Morgenausgabe Nr. 425 Ä 239 46.I stellung der Wahrheit. Da das Recht zu solchen amtlichen Zilindgebungen in den Richtlinien des Rundfunks den Regierungen ausdrücklich vorbehalten ist, so kann von einem Mißbrauch des Rund- sunks gar keine Rede sein. Auf der anderen Seite ist die Reichs- regierung emschlosson, auch den Antragstellern des Volksl>«g?hrcns volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, indem sie einen möglichst reibungslosen Beriauf der Abstimmung sichert. Das Unlersangen der Herren Seldle und hugenberg ist aussichtslos. Selbst wenn es ihnen gelingen sollte, auf ihre Vorschläge im Volks- begehren die erforderlichen 4 127 889 Stimmen zu vcr- einigen, so würde das vorgeschlagene Gesetz im Reichstag keine Mehrheit finden, es müßte also gemäß Artikel 75 der Reichsver- fastung einem Volksentscheid unterbreitet werde». Vei diesem Volks. entscheid müßte die Mehrheit der Stinnnberechligten, nibßten also mehr als 20 ivtillionen deutsche Männer und Frauen, sich für dieses Gesetz der Herren Seldle und hugenberg, neben denen auch Herr Hitler steht, erklären. Daß das nicht ge- schehen wird, nicht geschehen kann, darüber gibt es bei keinem Ein- sichtigen einen Zweifel. Wenn in einer Versammlung'.n 5zildes- heim von einein Beauftragten des Herrn Reichstagsabgeordneten hugenberg gesagt worden ist: daß Herr hugenberg selbst mit einem � siegreichen Ende des Kampfes rechne, ersehe man daraus, das) er zum 22. November einen deutschnationalen Parteitag nach Kassel «inberusen Hab«, so ist das eine mindestens sehr merkwürdige Schlußfolgerung. Am 22. November könnte flerrn$ugo!l das befreite Gebiet wieder besetzt werden? Im zweiten Paragraphen wird verlangt, daß Deutschland darauf hinzuwirken Hab«, daß die Artikel 429 und 430 des Versailler Vertrages völlig außer Kraft gesetzt werden. Diese Artikel regeln die Besetzung des deutschen Gebietes durch Truppen der fremden Mächte. Auch hier wiederum kommt das Volksbegehren zu spät. Zeder- mann weiß, daß es durch die Verhandlungen im Haag dem Alchenminister Slresemann gelungen tst. das Rheinland end- gültig von der Last der Besehung zu befreien. Die Räumung der zweiten Zone ist in vollem Gange. Die dritte Zone wird spätesten» am 30. Zun! 1930 geräumt sein. Darüber hinaus darf man erwarten, daß schon weit früher auch die Verhand- lungen über die Rückkehr des Saargebietes zu einem guten Ende gekommen fein werden. Die Voraussetzung für die Räumung de» besetzten Gebiete» ist die ?lnnahme des Poung-Planes. Die Herren des Volksbegehrens sagen hierzu vom sicheren Port ihrer Unverantwortlich- keil ihr bequemes„Nein". Sie fordern, daß Deutschland die Räumung den fremden Mächten diktieren solle. Deutschland, das die Bestimmungen des Dawes-Planes nicht ersüllen kann, solle die leichteren Forderungen des Poung-Planes ablehnen, solle auf- hören zu erfüllen, aufhären die Reparationen zu leisten, solle er- klären, daß es bereits alles, was der Versailler Vertrag verlangt, geleistet habe. Da ist es leider notwetidig, daran zu erinnern, daß der Artikel 430 des Versailler Vertrages, den das Volksbegehren außer Kraft setzen möchte, ausdrücklich davon spricht, daß die besetzt gewesenen und geräumten Gebiet«, wenn Deutschland seine Ver- pslichtungc» nicht erfüllt,„so fort von neuem durch die alliierten und assoziierten Truppen wieder besegt werden können". Welcher veranlwortliche Deutsche mächke es wagen, die Wiederbeiehung der befreiten Gebiete heraufzubeschwören. Die herrxn, die vn» das Volksbegehren beschert haben, denken hierüber anscheinend anders. Oer �oung-plan eine Erleichterung! Der Z 3 de» Volksbegehrens richtet sich dann im besonderen nach einmal gegen den Poung-Plan. Dabei soll der Ein- druck erweckt werden, daß der Poung-Plan Deutschland stärker belost«, als es durch den Dawes-Plan belastet ist. Auch dies« Stellungnahme ist unverständlich. Niemand kann leugnen, daß die jährlichen Z a h- lungen. die Deutschland noch dem Poung-Plan leisten soll, u m mehrere hundert Millionen geringer sind, als die 2,5 Milliarden, die der Dawes-Plan fordert. Niemand kann leugnen, daß die Gesundung der beut- schen Wirtschast, die wir all« erhoffen, nach dem Poung-Plan nicht mehr eine Steigerung der Reparationsraten bedeuten wird: der Wohlstandsi'ndex, eine gefährliche Zwickwühle des Dawes- Planes, ist sortgefallen. Niemand kann leugnen, daß es für die Gesundung der deutschen Volkswirtschaft und der deutschen Finanzen von größter Bedeutung ist, durch den Poung-Plan endlich zu einer Grzesinski gegen die Staatsfeinde Die preußische Gtaatsregierung zur Abwehr entschlossen Am Dienstag und Mittwoch weilten die preußischen Ober- und Regierungspräsidenten zu einer Konserenz i n Berlin, die von dem preußischen Innenminister einberufen worden war und unter seiner Leitung stattfanden In seiner«in- leitenden Rede führt« Innenminister Grzesinski u. a. aus: „Die Macht des Staates ist gefestigt und durchaus in der Lage, aller Schwierigkeiten Herr zu werden Die Wirtschaft- lichen Schwierigkeiten, eine Folge des verlorenen Krieges, bilden den Nährboden, auf dem die radikalen Verbände gedeihen. Die extremen politischen Parteien machen demagogisch den heutigen Staat verantwortlich für die Notlag« weiter Doltsschickten, die lediglich der ungeheuren Belastung der Allgemeinheit infolge des ver- lorenen Krieges zuzuschreiben ist. In dieser Situation bedeutet das Volksbegehren gegen den Aoung-Plan.weniger«in« außenpolitische Gefahr, als eine innerpolitisch« Belastung, denn es ist das Mittel um alles was dem heutigen Staat ablehnend oder feindlich gegenübersteht, zu sammeln, um so in der Zusammenfassung die staatsfeindlichen Kräfte bedrohlicher zu gestalten. Es ist deshalb Pslicht. sowohl der Reichs- wie auch der Staatsregierung, gegen dieses Beginnen Stellung zu nehmen, da die Kreise, die sich zu dem Volksbegehren zusammengefunden haben im letzten Ziel an den poltlischen Fundamenten des heutigen Staates zu rütteln beabsichiigen. Reichs- und Staatsregierung dürfen sich daher nicht nur mit der Abwehr begnügen, sondern müssen aktiv alles tun. um Aufklärung über die Ziele des Volksbegehrens zu verbreiten. Zu diesem Zwecke müssen alle La ndesb« Hörden, auch die preußischen Be- Hörden, sich in den Dien st der Aufklärung stellen. Im Verlauf seiner Aussprache wies der preußische Minister des Innern ferner darauf hin, daß der demokratisch-republikanische Staat die vollste Versammlungs-, Rede- und politische Vetötioungssreiheit seiner Staatsbürger gewährleiste. Aber dos'dürfe nicht zur Selbstverleugnung sühren: „Es ist eine Frag« der Selbstachtung des Staates, io fuhr der Minister fort, daß er sich nicht wehrlos in seinen Institu- tionen und seinen leitenden Männern beschimpfen und verleumden läßt. Nur das Fallen des R e p u b l i k s ch u tz g e j« tz e s Hai eins Situation wie die heutige geschossen, die allerdings je länger jo mehr auch für weiteste Kreise der republikanischen Bevölkerung un- erträglich wird. Was heute cm Beschimpsungen und Frechheiten gegenüber dem Staat und der verantwortlichen politischen Staatsmännern geleistet wird, hat mit politifcher Meinungsfreiheit nicht das geringste mehr zu tun. Zu den maniosen Beschimpfungen kommt hinzu ein von den radikalen unifvrmtxrlen Verbänden und den extremen politischen Parteien ausgeübter S�rsammlungslerror. der eine starke Veem- lrächtigung der versassunxsmäßjgen Versommlungsjreiheit darsielll. Die Durchführung von k�rsammlungen oder politischen Demon- stralioncn ist heuke vielfach nur durch Bereitstellung starker polizeilicher Kräfte möglich. Dieser Zustand ist auf die Dauer nicht zu ertragen. Es ist deshalb Pflicht sämtlicher Behörden des Staates, der ktaa:. lichen wie der kommunalen Polizei, mit allen Mitteln diesem wüsle:, Terror entgegenzutreten. Der friedliche Staatsbürger muß unier allen Umständen die Gewißheit haben, daß 0«r repubtikani!.!.? Staat ihn in seinen Rechten unbedingt schützt und dafür auch ir.i- ganze Macht des Staates einsetzt" An die Ausführungen des Ministers schloß sich eine rege Aus- spräche, in der als e l n m üü i g e Auffassung der R e- gierungs- und Oberprülidenten zum Ausdruck kam, daß unbedingt der Staat mit allen seinen Machtmitlein dem heutigen Treiben der radikale« Elemente nachdrücklich entgegen- treten müsse. einstweilen festen Reparationssumme gekommen und aus der Unsicherheit, die der Dawes-Plan über die Endsumme offen lieh, befreit zu sein. Niemand kann oerkennen, daß das Ende der ausländischen Kontrolle, der nach dem Dawes-Plan oi« deutschen Finanzen und die deutsche Wirtschaft in weitem Maße unterworfen sind, eine außerordentliche Erleichterung bedeutet. Niemand kann übersehen, was es bedeutet, wenn nach dem Poung-Plan die bisherigen Bindungen für die verpfändete Reichsbahn, den verpfändeten Teil der Industrie, das verpfändete Auskommen der Beförderungssteuer, die verpsändeten Reichs- einnahmen aus Zöllen, Tabak, Vier, Zucker und Spiritus wegfallen ver Voung-Plan ist für das deutsche Volk gegenüber dem Dawes-Plan eine Erleichterung. Niemand wird verkennen, daß auch die Forderungen des Poung- Planes furchtbar hart sind, und daß es keineswegs feststeht, daß sie auf die Dauer erfüllt werden können. Das Gegenteil ist wahrscheinlich. Für diesen Fall sind im Poung-Plan Revisionsbestimmungen vorgesehen. B.' zu deren Inanspruchnahme aber wird kein ver- antwortlicher Deutscher den besseren Plan gegen den schlechteren zurückweisen dürk'a: Auch der Umstand, daß seinerzeit di« Hälfte verdeutsch- nationalen R e i ch S t a g s f r a k t i o n für den Dawes- Plan gestimmt hat, kann daran nichts ändern. Wer es dennoch tut. treibt bewußt zu neuen, schweren Krisen, zu einer Gefährdung der deutschen Wirtschaft, zu einem Aderlaß, von dem wir uns kaum wieder erholen würden. Es Ist ein schlechter und nichl einmal ein ehrlicher Trost, dem Volke vorzureden, daß wir dann eben alle Proletarier werden würden. Beim Zusammenbruch des Jahres 1923, der den weitesten Massen des Volkes bitterste Not brachte, stnd keineswegs alle Besitzenden Proletarier geworden. Die Währungskrise ist vielmehr für manchen«in gutes Geschäft geworden. Darum sollten die Agitatoren des Volksbegehrens lieber darauf hinweisen, daß um die Millionen, die Deutschland künftighin weniger zu zahlen haben wird, schon heute ein scharsei Kampf entbrennt. Es versteht sich von selbst, daß gerade die notleidenden Schichten einen Anspruch darauf haben, aus diesen durch den Poung-Plan eingesparten Millionen gewisse Erleichterungen in ihrer schweren Wirtschaftslage zu erhalten. Oer schamlose Zuchihausparagraph. Der 4. Paragraph des Volksbegehrens enthält die berüchtigte Androhung von Zuchthaus st rasen gegen Reichskanzler und Reichsminister sowie deren Bevollmächtigte, falls sie entgegen den übrigen Forderungen des Volksbegehrens Vertröge mit aus- ländischen Mächten zeichnen. Dieser Paragraph hat in der Spanne während der ersten Veröffentlichung und der endgültigen Fassung eine Abänderung erfahren. Anfangs lautete er so. daß unzweisel- Haft auch der Reichspräsident, wenn er den Poung-P-an durch seine Unterschrift bestätigte, zu den Landesverrätern zu rechnen war. Das Feilschen um diesen Strafparagraphen zeigt deutlich die Uneinheitlichkeit aber auch die Unbedenklichkeit des Reichsausschusses für das Volksbegehren. Die Deutschnationalen waren anscheinend darüber entsetzt, daß dieser§ 4 auch Hindenburg zum Landesverräter machen wollte: die Ausschußgenossen der Deutschnationalen, hie Nationalsozialisten und die sonstigen Mitglieder dieses bunten völkischen Aufmarsches sind allerdings weniger skrupellos. Soeben noch erklärt Graf Reventlow, ein besonders eifriger Bolkvbegehrlsr: ..Wenn wir ein Gesetz wollen, das Landesverrat als Landesverrat bestraft, so ist es uns vollkommen gleichgültig, ab dadurch auch jemand getroffen werden könnte, der eine Vergangenheit und Eigenschaft hat. wie in diesem Falle Hindenburg." Gegen derartige Entartungen fehlen dem erzogenen Politiker die Worte. wohl aber ist er berechilgl, solche Roheiken gegenüber darauf zu verweisen, daß der Reichspräsident von hindenburg, her ergriffen hinter dem Sorge Slresemann» herging, den verstorbenen Reichsaußenmlnifler, der für die versechter de» Volksbegehren, lm besonderen Grade Angeklagter de» Landesverrat» und darum zuchthausreif fein sollte, einen der treuestea Söhne Deutschland» genannt hat. Das Volksbegehren nennt stch«in Gesetz gegen die Versklavung des deutschen Volkes. Es kann, wie ich schon eingangs sagte, nur das Gegenteil bewirken. Würde nach dem Volksbegehren verfahren werden, so stürzte das deutsche Volk wiederum in ein furchtbares Chaos, in neue