Morgenausgabe Nr. 459 A 231 46. Jahrgang «»«nttllch(891.»miMch MOS. IM serauf jafclbaf, 9oftbcjU( 4�1 R. -»nlchlletllch«0 Cfs- toftafiniij».— i» n 9f(. 9sftb«fl>[Ig»»«g des Reichsministers des Jnner» vom A9. September 1929 veröffentlicht, in der das vom „ReichsanSschuh für das deutsche Bolksbegehren" be- antragte Volksbegehren bekanntgegeben und die Eintragnugsfrist auf die Zeit vom 1«. bis 2 9. Oktober 1929 festgesetzt wird. Der Reichsminister des Innern hat hierdurch de« Vorschriften des Gesetzes über den Volksentscheid vom 27. Juni 1921 entsprochen, ohne durch die veröffeut» lichung zu dem Inhalt des beantragten Gesetzentwurfes irgendwie Stellung zu nehmen. Die Reichsregleruug weih sich mit der erdrücken» den Mehrheit des deutsche» Volkes in der Auffassung einig, daß die Besserung der auhenpolitische« Lage nicht dnrch ein wie immer geartetes deutsches„Gesetz- zu er» zwinge« ist, sonder« allein durch zähes Ringe« im Ver- Handlungswege mit de« Vertragsgegner« schrittweis« er» reicht werde« kann. Die Reichsregierung wird der Durch» führung deS Volksbegehrens die verfassnngsmähi» gen Garantie« selbstverständlich nicht vor» enthalte«. JnderSache selbst wird fie dem Beginnen, das von Anfang an als versuch mit völlig untaugliche« Mittel» erscheint und in der Wirkung nur geeignet ist, de« inner- politische« Zwist z« vertiefen, schärfste« Wider- stand entgegensetzen. Um die Arbeitslosen. Zusammentritt des Reichstags. Der Reichstag hat gestern die erste Lesung der AbänderungsgeieHe zur Arbeltslosenver» s i u) c r u n F vorgenommen. Es ist das wesentlichste an dieser Sitzung, daß sie Raum läßt für weitere VerHand- lungen. Eine Einigung der Regierungsparteien ist bisher nicht erfolgt, aber die Möglichkeit, daß sich eine Mehrheit sür eine erträgliche Regelung findet, besteht. Die V o l k s p a r t e i leistet nach wie vor Widerstand ge�.n die Vorschläge des Reichsarbeitsministers wie gegen die Forderungen der Sozialdemokratie. Die Vorschläge, die ihr Redner, der Abg. P f e f f e r, für eine Umgestaltung der Arbeitslosenversicherung vortrug, sind so sehr außer aller ernsthaften Diskussion, daß sie wie ein Verzicht auf praktische Mitarbeit wirken. Das Zentrum ließ durch den Abg. Perlitius eine Er- klärung abgeben, die alle Türen offen läßt. Der Sprecher der Sozialdemokratie, Abg. Graß- mann, hielt„der Wirtschaft�, die nach dem Abbau der Ar» beitslosenversicherung ruft, einen Spiegel vor: Produktion ge- ßiegen— Arbeitslosigkeit gewachsen— Fusionierung von Troßbanken— Entlassung von Angestellten— Ruf nach Kürzung der Erwerbslosenunterstützung— aber Riesen» gchälter für Direktoren und Aufsichtsräte. Die Sitzung verlief sehr ruhig. Einiges bestellte kommunistische Geschrei im Anfang, das noch unehr- licher wirkte als sonst, verstummte sehr bald. Am Ende der Sitzung unternahm Graf Westarp den von Hilgenberg befohlenen Vorstoß für die deutschnationalen Anträge zum Zoung-Plan, wobei Hugenberg selbst im Reichstag erschien. Die Linke forderte, er soll« sprechen. Hugenber g schwieg, Westarp wurde nervös, und die ganze Angelegenheit ver- lief kläglich im Sande._ Das neue Republikschuhgeseh. Worin unterscheidet eS sich vom alten? Der„Demokratische Zeitungsdienst' hat ein.' Inhaltsangabe des neue» Entwurf» des Republikschutzgesetzes nerössentlicht, die nach unseren Informationen im großen ganzen richtig ist. Die Ver- ösfenllichung läßt aber nicht erkennen, worin sich der neue Eni- wurf von dem alten außer Kraft getretenen Gesetz unterscheidet. Daß diejenigen Vcstimmungen, die uerfassungsänoernd sind, wie der Kaiserparagraph, wegfallen sollen, ist bekannt. Ab- gesehen davon sind zahlreiche Bestimmungen des alten Gesetzes in das neu* übernommen worden. Irrig ist zum Beispiel die Ansicht, daß Bestimmungen über ein Zwangsdomizil der noch dem Gesetz verurteilten in den Entwurf neu ausgenommen seien. Diese Bestimmungen waren auch schon im alten Gesetz enthalten, sind aber freilich unser»« Wissens niemals zur Anwendung gelangr. Ebenso. sind die vestiiamungen gegen„eine geheime staatsseindliche Ver- bindung, die dt, Bestrebung befolgt, die verfassungsmäßig fest- gestellte republikanische Staatssorm des Reiches oder eines Landes zu untergraben', auch schon in dem früheren Gesetz entHallen. Aenderungen sind dagegen unter anderem in folgenden wesent- llchen Punkten eingetreten: Während das alle(geseh mir die Mitglieder der Re- g i e r u n g vor Bereinigungen oder Verabredungen schützte, die sie in ihrem Leben bedrohten, schützt das neu« Gesetz jede Person, gegen die wegen ihrer Stellung im politischen Leben ein Attentat geplant wird. Die Strafe war früher Zucht- houz von fünf Jahren bis lebenslänglich. Jetzt soll sie Gefängnis lücht unter sechs Monaten und in besonders schweren Fällen Zucht- Haus nicht unter zwei Iahren fein. Die Begehung«ine» Angriff» auf Leib oder Leben einer im politischen Leben stehen- den Perlon soll mit Cetängnis nicht unter drei Monaten bestrast werden. Die gleiche Strafe soll den treffen, der solche Taten be- lohnt oder begünstigt. Die Bestimmungen über den Schutz der republikanischen Staats- form und der Reichs- oder Landesfarben werden insofern verschärst, als in Zukunft auch ihre absichtliche Herabsetzung in der öffentlichen Meinung durch Bekundung der Mißachtung strafbar fem soll. Die Strafe betrug bisher Gefängnis bis zu fünf Iahren. In der neuen Vorlage heißt es: Gefängnis nicht unter drei Monaten. Dieselbe Strafe trifft den, der ein« Person beschimpft oder»er- leumdet, die wegen ihrer Stellung im politischen Leben getötet worden ist, oder wer zu Gewalttätigkeiten gegen einen Politiker ausfordert oder wer hochverrätcnische Handlungen verherrlicht oder ausdrück. lich billigt. Nach dem allen Desetz konnte der Reichsinnenmtnister seider kein« verein« auflösen, sondern mutzt« sich bei Widerspruch der Landeszentralbehörden an den Staatsgerichtshof wenden. Nach dem nenen Entwurf kann der Reichsinnenmini st er auch von sich aus die Auflösung verfügen. Die Bestimmungen über die verbotswidrig« Fortführung eine» verbotenen Dereins sind juristisch etwa» schärfer gefaßt: da« Tragen von Abzeichen eines aufgelösten Vereins soll mit Gefängnis bestraft werden. Die Bestimmungen über die Presse werden insofern ge- ändert, als Beschlagnahm« und Verbot auch dann möglich sind, wenn der Inhalt Strafbarkeit nach ZZ 81 bis 86 des StGB.(Hochverrat) begründet. Das Verbot soll auch durch den Reichsinnenminister er- folgen können. Ein« periodische Druckschrift, die zur Umgehung des Verbote» einer anderen verbreitet wird, kann gleichfalls verbalen werden. Die Borfchrtften über die Berbotsdauer, bis 4 Wochen bei Tageszeitungen(sonst bis 6 Monate), sind unverändert geblieben. Engländer verlassen Saargebiei. Heimreise der Äahntruppen. Saarbrücken. 30. September. ver für heule nachrnlkiag 1,23 Uhr angesetzte Abmarsch der eng- lisch«» Bahaschuhlruppeu vollzog sich ruhig und ohne Störung. Räch einer kurzen mUilärischen Arier und der Einholung der Fl»>ge. zogen die Truppen durch die Stadl zum Bahnhos. wo srauzösisches und belgische» Militär Spalier blldete. Die Truppen wurden nach Wiesbaden verladen,«m von dort aus in den nächsten Tagen mit dem Stammregiment zusammen nach England zurückzukehren._ Wird die Kohle angepackt? Senfer Beraivagen- Englands Staatskartellpläne. Genf, 30. September.(Eigenbericht.) Am Montag begann im Bölkerbuvdssekretariat unter Leitung de» Borsltzeaden de» Sohleaausschusses, des Staatssekretär» Iren- delenburg. die Sachverständigentonserenz über da» tateraatlonale Sohleupr oblem. Als Sachver. ständige der deutschen Bergarbeiter sind der erste Vorsitzende de« Bergbau.Zndustriearbeiterverbaades h u s e m a a o und Dr. L e r. g e r erschienen. Dr. Silvepberg und der Generaldirektor de» Ruhrkohlensyndikats vertreten die Grubenbesitzer, denen al» beson. derer Sachverständiger der oberschlesischen Berhättnifie Vberbergrat Frenz et beigegeben Ist. Die Sachverständigen legten dar. welche Veränderungen In der wirtschaftlichen und organisatorischen Gestaltung der kohlenlndustrte ihrer Länder seit den letzten Sachoerstän- dlgenveruehmuugen im Zanuar bzw. März eingetreten flnd. Be- sondere» Interesse erregten die englischen Mitteilungen über dl« Sarlellicrungspläne in England. Schutz der Republik. Von Varl Levorlug. Im Laufe dieser Woche«schoint die erste Nummer der neuen Parteiwochenschrift„Das frei« Wort*(Freie�Lorb Verlag, Berlin EW. 68). In ihr«rlänterl Gen. Reichs- innemninister Seoering seinen Entwurf des Republikschutz- gesetze». Nach der Abstimmung über die Verlängerung des Ge- setzes zum Schutze der Republik, bei der die erforderliche ver- sasiungsändernde Mehrheit im Reichstag nicht erreicht wurde, hat es auch in Kreisen der Regierungsparteien nicht an Stimmen gefehlt, die zum gänzlichen Verzicht auf die Weiter- Verfolgung des Gedankens rieten, vor der Verabschiedung des neuen Strafgesetzbuches Sonderbestimmungen zum Schutze der Republik zu erlassen. Diese Stimmen sind durch die ex- plädierten Bomben der rechts-aktwistischen Kreise recht bald zum Schweigen gebracht worden, und die Zeitungsnotizen, die der Regierung ein„Kurztreten" empfahlen, sind abgelöst worden durch dringende Vorstellungen, den Mißbräuchen der Pressefreiheit mit allen staatlichen Machtmitteln entgegenzu- treten. Die Regierung hat sich von diesem Auf und Ab der Stimmungen nicht beeinflussen lassen. Dieselben Gründe, die sie veranlaßten, die Verlängerung des Republikschutzgesetzes zu beantragen, waren für ihre Entschließungen maßgebend, das Zustandekommen eines Gesetzes zu betreiben, das nicht die verfassungsändernde Mehrheit des Reichstags zur Vor- aussetzung, aber dieselbe Zweckbestimmung zum Ziel hat. An der alten hausbackenen Wahrheit, daß Regieren Voraus- schauen heißt, hat sich ja nichts geändert, und wer die Sprache in den Blättern der rechtsgerichteten Bünde und in den kam- munistischen Zeitungen im Frühjahr dieses Jahres verfolgt hat, der konnte unschwer ermessen, bis zu welchem Grad der Verhetzung sich diese Sprache steigern würde, wen�i die immerhin noch leidliche wirtschaftliche Situation einen allge- i meinen wirtschaftlicheck Niedergang gewichen wäre. Die Regierung ist darum ungesäumt zur Formulierung eines neuen Gesetzes geschritten, das jetzt dem Reichskabinett zur Beratung vorliegt. Sie hat sich andererseits nicht zu einer besonders beschleunigten Vorlegung des Gesetzes an den Reichstag entschließen können, da sie sich zwar ihrer Pflicht bewußt ist, den Angriffen auf die Republik und ihre Ein- richtungen entschieden entgegenzutreten, dagegen keine Ver- anlassung sieht, mit Hast und Krampf den Eindruck einer Unsicherheit und Nervosität zu erwecken. Der dem Kabinett zugeleitete Entwurf unterscheidet sich von dem bisherigen Gesetz, wie schon gesagt, dadurch, daß er auf alle verfassungsändernden Bestimmungen verzichtet. Das bedeutet selbstverständlich eine einschneidende Beschränkung der bisher gewährten Verteidigungsmittel. Anderer- seits bietet die Notwendigkett zur Schaffung eines neuen Ge- setzes zugleich eine willkommene Gelegenheit, um bei der Aus- legung des Gesetzes entstandene Zweifelsfragen zu klären und offenbar gewordene Lücken zu schließen. Im wesentlichen ist jedoch auch der neue Entwurf von dem Gedanken beherrscht. nur da zu ändern, wo es unbedingt nötig ist. Selbst kleinere Unstimmigkeiten und Schönheitsfehler in der Formulierung sind nicht geändert worden: vielmehr sind alle vorgesehenen Verbesserungen aus die Dinge beschränkt geblieben, deren Klärung oder Aenderung zur Erreichung des eigentlichen Zweckes des Gesetzes wesentlich ist. Dem Leser des neuen Entwurfs wird zunächst in die Augen fallen, daß das Gesetz nicht mehr den Charakter eines besonderen Schutzgesetzes zugunsten der Regierungsorgane des Reichs und der Länder trägt. Auf diesen besonderen Schutz ist nach Möglichkeit verzichtet worden. Statt dessen soll im neuen Gesetz jede im politischen Leben stehend« Person ohne Unterschied der Richtung oder der Partei dagegen ge- schützt werden, daß sie bei oder wegen ihrer politischen Täjjjg- keit Gewalttätigkeiten wider Leib und Leben ausgesetzt wird. An Stelle des Schutzes der republikanischen Behörden tritt damit der Schutz des Politikers schlechthin gegen die söge- nannten„schlagenden" Argumente. Reinigung des politischen Kampfes von terroristischen Elementen, gleichviel, auf welcher Seite sie stehen, wird der Zweck dieser Bestimmungen des neuen Gesetzes sein, das dadurch nicht mehr nur polizeiliche, sondern zugleich auch erzieherische Wirkungen zugunsten der Sicherung demokratischer Methoden auch in der Praxis des politischen Parteikampfes haben dürfte. Von den wegen ihres verfassungsändernden Charakters fortgefallenen Bestimmungen des alten Gesetzes sind in erster Linie der Kaiserparagraph und die Dorschristen über die Auflösung von Vereinen und Versammlungen zu nennen. Der Wegfall des Kaiserparagraphen darf heute in seiner praktischen Wirkung nicht mehr überschätzt werden. Dieser Paragraph hat seine Bedeutung gehabt in den Zeiten, wo gewisse Kreise in Deutschland die Rückkehr des ehemaligen Kaisers noch als mögliches und erstrebenswertes Ziel ansahen. Der psychologische Moment für eine Rückkehr des früheren Kaisers nach Deutschland ist indessen längst vorbei. Als einfacher Privatwann und Bürger der Republik, der allen Gesetzen dieser Republik unterworfen ist, wird Wil- fjclm II. nicht zurückkehren wollen: ganz zu schweigen von den zahlreichen anderen Gründen, die seine Rückkehr und sein Verbleiben in Deutschland mindestens sehr schwierig machen würden! Bedeutsamer ist der Wegfall der Vorschriften, welche die Regierungen, insbesondere auch die Reichsregierung, er- mächtigen, republikfeindliche Verbände unter gewissen Um- ständen zu verbieten. Gegen solche Verbände wird in Zu- kunft nur noch dann mit Auflösung vorgegangen werden können, wenn sie einen st r a f b a r e n Zweck verfolgen, mit anderen Worten, wenn die Voraussetzungen des Reichsver- einsgesetzes gegeben sind. Besonders wichtig sind die Bestimmungen über die Presse. Verfassungsrechtlich bestehen hier keine Schwierig- keiten. Die Preßfreiheit ist in der Weimarer Verfassung zum Unterschied von manchen früher'en Ländervcrfasiungen a l s solche nicht besonders gewährleistet worden und kann des- halb durch jedes einfache Reichsgesetz beschränkt werden. Der Entwurf spricht sich für die Beibehaltung der Bestimmungen des bisherigen Gesetzes aus. Die republikfeindliche Presse— erinnert sei nur an die jüngsten Ergüsse der Zeitung„Das Landvolk"— ist noch immer weit davon entfernt, ihre ab- weichende Auffassung nur mit legalen Mitteln zu oertreten. Durch Aufforderung zum Hochverrat, planmäßige Verleum- dung und Beschimpfung der Republik, ihrer Regierungen und ihrer Symbole wird immer noch in einem Maße Gift in die Bevölkerung gespritzt, wie dies kein Staat, der sich nicht selbst aufgeben will, auf die Dauer ertragen kann. Kleinere Ergänzungen des Gesetzes zum Zwecke der Be- seltigung von Zweifeln und Lücken sind vorgesehen, um die praktische Durchführung mit dem Zweck des Gesetzes in Ein- klang zu bringen. Urteile höchster Gerichte, in denen offen- bare Beschimpfungen der republikanischen Farben, wie sie beispielsweise durch die Bezeichnung schwarzrothühnereigelb zweifellos beabsichtigt sind, für straflos erklärt werden, stehen weder mit dem Sinn des Gesetzes, noch mit der öffentlichen Meinung im Einklang. Hier wird durch eine verbesserte Fassung leicht Abhilfe zu schaffen sein. Lücken des Gesetzes haben sich auch insofern gezeigt, als bp. Zeitungsverboten sich mehr und mehr die Praxis eingebürgert hat, das Verbot da- durch unwirksam zu machen, daß vom nächsten Tage ab allen Beziehern der verbotenen Zeitung eine andere Zeitung der- selben Partei als Ersatz zugestellt wurde. Gegen eine solche offenbare Umgehung des Gesetzes wird man selbstverständlich vorgehen müssen, wenn man die Zeitungsverbote nicht zu einer reinen Farce werden lassen will. Auf ein offenbares Versehen der Gesetzgeber ist es zurück- zuführen, wenn sie Zeitungsverbote zwar in allen den Fällen zugelassen haben, in denen gesetzwidrige Angriffe gegen die republikanischen Regierungen und die Symbole der Republik vorgekommen waren, aber nicht dann, wenn eine Zeitung offen zum Hochverrat aufforderte, wie es insbesondere in der kommunistischen und nationalsozialistischen Presie wiederholt vorgekommen ist. Solche Angriffe gegen den Bestand der Republik wiegen selbstverständlich viel schwerer als Beleidi- gungen der Regierungshäupter oder Beschimpfungen der republikanischen Symbole, und es heißt nur eine offenbare Anomalie des alten Gesetzes beseitigen, wenn man gegen bochverrüterische Presseangriffe auf den B e st a n d des Staates die gleichen Verteidigungsmittel gewährt wie bei der nur wörtlichen Beschimpfung der Republik, ihrer Or- gane oder Symbole. Im übrigen sieht der Entwurf an zahlreichen Stellen ganz wesentliche Milderungen gegenüber dem alten vor. Die drakonischen Zuchthausstrafen der in den ersten Paragraphen enthaltenen Strafvorschriften sind teils verschwunden, teils wesentlich herabgesetzt worden. In der Praxis ist auf lebens- längliches Zuchthaus oder andere langdauernde Zuchthaus- strafen doch nicht erkannt worden. Die Strafmilderungen bedeuten also hier lediglich eine Annäherung des gesetzlichen Zustandes an die tatsächlichen Verhältnisse des Rechtslebens. Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß das neue Gesetz keine Befristung mehr vorsieht. Man ist sich darüber klar geworden, daß eine Außerkraftsetzung des Republikschutz- gesetzes erst dann eintreten kann, wenn das neue Strafgesetz- buch, das wenigstens die wichtigsten Strafbestimmungen des Republikschutzgefetzes übernehmen wird, in Kraft tritt. Zu welchem Zeitpunkt dies der Fall fein wird, läßt sich heute noch nicht übersehen. Um zu verhüten, daß durch weitere Verlängerungsgesetze immer wieder nutzlose parlamentarische und Verwaltungsarbeit geleistet werden muß, ist deshalb von einer Befristung überhaupt abgesehen worden und dafür vor- gesehen, daß durch das Einführungsgesetz zum neuen Straf- gefetzbuch das Republikschutzgesetz in dem Augenblick außer Kraft gesetzt wird, in. welchem das neue Strafgesetzbuch in Wirksamkeit tritt. Es ist anzunehmen, daß die parlamentarische Behandlung des neuen Entwurfs nicht allzu schwierig und zeitraubend sein wird. Das Gesetz will nicht knebeln und keine Meinungs- freiheit einschränken, aber es will den Behörden die Macht- mittel oerschaffen, um die Republik vor Anschlägen zu schützen, die angeblich nur ein„System" treffen sollen, in Wirklichkeit aber das ganze Volk in neue schwer« politische und wirtschaftliche Gefahren treiben. Michsiog und Arbeitslose. Erste Lesung der Abänderungsgesehe. Hugenberg und Heimwehr. Er kaust Zeitungen in Oesterreich. wlen, ZO. September.(Eigenbericht.) wie aus absolut sicherer Quelle bekannt wird, hat h u g en- b e r g die bekannte sieimwehrzeitung..Grazer Tagespost" ausgekauft. Die Zeitung ist das größte und älteste zweimal nm Tage erscheinende Blatt der Steiermark.?n der Redaktion stehen große Veränderungen bevor. Gleichzeitig steht hugenberg in Verhandlungen wegen Ankaufs einer Znnsbrucker Zeitung. Kommunisien verhandeln mit Papst. Sowjetregierung, der Berliner Nuntius und der Vatikan N o m, S0. September. Zwischen dem Heiligen Stuhl und Sowjetrutzkand sind gegenwärtig neue Verhandlungen im Gange znr Wieder- aufnähme der diplomatischen Beziehungpn. Die Ve- sprechungen werden laut„Tevere" zwischen dem Berliner R u n t i u ö, Monsignore Pacelli» und dem russischen Bot» ichafter Krestinski gefiihrt. Der Auswärtige Ausschuß de« Reichstages ist von seinem Dar- sitzenden Abg. Scheidemann zum kommenden Freitag, vor. mittags 10 Uhr, einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt: Die Ve rhaud lungeo im Haag. Am Montag trat der Reichstag um 15 Uhr zusammen, um die Vorlage des neuen Abänderungsgesetzes zur Arbeitslosenversiche- rung zu beraten. Die Plenarsitzung wird vom ersten Mzepräsiden- ten Esser an Stelle des noch immer erkrankten Reichstagspräsi- denten Lobe eröffnet. Die Abgeordnetenbänke sind gut besetzt, die Tribünen sind überfüllt. Am Regierungstisch haben Reichsarbeits- minister Wisfcll und Reichsfincmznnnister Hilserding Platz ge- nommen. Der Vizepräsident drückt zunächst sein Bedauern über die Krankheit des Reichstagspräsidenten aus und gedenkt dann der in den Reichstagsferien verstorbenen Abgeordneten Lünenschloh (Wirtschp.), Emil H ö l l e i n(KPD.), Hermann Schulz- Königsberg(Soz.) und Dr. K u h l« n k a m p(D. Vp.), ferner der ehemaligen Reichstagsabgeordnetin Frau M a r g. B e h n. Ein« Anzahl Anträge auf Erteilung der Genehmigung von Strafverfahren gegen Reichstagsabgeordnete werben üblicherweise dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung beantragte Abg. Stöcker(Komm.) zur Geschäftsordnung die Absetzung der Regierungsvorlage von der Tagesordnung und an ihrer Stelle die Beratung einiger kommunistischer Anträge vorzunehmen. Der kommunistische Antrag wird gegen die Stimmen der Kommunisten und Nationalsozialisten abgelehnt. Allgemein wurde jetzt erwartet, daß'die De u t s ch n a t I o n a- len nunmehr einen Antrag auf Beratung ihrer Anträge zur Außen- Politik einbringen würden. Inzwischen hatte allerdings schon der Abg. Stöcker beantragt, die Außenpolitik auf die Tagesordnung zu setzen. Es erregt« allgemeine Heiterkeit, als sich Gras Westarp (Dnat.) erhob, aber nur um mitzuteilen, daß er gegen den kommu- nistischen Antrag sei und sich vorbehalte, die Beratung der deutsch- nationalen Anträge heute abend noch zu beantragen. Nunmehr wurde auch die von den Kommunisten beantragte Beratung der Außsnvolitik abgelehnt. Das Wort zur Arbeitslosenversicherung nimmt �eichSarbeiiSminifter W'ssell: Er weist zuerst auf die Borgeschichte dieser Vorlage hin und fährt dann fort: Di« Regelung in den beiden vorliegenden Gesetzentwürfen be- friedigt nicht alle Wünsche. Be! den viel umstrittenen Punkten wird es kaum möglich sein, eine Lösung ZU finden, die jeden cin-e!