BERLIN Mttwoch 9. Oktober 1929 10 Pf. Nr. 424 B 236 46. Jahrgang e r sch et«ltti glich«»?»'? S»aat«s«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. BemgSvreis beide Ausgaben SSPf. pro Woche, S,60M. pro Monat. Redaktion und Tmdition; Berlin SW es, Lindenstr.» UntelgtNprti«» Di« einspaltige Nonpareille, eil« «o Pf.. Reklame, eile d M. Ermäßigungen nach Tarif. Ppstscheckkoot»: Vorwürts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»?szs. Fernsprecher: Ddnhoff SS2 bis 2v? Dietrich hat spekuliert. Mit dem Gelde der �aiffeisenbank.— Verstöße gegen die Devisen- ordnung.— Die Räubergeschichten des Generaldirektors. Di« Totschweiget itrtir, welche die Rechtspresse gegen» Uber den Ergebnissen des Raiffeiseu-Untersnchungsaus» schusses anwendet, wird ihr nicht mehr lange glücken. Immer höher wach st die Belastung des Ge» neraldirektors Dietrich. Während die Ten- sationsblätter sich darüber aufregen, ob die Tochter des Oberbürgermeisters Bötz einmal eine Reithose bo« den Gebrüder Sflaret bezogen hat, findet sie kein Wort da- für» daß der Generaldirektor der Raiffeisenbank, der Vizepräsident des Deutsche» Reichstages Dietrich, hinter dem Rücken seiner Mitdirektoren und mit dem Gelde seiner Bank wilde Tpekulationen vollführt hat. » Durch die Fragestellung des Abg. Mainzer(Eoz.) wurde in der Vormittagssitzung des Ausschusses dies dunkle Kapitel mehr und mehr klargestellt. Freilich ging es langsam, weil Herr Dietrich wieder einmal in die Gedächtnisschwäch« flüchtete und ganz offen. sichtlich unwahre Angaben über seine'rumänischen Spekulations- geschäste mochte. Erst durch die Angaben des Mitdirektors Schwarz kam die Wahrheit ans Licht. Danach stellt sich die Sache so dar: Im Jahre 1922, also noch in der Inflationszeit, glaubten weite Kreise, daß sich an rumänischen Staatsschuldverschretbungen viel verdienen ließe. Zu diesen gehörte auch Herr Gehe.imrat Dietrich. Er kaufte deshalb— nicht etwa bei der Raiffeisen-Nonk, son- dern beim BankhausMarkiewitz.wie trotz seines Leugnens durch Direktor Schwarz schließlich gestanden wurde— einen Posten rumänischer Staatspapiere in Höhe von etwa 500 000 rumänischen Franken. Der Kauf geschah auf den Namen des Herrn Gehetm» rats Dietrich, die Bezahlung aber erfolgte durch die Raiffeisenbank in französischen Franken, ohne daß hiervon die Mitdirektoren des Herrn Geheimrats Dietrich etwas wußten. Geheimrat Dietrich behauptet nun, er habe— ein gütiger Weih- nachtsmaun!— die Roisfehjen-Bank mit dem Gewinn aus diesem Geschäft überraschen«ollen. Aber der Weihnachts-Raiffeisen- Mann verlor leider seinen Sack! Als Herr Dietrich, die rumänischen Papiere in der Brusttasche(!), von Markiewitz heimkehrt«, da seien ihm diese beim Barbierabhanden gekommen. Mit- direktor Schwarz berichtet:„Es ist nur ein Teil der Papiere gewesen, ein Teil wurde bei der Raiffeisen-Bank eingeliefert." Der unglücklich« Herr Dietrich wird gefragt, was K nun zur Wiedererlangung der Papiere getan habe. Er tischt dem'Äusschuß«ine neu« Räubergeschicht« aus von einem rnmäni- schen Rechtsanwalt, an den er sich zwecks Ausgebots der verlorenen Papiere gewandt habe. Aber dieser betrügerisch« Ru- mäne habe wohl hierfür eine Provision von 15 000 Lei eingesteckt, aber das Aufgebot der Papier« nicht veranlaßt. Der ganze Ausschuß trauert mit Herrn Dietrich. Run stellte aber Abg. Mainzer die versängNche Frag«: „Wenn das Unglück nicht passiert wäre und das Ge- schäft gewinnreich abgeschlossen hätte, woher wußte dann die Raiffeisenbank, daß sie einen Anspruch auf den Gewinn hatte?" Darauf kann Herr Dietrich keine Antwort geben, er schnappt nach Luft und wiederholt: Ich hätte ihr den Gewinn abgetreten. I« öfter er es sagt, desto weniger glaubt es irgend jemand im Saale. Es ist absolut klar, daß der Generaldirektor mit dem Gelde seiner Lank seine eigenen privaten Spekulationsgeschöste finanziert hat. Bei der Raiffeisenbank wußte man nichts, dort bestand nur ein Konto Markiewicz. Erst als der Direktor Schwarz bei Markte- wicz auf den Ausgleich dieses Kontos drängte, kam die ganze Geschichte heraus und jetzt erst— im Jahre 1925 wurde Herr Dietrich mit dem Betrog von 92 000 Mark für Devisenkäuf« be- lastet. Bezahlt hat er er st im Jahre 1929! Der Vorsitzende D e e r b e r g stellt außerdem fest, daß gemäß 8 181 BGB. Dietrich gar nicht berechtigt war, als Vertreter Abwehr. Severins spricht gegen das Hugenberg-Brgehren. Ter Reichsminister des Innern Tevering spricht am Mittwoch abend um 7 Uhr auf der deutschen Welle über„D as Volksbegehre n". Der Vorttag wird von Verlin und allen deutschen Tendern über- nommen. Der Reichsinnenminister wird sich vor allem mit den Behauptungen der antirepublikanischen Volksbegehren- Presie auseinandersetzen und zum Ichluß seiner Ausfüh- rungen betonen, daß die Reichsregicrung den Abwehr- kämpf mit allen Mitteln aufnehmen und weder eine Lüge noch eine Gemeinheit von rechts in Zukunft unbeant- wortet lassen werde. Nie neue Slraftenbrüche über den Sthein bei SHiUeldori. der Bank Geschäfte.in sich" abzuschließen, ferner wurde festgestellt, daß sein« Spekulationen gegen die Devisenordnung per» st i e ß e n. Der Ausschuß wendet sich dann zu Dietrichs weiteren Privatkonten. Es wird festgestellt, daß Dietrich zwar als Genossenschaftler berechtigt war, mit Genehmigung des Ausstchts- rats genossenschaftlich« Kredits bei der Raiffeisenbank zu erheben, daß aber tatsächlich der Aufsichtsrat seine Genehm!» gung nicht, wie das korrekt gewesen wäre, im voraus, sondern erst geraume Zeit hinterher gegeben hat, als Dietrich das Geld bereits abgehoben hatte. Hierüber soll der stellvertretende Aufsichtsrotsvorsitzend« Dope als Zeuge vernommen werden. Ferner sollen Konten Dietrichs bei der Raiffeisenbank und bei Markiewicz herangezogen werden. Einzelwahlkreise mit Proporz. politisches Programm der österreichischen Sozialdemokratie Wien. 9. Oktober.' Dem sozialdemokratischen Parteitag liegt ein« von der Partei- leitung ausgearbeitete Entschließung vor, in d«� dagegen protestiert wird, daß in dem Augenblick schwerer Erschütterung durch mutwillig heraufbeschworene Verfossungskämpfe die Durchführung der wirt- schaftlichen und sozialen Reformarbeit, die als Hauptpostulate an- geführt werden, eine schwere Hemmung erfahre. Die Ver- fassungsreform sei zwecklos, wenn sie nicht mit einer Abrüstung verbunden werde, zu der die Arbeiterklasse bereit sei, aber nur dann, wenn die ehrliche Abrüstung im gegnerischen Lager durch gegenseitige Kontrolle verbürgt werde. Was die Versassungsresorm selbst anlangt, so halten die sozialdemokratischen Mandatare die Richtlinien für die Verhandlungen insbesondere hinsichtlich des Wahlrechts aufrecht, wobei die Schaffung von kleinen Wahlbezirken mit je einem Abgeordneten und die Garantie des Proporzes durch Zuweisung zusätzlicher Mandate nach den Verhältnissen der abgegebenen Stimmen verlangt wird. Weiter wird gefordert, daß jedes Gesetz einer Volksabstimmung unterzogen wird, wenn ein Drittel der Abgeordneten oder 300 000 Wahlberechtigte es sor- dern. Die Erweiterung der Recht« des Bundespräsidenten auf Grund der Notverordnung und des Ausnahmezustandes le h n e n die So- zialdemokraten ab. Sollte eine Einigung zwischen den Parteien un- möglich sein oder sollten die bürgerlichen Parteien eine Abrüstung ablehnen, so werden neue Wahlen verlangt. Schließlich wird die Arbeiterschaft, aber darüber hinaus anch das ganze freihsitliebende Bürgertum aufgefordert, sich möglichst kampfberereit zu halten, um eine Nerikal-Hakenkreuzlerisch« Diktatur oder eine aristokratisch- mMaristische Restauration, möge sie durch einen Putsch von liitt« oder einen Staatsstreich von oben versucht werden, abzuwehren. Goldmacherei in München. Es geschehen auch noch an der Isar Zeichen und Wunder. I I München, 9. Oktober.(Eigenbericht.) Vor mehrere« Monaten wurde der„Goldmacher- Franz Taufend unter dem verdacht großer De- trügereten in Tirol verhastet. Tausend beharrte während seiner ganzen Hastzeil daraus, daß seine Gold- macherkunfi aus wissenschaftlich einwandfreien Methoden beruhe. Dieser Tage hat man ihm Gelegenheit gegeben, die praktische Durchführbarkeit seiner Golderzeugungslheorie untci amllicher und sachverständiger Kontrolle zu beweisen. Dci Verteidiger des lausend teilt darüber folgendes mit: »Am Z. Oktober 1S29 hat der seit Anfang Januar 1929 in Has befindliche Franz Tausend im Hauptmllnzamt in München u n t e Kontrolle des Münzdirektors, eines zweiten Münzbeamtei zweier besonders ausgebildeter und erfahrener Poiizeibeamten uv in Anwesenheit des Untersuchungsrichters und d, Staatsanwalts nach vorheriger eingehender körperlicher Untc suchung und genauer Durchsuchung seiner Kleidungsstücke sein Be sahren zur Herstellung von Gold vorgeführt. Es gelang ihn echtes und reines Gold in einer Menge h e r z> stellen, die noch dem eidlich abgegebenen Gutachten des Mür direktors in dem als Ausgangsmaterial verwendeten Blei und d sonstigen Zutaten unmöglich schon vorher enthalten sein konnte.' Tausend seinerzeit unvermutet verhashet wurde, also keinerlei V> bereitungen für den Fall der Verhaftung treffen konnte, da er auff dem seit 9 Monaten in Haft ist, und da die Kontrolle unter 3» Wendung aller erdenklichen Vorsicht und Aufmerksamkeit durchgesüt wurde, ist nach menschlichem Ermessen eine.Tüi' schung ausgeschlossen. Tausend hat den Beweis erbrcht, daß er totsächlich in der Lag« ist, Gold herzustellen. Gegen die Ausrechterhaltung des Haftbefehls ist jetzt von der VerteidNung De- schwerde beim Obersten Landesgericht in München eingelegt worden.' * Kürzlich hotte sich, wie erinnerlich, in uifferem lieben Berlin das große Wunder mit einem efljährigen Mädchen ereignet: kin Hampel- mann wurde von Geisterhand zum Tanzen gebracht ind auf eine unter dem Bett des Kindes liegende Schreibtafel wurde von Geister- Hand etwas geschrieben. Das alles wird von Min che n weit übertroffen: Aus Blei wird dort Gold gemacht. Run wird Deutsch- land aus aller Rot fein. Der neue Verband. An zweiter Gtefle im AOGB. 5000 Liter Oel brennen. In Hohenschönhausen. Heute vormittag brach in der Chemischen Aabrit der Dr. Zlümler 2l.-G. in der Genslerstr. 1—2 in Hohenschönhausen ein gefährliches Feuer aus. In einer 1600 Quadratmeter großen Halle befindet sich eine Anlage für synthetische B e nz i n g e w i nnu ng. Es ist dies ein'Verfahren nach amerikanischem Muster, bei dem aus schweren Oelen unter großem Druck und sehr hohen Temperaturen Benzin gewonnen wird. Ein« Zuleitung an einem O«lb«hälter mit 5000 L i te'r Inhalt war plötzlich undicht geworden: große Oelmengen wurden herausgespritzt, die sich sofort unter Stich- flammenbildung entzündeten. Die in der Halle beschäftigten Ar- beiter eilten sofort ins Freie, da mit einer Explosion gerechnet werden mußte. Di« Feuerwehr erschien unter Leitung des Baurats Dr. Kallas mit fünf Löschzügen an der Brandstelle. Die Halle war derart verqualmt, daß die Feuerwehrleute nicht die Hand vor Augen Wien konnten. Vier Schlauchleitungen und zwei große Schaum- löschapparate wurden in Tätigkeit gesetzt. Das brennende Oel breitete sich aus dem Boden der Halle nach allen Seiten aus. Auch ein Teil des Dachstuhles sing Feuer und nur unter großen An- strengungen der Wehren gelang es, die Halle vor der Vernichtung zu schützen. Nach mehrstündiger Arbeit konnten die Wehren dann wieder abrücken. Personen sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Großfeuer in Königsberg. Gin Stadiviertel bedroht.- Schupo und Reichswehr eingesetzt. Königsberg, i. Pr., 9. Oktober. Ein Brand, der kurz vor 2 Uhr nachts in eltiem ehemaligen wagenschuppen der Heeresverwaltung entstand, in dem seht eine Kraftverkehrsgesellschaft ihre Werkställen und Garagen untergebracht hatte, hat sich rasch zu einer Bedrohung des ganzen Stadtteils ausgewachsen. Das Feuer soll im oberen Stockwerk des zweigeschossigen, etwa 70 bis 80 Meter langen, 1789 erbauten Gebäudes ausgekommen sein, in dem sich auch Räume des Wohlfahrtsamts befanden, die als Lager für die Möbel wohnungsloser Familien dienten. Während sich das Feuer im oberen Geschoß schnell weiterfraß, konnten aus den Garagen noch fast alle dort'untergebrachten Auloe geborgen werden. Bald stand das ganze Gebäude in hellen Flammen. Die Einwohner der umliegenden Häuser mußten schließlich die Häuser verlassen. Allenthalben sah man aus den Straßen gerettete Möbel aufgestapelt. Ein zahlreiches Aufgebot der Schutzpolizei sorgte für Ordnung und nahm auch tatkräftig an den Löscharbeiten teil. Aus die Dächer der umliegenden Häuser wurden Schupos als Brandwachen postiert. Auch ein Trupp Reichswehr muhte eingesetzt werden. Noch einer letzten Meldung ist dos Gebäude einschließlich des Möbellagers des Wohlfahrtsamts bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Von den von dem Brand erfaßten Häusern ist die Dochkonstruktion fast vollständig, sowie der größte Teil der Wohnungen in den oberen Geschossen ausgebrannt. Leichte V e r- letz un gen haben, soweit festgestellt werden konnte, sechs Per- fönen davongetragen. Zniernationale Gaarkohle? Gin Grundstein für die europäische Skaatsnvereinigung. Paris, 9. Oktober. Der sozialistische Abgeordnete Uhry fordert in einem iV.„popu- laire" veröfsentlichten Artikel die linier Nationalisierung der Saargruben. Die Schweiz, Italien, Mitteleuropa und Frankreich brauchten unbedingt die Saarkohle. Wenn das Saargebiet vorzeitig an Deutsch- land zurückgegeben werde, wie dies für ihn feststehe, dürften sich die rheinisch-westsälischen Kohlenmagnalen bemühen, die p r o d u k t i o n der Saargruben, die in der letzten Zeit einen großen Ausschwung genommen habe, einzuschränken. Um dem vorzubeugen, solle « man die einzigartige Gelegenheit benutzen, um als Auftakt zu den Vereinigten Staaten von Europa oder der von Briand und Louchenr geforderten Wirtschaftsallianz die Saargruben zu internationalisieren. Durch emkonsortium, in dem alle interessierten Völker, Deutsch- land, Italien, Frankreich, die Schweiz usw. vertreten wären, sollten alle auf die Saartohle angewiesenen Völker in bezug aus Kohlen unter den günstigsten Bedingungen s i ch e r g e st el l t werden. Uhry erklärt sowohl die Forderung der patriotischen Liga, das Saargebiet bis 1SZ5 zu beHallen, als auch die Forderung gewisser Kreise, von Deutschland eine bedeutende Summe für den Rückkauf zu verlangen, als u u s l n n i g. Die von ihm vorgeschlagene Lösung sei die einzig richtige, die aus den gemeinsam geführten deutsch-französischen Ver- Handlungen hervorgehen könne. Um den Gih im Nationalrat. Parteivorstandsmehrheit in der Schweiz für den Kampf. Genf, 9. Oktober.