Morgenausgabe Nr. 465 A 234 46. Jahrgang M?t, monslklch SM SL toi coraut zahlbar. Postbrzuz 02 TL »lnIchNetllch«>Wh.Poftjr>tuiiz».»«d TS Pf». Postb-stellgrdührea. klualaad». abonarmeni M. pro Monat. S«.Parwirr»'-rlch-im wochrnia» Iich zweimal. Sonntag» und Montag» »inmal. hie Lbendouegaden für Berlin »nd im Handel Mi« dem ritel.Per hlbend". glluftriert, Leilag«,.Boll und Zeir� und.Kinderfreund�. Ferner .Unterhalwng und Wiflen'..grauen- Wmme'..lechnil»..Blick w di, Bücherwel«' und.Jugend-BorwSrt»' Freitag 4. Oktober 4929 Groß-Äerlin 1V Vf. Auswärts 45 pf. W»•laffcltlc« RonparetllezeN» 90 Pfemria. AeNamezeil»».— Reich». mart„Kleine Anzeige»' da» settge. Oruckt« Wortes Pfennig(zulSfstg zwei ...... Don >edruckte Worte), jede» wettere ü jZfennta. Stellengesuch« da» erst« Dort IS Pfennig, jede» weitere Don Vevttnee Vvwsblatt Jentvawvsan der Sozialdemokratischen Vartei Deutschlands 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben »äblen für zwei Worte. Arbeitsmarv Keile VO Pfennig. Famjlienanzetgen Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annähme imHaupl- -fchSst denstrast» S. wochentiglich «on»>/, vi, 17 Uhr. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 sternfprecher: Dönhoff 2V2— SS7. Telegramm-Adr.: Sozialdemokai Berlin. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr.6S. Dibkonto-Gesellschast, Dcpositcnkasse Lindenstr. 3. Trauer um Stresemann. Deutschland und die Welt ehren den toten Friedenskämpfer. Staatsbegräbnis am Sonntag. .ustav Strefemann liegt auf der Bahre, eine tiefe Bewegung geht durch Deutschland uni> die ganze Welt. Fremde Staatsmänner brechen ihren Urlaub ab und geben in Ausdrücken, die weit entfernt find von leeren Formeln der Höflichkeit, Kunde von ihrer Trauer und Bestürzung. Die Kränze, die sich auf dem Sarg des toten Staatsmannes häufen, find eine Ehrung nicht nur für ihn, sondern für das deutsche Volk, das ihn emporhob und mit seinem Ver- trauen trug, für die Deutsch« Republik, ohne die er, der Sohn kleiner Bürgersleute, nie hätte werden können, was er geworden ist. Die ausländische Presse, ohne Unterschied der Partei, schließt sich dieser allgemeinen Huldigung an. Die Freunde der Verständigung preisen den Toten als ihren wertvollsten und erfolgreichsten Bundesgenossen, ihre Gegner finden erst recht, daß Strefemann Ungeheures für Deutschland geleistet hat. Denn nach ihrer Auffassung hat ja seine Politik nicht echten Friedenszielen, sondern nur den. deutschen Interessen gedient. Sie sind der Meinung, daß die Staatsmänner ihres Landes'einem«rfolgreichen' Gegenspieler, der nur an sein Land dachte, unterlegen seien. Aber— welche Wunder verbringt der Tod!— selbst unsere deutsche Rechtspresse kann sich aus diesem allgemeinen Chor trauernder Verehrung nicht ganz aus- schließen. Die Kritik, die sie, wie es ihr gutes Recht ist, an dem politischen Wirten des Verstorbenen übt, zeichnet sich durch ungewohnte Sachlichkeit aus. Selbst die„Kreuz- Zeitung" spricht von„der hohen Pflicht auffassung des hingeschiedenen Ministers", der„in den Sielen gestorben" ist. Selbst die„Deutsche Tageszeitung" rühmt„den Ernst und den nation alen Grundton seiner politischen Lebensarbeit" und sie findet„die Tragik dieses plötzlichen Todes in etwas gemildert, da es Strefemann vergönnt war, am Schluß seiner Laufbahn wenigstens das eine Ziel, auf das seine Arbeit gerichtet war, die Rheinland- räumung. in greifbare Nähe gerückt zu sehen". Selbst der„Lokal-Anzeiger" nennt Strefemann einen„glühen- den Deutschen" und:„Niemand hat je stärker, leiden- schaftlicher, wirksamer die Bedeutung der Idee, des katego- rischen Imperativs und der sittlichen Forderung auch in der Politik verfochten, als der lodernde Redner Gustav Strefemann." Ja, selbst die„Nachtausgabe" jagt von ihm: � Der deutsche Auhemnimster wollte in den letzten zwei Iahren ganz bewußt die Politik vor die Wirtschaft stellen. E r wollte als erstes die Räumung der Rheinlonde und dann den Kampf um die Freiheit der deutschen Wirtschaft und den Kamps um die freie Regung im Wiederaufbau. Ob diese Politik richtig war oder nicht, das noch einmal ausführlich dar- zulegen, dazu ist jetzt nicht die Stunde. Die Geschichte wird einmal feststellen, wieviel vom Wie- derauf stieg Deutschland» auf Dr. Strefemann fällt, wieviel an Hemmungen für den deutschen Ausstieg auf die Fehler der Außenpolitik Dr. Stresemanns zu rechnen sind und wieviel auf da» Konto des Schicksals zu setzen ist, das den Mann abberief, als er den Schlußstein in das Gewölbe seines eigenen Baues setzen wollte. Man könnte solche Regungen menschlicher Gesinnung nur dann als e ch t nehmen, wenn man vergessen könnte, was noch gestern gewesen ist und was noch heute nebenherläuft. Ein Mann, von dem man nach seinem Tode so sprechen muß, hat auch als Lebender das Recht, nicht beschimpft, ver- leumdet und gehetzt zu werden. Wer aber das an ihm getan hat. der soll entweder vom Sarge wegbleiben oder auch vor ihm den Mut seiner Gesinnung haben. Es geht schlecht an, den Idealismus, die sittliche Kraft, den nationalen Willen eines Verstorbenen zu preisen, gegen den man soeben erst die entehrende Zuchthaus st rafe wegen an- geblichen Landesverrats beantragt hat. Man verlangt vom deutschen Volk, daß es durch An- nähme eines sogenannten„Volksbegehrens" diesem Antrag Sustimmen, daß es dem Verstorbenen zum Dank für all das, was er selbst nach dem Urtell seiner Gegner gewesen tst, die moralische Aechtung ins Grab nachschicken soll. Nie ist an ein Volk ein schimpflicheres An- sinnen gestellt worden! „Partei der anständigen Menschen". Severings Nachruf auf Strefemann. Der Reichs rat begann seine Donnerstagsitzung mit einer Trouerkund gebung für den verstorbenen Rcichsaußenminister Dr. Strefemann. Reichsinnenminister Scvering eröffnete die Sitzung und führte aus:„Ueber Ihren heutigen Beratungen liegt wie ein tiefer Schatten die Trauernachricht vom Tode des deutschen Außenministers Dr. Strejemann. Wer wie Sie den Vorzug hatte, in den letzten Iahren mit ihm amtlich oder gesellschaftlich zu verkehren, der wird erfahren haben, daß er wirklich täglich sich sein Leben er- obern mußte. Der wußte aber auch, daß jede Freude, jeder klein« Erfolg im politischen Leben Deutschlands, besonders in der Außenpolitik geeignet war, seinen Lebenswillen, seine Willenskraft zu stärken. Und e« hat in den letzten Monaten einig« solcher Licht- blicke, einige Erfolge in der deutschen Politik gegeben. Darum konnten wir hoffen, daß er es erleben würde, eine Etappc auf dem Wege zur deutschen Freiheit mit einem vollen Erfolg« gekrönt zu sehen. Um so erschütternder trifft uns di« Nachricht von seinem Plötz- lichen Tode. Ich hatte den Vorzug, vor 22 Iahren mit ihm in den Reichstag einzuziehen und mit ihm«ine Riege der Junioren zu bilden. Ich habe deshalb seinen Kampf als Parlamentarier und Staatsmann feit Jahrzehnten aus nächster Nähe beobachtet. Er war, da unterstreiche ich das Wort des Herrn Reichskanzlers, ein Kämpfer in des Wortes wahrster Bedeutung. Er wich dem Kampf nicht aus. Er liebte den Kampf. Aber so oft er auch die Kling« mit dem politischen Gegner kreuzte, diese Klinge blieb blank. Nie ist sie vergiftet worden mit einer per- sönlichen Herabsetzung, mit persönlicher Verleumdung. Das ist ihm in der Zeit seines politischen Wirkens nicht immer vergolten worden, fo daß er es war, der einmal, als di« deutsche Untugend, die Zwietracht, die Herabsetzung des politischen Gegners hohe Wellen schlug, zur Bildung einer Partei der anständigen Menschen aufgefordert hat. Welche Folgen sein Tod im innerpolitischen Leben Deutsch- lands haben wird, ist heute noch eine offen« Frage. Aber lassen Sie mich auch an dieser Stelle die Hoffnung aussprechen, daß es gelingen wird, über seinem Grabe den Bund der anstän- digen Menschen zu schließen, eine Partei der anständigen Menfchen zu gründen, die nicht in orgamsatorische Formen ge- schloffen zu werden braucht, sondern die nur von dem«inen Willen beseelt sein soll, den politischen Kampf mit anständigen Waffen zu führen. Was der Verstorben« seiner Familie gewesen ist und was die Familie in Zukunft vermissen wird, können wir nur ahnen. Aber wir wissen folgendes: feine Partei hat in ihm den klugen Führer, das Parlament den schlagfertigen Debotter, den glän- zenden Redner, die Deutsche Reichsregierung den hervorragenden Staatsmann und das deutsche Volk endlich den glühenden Patrioten verloren. In einer norwegischen Ballade, die schon allgemein in den Liederschatz deutscher Sänger aufgenommen ist. heißt es:„Das Banner kann stehen, wenn der Mann auch fällt!" Es ist ein Mann gefallen. Aber dos Banner wird stehen. Das Banner deutschen Rechts und des Weltgewissens." Staatssekretär Dr. W e i s m a n n schloß sich im Namen der Länderregierungen den ehrenden Worten an, die Minister Severing dem Gedächtnis Stresemanns gewidmet hatte. Staatshegräbnis am Gonniag. Traverfitzung de? Neichsregierung. Amtlich wird liiitgeteilt: Ans Anlaß des hinfcheidens des Reichsaußenminister» Dr. Strefemann trat Donnerstag nachmittag da» Reichskabinelt unter dem Vorsitz de» Herrn Reichskanzlers zu einer Trauer- fitzung zusammen, ver Reichskanzler gedachte hierbei erneut in warmenvfundenen Worten des Dahingeschiedenen und würdigte sein wirken für Reich und Volk. Staatssekretär von Schubert gab der tiefen Trauer Ausdruck, di« das Auswärtige Amt und feine Beamtenschaft über den Verlust ihres unvergeßlichen Ehefs erfüllt. Zm Anschluß hieran beschloß das Reichskabinett aus Antrag des Reichsinnenministers da, Slaalsbegräbnis, das im Einvernehmen mit der Familie am Sonntag vormittag statt- finden wird. O Die Deiche des Reichsaußenmlntsters Dr. Strefemann wird am Sonntag feierlich im Reichs lag aufgebahrt werden. Zur Toteaparade wird voraussichtlich eine Kompagnie der Reichswehr kommandiert werden. Die Trauerred« wird Reichskanzler her- mann Müller halten. Räch der Trauexfeier im Plenarsitzung»- saal des Reichstag« wird der Sarg durch das Hauptportal aus die große Freitreppe getragen werden. Von hier aus setzt sich schließlich der Trauerzug in Bewegung. Die Beisetzung auf dem Friedhof in der vergmannstraß«. an der Hasenheide, soll nur im Beisein der allernächsten Familienmitglieder erfolgen. 'Weitere Meldungen siehe auch zweite Seite.) Angriff abgeschlagen! Oer Ausgang des Kampfes um die Arbeitslosenversicherung Von 8. AuOiäuser. Das äußere politische Bild, das der Reichstag in seiner entscheidenden Sitzung am 3. Oktober bei der Endabstimmung über die Novelle zum Arbeitslosenversicherungsgesetz geboten hat, ist das deutlichste Zeichen für den Erfolg, den die Sozialdemokratie in ihrem langwierigen und harten Kampf gegen den von der Sozialreaktion gewollten Abbau der Ver- sicherungsleistungen erzielt hat. Der Kampf war um so schwieriger, als er nicht nur mit den Oppositionsparteien der Deutschnationalen und der Kommunisten auszufechten war, sondern auch innerhalb der Regierungsparteien wiederholt zur denkbar schärfsten politischen Zuspitzung führte. Die Gefahr einer Regierungskrise tauchte zuerst am 15. August auf, als der sozialdemokratische Arbeits- minister von volksparteilicher Seite gezwungen werden sollte, eine Regierungsvorlage zu unterbreiten, die den unsozialen Wünschen der Mehrheit des Sachverständigenausschusses ent- sprachen hätte. Damals bestand noch die Wahrscheinlichkeit, daß die sozialdemokratischen Mitglieder des Kabinetts zum Rücktritt genötigt sein könnten, wenn die Regierungsvorlage inhaltlich den Abbauvorschlägen der Deutschen Volkspartei angepaßt würde. Am Schluß der parlamentarischen Ent- scheidung hatte sich in den ersten Oktobertagen, die politische Situation in das Gegenteil verkehrt. Das nunmehr verab- fchiedete Gesetz war für die Deutsche Volkspartei unannehmbar geworden, während es unter vollster Verantwortung der Sozialdemokratie von allen grundsätz- lichen Verschlechterungen befreit worden ist. In die Zwischenzeit fällt jener Kleinkrieg, der das Abbau- Programm der Gegenseite Stück um Stück zerschlagen hat. Die allgemeine Verlängerung der Wartezeit für alle L e d i g e n auf zwei Wochen ist abgewehrt. Die Anrechnung der Versorgungsgebührnisse der Kriegsbeschädigten auf die Arbeitelofenunterstützung ist verhindert worden. Der Angriff auf die Sozialrentner, ihre Renten- bezüge voll zur Anrechnung zu bringen, ist soweit zurück- geschlagen, daß eine Freigrenze von 30 M. monatlich in das Gesetz aufgenommen werden konnte; ein sozialdemokratischer Teilerfolg, den sogar die Kommunisten anerkennen mußten, indem sie trotz aller parteipolitischen Hemmungen für den sozialdemokratischen Antrag stimmten. Vor allem aber ist von den wichtigsten gegnerischen An- trägen auf Kürzung der Regelunterstützungssätze für Arbeitslose mit weniger als 52 Wochen in dem neuen Ge- setz n i ch t s übrig geblieben. Jene Anträge, die insbesondere auch die Deutsche Volkspartei noch im Plenum am 1. Oktober mit der denkbar schärfsten politischen Willenserklärung und einer unerhört scharfmacherischen Begründung durch den Bergasiessor Dr. H u e ck letztmalig eingebracht hatte, zeigen am besten die Ergebnisse des sozialdemokratischen Etappen- kampfes. Jene Kürzungsanträge sollten ursprünglich nach den Beschlüsien de? Sachverständigenmehrheit erster Lesung rund 154 Millionen Mark Ersparnisse bringen. In der zweiten Lesung des Sachverständigenausschusses waren es nur noch 80 Millionen Mark. Im Verlaufe der interfraktionellen Ver« Handlungen hatte man der Sozialdemokratie neue Vorschläge gemacht, die erst SV, dan» nur noch 45 Millionen Mark Kürzungsersparnis gebracht hätten. In dem Vorschlag des Reichsratskompromisses blieben für die Kürzung der Unter» stlltzungen nur noch 11 Millionen Mark übrig, die von der Sozialdemokratie akzeptiert tnecben sollte. Die Reichstagsfraktion hielt sich jedoch bis zur letzten Stunde an ihre erste Erklärung vom 25. April 1929, wonach sie auch diese schon so weit verringerte Kürzung der Regelsätze ebenfalls ablehnen mußte. Es ist der Festigkeit der Sozialdemo- k r a t i e zu danken, daß auch nach der Novelle die alten Regelsätze der Arbeitslosenunterstützung unverändert bleiben.'ohne Rücksicht darauf, ob der Erwerbslose 52 Arbeits- wochen zurückgelegt hat oder nicht. Auch in der Frage der Saisonarbeiterunter- st ü tz un g bedurfte es aller Kraftanstrengung, um die Pläne der'Sozialreaktion abzuwehren. Die Rechtsparteien hatten sich zunächst die Vorschläge der Vereinigung der Deutschen Ar- beitgeberverbände zu eigen gemacht. Es war vorgeschlagen worden: Keine Arbeitslosenunterstützung erhält der Arbeitslose für die Zeit, in der eine regelmäßig wiederkehrend« Arbeitslostgteit berufs- üblich ist. Nachdem diese allgemeine Entrechtung der Saison- avbeiter verhindert worden war. stritten die Gegner um so entschiedener für eine besondere Verlängerung der Warte- zeit auf drei Wochen, und es war ihnen bereits gelungen, sie im Reichsrat durchzusetzen. Die Sozialdemokratie hat auch diese Belastung der Bauarbeitergruppen aus der Vorlage wieder entfernen können. Da die Einigung der Parteien über die Regelung der Saisonarbeiterunterstützung bis in die aller- letzten Tage hinein überhaupt unmöglich erschien, so bestand schließlich die Gefahr, daß mangels einer gesetzlichen Bestim- mung die Reichsanstalt auf Grund ihrer Befugnisse von sich aus eingegriffen, indem sie die Wartezeit verlängert und die Unterstützungsdauer verkürzt hätte. Angesichts dieser großen Gefahr ist die Neuregelung der Unterstützungssätze für die Saisonberufe der ein- z i g e Weg, um diese Arbeitergruppen, die nach der gelten- den Gesetzgebung in einer völlig unzulänglichen Sonderfür- sorge stehen, wieder in die allgemeine Arbeitslosenversicherung einzugliedern. Es ist erreicht worden, daß die bisherige B e- dürftigkeitsprüfung auch für die Saisonarbeiter wieder völlig aufgehoben und damit ihr Rechtsanspruch hergestellt wird. Gegenüber den falschen kommunistischen Ausstreuungen über die Neuregelung der Saisonarbeiterunterstützung muß auch festgestellt werden, daß in den unteren sechs Lohnklassen überhaupt keine Veränderung eintritt und in den darüberliegenden die Unterstützungssätze der Krisensürsorge zur Auszahlung kommen.— Die unterschiedliche Regelung für das Saisongewerbe und die übrigen Berufe bewegt sich also in den Grenzen, die einen billigen Ausgleich gegenüber den übrigen Versicherten darstellen. Wären die Vorschläge der bürgerlichen Parteien nicht oer- hindert worden, dann würde an die Stelle dieser Sonder- regelung für das Saisongewerbe«ine allgemeine Kürzung je nach der Anwartschaftszeit getreten fein. Da die Mehr- zahl der Saisonarbeiter zwangsweise alljährlich mit einer regelmäßigen Arbeitslosigkeit rechnen muß, ihnen also immer wieder die 52 Arbeitswochen sehl�n, so hätten die Bau- arbeiter, Dachdecker, Zimmerer usw. ohne die jetzt getroffene Sonderregelung 40 bis 50 Proz. der vollen Unterstützungs- fätze verloren. Die neben Bestimmungen für das Saison- gewerbe sind bis zum März 1931 befristet. Di« sofortige Erhöhung der Beiträge ist am Widerstand der Deutschen Voltspartei gescheitert, und es war leider auch in dieser wichtigen Arbeiterfrage nicht möglich, die fehlenden voltsparteilichen Stimmen durch die der kom- mmistischen Fraktion auszugleichen, so daß die endgültige Beitragsregelung noch folgen muß. Da die Arbeitslosen unter diesen parteipolitischen Widerständen von rechts und links nicht leiden dürfen, so muß der entsprechende Fehl- betrag durch die Reichskasse aufgebracht werden. Für die Arbeitnehmerschast ist die Inanspruchnahme der Reichskasse erträglich: schlimm wäre es dagegen gewesen, wenn der Fehlbetrag durch Unterstützungsabbau gedeckt war- den wäre. Es ist das Verdienst der Sozialdemokratie,«inen solchen Angriff auf die Arbeitslosenversicherung abgeschlagen zu haben. Zieichstagsschluß. Die Empfehlungen der Weltwir tschafiskonferenz. Nach der Erledigung d«r Arbeitslosenvorlage erledigte der Reichstag am Donnerstag die zweite Beratung des Gesetzes zur Ausführung der Empfehlungen der Weltwlrtschaflskonferenz. Abg. v. Stubbendorf(Dnat.) erklärt, feine Freunde würden die Vorlage ablehnen.— Abg. Frau Sender(Soz.) erwidert, es handle sich jetzt nur um die Ratifizierung dessen, was die frühere Rechts- rcgierung genehmigt habe.— Abg. Dr. Schneider(D. Vp.) erklärt die Zustimmung der Deutschen Volkspartei zu der Vorlage.— Mi- nifterialdirektor Posse betont, Deutschland sei nur denjenigen Staaten gegenüber verpflichtet, die dem Internationalen Abkommen gegen Ein- und Ausfuhrverbote und-befchrönkungen beigetreten find. Polen gehöre nicht dazu. Die Ausnahmeklausel für notleidende Wirtschaftszweige könne möglicherweise auch auf die deutsch« Land- Wirtschaft angewandt werden.— Abg. v. Stubbendorf(Dnat.) de- antragt>mit Rückficht auf diese Erklärung die Zurückverweisung der Vorlage an den Ausschuß. Das wird abgelehnt. In namentlicher Abstimmung wird die Vorloge mit 321 gegen 112 Stimmen bei einer Stimmenthaltung in zweiter und dritter Beratung angenommen.— Damit ist die Tagesord- nung erledigt. Vizepräsident Esser schlägt vor, die Bestimmung des Zeitpunktes für die nächste Sitzung dem Präsidium zu überlassen.