Morgenausgabe BI4taffl4 88«f. m�-tllch 1Ä)5L fen soroDf jaljtbsi, Poslbezuz 4�2 TO. Etnlchlie�llch 60 Pfg-PostzeMisg». ui*6 12 55fj PostdestkOgebühnn. ilu«I«>8»- tbennfmeiu i— TO Ar, TOon«. »«„BereSrt,*«1ch-wt«ochrw»� 0(8 zweimal. Honntog, und TO?n?age «inmal. die ilbendau-gaden für«erlia und tm Handel mit dem Titel.Der Bbend". Illustrierte Beilaaen.ZZolt »nd Zeit" und.Ainderfreund". Ferner .Unterhaltunz und Wissen"..Frauen. pmm«-..Technik"..Blick in»i« Bücherwell" und.Zuzend-v-rwiri,' W"�». Berliner Sottsblatt Mittwoch 9. Offober 1929 Groß'Verlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. 9lonporrt0cxrfl« »- Reich- 9«•!« 1 p•» r t f• 10 Pfennig. Slektame-etl» Kart.„ZNetne An�eiaev' da, etty- d ruckt» Wort 25 Pfennig(zulüsiig zwet bettgedruckte Worte) ledee weiter, Wort 12 Pfennig. SteUengetuch» da» erst» Wort 15 Pfennig, lede» we'.ter, Won 1V Pfennig. Worte übe» 15 Puchstaden S'ble« für zwei Worte Ärbeitsmark» -ile 60 Pfennig. Familtenanzeigen Zeil« Pfennig. Lnzeigenannahme imHaupt. «efchaft öindenftrah» 3. wochentäglich »on S1/, bi» 17 Übt. Jentealovsan der SoziakdemoSvaMchen Partei NeutteblandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff W2— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwarts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 27 ö8S.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, slngestellten tmd Beamten, Wallstr. SS. Diikonto-Gescllschasl, Teposilenkoste Lindcnstr S. Presseskandal in Berlin. Hochflut deuifchnaiionaler und kommunistischer Verleumdungen gegen Sozialdemokraten. Die Presse Hugenbergs und der Kommu- nisten benutzt den Sklarek-Skandal. um täglich Verleumdungen und Verdächtigungen gegen Sozialdemokraten in verantwortlicher Stellung zu verbreiten. Im Mittelpunkt dieser Veröffentlichungen steht die sogenannte Kunden- liste der Sklareks. In dieser Liste ist wahllos eine Reihe von Sozial- demokraten aufgeführt, die. kommunalpolitisch an exponierter Stelle stehen. Eine Reihe der Verdächtigten hat kurze und bündige Erklärungen abgegeben und gleichzeitig Strafantrag gegen die Verbreiter der Verleumdungen gestellt. Die„Nacht- ausgäbe" des Herrn Hugenberg, die diese Liste als erste veröffentlichte, hat diesen Berichtigungen teilweise Raum gegeben, außerdem sind diese Erklärungen durch den„Vor- rvärts" öffentlich bekanntgegeben worden. Trotzdem setzten mehrere Berliner Abendblätter gestern abend den Verleumdungsfeldzug fort, in der schmutzigsten, an die Methoden der ausgesprochenen Revolver- presse heranreichenden Form. Wir nennen ausdrücklich die kommunistische„Welt am Abend", die deutschnationale „Deutsche Zeitung" und die„K r c u z z e i t u n g". Die Bahn der anständigen Journalistik ist in diesen Blättern verlassen, die hetzerische und gewissenlose persönliche Ver- leumdung bestimmt den Ton. Diese Zeitungen wiederholen die Verleumdungen gegen die namentlich bezeichneten Personen, unterschlagen jedoch die bündigen Gegenerklärungen der Verleumdeten! Z>cr Beweis, daß es ihnen nicht auf Reinigung des öffentlichen Lebens ankommt, sondern auf gewissenlose persönliche Hetze zu politischen Zwecken, ist damit erbracht. Die„Kreuzzeitung" besitzt die Dreistigkeit, ihre Auslassungen zu überschreiben:„Die SPD. schweigt." Sie wirft dem„Vorwärts" vor, daß er sich ausschweige. Wir haben unmittelbar nach dem Offenbarwerden des Skandals sehr deutlich unsere Meinung gesagt, aber wir sind nicht gesonnen, die unkontrollierbaren und zum Zwecke der Ver- leumdung erfundenen Gerüchte wiederzugeben, die täglich die Spalten der Sensationspresse und der politischen Hetzpresse von aanz rechts und ganz links füllen. Der Vorwurf des Schweigens, erhoben von der Kreuzzeitung". ist um so verlogener, als dies Blatt im selben Atemzug unsere Feststellungen und die Erklärungen der Angegriffenen mit folgenden Worten wiedergibt: „Er(der„Vorwärts") beschränkt sich bezeichuenöcrweisc darauf. Erllorungen abzudrucken von einigen stark belasteten Persönlichkeiten, die bestimmt behaupten, weder die Tklareks zu kennen, noch mit ihnen Geschäfte gemacht zu haben." Die„Kreuzzeitung" hat zwar wohl die Namen der Verleumdeten wiedergegeben, nicht aber die Namen derer, die sich zur Wehr gesetzt haben! Sie nennt die Männer, die ohne jeden Anhaltspunkt verleumdet worden find,„st a r k b e l a st e t". Es genügt für diese Zeitungen, daß gewissenlose Burschen Ehrenmänner mit Schmutz bewerfen, unr die Angegriffenen „stark belastet" zu nennen. Diese Methode der Ehr- obschneidung hat mit journalistischem Anstand nichts mehr zu tun— sie ist lediglich noch ein Objekt der Verachtung aller pnstandigen Menschen und ein Objekt für den Strafrichte?. Das„Tempo" in der Froni der Hetzpresse. ' Zwei Blätter des Verlages Ulstein haben gestern abend tzu den Veröffentlichungen über die„Kundenliste" Stellung genommen. Die„Vossische Zeitung" schreibt: „Das Berliner kommunistische Organ veröffentlicht heut« eine Dange Liste von bei der Stadt beamteten und anderen Persönlich- teitcn, die auf der Kunde»liste der St.lareks gestanden haben sollen. Die Namen kommunistischer Stadträte befinden sich auch darunter. Di« Veröffentlichung soll den Eindruck er- wecken, als ob Persönlichkeiten, unter denen sich auch Ober- biirgcrmc'istcr Boy befindet, aus der Geschäftsverbindung Zwischen den Brüdern Sklarek und der Stadt Berlin Vorteile in der Form gezogen hätten, d.ch sie sich Anzüge zu besoiüters billigen Preisen verschafft hätten. gestimmt eA»halt sp unkte oder gor Beweise werden iitber Sicht gegeben, dagegen ist in«mgen Fällen durch Rechnungen nachgewiesen worden, daß die Preise, die für die Anzüge gezahlt wurden, angemessen und nicht niedriger waren, als sie im normalen Geschäftsverkehr gefordert werden. Anderen Persönlichkeiten wird vorgeworfen, daß sie mit den Sklareks gesellschaftlich verkehrt haben, ohne daß erklärt wird, warum das ein Vergehen gewesen sein sollte, solange man annehmen mußte, daß die Brüder Sklarek sich in geordneten Verhältnissen befanden und nichts getan hätten, was sie mit dem Staatsanwalt in Konflikt bringen mußte. Die Affäre Sklarek ist trübe genug, und der Wunsch selbst- verständlich, daß nicht nur die strafgesetziich und moralisch Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden, sondern daß auch alle unzulossigen Zusammenhänge aufgedeckt werden, damit für die Zukunft ähnliches verhindert werde. Aber die Tendenz wird allzu deutlich sichtbar, au» einer kriminalassäre in allzu breitem Ausmaße ein Politikum zu machen, um für die bevorstehenden Wahlen Agilationsstosf zu gewinn«»." Diese v«rantwortungsbewußte Warnung vor der Sensationshetze, die der Sachlage durchaus gerecht wird, hat nicht verhindert, daß das ebenfalls im Verlag Ullstein er- scheinende„Tempo" sich die Methoden der Dcrleumdungs- presse zu eigen gemacht hat. Es veröffentlicht an der Spitze des Blattes sieben Porträts der angegriffenen Personen. Unterschrift:„Die Herren nach der letzten S k l a r e k- M o d e". Von den bereits veröffentlichten Er- klärungen— namentlich des Genossen F l a t a u— nimmt die Zeitung mit keiner Silbe Notiz! Diese Entgleisung ist um so ungeheuerlicher, als die „B o f f i j ch e Z e i t u n g" das wahre Wesen der Hetze richtig gekennzeichnet hat. Die Kundenliste. Bewußte Verleumdungen. Der Städtische Nachrichtendienst teilt mit: Die im Einoernehmen mit der Staatsanwaltschaft vom Bürger- incister Scholtz beauftragten Beamten der Stadt haben heute die Konten in den Büchern der Firma Sklarek im Kriminalgerichts- gebände eingesehen. Es handelt sich um drei Bände, die im ganzen l7GZ(sicbzehnhundert) Konten umfassen, und daneben um zwei Kladden. Kontobücher wie Kladden beziehen sich auf die legten drei Jahre. Von den 1700 Konten betrafen sehr viele außenstehende Per- sonen, z. B. freie Arbeiter und Angestellte und Beamte der Reichs- und Staatsbehörden. Die meisten Rechnungen sind durch Zahlung ausgeglichen, etwa fünfzig Konten tragen noch ein h ä» f i g sehr kleines Debet. Die Durcharbeitung der siebzchnhundert Konten wird noch längere Zeit erfordern. Daß eine so hohe Anzahl von Konten städtischer Bediensteter vorhanden ist, ist nicht verwunderlich, da in dem wöchentlich erscheinen- den„Amtsblatt der Stadt Berlin" ständig ein ganzseitiges Inserat der KVG. mit dem Hinweis auf Zahlungserleichterungen aufgenommen war. Die K u n d e n l i st e der beiden Kladden umfaßt die folgen- den Namen höherer Beamter und Angestellter: Stadtbaurat Dr. Adler, Stadtrat B e n e ck e, Stadtrat Gabel, Stadtschulrat N y d a h l. Stadtrat Dr. T r e i t e l. Bür- germeister Kohl, Bürgermeister Schneider, Stadtrat Gott- schalt, Stadtrat Gütig, Stadtrat R a d t k e, Stadtrat Weber, Verwaltungsbirettor D i) n o w, Verwaltungsdirektor S u ck e r, Direktor Brokat, Obermagistratsrat S ch a l l d a ch, Ober- magistratsrat K u n o w s k y, Stadtamtsrat S a k o l o w s k y sowie die Herren L i e b e r t und H e i n r i ch t von der BAG. Außerdem hat ein Herr Bäh j u n. ein Konto. Dies ist eine Liste von Kunden, woraus sich noch keineswegs irgendwie schließen läßt, daß diese Kunden einen Vorteil ans dem Kauf gehabt haben. Die« muß erst die staaksonwalischaslliche oder disziplinarische Untersuchung ergeben. Ferner ist wichtig, daß auch von den Kladdenkonten die Konten von Stadtrat Gottschalk und Obermagistratsrat Schalldach längst ausgeglichen sind, und wahrscheinlich dürfte eine jetzt noch nicht sestzustellcndc Anzahl anderer Konten ebenfalls durch Zahlung aus- geglichen sein. Gen. Ä r i 1 1 e erklärt uns: ..Nachdem Ich Kenntnis donan erhielt, daß d'<..Nachtausgabe" mich'« der„Liste" der Sklarek-Käufer nannte, habe ich schart tslephv- msch der Redaktion der„Nachtausgabe" mitgeteilt, daß ich weder jemals Anzüge oder sonstiges von Sklareks gekauft, noch sonstwie Beziehungen zu ihnen gehabt hätte. Darauf erwiderte der betreffende Redakteur, daß es ihnen nur darauf ankäme, die Liste derjenigen vom Magistrat zu erhalten, welche als Prominent« aus der Kommunalverwaltung mit Sklarek in geschäftlichen Beziehungen gestanden hätten. Wenn die Liste der Redaktion der„Nachtausgabe" bekannt fei, würde sie dann mitteilen, daß man sich hinsichtlich meiner Person geirrt habe." Darnach hat ein Hugenberg-Redattevr gestanden, daß seine Redaktion wahllos ohne alle Unterlagen Ehren- männer bewußt verleumdet hat, um eine Pression auf den Magistrat auszuüben! Diese von ehrenhafter Iourna- listik weit entfernte Methode kann man nur als Revolver- journalistik bezeichnen! Die„Rote Fahne" ist nach derselben schmutzigen Methode verfahren. Diese schimpfliche Methode der Hetze Ist nicht nur ge- eignet, die Verleumdeten schwer zu schädigend sie trägt gleich- zeitig große Gefahren füre die Stadt Perlin und ihren Kredit mit sich. Wir sind im Besitz besorgter Anfragen aus dem Ausland, die sich nach der Finanz- krise der Stadt Berlin im Zusaminenhang mit dem Sklarek-Skandal erkundigen. Das ist die Wirkung der gewissenlosen und verantwortungslosen Presse- Hetze! Es gibt in Berlin einen Skandal, der noch größer ist als der Sklarek-Skandal— das ist der Skandal der ver- antwortungslosen Presse, die vor keiner Infamie zurückschreckt! Weitere Erklärungen. Die I u st i z p r e s fest e lle teilt mit: Die Mitteilung der „Rot«n Fahne", daß Oberstaatsanwalt T e tz l a f f von der Staats- anwaltschast I Berlin ein Freund der Gebrüder Sklarek sei, ist unrichtig. Oberstaatsanwalt Tetzlass hat nie in irgend welchen privaten oder geschäftlichen Beziehungen zu einem der Gebrüder Sklarek gestanden. Er steht weder aus der sogenannten Klciderlisic noch hatte er bei der Firma Sklarek ein Konto. Stadtrat Schneider schreibt uns: „Werte Genossen! In der Angelegenheit Sklarek bitte ich Sie ergebenst, in der nächsten Ausgabe des„Vorwärts" folgende Erklä- rung von mir aufnehmen z» wollen: Zu den in der Oessentlichteit in der Angelegenheit Sklarek gegen mich erhobenen.Vorwürfen bemerke ich folgendes: Ich habe keinerlei Einfluß auf irgend- einen der zwischen der Stadt Berlin und Gebrüder Sklarek adge- schlossenen Verträge gehabt, da diese ausnahmslos Angelegenheiten der Zentralverwaltung gewesen sind und meinen Dienstkreis als Bürgermeister des Bezirksamts Mitte in keiner Weise berührten. Das gleiche gilt für die von der Stadtbank getätigten Kredit- g e f ch ä f t e. Ich habe auch sonst keinerlei Prioatgeschäfte mit Sklarek getätigt. Richtig ist, daß ich. wie ich nicht bestritten habe, privat mit Sklareks verkehrt habe. Die Kleidungsstücke, die ich von Sklarek bezogen Hab«, habe ich a n g e m« s s c n b« z a h l t. Die Quittungen befinden sich in meinen Händen." Treibereien gegen die Stadi Verlin. Bewußte Kreditschädigung. Wir lese» im Ullsteinschen„Tempo" unter der lieber- schrift„Böß-Krise": „Man kann dies einigermaßen verstehen, wenn man jetzt er- fährt, daß der Oberbürgermeister zniar zunächst den Besuch seines New-Porker Kollegen erwidern wollte, in Wirklichkeit aber— trotz aller Ableugnungen— in Amerika ist, um für die Sterdt Berlin eine große Anleihe aufzunehmen. Ob Ihm dies jehk noch gelingen wird, muß sehr beziveisell weiden. In städtischen Kreisen werden in dieser Verbindung jetzt die Gerüchte viel bostinrmter erörtert, die von einem geplanten Rücktritt des Oberbürgermeisters Böß van serrn Posten wissen wollen. Hier wird der Kern der Hetze enthüllt: der K r c d i t d e r S t a d t B e r l i n i m A u s l a n d s o l l g e s ch ä d i g t w e r- den. Zu diesztm Zwecke wurde der kriminelle Fall Sklarek von der Hilgenberg-Presse in Gemeinschaft mit den Kommu- nisten zu einem angeblichen Kommunalstandal ausgebaut— und das„T e m p o" hat dabei geholfen, ganz nach Art der verantwortungslosen Sensationspresse! Kommunist Gaebel ausgeschloffen. Oer Mohr kann gehen. Die Vezirksleitung der ÄPD. Verlin-Brandenburg hat, wie die „Rate Fahne" mitteilt, auf Grund eines Berichts des Untersuchung«- ausschusses der Partei einstimmig beschlossen, das bisherige Partei- Mitglied Otto Gaebel wegen unproletarischen Verhaltens aus der Kommunistischen Partei Deutschlands auszuschließen. » Stadtrat Gaebel hat eigenmächtig den Vertrag der Stadt Berlin mit den Sklareks verlängert, als der Vertrag ablief. Auf ihm lastet die Hauptver- a n t w o r t u n g.. Die Kommunistische Partei hat ihn bisher gehalten, weil sie ihn noch gebrauchte. Er mußte Material liefern für die verlogene und verleumderische Hetze, die die„Rote Fahne" in den letzten Tagen betrieben hat. Jetzt ist er erledigt. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Politik mit doppeltem Boden. Hagenbergs Doppelzüngigkeit. Die W i p r o,«ine im Berlag des Hugenberg-Konzerns«r- scheinende Maternkorrsspondeng, versieht einen großen Teil der deuts ch na ti o na l en Provmzpresse auch mit wöchentlichen Bilderbeilogen. In den Beilagen des„Rreisanzeigers für Stadt und Kreis Gardelegen", der„Äonigsberger Zeitung, Königsberg N.-M.", des„Stader Tagsblatts", der„Norddeutschen Post" Parchim, des„Templiner Kreisdlattes", Templin, sowie der„Täglichen Rund- schau", Bad Warmdrunn, befindet sich-u. a. ein Bild der Feste Eh renbreit st«in mit einigen sranzöstschen Soldaten im Hinter- grund. Dieses Bild ist mit folgendem Text versehen: „Wehmütig nehmen sie Abschied. Französische Soldaten schauen traurig auf die Feste Ehrenbreitstein bei Koblenz, auf der 10 Jahre die französische Trikolore wehte. Jetzt muß sie runter, und mit Bangen denken die Franzosen an den Abschied vom schönen deutschen Rhein. Erleichtert aber schauen unsere rheinischen Brüderden Scheiden- den nach." Im Hugenbergschen Voltsbegehren wird die hier so freudig an- erkannt« Befreiung des Rheinlandes mit einer kühlen Handbewegung abgetan: Selbst der Gedanke, daß durch eine Ab- iehnung des Poung-Plans die Befreiung des Rheinlandes aus ab- sehbare Zeit hinausgezögert werden könnt«, macht die Volksbegehrler nicht irre. Aber wie verträgt sich der Kampf für das Volks- begehren mit der Feststellung, die Hugenbergs Bilderbeilag« in dem ob«» angeführten Falle macht?! Hakenkreuzterror am Rhein. Hitlers Gesindel wird frech. Soblenz, S. Oktober.(Eigenbericht.) In dem Koblenzer Bezirk und an der Mosel agitieren die Nationalsozialisten seit Wochen in geradezu verbrecherischer Weise. Vor einigen Tagen drangen acht Nationalsozialisten in das große Warenhaus T ietz in Koblenz ein und verteilten sich aus das ganze Haus. Ein Mann ging in das oberste Stockwerk, von wo er Flugblätter mit der Aufschrist abwarf: Kauft nicht bei Juden, Nieder mit den Warenhäusern usw. Dos Publikum, das Tätlichkeiten fürchtete, drängte aus dem Warenhaus hinaus. Das sofort alarmierte Uebersallkomnrando nahm sänttlich« Rowdys fest und brachte sie in das Zimmer des Warenhausdirektors. Dort beschimpften die Nationalsozialisten den Leiter des Hauses in Gegenwart der Polizei dermaßen, daß sich die Beamten zu besonderen Maßnahmen veranlaßt sahen. Es muß leider gesagt werden, daß die Polizei in Koblenz Stadt und Land dem Treiben der Nationalsozialisten tatenlos zusieht.. Beamienbund gegen Hugenberg. Warnung vor Beteiligung am Volksbegehren. „Der Bewmtenbunb", das Organ des„Deutschen Beantten- bunbes", nimmt in seiner Nummer vom 8. Oktober Stellung zu dem Hugenbergschen Volksbegehren. Das Blatt untersucht besonders den Z 4 des Hugenbergfchen Gesetzentwurfs, der«in« Mindest- strafe von zwei Jahren Zuchthaus vorsieht für die Minister und deren Bevollmächtigten, die Abkommen aus Grund des Aoung-Plans unterzeichnen. Der„Veantten-Bund" kommt zu solgendcm Schluß: „Kann es möglich sein, daß ein Bertreter des Staates Landesverrat begeht, wenn er m Ausführung des ihm übertragenen Amtes und in Durchführung des Willen» der Volks- Vertretung etwas unternehmen muß, das einen Teil des Lölkes oder einem einzelnen Staatsbürger falsch erscheint? Sollte nicht bei besinnlicher Betrackstung der Gedanke kommen, daß eines Tages ein Volksbegehren angemeldet»verdett könnte, nach dem Beamte, die in Ausübung ihrer schweren Pflicht selbst von dem letzten Mittel der Schußnxifse Gebrauch machen müssen, nach ij 212 des Strasgesetzbuches wegen Mordes zu bestrasen seien, oder ein Volksbegehren, das Beamte, die zur Durchführung staat- lichen Willen« Pfändungen vornehmen müssen, wegen Haus- friedensbruches bestrafen will. ... Das durch die Verfassung gegebene Recht des Bolls- begehrens erfordert«in besonderes Maß staatsbürgerlicher Einsicht und Ueberlegung, wenn nicht die Anwendung dieses Mittels zu schwerer Erschütterung staatlichen Lebens führen soll. Die Beamtenschaft besitzt dieses Maß staatsbürgerlicher Ein- ficht. Wir sind davon überzeugt, daß diese Einsich: und die Er- kenntnis der ausgezeichneten Gefahren die Beamten von diesem Volksbegehren fernhält." Diese Absage ist recht deutlich und um so bezeichnender, weil auch deutschnational« Reichstagsabgeordnete zu den prominenten Mitgliedern de- Deutschen Beamtenbundes gehören. Verhandlung in Giockholm. Llsber einen neuen deutsch-schwedischen Handelsvertrag. In Stockholm haben die Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Handelsvertrages zwischen Deutschland und Schweden be- gormen. Die Regierungsdelegierten sind zu einer ersten Fühlung- nähme zusammengetreten. Aus Berlin sind Geheimrat Waldeck und Ministerialrat Heinitz als Vertreter der deutschen Regierung in Stock- Holm eingetroffen. Die schwedische Delegation leitet Landshövding Eric Troll«. Großskandal um Beffedowski. Tscheka auch gegen Oowgalewski.— Beffedowski enthüllt. pari», 8. Oktober.