(Eigenbericht.) Die Leitung der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz be- schloß am Dienstag abend nach lebhafter Debatte mit 7 gegen e Stimmen, die Teilnahme der Partei an den Wahlen sür den Bundesrat zu empfehlen. Es handelt sich um den Bundesrats- sitz, der am 1. Iamiar 1930 durch den Rücktritt des jetzigen Bundes- Präsidenten haab frei wird. Für die Beteiligung referierte National- rot Ilg. Gegen die Beteiligung sprach der Redakteur der„Berner Tagwacht", Vogel. Die Entscheidung wird der Zentraltom- ■niffion vorgelegt werden, die am 2. Noventl'er zusaimnentritt Unlautere Baisse-Manöver. Warnung des Vörsenvorstandes. Der Börsenvorstand hat heute folgenden Anschlag in den Ärsenräumen anbringen lassen: ..�n den letzten Tagen sind über angesehene Firmen dej BeAiner Platzes Gerüchte verbreitet worden, die nach uns?- Infvunationen jeder Grundlage entbehren. Solche Gerüchte chädigen nicht nur in unverantwortlicher Weise diese firmen, fordern haben auch erwiesenermaßen eine solche Wirkung auf die Boise ausgeübt, daß auch die übrige deutsche Wirtschaft da- von b-troffei wird. mahcn wiederholt darauf ausmerksam, l>aß wir gegen die Il'heber dieser Gerüchte auf Grund des S; 33 der Börsenordnung t unnaasichtiger S t«« nHc vorgehen werden." Der Zusammenschluß der drei Verbände zu einem Verband von 700 000 Mitgliedern, der heute in der„Neuen Welt" besiegelt werden soll, wurde vom Berliner Sinsonie-Orchester mit dem Vorspiel zu Wogners Meistersingern festlich eingeleitet. Der bisherige zweite Verbandsvorfitzende der Gemeinde- und Staatsarbeiter richtete einige kurze Begrüßungswort« an dt« Delegierten und die zahlreichen Ver- treter der in- und ausländischen Berufs- und verwandten Organi- sationen. Fast ein jedes Land unseres Kontinents, in dem es«in« frei- gewerkschaftliche Arbeiterbewegung gibt, hat zu dieser geschichllich bedeutungsvollen Tagung Vertreter entsandt. Neben den aus- ländischen Gewerkschaftern sieht man die bekannten Führer der deutschen gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung. So Leipart vom ADGB., Falkenberg vom ADA.. Stelling als Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und andere. " Als Berhandlungsleiter wurden einstimmig die bisherigen Führer der drei Verbände, Schumann, Becker und Busch, ge- wählt. Genosse Leipart überbringt dem Verbandstag den Will- kommensgruß des Bundesvorstandes und erinnert an die erste Verschmelzung von Zentralverbänden im Jahre 1893, wo der Industrieoerband der Holzarbeiter unter seiner Mitwirkung gegründet wurde. Unter den vielen Pessimisten, die es damals in der Per« schmelzungssrage gab, befand sich auch er. Aber so, wie sich dies« Verschmelzung nur zum Nutzen aller Holzarbeiter ausgewirkt hat, so wird auch diese Verschmelzung der Arbeiterschaft bestimmt zum Segen gereichen. ver ADGB. begrüßt diesen Zusammenschluß, der dem freien Willen der drei bisherigen Organisationen ent- sprungen ist. Der ADGB. will nicht etwa, daß die gewerkschoftliche Konzentration rücksichtslos vorwärts getrieben wird. Wir können in der Gewerkschaftsbewegung keinen allgemeinen Ar- beiteroerband gebrauchen. Die Gewerkschaftsbewegung muß schon gestützt werden aus die Verufs- und Industrie- Zugehörigkeit der Arbeiterschaft. Auch im Industrieverband muß den Berufsgruppen Be- wegungsfreiheit gegeben werden, so wie es in der neuen Großorganisotion durch die Zusammenfassung der einzelnen Berufs- gruppen in Fachgruppen geschieht. Leipart schloß mit der Mahnung, nun nicht etwa im Der- trauen auf die große Organisation die Dinge lausen zu lasten und die Hände in den Schoß zu legen. Auch in dem neuen Ver- b an d muß auch dos letzte Mitglied seine ganz« Kraft zur Verfügung stellen. Als Vertreter der Sozialdemokratischen Partei überbrachte Stelling vom Parteioorstand die Glückwünsche dies«? stärksten politischen Arbeiterorganisation Deutschlands. Er betontq die enge Verbundenheil von Partei und Gewerkschaft, die beide als gemeinsames Ziel die Hebung und Verbssterung de? Lebenslage der Arbeiterschaft haben. Stelling schloß mit dem Wunsche, daß auch der neue Verband in treuer Kamerod» s ch a f t mit der Sozialdemokratischen Partei an der Erreichung des gemeisamcn Zieles arbeiten werde. Der Vertreter der Internationalen Ironsporlarbeiler-FSderatio», Nathans- Amsterdam, überreichte darauf nach einer kurzen Be- grüßungsansprache dem bisherigen Vorsitzenden des Deutschen Ver- kehrsbundes, Oswald Schumann, sür seine ausopferungsvolle Tätigkeit sür die Internationole«in goldenes Abzeichen der weit- umspannenden Transportarbeiter-Föderation. Im Verlaufe der weiteren Begrüßungsansprachen gab es«in« angenehme lleberraschung. Der Vorsitzende des verband«» Deutscher Berussfeuerwehrmänner, G r o l l m us, gab in einer E r k l ä r u ng bekannt, daß der Verbandsoorstand sowie der Verbandsausschuß ein st immig beschlossen haben, eine Vereinigung mit dem neuen Gesamtverband herbeizuführen und sofort olle Vorbereitunzen zu treffen, um die Verschmelzung am 1. Januar 1930 vollziehen zu können. Diese Erklärung wurde von dem Verbandstag mit stürmischem Beifall begrüßt. P o l e n s k e behandel'e dann noch einmal eingehend die Ver- schmelzungssrage. Die Kläffer. „Verbondsbureaukraten vereinigen sich.* Unsere Gewerkschaften mögen machen was sie wollen, die kom- munistische„Opposition" bekommt die Parole, dagegen zu stänkern. In Swwjetrußland ist die Kanzentration der Gewerkschaften groß- zügig durchgesührt. Im Gemeindearbeiterverband z. B. sind die Friseurgehilsen organisiert. Auch die Berliner Moskausiliale würde die Parole s ü r engeren Zusammenschluß ausgeben, wenn sie sich davon eine Stärkung ihrer„Opposition" versprechen könnte. So aber muß die„revolutionär« Opposition" eine .„Kampfkundgebung" machen, um zu zeigen, daß sie auch noch da ist. Revolutionäre Kampfleitungen sollen gewählt und„die Bewegung" vorbereitet werden, außertaristich« Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzung gefordert werden. Lasten wir die KPD. kläffen, den Aufstieg der Gewerkschasten wird sie nicht aufhalten. Oer Verleumdungsfeldzug. Wie Hugenbergs Preßpiraten berichtigen. Die deutschnationale Presse und die„Rote Fahne" setzen ihren schmutzigen Verleumdungsfeldzug fort. Es tritt immer klarer hervor, daß es ihnen nur darauf ankommt, Wahlhetze gegen die Sozial- demokratie zu treiben. Die„Deutsche Tageszeitung" spricht von einem„großen Korruptionsherd des beamteten sozialdemo- kratischen Elements", das sich„auf Kosten der Allgemeinheit be- reichere", von einer„großen Eiterbeule", einem„gefährlichen Pest- Herd". Beweise? Gibt es nicht. Es genügt ihnen, zu verleumden. Der„L o k a l- A n z ei g e r" nimmt von den bündigen Er- kläningen der Angegriffenen in folgender Form Notiz: „Stadtrat S ch l i ch t i n g und die Stadtverordneten F l a t a u und K r i l l« behaupten im übrigen, daß sie mit den Sklareks in keinerlei Beziehungen gestanden haben und keinerlei Kleidungs- stücke bei ihnen haben arbeiten lassen." Behaupten im übrigen! Dies„behaupten" ist«ine Infamie. E» soll dem Leser zu oerstehen geben, daß diese„Be- hauptungen" unwahr sind! Die Preßpiraten von der hugenberg- Presse verstehen das Geschäft der Verleumdung— sie haben es gegen die Sozialdemokratie bei jeder Gelegenheit geübt. Die Ullfteinsche„M o r g e n p o st' setzt fort, was da,„Tempo" begonnen hat. Sie redet von„Verschleierung", sie gibt dunkle Andeutungen über abgekürzte Namen, sie spricht von„sehr interessanten Angaben von anderer Seite". Es>st die Tendenz, Namen zu nennen und anzudeuten und dadurch b e- stimmte politische Persönlichkeiten zu verdächti- gen, bloß weil sie in einer oieleicht ganz losen und einwandfreien geschäftlichen Beziehung zu der Firma Sklarek gestanden haben! Di« Methode der Verleumdung mit dunklen Andeutungen ist widerlich! Kreisblätter Hetzen unentwegt weiter. Vor uns liegt eine Nummer des„L ü b b e n e r Kreis- blatte," vom Sonnabend, dem 3. Oktober. Auf der ersten Seite finden wir mehrere„amtlich« Bekanntmachungen" des Landrats, des Magistrats und der Polizeioerwaltung, zu denen sich auf der dritten Seit« de» Blattes noch eine größere Anzeige des Kreisbauamtes gesellt. Auf der zweiten Seit« enthält das Blatt einen Bericht über«in« Fahnenweihe der Ortsgruppe Lübben des Stahlhelm im Umfang von mehr als«in- einehalbe Spalte. Die Weiherede hielt«in Pfarrer Schulze- Stolpe, der in der unglaublichsten Weise gegen den Young-Plan zu Felde zog und sich dabei u. a. folgende Ausführungen leistete: „Wie jämmerlich nahm sich das vaterlandsoer- ratende„dos machen wir auch nicht mit" aus dem Munde des Parteigeroaltigen Scheidemann gegen das stolze Ablehnungswort des Franzosen aus! Wie könnte es auch der der Partei Per- schworen« wagen, deutsche Ehre über die Partei- belange zu setzenl Ja. er hätte ja auch mit seiner Zu- stimmung die Revolution als„dos Verbrechen" hingestellt. Und die Schuld am Kriege? Das steht in einem mit amtlichen Bekanntmachun- gen gespickten Blatt, vcrzapst von einem Pfarrer der evangelischen Kirche. Was sagt der preußische Innenminister dazu, wie denkt die Obertirchenbehörd« darüber? Vor Wochen hat die Reichsregierung ihren bekannten Presteerlaß herausgegeben. Er darf kein stumpf«, Instrument sein, er muß viel- mehr gegenüber der immer dreister werdenden Hetze enero sch angewandt werden! „GpO.-Liebert" �„SPO.-Kieburg". Oder: Wie es gemacht wird. Im Zusammenhang mit der Sklarek-Afsäre sind in der Presie die Nomen Li« der t und Kieburg genannt worden. Da die tleiden als schwer belastet gelten, hat man aus ihnen, besonders in der kommunistischen Presse,„führende Sozialdemokraten" gemacht. Die„Rote Fahne" nennt diese Namen nicht, ohne ein SPD. davor- zusetzen:„SPD.-Liebert" und„SPD.-Kieburg". Da es sich um Persönlichkeiten handelt, di« in der Oesfentlich- keit bisher so gut wie gar nicht genannt worden waren, mußte erst festgestellt werden, ob sie überhaupt Mitgliedsbücher der Sozial- demokratischen Partei besitzen. Da, ist nun bei keinem der beiden der Fall. Beide gehören seit einer Reihe von Iahren der Sozialdemokratischen Partei nicht mehr an. Einer von ihnen, Liebert, hatte, soviel die bisherigen Feststellungen ergaben, im gangen überhaupt nur drei Beitrags- marken geklebt! Wir lassen ganz dahingestellt, ob die gegen Liebert erhobenen Beschuldigungen zutreffen oder nicht. Er ist so ziemlich der einzige, von dem behauptet wird, daß er durch di« Sklareks zu erheb- lichen Vermögensoorteilen gekommen sei. Also muß der Mann der Sozialdemokratie an die Rockschöße gehängt werden So wird es gemacht! Oer Magistrat berät in der Gklaret-Affäre. Der Magistrat Berlin ist heule vormittag wiederum zu einer Sitzung zusammengelrelen. die sich besonder» mit der Sklarek-Afsäre befassen soll. Z« dieser Sitzung wird auch über den Bericht der beiden Vertreter de» Magistrat» verhandelt werden, die gestern bei der Si�ats- anwoltflhaft in die Sklarekfchen Geschäftsbücher Einsicht ge- nommen haben. In Moabit werden heute vor dem Dernehmungsrichter Max Sklarek und der Luchhalter Lehmann gegenübergestellt werden. Lehmann hat bekanntlich jetzt zugegeben, die Fälschungen, wenn auch im Auftrag seiner Arbeitgeber, bewußt ausgesührl zu haben und belastet die drei Sklarek, aus da» schwerste. Er wider- spricht besonders der Behauptung, daß nur Max von den Geschäften gewußt habe und behauptet oielmehr. daß die drei Inhaber sich über alle wichtigen Fragen laufend verständigt hätten. Bei der Gegenüberstellung werden Max Sklarek die schweren Porwürse ein- gehend vorgehalten werden, die Lehmann gegen seine früheren Chefs erhebt. Der Buchhalter Lehmann ist übrigens im Untersuchungs- gefängnis jetzt durch die Aufregungen der letzten Wochen völlig zu- sammengebrochen, so daß sein Gesundheitszustand— Lehmann ist Kriegsverletzter— sich wesentlich ve r s ch l e ch t c r t hat. Rechts. anwalt Dr. Pupp« Hut deshalb eine Untersuchung des Angeschuldigten durch die Gerichlsärzte beantragt, um eventuell Lehmann die Möglichkeit einer Unterbringung im Krankenhaus zu ermöglichen. Verkehrsunglück in Lichtenberg. Heute vormittag ereignete sich in Lichtenberg an der Friedrich- und Irenenstraße«in folgenschwerer Zusammei zwischen einem Straßenbahnw.rgen der Linie 76 und einem Las! mit Anhänger. Mehrere Fahrgäste erlitten erheblich« Derletzur Sittlichkeit und Strafgesetz. Soll das neue Strafrecht von vornherein zuständig sein? Der Strafrechtsausschuß des Reichstags begann gestern d-i- Beratung der Strafbestimmungen gegen die Unzucht. Abg. Stralhmann(Dnat.) verlangte strenge Bestrafung der Unzuchtdelikte, die gegenüber den Verfallserscheinungen der heutigen Zeit notwendig wären. Abg Dr. Scheiter(Z.) hob hervor, daß es sich bei diesen Straf- gesetzbestimmungen um Entscheidungen handele, die von der Welt- anschauung abhängen. Seine sZsreuird« könnten nicht die freie Selbst- bestimmung des Individuums für maßgebend ansehen. Der Zer- rüttung des heutigen Kulturlebens müsse durch strenge Strafen Einhalt geboten werden. Abg. Dr. Rosenfeld(Soz.) gab dem Abg. Dr. Scheiter insofern recht, als die Stellungnahme zu den Unzuchtsdelikten von der Weltanschauung abhingc. Daraus ergibt sich schon, daß die Sozialdemokraten diese Delikte anders be- urteilen als das Zentrum. Die Freiheit des Individuums müsse gewahrt, ebenso