BERLIN Sonnerstag 10. SNober 1929 lOPf. Nr. 476 B 237 46. Jahrgang Erschetat tSgltch aaterSonatag«. Zugleich Abendausgabe de».VorwSrt«'. Bezugsriei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. g.KOM. pro Monat. Sledaktion und Tppeditivn'. Berlin SWöS.LindenSr.» ■ K|ti«(n»tei<:SU einspaltige Nvilpareillejeil« Pf., Aeklameieile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkooto: Dorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»7öZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Oer Schlag auf den Stahlhelm. So wohlbegründet die Auflösung des Stahlhelm in Rheinland- Westfalen auch ist, der Rechten scheint sie doch überraschend gekommen zu sein. Mit einiger Spannung erwartete man heute morgen das Echo der Regierungsaktion in der Rechtspresse. Dieses Echo ist matt. Die„Deutsche Zeitung" ist zunächst über Seoerings Rundfunk- rede so aufgeregt, daß sie gar nicht dazu kommt, zur Auflösung redaktionell Stellung zu nehmen. Die agrarische„Deutsche Tages- zcitung" beschränkt sich darauf, die Frage aufzuwerfen, ob nicht Reichsbanner und Iungdo gleichfalls militärische Uebungen abge- halten hätten und doch nicht verboten worden wären. Bis zur genauen Klärung dieser Frag« will sie sich ihre„Stellung- nähme v o r b�e h a l t e n". Etwas munterer ist die eigentliche Hugenberg-Presie. Der „Lokal-Anzeiger" überschreibt seinen Artikel„Willkür aus Angst" End versichert:„Die Stimmung, in der die Rechte in diesen ihr auf- gezwungene» Kampf eintritt, kann nur zuversichtlich sein." Der„Tag" versucht, sich etwas entrüstet zu stellen, weil das Geseg, auf Grund dessen der Stahlhelm im Westen ausgelöst wurde, in Aus- führung des Friedensvertrags erlasien ist. Aber auch ohne Friedensvertrag könnte es sich kein Staat gefallen lassen, daß sich in seinem Innern militärisch ausgezogene staatsfeindliche Organi- fationen bilden. Er setzt dann auseistander, daß das chugenberg- Begehren eine wunderschöne Sache ist und stöhnt:„Daß diese Sache nicht auch die der Grzesinski und Müller ist, ist t i e f t r a u r i g." Es ist wirklich zum Weinen. Im ganzen verstärkt diese neue Erfahrung den alten Eindruck: Auf der Rechten ist man lausefrech, solange dabei gar nichts zu riskieren ist, aber für die Sprache der Macht hat man dort ein außerordentlich feines Verständnis. Daß man dort nur diese Sprache versteht und nicht die Sprache der Vernunft und der mensch- lichen Anständigkeit, das ist wirklich„tiestraurig". Gut. daß es eine„Rote Fahne" gibt; sie bringt in diese Jammer- stimmung doch wieder etwas Humor, indem sie enthüllt, Grzesinski führe gegen den Stahlhelm nur einen S ch e i n k a m p f, um die Wachsamkeit der Arbeiter einzuschläfern. Aber die„Fahne" hat das alles durchschaut und wird das Doppelspiel restlos aufdecken. Daß die Stahlhelm- Auflösung ein« Maßnahme zur Vorbereitung des Krieges gegen die Sowjetunion ist, wird heute noch nicht verraten. Das kommt erst morgen. Die Auflösung des Siahlhelms. Düsseldorfer Stahlhelmhauo geschlossen. Düsseldorf, 10. Oktober. Nach Mitteilungen des Polizeipräsidiums ist gestern nachmittag in Durchführung des Erlasses der preußischen Regierung das Düsseldorfer Heim des Stahl- Helms geschlossen worden. Bei dem Führer des Stahlhelms Freiherrn von Burgsdorff-Garath. wurde das gesamte auf den Bund bezügliche Material beschlagnahmt. Weitere Beschlagnahmungen wurden vorgenommen in Ztlrefeld, Cleve, Geldern, Gladbach, Rhehdt, Viersen und in anderen Orten des Bezirks. Die Maß- nahmen der Polizei sind in allen Fällen ohne Störung verlaufen. Gegen die Schließung des Düsseldorfer Heims, das Eigentum des Stahlhelmvereins e. V. ist, ist Einspruch erhoben worden. Die bei der Polizeiaktion mit Beschlag belegten Gegenstände, so die Akten des Volksbegehrens, die im Stahlhclmhrim untergebracht waren, werden nach Sichtung des Materials wieder freigegeben werden. Gewerbsmäßige Verleumder. Die Preßpiraten der„Noten Fahne". Die„Rote Fahne", die eine Reihe von Sozialdemokraten bewußt verleumdet hat.„berichtigt" in folgendem Tone: „Von dem Rechtsanwalt des Stadtrats S ch l i ch t i n g geht uns eine Mitteilung zu, daß Schlichting weder die Brüder Sklarek kennt, noch mit ihnen in irgendwelchen Beziehungen gestanden hat, noch von ihnen oder irgendwelchen Mittelspersonen Kleidungs- stücke arbeiten ließ oder bezog. Hochkonjunktur für billige Dementis, die auf Fälschung der Kleiderliste spekulieren. Niemand glaubt es ihnen." D'e Burschen von der Redaktion der„Roten Fahne" betreiben die Beschmutz ung und Verleumdung gewerbsmäßig. Es klingt wie Blech. Das Locarno des Ozeans. Krieg zwischen England und Amerika undenkbar/ Ltm die Freiheit der Meere. New Zork. IE Oktober.(Eigenbericht.) Präsident Hoooer und Ministerpräsident Macdonald gaben eine gemeinsame Erklärung heraus, in der es heißt: Der Besuch des eng- tischen Ministerpräsidenten bei Präsident Hoooer, der nunmehr be- endet ist, hatte den Hauptzweck, die persönliche Fühlung herzustellen, die fruchtbringend zur Förderung freundlicher und offener Beziehllngen zwischen den beiden Ländern sein wird. Prä- sident Hoover und Ministerpräsident Macdonald sind für das starke Interesse, das die Bevölkerungen beider Länder an der Zusammen- kunft genommen haben, dankbar. Sie betrachteten es als Beweis für den starken Wunsch beider Nationen, zu einein engeren Verstehen zu kommen. In der ErNärung heißt es weiter:„Während der letzten zwei Tage halten wir bei unjeren Unterredungen Gelegenheit, nicht nur die Besprechungen über ein F l o t t e n a b k o m m« n noch ein- mal vorübergehen zu lassen, die während des Sommers zwischen uns stattgefunden haben, sondern auch«tnig« wichtigere Wege zu besprechen, auf denen die moralische Kraft unserer Länder für den Frieden ins Feld geführt werden kann. Die Rolle, die jede unserer beiden Regierungen bei der Förde- rung des Weltfriedens spielt, wird verschieden sein, da die«ine niemals wünscht, in Europas Diplomatie verwickelt zu werden. während es die Aufgab« der anderen ist, die Politik aktiver Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarn zu verfolgen. Jede unserer Regierungen wird aber ihr« Gedanken und ihren Ein- fluß auf die Sicherung und di« Aufrechterhaltung des Weltfriedens richten. Beide Regierungen erklären nicht nur, daß Krieg zwischen ihnen undenkbar ist. sondern daß Mißtrauen und Argwohn, die aus Zweifeln und Furcht entstehen. nunmehr aufhören müssen, die nationale Politik zu beeinflussen. Wir treten an alte, h i st o r i s ch e P r v bl e m e von neuen Gesichts- punkten aus und in neuem Geiste heran. In der Annahme, daß Krieg zwischen uns unmöglich und daß Konflikte zwischen unseren militärischen und Marinekräften nicht Platz greifen können, haben diese Fragen ihren Sinn verändert und ihre Lösung in für beide Länder befriedigender Weise ist möglich geworden. Wir haben oer- einbart, daß dies« Fragen Gegenstand emgehender Erwägung zwischen uns werden. Eines der hoffnungsvollen Ergebnisse des nunmehr beendeten Besuches ist es, daß unsere zwei Regierungen Beratungen darüber nach der gleichen Art und Weise beginnen werden, die wahrend des Sommers in London angewandt wurde. Wir hoffen für alle Zeiten, alle» Wettrüsten zwischen un» selbst, das Kriegs- gesahr und Verschwendung öffentlichen Geldes In sich barg, dadurch zu beenden, daß wir Flottengleichheit in jeder Schiffsart vereinbarten. Die Erklärung gibt zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß der eingeschlagene Weg von den angelsächsischen Völkern be- grüßt wird. Wer im Dreck sitzt... KPO Oer Oeutschnationale:„Da- wieder ein Oreckspritzer! Schade, daß der Stoff nichts annimmt!" Hoovers Gegenbesuch vereinbart. London. 10. Oktober.(Eigenbericht.) Au» zuverlässiger Quelle verlautet, daß Mocdonald den ameci- konischen Staatspräsidenten hoover nach London zu einem Gegenbesuch eingeladen habe, hoover soll die Einladung bereits grundsätzlich angenommen und seinen Besuch in London für das kommende Zahr in Aussicht gestellt haben. Eine Erklärung von Böß. Oer Oberbürgermeister verlangt gerichtlichen Schutz. Soeben ist da» folgende Telegramm des Oberbürgermeisters aus San Franziska im Rathaus eingeteossen: „haben ip gemeinsamer Beratung Sachlage Sklarek geprüft, festgestellt, keiner von uns über Geschäfte Sklarek mit Stadtbank irgendwie unterrichtet oder beteiligt. Oberbürc-ermeister. Venecke, Rydahl haben in Jahre zurückliegender Zeit. Benecke und Rydahl auch in letzter Zeit Bekleidung gekaust. Oberbürgermeister hat alle» bezahlt. Benecke und Nydahl in letzten Stunden vor Abreise Erhaltenes noch nicht. Für p e l Z j a ck e Sklarek waren 275 Mark gefordert. Oberbürgermeister hat diesen preis abgelehnt und entsprechend der Ein- schähung des wahren Wertes mit Wissen der Sklarekd lOOOMack aus eigener Tasche wohltätig nachweisbar verwandt. Presseinterviews dahin beantwortet, daß Beteiligung von Stadt- beamten ausgeschlossen, Aktion in Verlin für Wahlmanöver Halle. Erbitte Berichtigung durch Berliner presse, gerichtliche» vorgehen gegen Verleumdungen. Abkürzung der Reise wegen ungünstiger Schisssverbindung schwer möglich und sachlich bedenklich." Zollkampf im Ausschuß. Oer HandelSpolittsche Ausschußüberschreitet seine Befugnisse Entgegen den Wünschen der Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten war der Handelspolitische Ausschuß gestern nachmittag zu einer Beratung züsammengetreten, der die genannten Fraktionen aus Protest gegen das Vorgehen des deutschnationalen Vorsitzend»», Herrn Lejeune, fernblieben an der heutigen Sitzung des Handels- politischen Ausschusses beteiligten sie sich jedoch, um vorliegende Anträge der Rechtsparteien auf Zollerhöhungen abzuwehren,"die beiden letzteren beantragten Vertagung. Nach Ablehnung eines von den Sozialdemokraten gestellten Vertagungsantrages wurden die Anträge beraten auf Erhöhung der Zölle für Rindvieh zu Schlachtzwecken vön 13 auf 24,50 M., bei Schafen zu Schlachtzwecken von 13 auf 22,50 M, bei Rindfleisch und Schasslcisch, frisch oder gefroren, auf 45 M. für den Doppelzentner. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten wurden diese Zollerhöhungcn angenommen. Die letzte Entscheidung liegt allerdings beim Reichstag. Ein weiterer Antrag, den Zollsatz für Ger st e von 2 auf 5 M. je Doppelzentner zu erhöhen, wurde nach unend- lich langer Debatte und nachdem der Reichscrnährungsminister Dietrich die Erklärung abgegeben hatte, daß eine entsprechende Vorlage bereits dem Reichskabinett vorliege, auf Antrag der Sozial- demokraten und Demokraten abgelehnt mit der Maßgabe, daß der Ausschuß über die Anträge beraten werde, sobald auch ihm diese Vorlage zugegangen sein werde. Die Deutschnationalen und mit ihnen die Vertreter der Baye- rischen Volksparlei waren aufs äußerste erbittert, daß ihnen dieser neue Zollerhöhungsanschlag vorbeigelungen war, und warfen den anderen Parteien vor, daß sie den Untergang der Land- Wirtschaft herbeiführen wollten. Ein anderer Antrag, unter- zeichnet von allen Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten und Kommunisten, ersuchte die Reichsregierung, in den schwebenden Handelsvertragsoerhantllungen ohne vorherige Zustimmung des Handelspolitischen Ausschusses keine Bindung dek Zölle Kredit nur an Fraktionskollegen. Dietrich sorgt nicht für Brüninghaus. In der Nachmittagssitzung des Raiffeisen-Untersuchungsaus- schusses mußte der Zeuge S e e l m a n n auf sozialdemokratische An- frage zugestehen, daß die Raiffeisen-Bank bei ihrer Kreditgewährung an Pnvate sich über den volkswirtschaftlichen Zweck der Kredite kein Kopfzerbrechen gemacht hatte. Diese Antwort verdient fest- gehalten zu werden. Denn zu der gleichen Zeil, als diese Kredite ausgegeben wurden. sah der Raisseisen-Direktor und preuhische Landtagsabgeordnete Seelmann im Larmal-Untersuchungsousschuh des Landtags, wo die deutschnationale Fraktion wochenlang sittliche Entrüstung dar- über mimte, daß bei der Kreditgewährung der Preußischen Staats- dank der volkswirtschaftliche Zweck nicht genügend gewahrt ge- wesen sei. Große Heiterkeit erregte noch einmal der Expräsident Dietrich. Auf die Frage eines Kommunisten, ob die„biochemische Industrie" in Hamburg bei der Kreditgewährung bevorzugt worden sei, weil der Admiral und Reichstagsabgeordnete Brüninghaus an der Spitze des Unternehmens stand, erwiderte Herr Dietrich ärgerlich: „Aber Herr Brüninghaus gehörte ja gar nicht zu meiner Fraktion." Schallendes Gelächter im ganzen Saal. Erst hinterher erkennt Di�rich, was er mit dieser Antwort verraten hat und sucht sich her- auszureden. Gegen Schluß der Sitzung wiederholte der Zeuge S e e l m a n n noch einmal fein Bekenntnis, daß die großen Verluste der Bank zweifellos auf die völlige Desorganisation der Leitung zurückzuführen waren. Als ihm der Abgeordnete Mainzer(Soz.) die Stellen des v. Kameke-Berichtes vorhielt. daß Protokolle von Vorstandssitzungen nicht geführt worden seien. sondern erst hinterher bei einer bevorstehenden Revision zusammen- geschrieben und von den Vorstandsmitgliedern im Ramsch unter- zeichnet wurden, erklärte Seelmann: „Auch hier ist eine der Stellen des Berichts, von denen ich zu- geben muh. daß sie der Wirklichkeit sehr nahe kommen. Soweit Protokolle der Vorstandssigungen existierten, waren sie j a m m e r- voll und unter aller Kritik. Sie enthielten nur Befördc- rungen und ähnliches, über die wichtigsten Beschlüsse schwiegen sie sich aus. Die Tätigkeit des Generaldirektors Dietrich war nur eine sporadische." Die Worte Seelmanns machten im ganzen Ausschuß tiefen Eindruck. Di« Vernehmung der drei ehemaligen Raisseisen- Vorstandsmitglieder war damit beendet. Ein Verlangen des ehe- maligen Abteilungsleiters und Prokuristen Dr. Lange, sofor! ver- nommen zu werden, lehnte der Ausschuß ab. weil diese Vernehmung ohne Kenntnis der Dr. Lange betreffenden Strafakten nutzlos lein würde. Es wurde beschlossen, den Reichssinanzminister um Ueberlassung der Lange betreffenden Steuerstrafakten zu ersuchen. In einer Abendsitzung am Donnerstag, dem 17. Oktober, soll ein Vertreter des Justizministeriums den Akteninhalt der eingestellten Strafoer- fahren