- nen restlos zufriedenstellt. Einigkeit dürft« wohl darüber bestehen, daß wirkliche Mißstände ausgeräumt und Mihbräuche beseitigt wer- den müssen. Daß Mißbräuckie in der Arbeitslosenverstcherung vor- gekommen sind, hat die Reichsregierung nicht geleugnet. Das Reiebsarbeitsminifterium ist allen Klagen über Mißbräuche und Mißstände nachgegangen, einerlei, ob es sich um einzelne Fälle oder um ollgemeine Erfckeinungen handelte. Dabei hat sich er- freulicherweise herausgestellt, daß die Mitteilungen über Mißbräuche und Mißstände vielfach die Tatsachen entstellt und aufgebauscht haben. Das Arbeitslosen- versichenxngsgesetz als Ganzes hat sich bewährt, es war nament- lich unter den Verhältnissen der Rachkriea-zeit ein notwendi- g e s Gesetz, das eine sozialpolitische Lücke aussüllte. Die Rdchsreglertmq rückt ausdrücklich ab von der Auffasiung, als habe die Arbeilsloseuverlicherung die Arbeitsmoral unseres ganzen Volke» untergraben. Daß die Durchführung auf Schwierigkeiten stieß, ist bekannt. Jede Einrichtung braucht eine gewisse Zeit, bis die Verwaltung den richtigen Weg findet. Die Arbeitslosenversicherung aber hat in. den ersten zwei Iahren mit ganz ungewöhnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, der Reorganisation der Verwaltung und der Kälte- tatastrophe des letzten Winters. Wir dürfen den Boomten und An- gestellten der Versicherungsanstalt unter diesen Umständen unsere Anerkennung nicht versagen. Die Anstalt hat sich um die Ab. stellung der Mißbräuche bemüht. Im erinnere nur an den Erlaß des Präsidenten vom 4. Mai d. I. Das Gesetz, dos der Reichstag gemacht hatte, war schuld an einem Teil der Schwierigkeiten. Dar- aus kann man dem Gesetzgeber gleichfalls keinen Vorwurf machen, denn das Gebiet war Neuland. Uebrigens ist auch die Erwerbslosen- fürsorg« in neun Iahren siebenzehnmal geändert worden. Di« heute vorliegenden Entwürfe bringen zum Teil dauernde, zum Teil vorübergehende Aenderungen. Das umfangreiche Gesetz will eine Reihe von Mißbräuchen be- seikigen. Hebet diese Vorschläge werden kaum mehr allzu große Meinungsverschiedenheiten bestehen. (Widerspruch bei den Komm.) Es handelt, sich doch um Regelungen, die z. B. immer noch weit über die in Rußland hinausgeh.'n.(Un- ruhe bei den Komm.) Die Reichsanstalt geht mit großen«chu den in den Winter, nämlich mit 250 Millionen Mark. Für den kommen- den Winter müssen wir damit rechnen, daß der Ausgabebedarf die Einnahmen wesentlich übersteigt. Wir müssen an einen dauern, den Ausgleich denken. Der Lösung dieser Frage dient haup'- sächlich der zweit« befristete Entwurf. Di? A'isga-' en hängen zunächst von der Zahl der Arbeitslosen ab. Die Sochoer- ständigenkommission Hot mit einem Durchschnitt van t,1 Millionen Unterstützungsempfänger gerechnet. Die O:ff°ntl'chkeit hat drse Zahl für übertrieben pessimistisch gehalten. Trotzdem glaubt die Regierung an dieser Zahl festhalten zu müssen. Sie ist gewonjrn aus dem Durchschnitt der Jahre 1926— 1928. Voraussag mgen'iir die Konjunktur der nächsten Jahre lallen sich sch-ner machen. Sie hängt ab von der Handels- und Zollpolitik, vom G' d- markt usw Hinzu kommen aber die Veränderungen, die di« In- dustrie selbst an sich vorgenommen hat. Man kann sich die Ratiana- lisierung mit Rücksicht auf unsere Exportfähigkest nicht nradcnfon. aber andererseits ist man überall bemüht, arbeitsparende Methodm einzuführen, und die Konzentration der Betriebe schreiet ima-'f» haltsam fort. Die Folge ist steigende Arbeitslosigkeit. Diese st r u k- turelle Veränderung müssen wir als wichtigen Faktor m unsere Sozialpolitik einstellen. Eine Durchschnittszahl von 1.1 Mil- iionen Arbeitslosen würde einen Fehlbetrag von rund 270 Mll- lionen Mark bedeuten. Die Beseitigung dieses Fehlbetrages ist schwierig. Der Regieningscnlwurs beschränkl sich bewußt auf eine Lösung bis zum 31. Rlärz 1331. Auch der größevs Entwurf bedeutet einige finanzielle Erleichterungen. (Abg. Torgler fKomm.j: Und was bedeutet das für den Haushalt der Arbeitslosen?) Unsere Ausgaben von jährlich 1,l Milliarden für die Arbeitslosen gehen noch immer um dos Achtfache über das hinaus, was Rußland im ganzen dafür ausgibt.(Hört, hört!) Die schwer abschätzbaren Ersparnisse verschiedener Reformen sind außer acht gelassen worden. Anderer- seit? muß die Arbeitslosenversicherung auch ihren sozialen Zweck erfüllen. Den Arbeitslosen darf nicht der nokwendige Unkerhalt fehlen. wie es die Rcichsversasiung sordert. Die Kürzung der Unter- siützungssätze würde die Sauskrost mindern und sich aus die ganze deutsche Wirtschafk auswirken. Soweit zu übersehen ist, würde die Vorlage einen Ausgleich für die Reichsanstalt in Einnahmen und Ausgaben bringen. Das gilt nicht für den kommenden Winter. Diesmal wird«in Fehl- betrag von etwa 90 Millionen eintreten, der durch einen sogenannten„Ueberbrückungskredit" überwunden werden i->u„Die Regierung l)at in verschiedenen Punkten Doppelvorlagen Im Gegensatz zu den Aenderungen machen müssen, die der Reichsrar vorgenommen hatte. Es handelt sich nicht um finanzielle, sondern um grundsätzliche Fragen. Die Reichsregierung erwartet nicht, daß die Entwürfe überoll restlose Befriedigung hervorrufen. Als das Lerficherungsgesetz geschaffen wurde, waren wir uns bewußt, daß es nicht das letzte Wort sein würde. Das gilt auch heute noch. Die Veränderungen in der Wirtschaft wirken besonders stark gerade auf die Arbeitslosenversicherung«in. Reichstag und Reichsregierung werden daher diese Entwicklung dauernd im Auge behalten müssen. Was im Augenblick an Reformen notwendig und möglich ist, ent- halten die vorliegenden Entwürfe. Die Regierung sieht in ihnen einen gangbaren Weg.(Lebhafter Beifall.) Ein kommunistischer Antrag, die vom Aeltestenausschuß vor- gesehene Redezeit von 1 Stunde in der ersten Lesung ans 2 Stunden zu verlängern, wird abgelehnt. Abrechnung mit der„Wirtschast". Abg. Graßmann(Soz.): Di« Ausführungen des Ministers über die Wirtfchastslag« und die Ursachen der Slrbeitslosigkeii stimmen weitgehend mit unseren Anschauungen überein. Die Erscheinung der Arbeitslosigkeit ist der typische Beweis für die Auswirkungen der heute betriebenen falschen Wirtschaftspolitik. Sie ist der Beweis dafür, daß das heutige Wirtschaftssystem, das auf Speku- lation und Erzielung von Gewinn aufgebaut ist, notwendig um- gestaltet werden muß im Sinne der Regelung der Wirtschast nach den Grundsätzen der Bedorssdeckung. Besonders die Erfahrungen der letzten Zeit sind bestimmend sür uns in der Erkenntnis dieser Rot- wendigkeit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es bedarf einer internationalen Regelung der Wirtschaft. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz ist in Deutschland vielfach ganz falsch beurteilt worden: noch da.zu muß es als unmöglich be- zeichnet werden, daß man nach so kurzer Zeit seines Bestehens be- reits grundlegende Erkenntnisse über die Art leiner Auswirkung erhalten haben wollte. Durch die falsche Beurteilung sollte der Ein- druck erweckt werden, als ob die deutsche Bevölkerung.zum großen Teil au» Nichtstuern bestünde. Di« Rolwendigkclt. daß die Rescheanstalt sür Arbeitelosen- versilherung in diesem Winter ein Darlehen bei der Reichstasse ausnehmen mußte, um insgesamt 5 Millionen Menschen oer- sorgen zu können, war nicht Schuld des Gesetze«. E, handelte sich bei dieser Erscheinung um eine Wirtschastskataslrophe'. sür deren Opfer die Allgemeinheit genau so eintreten mußte, wie sie es sonst bei Raturkalaslrophen tun muß.(Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) Die Ärbeitekraft, die der wertvollst« Teil des Dolksoermögens ist. muß vor den Gefahren solcher Katastrophen geschützt werden. Die Angriffe gegen das Arbeitslosenversscherunosgesetz und gegen die gesamte Sozialpolitik, die damit begründet werden, daß die Sozialpolitik eine„Belastung" der Wirtschaft darstellt, werden durch die von mir'gemachten Erwägungen widerlegt. Wenn von den Gegnern des Arbeitslosenoerficherungsgefetzes für die Hebung des individuellen Sparsinns der Arbeiter eingetreten wi«:d, so geben wir zwar zu. daß dieser Sparsinn gelzoben werden muß, aber wir halten den s o z l a l p o l i- tischen S p a r z w a n g, der auf die Arbeitertlciss« ausgeübt wird, für weit sittlicher. Zudem ist unser« moderne kapitälistische Entyiicklung undenkbar ohne die Sozialversicherung, die die Arbeits- kraft der gesamten Arbeiterklasse aufrechterhält. Selbst bei amerikanischer Lohnhöh«, die«in individuelles Sparen viel eher ermöglichte, wäre für Deutschland dl« Aus. rechterhaltung der Sozialpolitik notwendig. Sie ist es. die die Solidarhaftung der Arbeiter für einander. ihre tiefe Verbundenheit erzeugt und ihnen da» Gefühl de» Auf- einander lmgewieseuseiu» eiuslößt. wenn man will, ihr Klassenbewußtsein stärkt und ihnen zu Marxist!. scher Erkenntnis über ihre soziale Lage oerhüst. Ein« solch« stellung wird der Arbeiterschast zum Vorwurf gemacht, und früher versuchte man diese Einstellung mit Hilse� der Sozialpolitik zu be- seifigen. Es hat sich gezeigt, daß die Sozialpolitik die Arbeiter- bewcgung stärkt, und der heutige Stand der sozialpolitischen Er- rungenschaften kenn.zelchnet im allgemeinen den Stand der Errungen. Ichasten der Arbeiterklasse. Der Kamps gegen die Sozial- Versicherung ist heute ein politischer Widerstand gegen die sozialen Ansprüche der Arbeiterklasse, gegen eine soziale Demokratie überhaupt und besonders gegen den Marxismus. Gerade aus ihrer sozialpolitischen Betätigung heraus, die ihr den Einblick in den Meämnismus des heutigen salsclzen Wirt- (chastssystems verschafft, leitet die Arbeiterschast Ansprüche aus die Mitwirkung an der Leitimg der Wirtschaft her. Den berechtigten Ansprüchen der Arbeiterschast versuchen ihre Gegner mit allen Mitteln, selbst mit den Mitteln einer lächerlick«'' Pscudowissenschast beizukommen. Redner verliest einige krasse Bei- spiel« sogenannter„volkswirtschaftlicher" Kanipiichnst«?, gegen tue Sozialpolitik.) Bei diesen Gedankengängen kann man nur sagen: „Daß du die Nase ins Gesicht behältst." Die Gegner der Sozialversicherung verlangen von ihr.�daß st- genau so wie eine Prioatversicherung mit ihren Mitteln auckommeu soll, ohne soziale Gesichtspunkte zu berücksichtig«� und deshalb die schlechten Risiken abstoßen soll. Man weist dabei aus dchZ Benpicl von England hin. Wir können uns unsererseits daraus veruen, daß sich die Abstufung der Leistungen noÄ den Bei- trägen, wie sie in England üblich war, g l, s o z i a 1 v o I: t> s ch unhaltbar erwies. Die Leistungsfähigkeit der.Neichsanstg� bei notmalen Atbeitsmarktverhältnissen kann von niemandem Zweifel gezogen werden. Nicht nur hat sie die Boran/chlr.g gesehenen 700 000 Arbeitslose, sondern über 800 000 Arbeitrl»«« ohne Defizit unterstützen können. Wenn nun nach einem so anor- malen Winter an die Reichsanstalt das Ansinnen gestellt wird, oatz sie ihren Etat einfach durch Einschränkung derLe Ist 9?" und die Bemessung der Leistungen nach der Anzahl, der Beitrage vornehmen soll, so muß den sogenannten(sührern der Wittschafi. die si� Pläne zu eigen machen, gesagt werden, daß sie alle verania.sung hätten, znr notwendigen Sanierung der Udcheanstfl" der ar- höhnnq ihrer Beitrüge zuzustimmen. Mit den Methoden ihrer „Wirtschastssührung" vermehren sie nur durch Si t.aliungcn oie Arbcilslosigkesl. Nach den Berichten der Arbeitsämter des rheinisch-weniälischcn Industriegebiets ist zwar die Produktion in diesem Gebiet« g e st i e g« n, aber der A r b e i t s m a r k t st a g n i e r t oder«- schlechtert seine Lage ständig. In früheren Zeiten l)at man die I n- gerea Arbeiter zeitweilig abgebaut und einen großen Teil der lange beschäftiaten Arbeiter auf Lager arbeiten lassen. Heute legt man sozusagen die Arbeiter auf Lagerl Die Wucht der Rationalisierung hat allein die Arbeitnehmer getroffen, und die gleichen Folgen haben die riesigen W ir t s cha f t» zu s a m. menschlüsse, die das Bild der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Zeit beherrschen. So wurde j. B. schon lange vor der Ausion der Deukschen Bank ind der Disconlo-Gesellschaf« mit dem Personalabbau von An- gestellten begonnen. Die Leitungen der Großunternehmen hoffen dadurch, Millionen zu ersparen. Ein viel wirksamere» Gebiet zur Ansehung von Spar- maßnahmen wäre die in hohem Maße überbesetzten Aussichtsräte und Direktorenkollegien. Die Banken rechnen mit etwa 80 Pn,}. persönlicher Unkosten, ungefähr die Hälfte davon ver- ichlingt der Leitungsapparat. Dutzende Millionen könnten an dem Abbau von Bankdirektoren verdient werden. von denen jeder einzelne soviel verdient, wie zwei- bis dreihundert Lankangeslellle.(Hört, hört! bei den Sog.) Es wird jetzt davon gesprochen, daß die von dem neuen Groß- bank-Konzern Abzubauenden nach sozialen Gesichtspunkten entschä- dlgt werden sollten. Es darf da nicht die gesetzliche Mindestentschädi- ■ung Platz greisen, sondern es wird mit Fug und Recht verlangt, daß das Bankgewerbe die älteren Angestellten pensionieren und die jüngeren Kräfte bei befreundeten Unternehmungen unterbringen müsse. Eine weitere Belastung des Arbeitsmarttes muß auf jeden Aoll vermieden werden. Die angeblich überbelastele Wirtschaft soll zunächst einmal Einkehr bei sich selbst halten. Der Redner verliest statistisches Material über die ungeheuer hohen Aussichtsratstantiemen bei der deutschen Großindustrie. Mit vollem Recht dürfen wir von der Wirtschaft, die sich so etwas leisten kann, gesteigerte Opfer fordern. Wahrscheinlich aber wären wir dieser ganzen schwierigen Situation, der wir jetzt gegenüberstehen, enthoben gewesen, wenn man unseren bereits im Frühsommer gesielllen Antrag auf vorüber- gehende Erhöhung der Beiträge um 1 proz. angenommen hätte. (Sehr richtig! bei den Soz.) Im Hinblick auf die bereits beschlossenen Einsparungen, auf die Ausmerzung aller Mißbrauche und Mißstände, unter denen die. Ar- bsi'slosenoersicherung zu leiden hatte, könnte man dann heut« ohne Sorg« um den Bestand der Reichsanstalt und in bezug auf eventuelle ungunstige Wirkungen auf die Reichskasse sein. Meine Partei ist, ob- gleich sie die in Aussicht genommene Beitragserhöhung von Proz. befristet bis zum 31. März 1931 nicht als ausreichend be- trachtet, bereit, ihr zuzustimmen. Wir werden abwarten, welche Parteien den Mut zur Ablehnung der Beitragserhöhung aufbringen werden. Aus einer eventuellen Ablehnung müßten wir den Schluß ziehen, daß man die gesamte Arbeitslosenver» sicherung bewußt in die bedrohlichste Gefahr bringe« will.(Sehr wahr! bei den Soz.) Bei den Beratungen des Sachverständigenausschusses über die Neugestaltung der Arbeitslosenversicherung ging man von einer Be- rechnungsgrundlage von 1,1 Millionen Arbeitslose im Tühresdurchschnitt ans. Die Sozialdemokratisch« Partei hat wieder- >'ott betont, daß diese Berechnungsgrundlage zu ungünstig ist. Jede solche Berechnung muß sich aus einen längeren Zeitraum stützen, und wenn man statt die Erscheinungen der letzten drei Jahre, wie es de? Sachverständigenausschuß getan hat, in den letzten fünf Jahren berücksichtigt, dann ergibt sich der wesentlich geringere Iahresdurch- ichnitt von 8öS 000 Arbeitslos«». Diese Zifs-r kommt der Wirklichkeit erheblich näher, e? sei denn, daß die von mir beroits kritisierten Methoden der Wirtschast beibehalten oder verschärst wer- den.(Sehr wahr! bei den Soz.) Sollten nämlich die Folgen der Rakionalisierung nnd der Konzenlralion der Wirkschaft in der kommenden Zeil weiterhin allein aus die Schultern derArbellerabge- ntülzt werden, bei gleichzeitigem rücksichtslosen Kampf gegen jede Sozialpolitik, dann müßte sich die Allgemeinheil mit dem Gedanken vertraut machen, daß diese Wirtschaft viel energischer als bisher am kragen genommen werden muß. (Lärm und Zurufe bei den komm.) Sehr bezeichnend ist es. daß es in dieser Hinsicht auck» keinen Unterschied Zwischen den nach Welt- ar.schauung und politisch«» Aufsaflnngen getrennt«» Gewerkschafts- richkvngen gibt. Meine Partei hat sich bereit» im Juni bereit erklärt, zur Bs- l'eitigung der nachweislich vorhandenen Mißbräuche beizutragen. Die schärfere und bessere Definition der Begriff«„Arbeits- losigkeit" und„Arbeitswilligkeif,„geringfügige Beschäftigung" und . unständige Arbeit" hat ihre Unterstützung gesunden. Verschärfte Kontrollbestimmungen, die sich gegen die Verelendung aller ehrlichen Arbeitslosen richten, waren für uns selbstverständlich. Wir haben uns auch für die Neuregelung der Sperr- fristen ausgesprochen, allerdings nicht in dem starren Sinn«, wie ps nachher die Mehrheit des 9. Ausschusses beschlossen hat. In der Starrheit der vorgeschlagenen Neuregelung sehen wir einen Schaden, dem wir eine größere Elastizität der Bestimmungen entgegensetzen werden. Ferner sind wir durchaus einverstanden mit der Aus- dehnungderKontrollbefugnissederReichsanstalt gegenüber der Heimarbeit und für eine Ausgestal- tung der Versicherung s Pflicht der Lehrlinge. Eben- so haben wir einer Minderung des Beitrages der Reichsanstalt an >üe Krankenkassen um 30 Millionen unsere Zustimmung gegeben. SelbttoerstöMich unter der Voraussetzung, daß mit dieser Beitrags- Minderung keine Leistungsminderung der Krankenkassen für die Ar- beitslofen cinhergcht Mr sind auch einverstanden mit einer Anrech. nung von W a r t e g<> l d und R u h e g e h a l t aus die Erwerbslosen- Unterstützung und in einem gewissen Ausmaße der sozialen Renten, allerdings unter Erhöhung der bisher vorgesehenen Freigrenze über 20 Mark monatlich. Auch der Neuregelung der Unterstützungssätze für Saisonarbeiter in Höhe der Sätze der Krisenfüvsorg«. aber unter Fortfall der Bedürstigkeitsprüfmig werden wir unsere Zustimmung geben. Dagegen haben wir schwer« Bedenken gegen die Bemessung der Unterstützung nach dem Lohnniveau des Wohnorts und gegen die allgemeine Ver- längerung der Wartezeit auf zwei Wochen für Arbeitslose ohne zuschlogoberechtigie Angehörige. In gleicher Weis« wenden wir uns öegen die besondere Verlängerung der Wartezeit der Saisonarbeiter, denn die Saisonarbeiter können nicht verstärkt für. jhr Berufsrisiko verantwortlich->«macht werden. Aus demselben Grunde sind wir, wie ja auch sämtlich« anderen Parteien, gegen eine weitere Beitragserhöhung sür die Saisongewerb«. Die Sozialdemokratie ließ sich bei den Beratungen nicht von parteiiaktiichai, Beweggründen leiten, denn dann bätte sie sich aus den hohen Kothurn der Verantwortungslosigkeit gestellt. Meine pa«sei ist aber davon ausgegangen, daß dieses Gesetz einen hohen Wert, ja den w i ch l i a st e n Baustein im ganzen G-füge der SoziMvcMik darslellk.(Sehr wabr! b. d. So,.) Außer- dem ist da» Grsetz sehr wertvoll auch aus dem Gebiete der Arbeits- ver m i l l l u n g.«ler die kämpfe um den parilälischen Arbeits- Nachweis, die die Gewerkschaften in der Vorkriegszeit führten, an» eigener Anschauung kennt, wer seinen Wert für eine anders gearlefe Berufsausbildung'ount. �er wird wie ich auf dem Slandpunkk flehen, daß es sich lohni. um feine Existenz zu kämpfen.(Lehr richtig! b. d. Soz.) Darüber hinaus gwt da» Gesetz sehr oertvoll« Ansätze sür«ne wirtichailliche Selbstverwaltung. Wir sind davon überzeugt, daß wir mit dem Willen, aufrechtzuerhalten, was geschaffen wurde, ab- zuwehren die Bedrohungen für Hunderttausende von Arbeitslosen, dem Uebel, das die heutig« Wn�ckjoftsortuiung zeigt, nur zu Leib« gehen können, wenn wir versuchen, tn(«tzrem Kern zu treffen. Die eigentlich verankwortlichen sür da» soziale Elend nnd die wirlschaflllche Anarchie nicht nur in unserem Lande. sonden» w der ganzen Well find dte Zuteresieuteu«m dncc noch i Was ist Fahrlässigkeit? Da« Schweriner Schwurgericht diagnostizierte den Fememord des Leutnants Eckermann als„fahrlässige 23 tung". ,Nimm dir Zeit zum Zielen, Hasso? Bei so' ner fahr lässigen Tötung sann mau gar nicht sorgfältig genug zu Werke gehn!' unserer Auffassung falschen und darum schädlichen Art der Mrt- schafl, die wir national und international zu einer sozialistischen umgeskallen wollen.(Großer Beifall b. d. Soz.) Abg. Dr. Rademacher(Dnat.) nennt die vorliegenden Entwürfe einen Torso, dessen Beratung man einer gesetzgebenden Körperschaft nicht zumuten sollt«. Gegenüber dem fahlenden Mut der Reichsregierung müsse festgestellt werden, daß bei der Arbeitslosen- Versicherung auch aus Arbeitnehmerseite zahlreich« Mißbräuche be- ständen, so die Arbeitsverweigerung ohne genügenden Grund, Sabo- tierung übernommener Arbeit usw., vor allem aber der Anreiz, sich Renten auf Kosten der Allgemeinheit zu schaffen. Der Redner lehnt jede Erhöhung der Beiträge ab. Die Befristung stell« ein« aus mangelndsm Mut beruhende Unehrlichkeit dar. Auch die Landwirtschaft habe schwere Bedenken gegen die Gesetze. Di« Deutsche Volkspartei sei als Gefangene ihrer Außen- Politik gezwungen, die Gefetze mindestens zu tolerieren. Um 113 Mil- liarden in 60 Jahren zahlen zu dürfen, niache sie bewußt ein« falsch« Wirtschaftspolitik mit. Abg. Dr. perNkins(Z.) gibt für die Zentrumsfraktion eine Erklärung ab, in der die erst« Vorlage, die die Miß- brauche bei der Arbeitsiofenoerstcherung abstellen soll, begrüßt wird. Di« Selbswerwaltuna in der Versicherung müsse gestärkt wer- den. Di« zweite Vorlage über die befristeten Aenderungen entspreche zwar nicht den Vorschlägen de» Zentrums, aber das Zentrum sei bereit, auf dieser Grundlage an der Lösung der Reformaufgabe weiter mitzuarbeiten. Abg. Rädel(Komm.) wirft dem Arbeitsminister Wissell vor, er habe in seiner Eigens chait als Minister das Material für den reaktio- nären Vorstoß gegen die Arbeitslosen geliefert. Di« Beseitigung von Mißständen, die man vornehmen wolle, bedeute einen weitgehenden Hsnauswurf von Arbeitslosen aus der Arbeitslofenversscherung. Die Arbeitslosenversicherung soll nach den Absichten der Regienmgs- Mehrheit genau derselben Ueberstußwirtschaft, wie alle anderen Zweig« der Sozialpolitik entgegengcführt werden und eine zu mel- kende Kuh für die Kapitalisten zur Erlangung billiger Kredite werden. Vom Präsidenten wegen Uederschreitung der Redezeit zum Schluß gemahnt, spricht der Redner noch ein« Zeitlang, mehrmals von der Glocke des Präsidenten unterbrochen, weiter, um zu der vorschriftsmäßigen Schlußlösung„Gegen die Sozialdemokratie!"— .Masse gegen Klasse!" zu kommen. Abg. Dr. Pfeffer(DVp.) wird von den Kommunisten mit Zu- rufen„Oberscharfmacher!" und großem Lärm begrüßt, in dem der Anfang feiner Ausführungen untergeht. Der Redner behauptet, daß ein« wirklich« Reform jetzt nicht vorgenommen werden könne, da man sich zwar auf allen Seiten über die Notwendigkeit, aber nicht in den Gründen für die Reform einig sei. Er legt das Schwergewicht seiner Ausführungen auf die Frag« der Beseitigung von Mißbräucben, von denen ein« Unmenge Einzel- Iäll« bekannt geworden seien. Unter Anerkennung der Tatsach«, daß »i« Regierungsvorlage gangbare Wege zur Beseitigung dieser Miß- brauche weist, wenn auch nicht in dem von ihm gewünschten Maße, betont der Redner, daß jede Sozialverstcbenmg Raum für Miß- brauche aller Art lassen werde, die aus Billigkeitsgründen groß« Volksteile verletzen müssen. Unbefriedigend fei insbesondere der Versuch zur Beseitigung der Uebelftände in der Arbeitslosenversiehe- rung für die Heimarbeiter. Sein« Fraktion trete für voll- ständig« Herausnahm« der Heimarbeit aus der all- gemeinen Arbeitslosenversilberung ein. Man könne dann Klarheit über die notwendigen Maßnahmen auf diesem Gebiete gewinnen und die Heimarbeiter in eine Sonderfürsorg« eingruppieren. Für besonders wichtig hält der Redner die grundsätzliche Au,- schaltunq der kurzfristigen Arbeitslosigkeit aus den allgemeinen Unterstützungssätzen derArbeit»- l o s i g kei t. Er steht mit diesem Refarmversuch die notwendige Reform an de? Arbeit°ch>sem>ersicherung noch nicht beendigt und stellt als Ziel die Austeilung der gesamlen Arbeitslosenoerfichernug in Sonder- fürsorgegruppen nach Berufsständen auf, wobei das besondere Risiko fades einzelnen Berufe« berücksichtigt werden könne. Er sieht im Gegensatz zu dem Redner der Sozial- demokraten ein« weitere Steigerung oder zum mindesten kein« Ber- Minderung der Arbeitslosigkeit in den nächsten Iahren voraus und mißt die Schuld an dieser Erscheinung zu einem großen Teil der Arbeitszeitgesetzgebung zu. Zum Schluß erklärt er sich gegen jede Beitragserhöhung und gegen die Befristung der Besilmmmigen der Sondervorlage über die Saisonarbeiter. Er begründet diese Stellungnahme mit der sehr schlechten Finanzlage des Reiches, die es in keinem Fall« gestatte, fein« Darlehenspflicht gegenüber der Arbeitslosenversicherung im kommenden Winter im gleichen Maße in Anspruch zu nehmen wie im vergangenen Winter. Abg. Frcidel(Wirtsch P.) betont, weniger die Mißstände als vor allem die katastrophalen Kassenoerbältnisie der Reichsanstall und des Reiches selbst zwängen z» einer Reform. Der Redner geht dann aus die Einzelheiten des Gesetzentwurfs und die Anträge der Deutsches Volkstheater. „Die beiden Veroneser.