(Eigenbericht.) Der skandalöse Hinauswurf des russischen Geschäftsträgers Bessedowski aus der Pariser Sowjet- botschaft scheint sich zu einer Affäre von höchster politi- scher Tragweite auszuwachsen. Die Erschütterungen dieses Skandals sollen die Stellung nicht nur des Botschafters D o w g a- l e w s k I, sondern auch die des stellvertretenden Kommissars für auswärtige Angelegenheiten Li t win o w bedrohen. Der Berliner Tscheka-Direktor Röscnmann der zur Be- strafung des Bessedowski nach Paris gereist war, vesammelte vor seiner Rückkehr»«ch Berlin das gesamte Persans der Sowjetbotschaft »m sich und hielt«in« n»ttde Brandrede gegen Dowgalewski, den er beschuldigte, in sträflicher Nachlässigkeit das Treiben des abtrünnigen Geschäftsträgers vertuscht zu haben. Außerdem habe es Doiogalewski nicht fertig gebracht, den Renegaten nach Mos- kau abzuschieben. Cr sei also in erster Linie verantwortlich für den Skandal, der durch die Fluch Bessedowskis aus der Botschaft«nt» standen sei, und der das Ansehen der Sowjet-Diplomatie schwer schädige. Dowgalewski hat seinerzeit ein ausführliches Tele- g r a m m über die Angelegenheit nach Moskau gesandt, ist dort aber auf eisiges Schweigen gestoßen. In seiner Not hat er inzwischen unter Hinzuziehung einiger Juristen eine Besprechung mit den höheren Beamten der Botschaft abgehalten. Angeblich will er Bessedowski jetzt wegen seiner Angriffe in der russischen Enn- grantcnpresse entgegentreten und wegen Unterschlagung vor ein Pariser Gericht zu bringen oersuchen. Bessedowski rächt sich unterdessen weiter, indem er in der russischen Emigrantenzeitung .Letzte Nachrichten" feststellt, daß in der russischen Botschaft eine wahre Spionageabteilung existiere. Diese Abteilung leite auch die Propaganda in den sran- zösischen Kolonien, werbe geheime Mitarbeiter uird habe die Demonstration zum 1. August vorbereitet. Gituationsbericht aus polen. politischer Krisenzustand/ ernste Aufbauarbeit. Der Staatsstreich Piljudskis im Mai 1926 wurde von�den werktätigen Massen in Stadt und Land als Rettung aus politischem und wirtschaftlichem Elend begrüßt. Die Arbeiter von Warschau eilten den Truppen Pilsndskis bewaffnet zu Hilfe, die organisierten Eisen- bahner im Land« verhinderten den Antransport gegnerischen Militärs. Lange Zeit lächelte das Glück dem Regime Pilsudski, denn der große englische Bergarbeiterstreik verschaffte der polnischen Kohle gervaltigen Absatz, sie konnte die neugewonnenen Märkte »och lange behalten und der Mehrverdienst der Bergleute Ostober- schlesiens und des Reviers von Dombrorva kam dem ganzen Land zugute. Aber die Einigung Pilsudskis mit den Großgrundbesitzern, der stark« Druck auf die Neuwahl des Parlaments, und das Bor- gehen der Regierung gegen die Volksvertretung haben einen immer schärferen Gegensah zwischen Pilsudski und der Demokratie herbeigeführt. Er oder seine Umgebung, die sogenannten Obersten, änderten das Offizierkorps durch Masienentlaffungen in ihrem Sinne, besetzten irnnrer mehr Beamtenposten mit ihren Leuten, oft unter Nachsicht fachlicher und moralischer Befähigung, knebelten unter offener Mißachtung des Parlamentswillens die Press«, beseitigten die Unabhä»»gigkeit der Richter und weigerten sich, für ihre Etats- Überschreitungen von mehr als 566 Millionen Zloty die Gc- nehmigung des Parlaments einzuholen. Als der Sejm desn>egen den Finanzminister Czechowicz Unter Anklage stellte, trat dieser ver- fossungsgemäß zurück, ober in der Verhandlung vor dem Staats- gerichtshof beschimpfte Pilsudski das Gericht, den Sejm und feinen Ankläger in der Weise, wie er es zur tiefsten Demütigung des nationalen Stolzes in seinen Zeittingsarttkeln getan hat. Dogegen besteht bei mcht n>enigen Leuten und natürlich erst recht bei den „Senatoren", den Anhängern der Regierung, die auch in anderen Ländern durch stet« Wiederholung suggerierte Meinung, es müsse den„Ueberivuchern de« Porteiengettiebes" ein End« gemacht n>erden. Das will die„Sanacya", der Regis- rungsblock, durch eine Verfassungsänderung erreichen, wie sie un- aesähr auch die Heimwehr in Deutschösterreich»»erlangt. Dieselben Politiker versichern gewöhnlich, daß man gar nicht an die Beseiti- gung des Parlaments denke— man will es ja nur zu einem Schein- Parlament erniedrigen. Dem wollen die Sozialisten, die linken Bauernparteien, die Minderheitsnationen und gegenwärtig auch die reaktionären Nationoldemotraten auf das Entschiedenste widerstehen. Pilsudski-Anhänger versichern, daß er auch jehk noch Demokrat genug sei. um die Hand nicht gegen das Parlament zu erheben: Wortführer von Minderheitsvölkern schnxmken, da sie als Demo- traten zrvar gegen Pilsudski sind, aber im Interesse der Minderheite- völker noch zu ihm mehr Vertrauen haben als zu den allermeisten polnischen Parteien. Dabei wird auch unter dem Regime Piksudski noch immer so viel Unrecht gegen die Minderheitsvölker verübt, daß man sich sagen muß, wie müssen erst die Nationalisten sei»», wem» dieses Regime den Minderheitsvölkern noch als das bessere erscheinen kann! Nach der Verfasiung muß der Staatshaushalt im Oktober dem Sejm vorgelegt werden. Geschieht das, so dürfte sofort ein Miß- traucnsootum gegen die Gesamtregierung angemmmen wer- den. Ob jedoch der Sejm einberufen wird, und was im Falle einer solchen Mißtrauenskundgebung geschieht, bleibt bis zum letzten Augenblick ungewiß. Inzwischen Hot die Regierung Ihren Kurs klar gegen die Sozialisten gerichtet, indem der Arbeitsminister Prystor alle Krankenkassenoorstände auflöst, sie durch Offiziere oder sonstige Vertrauensleute ersetzt, die zunächst wiederum die sachkundigen, aber sozialistischen Beamten enttassen und ihre Leute anstellen. Als der große Wandel in der Gesinnung Pilsudfkis die polnische Sozialistische Partei in Opposition trieb, spaltete sich von ihr die Gruppe Moraczewski ab und nannte sich„PPS.— ehemalige revolutionäre Fraktion". Damit wollten sie sagen, daß sie die eigentliche, konsequent geblieben« Sozialistisch« Partei seien, und sie beschuldigen denn auch ihre Parteigenossen von gestern, halbe oder dreiviertel— Bolschewisten zu sein.. Dieser Vorimirf ist zu lächerlich, um auch imrden Versuch einer Widerlegung zu rechtfertigen. Klar ist dagegen, daß die abgespaltete Gruppe, die ironisch als die BBS. bezeichnet wird, lheoreklsch äußersten Nationalismus, Ankiparlamentarismu» und Ankisemikismus, praktisch aber brutalsten Faschismus treibt. Als vor wenigen Tagen das Warschauer Stadtparlament über Lohnforderungen des städtischen Personals beriet, erklärte der Magistrat, daß ihm das Geld zu der verlangten Lohnerhöhung fehle. Ungeachtet dessen stimmte die Mehrheit für ein« einmalige Beihilfe von einem halben Monatseinkommen. Da erklärte der Vor- sitzende I a w o r o w s k i, ein BBS.-Führer, 50 Proz. seien viel zu wenig, man müsse 75 Proz. bewilligen! Die Mehrheit stimmte schließlich für diesen Vorschlag, um sich nicht draußen als„Arbeiter- Verräter" beschimpfen zu lassen. Nichtsdestoiveniger mußte sich die Mehrheit die wüstesten Schimpfworte von der Barde Jawororvskis, dem ehemaligen Führer der Warschauer PPS. und ihrer Arbeiter- miliz gefallen lassen. Und während die Opposition keinerlei Um- züge veranstalten darf, hielten die Iaworowski-Leute nachts auf dem Rathausplatz eine Radauversammlung unter dem Schutz der Polizei abl Längere Zeit hindurch lvar die PPS. in Warschau durch diese Spaltung und den Terror der Iaworowski-Gruppe, die zum Beispiel die städtischen Angestellten in ihre Organisationen hineinzwang, auch lchon die Geiverkschaften zu spalten oersucht und unausgesetzt U eberfälle auf Soziali st en verübt, nicht in der Lage, öffentlich aufzutreten Doch macht die Gesundung rasche Fortschritte. die Organisation ist wieder im Aufstieg und außerhalb von Warschau bedeutet die BBS. überhaupt nichts Was die wirtschaftliche Lage Polens angeht, so ist sie vor allem durch den schweren Kapitalmangel gezeichnet: die sehr ernsten und eifrigen Bemühungen Polens um seiue Hebung in jeder Beziehung werden dadurch sehr erschwert. Zwar ist die polnisch« Währu»»g mit 60prozentiger Deckung gewiß gut gesichert, aber der Geldui»»lauf ist nur der achte Teil desjenigen in Deutschland, und selbst wettn man m Rechnung stellt, daß die polnische Bevölkerungsstärk« weniger als die Hälfte der reichsdeutfchen beträgt, ist der Geldumlauf auch nur ein Viertel des unserigen. So stockt z. B. die dringend notwendige Bau» tätigkeit fast ganz. In Songreßpolcn ist die in der russischen Herrschastszeil sehlende Schulpsllchl eingeführt worden, ober es herrscht noch der größte Mangel an Schulgebäuden. Die Kinder»Verden in zwei Schichten unterrichtet, die einen vor- mittags, die anderen nachmtttags, und dazu zwingt die Nichtver- mehrung der Schulgebäude selbst dort, wo die Schulpflicht schon längst besteht, wie in den ehemals österreichischen und preußischen Teilgebieten. Ueberall begegnet man schulpslichtigenIungen als schreiende Zeitungsvertäufer, selbst noch in spätester Nachtstunde und am frühesten Morgen. Abgerissen urid unterernährt sind diese armen Kinder, dankbar selbst für eine Zeitung, die man vorhin gekauft und schon durchgesehen hat: sie verkaufen sie eben wieder. Wenn auch in den Großstädten nicht Wer. mäßig viel gebettelt wird, so deutet doch der frühe Lokalschluß—. 12 Uhr— gleichfalls auf die Armut des Volkes: allerdings ist dieser frühe Schluß zum Teil eine Demonstration gegen die nach 12 Uhr zu zahlende Hockersteuer. Ein Blick in die Wohnungen der armen Leute und schon sogar in die ausgedehnten Iudenviertel der Städte Kongreßpolcns und Galiziens zeigt fürchterlich« Elendsbifcer. Seit Jahren verhandelt Polen in London, Paris, Brüssel usw. um ein« große Anleihe, bis jetzt aber vergebens. Im gleichen Maß wie die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich, wächst die Nolwendigkeil für Pole»», sich mit Deutschland zu verständigen. wenn auch der jahrelange Zollkrieg der polnischen Industrie einen beträchtlichen Aufschwung gebrocht hat. Die großartig« Zehnjahrfeier-Ausstellung in Posen zeigt das deutlich. Die beut- schen Konsumenten hoben das gleiche Interesse, die billigeren polnischen Lebensmittel kämen uns äußerst gelegen. Bor allem aber ist es wirklich an der Zeit, auch mit unserem östlichen Nochbar zu besseren Beziehungen zu kommen. Und dies muß angestrebt»»»erden, so wenig auch das Bestehen jener fast unlösbaren Frage geleugnet werden kann, die aus der Grenz- Ziehung in Versailles entstanden ist. Niederkämpfung der Haßprediger bei uns, ehrlicher Minderheitenschutz in Polen müssen uns der Derständigung auch im Osten näherbringen. Kiebarö Bernstein. Sozialistische Saar-Inierpellation. Llm die Saarkohle. Paris. 8. Oktober.(Eigenbericht.) Der sozialistische Abgeordnete U k r y fordert in einer I n t e r- pellation über die bevorstehenden Saaroerhand- l u n g e n Aufklärung darüber, mit welchen Mitteln„künftig die saarländische und europäische Produktion mit den nötigen Saar- kohlen ausreichend versorgt werden soll". Die französische Kommisston, die die Saarverhandlungen mit Deutschland vorbereitet, hat am Dienstag eine Delegatton der franko-faarländischen Handelskammer, eines Propaganda- instituts in Saarbrücken, empfangen. Die Delegation hat der französischen Regierung ihr volles Vertrauen ausgesprochen und der Erwartung Ausdruck gegeben, daß es Frankreich gelingen werde, aus dem Saargebist das erste größere Versuchsfeld für eine eng« Wirtschaftszusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich zu machen. Arbeiterparlament in Wien. Oer Parteitag eröffnet Hinbenburgs Verjüngungskur. Einladung zur Klottenkonferenz. Die Grundlagen der britisch-ameritamschen Einigung.- Kür völlige Abschaffung der V-Voote. Wie«, 8. Oktober.(Eigenbericht.) Im großen Saal des Arbeiterheims Ottakring (Wien 6) ist heute abend der Sozialdemokratische Partei» tag zusammengetreten. Tie Zahl der Delegierten ift außerordentlich groß. Vorsitzender S e i tz erklärte in seiner Ansprache» der große Bankcnkrach habe den bürgerlichen Parteien wohl gezeigt» um wie viel wichtiger Fragen der Wirtschaft. als Verfassungsfragen seien. Die Sozialdemokratie sei bereit, über die Verfassung zu reden» wenn man es aber mit Drohungen versuchen wolle» so würde sie auch zum Kampf bereit sein. Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Wels» verwies darauf, daß der gleiche Kampf auch in Deutschland im Gange sei. Die deutsche Schwerindustrie finanziere die österreichischen Heimwehren. Das Hugenberg» sche Volksbegehren sei ein Zeichen, daß auch in Deutsch» land der Kampf gegen die Republik von demselben Geiste getragen sei wie in Deutschösterrrich. Das Verfassungsprojekt der Regierung. Slagenfurt» 8. Oktober. Bundesminister Schumy(Landbund) machte hier Mitteilungen über den Fortgang der Arbeiten zur Verfassungsreform in dem ministeriellen Sonderausschuß. Der Nationalrat soll künftig von 160 auf 120 Abgeordnet« beschränkt werden. Die an Stelle des Bundesrats«�Aussicht genommen« zweite Kammer ist als eine Vereinigung von Länderkannner und Ständekammer ge- dacht mit 27 Länderoertretern und 27 Vertretern der Wirtschaft einschließlich 4 Beamtenvertretern. Gegen die Verkleinerung des Nationalrats dürste grund- sätzlich nicht viel einzuwenden sein: bleiben Wahlrecht und Proporz unverändert, so geben 120 Mandate genau so gut die Volksmeinung wieder wie 160. Dagegen ist bestimmt anzunehmen, daß die A r b e i t e r, wenn der Bundesrat nicht wie bisher ausschließlich von den Landtagen proporzmäßig gewählt werden soll, mindestens fordern werden, ebenso ver- treten zu sein wie die„Wirtschaft" und die Beamten. Immer- hin bezeichnet die Regierung den Bundesrat als zweite Kammer, aber nicht als ein Oberhaus. Oer Oppelner Prozeß. Vernehmung der polnischen Zeugen. Oppeln, 8. Oktober. Im Prozeß wegen der Ausschreitungen anläßlich des polnischen Gastspiels entstand heute eine gewisse Aufregung, als die Vertreter des polnischen Nebenklägers, Rechtsanwalt Simon, erklärte, er habe ein Schreiben erhalten, wonach ein der Verhandlung Beiwohnender gehört haben will, wie der Angeklagte Zentner mit Bezug aus einen von ihm zu der heutigen Verhandlung mitgebrachten Koffer erklärte, daß in demselben eine Uhr sei. Wenn Sa r a— gemeint ist anscheinend Rechtsanwalt Dr. Simon— sprechen werde, werde er den Kosser in die Luft gehen lassen. Der Angeklagte er- klärte dazu, daß es sich um eine vollkommen« Verdrehung der Tat- sachen handele. Er habe nichts Besonderes in dem Koffer. Gegen Mittag wurden die polnischen Zeugen in den Saal ge- rufen. Von den S8 polnischen Zeugen und Nebenklägern waren 16 erschienen. Nach der Aufrufung der Zeugen und Nebenkläger und Belehrung derselben unter Zuhilfenahme des Dolmetscher» wurden die Zeugen unter starkem polizeilichen Schutz wieder entlassen, während elf Nebenkläger gegenüber den Angeklagten Platz nahmen. Nach der Vernehmung der letzten deutschen Zeugen begann die Vernehmung der Nebenkläger. Als erster schilderte Theaterdirettor Zuna die Vorfälle im Theater, die sich anschließenden Vorfälle auf dem Wege zum Bahnhof und die im Bahnhof selbst. Er gab an, im Tunnel des Oppelner Bahnhofs von drei Leuten angehalten und von einem derselben ge- schlagen worden zu sein. Er will auch gesehen haben, wie zwei weitere Mitglieder des polnischen Theaters von denselben drei Per- strnen mit Schlägen bedacht wurden. Eine positive Unterlage dafür, daß die Menge im Tunnel und auf der Strecke sowie vor dem Theater organisiert war, könne er nicht geben. Er ver- mute es aber. Der Angekl. Zentner habe ihm entgegengerufen: „Das find die Künstler, haut sie!" Auch den Angekl. Michaleczyk will er in der Menge erkannt haben. Zeuge Oberregisseur Stepniowski gibt u. a. an, daß er mit einem Kollegen und zwei Damen die Krakauer Straße entlang zum Bahn- Hof gegangen sei. Er und seine Begleiter seien dann von einer Truppe, die singend von einer Seitenstraße heranmarschiert«, ver- folgt und belästigt worden. Am Bahnhof Hab« sie ein« Menschenmenge erwartet, die ein« drohende Haltung annahm. Als er, von der Meng« bedrängt, die Treppe hinunterfiel, Hab« ein Mann ihm mit der flachen Hand i n s Gesicht geschlagen und ihn getreten. Nach diesem Vor- fall seien dann die Bahnschutzbeamten gekommen und hätten die Menge hinausgedrängt. Der Zeuge kann keinen der Angeklagten als Täter erkennen. Zwei, die ihn geschlagen hätten, habe er im Ge- dächtni?: sie seien aber nicht unter den Angeklagten. Der Opern- jänger Szerpakiebiez machte Ausführungen über die Dedrohung des polnischen Generalkonsul», der der Opern- aufsührung beiwohnte. Er selbst habe sich nach Verlassen des Theaters unter die johlend« Menge gemischt und getan, als ob er dazu gehöre. Als er unterwegs einer polnischen Dame habe helfen wollen, sei ihm zugerufen worden: .Raus aus Deutschland!" Er Hab« auch zwei Hiebe mit einem Knüppel erhalten. Der Verteidiger Dr. Kluge sagt«, dieser Zeuge habe als einziger bekundet, daß ein Reichs» ei, r Hauptmann eine Dame getreten und zu ihr gesogt heB«:„Raus, du polnisches Schwein!" Er, der Verteidiger, halte diese Bekundung des Zeugen für ungeheuerlich und durch nichts erwiesen. Der Staats- a n w o l t erklärte hierauf, daß er in der Loge sei, diese Aussage des Zeugen zu widerlegen, er halte es aber nicht für angebracht, schon jetzt auf die Glaubwürdigkeit des Zeugen «inzugehen._ ✓ Infolge des Tuka-Urieils sind die beiden tschechoslowakischen Minister, die Tukas Partei angehören, zurückgetreten. T u k a ist wieder- Kandidat fürs Abgeordnetenhaus. London. 8. Oktober.(Eigenbericht.) Der T e x t der britischen E i n i a d u n g e n an die Regierungen Amerikas. Zapans, Frankreichs und Italiens zur Teilnahme an einer Seeadrüftungskonserenz. die in der dritten Woche de» Iaauar 1930 stottsinden soll, ist am Dienstag der Presse übergeben worden. Das Dokument beginnt mit der Feststellung, daß die Besprechungen zwischen wacdonald und dem amerikanischen Bot- schafter ein Stadium erreicht hätten, daß ein Abkommen nicht mehr zunichte gemacht werden könnte. Zn folgenden Punkten sei ein« grnndsähllche Einigung zwischen Großbritannien und Amerika erzielt: 1. ver im Jahre 1928 abgeschlossene Friedenspakt(Kellogg. Pakt) soll den Ausgangspunkt für jedes künftige Heber- einkommen bilden. 2. Da» Prinzip der Parität fall auf alle Schiff». klaffen Anwendung finden. Auf britischer Seile find bei den Berechnungen sämtliche maritimen Streikräfte des gesamten Weltreiches mit einzubeziehen....... 