Morgenausgabe 7lr. 461 A 232 46. Jahrgang «Sche»Mch 65$?,«svatüch 8,80 9. Im voraus zahlbar. Postbezug 4LZ M. »wschließlich öv Pfg.Postzeiwng»-»»� 72 Pfg. Postbestellgedührea. Ausland»- obonnement g.— M. pro Monat. Der.Vorwärts' erscheint»ochentäg- Lch zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilogen.Volt und Zeit" und.Ainderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen- ßttmme"..Technik"..Blick w die vücherwelt" und.Iugend-Lorwärts" p- Nerliner Voltsblatt Mittwoch 2. Oktober 1929 Groß-Äerlln 10 Pf. Auswärts 15 pf. Dw etnfpalttg» Aoavareill«»«» •0 Pfennig. AeNamezelle 5.— Reichsmark.„Kleine«neigen" da» tetige- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Wort«), jede» weitere Work 12 Pfennig. Stellengesuche da» erste Wort 15 Pfennig, jede» wettere Wort IV Pfennig. Worte über 15 Buchstaben S~blen für zwei Worte. ArbeitsmarA 'ile 60 Pfennig. Familteaanzeigen Zeil« Pfennig. AnzeigenannahmeimHaupt- tfejchäft Lindenstrasse 3. wochentäglich GM»»»/, bis 17 Uhr. Jentvalovsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 srcrnsprccher: Dönhoff 292—237. Telcgramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 53ß.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. KS. Diskonto-Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstr. Z. in der Koalition. Zwischen Volkspartei und Zentrum.- Zweite Lesung der Arbeits- losenreform beendigt.— Volkspartetlicher Vorstoß abgewiesen. ' In einer zehnstündigen Dauersitzung ist am gestrigen Dienstag die zweite Lesung der beiden Vorlagen zur Reform der Arbeitslosenversicherung beendet worden. Noch einmal hatte die V o l k s p a r t e i alle ihre Anträge wiederholt, die einen Generalabbau der Verjiche- rungsleistungcn bezweckten. Noch einmal bot sie ihre Redner auf, um durch Scharfmacherreden einen letzten Ver- süch zu machen, die Umwandlung der Arbeitslosenversiche- rung in die Arbeitslosenfürsorge mit einer dürftigen Grund- läge zu erzwingen. Sie tat das, obwohl ihr in den inter- frattstmellen Verhandlungen unter dem Vorsitz des Reichs- kanzlers klar bedeutet worden war, daß ihr Verhalten die politische Krise mit all ihren unabsehbares Folgen unausweichlich mache. In diesem Verhalten der Deutschen Volkspartei kam die ganze Erbitterung über den unnachgiebigen Wider st and der Sozialdemokratie gegen die Abbautendenz zum Ausdruck. Die Volkspartei wollte es nicht verwinden, daß ihren, nur auf das Diktat schwerindustrieller reaktionärer Kreise zurückzuführenden Willen ein ebenso starker Wille der Millionen Menschen entgegengesetzt wurde, für die eine aus- reichende Arbeitslosenversicherung eine Lebensfrage ist. Und da der Widerstand der Sozialdemokratie in dem monate- langen Kleinkrieg im wachsenden Maße auch die Unterstützung des Zentrums und der Demokraten fand, so war es nicht erstaunlich, daß es in der gestrigen Debatte zu einem scharfen Kampf zwischen dem Zentrum und der D eutschenVolkspartei kam. Sowohl der Vorsitzende des Sozialpolitischen Ausschusses, der Zentrumsabgeordnete Esser, als auch der frühere Arbeitsministsr des Zentrums, Herr Brauns, wandten sich in schärfsten Worten gegen die Unnachgiebigkeit der Deutschen Volkspartei, die in einer Rede des Abg. H u e ck zu wahrhaft provozierendem Ausdruck ge- kommen war. Besonders fein Wort von den„i m a g i n ä- ren Verpflichtungen" der Volkspartei als Regie- rungspartei wirkte wie eine Sprengbombe. Alle Versuche, der Volkspartei, mit Hilfe der Deutschnatio- nalen, der Völkischen oder anderer Splittergruppen ihre Ab- bauanträge durchzusetzen, wurden zum Scheitern gebracht. Abgelehnt wurde die Verlängerung der Wartezeit fü�r die ledigen Versicherungspflichtigen auf zwei Wochen� Abgelehnt wurde die besondere Verlängerung der Wartezeit der Saisonarbeiter auf drei Wochen. Abgelehnt wurde die volle Anrechnung der Sozial- renten auf die Arbeitslosenunterstützung. Hier stimmten selbst die Kommunisten für den sozialdemokratischen Antrag. durch den die Freigrenze auf 39 M. festgesetzt wurde. Abgelehnt wurde auch die allgemeine Kürzung der Unterstützung für diejenigen Versicheruslgspflichtigen, die eine Anwartschaft unter S2 Wochen aufzuweisen haben. Beide Vorlagen, chaupt-'wie Sondervorlage, wurden also im wesentlichen in der Fassung angenommen, die sie im Sozialpolitischen Ausschuß erhalten hatten. Es gelang sogar. noch eine wichtige Verbesserung durchzusetzen, und zwar wurde VerMeldezwangfürbesetzteStellen.derin hef- tigen Kämpfen im Sozialpolitischen Ausschuß gefallen war, wieder eingefügt, obwohl die Kommunisten im trauten Bündnis mit der Reaktion dagegen stimmten. Auch für die Saisonarbeiter blieb es bei den Be- fchlüssen des Sozialpolitischen Ausschusses, durch die eine Neu- regelung der Unterstützungssätze in Höhe der Sätze der krisensürsorge eintritt. Zugleich werden aber im Gegensatz zur bisherigen Regelung die Saisonarbeiter wieder in die Versicherung einbezogen, und damit ist die Bedürftig- keitsprüfung beseitigt. Leide gelang es der So- »ialdemokratie nicht, die Bemessung der' Unterstützung der Saisonarbeiter nach dem Wohnort, falls Wohnort und Arbeitsort verschieden sind, zu verhindern. Diese Bestim- >nung wurde gegen Sozialdemokraten und Kommunisten be- schlössen. Hier bleibt allerdings der Verwaltung die Mög- fichkeit, durch loyale Handhabung der Gesetzesbestimmungen härten und Unbilligkeiten zu vermeiden. Die ErhöhungderBeiträgeum ein halbes Pro- »ent. die bereits im Sozialpolitischen Ausschuß abgelehnt war, vurde vom Plenum nicht weiter berührt. Die interfraktro- hellen Besprechungen, deren Hauptaufgabe es sein sollte, dsu sstUderstand der Deutschen Volkspartei gegen diese Beitrags- p-höhung zu verhindern, hatte keinerlei positives Ergebnis. Es bleibt also bei dem bisherigen Beitrag, bis etwas anderes beschlossen wird. In der Zwischenzeit muß das Reich aus allgemeinen Steuermitteln diejenigen Darlehen an die Er- werbslosenversicherung gewähren, die zur Aufrechterhaltung ihrer Leistungen erforderlich sind. Die dritte Lesung der beiden Vorlagen wird am Donners- tag erfolgen. Sachliche Aenderungen find kaum noch zu er- warten. Und wenn auch nicht alles durchgesetzt worden ist, was die Sozialdemokratie erstrebt hat, so kann doch jetzt offen ausgesprochen werden, daß der beispiellos zähe, unermüdliche und monatelange Kampf der Sozialdemokratie zumSchutze der Arbeitslosen und der Arbeitslosenversicherung er- folgreich war. Politisch hat die Volkspartei gestern die bestehende Re- gierungskoalition bis hart an die Grenze der Krise herangeführt. Die Auseinandersetzungen zwischen ihr und dem Zentrum sind noch nicht abgeschlossen. Das Zentrum fordert von der Volkspartei, daß sie bei der dritten Lesung nicht noch einmal aus der Reihe tanzen soll. Diese Forderung soll, wie es heißt, auch heute vormittag in der Besprechung beim Reichskanzler zum Ausdruck kommen. Treibt die Volks- partei wieder einmal bewußte Krisenpolitik? Treibt sie das- selbe Spiel wie bei so vielen früheren Gelegenheiten? Man erinnere sich: Am 3. Oktober 1923 erzwang die Stinnes-Clique in der Deutschen Volkspartei den Rü ck t r i t t des e r st e n K a- binetts Strefemann. Als Wortführer des rechten Flügels der Volkspartei— zu dem damals auch noch die Herren Q u a a tz und M a r e tz k i gehörten— hielt Herr S ch o l z in einer Parteiführerbesprechung am 2. Oktober eine Rede, die stoßartig wirkte. Er forderte die Ausnahme der Deutschnationalen, heftigen Kampf gegen den Achtstundentag, personelle Umbildung in der Reichsregierung. Die letzte For- derung wandte sich gegen seinen eigenen Parteifreund v. Räumer. Die Folge war, daß Raumer und zugleich Hilferding ihre Portefeuilles zur Verfügung stellten: am nächsten Tag trat die Reichsregierung zurück. Es wurde ein zweites Kabinett Stresemann gebildet, das von der Volks- partei(Hitler-Putsch, Sachseneinmarsch) wieder gesprengt wurde. Es folgte das erste Kabinett Marx. Im September des Jahres 1924 betätigte sich die Volks- partei abermals als Krisenmacherin. Am 25. September forderte sie die Ausführung des Vertrages, der vor der Dawes-Abstimmung durch die Deutschnationalen und Volks- partei abgeschloffen worden war. Der Parteiausschuß der Volkspartei verlangte die Aufnahme der Deutschnationalen in die Regierung Marx und oerband diese Forderung der„Zusammenfassung aller staatsbejahenden Parteien" mit einer Kriegserklärung gegen die Sozialdemokratie. Es kam die Reichstagsauflösung. Nach der Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924 er- zwang die Volkspartei die Bildung des ersten Bürger- b l o ck s unter Luthers Führung. Sie versuchte gleich- zeitig, die Große Koalition in Preußen zu zerschlagen und die preußische Regierung einem Bürgerblock auszu- liefern. Sie zog zu diesem Zwecke ihre Minister B o e l i tz und Richter aus dem Preußenkabinett zurück. Dieser Sprengungsversuch jedoch mißlang— er hatte nur die Wir- kung, daß die Deutsche Volkspartei bis auf den heutigen Tag aus der preußischen Regierung ausgeschloffen geblieben ist. Im Jahre 1926— nach dem Sturz des zweiten Kabinetts Luther und den Verhandlungen Stresemanns in Thoiry— führten die außenpolitischen Notwendigkeiten eine Annähe- rung des dritten Kabinetts Marx- an die Sozialdemokrane herbei. Das Kabinett Marx suchte gegenüber den Saboteuren der sogenannten nationalen Opposition die Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie unterstützte die Außenpolitik Stresemanns im Reichstag gegen die An» griffe der Deutschnatioualen. Es wurde der Sozialdemokratie ein>loüus vivencki angeboten. Da gab plötzlich Herr Scholz im November 1926 die Erklärung ab, daß die Re- gierung alle Vorlagen nicht nur mit der Sozialdemokratie. sondern auch mit den Deutsch nationalen vorbe- raten müffe. Am 28. November hielt Herr von Kardorff auf dem hessischen Landesparteitag der Deutschen Volkspartei eine Rede gegen die Sozialdemokratie: Die Deutsche Volks- partei wiffe sich wirtschaftlich, sozial und auf steuerlichem Ge- biete mit den Deutschnationalen einig, sie dächte nicht daran, sich der Sozialdemokratie in die Arme treiben zu lassen. Am 5. Dezember unterstrich Herr S ch o l z in einer Rede in Jnster- bürg diese Erklärung. Er konstatierte die innere Ueberein- stimmung mit den Deutschnationalen und fügte hinzu, in der Arbeitszeitfrage werde niemals eine Verständigung mit der Sozialdemokratie möglich sein, man könne mit der Sozial- demokratie erst paktieren, wenn sie den Kampf gegen die kapitalistische Weltanschauung aufgeben würde. Die Folge dieses Sprengungsmanövers war die Bildung des Bürgerblocks Marx-Keudell. Der heutige und morgige Tag werden die Entscheidung darüber bringen, ob die Voltspartei auch diesmal wieder die Krise will— richtiger, ob sie schon jetzt zur Krise treibt. Der Kampf um die Arbeitslosenversicherung ist ja nur ein Vorspiel der großen Auseinandersetzungen, die sich um die Finanzreform entspinnen werden. Uebersteht die Re- gierungskoalition die gegenwärtige Belastungsprobe, so wird ihr eine noch schwerere folgen. Diesmal hat sich von den übrigen Regierungsparteien keine einzige dem Diktat der Volkspartei gebeugt. Will man Optimist sein, so kann mtrn das als ein gutes Vorzeichen nehmen. Zentrum gegen Volkspartei. Erregte Auseinandersetzung. Um 6'A Uhr rvirt) die neu« Sitzung eröffnet. Abg. Esser(Z.): Das Zentrum hat bisher die größte Zurück- Haltung in der Debatte geübt, weil neue Gesichtspunkte zur Arbeits- losenfrage bisher nicht vertreten wurden.(Sehr wahr! bei den Rs- gierungsparteien.) Als das Arbeitslosenversicherungsgesetz geschaffen wurde, konnte man die Veränderungen in der Produktion nicht voraussehen, die die Arboitslosenzahl so erhöhen sollten. Die Arbeitslosenfrage sollt« überhaupt mit mehr Ernst behandelt werden.(Sehr wahr! bei den Regierungsparteien. Zuruf der Komm: Und mit weniger Heuchelei!) Für uns handelt es sich darum, die Reinigung der Ar- beitslosenversicherung von dem Makel ihrer ungünstigen Einwirkuirz auf Arbeitsethik und Arbeitsmoral und ihre finanzielle Sicherstellung zu erreichen. Rur damit kann dieses Werk von einzigartiger sozial- politischer Bedeutung erhalten werden.(Lärm und Widerspruch der Kommunisten.) Redner bedauert, daß der Antrag Riesener-Teusch im Ausschuß besonders durch die Abänderungsanträge der Deut- scheu Volkspartei vollkommen verzerrt worden sei. Die Unterstützungssätze wären durch diese Abände- rungsanträge der Volkspartei zum Teil bis auf 13 M. pro Woche gesenkt worden. Das bedeutet die Preisgabe der Arbeitslosen an den Hungertod und eine unerträgliche Belastung der kommunalen Wohl- fahrtseinrichtungen. Wir haben die Anträge der Deutschen Volkspartei aus der Er- mägung abgelehnt, daß die Wirtschaft eher die eine auf sie entfallende Hälfte einer Beitragserhöhung um z; P r oz. tragen kann, als die Erhöhung der Realsteuern als Folge der Ueberbelaftung der Wohlfahrtsfürsorge. Im übrigen bringen die von der Deutschen Volkspartei vorgeschlagenen Einsparungen nicht den Be- trag, der zur Deckung des Defizits der Reichsanstalt erforderlich ist. (Beifall bei den Soz., Dem. und Z.) Abg. hueck(D. Vp.): Nachdem der Vorredner unsere Haltung einer so liebevollen Kritik unterzogen hat, müssen wir nochmals darauf eingehen. Auch meine Fraktion kann für sich in Anspruch nehmen, daß sie auf das eifrigste und erfolgreichste mitgearbeitel hat, um di« Arbeiter vor den Folgen der Arbeitslosigkeit zu schützen. (Lebhafter Widerspruch in der Witt« und toks.) Die Erfahrungen Die kommende Kinanzreform. Die Pläne des �eichsfinanzministeriums. Im Reichsfinanzministerium wird seit langer Zeit an einer umfassenden Finanzresorm gearbeitet. Ueber den Stand dieser Arbeiten erfährt der„Sozialdemokratische Presse» dien st', daß es sich um«inen sehr weitgehenden Umbau des ganzen{finanzsystems handelt. Vor allem scheint man an«in« be- trächtliche Ermäßigung der Einkommen st euer zu denken, und zwar sowohl nach unten(Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums) wie auch nach oben hin(Auseinanderziehung der Stufen, Ermäßigung der höchsten Sätze). Die Kapital- e r t r a g s st e u e r soll für festverzinslich« Emissionen, nicht aber für Aktien beseitigt werden. Die Industriebelastung will man in Etappen oerschwinden lassen. Dafür soll die Vermögens» st euer erhöht werden. Um der Landwirtschaft gerecht zu werden, rechnet man mit der Aufhebung derRentenbant- belastung der Landwirtschaft. Die geplant« Senkung der Besitzsteuern wird auch auf die R e a l st e u« r n übergreifen. Als Entschädigung dafür soll den Kommunen zwar nicht das Recht auf Erhebung von Zuschlägen zu den Einkommensteuern gegeben werden, wohl aber entsprechende Einnahmen aus der Erhebung von Verwaltungskostenbeiträgen. Es handelt sich hier um eine Art Kopfsteuer, die freilich immer in sozialer Beziehung sehr bedenklich ist. Als Auegleich für die Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums wird an Mehreinnahmen aus den Tenußmittelsteuern gedacht, chier käme nicht nur die Erhöhung der B i e r st e u e r in Frage, sondern auch die Errichtung eines Tabakmonopols. » Bei diesen Plänen handelt es sich bisher lediglich um Er- wägungen innerhalb des Reichsfinanzministeriums. Sie be- finden sich noch so weit im Vorstadium, daß sie bisher sich weder zu Dorlagen verdichtet haben, noch dem Reichskabinett unterbreitet worden sind. Eine Stellungnahme zu ihnen kann deshalb im gegenwärtigen Augenblick nicht erfolgen. Die Nachrichten sind aber auch insofern völlig unzuläng- lich, als sie jeden Hinweis darauf vermissen lasten, daß die Steuerermäßigung nur möglich ist, wenn zuvor zwei andere Fragen erledigt sind. Das ist einer- seits die Sanierung des Reichsetats für 1928 und 1929, d'e mehrere 199 Millionen erfordert, und andererseits die Sa- nierung der Kastenlage des Reiches, die durch den Fehl- betrag im außerordentlichen chaushalt nach wie vor äußerst kritisch ist. Jede Steuerermäßigung muß auf diesen Zu- sammenhang Rücksicht nehmen.__ Ueber die Steuerpläne selbst, die im wesentlichen richtig wiedergegeben werden, läßt sich im gegenwärtigen Augenblick nur sagen, daß sie sowohl«ine Steuerermäßigung wie eine Steuererhöhung umfassen. Die Steuerermäßigung soll insbesondere bei der Einkommensteuer und den Real- steuern eintreten. Die Steuererhöhung ist geplant für das Bier, dessen steuerliche Mehrbelastung die Reichsregierung bereits im Frühjahr 1929 vorgeschlagen hat. Ob die Reichs- regierung den Vorschlag auf Einführung von Verwaltungs- kostenbeiträgen machen wird, steht noch dahin. Gegen d'efcn Vorschlag, der eine kopfsteuerartige Belastung aller erwachse- nen Menschen bedeutet, sprechen sehr gewichtige soziale und wirtschaftliche Erwägungen. Die sozialdemokratische Reichstagsfrak- t i o n hat, da es sich hier bisher um ernste Erwägungen handelt, noch keine Gelegenheit zur Stellungnahme zu diesen Plänen gehabt. Sie läßt sich nach wie vor von der An- schauung leiten, daß eine Steuersenkung erst möglich ist. wenn die Reichsfinanzen völlig saniert sind und wenn diese Steuersenkung keine Krise der sozialen Aufgaben und Ausgaben von Reich, Ländern und Gemeinden zur Folge hat. Eine seltsame Bank. Schluß der Vernehmung Dietrichs. In der Nachmittagssitzung des Untersuchungsausschusses wurde die Vernehmung des Generaldirektors der Raiffeisenbank und«he- maligen Vizepräsidenten des Reichstags, des Geheimrats Dietrich, beendet. Das Bild ändert sich nicht: cherr Dietrich weiß von nichts, er hat von nichts Kenntnis gehabt. Er kennt nicht einmal den Bericht, den die Untersuchungskommission seiner eigenen Bank im Jahre 1927 über die verhängnisvolle Zeit seiner Direktorialtätigkeit erstattet hat. Aber wen wundert das, der soeben gehört Hot, daß das Direktorium dieser seltlamen Bank, die über einige hundert Millionen Staatskredite seitens der Preußenkaste disponierte, nicht einmal regelmäßige Direktorialsitzungen abgehalten hat, sondern sich mit„gelegentlichen Besprechungen' be- gnügte! Geheimrat Dietrich faßte eben seine Stellung als eine rein repräsentative auf. Er geruhte nur, sich mit den Dingen zu befassen, die an ihn jeweils„herangetragen' wurden. Und wenn die anderen eben nichts an ihn herantrugen, so war es nicht seine Schuld, wenn das Bankvermögen verschleudert wurde, ohne daß der Generaldirektor auch nur das geringste davon wußte und merkte. In der R a ch m i t t a g s s i tz u n g soll cherr Dietrich über einige besonders skandalöse Verlustkonten Aufklärung geben. Vergeblich! Der„Großunternehmer' Riebe, von Hause aus Buchhändler, auch „der klein« Stinnes' geheißen, hat von Januar bis Mai 1924 sein Kreditkonto bei der Raiffeisenbank von einigen Hunderttausend aus 8,14 Millionen Mark gesteigert. Herr Dietrich staunt: Soviel?— Ja. es ist sogar noch mehr. Frage: Konnte denn tatsächlich dieser Be- trog, der 40 Proz. des Aktienkapitals ausmacht, ohne Wisten des Generaldirektors sestgelegt und gefährdet werden?— Er konnte es. KontoThias: Eine G. m. b. H. mit 20 000(zwanzigtausend!) Marl Geschäftskapital hat über«ine. Million Kredit er- halten. Der Hauptinhaber Wilhelm Thios deckte mit gefälschten W e ch s e l n auf die Russisch« Handelsvertretung in London und floh dann in» Ausland, wo er später Selbstmord beging. T h I a, und der Prokurist Tannen waren Duzfreunde, Tannen war Auf» fichtsratsvorsitzender bei Thias. Syndikus Dr. Lange, Leiter der Kreditabteilung bei Raiffeisen, schob zusammen mit Thias dunkle Privatgeschäfte. Der Generaldirektor Dietrich hat auch von dies«» Dingen nichts geahnt. Die„Interbank' war eine Inflationsblüte, noch der Goldumflellung hatte sie 50 000 M. Goldkapitol. Die Raiffeisen- bank verlor an sie rund eine halb« Million. Als das Gelt» rettungslos futsch war, erhielt der Inhaber der Interbank Hurwitz noch einen letzten ungedeckten Kredit von 15 000 M., um in Wies» baden zwecks Eingehung einer reichen Heirat standesgemäß auftreten zu können! Er sollte die Raiffeisenbank sozusagen ausdemSchlo- massel herausheiroten. Hurwitz trat in Wiesbaden zwar standesgemäß auf, heiratete ober nicht. Als die Bank mahnte, dreht» er den Spieß um und drohte, die Raiffeisenbank schadenersatz, p f l i ch t i g zu machen, wenn sie durch Exekutionen seine günstige» Heiratsaussichten störte!— Zeuge Dietrich(fassungslos):„Do» ist doch wohl ein Scherz?'— Nein, es steht so im Bericht der eigene» Prüfungskommission. Nur der Generaldirektor weiß nichts davon. Es geht weiter im Verhör. Die frisierte Goldmark-Erössnungs» bilanz wird besprachen, in die man 25 Millionen Mark Aktienkapital hereinschrieb, obwohl für 7,8 Millionen Mark Aktien nicht unter» gebracht waren, das Aktienkapital also nicht einmal 18 Millionen betrug.—„Das hat Schwarz(der Mitdirektor) in einem Vortrag auseinandergesetzt, und dann wurde es so gemacht.' Bor soviel Hilflosigkeit kapituliert schließlich der Ausschuß. Ein» mütig beschließt er, es des grausamen Spiels genug sein zu laste» und das Verhör sür heute zu beenden. Am Mittwoch sollen die Mi� direktoren Schwarz und Seelmann-Eggebert vernom» men, am Donnerstag soll das gesamte Direktorium der gemeinschast» lichen Fragestellung durch die Ausschußmitglieder unterzogen werden. der letzten zwei Jahre waren allerdings nicht vorauszusehen. Wir ziehen nur andere und w«itgehcndere Konsequenzen als Herr Ester. Die Anträge, die wir gestellt höben, stellen das Minimum von dem dar, was verwirklicht werden muß, wenn eine Sanierung der Rcichsanstalt ohne weitere Belastung der Wirtschaft durchgeführt werden soll. Herr Esser erklärt die Wiedereinbringung unserer Anträge im Plenum für illoyal. Wir brauchen hier keine Vorlesungen über Loyalität zu halten.(Unruhe.) Zu welchem Zeitpunkt hat der Vertreter einer anderen Partei an uns dos Ersuchen gestellt, von solchen Anträgen abzusehen?(Abg. Frau Teusch(Z.): Heute bei den Verhandlungen im Reichstag.) Durch imaginäre Verpslichlungen können wir uns nicht von der Anlragstellung abhalten lasten. Wir müssen es uns auf das energischste verbitten...