seit der bekannten Polizei- razzio von 1927 in London verstreut waren, wieder unter einem Dache vereinigt werden. Orkan über Florida. Wirbelsturm tötet 20 Menschen. Miami(Florida), 28. September. Neuere Meldungen über die Sturmverheerungen auf den Bahamas besagen, daß alle kleineren Schiffe im Hafen von Nosiau z e r st ö r t worden sind. Der Palast des Gouverneurs und die meisten Kirchen haben schwere Beschädigungen erlitten. Die kleine Hasenstadt B i m i n i s ist wiederum von einem Sturm heim- gesucht worden, der eine Stundengeschwindigkeit von 110 Kilometer erreicht«. Ueber den angerichteten Schaden liegen noch keine Mel- düngen vor, Die Klottenabrüstung. vir Einladung zur Londoner Konferenz in Washington eingetroffen. Washington, 2$. September. Im Staatsdepartement ist gestern die offizielle Einladung der britischen Regierung zur Seeabrüstungskonferenz eingetroffen, die im nächsten Zanuar in London stattfinden und dem Zweck dienen soll, die Frage einer vorläufigen Verminderung der Seerüstungen durch Einlegung einer mehrjährigen Ruhepause im Flottenbau zu besprechen. Macdonald nach Amerika abgereist. London, 23. September. Macdonald ist heute abend nach Southampton abgefahren, um sich an Bord der„Berengaria" nach Amerika einzuschiffen. Auf dem Bahnhof hatten sich die Mitglieder des Kabinetts, der omeri- konische Botschafter General Dawes und andere Mitglieder des Diplomatischen Korps eingefunden. Das Uoung-Komitee. Zusammentritt am 3 Oktober. Paris, 28. September.(Eigenbericht.) Das Organisationskomitee zur Ausführung des Poung-Planes tritt nunmehr endgültig am 3. Oktober in Baden-Baden zusammen. Den Vorsitz wird voraussichttich ein Amerikaner über- nehmen Brutale französische Besahungsjustiz. Vom französischen Militärgericht zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. wainz, 28. September. Vor dem französischen Militärgericht hatten sich zwei deutsche Dienstmädchen zu verantworten, die beschuldigt waren, ihre früheren Arbeitgeber, zwei französische Offiziere, b e st o h l e n zu haben. Eines der Mädchen wurde zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt, während das andere ein Jahr Gefängnis mit Straf- »uffchub erhielt. Nazis als Raufbolde. Sie überfallen Sozialdemokraten, Kommunisten und Polizeibeamte. s ch w e i d ll i h. ZS. September. Als Antwort auf eine gegen da» Reichsbanner gerichtet« Kundgebung der Ratlonalfozialisten, die vor einigen Tagen stattfand, hallen gestern abend Reichsbanner, Sozialdemokraten und Freie Gewerkschaflea eine Versammlung einberufen, aus der der Redakteur der„vcrgwachl" In Waldenburg. Relchstagsabgeordneter wendemuth, sprechen sollte. Zu der Versammlung hatten sich auch Rationalsozialisten in großer Zahl eingesunden. Als der Redner kaum fünf Minuten gesprochen hatte, fehle ein fürchterlicher Tumult ein, und dle Gegner gingen schließlich mit Stühlen und Biergläsern aufeinander lo». Die S a a l- einrichlung, Fenster, Türen usw wurden zertrümmert. Mehr als 50 Personen wurden teils schwer, teil, leicht verleht. Mehrere Aerzte verbanden die eeichlverlehleu an Ort und Stelle, eine Reihe von Personen, die ernstliche Verlehungen davongetragen hallen, wurden mit Sanilälsauto, abtransportiert. Schlägerei in Hamburg. Hamburg, 28. September.(Eigenbericht. Am Sonnabend kam es in Hamburg noch einer nationalsozia- listischen Versammlung zu einer schweren Schlägereizwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Die Rowdys traktierten sich mit Stühlen und Tischbeinen In der Nacht zum Sonnabend gegen 1?� Uhr umzingelten etwa 40 Nationalsozialisten vor der Bade- onstalt mehrere Leute und forderten sie auf, sichüberihrePar- teizugehörigteit zu äußern. Ein Mann, der sich als K o m m u n i st bezeichnete, wurde schwer verletzt. Die natio. »alsozialistischen Verbrecher schlugen außerdem zwei auf Zivil- Patrouille befindliche Polizeibeamte nieder, die sich als solche aus- gewiesen hatten. Die Täter sind unerkannt entkommen. Gine Verhaftung in Kiel. Kiel, �8. September.(Eigenbericht.) An, Freitag nachmittag wurde der kommunistisch« Anführer Timm wegen schwerer Körperverletzung verhaftet. Timm hatte im Verlauf einer nationalistischen Versammlung, in der es zu Zusammenstößen kam, einen Nationalsozialisten mit einem Kassenteller über den Kopf geschlagen und schwer verwundet. Eisenbahnunglück. Wien, 28. September. heute früh stieß im Villacher Hauptbahnhof der von Tarvis kommende Schnellzug mit einem Derschubzug zusammen, wobei die Lokomotive und zwei Waggon» des Schnellzugs beschädigt und fünfzehn Personen, Fahrgäste und Bahnbedienstete, durchweg leicht verletzt wurden. Streichholzanleihe? (Fortsetzung von der 1. Seite.) S'.e werden zur Schaffung eines Betriebsfond» zurück- gelegt werden müssen, wenn man es nicht etwa vorziehen sollte, diesen Betriebsfonds durch Aufnahme einer Anleihe zu schaffen. Gegen die Zlufnahme einer solchen Anleihe sprechen nicht nur- di« enorm hohen Zinssätze, die zurzeit üblich sind, sondern' vielleicht noch mehr die verschiedenen bltterenTrfahrungen.. die die Reichsregierung bei ihren Verhandlungen mit den Banken im Laufe des letzten Jahres gemacht hat. Kein Wunder akfo, daß den Anhängern einer möglichst rasch eintretenden» Steuersenkung das Angebot Ivar Kreuzers geradezu als ein rettender Ausweg erscheint. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion Hai sich naturgemäß mit dem neuen Projekt noch nicht befassen können. aus ihrer ganzen bisherigen Haltung geht jedoch hervor, daß sie seine entschiedene Gegnerin sein wird. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktioa hat bisher immer noch ben Standpunkt vertrete«, daß mit Steuer» senkungen auf keinen Fall übereilt vorgegangen wer» den darf, sondern daß ihnen eine sichere Ordnung des Reichshaushalts vorangehen müffe. In diesem Sinne hat auch Genosse Keil jüngst in einem Artikel in der.Schwäbischen Tagwacht" ausgeführt, daß die Poung-Erspar» nisse des laufenden und des nächsten Jahres zur Herstellung des Gleichgewichts im Etat und zur Schaffung eines Betriebsfonds des Reiches zu verwenden seien. Von der Frage, wo und wie die Steuersenkungen zu erfolgen haben, sehen wir in diesem Zusammen- hang ganz ab. Daß es auf diesem Gebiete zwischen der Sozial- demokratischen Partei auf der einen Seit« und den bürgerlichen Parteien, besonders der Volkspartei, auf der anderen schwere Meinungsverschiedenheiten geben wird, ist selbstver- stündlich. Heber die Einzelheiten dieses nach unserer Ueberzeugung außerordentlich bedenklichen und gefährlichen Anleihegeschäft» ist bisher noch nichts bekannt. Es verlautet jedoch, daß die Zinssätze recht erheblich unter den üblichen liegen sollen und daß der Schwedentrust sich durch die Gestallung der Monopolpreise einen entsprechenden Ausgleich schaffen will. In diesem Fall wäre also ein Teil der Zinsenlast von den Verbrauchern direkt� aufzubringen.* Ob nicht dann diese Anleihe dem deutschen Volke ganz besonders teuer zu stehen kommen könnte, wird erst untersucht werden können, wenn nähere Einzel- heiten bekannt sind. Wie immer ober es damit bestellt sein möge, so ist das Pro- jckt geeignet, die Abhängigkeit der deutschen öffent» lichen Gewalt von internationalen Kapital» mächten noch weiter zu steigern. Es wird tnteresiant fein zu erfahren, ob Parteien, die auf die Betonung ihrer natio- uclen Gesinnung ein besonderes Gewicht legen, ln diesem Fall« be- reit sein werden, einer ln Aussicht stehenden Steuererleichterung zu- liebe.Deutschland in die Sklaverei zu verkaufen". gnglifcher Xiederabend des Sheffielder Schülerchors Dt« Fr«und« internationaler Kleinarbeit riefen am Donnerstag zu einem Liederabend des Schülerchors der sozialistischen englischen Gemeinde Sheffield noch dem großen Saal des Eewerkschaftshauses. Der Ruf fand ein starkes Echo, denn schon lange vor Beginn war der mit roten Fahnen geschmückt« große Saal überfüllt, aber immer neue Scharen strömten noch herbei. Es wurde mehr als ein englischer Liederabend, es wurde ein heiße» Bekenntnis zum Sozialismus. Die einleitenden Worte des vrdienstvollen Leiters der Freunde der internationalen Kleinarbeit, F l o« r t e, die warmen Worte des Veranstalters David Kitchen schufen die richtige Dorstimmung, die in Jubel überging, als die 30 englischen Schullinder der sozialistischen„Firth Park Sccondary Shool" im zweistimmigen Chor ihre englischen Balladen, Reger- gesänge und Seemannslieder mit klaren Stimmen und rhythmisch guter Durchführung sangen. Tosende Begeisterung umbkauste di« kleinen Sänger, als sie in deutscher Sprache„Dos Wandern" und „horch, was kommt von draußen rein* darboten. Unsere Bewegungs- chörler tonnten ihre Freude daran haben, wie die englischen kleinen Genossen in den Seemannsliedern Gesang und Spiel oereinten. Am Schluß des Abends entpuppten sich viel« der kleinen Sänger als de- gabt« Schauspieler, die Szenen aus dem„Sommernochtstraum" Shakespeares aufführten. Diesen Abend können die Freunde internationaler Kleinarbeit und die so zahlreich erschienene Sozialistische Arbeiterjugend und Freie Gewerkschaftsjugend als hohen Gewinn buchen, denn er wirkte mehr für die Völkerverständigung, als noch so viele Leitartikel es tun können, denn er war vom lebendigen Strom gemeinsamen Er- lebens getragen. Als letzten Gruß baten die englischen Schüler, einen von ihnen verfaßten Spruch noch den deutschen Genossen zu über- initteln, und der möge am Schluß selbst für den neuen Geist der Versöhnung sprechen: „Auf Flügeln des Gesanges sind wir zu euch gekommen. Ueber unsere Lippen werden nie und nimmer Haßgesänge sprudeln. Der Jugend gehört die Zukunft, und wir sehen nur Brüder und Schwestern in allen Menschen. Die Liebe soll die Welt regieren!" Die Todesfahrt bei Gatow. Ein Herrenfahrer auf der Anklagebank. Den Tod de» Ehepaares E n g e l k e in der Rächt auf den 2. Mai d. 2. auf dem Wege von Eladow nach Spandau hat ln der Bevölkerung berechllglerweise eine große Empörung ausgelöst. E» lag die Vermutung nahr, daß der Autofahrer sich nicht bloß in unerhört fahrlässiger Welse der Tötung de» Ehepaare» schuldig gemacht, sondern sich auch der Feststellung entzogen, und die Schwerverlehlen vorsätzlich in hilflosem Zu- stände liegen gelassen habe. So hat sich der Kaufmann Riete heule morgen vor dem Schösfeugerichl Verlin-Miile wegen dieser drei Delikte zu verantworten. Der Angeklagte spiell den Ahnungslosen. Er Holle am verhäng- nisvollen Abend mit seinem Bekannten und zwei Damen ein« Ver- gnügungsfahrt unternommen. Man hielt zuerst in Pichelsdorf, dann in Eladow und befand sich gegen Mitternacht auf dem Rückwege nach Berlin. An der Mündung der S-Kurve in der Nähe des Karolinen- Hofes tauchte im Lichtkegel auf der linken Seit« der Ehausiee ein Mann mit einem Fahrrad auf. auf der Lenkstange saß ein Frau. Rieke, der da» Auto führte, blendete ab: im nächsten Augenblick gab es einen starten Krach, die linkere Hintere Fenster- scheib« ging in tausend Splitter. Rieke verlangsamte die Geschwin- digkeit, sein männlicher Fahrtbegleiter meinte, es müsse wohl ein Stein gewesen sei, es sei gefährlich zu halten, man fuhr weiter. hier beginnt die Ahnungslos I gleit dieses durchaus nicht ahnungsws aussehenden Kaufmann» und Herrnfahrers: es tauchte bei Ihm keinen Augenblick der Gedanke auf, daß die zerbrochene Fensterscheibe vielleicht von einem Zusammenstoß mit dem Radfahrer herrühren könne. Das behauptet er wenigstens. Er behauptet auch manches ander« wenig Glaubwürdig«: so will er im Pichelsdorfer Lokal, bei dem er hielt, nichts Verdächtiges an seinem Auto bemerkt haben, obgleich er im Wagen keinen Stein fand: auch der Umstand, daß auch ein Stück der linken vorderen Fensterscheibe fehlle, ließ bei ihm keinen verhängnisvollen Verdacht auskommen. Ja, selbst als er in der Garage die Beschädigungen des Autos feststellte, so unter anderem die fehlend« Klinke und die Spur am Auto— als habe«in Menschenkörper über die link« Seite hinweggewischt— auch da will er noch nichts Böses geahnt haben. Erst nachts sei ihm dorm der Gedanke an den Radler aufgestiegen. Am nächsten Morgan teilte er sein« Bedenken dem Freunde mit; dieser wollt« aber von einem Radler nichts gemerkt haben. Man bestellte die Damen in ein Eafä, nicht wie der Angeklagte behauptet, um sich zu besprechen, wie man sich aus der Affäre ziehen könnte, nian begab sich auch nicht sofort in» Polizeirevier, sondern suchte zuerst noch einen Bekonnten auf, um sich bei diesem Rat zu holen. Man zögerte auch dann noch mit der Meldung des