3. Großbritannien und Amerika sind einig in dem Wunsche nach einer Revision jenes Teiles des Washingtoner See- abrüfiungsabkommens vom Iahre 1922. der flch auf die Ersah. bauten für Schlachtschisse besteht. Das Ausmaß der Erfahbaulen soll gegenüber den im Washingtoner Abkommen niedergelegten Grundfähe« vermindert werden. Beide Regierungen stimmen in der wünfchbarkeit der völlige« A b- schaff ung der Unterseebootswasse überein. Zu dem Dokument wird dann betont, daß die beiden Regie- rungen es für wünschenswert halten, eine Konferenz einzuberufen. deren Ausgabe es fein soll: A) die im Washingtoner Abkommen von 1922 ausgeschlossenen Schiffskategorien zu erörtern(das find Kreuzer, Zerstörer und II-Boote) und B) die im zweiten Paragraphen des Artikels 21 jenes Der- trage» angeschnittene Frage zv erörtern. henderfoa schließt die Einladung mit der Feststellung, die britische Regierung sei nirgends auf die Annahme gestoßen, einen neuen Apparat für die Erörterung dieser Fragen ins Leben zu rufen. Im Gegenteil sei zu hoffen, daß aus dem hier angeregten Wege ein Abkommen zustande komme, das die Ausgaben der vorbereitenden Abrü.stungskommission de? Völkerbundes und einer fpöleren allgemeinen Abrüstung' konferenz erleichtern werde. Ein famoser Generaldirektor Raiffeisen-Oieirich verliert seine Wertpapiere beim Rarbier Die Raiffeisentragikomödie entwickelt sich immer mehr zu einem Panama der Deutschnationalen Direktion. In der Dienstagvormittagsitzung wurde bereits die auffällige Be- telligung deutschnotionaler Parlamentarier und aristokratischer Größen an Verlustkonten festgestellt, die bisher im Dunklen gelegen hatten. Daß die Katastrophe sich in der Nachmittagssitzung ver- zögerte, dafür können sich die Deutschnationalen bei dem Kommu- nisten Schulz-Neukölln bedanken, der mit einer ungeheuer weit- schweifenden und sich in allerhand Nebensächlichkeiten verlierenden Fragestellung dreieinehalbe Stunde lang den Ausschuß von seiner eigentlichen Tätigkeit abhielt. Herr Schulz wollt« durchaus einig« Antworten für sein kommunistisches Agitationsbedürsnis erzielen, und wenn er sie nicht wunschgemäß erhielt, so fragte er auf un- zähligen Umwegen immer wieder dasselbe, so daß der Vorsitzende Dr. Deerberg schließlich erklärte:„W i r sind doch keine Psychopathen, daß man uns jede Sache zwanzig. mal auseinandersetzen muß." Ernster wurde es erst ganz gegen Schluß der Sitzung für den Generaldirektor Dietrich. Er war schon in der Vor- mittagssitzung in eine sehr peinliche Lage geraten, als sich heraus- stellte, daß er ohne Wissen seiner beiden Mitdirektoren für die Braunkohlengrub« eines Herrn Heidebroeck Bürgschaft in Höhe von IVi Millionen Mark übernommen hatte, die der Raiffeisenbank restlog verloren gingen. Man konnte sich des Eindrucks nicht er- wehren, daß es sich um ein« ganz unkaufmännische Gefällig- teitsbürgschaft sehr bedenklicher Natur gehandelt hatte. Nunmehr fragt« Abg. Mainzer(Soz.) den Generaldirektor Dietrich, ob er seiner Bank Spekulationsgeschäfte streng verboten habe. Dietrich bejohle das mit erhobener Stimme, mußte seine Aussage aber sehr rasch auf die Zeit noch der Inflation ein- schränken. Während der Inflation seien allerdings gewinnbringende Spekulationsgeschäfte getätigt worden,„um die Geschäftsunkosten herniszuwirtschosten". Genosse Mainzer aber stellte akienmäßig fest, daß Ende 1925 ein reines Spekulationsgeschäft, nämlich der Ankauf rumänischer Devisen von der Raiffeisenbank getätigt worden sei— und zwar von Herrn Generaldirektor Dietrich persönlich! Zeuge Dietrich(oerwirrt):„Das stimmt allerdings." Abg. Mainzer: Sie haben als die repräsentatioe Spitz« der Bank also selber das bös« Beispiel gegeben und getan, was den anderen verboten war.— Zeuge Dietrich: Ich hoffte auf einen Gewinn bei der Sache. Abg. Mainzer: Nun ia, das tut jeder Spekulant, eben das nennt man Spekulation. Dt« Sache geht aber noch viel merkwürdiger aus: Für dieses Geschäft ist schließlich Generaldirektor Dietrich persönlich mit 92000 M. für„Deoisenkäufe" belastet worden. Frage: Wie kam denn das? Zeuge Dietrich: Ich hätte nämlich die Papier« ver- ! o r« n I Allgemeines Staunen. Berichterstatter: Verloren? Wie verstehen Sie das? Zeuge Dietrich: Ich hatte die Papiere in meine Vrusttasche gesteckt und da sind sie mir beim Barbier Ecke Friedrich, und Dorotheenstraße abhanden gekommen. Stille, in die der deutschnationale Vorsitzende Dr Deerberg hinein mit schneidender Ironie spricht:„Sie haben allerdings in dieser Sache stets g e w a l t I g e s Pech gehabt, Herr Geheimrat!" Gelächter ringsum, während um den Tisch der Ausschußmitglieder das Word zirkuliert, daß Dietrich sich wohl in der Ortsangabe geirrr und die Papier« nicht in der Dorotheenstraße. sondern in der Burgstraße(Sitz der Börse) verloren habe. Jedenfalls hat von einer Verlustanzeige nie ein Mensch etwas gehört, und niemand dürste im Ausschuß fein, dem die Darstellung des Herrn General- direktor plausibel erscheint. Damit ist aber das Kapitel Dietrich noch keineswegs abge- schlössen. Es wird weiter festgestellt, daß Diertrich im gleichen letzten Quartal 1925, als er seine Bank schon in Grund und Boden gewitschaftet hatte, auch noch 18000 M. in bar abgehoben hat, so daß sein persönliches Konto auf 110 000 Mark anwuchs. Dietrich meint, daß es sich bei den 18 000 M. wohl um Zinszuschrei- bungen handle, aber der Posten ist ausdrücklich als Bar- abhebung verbucht. Zeuge Dietrich: Ich weiß nicht mehr, vielleicht war es ein� Düngerkredit. Der Aussichtsrat war jedensalls einverstanden. Mag sein. Aber man wird die Verwunderung darüber nicht los, daß der Generaldirektor, der die verzweiselt« Lage seines In- stituts damals kannte und sie selbst verschuldet hatte,— daß dieser Mann die ohnehin aufs äußerste angespannt« Bank auch noch per j ö n l i ch um«inen nicht unerheblichen Kreditposten erleichtern- Damit kommt in das Porträt dieses Generaldirektors, der sich um nichts bekümmerte, ein neuer und keineswegs vorteilhafter Zug._______ Trauergottesdienst in London. In der St.-Margareth-Kirche i.i London fand am Dienstag ein von der Völkerbundsliga veranstal- teter Trauergottesdienst für den verstorbenen Reichsaußen- minister Dr. Stresemann statt. An der Feier rnihmeo der deutsche Geschäftsträger und die Botschafter Amerikas, Frankreichs, Italiens und Belgiens teil. Ministerpräsident Romsay Mactonald und Außenminister Hendevson hotten Vertreter entsandt. Außerdem waren erschienen Vertreter aller Parteien, darunter Lor>> Permoor, Lloyd Georg« und der ehemalig« britisch« Auß"' minister Sir Austen Chamberlain. Wir grüßen den Gefamtverband! Das Werk gewerkschaftlicher Rationalisierung. �eute wird der Schlußstein zur Schaffung des„G e- famtverbandes" gelegt werden. Nach den Abftim- wungen bei den Gemeinde- und Staatsarbeitcrn, den Gärtnern und dem Verkehrsbund kann nicht der leiseste Zweifel mehr bestehen, daß morgen die freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten der öffent- lichen Betriebe(mit Ausnahme der Reichsbahn), des Per- fönen- und Warenverkehrs in einer Organisation zu- sammengeschlossen sein werden. Der Verkehrsbund bringt nahezu 400 000, der Gemeinde- und Staatsarbeiterverband über 270 000(und nicht 70 770, wie es infolge eines Druck- fehlers in unserer gestrigen Abendausgabe heißt), der Ver- band der Gärtner 11000 Mitglieder mit. Mit 680 000 Mit- gliedern wird der Gesamtverband anfangen. Hier kann man wirklich nicht sagen: Aller Anfang ist schwer. * Wenn die drei Verbände, jeder in seiner Art, auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurückblicken können, jeder für sich schon das Ergebnis einer mehr oder weniger umfangreichen Zusammenschlußbcwegung ist, so darf es wohl ausge- sprvchen werden, daß diese Zusammenschlußbewegung noch lang« nicht beendet ist. Genosse Schumann hat gestern bereits einige Andeutungen gemacht, die den Gesamt- verband berühren. Aber darüber hinaus kann wohl kein Zweifel fein, daß die ungeheure Konzentrationsbewegung des Stapstals nicht ohne Rüwirkung bleiben kann auf die Gewerk- fchaften. In welcher Form sich diese Konzentration weiter vollziehen wird, ob durch direkte Verschmelzung ein- zelner Verbände, wie jetzt im Gesamtverband, ob durch einen Ausbau der gemeinsamen Dachorganisation bei gleichzeitiger Vereinheitlichung der Einrichtungen der ein- zelnen Verbände, wird eine nahe Zukunft zeigen. Wahrschein- lich wird sich diese Konzentrationsbewegung auf beiden Ge- bieten vollziehen. « Diese Entwicklung ist nicht neu. Die Zahl der Ver- bände, die dem ADGB. angeschlossen sind, ist in demselben Maße zurückgegangen, in dem die Mitglieder- zahl gewachsen ist. Durch diese Konzentration war es auch möglich, gemeinsame Einrichtungen zu schaffen, an die vorher nicht gedacht werden konnte. Wir nennen hier nur die Arbeiterbank, die Dewog, den Verband sozia- ler Baubetriebe, die Bundesschule des ADGB. usw. Aber wie es eine Auswirkung der Rationalisierung ist, daß selbst Riesenkonzerne sich miteinander verschmelzen, so treibt die innere Logik dieser Bewegung auch die Gewerk- fchaften zur Rationalisierung. Das heißt aber keineswegs, daß nunmehr alles in einen Topf geworfen und zu einem Brei verrührt wird. Im Gegen- teil! Wie innerhalb des Gesamtverbandes alle Berufs- oder Fachgruppen über das ganze Reich zusammengefaßt werden, während sie bisher teilweise in zwei Verbänden getrennt waren, so wird dieses Eigenleben in den großen Verbänden um so mehr gesichert sein, als es auf rationeller Grundlage erfolgt, unter Vermeidung von Ver- schwendung an Zeit, Krast und Geld. Wir Sozialdemokraten begrüßen den Gesamtverband nicht nur wegen seines bahn- brechenden Beispiels. Wir begrüßen ihn, weil dieses Werk vollzogen wurde von Sozialdemokraten, die mit weit- schauendem Blick für den Sozialismus gearbeitet haben. Abschluß im Verkehrsbund. Ohne jeden Mißton ist die S ch l u ß t a g u n g des Deutschen Lerkehrsbundes zu End« gegongen. All« Vorschläge, die die vor- bereitenden Körperschaften für den kommenden Gesamtverband gemacht haben, wurden ein st immig angenommen. Großen Beifall löste die Mitteilung aus, daß auch der Verbandstag der Gemeindearbeiter dem Zusammenschluß mit allen gegen sieben Stim- men zugestimmt habe. In seiner Schluhansprache wies Schumann daraus hin, daß der Deutsche Verkehrsbund heute auch g e i st i g innerlich geschlossen sei:„Mit den Jüngern Moskau» find wir schnell fertig geworden. Auch darauf können wir stolz ssin! Wir sind heute nahezu 40000 0. Unser« finanziellen Verhältnisse sind nicht so glänzend, ober wenn man die verschiedenen Umstände berücksichtigt, dann wird man anerkennen, daß es keine Kleinigkeit ist, wenn wir dem Gefamtverband rund 10% Millionen Mark mitbringen." Schumann dankte allen Kollegen, die mitgeholfen haben an dem Aufbau des Verkehrsbundes, und er dankt auch den verstorbenen Kämpfern über das Grob hinaus für ihre treue Arbeit.„Wir im Verkehrsbund," sagte Schumann, waren immer Anhänger der Konzentrotion der Kräfte gewesen und es ist vielleicht nicht die letzte, die wir morgen vornehmen werden. Ich kann jetzt schon verraten, daß der Verband der Bcrufsseuerwehrleute und die Reichsgewerkschast deutscher K o m m u n a l b e a m t e n wohl bald mit uns oereinigt sein werden: über die anderen will ich noch nichts verraten. Wir wollen vorwärts und aufwärts und ich rufe den Jungen zu: Nehmt euch ein Beispiel an den Alten und arbeitet morgen mit noch größerer geistiger Kraft und mit demselben Feuereifer an dieser Konzentration und an dem Aufstieg der Arbeiterschaft!" Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die internationale Gcwerkschasts- und Arbeiterbewegung schloß Schumann den letzten Verbandstag des Deutschen Berkehrsbundcs. Reichsanstalt und Reparationsarbeiter. ? Keine Vermittlung von Streitbrechern. Bvn der Reichsanstalt wird uns geschrieben: „Zu Ihren verschiedenen Mitteilungen über den Streik der Reparationsarbeiter(besonders Nr. 451 vom 26. September 1929) «rlauben wir uns, daraus aufmerksam zu machen, daß die als Arbeitsvermittler für die Arbeiten am Moselkanal angegriffenen Dienststellen in D i l l i n g« n und Mettlach jeder Einflußnahme des Landesarbeitsamtes Rheinland und überhaupt der Reichsanstalt entzogen sind, da die genannten Orte ini Saargebiet liegen. Die zur Reichsanstalt gehörigen Arbeitsämter in den Bezirken Rhein- l a n d und Westfalen sind vor kurzem erneut durch Rund- schreiben ersucht worden, sich jeder Vermittlung für dies« Repara- tionsarbeiten zu enthalten, bis die schwebenden Streitigkeiten beigelegt sind." * Daß Dillingen und Mettlach im Saargebiet liegen, ist von uns ausdrücklich betont worden. Wenn � die Reichsanstalt die anderen ihr unterstehenden Arbeitsämter angewiesen hat, bis zur Beilegung der Streitigkeiten die Vermittlung von Streikbrechern einzustellen, so hat sie nur ihre Pflicht getan. Es wäre allerdings zu wünschen gewesen, daß es eines solchen Hinweises nicht erst bedurft hätte. Bankenfusion im Arbeiisministerium. Die Forderungen der Angestellten. Wie uns der Allgemeine Verband der deutschen Bankangestellten mitteilt, fand am gestrigen Tage im Rcichsarbeitsministeriom unter dem Vorsitze des Ministerialrates Dr. B c i s i e g e l eine Aus- spräche der Bankangestclltenorganisationen über die drohenden Ab- staumaßnahmen statt. Die Angestclltenverbände stellten übereinstimmend die Forde- rung auf,'das Arbeitsministerium möge nach der Richtung hin intervenieren, daß der übereilte Abbau von Angestellten ehe noch die Auswirkungen der Fusion sich überschauen ließen, sofort o b- gestellt würde, daß darüber hinaus eine Verkürzung der Ar beitszeit auf 42 Stunden wöchentlich und für Buchung»- moschinen auf sechs Stunden pro Tag In Aussicht genommen werden. che weitere Kündigungen auszusprechen wären. Ileberarbeit dürfe unter keinen Umständen infolge der Fusion geduldet werden. Darüber sei durch Gewährung eines größeren Abkehrgeldcs an alle sich freiwillig zum Abbau Meldenden ein Anreiz, speziell für jüngere Arbeitskräfte zu schaffen, von sich aus den Baukbetrieb zu verlassen. Sollten diese Maßnähmen in einer späteren Entwick- lung der Fusion nicht ausreichen, weiteren Abbau zu verhindern, dann solle das Prinzip des W a r t e g e l d e s nach ähnlichen Gs> fichtspunkten zur Anwendung gelangen, wie es der Staat anläßlich des Bcamtenabbaues im Jahre 1924 zur Anwendung gebracht habe. Ueber 50 Jahre alte Arbeitskräfte sollten nur mit einer auskömmlichen Pension genötigt werden, den Betrieb'zu verlassen. Neueinstellungen von Arbeitskräften während des Fufionsprozeffcs sollten nur dann in Frage kommen, wenn vorher alle Wartegeld- empfänger wieder in den Arbeitsprozeß eingereiht wären. Die An- geftelltenverbände verwiesen mit aller Schärfe daraus, daß der Leitungsapparat gegenüber der Vorkriegszeit doppelt und dreifach übersetzt sei und daß sowohl im Leitungs- apparat wie in den Aufsichtsinstanzen Ersparnisse gemacht werden könnten, die bei weitem das aufwiegen, was durch Abbau eigentlicher Arbeitskräfte eingespart werden könnte. Die Angestellten- verbände würden von sich aus sowohl unter den bedrohten Ange- stellten, wie auch in der Oeffentlichkeit alles tun, daß ihren berech- tigten Forderungen Rechnung getragen werde. Gchlußtagung in Genf. Ein unerfreuliches Ergebnis. Die 46. Tagung des Verwaltungsrats des Internationalen Ar- beitsomtes wurde am Dienstag beendet. Es wurden zwar viele Fragen debattiert, ober endgültige Entscheidungen wurden nur in den wenigsten Fällen getroffen. Ein unbehaglicher Eindruck cnt- stand dadurch, daß bei wichtigen Fragen, z. B. bei der Kohlen- frage und bei der A n g« st e l l t e n f r a g e sich innerhalb der Gruppen, auch in der Arbeitergruppe, keine Einigkeit er- zielen lieh. I o u h a u x mußte am Dienstag im Namen der Arbeitergrupp- Vertagung der Zusammensetzung des Angestelltenausschuffcs beantragen, da die schwedischen und die englischen Gewerkschaften zu dieseni Ausschuß noch nicht ihre Zustimmung geben wollen. In Schweden und in England ist ein kleiner Teil der Angestellten in den Arbeitergewerkschaften organisiert, während ein anderer Teil sich in Standesorganifationen und in christlichen Gewerkschaften befindet. Die Gewerkschaften befürchten deshalb, daß infolge der Zlnerkennung einer besonderen Angestelltenbcwegung durch einen Angestelltenausschuß beim Arbeitsamt diesen außergcwerkfchnftlichen Organisationen Gelegenheit zur Bildung einer Kampffront gegen die Gewerkschaften gegeben wird. Wie zu erwarten war, benutzten die Arbeitgeber und die einzelne» Regierungen den Moment sofort, um die ganz« Frage nochmals aufzurollen. Beschlossen wurde schließlich, daß eine Untertommission bis zum Januar prüfen soll, welche Kompetenzen der Angestelltenausschuß erhalten soll und in welcher Weise die Grenzen zwischen dem Angestellten- ousschuh und dem Ausschuß der geistigen Arbeiter gezogen werden sollen. Hermann M ü l le r- Lichtenberg und der belgische Gewerk- schaftsführer Mertens stimmten gegen diesen Ausschuß. Die nächst« Arbeiterkonferenz wird om 19. Juni 19Z0 statte finden. Die Oktobertogung des Berwoltungsrotes findet auf Ein- ladung der belgischen Regierung im Jahre 1930 in Brüssel statt, 9S Pfennig Entschädigung. Ein Llrteil des Amtsgerichisrats Weinert. Vor der Housangestelltenkammer des Arbeitsgerichts gab es unter dem Borsitz von Amtsgerichtsrat Weinert eine Verhandlung, in der die Klägerin, sine minderjährige Haus- angestellte, keineswegs hinreichend belehrt wurde, ja daß es ihr nicht möglich war, ihre Anträge sinngemäß zu formulieren. Die zu ihrer Unterstützung anwesende Fürsorgerin wurde auf Antrag des Beklagten vor Beginn der Verhandlung aus dem Saal gewiesen, weil sie angeblich als Zeugin in Frag« käme. Später ergab es sich, daß die zu bezeugende nebensächliche Einzelheit absolut u n st r i t t i g war, und daß durch die Abwesenheit der Fürsorgerin das Mädchen seinen Klageantrag unnötigerweise ermäßigte. Dos Mädchen hatte die Stellung nach Rücksprach« der Für» sorgerin mit dem Hausherrn statt am Sonnabend, dem 31. August, erst am Montag, dem 2. September,«»getreten und, da es ihr nicht gefiel, bereits am 4. ihren Austritt zum 15. September vereinbart. vom 16. bis zum 20. aber habe man sie durch dauerndes Verriegeln der wohnungslür am Fortgehen gehindert, Freizeit zum Stellung- suchen bekam sie nicht! Außer dauernder Schikane und schlich- ter Verpflegung mußt« sie sich von dem Kind schlagen lassen, ohne daß die Estern dagegen einschritten, so daß sie schließlich am 20. ohne Sachen und Papiere davonlief. Sofort konnte sie«ine Stellung zum 1. Oktober bekommen, die ihr verloren ging, weil erst am 25. die Papiere eintrafen. Ihr Klageantrag lautete aus Lohn und Kostgeld bis zum 1. Oktober, ihre Begründung: Das Fehlen der Zeugnisie. Hier hätte das Gericht mit der pflichtgemäßen Belehrung einsetzen müssen: es fehlte ja nur der Beweis, ob das Verbrechen der Dienstherrschaft dem Mädchen Grund zu fristloser Kün- d i g u n g gegeben hat. Statt dieser einfachen Klärung der Frage verwirrte der Dorsitzende dos Mädchen mit der für sie unverständ- lichen juristischen Spitzfindigkeit, ob sie bereit sei, dem Beklagten den Eid darüber zuzuschieben, daß sie die Papiere schon vor ihrem Weggang verlangt l>at! Ferner bemängelte der Richter de» Klageanspruch für den Rest des Septcmbermonats, wc-il sie ja auch ohne Einschließung vor dem 1. Okiober keine Stellung gefunden hätte! Dieser Vorsitzende einer Hausangestelltenkammer hat offenbar noch niemals gehört, daß ein Mädchen, wenn sie mit guten Zeug- nissen gerade am 15. zum Arbeitsnachweis kommt, sehr lischt sofort eine Stellung finden kann. In absoluter Verkennung der' wesentlichen Momente beeinflußte er das Mädchen, fein?» Anspruch auf Lohnzahlung auf die Zeit bis zum 20., dem Tage des Dienstaustritts zu ermäßigen, wohl als Belohnung der..Herr- schoft" für die schandvolle Behandlung, so daß das Streitobjekt auf fage und schreibe 98 Pfennig zusammenschmolz! Die viel zu spät hereingerufene Fürsorgerin konnte nur noch bekunden, worüber kein Zweifel bestand, daß sie selbst den Eintritt am 2. verabredet hatte. Obwohl sie dem Mädchen die besten Eigen- fchaften nachrühmte und der Beklagte den denkbar schlechtesten Eindruck machte, begnügte sich die Kammer mit einem Urteil über 98 Pfennig für einen Tag und duldete, daß ein junger, rechtsui, kundiger Mensch, durch den raffinierten Schachzug des Gegners, seines natürlichen Beistandes beraubt, für 10 Tage Kofigeid und Lohn verliert. B«iirl«mt llharlotteiibiua. Ttniiw, 5* Uhr, im 8elal JWirtfl, Cbaclottcniniru. Schl-chsttak- iö, inidtfist Scriommlunft bei Beamten. Arbeiter unb Anacstcllten de» Bcjirfscmts. Genosse Stadtverorbneter S> Lempcrt spricht Uber..Kommunale Probleme ber Stabt Berlin". N-aen Besuch erwartet Der Zkr»Itto»»«°rsta»b ber SPD. (Sewertschafts-Jugend Verlin. Heute, Mittwoch, 191j Uhr, taoen bie Gruppen: Zentniw: Iuzonbb-im Zehdenicker Etr. U-l— ZS. Licht bilbervortra«: ,.Da» Rote Wien".— Rorbring! Iiipenbbkim Schule Sonnenburper Str. 30. Vortra«:„Die Recht? und Pflichten ber Lchrlinae".— Seibense«: Sruppenheim W-ikensee. Parkstr.:>6. Portraq:„Der Pounq-Plan unb bie beutsch« Wirtschaft".— Lüben. Siibwcstrn: Ltäbt. Iuacndbeim Dorchstr. II i�abrikgebäube). 