(die weiteren Worte des Redners gehen in großer allgemeiner Unruhe unter). Herr Ester hat Unterstützungssätze von 13 M. genannt, aber nicht gesagt, daß sie nur für Ausnahmefälle gelten sollen, wo die Anwartschaft sich nur auf 26 Wochen beläuft. Er hat sich auf die Ausführungen der Städteoertreter im Sachverständigenausschuß und im Sozialpolitischen Ausschuß berufen. Es ist ein gewaltiger Unter- schied, ob ein Arbeitsloser einen Rechtsanspruch aus Versicherung geltend zu machen hat, oder nach Bedürstigkeitsprüfung eine Wohl- fahrtsrente erhalten kann. Wenn aber in dieser Hinsicht solche Bei- spiele wie Köln oder Frankfurt ange.zog«n werden sollen, so frage ich, worin liegt denn die moralische Notwendigkeit dafür, daß in Frankfurt die Fürsorgeunterstützung fast doppelt so hoch ist wie in Berlin?(Hört! hört! bei der D. Vp.) Besonderheiten, wie die in der Grenzstadt Breslau, können nicht zugrunde gelegt werden. Der Vorwurf, die Deutsche Volkspartei ginge bewußt für einen großen Kreis der Bedürftigen unter die notwendigen Sätze hinunter, trifft also nicht zu. Wir wollen die Ermäßigung nicht aus Freude am Versagen durchführen, sondern weil weder bei der Reichsanftalt noch beim Reiche Mittel vorhanden' sind.(Lebhaftes Hört! hörtl bei der D. Vp.— Große Unruhe in der Mitte und links.) Abg. Graf Westarp(Dnat.) gibt die Erklärung ab, daß die deutsch. nationale Fraktion darauf verzichtet, sich weiterhin an den Be- ratungen zu beteiligen, weil die herrschende Verwirrung keine klar« und sachliche Behandlung der Probleme zulasse. Abg. Rädel(Komm.) behauptet, von den Forderungen der Sozialdemokraten sei überhaupt nichts mehr übrig geblieben. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Er bezeichnet die Red« H u e ck s als eine Frechheit. Abg. Dr. Brauns- Köln(Z.): Wie mein Parteifreund Ester be- reits erklärte, spricht sich meine Fraktion gegen die Anträge der Deutschen Voltspartei aus, die auf eine sozial« nicht vertretbare Herabminderung der Unterstützungen abzielen. Die Rede de» Herrn Abg. hueck zeigte einen ungeheuren Mangel an sozialem Verständnis. Sie ist ein« echte Scharfmacherrede gewesen. (Bravo! Händeklatschen bei den Sozialdemokraten Demokraten, Zentrum.) Bor einem Winter, der vielleicht noch schlimmer in seinen Aus- Wirkungen auf den Arbeitsmarkt werden kann als der vergangen«, ist die Einstellung der Fraktion der Deutschen Volkspartei u n- verständlich. Der Ton und die Art, wie sich die Deutsche Volks- parte! und Herr Abg. Hueck zu den außerordentlich wichtigen Pro- blemen stellen, ist tief bedauerlich und trägt bei zur Ver- tiesung der sozialen Kluft im deutschen Volke, widerspricht also auch den nationalen Interessen. Am deutlichsten hat uns das dos Echo von ganz links gezeigt.(Beifall bei den Sozialdemokraten, Demo- kraten und Zentrum.) wenn die Deutsche volkspartei diese schwere Frage und dl« Möglichkelten zu ihrer Lösung wie bisher nicht zu Ende denkt, so ist es vielleicht besser, die Entscheidunq de» Volkes anzurusen.(Aha! recht?, Beifall der Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum.)~ Nachdem noch Abg. Stöhr(Natsoz.) erklärt hatte, daß seine Freunde die. Antrag« der Rumpfkoalition ablehnen würden, war die Aussprache geschlossen. . Die Abstimmung. Vor der Abstimmung erklärt Abg. Graf Westarp(Dnat.), daß seine Freund« sich di« Emschei- dung über die Gesamtvorlage bis zur dritten Lefung vorbehalten würden. Der von den Kommunisten beantragte M«ldezwang für freiwerdende Stelle» wird in namentlicher Abstimmung mit 379 gegen 48 Stimmen bei 9 Enthaltungen abgelehnt. Auf Antrag der R e g i e r u n g s p a r t e i e n mit Ausnahme der Dtsch. Volkspartei wird die vom Reichsrat gestrichene Bestimmung wieder hergestellt, daß der Reichsarbeilsminister den Meldezwang sür besetzte Stellen anordnen kann. § 89a, der die Definition der Arbeitslosigkeit ent- hält, wird in namentlicher Abstimmung mit 367 gegen 48 kommu- nistische Stimmen bei 10 Enthaltungen der Nationalsozialisten an- genommen. Der Kompromiß.Antrag der Rumps koalition, der den jetzt in der befristeten Vorlage enthaltenen im Ausschuß angenommenen Antrag Lemmer über die Anwartschastszeit in die Hauptvorlag« ein- fügt, wird mit großer Mehrheil angenommen. Der volkspartellich« Antrag über die gestaffelt« Leistungsminde- rung, gegen den sich Abg. Esser ausgesprochen hatte, wird gegen d»« Volkspartei, die Deutschnationalen und die Wirtschaftspartei ab- gelehnt. Der Teil des Kompromiß-Antrages, der au» der befrifielen vor- läge die Sonderregelung für die Saisonarbeiter in die Hauptvorlage übernehmen will, wird abgelehnt. Dagegen stimmt auch das Zentrum. Da» Zentrum hak zwar deu Kompromißantrag unterzeichnet, hatte aber zur Bedingung ge- macht, daß die Volkspartei auf eigene Aenderung»anträge verzichte. 8 107 b, der in bestimmten Fällen die nach der Lohnklass« höhere Unterstützung auf den Satz am Unter st ützungsort herabsetzt, wird mit 218 gegen 203 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommu- nisten und Nationalsozialisten angenommen. Der Teil de» Kompromiß-Antrages, der sich aus die Anrechnung der Wartegelder. Renten usw. bezieht, wird angenommen. Danach wird in diesen Punkten die Regierungsvorlage wieder hergestellt mtt der Aenderung. daß van den Sozial- und Zusatzrenten nicht zwanzig. sondern dreißig Mark im Monat onrechnunqsfrei bleiben. Nach dem Kompromißantrag wird ferner die warlszeltbestlm. mung dahin geändert, daß die Wartezeitverlöngerung beschränkt wird auf solch« Arbeitslosen, die dos 21. Lebensjahr noch nicht voll- endet haben. Zur namentlichen Abstimmung kommt dann die Sonderrege- lung für die Saisonorbeiter(Sätze der Krisensürforge). die nach Uebcrnahmc des Antrags Lemmer auf die Hauptvorlage der einzige R:st der bis zum 31. März 1931 befristeten zweiten Vorlage geblieben ist. Die Sonderregelung wird mit 229 gegen IlS Stimmen bei ll Enthaltungen angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Di'epräsidcnt Ester schlägt vor, die dritte Beratung der Arb-itslosenoersicherunq am Donnerstag, 10 Uhr früh, zu beginnen. Abg. v. wendthausen(Christlichnat. Vauernp.) beantragt di« Beratung eines Mißtrancnsantrages gegen den Reichsinnenminister Severin-: wegen der Verkostung von Landvolkführern im Zu- iammcnhang mit den Bomdenattentaten Abg. Gras Westarp(Dnat.) beantragt di« Abhaltung einer Sitzung am Mittwoch, in der der Poung-Plan zur Beratung kommen soll. Dieser und all« übrigen Geschöstsorditungsanträg« werden a b- gelehnt. Es bleibt bei dem Borschlag des Bizepräsidenten Ester. Ohne Debatte wird ein Antrag v. Lindeiner(Dnat.) ange- nommen, die Winzerkredit« zu prolongieren. Schluß der Sitzung 10 Uhr. Das Kommando der Llniernehmer. Sie suhlen sich! Die Bereinigung der Deutschen Arbeitgeber- verbände hat angesichts der durch die Behandlung im Reich:tag zu erwartenden Verzögerung folgendes Telegramm an die in Frage kommenden Regierungsstellen gerichtet: Die Vereinigung der Deutschen Arbeitgebervsrbände und der Reichsverband der Deutschen Industrie erheben unter voller Aus- rcchterhaltung ihres bisherigen Standpunktes den schärfsten Widerspruch gegen die durch Pressenachrichten bekanntgiwor- den« Absicht der Vertagung wichtiger Punkte der Arbeits- losenverstcherungsresonn. Die allgemein« wirtschaftliche Lage sowie die finanzielle Situation der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung rechtfertigen in keiner Weise«ine der- artige Regelung, vielmehr sind sofort Maßnahmen erforderlich, die «ine endgültige Sanierung der Arbeitslosenversicherung gewähr- leisten. Ver wohnungsausfchuß de» Reichslage, beschloß, ein« Be- stchttgungsreise durch West- und Sllddeutschiand in der Zeit vom 10. bis 17. Oktober vorzunehmen. Di« Reis«»st so eingerichtet, daß möglichst all« Typen von Neubauwohnungen b> sichtigt werden können. General Vowe». der amerikanische Botschafter in Großbritannien. ist zum Ehrenbürger der kleinen Orlschost Sudbury in Sufsolk er- nannt worden. Das Ehrenbürgerrecht von Sudbury wurde General Dawe« zum Andenken an seinen Borfahren William Dawes ver- liehen, der im Jahre 1635 von Sudbury nach Amerika auswanderte. Einigung London— Moskau. Volle diplomatische Beziehungen werden wieder auf« genommen. So«dp n, 1. Oktober. Die heutige, zwsammentuaft zwischen Henderso« und Dowgalewski. auf der eine Vereinbarung über das»erfahre» erzielt wurde,„das bei der Wiederaufnahme der vollen diplomatischen Bezirhua- gen einschließlich des Austausches von B o t s ch a f» tern zur Regelung der zwischen beiden Regierungen schwebenden Fragen befolgt werden soll", sowie eine Ver- einbarung über die Frage der Propaganda, fand bei Lewes, sieben Meilen von Brightoa. dem Tagungsort der diesjährigen Konferenz der Arbeiterpartei, statt. « Bei der Zusammenkunft waren nur der Leiter der Nord-AS» teilung des Foreign Ossic« S e y m o u r, serner Mr. C a v e vom Foreign Office, und Hendersons Privatsekretär S e l b Y Zugegen. Die erörterten Fragen betrafen, wie Henderson mitteilt«. 1. die Fest. stellung der Haltung beider Regierungen gegenüber den Verträgen vom Jahre 1924; den Handelsvertrag und die damti zu- sammenhängenden Fragen: 3. Regierungssorderungen und private Forderungen und Gegenforderungen, sowie Finanzfragen, die mit diesen Forderungen und Gegenforderungen verknüpft sind: 4. Fischerei, und 5. die Anwendung s r ü h? r e r P e r.' träge und Konventionen. Das Schriftstück, das d«n beiden Regierungen unterbreitet werden soll und jetzt vorbereitet wird, wird von Henderson sür die britische Regierung und von Dowgälewski für die Sowjetregierung unterzeichnet werden. peinliche Verwechslung. ,7tonu/ Ihr habt ja ganz verkehrte Plakate?� ,Watten? Oet sind doch jenau dieselbichten, mit die wir schon vor drei Iahren pro« testiert haben, als des Schandjefetz vom Isteichstach anjenommen wurde!* Kritik an Labours Sozialpolitik. Gewerkschasts- oder Orisgruppenkonirolle der Miiglieder. London, 1. Oktober.(Eigenbericht.) Die Dienstagsitzung derKonferezderZlrbeiterpartei wurde durch eine Rede des Ministers sür Arbeitsbeschastung T h o- mos eröffnet. Thomas begann fein« Ausführungen mit der Feststellung, daß die Regierung mit Recht nach ihren Leistungen in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beurteilt werden würde. Der Minister zeichnete hierauf in großen Zügen die bereits in Angriff genomme- nen und bewilligten Pläne zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und wandt« sich dann dem mit großer Spännung erwarteten Bericht über feine Mission in Kanada zu. Aus seinen Aus- führungen geht deutlich hervor, daß die optimistischen Hoffnungen, die man auf seine Reise nach Kanada hinsichtlich der Beschaffung von Aufträgen für die britische Industrie gesetzt hatte, sich nicht er- füllen werden, daß jedoch sowohl die britische Kohlen- und Stahl- Produktion als auch die britische Daumwollindustrie voraussichtlich gewisse Vorteil« aus Thomas Bemühungen über See ziehen werden. Auf Thomas Red«, die die Konferenz infolge des Mangels an kon- kreten Ergebnisfen sichtlich enttäuscht hatte, folgt« eine bemerkens- werte zurückschaltende Red« des linken Führers W h e o t l e y. Er legte einen bedenklichen Punkt der gesamten von Thomas ein- geleiteten Politik der Arbeitsbeschaffung bloß, indem er seine Be> mühungen al» ökonomischen Rationalismus schilderte und unter Hin- weis auf Thomas Versuch«, den kanadischen Handel von Amerika auf Großbritannien überzuleiten, bemerkt«, daß Thomas dabei sei, im Augenblick, wo sich Macdonald in einer politischen Friedens- Mission nach Amerika begebe, einen ökonomischen Krieg mit Amerika vorzubereiten. Di« Konferenz nahm hierauf die am Montag unterbrochene Debatte über den Bericht der Exekutive hinsichtlich der Arbeits- losenversicherung wieder auf, wobei die Mißstimmung über die Verwaltungspraxis der Sozialversicherung neuerdings zum Aus- druck kam. Es wurde immer deutlicher, daß ein Teil des Kongresses, der sonst keineswegs mit dem linken Flügel sympachisierte, eine Kritik der Linken an der Tätigkett des Arbeitsministers Frau Margret Bond- field teilt«. Nachdem George Lanebury den Kongreß darauf auf- merkfam gemacht hott«, daß eine Verwerfung dieses Teils dieses Be- richte einem Mißtrauensvotum gegen die Exekutive und damit gegen die Regierung gleichkomm«, erzielte die Exekutiv« in der Abstimmung eine kleine Mehrheit. Für die Exekutive wurden 1100 VOV, gegen die Exekutive 1 027 000 Stimmen abgegeben. Die Nachmittagssitzung wurde mit einer Red« Tillets eingeleitet, der als der Vertreter der Gewerkschaftsbewegung den Kongreß offiziell begrüßte. Aus seinen Ausführungen ging die deutlich« Mahnung an die Regierung hervor, das Antigewerk» s ch a f t s g e s e tz der konservativen Regierung mit möglichster Be- schleunigung aufzuheben. Dann begann der Kongreß ein« seiner wichtigsten Ausgaben, die Beratung der neuen Par- teisatzungen der Arbeiterpartei. Entgegen asten Erwartungen gestaltet« sich die Aussprach« zu einer überaus bewegten, wenn auch in freundschaftlichem Ton gehaltenen grundsätzlichen De- batte, die mit einem Rückzug der Exekutiv« abschloß. E» handelt« sich um folgendes: Die Exekutive hat in ihrem Satzungsentwurf die Neubeschaffung einer neuen Mitgliederkategorie gefordert. Neben der Kollektiomitgliedjchost m Gewerkschaften und sozialistischen Ge- sestschasten und der Einzelmitgliedschaft bei den Ortsgruppen der Arbeiterpartei sollte eine neue Parteimitgliedschaft geschaffen wer- den, die es ermöglichen würde, der Partei unmittelbar anzugehören, ohne die Vermittlung der Gewerkschaften oder der Ortsgruppen. Trotzdem die Exekutive in beredten Worten auf die finanziellen Vorteile dieser neuen Einrichtung hinwies, wandte sich Redner auf Redner gegen dies« Institution, die geeignet sein würde, die A b e n- teurer in der Arbeiterpartei noch weiter zu per- mehren, eine Art Aristokratie innerhalb der Labour Party zu schaffen, die es den neuen Parteimitgliedern ermöglichen würde, sich der Kontrolle und Verantwortung gegenüber' den Ortsgruppen zu entziehen. Da sich von Minut« zu Minute deutlicher zeigt«, daß die Kon- ferenz die Gefahr dieser neuen Kategorie von Mitgliedern unver- gleichlich höher einschätzte, als die möglichen Vorteile, entschloß sich die Exekutive, ihren Vorschlag zurückzuziehen und damit eine sichere Abstimmungsniederlage zu vermeiden. Di« Debatte hat ein beut- liches Licht auf die Meinung der Delegierten über die wachsende Durchsegung der Partei mit Außenseitern geworfen, die sich oll« Vorteile einer Mitgliedschaft in der in der Herrschaft befindlichen Partei zu sichern wünschen, ohne gleichzeitig auch die moralischen Pflichten auf sich nehmen zu wollen. Hiiler wird frech. Er hofft aas ein neues LSÜS. München, 1. Oktober.(Eigenbericht.) Die Nationalsozialisten entwickeln augenblicklich in Bayern einen Hetz, und Derl«umdungefeldzug gegen alle Anders- gesinnten, der nur in dem wahnwitzigen Aufputsch von 1023 sein Gegenstück hat. Ausgestattet mit erheblichen Geldmitteln, durchreisen die Hitleragitatoren das ganze Land und inszenieren unt«r auffallen- der Duldung der Staatsorgan« systematisch Dersammlungsspren- gungen und Raufereien, bei denen es stets Dutzend« von Vsr- letzten gibt. Di« letzte schwere Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Andersgesinnten ereignete sich am Montagabend in S ch n e y bei Lichtenfels(Oberfronken), wo während der Debatte in einer Versammlung, an der sich auch Sozialdemokraten beteiligten, di« Hitlerianer plötzlich mit Stuhlbeinen und Schlaginstrumenten aller Art über die Gegner herfielen. Es gab insgesamt 20 zum Teil Schwerverletzte, darunter nach d«n Feststellungen der anwesenden Gendarmerie nicht weniger als 26 Sozialdemokraten. Die Saal- einrichtung wurde vollständig zertrümmert. Bis das von Bamberg herbeigerufene Landpolizeikommando erschien, waren die Hitl«r- banditen selbstverständlich längst über all« Berge. In der Mittwochausgab« des„Völkischen Beobachter" leistete sich Hitler das bisherige Höchstmaß seiner polttischen Der- hetzung. Ja fetten lleberschristen nennt er kurzerhand alle jene Lande». Verräter, die sich nicht in die Liste de» Volksbegehren« einzeichnen. Diese Lästerung durfte er sich bisher nur den Ministern des Reiche» und Preußens gegenüber erlauben. Nachdem er nun aber auch die bayerischen Staatsmini st er in seine Besudelung«in- bezieht, darf man gespannt sein, wi« die weißblaue Ordnungsblock- regierung mit ihrer abgestempelten Staatsautorität darauf reagier«» wird. Oer Schimpfbold darf nicht reden. Redeverbot gegen anhaltischen Abgeordneten in Vaden. Karlsruhe, I. Oktober.(Eigenbericht.) Der badische Minister des Inn«rn hat gegen den anhaltischen nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten, Hauptmann a. D. Loeper, für da» Land Baden ein Redeverbot erlassen, weil Loeper in einer gemeinsamen, von Stahlhelmern, Nationalsozialisten und Deutschnationalen veranstalteten Bersammlung Mitglieder der Reichsregierung in der wüstesten Weise be- schimpft hatte. Loeper sprach von den Minister» Stresemann und Hils«rding als von Gaunern, infamen Zuhältern des internationalen Finanzkopitals und von Banditen! Stresemann und Reichskanzler Müller wurden sogar als Oberammergauner und Hilferding stets nur als galizifcher Jude bezeichnet. Di« Sprache dieser Auchparlamentarier unterscheidet sich in keiner Weise mehr von der chrer kommunistischen Konkurrenten. �Landvolk" vor Gericht. Anklage wegen der Kundgebung in Tteumönfier. Neumünster. 1. Ottober. Die Staatsanwavschaft beim hiesigen Schöffengericht hat nun- mehr die Anttage wegen der Vorgänge bei der Landvoltkundgebung am 1. August in Neumünster erhoben. Es werden sich der Diplom- landwirt Nuthmann, die Hofbesitzer Roß, Bäcker, Thies, der Dentist Bestmann, der Handlungsgehilfe Jens und der Landwirt .Hell wegen Landfriedensbruchs, Aufruhrs, Aufforderung zur Be- gehung strafbarer Handlungen usw. zu verantworten haben. Am l. August erfolgten, wie erinnerlich, die Zusammenstöße zwischen Landvolkleuten und Polizei, die den Boykott der Siadt Neumünster von feiten der Landbevölkerung zur Folge hatten. Maginoi nicht mehr gegen Räumung. Keine Hetzrede- irotz Hugenberg. pari». 1. Oktober.(Eigenbericht.) Die Pariser Presie veröffentlicht am Di«n»tag in tendenziöser Aufmachung lange Bericht« über di«„patriotische Empörung", die die Rede Maginots in der Hugenb«rgpress« entsacht hat und führt die» als«inen neuen Beweis des mangelnden Annäherungs- willens jenseits des Rhein» an. Von Pari« aus betrachtet, wo man di« Roll« Maginots in der sranzösifchen Innenpolitik und im Zusammenhang damit die tatsächlich« Bedeutung seiner Aussichrungen einzuschätzen weiß, ist an diesem Beispiel besondere klar ersichtlich, wie sich hüben und drüben di« Rechtspresse in di« Hand arbeitet. um aus«inem nichtig«» Anlaß eine politisch« Affäre und eine Trü- bung des deutsch-französischen DerhAtnisse« zu schassen. Tatsach« ist. daß Maginot in seiner R«d«, was die außenpolitischen Be- Ziehungen zwischen Deutschland und Frankreich betrifft, weder im Sinn« oder im Wortlaut gesagt hat, was nicht längst bekannt wäre. Daß Maginot die Außenpolitik Briand« stets bekämpft hat. ist in Frankreich eb«nfo bekannt, wie etwa di« Opposttion Hugen- bergs gegen den Young-Pla». Neu an dieser Haltung ist hoch. ftens, daß INaginol nicht, wie man w hiesigen Recht, kreisen erwartet hat. nach Bekanntgabe der haager Beschlüsse demistionirrl«der die Ralifikalion verweigert hat. Was die famosen„Enthüllungen" Maginots über dl« französi- schen Vorbehalt« zur Räumungsfrage betreffen, fo gbht aus dem Wortlaut seiner Rede unzweideutig hervor, daß dies« Lorbe- halte sich lediglich aus zwei Punkte beschränken, die sich vollkommen mit den Interpretationen der Haager Beschlüsse decken. Erstens, daß die Ratifikation des Poung-Plane» durch dos deutsche und das französische Parlament zeitlich der Räumung der dritten Zone vorangehen muß, und zweiten», daß die..Ingangsetzung" des Zoung-Planes zu den Vorbehalten der Räumung gehört. Da ah«r lqgrscherweise der Poung-Plan in dem Augenblick zu funttio- nieren begonnen hat. da Deutschland Zahlung«« nach d«m Bsung- Schlüssel vornimmt, verliert auch dieser zweit« Vorbehalt jede ein- schränkende Bedeutung. Roch alledem wird klar, daß di« R«d« Maginot« außenpolitisch auch nicht ein Wort enchielt, wa« dem Entrüstungssturm der Hugenbergpress««ine real« Gmndlog« bietet. Di« Bedeutung der Rede liegt vor allem, wie wir ansang« betonten. aus rein innenpolitische in Gebiet, indem sie di« Gegensätze deutlich werden läßt, die im französischen Kabinett bestehen. Zu Ehren Deal,«los. des griechischen Ministerpräfldenten, gab der Reichskanzler ein Essen,..>,......... Neuer Kurs in Ltngarn? Sozialdemokratisch« Voraussetzungen. Budapest, 1. Oktober. „Esti Kurier" will im Zusammenhang mit den gestrigen Er- klärungen des Ministerpräsidenten Grasen B e t h l e n über seine Besprechungen mit den Führern der ungarischen sozialistischen Partei erfahren haben, daß di« Regierung demnächst zwei Mitglieder der sozialistischen Partei, die gegenwärtig in der Verbannung in Wien lebenden Ernst Garami und Emanuel Buchinger, be- gnadigen und ihnen die Rückkehr nach Budapest gestatten werde. Ueber die bisherigen Besprechungen der sozialistischen Partei- leiwng mit dem Grasen Bethlen berichten die Blätter, daß die So- ziaidemsk raten ihr« Forderungen bezüglich einer Demo- kratisierung der ungarischen Politik vorbrachten, der Ministerpräsident sich jedoch eine Antwort sür später vorbehielt. Oer verlöschende pilsudfti. Sozialisten künden den Entfcheidungskampf an. Warschau. 1. Ottober. Der sozialistisch«„Robotnik" bringt heute an leitender Stelle einen Aussatz seine« Chesredakt«urs, des Abgeordneten R i« d z i a l- Renaiffance-Theater. »Stempelbrüder.