BERLIN Sienstag L Oktober 1929 10 Pf. Nr. 460 B 229 46. ZahrZang. erscheiattS»lich«»IerS»nat-g«. ' Zugleich Abendaurgabt de«.vorwärts'. Bezugsprei« beide Susgaben 85 Pf.?ro Woche. S.mM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW6S. LindcnAr. 3 „\JoiWtU46» »«eigeoorei«: Die.einspaltlge Nonpareille, eil« « Ps.. Reklame, eile S M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkonto: Dvrwärts-Verlag G. m. b.H� Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Iloch keine Einigung! Die Parteiführer verhandeln— bisher ohne Ergebnis. Oeutschnationale Mißwirtschast. Oer Generaldirektor:„Lch weiß von nichts". Am heutigen Vormittag fand unter dem Vorfitz des Reichskanzlers Hermann Müller eine Partei- führerbe sprechung wegen der Streitpunkte in der Arbeitslosenversicherungsfrage statt. Im Mittelpunkt dieser Besprechung stand die Krage, ob eine Mehrheit für die Beitragserhöhung um Proz. herzustellen ist, evtl.. ob die Möglichkeit besteht, die Bei- tragserhöhung aus etwa zwei Monate befristet z« ver- schiebe». ES gelang nicht, unter den Parteien eine Verständigung zu erzielen. Es wurde deshalb eine weitere Parteiführerbesprechung für l Vi Uhr vereinbart » Bei der Eröffnung der heutigen Reichsmgssitzung gedacht« Vize- Präsident G r ä f- Thüringen des 50. Jubiläums des Reichsgerichts und drückt« dem Reichsgericht die Glii-kwünschc des Reichstages aus. Auf d«r Tagesordnung steht die zweite Beratung der Bor- lag- zur �rä Reform der Arbcilslofenverficherung. Den Bericht des Sozialpolitischen Ausschusses gibt der Wgeordneic Riesen e r Da die Einzelheiten dieses Berichtes schon allge- mein bekannt waren, hatten sich einige Fraktionen zu«itzurzgei» zurückgezogen. Bevor der nächstfolgende Redner, Genosse Jack er, das Wart ergreifen konnte, beantragt Abg. Ktöcker (Komm.) Bcrtagung der Sitzung... . Seine eigene Fraktion war aber gleichfalls so s/ji)mach ver- steten, daß er für seinen Antrag nicht die notwendige Unterstützung van dreißig Abgeordneten sond. Nunmehr beantragte er die Her- beirusung des Rcichsarbeiismimsters Wissell/ der einer Sitzung der sozioldemotrotifchen Fraktion beiwohnte.,�' Da sich aber in- zwischen dos Hans wieder gefüllt und auch, der Minister auf der Regierungsbank Platz genommen Iwtte, qhnr dieser Antrag c r- l« d i g t. Stöcken wiederholte nunmehr sein en Antrag auf Bcrtagung, der abgelehnt wurde. Bei Redaktioz,sschluß spricht der Abg. Jäcker(Soz.).__ „Iud-nsusiiz." Das Urteil im Nendshurger Bauernprozeß. Rendsburg, l. Oktober. Im Bauern prozeß,'der vor dem hier tagenden Kieler Eroßen Schöffengericht stattfoiüd, wurden die Angeklagten Gulh und Dr. Peters freigesprochen, der' Angeklagte Wallichs wurde an Stelle einer Gefängnisstrafe van ei�em Monat zu Z00 und außerdem zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt es, das Wort>,J u d«„ r« p u hi l i k" fei nach Ansicht des Gerichts kein ahfolust'es Schimpfwort, wie dies mich in einem Reichsgerichts urteil ausgesprochen sei. Es komme darauf an. ob die reipublikanifche Staatsform verächtlich gemacht werden solle. Dies lhab« aber nicht festgestellt werden können. Deshalb seien die bei�n ersten Angeklagten freizusprechen. Wallichs fei auf Grund d.er Verordnung des Reichspräsidenten vom 1Z. September 1S'«z roc0cn»stentUcher Aufforderung, die Durch- sührung von- Cteucrvorschriften zu verhindern. zu bestrasen..< Das gleich� Schöjsengericht hat den Dentisten B e st in a n n aus Hohn, d-l in mehreren Berjaiimllungeil in der Provinz zum S t e u- r st r e i k und zu strafbaren 5>andlung«n aufgefordert und einen Bollzi/ehungsbeamten beleidigt hotte, zu 2 Monaten Gejängnis und 20o Djart Geldstrafe sowie zur Trogung der Kosten des Ver- fahren- ve.rurteiit. -/* 0,56 Bsichsgericht ha! in seinem bekonnten Urteil das Wort �JudeiUhp�gst�-. alz Beschimpfung ansehen wollen. Infolge- dessen häufen st ch die Urteile anderer Gerichte, die dieses als Be- schimpfung gewollte Wort straflos erklären. Das Reichs- gericht feiert Heu,« s«in öOjähriges Bestehen in dem erhabenen Be- wußt�jn, durch dag Wort Iudenrepublik auch das ähnlich klingende �J'jdenjustiz' sanktioniert.zu haben. Lohnbewegung in Schweden. 60000 Arbeiter beteiliat. Skockholm, 1. Oktober. Am Montag wurden die Tarifverträge van den etwa ß» 000 Arbeitnehmern der schwedischen Hüttenwerk«, der Zündholz- und Schuhindustrie gekündigt. Die Arbeitnehmer fordern eine Lohnerhöhung"von durchschnittlich 18 Proz. und Ansetzung / eines vollen Lohnsatzes bereits für lOfährige(bisher Mjährige) Arbeiter. Durch- die Kündigung treten die Tarife am 1. Januar � außer Kraft. Bizepräsident Dietrich vor dem Uvitersuchungsausschüß. Ein Bild des Jammers und der Kläglichkeit— ein vollkommener Versager! So also sieht ein d e u t s chnationaler Vizepräji- d c n t, so sieht einGcneretldircktor der Raiffeiscn- b a n k aus! Man hatte wünschen mögen, daß diese Sitzung des Uiitersuchungsausschusie� durch Radio bis in das entfernteste Dorf verbreitet worden wäre. Drei Stundenlang hält der Vorsttzcnlde Dr. D e e r b e r g, selber deutsck)natiovchjer Landtagsabgeordneter, seinem Parteifreund die Sünden leiner Amtsführung vor. Er erledigt in dieser Zeit nur e l jt(t n Bruchteil, als die Vormistagssitzung vertagt wird, stehest die wichtigsten Punkte noch aus. Wer man weiß jetzt lchon vorher, was erfolgen wird. Auf alle Vorhaltungen hat Herr Dietrich nämlich nur eine Antwort:„Ich habe davon nichts gewußt, ich habe mich darum nicht gekümmert." Es wurden Spekulations- g e f ch ü f t c gemacht, es wurden rijikoreilbe wucherkredite gegeben, wobei jedes einzelne Geschäft die halste, ein Drittel, ein viertel des Aktienkapitals festlegte und gefährdete,— Herr Dietrich hat sich „um nichts gekümmert"! Daher der Name Generaldirektor! Diesen Generaldirektor konnte man— sozusagen unterm Gesäß— das gesamte Aktienkapital seiner Bank entwenden, ohne daß er sich dessen- bewußt geworden ist. Schon ln der Jnslalionszeil stellte ein Bericht des Gencralrevisors hildebrond die tollsten Mißstände bloß— es wurde nichts darauf veranlaßt. In der gröbsten Weise wurde bei der Kreditgewährung an Private gegen die statutenmäßig festgesetzte Gemeinnützig- kc.it und gegen den genossenschaftlichen Charakter des Unternehmens gefrevelt—„daran ist die Kreidtabteilung schuld", sagt Dietrich. Die Buchhaltung weigerte sich, sich der Kontrvllabteilung zu unter st cllen— dem Generaldirektor blieb dies unbekannt. Das ungeheure Verlustgeschäft mit den O st w o l l c a k t i e n wurde entricrt— der Generaldirektor erfuhr davon erst, als 7 Millionen restlos verpulvert waren. Auch von der Verschiebung des Ostwollepakctcs an die Landmann- bank, eine Tochtergesellschaft der Raifseisenbank, hat Herr Dietrich nie etwas gehört, obwohl er gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichts- rats in der Landmannbank war. Er erklärt selber, daß seine Auf- sichtsratspostcn, namentlich bei der Dresdner Bank, ihm „nicht die geringste Arbeit" verursacht hätten! Das Ostwollcpakct wanderte dann an den russischen Schieber Uralzefs. Für seine Zusage, das Paket an ein Frommer Wunsch. »Könnte man doch dagegen mal ne ordentliche Bombe schmeißen l" holländisches Konsortium" weiterzuverkaufen, bekam Herr Uralzefs, ehe noch das geringste sonst geschah, ZOO 000 Mark bar aus ein Geheimkonlo ausgezahlt. Herr Dietrich erklärt, von dieser Sache heute zum erstenmal zu erfahren... Bewegung und Kopsschütteln im ganzen Saal! So geht es Punkt für Punkt durch die Ilrolzefffchen Schwindel- geschäfte. Die verschobenen Löger, die als Sicherheit dienen sollten die leere Schmuckkafsette usw. Herrn Dietrichs einzige Antwort bleibt:„Davon wußte ich nichts." Ein deutsch«lotionaler Generaldirektor! Es gibt im ganzen Saal keine Entrüstung mehr, nur noch Heiterkeit und mit- leidiges Kopfschütteln. „Ich bin ein erbärmlicher Hornochse!" So redet die kommunistische Parteileitung Belgiens über sich selbst. Brüssel, l. Oktober.(Eigenberichl.); Zn letzter Zeit waren in Belgien Gerüchte im Umlauf, wonach die belgische Kommuni st ische Partei, die niemals be- sondere Erfolge auszuweisen halte und während des letzten Jahres immer mehr verkümmerte, von einer Katastrophe bedroht sei. Moskau sollte ihr die Gelder entzogen haben und infolge- dessen sollte auch das Parteiorgan„Drapran Rouge"(„Rote Jahne") sein Erscheinen vom 1. Oktober ab einstellen. Diese Gerüchte sind nicht ganz ohne Grundlage, und zwar ergibt sich das aus einem hoch st sonderbaren Dokument in der letzten Nummer der Brüsseler„Roten Jahne". Es ist eine sog. „Selbstkritik" des Vorstandes der belgischen Kommunisti- schen Partei, in dem vernichtende Angrisse gegen die Leitung der Partei, also gegen die Versasser des Schriftstückes selbst, gerichtet werden. U. a. wird in dem Dokument ausgeführt. daß die Partei in ihrer Ausgabe das belgische Proletariat aus der Gesotgschast der Sozialverräler aufzurütteln, v o l I st ä n d i g versagt habe. Die Leitung stehe mit dem Proletariat in keiner wirklichen Berührung mehr. Politische Seichtheit, Man- gel an Verantwortungsgefühl und allgemeine Unfähigkeit sind weitere Komplimente, die die Parteileitung gegen sich selbst richtet. Sie schließt mit der Aussorderung, die bureaukratischen, pessimistischen und unsähigen Elemente erbarmungslos au» den teilenden Stellen zu fegen und durch bessere zu er- sehen. Alles das trägt die Unterschrist der kommunistischen Parteileitung Belgiens. Aber es liegt auf der Hand, daß der wirkliche Verfasser des Dokuments ein besonderer Abgesandter Moskaus ist. vor dessen Peitschenhieben die belgischen Partei- führcr sich ducken. Voraussichtlich handelt es sich hierbei um das Vorspiel der Vertreibung der gegenwärligen Parteileitung. Ob das Parteiorgan unter anderer Leitung weiter erscheint, steht vorläufig noch dahin. Zedensalls aber dürste dieser würdetose Jall der belgischen Kommunistischen Partei vollends den Todesstoß ver- sehen. Labours Vertrauen auf Macdonald. Amerika unk» die britische Arbeiterpartei. Brighton, 1. Oktober.' Der hier tagende Arbeiterparteitag Hot an Premierminister Maedonald, der sich an Bord des Eunard-Dampfers„Berengoria" befindet, folgenden Funkspruch gesandt:„Alle Ihre Freunde auf der Jahresversammlung erwidern Ihre Grüße und versichern Sie des fortdauernden B c r t r o u e n s in die Weisheit Ihrer Führung, die durch unsere Siege in der jüngsten Bergangenheit wieder so nachdrücklich gerechtfertigt worden ist. Wir hoffen, daß Sie«ine glückliche und angenehm« Zeit verleben werden, und bitten Sie, dem amerikanischen Präsidenten und der Nation, die er vertritt, unsere Genugwung über die großherzige Art zu übermitteln, in der sie an der großen Aufgabe der Förderung internationaler Verein- barungen mitarbeiten und eine friedliche und friedenskiebende Welt zu schaffen fuchen." Autounglück bei Gransee. Ein Toter, vier Schwerverlehte. 3n der Mhe von G r a a s e e hat sich gestern ein schweres Auto- unglück ereignet. Der wagen raste gegen einen Daum und wurde dabei völlig zertrümmert. Eine Berlinerin, ein Fräulein Orth aus der Bensselstrahe. wurde gelötet und d'-"btigen vier Znsasien schwer verleht. Die Znsassen des Wagens hatten in wnem Gasthuus in Gransee kurze Zeit gerastet und waren dann weitergefahren. Zwischen Gransee und Schöncrmark schlug der Führer des Wagen?. V. Pfeifer, ein starkes Tempo an. Er verlor plöhlich die yerrschaft über den wagen und raste gegen einen Baum. Alle fünf Znsassen des Wagens wurde» herausgeschleudert. Fräulein Orth erlitt so schwere Schädelverlehungen, dajz sie aus der Stelle starb. Bseiser. der den wagen lenkte, erlitt einen Schädelbruch, der'Schriftsteller Zwan flornplin-Dorni aus der westfälischen Straße, der Kaufmann Aimler aus der Baulfkrahe und der Kaufmann posniko aus der x Boscherstraßc wurden erheblich verleht. Sie wurden in bewußtlosem Znslandc von der zu Hilfe gerufenen Sanitätstolonnc nach Gransee transportiert. Hie llnfallstelle befindet sich in einer Kurve, die der Führer ziveisellos in zu schnellem Tempo genommen hak. Der zertrümmerte Wagen wurde beschlagnahmt und nach Gransee abgeschleppt. Straßenbahnunglück in Berlin X. Ein Wagen in derWeiche entgleist./ Fünf Fahrgäste verleht. heule früh ereignete sich am Oranienburger Tor in folgenschwerer Zusammenstoß zwischen zwei Straßenbahnwagen der Linien l und t9SEi. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt und mußten aus dem Berkehr gezogen werden. Fünf Fahrgäste erlitten zum Teil recht erhebliche Berlehungen. Kurz nach 8 Uhr passierte ein Straßenbahnwagen mit Anhänger der Linie 1 die Weiche am Oranienburger Tor. Der Triebwagen war bereits über die Weichs hinweg, als plötzlich der Anhänger, wahrscheinlich mfolge selbsttätigen Umschaltens der Weiche, entgleiste und auf das Nebengleis geriet. Zu allem Unglück hatte in diesem Augenblick ein aus entgegengesetzter Richtung kommender Straßen- bahnwagen der Linie tREl die ÜnfaUftellC erreicht. Der Führer versuchte noch zu breinstn, die Entfernung war aber schon zlt kurz, und mit großemKrachprallte der Anhänger mit dem Triebwagen zusammen. Der Vorderperron des An- Hängewagens wurde eingedruckt! fast sämtliche Scheiben gingen durch' die Wucht des Zujamn�npralles in Trümmer. Der Fahrgäste bemächtigte sich ein« begreifliche Erregung; mehrere von ihnen hatten durch Glassplitter stark blu- tende Verletzungen im Gesicht und an den Händen erlitten. Von Passanten war sofort die Feuerwehr alarmiert worden, die schon nach wenigen Minuten an der Unfallstelle eintraf. Mehrere Verletzte, der 37jähtige Arbeiter Hermann Ieschke aus der Friedenstraße, der 29jährige Arbeiter MaxTenzer aus der Togo- straße und ein Arbeitsbursche Willi P i w i k aus der Scharnweber- straße in Reinickendorf wurden zur Universitätsklinik in der Ziegel- straße gebrocht. Zwei weitere Verunglückte, die unerhebliche Ver- letzungen erlitten hatten, begaben sich selbst in ärztliche Behandlung. Nach Anlegung von Notverbänden konnten auch die Verletzten aus der Klinik wieder entlassen werden. Oer E,nbrecherkönig vor Gericht. Oer Staatsanwalt beantragt i Jahr 6 Monate Gefängnis. Der langgesuchle Einbrechertönig Karl M i k j i k gab heule sein erstes Gastspiel nach seiner wiederergreisung in Moabit. Miksit gehört seit Zahren zu den gefährlichsten Einbrechern Berlins und hat eilte große Zahl von Straflalen ans dem Kerbholz. Der Angeklagte ist ein kleiner, schmächtiger Mensch, und wie Sanitätsrat Dr. Leppmann heute von ihm sagte, ist er von einer so unglaublichen Behendigkeit, daß er in- der Lage ist, durch die kleinsten Oeffnungen durchzukommen. Darauf Vrruhen seine großen Erfolge in seiner Verbrechertätigkeit. Im Juli wurde, wie er- innerlich, gegen zwei große Einbrecherkolonnen verhandelt. M. war mit einem gewissen Ostermann das Haitpt der einen Kolonne, die die Geschäftsviertel Berlins heimgesucht hatte. M. selbst aber war damals noch nicht gefaßt worden. Erst wenige Tage nach der Aburteilung seiner Spießgesellen wurde er in der Sprechstunde eines Arztes verhaftet. Er hatte sich aus Versehen bei einer Schlägerei selbst eine Kugel durch die Hand geschossen und war in ärztlicher Behandlung. Am IS. Juli war in der I o st y straße ein Einbruch verübt, worden, bei dem Verbrecher von einem Keller aus durch Deckeneinbruch in ei» Wäschegeschäft gelangt und dieses ausge- plündert hatten. Man wußte, daß M. dabei die Hand im Spiele habe. Durch eine vertrauliche Mitteilung erfuhr die Kriminalpolizei, daß M. neuerdings Beziehungen zu einer bildschönen ZOjShrigen Tänzerin unlerhälle. Bei einer Haussuchung in der Wohnung der Tänzerin hat man«ine größere Menge von Wäsche und Strümpfen, die aus dem Einbruch herstamtzite, gefunden. Bei den weiteren Nachforschungen wurde ermittelt, daß M. in diesem Falle mit dem auch bereits vielfach vor- bestraften gewerbsmäßigen Einbrecher Max G o l l n o w zusammen- gearbeite! hatte. Gollnow wohnte mit seiner Braut zusammen, und in seiner Wohnung waren Einbruchswerkzeuge und ein mit Diebesgut alis dem Elnbrüch angefüllter Koffer, der Miksit gehörte, entdeckt worden. Heute erklärte Gollnow, daß Miksik an der Sache nicht beteiligt gewesen sei, wie auch Miksik selbst alles bestritt. Die beiden Angeklagten suchten nach Kräften ihre Freundinnen, die wegen Hehlerei mitangeklagt waren, zu entlasten. M. behauptete, daß er seine Braut vollständig ausgestattet habe, da er sie heiraten wollte. Der Staatsanwalt beantragte gegen Karl Miksik ein Jahr sechs Monate Gefängnis, gegen Gollnow zwei Jahre Zuchthaus, gegen die Freundin Gollnows, Elise W., wegen Hehlerei eine Woche Gefängnis und die Freisprechung der Tänzerin. Besahungsmuniiion in die Lust. Sprengungen, um Rückfracht zu vermeiden. Koblenz. L Oktober. Den ganzen Montag über wurden auf der Karthause von der Vesaßungsbehörd« Sprengungen von Mnbltion vorgenommen. Die Franzosen haben mil diesen Sprengungen überslüssige Munition, die angeblich bei der Räumung nicht mehr zurückgeschassl werden sollte, in größeren Mengen vernichtet. Vergnügte Rüstungsindustrie. Shearer vor dem Ausschuß/ Seeoffiziere gegen Abrüstung aus sozialen Gründen. Washington, 1. Ottober. Vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß, der sich mit der Rüstungspropaganda der Schiffsbauindustrie befaßt, würde gestern mit der Vernehmung des vielgenannten Agenten S h e ä k e r begonnen. Nachdem Shearet den ZeugenstllNd betreten hatte, bot er um die Erlaubnis. deN Sachverhalt in seiner eigenen Weise dar- zulegen. Er bemerkte dabei, daß er in dreißig Minuten mehr er- zählen könne, als der Ausschuß in dreißig Tagen zu erfahren ver- möge. Der Vorsitzende erklärte jedoch, er werde das bisherige Ver- fahren der Zeugenvernehmung beibehalten. Shearer erzählte so- dann, er habe bei einem von der Marine im November 192K rer- onstalteten Essen eine Rede gehalten, und auf Grund diese Red« sei die gesamte Schisfbauindustrie an ihm herangetreten. Am 30. November desselben Jahres habe er ein Schreiben von einem gewissen Horner erhalten, den er als eine Art Assistent Wakemons, des Vizepräsidenten der Bethlehem S ch i f f s b a U g e se l l s ch ü f t, bezeichnete. Shearer behauptete, Schwab, der Präsident der Bethlehem Steel Company, habe ihn an Horner verwiesen, der ihn wiederum mit Wakeman bekannt machte. Wakeman hätte zu ihm gesagt:„Wir denken, Sie sollten nach Washington gehen und ver» suchen, eine Entscheidung des Bundeskongresses hinsichtlich der Kreuzervorlage herbeizuführen." Shearer ging sodann auf den an- geblichen mündlichen Kontrakt ein, den er Mit den Schlffbaufirmen abgeschlosien haben will und erklärte: Sie waren entzückt von der Wendung der Dinge ln Washington und wünschten, daß ich baldmöglichst nach Genf gebe; Kein Einziges Mitglied der amerikanischen LelegatioN In GStif, so fuhr Shearer fort, habe gewünscht, daß die Konfe/enz scheitere, und er habe auch niemals behauptet, daß er das Scheitern der Konferenz herbeigeführt habe. Er sei selbst für das Programm einer ameritä- nischei Parität mit England eingetreten. Hätte er dieses Programm nicht begünstigt, so hätte er damit indirekt die englischen Absichten gefördert Er habe nicht den Fehlschlag der Konferenz er- strebt, so.ngern lediglich seinen Verstand und sein« Fähigkeiten dazu benützt, zü erfahren, wie die Dinge stünden. Er sei stets bemüht ge- wesen,«ine'itiigung irgendwelcher Art herbelzuführetz. Auf«ine diesbezügliche Frage erklärte Sheater, er sei niemals Alkohol- schmuggler gewesen und sei auch niemals in London beschuldigt worden, einen Wechsel von 7ö0 Pfund Sterling gestohlen zu haben. Shearer gab weiter an, er sei der Ansicht gewesen, daß er einen zehnjährigen Vertrag mil den Schisfbausirmen mit einem Geholt von söhrllch 35 000 Dollar habe. Auf die Frag«, was er in Genf tun sollt«, antwortete Shearer: Ich ging nach Genf, um dafür zu sorgen, daß die amerikanische Marine hinsichtlich der Publizität ihr Recht erhalte. Die Schiss- baufirmen Haben mir niemals Halt geboten. Zu der plötzlichen Aufhebung seines Vertrages mit den Schisfbausirmen erklärte Shearer: Bardo kam hierher und berichtete, Kellogg häite der Bethlehem-Gesellschast gesagt, sie sollten mich los werden, sonst würde das gustizomt den von der Regierung im Jahre 1910 gegen die Bethlehem Ste«l-Co. anhängig gemachten Prozeß, bei dem es sich um 15 Millionen Dollar handele, eröffnen. Konteradmiral N. N. Reeoes nahm gegen die Aussagen des Zeitungskorrespöndenten Drew Pearson Stellung, der an, ver- gangenen Donnerstag vor dem Ausschuß erklärt hatte, daß während der Genfer Marineabrüstungskonferenz von 1927 vier amerikani'che Marineoffiziere in der Halle eines Genfer Hotels mit Shearer zufammengekomtnen seien und übereinstimmend Ansichten geäußert hätten, die a n t i b r i t i s ch und der Konferenz nicht günstig watet,. Demgegenüber stellt« Kvntreadmiral Reeves fest, daß er selbst niemals der Hoffnung auf ein Scheitern der Konferenz von 1927 Aus- druck gegeben habe. Es erscheine ihm auch nicht möglich, daß denkend« Offiziere der amerikanischen Marine ein« solche Hofsnimg hegtett, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die amerikanischen Offiziere im allgemeinen nichts a>eit«r wünschten, als daß die amerikanische Marine im Falle eines Krieges die Parität mit anderen Flotten besitze. Solange über diesen Punkt keine Einigung erzielt werde, sei die Lage unsicher, Und deshalb erhofften die amerikanischen Marineoffiziere erstens«ine Beschränkung ,i>er amerikanischen Marine unter der selbstverständlichen Voraussetzu ig. daß auch die übrigen Flotten entsprechend vermindert wiiroen. zweitens eine Beschränkung, die nicht zu weil gehf, und wirlschaflliche Härten vermeide, und drittens, daß es jeder Nation vorbehalten bleibe, die> on ihr am meisten benötigte Kreuzerart zu bauen. Gäbe! schloß den Vertrag bis ilSS Magistnrissitzung über den Sklarek- Skandal. heute mittag um 13 Uhr hat im Rothaus eine außer- ordentliche Magistratssitzung begonnen, dl?. sich mit der Sklarek-Assäre und vor allem mit der finanziellen Abwieto,ng der Sladlbonkkredite an die KVG. beschäftigen wild. Ein Beschluß darüber, ob die von der Verteidigung gemachten Vorschläge ztzr außerkonkurslichen Regelung der Angelegenheil vom Magistrat akzeptiert werden, ist kaum vor nachmittag zu erwarten. Um 5 Uhr wird der Aellestenausschuh der Stadtverordnete ck- Versammlung zusammentreten, um über die geschästsordnungs- mäßige Behandlung der Angelegenheit im Sladiparlament zu beraten. da bekanntlich einige Dringlichkeilsanträge und Anfragen über den Sklarek- Skandal von den verschiedenen Parteien elb- gebracht werden und auch Bürgermeister Scholh für den Magistrat eine Erklärung über die Affäre und die bis dahin vorliegenden Beschlüsse abgeben wird. Die Angriffe, die gegen die kommunistischen Stadt« röte G ä b« l und D e g„ e r i» der Oeffentlichkeit lautgeworden sind, haben die Bezirksleitung Berlin-Brandenburg der KPD. gestern abend zu einer Stellungnahme veranlaßt. Als Ergebnis der Untersuchung wird parteiamtlich mitgeteilt, daß die beiden an den Betrügereien der Sklareks nicht das mindeste Ver- schulden treffe und daß sie auch nicht etwa durch irgendeine Fahr- lässigkeit die Betrügereien ermöglicht hätten. Stadtrat Gäbel habe als Dezernent des Magistrats im April dieses Jahres die Verlängerung des Lieferungsverlrages mit den Sklareks bis zum Jahre 1SZ5 abgeschlosien. Die KPD. habe entsprechend ihren kommunalpolitijchen Grundsätzen diesen Vertrag bekämpft. Seine Verlängerung sei von Stadtrat Gäbe! vorgenoni», en worden, ohne die Fraktion und die Partei vorher zu befragen oder in Kenntnis zu setzen. Dieses Verhalten werde von der Bezirksleitung auf das schärfste verurteilt, wobei ausdrücklich festgestellt werde, daß die Verlängerung des Vertrages mit dem Betrugsskandal in keinerlei Beziehung steh«. Bezüglich des Stadtrat D« g N e r wird festgestellt, daß er nach seinen Angaben seil Juli lgZg private Beziehungen mit einem der Gebrüder Sklarek unterhallen hätte, die sich aus gegenseitigen gesellschaftlichen verkehr erstrecklen. Degner erkläre, daß ihm jetzt, nach diesem großen Beirugsskand.,! dieser Verkehr im anderen Lichte erscheine, als er ihn bisher angesehen habe. Er habe dienstlich in Feiner Eigenschaft qls Stadtrat mit den Sklareks nichts zu tun gehabt. Eine bei ihm vorgenommene amtliche Untersuchung habe keinerlei Anstände ergeben. Die Bezirks- lsitung der KPD. hat in dem Verkehr Degners als kommunistischer Funktionär mit den Sklareks als Lieseranten der Stadt Berlin ein die Partei schädigendes und„unproletarisches" Verhalten festgestellt und ihn deshalb aufgefordert, sofort sein Amt als besoldeter Stadtrat und sein Stadtverordnetenmabdat niederzulegen. Wie die BS�-Korrespondenz vosi Stadtrat Degner hierzu erfährt, wird er in einer bis heute nachmittag abzugebende» Erklärung dieses Berlänge» feiner Partei ablehnen, da er den gesellschasllichen Verkehr, den er mil einem der Gebrüder Sklarek unierhallen hol, nicht als ein so großes Verbrechen ansieht, um so weniger, als an dem Stammtisch, an dem er zuweilen gemeinsam mit Sklarek zu Gast gewesen sei, prominentere M-t- glieder anderer Parteien verkehrt hätten, gegen die er jedoch keinerlei Angriff« richten wolle. Stadtrat Degner glaubt, daß auch nicht allein sein Verhalten in dieser Angelegenheit den scharfen Beschluß seiner Partei venirsacht hat, sondern vielmehr die bereits seit langer Zeit bestehenden Differenzen mit der Parteileitung, da Degller sich bekanntlich attf dem rechten Flügel der Partei befindet. Jhni sei auch schon fortgesetzt«ympathisiereil mit' der oppositionellen Brandler-Gruhpe vorgeworfen worden. Stadtrai Degner ist übrigens auf 12 Jahre als besoldeter Stadlrat FirTBrrrf Prenzlauer Berg gewählt. Sttarek- Affäre bei den Stadtverordneten. i)ie Besprechung der Fraktionsfüh rßr im Amis- zlmmer des Sladtverordnclcnvorstehcrs haß.Im Beisein b-s vürgermeesters Scholh, Hai ergeben, daß über alle Anfragen und Anträge ÖeV Fraktionen in der Angelegenheit Sklarek itnler Außsc- achllasiung aller geschäflsordnungsmäßigen Bestimmungen b e r e i l s In der heutigen Sladlverordnelensihung �srhondrll werden wird. VUr M a g i st r a I wird über de» Sland der Angelegenheit eingebend 3t us fünft erleilen. Keine FaHrpreiserhöhung? Aber die Kommunisten möchten sie haben Die,, Rote Fahne" veröffeni licht eine Notiz mit der kifalligcn Ueberschrist:„Am Pranger". Si�"(t wieder einmal böse, daß der „Vorwärts" sie so wenig ernst /nmmt und ihre Meldungen ein- fach übergeht. Aus übelster Wah�demagogie heraus stellt dos Kommunistenblatt erneut die Behaupitung auf, die Tariie der städti- scheu Lerkehrsmittet würden nlsbach>wch der Stndtverordneien- wohl erhöht werden. Und der Bewe.l- iür diese Behauptung sei angeblich erbracht, weil neben Ver Ve�kehrs-3l.