Besatzung, wie sie maßloser nichl vorstellbar ist. Es trifft sich gut, daß gerade in diesem Augenblicke ernste und einfluß- reiche englische Politiker uns erklären, daß nur der Bestand der Republik und das Vertrauen zu ihr die inter- alliierten Mächte bewogen habe, uns Konzession zu machen. Und die Atmosphäre des Vertrauens, dieser Voraussetzung für weitere Zugeständnisse wollen wir nichl zerstören, und darum sind wir gegen das Volksbegehren. Glauben die Unternehmer des Volksbegehrens übrigens selbst an ihren Erfolg? Es ist schwer vorstellbar, daß vernünftige Menschen damit rechnen können, das Volksbegehren durch den Volks- entscheid zum Sieg« zu führen. Aus zahlreichen Verlautbarungen der Presse, die für das Volksbegehren eintritt, geht auch deullich hervor, daß mit einem endgültigen Erfolg nicht gerechnet wird. Was ist also der eigentliche Zweck des ganzen Unternehmens? Der Zweck zielt auf völlige Verwirrung des politi- fchen Lebens, auf Lahmlegung des Parlament» unddesParlamentarismus, auf eiueKatastroph« der Demokratie. Die intellektuellen Urheber dieser Akkion, die sich mit besonderem Elser beim Proletariat anzubiedern versuchen, find Männer, die ganz andere Znteressen verfolge«, Interesse« einer herrschsüchtigen. durch die Verfassung der Republik pch eingeengt fühlende Plutokrafie. Wer für das Volksbegehren ist, ist gegen die innere Freiheit de» deutschen Volkes, hemmt den Wiederaufbau Deutschlands, stört dessen Wiedereinführung in die Gemeinschaft der Völker. Wer für das Volksbegehrens ist, gräbt der deutschen Demokratie, gräbt dem deutschen Volke und seiner Wettgeltung das Grab. Darum muß jeder, dem der Freiheitskampf des deutschen Voltes keine bloße Redensart ist, der sich für da» deutsche Volt ver- antwortlich fühlt, dem Volksbegehren der Herren Seldte und Hugen- berg die Unterschrift verweigern. Uns ziemt nicht der ohnmächtige Schrei der Katastrophenhelden oder das Rasseln mit Säbeln, die wir nicht einmal besitzen. Wir kommen auch nicht weiter mit den host- nungslosen Ieremiaden politischer Klageweiber. Selb st vertrauen in die eigen« Kraft und Lertraueu auf unser Recht, das sind die seelischen Waffen, mit denen wir unseren Freiheitskampf führen, Und diesen Kamps werden wir gewinnen." Abwehrparole in Polen. Konfiszierter Beschluß der sozialistischen Parteileitung. Warschau, S. Oktober.(Eigenbericht.) Der Parteiausschuß der Polnische« Sozialistische« Partei faßte am Mittwoch eine« Beschluß, i« dem es heißt, daß das gegenwärtige Regieru«gssystem Polens den Sturz der Demokratie anstrebe. Jeder An» schlag aus die politischen Rechte des Volkes und auf die staatlichen demokratischen Institutionen werde auf un» mittelbare Zurüekweisung durch die Arbeiterklasse stoßen. Der Parteiausschuß fordert daher alle Parteiorganisa- tionen auf, Vorbereitungen zur Abwehr aller Anschläge auf die Demokratie und die Verfassung zu treffen. Die Veröffentlichung des Beschlusses ist von der Zensur unterdrückt worden. Gleichzeitig wurde der„Robotnik" beschlagnahmt, der sich mit den Umsturz- drohungen der Regierungspartei befaßt hatte. pressepylemik mit Ouellfortsehung. Warschau, 9. Oktober. Der Chefredakteur des Pilsudski-Vlattes„Glos Prawdy" Oberkt K o c hat den Chefredakteur de- sozialdemokratischen„Robotnik", den Sejmabg. N i e d z i o l k o w s k i. zum Duell gesorden, weil dieser in einem polemischen Leitartikel die Methoden des„Was Prawdy" als„provokatorisch" bezeichnet hatte. Niedzialkowjki hat das Duell natürlich abgelehnt, sich indessen bereit erklärt, dem Oberst Koc„jede andere Art von Satisfaktion" zu gewähren. ver Flugplatz zwischen Andernach und weltzenkurm, der seit zehn Jahren von der sranzösilchen� Besagungsarmee beschlagnahmt war. wurde jetzt freigegeben. Außerdem haben die Franzosen die Schuppen und Gebäude des Puloerdepots bei Mühlheim an die Reichsvermögcnsoerwaltung wieder abgetreten. Heimwehr und Wirtschastsrm'n Bauers Referat auf dem Parteitag. Wien, S. Oktober.(Eigenbericht.) Zliuj hem sozialdemokratischen Parteitag erstattete S k a r e t den Bericht des Parteivorstandes. Er teilte mit. daß tne Partei heute 730 000 Mitglieder zähle, davon 420 000 in Wien. 44 000 mehr als vor einem Jahre. Ueber 20 000 Jugend- liche seien neu gewonnen. Der Verein Arbeiter-Kinder- freunde zählt 03 000 Mitglieder. Am Nachmittag referierte Dr. Otto Bauer über den Kampf um die Demokratie. Er verwies darauf, daß Deutschösterreich von allen Industriestaaten der k a p i t a l s ä r m st e ist, und am stärksten darauf angewiesen, durch ausländisches Kapital seinen Produktionsapparat in Gang zu halten.„Trotzdem— so fuhr Bauer sort— glauben die bürgerlichen Parteien durch ständige Aufmärsche der Heimwehreu die Wirlschasl in eine fortwährende Krise stürzen zu dürfen. Nicht nur die Hei nrwehrführer, sondern auch die verantwortlichen bürgerlichen Politiker drohen, durch einen Staatsstreich ein« neu« Ordnung zu schassen. Di« Ereignisse der letzten Wochen müssen doch jeden belehren, daß die Krise der Demo- kratie, die man mutwillig erzeugt hat, zu der schwer st en Krise der Volkswirtschaft wird. Andererseits ist die politisch« Krise, die wir heute erleben, die Folge eines zwiespältigen Ent- wictlungsprozesses, der sich in diesen neun Jahren bürgerlicher Re- gierung vollzogen hat. In diesen neun Jahren ist der Einfluß der Sozialdemokratie innerhalb des Volkes ständig gewachsen. Die bürgerlichen Parteien, die dieses Wachstum nicht aufzuhalten vermochten, haben immer gegen uns zu käntpfen versucht. Die Bour- geeiste hat durch demagogische Hetze mit ihrem Geld die Aufrüstung des Faschismus ermöglicht, die bürgerlichen Parteien haben diesem Faschismus ihre jungen Leute zugetrieben, die bürgerlichen Regie- rungen. haben dafür gesorgt, daß die Waffenmagazine der heimwehren und ihre Sffenllichen Schießübungen mit Maschinengewehren von der Behörde nicht . bemerkt wurden. Dieselbe Bourgeoisie ist jetzt erstaunt, daß die Sache sich gegen sie zu wenden beginnt, und jetzt sucht sie einen Ausweg: wie man zwar die faschistischen Gruppen gegen die Sozialdemokratie benutzen kann, ohne daß der Kapitalismus in Oesterreich mit er- schlagen wird. Wenn die Herren keinen Ausweg wissen, dann, mein« ich, gibt es doch nur den einen: Neuwahl!(Stürmischer Beifall.) Aber es gibt Leute, die von Neuwahl nichts wissen wollen, und die uns täglich drohen, wenn es nicht im Parlament geht, dann kommt die Heimwehr, und dann wird man mit der Heimwehr und dem Heer einen Staatsstreich machen. Zu diesen Drohungen will ich nur sagen, wenn die Herren Bürger drohen, so soll man es ganz ruhig darauf ankommen lassen. Wenn die Regierung selbst den Rechtsboden im Lande zerstört. dann gibt es keinen Rechlsboden mehr, und wenn es in einem Lande keinen Rechtsboden mehr gibt, dann befindet sich dieses Land Im Zustande der Revolution. Jeder Arbeiter wird verstehen, daß wir für Jahrzehnt« verloren sind, wenn wir uns jetzt vergewaltigen lassen. Aber v e r g e w a l- tigen lassen wir uns nicht. Dann wird es nur den Willen zum Sieg« geben, kost« es was es wolle."(Langanhaltender begeisterter Beifall.) In der anschließenden Debatte legten die Redner aus der Provinz die Verhältnisse in ihren Gegenden dar und erklärten, daß die Arbeiterschaft kampfesmutig und siegesgewiß sei. Auch im Bereich der Alpinen Montangefellschast, wo die Schwerindustrie den stärksten Terror gegen die Arbeiter ausübt. sind sie standhaft. Die Partei gewinnt auch dort tagtäglich neue Mitglieder. Dr. Renner führte aus, es sei nicht unmöglich, daß man es von rechts mit einem kalten Staatsstreich versuche. Aber auch dadurch würde sich die Sozialdemokratie nicht überrumpeln lassen. Sie werde erst gor nicht das Signal zum Widerstand abwarten. An dem Tag, an dem die Verfassung gebrochen sei, gebe es keine Ver- fasiung und keine verfassungsmäßigen Behörden, gebe es kein verfasiungsmäßiges Recht mehr.„Ich sage das— so fuhr Renner sort— nicht um Drohungen auszustoßen, sondern als eine Selbst- Verständlichkeit. Unser Bürgertum möge wissen, daß die Arbeiterklasse entschlossen ist. keiner Gewalt zu weichen, daß die Arbeiterschaft wie eine granilene Mauer um die Bersassung steht und keine Macht imstande sein wird, diese Mauer niederzureißen. Aber auf der anderen Seite dürfen wir uns nicht damit abfinden. daß es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung kommen muß, das hieße den ganzen Mechanismus der Gewalt verkennen. Es ist unsere Pflicht, hier zu sagen, daß es einen Ausweg gibt. Deshalb fordern wir die A b r u st u n g. Vor jeder vcrfafluugsreform steht die klare Forderung: keine private Gewalt. Wenn man dos ablehnt, ist auch uns nichts anderes gegeben als weiter zu rüsten und bereit zu sein, bis unsere Uebermacht auch den Gegnern zum Bewußtsein kommt. Es wird dann nichts übrig bleiben als Neuwahl unter dem Schlagwort: Abrüsten." Vuzdtigotts Aachfolger. Soziäldemokratie für rumänische Republik. Bukarest, 9. Oktober.(Eigenbericht.) Das rumänische Parlament wählte am Mittwoch den Richter am Kassationshof Saratzeonu zum Mitglied des Regent- fchaftsrates. Sarotzsanu ist mit dem gegenwärtigen Finanz- minister verwandt und mit dem Ministerpräsidenten Maniu be- freundet. Die Wohl erfolgte mit 443 Stimmen. Di« Snzialdemo- kratie gab weiße Stimmzettel ab. Sie ließ vorher eine Er- klärung verlesen, in der sie sich grundsätzlich für die Republik aussprach und die republikanische Staatsform forderte. Thealer„Die Tribüne". „Bunbury." Oskar Wildes ehemals in Deutschland beliebtes satyrisches Gesellschoftsstüik hat nun auch seine Zeit hinter sich. Der funkelnde Esprit de,„Bumbury" und die vollendete Kunst glänzender Dar- steller—- Adele Sandrock, Anton Edthofer— können ihm nicht mehr aufHelsen. Rur ein Achtungserfolg. Dg*, Verleumderpresse. ,Ietzt Hab' ich auch Material gegen den sozialdemofratischen Stadtrat X.' »Wieso— er steht doch nicht auf der Bezugsliste?" »Das nicht, aber sehen Sie diese Photographie: Oer Mann trägt einen richtiggehenden Anzug. Oen muß er doch irgend wo getauft haben!" Die Angelegenheit Gklarek. Angriffe gegen Oberbürgermeister Vöß.— Angriffe gegen Oeutschnaiionale. Räch einem Kabel aus San Franziska hat der Oberbürgermeister B ö ß der„United preß" in einem Interview erklärt, daß er wegen des Sklarsk-Skandalg seinen Ausenthalt in den Vereinig. len Staaten nicht abkürzen würde. Er charakterisierte die ganze Sache als eine Erpressung und als einen politischen Lügenkniss, um während seiner Abwesenheit die Sladt- rcgierung zu diskreditieren. Böß sagte, daß die Sache wirklich nicht von Wichtigkeit sei und daß kein Stadlbeamler unter dem geringsten verdacht stehen könnte. Der Magistrat hat sich in seiner gestrigen Sitzung neben den anderen auf der Tagesordnung stehenden Punkten auch mit der Angelegenheit Sklarek sowie mit den persönlichen Angriffen aus den Oberbürgermeister beschäftigt. Er hat gestern dem Oberbürgermeiftin: die gegen ihn vorliegenden Angriffe per Kabel mitgeteilt, ebenso den Inhalt des angeblichen Interviews mit der„United Preß" und ihn um eine Erklärung hierüber gebeten. Der Magistrat hat jedoch nicht beschlossen, dem Oberbürgermeister nahezulegen, seine Reise sofort abzubrechen. Angriffe gegen Böß. Nach der Meldung einer Berliner Lokalkorrespondenz hat der verhaftete Oberbuchhalter der Sklareks ausgesagt, daß F r a u B ö ß durch Vermittlung der Brüder Sklarek von einer bekannten Pelzfirma einen kostbaren Pelz erhalten habe. Die Brüder Sklarek hätten dem Lieferanten 4000 Mk. bezahlt, hätten Frau Böß jedoch nur eine Rechnung über 400 Mk. vor- gelegt. Dieser Rechnungsbetrag fei bisher nicht bezahlt worden. Wir geben diese Meldung, die auf die Aussage eines Mannes zurückgeht, der an dem Betrug gegen die Stadt be- teiligt ist, mit allein Vorbehalt wieder, um so mehr, da Herr und Frau Böß in Amerika sind und deshalb nicht in der Lage waren, sich zu äußern. Diese Nachricht wird von einer Korrespondenz aus der gerichtlichen Untersuchung heraus verbreitet, ohne daß eine amtliche Nachricht vorliegt. Es entspricht dies der Praxis, die in den letzten Tagen von der Sensationspresse geübt worden ist. Es wäre an der Zeit, daß die Justiz- behörden dazu Stellung nehmen! Die Verleumderpresse kann auch schweigen! Die„Rote Fahne" hat gestern morgen Beschuldigungen gegen den deutschnationalen Reichstagsabgeordneten B r u h n, den deutschnationalen Pfarrer Wolf, und den völkischen Stadtverordneten Honette veröffentlicht. B r u h n wird vorgeworfen, daß er anfs heftigste die Verlängerung der Sklarekschen Vertrüge propagiert habe. Dieser Vorwurf ist um so interessanter, als die Verlängerung des Sklarek-Pertrages von dem kommunistischen Stadtrat Gabel