BERLIN Zreitag 1 Sttober 1929 10 Pf. Rr. 466 B 232 4L. Lahrgang. erscheint täglich«»terSeaatag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. S,60M. pro Monar. Redaktion und Tkvedition; Berlin SW6S.?indenKr.Z n z e i§ e n»»« t«: Die einspaltige Nonpareille, eil« Pf.. Reklame, eile v M. Ermäßigungen nach Tarif. «stscheckkoot»i DorwärtS-Verlag S. m.b.H.. Berlin Nr.»tSZS. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis 2S? Mckzug Hugenbergs? Gtrefemanns Tod als Gelegenheit. Die sogenannte„Freiheitsbewegung" der Hitler,. Hugen« berg, Seldte ist durch Stresemanns Tod in ein« schwierige Lage geraten. Denn der Mann, gegen den sich das sogenannte Volksbegehren mit seinem Zuchthausporagraphen in erster Linie richtet, liegt aus der Totenbahre und wird von der ganzen Welt als einer der größten Deutschen geehrt. Dadurch wird der ganze Wider. sinn und die ganze Infamie des sogenannten Volksbegehrens auch sür den Blindesten aufgedeckt, die schlechten Aussichten sür die Aktion, an der sich zahlreiche deutschnationale Führer nur mit dem aller- größten Widerwillen beteiligen, werden noch weiter bis zur völligen Hoffnungslosigkeit verschlechtert. Schon längst sucht man eine Ge» Curiius— vorläufig Außenminister. >' Der Reichskanzler besuchte heute vorurittag den Reichspräsidenten zu einer Aussprache über die durch den Tod Dr.«tresemanns geschaffene Lage. Der volkg- parteiliche Wirtschaftsminister Dr. C u r t i u S wurde daraufhin mit der einstweiligen Wahrnehmung der Ge». fchäfte des Reichsaußenministers beauftragt. legenheit, aus der Sackgasse herauszukommen, in die Hugenbergs Strategie die Deutschnationalc Partei geführt hat. Unter diesen Umständen dürfte ein Vorschlag der.�kölnischen Zeitung", das Volksbegehren zurückzuziehen, manchem Zehr gelegen kommen. Die genannt« Zeitung schreibt: Es wäre eine große und versöhnende Tot, wenn die Männer, die eine Volksbewegung gegen die auswärtige Politik des Ministers eingeleitet haben, an seiner Bahre die Streitaxt de- graben und durch Verzicht aus das ohnehin aussichtslose Volksbegehren bekunden wollten, daß auch ihnen der Gedanke der Volksgemein« schuft über allen parteiagitatorischen Bedürfnissen steht. Der plötzliche Tod Gustav Stresemanns sollte«ine ernste Mahnung sein, den Sammelruf, den er so oft ergehen ließ, mit starker Stimm« aufzunehmen und in das ganze Volk hineinzutragen. Den Ruf zur Sammlung aller, did guten Willens sind. Das wäre der beste Dank, den wir dem toten Patrioten abstatten können. Dieser Vorschlag hat aber sofort die Heißsporn« des Nationa- lismus mit einer abweisenden Antwort auf den Plan gerufen. Anknüpfend an die Bemerkung des„Vorwärts", daß Stresemann mehr als einmal das Schicksal Rathenaus zu drohen schien, schreibt die„D e u t s ch e Z e i t u n g": Die durch nichts begründeten Märtyrer-Hoffnungen der Linken werden ebensowenig in Erfüllung gehen wie die Forderung der„Kölnischen Zeitung", daß die Männer, die eine Volksbewegung gegen die quswärtige Politik des Ministers ein- geleitet haben, an seiner Bohre die Streitaxt begraben und o u f das Volksbegehren verzichten. Diese Forderung ist ein Trugschluß, der auf der Ansicht beruht, daß der nationalen Opposition Person und Sache dasselbe bedeuteten. Wir können versichern, daß jeder, der die Politik der Versklavung fortzuführen versucht, die Freiheitsbewegung nach wie vor auf dem Posten finden wird! Man will also nur zunächst einmal dem deutschen Volke ge- statten, Stresemann als großen Patrioten zu begraben— dann wird man es auffordern, ihm noch noch dem Tode zu bescheinigen, daß er eigentlich ein Landesverräter war, der eigentlich ins Zucht- haus gehörte. Ob dieser edle Plan realisierbar ist, wird die nächste Zukunft zeigen. Aus all« Fälle wird es noch heiß« Auseinandersetzungen geben!___ „Lieber das Ohr gehauen!" Elemcnceau huldigt Stresemann. Paris, 4. Oktober. Gin Mitarbeiter des„Journal" hatte Gelegenheit, Clemenceau über den Eindruck zu befragen, den der Tod Stresemanns auf ihn gemacht habe. Der„Tiger" erklärte, daß er das Ableben dieses Politikers sehr bedauere. Dr. Stresemann sei ein großer Arbeiter gewesen. Aus die Bemerkung, daß der deutsche Außen- minister aufrichtig für die deutsch-französische Annäherung gearbeitet habe, erwiderte Clemenceau, das fei möglich, aber man habe«hm zu viel gegeben. Der Vertreter des„Journal" fügte hinzu, daß immer nur diejenigen, die viel verlangten, schließ- lich auch viel erhielten. Clemenceau erwiderte:„Das ist wahr," und nach einer kurzen Ueberlegung rief er aus:„Ja, aber er hat uns über die Ohren gehauen, und Sie werden ßugeben, daß dos nicht zu schwierig war. Jetzt weiß ich nicht, wie «tle» pride» wird," Slrefemann aufgebahrt. Die Schulbuben von Goslar Die schuldigen Lehrer gezüchtigt Hannover, 3. Oktober.(Eigenbericht.) Bon den in Goslar anläßlich der Verfaffungsfeier vertellten Kränzen für die Sieger im Jugendwett- bewerb entfernten mehrere Schüler und Schülerinnen die schwarz rotgoldenen Schleifen. Sie wurden dafür vor der Anstaltsdirektion mit der Androhung der Verweisung von der Anstalt bedacht. Inzwischen Hot der preußische Kultusmini st er eine eingehende Untersuchung des Tatbestandes vornehmen lasten und daraufhin an dgs Provinziolschulkollegium in Hannover eiiun Erlaß gerichtet, in dem es heißt: „vis auf weiteres entziehe ich dem Städtischen Realgymnasium and Gymnasium in Goslar das Recht, die Reifeprüfung in der Schule selbst durch den eigenen Lehrkörper vorzunehmen, und dem Städtischen Lyzeum das gleiche Recht für die Abschlußprüfung. Ich bitte dafür Sorge zu tragen, daß der Prüfungsausschuß, vor dem die Goslarer Schüler ihre Prüfung nunmehr abzulegen haben, gerade'die Ergebnisse staatsbürgerlichen Unter- r i ch t s und staatsbürgerlicher Erziehung besonders sorgfältig feststellt. Ich bin ferner zu einer wirksamen U m g e- st a l t u n g der beiden Lehrkörper gezwungen, deren Einzelheiten ich in kurzem bekanntgeben werde. Die Bestätigung dadurch not- wendig werdender Neuwahl behalte ich mir vor. Jedoch ist der Stadtverwaltung schon jetzt zu eröffnen, daß nur solche Personen Aussicht auf Bestätigung haben, die genügend Gewähr gegen die Wiederholung derartiger beschämender Vorkommmsse bieten." Die deutschnationale Presse, für die Flegeleien gegen die' Reichsversassung und republikanische Minister von jeher Helden- taten waren, versucht natürlich auch den Vorfall in Goslar in einem äußerst harmlosen Licht erscheinen zu lassen. Wenn es gegen die Republik geht, hat diese Presse für alles Verständnis. Von amtlicher Seit« wird auf die deutschnationalen Darstellungen folgendes erwidert: „Es handelt sich keineswegs um kleine harmlose Entgleisungen von einzelnen Schülern, sondern um einen Fall von so uner- hfrrtsT Schroei«� daß mit aller Eotschiedenheit dagegen vor- gegangen werden mußte. Nach sehr sorgfältiger Prüfung cm Ort und Stelle ist festgestellt worden, daß Schüler, die zum Teil bald ins Loben treten sollen, an einem besonders feierlichen Gedenktag die verfassungsmäßigen Farben der Deutschen Repu- blik beschiznpft, die Schleifen mit den Reichsforben von den Kränzen abgerissen und zertreten haben. Es handelt sich also nicht um ein harmloses„Entsernen" der schwarz. rotgoldenen Schlesien, wie es darzustellen versucht wird, sondern um«inen demonstrativen, heraussordernden Akt, der sich, und das ist das eigentlich Entscheidende für das Vorgehen des Ministeriums gewesen, vor den Augen der Lehrer selbst abgespielt hat. Der Minister kam darum auch in seinen letzten Entschließungen zu der Auffassung, daß nicht eimnal so sehr die einzelnen Schüler straffällig geworden seien, als vielmehr d i e A n- statt selbst, die es versäumt hatte, sie in einem anderen Geist« zu erziehen. Der Minister hat ausdrücklich davon Abstand ge- nomrnen, die an sich gerechtfertigte Strafe der Verweisung gegen- über den einzelnen zu verhängen, sondern führte die Dorsälle auf ein besonderes Versagen der Schul« zurück, die die staatsbürgerliche Erziehung vernachlässigt hatte. Di« nun getroffene Maßnahme, wo- nach die Schüler des Gymnasiums und Realgymnasiums und des Lyzeums in Goslar nicht mehr von ihren eigenen Lehrern, sondern von einer besonders zu ernennen- den Korn Mission geprüft werden sollen, hat den Zweck, zu überprüfen, ob in Zukunft die einfachsten Verpflichtungen der Anstalt, ihr« heranwachsenden Schüler im stoatsbürger- l i ch e n Geiste zu erziehen, ihnen vevstcmdesmäßige Einsicht in die Notwendigkeiten des staatlichen Zusammenlebens sowie Haltung und Selbstbeherrschung zu vermitteln, erfüllt werden. Es ist ebenso selbstverständlich, daß sich der Minister angesichts dieser empörenden Borkonunnisse sür die Zukunft vorbehalten muß, nur die Auf- nahm« solcher Persönlichkeiten in den Lehrkörpet der beiden Schulen zu bestätigen, die genügend« Gewähr gegen die Wiederholung fo beschämender Vorkommnisse bieten." Wir glauben dem hinzufügen zu sollen, daß der Schritt des Kultusministers die einmütige Billigung der preußi- sehen Stoatsregierung findet. Ein Exempel war endlich an, der Zettl Zuchthausrevolte in Colorado. 1000 Gefangene in Aufruhr— Bisher 16 Tote. Etappe Hitler. Oer von Kapitalisten bezahlte„Sozialismus". New Bork, 1. Oktober. Wie aus Canon City(Colorado) gemeldet wird, kam es im dortigen Gefängnis gestern zu einer Meuterei der etwa lOOV Gefangenen, denen es gelang, sich Zugang zum Arsenal zu verschaffen. Drei Ge- fängniswärter, die den Revoltierenden Widerstand leisteten, wurden getötet. Cine Kompagnie Artillerie, sowie die Staatsmiliz von Colorado sind mit der Nieder- schlagung des Aufstandes betraut worden. Die Kämpfe haben bis jetzt 16 Todesopfer gefordert. Unter den Toten befinden sich 3 Wärter. 136 Zuchthäusler haben sich verbarrikadiert, nachdem sie zwei Gebäude in Brand gesteckt hatten. Truppen und Miliz mit Artillerie belagern das Zuchthaus regelrecht. Die Zuchthäusler haben ein Ultimatum gestellt. Sie Verlan- gen drei Lastautomobile, mit denen sie davonfahren wollen. Zehn Wärter sind von ihnen als Geiseln fest- gesetzt worden. Die Zuchthäusler erklären, dasi sie die Wärter mitnehmen wollen, bis sie außer Reichweite der Geschütze find. Das Ultimatum wurde abgelehnt. Mehrere Angriffe der Belagerer konnten von den Zucht- Häuslern abgeschlagen werden. Bier Wärter sind von de« Zuchthäuslern auf die Mauern geschleppt und vor den Augen der Belagerer in die Tiefe gestürzt worden. Die Unglücklichen waren sofort tot. Die Führung des großen Truppenaufgebots, das an der Be- lagerung teilnimmt, ist entschlossen, die Gebäude am Sonnabend bei Tagesanbruch in die Luft zu sprengen, falls sich die Zuchthäusler nicht ergeben sollten. Die Frau Parteivorsitzende. Miß Lawrence vom Labour-Parteitag gewählt. Vrighlon, 4. Oktober. Zum erstenmal in der Geschichte der englischen Arbeiterpartei ist eine Ar au zum Vorsitzenden der Arbeiterpartei für das nächste Jahr gewählt worden. Es handelt sich um Vlih Lawrence, die parlamentarische Sekretärin des Ministeriums für Voltswohlsahrt. Miß Lawrence war seit zwei 3(ihren zweite Vorsitzende der Partei, gehört dem Parlament an und hat sich besonders aus dem Gebiet der städtischen Arbeilen und des Fürsorgewesens hervorgetan. „Meine Regierung wird mich erschießen" Bressedowsky verlegt die Sowjetbotschast in ein Hotel. Paris, 4. Oktober.