BERLIN Montag Zv.September 1929 10 Pf. Nr. 458 B 228 46. Jahrgang. CrfAtlnt täglich anltt Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.vorwärts'. Deiuzsprei« beide Ausgaden 85 Pf. pro Woche. s.so M. pro Monat. Sledaktion und Trreditlon; Berlin GW SS. LiudenSr.» Ii »eigen» reis! Die einspaltige Nonpareille»«!!« Pf.,«eNamt»eile S M. Ermäßigungen nach Tarif. stscheckkoato: Dorwärt<n ständigen' Wachsen begriffen sei. Beson- der? wies der Redner hin aus die Notwendigkeit der Mobilisierung und Aktivierung aller musikalischen Kräfte im Volk, beginnend vom Volksschulmusikunterricht, von dem aus der Anschluß an die große Massenchor bewegung unserer Zeit gefunden und gefestigt werde» müsse. Auch der Rundfunk und die mechanische Musik vermögen der musikalischen Valkserzlehung wichtige Dienste zu leisten. Es gelte auch, das Volkslied in der Jugend wi-der zu höherer Geltung zu brtngen und den heutigen KontpZNiften in der heranwachsenden Jugend das erforderliche Echo zu schaffen, dos im Laufe der letzten Jahrzehnte bedauerlicherweise mehr und mehr ver, lorcngegangen sei. Der Akkord Musik— Volk, das Zeichen, in dem die Arbeiten der kommenden Echuimusikwoche sich vollziehen müssen. In Vertretung des Kultusministers Dr. Becker, der infolge einer leichten Erkrankung am Erscheinen verhindert war, überbrachte hierauf Staatssekretär Lammers allen Erschienenen die Grüße der preußischen Staatsregierung. In weiteren Darlegungen betonte «r besonder» den Zusammenhang der Aufgaben, die das besondere Interesse des Kultusministeriums mit den Arbeiten der heutigen Ta» gung verbinde. Er fand lebhasten Beifall, als er den Anwesenden mitteilen tonnle, daß vom Kultusministerium eine Vermehrung der Stundenzahl im Musikunterricht in einer Reihe von Schulen in allen Provinzen beschlossen sei. Schließlich be- grüßt« auch Oberbürgermeister Menge die Gäste im Namen der Stadt Hannover und sprach seine besondere Beiricdigunz darüber aus, daß zum dritten Male in wenigen Jahren eine jo bedeutsame Zusammenkunft von Persönlichkeiten der Musikwell in dieser Stadt stattfinde. Di« Ansprach:» waren von chorischen Darbietungen des Hannoverschen Lehrergesangvereins eingerahmt. Hierauf ergriff, als erster Redner im Programm der Tagung Prof. Hans Freyer- Leipzig das Wort zu dem Thema„D i e geistige Bedeutung der Musikerziehung für Schul» und Volk." Klaus Pringsh.eirn. Die Deufjdx kunsigemeinschast eröffnet am S. Oktober, mittags IL Uhr ihr« Herbstausstellung. Wie in früheren Iahren hat diese Auestellung den besonderen Zweck, die künftlprischen Ziele der Deutschen Kunst gemeinschaft aufzuzeigen. Es werden Werke aller Teckniken und Richtungen und von Künstlern aus ganz Deutsch- land ausgestellt. Bei der Erössnung werden der Vorsitzende der Deutschen Kunstgemeinschast, Staatssekretär Schulz und Reichs mini st er Sepering Ansprachen halten, die mif dem Betliner Sender übertragen werden Das neue Grassi-Museum in Leipzig. Dieser Tage wurde endlich das neue Grassi-Museum durch Ansprachen, Musikvorträge und Führungen festlich geweiht und seiner Bestimmung übergeben. Lange Jahre hat Leipzig von den be- deutenden Sammlungen, die es in seinen völkerkundlichen, kunst- gewerblichen und länderkundlichen Museen besaß, nicht viel mehr gewußt, als daß sie irgendwo vorhanden waren. Das alte Grassi- Museum am Königsplatz ist Messehaus gewogen und das neue diente zur Aufftellung von Ausstellungen, u. a. Europäische Kunstgewerbe- schau, Reklamcschau, Krieg und Frieden usw. Inzwischen tobten heftig« Meinungsverschiedenheiten über die architektonische Schön- heit des monumentalen Neubaus am Iohannisplatz. So weit auch die Ansichten über das porphyrne Gebäude aus- einandorgegangen sein mögen, über die Art der Neuaufstellu-ng und Neuorganisierung der drei Museen für Kunstgewerbe, Völkerkunde und Länderkunde kann es nur eine Ansicht geben. Durch eine enge Zusammenarbeit des künstlerischen Beraters Dr. Wcißenborn mit dem Leiter des Museums Prof. Krause ist es in der erfreu- lichsten Weise gelungen, die wissenschaftlichen und pädagogischen Aus- gaben eines Museums zu lösen. Das neue Grassi-Museum wird nicht nur den Forscher oder Fachwissenschastler interessieren, sondern auch die weitesten Volkskreise können aus ihm Anregung und Belehrung gewinnen. Bei der Aufftellung des V ö l k e r m u s e u m s, das den größten Teil des Hauptbaues inne hat, ist es gelungen, sowohl die einzelnen Stücke als- auch die verschiedenen Kulturstufen zur Geltung zu bringen. Im Rahmen des Kunstgewerbemuseums werden Sonderausstellungen einer vollkommen eingerichteten Volkswohnung im Dessauer Bauhausstil und, zur Gegenüberstellung, von Erzeug- nissen der Werkstätten der Stadt Halle, gezeigt. Auch bei der Ausstellung der geographischen Sammlungen des Länderkundemuseums ist man nach den modernsten Prinzipien verfahren: wissenschaftlich einwandfreies Anschauung?- Material in abwechslungsreicher Art für jeden Besucher interessant aufzustellen. Die Neuorganisierung des Museums söhnt mit der mehrjährigen Pause aus. Das Neue Grassi-Museum hat in seinen umfassenden Sammlungen eine Bedeutung, die weit über lokale Grenzen reicht. Die Vereinigung der drei Museum in einem Gebäude kann man anderen Städten zur Nachhmung empfehlen. Auch die Art, wissen- schastliche Sammlungen für den Laien verständlich und gleichzeitig lebendig zu gestalten, kann sür andere Bildungsinsiitut« lehrreich sein. T. M. Gigantische Gtädtebauproiekte in Rußianü. Die Volkskommissare des Ukrainischen Rates haben eine Re> gierungskommission geblidet, die lediglich städtebauliche Aufgaben zu erfüllen haben soll. Man denkt an die Ausarbeitung von Bauplänen und Projekten, die die Anlage neuer, moderner und hygienischer einwandfreier Großstädte und Siedlungen zum Gegenstand haben. Di« wild durcheinander gewürfelten Siedlungen und Anlagen des industriell immer aufgeschlossener werdenden Donez-Reviers waren Anlaß zu diesen Plänen. Ihre Durchführung denkt man sich in Ver- bindung mit privaten und industriellen Gesellschaften. Die Vor- arbeiten lassen erkennen, daß man zunächst etwa S große Stadtkerne anzulegen beabsichtigt,, deren Kosten man nach deutschem Gelde auf rund 238 Millionen Mark beziffert. Wann mit der Durchführung. begonnen wird, steht noch nicht fest. Retlam-?!ummer ZOOi?. Wenn die volkstümlichste deutsche Bllchersammlung ihre 7000. Nummer erreicht, so ist dies ein Ereignis, das unser ganzes Volk an- geht. Nr. 1 von Reclams Unioerfal-Bibliothek(Goethes Faust) er- schien Anfang 1867. In gerader Linie ist das vor länger als 60 Jahren festgelegte Programm fortgeführt worden. Reclams Unioersil- Bibliothek umfaßt die wichtigsten Bücher aller Völker und Zeiten, dauernd findet eine Ergänzung mit Werken moderner Autoren statt. Einband, Papier, Heftung, Schriftgröße entsprechen neuzeitlichen Anforderungen.„Wenn irgendwo das Wort, daß der»Erfolg ver- pflichtet, geehrt worden ist, so hier," schreibt Professor Georg Wit- kpwski in seinem Aufsatz zur Reclam-Hundertjahrfeicr.„In immer verbesserter Gestalt hat die Unioersal-Bibliothek sich später den Forde- rungen einer zu Beginn noch gar nicht vorhandenen Buchkultur an- gepaßt. Aus dem dürftigen Lesefutter ist ein dem Auge wohlge- fälliges, hohe Ansprüche erfüllendes Buchgebilde geworden." Daß die Univevfal-Bibliothek in ihrem inneren Ausbau durchaus aus der Höhe unserer Zeit steht, beweisen die zahlreichen aktuellen Neu- erscheinuttgen der letzten Jahre: Radiotechnik(Nr. 6776— 78), Frauenbewegung(Nr. 6975), Graphologie(Nr. 6976—78), Bodenreform (Nr. 6972), moderne Ernährungskunst(Nr. 6994) usw. Dabei sind aber die Geisteswissenschaften und die schöne Literatur keineswegs vernachlässigt worden: es sei nur an die allgemeinverständliche Ein- führung in Kants Lehre von Theodor Valentiner(Nr. 6933— 34) und an Paul Fechters Uebersicht über die deutsche Dichtung der Gegenwart(Nr. 6984) erinnert. Daß man sür 40 Pf. auch Werte der bedeutendsten Autoren der Gegenwart— von Gerhart Hauptmann und Thomas Mann bis zur jüngsten Dichtergeneration— bei Reclom haben kann, ist freilich noch nicht genügend bekannt. Die nnt der Nr. 7000 erscheinende Nepräsentationsserie ergänzt die Reihe der modernen Autoren, so daß jetzt nahezu alle Namen von Rang m der Universal-Bibliothek vereint sind. Dr. Leopold Hirschberg, der bekannte Dozent der Musikwisjen- schaff und Bibliophil« ist im Alter von 61 Iahren gestorben. Er war durch seinen mu si k w i sse nis chastl ichcn Bortragszyllus, bei denen er sein« Reden durch Begleitung am Klavier und durch Gesang er- läuterte. In allen Teile» des Reiches bekannt. Uffvrunglich Mediziner, wandte er sich bald muslkwlssenschaftsichen und siterarischen Studien zu. Aus seiner Feder stammen zahlreich« Auffätze in Zeitungen und Zeitschriften über musikalische Themen und über!e n Spezialgebiet, die Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, die er durch Herausgabe zahlreicher Neuausgaben der klassischen und rcmant'schcn Literatur ergänzt«. Daneben war Dr. 5>irschberg als Bücher- und Musikalien- sammler bekannt. Besonders bekannt geworden ist fein Buch„Erinne- rungen eines Bibliophilen". „Villig und schlecht!" Am heutigen hundertsten Geburtstag« von Franz Reuleaux(geb. 30. September 1829 in Vschweiler) ver. dient die Rolle, die der bedeutende Ingenieur und Professor der Kinematik an der Berliner Technischen Hochschule, vorher der