BERLIN Sonnabend 5. Oktober 1929 10 Pf. Nr. 468 B 233 46. Jahrgang. erscheta» tSglich aalerSoantag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bejug«vrei< beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. S.SOM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 63. Lindenör.» »at«i»topr»t«i Die einspaltige Nonpareweiett» « Pf., Reklameieile KM. Ermäßigungen nach Tarif. PoKscheckkonte: Vorwätts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bi« 2g? Mörderin Politik. Das Schicksal deutscher Staatsmänner in der Nachkriegszeit. Gtresemanns letzter Weg. Der Tod Strefemanns macht uns mit schrecklicher Deutlichkeit klar, welchen ungeheuren Verbrauch an Persönlichkeiten das politisch« Leben in Deutschland nach dem Krieg hat. Nach Ebert, Erzberger, Rathenau ist wieder Etresemann ein Opfer der Politik g«- worden. Es scheint in Deutschland zu einem fast schon selbstoer- ständlichen Vorgang geworden zu sein, daß jeder Politiker, der eine große und verantwortungsvolle Aufgabe zu erfüllen hat, seinen Dienst am Volke schließlich mit dem Tode oder mit schweren Ein- büßen an Gesundheit und Lebenskraft zu bezahlen hat. Sieht man davon ab, daß Erzberger und Rathenau durch Mörderhand gefallen find, so kann man auch Strefemanns Ende, genau wie dies bei Ebert der Fall gewesen ist, kaum als den normalen Ablauf eines Menschenlebens werten. Gewiß waren beide kranke Menschen. Aber beide hätten sicherlich noch Jahre leben können, wenn nicht die Wliss£atvrence, AhgeoränHe der ArheHerparlet, wurde«ur ZPaHeleorfilzenden gettähll unselige politisch« Kampfesweise, wie sie in der Nachkriegszeit in Deutschland üblich geworden ist, ihre Widerstandskraft gebrochen, sie physisch und psychisch so zermürbt hatte, daß die Wirkungey der Krank- heit sich vervielfachten, das Herz schwächten und so zu einem frühen Tode führten. Deutschland erfreut sich heute des traurigen Ruhmes, daß feine Staatsmänner in verhältnismäßig jungen Jahren vom Tode dahingerafft werden. Weder in England, noch in Frankreich, noch in einem anderen zivilisierten Lande ist«in solcher Verbrauch an Leben und Gesundheit von Politikern zu verzeichnen, wie im Deutschland nach dem Krieg«. Auch im Auslande stellt die Politik an die verantwortlichen Staatsmänner große Anforderungen, auch dort wird«in erbitterter politischer Kampf geführt. Und doch, welcher Unterschied: Clemenceau ist heute 88 Jahre alt, M a s a r y k zählt 79 Jahre, P o i n c a r e. der eben eine schwierig« Operation überstanden hat, 69 Jahre, Briand 67 Jahre, Lloyd George 66 Jahre. Und in Deutschland? Eberl ist 54 Jahre alt geworden. Rathenau 54 Jahre. Erzberger 48 Jahre und Strese- mann 51 Jahre. Kann dies«in Zufall sein? Nein. Es ist eine Folge der Verwilderung und Verrohung der poli- tischen Sitten. Die Methode, den politischen Gegner durch persönliche Angriffe, durch Verleumdungen und Beschimpfungen zu besudeln, ihn sogar als Verbrecher hinzustellen, verfolgt in wohlerwogener Absicht den Zweck, ihn aus dem Wege zu räumen, fei es, daß er angeekelt feinen Posten verläßt, fei es, daß er physisch und psychisch so zermürbt wird, daß er nicht mehr fähig ist, sein Amt zu bekleiden. Ist diese Methode nur um ein Haar besser als die Methode der meuchlerischen Revoloerkugel?- Man weiß, daß Ebert einem Leiden zum Opfer gefallen ist. daß er als Privatmann sicherlich überstanden hätte. Aber seine Kraft war durch die niederträchtige Kampscsweis« seiner Gegner gebrochen: wer ihm näher stand, weiß, wie sehr ihn der Magdeburger Prozeß seelisch bis ins Tiefste erschüttert hat. wie ein von der Politik seelisch und körperlich gebrochener Mann än einer Operation starb. die Tausende glatt überstanden hätten. Und wer Etresemann näher kannte, weiß, wie«r schwer trug an der Verleumdungs- kampagne seiner Feinde. Er, der völlig im Dienste der großen Idee der Völkeroersöhnung aufging, der den Aufstieg Deutschlands nur in friedlicher Zusammenarbeit mit den anderen Nationen mög- lich sah, mußte sich Landesverräter nennen lassen, mußte ohnmächtig zusehen, daß ein Volksbegehren angekündigt wird, das ihn und andere Diener der Fricdcnsidee mit dem Zuchthaus bedroht. Slrescmänn hätte sich als kranker Mensch schonen können, er hätte (Fortseßung auf der 8. Seite.) Trauerfeier Sonntag vormittag � Lthr. Da, endgültige Programm für die Trauerseier für Stresemann sieht vor: Am Sonntagvormiltag 11 Ahr findet die Trauerfcier im Reichstag statt. Als Einleitung der Feier werden die Philharmoniker unter der Leitung von prüwer die Eoriolan-Ouvertüre spielen, hieraus folgt die Ansprache des Reichskanzlers Müller; zum Schluß spielt da» Orchester Beethovens Trauermarsch aus der Eroica. Draußen am Reichstag spielt vor der Feier da» Orchester der Schutzpolizei, dirigiert von Obermeister Hahn, den Trauermarsch au» der Götter- dümmerung und den Priestermarsch aus der Zauberflvte. Die Feier wird etwa 50 ZNinuten dauern. Gegen 1 2 U h r seht sich dann vom Reichstagsgebäude, geführt von Schutzpolizei. der Trauerzug in Bewegung. Reichspräsident hindenburg wird ihn, als erster hinter dem Sarg schreitend, bi, zum Auswärtigen Amt begleiten. Der Trauerzug nimmt folgenden weg: Reichstag. Branden- burger Tor, Unter den Linden, Wilhelmstraße. Belle-Alliance-Platz. Hallesche» Tor. Blücherstraße. Luisenstödlischer Friedhof. Während der Trauerfeierlichkeit im Reichstag für den ver- storbenen Reichsaußenminister Dr. Stresemann werden zwei Großflugzeuge der Lufthansa mit schwarzen Trauer- wimpeln über dem Stadtbilde kreisen. Auch aus dem Wege zum Friedhos werden die Flugzeuge dem Reichsminister das Ehrengeleit geben. Aufmarsch des Reichsbanners. Das Reichsbanner hat beschlossen, dem toten Ttaats- mann der deutschen Republik und Kämpfer für die Befriedung Europas das lebte Geleit zu geben. Die Berliner Gauleitung gibt für die Teilnahme an dem Staatsbegräbnis folgende Anweisung aus: Die Ortsvereine haben so rechtzeitig anzutreten und abzurücken, daß sie pünktlich zu den untenstehenden llhrzeiten auf den kreis- sammelplähen eintreffen. Kreis Osten: Die Ortsvereine sind um 10 Uhr in der be- kannten Reihenfolge auf dem Gendarmenmarkt abmarschbereit. Kreis Süden: Zur gleichen Zeit auf demselben Platz. Kreis Westen: 9.30 Uhr, Humboldhain. Kreis Norden: 9.30 Uhr im Lustgarten. Anzug: Vorschriflsmäßige Vundeskleidung. Schwarze oder dunkle Krawatte. Fahnen umflort. Ltm Strefemanns Nachfolger. Voranmeldungen und Proteste. Der„Germania" berichtet, daß die Betrauung des Reichswirt- schaftsminifters Dr. Curtius mit der vorläufigen Führung des Außenministeriums in Zentrumskreifcn überrascht habe, und fährt dann fort: Die Ueberraschung muß um so größer sein, als gesagt wird, die Betrauung sei ohne Kenntnis der Mitarbeiter des Kanzlers und der politischen Faktoren erfolgt. Uns erscheint außerdem auffallend, daß die Uebertragung an Herrn Dr. Curtius mit einer solchen Schnelligk«it erfolgt ist. wie sie sonst bei uns in solchen Fragen nicht gerade üblich zu sein pflegt, hätte man nicht wemg- stens bis Montag warten können? Es liegt uns nicht und es entspricht auch nicht dem Ernst der Stunde, am offenen Sarge Strefemanns zu diskutieren, und wir beschränken uns deshalb heute lediglich auf die Feststellung der oben geschilderten Tatsachen, sind uns aber bewußt, daß in der nächsten Woche über dieses Thema noch gesprochen werden wird. Zu demselben Thema sagt die„Deutsche Allgemeine Zeitung": Was die endgültige Nachfolge des verewigten Außen- Ministers betrifft, scheint es nach unseren Informationen keines- j wegs sicher zu jein, daß die Deuljchc Bolkspartei entscheidenden Wert darauf legen soll, das Auswärtige Ressort fest- zuhalten. Angesichts der Tatsache, daß die außenpolitischen Probleme, so schicksalentscheidend sie auch bleiben werden, nach der haager Schlußkonferenz gegenüber den inneren Fragen der Finanz- und Steuerreform, sowie des verfassungs» rechtlichen Umbaus des Reiches in den Hintergrund treten können, dürfte die Partei eher maßgebenden Einfluß in der Führung anderer Ministerien für wichtig halten. Ueber diese Dinge wird in den nächsten Wochen noch sehr ausführlich zu sprechen sein, zumal eine gründliche Umbildung der jetzigen Retichs- regierung endlich sogar von der Koalition selbst für nötig ge» halten wird. Danach scheint es, als ob man sich im Zentruin für das frei- gewordene Außenamt, in der Bolkspartei aber m«hr für das Innere und die Finanzen interessieren würde, die mit Sozialdemokraten befetzt sind. Im übrigen halten auch wir es für zweckmäßig, die Unterhaltung darüber auf die nächste Woche zu verschieben und meinen, es wäre gar nicht nötig gewesen, sie jetzt schon zu beginnen. Da dem Reichskanzler fein augenblicklicher Gesundheitszustand nicht erlaubt, sich auch noch das Außenamt aufzubürden, war die vorläufige Betrauung des Dr. Curtius als des nächsten Mitarbeiters Strefemanns im Haag das von selbst Gegebene. Endgültig ist damit noch gor nichts entschieden. Bayern! München, 5. Oktober.(Eigenbericht.)~\ Nunmehr hat sich auch die bayerische Regierung dazu ent- schließen können, dem verstorbenen deutschen Reichsaußenminister zu Ehren ihre Fahnen halbmast zu hissen. Seit Sonnabend morgen tragen der Landtag und sämtliche Staatsgebäude die blauweiße Trauerflagge. Sehr viel mag zu diesem Entschluß der bayeri- schen Staatsregierung di« beschämende Tatsache beigetragen haben, daß in der besetzten Rheinpfalz die Gebäude der französischen Besatzungsbehörde sofort beim Bekanntwerden d«r Todes- Nachricht die trauerumflorte Trikolore hißten, während die bayeri- schen Staatsgebäud« nackt blieben. In der Pfalz herrschte wegen dieses unbegreiflichen Verhaltens der bayerischen Regierung um*?«- Halene Mißstimmung. Parteitag der Bolkspartei abgesagt. Der Parteitag der Deutschen Voltspartei in Manheim ist ab- gejagt. Ueber den Zeitpunkt der Einberufung«iner Zentralinstanz der Partei wird der Parteioorstand noch Entscheidung treffen. Nächtliche Schlägereien. Nationalsozialisten und Kommunisten prügeln sich. Gestern abend fanden in verschiedenen Stadtteilen national» sozialistische Versammlungen statt. Nach Schluß dieser Kund- gedungen ist es zu nächtlicher Stunde mehrfach zu schweren Schlägereien zwischen hakcnkreuzlern und Kommunisten ge- kommen. Insgesamt wurden 23 Personen zwangsgestellt und dem Polizeipräsidium zugeführt. Am Oranienburger Tor mußt««in hakenkrcuzlertrupp, der lärmend und johlend durch die Straßen marschierte, von der Polizei aufgelöst werden. Neun Krakeeler wurden wegen Ruhestörung, Be- lästigung von Passanten und Widerstandes zwangsgeftellt.— Um dieselbe Zeit gerieten am Stettiner Tunncl Kommunisten mit Nationalsozialisten in eine Schlägerei. Einer der Beteiligten wurde durch Schläge am Kopf erheblich verletzt. Um 1 Uhr nachts kam es an der Eck« Oranienburger und Auguststrahe zu«iner weiteren Schlägerei, bei der die Gegner, wiederum Rechts- und Links- radikale, mit Stahlruten, Gummiknüppeln usw. aufeinander ein- hieben. Die Polizei war schnell zur Stelle und nahm 11 Personen fest.— Schließlich wurden in Siemensstadt ein Trupp National- sozialisten an der Bahnüberführung von Kommunisten angefallen. Dabei wurden der 22jährige Kurt G ö h r i n g, der 22jährige Erwin Feucht und der 27jährig« Gottfried Bornmüller durch Messer- stichc so schwer verletzt, daß sie in das Westcndkrankenhaus gebracht werden mußten. Den Tätern gelang es, unerkannt zu entkommen. Mörderin Politik. (Fortsetzung von der I.Seite.)/ ms Privatmann seine Tage im Süden verbringen und sein Leben um Jahre verlängern können. Aber seine Gesundheit galt ihm nichts— und leider auch nicht den anderen. Gerade sür den Arzt ist es das Zeichen einer beispiellosen seelischen Verrohung, zu beobachten, wie Strejemanns politische Gegner, die genau wußten, daß er ein vom Tode gezeichneter Mann war, auf seinen Gesundheitsgustand keine Rücksicht nahmen, ihn besudelten und beschimpsten. Und wenn jetzt ein süddeutscher Poli- Itter erzählt, mit welcher Bitterkeit sich der Verstorbene über das Hugenbergsche Volksbegehren beklagte, es eine Infamie nannte, so ist dies nur ein Beweis dafür, mit welcher seelischen Erschütterung Stresemann auf die persönliche Hetze reagierte. Einem Privatmann, der an einer Krankheit wie Stresemann leidet, wird jeder Arzt absolute Ruhe, Vermeidung jeder Aufregung, geistig« und körperliche Entspannung empfehlen, seine Umgebung wird sicherlich in jeder Weise auf den Zustar»J) des Schwerkranken Rücksicht nehmen. Stresemann hörte aus die Aerzt« nicht hin. Jn> Äienste des Volkes opferte er seine Gesundheit. Aber seine persön- lichen Feinde haben nicht einen Augenblick gezögeri, sich mit der vollen Wucht aller Mittel gegen ihn— den Todkranken— zu wenden. Sie achteten nicht sein Leiden denn er war vogel- frei, war Politiker. Die Art des politischen Kampfes in Dsutjchland ist eine Gefahr für die menschliche Gesundheit. Es ist kein Zufall, daß im Auslände Politiker, die ihr Leben lang im heftigsten politischen Kampfe ge� standen sind, sich ihre Gesundheit erhalten haben und hohe Alter erreichen, während in Deutschland gerade die prominentesten Staats- männer der Nachkriegszeit um das sünfzigste Lebensjahr herum ge- starben sind. In Frankreich und England wickeln sich die politischen Auseinandersetzungen in Formen ab, die streng zwischen den Be- griffen Politik und Privatleben unterscheiden. Nur in Deutschland hat die Entartung der politischen Leidenschaften dazu geführt, daß man nicht nur den Politiker, sondern auch den Menschen treffen will. Welches traurige Ergebnis eine solche Methode hat, zeigt der Fall Stresemann. Hier Hilst nur eines: eine Phalanx anständiger Mew s ch e n, die der politischen Nnnienschlichteit ein Ende machen. Dr. Julius Moses. Gemeinheit ohne Grenzen! Selbst Hugo Heimann ist vor ihr nicht sicher! Das Organ der Kommunistischen Partei, das den Sklarek- Skandal in frechster Weise zu seinen Wahlzwecken zu mißbrauchen versucht, obwohl die eigene Partei aufs stärkste von ihm betroffen ist— die„Rote Fahne", bringt es fertig, selbst den allgemein ver- ehrten Spitzenkandidaten der Sozialdemokratischen Partei, unseren Genossen Hugo H e i m a n n in der niederträchtigsten Weise an- zustänkern. Sie schreibt:> Eine Nummer für sich ist der Spitzenkandidat der SPD., der Rentier und„Ehrenbürger" Berlins, der schwer- reiche Hausbesitzer aus dem feudalen Tiergarten- viertel(Bendlerstr.), der Reichstagsabgeordnete H e i m a n n, ein frommes Mitglied der jüdischen Gemeinde. Was mag wohl der Lausejunge, der das hingeschmiert hat, sür die Arbeiterbewegung schon geleistet haben, daß er von einem Hugo Heimann so zu schreiben wagt? Weiß der Bursche überhaupt, wer Hugo Heimann ist? Weiß er, daß dieser Mann den„schweren Reich- tum", den er einmal besah, für die Arbeiterbewegung geopfert hat? Daß er die Freundschaft eines August Bebel, eines Paul Singer genoß, daß er heute noch, ein Siebzigjähriger, mit jugend- licher Fvische und loderndem Idealismus von früh bis spät sür die Sache des Proletariats arbeitet und kämpft? Weiß er, daß Heimann dem Judentum treu geblieben ist nur aus der noblen Gesinnung heraus, daß man eine verfolgt« Gemeinschaft nicht verleugnen soll? Muß ein Mann, der stets fleckenlos, opferbereit, nie für sich selbst etwas wollend, durchs Leben gegangen ist, sich an der Schwelle des Greisenalters solche Verunglimpfung gefallen lassen? Es gibt keinen Arbeiter in Berlin, der nicht Grund hätte, Hugo Heiman» dankbar zu sein! Und es gibt keinen Arbeiter in Berlin, der sich nicht schämen sollte, daß ein Hugo Heimann von einem sogenannten„Arbeitcrblatt" solchen Dank erntet! Gebt diesem Gesindel am 17. November die Antwort, die?s ocrd'ient! Berliner Sparmaßnahmen. Folgen der Hetze gegen die Kommune. Das„Berliner Tageblatt" veröfsentlicht in seiner Morgenausgabe einen Sparerlah de» Berliner Ma- g i st r a l s, nach den nunmehr Neubauten weder bei den Schnell- bahnen noch bei den Straßenbahnen begonnen und Erneuerungs- bauten der Verkehrsmittel nicht in Angriff genommen werden dürfen. Diese Verfügung bezüglich der Einschränkung aller nicht notwendigen Ausgaben ist, wie das Nachrlchtenamt der Stadt Berlin mitteilt, keine neue Maßnahme, sondern die Fortsetzung der Beratung und Beschlüsse, die seinerzeit auf Grund der Dringlichkeilsvorlage des Magistrats vom Z0. April d. 3. zwischen Haus Haltsausschuß und Magistrat bzw. zwischen Stadtverordnetenversammlung und Magistrat gepflogen bzw. vorgenommen wurden. 