müsse allerdings derSchutzderGesell- s cha f t und vor allem der Jugend hinreichend berücksichtigt werden. Leider holten sich die Strasgescgentwürse in den Grenzen der Ueberlieferung der allen Tatbestände: die allen hanen Straf- androhungen, die allgemeinen unbestimmten Ausdrücke kehren wieder. Dabei Hot sich im Volke ein großer Wandel der Auffassung gezeigt- '"tan solle endlich aushören. den außerehelichen Geschlechts- verkehr schlechthin der Unzucht gleichzustellen. In weitesten Kreisen des Volkes gelte es heute unsittlich. Kinder in die Welt zu setzen, die ungünstige Lebensaussichten hätten. Mit Strafbestimmungen kann gerade auf dem Gebiet der Sittlichkeit mehr Schaden als Nutzen geschaffen werden. Ein Abbau des Strasrechts sei notwendig. Das Strafgesetz kann nicht Menschen zu sittlichen Persöntichkeiten erziehen. Das hänge vor allem ab von den wirtschaftlichen Verhältnissen, von der Sozial- Politik, insbesondere vom Wohnungsbau und von der Erziehung im Hause, in der Schule, in den Gewerkschasten und der Partei. Was wolle das Strafgesetz gegen die Leidenschaften ausrichten? Wenn der Strafgesetzentwurf das versucht, so bemüht er sich um etwas Unerreichbares. Sonst hieß es immer, daß die Strasrechts- reform beschlossen werde, um mehr Rücksicht aus die Persönlichkeit de? Täters nehmen zu können. Bei den Unzuchtsdelitten vergesse man den Täter. Die Entwicklung gehe dahin, dem einzelnen immer größer« Freiheiten zu geben, die Gesellschaft vor Angriffen des «inzelnen zu schützen. Diese Entwicklung kann k«in Strafgesetz ver- hindern. Die Ktrasoorschrislen in Bayern, Württemberg. Baden und Hessen gegen da» außereheliche Zusammenleben zweier wen- schen sollten endlich sollen. Die schweren Unzuchtsstrafen, die der Gesetzentwurs enthält, müßten an vielen Stellen beseitigt werden. Das scheußliche Wort Unzucht sollte aus dem Gesetzbuch verschwinden. Man sollte mit der Anschauung brechen, daß jede sexuelle Betätigung außerhalb der Ehe schon an sich sittlich verwerflich sei. Die sozial- demokratischen Anträge, die von diesen Anschauungen getragen würden, sollten angenommen werden. Abg. waslowsti(Komm.) schloß sich im wesentlichen den Aus- führungen des Gen. Rosenseld an. Auch die Kommunisten fordern in vielen Fällen Straffreiheiten und in anderem Strafmilderungen. Dberrcichsanwalt Ebermeyer wendet sich gegen die sozialdemo- kratischen Anträge. Das Wort Unzucht sei gewiß nicht schön, es dürfe ober durch kein Wort ersetzt werden, ohne wesentliche und untrag- bare Aenderungen herbeizuführen. Abg. Stralhmann(Dnat.) wendet sich gegen die im Entwurf angedrohten Strafen. Fortsetzung der Beratung am Mittwoch, dem 9. Oktober. Reaktionäre Personalpolitik. Entmündigter Stadtrat wird im Amt gehalten. Leipzig. 9. Oktober.(Eigenbericht.) Der Leipziger Oberbürgermeister Dr. Rothe treibt seit Iahren ein« skandalös« Personolpolitik. Alle Mittel zur Er- Haltung der bürgerlichen Ratsmehrheit sind im Recht. So ist z. B. der Personaldezernent schon monatelang wegen Krankheit abwesend. Seiye Pensionierungsgesuche gelangen nicht einmal vor das Ratskollegium, weil der Oberbürgermeister will, daß der Stadtrat bleibt, solange er nur kriechen kann, damit dem Rotskollegium keine bürgerliche Stimme verlorengeht. Außerdem befindet sich im Leipziger Stadtrot ein Rat, der von seinen Angehörigen schon vor Iahren wegen Geisteskrank- heit entmündigt worden ist. Aber auch diesen Mann will der Oberbürgermeister halten. Dies« Zustände haben die sozial- demokratische Stadtverordnetenfraktion nunmehr zu folgender A n- frage an den Rat der Stadt Leipzig veranlaßt: „In der„Leipziger Balkszeitung� ist über den Krantheitszu- stand eines Stadtrates folgende Mitteilung entholten: Im Hochwohl- weisen bürgerlichen Rat sitzt auch ein Herr, Inhaber eines wichtigen Dezernates, dessen Nerven so zerrüttet sind, und dessen Geist so schwer erkrankt ist, daß er bereits durch viele Monate der Aus- Übung seines Amtes entzogen war. Seine Geisteskrankheit ist so osferckundig. daß er bereite vor Iahren auf Antrag seiner Angehörigen entmündigt wurde, weil er völlig außerstande war. seine Angelegenheiten selbst zu erledigen. Dieser Mann, der wegen Gefährdung seiner selbst entmündigt werden mußte, wird immer noch vom Oberbürgermeister für geeignet gehalten, die wichtigsten Geschäfte der Stadt zu verwojten. Der Oberbürgermeister hält ihn im Amte, obwohl er von Sanatorium zu Sanatorium wandert und auch in der sana- tariumfreien Zeit zur Arbeit wenig Kräfte ausweist. Entsprechen die in der„Leipziger Bolkszeitung" enthaltenen Mitteilungen den Tatsachen? Wenn ja. ist dem Oberbürgermeister, einem Ratsmit- glied oder dem Gesamtrat der Krankheitszustand und die Entmündigung des bstreffenden Rates bekannt? Im bejahenden Falle, feit wann weiß der Rat oder der Herr Oberbürgermeister davon? War- um hat der Rat das Stadtverordnetenkollegium als Anstellung?- behörd« nicht pflichtgemäß von dem Krankheitszustand des in Frage kommenden Stadtrate» unterrichtet?" Die Antwort auf dies« für den Oberbürgermeister peinlichen Fragen muß innerholb 14 Togen erfolgen. Die deutsche» Mittel, und Kleinstädte. Der Reichsstädtebund legt ein Sammelwerk vor, dos von dem geschästsführenden Präsidenten de» Reichsstädtebund««, Dr. Hoetel, und dem Generalsekretär des Vereins für Kommunalwirtschaft und Kommunalpolitik, Erwin Stein, herausgegeben worden ist und das die gesamten kommu- nalen Probleme vom Standpunkt der mittleren und kleinen Städte aus beleuchtet. » Musik ui Musikgememschast— Musikorganisation Nachwort zur 8. Neichsschulmusikwoche. Die Musik, so hat Professor Hans Freyer neulich in Hannover ausgeführt, fei eine der Kräfte, die unserer Kultur Einheit und lebendigen Zusammenhalt zu erhalten vermögen. Eine der Kräfte: Sprache, Sitte. Religion heißen oder hießen die anderen. I« mehr diese an unmittelbarer Bindekraft verlieren, um so wichtiger, um so dringender wird die Funktion der Musik. Wir sigen etwa: Sprach- gemeinschaft des deutschen Bolkes: es ist noch lebendig, was wir damit meinen. Man spricht— und e» hört sich schon«in bißchen historisch an— von Gemeinschaft der Sitte, der Religion: kann man gleicherweis« von Musikgemeinschast sprechen, heute etwa von Musik- gemeinschoft unseres Voltes? Daß man es nicht kann, heute weniger als je, diese Feststellung bildete den negativen Ausgangspunkt des Referats, mit dem Professor Leo Kestenberg in Hannover den Kreis der zur Diskussion stehenden Fragen beschloß. „Probleme der Musikorganisation" lautet« sein Thema. Nicht um Musikerorganisationen handelt sich'»: daran leiden wir keinen Mangel. Sondern darum, die gesamten musikalischen Kräfte de» Volkes und der Zeit zu erfassen, zu bilden, zu gestalten. Die Grund- logen unseres Musiklebens,— unsere» bald nur noch sogenannten Musiklebens—- sind immer schmäler geworden: es ist brüchiger Boden, er trägt— wie lange nach?— dos Kunstgebilde unserer hohen Musik, aber er bringt es nicht hervor, es wird nicht aus seinen Kräften genährt. Auf breitester Grundloge, aus dem leben- digen Fundament der musikalischen Bolkskrast, gilt es«in neues Musikleben neu auszubauen: e i n Ganzes, von den Musikanfängen der Grundschule organisch aussteigend zum großen Kunsterlebnis der Volksgemeinschaft:«in Ganzes, das dieses und diese mit jener or- ganisatorisch dicht verknüpft. Im Kreis der Aufgaben, die zu be- wältigen sind, kann die Funttion der Schulmusik nicht hoch genug bewertet werden: es ist eine Art von„Schlüsselstellung", die ihr darin zufallt. Auf dem Dreiklang Schulmusik, Volkslied, Volkschor- gesang muß die kommende Musikorganisation errichtet werden. Er bildete auch den Grundakkord der musikpädagogischen To- gung, bei der zum erstenmal neben dem„Zentralinstitut für Er- ziehung und Unterricht" die„Interessengemeinschaft für dos deutsch« Chprgesangwesen" als Veranstalterin auf- trat. Mehr als eine Million singender, chorsingender Menschen sind in dieser Gemeinschaft vertreten: das ist ew« Ziffer, die uns immer- hin«in wenig optimistisch stimmen darf. „Musik" ist ein vieldeutiger Rame: es wird notwendig sein, zu einem einheitlichen Musikbegriff, und vor allem zu einer Abgren- zung nach unten, einer Abgrenzung dessen, was uns noch als Musik gelten soll, zu gelangen. Planmäßige Musikerziehung der Massen, Erziehung zu einer höheren Art von Musik, als sie häusig noch unter dem Titel des„Volkstümlichen" verbreitet ist, tut not. Volks- konzerte, Dolksopcrnvorstellungen, als Errungenschaft der Republik an sich freudig zu begrüßen, genügen nichts es muß auch das Der- ständnis sür die vermittelten Kunstweitc' geweckt und entwickelt werden: vor allem durch Selbstmusizieren, neben dem das Erlebnis des Hörens, des Empfangens als sozusagen innere Musikbetätigung erst so die ihn, zukommende Bedeutung erreicht. Schulmusik, Hausmusik, Gebrauchsmusik, Kirchenmusik(auch sie. solange es Kirchen gibt, hat ihre funktionelle Bedeutung im Leben der Zeit)—, es gibt alle möglichen Erscheinungsformen der Musik, bevor wir zu jenen dringen, die sich heut«, für die allein wichtigen halten: die Formen der Kunstmusik etwa im Konzertsaal und in der Oper. Di« Vereinsamung der Kunstmusik ist, von gestern her, ein Grundübel der Gegenwart. Die schaffenden Musiker von heut« spüren diese Not der Musik, denn es ist die wachsende Not der Musiker. Sie mühen sich um Anschluß an die Wirklichkeit, an die Umwelt der Menschen, de» Volkes, der realen Tassächlichteit, um neue Möglichkeiten gesellschaftlichen Widerhalls. Denn sie fühlen die Gefahr des Untergangs, die ihnen von der zunehmenden Jso- lierung droht. Es genügt nicht, daß Männer der Musik, der Musikerziehung, des Ehorgesangwesens die musikalischen Nöte der Zeit erkennen, in Sven Lange:„Der Verbrecher". Theater ip der Klosterflraße. Erlebt man dieses Opus au» den Zeiten des Naturalismus, so stellt man statt aller andern an das Theater nur noch die eine Kar- dinalforderung an sämtliche Bllhnenschreib�r: Liefert wenigsten? solides Handwerk, wenn es schon zum jkunstwert nicht reicht! Sven Lange indessen treibt in diesem sehr nachgedunkelten Stück die dramatische Zechprellerei entschieden zu weit: er bleibt selbst unterhalb des Niveau» einer mittelmäßigen Reportage. Der dürftigste Polizei. bsricht über ein Kapitalverbrechen muß gegenüber dieser vierattigen Oede als ein« profunde Aeußerung anmuten, so triefend banal wird hier diskutiert, so unerheblich ist der Konflikt, so ärmlich die Moti- vierung. Der Einfall, daß zwei pechrabenschwarze Schurken einen kreuzbraven Beamten durch Erpressung und Wucher zur Berweislung treiben: wie unerheblich wirkt da» in einer Epoche, in der die riesige unpersönliche Macht eines hochentwickelten Kapitalismus auf der ganzen Menschheit lastet! Aber da» Geldmotiv gibt picht einmal den Ausschlag, sondern die verletzte Ehre. Nachdem nämlich die Zeit bei munteren Tiraden sämtlicher beteiligten Personen schon trüstig vor- ongeschritten ist, kommt der dramatische Knot.'n in Form eines Strickes, den der unschuldig Leidende dem Oberoampyr um den Hals schürzt. Nicht, weil er ein schofler Ausbeuter ist, beileibe nicht, sondern weil er seinen Schuldner der Wechselfälschung bezichtigt hat. Die Schauspielerschoft de» Theaters in der Klosterstraße war, unter Franz Sondinger» Regie, um charakteristische:, Umriß eifrig bemüht. Danaidenarbeit! Schade, es stecken ein paar tüchtige Kräfte in diesem Ensemble. W. Scb. Eine millian Zack-London-Bücher sind verkauft. Der Siegeszug des großen amerikanischen Volksdichters schreitet unaufhalssam vorwärts. Die Gesamtaufloge der deutschen Ausgabe des Univer- sitas-Verlag hat nunmehr bereits l Million überjchritten. Einer der größten Ersolge, die der deutsch« Buchhandel in der letzten Zeit erringen konnte! Wenn man außerdem bedenkt, daß Jack London« Lücher auch in Amerika, England, Skandinavien, Ruhland, Frank- reich Riesenauflagen erreicht haben, so dürfte man wohl nicht fehl gehen, wenn man ihn als den meistgelesenen Schrifssteller unserer Zeit bezeichnet. Heuer Natalog de« Saiser-Frledrlch-kNuleum». Soeben ist im Berlage pon Paul Eassher ein neuer Nataloa de» K-tlcr-Fnedrich-Museumz..Die deutschen und altniederliudtschen ei st er*, erschienen. Sc enthält 600 AbbUdunaen und damit last den ganzen weseutlichen Be- stand de« Museum« aus dem Sediet« der deutschen und altnicderländrschen Maleret. »v Ulm. ihren Reihen besprechen und belämpfen. Musik ist eine kulturelle, sozialethische und im höchsten Sinn politische Sache, die alle angeht; das sollen alle wissen. Es fehlt am Verständnis der Oefsent- lichkeit und am Interesse ihrer Organe: der Presse. Wegen einer Musisstunde mehr oder weniger in der Schulwoche— einer Musikstunde mehr oder weniger im Schulleben von Millionen Kindern— rührt sich kein« Feder. Auch in den Bolksvertretungen werden die Fragen der Schulmusik und der Volksmusik noch nicht immer, wie sie sollten, als Fragen des Volks gewürdigt und behandelt. Soweit Kestenberg. Seine Anssührungen machten aus die Hörer, die Schulmusiker und Chormusiker tiefen Eindruck: hassen wir, daß sie von allen richtig verstanden worden sind und daß alle sie beherzigen werden. Klaus Lsingsiieim. „Frühlingsraufchen." Titania-palast. Wilhelm Dieterle modernisiert»Das Ääthchen von Heilbronn" .Wenn wir heute dieses Käthchen aus der Bühne noch ertragen, so geschieht das darum, weil wir Kleist schätzen und ihm bewußt Ehren zu Teil werden lassen, die ihm zu Lebzeiten verweigert wurden. Für die gegenwärtige Zeit jadoch ist die Frau, die aus Liebe auf den ersten Blick hingebungsvoll als Magd dem Mann nachläuft, höchst unpassend. Hinzu kommt, daß Charlotte Hagenbruch, Dieterle» Frau, ein bedenklich unbeholfenes Manustrikt schrieb. Viola, ein in voller Zurückgezogenheit ausgewachsenes Menschen- kind, lernt durch Zufall den Herrn von Bornim kennen. Sofort läuft sie ihm nach, sie wird seine Geliebte, und da er ihr verschweigt, daß er oerheiratet ist, gibt es ein« ziemlich unangenehme