* Joachim von Osten versucht e« welter, klassisches Theater zu machen. Diesmal führt Leo Mittler schleppend« Regie. E» Ist«in ziemlich armseliges Drama und in dieser Inszenierung wirkt e» wie eine melodramatisiert« Operette. Man weiß nicht, ob man lachen oder«etnen soll. v. S.-M. Wirtschaftspartei ein. Die Beitragserhöhung und jede Bei» traqserhöhimg für die Saisonarbeiter lehnter ab. Abg. Dr. Haas(Dem.) gibt für seine Fraktion folgend« Er» klärung ab: Die Deutsche Demokratische Partei und die Parteien, die vor dem Kriege den Gedanken der Demokratie vertreten haben, haben sich schon vor vielen Jahren für die Schaffung einer Arbeitslosenoersicl)«- rung«ingesetzt. Die demokratische Reichstagsfraktion hält an ihrer positiven Einstellung zur Sozialpolitik unverändert fest, in der sie noch wie vor die stärkst« Sicherung der Arbeitsfähig- keit und der Arbeitsfreude erblickt. Für uns ist die Aufrechterhaltunq der Arbeitslosenversicherung, die.zumal in der krisenhaften Nach- kriegszeit eine Notwendigkeit ist, eine Selbstverständlichkeit. Gerade deswegen aber fordern wir die Beseitigung offenkundig gewordener Mißstände. Jeder Gerechtdenkend« wird begreifen, daß das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, das übrigens von einer Regierung der Rechten dem Reichstage vorgelegt und vor ihm oertreten wurde und durch das«ine außerordentlich schwierige Materie zum erstenmal gesetzgeberisch in Deutschland verhandelt wurde, nicht von vornherein eine Gestaltung gewinnen konnte, die alle Mißstände ausschließt. Es wird insbesondere zu prüfen sein, ob das bisherige System der Zuscnnmeufassong der verschiedensten Risiken ausrechterhalkea »verden kann. Einige besonders schlimme Mißstände könnten gemäß dem vor- liegenden Entwurf und gemäß der in Aussicht genommenen Ver- waltiingsmaßnahmen beseitigt werden. Wir halten aber eine Reform des Gesetzes auch deswegen für nötig,»»eil es bei unserer Finanz- läge unmöglich ist. daß aus allgemeinen Mitteln die Reichsanstalt dauernd mit Zuschüssen oersehen wird. Der große Gedanke der Arbeitslosenversicherung ist nur dann verwirklicht, wenn die Versichsrunq sich selbst trögt. In oller Schärfe erklärt die Reichstagssraktion der Deutschen Demokratischen Partei, daß es unerträglich ist, wenn bis jetzt für die Reform eine einheitliche Stellungnahme der Regierungsparteien nicht b-steht und wenn es die Regierung den Fraktionen überlassen will, wie die Reform im einzelnen zu gestalten ist. Es ist mit ge- funden parlamentarischen Zuständen nicht vereinbar, daß die Regie- rung nicht führt, sondern daß sie die endgültige Gestaltung eines so bedeutsamen Reformwerkes Zufallsabstimmungen überlassen will. wir müssen, so lange die Regierung nicht führend die Regierung»- Parteien zu einer einheitlichen Stellungnahme gebracht hat, uns unsere Entschließungen in allen Einzelheiten vorbehalten. Abg. Schwarzer-Oberbayern(Bayr. VP.) hebt hervor, daß die Nichteinigussg der Regierungsparteien den Reichstag vor eine schwierige Lage gestellt habe. Das bisherige Gesetz sei nicht so schlecht und Hab« stch nicht so schlecht ausgewirkt, wie es draußen vielfach hingestellt werde. Die Arbeitsmoral habe ssch insofern wieder gehoben, als ssch heute doch wieder mehr Personen zur Arbeit drängen. Mißstände seien wohl vorhanden: man sollte aber auch zugeben, daß durch die Arbeitslosenverstcherung Hunderttausende von Familien und von Cinzelexistenzen vor dem Ruin gerettet worden sind. Es müßten in das Gesetz noch Umgestaltungen eingebaut werden, um Ersparnisse zu erzielen. Der Redner behält sich die letzte Entscheidung für die zweite Lesung vor. Abg. hense(Chr.-Not. Bauernpartei) lehnt in einer kurzen Er- klärung seiner Gruppe die Regierungsvorlagen ob. Damit ist die Aussprache geschlossen. Vizepräsident Esser schlägt vor, die zweite Lesung in der mor- gigen 100. Sitzung um 12 Uhr vorzunehmen. Abg. Sloecker(Komm.) beantragt die Beratung seiner Anträge zum Siebenstundentag und zur Wirtschaftslage sowie eine außen- polltische Aussprache. Er widerspricht der zweiten Lesung der Er- werbslosenversicherung. Abg. Graf Westarp(Dnat.) wünscht, daß die Sitzung erst um 1 Uhr beginnt, damit vorher im Handelspolitischen Ausschuß zur Landwirtschastskrise Stellung genommen werden kann. Er beantragt farner, die Arbeitslosen Versicherung zurückzustellen, da sie zur zweiten Lesuyg noch nicht reis sei. Ferner beantragt der Redner, die Beratung der Anträge seiner Fraktion, daß ein Abschluß der Verhandlungen über den Poung- Plan nicht stattfinden solle, wenn nicht vorher die bedingungslos« Rückgabe des Saargebietes und die Beseitigung der Versailler Be- stimmung über Verlängerung oder Erneuerung der Besetzung sowie der Liquidierung deutschen Eigentums im Ausland erfolgt sei.'Ferner beantragen die Deutschnationalen, daß Entscheidungen über den Poung-Plon nicht vor der beantragten Volksabstimmung gefällt werden.(Lachen bei der Mehrheit.) Vizepräsident Esser ersucht den Redner mehrmals, sein« Aus- führungen abzukürzen, da Geschäftsordnungsreden höchsten» zehn Ministen dauern dürfen.(Zuruf: Hugenberg hat befohlen!) Als der Redner trotzdem weiterspricht, wird er durch stürmische „Schlußl'-Rufe der Mehrheit gezwungen, abzubrechen. Abg. Dr. Frick(Natsoz.) schließt sich dem Antrag der Deutschnatio. nalen an. Außerdem beantragt er Beratung des Hopfen-Pro- vennienzgesetzes(stürmische Heiterkeit), da es immer noch im Ausschuß ruhe. Darauf werden die k om m u n i st i sch e n Anträge gegen die Stimmen der Kommunisten, die deutschnationalen und nationalsozialistischen Anträge gegen die Stimmen dieser beiden antragstellenden Parteien a b g e l e h nt. Es bleibt beim Dorschlage des Präsidenten. (Wettere politische Nachrichten auf der 2. Gelte der 2. Beilage.) V*rk*of •owelt Vorrat Tietz Lebensmittel eZT fit der Woche blllle und ei Manganabgab« vorbehalten SM Käse u. 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'fünfte allerorts. Am 29. Sepiember verstarb unser geliebter Vater und Schwiegervater, der Kaufmann Jabob Scbimmelmann im 79. Lebenssghre. Im Namen aller Hinterbliebenen Artur Sommerfeld». Fraa Bei», geb. Scbiaimeimano W*ll. Sctllmmcim Ann o. Frau Else« geb. JacobsOB Beerdigung am Mittwoch, 12 Ahr Weißensee, Lothringenftr, Alte Halle Am 29. September entschlles nach langen schweren Leiben im 85. Jahre mein lieber Gälte und Vater Leovslä Tomaszewski Dies zeigen tiefdetrlldt an Frau ErnlUe Doiusssesrslct geb. Luiter aetftTodiler und Eokel. Reulölln, Hermannstraße 24. Einäscherung Mi twoch, den 2 Ok» tober, ab-nds 6>, Uhr. im Krema» isrwm Boumschuienweg. Aiesholzstr �rdeitsrnsi-kt SiellengestZcne Auaelernter Rohrleger und Schweißer sucht Dauerstellung, möglichst Osten »der Südosten. Angebot« unter B. 23 an Hauvterpedition de» Vorwärt» er. bete». SteHenangeDote Vnreanlebrlivq findet Stellung. S«lbsi und Zcligni» U. 23 an die wärts. YCtzlUr, 11>1v4l-*u öeidst�schriebener Leb' lisabschrirr im-enden die Geschäsisstelle de: »n sofort Lebenslauf _ unter es- n.r- sa Presser mm in allen Prefserarbn- icn geübt, als Mustor- Prester gesucht. llrestliuahdinAsrsI sokstefbP.dislillebkill Statt beoovderar �vTeiAe. Tiefbewegt, vom Schickfgl schwer| betroffen, erfülle ich hiermit die trau» rige Vst.chl. allen lieben Verwandten. ffreunden und Bc-annte» anzuzeigen, i daß meine unvergeßliche ffrau, unsere herzensgut« Schwester, öchwägertn und Tante Karoline Behrens geb. Sdballe* nach einem turzen. aber schweren! Lechen durch den Tod erlöst wurde. Um stille» Beileid bittet im Namen| der Himer blieben Vollroth Behreaa, Die Einäscherung finde« an Donnerstag, dem 3. September, nachm- 2 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße 101/103, statt. Livtpiano». Überaus vreiswerr. Piano- 'abrif Link. Brnnnenstraße 85._* Ohue Anzahlung. Pianos, gebraucht und neu. Garantieschein. Thür, Kotl. buster Damm 64. I iam Hermannplatz). VI»--etrtrsowe» blooptdeoten ätetle-ran»«AB»- weiäeB seint Boeh einer Hetdvd», welebe darab da» Deutsche Reichspatent Sfo. 471 798 gfi-chfltvt Ist, hergeatedltl Alle« Nlher« bitten wfr IUI unserer unten logectebeneo Idterotor«o ervvbea. 7««in l-b«echoopt i-->eb eine Verbeeserong onsere» seit Jahren bewahrten„Ohum" möglich war,»o Ut dies letet endlich durob dieoo Heibode, weleb« In lonMtbrlaer Arbeit von einem deutschen Amt entdeckt Word«, gelongeu. La durtt» dodoren„obaoa wirklich du onnbertroüen» Priparat sein. Em Geheimnis? MM I Keue xrafti v1Okasaff(a»ch G«heimrat Dr. m«d. L&bussa). Dju anftbortroffens hochwenitp» 8«x aal-Kräfti grau gsmittel(scxaella Tfeara« thoal*). Reizmittel, iftr das gc&amte Nerrensyftein flberaus wohltaend. 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Achten Sie aut den Hamem Okasa, nnd darauf, dass Jede Packung den Namenszng Clebelmrat Dr. med. luüiuoeu tust— es«istieiea H'aobAiininngeal Unseren Mitgliedern die traurige Nachricht, daß Kollege Fritz N othmann nach langer und schwerer Krankheit am ZT. September verstorben ist. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen nicht nur einen treuen Kameraden, sondern anch den pflichteifrigen ersten Schriftführer der Sektionsleitung. Zahlreiche Beteiligung erwünscht Deutscher Verkehrs band Bezlrksverwnlhnig GraA-BerUn, Sektion V, IndmtrienrbcUcr. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 2. Oktober, nachmittags 5 Uhr, tra Krematorium Baumschulenweg statt Am 29. September verstarb Im Alter von 69 Jahren nach langem schweren Leiden meine liebe Frau, meine bescheidene und treue Lebensgefährtin Marie Schmidt geb. nauwfaiil Dies zeigt tiefbetrObt an Robert Schmidt Neu-Tempelhof, den 29. Sept. 1929. Kanzlerweg 4. Die Einäscherung erfolgt am Donnerstag. dem A Oktober, lö1, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, KiekholzstraBe. Am Freitag, dem 27. September 1929, verstarb nach langem, schwerem Leiden unser Kollege, der Arteltsvermittler Friedrich Nothmaim Als langjähriger Obmann des früheren Festangestellten-Ausschusses der Fachahteflungen hat er der Kollegenschaf: auf Grund seiner Erfahrungen gute Dienste geleistet Er wurde daher auch nach UeberfOhrung der Fachabteilungen in das Arbeitsamt Berlin-Mitte von den Kollegen in den neugewähltcn Betriebsrat berufen und hat trotz seines schweren Leidens tatkräftig für die Interessen der Kollegenschaft mitgewirkt Wirveiüeren in ihm einen stets hilfsbereiten und aufrechten Freund und Kollegen. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Berlin, den 30. September 1929. Der Oetricbn-al s Die Kollegensduil beim Arbeitsamt dcriin-Miile.->» Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 2. Oktober 1929, in Baumschulenweg um 17 Uhr statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. Veii44üy,lmijtä' s« geht c» von morgen» bl» abends. Unmöglicta.das auszubauen ohne.Lebewohl. •) Gemeint ist natflrlich das berühmte, �n vielen Aereten mpfohlene»sth-er.Bxo». Le-e wohl und J-ebewoh• Bailenschetben, Blechdose«it wird voraussichtlich in einer heute, Dienstag, 12 Uhr mittags, angesetzten außerordentlichen Magistratssitzung sal- len, bei der o"ch der Verwaltung srot der Stcchtbank amvesend sein wird. Die bisherigen Berneh-nnrngen der verdächttgen Bankdi'ektor», die durch Stadtkännnerer Long« geführt worden sind, Hab» gegen dt« Dteettore» stcafrechtttch Belapeude« nicht er- geben. Die Dl�ipknaruntersuchung» geh« weiter. Die gestrig» Besprechung» der Anwälte der Gebrüder Sklarek mit den Vertteteru der Staatsanwattschaft und der Stadt Berlin haben gleichfalls zu keiner Verständigung geführt. Besonders die Frage, ob für die drei Brüder ein ha fte ntta ffu n g s- antrag gegen Kaution gestellt werden wird oder ob ein .Haftprüfungstermin beantragt werden soll, ist zurückgestellt worden, bis in den nächsten Tagen durch weitere Zeugenvernehmung Klarheit darüber geschaffen word» ist, ob die sehr belastenden Aussagen des Buchhalters Lehmann in allen Punkten zutvesfen. Auch die finanzielle Regelung, das heißt d'e Wiedergutmachung des Schadens wird erst in den nächsten Togen endgültig ihre Erledigung finden fünn». Eine sozialdemokratische Anfrage. Di« sozialdemokratisch« Stadtverordneten. fraktiou hat an den Magistrat folgende Anfrage gerichtet: Ist der Magisttat bereit, Auskunft zu geb»: 1. welche Feststellung» finanzieller und sonstiger Art auf Gnmd der bisherigen Prüfung und Nnterfuchungsergebnisie in der An- gelegenheit Eklarek getroffen werden konnten? 2. ob Beamte oder Ehvenbeamte der Stadt direkt oder indirekt durch die bisherige» Ermittlung» i» dieser Angeiegenhett belastet erscheinen? » Wie erinnerlich, lausen Gerüchte um. die wissen wollen, daß die Sklareks besondere Beziehung» zu dem tommunästtsch» Stadt- rat Degner gehabt Hab» sollten. Diese Gerüchte führt» zu scharfen Angriff» der Kmmmrnisten geg» Degner, so daß dieser jetzt mög- kicherweise die Korlseguenzen ziehen irnfe aus de r Kommu- «istischen Partei ausscheiden wird. Degner will ferner An Verfahren gegen sich selbst beantrag», um nach- zuweisen, daß er mll der Kreditgewährung an die Sklareks nicht» zu tun gehabt und daß er ihnen auch sonst keine Dorteile verschafft habe. Oer Schuß auf die Geliebte. Oer Schiffseigner Bodach unzurechnungsfähig. Das Landgericht? sprach dm schiff«eigner BiAach, der am IL Oktober w 3. in her«netpe.Die Goldene Acht" die ftcönerlo Slara Belson und den Schankwirt Bergrath durch Schüsse tötete, aus Grund des ß Sl frei. Geg« d« Schiffseigner Bodach ward« bereits einmal im März d. S. verhandelt. Es stieg» sedvch Bedenk» aas,«b er sein» Tat im normalen Ii'stände begangen habe: der Prozeß wurde des- hilb vertagt und der Angeklagte in der Irrenanstalt Wittenau«rf seinen Geisteszustand untersucht. Budach ist in Polenzig(Mark) gebor». In der Schule kam er schlecht vorwärts, nach der Schulentlassung fuhr er mit dein Vater aus dem Kahn, im Kriege wurde er verschüttet»rrd war länger« Zeit st ii m in, noch dem Kriege fuhr er zuerst auf einem Schleppkahn, dann auf einem Dampfer. Er ist verheiratet und Dater eines lüjöhrige.n Mädchens, mit den Schwiegereltern lebte«r schlecht, da sie sein« Frau die ganze Zeit hindurch als Magd betrachtet» und sie nicht mit ihm fahren ließ». So»tjchädigte er sich für die Ein- samkeit zu Wasser durch Nein« Liebesabenteuer zu Lande, wenn er die Tour von Fürstenberg nach Berlin abgeschlossen hatte. Im Iimi vorigen Jahres lernte«r aus der Straße die Kellnerin Rekson kennen, er nahm sie auf seinem Dampfer mit und erneuerte die Be» kmmtschost, als er sie im Oktober abermals ans der Straße traf. Diesmal kneipte er mit ihr etwa drei Tag« hindurch und zechte am verhängnisvoll» 11. Ottober in der Kneipe»Die goldene Acht*. fat der die Tdeksou al» Kellnert» beschäftigt war. Budach befand sich an diesem Tag« in verärgerter Stimmung, well er von seiner Fron einen schnippisch» Brief erhalten hatte. Er war stark angetrunken, und als er bei dem Wirt um Urlaub für sein« Geliebt« bot, damit sie ihn aus den Kahn begleiten tonnte, kam es zur explosiven Entladung. Es war» noch dem Gespräch be» reit» einig« Minute» vergang», al, Budach plStzlich«inen R«- volver zog, zuerst einen Schuß auf den Wirt, dann auf die Nelson abfeuerte: ein dritter Schuß hätte bei- nah« die Wittstochter getroff». Dann entfernt« sich Budach ruhig ans dem Lokal, ohne angehatt» zu werd» und begab sich auf sein Schiff, chier versuchte er nach Ankunft des Ueberfallkommandos und der Feuerwehr, zuerst sich selbst zu erschießen— der Schuß ging aber fehl— und dann sich zu ettränk»: er wurde von der Feuerwehr aus dem Wasser geholt. Der Angeklagt«, 34 Jahre all, schwerfällig in der Sprache, erzählt stockend seinen Leb»slaus und fem« Bekanntschaft mit der Nelson. Er weint und zittett am ganz» Körper und erklätt, von der Tat selbst nichts zu wissen. Die Beweis«, ufnahin« bestätigt« in großen Zügen die Dar- stellung de» AngeNagt» und ergab, daß ein ttchtiger Anlaß zum Schieß» eigentlich mcht oorgeieg» hat. Vom größt» Interesse war da, Gutachten der Sa chv« rst ö u d i ge n, der Aerzte der Wittenauer Heilstätten Dr. Heinrich und Dr. Schmidt. Die Sach- oerständigen kamen aus Grund von Experimenten mit dem Ange- klagten zu dem Schluß, daß der Angeklagte einen epileptoiden Typus darstelle, zu anfallsattigen Zuständen neige und auf Alkohol patho- logisch reagiere, die Tot müsse unter dein pathologischen Einfluß von Alkohol begangen sein; es bestünden deshalb begründete Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit während der Tot. Unter solchen Um- stand» blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als den Angeklagten freizusprechen. Wie aber, wenn Budach sich wieder einmal einen derottigen Rausch antttnkt? Gin betrügerischer Bankier. Wie man sich einen großen Kundenkreis schafft. Der Sä Jahre alte Bankier Ludwig de Leopold, der in der Karl- straße 4 in Südende wohnt, ist verhaftet worden. Don der Staatsanwaltschaft Frankfutt/Oder war gegen ihn Haftbefehl erlassen worden, weil er betrüg erischer Hypothckengeschäfte beschuldigt worden ist. Bankier Ludwig de Leopvkd, der erst vor vier Iahren aus Amerika noch Deutschland kam, ist Mitinhaber und Gründer und erster Direktor der fest 1924 bestehenden Internationalen Kredit- A.- G. in der Friedrichstrahe 77. Das Unternehmen vermittelt durch Agenten An- und Verkauf von Hypotheken besonders in den Kreis» der Landwirtschaft. Einer der Agenten, ein gewisser Schulz aus Frankfutt/Oder hatte ohne Wissen der Gesellschaft die Kredit suchenden Landwirte durch Vorspic. elung falscher Tatsachen betrogen. Um einen recht großen Kundenkreis zu gewinnen, hotte er vorgetäuscht, daß er größer« Kredit« zu einem Zinssatz von 6 Prozent aus die Dauer von IS— 20 Jahren ausbringen könne. Er müsse aber, um ein» Zwischenkredll zu erlangen, ihre Hypotheken zunächst der Internationalen Kredit-A.-G. übergeben, von der sie nach Ablauf eines Jahres zuzüglich 8 Prozent Zinsen zurückgekauft werd» könnt». Smvchl seinen Austraggebe» wie d» Kredit- suche» gegenüber spielte er also ein« doppelles Spiel. Als er seine Versprechungen einlösen sollte, kam» seine Machenschaften ans Licht. Schulz, dessen Betrug ein Jahr zurückliegt, behauptet nun, daß er nur der Mittelsmann und der Bankier de Leopold der eigentliche �Drahtzieher* gewesen sei. Diese seine Beschuldigung wurde vom Landgericht in Frankfutt/Oder als so schwerwiegend ongesch», daß ein Haftbefehl erlassen wurde. Die weitere Untersuchimg wird ergeben, irnvieweit die von Schulz erhoben» Beschuldigung» zu- treffen. Wie uns der Vetteidiger des Herrn de Leopold mitteilt, rechnet er mit einer baldig» Aufhebung des Haftbefehls. Start des Raketenflugzeuges. JWnt Landen stark befchödigt. Oprl«nverlehf. Frankfntt a. TIT., 30. September.(Eigenbericht. Fritz v. Opel und der Ingenieur Sander betreiben seit längerer Zeit Versuche, die R a k« t e in den Dienst de» Flugzeuges pt stellen. Ftttz o. Opel«nd Sander haben schon im Vorfahre zufaminem gearbeitet und entsprechend« Versuch« mit«wem Segelflugzeug aus der Wassertuppe unte»ommen, die ver- hältnismähig g u t gelungen sind. Inzwischen haben sich die beiden ein eigms für dies» Zweck konstruiertes Flugzeug hergestellt, das von Hatry in Mannheim gebaut wurde. Dieses Flugzeug hat die Form eines Segelflugzeuges mit 120 Kilogramm Leergewicht und 275 Kilogramm Fluggewicht. Am heutigen Tage unte»ahm Fritz v. Opel auf dem Frankfurter Flughosen seine ersten Versuche. Es gelang ihm durch die Entzündung von 11 eingebaut» Raktten einen Start zu gewinnen und die Flugbahn mehrfach zu um- kreisen. Dabei war des Flugzeug vollkommen in Dampf eingehüllt. Roch dem geglückten dritten Statt, wobei das Flugzeug entwa 50 Meter Höhe erreichte, wurde dos Flugzeug beim Land» sehr stark beschädigt, der Führersitz wurde zettrümmett, so daß die Versuch« einstweilen«ingestellt werden mußt». Der Führer des Flugzeuges Fritz o. Opel kam ohne jede Verletzung davon. vonA.M.FPeY- bös Copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A-O� Bettln Man glaube nicht, daß hier von besonderen Scheußlich- ketten berichtet wird, von sensationellen Zufällen, von Ein- inaligkeiten. die keine Bedeutung hätten für das Ganze. Hier sind nur Beispiele, dürftig hingetröpfelt. Dem Umfang nach war alles viel schlimmer, viel grauenhafter, maßlos Unmensch- lich- Hier ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt. Wie es auf diesem Verbandplatz irgendeines Infanterieregimentes zuging, so ging es ununterbrochen auf vielen Hunderten anderer deut- scher Truppenverbandplätze zu, auf Tausenden unablässig an allen Fronten des Krieges— nicht mitgezählt die Scharen der Hauptverbandplätze von Sanitätskompagnien, der Feld- lazarette, der �riegslazarette, die nebeneinander aufgebaut, allein ein- Weltstadt, eine Millionenstadt voll Berstümmelter ergeben hätten..