3n dieser Dringlichkeitsvorlage stand schon, daß keine Gewähr sür die Inangriffnahme aller etatmäßig vorgesehenen Neubauten übernommen werden könne, vielmehr wird geprüft werden müssen, ob der einzelne Bau so dringlich rst, daß er trotz der Schwierigkeilen des Inlandmarktes für langfristige Anlagen unbedingt begonnen werden muß. Von den städtischen Körperschaften ist eine Liste von Bauten aufgestellt worden, die neu begonnen iverden dürfen. Wir werden in der Morgenausgabe noch einmal daraus zurückkommen. Zm übrigen ist zu dieser Sparmaßnahme grundsätzlich folgendes zu sagen: Durch diese einschneidenden Maßnahmen de» Berliner Magistrots wird die kritische Finanzloge der größten deutschen Kommune blitzartig beleuchtet. Dieser Magistrats- erlaß, der für den Berliner Arheitsmartt vorläufig noch unabsehbare Folgen haben wird, ist eine Folge der privatkapitatisti- scheu Angriffe gegen die kommunale Wirtschaft. Wir haben immer wieder aus die Gefahren hingewiesen, die sich aus der Anleihrdrosselung für die deutschen Kam- munen und ihre Wirtschast ergeben würden. Unter der Führung de» Reichsbankpräsidenlen Schacht ist ober der Anleihebedarf der deutschen Gemeinden derart beschnitten worden, daß die deutschen Kommunen seil Iahren aus der Geldkalamität nicht mehr heraus- gekommen sind. Der vorliegend« Magiitralserloß zeigt der werk- tätigen Bevolkernng in den deutschen Großstädten, welche Gr- fahren die rücksichtslose Politik gegen die össent- l i ch e Wirtschaft mit sich bringt. Mordskandal in Paris? Kemerichter begraben ihr Opfer lebendig. Paris. 5. Oktober. Seit einiger Zeit hotten mehrere große Nachrichtenblätter und Privatpersonen Schreiben erhallen, die mit„Ritler der Themis" unterzeichnet waren und in denen unter genauer Angabe der Srt- lichen und zeillichen Umstände mitgeteilt wurde, daß in einem Wäldchen bei Versailles ein angeblicher Marquis de Ehampaubert von den Lriefschreibern lebendig begraben worden sei. Man glaubte zunächst an eine Mystifikation, bis Nach- forschungen die Angaben der anonymen Schreiben bestätigten. Die gerichtsärztliche Obduktion der Leiche und auch eine aus dem Sarge über dem Erdboden herausragende Röhre lassen daraus schließen, daß der angebliche Marquis, der in Wirklichkeit ein mehrfach vorbestrafter Hochstapler namens Element Passat sein soll, tatsächlich lebendig begraben wurde und infolge Hunger» oder Erstickens gestorben ist. Nach den Briesschreibern wird gefahndet. Die geheimnisvolle Mordaffäre nimmt das Interesse der Pariser Presse in weitem Ausmaß in Anspruch, Sie zieht weite Kreise, denn die sogenannten„Ritter der Themis", die selbst dieses Verbrechen eingestehen, erNären, als Rächer der Menschheit bzw. als Vollstrecker der oersagenden Justiz gehandelt zu haben. Das ergibt sich aus Briefen, die sie an die Zeitungen gesandt haben, In einem dieser Briefe heißt es:„Die französische Justiz, die nur noch ein leeres Wort ist, wird verächtlich gemacht und als lächerlich hingestellt. Deshalb hat unsere Vereinigung den Namen„Ritter der Themis" angenommen und beschlossen, einen heiligen Kreuzzug zu unternehmen und dasür zu sorgen, daß Hoch- staplcr und Betrüger nach Verbüßung ihrer lächerlich geringen Strafen ihr« Tat sühnen, und zwar mit hem Tode. Wir haben uns gegenseitig unter Androhung des Todes für jeden Verrat geschworen, zusammenzuhalien und verschwiegen zu sein," Dann folgt die He- schreibung der Todesart des Pseudo-Marquis, der, wie die Auf- sindung der Leiche auch bestätigte, neben einer Landstraße begraben war. jedoch durch ein Gummirohr in seinem Grabe Lust zugeführt erhielt. Schließlich mußte er in seiner Gruft Hungers sterben. Zum Schluß wird in dem Brief angekündigt, daß die„Ritter der Themis" weitere Bestrafungen vornehmen werden, wenn sich neue Fälle ergäben. Die Mutter des lebendig begrabenen Opfers war durch einen Brief von den„Rittern der Themis" ebenfalls von der Tat in Kenntnis gesetzt worden, und diesem Brief lag ein Gepäckschein bei. der auf Gepäck lautete, das in einer Gepäckaufbewahrung eines Bahnhofs hinterlegt war und die Kleider des Opfers enthielt. Der pseudo-Marquis selbst hatte sich zu Lebzeiten sür die Beraubung von Juwelenhändlern mit Hilfe von Ehtorosorm spezialisiert, und zwar hatte er zu diesem Zweck das Schloß Prieur« gemietet und dort eine mit allem Raffinement' eingerichtet« Menschenfall« organisiert. Nach Verbüßung seiner letzten Gefängnisstrafe, die zwei Monate zurückliegt, hotte er wegen der Herausgabe seiner Verbrechermemoiren Verhandlungen Angebahnt. Man stellt nun verschiedene Hypothesen auf. Passat hatte in Deauville verschiedene Unterredungen mit feinen Verlegern. Sollte hier das Geheimnis liegen oder wollte Passal sich, um einen letzten Meisterschlag zu tun und mit einer ungeheuren Sensation sein Buch auf den Markt zu werfen, lebendig begroben lassen, so daß täglich die Spalten der Zeitungen mit seinem Namen gefüllt würden? Das letzter« ist ihm glänzend gelungen. Der „Matin" widmet, ihm heute i'A Seiten. Leider kann er den Erfolg nicht mehr erleben. Die deutschnationale Riesenpleite. Oer gestoppte Generalrevisor bei �aiffeisen. Schon im Jahre 1922 wurde durch den Bericht des Generalrevisors Dr. Hildebrand vom 29. Juli 1922 ungeheuerliche Mißstände aufgedeckt. Aber Herr Hilde- brand war trotz seiner Stellung als Generalreoisor wirtschaftlich von den Leuten abhängig, die er revidieren sollte. Der Bericht von Kamele sagt darüber: „Wenn der Generalrevisor auch nicht dem Vorstand der Bank unterstellt war, sv waren die Herren Dietrich und S e e l m a n n seine Borgesetzten in ihren Eigenschaften als Borstandsmitglieder des Gcnerolverbandcs. Aus dieser Stellung des Revisors haben sich zweifellos Unzuträglichkeiten ergeben. W«nn auch nach den Aeuherungen Dr. Hildebrands ein Druck hinsichtlich der Art und des Umfangs der Revision durch den Vorstand niemals ausgeübt worden ist, so haben aber zweisellos die führenden Persönlichkeiten des Aussichlsrals— ob mit oder ohne Einverständnis de» Vorstande«, war nicht feststellbar— in entscheidenden Augenblicken eine wesentliche Einschränkung des Revisionsaustroge» durchgesetzt." Der Bericht des Revisors Dr. Hildebrand deckt nun schon eine Anzahl von Geschäftsverbindungen der Raiffeisenbank auf, die sich später zu den ungeheuren Berlustkonten entwickeln sollten, so die Verbindung mit A. W. Riebe, den der Kameke-Bericht einen„Glücksritter" nennt, mit der T e i ch g r ä b e r A-- G., einer typischen Jnflations- blüte, der Rhönbant usw. Zu dieser Prüfung sagt der Revisionsbericht: „Die Prüfung der vorstehend behandelten Gruppe von Krediten war eine zeitraubende und unfruchtbare Arbeit, und zwar infolge des unzureichenden Aktenmaterials, dessen llebersicht's- lasigkeit und unzweckmäßig« Registrierung und Verwahrung." Der Revisor Dr. Hildebrand nimmt an, daß ihm erheb- liches Material v o r en t h a l t e n sei und regt an,„ihm in' Zukunft das ganze Material zugänglich zu machen oder ihn von dieser Seite der Revisionsarbeit zu dispensieren".(Es sei hier gleich vorweg bemerkt, daß der vom Revisor für unmög- lich gehaltene Fall vorhanden war: es gab kein weite- res Material!) Nach dem ihm vorgelegten Material faßte der Revisor das Ergebnis der Revision wie folgt zu- sammen: „1. Bei der Hingusgabe einer Reihe po,, Krediten wurde es oersäumt, die Kreditfähigkeit der Schuldner iy der bei Banken sonst üblichen sorgsältigen Weise zu prüfen. Bielfoch sind über die Kreditfähigkeit keine Unterlagen vorhanden, in manchen Fällen nur von den Schuldnern ausgearbeitete(nickst immer von ihnen unterzeichnete) Exposös, in einigen Fällen gedruckte— und für die Kreditgewährung daher unmaßgebliche— Geschästsberichte. 2. Sachverständige Geschäftsbücher- und B i l a n z p r f u n g e n, wie sie die Banken in solchen Fällen von ihren Treu- Handgesellschaften vornehmen lassen, sind nicht bei den Akten. 3. Die eingeholten Auskünfte wurden nicht n o ch g e- prüft, ebensowenig die Angaben der Schuldner. 4. Die Fäll« Riebe, Sauer mann und ander« stellen sich nach den Akten so dar, daß die Schuldner Aktiengesellschaften er- richteten und die Aktien als Sicherheit hereingaben. Nach dem spärlichen Aktenmaterial kann man zu dem Schluß kommen: ein Fabri- kant, dessen Unternehmen 10 Millionen wert ist, und der weitere 5 Millionen zu denötigen vorgibt, errichtet eine Aktiengesellschaft mit 15 Millionen Kapital, leiht bei der Raisseisenbonk diese» Kapital gegen kaufmännischen verpslichtungeschein, verpfände» die Aktien unter Vertaufssperre und läßt außerdem die Aktiengesellschaft für die Schuld die Bürgschaft übernehmen. E» sehten in diesen Fällen die oben unter 1, 2 und 3 angeführten Unterlagen. 5. Verschiedentlich ist da»„Recht der Revision" gegenüber verschuldeten Unternehmungen durch die Raisfeifenbank gewahrt. Die Akten lasten nicht erkennen, ob es ausgeübt und konstituiert wurde, da die Kredite unkündbar gewährt find. 6 Die in manchen Verträgen bedungenen Berichte über Ber- mögenelag«, Beschäftigungsgrad und dergleichen fehlen. 7. Ueber die entnommene,, Verpfkichtungsfcheine, die an den Giroverband weitergegeben wurden, liegen keine E m p- f a n g s b e st ä t i g u n g e n vor� lediglich nicht unterzeichnete Akten- i»otizen S. Eine Reihe von Krediten wurde nicht fristgemäß getilgt. In einzelnen Fällen erfolgte Stundung, auch weitere Kreditgewährung. Sind die Schuldner in der Klemm«, droht deren Zahlungsunfähigkeit? Die Akten geben auf diese Frage kein« Antwort." Der Revisor kommt zu dem Gesamtergebnis: „Die hier unter 1 bis 8 niedergelegten Feststellunge« wären vom dank- und kredittechnischen Standpunkte ungeheuerlich und im höchsten Grade besorgniserregend. An ihre Richtigkeit glaubt der Unterzeichnete nicht, sondern:st der Meinung, daß nur die mangelhafte Attenordnung und die Unvollständigteit der Akten zu diesen Ergebnissen führten... Unvollständige» Material macht aber die Revision zu einer Farce." Der Bericht der Untersuchungskommission von Kameke bemerkt zu diesen Sätzen: „Die Ergebniste sind so schlimmer Art, daß Dr. hiidebrand selber nicht an sie glauben will und den Grund in der Unvoll- ständigkeit des Aktenmaterials sieht. Wie e» aber die Folgezeil ergeben hat. war im wesentlichen der Zustanv tat- sächlich so. vollständiger als damals ist das Akten- und das llnterlagemalerial beim Zusammenbruch auch nicht gewesen. Die damals ossenbar schwerwiegenden Mängel wurden nicht beseitigt, sondern traten späterhin noch in verstärksem Maße hervor." Im zweiten Teil seines Berichtes ging Dr. Hildebrand auf die sogenannte Kontrollabteilung ein und hob als beson- deren Mangel hervor, daß diese Abteilung keine Möglichkeit habe, ihre Prüfungstätigkeit auch auf die Buchhaltung zu erstrecken, obwohl der Leiter der Kontrpllabteilung. D i r e k- t o r Kunz, wiederholt und dringend auf die Notwendigkeit und Wichtigkeit dieser Maßnahme hingewiesen hatte. Der Revisionsbericht von Kameke sagt hierzu: „Au einer Aenderung dieses Zuftandes konnte sich aber der Vorstand weder durch die Feststellungen des Revisisnsberichts, noch durch die Forderungen des Abteilungsdirektors Kunz entschließen, zumal der damals anscheinend allmächtige Ehes der Suchhaltung. Buchen, bei solchen Gelegenheilen mit seinem Rücktritt drohte..." Also schon im Juli 1922 hatte die Revision durch den Generalrevisor Dr. Hildebrand einen vollendeten Schweine- stall aufgedeckt. Der Bericht von Kameke bezeichnete Hilde- bronds Revisionsbericht als ein„eindringliches Warnungs- signal". „Was ober geschah aus diesen Bericht hin?— Nicht»!" Fünf Jqhre später stellt der Bericht von Kameke fest: „Die damals offenbar schwerwiegenden Mängel wurden nicht beseitigt, sondern traten später in noch ver- stärktem Maße hervor." Doch halt! Etwas geschah. Dem Generalrevisor Dr. Hildebrand wurde die weitere Re- oision der Raiffeisenbank verboten! politisch zurückgeblieben. Sauernparole: Was geht uns Deutschland an? kiel, 5. Oktober.(Eigenbericht.) Der schleswig-holsteinische Bauernbund. die maßgebliche Ver- tretung der Landwirtschaft in der Nordmark. erläßt eine Kund- gebung. die»in seltsames Gemisch opn politischer Romantik und Ablehnung einer terroristischen Politik ist. Der Bavernbund bekennt sich rückhaltlos zu dem Seckji- verwaltungsgedonken, weil dieser altgermanischen Ursprungs ist Zu dem gegenwärtigen Staat, der„Bureaukratie und des Parteiismus" habe er kein Vertrauen, aber er lehne mit aller Entfcheidenheit jede terroristische Handlung ah. Dies« seien nur geeignet, die schwierige Lage des Volke» zu ver- schlimmer«. Der Bauernstand verbitte sich auch die Sinmifchunz heimatfremder Elemente in die Entwicklung des fchleswig- holsteinischen Bauernstandes. Er lehnte eine Führung ab, die weder Verantwortung trag«, nach klare Ziele und schöpferische Leistungen für den Bauernstand aufweisen kann. « Aus diesen verschwommenen romantischen Gedanken spricht der absolute Mangel an Staotsgefühl: was geht uns Bauern Deutschland an, das soll sein« Lasten selber trapen und sein» Sorgen dazu— wir Bauern wollen„Setbstvetwaltjm?", will jagen, die Loslöfung aus der Schicksalsgemeinjchast des deutschen Balte». Oer wilde Rohrlegerstreik. Das Bild nach sechs Wochen. Di« fast täglich auf Niederkirchners Inspiration hin in der „Roten Fahne" veröffentlichten Zahlen der Rohrleger und Helfer, die angeblich an dem wilden Streik der koinmunistischen Rohrleger- Vereinigung beteiligt sind, wurden gestern in der Be.trauensmänner- tonferenz der DMV.-Rohrleger so eindeutig widerlegt, das Nieder- kirchncr wohl kaum noch wagen durfte, seine Märchenerzählungen:n der„Roten Fahne" fortzusetzen. Die Branchenleiter der Verbands- treuen Rohrleger hatten auf Grund genauer Informationen eine Liste über die Zahl der einzelnen Betriebe und der darin zu den Bedingungen des DMB.-Tarifes arbeitenden Rohrleger und Helfer zusammengestellt, deren Richtigkeit in der Versammlung durch Be- fragen der einzelnen Vertrauensleute einwandfrei erwiesen wurde. Aus dieser Aufstellung ergibt sich: in Groß-Berlin stehen rund 3000 Rohrleger und Helfer in Arbeil zu den Bedingungen des Tarife?, den der Metallarbeiterverband mit den Unternehmern abgeschlossen hat. So stehen zum Beispiel bei den Firmen A n g r i ck 74 Mann in Arbeit, B a k o n 60 Mann, Johannes Haag 138 Mann, bei der Ha wag 176 Mann, Gebrüder Körting 98, Rettig 232, Rietfchel U- Henneberg 61, Oas Preisausschreiben. Jugendhau* Sleglils. Am Montag wurde das neue städtische Jugcndhaus an der Paulsenftroße in Steglitz eingeweiht. Das Heim enthält hell« und luftige Tages-, Schlaf-, Waschräume, Krankenzimmer und Lesehallen. Ferner ein Wärmeheim für alte Leute. Thiergärtner u. Stör 71, Goodso 72. Das ist nur ein Ausschnitt aus der Liste, die 113 Firmen des Unt«rnehm«rver- Höndes enthält. Von diesen rund 3000 Arbeitenden sind etwa 80 proz. Mitglieder des Melallarheilerverbandes und rund 20 Proz. Mitglieder der Niederkirchners chen Bereinigung. Welchen Wert die Abmachungen der Vereinigung mit den Unternehmern haben, beweist die von dem Branchenleiter Friedrich mitgeteilt« Tatsache, daß zum Beispiel die Niederkirchnerschen Renomierfirmen Elbe u. Ludwig G. m. H. H. sowie Metzkow u. Grasnick die mit der Vereinigung getroffenen Vereinbarungen einfach rückgängig gemacht haben. Daß die Front in der Bereinigung selbst mehr und mehr abbröckelt, geht daraus hervor, daß im Laufe des wilden Streiks rund 400 Mitglieder der„Vereinigung" wieder zum Metallarbeiter. oerband übergetreten find. Die Terrorakte gegen die verbandstreuen Rohrleger haben in der letzten Zeit sehr stark nachgelassen, nachdem ein Teil der Rohlinge, die meist gar keine Rohrloger waren, polizeilich festgestellt und gerichtlich abgeurtxilt wurden. Der Branchenleiter crmahnte die Funktionär«, weiterhin ihren Mann zu stehen und ruhig die nicht mehr ferne Zeit abzuwarten, wo die ganze k o m m u n i st i s ch e Aktion im Sonde verlaufen ist. In ruhiger, sachlicher' Diskussion wurden dann von den. einzelnen Vertrauensleuten die Situationsberichte aus ihren Be- trieben gegeben. Einmütig billigten die Funktionäre die Maß- nahmen ihrer Branchcnkommission und der Ortso«rwaltung und oer- pflichteten sich, auch fernerhin mit allen Kräften für den Ausstieg der Rohrlegerbranche im DMV. zu arbeiten. * Im heutigen Leitartikel der„R. F." macht Perschke folgende Elwo-Zohlenqngaben: Von den etwa 4800 Branchenangehörigen sind jetzt etwa 3S00 in der Niederkirchner-Vereinigung„organisiert". Im Streit stehen«twa 3100. Ueber 900 In der Vereinigung oer- uneinigtc Rohrleger und Helfer arbeiten,„während«twa 700 DMA..Rohrleger... Streikbruch oerüben". Man läßt also dem Metallarbeiterverband etwa 1300 Bronchen- angehörig« als Mitglieder, von denen etwa 700 arbeiten. Wo bleiben die übrigen etwa 800? In Wirklichkeit artxüten nicht nur über 900 Niederkirchner- und 700 DMB.