eigenmächtig vorgenommen worden ist. Die Angegriffenen haben auf diese Anschuldigungen nicht geantwortet. Die deutschnationale Presse, die spaltenlang Verleumdun- gen gegen Sozialdemokraten veröffentlicht hat, und jede Zeile der„Roten Fahne" gegen Sozialdemokraten begierig auf- greift, ist stumm geblieben. Am Abend teilte die deutschnatio- nale Pressestelle mit: „Eine Anzahl von Zeitungen hat die Behauptung aufgestellt, daß sich deutsch nationale Abgeordnete von den Gc- brüdern Sklarek hätten«inladen lassen. Die Nachrichten sind darauf abgestellt, von dem Korruptionssumps der Stadt Berlin abzulenken. Obgleich die Quellen dieser Nachrichten nicht einwandfrei sind, und obgleich derartige Behauptungen nichts mit der Korrup- tionsaffäre zu tun haben, in die, vom Oberbürgermeister angefangen, die Stadtoäter von Berlin verwickelt sind, wird jedem derartigen Gerücht energisch nachgegangen. Dia Partei wird sich gegebenensalls nicht-scheuen, die schärfsten Konsequenzen zu ziehen." Diese Mitteilung entspricht der verleumderischen Haltung der deutschnationalen Presse.. Was sie bisher Sozialdemo- traten vorgeworfen und als Korruption bezeichnet hat, hat nun plötzlich nichts mehr mit der Korruptionsaffäre zu tun! Bedauern nach der Verleumdung. Das„Tempo", dos am Dienstag in Schrift und Bild auf der ersten Seite Sozialdemokraten gröblich verdächtigt hat, schreibt gestern auf der zweiten Seite ganz harmlos: „Auf der anderen Seite verschuldet die Stadtbehörde durch ihre Kurzsichtigkeit und Kurzatmigkeit selbst die Entstehung falschen Ver- dachte». Wir bedauern es zum Beispiel sehr, daß m unserer gestrigen Bilderreihe die Namen der Herren F l a t a u und Schöning genannt wurden, die mit Sklarek wirklich nichts zu tun hatten." Hätte sich die Redaktion dieses Blattes an die Gepflogen- heilen anständiger und verantwortungsvoller Journalistik gehalten, so brauchte sie nicht zu bedauern. Die Verleumdung ist breit gemacht worden, und das nachträgliche Bedauern schafft sie noch nicht aus der Welt! Das ist die Gefahr, die diese Sorte Sensationsjournalistik für die Ehre anständiger Menschen in sich birgt. Gensationsmache gegen Verkehrs A.-G. Das Ullsteinsch«„Tempo" veröffentlichte gestern unter der auf Groschensensation berechneten Ueberschrift„Neuer Millionen- skandal— Wieder im Roten Haus" einen Angriss auf die Berkehrs-A.-G. Es behauptet, die Berkehrs-A.-G. betreibe mit einer Ktesfirma F. Butt u. Co. ein Monopolgeschäst, das in seinen finanziellen Umfängen vielleicht nicht weit hinter der Sklarek-Assäre zurückbleibe. Die Firma Butt u. Co. sei zu ihrer bevorzugten Stellung gekommen, weil in der Berkehrs-A.-G. der deulschimtiana e Direktor L üd t ke sitz«, während sein Sohn Geschäftsführer von Butt u. Co. sei. Die Stadt Berlin habe der Firma Butt u. Co. einen besonderen Liebesdienst durch die Ueber- nähme eines größeren Aktienpaketes erwiesen, sie habe ferner, um der Firma Millionenverdienste zuzuschanzen, über- flüssige Straßenbahnarbeiten in Gleisanlagen in Steglitz vornehmen lassen. Auch in diesem Falle hat das andere Blatt des Ullstein-D:r- lages, die„Vossische Zeitung" zur selben Stunde, wo dieser Angriff im„Tempo" erschien, den wahren Sachverhalt dargestellt! Der T a t b e st a n d ist folgender: Im Jahre 1923 hat die Straßenbahn mit Butt u. Co. einen Vertrag über Lieferung von Kies abgeschlossen. Di« Firma verpflichtete sich auf eigene Kosten eine Kiesreinigungsanlage zu bauen, die Stadt dagegen auf fünf Jahre Kies bestimmter Qualität abzunehmen. Der Vertrag läuft am 1. April 1030 ab. Noch vor der Bildung der Verkehrs-A.-G. hat Stadtrat Reuter eine Verfügung erlassen, daß die Stadt nicht durch Ver- träge gebunden werden dürfe. Er hat eine'Verfügung erlassen, daß notwendige Lieferungsvcrträge für keinen Fall aus«ine längere Zeitdauer als die eines Jahres obge- schlössen werden dürfen. In der Regel oergibt die Ver- kehrs-A.-G. ihre Aufträge durch Ausschreibung oder auf dem Wege einmaliger Vergebung. Nach dem Ablauf des Vertrages mit der Firma Butt u. Co. werden die in Betracht kommenden Arbeiten ausgeschrieben werden. Die Behauptung, daß der Vertrag mit dieser Firma geschlossen worden sei, weil der Sohn Lüdtkes dort Geschäftssührer ist, ist schon deswegen unrichtig, weil im Jahre 1023 Lüdtkc>un. noch nicht bei Butt u. Co. angestellt war. Es ist ebenfalls unrichtig, daß die Stadt ein Aktienpaket der Firma Butt u. Co. übernommen habe. Die Behauptung, daß aus Liebedienerei gegenüber dieser Finna überflüssige Straßenbahn- bauten ausgeführt worden seien, ist grotesk. Die in Frage kommen- den Arbeiten in Steglitz mußten auf Anordnung des Tiefbauanites ausgeführt werden. Die personellen Beziehungen des StraßenbaHndirek- tors Lüdtke zur Firma Butt u. Co. sind bekannt. Die Verkehrs- A.-G. hat mit Rücksicht darauf schon vor langer Zeit angeordnet, daß die Vergebung vyn Materialien, wie sie diese Firma liefert, nur zu erteilen sei, wenn die Angebote in jeder Beziehung den Interessen� der Stadt entsprechen und von anderen Firmen keine niedrigeren Angebote gemacht werden. Im übri- gen liegt die Vergebung van Aufträgen und Lieferungen seit dem 1. Oktober nicht mehr tn der Hand von Straßenbahndirektor Lüdtke. Der Fall stellt sich so dar. daß die Veckehrs-A..G. alle» getan hak. um die Interessen der Stadl zu wahren und diesen Fall, der die Gefahr von Inkorrektheiten in sich birgt, zu bereinige«. Eine einfach« Anfrage bei den zuständigen Stellen hätte die Redaktion des„Tempo" überzeugen können, daß ihr Sensations- geschrer in diesem Falle völlig unbegründet ist. Statt dessen hat es die Redaktion des„Tempo" vorgezogen, getreu ihrer bis. herigen Methode im Fall SNarck, neue Beunruhigung in dl? Bevölkerung zu trogen. Es gibt dafür nur eine Erklärung. Das „Tempo" ist eine auf Straßenvertauf gestellte Zeitung. Man schreit über Korruption, weil Korruptionsgeschrei Mode ist und weil man hosst, damit eine möglichst hohe Auslage zu erzielen, gleichgültig, ob die Behauptungen wahr oder falsch sind! Die Erwerbsarbeit der Frau. Stellung des Internationalen gewerkschaftlichen Arbeiterinnenkomitses. In Amsterdam tagte vorige Woche unter dem Vorsitz des Sekretärs des Internationalen Gewcrkschaftsbundes. Genossen S a s s« n b a 6), das Internationale gewerkschaftliche A r b e i t e r i n n e n k o in i t e e. das zu den gegenwärtig in Deutsch- lond umstrittenen Fragen der Arbeit der verheirateten Frau und der Entlohnung der Arbeiterinnen, nach Referaten der Genossin Hanna(Deutschland) und Burniaux (Belgien) Entschließungen annahm, die wir ihrer Bedeutung wegen nn Wortlaut wiedergeben. Diese Entschließungen werden als Meinungsäußerung des Arbeiterinncnkomitees dem Vorstand des IGB- unterbreitet werden und sind als Beitrag zur Klärung dieser Fragen zu betrachten. Die Entschließungen lauten: „Die Gewerkschaftsbewegung erstrebt Arbeits- und Lcbensbe- dingungen, die es den Angehörigen der Arbeiterklasse ermöglichen, eine Familie zu gründen und zu erhalten, ohne daß verheiratete Frauen zum Mitocrdicncn aus wirtschaftlicher Not gezwungen sind. Di« Gewerkschasten halten solche Arbeits- und Lebensbedingungen für die günstige Entwicklung der Familienangehörigen und zur Förderung des Familienlebens und des Familienglücks für not- wendig. Die Gewerkschaften müssen es aber ablehnen,«inen grund- sätzlichen Kamps gegen die Ermerbsarbcit der verheirateten Frauen zu führen, deren Ursache, besonders in der Gegenwort, häusig ein« Notlage in der Familie ist. Die Gewerkschaften anerkennen das Recht eines jeden Menschen. sich im Rahmen der von der Gewerkschaftsbewegung für alle Ar- beitnehmer für notwendig gehaltenen Grenzen seinen- Lebensweg durch eigene Arbeit, nach seinem Können und nach seinen Kräften, zu gestalten. Ein grundsätzlicher Kampf gegen die Erwerbs- arbeit verheirateter Frauen würde eine Ausnahmestellung gegen eine bestimmte Gruppe innerhalb der Arbeitnehmerschoft und lomit einen Verstoß gegen die in der Arbeiterbewegung geltenden Grundsätze bedeuten. Diese grundsätzliche Haltung berührt„ i cht die Maßnahmen, die bei Massenarbeitslosigkeit von einzelnen Gewerk- schaften für notwendig erachtet werden, nämlich gelegentlich w i r t- schaftlich schwächeren Menschen bei der Einstellung von Ar- beitskröften vor wirtschaftlich stärkeren den Vorzug zu geben und sinngemäß auch bei unvermeidbaren Entlassungen m entgegengesetzter Weise zu verfahren. In oieser Weise darf aber nicht nur gegenüber weiblichen Arbeitnehmern versohrcn werden, und die verheiratete Frau darf nicht grundsätzlich als der wirtschaftlich stärkere Mensch angesehen werden." ..Auskünfte aus den verschiedenen Ländern und zahlreichen In- dustrien lassen erkennen, daß die F r a u e n l ö h n e in Industrie und Handel im ollgemeinen beträchtlich hinter den Männer- löhnen zurückstehen. In den meisten Fällen wird das ossiziell anerkannte Prinzip„Gleich« Arbeit, gleicher Lohn" keiacswegs durch- geführt. � Diese Lage, die das moralische und materielle Leben der zzrou stark gefährdet, beeinträchtigt in hohem Maße die notwendige Erhöhung der Löhne für Mönnerorbeit sowie die Resultate der von den Männern aus diesem Gebiet geführten gewerkschastlicheli Aktion. Deslmlb ist es wichtig, die Aufmerksamkeit der Frauen auf ihre schlechtere Stellung aus dicseni Gebiet zu lenken und ihnen den engen Zusammenhang zwischen der gewerkschaftlichen Macht den Lohnsaßen zu zeigen, um sie aus diese Weise durch ihre Interessen und durch den Geist der Solidarität der gewerkschastlichcn Organiiakion zuzuführen. Gleichzeitig richten wir die Aussordenmg an die männlichen Ar- bester, im gemeinsamen Interesse von Frauen und Männern sich um die Organisierung der Arbeiterinnen zu bemühe«. An die gcwerkschasilichen Landcszentralen richten wir das Er- suchen, eine laufende energische Propaganda&ir Gewinnung der Arbeiterinnen in der ihnen geeigneten Weise zu be- treiben, wobei auch die Abhaltung eines besonderen Propagandanges oder einer Vropogandawoche in Betracht kommen könnte." Schließlich empfahl das Komitee, auch im nächsten Jahr an- läßlich des Internationalen Gcwerkschaitskongressez eine internationale Arbeiterinncnkonfercnz einzuberufen, da die Frauen im allgemeinen auf den gewerkschaftlichen Tagungen zu schwach vertreten seien. Der Gesamtverband. Mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Der„G e s a m t o e r b a n d" ist erstanden! Im Anschluß an das Referat P o l e n s k e s über die Verschmelzung schritt der Verbandstag der drei Verbände gestern mittag zur Abstimmung. Die Verschmelzung der drei Verbände wurde mit überwältigender Mehrheit beschlossen. � Tosender Beifall folgte der Lerkündung dieses Beschlusses. Der Verbandstag nahm dann noch die Wohl der besoldeten und un- besoldeten Vorstandsmitglieder vor. Der neue Berbondsvorstand setzt sich im wesentlichen aus den Vorstandsmitgliedern der bisherigen drei Verbände zusammen. Vorsitzende sind Schumann. Müntner, Döring, Becker. Sitz des Verbandes ist Berlin, als Sitz des Berbandsausschusses wurde Hamburg bestimmt. Mit einigen kurzen Worten der Anerkennung der hin- gebungsvollcn Tätigkeit der Delegierten schloß Genosse Schumann die Tagung. Der gemeinsame Gesang der Internationale, vom Berliner Sinsonieorchester intoniert, krönte diesen historischen Akr. Und nun: Glück aus! Fiasko der KPO. 70 von 115000. Seit Wochen hat die KPD. und ihre gesamte Presse gegen den Zusammenschluß der Verbände der Gemeinde- und Staats- orbeiter, des Deutschen Verkehrsbundcs und der Gärtner und Gärtnereiarbeitcr in schärfster Weise geschrieben. Zum Zeichen des Protestes hatte die KPD. am Dienstag, unmittelbar vor der Schaffung des Gesamtverbandes, nachmittags 5 Uhr in Kliems Fest- sälen, Hosenheide, die Mitglieder der an der Verschmelzung beteiligten Verbände zu einer großen Demonstration aufgerufen. Di« kommu- nistische Presse erzählt, daß an der Demonstration 8l10 Personen teil- genommen hätten.— Die Demonstration sollte um 17 Uhr beginnen. Wir haben festgestellt, daß um 18 Uhr sage und schreibe 7 st Personen sich zu dieser„machtvollen Kundgebung" ein- gefunden hatten— von 115 000 Berliner Mitgliedern des Gesamt- Verbandes. Wobei noch zu untersuchen wäre, ob alle 70 Mitglieder des Gesamtverbandcs sind. Bon wenigen Ausnahmen abgesehen, denken auch die Mitglieder der.Opposition" im Gcsamtoerbande gar nicht daran, die Politik der KPD.