3. Reihen, nortrag:„Karl Marc»Nb ffrirtridt Enpel»".— Reulöll»: Iupenbbeim Bero- straßc A heute acschlosse». Der Abend findet statt im Iuprnbbeim Böhmische Eeke Äonncr Straße. Lichtbilbervortra«:„Die Berliner Donlmaler im Volke- wiß".— Achtun«. Sprech-»»b?e««q>u»a»ch>>r! Chorprobe heule, l»!4 uhe, im Iugonbh-im be» Verk-Hrobunbes, Engeluser 2j— 2ö, Ausgang B, rortrrre. ®Zuaendoruppe des(Zeniralverbandes Ver Angestellten Leute, Mittwoch, sinben solgcnbe Veranstaltungen statt: Geluubbrtmii»»: Jugendheim Schiinftebtstr. 1 lLebigenheim. 5 Tr). Vortrag:„Das Wesen der Reklame". Referent Georg Leilbrunn.— Stralau: Iugenbheim in ber Schule Goßlerstr. Kl...Volkstan�abend." Rntboslen; Jugendheim Dan,iger Straße«2(Sarack- 31. Vortrag:„Wirtschoftssragen— Kon,erne". Referent Dr. Stehr.— Osten: Jugendheim der Schul« Li'ouer Sit. 18. Vortrag:„Der Angestellte in der Wirtschast". Referrnt Willi Dcrkow.— Rrukällu! Jugend- heim Böhmisch- Str. l-«. Ecke Kanner Straße.„Spiel, und Li-b-rabenb."~ Südost: Iugenbheim Wrangelstr. 128. Einführung in das Schachspiel.— Spaubou: Jugendheim Linbenufer 1. Heimabend.— Potobam-Rowawe«: Jugendherberge Nowawr», Priesterstroße. Heimabend. ! Verantwortlich sllr Politik: Dr. Curt Geyer; Wirtschaft: G. Klmgelhöfcr; Geoerischaktsöewegung: Z. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schilow»k>; Lokale» und Sonstioc» Frili Karst übt: Anzeigen: Zh. Glaek«: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerel und Lcrlagzanstalt Paul Einger». Co.. Berlin SW 88. Linbenstraße 8. Hier,» 2 Beilagen und„Unterhaltung und Wissen". 7lr. 423* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 9. Oktober 4929 In Tempelhof wird ausgebessert Das große Reichsbahnausbesscrungswork tn Tempelhof, an hem 1�7 Beamte uird 25Ö0 Sir« heiter bcfdjäftigt wird vollkommen modernisiert und umgebaut. Riesige Glosdächer belichten die neuen Werkstätten, in denen 79 Lokomotiven, ZZ Personenwagen und 74? Güterwagen auf einmal aufgenommen und gleichzeitig repariert werden können. Wäh- rend früher auch die elektrischen Wagen der Lichterfelder Strecke hierher zur Reparatur kamen, werden diese jetzt an das. vor kurzem fertiggestellte Werk in Riederschöneweide abgegeben. In dem Tempelhoser Werk wird nur eine Sorte Lokomotiven behan- delt: solche ohne Tender, wie sie früher auf der Stadtbahn ver- kehrten. Jetzt dienen sie als Verfchiebelokomotioen bei Vorortzügen und Personenzügen auf länd- lichen Strecken. v-Jugs-Wagen sind hier ebenfalls von der Behandlung ausgeschlossen: nur zwei- bis dreiachsige Personen- wagen kommen in Betracht. Gegenwärtig stchen K9Z Lokomo- t i v e n und 1130 Personenwagen im Ausbesserungswerk, dem der riesige Wasierturm einen imposanten Abschluß gibt. Echwindelkonsorlium auf der Anklagebank. Die Hypoihekengeschaste der Herren Lüitge und Genoffen vor Gericht. ZLicder ein Aloastcrprozeß vor dem Schöffengericht Berlin. ZNilte. Bon voraussichtlich dreimonatiger Dauer. Unter Vorsitz des Amtsgericht srals Dr. Arndt, der sich soeben erst vom Slinncs-Prozeß erholt hak, Gegenstand der Anklage: K o m p l i. zierte hqpotheken-Sreditgefchäste mit angeblich dreizehn Geschädigt en und einer Betrugssumme von 231000 vlnrk. Die fünf Angeklagten, alles Leute au» guter Gesellschaft, darunter zwei alte Bekannte: Herr R c I ch m a n n vom Waldenburger ßrediischwindclprozeß und Herr R o s e n t h a l. der im heringsdorfer Weißen- Schloß.Prozch g Monate Gefängnis wegen Betruges einheimste. Der Kreditbetrug mit dem„Weißen Schloß" spielt auch in diesem Prozeß eine hervorragende Rolle. Sämtlichen Angeklagten wird zur Last gelegt, daß sie Darlehen auf Grundschuldcn versprachen, die Grundschuld um ein höheres weiter beliehen, das versprochene Varlehen dagegen entweder gar nicht oder nur in geringer höhe einlösten. Die zur?ln klage stehenden Betrugssälle liegenvier Zahrezurück. Soviel Zeil brauchte man. um sich in den Kreditgeschästen des Konsortiums zurechtzufinden. Die Akten umfassen hundert Lände. Da dürsten selbst drei Monate Gerichtsverhandlung kaum ausreichen. Als Erster auf der Anklagebank der Kaufmann L ü t t g e. Seine Bekanntschaft mit dem zweiten Angeklagten Kaufmann Reich- mann datiert aus dem Jahre 1921. Mit diesem zusammen machte er Effektentransaktionen, hypvthekcnvermitt- langen uird Lombardgefchäfte. Reichmann hatte im Jahre 1922 sämtliche Aktien des Berliner Handelskontars erworben. Dann kani er in Untersuchungshaft wegen Landesverral. Lüttge murdc sein Generalbevollmächtigter. Er gründete für ihn die Memema-Filmgejellschaft und wurde deren Geschäftsführer. Das Landcsocrratsverfahren gegen Herrn Reichmann wurde eingestellt. Jetzt konnte er eine intensive Tätigkeit entwickeln. Es ent- standen mit Hilfe von Strohmännern zwei neue Aktiengesellschaften, die Germania I m m o b i l i e n- A.- G. und die Berliner Effekten- und Handels-A.-G.i ihren Sitz hatten sie zuerst am Kronprinzenufer, dann in der Französischen Str. 15. hier kamen die hypothekendarlchensgeschäftc zustande. Der dritte A n g e- klagte, ll>r. Zur. Innehofcn, führte als Angestellter dl« erforderlichen Verhandlungen, R o f e n t h a l spielte den Vermittler und der Angeklagte zu Z— Rechtsanwalt und Notar Dr. Jungfer— besorgte die juristische Seite der Angelegenheit. Natürlich verstand man sich auf Reklame. Man schickte Anzeigen in die Welt hinaus, in denen man gegen Grundstücke Darlehen an- bot; man versandte Briefe, in denen.man sich als Selbstgeldgeber bezeichnete. In Wirklichkeit besaß man teilweise überhaupt nichts. „Das war die Ebbe", erklärt� Herr Lüttge. Darauf folgte wie üblich„die Flut"—„wohl wenn eine neue Grundbucheintragung beliehen wurde", meinte der Vorsitzende. Herr Lüttge, der im Vor- stand der Aktiengesellschaft saß, will von dem Inhalt der Geschäfte überhaupt nichts gewußt haben: er hat einfach nur unterschrieben, allerdings wußte er, worum es sich handelte— doch nur so ganz im allgemeinen. Die Verhandlungen führte stets Dr. Innehofcn. Dieser erklärt aber: ich war nur Angestellter, Herr Reichmann wurde mir als grundehrlicher und seriöser Kaufmann vorgestellt. Ich bin der Sohn eines vielfachen Millionärs, hatte vor der Inflation ein Jahres- einkommen von über 109 Ol» Mark und hätte mich nie auf unsolide Geschäfte eingelassen. Und Reichmann sagt: die Geschäfte waren ja gar nicht unsolide. Ist es etwa nicht allgemein üblich, daß aus Hypotheken Darlehen versprochen werden, ohne daß man das nötige Kleingeld besitzt? Man treibt es auf, indem man seinerseits die Hypotheken beleiht, erst hinterher, als Schwierigkeiten entstanden, glaubten sich die Leute betrogen, während sie früher selbst an der Sauberkeit der Angelegen- heit keinen Augenblick gezweifelt hatten. Und was meint zu allem der Rechtsanwalt und Notar Jungfer, der in den Geschäftsräumen des Herrn Reichmann sein Bureau aufgeschlagen hatte? Er kommt erst morgen zu Wort. Tatfach« ist, daß die Firnia nicht ins Handels- register eingetragen werden konnte, weil ihr das Geld zu dein erforderlichen Vorschuß fehlt« und daß sie schon im April 192? keine Miete für ihre Burcauräume zahlte. Darlehen aber versprach sie lustig weiter. Der Mainzer Frauenmord. Kaufmann Bauer gestern ausgeliefert. Vor etwa drei Monaten, am 17. Juli 1929, wurde in einem Hotel in der Friedrichstadt der 38jährige Kaufmann G u st a v Bauer aus Wien auf Veranlassung der österreichischen Behörden wegen Mordverdacht verhaftet. Fast ein Vierteljahr nach der Verhaftung— während der Zeit befand sich Bauer in Polizei- gewahrsam— ist nun endlich auf Gnmd des gegen Bauer vor- liegenden Belastungsmaterials dem Auslicferungsbegeh- r e n stattgegeben worden. Der mutmaßliche Mörder ist gestern von zwei Berliner Kriminalbeamten nach Wien gebracht worden. Bauer hat trotz der gegen ihn vorgetragenen Indizien kein Geständnis abgelegt. Im Gegenteil beteuerte er immer wieder seine Unschuld. Der Mord, desien man ihn bezichtigt, liegt bereits über ein Jahr zurück. Wie wir damals berichteten, wurde im Lainzer Tiergarten in Wien eine Frau, die ihrer Kleidung nach den wohlhabenden Ständen angehörlc, erschossen ousgesunden. Außerdem war versucht worden, die Leiche zu verbrennen. Neben der Toten wurden mehrere Hartspiritus- würfe! gefunden. Die unbekannte Tote wurde erst im Juli dieses Jahres identifiziert und als eine 40jährige Frau Katharina Fellner ermittelt, zu der Bauer intime Beziehungen unterhalten hatte. Der Verdacht richtete sich gegen Bauer, und er wurde in Berlin verhaftet. Das Alibi Bauers weist zwar große Lücken auf, aber trotzdem erscheint es noch fraglich, ob die Indizien feine Schuld genügend beweisen und zu einer Verurteilung ausreichen werden. £ Der Lainzer Tiergarten ist ein riesiger Komplex von uralten Wäldern mit Lichtungen, Wiesen unh Busch- werk und l'richem WildtWsiond. Er war kaiserliches Eigentum samt der darin stehenden Villa Hermes und dehnt sich auf den A b« hängen des Wiener Waldes, der wiederum der nord- östlichste Ausläufer der Alpen ist, im 13. WieZicr Ge- meindcbezirk(hietzing) aus, von dem die Ortschaft Lainz«in Teil ist. Eine hohe Mauer umgibt diesen Naturpark, zu ihrer Um- schreitung würde man so manch« Stunde brauchen. Die Republik hat den Park für einige Tage der Woche für die All- gemeinheit geöffnet, zumal er ihr gehört. In der Revo- lution haben mohnungslose Kxieasteilnchiner in einem Teil des Parks, aus eigenem Willen sich ein« kleine Siedlung erbaut, Französische Jutvelen wiedergefunden. Die Juwelen, die aus dem Besitz des französischen Botschafters verschwunden waren, find jetzt auf eigenartige Weise wieder zum Vorschein gekommen. Sie wurden, in Toilettenpapier ge- hüllt, auf dem Podest einer Treppe des Botschaftgsbäudes ge- funden, die zu den Räumen der Zlngestellten führt. Es fehlt, wie bereits gesagt, nicht ein Stück. Nach der Entdeckung wurden die im hause angestellten Personen noch vernommen, um festzustellen, ob jemand von ihnen die Nicderlegung vielleicht beobachtet hat. Es hat sich bisher aber kein Fingerzeig nach dieser Richtung er- geben. Ein fremder Einbrecher scheint nicht in Betracht zu kommen. Die Bedeutung der Stadiverordnetenwahlen. Am Freitag, dem 11. Oktober, spricht um IS-Uhr im Rahmen der Vortragsreihe„Kommunale Stunde" Stadtverordnetenvorftchcr Genosie haß über„Die Bedeutiing der Stadtoerordnctenwahlcn" im Berliner Rundfunk. 721 copzmgbt 1929 by Gustav Kiepenheuer Verlag A-Gs Berlin Sie geraten schon ins Weiterwandern. Die Gesichter, stumpf und verdrossen, drehen sich ab. Sie verschwinden bald mit schleifenden Schritten, die dennoch hasten. Ihre ge- beugten Gestalten werden verschluckt von der weißen Wand des nahen Horizontes. Dr. Eggebrecht sieht den letzten wegtauchen. Waren sie auch aufsässig— sie waren doch wie ein letztes Band, das hinüberreichte zur Truppe. Das Band ist zerrissen.— Er wird sie anzeigen. Er weiß ihre Namen nicht. Am Ende haben sie recht getan? Er wird sie nicht anzeigen.' Die Stille ist groß, sie wächst, sie wird unerträglich. Es ist sieben Uhr morgens, es ist kühl und feucht, man fröstelt doppest bei leerem Magen. Wann wird der schützende Nebel zerteilt sein? Bald. Und was wird dann sein? Er ordnet an, die unvernichteten Reste des Sanitäts- Materials zusammenzupacken und abzurücken. 40. Gelangte man an maßgebender Stelle doch zur Er- kenntnis, daß es vorerst nicht mehr ging mit diesen Leuten? Daß man ihre Spannkraft überdehnte, ihre Tragfähigkeit überlastete? Man kam stirnrunzelnd wohl nur zu dem Eirt- schluß, es sei ratsam, auf sie im Augenblick nicht mehr zu bauen. Sie wurden herausgenommen. Verladen und eine weite Strecke gefahren. Ausgeladen und in Marsch gesetzt— aber marschierten gern, denn es ging immer tiefer in die Stille und in unbeschosienes Land hinein. In Dudzeele machte der Regimentsstab halt und ein Bataillon, die anderen Truppenteile gerieten in benachbarte Dörfer. Alle hatten gute Quartiere in diesen sauberen, von der Granate unberührten, belgischen Ortschaften, in weitläu- figen Bauerngehöften, denen die einstige Wohlhabenheit nach vier Iahren Krieg noch anzusehen war. Das Revier breitete sich aus in einem uralten Kasten mit schwarzem Gebälk und roten Steinfliefen, einem bäuer- lichen Herrenhof— darin freilich die geräumigen Ställe leer standen. Leer aber stand auch das Revier, hier wollte keiner krank fein, es lohnte sich nicht, es war, zum erstenmal, schöner bei der Kompagnie. Wer wirklich marode war, der war es gleich so, daß er abgeschoben werden mußte. Man hatte es nicht weit nach Brügge. Der Kanal vom Meere her zog dicht vorbei, man konnte zu Schiff in die schöne alte Stadt hineinfahren. Halbtagsurlaub gab es be- reitwillig— man sollte wohl endlich einmal auf andere Ge- danken kommen, zum Schluß probierten sie es damit— und traf man es richtig, so nahm einen die schleichende Langsam- keit eines Torpedobootes hafenwärts mit. Man stieg, ohne daß das Schiff gehalten hätte, von einem Brückenpfeiler aus aufs vorbeigleitende Verdeck über. Die von der Marine— wie sahen die aus? Ach, nicht schöner als die anderen. Die gleiche, chronisch gewordene Verdrossenheit und Verzweiflung in den Gesichtern, ebenso abgeschabt und ausgelaugt— ebenso verbogen und verbeult. In den Mienen von Sträflingen die Hoffnungslosigkeit der Lebenslänglichen— die sich eines Tages aufbäumen soll. Das Wort Galeere liegt Funk auf der Zunge. Ihre Boote paßten gut zu ihnen. Funk staunte. Er hatte Seiner Majestät schwimmende Pracht in der Vorkriegs- zeit zu Kiel gesehen—: diese geflickten, zerwaschenen, zer- stoßenen Kähne schienen ebenso genug zu haben wie ihre Be- dienten. Aber der ungewohnte Anblick einer Stadt wie Brügge ließ alles Elend auf Stunden vergessen, hier war noch das Märchen, eine tröstende Kulisse— die doch wohl mehr war als bloße Kulisse. So, wie das Märchen etwas anderes ist als ein Theaterschwindel. Erlesen spiegelt sich Architektur in der satten Dunkelheit des Wassers, über das ein Schwan die schaumige Wolke seines Gefieders hinschweben läßt. So etwas gibt es also noch? Wie auf alten Bildern. Sind die Bilder der Kindheit nicht alle zerschossen? Es gibt noch mehr gute Dinge. Konditoreien mit Bergen von freundlichem Gebäck— in Vollkommenheiten, wie du sie fest Iahren nur träumend erlebt hast. Der Znckerhunger ist allmählich ins Gigantische ge- wachsen. Funk verspeist ein Dutzend faustgroßer Kompositio- neu aus weißem Mehl, aus Creme und Fett, trinkt Kaffee und Schokolade dazu, legt einen beträchtlichen Teil der Unter- offizierslöhnung hin und macht sich mit leisen Magenbeschwer- den auf den Heimweg. Es dunkelt schon, als er Dudzeele erreicht. Es ist Mitte September— und plötzlich fällt ihm«in, daß er auf den Tag drei Jahre draußen ist. Drei Jahr«. Viel vollbracht. Was alles? Einige hundert Attenbögen beschrieben und noch mehr Meldezettel, einige hundert Temperaturen gemessen und noch mehr Binden verwickelt, einige hundert Tabletten verteilt und noch mehr Spritzen gegeben. In der militärischen Rang- ordnung aber die erste Stufe erklommen! Wenn wir den Sergeanten glatt überspringen, märe die nächste für uns der Feldwebel. Ob wir hoffen können, daß der Krieg lange genug—? spottete er in sich hinein. Da drüben geht«in neugebackener. Donner, ist der aber stolz! Solch unentwegte Freude am Soldatenspielen gibt es also noch? Was ist denn—? Er steuert auf mich zu? Was will—? Der Feldwebel tritt Funk in den Weg, so daß er stehen- bleiben muß, und sagt herrisch:„Warum grüßen Sie mich Nichte?" Funks Mund sperrt sich dagegen, aufzugehen. Nicht, weil dieser„Borgesetzte" ihn einschüchtert, sondern weil er seinen Ohren mißtraut. Er muß aber doch richtig gehört haben, es wird aus der grausam drohenden Miene des an- deren deutlich. Wie? Nach vier Iahren Krieg bringt dieser Hanswurst die Blödheit noch auf, einem anderen Unteroffizier gegenüber den Erhöhten zu spielen? Funk brüllt innerlich vor Lachen. Welch lustiger Tag, erst die feinen Kuchen in Brügge, und jetzt diese Delikatesse. Er nimmt dienstliche Haltung an, daß es nur so knackt, und schnarrt:„Verzeihen Herr Leutnant, ich habe Herrn Leut- nant bei herabfallender Dunkelheit alz Herrn Leutnant nicht gleich erkannt." Der Feldwebel stutzt. Er ist auf solche Darlegung nicht im mindesten vorbereitet. Wie soll er sie nehmen? Ist er tatsächlich so fesch beisammen, daß man ihn, ohne auf ein- zelnes zu achten, für einen Offizier—? Sein herz wogt hin und her zwischen Geschmeichxltsein und Mißtrauen. Er will, zwar weiter scharf im Ton. aber doch sanfter in der ganzen Haltung, die Sache richtigstellen. Er befiehlt:„Ich bin nicht Leutnant. Was bin ich, bitte—?"(Forts, folgt.) Die Betrüger im Verhör. SNarets vor dem Vernehmongsrichter. Die Brüder Max und Leo S klare? sind am gestrige» )!enstag vom veruehmungs richte? beim Amtsgericht Milte, "lmtsgerichtsral Dr. Lubliner eingehend über die ihnen zur Last gelegten Dinge gehört worden. Am Vormittag wurde Leo vernommen, der behauptete, vom kaufmännischen Geschäftsbetrieb fast überhaupt nichts gerousit zu Habens aber ebenso energisch erklärte, daß m der Firma keinerlei iirkundensÄ schlingen vorgekommen seien. Besonders heftig wandte Leo Sklarek sich gegen den Buchhalter Lehmann, der bekanntlich angegeben hat, daß die Stlavets rrvch in den ietzten Tagen einen Betrag von W Millionen Mark verschoben hätten. Sklarek be- Häupter dagegen, daß dies« Summen, wie«r nochweisen könne, einer Berliner Fidma für die Lieferung von Decken gezahlt worden seien. Im Gegensatz hierzu äußerte sich Max Sklarek, der kauf- männisch die Leitung des Unternehmens in der Hand hatte, vor dem Vernehmungsrichtcr sehr eingehend. Seine Aussagen sind sehr interessant und werden in der Haupwerhandlung vom Gericht noch eingehend nachgepriift werden müssen, weil Max Sklarek die Leiter der Stadtt'ank nicht unerheblich belastet. Er erklärte nämlich, daß von Betrügereien oder Urkundensälschungen überhaupt kein« Red« sein könne und daß man ein Bankuiüerneh-men nur dann zu betrügen in der Loge fei, wenn den Leitern in ihrer Gutgläubigkeit etwas vorgetäuscht werde. Die Leiter der Stodtbank seien jedoch— immer nach der Angabe Max Sklareks— vollkommen im Bilde gewesen. Die Forderung, Unterlagen für die Kredite in Form der Rechnungen zu schaffen, sei lediglich eine Farce gewesen, und die Swdtbank habe keineswegs in all den Iahren ein« ernsthaft« Prüfimg der Rechnungen vorgenommen. Maßgebend für die Her- gäbe der Millionen fei eben der Monopolvertrag gewesen, den die Stadtbank genau konnte, und im Sinne der Vertrags- kontrahenten bei der Kredithergabe ausgelegt habe. Ebenso be- hauptete Max Sklarek, sei die Stadtdank über den Wert der Wechsel, die er eingereicht habe, durchaus im klaren gewesen, und eine An- frage bei einem Austunftsbureau hätte die Stadtbant darüber auf» klären müssen, ob z. B. die Wechsel seines Verwandten Kleczewskis auch nur irgendeinen Wert besessen hätten. Er habe zu diesen Maßnahmen sich entschlossen, weil man aus der Stadtbank ihm immer gesogt habe, es handele sich doch letzten Endes nur um For- m a t i t ä t« n, die man nun einmal erfüllen müsse.— Am heutigen Mittwoch wird voraussichtlich der dritte Sklarek vernommen weiden. Haussuchungen bei Gtlareks Geschäftsfreunden. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft haben im Lause des gestrigen Dienstags weitere Haussuchungen statt- gefunden, und zwar diesmal bei fünf Berliner Firmen, die mit der KVG. Gebrüder Sktarek in Gejchäftsoerbmdung gestanden haben. Bei einem der Finneninhaber wurde s�ar in der Privat- wohnung eine polizeiliche Durchsuchung vorgenommen, und hier, wie auch in den Geschäftsräumen, wurde ziemlich umfangreiches Material, Goschäftsbücher und Korrespondenzen, sichergestellt, das geeignet ist, die Geschäfte der Sklareks auch nach anderer Richtung hin aufzuhellen. Mit Rücksicht aus die Untersuchung werden die Namen dieser fünf Firmen von der Justizbehörde und der Polizei noch streng geheim gehalten, wie wir ober in Erfahrung bringen konnten, hat u. a. bei der Firma Kleczewsti, dessen Inhaber ein Vetter der Gebrüder Sklarek ist, gleichfalls eine Durchsuchung stattgefunden. Das beschlagnahmte Material bezieht sich hauptsächlich aus die Wechselgeschäfte, die die Gebrüder Sklarek mit ihnen be- freundeten Geschäftsleuten, die u. a. auch für die KVG. lieferten, gemacht haben. Diese Gefälligkeitswechsel ließen die Sklareks be- kanntlich, wenn sie Geld brauchten, und nicht für angebliche Liefe- rungen Kredite nehmen wollten, einfach von der Stadtbant d i s k o n- t i e r e n. Ferner soll durch die Haussuchung festgestellt werden, ob etwa durch diese Firmen Zuwendungen an Beamte der Stadt oder Mtglieder der städtischen Körperschasten erfolgt sind. Die Tragödie eines Auslandsdeuischen. Selbstmord im Reichsentschädigungsamt. 3n den frühen Rachmittagsstunden des Dienstags hak der Jahre alle Bäckermeister und Fuhrunternehmer Mit- elm Srommr. ein in Petersburg geborener Auslands- Mischer, der zulehl in Bad Wildungen wohnte, im Neichsentschädiguagsomtt in Friedenau in der Rheinstraße Selbstmord durch Erschießen verübt. Wie wir von dem Präsidenten des Reichsentschädi- gungsomtes, Geheimrat Kartinsti. zu dieser Tragödie eines Auslandsdeutschen erfahren, war Krumme in den Mittagsstunden bei der Austunstsstelle des Amts erschienen und hatte unter Vor- legung des Entfchädtgungsbescheides und anderer Urkunden gefragt, ob noch die Möglichkeit für weitere Entschädigungszahlungeu be- stände, da er sich in außerordentlich bedrängter finan» zieller Lage definde. Der Auskunftsbeamte mußte dem Ge- schädigten mitteilen, daß er durch die bereits erfolgte Schlußentschädi- gung, gegen die er auch kein« Beschwerde eingelegt hatte, nunmehr endgültig abgefunden sei. Der Auslandsdeutsche beruhigte sich bei dieser Erklärung, wie auch die ganze Unterhaltung durchaus ruhigen Tones geführt worden war und oerließ das Zimmer. Zwanzig Minuten später hörte man einen Knall. Man dachte aber zuerst. daß irgendeine Tür kräftig zugeworfen worden sei. Erst als andere Besucher darauf aufmerksam machten, daß auf der Herrentoilette etwas nicht in Ordnung fem müsse, weil hinter der verschlossenen Türe Stöhnen und Röcheln zu hören sei, begaben sich Beamte dorthin und fanden K. schließlich mit einer Schußverletzung in der Schläse in seinem Blute auf. Man sorgte sofort für den Transport ins Krankenhaus, jedoch war während des Transportes bereits der Tod eingetreten. Wie wir erfahren, hatte K. 80000 M. Sach- schadep und 40 000 M. Wertpapierschaden erlitten und insgesamt dafür 34 758 M. Entschädigung erhallen, und zwar in der Schlußentschädigung 23 200 M., die allerdings bestimmungsgemäß in Schuldbuchsorderungen und nicht in barem Gelde gewährt wurden. Der Verstorbene ist nach den Akten verheiratet und Vater von drei Kindern. Eßi kein rohes Fleisch! Da» Hauptgesundheitsamt teilt mit: In den letzten Tages finl» häufiger als sonst Fleischvergiftungen beobachtet wordeu. Fast immer find diese Ertrankungen, die sich in Erbrechen und heftigen Durchfällen äußern, nach dem Genuß von rohemSchabe- fleisch aufgetreten. Die Krankheitserreger, die Ursache der Ver- giftungen sind, verändern das Fleisch äußerlich nicht, so daß«in Erkennen verdächtiger Ware kaum möglich ist. Das einzig sichere VorbeugungsMttel ist der V e r z i ch t auf den Genuß rohen Schabe- fleifchop, der auch aus anderen Gründen dringend zu empfehlen ist e ebenfalls nrch Hamburg fortgesetzt. Der Schaden, der am Amerika-Pier angerichtet worden ist, wird aus über 1000 00 M. geschätzt._ Die Verlängerung des Mittellandkanals. Im Berliner Rathaus trat am Dienstag nachmittag ein Stadt- verordnetenausfchuß zusammen zur Durchberatung der Magistrais- vorläge wegen Uebernahme einer Zinsgarantie für die Vol!- endung des Mittellandkanals durch Berlin. Nach kurzer Erörterung und Berichterstattung wurde die Magistratsoorlage vom Ausschuß angenommen und soll nunmehr dem Plenum der Stadt- verordnetenversammlung zur Verabschiedung vorgelegt werden. «eihirii'ksiicn Faehinger Tersandsle le, Berlin SV 11 Schta«berger Str. 16a. Tel. LUmv 82M-6I Freiheit, die ich meine... Gerichtsverhandlung mitHindernissen um eine Arabertruppe Di« ganze Gkschichte mar ein einziges Hindernislauf««. Es be- gann jchon im Lager, wo die Arabertruppe der Herrn Mo- b a m c d untergebracht war. Dieses Lager war zwar von einer hohe« Mauer umgeben, aber die arabischen Artisten nahmen allabendlich dieses Hindernis. Sie kletterten mit großer Gewandtheit über die Mauer, um sich außerhalb des Lagers in den zärtlichen Armen weißer„Damen� von ihren anstrengenden Künsten auszuruhen. Da sich also die Mauer nicht als hinderlich für einen„um moralischen Lebenswandel" erwiesen hatte, wurde ein neues Hinder- iüs errichtet in Form einer Hausordnung. In dieser hieß es, daß die Tnippeinnitglieder das Lager nachts nicht verlassen dürsten. Im anderen Fall würde die fristlose Entlassung aus- gesprochen. Aber auch über dieses kleine papiern« Hindernis setzten sich die Wüstensöhnc hinweg. Kalllächelnd erklärten sie, daß sie in Europa und nicht in Arabien seien, daß sie in Europa„freie Männer" seien und sich' insolgedessen auch keine Vorschriften machen ließen. Als„freie Araber" im„freien Europa" seien sie unbedingte Anhänger der„freien Liebe", deren Genuß sie sich nicht stören lassen wollten. So kam es zur f r i st l o s e n Entlassung M o h a- m e d s und seiner Truppenmitglieder. Und so kam es zur Klage vcr dem Arbeitsgericht. Zwei der entlassenen Araber verlangten von ihrem Chef d« Weiterzahlung der Gage, denn sie waren von Mohamod fest für die ganze Saison engagiert. Die von der„weißen" Direktion lediglich Mohamed gegenüber ausgesprochene Entlassung wollten sie nicht gegen sich gelten lasse». Womit sie auch, wie das Arbeitsgericht fest- stellte, im Recht waren. Nur war es für das Arbeitsgericht nicht ganz einfach, sich bis zu diesem Punkt hindurchzuarbeiten. Denn einmal verstand Mohamed fast kein Wort deutsch, so daß das Arbeits- gericht zum zweiten Termin den gerichtlich vereidigten Dol- metscher für orientalische Sprachen herbeizitierte. Der sprach zweisellos ein absolut fehlerfreies Arabisch. Zumal der Chro- «ist nicht in der Lage war, das Gegenteil festzustellen, dafür aber stand der Dolmetscher mit der deutschen Sprache ebenso auf dem Kriegsfuß wie Mohamed. Das Gericht verzichtete auch darauf, im nächsten Termin wieder den gerichtlichen Dolmetscher herbeizuholen, sondern bediente sich als Vermittler der Hilfe einer jungen Dame. Diese, die Braut Mohameds, räumte die bestehende» Sprachhindernisse aus dem Wege. Diese Lieb« verhalf Mohamed zu seiner Ber- urteilüng, weil er es versäumt hatte, sein« Mitglieder eben- falls zu entlassen. Jetzt besteht nur noch ein Hindernis: wie kommen die Sieger aus diesem Araberstreit zu dem ihnen vom Gericht zugesprochenen Geld? Mohamed ist fruchllos gepfändet worden. Den Off«»- barungseid kann man ihm nicht' gut abnehmen, denn Mohameds Religion erlaubt es ihm, mit reinem Gewissen falsch zu schwören. Man darf gaspannt sein, wie dieses letzt« Hindernis aus dem Weg geräumt wird. Kriegstod aus den pinsker Sümpfen. Ein Erwachsener und acht Kinder durch Granate zerrissen- katlowih, 8. Ottoder. Das Dorf Komore in den Pinsker Sümpfen, die während des Krieges von den russischen Truppen heiß umkämpft waren, bildete den Schauplatz einer fürchterlichen Tragödie. Kinder im Alter von 3 bis 8 Jahren fanden auf den früheren Schlachtfeldern in der Röhe des Flusses Strumin eine Handgranate. Die Kinder brachten die Granate noch Haus und baten den 18jöhrigen Knecht, sie auseinanderzunehmen. Während dieser mit der Handgranate herumhantierte, umstand ihn eine Anzahl Kinder, um ihm dabei zuzuschauen. Plötzlich explodierte die Handgranate. Der Knecht sowie fünf Kinder waren a u f der Stelle tot, drei Kinder starben noch einigen Minuten unter qualvollen Schmerzen. Reichsminister Severins im Rundfunk. lleber olle deutschen Sender. Aus amlliche veranlassung erfährt das Programm der verliuer Annkstunde heule, vlittmoch, den g. Oktober, eine Veränderung. Za der Zeil von 7 Uhr bis 7.Z5 Uhr abends spricht Reichswiaister des Znnern Genosse Severins über»Das Volksbegehren". Der Vortrag wird von sämtlichen deutschen Sendern übernommen. Infolge dieser Programmänderung sollen die um 7 Uhr im Programm angekündigten„ckeder und Duette" ans. Senator Ntebour spurlos verschwunden. Lübeck. 6. Oktober.(Eigenbericht.) Der Lübeckische Senator Mebour, Vorsitzender der Lübcckischen Baubehörde und zahlreicher anderer Behörden, ist. wie wir bereits kurz im„Abend" mitteilten, seit Sonntag früh spurlos verschwunden. Der Senator hatte am Sonnabend abend an einer Festoeran- staltung aus Anlaß des Juristenjubliäums teilgenommen. Er entfernte sich von seinen Bekannten und ging über die Travcbrücke seiner Wohnung zu. Seitdem ist er nicht mehr gesehen worden. Der Ber. jchwundcne litt an einer schweren Gesichtsverletzung, die er sich im Weltkriege zugezogen hatte und die immer neue Eingriffe ersorderte. Diese Verletzung bedrückte ihn auch sehr schwer. Rachsorschungn, die durch das Retwngsamt und die Feuerwehr in der Trave angestellt wurden, blieben bisher ohne Erfolg. Senator Niebour gehörte der Bürgerlichen Arbeitsgemein« schaft an. Autounglück in Tempelhof. In Tempelhos ereignete sich gestern nachmittag«in schwcresAutounglück. Ein vom Hohenzollernkvrfo kommen- des Privatauto geriet beim Einbiegen in den Schulenburz» Ring infolge des schlüpfrigen Asphalts ins Schleudern, der Wagen prallte dabei gegen die Bordschwelle und überschlug sich mehrmals. Der Führer und Besitzer des Autos,«in 27jährig«r Stellmacher Lorenz Kornfeld aus der Wilhelmstraße, geriet unter den um- gestürzten Wagen und wurde schwerverletzt Der Verunglückte fand im Iosejskrankenhaus Aufnahm«, wo von den Aerzten außer einer schweren Kopfverletzung mohrer« Rippenbrüche festgestellt wurden._ 25 Iahte Brandversicherung des Deutschen Werkmeisterverbandes. Düsseldorf. Die Bnmdversicherui'g des DWV., am 1. Oktober gegründet, zählt heute 30 000 Versicherte mit einem Bersicherungs- kapital von einer Liertolmilliarde Mark. Die Leistungen der Brand- schade« betragen seit der Gründung soft eine Million Mark. Wintergarten. Last but not least! lautet ein« englische Redensart.„Die letzten zwar, aber darum nicht die schlechtesten" Das gilt für die vier rumänisch««� Reckturner P o p p e f c u, die im Wiittergarten an letzter«teile im Programm stehe». Sie find aber höchste Klosse und werden jeden Turn- und Sportfreund in hello Begeisterung versetzen. Riesenwellen fabrizieren sie, wie wenn»in anderer«inen leeren Arm kreisen läßt. lind alle ihre Leistungen sind von unerhörter Leichtigkeit und Frische.— Unglaublich lebendig sind auch, auf einem ganz andern Gebiet, die schneidigen Wienerinnen Lilly und Emmy Schwarz, Meisterinnen aus de:» Flügel, flotte Sängerinnen und von hinreißender Liebenswürdigkeit. Di« zehn D e b l a rs führen auf ihren Tirrmradern totsächlich und in brillanter Form ein« ganze Revue vor. Aud> hier übertüncht die staunenswerte Sicherheit die Gefährlichkest der Vorführung. Und trotzdem haben diese kühnen Artisten Angst, nämlich vor der deut- schen Flagge. Sie zeigen viele fremde Flaggen— die deutsche nicht. Die Spanierin Isabelito Ruiz ist der Star des Abends, ihr Tanz ist voll Feuer und Sinnlichkeit. Die Hermanos Tango Akrobaten leiden unter einer gewissen Körperschwere, die durch unvorteilhafte Kostüme erhöht wird. Di« Tanzburleske der Del- font boys und die Exzentrik des Engländers Richards sind Ueber den Deutschlandsender wurden wieder einmal Hör- szenen aus Paris gesandt. Die Idee solcher aktueller Hör- reportag« wurde schon vor längerer Zeit an dieser Stelle dankbar begrüßt. Doch auch diesmal ließ die Uebertragung noch recht viel zu wünschen übrig. Am klarsten verständlich waren die französischen Sprecher. Die deutschen Uebersetzer sprachen zu schnell, viel zu selten korrekt in das Mikrophon hinein— und vor ellem auch viel zu lilerarisch. Hörreportag« muß einfacher, sachlicher und natür- l i ch e r sein. Glaubt man z. B.. daß die Menge der Funkhörer weiß, daß die„Fleurs du mal" ein Gedichtband sind, den Baudeloile ver- faßte?— Berlin Halle aus dem Großen Schauspielhaus eine Ueber- tragung der„Drei Musketiere". Im letzten Augenblick hatte man sich eine» besseren besonnen. Was soll auch eine für das Auge bestimmte Revue dem Funkhörer? Ein Wagnerabend trat an die Stelle der Uebertragung: außer Komposittonen hörte man auch Briese Richard Wagners, die Theodor Laos zum Vortrag brachte. T c s. auf einem Holz gewachsen. Diefe amerNanifchen und englischen Spaßmacher haben immer Freude an ihrem eigenen Unsinn und daraus wachsen ihnen tausend neue drollige Nuancen zu. Em« noch lustigere Angelegenheit ist das mit dem Geräuschimitator Linder, der aus seinem Mund die wunderlichsten Geräusche in unnachahmlicher Treue hervorgehen läßt. Die Olympischen Spiele der acht Romeos und zwei Sedots sind zwar nicht absolut neues, bestechen aber durch die saubere, sicher« imd schnelle Arbeit. Charles Prell« der Bauchredner läßt statt der Puppe einen wunderschönen Pudel reden._ vatldgenoffm der 4. Ableitung. Die Mitgliederversammlung findet -uu nicht bei Stommel, sondern bei Brandis. Stralaucr Str. 10, statt. Sport. Rennen zu hoppegar ieu am Dienstag, dem S. Oktober. l. Rennen. 1. RochuZ(ZS. Nnderle), 2. Heidelerche, 3. lvakir. Tow 28:10. Platz: 10,12, 10:10. ferner liefen; Slrsinoe, Colibri, Geselle, Angelus. Brillant, Comptendors, Patras. 2. Rennen. 1. Schelm(Grabsch), 2. Patriarch, 3. Chamberliu. Toto: 31:10. Platz: 14,14,14:10. Ferner liefen: Khcdive, Florett, Negu«. Virginia, Melusine, Sonnenstrahl, Silviutz, Guibrand, Olivio, Flligbolde, Mainixe., 3. Renne n. 1. Silberstreis(SS. Prlnteni, 2. Altenberg, 3. Verena Toto: 70: 10. Platz: 27, 17, 38: 10. Ferner liefen: Favorit, Sternecl, Geranium, Postmeister, Botschafter, Rebell, Anton, Teneriffc. 4. Rennen. 1. Teutone(Orabfch), 2. Dominica, 3. Cocktail. Toto: 20:10. Platz: 10. 11:10. Ferner Uesen: LotoS, Tanit. S. R e n n e n. 1. Masso d'Arezzo(Grabsch), 2. AUlla, 3. Alpenfliegcr. Toto: 47:10. Platz: 14,12,15:10. Ferner liefen: Everone, Vigilani. Chantilly, Tongola, Kerner, Kämmerer, Mißgriff, tzlrarat, Orenberg. S. R e n n e n. 1. Meto» tW. Printen), 2. Tanncnberg II, 3. Tarnhelm. Toto: 21:10. Platz: 12, 23, 84: 10. Ferner liefen: Ping Pong, Torronc, Eliogabal, AdaminuZ, tzlltpreuße, Karodame. 7. R e n n e n. 1. Pergola(Grabsch), 2. Irrlicht, 3. Limanova. Toto: 29:10. Platz: 13, 15, 15:10. Ferner liefen: Girigare XVI, Koral, Hartschier, Stolzenfels._ Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend (Rachdr. Verb.) Bewoltt bis trllbe und etwas wärmer, fudwestliche Winde, vereinzelt Regen. Aür Leutfchland: Im Westen unbeständig mit Regenschauern, im Süden regnerisch, in Mitteldeutschland vielsoch bedeckt'mit Regen, im Osten zunehmende Eintrübung, ZI!»»(all de,©uten nicht W viel tun, darum sei wieder daraus bingewiesen, daß Maggis Wür« gerade bei sparsamer Derwendung ihre vorzllgliche Wirkung entfaltet. Wenig« Tropfen grniigen, um schwache Cuppeii und Conen Uber. raschend Zu verbessern und den Geschmack von Semitsen und Salaten ver, feinern. �vaK sagt 6er Bär? •COM f INOM />( h. !X. > W. ajtiioiMj/f. l.rirnPi�- � JOSETTI JUNO Auf den Tribünen diesem imposanten, antiken Vorbildern nachgeschaffenen Sporf forum, weif eifert das Jnferesse für die sportlichen Kampfe mit der Werfschaf zung der unentbehrlich gewordenen •tosetti mMuno Berlins meistgerauchter 4*% Cigaretie Sorgen des Ostpreußenkommissars Stand und Aufgaben der Ostpreußenhilfe. Im Anschluß an unsere Deröfsentlichung.Ist das Gerechtigkeit?" erhalten wir van sachkundiger Seite ivlgende kritische Stellungnahme zum Problem der Ost- preußenhilfe. Die Ausfuhrungen der„Königsberger Volkszeitung", die neulich hier wiedergegeben wurden, geben Veranlassung, den gegenwärtigen Stand der Ostpreußenhilfe zu prüfen. Die Zahlen, die dort ver- ösfentlicht wurden, zeigen das Vlld, das sich nach den Ergebnissen der Ostpreußenhilfe der Jahre 1927 und 1928 ergibt, soweit die Durchführung der Ilmschuldungsaktion aus dem für diese beiden Jahre bereitgestellten öffentlichen Mitteln erfolgt ist. Vei der Verteilung der Zuschüsse zu Pfondbriesdarlehen der Ostpreußischen Land- schaft dürften bis in die jüngste Vergangenheit hinein ähnliche Ungerechtigkeiten die Regel gewesen sind. Die Stellung des Staatskommissars. Erst im Jahre 1929 erkonnte man, daß die Ostpreußenhilfe noch auf Jahre hinaus weiter fortgeführt werden müsse. Daher wurde in dem Gesetz über die Ostpreußenhilfe vom Mai 1929 eine zentrale Stelle geschaffen, bei der fast alle Fäden des Hilfswerks zusammenlaufen sollen. Diese Stelle ist der S t a a t S k o m m i s s a r zur Stützung des ostpreußischen Gütermarkts. Zum Staatskommissar wurde der demokratische Reichstagsabgeordnete Landrat Rönneburg bestellt. Sern Aufgabenkreis umfaßt die Fortführung der Umschuldung, die Verwaltung des sogenannten Betriebserhaltungs- fonds und die Zusammenfassung der Ankaufstätigkeit, die seitens der Siedlungsgcsellschaften, der Domänenverwalrung, des Forftfiskus und anderer öffentlicher Stellen am ostpreußifchen Landgütermarkt durchgeführt wird- Alle diese Zuständigkeiten sind jedoch in der Derwaltungspraxis nur halb und nicht vollständig in die Hand des Staats- kommissars gelegt. Er muß sie mit anderen Staotsbeauftragten uird Selbstverwaltungsinstitutionen der Landwirtschaft, in denen durchweg die Einflüsse des Großgrundbesitzers vor Herr- s ch e n. teilen. Wie weit bei Gegensätzen zwischen dem Staats- kornmissar, den anderen zuständigen Behörden und den Vertretungen der Landwirtschaft der Staatskommissar sich durchsetzen kann, hängt rnn der Haltung seiner vorgesetzten Behörde, also dem preußischen L a n d w i r t s ch a f t s m i n i st c r ab, der durch tatkräftige Unter- ftützung die Autorität des Staatskommissars und damit die Staots- autorität stärken muß. Das allgemeine Umfchuldungsverfahren ist in allen seinen Formen in erster Linie aus den landwirtschaft- lichsn Großbetrieb.zugeschnitten. Dein entspricht das von der„Königsberger Volkszeitung" mitgeteilte Ergebnis der Ilm- schuldung. Daher wurde schon 1928 neben dies Veriahren eine Condcrattion mit 6 Millionen Mark zugunsten der ostpreußischen Kleinbauern inirchgeführt. Diese Mittel waren unzureichend, und die technischen Vorschriften schlössen die mittelbäucrliche Land- Wirtschaft von ihren Vorteilen aus. Daher sieht das Programm von 1929,.umfang reichere Mittel in Höh« von 15 Millionen Mark vor, die die Preußenkasse, die Rentcnbontkreditanstalt und die Sparkassen unter Garantie des Reichs und Preußens bereitstellen sollen. Nur die Preußenkassc hat bisher einen Betrag für die Zweck zur Verfügung gestellt, während die Rentenbankkreditanstolt und auch die Sparkassen eine bedauerliche Zurückhaltung zeigen. Die Bestimmungen sind jetzt so gefaßt, daß zwar ein« Inan- fpruchnahmo der Mittel durch Großbetriebe ausgeschlossen ist, aber auch der mittelbäuerliche Betrieb an sie herankommen kann. Dadurch, daß auf Wunsch des Staatskommissars die bäuerlichen Ve- rufsorganisationen maßgeblichen Einfluß auf diese Aktion erhalten haben, ist dafür Gewähr geleistet, daß auch die bäuerlichen Interessen gewahrt werden können. Bei der allgemeinen llmschuldung Hot die Einschaltung des Staatskommissars bewirkt, daß auch hier der bäuerliche Betrieb stärker als bisher berücksichtigt wird und daß lebensunfähige Betriebe entsprechend dem ursprünglichen Gedanken der Umschuldung sich ihrer nicht mehr bedienen können: zahlreiche Fälle, in denen Betriebe, die vor weniger als Jahresfrist umgeschuldet wurden, zusammengebrochen sind, zeigen, daß eine solche schärfere Auslese dringend erforderlich war. Der Dekriebserhalkungsfonds wird nach den geltenden Bestimmungen dazu verwandt, bereits früher gewährten Realkredit nachträglich durch Zuschüsse zu ver- billigen. Dadurch sind bisher die bei der Hypothekcngewährung bevorzugten Großbetriebe in erster Linie in den Genuß dieser Mittel gelangt(fast 59 Proz. ging an Betriebe mit mehr als 299 Hektar gleich 899 Morgen), wobei sich die gleichen Mängel wie beim Umschuldungsoerfahren jLigten, daß nämlich lebens- unfähige Betriebe auch hier unwirksame Hilfe erhielten. Außerdem erhielten solche Betriebe Zuschüsse, die ihrer nicht. be- durften. Schärfere Auslese der bezufchußten Betriebe konnte unter dem Einfluß des Staatskommissars erreicht werden. Einer weiter- gehenden Berücksichtigung des bäuerlichen Betriebs stehen die bis- herigen änderungsbedürftigen Derwaitungsvorfchriften im Wege. Die Gewährung von Umschuldungsmitteln und Zuschüssen kann in zahlreichen Fällen dadurch entbehrlich gemacht werden, daß der notleidende Großbetrieb durch Landoerkäufe an bäuerliche Betriebe der Nachbarschaft, die durch die Vergrößerung wirt- schaftlicher werden, saniert wird.