Vorgefallenen. sondern ging zuerst zur Versicherung al» wäre das di« Hauptsache und fand jetzt erst den Weg noch dem Polizeirevier. Erst als man aus der Zeitung ersah, was geschehen war, suchte man ein zweites- mal da» Polizeirevier auf. Der Angeklagte behauptet, sich absolut vorschriftsmäßig auf der rechten Seite des Fahrdammes gehollen zu haben. Di« Glas- spliller strasen ihn aber Lügen: sie wurden sämtlich nicht nur ganz am linken Rande der Chaussee, sondern selbst im Graben gefunden. Das Gericht wird gegen Millag zusammen mll den Sachver- ständigen an der Unfallstelle einen Lokaltermin abHallen. Der Angeklagt« behauptet aber nach wie vor, am Unglück kein« Schuld zu haben. Er habe nicht gedacht, sagte er. daß der Radfahrer seinen Wagen treffen würde. Kulturarbeit im Bezirk Kreuzberg. Ei« Lichtbildervortrag des Genossen Oittmer. Ueber die vorbildliche Arbeit des Bezirksamtes Kreuzberg auf dem Gebiet« der Jugendpflege, der Leibesübungen und der Volksbildung roferierte Genosse Stadtrat D i t tm e r, der zuständige Dezernent für diese Fragen, in einer Versammlung der Wohlfahrts- und Jugendpsteger des 6. Kreises. Unter der Aera des Kommunalfreisinns sah es in dieser Beziehung Im Bezirk Kreuz- berg wie überhaupt in ganz Verlin arg aus. Berlin war eigent- lich hinsichtlich der Pflege der körperlichen und geistigen Ertüchti- gung der Jugend und der Weiterbildung der Erwachsenen d-e r ü ck- st ä n d i g st e Stadt In Deutschland. Dank der zielklaren Arbeit der sozialdemokratischen Vertreter im Stadtparlamen: und in den Bezirken ist darin gründlich Wandel geschaften worden. Für den Bezirk Kreuzberg sei nur an die Umwandlung des Sportplatzes am Urban sowie an die noch nicht beendete Neuschaffung des Spiel- Platzes am Viktoriapark erinnert. Die Eisbahnen auf diesen Plätzen sind vom Bezirksamt In eigene Regie genommen worden, das Schwimmvereinswesen wurde planmäßig organisiert Jugend- Helme, Lesehallen. Wonderführerlehrgänge wurden eingerichtet, die Bolkschibllotheken umgestaltet und erweitert. Lichtbildapparate wurden zu Vortragszwecken angeschafft, Kunstabende. Museums- sührungen arrangiert und an der Ausgestaltung der Volkshoch- schulen mitgewirkt. Es steht fest, daß gerade im Bezirk Kreuz- berg in kultureller Beziehung unter schwierigen Verhältnissen Außerordentliches im Interesse der arbeitenden Bevölkerung ge- schaffen worden ist. Der instruktive Vortrag wurde durch wirkungsvolle Lichtbilder besonders lebendig._ Tödlicher Unfall eines Artisier.» Oos„menschliche Geschoß" von seiner Kanone zerschmettert Auf der Ausstellung der O st st a a t e n in S p r i u g f I e l d (Massachusett) ließ sich der Artist Hauptmann Wilno sel>en, der sich aus e>n:r Kanone als„menschliches Geschoß" abschießen läßt. Wenn alles gut geht, landet der Artist in einem Netz, da» in einer Entfernung von etwa 20 Metern ausgespannt ist. Der Vorgang j spielt sich so ab, daß der Artist, der sich im Innern der Kanone be- findet, durch sehr stark« Federn hinausgeschleudert wird. Gleichzeitig wird durch eine Pulverexplosion mll starker Rauchentwicklung der Eindruck hervorgerufen, als sei di« Kanone abgefeuert worden. Als Hauptmann Wilno jetzt wieder vor einem zahlreichen Publikum sein Kunststück wiederholen wollte, erfolgt« zwar die Explosion, vor den atemlos wartenden Zuschauern spielle sich jedoch erst wenige Sekunden später ein furchtbaresSchau- spiel ab. Der blutüberströmte Körper Wilnos«richten langsam an der Mündung der Kanone, hing einig« Augenblicke kopfüber nach unten und stürzte dann ab. Wilno, der fast bis zur Unkerlntlichkeit zerftümmelt war, wurde in schwer- verletztem Zustande nach einem Krankenhaus gebracht. Die Ursache de» Unglücksfalls konnte nicht genau aufgeklärt werden. Wahrscheinlich hat sich der Körper des Artisten aus irgend- einem Grund im Lauf der Kanone festgeklemmt: der Stoß der Federn traf ihn mit vollerWucht, und da der Körper nicht nachgab, traten die schweren Verletzungen«in. (Schiedsspruch im Gastwirtsgewerbe. In den ersten Morgenstunden de» Heuligen Tage» wurde in dem Lohnkonflikt Im Berliner Gastwirt, gewerbe elu Schiedsspruch gefällt. Es handelt sich um«inen mit Mehrheit, also nicht rin- stimmig gefällten Beschluß. Durch den Schiedsspruch werden die Garantlelöhne der Kellner um 20 bis 24 Mark monat- lich erhöht. Für da» übrige festgesoldele Personal im Gastwirts- gewerbe. Süchenpersonal. Büsettpersonol, mäanlich« und weibliche hilfsarbeiler und Mäschereipersonal treten Lohaerhöhungen von 1 bl»Z,I5 Mark pro Woche iu zwei Etappen In Kra'l. Gefordert waren vom Zentralverband der hotelangestelllen kür diese Gruppe S Mk. pro Woche. Ueber den Schiedsspruch wird in der kommenden Woche von den Arbeitnehmern durch U r a b st i m. m u n g entschieden werden. Die Srklärungsfrist über die Annahme des Schiedsspruches läuft bis Sonnabend, den S. Oktober, mittags 12 Uhr.__ Wetter für Berlin: Weiterhin trocken und noch meist heiter, in den Mittagsstunden mäßig warm, etwas ausfrischend südlich« Winde. — Für Deutschland: Im größeren Teil des Reiches beständiges Herbstwetter, nur im Südwesten Bewölkungszunahme. Llniersuchung gegen dieSklareks Wie die Betrügereien entdeckt worden find Bei der Berliner Kriminalpolizei gehen z« der Affäre «klarek fortwährend Anzeigen von Privatper- sonen. auch von ehemaligen Angestellten ein. in denen der Behörde Fingerzeige gegebe« werden, wo man nach- forschen solle, nm Belastungsmaterial gegen die drei Festgenommene« zu finden. Die Polizei prüft alle Angaben sorgfältig«ach. wenn auch die Hauptunter- suchung, nämlich die Sichtung und Herbeischaffung der Unterlage« in den Bezirksämtern, in erster Reihe durch gerichtliche Sachverständige vorgenommen wird. Inzwischen hat stch auch herausgestellt, auf welche Art und Weise die Millionenbetrügereie« der Gebrüder Tklarek überhaupt aus Tageslicht gekommen stnd. Die S t a dt b a n k und die Sparkasse der Stadt Berlin, die bekanntlich unter zentraler Verwaltung stehen und die auch durch die zuständigen staatlichen Behörden von Zeit zu Zeit kontrolliert wer- den, unterliegen der Revision einer vom Magistrat gemäß der Prüfungsordnung eingesetzten Dienststelle. Einer dieser Revisoren. die für die Stadtbank bestellt waren, bekam vor einigen Wochen«ine Anzahl Unterlagen für den Abschluß des Monats August zur Pru- jung in die Hand und sah darunter auch eine Bestellung der Stadt Spandau bei der Firma Sklarek in chöhe von W 000 Mark. Dieser Betrag erschien dem Revisor mit Recht auf- i ä l l i g, denn das Wohlfahrtsamt des relativ kleinen Bezirks ver- fügt nicht über so große Summen, daß man allein für 69 000 Mark Anzüge hätte kaufen können, die nebenbei gesagt, für etwa 7000 Per- sonen hätten bestimmt sein müssen. Der Revisor glaubte im ersten Augenblick an einen Schreibfehler, ersah dann aber aus der Kasse der Stadtbank, daß der Betrag an die Sklareks tatsächlich ausgezahlt worden war. Da der Beamte zufällig mit einem im Bezirksamt Spandau tätigen Revisor befreundet war, rief er diesen an und fragt«, ob etwa in Spandau selbst bei der Anweisung ein Schreibfehler bei der Bestellung in höhe von 69 000 Mark vorgekommen sei. Der Spandauer Beamte erklärt« sofort, daß seines Wissens in den letzten Monaten kein« Bestellung erfolgt sei, die auch nur die Höhe des zehnten Teil» dieser Summe erreicht hätte. Beide Revisoren begaben sich daraus zum Bürgermeister von Spandau und trugen diesem. den Fall vor. Der Bürgermeister liest nunmehr auch andere Unterlagen, die seinen Bezirk betrafen, prüfen und stellt« fest, daß die Aufträge fast samt und sonders gefälscht bzw. zugunsten der Firma Sklarek überhöht worden waren. Die Itamenszfige der zuständigen Beamten stimmten zwar anscheinend, doch konnte man sehr schnell feststellen, daß sie offenbar mit einem Stahlstlst durchgepaust und nachgezogen worden waren. E» wurde daraufhin eine sofortige Untersuchung eingeleitet. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin wendet sich gegen unberechtigt« Vorwürfe in der Presse, die stch mit dem V e r- holten der Bezirksämter beschäftigen. Es wurde de- hauptet, daß die Jahresabrechnungen erst nach 3 oder 4 Jahren dem Kämmerer eingereicht würden, und daß die Bezirke die Fäl- schung der Kreditunterlagen bei der Stadtbank häüen bemerken müssen. Demgegenüber muß festgestellt werden, die Bezirksämter reichen die Jahresabrechnungen dem Stadtkämmerer regelmäßig innerhalb des ersten Halbjahres ein. Die Jahresrechnungen des Haushaltjahres 1928 sind also beispielsweise vor dem Ottober 1929 eingereicht worden. Von den Kreditoperationen der Stadtbant hatten die Bezirksämter gar keine Kenntnis. Die(Sklareks und die Parteien. Ve,ikhungen in allen Lagern. Di« verhafteten Brüder Sklarek haben seit Jahren reze gesellschaftlich«-Beziehungen unterhalten, die sich in die allerver- schiedensten Parteien erstreckten. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" be- richtet darüber: Zu den Personen, die während und auch außerhalb der®e> schäftszelt viel mit den Sklarek« verkehrten, gehören, wie uns mit- geteilt wird, der sozialdemokratische Bürgermeister Schneider vom Bezirksamt Mitte, seine Parteifreunde. Direktor Lrolat, der jetzt kaufmännischer Direktor der Berliner Verkehrs-Attien- gesellschait ist, Stadtrat D e g n e r. dem die Krankenhäuser unter- stehen, Stadtverordneter R o s e n t h a l und der Abzeordne:« B r u h n. Degner und Brolat stnd Duzfreunde der Sklareks. Brolat unterhielt schon gute Beziehungen zu ihnen, alz er noch Direktor der Brennstoffgesellschaft war. Der Stadtverordnete Rosenthal lieferte Wäsche und Damenkleider für die KDG. In seinen Kreisen betonte Leo Sklarek immer wieder, daß er SPD.» Mann sei und rühmte sich seiner Beziehungen zu dem früheren preußischen Ministerpräsidenten Hirsch, von dem er auch An- sichskarten mit Grüßen erhalten haben will. Don den genannten Personen ist Degner nicht Sozialdemokrat, sondern Kommunsst. Außer diesem soll auch der kommunistische Stadtrat G a e b e l zu den Sklareks gesellschaftliche Beziehungen unterhalten haben. Der Stadtverordnete Rosenthal ist Demokrat. Selbstverständlich kann aus solchen gesellschaftlichen Beziehungen nicht ohne weiteres gefolgert werden, daß auch nur eine der ge- nannten Persönlichkeiten sich unlauterer Handlungen schuldig gemacht hätte. Sollte es freilich zutreffen, daß der Stadwerordnet« Rosen- thal Lieferant der KVG. war, so wäre das entschieden unkorrekt. Darüber hinaus ergibt sich aus dem Fall Sklarek— aus diesem nicht zum erstenmal— die Lehre, daß Persönlichkeiten des üsfent- lichen Lebens im Verkehr mit großspurig auftreten- den Geschäftsleuten eine gewisse vorsichtige Zu- rückHaltung üben sollen. Dadurch können sie sich selber und der Partei, der sie angehören, manche Unannehmlichkeit ersparen Wir sehen bei dem gegenwärtigen Stand« der Dinge gegen keinen soz aldemokratischen Parteifunktionär den Verdacht gegeben. daß er in unsaubere oder gar strafbare Angelegenheiten, die sich um den Fall Sklarek gruppieren, verwickelt wäre. Sollte wider Er- warten ein solcher Verdacht auftauchen, so ist«ine gründlich« Unter- suchung. wenn er sich bestätigt, rücksichtsloses Ziehen der Konfe- quenzen etwas ganz Selbstverständliches. Einstweilen steh», ganz offen gesprochen, die Sache so. daß jede Partei, die versuchen wollte, den Fall Sklarek gegen eme andere auszubeuten, in Verlegenheit geraten müßte. Da- soll sich insbe- sondere die Kommunistische Partei gesagt sein lassen. Es hätte keinen Zweck, wenn die Parteien jetzt die Sklarek, wie Fußbälle einander an den Kopf werfen wollten: desto mehr Zweck hat es. überall nach dem Rechten zu sehen. Ein jeder kehre vor seiner Tür. und rein ist jedes Stadtquartier Ein jeder lerne seine Lektion. so wird es wohl im Hause stöhn. Theater« Berliner Ausstellungen. Die interessanteste künstlerische Erscheinung ist die russische Bild- hauerin Dora Gordine bei Flechtheim. Sie zeigt Rasseköpfe von ruhevollem großem Ausdruck, einige nackte Torfen, Kinder, alles in Bronze, die mit einer wunderbaren, überlegen in der Wirkung be- rechneten Patina versehen ist. Technische wie künstlerische Vollendung sind gleich groß. Es sind Arbeiten von absolut plastischer Empsin- dung. Die Form ist mit solcher Intensität von innen heraus empfun- den, daß der Eindruck entsteht, so und nicht anders müsse es sein: die plastische Schönheit und Geschlossenheit dieser Bronzen ist vollkommen und bezaubert auf den ersten und letzten Blick. Nicht so einheitlich ist der Eindruck, den