* Proletarisrtragödi« der Arbeitslosigkeit. Unsegen de» Stempeln». Gasschlauch als Elendserlöfer. Große Zufriedenheit des sehr eleganten Publikum», weil ihm diese häßliche Seite des Lebens nur zwei Stunden lang gezeigt wurde. Darum sehr erfreulicher Beifall für den Dichter Duschinsky, einen in Berlin beliebten jungen Schauspieler. � M. H. kowski, in dem sich dieser grundsätzlich mit Morschall Pilsudski auseinandersetzt. Niedzialkvwsti erklärt, der Pilsudski aus dem Jahre 1005, aus dem Weltkrieg und aus dem Jahre 1020 gehöre bereits der Geschichte an. Jener alte Pilsudski sei ein Mann des Sozialismus gewesen, heute sei Pilsudski der Mann der besitzenden Rechte, der Führer d«r verlöschenden Welt des alten Polens, des Polens der Landwirte und Industri«llenoerbänd«. Jenes Polen repräsentiere einen Teil�der Geschichte der sozialistischen Partei Polens, dieses Polen aber fei der Sturmbock, der gegen Sozialismus und De»». kratie anrenne, der das„Ruch-Mai-Regierungssystem" geschaffen habe und leit«. Er stehe auf der anderen Seite der Barrikaden. Am Bortage der entscheidend«» Kämpfe müsst: diese Wahrheit klar und deutlich ausgesprochen werden. Oer Kreuzerjournalist. Von Hearst für Flottenagitation bezahlt. wafhingttm. 1. Oktober. Bei der Vernehmung des Agenten Shearer vor dem Unter. suchuirgsousfchuß des Bundcsfenats stellte Senator Allen an Shearer di« Frag«, wer ihn bezahle, seit er nicht mehr für Schiffsbau- firmen tätig sei. Shearer antwortete:„Der Zeitungsverlsger William Randolph H e a r st zahlte mir zweitausend Dollar monatlich für die Arbeit, die ich im Interesse des neu«n Kreuzerprogramms und zur Aufwiegelung der öfstntlichen Meinung gegen den Bei- tritt der Vereinigten Staaten zum Internationalen Gerichtshof leistete." Shearer fügte hinzu. Hearst habe ihm noch kurz vor Be- ginn der Enquete des Bundessenats seinen Donk ausgesprochen Wieder ein Word In Jerusalem. Die Erregung in Polästina hat sich noch immer nicht gelegt. So ist in Jerusalem wieder ein Jude in seinem Haufe ermordet worden. Da auch in der weiteren Um- g«bung Zwischenfälle befürchtet werden können, bereitet« der britische Oberkommissar«wen Erlaß vor. demzufolge bei Einzelmorden und Ueberfalleu die Rachbarschast bestraft werden kann. Zersetzen und zertrümmern. Oos kommunistische Gewerkschastsprogramm. Die Ankündigung in der vertraulichen Aunktionärver- iaimnlung der KPD. für Verlin, Vrandenburg und der Lausitz, daß in einer Reihe van Organisationen demnächst die Spaltung vollzogen werden soll, wird verwirk- licht. Zunächfl sind die Tabakarbeiler an der Reihe. In der Berliner Ortsvcrwalwng des Deutschen Tabakarbciter- Verbandes muhte im Frühjahr die kommunistische Ortsocrwaltung wegen Unterschlagung von Vcrbandsgeldern abgesetzt werden. Nach- dem die Ortsverwaltung mehrere Monate kommissarisch verwaltet worden ist, wurde am 24. September von der Erweiterten Orts- Verwaltung und am 27. September von der Funktionärkonferenz der Genosse N e ck c s zum Bevollmächtigten der Berliner Orts- Verwaltung gewählt. Genosse Reckes war 27 Jahre lang Mitglied des Deutschen Metollarbeiterverbandcs, ist seit 1913 in der Ziga- rettcnindustrie als Maschincnführcr tätig, war einige Jahre Betriebs- ratsvorfitzender bei Manoli, hat als Mitglied der Branchenkommission der Maschinenführer an sämtlichen Tarisverhandlungcn sür die Zigarettenindustri« teilgenommen und eine Reihe anderer wichtiger Posten bekleidet. Das hindert die KPD. nicht, ihn als„Sozial- ftlschtsten" zu beschimpfen, obwohl sie ihn gar nicht kennt, ja, nicht einmal seinen Namen. Die ganze Hetze ist nur der Vorwand für die ange- kündigte Spaltung. Die abgesetzte Ortsoerwaltung beruft zum 4. Oktober eine„Mitgliederversammlung" ein. Es ist ganz Düsseldorf, O. S ch r e m b s- Regensburg und in Berlin E. Bockert, seit End« 1994 Verbondsoorsitzender wie mich Vorsitzender des jetzigen Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter. Der Derbandstag 1904 hatte auch für die größeren Zahlstellen Mittel zur Anstellung von Angestellten bereit- gestellt. Die Zahlstelle Berlin machte hiervon im gleichen Jahre Gebrauch und stellte den noch jetzt amtierenden Kollegen L. H v d a p p zum 1. Oktober frei, so daß die genannten Genossen heute ihr 2Sjährig«s Dienstjubiläum feiern können. Wir wünschen den Jubilarcn noch viele Jahre gleicher erfolg- reicher Tätigkeit für die Interessen der Arbeiter wie bisher. Rankenfuston und Angestellienabbau. Besprechungen im Zieichsarbeitsministerium. Wie uns vom Allgemeinen verband der Bankangestellten mit- geteilt wird, ist er End« voriger Woche wegen des drohenden Abbaus der Bankangestellten bei der Fusion der Deutschen Bant und der Disconto- Gesellschaft vorstellig geworden. Wie wir erfahren, de- absichtigt nunmehr dos Reichs« rbeitsministcrium, Ende dieser oder Anfang nächster Woche die beteiligten Angestelltcnverbände zu einer gemeinsamen Besprechung zu laden. Einzelhändler gegen Kaustraststeigerung. Konflikt mit den Handelsarbeitern. Auf Beschluß der Funktionäre der Handelsarbeiter des Berliner Einzelhandels halte der Verkehrsbund das Lohnabkommen für diese Branche zum 4. Oktober gekündigt und eine Erhöhung der Löhne um 10 Prozent gefordert. Außer- dem wurde verlangt, daß der Zuschlag für die Krastwagensührer, der bisher 8 Mark ans die Löhn« der Handelsarbeiter betrug, herausgesetzt wird. Der Arbeigeberverband im Einzeihandel machte sich die Lehnverhandlungen sehr bequem, indem er der Organisation schriftlich mitteilte, daß seine Lohnkornmission die Forderungen«in- stimmig abgelehnt habe und es aus diesem Grunde wohl überflüssig sei, überhaupt erst Verhandlungen darüber auf- zunehmen. Mit dieser herausfordernden Stellungnahme der Unternehmer des Einzelhandels beschäftigte sich am Montag im Gewertschasts- haus eine überfüllte Versemrnrlung der HondAsarbeiter, die über das Verhalten der Unternehmer äußerst erregt war. Viele Redner vertraten die Auffassung, daß unverzüglich alle Vorbereitungen für die Aufnahme des Kampfes um die Durchsetzung der berechtigten Forderungen getroffen werden müßten. Die Versammlung stimmte aber schließlich mit großer Mehrheit einem Antrag zu, wonach erst noch der Schlichtungsausschuß angerufen und dann nach dem Vorliegen eines Deihandlungsergebnisses die weiteren Be< schlösse gesaßt werden sollen. In dieser Versammlung wurde auch noch von dem Genossen P o l l m e i e r Bericht erstattet über die Verhandlungen, die mit den Unternehmern über die Auslegung des Manteltarifes geführt worden sind. Eine Einigung konnte über die strittigen Punkte nicht herbeigeführt werden. Es wurde lediglich vereinbart, daß in sedem einzelnen Streitfall« das Arbeitsgericht angerufen werden soll«. Kein Geld sür Männeranzüge.. Entlassungen in der Breslauer Herrenkonfektion. Breslau, 1. Oktober. Der inangelnde Eingang ausreichender Aufträge hat die füh- renden Vreslaucr Herrcnbekleidungsunternclnnen gezwungen, teil- weise mehr als ein Drittel ihrer Arbeiterschaft zu kündi gen, nachdem schon in den letzten Wochen zahlreiche Entlassungen vorangegangen sind. Es sind dadurch mehrere hundert Zu- schn eider, Werkstattarbeiter usw. brotlos geworden bzw. stehen vor ihrer Entlassung. Auch das kaufmännische Personal ist davon betroffen. Besonders in Mitleidenschaft gezogen sind die zahlreichen Heimarbeiter, die nur noch in beschränktestem Maße Be- schöftigung sinden können. Um die Stillegung der Betriebe zu vermeiden, ist Kurzarbeit notwendig geworden mit tzbstündiger Wochenarbeitszeit. Berliner Gewerkschastsfchule. Die Kurse beginnen. In der Woche vom 14. bis 19. Okiober beginnen die Lehr- gänge der Gewerkschaftsschule. Wir veröffentlichen nachstehend einig« wichtige Lehrgänge, deren Besuch für all« Gewerl- schastsmitglieder und-funktionäre notwendig ist: 0. 4. v-Il-wirtschastlich«»rbeitegrunp« tür Änsäaacl. Leijm: Dr. Otto £«3r und Dr. Kreigig. Beginn: Dienstag, den 15. Oktober 1928, 13 Ilbr. Das kavitalistischc Unternehmen: Betriebssormcn, Unternehmungsformen, Ronjen- Iretion.— Die Organisation der Märkte: Arbeitsmartt, Warenmarkt. Geld. und Rapttalmar?'.— Die Wirtsthokt als Sesamtprojeh: Zlohstosfoersorgung, Preis- und Lohnbilduilg, Rouitalbcdark und Kavitalbildung: Ronjunitui- I dcmcgung.— Die Mittel staatlicher Wirtschaftspolitik: Rechtsnormen, ginon-. lind Kandclspolil k, wir'ichoftlichc Bedeutung der Sojiatpolitik, ilssentliche Birlschaft.— Volks, und Wetlwirtschafi: Problem der Autarkie, das Scsälle der Weltwirtsä-ast, Internationale Wirtschastshindungcn. C. 6. Betricbswirtschastlich« Arbeitsgruppe i: Die gormcn der Unter» uehmung. Lehrer: Dr. G. R. Bark. Beginn: Donnerstag, den 17. Oktober, ItLSl. 19 Uhr. Unternehmung und kapitalistische Wirtschaftsform. Rechtliche Gestaltung der Unternehmung:»l Pcrsonalgcsellschasten(Ofsenc öcndelsgesell. schost, Kommanditgesellschaft, Stille Gesellschaft), dl Rapitaiacsellschaften tAitiengcsellschaft. G. m. b. S., Aktien�tes. a. G.l, cl Genossenschalten sGr» schichte der Sesrllschaftsformenl. Neue Formen: Ronjerne, Snndikatc. Trusts. Ow. 7. Detriebsmirt, tastlich« Arbeitsgruppe II: Die Organisation des Betriebes. Lehrer: Frid Frirfc. Beginn: Dienstag, den l.'>. Oktober 1929. 19 Uhr. Die Rentabilität als ziel und Motor des kopitalistifche» Erwerbs- Unternehmens.— Die Funktionen des Uniernchmens: Finonjierung, Einknu:. Erjeugung. Berkguk. Abrechnung. Der Arbeiksprojeh. sein Verlans und se-nc Drdinguugen. Der Arbeitsgang und feine Verrechnung. Ralkulation. Der Gang eines Runden- djw. Fadrikationsauftrages. Die Abrechnung� des Auf- träges. Der Ginn der Buchhaltung und Bilang. Der Rrrislauf des Betrieb-.. kapitals. Orr. 9. Arbeitsrechtlich« Gruppe II: Betriebsräte recht für Fortgeschrittene. Lehrer: Dr. Ernst Frankel und Dr. Fron, Neumann. Beginn: Montag, den 14. Oktober 192S, 19 Uhr. I. 3uc Eo.liologie des Betriebsrätewesens. 1 Das Rätesystem und der Artikel 155 der Reichsverfassung. 2. Betriebsräte und Ge. werksäxrften.— II. Das Betriebsrätegesehr— III. Die Betriebsräte im Auf» tcchtsrat.— 157. Betriebsrote und Arbeitsuertrag.— V. Betriebsräte und Tarifvertrag.— VI. Betriebsräte und Arbeiiskampf. 80. 11. Die deutsch« und die iuternatiouale Seiverkschaktslietuegu»«. Lehrer: Sermann Tchlimme. Beginn: Mittwoch, den 1«. Oktober 1929. 19 Uhr. En,. micklnng der Wirtschaft»um modernen Ravitatismus.— Die sojiaten Grund» lagen der Gewerkschaftsbewegung. Gewerkschaftliche Organisationsformen im. ruts-, Betriebs, und Industrieverbände).— Rampfmittel und Rampsmetbode:, der Erwerkschaiten. Gewerkschaftliche Epi�enorganisationen, Gewerkschaft-- mchiungen. Birtschaftsfriedliche Bewegung. Untrrnehmeroroanisation'n s!0.-.lalro.>t:iche, Wirtschaft spg!!tisä>e. Lsfenilich-rechtliche).— WirtschaftÄrmo- kratie und WirtsSnntsporlamentorismus SO. ,2. Scialpvlitische Arbeir«,run°e für Ferigeschrittene. Lehrer: Otto Voch.?eginn: Dienstag, den 15. Oktober 1929, 19 Uhr. Wirtschaft un, Sozmlpoutii.— Die(SoataTDOltttl in y.ctfcfTuna und©cfefcpetmnq der brirt- fmpn Nepublik.— Probleme des Arbeiismarktes.— Das �rbiettsfehutwefefc.— Die sozialen �crfitbetiinpcn.— UnfaTslch«rbeit und Gesundbeitsschuh.— M'.rterschuk unb Siedlunaswesen als farfwr der sozialen Eesetzacbuna.— Woblsabrt und soziale Mrforfle.— Die internationale Orqanisotion der Arbeit und ihre Einwirkungen auf die soizalvolitische G«se�aebunq drr Länder. Die mit C. ibezeiehneten Kurse finden im Sophien- Lyzeum, Wcinmeisterstr. 16/17, die mit SO. versehenen im Lei bniz-Gymnasium, Mariannenplatz, und die mit den, Zeichen Gev. kenntlich gemachten im Unterrichtsraum der B e r- liner Gewerkschaftsschule, Berlin SO. 16, Engel- uier 24/25, 2. Hof 1 Treppe rechts, statt. Anmeldungen können bei sämtlichen Ortsvcrwoltungen der Verbände und in den Lehr- berntungsiprechstunden der Schule(Montags und Freitags von 4 bis 7 Uhr), Engelufer 24/25, 1 Treppe, Zimmer 6, vorgenmnnien werden. Es ist auch möglich, die Anmeldung am ersten Unterrichts- abend im Kursus selbst vorzunehmen. Der Hörerbeitrag beträgt für je 10 Abende 2 M., für Jugendliche 1 M. Erwerbslose sind vom Hörcrbeitrag befreit._ Konflikt im Karioffelgroßhandel. Dem Verein Berliner Kartosfelgroßhändler ist vom Verkehrsbund das Lohnabkommen für olle in dieser Branche be- schäftigten Arbeiter zum 30. September gekündigt worden, um ein« Zlusbessernng der Löhne durchzusetzen. Die Verhandlungen mit den Unternehmern über den Neuabschluß des Lohntarifes sind g e- scheitert, weil die Unternehmer nicht nur die Lohnforderungen glatt ablehnen, sondern darüber hinaus nock) einen Abbau dei Löhne verlangten! Die Organffalion hat daraushin den Schlichtungsausschuß zur Entscheidung angerufen. Internationale Ltnfallbekämpfung. Der zurzeit im Arbeiterschutzmuscum in Berlin-Eharloltcnkmrg tagende Unterausschuß sür Unfallverhütung beim Internationalen Arbeitsamt in Genf beschäftigt« sich Montag vormittag unter dem Vorsitz von Gcheimrat L e y m a n n mit der Frage der Erweiteruno seiner Arbeiten. Es wurde angeregt, dem Verwolwngsrat des Jnter" nationalen Arbeitsamts in Genf vorzuschlagen, den Kreis der Sach. verständigen in diesem Ausschuß durch Hinzuziehung von Vertretern der Behörden, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, der Unfall- Versicherungsträger, der Leiter der Arbeiterschutzniuseen zu er- w e i t e r n. U.a. wird sich der Ausschuß auf seiner Berliner Tagunn auch mit der Frage der Unsallocrhütungspropaganda durch der Film befassen. Weiter hat das Internationale Arbeitsamt zur Durchführung seines Planes, internationale Mono. g r a p h i e n über wichtige Einzelfragen der Unfallverhütung zu ver- öffentlichen, den Sachverständigen den Entwurf einer Monogrophi« über die Unfallverhütung bei Herstellung und Verwendung vor Azetylen vorgelegt._ Kranz Ryiomöki 60 Jahre all. Der Genosse Franz Bytomski, erster Kassierer der Ortsverwol- tung Berlin des Verbandes der Buchbinder und Popierverarbeitci Deutschlands, feiert heute bei rüstiger Gesundheit seinen 69. Geburt--. tag. Im vorigen Jahre konnte er bereits sein Jubiläum als Ange- stellt« der Zahlstelle Berlin des Buchbindervcrbandes begehen. Jv der Partei ist er schon seit einem Menschenalter ein tätiges Mitglied ebenso beteiligt er sich an allen Veranstaltungen des Reichsbanners Unsere besten Wünsche dem treuen Kämpfer. Achtung. Dreher? Am Donnerstag findet um 19 Uhr in der Musikerfestsälen, Kaiser-Wilhelm-Straß« 31. die Vranchenoersamn!- lung statt. Die Kommunisten, die auf Anweisung der KPD. di, Spaltung betreiben, weiden mit Hochdruck arbeiten. Niemand, dem es ernst ist mit seiner Organssation, darf in dieser Vcrsammlunc fehlen. Höchste Aiarinbereiffchast ist die Parole. Die Pariser Pastchaufseure sind am Montag zum zweiten Mcl, innerhalb 14 Togen in einen mehrstündigen Protest. streik getreten. Sie fordern eine Lohnerhöhung und die öe- willigung eines jährlichen Urlaubs. .j füc die Stichwahl abholen. De. Fr-ltiousv-rstauii. Ron»'. UÄIÄ ÄÄ'"'"8' 3- O!i0tCt' 17 � tFreieGeVerkschafts-�naknv Berlin. AA- Mtttwoch, 1954 Uhr. taäen die Gruppen: Ievtrum: Iup-ndhein, ehäenicfee ctr,.4— 2o. Leimbespr.chuna 0h,,c Bcrbandsbuch kein?>:» ,~Z Rc-rdrcrq: Jugendheim, ecknile Sonnenburger Elt. 20. Seim. besprecht, n«. gutritt nur mit Verbandsbuch und Keimausweis.- W-ige-ser » p Ä/itSs' 1 1 c /i, 1' si r■ 36. S-imbesprechäng. Vcrba:ch.sbuchk°ntr°lle — Biedert, eatoeften: S.adt. Jugendheim Porckstr. 11 sFabrikgebäude). Seen,. besprechung. Lieberabend. Zutritt nur mit Le mauswcis und Bcrbandsbuch.— S-'-mbefpr-chun«. Brcttspl.lab-nd Verantwortlich ftlr Voliiik: Dr.«nrt G-per: WirNchafi: G. tttlaqelhefer- Seoertsälallsbewegung: Z. Bicinct; Feuilleton: Dr. John Schikoweki: Lokales und Eonlliaes: Sri» Sarstüdt: Aniciqen: Tb. GUt'r; iamiUdi in Berlin Verlas: Sotroatls.Strlan®. m. b. ü. Berlin Druck: Vorwärt-.Bucl'drucIcrrt und Brrlagsanltalt Paul Tinoer u. Co., BerNn<5W 68. Linier, straft« S $iua» Z Beilage, nn».UatcrhaltNng ub Wiffftr. 3?r. 461* 46. Jahrgang i. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 2. Ottober 1929 Gttarek-Skandal im Gtadtparlament. Erregte Debatte: Sozialdemokratie fordert schärfstes Durchgreifen. D?« Ausbeuwng des Sklarek-Skandals zur Parteiagitanon wurde gesiern in der Stadtverordnetenversammlung so(tusgiedig betrieben, daß die Debatte über diesen Skandal die ganze Sitzung in Anspruch nahm. Bürgermeister S ch o l tz gab einen eingehenden Bericht darüber, wie die unerhörten Betrügereien möglich wurden. Gegen die in der k o m m u n i st i s ch e n Press« gemachten Versuche, dreist die Sozialdemokratische Partei in den Skandal hineinzuzerren, wandt« sich in scharfer Rede unser Genosse Fla tau. Er wies daraus hin, dah K c m m u n i st e n es gewesen sind, die durch ihr Verhalten eine rechtzeitige Beleuchtung der van Sklarek mit drr Stadt gemachten Geschäft« vereitelt haben. Auf Fiataiis Ausführungen antwortet« der Deutschnationole Merkel mit weitschweifigem Gerede über die Anschafsungegesellschost, obwohl sie mit dieser Asfäre Sklarek gar nichts zu tun gehabt hat, und der Kommunist Lange mit der bei ihm üblichen wüsten Schimpferei, die mit Verdächtigungen gespickt war. AI» Bürgermeister S ch o l tz in Aussicht stellt«, daß in der Untersuchung cherr Longe sich als Zeuge zu äußern haben werde, schien den das sehr zu überraschen. * Räch Eintritt in die Tagesordnung teilt der Vorsteher Genosse chaß mit, daß beschloflen sei, den Fall Sklarek zu behandeln und den einzelnen Fraktionsrednern je eine halbe Stunde Redezeit zu gewähren. Zu der großen Betrugsafjäre hat die sozialdemokratisch« AroMon folgende Anfrage«ingebracht: Ist der Magistrat bereit, Auskunft zu geben, l. Welche Feststellungen finanzieller und sonstiger Art aus Grund der bisherigen Prüfung», und Ilntersuchungs Ergebnisse in der Alqelegenheit Sklarek getroffen werden konnten. 2. Ob Beamte oder Ehrend eamle der Stadt direkt oder indirekt dnrch die bisherigen Ermittelungen in dieser Angelegen- hett belastet erscheinen. Cm Dringlichkeitsantrag unserer Fraktion hat folgenden Wortlaut: Dir beantragen eine strenge Prüfung aller mit der An- gelegenheil Sklarek zusammenhängenden geschäftlichen und dienstlichen Vorgänge sowie de» verhalten, aller mit dieser Frage in Znsammenhaag stehenden Personen und darüber hinaus eine Nachprüfung de» gesamten Geschäft», und Sreditgebaren» der Stadtbank ourchznfühmu Fast alle anderen Fraktionen des Hauses haben ebenfalls An. fragen und Anträge eingebracht. Die Kammuni st en verlangen Die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, dem Mitglieder ihrer Partei, der Roten Hitfe. der Internationalen Arbeüc-rhüse, des Internationalen Kriegsbeschädigten-Pundes und vieler, anderer tom- munistischen Organisationen angehören sollen. Bon den Deutsch. »ateoual«n wurde die sofortige Vertragsauflösung und di« Aonkursdurchführung der Geschöst« der Gebrüder Sklarek»erlangt. Als erster Redner nahm sofort Bürgermeister Scholtz im Romen des Magistrat» das Wort: Es ist f« l b st v e r st ä n d> lich, dtch der Magistrat auf alle Anfragen und An. träge Rede und Antwort stehen wird. Der Bürgermeister gü» von der Auslösung der Kleidervcrtriebs-Gesellschoft im Jahre 1925 aus, schilderte, wie die Gebrüder Sklarek dem bis dahm städtischen Beirieb übernahmen. Der Vertrag lautet« bis zum Jahr 1928. Da sie vertraglich Kleider, und sonstige Lieferungen für die Stadtverwallung und die Bezirksämter übernommen hatten, forderten sie alsbald mehrfach Darlehen von der Stadl, die ihnen schließlich auch in Höhe von 390 VM Mark, rückzahlbar in monatlichen Raten von 10000 Mark als Betriebskapital gewährt wurden. Schließlich wurde der Vertrag, che er abgelausen war, durch den zuständigen Magistratsdezernenten(den kommunistischen Stadtrat Gäbel) bis 1935 verlängert. Aus den Vertragslieferungen ergaben sich für die Gebrüder Sklarek Geschöftsverdindungen mit der Berliner Stadtbank, die ihnen erst in kleinerem, später in große- rem Umfange die Bevorschussung der Lieserungsausträge gewährte. Der Kreditausschuß der Stadtbank gab dabei immer seine Zustim- mung. Bürgermeister Scholtz schilderte dann das bekannte Vsr- fahren bei der Vorschußgcwährung und erklärte schließlich, daß dl« Skloreks, entgegen der bis dahin beobachteten Gevilogenheit, nicht mehr die Originalbestellschcine an die Stadtbank zur Bevorschussung einreichten, sondern A b s ch r i s t e n davon mit der Bemerkung, dah die Originale bei den Bezirksämtern feien. Dann kam die bekonnte Aufdeckung der Betrugsmanöoer durch den Re- msionsbeomten. Die Kontrollen bei den Sklareks mußten immer für sie günstig aussallen, da für die Magistrotskontrollbeamten be- sondere Bücher geführt wurden. 