BERLIN Soimerstag z. Ottober 1929 Nf. 464 B 231 46. Jahrgang. 10 Pf. erscheiottS,lhn noch gestern früh, doch unter allen Ilm ständen im B ett-ZU bleiben. Die Mahnung war, wie so häusig, vergeblich bei dem ausopfernden Pflichtbewußtsein und dem Temperament, mit dem Dr. Stresemann sich seiner verantwortungsschweren Tätig- keit hingab, immerhin ging es dem Minister gestern abend ver- hältnismäßig gut. Er sagte auch selbst, daß er sich ganz wohl fühle. Um%.ll Uhr erlitt er dann aber den e r st e n Schlag- an fall, der zu einer tiefen Bewußtlosigkeit führte. Dieser Anfall war so schwer, daß weitere Blutungen befürchtet werden mußten. Deshalb blieben die Professoren Geheimrat Kraus und Dr. Hermann Zondek die ganze Nacht am Krankenlager. Um Uhr morgens trat mit einem neuen schweren Schlagansall Atemlähmung ein, die den Tod zur Folge hotte. Nach der Ansicht Professors Zondeks mußte mit diesem schmerzlichen Ereignis bereits feit zwei Jahren gerechnet werden. Trauer im Auswärtigen Amt. 3n der täglich stattfindenden Morgenbesprechung der Direktoren des Auswärtigen Amts gedachte Staatssekretär Dr. von Schubert des heute nacht entschlafenen Reichsauhen- Ministers in»iesbewegten Worten. Als Opfer treuefter Pflicht. erfüllung sei er dahingeschieden. Der Schmerz und die Trauer des ganzen Auswärtigen Amtes seien unermeßlich. Der letzte Kampftag. Zum Tode Dr. Stresemanns erfahren wir folgende Einzelheiten: Dr. Stresemann war gestern den ganzen Tag über durch die Verhandlungen über die Arbeitslosenversicherung stark in Anspruch genommen. Zwischen l0 und Ahr abends erlitt er einen Schlagansall. Die Aerzte hofften jedoch, daß er am Leben erhalten bliebe, obgleich der Schlaganfall so schwer war, daß die rechte Seite Dr. Stresemann» gelähmt wurde, heute früh um b,25 Ahr ist Dr. Stresemann einem zweiten Anfall erlegen. Von den Aerzten wurde seit langem damit gerechnet, daß dieses Ereignis eintreten würde. In den letzten Tagen war Dr. Strese- mann durch einen alten Katarrh ans Bett gefesselt. Er erschien aber gestern vormittag zu einer wichtigen Z r a k l i o n s- sihung der Deutschen Volkspartel, in der die Arbeitslosenversicherung behandelt wurde. 3n dieser Sitzung hielt er eine längere Rede. Den Nachmittag über stand er mit der Fraktion»- leitung dauernd in telephonischer Verbindung. Gerade die letzten Tage seines Lebens waren für Dr. Stresemann mit ungeheurer Arbeit ausgefüllt, von dieser Arbeit wurde er abberufen, ohne daß es ihm bewußt war. Frau Stresemann und die beiden Söhne weilten die Nacht über am Krankenbett. Die Volkspartei ohne Kührer. Wi« im Reichstag verlautet, wird der Parteivorstand der Deutschen Volkspartel heute nachmittag zusammen- treten, um die Loge zu besprechen, die sich für die Partei durch den Tod ihres langjährigen Führers ergaben hat. Es ist damit zu rechnen, daß der Parteivorstand beschließt, den für die zweite Oktoberhälft« in Mannheim angesetzten Parteitag ausfallen zu lassen. Stresemanns Lebenslauf. Dr. Gustav Stresemann wurde ani 10. Mai 1878 in Berlin geboren. Nach dem Besuch des Andreas-Gymnasiums studierte er in Berlin und Leipzig Geschichte, Staatswissenschaften und Lite- rotur. In den Iahren 1902 bis 1918 war er Syndikus des Ber- bondes sächsischer Industrieller, von 1914 bis 1923 geschäftsführendes Präsidiatmitglied des Deuts ch-Ameriknnischen Wirtschastsverbandes. Im Jahre 1907 wurde er erstmals als Abgeordneter der N a- tionalli beraten Partei in den Reichstag gewählt. Nach dem Krieg« begründete er die Deutschs Volkspartei. Vom 13. August 1923 bis zuni 30, November 1923 war Stresemann Reichskanzler und Reichsminister des Auswärtigen. In dem dann folgenden Kabinett Marx übernahm er das Amt des Außenministers, das er bis zu seinem Tode betbehalten l)at. Im Februar 192ö leitete er mit dem Vorschlag eines Sichcrheitspaktes an Frankreich die Politik ein, die im Oktober 1923 zur Konferenz von L o c a r n o und am l. Dezember desselben Jahres zur Unterzeichnung des Sicherheits- Paktes und der mit ihm verbundenen Schiedsverträge in London führte. Am 10. Dezember 1926 wurde Stresemann zusammen mit Briand und Chamberlain der Frieden- Nobelpreis zu- erkannt. Anfang März 192? führte er als erster Deutscher den Vorsitz einer Tagung des Mlkerbundsrates in Genf. Am 23. Januar 1928 wurde er von der Universität Heidelberg zum Ehrendoktor ernannt. Am 3. August 1923 beging er das fünfjährig« Jubiläum als Außenminister. Am 27. August 1928 begab sich Stresemann zur Unterzeichnung des Kellogg-Paktes nach Paris. Eine neue schwere Erkrankung des Reichsaußanministers im Frühjahr 1929 machte einen längeren Kuraufenthalt in Bühlerhöhe notwendig. Im August diese Jahres nahm Dr. Stresemann an der Haogcr Kon- ferenz teil, im September fuhr er nach Genf zur Teilnahme an der Völkerbundsversammlung. Van 1906 bis 1912 war der Verstorbene auch Stadtverordneter in Dresden. Den Vorsitz in der Reichstagsfrakiion der Deutschen Vollspartci führte er von 1920 bis August 1923. Rundfunk- Trauerfeier für Gtresemann. Aus Anlaß des Ablebens des Reichsaußenmi nisters Dr. Stresemann stellt die Funk-Srunde, Berlin, ihr heutiges Programm auf ernste Darbietungen um. Heute, 20 Uhr. findet eine Trauerfeier zum Gedächtnis des ver- storbencn Reichsmini st crs statt. Näheres hierüber wird durch Rundfunk bekanntgegeben. Trauersitzuna des Reichstags. Gin Kämpfer für fein Volk. Di« für 10 Uhr angesetzte Pollsitzung des Reichstags begann infolge des plötzlichen Ablebens des Reichsaußenminifters mit einer Verspätung um eine Viertelstunde. Der Ministerplatz Dr. Strefe- manns war mit schwarzem Flor umhüllt: auf dem Platze selbst lag ein Blumenstrauß. Auf dem Abgeordnetenplatz Dr. Stresemanns war ein großer Strauß weißer Chrysanthemen niedergelegt worden. Am Regierungstische hatte Reichskanzler Müller Platz ge- nommen, mit ihm die anderen Mitglieder des Reichskabinetis. Die Kommunisten und Nationalsozialisten wohnten der Sitzung nicht bei. Vizepräsident Dr. Esser eröffnete die Trauersitzung mit folgenden Worten, während der Reichstag sich erhebt:„Trauer erfüllt heute die Herzen des deutschen Volkes. Em treuer Hüter seines Lebens- und Kampfeswillens ist in den Sielen gestorben, unser Gustav Stresemann, Reichsminister des Auswärtigen. Der Deutsch« Reichstag trauert um eins seiner hervorragendsten Mitglieder, Dr. Stresemann gehört« dem Reichstag feit 1914 an. Sein« über- ragende politische Befähigung und sein« ausgezeichnete Rednergab« brachten ihm auch die Führereigenschast. Schon im alten Reichstag war er Borsitzender der Nationalliberalen Fraktion, von 1920 bis 1923 leitet« er die Fraktion der Deutschen Bolkspartei, die heute den Heimgang ihres langjährigen Führers beklagt. Mit außerordentlichem politischem Geschick übernahm seine hervorragende Persönlichkeit am 13. August 1923 das Reichskanzleramt in einem Augenblick, als der Ruhrkampf abgebrochen werden mußte. Daß Dr. Stresemann vor schweren Ausgaben nicht zurückschreckte, und daß er mit zäher W i l l e n s k r a s t den bis dahin in der Innen- und Außenpolitik ihn ablehnenden gegenübergestanden und sich für seine Politik eingesetzt hat, bleibt sein geschichtliches Verdienst. Nach der Niederlegung des Neichslaiizleramtes blieb er in der Regierung und war Minister des Aeußeren bis auf den heutigen Tag. Was er auf dibsem schwierigen Posten für Deutschland geleistet hat, steht in ehrenden Lettern in das Lebensbuch unseres Volkes und ZZatcr- landes eingetragen. Das deutsch« Volk dankt dem Dahingeschiedenen, daß er bis zum Ende seiner körperlichen Kräfte das Wert der Befreiung Deutschlands weitergeführt und zum inner- politischen Wiederaufbau unseres Vaterlandes sehr viel getan hat. Der Deutsche Reichstag hat diesem Danke hiermit tief bewegt Aus- druck gegeben. Darauf nimmt Reichskanzler Müller das Wort, um folgendes auszuführen: Tief erschüttert steht die Reichsregierung, stehen die Regierungen der Länder mit dem Reichstag an der Bahre Gustav Stresemanns, dieses Staatsmannes, der seine Kraft im wahrsten Sinne des Wortes für sein Boll und für sein Land verzehrt hat. Es ist ein tragisches Geschick, daß er den Abschluß des Werkes nicht erlebt, dem er die letzten Zahre und die lehte Kraft seines Lebens gewidmet hat. Es war immer sein Ziel, die Befreiung Deutschlands zu erreichen. Gerade nach dem Abschloß der Konferenz im Haag, die der Regelung der Kriegsschulden und die der Räumung der besehten Gebiete gewidmet war. muß ein unerbittlicher Tod ihn au» unseren Reihen reißen. Stresemann war ein Streiter und ein Kämpfer. Ihm tat der Kamps wohl. Er war ihm Lebensbedürfnis und er hat wie alle Streiter und Kämpfer Gegner und Feinde die Menge gehabt. Die Reichsregierung ist der Ueberzeugung, daß dereinst die Geschichte, die weniger beeinflußt sein wird vom Streite der Parteien in der schweren Nachkriegszeit, ihm gerecht werden wird als einem Manne, der erfolgreich gearbeitet hat für sein Boll, der für sein Land und für sein Volk gelebt hat und gestorben ist. Nicht nur seine Gattin, nicht nur seine Kinder, sondern die weitesten Kreise des deutschen Voltes trauern um diesen Mann. Wegen dringender Vorlagen wird daraufhin die Sitzung nicht aufgehoben, sondern um ein« halb« Stunde vertagt. Veileiöskundgebung der Sozialdemokratie. Abg. Dr. Breitscheid hat im Austrage der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion folgendes Beileidstelegramm an Frau Stresemann gesandt: „Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion spricht tieferschüttert Ihnen und Ären Söhnen ihr herzlich- st es Beileid aus. Wir trauern tief um den Mann. der feine ganze Kraft opferfreudig in den Dien st seines Bolkes und an das Werk des Friedens gesetzt hat." * Der Vorsitzende des 2luzwörtigen Ausschusses, Abgeordneter S che i d e m a n n, Hot an Frau Stresemann ein Telegramm gerichtet, in dein er seine ties« Erschütterung über den Tod de» Außenministers der Republik zum Ausdruck bringt. Bereits in den frühen Morgenstunden haben sämtliche au?- ländische«Diplomaten in Berlin ihr Beileid zum Tode Dr. Stresemanns ausgesprochen. Die deutschen Missionen im Aus- lande haben telegraphisch« Anweisung erholten, bis einschließlich Sonntag halbmast zu flaggen. Der Reichspräsident, der zurzeit in der Schorfhetde weilt, hat an Frau Stresemann das nachfolgende Beileidstelegramm gerichtet: „Tiesbewegt sende ich Ihnen und den Ihren den Ausdruck meiner herzlichen Teilnahme an den plötzlichen Tod« ihres Gatten, der bis zum letzten Atemzuge so treu für sein Vaterland gearbeitet hat. gez. von Hindenburg." Der Reichspräsident hat sich entschlossen, seinen Aufenthalt aus dem Lande abzubrechen: er wird morgen vormittag nach Berlin zurückkehren. Ein Baumeister des Friedens. Labours Trauer um Sirefemann. Brighlon, 3. Oktober.