— Abg. Stoecker iKonnn.) beantragt, am Montag ein« Sitzung abzuhalten, um den Poung-Plan zu erörtern. Der kommunistisch« Antrag wird abge- lehnt: es bleibt bei dem Vorschlag des Vizepräsidenten. Vizepräsident Esser schließt um%2 Uhr die Sitzung mit dem Wunsch, daß beim Wiederzusammentritt des Reichstages Präsident Löbe wieder in voller Gesundheit feines Amtes walten möge. « Die für Freitag vorgesehene Sitzung des Auswärtigen Ausschusses ist infolge des Abiebens des Reichsaußeirminifters auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Eine abgesagte wassenauktlon. Die von der französischen Domänenoerwaltung für den 11. Ottober angekündigt« Versteigerung von Waffen, u. a. 3S lX)l> Gewehren und 13 Millionen Patronen, wird, wie jetzt bekanntgegeben wird, auf Veranlassung des Finanz. minister« nicht stattfinden. 9W 9 Hingerafft vor der Ernte. Oer?ieichskanz!er an Frau Or. Htresemann. Reichskanzler Müller richtete zugleich im Namen der Reichs- rcgierung an die Gattin des verstorbenen Reichsaußenministers ein Schreiben, in dem es heißt: „Als ich gestern vormittag bei ihm weilte, da ahnte keiner von uns beiden, daß seinem verdienstvollen Wirken nach' wenigen Stunden ein Ziel gesetzt werden sollte, und als er gestern in den Nachmittags- stunden sich seinen Parteifreunden zeigte, um politische Schwierig- leiten auszuräumen, da war es niemandem bewußt, daß der g r o ß« Führer zum letzten Male in diesem Kreise gesprochen hatte. Eine tiefe Tragik liegt darin, daß der unerbittliche Tod seinem Schassen gerade jetzt ein Ziel setzte, nachdem er in einem sechsjährigen Kampfe um die deutsch« Außenpolitik im Begriff« stand, die wettvollsten Früchte seiner Arbeit zu ernten und für das deutsche Boll die letzten Hemmnisse aus dem Wege zu räumen und die letzten Heber- bleibsel aus dem Kriege zu beseitigen. Für Sie, sehr verehtte gnädige Frau, sowie für Ihr« Angehörigen, möge ein Trost in Ihrem tiefen Leid die Gewißheit bedeuten, daß um den so unerwartet Verstorbenen nicht nur sein« Familie, sondern auch die große Mehrheit des deutschen Volkes aufrichtig trauett/ Aufrichtiges Beileid in Frankreich. Paris, 3. Oktober.(Eigenbericht.) Der Tod Strefemanns hat in Paris sowohl in politischen Kreisen als auch in der Oeffenilichkeit tief st e Bestürzung hervorgerufen. Bor den großen Zeitungsredaktionen, die die Todes- Nachricht am Donnerstag gegen Mittag verösientlichten, standen stundenlang große Menschenmassen. In politischen Kreisen beklagt man in Stresemann den Bor- kämpfer d«r europäischen Verständigungspolitik, dessen Verlust gerade im gegenwärtigen Augenblick nicht nur für Deutschland, sondern für das ganze pazifistische Europa«inen furchtbaren Schlag bedeute. In allen Pressestimme», auch jener Politiker, die, im Gegensatz zu Briand, mit Stres«mann durch kein« persönlichen Bande verknüpft waren, schwingt neben dem politischen Bedauern eine tiefe persönliche Erschütterung vor dem tragischen Schicksal des Mannes, der„in reifen Iahren noch Mut gehabt hat, feine politische Anschauung von Grund aus zu revidieren und zu ändern, da er eine Wahrheit erkannt hatte, für die er dann mit h e r o i s che r Selb st Verleugnung Gesundheit und Leben opferte". Der französische Ministerpräsident Briand hat offiziell gleich drei Schritte unternommen, um Deutschland sein Mitgefühl auszudrücken. Er sandte ein Telegramm an den französischen Bot- schaster in Berlin, um durch ihn in der Wilhelmstraße seine Kondo- lenz übermitteln zu lassen. Gleichzeitig telegraphiert« er an Frau Stresemann und begab sich schließlich sofort nachdem ihm die Nachricht telegraphisch übermittelt wurde zum deutschen Geschäfts- träger Dr. R i e t h. Im Laufe des Tages erschienen in der deutschen Botschaft ferner sämtliche Mitglieder des diplomatischen Korps und die einzelnen Mitglieder der französischen Ministerien oder ihre Ver- treter zu Beileidsbesuchen. Von den Kommentaren der Presse, die in den wärmsten und bemerkenswertesten Worten Stresemann würdigen, sei u. a. das des weitverbreiteten Mittogsblattes„Paris- Midi" hervor- gehoben:„Es ist bekannt— so schreibt das Blatt—, daß der deutsche Außenminister moralisch und körperlich furchtbar unter den ebenso hartnäckigen wie gemeinen Angriffen zu leiden hatte. die gegen ihn seit mehreren Iahren in absolut systematischer Weise in der chugenberg-Presse gerichtet wurden. Geheimrat chugenberg, der Drahtzieher dieser Kampagne, hat Stresemann tödlich gehaßt. Tödlich ist der ttchtig« Ausdruck: denn die schändlichen Verhetzungsmethoden chugenbergs haben einen großen Teil der Schuld an der frichen Zerrüttung des Nerven- systems Strefemanns und seiner Widerstandsfähigkeit, ch u g e n- berg und feine Freunde können heute triumphie- r e n: Stresemann, der geistige Vater der Locarno-Politik, der große Friedensstifter, der Begründer der deutsch-sranzösischen Annäherung, ist tot." Macdonalds Trauer. New ßort, 3. Oktober. In einem Funkspruch von Bord des Dampfer»„Berengaria" widmet Premierminister Macdonald dem verstorbenen Reichs- außenminsster Dr. Stresemann folgenden Nachruf:„Ich bin tief betrübt, denn Dr. Stresemann war nicht nur einer jener Männer, von deren Arbeit die friedliche Entwicklung Europas obhing, sondern ich habe ihn in meinen verschiedenen Berührungen mit ihm als Freund kennen und schätzen gelernt. Sein Andenken sst gesichert, und ich kann nicht glauben, daß die großen Dienste, die er dem Frieden mit Geduld und Zuversicht gewidmet hat, jemals rückgängig gemacht werden können. Als ich zum erstenmal mit ihm zusammen. traf, war die Lage ernst und ungünstig, aber obwohl er offensichtlich unglücklich war, bewies er, daß er aus festem Holz geschnitzt war. Ich glaubte, als ich ihn vor einigen Wochen zuletzt sah, daß unser Goodby unser Farewell sein dürfte. Dennoch war er zufrieden und voller Zuversicht, daß Deutschland dafür sorgen werde, daß seine Arbeit, welche so viel für Deutschland bedeutet«, weitergeführt werde, wenn er nicht länger hier ist." Das Interesse aller am Frieden. London, 3. Oktober.(Eigenbericht.) In einem Nachruf auf Stresemann bemerkt der „Daily H e r a ld", es wäre vor zehn Iahren undenkbar gewesen, daß der Tod eines deutschen Staatsmannes den Politikern der Alli- ierten zu ähnlichen Tributen der Bewunderung Anlaß gegeben hätte: Aber das scheinbar Unmöglich« ist hier Ereignis geworden. Strese- mackn war kein Sozialist. Er war in Wirklichkeit«in nationaler Politiker mit einem scharfen Verständnis und einem großen Maß an gesundem Menschenverstand, der ihm zeigte, daß die wahren Interessen der Länder in einer Politik des Friedens und der Versöhnung liegen. Dieser Aufgabe widmete er sich; das Stand- bild, das er sich selbst errichtet hat, liegt in der Tatsache, daß Deutsch- land heute eine andere Weltstellung besitzt als zur Zeit seiner Amts- Übernahme. Damals war Deutschland eine Paria unter den Ratio- nen: heute ist es, ohne daß es Wesentliches geopfett hätte,«in« an- erkannte Großmacht, in freundschaftlichen Beziehungen zu seinen Nachbarn in Ost und West, ja der gesamten Welt. Unter den- jenigen, die die Welt nach dem Kriege wieder aufgebaut haben, wird Stresemann einen besonderen Platz einnehmen. Heute be- dauern ihn nicht nur seine Landsleute, sondern ganz Europa von London bis Moskau." Auch die bürgerliche Absndpresse, einschließlich des deutschfeind- lichen„Evening News", bringt dem Andenken des toten Staats- mannes ihren aufrichtigen Tribut. In der Beileidskundgebung, die der brittsche Botschafter in Berlin im Auftrage des Außenministers Henderfon der deutschen Regierung zu übermitteln hat, heißt es u. a.: Stresemann war ein f V v � WtfWV tf ♦ wesentlicher Faktor beim Werk der Konsolidierung des Frieden, der letzten Jahr«, und das von ihm gegebene Beispiel wird für olle Zeiten gelten und als«ine Ermutigung für die wirken, die dieses Werk zum endgültigen Erfolg zu bringen wünschen. Ich habe das Gefühl, einen wirklichen persönlichen Verlust erlitten zu haben und werde mich stets meiner glücklichen Zusammenarbeit mit Dr. Stresemann im Haag und in Genf erinnern. Die Trauer Amerikas. Washington, 3. Oktober. Staatssekretär S t i m s o n gewähtt« nach der heutigen Presse- konserenz den deutschen Korrespondenten«in kurzes Interview, in dessen Verlauf er erklärte:„Herr Stresemann war«in großer Mann. Er leistete eine unermüdliche und meisterhaste Arbeit für einen wirklich dauerhaften Wiederaufbau Deutschlands und Europas und diese Arbeit macht ihn zu einem der führenden Männer der Nach- kriegsperiodc." Senator Borah erklätte,„daß Stresemann unter den zeit- genössischen Staatsmännern an erster Stell« stehe und daß er an seine schwere Aufgabe mit Aufopferung und großer Genialität herangegangen sei. Die Welt vettiere in ihm einen der wichtigsten Faktoren für die Festigung des Weltfttedens". Tschitschenn an Hermann Mütter. Der Volkskommissar des Auswättigen, Tschitschenn, der zurzeit in Wiesbaden zur Kur weiU, hat an den Reichskanzler folgendes Telegramm gerichtet:„Tief betroffen durch die erschütternde Nach- richt von dem plötzlichen Abgang des glänzenden Staats- mannes, welcher der deutsche Außenminister, der Schöpfer des Berliner Vettrages war, spreche ich dem Führer der befreundeten deutschen Regierung mein lief- empfundene» Beileid anläßlich des großen Verlustes aus, der auch für uns ein schmerz- licher Schlag ist angesichts der hohen Bedeutung der Tätigkeit des hochgeschätzten Staatsmannes, der über die Festigung der Be- ziehungen unserer Länder stets sorgfältig wachte. Nach unserer violjährigen, auf Friedenszwecke gerichteten Zusammenarbeit ist Dr. Strefemanns Ableben für mich persönlich ein erschüttern- der Verlust." *' Der schweizerische Bundespräsident Dr. Haab sagt in seinem Beileidsschreiben, daß Stresemann es verstanden habe,„durch seine allgemein anerkannten Fähigkeiten Deutschland wiederum die ihm zukommende international« Geltung zu verschaffen und gleich- zeitig unserem ganzen Erdteil durch die von ihm befolgte und durch seine Autorität geförderte Politik die Hoffnung auf eine Wiedergesundung zu eröffnen. Sein Hingang macht daher auch uns zu aufrichtigen Leidtragenden". Albert Thomas bezeichnet Stresemann als treuen Anhänger des Internationalen Arbeitsamtes und persönlichen Freund. Der dänische Ministerpräsident Slauning bezeichnete seinen Tod als einen Verlust nicht nur für Deutschland, sondern auch für ganz Europa.. Der Bundesvorstand des Reichsbanner» sagt:„Das neue Deutschland dankt ihm, daß er sein« ganze Kraft für Deutschlands Wiederaufbau und Europas Befriedung einsetzte." Hindenburg ireibt Landesverrat! Graf Neventlow verlangt auch für ihn das Zuchthaus. Stresemann, für den die Volksbegehrler Zuchthaus- strafe wegen Landesverrats verlangten, wird nun am Sonn- tag als ein Großer der deutschen Republik begraben werden. Hindenburg ist feierlich und förmlich aus dem Zucht- Hausparagraphen des„Freiheitsgesetzes" herausgenommen worden— sehr zum Mißvergnügen der Nationalsozialisten, deren außenpolitisch führender Reichstagsabgeordneter, Graf R e v e n t l o w, sich nun in seinem„Reichswart" folgende Sätze leistet: Halten wir uns aber an die brennende Frag«, den Kampf gegen den Poung-Plan! Hindenburg hat Stresemann nach dessen Rückkehr aus dem Haag beglückwünscht. Er billigt also den Noung-Plan, ebenso wie er bisher alles gebilligt hak, was Stresemann an politischen verbrechen gegen das deutsche Volk begangen hat. von Locarno bis zum heutigen Tage. Und dieser Dank an Strese- mann von seilen des Reichspräsidenten war ein höchst politi- scher Akt, berechnet, auf die Volksstimmung zu wirken und das Urteil zu beeinslussen und besonders all den Kreisen, die sich national nennen, zu sagen: sogar der verehtte Feldmarschall heißt Strese- monns Poung-Plan-Poüitit gut... Hier kommt es lediglich aut die Feststellung an/ daß Hindenburg ungeachtet besten willens die Politik treibt oder unterstützt, weiche wir für unbedingt verderblich und landes- verrälerifch halten. Wenn nun in dem Volksbegehren die Landcsverratsstrafe für Mi» nister verlangt wird, welche für den Joung-Plan eintreten, so war e» schon nahe daran, dasVolksbegehrenzueinerpoliti- schen Kinderei zu machen, wenn man gemütvoll entrüstet ricft ober Hindenburg, unser Hindenburg muß doch ausgenommen werden!... Und wenn wir ein Gesetz wollen, das Landes- verrat als Landesverrat bestraft, so ist es uns voll- kommen gleichgültig, ob dadurch auch jemand getrossen wer- den könnte, der eine Vergangenheit und Eigenschaslen hat, wie. in diesem Falle, hindenburg. Mit Goebbels, der„auch vor der Autorität des Ge- neralfeldmarfchalls nicht halt macht", und R e v e n t l o w, der für Hindenburg ausdrücklich die Zuchthausstrafe verlangt. machen Hugenberg und S e l d t e. Deutschnationale und Stahlhelm— bei dem Hindenburg seltsamerweise noch immer „Ehrenmitglied" ist— gemeinsam ihr Volksbegehren. Sie bezeigen zwar dem gegenwärtigen Haupt der Republik bei jeder Gelegenheit in kriecherischen Formen ihre„Verehrung", wagen aber nicht ein Wort des Protestes gegen ihre Bundes- genossen, die gegen den Reichspräsidenten den e n t e h r e n d- sten Vorwurf schleudern. Sie haben den greisen Feld- Marschall durch stärkste Pression veranlaßt, das Amt des Reichspräsidenten zu übernehmen. Ihre Pflicht wäre es, ihn jetzt vor den Infamien zu schützen, mit denen ihre Freunde und Kampfgenossen ihn bedenken. Aber sie wagen es nicht. diese„deutschen Männer", sie schweigen...! Weg mit der Dienstpflicht! Wachkorps an Stelle des Heeres.— Sozialistische Abrüstung in Dänemark. Kopenhagen. Z. Oklober.(Eigenbericht.) Der sozialdemokratische Verteidigungsminister Rasmussen brachte am Donnerstag im Reichstag den Zlbrüstungsvorschlag der dänischen Regierung ein. Der Vorschlag sieht die Um. tildung von Heer und Flotte zu einem wachtorps und einer Staats- marine vor. Die jährlichen Ausgaben sind aus IS Millionen Kronen vcranschlagl, während die Durchführung des geltenden wehrgesehes ungefähr So Millionen Kronen erfordert. Die neue Vorlage weist jeden Gedanken einer Verteidigung mit rülilärischen Machtmitteln zurück und betrachtet als Ziel Dänemarks die Aufrechterhaltung der Reutralität in Ueber- einstimmung mit den geltenden internationalen Abkommen und V«. s immungen. Das Kriegs- und Marinemini flerium wird deshalb ausgelöst. Das Dachkorps und die Staatsmarine s illen dem Ministerpräsidenten unterstellt werden. Al» Obliegenheiten der Staatsmarine � sind Fischereiinspektionen und See- Messungen vorgesehen. Alle Festungxanlagen sollen geschleist und olle privaten Mililärorganlsationen ausgehoben werden. Die oll- gemeine Wehrpflicht wird abgeschasst. Zährlich werden 1600 Soldaten im Wachkorps und 700 Matrosen in der Staatsmarine aus- gebildet. Gegenwärtig werden unter der allgemeinen Wehrpflicht noch l0 000 Soldaten ausgebildet. Kohlenfrage— Privatangelegenheit! Nur die Bergarbeiter sür Eingreifen des Völkerbundes. Gens, Z. Oktober.(Eigenbericht.) Die Konferenz der Sohlensachverständigen wurde am Donnerstag nachmittag noch lebhaften Debatten ge- schloffen, ohue daß es gelungen wäre, eine einheitliche Linie über das verhallen des Völkerbundes bei der Behandlung der inter- nationalen Sohlenregelung zu erzielen. Auf der einen Seit« mußten die Bergarbeiter auf ihrem Standpunkt der möglichst weitgehenden Einsichtnahme und Mit- arbeit der Bergarbeiterfchaft bei einer internationalen Kohlen- regeln ng bestehen bleiben, auf der anderen Seite lehnten die Unter- nehmer xs ab, eine andere internationale Kohlenverständigung als eine solche durch private Syndi�ierung mitzumachen. Sie betonten auch in privaten Besprechungen, daß die Grubenindu- striellen die Kohlenverständigung als eine gefchäslliche Angelegenheit auffaßten, an der weder die Ar- beiterschaft, noch der Völkerbund zu beteiligen seien. Während die Arbeitervertreter sich gegen diesen Standpunkt wehrten, kann das gleiche nicht von den anwesenden Mitgliedern des Kohlen- ausschusses und Volkerbundes und den Beamten der Wirt- schaftsabteilung des Sekretariats gesagt werden. Sie be- tonten die Schwäch« des B ö l k« r b u n de s gegenüber dem internationalen Unternehmertum in übertriebener Weife. Als ein- ziger Fortschritt wurde erreicht, daß die Wirtfchoftsabteilung des Völkerbundes die Kohlensitiiation regelmäßig beobachte und das Kohlenkomitee in seiner Teilnehmerschaft von Arbeitgeber- und Ar- beitnehmersachverstöndigen m regelmäßigen Konferenzen diese Be- obachtungen verwertet und dem Wirtschastsausschuß bzw. dem Bölker- bundsrat- Vorschläge— sür--- ein eventuelles Eingreifen macheu soll. Sir- We i terbeh-ei�i-g-u-ng der aufceuefoeareter a». MM. Sitzungen ist so gut wie gesichert, wenn auch die endgültige, Beschlußfasiung dem Bölkerbundsrat zukommt, der- sich in snner Ianuortagung auf Grund«me» Berichtes des Wirtschaftsausschusses mit der Konferenz beschöstigen wird. Di« Bergarbeiter sind gewillt, diesen kleinen Anteil an der offiziellen Mitwirkung des Völker- bundes an der Kohlenlage, den sie nunmehr errungen haben, zu bewahren und auszubauen. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete H u s« m a n n empfing nach Schluß der Sitzung die deutsch« Presie und wies dar- aus hui, daß die Kohlenverhandlungen der Initiative der Bergarbeiterinternationale ihren Ursprung verdanken und auch diese Konserenz sich in der Hauplfach« mit der Forderung der Bergarbeiter beschästigen muhte. Als Gewerkschaftler sei man gewöhnt, daß die leitenden Beamten und die Vorfitzenden der Kon- screnz die Jnitiatwe der Konferenz übernehmen. Das fei in Genf nicht der Fall gewesen. Der Völkerbund schein« geneigt, die Znikiakive und damit die Verantwortung den Znteressenten zu überlassen. Huseenann betont« weiter, daß wohl Nuancen, aber keine grund- sätzliche Verschiedenheit zwischen den Bergarbeitervertretern der ein- zelnen Länder über die Auffasiung der Lage und über die zu er- hebenden Forderungen beständen. Entgangenes Ziel. finanzpolitische Debatte in Vn'ghton. Für oder gegen erhöhten Bankdiskont. Brighlon. Z. Oktober.(Eigenbericht.) Im Mittelpunkt der Donnerstag-Vormittagssitzung des Kon- gresses der Arbeiterpartei stand eine Rede des Schatz- kanzlers Philipp Tnowden, die sich im wesentlichen mit zwei großen Fragen befaßt«: mit der Erhöhung des Bank- d i» k o n t s durch die Bank von England und mit der grundsätz- lichen Bedeutung des Börsenkrachs der Hatry-Grupp«. Snowdens Ausführungen hinsichtlich de, Bankdiskonts wurden trotz ihres theoretischen Charakters mit großem Interest« an- gehört, da«ine unter der Führung des Nationalökonomen W. S. Mise stehende Gruppe des Kongresses die Einbringung einer außerhalb der Tagesordnung stehenden Resolution ankündigte. In dieser Resolution wird eine Untersuchung der Wirkungen der Er- höhungen des Bankdiskonts gesordert. den die Gruppe Wis« als einen verstärkten Sabotageakt der Bant von Eng- land gegen die sozialistisch« Regierung zu betrachten scheint. Snowden wollte in seiner großangelegten Rede, bei deren Abschluß er Gegenstand herzlicher Ovationen war, sichtlich die übertriebenen Vorstellungen von den ungünstigen Rückwirkungen auf den Arbeitsmarkt auf ihr berechtigtes Maß zurückführen. Er betonte in- langen grundsätzlichen Erwägungen. daß die Erhöhung des Diskontsatzes in weitaus höherem Maße dem bedenklichen Abfluß von Gold ins Ausland Einhalt ge- bieten würde, als irgend jemand vermuten könnt«. Im Hinblick auf den vor zwei Monaten erfolgten Börsenkrach Hatry teilte Snowden mit, daß zurzeit Untersuchungen vom Handels, und Schatzamt vor- genommen würden, und er keinerlei Bedenken habe, die bestehenden, für die Aktien- und verwandten Gesellschaften geltenden Gesetze zu ändern und zu ocrschärsen, falls sich dies als notwendig er- weisen sollte. Mise zog angesichts des Versprechens Snowdens seine Resolution zurück, betont« aber gleichzeitig, daß die Erhöhung der Bantrate sich als Deflation auswirke und daher einen ungünstigen Ein. jluh auj den BetchastigMgsgrod habe,___,___,.. i «.Sie kommen zu spät, meine Herren!