Ueoer- raschung, als seine Frau heimkehrt. Der menschenscheue Großvater, der schon einmal mit dem Gewehr auf den jungen Bornim losging, schleicht sich nun in einen Steinbruch, um den Verführer durch her- abgewälzte Steine zu töten. Der Schwerverletzte ruft nach seiner Frau, ober Viola kommt unter eigener Lebensgefahr zu ihm. Als die Frau diese Aufopferung sieht, räumt sie das Feld. Wilhelm D i« t e r l e ist als Regisseur sehr vieles vorbeigelungen. Lion Deyers soll jugendlich unerfahren sein, sie wirkt aber mehr als einmal unbeholfen. Und Dieterle als Regisseur kann es mit- unter nicht unterlassen, sehr gewollt den Schauspieler Dieterle a!s schönen Mann herauszustellen. Da» stete Vergleichen mit der Natur wirkt, wenn es auch photographisch gut gelungen ist, auf die Dauer monoton. Trotz dieses Fehlschlages wird jeder, der es ernst mit dem Film meint, Dieterle in der deutschen Produktion begrüßen. e. d. „Die erste Krau im Leben." llsa-pavillon. Dieser reine Tor aus dem wildesten amerikanischen Westen, eine Art neuer Parzifal. der ausfährt— in einer Art selbst- gezimmerter Arche Rooh—, um die Welt zu erobern, war« gewiß eine Bereicherung des allzu abgespielten FilmrepertoirS- Aber leider versteht weder der Manuskriptperfasser noch der Regisseur. die Klippen der Lächerlichkeit zu umschiffen. Dieser ungeschlachte Bär, der noch keine Frau tennengelernt hat, stößt am Rande der Zivilisation auf ein Wesen, das dort von ihrem wegen Mords», per- leisteten Liebhaber in einer einsamen Hütte zurückgelassen ist. Hier ereignen sich nun die unfreiwillig komischsten Szenen, die durch die deutsche Textbearbeitung wahrscheinlich noch gesteigert sind. Bald lockt sie ihn, bald stößt sie ihn zurück und entfaltet dabei allen Luxu» rafftnierten Ent- und Bekleidetseins. Dazwischen spuken«ein Taubstummer«nd ein mysteriöser Rabe herum, der immer zur Unzeit den Namen de» früheren Geliebten ausspricht. Dos einzig Positiv« in diesem�Versager sind die schönen Landschaftsbilder aus der wilden Natur. Schließlich kehrt der Liebhaber zurück, es kommt zum Kampf zwischen den beiden Männern, der Naturbursche rettet der Frau das Leben und fährt mit ihr auf seinem Schiff davon(Hassent- lich nicht zu neuem Kitsch). So sympathisch der jung« ftraftkerl des Charles Fo rr e ll auch ist, er oermag die im Kern perpfuschte Vach« nicht zu retten. r. Kleist spricht aus dem Grabe. ilenslt Brsnnen.»iqtirtNch Nrsnner, der neue Karentreuzbardc. tat«r-ist» Äsvell»„Michael lwhltaa," dramatisiert, und, wie die litauffiüiriina er, wie,,««tue Partien de, Dias«»»«ort»«treu dem Dichter „eittliint. Ich hör' ein Brönnlcin rauschen Wohl durch das deutsche Land. Ich muß dem Rauschim lauschen Aus meinem Grab im Sand. Beim Fluß der Bronnenwellen Will mich bedünken schier: Es klingt an vielen Stellen, Als wär's ein Stück von mir. Dem Bronnen, wie ich merke, Aertrocknete der Geist. Drum hat aus meinem Wert« Sein Röhrchen er gespeist. So nährt aus hohen Gletschern Manch trübe, Rinnsal sich.— Der Bronnen wird verplässchern, Ich bleibe ewiglich. Beter Michel. Die Filmindustrie zur Zensurfrage. Die in der Spitzenorganisation der Deutschen Filmindustrie e. B zusammengeschlossenen Verbände der Spiel-, Lehr- und Kulturfilm Herstellung, des Verleihs und de» Theaterbesitzes sowie der Aus- unl Einfuhr und der technischen Betriebe, erklärten zur Zensurfrage: „Die deussche Filmindustrie erkennt grundsätzlich die derzeitig Notwendigkeit einer mäßigen Filmzensur an. Sie lehnt aber sed Verschärfung und jede Ausdehnung, wie sie in der Reglern ngevot läge zum Lichtspielgcsetz geplant ist, entschieden ab. Die deusscke Filmindustrie steht auf dem Standpunkt, daß das gegenwärtige Gi- setz bei richtiger Anwendung den weitestgehenden Ansprüche» genügt. Jede Erweiterung der Zensur würde ein« künstlerisch unk gejchSst- lich ersprießliche Arbeit unmöglich machen. Daher fckdert dl» Spitzenorganisation vor allen Dingen, daß der Tonfilm also da» gesprochen« Wort und die Musik im Film zensurfrei bleiben. Da? gesamte Filmgewerb« erwartet in erster Linie die Herab- sctzung des Jugendschutzoltcrs. Mit aller Schärfe fordert die Spitzenorganisation, daß die Zensur«ines Filmes für da» ganze Reich Gültigkeit habe und die ungehinderte Borführung in jedem Lande und in jeder Provinz gewährleiste," Weißenberg im Gefolge Hilgenbergs Oie Erneuerung der germanischen Raffe. Was kommen muhte, ist gekommen: Im(Zcfolge Hugen- bergs ist auch Herr Joseph Weihen berg aufge- taucht! In Nr. 40 der Zeitschrist„Der Weihe Verg" wird ollen Mitgliedern der Sekt« empfohlen, das Volksbegehren Hugenbergs nach Kräften zu unterstützen. Dem Reichspleiteausschuß wird damit ein« Hilfe gewährt, wie sie bisher noch keiner politischen Stelle zuteil geworden ist, die Hilfe nämlich einer himmlischen Journalistik! Wird doch die Zeitschrift„Der Weiß« Berg" in der Hauptsache von den Erzengeln und dem Geist des Fürsten Bismarck geschrieben, denen es gelungen ist, vom Jenseits her sich mit Joseph Weißen- Heng in spiritistischen Rapport zu setzen! Ist diese Gefolgschaft eines grotesken Eharlatons ein beson- deres Pech Hugenbergs? Nein! Denn die völkisch-antisemitische Bewegung, deren Händen er die Deutschnational« Partei übervnt- wartet hat, ist schon längst das Sammelbecken der komischsten kultur- politischen Narretei, deren Kernstück die„rassische Erneuerung" des deutschen Volke» darstellt. Diese besteht in der Anschauung der diversen völkischen Gruppen und Vereinigungen zunächst natürlich in der„Säuberung Deutschlands von den Juden", dann aber, und da beginnt ein« eifrig betrieben« Praxis, in einer für den Außenstehenden höchst spaßhaften vereinsmäßigen Liebesbund-Bermitt- l u n g, bei der auf die Eheform des bürgerlich-verfudeten Rechts der Republik kein entscheidender Wert gelegt wird. In der Zeit- schrift„Runen" des„Germanenordens" tonnte man vor einiger Zeit unter Ergüssen ähnlicher Art folgendes Schreiben lesen: „Ein Ordensbruder aus Wien, der mir auch von unserer Ordens walküre H. gesprochen, nannte mir neben dieser rassi- schen Schönheit noch zwei ander« prächtige Ordensschwestern, die ihm bei der Pfingstweihe besonders ausgefallen sind. Wenn es nun nach mir ginge, möchte ich, wie Siegfried, der Wälsungen- sproß, durch die Lande auf Rossesrücken ziehen bis zu der Wal- bürg, da ich die hehrste Germanenjungfrau wüßte und, mein Pferd durch die Lohe zwingend, würde ich sie küren. Ist es mög- lich, diesen hehren Brauch wieder einzuführen? Edelzucht, Helden- zucht müssen wir treiben und wahrlich, der ist ein Held, der die Kraft besitzt, sein Pferd durch die wabernd« Lohe zu zwingen." Was da gefordert wurde, war keine im blumigen Stil des Edda- Jargons vorgebrachte platonisch« Angelegenheit, der Mann wünscht«, Roß und Waberlohe wortwörtlich genommen zu wissen, und so schrieb ihm denn die Redaktion der„Runen", die feuerpolizei- kichcn Vorschriften unserer verjudeten Kommunalbehörden souverän verachtend: „Aber natürlich muß dieser herrlichste aller Kulte in irgend- einer Form wieder eingeführt werden. Wie sollen wir denn sonst unser Rassenreinigungsideal erreichen?! Unser Orden wird diese göttlich« Aufgabe lösen. Heil Ihnen!" Dieselben„Runen" brachten bis ins kleinste detailliert« Vor- schriften über die Reinigung und Reinerhaltung der germanischen Rasse, selbst der Ammen ward nicht vergessen: „Der gennanischen Annne ist es verboten, das Kind eines Hebräers zu säugen: wenn sie wegen UeberflUß an Milch große Schinerzen hat, darf sie allenfalls ein nichtgermanisches Kind säugen." Aber man meine nicht, daß im Kral des„Germanenordens" nur die Narrheit sich austobte, auch die Bösartigkeit offenbarte sich, und die Sache nahm«in sehr ernstes Gesicht an: „Der Germane, der sein Gennanentum verleugnet/ verhöhnt, beschimpft, oder der feinen germanischen Bruder anzeigt, verrät, oder der Jude, Judcnchrist oder Judenschützer geworden ist, ist des Todes schuldig. Kann der Lump nicht öffentlich getötet, so soll er heimlich(durch eine heil'gc Feme) aus der Welt geschafst werden. Ertaufte Judenknechte sollen beschnitten und den Hebräern zugezählt werden." Wie heißt es doch in dem offiziellen Kommentar des Programms der Hitlerianer(A. Rosenberg:„Wesen, Grundsätze und Ziele der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeilerpartei", München 1923)? Es heißt:„Wir wissen heute, daß weder Sitten noch Religion der Rassen und Völker sich au-f einen Nenner bringen lassen; daß das, was wir gut nennen, den anderen böse erscheint, und was wir mit Gott bezeichnen, den sicheren der Satan ist." �n engsten Zusam- cahang nun mit diesen Ideen der Rassenreinigung steht die v ö l k i- sch« Nacktkulturbewegung. Neidlos sei den Herren und Damen um Hitler und Goebbels attestiert, daß die Prüderie bei ihnen keine Freistatt hat. Aber wer sich der nicht ganz appetitlichen Aufgabe unterzieht, das überaus reichhaltige Schrifttum der völki- schen Nacktkulturbewegung einmal aus seinen Kern zu prüsen, ist doch verblüfft, zu welchen Idealen sich die teutonische Nacktkultur am Ende verdichtet. Es war noch während des Krieges, im Jahre 1916, als ein Herr Dr. Hentschel feine berühmt gewordene Witt- gart-Schrift herausbrachte(„Mittgart,«in Weg zur Erneuerung der germanischen Rasse", Verlag Erich Matthes, Leipzig 1916). Da wurde gefordert, daß in einer Gartenstedlung etwa 1000 Frauen und 100 Männer garantiert rein germanischen Geblüts zum Zweck der Zeugung eines Geschlechts gleicher Qualität zusammengebracht werden sollten. Dieses polygame Institut sollte mit Hochdruck ar- betten; Herrn Dr. Hentschel schwebte vor, durch eine Massenproduktion echtgermanischer Sprößlinge die Rassenminderwerttgkeit aus den Grenzen Deutschlands sozusagen herauszudrängeln. Daher der interessante Gattungsschlüssel von 1: 10; die Mittgart-Schrift ließ keinen Zweifel, daß Herr Dr. Hentschel unter Zugrundelegung des Schwangerschaftskalenders dafür Sorge zu trogen beabsichtigte, daß in seinem Gestüt ja. keines der vorhandenen männlichen Individuen beschäftigungslos die so kost- bare Zeit vertrödele! Auch hier dachte man beileibe nicht an Ehen im gewohnt spießigen Sinn! Beileibe nicht! Was ja schon in der ganzen Anlage des grandiosen Plans begründet lag! Und auf daß kein Zweifel aufkomme, hieß es ausdrücklich, daß jede„Ehe" zwischen einer Millgart-Frau und einem Miltgart-Mann nur so lange währen sollte, bis der angestrebte Zweck erreicht sei, mit dem Eintritt der Schwangerschaft sei das Verhältnis als gelöst zu bettachten! Was die völkisch« Weiblichkeit dazu zu sagen hatte? Nun, sie war's zu- frieden! Was Herr Dr. Hentschel forderte, war nicht etwa ein aus- schließlich seinem Hirn entsprungener Irrsinn, er hatte nur forinu- liert, was ein« schon 1912 begründete Mittgart-Bewegung, die von breiten Teilen des Alldeutschtums getragen wurde, angestrebt hatte. Als sich dann während des Krieges verschiedene Organisationen zur Verwirklichung jenes völkischen Hühnerhofideals bildeten, darunter auch ein« dem oft genannten„Deutschen Orden" angegliederte „Deutsch« Schwesternschaft", wurde anständigen Rechtsblättern diese Konsequenz des semikKkkenfreien Teutonismus doch höchst unheimlich und man rückte mit Entschiedenheit ab. Was nicht verhinderte, daß die völkische Nacktkulturbewegung üppig ins Kraut schoß und seltsam duftige Blüten trieb. - Gewiß: pathologische Fälle! Aber man vergleiche diese Wahn- ideen mit den tollen Leistungen des Herrn Josef Weißenberg, man vergleiche es etwa mit seiner Prophezeiung vom Untergang Eng- lands im Frühjahr dieses Jahres! Als England ihm nicht den Ge- fallen tat, in den Fluten des Meeres zu versinken, verkündete Herr Weißenbcrg in seiner Zeitschrift, nicht er, sondern der Erzengel Gabriel habe falsch prophezeit! Heute wirst sich Herr Weißenberg an �die Brust Hugenbergs! Dem Herrn Geheimrat wird das lehr peinlich sein! Doch mit Ver- laub: Wie erklären Sie sich, Herr Geheimrat, daß der Aberwitz just Sie zu seinem politischen Mandatar erkürt? Lneänci, Wende!. Spanische Orden und goldene Ringe. .Oetr A denauer dekoriert und wird dekoriert. Köln, 9. Oktober.(Eigenbericht.) Die Kommunalpolitik des Kölner Oberbürgermeisters Dr. Adenauer hat im Reiche schon manchmal Kopischütteln erregt. Zum größten Teil beruht diese Kommunalpolitik auf einer Klüngel- Wirtschaft, die seinesgleichen sucht. Ganz besondere Blüten hat diese Wirtschast gelegentlich der internationalen Preise- ausstellung getrieben. Da sind zunächst die über Gebühr zahl- reichen Festessen, für die in dem Haushaltsplan der Stadt Köln 50 000 Mark unter Werbekostcn eingesetzt waren. Ohne die Stadt- oerordneten um ihre Genehmigung zu befragen, ist dieser Posten um 600 0 00 Mark überschritten worden. Dazu sind aus eigenen Mitteln der Pressa weitere 100 000 Mark für Festessen aus- gegeben worden, so daß insgesamt im vergangenen Jahre s ü r 750 000 Mark gegessen und getrunken wurde. Eine Shnsiche Mißwirtschaft hat sich herausgestellt anläßlich der „Internatt analen katholischen Ausstellung" aus der Presia. Nicht allein, daß dieser Ausstellung Gelände und Gebäude pachtfrei zur Verfügung gestellt worden sind, sie hat auch aus städtischen Mitteln ein Darlehen von 75 000 Mark erhalten und weitere 40 000 Mark sind aus städtischen Mitteln für die Bersicherungsplämie dieser Aus- stellung verwendet worden, ohne daß auch nur Aussicht besteht, diese Summe an die Stadtkosse zurückzuzahlen. Der evangelische Dienst, der ebenfalls in der Pressa ausgestellt hatte, mußte sich mit einem pachtfreien Ausstellungsplatz begnügen. Dagegen hat die Sozial- demokratische Partei für das Haus der Arbeiterpresse 30 000 Mark Pacht zahlen müssen, noch ehe ditses Haus überhaupt gebaut war. Inzwischen hat Oberbürgermeister Adenauer ttotz seiner republi- konischen Gesinnung, die er bei Gelegenheit mehr oder minder zur Schau trägt als Ersatz für Orden neun goldene Ringe im Werte von je 150 Mark herstellen lassen und sie an Frauen und Männer„oerliehen", von denen er glaubt, daß sie der Pressa besondere Dienste geleistet hätten. Darunter besinden sich Geheimrat V o l k m a n n, Leipzig, Hofrat Weber, Leipzig, Ver- leger Schick, Leipzig, Professor Wolf, Dresden, Professor Georg Bernhard, Berlin, Frau Olga Kamenewa, die Leiterin der Ausstellung Sowjet-Rußland auf der Pressa, und der österreichische Generalkonsul W i l d n e r in Köln. Aber da es auch in der Kölner Stadtverwaltung und in der Direktion der Pressa Männer gibt, die nach der Meinung des Ober- bürgermeisters Adenauer besonders ausgezeichnet werden müssen, hat«r zu genehmigen geruht, daß vier Kölner Pressa-Größen spanische Orden erholten. Sie wurden verliehen an den Präsidenten der internationalen katholischen Ausstellung, Herrn Stocky, Berlagsdirektor der„Kölnischen Volkszeitung", der zugleich spanischer Konsul in Köln ist, den Beigeordneten Boenner, die Pressa- direktoren Dr. Esch und Tietmann und Oberbürgcr- m e i st« r Dr. Adenauer selbst. Die Reichsoerfasiung, die Verleihung und Annahme von Orden untersagt, scheint für die bürgerlichen Größen der Kölner Kommunal- polittk nicht zu bestehen. „Revolutionärer" Klamauk. Kommunistenkrawall in der Lübecker Dürgerschast. Lübeck, 8. Oktober.