die Malerei von Fritz Kronenberg und Paul Strecker bei Flechtheim macht. Wüßte man nicht, daß sie Deutsche wären, aus Köln und au« Mainz stammten� man könnte diese höchst geschmackvollen, ganz in der Linie der jüngsten Pariser Flachmalerei liegenden Bilder für französisch halten. Es ist so gut wie nichts an deutscher Empfindung darin: Picasso und Braque regieren ihre Form, die stillebenhaft ist und flächenhaft dekorativ, mit mattierten Linoleumfarben. Landschaften, Akte, Stilleben, Geschehnisse gleichermaßen- umnebelt und stumm macht. P a u l S t r e ck e r ist der weit begabtere von beiden(sie sehen sich sonst ziemlich ähnlich): aber just weil er das Pariser Dekorations- rezept so meisterlich befolgt, erkennt man durch die Atmosphäre schöner Blendung das Gefährliche und in der Luft Hängende solcher Selbstausgabe. Die Galerie Ferd. Möller hat eine Kollektion von Zeichnungen und Gemälden der Paula-Modersohn- Becker zusammen- gebracht, die dem Bild« dieser großen Künstlerin keine neuen Seiten hinzufügen kann. Man sollte schwächere Atelierreste nicht ohne Not ans Tageslicht ziehen. Paulo Modersohn kennen und lieben wir aus ihren längst in festen Besitz übergegangenen Werken. Felix M e s e ck, von dem Möller Gemälde aus den letzten acht Jahren ausstellt, sieht man mit Vergnügen in so geschlossener Samm- lung. Das Vergnügen bezieht sich weniger auf seine immer etwas ängstlichen und motivlos zu samengestellten Figurenbilder als auf seine Landschaften, die den Begriff eines merkwürdigen Raumphontasten vermitteln. Das Barocke in seiner Uniwandlung der Wirklichkeit(aus Alpen und deutschem Hügelland) rückt Ihn in die Nähe der wenig bekannten deutschen Landschafter des 18. Jahrhunderts, der Thiele, Wuest und Faistenberger. Sicherlich weiß Meseck nichts von dieser Verwandtschaft: vielleicht glaubt er sogar an die Treue seiner Ab- bildungen ganz bestimmter Gegenden: stärker ist die Blutsabhängig- keit eines geborenen Barockkünftlers, die aus der Natur eine bald unheimliche, bald komische, immer aber dämonische Vorstellung ge- formten Weltraumes zieht. Bei Wertheim lernt man den französischen Gravhiker Jean E. Laboureur kennen, dessen Radierungen und Stichelarbeiten ein Können von eiskalter Qualität verraten: bei Casper, den sehr unerfreulichen(derzeit noch), völlig verkrampften Dix-Nachtreter E. Hefter und den angenehmen Dilettanten Sigismund von Radecki, dessen Porträtzeichnungen den Vorzug schärfster Lebens- treue besitzen. Wichtiger Ist die Kollektivausstellung von Erich Brill bei Hortberg. In den letzten Jahren ist dieser entschieden malerisch begabte Hamburger sehr viel weiter gekommen in der Der- sinnlichung der Welt. Im Verflechten räumlicher Motiv«, im Reichtum malerischer Töne und im richtigen Verwerten, starker und freudiger Farben. Seine Landschaften aus dem Tessin, Italien und Südfrank. reich beglückten oft durch ihre Heiterkeit und Raumwahrheit: sein« Farben sind rein und leuchtend geworden. Wa» das Figürlich« be- trifft(worin ihm freilich auch«in so ausgezeichnet malerischer Treffer glückt wie der Alte Jude), darf man Brill den Rot geben, sich des rem akademischen Zeichnens nach dem Modell etwas anzunehmen. Or.?zul F. Schmidt. (Schulorchester Schloß Bieberstein. Das Zentralinstttut für Erziehung und Unterricht hatte gestern zu einer„Abendmusik� eingeladen, die das Schulorchester des Deut- schen Landerziehungsheims unter Hilmar Höckncr aussührt«. Der Vorsitzende Dr. HansFischer begrüßte die Gäste und verbreitet sich an der Ställe der allen Hochschule über die all- gemeinen Ziele dieser Bewegung, die etwa den Ideen Hermann Kretzschmars in seinen herrlichen„Zehn musikalischen Zeit- fragen entspricht. Hilmar Höckner selbst erzählt dann in launiger Weis«, wie in ihrem Institut in Bieberstein die Musik sich allmählich neben den verschiedenen Handwerkerlichrn Betätigungen zur gleichberechtigten„Kollegin' emporgerunzen hat. Ihr Vorbild ist nicht etwa das groß« Orchester mit irgendeiner mühsam eingepaukten Deethoven-Sifonie. sondern ein« Art erweiterter Kammermusik mit ganz wenig Bläsern. Männer wie H i n d e m i t h interessieren sich schon lebhast für dieses Musterorchesterchen von 18 Mann. Die Dortragsfolg« brachte vier zeitgenössische Tondichter, von denen die Mehrzahl ausgesprochen atonal eingestellt ist. Bei der engen Berührung dieser modenkn mit der ganz alten Musik und der Art ihrer Ausführung ein absolut richtiger Standpunkt. Es ist alles hochstehende Gebrauchsmusik, die den Biebersteiner Zielen dienen soll. Wie das kleine Orchester, etwa ein Abbild des Fridericianischen, diese nicht quantitativ, aber qualitativ doch schweren Aufgaben be- wältigt, ist bewundernswert. Hilmar Höckner, der selbst mitspielt, kann auf seine Erfolge., hie offenbar so gar keiner„Dressur' ent- sprungen sind, stolz sein. Das ist Musikalität in unserem modernen Sinn. Eine hübsche Ueherraschung bereiteten etwa 16 unifonnierte englische Schüler, die mit ihren frischen, vom Lehrer am.Klavier auegezeichnet begleiteten Liedchen dem dichtgedrängten, meist sungen Publikum ebenfalls viel Freude bereiteten. H..M. ,Lohengrin� unier Kuriwängler. Das erste Werk, das Wilhelm Furtwängler an der S I ä d t i- schen Oper völlig neu einstudiert, ist„Lohengrin". Mit der musikalischen Neueinstudierung wird aber auch«ine Neuinszenie- rung dieser Wagner-Oper verbunden. Die Regie wird zum ersten- mal seit Puccinis„Turandot" Generalintendant Tiesten selbst führen. Di« erste Aufsichrung(deren Erträgnis den Wohlfahrtskassen des Vereins„Berliner Presse' zufließt) ist auf den 9. Oktober ange- setzt. Die Hauptpartien sind mit den Damen Maria Müller, Bar- bara Kemp und den Herren Fidesser, Kipnis und Reimnar besetzt. Der Kartenverkauf für diese Vorstellung beginnt an der Städtischen Oper bereits am 29. September.« Zm»rohen Schavlptelhan» findet Soniitaq. die erste AachmittagSvor. Münz ,u halben Preist» statt. Beginn 2'/, Uhr. Mehrere junge S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch« drnckcrei und Berlagsanstalt Paul Einger 6c Co.. Berlin EW 63. Lindenstrake Z. Hierzu l Beilage. Theatsr,| Lichtspiele usw. � Sonnab., 28. 9. Siaats-Oper | Unter d. Linden A.-V. 294 29 Uhr » Staats-Oper Am Pl.d.Republ. -R.-S. 166 19 Uhr Sndil. Vontdlg. Der fliegcDile Bolländer Sonnab., 28. 9. staut. Oper Bismarckstr. Turnus I 19% Uhr DieHodizelt des Figaro Staat). Schaosph. am Gendarmenmarkt A.-V. 181 20 Uhr Stutl.SehUler-Theater,Ciiiiiitli. 29 Uhr 2xa=:5 fljl. 2 Konlell. 5 u<»'/- nr ItikaruM Chi Uiutro»ein Prell«; Vecknl>|t S Dir M Pf. bis Z Merk Tlfl. VI,•. Swot. i Her 1 bis( Merk „Mar nocu 3 xnöe" Orlglnnl-Ratitelli o"W. | Tägl. 5 u. 813 Sonnl.S.Sn 8'- | Al.x, E.4. 8066 INTERNAT. VARIETE GROSSES SCHAUSPIELHAUS tigl. 8 Uhr Regie: ERIK CHARELL Etiami-Aisstatlnnii: Fral. Emst Stern. 3 Uhr Sonntag nachmittag ungek htltte Pres» l.¥,ÜR Konnabcod SOMMERS ABSCHIED IJedey Besucher erhält■ ein Abschieds- Präsent W hilitAr-konzert ausgeführt vom Musikkorps , der Kommandantur Berlin virig: Obermusikmeister F. Ahlers. Brillant-Feuerwerk Simtt. Ehren- u. Freikarten gültig. Kaminerspiele D.I. Norden 12319 S'fe, Ende gegen 19','s Der Dnwiderstehliclie Komödie von □9raldy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens VoiKsbttline rimtenmBOlowDlati Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin Staatl.tdiiller-Tli. 8 Uhr 2x2= 5 Vorverkauf auch Im Pavillon der Rein- hardtbühnen, Kurfürstendamm, Ecke UhlandstraBe Bismarck 418/449 DeDtsdies neater 0.1. so. Norden 12319 Ende gegen n Die Fiedermans Musik v.Joh. Strauß Regie; Max Reinhardt. Dirigent E.W. Korngold. Ausstang. L. Kainer Die Komödie J I Bismck. 241 4/7516 SV» Uhr Ende geg. 19Vs Uhr Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie; Erich Engel Direktion Zr. Robert Kleir Deutsches Könsller-Tbe») Barbarossa 3937 3V» Uhr Die andentSeite ierliner Ilieatei Dönhoffl70 SV» U. Zwei Krawallen von Georg Kaiser Musik Spolianskv Theat. d. Westens Täglich SV. Uhr Sonnab u. Sonntag 4 und SV» Uhr Der WelteWoIg Frledertke Musik von Franz Lehar Trianon-Tli.MS9kr Täglich SV» Uhr Der or.laslsptelerlolg Das kämmt doch alle Tage vor Johannes Riemann, Vilmav.Aknay, Max Landa, Lotte Klinder Sonnabend nachm. 4 Uhr Sonntag nachm.3U Aschenbrödel d Winfer * Qarten* 8 Uhr» zenir. 2119» llauoca trlioi Dajos Sil» and«eitere Vuicfd-Ieolielten Sonnabend U. Sonntag 1» 2 Vorataflungan 3» und» Uhr. äw kleine preise. Rose- Thealer, Orohe Frankfurt er Str. 193. Täglich 8.15 Uhr (Sonntags 5.15 u. 9 Uhr) Die Weber von Gerfaarl Haaptmaan Jeden Sonnabend 5.99 Uhr und jeden Sonntag 2J0 Uhr Schneewittchen und die stsben zwarga Voranzeige: Ab 2. Okt jed. Mittwoch 5 U. nachm.: Das tapfera schnelderieln austau Härtung Reneissance-Theeter Lieber 50 Mal: 7V< Uhr Die heilige Hemme i v I r k s a■ sind die KLEINEN ANZEIGEN In der Gesamtauflage des HVorwirts** und Lessing-Theater - Norden 10846 Gruppe fanger Schauspieler Täglich SVe Uhr Cyankali # 218 von Ffledrldi Voll v.W. S.Maugham. Ii|k: Gust. Härtung itelnplatz C 1. 0901». 2583/84. Hirdtnbeenb. S I Reichshalleii-Theater_ AIIabeudL[T] Sonntag nacfam.| J�j Steltiner so Sänger - Jahre• Fest-Programm I Hachmittags halbe Preise. Dönhoff» Brettl. VarlotÄ Tanz— Konzort Baroowsliy-Elltiiien Theater in der Xlalggrätzer Streb» SV. Uhr Bannlbalanle portas Komödienhaus Täglich Uhr ImAi Idpped siofl Iiis Pesten Lustspiel von Julius B e rstl Kleines Theat Merkur 1624 Täglich SVs Uhr Max Adalbert als Nante am Flügel Rudolf Nelson Lustspieltatus Priedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich SV» Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Tnm.BiaKoiid.Tor Kottbusser Str. 6 j* Tägl. S Uhr aucl Sonnt. lifa nachm. 3 U. M Etu«' |¥ Sänger äR. Das Septemlier-Sihlaogr �Programml� CASÖHMHEATER Lothringer Strafe 37 UnwiderroMlcb nur bis 3. Oktober wem gehört mein mannt Freitag, den 4. Ok'ober zum I. Mals wertagte Hochzeltsnachti Gutschein für I—« Personen Fauteuil nur 1.25 Sessel 1.75 M, Sonstige Preise: Parkett u. Rang 9.80 M. Metropol-Tlt. Tägl. SV. Uhr Marien a UnsUt v. Oskar Straes KSthe Dorsch Michael Bohnen gut und billig T Nur Sross- Berlin Alexanderplatz Planetarium am Zoa Vrll«. JMübBlbjlo ünh B.5 BarbarossaS578 I6V. Uhr Hertut- »b.nde am Sternen- himmel 18V» Uhr 81» n dl* Grenzen der Welt 29V. Uhr Rätsel des Stemenllehte» Tägl.auSer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 159 PU Kinder 25 Pf, PHH Zu noch nie■■■( dagewesenen Preisen bringen wir Stores» vereinen Bettdecken Künstler-Gardinen in besten Qualitäten von...... 2.25 an Halbstores in allen Webe- auen von.......... 1,75 Bettdecken von........ 2|s0„ Dekorationsstoffe von... 3,—, Einzelverkauf von 9—7 Uhr Spezial-Ganünen-VerkstStteD S. Krüger Neuk fllln, Ber g-$tra$e67 2. Stock am Ringbahnhof Kein Laden! irkstätteD r "aße 67] hnhof H Billige-aber elegante Fensier-Dekoraiienen Wir halten ein großes Sortiment der besonders gerne gekauften dunklen Madras' und Seidenstoff' leko- ralionen, selbst konfektioniert, zu billigsten Preisen zum Verkauf und bitten bei Bedarf um gütige Prüfung des von uns Gebotenen. Aparte Fensler-DeKoratlonen, dunkel Grd. mit Perl- oder ieidentiansen-Besatz nur Mk. 14.— 17— 20.— 25— 28— 30.— 33.— Helle �fadras-eaniilnren mitSeideniransen-Besaiz. aparte Farben, viele Muster..... 19— 22— 25— 27.— Helle. Slelllde Madras'fiarniluren nur 3.75 5— 6— 8.— lu.— bis zu........... Mk. 35.— KQnsfler'GarnUliren. unsere bestens bekannten guten Qualitäten nur 3— 4.50 6— 7.— 10.— 12— 16.— 20.— 25.— Ein Posten Fllel-flaliislores, besonders preiswert nur.. Mk. 8.— in.— id.— 13.— 15—16.-20.- Halb-Storei.engl.Tüil 3— 5.— 7.— 10.— 12.— Id.— 20— Beddedten, i- und 2 bettig 4— 6.- 10.— 12.— 15— 18.— 22- Gardlnen-StQdtwaren 1....... 0.45 0.60 o.oo viele Muster/.... 1.20 1.35 1.50 bis 3— Dankte Hadrassloffe vom stück ivieter nur.......... 2.25 3— 4.— 6.