vortragen, lieber seine weiteren Dispositionen wird sich der Ausschuß dann schlüssig werden. Inwelendiebin ans Liebe? Die Momoy zum drittenmal vor Gericht. Unter gleichem Andrang von Publikum und Vresie wie am 1. August begann heute morgen vor dem Schössen- gericht Lichterselde der Prozeß gegen Helga v. ZN o n r o y. Die Anklage lautet wieder auf D i e b st a h l und Urkundenfälschung., Die Verhandlung am 1. August mußte vertagt werden, weil sich ganz unerwartet neue Tatsachen ergaben, die sowohl in die Dieb- stahlsmotioe der Monroy wie auch im Falle des Selbstmordes des Rittmeisters a. D. v. Wedel Licht bringen sollten. Run glaubt man zu wissen, weshalb die junge Dame aus bester Gesellschaft am 22. Dezember o. I. bei ihrer Tante, der Gräsin Hermersberg, Juwe- len im Werte von 90 000 M. gestohlen, weshalb Fritz v. Wedel sich um den Vertauf bemühte und sich unmittelbar nach der Verhaftung der Gräfin das Leben nahm. Es hieß, daß der Rittmeister beim Bankhaus Heinrich Emden eine Schuld in Höhe von 2S 00 0 M. hatte. Das Bankhau, weigert« sich, die Schuld zu stunden und drängte auf sofortige Zahlung. Helga v. Monroy griff nun zu einem oerzweifelten Mittel, um dem Freunde zu helfen. Sie legte dem Bankhause einen Brief vor, aus dem hervorging, daß der Familienälteste des Hauses Hohenlohe-Oehringen— der Mann der Gräfin Hermersberg war ein geborener Hohenlohe-Oehringen— ihr ein« Erbschaft in Aussicht stelle. Angesichts dieses Briefes wurde der Kredit des Rittmeisters a. D. verlängert. Nach dem Tode des Rittmeisters wurde aber festgestellt, daß das Schreiben gefälscht war. Daher die Pnklage wegen Urkundenfälschung gegen Helga v. Mon- roy. Um ihrem Freund zu helfen, hatte sie auch den Diebstahl be- gangen. Weil er das wußte, hat er sich das Leben genommen. Der Erösfnungsbeschluh lautet auf Diebstahl, Berrug und Urkundenfälschung. Zur Sache selbst äußert sich die Angeklagte folgendermaßen: Es war ihr bekannt, daß der Rittmeister a. D. v. Wedel beim Bankhaus Emden u. Co. ein Schuldenkonto hatte. Am 31. Juli 1928 war diese Schuld auf 28 000 M. gestiegen. Das Bankhaus forderte Rückzahlung. Es kam nun ein Vertrag zustande, laut dem o. Wedel ein weiteres Darlehen in Höhe von 4000 M. er- halten sollte: er verpflichtete sich jedoch, die gesamte Schuld in Raten- Zahlungen bis zum 31. Dezember 1929 zu tilgen. Helga o. Monroy trat als setbstschuldnerische Bürgin dem Vertrage bei, sie trat den, Bankhaus den Vermögenswert ihres vom Vater zu erwartenden Erbteiles ab. Der Vorsitzende verliest ein in Palenno ausgestelltes Dokument, aus dem zu ersehen ist, daß der Vater Graf Monroy seiner Tochter tatsächlich den vierten Teil der ihm zu- stehenden Erbgüter zugesagt hat. Die Angeklagte er- klärt, daß sie den Wert dieses Erbteils, den der Vater für sie liqui- dieren und der 40 000 M. ausmachen sollte, von Tag zu Tag erwartet habe. Es seien jedoch Familienstreitigkeiten eMstanden. die eine Verzögerung verursacht hätten. Da das Bankhaus auf die fällige Ratenzahlung drängt«, erklärte Helga v. Monroy. daß ihr Onkel für sie 6000 M. zahlen würde. Diese S00Y M. will sie als An- zahlung auf ihr Erbteil erhalten und ihrem Onkel, der sich in finan- ziellen Schwierigkeiten befunden habe, auf einige,. Tage geliehen haben. Dr. Lesser vom Bankhaus Emden soll damit einverstanden gewesen sein. Am 22. Dezember, als das Bankhaus mit einer Zwangsvollstreckung drohte, übergab die Angeklagte ein Schmuck- stück im Werte von 7000 M. als Pfand, das sie am 29. Dezembcr auszulösen oersprach. Es folgt nun die ausführliche Er ö r t« r u n g d e s I u w e l e n-' diebskahls. Die große Anzahl von Brillantenkolliers, Ringe, Broschen und andere Schmuckstücke im Werte von 70 000 M sind . von der Gräfin nach und nach entwendet und die Kassette selbst zwischen dem 19. und 22. Dezember aus dem Schrank ihrer Taicke entnommen worden. Sie hatte die Kasteite einem Bekannten in Aufbewahning gegeben. Die Schmuckstücke wurden teilweise o n ihr, teilweise von Rittmeister v. Wedel veräußert. Das Gericht tritt darauf in die Erörterung des schwierigsten Teils der Anklage des Betruges und der Urkunden- fälschung ein. Die Monroy hat einen Testamentsnach- trag des Fürsten Hohenlohe und eine Testion ihrer Tante, der Gräfin Hermersberg gefälscht. Obgleich es sich um äuß.'Ht schwierige juristische Angelegenheiten handelt, erklärt sie, alle» ohne Wissen des Rittmeisters v. Wedel getan zu haben. * Es kann nicht ungerügt bleiben, in welcher Weife heute/morg n mit den Berichterstattern verfahren wurde. Sie mußten gleich einer Hammelherde bis zum Zeugenaufruf vor der Eingangstür warten. Hinterher gab es ein unwürdiges Gedränge. Selbst das Publikum hatte bereits früher Einlaß gefunden. Amtsgerichtsrat Dr. Krüger vom Schöffengericht Lichterfelde scheint mit den Moabiter Verhält- nisten schlecht vertraut zu sein: selbst die Prestestelle war seinen An- ordnungen gegenüber machtlos. Unbegreiflich erscheint es auch, mos- halb diesmal ein kleiner Gerichtssaal gewählt wurde. Y für lebende Schweine und Schweinefleisch zu ver- einbaren. Leider schwieg sich das Auswärtige Amt aus über die Wirkung eines solchen Antrags, der von der Reichsregierung nicht mehr und nicht weniger verlangt als seinen Unterhändlern nur die Wahrnehmung landwirrschaftlicher Interessen zu gestatten. Nach Auffassung der Sozialdemokraten geht die Annahme dieses Antrags über die Befugnisse eines Ausschusses hinaus, aus diesem sowohl als auch aus sachlichen Gründen lehnte sie ihn ab, wobei sie leider in der Minderheit blieb. Di« Deutschnationalen drängten darauf, in kürzester Frist eine Erhöhung des Gerstenzollcs herbeizuführen, obwohl diese Frage nur gelöst werden kann im Zusammenhang mit dem Schweinezoll sowohl als auch mit der Frage der Schweine- nuszucht und der Schweineeinfuhr überhaupt.' Selbst Herrn Hamkens von der Deutschen Voltspartei, sonst einer der eifrigsten Rufer für Zollerhöhungen, gingen die deutschnationalen Wünsche zu weit und gemeinsam mit der Sozialdemokratie stimmte er gegen die Erhöhung des Gerstenzolls. Die Bayerische Volkspartei sprach den Wunsch aus, das Finanzministerium möge eine schärfere Kon- trolle als bisher über die Einfuhren von Gerste zu Futter- oder zu Brauzwecken ausüben.- Di«„Grüne Front", unterstützt von dem Zentrumsagrarier Hermes und dem demokratischen Ernährungsminister, hat, wenn auch vorerst nur im Ausschuß, neu« Zollerhöhung durchgesetzt. Auch diese wird die Lag« der Landwirtschaft nicht bessern, weil das nur möglich ist bei einer Lösung des Gesamtkomplexes dieser Fragen mit den von der Sozialdemokratie vorgeschlagenen Mitteln. Oer Oberprä'sident greift ein. Disziplinarverfahren gegen Stadtbankbeamte vorbereitet. wegen des verdachtes, daß bei der Sklarekfchen Belrugsaffäre städtische Beamte sich Verfehlungen haben zuschulden kommen lassen, greift jetzt das Oberpräfidium ein. Wie wir hören, wird gegen einige teilende Beamte der Sladlbank das Disziplinar- verfahren vorbereilel. Wenn gegen einen Beamten auch strafrechtlich vorgegangen werden muß, wird dag Disziplinarverfahren einstweilen ausgesetzt. Wo aber Gründe zur strafrechtlichen Ver- folgung nicht vorliegen, kann unmittelbar das Disziplinarverfahren eröffnet werden. Die Untersuchung, die das Oberpräsidium vornimmt, wird sich zunächst aus die allgemeine Frage erstrecken, welchen Beamten Versehlungen zur Last zu legen sind. Die erste Folge belastender Feststellungen, die etwa gemacht werden, dürfte die einstweilige Enthebung vom Amt sein. Im Laufe des heutigen Tages wird Oberregierungsrot T a p o l e k i vom preußischen Ministerium des Innern auf Ver- anlassung des Oberpräsidenten zum Disziplinaruntersuchungsrichter ernannt werden. Es ist anzunehmen, daß er sich bei seiner Arbeit auf die Ergebnisse stützen wird, die bei der Staatsanwalt- schuft jetzt schon vorliegen oder doch in absehbarer Zeit zu erwarten sind. Regierungsrat Tapolski, der vorläufig vom Ministerium des Innern aus seine Tätigkeit ausnimmt, will zunächst das Material sichten, das auf Veranlassung des Bürgermeisters Schultz zusammen- getragen ist und dann von sich aus prüfen, ob darüber hinaus weiter« Untersuchungen in der Stadtverwaltung einzuleiten sind. Auch in Moabit ist die Tätigkeit der Untersuchungsbehärden verstärkt worden, und aller Wahrscheinlichkeit nach dürften von der Staatsanwaltschaft noch weitere sa chb« rst ä nd i g e Kriminalbeamte zur Mitarbeit herangezogen werden, da die Untersuchung schon jetzt ein Ausmaß angenommen hat. dafr sich heute schon sagen läßt, der Prozeß gegeu die Sklareks werde kaum noch in diesem Jahre durchgeführt wer- den können. Vor allen Dipgen hat sich ergeben, daß die Tätigkeit der drei Brüder als R e n n st a ll b e si tze r einer dringenden Aus- klärung bedarf. Das ist nicht so zu verstehen, daß etwri im Betriebe des Rennstalls selbst Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind, vielmehr haben die Sklareks auch auf diesem Gebiet ihren Freunden Vorteile zu verschaffen gesucht. Es wurden gn gute Bekannte und an die Intimen des Hauses Sklarek vor den Rennen Tips ausgegeben und für besonders gute Freunde Wetten getätigt. Es verlautet sogar, daß an einer Stelle, die sonst mit derartigen Dingen nicht das min- beste zu tun hat, Wettgelder eingezahlt und auch abgeholt worden sind. Dabei sollen gewisse Persvnen von den Sklareks bei manchen Wetten„mitgenommen" worden sein, d. h., sie erhielten wohl Ge- winne ausgezahlt, waren aber an den Verlusten nicht beteiligt. Wie bekannt, hat Bürgermeister Scholtz sich dem Wunsche des Staat sanwalts gefügt, keine eigenen Unter- f u ch u n g e n in der Sklarek-Angelcgenheit mehr durchzuführen, sondern alle Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu überlassen. Diese Maßnahme ist in vollstem Einverständnis der beiden Par- leien erfolgt. Sie mußte von der Staatsanwaltfchast gefordert werden, da möglicherweise im Verlauf der Untersuchung hier oder da Kollisionsgefahr entstanden wäre. Bei den weitverbreiteten Beziehungen, die die Sklareks besaßen, wäre es sehr wohl denk- bar gewesen, daß Ermittlungsergebnisse aus dem Rathause den Angeschuldigten bekannt geworden wären, weil der Magistrat, dessen Untersuchungstätigkeit natürlich nur eine beschränkt« ist, gar nicht wissen tonnte, welche Beziehungen zwischen einzelnen Dienststellen oder Angestellten der städtischen Verwaltung und außenstehenden Personen spielen. Obermagistratsrat Dr. H ä u ß l e r erklärt zu der von der „Roten Fahne" gebrachten Nachricht, nach der zur Finanzie- rung der Turn- und Sportwoche von den Gebrüdern Skiarek ein Zuschuß von 5000 Mark geleistet worden sein soll, daß sie den Tatsachen nicht entspricht. Die Turn-' und Sportwoche habe keinen Pfennig an Zuwendungen erhalten. Oer Einzelhandel macht mobil. Oeutschnationaies Interesse für Hühneraugen und Entlausung. Wie die„Arbeitsgemeinschaft des Lebensmittel- und Genuß- nnttel-Einzelhandels" in einer öffentlichen Versammlung am Mon- tag, um bildlich zu sprechen, Honig für ihre Zwecke aus dem Fall Sklarek sog, so rückte am Dienstag im Lehrervereinshaus die„Ein- zelhandelsgenreinfchaft'Groß-Berlin" mit den Mannen an, die sie vermutlich für große Kanonen hielt. Di« ganze Aufmachung der Versammlung zeigt« deutlich, daß hier nichts anderes als Wahlpxopaganda für die Wirt- ichaftspartei getrieben wurde. Diese Partei, die nicht fähig ist, Anhänger in öffentlichen Versammlungen aus die Bein« zu bringen, mißbrauchte die Berufsorganisationen der Gewerbetreibenden, um zum Wort zu kommen. Bemühte sich der Versammlungsleiter Be- zirksverordneter Perl nach außen hin das Gesicht zu wahren, so daß er sogar einem Kommunisten das Wort in der Diskussion gab und— wieder entzog, so ließen doch seine Randbemerkungen zu jeder Rede seiner Fraktion keine Zweifel, wie sehr man ihm„aus dem Herzen" gesprochen hatte. Der deutschnationale Stadtver- ordnete Major Maerkel ritt, mit vielen Hinterhalten, eine Attacke gegen die Wirtschaftsbetriebe der Stadt. Die 252 Betriebe drückten sich vom Steuerzahlen, und der Herr Stadt- verordnete verstieg sich zu der entsetzlich geistreichen Bemerkung, es fehle nur noch, daß man das Hühneraugenschneiden sozialisiere. Bon allen Betrieben könnte man freilich kein« Rentabilität erwarten, so z. B. von den— zwei st ä d t i s ch e n Entlausungs- an stalten.