(Eigenbericht.) Der russische Geschäsleträger Vressedowsky, der am Mittwoch aus seltsam« Art aus der Sowjetbotschast flüchten mußte. hat sich in einem pariser Hotel niedergelassen und den Journalisten erklärt, er fühle sich auch weiterhin als offizieller russischer Geschäftsträger, und da wo er sei. sei auch die Botschaft. Man erleb» somit das Schauspiel, daß die Botschaft de« Russischen Reiches in ein pariser privalhotel übergesiedelt ist. Bressedowsky begründet übrigens in einem Interview mit dem sozialistischen „Populaire", warum er sich den haß der Tscheka zugezogen habe. Er habe seit Monaten in offiziellen Eingaben der Sowjetregierung Vorwürfe über ihre verderbliche Politik gemacht, die zur endgültigen Isolierung Rußlands führen müsse. Znsbesondere habe er die Agitation am l. August, die Agrarpolitik der Sowjetregierung und das terroristische Wahlsystem angegriffen und habe nie aus seinem Mißfallen einen hehl gemacht. Die Unzufriedenheit und das Elend in Rußland seien ständig im wachsen begriffen. Schließlich erklärte Bressedowsky, er werde sofort nach der Rückkehr des Botschafters Dowgalewsky seine Demission einreichen, aber er werde sich hüten, nach Rußland zurückzukehren, da er überzeugt sei, daß die Sowjets ihn aufhängen oder erschießen würden. Ein Staat w»rS umgetauft. „Königreich Sudslawien*/ Historische Einteilung beseitigt. Belgrad, 4. Oktober. Der Ministerrat genehmigte zwei Gesetze, die eine grundlegende Aenderung der Verfassung bedeuten. Das eine sieht eine Neu- benennung des Staates vor, dessen bisheriger Nanre„Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen" in„Königreich Süd- s l a w i e n" abgeändert wird. Durch diese Namensänderung soll die Idee der vollkommenen Gleichberechtigung, Einheitlichkeit und Brüderlichkeit aller südslawischen Stämme, der Serben, Kroaten und Slowenen zum Ausdruck gebracht werden. Das zweite Geseg »erfügt eine Neueintsilung des Königreiches, das statt wie bisher in 33 Departements in 9 Banale eingeteilt wird. Woldemaras-Leute verhastet. In Kowno wurden am Mittwoch und Donnerstag etwa 39 An- Hänger des gestürzten Ministerpräsidenten Woldemaras f e st g e- n o m m e m Es handelt sich in der Hauptsache um Angehörige des litauischen Schützenbundes und der Woldemaras nahe- stehenden nationalistischen Organisation„Eiserner Wolf". Den Ver- lautbarungen Nl-cK lall auch sein ehemaliger Adjutant verhastet worden sein. Die Kommunisten„untersuchen"! Die amtlich« Untersuchung in der Sklarek-Asfäre genügt den ..Kommunisten nicht: sie haben, wie schon bei früheren Gelegenheiten, wo sie Material für ihre Agitation witterten, von sich aus einen „Untersuchungsausschuß" eingesetzt. Die ganze Woche kündigte die„Rote Fahne" schon die rücksichtslose Ausdeckung � des Skandals an, heute bringt sie als erste Veröffentlichung die Namen der kommunistischen Untersuchungsrichter Pieck und Fritz Longe. Das ist die erste„Aufdeckung".— Aber sonst wird m Untersuchungsausschuh mit Hochdruck gearbeitet. Nämlich so: Man fordert in der„Roten Fahne" die gesamte Berliner Bevölkerung auf, an der Aufdeckung der städtischen Korruptionsfälle mitzuwirkenl In der KPD. erwartet man affo allerlei Zuträgereien und dann untersuchen Pieck und Lange. Das ist allerdings ein sehr bequemes Versahren, wenn man eigenes Material nicht hat! Dazu ist es nicht einmal neu, gegen die Verkehrsgesellschaft wandte man es bereits auch schon an; Ergebnis gleich Null! Rachstehender Beitrag geht uns zu von einem Parteigenossen, der in den kritischen Zeiten des Jahres 1923 in engem Arbeitsverhältnis zu Hitler stand und Einblick gewann in viele, vor den Augen der Oessentlichkeil sonst sorgsam gehütete . Zusammenhänge.— In dem Rational ,, Sozialismus" hillers I hat er sein Damaskus erlebt. XLange Jahre hindurch hat es Herr Hitler mit meisterhaftem Ge- schick verstanden, um sein« rückwärtigen finanziellen Verbindungen und— Verpflichtungen den Mantel geheimster politischer Pläne zu hüllen. Das Kapitel„Parteikasse und Kampffonds" war und blieb seine ureigenste Domäne, die er und seine Kreatur Max Amann sorgsam vor den Blicken Dritter hütete.— Und wehe dem, der im Anschluß an Skandalaffären etwa ä U Fuchs-Machaus Aufklärung gefordert hätte! So kam es, daß alle sonstigen seiner Mit- arbeiter aus Vermutungen angewiesen waren. Eines war selbstvcr- ständlich, daß aus den eigenen Reihen die ungeheuren Mittel Hitlers nicht stammen konnten: alle dahingehenden Erklärungen Hitlers wurden selbst in der Partei nicht ernst genominen, konnten überdies durch ein einfaches Rechen- exempel widerlegt werden. Im Kreise seiner Mitarbeiter stand die Frage der Parteifinanzen oft zur Debatte. Nicht als ob man sich Sorgen gemacht hätte um die finanziellen Zukunstsmöglichkeiten an sich: nein, es ging um die Frag« des„W o h e r".— Und oft sah man bedenkliche Gesichter, wenn Herr Hitler von einer seiner vielen geheimnisvollen Autofahrten aus In- und Ausland zurückkehrte und neue Munition für seine Propagandakanone mitbrachte. Auf die Frage nach dem Ursprung der ebenso großen wie mysteriösen Geld- mittel wollten wir Auskunft haben, um aus der Antwort unsere Schlüsse ziehen zu können über Hitlers Rückverbindungen und— etwaige Abhängigkeiten.— Diese Antwort blieb uns Hitler schuldig: erst die Entwick- lung der Dinge hat st« erteilt. Die Antwort wurde vernichtend für Hitler. Zum„Deutschen Tag in Nürnberg", im September 1923, kam Herr Hitler unmittelbar aus der Schweiz. Sein Haus- shmnzminister, Herr Dr. G a n ß e r, hatte Besprechungen mit Schweizer Industriellen arrangiert: und der Erfolg dieser Be- sprechungen war ein Kabiaeakoffer, gefüllt mit Schweizer Franken und Dollarnoten. Der Major Buch, damaliger Kommandoführer der Swrmobteilung Franken, heutiger Reichstagsabgeordneter der Nazis, dem es ver- gönnt war, einen Blick in den Koffer zu werfen, kann, wenn er will, hiervon ein Liedchen singen. Das zweite Problem war das des „Völkischen Beobachters". Woher kamen die Geldmittel, um die Zeiwng auf tägliches Erscheinen umzustellen, um Inhalt und Format zu erweitern, um das Blatt in der Oeffentlichkeit durchzu- peitschen?— Die Kosten wurden bestritten von der Madame von Seydlitz, einer reichen Gutsbesitzerin aus dem Osten und Freundin Hitlers. Und die Finanzierung der Auf- märsche und des Putschversuches? Sie wurde besorgt von einem„K o n s o r t i u m": an dieser Firma waren u. a. beteiligt: der Berliner Fabrikant Bechstein(der Bruder des Piano- Bechsteins), der außer in Deutschland auch in England reich begütert war, der„K u n st s a m m l e r" h a n f f st a e n g l aus München, dessen Tochter mit Hitler enge Fäden verbanden, die hinter dem Münchener Herrn von Trotha(einem Vetter des Admirals) stehenden Kreise Heinrich Elaß', Dr. Kuhlo vom Boye- rischen Industriellenverband, der Kommerzienrat Zentz, München, der die Komödie im Bürgerbräukeller in Regie gesetzt hat, und viel« andere mehr.— An erster Stelle aber steht der FabrikantBechstein, dessen Gattin mit Stolz sich rühmte, die einzige Frau zu sein, die Adolf Hitler je mit einem— Handkuß beehrt hat. Nach dem Putsch, als infolge der Derhafwng Hitlers und feiner engeren Freunde die Partei herrenlos geworden war, bemühten sich außer dem bereits genannten Fabrikanten Bechstein, vertreten durch den ebenfalls bereits genannten Herrn von Trotha, die Kreise um den deutschnationalen Landtagsabgeordneten Dr. Alexander Glaser(der seinerzeit von Nürnberger Industriellenkreisen in den Bayerischen Landtag delegiert worden war), um die Finanzierung und um die„Politik" der National- sozialisten. Dieser Dr. Glaser, der Münchener Rechtsanwalt Dr. R u st und der G r a s T r e u b e r g sprangen ein, um die Partei für sich und ihre Hintermänner zu gewinnen: heftige innere Kämpfe setzten ein. Und die Gcgeiffpieler der drei genannten 5ierren waren Gottfried Feder(aus Eitelkeit), General Ludendorff (aus Machtstreben) und der Chefredakteur des �.Völkischen Beob- achter", Alfred Rosenberg(aus vermeiwlichem Kadaver- gehorsam Hitler gegenüber). Der Ausgang des Ringens ist bekannt: Glaser, Ruft und Treuberg trennten sich von dem„Völkisch- sozialen Block" und gingen dorthin zurück, wo ihre Auftrag. geber standen: zur Deutschnationalen Volkspartei bzw. zur„M i t t e l p a r t e i", wie man in Bayern die reaktionäre Flügel- grupp« nennt. * Nun kam nach längerer Unterbrechung Herr von Mücke zum Wort. Diesen Enthüllungen ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen: denn sieschließendenKreis: Der Nationalsozialismus Hitlers(gleich wie sein römtz-yer Bruder, der Faschismus) ist trotz seiner Gegenwartserjolge nicht meyc und nicht weniger als eine Dekadenzerscheinung der absterbenden bürgerlichen Ideologie und Gesellschaft und— was ursächlich dasselbe ist— der kapitalistischen Welt. Das Schlagwort „Sozialismus" aber ist Phrase, ist Köder für die Massen der noch nicht marxistischen Arbeitnehmer und Intellektuellen, welche die überlebten bürgerlichen Parteien aller Schattierungen nicht mehr zu halten vermocht haben. Und eben darum auch wird der„Fanatiker gegen den Kapitalismus", als welcher Herr Hitler sich ausgibt, durch den Kapitalismus selbst wärmstens unterstützt und gefördert durch die Krupp, Bechstein, Kuhlo, Trotha und neuerding» durch die hugenberg und Genossen: jeder Nationalsozialsst(abgesehen allerdings von den stellungslosen Generalen, Majors und Leutnants, von den Geschäftemachern und eitlen Schwätzern, die die Führerschicht der heutigen Nationalsozia- listen ja ausmachen) bedeutet eine Schwächung der großen, mehr und mehrfich schließenden Klassenfront. Doch diese Schwächung gilt nur dem Augenblick. Denn zur gegebenen Stunde, die mit Riesenschritten herannaht, wird der hitlersche Führerklüngel zurücksinken in die behagliche bürgerliche Stammtischatmosphäre, der er entwachsen ist: die Massen aber, die zu Hitler gekommen sind wegen des Sozialismus, nicht aber wegen des Nationalismus, noch weniger wegen dessen Spottgeburt: des Nationalsozialismus, werden erkennen, daß sie selbst sich die Rückkehr ins bürgerliche Lager verbaut haben. Ihnen bleibt alsdann nur die bewußte Einreihung in die K l a s s e n f r o n t. Und diesen P r o z e h der Auflockerung der bürgerlichen Parteien und ihrer Gesellschaft, diesen Prozeß der Uebersührung der Sozia- listen in die Partei des Sozialismus beschleunigt zu haben, ist das Schicksal und wird dereinst zum— Perdien st Adolf Hitlers! Größtes Gtadtbad des Kontinents Sozialdemokratische Arbeit im proletarischen Berlin. Der Entschetfurngstag über die Zukunft der Berliner kommunal- Politik ist nicht mehr fern. Es gilt jetzt, alle Kraft anzusetzen, um der Berliner Bevölkerung die hochpolitische Bedeutung des 17. November klar vor Zlugen zu führen. Weil die Sozial- demokratie bermefen hat, daß sie die einzig« Partei ist, die praktische und erfolgreich« Arbeit im Interesse für die schassende Bevölkerung geleistet hat, lassen di« hunderttausende sozialdemokratischer MitAieder jetzt wieder an die Männer und Frauen Berlins den Ruf ergehen:„Wählt s oz ia ldem akratisch!" Einen neuen Beweis«rfolgreicher sozialdemokratischer Kommunalarbeit hat das Bezirksamt Berlin-Mitte erbracht. Mitten im tiefsten Häusermeer log früher der K o p p e n p l a tz als ein häßlich«: grauer Asphattfiecken mit einigen dürftigen Bäumen. Jetzt Hot man daraus eine vorbildliche Er holungs statte gemacht. Der ganze Platz, der eine Größe von rund 2690 Quadratmetern hat, ist umzäunt worden, um die schönen Parkcrnlagen und die neugeschassenen Buddelplätze der Kinder des Nachts vor Schmutzsinken und Hunden zu schützen. Tritt man durch das ge- diegen« Tor, das an beiden Seiten das Berliner Stadiwappen trägt, so steht man vor einem reizvollen Brunnen, der von dem Berliner Bildhauer Menzner geschaffen worden ist. Der Brunnen hat eine eigene Pumpanlage, so daß er mit ganz geringen Betriebskosten arbeitet. Den größten Teil des platze» nimmt jetzt eine große Rasen- fläche ein- Sie ist rings von Chrysanthemen eingefaßt, später werden hier hochstämmig« Rosen angepflanzt werden. Der Blick ruht dann auf einem Häuschen, das noch Plänen des Oberbaurats Reetz erbaut wurde. Es hat eine schöne architektonische Lösung gefunden und gibt.dem ganzen Platz einen städtebaulich guten Abschluß. Davor liegt der Buddelplatz der Kinder, der von dem Teil der Erwachsenen und von der Straß« wiederum abgezäunt ist. Um den Kindern Schutz bei plötzlichem Unwetter zu gewähren, hat das Haus, das mit dem Kinderspielplatz in unmittelbarer Verbindung steht, eine offen« Schutzhaile erhalten, die gestern den Vertretern der Press« und des Bezirksamts Mitte bereits wohltuenden Schutz gewährte, hier sprach Bürgermeister Genosse Schneider einig« Worte über dieses neue Werk sozialdemokratischer Kommunalarbeit. Das Haus hat weiter ein« Bedürfnisanstalt für Frauen und Männer aufgenommen und enthält außerdem einen Raum für die Wärterin, die durch ein großes Fenster gleichzeitig die Kinder beim Spielen beaufsichtigen kann. Der große Platz wird von einer Reche von Bänken umsäumt: für die Gesamtanlage zeichnet verantwortlich Professor Barth. Die schöne Parkanlag« wird in die öden und grauen Straßen dieses Arbeiterviertels Freude und bescheidenes Glück bringen. Das Bezirksamt benutzt« die günstige Gelegenheit, um die Vertreter der Press« durch das in Bau befindliche S t a d t b a d Mitte in der Curtenstraße zu führen. Die imposant« Anlage wird wahrscheinlich im nächsten Frühjahr der Bevölkerung über» geben werden können. Die Arbeiten sind bisher außerordentlich rasch vorangekommen. Die architektonische und technisch« Leitung liegt»n den Händen der Herren Professor Tessenow und Dr. I e l k m a n n. Das Sladtbad Mitte wird das größte Schwimmbecken de» Kontinents ausweisen. E» wird nicht nur eine Sehenswürdig- kelt