-G. auch der„Vor- wärts" geschwiegen habe. d Uns will scheinen, daß die Kommunk/sen über sehr schlechle L:- Ziehungen zu den in Frage konm, enden stellen verfügen und daß sie den„Vorwärts" als eine Art A u s k�.u n f t s st« I l e benutze» möchten. Als Im Hinblick auf die. Kommunalwahlen zum ersten Mal« das Gerücht von einer angeblich geplant?» Fahrpreiserhöhüng von der gleichen Seite in die Oeffentlichkeit gec'racht wurde, hat die BVG. ein sehr scharfes und klares Z�e m e n I i herausgegeben. Auch heule denkt kein Mensch weder be'i ber BVG noch im Verkehrsamt an eine Fahrpreiserhöhüng. Nalilsrlich würben die Herren Kommunisten sich freuen, wem: tatsächlich ei»« Verteuerung des billigen Berliner Einheitstarifes geplant wäre. D.an» Hätte man endlich eine Wahlparole und brauchte die nur spärlich"arhandene Gehirnmasie nicht weiter zu quälen. Vielleicht bring' �»Rote Fahne" die Zlngelegenheit ins Rollen, indem sie die iis de» Aus- sichtsrat der BVG. gewählten kommunistischen Stadtck-rordNctcn veranlaßt, dafür zu sorgen, daß diese Angelegenheit so bald nre möglich auf die Tagesordnung einer A u f s i ch t s r a t s! i tz»» ä gebracht wirb. Dan« kann sie, ohne den Ünnokg über de"„Bor- wärts" wählen zu müssen, sich genau über dieses Thenn,, unter- richten lasie».,\ Im übrige» muß es sehr schlecht uni den Zlgitationsslok' der KPJX bestelli sei», wem, sie gezwungen ist, niit solchen$1 3(z m c" zu atbeiten. Es bleibt ihnen allerdings nichts anderes ü�G- Positive Lerstungen haben sie auf keinem Gebiet der Kommuffal- poUtik. So geht man eben auf den Dummenfang. Dan�'t werden die Herren allerdings wenig Glück haben. Wir werde" alle Kraft daraiffetzen, daß Berlin am 17� November sozial demokratisch wählt. »Graf Zeppelin� zur Aayernfahrt aufgestiegen. Friedrichshafen. 1. Oktober. Das Luftschiff„Gros Zeppelin" ist am heutigen Dienstag früh UM 3.20 Uhr zu seiner Süddelltschlandfohrt ausgestiegen. Die Führittzg liegt ift den Händen von Kapitän Flemming. An der Fahrt nehmen 31 Pasiagiere teil. Arbeitslose und Kriminalität. Ein voller Erfolg der Erwerbslofenversicherung/ Von Ministerialdirigent Rosenfeld, M.d.L. Die Versicherung gegen Erwerbslosigkeit dient in erster Reihe dem sozialen Schutz der Arbeiterklasse. Sie ist eine Abwehrmatz- nähme gegen die Wirkungen des Aus und Ab der Warenerzeugung und des Warenabsatzes in der kapitalistischen Produktion. Sie reguliert dadurch mittelbar zN einem Teil die Schwankungen, denen der Massenkonsum wegen der wechselnden Konjunktur ausgesetzt ist. Sie ist serner ein notwendiges Ventil gegen allzu starken Druck der industriellen, landwirtschaftlichen und sonstigen Reservearmeen auf dem Arbeitsmarkk. Wenn man die Ausgaben für die Erwerbslosenversicherunz allein unter diesem Gesichtspunkt ansieht, erscheine» sie den bürger- lichen Parteien als eine Belastung der öffentlichen Finanzen und der Arbeitgeber ausschlietzlich zugunsten der Arbeiter- s ch a f t. Demgegenüber Ist es wichtig, die gesellschaftlichen Wirkungen der ErwerbslosenversicherNng auch in anderer Richtung zu beleuchten. Es ist anerkannt, datz zwischen der Wirtschastslage, den Erwerbsverhöltnissen der breiten Massen des Volkes und der Lage des Arbeitsniarktes einerseits und der Kriminalität andererseits ein enger Zusammenhang besteht. Die Forschungen des Statistikers v. Mayr haben längst ergeben, daß die Kurven der Lebensmittelpreise in gleicher Weise wie die Kutven der Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen verlaufen. Professor Aschasfen- bürg hat Nachgewiesen, datz in den letzten 30 Jahren vor dem Kriege in Deutschland und Frankreich jede nennenswerte Erhöhung der Getreidepreise— unter sonst gleichbleibenden LöhnverhällNissen in der Vermehrung der Diebstähle sich auswirkte. Noch vor kurzem hat Wl. Woytinski dieses Thema in einer wissenschaftlichen Zeitschrift ausführlich behandelt und den Nachweis erbracht, datz jeder Preisrückgang der wichtigsten Lebensmittel in der Zeit vor dem i' lege eine Verminderung der Kriminalitötsziffern gebracht hat. D wirtschaftliche Lage der breiten Volksmassen in ihrer Wirkung auf die Kriminalität zeigt sich am stärksten und ganz ein- deuiig dort, wo die Gegenwirkung sozialer Einrichtungen im Staat fehlen. Dafür bietet das statistische Material, das Friedrich Engels in seiner„Lage der arbeitenden Klasse in England� aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts über die damaligen verelendeten Verhältnisse Englands entnommen hat, zweifellosen Beweis. Von 1805 bis 1820 ist damals die Zahl der schweren Verbrechen UM mindestens 100 Proz. gestiegen, und für den Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts ist gleichfalls eine Steigerung von 100 Proz. festgestellt, übrigens zu einer Zeit, wo ein Ladendiebstahl von 5 Schilling Wert mit Todesstrafe belegt und zehnjährige Kinder wegen Unehrlichkeit zum Galgen vorurteilt worden sind. In unseren Tagen hat die Inflationszeit lnit ihren verheerenden Wirkungen auf dem kriMiftcllen Gebiet uns sinnfällig bewiesen, datz die damals herrschende gänzliche Unsicher- heit der Wirtschaftslage mit der Exaktheit eines Uhrwerks die Zahl der Verbrechen ins Ungemessene steigerte: und nach Bcendi- gung der Inflation ist die umgekehrte Erscheinung ebenso deutlich für uns alle sichtbar geworden. Die Feststellung des Einflusses ungünstiger wirtschaftlicher Per- hältnisse der breiten Massen aus&Nc Steigerung der Kriminalität besagt nun keineswegs, datz diese Wirkung nicht durch andere soziale Faktoren, die sich wirtschaftlich entgegengesetzt zugunsten der breiten Massen auswirken, gehemmt werden kann. Im Gegenteil mütz es gerade die Aufgabe Und das Ziel jeden sozialen Fortschritts sein, die Kriminalität zu vermindern. Welche Einrichtung aber ist eher dazu geeignet, solche Gegentendenz zu schaffen, als die Vcr- sicherung gegen Erwerbslosigkeit und ihre eingangs geschilderten Absichten und Zwecke? Die Zeit vor dem Kriege hat die Erwerbs- lasenoersicherung nicht gekannt, und deshalb ist in der damaligen Statistik' über die Kriminalität eine solche Gegentendenz nicht Nach- weisbar. Wohtinski sagt in seinen Untersuchungen:„Die Atbeits- l o s e n u n t c r st ll tz ü n g. die de» Ausgestotzenen zu lhilf- kommt, ist vom Gestchtspunkt der Kriminologie aus eine unschätzbare Eigenschaft.- D>e kriminolslalistik der letzten Zahre 1925 bis 1927 bringt dafür den untrüglichen Beweis. Unter den vier HauptgruppeU von Verbrechen und Vergehen (gegen Staat und öffentliche Ordnung, gegen die Person, gegen das Vermögen und im Amt) ist die weitaus grötzte Gruppe, nämlich die gegen dos Vermögen, im Vergleich zum Jahre 1913, trotz weit grösserer Arbeitslosigkeit in der Zeit nach dem Kriege und der Jiistation gesunken. Die Verbrechen und Vergehey gegen das Vermögen betrugen im Jahre 1913 im Verhältnis zu allen übrigen Proz., im Jahre 1920 44,4 Proz. und im Jahr« 192? 41,8 Proz. Diese Tatsache ist um so beachtlicher, als zu gleicher Zeit eine gewisse, wenn auch nur geringe, allgemeine Erhöhung der Krimina- lität sestzustellen ist. Diese Erhöhung entfällt jedoch fast ausschlietzlich auf die Zunahme von Berstöhen gegen den Staat und die. öffentliche Ordnung: sie sind im wesentlichen. Zuwiderhandlungen qegen Vorschriften in strafrechtlichen Nebengesetzen, z. B. über die Sonntagsruhe. Kraftfahrzeuge. Arbeitszeitgesetz usw. Die hauplgruppe der Vermögensdelikte ist in den Jahren 1925— 1927 dauernd erheblich zurückgegangen. Es sind bestrast worden Personen wegen einfach�,, Diebstahls schweren Diebstahls wes 91 133 21008 IMIb 77 799 17172 14-7 74 907 15 995 Der Anteil der wegen Diebstahls straffälligen Personen an der Gesamtheit d«r Verurteilten berechnet sich für 1927 auf rund 13 Proz., während er in d�n letzten Aorkriegsjahren über 20 Proz. ausmachte. Ebenso die Verurteilungen wegen Hehlerei zurück- gegangen. Die Bedeutung dleses.andauernden Rückganges der hauptjäch- lichen Vermögensdelikte tritt erst in das vblle Licht, wenn die Zahlen der Jahre 1925 bis 192? die Zahl der wegen gleichartiger Delikte im Jahre 1913 abgeurteilter Personen gegenübergestellt werden. Die eMspcechendetz Zahlen der Ver- urteilten wegen«infächeii bzw. schweren Diebstahls im Jahrs 1913 sind 82 742 bzw. 18 417. Diese Zahlen sind zwar niedriger als Sie des Jahres 1925, jedoch höher als die von 1920 und 1927. Dies etklärt sich zwanglos Läraüs, datz tzj, im Jähre 1925 zut Ab- urteiluüg gelängten Straffälle Noch tzrotzeMeils aus der Jnflaiions- zeit herrühren»der unter ihrem ungünstigen Einfluß stehen. Dar- »JMch bleibt noch immer«in Unterschied zugunsten des Jahres 1935, zumal wenn die veränderte Erwerbslagc dieser Zeit seit 1913 in Betracht gezogen wird. Von größter Bedeutung ist, datz für das Jahr 1927 gegenüber 1913 ein Rückgang der einfachen und schweren Diebstähle um 10 und um 14 Proz. festzustellen ist. Mit dieser Abnahme der Kriminalität vergleiche man das ständige Anwachsen der Erwerbs- losenziffern in der gleichen Zeit. Vom Juli 1924 bis November 1925 war die Erwerbslosigkeit noch verhältnismäßig gering: sie bewegte sich zwischen den Zahlen 195 000 und 073 000. Seit dem Herbst 1925 steht die Volkswirtschaft im Zeichen stark steigender Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Hauptunter st ützungsempfänger staat- licher Erwerbslosenfürsorge st i e g im Jahre 1920 auf Wi bis 2 Millionen und noch darüber hinaus. Die niedrigste Ziffer dieses Jahres im November 1920 hatte immer noch die Höhe von 1,3 Millionen Unterstützungsempfänger. Zluch im Jahre 1927 ist die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger einschließlich der Krisenunterstützten bis zum Mai nicht unter eine Million gegangen. Das Ergebnis ist: Auf der einen Seite ständiges Sinken der Vermögensdelikte, auf der anderen Seite gleichzeitiges rapides Anwachsen der Erwerbslosenziffern: das sind Zahlenreihen, die miteinander verglichen, allen bisherigen Feststellung«» llber den Parallellcwlf der Wirkschastskage ein« Volk« und seiner Krimmalität widersprechen. Die Lösung dieses Widerspruchs liegt in den Leistungen der staatlichen Enverbslosensürsorge und ihren moralischen und kulturellen Wirkungen für das volksganze. Der Rückgang der Kriminalität läßt sich nicht etwa als eine Folge der Verminderung der Bevölkerungszahl durch die Zlbtretung von Gebietsteilen nach dem Krieg erklären; diese Erklärung scheitert an der Tatsache des veränderten Altersaufbaus im deutschen Volk. In den Altersklassen zwischen 15 bis 05 Jahren, aus denen oie Kriminalität sich rekrutiert, ist der Zlnteil an der Gesamtbevölkerung von 01,2 auf 08,5 um 7,3 Proz. gestiegen, d. h., um mehr als 4 Millionen Menschen, so daß der Bevölkcrungsverlust mehr als ausgeglichen ist. Die starken antikriminellen Wirkungen der Arbeits- lasenoersicherung können gegenüber den statistischen Ergebnissen nicht geleugnet werden. Die staatliche Arbciislosenfürsorge zeigt damit ein neues Gesicht, dem nicht genug Beachtung gewidmet worden ist. Sie gewinnt an Bedeutung weit über die Interessen der Volksschichten hinaus, zu deren Gunsten sie in erster Reihe bestimmt ist. Sie dient dem moralischen und kul- turellen Ausstieg des ganzen Volkes. Diese Einsicht rechtfertigt den Schluß, daß Ersparnisse in der Arbeiislosenunter- stützung in ihrer letzten Wirkung Verschwendung von größeren und wesentlicheren volkswirtschaftlichen und sittlichen Werten sind. Nicht Ersparnis, sondern Zweckmäßigkeit der Ausgaben ist der vernunftgemäße Grundsatz gesunden staatlichen Lebens unserer Zeit. Volksbühne und Staatsoper. Ein reaktionärer Vorstoß der