- Di« mehr als eigenartige Bekanntgabe des Inhalts des Gutachtens des vereidigten Sachverständigen über die Liefe- rungsgeschäfte der Stadt, die eine Klärung an anderer Stelle als hier in dieser Versammlung bedingen, wird Herrn Maerkel sicher noch einige Anfragen einbringen. Der Herr Majo/ forderte den „W ehrwillen des Mittelalters", wobei sich herausstellte, daß Mittelständler und Deutjchnationole die Wahlkampagne gemeinsam betreiben wollen. Es sprach noch der Vizepräsident der Handelskammer, Grüiücld, der es begrüßte, daß �in der Abwehr der Monopolwirtschaft der Stadt sich Industrie, Honüel und Gewerb« zusammenfinden. Dann nahmen Vertreter des Textilgroßhandels, des Schuhhandels und einzelne Parteiabgesandte das Wort, um mit„neuen Enthüllungen" die erregten Geschäftsleute im Saal wild zu machen, ein willkommener Anlaß, die ehrlichen Sorgen der Ge- schästswelt mit billigem Klatsch zu übertönen. Ein« Entschließung gelangte zur Annahme, die aber in ihrer endgülligen Fassung noch nicht feststeht, da sich die Versammlung nicht darüber einig werden konnte, ob si« in verschärfter Form„verbessert" werden sollte._______________ Bewaffnete Hakenkreuzler. Zievolver, Munition, Totschläger, Schlagringe. Wie wir kürzlich berichteten, wurde in Tegel bei der Durch- j u ch u n g von Teilnehmern an einer nationalsoziali st i- scheu Versammlung ein ganzes Waffenarsenal, das im Saal »«rsteckt worden war, beschlagnahmt. Ein« gleiche Maßnahme, die gestern abend von der politischen Polizei im Osten Berlins orgenommen wurde, zeitigte denselben Erfolg. In der Frankfurter Allee 2 39 hielten Nationalsozialisten eine Versammlung ab. Kurz vor Schluß der Kundgebung wurden die Saaleingäng« von einem starken Aufgebot von Be- amten der politischen Polizei besetzt. Bei der Durchsuchung, die sich nicht ganz reibuiigslos vollzog, wurden folgende Waffen ge- funden: 3 Revolver, Munition, 4 Nicker, 4 Gummiknüppel, 5 Tot- schläger, 3 Stahlruten, 1 schwerer Schraubenschlüssel, 1 Schreckschuß- pistole und zahlreiche Schlagringe. Ein Teil dieser Waffen wurde später aus dem Boden des Versammlunglokals gesunden. Acht Personen wurden wegen unerlaubten Waffenbesitzes zwangsgestellt. Außerdem wurden 32 Personen festgenom- men, die ihrer Durchsuchung Widerstand entgegensetzten. Lm Kampf gegen Lärm und Rauch. Oie Krafträder sind die schlimmsten. Di« vom Polizeipräsidenten eingerichteten Verkehrsüber» wachungskommandos haben am 13, 14. und 15. Sep- tember auf Rauch- und Geräuschbelästigung geachtet. An diesen drei Tagen wurde wegen G-räuschbelästigung gegen die Führer oon Krastsahrzeugen in 204 Fällen allein gegen Krastrad-- fahrer in 195 Fällen, Anzeige erstattet. Zehn Räder mußten sicher- gestellt werden. Gegen Rauchbelästigung wurde in 225 Fällen ein- geschritten: auch hier stehen die Krafträder mit 114 Anzeigen wieder an erster Stelle. Bei weiteren Kontrollen auf lärmende Kraftsahr- zeug« in den Abendstunden des 17., 19., 21 und 22. September haben die Beamten 189 Führer zur Anzeige gebracht. Insgesamt ist somit in 373 Fällen wegen Geräuschbelästigung ein- geschritten worden. Zum Mitglied des rumänisch:!» Regenljchaslsrales ist der 67jährige Gerichtspräsident Soratzenum vom Parlament mit 445 gegen 32 Stimmen gewichlt. Die Schändung im Sirasrechi. Die Beratung der gewaltsamen Sexualverbrechen. Der Strafgesetzausschuß des Reichstages setzte gestern die Be- ratung der Bestimmungen über die Unzucht fort. Aach dem Entwurf(Z 262) soll derjenige, der eine Frau mit Gewalt oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr sür Leib oder Leben nötigt, sich zur Unzucht mißbrauchen zu lassen, mit Zuchthaus bis zu lll Zähren bestrast werden. Abg. Rosenfeld(Soz.) begründete einen sozialdemokrati- schen Antrag, statt Zuchchausstras« Gefängnis st ras« zu setzen und nur für besonders schwere Fälle Auchthausstrase anzudrohen. Auf Grund der Reichskriminalstatistik wies er nach, daß schon nach geltendem Gesetz nur in den seltensten Fällen aus Juchthaus, meistens aber auf Gesängnis erkannt wurde. Bei der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag, das Wort„Unzucht" durch die Worte„geschlechtliche Handlungen" zu ersetzen, abgelehnt, dagegen der sozialdemokratische Antrag, sür den Regelsall Gefängnis st rase nicht unter 3 Monaten anzudrohen und nur für schwere Fälle Zuchthaus- st r a f e bis zu lll Jahren angenommen und zwar mit 14 gegen 11 Stimmen bei Stimmenthaltung der Kommunisten, denen es offenbar gleichgültig war, ob statt einer Zuchthausstrafe bis zu 10 Jahren für den Regelfall Gefängnisstrafe nicht unter 3 Monaten festgesetzt werde. Nach Z 283 soll mit Zuchthaus bestraft werden, wer eine Frau mit Gewalt oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben nätig«, sich zum außerehelichen Beischlaf miß. brauchen zu lasten. Abg. Dr. R o s e n s e l d(Soz.) beantragte auch sür diese Fälle in der Regel Gefängnisstrafe, bei schweren Fällen Zuchthausstrafe vorzusehen, da die Kriminalstatistik auch bei diesem Delikt ergab, daß noch nicht 10 Prozent aller Fälle mit Zuchthausstrafe geahndet worden sind. Justizminister v. Guärard erklärte sich gegen den sozial- demokratischen Antrag. Ministerialdirektor Schäfer führte aus, daß die von den Sozialdemokraten beantragte Herabsetzung der Straf« dazu führen würde, daß diese Delikte nicht.mehr vom Schwurgericht erledigt werden, das Volk aber das Schwurgericht vorziehe. Abg. Dr. Rosenfeld(Soz.) erwidert«, daß nur dies« Aus- führungen zutreffend fein würden, wenn wirkliche Schwurgerichte noch beständen. Hoffentlich ziehe die Regierung aus den von ihrem Vertreter vorgetragenen Gesichtspunkten, welche Sympathien für die Schwurgerichte erkennen ließen, die richtige Folgerung dann, wenn die Sozialdemokratie den Kampf für die Wiederherstellung der alten Schwurgerichte wieder aufnehmen würde. Abg. M a r u m(Soz.) wies darauf hin, daß die Schändung in den meisten Fällen kein Delikt sei, das unbedingt mit Zucht- haus geahndet werden müsse. Er bekämpfte außerdem einen kam- munistischen Antrag, der Notzucht schon dann angenommen wissen wollte, wenn der Mißbrauch einer Frau zumehelichen Be is chlaf geschehe. Nach diesem Antrag müsse der Richter in das eheliche Schlafzimmer eindringen und unterfuchen, ob die Frau von ihrem Ehemann wider ihren Willen gezwungen worden sei. Das ginge zu weit. Abg. Dr. Moses(Sog.) wies nach, daß es physisch äußer st schwer sei, eine Frau mit Gewalt zum Beischlaf zu zwingen. Es würde meist nur ein Versuch vorliegen. Bei der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Strafmilderungsantrag abgelehnt. Di« Kommunisten enchielten sich aber- mal? der Stimme und zeigten danüt erneut, daß e» ihnen auf die Beseitigung der Zuchthausstraf« gar nicht ankommt. Nach§ 284 de» Entwurfs soll mit Gefängnis nicht unter sechs kNonoteu derjenige bestrast werden, der eine Frau, die bewußtlos, geisteskrank oder au» irgendeinem anderen Grunde widerstandsunfähig ist. zur Unzucht mißbraucht. B-4 der Abstimmung wurde der Paragraph nach der Regie- rungsoorlags angenommen, nur wurde auf sozialdemokratischen An- trag das Mindestmaß auf 3 Monate herabgesetzt. Ein deutschnationaler Antrag, für besonders schwere Fäll« Zucht- hausstrafe vorzusehen, wurde abgelehnt. § 285 droht Zuchthausstrafe bis zu 15 Jahren demjenigen an, der eine Frau, die bewußtlos, geisteskrank oder wegen Geistesschwäche oder aus anderen Gründen zum widerstand unfähig Ist, zum ehelichen Beischlaf mißbraucht. Ein sozialdemokratischer Antrag auf Herabsetzung der angc- drohten Strafe auf 10 Jahre wurde angenommen. Auch bei diefer Abstimmung enthielten sich die Kommuniften der Stimme. Das Zentrum beantragte die Einführung eines ß 28öa, nach welchem mit Zuchthausstraf« bis zu 5 Jahren bestrast werden soll. wer eine Frau dadurch zum außerehelichen Beischlas veranlaßt, daß er einen Irrtum erregt oder indem sie den Beischlaf für ehelich hält. Abg. S ch e t t e r(Z.) gab zwar zu, daß auf Grund einer ähn- lichen Sache nach dem geltenden Strafgesetz in den letzten 10 Jahren nur 9mal Bestrafungen erfolgt feien, er HÄf�die Strafandrohung aber doch sür notwendig, zumal erst in letzter Zeit vorgekommen sei, daß ein Mann einer Frau die Dornahme einer standesamtlichen Trauung vorspiegelte und sie dadurch zum Beischlaf veranlaßte. Abg. M a r u m(Soz.) widersprach der Aufnahme des tj 285a, da solche Fälle nur äußerst selten vorkämen und auch auf Grund anderer Strafbestimmungen geahndet werden können Bei der Abstimmung wurde der Zentrumsantrag mit Stimmen- gleichheit abgelehnt. Kommunisten spritzen auseinander. Erfolgreiche Kaltwasserbehandlung. Stockholm. 10. Oktober. Am Mittwochabend kam es in Stockholm zu schweren Zu. sammenstöhen zwischen den beiden t o m in u n i st I s ch e n P a r- t c i e n. Eine Abteilung der in der Minderheit befindlichen Moskau- Bolschewisten besetzte die Räume der Parteileitung der Gegengruppe. Die vertriebenen Kilbom-Bolschewisten(so genannt nach ihreni Fahrer) schafften jedoch Verstärkungen herbei, und es gelang ihnen schließlich, die versperrten Türen zu sprengen und in die Räum« einzudringen. Hier entstand eine wüste Schlägerei, bis die Polizei mit großem Aufgebot einschritt und die Ruhe wiederherstellte. Die Absicht der Minderheit, die Redaktion und Druckerei der Zeitung„Folkets Dagblad Politiken" zu stürmen, miß- glückte. Dbrt war rechtzeitig«in großer Trupp handfester Leute aufgestellt �worden, die die Angreifer mit Strahlen aus Wasser- schlauchen in Empfang nahmen. Soweit bis jetzt bekannt, sind ernste Bsrletzungen auf keiner Seite zu verzeichnen. Di« Kaltwasserbehandlung bei innertvmmunistischen Auseinandersetzungen wird hoffentlich Schule machen.„Wasser ist das best«", lehrt schon der griechische Philosoph. l'-s Marnttc Tckuhlotol ScfctrM, äKiinjft». 2S, weist auf» neue auf feine beuindere stelftunasfäfiiflleit hin. Die fficnia drinat die aiknicucftcn Kerbst» 'aitaare und hat u st» belanntlich»ut Aufaade aemacht, der OtdS-Serlintt SJwiÜUtung gut, Schuh« für billige» Selb zu beschaffen. Oer neue„Lohengrin." Städtische Oper. Galaabend des Vereins Berliner Presse:„Lohengrin" in neuer Einstudierung und neuer Inszenierung. Nicht in neuer Auffassung, wie ohne Vorwurf festzustellen ist: das Werk, in seiner inneren Ge- schlossenheit und Einheitlichkeit, gewiß auch in seiner Zeitgebunden- heit, machte dem heutigen Theater den Vorsatz schwer, es aus der Perspektive der Gegenwart neu zu verwirklichen. Doch gar um irgendwelcher Unzeitgemäßheit willen es im ganzen und als Ganzes abzulehnen, verbietet unser unbeirrbares Gefühl für seinen tiefen überzeitlichen, unvergänglichen Wert. Und die Wirkung dieses Ganzen auch auf ein heutiges Publikum ist. so zwingend wie un- widerlegbar. Immerhin, vom Musiker und noch mehr vom Musik- dramatiker Wagner hat die heutige Fachwelt keine gute Meinung. Und es wird, von Bayreuth her, viel nationalistischer Mißbrauch mit seinem künstlerischen Lebenswerk getrieben: gerade die„Lohen- grin"-Dichtung freilich ist nicht frei von Wendungen, die sich fozu. sagen dem völkischen Biertisch als propagandistische Phrase anbieten. Neulich im„Tannhäuser" mußte uns von neuem klar werden, wie peinlich fern und fremd uns die Moral und Moralisterei dieses sittsam keuschen Minnesängers und Ritters geworden ist. Wir sitzen im„Lohengrin", kaum berührt, noch weniger überzeugt von der menschlich-dichterischen These des Dramas, dessen Ablauf wir er- leben. Wenn Lohengrin an Elsa sein berühmtes Verbot richtet, ihn nach Namen und Art zu fragen, dos sich als Leitmotiv(und Leidmotiv) durch die Handlung zieht, so ist es, als vernähme min ein unhörbares„Warum eigentlich nicht?", das der heutige, allzu vernünftig gewordene Hörer als Protest entgegenstellt. Und wenn er auf des Helden feierliche Eröffnung, daß er Lohengrin genaimi sei, nicht im stillen mit einem berlinisch-entwafjnenden„Wenn schon" reagiert, so ist dies Schuld oder Verdienst der Musik, die nun einmal die Funktion hat, das Geschehen der Bühne zugleich zu ver- deutlichen und zu vernebeln. Als„romantische Oper" ist„Lohen- grin" bezeichnet. Und eben das Roinantische, das Irrationale kann nur durch das Mittel der Musik gefühlsmäßig erfaßt werden. Es wäre billig, einen Lohengrin auf die Bühne zu bringen, der durch forsche Leutnantsallüren das militaristische Milieu, in dqs er gerät, übertrumpft. Franz Liszt, der sich auf Wagner besser verstand als viele seiner heutigen Kritiker, stellt mit Recht die Ge- stall des Lohengrin im Gegensatz zu ihrer Umgebung.„Sanft wie ein Heiliger der Legende", solle er uns entgegentreten. So ist, entscheidend für die Aufführung, der Lohengrin Hane Fidefsers ein jugendlich reiner Tor, in der Welt Parfifals beheimatet, ohne selbstbewußte Betonung seiner„GoUgesandtheit", nämlich im Auf- treten ohne tenorale Gespreiztheit und schlechthin ideal in der gesang- lichen Erfüllung. Zur Seite steht im die vollkommenst« Elsa der Maria Müller. Aber der verklärende Abglanz, der von Lohen- grin auf die Umwelt fallen müßte, der mystisch« Schimmer, fehlt der Aufführung: ihr fehlt die inspirierende Kraft, die Atmosphäre schafft. Im einzelnen ist ein ungewöhnlicher, ja auffallender Aufwand an Außerordentlichem zu verzeichnen. Barbara K e m p, die zum erstenmal auf der städtischen Opernbühne spielt, gibt die Ortrud und gibt ihr, nicht in glücklicher Disposition vielleicht, Dämonie und überwältigende Intensität des gesanglichen Ausdrucks. Als Ts-- ramund wächst Gotthold D i t t e r mit großer Stimme und großer Gestalt in das Format der Rolle. Großartig ist die Wirkung der Chöre, die mit Hilfe der beiden Staat�dpern zu noch nicht da- gewesener Kopf- und Stimmenzahl vermehrt sind. Di« Heerschau im letzten Akt— wie lange haben wir so etwas nicht gesehen— gestallet sich zu einem wahrhast imposanten Bild: hier und im Zug der Frauen zum Münster hat sich Emil Preetorius' malerrschc und bildnerische Phantasie besonders schön entfallet. Die Intendanz hat ein Aeußerstes getan, aus diesem„Lohengrin"-Ab«nd ein großes Theaterereignis zu machen. Heinz T i e t j e n. der feit Iahren zum erstenmal wieder persönlich für die Regie verantwortlich zeichnet, zeigt uns auf seiner Bühne ein wahrhaft vorbildliches Stück bester Operncheaterarbeit. Unter so besonderen Bedingungen eröffnet Wilhelm Furt- w ä n g l e r seine vertragliche Tätigkeit am Kapellmeisterpull der Städtischen Oper. Die Bedenken, die wir gegen die nebenamtliche Betrauung des Konzertdirigenten geäußert haben, können durch die plakathafte Wirkung dieser Relordausführung nicht abgeschwächt werden. Er beginnt mit dem Höhepunkt seiner Leistung im Bor- spiel, das in nie erlebter Schönheit, Rcinhell, Klarheit des Aufbaues erklingt. Doch in gleicher Weise wie das Orchester auch die Bühne gesstig-feelisch zu durchdringen, scheint ihm versagt, und das mag nicht nur technische Gründe haben. Im mittleren Akt wird eine Neigung zum Zerdehnen des Tempos, zum Verweilen im Neben- sächlichen fühlbar, die den echten Nichttheatermann erkennen läßt. Aber schon nach dem ersten Akt, diesem vielleicht grandiosesten Opernakt der Literatur, erhebt sich Beifall von seltenem Ausmaße, und er steigert sich zu lauten Ovationen, als der Dirigent vor dem Vorhang erscheint. Seit den Berliner Festspielen«st Furtwängler als Operndirigent in Berlin große Mode, die bürgerliche Presse hat dazu das ihrige getan. Aber wir kennen die Unbeständigkeit und Verantwortungslosigkeit dieser Welt, gar der Zeitungswelt. Hofsen wir, daß auf den Taumel der Uebcrschätzung nicht ein Rückschlag folgt, von dem auch der Konzertdirigent betroffen wird: hoffen wir es im Interesse des philharmonischen Konzerts. lOau» Pringsheim. 