-Rohrleger, also 1600, sondern 3000, das sind 140 0 mehr als die Etwa-Zählung si« aufweist. Doch so genau kommt es bei Niederkirchner nicht daraus an. Als der gefährlicher« Gegner wird„der Verbands- apparat" bezeichnet, d. h. der Deutsche Metollarbeiterver- band, gegen den sich die Aktion richtet. Jawohl, di« KPD. samt Niederkirchner wird diesem„gefährlichen Gegner" gegenüber, der freigewerkschastlichen Organisation, den Kürzeren ziehen müssen. Der Schluß und Zweck des Artikels klingt in die übliche Klingel- beulelschwingung aus, in jedem Betriebe in Berlin für den tomwu- nistischen Dreh zu sammeln, einen Stundenlohn aus den Listen der I A H.. zu zeichnen. Die Sache steht faul, jeder Pfennig dafür ist zu schade. Der Deutsche Bühnenverein, d. h. dei Verband der deutschen Theaterdirektoren, sucht nach Dramatikern. Es wird be- hauptet, die schon vorhandenen Theaterdichter produzieren nur er- solglose Experimentierstück« oder Schund oder wenigstens das, was der Kassierer, der nicht poetisch zu sprechen braucht, so tituliert. Der Deutsche Bühnenverein will die noch nicht entdeckten Genies aus der Dunkelheit herausholen. Das Lumen soll belohnt und sogar ausgeführt werden. Es herrscht da eine geradezu hinreißende Begeisterung unter Deutschlands privaten und öffentlich angestellten Bühnenleitern, Tauspat« der bisher versteckten Koryphäe zu werden. Man muß nur die Namen der Preisrichter lesen, und man wird verstehen, wie brennend die ganze Frage ist. Altmann, Jeßner, Weichardt, Saladin, Schmitt u. a., alles bekonnte Intendanten in der Hauptstadt und in der Provinz, erboten sich, als Preisrichter zu sungieren. Erstes Ergebnis des Wettkampses ist sin krach. Zur Bewäl- tigung eines solchen Preisausschreibens ist nämlich ein Mann not- wendig, der aus den Hunderten von Kandidaten das Hunderprozen- tige oder Viertelprozentig« sofort wittert und das Unbrauchbare schleunigst beseitigt. Was«ach der Auslese dieses tüchtigen Mannes noch übrigbleibt, kommt dann vor den obersten Gerichtshof. Jetzt wird dem ersten Schiedsrichter vorgeworfen, daß er ge- schludert hat. Er soll zum Talentriechen fremde Nasen gebraucht oder gemißbraucht hoben: di« Nase seines Herrn Sohnes, die Nase seiner Tochter, endlich auch die Nase seiner Stenotypistin. Der an der Stenotypistin verübte Mißbrauch charakterisier« sich noch da- durch als besonders schnöde, daß der beschuldigte Mann illoyal ge- handelt uich ihr nur einen Bruchteil von seinem Berdienst über- lassen habe, nämlich nur 1,50 Mark von den fünf«», die ihm vom Bühnenverein als Leselohn pro Kops und Stück zugestanden wurden. Der des Amtsmißbrauchs angeklagte Herr verteidigt sich: Er habe seinen blutsverwandten Hilfskräften und der protegierten Dame nicht blindlings vertraut, er habe sie gründlich mit seiner Theaterersahrenheit kontrolliert und sich durchaus gewissenhaft durch rund 300 Stücke, Stück für Stück 5 M., durchgearbeitet. 300 Stück«— und der Mann Hot das in vierzehn Tagen ge- schafft! Das macht über 20 Stück« pro Tag. Wahrlich, der Mann oerdient nicht, daß man ihn attackiert. Er verdient, daß man ihm bei Lebzeiten als dem Herkules unter den Dramaturgen«in Denkmal setzt. Er hat die Stücke nicht nur gelesen, sondern auch von jedem gelesenen Drama noch eine sachverständig« Analyse angefertigt, und dafür nur etwa 1500 M. erholten! Muskslathleten, di« präter propter aus der gleichen Leistungshöhe stehen, erhalten im Zirkus oder Varieie für einen einzigen Abend di« gleiche Summe, die dieser Breitbart des Gehirns, des Gesäßes und des Gedächtnisses für seine Riesenarbeit einkassiert. Man sieht an diesem Borfall wieder einmal, wie niedrig heut« selbst di« Gehirnphänomen ersten Ranges be- wertet sind. Preisausschreiben für Dramatiker werden immer dann oer- ösfentlicht, wenn die Produktion mager ist. Noch selten haben sie zu einem guten Ersolg geführt. Es drängten sich nur allerhand Dilettanten und Mittelmäßigkeiten hervor. Wer selbst in einem Preisgericht faß, kennt die Berzweiflung hierüber. Man hat nur die Qual, doch di« Wahl ist meist unmöglich. Von den meisten, die sich zu solchem Wettbewerb heroorwagen, wird hie ganze Angelegenheit als eine unuejei;«!!. Die Bewerber holen ein« unzählige. Male abgelehnt« Jugendsünde aus der Schublade. Sie geben sich oft nicht einmal die Mühe,«in lesbares Manuskript herzustellen Ost sind sie auch zu arm, um das Manuskript brauchbar liesern zu können. Aber keine Enttäuschung und kein Elend schrecken sie zurück. Je geringer ihre Begabung ist, desto eifriger spekulieren sie auf den Zufall, auf das große Los. Sie sind so optimistisch, daß si« sogar auf die Dummheit des Richterkollegiums spekulieren. Der Dilettant ist ja unermüdlich in seinen Träumen. Er kann die Träume nicht formen. Er äfft nach, was irgendwie Ersolg hatte. Er ist im übrigen unheilbar durch Enttäuschungen und wird, sobald er in der Lotterie des Preisausschreibens eine Niete gezogen hat, nicht etwa feine eigene Unzulänglichkeit beschuldigen, sondern einzig und allein die Borniertheit oder Unehrlichkeit seiner Richtet Das war immer so, das wird immer so sein. Biel bedenklicher ist es, daß di« Theaterleiter heutzutage zwar nach neuen Talenten fahnden, doch gar nichts tun, damit der Nachwuchs Mittel und Weg« zur Weiterentwicklung findet. Im Verband der Bühnenschriftsteller hört man den Jammer, daß die Intendanten und Direktoren nichts mehr herausbringen wollen als Uraufführungen. Was bedeutet ober durchschnittlich ein« Uraufführung für den jungen Dramatiker? In irgendeiner kleinen oder mittleren Stadt wird ein Stück erprobt. Gesollt es, so kann es der Direktor, der seinen Abonnenten«inen abwechslungsreichen Spielplan bieten muß, nur drei- bis viermal geben. Dann ist sein Ehrgeiz besriedigt und er greift wieder auf die unproblematisch« War« zurück. Dann ist aber auch für den jungen Dichter das Glück zu Ende. Umsonst schickt der Verleger die guten und die als gut zurechtgestutzten vorsichtigen Kritiken hinaus. Di« Direktoren kümmern sich kaum um solch« Empfehlung. Sie wollen allein dest Ruhm der Uraufführung, und die Uraussührung bleibt wiederum ohne Echo. Der Autor, der an einem einzigen Premieren- abend hoffen und sich sogar vor einem beifallsfreudigen Parkett oerbeugen durfte, sinkt in die Vergessenheit zurück. Die Tantiemen, die er kassiert, ernähren ihn nicht einmal«inen Monat lang. Er muß wieder von vorn ansangen und sich in irgendeinem Broterwerb aufbrauchen. Er kann nicht bei sich selber bleiben. Er wird un. sicher, er sucht Sensationen, die seinem Temperament fremd sind, er läuft der Mode nach, er büßt seine Originalität ein. Bringt ihn das Glück wieder einmal auf die Bühne, dann sieht man allem- halben diese Erschöpfung, diese Uebereiiung und Ueberhitzung eines Talents, das ursprünglich blüht« und das früh verwelken muß. Von fünfzig Dramatikern, die die Uraufführung eines Werkes erleben, erleiden schon in einer kurzen Spiegelt vierzig dieses Schicksal. In unseren Zeiten wirffchastlicher Krise an Mäcene appellieren — das klingt verwegen, beinah« lächerlich. Ob es sich um die Reichs- Hauptstadt handelt, die in ihrer Kasse kein« zehntausend Mark für einen Dichterpreis findet, oder um noch schwächere Hilfsstellen: Kultusministerien. Provinzialregierungen und Kommunen, es oer- sagen die Behörden und Privatpersonen. Der Beruf des Theater- dichters ist heute zwar noch ehrenvoll, doch er bringt gar nichts ein. Die Statfftik des Verbandes deutscher Bühnenschriftsteller und Komponisten verrät da merkwürdige Geheimnisse. Auch die Bs- rühmtheiten lächeln nur wehmütig über die Luftschlösser, die der Uneingeweihte ihnen andichtet. Das Preisausschreiben des Bühnenverbondes wird vorläufig an dieser Misere nichts ändern. dl« Hochdorf. Deutsche Sozialisteneinigung in polen. Zentrale in Lodz.- Pommerellen und Posen nicht beteiligt. Rottowitz. 5. Oktober. Am 5. und 6. Oktober" findet iy Lodz nach fast vierjährigen Ver- Handlungen ein gemeinsamer Parteitag der deutschen � sozialistischen Gruppen in Polen, und zwar des ostoderfchlesischen, de» Bielitzer und de» Lodzer Vezirt», statt. Di« Bezirksgruppen von Pommerelle» und Posen nehmen an dem Vereinigungsparteitag nicht tell, da sie mit der Minderheitenpolittk der drei anderen Gruppen nicht«inoerstonden sind. Der Gesamtvorstand der deutschen Sozialisten in Polen, der bisher seinen Sitz in-Kattowitz halt«, wurde nach Lodz oerlegt. Auch die Lodz er Volkszeitung tritt als zentrales Organ izn die Stelle des Kottowitz erscheinenden„Volk?- willens". Di« heutig« Ausgabe des„Dolkswillens" wurde wegen eines Leitartikels über den bevorstehenden Lodzer Parteitag beschlagnahmt, Herbstschau der Kunstgemeinschast. Die Deutsche Kunstgemeinschaft„gibt ihre Visiten- karte ab", sie ladet zur Herbstausstellung im Schloß ein, in der gewissermaßen ihr Hcerboum gemustert und das Niveau ihrer Dar- bietungen fixiert wird. Die Visitenkarte dieses Jahres schaut gut aus, das Niveau ist anständig, es wird natürlich vor allem von den eingeladenen Künstlern gehalten. Natürlich ist ferner, daß nicht lauter Perlen hier hängen können. Das ist überall so. Vor allem sieht man viele gut gemalte Landschaften, die auch mit Recht am ehesten an die Wand eines Kunstfreundes paffen mögen. Vortreffliche Sachen hoben Hans Meid, Ulrich Hübner, Rudolf Iacobi, Wagner, Deierling, Baro, Steinhardt geschickt. Von Höckendorf, der sein Gewissen immer besser schärft, überrascht vor allem ein« sehr leben- dige„Dersqssungsseier am Reichstag": vor dem Weißgrau des Gebäudes und dem dunkelblauen Himmel dominieren die Reichs- färben Schwarzrotgeld(Gold gibt es nicht in der Malerei) auf ganz natürliche Weise in den Flaggen oben und den Fackeln der Menschen- menge unten. Das Bild gehört nicht nur künstlerisch zu den stärksten Arbeiten Heckendorse, es ist vor ollem auch«in erfreuliches Zeichen für das wachsende Verständnis des Künstlers zeitgenössischen Aus- gaben gegenüber, und es müßte seltsam zugehen, wenn es nicht sehr bald in den Besitz einer Reichssiell« übergehen sollte, die begriffen hat: daß sie sich selber am meisten ehrt durch Erwerb solch wert- vollen Zeitdokuments. Von unbekannten Künstlern sind insbesondere hervorzuheben: T a p p e s e r mit samlner Tiefe und Weichheit seiner Bilder aus Südfrankreich, astpreußische Landschaften des malerisch begabten Erich Behrendt: kräftig und breit gemalte Stilleben von Heinz May. Eine merkwürdige Rückkehr zu naiver Anschaulichkeit ist bei Op h« y sestzustellen(am schönsten in dem Bllcherstilleben vor weiß- grauer Gardine): Paeschkes reizendes Figurengewimmel, die Akte von Jockel, Plontke und Schaff bekunden schon in der famosen Ausstellung an den Wänden- der Kunstgemeinschast ihr« Qualitäten so im Dekorativen wie im Stoffbezeichnenden. Verstreut unter den vorherrschend malerisch Eingestellten finden sich die Künstler der stimmungsvollen, flächenbegrenzenden Linie. Kein Mißverständnis: mit Ausnahm« vielleicht von Gilles(dessen storkbehaart« Zigeunerkinder kaum zu den seelischen Erquickungen der Schau zählen) gibt es nicht eigentlich das, wo» man mit Neuer Sachlichkeit abzustempeln sich bemüht. Aber es besteht eine sehr fühlbar« Distanz zwischen den Arbeiten der Fritsch. Hörner, Champion, Sieck und denen um Iacobi und Maid: ein« Distanz, die nicht aus dem Unterschied zwischen malerischer und linearer Form allein beruht. Bielleicht darf hier dqs verpönte Wort vom Gemüt und von der Romantik der verschämten€>«l« fallen. Eine Still« und Derlorenheit, wie in den Landschasten von Champion, eine solche Heiligsprechung des optisch Richtigen durch die Empfindung(Empfindung für die verborgenen Gemüts- crregungswerte des Alltäglichen, Unscheinbaren und Lieblich-Nüchter- nen) finden wir bei manchen anderen noch,»i« bei Ringelnatz und Pfeiffer-Watenpful. bei dem Holzfäller Dietrich und schon lange vor- her bei den feinen Heimatlondschasten Rudolf Sieck». dessen innere Zucht und Konzentration einmal schon die ihnen gebührend« Anerkennung finden werden. E» ist also nicht mit der bwßen Biedernwersorm der bestimmten Konturen und des Lokalkolorits getan:«in so gonz aus dem Malerischen empfundenes Bild, wie die sehr seinen„Berliner Häuser" von K.». Keudell gehört nvt der zarten Anmut semer Malerei durchaus hierher. Ganz abseits: Oskar Nerlinger nüt der geistreichen Konstruktivität und festen Farbenarchitektur seines von oben, durch das rote Gestänge einer Brücke gesehenen„Dampfers": ein« der bemerkenswertesten Erscheinungen der jüngsten Malerei: wie präzis gesehene Wirklichkeit sich fast vollkommen zu abstrakter Konstruktion kristallisiert. Bei den Bildhauern merkt man sich: die zart« Weichheit plastischen Gleitgefühls in dem Mädchenkörper Jos. Schiffners: der herausfordernd« Ernst in der Darbietung des Nackten der M i l l y S t e g e r s Bronze einer Sitzenden, und die sinnliche Wahrheit der weichen Formen bei B. Sophers„Wafferträgerin". r)r. Paul P. Schmidt. Kunstschaffen der Reichsdruckerei. Im Lichchof des ehemaligen Kunstgewerbemuseums (Prinz-Albrecht-Stroße 7) veranstaltet d>« Reichsdruckerei«ine Au»- stellung der„Reichsdrucke"(sie ist täglich von 9 bis 19 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet und dauert bis zum 9. Oktober). Bon dem großen Werk der Nachbildungen von Kupferstichen, Radierungen, Holzschnitten, Gemälden, Aquarellen, Handzeichnungen alter und neuer Meister, wie sie die Reichsdruckerei nunmehr seit 50 Jahren muftergüttig herstellt, sind dort charakteristische Proben zu sehen. Bon 44 Meistern deutscher, italienischer, französischer und englischer Schulen sind Kunstwerke in Reproduktionsform zu schauen, von denen die meisten di« Bezeichnung„klassisch" verdienen. Die Liste reicht von Alidorser bis Hans Thoma, und es sind darunter Meister wie die beiden Brueghel, Chodowiecki, Eranach. Dürer, Goins- borough, Grünewold, Halbein der Jünger«. Max Liebermaim, Ostade, Rembrandt, Ludwig Richter, Schongauer. Es ist dies freilich nur eine kleine Auswahl aus dem umfassenden Gesamtbestande, dessen letztes Verzeichnis bereits 1040 Nummern aufweist. Die Zeitströmung ist der unterschiedslosen Begeisterung für alle berühmten Namen der Kunstgeschichte lange nicht mehr so zugetan, wie es in der Periode der bürgerlichen Kunstbildung Mode war. Glücklicherweiso hängt man sich nicht mehr wahllos Nachbildungen von Werken der Kunstautoritäten an die Wand. Man hat«s wieder gelernt, eine Wand einheitlich wirken zu lasse», unter Umständen nur durch ihre Farbe oder doch die Bilder aufeinander und aus di« Wand abzustimmen. Aber die Reaktion darf natürlich nicht so weit gehen, daß man nunmehr olle historische Kunst aus unserem täg- lichen Umgang verHannen möchte. Voraussetzung ist immer, daß die Wiedergabe dem Original möglichst nahe kommt und mit den besten Techniken hergestellt ist. Dies« Vorbedingung ist bei den Drucken der Reichsdruckerei in vollendeter Weife gewährleistet. Ob «S sich nun um einen Dürerschen Holzschnitt, eine Rernbrandtsche Radierung oder einen Schongouerschen Kupierstich handelt, ob etwa die erschütternde Kreuzigung von Mathias Grünewold oder das Holzschuherporträt von Dürer farbig reproduziert ist, immer ist d-e Präzision der Wiedergab« bewundernswert. In einigen Fällen sind Original und Reproduktion nebeneinander ausgestellt: es wird schwer sein, sie auseinanderzuhalten. Die Preise sind für jedermann erschwinglich, si« bewegen sich von 0,75 M. aufwärts: große farbige Bilder kosten allerdings bis zu 40 M. In den letzten Iahren sind auch die Bildnisse hervorragender Deutscher in da» Programm der Reichsdruck« aufgenommen worden. Bekanntlich ist auch»in gute» Porträt von Ebert darunter. Einig« auserlesene Bücher, die die Reichsdrucker« für ander« Verlage hergestellt Hot, sind gleichfalls ausgestellt. Sie zeigen die gleiche hohe Qualität. Dl Blutige Hände. Die enthüllte Internationale des Kriegsprofites. Unter größter Anteilnahme der OefseNtlichkeit wird im amerikanischen Senat in diesen Tagen die Propaganda amen- konischer Rüstungssirmen gegen die Einschränkung der See- rüstungen untersucht. Der Journalist Sheare Hot gestanden, erst von den Stahlkönigen, und jetzt von dem nationalistischen Zeitungskönig hearst für seine Propaganda gegen den Frieden bezahlt worden zu sein. So kommt in diesem Augenblick die Ausgabe der 2. Auflage einer Kampfschrift zurecht, die die Verflechtung des Rüftungskapitals. soweit das möglich ist. darstell«. Wer weiß, daß Krupp, Freund Bismarcks und des deutschen Kaisers, Offizier der französischen Ehrenlegion war? Wer weiß, daß in der Schlacht bei Königgrätz Kruppsche Haubitzen hüben und drüben ihr Feuer spien? Wer weiß, daß Firma Krupp bis zum Jahr« 1911 insgesamt 53 900 Kanonen goß, daß sie mehr als die Hälfte davon— 27 000— an 52 divers« Vaterländer ausführt«, so daß im Weltkrieg deutsch« Truppen von deutschen(Srarwtcn zerfetzt wurden? F«ste, blutige Hände spreizen sich unter die Völker; Hände aber, die schwer nur zu fassen sind; blutige Hände«ines Körpers, der sich bewußt in Dunkel hüllt. Er hat alle Gründe, sich in Dunkel zu hüllen. Bis zu 250 000 Tonnen Eisen und Stahl wurden monatlich in den ersten 8 Monaten des Jahres 1916 nach d«m neutralen Ausland exportiert. Der deutschen Heeresverwaltung wurde erklärt, daß man außerstande sei, monatlich 15 000 Tonnen Stahl mehr für militärische Drahtwerke zu liefern. Gerne zahlte der Stahl- werksverband 5 Mark Buße pro Tonn«. Die Auslandspreise brachten es ein. Was schiert es blutige Hände, wenn der Eisenhagel in deutsche Gräben zurückprasselt! Er prasselt mit höchstem Prosit. .Leder Erwerbszweig kann durch den Krieg schwer leiden. Die Rüstungsindustrie aber profitiert immer/ sagt Lehmann-Ruß- b ü l dt in seinem Büchlein„Die blutig« Internationale der Rüstungs- industrie".