Oberrechnungskammer. Schon vor einigen Tagen hatten wir die Mitteilungen über«ine Denkschrift der Oberrechnungskammel: zum Anlaß genommen, uns mit der darin enthaltenen Kritik gegen den Vertrag über die Bereit- stellung von'Opernplätzen an die Volksbühnenmitglieder zu be- schästigen. Nunmehr äußert sich auch das Generalsekre- tariat der Volksbühne zu jenen Auslassungen der Oberrech- nungskammer. Die Erklärung des Generoljekretariats stellt zunächst fest, daß in der Denkschrift verschiedene sachliche Un- richtigkSiten enthalten sind. ll. a. falle der Volksbühne Nicht, wie es dort heiße, wöchentlich nur eine Vorstellung zu, sondern die Volksbühne sei wöchentlich an 4 Vorstellungen mit je 1300 bis 1300 Plätzen beteiligt; falls aber die Angaben der Dankschrist sich auf das vergangene Jahr bezögen, so Hab« die Volksbühne damals wöchentlich drei geschlossene Vorstellungen abgenommen. Die Eni- gegnung des Generalsekretariats wendet sich dann den in der Denk- schrift enthaltenen Beanstandungen des 2-Mark-Preises zu, den die Volksbühne je Platz zu bezahlen hat. Es heißt da: „Der von der Volksbühne zu zahlende Platzpreis von 2 M. stellt gar nicht eine so außerordentliche Bevorzugung der Volksbühne dar. Der Bühnenvolksbund, der ebenfalls Plätze und Borstellungen be- kommt, zahll je Platz nur 2,30 M. Ein von der Staatstheatcrver. maltung aufgelegtes Abonnement fordert für den besten Platz nur 3.50 M.. für den geruigsten 1,50 M., im Durchschnitt also nur 2,50 M. Dabei ist zu berücksichtigen, daß es die Volksbühne war, die den Gedanken des Um- und Ausbaues der früheren Kroll-Ope« faßte, alle notwendigen Vorarbeiten traf, die Pläne entwerfen ließ und die Durchführung des Baues übernahm. Als sie sich in der Jnslations- zeit genötigt sah, die Fertigstellung des Baues dem Staat zu über- lassen, überantwortete sie ihm Bauwerte in Höhe von etwa 3 Millionen Mark. Für diese Werte brauchte die Staatsver- �valtung lediglich Bauschulden der Volksbühne im Betrage von 113 000 Mark abzulösen und eine Barabfindung von 100 000 Mark zu zahlen. Für die übrigen Aufwendungen erhielt die Volksbühne das Anrecht auf eine bestimmte Anzahl besonders verbilligter Plätze sowie einer Borzugsbchandlung vor anderen Besucherorganisationen. Die Obcrrechnungskammer übersieht ferner, daß ohne die Be- teiligung der Volksbühne an den Vorstellungen die Oper am Platz der Republik noch viel schlechter abschneiden würde, als es heute geschieht. Ein« Rachprllsung wird mit Sicherheit ergeben, daß in den letzten Jahren die ganz auf den freien Kassenverkauf angewiese- nen Vorstellungen im Durchschnitt weniger einbrachten als die Vor stell um gen, deren Plätze von der Volks- bühiie bezahlt wurden. Auch wurde in dem Schiedsverfahren zwischen Staatsverwaltung und Volksbühne im Frühjahr d. I. festgestellt, daß die staatlichen Zuschüsse auf den Kopf des Theaterbesuches bei de» Mitgliedern der Volksbühne geringer waren als bei den Besuchern der Oper Unter den Linden. Und dies, obgleich die„freien" Besucher der Linden-Oper sich ganz überwiegend aus den Kreisen der Besitzenden rekrutieren, während die Mitglieder der Volksbühne fast ausschließlich der Arbeiter- und Angestelltenschaft, sowie dem kleinen Mittelstand angehören. Nach dem Bericht der Obetrechnungskammer könnte es den Ein- druck machen, als ob die Steigerung der Betriebskosten für die Oper keinerlei Auswirkung auf die von der Volksbühne zu zahlenden Preise gehabt hätte. Tatsächlich aber erhöhten sich diese(obgleich ein Anspruch einer solchen Erhöhung nach dem Wortlaut des Vertrages bezweifelt werden kann) auf Grund des Entgegenkommens der Volks- bühne, zuletzt durch einen Schiedsspruch, seit Eröffnung der Kroll- Oper von 80 Pf. auf 2 M., also um 150 Proz. Andererseits blieben die Kassenpreise der Opfer am Platz der Republik in dieser Zeit fast unverändert. Sofern bei einzelnen Plätzen eine Erhöhung vor- genommen würde, ging sie nirgends über 10 Proz. hinaus." Diese Darlegungen beweisen wohl zur Genüge, auf wie tönernen Füßen die Behauptungen der Oberrechnungskammer über eine uner- trägliche Begünstigung der Volksbühne stehen. Die Zuschrift des Keneralfekretariats hat aber auch völlig recht, wenn sie zum Schluß ausführt, daß für große und entscheidende Parteien des Landtages seinerzeit die Zustimmung zu de» wiederholten Forderunoen der Regierung für de» Ausbau und die Umgestaltung der Kroll-Oper in erster Linie der Wunsch maßgebend war, dieOpetnveranstal- tungendesStäaiesbrelterenKrelsenderMinder» bemittelten zugängig zu machen. Wenn irgendwo Opern- Zuschüsse des Staates gerechtfertigt sind, so bei jenen Vorstellungen, die für Mitglieder der Volksbühne gegeben werden! Denn Nur hier handelt es sich um eine nach sozialen Gesichtspunkten betriebene Kunstpflege. Man fragt sich, was die Herren der Oberrechnungskammer mit ihrer merkwürdigen Denkschrift und den unsachlichen, völlig verfehlten Angriffen gegen den Völksbühnen-Vertrog bezwecken. Nim, Man muß wissen, wie sich die Oberrechnungskammer zusammensetzt. Sie stellt einen Schlupfwinkel reaktionärer Ge« stvvung da». Van ihren Mitgliedern dürsten die meisten km deutschnationalen Lager stehen. Diesen Kreisen aber ist der Vertrag zwischen det Volksbühne und dem Staat natürlich ein Greuel. Ver- suchte mit diesem Vertrag der neue Staat doch erstmalig das Privileg der„besseren Gesellschaft" auf die mit hohen Zuschüssen subventiM Nierten Staatsopern-VorstellUNgen zu durchbrechen. Hier wurde zum erstenmal das Bekenntnis zu einer Kunstpflege abgelegt, wie sie d e r Idee eines demokratischen und sozialen Staates entspricht. Und schon Muß natürlich alles darangesetzt werden, um diese Einrichtung zu zerstören! Aber die Herren dürften sich die Zähne misbeihen. Der Vertrag zwischen Staatsverwaltung und Volksbühne ist juristisch so fest ver- ankert, daß die Volksbühnenmitglieder beruhigt sein können. Es ist auch nicht anzunehmen, daß die maßgebenden Parteien des Landtags sich von den Darlegungen der Denkschrist ciiiwickeln lassen. Wünschenswert wäre es nur, wenn der Landtag es nicht dabei beließe, über die Kritik der Denkschrift zur Tagcsordming überzu- gehen, sondern wenn den Herren in der Obcrrechnungskainmer von Regierungsvertretern und Parlamontarisrii gründlich heim- geleuchtet würde. Die Art und Weise, wie dort versucht wird, die Bemühungen des Staates um eine soziale KuNstpslege zu diskre- ditieren, stellt geradezu einen Skandal dar! Neutsches Volkstheater. „Die beiden Veroneser" Dieses Sh a k e f p ca r i s ch e Lustspiel ist schon an sich wenig bedeutsam. Es könnte jedoch ein harmloses, ober unterhaltendes Stück daraus inszeniert werden. Grundbedingung wäre Schlichthnt der Auffassung und eine sinngemäße Ueberführung in das Moderne Was hier geboten wird, ist vor allem bis zur Skurrilität uneinhett- lich. Der Regisseur Leo Mittler hat skrupellos an dem Stück herumgeslickt, und es gelingt ihm nicht einmal, eine unfreiwillige Shakespeare-Parodie zu zeigen. Das wäre ein Ausweg gewesen, der diese Inszenierung wenigstens literarisch gerechtfertigt hätte. Dieses Unikum eines Theaterstücks ist eine unverdauliche Mischung von Schauspiel, Operette, Zirkus und Kabarett. Nicht von Shakespeare, aber auch nicht von Leo Mittler. Denn wäre es von Leo Mittler, dan wäre ein Riesendurchfall daraus geworden, so kam es zu einem mäßigen Achtungserfolg, weil Shakespeares Name auf dem Programmzettel stand. Natürlich mußte auch hier, ganz zu- fammenhanglos, mitten im Spiel, ein„SoNg" vorgctCagen werden, i»cil das jetzt so modern ist. Gert Richter lieferte das Bühnenbild. Er oerwendet dies- mal hauptsächlich Silberpapier. In der letzten Szene stellt er ein�n Wald auf, der aus vielen verschieden langen, vollkommen kahlen Rundhölzern besteht, ein Anblick„gräßlich Und gemein". Es wäre vielleicht doch besser und für das Publikum leichter verständlich gewesen, einfach eine Tafel aufzustellen mit der Aufschrist„Wald". Das Publikum kicherte leise. Prolheus und Valentin, zwei junge Vcronejer, die einander befreundet sind, werden von ihren Vätern nach Mailand geschickt, um gute Sitte» zu lernen. Valentin fährt als erster los, verliebt sich in des Herzogs von Mailand Tochter Eilvia, findet Gegenliebe. Der Herzog aber will seine Tochter dem reichen Gecken Turio geben. Inzwischen trifft auch Protheus ein, der in Verona Julia zurückließ, seine Liebste, der er ewige Treue geschworen hat. Prothelis vergißt beim Anblick der schönen Silvia Freundschaft und Liebe und wird turzerhand zum Intriganten. Er vertat Valentins Plan, Silma zu entführen, dem Herzog, der Valentin davonjagt. Valentin geht in einen finsteren Wald und wird Räuberhauptniann. Protheus glaubt endlich freie Bahn zu haben, er wirbt um Silvia, wird ab- gewiesen. Inzwischen kommt Julia in Männetklcivern von Verona att, wird von Protheus nicht erkannt und sieht die Bescherung. Natürlich wird alles wieder gut, weil die Räuberbande eingreift und Procheus bekennt sich schuldig. G u st a o v. W a n g e n h e i tn, ein Protheus, unstet und lieder- lich, aber zu wenig jung. Franz Nicklisch, ein brav ein- studierter Valentin ohne Reise. Erika v. T h e ll w a n n, eine bezaubernde Julia, halb Kind, halb erwachendes Weib, sie trägt das ganz« Stück. Annemarie Hasse alz Lucetta von derber, gesunder Komik. E. W. M i t u l s t h, ein prächtiger Diener Flink. Erika MeiUgäst. eins Silvia, die so unecht wirkt, als hätte man sie soeben aus einem Kurfürstendamm-Casä für diese Rolle abgeholt. Sie hat mit dem Stück nichts gemeinsam. Helmar Köhlers Musik half über viel« hinweg. Mexanüer V. SaeTiersMa-orl- Lorichtigung. In mtic- i gesingcn Bericht über die..Sozinli- slische Kulwriogung" i»"'; es im Rejerat der Genojsin Böhm- Schu ch statt ßtött- g heißen: Erweitevung der Befugmff« der OttSpolizei. „Das Land ohne Krauend (Eapitol.) Der erste wirkliche deutsche Tonsilm!(5s hat lange gedauert, ais er herauskam. Drei Jahre sind wir hinter den Amerikanern zurück, und man kann nicht erwarten, daß sogleich der ganze Nor- fprung eingeholt wurde. Immerhin kann sich dieser Donsilm sehen und hören lassen Glücklicherweise verzichtet er daraus, ein ausgewachsener Sprechfilm.zu sein. Wie beim„Singenden Narren" wird das Wort nur lebendig im Gesang und in einigen gesühls- betonten Dialogen, außerdem in der Wiedergabe von Geräuschen und Naturlauten. Die begleitende Musik von W o l f g a n g Heller gibt ein« ewige Melodie, die sich dem Stimmungsgehalt des Ganzen gut anschmiegt. Die Lieder von Liebes- und cheimot- fshnsucht geschwellt, die teils«nglisch, teils deutsch gesungen werden — der Film ist natürlich als Exportartikel gedacht— kommen sehr deutlich und plastisch heraus und auch die Dialogstellen sind sehr klar und natürlich. Als besondere Einlagen sind der Schrei eines bockigen Kamels und der Lochkrampf Konrad Beidts vorgesehen. Man sieht: man ist noch bescheiden, will aber doch sein technisches Können zeigen. Di« chauptfach« blecht auch in diesem Fall der Film selbst. Er ist aus den Massengeschmack gerichtet: ein« ziemlich wilde Handlung, mit starken Sensationen gespickt. Sie spielt in den australischen Goldgräberdistritten zu einer Zeit, da dort auf hundert Männer nur ein paar Frauen kamen. Rauhe Sitten herrschen: wer die Frau eines anderen berührt, wird sofort gelyncht. Da importiert di« Regierung 41Z Frauen, die sogleich nach Ankunft mit ebensoviel Männern verheiratet werden. Nur einer, der Telegraphenbeomte, geht leer aus, denn eine Frau starb unterwegs und man hat ihn durch dos Los als Leidtragenden bestimmt. Aber er erfährt, welche Frau ihm ursprünglich zugedacht war, und er erlebt— ein seltsamer Mensch— seltsame Schicksale. Di« Frau des Goldgräbers, der sie gleich nach der Hochzeit verließ, um ein Goldfeld auszubeuten, sehnt sich gleichfalls nach Lieb«. Der Telegraphist dringt bei ihr ein, wird entdeckt und soll gehängt werden, wird aber durch ihre Fürsprache gerettet. Das Schicksal spielt ihm das Leben des Goldgräbers in di« Hände, der in der Wüste oerschmachtet und das Notsignal gibt. Er gibt ihm kein« Folge und will halbirre zu der Frau zurückkehren, gerät aber unter einen Zug und wird zermalmt. Der Goldgräber wird trotzdem gerettet und kehrt goldbeladen im Triumph zu seiner Frau heim, um derctwillen sich kurz vorher noch der Arzt er- schössen hat. Carmin« Gallone weiß die Szenen in der Goldgräber- siedlung sehr lebendig zu gestalten. Uebcrraschend gut sind die Bilder aus der Sandwüst«— offenbar auf einer Nehrung aufge- nommen—, die den Kampf mit dem Durst und dem Sairdsturm eindrucksvoll illustrieren. Von den Darstellern intcrressiert vor allem E o n r a d L e i d t, der die Figur des Tclegrophisten von vornherein mit den Schauern des Absonderlichen umgibt uird dos Spiel seiner bald gläsern erstarrten, bald