Ge- werbeakademle, als Vertreter des Deutschen Reiches aus der Welt- ausstcllung in Philadelphia gespielt hat, ein kurzes Erinnerungs- wori. In seinen Briefen aus Philadelphia gab er über die Leistungen des deutschen Gewerbes das kurze und scharfe Urteil billig und schlecht" ab. das natürlich vielerseits Anstoß erregte, aber nicht wenig zur Hebung der deuffchen Industrie beigetragen hat. Der oielseffig« Mann hat auch der deutschen Märchenwelt sein Interesse zugewandt, er hat von Wyß'„Schweizerischem Robinson" eine Neubearbeitung berausgegeben und von Longfellows Nationakepos„Das Lied von Hiflwatha" verdanken wir ilp» eins Uebersetz'.mg im Verrrmt-' � Urschrift. Oer Wille zum Aufflieg. Das Arbeitsprogramm des ZdA. Di« Berliner Ortsgruppe des Zentralverbandes der Angestellten hat jetzt ihr gedrucktes Programmheft für die Monate Oktober bis Dezember herausgegeben. Es dürfte interessieren, welchen Arbeits- plan sich der größte der freigewerkfchastlichen Angeftelltenverbänd« für die nächsten Monate gemacht hat. Die Tagesordnungen der Fachgruppen- und S c k t i o n s- Veranstaltungen, der Mitglieder- und F u n k t i o n ä r ver- sammlungen zeigen die Absicht, grundsätzliche gewerkschaftliche Fragen ebenso wie aktuelle wirtschafts- und sozialpolitische Problem« der Mit- gliedschaft nahezubringen. Auch in den Werbebezirken wird wertvolle Bildungs. und Aufklärungsarbeit geleistet. So wird in allen Novemberversammlungen das aktuelle Thema behandelt werden:.Kommunale Arbeit— ihr« Bedeutung für den sozialen Kampf der Angestellten." Für die weiblichen ATitglieder und Funktionärinnen sind noch Sonderveranstaltungen vorgesehen, die den Interessen der weiblichen Angestellten weitgehend entgegenkommen. Die Biel- seitigkeit der in der I u g e n d g r u p p e geleisteten Arbeit zu schildern, dürft« auf diesem knappen Raum nicht möglich sein. Don besonderer Bedeutung ist die berufsbiidnerische Arbeit, deren sich der ZdA. befleißigt. Die am Arbeitsplan vorgesehenen „Berufskun blichen Arbeitsgemeinschaften" ent- halten Lehrgänge der chauptgebiet«: Sprachen, Kurzschrift, Plakat- schrift, Betriebskunde, Warenkunde, Buchführung und Bilanz, Handelsrecht, Sozialrecht. Es beweist die Weitsichtigkeit überlegter Gewerkschaftspolitik, wenn der ZdA. seinen Mitgliedern den Besuch dieser Arbeitsgemeinschaften besonders dringend ans Herz legt. Denn, wie es im Programmheft heißt: Die Erweiterung und Vertiefung der Berufskenntnisse und Filhlgkekten versSJrkt auch dke soztak« Wirkungskraft der Angestelltenbewegung. Gediegen« berufliche Aus- b i l d u n g, verbunden mit gewerkschaftlicher Schulung! — sie gemeinsam bilden die Doraussetzung für den sozialen Auf- stieg der Ang« st eilten! Vom Berliner Arbeiismarkt. �84ZSS Arbeitsuchende. Die Arbeitsmarktlage im Bereiche des Landesarbcils- amlc» Brandenburg behielt in der Berichtswoche(16. September bis 21. Spetember 1929) die Beständigkeil der vor- wochen bei. Zn der Bericht swoche ist die Zahl der Arbeitsuchenden u m 6 0 Z g e f a l l e n. aus 215 449. d. h. um 0,2S JJroz., gegenüber einer Zunahme von 1440 gleich 0.6? Proz. in der Borwoche. Arbeitsuchende waren in Berlin 1S4Z5S. „Orügemütler beschimpft Streikende." Verleumdung soll helfen. Die„Rote Fahne" vom Sonntag verkündet in extra großer Auf- machung, daß der Genosse Drügemüller streikende Bauarbeiter auf dem Tietz-Reubau beschimpft Hab«. Zu dieser unverschämten Der- leumdung nahm heute vormittag die Versammlung der Stukkateure Stellung. E i n st i m m i g, auch mit den Stimmen der Industriever- Händler, wies die Bersammlung die unter Zuhilfenahme einer unver- schämten Lüge ausgesprochene Beleidigung der„Roten Fahne" gegen den Genossen Drügemüller energisch zurück. Gleichzeitig nahm die Versammlung davon Kenntnis, daß ein wild Streikender erklärt hat, er habe bereits drei Jahre Zuchthaus hinter sich und schrecke nicht davor zurück, dem Obmann der Stukkateur«, wo er ihn fände, die Knochen zu zerbrechen, auch wenn er nochmals drei Jahre Zuchthaus auf sich nehmen müsse. Die Belegschaft wird sich diesen sauberen Patron besonders merken. Schiedsspruch für die Hochseefischerei. Hamburg, 30. September.' Schlichter Dr. S t e n z e l- Hamburg hat für die deutsche Hochsee- sischerei«inen Schiedsspruch gefällt, nach welchem die f e st e n Heuern um 6)4 P r o z. erhöht werden sollen. Die Neurege- lung soll für anderthalb Jahre Geltung haben. Die Erklärungssrist der Parteien läuft am 6. Oktober ab. Das„schlechte Manuskript" als Ausstellungsobjekt. Der Leipziger Korrektorenverein veranstaltet aus Anlaß seines 25jährig«n Bestehens im Deutschen Buchgewerbehaus unter dem Titel„Die Berufsschwierigkeiten des Korrektors" eine Ausstellung, in der alles gezeigt werden wird, was mit„schlechtem" Manuskript und seinen Folgen zusammenhängt: Versagen des Setzers, der Maschine und sonstige Ursachen. Das Material ist außerordentlich reichhaltig. Wetter für Berlin: Wechselnde Bewölkung ohne wesentliche Niederschläge, Temperaturen im ganzen wenig verändert.— Für Deutschland: Im westlichen Küstengebiet veränderlich, strichweise etwas Regen, sonst allgemein wechselnde Bewölkung, aber trocken bei wenig geänderten Temperaturen. S!PD.»Weib«au»schub der qrapbischen Killearbeit er«ad-arbeitrrin»««. Morqen, Dienstaa, 17 Uhr, in den Eity.�cstsälen, Versammlunq. Tbemar .Partei-ad«ewerlsch-ftcn-. Refercnt Genosse S-a-lbert Pucher. PH« P-ricl- acnosscn und S-mv-tdisierendc sind cinacladea. Der Werbeaneschn«. Ncrantworllich kür die Ziedaktion: Franz Illiih», Berlin: Anzeigen: Td. Gloae» Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag S. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Bcrlagsanftalt Paul Singer& Co. Berlin SW SS. Lindenstraße Z. Hierzu 1 Beilage. � Tltealet, Lickispiele usw.) Merkur 1624 Täglich 81/« Uhr ixAdalberi als Nante am Flügel Vorverkauf auch im Pavillon der Rein hardtbühnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 OeDtsdiei Theatsr D.I. Norden 12 310 8U„ Ende gegen 11 Die Flcdermaos Musik v.joh. Strauß Regie; Max Reinhardt. Dirigent E. W. Korngold. Ausstattg. U Kainer Tt|l. t firtfelL 5 Mi t'h Ikr _ ßntamu 92» (losere neuen Preise: Wiceeetais t Dir U Pf. tls 1«er» Hol IV,» ieent. i»Irr 1 Hs 8 llert Tägl, S u. SU Sonnt. 2. so 8" | Alex. E. 4.8066 INTERNAT. VARIETE R«ichshall«ii>Theater AllxbeadL[T] Sonntag nach m,| Jjj Sleltlnersosanner Fest- Prog ra m m I Nachmitugs halbe Preise. Dönhoff• Brettl- Varlefö Tanz— Konzert. 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September 1929 SprAbmd SfuiJaaigaJü hbuxtrA Mit Negern auf der Reise Kästenfahvt nach Loanda Von Heinrich Hemmer Die See cm der afrikanischen Aequatorialküste ist so kapriziös wie nur irgendeine Schöne: ganz unvermittelt erhob sich«in Wirbelsturm, fegte unsere sämtlichen Madeirastühle wie lose Blätter über Bord und eine Stunde später lag dasselbe Wässerchen so friedlich wie ein verträumter Schloßteich da. Fliegende Fische und Santo Antonio(anf Principe}. Tümmler von seltener Größe führten hohe Sprünge über dem Wasser aus(die gelegentlich in der Bratpfanne endeten) und ein Walfisch schoß wonniglich umher und produzierte sich als lebender Springbrunnen: als würden niemals auf seinesgleichen konzertierte Angriffe von Schwert- und Hammerhaien unternommen oder explosive Torpedos in seinen tranhältigen Leib geschossen. Schließ- lich erschienen Hunderte von exotischen weißen Vögeln und führten einen Reigen um unser Schiff aus: es waren Abgesandte des oller- schwärzesten Staates: Liberia, der unter amerikanischer Aegid« ein sorgenloses Dasein führt. Jetzt kam auch Leben, das heißt noch mehr Leben in die Bordeck-Gefellschaft von Negerweibern und ihren paradiesisch adjustierten aber leider nicht ganz stuben- reinen Sprößlingen, die von den halbverhungerten Capoerdischen Jirseln kommend, chr Aeußerstes taten, ihr Passagegeld abzuessen und sozusagen mit Händen und Beinen futterten. Di« m ä n n- l i ch e n Zwischendecker, namentlich ein« Anzahl nach Loanda de- portierter Soldaten zeigten großes Interesie für die schwarzen Weiblichkeiten und schienen vielfach geneigt zu sein über Rosien- unterschiede hinwegzusehen, was bekanntlich niemand so leicht fällt wie dem Portugiesen. Diesen Abend wurde mit viel Radau und Ausdauer ein afrikanischer Nationaltanz aufgeführt, wobei die Negerinnen, in Ermangelung von Musikinstrumenten auf ihre geballten, zwischen die Beine geklemmten Tücher losdroschen, was wirklich einen trommelartigen Effekt hervorrief. Nach dem Tanz- vergnügen folgte, genau wie in meiner trauten oberbayerifchen Äeüuat eine solide Keilerei, nur daß bier Frauen die Kämpfer s-UIten.