— Säclisisclies Gardinen- u. Teppiclthaus FlUale Eberswalde Berlln-NeuKölln Filiale Nowawes tisenbahnstraße 99 Hermannstraße 32 Pnesterstraße 57 ITIr billen, am Sonnlag, dem 20. September unsere Sensler asu besichtigen! \ föeiloge Sonnabende 28. September 1929 X SivAbnid Der„Sozialdemokrat «4 Zum fünfzigsten Jahrestag seines ersten Erscheinens** Von Hermann Wendel Vor einem halben Jahrhundert, genau am 27. September 1879, erschien in Zürich die Probenummer eines Blattes„Der Sozial- d e m o k r a t', das sich im Untertitel„Internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge" nannte: mit ihm pflanzte die geächtete und verfolgte Partei der Arbeiterklasse nach einem Jahr des Schweigens wieder ihre stolz« rote Standart« auf. Zwar hatte es Ansätze zu einer illegalen sozialistischen Presse gegeben, seit im Jahr zuvor der Bannstrahl des Sozialistengesetzes auf die gesamte legale Presie der Partei vernichtend niedergefahren war, aber„Die Laterne", die Karl 5) i r s ch auf belgischem Boden herausgab, lag zu sehr auf der Linie des politischen Pam- phlets, als daß sie deutsche Parteikreis« befriedigen konnte, und „Die Freiheit", mit der Johann M o st von London aus sein Gift verspritzte, taumelte mit jeder Nummer mehr in wild anarchistelnden Radikalismus hinein und bekämpfte die sozialdemo- kratischen Führer leidenschaftlicher als die bismärckischen Büttel. Der Gründung eines Blattes im Ausland, für das die Partei die Per- antwortung trüge, widersprach auch anfangs die allzu vorsichtige Erwägung, daß es gelte, die Machthaber durch Provokationen nicht noch mehr zu reizen. Aber im Sonimer 1879 meldele sich immer gebieterischer das Verlangen nach einem Organ, das die prinzipielle Aufklärung der Anhänger besorgte, die sozio- ltztengesetzlichen Schandtaten der Polizei und I u st i z an den Pranger stellt« und der taktischen Verständigung unter den Parteigenossen diente. Hielt G e i b zu diesem Ende eine hektographierte Korrespondenz für genügend, so entschied Bebels und Liebknechts Meinung für«ine regelrechte Zeitung, und auch Marx und Engels in London drangen nicht durch, die es bei zwei Nummern im Monat bewenden lassen wollten:„Der So- zialdemokrat" kam als Wochenblatt heraus. Die Schweiz als Er- fcheinungsort bot den Vorzug, da von hier aus die stet« Ver- bindung mit Deutschland am bequemsten war, und Zürich im bcson- deren war geeignet, weil die Schweizer Arbeiterbewegung in dieser Stadt eine eigene Druckerei besaß. War die Probenummer von V o l l m a r zusammengestellt, so führt« er neben Wilhelm Liebknecht auch weiterhin die Redak- tionegeschäfte, bis ihn im Herbst 1889 Eduard Bernstein ab- löste und während des ganzen folgenden Jahrzehnts die Verant- wortung für das Blatt trug. Sie wog um so schwerer, als es ihm, von Liebknecht, Kautsky und Schramm abgesehen, an ständigen tüchtigen Mitarbeitern so gut wie ganz gebrach. Heftete dem„Sozialdemokrat" im ersten Jahrgang eine gewisse theoretisch« Unsicherheit an, so steuerte das Schiff unter Bernsteins Leitung geradere Bahn. Sicher gab es auch jetzt Ausrutscher, und an Kritik aus entgegengesetzten Ecken fehlte es nach wie vor nicht. Entrüstete sich in V o l l m a r s Tagen Engels, daß es von 1848 hieß, es fei leider kein anderer Weg geblieben, als die gewaltsame Revolution, so beschwerte sich zu Bern st eins Zeit die Reichstags- fraktion, daß die Artikel über das geglückte Attentat auf A l e x a n- der II. von Rußland den Eindruck erweckten, als liefen die Sozial- deniokraten in Deutschland mit Paketen Dynamit herum. Wegen der Dampfersuhventionen im Jahre 1883 kam es zwischen Fraktion und Redaktion sogar zu einem ordentlichen Konflikt auch über die Frage, wer von beiden Teilen die Haltung des anderen zu bestimmen habe, aber die stete Fühlung, die die Zeitung mit der Partei in Deutschland unterhielt, bewahrte sie vor dem typischen Emigranten- schicksal, nach der einen oder anderen Seite überzukippen, und auch die politischen und publizistischen Ratschläge, mit denen Engels in seinen Briefen an Bernstein nicht kargte, trugen dazu bei, daß„Der Sozaldeinokrat" bei frischer und flotter Fahrt immer im guten Gleichgewicht blieb. Dem Organ einer Partei, die, von der Staatsgewalt für vogelfrei erklärt, mit den gemeinsten Rücken und Tücken gehetzt wurde, stand im Ton Henrdärmeligkeit ohne Zweifel bester an als ein Geheimratsgehrock: unbekümmert hieß es ein« Katze ein« Katze und Rollin einen Schuft und bezeichnete in einem Artikel V o l l m a r s den Sozialismus als eine Macht- frage, die in keinem Parlament, sondern nur auf der Straße, auf dem Schlachtfeld zu lösen sei, aber die tobsüchtigen Putsch- und Attentatssexereien eines Johann Most, der nur mehr mit Schaum vor dem Munde schrieb, fertigt« das Blatt als Wahngebilde des „Generals Bumbum" mit Ueberlegenheit ab. Die erste Nummer des„Sozialdemokrat" wurde in zwei großen Koffern nächtlich über den Bodensee gerudert, im Kleeacker eines zuverlässigen Genossen oerborgen, dann nach Konstanz gebracht, in Paket« verpackt rinS anstandslos auf den Postämtern der Umgebung aufgeliefert. Nicht lange aber, gab es für den Schmuggel des sofort verbotenen Blattes über die Grenze und für seine geheime und unterirdische Verbreitung in Deutschland eine weitverzweigte und engmaschige Organisation. In Zürich leitete Julius M o t t e l e r als„Roter F e l d p o st m e i st« r" den Versand, und war die Pascherware einmal auf deutschem Boden, so streckten sich ihr tausend hilfsbereite Anne entgegen So zählte dey„Sozial- dcmotrat" binnen weniger Jahre 12 999 Bezieher, die Nummer für Nummer prompt und regelmäßig erhielten. Da derart das Blatt zur mächtigsten Waffe der Partei gegen das Schandgesetz wurde, da s�in Dasein schon einen festen Zu- sammcnhang unter den Partcianhängern schuf, da seine kühne Haltung und unverzagte Sprache die Matten ermutigte und die Mutigen anfeuerte, war es den Machthabirn des bismärckischen Reichs mehr als ein Dorn im Auge. Mit d-n schäbigsten Mitteln, deren Büttel einer schlechten Sache fähig sind, suchte man die Ver- breitung der Zeitung abzudrosseln: ünmer wieder muhten Redaktion und Expedition in Zürich dunkle Ehrenmänner abschütteln, die sich mit der Losung„Gut Freund!" an sie heranmachten und sich sehr bald als Spitzel Bismarcks und Puttkamers entpuppten. und die Justiz bekam einen roten Kopf, wenn einmal einer der Ver- teilex des verhaßten Blattes vor ihr stand. Aber Verbote. Verfolgungen. Verhaftungen. Verurteilungen— nichts verfing! Die freiwilligen Helfer der„Roten Feldpost" spiesten geradezu Blindekuh mit einer täppischen Polizei, der nach einem Witzwort Börnes dazu nichts fehlte als das Tuch vor d-n Augen, ein Teil der Auflag« wurde allmählich, ohne daß ein Schnüffler etwas«rschnüfselt hätte, von herübergeschmuggelten Ma- rem in Deutschland{elber gedruckt, und mit Fug spottete der„So- zialdemokrat", daß sich der Hohenzollernadler, der gewaltigste aller Raubvögel, unfähig erkläre,„den Kampf mit dem Rotkehlchen zu führen, dessen unerschrockenes Lied ihn verdrießt". In blinder Wut holte denn 1888 der„eiserne Kanzler" zu einem Streich aus, der endlich flutschen sollte. Durch unausgesetzten Druck auf den Schweizer Bundesrat erreichte er im April die Ausweisung Bern st«ins und seines Stabes, aber der„Sozialdemo- krat" kehrte der Eidgenostenschaft nur den Rücken, um in England reisiger sich zu erheben: seit 1. Oktober 1888 erschien er in L o n- d o n, um nimmer im Kampf gegen ein Regime zu erlahmen, das seinerseits schon nach anderthalb Iahren die Flagg« streichen mußte. Nach dem Fall des Sozialistengesetzes war ein illegales Auslands- blatt für die Partei nicht mehr vonnöten. In seiner letzten Nummer vom 27. September � 1899 bestätigte sich der„Sozialdemokrat" mit gutem Grunde, daß er eine geschichtliche Rolle erfüllt habe, und nahm in Versen Mottelers Abschied van den im Dunkel gebliebenen Helfern, deren opferwilligem Eifer der beste Teil des Erfolges zu danken war: Ihr wart's, ihr selbstlos mut'gen Ungenannten, Di« unser Sturmzeug durch die Grenzen trugt, Ihr, die daheim, bedroht von Büttelbanden, Straßauf, straßab mit ihm die Schlachten schlugt. Euch gilt der Gruß, der letzte, freudenhelle! Trag ihn der Sturm, der heut die Welt durchbraust, Zu den„Verlornen" in die Kerkerzell«, Zum Friedhos, wo die Unfern eingeklaust! Und nun, geschieden sei's mit froher Weife, Das Posthorn her und blast in Reih und Glied: Der Roten Feldpost Glück zur letzten Reis« Und ihren Reitern dieses Abschiedslied! Jenen Namenlosen gilt auch heute unser Dank, aber auch ein Name steht auf der Ehrentafel dieses Gedächtnistages, der Eduard Bernsteins. Der einstige verdienstvolle Redakteur.des„Sozial- demokrat" weilt noch rüstig unter uns, für die große Sache noch ebenso erglüht wie in den Jahren, da er mit seiner kleinen Züricher Kanone Bresche um Bresche in die großmächtigen Mauern des bismärckischen Systems schoß. Warum Justizkrise? Volk** Recht** Volksrecht Die Urteile vieler großer Straf- und Zivilprozesse, die in der letzten Zeit die Gerichte und die Allgemeinheit beschäftigten, haben das Dolk befremdet und sogar eine Entfremdung gegenüber der Rechtspflege hervorgerufen. Worin liegen nun die Ursachen dieser Erscheinung? Es verlohnt sich dem nachzugehen; ist doch Volkes Stimme nach einem alten Satze Gottes Stimme. Das deutsch« Volk steht der Rechtswissenschaft schon lange Zeit mit einer gewissen Abneigung gegenüber. Man folgt dem Fortschritt der Naturwissenschaften mit regem Interesse und begrüßt jede neu« Entdeckung mit Genugtuung, aber um das geltende Recht und um neue Gesetze kümmert man sich im allgemeinen nicht. Erst wenn man einmal wider Erwarten in einen Prozeh verwickelt wird, nimmt man notgedrungen davon Kenntnis, aber auch dann tritt man dem Rechte ohne eigentliches Verständnis entgegen, und die unliebsamen Erfahrungen, die man meist im Verlaufe des gerichtlichen Verfahrens macht, erhöhen den Widerwillen gegen alles, was Jurisprudenz heißt. Den L u r i st e n ihrerseits war und ist das Leben des Volkes mit seinen Anforderungen sehr häufig nicht weniger fremd. Mit der scharssinnigen Auslegung aller Gesetzesstellen, der Ergrüiis>ung fernliegender geschichtlicher Fragen beschäftigt, fanden sie und fiyden sie zum Teil - noch heule wenig Muße, sich mit unserer Zeil verlraul zu machen, und so entwickelt« sich das bürgerliche Recht, unbeeinflußt von der öffentlichen Meinung, unbekümmert um die Bedürfnisse des moder- neu Verkehrs, in den Gelehrtenstuben und in den Gerichtssälen. Auch half es nichts, wenn gelegentlich ein besonders wunderliches Urteil durch die Zeitungen lief. Die Nichtjuristen lasen es mit der Ueberzeugung, daß die Weg« des Rechts unbegreiflich seien und vergaßen es bald; die Juristen beachteten es überhaupt nicht, denn sie kannten die tiefe Kluft zwischen Juristenrecht und Rechtsanschauung des Volkes sehr wohl und hielten sie für unüber- brückbar. Jedenfalls blieb alles nach wie vor. Das sollte durch das Bürgerliche Gesetzbuch anders werden. Man hat schon während der Zeit, in der' es vorbereitet wurde, die Bedeutung erkannt, die der Gang der Rechtsentwicklung sowohl für das ganze Volk wie auch für jeden einzelnen hat. Man gewann zwar die Ueberzeugung, daß jeder Mensch dds Recht, unter dem er lebt, das für ihn und für seine Familie maßgebend ist, wenigstens in seinen Grundzügen kennen muß, um seine Verhältnisse zweck- mäßig ordnen, sich vor Schaden wahren und überhaupt an dem Rechtsleben den ihm gebührenden Anteil nehmen zu können. Ein fertiger Jurist, der alle, auch die schwierigsten Rechtsfragen treffend zu beantworten weiß,, braucht man freilich deshalb noch nicht zu werden. Denn die Lebensverhältnisse eines Kulturvolkes wie des unserigen sind so vielge st altig und sein Recht ist demgemäß so oerwickelt, daß die ganze geistige Kraft eines Mannes dazu gehört, um es zu beherrschen. Den Gesetzgeber des bürgerlichen Rechtes beherrschte zwar die Idee, daß es eine höhere Kunst gibt als die, Prozesse zu führen und zu gewinnen, nämlich die, Prozesse zu vermeiden, und daß diese es ist, die sich jeder bis zu einem gewisten Grade aneignen kann und muß. Wenige Jahre nachdem das Bürger- liche Gesetzbuch in Kraft getreten war, war aber die Rechtsprechung der unzeitgemäßen gelehrtenhafien Scholastik dieses Gesetzes verhcstel und bewegte sich in einer hoffnungslos lebens- und volksfremden Bahn. Insbesondere mußt« eines Tages die Rechtsprechung des Reichsgerichts zur Katastrophe der völligen Entfremdung des Volkes von Gericht und Richtern führen. � Einen scharfen Kampf gegen diese Art der Rechtsprechung führte der jüngst verstorbene Rechtsanwalt vr. K. c. Ernst Fuchs in Karlsruhe. Er ist der Begründer der Freirechtsschule, die für so- ziologische Rechtsfindung kämpfte. Mit hervorragender fchriststellcrischer Begabung und dem vollkommenen Wissen des Fachmannes führt« er den Kampf. Ein frischer Zug ging von seinen Schriften aus, deren Formulierungen stets scharf und«prägnant waren und in deren besonders glücklich gewählten Titeln sich schon schlagend ausdrückte, was er meinte; Worte wie„Die Gemein- schädlichteit der