hypnotisch faszinierenden Augen treibt. Die Frau ist Ella Brink, ganz im englischen Geschmack. Ein paar charakteristische Goldgräbertypen stellen M c. L a g l e n und Erw rn Fa b e r dar. Für den Humor sargt Bufsy H u ß a r. der eine große Ulkszene hat. Da die Tonwirkung das Bildhafte zu steigern wußte, war eine gewiss« Einheitlichkeit des Films gewonnen. Es gab bei d«n Liedern, den Wüstenszencn und zum Schluß viel Beisall.»D. „Die Docks von Aew �ork". Gloria-Palast. Dieser Film ist von Könnern gemocht. Er erzählt die Geschichte eines fieizers und einer Hafendirne. Als er an Land gehen will, springt sie, des Lebens überdrüssig, ins Wasser. Er rettet sie. In toller Laune macht er sie noch in der Nacht zu seiner Frau. Es sollt« eine Ehe für eine Nacht sein, doch wird es eine Ehe fürs Leben. Der Regisseur Joses von Sternberg ist uredstcste Fil.n- begabung. Jedes seiner Bilder ist voller Leb«n, voller Eigenart und Spannung. Man ist gezwungen, mit den H«izern zu empfinden, die da unten in der Maschine schuften, man versteht ihr« Gier noch dem Leben, die sich während eines kurzen Landurlaubs tumultuorifch austoben muß. Sie sind radaulustig, olkoholsrcudig, sind toll aus Weiber. Und in der Hosenkneipe, da bietet man die Liebe seil und befleißigt sich dabei der ollerderbsten Monier««. Massenszenen reihen sich an Massenszenen, aber in allen diesen Massenszenen voller Bewegung und Leben schildert von Sternberg cindrucksstark Einze'ichicksale. Die helsende Arbeit des Kamera- monnes Harold R o s s o n ist dabei von ausschlaggebender Wichtigkeit. Wie er die Hosenstadt sieht voll Nebel. und Qualm, wie man mit ihm in dunkles, schmutziges Wasser blickt und mit ihm durch düstere Straßenwinkel und ver- räucherte Kneipen geht, das wirkt oft bizarr,-ist aber immer erlebt. Im Mittelpunkt der Darstellung steht George Boncrost. Nie wird er, wie ein Schock seiner Kollegen es tut zum Diener leichten Zeitvertreibs. Er ist stets ein ganz großer Schauspieler, der niemals literarisch empfundene Figuren hinstellt, sondern ur> sprünglichstes Leben wahrhaft verkörpert. Betty Compson und Olga Baclonova waren als Gegcnfpielerinncn so, wie sie sein mußten, während Elyde Cook ein famos filmgeeignetcr Heizerkolleg« war. Dieser Film wird nicht so leicht vergessen sein. e. b. KPD.-Offensive gegen die Voltsbühne. Heute abend Mitgliederversammlungen! Heute abend finden die diesjährigen Mitgliederversammlungen der Bolksbühne E. D. statt. Dos hat die KPD.-Presse veranlaßt, ihre dauernden Stänkereicn gegen die Leitung der Bolksbühn« zu einem Generalvorstoß zu steigern. Die„Rote Fahne" begann die neue Offensive mit-dein Abdruck eines Aufrufs, in dem der famos« Satz vorkam:„Der Spielplan der vom Staat und bürgerlichem Theaterkapital ab- hängigen(!) Volksbühne wird immer antiproletarifcher, flacher und bürgerlicher." Dann folgten in den verschiedenen Münzenberg- Blättern olle möglichen anderen Anzapfungen, gleich jenem Aufruf durch keinerlei Sachkenntnis geirübt und von der üblichen Gewissen- losigkeit. Selbst ein 19l4 von Julius BtrlT zur Eröffnungsvorstellung der Volksbühne verfaßter, ober gar nicht gesprochener Prolog mußte herhalten. Angeblich soll dieser Prolog Ausdruck einer militaristischen Gesinnung sein. Warum? Man lese und lache! Der Gefährte Götzens van Berlichingen, der treue Lands- knecht Lerse, dem der Prolog(zu einer„Götz".Ailftührung) in den Mund gelegt wird, ruft den Theaterbesuchern zu, sie sollten nicht annehmen, das Haus der Volksbühne sei gebaut,„um des Friedens sein zü pflegen". Er stellt dann fest, daß schon der Bau des Theaters„Kampf und Schlacht" gewesen sei: „Ihr mußtet dieser Stufen Pracht aus harten Steinen hauen."' Es wird dann auf die Kämpfe im Felde verwiesen und gesagt: „Wie hättet Ihr der Helden mehr, indes die Mörser krachten, gedankt, als daß Ihr, auch ein Heer, für Euren Teil der Wiederkehr des Schönen schlugt die Schlachten." Dos. soll nun eine der Volksbühne unwürdig« Kriegsbegeisterung sein! Das wird als Beweis dafür vorgebracht, daß der Vorstand der Volksbühne,(dem Fulius Bad nicht einmal o«gehört>„ver- schwinden" müsse. Ja, man ist von dieser Beweisführung so entzückt, daß man nach zuverlässigen Nachrichten sogar beabsichtigt, einen Sonderdruck des Babscheu Prologs vor den Eingängen der Mitgliederversammlungen zu verteilen. Wie müssen die KPD.- Macher den Geisteszustand der Valksbühncnmitgliedcr einschätzen?! De» Ausklang aller KPD.-Schreibereien bildet natürlich der Ruf: Freunde, besucht heute die M i t gl i c d c r o c r- samm lungen der V o l ks b ü h n e und sorgt dafür, daß „oppositionelle" Delegiert« gewählt werden! Aber man wird sich in den Finger schneiden. Die Mitglieder, denen ein« vernünftige, von künstlerischen Gesichtspunkten ausgehende Führung der Bolksbühne und«ine Erhaltung dieser aus der'Arbeiterschaft hervor- gewachsenen Einrichtung wichtiger ist, als ein neues Instrument kommunistischer Lügenhctze mit dein sicheren Ergebnis des Ruins uer Volksbühne, werden aus dem Posten sein! Sie werden dafür sorgen, daß die kommunistischen Bäume nicht in den Himmel wachsen und daß gewissen Herrschosten die verdiente Quittung für ihre Be- judelung des Dolksbühnenhauses mit kommunistischen Phrasen er- teilt wird. Insbesondere heißt es auch für alle sozialdemokratischen Mitglieder der Volksbühne: Vergeht nicht, daß heute die Ver- sammlungen der Volksbühne sind(Abt. 1 bis UV: Sophien- Lyzeum, Abt. llll bis l7ä: Gewerkschostshous. Abt. l76 bis 250t Musikersäle, Abt. 251 bis 300: Rofent holer Hof, Abt. 301 bis 375: Haberlands Festsäle). Besucht die Mitgliederversammlungen der Bolksbühne? „Kür und wider Marx." Das Oktoberhest ver„GeseUschost". Das Oktoberheft der„Gesellschaft" ist im wesentlichen auf theo- retische Probleme abgestellt, um gleichzeitig eine Gabe für Karl Koutskys Geburtstag darzustellen. Das Heft beginnt mit eiiiein Aufsatz von Braunthal, der in einer großen Analyse di« mo« derne Zusamnienbruchstheorie von Sternberg, vor ollen Dingen aber von Großmann, darstellt und sie kritisch widerlegt. Das Buch enthält serner eine grundsätzliche Betrachtung von Prof. Meusel zum 6. Soziologentag,«im Arbeit, die in glücklichster Weis« die Ar» beit von Braunthal im Maiheft der„Gesellschast" ergänzt. Wie Braunthol von der Züricher Tagung des Vereins für Sozialpolitik. so kann auch Meusel nachweisen, daß latent oder ausgesprochen überall der Kampf um die Stellung für oder gegen Marx geht. Die Zuspitzung dieser Diskussion in dem Kampf um die Wert- srciheit, der durch Mannheims Versuch einer Soziologie deS Geistes in ein« entscheidende Phase tritt, wird von Meusel mit größter Schärfe und großem Temperament dargestellt. Auch die Aufsätze von Tillich und Marcuse, die uin das Buch von Mannheim „Ideologie und Utopie" kreisen, suchen zu dem letzten Problem der Erkenntnistheorie der marxistischen Soziologie vorzudringen. Ferner enthält das Heft einen Zlufsatz von Wölling über den s r i e dl i ch e n I m p c r i a l i,s m u s der Dereinigten Staaten, ei» Aufsatz, in dein Realität und Ideologie der amerikanischen Politik auf das glücklichste dargestellt wird. Der Aufsatz erscheint in den, Augenblick, in dem Wallings Buch über die amerikanischen Gewerkschosten und die Demokratie in der Verlagsanstalt des ADGB. erschienen ist, so daß seine Persönlichkeit auch dem Leserkreis der„Gesellschaft" vorgestellt werden kann. Ferner schreibt ein indischer Parteifreund über die Zukunft der indischen Verfassung, und Seidel würdigt Leiports Ge» denkbuch über Legten in einer schönen u:rd ergreifetK>en..Darstellung. ZSjähriges Veestchen des Deutschen Entomoloqischen Museum».. Vor 25 Iahren hat sich das Deutsche Entonwlogische Museum vom Märkischen Museum der Stadt Verlin getrennt und selbständig gc>� macht, nachdem es vorher lü Jahre in 04 provisorischen Zimmern vegetiert hotte. Inzwischen hat es(lOlOl em eigenes Gebäüde bekommen und ist(1022) ein Kaiser-Wilhelm-Inilirut oewnrde:,, dessen Sammlungen z. B. über 6000 modern eingerichtete) fartn. tbekarisch geordnete-Insektenkästen ausweisen, von welchen vor 25 Jahren nicht einer existiert hat. Seit Jahren ist es zu einem Vermittlungsinstitut zwischen theoretischer und angewandter Evto- 4 inolooie mit besonderer Emstellunq für Bchfiogrophie geworden. Die Tagungen deutscher Entomologen gehen von ihm aus. Wetter für Berlin: Kühl und veränderlich mit Neigung zit einzelnen Regenschauern und frischen Nordwestwindcn.— Für Deutschland: Üebcrall Abkühlung, im Osten und Süden meist trübe mit Regenfällen, in Wcsldeutschlcmü vorübergehende Vewölkungs» abnähme. verantwarllich für di« Redaktion! Aranz»lSH,. Berlin: ilnzeigrii: Td. ainit, Berlin. Lrrlag: Vorworts Vrrlufl®. m b S.. Berlin. Druck: Lorwärts Bn>I>- druckcrei und Bcrlagsanllalt Dan! Zingrr& Co.. Berlin S9B 68. LnUtenlirag« i. Lierzu 1 Beilädt. Dienstag, I. 10. Staats-Oger Unter d. Linden A.-V. 207 >9"- Uhr Aida Staats-Oger Am Pl.d.Republ. Vorst 66 191,3 Uhr Dienstag, 1. lo. Stadl. Oger Bismarckstr Turnus II 19-3 Uhr Die MmDg aus dem Serail Staat!. Stepli. SM 6endarinenmarkt A.-V. 1«3 20 Uhr Eig besserer Herr Staat!. SeMller-TheatEF.Cliarltli. 20 Uhr Der Kaufmann v. Venedig .__ Tlgl. 2 Vorstell. - 5 und B'/j Uhr Sarllrnu S2SS Unsen neusn Preist; Wochentags S Uhr SO PI. bis 3 Mark Hol.•Vi u. Sonnt. S Uhr 1 bis a Mark | Heute Premiere I mit dem weltberühmten Charlie Rlvel Auüerdem zum 1. Mala In Deutschland 3 Whlrlwinds Long Track Sana nwla waltara Intsmat. Attraktionen. Tägl. S U. SIS Saimt. 2, sa 8" | Alax. E. 4. 8066 [INTERNAT. VARIETE Heute Premiere Renaissance-Theater Heute 7.30 Uhr: PREMIERE STEMPELBRUDER Schauspiel von Duschinsky. Regie: Gust. Härtung. Stelaplatz G t, 0901». 2593/94. 8 Uhr» Zentr. 2819» Bsnihsn erlacht Heute Preniiere Isabelita Ruiz die gefeierte Spanierin.. Die berühmten DfilfOllt BOJfS« Schwestern Schwarz am Flügel. „Linder" der neue Imitator und weitere in Berlin noch nicht gezeigte Attraktionen. Volks MUine lheater am BIIIovdIsIi Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin Staat!. Sdiillei-Tli. 8 Uhr Der Kaolmann von Venedig Slaatsoper am Platz der Bspuhllk 7 Vi Uhr Der Freisdiütz Plsealor- Bühne S Uhi DerKautmann von Berlin Direktion i>r. Robert Klelr Deutsches Künstler-Theal Barbarossa 3937 8',. Uhr Sie andere Seite BerliDerllieater Tönhotmo 8 Vi U. Zwei Iravalien von Georg Kaisei Musik Spolianskv LessiDg-Ttieater Norden 10846 Cnrappe langer Schaa«pleler Täglich ßVi Uhr Cyankali # 218 von Ftltmidl wall Thcai.amKotth.ior Kottbusser Str. 6 ragi.auhr ■uc Sonnt. nachm. 3(J. ElUe- Sänger Das Seplentber-Sdiiaaer Metropol-Th. Tägl. SV» Uhr Marlen a Mnslitv. Oskar Straos Klthe Dorsch Mldaael Bohnen /CLCrw/V-M w �4 Lona Sitzplätze £ HLtsenba,rs 4 K a. p c i i tri JULIAN FUHS JUAN LLOSSAS ER.NG GEIGER HERMANN LEOPOLD! TdQiick Tanz-Tee ECK MC. 2.50 a.b 8" Ohr abends DIF ATTRAKTIONEN: Selbstverständlich Sobalrokrpost undTdefonjs \jon Tisch zu. Tisch Erö ffn ung HEUTE, abends 8 Uhr »rühr CASlNO-THEATEfl Lothringer Strafe 37. Unwiderraflicta nur bis 3. Oktober wem gehört mein mann! Freitag, den 4. Ok ober zum I. Male vertagte Hochzeinnacltt! jutsenein lür 1—4 P.ersonvn Fauteuit nur 125 Sessel I.7J M, Sonstige Preise: Parkett u. Rana njkl M. Reichshallen-TheaSer Allabendl.[jT] Sonntag nadhm.| 3 j Stettiner so Sänoer -» Jahre■- Fest-Programm! Nachmittags halbe Preise. Dönhoff- Bretti' VorietA Tanz— Konzert GROSSES SCHAUSPIELHAUS tägl. 8 Uhr ÄMuÄktler« Regie; ERIK CHARELL Gesami-Aussiaiiong: Prot. Ernst Stern. Rose- Theater. GroAe Frankfurter Str. t St, Bülettknue: Alexander J4I» Täglich 8.15 Uhr Die Weber von Gerhart Hauptmann Jeden Mittwoch 5.00 Uhr Das tapfere schneiderlein Jeden Sonnabend 5.00 Uhr und jeden Sonntag 2.M Uhr Schneewittchen 3 Uhr Sonntag ncchminag ungek. halbs Pre se. Vorverkauf auch im Pavillon der Reinhardtbühnen, Kifrfürstendamm, Ecke Ühlandstraße Bismarck 4t8,449 WM Tbeatei D.I. Norden 12310 SU. Ende gegen 11 Die Fledennaas Musik v.Joh. Strauß Regie: Max Reinharde Dirigent E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainei Kammerspiele D.I. Norden 12 310 8'�, Ende gegen IOVj Oer Oowiderstetiliclie Komödie von Gdraldy und Spitzer Regie: Gustaf Grändgens Die KomSdie J1 Bismck.24H/7516 SV« Uhr Ende geg. lOVj Uhr KoHsorlage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Lastspielhags Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich SV. Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Tbeat. o. Westens Täglich 8V'. Uhr Sonnab u. Sonntaf 4 und 8V» Uhr Der WeUer'olg frlederihe Musik von Fr««« Leb a r Phllhannonie 8 Uhr SinfODie-KoDzert des Philharm. Orch Dirto. pn». I. Prawer Unvoll Sinf.