--" J" r-'• r' So ging es noch zwei Tage; dann tauchte ein Pik auf, der wohl 2000 Meter in den Himmel ragte, und gerade, wie wir ihn knipsen wollten, hinter einem Wolkenvorhai� verschwand. Bald darauf warfen wir in einer wunderbaren Vereinigung von Meer und Tropengrün Anker: es war der Hafen Santa Isabel der schönen spanischen Insel Fernando Po. Einmal enttäuschen wohlklingende Namen nicht! Wie da die rotweihen Häuser ein- gebettet liegen in saftigstem Grün, und Kirche, Gouverneurspolast, Kaserne und Hospital, alles schlummert wie in einem seligen Traum— aber mit dem Aufenthalt wars nichts. Es wurden nur für einen hohen Herrn ein paar Koffer abgeladen. Das heißt sie wurden in«ine Schlinge befestigt und in einen Leichter hinab- gelassen... eine Welle trieb ihn gerade hoch.... die Stoffer stießen am Bordrand auf... die Schlinge löste sich und sechs Koffer kollerten auf Nimmerwiedersehen in die Tiefe. Hoffentlich enthielten sie nichts Wichtigeres als Akten! Wieder ein Tag: und wir sind wieder in portugiesischen Ge- wässern. Kaum«inen Steinwurf entfernt neigen sich die Ufer- palmen über einer kräftigen Brandung, aber der Ort zeigt sich weitab in tiefer Bucht, über der sich noch grotesker geformte Berge erheben und deren Vegetation noch saftiger und reicher ist: Principe. Palmen, Palmen, Bananen, Mamaobäume, Knusper- Häuschen tief versteckt unter Blumen und dichtem Grün, ein stlber- Heller Fluß: ein Paradies— doch warum hütete sich der Portugiese, der auf der paradiesischen Insel Principe eine Erbschaft gemacht, sich jeher diese anzutreten? Es hat ein Häkchen mit diesem Paradies. Principe stand in allerschlechtestem Ruf in bezug auf seine gesund- heitlichen Verhältnisse und bis vor wenigen Iahren forderte die schreckliche Schlafkrankheit ungezählte Opfer. Auf der andern Seite der Bucht war noch das ausgedehnte Hospital zu sehen, in dem die Kranken isoliert worden waren... Jedenfalls im Hause Jtujen ton Santa Ujabel(Fernando P6). der Dompferagentur gibt es ein« tadellose hygienische Einrichtung, künstlerisch ausgeführte Parkettfußböden, chinesische Kunstmöbel, ostasiatisch« Bronzen und Porzellane— und eine Pianola...... Auf der Schwesterinsel S. T o m ä, der berühmtesten dieser drei Kakaoinsel gibt es sogar Mietsautos— und Sklaverei.... Hier wurden unser« 40 Negerinnen ausgebootet— wie viele werden die Heimat wiedersehen? Was ahnt der friedliche Bürger, der morgens seine Tasse Kakao schlürft, von dem Los derer, die dies gartbejaitete Gewächs, das unendlicher Pflege bedarf, zu pflanze» haben! Wer kann sich einen Begriff machen von der intensiven Arbeit, die auf den hier unterhaltenen Riesenpflanzungen von den Schwarzen geleistet worden ist und wie viele Opfer an Menschen- leben sie gekostet hat! Seit einem halben Jahrhundert werden diese mehr oder weniger„freiwilligen" Lohnarbeiter ständig im- portiert. Aber während früher der importierte Neger rücksichtslos ausgenutzt wurde, bis er das Zeitliche segnete, werden jetzt richtige Arbeitskontrakte abgeschlossen und es gibt reinliche Arbciterhäuser und Spitäler: schon aus dem sehr einleuchtenden Grunde, daß der Arbeiterimport immer teurer und schwieriger wird. Die K a k a o s r u ch t hat die Form einer großen Zitrone, wächst unmittelbar aus dem Stamm heraus und ist zur Reifezeit von gelber oder rötlich-violetter Farbe. Die Kerne werden im Walde herausgeschält nach den Fermentationsanlagen getragen oder gefahren, dann getrocknet und gehen dann nach den zumeist europäischen Spezialsabriken. Aber das ist ein Kapitel für sich und unsere Fahrt ging nochmal drei Tage weiter. Dann bog der Dampfer in eine durch mit vereinzelten Palmen bestandene Sand- ins«! abgeschlossen« flache Bucht mit einem Fort, scheußlichen Häufen Principe— das ungefunde Paradies. klumpen, Lagerschuppen, charakterlosen Kirchen, Negerhütten, Kohlenlager, Marinestation, Fischmarkthall«, Observatorium, Ka- fernen und Regierungsgebäuden, und ich sah mich der Hauptstadt Loanda der portugiesischen Provinz Angola gegenüber. Je ein Neger lud sich eins meiner sieben Gepäckstücke auf den wolligen rsmom Stinnenlandfctiaft in Principe. Dickschädel, wobei der, der die Miniaturschreibmaschine erwischt«, genau so stöhnte, wie der Pechvogel, dem der schwere Kabinen» koffer zugefallen war. Das erste Hotel hatte gekalkte schmierige Wände, die Drahtgaz« hing in Fetzen von den Fensterflügeln meines Zimmers, so daß es vollkommen gleich war, ob man sie offen oder geschlossen läßt, der stellenweise mit verschiedenen Linoleumresten belegte Holzfußboden war dermaßen von Bichos zerfressen, daß beträchtliche Löcher entstanden waren, und an den paar Möbelstücken fehlten Füße, Handgriffe, Lehnen, Tischecken: aber hurra, wie freute ich mich am nächsten Morgen! Denn, tat- sächlich, Wanzen waren keine da. In Afrika tritt doch immer das Unvermutete ein! Kaufleute und Angestellte Betrachtung zur Angestelltenfrage von einem Angestellten Es war zur Zeit der letzten Hohenzollern, als in Deutschland erstmalig das Wort vom königlichen Kaufmann geprägt ■ wurde. Diesen Titel, hatte», sich damals ewig» Männer erobert, denen es gelungen war, durch rücksichtsloseste Ausnutzung sich bieten- der Gelegenheiten Riesenvermögen zu erwerben. Es spielte durch- aus keine Rolle, ob das Geld etwa durch den Handel mit schwarzem Menschenfleisch, durch die Ausbeutung von Kindern im Alter von über und unter zehn Jahren in den Hauswebereien Schlesiens und Sachsens, durch Kriegslieferungen ins Ausland, Schiebungen in den Kolonien oder auf sonstwelche ähnliche Weise zusammengerafft worden war. Die Besitzer des Mammons hatten den Erfolg für sich, sie befestigten ihren Ruf als Könige ihres Ge- werbes später in einzelnen Fällen noch durch Errichtung von öffent- lichen Prachtbauten in ihren Heimatstädten, und sie erwarben sich auf Grund ihrer Kapitalsmacht allerlei Vorrechte, die dem Gros ihrer Volksgenossen oersagt blieben. Diese begnadet« Sondertlasse im kaufmännischen Erwerbsleben ist auch heute noch nicht ausge starben. Auch heute noch werden im Geheimen auf mancherlei anrüchige Art und öffentlich durch immer schärfere Ausnutzung der menschlichen Arbeitskraft— gefälliger und moderner ausgedrückt— durch äußerste Rationalisierung der Betriebe von einzelnen Unternehmern und Unternehmer- gruppen Riesenvermögen aus den Knochen und Hirnen des Arbeits- Proletariats herausgewirtschaftet. Auch heute noch dürfen, wie die Gerichtsverhandlungen der jüngster. Zeit gerade wieder erneut be- wiesen haben, skrupellose Fürsten des Kapitals Staat und Regie- rung um Millionen betrügen oder wenigstens den Versuch dazu machen, ohne daß ihnen auch nur ein Haar gekrümmt wird, w ä h- rend jeder kleine Verstoß eines halbverhungerten Proletariers gegen die bestehende Ordnung meistens mit der ganzen Strenge des Gesetzes geahndet wird. In dieser Beziehung haben sich gegen früher aljo höchstens die Methoden geändert, mit deren Hilfe die Millionen erworben werden. Ganz gewallig geändert haben sich dagegen die Verhältnisse der Angestellten im Kaufmannsberuf. Während früher für dies« Gruppe von Arbeitnehmern durchweg genügend Stellungen für Vertreter jeden Alters vorhanden waren, weil Angebot und Nachfrage sich die Wage hielten, stellen heute die kaufmännischen Angestellten im Verhältnis den größten Pro- zentfatz der Erwerbslosen. Während früher die Stellun- gen in den Kontoren wenigstens einigermaßen ausreichend bezahlt wurden, sind heute die kaufmännischen Angestellten mit zur schlechte st bezahlten Gruppe der Arbeitnehmcrschast her- abgesunken. Gehälter von 100 bis 110 Mark bilden für junge An- gestellte nach drei- und vierjähriger Lehrzeit die Regel. Welcher ausgelernte junge Handwerker arbeitet für das gleiche Geld? Um Stellungen, die mit 160 und 180 Mark monatlich bezahlt werden, reihen sich in jedem Einzelfall Hunderte von Bewerbern, darunter gesetzte Familienväter, Abteilungsleiter usw. mit umfassenden Sprachkenntnisson und gediegenster Fachausbildung. Die Regierung hat sich genötigt gesehen, die Grenze des u n- pfändbaren Einkommens auf 195 Mark für den Einzel- steuerzahler heraufzusetzen, ein Beweis, daß dieser Betrag das zum Leben notwendigst« Minimum darstellt. Wie verhält sich dazu die mehr oder weniger königliche Unternehmerschaft im Kairf mannsberuf? Man sehe sich die Tarifverträge an, die die Gewerkschaften in Anbetracht der ganzen Verhältnisse bei den Angestellten und der rigorosen Einstellung der Prinzipale wohl oder übel abzuschließen gezwungen sind. Für die erste Gruppe der Angestellten, also für jene, die etwa dem jüngeren Gesellentum der g-lernten Handwerker mit Wochenlöhnen von 35 bis 40 Mark entspricht, ist trotz aller Bemühungen der Gewerkschaften selten mehr herauszuholen als das bereits-oben erwähnte kärgliche Anfangs- geHall. Dabei entfällt auf diese Gruppe der„mit mechanischen Arbeiten beschäftigten Angestellten" nach der Praxis und der Aus- legung des Unternehmertums schon heute der weitaus größte Teil der Angestelltenschaft überhaupt, und je weiter die Epeziali- sie rung und Typisierung des ganzen Geschäftsbetriebes in Handel und Industrie fortschreitet, um so mehr wird sich diese Gruppe vergrößern, und um so weniger Angestellte werden in den Genuß der Gehaltsätze für die höheren Tarisgruppen von 200 und 300 Mark gelangen. Geht man den Ursachen nach, die zu dieser besonderen Misere im Leben der kaufmännischen Angestellten geführt haben, so findet man darauf nur eine Antwort. Gewiß hat auch der Beruf der kaufmännischen Angestellten unter der allgemeinen Arbeitslosig- keit ganz erheblich und wohl mehr als die meisten anderen gelitten. Gewiß ist gerade dies« Branche durch den durch die Aeitläufe be- dingten und unvermeidlich gewordenen Eintritt der Frau in das Berufsleben in allererster Linie betroffen worden. Aber beide Umstände, so bedeutsam sie an sich auch sind, bilden nicht die Haupt- gründe für die außergewöhnlich schlechte wirtschaftliche Lage der Angestelltenschast. Als Hauptgrund hierfür muß vielmehr die Tatsache verzeichnet werden, daß die kaufmännische Arbeitnehmerschast in Organi- sationssragen heute immer noch meilenweit hinler der