(Anliegersiedlung.) Hierfür sind zunächst 5 bis 6 Millionen Mark bereitgestellt. Ulster dem Einfluß des Staatskommissars hat diese Form der Sanierung, die sparsamer ist als alle anderen imd gleichzeitig eine dauernde Aenderung der Agrarverfassung Ostpreußens fördert, also als im besten Sinne des Worts pr o d u k t i v bezeichnet werden kann, an Bedeutung g«> wannen. Gerade sie wird auch in der Zukunft besonders gepflegt werden müssen. Hemmungen bei der Sanierung des Gükermarktes. Besonders erwünscht ist die Anliegcrsiedlung auch darum, well mit ihrer Hilfe Großbetriebe in der Hand des derzeitigen Besitzers, wenn auch stark verkleinert, erhalten werden können und nicht auf den ohnehin stark belasteten ostpreußifchen Gütermarkt fallen. Dessen Sanierung war die eigentliche Hauptaufgabe des Staats- kommissars, der mit vollständigem Titel demgemäß auch„Staats- kommissar zur Stützung des ostpreußischen Gütermarktes" heißt. In dieser Aufgabe des Staatskommissars sollte die von der preußischen Staatsregierung in ihrem Agrarprogramm von l928 vertreten« Auffassung zu praktischer Wirksamkeit kommen, daß eine schwer« Agrar- und Kreditkrise in den oskelbischen preußi- scheu Provinzen nur dann verhindert werden könne, wenn durch staatliche Güterkäufe vor allem für Zwecke der bäuerlichen Siedlung der Gütermai kt organisiert und systemansch beeinflußt würde. Infolg« des vor zahlreichen Stellen gegen diese Pläne aus- gehenden Wider stände?— vielleicht auch wegen des Wandels, der sich seit 1928 anscheinend in der persönlichen Auffassung des Herrn Landwirtschaftsmirnsters selbst vollzogen hat— wurde dieser Gedanke nur unvollkommen verwirklicht. Statt den Staatskommissar, wie es dos Ostpreußengesetz offenl'ar vorsieht, selbst mit der Durich- führung der Ankaufstätigkeit zu betrauen, wurde er nur formell damtt beauftragt, sich um eine Koordination der Ankoufstätigkest von Siedlungsgesellschaften und öffentlichen Stellen zu bemühen. Soweit die preußische Domänenverwaltung in Frage kommt, wären solch« Bemühungen gegenstandslos gewesen, da sie Ankäufe nicht ge- tätigt hat. Was die Siedlungsgesellschaften, vor altem die O st p r e u- ßisch« Landgesellschaft betrifft, so wurde die Einflußnahme des Stoatskommissariats von vornherein dadurch beeinträchtigt, daß der Leiter der Landgesellschoit. Freiherr v. Goyl, selbst den Posten des Staatskommissars für sich erstrebte und daher Rönneburg nicht gerode wohlgesinnt ist. Dabei besteht nirgends«in Zweifel daran, daß die Siedlungstätigkeit der Landgesellschaft sehr verdienstvoll ist und siedlungstechnisch jede Anerkennung verdient. Diesen siedlungs- technischen Verdiensten stehen leider nicht entsprechende agrar- politische Einsichten zur Seite. Bei ihrer Ankaufstätigkeit bevorzugt die Landgesellschoft vielfach gerade gesunde Betriebe, und er kann, leider auch, keinem Zweifel unterliegen, daß vielfach volks- wirtschaftlich wertvolle Betrieb« zwecks Besiedlung zerschlagen wurden. l Die ZusammeaarbeN«U de« Slaakskoauniff« leidet iw runter, daß die siedlungstechnischen und die agrarpolitischen Gesichtspunkte miteinander in Konflikt geraten müssen. Ihr natürlicher Gegensatz wird dadurch verschärft, daß noch den Berwaltungs- Vorschriften der Einfluß des Staatskommissars auf die Landgesell- schaft gleich Rull ist und die Mittel für die Ankoufstätigkest der Landgesellschoit eine Berücksichtigung marktpolitischer Erwägungen forderte, hat die Landgesellschaft sich diesen Wünschen gegenüber in ihrer Ankoufstätigkest ablehnend verhalten: eine wirksamer« Einfluß- nähme auf die Landgcsellschast scheiterte scheinbar deshalb, weil sie beim preußischen Landwirtschastsministerium Rückhalt fand. Bisher nur Teilerfolge. Die neue Aera der Ostpreußenhilfe. die mit der Einsetzung des Staatskommissars begann, hat also wtr zu Teilerfolgen geführt. Auf dem Gebiete der Kreditpolitik werden die bäuerlichen Interesse» weitgehend wirkungsvoll wahrgenommen und ein« Ver- geudung öffentlicher Mittel durch allzu weitherzige Bewilligungen vermieden. Auf dem Gebiet« der G r u n d st ü ck s p o l i t i k konnte die Sanierung von Großbetrieben durch Londobstoßung und damit die Entwicklung der bäuerlichen Wirtschaften wesentlich gefördert werden. Zu der eigentlich als Hauptausgobe vorgesehenen systematischen Pflege des ostpreußischen Gütermarktes ist es jedoch nicht gekommen. Der Grund hierfür scheint erstens in Fehlern der Domänenverwaltung, zweitens in der Unabhängigkeit der Siedlungs- gesellschaften vom Staatskommissar, drittens in der nicht aus- reichenden Unterstützung des Staatskommissars durch das Landwirt- schoftsministerium selbst zu liegen. Auf diesem Gebiet liegen also wichtige, noch ungelöste Aufgaben für Verwaltung und Gesetzgebung, die spätestens bei der Regelung der Ostpreußenhilfe für 1989. mög- liehst jedoch noch vorher, einer befriedigenderen Lösung zugeführt werden müssen. Ernte des Stahltrusts. Fast VU Milliarden Jahresumsatz. Der Ruhrmontantrust, die Vereinigte Stahlwerke A.-G. in Düsseldorf, veröffentlicht jetzt die Produktions- und Um- fatzzissern für das vierte Quartal im lausenden Geschäftsjahr 1928/29. Es lassen sich somit jetzt sür das am 39. September abge- laufen« Bstriebsjahr die Gesamtergebnisse dieses mächtigsten beut- schen Montanuntcrnehmens übersehen. Im Berichtsquortal Juli bis September 1929 stieg gegenüber dem entsprechenden Quartal des Vorjahres die Produktion von Kohl«.... van 6,6 auf 7,4 Millionen Tonnen Koks...... 2 48„ 2,79 Roheisen...„ 1,34, 1,68 Rohstohl.... 1,65. 1,69 Die R o h st o hl Produktion ist im Berichtsquortal gegenüber dem vorgehenden Vierteljahr April bis Juni von IM auf 1,69 Millionen Tonnen und di« Roheisen Produktion gleichfalls, wenn auch sehr unwesentlich zurückgegangen, jedoch hängt dies zweifellos mit der allgemeinen sommerlichen Geschästsstille zusammen. Dagegen ist die Koksproduktion und Kohlenförderung auch gegenüber dem vorhergehenden Quartal noch gestiegen. Das gesamte Produktionsergebnis im letzten Betriebsjahr ergibt folgende Ziffern: Kohle... 27,2 gegen 26,4 Mill. Tonnen im Lorjahr Koks... 9,6„ 9,4.„„ Roheisen.. 6,9. 6,5 Rohstahl.. 6,4„ 6,9„„„ Dieses Gesamtergebnis beim Ruhrstahltrust ist überraschend gut. Man muß bei diesen Abschlußziffcrn berücksichtigen, daß gleich zu Beginn des neuen Bctriebsjahres durch die Stillegung?- aktion der Unternehmer die Vroduktion auf fast fünf Wochen abgedroffelt wurde. Ferner Hot die laiiganhaltende Källewelle im Winter gleich- falls ungünstige Rückwirkungen auf die Schwerindustrie gehabt. So gesehen erscheinen die Rückgänge der Produktion in den Stahlwerken und Hochöfen sehr gering. Unter Ausschaltung der fünfwöchigen Stillegung der Betriebe gelangt man sogar zu einer leichten Produktions st eigerung. Da zu Beginn des vorhergehenden Betriebsjahres 1927/28 die Stahlkonjunktur ihren Höhepunkt erreicht hatte und bis zum Juni, also neun Monate lang, «in« durchaus gute Konjunktur vorherrschend blieb, läßt sich er- messen, wie kräftig der Aufschwung für die deutschen Stahl- und Eisenwerke seit dem Frühjahr d. I. war. wenn trotz der verschiedenen widrigen Einflüsse mindestens die gleich guten Er- gebnisse erzielt wurden. Roch stärker kommen die Konjunktureinflüsse bei den Förderziffern f ü r die Kohle und bei der Koksproduktlan zum Ausdruck. Man wird noch den vorliegenden Ergebnissen auf den Zechen des Stahltrusts, die für die gesamte deutsche Schwerindustrie durchaus typisch sind, mit Rekordziffera im Sohlenbergbau rechnen köimen. Em Vergleich der Umsatzzahlen in den einzelnen Berichts- Vierteljahren zeigt deutlich, daß dos ganz« Schwergewicht der Kohlen- und Eisenkonjunktur beim Stahltrust auf den letzten sechs Monaten lag. Die Umsätze entwickelten sich in den einzelnen Quartalen wie ftflgt: Okt /Dez. 28. 245,0 Mill. M. Ott./Dez 27. 361.6 Mill M. Jan"März 29 358,9„. Jan �März 28 369,4„, April �Iuni 29 498,6.„ April Juni 28 339.7„„ Juli Sept. 29. 397,3„„ April Sept 28 368,5 Es zeigt sich also, daß der starke Umsatzausfall im ersten Quartal des letzten Geschäftsjahres, der durch di« Stillegung an der Ruhr verursacht wurde, durch die glänzende Entwicklung in den letzten sechs Monaten vollständig aufgeholt werden konnte. Der Gesamtumsatz im letzten Geschäftsjahr liegt mit 1,4Z Milliarden wieder wie im vergangenen Zahr hart au der l l-f-Milliarden-Grenze. Di« gegenwärtig vorliegenden Auftragsbestände der Hüttenwerke und Derarbeitungsbetrtebe belaufen sich auf 81,9 Proz. des Auftragsbestandes im Monatsdurchschnitt des Geschäftsjahres 1927/28. Scheint also nach diesem Vergleich der Auftragsbestand beim Stahltrust vermindert, so erhätt man doch ein erheblich anderes Bild, wenn man den gegenwärtigen Auftragsbestand mit dem September 1928 vergleicht. Zu diesem Zeitpunkt betrug der Auf- tragsbestond an Eisen- und Stahlerzeuqnissen nur 68,1 Proz. gegen- über dem September 1927, so daß auch die gegenwärtige Be- schästigungslaoe beim Stahllrust nach erheblich besser ist als im Herbst vergangenen Jahres. Die Belegschaft ist von 172595 auf 176 716 Personen am Ende des Betriebsjahres 1928/29 gestiegen. Der Zuwachs entfällt aus- schließlich auf di« Bergarbeiter, deren Zahl sich von 82494 auf 87 985 erhöht hat. Die Zahl der Angestellten ist mit 15 331 um 63 Personen zurückgegangen. Die Gesamtbelegschaft beim Stahltrust stellte sich also Ende September d. I. auf rund 192999 gegen knapp 188 000 Personen im September 1928. Vom Bankkrach zur Fusion. Wiener Fusion beschlossen /politische Ursachen nicht bestritten Die große Wiener Bankfusion, über die wir gestern berichteten. ist so gut wie perfekt. Der Berwaltungsrat der Oesterrcichi- schon Kreditanstalt sür Handel und Gewerbe(Baron Louis Roch- schild) hat die Angliederung der Allgemeinen Oestemichijchen Bodentrediianstalt beschlossen: am Donnerstag soll der Aufsichtsrat diesem Beschluß zustimmen. Die Verluste werden in der Hauptsache von den Akttonären der Bodenkredit getragen; von den 55 Mill. Schilling Aktienkapital und 37 Mill. Schilling Reserven werden 89 Mill. Schilling sür Abschreibungen verwandt. Der österreichische Staat hat für die Industrieschuldner der Bank keinerlei Bürg- schaft übernommen, erleidet aber erhebliche Verluste als Aktionär (Poftsparkassenamt). Die„Wiener Arbeiterzeitung" betont wie wir'den- politischen Charakter des Zusammenbruchs. Mit der Bodenkredttan stall sei die finanzielle Grundlage des ganzen Vürgerblvcksystems und der Heimwehrtreibercien zusammengebrochen. Sehr bemerkenswert ist ein Zugeständnis des„Reuen Wiener T o g b l a t t", dos dem abgegangenen scharfmacherischen Bank- Präsidenten Dr. Sieghart nahestand. Ein« entscheidende llrsache des Zusammenbruchs sei die Vertrauenskrise infolge der politischen Er- regungen der letzten Monate. Da die Heimwehrbcwegung daiiir die Verantwortung trägt, bedeutet di« Feststellung des„Reuen Wiener Tagblott" nichts anderes als eine Anklage der Heimwchr- Politiker. Versteckte Gewinne. 6 Prozent Dividende bei mehr als'lZ Prozent Reingewinn Der größte süddeutsche Maschinenkonzern, die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg A.-G.(MAR.), treibt seit Jahren ein« äußerst vorsichtige Gewinnpolitik. Auch diesmal Hot der Aufsichtsrot beschlossen, sür das am 39. Juni beendete Geschästssahr 1928/29 mir eine Dividende von 6 Proz. auf das Kapital von 29 Millionen Dtark zu zahlen, obwohl der ausgewiesene Reingewinn von 2,7 Millionen Mark einer verteilbaren Dividende von mehr als 13 Proz. entspricht. Gegen eine vorsichtig« Reseroepolitik von Industrieunternchmun- gen ist im allgemeinen nichts einzuwenden. Rur sollen die Unter- nehmer dann nicht mit ihrer niedrigen Dividende hau- sieren gehen und der Arbeiterschaft sowie der Oeffentlichkeit vorspiegeln, daß sie auf keinen grünen Zweig mehr kämen. Zu diesen Unternehmern gehört auch die Verwaltung der MAR., die trotz eines Umsatzes von 129 Millionen im Vorjzhr uid eines Auftragsbestandes von 90 Millionen im Dezember 1928 sich nicht genug gegen die Sozialpolitik und die Lohnforderungen ihrer Velcgschaft wenden konnte. Osfenbar ist die Einstellung des Herrn R e u s ch von der Gute Hoffnungshütte, der im Auisichtsrot ver- treten ist, auch für die übrige Verwaltung nicht ohne Wirkung. 8,47 Milliarden Mark Sparkasseneinlagen im Deutschen Reich. Ende August 1929 belie'en sich die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen aus 8 466,2 Millionen Mark gegen 8 316 Millionen Mark Ende Juli 1929. Der August brachte mithin eine Zunahme von 150,2 Millionen Mark. Reemisma-Reuerburg und Tabakmonovol. In einer Sitzung der Fachgruppe Rahrnngs- und Genuhmtttel im Reichsverband der Deutschen Industrie wurde die v e r b i n d l i ch e Erklärung ab- gegeben, daß alle Nachrichten über Verhandlungen, die die Firmen Recmtsmo und Hmis Neuerburg oder in deren Austrage Banken, Bankfirmen oder dergleichen insbesondere wegen der Schaffung eines Monopols oder der Begebung einer Anleihe auf der Grundlage des Steucrertrapes aus der' ZParette geführt haben sollen, glatt erfunden sind. Zst harriman Polen zu unsicher? Der ame-ikanische Groß. finanzier Harrrman hotte Polen die E l e k t r i s i z I e r u n g West. polens und damit«ntsprecbcnde Wirtschaitskredile angeboten: es handelt sicki dabei um die auch von uns mehrfach besprechen« große polnische Estkirokonzession Harrimons. Wirschauer Mc'dun-icn sagen, der Vertreter Harrimans wolle das Anaebot weaen Nicht- einhallung der Fristen— als nichtig erklären.'Wenn dos stimmt, so bedeutet das eme offeneamerikanisch« Mißtrauens. erklarunq in die Sicherheit der polnischen Winschansverhältn'T«. Ob der— auch mit der Schuld Polens— noch immer fottdauernde deutsch-polnische Zollkrieg nicht auch das Vertrauen des Aus'andes in die Stabilität der polnischen W'rtichaftsführunz untergräbt? Zähneputzen— 40 Prozent Dividende. Womit in dieser Welt Geld oerdient werden kann, zeigt der Abschluß der Metallwaren- fabrik K. Häll in Lanaenfeld(Rheinprovinz). Dieses Unternehmen. das sich fast ausschließlich mst der Herstellung von Tuben für Zahnpasta besaßt, zahlt für das letzte Geschäftsfabr auf sein Kapital von 199 999 Mark eine Dividende von 49 Prozent. Da außerdem noch 13799 Mark auf neue Gewinnr-chnung vor- getragen werden, hat dos Unternehmen im letzten Jahr glatt 53 Prpz. seine? Kavitols verdient May sieht, daß auch di« Kulturerrungenschast des Zähneputzens in klingende Münze ver- wandelt werden kann. Ar. 473 ♦ 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 9. Oktober 4929 Aus der Partei. Eine Würdigung der Lebensarbeit Karl Kautskys. Soeben erscheint im Dietz-Verlag ein Büchlein von Karl Renner: Korl Kautsky. Skizze zur Geschichte der geistigen nnd politischen Entwicklung der deutschen Arbeiterklasse. Ihrem Lehrmeister Karl Koutsky zum 7S. Geburtstag gewidmet. Welch ein Lebenswerk ist hier auf hundert Druckseiten zu- sammengefaßt! Und wie tief ist dieses Lebenswerk in die Geschichte der intcrrtzUionalen Arbeiterbewegung verflochten! Renner saht die Bewegunz des internationalen Sozialismus von den 70er Iahren des vorige» Jahrhunderts bis zur Gegenwort in souveräner Ueber- schau zusammen. Das Werk Kautskys wird von der Bewegung ge- tragen, die i>«r Meister marxistischer Analyse andererseits wiederum befruchtet. Die heißen Kämpfe um den Revisionismus werden in Kürze wieder lebendig gemocht, die großen Kämpfer Bebel. Bern st ei Bollmar. Jaur�s treten vor uns hin, wir er- leben noch ei»mal den Zusammenbruch der 2. Internationale Anno lOl-t, der cust seinen historisch-materialistischen Gründen analysiert wird: die 2. Internationale war noch nicht mächtig genug, um den Ausbruch des Weltkrieges zu verhindern, ihre Bertreter waren noch nicht, wie heute, Mitglieder maßgebender Regierungen. Dramatisch l6)reitet Rennors Bericht weiter. Nach der russischen Revolution (1017) brechen neue Kämpfe aus: jedoch das Parteizentrum siegt. Kautsky schreibt ihr Programm. So zieht der SS-Jährige in der Schrift: Die proletarische Revolution und ihr Programm(1022) das Fazit seiner politisch-theoretischen Lebensarbeit. Die Resultate dieser Arbeit gehen in das Heidelberger Programm ein. Dann glätten sich die Wogen. Auch die 2. Internationole ist wieder erstanden. Jetzt findet der alte Streiter verdiente Muße, eine universale Ge- ichichts- und Gesellschaftsphilosophie abzuschließen, das Werk«Die materialistische Geschichtsausssassung" erscheint 1027 in zwei Bänden. Renner schreibt klug abwägend:„Diese Soziologie ist niederge- schrieben in dem Geiste des Zeitalters, in welchem Kautsky wurzelt, im nawrwiflenschaftlichen und historischen Geiste. Sicherlich, es ist nicht die einzig mögliche Art der Betrachtung und die Soziologen »ersichern uns, daß das Zeitalter, das heraufsteigt, anderen Methoden folge.„Drei Generationen haben sich an Kautskys Werk geschult. Er selbst blieb nie stehen. Möge jeder Arbeiter sich dies« Blätter Renners aneignen, sie verarbeiten und ihre Ideen weitertragcn! 1.?. M. Ciafenbirngen tär diel« Rubrik sind « e r l i» SS«S, Siudruftraße 3, parieinachnchien für Groß-Verlin stet, a» da, Beiirr»s«kretariut 2. Hot, 2 Treppen recht», zu richten. 2. kirei, Tiersurte». Rchtnn,. Stobt,»nd Bezirks, crordneteolandidote«! Tie Genossinnen und Geuoffen werden«ebeten, wegen Trledipun-i wichtiger Angelegenheiten destimmt in der deutigen AreiomitgNcdervcrsgmwlung in den Arminiusdallcn auwesenb zu sein. lZ.#«t, Tempelbof. Heute, Mittwoch, 9. Oktober, 20 Adr. �roktionostbung in. der Torfstr.<21. Kreismttglieder- Versammlungen mit folgender Tagesordnung: „Sprengstoffaitentate, Huaenberg-Voiksbegehren, Sozia lreakiion." lllttlllltlttlNIIlllllttktllllllttltttlllltUIUittlUUIIMtttilllNUMttNIttlllUMeNMIIIIIIlllllllsllltttlllllNttlttllltllfltlllltlllitlttUMNNIIllltttNIIItlllttttlUllllllltilUtltttttltitllttttNMNIINtllttllllllttllllllttllUIIttlNNNttttllltiMItttNINttttlllllttlttttNMNNllttttttttttMNNMttiNI Heute, Mittwoch, den 9. Oktober: Wedding. 19� Uhr im Patzenhofer Ausschank, Chaussee- straße 64. Tiergarleo. 1914 Uhr in den Arminiushallen, Bremer Str. 73. 8. Abt. 1914 Uhr im Nationalhof, Bülowstr. 37. Sreuzberg. 19>- Uhr bei Rabe, Fichtestr. 29. Charlokienburg. 1912 Uhr im Edenpalast, Kaiser-Friedrich- Straße 24. Spandau. 1914 Uhr km Turmzimmer des Reuen Ratskeller. Wilmersdorf. 