-Schu- bert, 5. Siot C-moll- Beethoven Eintritt 1 Mk Theater in dar "Hgjritzer Straha 8Vi Uhr äannlbaiante Portas �omödlonbou» Täglich S1� Uhr kfiütiys SUBPfiD M Sie Mi! Lustspiel von Juli u s B e rs tj Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich SV, Uhr Max Adalbert als Nante am Flügel Rudol' N« ls on pianetarmm am Zoo» („gar JoKtuinrtlme mla 3.5 Barbarossa 5578 td'/a Lhr Hertnl- abaatsam Sternan. r.lmmat 18'. Uhr Bit aa dl» Oraazea dar Weit 20'. Uhr Rl»ät"•» SlernaBlic.le* rjgl.auüer Montags u. Mittw. erwachs. I Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene SN p(. Kinder V PI Berliner illft-ftio Maukölln. V Labnetr 74 7il nülD IM! Mittwoch, den 2. Oktober naobm. 9 cur Vellage Dienstag, i. Oktober 1929 SprAbpnD Sfui/nuLga&e JÜt* �y+uyiir& .Kennen Sie ißiirenklan? Wie JCandarbeHer genossenschaftliche Siedler werden. Tie UnMänglichkeit unserer Wirtschastsweise, die Reformkie- dürftigkeit besonders der herrschenden ograrwirtschaftlichen Anstände kann nicht zwingender dargelegt werden als durch folgende Wider- sprüchcl zur gleichen Zeit in den Stödten große Arbeitslosig. keih auf dem Lande Not von Landarbeitern— trotz zahlloser Arbeitsuchender werden jedes Jahr Scharen jchlechtbezahlter polni- scher Schnitter herbeigeholt—, Lohndruck auf den? Lande, Abwan- derung in die Stadt und damit vermehrte Arbeitslosigkeit. Und wie kam es zu solchen Zuständen,, die jeder wirtschaftlichen Dernunst widersprechen? Eine kurze historische Besinnung sei gestattet. Vor wenig mehr als hundert Jahren waren ne Städte noch klein und übervölkert war das flache Land. In den Städten hatten ihren Sitz die Fürsten und die reichen Grundherrcn mit ihrem Anhang von Soldaten und Beamten-, den L-uxuskonsum dieser Schichten zu befriedigen, trieben die Städter Handel, errichte- ten sie größer« Betrieb«, die Manufakturen. Aber die große Masse des Bolkes lebte auf dem Lande. Die bäuerliche Wirtschaft konnte jeden Dedarf befriedigen— nicht nur für Nahrung für Sommer und Winter, auch für Kleidung, für Wohnung, für jeglichen Trans- port wurde in der Landwirtschaft Vorsorge getroffen. Hier gab es viele Arbeitsmöglichkeiten, hier konnte man sich auch in Zeiten der Not„durchhungern". Und nun setzte mit Hllfe der Bodenschätze(vor ollem Kohle und Erz) die gewaltig« industrielle Entwicklung ein. Die Landwirtschaft behielt nur die Aufgabe, Nahrungsmittel und einig« Rohstoffe zu produzieren: jede Tätigkeit, die nicht eng da- mit zusammenhing, wurde von jetzt ab von der Industrie ausgeübt. Immer neu« Betriebe wurden errichtet und vielfach herrschte Mangel an Arbeitern. Aber sie mußten ja kommen— die Arbeitsmöglich' leiten auf dem Lande schwanden, und die Industrie zahlt« besser als die Landwirtschaft. So strömten jahrzehntelang die Arbeiter vom Lande in die Städte, die rapide wuchsen bis eines Tages dos Gegenteil des früheren Zustandes erreicht war: in der S t a d i war Mangel an Arbeit und auf dem Lande Mangel an Arbeitern. Und als sich zeigte, daß keine Rückwanderung erfolgte, erhoben die Unbelehrbaren und Böswilligen chre Stimme: die Arbeiter.seien zu faul für die schwer« Landarbeit: die Sucht nach dem Großstadtrummel, nach dem Kino ziehe sie in die Stadt. Aber es zeigte sich, daß nur die Gegenden, in denen der Groß- grundbesitz vorherrscht— Ostelbien—, menschenleer wurden, so daß Saisonarbeiter geholt werden mußten. Nicht unsinnige V e r- gnügungssucht. sondern e> n A r b e i t s s y st e m, dos noch sehr an die Zeit der Leibeigenschaft erinnerte, schlechte Woh- nung, schlechte Bezahlung hatten die Ländarbeiter in die Stadt,' der deffer, wenn- auch schlecht genug zahlenden Industrie zugetrieben. Aber wie kann man verhindern, daß die Landflucht weitergehl. daß ans dem Lande die Zlot an Arbeitern, in der Stadt der Mangel an Arbeit imiper größer werden? Es gibt nur ein Mittel, das Erfolg verspricht, das ist die Sied- l u n g. Da man erkannt hat, daß der Boden bei bäuerlicher Be- triebsweise viel mehr Menschen Arbeitsmöglichkciten bietet als bei Gutsbetrieb— denn nur in Kleinbetrieben ist die intensive Vieh- Wirtschaft mögllch—, so sucht man durch Neuschaffung von Bauernstellen den Großgrundbesitz im Osten Deutschlands zurückzudrängen. Bauernsöhne aus Süddeutschland wurden heran- gezogen und angesiedelt: einzelne Güter wurden aufgeteilt, und allmählich soll die intensivere Wirtschaftsweise zu dichterer Besiedlung dieser Landstriche führen. Nur eins wurde bei dieser Ansiedlungspolitik übersehen: der Landarbeiter, der noch für lange Zeit der wichttgste Wirt- schaftsfaktor sein wird und dessen Abwanderung verhindert werden soll, er hatte hierbei keine Rolle erhalten. Das hat zuerst der Rationalökonom Franz Oppenhcimer erkannt: ihni ist das tatkräftige Beschreiten neuer Wege der Siedlungspolitik zu danken., Diese Versuche, die die Oefsentlichkeit mit viel mehr Aufmerk- samkeit als bisher verfolgen sollte, werden auf dem Gut Bären- klau bei Velten gemacht und haben schon zu beachtlichen Er- folgen gesührt. Das Gut war ursprünglich Rcmontegut, d. h. es diente der Heeresverwaltung zur Beschaffung von Pferden und Futter. Als es im Jahre von der„Gemeinnützigen Siedlungs- Treuhandgesellschaft m. b. H." übernommen wurde, mußte es erst unter großen Schwierigkeiten auf einen geordneten landwirtfchaft- lichen Betrieb umgestellt werden: die überflüssigen Pferdeställe wur- den umgebaut, die Ackerschläge für di« verschiedenen Kulturen be- arbeitet, künstliche Wi�en für die Rindviehwirtschaft angelegt. Im Gegensatz zu allen anderen Siedlungsverfahren wird aber das Gut nicht zerschlagen und an die Siedler aufgeteilt, sondern der Gutsbetrieb wird fortgeführt. Die Lösung der Aufgabe, die Landarbeiter an die Scholle zu fesseln, wird begonnen mit der Aenderung der U r sä ch« n der Land- flucht, wie wir sie vorhin feststellten: Arbeitssystem. Wohnung, Be- zahlung werden in der„A n te i l s w i r t s ch a ft" grundsätzlich neu geregelt. Denn nicht zur Erzielung eines hohen Reingewinns betreibt die Gesellschaft dos Gut(es werden höchstens ö Proz. Divi- dsnde verteilt), sondern um Kosten zu sparen, um allmählich das Gut zu verkleinern und ein Stück Land nach dem ander«n den Siedlern zu überlassen. All« Arbeiter und Angestellten sind im Verhältnis de, erhaltenen Lohnes auch am U«berschuß beteiligt. Ilm für die 17 Landarbeüerfamilien menschenwürdige Wohnungen zu schaffen, wurb, e;n Remoistegebäude umgebaut nach Art moderner Reihensiedlung: jede Wohnung hat dre- Zimmer und Küche und eigenen Eingang, hgzu einen Garten von einem Drittel Morgen. Alle Wohnungen sind hea und geräumig, so daß sich ein Gutsbesitzer als Vertreter des zuständigen Kulturamts äußerte:.So gut wohnt ja nicht einmal mein Verwalter!" Gegenüber anderen Landarbeitern ist die wirtschaftliche Lage der auf Gut Bärenklau Beschäftigten bedeutend erleichtert durch die Wirtschaftsgenosse n�schoft, die nicht nur Lebensmittel, sondern auch Dünge- und Futtermittel verkaust. Die Wirtjchasts- genoffenschaft Bärenklau konnte bisher 7—10 Proz. vom Umsatz bar zurückzahlen. An die Genossenschaft angeschlossen ist«ine Mühle und eine Bäckerei, di« mit Darlehen dör Treuhand- gesellschaft errichtet, wurden; wenn dieses Darlehen.zurückgezahlt jein wirds aus de« Jewinnea!), gehöre« beide Betriebe der Genossen, schaft, d. h. den Arbestern und Angestellten des Gutes, als Kollektiv- eigentum. Die Gewinnanteil« der Anteilswirtfchaft, die Rückzahlungen der Wirtschaftsgenosfenschaft, sollen den Landarbeitern die Möglich- keit geben, einen Teil des notwendigen Siedlungskapitals zu er- sparen. Natürlich kann ein solches einzelnes Unternehmen nicht die kapitalistische Wirtschastsordnung durchbrechen: und Kapstal ist nun einmal die Voraussetzung für jede Siedlung. Aber die Loge des Landarbeiters, der sonst ein hoffnungsloser Lohn- sklave ist, wird entscheidend gebessert wenn er die Möglichkeit hat, in einer Reihe von Iahren die notwendigen tausend Mark zu sparen, sobald er vor der Ausbeutung durch Bodenspekulanten gesichert ist. Je nach der Größe des Kapitals kann dem Siedlungswilligen Boden von 2'/» bis '40 Morgen zum Selbstkostenpreis überlassen werden. Diejenigen Handarbeiter und Angestellten, di« nur kleine Flächen, also mst der Siedlung nicht ihren vollen Lebensunterhalt erwerben können, bleiben auf dem Gute angestellt und am Gewinn beteiligt. Di« „bäuerlichen" Siedler, die 15 bis 40 Moygen bearbeiten, scheiden aus dem Gutsbetrieb aus. Um die Bodenspekulation auszuschließen, behält di« Treuhandgesellschaft stets das Bor- kaufsrecht, wenn einmal ein Siedler seine Stelle aufgeben will: Ber- besserungen des Bodens und inzwischen errichtete Bauten werden aber bezahlt. Da sich bisher nur wenige Landarbeiter für die Siedlung ge- ftinden hoben, wie es ja bei den heutigen Einkommensverhältnissen nicht anders möglich ist, sind auch vom Gut Bärznklau an ander« geeignete Leute, Gärtner und Bauern, Siedlerstellen abgegeben wor- den. Bon den 2260 Morgen sind bisher 640 Morgen an 3 2 Siedler übertragen worden. Es besteht also zurzeit ein Rest- gut von etwa 1600 Morgen, das allmählich auf 1000 Morgen ver» kleinert werden soll: dos aber ist die unterste Grenze, wenn man nicht alle Anlagen wertlos machen und den Landarbeitern ihre Ar- beitsmöglichkeit(die sie ja auch bei Anssedlung auf kleiner Fläche be- hallen müssen) rauben will. Inzwischen hat die Treuhandgesellschaft mit Hilfe von Staatskredit das Rittergut Lüdersdorf gekauft, auf dem das Siedlungswerk in gleicher Weife wie auf Gut Bärenklau in Angriff genommen wird. Ein kleiner, aber guter Anfang ist gemacht. Zu wünschen ist, daß der Versuch in großem Stile fortgeführt wird. Wenn die Lag« der Landwirtschaft gebessert wird, wenn ihre Abwanderung auf- gehalten und damit die Bermehrung der städtischen Arbeitslosigkeit vermieden wird, so wird das ganze Volk daraus Nutzen ziehen. Wilhelmshöhe Aus den tränen des Volkes geschaffen Man denkt an dos Schloß, in dem Napoleon III. vom 5. September 1870 bis zum 10. März.1871 gefangen war, oder an einen viel gerühmten Schloßpark im englischen Stil. Aber Wilhelmshöhe ist mehr: es ist der Ausklang und die Be- krönung einer ganzen Stadt. Eine der eigenartigsten städtebaulichen Schöpfungen, die Deutschland, ja ganz Europa aufzuweisen hat. Wilhelmshöhe ist deshalb von Kassel nicht zu trennen. An «ine mlltelalterliche Landstadt, fast bäuerisch mit ihren schlichten Fachwerkhäusern und an Kühe, Schweine und Misthaufen erinnernd, die bestimmt einmal dazu gehört haben—«ine Landstadt, die etwas gehoben wird durch einen alten Festungstunn, dem„Drufellurm", durch ein Marstallgebäude in deutschem Renaissancestil, einem„Rent- amt" und„Zeughaus" aus demselben 16. Jahrhundert, und zwei nicht gerode ansehnliche gotische Kirchen. Der Landgraf Karl, der wie sein Vater aus dem durch die Nöte des Dreißigjährigen Krieges furchtbar mitgenommenen Hessenlande immer wieder Geld zu schlagen wußte durch Vermietung seiner La n d e s- kinder an das Ausland— Landgraf Karl wollte sich ein« fürst- liche Residenz schassen im modernen, d. h. französischen Geschmack. Das war gar nicht sehr schwer. Die Aufhebung des Edikts von Nantes vertrieb di« Hugenotten aus Frankreich. Und diese Huge- notten waren brauchbare Bürger: Gewerbetreibende, die ihr Geld und ihr« Fabrikationsgeheimnisse mitbrachten. Also machte es der Landgraf von Hessen in Kassel ebenso wie der„Große" Kurfürst von Brandenburg und nahm einige Tausend dieser kapllalkräftigen Untertanen in seinem Lande auf. Mit ihnen einen ausgezeichneten Architekten, Paul du Ry, der ihm ein neues Kassel bauen mußte. Er mochte es nicht so barbarisch wie Nero, der das alte Rom anzünden ließ, als er«in neues bauen wollte. Das konnte sich«in kleiner deutscher Fürst nicht leisten. Er stellte vielmehr sein« Barockstadt neben die mittelalterliche. Die Verbindung der„Oberneustadt' mit dem mlltelallerlichen Kassel ist ein« genial« Tat des französischen Baumeisters und seiner Nachfolger gewesen. Man fing das Gewirr und Gewinkel der alten Gassen in einem kreisrunden Platz, dem„Königs- platz" auf. Die gerade neue Hauptstraße, die„Obere Königsstraße", führt« von hier aus nach dem Paradeplotz, der nach dem Land- grasen Friedrich II.