—(Zr ist tot.* Wie sie gestern noch hetzten? Llnd wie sie morgen wieder hetzen werden. Wie Erzberger und Rathenau, die Mörderkugeln zum Opfer fielen, war auch Stresemann Angriffsziel einer wüsten nationalistischen Hetze. Wie sehr diese Angriff« der politischen Gegner alles Maß überstiegen, zeigen die solgenden Zitat«. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" gab in der Nummer 320 vom 10. Juli aus der Rede des Abgeordneten Hugenberg in Münster folgende Sätze wieder:„Es muß in Deutschland eine Schar leben, di« nichts anerkennt, was Schwachheit und Bolksverrat über uns verhängen. Di« Pariser Abmachungen sind das Zeugnis höchster ruhebedürftiger Feigheit. Es gibt Wölker in der Welt, die für das feige und unfähige Deutschland Breilscheids und Stresemann, nichts als Verachtung empfinden. Wer diesmal auf der anderen Seite steht, mag sich überlegen, ob sein Name nicht vor der Geschichte geächtet sein wird." Iuftizrat Claß führte auf dem Alldeutschen Verbandstag« in Würzburg(laut„Deutsche Zeitung" Nr. 205 vom 2. September) aus: „Was Herr Stresemann als Führer der deutschen Abordnung im Haag verbrochen hat, setzt seiner sachlichen Unfähigkeit die Krone ans... Was ist«in Scheidemann im Vergleich mit diesem Minister des Aeußern? Ig der Ze�chichle wird der Name Stresemann unmittelbar hinter dem Erzbeffgers stehen." Die„LaitdeSzeitung" in Rudolstadt gibt am 3. September 1920 aus der Rede des Stahlhelmgausührers Helwig, die dieser in Jena hielt, folgende Worte wieder:„Der klar« Trennungsstrich, der jetzt gezogen werden muß, ist nicht zu ziehen zwischen Deutschnationolen und Sozialisten, zwischen rechts und links, sondern Zwischen Deutsche und Lumpen." Es ist ein beschämendes Zeugnis für die politische Unreif« breiter Schichten im deutschen Valke, daß gegen die Politik der Befrehrng und Befriedung' ein derart maßloser Kampf gesührt wurde. «.Es ging mir auf die Nieren.� München, 3. Oktobel-.(Eigenberichts Ein mit Stresemann eng befreundeter prominenter deutscher Wirtschaftsführe schildert in der Münchener Telegrammzeitung sein letztes Zusammenseinmit dem Verstorbenen am oer- gangenen Sonntag: Stresemann, der sich recht schwach fühlte, sagte dabei:„Jetzt erst weiß ich, wie das Wort entstand: Das geht mir auf die Nieren. Ich muß es täglich in seiner furchtbaren Wahrheit ersahren, wenn mich meine Gegner besudeln." Am schwersten habe ihn das Hugenberg-Volksbegehren getroffen. Stresemann nannte es eine Infamie sonder- gleichen. Dieses Volksbegehren sei vielleicht auch die Ursach« seines raschen Todes. Es sei für Stresemann ein niederschmetternder Ge- danke gewesen, daß er, der alle seine Gesundheit dem Wiederauf st leg Deutschlands opferte, für sein« ganze Mühe den Namen einea Landesverräters ernten sollte. Mit größter Scheinheiligkeit spricht das Münchener Hugenberg. Blatt von dem h ohem Idealismus, von dem sich Sbresemann in seiner Außenpolitik.ohne, Rücksicht aus seine Person und seine schwer erschütterte Gesundheit habe leiten lassen. Diese Feststellung hindert dos Blatt aber nicht, in der gleichen Nummer seine Hetzpropaganda für den Z u ch t h a u s p a r a g r a p h e n des Bolksbegehrens fortzusetzen. Das Hitler-Organ, das in den letzten Wochen soundsooft in großen Ueberschristen„Zuchthaus und Galgen für Stresemann" gefordert hatte,„sieht angesichts des Todes von einer weiteren Beurteilung seiner Person ab". „Wir haben kein Präsidium" Vom Generaldirektor, der nicht mitarbeiten wollte Die Leute, die ihr Geld in die Komödie tragen, sind zu be- dauern. Am Donnerstag konnte man in der öffentlichen Verhand- lung des preußischen Untersuchungsausschusses über den Raiffeisen-Standal ein Lustspiel völlig umsonst genießen. „Wir haben kein Präsidium", singen die Chorstudenten an der Kneiptafel, wenn der Präside versagt. Der Kantus geht dann be- tanntlich weiter:„Auf dem Dache sitzt ein Greis". So hat man zur Zeit des Generaldirektors Dietrich auch in der Raiffeisenbank gesungen, und nicht einmal leise. In der Nach- mittagssttzung sah sich durch ein« Fragestellung de, kommunistischen Abgeordneten Schulz der ehemalige Mitdirektor S e e l m a n n- E g g« b e r t veranlaßt, dem Ausschuß einmal rückhaltlos sein Herz auszuschütten. Seelmann betonte nochmals, daß es In dieser Bank Prästdiaisitzungen so gut wie gar nicht gegeben hat, denn der Generaldirektor Dietrich war meist nicht erreichbar Di« wichtigsten Gegenständ« konnten nicht besprochen werden, über die größten Geschäfte wurden die Meinungen im Direktorium nicht ausge- tauscht,—„Da sind also di« Herren," bemerkt der stellvertretende Borsitzende, Genosie Leinert, sarkastisch, „in diesem Saal eigentlich zum ersten Male vollzählig beieinander versammelt?" Seelmann(resigniert):„Da haben Sie leider nicht so ganz unrecht," Herr Seelmann hat sich allerdings bemüht, gemeinschaftliche Sitzungen zustandezubrmgen. Er schildert, wie er wiederholt an den Generaldirektor Dietrich mit der Bitte herangetreten sei:„Herr Generaldirektor, reihen Sie sich doch in unsere Forrt ein, arbeiten Sie doch bitte mit." Aber der Herr Generaldirektor arbeitete nicht mit, er zog es vor, als Reichstagsolzeprösidont den großen Herrn zu spielen, was ihn aber nicht verhinderte, sein Gehalt von 2500 Mark monatlich bei der Raiffeisenbank pünktlich abzuheben und nebenbei noch sich von der Bank einen in die Hunderttausend« gehenden Kredit geben zu lassen. Man ist beruhigt: Hc.rr Dietrich hat wenigstens in der Bank die Stell« gekannt, wo das Geld aus- gezahlt wurde. Und das ist ja wohl für einen Deutschnationalen die Hauptsache. So geschah es, daß auch in den Aussichisratssitzungen der Vorstand keine einheitliche Meinung vertreten konnte. Auf die Frage des Aufsichtsratsoorsitzenden Klingenbiel, welcher Ansicht denn der Vorstand in einer bestimmten wichtigen Sache sei, mußt« Seelmann antworten:„Der Vorstand al» solcher pflegt bei un» überhaupt keine eigene Meinung zu haben." Natürlich protestiert Dietrich gegen diese Darstellung, aber man hat den Eindruck, daß er mit seinem Worffchwall nichts widerlegt. Direktor Schwarz unterstützt die Darstellung von. Seelmann. Man gewinnt mehr und mehr den Eindruck, daß sowohl Dietrich wie der ehemalige Präsident der Preußenkass« Semper sich diesen Mann als bequemen Sündenbock für ihre eigenen Versäumnisic ausge- sucht haben. Seelmann betont noch, daß er oft entschlossen war: „Zch gehe weg. Das ist hier nichk zu erlragen."' Letzten Endes aber hat ihm doch der Mut der Konsequenz gefehlt. In der Vormittagssigung war dieser Posse eine sehr ernst« Auseinandersetzung vorangegangen: Der stellvertretende Vorsitzende Leinert und der Berichterstatter Kuttner hielten den Borstands- Mitgliedern die Goldmartbilanzen vom 1. Januar und 3t. Dezember 1924 vor und wiesen— in Uebereinstimmung mit dem Reoistons- bericht— nach, daß es sich um frisierte und schöngesärble Bilanzen handelte. Die Vorstandsmitglieder suchten sich zu verteidigen, ober sie konnten doch nicht plausibel machen, nach welchen kaufmännischen Grundsätzen man sür 40 Millionen Mark Forderungen an Schuld- ner, di« bereits völlig illiquide waren, und deren Deckung mehr als problematisch war. mit 100 Prozent aktiviert in die Bilanzen ein- setzt, wie bei Raisseisen geschehen. Die Konferenz der Präsidenten. OaS Ergebnis vom Haag. Di« Aussprach« der Reichsregierung mit den Staats- und Mi- nisterpräsidenten der deutschen Länder über da» Ergebnis der �jaoger Konferenz wurde am Nachmittag im Kongreßsaol de» Reichskanzler- Hauses fortgesetzt. I» eingehender Aussprache wurden aus Grund von Aeußerungen und Anfragen der Länderverireter und ent- sprechenden Darlegungen der Vertrcler der Reichsregienmg sämtliche mit der Konserenz zusammenhängende Probleme durchge- sprachen. Di« Konserenz wurde vom Reichskanzler gegen 5 Uhr nachmittags geschlossen. Da die Aussprache lediglich der Orientie- rung der Länderregierungen diente, wurden Bcscb'üsse nicht Reuer Volkskommissar sür Arbeit. Das Präsidium des Boll- zugsausschusses der sowjetrussischen Republiken hat den Kommunisten Romanow zum Volkskommissar sür Arbeit ernannt. Der Bor- gänger Romanows. Bahmutow, wurde seiner Stellung entsetzt, weil « sich gegen die Politik Stalins ausgesprochen hat. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt) Königstr, Rosenthaler Str. Montzplatz Preise für Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat, Mengenabgabe vorbehalten. Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt Billige Gaskocher 2 Loch, schwarz lackiert.. 7.50 do. mit doppelt Sparbrenner 10.75 2 Loch, emailliert...... 11,75 do. mit doppelt Sparbrenner 13.50 Z Loch, schwarz lackiert geschlossen 17.50 .„.j_ 3 Loch, weiß emailliert, mit Soarbrenner, mit qk rkr» Gasherde Bratofen und braun emaillierter Platte..... ÖO.W Teilzahlung(ür Abnehmer der Städtisch. Gaswerke (füurstwaren SÖIZC....... Pfund 0.45 Dampfwursi. Pfund 0.90 Roiwurst....Pfund 4.40 W iencrW ürstch. Pid. 4.45 Leberwurst(inwiam 4.25 Mettwurst(Br«Beiw.w) 4.45 Jagdwurst...Pfund 4.45 Filetwurst...Pfund 4.65 Schfnkcnwurst pm 4.65 Frisches Fleisch Kaller mild gesilzen......... Pfund Kalbskamm u.-Brust...prund Kalbsniercnbratcn...... prnnd Kalbskeule{•» und geteDt.... Pfund Kalbsschnitzel.......... Pfund S di wcincbauch"• ÄSig., Pfund Schweinekamm** �'enfi.g-. ptund' Schwein es(hinken....... pind Querrippe Pfd. 0.80 Gulasch Pfd. Rinderkamm u.'Brust Pfund Schmorfleisch m,tKnÄ 1.10 Ä Roastbeef mit Knochen....... Pfund Rinderzungen.......... ptund Gebadetes............. Pfund 1.35 0.86 0.94 1.05 2.10 1.22 1.26 1.30 0.95 0.85 1.30 110 1.20 0.80 Prima Gefrlerfleltch Rinderkamm u. Brust...prund 0.80 Hammclvordcrfleisch... Pfund 0.88 Hammelrücken......... p.und 0.95 Ohst u* Setnüse Feine Leberwurst 4,80 Zervelat u. Salami 4.80 Speck fett.... Pfund 4.35 Sdiinkcnspcck pw- 2.40 Kochscfeinkcn Pfund 2.40 Königstr., Rosenthaler Str., Morltzpl.t Landl eberwur st Pfd 0.95 Knoblauchwurst'fd 1.15 Polnische Wurst f-t 4.45 Pflaumen 5 Pfund 0.55-n Kodtapfel■■ 5 Pfund o.ZO Tafclapfcl...Pfund 0.15 Goldparmänen Pfd. 0.25 Kodibirncn 3 Pfund 0.25 Graubirnen hon. Pfd. 0.20 Bcrgamoitbirnen 0.20 Weinfrauben.Pfund 0.25 Kislchen, ca. 3'/» Pfd. br. 1,45 Wlnlerkarloffeln Zusendung in Groß-Berlin per ߀ase Um �ette Ramadou..■ smc- 0.22 Camembcrl"voifett 0.24 Limburger p». 0.58 1.05 Holländer Pfd. 0.20 4.40 Edamer Pfund 0 25 4.40 Margarine Pf'■»'■ 0.12 Zwiebeln 3 Pfund 0.20 prima Qaalil&t, O O K Zentner von ai1 Zentner 0.50, Sackpfand 0.50 Olympia-Mehl BeJfcr0.56 0.60 1.20 1.35 1.45 Rauhreif-Mehl.............. 5-piund-Bcuiei 4 45 Kartoffelmehl Pfd 0.20 Maispuder.. Pfund 0.27 Mandeln 1.90 2.60 Kokosnuß geraspelt 0.52 Sultaninen o-ds.e.sz. 0.38 Rosinen Pfund 0.38 0.48 Korinthen ffd 0.62 0.68 Zitronat•»• Pfund 1.60 Vanillin-Zuckcr5 Beuiei o.io Backpulver 5Beuiei 0.30 Linsen 0.20 Viktoria-Erbsen 0.24 Bohnen ewe0.26 Puddingpulver mit Vanille- und Mandelgeschmack, Pfund 0.40 Geflügel u. Wild Tauben........... stach von 0.72 Suppenhühner......ptund von 0 88»» Brathühner.........ptund von 1.13>■> Enten frisch geschlachtet.... Pfund von 1.23 an Hirsch'Ragout........ ptund 0.48 Hirschblattcr....... prund von 0.90 an Rebhühner auslladlache... stach 0.98»n Junge Gänse n. Gänsefleisch billigst Fische Bratschollen..Pfund 0.08 0.18 0.40 Plötzen u. Dorsche..... Pfuad 0.18 Hornaalc............... Pfund 0.20 Schellfische........ Pfund 0.23 0.38 GoldbatS ohne Kopf, ganze Fische, Pfund 0.34 Kabeljau ohne Kopf, ganze Flache, Pfund 0.36 an FlSCfafilct feines....... Pfund von 0.63 aa Grüne Heringe. 3 Pfund 0.48 0.70 Theater, Lichtspiele usw. Winrer � Qarren* Jsabellta Külz». weitere Attteklionen ie«d u. Sonnt aq Je 2 Verstell unaen »» und 8 Uhr. 3» kleine Preise. CASINO-THEATER bolhringer S trage 37. Neu! TigUeh 8';< Uhr neul Vertagte HochzeltsnacM! und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Cutschein für I— 4 Personen Fauteuil nur 1.25 M, Sessel 1.75 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Reichshallan-Thealer Abend*(T] Sonntag nachm.|T| Des groBen Andrangs wegen immer noch das Fest- Proa ramm Bit fei ulkigen Schluss-Revue: .»ei de Stettiner' Billettbest. Zentrum 11263. Dönhoff- Brettl: »rtatck— Tan«— Konsart. Regie: 8 Uhr 8 Uhr dtr Btpiblik 7'h Uhr Die FteiierniaDs Kammersplele D.I. Norden 12310 S'i, Ende gegen 10"> Oer Onvidersteiiiielie Komödie von Qdraldv und Spitzer ftegie: Gustaf GrQndgens Metropol-Th. Täg1.8>;.Uhr Naricfla Hnslkf. Oskar Slraos Ktthe Dorsch Michael Bohnen Direktion Dr. Robert Ktelr Oeotsehes Künstler-Theat Barbarossa 3937 8-i. Uhr Die andereSelte SerliDer Theater J>önhoflI70 8',. U. Zwei Krawatten von Georg Kaiser Musik Spolianskv Vorverkauf auch im Pavillon der Rein- hardtbDhnen, Kurfürstendamm. Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 Deotidiei Theater D.I. Norden 12310 8 U- Ende gegen 1 1 Die Fledermaos Musik v.|oh. Strauß Regie: Max Reinhardt. Dirigent E. W. Korngold. Ausstatte L. Kainer GROSSES SCHAUSPIELHAUS täjl. 8 Uhr Regie: ERIK CHARELL Btsanu-lissiitluo: Prot. Ernst IMri.{ Musikalische Leitung: EmtüdDlg. TjjjjfEES 1 U Ul11 ungek. hsllj« Pr« i Die KomOdie J 1 Bismck. 241 4/7516 8'.'. Uhr Ende geg. I0>h Uhr Holporlage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Planelannm —— am Zoe «irllu. lodiinilhslv StraSi B.S Barbarossa557f 10'« Uhr Kerbst- ebenda am Sternen- rimmel 18'/. Uhr Bit sn dl* 6 ranzen der Welt 20'/. Uhr Rateel des Sternenliente« rggl. außer Montags Mittw. Erwachs 1 Mk, Kinder SO PI Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 Pt « UM spoiat mun gut um billig r Nur aross-Bariin Lessiog-Theater Nordep 10846 Gruppe Junger Schenaptcler Täglich 8'/« Uhr cyankall I 218 von FrtMrldi Voll Heines Theat. Merkur 1624 Täglich S'/s Uhr Max Adalbert als Nanie am Flügel Rudolf Nelson Lnslsplelhtgs Frjedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 3'/. Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Tkni.mRonD.Tor Kottbusser Str. 6 Tägl.«Uhr auel Sonnt. nachm. 3 U. Eine- Säuger Der dopg tlte Alvlij.Ein Weit- re. 25S3i84. Ideal, h. Westens Täglich V/4 Uhr Sonnab u. Sonntag 4 und SVi Uhr Der Welterfolg Friederike Musik von Frans Lchar JUERGENS Alexandarplafz N.Ii. Kini(slr.43 G G N-lSMl BEEUN C2> SPANOAUER STRASSE• KONIGSTRASSE SONNABEND, 5. OKTOBER BLEIBT DAS KAUFHAUS GESCHLOSSEN Nr. 465. 46. Jahrgang' ��01*0)0�0 Z-rettag, 4. Oktober �929 SBenn mir an den„armen Künstler' denken, dann sehen wir ihn noch immer ungefähr so, wie ihn uns«inst Spitzrveg in dem „armen Poeten' zeigte: In irgendeiner Dochkammer, Verse skon- dierend oder, das Aug' in holdem Wahnsinn rollend, an einem Bilde schassend, dessen leuchtende Farben, dessen lachende Freude zu der Aennlichkeit der Umgebung in einem grotesken Gegensatz stehen. Der„ganz gewöhnliche Mensch' hat ja meist so wenig Beziehung zu Künstlern, daß es den messten gar nicht zum Bewußtsein kommt, wie überaltert ihre Vorstellung eigentlich ist. Dabei ist es eigentlich wahrhaftig keine Novität mehr, daß fast alle Künstler, bis sie sich einmal durchgesetzt haben, irgendeine andere Arbeit suchen müssen, die ihnen wenigstens dos tägliche Brot sichert, und wenn es noch so kärglich ist. Schon Böcklin mußte in Rom für einen industriellen Amerikaner noch„einem neuen Versahren' Ansichten von Porto yAchzio nach Photographien herstellen, arbeitete Kunsthändlerkitsch (den heutigen Auktionsölgemälden gleichzusetzen) und zeichnete und malt« schließlich sogar anatomische Präparate! Und so sstzt mancher noch heut an den goldgerahmten,„echt handgemalten' Blumen- stücken. Neben diesen allen aber gibt es unglückliche Liebhaber der Kunst: Ist sie dem einen ein Leuchtfeuer, das ihn durch alle Nöte schließlich doch in den sicheren Hasen leitet, so ist sie dem anderen ein trügerisches Irrlicht, das ihn vom sicheren Wege der Bürgerlich- keit in Not und Elend lockt. Ahnungslos geht man eines Tages durch«ine der grauen Straßen des Berliner Nordens und sieht, vor einer Kellertür ausgestellt, plötzlich eine Reihe unwahrscheinlich bunter Bilder: Landschaften und Porträts, deren jedes eigentlich Grund für«ine Beleidigungsklage des Dargestellten wäre. Zuerst mutmaßt man wieder eine dieser fliegenden Bilderausstellungen, die mit ihren auf Raten zu beziehenden, schlechten, aber sündhaft teuren Oeldrucken an Lohntagen die Arbeiterviertel überschwemmen! aber plötzlich sieht man: Herrgott, das find hier ja alles„bnginalölgemälde!' Richtig handgemalt... und dabei sollen sie noch nicht die Hälfte so viel kosten als die Oeldrucke, wenn sie auch an Farbigkeit reichlich mit ihnen konkurrieren können! Da sitzen herrlich gelbe Paradiesvögel, da leuchten unwahrscheinlich schöne Landschaften, da ist sogar ein Halbakt einer Frau, der gut einen halben Quadratmeter bemalter Leinwand einnimmt und mit Rahmen nur IS Mark kosten soll. Und wahrhaftig: Unten, am Fuß der Kellertreppe, sitzt der Künstler in eigener Person und malt an einem Bild, in dessen Künstler in eigener Person und malt an einem Bild, in dessem Vordergrund«ine ausgezogene Dame sitzt: Vor ihr kniet eine Zofe, im Hintergrund umarmen sich zwei Menschen. Eine erhabene Un- abhängigkeit von den Gesetzen der Perspektive und der Anatomie begeistert den Künstler zu einer wahren Farbenorgie. Achselzuckend will man schon vorübergehen— da sieht man an dem„Firmen- schild' noch den Zusatz:„M itglied der Deutschen Kunst- gemeinschaft' und den Zusatz, daß drei der Bilder dieses Künstlers in der Ausstellung im Schloß zu bewundern sind. Und wahrhaftig: Er glaubt ganz fest, daß die Jury seine Ge- mälde zur Ausstellung zulassen wird— ist«r doch Mitglied der Kunstgemeinschaft und kann er doch, nach seinen Reden, unendlich mehr als alle Prominenten,„die nicht einmal die Aeste richtig an die Bäume heranmalen'. Und er hat darum seinen bürgerlichen Beruf an den Nagel gehängt und ist begeistert von seinen„Oelbildern", denn„so ein Oelbild hält sich, und so was verstaubt und vergilbt nicht, da haben Sie was von, wenn Sie sich das zulegen...' Vor kurzem ging ein junges Mädel mit einer selbstgestickten Schärpe spazieren:„Ich suche einen Verleger'— wenige Monat« früher bot ein Kabarett seinen Gästen billiges Futter für ihre Spottlust und Laune durch die Vortröge unbegabter, kunstbesessener Dilettanten. Und nun sieht man, wie auch die wohlgemeintesten Hilfsorganisationen zu trügerischen Brücken �ins Nicht, werden können; denn selbst wenn auf dem Wege des kunstbesessenen Dilettanten ein Schild stände:„ijalt! Wer weitergeht, muß ver- hungern—' ihn würde es nicht schrecken... Kein Zeppelin-Empfang in Berlin. Oie Fahrt wegen ber Trauerfeier für Stresemann obgefogt. Die geplaMe Begrüßung des Luftschiffes„G ra f Z e p p e l i n" und der Empfang Dr. Eckeners und der Mannschaft des Luftschiffes am S. und 6. Oktober durch Reichs-, Staats- und städtisch« Behörden sind wegen des Todes des Reichsaußenmini st ers Dr. Stresemann abgesagt worden. Ebenso findet die Landung in Staaken nicht statt. Im übrigen ist die gesamte für morgen geplante Zeppelinfahrt Schlesien— Berlin— Ostpreußen vom Luftschiffbau vertagt wordfcn. Es ist aber vorgesehen, am Montag oder Dienstag«ine Fahrt nach Schlesien zu unternehmen. Das Luftschiff wird dabei eine andere Route wählen, da es von Schlesien aus direkt wieder nach Friedrichshasen zurückkehrt. Die Berliner Reise fällt auch dann aus, ebenso wird die geplante Ostpreußenfahrt in diesem Herbst nicht mehr stattfinden. ®-l Copyright 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A-Q., Berlin Was machen die Sanitätsbestände? Funk hat im Wagen keinen Perubalsom mehr für die zunehmenden Krätzekrank- heiten. Keinen reinen Alkohol für Säuberungszwecke, für Desinfektion, kaum mehr Spiritus. Die Papierersatzbinden reißen, wenn man sie in die Hand nimmt. Die Einspritzungen gegen Starrkrampf müssen unterbleiben, sie sollen im La- zarett nachgeholt werden. Dies und anderes wird von der Karte gestrichen. Die elastischen Binden zum Abschnüren von Schlagaderoerletzungen sind alles, nur nicht elastisch: die neuen Rekordspritzen sind aus Behelfsstoffen so gebaut, daß sie gar nicht oder mangelhaft funktionieren. Die Zahl der angeforderten Fieberthermometer, der Hohlnadeln, der Am- pullen wird um zwei Drittel gekürzt. Das Verlangen nach dreieckigen Tüchern wird ganz gestrichen. Der Herr Korps- arzt ist ausverkauft. Was er tropfenweise nachgeliefert be- kommt, ist miserable Ware.