10 Lahre„Tribüne". Neuouffuhrung des„Bunbury�. Das Theatsrchen in Charlottenburg kann jetzt ein kleines In- biläum feiern. Vor zehn Jahren hat es Direktor Eugen Robert ge- gründet. Er ist stolz daraus. Und mit Recht: es gab nicht immer erstklassige Literatur in der„Tribüne", aber es wurde immer gut Theater gespielt. Damals, vor zehn Jahren, hat Robert„Bunbury", Oskar Wildes ..triviale Komödie für seriös« Leute", herausgebracht. Das Stück hat für ihn ein anderes Gesicht als für das Publikum. Für Robert hängen am„Bunbury" allerlei liebe Erinnerungen an Freud und Leid der Direktorialtätigkeit, an Freunde, Gönner und Feinde. Die Zuschauer, die nicht um persönlicher Erinnerungen ms Theater gehen, haben für Gesellschaftskomödien nicht mehr viel übrig. Im„Bunbury" wird geistvoll geplaudert, der Dialog funkelt und glitzert, aber er geht um nichtssagende Dinge, um Liebe und Ehe und Standesbewußtsein von begüterten Nichtstuern, um eine Welt also, die wir nicht kennen oder die uns nicht interessiert. Robert wendet viel Liebe an die Inszenierung. Die geistreichen Paradoxe schlagen alle ein, die Schauspieler bewegen sich sämtlich wie vollendete Snobs— Arthur Schröder mit der sorglosen Gest« des liebenswerten Tunichtguts Anton E t t h o f e r mit der Treuherzig- teit eines sympathischen Onkels, Adele S a n d r o ck mit der bedroh- lichen Energie eines stets explosionsbereiten Familiendrachens und Lia E i b e nf ch ü tz mit originell gespielter Uninteressiertheit— aber man geht unbefriedigt aus diesem Abend nach Haus«. Wenn Eugen Robert aus seiner zehnjährigen Direktorialzei: etwas wiederholen will, dann soll er Bernard Shaws„Fannys erstes Stück" aufsühren. An diese Inszenierung erinnern wir uns mit be- sonderem Vergnügen. Auch dos ist kein.Leittheater", von dem Robert nichts wissen will, aber es ist nicht nur«in Amiisierstück wie „Bunbury", es geht uns auch etwas an. der. Professor Max Lehmann«Göttingen gestorben Der berühmte Gelehrte der Georgia Augusta, Professor Max Lehmann, ist im 84. Lebensjahr gestorben. Geboren am 19. Mai 1845 in Berlin, war er zunächst im Schuldienst tätig, wurde 1875 zum Staatsarchivar in Berlin ernannt und 1887 Mitglied der Preußischen Akademien der Wissenschaften. 1888 Ordinarius In Marburg, kam et später in gleicher Amtstätigkeit nach Leipzig und übernahm 1893 den Lehrstuhl für mittlere und neuer« Geschichte in Göttingen. Lehmann war eine Kämpsernatur, die unerbittlich das Resultat der wissenschaftlichen Forschung vertrat. Man erinnert sich der Kämpfe, die er nach Beröffentlichung seiner Schrift über den Siebenjährigen Krieg, den er als«inen Angriffskrieg erklärte, durchzukämpfen lzatte. Mit seinen großen Werken„Scharnhorst" und seinem„Stein" stellte er sich an die Spitze der preußischen Historiker. Für sein Buch„Freiherr vom Stein" erhielt«r den Wedetind-Preis. Von 1876 bis 1893 war der Gelehrt« Heraus- geber der„Historischen Zeitschrift" zusammen mit G. v. Sybel. tilimich» Lode-Lüsle ist jetzt von der pieußischen Kunitverwallung zur Ausstellung im Berliner Kaiscr-Friedrich-Museum erworden worden. Zutfa flfamf hat ein neue? dreitelliae« Tanzwiel»Der klingende Kreit' geschassen. Die Urouislldrung findet am 18. Okiober in der B o l I» b ü h n e statt. Da» Tanzlpiel stellt die verschiedenen Phasen der menschlichen lleden», und«estaltung«sormen dar. „vle Attnrlle Bühne-— Leitung und Regie: Erich Fisch— hat das Lelsinq-Tbeater sür eine Matinee am 13. Ottober. 11 Uhr, gepachtet. Zur tlujsührung gelangt„Sladek, der schwarze Reichswehr- mann' von Oddn Horvad. Subvention für da» deutsche Iheater in Prag Dem Antrag de» Lande»- Vertreter» Prof. Bruno Kaska aus Erhöhung der Subvention sür da» Deutsche Tbeater tu Prag um'i, Million ist von der Lande»vertretung vrinziviell t'atiocoebeii ivai�cn Tie eiidglllti-e Entscheidung de» Antragc» durch die Bezirlskommission der LandeSverlretung steht noch au», doch ist mit der Bewilligung der Sudventionterhöhung für da» Jahr 1930 mit Sicherheit zu rechnen. Englisches Theater in Berlin. Das englische Theater Deutscher Schauspieler eröffnete seine zweite Saison mit einem der üblichen englischen Gesellschaftsstück«, dieses Mal von David Brey und Avery H o p w o o d. Die beiden Autoren, die ihr Stück„Tlre best People" benannt haben, verstehen sich auf das Handwerkliche des Stllckeschreibens genau fo gut wie ihre zahlreichen Kollegen. Und fo ließ sich das Publikum. dessen Hanptkontingent von Besuchern der Berlitz Schoo! und des Englischen Seminars gestellt wurde, die Belanglosigkeiten ganz gern gefallen. Merkwürdige Diskrepanz zwischen der wirklichen sozialen Lage in England mit seinen 2 000000 Arbeitslosen und der oberfläch- lichen Behandlung von Gesellschaftsfragen m feiner Massen- Produktion von Theaterstücken! Die mehr oder minder innigen Be- Ziehungen zwischen Herrschaftskindern und Bedienten beschäftigten drei Akte lang die Schauspieler. Trotzdem verstanden sie es, leine Langeweile aufkommen zu lassen. Die fremde Sprache nahm ihnen nichts von der Natürlichkeit des Spiels, im Gegenteil wirkten sie unter der Regie von Leontine Sa ga n direkt englisch. Peggi Dorse Spearmans Girltyp war schauspielerisch eine glänzend« Leistung. Die anerkennenswerten Versuche Deutscher Schauspieler, uns mit englischer Literatur bekanntzumachen.— sie sollen wöchentlich drei- mal wiederholt werden— könnten nur gewinnnen, wenn man in Zukunft bei der Repertoirauswahl mehr auf Niveau hallen würde. J. M. Was Männer und Krauen lesen. In einer Statistik der Lübecker Oessentlichen Bibliotheken wer- den interessante Angaben über die Unterschiede im Geschmack der männlichen und der weiblichen Leser gemocht. Die Zahl der stän- digen männlichen Entleiher, die berücksichtigt wurde, beläuft sich auf 2700, die der weiblichen auf 1719. Im ganzen wurden von den männlichen Lesern 50 741, von den weiblichen 32 709 Bände e:it- liehen. Die Männer bevorzugten Bücher, die Crd- und Völkerkunde sowie Reisen entholten: von dieser Gruppe entfielen 6168 Bände auf Männer, 1321 auf Frauen. Ebenso überwog bei weitem der männliche Geschmack bei Werken der Geschichte(1791 Bände von Männern entliehen, 210 von Frauen), bei Abenteurerromanen(2518 gegen 1260 Bände), bei historischen Romanen(4847 gegen 1916) und bei sozialen Romanen(4241 gegen 2513). Die Frauen dagegen bevorzugten Biographien, Heimatromone, Bauernromane, besonders Familien- und Frauenromane, von denen 7934 Bände an weib- liche Leser, nur 2738 an männliche entliehen wurden: auch Welt- anschauungs- und Sozialromane fanden mehr Beifall bei den weib- lichen Lesern, die mit 3044 Bänden beteiligt waren, während die Männer nur 1899 Bände entnahmen. Dagegen ist der Sinn für Humor wieder mehr bei den Männern ausgebildet, die 2524 humo- ristische Schriften entnahmen gegen 1701 h�i den Frauen. vor einer kalendcrrevolulion in Ruhland. Der oberste Wirt- schaftsrat der Sowjetunion hat die Absicht, den bisherigen„bürger- lichen" Kalender den neuen Arbeitsverhältmssen der Wirtschaft anzupassen. Wie schon berichtet, beabsichtigen die Sowjets ein« Ar- beitswoche von 5 Tagen einzuführen. Da dies« Reform auf Grund des bisherigen Kalenders schwierig durchzuführen ist, hat man einen Plan ausgearbeitet, nach dem dos Jahr in 360 Tage und 5 Schalt- tage eingeteill wird. Während in den 360 Tagen ununterbrochen gearbeitet wird, sind die 5 Schalltage„revolutionäre Ruhetage". Die 360 Tage wechsn in 12 Monat« zu je 30 Togen eingeteilt, jeder Monat in 6 Wochen zu je 5 Tagen. Von den bisherigen Togen würden Sonnabend und Sonntag verschwinden. Nach dieser Reform würde der erst- Tag jedes Monats auf d«n Montag fallen. Die„revoluttonär«n Ruhetage* würden auf das ganze Jahr mr- teilt werden. Zwei Feiertage würde man auf den 1. und 2. Mai verlegen. Solche Tage soll«» keinen Namen tragen. Die Mademi s der Wissenschaften hat diese« Plan zur Annahme empfohlen. Zusammenbruch einer Akiion der KPO. Die Bauarbeiter zahlen die Zeche. Auf der Baustelle Friedrich-Ebert-Siedlung, Müllerstrahe, Firma Holzmann, hatten die Bauarbeiter auf Ber- anlassung der Kommunisten am 31. September die Arbeit eingestellt, um die Rohrleger zu oertreiben. Mehrere andere Bau- stellen wurden in eine„Solidaritätsaktion" hineingezogen. Heute morgen ist die Arbeit überall wieder ausgenommen worden. Die„Rote Fahne" nennt das einen Erfolg, nachdem sie noch gestern früh mitgeteilt hatte,„die Bauarbeiter streiken weiter", und am Dienstag, daß die streikenden Bauarbeiter einen „gemeinsamen Kampf der Berliner Bauarbeiter" forderten. Wieso dieser schnelle Sieg, nachdem noch vor zwei Tagen die „zentrale Streikleitung" der Meinung Ausdruck gab, daß die Hilfe oller Berliner Bauarbeiter nötig fei und die„Baudelegierten" weitere Kampfbeschlüsse zur Verstärkung der Kampffront fasten wollten? Nun, die zentrale Streikleitung hat sich eben gestern nachmittag die ganz« Sache wieder anders überlegt und einen Beschluß gefaßt, der„den Solidaritätsstreik für beendet" erklärt. Warum wird der Solidaritätsstreik beendet, wenn das Bolfchewistenblatt im Anschluß an den Aushebungsbefchluß fordert, daß es„fetzt die Aufgab« der übrigen Bauarbeiter ist, auf allen Baustellen rücksichtslos den Kampf gegen die noch vorhandenen Streikbrecher zu führen? Di« Bauarbeiter haben alle Ursache, sich mit diesem Erfolg nicht zu- frieden zu geben." Welchen Erfolg? Die zentrale Streikleitung Hot den Kampf beding un gslos abgebrochen. Di« Einstellung der Beleg- schasten auf den verschiedenen Baustellen erfolgt nach Maßgabe der Betriebsverhältnisse. Die Rohrleger ar- beiten weiter bzw. nehmen morgen, nachdem Bauarbeiter wieder zur Verfügung stehen, die Arbeit wieder auf. Auf der Baustelle Britz z. B. haben die Rohrleger nie aufgehört zu a rbeiten, wohl aber sind heute früh von der Bauarbeiter- belegschaft nur fünf Mann eingestellt worden, etwa 20 Mann gucken durch den Bauzaun. Das nennt man dann einen „.Erfolg der Solidaritätsaktion". Eine schöne zentrale Streikleitung, die es nicht mal fertig bringt, die Belegschaften, die sie aus den Be- trieben gelockt hat, wieder in Arbeit zu bringen. 400 Omnibusfahrer streiken wild. Die Gewerkschaft greift ein. In London ist ein Streik der Omnibusfahrer ausgebrochen, an dem bisher 400 Fahrer beteiligt sind. Der Konflikt entstand durch Einführung einer Kontrolluhr für die Abfahrts- und Ankunftszeit. Di« Benutzung dieser Uhr wurde aus oerfchie- denen Gründen oerweigert, aber auf die Entlastungsdrohung wurde der Verordnung bis auf zwei Mann entsprochen. Di« E n t- lassung dieser Beiden führte dann zu dem Streik. Di« Fahrer verlangen bedingungslose Wiedereinstellung und volle Bezahlung für die beiden Entlassenen und drohten für den Fall der Nicht- «rfüllung mit einer Ausdehnung des Teilstreiks auf die übrigen großen Gesellschaften. Die Transportarbeiter- Gewerkschaft Hot die streikenden Omnibusfahrer ersucht, die Arbeit wieder aufzunehmen. In einem Telegramm an die Streikenden wird in irnmißverstöndkicher Weste zum Ausdruck gebracht, daß die Te- werkschaft sich durch eine radikal« Minderhcitsbewegung nicht be- einflusten lassen und unter allen Umständen und um jeden Preis zu dem mit den Verkehrsgefellschasten geschlossenen Abkommen stehen wird._ Die Arbeitszeit im englischen Bergbau. Die bedenken der Llniernehmer. London, 10. Oktober. Im Hinblick auf den Plan der Regierung, die Arbeitszeit in den Bergwerken herabzusetzen, sind gegenwärtig eine Reihe von Besprechungen zwischen Mitgliedern der Regierung und Ver- tretern der Grubenbesitzer und Bergarbeiter im Gange.„Financial Times" fagt dazu in einem Leitartikel, es würde umecht sein, im jetzigen Augenblick alle Fortschritte, die die Kohlenindustrie gemacht hat, in Gefahr zu bringen.(Wenn die Arbeitszeit verkürzt werden soll, ist die„Wirtschast" immer in Gefahr.) IS. kreis. Die turnusmäßige Sitzung des Bildungsausfchustes findet nicht heute abend, sondern Donnerstag, den 17. Oktober, stait. Wetter für Berlin: Noch meist wolkig, aber keine erheblichen Niederschläge, etwas ansteigende Temperaturen, abflauende westliche Winde.— Für Deutschland: Ueberall Beruhigung des Wetters, im Südwesten beginnende Aufheiterung. BeranttnorU. Mr die Redaktion: Solfgang Sltiwar», Berlin: Rnzeigen: Zh. Sloilc, Berlin Verlag: Vorwärts Verlag S. m b H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Bcrlagsanstolt Paul Singer& Co.. Berlin SW es. Lindenftrake z. Sierzu l Beilage. Xltealet. Lidtlspiele usw. Donnerst, 10.10. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 216 19 Uhr Boris Godunoff Donnerst, 10.10. Stadt. Oper Bisinarckstr Turnus III 199» Uhr Der Vlldsdiiitz Staats-Oper Arn Pl.d.Republ. R.-S. 170 19><- Uhr Die Mnnaus Staat!. Sdiausph. am eendarmenmarkt A.-V. 191 20 Uhr Staat). Sehiller-Theater.Cliaritli. 10 Uhr Der Ranimann von Venedio Reichshallen-Thealer Abend.| 8| Sonntag nacfam.| 3[ Des großen Andrangs wegen immer noch das Fest- Prog ra m m mit dar ulkigen Schluss-Reme: .Beide Stettiner' Blllettbest Zentrum 112 63. Dönhoff- Brettl Varietö— Tanz— Konzart. Renaissance-Theater Täglich»>,. Uhr STEMPELBRÜPER Schauspiel von Duschinsky. Regie:(Tust. Härtung. Stelmuatr C 1. 0901>. 3583/14. GROSSES SCHHUSPIELHAUS tägl. 8 Uhr ÄMusiketier« Regie: ERIK CHARELL eesami-Ansstatloog: Prot. eJITsi Siorn. Musikalische Leitung: Emst Hanke. 3 Uhr Sonntag nachmittag ungek. hallte Tigl. 2 Vorttell. 5 md S'/:"kr Bitlartui 825« Omen eeitee Prelle; WeclenUgi 5 Ohr 50 Pf. Iii 3 Berit Tlgl. 8V:• Sonnt 5 Ohr 1 bli 6 Merk Charlie Rivel. 3 Whirlwmda, long Tack Sam us« ! Tägl. S u. 813 Sanni.2, Sa 8U I AI« je. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE Deatsdies meatet D.I. Norden 12310 8U., Ende gegen 11 Die Fledermans Musik v.Joh. Strau ß Regie: Max Reinhardt Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainer Sonntag, 13. Öktob nachm. S'/e Uhr zu kleinen Preisen Die Fledermans in der Abendbesetz Kammersplele D.I. Norden 12310 SVi, Ende gegen 10% Der Duwidefstehliehe Komödie von a«raidy und Spitzer Regie: Gustaf GrQndgens Die KomSdle J 1 Bismck.2414/7S16 8% Uhr Ende geg. 10% Ubz Zum 25. Male Koipoilage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Direktion är. Robert Klein Dentsehes KOnstler-Theat Barbarossa 3937 8V« Uhr Die andere Seile 0önhof1170 8% U Zwei Krsvattea von Georg Kaiser Musik Spoiiansky Netropol-Tb. Heule 7% Uhr Lehär-Premiere Das Land des Läebeins Vera Schwarz, Richard Tauber Lnstsplelhins Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 87» Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Ich Hase: Die neuesten Schlager Die rassigsten Fassons Die schicksten Modelle Die letzten Modefarben für Damen: 7* 9« 12« 1680 für Herren: 7- 9* 12- 1680 «rouetan Schuh-Lokal BeHindt Münzstr. 