-Zentrale mitzumachen. Selbst unter den Führern der„Opposition" hat die Parole der KPD. schärfsten Widerstand gefunden. Ausgeschlossen wurde wegen dieses Wider- standes der Betriebsratsvorsitzende der städtischen Wasserwerke, Fritz Kamin, dem aber kurz noch dem Ausschluß die Betriebsfunktionäre mit allen gegen 4 Stimmen ihr Vertrauen aussprachen. Der Agitationsleiter der Gaswerke, Willi K n a d t, hat seine Delegation zum Verbandstag niedergelegt, weil er nicht bereit war, den Befehlen der KPD. nachzukommen. Gnadt, der bisher Mitglied der Stadtverordnetenversammlung war, ist nicht wieder ausgestellt worden. Ebenso hat Otto M o l d m a n n, der eine führende Rolle auf dem städtischen Schlacht- und Viehhof spielte, seine sämtlichen Funktionen niedergelegt. Der Obmann der Branche Gaswerk« hat ebenfalls erklärt, daß er unter diesen Umständen nicht mehr weiter arbeiten könne und sein« Funktionen in der Partei niederlegen müsse. Alles in allem hat die Parole der KPD. in der Zusammsitschluß- bewegung ein schmähliches Fiasko erlitten. Wir sind über- zeugt, daß auch bei den Parolen der Wahl von.Dampfleitungen" und tarifwidrigen Lohnbewegungen das Fiasko das gleich« sein wird. Erfolgreicher Kampf bei Therma. Sämtliche Forderungen bewilligt. Wie bereits gemeldet, hat die Belegschaft der Schuhfabrik Therma. Berlin, Chausseestr. 42, am 4. und 5. d.-M. die Arbeit niedergelegt zwecks Erkämpfung tariflicher Akkordsätze und anstän- diger Behandlung. Vor der Arbeitsniederlegung hatte der Unter- nchmer zu Verhandlungen überhaupt keine Zeit. Nach der Arbeits- niederlegung wollte er verhandeln, wenn vorher die Arbeit auf- genommen wird. Da die Belegschaft auch dies ablehnte, lieh sich der Unternehmer zu Verhandlungen bercitfinden, die am Dienstag stattfanden. In diesen Verhandlungen wurden alle bei Ausbruch des Kampfes gestellten Forderungen restlos bewilligt. Der Unternehmer wurde verpslichtct, alle Akkordsätze mit den Arbeitern unter Mitwirkung des Betriebsrates zu vereinbaren, und bis diese Vereinbarungen zustandegekommen sind, in den strittigen Abteilun- gen(Stepperei und Wende«!) die Akkordsolloerdienste des Tarif- Vertrages bzw. die Differenz zwischen den, erzielten Lohn und dem Akkordsollohn zuzuzahlen. Der Unternehmer mußte weiter die Verpflichtung eiingehen, den am ersten Streiktoge gemaßregelt.'n Arbeiter Richter mit dem Tage der Arbeitsaufnahme wieder einzustellen. Die Arbeitsverhältnisse gelten als nicht unter- brachen. Die weitere Forderung der Arbeiterschaft, nicht mehr mit dem Borarbeiter Karber zusammenzuarbeiten, ersüüie die Firma insofern, als die Kündigung des Arbeitsverhältnisses dieses Vor. arbeiters sofort vorgenommen wurde, das am 21. Oktober obläutt. Zu diesem Ergebnis hat am 9. Oktober eine Belegschastsversamm- lung Stellung genommen und mit aroher Mehrheit die Arbeits- aufnähme zum folgenden Tage beschlossen, mit dem Gelöbnis, ferner auch innerhalb des Betriebes so einheitlich und geschlossen zusammen- zustehen, wie sie es im Streik waren Die organisierte Spaltung. Statisten und Verräter gesucht. Zum 30. November uni) 1. Dezember ist also der„Relchskongreß der Gewerkschaftsopposition" von der Kommunistischen Partei ein- berufen. In einem besonderen Aufruf der Bezirksleitung der KPD. für Berlin, Brandenburg und die Lausitz wird zur Wahl der Dele- gierten„mit größter Energie und unbeirrt der kommenden Drohungen durch die sozialsoschistische Gewerkschastsbureaukratie" aufgefordert. Berlin, Brandenburg und die Lausitz sollen„mit mindestens 300 bis 400 Delegierten" vertreten sein. Diese Dele- gierten sollen gewählt werden in den Betrieben, außerdem von den koimnunistischen Gewerkschastsorganisationcn, zum drittenmal von den Betriebsröten und schließlich auch noch von den Erwerbs- lofenausschüssen. Es werden also dieselben Statisten viermal austreten und vier- mal Delegierte zu wählen haben. Soweit es der KPD. bereits ge- lungen ist, kommunistisch« Splitterarganisationen aufzuziehen, wird diese niemand hindern, Delegierte auf Befehl Moskaus zu wählen. Wenn die KPD. außerdem unter den Unorganisierten gegen gutes Geld und schlechte Worte einig« Delegierte mietet, so wird man ihr gleichfalls dieses Privatvergnügen lassen. Was anderes aber ist es, wenn versucht werden sollte, organisierte Arbeiter und Angestellte zu mißbrauchen, um einen eigenen Gewerk- schaftsladen der KPD. aufzuziehen. Es wird sich hoffentlich kein organisierter Arbeiter und Angestellter darüber im Zweifel befinden. daß man nicht-eine Politik mit doppeltem Boden treiben kann. Man kann nicht Mitglied einer freien Gewerkschaft sein, deren Rechte und Borteilc für sich in Anspruch nehmen, gleichzeitig aber gegen diese Gewerkschaft auf Befehl von Moskau Krieg führen. Mit solchen Leuten wird kurzer Prozeß gemacht. Für die Arbeiterschaft gilt es aber jetzt mehr als je, sich ge- schlössen in ihren Gewerkschaften und in der einzigen Arbeiterpartei, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, zusammenzufinden. Der vereinte Angriff der Unternehmer und der KPD. auf das Bollwerk der Arbeiterschast kann nur siegreich abgeschlagen werden, wenn die Arbeiterschast sich einhellig gegen den kommunistischen Verrat wendet. Oer New-�orter Marktsireik beendet. New gork, 9. Oktober. Der Streik der Marktautosührer, durch den sich leicht verderbliche Waren im Werte von Millionen Dollars auf den New-Vorker Güterbahnhöfen anhäuften, ist nach Unterhandlungen mit den Ver- tretern der Beteiligten beigelegt worden. Beide Teile haben Zugeständnisse gemacht. Die Arbeiter erhallen eine Lohnerhöhung von fünf Dollar in der Woche; sie haben sich jedoch dafür mit der neunstündigen Arbeitszeit einverstanden erklären müssen. 5 Acht«»«.»irchow-Si-olenha«,: ftreilafl. Iflzj Uhr, im Lokal Eb-rt. S � Brillleler Straße, wichtige Versammln«« aller Parteiaenosse«. Nie. f5| U rnand darf fehlen. Der«raltu>»,»orita»d. ti »�reie Gewerkschafts-Jugend Berlin. Leute, Donnerstag, lüt? llhr, tagen hie Grumten: Gefundbrunuev: Jugendheim Note Schule. Eoteuburger Straße. Vortrag:»Ferdinand Lassalle".— Wedding: Stäb:. Augeudheini Orthstr. 10. Vortrag:»Die amerikanische Wirtschaft".— Moabit: Stadt. Jugendheim Lehrter Str. 18—10 Vortrag:„Das preußische Ksnlordat".— Südofte«: Gnivvenheim Reichcnberger Straße 68 sFcucrwehrhaus). Vortrag:„Der Jugendliche im Arbeitsrecht".— Tempelhoi: Gruvpenheim Lmcum Gcrmaniastr. 4—6. Sosrmann bringt»ns allerlei Lustiges.— Lichtenbrra«ab Rcu-Licktcoberg: Jugendheim Laufs., an d?r Lesfingslraße. Vortrag:„Was ist Kunst?"— Frankfurter Allee: Jugend- heim Frankfurter Allee 367 fWaüer.Nathenau-Zinrmerl. Erstes Auftrercn der neuen Mufüaruvvc.— Schöneweid«: Jugendheim Oberschöneweid«. Lauf?»cr Straße 2(oberes hinteres Zimmer). Vortrag:»Die Frau in der Gemer?» schorl".— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5. Wir lesen Lumoresken.— Lnu.d« berger Platz: Jugendheim Dicstelmenerstr. 5. Glaßbrenner-Abend. � Iuaenvaruppe ves Zentfelverbanves der Anaesteilten kSf/T/ Leute, Donnerstag, finden folgend« Veranstaltungen' statt: Pankow. � Nicdcrschönhaulen: Iugendgeim Gdrschstr. 14(große, Zimmer). Lunt-r Abend.— Treptow: Jugendheim Wild«nbru6>str. 63(Zugang von der Gractz. siraße). Arbeitersgemeinschoft:„Der Lehrling im Vurean".— Sck-öneberg: Jugendheim Laiivtstr. 10(Thllringen, immer). Vortrag:„Der Angestellte in b:r Wirtschaft". Referent Heiu, Mann. Verantwortlich für PoMik: Dr. ckurt Geyer: Wirtschaft: G. Klingelhöser: E-oarlichaftsbewegung: I. Steinet; Feuilleton: Dr. John Schikowoki: Lokale» und Sonstiges: Fritz«arstädt: An, eigen: Th.»locke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag S. m b. S.. Berlin Druck: Vorwärts-Buchbruckerei und Verlaasanstalt Paul Singrr u. To.. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Lier,» 2 Beilagen...Ilnterhaltnng und Wiste»" und..Franenstimme". 6ine seiteae QeieqenheU muß man ausnutzen l Wir btttsn, die folgenden ungrewöhnlich wertvollen und bllllsfen Angebote ganz besonders zu beachten. S c h S n e« Frauen-Kleid »us retnwol!. 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Tine Szene des Schreckens spielte sich gestern nachmittag .m Hause Bergmann st rasie SO ab. Der 45jährige Strafeenbahnarbeitec Wilhelm Albert stürzte, wahrscheinlich in einem Anfalle geistiger Umnachtung sein neunjähriges Sind aus dem Vodensenster aus den« hos hinab. wo es mit zerschmetterten Gliedern l o t liegen blieb. Der Täter wurde verhaslcl. Albert ist zum zweiten Mole oerheiratet. Mit seiner Frau— der Ehe sind zwei Kinder, der neunjährige Herbert und der jiins- jährige G., entsprossen— bewohnte er im ersten Stockwerk des Hinterhauses eine kleinere Wohnung. Der Mann ist bei der Straßen- bahn als Weichenreinigcr beschäftigt. Vor etwa acht Togen hatte er sich krank schreiben lasten: ein altes inneres Leiden machte sich wieder bemerkbar, so daß«r das Haus hüten mußte. Gestern nach- mittag weille er mit der Frau allein in der Wohnung, die beiden Kinder spielten auf der Straße. Unter einem Vorwand entfernte sich Albert aus seiner Behausung, nachdem er zuvor die Loden- jchlüssel heimlich zu sich gesteckt hatte. Er lockte seine Kinder dann auf den Boden, wo er plötzlich den neunjährigen Herbert er- griss und ihn durch die Scheibe des Bodenfensters zwängte..Das üind schrie verzweisell, der entmenschte Bater ließ aber nicht von ihm ab. Mieterinnen des Hinterhauses, die durch das Klirren der zertrümmerten Scheibe aufmerksam geworden waren, sahen gerade noch, wie da? Kind, an den Beinen von zwei Händen gehalten, plötzlich in die Tiefe stürzte. Die Frauen schlugen Länn. Zunächst wurde die Feuerwehr alarmiert, die das Kind, das in einer großen Blutlachs lag. ins Ilrbankronkenhaus schaffte. Es war aber keine Rettung mehr möglich, der kleine Herbert starb bald nach der Aufnahme. In- zwischen war auch die Kriminalpolizei alarmiert worden. Die Be- amtey eilten nach oben und fanden Albert und das jüngste Kind noch unversehrt vor. Ohne Widerstand ließ er sich abführen. Bei seiner Vernehmung gab A. an, daß er die Absicht gehabt hat, mit beiden Kindern in den Tod zu gehen. Cr habe sich mit den Kleinen auf den Boden begeben, was dann geschehen sei, dessen tönne er sich nur im Dunkel erinnern. Albert, ein durch und durch kranker Mensch, steht seit'vielen Jahren in ärztlicher Behandlung. Cr ist häufig operiert worden, so daß er immer verzweifelter wurde. Als ihn gestern wieder furchtbar« Schmerzen plagten, verübte er die schreckliche Tat. Albert wurde verhaftet. Tragödie eines Kriegsbeschädigten. Gr wollte mit der Familie in den Tod gehen. Em schweres Ilervealeiden lieh in dem Schwer- k»egsbeschädigten Paul Lösfler den Entschluß reifen. wU semer Familie in den Tod zu gehen. Zlachdem£. zuvor da» Schlüsselloch der Wohnungstür verstopft hatte, drehte er la der Zlocht zu Mittwoch den Gashahn aus. Durch die Aufmerksamkeit einer Verwandten, die gestern in der Edison- skraße 50 in Oberschöneweide einen Besuch machen wollte, und vergebens Einlaß begehrte, wurde eine Tragödie im letzten Augenblick verhütet. Der jetzt 42iährige Mann ivar früher bei der Eisenbahn be- schästigt, ist aber seit einiger Zeit arbeitslos. Während des Krieges wurde er verschüttet und behiell«in schweres Nervenleiden zurück. Sein« um 1» Jahre jüngere Frau hatte unter seinen Krank- heitsanfällen schwer zu leiden. Im Frühjahr dieses Jahres unter- nahm Löffler schon einmal einen Selbstmordversuch, er tonnte ober gerettet werden. Frau L. war durch den Vorfall so mitgenommen, daß sie in eine Nerosnheilanstalt gebracht io«rd«n mußte, aus der sie erst vor kurzem zurückkehrt«. Aus der Ehe sind zwei Kinder hervorgegangen, die 7jährige Edith und der 8jährige Fritz. Der Zustand des Mannes verschlimmerte sich in letzter Zeit so, daß die Frau es nicht mehr u>ag«n konnte, ihn allein in der Wohnung zu lassen. Am Mittwoch mittag kam die Schwester der Frau das Ehepaar besuchen. Vergeblich begehrte sie Einlaß. Plötzlich bemerkt« die Schwester, daß aus der Wohnung Gasgeruch kam. Di« Feuerwehr und die Polizei wurden atarmiert und die Beamten ver- schafften sich gewaltsam Einlaß. Im Schlafzimmer lag das Ehepaar in seinen Betten, die Kinder hatten sich aus ihrem Kinderbett herausgewälzt und lagen quer über den regungslosen Körpern der Eltern. Nach langen Bemühungen gelang es der Feuerwehr, all« vier ins Leben zurückzurufen. Sie waren aber so schwer mitgenommen, daß sie in das Clisabeth-Hospital gebracht werden mußten. Eisenbahnunglück in polen. Sieben Tote, 27 Schwerverletzte. W arscha n, 9. Ottober. Am Mittwoch morgen hat sich ans der Station S o b o lew bei Demblin ein schweres Eisenbahnunglück ereignet. Vermntlich infolge starken Nebels überfuhr ein Eilgüterzug das Haltesignal und stieß etwa 40 Meter weiter mit dem aus Lemberg kommenden Personenzug zusammen. Der Anprall war so heftig, daß beide Lokomotiven schwer beschädigt entgleisten und mehrere Wagen des Personenzuges sowie fünf Wagen des Güterzuges vollkommen zertrümmert wurden, wahrend zahlreich- andere Wage» schwer be- schädigt wurden. Bei den sofort nnternommenen tungsmaßnahmen wurden fü«s Tote und fünfzehn Schwerderlehte au» Trümmern hervorgezogen, weitere IS Personen haben leichtere Wunden und Q. schnngen davongetragen. Während der Fortschaffung sind zwei Schwerverletzte gestorben; man be- fürchtet, daß sich die Zahl der Todesopfer noch erhöhen wird. Unter den Toten befinden sich nach vorliegenden Meldungen zwei Soldattn» ein Schaffner und vier Reifende, nach anderen Meldungen sollen unter den Trümmern noch mehrere Tote, darunter drei Soldaten. liegen. Aus Demblin ist ein Sanitätszug und aus War- schau eine Untersuchungsrom, nission eingetroffen. Aufklärung desZuwelendiebsiahls. Racheakt des Botschastsportiers. Der Zuwelendiebslahl in der Französischen Botschasi, dee erhebliches Aufsehen erregt hatte, ist durch die Ermittlungen der Kriminalpolizei jetzt völlig geklärl. Als Täler ist der 53 Jahre alte Botschaftspsörtner. der frühere Oberst im rusiischen Generalstab. Michailow, vorläufig in Polizei. gewahrsam genommen ivorden. lllach der Entdeckung des Diebstahls und nachdem die Kriminal- polizei in Kenntnis gesetzt worden war, beobachteten zwei Kriminal- beamte das Personal. Zunächst lenkte sich t>«r Verdacht der Tot auf den in der Botschaft tätigen Kraftwagenfllhrer, der früher R i t t m e i st e r der russischen Armee war. E? zeigte sich aber bald, daß er als Dieb nicht in Betracht kam. Es wurde festgestellt, daß ursprünglich zwischen dem Chauffeur und dem Pförtner, die ja Landsleute und beide Emigranten find, eine gute Freundschaft bestanden hatte, d!