(Eigenbericht.) Am Montagobeich kam es in der Lübecker Bürgerschaft zu einem schweren Kommuni st enkrawall. Als der Präsident eine Eingabe der Kommunisten zwecks Aufhebung des Verbots des Roten Frontkämpferbundes der Bürgerschaft zur Kenntnis gab, verlangten die Kommunisten für sich das Recht zur Abgabe einer Erklärung. Der Präsident entsprach diesem Verlangen jedoch nicht, worauf die Kommunisten großen Lärm inszenierten. Als die Sitzung wegen des Lärms schließlich aufgehoben wurde, verlasen die Kommunisten vor fast leerem Hause ihre Erklärung. Endlich wurde von dem Säal- diener das Licht ausgedreht. Jetzt brannten die Kommunisten ein Streichholz nach dem anderen ab, um die Vorlesung ihrer Erklärung fortsetzen zu können. Als auch die Hölzer alle geworden waren, stimmten sie in dem völlig dunklen Saal die Internationale an. Auf der Tribüne sang man mit und mimte nach Schluß der Heldentat in Begeisterung. Der Präsident ließ nach Wiedereröffnung der Sitzung zunächst die Tribünen räumen und verwies«inen kommunistischen Abgeordneten aus- dem Saal. Der Kommunist leistete der Auf- fordcrung, den Saal zu verlasse», jedoch keine Folge, so daß d i e Polizei herbeigerufen wurde. Ihrer Anordnung, zu verschwinden. leistete der Kommunist nicht den geringsten Widerstand. Di« Folge des kommunistischen Theaters war schließlich, daß ein starkes Auf- gebot von uniformierten und nicht uniformierten Polizeibeamten für die Dauer der Sitzung im Rathaus stationiert wurde. � ?. I. Lepse. der Dorsitzende des russischen Metallarbeiter- Verbandes, ist nach langer Krankheit gestorben. welker für Berlin: Unbeständig und windig mit häufigen Regen. schauern und weiterer Abkühlung.— Für Deutschland: Ueberall veränderlich mit verbleibenden Schauern und wetterem Temperatur- rückgang. Berantwortl. füi die Redaktion: Wolfgang Schwär», Berlin: Anzeigen: Th.«locke, Berlin. Berla«: Dorwärt» Berlag«. m. b. S., Berlin. Druck: LorwSiio Buch. druckerei und Bcrlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin£33 88, Lindenstrabc 3. Hierzu 1 Vellage. | Mi'.twocb, 9. 10. Staats-Oper | Unter d. Linden A.-V. 215 19 Uhr [S Mittwoch, 9. 10. Stadt. Oper Bisrnarckstr. 19 Ühr Staats-Oper Arn Pl.d.Reoubl. Vorst. 61 20 Uhr Staat!. Sdiauspli. am Gendarmenmarkt A.-V. 190 20 Uhr Weh* dem der lügt Stastl. Schiller-Theater, Cliarltli. 20 Uhr Treibjagd Renaissance-Theater Täglich«-/. Uhr STEMPEIBBUPER Schauspiel von Duschinsky. Regie: Gust. Härtung. Menolatz C 1. 0901 u. 2583/84. Winter ★ Garten* 8 Uhr» Zeotr 2618» Raadien erlaohl 1 L„t I B B« P" u. weitere Mlralrtimieii J Till. 2 Tinten. 5 Hl»'/, Dir Beiberem 125« llaten anaea Preise; ■uteatigs i lldr SO Pf. tls 3 Kart Ti|t. IV; B Senat. 5 Wir 1 Ut i Hart Ctiarüe Rivel, 3 Whirlwlnds, long Tack Sem usw. Tägl. 5 u. 813 Sonnl.2,5n 8" I Alex. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE CAS I N O-THE AT ER Lothringer Strafe 37. neu! Täglich svi uhr neu! uertaate Hoctizettsnacntt und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser: Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M„ Sessel 1.75 M.. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. ROSE -THEATER BrÄTr Alexander 3422. ifeden Sonntag 3 Vorstellungen: uiu: Jdmeewittdien" 'o* uhr:..Die Weber" Wochwi'aga 8"Uhr; Dia Wabar Icaen Mltivo« S Uhr; Das tapfere Schnaidarlaln Jod. Sonnabend 5 Uhr u. Jaden Sonntag 2» Uhr:„Schneewittchen" Voranzeige; Ab 16, Oktober tigllch t« Uhr; „Die leichte leabell". Snnniag, 20. Oktober, abend. 9 Uhr Einmalige FestauffOhrung: „Vor Sonnenaufgang" von Oerhart Hauptmann. VolKsblUme lbiitir amBülowiilati 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heim Martin Staat!. Sdiiiler-Th. 8 Uhr Treibjagd Staatsoper Am PI. d Republik 8 Uhr Salome Pisetlor- Bflbne 8 Uhr DerKaufmann von Berlin Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8'/i Uhr Max Adalbert als Natale am Flügel Rudolf Nelson TDMi.amKoilb.Tor Kottbusser Str. 6 (8 Tägl. 8 Uhr jb> auch Sonnt. 918 nachm. 3 U. H0 Elite' TV sanier " Aoerooppelie Alwin I„EinWelt- rekord d. Lach.' Vorverkauf auch im Pavillon der Rein- hardtbühnrti, Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße Bismarck 448/449 WM Theater D.I. Norden 12310 SU- Ende gegen II Zum 125. Male Die Fiedermans Musik v.Joh. StrauO. Regie: Max Reinhardt Dirigent E.W. Korngold. Ausstattg. UKainer Kammerspiele D.I. Norden 12 310 S'/e, Ende gegen 10V» Der Dnwiiiersteliliclie Komödie von Gdraldy und Spitzer Regie: Gustaf Cründgens Die Komödie J1 Bismck.2414/7516 8V. Uhr Ende geg. l0>Ä Uhr Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Planelorittni — am Zoo firiägg. Jotdiinsthai« Slnlt B.5 Barbarossa 5578 16V« Uhr Herbet- ibendeam Sternenhimmel I8V4 Uhr Ble en die Prenzen dar Welt 20Vi Uhr Räteel des Sternenlichte* Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 PI Mittw.; Erwachsene so PL, Kinder 25 PL GROSSES SCHAUSPIELHAUS tägl. 8 Ubr ÄAlttskctiere Regie; ERIK CHAREli Gesanii-Anssiatinna: Prof. Ernsl Stern. Musikalische Leitung: Ernst Hanke. 3 Uhr Sonntag nachmittag ungek. halbe Pre'i Metropol-Th Donnerstag, 10. Okt. Lehär-Premlere Das Land des Lächelns Vera Schwarz« Rfdaard Tauber Lessing-Tbeater Norden 10846 Gruppe junger Schatupfeler Täglich S'/c Uhr Cyankalt # 218 von rrtadrldi Won Theat. d. Westens TägLSVcUhr Narlcfla Musik t. Oskar Strans Käthe Dorsch Michael Bohnen Sarnowsky-fiObnen Theator in der KUniggrätzer StraBc 8V» Uhr Hanntbalante portas Komödienhau» Täglich 8V2 Uhr kriüliys iuppeo Lustspiel von J u I i u s Berstl Trianon-irer Täglich 8V« Uhr Dcrgr.Lnsisplalertolp Das kommt doeh alle Tage m Johannes Riemann, Vilma v.Aknay, Max Landa, Lotte Kliader Lustspielbaus Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8V4 Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Mein Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! dizof i/s zu Jfaddatz» Berlin. LeiozigefiStr. 122-125' Bedien Fiirsi Gegründet 1908 EUerne Bettstellen, Kinderwagen, Bettfedern, Inlette Fabrik für sämtliche Polstermöbel Berlln> Neukölln, Hermannslr. 31 u. 33 Tel.: F2 Neukölln 1424 Filiale: BcrUn-Tempelbof, Berliner Str. 13X Besonders w'r8»om sind die .„ Kleinen Anzeiget in der Gesamt« Anllage hJHio.« des Vorwärts und trotzdem Dllllg,* Reichshallen-Theater Abends[T] Sonntag nachm.|T| Des großen Andrangs wegen immer noch das Fest- Prog ra m m mit dit ulkigen Schluss-Rerue; ,Bei de Stettiner' Billettbcst Zentrum 112 63. 'Dönhoff- Brettl: Varlat6— Tanz— Konzart. Direktion >r. Robert K c: Deutsches lünstler-Thos Barbarossa 393" HVc Uhr Die andereSetlc BÄi rpeäiei Dönhoffno 8Vc U. Zwei Krawallen von Georg Kaiser Musik Spolianskv ffieiloge Mittwodi, 9. Oktober 1929 Sfrittonft SfiaLmigafa Wir bauen auf! OemeindearbeH im Siemirk Xicklenberg/ Don asürgermewer®r. stgget Der Bezirk Lichtenberg bedeckt mit seinen 7900 chektar eine Fläche, die der von Alt-Berlin gleichkommt, aber nur 220 000 Einwohner birgt. Diese wohnen hauptsächlich in dem großstädtischen, nach Alt-Berlin zu gelegenen Teil der ehemaligen Stadt Lichtenberg, während östlich der Stadtbahn nach Kaulsdorf zu etwa 40 000 Be- wohner in ländlichen Gebieten wohnen. Stadtbaurat Dr. Wagner errechnet in seinem Stadterweiterungsplan für unseren Bezirk eine zukünftige Bevölkerung von 800 000 Einwohnern. Sicher gehört der Lichtenberger Be- zirk zu den entwicklungs- f ä h i g st e n Bezirken. Vorläufig liegen Großstadt und Dorf noch dicht beieinander. Ein besondere» Augenmerk hat der Bezirk auf den Eisenbahn- verkehr gerichtet. Es konnte zu- wege gebracht werden, daß mit der Durchführung der E l« k t r i f i z i e- rung der Endpunkt her Stadt- bahn nicht mehr m Kaulsdorf, sondern in Mohlsdorf zu liegen kommt. Auch die unglücklichen Uebergänge in Mahlsdorf und Kaulsdorf, die den Verkehr von Nord nach Süd auf mehr oder weniger lange Zeit lahmlegten, werden beseitigt,«ine wichtige Etappe auf dem Wege zur Ver- kehrserleichterung. Die Grundlag« unserer zukünftigen Ver- kehrsentwicklung aber bildet die Untergrundbahn, die vor- läufig bis Friedrichsfeld« durch- geführt wird. Sie bringt den Osten um eine bedeutende Zeitspanne dem Stadtkern näher und wird voraus- fichtlich eine neue Phase der Besiedlung des Bezirks zur Folge haben. Im Kampf gegen Krankheit und Voltsseuchen. r Ebenso notwendig wie der Ausbau der Straßen und Der- k e h r s w e g e ist der Ausbau auf dem Gebiete der G e f u nd h« i t s- und Wohlfahrtsfürsorge. Es war so gut wie nichts vor- Händen, als die kleinen Einzelgemcinden mit der früheren Stadt Lichtenberg erst kurz vor dem Kriege aus einem Zusammenschluß entstanden war. Die Fülle des Erreichten beschränkt uns auf eine Aufzählung, die ein Bild von den Arbeiten der letzten Jahre gibt. Dem Ausbau des Krankenhauses, das schon vorhanden war, wird die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Anträge auf Er- Weiterung sind gestellt, besonders hinsichtlich eines Ausbaues von Fachstationen für Ohren- und Augenbchandlung. Di« Entbindungs- abtcilung im Krankenhause reicht nicht aus. Eine neue Entbindungs- anstatt mit 138 Betten für Wöchnerinnen und 82 Betten für Säug- linge ist schon unter Dach und wird bald eröffnet werden. Zur Durchführung einer Schwangerenfürsorge, die die Not in proletarischen Kreisen mildern hilft, ist eine Fürsorgestelle der Entbindungsanstalt angegliedert, in der die ärztliche mit der wirt- schaftlichen Beratung Hand in Hand geht. Die Inanspruchnahme durch 400 Ledige und 1800 Verheiratete im Jahre beweist ihre Not- wcndigkeit. Fünf Fürsorgestellen, die mit modernen Hilfemitteln, zum Beispiel Höhensonne, ausgestattet sind, betreuen darüber hinaus Säuglinge und Kleinkinder. Bedürftigen werden von hieraus Säuglingskörb« mit Wäsche für Neugeborene zur Ver- fügung gestellt und durch die Wochenfürsorge Zuschüsse zur Be- schafsung ausreichender Milchnahrung gegeben. Fast 200 000 Be- ratungen finden hier jährlich statt. Der Bezirk Lichtenberg ist Gcsundheitsbchörde im Sinne des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Die Beratungsstelle ist im Stadt- Haus mustergültig eingerichlet. Der Tuberkulosebelämp- f u n g wird in zwei Fürsorgestellen durch 3 Aerzte, 5 Fürsorgerinnen und 1 Laborantin die größte Aufmerksamkeit gewidmet unter Heranziehung des Röntgenbildes. Durchschnittlich KSO Kranke werden von hier jährlich an Heim« überwiesen. Einest weitgehenden Ausbau erfuhr die Schulgesund heits- pfleg«, die sich nicht nur mit den klassenweisen Reihenunter- suchungcn besaßt, sondern auch die Untersuchung auf Eignung zum Schwimmen, Sport und dergleichen durchzuführen hat. Ein be- sonderer Zweig von ihr, die Schulzahnpflege, darf hier nicht ver- gessen werden. Behandelt doch� unsere Schulzahnklinik jährlich 9000 bis 10 000 Kinder. Die Badeanstalten des Bezirks. Ueber Berlin hinaus berühmt sind unser« Badeanstalten, sowohl das Fluhbad an der Spree wie dos jchöne Hallen- bad in der HiK-ertupstraße. Dos Flußbad gehört mit seinen 460 000 Besuchern in diesem Jahre zu den Rekordbädern Groß- Berlins. Hier lockt nicht nur das warme Wasser des Warmwasser. bassins, sondern auch der schöne Strand zum Besuch, und gerode die Jugend unseres Volkes gehört zu den eifrigsten Besuchern des Bades. Auch die Wannen- und medizinischen Bäder des fyillen- bades sind gut in Anspruch genommen worden: erst kürzlich hat das Bezirksamt aus eigenen Mitteln eine Abteilung für moderne Lichtbäder ebenfalls dort untergebracht. Ueber 2000 Kinder werden alljährlich in Erholungsheime verschickt, unter denen das eigene Heim des Bezirks in M ü r i tz an der Ostsee«ine besondere Rolle spielt. Bisher fanden fünfmal je 150 Kinder 5 Wochen im Sommer Unterkunft: die Ilebernahme des Winterbetriebes soll demnächst erfolgen. Ein Kindererholungsheim in M a h l s d o r f und«ine Walderholungsstätte in Ravenstein oervollständigen das Bild. Fünf Kindcrtogesheime sind im Laufe der Jahre teils neu entstanden, teils neu ausgestattet worden: weitere ijeime sollen SSt der EmgjtWg von neuen Mohnbauten verbunden werden, Die Erfolge des Bezirksamts in der Jugendfürsorge finden ihren sichtbaren Ausdruck in der Ausgestaltung der vier Jugend- Heime. Sie sind als Stätte jugendfroher Stunden freundlich aus- gestattet, insbesondere das neueste in der Guntcrstraße. Hilfe für die Armen und Alten. Ausbau der Wohlfahrtspflege aus einer Armen- zu einem von sozialem Geist getragenen Der Unterstützungsbehörde S)er im 3tau befindliche 3 Schulenbau an der Schlichlallec. Wohlfahrtsamt ist in Lichtenberg denselben Gang gegangen wie in anderen proletarischen Bezirken. Aber einige Einrichtungen ver- dienen besondere Erwähnung: die Wärm« st üben des Bezirks sind aus unzureichenden Noträumen, in denen sich die Aermsten unserer Bevölkerung früher nur ungern versammelten, zu sauberen, wohltuenden