< Nachricht ist da. daß die Feldküchen nachts ein Uhr dort und bort halten, ein gutes Stück Weges entfernt vom Ber- bandplatz, an einer Stelle, die man für verhältnismäßig ge- schützt erachtet. Sie sind zu einer bestimmten Zett vom Bagogehglteplatz aus in die vordere Linie abgelassen worden, die Supps kocht unterwegs gar. Sie dürfen über em« be- stimmte Linie nach vorne nicht hinausfahren.. Wer als» Hunger hat, wer Essen will, muh sich einfinden. Gestern waren sie nicht da. die Küchen, vielleicht können sie morgen wieder nichj kommen: es gilt akso, den Fall zu nutzen. Die Kompagnien von ganz vorn, der Derbandplatz, tu« Befehlsstellen schicken Abgeordnete mit Kübeln, mit großen und kleinen Gefäß» aus. um Futter zu fassen. Knapp wie alles ist die Verpflegung, es wird gefeilscht um I-de Ratwn. Es wird in der finsteren Nacht, die nicht die leiseste Beleu»- tung, kein aufflammendes Streichhölzchen wegen der Gefahr gegnerischer Beobachtung duldet, betrogen nach Noten. Wer eine Ration mehr irgend fordern kann, als er zu holen beauftragt ist, tut es. Die Verteilung findet in fliegen- ber Hast statt, unter dett, Geschimpf der Koche, die Kuchen sollen nur für«ine knapp« Stund« halten, ihr Verwetten ist, damit sie nicht auffallen, bis zum Aeußerften eingeschränkt. Wer sich nicht rechtzeitig einstellt, erwischt nichts. Vom Verbandplatz gehen sechs Leute mit vierundzwanzig Eßgeschirren ab, jeder hat vier zu tragen. Es ist anfangs ruhig, aber während sie unterwegs sind, fetzt„mattes* Feuer ein. Vielleicht hat der Gegner doch irgendein winziges Licht gesehen, Glut im Ofen der fahrenden Küche, oder er hat Ge- räufch der Wagen gehört— jedenfalls schießt er. Die Pferde werden unruhig, im völlig Finsteren ist ein drängendes Durch- «inander, gestoßen von Ette wird die Suppe in die Feld- kessel geschmissen, ein« Küche rückt, während sie noch ausgibt, schon ab. unter dem Gefluch der Hungrigen, die wenigstens ihre Brotration haben möchten. Auf dem Rückweg wird es schlimmer mit den Schüssen, sie platzen schneller und dichter. Die Leute von Schloß Fon- taine rennen immer ärger, sie taumeln und stürzen, sie schlagen mit ihren Kesseln hin und verschütten das mühsam Ergatterte, das Brot rollt ihnen unterm Arme weg. die Zigaretten zer- knicken, sie haben einen verwundeten, um den sie sich lüm- mern müssen— und sie langen schließlich wieder im Keller an, naß überschwitzt, keuchend, bleich und zitternd, blutend von Stürzen auf die kantigen Trümmer der zufammenge- fchossenen Häuser—: ohne Speise, ohne Gewinn außer dem Verfluchten, ermattet in einen Winkel zu stolpern, hinzufallen und da zu siegen wie abgehetzte Tiere. Das drückt den Mann nieder, mehr als alles andere: nichts zu essen zu haben. Die Feldküche, und ist ihr Zeug noch so langweilig, ist das einzig Positive am Soldatendasein. Essen und Rauchen sind der letzte Trost. Wenn auch er nun genommen ist... Da sst anderer Trost nötig. Er kommt in Gestalt eines Bataillonsführers, der den KÄler besucht, weil gerade sein Bataillon eines Nachts besonders mitgenommen worden sst, und weil er weiß, daß viele seiner Leute da unten beschädigt liegen. Er sst ein wohlwollender Mann, ein großer breiter mit gutmütigem Schnauzbart, kein Aktiver,«in fast weiß- boariger Hauptmann der Reserve. Er hat noch eine echte Spur von Kameradschaftsgefühl, dieser„höhere* Offizier, sonst käm' er gewiß nicht zu den Erledigten, die wertlos ge- worden sind für den Führer zur Erreichung der Kriegsziele. Hat er am Ende auch etwas wie ein Gewissen und«ine Ahnung, die ihm vorhält, das vierjährige Verbrechen könne nicht mehr long weiter in Szene gefetzt werden? Es sst etwas Außergewöhnliches, daß ein Bataillons- kommandeur einen Verbandplatz betritt, nur um Untauglichen gut zuzureden, zu danken, eine tröstliche Rede zu halten. Um feine Ansprache schart sich, wer nur herbeikommen kann aus den dunklen Gründen des weitläufigen Kellers. Daß er sie alle tapfer nennt, die nun hier unten hilflos hocken und liegen, das ist nichts Besonderes, das ist billig, das Eiserne Kreuz und anderes hat man schon, und wer wirklich noch nicht haben sollte, was es so gibt, der bekommt es jetzt gewiß. Nein, was jeden die Ohren spitzen läßt, sst etwas anderes, ist der mtt erhobener Stimme vorgetragene Hinweis auf baldigen Sieg. Die Stimme, wankend vor freudiger Erregung, sagt: „Leute, die heilige Zusicherung kann ich euch geben: es ist in letzter Zeit herrlich vorwärts gegangen, und wir dürfen nicht zweifeln, daß es so weiter geht. Aber auch das kann ich euch versprechen: keiner von euch Verwundeten und Kranken braucht wieder an die Front zu gehen. Denn ehe ihr eure Lazarette verlassen habt, ehe ihr von neuem feld- diensssähig seid, sind wir mit der ganzen Band« fertig. Die Eroberung von Calais sst nur«ine Frage von wenigen Wochen. Damit ist die erfolgreiche Beschießung Londons ge- sichert und das Ende des Krieges gewiß. Das englische Krämervolk, wenn es ihm fo an den Kragen geht, denkt nickst daran, etwa den Franzosen zuliebe weiterzumachen. Wir haben für diesen Verlauf zuverlässige Nachrichten.* In der Tat: das zog. Solch gehobene Stimmung hatte der Keller von Schloß Fontaine noch nicht erlebt. Der Haupt- mann war als- gerader, gutgesinnter Mensch bekannt. Er schwindelte nicht, was er sagte, daran durfte man sich halten. Er hielt sich selbst an seine Worte, kein Zweifel. Als er sie aussprach, war die erste Ludendorffsche Offensive immerhin mit dem Gewinn einiger Dutzend Kilometer auf Paris zu, gerade zum Stehen gekommen. Er und sein« Zuhörer standen ja selbst mitten darin, und was er von solchem Haltepunkt aus erzählte, betraf die zweite Offenstve, die zwischen La Bossle und xlpern sich auf den Kanal zu bewegte— zubewegen sollte, denn sie blieb sehr bald kleben. Vielleicht andern Tages schon hätte Hauptmann Blume seine Rede nicht mehr zu jubeln gewagt. So aber hatte er gerade noch rechtzeitig hochgemut sein können. Er verließ übrigens Fontaine, ohne dem Re- gimentskommandeur eine Aufwartung zu machen, was sich bei den Leuten herumsprach und viel Genugtuung wachrief, denn sie siebten Blume tmd verachteten Dusang. (Forssetzung folgt.) Unsaubere Mlitarwäsche. Ein Direktor des Heeresunterkunstsamtes verurteilt. Wie lange noch Aazi-Terror? Provokationen ohne Ende. Di«?i«ichzbanu«rort»grUppe Jühnsdorf Sreis Teltow hatte am Sonntag, d«n 29. September» ein« republikanisch« Kundgebung veranstaltet. Dazu waren die Orts- gruppen der Umgebung«ingeladen. Die Kameraden von Kreuzberg und Mariendorf marschierten mit größerem Abstand durch Blanken- selbe. In der Nähe von Jühnsdorf kamen plötzlich aus der Richtung Jühnsdorf drei Lastautos mit Nationalsozialisten. Sie fuhren an unserer Marschkolonne vorbei. Sie schimpften, von den Autos wurden unser« Kameraden bespuckt, absichtlich wurde so dicht an uns vorbeigefahren, daß wir in den Thmisieegraden gedrängt wurden. Unser« Kameraden verhielten sich ruhig; das war wohl der Aerger der Nazis, jetzt wurden wir mit Steinen und Flaschen bombardiert. Dazu wurde noch«in großes Stück Eisen ln unsere Kolonne geschleudert. Di« Wurfgeschosse sind sichergestellt. Es ist«in reiner Ausall, daß niemand ernstlich oerletzt wurde. Ms wir in Jühnsdorf ankamen, erklärten unsere Kameraden dort, daß die Hakenkreuzler dl« Girlanden heruntergerisien und das schwarzrotgoldene Tuch, welches um da» Rednerpult angebracht war, abgerissen und mitgenommen hatten. Des weiteren sind einzelne Einwohner, die man für Republikaner hielt, angepöbelt worden. Unser« Kameraden verlangen, dl« republikanisch« Beoötterung im besonderen, daß diese» Räuberwes«, aufhören «miß! * Nach der Regatta de» Deutscheu Wass«rsp»rt»«r- band«« kam es am Sonntagabend zwischen Hakentreuzleru und Reichsbonnerieuten zu einer Schlägerei im Restaurant Wendenschloß. Dabei wurden zwei Zivilpersonen durch Messerstiche»erletzt. Die Täter waren, wie die verletzten selbst angeben. Hatenkreuzler. Aus dem Lahnhos Täpenick wurden später drei Reichsbannerkameroden verhaftet, die angeblich bei der Schlägerei beteiligt gewesen waren. Di« Kameraden wurde» bis heut« morgen von der Polizei festgehalten, obwohl die Hokenkreuzler selbst nicht behaupten konnten. daß die Kameraden sie geschlagen hätten. Zwei Frauen, die sich als Zenginoe» für die Reichsbannerkameraden zur Verfügung fellten, würbe» auf der Wache bi» um S Uhr früh in Töpenick «stgehalte» und dam, rntt der lakonischen Bemerkung, st« möchten versuche»,«ach Berlw zn kommen,«nilasien. Dieser Vorfall »erfongt energische Untersuchung. Bluttaten in Düsseldorf. berliner Kriminalisten zur Aufklärung entsandt. Seit etwa einem Monat wird die Bevölkerung Düsseldorfs durch geheimnisvolle Bluttaten in Angst und Schrecke» versetzt. Am 25. August d. I. fand ein junger Mann, der morgens zur Kirch« ging, in einem Gemüsefeld die Leichen zweier Kinder, die durch Messerstich« getötet worden waren. Bald darauf zeigte sich der unbekannte Amokläufer zur Nachtzeit nnd überfiel zwei Frauen und einen Man», die er durch Mesierstiche in Brust. Bauch und Hal» ebenfalls lebensgefährlich oerletzte. Am Montag gegen 7H Uhr morgens wurde auf den Rheinwiesen«in« etwa 30 bis ZS Jahre alt« Frau ermordet aufgefunden. Der Befund ergab, daß sie durch acht Schläge mit einem scharfkantigen Gegenstand getötet worden war. Zur Klärung der geheimnisvollen Mordtaten sind jetzt Berliner Kriminalbeamte augefordert worden. Daraufhin sind der Letter der Mordinspektion, tkriminalpolizeirat G e n n a t, und Kriminattommissar Günther Braschwitz noch Düsseldorf abgefahren. Trauerfeier für August Taeierow. Einem unserer allen KSmpfer, August Taetersw, gast die Trauerfeier, die gestern abend im Krematorium Gerlchtstraß« ab- gehalten wurde. Di« alte Schar der Sozialisten, die auch schon unter dem Ausnahmegesetz zusammengestanden hat, war gestern vollzählig erschienen zum letzten Abschied unseres toten Genossen. In einem dichten Flor von Blumen und Schärpen, von Kränzen der Organisationen, denen er lang« Johre ein erprobter Kämpfer «vor, stand der Sarg aufgebahrt. Ueber chnen grüßt zum letzten Male das rote Danner der Partei. Nach einem Harmlmnmwortrbg trat für die Freidenkerorganisation Genosie Lentze an den Sarg. Im Auftrage der Partei sprach Genosse K i tz> n g. Die politische Arbeit, die August Taetermv geleistet hat in den Jahrzehnten, in denen er in der Partei stand, zeigt dann noch einmal Adolph Hoffmonn auf. der im Austrag« der Preßkommission spricht. Unter dem LIede„Ein Svhn des Volkes wollt er sein" sank der Sarg in Heute früh Süddeutschlandfahrt deS Zeppelin. Heute früh, etwa um 8.30 Uhr, wird das Lustschiff.Graf Zeppelin" zu seiner geplanten Süddeutschlondfahrt mifsteigen..Graf Zeppelin" wird voraussichtlich folgende Orte überfliegen: Mergentheim, Würzburg, Kulmboch, Bayreuth, Bam- berg, Regensburg, Landshut, Freising, München, Augsburg, Wörls- Hafen,'Friedrichshofen. Am Mittwoch wird, da bei der Hapag weitere Anmeldungen von Passagieren eingelaufen sind, ein« wettere Fahrt nach der Schweiz unternommen werden. Vor der Potsdamer Reichsdisziplinar- kammcr, unter Vorsitz de» stellvertretenden Präsidenten, Landgerichlsrat Härtung, hatte sich der SSjährlge Heeres- »uterkunftsmnksdlrektor Friedrich Gebhard aus D ö b e r I h zu verantworten. Dem Angeschuldigten, der als Major im Kriege wegen Kronchsit entlassen wurde und seit 1SZ1 bei der Heer«»- »erwaltnng Dienst tut, wird unwürdiges Verhallen im Amt vovgeworfen, und zwar soll er einen Reichsbantscheck in Höhe von SOOOO M., den er von der Heeresunterkunststasse zur Anschaffung von Milttärwäsche erhalte», für sich verwenbet haben. Eines Tages erhielt G. den Auftrag, für 10 0 0 0 0 M. Milttärwäsche zu beschaffen. Eine Firma in Berlin erhielt den Auftrag: sie bekam sofort em« sogenannt« Generalguittung über 100 000 M. gelieferter Wäsche und die heereskafie übergab dem Angeschuldigten erst einen Postscheck über 50 000 M. und dano einen Relchsbankscheck in gleicher höhe zur Bezahlung für de« wäscheNeseraaten. Der Herr Direktor gab der Firma aber nur 50 000 vi. und verwendete den Reichsbankscheck, den» abhob, dazu, die 50 000 M., die er darauf erhalten, zu 10 bis 15 Proz. auf einer Bank anzulegen, und zwar auf Kdato fetner Ehefrau nnd fein Konto. Monat« gingen tn» Land. niemand fragte bei der Heereskasse, wo die 50000 vi. geblieben stnd. Inzwischen hatte Frau Gebhard ein Grundstück für 20 000 M. erworben. Gerade an dem Tage, als der Grunds'tücksankauf ge- tätigt war, waren auch von dem Guthaben de» fiskalischen Geldes Taufende abgehoben. Der Angeschuldigt« spekuliert« auch mit Ottaviaaktien und bald hatte er einen Zinsgewinn von 2000 M. Inzwischen drängte der Wäschelieserant auf Restzahlung der 50 000 M. und der Herr Direktor zahve dl« Militärwäsch« auf Stottern ab. FürAuto» und Mahlzeiten b« Abschluß mit dem Wckschetteferanten liquidierte er bei der Heereskasse 500 M. Durch drei Telephongespräche wäre der Abschluß erledigt worden. Da lief eine« Tages von einer Dame bei der Staatsanwaltschrft und beim Heeresamt eine Anzeige ein. daß G. den Grundstücks- ankauf mit fiskalischen Geldmitteln getätigt hätte. Rechtskräftig ist G. in dieser Sache von einer Berliner Strafkammer wegen Amts- Unterschlagung zu drei Monaten Gefängnis verurteill. In der Diszlplinarverhandlung verteidigt sich G. damit, daß chm ai» Direktor vollständig frei« Hand über die Verwendung de» Reichs banks check s gegeben worden sei. Der Kassenwart des Heeres- Der Ausstieg zur Fahrt nach Echlefie»— B erli n— Ostpreußen wird wahrscheinlich In der Nacht zum Sonnabend erfolgen. Der Weg. den.Graf Zepeplin" bei dieser Fahrt einschlagen wird, ist noch nicht genau festgelegt._ Oer Mörder seines Sohnes. In Halberfiadt zum Tode verurteilt. Halberstadt, 80. September. Das Schwurgericht verurteitt« heute den Maurer Friedrich R« i n s wegen Ermordung seines Sohne» zum Tod« und zu lebenslänglichem Ehrverlust und wegen Notzuchtoersuch» und Körperverletzung zu 234 Jahren Zuchthaus. Reins hatte im Sommer auf dem Brocken seinen Sohn ermordet, angeblich, weil sein Sohn die gleichen verbrecherischen Neigungen zeigte wie er selbst. Auf dem Rückweg von der Mordstelle begegnete er zwei Berliner Damen und unternahm an ihnen einen Notzucht- o er such. Als die Frauen sich zur Wehr, setzten, schlug er sie mit dem Revolver nieder. Eine bescheidene Kundgebung. Die Kommunisten demonstrierten gestern wieder einmal im Lustgarten. In den Betrieben sollten die Arbeiter eine StDNdc früher Feierabend machen und zum Lustgarten marschieren. D:ese Parole ist nicht oder mindestens nur von wenigen Kommunisten bcsolgt worden. Die Züge traf?» erst nach 6 Uhr nn Lustgarten ein. Selbst durch dauerndes Umherziehen tonnten die Kommunisten nicht den Eindruck erwecken, als wären Massen im Lustgarten. Die De- monstration wies im Vergleich zu anderen Kundgebungen der Kom- munisten eine schwache Beteiligung aus. Der Platz vor dem Museum und die Schloßsreiheit waren nur gering besetzt. Die Kommunisten waren wohl selbst wenig begeistert von ihrem Aufmarsch und zogen ohne Musik und mit ein- gerollten Fahnen bald wieder ab. Die Polizei beschlagnahmt« einige Plakate aufreizenden Inhalts und nahm einig« Demonstranten, die sich absolut nicht den Anordnungen fügen wollten, fest. Einen Versuch, zum Reichstag vorzudringen, unternahmen die- Kommu- nisten nicht. Die Polizei hatte die Bannmeile auch genügend ge- sichert. amte» hob« bei der Ausstellung der Schecks sich nicht mal davon überzeugt, ob überhaupt ein Stück Wäsche geliefert worden ist. Der Angeklagte droht mtt großen Veröffentlichungen. Er beantragt Ausschluß der Oeffentlichkett wegen Gefährdung der Staatssicher. hell. Er spricht von fingierten Aufträgen. Der Vorsitzende lehnt wettere Erörterungen ab, zumal da» Disziplinargericht sich an das StrafkammerurteN gebunden fühlt. Das Urteil lautet auf Dienst- «ntlassung mit BÄasiung von drei Biertel der dem verurteil- ten gesetzlich zustehenden Pension aus Lebenszeit. Ein feiner Reichswehrfolüat. Mtt einem Rohling schlimmster Art, der merkwürdigerweise der Reichswehr als Gefreiter angehört, hatte sich das erweitert« Schöffengericht Fürstenwalde zu beschäftigen. Im Monat Juli dieses Jahres fand in einem Lokal in B e e s- low ein Tanzvergnügen statt, an dem sich der Gefreite Fritz I. von der 8. Eskadron de» Retter-Regiments S aus Beeskow be- teillgte. In später Nachtstund« enffernte sich der Soldat, blieb aber tn der Nähe des Lokals und begann Frauen zu belästigen, indem er sie mit unflätigen Redensarten überschüttete. Als sich die Frauen das verbaten, wurden sie von I. verfolgt, der sich nicht scheute, einer Frau in ein Hausgrundstück zu folgen. Trotzdem er auf- gefordert wurde, das Hau» zu oerlasien, kehrte er sich nicht daran. Er griff«inen in der Röhe stehenden Schifsbauer Z. an, den er mit der Fan st wiederholt in, Gesicht schlug, so daß der Mann eine Gaumenverletzung davontrug. Dann holte sich der Ge- freit« ein Stück Holz, mit dem er wie«in Rasender auf den Arbeiter Sch. einschlug. Der Uebersallene trug erhebliche Verletzungen davon. Nicht genug damit, mißhandelte er darauf eine Frau Z, die er ebenfalls mit dem Stück Holz bearbeitete. Nach diesem Vorfall flüchtete der Bursche. Die Anklage legt« 5. gefährliche K ä r p er»« r l e tz u n g in zwei Fällen, einfache K S rp e r v e r l e tz n n g in einem Fall und Hausfriedensbruch zur Last. Erst am 29. Mai d. I. ist der Gefreite wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung zu einem Monat Gefängnis verurteill worden. In diesem Fall erkannte das Gericht, da» die Taten des Angeklagten als eine große Roheit bezeichnete, auf insgesamt ö Monate und eine Woche Gefängnis. Bei dem empfindlichen Ehrgefühl, da» die Reichswehr stets hat. wenn sie sich gekränkt oder beleidigt sühll, ist es verwunderlich, doß sie Elemente wie diesen Gefreiten, der der Reichswehr wirklich nicht zur Zierde gereicht, in ihren Reihen duldet. Zugzusammenstoß bei Mainz. 14 Personen verletzt. Mainz, 80. September. Der von Bingen kommend« Fern-V-Ztlg A überfuhr heut« nachmittag um 2.45 Uhr kurz vor der Einfahrt in den Mainzer Hauptbahnhof das Einfahrtssignal und fuhr dem au«. lausenden Güterzug 8711 in die Flog k«.'Die Lokomotive des Schnellzuge» entgleiste. Mehrer« Wagen des Güter- zuges wurden zertrümmert. Drei Postbeamte, drei Speisewagen- angestellt« und acht Reisend« wurden leicht verletzt. Heute Stadtverordnetenversammlung. Die heutig« Stadtverordnetenversammlung kx» ginnt um 18 Uhr pünktlich. Wegen der Sklarec.-Zlngeiegenheil dürfte der Magistrat eine Erklärung abgeben, die wahrscheinlich auch auf die Beschuldigungen gegen städtische Beamte eingehen wird. Bis die Untersuchung abgeschlosien ist, wird man«s voraussichtlich bei dieser Erklärung bewenden lasten. Die Bilanz der„Bewag". Der Magistrat läßt jetzt in einer Borlag« die Bilanz nebst Ge- winn- und Berlustrechnung der Berliner Städtische Elek- t r i z i t ä t s w c r k e A.- G. für das Geschäftsjahr 1928 zur Kennt- nisnahme zugehen. Der Bilanz ist der Bericht der Hmiptprüfungs- stelle beigesügt. Di« Bilanz schließt auf beiden Seiten mit 253 520874,73 M„ die Gewinn- und Berlustrechnung dergleichen mit 131 17k 15k, k« M. ab. Die nach Z 4 des Pachtvertrages zu entrichtende Abgabe von 10 Proz. der Roheinnohme aus � Stromlieserungen ist mit 12 989 292,08 Vi. ordnungsgemäß abgeführt' worden. Auf den Haus- haltsanjatz für die Sonderabgabe von 9 007 000 M. sind bisher 5 507 000 M. abgeliefert worden. Nach Anhörung des Gesellschafts- ausfchusses bei der Finanz- und Steuerdspuiation hat der Magistrat der Bilanz nebst Gewinn- und Borwstrechnung durch Beschluß vom 26. August d. I. zugestimmt. 1 Die Sorgen der Volkspartei. »Berlin auf dem besten Wege zum Sozialismus� Schon immer haben sich die Rechtsparteien vor Wcchttämpfen im Schwingen der Sammelbüchsen gegenseitig überboten. Auch jetzt, vor den Kommunalwahlen, übt man die alte Praxis mit Um- sicht und Tüchtigkeit. Die Taschen der Herren Industriellen und Großagrarier öfsnen sich bekanntlich am ehesten, wenn man ihnen immer wieder das.Schreckgespenst des Sozialismus' recht anschaulich vor Augen führt. Dazu bedient man sich in erster Linie der ans früheren Wahlkämpfen sattsam bekannten Schnorr» briefe. Vor uns liegt ein am IS. September von der Hauptgeschäftsstelle der Deutschen Volkspartei versandter Brief. Darin heißt e, einleitend daß die Linksmehrheit die Stadtpolitik maßgebend beeinflusie, was sich besonder» m der Wohnung»- und Bau» Politik und in dem immer schärfer werdenden Kaippf der össent- lichen Körperschaften gegen die Privatwirtschaft zeige. Der Briefschreiber meim dann, daß die Ereignifs« des letzten Jahres dem Bürger endlich die Augen darüber geöffnet haben müßten, daß ..BerlinaufdembcstenWegezumSözialismusist'. Der Selbsterhaltungstrieb fordere daher schärfsten Kampf gegen die dem Bürgertum drohenden Gefahren. Da» Schreiben fährt dann fori: .Unsere Partei, die wegen ihrer wi r ts cha ft-fr« und- lichen Einstellung als einzige bürgerliche Partei in Groß-Berlin bei den letzten Reichskigsroechlen einen starken Gewinn zu ver- zeichnen hatte, hat auch für die Stadtverordnetenmahlen die besten Aussichten. Voraussetzung ist allerdings, daß wir rechtzeitig die nötigen Mittel erhallen, die«in«roßer politischer Kampf erfordert. Leider sind wir bei der Beschaffung dieser nur auf freiwillige Beiträge angewiesen, während den Linksparteien durch ihre Zwangsorganisation regelmäßig ungeheure Summen zufließen. Wir erlauben uns daher, die gan, ergeben« Bitte an Sie zu richten, den Kampf um die Erhaltung der bürger- lichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung durch ein« Spende zu unterstützen, und hoffen, auf ihre baldige Hilfe rechnen zu können.' Es muß doch wahrhaftig recht f chl e ch t um die bürgerlich« Gesellschaft»- und Wirtschaftsordnung bestellt fein, wenn sie durch „ergebenst erbetene' Spenden aufrechterhallen werden soll. Bon einer Zwangsorgenifation. die der Brief den Links- Parteien zuschreibt, wußten wir bisher allerdings nichts. Die Sozialdemokrat!«, deren Miigllederzahl schon im nächsten Monat die erst« Million erreichen dürfte, finanziert ihre Kämpfe lediglich durch die Beiträge ihrer eigenen, freiwillig der Partei angehörenden Genossen, diese Gelder werden allerdings in musterhafter Solidarität von jedem einzelnen pünktlich auf- gebracht. Daß die Dolkspartei über dies« starke, festgefügte Organi- sation bei Betrachtung der eigenen Mitgliederlisten da« Jammern bekommt, können wir allerdings nachfühlen. Aber alles Klage» der Rechtsparteien und alle Spenden deutscher In- dustrieller werden nichl hindern können, daß die Sozialdemo- krati« am 17. November ein neues Zeugnis. ihres unaufhalt- samen Bordringens ablegt.... 