« sich aber in letzter Zeit in arge Die größte Stromzentrale Riesenbau des Kraftwerks West in Siemensstadt 731 Copyright>>12? bv Qustav Kiepenheuer Verlag A-G, Berlin Funk sagt gewaltsam laut:„Verzeihen Herr Ober- leutnant—" Da hat der andere genug. Er weiß Bescheid. Er schreit: „Ich werde Sie anzeigen, ich weiß genau, wer Sie sind, ich bin lange genug beim Regiment, Ihnen will ich'» bei- bringen—" „Gewiß, Herr Hauptmann," sagt Funk ruhig, salutiert, sckiwenkt auf dem falschen Absatz herum und geht. Er lacht noch in seinem Bett darüber, er hat lange nicht mehr gelacht, es war ein schöner Tag.— Aber eine warnende Stimme ist am nächsten Morgen doch in ihm, eine leis be- sorgte, die ihn abhält, einem Kameraden von diesem Gockel- tanz etwas zu erzählen, obwohl Sanitätsfeldwebel Bethge sicherlich seinen Bart unter Gewieher vergnügt nach oben dressiert hätte. Weil es also nichts zu erzählen und wenig zn arbeiten gibt, geht man viel spazieren. Jeden Tag nach Brügge pilgern kann man nicht, das Geld wird knapp, man muß mit dem Nest vorliebnehmen. Auf seinen Spaziergängen durch Dudzoele kommt Funk manchmal an einem kleinen sauberen Kramladen vorbei mit Hosenträgern, Fingerhüten, Ansichtskarten und Malzzucker. Die braunen Malzwürfel sehen appetitlich aus. Nicht weniger die Frau, die durch die Scheibe jedesmal ihm zulächelt— oh, keine Verführerin, eine biedere Provinzmatrone von fünfzig Iahren. Sie scheint bald herauszuhaben, daß Funk sich weder Hosenträger noch Fingerhüte wünscht, sondern Malz, denn sie zeigt mit der Hand auf die Glasvase, nickt und winkt ihn init der gleichen Hand herein in den Laden. Funk kann gar nicht anders, als dieser freundlichen Geste höflich folgen. Das Innere ist winzig, aber er kommt nicht einmal dazu, die dürftigen Einzelheiten aufzunehmen, so dringend und geheimnisvoll veranlaßt ihn die Matrone, in ein noch .winzigeres Hinterzimmer zu treten. Die Breite einer Wand wird dokk ausgefüllt von einem Kanapee. Auf ihm sitzt ein rothaariges Mädchen, das grüßend den Kopf senkt, eine hübsche Sechzehnjährige mit gelehrigen Augen, die offenbar schon allerlei gelernt haben. Gleich ist Fun? neben sie geschoben, und auch die Frau hat Platz genommen. Sie hocken zu dritt auf braunem Wachs- tuch, über einer ächzenden Federung. Die Frau beginnt ein wirres Knäuel an Reden zu haspeln, darirt verheddert sind: Malzzucker, Funks Genfer Binde, die er am linken Arm trägt, Watte und Mull, Schwangerschaft und Geburt und das Amt der Hebamme. Das alles erklärt sich dahin, daß die Frau Hebamme ist und dringend ein wenig Material braucht für ihre berufliche Tätigkeit. Daß sie in Funk den Mann sieht, der ihr solches oerschaffen kann, und daß sie ihm Malzzucker in ungeahnten Mengen dafür anvertrauen will. Die Frau bat etwas Flehendes, die gänzliche Mittel- lofigkcit ist offenbar echt, das Notwendigste für ihre Patienten scheint in der Tat zu fehlen— aber Funk sucht ihr klarzu- machen, daß er von den knappen Vorräten, über die er ver- fügt, nichts abgeben darf. „Sind denn nicht eure Soldaten meistens die Väter von den Kindern, die ich hier zur Welt bringen soll?" fragt sie vorwurfsvoll. Funk denkt an den Fall in Mvricourt. Da ist eine Ver- wandtschast. Auch die kleine Rothaarige blickt ihn gravierend � an. Er fühlt, nicht lange diesen Augen widerstehen zu können(Gimpel! beschimpft er sich), und verläßt, ablehnend unter Kopfgeschüttel, den federnden Kanopeefitz. Die Frau folgt ihm in den Laden und hält seinen Acrmel fest. Sie flüstert: wenn der Malzzucker nicht konveniere, stehe ihre Nichte ihm zur Verfügung. Oh, sie sei durchaus folgsam, und er solle sich nicht genieren oder irgendwelchen Skrupel hegen: ihr als Hebammer feien Mittel und Wege offen, um unliebsame Folgen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Da ist sie nun also doch eine Verführerin, diese Matrone. Plötzlich ist Funk entschlossen: ja. sie könne Mull und Watte haben, ober sie dürfe dem kleinen Fräulein kein Wort von diesem kurzen Zwiegespräch erzählen. Dann geht er, behaftet mit etwas schleimigen Segenswünschen, und erleichtert sofort um ein paar Pakete den Sanitätswagen. Er sagt sich völlig beruhigt: so gut Offiziere immer noch Verbandstoff als Taschentücher benützen und dann wegwerfen, kann ich auch dieser Frau etwas schenken. Schenken natürlich, nicht verkaufen.— Wie ist das? Was veranlaßt mich nun, ihr zu willfahren? Sie hat das Richtige getan, ohne zu ahnen, daß es das Richtige war. Bietet mir diese kleine rote Katze an, will sie mir verschachern— und zwingt mich dadurch, ihr nachzugeben. Denn gebe ich nichl nach, so wiederholt sie sicher noch ungehemmter ihr Angebot. Das wäre schrecklich, weil— nun weshalb? Weil ich die kleine Rote nicht verkuppelt haben, sondern weil ich sie haben will. Weil ich sie wiedersehen will. Aha, siehst du, blöder Don Ioan: nicht Tante Hebamme soll sie dir erobern, du selber willst sie erobern. Doch kommt es nicht dazu. Er trägt wohl Verbandzeug hin, aber er hält sich diesmal absichtlich nur kurz auf, um jedes Mißverständnis zu vermeiden, er dringt nicht ins Hinter» zimmer und empfängt als Gegengabe lediglich Malzbonbon?, die er mit Kameraden teilt. Als er drei Tage später das Hinterzimmer wieder be- treten will, als er auf dem Wege ist, begegnet er dem Kom- mandeur, Herrn v. Artigand— fast an der gleichen Stelle. an der er abends mit' jenem Feldwebel zusammenge- stoßen war. Heute ist heller Morgen, Funk schleudert die 5Mid au den Mützenrand, aber er wird wiederum gestellt. Ein Ruft knackerkinn arbeitet gegen ihn:„Weshalb grüßen Sie s? spät? Sie haben bei acht Schritt Abstand mit dem Gruß zu beginnen. Wissen Sie das noch nicht? Wo tun Sie Dienst" Wie heißen Sie?" „Krankenträgerunteroffizier Funk, von der achten Kom pagnie." Der Adjutant sagt begütigend:„Der Mann ist recht? Hand des jeweiligen Regimentsarztes, Herr Oberstleutnant, seit drei Iahren." Der Kommandeur läuft rot au:„Im Sanitätsdienst sind Sie— und wo haben Sie Ihr Abzeichen? Funk streckt den Arm mit der Binde leicht vor:„Hier, Herr Oberstleutnant." Da tobt er los:„Das rote Kreuz sehe ich von allein. Glauben Sie, ich bin blind, Sie Tropf. Frech wollen S'.e auch noch werden! Ich sperre Sie ein. Das bequeme Leben hat ein Ende. Ich schmeiße Sie in den Graben hinaus. Warum tragen Sie nicht nach Vorschrift die Aeskulapschlange am Oberarm?"(Schluß folgt.) ! ' i sr ist. Feindschaft venvandelt liotte. Der Pförtner litt unter der Einbildung, doh der Chauffeur ihn aus feinem Posten herauszu' drängen versuche. Er bezichtigte nun, um seinerseits den Chauffeur zu schädigen, zunächst den Chauiseur eines leichtfertigen Lebens. mandels und versucht« durch allerhand Mätzchen den Verdacht gegen seinen Nebenbuhler zu verstärken. Schlietzlich warf Michoilow das Schmucketui in den Karten in der Erwägung, daß der Chauffeur, der auch Gärtnerarüeiten verrichtet, dadurch wiederum be- lastet werden würde. Der ganze-böse Streich läuft also auf nichts weiter hinaus als auf einen Racheakt. Michailow ist, wie bereits gesagt, vorläufig in Gewahrsam genommen worden. Kriminal- kommissar Busdorf hat dem Botschafter von dem Ergebnis der Nach- forfchungen Bericht erstattet. Da der Vorfall auf cxtcrri- torialem Gebiet sich abspielte, so wird M. de Margerie zu entscheiden haben, in welcher Weis« gegen den Obersten vorgegangen werden soll. Durch Giarkstrom getötei. Ole elektrische Waschmaschine als Todbringer. Die außerordentliche Gefahrenquelle, die schlecht isolierte . elektrische Stromträger darstellen, zeigt der Fall der 45jährigen 'it 1 Frau Muhlhaosen, die in ihrer Wohnung in der katha- • rinenskr. 26 im Bezirk Zehlendors ums Leben kam. ' Der Diplomkausmann M. bewohnt in der Katharinenstraße mit seiner Frau Minna und seinem 13jährigen Sohn Otto ein Ein- samilienhaus. Ms der Mann kurz nach 18 Uhr heimkehrte, fand er in der Wohnung niemand vor. Ms er in der Waschküche, die im Kellergeschoß liegt, nachsah, fand er neben der elektrischen Wasch- Maschine Frau und Sohn leblos am Boden liegen. Der Mann rief sofort einen Arzt herbei, der bei Frau M. jedoch nur noch den Tod feststellen konnte. Auf den ersten Blick erkannte der Arzt, daß die Frau von einem elektrischen Schlag getroffen und auf der Stelle getötet worden war. Die Wiederbelebungsversuche bei dem Kinde waren dagegen nach längeren Bemühungen von Erfolg. Die Waschmaschine, die zweiiellos infolge eines Defektes den tödlichen Strom weiterleitete, ist beschlagnahmt worden. Man glaubt, daß Frau M., als das Unglück geschah, allein in der Waschküche weilte. Sie stürzte dann zu Boden und blieb leblos liegen. Ossenbar blieb ihr Körper mit der Waschmaschine in Berührung: als dann der Junge hinzukam und der Mutter helfen wollte, ereilte ihn das gleiche Schicksal. Die Kriminalpolize! ist mit der weiteren Klärung des seltsamen Unglückssalles beschäftigt. Gegen puischisten und Aufwiegler. Di« kreise Prenzlauer Berg, Köpenick und T e m p e I h o f hielten sehr gut besuchte Mitgliedcrverjamm- langen zu den aktuellen politischen Problemen ab. Alle Derfcnnmtungen begonnen mit einer Ehrung für den vor- kä'mpser des Sozialismus Karl Kautsky, der am 16. Oktober seinen 75. Geburlsiag feiert. 3n allen Versammlungen wurde eine Resolution angenommen, in der zum Ausdruck kam, daß die Sozialdemokratie zwei große Angriffe der Sozialreaktion und Putschisten bereits erfolgreich abgeschlagen habe, daß es auch der Macht der Arbeiterklasse gelingen wird, das Volksbegehren zum Scheitern zu bringen. ' In der Versammlung im Prenzlauer Berg referierte Reichstagsobgcordneter Vogel, der in l/jstüudigeni Vortrag« die politische Lage entwickelte und die Haltung der Sozialdemokratie begründet«. Nach den Verhandlungen im Haag, so führte er aus, beginnt jetzt der Kampf um die Verteilung der Lasten. Herr Hugenberg und die Schwerindustrie wollen die Lasten für den verlorenen Krieg und dazu noch die Soziallasten auf die Schultern der Arbeiterschaft abwälzen. Sie wollen außerdem und das wird im Wahlkanipf recht deutlich gesagt werde», den Kampf aufnehmen gegen die öffentliche Wirtschaft, weil sie fürchten, daß ihnen Profit- raten verloren gehen. Di« Deutschnationalen habe» die Bauern aus- gehetzt, die sogar mit Bombcnattentaicn gegen die Republik vor- gingen. Die Deutschnationalen sehen die einzige Läsung in der Krise der Landwirtschaft in der Heraufsetzung der Zölle und Snboen- tionierung der landwirtschaftlichen Betriebe. Die Sozialdemokratie ist der Üeberzeugung, daß allein die Hebung der Kaufkraft der arbeitenden Schichten auch den Abiatz der Landwirtschakt erhöhen kann. Herr Hugenberg protestiert gegen den sgoung-Plan, well er eine Versklavung mehrerer Generationen bringt. Hat er vergessen, daß seine Fraktionsgcnossen dem Dawesplan zugestimmt haben, der eine noch viel längere Versklavung in sich schloß. Genosse Bogel schloß unter stürmischem Beifall der Versammlung mit einem Appell, alle Kräfte anzuspannen, um der Sozialdemokratie im Kommunal- wahlkainpf de» Sieg zu bringen. Im Rahmen der großen Kundgebungen gegen Sprengstoff- attentate, Volksbegeihren und Sozialreaktion des Bezirksverbandes Berlin veranstaltete der 16. Kreis Köpenick im Saale des Stadttheaters eine gut besuchte Mitgliederversammlung. Genossin Mathilde Wurm, M. d. R.