Aufenthaltsräumcn umgewandelt worden, die mit ihren der Unterhalwng dienenden Einrichtungen, wie Büchern und Radio, gern ausgesucht werden. Ein Altersheim für 80 Per- soncn ist in unmittelbarer Nähe des Forstgebietes der Stadt Berlin im südlichen Teil Biesdorfs im Bau und wird 1930 fertig. Daß die geistige Hebung der Bevölkerung nicht zu kurz bedacht worden ist, zeigt der Ausbau des Büchereiwesens und der Schulen. Neun Büchereien sind vorhanden, von denen sieben schon früher vorhanden waren. Aber welcher Unterschied in der Ausstattung! Früher häßliche, schmutzige, unzureichende Räume mit größtenteils kitschigen oder unzeitgemäßen Büchern, jetzt freundliche, farbig belebte Räume mit zweckmäßigem Inventar und mit einem Bücher- bestand«, der nach dem neuesten Stande der Buchtrittk auf. Sorg- fältigste ausgewählt wurde und in geschmackvollen Bänden dem Leser die Lektüre zum Genutz macht. Es sind neben den Bücher- ausgabestellen Lesehallen für Erwachsene und für Kinder in der Möllendorfstrah« vorhanden. Eine weitere Kinderlesehall« wird solgen. llnsere Schulbauten. Di« Planung neuer Schulneubauten war da» Dringlichste. Wir können als Erfolg buchen, daß nach der Eröffnung der Volks- schule in Kaulsdors-Süd im Jahre 1927 und nach Fertigstellung der■ S-�rlhauserweiterung in Biesdorf-Nord auch das Hauptproje k� nämlich der Drei-Schulen-Bau in Lichtenberg, Fischerstraße. Schlicht- all«, von den städtischen Körperschaften bewilligt wurde und in Angriff genommen worden ist:«ine Knabenberufsschul«, ein« Knabenmittelschule und«in Oberlyzeum werden dort ihr Heim finden. All« dies« Bauten sind auf das Einfachste ausgestattet, nicht luxuriös, wie es von bürgerlicher Seite in hämischer Weise behauptet worden ist: allerdings baut der Bezirk kein« Schulhöfe, die nicht viel mehr sind als Lichtschächte, wie sie früher unter bürgerlichen Mehrheiten gebaut worden sind. Mr bau« Schulplatze, auf denen unsere heranwachsende Zogend Licht und Luft in ausreichendem Maße hat, um sich austummeln zu köuneu. Da» nächste Echulprojekt, das zur Verwirklichung kommt, ist ein« Mädchenberufsschul« in der Normannenstrah« nördlich der Frankfurter All«. Andere Pojekte für Volksschulen in Mahls- dorf-Nord, in Karlshorst und in Lichtenberg-Nord-Ost sind in Pe» arbeiwng. Bei allen diesen Projekten hat sich eine zielbewußte Grund st ückspolitik als notwendig erwiesen; zeigt ee sich doch zum Beispiel, daß sämtlich« früher seitens der Stadt Lichten- berg für Schulzwecke vorgesehene Schulbaugrundstücke völlig unzu- reichend waren. So hat unser Grundstücksamt es sich angelegen sein lassen, rechtzeittg für die Durchführung städttscher Bauten und auch für eine gesunde Freiflächenpolitik Grundstücke aufzu- kaufen. Zu nennen ist hier in erster Linie der Ankauf des Gutes Biesdorf mit seinen 278 Hektar, da» uns mit dem Park und seinen Waldstücken wertvollen Freislächenbesitz, aber auch Wohnbau- gebiete in die Hand gegeben hat und zur Abrundung des städtischen Gesamtbesitzes wesentlich beigetragen hat. Stellt mau zum Der- gleich, daß in derselben Zeitspanne 50 Hektar für städtisch« Bauten sbwohl des Bezirks als auch der Zentrale und der städtischen Werk« abgegeben werden mußten, so wird ohne weiteres der Wert einer preisreguliercnden und vorausschauenden Grundstllckspolitik klar. Der Bezirk Lichtenberg, einer der entwicklungsfähigsten Arbeiterbezirke in Groß-Berlln, wird seine zielbewußte sozial« und kulturell« kommunalpolitische Aufbauarbeit weiter fortsetzen. Im demotrattschen Deutschland geht die Staatsgewalt vom Volke aus. Am 17. November wird die Berliner Bevölkerung erneut ein Zeugnis ihrer politischen Reife ablegen. Der Ruf„Wählt Sozialdemokraten", der in den nächsten Wochen überall erneut erschallen soll, wird nicht ungehört verhallen. Thüringens anderes Qeficht Mitnichten allein das Land berühmter Bäder und Heilquellen. der Landwirtschaft und Gärtnereien, die sich Weltruf erworben haben, ist die Thüringer Heimat, sondern mit größerem Geltungsrecht ein Industrieland. Aber nicht laut und hastig, wie im Ruhrgebict, klingen hier Hammer und Amboß, kein« Kokereien ladern zum nächtlichen Himmel und die Erde bebt und erdröhnt nicht von der Arbeit unter Tage, alles ist gedämpfter, als würden die Riefen des Thüringer Waldes die hallenden Echoschläge auffangen und zu Boden drücken, oder mit anderen Worten: Thüringens vielseitige Industrie, durch seine zentrale Lage im Herzen Deutschlands be- gllnstigt, ist vorwiegend Fertigfabrikateindustric. Mannigfaltigkeit und Beziehungen zum Weltmarkt sind ihre Merk- male. A Obenan steht die Eisen- und M e t a l l i n du st r i e und von dieser die Maschinenindustrie, deren Produktton sich auf den Bau fast aller Maschinen erstreckt, die von den verschiedenen Gewerbe- zweigen benötigt werden, auch landwirtschaftlicher Maschinen, im besonderen aber Dampfmaschinen, Dampfkesselanlagen, Motoren, Kompressoren, Werkzeugmaschinen, Bergwerksmaschinen, Holz- bearbeitungsmaschincn, Ziegeleimaschinen, Schreibmaschinen, Näh- und Strickmaschinen, Weberei- und Wirkmaschinen, Lochstanzen, Steinbrecher und Trommelmühlen. Ihr Standort verteilt sich auf Erfurt, Gera, Saalfeld, Mllhlhausen, Gotha, Zlltenburg, Zeulenroda, Zella-Mehlis, Apolda, Eisenach und Bad Liebenstcin. Im Zusammenhang soll auH der Bau von Verkehrs- mittel» Erwähnung finden, der ja für das Wirtschaftsleben immer mehr an Bedeutung gewinnt. Thüringen baut 1. Fahrräder in Saalfeld, Mühlhausen, Eisenach, Suhl, Zello-Mehlis, 2. Kraft- wagen in Eifenach, Arnstadt, Apolda. Ronneburg und Suhl. 3. Straßen- und Eisenbahnwagen einschließlich Lokomotwenbau in Weimar, Gotha und Erfurt. Weltruf genießt die Kleineisen- und Waffen- i n d u st r i e, diese mit dem Zentrum in Suhl, der Waffen- und Rüstkammer des Dreißig- und Siebenjährigen Krieges, im letzten Kriege geschätzt durch die Lieferung von Gewehren und Maschinen- gewehren, wobei es allerdings in Sömmerda einen beachtlichen Konkurrenten fand— jene berühmt als Schmalkaldener Klein- industrie, mit dem Mittelpunkt in Schmalkalden, umfassend Lieben- stein, Zella-Mehlis, Steinach-Hallenbcrg, auch> Salzungen. Hergestellt werden: Mesier, Gabeln, Löffel, Nadeln, Laubsägewerkzeuge, Schraubenzieher, Schrauben, Schlösser, Bohrer. Zangen, Werkzeuge für Schuhmacher und in Verbindung mit der Holzindustrie: Korkenzieher, Frisierzangen und andere Ergänzungsteile. Di« bedeutendsten Niederlassungen der Textick- und Bs» kleidungsindustrie befinden sich haupttächlich in Gera, Greiz und Pößneck, der Heimat der Bergerschen Schokoladen(aus Saal» feld beziehen wir die Mauxion-Schokoladen), mit vorwiegendem Ab< satz nach dem Auslande, ebenso wie die Fabrikate der Wirkwaren- industrie— Herstellung von Tüchern, Blusen, Sweater, Kinder- kleider, Hauben, Mützen, Sportartikel usw.— aus Apolda. Mühl- haufen, Zeulenroda u. a. nach Ueberfeestaaten ausgeführt werden. Spiel waren, Porzellan- und Glasartikel, das aber sind die Jndustrieerzeugnisse, die Namen wie Sonneberg, Ohr- druf, Ilmenau, wo der fünft« Teil des Bedarfes an Spielwaren im Welthandel durch Heimarbeit hergestellt werden, oder Plaue und ganz besonders Lauscha, das Gotthilf Greine rZeit Mitte ixs 18. Jahrhunderts zu Wcltruhm brachte, für die Glasindustrie Ilmenau, Gehlberg, Neuhaus und Jena mit der optischen Industrie der Firma Carl Zeitz, sind Namen, die sich in der ganzen Welt Volkstümlichkeit erwarben. Erzeugnisse der Porzellanindustrie sind: Geschirr- und Luxusporzellan, Herstellung von Hoch- und Nieder- spannungsisolatoren und aller anderen von der Elektrotechnik be- nötigter Porzellanteile, während die Glasindustrie im Schwarzatal Hohlglas oerfertigt, in Lauscha und Umgebung aber Glasinstrumente, Glasaugen, Christbauinschmuck und Wachsperlen. Weniger bekannt, jedoch nicht minder geschätzt, sind die Fabri- kate der Lederverarbeitung mit G«%reien in Pößneck, Neustadt a. d. Orlo, Weida und Hirschberg und der Fertigverorbeitung in Arnstadt, Ilmenau, Erfurt, Weißenfels u. a., wie das gleiche auch gesagt werden kann von der Holzindustrie Thüringens, die im Gegen- satz der Eisen- und Metollfabrikation in nächster Nähe ihres Roh- stofigebietes gelegen ist, und Möbel, Körbe, Kiirderwagen, Stöcke, Musikinstrumente und Knöpfe herstellt. Alle aber, die sich ihrer bedienen, werden meist nicht wissen, daß ihre Schiefert afela und- stifte von Sonneberg oder aus Lehesten und Steinach be- zogen werden müssen, während die Zementtndustrie Niederlassungen hat in Göschwitz, Unterwellenborn, Bad Berka und Kösen. Auch der Kali- und Braunkohlenbergbau des westlichen und nord» westlichen Thüringens sei zum Schluß erwähnt, mit der Braun- kohlenverarbeitung in der Riebeckschen Montanwerke A.-G-, Halle. Thüringen— nicht das Land der Burgen, der Romanttk am hellen Strand der Saale, das Land der Ritter—, das stille, tüchtige, fleißige Land des Arbeiters ist es, und das hohe Lied von Arbeit und Tüchtigkeit erklingt nicht allein zu Ehren der Thüringer In- dustrien. sondern der zähen und bescheidenen Menschen, die im Schutz und Frieden des Thüringer Waldes wohnen, erklingt zu Ehren unsere Thüringischen Arbeiterschaft. Bcmteia Wmt f�pmon vonfTloxßarHiel (15. Fortsetzung.) ..Einverstanden," sagte er,„noch den Bildern, die wir j«Ht gesehen haben, bin ich optimistisch." „Ich auch," entgegnete Kretz,„Sie entschuldigen, Fräulein Hüll, ich will mich mit Lyssonder besprechen. In einer Minute sind wir zurück." „Bitte schön, cherr Kretz." Lyssander nickte ihr zu, als er Kretz in dos Arbeitszimmer folgte. Au» der einen Minute wurden zehn Minuten, sie wurde unruhig, der Vorführer kam aus seiner Kabine, ein eleganter, junger Mensch, der berühmte Mister Fox, passiert« den Raum, und als sie schon daran zweifelte, ob Kretz sich überhaupt für sie entschieden habe, erschien Lyssander. Er kam allein zurück. Kretz war schon für einen Doroertrag auf ein ganzes Jahr, aber er war ein kluger Mensch und wollte seine Macht spüren lassen. „Kretz laßt sich entschuldigen. Er hat mit Lemansky eine wichtige Konferenz," erzählte Lyssander.„Kretz ist zuerst für einen Vertrag für den einen Film auf drei Wochen. Ich habe Vollmacht, mit Ihnen darüber abzuschlietzen. Der Vorvertrag auf«in Jahr wird während der Arbeit ausgefertigt... Das ist alles besprochen worden." „Wie hat cherrn Kretz die Probeausnahme gefallen?" „Sehr gut, Fräulein Marianne, und wenn ich Kretz wäre, hätte ich den Vertrag für das ganze Jahr schon heute abgeschlossen... Sie spielten ausgezeichnet. Sind Sie für heute frei, Marianne?" „Ich bin für heute frei, und es soll schon so sein, wie cherr Kretz beschlossen hat. Ich freue mich, daß mein Spiel gefallen hat. Di« drei Wochen sollen, wenn ich recht verstehe, eine Probezeit sein?" „Die drei Wochen sind nur eine Formalität, Marianne. Es hängt noch Fräulein Meyer im Spiel, aber sie geht zu Lemansky. Drei Wochen nur, und dann steigt die Marianne Hüll..." „Wie ein« Sonne über Deutschland aus!" vollendete sie lachend. „Oder wie ein Frühlingsmond, in den die Verliebten starren," sagte Lyssander. -Ms sie auf der Straße waren und den Wagen bestiegen, kam die Gritt Eisenmann vorüber. Sie winkte mit der Hand, und Marianne gab die Grüße zurück. Lyssander wollt« wissen, wer das kleine Mädchen war, und sie erzählte die Geschichte mit den Bildern, die Glatz abgenommen hatte. „Darüber wollen wir dann mit unserem philosophischen Freund sprechen, er muß schon eine ganze Sammlung von Bildnissen junger Mädchen haben," lachte der Mann. Auf der Fahrt besprach dann Lyssander den Vertrag auf drei Wochen. Er schlug ihr vor, diese Arbeit für achthundert Mark zu übernehmen, und als sie schnell zusagte, drückte er ihr vierhundert Mark als Vorschuß in die Hand. Die schristlichen Abmachungen sollten morgen getroffen werden. Dann erkundigte er sich nach ihrer Wohnung. Sie erzählte von dem möblierten Zimmer bei Frau Bcrtholdt. „Ein möbliertes Zimmer in Steglitz ist nichts für Sie. Kind," sagte er,„wenn Sie erlauben, werde ich Ihnen eine Pension im Westen vermitteln." Sie erlaubte es. Der Wagen hielt am Kurfürstendamm vor Kempinski. Der Portier riß die Flügeltürc auf, der Empfangsherr dienerte, die Pagen nahmen die Garderobe ab. In allen diesen Gesichtern und Gebärden war Hochachtung und Ergebenheit zu lesen. Als Lyssander durch die Reihen ging, tuschelte dieser und jener Tisch, aber er führte seine Dame in da, obere Stockwerk und ließ sich an«inen guten Platz geleiten. Sie setzten sich und hatten noch nicht unter den Speisen gewählt, als Glatz und Bencke erschienen. „Darf man gratulieren zu der Probeaufnahme?" fragte Bencke und küßte die Hand des Mädchens. „Es lebe die schwäbisch« Madonna!" begrüßte Glatz Marianne. Sie nahmen Platz, und bald ging das Gespräch zwischen den erlesenen Speisen und Getränken hin und her, hoch und nieder, es wurde viel gelacht und gescherzt, die Zeit flog wie«in abgeschossener Pfeil davon. Die vier Menschen flogen mit und waren ohne Schwere. Gegen Mitternacht verabschiedete sich Marianne. Sie war fröhlich und leicht beschwipst. Lyssander wollte sie mit seinem Wagen nach Steglitz bringen, aber sie lehnte ab und sagte: Danke schön. Immer, auch bei den Aufnahmen und dann in der Stadt bei Kretz hatte sie an Georg denken müssen. Die Gedanken waren schmerzliche und auch grausame Gedanken. Liebte sie Georg? War ihr Gefühl zu ihm Liebe oder war es nur die süße Erinnerung an die frühen Tage der Kindheit? Aber der Mond der Kindheit war in Berlin untergegangen die Nachtigallen verstummt. Ja, Georg hatte sie an jenem Morgen getröstet und gerettet, aber wollte sie am Abend vorher nicht auch Lyssander trösten und retten? Was war das Leben mit Georg? Armut, aufgelockert durch Heiterkeit und Der- ständnis. Hatte er jemals um sie gekämpft und gerungen? Rein, er hatte sie gesunden und, als sei es selbstverständlich, in die Arme genommen und geküßt. Run hatte noch der Wein ihr Hirn betäubt und war mit dem Weinen verschwistert. Als sie die stille Straße in Steglitz erreichte, stand Georg wartend vor dem Hause. Er eilte auf sie zu. „Marianne! Marianne! Vier Stunden habe ich auf dich gewartet. Es ist bald«in Uhr!" rief er aus. „Du hättest nicht warten brauchen," antwortet« sie und rettet« sich durch Tränen. Sie schluchzt«. „Was ist denn passiert?" fragte er erschrocken und wollte sie umarmen. „Laß mich,(atz mich, rühre mich nicht mehr an. Warum spio� Nierst du hinter mir her? Du weißt ja, daß ich heute Probeaufnahm« gehabt habe." CopzmgKt 19« by„Der BUcherkreis Q. m b.H.", Berlin SW61 „Bis in die Nacht?" fragte er höhnisch. „Ja." sagte sie. „Mit Lyssander?" Sie antwortete nicht. „Marianne," sagte er und atmete schwer,„liebe kleine Marianne. worum hast du früher kein Wort von dem Mann gesagt? Ich habe dich lieb, und weil ich dich liebe, habe ich auf dich gewartet. Du wolltest mir heute abend alles erzählen, ich warte immer noch darauf. Rede doch!" Sie schwieg immer noch. „Höre mich an, Marianne, laß mich reden. Reinacker hat mir erzählt, daß die King weggeht. Lyssander hat die King groß gemacht und wieder verstotzen. Er hat es mit der Kitty so gemacht, die sich das Leben genommen hat. Weitzr du das alles, Marianne? Und jetzt ist die Marianne Hull an der Reihe. Das ist alles eine Sippschaft» der Lyssander und der Hondt. Hörst du mich, Marianne?" „Ich höre dich, aber nun ist es zu spät!" „Zu spät? Was ist zu spät?" „Deine Geschichten, wir müssen uns trennen, Georg!" „Bist du wahnsinnig?" fragte er entsetzt.