29(Alexanderplatz) OrOBte Schuhausstellungsfront Deutschlands Devise: Ein guter Schuh- für wenig Geld Ständige Abteilung: Rest- u. Einzelpaare Moderae Spangen und Pumps AfO ESO"970 Q80 falntarblg Lack oder Leder.......... M- w ROSE -THEATER BrsÄTr _ Alexander 3422. Jeden Sonntag 3 Vorstcllunsen t uhr;„SöineßwittmoD" W„Die Weber" Wochentags 8« Uhr: Die Weber Isdui Hinvoe 3»IN; Des tapfere Schneiderlein Jed. Sonnabenii 5 Uhr u. Jeden Sonntag J90 Uhr:„Schneewittchen" Voranzeige> Ab 16. Oktober täglich t« Uhr; „Die leichte Isabell". Sonntag. 20. Oktober, ebenda 9 Uhr Einmalige FestauffOhrung „Vor Sonnenaufgang" von Gerhart Hauptmann. VolKsbUline Fbeatir unBllowplati 8 Uhr Dantons Tod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin Staat!. Sdiiller-Th. 8 Uhr Der Kaufmann vnn Venedig Plscator- Bühne 8 Uh; DerKaafmann von Berlin CASINO-THEATE« Lothringer Strafe S7. Raul Täglich 87. Uhr ilBUt uertagteHochzeittnacmi und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.23 M., Sessel 1.75 AL, Sonstige Preise: Parkett u. Rang 080 M. Planetanam — am Zoo Baa Itrilnt indüDnthilu llrati B.5 Barbarossa 5578 167« Uhr Herbst- abenteam Sternen himmel 187, Uhr Bis an die Grenzen der Welt 207« Uhr Rätsel des Sternenlichtes Tägl. außer Atontags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 PI. Mittw.; Erwachsene 30 Pf, Kinder 25 PI. ThML am RotlB.Tor Kottbusser Str. 6 Tägl. 8 Uhr auch Sonnt. nachm. 3 U. EUte- Sänster Der floppelle Alwin!„Ein Welt- re ord d. Lach." 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Als Vorbild galt die um 1200 entstandene Pariser Universität, die Sorbanne, der hohe Schulen in Orleans, Bourges, Toulouse folgen. Demselben Zeit- alter entstammen die Universitäten in Oxford und Cambridge. Viele mitteleuropäische Universitäten entstanden im 14. bis IL. Jahr- hundert. In Westeuropa hatte das mittelalterliche Feudalsystem sein internationales Zentrum in der römisch-katholischen Kirche, die ihre Hierarchie nach feudalem Mustor eingerichtet und sie mit dem Schein göttlicher Weihe umgeben hatte. Die Kirche war übrigens auch rvslt» lich der größte Feudalherr, denn ein Drittel des katholischen Grund- besitzes gehörte ihr. Die gelehrten Schulen und wissenschaftlichen Pflegestätten dieser für Jahrhundert« allmächtigen Institution waren die Universitäten. An ihnen wurde die Gelehrsamkeit zentralisiert, dogmatisiert und internationalisiert. Durch sie orreichte die Wissen- schaft ofsizielle, d. h. eben kirchliche Anerkennung. Die miivcrsiuz magistromm et diszipulomm, die einheitliche Zusammenfassung von Lehrern und Schülern an der Hochschul«, ist ein Glied feudaler Hierarchie der Kirche. Das Bürgertum greift ein. Die Aenderung der mittelalterlichen Verhältnisse mit ihrer völli- gen Unterordnung der wissenschaftlichen und künstlerischen Vetätt- gung unter die Aussicht der Kirche bereitete sich in den Städten vor. Die bisher zerstreuten Produktionsmittel werden in großen Werk- statten konzentriert, deren Erzeugnisse den Gebrauch des eigenen Produzenten und des Feudalherrn übersteigen. Die Produkt« wer- den War«. Die Geldwirtschaft schwingt sich auf. Di« Voraus- setzungen des beginnenden Kapitalismus sind gegeben. Das StSdte- bürgertum hört auf, ein unterdrückter Stand unter der Herrschaft der Feudalherren zu sein und liefert seinen Zwingherrn siegreiche Klassenkämpfe. Die wirtschafliche Entwicklung de» Bürgertums ist von politischen Fortschritten begleitet. Von den unabhängigen städ- tischen Republiken im Süden und Norden Europas führt eine zu» sammenhängende Entwicklung zum Bürgertum als der Hauptgrund- lag« der großen Monarchien und endlich zur bürgerlichen Klassen- Herrschaft in allen Kulturländern seit Entstehung der großen Jndu» strien und des Welthandels. Schritt für Schritt mit dem Emporkommen des Bürgertums entwickelte sich der gewalttg« Aufschwung der Wissenschaften. Die Naturwissenschaften wurden durch Methoden und Materialien de- reichert wie nie zuvor. Das Bürgertum benöt'gte zur Entwicklung ssiner industriellen Produktton eine Wissenschaft, die die Eigenschaf- ten der Naturkörper und die Betätigungsweise der Naturträft« untersucht« und schuf sie. Di« Konflikte mit der Kirche blieben nicht aus. Die Wissenschaft, die nur die demüttge Magd der Kirche gewesen war, rebellierte gegen die weitere Bevormundung. Das Bürgertum brauchte die Wissenschast und machte die Rebellion mit. Die ersten Ideologischen Anzeichen der Rebellion gegen die kirchlich« Autorität erstickten in Blut und Feuer. Die Erklärung der Menschen- rechte in der großen französischen Reoolutton, die bis zur voll- ständigen Vernichtung des Feudalismus ausgekämpft wurde, schlössen die Befreiung der Wissenschaft, ihrer Pflegestätten und Lehranstal- ten in sich Di« bürgerlich« Losung von der freien Wissenschaft meint die von der autoritativen Beschränkung vor allem durch die Kirche befrette. Di« alten Universitäten im Bereich des bürgerlichen Befrei- «mgskampfos mochten die Entwicklung mit oder hörten zu bestehen auf. Zakstreiche Neugründungen der letzten hundert Jahre erhiellen von vornherein ein anderes Gepräge, das nur äußerlich aus später zu erörternden Gründen zuweilen mittelalterliche Trachten überzog. Aus Gliedern der feudalen Hierarchie wurden Stätten der söge- nannten freien Forschung und Lehre. Die Universitas erhält ein« neue Deutung: die Bildungsanstalt, auf der allseitiges Wissen, jede Wissenschaft getrieben und gelehrt wird. Das universale Ideal der umfassenden Bildung hat freilich durch die Bindung an die indu- striell kapitalistische Entwicklung sehr konkrete Erfüllung erfahren. Die Hochschulen siitd in ihren entwicklungsfähigen Teilen Berufs- Hochschulen und damit vorläufig Anstalten, die auf die Bedürfnisse der herrschenden Gesellschaftsklasse zugeschnitten sind. Von den gegenwärtigen ii deutschen Hochschulen gilt das nicht nur für die 11 technischen, 2 forstlichen, 3 landwirtschaftlichen, 2 tierärztlichen Hochschulen und 2 Bergakademien, sondern auch für die 21 Uni- versitäten. Oer Arbeiter tritt auf den Plan. Das Bürgertum, das mit der Befestigung seiner Klassenherr- schaft riesigere und massenhaftere Produktionskräfte geschaffen hat als alle vergangenen Generationen zuvor, vermag die politische Macht nirgends in Europa in dem Maße zu erobern und längere Zeit un- gestört zu erhalten wie die Feudalaristotratie des Mittelalters. Wenig bedeutsam ist z. B. in England die Beibehaltung aristokratt- scher Reste als eine 2lrt Zierkaste zur repräsentativen Bekleidung hoher Regierungsstellen. Für die fernere Geschichte bestimmend wird vielniehr der Umstand, daß die industrielle Entwicklung nicht nur die Klasse der großen fabrizierenden Kapitalisten, sondern die ungleich weit größere Zahl der fabrizierenden Arbeiter schafft. Mit der Großindustrie tritt die Arbeiterklasse auf den Plan, die in internationalem Maßstab ständig wächst, sich in den Kämpfen um die Verbesserung ihrer Lebenslage folidattsiert und konsolidiert und im proletarischen Klassenkampf zum erstenmal tn der Geschichte die Bewegung einer ungeheuren Mehrzahl zugunsten dieser ungeheuren Mehrzahl in Gang setzt. Mit der Entwicklung des Kopitals ist in den alten Kulturländern das Proletariat, die Klasse der modernen Arbeiter, entstanden und erhält mit der Industrialisierung bisher zurückgebliebener Erdteile ständig gewaltigen Zuwachs. Der Befteiungskampf des Bürgertums, seine weltanschauliche, wissenschaftliche und technische Entwicklung, die kapitalistische Er- oberung der Erde, hat einen neuen Konkurrenten um die polittsch« Macht hervorgebracht, die Arbeiterklasse. Seit knapp hundert Jahren sieht sich die Bourg.oisie in immer stärkerem Maße in die Defensive gedrängt, ein Zustand, der sich auf allen Gebieten, de- sonders deutlich auch aus weltanschaulich-wissenschaftlichem Gebiet, auswirkt. Die von kirchlichem Druck befreit«� de« frei« Wissenschaft, INtcfcmanns schüttet« de« Kops ♦ ♦♦ Ja ja, das Schallaaöheim! Papa und Mama Miesemann haben sich eines Tages auf den Weg gemacht, um ihr Söhnchen Hans im Schullandheim zu be- suchen, wo die Klasse der Sechs- und Siebenjährigen zum ersten- mal 14 schöne Sommertage verleben darf. „Irgend etwas stimmt hier nicht,' versichert Herr Miesemann zu wiederholten Malen.„Acht Tage ist der Bengel schon von Hause fort, und weder Brief noch Karte kommt von ihm. Wer weiß.. „Er wird krank vor lauter Heimweh sein,' stöhnt Frau Miese- mann.„Freilich, wo hätte er es auch so gut wie bei uns zu Hause.' In der Nähe des Landheimgebäudes, dessen schwarzrotgoldene Flagge ihnen die Richtung weist, stoßen sie auf«inen Trupp Jungen, die sich als Indianer verklejdet und in wilder Kriegsbemalung durch Busch und Kraut schlagen. „Hans, mein Hans!' ruft Frau Miesemann und zieht ihren Jungen aus dem Trupp heraus. Die Begrüßung ist herzlich aber kurz. „Ihr müßt euch hier nun aber bald verkrümeln,' sagt Hans eifrig.„Wir sind den Trapperu auf der Spur, und ihr könntet uns vielleicht verraten.' TCir fpielen Siarbier! Weg ist er, und Papa und Mama Miefeman» stehen ein wenig hilflos da. .Lndianerfpielerei zu einer Zeit, wo der Jung« das Einmaleins üben müßte!' grollt der Vater.„2lls ob er zu Hause nicht sein schönes Spielzimmer hat.. Mir schwant, er wird deu Aisschluß an die höhere Schul« verpassen.' ,Db er uns überhaupt erkannt hat?' zweifelt die Mutter.„So ei« Landheimleben zerstört doch jedes Familiengefühl.' Schließlich aber, als das Kriegsbeil begraben ist, erwischen sie ihren Wildfang und lassen sich von ihm und seinen kleinen Freunden und Freundinnen durch das Gebäude führen. Herr Miesemann kann nicht umhin, manches stillschweigend an- zuerkennen: Der luftige Togesraum für schlechtes Wetter,.«in Mütter- zimmer, ein Krankenzimmer, eine Bibliothek... aber wo sind die Schulbänke, wo steht die Rechenmaschine? Und dann die ver- rückte Wandbemalung— bunter ging's wohl nimmerl Frau Miefemann muß zunächst die Küche in Augenschein nehmen, wo das Mittagessen schon verlockend herausriecht. „Da darfft du nicht rein, Mama,' wehrt ihr der Klein«.„Keiner darf da rein. Nicht mal Hermann und Lina und Fritz, wo doch ihre eigenen Mutters hier das Kochen besorgen. Pottsnubers wollen sie hier nicht haben, sagen die Frauen.' „Haben denn hier die Mütter oder die Lehrer zu sagen?' er- kündigt Herr Miesemann sich sehr angelegentlich. Lebhaste Proteste, der Kleinen:„Meine Mutter hat hier auch was zu sagen? sie steht 14 Tag« lang hier, zu kochen und bezahlt trotzdem ihr Kostgeld!'„Mein Vater hat das Haus mit gebaut!' „Mein Voter hat die Regengosse angemacht!'„Meiner hat den Brunnen gebohrt!' Herr Miesemann sagt nun nichts mehr dazu: Dorm zu dem ganzen Werk, das Schul« und Elternschaft hier in g e- meinsamer Arbeit geschaffen haben, hat er nichts als den kargen Beitrag für den Elternverein beigesteuert, während Frau Miesemann es mit einer stillschweigenden, süßsauren Billigung be- wenden ließ. Der'S ch l a f s a a l mit seinen srischbezogenen Betten nimmt sie zuerst wieder ganz gefangen? aber sie finden doch ihr überlegenes Urteil wieder, während die kleinen Führer lustig drauflos plaudern: „Ganz durcheinander schlafen wir, hier ein paar Iungens, da «in paar Deerns. Herr B. hat sein Bett an einem Ende, Fräulein S. am anderen. Morgens wecken sie uns, und wir machen im Badeanzug einen Waldlauf. Dann gehen wir mit alle Mann in den Duschenrau m.' Sie schwatzen noch dies und jenes: Von der Gymnasttk, von der Mundpflege, von der ganz neuen und ungewohnten Zahnpasta, die sie anfangs als Pfefferminz aufgewischt oder sich beim Barbier- spielen als Seifenschaum ins Gesicht geschmiert haben... Herr und Frau Miesemann tauschen bedenNiche Blicke. „Wo habt ihr eigentlich euren Unterricht?' fragt der Papa schließlich energisch, um endlich die Frag« anzu- schneiden, die nach seiner Meinung die Kernfrag« der ganzen Aus- sendung ist. „Unterricht haben wir keinen,' sagt Hans strahlend. „Wir gehen bloß spazieren. Und wenn wir was Merkwürdiges sehen, Pilze oder Krabbelzeug, dann erklärt Herr B. es uns. Wenn man aber allein losgeht, lernt man noch viel mehr. Ich Hab' beim Melken zugesehen, und ich weih, wie Butter gemacht wird. Der Bauer Klöfkorn hat mir einen Dreschflegel in die Hand gegeben, und die Bäukrin hat mir ihren Webstuhl gezeigt.' Am Nachmittag haben Miesemanns Gelegenheit, an einem unterrichtlicheu Gang, wie der Lehrer es nannte, als er sie dazu einlud, teilzunehmen. Sie besuchen die Dorfschmiede, wo der Geselle gerade eine Radnabe einsetzt, während Meister Kunz ein paar Pferde zu beschlagen hat. Er hat nichts dagegen, daß die Kinder in Gruppen herumstehen und zusehen. Herr Miesemann selber sst mit einer Aufmerksamkeit und Anteilnahme bei der Sache, als-hätte er bislang geglaubt, daß die Füllen beschlagen auf die Welt kämen, und er würde nun eines besseren belehrt. Vergißt Kritteln und Kopfschütteln, ja empfindet kaum den beißenden Rauch, der die kleine Schmiede erfüllt, während der Schmied das glühende Eisen unter den Huf paßt. „O, das riecht mal fein noch Bratkartoffeln!' tönt ein« Stimme, und ein Dutzend Nasen schnuppern nach dem weißen Qualm. Natürlich sst es der Hans, der gerufen hat. Wie kann der Bengel einen nur fo blamieren, denkt Frau Miesemann verdrießlich. Als ob dem zu Haufe je der Sinn auf so grobe Kost gestanden hätte! Auch Herr Miesemann gewinnt glücklicherweise den kritischen Ab- stand wieder. Was für«in schlapper Aufbruch! tadelt er im stillen, während die Kinder sich in zwanglosen Gruppen entfernen. Das Antreten in Linie zu zwei Gliedern, das Abzählen, das Schwen- ken zur Gruppenkolonne hätte man von den Preußen ruhig über- nehmen können. Hier fehlt ja jeder Zug und Schneid. Leider macht auch dieser Einwand Anstalten, sich zu verfluch- tigen, als nach dem Abendbrot auf der Waldwiese ein festlicher Kinderreigen anhebt, linbesohlen, wie aus der Erde ge- wachsen hat er sich gebildet und gedeiht wie eine lebendige Pflanz«. Lied auf Lied erklingt, bis auch der Ungestümste sich dem spielenden Kreise singend und tanzend einfügt. In den Zweigen der dunklen Tannen glühen«in paar farbige Lampions wie selssame Früchte. Auf dem Nachhausewege gehen Herr und Frau Miesemann eine Weile schweigend nebeneinander her. � „Daß viele der annen Würmer, die zu Hause den Schoß der Familie entbehren müssen, sich hier so eng zusammenschließen, ver- steh« ich schließlich,' sagt Frau Miesemann in einer Anwandlung ungewohnter Rührung.