Arbeiterschaft zurücksteht. � In erster Linie dieser Umstand, mit anderen Worten, die Be- griffsstutzigkeit eines nicht unerheblichen Teiles der Angestellten, der nicht einsehen will, daß nur' eine klare Scheidung nach dem Grundsatz hier Arbeitgeber— hier Arbeitnehmer helfen kann, ermöglicht es den Unternehmern, sich mit einem so in die Augen springenden Erfolg gegen die geldliche Besserstellung. ihrer Angestellten zu wehren. Die scheinbar nicht auszurottend« Uneinig- keit der Angestelltenschaft untereinander, begünstigt.durch das von den Arbeitgebern bewußt gezüchtete Vorgesetztenverhältnis(nach Möglichkeit an jedem mit drei Leuten besetzten Arbeitstisch ein Unteroffizier), die Verzettelung der Kräfte in allerlei Verbänden und Verbändchen, die zum Teil mit den Arbeitgebern sympathisieren und mit von ihnen unterhalten werden, und schließlich auch noch der Dünkel mancher Angestelltentreise, die mit einer gewissen Ge- ringschätzung auf den Mann in der Arbeitsbluse her- absehen, auch ihm gegenüber nach Wunsch und Willen der Prinzipale den Vorgesetzten(der schlechter bezahlt wird als der Untergebene) nach Möglichkeit herausbeißen und so die so sehr notwendige Verbindung der beiden großen Arbeitnehmergruppen verhindern, sind die hauptsächlichsten Ursachen des Angestelltenelends. Der Aufstieg der Arbeiterschaft hat begonnen, nach- dem die freien Gewerkschaften das Heft in die Hand genommen und die Führung angetreten haben. Der Aufstieg der A n g e st e l l t e ns ch a f t.wird erst wieder einsetzen, weim sie endlich einmal in corpore begriffen hat, daß sie für ihr« Chefs nicht das so oft zitierte, hin und wieder von ihnen poussierte, immer aber durchschnittlich jämmerlich schlecht bezahlte „Bindeglied" zwischen der Leitung des Betriebes und der- Arbeiter- schaft darstellt, sondern— genau wie die Arbeiterschaft auch— das Objekt zum Gelderwerb und zur Züchtung weiterer könig- licher Kaufleute, die sich den nur zu berechtigten Wünschen der An- gestellten in bezug auf Besserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse um so mehr entgegenstemmen werden und können, je größer ihre Macht und ihr Einfluß wird. �xelia. „Aufhören, hier wird gedreht!� brüllt« Bencke. Der Hilfs- reMeur gab den Ruf weiter:„Aufhören, hier wird gedreht!" und di« Hämmer und Ruf« der Arbeiter nebenan verfwmmten� Das Spiel begann. Di« Apparate schnurrten. Glaß betrachtete kritisch die Szene. Dolora saß immer noch auf dem Bettrond und zeigte ihr« schönen Beine. Lyssander löste sich vom Spiegeischrank und kam langsam näher. Dolora lächelte. Lyssander blieb gemessen. Nur sein« Augen spielten in der ebenmäßigen Landschaft des Gesichtes. Die Apparate schnurrten. Der Mann näherte sich Dolora und blieb l>ei ihr stehen. Er streckt« beschwörend die recht« Hand aus und verbeugte sich dann. Sie lächelte huldvoll, und als sein Mund sich dem ihren nähert«, legte sie die linke Hand vor ihr Gesicht und sah ihn durch di« osfenen Fing«r neugierig an. Lyssander legte dann seinen Arm um ihre Hüfte und versprach Glück und Reichtum, aber sie entwand sich seinem Grass und lies durch das Jimmer. Ihre Flucht war keine Flucht, war nichts als neue Verlockung. An der Tür blieb sie stehen und keucht« wie ein gehetztes Wild. Lyssander war mit einem Satz bei ihr. Da fiel sie ihm um den Hals und ergab sich. Das Spiel war aus. Die Lichtgeschütze verzischten. Die Musik brach mitten in der Schilderung des Duftes vom weißen Flieder ab. Lyssander war wütend. „So ein Blödsinn", sagte er leise. „Die Szene ist so unmöglich. Gnädigste!" sagte Bencke und kam näher.„Wir müssen wiederholen. Wir spielen so, wie es be- sprachen war." „Habe ich nicht richtig gespielt?" fragte Dolora. „Doch, aber wir haben falsch angefangen", sagte Bencke. Er besprach sich mit Lyssander und ließ dann einen tiefen Sessel in dos Zimmer tragen. Diesen Sessel rückte Lyssander selbst zurecht. Er wollte das Leben darstellen, seine Begegnung mit Marianne, und Bencke erklärte Dolora noch einmal die Situation. Sie fand sich rasch hinein, und als die neu« Aufnahme begann, war sie auch das klein« Mädchen, das ihre Unschuld verteidigt«, aber sie tat es mst so kaltem Gesicht, das Lyssander selbst schlecht spielte und das Bild verdarb. Zum drittenmal erbrauste das strahlende Licht, zum drittenmal klappert« das Lied vom weißen Flieder, aber nun spielt« Dolora falsch, sie stellte eine kleine Nutte hin, die sich als dummes Gänselieschen gibt. Jetzt verlor Lyssander die Nerven. „So geht es nicht weiter, Dolora," sagte er leise zu seiner Mit- spielerin.„Wir lassen heut« dieses Bild. Die Leute laufen uns ja aus dem Theater davon, wenn sie dieses Theater sehen. Mehr Leidenschaft und Abwehr, liebes Kind. Mit der Seele spielen!" „Ich spiele ja mit der Seele!" sagte sie geziert.„Vielleicht bin ich von gestern abend noch etwas verwirrt... Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können, Lyssander. Noch einmal, bitte, noch einmal dieses Bild. Ich fühle, es wird jetzt gut werden!" Lyssander besprach sich mit Bencke, und zum viertenmal blendete das strahlende Licht auf, zum viertenmal klimperte die Musik. Das Spiel begann, und Dolora war besser. Als er sich ihr im Sessel näherte, war sie wie eine wild« Katze und schlug auch wirklich zu. Ihre Augen funkelten. In ihren Augen war Haß. Aber das Bild erreichte doch nicht das Vorbild mit Marianne. Lyssander war immer noch unzusrieden, aber Bencke fand diese Fassung ausgezeichnet. Diese Szene konnte gut geschnitten werden. Dolor« durfte bei dem nächsten Bild pausieren. Lyssander war der elegante Lebemann in seinem Heim und schäkerte mit einer jungen Dame. Der Lakai, der ihn dabei überraschte, behielt sein würde- volles Gesicht, trotzdem die junge Dame seine Schwester war. Glaß schlenderte durch die anderen Ateliers und begrüßt« viel« Bekannte. Ueberall wurde gearbeitet. Ueberall flammten die Lampen. Ueberall klimperte Musik. Hier in den Kulissen wurde mit einem großen, technischen Apparat die Welt noch einmal gebaut. Zehn und zwölf ernsthafte Männer waren damit beschäftigt, die»er- logenen Tränen eines Stars zu filmen. Der Star war die große Lichtsonn«, um die sich die kleineren Lichter der anderen Schauspieler drehten und bewegten. Um den Star bauten sich ganze G> sellschasten auf, um den berühmten Schauspieler, aber noch mehr um die berühmte Schauspielerin. Manch« Stars hatten besondere Aktiengesellschaften zur Ausbeutung ihrer Talente gegründet und waren viel beschästigt, filmten am Tag und dröhnten am Abend im Theater. Im Schatten der Stars verkümmerten die kleinen Schauspieler und noch mehr die Komparsen, die glücklich war«n, wenn sie vier oder fünf Aufnahmen im Monat bekamen. Es war viel Betrieb in den dünnen Kulissen und Dekorationen: der Kampf im Licht war ein großer, erbitterter' Kampf. Laster und Tugend, Himmel und Hölle, Armut und Reichtum, olles wurde bei einem Rundgang durch die Meliere sichtbar. Gegen Mittag strömten die bekannten Schauspieler, unter ihnen Lyssander, der Held der Mädchenträum«, mit ihren Damen in die KünstlerNaus«..Die Komparserie und das technische Personal sammelten sich in' der großen Kamine. Iit der Kantine konnte man oft einen mittelalterlichen Landsknecht mit einem Lebemann und einem amerikanischen Polizisten Karten spielen sehen. Zwischen den Komparsen hockten die Beleuchter in ihren weihen Kitteln. Die Theke war unllagert. Neben halbnackten Tanzgirls standen zer- lumpt« Bettler und elegante Gents. In der Kantine war viel Leben und Betrieb, denn hier war das Volk, hier waren all« gleich und eine große Familie. Die Künstlerklause war ein geschmacklos ausgestatteter Raum mit prunkvoll getasellen Wänden, mit geschnitzten Terrassen, gotischen Stühlen und Tischen und erinnerte immer an den fatalen Trompeter von Sättingen. Die runden und langen Tische waren von den ver- Lopxttzin 1929 by„Der Bfleherkreis Q. m b. H", Berlin SW 61 schi«denen Gesellschaften für die Stars, die Regisseure und Operateur« belegt. In dem allgemeinen Klatsch plätscherten die leichten Wellen- schlage neuer Pläne und Geschäfte. Am Tjsch bei Lyssander trefft« das Gespräch um einen russischen Star, der einen weltberühmten Namen trug, in Berlin zum ersten Male filmte und als schönste Frau Sowjetrublands in allen Jour- nalen gepriesen wurde. Sie wurde von ihren Kollegen nicht geliebt, sie war hochmüttg und herzlos und nur mittelmäßig begabt. Ueber dies« Frau führte Dolora das Hauptwort und ereiferte sich vor allen Dingen über den pompösen Schmuck, den der russische Star gern zur Schau stellte. Daniel Kreß nahm Partei für die Russin. „Wir sind für Zusammenarbeit mit da drüben!" sagte er.„Und was Dolora erzählt, sind Weibergeschichten. Diese Frau ist kein Stern wie di« Baranskaja in der„Mutter", aber sie hat ein schönes Gesicht und Witz. Als ihr bei einer Gesellschaft einmal«in junger Mensch zu nah« kam und zu zudringlich wurde, blitzte sie ihn an und sagte:„Hände weg von Sowjetrußland!" So was machen Sie erst mal nach, Dolora! Bielleicht drehen wir auch mal einen russischen Film. Wso keine Aufregung, Herrschaften!" „Daniel, dann ist.Lux" ex!" spottet« Glaß. Lyssander und Bencke lachten. „Marien klänge" soll doch der nächst« Film sein, hat mir Lyssander erzählt", sagte Bencke.