6in modernes Krankenkassenbureau. DieBerlinerOrtstrankenkassederMechaniter. Optiker und verwandten Gewerbe hat ihr bisher in der Münzstraße untergebrachfes Kgssenbueeau nach dem Hause Kmrftroße 30 verlegt. Die hier geschaffenen Bureauräume werden mit ihren dem heutigen Stand der Bureautechnik angepaßten Einrichtungen den Beifall der Kassenmitglieder und der Vureauange- stellten finden. Die Mechamkerkrankenkasie, die übrigens schon seit 1878 besteht und zu den ältesten Krankenkasien Berlins gehört, hat das Hau» in der Krirsiraße als Eigentum erworben und die Räum« für den Kassenbetrieb zweckentsprechend ausgebaut. Gewiß waren die Ausgaben nicht gering— Grundstückepreis samt Ilmbau- und Einrichtungskoslen betragen über 600 000 Mark—, aber die dafür gewonnenen Verbesserungen sind sehr wertvoll. Trotz dieser Auswendungen ist es möglich gewesen, eine Erhöhung der Beiträgt zu vermeiden. Am Sonnabend wurden die neuen Kassenräume besichtigt ron Vertretern des Krankenkassenverbandes Bertin, der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin und anderer Krankenkassen, des Versiche- rungsamtcs der Stadt Berlin, auch des Deutschen Metallarbeiter. »«chand« und des Landesatbestsamt, Berftn-vrandeudurg. vor- sitzender<8 u t s ch e von der Mechanikerkrankenkass« und Geschäfts- sichrer W i« s e n e r geketteten die Gäste durch die Räume, deren freundliche und behagliche Ausstattung von der Malerhütt« besorgt worden ist. Der Raum für die Abfertigung der Kassenmitglieder ist so groß, daß er auch starkem Andrang genügen kann. Daß er hell und luftig ist, wird den zur Kasse kommenden Kranken besonders lieb sein. Ein hier angebrachter Luftverbesserungsapparat liefert stets frische Luft. Die Abfertigung zu beschleunigen, ermöglicht eine bureautechnische Neuerung, ein laufendes Band zur raschesten Weiter- beförderung von Papieren und Aktenstücken. Weihefiunöe der Zugend. Das weit« Rund de» Großen Schauspielhauses war überfüllt. Unten im Parkett saßen die Jungen und Mädel. Ein bißchen stolz, «in bißchen neugierig mit feierlichen Gesichtern. Bon der Bühne herab grüßte das Blau des Himmels, das Grüu der Bäume und das stammende Rot der Bänder. Plötzlich verdunkelte sich der Raum und die Klänge der Orgel brausten herab. Nach einem Vorspruch sang der Junge Chor Mozarts„Bald prangt, den Morgen zu verkünden'. Mussorgskis„Sonnen-Hymne'. Die rechten Worte für die jungen Seelen, deren Geburtsstund« noch vom Lärm der Kanonen erfüllt war, fand Wilhelm Landa. Er entriß alle» noch einmal dem Dunkel der Vergessenheit: die Jahre des Massenmordes» die Jahre des Elends, HungerZahre. Sie habe« keine glückliche Jugend hinter sich, diese Proletariersimgen und-mädel, aufgewachsen Jn einer Zeit, in der der Dollar alles galt. Aber wenn man in Ihre Gesichter blickte, dann war einem nicht bang« um diese Jugend. Die wird ihren Weg schon machen. Nach«wem Eello-Solo wieder Gesang des Jungen Thor». Und dann— aufrüttelndes Erlebnis— folgte Franz Rothenfelders Sprechchordichtung„Beginne, Jugend! Stehe! Schreite weiter!' Klag«, Mahmmg, Kampfruf, flammendes Bekenntnis zum Sozialismus. Schlicht und einprägsam als Träger der Fahne: Heinrich Witte. Der Junge Thor stand unter Leitung von Hemg T leisen. Vorzügliche Einzelsprecherin war Elsa Wagner. An der Orgel faß Artur Zepte, Tellisten: Liedermann, Hoppe nnd Lencewfkl. » Auch in der Volksbühne gab es gestern wieder eine Jugead- weihe, veranstaltet von der Partei, den Gewerkschaften und dem Verband der Freidenker. Das reich« und ernste Programm war darauf gerichtet, ew dauerndes Erinnern an den frohen Tag zu geben. «in heilige« Versprechen der Jugend mit auf den Weg zu schenken. Genosse Dr. Kurt Loewenstein zeichnete w semer Weiherede In lebhaften Farben das Milieu, in dem die Arbeiterkinder auf- wuchsen. Es ist notwendig, daß auch die Jugend mit zur großen Gemeinde gehört, die die Befreiung der Bedrückten erkämpft. In die Hände der Jugend ist die Zukunft gelegt: diese große Auf- gab« verpflichtet, daß sie sich rein und-würdig dem Kampfe erhält, denn nur an Leib und Seele gesunde Menschen können vorwärts- treibende Kämpfer sein. Die feit 25 Iahren bestehend« Jugendbewegung hat den Boden gerneinsam mit der Partei vorbereitet, auf dem die neuhinzutretenden Jugendgenossen weiter bauen können. Die "Jugend folgt dem Ruf der Roten Fahnen! ver Sieg des Sozialis- mus ist uns sicher!— Die A-capella-Bereinigung des Berliner Volkschors unter Leitung von Dr. Ernst Zander und das Cello- Trio Annin Liebermann, Fritz Hoppe und Karl Lencewsti um- rahmten mit gesanglichen und musikalischen Darbietungen die An- spräche- Der Sprecher für Proletarische Feierstunden mit den Einzeffprechern Heinrich Witte und Elsa Wagner brachten auch h>«r F Rothenfelder» Weihospiel„Beginne Jugend! Stehe! Schrette weiter!' in glänzender Ausdrucksform zu Gehör. Obennoykstratsrat Knaut-Berlin wünschten dem neuen Jugendhaus Glück. Es enthält Einrichtungen zur Pflege der Kleinkinder, der Schulkinder und der Jugendlichen, einen Kindergarten, einen Kinderhort, eine K i n d e r l e s e ha l l e, ein Jugendheim mit Vortragssaal und anderen Räumen, einen Bastei- r a mm für Hortkinder und für Jugendliche. In dem Jugendhaus sind außerdem noch ein Abendheim für alte Leute und eine Bezirksküche mit Ausgabestelle für die Volks- sp eisung untergebracht. Das Haus mit allen Einrichtungen hat 177 000 Mark gekostet._ Tiennesse in Friedrichsfelde. Da» Riesengetänd« de» Zucht- und Magervlehhoss in Berlin-Friedrichsselde kst m des Wortes vollinhalt- lichster Bedeutung mit regstem Leben erfüllt. Wird doch hier die 4. Deutsche Tiermess« abgeholten, die starken Zuspruch findet! Es kommen die Züchter, um sich über die Zuchtergebnisse ihrer Kollegen zu unterrichten, es kommen Käufer, die sich eindecken wellen, und« erscheint Publikum, das froh ist, einmal soviel schönes Bieh auf einem Haufen zu sehen. Sind doch die Großstädter tier- hungrig geworden, das ist eine Tatsache, die sich nicht hmwegdisku- tieren läßt. Man sieht prächtige Pferde, die ein neckisch wirkendes Strohzöipjchen in Schwanz und Möhn« gell achten bekamen, man kann Kolosse von Kühen betrachten und Kälbchen, die auf der Messe das Licht der Welt erblickten. Hühner der verschiedensten Rassen sind in tadellosen Exemplaren vertreten: der Interessent kann sich bei rechtzeitiger Anmeldung für das Frühjahr wtt Bruteiern versehen, und der Tierliebhaber kann das seltene Borkouunni» wahr- nehmen und abends Hähne krähen hören. Di« Ansoger des Morgen- grauens werden nämlich durch da» elektrische Licht irr« geführt. Nicht beunruhigen lassen sich hingegen die Säue, von denen eine schwarze zwölf und«in« andere gleich gefärbte Kollegin sechs Ferkel mutterglücklich säugt, obwohl lärmende Blechmusik bis in ihre Aus- stellungsständ« dringt. Vorzüglich« Exemplare sieht man unter den deutschen Edelschweinen, die das Zuchtziel Leichtfuttrigkett und Früh- reif« erreicht haben. Kaninchen, Taube«, Enten, Puten und Göns« füllen außerdem die geräumigen Ställe, und draußen steht ein Prachtkerl von einem angekörten Ziegenbock, der w weitem Umkresse die sogewonitte frisch« Lust mit Dockparfüm oersorgt. Einbruch du Oplikergeschäft. In der Dacht vom SO. September 1929 sind Einbrecher in das bekannte optisch« Spezialgeschäft„Loh- mann-Blicker', Potsdamer Str. 134a, gewaltsam eingedrungen und haben Prismenglaser, Lorgnetten nnd andere optische Artikel im Werte von mehreren taufend Mark gestohlen. Für die Wieder- beschaffung der Waren sind 20 Prozent als Belohnung ausgesetzt. Zweckdienliche Angaben sirid an Krimina Kommissar Quvs, Polizei- Präsidium Berlin, Zimmer 62—64. Anruf: Berolina: 0023, Appa- rat 512 zu richten. Die fünf MilgNederversommluug» der Dolksbüh«. die die Delegiertenwahlen zur Huuptvelsmmniung vorzuuehureu Hoberl, finden heut« Dienstag statt. Iugendhaus Sieglitz. Ein neue» Jugend Haus für Steglitz ist auf dem Grundstück Paulsenstr. 2 2 errichtet worden. Dos alt« Jugend- Haus, dos im Januar 1927 abbrannte, war nur ein« bescheidene Holzbaracke in der Holsteinischen Straße. Dos neu« Jugendhaus in der Paulsenstraße ist ein äußerlich schlichtes, aber innen sehr behaglich und dabei zweckmäßig eingerichtetes Gebäude. Am Montag murte es mit einer kleinen Feier«ingeweiht, an der Mitglieder'des Bezirksamts und der Bezirksversanimlung, Vertreter anderer Be- zirksämter, des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, auch Vertreter von Jugendvereinen und Schulen teilnahmen. Bürgermeister SembritztiÄteglitz, Stadträtin Kausier-Berlin uttd Voriräge, Vereine undVerfammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rolrivold". ««sblttsftillez»erlin 6. 14, S-d-iNantw. mm.«of* Jx Sirtfcr.bet«.®f«n«tea, l. Oktober. 17 Udr, tn itrrmatorim» Ml. Iiiersdorf, Berlin» Straße, EinSscherung b«, ftornrntlKit«ilbelnl £o;nm. Beteiliciung aller arbeitsfreien«ameraben ig Pflicht, gähnen mit. bringen.— Mitte. 4. Kamerabschsft. Mittwoch,% Oktober, U» Uhr, Name- ratschaftzversommiun« bei Brandis, Ctralauer Str. 10, Bortroa.— weiß«». Ic«. 4.«ameradschoft. Mittwach. 2. Oktober, IS Uhr, BorNand,» Uhr aktine und passive MitaNcder im Berliner dos. Crschrincn wegen her Wichtigkeit d» Zoom»«nbedtnirt Pfücht.' ev Äs Uehungsftmit« mit an» Uhr. Mitwirkung brwl «m Donnerstuaoorintttaa -> li■-j;. i«■ Typagraphia! DIenataa. 1. Oktober, lehr______ schließender Besprechung. Sonnabend, i. Oktober, SiaungaoetJwni, Kaunuersäl«. Teltower Straß«. kein« Uebungsstunde. Verband Sberechtsretor», 6»«erste, OeffenWch,«erßanunlunit am Svnnersta«. dem Z. Oktober. 20 Uhr. im Reftonrant Jtem alten«stanter-, Berlin EW. 11,«nhaltttr. 11 laroßrr Saal, 1 Treppe). Tagesordnung: 1. Be- vorstehende Weiterberatung im Nechtsausfchuß. 2. Vortrag von Herrn Rechtsanwalt und Notar®r. Conrad Mendelsohn:.Wie wird sich der Geleßgeber Mir Chescheidungsreform stellen?" 3. Anmeldung neuer Mitglieder. 4. Freie Ausspruche. Arbeiter. Radio-Bund Dcnlschlant»«. V., Gruppe ssriedrichgham. Donner». tag.. 3. Oltober, A Uhr. Vaftelab-nd im Enippen lokal, Cadiner Str. 10, Longtrllow Englfsti Drbaflng-Clud: Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärzteiiaus BOlowstr. 104. Guttmannsaal: Mr. Will Potter:„Mistekes in English made by every German." -!-e- Wetterbericht der«sseoMche» WeNerdlenstslea« Btrita»ob Umgegend sNachdr. Verb.) Meist nebelig, zunächst noch ziemlich warm, gegen Abend Neigung zu Regenschauern.?ür veulschlandt Im Südosten noch meist beitcr, im übrigen Reiche von West nach Ost lorlschreittnde Abkühlung mit Regenschauern. ß/loritzplatz hat viel viel zu tun... Denn in seinem BercicK liegt die A/Iassary-Zigareltenfatn'lc. Und die ZigarettengescKäfte von Berlin und Umgegend telepKonieren jetzt letliafter denn}c nacfi C a I d- Zigaretten. Wir erwäKncn das deslialt, weil es für den Raucfier sefir widitig ist, daß er überall und jeden Tag frisdie Ware telcommL— Denn eine fakrildrisdnc Zigarette sclimeclct natörlidi viel köstliclier als irgendeine untclcannte Sorte, die oft länger im Regal liegt QMD I! M AS S A R Y-Z I GAR ETTEfl ■i■iiiliio nimmwomea innmainawii i■M��=�=i==�-|-g�rr-niaT| ß Neu erölfnet: TausclAuro für A�assary�FafinentiUer� Charlottenkurs, Goetfiestraße 4s(neten Salamander) fürGroß-Verlm ftrt» m Ws SctizbHbctaxtat 1 Hof.: Trtwn ja*. parieinachrichien ««fnibangtn für dies» Rubrik find Berit» SB SS» Lirdrustratz» Z. All« Anlaß da Stadl, and Vezirkaoaordoetanmohlan findet am DonntnK. dem IS. Oktober, vormtttags S Uhr. t» den Spichan- Stilen. Spichanstraß« Z. ein außerordentlicher Vezirksparteiiag mit folgender Tagesordnung statt: t. Die Wahlen am 17. Uooemba. Referent: Stahtnerordueten» vorsieher Johanne» Haß. ?. Aufstellung da Saudidote». ») KreiswahloorfchlZge. d> Sladtliste. r) Stadtrat-llste. Soweit die Wahl der velegtaten noch nicht«folgt Ist. werden die Ableiluuge» ersucht, die Wahl schlennigfi zu»ollziehen. Namen und Adressen da Delegierten find dem vezirkssekretariat sofort mit. zuteilen, wieviel Delegierte Jede Abteilung zu wählen hat, ist au» dem Nerteilungsplan da.Mitteilungen- Nr. l. Januar ISA, ersichtlich. Der Bezirksvorstand. Achtung, Stadtverorbuetenfraktioo? WA amartev heute 17 Ahr»ollMlige,«rfchetne» zur Zrot- Soassihung im Zlmma lOfl. Da ZnckSonsvorstovd. S. 9at» g-riedrich-d-i,. Svttme«. I.«wba. WA«br. StxtrfOTttfosn». luno im Raihau». 6tedh)en)t6nrtenfltans«faat Tribüneniart»»«6 lgZ4 Ißt othn«Benoffen ssischrr. Slnoona SoorJxni.t Ettal«. 7. Smi» Eharl»tte»lmrg. D«r erst« kronrnwalvolitiiih« Zrforma ia«, 3. Oktober, zo Übt. im Boriraassaal bt» iktankeniasstnhauses. Ber. Iinrr Sit. IS?, vi»sübr»»«»ab«»b der ArIi«iterbili»m»iissch»I«. Musik, Rezitationen. Redner: Mbert Lotli*. Eintritt frei. N. ltrei» SchZneberq: Di« itreismitoliedetDersammlnna«m MiitmoS, dem S. Ottober, findet in der Echulaula. iZeuriastraß«. neben der �euerwaibe. statt. Die Abteilungsleiter werben«ebeten. diesen Tag tu beachten. tt.«ww Eteglib.x-nkwib.Lichterfeld-. Die Tröffnunqsfri« der Arbeiter. bilounqsichule am Sonnabend, dem 5. Oktober, findet meaen Bauarbeiten nicht im Ln�uin. Rothenburger Strohe, sondern pünktlich 20 llbr im PatUlca.ReoloymnasstNN,«rndi. Kckc M-mteinostraK-, staet. klarier«, ZV Pf. sind bei allen Kassierern Zill baben. Alle �Ärteiaen offen sind M bet schönen ffeiet freundlichst eingeladen. heute. Dienstag, 1. Oktober? m. Abt. WA mt STunltinnarfllwita bei Becher, rbaniseeidr. VI. Morgen, Mittwoch, 2. Oktober: L m. WA Ißr tri Bronbi,. Stralaner Str. 10, sZblichtionSrsiüuno. 10. Abt. ISZb Uhr bei Sanbow, Mensdurger Str. s, wichriae isunktionür- stüung. Tageso rdnunq:»Die Bebairdlunq der Lokalfrage. it. Abt. 20 Uhr bei Schmidt, Wiclristr. 17, KunktionärstAuno. m. Abt. IS Ißt siimna de» Festausschusses. 20 Uta Sifcun« de» Abtei luna» Vorstandes bei Wertalla. Sohenlohestr. I. n. Abt. Ebarlotienbnra. 20 Uhr bei Leb mann, ikdn iasw« s. ffnnktionSrstltana. 70. Abt. Wilmersdorf. 20 Uta in der Gewerkschaftsklaus«, Lokal ikroihs. Kol. steiuisch« Str. 00, Atteilunosversanvitluna. Bortrag'»Die benorsiedenden Etadwerordneienwahlell". Referent: Mrgermeister Sohl. Anscheinen drinoend«rforderlii a. Abt. Etcal'b. 20 Uhr bei Schelltaas«. Ahornstr. ld». ffunktionürstdon«. 34. Abt. LaoiwtA. 20 Uta bei Lehmann. ktaiser.Wißelm�Ztr. 20— 81, ffuvk» tionärstbuna. Alle BesirksMhrer müssen unbedingt erscheinen. ISl. Abt. Treptow. Die Ernosstnnen und Genossen, die sich am Abfchreßen der Wählerlisten beteilipen wollen, werden aeberen, sich um 10 Ubr im Rattau» Treptow eiwmfinden. Isreitaa, 4. Oktober, IftZi Uta. in der Vowärtsspeditwn. Groedstr. SO, Porstandssthuno. 108. Abt.«ipenich. 20 Uhr bei Stippekodl. Schonerlind« Str. b. Sitarna ''" Ire. Di» Genossen bestichen reit ßrrn ssranen die um Tstrrschvridtstr 40. stattfinden»« Trauennnsammen. sämtlicher ffunktionäre. OS. Abt. Lichten m. 19� Uta tat fünft. Fraueuveranstaltnngen. 4. Xrris Stantaner Benb Mtttoch. 8. Oktober. B Uta. b Staate TU sinnktionäri nnensttzunp. 74. Abt. st-dlentars. Donner-ta«.». Oktober. 108t Uta. tat dors-Mitte. Potsdamer Str. 8. Botaraa:.An»»» der rrwt: Billv Wolfs. vezirksausschnh für Arbeiterwohlfahrt. «M ssreita«. tarn 11. Ovo der, 1»Z4 Uhr. findet et»««ersorewln»» sämtlicher ifnnltisnäre der Arbetterwohliabri»nd soitaNstische» Für. iowersinneni statt. Wir bitten, diesen Taa frei t* halten.--- eryeta durch Einladnng»ad Tagespreis«. Rähere» «». Gwrvpe». Znugsoziallsten. ...... CbetWeate». Seilte, Dienstag,» Iffet, tm fhtettfh. i, Probe deO Sprechchor» BollZäbliges Erschein» mtdgilieder Vrrd emvartet. Gruppe Lichtendem. Leute, Dlensta«. tt Ißt. Im ssmwudtairn Sunt«. tu|e 44, B-rta-g:.Weltpolitische Umschata. Reseeent:»usta, Bosaieu. Par, tri. und SAI.-Genosse» find srenndlichft eingeladen. Gruppe Ternpelhos-Narientari. Sevt«. Diensiaa. 70 Uta, im Iuaendbeim Germnniastr. 4—0. Eingang Giitstrasi«. Portrag:..Psychologi«'. Refereniin: Genossin Panlsen. Da» Studio da Funkstnrtde wrttr Leitung Walter® r o• n ostay» gibt an diesem Sonntag dem höra Mlße zum Knacken aus. Man hört Tierstimmen. Gaausche, Schüsse und ähnliche schöne Dinge, und niemand verrät, was Wirklichkeit und was Ämitatian ist. Technik und Nawr werden in den Dienst de? Rundfunks gestellt, und merkwürdigerweise klingt die Technik natürlicher als die Natur. Das Mikrophon ändert eben die Wirklichkeit ob. Nicht notwendig war es, daß Gronostay den Originalvortrag des Violinisten Wolfs- thal durch scharrende Geräusche begleiten hieß, die die moderne Granmiophonproduktion nicht mehr kennt, chier wird das Zuviel zum Verräter. Gut, daß die Funksiunde von ihrem eigenen Senderaum au? die erfolgreichen Stücke der Berliner Theater in gekürzter. für das Mkrophon inszenierter Form, ober in der Originaldeseßung dem Hörer übermittelt. Den Anfang machte Gerhart Hauptmanns „Der arme Heinrich-, ein Droma, das beim Hören stärker wirkt als bei der Bühnenauffiihrung. Andere Dramen werden ver- sagen, Dramen, die ganz auf szenische Wirkung gestellt sind. Auch diese Sendung gehört in da» Kapitel der Experimente. Jedenfalls ein großer Fortschritt, daß überhaupt experimentiert wird. Sonst am Abend Schlager aus mehr oder minder erfolgreichen Operetten. die die Saison eröffneten. Gut das Mittagskonzert der ausgezeichneten Kapelle Arkadi Flato, und unter den Schallplatten fällt Bellinis Norma-Ouvertüre auf, die Blech mit hinreißendem Temperament spielt. Jetzt, wo der Tonfilm trotz verschieden« Premiere» nicht mehr im Mittelpunkt de? Interesses steht, veranstaltet am Montag der Rundfunk ein Jntervie»» darüber. Es spricht vor allem Alfred K«rr, und er kommt nicht zum eigentlichen. Interessent wäre es gewesen, wenn Kerr tatsächlich auch etwas über die Formunterfchiede des stummen und des tönenden Films sagen würde. Das tut er leider nicht, er überläßt es Dr. Guido Dagier, über die E n t w i ck- lung des Tonfilms zu plauschen. Alfred Kerr sollte sich hüten.. über Dinge zu sprechen, die ihn vielleicht interessieren. Über die er ab« nichts zu sagen weiß. Die Abgrenzung vom Theater und Ton- film ist nicht so wichtig wie die vom stummen Film und sprechenden. Gibt e» keine Hess« instruierten Leute als Zllfred Kerr, die über dieses Stoffgebiet sprechen können? Ein Filmkritiker hätte der Referent sein müssen.— Dann die llebertragung eines Sinfonie- konzerts aus Warschau. Man gibt diesmal die Klassiker der pol- nischen Musik. Ein Konzert unter Georges Bojanowsti von erlesen« Klangschönheit in einer völlig störungsfreien llebertragung. ss. 8. flkborfstngr. Znblvkn vfm. __ 12- Abt. Uaietea Genosse» Sozi Schoß,»mtaner Str. 41, ttarl XUtüt Bitlefftr. 24, Ott» Rifchtt, W-ldstr. 44. Sermon» s-ntich, W'rieistr.». u ihrem 23)ätatflen P-rieijub-länti bie beste» Glüitwülltch«. U. Abt. Unserem Nebe» Genossen Mar D»ru nnh sein« Gattin NC Siltardocheeit du hertlichsten Glückwunsch». ..,.22.. Abt. Unierew Genossen Frii, Z»««»nb sei»««otti, Saptae rno Siabrigen Etaiulnlovw die h«,lichst-» Glückwünsche. Sterbetafel der Groß. Berliner Partei- Organisation SIL tOt San, tmerwartet Ew-scheruna am Mittwoch,«m z. Oktober. l7ZH ubr. im St Wilmersdorf. Berliner Straß«. Wir bitten uw r-ae Deteiliguns S«. Abt. Salevse». Am 2». September ist unser Porteioeteran Jatnk Schimmelmann,«urfürstentamm 57—96, nach lur�m»ranlenlaaer im Alte- txra 79 Jahren verstorben. Beerbiaun« am Mittwoch, dem 2. Oktober. 12 Übt non der Asten Kalle des striethos» in B-ißense». Lotbrinaenftraß». Rea- Beteiligung ist Pflicht. }ä\ fi Soziallstische Arbeiterjugend Sr.-Verlm i für dies« Rubr«»»»»»»«« Zoo-n»se»rrt«0m Z SS, Ttndensirate Z Mtalietar in den S-nberebteiln-pen der»ollobübn«, betriliat euch an ber Mitqüebernenammlun« am Dienstaa. dem 1. Oktober, liUH Uhr in Saverlands ffestsälen, Reue ffriedrichstraße. äür die Znqendcbteilnmz her V-l«»bSH»e werden noch Anmesdunqen im Auaendsetretariat»nigegensenommen. Lichtbilder vom JnaenvtaaS'rb Uhr Aida Staats-Oper Am Plnl.Republ. Vor«. 56 Itab Uhr Dienstag, 1. in. Stadl Oper Bismarcks tr. Turnus II WA Uhr Die EDtlDbraog amiMrail StaatLSdianipli, in 6«adin»iHnarl!t A--V. 18, 20 Uhr Elp Besserer Herr Staad. Sebitler-Tbeater.Cliaritt 20 Uhr Der laofmann t. Yenedlp Unsere nnen PrslM: Wsetantane I Uhr M Pf. Mi 1 Mete TtaL»'/,». i«nnt.iUhflM«« MM | Hegte Premiere| seit dem weltberühmte» CiaarBle A», erden, zum 1. Meli In Deutuhlud 3 Wtalrlwinds Lona Tack Sana mwie weitere Internat Attraktloneo. plAza Tigl.» 8. an I Sönitz, 9a 8U | Alax. C. 4. 806« INTERNAT, VARIETE Heute Premiere Renaissance-Theater Hcalc 7.SO Uhr: PREMIERE STEMPELBRÜDER Schauspiel von Ouschinsky. Regie: öust. Härtung. Staspltaz 1 L 9,81 6. Ut3�S4, m 8 Ulf» Ztntr. 2818• Rand ei. gdaoht Heute Premiere Isabeliia Ruiz die gefeierte Spanierin. Die berühmten DfilffOllt BOfS» Schwestern Schwarz am Flügel. .•Linder*4 der neue Imitator und weitere in Berlin noch nicht ge* zeigte Attraktionen. Tonis Dttime ilititer iBHInglsti Täglich 8 Uhr DaotonsTod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin StaatLSdiillBr-Tti. 8 Uhr Der Kaatmam] toi Veneüin «MtsuwriBPiab dtriciaiiiik 7% Uhr Frelsditttz PiseaUr- BOhne 8 Uhr DerKaufmann von Berlin Metropol-Tli. TigU 8V» Uhr Narielfa Haslt v. Oskar Stnu Kllhe Dondi Michael Bohseu lostspieibaos Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich SV. Uhr Grand Botel Lustspiel von Rani Frank Direktion Dr. Robert Klclr Centsehes Künstler-Tbeai. Barbarossa 3937 S'k Uhr Din andsreSellß Berliner Ileater Oönhoffno 8'/« U Ivel Kravatten von Georg Kaiser Musik Spoliansky Tlmt.■■UtlLTsr Kottbusser Str. 6 Tigl. t Uhr tuen Sonnt. nachm. 3 U. Eine- Sünder Das lestmaker-Siliiaan Pronrammi Planeiartaro "»m Zoo a�» Vtriin. Jgtdunslkil» itnli B.5 BarbarossaSS78 16V* Uhr Herbtt- •benda am Steroeo- hinmal 18V, Uhr Bis sn die Grenzen Cer Welt 20',« Uhr Hisel das atamenlienta« iägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk. Kinder SO Pf. Mittw.; Erwachsene 50 Pst. Kinder 25 Pf. TCLCrun aAfArcm vfjo 2aoo Sitzplätze £ fUtstnb&rs 4 KcLpellen JULIAN FUHS' JUAN LLOSSAS ERNO GEIGER HERMANN LEOPOIP! TägiLch Ja.m 7ee irir. i. so iö& Ohr abendt DIE ATTRAKTIONEN: SeibstverständLich Saalrofirpost md Telefons von Tisch zu uisch Er ö ffn ung HEUTE, abends 8 Uhr CASINO-THEATEB Lothringer Straße 87. Unwiderruflich nur bis 3. Oktober woin gehört mein mann! Freitag, den 4. Ok'ober zum 1. Male wertagte Kochzettsnacnn Gutschein für _______________ Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M« Sonstige Preise: Parkett u. Rang 080 M. PUlharmonle 8 Uhr SinfoniE-Booiort des Philharm. Orch Dlrto- Pfol. I. Prlvet Unvoll. Sinf.