„Friedrichsplatz" getauft wurde. Die fast quadratische, in lauter Rechtecke ausgeteilte, H u g e n o t t e n st a dt grenzt an den ungeheuer weiträumigen Friedrichsplatz und an die von ihm aus sich öffnend«„Schöne Aussicht",«ine mit Bäumen be- pflanzte Terrasse, die an Schönheit der Wirkung sogar noch die de- rühmte„Brühlsche Terasse" in Dresden übertrijst. Zwischen der Fulda und der Terasse entstand«in wundervoller, durch zwei Kanäle und einen See belebter Park, die von dem langgestreckten „Orangcrieschloß" beherrschte„Karlsruhe". Die Kötzigstraße, heute durch das neue Rathaus verunziert und in ihren ehemals so harmonischen Proportionen gestört, endigt am Wilhelmshöher Platz. Aber der ist nur vorläufiger Ruhepunkt. Eine Allee von 5 Kilometer Länge schließt sich im stumpfen Winkel zur König- stroße an, der Auslaß sozusagen der Stadt. Wer kümmert sich heut« noch darum, was außerhalb des Weichbildes mit einer Stadt ge- fchicht? Im Barockzeitalter, das zum ersten Mal« den Städtebau systematisch betrieb— die mittelalterlich« Stadt ist mehr oder weniger Zufallsbildung—, denkt man auch daran. Man läßt die Stadt in die Landschaft allmählich a u s k l i n g e n. Die Allee führt auf das Schloß zu, das an der Stell« eines mittelallerlichen Klosters erbaut worden ist, am Fuße des Gerichtsberges. Und wiederum zeigt der Architekt seine Fähigkeit, das Gelände auszunutzen, wie bei der„Schönen Aussicht" und der.Larlsaue". Er arbeitet hier mit der durchgehenden Achs«. Hinter dem Schlosse Wilhelmshöhe wird diese durch die Wilhelms- höher Alle« festgelegte Achse fortgeführt in Form eines Rasen- ousschnitts im Bergwald, zuletzt, in seiner obersten Parti«, als ein« Kaskadenanlage, die ein phantastischer Kulissenbau, das„Oktogon" krönt, das seinerseits in eine Pyramis« ausläuft mll der Kolossalfigur eines Herkules darauf. Dieses, aus unge- heuren Blöcken aufgeschichtet« Riesenschloß„Oktogon", das einem rein ästhetischen, keinem praktischen Zwecke dient, ist somit der letzte Abschluß der Stadt Kassel, di« die Kühnheit eines Baumeisters bis auf 600 Meter Höhe hinaufgetrieben hat. Park und Schloß bieten natürlich auch im einzelnen viel Interessantes. Das 18. Jahrhundert ist nicht nationalistisch beschränkt. Es nimmt das Gill«, wo es zu hoben ist. Welch«in Sammelsurium in diesem Park! Di« Antik« muß herhalten mll einem Merkurtempel, den Ruinen einer römischen Wasserleitung— künstliche Ruinen!— einem»Grab Dirzils",«o«r „Pyramide des Eestius", einer„Plutogrotte", die so etwas wie den Eingang zur Unterwelt vorstellt, und einer aus Lehm gebauten Einsiedelei, di« sich„Hütte des Sokrates" nennt. Die Fürsten, die um 1780 für olttömisch« Dichter schwärmten, hatten nichts übrig für die zeitgenössischen Deutschen, für Klopstock und Bürger, Goethe und Lessing. Die erbärmliche Klein- staaterei, die das„heilige römische Reich deutscher Ration" in über 200 Territorien zerspaltete, tot dos ihrige, den Blick für dos Schäften der deutschen Gegenwart zu trüben. Der Weiher vor Schloß Wilhelms- höhe wird noch heute französisch„ß'a c" genannt, der strauchig« Grün'plog dahinter nicht anders als„Bowling Green": ein englischer Name galt für vornehmer als ein deutscher im Zeitalter der Weimarer Klassiker.„Mulang" heißt noch heul« dos ehemalige„chinesische Dörfchen", das Friedrich II. für die Landwirtschaft am Rande des Parkes erbauen ließ, um eine Pagode herum. Man sieht darin«ine Verketzerung des französischen Wortes „Maul in", das in diesem Falle eine Windmühle bedeutet halte. In diesem chinesischen Dörfchen wurden, um den exotischen Eindruck noch zu erhöhen, mehrere Neger beschäftigt. Der Preis für dies« Spielerei war nicht gering. Drei von diesen Unglücklichen stoichen in dem ungewohnten Klima an Auszehrung, einer hat sich aus Heimweh ertränkt. Menschenleben spielten ja für die Begründer dieser Anlagen keine Rolle. Die ganze Herrlichkeit von Wilhelmshöhe wurde nur durch den Verkauf von Landeskindern an fremde Mächt« ermöglicht. Während ein italienischer Architekt die Herkules- bürg erbaute, schoß ein hessischer Söldner im Dienst der Republik Venedig den Parthenontempel in Athen, das schönste Baudenkmol der Antike, in Brand. Als dann zum ersten Mol« die Wasser über die Kaskaden schäumten, fragte der Landgraf Karl seinen Sohn Friedrich, nachmaligen König von Schweden: „Was meinst du, mein Sohn, wessen Stalue wird wohl dort oben am besien ihren Platz finden?" Worauf der Erbprinz erwiderte: „Am besten scheint mir ein Galgen dort oben hinzupassen, an dem der Erbauer es büßt, daß er Werke geschaffen hat, an denen so viele Tränen des Volkes hängen!" Der sürstliche Papa soll ihm darauf eine Ohrfeige verseht haben vor versanimelten Hofschranzen. Am tollsten trieb den Menschenschacher jener dicke Landgras Friedrich 1 1., der in römischer Rüstung auf dem Friedrichsplatz verewigt worden ist. Er hat nicht weniger als 12000 Landeskinder wahrend des nordamerikanischen Freiheitskrieges an England verkauft und dafür über 21 Millionen T a l e r erlöst. Die Dynastie, die Wilhelmshöhe geschaffen hat und im 19. Jahrhundert nicht einmal mehr den Geschmack der Vorfohren besessen hat— wie die Anlage der„neugotischen" Löwenburg beweist, die Verhunzung des Bauplanes für das Wilheünshöhcr Schloß durch die massiven Verbindungsslügel im Jahr« 1820 und schließlich die noch verhängnisvollere Verhunzung des Kasselers Stadtplanes— streitet mit der württembcrgischen um den Ruhm, die nichtswürdigste und oerrottefttc unter allen deutschen Dynastien zu sein. Die Gebrüder Grimm, der Komponist Ludwig S p o h r haben unter diesen Landesvätern schwer zu leiden gehabt. Um so befremdlicher berührt ein Dankschreiben Goethes an den Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kossel, das in der Wilhelshöher Bibliothek aufbewahrt wird. Dafür, daß der FJirst den von dem Dichter selbst gezeichneten„Römischen Carnevol" an- genommen hat, schreibt di« Weimarische Exzellenz: „Mit wiederholter Anerkennung höchst Jhro er. habenen Eigenschaften und redlichster Betheuerung, wie schmeichelhaft es sey. Ew. Kömgl. Hoheit Aufmerksamkeit meinen Arbeiten zugewendet und erhalten zu wissen, zu auf- richtigst empfundener Verehrung zeitlebens mich bekennend Ew, Königl. Hoheit unterthänigster W. v. Goethe." Weimar, 1. August 1810. Dos ist ein Stück deutscher Tragödie: daß der erste Dichter der Notion so würdelos vor � einem der jämmerlichsten, geistlosesten imb rückständigsten kleinen Despoten kriecht, dessen einziges Bestreben wor. die durch Jeron»«, Napoleons Bruder. -ingeführten Reformen: Abschaffung der Adelsprivilegien, Aufhebung der Leibeigenschaft, zunichte zu machen und die bescheidenste Ber- jassung zu jabotier«� Hcrauna Hi-w ftbman von(Tlax ßarfkel (8. Fortsetzung.) Das Mädchen schrieb auf die Rückseite eines Bildes ihren Ramen. Sie war aufgeregt und ihre Hand zitterte. „Aber ich bekomme doch ganz bestimmt Nachricht?" fragte sie. „Ganz bestimmt." Das Spiel ging weiter und niete Szenen wurden noch ge- dreht. Dchora hatte ihren guten Tag. Abends in der fünften Stunde kam die große Ruhe über die Hallen. Die Komparsen strömten nach der Vorortbahn, die Stars lehnten sich in ihren Autos zurück. Nur die Leute von der„Domino" silmten noch imd toten sehr geheimnisvoll. Lyssander, Glah und Benck« vertießen das Atelier und fuhren in die Stadt. Dolora saß in dem Wagen, der Kreß und Lemansky nach Veriin bracht«. Lyssander hatte sich ziemlich kühl von ihr verabschiedet. Sie war klug genug, ihm sehr zärtlich zuzunicken. Als der Wogen die Stadt erreichte, räuspert« sich Lemansky und lud sie zum Abend ein. Sie nahm diese Einladung sofort an. „Was machen Sie heute otxnd, Lyssander?" fragte Bencke. .Lch suche meine Madonna", antwortet« er. „Und Sie, Meister?" ,Lch schreibe den Entwurf für unseren neuen Film. Alfred". sagte Maß.„Ich denk« jetzt an das Keine Mädchen, da» wir damals im Wartesaal des Bahnhofs gesehen haben. Wissen Sie noch, Alfred, die Kleine, die mit dem jungen Kerl am Tisch sah und weint«?" „Nein, ich entsinne mich nicht mehr, Meister", sagte Bencke. „Mein Bedarf an Nein«n, wetnenden Mädchen ist für lang« Zeit gedeckt." Der Kampf im Dunkel. In der unteren Friedrichstadt hat sich der Film festgesetzt, und wenn man vom Halleschen Tor zur Leipziger Straße hinaufgeht, kann man oft die jungen Leute sehen, die mit breiten Oxfordhosen, amerikanischen Hornbrillen und gestutzten, kleinen Bärten da« Ideal des gut angezogenen Gentlemans verkörpern. Sie schreiten daher wie aus einem Modesalon, lächeln oder sind ernst und finster wie die Wachspuppen in den großen Warenhäusern. Der Zusammen« hang zwischen Film und Konfektion wird sofort klar. Der Film ist heut« eine große Industrie, um die sich auch andere Industrien gruppieren. Verlagswesen, Reklame, Kopieranstalten, die Mod«. salons, di« chemisch« Industrie, der Apparatebau, der optisch« Kon- zern: das alles und noch viel mehr dämmert hinter den schimmernden Bildstreifen der vielen Filme, eine ganz« Welt voller Geschäft und Geschäftigkeit, deren Ziel das Ziel unserer Zeit ist: Geld zu ver- dienen, das Gesicht des Volkes in das Gesicht des Normalbllrgers zu verwandeln und den: Untertan billige Träum« zu vermitteln. In der Friedrichstadt trifft man auch die jungen Operateur«, di« nach neuer Arbeit aus sind. Durch ihr« bürgerliche Kleidung ist noch oft der frühere Offizier oder Flieger des Weltkrieges zu sehen, der sich jetzt zu den Lichtllberfällen der Rampen und in die Kulissen- landschaften neuer Spiel« gerettet hat. Der Operateur kennt olle Kulissen und muß ein guter Techniker s«in und seine Arbeit ver. stehen. Ab und zu hält auch ein amerikanischer Wagen da unten, und der Passant kann den berühmten Star, den Liebling des Volkes mit eigenen Augen und leibhaftig sehen. Es gibt viel zu sehen in jener Gegend, Nutten und Geschäftsleute, Aeitungsmenschen und Siraßenhändler, und die blanken Fenster, hinter denen die Groß- aufnahmen und Lichtbilder neuer Filme ausgestellt sind, werden sehr l-eachtet. Vor den Vildern findet man junge Mädchen, Ver- käuferimien, Stenotypistinnen, Fräuleins aus der Bar, die ihre Augen oerzehrend auf die schönen Photos und Bilder richten. Die Friedrichstraße ist die Straße der großen Illusion. Die berühmten Filmgesellschaften haben in der unteren Friedrichstadt ihr« Geschäftshäuser und Bureaus. Auch Herr Daniel Kreß war in der Zeit zwischen elf und zwölf, wenn er in Staaken nichts zu tun hatte, in seinem Vureouhaus da unten zu treffen. Der Weg zu ihm war durch viele Anmeldungen«rsperrt. Kreß wurde überlaufen'. Operateure fragten nach Arbeit, Graphiter wollten de- schäftigt werden, Drehbuchschreiber kamen mit neuen Ideen, de- rühmt« Stars machten ihre Aufwartung. Aber auch viele Damen kamen mit Empfehlungsschreiben und großer Leidenschaft für den Film. Daniel Kreß hatte sein« Pläne und Ideen für sich, und wenn man doch einmal bis in sein Arbeitszimmer kam, stieß der Besuch mit den n«u«n Ideen oder großer Filmleidenschost auf eine Mauer lächelnden Wohlwollens, auf ein« Mauer herzlicher Ratschläge, die lu nichts verpflichteten. Kreß hatte sich einen glänzenden Trick ausgedacht, um die stürmischen Besucher zu erledigen. Er Härte ihnen einig« Minuten ernsthaft zu, dann sagte er:„Einen Moment bitte," kritzelte auf seine Karte einige Zeilen und sagt«:„Ick) empfehle Ihnen, Mister For Ihre Wünsche vorzutragen. Ich ruf« Mister Fox an." Er nahm das Telephon und sagt«:..Hallo. Mister Fox. ich schicke Ihnen eine Persönlichkeit, deren Wünsch« mir sehr am Herzen liegen. Wir kon- serieren dann über den Fall." Der Besuch schob glücklich und er. freut ad. aber bei Herrn Fuchs gab es nichts als«ine neue Karte für eine angeblich befreundete Gesellschaft, und von dort wanderte der Mann mit dem Empsehlungeschreiben fast olle Filmgesellschosten ab, kam immer bis zu einem Mister Fox und wurde immer weiter empfohlen. � Das war der Trick von Daniel Kreß. Ander« Gesellschaften gingen ähnlich vor: man hörte den Besuch freundlich an, opferte auch manchmal eine halbe Stunde, wenn ein Geschäft zu wittern war und überbot sich in Freundlichkeiten. Die Wege unbekannter Menschen zu den Gesellschaften waren Morterwege. Zwischen den deutschen Bureaus stand groß und mächtig die Konkurvenz: die Amentoner und die Russen trumpften mit ihren Häusern auf. Copyright 192» by„Der BBcherkreis G. m b. H.", Berlin SW61 In der unteren Friedrichstadt lagen auch di« Keinen Cafes, in denen sich die Fllmleute trafen. Die Regisseur«, di« Operateur«, die Aufnahmeleiter und manchmal auch die Direktoren kamen zu einer Tasse Kaffee zusammen. Verabredungen wurden in jenen Eafes getroffen, und bald sammelte sich in ihnen auch die Komparserie. Im Eafe„Urania" entwickelte sich eine richtige Filmbörse. In den Vor- mittagsstungen oder abends nach der Arbeit wurden hier die Gagen- .Zettel ausgeschrieben. Der Kampf um das tägliche Brot war ein Kampf im Dunkel, und die Mädchen, die siegten, waren durchaus nicht immer di« für den Film begabtesten. Marianne Hull war nun acht Tage in Berlin. Mit ihrem Freund besah sie sich die große Stadt. Sie fuhren nach dem Wannsee, nach Potsdam oder nach Tegel und schwännten in den schönen Landschasten. Mit Frau Bcrthold verstand stch dos Mädchen ausgezeichnet. Georg wohnte in Friedenau und war in zehn Minuten zu erreichen. Aber nach den acht Tagen Schwärmerei drängte Marianne nach Arbelt. Sie waren nach Tegel gefahren und schaukelten jetzt In einem kleinen Kahn aus den linden Wellen, sahen dt« grünen Inseln, di« schwarzen Fabriken, den heftigen Zufommenproll zwischen Technik und Landschaft, und mitten auf dem See sagt« Marianne: „Da» alles muß nun aufHöven, Georg. Zum Kahnfohren bin ich nicht nach Berlin gekommen. Der Tegeler See ist schon schön, ober der Vodensee ist noch viel schöner. Du bist ein Faulenzer." Georg ließ den Kahn treiben. „Aber ein glücklicher Faulenzer, Marianne. Bist du nicht glücklich?" fragte er.