„Und was ist das große Ge- heimnis der Russen? Bon ihrer unerhörten Begabung abgesehen, Herr Generaldirektor, die Sache ist doch so, wir wollen uns nichts vormachen: dl« Russen haben als Kulisse und Dekoration«in großes, gewalliges Land. Ein Sechstel des Erdballs. Das Eismeer haben sie und, wenn sie wollen, die Steppen der Mongolei. Wenn sie Panzerkreuzer oder Paläste brauchen, bitte sehr, sagt di« Regierung, hier sind die Panzerkreuzer, hier sind die Paläste. Wir werden die Russen niemals nachmachen können. Sie haben eine große Idee. Wenn bei uns ein Wolgafilm gemacht wird, fft's doch in der ersten Linie wegen dem Geschäft. Und ein deutscher Wolgasilm, was ist das schon?" „Der Rhein oder die Donau mit schlechtem Theater", be- antwortete Glaß die letzte Frage.„Und das ist wahr und klar: wir haben viele Ideen, aber uns fehlt die Haupttdee." „Darum bin ich für die wirkliche Donau und für den richtigen Rhein", sagte Lyssander.„Was können wir schon machen gegen die Russen oder die Amerikaner? Ich bin für den Schlager für das breite deutsch« Volk." „Warum heißt es das breite Volk?" fragte Graß und gab selbst di« Antwort:.Leiht es darum das breite Volk, weil auf seinem geduldigen Buckel alles abgeladen werden kann?" „Wahrscheinlich", sagt« Daniel Kreß gleichmütig,„wahrscheinlich ist das so, Bernhard. Mst den Russen hat«» noch Zeit. Den Marienfilm mit der blonden Madonna machen wir schon. Unser Meffter spielt den Strauß." Die deutschen Großstädte. Durch die Umgemeindung im rheinffch-wesffäUschen Industrie- gebiet sind eine Reihe neuer Großstädte geschaffen worden und eine Reihe anderer bisheriger Großstädte wurden zusammengelegt, so daß sich dort das Bikd grundlegend verändert hat. Mit Ausnahme von Saarbrücken, das ja augenblicklich nicht unter deutscher Vermal- tung steht, haben, wir gegenwärtig in Deuffchland 49 Großstädte, davon 2, Berlin und Hamburg, mit über eine Million Einwohner. 8 Städte haben ein« Einwohnerzahl zwischen S00 00Ü und einer Million: Köln, München, Leipzig, Ess«n, Dresden, Breslau, Frank- furt a. M. und Dortn-und. Zwischen 200 000 und 500 000 Einwohnern haben Düsseldorf, Hannover, Duisburg-Hamborn, Barmen- Elberfeld, Nürnberg, Stuttgart, Chemnitz, Gelsenkirchen-Vuec, Bochum, Magdeburg. Bremen, Königsberg, Stetttn, Mannheim, Allona und Kiel: unter 200 000 Einwohnern haben Halle, Glad- bach-Rheydt, Oberhausen, Kassel, Augsburg, Aachen, Krefeld- Uerdingen, Wiesbaden, Karlsruhe, Vraunschweig, 5)agen. Solingen. Montag, 30. September. Berlin. 16.00 Magistntsrat Dr. Walter Krolosdiiner: Zum Beginn der neuen Lehrzeit. 16.30 KflnstlernachA'uchs(Konservatorium der Musik Klindworth-Scharwenka). 17.45 Trank TicB liest Bruchstücke ans seinem Buch: Erziehung zur Freiheit. Anschließend Werbenachrichten. 18.30 Jeder ist seines Glückes Schmied!(2.) Dr. med. Ernst Rothe: Wie ärgert man sich am„besten"? 18.55 Porträt zum Interview der Woche(Bildfunk). 19.05 Unterhaltungsmusik.(Kapelle Gebrüder Steiner.) 20.00 Das Interview der Woche. 20.30 Internationaler Programmaustausch. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik.(Egon Kaiser mit dem Orchester der Jazz-Union.) .Lhne den Kopf dabei in den Sand zu stecken, sehr verehrter Herr Daniel", antwortete Glaß und tat beleidigt. Dolora hob den Kopf und wittert« Gefahr. Di« Männer sprachen von einer blonden Madonna. Sie selbst war schwarz und durchaus kein Madonnentyp. Sie räuspert« sich und fragte Lyssander: „Was ist das für ein neuer Film? Ich hör« zum ersten Male davon. Und wer ist die neue' Madonna?" „Das ist alles noch Traum und Wunschbild", sagte Lyssander. „Das schwebt uns allen nur so vor." „Wer schreibt das Drehbuch?" fragte sie weiter. „Das schreibe ich, Dolora", sagte Glaß.„Wir wollen damit ans nackte Herz des deutschen Volkes rühren." Er wurde pathetisch und fuhr fort:„Gelächter zwiffchert wie der frühe Morgen über der Welt, wenn unser« Madonna durch das Leben geht." „Das wäre«ine gute Rolle für mich", sagte sie.„Ich werde mit dem Meister über den Stoff reden." Di« Männer schwiegen. Dolora neigte sich Glaß zu und riskierte ihren gut bekannten Augenausschlag. Der alte Schauspieler spielte das Theater mit, klapperte auch mit den Augen und sagte feierlich: „Ich verstehe di« Ehre zu schätzen. Wir werden uns gut ver- ständigen, gnädiges Fräulein." „Wir werden uns gut verstehen", antwortet« si« einen Ton zu laut und blickte dabei auf Lyssander„Wir werden uns gut ver- ständigen, Meister. Ich stehe zu Ihrer Verfügung."' Von dem neuen Fikm schweifte das Gespräch auf alte Filme ab, di« von der ,Lux-Film A.-G." schon gedreht waren. Di« Männer besprachen das berühmt« Gesetz der Serie, das auf einen guten Schiagerfilm ein Dutzend schlecht« Nachahmungen brachte, die immer noch ein geschäftlicher Erfolg waren. Wenn man dem Ge- spräch folgte, konnte man mehr über geschäftliche Dinge erfahren als über künstlerische. Dann kam der Direktor Lemansky von der „Siriusgesellschaft", die mst der ,Lux" Verträge über den Austausch ihrer Künstler hatte. Lemansky wußte schon von dem Zusammen- stoß mit Dolora und wollte sondieren, ob«r sie für seinen nächsten Film haben könnte. Er sprach leise mit Kreß darüber. „Wir sprechen uns dann im Bureau, Lemansky", sagte Kreß leise und endete diplomatisch:„Ich weih nicht, ob wir Dolora in den nächsten Monaten entbehren können." Lemansky verschwand. Dann begann wied«r die Arbeit. Auch die Leute von der.Lux" gingen an die Arbeit. Lyssander lächelte in den folgenden Bildern sein berühmtestes Lächeln, Dolora riß sich zusammen und spiett« ausgezeichnet. Die kleinen Mädchen der Komparserie haschten nach einem freundlichen Blick von Bencke oder Lyssander. Sie drängten sich in der Spiel- pause auch an Glaß, verstanden sein« lyrffchen Antworten nicht und verzogen sich gelangweilt. Nur ein junges Ding von siebzehn Jahren ließ nicht locker. „Ach, Herr Meister", seufzt« sie,„wenn ich noch einmal eine kleine Roll« spielen dürste. Ich habe ja so groß« Sehnsucht danach. Bei der„Domino" habe ich mal eine klein« Rolle gehabt, ober dort hat man mich wieder verdrängt. Darf ich Ihnen die Bilder zeigen?" „Du sollst dir kein Bildnis machen!" sagte Glaß feierlich. Als er das erschreckte Gesicht der Kleinen sah, lachte er und sagt« gut- mütig:„Na zeig schon her, Kleine, wir wollen mal s«h«n." Das Mädchen brachte die Bilder. „Nicht übel", sagte Glaß und oerglich die Aufnahmen mit dem geschmintten Gesicht,„gar nicht übel. Ich will mal mit Bencke sprechen. Wie heißt du denn?" „Gritt Effemann!" „Da? Ist«In unmöglicher Nmne. Doktt? kann der Menlch)a erfrieren, G retchen! Schreib mir deine Adresse«wf, und mir molken sehen, was zu machen ist. Du bekommst Nachricht." (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAQ BRINGT. KSnlgswnsterhausen. 16.00 Stud.-Dlr. Dr. Qrabert und Lektor Claude Qrander: Französisch(knltnr- kundlich-Uterarische Stunde). 16.30 Nachmittagskonzert von Berlin. 17.30 Dr. Andrd Souchay: Die Arie und das Lied als Symbole zweier Musikkulturen. 18.00 Dr. Franz Dolberg; Schicksale berühmter GemäJde.• 18.30 Direktor Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 18.55 Dr. Kdnig: Der Schwäbische Laubwald. 19.20 Zivll-Ing. Eduard Voigt: Aus der Praxis des Motorradfahrers(I). 20.00 Lieder im Volkston.(Agnes Schulz-Llchterfeld, Alt. Am Flügel: Karl Rockstroh.) 20.30 Aus dem Metel Kniscrhof: Unterhaltungsmusik(Kapelle 06za Komor). 21.15 Einleitung: Dr. Wolf Zucker.„Die Rückkehr des verlorenen Sohnes", Von Andrd Gide. Uebertragung ans R. M. Rilke. Regie: Hans U Oeser. Anschließend bis 0-30 Uebertragung von Berlin. Erfurt, Mülheim a. Ruhr, Hindenburg. Lübeck, Plauen, Mainz, Münster, Harburg-Wilhelmsburg, Ludwigshafen, Remscheid und Gleiwitz. Wie Hirschfelds Weltrekord entstand. Der neue Weltrekord Hirschfelds im Kugelstoßen hat eine höchst eigenartige Ursache gehabt. Bei dem Osram-Sporffest war bekannt- lich ein Wettbewerb im Kugelstoßen veranstaltet worden, bei dem Hirschfeld mit 15.41 Metern Sieger wurde. Damit war der Wett- bewerb zu Ende. Aber emige Photographen hatten von Hirschseld noch keine Aufnahmen gemacht und wollten vor allen Dingen von ihm ein Bild in dem Augenblick haben, wo er in sportticher Tätig- keit zu sehen ist. Hirschseld kam dem Wunsch der Photographen nach und erklärte sich bereit, noch einmal die Kugel zu stoßen, obwohl er bereits zum Weggehen angezogen war. Die Kampfrichter hatten auch bereits ihre Arbeit beendet und befanden sich nur durch Zufall in der Nähe Hirschfelds. Als sie hörten, daß der Welt- nwister wieder aufs neue in Tätigkeit treten wollte, hielten sie das Bandmaß bereit, um die Größe seines Wurfes zu messen. Kaum hatte aber die Kugel, von Hirschfelds starkem Arm geschleudert, den Erdboden erreicht, als ein ungeheurer Iubelschrei der vielen Taufende, die dem Stoß zugesehen hatten, die Kampsrichter darüber unterrichtete, daß offenbar ein neuer Weltrekord vorliege. Tatsäch- lich war Hirschfelds Kugel fest sieb«n Zentimeter über die bisherige Wettretordgrenze geflogen. Das Bandmaß stellte unter offizieller Kontrolle der Kampfrichter fest, daß Hirschseld in seiner Leistung von 16,11 Metern einen neuen Weltrekord aufgestellt hatte. Er hat damit seine bisherig« Höchstleistung von 16,045 Metern, die er am 26. August 1926 in Bochum erreichte, beträchtlich überboten. Es ist bemerkenswert, daß Hirschfeld seine größten Leistungen erzielt, wenn er außerhalb eines Wettbewerbs tätig ist.»So hat er in den olympischen Spielen auch nicht seine höchste Form erreicht, während er bei Trainingsarbeiten