(Fackelrciter-Verlag.) Und bitter fragt er: Soll ein Eis- bahnpächter um Tauwind beten? Soll«ine Kanoncnfabrik Vor- kämpfer des Friedens stützen? Unwidersprochen blieb, als Lujo Brentano 1913 öffentlich bekanntgab: Nickelstahlplatten der Firma Krupp gingen um 800 Mark pro Tonne billiger an die United States of America als an die deutsche Marine. Nichts geschah, als ruchbor wurde, daß Firma Thyssen während des Weltkrieges Jnfanterieschutzschilde an Holland für 68 Mark verkaufte, sie aber der deutschen Heeres- Verwaltung mit 117 berechnete. International verschlungene, blutige Hände. Hände, die „national" zu schreiben wissen. Herrscher einer Presse, die immer bereit ist, Landesverrat hinauszubrllllen, wenn ein kräftiger Arm sie zu packen droht, den Schleier von dem Dünkel herunterzureißen bereit ist. Englische Kanonen ergossen ihre Ladung vor den Dar- dancllcn auf englische Truppen. Oesterreichische Geschütze, von der» Skodawerken geliefert an der» russischen Zarismus, bewiesen den österreichischen Soldaten an der galizischen Front die Güte heimischer Rüstungsindustrie. Lieferte die deutsche Rüstungsindustrie der Entente Stahl und Eisen, so lieferte die Entente, mit gleichen blutigen Händen, den deutschen Militärs über die Neutralen hinweg Oele, Kupfer, Gummi und Spezialmetalle aller Art. Hunderttausende Tote; vor Vcrdun, äi? der Somme, in Flandern. Hunderttausendfach springen Prozente, und blutige Hände scharren sie.-, Ein vollkommener Zusammenhang besteht zwischen den ge- samten Panzerplottenfabrikanten der Welt, sagt Rußbüldt. Sie teilen die„Einflußsphären", ihren Profit nicht zu gefährden. Fast oll« großen deutschen, französischen, englischen und italienischen Kanonen- barone saßen vor dem Kriege friedlich beisammen in der Um'ted Haroey Steel Cie. Die englischen Vickers und Armstrongs, die amerikanischen Bethleem Steel, Schneider-Creuzot, Krupp, die Dillinger Hütte und die Societa Degli Alti Forni Fondiere Acciane di Terni. Krupp war beteiligt an den österreichischen Skodawerken nicht minder als an den russischen Putilowwerken. An der russischen Gesellschaft war Frankreichs Schneider-Creuzot finanziell interessiert. Genug; eine Fülle mehr noch berichtet Rußbüldt, aber schließlich ist alles nur neue Illustration der«inen grausigen Wahrheit. Und diese Wahrheit besteht; besteht weiter, wie sie bestanden hat, besteht in erhöhter Weise; denn alle Großindustrie rückt heran an die Rüstungsindustrie. Diese Wahrheit kam nach dem Krieg« zum Aus- druck im internationalen Waffenschmuggel so gut wie im Geheim- abkommen deutscher und russischer Militärstellen: in den„rätsel- hasten", genormten Einzelteilen scheinbar harmloser Friedenswerk- zeuge, wie etwa in folgender Tatsache:„In Remberlow bei War- schau wurde im Sommer 1928 in einer staatlichen Automobilfabrik eine polnisch« Maschinengcwehrfabrik errichtet. Die Maschinen liefert die Ludwig Löwe A.-G., Berlin, die Aggregate die AEG., Berlin, den Rohftahl Mannesmann aus dem Saargebiet. Di« Aktien sind in Höhe von nahezu 50 Proz. im Besitz von Skoda, der Rest im Besitz des polnischen Staates, vertreten durch hohe Beamte." Blutige Hände! Sie strecken sich neu, sie rühren sich, mischen, krallen und schaufeln. Sie sind nicht zu säubern; man muß sie packen; rücksichtslos; ans Licht zerren den ganzen zu ihnen gehörigen Körper. Die arbeitenden Massen der Welt müssen sehen lernen, wie dunkle Mächte sie locken; sie irreführen und dann für blutige Prozente zertreten. Ans Licht damit! Dann werden wir weiter sehen._ Carl Schröder. Revolutionäre Herzbeklemmung. Angst vor dem Washingtoner Abkommen. Nachdem nun endlich die Bahn frei geworden ist zur Ratifizierung des Washingtoner Achtstundenlagabkommens und der Reichsarbeitsminister w i s s e l l in Verbindung mit dem Reichsminister des Auswärtigen einen Gesehentwurs hierzu vorgelegt hat, sieht sich die SPD. in größler Verlegenheit. Sie hat begreifliche Angst, daß jetzt die einheitliche Ratifizierung für olle europäischeu Industrieländer zum Abschluß konunt und ihr ein brauchbarer Agilations- stoff entgeht. Schlicht und dumm behauptet die„R. F.":„Ein alter Schwindel wird hier aufgewärmt, um die Arbeiterschaft zu betrügen." Und diese Gesellschaft wagt es. sich gelegentlich auf Karl Marx zu berufen, der den englischen Zehnstundentag als den Sieg ein« Prinzips erklärte, wir erwarten von der bevorstehenden endlichen Erfüllung unserer Forderung auf Ratifizierung d« Washingtoner Achkstundentagabkommens gewiß kein wunder. Den- noch betrachten wir die gesetzliche Anerkennung d« Washingtoner Abkommens als prinzipiellen Sieg des Achtstundentag« und deshalb begrüßen wir die Einbringung d« Gesehentwurfs. Reichsarbeitsminifier und Bankenfusion. Wie der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten mitteilt, hat die am 8. Oktober im Reichsarbeitsministerium statt- findende Aussprache mit den Tarifträgern auf Arbeitnehmerseite im Vankgewerbe nur vorbereitenden Charakter. Aus der Tatsache, daß der zuständige Referent der Abteilung IV(Arbeitsmarkt, Arbeits- Vermittlung, Arbeitsbeschaffung) zu dieser Besprechung einlädt, ent- nimmt der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten, daß der Besprechung der Arbeitgeberverbände über Großbanksusion und Personalabbau ein« Intervention des Reichsarbeits» Ministers bei den unmittelbar beteiligten Banken folgen wird. Schwarzwaiddorf in Klammen. waldshul a. Rh., 5. Oktober. Das oberbadifche im Schwarzwald gelegene Dorf Bett- Moringen wurde von einer Feuersbrunst heimgesucht. Inner- halb zwei Stunden wurden 25 Anwesen, darunter das neu- erbaute Rathaus, eingeäschert. Auch das Postamt war von den Flammen bedroht, so daß eine Verständigung mit dem kleinen Dorf unmöglich wurde. Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig und noch warm, mäßige südliche Winde.— Für Deutschland: In der Osthälfte des Reiches weiterhin warm und trocken, im Westen noch kühl bei starker Bewölkung, auch in Süddeutjchland zunehmend« Bewölkung mit langsam sinkenden Temperaturen. Theater der Woche. Vom 6. bis-14. Oktober. Volksbühne. Theater am Bilowvlati: Bis 13. Dantons Tod. Ab lt. �rilhlinqs Erwachen. lZ., vorm. 11>4 Ubr: Tan, Matinee Jutta Slamt. Staats thealer. Staat«»«» Unter den Linden: 3. Zauberflöte. 7. Tannhäuler. 8. Tosca. S. Waltllrc. 10. Boris Sodunow. 11. Intermc,«. 12. Die Macht des Schick- lals. 13. Tannhauser. 14. Ein Maskenball. Staatsoper am Plaft der Republik: S. Der flickend« Sollender. 7. Don Giovanni. 8. und 11. Spanische Etundr. Dcr arme Matro». Anqelique. 9. Salome. 10. IZledcrmous. 12. Iphigenie aus Tauris. 13. dam.'». 14. Salome. Stöbt. Oper Sharlottenbur«: 6. gidelio. 7. und 14. Geschlossene ZZorstelllinit. 8. Boheme. 9. Lohengrin. 10. Dcr Wildschllh. 11. Lohengrin. 12. Zauber- flöte. 13. Turandot. Schauspielha»« am Gendarmenmarkt: 8., 7., 13. Kons im Schnakenloch. 8.. 10.. 14. Musik. 9. Weh dem, der lügt. 11. Wallensteins Lager. Picea. lomini. 12. Ein besserer Kerr. Schiller-THeater Sborlottenbnrg: 6., 11., 12. 2X2— 5. 7., 8., io„ 12., 14. Kaufmann von Venedig. 9. Treibjagd. Thealer mit festem Spielplan. Theater a« Schiffbauerdamm: Gefallene Gnqel.— Tbalia-Theater: Äamöbie der Irrungen und Mutter Mews.— Deutfche» Theater: Die Fledermaus.— ZtauaersPfelai Der UmvkdersteWche.— Dk« Komlldi«: Awkvartaae. Theater am Roleadorfplad: Der Kaufmann von Berlw.— Theater tu der Taing- » Strafte: Hanvibal ante vortas.— Aomödieuhaua: Seribbys Supven die besten.— Gräfte» Schauspielhau»: Z Musketiere.— Theater de» je«»: Friederike.— Theater i« der Behrenstrafte:... Vater fein da- aeyen sehr!— Deutsche» stunstler-Theater: Die andere Seite.«— Lnstspielha«»: Grand-Sotel.— Lessiug-THeater: Cvankali. 13., II1/* Uhr. Eladek. dcr schwarz Reichswehrmann.— Triauou-Tbeater: Das kommt doch alle Tage vor.— Metropol- Theater: Marietta.— Berliner Theater: Zwei Krawatten.— Deut- sches Volkstheater: Die beiden Veroneser.— Kleines Theater: Alt-Berlin.— Renaisianee. Theater: Stempelbriider.— Ros«. Theater: Die Weber.- Eafino- Theater: Vertagte Hoch�eitsnacht.— Schloßpark- Theater Steglift: Der Garten Gden.— Plaza. Wintergarten, Scala: Internationales BarietS.— Rarch»- hallen- Theater: Stettiner Sänger.— Theater am Kottbusser Tor: Elite-Sänger. Thealer mit wechselndem Spielplan. Die Tribüne: 0. Herr und sZrau So und So. Ab 7. Dunburn.— Tbcote« in der Klosterktrahe: 8. Potasch und Perlmutter. Ab 7. Dcr Bcrbrecher. Nachmiltagsvorstellungen: Bollsbübne: 8.. 13. Dantons Tod.— Theater in der Kö-iggrötier Stroh«: 13. Rivalen.— Komiüdienban«: l3. Leinen aus Irland.— Große» Schauspiel- hau«: 8.. 13. 3 Musketiere.— Tbeatcr des Seftens: 8., 12.. 13. Trisderike.— Tria-ou-Tbeater: 5.. 12. Aschenbrödel. 6., 13., HVi Uhr: Aschenbrödel. 17 Uhr: Iobannisseucr.— Renailsance-Tbeatcr: 6., 13. Krankbeit der Jugend.— Rose- Theater: 9. T�rs tapfere Schnciberlein. 12. Schneewittchen. 13., 1414 Uhp: Schneewittchen, 17Vi Uhr: Die Weber.— Tbeater in der«lostrrftrahe: 15 Uhr: Robinson, 17 Uhr: Büchse der Pandora. 9. Robinson. 12.. 13. Sansel und Grete!.— Schlohpark-Tdeat-r Steglih: 6. Arm wie-ine Kirchen. maus. 12. Schneewittchen.— Pia«: Internationales Variete.— Wiuter» garten: 8., 12.. 13. Internationales Bariete.— Scala: Internationales Variete.— R«ichshallen»Th«ater: 8., 13. Stettincr Sänger.— Theater am Aottbusser Tor: 8., 13. Elite-Sänger. Erstaufführungen der Woche: Montag. Die Tribüne: Bundurn.— Dieuptag. Theater in der Klosterstraft«: Verbrechen.— Mittwoch. Städtische Over: Lohengrin.— Donnerstag. Metropol- Theater: Das Land des Läckielns.— Sanutag. Leiiing. Theater: Slabek. der schwarjc Reichs. wehrmann, fll'/h Uhr vorm.)— Montag. Theater am Bülowplah: Frühlings Erwachen._ „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Lomisbeuck, 5. Oktober. B e r 1! n. 16.30 Untcrhaltnnesraosik.(Orchester Schmidt-Boelcke.) Anschließend Wcrbcnachrichten. 18.30 Deutsche Welle: französisch für Anfänger. 19.00 Unterhaltung.(Vereinigte Finkeschc Mandollnenchöre, Dirit.: Wilhelm Finke.) 19.30 Zcitberichtc. Der neueste Dialos zwischen dem Papst und Mussolini am 14. und 15. September. 20.10 Walter Kollo.(Die Reise vom Gassenhauer zur Revue in 25 Jahren.) Nach den Abcndmeldunsen bis 0.30: Tanzmusik(Fred-Bird-Tanz-Orchestcr). Könisswustcrhauicn. 16.30 Nachmittas�konzert von Haraburs. 17.30 Insenicur Kunze: Die Praxis des Mitbcstimmunssrechtcs der Beamten. 18.00 Alexander Knoll: Der politische Neutralitätsscdanke in der Gewerkt schaftsbewesuns. 18.30 Lektor Claude Grander. Gertrud van Eyscren. französisch für Anfänser. 18.55 Dr. Karol Rathaus. Mitw. Bellie Heermann. Probleme der neuen Oper. 20.00 Konzert des Erfurter Motettenchors. Ltg.: Herbert Weitemeyer. 20,40 Aus den Archiven der Berliner Staatsoper: Rhcinsbers und der Besinn der Oper in Berlin. Einführende und verbindende Worte: Dr. Julius Kapp. (Berliner Funkorchester. Diriscnt Selmar Meyrowitz.) Anschließend bis 0.30 Uebertrasuns von Berlin. Sonntag, 6. Oktober. Berlin. 7.00 Funkgymhastik. � 8.00 Die Viertelstunde für den Landwirt. 8.55 Siundcnglockenspicl der Potsd. Garnisonkirche. 9.00 Morgenfeier. Glockengeläut des Bcrl. Doms. 10.00 Wettervorhersage. 10.50 Herbst-Zeugnis(Gespräch zwischen Vater und Lehrer). 11.15 Wintergarten: Oeffentliche Kundgebung des Reichsverbandes der heimat- treuen Ost- und Westpreußen E. V. 12.30 Mittagskonzert. 14.15 Schallplatte und Literatur. Sprecher: Walter Frank, 14.50 Einlauf der Rennbahn Bois de Boulognc(Bildfunk). 15.00 Dr. Dolittles Abenteuer. 4. Die Orchesterprobe. 15.45 Marek Weber spielt. 16.30 Von Paris: Rennen von der Rennbahn Bois de Boulogne.(Am Mikrophon: Chefredakteur Georg Lüdecke und Dr. Paul Laven.) 17.00 Deutsches Künstlertheater:„Die andere Seite'*. 3 Akte von R. C. Sherlft. 19.00 Alte Klavierstöcke. Alte Schlager. 19.30 Tagesglossen.(Am Mikrophon: Alfred Kerr.) s 20.00 Aus der Philharmonie: Populäres Orchesterkonzert. Dirigent: Prof. Julius Prüwer. Anschließend: Zeit, Wetter, Tagesnachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 7.00— 8.15 Uebertragungen von Hamburg. 16.30 Marek Weber spielt. 18.00 Oberstleutnant Dühring; Die Jagd der Eingeborenen in Westafrika. 18.30 Emil Bischoff: Dichtungen von Remisow. Baudelaire, Claudel u. a. 19.30 Margarete Jokl: Eleonore Dose zum Gedächtnis. 20.00 Ein Schrammel-Ouartett spielt auf. 20.45 Von Leipzig: Xus Kriminalromanen. 21.30 Streichquartett A-Moll op. 51 von Johannes Brahms.(Reitz-Quartett, Weimar.) Ccrontmortl. Mr die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: TH. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW 68. Lindcnstrafte S. Sicrzu 1 Beilage. Sonnab. 5. 10. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 211 20 Uhr Staats-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 168 19-/- Uhr Sonnab., 5. 10. Stadt. Oper Bismarcks tr. Turnus II 20 Uhr Samson und Dallla Staatl. Sdiaiispti. am Gendarmenmaf kt A.-V. 187 20 Uhr Bans im Sdtnakenlodi StaatlSohilMeaMarltl!. 20 Uhr Der Kaufmann t. Venedig Till. 2 larsteil. S»| r/j Ilde Bai karusa KU Unsere neue« Preise; Woctentags 6 Dtr 60 Pf. 6U 3 Mar* Tlgl. l'/z 1. Sannt t Her 1 Iis( Mark Charlie Rlvel, 3 Whirlwlnds, lang Tack Sam usw | Tägl.» u.«13 Sonnt 2. 5 11.8 14 _ M Alex. E. 4- 8O66 j INTERNAT. VARIETE GROSSES SCHAUSPIELHUIS tägl. 8 Uhr ÄMosketiere Resie: ERIK CHARELL hesanii-inssinttnoo: Prol. Enut Stern. Musikalische Leitung: ErnU Banks. 3 Uhr S e n« t a fl nachmittag ungelr. salin Pia Renaissance-Theater Tiglich 8 Vi Uhr STEMPELBRUDER Schauspiel von Duschinsky. Regie; Gust. Härtung. Stempiatz C 1, C901 u. 2883/84, Winter ★ Garren* DU» Zentr. 2S18» Bniteen crlaahl Jsabellta RuU, weitere»Utaktionen «onnaband u. Sonntag 3» und 8 Uhr. 3* I« 2 Vorstellung» kleine Preise. ) CASINO-THEATER Lothringer Strafte 37. RftO! TCtflldi 8/. Uhr Hanntbalante portas Komödienhaus Täglich 8»/t Uhr lcribliys Soppen jindiie toten Lustspiel von Julius Berstl Theat. fl. Westens Täglich SV. Uhr Sonnab. u. Sonntag 4 und 8Vi Uhr Der Wellerfolg Friederike Musik von Franz Lebar Kaufhaus Max Cohn (Inhaber Georg Hirschfeld) OrOnstr. 