(Eigenbericht.) Zu Beginn der. heutigen Morgensitzung der Arbeiterpartei macht« der Vorsitzende der Partei, Morrison, Mitteilung vom plötz- lichen Tode Stresemanns. Obwohl Stresemann kein Mitglied der Sogialdemokratischen Partei gewesen sei, so wünsche er dennoch, dem toten Stresemann im Namen der Partei seinen Tribut zu leisten. Dr. Strssemonn hat, so suhr der Vorsitzende fort, b e d c u- t e n d e» für den Friedenvon Europageleiste!. Er Hot die Außenpolitik Deutschlands in versöhnlichem Smn« geführt und nicht der Versuchung nochgegeben, eine Politik der Nadelstich« und Revanche zu führen. Stresemann hat mit den anderen Ländern, darunter auch mit der britischen Arbeiterregierung, daran zusammen gearbeitet, den Frieden zwischen den Nationen auf einer festen Gnindlage aufzubauen. Der Tod Stresemanns ist nicht nur ein Verlust für Deutschland. sondern für die Welt. Di« Delegierten erhoben sich als Zeichen der Trauer von ihren Sitzen. Im weiteren Verlauf der Sitzung begann der Schatztanzler S n o w d e n sein« große Rede mit einem Nachruf auf den deutschen Außenminister. Snowden führte au», daß er zweimal— aus der Londoner Konferenz 1921 und im Haag 1929— mit Stresemann in persönlichem Kontakt gekommen und«inen starken Eindruck von seinen bedeutenden Fähigkeiten, seinem Charakter und seinem Idealismus gewonnen habe. Er habe bereits im Haag mit Erschütterung beobachtet, wie der vom Tode gezeichnete wann einen heroischen Kamps gegen seine Krankheit führte. Die Schwer« des Verlustes, den nicht nur Deutschland, sondern die ganz« Welt durch seinen Tod erlitten, könne nicht übertrieben werden. Henderson über den Verlust der Welt. Der Außenminister Henderson hat dem Londoner Korrespow denten des„Vorwärts" die folgend« Erklärung zum Tod« Strese- mann» übermittelt: Der Tod Stresemanns ist nicht nur ein Verlust für seine eigene Nation, sondern für die Völker Europas und der W e l t. Das Werk, dos er in den jüngsten Iahren geleistet, war«in Wert sür Deutschland, ober es war auch«in Wert für die gesamte Mensch- heit. Stresemann war ein großer deutscher Staatsmann, ober er war auch ei» großer europäischer Staatsmann. Er war ein Führer im Kampfe für den Frieden und die Aussöhnung Europa». Wir werden niemals den Mut und die Geduld vergessen, mit der er für Deutschlands Eintritt in den Völkerbund, für jene Politik, die wir die Locorno-Politik nennen und für die allgemein« Sache der Weltentwasfnung und Zusammenarbeit der Völker, einge- treten ist. Wir werden nicht die Geschicklichkeit und den Takt vergessen, den er als Vermittler bewiesen, nicht die große Bision, die er von den wahren Interessen der Nationen der modernen Welt besaß. In seiner letzten erschütternden Red« in Bens hat Stresemann vom Heroismus de» Dienst«» am Frieden gesprochen und ihn mit dem Heroismus des Krieges kontrastiert. Stresemann selbst war ein wahrer Held de» Frieden». Sein Tod ist durch Arbeit und Ueberarbeit der jüngsten Jahr« be- schleunigt worden. Selbst schwer« Ertrankung konnte ihn, wie unlängst im Haag, nicht zur Schonung veranlassen. Glücklicherweise hat er noch die Genugtuung erlebt, zu sehen, daß er an den besten Grundlagen für den Ausbau de» Weltfrieden» mitgearbeitet hat. Sein Name wird in der Geschichte als derjenige eines der größten Baumeister der europäische« Solidarität und europäischen Zusammenarbeit so lange fortleben, al» e» Menschen gibt, die sich der Taten unserer Tag« und unserer Generation erinnern. Vom parteimann zum Staatsmann. Vreitscheid über feine Persönlichkeit. Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagssrak- tion, Abgeordneter Breitscheid. äußert sich im Sozialdemokratischen Pressedienst über den Verstorbenen: „Tief erschüttert stehen an Stresemann» Bahre ohne Unterschied der Parteien olle diejenigen, die in den letzten Jahren am Werk de» Friedens und der Verständigung mitgearbeitet haben. Der Verlust, den der Tod des Außenministers für Deutschland bedeutet, ist ungeheuer. Bis zum letzten Atemzug hatte der bis ins Mark Erkrankte seinem Lande gedient und es ist für uns alle, die um ihn trauern, ein erhebendes Gefühl, daß er, um einen Bismarck- sehen Ausdruck zu gebrauchen, in den Sielen gestorben ist. Stresemann begann sein« politische Lausbahn als Partei- Politiker und lange Jahre hindurch stand er im Gegensatz zu uns, der Sozialdemokratie. Aber er wuchs über den Partei- mann hinaus. Er wurde zum Staatsmann im besten Sinne des Worte». Er löst« sich nicht von seinen politischen Freundin, ober sein Blick weitete sich und gestützt auf die, die eine Welt anstreben, in der das Recht an die Stelle der Gewalt tritt, wurde er zu einem Baumeister des neuen Europa. Es gab. zumal im Anfang, manch einen, der gewiss« Zweifel an der Ehr- lichkeit dieser Entwicklung hegte. Diese Zweifel waren unberechtigt. Ich, der sein wirkliche; Wesen und Wollen zu erkennen erfreuende Gelegenheit hatte, kann in dieser traurigen Stunde bezeugen, daß er hoch über denen stand, die eine politische Linie aus Opportunitätsgründen oerfolgen. Er war«in Mann, der in hartem inneren Kampf eine unerschütterliche Ueberzeugung errungen hott« und dieser Ueberzeugung dient« er mit hohem persönlichem Mut Auch die Arbeiterschaft hat allen Anlaß, an Tlrcsemannz Bohre grüßend und ehrend ihre Fahnen zu senken." Endkampf um die Arbeitslosen. Das Gesetz in driiier Lesung angenommen. Nach»iner halbstündig«» Paus« trat der Reichstag um 11 Uhr wieder zusammen. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Abünderungsgcsetzes zur Arbeitslosenversicherung und die zweite und dritte Beratung des Entwurfs eines Gesetzes zur Ausführung der Empfehlungen der Rcichswirtschaftskonferenz. Nach kurzen Bemerkungen der Abgeordneten R a e d e l(Kom» iminist) und des Brandler-Kommunisten Fröhlich tritt das Haus sofort in die Einzelabstimmungen ein. Nach den Einzelabstimmungen gab Abg. Aushäuser im Auftrag der sozialdemokratischen Reichstagssraktion folgende Erklärung ab: Die sozialdemokratische Reichzlagssraklion hat im Zahre 1927. obwohl sie damals an der Regierung nicht beteiligt war, Form und Inhalt des Gesetzes über Arbeitsvermiltlung und Arbeitslosenversicherung entscheidend beeinflußt. Sie ließ sich dabei von dem Bewußtsein leiten, daß es sich um eine für die deutsche Arbeiterklasse lebensnotwendige Ergänzung der Sozialversicherung Handelle. Die staatliche Arbeitslosenversicherung ist die Anerkennung, daß der durch das kapitalistische BZirtschastssystem unverschuldet erwerbslos gewordene Arbeiter oder Angestellte einen Rechtsanspruch aus die Sicherung seiner Existenz hat, und daß die gesetzlich gewährleistete Unter st ühung ihn vor lohnpolitischer Au». Nutzung schützen muß. Seit dieser Zeit hat die Rationalisierung und Betriebskonzcn- tration die Unsicherheit des Lebensschicksals aller Arbeilskräste noch weiter gesteigert, dadurch ist die Rotwendigkeil eines staatlichen Schuhes der Arbeitslosen noch zwingender geworden. Diese grundsätzliche Bedeutung der Arbeitslosenversicherung wird heute von der Gesamtheit der Arbeitnehmerschaft anerkannt, so daß selbst die ehemaligen Gegner der Arbeitslosen- Versicherung heute nicht mehr daran denken, ihre Aushebung zu verlangen. Bei der Bildung dieses neuen Versicherungszweige» fehlten Vorbilder anderer Staaten fast völlig, versicherungstechnische Be- rechnungsgrundlagen für die Konjunkturschwankungen waren gleichfalls nicht vorhanden. Es bedurfte deshalb erst einer gewissen Beobachtungszelt, um inzwischen zutage getreten« Mängel feststellen zu können. Der'Hauptzweck der jetzt zur Entscheidung stehenden Vorlage ist die Beseitigung der mißbräuchlichen Inanspruchnahme der Unierslühung, durch die die Versicherung in der Erfüllung ihres eigentlichen Zweckes gefährdet werden könnte. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion Hot, wie bei Schas- fung des Gesetzes, so auch jetzt bei seiner Reform aktiv mitgewirkt. Sie hat aber von Ansang an keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie über die Beseitigung von Mißbräuchen hinaus jeder Einschränkung des in dem Gesetz enthaltenen sozialen Grundgedanken» entschiedensten Widerstand entgegensehen würde. Au» diesem Gründe kämpfte sie seit dem Frühjahr dieses Zahres ununterbrochen gegen alle Vorschläge und Anträge auf all. gemeinen Abbau der Vcrsrchcrungslcistungcn, gleichviel, ob er durch Kürzung der Unterstützungssätze, durch Verlängerung der Wartezeit oder durch andere Verschlechterungen der Versicherungsbedingungen erreicht werden sollte. Dieser Abwehrkomps war erfolgreich. Das ist um so bedeutsamer, weil auch In diesem zähen Ringen um die vitalsten Interessen der Arbeit- nehmerschast die Sozialdemokratie nicht die Unterstützung der kommuni st Ischen Fraktion gesunden hat. Es war zwar nicht möglich, für alle Vorschläge der sozialdemokratischen Fraktion ein« Mehrheit zu finden, wir bedauern auch die Annahme einzelner Bestimmungen, die unsere Zustimmung nicht gesunden haben. Entscheidend ist aber, daß die Rovclle die all- gemeinen versicherungsleistungen aufrechterhält und damit der Abbau abgewehrt ist. Die Sozialdemokratie kann die Verantwortung für die Rovelle um so eher übernehmen, da sie es als den Erfolg ihres monatelang«« Abwehrkampse» ansieh», daß die der Sozialversicherung zugrunde liegende sittliche Idee der unbedingten Solidarität aller Arbeitenden erhalten geblieben ist. einerlei, ob ihr Arbeiteschicksal ein günstigere» oder ungünstigere, ist. Dieser, durch jahrelange polltische und gewerk- schaslliche Erziehung entwickelte Solidaritälsgedanke war auch maßgebend für den Vorschlag, die Sanierung der Arbeitslosenversicherung durch eine befristete Beitragserhöhung zu gewährleisten. Obwohl nachweislich eine Beitragserhöhung zur dauernden Sanierung der Reichsanstall unentbehrlich ist. ist sie am Widerslande der Deutschen Voltspartei gescheitert. Die sozialdemokratische Rcichetagssraklion ist nicht gewillt, deswegen den sozialpolitischen und organisatorischen Teil des Reformwerks gefährden zu lassen. Die gesetzlich festgelegten Leistungen der Arbeit»- losenversicherung müssen auch für die Zukunft sichergestellt sein. Deshalb kann bis zu einer späteren Beitragserhöhung auf die Inanspruchnahme der Reichskasse zur Deckung des Fehlbetrag» der Reichsanstal« nicht verzichtet werden. Im übrigen betrachtet die sozialdemokratisch« Reichstagssraktion das Reformwerk als abgeschlossen, Sie wird sich jedem neuen Versuch, die diesmal abgewehrte Abbauaktion zu widerholen, mit aller Kraft entgegenstellen. Die Erklärung wurde von den Sozialdemokraten mit großem Beifall, von den Kommunisten ober mit Geschrei und Be» schimpfungen aufgenommen. Abg, Graf Westarp(veutschnat,) begründet in einer Erklärung die ablehnende Haltung der deutschnotionalen Fraktion. Sie habe sich bemüht, die dringend not- wendig« Reform der Arbeitslosenversicherung ohne eine weitere Be- lastung zu ermöglichen. Dieser Versuch sei an dem Widerstand der Regierungsparteien und an der Unfähigkeit der Regierung g«- scheitert. Der vorliegende Entwurf sei ein Flickwerk, daß die ent- scheidende Frage offen lasse. Diese Teillösung sei technisch und finanziell undurchführbar ohne Beirragoerhöhiing. Wer dieser Vor- läge zustimme, stimm« damit auch der zukünftigen Beitrags- «rhöhung zu. Abg. Riesener(Zentrum) gibt folgende Erklärung ab: Die Zentrumsfraktion kennt an. daß durch die Vorlage das Ziel der Sanierung nicht voll- kommen erreicht worden ist. Der Entwurf bringt aber ei,K ganz« Reih« dringend notwendiger Derbesserungen, so daß es unver- antwortlich wäre, sie ab»Uehnen. Mit der Beteiligung an der Re- gieomg hat jede Partei die unbedulgt« Wicht Mernomweo, bei solchen Entscheidungen das unter den obwaltenden Umständen Er- reichbars anzunehmen, auch wenn einige Reste übrig bleiben. Das Zentrum wird darum der Vorlage zustimmen. Abg. Zapf(D. Dp.) erklärt, die Stellungnahme seiner Fraktion sei von Anfang an die gewesen, daß die Sanierung der Versicherung ohne ein« Neubelastung der Wirtschaft erreicht werden sollte. Die Vorschläge der Volks- portei in dieser Richtung habe der vorliegende Entwurf nicht ver- wirklicht. Die Dolkspartei wolle ihn jedoch nicht ablehnen, weil sie die in ihn erreichten Fortschritt« und Dorteile anerkenne. (Lärm bei den Kommunisten.) Sie leg« aber Wert darauf, ihren festen Willen zu bekunden, unter voller Wahrung aller berechtigten sozialen Rücksichten eine Sanierung der Arbeitslosenversicherung zu erreichen, losgelöst von den Finanzen und ohne Belastung der Wirtschaft. Da die Vorlage diese Voraussetzungen nicht erfülle, werde sie sich der Stimme enthalten. Abg. Freidel(Wirtschaftzpartei) lehnt die Borloge ab und»r. klärt: Die Wirts choftspartei halt« eine ausreichende Arbeits- losenversicherung für eine soziale Notwendigkeit. Sie vertrete aber die Meinung, da» Deitragserhebungen und Leistungen sich in normalen Grenzen halten mühten und die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschost dadurch nicht gefährdet werden dürft«. Abg. Rleyer-Berlin(Dem.) erklärt für die Demokraten, seine Fraktion werde das Gesetz einmütig annehmen. Da» Gesetz sei gewiß keine vollkommene Regelung, aber die Schwierigkeit der Materie würde dadurch erhöht, daß ein soziales Gesetz, dos mit einer Rechtsregierung zustande gekommen war, mit einer Re- gierungstoalition zu reformieren war, deren stärkste Partei die Sozialdemokratie sei. Er bedaure, daß die Volksportei ein« Per- antwortung ablehne, die sie gemäß der Sachlage trage. Er stelle ferner fest, daß er es für nötig halt«, daß in einer Koalition Koalitionsgeist herrsche.(Lebhafte Unruhe bei der Deutschen Volks- pari«!.) Abg. Leicht(Bay. Vp.) erklärt, daß seine Fraktion der Vorlag« zustimme. Darauf folgt die namentliche Abstimmung. Die Arbeilslosenversicherungsrcsorm wird mit 23* gegen 155 Stimmen der Deutschnationalen, Kommunisten, Ralionalsozinllste« und wirtschastsporlei bei 40 Enthaltungen der Deutschen Volksparlei angenommen. Reichsarbeitsminister wissell zieht daraus das befristete Sondergeseh formell zurück, weil die im Ausschuh ousrechterhaltenen Bestimmungen diese» Gesetzes in da» Hauptgesetz übernommen worden sind. Gowjetinquisition blamiert Aotschast. pariser Botschaftsrat mit Revolver bedroht.