-Schu- hert. S. Sir, i. C-moIl Beethoven Eintrio I Mt Kleines Ttieat. Merkur 1624 Täglich 8'. Uhi Max Adalberi als Nanle am Flüge! ISndoIf Jieison Rcichshalleii-TheatGck AUabeadL[Ö] Sonntag nachm.]T1 Stettiner sosanoer Fest- Prog ramm I Nachmittags halbe Preise. Dönhoff- Brottl- Vorlatri Tanz— Konzort Um zd Grumalil Dienstag, den I.Oktober nachmittags 2'/, Uhr IS®S€5- Tbeeter, Große Frankfwrter Str. MX, RUleMeauct Alexander»d** Täglich 8.1 S Uhr Die Weber von Gerhari Haaptm�v* Jeden Mittwoch 5.00 Uhr Das tantere schnelüeriein Vorverkauf auch im Pavillon der Reinhard tbsihnen, KurfOrstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 Ibeater D.I. Norden 12310 SU. Ende gegen 11 Die Fledermaos Musikv.Joh. Straub Regie: Max Reinhardt. Dirigent E. W. Korngold. Ausstatte U Kainer Kammersplele D.I. Norden 12310 8 V,. Ende gegen lO1/, Dor Dnwiilerstelilielie Komödie von Cdraldv und Spitzer Regie; Gustaf OrOndgens Die Komödie J I BIsmck.2414/7S16 8V, Uhr Ende geg.)0V, Uhr Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regle: Erich Engel iBSSlng-Theater Norden 10846 Gruppe fernher Schauspieler Täglich 8V4 Uhr Cyankali # 218 von frieanai wall Tneai. d. Westens Täglich 8>i4 Uhr Sonnab u. Sonntag 4 und 8"/« Uhr Der WeUerfolg Friederihe Musik von Frans Uehar SarDowsky-Sliiina Theater i« fiar KSniggrätur Streb» 8V. Uhr aannlbaiante porlas Komödienhaus Täglich S'.i Uhr tcrihiiys Sappeo MMIteA Lustspiel von Julius Berstl Erbe gesucht. In einer Naehlabsache wird der in Frage kommende Erbe gesucht nament Friedrlsh Wilhelm SrhStie(Ficke), geboren am i- Februar I«80 iu Bremen. Es ergeht an alle diejenigen, die Uber den Aufenthalt des Gesuchien Mitteilung machen können, die Aufforderung. dieses dem Unterrei�bneien in Bremen. DechlnatstraB« I"■ umgehend mitzuteiler. Der NadaladpDcger. gez.: Dr. Bode, Rechtsanwalt GesundheiS-spfeiFe Schonl Herz und Lunqe llnfreilenhIBfluchMjInslichmntrftliol Nr. 459-» 4«. Jahrgang 2� Dienstag,-l. Ottober �929 Währung und Zinspolitik. Die Ursachen der englischen Diskonterhöhung. vle der letzten englischen Viskonter höhung zugrunde- liegenden Vorgänge lassen die Zusammenhänge zwischen wäh- mngsoerteldigung und Diskontpolitik der Notenbanken be- sonders klar erkennen. Unser Spezialbearbeiter widmet ihnen solgendea Urtikel: Die englisch« Reichsbank, die Dank von England, Hot am vorigen Donnerstag ihren Zinssatz von auf 6K Proz. erhöht. Es müssen schon schwerwiegend« Gründe gewesen sein, die dos englische Wäh- rungsinstiwt zu der folgenschweren Verteuerung aller Zinslasten um ein volles Prozent bewogen haben in einem Augenblick, wo die ohnehin gedrückte englische Wirtschaftskonjunktur groß« Schonung oerlangte und das englische Kreditwesen durch den Zusammenbruch bes Hatry-Konzerns geschwächt oder jedenfalls stark beunruhigt ist. Wo liegt der Grund, daß das englisch« Noteninstitut, das bisher wie keine andere Notenbank der Welt im Interesse seiner Wirtschaft um die Aufrechterhaltung eines niedrigen Zinsfußes geradezu g«> kämpft hat, nunmehr das Spiet verloren gab? Er liegt in der Tat- sach«, daß die englische Währung seit Monaten international sehr schwach bewertet wird und daß die Bank von Engtand zur Stützung, des Pfundturses fortgesetzt große Goldmengen abgeben mußte, um die Parität mit den übrigen Währungen einigermaßen aufrechtzuerhalten. Ab- wechselnd war in den letzten Monaten der amerikanische Dollar, der französische Franken und die deutsch« Reichsmart im Vergleich zum englischen Pfund so hoch bewertet, daß es für diese Länder vorteil- hafter war, ihre Forderungen an England in festwertigem Gold begleichen zu lassen statt in Pfunddevisen, deren Umwandlung in die heimatlichen Dollars, Franken ober Mark wegen des niedrigeren Pfundkurses einen geringeren Betrag erbracht hätte. So verlor die Bank von England von ihrer goldenen Währung»« reserve seit Mitte Juni für über 32 Millionen Pfund Sterling, da» sind 64l> Millionen Reichsmark, obwohl die amerikanischen Bundes« banken wie die Deutsch« Reichsbank in Unterstützung der englischen Goldverteidigungspolitik die privat« Enfuhr des englischen Goldes nach Möglichkeit erschwert haben. Eine nachhaltige Besserung de» Psundkurses war nicht zu erzielen. Die Zusammenarbeit der Roten- banken, an der sich bemerkenswerterweise die Bank von Frankreich nicht beteiligte, war also nicht imstande, den fortgesetzten Gold- abziehungen Einhalt zu tun. Di« Währungsreserve schmolz immer weiter zusammen; in demselben Maße aber, wie die Gotdunterlage der englischen Währung«inschrumpft«, mußt« sich auch die Menge der umlaufenden Zahlungsmistel in England oermindern: infolge- dessen griff allmählich �■ ine immer stärker werdende Zahlungsmiklelknappheil um sich, die wiederum die Geldzinssätze zum Steigen brachte. Ein Blick in die englische Währungsversassung macht diese Zusammenhänge verständlich: Für das englische Papier- gcld ist im Gegensatz zu den deutschen Währungsvorschristen«in« prozentuale Goldmindestdeckung nicht vorgeschrieben. Ein fester Be- trag von 260 Millionen Pfund Sterling ist nicht durch Metall gedeckt: der Restbetrag der Notenausgabe muß voll gedeckt sein. Die Ge- snmtnotenausgabe in England beträgt also immer 260 Millionen Pfund zuzüglich dem jeweils vorhandenen Goldbestand. Der in seiner Hohe genau an die Höhe de» vorhandenen Goldschatzes ge- bundene Notenumlauf steigt und fällt also a u t o m a t i s ch mit der Zu- oder Abnahme der englischen Währungsreserven. Infolg« der erwähnten großen Goldverlust« beträgt der englische Goldbestand heute nur noch 132 Millionen Pstmd gegen etwa 164 Millionen am 13. Juni d. I-, obwohl seinerzeit ein englisches Währungstomite« ein Reserveminimum von 150 Millionen Pfund als äußerste Grenze bezeichnet hatte, die unter keinen Umständen unterschritten werden durfte. Die großen Goidverlust« der letzten Tage haben die Spanne Zwischen dieser als unterste Grenze bezeichneten Mindestsunune und dem tatsächlichen Goldbestand unerträglich erweitert. Eine radikale Abwehr weiterer Goldentziehungen war also unvermeidlich: sie ist eriolgt durch die Heraufsetzung des amtlichen Diskontsatzes um 1 Proz. Warum nun Diskonterhöhuikg? Die Höh« des Zinsnweaus in einem Lande ist entscheidend für die Richtung und Bewegung des internationalen Kapitalstroms. Vornehmlich das kurzfristige, durch kein« oder kurze Kündigungs- termiae gebunden« Geld fließt von Land zu Land unaufhörlich und unaufhaltsam immer dahin, wo gerade die höchsten Zinssätze geboten werden, also wo der größte Zinsgewinn lockt, ljs ist das sogenannte Zinsgesälle, also der Unterschied in den Zinssätzen der ein- zelnen Länder, das die beschäftigungslosen kurzfristigen Gelder zur „Arbeit" an die Plätze mit höherem Gewinnanrciz dirigiert. Vor der englischen Diskonterhöhung wirkte sich das internationale Zins- gefalle zuungunsten von England aus. Dem englischen Diskontsatz von 5% Proz. stand ein offizieller Zinssatz von 6 Proz. in New Pork und beispielsweise von 754 Proz. in Deutschland gegenüber. Der Unterschied zwischen den privaten, also hauptsächlich für Börsen- ausleihungen gültigen Zinssätzen, war noch großer: New Park zahlt für täglich�kündbar« Börsengelder heute noch 10 Proz. Infolgedessen zog und zieht der New-Dorter Börsenplatz wie ein Magnet das Geld aus aller Welt an sich, so daß insbesondere England mit seinem niedrigeren Zinsfuß die Abwanderung sehr erheblicher Geld- betrag« nach New Aork zu beklagen hatte. Man schätzt die am New-Porker Tagesmarkt„arbeitenden" englischen Gelder aus etwa 154 Milliarden Mark. Das sind also Gelder, die erst einmal in amerikanische Dollar umgewechselt werden mußten mit der Wirkung, daß die Nachfrag« nach Dollars m Verbindung mit dem größeren Angebot englischer Währung den englischen Psundkurs nach unten drückte. Di« Schwäch« des Pfundkurses wiederum hatte aus den eingangs erwähnten Gründen die englischen Eoldverluste zur Folge. Dadurch, daß nun jetzt durch die Londoner Diskonterhöhung aus 654 Proz. das Zinsgesälle gegenüber dem New-Bvrker 6 Proz. betragenden Diskontsatz ins Gegenteil gekehrt wird, hofft man die umgekehrte Entwicklung im internationalen Getdausgleich herbei- zuführen. Mit dem erwarteten Rückstrom des kurzfristigen Geldes, das wiederum«ine Nückwandlung in englische Währung durchmachen und sich tnsolgedesien in einer gesteigerten Nachfrag« nach Pfunden auswirken mühte, erwartet man«ine Steigerung des Psundkurses und eine Rückwanderung des entzogenen Goldes. Soweit die theore- tische» Gedankengänge, die dem Londoner Diskonterhohungsbe- schluß zugrunde liegen. Wie öle Dinge sich in der praxi« entwickeln, und wie sie sich insbesondere für Deutschland auswirken werden, ist vorläufig noch nicht zu übersehen. Ohne Zweifel wird die Er- höhung des englischen Zinssatzes einen verstärkten Anreiz aus d« im übrigen Auslande tätige Geld ausüben: die Rückwanderung der englischen Guthaben in New Park hat prompt eingesetzt und bereits den Erfolg gehabt, daß die Bewertung des englischen Pfundes gegenüber dem amerikanischen Dollar sich gebessert hat. Ob diese Bewegung anhalten und auch auf die übrigen Geldhandelsplätze der Welt übergreifen wird, hängt gang von der Entwicklung der Geldmarkt- und Zinsverhältnisse in den übrigen Ländern ab. Schon haben Schweden, Norwegen, Dänemark und Oesterreich ihren Dis- kontsatz«bensall» erhöht, um die Berschiebung ihre» Zinsgefälles zugunsten von England wieder auszugleichen und damit den un- erwünschten Abflpß von Geld und Sold nach London zu verhindern. Der deutsche Diskontsatz von 754 Proz. bietet im Vergleich zo dem nunmshrigen englischen Zinssatz von 654 Prozent dem Aus- landsgelde immer noch einen so beachtlichen Zinsgewinn, daß eine Diskonterhöhung etwa zur Wiederherstellung de» alten Zinsgefälles von 2 Proz. keinesfalls schon nötig erscheint. Tatsächlich sind bis jetzt größere ausländische Geldkündigungen bei den deutschen Banken nicht erfolgt, und es ist auch nicht anzunehmen, daß sie erfolgen werden. Andererseits hat die englische Diskonterhöhung die deutsche Situation intsosern doch beträchtlich erschwert, als nun eine Senkung des Reichsbanksatzes, mit der man für die nächst« Zeit hatte rechnen dürfen, sobald nicht in Frage kommen wird, es fei denn, daß die gesamte international« Zinspyramid« durch die Entwicklung an dem ausschlaggebenden Geldplatze New Park aus«ine tiefere Basis gestellt würde. F. D. Auftakt zur Genfer Kohlenkonferenz Die Vorbesprechungen der Bergarbeiieriniernaiionale in Paris pari». 27. September.(Eigenbericht.) Das Exekutivkomitee der Bergarbeiterinternationole hat in seiner Paris abg«h<,,�nen Sitzung sich ausführlich mit den Fragen ...schäjtigt, die den Beratungsgegenstand Per gestern in Genf be- gonnenen internationalen Sachoer st ändigenkonse- renz der Kohlenkommistion des Dölkerbundes bilden. Die soeben abgeschlossene Völkerbundstagung Hot eine Reihe von Beschlüssen Sejoßt, die auf eine Beschleunigung hex Genfer Sohleaarbeiteu abzielen. Infolgedessen wird den Empf«hlungen der bevorstehenden Konserinz«ne unmittelbar praktische Bedeutung bei- gemesien. Sowohl der Bölkerbundsrai als auch der Berwaltungsrat des International«!, Arbeitsamtes, der letztere für die internationale Arbeits, xj�xgclung der Bergorbeiter, sind von der Boll- Versammlung des Völkerbundes ersucht worden, entsprechende Maß- nahmen zu«»greifen, um diesen Empfehlungen zur ossiziellen Ber- wirklichung zu verhelfen. Die Pergardeiterinternationale hat die Entschiedenheit, die in den Genfer Kohlenresolutionen zum Ausdruck kommt, b e- grüßt und sich dab,j auf den Standpunkt gestellt, den die im Früh- jähr von dem Wirtsihastskomitee des Bölkerbundes vernommenen Bergarbeiterfachverständig�, eingenommen haben. Mit Nachdruck wurde von allen in Pari, versammelten Ländervertretern die gleichberechtigte Witbxf-ifsgung ber Bergarbeiter an der in Aussicht genommenen europäischen Kohlenmorttregelung gefordert. Auch über die übrig,,, damals in Genf vorgetragenen Punkt«: Schaffung eine» internationalen Kohlenamtes, Ber- einheettichung der Arbeitsbedingungen und Aus- hebungderKohlenhandelserschwernisse, besteht voll« Einmütigkeit der großen Bergarbeitervcrbände Europas. Sehr sorgfältig wurde auch der vom Wirtschaftskomitee des Völkerbundes als Ergebnis der ersten Sachverstöndigenberatungen zu Ansang dieses Jahres verfaßte vorläufige BerichtzumKohlen- Problem besprochen und dabei zum Ausdruck gebracht, daß man bei der zu treffenden Regelung dem Völkerbund nicht bloß eine beobachtende Rotte zuweisen könne. Di« Bergarbeitervertreter gehen, ohne die in den Details liegenden Schwierigkeiten zu verkennen, mit einem klar um- rissenen Programm nach Genf, dessen Grundzüge in der er- wähnten Äohlendenkschnft des Wirtschaftskomitees niedergelegt sind, und hinter dem dik gesamte B« rgo rb e i te r s cha s t geschlossen steht. Der ausgezeichnete Eindruck, den die früheren Darlegungen der Bergarbeiter in Genf hinterlassen haben, wird sicherlich auch in den diesmaligen gemeinsamen Verhandlungen mit den Dergbauunternehmern dazu beitrogen, die Plattform zu fmden, von der aus eine Bereinigung des komplizierten internationalen Kohlenproblems unverzüglich vorgenommen werden kann. Die Unternehmervertretcr— von Deutschland kommen neben Silverberg der Generaldirektor des Ruhrkohlensyndikats Janus und Direktor Fränzel für den oberfchlesischen Bergbau— müssen sich darüber klar sein, daß sie die volle Verantwortung vor der ganzen Welt tragen würden, wenn sie sich den so weit gesörderten Verständigungsbemühungen nicht durch eine positive Haltung anschließen würden. Das Exekutivkomifte der Lergarbeitcnnternalionalc hat in seinen Pariser Beratungen den Weg für ein erfolgreiches Gelingen der Genfer K oh l e n k o n f er« n z gut vorbereitet. Scherbengericht in Frankfurt. Oer Aufsichtsrat des verkrachten Versicherungskonjerns .rechtfertigt* sich. Es ist natürlich, daß die Generalversammlung der Frankfurter Allgemeinen Dersicherungs-A.-G., in der rund 1100 persönlich er- schienen« Aktionäre den Verlust ihres Aktienkapitals zu beklagen hatten, das Versagen des Aufsichtsrates zum Mittel- punkt haben mußte. Da der Aufsichtsrat keine gute Sache gegen- über den Aktionären zu verteidigen hatte, sorgte er für eine um so � bester« Regie, der ein ganzer Generalstab von Rechtsanwälten die nötige juristische Hilfe zu leisten hatte. Die Versammlung dauerte den ganzen Tag. Als Berichterstatter hatte der Aufsichtsrat das fünfdutzendfache Auftichtsratmitglied Dr. Hermann Fischer, den Präsi- deuten des Hansabundes, vorgeschickt. Die Grundlage des Berichtes bildete der von der Südwestdeutschen Revisions- und Treuhandgesell- schaft aufgestellte Vermögensbericht vom 17. August, nach dem bei der Allgemeinen Frankfurter Versicherungs-A.-G. allein von den 30 Millionen Mark Aktienkapital und offenen Reserven rund 24 Mil- lionen Mark verloren sind. Die Verteidigung des Aussichtsrates konnte nach der ganzen Sachlage nicht anders als kläglich sein, und die Versammlung der Leidtragenden quittierte denn auch mit ironischer Heiterkeit die Feststellung in dem Bericht, daß gerode bei einer Versicherungsgesellschaft die Ueberwachungstätigkeit erschwert und beschränkt sei. Sicher hat die Versammlung der Aktionäre sich dabei in Erinnerung gerufen, daß die Tantiemequittungen der Auf- stchtsräte deshalb keineswegs mit irgendwelchen Bedenken von den Aufsichtsräten unterzeichnet werden. Als einziges Aktioum für seine Tätigkeit nimmt der Aufsichtsrat in Anspruch, daß seine Mitglieder der Gesellschaft dem Konzern doch wenigstens dauernd nutzbringende Verbindungen zugeführt hätten. Recht interestant ist die Feststellung aus dem Bericht, daß der Aussichtsrat in der Tat noch bis zum IS. August vollständig ahnungslos geblieben war und daß erst persönliche Erklärungen des für die Verluste hauptverant- wortlichen Direktors Becker zur Aufklärung der kritischen" Lage ge- führt haben. Deutlicher kann die Hilflosigkeit und das absolute Ver- sagen des Aufsichtsrates nicht charakterisiert werden. In der sehr lebendigen Debatte zeigte sich, daß die Regie der Opposition derjenigen des Aufstchtsrate» absolut unterlegen war. Die Verwaltung hat der Opposition insofern den Wind aus den Segeln genommen, als sie selbst den Antrag auf Einsetzung einer Revisions- kommisston stellte, nach deren Feststellungen die Regreßpslicht des Aufstchtsrates sich entscheiden wird, ein« Frage, die immer das Jen- trum der Aktionärskritit bei Kapitalsverlusten bildet. Der Vertreter der Opposition, Dr. Homburger, kennzeichnet« den Bericht des Auf- stchtsrates als ein S e l b st p ort r ä t, das auch durch die schärfste Kritik aus Aktionärtreisen nicht hätte überboten werden können. Die Ansicht des I u r i st e n t a g e» sei widerlegt, daß gerade die Hau- fung von Aufsichtsrat»mandaten in der Hand von Fachleuten die beste Form der Gesellschaftstontrolle darstelle. Rechtsanwalt Schwen- dener aus Zürich forderte vom Aufsichtsrat, daß dieser die Verluste der Aktionäre aufHellerund Pfennig zurückzuerstatten habe, ein starkes Wort, dem natürlich kein Aufsichtsrat etwas schuldig war. Auch die Diskussion über die Genehmigung der Allianz-Verträge war überflüssig, da die Genehmigung einer späteren außerordentlichen Generalversammlung vorbehalten wird. Rur die Frage, wer in der Revistonstommission sitzen soll, wirbelt« noch einigen Staub auf: man hatte Mißtrauen in die Zusammensetzung der Kommission, aber auch hier ging die vom Aufsichtsrat in den Verhandlungen mit der Kommisston aufgestellte Liste der Kommissionsmitglieder durch. Die Revisionskommission soll in etwa 6 bis 8 Wochen einen Zwischen- bericht herausgeben. Arbeitsmarkt kaum verändert. vir Lage in Brandenburg. Im Bereich« des Landesarbeitsamtes Brandenburg hat sich in der Woche zum 21. September wenig geändert. Die Verringerung der Zahl der Hauptunterstützungsempfänger um 545 Personen sowie der Rückgang der Zahl der Arbeitsuchenden um 603 Personen spielle sich diesmal ausschließlich in der Provinz ob. Bei den Ziegeleien macht sich verschiedentlich ein langsames Abbröckeln der Beschäftigung bemerkbar. In der Metallindustrie ließ der Beschäftigungs- grab allgemein nach. Die chemische Industrie setzte die Kurzarbeit fort, im Spinnstofsgewerbe hielt die Uneinheitlichkeit der Beschästi- gungsverhältnisie an. Da» Baugewerbe war in Berlin noch gut beschäftigt, in der Provinz ließen die Arbeitsmöglichkeiten nach. In der Berichtswoche fiel die Zahl der Arbeitsuchenden um 603 auf 215 449, d. h. um 0,28 Proz., gegenüber einer Zunahme von 1440 gleich 0,67 Proz. in der Borwoche. Die Zahl der Haupt- unter st ützungsempfänger in der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung betrug 106 204, in der Krisenunterstlltzung 21 597, zusammen 127 801 Personen. Gtoewer-Autos größerer Umsah. Fabrikation auf zwei Typen umgestellt. Das Betriebssöhr 1928 w« fiirÄ« S t» e w e r- A u t o m». b i l w e r t« A.-G. in Stettin ein Jahr der Umstellung. D'« bisherig« Fabrikation der Bier- und Sechszylindertypeu wurde ein- gestellt und auf die beiden neuen Achtzylindertypen k o n z e n- tri«rt. Obwohl die Reukonstruktionen und die Betriebsumst.-llung naturgemäß Verzögerungen im Produktionsgang n,it sich brachten, stieg der Umsatz gegenüber dem Dorjahr um 25 Proz. Aus dem Reingewinn von rund 322 000 M. wird seit drei Jahren wieder die erste Dividende von 6 Proz. gezahlt. Da für da» Kapital von IL Mill. Mark hierfür nur rund 90 000 M. erforderlich sind, welden 230 000 M., die einer ISprozentigen Dividende entsprechen, auf neue Gewinnrechnung vorgetragen. Bemerkenswcrt ist, daß im laufenden Jahre trotz des harten Win- ters und der verspäteten Aut.saison schon zum 1. Juni der Umsatz um 20 Proz. über den entsprechenden Borjahrsmonaten lag. Di« Produktton für da» gesamte Betriebsjahr 1929 ist bereits f est a b- geschlossen. Die Berwaftung vertritt im Geschäftsbericht gegenüber der Auslandskonkurrenz den Standpunkt, daß die deutschen Automobil- werke diesen Kampf nur mit dem Oualitätswagen, niemals aber mit einem billigen Volkswagen bestehen könnten. Das An- wachsen der Vorräte on fertigen Wagen wird auf die durchlausende Winterarbeit zurückgeführt. Die Lager an veralteten Modellen sind gänzlich geräumt. Die cebenshaltunghkosten im September. Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungskosten belauft sich für den Durschnitt de« Monat» September auf 153,6 gegenüber 1S4,0 im Bormonat Abgeschaffte Geheimverträge? Völkerbundskontrolle fehlt.— Konferenz der Völkerbungsligen. Zürich, 30. Septemb«.(Eigenbericht.) Satzungsgemäß hielten nach dem Ende der Völkerbunds- Versammlung der Rat und die ständigen Kommissionen des W e l t- Verbandes der Völkerbundsges ellschaften hier ihre f)erf>sttagung ab. Di« Minderheitenkommission erklärte, daß die Madrider Verbesserungen des Klageverfahrens„die Lücken des Ganzen nurteilweise auszufüllen vermögen.' In der politischen Kommission feiert der Pole S t r o n s k i das Verdienst des Welt- Verbandes, als erste internationale Organisation die Anwendung des Artikels 19 über die Vertragsrevision geprüft und damit äußerst wirkungsvoll den Völkerbundsberatungen vorgearbeitet zu haben, folgerte aber daraus, daß der Weltverband nun nicht» mehr damit zu tun haben brauche. Di« große Mehrheit aber blieb bei dem Veschluh, die Frage wieder bei dem nächsten Kongreß zu behandeln. Ueber die Eintragung internationaler Verträge, die zur Abschaffung der Geheim. d i p l o m a t i« als Artikel 18 in die Völkerbundsverfassung eingefügt wurde, entspann sich eine große Debatte. Allgemein wurde festgestellt, daß o t l e Arten Verträge, auch Militärabkommen, eintragungspflichtig feien. Aber wer soll die Rechtsgültigkeit prüfen? Da» Völkerbundssekretoriat lehnt da» ab. Prof. 6 c( II( (Frankreich) trat für die Schaffung einer Prüfungsstelle ein. der Nationaldemokrat S t r o n s t i(Polen) wies auf die Möglichkeit des Ausschusses von Staaten hin, die solch« Unrechtsvertröge schließen, Prof. Overbecke(Holland) bezeichnete den gnternatio- nalen Gerichtshof als die zuständige Stelle. Schwarz(Deutsch- land) verwies auf den groben Mißstand, daß die Verträge oft nicht sofort, sondern häufig erst Zahre später eingetragen würden, so daß die Kontrolle zu einer Farce würde. Die Wirt- schaftskommission heschloß, künftig jedem Kongreß der Gesellschaften unmittelbar eine Weltwtrtschaftstagung vorhergehen zu lassen. Der Rat de» Weltverbande» wählte, al» Nachfolger für den Grafen B e r n st o r f f, zum Präsidenten für das nächste Jahr den holländischen Juristen L i m b o u r g. Ueber den Plan einer Der- legung des Sitzes des Weltverbandes von Brüstet nach Genf, die unseres Erachtens ihn in allzu starke Abhängigkeit vom Völkerbund der Regierungen bringen würde, wird der nächste Iahreskongreß entscheiden./ Hugenbergs Infamie. Siresemanns Partei seht sich zur Wehr. Der Reichsausschuß der Deutschen Bolk»partei hat am Montag«inen Aufruf gegen die Infamie und da»„sri- vol« Spiel' der Hugenberg- Söldlinge beschlosten, in dem es u. a. heißt: „Das deutsche Volk ist einig in der Ablehnung der Kriegsschuldlüge. Jede deutsche Regierung, auch der Reichs- Präsident von Hindenburg und der Reichsoußenminister Dr. Strefe- mann haben die Behauptung, Deutschland sei schuld am Weltkriege, mit Entrüstung zurückgewiesen. Der Kampf gegen die Schuldlüge wird vom ganzen Volk und den zuständigen Reichsstellen mit allen tauglichen Mitteln sortgesetzt. Das Hugenberg-Volksbc- gehren rennt somit, wenn es zum Kampf gegen die Schuld- lüge auffordert, offene Türen«in. Soweit es aber den An- schein hervorrufen wird, als ob durch ein deutsche» Gesetz inter- nationale Verträge außer Wirksamkeit gesetzt werden könnten, spiegelt e» dem deutschen Volt« ein« Möglichkeit vor, die, wie die Urheber de» Begehren» selbst wisten, leider nicht besteht. Der Doung-Plan ist bisher in allen Teilen und in seiner vollen Auswirkung noch nicht zu übersehen. Wichtig« Verhandlungen sind noch in der Schwebe. Indenfalls werden durch den Poung-Plan dem deutschen Volk« keine neuen Verpflichtungen aufgebürde:, sondern weitgehende verbesterungen de» gegenwärtigen Zustandes gebracht. Es handelt sich um die Fortsetzung der Politik, die mit dem Dawes-Plan eingesetzt hat mit dem Ziel, Erleichterungen in den Verpflichtungen herbeizuführen, für die als Folge des o e r- lorenen Krieges bereits in Versailles und beim Londoner Ultimatum trotz des Widerstandes der Delltschen Volkspartei deutsche Unterschriften nun einmal abgegeben worden sind. Sehen die Ver- anstalter des Volksbegehrens denn weiter nicht, daß die Bedeutung des Young-Planes sich nicht im Materiellen erschöpft, daß vielmehr in erster Linie um die endliche Befreiung Deutschlands von fremder Besatzung und um die Abschaffung des jedem deutschen Gefühl unerträglichen fremden Kontrollsystems gerungen wird? Die Männer, die unter Einsetzung ihrer ganzen Kraft und unter Auf- opferung ihrer Gesundheit diesen Befreiungskampf führen, mit dem Vorwurf de» Landesverrat» zu bedrohen, ist eine Infamie..., für die auch der schärfste politische Kampf keine Entschuldigung bietet. Die Urheber des Volksbegehrens treiben ein frivoles Spiel mit den heiligsten nationalen Empfindungen und der wirt- schaftlichen Rot des deutschen Volkes. Der Reichsausschuß erwartet von den Mitgliedern der Deutschen Volkspartei, daß sie das Ihr-.ge tun, um da» Volk über den wahren Sinn des Volksbegehrens in seiner nunmehrigen Gestalt aufzuklären, damit es das Spiel durchschaut und chm«in Ende bereitet.' Zehn Lahre Reichsfinanzverwaltung. Oer �eichöfinanzminister zum zehnjährigen Bestehen ver Reichsfinanzverwaltung. Anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Reichssinanzverwal- tung hat der Reichsminister der Finanzen Dr. Hilferding an die Präsidenten der Landesfinanzämter zur Kenntnisgabe an alle Ange- hörigen der Reichsfinanzverwaltung ein Rundschreiben gerichtet, in dem ein Ueberblick über die bereits geleistete Arbeit bzw. über die Aufgaben, die noch zu erfüllen sind, gegeben wird. Der unglücklich« Ausgang de» Krieges habe dem deutschen Volke riesige Laste» außen- und innerpolitischer Art auferlegt, aus welchem Grund« I>ie Zuständigkeit des Reiches auf finanziellem Gebiet im Jahre ISIS erheblich erweitert werden mußte. Bis zum 1. Oktober ISIS habe es zwar das Reichsschatzamt gegeben, aber besten Zuständigkeit sei eng begrenzt gewesen. In dem Rundschreiben werden alsdann die verschiedenen Steuergesetz« aufgezählt, die im Lauf« der Zeit er- lasten worden sind. Es sei unzweifelhaft, so heißt es dann weiter, daß die völlige Umgestaltung der Reichsfinanzverwaltung damals in jeder Beziehung ein gewagtes Unternehmen gewesen sei. Heut« könne man feststellen, daß, im großen gesehen, der Wurf ge- glückt sei. Hilserding würdigt dann vor allem di« Leistungen aller Angehörigen der Reichsfinanzverwaltung, die besonders in der Inflationszeit unter ständig schwieriger werdenden Verhällnisten hätten arbeiten müssen. Es dräng« ihn, den Präsidenten der Landes- sinanzämter und allen Angehörigen der verschiedenen Bezirke seinen wärmsten Dank auszusprechen. Oemokraiischer Reichsparieitag. Vom 4.