für die Reichshauptstadt, sondern darüber hinaus für Deutsch- land darstellen. Das Bad, das insgesamt über 3 Millionen Mark kosten dürfte, bietet 799 Menschen Auskleidungsmögiichkeiten und kann über 1999 Personen als Zuschauer bei Schwimmsesten aus- nehmen. Ueber eine breite Cingangstreppe komn.t man an den Auskleideräumen vorbei in die große Schwimmhalle. Sie ist 69 Meter lang und 22 Meter breit. Das Schwimmbecken selbst hat bei einer Breite von 1 Meter eine Länge von S9 Meter, an der tiefsten Stelle mißt das Becken 3,25 Meter. Der Raum wird von 44 großen Doppelfenstern umschlossen, von denen jedes Fenster 8 Meter hoch fft. Dies« Fenster sind alle aufschiebbar und haben zwischen der äußeren und inneren Scheibe einen Zwischen- gang, durch den ein Mann bequem durchgehen' kann. Dieser Zwischenraum wird im Winter mit warmer Lust gefüllt. Im Sommer werden alle Fenster hochgeschoben, so daß das Bad den Eharakter eines Freilustbades erhält. Das neue große Stadl- bad wird außerdem 49 Brausebäder, 89 Wannenbäder, eine medizinffche Abteilung und ein großes Sonnenbad von über 659 Quadratmeter Größe ausweisen. Das große Betonbecken faßt etwa 1699 Kubikmeter Wasser. Eigens für dir Wasserzusührung der Anstalt hat man zwei große Tiesbrunnen gebaut, die über 79 Meter tief liegen..» Anschließend hatte man Gelegenheit, das ebenfalls neu ge- schaffene Kinderheim in der Etrelitzer Straße kennenzulernen. In einem schmucken und sauberen Häuschen werden hier 75 Kinder proletarffcher E'tern aufs beste verwahrt und betreut Diese kulturelle Aufbauarbeit, deren Spuren wir beul« in allen Teilen der Reichs- Hauptstadt finden können, hat ihr« Grundlage im Wirken der Sozial- demokratie. % Vor einer„Sireikabtviirgung". Viederkirchner ist verhandlungsbereit. Zuerst die Hauptsache: wieder einen Stundenlohn sur die wild streikenden und zahm arbeitenden Niederkirchner-Rohrlezer. "Dann Balkenzeile: der Rohrlegerstreik wird verschärft'. Folgt Beschluß der gestrigen Streikversammlung: den Unternehmern die Berhandlungsberei tschast mitzuteilen. Das ist nicht etwa ein schlechter Scherz, sondern in der„R. F." heute, Freitag, nachzulesen. Man muß das zweimal lesen: Die revolutionär-kommunistische Leitung des wilden Rohrlegerstreiks rutscht von der bolschewistischen Linie ab und begeht das„resor- mistische Verbrechen", sich verhandlungsbereit mit den Unternehmern zu erklären, um„den Streik abzrrwürgen". Falls jedoch die Unternehmer von diesem revolutionär selbst- losen Angebot, sich an der Streikabwürgung zu beteiligen, keinen Gebrauch machen, dann, dann soll die Fortführung des Kompfes bedeutend verschärft werden. Schon jetzt haben„Dutzende am Streik beteiligte Rohrleger und Helfer die mündliche und schriftliche Erklärung abgegeben, auf jede Streikunterstützung zu verzichten". Diesem guten Beispiel der so heroischen proletarischen Streikender», die nach sechs Streikwochen auf jede Streikunterstützung verzichten, werden zur Verschärfung des Kampfes alle Riederkirchner-Leute folgen. Die arbeitenden Rohr- leger aber, d. h. nicht etwa die unter derz. tariflichen Bedingungen ihrer Organisation, des Metallarbeiterverbandes, arbeitenden Soeben erschienen: HEFT I 1929-30 Die Reichsschulmusikwoche in Samiover. Von unserem Sonderberichterstatie, FREIE WORT ■ SOZIALDEMOKRATISCHES DISKUSSION SORG AN AUS DEM INHALT Carl Savanng; Schuts dar RapubUk/ Qlto Eggar- stedt:„Mit krachendem Putschhalf/ Karl Ranner: Oester reich ische Wirren/ Theodor Laipart: Unkahl haikalt dar ökonomischen Vernunft/ Kurt Halnlg: Achtung, neue Rationalitianingswalla „Streikbrecher", sondern die revolutionären auf Vermittlung von Niederkirchner arbeitenden Streik-RoHrleger, werden zur Ver- schärsung des Kampfes ihre Arbeit einstellen müssen. Noch einmal wird den Unternehmern bedeutet: sollten sie Verhandlungen ablehnen, dann wird der Kamps verschärst und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln fortgeführt. Hat Niederkirchners Streikleitung es bisher verabsäumt, den Kampf mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu führen? Dann wäre das von vornherein eine sträfliche„resor- m i.st i f ch e" Abweichung von der revolutionären Linie. M i t allen Mitteln hat Niedertirchners Garde die beim Metall- arbeiteroerband gebliebenen Rohrleger bekämpft, wenn sie— die mit seinem wilden Streik nichts gemein haben— sich zu arbeiten erlaubten. Di« Unternehmer aber hat er bisher geschont und sie nicht mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft! Das müssen wir uns merken! Uns scheint, die Verhandlungsbereitschaft ist ein Zeichen dafür, daß die Herrschasten mit ihrem wilden Streik am Ende ihres revolutionären Lateins sind, trotz aller spießbürgerlichen Talg- und Margarinespenden und der Erbsen und Linsen. E» war von jeher leichter, einen wilden Streit anzufangen, als ihn zu einem guten Ende zu führen, ihn„abzuwürgen". Warten wir auch hier ab, was bei der„revolutionären" Aktion herauskommt. * Es ist kein ehrlicher Kampf, der hier geführt wird, sondern eine kommunistische Mache gegen den Deutschen Melallarbeiler. verband, den die KPD. selbst dadurch zu schädigen sucht, daß sie seinen Neubau sabotiert. Der Baugewertsbund soll für dieses kommunistische Bubenstück noch obendrein die Kriegstosten in Gestalt von Streitunterstützung zahlen. Die„Revolutionäre" schimpfen nicht schlecht, roeil er ihr Ansinnen abgewiesen hat. Ministerauto überschlagt sich. Zalesti zog die Bremsen zu scharf an. Warschau, i. Oktober. Der polnisch« Außenminister Z a l e f k i hat am Donnerstag nachmittag auf der Strecke Warschau— Lowicz in der Nähe der Eisenbahnstation Ozarow einen schweren Autounsall gehabt, bei dem er verletzt wurde. Der Minister, der am Steuer saß, wollte einen Wagen überholen, als ihm plötzlich ein Bauerngefährt den Weg oersperrte. Um einen Zusammenstoß zu oermeiden, zog Zalejki die Brems« so scharf an. daß sich sein Auto überschlug und die drei Insassen unter sich begrub. Augenzeugen eilten sofort zu Hilfe. Außenminister Zaleski kam mit einem Schlüsselbeinbruch davon. Seine beiden Begleiter, ein Geistlicher und ein Abgeordneter, trugen am Kopf und an den Händen Schnittwunden davon. Der Geistliche war außerdem infolge einer leichten Gehirnerschütterung bewußttos. Die Verletzten wurden in einem Privatauto nach Warschau gebracht, wo der Außenminister sein« Wohnung aufsuchen konnte. Ein Engländer Athener Polizeipräsident. Der englische Oberst Cecil Cok« ist nach Athener Meldungen vom griechischen Innen- minister zum Leiter der Athener Stadtpolizei ernarwt worden. Vorträge und Vorführungen. „Die S ch u l m u s i k kämpft um ihr« Anerkennung gegen zwei Fronten: gegen die ihr keinen Raum gönnenden gesamt- pädagogischen Kräfte und gegen die Unterschätzung in den Reihen der offiziellen Tonkunst und ihrer Institut«, nicht zum wenigsten der musikalischen Tages- und Fachpresse." Prof Kesten- b e r g hat dies programmatisch« Wort, das in einem Satz die gegen- wärtige Situation anschaulich umrelßt, der Tagung in Hannover zum Geleit gegeben, ein Wort der Mahnung an alle, die berufen sind, am Werk der Schulmusikreform mitzuschafsen. Zum achten Male ruft sie die„Reichsschulmusikwoche" an die Arbeit. 1921 in Berlin als ständige Institution geschaffen, als Konzentrotion aller schaffenden und aufbauenden Kräfte, tritt dos Parlainent der Schul- musiker jähttich in einer deutschen Stadt zusainmen, der Schulmusiker vom Grundschullehrer bis zum Hochschulleiter aus allen Teilen des Reiches. Nun ist man, zum ersten Mal« wieder seit vier Jahren, aus preußischem Boden versammelt. Wobei zu vermerken ist, daß diese über Landes- und Landschoftsgrenzen ausgreifende Zusammen- fassung des gesamten Schulmustkwejens, dieser großzügige Plan und Versuch einheitlicher Gestaltung wesenttich durch die Initiative Preußen» bewirkt worden ist; wie denn auch die vom preußischen Kultus- Ministerium gegebenen„Grundlinien" für den Schulmustkunterricht das Leitmotiv bildeten, dos, vielfältig abgewandelt, den größten Teil der Referate und Debatten beherrschte. Die erste Hälfte der Woche, der erste Abschnitt liegt hinter uns und bietet sich, gejchlossen, rückblickender Betreuhtung. Thema: die Schulmusik ist die Zukunft der deutschen Musik—, um nichts Geringeres ging es und geht es heute. Nicht in ästhetischen oder fachlich-formalistischen Bereichen, sondern auf sozial-ethischem Gebiet vollzieht sich die groß« Musik- revolution unseres Zeitalters: das unverpstichtet« Mufikgenießen eines bedrohlich schrumpfenden Privilegiertenkreifes wird ab« gelöst vom Musikerlebnis der Massen. In der Volks- und Arbeiterchorbewegung find«? diese Bewegung elementaren, überwältigenden Ausdruck. Aber wie die Zukunft unserer Arbeiterchöre, mit denen Schritt zu halten man im bürger- lichen Lager sich schon ernsttich müht, dem Sängernachwuchs, der Jugend also, gehört, so gilt es nicht allein, diese Jugend im Schul- Musikunterricht für ihre große Aufgabe vorzubereiten, sondern es bedarf dazu neuer Formen der Musikerziehung,— anderer, als jene waren, mit denen allenfalls die rezeptiven Kräfte eines bildungs- mähig-verständigen Zuhörens, nicht aber die aktiven Kräfte un- mittelbaren und produktiven Erlebens geweckt werden. Musik als Lebenselement oder Arbeitspensum, Mittel der Lebens» gestaltung oder Gegenstand des Erlernens—, der grundsätzliche Gegensatz der Meinungen und Einstellungen, den Prof. Fritz I ö d e, selbst Überzeugtester, tätigster Vorkämpfer des „Gestattuugs-.priuzips, in erfrischender Klarheit präzisiert hat, ist in diesen Tagen mehr als einmal fühlbar geworden. Gewiß wird das zu erstrebende Ziel in der Mitte liegen müssen, nämlich in der Verbindung der Gegensätze, die nicht unüberbrückbar sind, und in ihrer Bereinigung zuletzt. Aber nicht darum sucht die sorffchritttiche Pädagogik die starren Formen der alten Lern- und Arbeitsschule zu lockern, nicht darum soll im Lehrplan der preußischen Schulen der Musik breiterer Raum ge- währt werden, damit sie nur die Fächer des strengen Lernens und Arbeitens um ein weiteres oennehre. Formulierungen wie„Musi- kalische Ertüchtigung der Jugend" lasien jedenfalls einen Geist ver- muten, der uns nicht der rechte scheint. Musik als eine der Kräfte, die„einer entroickelten Kultur Ein- heit und lebendigen Zusammenhalt verbürgen", als ethosbildend«, gemeinschaftwirkend« und— wir wollen uns an das Wort «rinnern— als politische Kunst: so stellte Prof. F r e y e r sie in die Diskussion, der sein einleitender Vortrag dos wissenschaftlich« Fundament und für ihren weiteren Verlauf den Grundton ernstesten Bemühens gab. Auf der geistigen Höhe seiner kulturphilosophischen Ausführungen vermochten freilich die folgenden Referat« sich nicht durchaus zu halten, die vor allem den praktischen Fragen der Schul- musik, nun nicht mehr allgemein chrer Problematik, sondern ihren einzelnen Problemen gewidmet waren. Vertreter fast aller Schul- arten kamen zu Wort(der„Pädagogischen Akademie" ist einer der kommenden Tag« vorbehalten): unter allen bestand Einmütigkeit im Verlangen nach Vermehrung der Musikstunden und im Bestreben, die Musik in allen Klassen als Pflichtfach durchzusetzen. Uns inter- effiert an erster Stelle, wieder im Hinblick auf die Arbeitersänger der Zukunft, die Frage, wie in den Volksschulen Musik gelehrt und getrieben wird. In Hannover, das zugleich ais Tagungsort und Beispiel des Schulwesens in einer preußischen Großstadt gewählt war, steht es gut, man durfte sich davon über- zeugen. Magfftratsschulrat K ö n e ck e wußte von einer Menge sehr erfreulicher, systematisch errungener Neuerungen der jüngsten Zeit zu berichten: von Schul- und Schülerkonzerten, Rundfunkver- anstoltungen, Grammophondarbietungen, organisiertem Opernbesuch, Anschaffung von Konzertflügeln schon für ein« Reihe von Schulen, endlich erzielter Einigung über den Lehrweg... noch ist man nicht allerorten so weit. Und vor allem von der Errichtung einer städtischen Singschule für Begabtere, die, durchaus ohne Besuchszwang, seit 192S die Zahl ihrer Klaffen von zwei auf neun erhöhen konnte. Besonders lehrreich war der Einblick, den Schulrat Behrens- Cell« in die, dem Äädter unbekannten Ar- beitsbsdingungen und-Methoden der Landschulen gewährte. Prof. Werner erweiterte das Bild der städtischen Schulmusik. pflege nach der historischen Seite. Ergänzt und bestätigt wurde es durch Vorführungen aus der heutigen Schulwirklichkeit. Man erfuhr, wie Knaben des zweiten Schuljahrs vom Lehrer August Schlette in das Erlebnis einer Melodie geleitet werden, und wie Kinder des