„Sie sollen ihren Hundskrieg aufgeben, ihren verreckten, wenn sie nix mehr haben, womit sie ihnen führen können,' schimpft Feldwebel Bethge. Dabei ist er noch einer von den wenigen, die nicht ganz ohne Bereit- Willigkeit wären, weiterzumachen, gäbe man ihnen nur das Nötigste. Weiter geht es trotzdem! Mit der Beschießung Londons st es nichts~ dafür sind die Amerikaner endlich fühlbar. In welchen Mengen die Flieger kommen! In Horden, in Schwärmen! Sie verdunkeln die Sonne, wie die Pfeile der Perser einst für die kleine Schar des Leonidas die Sonne ver- dunkelt haben. Was nicht kommt, ist dringender Soldatenersatz für die ausgepumpten, derart lückenhaften Kompagnien, daß mehr Lücken als Männer da sind. Es gibt„kriegsstarke", die den grotesken Bestand von zwei Dutzend Leuten aufweisen. Wie hilft man sich? Jedes Bataillon wird um eine Kom- pagnie verringert. Das Regiment streicht einfach drei Kom- pagnien, sie fallen unter den Tisch. Dadurch wird die ein- zelne Einheit stärker, famos. Wird das Regiment auch stärker dadurch? Es tut jo als bliebe es, was in guten Zeiten war. Es kennt noch die Zahl zwölf: die zwölfte als letzte Kompagnie, wie einst. Es kennt nur die Zahlen zwei, sechs und zehn nicht mehr. Ein Rechenkunststückchen, das dem Gegner die Zukunft so unzweideutig rosig hinmalt wie kaum irgendein Sieg. Denn sicher erfährt er davon. Immerhin: die Division hat noch Infanterieregimenter, ein Artillerieregiment hat sie überhaupt nicht mehr. Da tut man gleich ganze Arbeit, weil die Pferde immer rarer wer» den: vermutlich übrigens auch die Kanonen und Artilleristen. Inzwischen landen die Amerikaner massenhaft— und Engländer unablässig in jenem Calais, das Hauptmann Blume versehentlich erorbert hat. Was beginnt man in solcher Lage? Man macht weiter. Auch Funks Regiment macht weiter. O nein— kein« Rede von längerer Beschaulichkeit. Auch keine Rede davon, daß sie den Kriegsschauplatz wechseln, sie glauben selbst nicht inehr daran, sie fühlen, wie der Westen jeden Mann ab- sorbiert, der noch aus einer Flinte feuern kann. Ein neuer ist als Regimentsarzt bestellt und angelangt, ein Oberarzt, der soldatisch ebenso ehrgeizig wie beruflich reizbar ist: von einer gekrampsten Schneidigkeit, mit dem Willen gerecht zu sein. Ein junger Oberarzt, ein eben be- förderter, als höchster Truppendoktor. Warum nicht? Kürzlich hat«in Feldwebelleutnant ein Bataillon geführt, weil nichts Rangbesseres da war— ein Bataillon, das vorher einen adligen Major an der Spitze sah! Nach dem adligen Major ein dienstergrauter Polizeiwachtmeister als Batoillonsführer. Wohin geht es? Noch wochenlangem Hin und Her, noch Bereitstellungen, Zurückziehungen, Vorschüben, nach täglichem Wechseln der Unterkünfte, später nach täglichen Märschen die gleiche Strecke hinauf und hinunter, nach Eilenbahnfahrten ins Hinterland, nach hastigen Fahrten in Lastkraftwagen wieder nach vorn-- geht es an die Marne. Zlber vorher verabschiedet sich schon wieder ein Regimentskommandeur: jener, der eben erst auf Major Dusang gefolgt ist. Wie er heißt, weiß man nicht so recht, auch ein französischer Name, es geht zu schnell, du kannst dir die oertrakten Silben nicht merken.— Der jetzt kommt und länger bleiben wird, heißt von Artigand, ein richtiger Oberstleutnant. Es ist, als ob nur noch Franzosen das Regiment gegen Franzosen führten. In die Beule geht es hinein, die bis Chüteau Thierry vorgetrieben ist: Ergebnis der letzten der drei Offensiven. Es ist unzweideutig Sommer geworden; fie gelangen über Fdr« Die Gklarek-Äerträge. Stadtrat Gabel will Puste« und Mandat niederlegen. Gestern hat im Magistrat eine eingehende Besprechung über die bekanntgewordenen Verträge mit der Firma Gebrüder Sklarek begonnen. Wie das Rachrichtcnamt der Stadt Berlin mitteilte, hat ein Vertrag zwischen der LAG. und der Firma Sklarek aus dem Zahre 1926 in der Tat be- standen. Es handelt sich um keinen Geheimvertrag: der Aussichlsrat der BAG. hatte davon Kenntnis. Stadtrat G ä b e l, dessen Unterschrift der Vertrag mit den Sklareks trägt, gibt der kommunistischen Presse eine E r- k l ä r u n g, in der er mitteilt, daß er mit der Kreditgebarung der Stadtbank in keiner Weise etwas zu tun gehabt habe. Die angeb- lichen„Geheimverträge" der VAG. mit der Firma Sklarek sollen nach der Erklärung Gäbels, die allerdings im Widerspruch zu den Mitteilungen des Stadtkämmerers Dr. Lange steht, neben dem Auf- sichtsrat der BAG. auch der Finanzverwaltung bekannt gewesen sein. Bis zum Abschluß dieses Vertrages seien mehrere die BAG. finanziell schwer belastende, bis zum Jahre 1930 gültige Verträge gelaufen. Diese seien durch den Abschluß eines für BAG. günstigeren Vertrages annulliert worden. Stadtrat Gäbel behauptet in der Erklärung an seine Partei, daß von„Geheimverträgen", durch die unter seiner Mitwirkung die Stadt geschädigt worden wäre, keine Rede sein könne. Stadtrat Gäbel gibt zu, daß es von i h in ein Fehler gewesen sei, einen solchen Vertrag, der einem „Kapitalisten eine gewisse Monopolstellung zusichert", abgeschlossen zu haben, ohne mit seiner Partei darüber zu sprechen. Wegen dieses politischen Fehlers werde er seine Funktionen als Stadtrat und Stadtverordneter niederlegen, nachdem er sein Möglichstes dazu bei- getrogen hoben werde, die Korruption, von der jetzt alle Beteiligten ablenken möchten, aufzudecken, woran ihn kein Amtsgeheimnis hindern werde. Der Aufsichtsrat der Berliner Anschaffungs- gesellschaft, dem Stadtrat Ahrens, Obermagistrntsrat Schindler, Verwaltungsdirektor Gutjahr, Stadtrat Degner sowie die Stadt« verordneten Braun, Linke und Bublitz angehören, hat gestern nach- mittag unter dem Vorsitz von Stadtrat Gäbel zu den Verträgen init den Gebrüdern Sklarek Stellung genommen und, wie vom Nach- richtenamt mitgeteilt wird, folgenden ein st immigen Beschluß gefaßt! „Der Aufsichtsrat der Berliner Anschaffungsgesellschaft stellt auf die verschiedenen in der Presse erhobenen Beschuldigungen folgen- des fest: J. Die Berliner Anschossungsgesellschast hat weder mittelbar noch unmittelbar mit der Kreditgewährung an die Gebrüder Sklarek irgend etwas zu wn. 2. Die Meldungen der Presse über das Bestehen von Geheim- vertrügen mit der Berliner Anschafsuirgsgesellschaft sind völlig aus der Luft gegrissen. Auf dem Vertragslieferantenverzeichnis der BAG. sind die Gebrüder Sklarek als Lieferanten für nicht typisierte Konsektion angegeben. Dieser Vertrag hat folgend« Vorgeschichte: Die frühere Geschästs- leihing der BAG. hotte mehrere die BAG. schwer belastende Liefe- rungsverträge mit der Firma Gebrüder Sklarek abgeschlossen. Diese Verträge sind, um die Stadt vor Schaden zu bewahren, durch Ver- Handlungen umgewandelt worden. Der Aufsichtsrat hat sofort nach dem Wechsel der Geschäftsleitung im Dezember 1926 dafür gesorgt. daß die Abwicklüng und Kontrolle der Lieferungen nach dem gleichen Prinzip, wie all« Lieferungsverträge bearbeitet werden, erfolgt. Das Amtsgericht Berlin-Mitte hat jetzt neben dem bereits erlassenen Veräußerungs- und Verpfandungsverbot gegen die Gebrüder Sklarek und ihre Firmen zur weiteren Sicherung der Masse bis zur Eröffnung des Konkursversahrens den Konkurs- Verwalter Schuster, Berlin SW. 11, Königgrätzer Str. ZZ, als vorläufigen Verwalter bestellt. en Tardennois an die Marne und gleich hinüber: die Kom- pagnien noch gut, Nachzügler schon unterm Eisenhagel der Kanonen, unterm Bombenhagel der Flugzeuge. Funk liegt mit seinem Wagen an einem Hang fest, er sieht den Fluß vor sich, lieblich geschlängelt, liebliches Ufer. Die Gefechtsbagage kann nicht hinüber, die Brücke liegt zu sehr im Feuer, ist dauernd kaputt, wird von Pionieren dauernd ausgebessert. Die Kompagnien sind drüben, Aerzte gleichfalls, es soll sogar schon einen Verbandplatz geben. Gibt es auch Ver- bandmaterial? Es wäre sehr wichtig, der Wagen könnte hinübergelangen. Er bleibt, wo er ist. Der Widerstand.des Gegners wächst an Dichte, begleitet vom Erfolg. Der Gegner hat die Deut- schen herangelassen, nur um sie desto kräftiger zurückzuwerfen. Funk liegt im Gras, er preßt den Leib an den Boden und horcht auf die� Einschläge: da— dort— näher— ferner — ganz nah. Wenn man Glück hat, kommt man wieder ein- mal durch, wenn nicht, erwischt es einen endlich. Unfern schreit ein Gaul, es ist ein wildes schnaubendes Weinen: Funk sieht das Tier später, zwei Beine sind ihm bis in Kniehöhe weggerissen, es siegt und lebt. Er wird zu verwundeten Fahrern gerufen, und während er sie verbindet, kommt der Befehl: schnell anspannen, ab- rücken in die Richtung, aus der man gestern gekommen ist. Zurück also, zurück! Es geht in der Folge mächtig, es geht tagelang rückwärts. Man wird vom Feind gehetzt und gejagt. Die kampierende Bagage, selbst sie, wird überall auf- gestöbert: kaum will sie sich in einem Waldwinkel festsetzen, rauschen und donnern die Schüsse herein. Wo ist Antwort der eigenen Artillerie? Sie scheint es nicht mehr zu geben. Nichts bleibt, als daß man weiter zu flüchten versucht. Hierbei wird einem Feldunterarzt die Brust tödlich zerrissen. Es ist merkwürdig: so viele hat Funk sterben gesehen— bei diesem will er's nicht glauben. Er hält den erkaltenden Kopf im Schoß, begreift nicht und schreit:„Herr Dr. Schwarz — Dr. Schwarz!' Dann läßt er den Toten fahren und rennt davon, denn die Angst überwältigt ihn, selber getroffen zu werden. Das wächserne Gesicht des jungen Menschen, der trotz allen Entbehrungen die Gabe gehobt hat. bis zur letzten Minute blühend auszusehen, beherrscht so sehr das Wald- innere, daß über Funk die panische Furcht herfällt: die Leiche da will nicht allein bleiben, sie lenkt den Tod bestimmt auf dich! (Fortsetzung folgt.) Mythe für einen Sechser. Wenn man gerade Zeit hat und an einem Bücherwogen vorbeikommt, dann stöbert es sich zu schön in diesem gedruckten Kunterbunt. Kein ungeduldiger Ladenbesitzer stört diese Unter- Haltung, der Büchermann ist es gewöhnt, daß seine Kundschaft lange, oft sehr lange wählt und dann zum Schluß— gewöhnlich doch nicht» tauftl Gedruckte Erzeugnisse grundverschiedener Art fallen einem da in die Hände. Detektiv- und Ltebesgeschichten, hausfrauliche oder ärztliche Geleitworte, Pilzkunde und Okkultismus, Landkorten und Wörterbücher. Wer ganz billig kaufen will und keine großen Anforderungen stellt, der findet sich hier als Käufer ein. Eben schwirrt ein Gymnasiast mit einem packenden Detektiv- roman ab, und ein ältliche» Fräulein ist emsig in die Lektüre über die verlängerte Lebensdauer des Einmachobstes vertiest. Der slie- gende Laden hat innerhalb seiner ach so billigen Preis« verschiedene Preisstufen eingerichtet. Detektwromane rangieren am höchsten, nach ihnen kommen alle anderen novellistischen Erzeugnisse monnig- facher Art. Die billigste Stufe ist die„S e ch s e r p l a t t e".'Da wühlt denn auch die Mehrzahl der Kaufkandidaten, aber keiner, außer dem Fräulein mit der Einmache-Wißbegier, findet hier das Passende. Zwischen Gallensteinbekämpfungs-Literatur und Alpen- führer führen Horner und Tocitus ein stillverträumtes Dosein. Eben erscheinen zwei neue Kauflustige aus der Bildfläche. Backfische von heute. Los auf die Sechserplatte und lustig drauflosgewühlt. Die beiden Mädels machen einen recht intelligenten Eindruck, könnten Studentinnen oder so etwas Aehnliches sein; aber der Schein trügt. Auch der Bücherchef schemt so zu denken, und er präsentiert ihnen die Odyssee. Da kriegt er ober einen oerächtlich-spöttischen Blick von den beiden, und die eine davon meint:„Mensch, wir wolln doch een Roman haben!" Bereitwillig öffnet sich den zwei Wißbegierigen die Courts-Mahler-Abteilung, und hoch im Bogen fliegt der arme Homer zurück an seinen alten Platz. Dort kann er weitermodern oder warten, bis ihn ein gütiger Lumpenmann zum Einstampfen holt. Gin berechtigter Grlaß. Gegen republikfeindliche Ausschreitungen in einer Schule. Hannover. 3. Oktober.(Eigenbericht.) Bon den in Goslar anläßlich der Verfassungsfeiern verteilten Kränzen für die Sieger im Jugendevettbewerb entfernten mehrere Schüler und Schülerinnen die schwarzrotgoldenen Schleifen. Sie wurden dafür von der Anstaltsdirektion mit der Androhung der Verwerfung von der Anstalt bedroht. Inzwischen hat der preußische Kultusminister eine eingehende Untersuchung des Tatbestandes vornehmen lassen und daraufhin an das Provinzial- schulkollegium in Hannover einen Erlaß gerichtet, in dem es heißt: „Bis auf weitere» entziehe ich dem Städtischen Realgymnasium und Gymnasium in Goslar das Recht, die Reifeprüfung in dex Schule selbst durch den eigenen Lehrkörper vorzunehmen und dem Städtischen Lycoum dos gleiche Recht für die Abschtußprüfung. Ich bitte, dafür Sorge zu tragen, daß der Prüfungsausschuß, vor dem die Goslarer Schüler ihre Prüfung nunmehr abzulegen haben, gerade dte Ergebnisse staatsbürgerlichen Mnlerrlchls und staatsbürgerlicher Erziehung besonder» sorgfältig feststell«. Ich bin ferner zu einer wirksamen Umgestaltung der beiden Lehrkörper gezwungen, deren EinzÄheiten ich in kurzem bekanntgeben werde. Die Bestäti- gung dadurch notwendig werdender Neuwahl behatte Ich mir vor. Jedoch ist der Stadtvertretung schon jetzt zu eröffnen, daß nur solche Persönlichkeiten Aussicht auf Bestätigung haben, die genügende Ge- währ gegen die Wiederholung derartiger beschämender Vorkommnisse bieten." Segen die Gchulzerstörer. Seit einiger Zeit werden in der Berliner kommunistischen Presse unter dem Titel.Schulterror, wüste Attacken gegen die von Dn Karsen geleitete Neuköllner Resormschule geritten. Es handelt ssch im besonderen um die Ausweisung eines Schülers aus den Arbeiter-Abiturienten-Kurfen, die als Verjuchsschule dem übrigen Schulganzen angegliedert sind. Die Entlassung erfolgte nach einer Schulgemeinde der Arbeiterkurte, in der der Schüler seiner Freude über die„k o n s p i- r a t i v e Arbeit", die seine kommunistischen Genossen gegen die Schule leisteten, Ausdruck verlieh. Die überaus große Mehrheit der lernenden Arbeiter an der Schule hat sich auf den Standpunkt der Schulleitung gestellt, daß ein Schüler unmöglich zu gleicher Zelt Schüler einer Bersuchsschule sein kann, deren Bestand er durch sein politisches, konspiratwes Wirten dauernd gefährdet. Der„Sozio- listische Schüler-Bund", der völlig im parteikommunistischen Fahr- wasser schwimmt, versucht« am Freitag, dem 27. September, in einer öffentlichen Versammlung in einer Neuköllner Schulaula, für den Relegierten Stimmung zu machen, stieß ober aus den ent» schl ebenen Widerspruch der lernenden Arbeiter an der Karsenschen Schul«. Erst nach Heranziehung kommunistischer Rollkommandos gelang es diesen sonderbaren„Kultur- kämpflern" die Abstimmungsergebnisse günstiger zu gestalten bzw. umzugestalten. Die lernenden Arbeiter aus den Abiturientenkursen brachten in einmütiger Weise zum Ausdruck, allen schulnihilistischen Hetzereien von kommunistischer Seite ihre«igen« Aktivi- tat, die sich aus Bestand und Aufbau chrer Schule stützt, aus da« entschiedenste entgegenzusetzen. Die Sprache als Mittel der VölkerSersöhnnng. „Die Freunde der Internationalen Klein- arbeit"(Fredita), die ein Teil der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung ist, Hot nunmehr ihr« außerordentlich erfolgreiche Tätigkeit aus dem Gebiete des Besuchsaustausches mit Gleichgesinnten anderer Länder beendet. In großen Beranstallungen im Berliner Gewerk- schaftshause ist die Bereinigung gemeinsam mit ihren englischen Freunden an die Oeffentlichkeit getreten. Es hat sich immer wieder erneut gezeigt, daß der Aufbau persönlicher Freundschaften mit Gleichgesinnten anderer Länder im Interesse der Sozialistischen Inter- nationale notwendig geworden ist. Ebenso hat es sich aber auch gezeigt, daß die Fremdsprache ein wichtiges Mittel zur Völkeroersöhnung ist. Reue Sprachkurse werden>etzl wieder eingerichtet in Englisch, Französisch uns Esperanto. Kroße Wandbilder gestalten die Stunden ungemein interessant. Bei regelmäßigem Besuch der Klassen kann jeder schon nach 2S Abenden zu je 2 Stunden beginnen, vor der Klasse stehend, frei zu sprechen. Bestehende Kurse der mittleren und höheren Stusen können jederzeit einige Neuaufnahmen vornehmen. Sprachkundige Gesinnungssreunde, die die Bereinigung er- fassen nköchte, damit sie ihr Können in den Dienst der Sache stellen. werden alsbald mit ausländischen Freunden in Fühlung gebracht. Der Unterricht wird im Zentrum der Stadt abgehalten. A n m e l- düngen können nur noch berücksichtigt werden, wenn sie schnell- stens erfolgen an den Leiter der Kurse, Genossen W. F l o e r k c langjähriger Lehrer städtischer Fortbildungsschulen in England und Schottland, Berlin SW. 19, Kurstr. 