schon des öfterm auch seinen jetzigen neuen Weltrekord überboten hat. Fred ißt Würstchen. Als Fred aus dem Theater kam, hafte er Hunger. So fuhr er bei seinem Stamm-Wllrstchenmann vorbei und entnahm ihm zwo Paar„Franforters", auch„bot clogs' genannt. Doch schon beim dritten Bissen hatte er ein Gefühl, als ob ihm jemand sämtlich« Bordcrzähne auf einmal auszuziehen versucht«. Er untersuchte das Innere des Würstchens und entdeckte, baß erstaunt, ein Stück Pneumatic. „Ich habe doch," lenkte Fred schnaubend seinen car zu dem Verkäufer zurück,„keinen Kaugummi verlangt, sondern„bot äo�s", und zeigt« ihm das Pneu. „Aber, was wollen Sie, Herr?" achselzuckte ungerührt der Mann der Würstchen, und zeigte mit großartiger Gebärde auf Freds Achtzylinder:„Verwenden Sie heut« noch Pferde?" (An, btm Amerttanltchen txm Stents JoteJ e e" stellteil sich gestern 43 Boote dem Starter. Bei einem ziemlich gleichmäßig bleibenden Winde von drei Sekunden- Nietern verlief die Regatta zur allgemeinen Zufriedenheit der Teil- nchmer; sie bildet mit dem am kommenden Sonntag stattfindenden Absegeln den Beschluß der ofsiziellen Segclsaison. Start und Ziel waren am Stößense« querab der Badewiese Der öll-Quadratmeter-Kreuzer A„Friede!" errang in seiner Klasse den ersten Preis, die Konkurrenz mußte distanziert werden, da die Rudcrsllhrung nur Mitgliedern gestattet war. Die 2ll-Ouadratmeter- Rennjoll«„Immi" Z 29 erfüllte die ihr gestellt« Bedingung und wurde das schnellste Boot der Wettfahrt. Sie gewann außer ihrem Klassenpreis den Wanderpreis für 1929. Spannende Kämpfe liefer- ten sich die IS-Ouadratmeter-Wanderjollen. Der eben erst fertig gewordene' Neubau„Schmunzel" H 90 konnte sich trotz eines sehr guten Starts nicht behaupten, es gelang vielmehr dem Neubau ..Diana" ll 87 vor„Aviso" H 68 einzulaufen. Dey größten Prozentsatz der an der Regatta teilnehmenden Brot« stellten naturgemäß die Ausgleichsjollen. In der 8. Klasse gelang es der Tourenjolle„Werner" IV 324 und in der Jollen- krcuzerklasse dem„Seebär" A 99 die ersten Preise nach Hause zu fahren. In der 10. Klasse konnte„Beelzebub" III 368 als Sieger heimkehren.„Borreas" III 348 war als Sieggewohnter auch dies- mal wieder an der ersten Stelle. Bon den kleinsten Booten erhielt „Schlicktau" I 202 mit 6,4 Quadratmeter über Deck den ersten Preis. Nachstehend die P r e i s t r ä g« r: X. 8. 3» iliren Klassen crranqen erste Preise: szriedel> S, Zeit: 2:2K:i<>: Kol dl stilf!>. IS lStartvrcis): Droll« 2:23:50; Tdule O. 2 2:29:15: Immi Z. 29 2:05:04. 1. und Eandervrcis.) Elfi- 01 2:29:23: Diana II 37 2:19:38: Acolus II 55 2:33:21: Werner IV 324 2:20:13: Eccbär A 99 3:05:45: Bcel,edud III 303 2:05:07: R-i ut 504 3:00:43: Porreas III 348 2:20:28; Lina I 183 2:41:37: Schlicktau I 202 3:40:59. Sabine II 202 2:28:29; 25 Jahre Arbeit crsdiwinunvcrcin. Das Jubiläum der Freien Schwimmer Groijberlin. Mit einer großen Abendveranstaltung feierte am Sonnabend die Ortsgruppe Neukölln der„Freien SchwimmerGroß- Berlin" ihr 2Sjährig«s Bestehen. In großer Zahl waren die Ber- einsmitglieder und die Vertreter befreundeter Organisationen der Einladung gefolgt. Musik und Gesang leitete die Feier ein, der Neuköllner Sängerchor brachte von Uthmann den„Sturm" zum Bor- trag. Der Borsitzende der Neuköllner Ortsgruppe, Ruthe, der seit 25 Jahren eifrigstes Mitglied der Organisation ist. sprach dann von den Ausbau- und KaMpfjahren der Ortsgruppe. Die Arbeitersportler haben nicht nur im Sport ihren Mann gestanden, sie sind ein Glied der Arbeiterbewegung schlechthin und haben auch bei den Kämpfen der Sozialdemokratie in vorderster Front mitgefochten. Der Kreis- versitzende Reichert begrüßte die dreizehn Jubilar«, die seit Be- ainn der Ortsaruvve angehören und auch heute noch rüstia mit- arbeiten■ er rifi.-r'-i-iffii' s"NW e rne Bundesnaoei. lim Namen der BcrNner Tozläkdemokratie sprach Reichstagsabgeordneter Franz K ü n st l e r Glückwünsche. Er sprach die Hoffnung aus, daß auch im zweiten Vierteljahrhundert Arbeitersport und Partei eng verbunden bleiben mögen. Vom Kartellverband sprach dann noch Bartelmonn, nach ihm der Hauptvorsitzende der „Freien Schwimmer Groß-Berlin", Völker, der insbesondere dar- auf hinwies, daß die Sportler auch am 11. November bei den Kommunalwahlen ihre Pflicht erfüllen miisien. Arbeiter-Athletik. Ringen bei Lichtcnberg-Friedrichsfclde 04. Recht interessante Kämpfe bekamen die zahlreichen Zuschauer aus dem Kampsabend der„SportlichenV«reinigungLichten- berg-Friedrichsfelde 04 in der Turnhalle Friedrichsselde, Rummelsburger Straße, zu sehen. Ganz besonders die Jiu-Jitsu- Demonstration, ausgeführt von Borchert und Binder, fanden be. sonderen Beifall. Zu dem morgen, Dienstag, beginnenden Jiu-Jitsu- Kursus können sich noch Teilnehmer melden. Uebungszeiten von Z48 bis �10 Uhr abends in vorgenannter Turnhalle. Die Ring- kämpfe ergaben folgendes Resultat: Jugend: Glischinski gegen Petri-Alt-Wedding, beide Gänge nach 5 Minuten Unentschieden. Fliegengewicht: Borchert gegen Luedt-Tegel, in beiden Gängen kam B. zu Blitzsiegen. Di« große Ueberraschung im Federgewicht brachte der Kampf Willi Binder gegen Sternberg-Einigkeit 26. Sternberg, der seit einiger Zeit bei der bekannten Artistengrupp«„3 Sternbergs" als Obermann tätig ist, aber trotzdem den Ringkampfsport weiter betreibt, wurde von Binder unterschätzt. Der in scharfem Tempo geführte Kampf bracht« dem Sieger vom Wettstrelt am 1. September die erste Nieder- luge in'4:30 Minuten durch den Einigkeitsmann. In der zweiten Runde sah man Ringkampf in Vollendung, und erst nach 8:49 Minu- ten konnte W. Binder den neuen Artisten auf die Schultern bringen. Leichtgewicht: Treuber gegen Burckhardt-Tegel. Hier zeigte Burckbardt die bessere Angrifssarbeit, die ihm auch den Sieg in 3ik3 Minuten brachte. Zweite Runde Treuber aufgegeben. Kohl- mann-Tegel erhielt durch P. Binder-Lichtenberg-Friedrichsfelde 04 Nack kurzem Geplänkel eine Schulterniederlage durch Armzug. Zwei Zlniänger standen sich im Halbschwergewicht gegenüber: Bröcker-Alt-Wedding gegen Müller-Lichtenberg-Friedrichsfelde 04. Trotzdem beide erst acht Wochen sich dem Ringkampssport widmen. zeigte in beiden Gängen der Alt-Wedding-Mann eine leicht« Ueber- legenheit und gewann nach kurzer Zeit. Alles in allem ein gelungener Kampsabend, der der Sport- Vereinigung Lichtenberg-Friedrichsfelde 04 sicher wieder neu« Mit- glieder zuführen wird. � «Letzter Kehraus" auf der Olympiabahn. Bei den von einigen tausend Zuschauern besuchten Radrennen auf der O l y m p i a b a h N ereignet« sich im Amateurfliegerrennen ein böser Sturz. Der Berliner Kupsch(BRC. Argo) stürzte so unglücklich, baß er mit einer schweren Gehinierschütterung, einem .Schlüsselbeinbruch und Fleischwunden ins Birchow-.Krankenhaus ein- geliefert werden mußte. In den Dauerrennen hatte der Nachwuchs das Wort. Die jungen Fahrer lieferten sich hübsche Kämpfe mit Ausnahme des Polen Zimek, der völlig abfiel. Im Endlauf über 40 Kilometer nahm der Wiener Cap beim 10. Kilometer die Führung und gab diese bis zum Schluß nicht mehr ab. Mit ihm endeten Corpus und Schindler in einer Runde. Siegel, der zuerst geführt hatte, wurde durch Rad- schaden vollkommen aus dem Rennen geworfen. Ergebnisse: Amateurslieaereennen, S« uvtfahrcn: 1. Gröning! 2. Swck: 3. Becker.— Bcrcinsmanuichast-labren, 7L Kilomeier: 1. Eermania-Charloitenbur« 10:21,9: 2. Tempo 08 10:38,8: 3. Tornado-Schiinebera 10:47.— Eeueitcnncn: 1. Bor. lauf. 25 Kilometer: I. Corpus 21:49; 2. Lobofl. 500 Meter: 3. Sieoel, 740 Meter: 4. Schiller. 1700 Meter: 5. Neumann, 1090 Meter zurück. 2. Vorlauf, 25 Kilo- metcr: 1. Schindler 21:25: 2. Olbbtcr. 50 Meter: 3. Cap 1410 Meter: 4. Bcracr, 1420 Metcr: 5. Zimet, 3800 Meter zurück. En b lauf, 40 Kilometer: 1. Cap 34:39; 2, Corpus. 850 Meter: 3. Schindler. 380 Meter; 4. Berper, 900 Meter: 5. l'oboff, 820 Metcr: 9. Olböter, 1110 Metcr: 7. Sicqel. 2430 Meter: 8. Schiller, 2500 Meter zurück.__ yUündUooJlV Spiele vom Sonntag. FTGB.-Südost und Wilmersdorf standen sich in Oberspree gegenüber. Wilmersdorf war in den ersten 19 Minuten überlegen, konnte aber nicht zum Erfolg kommen, denn Linksaußen verdarb viel durch Abseitsstellen. Viermal war Südost in der ersten Halbzeit er- solgreich, die Wilmersdorser konnten erst kurz vor der Pause das erste Tor erreichen. Sehr hart und körperlich war die Abwehrarbeit der Südosten� Verteidigung. Die Läuferreihe von Wilmersdorf leistete zur Verteidigung nicht die nötige Ilnterstützungsarbeit, wodurch der Südosten-Sturm oft freistehend schießen konnte. Der Wilmersdorser Torhüter verließ sich viel auf die Verteidigung und ließ drei Bälle ohne jede Abwehr passieren. Beim Stand von 6: 2 mußte kurz vor Schluß das Spiel wegen Spielunfähigkeit der Südosten-Mannschaft abgebrochen werden. Der Schiedsrichter hatte den linken Verteidiger von Südost und einen Stürmer von Wilmersdorf herausgestellt, worauf zwei Spieler von Südost un- verständlicherweise protestierend das Spielfeld verließen. Bei den 2. Mannschaften siegte Südost mit 8:1(5: 9).— FTGB.-Oberspree fertigte Velten mit 6: 3(3: 1) ab.' Velten trat nur mit neun Mann an und wurde durch Herausstellung noch mehr geschwächt, zeigt« aber trotzdem großen Eifer und faires, offenes Spiel. DGV.