„Aber daß unser Hans fich�hier wie im Himmelreich vorkommt... Man begreift es nicht.' In Herrn Miesemann dämmert auch etwas voneinerneuen G e m e i n s ch a f t, die hier Väter und Mütter, Lehrer und Kinder in Arbeit und Spiel, in Sorg« und Freude zusammengeschweißt hat, aber da er die kritische Anmerkung dazu noch nicht gleich findet, so schweigt er einstweilen und schüttelt nur lang« und anhaltend den Kopf. Xarl Dantz. die Freigeistersi überhaupt, wird für die Vormachsstellung ihrer Be- freier bedenklich, noch ehe sie sich auf allen Gebieten entfaltet hat, in alle Wissenschaftszweige eingedrungen ist. Die technssch-industriell unbedingt erforderliche Naturerschließung geht weiter. Darüber hinaus erfolgen aber Einschränkungen, die sich nicht treffender kenn- zeichnen lassen als mit Fr. Engels' ironischen Worten(1892):„Was blieb dem französischen und deutschen Bourgeois als letzte Hilfs- quelle anders, als ihre Freigeisterei stillschweigend fallen zu lassen, ganz wie ein kecker Bengel, wenn iüe Seekrankheit ihn mehr und mehr beschleicht, die brennende Zigarre verschwinden läßt, mit der er renommistisch an Bord stolziert war?' Das Bürgertum erinnert sich der„Traditionen', die ihm gar nicht zukommen flnb zu deren Ruin es in der Zeit seiner Verselbständigung alles mögliche ange- stellt hat? aber die Tradition ist die Trägheitskraft der Geschichte. Sind die religiösen, philosophischen, junstischen Vorstellungen auch die näheren und entfernteren Sprößlinge der ökonomischen Ver- Hältnisse und sinken mit deren Aenderung dahin, so wind die Tra- ditton doch als eine vorläufig« Schutzmauer der kapitalistischen Ge- sellschaft errichtet. Bei dieser Sachlage braucht es wirklich nicht wunder zu nehmen, wenn die Stätten der„Geistespflege' der de- fensiven Klasse, die Hochschulen, trotzdem zur Zell der Erhebung des Bürgertums ihre„Freihoft' ausdrücklich proklamiert wurde, dem offensiven Proletariat als„Horte der Reaktion' erscheinen. Wir melden unsere Rechte an Die aufstrebende Klasse der Arbeiterschaft hat sich inzwischen, wenn auch unter unzähligen Mühen, ihre geistigen Waffen zum Bssreiungskampf, ihr Kampfes wissen, selbst geschmiedet. Unter voll«» Ausnutzung des überlieferten Wissensschatzes und seiner Methoden war der Vorstoß aus der erfolgreichen Naturwissenschaft in das die Menschheit nicht minder angehende Gebiet des Gesellschaftlichen ge- führt worden. Marx und Engels begründeten den Sozialismus als wissenschaftliche Lehr« und gesellschaftliche Bewegung. In der historischen Entwicklung liegt es, daß die bereits vorhandenen wissenschaftlichen Einrichtungen als Teil der bürgerlich-kapitalistischen Klasse der sozialistlischen Wissenschaft ablehnend gegenüberstehen. Klassengebunden sind sie geworden und bleiben von sich aus klassen- gebunden. Dos ist einfach die Feststellung einer Tatsache. Auf dieser Grundlage erwächst für den Sozialisten die Pflicht, die Einzel- heiten zu untersuchen, Aenderungsmöglichkeiten zu prüsen und zur Tat zu schreiten. Das Problem„Universität und Proletariat' mag manchen Ge» nassen noch theoretisch erscheinen, wenn nur von dem Verhältnis der Stätten der Wissenschaft in Deutschland und in der kapitalistischen Welt überhaupt zum wissenschaftlichen Sozialismus gehandelt wird? es gewinnt aber eminent praktische Bedeutung, wenn wir daran denken, daß nur 1,7 Proz. aller deutschen Hochschüler Arbeiterkinder sind, und daß die Lehrer aller Schulstufen, die höheren Vermal» tungsbeamten, di« Anwälte, Richter und Aerzte. die Nationalöko- nomen, die Wissenschaftler der Iudustrie und Landwirtschaft in Deutschland ihre Ausbildung auf Hochschulen erfahren, die historisch der demokratischen Republik im Sinne der Weimarer Verfassung nicht unbedingt verbunden, gewiß aber nicht darausi«ingestellt sind, die gegenwärtige Etappe der gesellschaftlichen Entwicklung dem so- zialistischen Ziele zuzuführen. Wir werden an dieser Stelle m einer Reihe von Aussätzen auf Fäll« ob» der Praxis eingehen. (�oman von Ülax ßarlkel (16. Fortsetzung.) Auch Marianne war todunglüifiich, da» Wut sprach zu ihr und nicht da» Gehirn. Dann ober erinnerte sie sich de» Schlages, und in dieser Erinnerung triumphierte da? Hirn. Jetzt konnte sie ohne Bedenken ihren Weg gehen. All das dacht« si« am frühen Morgen, und dann klingelte das Tetephon. Lyssander meldete sich. Er sagte. daß er in der Uhlandstroß« eine ruhige Pension für sie ausfindig gemacht habe und nun bitt« er sehr, si« solle heute gegen 11 Uhr mit ihren Sachen nach den Pension kommen. Ja, Uhlandstraße 69, und wenn sie es wünsche, wolle er gern mit seinein Wagen vorbei- kommen und sie abhol«n. Sie wünsche es nicht? Das sei be- dauerlich, aber er würde sich die Freiheit nehmen, gegen Mittag in der Uhlandstraße vorzusprechen. Dann hängt« er ab. „Was ist passiert?� fragt« Frau Bertholdt, die«enen Teil des Gesprächs gehört hatte.„Guten Morgen, was ist passiert? Der Georg war gestern abend hier und hat bis 11 Uhr auf Si« ge- wartet. � Warum kainen Sie so spät? Wir hotten große Angst. .Haben Sie den Georg noch gesehen?" „Ich habe ihn noch gesehen, ober wir hoben uns verzankt. Es ist ou» zwischen uns. Er hat mich geschlagen. Gestern hatte ich Probeaufnahme und kam deshalb so spät, ich sreute mich so. als ich heimkam, und da steht der Georg an der Türe und schlägt mich... Ich kann auch bei Jljiun nicht mehr bleiben. Frau Bertholdt, ich kann nicht, ich nehm« mir ein Zimmer in der Stadt.", „Wer Kind, aber Kindchen! Es wird schon alles wieder gut werden mit dem Georg. Er ist ein wilder Bursche und weiß manchmal nicht, was er tut. Bletben Si« bei uns und versöhnen Sie sich mit dem Georg." „Nein, nein, er hat mich geschlagen", antwortet« sie und klammerte sich an den Schlag wie an«inen Rettungsring.„n«in. nein, er hat mich geschlagen, und ich kann auch bei Ihnen nicht mehr bleiben. Und ich dank« auch schön für alle» Gute. Frau Bertholdt." ,Lch brauche keinen Dank� Ich habe alle, nur wegen Gedrg getan. Und mit Ketten und Stricken kann und will ich Sie nicht anbinden, aber das weiß ich, daß Sie noch einmal gern an das kleine Stübchen in Steglitz und auch an mich zurückdenken werden." Marianne weinte. „Weinen Sie nicht, Marianne", tröstete di« Frau,„weinen Sie nicht, Kind, das tut den Augen nicht gut. Georg wird noch heute um Berz�ihuug bitten, und dann wird alles wieder gut." „Es wird niemals wieder gut, er hat mich geschlagen, er hat mich geschlagen", beharrte sie. Nun wurd« Frau Bertholdt wütend. „Dummes Ding", sagte sie,„Sie haben viel zu wencg Schläge bekommen. Weinen Sie nur, S>e schlechte Schauspielerin, mir können Sie nichts vormachen. Das sind doch nur Krokodilstränon. Ich habe schon gut gehört, mit wem Sie telephoniert haben. Der Georg ist Ihnen eben nicht mehr gut genug. Aber er wird froh sein, wenn er Sie nicht mehr sieht... Und jetzt bestehe ich daraus, Fräulein Husi, daß Sie mein-Haus so schnell als nur möglich ver> lassen" Marianne ging und packt« ihren Koffer. Aus den Tisch legt« sie einen Briefumschlag mit SV Mark, der die»chuld kür die Unterkunft abtragen sollte. Dann nahm sie den kleinen Koffer und ging grußlos daoon. Als sie auf der Straß« stand, hörte sie ihren Namen. Frau Bertholdt blickt« aus dem Fenster. „Fräulein, Sie haben was vergessen!" ri«f si« und warf den Briefumschlag mit dem Geld ou, dem Fenster. Das Papier flattert« über den Borgarten und blieb dann am Eisengltter hängen. Frau Bertholdt schlug das Fenster zu. Marlanne ging weiter. Sie weinte nun richtige Tränen. Liebte sie Georg immer noch? Si« wußte es nicht. Haßte sie ihn? Nein, sie haßte ihn nicht. Er tat ihr nur leid. Schwermut kam über sie, ab«r mitten in der Schwermut war Licht. Sie sah sich selbst im Licht der Jupiterlampen und Queck- silbersäulen stehe», bleich und mit weißem moskenhasten Gesicht. Das Kuvert mit d«n 50 Mark klebte einig« Stunden an jenem Vorgitter, dann kam der Wind und trieb es auf die Straße. Dort blieb«s bis zum Abend liegen. Wagen rollten darüber hin. In der Nacht regnete es. Am frühen Morgen aber klaubte es«in Straßenkehrer aus dem Dreck. Zu Mittag begoß er mit einigen Kollegen seine» Fund. Am Abend brachte er seiner Frau Stoff zu einem Sommerkleid und für seinen siebenjährigen Sohn«In Buch vom Doktor Dooltttl« mit, dem berühmte» Weltreisenden und Tierfreund, der die Tiersprache oersteht. Mit dem übrlggebsi«benen Geld mochte die Familie cnn nächst«» Sonntag«in« kleine Reife nach dem Spreewald. Frösche quakten und schnappten nach d«n Mücken. Störche klapperten und stachen nach den Fröschen. Von dem Weg dieser Banknote wußte Mariawie nichts. Si« fuhr nach dem Westen und deponiert« im Bahnhof Zoo ihren Koffer. Dann bummelt« sie den Kurfürstendamm hinunter bis zur Uhland» strahe. Sie fand die Pension und quartiert« sich ein. E» waren zwei Zimmer für sie belegt worden, ein schönes Schlafzimmer mit Bad und Morgensonne und ein hübsches Wohnzimmer, in dem blau» Tapeten mit silbernen Kranichen von den Wänden blickten. Gegen Mittag erschien Lyssander und war höflich und besorgt wie immer. Er bracht« Blumen mit und erzählt«, daß in den nächsten Tagen schon mit der Aufnahme de» Films begonnen werden sollte. „Wir drehen diesmal In der Stadt, Marianne", sagte er,„und wir haben ein« J)übfch« Rolle für Sie herausgesucht." „Danke schon, H«rr Lyssander und ich freue mich sehr." Dann stand sie auf und küßt« ihn. Der KÄß kam ganz unvermittelt und wurde für>n«hr genommen, als er eigentlich sagen wollt«. Lyssander, der Frauenheld und Mädcheneroberer, war beglückt, und sie erlaubt«, daß er sie wieder Lopzn-izrn 1929 by„Der BOcherkreis G. m b.H.", Berlin SW61 küßte. Jlnb mitten in seinem Kuß dachte sie daran, wie gut«s sei, in der Stadt zu filmen, da ließe sich ein« Zusammenkunft mit Georg leicht vermeiden. Am gleichen Tag noch wurde si« durch oerschieden« Warenhäuser und Modesalons geführt und kam als elegante, junge Dam« in die Pension zurück. Der klein« Koffer am Bahnhof wurde durch drei groß« Lederkoffer ersetzt. Und am Ab«isi> sahen sie im Kabarett der Komiker, waren sehr lustig, und als dann Glaß kam und inmitten großer Garderoben seine philosophischen Randbemerkungen machte und das Lob der Armut fang, ohne selbst arm zu sein und Not zu leiden, da lachte Mariann« Hull. Sie hotte genug von der Armut. Sie hörte einen Ruf. Bald darauf begann di« Arbeit. Der neue Film, der gedreht wurde, war die Geschichte eines Schmi«renschouspielers, der mit seiner Tochter arm und oerlassen über die Straß« wandert und ein Perlenkollier findet. Das Glück lächelt, und einige Meter weiter findet di« Tochter«in« Brieftasche mit einem 10VY-Mark-Schein. Dos Geld und den Schmuck hat der Graf Allafch verloren. Die Hungernden und Armen wandern weiter und kommen in ein Dorfgofthaus. Dort bestellen sie zu essen und zu trinken und fallen wie hungrig« Wölfe über di« Mahlzeiten her. Sie wollen mit dem 1000>Mark-Sch«in be, zahlen, aber das ist verdächtig, der Wirt ruft die Polizei. Der Polizist kommt in der Phantasieuniform«ines utopischen Staates, denn nur dort darf die Polizei saudumm sein, sie werden oerhaftet und eingesperrt, brechen aber aus und kommen In ein Modebad. Dort steigen sie im vor- nchmsten Hotel ab. Der alte Schauspieler wird mit einem schon angemeldeten Gast, eben d«m Grafen Allasch, verwechselt. Sie führen das Spwl elegant und herzklopf«nd durch, bis der richtige Graf kommt. D«r findet Geschmack an dem jungen Mädchen und dem Theater, er ist selbst der Intendant eines Theaters, und d«r alt« Schauspieler gesteht endlich die ganze Geschichte ein. Er gibt Geld und Schmuck zurück, ober der Graf hat sich in di« junge Tochter verli«bt. der Vater bekommt«in neues Engagement, die Tochter einen Mann, den. Grafen Allafch, und mit diesem guten Ende wird die Gerechtigkeit und das Gleichgewicht auf Erden wieder hergestellt. Dies«? Film war nicht dümmer als sonst viele deutsche Filme, di« aus billigen Situatlonsfpähen bestehen, voll rührender Einfalt und zum Weinen langweilig sind, wenn sie amerikonische Vorbilder nochahmen. Den Grafen spielte Lysiander. Er stellie ihn als menschliche Figur in das Spiel, die sich selbst über den Titel amüsierl und als strahlender, doch liebenswerter Trottel den Lebenslauf des kleinen Mädchens zum guten Ende führt. Bernhard Glaß. der dos Manuskript geschrieben Hatte, war der pathetische, hungernde Vater, der seine Tochter gern hingibt, zumal das Standesamt eine junge Liebe legalisiert. Die Tochter, das süße, freche Geschöpf, war Marianne. Einmal kamen Pcesseleule. Mariann« wurde ihnen vorgestellt. Am nächsten Morgen las sie unter der bekannten Schlagzeile: Was wir im Glashaus sahen...