„Wir müssen uns trennen, sagst du? Warum müssen wir uns trennen? Was ist passiert?" „Ich will eine große Künstlerin werden." „Das wirst du ja, das wirst du ja. Und deshalb sollen wir uns trennen? Das ist lächerlich. Du hast eine Probeaufnahme ge- habt. Erzähle, wie war das Spiel?" lenkte er ab. Sie ließ sich auch einen Augenblick ablenken und erzählte: „Herr Kretz war ganz zufrieden, und ich soll in einem kleinen Film auftreten..." aber plötzlich war sie aller Fragen und Ant> warten müde. Sie riß sich zusammen, und nun sprach nicht has klein« Mädchen mehr aus ihr, das Georg gekannt und geliebt hatte. eine junge Frau zwischen den Mahlsteinen des Schicksals nahm das Wort und erzählt« ihre Erlebnisse in Berlin. Da kam Herr Hondt vor, der aus der Reise schon sein Angebot machte, dann trat Lyssander aus und nahm sie mit ms Hotel, sie erzählt« alles und vergaß auch nicht die halbwüchsigen Mädchen, die sich den Regisseuren anboten, sie erzählte von der„Schönen" und von Nastja und ihren Kampf mit Flora, sie beschrieb die Filmcases mit so grauenvoller Klarheit, das man meinen konnte, eine scchzigjährige Frau berichte und nicht ein achtzehnjähriges Mädchen. Dann erklärte sie, sie habe genug von der Liebe gesehen und gehört, sie habe nur«in Ziel, und das sei: eine große Schauspielerin und Künstlerin zu werden. Sie wolle endlich heraus aus der Armut, der Weg zum Licht sei schwer und schmal und könne nur von einem einzelnen Menschen begangen werden. Und Lyssander sei gar nicht der Schuft, wie er in aller Leute Mund sei, Lyssander sei ein freundlicher und höflicher Herr. Die Kitty lebe noch, und die Dolora King sei bei Lemansky beschäfligt. Nur er, Georg, sei ein Mann ohne Einsicht. Jetzt habe sie ihr Herz erleichtert und frag«, ob er alles verstehen und ver- zeihen könne, borausgesetzt. daß überhaupt eine Verzeihung not- wendig sei. Georg oerstand und oerzieh nichts. Er raste, als er die Ge- schichte der ersten Begegnung mit Lyssander erfuhr, er knirschte mit den Zähnen und drohte mit Totschlag. Ueber Hondt war er nicht so aufgeregt, er sagte nur:„So«in Hund." Dann verflucht« und pries er den Tag ihrer Begegnung in einem Atemzug. Er lachte und wollt« sie küssen, aber sie ließ sich nicht küssen. Sie hört« mit starrem Puppengesicht alle Bitten und Der- schwörungen und auch alle Flüche an. Ihr Herz war versteinert. „Es ist alles umsonst, Georg", sagte sie.„es ist alles aus und umsonst. Wir müssen Uns trennen, wir müssen uns trennen" Nun wurde Georg ganz kühl. Er verstummte und blickte Marianne groß an. Er sah in ein wächsernes und vollkommen fremdes Gesicht. Die Augen waren weit aufgerissen, der weich« Mund des Mädchens schien plötzlich lasterhaft zu sein. Und dieses Geschöpf hatte er einmal geliebt? Bis vor einer Minute geliebt? Da wäre er noch für sie gestorben, wenn sein Tod ihr Leben bedeutet hätte. Sein Zirkusblut rebellierte. War er denn immer nur ein Clown, im Film und in der Wirklich- keit? Und als er mit seinen Gedanken so weit war, verwandelte sich die Liebe in Haß, und er schlug mit der Hand in das fremde wächserne Gesicht. Mariann« schrie. Er aber rannte davon, wie sie damals davongelaufen war, als sie Lyssander ins Gesicht geschlagen hatte. Einen Augenblick stand sie wie betäubt. Der heftige Schlag brannte wie Feuer. Aber dann lief sie Georg nach und schrie und schrie. Aber er raste davon, als sei er auf der Flucht vor einer Aussätzigen. Er stöhnte. Und mit jedem Satz wuchs seine Liebe zu dem Mädchen. Und als die Liebe immer größer und unerträglich« Last wurde, die ihn beinahe zermalmte, da blieb er stehen. Und da war es schon zu spät. Marianne war verschwunden. Dann irrt« er bis in die frühen Morgenstunden durch die schlafende Stadt und war todunglücklich. (Fortsetzung folgt.) Rätsel- Ecke des„Abend 66 Silbenrätsel.# Aus den Silben ak auf bau be bo da dau e c«l ei eh er erst fen gen ha how hüh i lan län len Ii Ii ling lo maß na na ne ner o preis ral re rem ren rin ruß sa se se fen si ta u zel sollen 18 Wörter folgender Bedeutung gebildet werden: 1. Biblischer Name; 2. Teil des Gesichts: 3. Figur aus Schillers Don Carlos: 4. Alpenhirtin: 5. das Erste: 6. Wagen: 7. Getreidespeicher: 8. Ver- brennungsprodukt: 9. Orientalisches Frauengemach: 19. Blume: 11. Entwicklungsvorgang: 12. Russtscher Gebirgszug: 13. Englisches Wort für wie: 14. Deutscher Fluß: 15. Geflügelprodukt: 16. Mah- zeichen: 17. Blume: 18. Weiblicher Vorname.— Die End- und die Anfangsbuchstaben(Endbuchstaben zuerst), von oben nach unten gelesen, nennen ein Zitat aus„Ende gut, alles gut", von Shake- speare. ab. Oiamantratsel. Di« Buchstaben in der Figur sind so zu ordnen, daß Wörter folgender Bedeutung entstehen: 1. Mit- laut: 2. Tierstimme: 3. Nage- tier: 4.Handwerkshilssmittel: 5. Handwerker: 9. Ein sehr beliebter geistiger Sport: 7. Die weiteste Reisetour: 8. Tropensrucht: 9 Mädchen- name: 19 Märchenfigur: 11. Mitlaut.— Die mittelste senkrechte Reihe lautet eben- so wie die mittelst« wage- rechte. ad. >> JEJJJ-lillLL!1 1 L| L( L| L| M| NiTI Mittwoch, 9. Oktober. Berlin. 16.20 Unterhaltung&maiik. 17.30 Ingenieur Joachim Boebmer: Technische Wochenplauderei. 17.53 Illustration zur Veranstaltung ,.�'ovon man spricht".(Bildfunk.) 18.03 Gesinge.(Arlur Fleischer, Barlton. Am Flügel: Karl Rockstroh.) 18.30 Rundschau für Blumen- und Gartenfreunde.(Oartendirektor Ludwig Lesser.) 18.40 Rabbiner Dr. S. Weiße: Die Idee des jüdischen Versöhnungsfestes. 19.00 Lustige Lieder und Duette. 19.30 I. Georg Bends(1722—1795): Sonate G-Dur.— 2. Jan Hugo Vorisek (1791— 1825): Rhapsodie.~ 3. Erwin Schulhoff: Esqnisses de Jazz— Rag — Boston— Tango— Blues—Charleston— Black Bottom.— 4. Erwin Schulhoff; Hot Music, zehn Syncopations(Erwin Schulhoff am Flügel). 20.00 Wovon man spricht(Redner und Thema werden durch Rundfunk bekanntgegeben). 20-30„Krug Aktien 117." Em Hörspiel von Auditor Regie: Alfred Braun. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Während der Pause: Bildfunk; KSnlgSwustorhausea. 16.00 Vizepräsident Di. Grimme; Erziehung En Selkstverantwertung. 16.30 Nachmittagskonrert von Hamburg. 17.90 Dr. Heinrich MSIler oid MJtwirkende; Schönste Volkslieder des Auslandes. 18.00 Walther Maschke: Der Arbeitemach wuchs und seine Ausbildung. 18.30 Spanisch für Anfänger. 1855 Prof. Dr. Rothfels: Der deutsche Staatsgedanke von Friedrieh dem Groden bis zur Gegenwart. 19.50 Wilh. Heile und Chefredakieur Paul Baecker; Die Vereinigten Staaten von Europa— eine Utopie? 30.30 Alte und neue Chormusik. Kreuzworträtsel. Wagerecht: 2. Zeichen i S. weiblicher Vorname: 6. bibl. Person: 7. Bewohner Irlands: 9. orientalischer Name: 11. Natur- erscheinung: 13. Baum: 14. männ- licher Vorname: IS. bibl. Person: 13.. Flüssigkeit: 29 Backmittel: 21. Halbedelstein: 22. Brei— Senkrecht: 1. Gebirge. 2. Monat: 3. seemännischgr Aus- druck: 4. Verpackung: 8. Teil des Baumes: 9. Gegenteil von .neu": 19. deutscher Fluß: 11. Getränk: 12. Schweizer Kan- ton: 15. deutscher Fluß: 17. Erd- schicht: 18. Molch, 19. Schicksal. H. S. Zahlenrätsel. 12345557879 19 55 11« 12 132 ein politischer Zukunstsplan: 2 9 8 5 3 weiblicher Vorname: 3 5 7 8 5 französischer Fluß: 4 5 S S 2 19 Treubruch: 5 9 9 5 landwirtschaftliches Geröt: S 11 3 3 5 8 Dolksstamm: 5 7 8 3 Zahl: 7 3 2 6 Nebenflutz der Donau: 8 6 11 9 7 5 6 Sucht nach Neuigkeiten: 7 6 6 3 7 8 8 Geistesstörung: 9 5 6 19 6 11 1 weiblicher Borname: 19 6 5 3 3 5 Ausputz: 5 4 2 biblischer Nam«: 5 3 13 5 Baum; 11 6 2 8 11 3 Planet; 6 12 3 5 Blume: 12 1 5 6 deutscher Fluß: 13 2 1 11 2 italienische Stadt: 2 8 2 8 2 3 Südfrucht.— Die Anfangsbuchstaben der Wort« zusammengereiht, lauten ebenso wie die erste wmge- rechte. aK Rösselsprung. hep. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel: Waagerecht: 1. Aida: 4. Mus«:?. Edgar; 9. Gera; 11. Hirn; 14. Igel; 16. Mur: 18. Esel: 22. Boston; 23. Altona; 25. Eger: 26. Eos: 27. Lyon: 29. sie; 39. Eider: 32. Ire: 35. Elsa: 37. Aden: 39. Null: 49. Los; 41. Ball: 42. Amati: 43. Taube.— Senkrecht: 1. Alge; 2. der; 3. Adam: 4. Mahr: 5. Uri: 6.«in»: 8. Sieb; 19. Elster: 12. Reptil: 13. Elba: 15. Geogria; 17. Ur; 19. Einhorn; 29. Ton: 21. Ilm; 24. Bode: 25. Essen; 28. Nebel: 39. Eis; 31. Rad; 33. Ella; 34. Zebu; 35. Elm; 36. Ali: 37. Ast; 38. Nab. Gleich und verschieden: Langstielig. Silbenrätsel: 1. Kaan«: 2. Asien; 3. Nier«; 4. Nassau: 5. Mutter: 6. Affe: 7. Noah: 8. Dahlie: 9. Eltern: 19. Rase: 11. Nantes: 12. Arrak: 13. Usedom: 14. Eirce; 15. höhle; 16. Niete: 17. Znsterburg: 18. Eeder: 19. Hannover: 29. Tiegel; 21. Löhnung: 22. Arche.— Kann man denn auch nicht lachend sehr ernsthaft sein? Bersrätsel: Amme— Lid(umgekehrt gelesen: Dilemma). Uhor/l�o/hLel Zwei Tagungen. Deuisdie Turner scfaatt.— Deutscher Fufjballbund. Di« D«utsche Turnerschast und der Deutsche Fuß- ballbund haben ihre fälligen Tagungen abgehalten, die Turner- schast in Berlin, d«r Fuhballbund in Breslau. Der„Deutsche Turntag", wie chn die Turnerschaft nennt, hatte keine besonders wichtigen Angelegenheiten zu beraten; nur zwei Punkte der umfangreichen Tagesordnung hatten öffentliches Jnter- esf«: di« Neuwahl des Vorsitzenden und die Regelung de» Ver- höltnisses zu den bürgerlichen Sportverbänden, mit denen zusammen die Deutsche Turnerschost im Deutschen Reichsausschutz für Leibes- Übungen sitzt. Im ersten Punkte gab es keine Ueberrafchung; es wurde der früher« Oberbürgermeister von Schöneberg und spätere demokratische preutzische Innenminister im Kabinett Stegerwald, D o m i n i c u», gewählt. Der bisherige Vorsitzende, frühere Gym- nasialdirektor Dr. Berger, trat wegen Erreichung der pensions- fähigen Altersgrenze freiwillig zurück. Der Wechsel im Vorsitz fft sür die Turnerschaft von grötzerer Bedeutung, als es dem Unein- gewechten scheinen mag. Dr. Berger war ein Mann von altem Turnerschaftsschlag«, der politischen Fragen gern aus dem Wege ging. Als er kurz nach dem Krieg« die Geschäfte übernahm, rich- tet« die Turnerschaft an den Arbeiter-Turn- und Sportbund einen Antrag auf gemeinsame Arbeit am neuen Staatswesen. Die Form, in der das geschah, verriet gerade kein besonderes politisches Finger- fpitzengefühl, zeugt« aber von einer guten Gesinnung. Don an- derem Holze ist Herr Dominicus. Don der Demokrat!- schen Partei, in deren Austrage er Minister wurde, ist«r zum— man weiß nicht, welchen— Flügel der Volkspartei hinübevge- wechselt. Er ist«in politisch unduldsamer Herr von etwas bissiger Art und damit so ziemlich das- Gegenteil von Herrn Berger. Unter dieser Leitung dürft« das Verhältnis der Deutschen Turnerschaft zu allen anderen Korporationen, besonders aber zur Arbeitersport- bcwegung,«in« Zuspitzung erfahren. In der zweiten Frage, dem Zusammenwirken mit den anderen bürgerlichen Sportvcrbänden bei Wettkämpfen, scheint die Turner- schast jetzt einlenken zu wollen. Damit würde ein jahrelang oft recht hätzlich geführter Streit um die Hegemonie in der bürger- lichen Sportbewegung für eine Weile wieder zum Schweigen ge- bracht werden. Bon Dauer dürfte aber dieser Friede nicht sein, denn die Turnerschaft kann es nur schwer überwinden, daß nicht sie. sondern der Deutsche Reichsausichutz für Leibesübungen die erste Geige spielt. Wohl um das etwas dürftig« Programm des Turntages und damit den Turntag selbst vor dem Vorwurf der Ideenlosigkeit zu schützen, hatte man den früheren Reichskanzler Dr. Luther zum Dortrag gebeten. Nach Presseberichten zu urteilen, ist dadurch eine Belebung der Verhandlungen nicht erreicht worden. Ganz ergebnislos find die Verhandlungen des F u tz b a l l- t a g e s verlaufen. Kundig« hatten gewih nicht erwartet, dah der Bundestag den schreienden Mißständen in der bürgerlichen Fuß- ballbewegung ernstlich zu Leibe gehen würde, aber daß man alles mit der Sitzseite parieren würde, das mußte doch für unmöglich geholten werden. Doch das Unzulängliche— hier wurde es Er- eignis. Man mutz ganz ernstlich bezweifeln, ob die Führerschaft des bürgerlichen Fußballs über- Haupt die Fähigkeit hat, zu sehen, was ist. Jana- tismus macht blind, und di« Herren vom Vorstand und Bundes- tag scheinen so große Fußballfanatiker zu sein, daß sie mit offenen Augen ins Verderben rennen. Di« geradezu wüsten Zustände im Fuhballbund haben dem Sport so ungeheuer geschadet, daß kein Urteil darüber hart genug sein kann. Sie haben es sogar vermocht, das Publikum in Scharen von den Sportplätzen zu vertreiben, so daß die großen Verein« mit ihren teuren' Anlagen vor dem Ruin stehen. Das sieht alle Welt, nur der Bundestag nicht. Man mutz schon sagen: Die beiden Tagungen der gröhten deutschen Sportverbände haben keinen erhebenden Eindruck hinter- lassen, was man vom Standpunkt« der A r b« i t e rsporkbewegung gewiß nicht zu bedauern braucht. Jedenfalls Hot dos neue Deutsch- land von der bürgerlichen Sportbewegung keine neuen Impulse des Aufstiegs zu erwarten. Arbeiier~Schach. Berlin siegt in der Bundesmeister« Vorrunde. Nachdem Berlin die Kreismeisterschaft gegen Stettin«rkömpft hatte, mußt« es am Sanntag in Stettin als Vertreter des 1. Kreises gegen den Sieger vom 10. Kreis, Danzig, in der Vorrunde um die Bundesmeisterschaft antreten. Berlin gewann den Kamps hoch mit 8: 2. Der Äeg war nicht leicht erfochten, lang« stand es 1: I, und erst nach vierstündigem Komps machte sich die bessere Routine und gröhere Wettkampferfahrung der Berliner bemerkbar. Die„Ausländer" gewannen das erste und das letzt« Spiel am Tage, zwischendurch dominierte Berlin. Berlin trifft nunmehr in der Zwischenrunde am 1. Dezember gegen den Sieger aus dem Kampf Leipzig-Breslau. * Am Sonntag, 13. Oktober, beginnen die Kämpfe in der X- Gruppe mit folgenden Paarungen: Wedding I-Westend l. Lokal Herms, Müllerstf. 