vierten Jahres unter der Führung des Lehrers Heinz Wasmann ein neues Lied mühelos„erarbeiten": erlebte eine Stunde Mozart im Rundfunk— leider mit dem unver- meidlichen Hebel des vorher festgelegten und genau einstudierten Textes, auch im Hin und Her von Frage und Antwort zwischen Lehrer und Schüler: war Zeuge der Vorbereitung von Volksschülern aus den Besuch der Oper„Freischütz", hört« sehr respektable Proben polyphonen Singens und das beherzte Spiel eines Orchesterchens, zu dem die Kinder einer Arbeitervorstadt sich zusammengetan haben. Man hörte auch mancherlei Unvollkommenes, nicht nur unfertige Schülerleistungen, sondern tastende Lehrversuche: aber man spürte als Verheißung und gute Gewähr den Zusammenklang von Liebe, Geduld und Vertrauen. Zum ersten Male— Zeichen der Zeit und ihres schnellen Fort- schritts— ist nun auch der Ehorgefang mit allen Fragen, die er aufwirst, unter die zentralen Probleme der Reichsschulmusikwoche aufgenommen. Für die Diskussion schuf Prof. Schering. Berlin die stilgeschichttiche Grundlage. Prof. Heß« Berlin setzte sich als Praktiker und Autorität der Stimmbildung in unmittelbarem Kontakt mit dem Auditorium der Gesangslehrer und Jugendstimmbildner. Lebhaftes Interesse, ge- spannte Aufmerksamkeit fand insbesondere Dr. Alfted Guttmann, erfahrenster Fachmann in allen Disziplinen des Ehorwesens, mit seinem Vortrag über die Entwicklung der jugendlichen Stimme und die Anforderungen des Chorgesanges. Wir muffen ihm auch danken, daß er auf die(oft vernachlässigt«) Bedeutung himvie», die beim Chorsingen, gerade in den Jahren der Erziehung, der Wahl des Textes zukommt. Musik, das Wort ist gefallen, ist min einmal ein« „polftffche Kunst": oder zum mindesten, sie kann es werden, auch in einem recht unerwünschten Sinn, wenn sie sich mit dem Dichterwort verbindet. Das ist in Hannover, am Rande der Diskussion, offenbar geworden. Wir werden aus der Hut sein muffen. Heute aber sehen wir, unbesorgt nicht nur in dieser Hinsicht und mit sehr hohen Erwartungen, einem großen Liederwerk entgegen, das in aller- nächster Zeit vollendet vorliegen soll: das staatliche Volks- l i e d e r b u ch für die Jugend, über dessen Geschichte, Beschaffenheit und Bedeutung einer seiner Mitschöpfer, Karl Lütge, aus- führlich berichtete. Seine Bedeutung im Rahmen der Tagesordnung bedarf kaum der Erläuterung. Denn das Volkslied ist das natürlichste und zugleich stärkste Band zwischen Musik und Schule, zwischen Kunst und Erziehung, deren Zusammenhang zu erfassen und zu gestalten eine unserer wichtigsten Aufgaben ist— in dieser, um noch einmal den Genossen Kestenberg zu zitieren,„aus geistiger Not, pädagogischen und organisatorischen Zeit". XUus Pringsheim. Raturalismus im Thalia-Theater. Inh(Stavenhagen:»Mutter Mews". In dem Drama des jungverstorbenen niederdeutschen Dichters Fritz Stavenhagen dreht es sich nicht um große weit- bewegende Schicksal«. Was wir auf der Bühne sehen, ist«in« Tragödie des Alltags, wie wir sie alle an uns selbst oder bei unseren Freunden erleben, an der wir achttos vorübergehen oder— cm der wir zerbrechen. Mutter Mews, durch die Not des Lebens hart und kllt ge- worden, aber noch voller Schaffensdrang, verbittert der Gedanke, von ihren Kindern das Gnadenbrot nehmen zu müffen. Wo sie ausgenommen fft, macht sie sich nützlich, ohne Freude um sich zu verbreiten. Sie kritisiert hier, sie kritisiert da, sie spricht un- bedachte verletzende Worte, dazu leidet sie an überspanntem Selbst- bewuhtsein, das sich bis zum Bezieh ungswahn steigert. Harmlose Asußerungen sieht sie. gegen sich gerichtet,«in Wort gibt das andere und der osftn« Zwist ist da. Der Frieden ist gestört, wo sie er- scheint. So kommt der erste Mißton in die bis dahin glückliche Ehe ihres Sohnes. Ununterbrochen stichelt sie gegen ihre Schwieger- tochter. Der Sohn, hin und her geworfen zwischen der Liebe zur Mutter und zur Frau, versucht zu vermitteln, aber die Kluft wird immer größer. Eine bösartige Bemerkung der Schwiegermutter treibt die Tochter schließlich zum Selbstmord. Die arme jung« Frau kann das Leben nicht mehr ertragen, das längst zum qualvollen Martyrium geworden ist. Stavenhagens Drama, dejjen hochdeutsche Bearbeitung Hans Alfred Kihn übernommen hat, oerwendet die Mittel des Naturalismus, die uns heut« etwas überaltert vorkommen. Eine dumpfe Strindbergsche Atmosphäre lastet über dem ganzen. Die minutiös« Charakterzeichnung überrascht. Alle möglichen Typen sind gezeichnet, die versuchen, mit den bösen MißHelligkeiten des Alltags fertig zu werden. In der Tragödie lebt kein einziger ganzer Kerl. Fünf Akte lang warten wir auf ein« befteiende Tat. Ganz nawralistrsch ist auch der zur Katastrophe führend« Schluß der Tragödie. In den ersten vier Akten haben wir für die Schwiegermutter noch Verständnis, ihre Fehler erklären sich aus dem Unglück, an dem sie ein ganzes Leben lang getragen hat. Erst im letzten Akt wandelt sich ihr Charakter zu offener Bösartigkeit, ein gekrampfter Schluß, durch den die Allgememgüttigkeit des Dramas verlor«« geht. Josefine Dora spielt daher vier Akte hindurch auch nicht den bösen Hausdrachen, sondern eine durch krankhafte Veranlagung ungewollt Böses stiftende Frau. Ihre Auffassung entspricht.zwar nicht den Intentionen des Dichters, kommt aber unserem Empfinden mehr entgegen. Eine prachtvolle Leistung. Maja Hart spielt hart und ohne aufzutragen die Märtyrerin der Ehefrau. E r n st Körchow den schicksalhaft hin und her getriebenen Sohn. Est i ch Nürnberger und Erika Burgin runden das Ensemble zu gutem Aufammenspiel. Der Beifall des ergriffenen Publikums war herzlich und echt. Dsr Einigung im piscator-Klopfer-Konflikt. Piseawr hat sich mit Direktor Klopfer dahin geeinigt, daß er zunächst das Theater am Nollendorfplatz verläßt, am 1. November aber wieder zurückkehrt, wenn es ihm bis dahin gelungen ist, neu« Geldmittel auszubringen. In diesem Fall dürfte Klopser die Direktion niederlegen und Direktor Aufticht vom Theater am Schifsbauer- dämm an seine Stelle treten. Inzwischen inszeniert Heinz Goldberg die Novität„Militärmusik". Die erste Staalsanwöltin jetzt vier Todesurteile durch. In dem kürzlich in Moskau verhandelten Prozeß gegen mehrere Geschäfts- leute, die Brillanten ins Ausland verschoben hatten, wurde die Anklage zum erstenmal von einer Frau oertreten. Frau Njurina kann sich als erst« Staatsanwältin bezeichnen, die in einem Prozeß mehrer« Todesurteil«— im vorliegenden Fall waren es vier— beantragt und durchgesetzt hat. Ueber wcllraumsahrl spricht Prof. Oberth am ö., 20 Uhr, in der Deutschen Gesellschaft 1914, Schadowstraße. Marcell5alzer wird leine im Frühjahr b.J. unterbrochenen Jubiläumj- Abende am 5. und 6. Ottober im S ch III ers a a l nachholen. vr. Atttz Schiff wurde von der Volksbühne E. V. für zwei Lichtbllder- Vorträge gewonnen, die am 6.. und tS. Oktober, jeweils 20 Uhr, im Hörsaal des Kunstgewerbemuseums, Prmz-AIbrccht-Straße 7a, stattfinden. DaS Thema der beiden Vorträge ist»Gesellschaftskritik in der bildenden Kunst". Die erste diesjährige Tanzmalinee der Volksbühne E. v. findet am Sonntag, dem 13. Oktober, 11'/, Uhr, im Theater am BUIowplatz statt. Jutta Klamt mit ihrer Gruppe wird eine Reihe neuer Tansschöpsungen zeigen. Einlaßkarten zum Preise von 1,30 M. find schon jetzt in de» Zahlstellen der BollSbühne E. B. erhÄttich. Lleberstunden:ja, Zuschlag: nein! In der Dampfwöscherei von Franz wird meistens 12, manchmal auch 14 Stunden täglich gearbeitet. Die Ar- beiterinnen erhalten einen Stundenlohn von 5 0 P f. Einen Zuschlag für die U e b e r st u n d e n, der nach dem Tarif 15 Pf. pro Stunde beträgt, gibt es nicht. Zwei Arbeiterinnen, die fortgesetzt, aber vergebens, den Ueberftundenzufchlag gefordert hatten, wurden entlassen. Sie klagten beim Arbeitsgericht auf Nochzahlung des Zuschlages für 6 bis 8 Wochen, wo sie im Betriebe beschäftigt waren. Herr Franz behauptete, den Ueberftundenzufchlag habe er dadurch abgegolten, daß er die Pausen mitbezahlt habe.— Die Klägerinnen sagten dazu, reguläre Pausen habe es gar nicht gegeben. Ihre Mahlzeiten hätten sie so nebenbei«in- nehmen müssen, die Arbeit sei dadurch kaum zum Stillstand gekommen. Trotz der Vorhaltung de» Richters, daß man von den Klage- rinnen doch nicht verlangen könne, sie sollen täglich 4 bis K Jlcbct- stunden ohne Zuschlag machen, blieb der Beklagte dabei, daß er den Zuschlag abgegolten habe und daß es ein Unrecht sei, wenn die Klägerinnen, die die Pausen bezahlt bekamen, auch noch Ueber- stundenzuschlag verlangen. Der Beklagte war auch zu keinem Vergleich zu bewegen, denn es handele sich für ihn um„eine prinzipielle Ange- legen heil."— So wurde er dann verurteilt, die Forde- rung der Klägerinnen— 16 bzw. 20 M.— zu bezahlen. Berliner Gewerkfchastsschule. Wir geben nachstehend wieder einige wichtige Kurse aus dem Lehrplan der Berliner Gewerkschaftsschule bekannr und raten ollen interessierten Genossen und Genossinnen, diese Gelegenheit zu ihrer Fortbildung wahrzunehmen: SO. 1. Was muh der Betriebsrat llad der SemerkschafsbtaktianSr»am Betrieb»ad»» der Wirts ckatt missrns Sebrer: Richard Schal*«,»eaimr: groitas, 18. Oktober 1929, 19 Uhr. C. 2. Wirtichalt. Recht und Staat. Lehrer: Sr. Theodor Tichauer. Besinn: Donner»!««, 17. Oktober 1929, 19 Uhr. C. 4. Voltsmirtschastlichc Arbeit« rarapae säe«ns-aaee. Lehrer: Dr. Otto Euhr und Dr. Kreihia. Beainn: Diensto«. IS. Oktober 1929, 19 Uhr. O, 6, Betriebsmirtschaftlich« Arbeite« ruope I. Di- Formen der Unter. nehmun«. Lehrer: Dr. S. R. Bark. Beginn: Donnerstag. 17. Oktober 1929. 19 Uhr. C. 8. Arbcitsrechtlich« Sr»»v« ffir Anfanger. Lehrer: Oberfinanzrat ifnfe Schönbeck. Beginn: Donnerstag, 17. Oktober 1929, 19 llhr.� Die mit einem C. bezeichneten Kurse finden im Sophien-Lyzcum. Weinmeisterstraße l6/17, die mit einem SO. versehenen im Leib- niz-Gymnasium, Mariannenplotz, statt. Anmeldungen können bei sämtlichen Ortsverwaltungen der Verbände und in den Lehr- beratungssprechstunden der Gewerkschaftsschule(Montags und Frei- tags von 4 bis 7 Uhr), Engeluser 24/25, I., Zimmer 6, oorge- nommen werden. Der Hörerbeitrag beträgt 2 Mark, für Jugend- liche 1 Mark. Erwerbslos« sind vom Hörerbeitrag befreit. Verantmortl.'iir die Redaktion: volsgaag Schwarz. Berlin: Anzeigen: Th. S locke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag<5. m. d. 6., Berlin. Druck: Borwärts Buch. druckcrei und Vcrlagsanstalt Paul Singer 6c Co.. Berlin SW 68, Lindenftraße 3. Hierzu 1 Beilage. Unsere Reioraischune befreien den fubi Landsgemeindehaus Berlin-Mitte, Neue Schönhauser Str. 8 Berlin-Spandau, Potsdamer Str. 38-39 Freitag, 4. 10. Staats-Oger Unter d. Linden A.-V. 210 19 Uhr DieFraoolifle Matten Staals-Oper Am Pl.d.Republ. Vorst. 58 I9i/j Uhr Die Fltdinaiis Freitag, 4. 10. Sfädt. Oper Bismarckstr. Turnus II 20 Uhr Madame Bntterfly Staat). Sdiansph. am Gendarmenmarkt A.-V. 186 20 Uhr Ein besserer Herr » Stastl.Sehiller-Theater.Charltb. 20 Uhr Der Kaufmann?. Tenedlg Täjl. 2 VerttelL s ud S'/, Dkr fiatbaretaa 1256 Unsere nenea Preise; Wscteategs 5 Otr 50 Pf. bis 1 lark TlgL 8'/, 1. Sonnt. 5 Ubr 1 bis E Hark Charlie Rivel, 3 Whlrlwlnds. Long Tack Sern usw. | Tägl. S u. eis Sonnt. 2, So. 8 u ) AIsx.E.4.8066 1 INTERNAT. VARIETE PLAZA CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. neu! Taguds sv, Uhr neu! Ueriagte Hochzellsnacht! und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser: Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M-, Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0B0 M, Reichshallen-Theater Abende| 8| Sonnlag nachm.| 3| Des großen Andrangs wegen Immer noch das Fest- Prog ra m m mit der ulkigen Schluss-Revue: ,Bßi de Stettiner' Billettbest Zentrum 11263. Dönhoff- Brettl: Varleth— Tan»— Konzert. Renaissance-Theater TSglids Sil Uhr STEMPELBRUDER Schauspiel von Duschinsky. Regie: Lust. Härtung. cteino!at2 C 1. 0901 u. 2583/84. GROSSES SCHflUSPIELHAUS 8 Uhr ÄMuskttiere Regie: ERIK CHARELL Besaim-AussiaitoDo: Prot. Grnsi Sitra. Musikalische Leitung: Ernst Bank*. 3 Ohr Sonntag nachmittag ungek. halbe Pre s Denken Sie an Sonnabend nadiniHL 3 Ubr Das g a n z e Abend prograimn bei ermU igten Preisen tOr Erwachsene u. Klndan O.SO bis Mk. S.Abends 8 Ubr: a a I■• VoratMloag mit Simeon Rlgoulot- Vasconcelloa• Arche Noahl Rose- Thealer, GroheFrankfarlerSlr.lSa, BilletlkaMe: Alexander 3412 Täglich 8.15 Uhr Die Weber von Gcrhari Hanpimana Jeden Mittwoch 5.00 Uhr Das tapfere schneiderlein Jeden Sonnabend 5.00 Uhr und jeden Sonntag 2-30 Uhr Schneewittchen Winrer ★ QorrGn* Iaunr. Jsabe Sonnabc Zw un > Zenir. 