32(Telephon: Merkur 219S). Genosse Floerke erteilt jede gewünschte Auskunst. Aufnahme finden jedoch nur Parteigenossinnen und-genossen, sreigewerkschaft- lich Organisierte und mit uns Sympathisierende. Oer Rennplatz Die Millionenunierschlagung bei Nach mehr als einjähriger Voruntersuchung hat nunmehr Oberstaatsanwalt Tehlafs in der ausseheuerregendeu Unter- schlagungsafsäre bei der Kommandantur Berlin Anklage erhoben. Der Oberzahlmeister Hermann Alartin ist an- geklagt, in der Zelt von tSZS bis 1SZS rund eine halb« ZNillioa Amtsgelder unterschlagen zn haben. Zn Wirklichkeit hatte Marlin in dieser Zelt nach und noch nahezu 900 000 Mark der ihm anvertrauten Kasse entnommen. er hat aber etwa 400 000 Mark zurückgezahlt. Die entstandene Schädigung betaust sich genau auf 490 500 Mark. Martin war seit dem 1. Mär 1925 Obersekretär beim Heere»- wirtschasts- und Rechnungsamt der Kommandantur Berlin. Durch falsche Anforderungen hat er nach und nach die großen Summen hinterzogen. Er trug Zahlungen an wachtkompagnien ein. die niemals in Berlin gewesen waren. Durch falsche Buchführung wußte er seine Betrügereien ZU oerdecken. Es kam ihm dodei zustatten, daß sein direkter Borgesetzter, der Oberinspektor Woitschach je de Kontrolle unterließ, weil er angeblich keinen Anlaß zu Miß- trauen hatte. Im Laufe der Voruntersuchung hatte sich noch ergeben, daß Woitschach durch Zahlungen in Form von.Darlehen", die er von Martin erhielt, ein Interesse daran hatte, ein Auge zuzudrücken. Cr hat auch zugegeben, daß er fett dem Jahre 1927, als der Fehl- betrag erst 170 000 Mark betrug, gemerkt habe, daß die Zahlungen von Martin nicht aus eigenen Mitteln, sondern aus der Reichskasse erfolgt sind. Oberinspektor Woitschach ist daher auch mitangeklagt, Martin wissentlich Beihilfe geleistet zu haben, er wird ferner der Hehlerei beschuldigt. Außerdem hat ssch auch ergeben, daß Woitschach auf eigene Faust aus dem Kanttnenfonds etwa 7000 Mark unter- schlagen hat. Martin behauptet, daß er von den unterschlagenen Geldern nichts mehr besitze, er will alles restlos beim Buch- macher verwettet haben. Tatsächlich war Martin ein leiden- schaftticher Wetter, bei einem Buchmacher all.nn hat er 1928 bis zu seiner B erHaftung eine viertel Million auf Pferd« verwettet. Er pflegte 1300 Mark auf ein Pferd zu setzen und bedient« sich dabei Schreckensfahrt eines betrunkenen Chauffeurs. Zwei Kinder überfahren. Ein schwere, Autounglück, da» ein Todesopfer forderte, ereignete sich gestern abend in Neababelsberg. Der Kartosselhändler Erich Heil au» der Karlstraß« 34 kam mit seinem Lieferauto durch Neubabelsberg, um nach Nowawe» nach Haufe zu fahren. An der Kaiser-Wilhelm-Stroh« fuhr er zwei Kindes vor den Augen der Mutter an. Es war der 7 Jahre alte Olaf K l e i s i n g e r und seine 13 Jahr« alte Schwester Inge. Der Knabe wurde auf der Stell« getötet. Die Kinder weilten mit ihrer Mutter in Neubabelsberg bei Be- kannten zu Besuch: sie wohnen am Kottbusser Ufer 41 in Berlin. Der wilde Fahrer jagte weiter und überfuhr an der Karl- Eck« Müllerftraße«inen Arbeiter Otto D o r g e l, der dort mit seinem Handwagen stand. Endlich gelang es, den rasenden Autofahrer an- zuhalten und festzunehmen. Auf der Wache stellte es sich heraus, daß er vollkommen betrunken war. Es war bisher unmöglich, ihn zu vernehmen. Das schwerverletzte Mädchen sowie der Arbeiter Dorgel wurden ins Krankenhaus gebracht/ Moiorradungjück in Adlershof. Gestern abend eretgnete sich in Adlers Hof ein schweres Motorradunglück. Auf der Rudower �Hausse«, an der Kreu- zung der Verlängerten Bismarckstraße fuhr ein Motorradfahrer in vollem Tempo in ein zweispänniges Pferdefuhrwerk hinein. Der Führer des Motorrades, der 27jährige Obergerichtsvollzicher Wilhelm Bliesch aus der Spreestraße 4 in Niederschöneweid« wurde in hohem Bogen auf das Straßenpflaster geschleudert, wo er mit einein Schädelbruch und schweren inneren Verletzungen bewußtlos liegen blieb. Ein Pfert» wurde auf der Stelle getötet. Der Kutscher des Gespannes, das angeblich schlecht beleuchtet gewesen sein soll, blieb unverletzt. Bliesch wurde durch die Feuerwehr in dos Köpenicker Krankenhau« gebracht, doch konnte bei seiner Tinlieferung nur noch der Tod festgestellt werden. Gestern abend geriet ein Teschäftsauto infolg« des schlüpfri gen Asphalts an der Rordseit« des Leipziger Platzes, unmittelbar an der Stroßenbahnholtestell« auf den Bürgersteig und fuhr gegen die eifern« Umfriedung de» Rasens. Drei Personen, die an der Haltestelle aus die Straßenbahn warteten, wurden von dem Auto erfaßt und zum Teil erheblich v e r- letzt. Die Verunglückten wurden zur R e t t u n g» st e l l e in der Eichhornstrahe gebrocht, wo ihnen die erst« Hilfe zuteil wurde. Dampf- und Glekiroautobus. Reue Versuchswagen der VAG. Ein Mittagsblatt oervfkentRcht ein« Mitteilung Über Dampf- a« t o b u s s«, die angeblich bei der DBG.«ingeführt werden sollen. Dazu ist folgendes zu bemerken: Es hat lediglich ein« Probefahrt mtt einem Mäindampf-Personenwagen stattgefunden. Dieser Wagen ist mit einem Kessel ausgerüstet, der mit 100 Atmosphären U eberdruck arbeitet und«ine kleine, schnellaufend« Dampfmaschine betreibt. Der Abdampf wird über«nen Kondensator wiederum dem Kessel zugeführt, so daß das Kesselspeisewasser erst nach längerer Betrieb»- dauer ersetzt zu werden braucht. Ob die BDB. zu dem Entschluß kommt, Dampfautobusse in ihren Dienst zu stellen, kann nach dem augenblicklichen Stand der An- gelegenheit noch nicht gesagt werden. Dagegen sind die Pläne de- züglich der elektrischen Oberleitungsomnibusse so weit gediehen, daß mit dem Bau von zwei Dersuchswagen begonnen werden kann. Die Wagen werden auf einer wenig in Anspruch ge> nommenen Außen st reck« ausprobiert werden. Wiedereröffnung des Deutsch-Amerikanischen Theaters. Bor kurzem öffnete das Deutsch-Amerikanisch« Theater in der Köpenicker Straße in geschmockooller architektonischer Neugestaltung (Architekt Alex Ferenczy) wieder sein« Pforten. Der neugeschaffene Zuschauerraum, in einem warmgehaltenen braun-goldenen Ton mit blauen Lichtbändern gehalten, wirkt in seiner schlichten Pornehmheil angenehm und gemütlich. Bei der Eröffnungsvorstellung sprach Georg Alexander herzliche Begrüßungeworte und wies bei dieser Gelegenheit mif die rcichbewegte künstlerische Vergangenheit dieser Bühne hin. Woher stammt der Name Deursch-Ämerikanisches Theater? Die Aelteren aus der dortigen Gegend wissen es wohl, nicht mehr aber die Jungen. Bor etwa einem Lierteljahrhundert wurde an dieser Bühne amerikanisch« Theater- und Bairietekunst als Verführer. der Kommandantur vor Gericht. gleichzeitig mehrerer Buchmacher. Sein.System" ging dahin, durch «inen Außenseiter einmal einen außergewöhnlich großen Gewinn zu erzielen. Auf Antrag von Rechtsanwalt Walter Heyn ist Martin auf seinen Geisteszustand untersucht worden. Der Gcrichtsarzt, Professor Dr. Strauch, hat ihn jedoch für völlig zurechnungsfähig erklärt. Martin und Woitschach werden sich demnächst vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitt« zu verantworten haben. Die Hauptverhandlung wird hoffentlich Ausschluß geben, wie es möglich war, daß diese Riesenbetrügereien vier Jahre lang unentdecki «bleiben tonnten. Geraubte Einschreibebriefe im Postkurswagen. Der Postschaffner Rechen war Bahnpostbegleiter in einem Postkurswagen der Eisenbachnstrecke Berlin— Frankfurt am Main. Er hat mehrfach Einschreibebriefe, in denen er Geld vermutete, beiseite geschafft und zu Hause ihres Inhalts beraubt. Die Briese selbst keß er durch seine Frau vernichten. In einem der geraubten Briese, einem Einschreibebrief aus der Schweiz, fand er 2300 Mark. Einschveibsbriefe, die für ihn unverwertbare Wechsel oder Schecks enthielten, schloß er wieder und sieh sie von seiner Frau außerhalb von Berlin in einen Briefkästen werfen. Rechen, der jetzt vor dem Schöffengericht Charlottenburg wegen Amtsunterschlagung und Urkundenfälschung angeklagt war, wollte au» Rot gehandelt haben. Es wurde ihm aber nachgewiesen, daß er «inen großen Aufwand getrieben hat. So hat«" seiner Frau einen sehr teuren Pelz gekauft, auch«in Klavier, Teppiche und mehrere gute Anzüge angeschafft. Das Schöffengericht verurteilte den unge- treuen Postschaffner zu einem Jahr und drei Monaten Zuchthaus. Auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. Jacques Abraham wurde der Haftbbefehl jedoch aufgehoben und die Mitangeklagte Ehe- frau erhielt wegen Beihilfe und Hehlerei einen Monat Gefängnis mit Bewährungsfrist. gezeigt. Deutsche Direktoren, die nach Amerika gegangen waren, importierten die dortige Theaterkunst. Man gab amerikanische Revuen— die Revue ist also älter als wir denken— und auch ernstere Bühnenwerk«, die das Schicksal deutscher Auswanderer be- handelten. Später wurde es dann zum Kino umgewandÄt. Run fiel die Frag«: Soll es seinen alten Namen behalten oder irgend- einer neumodischen, phantastischen Benennung Plitz machen. Es erging ein Preisausschreiben an das Publikum und einstimmig ward der alt« Name wiedergewählt. Die Borführung de» Films.Ich lebe für Dich", eine Bearbeitung des»Zouberberg" von Thomas Mann und Franz von Suppes.Schöne Galathse", als fröhliche Miniatur- travestie, leiteten den ersten Abend in unterhaltsamer Weis« ein. Fahrt der Kinder nach Gohrisch. Die Reisezeit ist jetzt vorüber, aber noch immer gibt e« Kinder, die dringend eines Erholungsurlaubes bedürfen. 65 000 Ber« liner Kinder, die im Jahr verschickt werden, können ja nicht alle gerade in den großen Ferien rankommen. Di« Bezirke Kreuzberg, Prenzlauer Berg und W e d d i n g hatten unter ihren Kindern erneut erholungsbedürftige ausgesucht, und in den letzten schönen Herbsttagen trat die junge Schar die Resse nach dem August-Bebe l.5nnder heim der Berliner Arbeiter- wohlsahrt an.„Zunehmen!" Wie ein Befehl riefen es ihnen die Eltern noch durchs Fenster zu. Und wenn man sie sah, schmal und blaß, glaubte man an die Notwendigkeit dieses Zurufes. Die Kinder waren guten Mut». Fröhlich traten sie die Reise nach Gohrisch an. Kameraden hatten ihnen erzählt, wo» dort los sst, und sie freuten sich nun auch, für 6 Wochen in die Sächsisch« Schweiz zu kommen. Manchen in erstaunlich frühem Pessimismus erschien es nur be- dauerlich, daß 6 Wochen auch einmal ein Ende haben. Aber keiner von den Buben und Mädels, die da die Fahrt in« Säcksische antraten, wird enttäuscht von dem August-Bebel-Heim in die Groß- stodt zurückkehren. Sie werden gekräftigt für den Winter heim- kehren, um anderen Erholungsbedürftigen Platz zu machen. «lkazar. Im Hause de» Metropol-Theaters, zeigt wieder ein« stattlich« Reihe von Attraktionen. Ein wahres Riesenoufgebot musikalischer und gesanglicher Stimmungskanonen sorgt dafür, daß das Tanzparkett auch nicht einen Augenblick verwaist sst. Zu schmissigen Iozzrhythmen wirbeln abwechselnd 5künstler und Publikum über die TanAläche. Das fidele Tänzertrio L i t t l e P i t ch u. Co. gefällt in seinem ungemein lebendigen technisch ausgezeichnet durch- geführten Groteskakt ganz besonders gut. In flott-übersprudelndem Tempo werden Bauchtänzerin und Schlittschuhläuferin, ein schmalziger Walzer und ein feuriger Krakowiak, vermischt mit allerhand tänzerischer Allotria, slott und schmisstg hingelegt. Di« beiden Plastons bringen gut« Antipodenspiele, Belley zeigt tollkühne Kopsbalance auf dem Trapez. Auch alle anderen Darbietungen zeigen gute, originelle Leistungen. ,,Ou bist wirklich zu nervös! Wenn Du nun mal zu den Menschen gehörst, die das Coffein Im Bohnenkaffee nicht vertragen können, so mußt Du eben coffeinfreien Kaffee trinken. Kaffee Hag schmeckt ebenso gut wie anderer Bohnenkaffee bester Qualität. Seine besonderen Vorzüge werden heute von fast allen Ärzten anerkannt. Ich sehe deshalb nicht ein, warum wir nicht, wie Millionen andere, nur noch Kaffee Hag trinken wollen. Besorge ihn bitte sofort.* I 150000 Neubauwohnungen. Genosse Dr. Lohmann über die Kommunalwahlen. Die Kreisvertreterversamml�na der Töpenicker Parteiorga- nrsation hörte bei ihrer letzten Zusammenkunft zunächst einen Vor- trag des Genossen Dr. L o h m a n n über die kommenden Kommunal- mahlen, um dann die Kandidaten für die Stadt- und Bezirksver- ordnetenwahlen aufzustellen. Genosse Lohmann zeigte auf, was in Berlin unter dem Ein- fluß der Sozialdemokratie alles erreicht worden ist. Zn den letzten Jahren find in Berlin rund l50 000 Wohnungen entstanden. Diese Zahl würde sich wesentlich höher stellen, wenn Berlin am Auf- kommen der Hauszinssteuer entsprechend seinem örtlichen Aus- kommen beteiligt sein würde. S4 Kindergärten und Horte sind neu geschaffen worden. Jährlich werden 65 000 Berliner Kinder zur Erholung an die See oder ins Gebirge geschickt. 60 000 Kinder, das sind l? Proz. der Gesamtzahl, schalten Schulspeisung. Für Schulzwecke standen im letzten Etat 168 Millionen zur Der- fügung. Lei diesen Leistungen war die Sozialdemokratie aus die Unterstützung der Bürgerlichen angewiesen. Di« Kommunisten haben stets oersagt. Sie haben daher keinen Grund, sich darüber zu beklagen, daß nicht genug geschehen sei. Beim Abbau der noch bestehenden privaten Schulen hatten die Kommunisten hierfür zu- nächst ihre Unterstützung zugesagt, hielten ihre Zusage aber später nicht ausrecht. Wenn trotzdem von den vorhandenen 22 Privat- schulen 15 abgebaut worden sind, so ist das einzig und allein der Arbeit der Sozialdemokratie zu verdanken. Bei einer ver- nünftigen Mitarbeit der Kommunisten wäre es vielleicht möglich gewesen, alle Privatschulen zu beseitigen. lkinseadung«» für diese Rubrik find Berlin TW 68, Lindeaftraßr 3, Parieinachn'chien�W� für Groß-Berlin stet» an da» Bejirtisekretarial 2. Hof, 2 Treppe« recht», zu richten. 5. firei« �riedri»»haia. Biltmng-ausichnfi. Die ckinlafikarten für die Sportler, Wahlkundgebung am Sonntaa, dem 6. Oktober, find bis Sonn- abend. 5. Oktober, beim Genossen Iabc,qnfkl, Memeler Str. 13, ab,»- rechncn. Die Genossen werden gebeten, für recht regen Besuch dieser Beronfialwng bemicht»u sein. 12. ikrei» Stegliti-L-nkwid-Licht-ricld«. Sonnabend. 8. Oltob-r. pünktlich 2« Ubr, Gr-sfnuna-seier der«rbeiterbildnnfwschnle in Steqli», Pauls«». Realgqmnafium, Arndt ftrasse Eike Zlemmingftrafie. lLokaländerung beachten.) Rechtianwalt Rudolf«brahffm spricht, Pnggi Mnck befirritet den ltnftlerischen Tril. Alle Genosse» de» Kreises werden die Teilaadm« an dieser Feier al» eine, Gewi»»»crbuche». Karte»»» 3« Ps.»och«» heute. Freitag. 4 Oktober: 14. Abt. Vfii VCtit beteiligen sich alle Genossen an der Kundgebung de» Reich«- banner» In der Löwenbrauerei. 71. Abt. Schölleberg. 20 Uhr bei Jürgen». Barbarossastr. 3», Funktionär- sshung. Rcuköll». 9». Abt. Die Funktionärfiitung findet nicht beute, Freitag, sondern erst am Montag, 7. Oktober. 19!H Uhr. bei Lohan», Wipperstr. IS— 19, statt.— 97. Abt Die Funktionärs! Huna findet nicht heute, sondern erst am Dirnstag, dem 8. Oktober, bei Rohr, Siegfriedstrob«, statt.— Zu dem am Sonntag, dem 6. Vltobcr, in Beckers Selellickiaftshaus, in Brill, statt. findende» Kerbst» ergniige» der Abteilunq ssnd ab» Genossinnen«nd G« ssen«ochmal»«ingeladen. Sinlahtart und in der Borwärtsspeditio»»» haben. Sinlafikartr» find bei olle» Funktionären 14«. 131. Abt Rlederschlnhonse». Zuna« Genossen! Keilt,, 2» Uhr. bei Srekh, Bis. marikvlail. Bortrag:.Zugendfvrlorg«". Referent: Genosse Wagner. An- schließeich Arbeitsausschnßfißung. Morgen, Sonnabend. S. Oktober: 25. Abt. IbZZ Uhr FunktionSrfißuna bei Meter. Bafteurstr. 8. RenkAl». 9«. Abi. IS'o Uhr bei Schabeiko, Weichselstr. 5, Funktionärfitlung. — 9t. Abt l9Vt Ubr im Lokal Ulm» wahren Jakobs Flughafenstraße, ZichtÄerg�tt�hrSL. Die Freidenker, sowie sämtlich« Genossen treffen fich i:i 18 Uhr»ur Fluablatwerbreitung in folgenden Lokalen: Sieners, Schiller. Eck, Kantstraße und Pffua, Leopold- Eck« Emanuelstraße.— 119. Alt 20 Uhr bei Barst. Möllendorsstraße, Funktionärststung. Besondere Einladung erfolgt nicht. 131. Abt. Rieberfchönhonfe». 20 Uhr bei Klindt, Am Friedensplast, Funk- tionärfistun«. Gin« Stunde früher ebendorr Larilandsfistung. Abt. BorHwald«. 20 Uhr bei.Woitfchach, Ernststr. 1. Borftanh». und Fui.ntonärfistuna. Frauenveranslalkung. 8». Abt. Sonnabend, 5. Oktober. 1»— 20 Uhr, im Baugewerkshaus Groß. berrenstr. 98, im Keller, Abholung der Flugblätter. Alle Genosfinnen beteiligen sich an der Verbreitung der.Frauenstimme". Zungsozlalisten. Srupp« Süden. Achtnag! Gruppenabenb« von sestt ab wieder Freitag». Am 4. Oktober spricht Genosse Wasgien über:„Neugestaltung de» Reparation»- Problems". Gäste find herzlichst willkommen. Gruppe Schöneberg. Beute. Freitag, 20 Uhr, im Zugenbheim Hauptstr. 1», Schwobenlandzimmer, Vortrag:.Arbeiterliteratur". Referentn: Dora Fadian. Arbeiksgemeinschafl der Sinderfreunde. Gruppe Südost. Dt« trei Gruppen des Südosten»eranstalten gemeinsam ein» Fahrt nach der Jugendherberge Rüdersdorf. Treffen am Eonaabend. dem 5. Oktober. 14 Uhr, Görlistcr Bahnhof. 1,20 M.. Trinkbecher, Eßgeschirr und Decke find mit,ubringen...... � i �. Werbe bezirk.«est»»". Treffvimkt Sonntag. 8, Oktober. S.Uhr. Bahnhof Wannsee. Gemeinsamer Umzug durch Wannsc«. Freundschoff! Geburtstage. Jubiläen usw. 93. Abt. Neukölln. Unser Uebe» treuer Genosse Hermann Neu mann, Ten- pister Str. 94, feierte am 3. Oktober seine» 8«.»ebnrtstaq. Senoss« Renmann war schon unter dem Soziailstengesest für die Partei tätig«nd wünsche» wir nnseeem brave» Znbilar einen heitere» Hebe»«abend»lld gratulieren ihm herzlichst. Sterbetafel der Groß- Berliner parkei> Organisation| 18. Abt. Am 1. Oktober verstarb unser lieber Genosse Richard Schulz. Kolberger Str. 12—13. Ehre seinem Andenken. Wir perlleren«inen unserer im Krematorium Gerichtstraß«. Rege Betelliaung mirb erwartet. 91. Abt. Reuköll«. Unser lieber Genosse Bruno ISr» ist seinem Leiden erlegen. Ehre feinem Andenken. Einäscherung am Eonnabend. dem 5. Ok- tvber. 13 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Teilnahm«. i\■ SozialistischeArbetterjugendGr.-Verlin «tnfendunaen für diese Rubrik Serlw GW 68, ütndenssrate Z nur an da» Zügen dsetretaetal Porfistenden.Koase«»» Montag, 7, Oktober, pünktlich 1»� Uhr, in der Schulaula Kochstr. 18. Tog««ordnung: 1. Bericht de» Bezirksvorstandes. 2. B«. richt von der Reichsausschußfistung in Hohnfiein. 3. Vortrag:.Da» rote Ber» lin". Referent: Stadtrat Ernst Reuter. Alle Abteilungen müssen durch den 1. und 2. Borfistenden sowie durch den Iugendbeirat vertreten sein. Ohne Mitgliedsbuch und Ausweis kein Zutritt. Ingenbtag I» Potsdam! Unsere Brandenburger Genossen führen am kam- Menden Sonntag einen Jugenttog in Potsdam durch. Antreten zur Demon. stration Sonntag, 13lh Uhr. in Potsdam, am Iägertor. Unsere Genossen werden aedeten. fich zu beteiligen. Abteilungoleite, sorgt dafür, daß die ausstehenden Abrechnungen beut« erledigt werden. Slbkeilungsmitgliederversammlungea heute. i9¥> Uhr: Hansa: Heim Bochumer Str. 8S.— Moabit l. Heim Walbenserstr. 20—21, Schul«.— Moabit II: Heim Lehrt« Ett. 18—19.— Falkplast II: Seim Scnnendurger Str. 20. Zimmer 3.— Helmholstplast: Danziger Str. 82, Ba- racke 2.— Aabeeasplast: Seim Brommvstr. 1.— Baltenplast: Heim TilfiUr Straße 4—4.— Friedrilbohaia: Heim Diefielmeverstr. 5—8.— Stralauer Viertel: Leim Svßlerstr. 81.— Warschauer Viertel: Heim Litauer Str. 18.— Warschauer Viertel lRo'e Falken): Seim Litauer Str. 18.— Schöneberg II Seim Sauptstr. 15.— Schineberg IV: Heim Sauvtstr. 15 IRote Falken). Ebarlotteadnrg: Seim Rofinenstr. 4.— Sharlottenbury-Süb: Seim Evbel» straße 2.— Mariendaef: Heim Dorfstt. 7.— Köpenick: Seim Dahlwister Straße sGasanstalt).— Niederschöneweibe: Schule Berliner Str. 81.— Lichten. berg-Rorb:«untcrstr. 4«.— Knmannplast: Schul« Scherenbergstr. 7. * Ark»«aplast: Elternabend in Möhlers Festsälen", Tieckstr. 24.— Köll- nisrber Park: Mr treffen uns zum Beluch«er Feier vom Arkonaplost um 19 Uhr am Strausberger Plast spünktlick).— Si-senthaler Porstadt: Wir b«. triligcn uns am Elternabend von Arkonaplost.— Zentrum! Seim Lands» berger Str. 50. Fortfestung de« Vortrag»:„August Bebel".— Arnswalder Plast: Seim Rostenburgcr Ecke Wehlauer Straße. Bortrag:.Di« Saager Kon- ferenz".— Rordosten Ii Seim Danziger Str. 88, Baracke 3. EinsÜhrungs- abend.— Wörth«« Plast: Seim Kastanienalle« 82. Bortrag:„Kameradschakts. ehe" II.— Stcqlist: Seim Albrechtstr. 47. Aeltere und R. F. Bortrag:„Ber- liner Humor".— Treptow: Heim Elsenstr. 8. Frogekasten.— Ren-Lichtenberg: —st«setzt. Bereits das Schallplattenkonzert steht in diesem Zeichen. Der Baritonist Hermann Schey singt die vier ernsten Lieder von B r a h m s mit tiefem innerlichen Ausdruck und einer in allen Lagen gesättigten Stimm«. An Stelle der spanischen Musik in den frühen Abendstunden Sonaten von Bach, die Alfred W i t t e n b e r g und Karin Scolanderin großer klassischer Form wiedergibt. Die Totenfeier am Abend wird auf alle deutschen Sender übertragen. Sie beginnt mit den beiden ersten Sätzen aus Bachs O-Dur-Suite. Nach diesem musikalischen Auftakt spricht der Land- tagsabgeordnete Dingeldey, der Freund des Verstorbenen. Es ist nicht der Umriß des Politikers, den der Redner zeigt. Er spricht nur über die menschliche Persönlichkeit Stresemanns, der Freund zeichnet das Bild eines großen Menschen, eines Kämpfers und eines hohen Geistes. Die V. Sinfonie von Brahms beschließt die Feier, die getragen ist von einem stillen und würdigen Ernst.?. L. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Gefchäftostelle: Berlin 6 14. Sebaftianstr 87/38. Hai 2 Tr. Freitag, 4. Oktober. Eharlottrnbneg. Kameradschaft Rathaus. 20 Uhr Versammlung bei Gerlach, Sprecstr. 12. Vortrag:„10 Jahre Berlin". Referent: Kamerad Czarlinski. Köpenick. 18ZH Uhr Treffpunkt aller Sportler bei Bülow, Sirschgartenskv. 1, zum Waldlauf.— Sonnabend, 5. Ot» tober. Treptow(Kameradschaft). 20 Uhr bei F. Diihling. Elsenstr. 100. Käme- radschaftsversammlung. Referat:„Bericht über Sowfctrußland". Funktionäre treffen sich um 19 Uhr.— Sonntag, 6. Oktober. Mitte. 12'/b Ubr Antreten Bahnhof Weißensee zur Teilnahme an der Fahnenweihe de» Ortsvcreins Weißensee. Wedding. Antreten 12,50 Uhr Msbner. Ecke Stahlheimstraße mit großer Musik und Fahnen zur Fahnenweihe in Beißenfee. Pflichtveranstaltung. Prenzlauer Berg. 12� Uhr Bezirksamt(Altersheim) mit Fahnen und Musik zur Fahnenweihe in Weißensee. Krenzberg. Jugend 2 und 3. Besichtigung des Großkraftwerkes Klingenberg. Treffpunkt 7% Uhr Kokffnisser Tor in Zivil. Reu- kölln-Brist. Antreten zur Autopflichtfahrt. 4. Kameradschaft. SV* Uhr Buschkrug. Alle anderen Kameradschaften 8 Uhr Rathaus Neukölln. Reinickendorf(Orts» verein). 12?t Uhr Antreten zur Fahnenweihe in Weißenfek, Prenzlauer Prome. nade Ecke veineredorfer Straße, mit vollfiändigem Spielmanuszug. S«rm,dorf (Kameradschaft). Antreten zur Fahnenweihe in Weißensee um lllh Uhr bei Okrent, Scharf« Ecke, Autobus Nr. 15. Bernau. Abfahrt der Ortsvereine Ber- nau, Röntgcnthal, Börnicke und Labeburg vom Lokal Modisch nach Liebenthal. Antreten l(flA Uhr. Kreis IV. Alle Ortsgruppen treffen fich 13 Uhr Bahnhof Dabendorf. Nachzügler Lokal Lindengarten. Krei, VUl. Treffen de» Bezirks Bernau in Liebenthal zur Fahnenweihe. Eintreffe» der Ort»vcreine bis 1218 Uhr. Es fahren: Mllhlenbeck mit Wandlist, Sohenneuendorf und Schmachtenhagen mit Oranienburg,— Prenzlauer Berg. Kameradschaft„Falke". Eonnabend, 5. Oktober, 18% Uhr, Besichtigung der Feuerwach« Oderberger Straße. Treffpunkt bei Zeuge. Miloftr. 5, und nicht wie bereits gemeldet um 17% Uhr.— Wedding. Der Ortsverein beteiligt sich an dem Serbstvergnügen de» Allgemeinen Preußischen Polizeibeamtenverbandes am Sonnabend, dem 5. Oktober, im Moabiter Gesellschaftsbau«. Karten bei Kamerad Killmann, Nazarethkirchstr. 41. und an der Kasse erhiiltlich.— Mitte. Sonntag, 6. Ok- tober.«v. Uhr. Alle Handballspieler am Nvsenthalrr Tor.— Pankow(Orts. verein). Sonntag, 6. Oktober, 12% Uhr, Prinz-Heinrich. Ecke Berliner Straße (Bunde sklcidung). Erscheinen Pflicht. Reick>«kartell Republik, vportplost Friedrichsfeld«. Sonnaa, 8/ Oktober, vonf 9 bis 12 Ubr. allgemeines Uebungsschießcn. Bon 12 bis 18 Uhr Prei». und Propaganbalchicßen für Kameraden und Gäste. Außer guten Preisen stehen auch Ehrenscheiben zur Verfügung. Alle Ortsvereine sind hiermit eingeladen. — kbarlottenbnrg. Sonntag. 6. Oktober, 18 Uhr, Schießen In Zehlendorf. Meter-Berband Berlin, 4. Verwoltuugsbezirk S. V. Reubaumieterver- fammlung Freitag, 4. Oktober, 20 Uhr, im Altersheim Danziger Str. 62. Tagesordnung: I. Recht der Neubaumieter. Ist die beabsichttgte Erhöhung der Neubaumieten begründet? Referent: Landesverbandsvorsistender Herr Srainfe. 2. Frei« Auslvrache. 8. Verschiedenes. Berliner Geiellfchaft für Pfnchologi«»nd Eharakterologle. Ordentliche Sistuna Dienstag, 8. Oktober. 20 Uhr. in der Aula der 20. Boiksschul«, Eharlottenburg. Bleibtreusir. 48. Herr Professor Gvamzow spricht über„Liebe und Ehe". Arbeiter Abstinenteu.Bnnd E. P., Ortsgruppe Berlin-Lichtenberq. Sistung leben Montag. 19% Ubr, im Jugendheim Sauffstraße(Städt. Sportplast). Röhe Bahnhof N«u-Lichtenberg und Stadthaus. Reichsbund der Krieqsbefchädigtra, Kriegs teilnehinee«nd Kriegerhinter. bliebenen, Ortsgruppe Norden 14. Herbfivergnügen am Sonnabend, dem 5. Oktober, in den Easino�Zestsälen, Pappelallee 15. 20 Uhr. Eventueller Ueber- fchuß dient dem Weihnacht sfonds zur Betreuung der Kriegereltern und -tvaiftn der Ortsgruppe. Slxbeitsl Sport. Rennen zu Sarlshorst am Donnerstag, dem 3. Oktober. 1. R e n n e n. 1.- Ostsee(Kraft). 2. MIa, Z. Silviu». Toto: 289: 10. Platz: 71, 89, 78:10. Ferner liefen- Jaao, Sva. Bodo. Hella. Soravia, Kreon, Iphigenie. MoSIem. Delphi. Obacht. Jlschen, Wechfelburg, 2. Rennen. 1. Carl Heinz(Schöning), 2. Lago, Z. Lall. Toto: 82:10. Platz: 18. 20. 15:10. Ferner liefen: Kili, Audromache, Rosen» herzog, Falkner, Sonnenschein,«chala, Frintrop. 3. Rennen. 1. Egmont(Schuller), 2. StrwS, 3.»upeisu, Toto: 30:10. Platz: 17, 22, 22:10. Ferner liefen: Leuchtturm, Sonntagin argen, Stern, Lodi, Hoidrio, Julllapp, Lagina, Rundfunk, Persiana, Augendiener, MIthridates. 4. R e n n e n. 1. MenelaoZ(Hr. C. Rupprecht), 2. Vezna, 3. Werden. Toto: 82:10. Platz: 22, 2l, 26:10. Ferner Uesen: Guenole, Kabali», Kätherl Nl, Merkur II. VenuZ IV. 5. Rennen. 1. Holofernes(E. Eichhorn), 2. Parademarsch. 3. Amadeus. Toto: 45:10. Platz: 2l. 35, 39:10. Ferner liefen: Kopsa, Finnland, Fridcrun, Liebelzauber, Rohrpost, Hella X, Paroli, Midgard, Komm Voran, Edelstein, Surqa. «.Rennen, 1. Freier Wille(Lt. v. Metzlch). 2. Tornado. 3. Patriotin. Toto: 35:10. Platz:.12, 12, 20: 10. Ferner tiefen: VoroS, Ron Petit, Raubritter, Cheri(ges.). 7. R e n n e n. 1. Senousfi(Schuller). 2. Rolenprsnz, 3. PrunuStochter. Toto: 27:10. Platz: 13, 13, 15:10. Ferner liefen: Traminar, Plutarch, Trumpskönig, Frustra, Turnei._ Wetterbericht der öfienllichea Wetterdienststelle verlin und Umgegend (Rachdr. verb.) Allmählicher Uebergang zu unbeständigem Wetter mit weiter sinkenden Temperaturen. Westwinde— Für Deutschland: Auch im Süden und Südosten allmähliche Abkühlung mit Neigung zu regnerischem Wetter. Im Norden langsame Wctterbesserung, aber immer noch und«-. ständig und kühl, mit hcstigen Regenschauern. Berantwortlich für Politik: Dr. Eurt Geyer: Wirtschaft:«. Klingelhöfer: Dcv/»rkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: De. John Schtkowoki: Lokale» und Sonstiges: Frist«arftädt: Anzeigen: Ti. Stock«: sämtllch in Berttv. Berlag: Borwärts-Berlag S. m. b. H, Berlin. Druck: Vorwarto-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Eo., Berlin SW. 88. Lindenfiraße>. Hier,» 2 Beilagen,.llnterhalwng»nd wissen"»nd.stodtbeilage". Adoritzplatz hat viel zu tun... Denn tn seinem Berei Ji liest die A/l assary-Zi'sareftenfa tn'lc. Und die ZigarettensescKäfte von Berlin und Umgegend tclepKonieren jeUt letfiafter denn je nacK C a i d- Zigaretten. \X/ir erwäKncn das desKalt, weil es für den Raucfier selir widitig ist, daß er uterall und jeden Tag friscte Ware tekommt— Denn«ine fatrildriscte Zigarette sctmeclct natürlidi viel Icöstlidier als irgendeine untelcannte Sorte, die oft Unger im Regal liegt Neu eröffnet: TauscKtüro für Massary-Fafinentilder, Ckarlottenkur� Goetfiestraße 42(neben Salamander) Pfraumen-Kcmfitüre. ca. I-Pfd--GL O.SO Johannisheer-Konüturt ca.2-Ffd.-Em.<.«0 Ananas-KonjitÜTt ca. 2-Pfd. Elmar<-35 HimhiCT-KonfitÜTe ca. 2 Pfi.-Eimar<.6# Apftlgelee......... ca. I Pfd.-«. 0.30 Orangen-Manncladc ca. J-PftL-Eimar<.00 Honig............. ca. I Pfd.-GL< 00 Vierfruchi-Marmeladt laut..- Pfd. O.SO BttHev und Käs MolhträrButter mdd gtsalmm.pfd.< 32 Dänische Butter..........pfd 2.23 Pflanzenfett............. Pfd O.SO Landtier.............10 Sick 0.98 Schweizer Käse ddniichcr...-Pfd. 0.92 Edamer..eo»/« Pfd a.9X 20» j« Pfd O.SO Tilsiter...3S»/o Pfd».«» 20% Pfd O.SO Camembert uoUfctt. ältOit...SUk, O.SS Wursi und Fleischwaven Dampfwurst......... Pfd.«.»» O.SS Wiener Würstchen........ pfd<.<8 Sachs. Blut u. Leberwurst. Pfd 0.80 Frische Blut u. Leberwurst.Pfd. 0.88 Jagdwurst................Pfd<<0 Fleischwurst.............. Pfd<<0 Spez.: Schweinebraten. Kaßlerbraten, sihinken i. Aufschnitt Pfd. 2.80, Westfäl. I Wild u. Geftüge Rebhühner............. StA. ab< 00 Suppen-Hühner....... Pfd d« 0.98 Oderirucher Gänse...... Pfd ab 0.98 Mast-Enten.............. Pfd<.80 Tauben............... StA ai 0.80 Hirschblätter............. Pfd< 20_ Plausm. Leberwurst... Pfd dM<<0 Speck... maeer Pfd. d«o fett Pfd<.24 Streichmettw. BrauruAw. Art.Pfd.<»38 Schihhenpolnische........ Pfd< 38 Cervelat und Salami..... Pfd.<.68 Brauns chu). Flockwurst.... Pfd<.65 Hamburger Rauchfleisch und Roll- . Landschinken L Aufschnitt Pfd. 3.60 Ltr. Ltr. Lt.. Ltr. Ltr. Ltr. Ltr. Ltr. Ltr Apfelwein............ 2928«r Eäenhobener.... 1928er St. Martiner Berg Johannisheerwein...... Uttel(Spare Rotuitin).... Tarragona........... Samos............... Malaga.............. Mushat.............. Wacholder 38%...... I Ltr.-K.rat Weinbr.„Sfieziol" 38%..1 Ltr.-FL Weinbrand Verschnitt. ,1 Ltr.-Fl Rum-Verschnitt jstf,....1 Ltr-FI Beil. Tafel-Kümmel....1 Ltr.-FL Jäger stolz(EdcOam).... l-Ltr.-FL Vesond«»* billige Floscbanweine («inschl. Glos) 1927er Maihammercr AhLshg.>/, PL 1926ct St. Martiner Berg FL J927er Bechtheimer....... Fi. 1925» Wachenheimer......>/,PL 1925er Bayerfelder Schloßbg.'/, Fl 1925» Geisenheimer.......>/, PL 1927» Niersteiner Domtal.>/, FL 0.82 0.90 <00 •.88 <20 <08 <20 <.20 <.20 2.80 4.60 «.<0 8.00 4.98 4.SO 0.90 0.98 <08 <<0 <<8 <.30 <.40 vvrizelrsIteQ Vollmilch s-kab.Baremühlr' lOOfr. Tfi 0.28 Nuß-KrokSAcdr XuremükU'lOOer.Tß. 0.28 Malsbonbon............. Pfd 0.48 Honigbonbon............ Pfd. 0.48 Creme-Pralinen........... pfd 0.68 Herrenhiingel...........Pfd, 0.98 Mürbegebäck............ Pfd. 0.98 Haushaltkakao........... Pfd. 038 Obs! und Gemiis Sauerkohl.............. Pfd. 0.<2 Heringssalat............. Pfd 0.90 Mayonnaise.,..,,.,,.,,.. Pfd.<30 Krabben c Gelee........... Pfd.<<0 Ochsenmaulsalat.......... Pfd.< 20 Gabelhissen............ V»Pfd 0.80 Auchmns................. Gl 0.40 Norw. Brieslinge.......... De. O.SO ■ Preißelheeren. sAraed...... 5 Pfd 0.98 Goldwein............... 2 Pfd 0.48 Goldwein...... Kiste ca. z>/, Pfd.< 48 Kochbimen............. 5 Pfd 0.43 ££- u. Kochäpfel......... 5 Pfd 0.40 Tomaten................ Z Pfd 0.40 Wirsingkohl............. 2 Pfd 0.28 Kartoffeln.............. 10 Pfd 0-30 Hambg. Puffer....... StA O.BO Königskuchen......... StA dae< 00 Kran* u. Marzifianstg...... StA 0.88 Hbg, Kloben............. StA< OO Mohnhörnchen........... StA. 0.30 Wiener Gebäck......... 3 StA 0.<0 Karstadt' s Spezial-Xwieha/h Pfd 0,8O Punschkuchen............ StA 0.<0 Kabeljau a. Kepf L........... Pfd 0.48 Schellfisch m-Kepl..........Pfd 0.82 Rotbarsch................ Pfd 0.38 Grüne Heringe.......... 3 Pfd 0 43 Lei. Spiegelkarpfen........ Pfd<38 Bückling«............ Pfd 030 U�BAUNMOP HERMANNDLATZ/ DCP KARSTADT5 BAUN WOP Am 3. Oktober 1929 verschied mein inniggeliebter Mann, unser treuer Vater und Bruder, der Reichsminisier des Auswärtigen Dr. Güstau stresemann Er starb im Dienste seines Vaterlandes. Im Namen der Familie Kate Stresemann, geb. Kleefeld Dr. Wolfgang Stresemann Hans Joachim Stresemann Deulsdier Mdailarbeller- Verband VerzralhinStofelle Berlin. Todesanzeigen. Den Mifglltbtrn ftur Nachricht, daß unser Kollege, der Drahtzieher Hermann Obermüller ged 26 Juni 1865 am L Okloder gestorben ist. Di» Beerdigung findet am Sonn- abend, dem 5. Otlober. U'/j Uhr, von der Leichenhalle des Kommunalfried- Hofe» in Nofenihal aus statt. Am 1. Ollober starb unser Kollege, der Moschinenarbetter Hermann Aa�nrovsk! geb. IL Februar 1868. Die Einiiicherung findet am Sonn- Ibend, dem ö Ottober, 11 Uhr, im t ematorium Berlin. Gerichtstr. statt. Am 1. Oktober starb unser Kollege, der Dreher krsn? Schulze geb. 27. August 1888 Die Einäscherung findet Sonn- W abend, den 5. Oktober, 18 Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtstr., statt. Am 2. Oktober starb unser Kollege. der Fräser Paul Wolff geb. 20. Februar 1886 Die Beerdigung findet am Sonn- abend, dem S. Oktober, 14 Uhr, von der Leichenhalle de» Friedens-Kirchhoies in Niederschänhausen aus statt Rege Beteiligung wird erwartet Nachruf. «m 30. September starb VOKti 6. geboren am Dezember 1878. unser Kollege, der Schlosser D-e Einäscherung hat bereits statigemnden Ehre ihrem Andenken! nie Ortsverwallung, Am L Okiober verstarb pIBJIlch am Herzschlag unser treuer Genosse Richard Schulz Kolberg er Straße 12/13 Ehre friatn Andenken! Di« Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 5. Oktober, abd». 7 Uhr. im Krematorium Gerichtstraße statt Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, bekanntzugeben, daß unser langjähriges Aufsichtsratsmitglied Herr Reichstagsabgeordneter Dr. W. D. Kulenkampff am 29. September nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist. Seit Gründung unserer Gesellschaft hat er uns stets durch seine tatkräftige Mithilfe, seine Erfahrung und sein großes Verständnis für die uns obliegenden Aufgaben weitgehend unterstützt. Er war uns ein guter Freund, der uns unvergessen bleibt und dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. Berlin, den 1, Oktober 1929. Reicfaskraftsprit G.m.b.H. Der Vor»Ii Km de de« Auf»!chl»rah: Nebelung. Der Vorstand: Albcrti. Klubsesseln. Solas teiiw. dis bv Pro,. beradges.. Riesenauswahi RCommapVo i ste rm»de lf abrik .aUOIDlcr SchSnabarg Hauptstr.151 *»olßftr 44 Siegt«h Albrechiftr. 101 Arn I. Oktober 1929 verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit, im 44 Ltbensjahre, unser lieber Kollege, der Kassenangestellie Herr Franz Schulze Er war in seiner siebenjährigen Tätigkeit stets ein trenei, pflichteifriger Mitarbeiter und Freund, dessen Andenken wir stet: m Ehren halten werden. Uorsianu und Koitegenschatt der OrtskranRenuasse der mechaniker, Optiker und uerwandten Bewerbe zu Berlin. D e Einäscherung findet am Sonnabend, dem 5. Oktober. abends 6 Uhr, im Kiemalorium GerichtstralSe 37,38 statt Offene Füße Krampsadergeschwfire, schwechellrnd« Wunden, schmerzbaftranizünduogen est. unerträgliches Juden heilt nachweisbar laut taufenden Oanssagungen die milde wohlwende Oelindo Salde.vos« M t.75 u. 3... w Orogh. u. Apoth. sonst bei Ost» «eichet, Berlin SO.«senbohnstr.« Ullzew. IIst!jimll«il»ne Nis hkliii-!li?l>tl Vekanntmachnng. In der Borftnndsfißung oom 27. Sev- lember>92» find die Aemier de» Vorstand» wie folgt neu desent worden� Borsttzender: Herr Karl Liehr. Lager- Halter, Berlm-Siegliß, Halekestr. 3t, stellvertretend. Borfißender: Herr Rodert Marquard. Werkzeug macher. Berlm- Siegliß. Holsteinische Sir. 31 Beriin-Steglitz. den 2. Ottober 1S2» Oer vorstand. Karl Liehr, W. Koglin, Borstß ender._ Ohne Anzahlung. Mehrjährig» Ratenzahlung Sch'af-, Spsiss-, Herranzimmer Küchen, Polster-, Einzelmöbel Nur Breite Straße 7. Nr. 465* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag, 4. Oktober 4929 Die Aussichten des Zionismus. Zur Borgeschichte der Bewegung. Voq Karl Kautsky. Marx Kritiker lieben«z, höhnend auf marxistische Prophezeiungen hinzuweisen, die sich nicht erfüllt haben. In Wirklichkeit ist es vielmehr erstaunlich, wieviele der Erwartungen eingetroffen sind, die Marx und Marxisten ausgesprochen haben. Nicht immer waren wir erfreut über die Richtigkeit der Prophezeiung. Denn nicht selten bestand sie darin, Unternehmungen einen Fehlschlag vorauszusagen, denen wir vielmehr«inen Erfolg gewünscht hätten. Wer hätte ncht gewünscht, daß Lenins kühnes Unter- nehmen gelungen wäre und daß es Rußland und von dort aus der Welt den Sozialisinus gebracht hätte! Daß sich unsere Befürchtung bewahrheitet, die Leninistische Methode müsse in Unheil enden, erfüllt uns durchaus nicht mit Be- friedigung. Und ebenso steht es mit dem Zionismus. Sein Ziel ist uns äußerst sympathisch: Dem gequälten Judentum eine Heimstätte zu schaffen, in der es frei über sich verfügt, gesichert gegen jede Mißhandlung. Nur ungern kamen wir — unter dem„wir" ist fast die ganze Sozialdemokratie bis zum Weltkrieg zu verstehen— zur Ueberzeugung, P a- lästina sei nicht der Boden, um das Juden- tumalsNationzusammeln und in einen nationalen Staat zu vereinigen. Dazu ist Palästina viel zu klein. Es könnte im besten Fall zwei von den 14 Millionen Juden der Welt aufnehmen. Heute zählt es ihrer etwa 150 000. Ueber- dies aber liegt Palästina ganz im Bereiche der orientalischen islamitischen Welt. Das Judentum aber befindet sich bis auf wenige Ausnahmen ganz im Bereiche der europäischen Kul- tur, wozu auch Amerika gehört, mit der es unauflöslich ver- wachsen, in der es zu einem, man kann sagen, unentbehrlichen Faktor geworden ist. Nur bornierter Lokalpatriotismus kann in Europa die Juden als Fremde empfinden. Dagegen müssen die europäischen Juden im Bereiche der islamitischen Welt stets Fremde bleiben. Für die Verpflanzung europäischer Juden gerade nach Palästina spricht nur eines: ihre Erinnerung an einen Zu- stand, der vor. zweieinhalb Jahrtausenden auf- gehört hat zu existieren. Im Jahre 722 vor Christo zerstörten die Assyrier den südischen Staat in Palästina. Nur Jerusalem erhielt sich frei. Aber bald(586) wurde es ebenfalls erobert von den Babyloniern. Trotzdem wuchs und gedieh das jü- dische Volk weiter, aber nicht mehr in Palästina, sondern in der Diaspora» der Zerstreuung. Wohl erhielten die Juden im Jahre 538 von den Persern die Erlaubnis, Jerusalem wieder als ihre Stadt aufzurichten, aber es wurde nicht die Hauptstadt eines nationalen, die ganze Nation umfaflenden Reiches, sondern eine Stadt inmitten einer nichtjüdischen Bevölkerung, ein Wallfahrtsort, die Stätte des Tempels Iehovas, zu dem die Juden von allen Enden der Welt pil- gerten, um dort i» historischen Erinnerungen und messiani- schen Hoffnungen zu schwelgem Die Juden in der Diaspora hörten auf hebräisch zu sprechen, das gleiche trat schließlich für die Bewohner Palästinas ein. Staatliche Selbständigkeit haben die Juden nicht mehr erlangt. Jerusalem mit seinem Gebiet stand zuerst unter den Persern, dann fest Alexander dem Großen unter den Griechen, schließlich unter den Römern, die im Jahre 70 nach Christo Jerusalem zerstörten und dem letzten Rest seiner Unabhängig- keit ein Ende machten. Wenn die Juden jetzt, im 20. Jahrhundert nach Christo meinen, ihr nationaler Staat müsie gerade in Palästina ein- gerichtet werden, so ist das historische Recht, auf das sie sich berufen, noch brüchiger als jedes andere historische Recht. Es ist mehr als zwei Jahrtausende alt. Für uns Sozialdemokraten kann das historische Recht keine Ansprüche verleihen. Die sozialdemokrati- schen Parteien haben denn auch bis zum Weltkrieg fast einmütig den Zionismus ab- gelehnt. Mit großer Entschiedenheit auch die große Mehr- zahl der Juden in unseren Reihen. Sie betrachteten ihn als eine durch die traurige Lage des Judentums begreifsich«, baer völlig aussichtslose romantisch-reaktionäre Utopie. Der Weltkrieg hat den Zionismus belebt, ihm an- scheinend eine reale Grundlage gegeben und dadurch auch bei vielen unserer Genossen die ablehnende Haltung erschüttert, die sie bis dahin den zionistischen Bestrebungen entgegen- setzten. Di« Juden gingen in den Weltkrieg nicht als«ine be- sondere Nation, mit einer besonderen Politik, die sie der Politik der anderen Nationen entgegensetzten. Sie bezeugten durch ihre HaUung, wie sehr sie trotz ihrer traditionellen Eigenart bereits mit den Nationen verschmolzen waren, in denen sie lebten. Di« in Deutschland lebenden Juden fühlten sich als Deutsche, die in Frankreich lebenden als F r a n» zosen. Kein gemeinsames jüdisches Interesie überbrückte für sie den nationalen Gegensatz zwischen Deutschen und Franzosen. Die wenigen, die chn zu überbrücken verstanden, taten es als Pazifisten, im Verein mit nichtjüdischen Pazi- fisten, jticht auf der Grundlage des Judentums. Trotzdem erschien es hüben wie drüben den Regierungen angezeigt, den Juden als solchen besondere Versprechungen zu machen, um sie für sich zu gewinnen. Das Judentum war ein zu wichtiger Faktor der europäischen Politik geworden, sowohl durch sein Wissen und Können wie durch sein Geld. Auf beiden Seiten, bei der Entente wie bei den Zentral- mächten schienen die Lockungen des Zionismus das wirk- samste Mittel der Demagogie im Judentum zu sein. Man griff um so eher dazu, als man den Juden etwas versprach, was man nicht selbst, sondern was ein anderer abzutreten hatte, nämlich die Türkei. Außerdem aber er- wartete auch jede der beteiligten Großmächte in den Juden in Palästina eine Hilfstruppe für die eigenen imperialistischen Bestrebungen zu finden. Im Sinne dieser Bestrebungen veröffentlichte Professor ! B a l l o d im Jahre 1917«ine Schrift über„Palästina als � jüdisches Ansiedlungsgebiet", in der er ausführte,„daß es im Interesse Deutschlands und Oesterreichs liegt, wenn sich größere jüdische Massen in der Türkei ansiedeln". Einmal deswegen, weil dadurch dem an Menschen und Mitteln ver- armten türkischen Bundesgenossen neue Menschen und Mittel zugeführt werden. Dann, weil die zuwandernden Ostjuden deutsch sprechen und so den Handel der Türkei mit den Zen- tralmächten fördern dürften. Endlich deshalb, weil die Juden in Palästina ein Gegengewicht gegen die England freund- lichen Araber bieten könnten. Indes, ebenso sehr wie die Deutschen, meinten die Eng- länder, eine Vermehrung der jüdischen Bevölkerung in Pa- lästina müsse ihnen nützen, unter der Voraussetzung, daß diese Bevölkerung in ihren Existenzbedingungen auf das Bestehen der englischen Herrschaft dort angewiesen sei. Schon im November 1917 verhieß B a l f o u r den Juden in Pa- lästina zwar nicht einen Nationalstaat, wohl aber eine Heim- stätte für ein paar Tausend Juden, die gesichert dort wohnen sollten, solange britische Bajonette über ihnen wachten. Das besagte im Grunde sehr wenig, und doch ließen sich nicht nur die Zionisten dadurch betören, in der Balfourschen Erklärung die Erfüllung ihrer Wünsche zu sehen, sondern auch außerhalb des Zionismus selbst in nichtjüdischen Kreisen, ja selbst bei vielen Parteigenossen stellte sich der Wahn ein, jetzt brauchten nur ein paar Hunderttausend von den 14 Mil- lionen Juden der Welt in Palästina einzuwandern und die Judenfrage sei gelöst, die Zukunft des Judentums gesichert. In Wirklichkeit haben die neuen Bedingungen die Aus- sichten des Zionismus nicht verbessert. (Ein zweiter Artikel folgt.) Zweimal Tannenberg! Nationaler Sturm nach Osten. In Frankfurt a. d. O. hielt die Deutschnationale Volkspartci eine O st markentagung ab..Exzellenz von Kries: Deutschland werde nie auf den Anspruch, den es auf Posen und Westpreußen habe, verzichten und verzichten können.