- Zfranzösische . Polizei muß helfen Pari», Z. Oktober.(Eigenbericht.) Vi« Moskauer Parteiopposilion hat am Mittwoch«in neues Opfer gefordert. Der erste Sotschastsrat der russischen Botschaft in Paris, Brejsedowsky, war mit der neuen Landwirtschaftspolitik der Sowjetmochthaber nicht einverstanden. Er hatte zu äußern gewagt, daß den russischen Bauern ihr Geireide zu viel zu niedrigen preisen abgenommen und sie selbst damit ins Elend gestürzt würden. Sosort wurde der Berliner Inquisitor R ö s e m a n n nach pari» geschickt, um den Botschastsbeamten zu maßregeln. Röjemana lral aber derartig auf, daß ans der Maßregelung ein großer Skandal und eine össentliche Blamage der Sowjets wurde. Er bedrohte Brejsedowsky mit dem Revolver und verjuchle. ihn in ein Zimmer der Bolschast einzuschließen. Bressedowsky gelang es jedoch zu flüchten und de« Schuh der sranzösischen Polizei anzurufen. Räch langen lieber- legungen, ob man berechtigt sei, innerhalb de» russischen Botjchaste- gebäudes nach dem Rechten zu sehen, griff die pariser Polizei endlich ein. Sie stellte sich aus den Standpunkt, daß Bressedowsky in Abwesenheit des Botschafters Vowgalewsky. der gegenwärtig wegen der Wiederausnahme der diplomatischen Beziehungen in London wellt, als Ehef der Botschaft anzusehen sei und daß er daher die Aushebung der Exterrilorlalilät verlangen könnte. Es gelang ihr aber erst nach langen Bemühungen, die von dem In- quisitor Rüsemann als Geißel zurückgehaltene Frau und die Klnder Bressedowskys sowie dessen privalbeslh freizubekommen. Bressedowsky Hai inzwischen in einem pariser Hotel llnlerknnsl gesunden. während der Inquisitor in der Botschaft thront. Konferenz der Landerprasidenten. heule vormittag begann die bereits angekündigte Konserenz der Ministerpräsidenten der Länder, die sich mik dem Ergebnis der haager Konferenz und dem Poung-Plan beschäftigen sollte. Der plötzliche Tod des Außenministers gab dem Reichskanzler Müller Anlaß, In einem warm empfundenen Rachruf der aufopfernden Arbeit des Verstorbenen für das Reich und für die Völkerverständigung zu gedenken. Dann erstatteten die Minister hilferding. Eurtiu» und wirlh als Mitglieder der Haager Delegation dem Minister- Präsidenten Bericht über die Verhandlungen Im Haag und deren Ergebnis.'_ Schützt uns vor der StabiUfierung! StinneS zu Otto Braun.— Das Volksbegehren gegen die Republik. Königsberg, Z. C tober. In einer Red« vor der Sozioldsmokraticschen Partei icher die polibischt Lage erinnert« Ministerpräsident Braun u. o. an R a t h e n a u, der ihm einmal von-der Eismauer gesprochen habe, un« von unseren ehemaligen Kriegsgegnern trenne. „Es ist kennzeichnend, daß die Kreis«, die den Währungsversoll seinerzeit mitmachten, zweifellos zum Teil identisch sind mit den Kreisen, die hellte«ine Politik propagieren, die uns zu einem er- neuten, gleich katastrophalen Zusammenbruch in Deutschland führen müßt«. Izi der kritischen Zeit vor dem Zu- sammenbruch habe ich eine Unterredung mit Stinnes über das Währungsproblom gehabt, und dieser Hot mir«rNärt: „Tun Sie alle», damit wir zu keiner Stabilisierung der Währung kommen. Das wäre das größte Unglück für die Wirtschaft." Das war die Stimmung in diesen Kreisen. Stinnes hat bis zu einem gewissen Grade daran geglaubt, daß diese Inflation im Jntec- esse der Wirtschaft läge: denn viele Männer sind so geartet, daß sie ihre Wirtschaft identifizieren mit der gesamten d e u t- s ch e n Wirtschast, und aus dieser Einstellung heraus kann man es auch verstehen, daß diese Kreise auch«ine gewisse Katastrophenpolitik dabei in Kauf nehmen, wenn wir dadurch zugleich katastrophale Der- Hältnisse bekämen, wie sie Deutschland 1S23 erlebt hat. Glücklicherweis« haben wir uns von der katastrophalen Politik erholt, und es ist nicht wieder der Versuch gemocht worden, eine in deutschnatia- nalem Sinne derartig.zorschs" Politik zu treiben, die uns wieder an den Rand des Verderbens bringt." Mnisterpräsident Braun erwähnte dann die direkten Der- Handlungen der Deutschnationalen mit Frankreich und das er- strebte Militärbündnis, das Deutschland ein stehende» Heer von IM 000 Mann zusichern sollt«. Wenn die Deutschnationalen mit ihrer Verständigungspolitik Erfolg gehabt hätten, hätten wir minbesien» gleiche Leistungen zu zahlen, und außerdem hätte un» das vergrößerte Heer noch eine Milliarde gekostet. Eine weitere Hinausschiebung der Entscheidung über den poung- Plan würde eine riesig« Unsicherheit in die deutsche Wirt- schast tragen und am stärksten die erwerbstätigen Kreise belasten. Der wahre Zweck de» Voltsbegehren» ist es. der Republik den Garaus zu machen. Die ganze Aktion richtet sich gegen die Republik und war ursprüng- lich ganz anders gedacht. Man gönnt der Republik nicht die er- zielten Erfolg« und oersucht, dies« Erfolg« in Mißerfolge umzu- deuten und umzubiegen. In England hat sich kein konservatives Blatt gesunden, das nicht die Erfolg« Snowden» im Haag in vollem Maß« anerkannt hat. Lernen wir also au» der englischen Politik, die mit dem politischen Gegner kompft, aber auch, wenn er«inen Erfolg erzielt hat, diesen anerkennt. Theater am Gchiffbauerdamm. „Gefallene Engel" von Eowart». Vorbei die Tag« de» dspp)' end im Theater am Schiff- bauordamm. Da» Stück, das ein Jahr lang halten sollte, hielt kaum einen Monat. Die Phantasiearmut der Direktoren. Re- gisseur« und Dichter, die sich mit ihren Songlieferonten. mit ihren Dreigroschermusikern und sogar mit ihren Songplagiaten wieder- holten, rächte sich. Schon muß man Geist borgen— und von jenem Theater, gegen dos man die Kriegeposaune blies, vom Amüsier- thcater, das nicht für die Gesinnung sorgt. Noel E o wa r d soll die Elite vom Schissbauerdamm ousheiiernd unterhalten, Howard, der Lustspielplätscherer, der den Franzosen abguckte, wie aus der Bühne Ehen vollkmnmei, und Ginohe gebrochen werden, und der die weiße und die schwarz« Salon- und Halbwelt mit seiner hübschen und hohlen Konversation kitzelt. Also spielt man wieder die„Gefallenen E n g e l", die schon vor Jahren in Berlin zogen. S, ist ein Dreiakter mit einem sehr lustigen zweiten Akt. Julia und Jane, die vor sieben Jahren unter italienischer Sonn« und Hotelgemütlichkeit einem Pariser Don Juan ihre britische Unschuld opserten, haben als verwöhnte Gattinnen diesen etwas hitzigen Flirt fast vergessen. Run meldet sich der Pariser wieder und bringt Julia und Jane in die Trance der Er- innerung. Während ihre Gatten zum Golf vom Hause abgemeldet sind, warten die beiden Freundinnen auf Moritz, den Pariser, ver zweit« Akt ist der Akt des Warten». Die Ungeduld steigert sich zur Besessenheit, die Besestenheit zur Beschwipstheit, die Beschwipstheit verwandelt sich ins heulende Elend. Jone und Julia, eben noch so innig befreundet, wevden langsam, aber sicher zu olkoholisterten Hexen, die sich hassen und bsschimpsen und als da» entlarven, wo? sie wirNich sind: Weibchen, Weibchen, außer Rand und Bond. Sie kommen erst wieder zu sich, als es gilt, den legitimen Eheherren die klassisch« Zierde, die so kleidsamen Hahnreihörnlein, aufzusetzen. Die Komödie wird hauptsächlich für Carola Roher und Roma Bahn gespielt. Sie bilden nun allerdings kim entzückendes Ber- schvoörerduett. Frau 51« her ist die pfiffigst« Sirene, der e» auch nicht auf ein wenig Gemeinheit ankommt. Sie ist voll gesundester Grazie und erhöht die Lebensgeister der Zuschauer und Zuhörer von Szene zu Szene. Roma Bahn spielt die lyrische Partnerin. Sie ist ein wenig dekadent, und so ergänzt sich die Munterkeit der Frau Neher sehr schon durch die herbere Schlagfertigkeit der Frau Bahn. dt- it. Ein Tonfilm-Schwank. Universum. Richard E i ch b e r g. der tüchtige Regisseur von Lustspielen und Gesellschostsdramen, versucht sich mit dem Schwank„W e r wird denn weinen, wenn man auseinandergeht" zum erstenmal als Tonsilmregisseur. Da» Textbuch bringt bekannt« Echwanksttua Konen, etwas aus neuen Hochglanz poliert. Man kann fragen, ob es notwendig ist, höchst gleichgültig« Worte auf den Tonstreifen zu übertragen, und ob dadurch die Wirkung erhöht wird. Der Film hätte sicher auch einen starken Erfolg gehabt, wenn die Dialoge fortgefallen wären. Man hört Wort«, die man aus Bühnenschwänken älteren und neueren Datum» kennt. Der Erfolg des Films liegt in der Regie und in der Dar- stellung. H ö r b I g« r, Dina G r a l l a, Harry Halm und Szöke Sza kal l find filmisch und sprachlich gut. Ist es aber notwendig, daß der Tonfilm Dialoge bringt, die weder die Handlung steigern. noch sonst irgendwelchen Wert darstellen? Mängel des Manuskripte» treten beim Tonfilm stärker ol» beim stummen Film in die Er- scheinung. Abgesehen von den technischen Unzulänglichkeiten, die jedem Tonfilm anhosten, wird ein abschließendes Urteil über dies« Gattung erst möglich sein, wenn Schriststeller von Format einmal «in Tonsilmmanuskript schreiben werÄen. Dieser Eichberg-Film ist«ine nett« Unterhaltung. Man lacht, und dos Ist ja auch der Zweck eine» Lustspiels.?. 5. „Heilige oder Oirne." Marmorhaus. Ein unbekannter Manuskriptversasser arbeitet ein Drehbuch noch dem gleichnamigen Roman des Franzosen George Ohnet. Ein Mann steht zwischen.zwei Frauen, das üblich« Thema: Don Josi zwischen Carmen und Micaela. E» geht diesmal ohne Mord ab, denn noch der Eormen-Episode wird stramm Micaela geheiratet. E» wäre besser gewesen, wenn der Regisseur Martin Berger die Handlung in dem Kostüm der 70«r oder 80er Jahre hätte spielen lassen. Berger hat in seinem..Rasputin" bewiesen, daß er das Milieu einer entlegeneren Zeit sehr gut auszumalen oersteht. Das Kostüm hätte über Schwächen des Manufkriptbuches hinweggetäuscht. Die Hauptrolle spielt Moria Evrda glitzernd,«in blonder Bampyr, ohne aber in das übliche Schema zu verfallen.—4. t Llm das Enkelkind! Restraste Liebe einer Großmutter. Die Liebe zu ihrem En?elkinde verleitele Irau R. dazu, die IZjährige Elisabeth, die unter den Mißhandlungen ihrer Stiefmutter litt, zu entführen und vor den Eltern zu verstecken. Sie halte sich deshalb vor dem Schöffengericht Charlotlenburg wegen Kindes» entfüh�ung zu veranlworken. Die Tochter der Frau R. war bei der Geburt des zweiten Kindes g e st o r b e n. Die Großmutter erzog beide Kinder, bis der Dater zum zweiten Male heiratet« und zu ihrem großen Schmerze seme Kinder wieder zu sich nahm. Bald hörte sie, daß die neu« Mu. r nicht gut zu den Kindern war. Bekannte er- zühtk. ihr, daß das ältere Kind, die 13jährige Elisabeth, viel gsscholten und geschlagen wurde und daß es Selbstmord- a b s i ch t e n geäußert hode. Eines Tages brannte Elisabeth durch und lief von Wilmcrs- darf zu Fuß nach Werder. Sie wollte sich dort eine Stellung suchen und nie wieder zu den Eltern zurückkehren. Das Kind wurde aber von der Polizei aufgegriffen und auf Beranlaffung des Jugendamtes in ein Kinderheim gebracht. Die Großmutter, die über diese Lösung sehr froh war, besuchte ihre Enkelin dort regelmäßig. An einem Sonntag jedoch empfing sie von d«r Leiterin den Bescheid, daß der Vater dem Kinde verboten hatte, die Besuch« der Groß- mutter anzunehmen. Sie fürchtete, daß der Vater die Absicht hatte, das Kind, das sie nun nicht mehr sehen sollte, wieder nach Hause zur Stiefmutter zu nehmen. Sie faßt« das Mädchen eines Tages auf dem Schulwege ab und nahm es mit nach Hause. Als die Eltern und das Jugendamt Nachforschungen anstellten und die Wiedergabe des Kindes verlangten, versteckte sie es bei Ve- kannten. In der Verhandlung vor einigen Tagen hatte der Staatsanwalt gegen die angeklagte Großmutter 150 M. Geldstrafe bean- tragt. Dos Gericht gab Frau R. auf, den Aufenthalt des Kindes mitzuteilen. Zum gestrigen Termin brachte die Großmutter auch ihre Enkelin zur Verhandlung mit. Das Gericht entschloß sich, da die Angeklagte aus den denkbar edelsten Motiven gehandelt hatte, zu der geringsten zulässigen Strafe und verurteilte sie, die in besonders dürftigen Verhältnissen lebt, wegen Kindes- entführung zu einer Geld straf« von 3 M. Es ist erfreulich, daß die alte Frau milde, einsichtsvolle Richter fand und zu der geringsten zulässigen Strafe verurteilt wurde. Schwere Oelkeffelexplofion. Zwei Arbeiter getötet. harburg.wilhelmsbnrg, Z. Oktober. Zn den Koch-Oelwerken A.»G. explodierte gestern nachmittag im Maschinenraum ein Kessel. Der Deckel flog gegen die Decke, che zum großen Teil