2819» Baadicn crUmbl Jsabelita Rulz u. weitere Attraldloeen Sonnabend u. konntag Je 2 Vorstellungen und 8 Uhr. 3»° kleine Preise. tollubtUine Tlisiter inNlofglati Täglich 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie; Karl Heim Martin StaatLIdiiller-Tii- 8 Uhr Der KanlmanD von Venedig Plseslor- Bühne 8 Uhr DerKanfmann von Berlin Staatsaparaai Plan dar Rgpabltt 7>d Uhr Vorverkauf auch im Pavillon der Reinhard tbühnen, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 Deotsdies IHeater D.i. Norden 12310 8 IL Ende gegen 11 Die Fledermans — am Zoo— firlitn. Isdrienthilir Unit 8.5 Barbarossa 5578 16V< Uhr Herbet- abende am Sternenhimmel 18V« Uhr 81t an die Grenzen der Welt 20V« Uhr Riteel des Stereenliehtee Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk., Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 PL Kinder 25 Pf. Direktion )r. Robert Klein Dentsehes lünsder-Thett Barbarossa 3937 SV« Uhr Die andere Seite OönhoH170 8V« U. Zwei Irawatlen von Georg Kaiser Musik Spolianskv Sanuvskj Theater ie der Klniggrltzer Straße 8V« Uhr Rannibalante Portas Komödienhaus Täglich«l/e Uhr kkiMi Soppen sind die beileo Lustspiel von Julius B e rs 1 1 Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8V< Uhr Maxidalbert als Nante am Flügel Rudolf Nelson F-WWOOLWORTHCo G. m. b. H. BERLIN S59 KOTTBUSSER DAMM 25-26 Warenhaus Wir tcefircn uns, die Einwohner von Neu» koün und Umgebung zu einer Besichtigung unserer Hcrbstartikel einzuladen, die in unse» ren versdiiedenen Abteilungen ausgestellt sind. Wir führen eine vollständige Aus» wähl täglicher Gebrauchsartikel in unserer Preislage unter 50Pfennigen. Insbesondere machen wir Sie auf diegroße Auswahl versebie» dener Blumenzwiebeln für die Herbstpflanzung aufmerksam. Unterlassen Sic es nicht, bei unserem Früh» stücksstand halt zu machen, um eine Tasse guten Kaffee zu 10 Pfennig zu kosten. Entsprechende wohlfeile Preise in allen unseren Abteilungen. BERLIN SS9/ KOTTBUSSER DANN 25-26 F■ W■ WOOLWORTH■ CO■ G- M■ B■ H Lesslig-Mtr Norden 10846 Gruppe langer Schauspieler Täglich 8Vi Uhr Cyankalt # 218 von Fried rldi Volt Tbgat.anRoitb.Tor Kottbusser Str. 6 Tägl.«Uhr auch Sonnt. nachm. 3 U. 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Oktober 1929 SprAItptiD StJUauifaß* xfa IbioäfA AI• j 1• 1 I i• 1*11• Inseln im Großstadt- Im Arbeiterbezirk rnedridisham Die Kritiker und Nörgler ober mögen sich die Mühe machen, anstatt von der Redaktionsswbe aus zu geisern, herumzugehen in den proletarischen Bezirken und sich anzusehen, was geschossen wurde. Die Sozialdemokratie ist nicht stolz auf ihre Arbeit. Nein, sie ist sogar unzufrieden: Sie will noch viel mehr 9leim der Jugend/ Sßcf den Jungen für die Berliner schaffende Bevölkerung herausholen, als sie es bisher komrte. Wer ihr dabei Helsen will, wähle am 17. November sozial- demokratisch! llenninx vuöerstaät. 8dwar?e Originale Vorgeführt von Heinridi Hemmer Wir haben ihrer drei: die zeige ich genau wie die übrigen Spe- zialitätten unserer Muster-Kaffeeplantage(den Motorpslug, den Pferdestall mit Brausebad, die Dynamo und den Pologrund) jedes- mal vor, wenn seriöser Besuch aus den ferneren Distrikten Ost- afrikas eintrifft. „Das ist Kongo" sage ich alsdann, auf einen hübschen, intelligent aussehenden, maßlos verlottert gekleideten Negerburschen mit zahlreichen Schönheitsnarben weisend, der sich immer irgendwo hinter uns herumdrückt, statt zu arbeiten.„Kongo, meine Herr- schaften, ist ein armer Königssohn, einer der jüngsten von 100 Prinzenbrüdern, der bei uns den Kasfeebau erlernen soll, aber zu faul dazu ist."— Hier muß ich dem Leser, der immer davon hört, daß Weiße arbeiten wie Neger, erklären, daß die Neger, wenn sie sich abrackern, klagen, daß sie schuften wie Weiße— und uns überhaupt für Hungerleider halten, die zu Extremen greifen und Maschinen bauen müsien, um leben zu können. .Was Kongo anbelangt, so war er selbst für afrikanische Ber- Hältnisse ein Unikum an Faulheit, dafür aber treu wie Gold. Wo immer eine'Gefahr drohte, tauchte er auf, um uns zu warnen. „Aicha", rief er einmal, als wir an den Vorplatz des Dorfes kamen, „Ndojnka, eine Schlange!" Eine zwei Meter lange, faustdicke Puff- otter kam aus dem Steppengras und spuckte eine gistige Flüssigkeit aus. Das tut sie, um den Menschen zu blenden, dann greift sie an und ihr giftiger Biß wirkt mit ungeheurer Rapidität. Es war Zeit, die Hand schützend vor die Augen zu holten und der Schlange den Kopf zu zerquetschen: Kongo durfte acht Tage faulenzen und bekam Essen und Lohn umsonst. Er bildet unsere freiwillige Rettungzgesellschaft, davon lebt der Prinz. „Das ist Muganda, meine Damen und Herren", jage ich, auf einen Negergreis von uncruierbarem Alter weisend,„einer unserer wenigen, wirklich tüchtigen Farmarbeiter." Leider, seitdem die Autos so überhandnehmen in Ostafrika(jeder Weiße, namont- lich jede Weiße und nicht wenige Schwarze besitzen Motorcars, die sie selbst chauffieren) und in einem Wahnsinnstempo fahren lassen, ist all sein Interesse auf dieses Produkt unserer Zivilisation konzen- triert. Er besitzt kein Auto, chauffiert auch keines, er wäscht die Dinger nur und füllt sie mit Benzin. Das Benzin hat's ihm an- getan. Ich habe Muganda davor gewarnt und einen Fingerhut voll explodieren lassen, um die Wirkung zu demonstrieren. D« gefiel Muganda außerordentlich. Er ließ gleich einen Waschbecken voll explodieren und verlor dabei sämtliche Fingerspitzen. Das ist fein Stolz. Er protzt mit seinen Fingerstumpcn vor unseren Ehren- gasten, und als sich einmal ein paar deutsche Herren und Damen darüber entsetzten, fühlte er das dringende Bedürfnis, eine neue Heldentat zu begehen. Blitzschnell ein Messer ziehend, schnitt er sich, ehe wir uns versahen, zwei Zehen ab, bestreute die blutenden Stumpfen mit roter Erde und lachte uns freundlich an:„Nataka bashishi", sagte er. Seitdem fürchte ich immer, er wird sich einmal den Hals abschneiden und dafür Bakshish verlangen. Otheketh hqj den Vicycle-Rappel. Er hatte mir oft weit- vergesien zugesehen, wie ich mit solch einem Vehikel auf den schmalen Pfaden zwischen den rotbeerigen, tannensörmigen Kasfeestauden da- hinsauste. Eines Nachmittags bemerkte ich, wie Okheketh mein Rad nahm, das in der Sonne schmorte, und sich hinaufschwang. Zu seinem Erstaunen kippte er um. Darauf fuhr er eine Böschung hinunter, blieb aber auf halbem Wege mit zerschundenen Knien liegen. Jetzt verfluchte er das Rad mit allen Ncgerschimpfworten, darunter das fürchterlichste, unbedingt Blut herausfordernde:„Das mußt du deiner Großmutter erzählen!" Außerdem verhaute er das Rad mit einer Gerte und schwang sich wieder hinauf. Da fiel er vornüber und zerschund sich das Gesicht. Das war zuviel für Okheketh. Er nahm das Rad, schwang es gegen eine Zitterefche und schmiß es in den See, der vor den Viehkralen steht.„Oh Herr", sagte er, als ich ihn zur Rede stellte,„das Bicycle ist vom Teufel besessen: Mungo(der liebe Gott) hat mir gesagt, ich solle es er« tränken". Mungo gab dem schwarzen Radenthusiasten noch weitere verderbliche Ratschläge. Als ich Okheketh auftrug, jetzt zuzusehen, wie er mir ein anderes Rad beschaffe, kam er nach drei Tagen stolz — ein funkelnagelneues Bicycle auf dem Rücken— auf die Farm. Mungo hatte ihm gesagt, er müsse nach Nairobi gehen(der moder- nen ostafrikanischen Großstadt) und warten, bis er dort ein Rad „fände". Der Inder, bei dem er es„gefunden" hatte, machte die Strafanzeige und Okheketh bekam drei Monate Zwangsaufenthalt in einem Ort, der in Afrika für Neger lange nicht st) tomfvrtabÄ «aynchtet ijiL-gis jür Weihe. Meint der Jugend/ Sei den Ul&dchen heit dieser hohen, lichtlosen Häuser mit ihren von keiner Sonn« getroffenen Hinterhöfen, mit ihren dürftigen Wohnungen und dem unaufhörlichen Arbeitslärm rundherum. Früher, unter dem Kaiserreich, hat man diese Bezirk«, Friedrichshain sowohl wie W e d d i n g und Neukölln, als un- erheblich angesehen und vernachlässigt. Im Reich des Glanzes, der schimmernden Wehr und der prahlenden Pracht, unter einem Monarchen, der von der Untergrundbahn als von einer»Ba- zillentutsche" sprach und vom Arbeiter sagte, daß er genug, ja, daß er zum Essen bereits das Kompott lzab«, kümmerte man sich nicht um die Viertel, in denen die Armen wohnen. Dos hat sich nach der Revolution geändert. Di« finanzschwache, notleidende Republck hat, vor allem, wo Sozialdemokraten an der Spitze stehen, für Besserungen gesorgt. Es ist, aus der Not der Zeit heraus, noch lang« nicht genug: aber es geschah etwas; es geschah viel, mehr, als der Außenstehende sieht. Heime der Zugend In der B r o m m y st r a ß e, unfern der Warschauer Brücke. ist ein Gebäude des Magistrats. Es atmet den unvermeidbaren Hauch aller Amtsgebäude. Unten ist die W o h l f a h r t s st e l l e: arme Menschen drängen sich, um einige Mark, wenige Mark, zu wenige Mark, gewiß, zu beziehen. Aber diese wenigen Mark selbst gab ihnen erst so zi ald e m ok ralk'sehe Arbeit. Man klettert die Treppen herauf, an Zimmern mit Namen und Ziffern vorbei, und plötzlich tritt man in einen hellen, lichten Raum, man hört Radiomusik, und man sieht Menschen, die an bequemen Arbeits- iischen schaffen. Junge Menschen, im Zimmer rechts die Jungen, im Zinnner links die Mädels! Es ist die Arbeitsstelle des Bezirks für arbeitslose Jugendliche. Wir sehen die Hand- werkszeuge, die vom Amt zur Verfügung gestellt werden, wir sehen die Arbeiten, die mit nach Hause genommen werden dürfen, wir sehen werdende Skis und Ruderboote, wir sehen die Jungen häm- mern und die Mädels sticken und weben, und wir sehen vor allem keine verärgerten Gesichter. Man darf diese Dinge beileibe nicht unterschätzen! Nirgends ist die Gefahr der Straße so groß wie in den dicht- bevölkerten proletarischen Bezirken der Großstadt. Die Wäg- lichkeil, durch Verführung oder Untätigkeit ins kriminelle herabzusinken, wird gehemmt durch Einrichtungen, wie sie hier das sozialdemokratisch geleitete Bezirksamt Friedrichshain zu schaffen sucht. Ein dunkler Häuserkoniplexl Frankfurter Allee! Man ist mitten in dieser zusammengepferchten Bevölkerung, man fühlt sich bedrückt. Wieder klettert man einige Treppen, und dann ist man plötzlich wie entrückt aus dieser ganzen quälenden Enge. Da sind weite, lichte Räume, da sind Einrichtungen zu Lichtbilder- und Kinovorträgen, da ist künstlerischer Wandschmuck, da sind all« hygienischen Einrichtungen aufs trefflichste geordnet. Jugend- heim des Bezirksamts! Di« Zimmer tragen die Namen Friedrich Ebert, Walter Rothenau, Hermann Loens. Gewiß, es ist heute nichts Neues mehr, nichts Ileberrafchendes »mehr, so ein Jugendhein,, aber es muß doch immer wieder gesagt wer- den, daß oll diese Kleinigkeiten, die uns heute beinah« Alltäglichkeiten scheinen, geschossen wurden nur durch die Sozialdemokratie. Das ist kein« Prahlerei, das ist ein« Tatsache. Kräftige Nahrung! Eine Küche. Ein freundliches Zimmer nebenan mit Blumen und Bildern. Arbeiterkinder, die tub e r- k u l o s eg e f äh rde t sind, werden vom Bezirksamt betreut. Der Teufel Tuberkulose hat in diesen Wohnungen der Bedrücktheit leichten Eingang. Man muß ihn an der Gurgel packen. schon bevor er da ist. Die Be- oölkerung dieses Viertels ist arm. Da muß, wenn gebührend geprüft ist, die öffentliche Hand, das Bezirks- a m t eingreifen. Gewissenhaft trennt man kranke und gefährdete Kinder. Ein krästiges, nach den Anordnungen der Aerzte zubereitetes Essen, ein luftiger, gesunder Ausenthaltsraum sorgen, dem Keim der Krankheit zu wehren. Die Beherrscherin dieser Erhodmgsstätt«. die SStätfa hol Kochtöpfe und Kochlöffel, eine Parteigenossin, zeigt und erklärt, was sie leistet, mit berechtigtem Stolz. Wer kümmerte sich unter dem Kaiserreich in Berlin um tuberkulosegefährdete Arbeiterkinder? Vom Schutthaufen zur Erholungsstätte Im Stralauer Viertel war ein riesiger Schutt- Haufen, ein Wust von Steinen, Müll und Dreck. Er lag da, jahrelang, häßlich und unangenehm für jeden, der vorbei ging. Er hat sich gewandelt. Blumenbeete, Topiatenbeete, Kohlplantagen, Kartoffelpflanzungen sind heute zu sehen. Sie werden gehegt und gepflegt von den Schulkindern des Bezirks. 