23.24 KÖPENICK am SchloBplatz Das Haus der guten Qualitäten * (Beilage Sonnabend, 5. Okiober 1929 AprÄbimÄ ibumrA Wandern und Reisen der Rinder Sinn unö Gewinn/ Von Äev ermann Restlos glückliche Jungen lagen am Mittag des ersten Pfingst- tages am Waldrand vor ihrem Zelt scrn der Stadt. Niemand hotte gegen ihre erste selbständige Wanderung ernstlich etwas einzuwenden gehabt, wenn die Mütter sie auch mit einiger Sorg« im Herzen hatten ziehen lassen. Daß der eine ein Zelt besaß, machte sie völlig unabhängig. Mit der Unbekllmmertheit ihrer 13 Jahre erzählten sie von der ersten Nacht. Es hatte gestürmt und ein wenig geregnet. Das Zelt hatte sich als so eng erwiesen, daß der Platz kaum reichte. Um Mitternacht war es nicht mehr gegangen, alle Bemc hatten sich ver� wirrt, und Köpse und Rucksäcke, Arme und Siesel, alles war durch- einander geraten. Raus und Neuordnung und weiter geschlafen, bis die frühe Sonne weckte, die Jungen die Müdigkeit aus den Augen rieben und das Spiel in Wald und Heide feinen Fortgang nehmen konnte. Wann geht es wieder heim? Das weiß niemand, solange nicht, wie auch nur einer noch eine Brotrinde hat. \ Warum sind sie so glücklich? All die Jungeninstinkte kommen zur Geltung: Neugierde, Ungebundenheit, Wandertrieb, Abenteuer- lust, Selbstbewußtheit. Ganz auf sich gestellt fein, nicht bevormundet von unkindlichen Vorschriften leben können, bedeutet für sie ja unendlich viel. Aber sie haben auch ihre Führer gewählt, sich ihre Lebensordnung gesetzt, und sie machen Ernst mit der Selbstverwaltung und Selbstregicrung. Weil Eltern und Lehrer dieses Verantwortungsgefühl kannten, durften sie sie mit Vertrauen im Herzen ziehen lassen. Es find dieselben Jungen, die im Hafen bester Bescheid wissen als ihre Lehrer, die begeistert Aufsätze liefern, wenn sie ihre Phantosiebilder aus Asien, Amerika öder der Südsee aufbauen dürfen. Daß Jack London zurzeit ihr Lieblingsschriftsteller ist, nimmt nicht Wunder. Die Schule hat diesen Drang in die Ferne auch erkannt und anerkannt. Unterrichtsgäng«, Ausflüge, ein- und mehrtägige Wand«. rungen stehen im Lehrplan als Pflicht. Der gelehrte Lehrer hat auch überlegt, wie damit der Entwicklung des Kindes gedient wird. wie Reisen bildet, was das Kind doch an neuem Wissen mit nach Hause nehmen kann. Elf Jahre waren die Kinder alt, als die erste längere Klassen- fahrt sie hinausführte. Als Wandergebiet war die Lüneburger Heide bestimmt. Hermann Löns traf ein Teil der Schuld. Daß diese Landschaft schnell zu erreichen war, bildete auch einen triftigen Grund für die Wahl des Zieles. Aber leider, all das, was Hermann Löns geschildert hat, haben die Kinderaugen nicht entdeckt, was er empfunden hat,.nicht mit- und nachempfunden, kaum etwas von der Weite der Heide, nichts von ihrer Herbheit und Verträumcheit. Hätten die Kinder nicht ihr« besondere Art zu sehen, zu erleben und zu genießen mitgebracht, sie wären übel daran gewesen. Da war der Amerikaner, der sich mit seinem blitzsauberen Auto(die Jungen würden das Fahrzeig übrigens bester charakteri- fieren) mitten in die Einsamkeit verirrt hatte, sie photographierte und später aus Paris die Bilder schichte. Da gab's die reizvolle Jagd auf Eidechsen. Da war der Wanderbursche, der vor Nationa- lismus überquoll und in den Jungen auf Gegner stieß und für seine utilitaristischen Redensarten und Ueberheblichkeiten kein geneigtes Ohr fand. Da war'das Nachtlager in der wackeligen Heuscheune, zum Gruseln wie geschaffen. Die wesentlichen Züge der Heideland- schast hatten nicht zu ihnen gesprochen: aber alle Zufälligkeiten und für einen Erwachsenen nebensächlichen Merkwürdig- k e i t e n waren Rciseerlebniste geworden, und die Schlußfolgerung blieb eindeutig: im nächsten Jahr gehen wir wieder los! Diesmal ging es an die Nordsee und übers Watt zur Insel N e u w e r k. Der Marsch war eine tüchtige Anstrengung, ohne die Möglichkeit des Ausruhens. Das Gefühl der vollbrachten Leistung war stark und berechtigt. Auch auf dieser Fahrt spielten die N e b e n- dinge noch ein« starke Rolle: die Kahnfahrt auf einem Balken im schmalen Wasserlauf: der Reinfall in den Schlamm, wo er am tief- stcn war: der Kampf mit dem starken Aal, der aber siegreich über- wunden wurde: das verbotene Spiel mit den Wagen der Feldbahn. Doch wirkte das Wesentliche schon tiefer: die un- endliche Weite des Meeres: die Abgeschlossenheit der Insel: der ewige Wechsel von Ebbe und Flut: die Wucht der Wellen: die ruhige Fahrt der zahllosen Schiffe am Horizont: der Blick vom Leuchttunn bei einbrechender Nacht. Es gab nur wenige, die sich diesen Ein- drücken entzogen. -» Die letzte Schulfahrt, von der man sich besonders viel versprochen hatte, führte in zwei Wochen durchs Ruhrgebiet und S a u e r l a n d. Die Kinder der Handels- und Hafenstadt wollten ins Zentrum der Industrie vorstoßen. Sie träumten davon, vor glühenden Hochöfen zu stehen, vielleicht gar ins Bergwerk hinunter zu fahren. Sie wollten in die Häuser der Bergleute gehen und sehen, wie diese Männer lebten, hören, wie sie über ihre Arbeit, ihre Lag« und über die Ding« der Wlt dachten. Und nachher sollte es weite Blicke von hohen Bergen geben. Aber welche Eni- täufchungen mußten überwunden werdenl Die Kirchen, an die man gar nicht gedacht hatte, öffneten sich zuvorkommend und gewährten Einblicke, die fast allen völlig neu waren: ober Industrie und Bergbau verschlossen sich, als ob Spione fremder Mächt- vor ihren Pforten Einlaß begehrten. Die Schluchten waren nicht so tief, wie die Phantasie sie sich ausgemalt hatte, und die Berge nicht so hoch und steil. Als man am Ende jedoch das Ergebnis zog, war der Ertrag dennoch groß. Der kraste Gegensatz zwischen Tief- land und Gebirge, zwischen der norddeutschen Dorflandschaft und der verwirrenden Jndustriegegend war erlebt und erwandert. Schwarze Mietskasernenreihen unter dunstigem Himmel hatten er- fchüttert und trauriges Menfchenlos ahnen lasten. Ein kleines Kohlenbergwerk, die größte Tropstteinhöhle und eine imposante Talsperre'konnten besichtigt werden. Steile Berge hatten Schweiß- tropfen gekostet, und lange Waldwege kein Ende nehmen wollen. Burgen waren Spielplätze. Und die Geschichte einer längst versunke- nen Zest war lebendig geworden. Sa erschließt sich die Mannigfaltigkeit der Welt den Kindern, heut« auch den Kindern des Proletariats. Auch sie jnttni tonen, di« Frsmde»rat bewußten, Blick p Qmm«9 ta den neuen Eindrücken wachsen. Wandern und Reisen ist nicht nur eine Angelegenheit der Körperbildung, der Geist wird nicht weniger Gewinn davon haben. Aber wenn schon ein solch neues Erziehung;- mittel anerkannt ist, Hot die Gesellschaft auch das Recht und die' Pflicht, von ihren Erziehern und Lehrern zu verlangen, daß dieses Mittel gebührend in Anwendung gebracht wird, nicht von einigen nur, den Turnlehrern etwa, sondern von allen, ohne Unterschied. Es ist zu begrüßen, daß fortschrittliche Schulverwaltungen es nicht in das Belieben des einzelnen gestellt haben, ob er mit Kindern wandern will oder nicht. Bei der Debatte dieser Frage stehen in meiner Erinnerung zwei Personen, ttehrcr. Der eine ist 67 Jahre alt, und"och immer sind ihm die ein- und mehrtägigen Wanderungen eine Selbstverständlichkeit: er würde es als Kränkung empfinden, wenn man ihm diese Pflicht abnehmen wollte. Der andere ist 23jährig. Daß er von selbst eine Wanderung unternahm, gehörte nicht zu seiner Pädagogik, und auf di« freund- liche Einladung dazu hatte er den für ihn entscheidenden Einwand: „Ich kann auf meinen Mittagsschlaf nicht verzich» t e n." Um des ersten nicht, aber um des letzten Willen haben wir Vorschriften nötig. Ferienrcform: Vorschlage$tt eiaer Äenöerung öes! Systems Vor mir liegt ein ausgezeichnetes, für alle Eltern warm zu empfehlendes Buch über„M aßoolle Schulrefor m". Der Berliner Soziaihygieniker, Prof. Dr. Alfred Grotjahn als Arzt und der frühere Studienrat Prof. Dr. Gustav Junge als Lehrer haben hier das heutige System des Schulwesens einer eingehenden Kritik unterzogen und haben zugleich wertvolle Rat- schlüge zu der Beseitigung aller Mißstände gegeben. Also zwei große Autoritäten äußern sich über das Schicksal unserer Kleinen. Nun, was sogen sie zum heutigen Feriensystem? Sie lehnen es ab und begründen das so: „Es ist kein« übertriebene Forderung", sagt Prof. Grotjahn, „wenn man vom gesundheitlichen Standpunkt aus verlangt, daß für die Schulferien insgesamt jährlich mindestens 100 Tage aufgewendet werden.... Die große Sommerpause, die sich im Auslände und aus unseren Hochschulen bewährt hat, sollte sich endlich allgemein durchsetzen. Es sprechen so zahlreiche Gründe da- für, daß man nicht begreift, warum sie nicht von Eltern und Leh- rern so stürmisch gefordert wird, daß die Schulbehörden nachgeben müssen. In gesundheitlicher Hinsicht dürste es zunächst kaum etwas Wichtigeres geben als Ferien, die den Namen der„großen" wirk- lich verdienen. Nur sie ermöglichen, daß der Körper des Kindes sich einmal ganz aus den Unbilden her Schule, die auch die sorg- fältigste Schulhygiene niemals wird beseitigen können, befreit, und nicht wie bisher der Unterricht schon wieder beginnt, wenn sich das Kind gerade eben auf Bewegungsfreiheit eingestellt hat, wozu er- jahrungsgemäß immer erst einige Wochen gehören. Alle Beschwer- den, welche die warme Jahreszeit für den Unterricht»rat sich führt, fielen mit einem Schlage fort, wenn in den heißen Mo- naten überhaupt keine Schule gehalten werden dürfte. Die Reisezeit wird dann für Kinder und Lehrer«ine andere Bedeutung bekommen. Man könnte mit Ruhe die passenden Wochen auswählen. Die Orte im Gebirge oder an der See, an denen Familien einige Wochen z» verbringen pflegen, hätten nicht — wie gegenwärtig— in eiern Monat einen übermäßigen Ver- kehr zu bewältigen, fondern würden sich auf einen solchen von drei Monaten einrichten können. Die Beherbergung in den Sommer- frischen läßt sich billiger und besser gestalten, wenn der Sonnner- aufcnthalt der Fremden sich nicht so stürmisch abspielt wie gegen- wärtig." Bei den dreimonatigen Sommerferien würde auch das in der letzten Zeit sich mehr und mehr oerbreitend« Verschickung»- s y st e m dem gesamten Schulbetrieb keine Unbequemlichkeiten ver- Ursachen, vor allem ober würde die Jugend ihrer sportlichen Betätigung reibungslos nachgehen können.„Einmal im Jahre möglichst lange Ferien und mit Ausnahme der kurzen Unter- brechung zwischen Weihnacht und Neujahr sonst keine, damit allein können Schüler und Lehrer etwas anfangen. Auch hierin sind die skandinavischen Länder, denen man doch wahrhaftig nicht nachsagen kann, daß sie auf Schulbildung keinen Wert legen, durch- aus vorbildlich. Es ist unbegreiflich, daß man sich diesem bewährten Vorgange bei uns nicht schleunigst anschließt." Das ist die Meinung des Arztes. Vielleicht ober berücksichtigt er nicht die pädagogische Seite der Frage? Hören wir, was der Lehrer dazu sagt:„... Wir sollten in Deutschland überall Sommerferien von mindestens 8 Wochen Dauer haben, die Anfang Juli beginnen----*„... Die Sommerferien dienen gegenwärtig da- zu, um die durch die Schule erschöpften Kräfte wieder herzustellen. Zurzeit liegen die Dinge leider wirklich so. Die große Zahl von Gesuchen um Verlängerung der großen Ferien, besonders vor Schulschluß. darf nicht nur dadurch erklärt werden, daß die vor- zeitige Abreise den Eltern besser paßt. Viele Kinder sind in der Tat vor den Ferien in einem solchen Zustand der Erschöpfung, daß sie schleunigst Erholung brauchen. Mag die Schule nicht allein dar- an schuld sein: jedenfalls trägt sie die Mitschuld." Junge erwartet ober etwas mehr von den Ferien, er möchte organisierte Ferien sehen, während der die Jugend außer der verdienten Erholung Gelegenheit hat, di« Natur kennenzulernen und tüchtig Sport zu treiben. Nach seiner Meinung können dann auch die sogenannten Wandertage fortfallen. Dieser Austastung schließt sich auch Grotjahn an, indem er sagt,„sie sollen dem Schulkinde Gelegenheit geben, mit der Natur wieder in mehr als vorübergehend« Berührung zu kommen und Dinge wie Sport, Leibesübungen, Wanderungen, Sommeraufent- halt und ähnliches zu unternehmen, die so zeitraubend und um- ständlich sind, daß sie während der Schulzeit nicht ohne Störung eintreten können. Solange der bei weitem größte Teil unserer Schuljugend auf dem Lande und in den Kleinstädten lebte, waren Dreimonatsferien vielleicht überflüssig, da di« Jugend sich ohnehin in steter Berührung mit der Natur befand. Seitdem jedoch die noch immer wachsende Industrialisierung den größten Teil der Schüler jawohl der VoUsjchulo als auch der hö- Heren Lehranstalten in Großstädten und Jnduslriegegenden zu leben OTOWgo, hat anb viete tafifegSÖ& C&Bfe BBC teqfi S* raubende und nervenzerrüttcirde Fahrten in der Eisen- oder Straßenbahn erreichen können, ist eine große, monatelang währende Sommerpause unerläßlich geworden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wir wissen heute, daß es kein besseres Gegengewicht gegen den schädigenden Einfluß von Schulluft und gebücktem Sitzen gibt als Schwimmen und Tummeln in einer im Freien ge- lcgenen Badeanstalt. Solch« zu erreichen ist den meisten städtischen Kindern heute aber nur durch einen so beträchtlichen Aufwand von Zeit und Weg möglich, daß sie überanstrengt werden, r mn sie während der Schulzeit sich diesem Sport wirklich regelmäßig täglich hingeben wollen. Letzteres ist aber nötig, wenn er wirklich Freude machen und die körperliche Entwicklung in der gewünschten Weise fördern soll. Was hier vom Schwimmen gesagt ist, gilt aber ebenso von jedem anderen Sport, dem Verschicktwerden, dem Wandern und dem Begleiten der Eltern oder Verwandten in Sommerfrischen. Gewiß gibt es manch« Eltern, die in so langen Sommerserien, wie sie hier gefordert werden, ihre schulpflichtigen Kinder nicht an- gemessen zu beschästigen wissen. Namentlich in der Großstadt wird das der Fall sein. Ihnen könnte man dadurch entgegen- kommen, daß die Lehrer sich abwechselnd an bestimmte� Tagen und Stunden zur Verfügung zu stellen hätten, um mit ihren Schülern Spiele im Freien oder aus dem Schulhose, bei schlechtem Wetter Vorlesungen und zerstreuende Beschästigung- in der Turnhalle oder Aula zu veranstalten. Ohnehin könnte der Lehrerschaft kaum vor ollen Beamtcnkategorien das Privilegium einer dreimonatigen vollständigen Ruhepause gewährt werden. Die Teilnahm« an diesen Ferienocranstaltungen dürfte jedoch nichr obli- gatorifch sein, schon deswegen, damit die zahlreichen Kinder, die heute tagaus togein mit der Eisenbahn die Schule besuchen, sie nicht zu besuchen brauchten. Wie man diese sommerliche Unterbrechung nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse auch regeln mag: das ge- sundheitlich Wesentliche ist, daß die Schulstube geschlossen bleibt und dem kindlichen Geiste die Möglichkeit eines vollständigen Ausruhens geboten wird. Um wieder Frucht tragen zu können, muß dieser einmal im Jahre eine Zeitlang völlig brachliegen." Der von Grotjahn vorgebrachte Vorschlag, Lehrer und Schul» fugend in der freieren Zeit der Ferien öfter zusammenzubringen� hat auch in anderer Hinsicht noch eine Bedeutung. Ist es doch in diesem Fall« der Lehrerschaft in weit größerem Maße in die Hand gegeben, ihr Verhältnis zur Schuljugend grund- legend neu zu gestalten, mit den mannigfaltigeren Mög- lichkeiten der Ferienzeit lebendig zu durchdringen und vielleicht manche Verbindung zu schaffen, die im reinen Schulgetrieb« und der oft gegenseitigen Ermüdung gar nicht zum Entstehen kommen kann. Die Folgen eines solchen stärkeren Zusammenhanges und besseren Kennenlernens gegenseitig könnten nur gute sein! Wie wir sehen, wird das heutige Schulsystem von zwei er» fahrenen Persönlichkeiten verworfen. Bereits im Jahre 1900 hat sich ein bekannter Pädagoge Hermann Diels auf einem Kon- greß in dieser Weise ausgesprochen. 29 Jahre danach stehen wir noch immer auf demselben Fleck. Wie wäre es, wenn unsere Schul- behörde die Frag« wieder ins Rollen bringen würde? dl. Ksntorowicit. Alte oder neue Schul»? Dem Verfasser des Artikels„Alte oder neue Schule" im „Abend" vom 23. September 1929 find zwei Irrtümer unterlaufen. Di« Scharfenbergschule ist(wie an dieser Stell« auch schon ausgeführt wurde) nicht„privat und-leider nur reichen Leuten zugänglich". Sie ist«ine Versuchsschule der Stadt Berlin, die die Schüler ohne Ansehen ihrer finanziellen Möglichkeiten aufnimmt. Dem Verfasser lag lediglich daran, darauf hinzuweisen, daß der ideale Gedanke einer Erziehung in Landeserziehungsheimen heute noch ineistens an den mangelnden finanziellen Mitteln der Eltern scheitern muß. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen hatte der Verfasser behauptet, daß in der 2 9. G e m e i n d e f ch u l e das Prügelfystein herrscht. Das mag früher einmal richtig gewesen sein. Seit dem 1. April dieses Jahres jedoch ist diese früher« evangelische Schule eine weltlich« und verwirst entschieden dos Prügqlsystem. Wir erholten aus Kreisen der Elternschaft der 29. Schule in diesem Zusammenhang folgende Erklärung: Die am heutigen Abend versammelten Vertreter der Eltern- schast der 29. Schule erheben energisch Protest gegen den im ..Abend" am 23. September 1929 erhobenen Vorwurf, die 29. Schule kann der Prügel nicht cytratcn. Die 29. Schule als weltliche Schule im Bezirk Mitte ver- wirft jede Prügelstrafe. Der Autor des Äuffotzes, der von einem Einzelfall und von den Aussogen einer Mutter ausging, steht nicht on, seine Erklärung „hinsichtlich der 29. Schule mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück- Mchmk» f�oman von ITlax ßarlkel (12. Fortsetzung.) Dann kam sie an eine kleine Schmier« in Konstanz uich vo» fca nach Nürnberg. Sie war Naturkind und trug die schwarze Russenbluse aus politischer Ileberzeugung. Sie war mehr für Tolstoi als für Lenin. Die erste Jugend lag hinter ihr, sie war nun dreiundzwanzig Jahre alt und kannte Zuckmeyer persönlich. Aus dieser flüchtigen Bekanntschast machte sie einen ganzen Roman. Flora spielte billiges Theater und erwiderte den Hast der Russin a.us ganzer Seele. Sie trat in den Keller, sah die Rivalin bei der Kartenlegerin und zuckte zusammen, als sei sie auf«ine giftige Schlange getreten. Nastja hob den Kopf und zeigte ein wildes Gesicht, in dem Haß und Schrecken gewitterten. Sie ließ die Karten fallen und sprang auf Flora zu, fauchte wie«ine wilde Katze und packte ihren Arm. Sie stampfte mit dem Fuß auf die Erde und keucht« sehr. Flora wurde tragisch, schüttelte die Hand ab, rollte den Kopf und die Augen und stolziert« mit heldenhaften Ge- bürden aus dem erdachten Keller. Hondt hott« alles kritisch be- trachtet und griff nun ein. „So ist das unmöglich, meine Domen," sagte er, war selbst von der Roll« begeistert und rieb seine Hände.„So geht das leider unmöglich. Wir müssen viel viel langsamer spielen, die Kamera kann ja die Bilder nicht fassen. Nicht so heftig, meine Damen, spielen wir doch einfach so": er führte Flora beiseite,„ich werde mir erlauben, die Rivalin zu zeigen." Nastja und Frau Möller waren wieder mit den Karten und dem großen Schicksal beschäftigt, Herr Hondt kam ahnungslos in das Spiel, Nastja blickte auf und verwandelte zum letztenmal ihr Gesicht. Herr 5?ondt war ein guter Schauspieler und sehr sparsam mit seinen Gesten. Er trat einen Schritt zurück, wie um Abstand zu gewinnen, und musterte die wilde Nastja so vernichtend, daß sie von ganz allein ihren Haß zügelt«. Dann entfernt« er sich maje- stätisch. „So müssen wir spielen, meine oerehrten Damen," sagte er, „Fräulein Nastja ist gut und auch Frau Möller kann so bleiben, aber das Fräulein Flora darf nie vergessen, daß der Film kein Theater ist. Noch einmal bitte." Noch einmal ging die Szene und mußle zum drittenmal wieder- holt werden. Flora bebte vor Wut. Am liebsten hätte sie die Rolle hingeworfen und sich zu Toller oder Tolstoi geflüchtet, ober sie war alt genug, in dem Spiel«ine Chance zu wittern. Also spielte sie und nahm sich sehr zusammen. Herr Hondt, der den Zweck der Uebung vollkommen vergessen hatte, war bei der Sache und lieh keine Schlamperei durchgehen. Herr Müller hatte das Klavier»er- lassen und sah interessiert zu. „Machen wir schgn Schluß," sagte er wohlwollend,„ich denke, wir prüfen jetzt chas Fräulein Hull." Hondt war sofort bereit. „Die Domen bleiben beim Spiel," sagte er,„und die Geschichte ist nun so, daß Sic sich versöhnt hoben. Sie sitzen am Tisch, und nun müssen wir uns imaginäre Personen vorstellen, die den Keller füllen. Die große Tänzerin Marianne Hull kommt mit ihrem Freund in dös Lokal. Das wollen wir, bitte, proben. Auch Sie, Meine Damen, spielen mit. Diese Szene ist sehr schwierig: zwei Welten sollen sich berühren, ohne zusammenzustoßen. Fräulein Hull, Herr Direktor Müller, darf ich bitten." Um den einen Tisch lümmelten sich die beiden Mädchen und Frau Möller, Nastja ließ sich gehen, zeigte die schönen Beine und war immer noch mit ihrem Haß gegen Flora beschäftigt, der durch. aus kein Theaterhaß war. sondern aus tiefster Abneigung ent- sprang. Flora gab sich als besieres Mädchen aus gutem Haus, das einmal in die Tiese des Volkes gestiegen ist, um seine Laster und Tugenden zu studieren. Herr Müller führte Marianne in den Keller./ Müller kannte die Keller schon und wußte sich gut zu benehmen. Marianne kante noch keinen Keller, aber sie benahm sich noch viel besser. Als vollendete Dame betrat sie den Raum und ging stolz durch die Reihen der nur gedachten Schauspieler. Als sie den Tisch mit Frau Möller und den beiden Mädchen sah, blickte sie interessiert auf, wie man im Zoologischen Garten bei seltenen Tieren interessiert aufblickt. Dann verzog sie das Gesicht und stäubt« langsam ein gedachtes Staubkörnchen vom Aermel. Die Augenbrauen waren ganz hohe und steil« Bogen, über die der Hochmut stolzierte. Aber als Herr Müller ihren Arm doch ein wenig zu fest drückt«, bekam er einen Blick, daß er zusammenfuhr und«in ganz behutsamer Gentleman wurde. „So ist es ausgezeichnet," lobte Herr Hondt,„anders und besser kann auch die Bergner nicht spielen. Vor so einer Begabung muß man ganz still sein. Da kann man nur staunen und lernen, meine Damen. Da braucht man keine großen Worte. Was meinen Sic, Herr Direktor?" Frau Möller lächelte mütterlich, die Russin blieb gleichgültig und Flora war erstaunt. Müller hott« Mariannes Arm freigegeben. Sie hörte das Lab, ober bevor sie noch Zeit hotte, zu erröten oder stolz zu werden, begann im Vorzimmer, wo die Stenotypistin an der Schreibmaschine saß, ein lauter Lärm. Eine hell« Mädchen- stimm« stritt sich dort herum. Plötzlich wurde die Tür, aufgerissen, und die klein« Gritt Eisemann stürzte ins Zimmer. „Die da wollte mich nicht hereinlassen, sie sagte, Sie seien sehr beschäftigt..." sagte sie und stutzte, als sie den Besuch entdeckte. Müller fuhr erschrocken zusammen und wollte sich unsichtbar machen, Hondt rang verzweifelt die Hände. Dann versuchte er mit seinem breiten Rücken Herrn Müller zu oerdecken. Gritt kam näher, schob den Agenten beiseite und stellte sich vor Herrn Müller groß- artig auf. copxrigNt I»!? b>„Der Bücherkreis G. m b-H", Berlin SW61 „Da ist ja der feine Herr!" sagte sie mit leiser und drohender Stimme,„da ist ja der Galan. Was wird denn hier für ein Theater gespielt, he?" Hondt schwieg mürrisch. „Das geht Sie einen Dreck an," knurrte er. Gritt ließ sich nicht verblüffen. Sie blickte im Zimmer umher und fand Mariann«. „Ach," sagt« sie höhnisch, Sie sind auch dabei? Was hat euch denn der Herr Hondt für Geschichten erzählt, um euch in seine Räuberhöhle zu locken?" „Eine Tanztruppe soll aufgestellt werden!" antwortete Frau Möller und wußte Plötzlich alles. „Und dazu soll ein Beifilm gedreht werden, was?" kicherte Gritt. „Scrr richtig," sagte Nastja. „Immer derselbe alte Schwindel," sagte Gritt wütend,„immer der alt« Bluff! Zwanzig Mark sollt ihr für die Probe bekommen. Di« Probe oerpflichtet zu nichts. Aber wenn es soweit ist, soll die Tonztruppe zuerst in Berlin austreten und dann ins Ausland fahren. Nach Paris oder Bukarest? Ja, ist das so? Und der Herr da," sie zeigte auf Müller,„der Herr da ist der Direktor?" „So wurde er uns vorgestellt," sagt« Marianne. Gritt lachte verächtlich. „Das ist alles Schwindel," sagte sie dann,„der Kerl da ist immer nur solange Direktor, bis er eins von den kleinen Tanz- mädcls gekapert hat. Dann läßt er's laufen und kennt's nicht mehr. Wir wissen Bescheid! Und der feine Herr Hond bringt immer frische Ware heran." „Fräulein Eisemann." begann Hondt und stellt« sich in Positur, „Sie sind eine ganz unverschämt« Person. Verlassen Sie sofort mein Zimmer, oder ich..." Gritt ließ sich nicht verblüffen. „Ich bleibe, wo ich bin," sagte sie,„und wenn Sie Lust haben, können Sie ja die Polente anklingeln. Dort ist das Telephon. Bitte sehr." Herr Müller oersuchte, den Raum zu oerlassen. „Hiergeblieben, schöner Herr," sagt« sie und stellt« sich ihm in den Weg,„hiergeblieben, wir haben noch eine kleine Rechnung zu begleichen." Herr Müller blieb. Flora hatte mit theatralischem Gesicht zugehört. Auch in der Provinz an den üblen Schmieren hatte sie allerlei erlebt, aber diese sonderbare Geschichte zwischen der kleinen Gritt, dem etwas färb- losen Herrn Hondt und dem eleganten Herrn Müller war mehr als Schmiere, war selbst wie Theater: Tragödie oder Lustspiel, sie wußte es noch nicht genau. Nastja bli«b träge. Ein sonderbares Volk, die Deutschen, dachte sie, nach außen sind sie die Moral selbst, aber das ist nur wie eine Iilzoerkl«idung in einem abgeoämpften Zimmer, damit kein Laut in die Ocsfcntlichkeit dringt. Marianne sagte kein Wort. Sie nahm langsam ihren Manier und spürt« in der Handtasche den chinesischen Götzen. Dann ging sie zu Hondt und blickte ihn neugierig an. Auch sie verstand end< lich, daß di«se Probe nur Theater war, und daß dieses Theater in der Hauptsache um sie gespielt wurde: sie sollte die neue Freundin des Herrn Müller sein! Sie nahm dies« Erkenntnis gleichgültig hin wie das Wetter. Sie stand vor dem Agenten Aribert Hondt und sagte mit ganz leiser Stimme: „Diesen Tag werde ich Ihnen in meinem ganzen Leben nicht vergessen, Herr Hondt." Dann ging sie fort. Nastja und Flora folgten ihr. überstürzt. „Ja, lauft mir davon wie kleine Kinder, wenn es blitzt und donnert," rief ihnen Gritt Eisemann nach. Frau Möller blieb noch die kurze Zeit, die notwendig war, um das versprochene Honorar sür sich und ihre Kolleginen einzu- kassieren. Herr Hondt zahlte das Geld und versuchte, die ganze Geschichte auf dumm« Mißverständnisse zurückzuführen, aber der Streit, der zwischen Gritt und Herrn Müller ging, widerlegte das Geschwätz ohne Debatte. Müller spielte eine erbärmliche Rolle. Er hatte Angst vor einem Skandal und versuchte, das ausgercgte Mädchen mit allen Mitteln still zu machen. Gritt wuri�e auch bald still: Herr Müller zog seine Briestaschc und kaufte sich mit einer größeren Summe frei. Als die Sache erledigt war, schnauzt« Hondt die Stenotypistin furchtbar an, weil sie an der halbofsenen Türe gelauscht hatte. Sic fuhr erschrocken zurück und saß wieder an der klappernden Maschin«, als Frau Möller mit Gritt die zweifelhafte Agentur verließ. „Da hätten wir wieder einmal Glück gehabt, wenn es auch nur Glück im Unglück war," sagte Gritt auf der Straße und er- zählte:„Vor fünf Wachen hat mich Hondt mit sieben anderen Mädchen für eine Tanztruppe verpflichtet. Borher sollten wir erst für einen Beifilm prob«n. Genau so wie ihr heute. Und der Herr Müller— wie der Kerl richtig heißt, weiß ich mcht— der Herr Müller war auch da. Na ja, wir haben geprobt, es war schon abends, und nachher wurden wir zu Hiller eingeladen. Wir haben gut gegesien und viel zu viel getrunken, am anderen Morgen wachte ich mit Müller in einem fremden Hotelzimmer auf. Wir fuhren dann in die Stadt, und dort hat mich der Herr versetzt..." „Und die anderen Mädels?" fragte Frau Möller. „Die traten auf. Nach einer Woche. In einem Vorstadtbums und verschwanden dann lautlos in der Versenkung. Vor einigen Tagen traf ich eine von den Sieben. Und das Schaf war über die Tänzerei noch glücklich. Sie hat jetzt den Fimmel und will sich weiter ausbilden. Sie ist auf der Suche nach einem Freund. Do kam ich Dussel endlich auf die Idee, Hondt die Bude einzulaufen und fand meinen eleganten Kavalier von damals. Aber das Hauptschwein ist dach der Hondt!" Dann lachte Gritt. „Hundert Eier habe ich doch noch herausgeschlagen, Frau Möller," sagte sie,„es war nur gut, daß ihr gerade bei der Probe gewesen seid. Auf Wiedersehen und grüßen Si« die anderen Damen schön." Sie winkte mit der Hond und sprang aus einen Autobus. Frau Möller spazierte die Friedrichstraße entlangl und ging ins Cafe„Urania". Dort traf sie Marianne, Nastja und Flora. Si« legte sür jede die zwanzig Mark auf den Tisch. „Da ist der Zimmt!" sagte sie strahlend. Flora starrte entgeistert aus das Geld. „Da klebt Schmutz daran!" sagte si« und nahm mit spitzen Fingern die Banknote. Nastja lächelte verächtlich. „Das hätte ja eine Bescherung geben können, wenn die kleine Gritt nicht gekommen wäre, Marianne," sagte Frau Möller.„So «in Wüstling, so ein elender. Der Hauptlump ober ist der somose Hondt. Und ich dumme Gans habe es erst gemerkt, als die Eise- mann angetanzt kam. Ich könnte mich selber ohrfeigen... Aber die hat es den Kerlen gründlich besorgt. Ich glaube kaum, daß sie in der nächsten Zeit wieder so einen Laden aufmachen!" „Vielleicht, vielleicht auch nicht," antwortete Marianne und war gedankenvoll. Sie saßen noch eine kleine Weile zusammen und besprachen die Geschichte mit Herrn Hondt. Frau Möller war dafür, die Sache auf der Polizei zu melden. Nastja erzählte Atelierklatsch au» Moskau, Flora machte sich wichtig mit einer Liebschaft in Nürnberg. Endlich hatten sie ihre Herzen erleichtert und gingen auseinander. Frau Möller ging nicht zur Polizei, sie fuhr mit der Bahn nach dem Norden, Nastja wohnte im Westen, Flora im Ost«n, und noch Süden, nach Steglitz, fuhr Marianne Hull. Diese vier Menschen tr«nnten sich und trugen die Gedanken an das Erleb- nis in alle vier Windrichtungen der Millionenstadt Berlin. Und als sie das nächste Mal wieder zusammentrafen, wurde die ganze Geschichte mit keinem Wort erwähnt.(Fortsetzung folgt.) Rät seh Ecke des„Abend". oiiniiiiiiuiiumiiiiiiiuiiujuuüiiiuiiiiniiiiiHiiNNiiitiitiiiiiHUii Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Oper von Verdi: 4. griechisch« Göttin; 7. männlicher Vorname: 9. Stadt in Thüringen: 11. Nervenzentral«: 14. Stachelhäuter: IS. Nebenfluß der Donau: 18. Haustier: 22. Stadt in Amerika: 23. Stadt an der Elb«: 25. Stadt in der Tschechoslowakei: 25. griechische Göttin: 27. Stadt in Frankreich: 29. Fürwort: 30. Fluß in Schleswig-Holstein: 32. englischer Untertan: 36. weiblicher Vorname: 37. Hasen in Arabien: 39. Zahl: 40. Gewinnanteil: 41. Spielzeug: 42. Geigenbauer: 43- Vogel.— Senkrecht: 1. Wasserpflanze: 2. Artikel: 3. biblische Gestalt: 4. Traumgespenst: ö. Schweizer Kanton: 6. Zahl: 8. Küchengerät: 19. Bogel: 12. Kriech- tier: 13. Mittelmeerinsel: 13. Staat in USA.: 17. Rind: 19. Fabel- wesen: 20. Erdart: 21. Nebenfluß der Saale; 24. Harzflüßchen; 25. deutsche Industriestadt: 28. Niederschlag: 30. Erfrischung: 31. Teil des Wagens; 33. weiblicher Vorname: 34. Rinderart; 35. Stadt und Fluß in.Hessen- Nassau: 36. männlicher Vorname: 37. Teil d«s Baum«si 38. Nebenfluß der Donau. ri. Gleich und verschieden. Wenn es die Blum« ist, erhöht es ihren Wert; ist es her Mensch, dann ist es umgekehrt. A.M. Silbenrätsel. Aus den Silben a af ah ar ar bürg cc ce che cir dah der dom e el«n f« gel han höh in kan le li löh mut na nan nas ne nie nie no no nung rack re sau se se si ster te ter tern res tie u oer sind 22 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und dritte Buchstaben, letztere von unten nach oben gelesen,«inen Spruch von Lessing«rgeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Gesäß: 2. Erdteil; 3. Körperorgan: 4. deutsches Land: 3. Verwandte: 6. Säugetier: 7. biblische Gestalt: 8. Blume: 9. Verwandte; 19. Körperteil: 11. Stadt in Frankreich: 12. alkoholisches G«tränk: 13. deutsche Insel; 14. Göttin des Altertums: 15. Erdoerti«fung: 16. Eisennagel: 17. Stadt in Ostpreußen: 18. Baum: 19. deutsche Stadt: 29. Behälter; 21. Besoldung beim Militär: 22. Wasserfahrzeug. pz. Bersrätsel. Das erste kann dem Baby nützen; das zweit« wird dos Aug« schützen. Das Rätsel wird nun kaum erschwert, liest du das Ganze umgekehrt: es offenbart sich dir alsdann das Wort, in dem wohl jedermann, schon schwankt« einmal hin und her, entschlußlos, was das Richt'ge war. dl. «Auslösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Rummer. Kreuzworträtsel. Senkrecht: l. Ar; 2. Igel: 3. Lena: 4. an: 6. Ad«: 7. Omega; 8. Sedon: 9. Ski: 12. Jller; 14. Viper: 17. Eremit: 19. Taifun; 21. Wein: 26. Ella: 27. Herz: 29. Los: 31. Man.— Wagerecht: 1. Ai: 3. la. 5. Largo: 8. Sense: 10. Emden: 11. Feil«; 13. David; 15. Goa; 16 Stella: 18. Neptun: 29. Reh: 22. Lea: 23. der: 24. Tee; 25. Rif: 26, Erich; 28. III; 30. Emu; 32. Stolp; 33. Franz. Zitatenriitsel: 1 Ost kommt«in nützlich Wort aus!chl«ch- tem Munde: 2. Es ziaht Freude die Fröhlichen an: 3. Der Siege göttlichster ist das Vergeben: 4. Es liebt die Weit, dos Strahlend« zu schwärzen. Diamantaufgabe: 1. R: 2. Ar: 3. Bar: 4. Rabe: 5. Garbe: 6. Grabbe: 7. Berga: 8. Berg: 9. Ger; 19.«r: 11. E. Geographierätsel: Genua. Reims, Italien, Elba. Chile, Haspe, Estland, Jlogat, Lido. Asien. Reumart. Delhi.