konstruktiven Jurisprudenz" oder „Schreibiustiz und Richterkönigtum" sagen in sich schon alles. Auf die einfachste Formel gebracht, handelt es sich bei der sozio- logischen Rechtsfindung der Freirechtsschule um nichts w miger und nichts mehr als dies: Da» Gesetz soll nach dem gesunden Blenschen. verstand angewandt werden, nach seinen wirtschaftlichen und gesell- schastlichen Zwecken und Ausgaben. Man muß sich erinnern, was damals für ein Wind wehte, wenn man die Tragweite dieser Gedankengänge erkennen will. Die Recht- sprechung war völlig befangen in der scholastisch-wissenschafllichen Enge des begriffsmathematischen Romanismus einer ver» gangenen Zeit. Man sprach Recht nach abstrakten Begrifsen und tat dem Leben damit oft Abbruch, dem Volke damit dos Ver» trauen in die Rechtsprechung raubend. Damals schon begann das, was man heute die Krise der Justiz nennt, und— man kann es ruhig feststellen— wäre nicht die Arbeit von Ernst Fuchs gewesen, die Situation wäre heute weit bedenklicher; die Folgen seiner Wirk- samkeit zeigen sich darin, daß das allgemeine Vertrauen wenigstens in der Zioiljustiz im wesentlichen doch gewahrt blieb. Um nur ein Beispiel anzuführen, das uns alle angeht und am augenscheinlichsten zeigt, wie wichtig die soziologische Rechtsfindung der von Fuchs begründeten Freirechtsschule für unser Wirtjchafts- leben war und was sie eigentlich ist: man kann seinen verstorbenen Begründer und Führer Fuchs den Vater der Aufwertungs- rechtsprechung nennen. Als der Wert der Mark zu sinken be- gann, hat Fuchs schon früh auf die dadurch entstandene unhaltbare Situation zwischen Gläubigern und Schuldnern hingewiesen, welch letztere, sich auf den nominalen Wert ihrer Papiermarkleistungen stützend, eine zeit- und in Wirklichkeit vertragsgemäße Befriedigung den Gläubigern verweigerten. Schon im Jahre 1929 wies Fuchs in zwei Aufsätzen:„Vertragstreue und Vertragsorthodoxie" sowie „Vertragstreue und Shylokismus" auf diesen rechtlich- wirtschaftlichen Widersinn hin. Von Fuchs stammt das Wort von den Schuld- nerwucherern, und man erkennt sofort, wie blitzschnell damit eine rechtlich-wirtschaftliche Situation, mit der man sich auseinander- zusetzen hatte, beleuchtet wurde. Die Schuldner beriefen sich aus den Satz: pacta sunt servanda, Verträge müssen eingehalten werden, nur das leisten zu müssen, was sie einmal unter ganz anderen Ver- hältnisten ziffernmäßig zu leisten sich verpflichtet hatten, und wodurch die Gläubiger in unbilliger Weste geschädigt wurden. Hätte die von Fuchs geführte Freirechtsschule, die soziologische Rechtsfindung for- dert, nicht längst darauf hingewiesen und damit die Bahn geebnet gehabt zu einer freieren Rechtsauslegung auf Grund des§ 242 BGB., der eine Leistung so bewirkt haben will, wie Treu und Glauben mit Rücksicht aus die Verkehrssitle es erfordern, so wäre höchstwahrscheinlich das höchst« Gericht und die Literatur noch später erst, als es ohnehin geschah, zur Erkenntnis der wahren Sachlage gelangt. Diese Gedanken gaben den Richtern den Mut, dem Zeitbedürfnis Rechnung zu tragen und, sich auf die rechtschöpferische Macht des Richters zu einer höheren . Gerechtigkeit zu besinnen unter Ablehnung des Zwanges der systemlogischen und formalistischen, gerade in diesem Augenblick dem Leben besonders widersprechenden Begriffsjurisprudenz. Und von hier aus ging dann die ganze große Entwicklung, die unser Rechts- und Wirtschaftsleben der letzten Jahr« auf neue, solide Basis gestellt hat. Die jetzt manchmal großzügige moderne Rechtsprechung des Reichsgerichts in Zivilsachen, die, wenn sie in den letzten Iahren chren früheren Standpunkt zu einer Frage änderte, selten scholastisch- rückschrittlich war, ist das Werk der soziologisch-fortschrittlichen Rich- tung des Freirechts. Diese Entwicklung und das bester« Verständnis für das Recht wird es dem Volke ermöglichen, wieder seinen vollen Anteil an dessen Entwicklung zu nehmen und aus dem gegenwärtigen Rechte, das immer noch über- wiegend den Eharakter eines Juristenrechts trägt, ein echtes Volksrecht zu schaffen. Dr. jur. Walter Krotoschiner. Auch eine Grabinschrift Aus vergangenen Zeiten find uns ein« Reihe eigenartiger, mehr oder weniger humorvoller Krabinschriften überliefert worden. Daß aber auch in der Jetztzeit solche Inschriften«nsttehen, zeigt ein Bei- spiel, das uns aus San Juan in Argentinien berichtet wird. Dort hat ein Gatte in den Grabstein seiner Frau die folgenden Worte einmeißeln lassen:„Hier ruht A... F... de C...— Sie starb im Sanatorium Flores aus Mangel an Pflege und durch Ver- schulden des Arztes Francisce G. Eelecchia." Ob dieser Grabstein nicht eine gewist« pädagogische Wirkung haben«tri»? (�oman von(Tlax ßarfkel (5. Fortsetzung.) „Lasten mir Dolors auf ihre Art glücklich werden', fagte er endlich,„solange ihr« Film- mit Lystander gut gehen, ist sie un» wert und teuer. Aber sie darf uns nicht KU teuer werden... Liebschaften gehören nicht in den Film, Lystander", sagte er tadelnd und d>« beiden Männer lächelten dabei, denn Kretz war gerade bei einem neuen Star sehr engagiert,.Liebe zum Prioatgebrauch ge hört nicht zum Film. Und da wir gerade schon von der Liebe sprechen: die richtige Lieb« kann man nur b«i d«r Kurtisa n« bekommen. Die ist darauf gelernt... Wie lange läuft der Vertrag noch mit der Dolora?" fragt« er dann und beantwortete M« Frag« selbst:„Ich weitz schon, vier Monate. Sollen wir den Vertrag verlängern, Lystander?" „Vielleicht, vielleicht auch nicht", sagte Lystander. Er schwieg «in« Sekunde und sagt«:„Vielleicht verlängern wir doch nicht, fterr Direktor..." „Warum nicht? Haben Sie schon n«u«n Ersatz?" „Dielleicht, vielleicht auch nicht", meint« Lystander.„Aber w«nn es gut geht, bringe ich«ine Madonna ins Geschäft." Kretz horcht« auf. Bon künstlerischen Dingen verstand er wenig. Da lieh er Lystander frei« Hand. Die Hand war bis setzt immer glücklich gewesen. Eine Madonna, warum nicht? „Madonna ist gut", sagt« er dann,„die Wiener Serie läuft noch und ist ein gutes(Beschäft. Haben Sie sich schon den nächsten Film überlegt. Lystander? Hat der Glaß schon Vorschläge gemacht?" „Nein", sagt« Lystander. Glast hatt« gut zugehört. Madonna, dachte auch er. Madonna wäre nicht übel. Lystander hat Geschmack. DI« Wiener Serie läuft noch. Plötzlich zuckt««r zusammen. Di« neu« Filmidee war geboren. „Ich hab's", sagte er triumphierend,„wir machen»inen Film: Mari«nNäng« von Strautz. nach dem Walzer von Strauß. Ich werde mit Lystander das Drehbuch schreiben. Den Strautz spiel« ich. Ab- gemacht, Kretz?" „Wir wollen erst sehen, wie die Madonna ist", antwortete er diplomatisch und fragt«:„Wie heißt sie denn?" „Marianne", sagte Lystander. Und als dl« beiden Männer noch mehr wissen wollten, hüw« er sich In Schweigen. Der Wagen hatt« da» frei« Land erreicht. Im Sommerdunst verdämmert« Spandau. Auf den Feldern wogt« da» Korn. Die Wiesen blühten. Fern« Wälder blauten. Schon stieg au» dem Dunst und Licht die große Lustschifthalle der früheren Zeppelin. werft empor. Di« klein« Halle, in der hauptsächlich die Film« ge- dreht wurden, war nicht�zu sehen. In der kleinen Hall« hatt« dl« „Lux. Film A.-G." ihr grotze» Atelier. Der Wagen fuhr und fuhr. Kretz und Glatz besprachen die letzten Skanbaigeschichte der Edna Robertson, einer blonden Ameri- kanerin von i«nem bekannten Goldgräbertyp, der sich jetzt auch in Deutschland breit macht und au»«rotischen Abenteuern gut« Geschäfte zu machen weitz. Kretz knurrt« und sagt«:„Sie haben kein Herz mehr, die modernen Mädchen." Glaß verkündete poetisch« Wel»heft und sagt«:„Grausamkeit, dein Name ist Weib!" Lystander sagte kein Wort. Er dacht« an sein Erlebift» mit Mariann«. Er hatt« i» den setzlen Tagen die ganze Friedrichstratze nach Ihr abgesucht, er war in einem Filmcaft, aber all«, war vergeblich. Marianne war und blieb verschwunden. Sie war und blieb verschwunden, doch in Lystander war die Gewißheit, daß ihr Weg den seinen noch einmal kreuzen müste. Und dann wollte er der Sieger sein. Ihr« Flucht hatt« nur noch größere» Verlangen nach chr in ihm entzündet. Ihretwegen hatte er sich gestern abend mit Dolora verkracht. Nun war dt« Werft erreicht. Der Wagen stellt« sich in die blank« Reihe der vielen Aujhzs, die aus Berlin berühmte Schau- spieler, Star», Registeure und Operateure gebracht hatten. Der Portier grützte ergeben. Die große Hall« war, leer, nur in der runden Kuppelhalle rechts wurde gearbeitet. Man hörte das Ge- brüll der Komparserie. Kretz schritt leichtfüßig durch die Halle. Kretz durfte schon lächeln, denn e» war sein Verdienst, daß diese Halle nicht abgeristen wurde. Die Militärkommission der Entente hatte sie aus die Abbruchliste gestellt, es kostet« eine Reis« nach Pari», dt« Halle dein deutschen Vaterland«, dg« in diesem Falle von Herrn Daniel Kretz vertreten wurde, zu erhatten. Und da» deutsche Vater- land, ebenfalls' wieder vertreten durch Herrn Kretz, drehte hier in den vielen Atelier» sein« schmachtenden Film«. Di« große Halle lag leer da. Durch ihr hohe- Glasdach sprang da- Lid* und strahlt« um die vielen Kullssen und Dekorationen, die chaoftsch herumtagen, Man sah gotische Spitzbogen au, Stuck und Holz, romanisch« Säui«n, die einmal den Pappegiebe! heidnischer gilmtempel getrag-n hatten, die Fassaden französischer Häuser waren zu sehen, die Theke einer Spelunke, die Uebemst« einer Dorskirch« und noch viele? mehr. Für diese alten Dekorationen hatten die drei Männer wenig Interesse. Sie traten für einige Minuten in da» grotze Atelier, aus dem das Gebrüll der Komparsen dröhnte, begrützt«n einig, Leute und sahen dem Spiel zu. Ein Zirkus war aufgebaut, über ihm strahlten und flammten die weihen Lampen und verspritzten nicht» als Lrcht Der Regisseur stand auf»in« erhöhten Bühne und brüllte durch das Megaphon sein« Befehl« in die Komparserie, die auf einer Gäleri« leidenschaftlich da» Spiel der Artisten im Zirhts verfolgen mutzt«. Di« Artisten in d-n weißen Trikors nahmen den Film- Helden die schwerst« Arbeit ab. dl» gefährlichen Schwünge und Sprünge durch den leeren Raum Die Kamparsen brüllten und rasten, W« Operateure Hetzen ihre Apparate laufen, die Kullsten de» Zuschauerraums waren an den Rundwänden gemalte Menschen, die durch eine gewist« Einstellung der Apparate und durch ihre besondere Farbtönung im Bild dann wie lebendig aussahen. Die Artisten in den weißen Trikots hatten ihr« Arbeit getan, die Komparsen waren cop�rittit 1929 by.Der Bflcherkreis 0. m h. H.", Berlin SW 61 gefilmt, die Hauptrolle übernahmen die Stars, st« standen in der Arena, hüllten sich in schwarze Mäntel und oerbeugten sich lächelnd vor den lebenden und den nur gemalten Zuschauern. Die Lampen oerzischten. Ein neue» Bild wurde gestellt. Don senem Zirkus gingen sie, nadjdem der Regisseur begrüßt war. an ihre eigen« Arbeit. Dolor« King, der Star der„Lux", war schon geschminkt und wartete aus Lystander. Sie unterhielt sich mit dem Regisseur Alfred Bencke. Die Dekorationen von gestern abend standen noch da. eine Liobesszene sollt« noch einmal gedreht werden. Dos Atelier nahm nur«inen winzigen Platz in der anderen Halle«in. Ueberall standen die Kulissen vieler Spiel«, geisterhaftes Dunkel war in d«r Hall«, von den weißen und blauen Lichfttrömen durchbrochen. Lid*- Maschinen, Kabel, getüncht« Wände, üppige Hotetziimner, kahl« Spelunken: vier Gesellschaften waren an der Arbeit, und durch die Kulissen liefen die geschminkten Schauspieler und die ausgeputzten Komparsen. Musik brauste auf, in der Hall« erklangen die Hämmer der Arbefter und Bühnemnacher. Ein« sonderbar« Welt sammelte sich auf kleinem Raum und war doch groh genug,«in ganzes Volt zu rühren oder zu erschüttern. Dolora King unterhielt sich mit Bencke. Die Operateure hatten ihr« Apparat« schon eingestellt. Da» ganze technische und künstlerische Personal stand wartend da. Nun kamen Lystander, Glaß und Kretz. Dem Star wurde die Hand geküßt, dem Regisseur die Hand geschüttell, den anderen Leuten zugenickt. Di« Arbeit konnte be- ginnen. Der Star trug über einem billigen Kleidchen einen schimmernden Seidenmantel. Di« Lampen flammten auf. Di« Quecksilbersäulen, die wie hohe, schräggestellte Dampfheizungen au»- sahen, leuchteten. Bencke begrüßt« Glatz besonder» herzlich. Bencke war der Mann au» dem Tiergarten, ein kluger, skeptischer Kopf, der von d«m oft mystischen und pathetischen Glatz lebhast angezogen wurde. Er kannte sein Handwert und alle technischen Möglichkeiten, aber er sucht«, wie viele Menschen unserer Zeit, das Unmögliche und war bei aller Aufgeklärtheit aus der Blutgruppe der Schwärmer. „Die Dekoration steht", sagt« er zu Lyssander.