36 Schulklassen haben hier ihre Beete, ihre Blumen, ihre Beeren. Lachen von vergnügten Mädels ertönt. Sie sind an der Arbeit und werden unterstützt vom Lehrer und von einem alten freundlichen Gärtner, der der schon unter dem Sozialistengesttz Mitglied der So- zialdemokratischen Partei war. 36 Schulklassen, das find rund gerechnet 1000 Arbeiterkinder, die in dieser Steinwüste Gelegenheit haben, Lust und Sonne zu genießen! Nicht viel, sagen wir. Zu wenig, sagt der Gegner. Aber viel im Rahmen dessen, was möglich war, und mehr, sehr viel mehr, als früher für Proletarierkinder geschah! Daneben, noch im Bereich dieses riesigen Schutthausens von einst, entsteht ein S p o r t p l a tz des Bezirksamts Friedrichshain, der beinahe fertig ist. Hier tummeln sich dann die Schüler und Schülerinnen der oberen Klassen. Hier wird im Barkauf und Fußball, im Stafettenrennen und allem möglichen Sport der Staub der Großstadt wieder aus- geschwitzt, Krast und Lebensfreud« werden gesammelt. Sicher, öffentliche Plätze für Leibesübungen hat es auch schon vor dem Kriege gegeben: aber ihr Segen kam im allgemeinen den An- gehörigen der sogenamcken höheren Lehranstalten zugute. Ein sozialdemokratisch geleitetes Bezirksamt sorgt dafür, daß gleiches Recht für olle gilt, und daß gerade die Arbeiterkinder. die Volksschüler, unter keinen Umständen zurückgestellt werden. Für die Kleinsten Ein trauriges und schönes Bild zugleich! Heim für durch Rachitis gefährdete Kinder! Ein freundlicher, moderner, in Rot gehaltener Bau, mit Garten und Spielplatz dabei. Di« fröhliche Oberschwester führt uns. Sie zeigt uns alles, aber sie kann es doch nicht lassen, zwischendurch ihre Pfleglinge, ein-, zwei-, drei-, vierjährige Stöpsel, zu betreuen, hier ein Weinen zu stillen, dort ein Scherzwort zu sagen' und dort einen Schoden, der nun einmal bei Neinen Kindern unvermeidbar ist, wieder gut zu machen. Jeden Morgen bekommen die Kinder ihr warmes Bad. Höhen- sonne und Röntge na ppa rat stehen zur Verfügung. Der Liegeraum ist so gebaut, daß die kräftige Morgen- und Mittagssonne die Kleinen trifft. Man sieht Kinderchen, die erst kürzlich in Pflege kamen, man erschauert vor den dürren, schwäch- lichen Aermchcn und Beinchen. Aber man merkt auch den Erfolg. Da sind pausbäckige, lachende, plappernde Buben und Mädchen mit grellen Augen, die einem sagen:„Hier bin ick abo richtich uff- jepäppelt." Das Haus ist noch jung. Dj« Kosten trägt für die Verwaltung und— zum allergrößten Teil— für die Unterbringung das Bezirksamt Friedrichshain. Ein Rundgang von S oder 6 Stunden durch einen so großen Bezirk gibt nicht die Möglichkeit, alles zu schauen, was geleistet wurde. Das mag durch Zahlen und Statistiken aus den Aemtern belegt werden. Aber ein kurzer Rundgang gibt die Mög- lichkeit, zu erkennen, daß gearbeitet wurde und daß etwas ge- leistet wurde. Grenzen ergeben sich aus den Verhältnissen. Gerade der Vezik Fridrichshain klagt über Mangel an Raum. Nach der Einwohnerzahl steht er an fünfter Stelle der Bezirke, räumlich umfaßt er nur 1 Proz. des Groß-Berliner Stadtgebiets. Daneben redet der städtische Etat eine hart« Sprache. Zm Rahmen des Erreichbaren alles, aber auch restlos alles vornehmlich für die Arbeitenden Berlin» herauszuholen, und namentlich für die Zugendlichen das Beste vom Besten zu geben, Hot sich die Sozialdemokratie zum Ziel gesetzt. Daran möge der Wähler am 17. November denken! Er hat etwas Dumpfes, Dunkles, Bedrückendes, dieser Bezirk Friedrichshain der Stadt Berlin, in dem ein nicht geringer Teil der Arbeiterschaft wohnt, er hat etwas ausgesprochen Pro- l e t a r i s ch e s im unangenehmsten Sinne des Wortes. Das trifft nicht die Menschen, keineswegs. Aber es trifft die Gedrängt- f�mon von(Tlax ßarlkel (11. Fortsetzung.) „Wir haben da einen jungen Kerl, der die Rolle gut über- nehmen kann/ sagte er zu dem Regisseur,„er kennt den Zirkus aus dem Effeff. Ist schon selber als Clown aufgetreten." „Holen Sie den Mann her." Georg kam. „Schon mal gefilmt?" .,5a." „Schon mal als Clown aufgetreten?" „Natürlich." antwortete Georg, der von Reinockcr infor- miert war. „Gut, wir machen eine Probeaufnahm«. Wenn d!« Bilder was taugen, können Sie ab morgen Kruse vertreten." Di« Probeaufnahme wurde gemacht. Die Lampen verschütteten Licht. Georg spielte gut. Der Regisseur war zufrieden. „Mensch, du hast Schwein gehabt," sagte dann Reinacker,„zehn Tage hast du. mindestens Arbeit und ich will sehen, was ich für dich herausschlagen kann. Du kannst lachen." „Ich lache ja, Reinocker, und wenn du heute Abend mit mir eine Flasche Wein trinken willst?" Sie tranken am Abend nach der Arbeit eine Flasche Wein, und als der jung« Filmschauspieler Georg Hammer gegen acht Uhr sehr fröhlich-nach Steglitz kam und Marianne besuchte, fand er schon einen Gast vor. Di« Schauspielerin Flora war nach Berlin ge- kommen. Sie führte das große Wort, und als Georg ins Zimmer trat, hörte er eben Flora sagen: „Das, liebe Marianne, was die Käthe Kollwitz für die Kunst ist. das will ich auf dem Theater sein." Herr Hondt bietet an. Es gibt eine große Untersuchung darüber, ob der Voter seine Kinder mehr liebt als die Mutter. Mariann« Hull hatte die Mutter in ganz jungen Iahren verloren, und als ihr Herz zum erstenmal die Lieb« spürte, war es eine Liebe von den Männern. Zuerst war der Vater da, dann der Jüngling im Zirkus, der junge Maler in Konstanz, der Kaufmann der Lehrzeit und dann in Berlin Georg Hammer. Immer standen Männer um die Mckriann« Hull. Eugen Hull, der Vater, war verzweifelt, als die Tochter floh, er weinte und wütet«, aber dann begann fein Blut zu sprechen und gab Marianne recht. Der Bote des Schicksals ertrug sein Schicksal. Neue Nachrichten aus Berlin erfüllten ihn mit Stolz. Seinen Kollegen erzählte er große Geschichten vom Film und der unerhörten Begabung Mariannes, aber dos waren Räubergeschichten. Dos Mädchen saß immer noch in den Cafes und wartete auf Arbeit. Und nun war Flora gekommen, hatte Nürnberg hinter sich und wollte in Berlin die Welt erschüttern. Marianne führte die Freundin in die Filmbörse, in das Cafe„Urania", und als die beiden Mädchen an dem bekannten Ecktisch saßen, taucht« Herr Aribert Hondt auf. Cr tat sich sehr wichtig und suchte für«ine neue Tanztruppc junge Mädchen. Er war nicht allein. Ihn begleitete ein älterer Herr, der sich für junge und noch jüngere Mädchen interessierte. Er war wie ein Stutzer gekleidet und wurde von Hondt als„Herr Direktor" angesprochen. Dieser Herr Direktor war reich und hatte ein verlebtes Gesicht. „Das Fräulein Hull!" sagte Hondt und kam auf den Tisch zu, an dem Marianne mit Flora saß, ,chas Fräulein Hull! Und ich habe immer auf einen Besuch in meinem Bureau gewartet. Sind Fräulein Hull frei?" „Um was handelt es sich denn?" fragt« sie vorsichtig. „Wir stellen eben ein« neue Tanztruppe zusammen. Das wird eine groß« Sache. Wir treten zuerst in Verlin auf und fahren dann vielleicht ins Ausland. Haben Sie Lust, Fräulein Hull?" „Ich kann ja nur ganz schl«cht tanzen!" lachte sie.„Darf ich vorstellen?" fragt« sie dann und stellt« vor:„Das ist meine Freundin Flora und das ist Herr Hondt." Hondt verbeugte sich leicht und sagte: „Sehr angenehm," und fuhr fort:„Tanzen kann man sehr leicht lernen. Aber warten Sie immer noch auf die Bühne oder den Film?" „Ich habe ja schon Arbeit. Morgen soll ich mich in Staaken bei der„Luna" melden." „Das ist sehr schade!" sagt« Hondt und verzog das Gesicht. Dann flüsterte er:„Einen Moment bitte, ich komme sofort zurück, ich will mich mit dem Herrn Direktor besprechen" und ging zu dem Herrn im Hintergrund, zu dem Herrn Müller und zog ihn in ein Gespräch. „Woher kennst du den Herrn Hondt?" fragt« Flora. „Von der Reise," sagte Marianne. Hondt kam zurück. „Das trifft sich ja ausgezeichnet," sagt« er lächelnd,„unser Direktor will da verschiedene Tänze agieren und für jeden Tanz ein«n kleinen Film drehen lassen. Wir bieten zwanzig Mark pro Tag und Aufnahme. Die„Luna" läuft Ihnen ja nicht davon, Fräulein Hull. Wir brauchen zuerst drei junge Mädchen und eine ältere Dome. Wir würden zuerst eine kleine Probe vorschlagen, um zu prüfen, und für dies« Swnd« auch zwanzig Mark auswerfen. Das Fräulein Flora nehme ich sofort, wenn auch Sie zusagen. Das oerpflichtet ja zu nichts. Wir könnten heute sofort mit der Probe beginnen." Flora war begeistert. „Ach, ja, Herr Hondt," sagte sie,„und ich kann auch tanzen." Marianne zögert« immer noch. „Schön," sagte sie endlich,„ich mache die Probe mit., Heute bin ich ja frei. Und wo soll geprobt werden?"' Copyright 1929 by.Der Bücherkreis G. m b. H.*, Berlin SW61 „In meinem Bureau," sagte Hondt,„und wenn Sie erlauben, werde ich das dritte Fräulein und die ältere Dome aussuchen." Marianne erlaubte es, und Hondt sucht« sich unter den Mädchen das Fräulein Nastja aus und schleppte dann die dicke Frau Möller mit an den Tisch. Bald zog die ganze Gesellschaft los nach dem Bureau des Herrn Hondt. Der angebliche Herr Direktor hielt sich sehr im Hintergrund. Hondt führte das Gespräch. Sein Bureau war bald erreicht. Es lag unweit der Friedrichstraße in einem Hinterhaus und bestand aus zwei großen Zimmern, in denen immer Licht brennen mußte. Im kleineren Zimmer saß eine blasse Steno- typistin an der Schreibmaschine. Das Arbeitszimmer des Agenten war mit grellen Plakaten und vielen Photos ausgeschmückt. „Hier herein, Herrschaften," sagte Hondt und öffnet« sein Zimmer. Sie traten ein und legten ab. Frau Möller lacht« leise, Flora und die Russin vertrugen sich nicht besonders. Sie waren aufgeregt. Marianne blieb kühl. Der nicht vorgestellte Herr Direktor setzte sich an ein altes Klavier und klappert« den dummen Trott eines Schlagers. „Also los, meine Damen," begann Hondt,„wir stellen eine Tanztruppe zusammen, aber wir wollen diese Tänze durch kleine Beifilme illustrieren. Wir könnten ja auch Damen nehmen, die schon gespielt haben, aber wir wollen etwas ganz Neues zeigen. Wir sind Geschäftsleute und denken, daß unser Publikum auch gern unbekannte Gesichter sieht, und wenn liiese Gesichter dann noch zur Tanztruppe gehören! Wenn die Domen gestatten, können wir anfangen." Er rückte einen Tisch in die Mitte des Zimmers, holte zwei Stühle heran und staubte sie mit einem Tuch ab. Der Herr Direktor spielt« immer noch und tot ganz unbeteiligt. „Die Sache ist also die. meine Damen, wir wollen heute prüfen, inwieweit Sie sich für die geplanten Beifilme eignen... Stellen wir uns vor: ein Apachentanz soll gezeigt werden. Nun gut, dazu zeigen wir«inen solchen Keller im Lichtbild. Heute ist nun der Keller mein Arbeitszimmer, und wir stellen uns vor, er sei ziemlich leer. Aber das macht nichts. Nur die Wirtin ist im Keller. Sie sitzt am Tisch und legt Karten. Sie sst nämlich als gute Kartenlegerin bekannt. Haben Sie, meine Damen, die Situation verstanden? Frau Möller, wollen Sie bitte an diesem Tisch Platz nehmen?" Frau Möller nahm Platz und Hondt gab ihr ein Paket Karten. Sie feuchtete die Karten an und legte sie dann in schmalen Reihen über den Tisch. Sie hatte schon oft für sich selber Karten gelegt. Ihr Gesicht war ganz bei der Arbeit und wie verjüngt. „Schön," sagte Hondt,„jetzt geht es weiter. Fräulein Nastja, darf ich bitten?" Nastja kam......- „Sie haben«inen Freund, einen berühmten Fassadenkletterer," erklärte er,„dieser Freund hat«ine große Tour vor. Er will Schmuck holen. Uno nun gehen Sie zur Kartenlegerin, um von ihr über den Ausgang der Sache etwas zu erfahren. Haben Sie verstanden?" „Serr gutt," sagte Nastja,„ich kommen in die Keller und ich lieben Freund." „Ja, Sie lieben den Freund. Aber noch ein« andere Dame liebt den Freund. Das soll heute Fräulein Flora sein. Und das Fräulein Flora kommt, wenn Sie noch bei der Kartenlegerin sind, und will sich auch wahrsagen lassen. Und was gibt es da?" „Eine ganz große Skandal!" „Schön, einen Skandal. Und nun, Frau Möller, können wir beginnen." Nastja kam� an den Tisch.