«ine hübsche Notiz, die sich mit Lyssander, Glaß und auch ein wenig mit ihr beschäftigte. Sic mar als Partnerin des großen Lyssander erwähnt, und der junge Mensch, der die Notiz geschrieben hatte, fand sie„reizend". Aber sie>»ar mehr als nur reizend. Sie war ehrgeizig und begabt. Zuerst gab sie sich als das unschuldig« Gretchen. das mit dem alten Herrn Papa verlassen durch di« weile Welt �wandert, �ehr gut war dos Bild, als sie den Vater durch ihren Fund, durch den Fund der Brieftasche mit dem 1000-Mark-Schein übertrumpft«,-io legte dann auch den Schmuck an und spiegelte sich eitel im klaren Spiegel eines kleinen Gewässers. Sie war wie umgewandelt und die Triebkraft, die aus dem Gefängnis in das vornehme Hotel führte. Und als der richtige Graf kam, gab sie sich mit der Un- schuld einer jungen Tigerkage und zeigte ihre Schönheit und ihre Krallen. Zur rechten Zeit, als Graf Allafch um ihr« Hand bat. wurde sie wieder scheu und schamhaft, kurzum: sie spielte ein glänzendes Spiel. Mitten in den Aufnahmen hatte sie manchmals Angst, ob sie die Probe auch bestehen würde. Sie wurde dann unsicher, aber nur dann, wenn im Spiel Unsicherheit dargestellt werden niußte. Und wenn Daniel Kreß beim Spiel anwesend war, geizte sie durchaus nicht mit den ihr angeborenen Reizen und war so begehrenswert, daß auch der skeptische Jude Stielaugen machte. „Eine schöne Madonna haben Sie ins Haus gebracht, Lyssander", äußerte sich einmal Kreß,„die Kleine ist ja ein Luder, aber em begabtes Luder. Ich bin bereit, mit ihr sofort den Vertrag auf ein Jahr zu machen. Sie ist Zucker." .Lassen wir erst den Film zu Ende sein. Kreß, hören wir, was die Verleiher sagen. Wir brauchen uns nicht überstürzen." „Wieso? Haben Sie schon wieder einen neuen Star entdeckt? Die Hull nehme ich aus meine Kappe und auf meine grauen Haare, wenn Sie nicht wollen, Lyssander. Sie ist Zucker, prima Zucker!" „Rein, ich hob« keinen neuen Star, Kreß, aber ich bitte, doch noch«ine Woche zu warten. Wir wollen die Klein« nicht mitten im Spiel durch den Vertrag verwirren." „Na schön, ein« Wache warte ich noch, denn unierschreibe ich. Wenigstens auf ein Jahr. Was die Verleiher sagen, weih ich schon. Bring«» Si« uns, Herr Kreß, werden sie sagen, noch mehr Filme mit der Hull. bringen Sie uns neue Bilder, si« sind ein gutes Ge- schäft. Und das unterschreibe ich blind." „Ich auch. Sie spielt fabelhaft. Aber mit dem Vertrag wollen wir doch noch etwas warten." Kretz verstond plötzlich. „Diel Glück, Lyssander, Si« haben«» gut", sagte er und schob langsam ab. Die Ausnahmen näherten sich dem End«. (Fortsetzung folgt.) «« «« FÜR DEN KLEINGÄRTNER. iinuiniuiiuniiiiiiiiiiiiiiMiiiiuiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiuiimmiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiimiiitiiiiiuiiiiiiuiiuiiiiiMinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuimiiiiiiuaiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiuiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Ueberwinterung des Kohls. Die rationelle Ueberwinterung des Kohls stellt zwei Forderungen auf: möglichste Vermeidung von Verlusten während der Lagerzeit und stets gegebene Möglichkeit, ihn aus dem Lagerfeld herauszu- nehmen. Die Aufbewahrung im Keller erfüllt die zweite Forderung, bringt aber fast immer starte Verluste durch Fäulnis mit sich. Selten kann di« Lagerung und vor allem die Lüftung von Kellerräumen so erfolgen, daß der Kohl sich bis Ausgang Winter gesund erhält. Jede Hausfrau weih, wie in den Monaten Februar und März die Kohlpreis« steigen, weil dann die deutsche Erzeugung schon so gut wie ausgeschaltet ist und di« ausländischen Erzeuger in der Lage sind, den Preis zu bestimmen. Jede Bemühung deutscher- seites, hier Wandel zu schaffen, muh daher freudig begrüßt werden. Ein Mittel, mit dem man gute Erfahrungen gemacht hat und das den Vorteil hat, keine besonderen Kosten zu verursachen, besteht in folgendem: Man zieht den Kohltopf mit dem Strunk heraus, steckt ihn umgekehrt, also mit dem Strunk nach oben, in die Erde und deckt ihn mit Deckmaterial zu. Man wird an einer geschützten Stelle ein« flache Grube auswerfen, setzt die Kohltöpfe wie angegeben nebeneinander— möglichst so. daß sie sich nicht berühren — und füllt nun zuerst die Erde wieder auf, darauf eine Decke von Streusel, Nadeln ufw. breitend, die nun je nach dem fortschreitenden Frost erhöht werden tonn, sofern nicht— wie im letzten Winter— der Schnee diesen weiteren Schutz übernimmt. Zweckmäßig ist«s, die Schutzdecke über di« Breite des entstandenen Kohlfeldes hinaus zu führen. Diese Aufbewahrungsart hat sich wohl von ollen bisher vorgeschlagenen am besten bewährt, sie dürfte die sonst vielfach üb- volmerstoe, 16. Oktober. B« r Ii Q. 16.06 Aus im Reich der MedUlo. Dr. med. 0. Htssdorfc Urstchen«ad Formen des Irrsinns. 16.30 Musikalischer Ausschnitt ans dem JUJiachen Gottesdienst am Ncuiahrsteat und Versöhnunrstaj 17,30 Kurueschichten, Einllihrende und verbindende Worte: Erleb franien. Leseyreben: Erwin Kaiser. 18 20 Hermann Rentier. J. Vi« NacbtstDcka aus op. 28.— 3. Tanesuite op. 39. (Dar Komponist am FlOtel.) 18.50 PortrSt zum„Interview der Wocba"(Bildfnnk). 19X0 Dr. Waifgang Pähl: SezlalpplUlache Umsebau. >9210 Das Interview der Wache. 30X0 Sendespiele.„Laulse", Mnsikroman in tönt Teilen. Dichtung und Maalk von Guslava Charpentier: Ina Deutsche übertragen vpn Otto Neltiel, Regtet rranr Ludwig Harth. Dirigent Robart F, Denrler, 22.80 Funk-Tanzunterrleht. AnsehlieBend bU 0.30 Tanimualk. WItirand dar Pult Blldfink. KUnlgswnsterbauaen. 16.00 Direktor Stolzenberg: Zukunftsanfgaben der gewerblichen Bernfssehulo. 17.30 Schönste Volkslieder das Auslandes(II). 18.00 Mersmann: Kleine Formen der Klavlermnstk. 18,30 Spanisch tür Fortgescbrittena. 18.55 Dr. Wilbelmj: Dilngamlttellehrgang." 19.30 H. W. Tümenat Kundendianst und Kundenbadiannng. 30-00 MiilUrtnoslk. 31.00 aas«." Ein U eher blick. lichen Methoden, den von den meisten Umblättern befreiten, strunk- losen Kohltopf in Gruben oder in Mieten aufzuheben, an Zu- verläfsigkeit übertreffen. Wie alle Methoden der Aufbewahrung Im Freien leidet sie aber auch daran, daß bei starkem Frost der Kohl nicht„greifbar" ist, sosern man ihn nicht durch gewaltsames Heraus« hacken gewinnen will. Wie bringt aber nun das Ausland es fertig, bis zum Ausgang des Winters Kohl in vorzüglicher Güte zu liefern? Hier kommt namentlich Holland in Frage, dessen Gemüsebauern den gulen und besten Kohl in eigens errichteten Kohlscheunen aufbewahren. Nur tadelloser Kohl gelangt zur Durchwinterung, durch Lüsten— die beste Temperatur ist 1 bis 2 Grad—, durch eventuelles Heizen vermittels einer primitiven Heizanlage und durch ständige Kontrolle. ob auch nichts faule, wird der Kohl in diesem tadellosen Zustande er- halten. All dos macht Kosten und Arbeit, macht sich aber am Enae bezahlt. Man hat min in Deutschland Kohlscheunen nach holländischem Muster gebaut, est jedoch nach einer Darstellung in der Verbands- fachzeitschrift zu einer Abänderung des Typs gelangt, die die Temperaturschwankungen in den Lagerräumen auf«in Minimum beschränken soll. Unseres Erachten» ist die Frage genau so wichtig wie die Bereitstellung öffentlicher Gelder für die Winteranzucht van Blumen— gerade der jedes Jahr vor der Frllhlingsernte einsetzende Ruf der ärmeren Bevölkerung nach Bereitstellung von frischem Ge- müse zu erschwinglichen Preisen zeigt, welchen Segen eine- im groß'» durchgeführte Aktion haben würde. Und noch weiter läßt sich»er Faden spinnen: weshalb sollten nicht in Gemeinden mit zahlreichen Kleinstedlern und einem Gärtnerstamm Kohlscheunen errichtet werden, in denen nicht bloß Gärtner, sondern auch die Kleingärtner ihre Kohlköpfe abliesern könnten, die dann von einer fachmännischen Kraft gegen Entgelt— etwa Miete für den in Anspruch genommenen Raum— betreut werden. Wie die Aufnahme des vom„Vorwärts" zuerst erhobenen Rufes an die Blumenladenbesitzer— sie möchten ihre Preis« offenbaren— in den denkende» Gärtnerkreisen zeigt, haben diese erkannt, daß neben der Organisation der Produktion auch hie de» Absätze» wichtig ist, und in gleicher Weis« werden sie auch mit den Kleingärtnern Hand in Hand gehen, wenn es sich darum handelt, wertvolle Ware der Wirtschaft zu erhalten und gleichzeitig preis- regulierend im Kampfe mit dem Ausland zu wirken. Zurzeit hat unsere Winterkohlware wegen ihrer minderen Beschaffenheit einen schweren Stand. Durch ein Hand-in-Hand-Arbeiten aller Beteiligten könnte dies sich bald ändern. Spargel aus Samen zu ziehen, Billiger als der Ankauf von jungen Pflanzen gestaltet sich die Anzucht au» San«». Sie ist auch in keiner Weise schwierig: man sammelt im Oktober die größten dunkelroten Spargel- beeren von besonders kräftigen Pflanzen und läßt sie in mäßig warmem Wasser zur Gärung kommen. Die Beeren werden breiig und schatnnig und man löst di« schwammigen Teile mittelst«ine« kleinen Ruieirbesens ab. Roch Spülung mit Wasser gibt man di« Samenkörner durch ein Sieb. Gut ausgebreitet trocknet nun der Samen an einem nicht zu warmen Ort— ein Platz auf oder am Ofen ist über dazu nicht der geeignete Ort. Heber Winter verwahrt man den Samen trocken und kühl, aber natürlich frostfrei. Im Frühjahr bringt man den Samen auf ein gut vorbereitetes Beet. Je weiter man bei Reihensaat die Entfernung von Pffanzc zu Pflanze nimmt, desto kräftigere» Pflanzmaterial erhält man. Bei guter Pfleg» wird man mit schönen eigenen einjährigen Pflanzen zur An. lag« der Spargelbeete schreiten können. Die Aufgaben der SASL Der Präsident der Sozialistischen Arbeiter- Sport-Inter- nationale G e l l e r t- Leipzig verösfenllicht im Pressedienst der SASZ. folgenden Aussatz zur Tagung in Prag: Zum fünften Male treten die Delegierten der v o z i a l i st i- schen Arbeiter- Sport-Jnternationale(SASJ.) zu- sammen— diesmal vom 12. bis zum 14. Oktober in P r a g—, um über die Geschicke der Arbeiterfportbcwegung zu beroten und von der Entwicklung der Bewegung Kenntnis zu nehmen. Wenn es eine internationale Verbindung gibt, die im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeit gute Erfolge zu oerzeichnen hatte, so die der Arbeitersportbewegung. Die Ansätze internationaler Arbeit in der Vorkriegszeit waren sehr schwach. Zwar bestand zwischen Deutschland, Oesterreich und der Tschechoslowakei ein sehr starkes Freundschaftsverhältnis. Borübergehend waren die Vorgänger der heutigen Verbände Organisationsteile des deutschen-Bruder- Verbandes. Sie haben aus ckgen«: Erfahrung das Leben der großen Organisation in Deutschland kemwngelernt, und da Nim ist da» Ver- stehen dieser Verbände untereinander in der Nachkriegszeit so gut. Damit soll nicht gesagt sein, daß etwa Disharmonien und Mihhellig- leiten zwischen den oben genannten Verbänden und den übrigen Verbänden der Internationale beständen. Im Gegenteil, trotz der Kürze der internationalen Verbindungen sind die gegenseitigen Be- Ziehungen außerordentlich gut. Die Ursache der ocrhällnismäßig späten Gründung der Inter- nationale ist zurückzuführen aus die sehr spät einsetzende Erkenntnis von der Notwendigkeit des Arbeitersports. Noch heute gibt es in den Ländern mit starkem sozialistischen Einschlag führende Partei- genossen, die die Selbständigkeit der Arbeitersportbewegung ab- lehnen und den Sport allgemeia als ns-utrales Gebiet betrachten. Erst nach und nach ringt sich die Erkenntnis auf selbständige plan- volle Gestaltung der Leibesübungen im proletarischen Sinne durch. In der Vorkriegszeit waren, international gesehen, kleine Anfänge der Verständigung zwischen Deutschland und Belgien vorhanden. Der Krieg zerstörte die besten Hoffnungen, doch schon 1920 fanden sich die Vertreter der damals noch„feindlichen" Länder zusammen, um über die Gründung der International« zu sprechen..Es blieb nicht bei den Reden, sondern die Gründung der„Luzerner Sportinternational e" wurde zur Tat. Das hatte zur Folge, daß. die ganzen nationalen Veranstaltungen mehr und mehr einen internationalen Anstrich erhielten. In Prag 1921 begann es, Leipzig 1922 war ein Siegesmorsch der Ideen des internationalen Arbeitersports, ihnen folgten Veranstaltungen der verschiedensten Länder, bis die größte internationale Tot im 1. Arbeitcr-Olympia 1S2S in Frankfurt a. M. zum Erlebnis wurde. Zum zweiten Male rüstet die Sozialistische Arbeiter-Sport-Internationale zum. Olympia. Sie hat sich in ihrer Beschlußfassung über die Zeitabschnitte nicht gebunden gehalten an die historischen Ueberlieferungen der vier. jährigen Wiederkehr, sondern beschloß aus Zwcckmäßigkeitsgründen ein« andere Zeitfolge. Im roten Wien sollen 1931 die roten Sport- ler ausmarschieren. Der Kongreß in Prag wird dem Vorschlag zu- stimmen. Alle Voraussetzungen in Wien werden geschaffen werden müssen, damit es 1931 von Land zu Land schallt:„Die Arbeiter- sportler marschieren aus!" Sie sind stch ihrer internationalen Be- deutung bewußt und bekennen es laut vor aller Welt:„Mit uns zieht die neue Zeit!" Aber nicht nur zurXAbhaltung olympischer Wettstreite hat sich die Sozialistische Arbeiter-Sport-Internationale gebildet. Ein« Vertiesung der Erzichungsf ragen, bei denen die körperliche Ertüchtigung an erster Stelle steht, zählt mit zu ihren Aufgaben. Die SASZ. will die Pflege der Leibesübungen frei machen von rein nationaler Beurteilung und will mehr als bisher dienst- bar sein der sozialistischen Entwicklung und sozialistischen Kultur. Die Arbeitersportbewegung will den neuen Menschen formen helfen, den Menschen, der harmonisch gestaltet in seinem Mitmenschen jenseits der Landesgrenzon nicht den Feind und Zerstörer seiner Kultur erblickt, sondern weiß, daß auch außerhalb seines„Vater- landes" Menschen wohnen, die mit ihm fühlen, mit ihm denken und mit ihm handeln. Eine enge geistige und ideelle Geisteefreundschaft und Geisteeverwandtschaft soll entstehen. Dazu sollen dU Arbeitersportler beitragen, dazu soll der S. Kongreß der SASJ. in Prag neue Wege zeigen, dazu werden die Delegierten dieser Tagung sich freudig bekennen in der Gewißheit, daß sie sich fühlen als Glieder einer großen Familie, als Glieder der neu auf- steigenden Arbeiterklasse, die da kämpft um die Gleichberechtigung alles dessen, was Menschenantlitz trägt! Arbcitcr-Hockcy. Die Spiele am Sonntag. Noch reichlich langer Sommerzeit beginnen nun auch die Hockeyspieler mit dem Serienbetrieb. Auf dem Tiergarten-Sportplatz treffen sich am Sonntag von der.�-Gruppe der Sportverein Moabit I und die jung« Mann- schast des Mariendorfer Bezirks der Freien Turnerfchaft Groß- Berlin. Die Marienborfer haiKr erst zwei Spiel« hinter sich, aber bisher gezeigt, daß Können in ihm steckt. Die Moabtter müssen gut aufwarten, wenn sie Sieger bleiben wollen. Das Spiel beginnt um 14 Uhr.