„Freiherr" von Heyl nannte die preußische Schuloerordnung von 1928 einen nicht gutzumachenden Fehler, da künstlich Minderheiten geschaffen würden. H u g e n- b e r g unterstrich die Notwendigkeit, auf wirtschaftlichem und geistigem Gebiet im Osten noch einmal eine Tannenbergschlacht zu schlagen. Der Doung-Plan bedeute„Knechtschaft bis 1988". i Gleichzeitig bringen volksparteiliche Abgeordnet« eine Kleine Anfrage im Reichstag«in, die den Sinn hat, daß durch die zugejagte Entschädigung der armen Opfer der Räumung im Westen „nunmehr erneut in den preußischen Ostgebieten das Gefühl auf- kommt, daß das Reich und Preußen für den durch den'Kriegsaus- gang ebenfalls schwer geschädigten Osten geringeres Interesse haben als für den Westen". VW? BStiEifciMdEA äfellle 3S Und alles— der Mantel, der Anzug und der Knabenmantel— vollwertige Kleidung aus guten Stoffen, von guter Verarbeitung und untadeliger Paßform, Dieses Inserat soll Ihnen die Kaufund Sparmöglichkeiten, wenn Sie bei uns kaufen, vor Augen führen. Wir werben Anhänger für unsere Devise; uVor% Jetif an stets qut gekleidet" Und unsere Preise sollen es Ihnen leicht machen, ihr Folge zu leisten. Unmoderne, alte Kleidung schädig* Sie in Ihrem Fortkommen. Legen Sie die beiseite und kaufen Sie sich neue, moderne Kleidung, die Ihnen den Existenzkampf erleichtert Wie wenig das kostet, das sehen Sie ja an diesen Beispielen. Aber wenn Sie es in einer immensen Auswahl tausendfach bestätigt haben wollen— INacftdrudi von Wort upd Bild vei Ol« pbigen Angebote stehen lhn«n ab Freitag zur Verl iigiing i— Schiifftilche Bestellungen können nicht berucksichtiBl werdenl f Riesenbank und Angestelltenschicksal Zur Fusion Oeuische Bank— Oiskonio-Gesettschast. Mr haben den Genossen Benno Marx, den Geschösis- sührer des Allgemeinen Verbandes der Deulschen Bankan- gestellten, gebeten, seine Aussassung über Bedeutung� und Auswirkungen des Zusammenschlusses der beiden größten V-Banken speziell für die Bankangestellten und deren For- deruogen darzulegen. Heber die Gründe, die zum Zusammenschluß der beiden In- stitute geführt haben, streiten die Gelehrten. Auffällig ist jedenfalls, daß der Beginn der Fusionsverhandlungen zeitlich mit dem Frank- surter Versicherungslrach zusammenfällt, Tatsache auch, daß die Di- rektion der Disconto-Gesellschaft längst nicht mehr im Orchester der Großbanken die erst« Geige spielte, wie ehemals. Und da da ballt sich in. dem nun aus zwei Kolossen sich formenden Riesen- block— mit 429 Millionen Aktienkapital und offenen Reserven, Milliarden fremder Gelder und einem Umsatz von fast 499 Milliarden— ein« gewaltige Macht zusammen, der gegenüber es gilt, die Augen offenzuhalten. Ebenso muß man sich darüber klar sein, daß der Zusammenschluß der beiden Institute nicht nur eine Addition, sondern eine Zllultiplikalioo von Kräften und Einfluß bedeutet. Di« Folgen der Fusion, die nicht den Abschluß der Kvrizentrotionsbewegung im Bantgewerbe darstellt, sondern den Anfang einer Zusammenschlußbewegung von größtem Ausmaße, w«rden nicht nur die Bankangestellten allein zu spüren bekommen. sondern ihr« Auswirkungen und Ausstrahlungen werden sich sehr bald auch in Industrie und Handel bemerkbar machen. Waren Deutsch« Bant und Disconto-Gesellschaft bereits bisher gemein- s a m mit 14 Jndustriekonzernen verflochten, die Deutsche Bank bzw. die Disconto-Gesellschast jede für sich mit weiteren 16 bzw. 15, so wird sich in Zukunft der Einfluß der„Dedisko* auf 45 Industriekonzerne(von 55 insgesamt) erstrecken. Hier sehen wir eine wahrhaft gigantische Steigerung der Einflußsphäre des neuen Bankkolosses. Es ist selbstverständlich, daß die Fusion zu einer Quelle steigen- der Beunruhigung der Bankangestelltenschast geworden ist. Allen Angestelllea kommt die Unsicherheit ihrer Stellung mit brutaler Deutlichkeit zum Bewußtsein. Niemand weiß heute, ob er nicht morgen gekündigt und damit dem Schicksal einer ungewissen Zukunft preisgegeben wird. Denn stet, versucht man unten zu rationalisieren. Seit der Inflation haben die vier V-Banken mehr als 79 900 Angestellte, das sind zwei Drittel der Belegschaften, abgebaut. Bei dem Kontroll- und Leiwngsapporat indessen sind ähnliche Schritte unterblieben, so daß hier ein krasses Mißverhältnis klafft. Es kann nicht bestritten werden, daß der Kontroll- und Leitungsapparat der Banken drei- fach übersetzt und dabei zum Teil erheblich überaltert ist. Auch dies« Tatfachen beweisen, daß die Fusion andere Ursachen haben muß, als zweck- und sinnvoll« Rationalisierung. Den Abbau, soweit ihm dies« Tendenz innewohnt, hat die Bankangestelltenschast in geradezu bewunderungswürdiger Haltung ertragen. Jetzt liegen die Dinge ganz anders. Die Umsätze der vier O-Banken haben sich seit 1924 nahezu verdreifacht. Die Zahl der Konten ist außerordentlich gestiegen, allein bei der Deutschen Bank von 289 779 auf 422 694. Dagegen hat sich der Durchschnittsbetrag des einzelnen Buchungsoerfalles stark reduziert. So ist z. B. der Durchschnittsbetrog der Waren- wechsei bei der Disconto-Gesellschaft im Bergieich 1927: 1928 von 2321,19 M. auf 1892,95 gefallen. Ich behaupte, daß die in den Banken zu bewältigende Arbeitslast sich seit 1924 versünssacht hat, bei einer um zwei Drittel verringerten Angeslelltenzahl. Hier zeigt sich das Ergebnis des Rationalisierungsprozesies, gleichzeitig aber auch die Wurzel der heute herrschenden empörenden Ueb«rstundenwirtschaft im Bankgewerbe. Erst in den letzten Tagen sind nach dieser Richtung geradezu unglaublich er- scheinende Verstöße in der Disconto-Gesellschaft festgestellt worden. Dort hat man in verschiedenen Abteilungen 1Z Stunden nnd mehr, in einem Falle sogar 17 Stunden arbeiten lassen— unter Fälschung der Arbeitszeillisten. Dagegen ist Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet worden. Bei den anderen Banken sind ebenfalls erhebliche Arbeitszeitüberschreitungen dauernd sestzustellen. Dabei wird munter abgebaut. Don diesen Dingen weiß die Oeffenllichkeit nichts. Um so notwendiger ist es, sie darauf hinzuweisen. Angesichts dieser Lage sollte man meinen, daß mit dem Abbau d«r Angestellten Schluß gemacht und statt dessen an einen Wieder« aufbau der zu stark reduzierten Belegschaften herangegangen werden müßt«. Das Gegenteil ist beabsichtigt. Reue Abbau- Pläne werden vorbereltet. Wiederum sollen einige tausend Angestellte zur Entlassung gelangen. Dagegen müssen die Bank- angestellten sich entschieden zur Wehr setzen; denn mit vernünftiger Rationalisierung hat ein so weitgehendes Abbauprogramm nichts mehr zu tun. Die Bankangestellten müssen verlangen, daß, bevor über«rn«n weiteren Abbau von Angestellten auch nur diskutiert werden kann, zuvor das krasse ZTlißverhällnis zwischen Arbeitsbienen nnd Bureaukratle beseitigt wird. Man sehe sich einmal die Zahl der Unterschriftsträger an, dann weiß man. was zu geschehen hat. Allein in der Zentral« der Deutschen Bank, Berlin, sind 192 V o r sta n d s m tgli« d« r, Stellvertreter, Direktoren, Generalbevollmächtigte und Abteilungs- direktoren vorhanden. Dazu kommt noch ein ganzes Heer von Prokuristen, Bevollmächtigten und Kontrolleuren. Ein anderes Beispiel: Eine Nürnberger Grohbankstliale beschäsllgl 5 Direktoren, 9 Prokuristen, einen Bevollmächtigten bei einem Personalbestand von rund 50(!) Angestellten. Will man also wirklich rationalisieren, dann ist hier der Hebel aitzusetzen, die Volldirektoren nicht ausgenommen, von denen jeder einzelne mehr verdient als 399 Angestellt« zusammen. Hier könnten Ersparnisse erzielt werden, die in die Dutzende von Millionen gehen, ist doch festgestellt worden, daß im Bankgewerbe die Unkosten sich so verteilen, daß auf sachliche Ausgaben 29 Proz, auf p« r s ö n- l i ch e 89 Proz. entfallen. Von diesen 89 Proz. entfallen auf die Direktoren allein'/«, die Prokuristen und Bevollmächtigten ein weiteres'/», während das ganze groß« Heer der Angestellten sich mit der Hälft« zu bescheiden hat. Mit anderen Worten: Der stark über- setzte Leitungsapparat verschlingt allein fast die Hälfte der gesamt- lichen persönlichen Unkosten. Man führe also zuerst den teueren Leitungsappart auf das wirt- schaftlich gebotene Maß zurück, bevor an eine weiter« Reduktion des Angestelltenkörpers gedacht werden darf. Angestellte aber können m.E. überhaupt erst dann für den Abbau in Frage kommen, wenn vorher die Ueberzeitarbeit abgeschafft, die angesichts der nerven- zerrüttenden Maschinenarbeit erforderliche sechsstündige Arbeitszeit in den Maschinenabteilungen und die 42stündig« Wochen arbeitszeit in den anderen Bankbureaus eingeführt ist, die früher im Bank- gewerbe schon bestanden hat. Neben strenger Kontrolle der Banken durch die Gewerbeaufsicht wird es Aufgabe de» Reichsarbeitsministeriums fein, Berpflichtungen bindender Art den Bankleitungen für den Fall aufzuerlegen, daß trotz Beobachtung dieser Forderungen �«in weiterer Abbau von Angestellten ins Auge gefaßt werden sollte. Für diesen Fall wird gefordert, daß die älteren Angestellten aus- reichend pensioniert, jüngere in neue gesicherte Positiv- nen bei befreundeten Unternehmungen untergebracht und solchen Angestellten, die sich eine neue Existenz aus eigener Initiative schaffen wollen, ausreichende Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden müssen. Ferner ist zu verlangen, daß, wenn zu einem späteren Zeitpunkt angesichts des wachsenden Geschäftsumfanges— und diesem Zweck soll die Fusion doch wohl ebenfalls dienen— wieder Neueinstellungen erforderlich werden, dabei in erster Linie auf die abgebauten Ange- stellten zurückgegriffen werden nniß. Benno Marx. Geldkalamiiai beim Wohnungsbau. Drohende Verzögerung der Vaubeginne. Seit Beginn des Jahres sind nach dem Wochenbericht des JnstitutssürKonjunktursorschung 775 Millionen Mark Wohnungsbauhypotheken erteilt worden gegen 955 Millionen von Januar bis September des Vorjahres, also rund 1 89 Millionen (d. h.« t w a 19 Proz.) weniger als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Besonders in den letzten Monaten stockt« die Finanzie- rung des Wohnungsbaues mit Hypothekarkredit fast vollständig. Im dritten Merteljahr dürften kaum mehr als 89 bis 99 Millionen Mark aufgebracht worden sein(gegenüber rund 345 Millionen im Durchschnitt der ersten zwei Vierteljahrs). Dies« Abnahme ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die Kreditgewährung der Hypothek« noktienbanken und der ö stentlich- rechtlichen Kreditanstalten wesentlich nachgelassen hat. Dies« Institute haben in den ersten neun Monaten dieses Jahres etwa 525 Millionen Mark, d. h. rund 369 Millionen Mark weniger als in der entsprechenden Zeit d«s Jahres 1928, an städtischen Hypo- theken ausgeschüttet. Dagegen sind die Sparkassen stärker hervorgetreten: sie konnten jedoch den Rückgang in der Gewährung der Bodenkreditinstitute bei weitem nicht ausgleichen. Da sich die Wohnungsbautätigkeit dieses Jahres bis jetzt an- nähernd auf Vorjahrshöhe gehalten hat, mußte der Ausfall an Hypo- thekarkrediten durch verstärkte Inanspruchnahme kurzfristiger Kredite ausgeglichen werden. Der Betrag dieser„Zwischenkredite" ist zuiHeit mit rund% Milliarde Mark zu veranschlagen. Der Ab- lösung der bereits fälligen Zwischenkredtte stellen sich Schwierigkeiten entgegen; dem ein Teil der Bodenkreditinstitute ist infolge des stockenden Pfandbriesabsatzes nicht in der Lag«, di« früher zugesagten Hnpothekendarlehen jetzt auch tatsächlich auszuzahlen. Somit können die Zwischenkreditinstitut« diesen Teil ihrer Ausleihungen nicht wieder für andere Bauten zur Verfügung stellen. Die Stockung im Zwischenkrebitgeschöft dürfte sich vor allem in einer Verzögerung der Baubeginn« während der nächsten Monate auswirken. Da vorläufig mit einer Belebung im Beleihungsgefchäft der Bodenkreditinstitut« nicht zu rechnen sst und auch die Sparkassen kaum eine noch stärkere Ausdehnung d«r Neutxleihungen werden vornehmen können, sind die Aussichten für die Wohnungsbau- finanzierung um die Jahreswende 19Ä/39 noch ungünstiger als in den vorangegangenen Monaten. Deutscher Schuhaußenhandel. Kräftige Ausfuhrsteigerung bei sinlender Einfuhr. Die Entwicklung des deustchen Schuhaußenhandels kommt den Zollwünschen der Fabrikanten sehr in die Quere. Die Zollforderungen der Schuhindustrie vom Frühjahr dieses Jahres fußten auf dem starken Einfuhrüberschuß und dem wachsenden Verbrauch des leichten ausländstchen Schuhwerks in Deutschland in den letzten beiden Iahren. Im Laufe dieses Jahres ist nun eine überraschende Der- änderung in der Entwicklung der Ein- und Ausfuhr von Leder- schuhwerk eingetreten. Schon im ersten Halbjahr 1929 hatte sich die Einfuhr von 3.92 auf 1,65 Millionen Paar verringert. während die Ausfuhrmenge von 1,9 aus 1,17 Millionen Paar leicht gestiegen war. In den letzten drei Berichtsmonaten Juni bis A u g u st hat sich im einzelnen dies« günstige Entwick- lung des Schuhaußenhandels kräftig-fortgesetzt. So betrug Juni 1929. Juli 1929. August 1929 die Einfuhr 155 999 Paar 72 999. 66 789. die Aussuhr 174 259 Paar 179 945. 295 329„ Im Vergleich mit den entsprechenden Monaten des vergangenen Jahres ergibt sich für Juni ein Einfuhrrückgang von 79,4 Proz, für Juli von 53,8 Proz. und für August von 65,1 Proz Dagegen er- höhte sich di« Ausfuhr im Juni dieses Jahres um 39 Proz., im Juli um 44,6 Proz und im August um 26,7 Proz. Die Entwicklung des Schuhaußenhandels in den letzten Iahren zeigt folgendes Bild: Einfuhrüberschuß 1927...... 719 900 Paar 1928...... 2190 090. Jan bis Aug 1929...... 243 878. Der Einfuhrüberschuß an Lederschuhen wird also im lausenden Jahre nur einen Bruchteil gegenüber dem Vorjahre ausmachen. Noch günstiger aber ist die Entwicklung d«r wertmäßigen Aus- und Einfuhr von Lederschuhwerk. Hier übertrifft di« Ausfuhr bereits den Wert der«ingeführten Schuhmengen um rund% Millionen, sst also aktiv g«worden. Diese Entwicklung beweist, daß die deutsche Schuhindustrie die geforderten Zollerhöhungen nicht notwendig hat, um der Auslands- konkurrenz auf oem einheimsschen Markt Schach bieten zu können. Mit der Erhöhung der Schutzzölle würden nicht nur handelspolitische Schwierigkeiten geschaffen, sondern auch die notwendigen Ratio- nalisierungsinaßnahmen in der Schuhindustrie gehemmt werden. Siresemanns Tod und die Börse. KurSstühung durch Großbaaken. Der Tod Strefemonns hat auf di« Berliner Börse äußerst starke Auswirkungen gehabt. Von einer Schließung der Börse, die man in den Morgenstunden plante, sah man jedoch ab. Das Hot sich wohl a's richtig erwiesen. Man kann jetzt wenigstens feststellen, daß die Ber- liner Börs« durch ihren Mut. den Dingen entgegenzutreten, an einem schwarzen Tag vorbeigekommen ist. Die Panik, die man durchweg bei Beginn« der Börse erwartete, ist nicht ein- getreten. Das lag jedoch nicht an der Stimmung der Börse, sondern an einer ausgedehnten Kursstützung der Groß- b a n k e N. Dos Angebot ward äußerst stark. Dem traten die Banken durch Kaufaufträge entgegen. Die Mtglieder des Börsenvorstandes hatten auch beschlossen, dort, wo sich größere Kursabschläge ergeben sollten, die Kurse streichen zu lassen. So ist es wohl zu größeren Kursabschlägen, ober nicht zur Katastrophe gekommen. Bestand der Krastfahrzeuge in Deutschland. Zunahme um 30 proz. auf 1,18 Millionen Fahrzeuge. Die Zahl der in Deutschland vorhandenen Kraftfahrzeuge belies sich nach einer Statistik vom 1. Juli 1929 auf 1,18 Millionen. Gegenüber dem Vorjahr hat sich demnach der Reichsbestand um rund 269 999 Fahrzeuge/ asso um fast 39 Proz erhöht. während in der entsprechenden Zeit des Borjahres dos Wachstum des Krastsahrzeugbestandes sich auf 203 300 Stück stellt«. Auf Personenwagen entfielen hiervon am 1. Juli 81 299 mit einer Steigerung von 23 Proz., Lastkraftwagen 29 999 mit einer Steigerung von 16 Proz., während di« Zahl der M o t o r- räder ganz außerordentlich, stark um 168999 aus 696 499 Ein- heiten zugenommen hat. Dies entspricht einer Zunahme von an- nähernd 49 Proz. Hiervon haben sich die Kleinkrafträder reichlich verdoppell, wogegen die mittleren und schweren Maschinen infolg« der Abwanderung kauskräjtiger Käuserschichten zum Klein- auto nur eine Zunahme von 15. bis 17 Proz. auszuweisen haben. In den Sommermonaten hat sich der Verkauf von Autos und Motorrädern sehr gut entwickelt, so daß in diesen Tagen die G e- samt zahl der in Deutschland lausenden Kraftfahrzeuge.