„Ich habe neue Lampen eingesetzt." Zu Glatz bemerkte er:„Der Kampf im Licht beginnt, Meister." Daniel Kretz schüttelt««r ergeben die Hand. DÄora kam langsam näher. Sie sah gut aus, und Glatz machte ihr seine Extrakompliment«. Sie lächelte geschmeichelt. Lystander war nicht besonder» begeistert. Er hatte gestern abend mit Bencke nn Aufnahmeraum die Li»b«,szen« gesehen und war nicht entzückt. Da» liebe Fräulein Dolora hatt« sich viel zu schnell und viel zu kühl verführen lasten. Auch Bencke war dafür, da» Bild noch einmal zu drehen. Do» war am dritten Abend nach jener Be- gegnung mit Marianne Hull gewesen. Da» Spiel mit Marianne, und er sah e» nun vollkommen bildmätzig, war ein herrlicher Streifen. Immer mutzt« er«m das aschblond« Mädchen mit den schönen Augen denken. Die Bilder mit Dolora machten ihn wütend. Sie hatt« in jener Szene schamlos die Wirklichkeit gespielt. Sie spielt« ihren Sieg und Kaufpreis von damals, als sie Lystander von der Bühne eines grotzen Variete» holt«. Damals war sie«ine kleine Tänzerin und von jener Wildheit, die als Leidenschast angesehen wird und doch nur Berechnung ist. Damal» hatt« er ihr sein« Karte geschickt. Sie war sofort gekommen. Sie blieb bei ihm bis zum frühen Morgen. Nach dem ersten Film, der»in Schlager wurde, verpflichtet« sie Kretz auf ein ganzes Jahr. Und min spielt« sie, als sei sie auf ewig verpflichtet. Dolora King, den Namen hatte er ausgesucht, stammte au« dem Osten Berlins. Zwei Jahre mar sie in einem westlichen Haushalt. dann ging sie auf den Rummel und trat in einer sogenannten „Schönheitsgruppe" auf, die mehr nackt als schön war und wurde al» Zwanzigjährig« durch die Vermittlung Hondt» auf die Variete- bühne gebrocht. Sie hott« mit dem Agenten einen Vertrag, und durch den Vertrag lernte Lystander Herrn Hondr kennen. Dolora spielte, als sei sie ewig verpflichtet, und als er mit Bencke gestern abend das Bild sah, stand immer nur die Szene mit Mariann« vor seinen Augen. Ja,«r hatte verloren, aber jetzt wußte er: diese Niederlag« war dennoch ein Sieg! So und nicht anders mutzte die Szene in dem neuen Film gespielt werden. Alle kleinen Ladenmädchen und Kontoristinnen würden der Heldin zujubeln, die mit Fausftchlägen ihr ganze» Geschlecht rächte. Dolora war auch mit bei der Dorführung, und da1 Berus: lZ. Moiorradmorte: 14 Meeresenge: 1» Ab- stammungslehre.— Senkrecht: 1. Tierhaut: 2 Anerkennung: 4. Teil de» Fensters: d. Stadt in der Schweiz: 7. Vogel:«. He« in Nordamerika; 10 Sva- nisches Gebiet in Afrika: I l Stadt in Ostpreußen: 1Z Grafschaft im mitt- leren England: 14. Euro- päischer Staat. �r. Silbenrätsel. Au, den Silben: ak an St bert bi dura bürg ce de den dt» don dar» e e« el en er es gen Hardt h« her i! keft la l« lei i, li lo lon lö ma mes na när nor non o o ra re r«in sau fen ser stg sp lokt ter the ti mal w» w« wia sind 2? Wort« zu bilden, deren erster und drifter Buchstabe, beide von oben nach unten gelesen ein bekannte» Zitat ergeben.-- J)le Worte bezeichnen: 1. Werbemitel: 2. Europäische Hauptstadt; 8. Abgeordneter her Wirtschast, portei: 4, Hervor« ragender Sozialist�); 8. Theaterdirektor: S. Vulkan? 7 Englischer Parlamentarier: S. Frauengestalt au» dem Alten Testament: S. Republikanerfetnd: 10. Europäischer Unruheherd: 11. Unart; IS. Semeinschaft: 1» Ehemackger Mmstterz 14. Männlich« biblisch, Person: IS, Nordischer Stoat: IS. Afrikanerslamm: 17 Männer- nam«: IS. Stadt im Harz: 10. Raubtier: 20. Beraltete» Musik- instrument: 21. Schlesisch« Kohlenstadt: SS. Alte» Längenmotz. Kapselrätsel. Au» den nochitchenden Wörtern sind I« 3(au« dem letzten Wort 4) ameinanderfolgend« Buchstaben zu entnehmen, die. richtig zusammen- gestellt,«in Sprichwort ergeben: Erker, Tann«. Termin, Wirrnis. Stummel, Sefühl. Lortzing, Urwald, Fahrt, Scheitel.»1c. Magisches Quadrat. Di« Buchstaben sind umzustellen, daß Waagerecht« und Senkrecht« gleich laiiten. Die Wörter bedeuten: 1. Tiergeschichte: 2. Frauenname: 3. Haushaltungsgegen- stand: 4 Kurort im Harz: S. Körperteil p». Buchstabenrätsel. Aus den Buchstaben aaccddeeeeeefghh hiiill lll mmmmorrsttttuuu sind 13 Wörter von ie drei Buchstaben zu bilden, deren Ansangcbuch» stoben«inen Wahlspruch de» Arbeiter-Turn- und Sportbundes er- geben.— Die Wörter bedeuten: 1. Charaktereigenschaft: 2. Berg. wies«; 3. Abkürzung für Christus; 4. Wäldchen: 5. Getränk; 0. Schwur. 7. Stadt in Süddeuftchland: tz. Heldengedicht: 9. Resor. motor: 10. MärchengestaU; 11. Farbe: 12. Bergrücken In Braun. schweig: 13. Nebenfluß de» Rheins." Kr. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.» Auflöiung der Ztätsel aus voriger Nummer. Figurenrätsel: 1. Lamm; 2 Anno; 3. Chic: 4. Dich; S. Otto;«. Nahe: 7. Emma: 8. Lade:?. Wind.— Senkrecht: Mac Donald. V« Riemen. 5!?� iv"--»-«Qi w«, Vfei, VUUU*, mm. Effekt, Reim.— Nur her erste Schrift faellt schwer. Spiro lenrätsel. Wogerecht: 2. See: Z. Moos: S. Erbse: 8. Ontario: 9, Arkansa,: 11 Hflstlitutz; 12. Eisenbeton: 14. Nordamerika: 15. Eichenbarft.— cenfred*:% Ej. z gem: 4 Eros; S. Elise: 7. Oberst:«. Okarina; 10. Soleame»; 11. Hör, ter.ste: 13. Andalusien; 14. Niederlande. verschieb«rätsel: 1- Likt. Beelhoven Wagner. Haydn. Cornelius, Schubert. Bradm» sz Strauß.— s. Schmn. Dan, ig. Sheffield, Lyon Wien.— 3. Soldau, Wolga, Seme, Tafo, HuSfan = Datum. Nr. 456 46. Jahrgang Sonnabend *8. Septbr. 1929 Motorradbau In fließender Fertigung Neben ber OualitStsfprderung ist die Preisfrage für den wirt- schaftlichen Erfolg eines bestimmten Fabrikates von ausschlaggebender Bedeutung. Der Kampf um den Käufer hat gerade in der Kraftrad- industrie derartige Formen angenommen, daß die in Frage kommen- den Fabriken nur mit einem ga«3 geringen Nutzen rechnen und überhaupt nur konkurrenzfähig bleiben können, wenn der Rationali- Ttlotormoniage I. Laufendes Band, rechts daran Teilmontagen wie z. B Zylinder. Vorn rechts: Prüfer bei der Endrevision der Motore. Vorn links: Prüjung der Motore nach dem ersten Probelauf sierungagedanke bis in den äußersten Winkel ihrer Fabrikation praktisch Fuß gefaßt hat. Betriebe, die hierzu nicht imstande sind, müsien in dem schweren Wirtschastskamps mit der stärkeren Kon- kurrenz bald unterliegen. Bei der Forderung nach Rationalisierung handelt es sich meist um Anlehnen an amerikanische Vorbilder. Bei den erfolgreichen Unternehmungen wird man aber immer wieder feststellen müssen, daß es sich keineswegs um»in einfaches bloßes Nachahmen handelt, sondern nur um eine lose Anlehnung an durch- geführte Rationalisierungsmaßnahmen. die den eigenen Anforde- rungen einzelner Betrieb« in jeder Beziehung Geltung verschaffen. Rationalisierung bedeutet, mit dem geringsten Aufwand an menschlicher oder mechanischer Arbeitskraft ein möglichst hochwertiges Erzeugnis zu schaffen. Diesem Grundgedanken müssen die Einrich- tungen des Betriebes untergeordnet sein. Die Fabrikatton muß klar und übersichtlich gegliedert werden und all« Fabrikotionszweig« sind in logischer Folge zufammenzufasien bzw. hintereinander anzuordnen. Jeder Transport, der umständliche Wege verursacht und Zeitverlust« zur Folge hat, ist tunlichst zu vermeiden, oder auf ein erträgliches Maß abzukürzen. Der Leitgedanke einer Motorradsabrikation ist, die Stücke durch den Arbeitsgang selbst befördern zu lassen. Das einzelne Teilstück geht vom Rohlager unmittelbar zur ersten Bearbeitungsmaschine. Neben dieser steht dann die nächste Maschine so nahe, daß der Bedienungsmann das Stück unmittelbar, ohne einen überflüssigen Schrift zu machen, bequem übernehmen kann. Aus diese Weise geht die Fabrikaftonskefte von Maschine zu Maschine, bis das fertig bearbeitete Stück dos Reviswnslager erreicht hat. Das Fortgeben des Teilstückes von Maschine zu Maschine ist nicht nur in der mechanischen Bearbeitung, sondern auch in der Montage streng durchgeführt. Bei der Herstellung eine? Kraftrades lassen sich zwei Fabrttations- Hauptgruppen unterscheiden, die Herstellung des Motors und die Herstellung des Gahmens. Rahmen und Motor tresfen sich zwangsläusig an einem Punkt in der Werkstatt, werden dort zusammengefügt und gehen nun gemeinsam über das Fertig- Montageband. Dieses wird von rechtwinklig zu thm angeordneten Teikmontagen gespeist. Zm festgesetzten Augenblick werden die fertig monfterten Einzelteile de» Kraftrades, etwa das Vorderrad mit der Gabel und der Federung, das Hinterrad mft den Antriebselementen, den Schutzeinrichtungen, ferner der Tank und dergleichen mehr heran- gebracht. Jeder Haypgrisf ist an allen Montagebändern mit einer Stoppuhr genau bemessen und berechnet und der ganze Fabrikationsgang in seiner Geschwindigkeit danach eingestellt. Das fertige Kraft- rad wird mit einem elektrischen Hebezeug vom Montageband ab- gehoben, einer nochmaligen genauen Prüfung durch Spezialkräfte unterzogen und schließlich vom Einsahrer angeworfen, worauf es zur Probefahrt auf eigener Einfahrbahn die Fabrikationshalle verläßt. Zum Gelingen einer derart fließenden Fertigung ist es not- wendig, daß die einzelnen Teile während der Fabrikation gewissen- Haft geprüft werden. Bereits im Wareneingang erfolgt durch Prüf- geräte, wie Brinell-Pressen usw., eine eingehende Materialunter. suchung. Der größte Teil der Pritfungen geht in einem Laboratorium vor sich. Diese Versuchs- und Forschungsanstall steht auf bester, praktisch-wissenschaftlicher Grundlag«. Sie übt. neben weitestgehender. systematischer Kontrolle der eingehenden Werkstoffe und Ueber. wachung der thermischen Fabrikationszweig«, bestimmenden Einfluß auf Werkstoffauswahl und-beschaffenheit aus. In ernster Arbeit ist sie bestrebt, die Kenntnisse vom Werkstoff weiter zu vertiefen und für die Güte de, Erzeugnisses nutzbar zu machen. Eine technisch sehr interessante, hoch bedeutsame Fabrikations- abtqilung ist die Härtcrei, in der modernste Härteöfen die so wichtig« Warmbehandlung der einzelnen Werkstücke pornchmen. Bei der mechanischen Bearbeitung der einzelnen Teil» werden überall hoch. leistunzsiähige Präzisions-Werkzeugmaschinen verwendet, so z. B. Maschinen für die Bearbeitung der Stirnräder, der Kegelräder und anderer wichtiger beweglicher Teile. Gewaltig ist auch der Eindruck. den die nmzeillgc Gießerei auf den Besucher ausübt. Hier werden sämtliche zür Fabrikation notwendigen Einzelteile abgegossen. Die Schmelzöfen sind zum großen Teil elektrisch beheizt: groß« Ventila. toren sorgen für gute Durchlüftung. Der Gießprozeh selbst, der nach modernstem Dersahren in Kokillen vor sich geht, bietet für den Fach. mann viele» Beachtenswert«. Di« Formmaschinen, ihre automatisch« Beschickung, die Art der Sandmsschung usw. entsprechen den neuesten technischen Anforderungen. 