3m Laufe der ltntersuchuvq ergab sich die einwandfreie Fest- stellnng der Betrügereien, so daß man schließlich die Sklarek, als die Täter feststellte und ihre Verhaftung oeranlaßt«. Bei der vorgenommenen Haus- suchung wurden nicht nur falsche Bücher, sondern auch eine Kladde gefunden, auf der die Fälschungen sein säuberlich re- g i si r i e r t waren. Der Redner betonte mit besonderem Nachdruck, daß die bisherige Untersuchung strafrechtliche Vergehen von Beamten nicht ergeben hätte, sondern daß man sich auf die Einleitung von Disziplinarverfahren beschränkt hätte. Die steht es mit der Vermäaenslao.e der Sklareks? Dos vorhandene Warenlager hat einen Wert von etwa 1 200000 Mark. An Forderungen an die Bezirksämter stehen einige 100 000 Mark aus. Sonstige Debitoren sind etwa 350 000 Mark vorhanden. Daneben sind Grundstücke, vier sehr luxuriös«ingerichtete Dillen und zwei Renn- st ä'l l e vorhanden, deren Wert aber sehr fraglich ist. Ob gegen die Sklareks ein Schadensersatz oder ein Konkursver- fahren eingeleitet werden soll, ist.zurzeit noch nicht entschieden: bekannt ist auch noch nicht, wie groß der ganz« Verlust ist. Die Passiven bei der Stadtbank lOVi uk belaufen sich jedenfalls ans Dillioven Mark. über Es besteht leider die Befürchtung, daß mehrere Millionen Mark Verlust für die Stadt Berlin übrig bleiben werden. Di« Frage, wo die Sklareks dies«, ergaunerten Millionen gelassen haben, ist bis zur Stunde nach nicht zu beantworten. Vielleicht haben sie das Geld in das Ausland verschoben, um«ine eventuelle Fluche finanzieren zu können� Da« ist Kim Glück durch das energische Zugreisen der amtlichen Stellen verhindert worden.. Jedem grvßen Skandal folgen eine Anzahl kleiner, lieber die vielen BeschickdigunAen an Beamte usw. wird ein« rücksichtslose Untersuchung durrhgeiiihrt. Es gilt, den Ruf der Stadt Berlin hochzuhalien, keine Wirtschaft, weder öffentliche noch private, kann gedeihen, wenn nicht Sauberkeit herrscht. Dann sprach als erster Diskussionsredner der Vorsitzende der sozialdemokratischen Stadtoerordnetensraktion, Genosse Erich Flata«. Er bezeichnete den Fall Sklarek als die wi d e r wGr t i g ste Angelegenheit, mit der sich die Stadtverordnetenversammlung bisher zu beschäftigen hatte. Allerdings gehe es nicht so, wie es gewisse Berliner Zeitungen machten, indem sie übereifrig nur in einer pou. tischen Richtung Schuldige suchen. Trotz der Erklärung de» Bürger- meffters sind viel« Unklarheiten geblieben. So ist es z. B. unbegreiflich, wenn die früher im Berkehr mit den Gebrüdern Sklarek geschaffenen Sicherheiten mit«inemmal außer acht gelassen werden konnten. Es fft doch mehr als merkwürdig: die Sklareks ändern plätzlich ihre Geschäftsmethoden, aber kein Beamter merkt das und geht der Sache auf den Grund. Ungewöhnlich ist auch, daß der Magistrat die Stadtbankdirektoren und die versagenden Kontrollbeamten aus ihren Posten belassen hat. Sollen etwa diese Beamten in der Untersuchung ihrer eigenen Angelegenheiten tätig sein? Wir hoffen, daß da» sofort geändert wird. Unerfindlich ist auch, wie der noch lausende Vertrag bereits lange vor seinem Ablauf bis zum Jahre 1935 ver- länqert werden konnte. Gelegentlich einer Dcbaite über da- Städtische Anschassnngxamt haben die Vertreter der sozialdemo- k r a t i s ch e n Fraktion gegen dies« Methode sehr energisch pro- testiert. Genosse Flatau richtete an den Magistrat die Frage, ob es auch sonst üblich sei, daß solche weitgehenden Monopolverträge mir von Magistratsmitgliedern abgeschlossen wevden. Und er fragte weiter, ob denn diese Vertröge gültig sind, selbst wenn mehrere Magistrate Mitglieder unterschreiben. Ich kenne zwar das Verfahren im K r e d i i a u» s ch» ß der Stodtbant nicht, aber es sind alle Parteien darin vertreten und gerade die kreise, die seht anderen Parteien die Schuld an dem Skandal zuschieben mächten, haben die Mehrheit in dem Ausschuß. Gewisse Kreise, die sich auf ihre kaufmännischen Fähigkeiten sehr viel einbilden, habe« ohne Bedenken die Kreditgewährung an die Sklareks gebilligt, und es scheint fast, als ob sie ihre eigenen Kredit« dabei nicht gefährden wollten. Genosse Flatau erwähnte dann mehrer« Fälle, die er dem Magistrat zur Beantwortung vor- legte. In der Bezirksoersommlung Mitte hat der Kommunist Wie- n c w s k i»inen Antrag eingebracht, noch dem der Vertrag mit den Sklareks zu lösen sei. da die gelieferten Waren minderwertig waren. Der Antrag wurde schließlich durch die KPD.-Fraktion zurück- gezogen. Ist hier eine unzulässige Beeinflussung durch den zu- ständigen Mogistrcitsdezernenten etwa vorgenommen worden? Frage 2: Bürgermeister herz vom Bezirk Kreuzberq veranlaßle eine Rundfrage an die Bezirksämter, wie man mit den Lieferungen der SNarek» zufrieden sei. In diesem Falle steht sest, daß der zuständige Magistrotsdezenicnt sofort die Umfrage verhinderte. Ist es ferner wahr, daß der Direk- tor vom Krankenhaus in Reinickendorf veranlaßt wurde, besondere Wäschebestellungen bei den Sklareks zu Machen? Der zuständige Magistrotsdezernent, der alle diese Sachen zu verantworten Hot. ist der kommunistische Stadtrat Gäbel.(Lebhafte Hört- hört-Rufe bei den Sozialdemokraten.) Es ist in der Oeifentlichkeit aus das Verhältnis von Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei zu den jetzt verhasteten Gebrüdern Sklarek hingewiesen worden. Sollte festgestellt«erden, daß Sozial- demokraten ihre Stellung ausgenutzt haben, um den Sklareks Vor-. teile zu verschaffen, so wird die Partei mft aller Energie gegen diese Mitglieder vorgehen. ebenso wie gegen die Sklareks selbst, die bekanntlich aus der Poriei ausgeschlossen sind. Aber bisher sind irgendwelche Vergehen von sozialdemokratischen Ehrenbeamten nicht nachgewiesen worden. Ich erkläre in oller Oesientlichkeit. so fuhr Genosse F l n t a u fort, daß es die Sozialdemokrntisch« Partei nicht unbedingt nötig hat. Nennstallbesitzer zu organisieren. Der gesellschaftliche Verkehr, der mit den Sklareks gepflogen wurde, gibt jedensall- kein Recht, A n- griffe gegen Mitglieder unserer Partei zu richten: es Hot auch 9» von A.M.Frey- ®®) Copyright 1929 by GusUv Kiepenheuer Verleg.V-C� Berlin Aber ein anderer Bataillonsführer machte feine Auf- Wartung. Er schnappte ab mitten im Einsatz. Er war tumult- und granatenuntouglich. Einer, den der immerwährende Wechsel in den Führerstellen an eine Spitze ge- tragen hatte, die zu exponiert für ihn war. Er zeigte sich gerade dann unfähig, gefaßte Beschlüsse auszuführen, selber Beschlüsse zu fassen, wenn es einzig darauf ankam. In seiner Kanzlei viel Papier vollschreiben zu lassen, gelang ihm. hier gab es keine Kanzlei. Er meldet« sich krank. Das heißt, es sickert« durch, der Regimentskommandeur Hobe ihn veranlassen müssen, sich an den Arzt zu wenden. Dusang habe, ehe jener eintraf, mit Fünfer vertraulich gesprochen. Worauf der sich veranlaßt sah. ein Herzleiden zu konstatieren. Auf solche Weise wurde man jenen los. und er selbst erreichte, was er von sich aus zu erreichen nicht gewagt hatte: er kam aus der Feuerlinie. Er kam nach Hause! Wohl möglich, daß er seines Leidens wegen, das als Dienstbaschädigung angeschen werden konnte, später eine Rente bezog. Funk muß Fünfers Befund schreiben. Er weiß ihn aus- wendig. Es ist immer das gleiche bei den Gutachten über Offiziere, die wegwollen: nervöse Störungen, reizbares Wesen, schlechter Schlaf, Appetitlosigkeit und so weiter. Hier kam unterstrichen noch das Herz hinzu. Schon bei Lipps Zeiten hat Funk selbständig diese Weis- hellen hingesetzt.„Erzählen S' dem Divisionsarzt das übliche Märchen, Funk.' pflegte Lipp zu sagen. 37. Funk steigt an die Oberfläche. Der Frühling ist da. ja- wohl, er ist in vollem Gang. Er nimmt sich seltsam genug aus: ganz unwahrscheinlich. Man hört, ohne daran zu glauben, Vögel singen. Man sieht im Garten des Schlosies, das heißt des jetzigen Trümmerhaufens Fontaine— im einst- mal« parkähnlichen Garten sieht man junges Grün, und es ist weniger spärlich, als man je« gor Wüst« gewordenen Gegend, vervmtet hätte.- Die Vögel sind Helden. Wie haben sie's fertig gebracht, hier auszuhalten, hier durchzukommen?— Die anderen Helden liegen im untergegangenen Park und sollen ihn düngen für künftige Tage. Krankenträger schaufeln große Gruben. Auch Funk greift zum Spaten. Seine wochenlange Tag und Nacht hinlaufende Arbeit, Antitoxin zu spritzen, Kossein, Morphium, Siopolamin, einige hundert Dosen, dann Rodeln auszukochen. Täfelchen zu füllen, immer wieder in Bücher, auf Meldebogen, in Rubriken Zahlen und Namen zu schreiben— solche Tätigkeit mit gespitztem Finger läßt die Muskeln danach schreien, sich endlich rühren zu dürfen. Den Fuß aus den Rand der Schaufel zu setzen, sie hinein- zutreiben in die weiche, herbduftendc Erde, die Arme im friedlichen Schwung anzuspannen— das tut wohl. Aber plötzlich lassen alle ihre Spaten stecken oder fallen und laufen davon. Der Franzose hat wieder einmal„eine hergefahren", und die Toten sind in der Lage, ein zweites Mal zu sterben. Aber es geht glimpflich ab. Eine Granate nur ist in ein begonnenes Grab gesaust und hat den Grund mit einem Schlag ausgehoben. Die Sanitätsleute brauchen nicht mehr tiefer zu dringen, sie haben nur die Leichen hineinzulegen, dann können sie dos große Loch zuschippen. „D e r Schuß hat die Leut' aber wirklich unter die Erde gebracht," sagt einer mit traurigem Lächeln. In den Bäumen hängt eine funkelnde, vom Aprilregen reingewaschene Nach- Mittagssonne, schon wärmend gleich deutschem Frühsommer. Wie die Haut zu atmen beginnt— sie, die nur noch von modriger Luft, von Blut-, Schweiß- und Urindünsten um- geben war. Es hilft nichts— wieder hinunter muß man. Doch heut« scheint ein besonderer Tag, ein guter zu sein: von Ablösung ist die Rede. Funk fragt bei Fünfer an: ja, es stimmt. Der Regimentskommandeur und fein Schreiber sind schon weg. Der Adjutant ist noch da. Die Kompagnien, die Batalllons- befehlsstellen wechseln bei Einbruch der Dunkelheit mit dem Nachfolger. „Funk, wir gehen— ich. Sie und mein Diener—. solang es noch hell ist. Oberarzt Model, Feldunterarzt Spieß. Feld- webel Bethge bleiben und übergeben den Platz den ablösenden Kollegen." Funk ist nicht recht zufrieden. Er ging« lieber in der Nacht. Er scheut sich nicht, es dem Regimentsarzt zu jagen und anzuraten. Aber der nervöse, blaß oerspeckte und ver- dreckte Fünfer hat keine Geduld mehr. Fort, und endlich wieder einmal nach hinten, fort aus dem Bereich ewiger Schießerei, wenn möglich in«w Bad, unter ein Rafiermesier. in ein schweißfreies Hemd, jede Minute früher weg, die es irgend geht Der Diener Gschwind, ein hagerer kleiner Bursche, hat sich einen unförmigen Tornister zurechtgepackt in geheimni«- vollen Hantierungen. Nun soll er obendrein den Offizier?- tornister seines Stabsarztes tragen. Das ist unmöglich für ihn zu bewältigen. „Wat haben se denn alles drin. Ieschwind, in ihrem on« jeschwollenen Monstrum?" „Jan— lauter Sachen von Herrn Stabsarzt," sagt der Wichser bieder, wenn auch etwas dumpf im Ton. „Und dabei könnt' ich nich mal ne frische Unterbuxe an- ziehen, denn Sc hatten keene für mich mitjenommen," quen- gelt Fünfer. Er ist gutmütig genug, seinen viel leichteren Tornister selber zu tragen. Sähe es Dusang, er wäre empört über die verzärtelnde undistanzierte Haltung des Borgesetzten. Sie nehmen Abschied. Bethge wirbelt den Bart in straffere Haltung— sie alle sind von neuer Lebensfreude umsproßt— und sagt:„Wünsch' glücklichen Weg! Herr Stabs- arzt, kommen Sie gut nach Hause!" Da müssen doch all« lachen, denn wo wäre dieses„zu Hause"? Immerhin: da» Hinterland kann man schon empfinden als ein Heim, als ein Daheim. Wenn man nur erst heraus ist aus dem unaufhör- lichen Bedrohtsein. Dann sind sie zu dritt auf einer grausam gelöcherten Straße mit zersplitterten Alleebäumen. „Wirtlich ein Kunststück, wie hier die Wagen der Sanitätskompagnie noch fahren können. Man müßte die dollsten Löcher zuschütten, alles'n bißchen ausbessern." Du verstehst wirklich nicht viel von der Landwirtschast— denkt Funk. Laut sagt er:„Das geht wohl kaum. Der Geg. ner beobachtet hier gut. Da entstünde zu viel Unruhe: besten- falls nachts könnte man—" Er bricht ab. Wie recht er hat. erweist sich sogleich. Sie scheinen bemerkt zu werden. Gilt ihnen nicht der Schuß, der dort rechts hinten einschlägt? Möglich aber auch, daß nur mal wieder die Straße abgestreut wird. „Vorwärts!" keucht der Stabsarzt und trabt. Funk und Gschwind, sie traben. Die Kochgeschirre klappern, in den Tor- nistern rumpelt es. Di« zweite sitzt schon näher. Fünfer erstarrt, bleibt stehen und sieht sich um.„Los!" schreit Funk, packt ihn am Gurt und zieht. Sie galoppieren zu dritt dahin über eine Ehiussee, die besät ist mit spitz zerschlagenen Steinen. Holzsplittern, Erdaüssen. Sie straucheln, manchmal fällt einer halb, sie werstm-stH wnnr(Fortfetztrng folgt.) i „Widerstand" gegen Siaatsgewast Wie harmlos er ost ist. Widerstand gegen die Staatsgewalt? Es klingt gefährlich und ist doch oft nur gar zu harmlos. Ein wenig mehr Menschenkenntnis, Humor, Ueberlegenheit und Zurückhaltung des sich feiner Kraft und Uebermacht bennchten Beamten und die Staatsgewalt wäre nicht auf Widerstand gestoßen. Der schlimmst« Auf- reizer zum Widerstand ist aber der A l k o h o l. Er weckt den Widerspruchsgeist. Er anerkennt nicht das Recht des Beamten als Hüter der Ordnung und ist Vernunftgründen völlig oder gar nicht zugänglich. Zwei harmlos« alkoholische Widerstände gegen die Staatsgewalt, typisch für die Gruppe von Delikten, wurden neulich vom Einzelrichter abgeurteilt. Oer Bierverleger. Ein gefährlicher Beruf, dieses Bierverlegen, desonders, wenn man kein Bier verträgt. Der sonst brave Bierverleger D. vertrug es aber wirklich nicht. Sein Strafregister ist ganz«igen- artiger Natur: es weift nicht weniger als 5 Strafen wegen Widerstandes und 2 wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung aus. Eines Tages hatte er wieder einmal zu viel gezecht, er wurde unruhig, der Wirt wollte ihn an die Luft setzen, holte«inen 5k- amten, dieser versucht« es im guten, D. ging aber nicht. Als der Beamte stch entfernte, um einen Kollegen zu rufen, überlegt« sich D. die Situation und beschloß, der Gefahr des Widerstandes aus dem Weg zu gehen. Er rief ein Auto heran, fiel aber statt in die Droschke auf den Kühler. Das kühlte ihn aber nicht ab. Er erhob sich zwar aus der nicht ganz bequemen Lage, rief ein zweites Auto heran und war gerade im Begriff, in llkrkennung seine« eigent- lichen Berufes, das Auto anzukurbeln, als die Beamten an ihn herantraten und ihn aufforderten, mit zur Wach« zu kommen: er sollt« wohl dort ernüchtert werden. D. sah aber gar keinen Grund, wesljalb er zur Wache mit sollte. Er bediente sich deshalb nicht ganz schmeichelhafter Ausdrücke, stellt« den Beamten.Leine' und zeigt« sich derart renitent, daß«r gefesselt werden muhte. Auf dem Polizeirevier tobte er in«ine? Weife, daß man ihn kurzzuschließen gezwungen war. Bor Gericht machte der brave Bier« oerleger einen recht kläglichen Eindruck, er war dem Weinen nahe und meinte, er habe ja immer gesagt, daß ihm etwas derartiges nicht mehr passieren dürfe. Als er dann drei Wochen Gefäng- nis zudiktiert erhielt, bat er.höflichst'," erst in zwei Monaten die Strafe antreten zu dürfen, er wolle sich jede Woche im Revier stellen.»Sind Sie schon einmal in einer Anstalt gewesen?' fragte ihn der Richter, und der Staatsanwalt riet ihm, es mit einer Alkoholheilanstalt zu oersuchen und nach Möglichkeit den Beruf zu wechseln. Oer Invalide. Der Mann hat aus dem Krieg« vier Kopffchüsse und ein« Zkr- schüttung noch Hause gebracht. Er geht am Stock. In Nervenhcil- anstalten befand er sich einmal 23 Monat«, ein andermal 18 Monate: er war auch im Birchow-Krankenhaus in De- Handlung und ist erst im Dezember 1928 aus einer Heilanstalt in Birkenwerder entlassen. Er kennt seine leichte Reizbarkeit und geht heiklen Situationen aus dem Weg«. ,3ch habe zum erstenmal in meinem Leben einen Zusammenstoß gehabt,' sagte er. Er war verreist, und als er zurückkam, fand er sein« 5Vohnung vermietet. Er suchte vergeblich«in« neue Wohnung, fand nichts, trank vor Aenger und Kummer einige Glas Bier, und da passierte ihm das Malheur. Er stieß mit einem Wächter hart aneinander, dieser holte einen Schupo, und als er nun etwas derb angefaßt wurde, da geschah etwas, woran er sich nicht mehr erinnern kann. Jedenfalls benahm er sich derart, daß noch vier Personen herbeigeholt werden mußten, um chn zu beruhi- gen. Also hatte er sich wegen Widerstandes und groben Unfugs zu verantworten. Der Richter vertagte die Verhandlung: es sollen erst über seinen Geisteszustand Nachforschungen angestellt werden. Widerstand gegen die Staatsgewalt war ober auch das. Man müßte dafür vielleicht doch eine andere Qualifizie- rung finden. Magistratsmitglieder und Stadtverordnete aller Parteien gegeben, die mit den Gebrüdern Sklarek bei irgendeiner Gelegenheit an einem Tisch saßen. Die sozialdemokratische Fraktion fordert im Interesse ihrer Mit- glieder, ihrer Wähler und der Stadt Verlin die restlose Ans. klärung der ganzen unsauberen Angelegenheit. Stadtverordneter Werkel(Dnot.) hielt einen langen Vortrag über die Anzeige, die seinerzeit die deutschnationale Fraktion über den Kopf der Stadtverwaltung hinweg gegen Beamte des 5ln- schoffungsamtes(nicht zu verwechseln mit der Zklarekschen KBG) stellten und die damals im Sand« verlief. Auf die Affäre Sklarek ging der Redner so gut wie gar nicht ein. Der Kommunist Lange meinte, man brauche nicht mehr nach Chikagv zu fahren— er spielte dabei auf die Amerikastudienreisen der Ber- liner Magistratsmitglieder an—, um Kommunalkorruptionen zu er- leben. Als der Redner behauptete, die Sklareks hätten an Stadt- Verwaltungsmitglieder billige Anzüge geliefert, wurde von allen Par- teien des Hauses verlangt, daß er Namen nenne. Lange meinte aber, man solle die Untersuchung des Magistrats abwarten.(Gelächter und Äha!-Rufe.) Der kommunistische Stadtrat Degner sei ans der Partei herausgeflogen, dagegen hätte der kommunistische Stadtrat Gäbet nur einen„kommunistischen Fehler' begangen. Bürgermeister Scholtz nagelte den Vorredner auf sein« Behauptungen wegen der Anzüge fest und sagte ihm, daß er in dieser Angelegenheit Zeuge sein werde.(Lebhaftes Bravo im Haufe, Lange ist sehr oerlegen!) Der Demokrat Schubert fordert« die restlose Aufklärung der Affäre. Die Demokraten würden in jeder Beziehung mitwirken. Nach den Stadtverordneten I u r s ch(D. Vp.), Hake(Wp.) und Lange(Z.) erklärte der Kämmerer Dr. Lange, daß der Tiertrag mii den Gebrüdern Sklarek. als er beim Magistrat be- könnt wurde, auch dort größte, Befremden erregt hätte. Schließlich trat nach kurzen Bemerkungen des Deutschnationalen Lüdeck« gegen Z�ll Uhr der Schluß der Debatte ein. In einer persönlichen Bemerkung oersucht« der Kommunist W i s- niewski abzuleugnen, daß er in der Bezirksversammwng Mitte einen Antrag, der sich gegen die Gebrüder Sklarek richtete, zurück- ziehen ließ. Unser Genosse Riese konnte ihm als Bezirksverordneten. Vorsteher nachweisen, daß er von chm, Riese, verlangt habe, den Antrag„unter den Tisch fallen' zu lassen. Offenbar war Wis- niewski von einem ganz bestimmten Parteifreund, der im Berliner Magistrat sitzt, dazu veranlaßt worden. In vorgerückter Stunde wurde, weil der Saol sich geleert hatte, die Abstimmung über die Anträge o e r t a gt. Nicht Konkurs, sondern Liquidation. Das Rachrichtenamt teilte gestern den versammelten Presse. Vertretern mit: Die Glänblgerversammlung in Sachen der Firma S k l a r e k hat heule abend zusammen mit dem verwalwngs- rat der Stadlbank getagt. Räch einstündiger Beratung ist ohne jeden Widerspruch e i n st i m m i g der Wille zum Ausdruck gebracht worden. daß ein Konkurs unter allen Lmsländen vermieden werden müsse und an seine Stelle eine Liquidation treten solle in der Form, daß die Stadt Berlin und die Gläubiger eine Gemeinschaft bilden, die die Liquidation abwickelt. Oegner aus der KPO. ausgeschlossen. Der kommunistische Stadtrat D e g n e r, der mit den Gebrüdern Sklarek in sreundschaftlichen Beziehungen stand, ist von der Bezirksleitung der KPD. Berlin-Brandenburg aus der Sommu- nistischen Partei ausgeschlossen worden. Der Ausschluß erfolgte, nachdem sich Degner geweigert hatte, sein Amt niederzulegen. ~ 3n Charloiienburg spukt es! Tische gehen spazieren, Vettdecken fliegen durch die Lust. In einem Berliner bürgerlichen Abendblatt fand man gestern sensationelle Mitteilungen über angeblich« Geister- erfcheinuogeu im Hause Tau roggener Str. 42 in Eharlottenburg. Dort sollen Anfang dieses Zahre» in der Familie de» Tischler» R. nach dem Tod eines Bruders des R. geisterähnliche Erscheinungen ausgetreten sein. Tische und Stühle sollen sich vom einen Ende des Zimmers zum anderen bewegt haben, die Bettdecke soll zwei Meter hoch in die Luft geflogen sein und dergleichen mehr. Die Itjährig« Tochter Lucie des R., die an dem.Onkel Hans' mit besonderer Liebe hing, entwickelte plötzlich besondere Eigen- schasten. Im Schlafzimmer des Mädchens ertönten in der Dunkel- heit Klopfzeichen und scharrende Geräusche in der Wand, ein schwerer Tisch bewegte sich von selbst,«ine über dem Bett des Mädchens hängende Puppe bewegte Arme und Beine. Die Eltern des Kindes benachrichtigten den ihnen nahestehenden Pfarrer Hillebrandt, der sich davon überzeugte, daß diese Erschei- nungen tatsächlich eintraten, wenn das Kind im Beit lag. Der Geistliche wandte sich an die P a r a p s y ch o l o g i s ch'e Gesell- s ch a f t und Dr. S ü n u e r von der Gesellschaft hat dies« Borgänge mit einer Aerztekommission eingehend untersucht: er bestätigte lmsevem Mitarbeiter,.daß sich geksteröhnliche Dinge tatsächlich in der geschilderten Arf ereignet haben'. Er selbst, so erklärt er, bringe diese Dinge der Aerzteschaft und der Oeffentlichkeit zur Kenntnis lediglich, um sie zur Debatte zu stellen. Wenn sich der Nachweis sür die Richtigkeit dieser Art überirtxjcher Erscheinungen führen lasse, wenn sie mit den gewöhnlichen Mitteln der Medizin und Psychologie nicht zu erklären seien, dann wäre damit bewiesen, daßeseinFortlebennachdemTodetatsSchlichgibt. Entgegen den Behauptungen des Zlbendblattes teilt Dr. Sünner mit, daß die Erscheinungen nach zwei Monaten plötzlich aus- gehört hätten. Unserem Mitarbeiter war es gleichfalls möglich, die Familie R. zu sprechen: sie ist auf den Arzt nicht gut zu sprechen, daß er, ent- gegen einem gegenseitigen Abkommen, diese Dinge der Oefsentlich- keit übermittelt habe, denn jetzt plötzlich treten die Erscheinungen nicht mehr aus. Diese Aeußerung der Familie R. ist doch sehr eigen- artig. Vermutlich wird es mit diesem Spuk wie mit all derartigen Dingen gehen: Sobald das Licht der Oeffentlichkeit m>f sie fäll�, bleiben die„übersinnlichen Erscheinungen' aus und vom Spuk ist nichts mehr übrig hirnverlehle Krieger werden sich nun auch in die Provinz Brandenburg— nach dem Vorbild Münchens, Frankfurts a. M. und Rhewland-Wesffalens— zu einem Verband zusammenschließen, um ihre Interessen auf den Gebieten der Versorgung. Arbeitsbe- schaffung, Heilbehandlung usw. nachdrücklicher wahrnehmen zu können, als es bisher geschah. Mit der Bitte, uns in unseren Be- strebungen zu unterstützen, wenden wir uns an alle hirnoerlctztsn Kameraden und ihre Frauen, an die Aerzteschaft, an alle bestehenden Kriegsbeschädigtenorganisationen, an die gesamte Bevölkerung und laden sie zu unserer ersten Versammlung am Mittwoch, 2 Oktober, 20 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses(Eingang König- ftraße) ein. Referent Kamerad Waller Jockel. Zuschriften an Kurt Ruhemann, Berlin SO. 16, Köpemcker Straße 130. Bibliothek und Lesesaal de« Zadostrie.»ob Sa-delelamm«,»ll Barlin. im BSrsenacbänbe, St. Wolfoanastrech«, finfc vom 5. Oktober dl» ans weiterez an den Sonnabenden bis 17 Uhr Uhr nachmiUais) geöffnet. Großfeuer in Darmstadt. Ein Arbeiter getötet, vier weitere schwer verletzt. varmstadt, 1. Oktober. Durch das Geräusch einer schweren Detonation wurde die Bevölkerung Darmstadts gestern nachmittag kurz vor IS Uhr auf- geschreckt. Zn der Schraubensabrik der Bahnbedarss A.