19>- Uhr im Biktoriagarten, Wilhelms- aue 114/115. Zehlendorf. Ill'o Uhr im Lindenpark, Zehlendorf, Berliner Straße Ecke Gartenstraße. Schöncberg. 19 X Uhr in der Schulaula, Feurigstraße, neben der Feuerwache. Steglitz. 1914 Uhr bei Kattum, Lichterfelde, Bäkeftr. 7. Lichtenberg. 191- Uhr in der Schulaula Parkaue, Möllen- dorfstraße. weißeafee. 19 H Uhr im Lokal„Zum Pferdemarkt", Schön- straße. Pankow. 1914 Uhr in Linders Konzerthaus, Pankow, Breite Straße 32. Reinickendorf. 191- Uhr im Lokal Paulinenhof, Rosenthal, Hauptstr. 1. Johannisthal. 191- Uhr bei Botha, Stubenrauchstraße. Morgen. Donnerstag, den 40. Oktober: Friedrichshain. 191- Uhr in den Andreas-Festsälen, Andreas, straße 21. Freitag, den 4�. Oktober: Reulölln. 1914 Uhr!n Kliems Festsälen, großer Saal, Hasenheide. * Referenten: Siegfried Aushäuser, Friedrich Bartels, Artur Crispien, Wilhelm Dittmann, Albert Folkenberg, Gertrud channa, Kurt steinig. Mar steydemonn, Käthe Kern, Marie Kunert, Frqn; Künstler, Karl Litke, Dr. Kurt Läwcnstein, Dr. Julius Moses, Johannes Stelling, Fritz Tornow, Mar Westphal. heute, Rlitkwoch, 9. Oktober. 13. Abt. Di« Mitglicd-rs«rsgmmlung fällt beut« wogen der str.ismitgiikdcr. Versammlung aus. All« Milglicbrr msissc» dart erscheinen. l». Abt. Die?ablabendc fallen aus. Zalstadend der Bezirke 815. 818 bc! Käs!, Griintdalcr Str. 83, am Mittwach, 16. Ottober. 31. Abt. Ift'i Uhr Zahlabende bei Galdschmidt. StoTpiWt 6tr. 36; Meißner. Schioelheiner Straße und schwarz, Barnholmer Sir. S. .33. Abt. 18% Übt guuktioniirsißung bei Wer'alla, Hobenlabestr. 3. Werbe- wach«. 33. Abt. Die-ab.'aber, de fallen wegen der Kraismitgliederocrsavwrlung, die am Dannerstag. 10. Oktober, stattfindet, aus. <3. Abt. Die.bab loben de fallen wegen der Krrismitgliederpersammsunp bei Nabe. Dichtes',.?9, aus. <0. Abt. Wilmersdart. Pünktlich 10 Ubr. vor der Sreismitaliederversamm- lung. �unktionärsißnng im Viktoriagarten. Wilbelmsour 11t— 115. Zicuköllu. ez. Abt. 1S>, Ubr Aabladenda. Bezirke 56, 58. 81 bei Dammer. cherßbergktr. 22. 57. Bezirk: SS>-uer. Treptower Str. OO. Crfc Wescrstraße. 82. und 97. Bezirk: Lokal Sinkopf. Marcsch. Eike Äaiser.ssriedrich.Straße. 83.. 8t.. 85. Bezirk: König. Bobmische Str. t.3-tt.»5. und 100. Bezirk: Äänig, Kanner Eeke Elfterstraße. 96.. 99. Bezirk: Pritstow. Richard. Elke Schänrweider Straße. 98. Dezirl sSiedlungs: Bärwinkel. Vortrag:„Der Kampf um die Kommune". Referent Hermann Harnisch. M. d. L. Da eine völlige Ilmänderung der Wabldezirke stattfindet, bitten wir um regen Besuch der Kenossinnen und Genosien in den Zablabenden.— 93. Abt. 19i? Ubr bei Teich, Knesebeckslr.>35. Mitgliederversammlung. 99. Abt. Briß.Buikow. Bezirk Großsiedlung:.Kabladend im Lokal Buichkrua. Rudower Straße. Vortrag:„Der Kampf um die Arbeitslasenversicheruna". Referent Georg Raible. IM. Abt. Treptow. Achtung, sür den 2. Bezirk auber«. Lokal! 2. Bezirk Iggt beute im Lokal vormals Ianke. Kieibolzstr. 2l. 192. Abt. Baumfchulenweg. Die Mitgliederversammlung fällt beute au» und findet dafür erst am Mittwoch, 16. Oktober, stall. An diesem Tage findet eine Mitglieder. Werbe vcraastaltung stgtt, wozu durch Flugblätter bc- sonders eingeladen wird. Die Mitglieder werden gebeten, schon Irßt ein« rege Propaganda für diese Veranstaltung zu machen. l>9. Abt. Lichtenberg. Der Zablabev.d füllt gus. Dafür Beteiligung a» der Krcismitglicderverfammlung. ZNorgen, Donnerstag. 10. Oktober. 15. Abt. l9u: Ubr außcrardentlichc Mitglirderversannvluna bei Kurkaw'ti, Teldstr. 3. Sagesordnung: Berichteritättung von der Krrisvertretcrver. iammluna. Ohne Mitgliedsbuch kein.Zutritt. 8!. Abt. itriederau, Bildungskreis jüngerer Parteigenossen: 20 Ubr im Restaurant Klowe. Sandirrnstr. 59, wichtige Besprechung unserer Winter» arbeit. Um zahlreiche De'eiligung wird gebeten. llt. Abt. Lichtenberg. l9tz Ubr bei Schwarzer. Eabriel-Mar-Str. 17. Vor» stand»- und Tunktionärsißung. Die Mitgliederversammlung fällt wegen der Kreisnrilgliedervcrsammlung aus und findet daiür am Mittwoch. I». Oktober, ftoit. Abi. Blankenfelde. 20 Abr im Lolal von Müller. Schildower Str..3. Mit- gliederverfamwlnng. Vortrag:.Hanger Konferenz. Bonng-Pfa», Hngen Iveg-Bolksbegebren". Referent Ernst Reuuiann. Alle Mitglirder wäll', rrschefnen. Freitag, 11. Oktober. l.39. Abt. Tegel. 19',; UJc bei Schade. Berliner Str. 17, wichtige Zsunktionäe» sißung. Ms 139:. Abt. Treie Scholle. 29 Ubr im Lokal Scholleokrug Werbe. sZ oerfammiung. Va'trog:„Tie politische Loge und die lammenden Stadt. =; verardnctcnroablen". Referent Laudtagsabgeordnetcr Erich Kuttner. Sympathisierend« und.»orwärt»".Lrfcr sind dazv eingeladen. m tSSLUiwj&fy Emern Beobachter unserer Kindertage würde es schwer fallen festzustellen, wessen Freude grüßer ist, die der Kinder, oder die der Mütter. Die Kinder sind froh, weil sie bei uns Sachen bekommen, bei denen sie ihre eigensten Wünsche berücksichtigt Enden(sie wollen doch genau so modern ausschaun wie die Großen). Und den Müttern strahlt das Glück aus den Augen, weil Gelegenheit haben, ihre Kinder so reizend, so praktisch und doch so bei uns einzukleiden. Wenn der Mittwoch auch Sie und Ihre Kinder ein Tag der Freude sein soll, dann: KMWWWW «,„,0. der». Kn.be«. KieMu«« i« t°> b«!8.« Chauneertr. 113 Königrtraße 33 0«»«b8tton: Choussee.traJ« und KinigstrsSe pr», Z,ei»oe- soinie«».-> b,«n«cn»>-«»>>d«'»>o«» Bezirksausschuß für Arbelkenoohlfahrt. b.-: Kunltlunlirverlammlu»« der Arbeite rwodlfahrt am jsrei D ter, llbr, im Mirgersaal de- Scathauses. Reue Söu Vi screutiu Geuolsiu Miuna Ladeuba««» über.Entmiilluua d vllcrie in Berlin". Um»ahlreiches Erscheiueu wird nebet. weis dient da» Parteibuch und der Funktiouärauawei» der itaa. lt. vkta. iMratze. R«. Z Eatwickluuq der Wohlfahrt»- S Ericheiueu wird nebeteu. Al«�u»» xs 3. Kreis Weddlaq. Die Arbeitsgemeinschaft wird Wesen her Bersamin'nns de» Betirkeausschussco verlegt. Alle S-lser nehmen an der Persarnmluna des Nedirlsausschusles am lsreitaq. U. Ok'.ober, l!>ih Uhr. im Bllrgersaal des Rat- Hauses teil. Zungsozialisten. iSrubp« Baumschulenwegz Leute. Mittwoch, fällt der Seimabend»US. Dafür Beteiiigung an der Kreismitglicdcrversammluna in Johannisthal. Treffvuntt l9 Uhr«iefhola- Ecke Marienthaler Strafte. Arbeiisgemelnschafl der Sinderfreunde Groß-Berlin. Swrpur Prenzlauer Per«: Leute. Mittwoch, von l»— lS Uhr, in der Baracke Z, Danziger Etr. SZ. Kreisfallenratssiftuns. Donnerstag, Ib. Oltobcr, 20 Uhr. ebendort erster Kreisarbeitsabend. Alle Helfer müssen crfcheinrn. Die inlerelsserten Genossinnen und Genossen aus der SAli. sind dazu cinqeladcn. «reis Prenzlauer Berg, Srupve Freiheit: Achtung! Der heutige Gruppen. abend in der Schule Sor.nenburger Str. 20 fällt aus. Das Turnen findet erst am näckiften Mittwoch statt. Kreis Kreuzbera: Die Kreise Kreuzberg, Tcmvelhof, Kehlendorf. Wannfee und Kossen treffen sich Donnerstag 20,,4 Uhr zum Kursus im Jugendheim Oorck- straftc 11. Es wird um pünktliches Erscheinen gebeten. Geburistage. Jubiläen usw. 72. Abt. Wilmersdorf. Unserem liebe» altbewährte» Genossen Ott» Beyer nebst Frau die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhoch-eit. Sä. Abt. Reulölln. Unser verehrter Genosse und Abteilungsleiter Rudolf Krüger. Priuz,Sa»djeri,.Str. 54, feiert gm». Oltobcr fei» ZöiShrtgcs Parteiiubiläum. Wir gratulieren ihm herzlich m»d wünschen ihm»och»»elc Jahre der Mitarbeit i» unserer Mitte. 105. Abt. Adlcrsbos. Unser Abte!lung»kasfi«r«r Genosse Alfred Gitn«, und Scaosfi» begehen am 12. Oktober das Fest der Silberhochzeit. Wir über. Mitteln ihnen unsrre herzlichste» Glückwünsche. 124. Abt. Mahlsdorf. Unserem allezeit»och reg« tätigen Genosse» P a» 1 Schmidt, Uslorer Str. 2, die herzlichsten Glückwünsche zum 76. Geburtstoge. Die Abteilung»!-!»«»«. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation IIb. Abt. Lichtenberg. Unser Genosse Bernhard bahn. Junglehrer. Eitelstr. 10. ist am Dienstag verstorben. Ehre seinem Andenken! Beerdigung am Donnerstag. lO. Oktober, W Uhr. auf dem Zentrasfriedhof in Friedrichs. felte. Um rege Beteiligung wird gebeten. 125. Abt. Veiftensee. Den Genossen zur Nachricht, baß am Sonnabend. 5. Oktober, unser Genosse Richard Carl verstorben ist. Ehre seinem An. denken! Einäscherung am Donnerstag. 10. Oktober. 12 Uhr. im Krematorium Gcrichtstrafte. Wir bitten um rege Beteiligung. SozjaMscheArbetterjllgendGr.-Verlin Ginfendungen für diese Istubrik nur an da» Jugendsefreioeloi Berlin SWSS, Tinbenchafte Z Kundgebung der Jugend gegen die Kirch« heute, pünktlich l9'4 Uhr. im Orphcum, Lasenhcide 32—58, Revue:„Es werde Licht. durch die Wanderrarten. Eintritt gegen Karte. Die Arbeitsgemeinschaft über„Wirtschaft-lehr, und Wirtschaftsgeschichte" lLeiter Genosse R. Abraham) hält ihre Kusammentünftc reaelmäftig Donners- tags. ISlh Uhr. im Jugendheim Porckstr. U, Leimleiterzimmcr tU-Bahnhof Belle-Alliance�Ztraftc). ab. Beginn diesen Donnerstag, morgen. Anmeldungen können daselbst noch vorgenommen werden. Der BcwegnngsAor von Martin Gleisner tagt morgen. Donnerstag, in der Turnhall« der Schule Danzigcr Str. 82. Beginn für Anfänger A Uhr und für Fortgeschrittene Zl Uhr. Rege Beteiligung ist erwünscht. Heule, ANilwoch, 19 Uhr. Arkonaplaft: Schul« Slisabcthkirchstr. lS: Mitgliederversammlung.— Westen l sRote Fallen): Leim Bülowstr. 88:„Gcmeindcwohlen".— Gesund» brunnen II: Leim Ehristianiastr. 88:„Wir und unsere Eitern".— Wcdding: Turiner Ecke Seestrafte: Einführungsabcnd.— Eharlottenburg-Rord: Leim Olbcrsstrafte:„Tagespolitik".— Spandau: Heim Lindcnufer 1: Disiusssons- obend.— Tempelhof: Lmeum Germaniastr. 4—0:„Kweck und Kiele der öAJ."— Kehlendorf: Leim Nordschul», Potsdamer Str. 5—7 lPaoillonI:„Aus Schriften oo» Marx und Engels".— Kallenberg: Heim Gartenstadt fGutsbof): Mit- gliedcrversammlung.— Fricdrich-felde: Kehn-Minuten. Rcfcrvte.— Kanlsdorf: cchiile Adolfstr. 25— 26: Leseahend:„Bub und Mädel".— Lichtonbero-Mittc: Heim Sck?acnwebcrstr. 20:„Anarchismus und Snudisolismus".— Lichtcnbcrg- Reu: Leim Lauffftraße: Lichtbildervortrag:„Wie lebt und wohnt der Ar. bcltcr?"— Laus«: Unser« Generalprobe findet nicht in der Aula Waldenfer- strafte, sondern im Heim Lehrter Strafte am Donnerstag pünktlich 10 Uhr statt. — Norden: Heim Lorfting- Ecke Eraunstraßc: Einfllhrungsabend.— Lohen- fchünhanlen: Schul« Dingelstebrer Straß«: Besuch der Parti iversamenlu na im Restaurant Storchncst. Wohlfahrtspflege."— Reicheaberger Viertel: Der Gruppenabend fällt aus. Wir beteiligen uns an der Beranftaltung im Orpheu» in der Hatenbeide. Lanso: Derbescier und Fahnenweihe am Freitag, ll. Oktober, A w- 10>a Uhr. in der Schuloula der weltlichen Schule, Waldenserstr. 2l. M W Aus dem Programm: Musik, Begrvftung. Revue, Fahnenweihe usw. S g Eintritt 30 Pf. g Werbebczirk Rculöll»: Ausgabe von Werbematcrial im Parteisekretariat van 18—10 Uhr. Außerdem sind noch Eintrittskarten für das Orvhcum zu haben. Alle Juacndgcnosscn. die nicht zur Kundgebung gehen, besuchen di- Kahlabende der Partei.____ Vorträge, Vereine undVersammlungen. # Reichsbanner„Schroatz-Rof-©olb*. Geschättsstell»! Berlin S 14. Scbaftianktr. 3T.'3S, L»t 2 Tr. Lichtenberg, Kameradschaft Giistav Tempel: Mittwoch, 9. Oktober, 10 Uhr. Saalschuß in der Parkaue.— Tiergarten: Donnerstag. 10. Oktober. 20 Übe. Poritai'.tssißung bei Sriimpcr.— Rcu'ölln.Briß, Jung- banner: Douncrstal,. 10. Otlobcr. 20 Uhr. Mitgliedo-riammlung bei B-iewskl. Boddwstr 57. Borirag des Kameraden Arno Scholz.— Weiftenfee: wer Kam. Richard Carl, ehemaliger Lorfißender de- Ortsvercins. ist am 5. Lttoocr vcr. starben. Einäscherung Donnerstag. 10. Oktober. 10 Uhr. Krematorium Gcrichtstrafte. Anircten 18 Uhr Gustav-Adolf. Eck- Scinersdorser Strane.. Nachzügler 10 Uhr Krematorium. Reoe Beteiligung wird erwartet.—.iriedrlchshaiu, Kameradschaft Pclersburg: Mit'woch. S. Oktober. 19',£ Uhr. aun-rordtntlich- Kameradschastsversammlunq bei Loru, Korndorfer Str. l>.— Freitag, 11. Olto. der. Prenzlauer Berg: 20 Uhr Badrabend im Stadtbad Oderbergcr Strafte. Lichtrnbelg lOrtsvcrein): 20 Uhr Mitgliederoersammlung im Logenkasiuo, Knorrpromenade 3. Siefcrat»am. Dr. Wilchler:..Schußbund und Seunwehr, die Vorgänge in Oesterreich". Lcrmsdorf: Kamcradsckiaftsoersammluna>» Ludwigslust, Albrccht- Ecke Bismarckstrafte. Lichtbildervortrag. Referenten: Dr. Lausdorf und Dr. Lehmann. Anfang 20 Uhr. Marineabieilnng: 20 Uhr Kufammenkunit der Stettinfahrer im Bootshaus. Arbeiter. Radio. Bund Deutschland».«. B.. Bezirksarupvl Berlin, Gruppe Fricdrichshai». Donnerstag, 10. Oktober, 191� Uhr, Berliner Milgliederver. fammlung im Gewerkschgftshaus, Saal 5. Erscheinen ist unoedingt erforderlich. Arbeiter.Adstinenten-Bnnd, Gruppe Kreuzbcrg. Miltwoch. 0. Oktober, 19sh Uhr. in der alkoholfreien Gaststätte am Rarheinekcplaß 3—4, geschlossene Mitgliederversammlung. Mitgliedsbücher mitbringen. hoi-IH Arn 6. Oktober 1929 entschlief nach kurzer schwerer Krankheit unser Vorstandsmitglied, Herr Direktor Nax Heibig Mit ihm verlieren wir nicht nur einen treuen Mitarbeiter, sondern auch den verdienstvollen Gründer des Bundes. Wir werden ihm stets ein dankbares Andenken bewahren. Aufsichtsrat und Vorstand des V olkswohl-Bundes Allgemeiner Bestattung«- u. Vcr Sicherung«verein a,G., Berlin. kiSjöss.'Vijp.i■.' MW» Am 6. Oktober 1 929 entschlief nach kurzem schweren Leiden plötzlich und unerwartet unser Herr Direktor und Begründer des Volkswohl-Bundes Max Heibig Wir verlieren in ihm einen Vorgesetzten, dem das Wohl und Wehe der Angestellten stets am Herzen lag. Wir werden seiner immer in Dankbarkeit gedenken. Die Prokuristen, Angestellten, Einnehmer und Vertreter des V olks wohl-Bundes Allgemeiner Bestattungs-u.Versidienmgsvercin a-Q-, Berlin. ', 7 .Mi �' Am 6 Oktober, abends ö*/« Uhr. entschlief plötzlich und unerwartet meine innigftgeliebte Frau Msttlm Wienmann geb. Büttner im 56. Lebensjahr Im Namen der Hinterbliebentn Heinrich Widimann Berlin(5. 42, Orantenstr. 14a Beerdigung: 10. Oktober, nachm. 4 Ufjc. auf dem alten Luisenstädtischen Friedhof. Bergmannstratze Für d'ie v'elen Bewet.e von Liebe und Teilnahme beim Heimgange mei» rus lieben Mannes, unseres guten Ridharä Schulz sagen wir hiermit unseren innigst«, Donk. � Gtoilia Schulz, gib. Piechotla 3ch«........„. nebst Aiabern Koiberger Straft« 12/13. veulsaer»etsUardelter-vervana VervsItullSsHtellE verUo. rsUsssnzslgsn. De» Mitgliedern zur Nachricht, daft unser Kollege, der Schlosser Will! Ammermann geb. IS Januar 1384. om S. Oltsher gestorben ist. Di- Beerdigung findet Mittwo». den 0. Oltober, lkst, Udr. von de, Leichenhalle des Zeulralfriedhofe, in Friedrtchsfeide au» statt. Am S. Oktober starb unser Koll«g«, der Dreher Kurt Knoll geb. 12 Mai 1909. Die Beerdigung findet Donnerstaq. 10. Ottoder, 13'/, Uhr. von der Leich-nhalie de» gentraiiriedhsfes in Friedrichsteide au» statt. Am 7. Oktober starb unser Kollege der Schmied Rudolf Schmidt geboren 12 September 1882. Di» Beerdigung findet Freitag. den ll. Oktober. IS Uhr. von der Leichenhalle des Demeindefriedho.» in Stahnsdorf aus statt. Rege Beteiligung wird erwarte» Nachruf Ferner starb mn 3. Oktober unser Kolleg», der Arbeiter Otto Hofmeister geh ll Dezember 1878. Ehre Ihrer» Andenkens vi« Ortnuerrvallung GENOSSENSCHAFT BERLIN U.UMGEGEND E. G.M.B.H. Die Versorgung unserer Mitglieder mit Msl-Speise-Kartolieln beginnt. Wir habenden Preis fürgutausgereifte�esunde, gutsortierte Einkellerungskartoffeln bis auf weiteres auf 3.35 Mk. je Zentner für weiße Speisekartoffeln 3.75 Mk. je Zentner für rote und blaue Speisekartoffeln 4.25 Mk. je Zentner für gelbfleischige Speisekartoffeln ab jeder Lebensmittel-Abgabestelie festgesetzt— Da in diesem Jahre mit einem recht frühzeitigen Einsetzen des Frostes gerechnet werden kann, empfehlen wir unseren Mitgliedern im eigenen Interesse die rechtzeitige , Aufgabe des Bedarfs /l-k- in Speise-Kartoffeln zum Einkellern durch Vermittlung unserer Abgabestellen. Die Abgabe der Waren erfolgt in der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend nur an Mitglieder Die Mitgliedschaft kann von jedermann erworben werden. Aufnahmegebühr 50 Pfennig Mitglieder- Autnahmen werden in sämtlichen 280 Abgabestellen der Konsum-Genossenschaft vollzogen. Für Teilnahm« Danksagung. die vielen Beweise innigster an der Ginäicherung unteres lieben Sohnes, Bruders, Schwagers und Onlel«, de» Kranlen- tasseilangestellten Franz Schulze dem Männerchor Fichte- Georginia, der 31. Abteilung der SPD, der Kamcradfchait Nordkap des Reich». danner», dem Deultchen Metall» arbritcrvcrdand, der Ortskrankcnkasse der Mechaniker, sowie dem Feuer- bestattungsverein Groft-Berlin. un- seien herzlichsten Dank. Oft Familien Franz Schalle seil., Alfr. Scholz«, Schlüter u. Illing«rt Berlin, den 8 Oktober I9Z0 Oansteagllvg. Für di« herzliche Teilnahme und Kranzspenden beim Ableben meine» ii-den Manne«, unseres guten Baters und Groftvaters Bruno Jörss sagen wir allen, insbesondere den deleiligteir Organisationen, unseren innigsten Dank. Ware. Fiari« JSru, geh Gnädig, und Kinder Bin-Reulölln. den 0 Oktober 1029. Flughafenstr. 00. Arbeilsr, Angesieilie u. Beamte sollen sich nach den Beschlüssen desGewerhschaftsIcoiigresses. der Genossenschaftstnjraj des Allgemeinen freien Angestelltenbundes und des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes nur versichern bei dem eigenen Unternehmen, der ■wnmwiii—■w'iiiwmhh................. GewerKsdiaiilidi-Genossensdiafti. Tenldtenrngs- AittieiuteseUsdiaft Aushunti erteilen betw. Material versenden kostenlos die Rechnui gsstelle Berlin, Ritterstraße 126. oder dar Vortand der Volksfürsorge in Hamburgö. An der Alfter ö6/o9. »arthold Bodeutsclj. Maricndorf, Rinestr. c6. A III: Reehnungsiel e 28; Rudolf MeiOner. Cöpeniek, Kurfilrstenallee 13, ptr-: Rst. 66; O to Schmidt, Lichtenberg, Huhertusstr. la, v. st Rst 70; Theodo1- Scnmattelt, Relnickendori- Wett, StraBe 20, Haus 12: Rst 80; Otto Mening Ssinau bei Berlin, LohmühlenstraEe 3 Rs; Rz Pst. JOP; Paul Henicke, �par.dau. WciScr. hurger SiräEe 32. p'r Mittwoch 9. Ottober 4929 Unterhaltung unö �Nissen Beilage des Vorwärts mnxDoriu: �igarreviflutvipeti Giraldino: sieh bo, ein guter fetter Stumpen: saftig und schön: der Rest einer Zigarre— Giraldino, hebe du den Stumpen auf— und dann hinein damit in die graulinnene Sammeltasche, die dir an der Seit« hängt, am ledernen Gurt. Giraldino, alter treuer Stumpensammlsr, laß mal fühlen— an deiner Sammellasche— ij; sie bald voll? Rä. noch nicht ganz. Da—'n Zigareltcnstumpen — rin damit in die Tasche— und da: noch'n Zigarettenstumpen— du! und dort erst— ei, Giraldino, so gucke doch: da, unterm Marmortisch, vorm Zkaffeehaus: wahrhaftig, das ist ein besonderer aurö; ne halbe Virginia—'ne pickfcine Zigarre: rin in die Tasche! Giraldino, wie lang« bist du heute morgen schon auf der Tour? S?it sechse— und jetzt geht es auf zehne— die Sonne steht gerade überm Vesuv, mit ihrem goldenen Auge guckt sie in den brodelnden Kratertelfel hinein— und der blaue 5? i mm ei hat weiß« Wolken- wasche ausgehängt: fein: Gold Dlau, Weiß—. Ja. Giraldino, das 5'cben ist schön, dein cherz ist voller Freude, ein guter Sammel- rormittag— heute mittag gibt es— statt einen— na, Giraldino! du lachst übers ganze braune runzelige Gesicht, übers sechzigjährig: - jawohl, sicuro: heute mittag gibt es due piatt!