zerstört wurde; auch da» Ma» schinenhaus selbst wurde stark beschädigt. Sämtliche Fensterscheiben wurden zertrümmert. Zwei Maschinen» wärler kamen bei der Explosion um» Leben. Man fand sie völlig verkohlt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt auf. Der Feuerwehr gelang es nach großer An» skrcngung, den Brand auf seinen Herd zu beschränken, so daß nur das M-'fchinenhavs zum Teil zerstört wurde. Der Schaden ist erheblich. Das Kleinlustschiff vernichtet. Das K l e! n l u f t s ch i f f D kl K 2 7 der Raab-Katzenstein- Werke, das kürzlich in Magdeburg notlanden mußte wurde von dem herrschenden Sturm vom Ankermast losgerissen. Der in der Gondel befindliche Führer" Hinderlich aus Berlin vermochte abzuspringen, erlitt aber hierbei einen Schenkel- b r u ch. H. wurde in das Krankenhaus übergeführt. Das Luft- schiff stürzte in den Umflutkonal bei Magdeburg und wurde völlig zerstört. Bildfunk im Flugzeug. Zum erstenmal machte gestern die Deutsche Luft-Hansa gemein- sam mit der Deutschen Fultograph-Gesellschaft und der Berliner Funkstunde den Versuch, Wetterkarten durch Bildfunk in ein f. liegendes Flugzeug zu übertragen. Alle Versuche gc- langen glänzend. Die Wetterkarten kamen vorzüglich heraus. Der weitere Ausbau des Bildfunks ist für das Flugwesen von außer- ordentlicher Bedeutung. Anschließend an die Bildjendung fand«ine Besichtigung der Funkstation Tempelhof statt. Ei» Freispruch für Fahrer und Schaffner. Der Verkehrsunfall, durch den der Landgerichtsrat Sieg- m a nn auf dem Wege zum Kriminalgericht am 13. September v. I. schwere Verletzungen und eine Gehirnerschütterung erlitt, beschäftigt« das Amtsgericht B e rl i n- M i t t e. Landgerichtsrat Sieg- mann wollte in der Hohenstaufenstraße, Ecke Eifenachcr Straße, auf einen Avtobus der Linie 10 aufsteigen. Nach seiner Angabe betrat er den Wagen als Letzter und bevor er noch recht Fuß gefaßt hatte, klingelte der Schaffner, der oben auf dem Deck kassierte, ob, so daß er von dem Wagen heruntergeschleudert wurde. Der Wogen fuhr noch ein Stück weiter, ehe der Schwerverletzte bemerk: wurde. Wegen fahrlässiger Körperverlegung waren der Schaffner und der Fohrer des Autobusses angeklagt. In der Beweisaufnahme sagten jedoch einige Zeugen aus,' daß der Wagen auf dem nassen Asphält geschleudert hätte, so daß das Unglück durch eine plötzliche S chl e u d e r b« w e g u n q snt- standen wäre. Da den Angeklagten eine fahrlässige Handlung nicht nachzuweisen war, wurden sie mangels Beweises freigesprochen. Nette Leute! Ein Arbeiter sah in der Leinestraße in Neukölln ein herr«n- loses Auto stehen, und da er nach längerer Zeit nirgends einen Fahrer oder Wächter entdecken konnte, machte er der zuständigen Verkehrsbehörde tel«phonisch Mitteilung und erfuhr durch Angabe der Wagennummcr den Namen des Besitzers, Heinrich H. Klüssendorf, Werkzeug«, Präzisions-Massenfabrikation und Feinmaschincnbau, Berlin N. 65. Gerichtstraße 23. Er telephonierte der Firma, die ihm mitteilt«, daß sie das Auto abholen lassen würde. Dies geschah, und damit war offensichtlich für Herrn Klüssendorf die Angelegenheit erledigt. Denn er ließ nicht mehr von sich hören. Der Arbeiter wandte sich nun an die Firma und fragte an, ob nicht ein Anspruch auf eine klein« Gratifikation berechtigt sei, oder ob nicht zum mindesten die Telephongespräche und die zwei Stunden verlorene Arbeitszeit zu ersetzen wären. Er erhielt dieses Schreiben: „Herrn...... Ich smpfing Ihr Schreiben vom 23. d. M. und bedaure außerordentlich, daß Sie wegen meines Autos zwei Stunden Ihre Arbeitszeit versäumt haben. Ich bin der Ansicht, daß das Auto auch ohne Ihre Hilfe ge- funden worden wäre und bin daher nicht in der Lag« Ihnen«ine Belohnung zuzahlen. Jmm«rhin stelle ich Ihnen anHeim, sich mit meiner Versicherung der Firma Alfred Weymann. Friedrich- straße 5/6 in Verbindung zu setzen. Ich glaube aber kaum, daß Ihnen diese Firma etwas zahlen wird. Hochachtungsvoll ... gez. Heinrich H. Klüssendorf." Ein netter, feiner, anständiger und sympathischer Mann, dieser Herr Heinrich H. Klüssendorf, Werkzeuge, Präzisious-Massen- fabrikotion und Feinmoschinenbau, Berlin N. 65, Gerichlstraßc 23! Winterruhe im internationalen Flugpostdienst. Im Oktober und November werden die während der Sommer- monate von der Lufthansa eingerichteten internationalen Luftpost- linien zwischen Berlin— London— Paris und Stockholm eingestellt werden. Die Linie Paris— Berlin wird bis zum 28. September, die Verbindung Stralsund— Stockholm bis zun: 12. Oktober und die Route Berlin— London bis zum 15. November durchgeführt werden. Nach diesem Zeitpunkt wird die Post nicht mehr im Sondcrdienst, sondern i;ur noch mit den fahrplanmäßigen Maschinen der Lust- Hansa befördert werden. Im nächsten Frühjahr hofft man da» Luftnetz erheblich zu erweitern und besonders die Anschlüsse nach dem Balkan herstellen zu können. Spitzenmesse im Zoo. Im Marmorsaal des Zoo findet in diesen Togen bis zum 6. Oktober die Fünfte deutsche Spigennieise statt. Da liegen sie, all die zierlichen Gebilde kunstvoller, mühseliger Fingerfertigkeit. Decken und Läuscr in verschiedenen Größen und Formen, Kissen- platten und Wäschestück«, Gardinen, Täschchen und all der klcino Zierat, den geschickte Hände fertigstellen. Den Hauptteil der deutschen Spitzenfabrikation liefern die Handorbeitsschulen und die Hausindustrie im Erzgebirge, in Sachsen, Thüringen und Bayern. Wahre Wunderwerke in Filet und feinster Klöppelarbeit, in Wickclaiour und Richelieuslich gibt es da zu sehen. Man darf nicht daran denken, wie mühselig und unter welch traurigen wirt- schostlichcn Verhältnissen all die schönen Luxusgegenstände zustande kommen; hier liegen sie und breiten eine Welt des Wohllebens und der Freude um stch aus. Noch ein Derkaufsstand ist es, der ganz be- sondere Beachtung verdient: der Stand der Körperbehinderten. Da steht ein zierliches, handgemaltes Töpfchen, das aber seine Bezeich- nung nicht zu Recht trägt. Ein junger Mensch, der in seinem 19. Lebensjahr beide Arme verlor, hat es in mühseligster Arbeit mit dem Munde gemalt. Zierliche Häkelarbeiten, lustige Schwäne als Eierbscher, mit den Füßen hergestellt, Wäschestücke, Malereien, olle- entstand in zähem Fleiß und eiserner Energie auf ganz absonderliche Art und Weise. Ferner gibt es gedeckte Tische, darunter einen lustigen„Dreigroschentisch", wo wirklich„der Kamm auf der Butter" liegt und ein gestörtes Stelldichein in der schummrigcn Nische mit einem zerfetzten Liebesbrief, abgebrochenem Spazierstock und weiteren corpus delicti. Eine Spitzensammlung zeigt interessante Spitzennrbeiten deutschen und italienischen Ur- sprungs aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Wetter für Berlin: Vorwiegend trübe und regnerisch bei wenig geänderten Temperaturen und frischen westlichen Winden.— Für Deutschland: In der nördlichen Hälfte Fortdauer der regnerischen Witterung, im Süden vorwiegend trübe und wärmer als im Norden des Reiches.»» � f Vol Donnerstag;, 3. Oktober. Berlin. 16.30 Kammermusik.(Schubert-Quartett: Teres« PetTko-Schabcrt, I. Violine, Gertrud WaUer-Kurtu, 2. Violine, Jaga Stein, Viola. Lore Winkler. Cello.) 17.30 Martin Beheim-Schvarzbach liest eigene Dichtungen. Anschließend Wcrbcnachrichten und Mitteilungen des Arbeitsamtes Berlin-Mitte. 18.15 Spanien imitiert, Spanien echt.(Pilar BcIIo, Bori Torrcs und Luis Barsoni. Am Flügel: Awiasaw Bernstein.) 19.00 Tierfreunde und liui desperrc. Der Hundebesitzer: J. Rügheimer; Der Tierarzt: Dr. Erwin Heilborn; Der Vorsitzende des Deutschen Tier- schutzverclns: General von Kuhlwein. 19.40 Pat und Patachon(Bildfunk). 19.50 Pat und Patachon stellen sich vor. 20.05 Inhaltsangabc und Personenverzeichnis zu der nachfolgenden Ucbcr- tragung. 20.15 Programm der aktuellen Abteilung: Berliner Theater. II. Metropol- Thcatcr(Uebertragung)...Marietta". In fünf Bildern von Sascha Gnitry. Deutsch von Alfred Grünwald. Musik von Oskar Strauß. Künstlerische Gesamtleitung: Alfred und Fritz Rottcr. Dirigent: Der Komponist. Regrc: Fritz Friedmann-Frcdrich. Nach den Abcndmcldungen bis 0.30: Tanzmusik(Kapelle Gerhard Hoffmann)» Königswustcrhauscn. 16.30 Nachmittagskonzert von Berlin.# 17.30 Dr. Ernst Weiß: Heinrich Heine, Dichtungen in Prosa(Rezitation: Eis« Beyer). 18.00 Dr. Günther Wehenkel: Deutsches Genossenschaftswesen in Osteuropa, 18.30 Gertrud van Eyscren, C6sar Mario Alficri: Spanisch für Fortgeschrittene, 18.55 Hofbesitzer Wachlcr: Die Ernte der Zucker- und Futterrüben. 19.20 Dr. Grünbaum: Rationalisierung im Einzelhandel. 20.00 Von Leipzig: Joh. Scb. Bach: Die Kunst der Fuge. 21.30 Wilhelm Schäfer aus seinem Buch„Anekdoten", Anschließend bis 0.30 Uebertragungen von Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Franz KlLH«, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Perlag: Vorwärts Verlag G. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 1 Seilage. TIBI. 2 Vorstell. 5 ob*«'/? Ulu _ Bat kamst 9256 Unsere neuen Preise: Woekenlcjs 5 ükr SO Pf. bis 3 Mark «91. 9'/?e-»onnt. S ükr 1 bis 6 Merk Charlie Rivel, 3 Whlrlwinde, Long Tack Sam usw Berliner Ulk-Trio Naukölln.«v Lihutr.74/7fil GROSSES SCHAUSPIELHAUS tigL S Uhr SBhisMim Regie: ERIK CHARELL Gesaml-Aossiatinflg; Pral. trast Starn. 3 Uhr Sonntag nachmlttaa ungek. halbe Pre a Renaissance-Theater Tätlich»>/. Uhr STEMPELBRUDER Schauspiel von Ouschinsky. Regie: Oust. Härtung. �teinoiit: C 1. 0901 11. J683/M. Kleines TheaL Merkur 1624 Täglich«Vi Uhr A!ax Adalbert als Nanle am Flügel Rudolf Nelson Theal d. Westens Täglich SVi Uhr Sonnab u. Sonntag 4 und SV* Uhr Der Wellerfolg Friederike Musik von Fraa* Lehar VoiKsbttbite nnitw anUlawiiliti Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin Staatl. Sdiiller-lli. 8 Uhr Der Kaulmann von Venedig Pisealtr- Bflhne 8 Uhr DerKaormann von Berlin Direktion Dr. Roberl Klelv Deutsehes KOnstler-Theal Barbarossa 3937 «Vi Uhr Die andere Seile BerlinerMer OönhofflTO«Vi U. Zwei Irawatien von Georg Kaisei Musik Spoliänskv Planelarmm mmmm am ZOO Iirliav Jndiintlulir llnli B.5 Barbarossa«?« 16V« Uhr Herhtl- abendt am Sleraen- himme) ISVi Uhr Bit in dl« Qrenzan der Welt 20"i Uhr Rätsel des Sterneiilleiites rägl.auüer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder SO Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf, Kinder 25 Pf. Vorverkauf auch im Pavillon der Rein- hardtbühnen. Kurfürstendamm. Ecke UhiandstraBe Bismarck 418/449 Deatsdies Tlteatu D.I. Norden 12 310 BU, Ende gegen 11 Die Fledermaas Musik v.Joh. Strauß Regie; Max Reinhardt. Dirigent E.W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Kammerspiele 0.1. Norden 12 310 SV«, Ende gegen lOVs Der Komödie von G6raldy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie J1 Bismck. 2414/1516 «Vi Uhr Ende geg. 10V» Uhr Koinoriade Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Enge 1 Tkui.asiKotai.Ter Kottbusser Str. 6 rägl.«Uhr auch Sonnt. nachm. 3 U. Eiue- Stüter Der doppelte Alwin„Ein Veit- re ord d- Lach." Lastsplelhaas Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich«Vi Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank I Rose- Theater, Gro�eFrankforierStr. ISZ. BfUetfkasse: Alexander 3422 Täglich 8.1S Uhr Die Weber von Gerharl Hauptmann Jeden Mittwoch 5.00 Uhr Das taplere schneideriein jeden SoBnabend 5.00 Uhr und jeden Sonniag 2.30 Uhr Schneewittchen 25|s Schiller. __«aaiSViU, 5. n. 6. Oktober 2 Loitige UMe. Jlarcell SALZER Kart: M. 3.-. 2.-. I.—. Schilier- theater, Bote u. Bock, Wertfleün u. telephon. 10-2 Lichterfd.— JE Metropol-Th. Tägl.«Vi Uhr Marieffa Uislk v. Oskar Straes Käthe Dorsch Michael Dohnen Lessing-Tbesler Norden 10846 Gruppe fantfer Schauspieler Täglich S»/4 Uhr Cyankall I 218 von FrtwirM Wall «arnowsky-gBinen fheatar in dnr <1iii|grltnr StraB. «Vi Uhr ttannibalaote Portas Komtidlenhaus Täglich 8Vj Uhr siDddltlieiteo Lustspiel von Julius Berstl Sporl-Stestauranl Canltaitslraße(fixer) Alfred OgpaUki 09»»««s««•••••••••assssss Kaufhaus Max Cohn (Inhaber Georg Hirschfeld) GrUnstr. 23-24 KÖPENICK am SchloOplatz Das Haus der guten Qualitäten »««SSSOSOSOGSAS» »-Uhr CASINO-THEATER»■' _ LolhriBdcr Strahe 37. Uhr Unwiderruflich nur bis 3. Oktober Wem gehört mein mann! Freitag, den 4. Okiober zum I. Male Wertagie Hochzettsnacmt Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M.. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Reichshalien-Thealsr� Abends Sonntag nachm. 