'r--... lllolorenmonlage II. Mitte: Montageband für die Motoren Vordergrund: Fertigung der Kurbelgehäuse. Links: Teilmontagen zum Motor. Hinter dem Gitter letlrevision Rechts: Prüfung eingelaufener Motore £inlau|*land. Links Einlau/stand mit mecnumschem Antrieb. Rechts laufen die Motore mit eigener Kraft Im Rohlager wird das von den einzelnen Stahlwerken bezogen« Material vor der Bearbeitung gelagert; dort findet die schon erwähnte peinliche Eingangstontrolle statt, im Anschluß daran die Kenn- Zeichnung durch Farben, um jede Verwechslung des Materials im Betriebe zu verhindern. Viel« Spezialmaschinen, die zur Bearbeitung besonders schwieriger Stücke dienen, sind aus Grund langjähriger Spezialverfahren eigens für den betreffenden Zweck entwickelt worden. Fast sämtliche Einzelteil« werden in Vorrichtungen bearbeitet, um langwieriges Einspannen und Ausrichten zu verhindern und einen guten Austausch schnell zu ermöglichen. Gerade diese technisch- organisatorischen Maßnahmen sind zur Rationalisierung des Arbeits« Prozesses besonders bedeutungsvoll. Der größte Teil der Fabrikation spielt sich hier in einem f o r t l a u s e n d e n Fluß ab. Die wich« tigsten Bestandteil« des Motorrades, wie Motorgehäuse, Rahmen u, dergl. m. werden zu kompletten Aggregaten montiert und durch die schon erwähnten Teilmontagen dem Fertigmontageband zugeleitet. Die fortlaufenden Kontrollen durch eine groß« Anzahl besonders durchgebildeter Revisionsbeamte sind für die Güte des Fabrikats außerordentlich notwendig. Die Revisoren gehen von Maschin« zu Maschine und untersuchen sämtliche Teile mittels besonderer Werk« zeuge. In bestimmten Abschnitten sind die Fabrikationsläufe durch besondere Prüfräume unterbrochen, die von hohen Drahtgittern umgeben sind. Diese Prüsräume sind dadurch von den verschiedenen Fabrikationsabteilungen abgetrennt, damit es unmöglich ist. daß ein Teil ungeprüft von einer Abteilung in die andere kommt. Außer d«r Prüfung auf Maßhaltigkeit wird auch der größte Wert auf die Feststellung etwaiger Materialfehler gelegt, die sich während her Bearbeitung der einzelnen Teile zeigen könnten. Nach der Fertigstellung des Motors wird er in einem be- sonderen Prüsraum einem etwa einstündigen Probelauf unterzogcn, wobei die vorgeschriebene Leistung erreicht werden muß. Dann wird er in das eigentliche Motorrad eingebaut, worauf die Ausstattung des Kraftrades mit den verschiedenen Zubehörteilen vor sich geht. Alle Einzelleil« kommen in einbaufähigem Zustande zu dem Haupt- Montageband. Nachdem da? Kraftrad auf der angeschlossenen Ein- fahrbahn vorsichtig eingefahren und durch einig« Pollgasrunden bei bestimmten Mindestgeschwindigkeiten gelaufen ist, wird es der Schluß- abnähme zugeführt, di« unter schärfsten Bedingungen vor sich geht. Di« fertigen Krafträder gelangen in die Versandabteilung und von dort über ein eigenes Industriegleis in den Handel. Angeschlossen an die Motorradsabrikation befindet sich eine neuzeitlich eingerichtete Reparaturwerkstatt, in der gebrauchte Räder überholt und Schäden behoben werden. Im ganzen genommen ist«in« zeitgemäße Motor- radsadrikation der Ausdruck höchst gesteigerter, organischer Ratio- nalisierung. Die Borteile, die sich hieraus ergeben, kommen durch da» SerUgmontage der tllolorräder l. Zusammenbau von Rahmen, Motor, hinterem Kotschützer und Gepäckträger Serilgmontage der Itlolorräder II. Das Montageband. Am Ende des Bandes wird ein fertig montiertes Rad abgehoben hochleistungsfähige und betriebssicher wirtschaftliche Fabrikat dein Käufer zugute, der infolge der sorgfältig überwachten Herstellung des Motorrades kein« Enttäuschung erlaben wird. § Ing. A. Naudc. Forstliche Technik. Es ist bekannt und einleuchtend, daß die neuzeilliche Forst- Wirtschaft— ebenso wie di« Landwirtschaft— an den Errungen- schaften der Technik weder vorbeigehen konnte und noch wollte. Da sie eine ihrer wesentlichen Aufgaben darin erblickt, auf das Wachs- tum des Walde» im Sinne einer Erzeugung von möglichst viel und möglich st wertvollem Holz einzuwirken, hat sie das denkbar größte Interesse daran, alle Möglichkeiten und 5)ilfsmiftel zu nutzen, die dieses Ziel leichter und schneller zu erreichen per- sprechen. Die auch sür den Laien merkbarsten Eingrifft de» Forstmannes in den natürlichen Verlaus de» Aufwuchs«» unserer Wälder sind di« Maßnahmen zur künstlichen B e st a nd S g r ü ndu n g, die in den Vorbereitungen des Bodens zur Aufnahme de» Samens oder der jungen Holzpflanze bestehen. Während e» in früheren Zeiten di« Regel war, den Waldhoden mit besonderen Hacken durch Wald- arbeiter oder Kulturfrauen bearbeiten zu lassen, ist die» heute viel- fach nur noch unter Schwierigkeiten möglich, da der stet« und immer mehr wachsend« Bedarf an Arbeitskräften in der Industrie der Forstwirtschaft geeignete Facharbeiter in fast noch größerem Maße entzieht als der Landwirtschaft. Der Forstmann ist gezwungen, durch Maschinen dem empfindlichen Arbeitermangel abzuhelfen. E» lag nah«, daß er dabei zunächst auf di« Geräte der verwandten Landwirtschast zurückgriff und versucht«, sie durch zweckmäßige Ab- ände rungen den besonderen Anforderungen der forstlichen Arbeit anzupassen. Das einfachst« landwirtschaftlich« Gerät ist der Pflug, der im Walde meist zweischarig verwendet wird. Um die hier besonder» häusig auftretenden Arbeitsbehinderungen zu beheben, die durch das Wurzelgewirr im Boden hervorgerufen werden, wird beim Forstpflug«in feste? Messerkolter oder auch ein rotierendes Scheiben- kalter vor der Pflugschar angeordnet. Am meisten werden heut« Geräte angewendet, die. den Kultivatoren nachgebildet, vom Forst- mann als„Igel" oder.Grubber' bezeichnet werden. Man versieht sie außer mit G r u b b e r s ch a r e n. die für die Durch- wühlung sorgen, noch mit M e s f e r s ch a r e n. die nicht zu starte Wurzeln mühelos durchschneiden. Ueber größere Hindernisse wie Steine und Stöcke gleiten sie infolge der federnden Konstruktion der Zinken leicht hinweg. Neuerdings ist man zu rotierenden Maschinen übergegangen, die eigens für die Besonderheiten de» Forstbetriebe» konstruiert sind. Neben der Siemen»- Schuckertschen Bodenfräse, die auch in Gärtnereibetrieben An- wendung findet, sind die eigenartigen Epatenrolleggen zu nennen, die mit einer mehr oder minder großen Zahl von starten Messerkränzen versehen sind. Ferner verdienen die Walzen- geräte hervorgehoben zu werden, die au» einer kräftig gebauten Holzwalze mit meist schraubenförmig angeordneten Zinken oder Kränzen bestehen._ Vorkurse der Technischen Modiscfaule. Die stürmische Fortentwicklung der Technik zwingt dazu, auch im Unterricht an den Technischen Hochschulen bei den neu ein- tretenden Studierenden ein bestimmtes Maß von mathematischen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen vorauszusetzen. Häufige schriftliche Anfragen und persönliches Vorsprechen beweisen, daß in der Oefsentlichkeit die an der Berliner Technischen Hochschule ein- gerichteten Vorkurs« so Msthematik. Chemie und darstellender Geometrie recht unbekannt sind. Dies, Vor- kurse beginnen bereit» am I. Oktober. Die eigentlich, Iminatriku- lation an der Hochschule braucht bi» dahin noch nicht vollzogen zu sein. Ein« Bekanntmachung de» Rektor» weist alle kommenden Studterenden hin auf dies« Möglichkeit. Lücken in ihrer Vorbildung in den betreffenden Fächern vor Beginn de» eigentlichen Unterrichts zu schließen. An Gebühren für die«orkurs- sind zu entrichten: Vorkurs»» zur höheren Mathematik(Prof. Fuchs)» M.. Vorkursus zur dar- stellenden Geometrie(Dr.-Ing. HaenzeF 4 M.. Borkursu» in Chemie (Prof. Wölbllng) 4 M. Gebührenzahlung berechtigt zur Teilnahme Zahlung an die Hochschulkosse(Z. 130 des Hauptgebäudes Beginn der Vorkurse. ■ tJflC�unoldflLel Boxen als Leibesübung. Bor«inigen Tagen sind im Rechtsausschuß des Reichstags recht harte und zum Teil ungerechtfertigte Vorwürfe gegen«in« Sportart gemacht worden, die auch von Arbeitersportlern gepflegt wird. Es war aus Anlaß des Verbots der Duelle. Einig« Abge- ordnete oerglichen in falscher Erkenntnis des wahren Wertes dieses Sports das Boxen mit der Säbelmensur. Dies« Auffassung ist zu verstehen, wenn man weiß, auf welche Art die Abgeordneten das Boxen kennen lernen. Sie lesen in der Zeitung die sensationellen Bericht« von Verufsboxkärnpfen, lesen die Skandal«, die sich dabei ereignen, erfahren, daß der oder jener blutend im Ring herum- wankte, daß einem anderen das Bauchfell zerschlagen wurde und lesen weiterhin, daß ein anderer, der unbeteiligte Dritt«, nämlich der Manager, Tausende oder gar Hunderttausende an diesen Schau- stellungen verdient. Dieses Bild ergibt für sie den Begriff: „Boxe n". Von dem wahren Boxen mit all seiner Vorbereitung, von dem Boxen als körperbildende Leibesübung wissen sie wenig oder nichts. Es ist das bedauerlich, und es soll daher die Aufgabe dieser Zeilen sein, den Volksvertretern ein wahrheitsgetreues Bild des mißlichen Boxens, wie es unsere Vereine betreiben, zu geben. Vernünftige Regeln � verhindern Auswüchse, Verletzungen kommen bei Amateurboxern kaum vor, es sei denn anfangs Einmal eine blutige Nase oder«in verstauchter Daumen, Ber- letznngen, wie sie ähnlich bei allen anderen Sportarten auch vor- kommen und die nur«inen Angsthasen vom Sport abhalten können. Gibt es aber Laien, die den alten Anschauungen huldigen und die Boxen nach den Berufskämpfen beurteilen, so mögen sie hin- gehen zum Trainingsabend eines gutgeleiteten Arbetter-Boxklubs, am besten aber zu einem Freilufttraining, das viele Verein« ein- geführt haben. Da ändern sich schnell die Anschauungen, sie werden Freund« und Anhänger des Boxsports werden. Verweilen wir einmal beim Training. Hier übt ein« Anfängergruppe. Sie boxen nicht, aber was sie treiben, ist das ABC des Boxens. Seilspringen, für Kinder eine Kleinigkeit, jetzt eine Kunst, di« erst erlernt sein will, und di« Herz und Lunge, Bein- und Bauchmuskeln durch die stetige federnde Arbeit vorbereiten. Dort Gymnastik. Wochenlang übt der Anfänger, lockert die Muskeln, dehnt die verkümmerten Bänder, macht den Körper seinem Hillen Untertan. Er weitet den Brustkorb und erarbeitet sich Ausdauer. Bauchmuskeln, anfangs schwach und in überflüssigen Fettpolstern vergraben, werden in anstrengenden Bodenübungen herausgearbeitet. Mit dem Medizinball werden alle Stöße vorgeübt und der Körper schon an kräftige Erschütte- rungen gewöhnt. Alle Boxstöße werden dann ohne Handschuhe geübt. Da heißt es decken, ducken, fangen, parieren, vor-, zurück- und seitwärtsgehen. Schließlich darf der Anfänger zum ersten Male die Handschuhe anziehen, weit«, dick gepolsterte, die dem Schlag jede gefährliche Wirkung nehmen. Nun werden alle Stöße und Paraden wiederholt, Mann gegen Mann, Serien eingeübt und dann kommt der Kampf zwischen Gegnern, die keine Feinde sind. Jede neue Uebungsstunde beginnt wieder mit Seilspringen, Medizinballtraining und Gymnastik. Der Erfolg? Durch die schnellen und vielseitigen Uebungen, die keine Muskelgruppen vernachlässigen, wird der Körper allseitig gekräftigt und geformt. Herz und Lunge gewöhnen sich an außerordentliche Leistungen Es gibt kein Organ, das bevorzugt wird, das ist das Besondere am Boxsport. Dabei bedeutet Boxen sehen, beachten, die Situation erfassen und niemals sich bluffen lassen. Kein Sport erzieht so zur Geistesgegenwart und „Schlagfertigkeil", übt so das Auge, schult so Mut und Willenskrafl, Denken und Handeln wie Boxen. Lautlos geht der Kampf vor sich, kein Schreien und Rufen, kein wüstes Venehmen, ja nicht einmal eine verräterische Bewegung zeigt dem Gegner die Wirkung seiner Stöße. Ein Willens- und Energie- training ohnegleichen. Am meisten jedoch imponiert die sportliche Ritterlichkeit, die das Boxen zu einer wahren Körperkultur macht. Praktisch hat es noch den Wert der Selbstver- t e i d i g u n g! Der Boxer hat es nich� nötig und verabscheut es, mit Stöcken, Steinen oder Bierflaschen den Rüpel zur Vernunft zu bringen. Auf Raufen und Ringen braucht er sich nicht erst ein- zulassen. So gibt das Boxen Selbstvertrauen, das in jeder noch so gefähr- iichen Lage Ruhe und Sicherheit verleiht. Boxen, das in dieser Weise betrieben wibd, ist eine der hervorragendsten Arten der Leibesübung und hat ganz zu Unrecht einen schlechten Ruf. Im oben geschilderten Sinne wird es von Arbeit-nsportlern überall betrieben. Um die Volksgesundheii. Kurse der Arbeitcrsamariter. Die Arbeiters amariter-Kolonue Berlin oeranstallet in der nächsten Zeit in allen Stadtteilen Berlins jburse in der ersten Hilfe. All« Kurse stehen. unter ärztlicher Leitung. Dauer des Kursus 20 bis 24 Doppel- stunden. Der K"rsuSbeitrag beträgt einschließlich Prüsungszeugnis 4 M. Anmeldungen werden in allen Kursen entgegengenommen. Beginn 13.30 Uhr. Der Lehrplan umfagt: Anatomie, Physiologie, Samariteriätigkeit, Krankenbesörderungen, Krankentransport. Die Lehrkurse finden statt: Bohnsdorf. 30. September, Lokal Heimann, Waltersdorfer Str. 100: Tempelhos, 7. Oktober, Gesund- heitshaus Mariendorf, Markgrafenstr. 11: Pankow, 14. Oktober, Schule, Schulstraß«: Lichtenberg, 1. Oktober, Weltl. Schule. Schorn- weberstraß«: Spandau, I.Oktober, Lokal Nordpol, Lutherstr. 3; Kreuzberg. I. Oktober, Leibniz-Gymnasium, Mariannenplatz: Steglitz. I. Oktober, Schule Steglitz, Plantagenstraße: Adlershos, 1. Oktober, Sanitätsbaracke, Hackenbergstr. 14: Köpenick, 1. Oktober, Lokal Stippe- kohl, Schöyerliuder Str. S: Weihensee. 1. Oktober, Schule, Wilhelm- straße: Reinickendors-W., 1. Oktober, Lokal Matter. Eichbornstr. 84: Mitte, 8. Oktober, Schule, Gipsstr. Äa: Wedding, 8. Oktober, Schule, Schulstr. 99: Hermsdorf, 8. Oktober, Turnhall«, Roonstraße, Zimmer 3, 191i- Uhr: Charlottenburg, 15. Oktober, Leibniz- Oberrealschule, Schillerstr. 125— 127; Reinickendors-Ost, 15. Oktober, Schule, Pankower Allee; Mahlsdors. 2. Oktober, Schule, Schulstraße: Tiergarten, 16. Oktober, Schule, Waldenserstr. 19— 21; L ichtenberg-O.-Friedrichs- selbe, 3. Oktober, Stöbt. Jugendheim, Gunterstr. 44; Triedrichshoin, 3. Oktober, Jugendheim, Gr. Frankfurter Str. 16; Neukölln, 3. Oktober, Schule, Rütlistraße: Treptow, 3. Oktober, Schule, Witdenbruchstraße Ecke Grätzstraße; Schöneberg, 10. Oktober, Schule, Feurigstr. 