-6. Ottoher in Mannheim. Vom 4. bis 6. Oktober findet in Mannheim der 8 ordenNiche Reichsparteitag der Deutschen Demokratischen Partei statt. Für den politischen Bericht sind als Redner der Parteivorsitzende Koch- Weser und Reichsernährungsminister Dietrich vorgesehen. Für Freitag abend ist eine Befreiungskundgebung für die Rheinland« geplant. Bei dieser Gelegenheit werden Bürgermeister Dr. Peter- I e n- Hamburg, Frau Dr. B ä u m« r und Reichstagsabgeordneter L e m m e r sprechen. Am Sonnabend steht das demokratisch« Wirt- schaftsprogramm zur Beratung. Referent ist Dr. G u st a v S t o l p e r- Berlin. Der Parteitag findet seinen Abschluß am Sonn- tag mit den Abstimmungen« Wahlen und den Berichten über Organi- sation und Finanzen. Sozialistischer Kuliuriag. In dem Bericht über den zweiten Derhandlungstag des Frank- furter Kulturtages ist«in bedauerliche» versehen unterlaufen in- sof«rn, als di« Ausführungen des Intendanten de« Staatstheaters, Prof. I e ß n e r- Berlin, ohne Uebergang dem Bericht über di« Rede des Prof. Mark-Breslau angefügt worden sind. I e ß n« r erstattete einen viel beachteten Bericht über„Rundfunk und Theater'. Er sieht im Rundfunk ein starkes Kulturmittel von außerordentlicher propagandistischer Wirkung. Hier I«i«rst die wirkliche Möglichkeit der Sozialisierung der Volks- b i l d u n g gegeben, und dazu bedürfe es ebenso wie beim Theater der Organisation. Beim Funk heiße es: für die Republik vnd di« Republikaner Mut und keine Angst haben. Die weiteren Aus- führungen in dem Bericht, soweit sie das Theater betreff«», sind selbstverständlich als Darlegungen Ietzner» zu lesen. .Dolksstaal' stellt sein Erscheinen ein. Der in Dresden ert scheinende ,V o l k s st a a t' hat mit dem 30. September sein E r- scheinen eingestellt. Das Blatt war als Organ der Alten Sozialdemokratischen Partei gegründet worden. Es führte vom ersten Tag« an einen verzweifelten Kampf um seine Existenz. Wahrscheinlich hat er überhaupt nur längere Zeit existieren können, weil wohlhabend« Mitglieder der ASP. große Mittel zur Verfugung stellten. Schon vor einigen Monaten hörte das Blatt auf offizielles Parteiorgan der ASP. zu sein. Verhetzte Bauern. ktrieil im Freiberger iLandfrieVensbrochprozeß. Freiberg(Sachsen), 30. September. Das Schöffengevicht fällt« heut« dos Urteil in dem wegen der Tumulte vor dem Freiberger Finanzamt gegen IS erzgebirgifch« Landwirte. Gewerbetreibende und Arbeiter«ingeleiteten Verfahren wegen Landfriedensbruchs. Don den AngeNagten wurden sechs freigesprochen, die übrigen 13 erhielten jesechsMonateGefängni». Allen Verurteilten wurde eine dreijährige Lewährungsfrist zugebilligt, die bei einzelnen Angeklagten jedoch nur gewährt wird, wenn eine Geldbuße gezahlt wird. Diese beträgt bei zwei Angeklagten je S00 M., bei einem 300 Mark. Die Gtrafanträge im Rendsburger Bauernprozeß Rendsburg. 30. September. Wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz hatten sich heute vor dem Großen Schöffengericht der Landmann Hinrichs Guth (St. Annen-Oesterfeld), Dr. jur. Johannes Peter»(Tetenbüll) und Landmann Klau» Wallichs(Lundenerkoog) zu verantworten. Staats. anwaltschaftsrat.Heinichen beantragte gegen Guth an Stelle einer Gefängmsstraes von drei Wochen eine Geld st rase von300 M.. gegen Dr. Peters S00 M. Geld ft rose eventuell 26 Tag« Ge- Gefängnisstrafe von drei Wochen«ine Geldstrafe von 300 M., Geldstrafe eventuell 1 Monat Gefängnis sowie Veröffentlichung de» Urteil» an der Gemeindetafel in Lundenerkoog sowie in der Schles- wig-Holsteinifchen Landeszeitung. Ein Hetzer kommt vor Gericht. Altona, 80. September. Gegen den Schriftsteller Dr. Stadtler hat die Beschlußstns- kammer des Landgerichts Altona das Haupwerfahren wegen Ver- gehens gegen Z 8 Ziffer 1 des Republikschutzgesetzes eröffnet. Dr. Stadtler hat am L März d. 3. in einer Versammlung zu Itzehoe be- leidigend« Aeußerungen über die republikanische Staatsform getan. Arbeiislosenkamps in England. Die Kritik der<5lydc»Gruppe an ver Parteiführung. Lrighton, 30. September.(Eigenbericht.) Nach der Eröffnungsrede Morrisons wurde vom Arbeiter- Parteitag an Macdonald«in Telegramm gesandt, in dem ihm Erfolg zu seiner amerikanischen Mission gewünscht wird. Auf der Grundlag» einer von der Unabhängigen Arbeiterpartei(JLP.) eingebrachten Resolution begann dann die eigentlich« Aus- sprach«. Di« Entschließung verlangt Aufnahm« der Unab- hängigen Forderung nach Familienzulage, da» heißt noch einer sozialen Abstufung der Löhne, in da» offiziell« Programm der Arbeiterpartei. Di« Entschließung ist nach den Worten des Borsitzenden der JLP. Maxton von seinen engeren Freunden ein- gebracht worden, um di« Stimmung de» Kongresse» gegenüber der Kritik der Unabhängigen an der Regierung zu heben. Die Dis- kusston, die sich in den Nachmittag hinüberzog, gestaltete sich somit zu einer ernsten Kraftprob« der sogenanmen C l y d e- Gruppen, der einzigen ernsthaften Opposition, mit der die Regierung auf dem Kongreß zu rechnen haben wird. Immerhin drang di« Unabhängige Arbeiterpartei mit ihrer Resolution nicht durch. Die Entsqllirb«»g war jedoch kaum zurückgestellt, als bei der Aussprache über den Be- richt der Exekutive die Opposition der Clyde-Gruppe sich wiederum leidenschaftlich bemerkbar machte. Diesmal ivar es die Frage der Arbeitslosenunterstützung, die den Sprechern der Linken Gelegenheit gab, die Arbeiterregierung zu beschuldigen, in der Verwaltung der Arbeitslosenversicherung keinerlei Aende- rung der reaktionären konservativen Praxi» vorgenommen zu haben. Di« Reden der unabhängigen Abgeordneten richteten sich im wesentlichen, wenn auch in versteckter Form, gegen die Person de» Arbeitsministers, Frau Margret Bondfield, di« nicht antworten könnt«, da sie infolg« eines schweren Automobilunfalle» an der Konferenz nicht teilnehmen kann. Obwohl es auch in den nächsten Tagen noch zu Auseinandersetzungen zwischen der Parteiexekutive, die heute praktisch mit der Arbeiterregierung identisch ist, und dem linken Flügel der Unabhängigen Partei kommen dürfe, so hat doch schon dies« erst« Sitzung deutlich erkennen lasten, daß die Mehr. h e i t der Konferenz die Kritik von links als«in« Er- schwerung der Arbeiten der Regierung bedauert und entschlossen ist, all«? zu oermeiden, was di« Regierung in ihrer Aktionsfreiheit behindert. Ein beispielloser Vorgang. Täglich geben sich Hunderte von Caid-Rauchern ein Stelldichein vor der Mastary-Fahnenbilder.Zen- trale am Schloßplatz 1, um dort doppelte Massary-Fahnenbilder oder Reedereiflaggen umzutauschen. Tatsächlich hat bisher noch nie eine Sympathiewerbung durch Bilder so starken Anklang beim Publikum gesunden. Das erklärt sich au» dem besonderen Sammelwert der Massary-Fahnenbilder. Ohne Zweifel spricht aber auch die Güte der Massary-Zigaretten mit. Gerade die Massary-ö-Ps.-Zigarette Caid hat sich zu einer Reife und Ausgeglichenheit vervollkommnet, die in dieser Preislag« beispiellos ist. Und nicht weniger als fünf der be- rühmten Fahnen- bzw. Flaggenbilder liegen in jeder 2S-Stück-Packung. Wie Sie Ihre Suppen besser und nahrhafter zubereiten können Du Etikett mit der Kuh Im blauen Dreieck bürgt für beste Qualität Bei Verwendung von Libby's Milch zur Verbesserung von Kartoffel-, T omaten-, Sellerie-, Reis-, Hühnersuppe, allen Arten Milchsuppe sowie zum Andicken von Saucen erreicht man Gehalt und zarten Geschmack. Alle Rahmsaucen für Fleisch, Fisch oder Gemüse werden milder und feiner schmecken, wenn mit Libby's Milch hergestellt Libby's Milch ist preiswürdig, ergiebig und gleichmäßig in Qualität und Reinheit Libby's Milch stammt von ostfriesischen Kühen aus dem rühmlichst bekannten Weidegebiet Nordwestdeutschlands. Sorgen Sie dafür, daß immer Vorrat an Libby's Milch im Hause ist, Evaporierte Milch Deutsche Libby Gesellschaft m-b-HH Hamburg VienSiag i. Ottober 1929 Unterhaltung unü AAlssen Beilage des Vorwärts geh werde Wilder„auf Sfceil" »er alt« Kapitän S.. NA im Rubciiand I«tt. war früher einer her wildesten.Raubhändler, die mit dem Ruflommen gesicherter Suständ« in der Südsee ver. schwanden. Mit lS Iahren lies er aus seiner Schule im vambur«. in Sidn-u wurde er.geschanghait'. ein Halde, Jahr später dat'e tt der rauhbeinia». aber intelligente Junge schon ,um Zweiten Offuier aus seiner Bart gebracht. Und bald sehten seine Taten die Kannibalen und Etrandräuber der Süds« in Schrecken. Co kann Raab« denn in seinem schauerlich-schönen Buch»Kanntbalennächt«(296 Seiten, 4,50 M.. Brockhaus, Lein, ig), da, er aus Drängen feine» freunde- Jack London schrieb,«ollere Dinge berichten al, der derufsmähige Romancier. Wir drucken hier ein Kapitel ab. Da».Longschwein� war eine halb« Stund« noch Sonnenuntergang gar, und das Mahl wurde bei Fackellicht abgehalten. Katja gab es nicht, an sein« Stell« trat der Rum. Es war nur ein zwangloses Abendessen, ohne viel Umstände, und unterschied sich vom Festmahl auf dem Richtplatz wie der kleine Imbiß des Ge- schäftsmonns in der Stadt von einem großen Abendessen zu Hause. Do ich die letzte Rächt nicht geschlafen hatte, war ich todmüde. wagte aber nicht, die Augen zu schließen. Di« bange Frage, welcher von unseren Leuten wohl im Boot getroffen worden war. und ob er noch lebte, hielt mich wach. Auch beunruhigte mich die Wahr. nehmung sehr, daß die Eingeborenen weniger wachsam waren als gestern nacht. Keiner wachte stehend. Entweder hockten ste auf dem Boden oder ruhten sonst irgendwie, wobei sie sowohl Gewehre als eigene Waffen unter den Nacken schoben. Ich verwünschte den Rum. So bekämpft« ich den Schlaf, und der Schlaf bekämpft« mich bis lange nach Mitternacht. Da siegte der Schlaf. Plötzlich fühlte ich mich aus rauh« Weis« wachgerüttelt. Ein Durcheinander von Stimmen, gleich dem Schnattern erschreckter Affen, traf mein Ohr, und ich sprang auf— erstaunt, daß ich noch lebt«. Alle» war in großer Verwirrung. Die Grub«, um die wir lagerten, glimmt« noch in der rasch schwindenden Finsternis und sandte leicht gekräuselte» Rauch zum Himmel. Aufgeregte WiL»« rannten ziellos umher. Die Knochen ihre» Opfers lagen über den Strand zerstreut. Der Kopf—«ine» weißen Manne» Kops, der dazu bestimmt war, im Kamal der Priester mumifiziert»nd auf» bewahrt zu werden— stak aus einem trunken schwankenden Speer am Rand der Grube, und seine oerglaste« Augen schienen grollend da» schmählich« End« seine, Begräbnisse» zu betrachten. Die Ge- wehr« und Patronentaschen logen auf der feuchten Erde, wo sie gerade beim Erwachen der Schwarzen hingefalle» wäre», und von den Gefangenen war nicht einer mehr zu sehen. Plötzlich kamen Ug» und Zylinder-August angerannt. ..Tabu Kerl» nicht kriegen.' schrie» sie und schwangen lhr« Waffe wie wahnsinnig. Einig« Eingeborene zeigte» auf die Bucht, wo zwei leere Kanu» Im frühen Morgenlicht trieben. Da begriff ich alle». Diese gelben Bastard« hatten sich leise weggestohlen, während der Rum uns Wilde in Banden geschlagen hatte. Weggestohlen, zu feige sogar, ihren Kameraden zu rächen. Sie hatten sich in den beiden Einbäumen aus die �Tinacula' eingeschifft. Die Eingeborenen hätten vor Wut am liebsten die beide« im- schuldigen Kanu» aufgefresien. Mit vieler Mühe gelang«» mir. sie wieder einigermaßen zur Vernunft zu bringe� indem ich ihnen die Gewehre in die Hand drückte und rieft „Schießen, schwarz« Freunde!' Die» schien ihnen außerordentlich zu behagen,«nd ihr Lerneifer überstieg noch den vom vorigen Tag, al» ich metnen Unter- rtchl im Laden und Feuern der Hinterlader wieder aufnahm. Awar konnte keiner als Meisterschütze gelten, aber ich hoffte doch, daß sich au» diesen 17 Gewehren ein« oder die ander« Kugel an» Mel verirren könnte. Immerhin schien es mir, als ob Van Asvett nicht viel Gewinn au» der Verstärkung durch die IS Strandräuber ziehen sollte. Ost entwickeln sich Umstände, die wir im Augenblick al» Unheil oder Bedrängni» empfinden, in völlig unerwarteter Weis«. Wahr- scheinlich wetten unsere schlummernden Fähigkeiten durch die Not- wendigkeit aufgeweckt, int» au» einer verzweifelten Lage zu befreien. Wir werben genötigt, scharf zu denken. E» war der Awang. sich gegen die Uebermacht ihrer Umgebung zu behaupten, der primttive Menschen lehrt«, ihren Verstand zu gebrauchen. Da auch ich mich setzt in der Lage«Ine» primitiven Menschen befand, begann ich allen Ernstes mein Hirn arbeiten zu lösten. An Bord der„Emma P.' hatten sie keine Ahnung von der Berstärkung. die Dan Asvett erhalten hatte, und die Unterschätzung seiner Macht konnte Im Berlauf der unabwendbar bevorstehenden Ereignisse oerderbttch werden. Wenn ich Kapitän McPurden ohne Warnung ließ, bestand außerdem die Möglichkeit, daß man auf der ..Emma P.' annahm, ich sei Dan Asvett erlegen; das wollt« ich um jeden Preis vermeiden. Ich zweifelte nicht darrm. daß van sich setzt für überlegen hielt, und daß er nicht viel Zeit mit Abwarten verlieren würde. Er mußte versuchen, rasch zum entscheidenden Schlag auszuholen, aber doch wahrscheinlich nicht im Laus des Tages. Er würde vermutlich seinen neugewonnenen Streitkräften«ine Erholungszeit gönnen, um sie brauchbar zu machen. Ex würde sicher seinen ersten Angriff auf die„Cmma P* richten, um sich dieser Drohung zu entledigen und unseren Reichtum an Perlen zu rauben. Dieser Angriff war mit Bestimmtheit in der nächsten Nacht zu ermatten. Er wußte, daß die Leute von der Bark gute Schützen waren, und daß das dicke Schanzkleid Brigantine ihm gegen ihre Geschost« Schutz verlieh. In der Absicht, wenigstens«In warnendes Wort nach der Bark gelangen zu tassen. hielt ich mit Ugu und Zylinder-August Rat, mit dem Erfolg, �jß e» mir nach ungefähr halbstündiger Arbeit gelang, ihnen ineine Gedanken begreiflich zu machen. Ob nun Ugu wittlich verstand, daß e« meine größte Sorge war, die Bark zu warnen, kann ig. nicht mit Sicherheit behaupten, aber auf jeden Fall begriff er, daß ich nächtlichen Angriff erwartete. Unter- nehmungs- und Kampliust blitzten ihm aus den Augen.„Gua die Ketts schon kriegen,' ttef er, voll Begeisterung, daß endlich etwas geschehen sollte. Ich fühlte mich ettelchtjrt z>ie Eintönigkeit dieses endlosen Wortens hatte mich ungeduldig gemacht. Letzten Endes war es vielleicht das beste, daß wir»an diesen gelben Gurgelabschneidern befreit und gezwungen worden waren, die Initiative zu ergreifen. Ugu rief seinen Kriegern einige Befehle zu, und vier ver- schwanden wie huschende Schatten auf einer engen, fast unmett- lichen Spur im Dickicht, aus der auch Frauen gekommen waren, al» ste uns da, Essen gebracht hatte«. Inzwischen kauetten die übttgen beruhigt im Kreis, watteten. schwatzten und freuten stch über die Gewehre. Ugu war offenbar ein zu fluger Feldherr, um den Sieg auf die geräuschvollen Waffen der Weißen zu begründen, mit deren Hand- habung seine Krieger noch nicht genügend oettraut waren. Wozu auch? Im Dunkel der Nacht war jeder der schorffichtigen Schwarzen fähig, seinem Ziel so nahe zu kommen, daß er es mit einem Speer oder mit einem geräuschlosen Pfeil töten konnte. Darüber schienen sie stch in ihrer Beratung schlüssig geworden zu sein. Die Krieger legten Gewehre und Patronentaschen sorgfällig beiseite und bedeckten sie mit Banonenblättern und Zweigen. „Teufel-Klub Gewehre tabu?' fragte ich mit großem Interesse. Ugu nickte mit dem Kopf, deutete auf die Speere und Pfeile, die sein« Krieger an Steinen schärften, und sagt« gttnsend: „Nicht tabu für Gua».' Eine bezeichnende Gest« gegen die untergehende Sonne verriet mir seinen Plan. Die Nacht brach herein, schwarz und düster, eine gute Nacht für einen Streifzug luchsäugiger Wilder. Der Mond schien nicht, und der Himmel war mit Wolken oerhangen. Es war so finster, wie nur Tropennächte sein können. Die Krieger lachten zufrieden vor stch hin, als wir aus dem Busch auftauchten, um am Strand zwischen den Kanus zu warten. Sie freuten sich sichllich im voraus auf eine ausgiebig« Mahl- zeit des geschätzten Fleisches weißer Männer und dachten, daß die tapferen Stamm esgenosien, die fallen würden, wohl bester daran seien, als wenn sie sich in einer australischen Mine zu Tode arbeiten mußte». Hie und da drang ein leises Knirschen auf dem Korallensand durch das Murmeln der Brecher. Das war das einzige Zeichen, daß der Strand stch allmählich mit Kanus und bewaffneten Männern belebte. Woher sie kamen, blieb mir ein Geheimnis. Da waren sie, gut 40 Ei»bäume, jeder mit vier bis sechs Kriegern bemannt, bis zu den Zähnen mit ihren häßlichen Waffen ausgerüstet, die wie Teile ihrer selbst aussahen. Es war so dunkel, daß ich nur drei Schritt well sehen konnte, aber diese Söhne der Wildnis fanden stch zurecht, als ob es heller Tag wäre. Sie mußten Tigeraugen besitzen, ich konnte sie in der Finsternis leuchten sehen. Zylinder-August hatte aufgehört, einem weisen Magier zu gleichen. Auch er hatte sich in einen stolzen Krieger verwandelt. Außer Speer und Bogen trug er eine Bambustrommel, ungefähr vier Zoll im Durchmesser und einen Fuß lang, die an einer Schnur um sein« Hüften hing. Ich wunderte mich über dieses Gerä� erkannt« aber bald, wozu es diente. Nun folgten zwei Stunden stillen, bangen Wartens. Ueber dem ganzen Strand lastete eine geisterhaft unwirkliche Stimmung, die mir kalt« Schauer über den Rücken jagte. Ts war nicht Furcht, was ich empfand, es war etwas anderes. Es war— es war—, nein, es läßt stch nicht schildern, ich konnte es nicht erfassen. Da stand ich, der einzige Weiße, nur ein Knabe, zwischen gut zweihundert grimmig rasselnden Wilden und schickte mich an, mit ihnen in den Kampf zu ziehen. In den Kampf, Schulter an Schutter mit Menschenfressern, und sie, mein« Kampfgenossen gegen mein« eigene Rasse, lechzten nach dem Blut der weißen Männer Jenes sonderbar« Gefühl, da» sich nun in mir verstärkt«— Furcht war es nicht, nein, nein—, ich wußte jetzt, was es war: Vlutdurstl Di« Hemmungen der Zivilisation lösten sich von mir, nun war auch ich em Wilder. H. E. Raa.be. 9€ugueUe ö amier: JCßifltTtltftiädchCtt, Al» Gabrielle in die Näh« der Rolandstraße kam. in der sie wohnte, hott« ste au« ihrer Tasche ein L-Sous-Kämmchen. Sie glättete und zupfte die Haar« zurecht. Gern hätte ste sich die ver- weinten Augen mit kaltem Wasser gekühlt, aber woher sollte sie«s nehmen? Hoffentlich würden Sofie, Marguerit« und Iuliette nichts merken! Heute morgen war sie in einem großen Schneideratelier als Lebnnädchen angetreten. Mit klopfendem Herzen war sie in den Raum gekommen, in dem wohl dreißig Näherinnen beisammen hockten. Die Borsteherin bei den Röcken, Fräulein Laura,— eine mit ungewöhnlch verkniffener Mene— hatte gefragt:„Wie lange willst du noch so herumstehen? Schnell, nimm den Hut ab und hol ei» Stück Seide au» der Blusenabteilung! Gebt ihr eine Probe!* Ein junges Mädchen reichte ihr, ohne aufzusehen, ein Stückchen Stoff. „Berstanden? Leest dich!' Gabrielle schloß die Hand um da» Seidenstückchen und lief, ohne nähere Auskunst zu fordern, davon. Wo war die Blusenabteilung? Auf der schrecklichen Hintertreppe des großen Hauses traf das Kind keinen. Es stieß mehrere Düren schüchtern— wie aus Zufall— auf, und schloß sie sofort erschreckt. Da war's gewiß nicht! Es stieg eine Trepp« hinaus, wieder herunter und plötzlich hing da ein Schild: „Blusenabte ilmig.' Gabrielle wollt««intreten, da bemerkte sie erschreckt, daß sie ihre Probe verloren hatte. War sie ihr aus der Hand gefallen, als sie die Türen öffnet«? Sie lief die alten Weg« entlang, verirrte sich, und stand endlich wieder vor Fräulein Laura. „Das hat ja gedauert! Wo ist dl« Selbe?' Die Klein« verlor sich in konfusen Erklärungen. E» dauerte eine Weil«, bis man sie verstand. Alles lacht«. „Welch Schlaukopf!' Das Kind nahm all« Kraft zusammen, um Haltung zu bewahren. Das Herzchen brach ihm beinah. „Schneidet ihr noch ein Stück vom Saum ad. Ader jetzt nimm dich zusammen!' » Der ganze Dormittog verging mit Hin- und Herlaufen. Man schickt« sie zur Stickereiabteilung, zur Pelzabteilung. Kaum zurück- gekehrt, mußte sie wieder loslausen. Aller gut« Will« verflog vor dem Spott der Arbeiterinnen:„Haft du nichts verloren?' Sie begann, die Mädchen hier zu hassen. Sie bedauerte, die Schule verlassen zu haben. Hätte sie es dies Jahr geschafft, ging« sie ruhig weiter zur Schule mit Sofie, Marguerite, Julieite. Sie hätte Paus« mit den Großen, die nicht mehr spielen, sondern sich würdig unterhaken und auf dem Hof promenteren. Mit Erleichterung sah st« den Tag zu End« gehen. Ms di« Uhr schlug, sprang ste die Trepp« hinab, di« sie morgens mtt Schrecken hinaufgestiegen war. Die Untergrund bracht« sie m ihren Stadtteil. Sie legte sich ein schönes Gesicht zurecht... Di« alten Kamera- binnen umringten st«.„Was hast du getan? Hast du gearbettet?' Die Kleine setzte sich auf den Sims eines Parierrefensters. Di« Fragen kreuzten sich:„Haft du fein« Leute gesehen? Isfs schön da unten?' Run machte Gabrielle die Erfahrung, was ein Lehrmädchen für einfache Schulmädchen bedeutet! Sie riß den Hut vom Kopf, legte ihn auf ihre Knie und jauchzt«:„Ihr habt ja keine Ahnung!' „Erzähl«!' Sie schöpfte Atem. Nach allen Mihlichkeiten erfand sie einen herrlichen Tag:„Den ganzen Tag kamen Kunden und Kunden, daß man nicht wußte, wo einem der Kopf stand. Ich braucht« nichts zu tun, als der ersten Näherin die Nadeln zu reichen. Das ist eine große Frau, die mich gleich in ihr Herz geschlossen hat...' „Glückspilz!' „Die Salons sind wunderbar: seiden« Tapeten mtt blauem Himmel und Engeln drauf. Die Damen warten auf die Anprobe. Nur Prinzessinnen. Herzoginnen und Vornehme gibt's da. Kokotten dürfe« nicht hin, nicht einmal Schauspielerinnen... Di« Mistinguett« natüriich...' Sofie fragte spitz:„Prinzessinnen hast du gesehen?' „So wie dich!' „Hat ste was gesagt?' „Guten Tag.' Dann hat sie mich nach meinem Vornamen ge- fragt, und ob ich Geschwister hätte. Sie hat mich gestreichelt und zu Fräulein Laura gesagt:„Aus der wird noch was.' Da» erregte die Schulmädchen ttef. Sofie, die hübscheste von allen, mtt kurzem braunen Haar und blauen Augen, fragte:„Und das Atelier?' „Ich darf nichts ausplaudern.' „Uns kannst du doch erzählen!' Gabrielle schüttelte stolg ablehnend den Kopf. Iuliette zuckt« die Achseln, aber Sofie fragt« wetter:„Und di« Kleider?' Das Lehrmädchen hob die Augen, die so geweint hatten, schwärmerisch zum Himmel. Sie zählte auf:„Weiße, blau«, rote, alle mtt Spitzen...' „O!' „Perlen, Girlanden und Schleier. Für die Fran Marquis« ein silberner Spitzenrock, für die Herzogin ein Brokatcape... Ich sah noch nicht alles. Es war der erst« Tag...' „Hast du alle Farben gesehen, die es gibt?' Diese kindliche Frage bracht« Gabrielle zur Wirklichkeit zurück. Sie wehrte ab. Da kam die Mutter mit dem Wäschekorb. „Das weiß ich nicht.