-Keukölln spielte in Bohnsdorf gegen Elche-Köpenick. Die 1. Mannschaft mußte sich mit 8:4(3:1) geschlagen be- kennen. Neukölln konnte sich erst nicht recht zusammenfinden, später wurde von beiden Mannschaften ein gutes und genaues Zuspiel ge- zeigt. Bei den 2. Männern siegte Neukölln mit 2:9(9:9). Auch das Frauenspiel konnte Neukölln mit 3: 1(4: 1) buchen. Neukölln zeigt« gutes Stellungsspiel und Fangsicherhcit, während' bei Köpenick das kurze Zuspiel und etwas Eigensinnigkeit- einzelner Spielerinnen vorherrschend waren. Köpenick-Iugend gegen Neu- kölln 4: 1(2: 1). Arbeiter- Hockey. Auf dem Platz an der Schönhauser Allee spielte gestern Nord- ring II gegen Mariendorf. Es war ein vollkom/ien offenes Spiel, bei dem Mariendorf dos besser« Mannschastsbild zeigte. In der ersten Hälfte spielte Nordring II mit der Sonne im Rücken und konnte ein Tor erzielen. Nach dem Wechsel vollführt« Mariendorfs Sturm energische, gut eingeleitet« Angrisse und konnte so die Führung übernehmen, während Nordrings Sturm vollkommen zer- fahren war und nur mit Glück noch einige Treffer anbrachte. Mit 4: 3 verlor Nordring II das Spiel, wobei auf Seiten Nordrings nur der Torwächter besonderes Können gezeigt hatte. Die jungen Mariendorfer hatten eine gute rechte Sturmseite und«ine kräftige Verteidigung, sie wird in der kommenden Serie noch gute Spiele liefern. Solidaritäts-Rennen. In Wannsee. Die Hauptnummer der gestrigen.Solidaritäts"-Rad. rennen in Wannsee, das S9-Kiloineter-Mannschaftsfahren nach Sechstageart, nahm einen verhältnismäßig einfachen Verlauf. Die Mannschaften Nitschke-Gennrich und H. Reichenbach-Schwarz er- wiesen sich als so stark, daß sie niemals von dem zwölf Paare starken Felde gefährdet werden konnten. Dasür gab es aber brillante Kämpfe zwischen diesen Maimschaften in den einzelnen Wertungs- fpurts, wo sich übrigens auch Seits-Uhlemann durch tapferes Fahren auszeichneten. Diese drei Mannschaften machten dann auch das Ende unter sich aus. Gleich nach dem Startschuß wurde ein scharfes Tempo vorgelegt, was bis zur ersten Wertung allen Paaren außer den oben genannten drei eine Runde kostete. Trotz verschiedener Aus- reißversuche konnten diese Rundcnoerluste nicht wieder aufgeholt werden. Interessant war die vierte Wertung, in der Gennrich durch einen ausgezeichneten Spurt alle Kombinationen von H. Reichenbach- Schwarz zerstörte und die Punkt« an sich bringen konnte. Bei der letzten Wertung enttäuschte jedoch Gennrich Schwarz zog überlegen vom Felde weg. ohne daß ihn Nitschke erreichen konnte. Damit war der Sieg an H� Reichenbach-Schwarz(26 Punkte) gefallen, zweiter wurden Nitschke-Gennrich(21 P.), drittel Seits-E. Uhlemann 03 P.). Alle anderen Mannschaften ein« und mehr Runden zurück. Zeit: 1:29:37. In den Vorläufen der Flieger hatten sich Gennrich, Nitschke, Schwarz, Zimmermann und Töpfer für den Endlauf plaziert: leider wurde der Endlauf durch einen schweren Stutz in der Nordkurvc beeinträchtigt. Glücklicherweise kamen Töpfer und Zimmermann mit Hautabschürfungen an Armen und Beinen davon. Sieger: Schwarz gegen Gennrich und Nitschke.— In den verschiedenen Jugend- rennen gab es jedesmal erbitterte Kämpfe zwischen Liepner und Wothe. Liepner erwies sich als der bessere, besonders in dem Punktefahren über sechs Runden. Ruhe bei„: Griippenfraflen, Litern rifchcr Abend:„Öart London".— Abt. Premlaner Ber«,: Donncrstaa. 3. Oktober. 20 Ulir. SanipiKr Str. 62, Baracke n- Kefchiistliches.— Abt.«clnndbrnnnen: Donnerstoa, 3. Oklobcr, 29 Mir. Pank- Eck- Wiefenftra�e: Mitoliebernerfammluna lMufit. Unterhaltunal. Freie Rndercr nnd«annfahrer, 1.«rei,. Mittwoch, 2. Oktober. 20 ttbr Svartc nausschublitiung im Sewerkschaftsbaiis, Enotlufct(Sonf-tcnttüraitet)' Gesundheitsschutz im Betriebe. Tagung der Gesellschaft für Gewerbe-Hygiene. Die Jahreshauptversammlungen der Deutschen Gesell- schaft für Gewerbehyglene gewinnen von Jahr zu Jahr in höhcrem Ma�e das Interesse der Arbeiterschaft. Die diesjährige Hauptversammlung in Heidelberg wurde von etwa 800 Teilnehmern, darunter über 200 Gewerkschaftsvertretern, Betriebs- röten und Vertretern der Ortskrankenkassen aus allen Teilen des Reiches besucht. Es liegt im Wesen der Gewerbehygiene— allgemeinverständlicher und zutreffender müßte es Gesundheitsschutz im Be- triebe hoißen— daß zur Bearbeitung dieses Gebietes die ver- schiedenften Kreise zusammenarbeiten müssen. Anregungen über praktische Mißstände müssen aus den Kreisen der Ar- b e i t e r s ch a f t kommen, die Erforschung und Beurteilung von Gesundheitsschäden verlangt die Mitarbeit der Aerzte und wissenschaftlichen Hygieniker, die Methoden, um Gesundhcitsschäden zu verhüten(Staubabsaugung, Bermeidung gewerblicher Gifte usw.) ich Sache des Technikers, die Anwendung und Durchführung der von Mediziner und Techniker ausgearbeiteten Methoden des Gesundheitsschutzes macht die Mitarbeit der Unternehmer und der Berufsgenossenschaften, vor allem der staatlichen Gewerbe- a u f s i ch t erforderlich. j Auf dem Wege dieser Zusammenarbeit hat die Deutsche Gesell- schaft für Gewerbehygiene Wertvolles schon geleistet und sie kann aus dem vergangenen Jahre über gewisse praktische Erfolge insofern berichten, als ihre Vorschläge über den Gesundheitsschutz bei neu- artigen Verfahren(Tiefdrultverfahren, Auspuffgase von Explossons- motoren, gesundheitliche Schädigungen durch Anklopfmaschinen in der Schuhindustrie, Gesundheitsschutz bei Arbeit am fließenden Bande, geeignete Arbeitssitzc usw.) die Beachtung der Gesetzgebung und der Gewerbeaufsicht teilweise gefunden haben. Während die Hauptarbeit der Gesellschaft den Außenstehenden wenig bekannt wird und in Ausschüssen geleistet wird, die Betriebs- besichtigungen vornehmen und Spezialuntersuchungen durchführen, ist die Jahreshauptversammlung der Gesellschaft ein weithin sscht- bares Ereignis, das die Aufgabe hat, allgemein interessierende Themen in einer woiten Kreisen verständlichen Weise zu behandeln. Die Heidelberger Jahreshaupwersammlung setzte als Hauptthemen auf ihre Tagesordnung den FaSrikbau und die Fabrikspeisung. Das Thema Fabrikbau wurde behandelt, ärztlich hygienssch von Professor Hahn und Dr. E i s e n b e r g und vom Standpunkte der Gewerbeaufsicht von Oberregierungsrat E m m e l e. Als Architekt und Spezialist auf dem spröden Gebiete des Fabrikbaues sprach Professor Hans Pölz ig über die architektonische Entwicklung. Er zeigte an zahlreichen Lichtbildern den Weg, den die Architektur der Fabriken genommen hat. Viele Fabrikbauten bedienen sich gern fremder Stile und putzen ihre Fassaden mit baulichen Formen aus, die für" ganz andere Zwecke geschaffen waren. So haben ältere Fabriken Fassaden von Renaissanceschlössern, Barockpalästen und orientalischen Tempeln. Erst in den letzten Jahrzehnten ist der Architekt erwacht und gelangt zu eigenem Gestalten, indem er die Zweckerfordernisse des Baues in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur klar herausstellt und nicht architektonisch verdeckt. Für diese schmucklosen, aber klaren und zweckmäßigen Baustile, die auch dem Schönheitsempfinden Rechnung tragen, haben wir gerade in Berlin einprägsame Beispiele, wenn wir an das städtische Kraft- werk Klingenberg, an die neueren Siemens- und Osram-Bauten denken. Die Referenten waren sich darüber einig, daß schon bei der Planung der Fabrikationsanlage auf die Erfordernisse des Arbeiterschutzes Rücksicht genommen werden muß. Die Grundsätze der technischen Hygiene: die Größe der Fenster, Wasch- und Toilettcneinrichtungen, Beschaffenheit des Fußbodens und, was bisher meistens nicht genügend beachtet wurde, der Schutz vor dem für die Nerven des Arbeiters und für seine Ohren so unerträglichen Fabriklärm, durch Jsolierwände und Böden verlangen Beachtung. Das zweite Hauptthema„Die Fabrikjpeisung" kann in ganz besonderem Maß« das Interesse der Arbeiterschaft beanspruchen. Bei den weiten Wegen zur und von der Arbeitsstätte und bei der langen Arbeitszeit, zu der noch die Pausen hinzukommen, ist häufig mit einer Abwesenheit des Arbeiters von Haufe von etwa 12 Stun- den zu rechnen. Die sogenannte Slullenernährung untergräbt auf die Dauer die Gesundheit und ist die Ursache von zahlreichen Magenbeschwerde». Daher ist vom ärztlich hygienischen Standpunkte die Aufnahme einer warmen Mahlzeit während des Tages im Betriebe sehr empfehlenswert. In vielen Betrieben find nicht einmal die primitiv st en Möglichkeiten zur Wärmung mitgebrachter Speissn vorhanden. Andere, besonders sind es große Betriebe, leisten Vorzügliches auf dem Gebiete des Kantinenwesens und liefern ihrer Arbeiter- und Angestelltenschaft häufig für billiges Geld eine gute Mahlzeit. Wenn von den Kantinen über mangelhafte Benutzung selbst guter Speiseeinrichtungen geklagt wird, so ist der Grund hierfür in z u hohen Preisen, in der Eintönigkeit des Gebotenen, in der häßlichen A u s st a t t u n g der Aufenthaltsräume und in verletzender Klassifizierung der Arbeiter und der ein- zelnen Angestclltengruppen zu suchen. Der wichtigste Grund aber, der die Arbeiterschaft zur Ablehnung von Speiseeinrichtungen, die diese genannten Mängel nicht aufweisen, veranlaßt, ist die Verlängerung der Arbeitszeit durch eine lange Mittagspause, solange die Pausen nicht bezahlr werden. Man kann es begreifen, daß jeder, besonders der Kräftigere, der unter der Ermüdung nicht so leidet, danach strebt, die Pausen kurz zu halten, um möglichst schnell der Fabrik zu entfliehen und so für sein Privatleben Zeit zu gewinnen. Jedoch sollte die warnende Stimme des Arztes nicht