„Bist du nicht glücklich Marianne?" „Nein", sagt« sie und mochte ein ernstes Gestcht.„Nein, ich bin nicht glücklich. Ich will arbeiten." Als ste seine traurigen Augen sah,«rKärt« st«!,„Ja. ich bin schon glücklich, aber am glücklichsten wäre ich doch, wenn ich endlich arbeiten dürfte. Wir fahren bald nach Berlin zurück. Ich will heut« abend noch in die Filmbörse." „Muß das h«ute schon sein?" „Ja,-es muß heute noch sein!" S«org antwortete nicht. Er ergriff die Ruder und trieb den Kahn wild über den See. Er raste sich auf dem kühlen Wasier aus, landete an der Bucht einer kleinen Insel und lief dann mit dem Mädchen durch den heiteren Wald. Aber sie blieben nicht lang« auf der Insel, Marianne bestand aus Berlin, und am späten Nachmittag fuhren sie mit der Straßenbahn in die Stadt. In der Friedrichstraße verabschiedete sie ihren Freund und ging allein in da« Cafe„Urania". Wied«? flammt«» die Lichter über der Friedrichstraße, wieder erbrauste der Tumult der Millionen, aber Marianne war nicht mehr verwirrt. Sie ging mit sicheren Schritten ins„Urania" und ließ stch an einem welßen Ecktisch nieder, von diesem ZZsch konnte man dos ganze Cafä überblicken. Viele Tische waren zu sehen, unter der verzierten und verblichenen Decke aus Goldstuck schwebte der Rauch aus vielen Zigaretten wie ein Opfer fremder Gottheiten. An den Tischen saß die Komparserie und wartet« auf Arbeit. Ueber ein Dutzend Mädchen waren da und einige jung« Männer mit kühnen Augenaufschlägen. Die Gespräche plapperten, Gelächter spritzte auf wie eine kleine Woge und zerschellt« rasch. Mariann« saß nicht lange allein. Ein junges Mädchen seßte sich zu ihr. Mit dem Mädchen kam sie bald ins Gespräch und hörte ihre Geschichte. „Diermal habe ich im letzten Monat Aufnahmen gehabt," sagte sie.„Und vor fünf Tagen hat der Meister meine Bilder ab- oerlangt und sie immer noch nicht zurückgeschickt. Ist das nun ein gutes oder ein schlimmes Zeichen?" „Ein gutes Zeichen!" sagte Marianne auf gut Glück.„Aber wer ist denn der Meister?" „Das ist ein Freund von Lyssander und Bencke," antwortete sie,„und er wollte mich ganz bestimmt empfehlen. Ohne Empfeh- lungen und gute Verbindungen sind wir ja alle«rschosten... Wann haben Sie zuletzt gefilmt, Fräulein? Ich bin die Gritt Eisemann... Ach, ja, es wäre gut, wenn der Meister mit Lyssander spräche. Meinen Sie nicht auch?" „Natürlich," sagte Marianne und stellte sich dann vor.„Ich habe zuletzt in München gefilmt, und will nun sehen, was in Berlin los ist." „In München? Wie ist es in München? In Berlin ist alles besetzt. Hier jagt eine der anderen das Brot weg," sagte Gritt. „Ach gehen Sie mit München! Was ist in München schon los? In München kann es nicht schlimmer sein als in Verlin." Gritt hörte den Bericht. Marianne aber war aufgeregt. Der Schwindelbericht machte ihr kein Herzklopfen, aber jetzt stieß sie wieder auf Lyssander, den Mann der ersten Nacht. Sie hatte ihn schon beinahe ganz ver- gessen und nun stieg er auf und hott« viel Macht. Sie befragte die kleine Gritt: „Der Lyssander ist wohl ein mächtiger Mann in Berlin?" „Ein mächtiger Mann und ein schöner Mann," erzählte sie, „und mit der Dolora soll es nun aus sein, habe ich gehört. Kunst- stück, so wie die Dolora spiele ich auch... Und der Meister ist so ein ulkiger Bursche. Die Mädels haben Angst vor ihm, weil sie ihn nicht verstehen. Die Sache ist ganz einfach: der Mann spinnt, aber«r spinnt hannlos. Man kann durch den Meister auch viel erreichen. Glauben Sie, er zeigt Lyssander oder Bencke meine Bilder?" „Natürlich, wenn sie gut sind." „Das'sowieso!" sogt« Gritt und lachte. Sie schütelte ihren schwarzen Iungenskopf. blinzelte Marianne zu und flüsterte: „Achtung, das Geschäft blüht, Ackermann von der„Domino" ist da." Plötzlich verstummten die Mädchen im CafS. Der Aufnahme- lciter Ackermann von der„Domino" kam und ließ seine grauen Augen lässig über die Tische schweifen. ÄIs er Marianne iah, stutzt« er ein wenig, aber dann wurde er abgelenkt, ein« üppige Schwarze kam auf ihn zu, lächelte und drückt« seine Hand. Die Gritt Eisemann verließ ihren Platz und drängte sich dem Manne zu, der einen Block aus der Tasche zog und vier Mädchen sür morgen früh bestellte. Die kleine Gritt und auch die üppige Schwarze wurden engagiert. Gritt kam an den Tisch zu Marlanne zurück. „Warum haben Sie sich nicht bemerkbar gemacht. Fräulein?" fragte st«,„hier in Berlin muß man laufen und springen." (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT, «mNMniniMimnnimiii)nniiiiiiiiimimmiinn)uii'uuiunuiimmmtuimumniiiiLiiuiminimuiiniiiiuiiiHiiufflimuiiiuiiiimuiuiiiimianioiMiumniMiuinuiiinunmiii im Groh-Berliner Aerztebund beschäftigt war. Das Monatsgehall ron 67 Mark sei der seit 114 Iahren bei der Rechtsschutzstell« beschäftigten 17jährigcn Klägerin al? An- fängerin gezahll worden. Das sei„angemessen und'ortsüblich". Sämtliche Angestellte der Rechtsschutzstelle des Aerztebundes erhielten eine ausreichende Entlohnung. In welcher Höhe, ist nicht angegeben. Die Klägerin habe ihre Stelle gekündigt, sie jedoch vor Ablauf der Kündigungsfrist verlassen. Das Arbeitsgericht habe sestgestellt, daß sie deswegen schadenersatzpflichtig sc!. „Es ist unwahr, daß von der Klägerin unbezahlte 11 e b« r» stundenorbeit in erheblichem Maß« verlangt worden ist. Sämtliche verlangte lieberstunden sind tarifmähig entlohnt worden." * Tatsache bleibt, daß eine Angestellte de? Rechtsschutzstelle des Groh-Berliner Aerztebundes nach � 114silhriger Tätigkeit mit 67 M. Monatsgehalt bezahlt wurde. Di« verklausuliert« Behauptung bezüglich der II eb« r(tu n d e n ist mst den Feststellungen des Arbeitsgerichts nicht in Einklang zu bringen. Die Rechtsschutzstelle sollte. überdies wissen, dah die Einbehaltung des Restgohalls' von 27 Mark zur Auf- rechrnnig des ihr durch die vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhalt- nisses angeblich entstandenen Schadens unzulässig war. Sie hätte dann die Klag« aar dem Arbeitsgericht vetmleden, deren Aus- gang für sie nach allem nicht erfreulich ist. für die Zeit vorn 1. bis 3. Okiober K I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vorn 1. bis 3. Okiober ©OQ Potsdamer Strafe 35 Der Strftfllng ans Stambal m. Betty Amann u. Hetnr. George Rheinstratje 14 k&"e1cU Seine Gefangene mit Mtlton SI1U Rintintins Millionenhabband Odeon, Potsdamer Sir. 75 Die Scbmaielerkrant von Mallorca Die Jagd nach der Erbidiall Turm strafe 12 Der StrXfling ans Stambal m. Betty Amann u. Hefnr. George Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet Manolcscn mit Brigitte Helm Oer fUegende Cowboy(5 Akte) ■-a»,■ Alhambra Be8f a�h9;I5U- Scböneberg, Hauptstr. 30 fiObnenadtao Adieu, Maieotto mit LUlan Harvey Der fliegende Teniel von Texai Titania(vu£w£be*) Hauptstraße 49 Beginn ab»Ja Uhr Die elffa che Witwe m.DoLCoaiello Die Rcgimentilodlter m. B. Balionr F rledcpaucr Lichtspiele Kaiserallee III Oiundertelf) Noll Uhr mit Lionel Barrymore Eine VerkSniertn von Klaue mit Aheair er Artushof-Lichtspiclc Film- and BOhnenscbaa Perleberger. Str. 29 und Stendaler Str. Der Hcrzensphotograpb mit Harry Lledtke Da« Findelkind ron Singapore Welt-Kino Alt-Moabit 99 Narkose mit Altred Abel Der Sohn de» goldenen We»ten« - mit Tom Mix W Schlüter-Theater Schiütcrstr. 17 W. 7 u. 9.15 U, S. ab 3 U. Stürme m. Lilian GUh, L. Hanaon Das Mclsfe vom Zolder-See mit Marion Davlet(1. Preis ein Kuß) Atrium Beba-Palasi Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Beginn 7, 9.15, Sonntags 5, 7, 9.15 Uhr Zwischen ,4 nnd 17 Auf der Bühne; Theatro de Piccoli: Marionetten Ab Donnerstag: Pat and Patachon, die • Kannibale� steaiit« Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Spiel nm den Mann Buhne: Gantters Ttrr-Remrj Die fleißigen Maurer Südwesten Fiim-Poiost Kammersale Teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. Der Hand von Baskcrvllle Kehre zurück- alles vergeben MarienderP Mja_¥ 4 Marlendorfer na-Lrl Lichtspiele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr JU6.-V. Narkose mit Alfred Abel Unkt der Isar— rechts der Spree Bühnen sctian Th. am Noritzplatz Beginn; W. ab>6 Uhr, Stg. ab 3.45 Uhr SOS.(Schiff in Not) mit Liane Haid Das Redil der Ungcborenen mit Maty Oelschaft, Fritz Kampers Filmeck B�nn: w.sjouhr Skalitzcr Straße, am Görlitzer Bahnhof BGhne: Ludwig Manfred Lommcl: Ranxendori aaf Welle 0,5 Film; Die Halbwüchsigen mit Anton Pointner Gate Bühnenschaa Luisen-Theater so�Tsu Reichen berger Str. 34 Bühnenschau Peter, der Matrose mit R. Schftnzel Franen and Geld Urania-Theater FUBohi.e Wrangelstr II, Köpenicker Brücke Woch. 7 und 9 Uhr, Stg. 3. 5. 7. 9 Uhr Unter falsch. Namen m. Monte Blue Bühne; Zwischen Gauklern und Bestlea Primus-Palast Herrnannplatz Beginn 7, 9,15 U-, Sonnt ab 4,45 U. Die Beule der BaakrSnher mit Dolores Ccxttcllo Auf der Böhne: Waller Sealttel, Manipulator Francis Monis, Negersänger Elysium GuSÄst) Hasselwerderstraße 17 Ja,»a die Franen sind m. schwache Seile mit H. Albers Kampf um Paris Germania-Palast Frankfurter Aliee 314-•- Wochentags 5 Uhr, Sonnabd.S'jUhr, Sonntags 3 Uhr Dulderin Weib mit Maria Corda Auf der Bühne: Die gr. AussL-Revue(30 Mitwirk.) Rund nm den Ozean Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Die Todesfobrt in Weltrekord Vagabund cn H rbdhen m- R- Dcnay Gate Bühnensdaan Concordia-Palast Andreasstraße 64 Std. Veriett Die reidute Freu der Welt m. Perry Die letzten Tage ▼. San Franzlako Bühnenschaa Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, LOckstraße 70 Die Siegerin mit Olga Tschechawa Die vcrschwnnd. Frao m. Mary Kid Grobe Bühnenscban Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Schlofl der Liebe rn Iwan Pdrovich Ja, Ja die Franen m. Hans Alben g wowsozfw■ «Elysium" Prenzlauer Allee 5S Film nnd Bühne Sensation im Wintergarten Bühne: Des großen Erfolges weg. verling.: Albert Faulig. Melitta Kiefer Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205—210 Varlefäschan Links der Isar- recht» der Spree Der Oranfgtoger m. Syd Chaplin g PnlnlcknnelorNOzt g Bfirgergarten-Lichtsp. Hauptstraße 51 Sensation Im Wlnlergarien mit Cl. Bommcr Befprograou» Alhambra MOIIerstraBe. Ecke Seestraße Sensation im Wintergarten mit CL Kammer Bühne; Gr. Arftsfenschaa Colosseum büw�Io Schönhauser Allee 123 W. 6.30, So. 5.30, Stg. ab 4 U. Manolcscn rrtit Brlg. Helm und Mosfnkin Gr. Bühne; u. a. F. Berger v Radio Elektra-Palast BTÄ. Wiesen-,' Ecke KÖsliner Straße Müaaer ohne Berat m. Harry Piel Ihre zweite Ehe— Bühnenschau Fortuna-T ageskino Müllcrstraße 12c Beg. 10 U. vorm. Dos führende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur Spitzenfilme der Welt- Produktion Metro-Palast Chausseesttaße 30 Der Hand von Baskerville Was ist los mit N an nette 7 Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 5 U., Stg. 5 U. Narkose mit Alfred Abel Die letzte Warnung m. L. la Plante Prater-Lichispiel-Palast Kastanienalice 7-3 Bühnenscban Links der bar- recht- der Spree Die Stunde der Entscheidung „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Der SUfenpafl idongi Der Sebeidnngsgmnd Bühnenscban Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee SO Bühacnsdiaa Mutterliebe mit Henny Porten Bühne: Erna Albert) Vincta-Kmo Vmetaplatz 3. Ecke Wolltner Straße Der Kampf nm den Mann Ferner: Weib, gib«AU «Alhambra" Bad straße 58 Bübaeascbo« Sdiicksalswürfel Der fliegende Teafel ron Texas mit Hoof Glbson Ball schmieder- Liditsp. Badstraße 16 Große Bühnenschaa Mldcfaea am Kreuz mit Ev. Hott Kamerad Slag Humboldt-Theater Badstraße 16 Neues Orthestert Die GcUebic d. Königs m.LyaMuru Beiprogramm- Bühnenscban Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Krieg im Duakel mit Greta Garbo Beiprogramm— Bühneascbo» g- Pawicow b P alast-Thcatcr Lichtsp. Breite Straße 21 a VerUngert: Die Arche Noah mit DoL Cosfello Beiprogramm lugendliche haben Zutritt Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Bühnenschaa Narkose mit Alfred Abel Das grüne Monokel m. St. Webbs V Wloclf»diOnhautn k Film-Palast Blankenburger Straße � M inner ohne Beruf m- Harry Piel Vorsicht, Verrülerl Taa*! Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 w. 6,8�, Stg. 4V.,6'4, 8»« Sinofilm- Einmal um Mitter Chi pl» S«d Fluchen � Mülle. Union'Thcater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 8 U. Stg. S'-10 VarU löst«™ mit Lena Bascf w Grones Beiprogramm