> faßte die logischen Zusammenhänge zwischen den drei Cinzelaktionen der Rcpublikfeindc sehr verstand- lich zusammen. Sie warnt« davor, die Gegner nicht ernst genug zu nehme». Die verschiedenen Anstrengungen, der R.'publik den Todesstoß zu versetzen, werden von den Nationalisten mit einer fanatischen Intensität betrieben. Sie scheuen vor keinem Mittel zurück. Das ganze Lolskbegehrcn zurzeit ist nichts mehr und nichts minder als ein Volksbetrug. So lange der Vor- saillcr Vertrag zu Recht besteht, kann Deutschland aus eigener Initiativ« seine Schuldenregelung nicht ändern. Diese Tatsache wird aber geflissentlich verschwiegen, und dadurch bewußt die Täuschung erweckt, als könnte ein Bolkseiitscheid irgendeine Er- leichter, mg bringe». Angesichts dieser und ähnlicher Kampfesweisen der Nationalisten können wir nicht mehr länger müßig beiseite stehe», sondern müssen selbst von der Defensive zur Ofiensive über- gehen. Unsere stärkste Waise ist eine starke Organisation, ist eine starke Partei und Gewerkschaft und über dies hinaus eins stark« europäische und außereuropäische Internationale. In der Krcismitgliederversammlung des Kreises T« m p« l h o f referierte Genosse Max H e y d- in a n n. Er kennzeichnete die Vorstöße der sozialen und politischen Reaktion der letzten Zeit, die sich in Bvmbenatteniaten, dem demagogischen Hngenberg-Volks- begehren und dem glücklicherweise durch die Sozialdemokratie ab- geschlagenen Angriff auf die Arbeitslosenversicherung ausdrücken, als die Folge der Zuspitzung der Klassengegensätze, als die Antwort der Rechten auf den Machtgewinn der Arbeiterklasse, der sich im unaufhaltsamen Wachstum der Partei spiegelt. Es handelt sich für die Reaktion darum, die soziale Gärung der vom Kapitalismus ins Proletariat hinabgestoßenen Kleinbürger- und Kloinbauernschichten, die einmal auch ideologisch zur Arbeiter- Nasse stoßen müssen, vorläufig durch die Erweckung nationalistischer Illusionen zur Bildung reaktionärer Stoßtrupps auszunützen. Ihre Diktaturpläne«npflchlt die Reaktion als Allheilmittel gegen die soziale Rot. Was die ganze Meute jener jo �volksfreundlichcn" Sklareks kontra Lehmann. Em Lieferungsskandal, an den sich die bürgerliche presse nicht erinnert. Die Vernehmungen der Sklareks und ihres Buchhalters Lehmann in Moabil gehen weiter.?Nax Sklarek ist Lehmann am Rlillwoch gegenübcrgestelli worden. Dabei haben die beiden Angeschuldigten ihre bisherigen Aussagen ausrecht erhallen, so daß eine Ucbereinsiimmung über den Hergang und den Verlans der Fälschungen n i ch l erzielt werden konnte. Die Differenz in der Aussage bezieht sich allerdings in erster Linie darauf, wer auf den Gedanken zuerst gekommen ist, die Kredite der Stadl- b a n t in der bekannten Weise durchzusehen. Sklarek hat auch bei seiner Vernehmung durch den Vernehmungsrichler sich bemüht, keine Namen zu nennen, doch sind ihm die Aussagen Lehmanns ganz ausführlich entgegengehalten worden. Lehmann selbst blieb bei seiner Darstellung und hat sie in einzelnen Punkten sogar noch erweitert. Er erklärte, daß diedreiBrüderihreGeschäfteinaußer- ordentlich geschickler Weise abgewickelt Höllen, so daß es ihm nicht möglich gewesen sei, alle Transaktionen vollkommen zn durchschauen. „Freie Konkurrenz." Die Aifare der Gebrüder Sklarek wird von der bürgerlichen Presse zu heftigen Angriffen gegen Verträge, die die Stadt Berlin mit bestimmten Firmen oder Gesellschasien abgeschlossen hat, benutzt. Es wird die„freie Konkurren z" gefordert: nur sie allein sei der Preisregulator, der die Stein vor Schädigungen schützt und gleichzeitig eine Benachteiligung des freien Handels und des freien Gewerbes verhindert. Daß die freie Vergebung von Aufträgen absolut nicht immer vor Benachteiligungen durch die sich bewerbenden Unternehmer schützt, beweist«in Fall, den unsere Stadt- verordnetenfraktion im März IS 2 6 in der Stadtver- o rd n c te n v c r s a m m l u ii g so rechtzeitig zur Sprach« bringen konnte, daß die beabsichiigte Schädigung der Stadt Berlin vermieden wurde. Damals hatte der Syndikus der B e r l i n c r S ch l o s s e r- Innung eine Schlosserfirma veranlaßt, für die Arbeiten am Bau der Flcischgroßhandlung ein bestimmtes Angebot in Höhe von 260 000 M. zu machen und gleichzeitig die anderen Schlosserei- betrieb« aufgefordert, wesentlich höhere Angebote abzugeben, so daß sie für eine Austragserteilung nicht in Frage kamen. Der Syndikus hatte den anderen Firmen eine bare Geldentschädigung für den ausfallenden Verdienst zugesichert. Die Schlosserei mit dem niedrigsten Angebot brach aber aus dem Ring aus und so kam das gesamte Material in die Hände unserer Fraktioy. Die Herren Schiosscrineistcr waren unvorsichtig genug, sogar schrift- tiche Vestätigungeii für die auszuzahlende Entschädigung zu ver- senden und der„Vorwärts" konnte den sauberen Plan enthüllen. So wurde verhindert, daß die Stadt Berlin um Zeh ii tau sende Mark geschädigt wurde von denselben Jnieressentengruppcn, die es meisterhaft verstehen, die freie Kon- kurreuz selbst auszuschalten, um nachher scheinheilig über Benach- teiligung zu klagen. Von oll den bürgerlichen Zeitungen aber, die heute nickst laut genug über den Sklarck-Skandol schimpfen können, regte sich 192 b e r g als Bezirksverordnete an. Sie arbeitet hauptsächlich in der Wvhlsahrtspslege. die ihrer Anlage und ihrer sllrsorgerischen Neigung besonders zusagt. Die Berliner Genossinnen und Genossen batiken heule der Mitkämpferin für ihre Treu« und beglückwünschen sie Herzlichst. Ausstellung:„Gesunde Nerven". Der bekannte Londoner Schriftsachverständige Dr. Robert Saudeck ist auf Einladung des Berliner Magistrats, Bezirksamt Kreuzberg, nach Berlin gekommen, um sich an der Sonderjchau „Gesunde Nerven", der ersten Ausstellung für psychische Hygiene zu beteiligen und den Vortragszyklus mit einem Vortrag über .Es hieß, daß das Lzörspie!„K r u g a k t i e n 117* von der politischen Ucberwachungskomiiiission beanstandet und erst im letzten Augenblick zur Aufführung zugelassen morden sei. Weil e- die Amerikanisierung der deutschen Wirtschast skizzierte? Für den Laien — und der Rundfunkkriiiker ist in wirlscheiftzpolitischen Dingen natürlich auch nur Laie— verriet das Spiel nichts, was er nicht ohnehin wußte. Es mag sein, daß es für den Eingeweihten aufschluß- reicher ist und ganz.bestipmite'Lorgänge des Wirtschasislebens jest- halt. Der große Hörerkreis bekam Einblicke in das Geschästsleben, die allerdings von einem beträchtlichen Teil möglicherweise als unterhaltend abgelehnt wurden. Doch es blieb jedem unbenommen, auf den miisitspendcnden Deutschlandsender umzuichnlten.— lieber den Vortrag des Reichsinnenministcrs Genossen S cvering wird an anderer Stell« berichtet. Tes. Experimentelle Graphologie zu eröffnen. Die Aus- stcllung wird am Donnerstag, dem 10. Oktober, vormittags 10 Uhr, im G e s u n d h e i t s h a u s des Bezirksamts Kreuzberg, Am Urban 10/11, durch Bürgermeister Genosse Dr. Herz eröffnet. Der Vortrag von Dr. Robert Saudek findet am Freitag, dem 11. Oktober, abends 8 Uhr, im Vortragssaale des Gesundheit-- hause- statt.___ Wie entsteht ein Rundfuräprogra««? Die nen geqrstndete DetsgrApve Verlin des A r t, e i L e r, R a i o. V u n d e s hält am knmm-nden Donnneri.. taq, 101? Uhr, int Saal 5 de? Gemertsäinftsbauses, eine MUgliederversammIuna ob, in der der Abteilungsleiter der Deutschen WeAe. Dr. Wiir�burqer, über..Die Entstehung eines Rundfunkproqromms� sprechen wird. Auch der übrige Teil der Tottesordnung. der sick mit orqanisotorischen Trr:?e.n beschäftigen wird, macht die Anwesenheit jedes Mitgliedes notwendig..�Ztschnften sind an den 1. Porsistenden. Genossen Graul Berlin EW.. �reidenlerhaus, Gneiscnau» strafte 41, üu richten. Siedler in ftauUdorsl Die Vewag hat uns genaueste Auskunft über ihr Vekabellmgssr.stem gegeben. Dos Material kann in der„VortDärts"-Reda!tion eingesehen werden. ii 1 SozialjfijsKeArbejteri'llgendGr.-Verlin Smsmdunzen für dies- ZU-dM nur«n da« zcgtnbfrlrrlarint ZZcrlm 8J368,£fnbnt(Iro#e 3 Die JltBcitMcmrrnfdiafi üfctr»nd S!rsdele«ierltn mit den Ableilunae. leitern. Anschließend um Mt Uhr Zusammenkunft aller Ctadt- und Be» lirlsoerordnetenkandidaten. 7. Krei» dharlottenbura. Der Kursus.Einfilbrun» in den Marxismus", Pr. Tora Fadian, beginnt nicht heute, sondern erst Donnersiaa, 17. Oklo- der(■nächste Woche). II. Krei» Dchöueber«. Peamtenwerbeau-schuh: Frei tost, 11. Oktober, 20 Uhr, im Klublimmer des Ratskellers, Neues Rathaus, Rudolf-Wildc-PIah. Portraq:.Kommunalwahlen und Beamtenschaft. Warum Beamtcnwcrbc. ausschuß Echöncbcrq?" Referent Polizeioberst a. D. Dr. Hermann Schilhinaer. Gäste willkommen. 14. Krei, Neukölln. Die Abteilungsleiter werden ersucht, am Freitag, 11. Otto. der. pünktlich UM 19 Uhr, ror der Kreismitgliederversammlung. am Bilfet! in Klicms Festsälen, Lasenheide(großer Saal), zu erscheinen. Heule. Donnerska�. 10. Oktober. 24.«dt. Die Gruppenfithrer weiden ersucht, sofort Werbematerial vom«b. teilungskasstcrer abzuholen. 2ll.«dt, Achtung, Bezirisilldrerl Broschüren zur Wcrbewoche stnd sofort, außer Gannabcnd, vom Genossen Ncugebaner. Kniprodeftr. ll. abzuholen. 37. Abt. Alle Genossinnen und Genosse» beteiligen sich beute an der Kreis» fei 199a. Abt. Freie Scholle. 29 Uhr im Lokal»schollen trug-- Werbe» sri Versammlung. Vortrag:»Die politisch« Log« nnd bi- kommende» Stadt- Wi rcrorbaetenwahlen". Rescrent Landtags- bgeordncter Erich K»tt»er. M Alle Genossinnen und Genossen sowie Eqmpathisirrende und.Vorwärts". Di Leser fiftd dazu eingeladen. Sonnabend, 12. Oktober. C3 93. Abt. 20 Uhr in der Allen Taverne, Alt, Stralau 20, Kerbftsest -i(heiteret Abend). Der llebrrschnß soll ssir dir inoalide» und arbeit». S lose» Partei» und Zugrndgcnossr» verwendet werden. Vorträge, Renne, f; gymnastische und turnerisch« Vorführungen. Tan», Alle Genossen sind -z mit ihren Angehörigen, Freundcn und Bekannten freundlichst dazu r- eingeladen. .„ gleichen Abend stattfindenden Festlichkeit de» Baugcwerksbnnde» im Lokal Reichsadler auf Sonnabend. 19. Oktober,»er- legt werden. ». Abt. Steglitz. Die im Lokal Schellhase, Ahornstr. 15», lagernten Flua» bliitter sind von de» Bezirken umgehend abzuholen und zur Berleilung zu hringen. W. Abt. Tempelbof. Di« Bezirkswhrcr, die ihr Werbematerial auf der Krei» Mitgliederversammlung noch nicht erhalten Haben, werden gebeten, e, umgebend von Harsdorf(Porwärt.-spedition). Wcrbcrstraße, abzuhole». Für Reu-Tempelhok von Mar Westvbal. Paradesrr. 22. abholen, Blanteoseld«. 20 Uhr im Lokal Müller, Schildower Str. 3, Milaliederver. saannlung. Vortrag:»Kaager Rouseren,. Povvg.BIa», Knaenberg.Bolt». begehren". Referent Ernst Reumanu. Alle Genossinnen nnd Genossen, Sowpnkhisierend«»ad»Borwärt-".Les«r sind besonder, dazu ei-gel-den. Morgen, Areilag. 11. Oktober. II. Abt. Bit Genossinnen und Genossen werden gebelrn, sich an der Werbe- seier und Fahnenweihe der Sozialistischen Arbeiterjugend, Gruppe Hansa. um UVt Uhr In der Schulaula Waldenserstr. 21 zu beteiligen. 33. Abt. ISl-, Uhr außerordentlich« Mitgliederversavnnlung in Schmidt, Ge- sellschoftshaus, Fruchtstr. 90». Wegen wichtiger Tagesordnung wird voll» zählige» Erscheinen erwartet. Mitgliedsbuch legitimiert. >4. Abt. Zehleadorf. 1»� Uhr bei Schneider. Potsdamer Str.», Funktionär. 1«. Abt."'lr«»4»w. ISHH Uhr in der BorwSrtsspedition Sraetzsti.« Sitzung all« Vo�IsahrtsPfleger. 103.«bt. Köpenick. 19 Vi Uhr Zahlabende,«lt. NU»«i-tz-orsiabt: Lokal Lietsch«. Dorntheenstr. 1. Köllaisch« Vorstadt: Stivvekobl. Schönerlinder Str. 5. Dammvorfbadt: Achtung, neue» Lokal! Lokal Oskar Schulze. Bahn! straß« A4. Siedl»»« Uhlenhorst und«Spenick-R-r»: Lokal Domke. Mahls» dorfer Str. 1.(Das andere Lokal beachten!) 124«.«dt. Mahlsdorf.Süd. 20 Ubr bei Draber. Uhlondstr. 13. Funktionär. sitzuug. Erscheinen aller Funktionäre dringend notwendig. Wichtig» 133.«B��EegtL�lOVi Uhr bei Schade. BerNner Str. 17. Fvnktionärsißun«. Sonnlag, 13. Oktober. rrs 47.«bt. Kerbstsest, rerbnnden mit einer Zubilarseier im großen g Saal de, Gewerkschaft-baules. Enaeluser 24— 2ö. Mitwirkung de» Kegar- � Sbor» und der Sozialistischen Arbeiterjugend. Festansnrache: Artur sss sirisvien, M, d. R. Saalsissnung 10 Uhr. Beginn 17 Uhr. Eintritt sisi einschließlich Tan, 7ö Bs. Karten bei allen Abt«ilung«su»ltionärcn nnd ssl am Saalcirgang erhältlich. 19. Krei« Pankow. Donnerstag, 17. Oktober, 19Vi Uhr, in Pankow, (Fi Linders Kastnosaal, Breite Straße. Frauenwerbeveranstaltung, Film:(Z si.Rote Jugend im»Roten Wien", Ansprach« der Genossin Klara Böhm» Ei? S Schlich. M, d. z>.