3 Des groüen Andrangs wegen immer noch das Fest- Prog ra m m mit der ulkigen Schluss-Revue: Bei de Stettiner' BillettbesL Zentrum 112 63. E- önfvoff- Breti Varlnt»— Tanz— Konzert. PfaxlsdiadiedCo. Fachgeschäft für Bandagen und Krankenpflege-Artikel Bln.-PanKow.Wollanhslr.l 28 Fernsprecher; D 8 Pankow 2779 Lieferant der Krankenkassen Eigene Werkstatt Klubsessel o. Solas teilt». Li« 50 /pro*, herabflef., RieltneuswaHl v P o l-fl ermöheilabrit ll.tjUUUuUl Schöneberg öauotftr.lüt »olkftr 44, S«e,Iih Aidrechlltr. 101 Schwerhörige bdren soion wieder mit dem ärztlich emDfohlenen OBiai-Ui- AHUSTIH- APPABAT mit nenesiem Hielnhbrer. — Noch Besseres gibt es nicht!— DeDlsdie Äkustik Gesellsdiaft iü. b. H. Aelteste u. führende Speziallabrik Verkauf u. Vorführung: Beriin-Wiimeraiiort, motzstr. es Bln., Kiosterstr. 7». Emg. sninerttr. RMnmendon-os:,«rienzer Str. 4 Verl. Sie Hauptkatalog 16 kostenlos! Aul Wunsch Zahlungserleichterung (Beilage Donnerstag, 3. Oktober 1929 SprftbmD Sfialaul�a�e xfa Stresemann im Haag. Der letzte Dampf des Todeskandidaten. Anfang Juni hatte Strefemann die weite Reife nach Madrid angetreten. Wir hielten es zunächst für Wohnsinn, daß ein offen- kundig schwer kranker Mann diese 2>XX) Kilometer lange Reise nach der spanischen Hauptstadt unternehme, zumal im Monat Juni, wo Madrid zum Backofen wird. Dennoch bekam ihm dieser Aufenthalt im Süden überraschend gut: gerade auf sein Hauptleiden, eine schwer« Nierenkrankheit, übte die drückende, trockene Hitze Spaniens eine sehr heilsame Wirkung aus. Deshalb sollte das Ziel seines nächsten Winterurlaubes das noch heißere Aegypten sein. Jedenfalls war es gerade der kranke Stresemann, der unter den Deutschen auf der Ratstagung jn Madrid die Strapazen und das Klima scheinbar am besten vertrug. Freilich hat er auch damals seine Kräfte überschätzt, als er, um einer Bitte sowohl der spanischen Regierung wie der deutschen Kolonie in Barcelona zu entsprechen, auch noch der dortigen Weltausstellung einen kurzen Besuch abstattete. Einschließ- lich eines nur halbtägigen Aufenthalts in Paris, bei dem er wichtige Besprechungen mit Briand und Poincare zur Borbereitung der Reparationskonferenz hatte, betrug die Reisedauer von Madrid über Barcelona und Paris nach Berlin rund 72 Stunden, davon drei Nächte hintereinander im Schlafwagen. So klagte er bald nach seiner Ankunft in Berlin über heftig« Schmerzen und sah wieder einmal elend aus. Geistig war er freilich noch vollkommen auf der Höhe und gerade seine letzte Reichstägsrede am 24. Juni, in der er mit den Deutschnationalen vernichtend abrechnete, vor ollem mit Hugenberg— der lieber„ein paar Jahre Proletarier" sein wollte— und dessen skrupellose Agitation er unter dem stürmischen Beisall von zwei Dritteln des Hauses brandmarkte, zeiKe ihm scheinbar in besserer 1>urlanientarischer.Form" denn je. Aber nach dieser glänzenden ooatorischen Leistung war er physisch wieder einmal vollkommen fertig. Er trat unmittelbar danach einen Erholungsurlaub im Schwarzwald an und kehrte erst kurz vor dem Beginn der Haager Konferenz nach Berlin zurück, um mit dem Kabinett die einzuhaltend« politische Linie zu vereinbaren., Als wir deutsche Presseberichterstatter Gustav Stresemann An- fang August im Haag wiedersahen, gab es in unseren Reihen nur einen Ausdruck des Entsetzens:„Das ist ein Todes- k a n d i d a t!" Selbst der medizinische Laie mutzte beim Anblick dieses Mannes erschrecken, der buch st üblich wie ein leben- der Leichnam aussah: die natürliche Blässe seiner Gesichtsfarbe hatte jene Mattigkeit angenommen, die man sonst nur bei Toten findet. Die durch die Nieren- und Basedow-Krankheit hervortretenden Augen waren glanzlos and an gewissen Tagen vollkommen blut- unterlaufen.' Im geselligen Verkehr blieb er jedoch der Alte, ein unermüdlicher, gutgelaunter Plauderer, der über jede amüsante Anekdote, über jeden guten polttischen Witz, selbst wenn er aus seine eigenen Kosten ging, herzlich lachte, und seinerseits mit solchen witzigen und bissigen Er- Zählungen nicht kargte. lind doch: die Verschlechterung seines Gesundheitszustandes machte sich immer wieder bemerkbar. Es ist kein Zweifel daran, datz die fast vierwöchigen Haager Berhandlungen, die selbst gesunde Menschen mit starken Nerven schwer mitgenommen haben, ihn physisch und noch mehr seelisch aufgerieben haben. Es muß hier ausgesprochen werden, weil es der Wahrheit entspricht, 'ttach dem SlntriU in den tölkerhund. daß das Verhatten Driands in den ersten drei Wochen der Konferenz auf seinen psychologischen und damit auch-auf seinen gesundheitlichen Zustand verheerend wirkte. Seit Locarno und vor allem seit Thoiry waren die Beziehungen zwischen den beiden Außen- minister» ausgezeichnet, sie hatten zueinander weitgehendes Ber- trauen, lim so stärker mußte Stresemann durch die Art, wie Briand im Haag bindenden Zusicherungen in der Räumungsfrage konsequent auswich, um dann lächerliche Räumungstermine zu nennen, entmutigt Auf der SCaager Jionferens. sein. Bei aller inneren Wut, die er über dieses Verhalten seines Partners empfand, brachte er es immerhin fertig, ein Uebermaß von Objektwität hinsichtlich der schwierigen innerpolitischen Lage Briands an den Tag zu bringen. Jn Besprechungen mit der deutschen Presse wies er darauf hin. daß der Außenminister eines sieg- reichen Deutschlands nicht weniger gegen die Fricdenssabotage eines Ludendorfs zu ringen haben würde als Briand im Kampfe mit G u i l l a u m a t. Darüber hinaus neigte er unter dem Einfluß von Briand und Loucheur immer mehr zu der Auffassung, daß letzten Endes Snowdcn und die britische Treasury an allem Schuld seten, denn ohne Englands finanziell« Forderungen wäre ja die Konferenz glatt verlausen und die Räumung des Rheinlandes gesichert. Ueber diesen Punkt gab es zwischen ihm und einigen deutschen Berichterstattern auf mehreren Pressekonferenzen im Rauchsalon des Oranje-Hotels lebhafte, ja zu- weilen heftige Auseinandersetzungen... Aber niemand nahm Stresemann seine Temperamentausbrüch«— die übrigens stets nach ganz kurzer Zeit wieder vergessen waren— übel. Im Gegenteil: gerade jene, gegen die sich fein Zorn richtete, empfanden unbegrenztes Mitleid mit dem Mann, der als offen- kundiger Kandidat des Todes einen so schweren, verzweifelten, ja heroischen Kampf um die Befreiung und den Wiederaufstieg Deutschlands führte. Was uns besonders erschütterte, war das von ihm selbst ungeahnte, aber für jeden aufmerksamen Zuhörer auf- fallende zeitweilige Aussetzen seiner Gehirn- funktionen. Er, der sonst so flüssige und sichere Redner, konnl« manchmal ein einfaches, tausendmal gebrauchtes Wort wie„Fest- stellungs- und Verföhnungskommission" nicht finden, sondern suchte, rang mit sich selbst, stotterte, bis einer ihm zu Hilfe kach und er selbst schmerzlich darüber lächelte. Oder er regte sich darüber auf, daß man eine Frage auswarf, obgleich er sie am Tage zuvor selber als erster zu unserer Kenntnis gebracht hatte. Und da wußten wir: es ist nicht mehr allein das Nierenleiden, das an ihm nagt, sondern in viel höherem Maße noch die Arteriosklerose. Der Schlag- a n f a l l lauerte auf ihn... Als die Konserenzaussichten immer trüber schienen und er nun durch einen deutschen Vorstoß Klarheit zu schaffen versuchte, war das erste Ergebnis dieses Schrittes ziemlich negativ. An diesem Abend schien er am Ende seiner Kräfte. Er, der grundsätzliche Opti- mist, der seine letzten physischen und geistigen Reserven ins �zeuer geschickt hatte, um das deutsche Gebiet vom fremden Militär zu be- freien, sah dieses Ziel abermals dahinschwinden. Jn der Heimat die grinsende Fratze seiner nationalistischen Gegner, die auf seinen Mißerfolg hofften, und die seine Rückkehr mit leeren Händen mit Triumphgeheul und Hphn begleitet hätten. Jtr später Abendstunde äußerte er vor seinen engern Mitarbeitern zum erstenmal ernsthafte Rücktrittsgedanken. Als ich davon erfuhr und dies ver- traulich dem sozialdemokratischen Parteivorstand. mitteilte, erkannte man in Berlin sofort die ungeheure Tragweite eines solchen Schrittes und beschloß, Rudolf Breitscheid nach dem Haag zu entsenden, um Stresemann von seiner folgenschweren Absicht abzubringen. Schon am nächsten Abend war der sozialdemokratische Fraktions» Vorsitzende im Haag und es gelang ihm, von Stresemann das per- sönliche Versprechen zu erwirken, daß er auf seinen Posten verharren würde, wie auch die Konserenz ausgehen möge. In letzter Stunde, fast unverhofft, kam die Wendung. Henderson drängte Briand im Sinn« eines bindenden Näu- mungsversprechens, während Snowden den größten Teil seiner Forderungen durchsetzte. An einem Vormittag dauerte die Sitzung unverhältnismäßig lange. Plötzlich erschien Stresemann an der Schwelle und berief die deutsche Presse zusammen. Mit letzter Kraft — man hatte fast buchstäblich Tag und Nacht seit 48 Stunden verhandelt— teilte er die geschichtliche Tatsache mit: die feste Verein- barung über die Räumung bis spätestens 30. Juni. Man merkte ihm den inneren Stolz über diesen größten Erfolg seiner Minister- laufbahn an,, aber er kommentierte ihn nur kurz, zumal die Zeit für uns Journalisten drängte. Nur ganz wenige Worte besonders herz- licher Dankbarkeit und Bewunderung für Henderson, dem der Räumungsbeschluß in erster Linie zuzuschreiben sei. efemann im Sireis Seiner Samilie. Am nächsten Tag lud er die gesamte Delegation— Minister, Stenotypistinnen und Boten— sowie die deutsche Presse zu einem Abschiedsfrühstück«in— für die meisten sollte es ein Abschied von ihm fürs L« b en sein! Victor Schill. �eichsirauer für Stresemann. Halbmast bis Sonntag. Der Reicheinnenminister hat aus Anlaß des Todes Stresemann» angeordnet, daß aus allen amtlichen Gebäuden bis einschließlich Sonntag geflaggt wird. Es gilt nunmehr als sicher, daß das Rcichstabinett heut« noch- mittag das Staatsbegräbnis für Dr. Stresemann beschließen wird. Di« Beisetzung erfolgt auf dem alten Luisenstädtischen Friedhof an der Bergmannstragc, und zwar nicht vor Montag: die Einzelheiten der Beisetzung wurden heule mittag in einer Besprechung zwischen Reichsminister Scvering, Staatssekretär Zweigert und Rcichskunst- wart Dr. Redslob besprochen. Es ist danach anzunehmen, daß chie sterbliche Hülle Dr. Strescmanns im Plcnarsitzungssaal des Reichs- tags, der Stätte seiner langjährigen Wirksamkeit, aufgebahrt wird. Vor der Beisetzung wird dann im Si�ungssaal eine große Traucrkundgebung stattfinden. Bevor der Wagen mit dem Sarko- phag sich in Bewegung setzt, werden voraussichtlich am Reichstags- gebäude die letzten Abschiedsworte gesprochen werden. Die Bei- setzung auf dem Friedhof wird, nur im Beisein der Familienmitglieder und der cnasten Freunde des Verstorbenen erfolgen. f�oman von UlaK ßarikel (10. 