„Einen Augenblick bitte," sagte Hondt,„das Spiel geht ungefähr so: Frau Möller legt die Karten und erzählt: Sie— also Fräulein Nastja— Sie kommen wegen ihren Freund. Er hat eine sehr große Sache vor. Ich sehe viele Steine blitzen. Das bedeutet viel Glück. Aber hier liegt«ine Dame, eine blonde Dam«, und das bedeutet kein Glück. Diese Dame will sich zwischen ihre Liebe drängen. Und von der Dame droht Ihnen große Gefahr. Das also sagt Frau Möller, und im selben Augenblick kommt auch die Dame." „Und was habe ich zu spielen?" unterbrach ihn Marianne. „Sie spielen die große Künstlerin, die mit ihrem Kavalier in den Keller kommt, um das Volk kennenzulernen," sagte Hondt. „Und wer ist hier der Kavalier?" Hondt wurde verlegen. „Ach," sagt« er leicht hin,„den kann vielleicht Herr Direktor Müller spielen." Der noch nicht vorgestellte Herr unterbrach das Spiel und verbeugte sich. Dann musizierte er weiter. Die erste Szene begann. Frau Möller saß schwor und breit an dem Tisch und legte ihre Karten. Durch«ine nicht vorhandene Tür tänzelte Nastja und kam an den Tisch. Sie trug ihre Wünsche vor und lächelt« dabei«in wenig überlegen. Dann nahm sie Platz. Frau Möller mischte die Karten, bot sie der Russin dar und ließ einige Blätter ziehen. Lächelnd zog Nastja vier Karten, und dann verlief das Spiel in der von Hondt angegebenen Richtung. Der kleine Agent spielte den Regisseur und ließ diese Szene einigemal wiederholen, bis das Gesicht Nastjas wie eine schnell wechselnde Landschaft im April war. Aus Spott und Hohn flatterte Staunen, dann kam der Ernst und bracht« die Freude über den Erfolg des Freundes, aber die Freude stürzte in einen Abgrund voller Haß, als dt« Rede auf die blonde Dame kam, die dos Glück störte. Hondt lobt« das Spiel und Nastja und auch Frau Möller tranken dos Lob gierig ein, wie ausgedörrter Sommerboden den Regen eintrinkt. Nun trat Flora auf. Di« beiden Mädchen waren vollkommene Gegensätze. Die Russin hatte sich westlich aufgemocht und schwärmte für Paris. Ihr Mund war geschminkt. Ihre Hände schimmerten wohlgepflegt. An den kleinen Ohren schwangen große, grüne Anhänger. Um den schönen Hals trug sie eine Perlenkette. Nastja hatte sich gut in die Rolle eingelebt. Jede Rolle ist ja wie ein Motor, der die Spielerin ankurbelt und vorwärts treibt. Und als nun Flora ebenfalls durch die nichtoorhandene Tür in die Spelunke trat, haßte sie dos deutsche Mädchen mit der ganzen Leidenschaft einer verratenen Frau. Flora spielte schlecht. Sie war«in pathetisches Mädchen und war den wirren Weg über«ine verworrene Jugendbewegung gegangen. Zuerst war sie beim Wandervogel, dann stand sie bei den Monisten und raste vor den jungen Menschen ihre Literaturliebe aus. Sie gab Abende in den Gruppen und trug Schiller, Toller, Becher und Strindberg vor.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Vom stereoskopischen Film. Bei allen Filmen mit stereoskopischer Brldwirkung sind bis jetzt zum Beschauen Gläser, Brillen und dergleichen nötig geworden. Bei einer neuen Erfindung sind solche nicht mehr erforderlich. Dabei wird ein durchscheinender Schirm ge> braucht, und es hängt dicht vor und hinter diesem je ein Vorhang mit breiten undurchsichtigen und schmalen durchsichtigen senkrechten Streifen. Beim Spielen werden nur gleichzeitig zwei Bilder auf die Schaufläche geworfen, von denen das ein« die Szene mehr von links, das andere mehr von rechts aus gesehen zeigt. Durch die Wirkung der erwähnten Gitter sieht man dann das linke Auge das.Linksbild" und das rechte das..Rechtsbild", wodurch alles körperlich erscheint, wie beim normalen Betrachten mit zwei Augen. Ein Pfarrer wird Kaulmann. Der Pfarrer einer kleinen Kirche in Detroit fand eines Tages, daß er zu wenig verdiene, um sich nebst Familie erholten zu können. Mfo sattelte er um und wurde Reisevertreter für«ine Fabrik von Aluminium-Kochapparaten. Zwei Jahre später hatte«r sein« eigen« Gefellschaft mit einem Kapital von 10 000 Dollar gegründet, die heute, nach fünf Iahren, schon 1400 eigene Vertreter unterhält und % Freitag. 4. Oktober. Berlin. 16M Das Wochenende.(30.) Walter Trolan:„tlerbstschönheit In mirkischen Laubwäldern". 16.30 Unteibaltnncsniiisik.(Kapelle Emil Roösz.) 18.05 Das neue Buch. Anschließend Werbenachrichten. 18.30 Mark Lothar: 1. Dehmel(Corry Nera, Sopran; am riligel: Der Komponist). 2. Ans„MSrchenstimmunaen"(der Komponist, Klavier). 3. a)„Der Pavillon ans Porzellan": b) Wanderung mr Nacht: c) Der deutschen Erde(Corry Nera). 19.00 Aus der Welt der Technik. Polizeihauptmann Dr. Ristov:„Das Anruf. zeichen im drahtlosen Nachrichtendienst". 19.30 Heitere Lieder(Oberschlesisches Funkquartetl). 20.00 Sendespiele:„Lady Windermeres Fieher". Von Oskar Wilde. Regie: Gerd Fricke. Musik: Walter Qronostay. Anschließend; Ans dem Hotel Esplanade; Unterhaltungsmusik(Kapeele Barnabas von Odczy>. Nach den Abendmeldungen bis 0.30 Tanzmusik(Kapelle Otto Kermbeeh). KSnlgswnsterhansen. 16.30 Uebertragung von Leipzig. 17.30 Dr. Peter Panoff: Haben die Primitiven ein feineres Musikgpflhl als vir? 18.00 Rechtsanwalt Heinroth: Die steuerliche Belastung. 18.30 Direkte» Friede!, Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55 Theodor Kappstein: Darf man Optimist sein? 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.55 Von Köln; Ueberau in Westdeutschland. Anschließend bis 0.30: Uebertragnngea von Berlin. über 1 Million Dollar Reingewinn abwirst, 2 Fabriken und 40 Filialen voll beschäftigt. Ihre Verkvussmethoden sind ebenso originell wie erfolgreich: Der Reisevertreter erbittet die Erlaubnis der Hausfrau, für sie und 6 bis 8 Freundinnen in ihrem Heim auf seine Kosten ein Mittagessen zubereiten zu dürfen. Wenn die Gäste erscheinen, werden sie in die Küche gebeten, um das Kochen mit den Aluminiumgeschirren zu beobachten. Manch« Hausfrau lernt dabei neue Zubereitungsarten, da die Vertreter gelernt« Köche find. Während der Mahlzeit darf der Vertreter weder Austräge entgegen- nehmen noch irgendwelche Preise nennen. Er notiert sich nur die Adressen der Gäste und erhält dabei gleichzeitig eine ganze Reihe von Einladungen zur gleichen Vorführung. In fast SO Proz. aller Fälle sst ihm sein Auftrag sicher! Der Dank des Henkers. Zu den merkwürdigsten Zeitungsanzeigen, die jemals auf- gegeben wurden, gehört zweifellos die nachstehende, in der ein Scharfrichter seinen„verehrungswürdigen, wohllöblichen und achtungswerten" Zuschauern öffentlich seinen Dank abstattet. Am 3. Oktober 1835 erschien nachstehende Annonce im„Chem. nitzer Anzeiger": „Mit tiefsten, ehrfurchtsvollsten und zugleich erfreulichsten Ge- fühle sag« ich heut', bei der von mir am gestrigen Tag« erfolgten Hinrichtung der Mörderin Beyer, verehelicht gewesene Seltner, meinen schuldigsten und austichtigsten Dank, für die große Achtung und Zuvorkommenheit und Aufmerksamkeit, welch« nicht nur von seiten eines wohllöblichen Justizamtes zu Sachsenburg, der ver- ehrungswürdigen Geistlichkeit als auch der achtungswerten Kom- munalgarde, der sämtlichen hiesigen mir schätzbaren Einwohner und auswärtigen Fremden nicht nur mir, sondern auch meinen Bei- ständen, Herrn Ioh. Conrad Oette aus Meißen, Herrn Ioh. Andreas Körtzinger aus Lommatzsch und Herrn Friedrich Otto aus Dresden zu theil wurde, und ich fühle mich bei meinen Empfindungen um- somehr oerpflichtet bei dieser ersten von mir vollzogenen Exekution meinen aufrichtigsten und herzlichsten Dank allen Verehrung-- würdigen Behörden des weltlichen und geistlichen Gerichts, noch mehr aber für den Beweis der Liebe und Achtung, welche uns von der hiesigen Kommunalgarde bei unserem Eintritt auf den Exeku- tionsplatz erwiesen wurde, zu sogen, und die Gefühls meines Herzens sind so bewegt, daß ich sowohl als mein« Herren Beistände «S nicht unterlassen können, hiermit öffentlich unseren Dank ab- zustatten, welchen ich jederzeit auf all« nur erdenkliche und möglich« Art zu beweisen suchen werde. CarlFriedrichFischer. Frankenberg, am 30. Septbr. 183S. Scharfrichter." Laßt die Schläfer zu mir kommen. In dem Kirchenbuch eines kleinen Dorfes im Magdeburgsschen findet sich aus dem Jahre 1679 folgende Eintragung, die sich auch in den späteren Iahren wiederholt:„Ein Schulknabe, welcher diesen Sommer die Schläfer in der Kirche aufgeweckt hat, zu ein Paar Schuhe 12 Groschen." Müssen in der Kirche friedliche Zustände geherrscht haben! U/uyr/ünx�oJhüs/ Am Sonntag: Bahnradrennen im Grunewald'Stadion. Die Kunde--treuen Rennfahrer des Arbeiterrad- und Kraft- fahrcrbundes.Solidarität" fahren am Sonntag, ö. Oktober, ivieder ihre Train-ingsrennen im Stadion Grunewald. Das diese Trainingsrenncn die Beachtung aller Freunde des Radrennsports finden, beweist der gute Zuspruch. Da die diesjährige Saison ihrem Ende entgegen geht, so sind die Rennfahrer bestrebt, jeden Sonntag noch zu benutzen, um auch der Arveiterschaft Groß-Berlins die Mög- lichkeit zu bieten, Radrennen völlig kostenlos oder bei kleinem Ein- triltsgeldern zu sehen. Ani kommenden Sonntag werden die Sprin- ter sich ein Stelldichein geben, um die Meisterschaft über die kurze Strecke auszutragen. Auch wird die Altersklasse in einem Rennen ihre Kunst zeigen. Außerdem ist auch für die Iugendklrsse die Meisterschast ausgeschrieben, so daß es auch hier zu interessanten Kämpfen kommen wird. Die Stadionverwaltung erhebt ein Ein- trittsgeld für alle Besucher des Stadions von 50 Pf. Die Rennen beginnen 14 Uhr. Die Teilnehmer und Mitglieder müssen um 13 Uhr aus der Bahn sein.____ t Arbciter-T ennis. FTV. Magdeburg gegen Tennis-Rot Berlin 1:12. Im Rahmen der sehr interessanten Magdeburger Sportaus- ftellung kommen in Spielveranstalwngen all« Sportarten zum Wort. Die junge Magdeburger.Freie Tennis-Dereinigung" ließ es sich nicht nehmen, in recht geschickter Weise für das Arbeiter- tennisspiel Propaganda zu machen. Sie verpslichtete die besken Spieler von„Tennis-Rot" zu einem Bereinskampf, der auf den gut angelegten Plätzen im Magdeburger Stadtpork ausgetragen wurde. Magdeburg rechnete von vornherein mit einer Niederlage und legte deswegen keinen Wert auf gleichwertige Gegner, sondern auf bessere. Aus diesem Grund« konnte Magdeburg auch nur ein Frauen- einzel für sich buchen, während Tenn!s-Rot die anderen zwölf Spiele für sich entschied. Wenn die Magdeburger auch nicht über die Spielerfahrung der Berliner verfügen, so leisteten sie doch ganz energischen Widerstand und führten gute Spiele vor. Berlin war durch seine Härte in bestimmten Situationen und seine geschliffen« Taktik überlegen. Di« Magdeburger werden aus den Spielen viel gelernt haben und werden sich in Zukunft das verschiedentlich auf- getretene Turnierfieber abgewöhnen müsien. Das Rückspiel erfolgt in der nächstjährigen Saison in Berlin, und da Magdeburg über wirklich gutes Spielermaterial verfügt, wird die.Freie Tennis- Bereinigung Magdeburg" bestimmt mehr Punkte für sich erobern. « Die Tennisspielzeit schließt mit dem laufenden Monat ab. Be- konntlich stellt„Tennis-Rot" seinen Tennisbetrieb im Winter auf Hockey und anderen Evgänzungssport um. Wer im nächsten Jahre Tennis spielen will, melde sich schon jetzt. Alle Parteigenossinnen und Porteigenossen, die sich dem schönen Tennis- und Hockeysport widmen wollen, geben sofort ihre Adresse an Albert Compagnini, Berlin O. 34, Weidenweg S7. Tennis-Rot legt nur Wert auf Mlt- glieder, die freigewerkschaftlich organisiert sind oder der SPD. an- gehören._ -ARBEITER. niSSBALL Spiele am 6. Oktober. Der kommende Sonntag bringt nur wenige interessante Spiele. Im größten Teil der angesetzten Tressen stehen die Sieger fest. So sollte Luckenwaide V in Köpenick gegen Eiche glatt gewinnen. Auch Weißense« hat im Stadion„Fauler See" gegen Nowawes leichtes Spiel. Etwas schärfer dürfte es im Mariendorser Bolkspark, Chausseestraße, hergehen. Hier stehen sich Tempelhoj und Lichten- berg I gegenüber. Die Tempelhofer sind aus eigenem Platz ein schwer zu schlagender Gegner. In Pankow, Andreas-Hoser-Platz, spielen Germania und Hertha 11. Hier ist die Frage noch dgm Sieger vollkommen ossen, doch sollte die größere Ausdauer Herthas den Ausschlag geben. Weitere Spiele: Luckenwalde I gegen Rathenow. Luckenwolde II gegen Oberspree. Karow gegen Woltersdorf. Schon« berg gegen Potsdam. Lichtenberg II gegen Kloster Zinna. Reinickendorf gegen Werder 77. Trebbin gegen Wonsdorf.— Zweit« Mannschaften: Weißensee gegen Karow. Nowawes gegen Knoblauch 1. Eiche-Köpenick gegen Rathenow. Potsdam gegen Oberspree. Germania gegen Vorwärts. Vorwärt» 3 gegen Butab. Schöneberg gegen Spandau 25.