— Griechenland. A» � Bj W Sonnabend 46. Jahrgang 5. Oktober 1929 Meisterwerke bergmännischer Kunst Der Bergbau, die gefahrvolle, von Geheimnissen und llnkar- Helten umgebene Gewinnung des Erzes und der Kohle, mar von alters her das Reich abergläubischer Vorstellungen. A g r i c o l a weist gleich zu Beginn seines großen Wertes über das Mittelalter» liche Hüttenwesen nach, daß es sich hier um keine Teufelskunst» scndern um ein durchaus ehrliches Gewerbe handle. Er hält es also für notwendig, von vornherein alle von Aberglauben geleiteten Vorstellungen in bezug auf den Bergbau zu beseitigen. Aber trotz seiner klaren Beweise steht auch er noch tief im Dämonenglauben des Mittelalters. Er erzählt ausführlich über die guten und bösen Geister der Gruben, von dem schrecklichen Berggeist in Annaberg. der die Leute durch seinen Hauch tötete, von dem Kuttengeist in Schneeberg, der das Handwerks» zeug zerlegte, von den Kobolden. die niemand etwas zuleide taten» wenn man sie nicht reizt«. Alle diese Vorstellungen sind nur zu verständlich zu einer Zeit. in der für ausreichenden Schutz der Bergleute soviel wie nichts getan wurde» in der Einstürze und Katastrophen an der Tages- ordnung waren. Der Bergmann fühlte sich stets in der Gewalt eines ihm überlegenen göttlichen Wesens, auf dessen Gnade er an- gewiesen war, dos die Macht be- saß» über sein Leben zu verfügen. Andererseits aber umgab das Volk gerade dieses Gewerbe mit dem Schimmer des Magischen und Geheimnisvollen, weil in Einzelfällen arme Bergleute „früher einmal" ungeheure Schätze gehoben und unermeß- lich reich geworden waren, wie man in Sagen und Märchen er- zählte. Der Bergmann, der die verborgenen Silberadern der Berg« kannte, der das glänzende, schillernde Erz beherrschte und zu finden wußte, besaß zauberhaft« Kräfte, wie der Schmied, der die Kunst seiner Bearbeitung ver» stand.— Als das C h r i st e n- t u m einzog» da benutzte es klug alle Vorstellungen, die seit Jahr- Hunderten in den Seelen Wurzel gefaßt hatten. Die Geister der Bergwerk« wurden zu Heiligen» die den Bergmann auf seine Bitte in besonderen Schutz nahmen. Die heilige Anna, deren Kultus im 15. Jahrhundert durch den Papst Urban VH. eingeführt wurde, die heilig« Barbara, der heilige Pro- kop, der heilige Daniel wurden zu Schutzheiligen der Berg- leutc. Die Weihegaben der von unzähligen Gefahren bedrohten Bergleute» die sich dadurch Schutz und Hilfe in ihrem schweren Be- ruf oersprachen, geben einen erschütternden Einblick in die Angst und Unsicherheit dieser geplagten, schlecht entlohnten Proletarier, die sich mit der ganzen Inbrunst der Seele an den Trost klammerten» den ihnen die Kirche klug darzubieten verstand. Die bergmännisch« Kunst früherer Jahrhunderte ist deshalb kirchlich« Kunst, sie ent- faltet sich im Rahmen der gewaltigen Macht, die durch ihre Fürbitte über Leben und Tod gebieten kann... Ein Streifzug durch die bergmännisch« Kunst bietet kultur- geschichtlich einen tiefen Einblick in die Entwicklung, den der schwere, verantwortungsvolle Beruf des Bergmanns genommen hat. Es ist darum dem BDI. zu danken, daß er die Anregung zu einer Arbeit gegeben hat, die kürzlich erschienen ist. Pros. Treptow hat in den „Abhandlungen und Berichten" unter dem Titel„Deutsch« Meisterwerke bergmännischer Kunst" eine hochinter» cssante Auswahl künftkerischer Schöpfungen veröffentlicht, von denen hier einige in Wort und Bild wiedergegeben werden mögen. Wer heute die herrlichen Fenster de» Freiburger Münsters im Breisgau überblickt, der wird mit Bewunderung das herrliche St.-Annen-Fenster im Alexander-Chörlein betrachten, das zu den hervorragendsten Stiftungen des Bergbaus gehört.„Gott dem All» mächtigen, der Jungfrau Maria und der heiligen Mutter St. Anna zu Ehren" haben es die„Gewerten St. Annen zu Todnau im Schwarzwald" gestiftet. Es ist«jn wundervolles, kostbares Glas- gemälde in zarten, hellen Farben. Di« Figuren zeichnen sich auf himmelblauem Hintergrunde wirkungsvoll ab. Jede der 15 Heiligen trägt einen Heiligenschein aus leuchtendem Sonnengelb, in dem der Name geschrieben steht. Der Anblick dieses Fensters ist auch heute noch ein künstlerischer Genuß. Um so ergreifender ist es, wenn man sich erinnert, daß längst vergessene, unbekannte Arbeiter hier vielleicht mit Mühe ihr Scherflein auf den Altar der Kirche legten, während die Bergwerke selbst, die reichen Silbergruben des Breisgous sich m der Hand weltlicher oder geistlicher Fürsten oder reicher Frei- durger Bürger befanden. Vielleicht suchten arm« Steinschleifer oder Häuer beim Anblick dieser wundervollen Glasmalerei Trost, vielleicht knieten Witwen und Waisen Verschütteter oder gesundheitlich Ge- schädigter vor diesem Fenster und rangen in heißen Gebeten mit der eigenen Verzweiflung und Hilflosigkeit... Künstlerisch auf der gleichen Höhe steht eine wundervolle gold- verzierte Holzschnitzarbeit. Sie befindet sich in der Dt.-Annen-Kirch« in Annaberg in Sachsen. Es ist der am Anfang des 16. Jahrhunderts errichtete Bergmannsaltar, der von der dortigen Bergknappfchoft er» richtet wurde. Die Vorderseite zeigt Bilder aus der heiligen Ge- schichte, während auf der Rückseite und auf den Seitenflügeln Au». schnitte aus dem Leben der Bergleute gezeigt werden. Usber dieser ganzen mühsamen, unermüdlichen Arbeit der Schlageichen, Hin»» Schachtbauer/ Kon Sdimidtbauei fahrenden und Grabenden aber schwebt die heilige Anna, und der Schutzpatron des Bergwerks wandelt mitten zwischen den Arbeitern. Die gleiche naive, tröstende Vorstellung liegt zwei Oelgemälden zugrunde. Das eine zeigt die heilige Barbara, die in den Wolken schwebt, während neben ihr ein Engel den Kelch hält. Unter ihr aber sind die Bergleute vom Eisenbergwerk am Kresscnberg bei Trmrnstein in Bayern am Eisenschmelzofen, an der Haspel und am Karren beschäftigt. Jünger ist dos Oelgemälde in der katholischen Kirche in Dudweilcr. Au, ihm spricht die Angst des Bergmanns, der dauernd in Gefahr steht, ohne die letzte velung der Kirche durch einen Unglücksfall zu sterben. Denn die Kirche beschrieb ausführlich die Höllenqualen derjenigen, die„unvorbereitet" und mit ihren Sünden beloden in« ewige Leben eingingen. Um der ewigen Per- dammnis zu entgehen, muß er deshalb zur heiligen Bambara beten, damit sie ihm in seiner Todesstunde die Hostie entgegenstrecke. Ob allerdings niemals in dem gläubigen Gemüt die Frage auf» tauchte: worum die Heilige selbst den Unglücksfall nicht verhüten konnte oder wollt«, warum das Gestein hereinbrach und olles zer» trümmerte, obwohl sie doch nach Angabe der Kirche wachsam über dem Bergwerk schwebte? Aber bis in unsere Zeit hinein ist es der Kirche gelungen, die Darstellung der schützenden Heiligen zu pflegen und zu bewahren. Erst vor wenigen Iahren wurde wieder«ine St.-Barbara-Kirche emgeweiht. Sie steht im Gebiet der Bayerischen Braunkohlenberg- werte A.�. in Schwandorf und knüpft an die alten Vorstellungen vom Schutzgeist an. Di« heilig« Barbara, zu deren Füßen zwei musizierende Engel sitzen, hält das Sakrament in ihrer Hand und bietet es den Bergleuten dar. Nur nebenbei sei erwähnt, daß diese Kirche, die gleichzeitig dem Gedächtnis der im Weltkrieg gefallenen Bergleute gewidmet ist, die Inschrift trägt:„lnciinsU resurget" (Das Verlorene wird wieder erstehen)— ein interessantes Beispiel für eine Mischung von katholischer Gläubigkeit und Hülerschem Ver- geltungsdrang, die nicht jeder Besucher kritiklos über sich er- gehen läßt. Zu den hervorragenden Werken bergmännischer Kunst gehören auch Bergkannen und Pokale, Humpen und Schalen, die teils von den Gewerken selbst beschafft wurden oder deren Verfertigung von den Fürsten und Grubenbesitzern befohlen wurde. Ein Meisterwerk deutscher Goldschmiedetunst ist die Goslarer Bergtanne, die aus dem 15. Jahrhundert stammt. Sie besteht aus Silber mit vergoldeten Verzierungen. Ein vergoldeter Kranz umgibt den Bauch der Kann«. Aus den Blütenkelchen ragen Ist musizierende Figuren hervor. Der Kannendeckel ist in Form einer Krone gebildet, die den heiligen Georg umschließt. Jagdszenen, Bilder aus dem Leben der Bergleute vervollständigen die herrliche Arbeit. Die Bergleute selbst allerdings mußten sich am Anblick genug sein lasten, denn benutzt wurde sie nur auf den Festen der Hüttenherren und Bergwerksbesitzer. Das zeigt auch die ebenfalls meisterhaft gearbeitete Rammelsberger Bergkanne, die im Inneren des Deckels folgenden vielsagenden Spruch birgt: „Des Königs stetes Glück, Des Herzogs Wohlergehen, Und das der theure Harz, Der Veyden eigen ist GLasfcnstcr Das Bergwerk und die Forst In stetem Flor mag' stehen: Das wünsche, der du jetzt Au trinken fertig bist." Gewidmet ist dieses Meisterwerk, das Szenen aus dem Leben der Holzfäller und Bergleute darstellt, also nicht denen, die diese Arbeiten verrichteten, sondern den Besitzern der Wälder und Berg- werke des Harzes, dem König und dem Her- zog. Erst tn unserer Zeit ist eine grund- legend« Aenderung in dieser Auffassung de? schassenden und ausführenden Künst. ler smgetreten. Wenn zum Beispiel der selbst au» dem Arbeiterstand hervorge- gangen« Holzbildhauer Ernst Kaltofen sein« kimswollen Schnitzereien ausführte und Szenen aus dem Beruf seiner einstigen Kameraden aus dem Bergwerk wählt«, so hatte dos nur den Zweck, auch den Arbeiter in der Kunst heimisch werden zu losten, sein Leben künstlerisch darzustellen. Auch der herbe Steindruck L. G. Schmidt- bouers, der den Kopf eines Schachthauers darstellt, hat nichts mit der Auffassung der Vergangenheit gemeinsam. Hier ist nicht mehr der auf den Schutz der Heiligen de- mütig oertrauende, angstvoll hoffende Berg- mann dargestellt, sondern der tatkräftige, selbstbewußte Arbeiter unserer Tage, der sein Schicksal selbst in die Hand genommen hat.— So bietet dieser kleine Streifzug durch die Meisterwerke bergmännischer Kunst einen tiefen Einblick in die Welt der bergmännischen Arbeit und in die geistige Entwicklung der Bergleute, die sich ini Laufe der Jahrhunderte immer stärker aus der Welt der Unwissenheit und des Aberglaubens befreien konnten. Nur ooch wenig« oertrauen darauf, daß ihre Sicher- heit in den Händen der Schutzheiligen liegt. Die erdrückende Mehrzahl oerlangt immer energischer nach ausreichenden Schutzmaßnahmen, die die Grubenerplo- sionen nach Möglichkeit verhindern, sie treten als geschlossene Organisationen den Besitzern der Bergwerke gegenüber. Ein Hüttenknappschaft weiter Weg, der im Laufe eines halben Jahrtausends zurückgelegt wurde, ein Weg, vor dem noch Meilen liegen. Ein dunkler Weg de? Vergangenheit, der in eine bessere Zukunft führt. Dr. E. M. Edelgaslichi. Noch vor wenigen Iahren hätte man«s für unmöglich gehalten, Gas«, die so seilen sind, daß sie nur ein Zehntausendstel der Lust aus- machen, zu Reklamezwecken zu verwenden. Aber durch unsere fort- geschrittene Kenntnis der Eigenschaften der Edelgas« ist das zur Taksache geworden. Es handelt sich hierbei um das Gas Neon, das 0,001 Proz., das Gas Argon, das 0,3 Proz. und das 5) e l i u m- gas, das 0,0005 Prag, der Luft ausmacht. Alle diese Gase finden jetzt zu Beleuchtungszwecken Anwendung, und zwar vorzugsweise in jenen elektrischen Röhren, die wir heut« auf allen Hauptstraße!? unserer großen Städte zu Reklame, zwecken in Gebrauch finden. Wegen der geringen Meng«, in der diese Gase in der Luft ver- teilt sind, erfordert ihre Aussonderung eine sehr entwickelte Technik. Man gewinnt sie gewöhnlich gelegentlich der Absonderung von Sauerstoff und Stickstoff aus der Luft als Nebenerzeugnisse. Um zu Reklamezwecken Verwendung zu finden, werden die Gase in Glas- röhren eingeschlossen, die an jedem Ende eine Elektrod« enthalten, während das Gas als leitendes Medium dient. Die Elektroden bestehen aus Kupfer und sind walzenförmig. Für die Röhre verwendet inan gewöhnlich Bleiglas, da dieses sich am leichtesten bearbeiten läßt. Nachdem die Röhr« in die gewünschte Form gebracht worden und die Elektroden luftdicht«ingosttzt worden sind, wird die Röhr« mit Lang» meir- und Eisler-Pmnpen fo weit wie möglich luftleer gemacht. Um alle Luft aus den Elektroden und den Glaswänden der Röhre aus- zutreiben, werden di« Elektroden mit einem elektrischen Strom von 16 000 Volt Spannung bombardiert. Das wird dreimal wiederholt, um die letzt«» Spuren von Luft zu entfernen, die vor der Einfüllung der Edelgase verschwunden sein müssen. Die Röhren werden dann aus Zimmerteinperatur abgekühlt und di« Gase«ingefüllt. Teils benutzt man ein einzelnes Gas, teils eine Verbindung. Bei der Einfüllung der Gase bedient man sich eines Manometers, da man je nach den? Gas eine verfchiedcn« Dichte braucht. Beim Neon läßt man den Druck gewöhnlich auf 1XA Millimeter ansteigen, während man bei den anderen beiden Gasen«inen doppelt so hohen Druck verwendet. Darauf verleiht man der ganzen Rühre dadurch eine gleichmäßige Färbung, daß inan sie 5 Minuten bis 24 Stunden lang einem schwachen elektrischen Strom aussetzt. Dann bringt man Ouecksilber in die Röhre und verteilt es. Damit ist di« Röhr« gebrauchsfertig. Di« verschiedenen Farben erhält man dadurch, daß man ver- schieden« Gase, Verbindungen solcher mit Ouecksilberdamps und buntes Glas verw-ndet. Auf diese Weise kann man fast jeden beliebigen Farbton erzielen. Als Buntglas wird meist g«lb«s Bleiglas verwandt. Di« beliebteste Farbe, in der man die Röhre erstrahlen läßt, ist orangerot, das man durch Neon in einer weißen Glasröhre erzielt. Selbes oder goldgelbes Licht erzielt man durch Helium in gelbem Glase. Neon und Ouecksilberdamps in gelbem Glas« ergeben grüne- Licht. Blau-, Licht crzisll man meist durch Ouecksilberdamps, dem man Neon, Argon oder ein anderes Gas beimischt. Lila, weiß und andere Farben kann man durch verschiedene Mischungen«rzielen. Prof. Dr. W. Anderssen. Goslarer Bergkanne Pokal der Grünthaler f' Ehe der Winier kommt— noch einmal Arbeiter-Ruderregalta! Wie in jedem Jahr so wird auch am S o n n t a g, k. Oktober, das Dauerrudern und-paddeln der Arbeiterruderer und Kanufahrer stattfinden. Durch die Spaltung innerhalb des Arbeiter- sports im vorigen Jahre hatte die letztjährige Beranftaltung stark gelitten, von den seinerzeit gemeldeten 69 Mannschaften konnten es sich einige„Oppositionelle", die in den bundestreuen Vereinen ver- blieben sind, nicht verkneifen, am Tage der Regatta auf„höheren Befehl" ihre Meldungen unter den merkwürdigsten Entschuldigungen zurückzuziehen. Dank der erfahrenen technischen Leitung ging da- nials die Veranstaltung glatt vonstatten. Für die diesjährige Langstreckenregatta sind 71 Meldungen ein- gegangen. Beteiligt sind IS Vereine, davon 14 Groß-Berliner, von auswärts hat eine Mannschaft des Vereins in Brandenburg a. d. H. gemeldet. Die Regatta beginnt um 9 Uhr morgens und endet gegen 14 llhr. Start und Ziel der Rudermannschaften ist vor dem geräumigen Bootsplatz des Rudervereins„Vorwärts" an der Ober- lpree, gegenüber dem Bahnhof Baumschulenweg. Die Strecke>st 17,3 Kilometer lang, geht von,„Vorwärts" bis Köpenick, um die Rohrwallinsel herum und zurück nach dem Lorwärts-Haus. Die Jugend- und Frauen-Rudermannschaften sowie die Kanufahrer er- proben ihr Können auf einer Strecke von 19 Kilometer» mit dem Start vom Klubhaus des Arbeitcr-Seglervereins„Fraternitas":n Wendenschloß. Auch ihr Ziel ist das Bootshaus„Vorwärts". Der Kampf im Iugcnd-Rienienvicrer wird von den Vereinen Vorwärts, Collegia und FRV. 1913 ausgetragen. Es stt schwer zu sagen, wer von den Sprößlingen das Rennen machen wird. Im Frauen-Doppelvierer wird ein heißer Kampf unter den alten Rivalen von Vorwärts und Collegia stattfinden. Den größten Raum nehmen die K a n u r e n n e n ein. Ein wahrer Massenkampf wird das Rennen in Doppelkajak Klasse Sa für Junioren sein. 14 Mannschaften beteiligen sich an diesem Rennen und vertreten die Vereine Köpenick, Schweissterne, Union, FTGB-, RuK. 1924 sowie die Einzelfahrer der Sparte. Im Kanuoierer werden zwei Mann- schaften von FTGB. streiten. Auch der Faltbootsport komnit in diesem Jahre zur Geltung. Im Einerfaltboot starten 7 Mann- schaften der Freien Faltbootfahrer Berlin und eine Mannschaft der Freien Schwimmer Charlottenburg, im Zweierfaltboot 6 Mann- schaften der Vereine Freie Schwimmer Charlottenburg, Freie Falt- bootfahrer und SV. Moabit. Die Einer starten in diesem Jahre zum erstenmal, auf das Ergebnis darf man gespannt sein. Bei den 6 Rudcrrenncn der Männer sind einige schöne Besetzungen zu verzeichnen. Eines der interessantesten Rennen wird der Doppel- zweier mit Steuermann für Junioren. Von den S beteiligten Vereinen hat jeder nur eine ausgewählte Mannschaft entsandt. Es starten Vorwärts, FTGB., 1924, 1913 und Butab. Hart umkämpft wird auch der Riemenoierer für Junioren! 