-Außerdem Rezita'ion:': und Mitwirkung des Singe. äZ( J kreisics Niederfchönhousen. Eintritt 30 Pf. 102. Abt. Banmschnlcnweg. Alle Genossinnen beteiligen sich an der am Frei» taa. 11. Oktober, von IS— 19 Ubr im Lokal Saß. Damnschulenftr, 72. statt» findenden. FluablattverbreUung. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrl. 7. Krei» EHarlottenbnrg. Die Aktenbesprechuna am Freitag. 11. Oktober. fällt au», dafür restlose Beteiligung an dem Bortrag der Genossin Todenhagcn im Bürgersoal des Rathauses, Köniastraßc. 19',i Uhr. Zungsozialisten. Gruppe Süden: Freitag, 11. Oktober. 20 Uhr, im Jugendheim, Diskussion». abend:.Faschismus". MltlMtl-BssM mit folgender Tagesordnung: SsrevgfkofllZllelllske. Sligellberg-Vollsbegehrev. gozilllreMiLv Henke. Oonnerskag, den iO. Oktob«r: Ariedrlchshaiv. 19V, Uhr in den Andreas-Festsälen. Andreasstr. 21 Morqen, Freitag, den lt. Oktober: ZlenkSllv. ISVg Uhr m Kliems Feftfälen, großer Saal, Hasenheidc. e f e r e n t e n: Artur Crispien, Wilhelm Dittmann. Gruppe Friedrichshain: We Mitglieder beteiligen sich Heus«, Donnerstag. an der KreismitaNedcrversammIuna in den Andreas- Testsäleu, Andreasstr. 21. Wir treffen uns vor dem Jugendheim Tilsiter Str. 4. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfrcunde Grosz-Berlin. Troß-Berliu: Freitag, 11. Oktober, 20 Uhr, Siftuiigsfaol Bezirksamt Kreuz- bcrg. Yorckstr. 11, Hclferversammluna. Tagesordnung: Aussprache ilber die Ärcisarbeit fdie Kreisleiter berichten in einem Mnf-Minuten.Referat über den Swnd der Kreisbewegung, die Beziehungen zur Partei und Arbeiterjugend usw.). 2. Bericht von der Reichskonferenz in Gera. Das Erscheinen aller Helfer ist dringend notwendig.— Achtung.' Die Geschäftsstelle ist infolge der Helfer- fifumg und der vorangehenden Borstendssitzung«m Freitag. 11. Oktober, nicht geöffnet, sondern erlt wieder am Monwg. 14. Ok'obcr, von 17—1» Uhr.• Krei« Prenzlauer T�rg: Sonnabend. 12. Oktober, von 10—19 Ilhr. in der Schnlnula Denziger Str. 23, erste Zusammenkunft des Arcissinge. und Be- wegungschors. Leitung: Lücke und Gleihner. Die älteren, jetzt ausgeschiedenen Noten Fulken- stnd besonders dazu eingeluden. � Äreis Friedrichshain: Freitag, 11. Oktober, 17 Uhr. treffen stch alle Note Talken und Zungsalken im Jugendheim Brommystr. 1 zur Generelprobe zu der am Sonntag stattfindenden Morgenfeier. Geburtslage.'Jubiläen usw. 0. Abi. Unserem alten Genossen Angnft Müller und seiner Ehcirau znni 00. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. W.Abt. Untere langjährige treue Genoisin Anna Kulickc. Prinz:». stroße t02, begeht am hentiqen Taae ihre» 70. Geburtstag. Sevassio Kulicke hat als srüticre Swdtvrrordncte, jeßt Bezirlsvcrordnetc nnd Wohlfahrtsvor, sieheri», im kommunalen Leben vorbildlich gewirkt. Wir gratuliere» ihr herz. lichft und wünschen ihr weitere» Wohlergehen. Voriräge/VereineundVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Goid". Geschättsstelle: Berlin S 14, Sebästianstr, 37/38, Ho? 2 It. Donnerstag. 10. Otto her. Tiergarten: 20 Uhr Borstandssißung bei Trstmpor. Weißensee: Der kam, Rich. starl. olitm, Vorsitzender des Ortsncrcins, ist am ö. Oltober verstorben. Einäscherung 19 Uhr Srema- tsrium Gcrichtstraße. Antreten 18 Uhr Gustav-Adotf. Ecke Hcinersdorter Straße, Nachzügler 19 Uhr Kremaiortum. Rege Beteiligung wirb erwartet,— Frei» tag, 11. Otwber. Tiergarten, Kameradschaft Westen sl: 20 Uhr Bersammiung bei Rickcrt. Elcinmctzstr, 30». Bortrag Kam. Lehrer: �Konununolwahlen". Mitgliedsbücher mitbringen. Kassierer abrechnen.— Lichtenberg: Die Kamerad. schaftssitzungen fallen aus. Alle aktiven und passiven Kameraden besuchen die Mitqliederversammluna des Ortsvcrcins im Logenkasino, Knorrpromenade 9. Bortrag Kam. Dr, Mischler:»Die politische Lage in Oesterreich". Aktive Kameraden in Bundesklcidung. Pflichtosransialtung.— Soovadend, 12. Olto. ber. Reueahagen.Hoppegarteu.Biilensteln: 20 Ubr Monatsoersammlung im „Birkensteincr Stitg". Bootraa Kam. Kräutlcin Uber den»7>oimg»Pto». Er» scheinen oller Kameraden Pflicht. Eäste willkommen. Rudcrriea«: Bon 191- bis 21 Uhr Kastcnrndrrn In den Ruderanlagen der„Berliner Turnerschaft". wtralau, Tunnelstr, 4, Beginn eines neuen Anfängcrkursus,— Mitte, 3, Kamcradsftatt: 10. Oktober. 20 Uhr. Kameradschaftsvcrsammluna bei Schilling. Rungcstr. 30.— Friedrichshain: Freitag, 11. Oktober. 19?V Ubr. Kamerad. scbaitsversammtungcn. Kameradschaft Mcmel bei Aentsches, Mrmeter Str. 13: Kameradschalt Bllsching bei Blawert, Wcbcrstr. 24a. Referent Kam. Stadtrat Rostn. Auch die posstven Kameraden haben zu erscheinen. «rbeiter-Ahstinentcu-Bund, Gruppe Friedrichshain. Donnerstag, 10. Okto» ber, ab 19U. Uhr. Zusammenkunft de: Gruppe im Jugendheim der weltlichen Schule, Diestelmenerstr. 4— ö. Genosse Katzenstein rcscriert über Bundesarbcit. Gaste willkommen. Kuter-Bund. Froitoa. U. Oktober, 20 Ubr. im Friedrich-Wilhrlm-Gumna. stum. Kochstr. 13, Vortrag über.Die phnsiognomitä,« Bedeutung der- Schädel» form". Freie?rb«itcr.Esperallto.Lcrei»igung Berlin. Monatsversammtung 20 Ubr im Fugendbeim Am Ostbahnhof 17, xorstendssitzung Vt Stunde früher. Wir rechnen mit dem Erscheinen aller Mitglieder. Kursus ebenfalls um 20 Ubr, Deutscher Esperar, to-Bund, Ortsgruppe Berlin. Freitag, 20 Uhr, Werbe» abend im Gcsangssaal des Sophien-Lnzeums, Weinme:stcrstr, 21- 29, Freier Körperkult» rkrris Krenzberg. Donnerstag, 10. Ok'obcr. 20 Ubr. im Jugendheim Wassertprstr. 9,„Politische Satire" iAIfred Frrn,zct). knotlsd Conversalional Club foundcd 1078. Meciings tbi» Friday 8 p. rn. Bechsteinsaal, Linkstr 42. Reritations by Miss Jane« Barrow. Cuests, Ladies « Oentlernen, are welcome AnSiMsii aus vielen lausenden und tausenden, weshalb Sie jetzt- da es höchste Zeit wird. Ihre neue Wintergarderobe zu besorgen- unserem Rat folgen sollten: Oieoblfl�nAngebote stehen Ihnen ab Donnerstag zur Verfüaunal-Sthrlftl. Bestellungen können nicht berückslchtiat werden I Für zwei Milliarden Margarine. Vor einem Welimonopol des Margarmetrusts. Seit drei Jahren ist in dem Dertrustungsprozeß der inter- nationalen Margarine�Industrie Schlag aus Schlag erfolgt. Schon vor dem Jahre 1927, in dem sich die beiden holländisch-englischen Riesenkonzern« Juergens.und van den B e r g h zu einem Trust verschmolzen, stand der internationale Margarinemarkt unter dem beherrschenden Einfluß dieser beiden mächtigen Kapitalgruppen. Die schon damals oft angcivandte Bezeichnung eines M a r- garinemonopols traf aber insofern nicht das Richtige, als die beiden Großkonzerne sich in ihren verschiedenen Interessen- gebieten, besonders in Deutschland, England und Skandinavien, noch scharfe Konkurrenz machten. Außerdem bestanden ober in Europa noch der gleichfalls sehr kapitalkrästige Schicht-Konzern in Aussig(Tschechoslowakei) und der englische Seifenriese Lever Brothers-Sunlight Konzern, die immerhin als gefährliche Konkur- renken der beiden Margarineriesen anzusprechen waren. Mit der im Jahre 1927 durchgeführten Verschmelzung des Juergens- und oan-den-Bergh-Konzerns zu einem mächtigen Trust wurde der Aufkakt zur monopolistischen Beherrschung des europäischen Margarinemorktes gegeben. Die Basis dieser beiden Konzerne lag ursprünglich in Holland. Durch schnellen Zugriff auf die überseeischen Rohstoffquellen für die Margarine, und Zkunsffett- industrie sicherten sich die beiden Konzerne zunächst das Rohstoff- Liefermonopol von Kopra, Palmöl usw. für die freie europäisch« Margarine-Jndustrie. Dies« Machtstellung wurde so weit ausgebaut, daß schon lange vor der Verschmelzung von Juergens und van den Bergh die freien Werke der Oelmühlen- und Margarine-Jndustrie in Europa ihre Rohstoff« nur durch Dermittlung dieser beiden Groß- konzern«, also ihrer erbittertsten Konkurrenten, kaufen konnten. Dieses Rohstoffmonopol entschied in kurzer Zeit das Schick« sal der meisten freien Werke in der Margarine-Jndustrie. Von der Bevorschussung langfristiger Lieferverträge bis zur Beteiligung war der Weg nicht weit, und von der Beteiligung war es bis zur völligen Aufsaugung oft nur ein Schritt. So beherrschten Juergens und van den Bergh bereits 192? etwa 7S Proz. der gesamten deutschen Oelmühlen. und Margarine-Jndustrie. Heute erstreckt sich ihr Ein- fluß bereits auf 8S Proz. der gesamten Margarine- Produktion in Deutschland. Von dem deutschen Margarinekonsum von 450 Millionen Silo jährlich, die einen Wert von etwa 639 Millionen Mark haben, werden also über 389 Millionen Kilo von dem Margarinetrust geliefert. In der Beherrschung der Rohstoffquellen und der Aufsaugung einer Unzahl freier Fabriken erschöpfte sich jedoch der Machtausbau des internationalen Margarinetrusts noch nicht. So hatte sich der/ frühere vcm-den-Bergh-Konzern bereits vor Iahren in der englischen Welthandelsfirma L i p t o n u. Co. festgesetzt, die Europa und die überseeischen Länder mit einem engen Netz von Tausenden von Verkaufsstellen überzogen hat. Diese Gefellschaft, die zunächst als reine Teehandelsfirma arbeitete, besitzt ein Kapital von etwa 69 Millionen Mark und außerdem noch eine Tochtergesellschaft, die Meodow Dairy Corporation mit etwa 39 Millionen Mark Kapital. Durch die Beherrschung dieses weltumspannenden Handels- Unternehmens ist der Margarinetrust in den Besitz einer der größten und bestausgebauten Absatzorgonisationen gelangt, die seine Produkte in allen Teilen der Welt zum Verkauf bietet. Auch die Anfang 1928 vollzogene Angliederung des Schicht- Konzerns in Aussig bracht« dem Margarinetrust einen wertvollen Zuwachs an gut eingespielten Llbsatzorganisationen. Der Schicht- Konzern, der auch Margarine fabriziert, dessen Stärke aber in der Kosmetik(Elida-Creme) und nach der Aufsaugung der Reichardt- Kakao-Werke auch in der Schokoladenindustrie liegt, hatte seine Hauptabsatzdomänen in Mittel- und Osteuropa und besonders auf dem Balkan. Daß dieses Unternehmen vor der Verschmelzung von Juergens und van den Bergh zu einem Trust im Schotten dieser beiden Riesen recht gut gedieh, spricht für die finanziell« wie auch betriebstechnische Stärke dieser Kapitalgruppe. Mit seiner mehr oder minder freiwilligen Angliederung an den internationalen Mar- garini/block war der letzte größere Konkurrent auf dem kontinentalen Margarine- und Fettmarkt ausgeschaltet. Jetzt hat der Margarinetrust nach einer längeren Ruhepause, in der die Saugpumpe nur mit halber Kraft arbeitete, zu einen, ganz großen Schlag ausgeholt. Di« vor wenigen Wochen durch- geführte Verschmelzung mit dem englischen Seifen- und Fettriesen Lever Brothers-Sunlight— in Deutschland unter dem Namen Sunlicht gut bekannt— schließt privatwirffchastlich nicht nur die letzte Lücke des Europamonopols. sondern bedeutet gleichzeitig den entscheidenden Schritt zum Welt- monopol. Levex Brothers, der zweitgrößte Jnduftriekonzern Englands überhaupt, arbeitet mit einem Kapital von 1,3 Milliarden Mark. Etwa 249 eigene Fabriken und Tochtergesellschaften produ- zieren für ihn in der ganzen Welt. Er ist Besitzer riesiger Loti- sundien von Kokosplantagen und Palmwäldern in Zentralafrika. Eigen« Walfangflottillen bringen seinen großen Tranfabriken in Südafrika den hochwertigen antarktischen Blauwal zur Verarbeitung. In allen Teilen der Welt stehen soft 199 999 Arbeiter und Ange- stellte im Dienste dieses Konzerns. Di« Umsätze im letzten Geschäftsjahr erreichten 1,3 Milliarden Goldmark, während mengenmäßig 2,24 Millionen Tonnen versandt wurden. In Zehn-Tonnen-Waggons verladen, wäre hierzu ein Güterzug notwendig, der von Berlin bis München und zurück die Gleis« bedeckt. Di« Jahresbilanz von 1928 bringt beut- lich zum Ausdruck, auf welchem Gebiet das Schwergewicht des Konzerns liegt. Die Seife- und Parfümbeteiligungen allein weffen einen Wert von 599 Millionen aus, die überseeischen Rohstoffbesitzungen einen Wert von 329 Millionen Mark, während in den Margarineinteressen 199 Millionen Mark investiert sind. Aus der Verschmelzung dieses Riesenkonzerns mit dem Margarinetrust entsteht ein Weltunteniehmen in der Mar- garine- und Kunstfettindustrie, das über eine Kapitalmacht von annähernd 2 Milliarden Alk. verfügt. Die Fangarme des Margarinetrusts greifen aber noch weiter. So wird außer Lever Brothers in die Verfchmelzungs- aktion auch noch dos größte nordamerikanische Fettunter- nehmen, die Procter und Gamble-Comp. in Cincinnati einbezogen. Dieses Unternehmen, das mit 195 Millionen Mark Kapital arbeitet und der Morgan-Bank nahesteht, beherrscht die Glyzerinproduttion in den Vereinigten Staaten fast zur Hälfte. Rund ein Drittel seines jährlichen Umsatzes von 729 Mil- lionen Mark entfallen auf