5ortfcfeunfl.) Das bißchen Gluck, wenn es gut war, bestand dann, im Monat sechs- oder siebenmal eine dumme, stumme und irrsinnige Neben- rolle zu spielen, aus Sektkelchen nichts als Wasser zu trinken, aus- gelassen durch die fatalen Kulissen einer vorgetäuschten Landschaft zu springen, als Tanzgirl in einer hirnlosen Geschichte die Beine zu werfen und in den Augenblicken, in denen das grelle Licht flammte und die Kamera de» Operateurs abschnurrte, ein glückliches, trauriges oder dämonisches Gesicht zu machen, das schmerzhafte Strahlen der Lampen zu vergessen und immer nur an das ein« zu denken: wie falle ich auf, wie mache ich mich bemerkbar, wie überzeuge ich den Regisseur, daß ich begabt bin. Viele der Mädchen wären auch nackt ausgetreten. w«nn darin eine Chance bestund«. Sie hatten den schwierigen Weg durch die Vergnügungsindustrie hinter sich und wenn sie dann in obskuren Filmen als kleine Girls halbnackt austraten, da hatten sie schon eine Chance. Da strömten aus den Ateliers viele Männer herbei und besahen sich das Spiel. Und aus der erotischen Situation ergab sich manchmal diese oder jene lohnende Verbindung. Die Filmleute aber waren von der Liebe, wenn man es noch Liebe nennen darf, übersättigt. Sie waren an nackte oder halb- nackte Frauen und Mädchen gewöhnt. Wohl suchten sie ost das Neue, aber sie mußten es heimlich tun, denn sie waren meistens in festen Händen, in festen, nervösen Fraucnhänden, di« auch einmal nach dem Ruhm der Bilder und nach den krachenden Lichtüber- fällen gegiert hatten und nun ihre Stellung mit allen Mitteln ver- teidigten. In den Ateliers gab es viele Intrigen und Verschwörungen. Hinter den geschminkten Gesichtern, die so süß lächeln konnten, lauerten Erbitterung und Haß. Lustspiele wurden über Nacht zu schauerlichen Tragödien. Aus den Tragödien sprangen manchmal kreischende Skandale. In diese Umwelt kam die kleine Marianne Hull, und weil sie sich nicht vordrängt«, als die Arbeit zu vergeben war, blieb si« un- beachtet sitzen. Georg sah bei den Männern auch den Kampf im Dunkel. Auch bei den Männern spielten sich die Kämpfe um das nackte Leben ab, aber diese Kämpfe waren beherrschter als bei den Frau«n und Mädchen. Vielleicht war bei den Männern die Be- sessenheit zum Film nicht so heftig und leidenschaftlich, bei den Männern wurde das Gefühl durch das Gehirn kontrolliert. Di« Männer kannten di« Welt und ihre tyrannischen Gesetze, Gesetze der Männer, viel besser als die Frauen und Mädchen. Georg kam für einige Minuten zu Marianne herüber und war guten Mutes. Er berichtete strahlend von einer guten Verbindung, aus der auch für sie etwas werden konnte. Er war für einen Artistensilm cngagi«rt worden. Und wer war der Hilfsregisseur? Georg lachte. Der Hilfsregisseur war der Herr Rcinacker, der Mann mit-den Seelöwcn, der nun die edle Komparserie bändigte und vorsichrte. Und er hätte versprochen, sich auch um Marianne zu kümmern. „Wir sollen den Reinacker einmal besuchen, Marianne. Er wohnt in Wilmersdorf und sagt, ich sei ein Narr, weil ich nicht zu Lyssander gehe. Er meint, Lyssander könne viel für uns tun. Er ist nämlich mit dem Direktor Kreß von d«r„Lux* liiert. Ich habe Reinacker deine neuen Bilder gezeigt. Sie haben ihm gut gefallen. Er sagte, du hättest ein Filmgesicht." „Das weiß ich," antwortete das Mädchen,„aber bis jetzt hat cs kein Mensch, der Arbeit zu vergeben hat, gemerkt. Lyssander, Lyssander, immer höre ich Lyssander! Er ist wohl ein Gott, der Herr Lyssander?" „Nein, vielmehr ein Götze, dem man Weihrauch opfern muß, Liebling. Aber wir gehen nicht zu dem Kerl, wenn du es nicht selbst willst. Was meinst du aber wegen Reinacker?"» „Gut. Wir werden ihn besuchen." „Also schön, nächst« Woche..." sagte er und sah sich um.„Bei euch ist aber viel Betrieb, eine Schönheit neben der anderen. Und wo geht es denn dahin?" fragte er und zeigte auf die Tür nach dem Nebenraum. Das Nebenzimmer antwortete selbst, es antwortete stumm, drei olle Damen kamen müde und verdrossen aus dem.Raum und ver- ließen die Börse. Georg sah ihnen herzlos und spöttisch nach und verschwand wieder zu den Männern. Dort spielt« er mit einem jungen Mann, der große Ziele hatte und Chaplin kopierte, eine Partie Schach. Marianne blieb bei den Mädchen, saß und wartete. Der leichte Lärm der Unterhaltung schlug seine Brandung durch den Raum und erstarb, wenn ein Regisseur kam. Einig« Mädchen, die engagiert wurden, verließen das helle Zimmer, neue Mädchen tauchten auf, Marianne saß bald nicht mehr allein, sie kam mit einigen Kolleginnen ins Gespräch. Ja, sie lernte die Abgründe der ihr neuen Welt immer besser kennen. Berlin. Berlin! Stadt der vier Millionen! Stadt aller Wünsche und Begierden, aller Hofs- nungen und Enttäuschungen, gewaltige Stadt der Arbeit und Maschinen am Tag und abends und nachts das dröhnende Schweigen und Sausen eines anderen Daseins! Berlin, Stadt oersteinerter Straßen und Wohnbezirke, in denen die jungen Mädchen blumen- hast blühen. Was füx Blumen entfalten sich der kleinen Marianne in der letzten Stunde, in der sie immer noch auf Arbeit wartet? Sie kam mit einigen jungen Dingern zusammen, die auch in der Konfektion beschäftigt und wie lebendig gewordene Modepuppen der gleißenden Schaufenster in den großen Warenhäusern waren, Mädchen, di« nur aus gutgewachsener Figur und schönen, schimmern- den Beinen zu bestehen schienen und die als gelegentliche Manne- quinz auftraten. Das war auch beinahe so piie di« Komparserie im Film: für zehn oder zwanzig Mark tänzelten sie in den Mode- jalons, trugen kostbare Kleidung und waren manchmal für ein Copyright 1929 by„Der Bücherkreis G. m b. H.u, Berlin SW 61 Abendessen zu kaufen, sie traten in den Casc« auf oder stolzierten von einer niedrigen Bühne mit ewig lächelnden Gesichtern durch die Reihen der Kauflustigen und wurden von den Damen kritisch, von den Herren lüstern betrachtet, mußten sich in den Hüften wiegen, die weißen Zähne blecken und immer heiter sein. Hinter den glatten Stirnen aber war ost Schwermut. Die Welt war schon lange keine Welt der Männer meht. Auch die Frau mußte ins feindliche Leben, und es gab unter den Kam- parsen kleine Statisten, die überhaupt nicht qiehr auf di« Börse kamen. Sie suchten auf eigene Faust das Glück. Wenn sie irgendwo einmal«ine kleine Rolle gespielt-hatten, ipnn sie irgenbeiitmal bei einer Großaufnahme des Stars mit ausgezeichnet wurden, wenn auch nur als unscharfer Schatten hinter der Heldin, dann nahmen sie diese Bilder und klapperten auf der Friedrichstraße alle Film- gesellschaften ab. Si« kamen nie bis ins Prioattonlor von Kreß oder Lemansky, aber sie kamen in die Vorzimmet, wo die Operateure und Hilfsregisseure saßen, und diese Bekanntschast schon vermittelle diese oder jene neu« Ausnahme. Und sie waren auch schon zu- frieden, wenn sie mit dem Gehilfen de» Hilfsregisseur? eine Tasse Kaffee trinken durften. Dann gab es noch Mädchen, die sich mit allen Mitteln, mit allen Kniffen den Filmleuten einfach anboten und sich lächelnd hin- gaben, um überhaupt einmal im Licht einer Aufnahme zu stehen. Der Film war die große, berauschende Faszination. Der Umweg über das Schlafzimmer wurde zu einem pfeilgeraden Wege zum Ziel. Marianne hatte, als sie in Konstanz für das Theater schwärmte, einmal ein Buch gelesen, in dem die Geschichte des deutschen Theaters beschrieben wurde. Und als sie nun heute all« diese Geschichten hörte, wußte sie, daß es beim Film noch oft so ist, wie es damals vor zweihundert Iahren beim deutschen Theater war, als der Pickelhering, die Käuflichkeit und di« Berkäuflichkeit triumphierten. Sie lernte ein Mädchen kennen, das als„Die Schöne" berühmt war.„Die Schöne" stammte aus gutem Haiis«. Ihr Vater war Geheimrat, hielt auf strenge Zucht und verlangte, daß die Tochter abends um neun Uhr zu Haufe war. Sie kam auch jeden Abend nach Haufe. Aber manchmal kam sie doch nicht. Sie blieb, wenn ihr«in Gagenzettel für zwanzig Mark ausgeschrieben wurde. Da blieb sie bis zum frühen Morgen„zur Nachtaufnahme".„Die Schöne" war achtzehn Jahre alt und von jener tausendmal un- persönlichen Schönheit, wie sie Amerika propagiert. Und der Herr Vater, der Geheimrat? Er lächelte, wergi am frühen Morgen seine Tochter eben durch den Gagenzettel und durch das Feuer ihrer Augen ihm ihre glühende Hingabe bei dem Spiel bewies. Das war„Die Schöne". So war die Welt. Es gibt Augenblicke und blitzschnell« Sekunden, die einen Menschen im Nu verändern und umprägen können. Diese Menschen behalten ihre alten Gesichter, ihre unschuldigen Stirnen, ihre schönen Augen, aber hinter den Stirnen, hinter den Augen wachst ein neues Gesicht. Auch der kleinen Hull wuchs hinter dem alten Gesicht in jener Stunde ein neues Gesicht. Sie wußte wohl, daß es auch viele Filmgesellschaften gab, die sich von den Sklavenmärkten de» willigen und billigen Fleisches fernhielten, die jeden Hilfsregisieur auf die Straße setzten, der seine Macht mißbrauchte, aber diese Wissenschaft war für sie kein Trost. Si« dachte an Lyssander. Sie ahnte endlich, daß der Film vor allen Dingen«ine Industrie ist und meistens weiter nichts als eine Fabrik zur Herstellung einer be- stimmten Ware. Und die erotischen Situationen ergaben eben jene Zwischenfälle/ wie sie auch in den Fabriken, wo viele Mädchen be- schäftigt sind, an der Tagesordnung und Nachtordnung stehen. Die kleine Hull mit dem neuen Gesicht lächelte nicht, als„Die Schöne" ihre Geschichte erzählte. Sie lächelte erst, als sie von den Vierzehnjährigen und Fünfzehnjährigen hörte, die auf der Friedrich- straße gelenkig die vielen Etagen emporstiegen, um den Direktor oder den berühmten Regisseur zu sprechen, die ganz kalt und be- rechnend sind und die Wege zum Ziel kennen. Als„Die Schöne" von den halbwüchsigen jungen Dingern erzählte(wie um ihre Nachtaufnahmen zu rechtfertigen), da lachte Marianne herzlos, daß die andere verwundert aufblickte, verlegen wurde und fragte: „Aber warum, lachen Sie, Fräulein?" „Weil der Mond untergegangen ist," antwortete sie lachend und rätselhaft. „Die Schöne" machte ein ratloses Gesicht und entfernt« sich. Ja, der Mond ihrer Kindheit war untergegangen. Der Gesang der Nachtigallen war verstummt. Die klein« Hull lachte immer noch. Oh, sie war schon lange vlerzehnsährig! Und Georg? Er konnte den Mond erklären. Was kümmerte sie jetzt noch der Mond! Sie stand auf der Erde. Di« Erde erklärt sich selber. Sie ist verworren. Durch das Dunkel und Dickicht sind schon breite Breschen geschlagen. Auf den breiten Wegen lächelt das Glück. Im Dickicht und Dunkel wimmern die Unglücklichen. Sie will nicht mehr unglücklich sein. Wer wandelt im Licht? Sie schließt die Augen, und plötzlich steigt groß und klar das Bildnis Lyssander? in ihr auf. Sie hört seine Stimme: „Die Völker sollen deinen Namen buchstabieren lernen, Marianne Hull!" Und nun weiß sie ihren Weg. Ihr Gesicht ist unschuldig wie früher, und auf dem Heimweg spricht sie kühl mit Georg darüber, daß es vielleicht doch gut sei, bei Gelegenheit Herrn Lyssander auf- zusuchen. Und Georg, der Narr, lobt sie noch dafür. Er lobt sie und küßt ihre Hände! „Diese Woche gehen wiv noch zu Reinacker,* sagte er,„und ich will an Lyssander schreiben. Ich freue mich sehr, daß du endlich Ja gesagt hast. Lyssander ist eine Kanone und kann unser Glück machen.* „Das Glück!" sagte sie leise und seufzend,„was ist das Glück? Ich will berühmt werden. Haft du mich lieb?" „Ich habe dich lieb." Georg fuhr am nächsten Morgen ganz früh nach Staaken hinaus. Zum erstenmal kam«r in die Kuttssenwelt des Films, in di« komplizierte technische Maschinerie der Aufnahme. Er fand sich schnell zurecht und spielte seine Rolle gut. Er kannte ja den Zirkus. Seine Rolle war unbedeutend, aber er hatte das unoerhoffte, und doch immer ersehnte Glück, dem jungen Regisseur auszufallen. Von jenem FUm waren kaum die ersten Bilder gedreht, und an diesem Morgen mußte der Schauspieler Kruse, der als Clown durch alle Zirkusfilme rollt«, wegen Krankheit absagen. Der Regisseur fluchte. Reinacker hört« den Fluch.(Fortsetzung folgt.) «« »» PUR DEN KLEINGÄRTNER. Der Arbeiisplan. Wir stehen an der Schwelle des Monats, der die Haupternte im Gemüsegarten bringt. Di« Beete werden leer, nur die dem Winter- weiter trotzenden Grünkohl- und Rosentohlpslanzen bleiben schließ- lich stehen. Da ist es denn an der Zeit, vorausschauend sich mit der Bestellung des Landes im nächsten Jahr« zu beschäftigen. Vor allem der Düngungsfrage halber. Wer mit seinen Mitteln sparsam zu wirt- schaften genötigt ist, wird gern von der Einteilung der Gemüse in starkund sch wach zehrende und von der Tatsache, daß ein« starke Düngung mit Stallmist ihre Wirkung auf drei Jahre ausübt, Gebrauch machen. Er wird den Teil des Landes, der nicht von Früh- beetanlage, Komposthaufen und Dauerkulturen, wie Erdbeeren, Rhabarber, Spargel eingenommen wird, in drei Abschnitt« teilen, von denen er eins gehörig mit Stallm ist düngt, damit der Acker befähigt ist, im kommenden Jahre die stark zehrenden Gemüse zur Vollkommenheit zu bringen. Zu ihnen gehören: Artischoken, Endivie, Gurke, alle Kohlarten, Kohlrübe, Kopfsalat, Meerrettich, Porree, Pusfbohnen, Sellerie, Spinat usw. Dem zweiten Teile wirb ein« Kompostdüngung sehr gut tun, da gerade sie in hohem Maße zur Verbesserung des Bodens beiträgt. Auf diesen Teil kommen die Wurzelgewächse: einjährige Gewürzkräuter, Karotten, Kartoffeln, Kerbelrübe, Mai. und Herbstrüb«, Möhren, Petersilie, Radieschen, Rettich, Schwarzwurzel, Zichorienwurzeln und Zwiebeln. Der dritte Abschnitt bleibt ungedüngt und ist für Bohnen und Erbsen geeignet: auch Steckzwiebeln Nehmen damit vorlieb. Aus dieser Verteilung im ersten Jahre ergibt sich nun die Anordnung im zweiten und dritten Jahre: man nennt eine solche Wirtschaftsweise di« Wechselwirtschaft. Es ist wohl kaum nötig zu sagen, daß ein« solche sparsame Bewirtschaftung ein Minimum darstellt— wir hoben nun aber in der Jauche und im Kunstdünger das Mittel, dem Boden größere Kraft zuzuführen. Einmal wird dem nicht frssch mit Stall- dung gedüngten Boden durch die vorangegangene Frucht von den drei maßgebenden Stoffen: Kali, Phosphorsäure und Stickstoff