— In der Schönhauser Allee treffen sich die beiden Spitzenmannschaften der Freien Turnerschaft Groß-Berlln, Nord- ring I und Ostring I um 9,30 und 11 Uhr. Beide Mannschaften haben einige Freundschaftsspiele hinter sich und sind durch die Leicht. athletiksaison gut trainiert. Das Spiel ist vollkommen offen, zumal Nordring gegenüber dem Vorjahr etwas geschwächt antritt, da sie an die erst vor kurzem geborenen Mariendorfer einig« gut« Kräfte abzugeben hatten.— Auf dem Sportplatz Ost in der Laskerstraß« spielen um 13.30 Uhr Tennis-Rot I und Nordring II der Freien Turnerschaft Groß-Berlin, Auch diese beiden Mannschaften sind sehr ausgeglichen, doch dürften die Tennisleute erst noch Kampf gewinnen können.— Der Athlet! k-Sport-Elub ist am Sonntag spielfrei.— In der L-Gruppe treffen stch auf dem Sportplatz Ost um 13 Uhr Tennis-Rot II und Nordring III und auf dem Sportplatz Innstraße in Neukölln die dortige Turnerschaft und Athletik-Spart» Elub II um 9 Uhr.— In Pankow(Kissingenstrahe) spielen Pankow I und Ostring II der Freien Turnerschaft Groß-Berlin um 11 Uhr. Die Frauenmannschaften von Tennis-Rot und Frei« Turnerschaft Groß-Berlin-Rordring spielen um 14,30 Uhr auf dem Sportplatz Ost. » Arbeiter-Hockey auch in Eharlostenburg! Um vielseitigen Wünschen entgegenzukommen, wird beabsichtigt, auch in Charlotten- bürg wieder einige Hockeymannschaften in» Leben zu rufen, um vor allem den Hockeyspielern des dortigen Bezirkes wieder die Möglich- k:it zu gellen, im Arbeitet-Turn- und Sportbund zu spielen. Wir bitten alle Genossen, die sich am Hockcyfpiel in Charlotenburg zu beteiligen wünschen, sich schriftlich an O. Engler, Geschäftsstelle der Freien Turnerfchaft, Lichtenberger Straße 3, zu wenden. « Schiedsrichterkursus für Arbeiter-Handballer. Dienstag, IS. Ok» taber, 1911 Uhr, beginnt im Lokal von Wolter, Rungeftxaße 17, ein neuer Kursus. Die Leitung hat W- Nahrgang. Dauer: fünf Abende je zwei Stunden. Voranmeldungen schon jetzt an W. Nähr» gang, Adlershof. Hackend crgftraß« 84. kl'tAA.-fubilaun» in Rosenthal! Vor vier Jahren wurden in R o s« n t h a l Abteilungen der Freien Turnerfchaft Groß-Berlin eröffnet. Wie überall, waren auch hier die,-lieben Oppositionellen" eifrig am Werke, dem bun- destreuen FTGB.-Bezirk in jeder Beziehung das Leben schwer zu machen. Wer dank der umsichtigen geschäftlichen Führung und der bewährten technischen Leitung durch erfahren» Bundesmitglieder konnte der FTGB.-Bezirk Rofenthal gut gedeihen. Durch wieder- holte Mitwirkung bei Partei- und Gewerkschoftsfeften hat sich zwischen Turnern, Sportlern und der arbeitenden Bevölkerung«in gutes, harmonisches Verhältnis entwickelt. Di« am Sonnabend, 12. Oktober, stattfindende 4. Gründungsfeier bei Manthey, Rofenthal I, Hauptstraße 1. wird die frohe Gemeinschaft aller Freunde des Arbeitersportes zu festlichen Stunden zusammenführen. Ein reichhaltiges Programm verfpricht bei guten Sefangsvorttägen, bei gymnastischen Vorführungen, beim Musikturnen und Dar- bietungen von Jugendlichen. Männern uich Frauen angenehme Unterhaltung. Parteigenossen und Gewerkfchastskollegen sind freund- llchst eingeladen und haben Gelegenheit, Neues aus dem Bettleb der Arbeitersporllcr kennenzulernen. Die«Tankstelle" für Radfahrer. Ein Leipziger Fahrradhändler hat jetzt«ine kleine Erfindung gemacht, die für Radfahrer wirklich sehr praktisch ist. Durch Auf- stellen eines Elfenftänders, an dem ein halbes Dutzend Hand- luftpumpen»md ein« Fußpmnpe befestigt find, hilft er der dauernden Not de» Rodfahrers, nicht genügend Luft.drauf' zu haben, ab. Der Dorteil dieser Tankstelle gegenüber den Kraftwagen- tankstellen ist der, daß man hier kostenlos tanken darf. Wer will, kann natürlich seinen Obolos in ein« Büchse, dl« zugunsten des „Verein» für Radfahrwege" sammelt,' enttichien. Ein Wcrbespieltag in Neukölln. Als Auftakt zur kommenden Serie veranstaltet der Bezirk Neu- kölln der Freien Turnerschaft Groß-Berlin mn Sonntag, 13. Oktober, einen Werbespieltag aller Hand-, Fußball und Hockeyspieler auf dem I n n p l a tz und Herzbcrgplatz, beide an der Kaiser-Fri« brich- Straße gelegen. Es spielen auf dem Jnnplatz: Hockey, üilO Uhr, Neukölln Männer gegen 2. Männer ASE. Hand- ball, 2 Uhr. Neukölln 2. Männer gegen 2. Luckenwalder Sportler. 3 Uhr. Neukölln 1. Jugend gegen Schöneberg 1. Jugend. Herzberg- platz: Handball, 10 Uhr. Neukölln 1. gegen Neukölln 2. Männer. 2 Uhr. Neukölln 1. Frauen gegen Luckenwalder Sportler 1. Frauen. 3 Uhr, Fußball: Neukölln 1. und 2. Männer gegen Britz 1. und 2. 4 Uhr, Handball: Neukölln 1. Männer gegen Luckenwalder Sportler l. Männer. Die Altersturner der Abteilung turnen jetzt Donnerstags in der Schwedischen Turnhalle, Donausttaße Nähe Pannierstroße, von 20 bis 22 Uhr. Aufnahmen jederzeit dort. �rdeitersportler in der KPD. nicht gelitten! Di« KPD.-B«zirksl«itung Westsachsen hat den Vorsitzenden de» Leipziger Fußballbezirks Meißner aus der KPD. a u s g e- schlissen, weil er«» ablehnte, die Anweisungen der Partei im Arbeitersport durchzuführen. Meißner, der im Bundesgeschäst des Arbeiter-Turn- und Sportbundes angestellt ist, wurde u. a. beouf- tragt, Bundesvorstands Material zu stehlen und der KPD. auszuliefern. Man'bot ihm ferner eine Anstellung an alz Kreisleiter der oppositionellen Arbeitersportler Sachsens mit 300 M. Monatsgehalt Jetzt nennt ihn dl« KPD. einen Partetterräter, der von den Reformisten gekauft worden sei. Al» letzte Wochenendfahrt findet in diesem Jahre am Sonntag, 20. Oktober, eine Fahrt zum Besuch der tausendjährigen Stadt Brandenburg an der Havel statt. Der Bahnfahrt schließt sich ein Rundgang durch die Stadt zum Paulikloster, Dom usw. an. Nachmittags Fahrt mit dem„Wintermärchen" in die Umgebung Brandenburgs. Teilnehmerkarten sind in der Geschäfts- stelle des Touristenvereins„Die Naturfreunde", N. 24, Johannis- straße 13, täglich, außer Sonnabends, von 17 bis 20 Uhr, und bei Meckelberg, Graetzstr. 30; Walter. Neukölln, Siegsriedstr. 55; Schmidt, Rankestr. 30; Sinn, Stettiner Str. 30: Thomas, Luxemburger Str. 1, erhältlich. Gleichzeitig findet am kommenden Sonntag die Zu- sammenkunft mit den Teilnehmern der Wochenend- fahrten in Hakenfelde, Restaurant Lindsngarten, statt. Fahr- gslegenheit bis Spandau-West und dann weiter mit der Straßen- bahn 75 bis Hakenselde. Alle Teilnehmer, die vorher noch einen Spaziergang machen wollen, treffen sich um 13 Uhr an der Endhaltc- stelle der Sttoßenbohnlmie 128 in Heiligensee. Von dort Wanderung nach Hakeiffelde. Für heitere Darbietungen und gute Tanzmusik ist gesorgt. Angehörige und Gäste sind herzlich willkommen. Arbeiterscfaützen in der Turnhalle. Der Arbeiterschützensport wird vielfach mit dem spießerhaft betriebenen bürgerlichen Schießsport auf eine Stufe gestellt. Um dem entgegenzutreten, haben die Arbeiterschützen für den Winter«inen Turnhallenübungsbettieb eröffnet, um ihren Mitgliedern auch in der kalten Jahreszeit Gelegenheit zum Schießsport und zu Körper- Übungen zu geben. In der Turnhall« Köpenicker"Straße 123 wird das alt« Bogenschießen als Volkssport bettieben: in den Pausen betreibt man Gymnastik aller Art. Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften, die als Gäste gern gesehen find, können sich an den Uebungssttmden überzeugen, daß das Ge- boten« sehr wohl zur körperlichen Ertüchtigung des Menschen bei- ttägt. Anmeldungen an Stefan Brumirski, Berlin SW. 19, Konrmandantenfttaße 77, Merkur 7732. Reidisbanner-Rudercr rufen! Die Ruderriege des Reichsbanners Schwarz-Rol- Gold, die im vergangenen Sommer bei den Regatten des Deutschen Wassersportverbandes beachtenswerte Erfolge erzielt hat, nimmt jetzt wieder ihren Ausbildungskursus für Rude.rer auf. Während des Winters wird das Kastenrudem betrieben. Als Ergänzungssport teibt man Handbollspiele, Waldläufe usw. Nach genügender Durch- bildung im Kastcnrudern erfolgen im Sommer Uebungs- und Wanderfahrten in den vereinseigenen Mannschaftsbooten vom Reichsbanner-Bootshaus Köpenick, Wendens chloßftt. 122, aus. Der Ausbildungskursus findet immer Sonnabends, 1911 Uhr, in der Ruderanlage der Berliner Turnerfchaft, Sttalau, Tunneistrahe 4, statt. Beginn am 12. Oktober. Wir fordern olle interessierten Sport- und Reichsbannerkameraden auf, von dieser Ausbildungs- Möglichkeit Gebrauch zu machen. Naturfreunde-Abreißkalender 1930. Schon durch sein Titel- blott, einer gut gelungenen Bildmontage, die einen Ausschnitt aus der vielfeittgen Tätigkeit der Naturfreunde zeigt, kommt zum Aus- druck, daß der neue Naturfreunde-Kalender zu den besten zählt, die auf dem Markt erscheinen. Auf 64 Blättern sind neben den kalender- mäßigen Angaben wunderschöne Bilder von dem Leben imd Wirken der Naturfreunde, von ihren Ferien- und Wanderheimcn und aus ihrem Orgamfattonsleben zu finden. Aus allen Land- schaftsgebleten Deutschlands, aus dem Hochgebirge, vom Meer, von der lieblichen Schönhell der Heide, von stillen Seen und rauschenden Mittelgebirgswöldern erzählt der Naturfreunde-Kalender. Er bringt neue Ziele für Wander» und Fcrienfahrten und ist davauf bedacht, jedem Naturfreund Freude zu bringen. Der Kalender ist zum Preise von 1,60 Mark durch jede Parteibuchhandlung und vom Natursrcunde-Aerlag in Nürnberg, Webergasse 1, zu beziehen. Das Naturfreund«-Jahrbuch 1930 ist im gleichen Verlage erschienen. Es enthüll für jeden Wanderer wichtiges und Interessantes Material und kostet 1,20 Mark. Arbeiter-Radsahr er- verein Groh-Verlin. Sonntag, 13. Ottober, 18 Uhr, Adlershof, bei Ziege. Start: Waldomarsttaß« Ecke Ma- riannenplatz. Gäste willkommen. Der Ständige Ring am Freilag. Außer den Begegnungen von Emil Koska und Charlie Sas-Belgien im Halbschwergewicht und Willi Metzner und Iakvbs-Beigien im Bantamgewicht treffen sich «och Emil Scholz mit Harry Berg, Erwin Zinndorf mtt Jupp Zicho und Willi Gloser mit Paul Schmidthaber. Arteiter-ZteS-«md Araftsa>,r«r.Bii»d. Solid» ritat-, Ortsaruvve Sro«. Berlin. SclidLttsitelle Rodert RoUidartd. EW. 11. E-hSneberinr Sit. 17». Am J9. Oktobkr im Laalkxiu ffrieinichshaii« Iubilorfeier. Am Eotinta». dem 13. Oktober, werten solgenbe gahrtcn veranttaNet. Gäste sind stets will kouwlen. 1. Abt.! ssalirt nicht einqesandt. ssrritag, 18. Oktober, Siduil« bei Richert, Steimnedftr. 36».— 2. Abt.: 8 und IS Uhr Hohenfliek, Earcwsti. Siart: Hobenstaufcuplatt(Normoltchr). Mittwoch, 1«. Oktober. 30 Uhr, Eidun» bei Lock, Echöulcinstr. S.— t. Abt.: 0 Ufic Streif aUne durch die bunafern. Heid«. Start! Stolvisch« Str. 38<»«ldschmtdt>. greita», 18. Oktober. Slfcunfl, Schwodicr Str. 23—31.—». Abt.: Salict nicht einaosaudt. Mittwoch, 18. Oktober, Eittuua bei Schreiber, Triststr. 83.— Abt. ckbarlottenlnir«: 7 Ubr Auokabren der Abteilunamueisterschait. 13 IIb: Bichelsberae. Mittwoch. 18. Ok. tober. Sttiuiifl bei Reimer. Wilmersdorfcr Str. 21. Daiewst auch Start.— Abt. Schlnebeft» 7 Ubr Strauobera-cheaernUlble. Mittwoch. 18. Oktober, Äabreo- aeneraloersounnlunq bei Liiaae. Stubenrauchstr. 8. Start ebenda.— Abt. NrrlSll»: 7 Uhr Dubrow. Start; Sohensollernvlah. Donuerow», 17. Oktober, SlSun«, Aaiscr.griodrich-Str. 171—172.— Abt. Weigensce Kelnerodoes: 12. Dt- tvbtr Luckenwalde über Heribera. Start: Sonnabend 18 Uhr in Weißeirlec, Lonabousstr. 182. ssreltaa, 18. Oktober, Situma bei Rauh. Lanabansstr. 102. — Abt. Reiuicheuboef: Mitirooch, 18. Oktober, Gencraloersammluna bei Reu- Lanabaneitr. 182. ssreltaa, 18. Oktober, Sifcmta — Ab». Reinickeudo es: Mitbwoch, 18. Okioder, G WW..... mann, Brovinistrahe Ecke Bantower Allee.— Motorsahrcr. Abt. chrenltbera: 9 Uhr Blumenthal, cheidrkrua. Start: BaNenolah.— Abt. z rieb richo Hai,>: 7% Uhr Kälzerner See. Start: Landsberaer Plab.— Adt. Reutiilla: s Uhr Schnideiiagd. Start: Koheniollernftlatt. Dienst«», 17. Otlobcr, 28 Uhr. Siduna, »aiscr-!7riebrlch-Str. 171—172.— Abt. Lichtenbera: 8 Uhr guchmaad. S>ar>: dritte. Iunallr. 29, Miitwoch, 18. Oktober. 20 Uhr. Sitimifl bei grilt». Inn». sirahe 28.— Abt. Pankow: 9 Uhr»ehrauofahrt nach Basdorf. Start: RuiKu» grani, ItaiserzZri»drich-Str. 87. Miitwoch. 18. Oktober. Sihuna bei Richard zrani.— Abt.»opanick: 8 Uhr Wittenbera, Beiirk Salle. Start: Schlosiplaii. Touristcnocrein»Die Ratursrrunde". zentrale wie». Ortsaruovc Berlin: Mittwoch, 18. Oiwver, 28 Ubr, Soobicnsäle, Sophtenstrahe laroßer Saal). Lichthilderoortraq:»Elbe und Oder vom gaitboot an»". lUrauAithrun».) Bor. tränender: Genosse Dr. Kurt Biain».«iniahkaric 58 Bk. an der Abendkasse. — Abt.«ldarlottenbnrg: ssreita», II. Oktober. 28 Uhr, Spreestr. 38. Bortra»: »Geschichte der Grie'. Sonnta», 13. Oktober, Bluinenthol, Abfahrt 718 Ubr Wrieiener Bahnhos. nach Tiefensc». Sonntaaokarte.— Abt. Südost! Frejtaa. 11. Oktober. 28 Uhr, Briher Str. 27. Sinasan».— Abt. Teevto«: ssrnta», U. Oktober. 28 Uhr, Slsenstr. 3, Bortraa:»Im Weste» nicht« Neues".— Adt. Sleukiilln: grcUaa. 11. Oktober, 28 Uhr, Muabafenstr. 88, Bortra»:»Simmel». künde".— Faltbootabtell«»»: greita», II. Oktober. 28 Uhr, Briher Str. 27. Technischer Abend.— Abt. Weddi»»:{?«>«»». U. Oktober. 28 Uhr, See. straße 84, Geschäftliche«.— Abt. Brih: ssreita», 11. Oktober. 28 Uhr, Cbaussee. strah,«. Bortra»:»Wae ist Sozialiomu».—«chtunn, lSandcriudrerlcheqanal Besondtrer Umstünde weaen der nächste Abend nicht am ssreita», dem 11. Oktober. sondern am Monta», dem 14. Oktober, Iohannisftr. 15, 20 Uhr, Rektor slrid Schmidt spricht itber»Iuarnd und Alter in ihren Wechsclbc.uehiinqen".— Rh»to»«m»inschalt! Monta». 14. Oktober, 20 Uhr, ssrantsurter Allee 887. Bhvtoaravhieren mit Maancilumlicht. gTSB,, Bctirk Bris,. Sonnabend, 12. Okiober, läst Uhr, gunittonljr- besprechun» im Iuaendheim Ratbaus. Chausseestraße. Sonnta», 13. Oktober, Kerbstwanderun» der stindcrableilunaen durch den Grunewald. Treffpunkt 8U Uhr Postamt 1. Chausseestraße. Erwachsene als Gäste willkommen. Xennio-Rat, Abteilun»«panda». Monat-versammlung Montaa. 14. vk. tober. Iuaendheim Lindenufer 1. Grllndunasfcier von Tennis-Rot. Groß. Berlin. Sonnabend, 2. November, in der»Unierwelt" des Großen Schansviel. haule« Berlin. Elntrittrikarten« 1 M. sind bei A. Großmau» su haben. Säfte herzlich willkommen. Stele Aibeilcr-Schack-Berrlniauna Geoß-Berlin. Abt. Liidtenbera eräftuet jgüal' �onne»>a».�bi, Mnttrvortraasrtih« und Lehriurse. Gaste willkommen. gfte�ÄÄaea« Groß BerH». f.«. 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