-G., in der es erst vor kurzem zu einem Brande gekommen war. war eine Kohlenstaubexplosion eingetreten, lleber den Gebäuden der Fabrik, deren Dachstuhl in Brand geraten war, erhob sich eine dichte, weithin sichtbare Rauchwolke. Infolge des starken Windes griff der Brand auch rasch auf die von der Explosion milberührle Schmiedehalledes Unternehmens über, die kurz daraus ebenfalls in hellen Flammen stand, vier Arbeiter wurden mit f ch w e r e n Brandwunden ins Krankenhaus gebrach», einer von ihnen ist seinen Verletzungen erlegen, während ein zweiter in äußerster Lebensgesahr schwebt. Eine Stunde nach der Explosion war trotz des Aufgebot, aller verfügbaren Feuerwehrkräsle und obwohl est, heftiger Regen ulederAng. der Brand noch nicht bezwungen. Im Lehnstuhl verbrannt. Furchtbarer Tod eines Gelähmten. Im Rorden Berlin», im Hause RovaNsstrahe 14, er- eignet« sich gestern abend ein furchtbares vrandunglück. Im Schlafzimmer seiner Wohnung wurde der 64jährige Gustav ll �r e i n in verkohltem Zustande ausgesunden. Gegen 19 Uhr drang aus der Wohnung des U. dichter Quolm. Zu demselben Zeitraum kehrte«in Zkrwondter heim, konnte aber infolge der starken Zkrqualmung keinen Einlaß b«ko»nmen. Die zu Hilfe geiusene Feuerwehr drang in die Wohnung ein und fand in dem Wohnzimmer den 64iährigen Gustav Unrein fast bis zur Unkenntlichkeit verkohlt auf. Unrein war seit längerer Zeit gelähmt und oerbracht« die Tag« in einem Korb stuhl dicht am Ofen. Man glaubt nun, daß er sich in den Abenswnden ein« Zigarre anrauchen wollte, und daß er dabei die Türe des Ofens, der einige Zeit zuvor an- geheizt wurde, geöffnet hat. Es sind dabei vernuitlich glühende Kohleteilchen herausgefallen, die den Korbstuhl, auf dem der Ge- lähmte saß, in Brand gesetzt haben. Die Hilferufe des Un- glücklichen müssen ungehörtverhallt sein, der Korbstuhl ging in Flammen aus und der Mann verbrannt« lebendigen Leibes. Di« Flammen hatten auch auf die übrigen llliSbel des Zimmers über- gegriffen, doch gelang es der Feuerwehr, die Flammen sehr schnell zu ersticken. Di« Leiche des auf so tragische Weis« ums Leben Ge- kommenen wurde beschlagnahmt und ins Schauhaus gebracht. Aufgaben der Internationale. Genosse Neinhardl-Rern bei den Iungsozialisten. Am Montag sprach der Vorsitzende der Schweizer Sozialdemokratie, Genosse Ernst Reinhardt- Bern, in einer Veranstaltung der Berliner Iungsozialisten über das Thema„Die Aufgaben der Sozialistischen Arbeiter- Internationale'.'Als Haupt- und Endaufgaben der Inter- nationale sah Gen. Reinhardt die Bekämpfung der impe- r i a l i st i s ch e n M a ch t p o l i t ik und die Niederringung des W e l t k a p i t a l i s m u s. Die Anschauung der Bolschewisten, der Weltkrieg müsse den Zusammenbruch des Kapitalismus bringen, hat sich als falsch erwiesen. Zu einer viel höheren Stuse ist die kapitalistische Wirtschast nach einer schweren Krisenzeit empor- getrieben worden. International« Kapitalverflechtung in Riesen- lrusts, Kartellen und Konzernen schuf einen neuen Typus der organisierten kapitalistischen Wirtschast, in der der einzige Sieger des Weltkrieges, das amerikanische Kapital, die Führer- rolle spielt.'Rur durch seine solidarisch« Unterstützung des«uro- päischen Kapitals in seinem Kampfe gegen den Ansturm der Arbeiterschaft konnte die endgültige Machtergreifung der Arbeiter- schast oerhindert werden. Trotz der Solidarität des internationalen Kapitals gegen die Arbeiterschaft entwickeln sich notwemda Rivalitäten zwischen den einzelnen imperialistischen«taaten. Die Mittel zur Austragung dieser Rivalitäten sind nicht mehr allein die Krieg«: als wirksamer höben sich Wirtschaftsboykott und Kapital- sperre erwiesen. Trotz pazifistischer Reden und Verträge— die aber der Krieg als sogenannte„Polizeisanttion' des großen Impe- rialismen gegen die kleineren noch zulassen— wird der Krieg als Mittel kapitalistffcher Politik nie ganz verschwinden. Ein« der wichtigsten Aufgaben der sozialistischen Internationale ist es, die neuen Methoden des Imperialismus zu sehen und zu durchschauen. Auch der erstarkende Faschismus, dl« Oryanffatio« des Nalykriegskapitallsmu» zur Führung der verschärften Klasseirkämpse, muh von der Arbeiterschaft energisch bekämpft werden. Die innen- und außenpolitischen Kampf- und Kriegsmechoden des iniernatia- nalen Kapitals muß die Arbeiter-Jnternationale mit dem sozialen Krieg beantworten!_ Bildungsarbeit im Weddingbezirk Volksbücherei Naveneflraße. Der Ausbau des Dolksbüchereiwesens des Verwaltungsbezirks 5Aedding ist um einen weiteren Schritt vorwärts gekommen. Di« von jeher besonders stark benutzte Bolksbücherei in de r Ravenästraß« ist nach Erneiierung ihres Bücherbestandes und Neuausstattung ihrer Räume heute durch Bürgermeister Leid wiedereröffnet worden. Vorher erhielten Bertreter der Presse Gelegenheit, die neu hergerichtet« Bücherei unter Führung des Volksbildungsdezernenten Stadtrat Rieck zu besichtigen. Aus den 11000 Bänden der früheren Bücherei find nur 2000 überovmmeu worden, nachdem sie neu gebunden worden waren. Dazu taweu 10 000 neu angekaufte Bände, so daß der Bücherbestand jetzt 12 000 Bünde betrögt. Man hofft, den Bestand später auf 15 000 Band« erhöhen zu können, falls die Mittet ausreichen. Lei der Auswahl der Bücher hat man alle W i ff« n» g e de« t« de- rücksichtigt, im besonderen diejenigen, die für das Lesebedürfnis diese, hauptsächlich von werktätiger Bevölkerung bewohnten Stadtteils am meisten in Frage kommen. In der stärksten Abteilung „Schöne Literatur' mit allein 4700 Bänden ist SBert darauf gelegt worden, dos zeitgemäß« Schrifttum in möglichster Mannigfaltigkeit zusammenzustellen. Die Räume der Bücherei machen nach ihrer Erneuerung einen freundlichen Eindruck. Entsprechend dem heutigen Stand des Bibliotheksbetriebes sind Einrichtungen geschaffen worden, di« dazu beitragen werden, die Abfertigung zu erleichtern. Die Ein- führung eines Leihheftes für die Bücherbestellung ermöglicht den Bibliothekarinnen, stch über das Lesebedürftris des Entleihers zu unterrichten und bei der Auswahl der zu entleihenden Bücher dienlichen Rat zu geben. Der Bezirk Wedding hat an dem Auf- und Ausbau feines Bücheveiwesens eifrig und erfolgreich gearbeitet. Für Lesefreudig« stehen jetzt bereit zwei Volksbüchereien(Wattftr. 16. Ravencstr. 12), eine Volkslesehall«(Schönstedtstr. 1), zwei Jugend- büchereien(Edinburger Straße 16, Badstr. 10), drei Kinderlesehollen (Edinburger Straße IS.»adstr. 10. Wattstr. IS. Man hofft, daß der »ezirk Weddmg in absehbarer Zett eine große Jentralbibliothek mit großem Lesesaal erhalten wird. 3. Märkischer Wohnungsfürsorgetag. Am 5. und 6. Oktober 1929 findet in Guben der 3. Mär- tische Wohnungsfürsorgetag statt. Die Veranstalterin dieser Tagung ist die Märkischer Wohnungsbau G.m.b.H.. Berlin. ein frei gewerkschaftliches Unternehmen, das als Treu- händerin für die Provinz Brandenburg und angrenzenden Gebiete bereits außerordentlich beachtliche Leistungen zur Linderung der Wohnungsnot geschaffen hat. So wurden im letzten Jahre von der Gesellschaft 1903 Wohnungen durch die von ihr betreuten Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaften bzw. von ihr selbst in der Provinz Brandenburg erstellt. Es handelt sich hierbei ausschließlich um den Bau von Wohnungen für die minder- bemittelte Bevölkerung. Die Märkische Wohnungsbau G. m. b. H. ist ein« Gründung der freien Gewerkschaften und der „D ew o g', Deutsche Wohnungssürsorge A. G. für Beamte, An- gestellt« und Arbeiter. In der kurzen Zeit ihres Bestehens, nämlich feit dem Sommer 1926 ist es gelungen, insgesamt etwa 3000 Wohnungen zu erstellen. Es ist zu erwarten, daß die Tagung dieser Selbschilfe- organisation der unter der Wohnungsnot Leidenden auch in diesem Jahr« wieder dem größten Interesse bei den Behörden und Fach- leuten begegnen wird. Das Programm sieht Referate folgender Herren vor: Ministerialrat Dr. W ö l z- Berlin, Stadtbaurat a. D. Architekt Bruno Taut- Berlin, Stadtverordneter Genosse Ernst Stein- ha gen- Guben und ein Referat des Geschäftsführers der Gesell- schaft, des Genossen Dieckmann. Otto Braun-Schule in Ostpreußen. In der im ostpr«ußischen Samland unweit Königsberg gelegenen Siedlung Tannenwalde wird am 2. Oktober di« feierlich« Gin- weihung einer Volksschule stattfinden, der zu Ehren de- preußischen Ministerpräsidenten Genossen Dr. Braun der Name Otto- Braun.- Schul« beigelegt werden wird. Der MinffterprSsident wird selbst an der Ennveihung teilnehmen. Wafferrohrbruch in der V-Bahngrube. Gestern abend gegen 18 Uhr platzte in der U-Bah.igrube vor dem Grundstück Frankfurter Allee 321 ein 500 Millimeter starkes Kanalisationsrohr. Die Wassermengen drangen in die Grube ein und brachten einen etwa 15 Meter langen Bauab- schnitt zum Einsturz. Einig« Zeit bestand die Möglichkeit, daß auch die Wohnhäuser» die in unmittelbarer Nähe der Unfallstelle lagen, gefährdet waren. Die Feuerwehr, die mit mehreren Absaugpumpen und Spezialsahrzeugen an der Unfallstelle erschienen war, beseitigte die Gefahr jedoch und nahm einige Ab- steifungen vor. Kurz darauf erschienen Arbeiter der Wasserwerke und dichteten das zerbrochene Rohr ab. Die Ursache des Plötz- lichen Rohrbruches konnte noch nicht ermittelt werden. Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, dem l. Oktober. 1. Rennen. 1. Attila(Huguenin), 2. Senator, 3. Jlabell.— Toto: 65: 10. Platz: 31. 21, 34: 10. Ferner liefen: Sternfahrt, Teutonia, Rohr, Darja, Princeh Mascha. Flunder, Kämmerer, Granit, Achmed, Römerin' Jlsenburg, Tafalanza, Judith. 2. Rennen. 1. Gutenbirx lNastenberger), 2. Vadar, 3. Bernhard. Toto: 20:10, Platz: 13, 21:10. Ferner liefen: Irrlicht, Moloch, Storm Tloud. 3. Rennen. 1. Electrola(Staudinger), 2. Olympiade, Severus Toto: 25:10. Platz: 11, 13, 13:10. Ferner liefen: Fer aut Feri Sigmar «atrap. Dar es salam, Leutstetten. 4. Rennen. 1. Ina sKreuz), 2. Dominica, 3. Männertreu 1l. Tot-: 78: 10. Platz: 20, 13, 20:10. Ferner liefen: Madonna dAr. Heroine. »osinllpp«. Ouellendorf. 5. Rennen. 1. Möwe sGöbl), 2. Mantegna, 3. Palmiere. Toto: 103:10. Platz: 63, 16:10. Ferner liefen: Prento. Fleiß. Monte Dore. 6. Rennen. 1. Pfalzmädchen lGehrke), 2. Bribolder, 3. Jnnocenzia. Toto: 226: 10. Platz: 43, 35, 82; 10. Ferner liefen: Servalrix, Gras- grüfin, Sonnenstrahl. Fafanenhennc, Herea. 7. Rennen. 1. Ping Pong(Gh. Korb). 2. Tantor. 3. Trianon. Toto: 219:10. Platz: 60, 37, 60:10. Ferner liefen: Smaragd. Ruzilo, Barde'Z Bruder, Taugenichts, Parmenides, Kasbek, Blauge:d «wse-dnage» kör diese Rubrik sind » e r l i» SW«8, Lindrnftraßr 3, pariemachnchien/Z� fürGroß-Vertin stet» an da» Bezirkasekretorioi 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richten. ». strei» Wilwerodors. Alle Genossinnen und Genossen, die e» ermöglich.'» tonnen, werden gebeten, an der Beisetzung de» verstorbenen Parteiveteranen .UItOD tcnrntnoTmernn fioitl» »■.. an dcc»Biicsunfl oes»eciiocoenen ityirreiueieranpn l«kob Echrmmclwann teilzunehmen. Beisetzung heute, Mittwoch, 2. Bk. (er Halle de» Jüdischen Friedhofes in Weihcnsce, lobet, 12 Uhr. von der Halle w*».riurnurcii n- 1 r,i«»rrnenive, Lothrinaenslrasie. 14. Äwi« Reu! öl» Die Sitzung de» engeren»reisvorstonde- mit den Ab. leilungoleitern findet am strcitag, dem 4. Oktober, ISlh Uhr. im Barre:- bureau. Iheal-Bassage. statt. heule. Mittwoch, 2. Oktober: IIb. Abt. Lichtenberg. Uhr Abrechnung sämtlicher Listen usw. von der Fahnenweihe im Lokal Hempel. Jung. Ecke Säiarnweberstraßc. Ul. Abt. Riederlchönbonlen. Berichtignag! Die Mitglieberoersammlung findet beute im Lokal Wilhelmobos, staiser-WIlhelm-Sir.«4, Ecke Eiche». ftratzr, statt. Morgen. Donnerstag, 3. Oktober: 134. Abt. Buch. 20 Uhr hei Döpfert. Am Bahnhos. Borstantzsitzuag mit allen Funktionären. « 32. Abt. Vom Kartell für Ardcitersvort und KSrvervsleg«, Bezirk Rriedrichz. Hain, werden am Sonntag, dem 6. Oktober. 10 Uhr, im Concordia-Balast. Andreasstr. 64, folgend« Filme vorgeführt: 1. Zweites Arbeiter- Turn, und Sportfest in Nürnberg. 2. Aus dem Alltag empor. Die Eintrittskarten zum Preise von SO Pf. sind bei dein Genossen Polchow zu habe». Um rege Beteiligung wird gebeten. Frauenveranstaltungen. 31. Abt. Die Genossinnen treffen sich heute, 13 Uhr. bei Goldschmidt, Stolpische S'ratze 36. zur Verbreitung der„Frauenstimme". m------ � sich--" 32. Abt. Alle Genosstnnen beteiligen sich an der Flugblattverbreitung. Aus. gab- der„Frauenstimme" beute zwischen 13 und 20 Uhr im Lokal Kromv» Hardt, Poul'Singer-Str. 43. Jungsozialiften. Gruppe Neukölln. Heute, Mittwoch, 20 Uhr, im Zugendheim Treptower Strohe 36—36. Bortrag:„Die Ausgaben der Arbeiterwohlfahrt". Rrferent: Genosse Laukant. Groh. Berlin. Achtung! .>he 4, pünktlich l3!r, Gruppe muh zwei Vertreter schicke». auoschuhsitzung. ,........«ruppenk-nserenz im Zngendheim Linden. strahe 4. pünktlich �13� Uhr. Sehr wichtig« Togeoordnung. Jede W Ebendort um 13 Uhr Arbeit», f-z Gruppe Vaumschulenweg. Heut», Mittwoch. ISlfc Uhr. im Jugendheim Ernststr. 16, Vortrag:„Der Poung-Plan"(Fortsetzung). Referent: Dr. Denickc. Arbeitsgemeinschaft der Siuderfreunde. Zkrei» Areuzberg, Gruppe Südwest. Wir treffen un« Mittwoch. 3. Ok- tober, 8?» Ubr. am Jugendheim Porckstrahe, zur Fahrt noch den Gosenrr Bergen. Trinkbecher und 30 Pf. mitbringen. Bei schlechtem Wetter basteln wir im Heim. l. Abt. 20 Uhr bei Mentwich, Linienstr. 1»Z, wichtige Kunktionärfitzung. I. Ab». 20 Uhr bei Lcbmann, Bartelstr. 7. Zsunktionärsitzung. 33. Abt. 20 Uhr Junttionärsitzun« mit den Freidenkcr-Helfern im Lokal La» jack, Bcumestr. 3. 31. Abt. I9fz Uhr bei Busch, Tilstier Str. 27, Funktionävsitzung. Erscheinen oller drinncnd notwendig. »7. Abt. 17—13 Uhr bei Mitteldors, Cbelingstr. 1, Ecke Petersburger Strahe, Dugblattverbreitung. 32. Abt. Eharlotteaburg. 13>a Uhr bei Bad«, Kaiserin-Augusta-Allee 52. Funk. tionärsitzung. In der AbenPvcranswltunci kontrastiert die Berliner Flink» stunde unter dem Titel„G r o tz st a d t m u s i k" zwei Komponisten, die auf de» ersten Blick eigeiillich nichts miteinander gcimcinfftm hadcn, O ff c n b a ch und W e i l l. Beim besten Willen kann nian nicht behaupten, daß der aufstrebende Weill heute so etwas wie den modernen Osfenbach repräsentiert. Andererseits muß man beob. achten, daß sich der Rhythmus des ganzen Lebens verändert hat. Aber sonderbarerweise lebt in den Kompositionen Weills, die gar nicht als Finale gedacht worden sind, etwas von dem Rhythmus der Offenbachschen Finale der großen Operetten. Doch Oisenbach setzt dies« Finale betont in Szene. Er stupst den Hörer darauf, setzt kommt«ine ganz große Sache, ein blendender Tamtam, eine Polka, die alle mitreißt. Weill ist anspruchsloser. Plötzlich taucht unvorbereitet ein Chanson aus, ein faszinierendes Lied, bei dem eventuell Ofsenbach Pate gestanden haben könnt«, fabelhaft instru» mentiert. Und doch verschwindet diese Komposition in dem Gesamt- werk. Wir streben heut« nicht mehr nach den nach letzter Publikums- Wirkung aufgebauten Ensembles der alten Oper, aber Chansons, Lieder, Jazzmusik, die uns ans Herz greisen, spielen dieselbe Rolle in neuer Gestalt. In einem Schallplattenkonzert singen zwei große Baritonisten, die leider nicht mehr unter den Lebenden weilen: Mattia B a t t i st i n j und Joseph Schwarz. Der Ita- liener ist der Kühlere, beherrscht die Technik virtuoser, spielt ge- , radezu mit Wirkungen, aber Schwarz gibt viel mehr den Gefühls- inhalt einer Arie. Sein dunkel gefärbter Bariton oermag zu schluchzen, zu weinen, zu faszinieren. Zu erwähnen ist noch ein Vortrag des Genossen Dr. Walter Krotoschiner„Zu Beginn der neuen Lehrzeit" am Montag. Hingewiesen wurde hier auf Eni- micklungsmöglichkeiten des jungen Menschen. Gewarnt wurde vor Berufen, die an llebersüllung leiden. F. 5. «tri» Tempclhof. Donnerstag. 3. Okiober, 20 Uhr. Selfersitzun« bei«Isthst, Tcmpelhvf, staiserkorio 102. Gruppe Landsberger Platz. Mittwoch. 2. Oktober. Alle Herbsttahrttillnehme» erscheinen 18—19% Uhr im Jugendheim. Letzte Besprechung. Donnerstag 3. Oktober. Treffen zur Sechstagefahrt 7» Ubr Lanbsberg-r Platz. Wnktllch fein. Nicht vergessen: Decke. Waschzeug. Lamm. Zahnbürste. Geschirr. Bleistift und Notizbuch. Stullen für Donnerstag und Freitag früh mitbringen. Ende der-fahrt Dienstag. 3. Oktober, lg'-o Uhr. Donnerstag, 3. Oktober, bl» Dl-n». tag, 3. Oktober. Sämtliche Eruvvenveranstaltungen fallen aus. Achtun«, Elterill Die Kinder erwarten ihre Eltern am Sonntag in Nauen. Eltera können sich treffen zur gemeinsamen Jabrt 7 Uhr Schlesischer Bahnhof, Ein. gang an der Koppenstraße. Fahrkarten nur für Hinfahrt lösen. Kosten 1 bis Fürstenwaldc. Geburtstage. Jubiläen usw. 24. Abt. Unserem lieben Genossen Karl»Zlick«, Marienbararr Str. 34, un seinem 70. Geburtstage die herzlichsten Gljickwüusche.' 9?. Abt Renlülln. Unser Genosse Hermann Reumauu, Teuplker Str. 9� feiert heute seinen 80. Geburtstaa- Genosse Reumaun mit schon unter dem Sozialisteuaesch für die Partei tätig und gratulieren mit»hm herzlichst. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei. Organisation| 31. Abt Unser lieber Genosse, der Krankenkassenangestellte Franz Echulza tun., ist am Montagabend im Alter von 44 Jahren plötzlich»erstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Eonnabend, 5. Oktober, 18 Ahr, im Krema» torimn Gerichtstratzc.„........... 34. Abt. Am 30. September verstarb unsere Genossin Ottllre«rabock Ehr» ihrem' And-nkenl Di« Einäscherung findet am Donnerstag, dem 0. Oktober. .... m-.-.«-------... 18 Uhr. im Äremotoriliin Baumschulenweg statt. Reg« Beteiligung erwartet der Abteilungsvorstand.._„ 91 Abt. Neukölln. Unser Genosse Leopold Tomaseewskl, Hermannstr. 24, ist im Aller von 66 Jahre» seinem Nierenleiden erlegen. Ehre seinem An» denken. Einäscherung am Mittwoch. 2. Oktober, tll'.tz Uhr, im«rematoriu» Baumschulenweg. Rege Beteiligung wird erbeten. o ci Ctl«. 2 Uff m cr\i a: v,!> r � �, e � tze � er /r rrr* «8 Abt. Reuköllu. Die EinLscheruno des am 23. September verstorben«, Genossen Eottschalk. Glasowstr. 51. findet heute. Mittwoch. 2. Oktober, 20 Uhr, im Krematoriiim Baumschulenweg statt. Ehre seinem Andenken. Witz bitten um rege Beteiligung. SozialistischeArbetterjugendGr..Verl!a Elnfenbungen slle diese Rubrik Nor an da» Zugendsekretariat Setiin SW63. Ltndenstrate 9 B. B. unb Derbe bczirlelciter: Morgen, Donnerstag, pünktlich 1044 Uhr, gemeinsame Sitzung im Sitzungssaal des Bezirk mxrbande»~ Linhenftr. 3. Brandenburg, Fl Die Arbeitsgemeinschaft Uber.Wirtlchaftslehr« unb Wirtschaft». -: geschjchie"(Leiter: Genosse R. Abraham) hält ihr« Vorbesprechung s' heule, Mittwoch, 1944 Uhr, in der Schule Kochstr. 13(U-Bahn Koch- K stratze) ad. Alle interessierten Genossen und Genosstnnen, auch An. sst fänger, sind eingeladen. Di« Jusaimnenkünkt« finde» in der Folge- W zeit allwöchentlich einmal statt. Der Tag der Fusammenkstirkt« wird 0 auf der Vorbesprechung festgemacht. Abtcilungsmitgllederversammlungen, heule, 19� Ahr. Westen I(R.�s.): Seim Bstlowstr. 0s.—«esnnbbrnnaen U: Sei» Ehristianiastr. 33.— W-dding: S'im Turiner Eck« Eeestraße.— Beter» burger Viertel: Seim Tilsiter Str. 4.— EharloUenbnrg.Ziorb: Heim Olbersstratz« (Städt. Spielplatz).- TeMpelhof: Lnzeum Germaniastr. 4—6(Eingang Kinder- horl).— Kaulsdorf: Schule Adolfflr. 25—26.— Lichtenberg. Mitte: Scharnwebcrstr. 29.— Rcu-Lichtenberg: Heim Scharnwebcrstr. 29. Heim Artonaplatz: Schul« Elisgbelbkirchstr. 1». Generasprvbe zum Elternabend,. — Köllnischcr Pari: Heim Waiscnstr. 13. Tagespolitische Arbeitsgemeinschaft.— Andreasplatz.- Heim Brommnstr. 1. Lichtbilderabend:„Der Schwarzwald".—« Spaubau: Heim Liudenufer 1.— zehlcodors: Nordschul« Potsdamer Str. 5(7 (Pavillon). Vortrag:„Marx und Engels".— Falkenberg: Heim Gartenstadt iGutshos). Lichtbildervortrag. LSG. Neukölln: Wir treffen uns zur Fahrt hrut«, Mittwoch, 044 Uhr, am Schlesischen Bahnhof. Wcrbebezirk Nenlölln: Sitzung de, Bildungsausschusses im Jugendhe!» —-'Ml' gelber der wellrrberichk der öffentlichen weklcrdlenstsselle Berlin unb Umgegend (Nachdr.»erb.) Zunächst teilweise heiter, später etwas wätwer, zunehmend« Bewölkung und wieder Regen, auisrischende Winde.— Zür Deutschland: Im Sstden und Osten Nachlassen der Nicd'richläge, in West, und Mittel« deuischland wieder Eintrübung mit Regen. Windig, wärmer. Kanncr Strasse. Bortragssaal. Rückgabe der Fahrgelder der Baldur.Fahrt noir 18—19 Uhr in der Sprechstunde. Parteisekrctariat jtcalpassage, Futdaftrasse. Die mace donische Tabak- Pflanze AUsÄ-M verwandelt die Kraft der SONNE AUF MACEDONIEN in Aroma und Wohlbekömmlichkeit- Der Macedonen-Tabak gilt als der beste, den die Erde hervorbringt; ergibt der OVERSTOLZ den herzhaft nussartigen Oeschmack. und macht sie besonders bekömmlich- für alle Jungens und Mädels die gut, nett und praktisch gekleidet sein sollen, ohne daß das so viel Geld kostet. Unser Kindertag bietet dafür die beste Gelegenheit. Entzückende Sachen— ebenso wie praktische, strapazierfähige — eine immense Auswahl— und dazu über alles Erwarten niedrige Preise! 