— Jugend: Vorwärts gegen Spandau 25. Eiche-Köpenick gegen Vorwärts 2. Saxonia gegen Lichtenberg II. Wansdorf gegen Ketzin. Weißensee gegen Spandau 25 2. Beginn der Spiele: 1. Mannschaften 16 Uhr.. 2. Mann- schasten 14.15 Uhr. Jugend 16.30 Uhr. Im Berliner Arbeiterschadi geht es rüstig vorwSrts! Die erste statutenmäßig festgesetzte Generalversamnilung gab ein ersreuliches Bild der Entwicklung der bundestreuen Freien Arbeiter-Schach-Bereinigung. Während im September v. I. 85 Mitglieder aus den kommunistischen Arbeiter-Schoch-Klub austraten und die Vereinigung gründeten, ist es im Laufe des Jahres gelungen, 18 Abteilungen mit 230 Mitgliedern neu aufzubauen. Der Geist, der in der Vereinigung herrscht, ist vor- züglich und die Opfersreudigkeit nicht gering. So betelligte sich die Vereinigung zahlreich an die Werbeveran- stoltungen in Grünau, Potsdam, Luckenwalde und Brandenburg. Trotz der hohen Kosten wurde eine Mannschaft von zehn Mann Ostern 1S29 nach Breslau zu einem Städtewettkampf Wien— Berlin beordert, der unentschieden 5: 5 endete, was immerhin ein Zeichen nicht geringer Spielstärk« der jungen Vereinigung ist. Außerdem wurde die Vereinigung durch die Kreiswettkämpfe des 1. Kreises stark belastet, wenn auch die Berliner Mannschaft als Kreismeister aus Stettin zurückkehrte. Oehlfchläger gab einen Bericht über den Schachkongreß der Rusien in Leningrad, auf dem einstimmig, also mit der Stimme des Berliner Vertreters Schwenke, beschlossen wurde, aus der Schachinternationale auszutreten und einen eigenen Laden aufzumachen. Damit ist dos Geschrei nach der Einheitsfront glänzend illustriert. Arbeiter reisen mit den biaturtreunden. Das Reisen gehörte in früheren Zeiten zu den Privilegien reicher Leute. Seit der Touristenverein„Die Naturfreunde" Ende des vorigen Jahrhunderts ins Leben gerufen wurde, ist auch der werktätigen Bevölkerung Gelegenheit gegeben, Reifen in die weitere Heimat und in fremde Länder zu unternehmen. In den Reihen der Naturfreunde befinden sich in größter An- zahl erfahrene Wanderer und Bergsteiger, die als Führer der Ferien- reisen tätig sind. Tausende von Ortsgruppen in allen Ländern Europas stellen sich freudig in den Dienst der Sache, und gerade da- durch ist es möglich, die Ferienreisen der Naturfreunde interessant, angenehm und vor allem auch billig zu machen. Die diesjährigen Reisen haben wiederum die erfolgreiche Arbeit der Naturfreunde auf diesem Gebiet vollauf« bestätigt. Die Teilnehmer waren voll Be- geisterung über die Erlebnisse. Die Reisegesellschaften bildeten har- manische Einheiten und erhöhten so die reichen Erlebnisie durch das gemeinsame Erleben. Von den diesjährigen zahlreichen Ferienreisen seien einige besonders erwähnt. Zwei Reisen führten per Schiff von Passau nach Wien, dann in das an Naturschönheiten reiche Salzkammergut, aus den Dachstein, nach Salzburg, woselbst ein Salzbergwerk besichtigt wurde, und über Berchtesgaden— Königssee zurück. In die Schweiz wur- den gleichfalls zwei Reisen geführt, die den Teilnehmern die monu- mentale Schönheit der Alpen vor Augen führten. Eine weitere Reis« bracht««in« Reisegesellschaft nach der Wasierkant«, in die Welthasenstadt Hamburg, nach dem vielgerühmten Helgoland, an den Strand der Ostsee und in die Lüneburger Heide- Alle Reisen sind vorzüglich verlaufen und alle Teilnehmer kehrten zurück mit reichen Erlebnissen, körperlich gekräftigt und mit neuem Rüstzeug für den Kampf um das Dasein. Allen bleibt lebenslänglich in Erinnerung ihre Ferienreise mit den Naturfreunden. In begeisterten Worten brachten viele Teilnehmer Dank und Anerkennung für die gute Durchführung der Reiseleitung zum Ausdruck. Die Teil- nehmer setzten sich zusammen aus 46Proz. Arbeitern, 32 Proz. Angestellten, 12 Proz. Hausfrauen, 10 Proz. Beamten; ein Zeichen dafür, daß wirtlich breite Kreise der werktätigen Bevölkerung an den Nawrfreunde-Ferienreisen teilnehmen. Für das nächste Jahr find wiederum Reisen in die ver- schiedensten Landschastsgebiete Deutschlands und der Nachbarlander vorgesehen. Im Frühjahr«rscheint wie für die diesjährigen Reifen ein« ausführlich illustrierte Broschüre„Ferienreisen mit den Naturfreunden". Eine Winterreise?iach der Schweiz ist vorgesehen, um Gelegenheit zu geben, die Schweizer Bergriefen und ihre grandiose Schönheit auch einmal im Winter kennenzulernen. Anfragen sind zu richten an: Reichsleitung des Touristenvereins„Die Naturfreunde", Reiseabteilung, Nürnberg, Webersgasse 1. Tumultszenen beim Boxen. Man korrigiei t die Punktrichter mit Schlüsseln. Bei dem gestrigen Kampfabend des„Ständigen Box- rrnges" kam es zu Skandalszenen, wie man sie im Be- russboxsport seit langer Zeit nicht mehr erlebt hat. Es drehte sich dabei um den Kampf des Heidelberger Schwergewichtlers Dr. Bach gegen Egon G l i e f- Berlin. Dr. Bach, der in den ersten Runden des Kampfes sehr passiv wirkt, war seinen: Gegner zum Schluß stark überlegen. Nach dem ganzen Verlauf des Kampfes wurde demzufolge Dr. Bach als Punktsieger erwartet. Das Punktgericht entschied aber anders. Egon Sties wurde zum Sieger über den Süddeutschen erklärt. Der Ansager hatte knapp ge- endet, als ein Lärm ausbrach, der alles bisher dagewesene in den Schatten stellte: Hausschlüssel wurden gezückt; auf den Ring ging ein Hagel von allen möglichen und unmöglichen Wurfgeschossen nieder. Minutenlang dauerte dieser Tumult, einige„Boxsport"- anhänger gebürdeten sich wie rasend. Zugegeben, daß die Empörung der Zuschauer berechtigt war, aber was sich dort gestern eine große Zahl der Anwesenden leisteten, ist ein Skandal für sich. Wo blieb da die Sportdisziplin, von der so viel gesagt und geschrieben wird? Ein Tumult von diesen Ausmaßen wäre im Arbeitersport einfach nicht möglich und man kann den Krakeelern von gestern daher nur einmal empfehlen, eine solche Veranstaltung zu besuchen, sie werden dann vielleicht Augen machen! Schließlich beruhigten sich aber die erhitzten Gemüter allmählich, als bekanntgegeben wurde, daß sich einer der Punktrichter beim Addieren der Punkte gs- irrt(!) habe und das Urteil vom Sportausschuß der Borsport- behörde revidiert werden würde. Die Rahmenkämpfe boten nichts besonders Aufregendes. Poenijch- Leipzig vermochte gegen den debütierenden Samson-Schülep Franz- Berlin nur«in„Unentschieden" zu erzielen, mit dem gleichen Ergebnis trennten sich auch der Anfänger Fortmann-Berlin und der Kölner Sensen. Pfttzer-Berlin siegte gegen den Königsberger G. May bereits in der ersten Runde durch Abbruch, der Hamburger Kruse kam in der zweiten Runde zum Siege, da sein Gegner Thriene-Hannover wegen dauernden Haltens disqualifiziert wurde *. Vor einigen Togen teilten wir mit, daß sich unter dem Namen „M« t r o p ol- R i n g" ein neues Geschäftsunternehmen für Box- fportveranftaltungen gebildet hat. Jetzt ist der Krach schon da. Der Metropol-Ring hat einen Boxer engagiert, den der schon länger be- stehend«„Ständige Ring" nicht freigeben will; man hat dem Boxer den Boykott für alle Ringe Deutschlands angedroht und so muhte er zu Kreuze kriechen. So werden also die Berliner Boxsportau- Hänger wahrscheinlich in den nächsten Tagen einen Boxkamps der Direktoren erleben können. Das Bestreben Geld zu oerdienen, schließt eben auch bei Boxsportunternehmern den Futterneid nicht aus Landbimd und Leibesübungen Daß der Landbund immer mehr zu einem Hort der Reaktion geworden ist, braucht« nicht erst durch seine Beteiligung an dem Hugenbergschen„Volrs"-Begehren bewiesen zu werden. Daß er sich auch für die Leibesübungen interessiert, ist bisher weniger bekannt geworden. Und doch ist diese seine Neigung auch keineswegs erst neuerlich hervorgetreten. Es ist noch jedermann in der Erinn«- rung, daß die Baltitumer und Angehörigen anderer Freischaren aus den Landgütern liebevollste Aufnahme gefunden haben. Später hat dann-die sogenannte Schwarze Reichswehr dies« Elemente auf- genommen, und auch sie war ein Lieblingskind der Junker. Be- kanntlich sind dann auch gewisse Schulen in den verschiedensten Gegenden des Reiches entstanden, die von einem„V o l k- b u n d" für Leibesübungen getragen und von ehemaligen Offizieren geleitet wurden. Ueber die Tätigkeit dieser Schulen durfte man früher nicht sprechen, ohne Gefahr zu lausen, als.Landesverräter" belangt zu werden. Der„Volksbund" und feine Schulen verfielen mit d«r Bereinigung der Nachkriegsatmosphäre. Das ganze Unter- nehmen fand schließlich Unterschlupf bei der„Deutschen T u rn e r s cha f t", die sich zuvor„politisches Wohlverhalten" aus- gebeten hatte. Nun stehen verschiedene der damals eingerichteten Schulen vor dem Zusammenbruch, und es verlautet, daß der Landbund sich dafür recht lebhaft interessiert. Ob man beabsichtigt, den Desperados der Landvolkbewegung, die sich jetzt durch ihre Bombenlegertätigkeit ausgezeichnet haben, ein Asyl zu schassen, oder ob auch heute noch wilhelminische Offizier« ein Unterkommen brauchen, mag dahin- gestellt bleiben. Jedenfalls muß ganz deutlich erklärt werden, daß der Volksbundunfug nun ein Ende haben muß. Unter keinen Umständen dürfen noch öffentliche Gelder für dies« Schujen verwendet werden, denn ihre Tätigkeit hat auch heute noch das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen. Es gibt gutgeleitete Schulen der Leibesübungen genug, in allen Sportspitzenverbänden sind sie vorhanden. Der Landbund dürste aber kaum ein sachliches Interesse an der Erhaltung dieser Schulen haben. Gewiß müssen die Leibesübungen auf dem platten Lande eine stärkere Verbreitung als bisher finden. Aber die finden sie gewiß nicht auf dem Weg« über die Schulen, die schon wegen ihrer dunklen Vergangenheit das Das Laus Jas Jeden nnzienf • mpfiahH Blaugrau gemusterter Cheviot fi/n q ff f-p/ in guter Verarbeitung, Größe 38"2__ ' Mark mJmJ* itittOe Karierter brauner Cheviot in . 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Pariser Autosalons, der traditions- gemäß wieder mit der Schau der Personenwagen �verbunden ist. Später werden sich die Ausstellungen für Motorräder und Nutz- sahrzeuge anschließen. In Ermangelung einer eigenen Ausstellung haben viele deutsche Firmen die Gelegenheit benutzt, in der französischen Metropole ihre Qualitätserzeugnisse zu zeigen. Mercedes-Benz, Brennabor, Adler, chanomag, Horch und NAG. sind mit äincm Aufgebot geschmackvoller Fahrzeuge zur Stelle. £onja Henie geht nach Amerika. Amerikanische Sportkreise haben die jugendliche Eislauswelt- Meisterin Sonja Henie eingeladen, die Wintersportsaison in Amerika zu verbringen. Die kleine Norwegerin hat angenommen, zumal sie ihren Titel bei den vom 3. bis 5. Februar in New Park srattsindenden Weltmeisterschaften zu verteidigen hat und wird dem- nächst die Ueberfahrt antreten. Die Wochenendfahrt des Touristenvereins„Die Nalurfrennde" (Reisebureau) nach Tangermünde am kommenden Sonnabend und Sonntag muß umständehalber ausfallen. Gelöste Karten werden zurückgenommen. Wann die Fahrt wiederum stattfindet, wird an dieser Stelle zur gegebenen Zeit bekanntgegeben. HSS. iTrcitfl«, 4. Oktober, 20 Uhr, Generalversammlung bei Lehnigk, Mllhlenstrahc Sck« Brommybriickc. Ärbciter Rad. und«lastsodrcrbund„Solidarität", Bezirk l, 2 und 21. Ortsgruppe Groß. Berlin. Gelchäktsstelle Siobert Bothbartd, öW. 11, Schöne- bergcr Str, 17a, Am 19. Oktober findet im Eaalbau Friedrichsbain die Iubi, lancier statt.?a ei» sehr gutes Programm geboten wird, muß jedes Mit- glicd an der iZeier teilnehmen und für guten Besuch werben, Sonntag. 0. Oktober, werden folgende Fahrten gemacht: 1. Abt.: Freitag, 4. Oktober, Sihung bei Rülkert. Steinmchftr. ZLa. Sonntag, 0. Oktober, 7 Uhr. Echnihsl. jagd und Austragung der Altmeisterschoft 1929 nach Tnrow. Seriike. Start: Blllowftr. 55.-2. Abt.: 7 Uhr Tnrow. Sericke. S'art: Sohenftaufenplah, Normaluhr.— I. Abt.: Besichtigung des neuen Schiffshebewerks in Liepe. Start: 7 Uhr Stettiner Bah«hof. Rititfahrkarte bis Ebcrswaldc lösen.— 9. Adt.: Brandenburg a. S>. Star: Triftstr. 63, 16 Uhr, Für Bohnsahrcr 17 Uhr Potsdamer Bahnhof.— Ab«. Charlotteaburg: 13 Uhr Papenbcrge. Rennfahrer Grunewaldstadion 14 Uhr. Start: llanal- Ecke Wilmcrsdorfer Straße.— Abt. schönebtrg: 5. Oktober 31. Stiftungsfest in den Colibri-Festsälen. 6. Ok'ober, 13 Uhr, Katertour durch den Grunewald. Start: Stubenrauchstr. 5. bei Migge. — Abt. Reutöllu: 7 Uhr Bößsce. Start: Sohenzollernplaß.— Abt. Weißens«. Seinersdors: 13 Uhr Absxorteln des Sportkartells. Start: Langhansstr. 102. Freitag, 4. Oktober, Generalversammlung, Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Pflicht.— Motorsahrer. Abt. Krcuzberg: 9 Uhr Märkisch« Schweiz. Start: Frankfurter Allee. Freitag, 4. Oktober. 20 Uhr, Sißung in der Kindl-Quelle, Reichenberger Str. 91.— Abt. Fmdrichsham: 7 Uhr Soppegarten-Marsee. Start: Landsberger Bloß.— Abt. Ehorlottenburg: 7 Uhr M-adebur«.� Stark Konol- Ecke Wilmersdorf*Odwb»««n W Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. MafieTtiebe mit Henny Porten Meine offizielle Frau m. Irene Rieh Marlendorf M A4a T i Mariendorfer lia-lal Lichtspiele Chausseestraße 305£tg. 3 Uhr[ug.-V. Im Pra!«r blflh'n wieder dleBSnme mit Werner Fütterer Der Sohn det goldenen Wcticnt mit Tom MU Süden Th. am Morifzplafz Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 3.45 Uhr Scbicksabwflrfel mit Hlmansa Rai Adien, Mascottcf mit Lil. Harvcy, Hahn " SQdoilen 1 Filmeck Beg'nn: okalitzer Straße, am Gorlltzer Bahnhof Manolescn, der König der Ho Belnlckenl:. Stg. 4V«, 6 1ht 8-Vi Der Kriminalltaraller (Kopf hoch, Baoy) Einmal um Mitlcrnadii der große Singfilm Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 8 U. Stg. 5. 7.30 Die Beate der BankrSnbcr Das Prlrlehotcl mit Tom Mlz