57; Bohnsdors-Schönefeld, 4. Oktober, Lokal Julius Brandt; Prenzlauer Berg, 4. Oktober, Schule, Kastanienallee 81— 83; Kreuzberg, 4. Oktober, Gesundheitshaus Am Urban; Friedrichshagen, 11. Oktober, Schule, Wilhelmstr. 44.— Geschäftsstelle: N 24, Große Hamburger Straße 20; Telephon: D 1 Norden 3340. Gohres gibt auf. Eine enttäuschende Vorstellung gab der Duisburger Gohres im „S tändigen Berliner Boxring" beim Kampf mit Z i n n- dorf- Wiesbaden. Er war dem schnellen Süddeutschen nicht ge- wachsen und verzichtete nach der fünften Runde wegen eines ver- letzten Daumens auf die Fortsetzung des Kampfes. Die West- falen halle in Dortmund wird sich nun wohl oder übel nach einem anderen Gegner für Franz Dübbers Im Kampf um die deutsche Federgewichtsmeisterschaft umsehen müssen. Der Kön/gs- berger H. Schulz erhielt gegen den Amerikafahrer Walter Peter- Berlin trotz besserer Gesamtleistung nur ein„Unentschie- den": der Berliner Boguhn besiegte den Hamburger Welter- gewichtler Kmcht nach Punkten, und mit dem gleichen Ergebnis war K o s k o- Gleiwitz im Halbschwergewicht über den Bremer Hülsebus erfolgreich. Im Qualifitationskampf trennten sich Kühn- Hirschberg und A h r e n s- Berlin unentschieden. «SoUdaritats�-Kadreunen bei freiem Eintritt. Die Rennfahrer des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer- Bundes ..Solidarität" fahren am Sonntag, dem 29. September, wieder einige Trainingsrennen auf der Radrennbahn in Wannsee, am Rathaus. die bei' gänzlichem freien Eintritt zu besichtigen sind. Das Pro- gramm ist trotzdem ein gutes und besteht aus einem Fliegerrennen mit 4 Vorläufen, einem Hoffnungslauf'sowie dem Endlauf. Auch ein Trostfahren für die Nichtplaeierten der Borläuse ist vorgesehen. Die Jugendklasse trifft in 3 Rennen aufeinander: ein Lauf über 1500 Meter, ein Vorgabefahren, sowie ein 3-Kilometer-Punktefahren. Die Meldungen zu allerz Rennen sind sehr reichlich ausgefallen. Als Hauptnummer gelangt«in 5a-Kilomet«r-Mannschastssahren nach Sechstageart zum Austrag mit 5 Wertungen. 14 Paar« haben sich zum Start angemeldet, so daß hier spannende Kämpfe zu erwarten sind. Beginn des Rennens: mittags 14 Uhr. Alle Mitglieder und Teilnehmer müssen um 13 Uhr auf der Bahn sein. MuyuUoCüiSb Die nächsten Spiele! Der kommende Sonntag ist für den größten Teil der Mann- schaften der letzte Prüfungssonntag: denn am nächsten Sonntag beginnen die Serienspiele. Eiche-Köpenick hat sich FTGB.- Neukölln verpflichtet und sie spielen auf dem Platz in Bohnsdorf, Schulzondorser Straße: die Jugendmannschaften um 13 Uhr, die Frauenmannschaften um 14 Uhr, die 2. Männermannschaften um 15 Uhr und die 1. Männermannschaften um 16 Uhr. In Ober- schöneweide, neben dem Freibad, spielen FIGB.-Südost 2. Männermannschaft gegen Wilmersdorf 2: um 13 Uhr, die gleichen 1. Männermannslfyisten um 14 Uhr und FTGB.-Oberspree gegen Velten um 15 Uhr. Eintracht-Mahlsdorf spielt gegen Erkner tu Mahlsdorf, Hönower Chaussee; die 2. Männermannschaften um 15 Uhr und die 1. Männermannschaften um 16 Uhr. FTGB.- Baumschulenweg und ASC. treffen sich auf dem Eiche-Platz in Köpenick,.Wendenschloßstraße: die 2. Männer spielt um 914 Uhr und die 1. Männdr um 101a Uhr. Auf dem Urban platz spielen FTGB.-Süden(Jugend) gegen FTGB.-Rosenthal um 14� Uhr; die 2. Frauen gegen FTGB.-Südost um 15 Uhr und die 1.! Männer gegen Hennigsdorf um 16 Uhr. In Velten treffen sich die 3. Männer gegen Fichtenau 1. um 1014 Uhr; die 2. Männer und Schenken- dorf 1. um 15 Uhr und die Frauen gegen Moabit um 16 Uhr. Weitere Spiel« sind: Z�hleudorf gegen Drewitz um 15 Uhr in Zehlendorf: Trebbin gegen Freie Schwimmer-Charlottenburg um 15 Uhr in Trebbin: FTGB.-Norden 1. gegen Moabit um 16 Uhr auf dem Platz an der Schönhauser Allee; Ketzin gegen Spandau um 16 Uhr beim Sportfest in Ketzin:'Klausdors gegen FTGB.- Reinickendorf-West um 15 Uhr in Klausdorf: Friitsen-Furstenwalde gegen FTGB.-Stralau um 14 Uhr in Fürstenwalde, und Hennigsdorf-Frauen gegen Berlin 12 um 15 Uhr in Hennigsdorf. Abpaddeln der„Sdmeifsterne". Die Freie Sportvereinigung„Schweifsterne" veranstaltet das diesjährige Abz-addeln am 29. September in Form einer Fuchsjagd. Des Fuchsboot startet um 3 Uhr vom Bootshaus„Fratermtas", 914 Uhr starten die übrigen Boote. Um 12 Uhr treffen sich fämt- liche Genossen am Birkenschlag. Rege Beteiligung aller Bereins- Mitglieder wird erwartet. Die Freie Sportvereinigung„Schweif- sterne"(Verein für Fußball, Handball und Kanusport) nimmt für die Handball- und Fußballmannschaft noch einige Mitglieder auf. Interessenten können sich melden benn Genossen Kurt Schllnemaim, Berlin-Britz, Parchimer Allee 76. SchldHrcnnen auf der Olympiabahn. Am Sonntag starten auf der Bahn in Plötzensee 8 Dauerfahrer im„A b s ch i e d s p r e i s".über 40 Kilometer in einem Lauf. Das Rennen ist ausschließlich den Nachwuchsfahrern reserviert, die zum erstenmal auf einer Bahn zu dieser interessanten Prüfung zusammentreffen. Der Endlauf dürfte voraussichtlich Corpus, den Leipziger Berger, Schindler, Siegel- Breslau, Neu- mann und den Wiener C a p am Ablauf sehen. Es wird fliegen- der Start gefahren und die stärksten Leute sind an letzter Stelle. Einige Fliegerrennen und ein Mannschaftsfahren über 6 Kilo- ineter um den„Auguft-Lehr-Wanderpreis", an welchen sich sechs der bekanntesten Berliner Vereine beteiligen, Germania- Charlottenburg gegen Tempo 08, Tornado gegen Argo, Concordia 97 gegen BBC. Germania, beschließen das Programm. Beginn 3 U h r. Eintrittspreis für alle Steh- und Kurventribünen 1 M. Nach Beendigung der Rennen findet das Feuerwerk des Pyrotechnikers Lindner, dos von Carlshof nach der Olympiabahn verlegt ist, als Abschluß der erfolgreichen Saison statt. Die KPD. wühlt weiter. Jetzt ist die„Volksgesundheit' dran! Die Kommunistisch« Partei verlangt von ihren Mitgliedern in den Arbeitersport- und Kulturorganisationen rücksichtslose Durch- führung der Parteibefehle, sonst erfolgt ebenso rücksichtslos der Rausschmiß aus der Partei. Diesmal richtet sich der Zorn der 5tPD. gegen den Verband Volksgesundheit. Di« Vorstandsmitglieder Gerhard Kretzschmar und Her- mann Frank- Dresden gehörten bisher der KPD. an und sind nun vor mehreren Wochen dort ausgetreten.' Sie haben es ent- schieden abgelehnt, der KPD. einen organisatorischen Einfluß auf ihren Verband einzuräumen und der Partei Material zur Spaltungsarbeit in die Hände zu spielen. Sie habe» es abgelehnt, die wahnwitzigen Parolen der KPD. zu be- folgen und sich von der Arbeitersportbewegung zu isolieren. Der Vorsitzende Kretzschmar war beauftragt, in der Zentral- kommission für Arbeitersport und Körperpflege, wo er Sitz und Stimme hatte,«ine Opposition zu bilden und über di« in» lernen Verhandlungen der ZK. der Sportabtei» l u n g der KPD. zu berichten. Di« Genosien Kretzschmar und Frank haben dieses Ansinnen abgelehnt und damit die Ar- beiter-Sport- und Kulturbewegung vor weiterer Schädigung durch das verantwortungslose Treiben kommunistischer Phraieure be- wahrt. Inzwischen sind sie auch konsequenterweis« aus der KPD. ausgetreten und Mitglieder der SPD. geworden. Die komimniistische„A r b e i t e r st i m m«" in Dresden be- stätigt in einem aufgeregten Aufsatz alles und erhebt aus Rache allerlei Anschuldigungen gegen die Vorsitzenden und den Derband. Der Verband Bolksgesundheit hat der Redaktion des kommu- nistischen Blattes eine Berichtigung zugestellt, der folgendes zu entnehmen ist: 1. Es ist unwahr, daß sich die Arbeit des Verbandes Volks- gesundheit unter der Kontrolle der SPD und des Erich Welcher (Opposition der KPD.) vollzieht. Weder di« SPD., noch Welcher haben einen Einfluß auf di« Gestaltung der Arbeit im Berband Bolksgesundheit. Die Geschicke des Verbandes werden lediglich von dem Berbandsvorstand und sonstigen satzuugsgemäß dazu berufenen Körperschaften des Verbandes bestimmt.— Im Verband besteht keinerlei Mißwirtschaft. Die Rechnungslegung ist«in- wandfrei.— Die Behauptung, daß der Berband Volksgesundhett bei der Druckerei'Kaden u. Co. 6000 M. Schulden hat, beruht auf Unwahrheit.— Das Vermögen des Berbandes Bolksgesundheit Hut in den letzten Iahren erheblich zugenommen. Bon einer Pleite bzw. von einem Konkurs des Ve-'-andes kann darum nicht ge- sprachen wer�-n— Weder die ST täte des Verbandes Volksgesundhett no.., der Verband selbst imd von der Arbeiierbank ab- hängig.— Die Verbandsleitung hat n i e m a l s ni i t s ü ch s i s 6; e n Industriellen Fühlung genommen und dies auch nicht beabsichtigt.— Kretzschmar und Frank ist von einem'lusschluß- antrag der Kommunistischen Partei nichts bekannt gewesen.— Die Hauptaufgabe der Verbandsleitung besteht in der Wahrung der gefundheitspolitifchen Interessen des arbeitenden Volkes. 120 Fahrer im D.R.U.-Trostrcnncn. Mit dem am kommenden Sonntag auf der 103,8 Kilometer langen Strecke Reinickendorf. Wittenau- Hermsdorf- Birtenwerder- Oranien- bürg- Nassenheide- Löwenberg- Gransee und zurück unter dem Titel „Fedia-Ballon-Herbstpreis" zum Austrag kommenden Tr o st- rennen der Ortsgruppe Berlin der Deutschen Radfahrer- Union ist auch für den offiziellen Berliner Straßenrennsport das Halali geblasen. Noch einmal treffen sich die Fahrer, und zwar die, denen es im Laufe der Saison nicht oergönnt war, auch nur einen zehnten, noch viel weniger aber einen ersten Preis mit nach Hause zu nehmen. Und es sind viele, die vom Mißgeschick verfolgt waren, die durch Sturm-, Reifen- oder sonstige Materialschäden um ihren Erfolg kamen: viele aber auch, bei denen es am nötigen Können fehlte, die nun noch einmal versuchen wollen, um sich ein neues Fünkchen Hoffnung für die Zukunft zu erobern. Der Start er- folgt in Reinickendorf, Graf-Roedern-Allee, Ecke Hauptstraße, um 7 Uhr, so daß die ersten Fahrer schon um 10 Uhr zurück sein werden. Die Preisverteilung findet nach dem Rennen im Sportrestaurant von Mann, Reinickendorf, Hauptstr. 31/32, statt. Die Hockey-Saison beginnt. Die Arbeiter-Hockeyspieler beginnen am 13. Oktober mit ihren'Serienspielen, und da jede Mannschaft gut vorbereitet in den Kampf um di« Plätze gehen will, werden jetzt eifrig Ge- sellschaftsspiele ausgetragen. Zwei der führenden Vereine wollen deshalb am Sonntag ihre Schläger kreuzen. Nach der langen Ruhe- pause dürfte dieses Treffen besonders interessieren. Es spielen: ASC. II gegen Ostring II von 14 bis 1514 Uhr, und die beiden ersten Mannschaften von 1514 bis 17 Uhr im Lichtenberger Station. Borlragsabend der Fachgruppe der Naturfreunde. Am Montag, 30. September, 20 Uhr, referiert* Herr Professor Moholy-Nagy im Friedrich-Ebert-Saal des Jugendheimes, Frankfurter Allee 307, vor den Naturfreunden. Der Referent hat im vergangenen Winter mit feiner technischen Inszenierung von„Hoffmanns Erzählungen" in der Kroll-Lper einen guten Erfolg gehabt, so daß dieser Abend ebenso lehrreich zu werden verspricht, wie die vortrefflichen Ausführungen des Herrn Prof. Stenger am vergangenen Montag in dem gleichen Kreise. Miethe, dessen eigentümliche Fahrweis« beim„Kriterium der Asse"— er machte durch Abbremsen des Feldes eine Verfolgung der Ausreißer Kroll. Schorn und Mandelkow unmöglich— unangenehm ausfiel und den berechtigten Protest des Publikums hervorrief, ist zur Bestrafung beim Sportausschuß des BDR. angezeigt worden. Zludcr-cr-iu.Sottnört«"«erlin 6.«. Die Gnmnakilabende des Beiein, be-iinnen mit dem t. Oltoder und finden Icdcn Dienstaa von IS— 22 Mir in der unteren Turnhalle, Soltcisiroke(am Bahnhof Stralau-RummeloduraZ. itait. Mit'.eilunaen Ubcr den ianstihen eraäniiunassporllichen Betrieb werden in der Mitalicderverfammluna am Donnerstaa, dem Z. Okiober, bekannt« Gcncbfn. Tie Borstanbsfitiuna findet am Sonnabend, dem 2». Eevtcmber, 2« Uhr. im Bootshausc siati. itreie Löwimmer Croh. Berlin«. B. Am Montan, dem 30. September, 20 Uhr. Ber-in-technikerähuna bei lZrank. Neukölln. Ganahofcrstr. l. Luna-Zcft. Kreier»ö-perkultnrkrei,»r-u,b«ra. S-nniaa. 20. September. Brbeit�icnft auf dem Keländc in Mähen. Treffpunkt 7',. Uhr Sörliher Borortbahnhof. Bon SöniaswuNerhausen fahren wir auf..ebesellschaf'sfabrfchein" mit der Tleinbahn. Montao. 30. September, 20Z» Uhr. Nacktbadeabend. Bärwald. strafte.' Sonnabend, 5. Oktober. Zahrt nach Tiefensee— ssreienwalde 18 Uhr Wrieiirner Bahnhof.?uo-ndlich- haben Zreifahrt und-quartier. Mcldunaen an: E. Albrecht und T. Waqner. Krci« Bubcrcr„id yannfahter I. Ätei«. Eintrittskarten jum Sefelliacn Abend(anfchlicftend an das Daucrrudern) können die Bereine aeaen Äuswei, bei Alfred �avlik, O. 34, Wilhelm-Stslie-Str. 38,»wischen 18 und 20 Uhr, abholen.