1913, Butab, Vorwärts, FTGB., Collegia und Brandenburg a. d. H. werden hier»m den Sieg ringen. Alles in allem wird dos diesjährige Dauerrudern und-paddeln wieder sein altes sportliches Niveau erhalten, das im vorigen Jahre sehr vermißt wurde. Alle Freunde des Arbeiter-Wastersports wer- den eingeladen, sich von dem sportlichen Können der Freien Ruderer und Kanusahrer zu überzeugen. Auch bei schlechtem Wetter bietst der Rudcrverein„Vorwärts" Unterkunft. Ein guter Kantincnbetrieb sorgt für das leibliche Wohl eines jeden Besuchers. Eintrittsgeld wird nicht erhoben, das Regattaprogramm kostet 2S Pf. Nach der sportlichen Veranstaltung findet ab 18 Uhr im Etablissement„Spree- garten", Alt-Treptow 11/13, die Fortsetzung in Form eines g e- selligen Abends mit Tanz statt. Der Eintrittspreis ist mit Tanz auf SO Pf. festgesetzt. Pavlik. Neuköllner Fußball. Der„Freie Fußballverein Neukölln I 28" Hot eine Jugend- Fußballabteilung ins Leben gerufen, in der jugendliche Spieler bis zum 18. Lebensjahr ausgenommen werden. Der Verein richtet deshalb an alle der Bewegung nahestehenden Eltern die dringende Bitte, ihre Kinder, die Lust zum Fußballspiel haben, in die Abteilung zu schicken. Außerdem sollen für die Jugendlichen öfter Unterhaltungsabende stattfinden, in denen Spiele aller Art gepflegt werden. Wir hoffen, daß sich in der ersten Versammlung, die Dienstag, 8. Oktober, 19 Uhr, im Vereinslokal Werkmann, Bcrthclsdorfer Str. 7 Ecke Donaustraße, stattfindet, zahlreiche Jugend- l-chc einfinden, auch die Eltern sind herzlich willkommen.-- Auch an alle erwachsenen Arbeiter-Fußballspieler Neuköllns richtet der Ver- ein die Bitte, zur Auffüllung der drei Männermannschaften einzu- treten. Ebenso sind passive Mitglieder willkommen. Aufnahmen jeden Freitag von 20 Uhr ab im Vereinslokal oder beim 1. Vor- sitzenden R. Janoste, Neukölln, Berthelsdorfer Str. 13 v. IV. Sport am Sonntag. Als größte arbcitersportliche Veranstaltung am uiorgigcn Sonntag ist die L a n g st r e ck e n r e g o t t a der Freien Ruderer- und Kanufahrer auf der Spree zu registrieren. Der Start der-ersten Rennen ist um 9 Uhr am Bootshaus des„Rudervereins Vorwärts", gegenüber dem Bahnhof Baumfchulenweg. Die Kanu- fohrer starten gegen Mittag vom Platz des„Seglervereins Fraternitas" im Wendenschloß.— Das erste Hallenschwimm- s e st in der Wintersaison hält die„Berliner Schwimm-Union" im Stadtbad Friedrichshain an der Schillingsbrücke ab. Der Beginn ist auf IS Uhr festgesetzt.— In Weißensee findet im Stadion am Faulen See das A b s p o r t e l n aller freien Sportvereine des Bezirks statt. Der Eintritt ist frei.— Die Altersturner der Berliner Ver- ein« geben sich um 13 Uhr in der Zentralturnhalle, Prinzenstroße 70, ein Stelldichein, um denjenigen, die des Lebens Lenz hinter sich haben, zu zeigen, wie man auch im vorgerückten Alter Gymnastik zur Gesunderhaltung des Körpers treiben kann.— Im Grunewaldstadion fahren die bundestreuen Rennfahrer von„Solidarität" ab 14 Uhr Trainingsrennen. Das Stadjon erhebt 30 Pf. Eintritts- geld.— Die Fußball- und Handballspiele finden auf den bereits genannten Plätzen statt.— Bereits heute, Sonnabend, feiert der Bezirk Lichtenberg der Freien TurnerschaftGroß- Berlin seine zweijährige Zugehörigkeit zur FTGB. Im Restaurant Sckwnerl. Kynaststroße. werden alle Abteilungen ihre Spo tnrten voniihren— Im Eoi cordia-Palest. Andreasstraße 61, zeigt das Bezirkskorteil»m 10 Uhr den Fit»> vom 2. Arbeiter» Turn- und Sportfest in Nürnberg. Daneben bringt das Bezirksamt «yd« dchAgt SV K. Bereits am heutigen Sonnabend beginnt im Sportpalast die Saison im B e r u f s r a d s p o r t. Di« Holzbahn ist ausgebaut und die bekanntesten Fahrer des In- und Auslandes werden dem rad- sportfreudigen Berliner Publikum ihre Kunst zeigen. Die Rennen bi ginnen um 20 Uhr.— Walter R ü t t ladet für Sonntag zum Kehr- aus auf seiner Bahn ein. Flieger und Dauerrennen bilden das Programm, das noch einmal alle Fahrer von Namen vereinigt.— Auf der Bahn in Mariendorf werden morgen die Trabrennen um 1Z Uhr fortgesetzt. Das Ereignis des Tages ist der große Preis von Mariendorf, das längste Berliner Trabrennen, das über 4200 Meter führt.— Stark besetzte Motorradrennen jür Berufsfahrer find heute auf der Trabrennbahn in Ruhleben vorgesehen. Es liegen mehr als zweihundert Meldungen vor. Ansang 17 Uhr. Der Geist der DT. Zur Tagung der Deutschen Turnerschatt. Anläßlich der Eröffnung der 20. Tagung der Deutschen Turner schaft hielt gestern Reichskanzler a. D. Dr. Luther im Reichstag einen Vortrag, in dem er u. a. betonte, daß Turnen nicht nur Arbeit am eigenen Körper, sondern vor ollen Dingen Dienst am Volke und vaterländisch« Gesinnung bedeute. Von jeher seien Schule, Kirche und Turnen die Ausdrucks- formen des Deutschtums. Niemals habe die DT. in ihren Reihen Klassen und Stände unterschieden. Er wies auf den Turn- vater Jahn hin, der sich für die Einheit des Deutschen Reichs mit aller Kraft einsetzte, und unterstrich, daß auch die„Zwischcngcnerotion, jene Schützenarabengeneration", stets einig war Draußen— sagte er wörtlich— gab es keine Unterschiede, sondern nur Antlitze mit gleichem Hoffen und Bangen. Von dort ist der Eiicheitsgeist stets gekonimen. Wir hätten keine anderen Machtmittel als uns selbst: er betonte:„Die Wehrhaftigkeit ist uns genommen... Darum geben wir�gins nicht auf." An eine internationale Gerechtigkeit könne nicht geglaubt werden, auch wenn die Verbindung von Volk zu Völkern notwendig sei. Zum Schluß hob Dr. Luther hervor, daß in der Deutschen Turnerschaft eine Spaltung durch wirtschaftliche, politisch« und religiöse Fragen nicht möglich sei, denn ihr Grundsatz ist:„Deutschland, Deutschland über alles!" Dazu muß kurz erwidert und festgestellt werden: Die Ausdrucks- formen des Deutschtums durch Schule, Kirche und Turnen sind uns wohlbekannt. Ihr« Kennzeichen sind auch bekannt: Prügelstrafe, Beibringung von Kenntnisse statt Erkenntnisse und Fertigkeiten statt Fähigkeiten. Wir lehnen diese alte Schule ab, die in ihrem Ge- schichtsunterricht die Krieg« und Monarchen verherrlicht. Wir lehnen eine Schule und Kirche ab, die da lehrte:„Kein schönrer Tod ist auf der Welt, als wer vom Feind erschlagen!" Nur dummen Menschen kann man erzählen, daß draußen im Felde große Einigkeit herrschte. Die Großen waren sich jedenfalls nie einig, und die Kleinen: Man lese die Kriegstagebücher unserer Zeit! Die alte Gesellschaft hatte alles ihrem Willen untergeordnet.„Du sollst nicht-töten"—„Du sollst den Feiertag heiligen", diese Gebote setzte der deutsche Gott einfach außer Betrieb. Die klassenbewußte Arbeiterschaft betreibt eine Körperkultur, die nur ein Teil der neuen Erziehung ist. Sie erfaßt den Menschen in seiner Totalität, als Einheit von Körper, Seele und Geist. Ihr Turnen, ihr Sport ist international, weil sie wissen, daß die Völker auf Verderb und Gedeih aufeinander ange- wiesen sind. Ihr Sportgeist ist der Gedanke des Zusammenwirkens und der Vertiefung oller Lebensfragen zum Wohle des Menschen- tums. Wer international ist, muß vor allen Dingen national sein! Also brauchen wir das Nationale nicht erst besonders betonen: das ist Selbstverständlichkeit! * Der von der Stadt Berlin zu Ehren der Deutschen Turner- schaft veranstaltete Empfangsabend vereinte über 400 Turner und Turnerinnen in den Festräumen des Rathauses. Unter den Ehrengästen sah man u. a. Reichskanzler a. D. Dr. Luther, Dr. Lewald und die Ministerialräte Pellengahr und Dr. Richter. Bürgermeister Scholtz begrüßte die Gäste im Namen der Stadt Berlin und wies darauf hin, daß das deutsche Turnen von Berlin ausgegangen sei und daß deshalb die Stadt Berlin immer die Ver- pstichtung fühle, die Bestrebungen der Deutschen Turnerschaft zu unterstützen. Der neue DT.-Vorsitzende, Staatsminister a. D. Dominicus, erwiderte. Er sprach zum Schluß den Wunsch aus. daß die Stadt Berlin nicht, wie es den Anschein Hab«, in dieser Förde- rimg ein« Unterbrechung eintreten lasse, sondern im Gegenteil in noch erhöhtem Maße damit fortfahren möge. Mit der Rede Dominicus' war der offizielle Teil beendet. kULAxdUocüLV Die erslen Serienspiele. Bei den Arbeiterhandballern beginne» morgen die ersten Punkt- kämpfe. Im 1. Bezirk spielen in der 1. Gruppe Mahlsdorf gegen Köpenick um 16 Uhr in Mahlsdorf, Hönower Chaussee. Erkner gegen Fürstenwalde um 14V- Uhr in Erkner und FTGB.-Osten gegen FTGB.-Oberspree. In der 2. Gruppe spielen FTGB.-Adlers- Hof gegen ASC. u m 10 Uhr in Adlershof und Strausberg- Schwimmer gegen FIGB.-Baumschulenweg um 11 Uhr in Straus- berg. Im 2. Bezirk spielen in der 1. Gruppe FTGB.-Norden 1 gegen Mvabit um 11 Uhr auf dem Platz an der Schönhauser Allee und Velten 1 gegen FTGB.-Rosenthal um 16 Uhr in Velten. In der 2. Gruppe spielen Velten 2 gegen Schwante um 13 Uhr in Selten und FTGB.-Panlow gegen Hennigsdorf um 13 Uhr in Pankow. Frauenspiel«: FTGB.-Norden 1 gegen Hennigsdorf um 12 Uhr auf dem Exer und Tegel gegen Velten um 13 Uhr in Tegel, Graf-Rödern-Korso. Im 3. Bezirk spielen Bornstedt gegen FTGB.-Wedding 2 um 16 Uhr in Bornstedt. Rowawes 1 gegen FTGB-Wedding 1 und Nowawes 2 gegen FTGB.-Mitte 1 um 14 Uhr in Nowawes. Wedding 3 gegen Ketzin 1 um 14 Uhr im Volkspark Rehberge. Rathenow gegen Charlottenburg-Schwimmer in Rathenow. Nowawes-Frauen gegen Wedding um 13 Uhr in Nowawes. Im 4. Bezirk spielen Luckenwalde-Sportler gegen Trebbin in Luckenwalde. FTGB.-Süden gegen Wilmersdorf um 12 Uhr in Schöneberg. Dominikusplatz. FTGB.-Friedenau gegen Süden um 16 Ubr in Friedenau. Offenbacher Siraße. Schöncberg gegen FTGB. Neukölln um 16 Uhr in Schöneberg Bei tcn Frauen spielen Luckenwalde-Sportler gegen Luckenwalde(?. Abt.) in Luckenwalde: Schöneberg 1 gegen FTGB.-Süden um 14 Uhr und Schöne- •*m> tfeflW FTGB�NqlkAw um U Uhr« Schö»cde?g. Stäupung der Spalter. Der Leipziger Fuljballbezirk(8000 Mitglieder) wirft kommunistische Spalter hinaus. Auf der Vorständekonferenz der Sächsischen Arbeiter-Fußball- Spielvereinigung in Leipzig ist es am vergangenen Sonntag zu einer Generalabrechnung mit den kommunistischen Spaltern gekommen, in deren Verlauf«ine Anzahl Kommunisten einstimmig ausgeschlossen wurden. In den Verhandlungen kamen haarsträubend« Dinge zum Vorschein. Es wurde festgestellt, daß der ' Berliner Häuptling der Ausgeschlossenen, Herr Friedmann, mit allen Mitteln der Drohung und der Erpressung versucht hat, den Obmann der Spielvereinigung. Meißner, der Mitglied der KPD. war, zu zwingen, zum Verräter an seiner Organisation zu werden. Friedmann hat ihm eine Kreisleiterstelle bei der Opposition mit einem Monatsgelzalt von 300 M. angeboten. Meißner, der selbst längere Zeit in scharfer Opposition zum Bundesvorstand gestanden hat, deckte auf der Vorständckonferenz die infamen Intrigen restlos auf, worauf die Konferenz mehrere kommunistisch« Mitglieder ausschloß und nachstehende Entschließung an- nahm: „Die Vorständckonferenz der Sächsischen Spiclvercinigung, Bezirk Leipzig e. V., erkennt in Friedmann-Berlin den Führer der kommunistischen Bewegung der ausgeschlossenen Arbeitersport- ler. In Leipzig leistet der Parteiangestellte Sommerer mit der Sportfraktion Helferdienste im Sinne der Ausgeschlossenen. Die Vorständekonferenz lehnt deshalb Spiele mit Aus» geschlossenen, die Friedmann und Genossen vermitteln, sowie jede andere Verbinduin; a b. Sie we'st die kommunistischen Funktionäre und Mitglieder der Vereine, die unter dem Druck der Partei stehen, darauf hin, daß der Besuch von Sportfraktions- sitzungen, Werbung für Spiele mit Ausgeschlossenen, ihren s o- sört igen Ausschluß nach sich ziehen. Der Zweck der Arbeit von Friedmann und seiner Leipziger Sportfraktivn ist, unbedingt Differenzen mit de in Bundesvorstand hervor- zurufen, weitere Ausschlüsse zu provozieren, um so die� Basis im Reichsinaßstab für die Ausgeschlossenen zu schaffen. Di« von der Leipziger Sportsraklion in die Vereine willkürlich heincin» getragene Losung„Der Kampf um die Einheit" ist Lug und Trug. Die Einheit mit den Ausgeschlossenen kann sosort wieder her- gestellt werden, wenn die ausgeschlossenen Verein« die Bundes- iagsbeschlüsse anerkennen und zur Durchführung bringen. Die Vorständekonferenz erkennt an: Die Handlungen Fried- inonns und der Leipziger Sportfraktion laufen der Einheit unseres Bezirkes zuwider. Sic bedeuten Zerreißung unseres Bezirks, unserer Vereine. Zerstückelung einer jahrzehntelangen Arbeit. Sie bedeuten des�weiteren eine Schwächung unserer Position den bürgerlichen Sportverbänden gegenüber. In An- crkennung der Biindestagsbeschlüsse beschließt deshalb die Vor- ständekonferenz: 1. Durchführung der Ausschlüsse gegen die Sport- sraktionsmitglieder, 2. den Abbruch der Beziehungen zur„Sächsischen A r b e i t e r z ei t u n g"-Leipzig und die Einstellung jeglicher Berichterstattung an jene Zeitung." Kräftiger konnten die gedungenen Spalter nicht nach Hause ge- schickt werten. Man darf nun wohl fragen, wann die Remmele und Dahlem den so erfolgreichen Strategen Friedmann hinauswerfen.__ Arbeit und Körperpflege. Schon Karl Marx war tür Gymnastik! Wir haben die Pflichr, unseren Körper zu pflegen und zu bilden. denn nur der an Körper, Seele und Geist gesunde Mensch kann die Aufgaben erfüllen, die der Kampf für den Sozialismus stellt. Die Eintönigkeit der Arbeit macht den Menschen müde, zerstört die Ein- heit von Körper, Seele und Geist. Der Krastmotor macht die Ma- schinen zu Automaten. Von dieser Mechanisierung wird der Mensch «rfaßt, ob er in der Fabrik oder im Bureau arbeitet. Notwendig ist, Wege zu gehen, die den Gegensatz von Mensch, Maschine und Fabrikbetrieb überbrückt. Ein Mittel— nicht das Mittel— ist die Körperkultur! Das erkannte auch K a r l M a r x. Er schreibt in seinem„Ka- pital":„Ein Handwerker, der die verschiedenen Teilprozessc in der Produktion eines Machwerkes nacheinander ausführt, muß bald den Platz, bald die Instrumente wechseln. Der Ucbergang von einer Operation(lies Arbeit) zur anderen unterbricht den Fluß seiner Arbeit und bildet gewissermaßen Poren in seinem Arbeits- tag. Diese Poren verdichten sich, sobald er den gangen Tag eine und dieselbe Operation kontinuierlich verrichtet, oder sie verschwin- den in dem Maße, wie der Wechsel seiner Operation abnimmt. Die gesteigerte Produkttvität ist hier entweder der zunehmenden Aus- gäbe an Arbeitskraft in einem gegebenen Zeitraum geschuldet, also weckstelnder Intensität der Arbcil, oder einer Abnahm« des unproduktiven Verzehrens von Arbeitskraft. Der Uebcrschuß von Kraft- auswand nämlich, den jeder Uebergang aus der Ruhe in die Be- wegung erheischt, kompensiert sich bei längerer Fortdauer der ein» mal erreichten Normalgeschwindigkeit. Andererseits zer- stört die Kontinuität gleichförmiger Arbeit die Spann- und Schwungkraft der Lebensgeister, die im Wechsel der Tätigkeit selbst ihre Erholung und ihren Reiz finden!" „Der Geist der großen Mehrzahl der Menschen," sagt A. S m i t t, der Schüler Fergusons,„entwickelt sich notwendig aus und an ihren Alltagsverrichtungen. Ein Mensch, der sein ganzes Leben in der Verrichtung weniger einfacher Operationen oeraus- gabt, hat kein« Gelegenheit, feinen Verstand zu üben. Er wird im allgemeinen so stupid und unwissend, wie es für eine menschliche Kreatur möglich ist." Zuletzt sagt hierzu Karl Marx:„Aus dem Fabriksystem ent- sproß der Keini der Erziehung der Zukunft, welche produktiv« Arbeit init Unterricht und Gymnastik verbinden wird, nicht nur als eine Methode zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktion, sondern als einzige Methode zur Produktion vollfeitig entwickelter Menschen." Auch hieraus ist zu erkennen, daß unser Weg im Kulturkampf der richtige ist, und daß die Arbeitersportbewegung sich ihrer großen Ausgaben voll bewußt ist. Arbeilcr.Schüßeu.vund, Sonntag. 9 Uhr. Bogenschießen: 10 Uhr. Kleinkaliberschießen. Friedrichsfelde, KKS.-Sportplatz am Uppstall- weg. Gäste willkommen. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege S. v. Die Funktio. näre der Bezirkskartelle werden gebeten, allen Teilnehmern an der Jugendkundgebung des„Verbandes für Freiderstertum" mündlich oder schriftlich mstzuteilen. daß die Kundgebung nicht im„Lehrer. vcreinshans" stattfindet, sondern im„Orpheum". Hasenheide 32—38. Zeitbestimmung und alles andere bleibt bestehen. -> I. A.: Robert Oehlschläger. Srcif rur»e?s«bast Grss B-rli«, T.r-.tl �mpIow. Keule. Eon,-abend, frer n firi> hm WüiAtz ö c■> um 2') iiljr im„Sangerhüim". �loroitr. j.3 ©rilndiutflßfpicc. � „. Krbeiterspvrt. und Zugcubfortell Wilmersdorf. Heute. Eon»labend, 20 Ufac- bei flroiEw toQjtcüux Ccke Jpc 1 fii iu»iche jsUfl&s m �fill ftfti wutit Mwi lftum« SroioTwbwbtwb srädtinocui