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Gegenüber dem, was alles in den letzten Iahren als Mitz- brauch bezeichnet worden ist, mutz gesagt werden, datz nur ein ge- ringer Teil der gegen die Arbeitslosenversicherung erhobenen An- schuldigungen sich als wahr herausgestellt haben. Es ist da zu er- innern an dos Märchen von dem Dorf, in dem 2000 Landarbeiter gebraucht wurden und wo unterstützte Arbeitslose die Ausnahme der Arbeit verweigert hätten. Ebensowenig entsprach den Tatsachen die Meldung der Berliner und ostpreutzischen Presse vom vorigen Jahre, daß im Kreise Goldap Tausende von Morgen Land nicht hätten bestellt werden können, weil die in den: Kreise vorhandenen Unter- ftützungsempfänger keine Landarbeit leisten wollten. Das Landes- arbeitsamt stellte fest, datz das Arbeitsamt Goldap noch nicht einmal in der Lag« war, den arbeitslosen deutschen Landarbeitern Stellung zu vermitteln.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Di« Arbeitgeber erklärten, datz sie lieber polnische Arbeiter ein- stellen, weil diese billiger find. Gegenüber den Behauptungen von dem Sinken d«r Arbeitsmoral der Landarbeiter seit Einführung der Arbeitslosenversicherung können wir nur feststellen, daß die Arbeitsmoral bei den Arbeitgebern gc- funken ist, bei den Arbeitern kann man«denfalls feststellen, datz die Arbeitleistung größer geworden ist, ohne daß, wie in der Industrie, die Arbeitsmethoden modernisiert worden wären. Den Beweis dafür erbringen die Jahresberichte der Krankenkassen. Die landwirtschaftlichen Unternehmer haben seit Iahren nichts dazu gelernt. Auf sie patzt immer nach der Ausspruch eines Rittergutsbesitzers vom Jahre 1750, der erklärte, daß die Untertanen von der Vorsehung mit großer Weisheit zur Arbeit und zum Dienst bestimmt seien, weil eine Gleichheit der Stände nicht stattfinden könne. Di« Arbeiter seien nur um der Grundbesitze� willen da, und daran könne kein vernünftiger Mensch zweifeln. Damit sie nicht frech und übermütig würden, sagt dieser Menschensreund, dürften sie nicht mehr bekommen, als was unentbehrlich notwendig für sie sei. Dieser Ausspruch vom Jahre 1750 unterscheidet sich nicht ivesentlich van einem Ausspruch des Ritter- gutsbefitzers Bodelschwingh. Fulda auf einer Tagung des Forst- Vereins' im Jahre 1009, der behauptete, datz es«in Akt der Liebe sei. wenn man die Arbeiter darauf hin- weise, daß Lohnstei�erungen nicht zu ihrem Segen gereichen. Der Kampf der Landwirtschast und der Rechts- Parteien um die Arbeitslosenversicherung ist auch ein Kampf gegen die wirtschaftlich« und soziale Besserstellung des Landarbeiters. Mit den Hungerlöhnen und dem Komps gegen die Sozialpolitik mehrt man aber nur die von den Kechlsparteien so beklagte Landflucht. Es hat sich herausgestellt, datz fast alle Fälle von angeblichen „Mihbräuchen" als nichl bestehend ermittelt werden konnten. Die Untersuchungen haben fast restlos ergeben, datz diese Mißstände in unerhörter Weise ausgebauscht oder geradezu aus der Lust gegriffen wurden. Gehen Sie in die Häuser hinein, in denen Unter st ützung notwendig ist und sehen Sie sich das rouc Elend darin an, dann werden Sie nicht mehr olche Behauptungen aufstellen. Wenn man von Miß- ständen sprechen will, dann könnten wir uns viel eher an die Unter. nehmcr wenden und ihnen sagen:„Die Mißstände sind vielmehr auf Ihrer Seite zu suchen, als bei den Arbeitern." Es sind aber auch Mitzstände zu beseitigen, die in der Verwaltung der Reichsanstalt liegen. Die Verwaltung der Reichsanstalt mutz ausgebaut werden, aber gerade dafür finden wir nicht das notwendige Verständnis bei k«n Unternehmern, insbesondere wenn es sich um Personalerwcite- "ungen handelt. Wenn die Reichsanstall ihre Ausgaben wirklich erfüllen will. bann ist es notwendig, datz sie sich vorwiegend der Arbeits- Vermittlung zuwendet. Wenn Sie ihr aber das ersorderliche Personal verweigern, dann dürfen Sie sich nicht darüber beklagen, daß sie ihren Aufgaben nicht nachkoinmen kann. In der Presie ist es allerdings von den Miß- ständen jetzt so ruhig geworden, datz man die Ersparungen, die durch ihre Beseitigung erzielt werden sollen, gar nicht mehr in Rechnung setzt. Das ist auch ein Beweis dafür, daß die Mitzftändc, mit denen man in der Oeffentlichkett operiert Hot, nur den Dorwand dazu ab. geben sollten, den Kampf gegen die Sozialversicherung im all- gemeinen zu führen. It« Interesse der Selbstverwaltung und der lebendigen Verbin. dung der Rcichsanstalt mit den ihr zugewiesenen Aufgaben können wir dem 8 30 der Regierungsvorlage unsere Zustimmung nicht geben. Wir wünschen, datz die Möglichkeit der Unterbringung van Kräften aus der Wirtschast in der Verwaltung der Reichsanstalt nicht unter- Hunden wird. Diesem Wunsch« trägt die veränderte Ausschutzfassung nunmehr Rechnung. Ebenso wünschen wir, daß der lf 65a der Regierungsvorlage wieder hergestellt wird. Wenn Sic wirklich ehrlich besorgt sind, die Arbeitsmoral zu heben und Mitzstände zu beseitigen, dann müssen Sie den Arbeitsämtern Gelegenheit geben, den Arbeits- willen der Arbeitslosen zu prüfen. Dazu ist notwendig, daß die offenen Stellen den Arbeitsämtern gemel- det werden.(Zurufe der Kommunisten.) Die Kommunisten haben wiederholt gegen unseren Antrag, die offenen Stellen zu melden, gestimmt oder sich der Stimme enthasten. Bei der Prüfung des Arbeitswillens müssen Schikanen ver. mieden werden. Wir wissen, daß die Arbeitsämter hierbei zum Teil grotz« Schwierigkeiten machen. Sie sollen nicht schematiich vor- gehen, sondern die Verhältnisse individuell beurteilen. Die Deutsch. nationalen versuchen auch diesmal wieder, den Kreis der in die Arbeitslosenversicherung Einbezogenen zu verengen. Sie haben beantragt, gewisse Gruppen von dem Genuß der Arbeitslosenversicherung auszuschalten. Wir Sozialdemokraten sind anderer Ansicht. Räch unserer Ueberzeugung mutz die Arbeitslosenversicherung auf alle Verussgruppen ausgedehnt werden. Wir beklagen es tief, datz die Landwirtschaft nicht restlos in die Arbeitslosenversicherung einbezogen worden ist. Das vorliegende amtliche Material beweist, datz die bei den Beratungen im Jahre 1927 aufgestellten Behauptungen, in der Landwirtschast gebe es kein« Arbeitslosen, unrichtig ist. Die Berichte der Arbeitsämter und der Landesarbeitsämter besagen, daß in diesem Jahre selb st während der Erntezeit nicht alle londwirtschaft- lichen Arbeiter Arbeit finden konnten. Ich erinnere' noch an das große Heer der ländlichen Dienstboten, die heut« von der Arbeitslosenversicherung ausgeschlossen sind. Sie leiden vor allem in den WIntermonoten an ArbettslosigkeU. Wenn man diese Arbeit«- kräft« auf die Dauer der Landwirtschast erhallen will, dann mutz man auch in den Wintermonaten für sie sorgen. Die Sozialdemokratische Partei hat im Bewußtsein ihrer Der- antwortung alles getan, um Verschlechterungen der Arbeitslosen- ivrsicherum, abzuwehren. Dieser unserer Aufgabe gegenüber der Arbellerfchäft werdcn wir treu bleiben. Wir haben dafür gesorgt, daß besonders für die Landarbeiterschaft keine Verschlechterung ein- tritt. Die von den Deutschnationalen beantragte Einführung von Ersatzkassen würde die Zerschlagung der Arbeitslosenunterstützung bedeuten. Wir hoben es begrüßt, datz der Kreis der Versicherten durch Einbeziehung der besser bezahlten Angestellten erweitert wurde. Die Sozialdemokratische Partei wird weiter dasür kämpfen, datz die gesamte Landarbeilerschas» in die Arbeitslosenversicherung einbezogen wird.(Lebh. Beifall bei den Soz.) Abg. Schumann-Leipzig(Komm.) bringt Beschwerden vor gegen die Haltung mancher Beamten in den Arbeitsämtern. Der Redner erhält einen Ordnungsruf, weil er den Sozialdemokraten „Schamlosigkeit" vorwirft. Abg. Stöhr(Natsoz.) behauptet, daß d!« Annahme des Aoung- Planes automatisch zum Abbau der sozialen Leistungen führen müsse. Abg. Frau Arendsee(Komm.) polemisiert gegen die Sozial- demokraten und begründet kommunistische Aenderungsanträge. Abg. Dr. Agena(Dnat.) führt aus, die Vorlage enthalte viele Bestimmungen, die der Landwirtschaft grohe Schädigungen zufügen. Eine Beitragserhöhung sei für die Landwirte ganz unannehmbar. Abg. Behrens(Dnat.) bei>auptet, die Lage der Landarbeiter in der Arbeitslosenversicherung sei in der neuen Vorloge verschlechtert worden durch Beschlüsse, di« auch mit sozialdemokratischen Stimmen gefaßt worden seien. Abg. Litte(Soz.): entgegnet dem Abgeordneten Behrens: Wir haben dem Antrag zu- gestimmt, die Bestimmung über die Herausnahme der in den land- und sorsttvirtschastlichen Betrieben beschäftigten Aibeitskröste so zu gestalten, daß lediglich land- und sorsrwmichortliche Arbeitskräfte versicherungssrei bleiben. Dogegen sollen Stenotypistinnen, kauf- männische Angestellte und Ha»dv>crk«r, die zusällig in landwirtschaft- lichen Betrieben arbeiten, und für die bisher meist Versicherung!,» sreiheit bestand, bei der jetzigen Definition versicherungspflichtig fein. lieber die Art, wie die kommunistisch« Fraktion die Interessen der Arbeiterschaft vortritt, wird die Arbeiterschaft dadurch gebührend ins Bild gesetzt, daß sowohl die Nationalsozialisten als auch die K o m m u n i st e n mit de» gleichen Argumenten gegen die Sozialdemokrote» zu Felde ziehen. In welcher Weise die Kommunisten ihre Behauptung, die Sozialdemokratie trete für den Unterstützungsabbou ein, fachlich sundirren, beweisen verschiedene Feststellungen, die ich machen konnte, Ich habe gestern festgestellt, datz die kommunistische Vorsitzende des Erwerbslosenausschusses Berlin-Brandenburg in einer ver- saminlung behauptete, die Sozialdemokratie unterstütze den Plan einer Senkung der Arbeitslosenuniecstützungsjätze um die hülste.(Lärm bei den Komm.) Die gleiche Auffassung hat. wie ich mir habe erzählen lassen, ein kommunistischer Abgeordneter aus der Resse nach Berlin vertreten. Das zeigt, mit welcher Genauigkeit die kommunistischen Abgeordneten und Ver. sammiungsredner ihre Vorlagen studieren.(Lärm und Zuruf« bei den Komm.) Um auf einige Fragen des Rcgierungsentwurfes«inzugehen, wo wir über die vorgesehenen Formulierungen nicht erfreut sind, möchte ich hinweisen auf den Paragraphen, in dem die neu« De- sinition der Arbeitslosigkeit enthalten ist. Die Be- stimmung, daß als arbeitslos nicht gilt, wer im Betriebe des Ehe- gatten, der Eltern oder Voreltern von Abkömmlingen oder Ge- schwsstern den gemeinsamen Lebensunterhalt mit erwirbt oder mst erwerben kann, icklls dies dem Beteiligten nach Lage der Berlzälb niss« billigerweise zugemutet werden kann, darf unseres E rächten s nicht so ausgelegt werden, daß die Boraussetzungen dazu schon ge- geben sind, weim die Betreffenden einfach in häuslicher Gemeinschaft leben. Ich stell« dagegen mit Freude fest, datz der Beschluß des Reichs- rats, die Sperrsristen bis auf 13 Wochen zu ver- länger», durch unsere Bemühimgen gefallen ist. Di« Be- stimmung, daß die Sperrfrist das Höchstmaß von sechs Monaten er- reichen kann, wird lwn uns abgelehnt. Wir verlangen eine Höchst- betnessung aus drei Monate. Redner geht noch ein auf verschiede»« ungünstige Formulie- rungen über„geringfügig« Beschäftigung" und über den D u r ch s ch n i t t sa r b«! t s I o h n. Wir haben schon erklärt, daß wir uns- aufs Entschiedenste gegen die Berechnung der Unter- stützungssötze noch dem Lohnniveau de» Wohnortes der Arbeiter wenden. Wenn schon die öossonarticiler in der Dauer der Unter- stützungs, Zahlung benachteiligt sind, so kann man sie unter keinen Uinstöüdcn durch diese Bestimmung noch weller in ihren Unter- stützungesätzen verkürzen. Eine wichtige andere Frage ist bisher gänzlich unerörtert geblieben. Es handelt sich um den Versuch der privaten Kra n k e n v e rsi cheru ng s o nstalt en, die Krankenversiche- nrng der Erwerbslosen in die Hönde der sogenannten privaten Ersatzkassen zu bringen. Ein dahingehender Vorschlag ist zum «rfteninal im Sachverständigenausschutz bekannt geworden. Wir er- fuhren, datz dein Dorsitzenden der Reicheanstalt vom Verband« der privaten Krankenvcrsicherungsanstalten ein Angebot gemacht wurde, das angeblich die Krankenversicherung der Erwerbslosen wesentlich verbilligen sollte. Wenn man sich ober diesen Vorschlag auf seine Einzelheiten näher ansieht, sa mutz man feststellen, daß er rvesentliche Leistungsminderungen für die Arbeitslosen bedeutet. Di« privaten Krankenversicherungsanstalten haben nämlich nur die sogenannten Regelleistungen in Verbindung mll der Einführung eines neuen Pslegsarztsystems für die Erwerbslosen in Vorschlag gebracht. Wir haben von vornl)er«in angezweiselt, datz dieser Vorschlag im Ein- Verständnis mit dem Verband der Aerste Deutschlands gemacht wurde, da sich die Berufsorganisation der Aerste schon aus gehalts- politischen Gründen von jeher gegen eine Aenderung des jetzigen Arstsystems gewandt hat. Dieser unserer Zweifel hat sich bestätigt durch die Aeuherungen verschiedener Äerztezeitschriften, die erklärtem, durch diesen Borschlag überrascht zu sein, und die sich aufs Heftigst« auch aus sozialpolitischen Gründen gegen ihn wehrten. Der Der- band der privaten Krankenversicherungsanstalten hat später«in Schreiben z» Protokoll gehen lassen, daß das Angebot macht, auch die Mehrleistungen der Ortskronkenkassen aus der Reichsversich«- rungsordnung durchzuführen. Der Verband hat damit bewiesen, datz er über die kasientechmsche Möglichkeit von Mehrlesstungen gänstich unorientiert ist. Mein« persönliche Ueberzeuejung ist es(Zuruf von den Komm.: Nur Dein« persönliche Ueberzeugung),— ein sozialdemokratischer Abgeordneter Hot es nicht nötig, mll einem fiz und fertigen Programm aus der politischen Garküche von Mos- kau vor den Reichstag zu treten. Er braucht keine Angst zu haben, eine» Tages weder Abgeordneter noch überhaupt Mitglied der KPD. zu sein.(Lärm bei den Zkmmn.) Meine persönliche Meinung ist es also, datz der Verband der privaten Krankenversicherungsanstalten mit seinem Angebot»ur einen Schlag gegen die Krankenversicherung der Arbeitslosen führen wollte. Die„Westdeutsche Aerstezeitung" hat schon am 6. Sep- tember nachgewiesen, datz die heutige Art der Krankenversicherung der Erwerbslosen die best« Regelung im Interesse der Erwerbslosen darstellt. Der Arbeitslose, der zu einem von der privaten Kranken- kasse angestellten Bezirksarzt kommen würde, wäre von vornherein als Arbeitsloser stigmatisiert und würde auch dementsprechend be- handelt werden. Ich habe noch zn erklären, datz die kommunistische Fraktion hier im Reichstag viel energischer als im Sozialpolitischen Ausschuß auftritt. Das wundert mich nicht. Es mag daran liegen, datz im Sozialpolitischen Ausschutz wirkliche Sachoerständigenorbeit ver- langt wurde, und datz dj« Kommunisten gezwungen waren, mit den Sozialdemokraten die schwierigen Bestimmungen in ihren Einzelheiten durchzuberaten und zum Teil abzulehnen. Ich glaube schon heute voraussagen zu können, daß die deutsche Arbeiterbewegung von Tag zu Tag mehr wie früher das Urteil über die Kommunisten fällen wird.(Beifall bei den©oz.— Lärm und Zurufe bei den Komm.) Abg. Rädel(Komm.) erklärt, daß die Gcfetzesvorlagen der Kommunistischen Partei, die vorher allein im Sachverständigen- ausschutz beraten wurden, erst am 19. September zugegangen seien. Nach weiteren Bemerkungen der Abgq. Behrens(Dnat.) und Schröter-Merfeburg(Komm.) erhält dos Wort der Abg. Riesen- berg(Dnat.). Er kommt eilig in den Saal und sucht ans seinem Platz sein Manuskript. Unter großem Gelächter der Linken ver- zichtct er schließlich auss Wort. Abg. Gras Westarp(Dnat.) protestiert gegen di« Art der Der- Handlungen. Abg.(Serlach(Soz.): Das Sondcrgesetz erscheint auch uns nicht als ideale Lösung. Wir sind ober der Aufiassung, datz die von ihm vorgeschlagene Bei- tragserhöhung nicht schaden wird. Die Regelung des 8 1, der wir zustimmen werdcn. lallen wir für giiitstiger als die im vorigen Jahre. Wir halten es für richtig, datz be! der bsrufsüblichen Arbeitslosigkeit die Unterstützungssätze auf Klasse VI— VIII gesenkt werden. Ein grotzcr Borteil ist der Fortfall der Bedürftigkeit»- Prüfung.(Lärm bei den Komm.) Ich ivundcr« mich über Ihre Zurufe, da in Rußland für Saison- berufe überlMipt keine Unterstützung«xistiert. Aber einer weitergehenden Belastung der Sai- so Ii Arbeiter, wie sie verschiedene Anträge durch Derläng«ruug der Wartezeit und weitere Senkung der Unterstützungssätze eingc- führt wissen wollen, können wir keinesfalls zustimmen. Die Sanierung der Reichsanstalt kann nicht vorgenommen werden auf Kosten eines anderen Lastemrägers. Durch die Beschränkung der Mittel und der Leistungen der Reichsanstalt entsteht ein« neue schwere Belastung der Ge- meinde» und Gemeinde verbänden, die heute schon einen über.- wiegenden Teil ihrer wohlfahrlsausgaben an die sogenannten „Wohlsahrtserwerbstosen" zu leisten haben. Ich richte eine dringende Warnung an den Reichstag: Die Sanierung der Arbcitslosciluersichenmg nicht aus Kosten der Ge- meinden vorzunehmen, wie das die Anträge der Rechten uorschlagen. Die Gemeinden mutzten sich dann noch neuen Steuern umsehen, da bereits jetzt die Reichssteuerüberwcisungen aus dem Finanzausgleich bei wellen, nicht zur Deckung der kommunalen Wohlsahrtsetats aus- reichen. Man müßte sich dann entscheiden, ob man den Reichsetat im Sinne einer Erhöhung der Ueberweistingsn ändern wollte/ oder ob di« Rcichstasse direkt belastet werden soll. Im Ausschutz haben wir darauf gedrungen, daß die verminderten Unterstützungssätze für die Saisonarbeiter nicht etwa unter die Sätze der Wohlsohrtsunterstlltzungen heruntergedrückt würden, und die Sätze der Unterstützungsklassen VI und VII stehen bereits an dieser Grenze. Man hol uns geantwortet, man müsse dann die Wohlsahrts- sähe noch einmal überprüfen, hier sieht man ganz deutlich, wo hinaus die Soziolreaktion will, gegen deren Vorstöße wir uns aus das energischste wehren wollen. Dem 8 2 der befristeten Vorlage geben wir unsere Zustinnnung, lveit wir es nicht für unbillig halten, datz größere Einzahlungen in die Versicherung vor der Inanspruchnahme geleistet werden müssen. Diese Bestimmung trifft nicht die Arbeiter, die bereits ihre Anwart- schast erworben haben, und nicht di« Lehrlinge. Der Grundgedanke, von dem wir und die freien Gewerkschaften ausgegangen sind, ist der, daß der einzige Weg zur Sanierung nicht Lei st ungsabbou, sondern Beitragserhöhung sein kann, und zwar nicht aus besonderer Liebe zum �Leisttmgs- abban. sondern weil uns der Gedanke der allgemeinen«»vlidarität der Arbeiterschaft leitete. Reichsfinanzminister Dr. hilferdiag nimmt das Wort zu einer kurzen Erklärung auf die Anfrage Westarps. Er sei nicht in der Lage, jetzt schon über die Auswirkung uon Beschlüssen zu sprechen, noch bevor diese Beschlüsse gesatzt seien. Nach der Beschlutzfassimg sei er natürlich gern.zu dieser Auskunft- erteilung bereit. Abg. Frau Teusch(Z.) weist kommunistische Anträge gegen die produktive Erwerbslojenfürsorge in Köln zurück. Abg. Graf Westarp(Dnat.) erklärt, die Antwort des Reichs- sinanzministers eMfpreche nicht den Anforderungen an eine fach- gemäße Auskunft. Der Redner beantragt die Aussetzung der Beratung, bis die Aenderullgsanträge gedruckt vorliegen. Der Ankrag Westarp wird abgelehnt. Abg. Schmitt Merseburg(Komm.) bekämpt die Bedfürftigkeits- Prüfung für die Saisonarbeiter. Inzwischen sind einige Anträge der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Demokraten und der Deutschen Voltspartei einge- gangen. Das Haus vertagt sich um eine Stunde, damit die Abge- ordneten nach Drucklegung der Anträge Gelegenheit haben, sie im einzelnen kennenzulernen. (Bericht über die neue Sitzung im Hauptblatt.) Wirkt vorbeugend! ftehlnger Terumlslelle. Berlin Sff il Sdiönebergcr Str. 16*. Tel.LBtiov Oer Elektroriese des Westens. -IS Millionen für RWE.-Oividende.— Oer Herd der Entkommunalisierung. Das Rheinifch-Westfälische Elektrizitätswerk hat nach den Angaben in seinem jetzt veröffentlichten Geschästsbenicht über dos am 30. Juni beendete Geschäftsjahr 1928/29 feine bisherige stürmische Ausdehnung weiter fortgesetzt. Dos außerordentlich schnelle Tempo der nEtwicklung dieses nominell überwiegend äffeitt- schnelle Tempo der Entwicklung dieses nominell überwiegend öffent- wirtschaftlichen Elektroriesen wird durch folgende Aiffern und ihren Vergleich mit dem Jahre 1924/23 beleuchtet: Die nutzbar« Strom- abgab« stieg im letzten Jahr auf 2067 Millionen Kilowottstund.'N gegen 1448 Millionen im Vorjahre und nur 1099 Millionen 1924/25. Mit 1935 Millionen Kraststunden überwiegt die Kraftabgabe ganz enorm die Lichtabgabe, auf die nur 132 Millionen Kilowattstunden entfallen. Einschließlich der Konzernwerke erhöhte sich die Strom- abgab« gegenüber dem Vorjahr von 2100 auf 2700 Millionen Kilo- Wattstunden, die insgesamt ins Netz geschickt wurden. Expansionen auf Sofien der öffenklichen Wirtschaft. Der Bericht gibt ein Bild davon, in wie starkem Ausmaß die Finanznot der Gemeinden und auch gemeindlichen Zweck- verbände im vergangenen Jahre wieder die Expansion des vom NWE. oersorgten Gebietes erleichtert hat, wobei nicht übersehen zu werden braucht, daß Anschlüsse an das RWE. auch aus technisch und wirtschaftlich zweckmäßigen Gründen erfolgten. Die Angliederung von Kraftwerk und Ueberlandversorgung der Stadt Trier, die An- lagen des Elektrizitätszweckvcrbandes St. Goar und des gleichen Verbandes Bacharach, die Angliederung der Kraftwerkzutunft A.-G. W e i ß w e i l e r, der Elektrounternehmungen des Landkreises Büren wären großenteils ohne den Druck der öffentlichen Finanz- Hot kaum erfolgt. Im Süden wurde die Gewerkschaft Gustav'.n Dettingen bei Aschaffenburg erworben. Von privaten Werken gingen allein der Betrieb des Kraftwerkes der A.-G. für Stickstoffdünger in Knapsack an das RWE. über. Leitungsnetz und Kraftwertsleistungen wurden infolge der starken Expansion weiter entsprechend ausgebaut, so daß zum Ende des Geschäftsjahres die in Betrieb befindlichen und der Fertigstellung entgegengehenden Kraftwerke sine Leistung von 1,06 Millionen Kilowatt erreicht haben: 1.20 Millionen Kilowatt «oird die RWE.-Leifw'«tragen, sobald die neuerlich gegründeten Werte ihre volle 0 z erreicht haben werden. 