26. Friedrichshain-Kreuzberg, Lokal Albrecht, Straßmannstr. 42. Resultat Wcstend-Weißensee 10: 0. Resultat- Meldungen sofort an Hans Groß, Charlottenburg, Rofinenstr. 6. Londons Polizeiboxer kämpfen im Sportpalast. Im Berliner Sportpalast gaben gestern abend die P o l i z i ft e n Londons ihr Boxdebut. Man wutzte zwar von vornherein, datz London nicht feine schlechtesten Boxer über den Kanal schicken würde. aber dennoch wurde mit einem Erfolg der Berliner Polizisten ge- rechnet. Unerwartet hoch kam London aber zu einem 8: 2-Sieg. Die Londoner waren ihren Berliner Gegnern, wo? sofort aufsiel, durchweg körperlich überlegen. « Das„i 2- U hr- M i t t a g s b l a t t" regt sich darüber auf, datz bei dem gestrigen Boxkampf zwischen den Polizeimannschaften Berlin und London von den Zuschauern Pfeifkonzerte veranstaltet wurden. Das Blatt spricht davon, daß„Lärm des Lärmes willen" gemacht worden sei und daß Berlin offenbar„das schlechteste Sport Publikum" habe.— Merkwürdig, daß gerade die Leute, die an der Verwilde rung der Sportsitten selbst nicht geringen An teil haben, sich zuerst aufregen, wenn di« Frücht« ihrer„Erziehungi arbeit" sichtbar werden. Sind es nicht bis auf den heutigen Tag gerade di« bürgerlichen Sportblätter, die aus dem Sport, der als Leibesübung betrieben wurde, eine Sensation machten und die über jeden Rekord spaltenlang unter den settesten Ueberschristen be- richteten? Ist nicht gerade das Berliner Sportpublitum von den Sensationsblättern dazu erzogen worden, den Boxsport als eine Sensation und nur als solche anzusehen? Wenn dann bei einem Sportabend die angekündigton Sensationen ausblieben, beschwerte sich ein verführtes Publikum durch Pfeifen und Radau- machen. Gestern ist das nun auch einmal bei Amateurboxern passiert, und nun findet man das nicht schön. Würde man sich im bürger- lichen und im Berusssportlager Mühe geben, den Sport als das zu betrachten, was er ursprünglich war, brauchte man jetzt nicht über das schlechte Berliner Sportpublikum zetern. V or neuem Aufstieg!, Geschlossenheit im Ruderverein„Collegia*. 1 Der Arbeiterruderverein„C o l l e g i o" hat sich in seiner letzten Sitzung mit der geklärten Situation im Verein nach dem Austritt der„oppositionellen"(ließ kommunistischen!) Mit- glieder befatzt und in Einmütigkeit folgende Entschließung angenommen: „Die außerordentliche Mitgliederversammlung des R.-V. „Collegia" vom 4. Oktober 1920 nimmt von der Auskrittsertlärung der„oppositionellen" Mitglieder Kenntnis, weist aber die darin «nchaltene unwahre Behauptung, sie seien durch di« im RV. E. herrschend« Unterdrückung ihrer politischen Meinungsfreiheit zum Austritt gezwungen worden, energisch zurück. Die Mitgliederversammlung stellt demgegenüber fest, datz der Austritt dieser Mitglieder lediglich als Abschluß ihrer mehr als einjährigen Vereins- und bun des schädigenden Wühlarbeit zu betrachten ist, die unter dem sich ständig verstärkenden Unwillen der sich endlich zur Wehr setzenden Ver- einsmehrheit erfolgte. Durch Verunglimpfungen des l. Borsitzen- den und des Vereins in der kommunistischen Presse, durch passive Resistenz bei ollen Vereins- und Bundesveranstaltungen, und nicht zuletzt durch unkameradschaftliches Verhalten gegen die übrig« Mitgliedschaft war der Verein ständig schweren Erschütte- rungen ausgesetzt. Nachdem all« Versuche der Vereinsleitung, diese Mitglieder wieder zur sachlichen Mitarbeit zurückzuführen, scheiterten, kann in der nunmehr vollzogenen Trennung von diesen Mitgliedern nur die Voraussetzung sür ein« gesunde Entwick- lung des Vereins im Dienste der Arbeiterbewegung erblickt werden. Die Mitgliederversammlung bekennt sich erneut rück- Halttos zum Bundesgedanken, sie billigt di« bisherige Vereins- Politik und spricht dem 1. Vorsitzenden Genosien Walter Szumanu und d e m jetzigen Vor st and ihr voll st es Vertrauen a u s." Durch das Abgehen einzelner Mitglieder, die den Verein zu majarisieren versuchten, sind keinerlei Verluste zu registtieren. Als Ersatz sür den 2. Dorsitz«nld«n wurde Fritz Eberl gewählt Es wird die letzte Sitzung gewesen sein, di« sich mit der leidigen Angelegen- heit beschäftigt hat; so ist dem Verein die Möglichkeit gegeben, wieder vorwärts zu kommen, sür die allgemein« Arbeiterbewegung sein bestes einzusetzen und durch weitere Entwicklung mehr Aus- nahmesähigkeit zu schassen. Interessenten können sich in den Sitzungen, Freitags, ab 20 Uhr, bei Thunack, Charlottenburg, Wielandstraße 4, oder bei Waller Sgumann. Berlin- Britz, Parchinüer Alle« 84, melden. Wachste Rennen im Sportpalast. Seinen Eröffnungsrennen vom 5. Oktober läßt der Sport- palast Freitag, 11. Oktober, um 20,15 Uhr, seinen zweiten Renntag folgen. Diesmal steht ein Z w e i st u n d e n r c n n e n im Mittelpunkt der Geschehnisse. Hieran werden 13 Paar« teilnehmen, darunter Lehmann-Wissel, die Gewinner des ersten Mannschafts- rennen«, der Berliner Scchstagesieger Otto Pctri mit Buschenhagen, die Italiener Tonani-Dinale, die Belgier, Charlier-Duray,, die Fron- zosen Mouton-Louet, von denen letzterer für den erkrankten Pey- rode einspringt, Hürtgen-Göbel, Kroll-Miethe und Gebrüder Wolke. Weiter verzeichnet das Programm ein Verfolgungsrennen„Deutsch- land-Ausland' mit sechs deutschen und sechs ausländischen Fahr«rn. Zum Saisonschlut? bei den Arbcitemidcrern. Wenn der Oktobersturm das Herbstlaub von den Bäumen reißt und die Natur zum Winterschlaf rüstet, dann ist auch die Zeit ge kommen, daß die Arbeiterruderer Abschied ilchmen von Seen, Flüssen und Kanälen. An einem der letzten schönen Herbstsonntag« sammeln sich die Boote jedes Vereins zum gemeinschaftlichen Ab rudern. Berlins größter Arbeiter-Rudervcrein, der RV.„V o r wärts", begeht sein diesjähriges Abvudern am Sonntag, 13. Ol tober. Um 10 Uhr treffen sich alle Boote des Vereins in Neu- Heringsdorf. Bei einem Bestände von 500 Mitgliedern, die sich auf Männer-, Frauen- und Iugendabteilungen verteilen, hat der Verein neben 95 privaten Ruder- und Motorbooten zurzeit 37 eigene Boote. Für den M a n n s ch a s t s s p o r t, der in der Hauptsache vom Stamm- haus Oberschoneweide betrieben wird, wurden im letzten Jahre ein Achter, ein Vierer und ein Zweier neu angeschafft. Das vorhandene Bootsmaterial wurde bis zur Grenze des Möglichen ausgenutzt, so daß die Aufnahme neuer Mitglieder für den Mannschaftssport, die stets zum Herbst erfolgt, um eine einwandfreie Ausbildung während des Winters zu gewährleisten, nur in ganz beschränktem Maße er- folgen kann. Jedoch bietet sich Arbeiter-Wasserfahrern mit eigenen Booten Gelegenheit, dem Verein jetzt beizutreten und ihre Boote im Bootshaus« Oberschöneweidc unterzustellen, da noch«ine kleine Anzahl Lootsplätze frei sind. Anmeldungen werden jederzeit von dem 1. Vorsitzenden Albert Schreck, B«rlin SO. 36, Kiefholzstr. 12, entgegengenommen. Erwähnt sei noch, daß ein Erweiterungsbau geplant ist, um in den kommenden Jahren dem immer stärker wer- denden Zuzug zum Arbeiter-Wassersport gerecht werden zu können. Neben dem Stammhaus, über dessen Entwicklungsgeschichte die Arbeiterschaft unterrichtet ist, erwarb der Verein nach kurzer Pacht im Jahr« 1926 ein Wassergrundstück in Klein-Köris als Stütz- punkt der Arbeiter-Wasserfahrer in den Teupitzer Gewässern. Dank der Unterstützung langjähriger, schon so oft bewährter Mitglieder, die jederzeit ihre Arbeitskraft dem Verein zur Verfügung stellten, wurde durch den Bau von Bootsschuppen und Unterkunftsräumen Vorbildliches geschaffen. Wie recht der Verein mit diesem„Zug nach drauß-n" hatte, beweist die Taffache, dah trotz nochmaliger Vergrößerung im Jahre 1928 auf lange Zeit hinaus Anmeldungen für fveiwerdend« Bootsplätzc vorliegen. Neben den Sonntags- fahrern ist der Kreis der Mitglieder nicht gering, die Gelegenheit nehmen, ihre kurz bemessenen Urlaubstage in den Anlagen des Ver- eins zu verbringen. Durch Erwerb eines angrenzenden Grund- stücks ist für die Zukunft auch hier ein weiterer Ausbau gesichert. So kann der Verein anläßlich des am Sonntag stattfindenden Abruderns, zu dem auch Gäste gern gesehen sind, zufrieden auf das Erreichte des Jahres 1929 zurückblicken, mit dem festen Willen, auch weiterhin in Geschlossenheit für die Idee des Arbeitersports und seines Trägers, des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, zu wirken. Utiit galtbiotf-h»»« Berlin. Donnersta», 10. Oitobcr, Julanuiicnkunit im Sopilicnlmrum, Wcinmristerstr. I«— 17, um 20 Uhr. Musiraltschcr Lortrag». abrnd. Lrituna: Prof. Dr. Dcnirke. ds kommen Werke von Smelana. Schumann, Schubert. Mendclssobn. Brakims und Elraug w GchSr.©fiitc willkommen. Sonntaa, 13. Oktober. Abpaddeln von Spandau nach Potsdam. Treffpunkt Mir Bahnhof Pichelsderae oder 8 Uhr Aufbaupla« beim„Alten Freund". Abfahrr S Uhr. Säfte willkommen. Nartell für Arbeitersport und Ztörperpslear, Beiirl Tempelhof. Donncrstaq, 10. Oktober, 19li Uhr, Kartellllbuna bei Lilaaow, Kaifer-Wihelm. Scke Friedrich. granz-Etrage. Berliner guhballklub Bar»ärt». Rorarn, Donnersta«, Mitalieder verfammlun«. Sportverein Moabit. Donnerslaa. 1». Oktober, 101i Uhr, Seneralvcrfanun- Inn«, llleinr» Grfrllfchaftshaus. Etroinftr. 28. Die Mitglieber aller Abtcilnnaeu haben im erscheinen. Das Turnen bcr Iupend» und Iunamiidchenabteiluna fällt an diesem Taa« au». Mitaliedsausweis mitdrinaen. Rennfaheer„Salibarität". Donnerstaa. 10. Oktober, B-ainn des Winter- trainings in der Turnholle Säpenilker Str. 12Z. Treffpunkt für alle Rennfahrer und Mitplieder in Berlin, Runacftrahc, vor dem Holmrbeitcr-Bcrbandshaus. I» Uhr, von dort acmeinfome Hinfahrt. AS ging der Vergolderverband in den Deutschen Holzarbeiter- verband über. Heinrich Späths trat zunächst in den Dienst der Berliner Be- wegung ein. Seit 1919 ist er im H a u p t b u r e a u des Deutschen Holzarbeiterverbandes tätig. Heinrich Späths, der sich immer für seine Kollegen energisch eingesetzt hat, ist auch ein rühriger und eifriger Parteigenosse. Wir wünschen dem treuen Alten noch recht viele Jahre erfolgreichen Wirkens. Oer Reparaiionsarbeiterstreik beigelegt. Sofortige Wiederaufnahme der Arbeit. Köln, 9. Oktober.(Eigenbericht.) Der Streik der Reparationsarbeiter am RIoselkanal in Lothringen wurde durch eine Vereinbarung vor dem Schlichter für das Rheinland in Köln beendet. Die neuen Löhne betragen: für Maurer und Zementfacharbeiter 1,10 Mark je Stunde, sür Zimmerer und Einschaler 1,13 Mark, sür Hilfsarbeiter 0,85 Mark, für Tiefbauarbeiter 0,78 Mark und für Heizer 0,85 Mark. Für Lokomotivführer 1,15 Mark, für Vaggerführer 1,35 Mark. Bestehende höhere Einzellöhne bleiben beibehalten. Die Mahnung einschließlich Licht und Heizung wird unentgeltlich gewährt. Wegen der Verpflegung wird eine Kantinen- k o rn m i s s i o n gewählt. Maßregelungen finden nicht statt. Die Arbeiten werden sofort wieder ausgenommen. Revolie griechischer Tabakarbeiier. Wodurch wurden die Arbeiter zur Verzweiflung getrieben? Athen, 9. Oktober.(Eigenbericht.) Aus der Znsel Tasos war am Dienstag eine große Tabak- arbeiterrevolte zu verzeichnen. Aus allen Dörfern der llnfel kamen etwa 1000 Tabakarbeiter zusammen, befehlen vier Dampfer und zwei große Motorboote und fuhren dann nach K a w a l l a. Die Polizei versuchte, die Landung der Schiffe unmöglich zu machen, muhte schließlich jedoch eine Abordnung der Tabakarbcitce an Land gehen lassen. 3n Kawalla selbst kam es an verschiedenen Stellen zu blutigen Zusammenstößen zwischen Arbeitern und Polizei, Bei der Wahl der Arbeiter zum Aufsichtsrat der Z. G Farben- Industrie entfielen auf die Liste der freien Gewerkschaften 176, auf die Liste der kommunistischen Opposition 42, der christlichen Gewerkschaften 16, des GdA. 48, des Gedag 35 und die AfA-Liste 18 Stimmen. Gewählt sind als Arbeitervertreter ein freier Gewerkschaftler und als Angestelltenvertrcter ein Mitglied des Gewerkschaftsbundes der Angestellten. Zunahme der Arbeitslosigkeit wird aus Dänemark und aus Eng. land gemeldet. Rachiiem in Dänemark die Ernte zum Teil ein- gebracht ist und die Bautätigkeit nochzulassen beginnt, ist die Zahl der Arbeitslosen in der ersten Oktoberwoche gegen die Vorwoche um etwa 4 Prozent auf rund 26 800 gestiegen. Die Zu- nähme betrifft besonders die verschiedenen Außenbeschäfti» g u n g« n, während die Industrie eine kleine Besse- r u n g in der Beschäftigung ausweist. Di« Zahl der Arbeitslosen betrug Anfang Oktober 1928 34 800.— In Großbritannien betrug die Zahl der Arbeitslosen in der am 30. September been- deten Woche 1 181 900 Personen, gegen die Vorwoche 18 960 Arbeitslose mehr, jedoch 154 479 weniger als 1928 um dieselbe Zeit. �(Befchäfite'Jtnseiger /r4 föezivk füden-lVeften. Fritz Muth Buttergroßhandlung Filialen in allen Stadtteilen Wangrin& Butz Elektr. 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