mehr entzogen worden sein, als für die gegenwärtige Frucht zuträglich ist, zweitens kann durch ungünstige Witterung die Entwicklung der Frucht zurückgeblieben fem, so daß„nachgeholfen" werden muß und schließ- kich spielt die Frage der ost durchaus gebotenen Zwischenkulturen ein« Rolle dabei. Alle diese Erwägungen werden noch unterstützt durch die Tatsache, daß es einen„idolen* Boden nicht gibt, daß es daher Auf- gab« des Landmannes fein muß, sich mit der meist auch in den einzelnen Lagen wechselnden Struktur und Beschaffenheit de« Landes vertraut zu machen. Alle diese Dinge zu erkunden bietet sich bei der Aufstellung des Arbeitsplanes die beste Gelegenheit. Je eher aus diesen Erwägungen heraus mit der praktischen Winter» arbeit: Umarbeitungdes freigewordenen Landes — begonnen wird, desto erfolgreicher wird sich die nächstjährige Ernte gestalten. Die Kleintierhaltung im Oktober. Für das Geflügel kommt jetzt ein schöner Monat: denn nun darf«s endlich wieder hinaus auf die abgeernteten Felder und in den sonst so sehr vor ihm behüteten Garten. Die Gänse läßt man zweckmäßig auf die abgeernteten Rübenfelder treiben und füttert si« bei ihrer Rückkehr noch einmal«nrt Körnern. Erst wenn die Weide aufgehört hat, wird ein größeres Znfutter nötig fein. Man gibt ihnen dann Kohlblättcr, seingestampfte Mähren und Weichsutter, das aus gekochten Kartoffeln und Schrot oder Kleie bestehen muß: abends gebe man Hafer oder Mais: Wasser muß natürlich genügend vorhanden sein. Verabreicht man dieses Futter reichlich, so wird � man innerhalb vier Wochen schöne Bratgänj« auf dem Hof« haben. Enten werden erfahrungsgemäß ebenso gefüttert, wenn man sie bald schlachten will, Laufenten hingegen dürfen nicht soviel be- kommen, da s« sonst zu phlegmatisch werden. Zuchtenten gehören aufs Wasser. Will man Puten mästen, so beachte man, daß sie dabei niemals eingesperrt werden dürfen, weil sie sonst an Gewicht-ver- lieren. Junge Hahn« mästet man innerhalb 14 Tagen in einem Einzelkäfig mit Buchweizen(reichlich), Mais- und Gerstenfchroi, das mit Magermilch zu einem teigartigen Brei verrührt wird. Mausernd« Tiere sind weiterhin sorgfältig zu pflegen. Am besten ist«s, wenn man ihnen jetzt wöchentlich zwei- bis dreimal eine Gabe Lebertran reicht und zwar pro Huhn einen halben Tee- löffel voll. Betreffs der Durchwint«rung der Tiere denke man an seinen Futtervorvat: denn es hat keinen Zweck, mehr Tiere zu halt««, als man gut ernähren kann. Nur gut ernährte Tiere können und werden den erwarteten Nutzen bringen. Die Ställe find einer gründlichen Reinigung zu unter- ziehen, wobei man nicht mit Kaltmilch und Sodalaug« sparen sollte. Als Einstreu nimmt man am besten Torfstreu: denn es saugt die Feuchtigkeit auf und hält warm und trocken. Auch der Tauben- schlag ist zu reinigen, wenn es noch nicht geschehen ist. Vielfach wollen die Tauben im Oktober bei schöner Witterung wieder brüten, was man aber nur bei reinen Wirtschoftstauben dulden soll und nicht etaia bei Rassetauben. Diese werden am besten nach den Ge- schlechtem getrennt. Die Eier sind wegzunehmen. Ziegen kann man jetzt decken lassen, wer ober mehr Ziegen hat, wird gut daran tun,«in« von ihnen erst im Frühjahr decken zu lassen: denn dann wird di« Milchiieferung nicht unterbrochen. Beim Weidegang muß man streng darauf achten, daß di« Tiere nicht eher fortgehen, als bis der Tau verschwunden ist und daß sie abends heimkehren, bevor die Nebel aussteigen. Die Ställe sind gründlich zu reinigen und di« Tiere ebenfalls, sowie der Weidegang aufgehört hat. Die Klauen müssen beschnitten werden. Gefüttert wird trockenes Grünfutter und Heu. Im Kaninchen st all mästet man die Schlachttiere und läßt die gut entwickelten Märzhäsinnen belegen, damit sie im Winter nicht zu sett und somit zur Zucht untauglich werden. Sonst ruht die Zucht jetzt. Für saubere Ställe ist auch hier Sorge zu tragen. Be- merkt man, daß die Tier« an Appetitlosigkeit leiden, sich in irgend- ein« Ecke des Stalles verkriechen und dort teilnahmslos verharren, st» lege man ihnen einen Petersilienstengel oder einig« Sellerie- blatte r zum Fressen hin. Auch ein Ginsterzweig wird gute Dienst« leisten. Am Morgen gebe man als Trockenfutter in erster Linie gutes, zu einem Knäul gedrehtes Wiesenheu: denn das wirkt, vorteilhaft auf die Fellbildung. Rammler und Muttertier« müssen jedoch getrennt sitzen, weil sie sich sonst gegenseitig das Futter weg- fressen und ihre gegenseitige Entwicklung gehindert wird. Goübanl Brockt, c&betteTtSport' Z Jahre Bezirk Lichtenberg der Freien Turnersdiaft Grofj-Berlin. Zwei Jahr« gehört der Bezirk Lichtenberg jetzt zur Freien Turnerschaft Grotz. Berlin. Trotzdem die„Opposition" seiner- zeit alles versuchte, den Bezirk unmöglich zu machen, hat es die Leitung doch verstanden, ihn zur jetzigen chöhe zu sühren. In den einzelnen Abteilungen ist jedem, sei er jung oder alt, Gelegenheit gegeben, sich sportlich zu beteiligen. Leibesübungen zu treiben, sei es im Turnen, Spielen oder Wandern. Aus Anlaß der zweijährigen Zugehörigkeit zur FTGB. ver- anstaltet der Bezirk Lichtenberg Sonnabend, 5. Oktober, im Restaurant von Schoncrt, Kynaststruße, seine Gründungs- s« i e r. Alle Abteilungen werden für die Idee des Arbeitersports dort werben und ihre Ausführungen machen. Verbunden ist die Gründungsfeier mit einer Ehrung der Bundesmitglieder, die über 9.5 Jahre dem Arbeiier-Turn- und Sportbund angehören. Der chauptvorsitzende Kofel wird die Festansprache halten. Da sich der Bezirk bei allen Veranstaltungen der Partei und der Gewerkschaften gern zur Verfügung stellte, bitten wir um rege Unterstützung unserer Veranstaltungen. Der Bezirk turnt mit seinen Abteilungen zu folgenden Zeiten: Obere challe, Holteistraße, Schülerabteilung: Dienstag und Freitag von 18 bis 20 Uhr. Jugendabteilung: Dienstag und Freitag von 20 bis 22 Uhr. Frauenabteilung über 25 Jahre: Mittwoch von 20 bis 22 Uhr. Untere Halle, Holte! st raße, Männerabteilung: Freitag von 20 bis 22 Uhr. Hall« Schrei- b erhauer Straße, Schülerinnenabteilung: Dienstag und Freitag von 18 bis 20 Uhr. Jungmädchen und Frauenabteilung: Dienstag und Freitag von 20 bis 22 Uhr. Interessenten für Hand- ball, Frauen-, Männer und Jugendliche, melden sich auf den Hallen. d aithoottahren. Der werdende Sport der Arbeiter. Wohl selten hat eine junge Sportart eine so schnelle Entwick- lung gehabt wie der F a l t b o o t s p o r t. Die„Freien Faltboot- fahrer�Berlin", die stärkste Vereinigung ihrer Art im Arbeiter-Turn- und-Sportbund, hatte im vergangenen Frühjahr bei der Gründung einen Bestand von ZS Mitgliedern mit 22 Booten: jetzt werden schon von 140 Mitgliedern 100 Boote gefahren. Das ist eine Entwicklung, die zu den besten Hoffnungen berechtigt. In der dem Faltbootfahrer eigenen Aktivität sind in diesem Jahre alle nennenswerten Flüsse Deutschlands und Oesterreichs von Vereinsmitgliedern befahren wor- den, ja, zwei Boote nahmen ihren Weg sogar durch Frankreich. Wenn allwöchentlich die Mitgliedschaft des FFB. sich versam- melt, gibt es ein lebhaftes Erzählen und Plaudern über die mannig- fachen Erlebnisse, die auf Wildwassern oder lauschigen Flußidyllen gesammelt wurden. Daß bei den Fahrten des FFB. auch die kämpf- freudige Jugend auf. ihre Kosten kommt, beweisen die in Nürnberg, Dresden und anderswo erkämpften Erfolge beim Regattafahren. Bei der im 1. Kreis alljährlich stattfindenden Langstreckenfahrt mel- deten sich im Vorjahre 3 Mannschaften, in diesem Jahr« dagegen schon 11 Mannschaften des Vereins. Der während des Winterhalb- jahres gepflegte Ergänzungssport hat dieses Jahr bereits seinen Anfang genommmen und liegt in den Händen verantwortungsvoller Funktionäre. Es wird das Schwimmen, Turnen, Handballspiel und die Gymnastik gepflegt. Nach dem Abpaddeln kommt noch das Wandern und der Schnecjchuhlauf hinzu. Neben all diesem wird noch durch belehrend« Vorträge für die Weiterbildung der Mit- gliedschast gesorgt. 1 Nun werden bald Neptuns Gefilde unwirtlich für seine Jünger. Noch einmal soll, wie bei den bisherigen großen Pslichtfahrten beim Abpaddeln, am Sonntag, 13. Oktober, das Solidarische und Verbundensein des freien Wassersports der Oeffentlichkeit demon- stricrt werden. Die„Freien Faltbootfahrer Berlin" laden zu dieser, auf der Strecke Spandau— Potsdam stattfindenden Fahrt alle noch obfeitsstehenden Faltbootfohrer ein. Der Treffpunkt ist morgens !'-8 Uhr am Bahnhof Pichelsberge. Das Programm sieht eine gemeinsame Ausfahrt mit den bundesireuen Konufahrern der Unter- Havel vor. Auf dem großen Lagerplatz gegenüber der Pfaueninsel wird sich ein lustiges Leben und Treiben abspielen. Mit den nach dort hinkommenden Nowaweser Bundesgenossen wird dann eine Umfahrt durch Potsdam die für den bundestreuen Wassersport werbende Fahrt beschließen." i>ie SASI. im Rundfunk. 23ont 12. bis 14. Oktober findet in Prag der S. Kongreß der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Jnternationale statt. In Anbetracht der bevorstehenden 2. Arbeite�Olympiade in Wien 1931 hat die Tagung eine besondere Bedeutung. Die Aufgaben und Ziele der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Jnternationale wurden von dem Sekretär der SASI., S i l a b a- Prag, in einem Vortrag im Prager Rundfunk eingehend behandelt. Am 9. Oktober wird der Sekretär des deutsch-böhmischcn Arbeiter-Turn- und Sportverbandes, Müll er- Aussig, ab 18.10 Uhr im Prager Rundfunk über das gleiche Thema in deutscher Sprache sprechen. Wellenlänge des Prager Senders ist 487 Meter(617 khz.). Um die Bundesmeisterschatt im Ringen des Arbeiler«Athletcnbundes. Die fünf Gruppenverbände des Arbeiter-Athleten- Bundes standen' in den letzten Wochen in heißen Kächpfen um die Anwartschaft zur Birn desmeisterschaft im Ringen. Ueber» all vollbesetzte Häuser und technisch glänzende Kämpfe, die für die Ringersparte und den Bund vortrefflich warben. Die besten Mann- schaften aus dem Verbandsgebiet boten Tressen, wie sie wohl in der Ringkampfkunst einzig dastehen dürsten. Das erste Treffen der Vorrunde spielte sich zwischen Königsberg- Ponarth und dem alten Gruppenmeister„Germanio-Felsenfest"- Halle in Königsberg ab. Königsberg, das in diesem Jahre zum ersten Male Gruppenmeister wurde, hat sich gegen seinen qualifi- zierten Gegner gut geschlagen. Königsberg hotte dadurch, daß es den übrigen Bundesveremen sehr weit abgelegen ist, wenig Mög- lichkeit, sich mit technisch guten Kräften öfters zu messen. Wenn auch Königsberg gegen Halle mit 7l4:20Z-- unterlag, so dürften sie doch im nächsten Jahre mit ihrem kräftigen Menschenschlag ein ernstes Wörtchen mitreden. Die zweite Vorrunde sand zwischen dem neuen Gruppenmeister Brambauer bei Dortmund und den altbe- kannten Rivalen Friesenheim(Württemberg) statt, der bereits zwei- mal die Bundesmeisterschast errang, und innner wieder in der Ent- scheidung stand. Obwohl die Brambauer über ausgezeichnete Kräfte verfügten, mußten sie nach hartnäckigem Kampfe die Ueberlegenheit der Friesenheimer mit 20: 8 anerkennen. Friesenheim traf dann in der Zwischenrunde in Fürth i. Bayern einen ziemlich ausge- glichenen Gegner. Nach sehr abwechslungsreichen Kämpfen standen beide Gegner nach zwei Runden punktgleich. Nun wurde ermittelt, welcher von beiden Gegnern die meisten Siege in beiden Runden auszuweisen hatte. Resultat auf beiden Seiten je drei direkte Siege und ein Punktsieg, folglich auch hier wieder Punktgleichheit. Nach dem Wertmigsreglement des Bundes wurde dann die zu den direkten Siegen benötigte kürzeste Zeit ermittelt. Erst jetzt konnte der Kraftsportklub Fürth mit einem Vorsprung von nur 30 Sek. als Sieger hervorgehet. Letzte Anwärter um die Bundesmeister- schaft sind nun Fürth und Halle Der Entscheidungstampf um die Bundes- n> e i st e r s ch a i t findet am 6. Oktober im Wallhalla-Theater in Halle zwischen dem„Kraftsportklub", Fürth, und„Germania- Felsenfest", Halle, statt. Die Kämpfe gehen über zwei Runden von je 10 Minuten und oersprechen bei der ausgezeichneten Technik beider Mannschaften einen guten Sport. Kdhrnus in Weifjemcc. Am Sonntag, 6. Ottober, 13 Uhr, findet im Stadion am Faulen See das Absporteln aller Sportvereine, die dem bundestreuen Kartell angehören, statt. Es sind zahlreiche Wcttkämpfe und Handballspiele vorgesehen. Ein Waldlauf über S000 Meter ist offen für alle Grptz- Berliner Vereine. Für den Schluß ist ein Fußballspiel angesetzt. Startgeld wird nicht erhoben. Eintritt frei. Alle Groß-Berliner Vereine sind eingeladen. Arbeiterboxer in Bern. Dem internationalen Boxkampf der Arbeiterathleten in Bern war ein großer Erfolg befchieden. Spannende Kämpfe und ein ausverkauft«? Haus trugen dazu bei. Den drei inter- nationalen Begegnungen mit Boxern des deutschen Arbeiter- Athleten-Bundes gingen fünf Kämpfe Schweizer Boxer unter sich voraus. Die internationalen Kämpfe wurden zu je fünf Runden ausgetragen. Berndt-Leipzig siegte nach Punkten über Guggisberg- Bern. Hoffmann-Nürnberg verlor gegen Dietiker-Lenzburg nach Punkten. ,Voit-Fürth zwang seinen Gegner Wieland-Bern in der Zweiten Runde zur Aufgabe. ver kilm vom Bundesfest. 