1924/25 betrug die Gesamtkrat'' erst rund 0,47 Millionen Kilowatt. Die stärksten Aue Jt wurden im Süden vorgenommen.(Schluchsee- werk A.-� 1" ra ger Jllwerke A.-G., Rheinkrastwerk Albbruch- Dobe'-■ A. G. in Brugg-Schweiz). Bemerkenswert da- bi-i:.• stärkere Festsetzung in der Schweiz selbst und den en der Alpen. Di- Jnoustriebelieserung wurde ausgebaut: mit der I rbMindustvie A.-G. wurden langjährige Lieferungsverträge geschlossen, mit der Vereinigten Stahlwerke A.-G. für sämtliche . v.ehmungen des Trustes ein 20jähriger Lieferungsoertrag, der Vergrößerung der Eigenanlagen des Ruhrmontanlrusts über- flüssig macht. Dos RWE. erwartet in der nächsten Zeit bereits die Ueberschreitung der Dreimilliardcngrenze an nutz- bar geleisteten Kilowatlftunden. Zur Steigerung des eigenen Ab- satzes, aber auch in der Erwägung, der Unpopularität des RWE. etwas entgegenzuwirken, hat das RWE. auch die Abnehmerpreife der Kleinverbraucher im vergangenen Jahre etwas ermäßigt. Wir haben freilich vor kurzem schon die Bedeutung dieser Zugeständ- nisie auf ihr richtiges Maß zurückführen und die Behauptung zurück- weifen müssen, daß das RWE. mit seinen Preisen einen Billigkeit?- retard für Deutschland aufgestellt habe, eine Behaupwng, die auch in dem diesmaligen Geschäftsbericht wiederholt wird. Die seinerzeit hart umkämpfte Gründung der West- deutschen Elektrizitätswirtschafts A.-G. wird im Bericht mit der Bemerkung begleitet, daß durch sie ein« Zusammen- arbeit der Großkrastwirtschaft in Deutschland in die Wege geleitet sei. Diese Bemerkung ist ebenso anspruchsvoll als irreführend, weil der störend« Charakter dieser Gründung verschwiegen und nicht verraten wird, weshalb durch diese Gründung eine organische Großkrast- Wirtschaft in Deutschland gefördert werden könnte. Der Größe de» Unternehmen» entsprechen die Riesenziffern der Bilanz. Das Aktienkapital ist gegenüber dem Vorjahr von 155 aus 181, der Reservefonds von 30 auf 37, die Summe der Dolloranleihen von 102 auf 184 Millionen Mark erhöht, so daß sich das arbeitende Eigen- und langfristige Fremdkapital in dem«inen Jahr 1928/29 von 287 auf 402MillionenMark vermehrt hat. In den Aktiven ist die Bewertung der eigenen Betriebe von 353 auf 463, die Bewertung der Effekten und Beteiligungen von 88 auf 127 Millionen gestiegen. Der hohe Börsenkurs der RWE.-Aktien, die lukrative Abschreibungspolitik und die weitgehend durchgeführte Selbstfinanzierung machen es selbstverständlich, daß diese Werte riesige stille Reserven enthalten. Die Gewinnrechnung zeigt, daß der offen ausgewiesene Rein- Überschuß gegenüber dem Vorjahr von 15,3 auf 20,3 Millionen erhöht ist, wovon 18,1 Millionen an die Stammaktionäre oerteilt werden, die zum erstenmal«ine Dividende von 10 Proz. erhalten, nachdem in den vorhergehenden vier Jahren zweimal je 8 und zweimal je 9 Proz. zur Verteilung gekommen waren. Die offenen Abschreibungen sind von 16,6 auf 21,6 Millionen gestiegen, die mit den auf 18,7 Millionen erhöhten Verwaltungskosten von den auf 60,7 Millionen gestiegenen Betriebsgewinnen und Zins- einahmen(im Vorjahr 48,4) in Abzug gebracht sind. Zur Politik des RWE. Auch im vergangenen Jahre war die Politik des den Interesien der Schwerindustrie verschriebenen RWE.-Präsidiums wieder alles ander« als erfreulich. Von dem nunmehr vorhandenen Einfluß des preußischen Staates im RWE.-Präsidium konnte man angesichts der starken zahlenmäßigen Unterlegenheit der Staats- Vertreter naturgemäß noch nicht viel merken. Nominell sind auch heut« noch rund 75 Proz. des RWE.- Kapitals im Besitz der öffentlichen chand. Aber die Politik des RWE. ist nichts deftoweniger rein privatkapitalistisch. Das RWE. ist trotz des nominell überwiegenden öffentlichen Einflusses ein Montanmagnaten, und Kirchengut, in dessen Aufsichtsrat von heute von 105 Köpfen gut 75 Proz. der Mitgileder dem Privatkapital bis in die Knochen ergeben sind bzw. ergeben sein müssen, noch dem der ebenso sanfte als ungeheuer fühlbare Zwang des rechten schwer- industriellen Zentrumsslügels den Vertretern der öffentlichen Interessen jede Initiative gegen die schwerindustriellen Interessen unmöglich macht. Immer noch ist das RWE. ein gewaltiges warnendes Beispiel dafür, wie sehr gemischtwirt- schastliche Betriebe, selbst bei starker kapitalistischer Ueberlegen- heit der öffentlichen sjand, ausschließliche Domänen des hoch- kapitalistischen cherrscherwillens zu sein vermögen. Unvergessen ist dem RWE. die brutal« Saarexpansion des Vorjahres, bei der mit balkanischen Guerillamethoden die West- Herrschaft des RWE. auch auf Kosten des schwer leidenden Saar» gebiete« komplettiert werden sollte. Auch jetzt lausen noch Der- Handlungen wegen des Saargebietcs, und die Oesfentlichkeit muß erwarten, daß der Expansionswille der Ruhrleute vor den Existenz- bedürfnisien des Saarvolkes wenigstens dieses Mal den nötigen Respekt haben wird. Leider ist zu erwarten, daß das RWE. die künstlich und in un- gerechter Weise geförderte Finanznot der Gemeinden zu weiteren Versuchen der Entkommunalisierung ausnutzen wird. Es ist auch zu befürchten, daß die vergeblich in Abrede gestellten neuen Kapitalbeschaffungen zur Zurückdrängung des öffentlichen Einflusses unter Hinweis auf die öffenlliche Finanznol weiter benutzt werden. Die O e f f e n t l i ch k e i t hat also ein sehr starkes Interesse daran, in ihrer Aufmerksamkeit gegenüber der Politik des RWE. nicht zu erlahmen und alle Kräfte darauf konzentriert zu wünschen, trotz der erschwerten Lage der öffentlichen Wirtschaft den öffent- lichen Interessen nicht unbeschränkt Schoden zufügen zu lassen. Dinge liegen, und die spärliche Inanspruchnahme des Schlichtung»- ausschusses scheint uns ein Zeichen dafür zu sein, daß man in Kreisen der Genossenschaften nicht das nötige Zutrauen zu ihm hat. Die Eingabe des Reichskohlenverbondes an den Reichswirtschoftsminister ist auch keineswegs geeignet, hier Wandel zu schaffen. Zum Schluß noch eine Frag« an den Reichswirt- schaftsmini ft er:„Was ist mit der Eingabe des Reichskohlen- Verbandes geschehen?" Wir können uns nicht denken, daß das Reichswirtschaftsministerium allein auf Grund der Eingabe des Reichskohlenverbandes seine Stellung festlegen wird. Wirischastslage im September. Gute Konjunktur unter relativ steigender Arbeitslosigkeit. Die Angaben des Septemberberichts der Preußischen Industrie- und Handelskammer unterstreichen die Tatsache, daß die industrielle Beschäftigung auch im September günstig geblieben ist, ohne daß man in den Ziffern der Beschäftigten im Vergleich mit dem Vor- jähr die entsprechende Entlastung der Arbeitsmärkte feststellen könnte. Di« arbeitstäglich« Kohlenförderung an der Ruhr blieb nur um 2000 Tonnen gegenüber dem Augustdurchschnitt zurück: die Lage im Braunkohlenbergbau blieb befriedigend. Der Kali- absatz wird im September den vom August übertreffen. Der Eisen, markt blieb weiter gut. Maschinenbau, Elektrotechnik, T«xtil- industrie haben sich entweder nicht verschlechtert oder leicht gebessert. Nur in der chemischen Industrie, der Autoindustrie und auf dem Daumarkt herrschte eine leicht« Verschlechterung des Geschäftsganges, die zum Teil aber schon saisonmäßig ist. Dieses günstig« Gesamtbild wird durch die Kontursziffern im Monat September, die erheblich gegenüber dem August zurück- gegangen sind, weiter beleuchtet. Der September vrachte 657 neue Konkurse und 364 Vergleichsverfahren. Im August waren die«nt- sprechenden Ziffern mit 739 bzw. 492 erheblich höher. Vermahlungszwang und Mühlenkontrolle. Die bisherige Wirkung.— Offizielle Jestflellungen. In Durchführung des Dermahlungszwangsgesetzes hat die Deutsche Getreidehandels-Gesellschaft im Austrage der Reichsregie- rung am 1. August mit der Mühlenkontrolle begonnen und bis zum 29. September 59 Mittel- und Großmühlen überprüft, von denen der überwiegende Teil im Westen und Nordwesten des Reichsgebietes liegt. Hiervon haben 29 Mühlen 40 v. H. und mehr Jnlandsweizen oermahlen, während 30 Mühlen, die in der Hauptsache am Rhein und an der Küste liegen, bis zu dem Tage, an dem sie überprüft worden sind, diesen Vermahlungssatz noch nicht erreicht hatten. Von diesen Mühlen haben 14 zwischen 30 und 40 v. H., 12 zwischen 20 und 30 v. H. und der Rest unter 20 v. H. Inlandsweizen vermählen. Hierbei handelt es sich um Mühlen von einer Kapazität zwischen 25 und 750 Tonnen, wovon 10 Mühlen eine Kapazität von über. 200 Tonnen und 14 Mühlen eine Kapazität zwischen 100 und 200 Tonnen täglich ausweisen. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirt, schaft will an der vollen Erfüllung der Quote feschalten. Aus den bisherigen Ergebnissen kann aber bereits festgestellt werden, daß ein erheblicher Teil der größeren Mühlen schon«inen wesentlich höheren Anteil an Jnlandsweizen vermählen hat als im Vorjahr. Eine weitere Verschärfung des Vermahlungszwangs ist in den nächsten Tagen zu erwarten. Baubilanz bis Gttde Juli. Unsichere Zukunft. Vom Deutschen Baugewerksbund wird uns berichtet: Auch bis Ende Juli war es noch nicht gelungen, das bis um die entsprechende Zeit des Vorjahres abgewickelte Bauvolumen zu er- reichen. Im Industriebau hat sich der Umsang der in Angriff genommenen Bauvorhaben gegenüber dem Mar um 16 Proz. er- höht, doch blieb die Erhöhung auf den bis Ende Juni abgelausenen Fehlbestand von 0.98 Millionen Kubikmeter nahezu ohne Einfluß. Ausgesprochen günstig war die Lage im groß, und mittelstädtischen Wohnungsbau. Di« Dollendungen waren höher als in den früheren Monaten des Jahres: der Ausfall gegenüber dem Vorjahr, der Ende Juni mit annähernd 10 000 Wohnungen einen Rekordstand erreicht hatte, ist daher fühlbar— um zirka 1000— zurückgegangen. Di« Beginne sind auch weiterhin gestiegen: mit einem Mehr von zirka 20 000 wird das Ergebnis des vorjährigen Bestandes um mehr als«in Drittel übertroffen. Die Bautätigkeit für die öffentliche Hand zeigt seit Juni sowohl in Beginnen als auch in Vollendungen einen starken Rückgang. Die Aussichten für die Z u k u n f t haben sich weiter verschlechtert. Der Umfang der genehmigten Industriebauten ist wieder gesunken: der Ende Juni vorhanden gewesene Fehlbestand ist um über zwei Drittel gewachsen. Da auch der Bestand an aus dem Vorjahr über- nommenen unfertigen Bauten zusammenzuschmelzen beginnt, wird der Industriebau auch von hier aus mit Sinken seiner Beschäftigung zu rechnen haben. Nicht günstig ist auch die Beschäftigung seitens der öffentlichen Hand: möglicherweise sind hier schon Auswirkungen des Bestrebens, mit den Aufträgen erst im Winter herauszukommen, im Spiel. Mit anhaltender Beschäftigung ist bestenfalls allein im groß- und mittelstädtischen Wohnungsbau zu rechnen. Die Zahl der Woh- nungen, die der Vollendung, harren, ist mit mindestens 20 000 zu ver- anschlagen. Offen bleiben muh aber, ob die Lage des Realkredit- Marktes nicht zu einer Einschränkung führen wird. Di« bestehenden Spannungen sind jedenfalls sehr groß: symptomatisch hierfür ist, daß der Bestand an ausgenutzten Erlaubnissen immer noch um ein Mehr, faches höher ist als im Vorjahr. Der Ausschuh für Siedlung?, und Wohnungswesen im Reichs- w i r t s ch a f t s r a t ist mit Erhebungen über da. Zustande. kommen der Miethöhen in einer großen Anzahl von Städten befaßt. Er hat für seine Untersuchungen gemeinsam mit der Reichs- forlchungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungs- wescn einen Fragebogen über Wohnungsbaukosten, Finanzierung Lastenberechnung und Mietfestsetzung ausgearbeitet, der in nächster Zeit an die einzelnen deutschen Städte zur Versendung gelangen wirdc Die Sank der Reichsbahn zahl» wieder 12 Droz. Dividende. Die Deutsch- Verkehrs-Kreditbank in Berlin, da» Bank- Institut der Deutschen Reichsbahngesellschaft, ist mit der Entwicklung ihres Geschäfts im letzten Jahr sehr zufrieden. Ei« kann das Ge- schäftsjahr 1928/29 auch mit einem von 1,17 Millionen auf 1,19 Mil- Konen erhöhten Reingewinn abschließen und die gleich hohe Dividende von 12 Proz. wie im letzten Jahr verteilen. Der wichtigst« Gcschastszweig der Bank besteht im Fracht slundungs- g« schüft Nach dem Berwallungsbericht stiea l,>wohl die Zahl der angeschlosienen Verfrachter, wie auch die Summ« der in An- spnich genommenen Stundungen. Auch der Anteil der in diesem Geschält umgesetzten Frachtsunimen ist gegenüb-r den gesamten Frachteinnahmen der Reichsbahn weller gewachsen. Be- merkenswert sei der steigende Anteil des Expreßgutverkchrs sowie die zunehmende Anwendung des Frachtstundungsgeschäftes für be, stimmte Sammelbeförderungen im Personenverkehr, wie ReijegeseU- schaften, Arblitertransporte, Sonderzüge usw. Äeichskohlenverband/ Genoffenschasten Angriffe gegen den Reichstag.— Was sagt der Reichswirtschastsminister? Der Rcichskohlenverband ist au» dem Gedanken herou» ge- boren, beaufsichtigend, vennittelnd und ausgleichend in der gesamten Kohlenwirtschast zu wirken. Das ist immer wieder bei der Schaffung de» Kohlenwirtfchaftsgesetzes unterstrichen worden. Leider muß man sehr oft feststellen, daß sich dieser Gedanke noch mcht befriedigend durchgesetzt hat. Der Reichstag nahm in seiner Sitzung vom 26. Juni 1929 auf Grund eine» Be- schlusses de» Volkswirtschaftlichen Ausschusses einen Antrag an, der die Reichsregierung ersucht, dem Z 63 der Ausführungsbestinunungen zum Kohlenwirtschaftsgesetz folgende Fassung zu geben: „Cr sorgt dafür, daß die Vereinigung der Verbrauchergcnossen- schaften die von ihnen benötigten Mengen zu den gleichen Preisen und Lieferungsbedingungen erholten wie der Handel; die Ein- Haltung von Mindestpreisen darf ihnen nicht auferlegt werden." Weiter soll nach dem vom Reichstag angenommenen Antrag die Reichsregierung dahin wirken, daß„den Wirtschaftszentralen der Senossenschaftlichen Zentralverbänd« von den Syndikaten der lohlenwirtschaft die Mengen an Steinkohlen und Braunkohlen- brikett» zugeteilt werden, die zur Deckung des eigenen Bedarf» der angeschlossenen Genossenschaften erforderlich sind, sosern nicht durch Minderproduktion eine Kürzung erfolgen muß." Endlich wird ge- fordert, daß die„Gleichstellung der genannten Wirtjchastszentren mit dem privaten Großhandel restlos durchgeführt und denselben für ihre Bezüge an Stein, und Braunkohlenbrikett» für gewerblich« Zweck« der Industriepreise eingeräumt wird". Gegen die Ausführung dieser Veschlüffe Hot sich nun der Reichskohlenverband in einem Schreiben an den Reichswirtschaflsminister gewandt- Dicses Schreiben atmet den Geist der Gegnerjchasl gegen die Genossenschastsbewegung. In ihm steht unter anderem folgendes:„Der Antrag des Volkswirt- schaftlichen Ausschusses, den der Reichstag zum Beschluß erhoben hat, ist also kurz dahin zusammenzufassen, daß die in Zentral- stellen vereinigten Genossenschaftler sich in Zukunft um die Be- schaffung des von ihnen benötigten, gewünschten und bevorzugten Brennstoffes nicht mehr zu sorgen brauchen; es muß ihnen vor allen anderen Verbrauchern sowohl nach Meng« wie nach Art geliefert werden, was sie wünschen und wann sie es wünschen, und zwar zu den billigst«» Großhandelspreisen, und dies, ohne daß sie sich irgendwie vertraglich zu binden brauchen. Dies und nichts weniger bedeutet der Antrag des Volkswirtschaftlichen Ausschusse». Um die anderen Verbraucher, die Bürger zweiter Klasse, braucht sich nach Ansicht der Antragsteller die Reichsregierung nicht zu kümmern." Die maßgebenden Leute im Reichskohlenoerband müssen nun ohne Zweifel was von der Organisation der Genossenschaften wissen. Sie werden auch wissen, daß z. B. die Groheinkaufsgesellschaft Deutscher Konfumvereine(GEG.) durchaus für die Jnnehaltung kaufmännischer Grundsätze bürgt. Trotzdem stellt die Eingabe es so hin, al» ob durch Verwirklichung der Reichstagsbeschlüss««in« Anarchie einreißen würde. Um gegen den Reichstagsbeschluß scharf zu machen, beruft sich die Eingabe auch auf die R-ichsverfassung: nicht wieder gutzumachende Schäden würden für die Syndikate bzw. für den deutschen Berghau entstehen, wenn die Reichstags- entschließung Gesetz wird. Nun besagt der Artikel 156 der Ver- fassung, daß„die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften und deren Vereinigungen auf ihr Verlangen unter Berücksichtigung ihrer Verfassung und Eigenart in die Cemeinwirtschast einzugliedern sind". Die Kohlenwirtschast ist doch wohl ein Stück Gemeinwirt- schaft. Die Genossenschaften oerlangen damit also nur das, worauf sie auf Grund der Verfassung Anspruch haben. Ein besondere» Stückchen erlaubt sich der Reichskohlenoerband in seiner Eingabe, indem er auf den bestehenden Schlichtung-ausschuß verweist und aus der ge- ringen Inanspruchnahme dieser Schlichtungsstelle durch die Genossen- schaften folgert, daß die Genossenschaften durchaus zu ihrem Recht gekommen seien. Diese Logik ist doch etwas gewagt. Wenn die Genossenschaften wirklich zu ihrem Recht gekommen wären, dann hätten sie gar keine Veranlassung, den jetzigen Zustand zu ändern. Im Reichskohlenoerband wird man wohl am besten wissen, wie die Mittwoch 2. Ottober 1929 Unterhaltung unö AAlssen Beilage des Vorwärts Ulaiialwta Qandhi SEu feinem 60, Qeburtefag am 2, Okiober „Ruhige, braune Augen. Ein kleiner, schwächlicher Mann, das Desicht mager, die Ohren groß, abstehend. Der Körper in rauhe, weihe Stoffe gekleidet, mit nackten Fühen. Er nährt sich von Reis and Früchten, trinkt nur Wasser, ruht aus dem kahlen Boden, schläft wenig, arbeitet unaufhörlich. Der Körper spielt keine große Rolle. Was sofort ins Auge fällt, ist der Ausdruck großer Geduld und großer Liebe. Er ist sanft und höflich selbst mit seinen Gegnern." So be- schreibt Romain Rolland Mahatma Gandhi, den großen indischen Nationalisten und den Apostel einer neuen Ethik, der jetzt seinen 5». Geburtstag begeht. Sein richtiger Name lautet Mohandas Karamtfchand Gandhi. Mahatma, wie man ihn allgemein in Indien nennt, bedeutet ungefähr:„große Seele" oder.�eiliger". Bon eng- lücher Seite— die ihm gewiß nicht wohlgesinnt ist— hat man diesen Mann zuweilen mit dem heiligen Franz von Assisi verglichen; sein reines Leben und seine gewaltige Wirkung aus das große indische Lolk haben zu diesem Vergleich herausgefordert, der einem Europäer zunächst schwer fällt, wenn er Gandhi zum erstenmal sieht. Denn der indische Nationalheld ist, grob gesagt, häßlich, sieht halb ver- hungert aus und macht, da er gewöhnlich mit nacktem Oberkörper auch in der Oeffentlichkeit auftritt, keinen sehr großartigen Eindruck. Aber nur ein Mensch mit eben dieser körperlichen Beschaffenheit konnte den Weg zum Herzen des hungrigen indischen Volkes finden. Wenn sich in einem indischen Dorf 100 Männer versammeln, so sehen 9S ebenso mager wie Gandhi aus, so fehlen diesen wandelnden Ge- rippen gleichfalls viele Zähne im Mund und Haare auf dem Kopf. Die Bewohner des„reichen" indischen Landes sind arm, und nach jahrhundertelanger Knechtschaft sind sie mißtrauisch gegen die schönen Reden wohlgenährter Männer, die die Not der Unterernährten nicht oerstehen können. Gandhi dagegen dürfen sie Glauben schenken, denn man sieht ihm an, daß er Fleisch von ihrem Fleisch und Blut von ihrem Blut ist. Am 2. Oktober 1869 wurde Gandhi als Sohn einer Kaufmanns- familie in Porbandar an der indischen Westküste geboren. Er besuchte zunächst indische Universitäten und wurde dann von seinen Eltern nach London geschickt, um dort die juristische Schlußprüfung zu be- stehen. PoNtischen Ehrgeiz schien der junge Mann nicht zu haben, der sich in Bombay als Rechtsanwalt niederließ und bald recht zufrieden mit seiner aufblühenden Praxis sein durfte. Aber Gandhi war ein unruhiger Geist» dem es in seiner Heimat zu eng wurde. Er ging nach Südafrika und widmete sich dort fast ausschließlich der Aufgab«, die Rechte der ausgebeuteten indischen Kuli» gegen die Engländer wahrzunehmen. Von 1893 bis 1914 weilte er als Advokat in Südafrika, und dort vollzog sich allmählich ein« bedeutsame innere Wandlung. Als treuer Untertan der britischen Krone war er nach Afrika gegangen, in der Ueberzeugung, daß bestehende Mißstände des englischen Kolonialsystems auf friedlichem Wege, durch Derhand- lungen und durch Darlegung der Sachlage in London abgesteM werden könnten: als halber Revolutionär verlkeß er den afrikanischen Kontinent. Während des Burenaufstandes im Jahre 1899 bot Gandhi der Regierung seine Dienste an, organisierte freiwillig eine Sanitäts- obteilung und nahm an mehreren Gefechten teil. Auch im Jahre 1906, als die Zulus in Aufruhr gerieten, tot sich der indische Rechtsanwalt in der Krankenpflege so hervor, daß sein Name Ai mehreren Kamps- berichten genannt wurde, und Gandhi erhielt sogar britische Orden. Lord Harding verlieh ihm für seine südafrikanische Wirksamkeit die goldene Kaiser-i-Hind-Medaille. Gandhi träumte damals davon, daß die Inder durch loyales Verhalten ihre politische Stellung verbessern könnten, und er hoffte, daß die britischen Machthaber diese braunen Untertanen nicht mehr als Menschen zweiter Klasse ansehen würden. Im Jahre 1914 kehrte er nach Indien heim und bildete auch dort eine Sanitätsabteilung für die englischen Truppen; sogar im Jahre 1918 setzte er sich noch für die Engländer ein und warb für die Aus- stellung eines indischen Armeekorps, nachdem Lord Chelmsford auf einer Konferenz in Delhi die Notwendigkeit neuer Hilfstruppen für die britische Kriegssührung dargelegt hatte. Das war Gandhis letzter Versuch, England auf loyale Weise zur Aufgabe der bisher geübten Methoden der Kolonialpolitik zu be- wegen. Als die Engländer ihre im Krieg gegebenen Versprechungen nicht hielten, war Gandhi endlich davon überzeugt, daß aus Dankbar- keit in der Politik nicht zu rechnen sei. Er stellte sich an die Spitze der extremen Nationalisten, nahm Freiheitsstrafen ohne Widerspruch in Kauf und entwickelte in der Bekämpfung der britischen Herrschaft eine Energie, die man dem schwächlichen Mann niemals zugetraut hätte. Von der Gewalt der Waffen hielt Gandhi nichts; er predigte— eine Art indischer Tolstoi— die Abkehr von der Gewalt, verlangte aber von allen