— zwei Teller mit Maccaroni— zwei: Santo Gennaro: das soll schmecken. Sa. Giraldino, nun wollen wir mal links einbiegen, aus der V n Roma hinein in die Via Stampiglia—'ne feine Straß«, geht allerhand reiches Volk hindurch— da: schnell, Giraldino: schnell— ehe der chund dran geht:'n dicker Stumpen, war'ne Toskaner- zigarr«: knotig und pechschwarz. Da. am Rinnstein, Giraldino— ocrade hingeworfen: wieder'n Zigarcttenende, is noch allerhand dran: rin in den Sack. Und jetzt gehen wir mal'n bißchen dem chasen zu: srcindes Seevolk an Land raucht nicht zu viel von den Zigarren ab, manch Nfc-.I werfen sie weiche weg: die überhaupt kein Feuer geschn«ckt haben— zerquetschte fein« Zigarren, einen ganzen Saldo wert: man muß allerdings Glück haben— nicht jeden Tag findest du so was Feine«. Der Hafen. Der Wind. Die Schiff«— bunt« Flaggen. Die violette See— drüben die Bronzeinsel Capri— dort das schwarz: Ischia: wie ein treibender Sarg— ein Sarg auf der See. Hoi: der Vesuv qualmt, gerade fängt er an— silberner Opferrauch ringelt auf zu Gott Sonn«. Oder ist die Sonne'ne Göttin, Giraldino—? Dumme Fragen: da— paß auf, vom Lastauto ward gerade einer heruntergeworfen, kein großer, nur'n kleiner, gut uusgeraucht— da, pack zu: Giraldino:'n Stmnpen, war ne Cävourzigarve, wenn du an dem Stummelchen drückst: Giraldino: dann läuft hellbrauner Saft'raus— jawohl, war ne Caoour. Niemals die Heiligen vergessen, lieber Giraldino, Santa Barbara— die Kirch«: hinein! Und setzt kniest du vorm Marmor- allar der Gütigen, Giraldino: dein Donkgebet: Dank für die guten Vonnittagsfunde, ein reicher Stumpensegen— Heilige Barbora, danke für deinen Segen. Und wie ist es denn: Giraldino— die Santa Barbara schaut heute so sanft— so gutmütig: ei! wahr- haftig, die gute Heilig«: mit Ihrer schlanken weihen Hand greift sie an die silbernen Leuchter: so, zugepackt— drei Stummel von den gelben Wachskerzen: rin damit in die Hosentasche— echtes Wachs: zusammen mindestens sechs Soidi wert— heißen Dank: Santa Barbora— du schaust dich um: Giraldino: nä, die Kirche ist mause- leer, es hat dich niemand gesehen— mille grazie, tausend Dank: du edle Barbora l Neapel wechselt die Farbe, das Gold und all das grell« Bunt bekommt«ine tiefe Pattina— unrd dunkler und dunkler— dann flackert es rot und g«b und weiß und silbern auf: all« Dinge atmen elektrischen Lichterglanz. Und rauschend« Menschen- und Auw- und Trambahnströme fließen durch alle Straßen Neapels— Gott: diese Menschen— wo kommen die nur alle her? All« wollen Lust schnappen-» alle wollen erleben: was sehen, was greifen, was essen, was trinken— was rauchen. Essen, trinken, rauche»— was du da nicht alle« schwätzt: vom Essen, Trinken und Rauchen— wovon willst du das alles bezahlen-- als armer Lazzarone Haft du doch kein Geld. Nicht? Kehre mal dein« Taschen richtig um— Eoreasti! trillalo— in veritä: due Saldi—'ne große Kupfermünze— wißt ihr was? Das gibt zu rauchen— möglichst viel. Gut, möglichst viel— zu rauchen— denn man mal hin zur Piazza Popolo--. Wir sind schon da, dort steht der Bourbonen» könig, der aus Erz, aus Bronze— und dort steht der Stumpen- könig: Buona Sera, vi Giraldino: per du« Soidi—- Mozzi: Stummels, Tabak. Due Saldi? Da kannst« schon was Anständiges für kriegen— such« aus— wähle. Und der Stumpenkonig Hilst bei der Wahl— sein« alte zitternd« Hand weist hierhin und dort- hin— wie ein Schachspieler läßt der Giraldino sein« Hand über das klein« Berkaufstischchen wandern— und er preist und lobt: dieses Häuschen Aigarettenstummels: un Saldo, vier Pfennige— dafür rauchst du den ganzen Abend— in die Pfels« damit—. Das da, auch nicht übel— kostet ober zwei Solln— lauter gut« Stumpen, Zigarrenendchen, is auch ne halb« Virginia dabei— zwar 'n bißchen breit getreten—• Schadet nixen— hier is Geld— Buona Sera. Padre Giraldino. Glückaus für morgen— morgen ist Lottotag— vielleicht gewinnen wir'nen Terno: das wären vierzig Lire: dann kaufen wir gai.z Neapel auf. Wein, Braten, Blumen und Mädchen: Buona Sera. Nacht. Ganz spät. E, mag wohl zwei Uhr sein. Neapel schläft. Schläft Neapel— wirklich? Ja, das eine Neapel schläft— das ander« Neapel aber wacht: es zecht, es liebt, es singt, es tanzt— im Hafenviertel, Neapels Sirenen holten fremde Matrosen in chre.r weißen Armen, drücken die an ihre vollen Brüste— Neapel, die Königin der Nacht: sie macht jeden zu Prinzen und Fürsten und Moguls— sie krönt dich mit dem Diadem der Liebe— wenn du Geld host. Wähle in Schönheit. Und trink« Wein— roten Skftnno. Abgeschweift.— Wo ist Giraldino, der Stumpensammler? Er träumt. Wo liegt er denn? Leim San Gennaro— beim guten edlen Helligen— da: die Kirche— in der Nische drin: zwischen zwei Granitsarkophagen: da liegt und träumt Vater Giraldino-» wie ein Toter liegt er da—- sein« Füße sind vom Licht de? Straßen- latente grün beleuchtet: kaputte Schuh«— die Zehen gucken heraus: alles strebt zum Licht: zum grünen Gaslicht. Vorsicht— die Schmier«, Ls Guardie, Polizei— ein Blitzlicht springt an: überleuchtet schnell dos Antlitz de« Schläfer«— und stirbt wieder im Dunkel. Chi e? Der Schläfer, wer? Padre Giraldino, der StummeltSnig—. Gut, laß ihn schlafen. Der kommt nicht ins Netz der Razzia— Doter Giraldino ist harmlos, der stiehlt nicfjt, der ist weder bei der Maffia noch bei der Cmnorra-- er lebt von Stumpen. Mozzi di Sigarn sind sein Brot— damit ernährt er sich. Buon Riposo: Giraldino— gute Ruh«. Träume du vom Lotto, morgen kommt dein Los raus: ein Terno: vierzig Lire! Giraldino— was dann? Alexander v.Saeher-Vlafoch: 9)ramatifche Alles ist in Bewegung. Gegenwart rauscht auf, blendet in ihrer Bcelfarbigleit der entstehenden, werdenden und vergehenden Werte. Wir, die mitgetrieben, strauchelnd, uns wieder erhebend, festen Fuß fassend, in Abgründe stürzend und in mühseligem Steigen selten genug Hohen erklimmend in ihr atmen, stehen zu nahe, um letzte Objektivität zu erlangen. Eine Kritik der Gegenwart kann nur sub- jektiv sein. Mühsam au» dem Harten der über Nacht gewachsenen Felsen gebrochen, aus allen Fernen erahnter Zukunft zurückgeholt und aus den Fixpunkten der Dergangenheit hergeleitet, braust durch unser Blickfeld Kunst. Wissen. Politik des Tage«. Kritik der Gegenwart und— im Rahmen dieses Aussatzes Kritik des neuen Dramas— kann und darf nur vom Standpunkt des subjektiven Erzählers ge- sehen werden. Er erkennt dos Geschaute, erklärt und kommentiert e» aus dem Eigenen, hebt es so über das dumpf« Gesicht der Masse heraus, zieht es vor den Richterstuhl der öffentlichen Meinung, be- gründet so seine Eristenz. Der nachfolgende Versuch,«in Heraus- greifen einzelner anscheinend wichtiger Schöpfungen aus der ungc- ordneten Masse des Geschossenen, ist also subjektiv und fußt auf der Erkenntnis, daß ein« Kritik der Gegenwart im allgemeinen und des Gegenwartsdramas im besonderen immer nur in Beziehung zu den Problemen und Kampfrichtungen der Zeit ein Urteil fällen darf. Nicht abrr soll ein« absolute Kritik in Schwarz-Weiß-Manier, die bestimm«, ob«in Drama»gut� oder„schlecht" sei. gestattet sein. Zusammenfassend darf also gejagt coerden, daß Im Nachfolgenden die Krittk lediglich als schöpferischer Kommentar gehondhabt wird, Empfindungen und Gedanken formulierend, die bei dem Gewiß dra- matischer Werke der jüngsten Zeit erwacht sind. Es sei jeden Mannes Recht, selbst zu schauen, zu fühlen und zu denken und da» Aus- genommene mit Hilf« der eigenen Wesenheit zu formen und der eigenen Erkenntnis nach zu erklären. Eine Ordnung, di« wie jedes System willkürlich gewählt ist, muß auch hier ausgestellt werden. Berlin» größter Th»aterkonzcrn, di«„Reibaroklcha". die Ver- eimgung von neun Schauspielhäusern unter den Direktionen Rein, Hardt, Bornowski, Klein und Hortung, kündigt einen Spielplan an, der interessante Schlüsse zuläßt. Wir finden hier Stück« von Shakc- speax«. Lessing, Molier«. von Wedetmd, Schnitzler, Stnndberg. Nauptmonn. Aber auch jüngst« Zeitgenossen sind vertreten: Bröl», Sternheim, Kaiser, Rutra sollen aufgeführt werden, Berstt, Bruckner, Joochimson, Zuckmayer bereite» neue Werk« vor, die noch in dieser Spielzeit ihrer Urauffühninz harren, viel größer aber ist die Anzahl der Stücke ausländischer Herkunft, die in diesem Jahre über die deutsche» Bühnen gehen werden. Unter den letzteren finden wir Werke der Franzosen Achard, L-normond, Perneuic. Davoir. Pognol, Rostand, der Angelsachsen Chesterton, O'Neill, Shernss. Sherwood, Louesdale, der Slaven Tlchechoff, Dymow, Longer, Tretiakosf. Zweifellos wird ausländisch« Literatur bevorzugt, und man ge- langt unwillkürlich zur Frage, worin diese Tatsache begründet ist. Haben die Ausländer wertvollere Produtt« zu vergeben, find ihre Werke gehaltvoller, besser? Natürlich ist die Summe der Auf- sührungen, di« durch den großen Theaterkonzern herausgebracht werden, an sich bezeichnend für den Stand des heutigen Drama». An diesen Bühnen wirken erste Darsteller, beste Regisseur«, und man darf annehmen, daß ihre Aufführungen schwer zu überineten sind. Andernteils ist dieser Konzern und seine Produktion, wenn auch der wertvollste, so doch nur«in Ausschnitt au, dem großen Mosaik der deutschen Bühnen. In Oesterreich, Frankreich und anderen Ländern fristen nämlich die Prooinztheater ein nur unbedeutendes Leben im Vergleich zu den Tl>«atern ihrer Kulturzentren. In Deutschland ist es anders. Hier ist jede größer« Provinzbichne«in beachtenswert freies und in ihrer Kampf- und Kunstrichtung nicht auf Nachempfindung angewiesene» Fort der Künste, eigenwillig»nd stark. Die, wird ermöglicht durch Stützung auf Organifattonen. derr» erst« die Volksbühne ist. Durch sie ist oft nicht nur die Existenz der Provinztheater, sondern auch ihr Spielplan ermöglicht. Ohne sie könnt« clwa Fred A. Lngermayere neues Bauerndrama„Flieg. roter Adler von Tirol!" nicht an vielen deutschen Bühnen zur Aufführung gelangen. Ohne sie könnte Erfurt nicht die Nr- aufführung von Bronnen»„Michael Kolhaas' wagen, und Rehfischs„Prozeß Dreyfuß' wäre kaum auf die Bühne zu bringen. Da» Lessingtheater könnte ohne die ähnliche Hilfe der Ge- werkschast der Angestellte� Iwan Heilbuts„Bürgertragödie' nicht in sein Programm aufnehmen, vi« vier erwähnten Dramen sind vermutlich di« wichttgsten Stationen der kommenden Spielzeit. wenn wir unser Hauptaugenmerk auf die Produtte ernster Literatur richten. Es wird interessant sein, vergleichend und erzählend da« Wesen dieser Werte, die Lust, die sie atmen, wiederzugeben. Wichtig ist Iwan H e> l b u t»„vürgertragädie' durch ihr Milieu. Das Milieu kleiner Angestelltenverhältnifse. Iwan Heil« but ist den Lesern des„vorwärts" nicht unbekannt. Er hat stille. zarte Erzählungen geschrieben. Schilderungen von gleichsam hin- gehauchter Innigkeit.„Bürgertrogödie" ist sein erster großer dra- matischer Wurf. Ein« Tragödie, di« in einer Atmosphäre kleiner kaufmännischer Angestellter spielt. Wir erleben ein tragisches Privat- schicksal, das die Angestelltentohnkämpfe beleuchtet. Seit Gustav Freytogs„Soll und Hoben" wird Ver zum ersten Male da« tauf-. mänmsche Leben in der Literatur ernsthaft, sachlich und gefinnutigs- voll geschildert. Mit einer dichterisch gerechten Austestung in Licht und Schatten, au» der blutvoll, mitreißend, der Kampf der arbei- tenden Angestelltenklasse um vroi und Frieden einporwfjihst. Im sozialen Wesen ähnlich ist Angermayers neues Drama „Flieg, roter Adler von Tirol!", aber politisch stärker und bedeutungsvoller. Di« soziale Lage dor Südtiroler Bauer» med der neue politische Zustand, durch die Grenzverschiebung zwischen welschem und deutschem Berg- und Weinland entstanden: ein Kamps- stück. Kampf um da, Leben. Kampf um die Erde und Kampf um die Grenz«. Ein machtvoller Dreiklang, der diesem neuen Drama etwas Urhoftes verleiht. De? Autor ist selbst Nachkomme Alttiroler Bauern. Im Schassen dieses Wertes brauste das Blut versunkener Generattonen aus, das durch in der Fremde verlebte lange Jahre eingeschlummert, aber nicht versiegt war. Es ist vielleicht sein echtestes Werk. Angermayer ist als Uebersetzer und Mittler zwischen ironzösischem und deutschem Geiste bekannt geworden und war einer der vorkämpser des Verständigungsgedankens. Er schrieb ferner kraß-satirische antibürgerliche Komödien. In„Flieg, roter Adler von Tirol" nähert er sich zum ersten Male bewußt der Thealralik und folgt so den Borangeeilten, Znckmayer, Rehsisch und Kaiser. Weniger eindeutig als Erscheinung ist A r n o l d Bronnen. Er hat sich in letzter Zeit nationalistischen Kreisen und Tendenzen sehr genähert, und es ist natürlich, daß er sich dadurch viele Gegner geschaffen hat. Er ist von einem ursprünglich revolutionären Weg plötzlich abgewichen, denn die Prosa der„Septembernovelle" und die Dramatik des„Vatermord" sind mit dem heutigen Bronnen schwer zu vereinbaren. Ausgesprochen republikanisch wirkte noch in der Inszenierung Ießners im Staatstheater„Rheinische Rebellen". Als eine Brücke zum nationalen Ufer kann der letzte Roman„O. S." angesehen werden. Aber auch hier handelt es sich noch um Arbeiter- schicksale und Arbeiterstätten, wenn sie auch mit nationalen Farben gemalt sind, und es wird ausgesprochen, daß der arbeitenden Klasse anzugehören nicht unbedingt undeutsch zu fühlen bedeutet. Vielleicht gibt es keine Brücke, kein Ufer und keine Häfen der Beständigkeit. Vielleicht, und das wäre zu wünschen, ist es so, daß zum Ausgleich auch von drüben Schisse ausfahren, die sich unserem Ufer nähern al» Ziel.„Michael Kohl Haas" erlebte jetzt seine Urauffüh- rung und ist schon al, Bearbeitung der Kleistschen Novelle interessant. Ein Menschenschicksal auch hier. Ein Mensch, der mit dem Leben schwer kämpfenden Kreis«, ein Mann aus der Masse des deutschen Volke» und dazu ein typisch deutsches, ein Michel-Schicksal. Die Kunstform.�Dramatischer Bearbeitungen" scheint gegen- wärtig eine Blütezeit zu erleben. Dennoch ist eine Bearbeitung Bronnens nicht ohne weiteres mit sogenannten Bearbeitungen Brechts, die mit„Happy End* ein nicht sehr glückliches Ende ge- funden haben, zu vergleichen. Man weiß, daß Bronnen ein über Mißtrauen erhabener Dramatiker ist. Das gleiche Lob dürsen wir Haus ff. Rehsisch zollen. dessen Aufstieg als Dramatiker recht eng mst dem Aufstieg jenes Mannes zusammenhängt, der heute die Berliner Volksbühne leitet, Karl Heinz Martin. Martin war Rehfischs erster Regisseur, und sein« Inszenierung sicherte den Erfolg von„Chauffeur Marlin". Er und Rehsisch sind vewrandt in ihrer Kampfrichtung und Ge- sinnung. Heute wird er al» erster Rehfischs letztes Drama„Pro- zeß Dreysus" ausführen. Das Stück nimmt seinen Stoff aus überlieferten Dokumenten der bekannten Dreyfus-Asfäre und schildert den Kreuzweg eines unschuldig von einer Militärkast« gehetzten und in letzt« verzweislung getriebenen Menschen. Der Dreysus-Prozeh war damals die große Sensation Europas und hat in seiner po'i- tischen Situation eine ganze Reihe von Beziehungen zur heutigen Zeit. Rehfisch gab das Stück zuerst unter dem Pseudonym Rette Kestner in den Bühnenoertrieb. ließ jedoch später den Decknamen fallen. Bei der Aufarbeitung des Materials war Wilhelm Herzog sein Mitarbeiter. Es wurden hier Stücke herausgegriffen, bei denen sich dichte- rischer Inholt mit sozialem oder politisch wesentlichem Milieu decken. Vielleicht muß man hier noch ein Drama erwähnen, dessen Auf- sührung noch unbestimmt ist, das aber seiner Beurteilung nach zu ! den besten Schöpfungen des letzten Jahres gehört:„Menschen wie du und ich" von Alfred H. N n g« r. Ein Querschnitt durch die soziale Schichtung eine» Hause». Die Handlung,«ine Fülle über- und untereinander«inherlaufender und«inander durchdrin- gender Schicksale, die sich alle in der Unendlichkeit des Gedankens Menschtum treffen. Der bisher noch vollkommen unbekannte Autor hat sein Stück einem Preisrichterkollegium, dem u. a. die Direktionen Ießner, Tagger und Saltenburg angehören, vorgelegt.' Das Stück wurde unter hundert eingesandten als das beste befunden und mit einem beträchtlichen Geldpreise ausgezeichnet. Die Uraufführung findet in Bochum-Duisburg statt, und die erwähnten Direktionen verpflichteten sich, da» Stück noch in dieser Spielzeit an einer Berliner Bühne auszuführen. Das hier Gesagte tonnte nur einen kleinen Abschnitt aus der Gegenwartsschöpfung zeigen, eine schnell erhaschte Welle ans dem nie versiegenden, vorwärtsdrängenden Strom des Geschaffenen durchleuchten. Sein« Feststellung und Kritik ist heute, wie eingangs erwähnt, nur von subjektiver Wahrheit und wird morgen unwahr sein. Unendlich viele sind da, die im Verborgenen arbeiten und kämpfen, von denen wir nicht» wissen und bei dem heutigen Stand de» Theaterbetriebr» kaum etwa» erfahren können. Eine Ver- svchsbühue müßt« geschaffen werden, unterhalten von einer Bereinigung aller maßgebenden Theaierdireklionen, um den un- bekannten, nicht arrivierten Dramatikern die Möglichkeit zu geben, ihr« Stück» einer Kritik überhaupt unterbreiten zn dürsen. Aus dem Material der aus dieser Bersuchsbühn« aufgeführten Stücke könnten die genannten Direktionen nach freier Wahl einen Teil ihres Programms bestreiten. Es wäre nicht nötig, in die Nachbar- schaft zu gehen und fremde Autoren in dieser Ueberzahl an deutschen Bühnen aufzuführen, wie es heute geschieht. Das soll zu keiner Absperrung gegen wirklich erhabene Werte ausländischer Dramatiker auffordern. Aber betrachten wir die Auslandsproduktion unserer deutschen Bühnen genauer. Sind diese fremden Stücke wirklich alle so einwandfrei und von so internationaler Bedeutung, daß sie nicht durch bessere oder wenigstens gleichwertige unserer Dra- matiker ersetzt werden könnten? Nein! Der höchst« Staudamm aus de« europäischen Festland. Ob- gleich die Schweiz im Ausbau der Wasserkräfte allen übrigen Lön- bem der Erde voran ist, arbeitet man dort doch noch rüstig überoll an dieser Entwicklung weiter. Nah« d«m Grimselpaß. der die Täler der Rhone und der Aare miUinander verbindet, wird der höchste Staudamm des europäischen Konttnents erbaut. Er wird 116 Weier hoch und erhält am Fuße eine Basisbreite von 68 Metern. Man rechnet mst einer Bauzeit von vier Iahren, glaubt aber auch dafür mehr als eine Drittelmillion Pferdestärken an dieser Stelle zn ge- wittNON. Al»..«olle» Zahr" bezeichnet der Spießbürger das Revolution»- tehr 1848. Der Ausdruck stammt ans dem Titel eines 18.1" erschienenen Romans von Ludwig vechstein, der die Geschichte städtischer Wirnrn in der Stadt Erfurt im Jahre 1«» dehandeli Weh' dem der Iflgt StaallSelillter-nieater.fflarlft. 20 L'hf Treibjagd VolKsbtttane flisalci laiSIllcviilali 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin SlaaÜJdiiller-Hi- 8 Uhr Treibjagd Staatsoper AmPl. d Republik 8 Uhr Salome Piscator- BQhne 8 Uhr OerSaufman}! von Berlin U«(, 2 VsnlilL 5>tl S'/z(tr Biitaruu Z2ii Üssere neaer Prelle; Weceerüj; 5 Dir 50 Pf. dl, 3 Mar» Tlgl. i'/z e. Sjnnl. S Utr 1 die i Mark Ctierlle Rlvel, 3 Whlrlwinds, Loop Tack Sam usw lägt. 5 u. eis Sonat.2. 5 b B" Alex. E.4.8066 ( INTERNAT. VARIETE igenaiss&nce- Theater Täglich SV» Uhr simmimmm Schauspiel von Duschinsky. Regie: Gust. Härtung. stomolafi C 1. 0901 u. 2583,84. GROSSES SCHRUSPiELHAÜS tlgl. 8 Uhr Regie: ERIK CHARELL Gssotm-aossiminflo- Frol. Emst Slam. Musikalische Leitung: Erisl Hauke. 3üfir Sonntag nachmittag unpek. halbe Pre ss. Direktion Or. Roberl KIclr Oenlsciies ESnstier-Thexl Barbarossa 3937 8','« Uhr Nie andere Seile Jönhoffno SVi U. Zwei Krawstten von Georg Kaiser Musik Spöliansky Vorverkauf aucb im Pavillon der Rein hardtböhnen, Kurfürstendamm, Ecke UhlandstraBe Bismarck 448/449 Ceotsdies Tdealei D.I. Norden 12310 8U.. Ende gegen 11 Zum 125. Male Die Fiedermans Musik v.Joh. Strauß. Regie: Max Reinhardt. Dirigent E. W. Korngold. Ausstatte. L. Kainer. Kammerspiele D.I. Norden 12310 8l-3, Ende gegen IOVj Der OnwidersiehlieliE Komödie von Gdraidy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie J1 Bismck.2414/7516 8Vc Uhr Ende geg. lOVs Uhr Kolporlatfe Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Enge! CASINO-THEATER Colhrlnger Strafe 37. Keuä Täglich 8 1 Uhr Heu! Weriagis HochzeiisnacMi und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser: Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M., Sonstige Preise: Parkett u. 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