Speckersatz und weitere 39 Proz. auf Seif«, Parfüm und Kerzen. Die schon hohen Dividenden der Vorkriegszeit, die zwischen 12 und 16 Proz. schwankten, sind durch die Gewinne der letzten Jahre weit in den Schatten gestellt. Schon 1926 wurde«ine Dividende von 35 Proz. verteilt, die in den letzten beiden Iahren sogar auf 49 Proz. kletterte. Mit der Angliederung dieses Unternehmens hat sich der inter- nationale Margarinetrust einen äußerst wertvollen Stützpunkt auf dem amerikanischen Kontinent erobert. Nach den schlagartig er- folgten Zusammenschlüssen muß man damit rechnen, daß der Trust seine Monopolmacht, die von der Kontrolle der Rohstoffquellen über die Beherrschung der Fabrikation bis in die letzton Kanäle des Verteilungsapparates hineinreicht, noch stärker aus- bauen wird. Sein Ziel ist die Weltherrschaft über die für die Bevölkerungsmassen der Industrieländer, unentbehrliche Mar- garme-, Seifen- und Kunstfettproduktion. Nur eine einzige Macht hat bisher der Herrschsucht der Trust- Magnaten Trotz bieten können, die Macht der organisierten Verbrauchermassen. Die deutschen Konsumgenossenschaften haben zwar die Eigen- Produktion von Margarine noch nicht aufgenommen, jedoch reißen die beiden Seifenfabriken in Riesa und Düsseldorf «in ziemliches Loch in dos Monopol des Seifentrusts. In Eng- l a n d haben die Konsumgenossenschaften durch eigen« Margarine- Produktion gleichfalls das Monopol des Trusts durchbrochen und in ihren Seifenfabriken produzieren sie heute immerhin schon 29 Proz. des Seifenumsatzes von Lever Brothers. Hier zeigt sich deutlich, daß die Macht der in- der Konsumgenossenschaft vereinigten Verbraucher heute bereits so stark ist, daß sie auf dem Schlachtfelde der kapitalistischen Konzentration allein ihre Stellung halten können. Konsum wächst weiter. "16 Prozent Mehrumsah im September bei der Konsum« genossenschast Berlin. In gleichbleibender Stärke vollzieht sich Monat für Monat der Zugang neuer Mitglieder in die Berliner Verbraucher- organisation. Im September erklärten wieder 2834 Haushallungen ihren Eintritt in die Konsumgenossenschaft Berlin(August: 2849). Im ersten Vierteljahr des 31. Geschäftsjahres(Juli/September) er- höhte sich der Mitgliederbestand um 8483 auf 179 468. Der Gesamtumsatz erreichte im September die Summe von 5 764 394,99 Mark, was gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres eine Steigerung um 783 849,95 Mark gleich 15,7 Proz. bedeutet. Während in den Lebensmittelabgabestellen die Umsatz- Vermehrung sich auf 13,6 Proz. bemaß, betrug sie in der Gruppe Flesschabgabestellen 71,6 Proz. Ueberaus starke Fortschritte zeigen sich in der Benutzung der konfumgenossenschaftlichen Sparkasse; die Einlagen wiesen Ende September einen Bestand von nahezu 39 Millionen Mark (38 956 594,95 Mark) auf. Es standen den Einzahlungen in Höhe von 2 268 294,38 Mark 913 136,97 Mark Auszahlungen gegenüber, woraus sich«in Vergleich zum Vormonat ein Mehr von 1 335 157,41 Mark ergibt. Nicht weniger als 3645 Sparkonten wurden neu errichtet. In das Netz der konsumgenossenschaftlichen Abgabe stellen reihte sich am 9. September die 242. Lebens- mittelabgabestelle, Berlin O., Stralausr Allee 36, ein. Mit Beginn des Monats Oktober wurden infolg« der Verschmelzung des Konsum- Vereins für Velten und Umgegend weiter« 12 Abgabestellen angegliedert. Diese Abgabestellen sind in Velten(4). Birkenwerder, Bötzow, Germendorf, Hennigsdorf, Kremmen. Marwitz, Oranienburg und Vehlefanz belegen. Insgesamt oerfügt die Konsumgenossenschaft Berlin nunmehr über 392 Abgabestellen, die sich zusammensetzen aus 253 Lebensmitelabgabestellen, 38 Fleischabgabestellen, 5 Waren- - Häusern, 5 Manufakturwarenabgabestellen und 1 Möbellager. Zusammenschluß landwirtschaftlicher Genossenschaften. I» der Provinz Ostpreußen ist der organisatorische Zusammenschluß der landwirtschaftlichen G e n o ff e n fcha f t s- oerbände unter Führung der Preußentasse durchgeführt worden. Arbeiislofigkeit Anfang Okiober. Sie nimmt im Neich leicht zu. Die Arbeitslosigkeit hat noch dem Bericht der Reichsanftalt für die Woche vom 39. September bis 5. Oktober eine weitere schwache Zunahme erfahren. Di« Entlassungen ans dem Baugewerbe, den Baustoffindustrien und der Metallindustrie, konnten durch den Bedarf der Landwirtschaft und der Derbrauchsgüicr- industrien nicht ganz ausgeglichen werden. Die Zahl der Arbeits- losen in der Versicherung(nicht identisch mit der Gesamtzahl) dürfte etwa 759 999 betragen, das find 170 999 mehr als im Vorjahr und 499 999 mehr als 1 927. De Belastung der Versicherung ist mithin jetzt schon sehr hoelz. Geringer als im Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit nur in Westfalen und Bayern, besonders gedrückt erscheint die Situation in Sachsen. Stürmische EisktroentWicktung. Das Finanzkapital ist zufrieden. Einen wichfigen Stützpunkt des Finanzkapitals im internatio- nalen Stromgeschäft bildet die Züricher Elektro dank An dem Unternehmen ist hauptsächlich schweizer und deutsches Bank- kapital beteiligt, das sich durch Finanzierung von Kraftwerken und Verkehrsunternehmungen sowie durch Beteiligung an den ver- fchiedenften Elektrizitätsunternchmcn«inen großen Einfluß im europäischen Stromgeschäft verschafft hat. Die Gesellschaft stellt in ihrem Geschäftsbericht für 1928/29 fest, daß die stürmisch« Entwicklung auf dem Gebiete der Elektrizitätswirkschaft ohne Rücksicht auf politische und wirtschaftliche Schwankungen unvermindert weitergeht. Der Strom- bedarf nimmt in allen Ländern stetig zu und kamn ist ein neues Werk dem Vetrieb übergeben, härren schon wieder«ine Reihe neuer noch größerer Projekte der Verwirklichung. Dos Unternehmen, das jetzt mit 75 Millionen Schweizer Franken Kapital arbeitet, weist einen Reingewinn von rund 9,8 gegen 9,6 Millionen Franken im Vorjahr aus. Die Dividende bleibt mit 19 Proz. unverändert. Di« Aktienbeteiligungen der Bank belausen sich auf 45,4 gegen 49,4 Millionen Franken im Vorjahr. Hiervon«nffallen 14,6 Mil- lionen ans deutsch«-Beteiligungen. Die Re'.chsbank in der ersten Okkoberwoche. Nach dem Ausweis vom 7. Oktober hat die Entlastung der R e i ch s b a n k nach dem Ultimo nur zögernd eingesetzt. Allerdings muß bei den niedrigeren Rückflüssen auch in Betracht gezogen werden, daß die Anforderungen an die Reichsbank zum Ende September geringer waren als zu den vorhergehenden Ultimotcrminen. Die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln. Schecks, Lombards und Wertpapieren ging um 249,2 auf 2689,1 MM. zurück. Im einzelnen haben sich die Bestände an Wechseln und Schecks um 119,4 auf 2498,9 MM. verringert, während andererseits die Lombardbestände von ihrem hohen Stande Ende September sehr erheblich um 199,6 auf 76,7 Mill. gesenkt wurden. In die Kassen der Bank flössen in der Berichtswoche 259,1 Mill. zurück. Hiervon sind 2'?7.5 Mill. Reicbebanknoten, deren Umlauf dam't aus 4686,8 MM. zurückging. Di« Goldbestände und deckungsfähigcn Devisen haben sich um 14,3 auf 2561 ch Mill. erhöht. Die Noten- deckung durch Gold allein stieg von 45 auf 47,2 Proz. und die Deckung durch Gold und deckungsfähige Devisen von 51,8 auf 54,7 Prozeit. Immer noch mehr Stickstoff. Wie gemeldet wird, will die spanische Regierung eine eigene Stickstoff- industrie ins Leben rufen. Verkaufe Linolen-». T/iillat. ltolonievrak» S Vlbfcblcr-Tcooiche. Alitne fllcrac SI»;ne ! Nltine U Qualität Ii Qualität I« Qualität Kiicner. Berlin. WcMchler Zkteb'elilcr JÜeMefi'tr Dcbichler �eichskohlenverband/ Genossenschaften Merkwürdige Praktiken. Der Reichstag hat End« Juri 1929 eine Entschließung zu den Ausführungsbestimmungen des Kohlenwirt- fchaftsgefetzes angenommen, die u. a. besagt, daß die V«r. einigungen der Verbrauchergenossenschaften die von ihnen benötigten Kohlenmengen zu den gleichen Preisen und Lieferbedingungen er- halten wie der Handel; außerdem darf ihnen die Einhaltung von Mindestpreisen nicht auferlegt werden. Gegen die Ausführung dieser Beschlüsse wendet sich der Reichstohlenverband. Er hat u. a. auch ein Schreiben an das Reichswirtschaftsministerium gerichtet, in dem er gegen die Beschlüsse des Reichstages Stellung nimmt. In diesem Zusammenhang interessiert ein Schreiben des Reichs- kohlenverbandes an die Syndikate, in dem es u. o. heißt: „Der Reichstag ist in die Ferien gegangen und wird, wenn er vielleicht Mitte August einmal wieder zusammengerufen wird, jedenfalls noch nicht mit der Sache(Beschlüsse des Reichstags vom 26. Junl 1929. Red.) befaßt werden. Es sst mit dem Reichs- wirtschastsministerium vereinbart worden, daß Besprechungen innerhalb des Reichswirtschaftsministeriums über diese Frage erst stattfinden sollen, wenn die beiderseitigen Reserenten(Minifterial- rat Kralik vom Reichswirlschastsministenum und Keil vom Reichs- kohlenoerband) Mitte August von ihrem Urlaub zurückgekehrt sein werden. Bis dahin bitten wir die Syndikat«, Erhebungen anzu- stellen, welche Mengen in den letzten Iahren an die Genossen- fchaften gelangt sind, und zwar wieviel direkt von den Syndikaten und wieviel durch den Handel." Dieses Schreiben ist äußerst interessant. Es ergibt sich au< ihm einmal, daß jemand, der außerhalj, des Reichswirtschaftsministeriums steht, in der Lage ist, Besprechungen im Reichswirtschaftsministerium über einen Reich-tagsbeschluß zu verzögern. Infolgedessen ist die Frage berechtigt, ob da» auch«in anderer als Herr Keil vom Reichskohlenoerband kann. Oder wird Herr Keil als Vertreter der Syndikate angesprochen? Warum verfährt man, wenn das der Fall sein sollte, nicht ebenso mst anderen Interessenvertretern? Weiter interessiert die Aufforderung an die Syndikate, Er- Hebungen über den Bezug von Kohle durch die Genossenschaften anzustellen. Diese Erhebungen werden sicherlich unternommen, um sich ein Bild über den Umfang dieses Bezugs zu machen. Darauas ergibt sich, daß man sich über die Situation absolut noch nicht im klaren war, als man das obenerwähnte Schreiben an das Reichs- wirtschastsminffterium richtet«. 2*3 2*3 2V4X3H 3x4 2X3 2>SX3'4 3X4 19.- Marl. 24.— Marl 38.— Mark 59.- Marl. 38,- Mark 55,— Mar? 85.- Mark jf.y'.Musikinstrumente tfinlpicnno, überaus vreiswert. Diano- »avri? Link. S�runnenÜrake 35* Selhaki biviar Preise. Empielil» ?aillenmäntel. Palekots, ffraela. Smoking». q-elieackanzllge, Bosen, Suort- crebvelae. 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Oktober, nachmittags 5 Uhr im Krematorium Baumschulenweg, Kiefholrstraße, statt. »palst mar.■ gut End billig T Nur Bross-Bcrfln Aloxandorplatz Alexanderplatz Neo« K6nig8tr.43 100 ÖS*ÄK OaiUungs-.Haba«- Beklamemarken gegen Nachahmung gesettl. gesch. fertigt seit48 Jahi Spezialität. ___ rafl»aller Leipzig- Schkeuditz WM Metallarlieiter-VerM Verwaltungsstelle Berlin Berichtigung Am 7. Oftobet starb anfet StoTIcg«. der Schmied Radolf Schmidt Die Beerdigung findet Freitag. IL Oktober. uochM. 1", Uhr. von der Leichenhall« de» Eemeinbejrledhajeo in Stahnsdorf au, statu Rege Beteiligung wird erwartet. vir Ortsvrvrnaitnng ! Sltveres klnkommen!! sichert sich Firma oder Herr durch Uebernahme unseres Mo- Bopol-Artikels, Kraftmesser für 2 Personen. D R.-P 460952. Noch einige Bezirke innerhalb Groß- Berlins zu vergeben. Durch Aufstellung der Automaten sichert sich der Aufsteller sofortige Bareinnahmen. Jedes Risiko ausgeschlossen. 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Ottober, unser allseits verehrter Mitarbeiter und Kollege, der Fahrstuhtlührer Ernst Lansneff Im Alter von 40 Jahren nach kurzem Krankenlager durch den Tod ad» derusen. Während unserer langjährigen?.u. sammenarbeii erwies sich der Ber. stordene ai» pfiichltreuer Mitarbeiter und Genosse, der seinen Platz im Betrieb w;e auch in der Ardeuer» dewegung in würdiger Weite ans» füllte. Seine stet» bewiesene Srad» heit und Hilfsbereitschaft sichern Ihm ein ehrendes Andenken. Berlin, den 9. Oktober 1S2S. Gesdiaitsleitiuio und Persoüal der Vorvilrts-BodidniikereL Trau erfrier: Sonnabend, 12.Oido- der. 18 Udr, Krematorium Gertchtftr. Bekanntmadiung. Die in her Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1928 versetzten Pfänder sind versteigert worden. Ueberschstsse sind bis zum 9. Oktober 1930 abzuheben. SwaMche» eathamk. 2& Kmeß-eiu�epi nach des Tages Mühen gesnnd und erfrischend, ohne.Lebewohl"* eine Qual. •) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aeirten mpfohlene Hühneraugen• LeUewolil und Lebewohl« Ballenschelben« Blechdose(8 Pflaster! 75 Pfg., Lebewohl« PuUbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schach« tel(2 Bäder) 50 Pfg., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewohl In Blechdeaen and weisen andere, angeblich.ebenso gute* Mittel zurück. X