Indern, nicht länger mit den Engländern zusammen- zuarbeiten, die Steuern zu verweigern, keine englischen Waren zu taufen und besonders auf die englischen Textilien zu verzichten, damit der britische Imperialismus keinen Vorteil mehr aus der Verwaltung Indiens ziehen könne. Das war, europäisch ausgedrückt, die Pro- klamation des passiven Widerstandes. Mit dieser Methode wurden große Erfolge erzielt, aber der endgültige Sieg konnte nicht errungen werden, und schließlich ist Gandhis System zusammengebrochen. Man weiß heute in Indien, daß Englands Herrschaft nur gewaltsam ge- stürzt werden kann, ist sich aber bewußt geblieben, daß der wirt- schoftliche Boykott ebenfalls eine scharfe Waffe ist. Gandhi setzte sich besonders für den Wiederaufbau der Heimindustrie ein, für die Be- Nutzung des alten indischen Spinnrades, mit dem auch in seiner Schulsiedlung gearbeitet wird, um dem ganzen indischen Volk ein Beispiel zu geben, auf welche Weise die englischen Webwaren ersetzt werden können, und tatsächlich ist die Einsuhr von Textilien nach Indien wesentlich zurückgegangen. Die wiederholten Verhaftungen und Einkerkerungen Gandhis haben fein Ansehen im Lande nur erhöht und es ihm möglich ge- macht, sich gegen alte indische Traditionen aufzulehnen, ohne an Zlutorität einzubüßen..Als die stärkste Stütze der britischen Herr- schaft betrachtet Gandhi die Zersplitterung des Volkes, die durch die Kasteneinteilung bedingt ist. Nach der Religion der Hindus ist es den Mitgliedern der vornehmen Kasten untersagt, mit der untersten Schicht des Volkes, den„Unberührbaren", in irgendeine Verbindung zu treten. Wer ihnen die Hand gibt, sich mit einem Mitglied dieser Schicht von 60 Millionen Menschen aus eine Bank setzt oder in dem- selben Hause wohnt— von einer Eheschließung ganz zu schweigen—, wird als unrein betrachtet. Gandhi hat es jedoch gewagt, sich unter die„Unberührbaren" zu mischen, und hat überhaupt religiöse Tole- ranz gepredigt, sehr zum Mißvergnügen der Bramahnen, die eifer- süchtig ihre Vorrechte hüten. Zwßifxllos hat seine Wirksamkeit eine Renaissance des indischen Volkes auf religiösem, sozialem und poli- tischem Gebiet eingeleitet, eine Bewegung, die erst in ihrem Anfangs- stadium steht, ober wohl dazu berufen ist, das Leben dieses Volkes grundlegend umzugestalten. Es ist also verständlich, daß man ihn wie einen Heiligen verehrt. Ernst Rottenberg. wimona: Ufolorevtlagtivig Der Mensch ist wirklich noch«in Vorurteil... einstweilen gibt ee erst, wi« bereits Lamettri« wüßt«,— rhomme-machine. Längst war der Fußgänger allen Motorfahrzeugen«in Dorn im Scheinwerfer. Um ihn, diesen Dorn, sich auszureißen, beriefen sie ihr« Konferenz ein. Welch stattliche Versammlung: Benz. Mercedes, Daimler. Opel. Wanderer, Adler, Brennabor, Iewett, Auburn hatten ihre Abgeordneten entsandt. Eine Gigantengarag« war festtich illu- minicrt. Auf der Rednertribüne sohlten die Chargierten der Lust. und Wasscrmotoren keineswegs. Gegenstand der Besprechung war also die Landplag« der üblen Fußgänger, die sich, wie Junkers und ein rundbäuchiger Rotor be- merkten, auch in der Luft und zu Wasser unongenchm cmpsindlich machten. Soweit st» alz Ehaufseurs, Matrosen, Piloten tteu« Dienst« leisteten, ließ man si» allenfalls gelten. Schon als sogenannte Passa- giere.„Fahrgäste" lagen sie den geflügelten, räderigcn. schaufelnden Pc Herrschern der Erde im Magen. Unleidlich aber wurden sie, wenn sie bcsondcre Weg« für sich in Anspruch nahmen oder sich ihnen gar direkt in den Weg stellten. Zum Präsidenten der Versammlung ernannte man. unter jauch- znrden Tösftösfs, einen kleinen Ford(gegen den allerdings ein paar zionistische Schosar-Hupen ohnmächtig remonstrierten). Der kleine Ford erklomm die Kanzel und schnarrte die Antrittsrede:„Liebe Gefährten," rasselt« er und gab ein wenig Gas,„fccr Weltkrieg hat, wenn es dessen noch bedurft«, den Beweis erbracht, daß der fo- genannt« Mensch nichts Wichtigeres ist, als das Werkzeug der Mo- torenfabrikation zum Zweck« seines Unterganges. Von den Krea- turen, die der Mensch macht, lzängt er zu guter Letzt selber ab. Ich frage: Wie lange sollen wir diesen Sklavenaufstand noch erdulden? Al» unser« Geburtshelfer, Diener. Opfer, gewinnen sie allenfalls ihren Sinn, statt dessen schwingen sie sich zu unseren Herren auf. Ein« Meng« absurder Fußgänger. Fahrgäste. Parasiten schmarotzen an unseren Pserdekräften. Unter allen Umständen sollen wir sie zerbrechen, plattdrücken, zu Mus machen. Ich möchte hier geradezu die Losung austuten: Pardon wird diesem Ungeziefer nicht gegeben! Wer von uns künftighin die Lenkstange wenden und bremsen läßt. um solch« Würmer zu schonen, dem wird das Chasiis verledert, daß die Pneumatiks platzen.— Fräulein Jnnensteuerlimousine hat sich zum nächsten Töfftöff gemeldet: Darf ich bitten, mein gnädiges Fräulein!" „In mich," hupte die Kleine, der ein schnittiger Phaelon unab- lässig mit dem Bosch-Licht zublinzte.„setz!« sich jüngst ein Börsen- greis. Ich eroberte mir aus allen Pferdekräften den Bürgersteig. Resultat:— eine umstürzende Litfaßsäule, ein gründlich zerquetschtes Ehepaar, und mein mit Glassplittern gespickter Börsianer wird seinen Schock zeitlebens nicht mehr los." „Gott fei Dank!" tatütatatatete Ford,.»Hoffentlich war es kein Arier? Der arische Mensch verwächst gelungener mit der Maschine, eignet sich mehr zum Auto-Kentauren.— Das nächst« Tösftöst hat Herr Sportkupe«— bitte!" Sportkupee betätigt« den Auspuff, er winkte dabei mit dem Stoßdämpfer einer süßen Landoulette zu, die mit ihrem Scheiben- Wischer rückflirtete.„Neulich" referierte er ratternd,„lauerte ich einem leibhaftigen Unterstaatssekretär auf. Ich stand still und lieh ihn getrost über den Fahrdamm schreiten. Kaum war er in der Mitte, da fauchte ich drauf zu, legte ihn um und um, killte ihn ab." Dröhnendes Beifallhupen von allen Seiten. Aehnlich lieh sich«in Kabriolett brüllend vernehmen. Der Eindecker beklagte sich über den bombensicheren Unverstand der Pazisistelnden. Ohne Krieg sei es Essig mit der Herrschaft der Maschine über die Menschheit.— Schließlich quirlte noch ein U-Boot in gurgelnden Tönen von der so chlorreichen Vergangenheit, wurde aber jählings unterbrochen... In die Garage stürzten die menschlichen Diener, säuberten ihr« totflügligen Herren und führten si« ins Freie, zur frischen, fröh- lichen Jagd auf/Menschen. Spaß, wurden si« wieder mal gerädert, geplättet, gefünftellt, frikassiert: anderthalb Ministerialräte, sämtliche Derkehrsschutzleute, ein Dutzend stillende Mütter mit ihren Säug- lingen, die Prima des Hitlcrgymnosiums, ein Exkaiser und rund hundert Sowieso-Jnvaliden schmückten die Strecke mit ihren un- appetitlichen Leichnamen. Jnnensteuerlimousine versuchte, auch einen ebenso beliebten wie beleibten Dichterfürsten abzukillen, prallt« aber an dessen korpulentem Roman ab.„Es lebe der Fordschritt!" stöhnte der Poet und lahmt« weiter. Der kleine Ford aber saust« zum Gemindeball, auf dem die Schraubenmuttern tanzten, verliebte sich daselbst in«in adrettes Brautomobil, dos ihm jedoch bei intimerer Berührung explodierte... wer feuriger Natur ist, sollte sich nie mit Benzin verheiraten. (Besser trostlos als trustlos, sagte Papa Ford, als er's hörte.) Fossile Perlea. Di« Annahme, daß die Fähigkeit, Perlen zu erzeugen, nur den heute lebenden Muscheltieren.zukommt, beruht auf einem Irrtum. Vielmehr haben neueste Funde in Kalifornien gezeigt, daß regelrecht« Perlen auch in sehr alten fossiliensührenden Erdschichten, die vor Millionen Iahren entstanden sind, nämlich in den Kreideschichten, die sich zu Lebzeiten der letzten Dinosaurier bildeten, vorkommen. Diese Perlen sind freilich ziemlich klein und haben durch ihr hohes Alter an Glanz eingebüßt; doch sind sie noch deutlich als richtige Perlen zu erkennen. Uebrigens wurde auch in England bereits vor einigen Jahren in der Kreide eine fossile Perle aufgefunden._ Stekonfiruierie Torgefchichie Stephen E. Simms, der Direktor des Museums von Chikago, darf das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, als«aster die prä> historische Geschichte der Menschheit plastisch veranschaulicht zu haben. Er hat die berühmte, im französischen Departement Dor- dogne gelegene Grotte Le Moustier in Chikago wieder aufgebaut und mit einer Gruppe von Menschen bevölkert, die«ine Familie der Neandertalrasse verkörpern, der ältesten Menschenrasse, dercn Spuren man gefunden hat. Um die Ausführung der orig n.-llen Idee haben sich als Berater und Sachverständig« Arthur Koith und Elliot-Smith von der medizinischen Fakultät der Londoner Univer- sität, sowie der Professor am Museum in Paris, Marcel Bonle, und der Abbä Breuil, der auf de.n Gebiet vorgeschichtlicher Archäologie als besondere Autorität gilt, sehr verdient gemocht. Der aus Europa gebürtige Bildhauer Frederick Blaschke aus New Park, der der von Professor Field geleiteten Expedition des Museums von Chikago angehört«, hat die Gruppe, die die berühmte französische Grotte der Steinzeit belebt, entworfen und modelliert. Auf den Wänden des Saales, in dem die Grotte steht, hat der Maler des Museums von Chikago, Corwin, in vortrefflich gelunge- nen Freskobildern die wilde, primitive Felsenlandschast dargestellt. die die an der Grotte vorüberfliehende Vözere überragt. Di« prä- historische Familie in der Grotte von Moustier, die jetzt die von Chikago geworden ist, besteht aus dem etwa sünfundfünfzigjährigen Vater, einer dreißigjährigen Frau mit einem Säugling im. Arm, einem Knaben von zwölf Iahren und einem Greis. Der Dater ist gerade von der Jagd heimgekehrt und hält noch die primitive Stein- waffe in der Hand, mit der er das zu seinen Füßen liegende Renn- tier erlegt hat. Der Knabe nogt mit sichtlicher Gier an einem Knochen, und der vor dem Feuer kauernde Greis ist damit be- schäftigt, ein Tierfell durch Entfernung der Fettschicht zur Decke her- zurichten. Es wäre, zumal nach den in Glozel gemachten Er- fahrungen, gewagt, in diesem Modell ein« unbedingt zuverlässige Rekonstruktion einer prähistorischen Familienszene erblicken zu wollen, die auf rund 50 000 Jahre zurückblickt. Zum mindesten aber sind die von Blaschke modellierten Figuren nach genauen Messungen der Abgüsse von Schädeln aus Knochenresten der Nean- dertalrasse hergestellt. Man wird beim Anblick der das Chikagoer Bildwerk veranschaulichenden Illustrationen gewiß nicht zu behaupten wagen, daß unsere Vorfahren geschmeichelt sind. Mit ihren tierischen Gesichtern, den affenähnlichen Armen und den halslosen, tief in den Schultern eingesunkenen Köpfen geben sie sich als Ver- treter einer Menschheit zu erkennen, die bei Beginn des Diluviums sich noch nicht von der Erdscholle loszulösen vermocht hatte, die noch„von den Mastern der Sintflut durchweicht war". 3)er Waggon von Compiegne Es war kurz noch der Inflation, damals als nach langer Zeit zum ersten Mole sich die Grenzen auch dem gewöhnlichen Sterb- lichen, der nicht 500 Goldmark hinterlegen tonnte, wieder öffnet� als ich nach Pari» fuhr. Die Nase an den Scheiben des Abteils, sog ich die freKrde Landschaft in mich hinein. Suchte die Spuren srem- den Lebens und fand das eigene heimatliche Leben wieder mit seinen Fabriken, Gruben, Wäldern und Gehöften. Etwas sanfter schien mir die Landschaft, etwas beweglicher die Menschen, etwas Heller der Himmel. Bis ich in jene Gegend kam, die der Krieg durchtobt. Nicht viel war mehr zu sehen. Ein paar zerschostene Häuser, ein« Kirch« ohne Turm und da und dort der zerfetzte Stamm eines wipfellofen Baumes. Damals war es, daß die Menschen in meinem Abteil mich feindlich ansahen und eine Frau warf mir ein giftiges„Das haben die Boches getan" ins Geficht. Einen Augenblick lang wurde ich verzagt vor diesen Worten und e»n unbestimmtes Gefühl der Beklemmung erfaßte mich in der Luft des Abteils, die von dem Haß dieses fanatisierten Weibes stickig zu werden drohte. Aber weil die Gewißheit, daß es der Krieg war. der dies alles getan und daß weder ich noch sie, noch irgendeiner von denen, die hier im schmutzigen Abteil dritter Klasse zusammen- saßen, Schuld an all diesem Unglück hatte, so tief in mir verwurzelt war, wie nur die Wahrheit verwurzelt sein kann, sprach ich die Worte, die in den letzten beiden Jahrzehnten so oft eine Situation haben retten müssen: C est la Guerre. Es ist der Krieg. Ein Arbeiter wiederholte das Wort. Dann sprachen wir nicht mehr darüber. Aber als ich in diesen Tagen wieder die gleiche Streck« zurückfuhr, mußte ich an die Episode von damals denken. Wie damals sah ich neben der Strecke einige Bäume ihre zerfetzten Stämme gegen den Himmel recken. Wie damals sah ich Häuser, die der Krieg zerstört«. Gras ist über ihre Ruinen gewachsen. Der Regen hat ihre Härte gemildert. Wer nicht ganz genau hinsieht, sieht kaum noch etwa» vom Krieg. Und viele wollen nichts mehr davon sehen. So kamen wir in die Nähe von Compiegne. Der Zug hiolt und wie ich aus dem Fenster sehe, steht da ein deutscher Zug. Deutsche Reichsbahn lese ich auf dem Waggon, der direkt vor meinem Abteil steht und oben, die Bezeichnung: 40 Mannschaften oder 8 Pferde. Aber er ttägt nicht nur diese für Truppentransporte bestimmt« Bezeichnung, sondern es sind wirklich Pferd« und Mann- fchaften in dem Waggon. Truppen vom Rhein sind es. die in die Heimat zurückkehren. Und plötzlich sind wir wieder mitten im Krieg. Wir können an gar nichts anderes denken, als an jenen anderen Waggon, in dem hier in der Nähe, im Wald von Compiegne, der Waffenstillstand abgeschlossen wurde. Und der nun in Paris in, Hofe eines Museums steht und länger als zehn Jahr« angeschaut wurde von Fremden und Einheimischen als der Waggon des Friedens. Und der es doch gar nicht war. Und an jenes kitschige Bild denke, da» man vor Iahren noch in Paris und überall in diesem Lande kaufen und sehen konnte. An jenes Bild, das Erz- berger und Foch zeigt. Den einen in der Pose des Siegers und den anderen in der Pose des Gedemütigten. Und mir fällt ein, daß ich es auf dieser meiner Reise, die mich weit durch das Land geführt, nicht mehr gesehen habe, jenes Bild vom Frieden, der solange kern Frieden war. Dann fahren wir weiter. An dem langen Zuge vorbei, aus dem die jungen Soldaten schauen und herüberwinken. Und alle in dem Zuge winken zurück. Und es ist. wie wenn im Kriege ein Truppenzug durch die Heimat fuhr. Aber es ist nicht der Krieg. Es ist der Friede. Neben mir hat es jemand gesagt und ich wieder- hole es nun und denke, als die beiden Züge schon lange den Bahn- Hof verlosten haben, an den Waggon von Compiegne. Und dn den Frieden, den er verspricht. xriak Grisar. Vorkrage, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner �Schwarz-Rok-Gold". DelSSftsstelle: Berlin S. 14. Eebastianstr. Z7/ZS. Lol 2 Tr Mittwoch, 2. Oltobcr. Ritte, Kameradschaft, 20 Uhr Kamerad- schattsversammluna bei Brandis, Stralaucr Str, 10. Borlrag. Wedbing. 20 Ufir wichtige Giftung sämtlicher sporttreibenden Kameraden. Äut» stell unr. von Sa idballmannsämsten, Treptow lKaineradschaft). Zusammentunft im Inqcndbcim fällt aus. Iti'.b Ulir Bahnhof Treptow ,ur Iugcndbcfprechunq ide« Ortsvercins. Weihenfee. IS Uhr Vorstand. 20 Uhr aktive und passive Mit- «lieber im Berliner Sof. Erscheinen wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung »»bedingt Pflicht. Erlner tOrtsvcrein). 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Karde. Besellschastshaus. Vortrag des Kameraden Genatspräfidcntcn Dr.(Broft- mann.— Donnerstag, 3. Oktober. Wcdbing. 20 Uhr Sportabend in der Turn- balle Liltticher Str. 4. Meldungen filr Extrakurfe. Ähöucberg-Kriedenau. Käme- radfchott Rubens. 20 Uhr Kameradschastsvcnammlung in der Menzel. Klause, Menzel- Elke Thorwaldsenstrahe. Referent: Kamerad Kuitner. R. d. R..Die gegenwärtigen Putschversuch« in Deutschland und Oesterreich."— ffreitag, 4. Win. Vuttimrr«erg. 20 Uir Badeabend ttt Sladilud fitaSetgn Straß«. Krachberg. Sag 6, 20 Uhr Versammlung bei Zeuschner. Diekfenbach- ltraße 54. Lichtenberg. Kaineradschaftsversammlungen um 20 Uhr: Rummels. bürg bei Brunn. Tllrrschmidtstr. 43. Boxhagen bei Etöber, Jung- Ecke Oder. stroße. Traoeplah bei Scipkc. Kronprinzen» Ecke sätarnweberstroßc. Reinicken- dari.Ost lKamcradschaft). 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Kiehne, Residenz. straßc 2. Wichtige Tagesordnung, Besprechung über«ine Tabrt nach Stettin am 10. Oktober.— Ariedrichehain. Mittwoch. 2. Oktober, Illsä Uhr, Sportler und Iungkamcraden tressen sich im Lokal Lehnigk. Mühlen. Ecke Jrommy- straße.— Rowawer. Mittwoch, 2. Oktober, 20 Uhr, Bierteljahrsvcrlammlung im Eisenbahn-Sotel. Kamerod Dr. Mischler svricht über»Die falchistische Sc- fahr in Deutschästerreich". Erscheinen Pflicht. Vorstand ernc halbe Stunde früher.— Reinlckendvrs.Best. Die Koineradschastzversommlung findet nickn am Donnerstag, dem 3. Oktober, bzw. ssrcttag, dem 4. Oktober, sondern erst am Dienstag, dem S. Oktober, statt.— Wittena» lKamcradschaft). Donnerstag. 3. Oktober, 2V Uhr, Versammlung im Verkehrslokal P. Bchnkc, Oranienburger Straße 30._ Sturmvogel. Alle im Derwoltungsbeziri Kreuzberg wohnenden Mitglieder des.Ewrmvogel", Klugverband der Werktätigen, werden hiermit zu der am Daourrataa. bsm ß. ORub«, 50 Uhr. km Restaurant«etcheobager iA> SO.. Reichenberger Str.>47. stottfindenden Sßung mit anschließendem Bo-» trag des Fluglehrers P. Liebig eingeladen. Anfang pünktlich. Erscheinen Pflicht. Arbciter.Adsti-enten.Bund, Eruope Kreuzberg. Marheinckeplah 3—4. Am Mittwach, dcni 2. Oktober, 2f> Uhr, findet in unserer eigenen alkoholtreien Gaststätte, Marheincktplat; 3—4, eine allgemeine Mitgliedeipcrfammluna statt. Architekten- und Iugeuieur-Verciu Berlin. Montag. 7. Oktover. 20 Uhr, im Meislersaal. Kölhcncr Str. 33. Vortrag mit Lichtbildern über..Barcelona� Städtebau und Weltausstellung". Vortragender: Regiernngsbanrat tpenzmer. Karten lind in der Geschäftsstelle des Vereins. Wilhelmstr. 32—93, zu babcn. Rcichsbnnd der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und Srlcgcrhintcr- bliebcncn, Osten 5. Mittwoch, 2. Oktober, 20 Uhr. im Vcreinslokgl irchmidt» Gesellschaftshaus, Fruchtstr. ZSo. Mouatsvcrsammiung. � Deutscher Ostbuud, Ortsgruppe Berliu-Mitte, e. V. Monaisveriamviluna Mittwoch, 2. Oktober, 20 Uhr. im Cafe und Restaurant Gärtner. Berlin. Sol- steincr Ufer 27—28. Herr Reichstagsabgeordnetcr Kopsch tTem.) wird über das Thema:»Die Bedcutuna der Verhandlungen im Haag und in Senf fite den deutschen Osten" sprechen..„.„ Gcrman-Engiish-Soclcty. Cafe Jagenburg, Berlin W, Bülowslraße I, 0 p. m. Lecturc: The Lure ok Life, Mr. H. F. Title. B.A. Ph.D. 174 Kteidersioiie ■yfo. Bätist de laine composl �65 Iii Strusen- aai EporUüetdgr.......... dloiar jU Crepe Caid�..� I90 ea. 130 cm breit, moderne HerbsUarbep, Meter Duvetine Fantasie aparte Neuheit..........................Meter M Woll-Georgette am c». 130 cm breit, grosses Farbeneortünent, Meter Veloutine».,,.�,.�, erprobte QnaJItit, viele Farben......... 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September 1929, verstarb nach kurzer schwerer Krankheit im blühenden Alter von 33 Jahren unsere Kollegin Lina Neumann Die Verstorbene hat viele Jahre in der vordersten Reiheder freigewerkschaftlichen Angestelltenbewegung gekämpft und gearbeitet Sie hat als weibliche Angestellte mit besonderer Energie gewirkt für die Verbesserung der Lebenslage ihrer Berufskolleginnen. Ihre rege Betätigung für die Organisation führte sie in alle leitenden Körperschaften unserer Ortsgruppe. Sie war Mitglied ihrer Fachgruppenleitung, der Generalversammlung, der Körperschaften des AfA-Ortskartells und der Ortsverwaltung. Wir verlieren in der Kollegin Lfna Neumann eine treue Mitarbeiterin und gute Kollegin. Wir we den ihr Andenken stets in Ehren halten. Die Orisverwalhmg. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 2. Oktober 1929, 17.30 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Am Sonnte«, dem 29. September 1929, verschied nach kurzer, schwerer Krankheit unsere liebe gute Mutter, Grollmutter, Tante und Schwiegermutter Ww. Berta Marten, oed. Zoeikmolln im Alter von 71.jähren.— In tiefer Trauer; Therese Posch Frieda Marien geb. Marten Georg Posch Theodor Marten Lina Marien geh- ASmussea Berta Marien Bruno Marten Bcrlin-Reinickendort-West, den 1. Oktober 1929. Antonienstralle 54. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 4. Oktober 1929, abends S'/s Uhr, im Krematorium Gerlchtstralle statt. geb. Bunge Familie Franz Marten als Schwager Familie Bernh. Marten als Schwager Paul Mfibltu und Enkelkinder. Fabrik und Lager Seheffian RoseDthaler Str. 66 Speise- von 275.— an Herren- von 278.— an Schlaf- Zimmer von 360.— an Meine liebe Frau, mein« gute Tochter, unsere teure Schwester, Schwä- gertn und Tante Vdärlotte Ittellmsim geh. BLnutetn ist am 1. Oktober im 49. Lebensjahre ihrem schweren Leiden erlegen. Perlin SW, Alexandrinenstr.»0/120 Breelan. Georg Neumann Patentanwalt. Die Einäscherung findet am Frei» tag. dem 4. Oktober, um lN>ä Uhr, im Krematorium Gerichtfir. 37/38 statt. Da es mir nicht möglich ist. jedem einzeln zu donten, sage ich auf bieiem Wege gllen Genossinnen und Genosten der74.Adlei!ung. derKoniumgenosjen- fchasl Berlin und Umgeoryd, den Ge> werkschgston und ollen Freunden und Bekonnien sür die unendlich vielen Beweise inniger Teilnahme dehn Tode Meine, unvergeßiid>en Manne» im Namen aller Hinterdliebenen aus- richtigen Dank. Ida Mahlow. Zehlendors-Mitte, Waldhülerpsad>4. Abiiurium, Einjähriges, Tagesilasten. Abendkurse. Direktor Dr. ssackelmaun, Anstalt. Hohen, ollerndamm>38.* MttBiesaBt�n die neuerdings Fußquffler heißen, sowie alle anderen Hornhautslellen beseitig» unblulig Eine Packung Kuklrol-Pflasler mit dem Garantie-Schein koste) 75 Pfennig. Kukfrol hilft sicher l Sie erhalten � bei Nichterfolg Ihr Geld zurück! — Wundlaufen, brennen und andere Fufibe- �. tchwerdcn werden durch das Kuklrol-Fußbad rasch be- /'fCA seitigl. 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