ungehört verhallen, die der Arbeiterschaft empfiehlt, durch eine mindestens � st ündige Mittagspause Zeit für die Aus- nähme einer Mahlzeit und für Wiederherstellung der Kräfte zu ge- Winnen. Den Nutzen der Mittagspause wird jeder Arbeiter, vor allem aber die Frauen und die Jugendlichen, an der Erhaltung ihrer Arbeitskraft, die durch die hohen Anforderungen, vor allem im rationalisierten Betrieb, stark beansprucht wird, zu spüren bekommen. Der erste Referent zum Thema„Fabrikspeisung" war der Hygieniker Professor Gotschlich, der den Wert der verschiedenen Nährstoffe als Grundlage der Volksernährung erörterte. Er trat für eine eiweißreiche Ernährung ein, da die heutige Lndustriearbcit zu einem großen Teile mehr Gehirn- als Rt u s k e l a r b e i t ist. Der Berliner Gewerbemedizinalrat Dr. G e r b i s würdigte in seinen gedankenreichen Ausführungen auch die sozialpolitische Bedeutung der Fabrikspeisung. Er betonte, daß das Bestreben der Arbeiterschaft, die Essenspausen möglichst kurz zu gestalten, vom Standpunkte des Arztes einen Raubbau an Kraft bedeute. Di« Mittagspause, die nach seiner Ansicht mindestens eine Stunde betragen soll, müsse zu einer Zeit der nervösen Entspannung und des Behagens ausgestaltet werden. Der Betriebsfachmann Dr. Reutti erörterte praktische Maß- nahmen zur Durchführung der Fabrikspeisung in zweckmäßigen Kantinenanlagen. In der anschließenden Diskussion nahmen mehrere Gewerk- schaftsvertreter und Betriebsräte das Wort. Sie brachten Klagen aus der Praxis vor und machten Borschlägs zu ihrer Abhilfe. Den Schluß der Tagung bildeten kurze Referate über wichtige Beobachtungen aus dem Gebiete der Gewerbehygiene. Gerade' dieser Teil des Programms brachte Anregungen über neue Be- t r i e b s o e r f a h r e n, die für die Fortentwicklung des Arbeiter- schutzes von Bedeutung sind. Bon den zahlreichen Referenten seien die Gewerkschaftsvertreter erwähnt: P. Leo«, Gemeinde, und Staatsarbeiteroerband, sprach über„Anlage, Bau und Einrichtung von Krankenanstalten in bezug auf die hygienischen BerhAt- nisse des Krankenpflegepersonals": Dr. Meyer»Brodnitz. ADGB., machte DorfchlSge über die Verhütung»o« erkrankungen durch Verwendung von bleifreien oder hoch- gefritteten Glasuren in der keramischen Industrie; Römer und Riedel, Deutscher Verkehrsbund, wünschten Abhilfe gegen die Gesundheitsschädigungen der Hafenarbeiter beim Verladen von Knochenmehl und Zypernkies, und Schredinger, Zentralverband der Maschinisten und Heizer, berichtete von Leobach- tungen über die Schädlichkeit von Oeldämpfen. Wie auch in früheren Jahren ging der Jahreshauptversammlung ,n Heidelberg eine Vorbesprechung der Gewerkschafts- Vertreter voraus, zu der der Bundesvorstand des ADGB. ein- geladen hatte. Diese Vorbesprechung sollte dazu dienen, ein einheit- liches Vorgehen der Gewerkschaftsvertreter und Delegierten der Ortskrankenkassen zu ermöglichen. Auch außerhalb der Jahres- Hauptversammlungen soll durch eine Zusammenarbeit der Gewerkschaften auf dem Gebiete der Gewerbehygiene eine Förderung des Gesundheitsschutzes im Betriebe erreicht werden. Die Möglichkeiten hierzu fanden eingehende Erörterung. Hoffentlich wird der allzu lange vernachlässigte Ge» sundheitsschutz im Betriebe durch das ständige Drängen der Arbeitervertreter die Vorwärtsentwicklung nehmen, die im Jnter- esse der Sache unbedingt erforderlich ist. Ein Weg zu diesem Ziel ist die Mitarbeit der Gewerkschaften und das Interesse der breit«, Oeffentlichkeit an den Arbeiten der Deutschen Gesellschaft für Gewerbehygiene. Dr.«eck. Meyer-Brocknitz. 3)er gefpaUene Watferfloff S)er �Berliner 3>rofetfor SSonhöffer hat asirel verschiedene Arien des Elements TOafferfloff frei dar f leiten können. SSonhöffer bei feinen hemonflralionen 3« der„Sochburg"derKommumsten Künstler spricht in der Kösliner Straße. „Die Sozialfaschistcn bringen es fertig, hier bei uns in der Kösliner Straße eine Versammlung abzuhalten. Lügen- K ü n st l e r selbst wagt es, hier zu erscheinen, um das Berliner Proletariat zu provozieren," so trompete der k o m m u n i st i s ch c Redner, der gestern auf den Höfen der Kösliner und der Wiesen- straße für die Mitgliederversammlung, die der 3. Kreis, Wedding, der Sozialdemokratischen Partei im E l e k t r a- P a l a st in der Kösliner Straß« abhielt, unfreiwillige Propaganda machte. Nun, es bedurste dieser Propaganda nicht. Der Saal war über- füllt. Die Stimmung war ausgezeichnet und siegesgewiß. Auf dem Hofe standen die Mitglieder und Freunde der Sozialdemokratie in so großer Zahl, daß ein Trupp Kommunisten, der Flugblätter ver- teilen wollte, bei diesem Anblick schleunigst das Weite suchte. In einleitenden Worten wies der Vorsitzende, Genosse Frank, darauf hin, daß gerade in dieser windigen Ecke am Wedding die Partei- genossen besonders wachsam sein müßten, um den Umtrieben der Kommunisten einen starken Damm entgegenzusetzen. Aber schon der Besuch unserer Mitgliederversammlung beweise, daß der Willu zu werben fest sei, damit am 17. November die Sozialdemokratie einen vollen Sieg erringe. Reichstagsabgeordneter Genosse Franz Künstler gab seiner Freude Ausdruck, gerade in Klein- Moskau sprechen zu dürfen. Er betonte, daß es sich bei den Wahlen vom 17. November nicht nur um eine kommunale, sondern um eine hochpolitische An- gelegenheit Handel«. Verl in ist keine Stadt wie andere Städte. Ihr Etat überragt beispielsweise den.Etgt des Freistaates Sachsen. Der Kampf geht gegen alle politischen Parteien rechts und links von uns. Zwischen den Bürgerlichen, von den Nationalsozialisten bis zu den Detnokraten, haben auf Anregung des volksparteilichen Abgeordneten v. Raum er in der Prinz-Albrecht-Straße Be- fprcchungen stattgefunden, um eine Einheitsfront gegen die Sozialdemokratie zu schaffen und einen Burgfrieden für die Wahlzeit herzustellen. In der Hauptsache hat der Streit um die Kandidaten eine Einigung verhindert. Die Nationallibcrale Korrespondenz der Volks- Partei aber propagiert diesen Plan weiter. Auf der anderen Seit« stehen haßerfüllt und vor keinem Mittel zurückschreckend die Kom- munisten, so daß wir einen Zweifrontenkrieg durchzufechten haben. Es ist der Haß auf die Leistungen der Sozialdemokratie, der unsere Gegner eint. Die unklaren Mehrheiten haben sich dahin ausgcwirkr, daß wir nicht alles schaffen konnten, was wir wollten. Immerhin, wir können uns sehen lassen. Die großen Schwierigkeiten, die der Lösung des Wohnungsproblems entgegenstehen, erkennt man daran, daß feit 1021«in Personsnzuzug nach Berlin in der Höhe von einer halben Million zu verzeichnen ist. Trotzdem ist auch hier viel ge- leistet worden: Es erstanden 143 000 Neuwoh nungen. Bei dem Kampf um den Finanzausgleich zeigt sich die Feindschaft der bürgerlichen Parteien gegen die republikanische Reichshauptstadt. Die Soziolleistungen sind groß. Um eine allgemeine Ziffer zu nennen: Deutschland hat bei einer Bevölkerungsziffer von 63 Mil- lionen einen Aufwand von' 6 700 000 000 M. gegenüber Rußland mit 135 Millionen Einwohnern von 584 000 000 M. Größre Wach- famkeit ist auch gegenüber den N a t i o n a l s o z i a l i st e n- geboten. Es ist bedauerlich, daß bei ihnen und im Stahlhelm in zu großer Zahl auch Klassengenossen von uns vertreten sind. Wie faul der moralische Boden gerade der Nciiionalsoziäüsty�ttl Partei ist, wies Künstler an Hand von Zitaten aus Schriften von früheren führenden Nationalsozialisten nach. Der Fall Sklarek wird von den Bürger- lichen zu einem Vorstoß gegen die Gemeinwirtschaft ausgenutzt. Die Hauptschuld liegt bei den mittelalterlichen Verwaltung- Methoden, gegen die wir immer gekämpft haben. Der Anschaffungsvertrag mit Sklarek, der an sich 1330 ablief, ist aus Antrag des Kommunisten Gäbet vor zwei Jahren vom ' Verwaltungsrat gegen die Stimmen der Sozialdemokratie bis 1035 verlänger« worden. Sollte ein Sozialdemokrat sich wirk- tich, wofür bisher kein Beweis vorliegt, irgendwie vergangen haben, so fliegt er aus der Partei heraus. Wir brauchen vor den Wahlen keine Angst zu haben. Das rote Banner der Sozialdemokratie wird stehen. Es wird auch stehen im W e d d i n g. Wir alle wollen kämpfen, damit wir uns am 17. No- vember am Abend als Sieger die Hände reichen können. Auf«ine Aussprache wurde auf Antrag des Genossen Nowak verzichtet. In einem nochmaligen Appell, freudig und eifervoll mit- zuarbeiten, und mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß Genosse Frank die Versammlung. bprtUbmb ist die Spälausgabc des..Vorwärts-. Das Blatt ist bei den Straßenhändlern, an den Zeitungskiosken und in den Bahn- Hossbuchhandlungen zum Preise von 10 Ps. zu haben. Außerordentlich vorteilhaft ist ein Abonnement des ..Vorwärts-, dessen Lesern der„Abend- ohne besondere ver- gütung ins Haus geliefert wird.„Vorwärts- und„Abend-, von denen 12 Nummern wöchentlich erscheinen, kosten zu» sammen nur SS Pf. die Woche oder Z.öv M. den Monat. Ich abonniere den„Vorwärts"(und die Abend- ausgab? für Berlin„Der Abend") mit den illustrierten Bei- lagen„Volk und Zeit" und„Kindersreund". iowie den Bei- „Unterhaltung und Wissen".„Frauenstimme".„Technik". „Blick m die Bucherwelt" und„Iugend-Vorwörts" in Graß- Berlin taglich srei ins Haus. (Monatlich 3.60 Mk.. wöchentlich 85 Pf.) Name Wohnung: .Straße Nr- oorn- Hof— Ouergeb.— Seilenfl.— Tr. links— rechts bei Ausfüllen und einsenden an den Verlag des„Vorwärls" Lerlin STD 6$, Lindenstraße 3.