2m„Concordia-Palast", Andreasstr. 64, wird am Sonntag, 10 Uhr, der Film vom Arbeiter-Turn- und Sportfest in Nürnberg vorgeführt, der noch einmal einen Einblick in diese große Veran- staltung gibt. Ferner rollt der Bezirksamtsstlm:„Aus dem Alltag empor." Der Eintritt zu dieser vom Bezirkskartell Friedrichshain arrangierten Veranstaltung beträgt SÜ Pf. Wo die Alten turnen! Diese Massage macht viel Vergnügen. Das ranüe B&adileln verschwindet da- bei, das Krenz wird bohl wie beim Jüngling, die Brost tritt heldenhaft heraas. Das Oelen der Gelenke erfolgt dnrdi anschließende Schwang- Übungen der Arme und Beine. Die Frauen haben eine Shnlldse Massag mit gleichem Erfolg. Werdiesenneuea Jnngbronnen kennen lernen und einige lustige Standen verleben will, muß am Sonntag, 8. Oktober, 15 Uhr zur Zentralfurnhallc Prinzenstraße 70 kommen. Es kostet nichts. Wie bleibt man jung? Das ist kein Geheimnis! Als Doktorsroge ist sie leider immer noch nicht gelöst, obgleich die berühmtesten Aerzte sich seit allen Zeiten damit beschäftigen. Das beste Mittel scheinen die alten Griechen in ihrer Gymnastik gehabt zu haben, die sie mit nacktem Körper bis ins hohe Alter betrieben. Im gleichen Sinn« sind die Arbeitersportler Berlins totig. die wir am kommenden Sonntag bei der Arbeit sehen können. Die Altersriegen der Männer sowie die Frauenabteilungen werden zunächst getrennt und dann gemeinsam gymnastische Uebungen zeigen, die der Altersklasse von 40 bis 60 Jahren entsprechen. Dann folgen interessante Sondervorfllhrungen, Riegenturnen und Stasettenläuse. Di« Veranstaltung findet am Sonntag, IS Uhr. in der Zentralturnhalle, Prinzen st raße 70(Moritz- platz) statt. Der E i n t r i t t ist frei, um recht vielen Interessenten «inen Besuch zu ermöglichen. Anschließend gefelliges Beifaimnenfein im Gewerkschaftshaus. Lehrgänge an der Buudeßßdmle. Bundesvorstand und Technischer Zentrolausschuß des Arbeiter- Turn- und Sportbundes genehmigten in ihren Sitzungen die folgen- den Lehrgänge an der Arbeiter-Turn- und Sport- s ch ml e im Jahre 1930: 6. bis 11. Januar: Wintersport, Skilausen. 25 Teilnehmer. 13. bis 18. Januar: Wintersport, Eislauf. 25 Teilnehmer. 3. bis 8. Februar: Kreis- Und Schwimmwarte, 19 Teilnehmer. 20. bis 26. Februar: Berichterstatter aller Sparten, 70 Teilnehmer. 3. bis 8. März: Vereinsgeschäftliche Leiter und Leiterinnen aller Sparten, 70 Teilnehmer. 10. bis 15. März: Kreiskinderturnwarte, 19 Teil- nehmer. 10. bis. 22. März: Schwimmen, männliche und weibliche Vereinstechniker, 38 Teilnehmer. 24. März bis 8. Slpril: IZirauen- turnen, männliche und weibliche Vereinstechniker, 38 Teilnehmer. 31. März bis 12. April: Männerturnen. Bezirkstechniker. 30 Teil- nehmer. 28. April bis 10. Mai: Rudern, Kanu- und Faltboot- fahren, 30 Teilnehmer. 12. bis 24. Mai: Leichtathletik. Vereins- technik-r, 30 Teilnehmer. 12. bis 24. Mai: Handballspiele, Vereins- techniker, 30 Teilnehmer. 16. bis 21. Juni: Tennisspiel, Vereins- techniker, 25 Teilnehmer. 16. bis 28. Juni: Fußballspiel, Bezirkstechniker, 30 Teilnehmer. 23. Juni bis 5. Juli: Leichtathletik, Be- zirtstechniker, 30 Teilnehmer. 7. bis 19. Juli: Fußballspiel, Ver- einstechniker, 30 Teilnehmer. 25. August bis 6. September: Kinde.'- turnen, männliche und weibliche Bezirtstechniker, 38 Teilnehmer. 8. bis 20. September: Männerturnen, Vereinstechniker, 30 Teil- nehmer. 15. bis 20. September: Fußballspiel, Kreistechniker, 19 Teilnehmer. 22. September bis 4. Oktober: Kinderturnen, männ- liche und weibliche Vereinstechniker, 38 Teilnehmer. 20. Oktober bis 1. November: Bezirks- und Vereinsjugendleiter. 38 Teilnehmer. 10. bis 15. Februar 1931: Kreismönnerturnwarte, 19 Teilnehmer. Aus der vorstehenden Aufstellung geht hervor, daß der Tech nische Zentralausschuß für die lebhaft geäußerten Wünsch« um Ver- längerung der Lezirkstechnikerlehrgänge Verständnis gezeigt hat Bezirkstechnikerlehrgäng« werden künftig auch auf zwei Wochen aus- gedehnt und finden alle zwei Jahre für jede Sparte statt. Reisegeld, Verpflegung und Quartier für die Kursisten zahlt der Bund Kleiner Sport. 3iu-3Ufu-fturfus bei den Arbei'teralhleten. Der mehrfache deutsch« Meister und Kampfspielsieger 1926 im Fliegengewicht isl in die Sportliche Vereinigung Lichtenberg-Friedrichsfelde 04, e. V.. eingetreten und leitet dort den Lehrkursus in Jiu-Jitsu. Eine solche Gelegenheit wird den Jiu-Jiffu-Jnteressenten selten geboten, darum weisen wir nochmals auf dem i» der Turnhalle Friedrichsfelde, Rummelsburger Straße, am 4. Oktober beginnenden Jiu-Jitsu Kursus hin. Arbeiier-wasferball-INannschastsführer! Freitag. 11. Oktober. 16 H Uhr, findet bei Krüger, Putlitzstr. 10, ein« wichtige Sitzung aller Mannschastsführer und der Bezirkswasserballobleute statl. Jeder Derein, der eine Wasserballmannschaft hat, muß vertreten sein. Di« Spartenlettung. I. A.: Schulz. ..Volksgesundheit". Okloberheft, INonatsschrisk für Gesundheitspflege. Don der„Volksgefundheit" erscheint jetzt eine reich illu- strierte Kunstdruckausgabe. Das neue Gewand weckt Freude am Lesen. Eine Reihe namhafter Mitarbeiter stehen ihr zur Seite, u. a. Dr. Friedr. Wolf, Stuttgart, der Verfasser des bekannten Buches„Di« Natur als Arzt und Helfer". So ist die„Volks- gesundheit" ein guter Berater in allen gesundheitlichen Fragen. Gesunde und Kranke will sie für eine vernünftige Lebensweise ge- winn«n. Als wichtigste Aufgabe gilt ihr die Erziehung zur Gesund- heit und di« Krästigung der Menschen für den täglichen Daseins- kämpf. Sie ist von sämtlichen linksgerichteten Buchhandlungen oder direkt vom Herausgeber, Verband Volksgefundheit, e. V.(Soziali- jtische Zentralorganisation), Dresden A. 1, Marienstr. 13, Schließ- fach 263, zum Preis von 1,60 M. im Vierteljahr, Einzelheit 60 Pf., zu beziehen. Zm Bahnrennen des Radfahrerbundes„Solidarität" am Sonn- tag in Wannsee siegte, wie noch zu unserem Bericht nachzutragen ist, im Trostfahren über drei Runden der Gräbendorfer Hämsch vor Schlichting und Rückert. Arbeiter-Badsahrerverein Groß-Berlin. Sonntag, 6. Oktober, 6 Uhr, Streifzüge durch den Blumenthal. 13 Uhr Mahlsdorf-Süd bei Dräger. Start Waldemarstraße, Ecke Mariannenplatz. Londoner Polizeiboxer in verlin. Der englische Botschafter in Berlin, Sir Horace Rumbold, und � Staatsminister des Innern. Grzesinski, sowie der englisch« Konsul in Berlin, Mr. G. Llayl haben dem Polizeisportverein ihr bestimmtes Erscheinen zum Polizei-Box kampftag am 8. Oktober im Sportpalast zugesagt. Der Abend wird mit der Vorstellung der Londoner und Berliner Kampfmannsckzajt im� Ring eingeleitet.__ Sportbezir? vftrin«. Treffpunkt Zur Ve.,ir?»partie Sonntag 7 Ufa Stetttner Bahnhof. Nach den Schulferien Bcainn des Traininas Donnersiaa. 10. Oktober, IflU Ufa, Turnhalle Darkaue, unweit Müllendorfstrafa. Die SdtWin.niadtciiunq de« Ardeitersportverein« Schonebcrq- Friedenau 07 bat ihren neuen Badeabend Donnerstaqs von 20!* bis 22 Uhr im Stadlbad Dcnnewi�ftrafa. Alle Arbeiter, die Interesse am Schwimmsport haben, wei den nm ihr Erscheinen gebeten. Neuaufnahmen werden auf dem Schw mm- abend entpeaenaenommen. -.»«tz.BcrIi».«b«.»«acl. Eitaina Donnerstag. 3, Dflo- orr, 30 IKir, bei Zillmcr. Sceftr. 17.—«W. Stinct; Eitzung i�ttilon. t Olio- her. 30 Uhr,»eftauront.Zur Ciibe". NenkNIn. Raifcr.fttiebnif'., Mc Saale. ftrabc. Zu ollen SiUungcn aüflc willkommen. Mitgliedee werd-n auf- genommen. To» ritte nu« rein.Sie»otueteeuube'. Zentrale«ien. 9bt. aharlottenbnefl; fftettoa, 4 Oktober. 20 Uhr. Spteeftr. 30: Eeschllftliches, Lieberabend, eontv mJ' m Serbftawnbfrarg. Trektminkt Mir Bhf.«barlottenburg bis Wannsee.— Ab«.»Sb-ft: Freitag. 4 Oktober. 20 Ubr. Brltrer Str»7- �kZjwncht».- Abt Teentow: tsrcitog. 4. Oktober. 20 Ubr. Slsensir. 3: Mc Slffil'.&i-«W. Frei ag. 4 Oktober. 20 Ubr.?! mbaten-lr. flf. m~'»"Üoa t Ol oherf 20 Uhr, ä«- be..-tr. 27; ?"i>oo. J, Oktober. 30 Ubr. Eeeftr. 34: Vrettsmelobenb.— Abt. Berti: iemiai� 4 Oktober. 20 Ubr(Sfioi-ffectlr 45 r 7. Oktober. 20 Mir. �banksürtcr Allee S07c„Do» Arbeiten mit ÄimfHicfapcpier4'. Abgeblihier Heimwehrterror. In der Alpinen Montangesellschast. Im Bergbau Seegraben der österreichischen Alpinen Mantangesellschoft bei Lo«ben haben Betriebsratswahlen statrgefun- den, die gewissermaßen als Kraftprobe zwischen den freien Ge- Gewerkschaften und den Heimwehrorganisationen anzusprechen sind. Bei der legten Betriebsrätewahl eroberten die freien Gewertschaf- ten zu den 6 Mandaten, die bereits in ihrem Besitz waren, noch ein weiteres Mandat. Die Verwaltung glaubte nun die Zeit für gekommen, gegen die freien Gewerkschaften vorzugehen. Sie er- zwang durch Unterschriftensammlung neue Wahlen. Bei diesen Wahlen steigerte aber der sreigcwerkschasliche Bergarbeiter- verband seine Stimmenzahl von 630 auf 674. Statt 7 Mandate er- hielt er jetzt 8 Mandate. Die Stimmenzahl der Unabhängigen, hinter denen die Heimwehrorganisation steckt, erhöhte sich nur von 514 aus 534 Stimmen. Es verbleibt damit bei ihren 6 Mandaten. Zwischen den beiden Wahlen liegen knapp 3 Monate. Sie zeigen deutlich, wie die Arbeiterschaft in Oesterreich denkt. Die Kommunisten erhielten, nebenbei bemerkt, bei der letzten Wahl nur 71 Stimmen und kein Mandat, während sie bei der vorletzten Wahl, also 3 Monate srüher, 146 Stimmen und ein Mandat buchen kann- ten. Das günstige Ergebnis für die freien Gewerkschaften trat ein, obwohl 289 entlassene Bergleute bereits vor der Wahl nach Holland ausgewandert sind. Diese Auswanderer waren durchweg Anhänger der freien Gewerkschaften. Bei der ganzen Angelegenheit interessiert auch, wie die Bcr- waltung der Alpinen Montangcsellschaft die für die Neuwahl er- forderlichen Unterschriften zusammenbekommcn hat. Bei der Unter- schriftensammlung, die einer öffentlichen Abstimmung glich, haben 846 Arbeiter für die Neuwahl des Betriebsrats, also für die Parole der Heimwehrgewerkschaften gestimmt. Bei der geheimen Wahl entfielen aber aus die Heimwehrarbeiter nur 534 Stimmen. Mindestens 396 Arbeiter haben also bei der Unter- schriftensammlung gege'n ihre Uebcrzeugung handeln müssen. Das wird dem Renommee dieses Unternehmens sicherlich nicht dienen. Die Einwanderung in Luxemburg. In Luxemburg fand unter dem Vorsitz von Safsenbach ein« Konferenz statt, an der Bertreter der G e w e r k s ch a f t s z e n- tralen von Deutschland, Belgien, Frankreich und Luxemburg so- wie einige Berufszentralen teilnahmen. Der Zweck der Konferenz war, über»die Zustände zu beraten, die in Luxemburg und den an- grenzenden Gebieten infolge der Beschäftigung großer Massen aus. ländischer Industriearbeiter aller Länder unter wesentlich verschlech- terten Arbeitsbedingungen eingetreten sind. Es wurde beschlossen. dem Internationalen Gewerkschaftsbund die Bildung eines per- manen ten Ausschusses, bestehend aus je zwei Delegierten der vier beteiligten Gewerkschaftszentralen, vorzuschlagen, der min- destens alle drei Monate zusammentreten soll, um namentlich die gewerkschaftliche Werbearbeit unter den eingewanderten Arbeitern in geeigneter Weise zu organisieren. Arbeitslos durch Elida. Im Reichhardt-Wert in Wandsbek, einer der größten deut- schen Schokoladenfabriken, sollen in den nächsten Togen 300 bis 350 Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen werden. Das Unternehmen hat noch vor kurzem rund 560 Arbeiter neu eingestellt. Es ging vor einiger Zeit an den Elidakonzern über, der stark unter tschechischem Einfluß steht. Im Zusammenhang damit wurde eine großzügige Rationalisierung durchgefllhrt. Die geplante Entlassung wird damit begründet, daß die Umbauten jetzt beendigt seien und daß sich die Geschäftslage auf dem Süßwarenmarkt start verschlechtert habe. �(Ikfchäfi$-JtnjMger (Uezirfc Jlorden-Cftcn. Friedrichshagener Baugenossenschaft £.6 M.B.H.. Hoch- u. 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