über 1,25 Millionen betragen dürft«. Es würde damit auf jeden 59. Einwohner ein Kraftfahrzeug und auf jeden 199. Ein- »deraldt man mn tem Xaihwrt» t> Deuttchen Mulikerverdand-«. Berlin. Ärr wandantenftr 63/64 Dönhoff 3277-7 »ellbäft»z,u#_5 Sonntag» 10— J Ud Inl Wunsch- vertrelerbesuch ZIGARILLOS Qua/itä ise�eu g n isse Von hcn Von nagen dem- Cesundesx� � und y Li biluges Sflaucfien! LOESER&WOLF wohner in Deutschland ein Kraftwagen entfallen. Der rapide Fort- schritt der Motorisierung auch in Deutschland wird dadurch gekenn- zeichnet, daß 1S14 erst aus jeden 700. Einwohner ein Kraft- fahrzeug entfiel. Ist das Gerechtigkeit? Zur Verteilung der Ostpreußenkredite. Im Frühsommer 19Zg verabschiedete der Reichstag abermals «in Gesetz für eine Ostpreußenhilse, durch die der Provinz, deren Notlage außer Zweifel steht, MillionenbetrSge zuflosien. Da- mais sprachen wir die Hoffnung aus, daß die vom Reichstag b«- willigten Gelder auch an die richtige Stelle kommen. Das Reich trug dieser Forderung Rechnung, indem ein besonderer Kommissar für Ostpreußen bestellt wurde. Dieser Kommissar Hot anscheinend nicht verhindern können, daß die Verteilung der Ostpreußenhilse wieder mal durchaus«inseitig und ungerecht vorgenommen wird. Di«„Königsberger Volks- zeitung" stellt z. B. fest, daß es der Grundbesitz, unter Duldung des Oberprästdenten, verstanden habe, die Richtlinien über die Ver- teilung der Ostpreußenhilse so verschwommen wie nur möglich zu gestalten und die Verteilung selbst mit den besonders ausgesuchten Kredilausschußmitgliedern selbstherrlich vorzunehmen, lieber sieht man die Zusammenstellung der an die ostpreußtsche Landwirt- schaft zur Verteilung gelangten Beihilfen und billigen Darlehen des Reichs und Preußens bis zum Wschluß des ersten Halbjahrs 1929, dann muß man der„Königsberger Dolkszeitung* nur zustimmen. Bis zum genannten Termin wurden etwa dZ,299 Millio. neu Mark ausbezahlt. Davon entfallen 11,541 Millionen Mark auf die bäuerlichen Betrieb«, also auf Betriebe in einer Größe bis zu 190 Hektar), dagegen 41,658 Millionen Mark auf den Großgrund- besitz(Betriebe von 209 Hektar bis über 599 Hektar). Betriebe mit einer Besitzgröße bis 199 Morgen erhielten pro Morgen im Krels Bartenstein 12 Mark, im Kreis Insterburg 11 Mark, im Kreis Osterode 9 Mark, im Kreis Etuhm 19 Mark und im Kreis Wehlau 8 Mark, Betrieb« über 499 Morgen dagegen in Bartenstein 73. in Jnfterburg 68, in Osterode 62, in Stuhm 86 und in Wehlau 83 Mark. Je kleiner der Besitz, desto weniger Staatshilf«. Wenn man die Eigentumsverhältnisse berücksichtigt und bedenkt, daß in den genannten Kreisen 63 Proz. landwirtschaftlich genutzter Fläche dem Bauernstand(unter 499 Morgen) und nur 37 Proz. dem Großgrundbesitz(über 499 Morgen) gehören, so kommt man zu dem Ergebnis, daß die Bauern mit 63 Proz. Eigentum nur 34 und die Großgrundbesitzer mit 37 Proz.— 54 der Staatsbeihilsen erhalten haben. Zieht man in diese Rechnung die ganze Provinz«in, so ergibt sich folgendes: Alle bäuerlichen Betriebe Ostpreußens bis 499 Morgen, die 98 Proz. aller Betriebe mit 49,6 Proz. der Ge- sanitftöche ausmachen, erhielten 11,641 Millionen Mark— 21,8 Proz. der verteilten Hilfsfummen. Der Großgrundbesitz über 499 Morgen mit 2 Proz. der Betriebe und>59,4 Proz. der Gesamtfläche erhielt 41,658 Millionen Mark— 78,2 Proz. der Ostpreußenhilf«. Also auch hier, je kleiner der Betrieb, um so geringer die Hilfe. Auf den einzelnen Hektar entfallen bei Grundstücken von 5 bis 19 Hektgx 1,26 Mark, bei 19 bis 29 Hektar 2,79 Mark, bei 29 bis 59 Hektar 7,39 Mark, bei 59 bis 199 Hektar 13,29 Mark, bei 199 bis 299 Hektar 28 Mark und bei 299 bis 599 Hektar 46 Mark! Das nennt sich Bauernpolitik. Es scheint an der Zeit zu sein, in Ostpreußen wieder einmal nach dem Rechten zu sehen! �_ Lraunschweiger Zute verstärkt ihre Reserven. Di« Braun- schweizer Iuteindustrie A.-G. setzt zwar ihre Dividende für das letzte Geschäftsjahr von 8 auf 6� Proz. herab, jedoch sind die Erträge des Unternehmens kaum geringer als im Bor- jähr. So wird ein Rohgewinn von 659 999 gegen 679 999 Mark ausgewiesen. Wenn der Reingewinn nur mit 199 999 gegen 269999 Mark im letzten Jahr erscheint, so ist das eher auf v e r- st ä r k t« Reservebildung als aus einen Gewinnrückgang zu- rückzuführen. So ist die Steuerreserv«, die noch vor zwei Iahren erst 75 999 Mark betrug, sodann im Vorjahr auf 229 999 Mark sprang, diesmal mit 339 999 Mark ausgewiesen. Allein die offenen Reserven in der Bilanz erreichen fast 1 Million und betragen damit die Hälfte des Aktienkapital». Das Unternehmen ist also mit Reserven sozusagen vollgesogen. Die Epa Einheitspreis-A. G. macht glänzende Geschäfte. Die g a n z im Besitz von Rudolph Karstadt befindliche Ginheits- preis-A.-G. hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ausgezeichnet verdient, so daß sie die Zahl ihrer Filialen von 13 auf 29 erhöhte. Der Umsatz stieg von von 18,5 auf 45 Mllionen Mark und hat in den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres die Höhe vonSMillionen Markmonatlich erreicht. Bei zwei Millionen Mark Aktienkapital wurde ein Reingewinn von 543 999 Mark erzielt, aus dem 12 Proz. Dividende gezahlt werden. AHEFTER SEIT TS KAHREN HEFTERS billige Qualitäts- Fleisch waren: Rindsronlade-, KalbndiBltzel KaMrrkamm) Ka6Ierkotelett/- . Mk. 1.40 p. Pfd. 100 i.to Odiscnschmorfleiscfa billiger! Prima Oderbrndier Halermastganse... p G*iuean*MhUd>inBi 1b«Ucb FUUlen. Prima Suppenhühner! 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Beilage, Pfd. 1�18 Schweineschlnkenod Bia«,Pfd. 1�8 Schweinekamm od. MkDti,ohna Schwarte, ohne Beilage.........Pfd. 1,"8 Schweinekotelett..Pfd. tob 1,48 an Kassler mild gesalzen, Pfd. Ton 1,54 an RQckenfett brat�0.Schwan.7fd. 1,10 Suppenfleisch...... Pfd.-rcn 88pi. an Schmorfleisch Krale«. Kil. Pfd. 1,28 Roulade..................... Pfd. 1,40 Hammehrorderflcisdvu. 1 1,08«a gewOrat.........................Pfd. 1,28 Tal� ausgelassen.............. Pfd. 5SFL Kalbsroulade gtnm...Pfd. 1,58 KalbssdmUzel......... Pfd. 2,10 Roastbeef ohne KbocIub, Pfd. 1,58 Schwefnerlppch«irvj«.P'i 1�10 Gefrierfleisch Schmorfleisch O. Knochen, Pfd. 1>22 Gulasch ohne Knochen...Pfd. 98Pt. Suppenfleisch.... Pfand Ton 68PL an HammelvorderflelschPidr. 86p/. an Hammelrficken........... Pfd. 95pt Hammelkeule............ ptd. 1,12 Rinderbacken ata» Xnoeh«, frisch........................... Pfd. 58Pt Rinderherzen w«*_____ Pfd. 68pt Rinderlongen /riech..., �.P/d 44 Pf Rinderschw&nze frisch...p/d. 84p/. 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Eine lebhafte Ausein- ondersetzung rief der nach Abschluß der Haushaltsberatungen zur Debatte stehende und von uns gestellte Antrag hervor, demzufolge der Magistrat um geeignete Schritt« gegen den Abbau der Arbeits- losenoersicherung gebeten wurde. In seiner Begründung wies unser Redner mit Nachdruck darauf hin, daß alles getan werden müsse, um zu oerhüten, daß durch die Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung eine größere Belastung der Kommunen eintritt. Diclpi Antrage stimmte die Bezirksversammlung zu, während ein Rundreise- antrag der Kommunisten, der eine Beseitigung der Arbeitslosenfür- sorge und Einstellung der Erwerbslosen als Vollarbeiter verlangte, dem Erwerbslosenausschuß der Bezirksversammlung überwiesen wurde. Angenommen wurde ferner ein Antrag, der die Errichtung eines Fußgängernotfteiges neben der im Umbau befindlichen M o n u- mentenbrücke verlangt, sowie«in weiterer Antrag, der das Bezirksamt ersucht, bei den maßgebenden Behörden erneut vorstellig zu werden, um unter voller Wahrung der Jnteresien der Erwerbs» losenfürsorge die beschleunigte Freigabe der Schulräume in der Bergmannstraße 28/29 zu erwirken. Schulraumnoi.— Meingarten. 9. Bezirk— Wilmeredorf. Die letzte Vezirksversammlung sollte dem Bezirks- amt die Zustimmung zu der während der Ferien vom Haus- Haltsausschuß gegen unsere Stimmen beschlossenen und in- zwischen in Angriff genommenen Mauer um das Grundstück der Biktoria-Luise-Schule in der Gasteiner Straße erteilen(siehe„Bor- wärts" Nr. 39S vom 24. August). Wir versagten auch hier unsere Zustimmung Bon unserem Redner wurde ausgeführt, daß eine angeblich des öfteren vor- kommende Belästigung der aus dem Schulhofe turnenden und zeich- nenden Schübe rinnen durch pädagogische und disziplinare Mittel unmöglich gemacht werden mühten. Aus diesem Grunde eine hohe Mauer zu errichten, den Schulplatz in einen Kasernenhof zu verwandeln, das fei ein S ch i l d b ü r g e r st r e i ch, der allen fort- schrittlichen Erziehungsgrundsätzen Hohn spräch«: wir wollen Mauern niederreißen und nicht— Mauern errichten!— Gegen den Beschluß des Magistrats, aus Sparsamkeitsgründen auf dem Gebiete der Schulbauten Beschränkungen eintreten zu lassen, wurde seitens der Bezirtsoersammlung protestiert, da hiervon angeblich die bereits im Bau begrssfene Volksschule in Schmargendorf betroffen wird, deren Fertigstellung im Hinblick auf die immer brennender werdende Schulkaumnot dringend notwendig ist. Die lebhasten .Fürsprecher einer dahingehenden Entschließung waren die Vertreter 'der bürgerlichen Parteien. Da war es ihnen nicht sehr angenehm, daß sie sich von unserem Sprecher mußten sagen lassen, daß in der Stadtverordn«tensitzung vom 12. September ihre Vertreter im Roten Haufe für die Aussetzung des Be- schlusses des Haushaltungsausfchufses betr. Durch- führung des Schulprogramms, in dem auch der Ausbau der Schmargendorfer Schule einbegriffen ist, gestimmt haben— wenn also eine Verzögerung des Baues ein- treten würde, woran sicherlich emsthast auch der Magistrat nicht denkt, dann hätten gerade die bürgerlichen Parteien das Ihre dazu getan. Für die Jugendpflege in den Kleingärten der ausge- dehnten Schrebergärtenkolonien Wilmersdorfs forderten wir aus Vorbehaltsmitteln die bescheidene Summe von Illllv R!., nachdem die Kleingärtner von sich aus mehr als das Doppelte für diesen der Ertüchtigung der Jugend zugute kommenden Zweck ge- opfert haben. Die Deutschnationalen lehnten unter nichtigen Vorwänden die Bewilligung dieser geringen Summe ab— während sie für die überflüssige Schulmauer glatt 8000 M. übrig hatten!— Gegen ihre Stimmen wurde unser Antrag angenommen und wir vertrauen auf die E i n- ficht der Wilmersdorfer Wählerschaft, die uns hoffentlich nach den Wahlen mehr Machtbefugnisse geben werden, unsere Pläne im Sinne der erwerbstätige n Schichten unseres Wohnbezirks durchzuführen._ Aehmt der Rechten die Mehrheit! 13. Bezirk- Tempelhof. Di« erste Bezirksversammlung nach den Ferien hatte als zweiten Punkt ihrer reichhaltigen Tagesordnung die Bedarssanmeldung für 1930 zu erledigen. Gen. Burgemeister gab als Vorsitzender den Bericht über die Arbeit des Haushaltsausfchusses und ergriff gleich danach das Wort zur allgemeinen Aussprache. Er rechnete zuerst mit den Kommunisten ab, die aus wahlagitatorischen Gründen eine Flut von Anträgen eingebracht hätten, sich aber bei dieser Massenproduktion nicht scheuten, geistigen Diebstahl bei der SPD. zu begehen. Im übrigen lehnen sie dann im„Roten Hause' Arm in Arm mit den Deutschnationalen den Etat ab, der zum Teil ver- wirklichen soll, was sie hier fordern. Den Deutschnationalen wirft der Redner vor, daß sie noch immer bei Gelegenheit den Ruf:„Los von Berlin!' erschallen lassen, obwohl gerad« in unserem Bezirk der Ortsteil Lichtenrade in klarer Wesse zeigt, wie notwendig und wie segensreich die Ein» h« i t s g e m e i n d e ist. In der Sonderberatung sind 66 Anträge zu erledigen, die zun> Teil schon Annahme im Ausschuß fanden. Nur durch Zufallsmehrheiten gelingt es, einige Anträge durchzu- bringen, die in sozialistischem Sinne sind, im allgemeinen macht aber die Rechte unnachsichtlich Gebrauch von ihrer einen Stimme Mehrheit. Der 17. November wird hier eine Aenderung schaffen! Angenommen werden die Anträge der Sozialdemo- kratie, für die Kleingärtner Mittel zur Gewährung von zinsfreien Darlehen bereitzustellen, Erfrischungsräume in den Berufsschulen herzurichten, den Berufsschüler vor Lohnabzügen zu bewahren, in den Büchereien Literatur aller Weltanschauunzen einzustellen, die Schulzahnkliniken auch in den Ferien offen- zuhalten und für die Kutscher Regenmäntel zu beschassen. Weiter wurde angenommen, für vertriebene Kleingärtner Ge- länd« zu beschaffen und das Rittergut Marienfelde zu diesem Zweck schneller aufzuteilen, die Richtsätze im Schuletat für Schulbücherei, für Werkunterricht, für Schülerwanderungen zu er- höhen, die Errichtung einer W a l d s ch u l e zu betreiben, die Unter- stützungsrichtsätze und die unentgeltliche Kohlenbeliefe- r u n g um SO Proz. zu erhöhen. Ferner wird gefordert, mehr Jugend heimräume zu schaffen und die Schulspeisung zu ver- mehren, einen weiteren Schularzt anzustellen und die Zahn- Untersuchungen öfter statfinden zu lassen. Gozialdemokraiie für die Kleingärtner! 14. Bezirk— Neukölln. In der außerordentlichen Bezirksoersammlung in Reu. k ö l l n am 27. September wurde ein kommunistischer Zentraleantrag betr. den Streik der Fürforgearbeiter behandelt. Der nicht wiederkehrende Kommunist Kascheivski begründete den Antrag so lenden- lahm, daß Lange rasch einsprang. Aber der erhoffte Kontakt mit der Tribüne war nicht herzustellen. Genosse Gehrke konnte nachweisen, daß die Forderung auf Sechstagearbeit heute schon ei- füllt sei, weil individuell seit Monaten so verfahren wird. Die Schwarzweißroten waren diesmal unter die Klein- g ä r t n e r gegangen. K l o t h triefte vor lauter sozialem Verstand- ms für die„Opfer', die am Dammweg dem Schulneubau weichen sollen. Er griff den Genossen Löwenstein an, weil dort gebaut werden soll. Genosse Fritsche erinnerte die Deutschnationalen daran, daß sie ihr Herz für die Kleingärtner sehr spät entdeckt haben, denn sonst hätten sie stets abgelehnt, Gelände für solche Zwecke i zu kaufen. Auf Antrag unserer Fraktion wurde beschlossen, die .Kündigung bis möglichst 30. November zu verlänger», eine ange- messene Entschädigung zu zahlen und den obdachlosen Klein- gärtnern, soweit sie wohnberechtigt und an der Reihe sind, eine ihrem Einkommen entsprechende Wohnung zuzuweisen. Die Versammlung nahm dann noch zwei sozialdemokra- tische Anträge auf Errichtung von öffentlichen Bedürfnis- a n st a l t e n im Spvrtgarten Tempelhofer Feld, Einrichtung eines Familienbadetages im städtischen Bad und Maßnahmen zur Besei- tigung von Rauchbelästigungen durch industriell« Betriebe usw. an. Bei der Beratung des kommunistischen Antrages betr. Protest gegen die geplante Aenderung der'Arbeitslosenversicherung randalierten während der Rede des Genossen H a r n i s ch, der die KPD. nicht mit Samthandschuhen anfaßte, einige Tribünenbesucher. Der kommu- nistische Vorsteher-stcllvertrcter Schilf besaß die Unverschämtheit, nicht etwa die Tnvllnmbesucher, sondern Mitglieder der Versamm- lunq, die ihn auf seine Geschäftsführung aufmerksam machten, zu rügen. Ein von uns gestellter Antrag auf Erhaltung der Arbeitslosen- sürsorge und Ablehnung jeder Verschlechterung, weil Belastung der Gemeinden, wurde angenommen. Di« KPD. hatte die von uns seit vier Jahren gestellten Anträge nochmals unter ihrer Firma übernommen, um der Oeffentlichkeit zu zeigen, was sie doch für tüchtig« Kerle sind. So oerlangten sie den Bau verschiedener sozialem Anlagen in Neukölln, die bis jetzt von Berlin stets gestrichen worden waren. Genosse Zl r n d t erklärt im Namen der Fraktion sein Ein- Verständnis mit dem Antrage, erinnerte die Kommunisten aber daran, daß wir wohl solche Anträge gestellt, sie aber soviel„Jnter- esse' in den letzten vier Jahren gezeigt haben, daß an der Etats- beratung des Jugendamts in den Jahren 1328 und 1929 nicht ein einziges Mitglied des Verwaltungsausschusses teilgenommen hat. Dies« Feststellung ging ihnen so an die Nieren, daß gleich zwei Mit- alieder ihrer Fraktion diesen einzig dastehenden Vorgang abstreiten mußten. Aber es half alles nichts! Noch einmal stellte Gcnossb Arndt die protokollarssch belegte Tatsache fest. Dann gab es noch eine S k l a r e k- Debatte. Stadtrat Genosse R a d t k e konnte mir- teilen, daß die Stadt Neukölln kaum geschädigt sein dürste. Der Winterbedarf in Werte von 139 000 Mark sei zwar eingekauft, aber von dieser Summe sind 60 000 Mark an die Stadtbank gezahlt, und ein Rest von 39 000 Mark stehe noch offen. Die Versammlung setzte einen Ausschuß von 11 Mitgliedern ein, der prüfen- soll, ob da? Bezirksamt Schaden erlitten hat. Kinderhort undLugendheim wird erbaut 16. Bezirk- Köpenick. Die außerordentliche B e z i r k s v e r o r d n e t e n s i tz u n g räumte nach dem in der letzten Sitzung abgodrosselten Kommunisten- theater bei der Beratung der Bedarfsnachweisung mit dem Rest d.-r verbliebenen Beratungsgegenstände auf. Der Erwerb von 35Z3 Quadratmetern forstfiskalischen Geländes um die Ki«he in G r ü n a u zu Freifläche bzw. Straßenland wird beschlossen sowie der Ankauf des Grundstücks Lindenstr. 38/39 zu Köpenick zwecks Inangriffnahme der Verbindung der Brücke von der Spreestraße nach der Köllncschcn Vorstadt zum Preis« von 140 000 M. gelätigt. Ebenso wurde das Grundstück Waltersdorfer Straße 5 in Bohnsdorf zur Errichtung eines Kinderhorts mit Kindergarten nebst Jugendheim zum Preise von 25 000 M. erworben. Gleichsalls wurde dem Er- werb eines Wiesengrundstücks von 9550 Quadratmetern im Erpetal zwecks Vergrößerung des Freiflächengebicts zugestimmt. Ein Antrag unserer Fraktion, aus Vorbehaltsmitteln den nötwen- digen Betrag für eine behelfsmäßige Wasserzuführung zu dem Sport- platz in Friedrichshagen bereitzustellen, fand einstimmige Annahme. Die kommunistische Fraktion hatte noch einige Renommieranträge gestellt, wie die Ueberweisung von 1000 M. aus VorbehaltsmittAn an die streikenden Rohrleger zu Händen der Internationalen Ar- beiterhilfe, der Protest gegen dos Erwerbslosenverstcherungsgejetz mit odligaten Anträgen zu Lasten des Bezirks u. a. m., die nach«nt- schiedener Beleuchtung durch unser« Fraktionsredner und Vertreter des Bezirksamts Ablehnung und einfachen Uebergang zur Tag«-- ordnung erfuhren. Ueberfliissig, ihre gewohnte gemeine demagogische und ausfällige Art der Beschimpfung unserer Partei bei der Be- gründung ihrer Anträge und Anfragen besonders festzustellen. Debatte über den Wohnungsbau. II. Bezirk- Lichtenberg. Die Vezirkswerordnetenversammsung Lichtenberg beschäs- tigte sich am Mittwoch, dem 2. Oktober, mit dem Haushaltsvorschlag des Bezirks für 1930. Auf ein« Anfrage der Fraktion der Mitte teilte Genosse Dr. S i g g« l mit, daß auch in Lichtenberg die Gebr. S k l a r e k durch Fälschung von Unterschristen sich Kredite bei der Stadtbank verschafft haben, und zwar in der Zeit vom Januar bis Juni in Höhe von 381 000 RM. und im August für 158 000 RM. Ueber die Güte der von den Sklareks gelieferten Waren hat der kommunistische Dezernent der Kriegsfiirsorgestelle, Stadtrat Torgler, der als Kon- fektionsfachmann gilt, nach einer Besichtigung des Lagers festgeftellt, daß die Ware einwandfrei sei. Bei der folgenden Beschlußfassung über den Bezirkshaushalt, über den Genosse W i tz k« eingehend referiert hatte, wurden sämtliche Abänderungsanträge der Kommu- nistischen Partei abgelehnt. Dabei versäumten die Kommu- nisten nicht, wiederholt Angriffe gegen das Bezirksamt zu richten, die von unseren Genossen Thurm, Siggel und Stimming als völlig unbegründet zurückgewiesen wurden. Zu der Kritik, daß das Bezirksamt Einstellungen nach einseitigen Gesichtspunkten vornehme, stellte Genosse Stimming fest, daß das Bezirksamt Lichtenberg seinen Personalbedarf einzig nur durch den Arbeits- Nachweis deckt. In einer sich entwickelnden Debatte über das Wohnungs- bauproblem sprachen noch unsere Genossen Arndt, Schu» b e r t und R o g a tz. Der Haushaltsvoranschlag gelangte schließlich gegen die Stimmen der Kommunisten zur Annahme. Wegen her vorgerückten Zeit wurde die Sitzung vertagt. Vkoiu soviel Wort«? 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