— Da kommt Mutter.' Man gekettet« sie wie«ine Königin zur Treppe. Ms sie hinauf» gefttegen war, neigte sie sich übers Geländer und spitzte die Ohren, was die unten wohl redeten: ,F)obt ihr gehört? Sie kommt stch ja wunder wie vorl' „Bei dem Glück!' Die kleine Schwindlerin warf einen langen Blick auf die Neidischen- Wie dos tröstet! Der schreckliche Tag war vergessen! Neu« Freude erfüllte sie: man beneidete sie! Und aller Mut kehrte zurück, als st« Marguerit« jetzt jagen hörte:„Es fehlt nur noch, daß sie sich einen Liebhaber nimmt und„Gaby' nennt.' tBerechttai« llebcrsebuna von Ursel Elle» Ioeobn.) 3)as feste Erdinnere Bisher hat man immer angenommen, daß der Zustand de» Erd- inner» flüssig sei, aber durch die neuesten Versuch« über die Ler- festtgung von Gasen bei hohen Drucken wird diese' Annahm««- fchütteri und man kann als sicher annehmen, daß das Erdinnere fest ist. Dazu paßt auch die Tatsache, daß sich die Erdbebenwellen quer durch unseren Erdball hindurch so fortpflanzen, al» ob er ein fester und starrer Körper wäre. Ueber di« von Pros. Franz Simon im Phystkalisch-Chemischen Institut der Universität Berlin au»g«- führten Versuche, di« zu dieser überraschenden Feststellung führten, berichtet Dr. Kuhn in der Frankfurter-Wochenschrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik„Die Umschau'. Man hat bei den Gasen die„kritische Temperatur' untersucht, über die hin- aus sie nicht verflüssigt werden können. Diese„kritische Temperatur' liegt bei der Kohlensäure bei Z1,S Grad Celsius, beim Helium bei einer Kälte von minus 268 Grad. Bei der Kohlensäure ist die Derflüssigung noch bei einem Druck von 77 Atmosphären möglich. Während nun ein Stoff auch durch die höchsten Drucke über seiner krittschen Temperatur nicht als Flüssigkeit darstellbar ist, er- gab sich die Frage, ob nicht vielleicht durch Anwendung von Druck der feste kristalline Zustand zu erreichen ist. Prof. Simon und sei« Mitarbeiter haben nun gezeigt, daß der feste kristalline Zustand eines Stoffes weit über seiner kritischen Temperatur durch An- wettdung höchster Drucke gewonnen werden kann. Dies ist b« einer ganzen Reihe von Gasen gelungen, schließlich auch bei minus 231 Grad durch den riesigen Druck von 6600 Atmosphären beim Helium. Große experimentelle Schwierigkeiten waren bei der Kom- presfion eines Gases auf so hohe Drucke zu überwinden, aber e» sind dadurch Tatsachen erwiesen worden, die man bisher für ganz unmöglich hiett.„Während man bisher dem kristallisierien Zu» stand ein relativ sehr kleines, bei tiefen Temperaturen liegendes Existenzgebiet zuschrieb', sagt Prof. Simon,„folgt au» unseren Versuchen, daß er noch bei weit höheren Temperaturen als der flüssige Aggregatzustand bestehen kann.' Aus diesen Ergebnissen lassen sich nun wichtige Schlüsse auf die Beschaffenheit und den Zu- stand des Erdinnern ziehen. Bisher glaubte man, daß bei den dortigen hohen Temperaturen alle Stoffe geschmolzen oder gas- förmig fein müßten. Nun müßte aber das Erdinnere ganz unwahn, scheinlich hohe Temperaturen haben, um bei dem dort herrschenden Druck von etwa 2 Millionen Atmosphären noch in flüssigem Zu- stand zu sein. Vielmehr ist nach den Versuchen Simons nur inäg- lich, daß die Stoffe im Erdinnern sich in einem festen kristallinen Zustand befinden. 40 Lahre„Textil-Arbeiter". Wie ein Gewerkschastsblait aufstieg. Zlm 4. Oktober find es 40 Jahr« her, seitdem„Der Textil- Arbeiter", die Zeiwng de» Deutschen Textilarbeiterverband«», au» der Taufe gehoben worden ist. Die Textilarbeiter gedenken diese» Tage» durch die Herausgabe einer vortrefflichen Jubiläumsnummer. Theodor Leipart, der Vorsitzende de» ADGB., würdigt» einem Leitartikel die besonderen Ausgaben der Gewerkschoftspresse: die Gauleiter erzählen von ihren Erlebnissen au» dem Kampf um den„Textil-Arbeiter", und Ehrenverbarrd»Vorsitzender Karl Hübsch. Verbandsvorsitzender Karl Schräder, Aldi» R e i ch« l t und Redakteur Hugo Dressel wisse» Wichtige» und Interessantes aus seiner Geschichte mitzuteilen. Im Grund« genommen ist der„Textilarbeiter" schon älter als 40 Jahr«. Er hat in der„D«u t s ch e n M a n ufa ktu r a rb« i t e r- Zeitung" bereits«inen Vorläufer gehabt. Im Frühjahr 1887 wurde aber der Deutsche Manusakturarbeiterverein, der seinen Sitz in Gera hatte, aus Grund des Sozialistengesetze» aufgelöst. Damit blies man auch der„Deutschen Manufakturarbeiter-Zeitung" das Lebenslicht aus. Die hohe Behörde hat aber nicht mit den sächsischen Webern und Wirkern gerechnet. Sie waren nicht müßig: si« schafften Ersatz für den aufgelösten Manusakturarbeiterverein und gründeten neu« Organisationen. In Chemnitz und Umgegend ent- stand u. a. der Wirkerverein. Selbstverständlich vergaß man nicht. daß eine schlagkräftige Organisation«ine schlagkräftig« Zeitung haben muß, und so gründete man mit dem Wirkerverein sofort den„Textil- Arbeiter". Der Wirkerverein gab auch lange Zeit hindurch dem neuen Organ das wirtschaftlich« Rückgrat. Der„Textil-Arbeiter" ist somit der unmittelbare Nachfolger der„Deutschen Manufaktur- arbeiter-Zeitung". die vom l. Juni 1884 bis zur Auflösung oes Manufatwrarbeiterverein» im Frühjahr 1887 die Interesien der deutschen Textilarbeiterschaft vertreten hat. Was für uns heue kaum denkbar ist: Der„Textil-Arbeiter" erschien zunächst im Privatbesitz und wurde von dem Drucker R. W a l t h e r in Burgstädt in Sachsen herausgegeben. Er zeichnete als Redakteur, war zu gleicher Zeit aber auch Expedient. Dansben versah er noch«ine Reche anderer Aemter und war obendrein noch in der Agitation tätig. Dafür bekam er«inen Wochenlohn von sage und schreibe 16 Mark. Der Aufstieg der Arbeiterbewegung war eben schwer, und das soll man gerade den alten Kämpfern, die heut« davon zeugen, niemals vergessen. R e i ch e l t schloß seine mannig- saltige Tätigkeit im Jahre 1896 vorläufig damit ab, daß er 8 Monate wegen Majestotsbeleidigung in» Gefängnis ging. Dort war er bereits bekannt. So ging er 1891 für 2 Monate in„Staatspension", weil der„Textil-Arbeiter" in einem Eingesandt aus Augsburg einen Direktor der dortigen Buntweberei kritisiert hatte. Es war nicht ganz ungefährlich, Redakteur des„Textil-Arbeiter" zu sein. Ostern 1891 beschloß auch' der erste Verbandstag des neu ge- gründeten Textilarbeiterverbandes, den„Textil-Arbeiter" käuflich zu erwerben und als Verbandsorgan in eigene Regie zu nehmen. Das war nicht ganz so einfach. Der bisherige Drucker sollte mit S Mark abgefunden werden. Diese Summe war schlecht zu be- schaffen. Rur 260 Mark waren da. und so mußte derselbe Textiil- arbeiterverband, der heute Millioncnkonten bei der Arbeiterbank unterhält, 260„pumpen", um seine Verpflichtungen zu erledigen. Bei seiner Gründung hatte der„Textil-Arbeiter" eine Auflage von wenigen Hundert Exemplaren. Heute werden 280 000 gedruckt, ohne rund 25 000 Exemplare„Gewerkschaftlich« Frauen-Zeitung", die an weibliche Mitglieder geliefert werden. Von den Verheerungen de» Weltkrieges blieb der„Textil- Arbeiter" selbstverständlich auch nicht verschont. Ende 1916 war seine Auflag« aus 69 000 herabgesunken. Roch schlimmer als die Kriegsjahre wirkten die Inflotionsjahre 1919/23. In den letzten 20 Wochen des Jahres 1923 konnte infolg« der durch die Entwertung des Geldes herbeigeführten Teuerung nur noch 3 Nummern der Zeitung heraus- gegeben werden, und zwar zweiseitig! Die letzte Nummer war über- Haupt nur an«in Viertel der Bezieher zu liefern! So schwer war die Zeit. Dann setzt« im Jahre 1924 der unaufhaltsam« Aufstieg ein. Wir können nur unterstreichen, wenn Karl Schräder über den jetzigen Stand des„Textil-Ärbeiter" folgendes feststellt:„Der Kenner der Verhältnisse muß zugeben, daß alle Kollegen, die im Laufe der Jahr« in der Redaktion verantwortlich mitarbeiteten, ihre volle Pflicht und Schuldigkeit getan haben, um die Zeitung aus das Niveau heraufzuarbeiten, auf dem sie sich jetzt befindet. Anerkennung ab«r soll auch finden die Mitarbeit der Kollegen im ganzen Reich, die so manchen trefflichen Beitrag geliefert haben. In Hunderten von Artikeln sind die kompliziertesten Fragen unserer Textilindustrie er- örtert worden. Den feinen Verästelungen des Kapitals und seinem teilwessen internationalen Zusammenwirken in Konzernen und Trusts wurde nachgegangen und so der Arbeiterschaft gezeigt, daß für eine Betätigung de» Kapitals nationale Grenzen über- Haupt nicht existieren. Es ist ein besonderes Verdienst des „Textil-Arbeiter", hier AufNärung und Wissen an Hunderttausende vermittelt zu haben, und all« Anstrengungen anderer Kreise, die nach der entgegengesetzten Seite tendieren, sind zur Erfolglosigkeit ver- urteilt. Der„Textil-Arbeiter" ist geworden, was er sein sollt« und sein muß: Ein Führer und Wegweiser im Kampfe um die Erringung einer besseren Existenz, der Anteilnahme der Tcxtilarbeiterschaft an einer höheren Kultur im allgemeinen." Geschlossene Abwehr der Vantangestellten. Bildung eines Aktionsausschosses. Die Betriebsräte der fusionierten Deutschen Bank und Disconto- Gesellschaft sind am heutigen Tage zu ein«r Sitzung zusammen- getreten und hoben einstimmig nach Vortrag der Organisationsver- treter Marx, Allgemeiner Verband, S ch e f f n« r, Deutschnatio- naler Verband, G o l l e r, Deutscher Bonkbeamten-Berein und E m o n t s, Allgemeiner Verband, solzenden Beschluß gesaßt: Die Vereinigten Betriebsräte der Deutschen Bank und Disconto- Gesellschaft ersuchen die in den beiden Betrieben vertretenen Ange- stelltenverbände unverzüglich einen Aktionsausschuß zu bilden, dem die Ausgab« zufallen soll, die gefährdeten Interessen der Kollegen beider Institute in Berlin und im Reich« zu vertreten. DI« Situation fordert gebieterisch ein gemeinsames Handeln aller Kollegen. Die Betriebsräte der Deutschen Bank und Disconto-Ge- fcllschaft geben der Erwartung Ausdruck, daß die Vorstände der Bankangestelltenorganisationen dieser Notwendigkeit Rechnung tragen. Aankenaufbau— Angestelltenabbau. Die vor geraumer Zeit beschlossene Fusion zwischen der Com- nierz- und Privatbank und der Mitteldeutsche» Kreditbank hat sich jetzt dahin ausgewirkt, daß in Berlin allein lOOBeamten der beiden genannten Institute gekündigt wor- den ist. Sie werden End« dieses Jahres ihren Dienst verlassen. Auch im F i l i a l s y st e m rechnet man mit Kündigungen im gleichen Um- fang. Immer wieder Rationalisierung aus Kosten der Arbeiter und Angestellten.- Erfolgreicher Streik der Süßwarenarbeiter. Unternehmer erkennen Schiedsspruch an. Die Arbeiterschaft der Schokoladen- und Zuckerwarenindustrie steht seit vier Monaten in der Lohnbewegung. Der vom Reichs- arbeitsminister«ingesetzte Erfurter Schlichter hatte schließlich einen Schiedsspruch gefällt, der ab derjenigen Lohnwoch«, in der der 17. September fällt, eine Lohnzulage von 4 Proz. zubilligt. Die Reichskonfcrenz der Süßwarenbranche de» Verbandes der Nah- rungsmittel- und G«tränkearbeiter hatte diesen Schiedsspruch« n- genommen, der Arbeitgeberbund hatte am 17. September, am letzten Tage der Erklärungsfrist, diesen Schiedsspruch abgelehnt. Die dadurch unter der Arbeiterschaft entstanden« Erregung löste nach Stellung von Forderung«» in den meisten Berliner Be- trieben schließlich einen Streit bei der Firma Mertens u. I a n i ck e aus. Neue Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeber» bczirksverband und Gewerkschaftsvertretern brachten das Ergebnis, daß für den Bezirk Berlin der Schiedsspruch von den Unter- nehmern anerkannt wurde. Die Funktionärversammlung des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter nahm am Montag nach dem Bericht des Ge- nassen H e tz s ch o l d die Vereinbarungen an. Di« Betriebsverfamm- lung von Mertens u. ISnicke nahm das Ergebnis gleichfalls an und faßte den Beschluß, die Arbeit heute, Dienstag, früh wieder auf- zunehmen. Damit ist die Lohnbewegung in den Berliner Schoko- lad«n und Zuckerwarenbetrieben erfolgreich deendet. Die tariflichen Lohntabellen sind im Verbandsbureau des Verbandes der Nahrungsmittel, und Getränkearbeiter, Neue Schönhauser Str. 4/6, Zimmer 6, erhältlich. Stichwahl bei den Nuchdruckern. Absolute Verbandsdisziplin ist notwendig. In der Woche vom 23. bi» 28. September erfolgt« im Gau Berlin de» Verbandes der Deutschen Buchdrucker die Urwahl von drei B«- sitzern für den Verbandsvorftand. Do von 9 Kandidaten 4 der io- genannten Opposition angehörten, trat eine beträchtliche St i m m e n- Zersplitterung ein. Es wurden insgesamt 12 680 Stimmen abgegeben, wovon 360 ungültig waren, so daß 12 220 gültig« Stim- inen verbleiben. Die einzelnen Kandidaten erhielten folgend« Sbimmenzahl: Kretschmer 4627, Zkrüger 4259, Petzold 5441, Piper 2771, Schulz«, 3060, Körber 1946, Engelmeier 5384, Döring 4862, Bathke 4009. Somit hat kein Kandidat die absolute Mehrheit erholten. Es findet Stichwahl statt zwischen Kretschmer, Krüger Petzold, Engelmeier und Döring. Um eine nochmalige Stichwahl zu ver- meiden, ist es Pflicht aller Berliner Buchdrucker, nur den drei zur Stichwahl stehenden Kandidaten der Amsterdamer Gewerkschaft». richtung ihre Stimme zu geben. Berliner Buchdrucker! Wahrt im Interesse Eure» Verbandes Dssziplin und wählt: Bruno Kretschmer, Karl Krüger und Artur petzold. Wie Kommunisten siegen. Zwei Beispiele aus der Praxis. Die„Crsolg«", die die KPD. mit ihren wilden Streiks erzielt, häufen sich derart, daß man sie kaum noch zu registrieren o«nnag. Soeben erst ist wieder ein solcher Bombenerfolg bei C. Lorenz A.- G. in T«mpelhof erzielt worden. Die Arbeiter und Arbeiterin- nen der Abteilung Stanzerei hatten der Firma eine Forderung aus Erhöhung chrer Löhne und Akkorde unterbreitet. In den Ver- Handlungen mit dem„roten" Betriebsrat erklärt« sich die Firma zu gewissen Zugeständnissen bereit, die aber von der Belegschaft dieser Abteilung abgelehnt und mit der Arbeitsnieder- legung beantwortet wurden. Was geschah nun? Nach mehr als einwöchiger Dauer des wilden Streiks sah sich die„revolutionäre" Streikleitung gezwungen,(xt der Firma um die Wiederaufnahme der Arbeit nach- zu suchen. Die Firma versprach, all« Streikenden wieder ein- zustellen, jedoch zu den Bedingungen, die si« bereits vor dem Streik dem Betriebsrat unterbreitet hatte. Di« Streikenden nahmen die Arbeit wieder auf, ohn« mehr erreicht zu haben, als ihnen schon vor dem Streit zugestanden war. Nach der Ansicht der Bolschewisten ist da» natürlich ein„großer Erfolg", ein Beweis, wie bescheiden man doch sein kann, wtnn man Versprechungen einlösen soll. « Ein anderer„Erfolg" d«r neuen komumnisiischen Gewerk- schaftstaktik ist bei der Metallwarenfabrik von Hornemann, Neuenburger Straße, zum Greifen nahe. Hier traten vor drei Wochen vier Packer und sechs Packerinnen in den Streik, wovon einer organisiert war, weil die Firma«ine von ihnen ausgestellt« Lohn- fordcrung ablehnte. Die Firma wollte mit dem zuständigen Orga- nisationsvertreter über die Beilegung des Lohnkonflikts noch am gleichen Tage verhandeln, wenn die Packer und Packerinnen die Arbeit wieder aufnehmen würden. Sie erklärt«, wegen der Stockung im Versand infolge de» Packerstreiks auch den P r o du"k t i o n s- betrieb stillegen zu müssen, wenn ihr Angebot zurückgewiesen würde. Die Streikenden lehnten natürlich das Angebot der Firma ab und bewegten darüber hinaus die in der Produktion tätig« Beleg- schaft, sich dem Streik anzuschließen. Als schließlich di« Firma dazu überging, betriebsfremde Arbeitskräfte einzustellen, versticht« der Metallarbeiterverband, ohne dessen Zustimmung die ganze von den Kommunisten ausgezogen«„Aktion"«ingeleitet wor- den wor, den Konflikt durch Berhandlungen beizulegen. Auch in dieser Verhandlung erklärt« sich die Firma bereit, noch Wieder- aufnähme der Arbeit über ein« Erhöhung der Stundenlöhne zu verhandeln und di« Aufbesserung in Anlehnung an die im letzten Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie vorgesehene Lohn- crhöhung von vier bis sechs Pfennig vorzunehmen. Die Arbeit sollte entsprechend den wirtschaftlichen Verhältnissen des Betriebes wieder aufgenommen und den Streikenden hinsichtlich ihres Urlaubs- anspruches der Streik nicht als Unterbrechung ihres Arbeits- Verhältnisses angerechnet werden. Schlicßlich wurde noch vereinbart, daß bei Streitigkeiten aus dieser Abmachung die Verbands- Vertreter zur Entscheidung herangezogen werden sollten. In der Streikoersommlung am Sonnabend bot die„reoolutio- näre" StreiNeitung alles auf, um die Belegschaft zur Ablehnung dieses Angebot» zu bewegen, trotzdem diese Worthelden wußten, daß da» Gros der Belegschaft an der Fortführung de, Kampfes kein Interesse mehr hatte. Durch demagogische Anträge hintertrieb sie die geheime Abstimmung über das Angebot der Firma und ließ darüber per Akkamation abstimmen. Trotzdem feststeht, daß die Be- legschaft fast 90 Köpf« zählt, behauptete die Streikleiwng, daß«s nur 68 Mann seien, die auch vollzählig in der Versammlung anwesend wären. Von denen stimniten 39 für Weiterstreiten und 18 für Ar- beitsaufnahme. Der Rest enthielt sich der Stimme. Obwohl selbst der konimunistische Bezirksleiter des Metallarbeiterverbandes betonte, daß eine solche„Taktik" zur vollständigen Niederlage führen müsse, glaubt« di«„revolutionäre" Streikleitung noch an ihren Sieg. Vielleicht hat si« nicht ganz unrecht, denn für di« Kom- munisten ist der„Sieg" nur wertvoll, wenn er die Verelendung der Arbeiter im Gefolge hat._ Tarifvertrag für Putzer. Der vom Deutschen Baugewerksbund, Baugewerkschaft Be'l'N, Fachgruppe der Putzer, angenommene Tarifvertrag ist auch von den Arbeitgeberorganisationen angenommen worden, Er tritt nun- mehr am 1. Oktober in Kraft. Die Baudelegierten können einen Preisauszug aus dem Tarif ab 1. Oktober, 16 Uhr, und den Tarifvertrag selbst ab 8. Oktober für ihre Belegschaft in unserem Bureau, Großbeerenstr. 96, III, Zimmer 16, in Empfang nehmen. Bei Abholung der Tarisverträge sind die betreffenden Mitgliedsbücher zur Abstempelung vorzulegen. Ohne Mitgliedsbuch kann kein Bertrag verabfolgt werden. Die Fachgruppenleiwng. Für den internationalen Kohlenfriedea. Die Kohlenlonferenz in Genf zusammengetreten. Genf, 30. September. Am Montag sind die Kohlensachverständigen zu einer Konserenz unter dem Vorsitz des Staatssekretärs von Trendelenburg, als Präsidenten des Wirtschaftsausschusses des Völkerbundes, zu- sammengetreten. Im ganzen sind 22 Sachverständig« aus der Kohlemndustrie, den Kohlenarbeiterverbänden und Vertretern von staatlichen Kohlenämtern und Verbrauchervereinigungen dazu«in- geladen. Deutsche Vertreter sind Dr. Paul Silverberg und die Ärbeitervertreter Dr. B e r g e r, Sachverständiger des deutschen Bergarbeiterverbandes, und Franz Rothäuser, Generalsekretär des christlichen Bergarbeiteroerbandes. Gesperrte Gastwirtsbelriebe. Wegen Differenzen werden hier- durch folgend« Gaftwirtsbetriebe für die Mitglieder des Zentral- Verbandes der Hotel-, Restaurant- und Toft-Angestellten ge- sperrt: Mitte: Bahnhossrestourant, Inh. H«ckeb«rg, An der Spandauer Brück« 2. Norden: Restaurant„Zur Deutschen Ecke", Inh. Jonaß, Jnvalidenstraß« 124: Restaurant„Königstor", Inh. Anna Mücke, Prenzlauer Berg Ecke Neue Königstraße: R«- staurant„Se«wrm". Inh. A. Rusitzka, Seestmhe 46. Moabit: Nordwest-Hotel, Restaurant und Festsäle, Turmstraße 7/8. Osten- Lichtenberg: Palais des Ostens, Inh. Pfeilftifter, Warschauer Straße 36. Strausberg: Hotel„Wolfstal", Inh. Freudiger u. K«ll«r: Restaurant.Kleinbahnhof", In-h. Grucziwiz:„Schlagmühle", Inh. Lehmann:„Rotkäppchen", Inh. Bohn:„Alt« Spitzmuhl«". Inh. Kerschbaum. fM Herso»! graktionsversammlun« der TPD.-Eenolscn und Sumvatd'- ii-rkndcn Mittiooch. ISVj Uhr. im Lokal Brlidcrstr. 1«. Senossr Smil N Barth spricht übte kas Brbritslosenprodlrm. f i«afa Treptow, graktionsversammlu»» der SPD..Genoit-u«ab i= i Enmpalhisicrrndea Miltwoch, 16 Uhr, im Lokal Dbhlina. RirfhoU. PJ strahr 38—84. Genosse Emil Barth spricht Uber,.Unser Aushau". B«»irl«a»t Rrrii�hria. Njichstr Sihuna der Brtriehafraktio» am S Donnerotaa. 30 Uhr, im Lokal Ewald. Skallhrr Str. 126. Thema: n»Die»Bedeutun« der Rommunalwahlr» für di« städtischen Arbri'. M nehmer". Reserenl: Genosse Stadlrot dehschold. Erlchrincn ist un- KZ bedingt Pflicht. Der graktiouooorstand. TPD.-Anqcstrsste de» Werke» 999. Ackerftrah«! Donncrstao. Fi ITVt Uhr, im Lokal Nurkowski, geldstr. Z, graktionsversammluna. Fi Referent Genosse Dressel spricht Wer:»Di« Bedeutunq der Kommunal- Fi mahlen". Es wird ersucht, snmpathisserende Kolleaen und Kolleainnen Fl mitäudrinaen. Der grakt>oa»»«rstand. Fi Lindrar Lichtenrade, graktionsoersammsuna der SPD.-Genossen und Fi Snmpathisserenden Donncrstaa, 16 Uhr. im Lokal Bonaenstoef. Dahn- MZ hoffte. SO. Genosse Emil Borth spricht über:„Unser Ausbau". 13 Easpari, Daimler, Gelapp und KSmpee. Gemeinsame Traktion». vrrsammluna aller SPD.-Genossen Treitaa, 1614 Uhr, im Lokal von Knauer. am Bahnlibcraana. Genosse Emil Vorth spricht Uber: f�rne Gewertschafis-Iugend Berlin. Heute, Dienstag. 19� Uhr. taaen folgende Gruppen: Humboldt: Jugendheim Graun. Ecke Lortzinastraste. Heimbesprcchunq. Rur mit Verbandsduch und Seimausweis ftutritt.— Spandau: Stadt, �uaend- heim Lindenufer l. HeimMprechun«. Verbandsbuchkontrolle.— NariendOrf: O..�„..Wt. n 14, n 1 o\ S>» i ree'K„ e+M» M rt i-p, e»?1I tvl 4»: i lirr- Iuaendheim Dorsssr. 7(illie Schule). Seimhrsprechuna. Nu« ljutritt mit Ler. bandsbuch und Keimausweis.— Lichtendera! Iuaendheim Dossestr. 22. Heim- bcsprechuna. Berbandsbuchkontrolle.— Ztea-LIchtrnbeeB: Iuaendheim Sunler- ssrohe 43. Seimbesprechuna. Ohn« Beebandsbuch kein Zutritt.— La»»»b«eacr Pia»:«rappenheim Diestelmenerstr. 5. Seimbesprechuna. Ohne Heimauswei, und Verbandsbuch kein gutritt.— geanlfurter Allee: Städt. Iuaendheim Litauer Str. 18. Seimbesprechuna. Berbandsbuchkontrolle.— Z,rpt«w: Schule Wildenbruchssr.»—54 ibort, Immer). S-imb-sprechuna. Berbandsbuchkontrolle. Verantwortlich für Politik: Dr. Eart Geyer! Wirtschaft:®, Kliaa'lhöler: ©er«rfschaf Isbctrefluna: 3.«»»>»": Feuilleton: De. John echjiow.ki: Lokale, und Sonsliaes:«ri»«arstädt: Aneeiaen: Th.»loch«! sämtlich in Berlin. Verlaa: Vorwärts-Veriag G. m. d. S.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerel und Berlassanssalt Paul Singer u. Co.. �Berlin SW 68. Linden strahe«. Bier,» 2 Beilage» und.Unterhalt»»«»»d Wisse»'. Sie möchten genle -abet'GieüutsttiV ctgenHid] nicht-?/ Nachen Sies öoch im ke alte GgMkrat5. in Anberg- . tef 4 TöohneitWe Kirf-% Kathrein££ mifdst! Oos schmeckt ihm noch bessee ah—- ttiaer SohnenM.'