BERLIN Sonnabend 12. Ottober 1929 lOPf. Nr. 4&0 B 239 46. Jahrgang Erscheint anterSoantaz«. Luglcich Adendausgabe de«.Vorwärts'. Dejuzsprei« beide Au«gaben 85 Pf. pr» Woche.»,60 M.»ro Monat. Redaktion und Erredition-, Berlin SW 68. Zindenßr.Z »»b»tO0N»»«i<»vt« einfältige N»nparellle»ekli »o Pf.. ReNamqetl«» M. Ermäßigungen nach Tarif. Postschecktoatoi VorwättS-Werlag G. m. b. H.. Berlin lRo.»7536. Fernfrecher: Dönhoff 292 dt« 29? Kein Nachfolger fiirGtrefemann! Direktorium in der Volkspartei eingesetzt. Die Lolkspartei steht vor der schwierigen Frage, wer an Stelle Stresemanns die Parteiführung übernehmen soll. Die„Hamburger Nachrichten", die sich seit dem Tode Stresemanns sehr lebhaft für die Volkspartei interessieren, weil sie auf deren Rechtsschwenkung spekulieren, glauben zu wissen, wie in der Volks- parte! die Führerfrage gelöst werden soll. Sie berichten: „An den zuständigen Stellen der Deusschen Volksparte! geht nwn nun ernsthaft daran, die Frage der Nachfolgesch aft Dr. Stresemanns zu klären und die Vorbereitungen für den Parteitag zu treffen. Wie im Augenblick die Verhältnisse liegen, ist kaum damit zu rechnen, daß es der Partei gelingt, sich auf einen einzigen Parteiführer zu einigen. Die politischen Ver- Hältnisse sind-im allgemeinen noch derart unklar, daß eine e n d- g ll l t i g eS t e l l u n g n a h m e für die Partei fast u n m ö g- l i ch geworden ist. Die Auffassung über die mutmaßliche Entwicklung, die die deutschen Innenpolitik nehmen wird, gehen so weit auseinander, daß kaum eine Ueber- «instnnnmng erzielt werden kann. Es ist daher damit zu rechnen, daß die Bolk-partei zunächst sich mit einer provisorischen Führung begnügt. Aber auch selbst eine provisorische Führung durch eine einzelne Persönlichkeit der Deutschen Volks- partei wird angesichts der inneren Differenzen kaum verwirklicht werden. Es ist damit zu rechnen, daß man als Ausweg ein Di- rektorium finden wird, dem die Vertreter der ver- schiedenen Richtungen angehören. Gegenwärtig werden in Parteikreisen als vermutliche Mitglieder dieses Direktoriums die Abgeordneten von Kardorsf, Dr. Scholz und Minister C u r t i u s genannt. Ein Termin für den neuen Parteitag ist noch nicht angesetzt." Die ouseinanderstrebenden Tendenzen in der Volkspartei sollen also anteilig in der Führung vertreten sein! Eine Notlösung, die die innere Not der Volkspartci anzeigt. Die Note Hilfe. Sie gesteht, von den Sklareks genommen zu haben Die..Rote Fahne" veröffentlicht eine Erklärung der„Roten H i l fe" zu der von Genossen F l a t a u in der Stadtverordneten- Versammlung gestellten Frag« über ihre Beziehung zu den Sklareks. Wenngleich in der üblichen Kommunistenman«r zunächst von„ge- platzten SPD.-Lügen" und einer„schuftigen Frage" Flataus in Uabcrschrift und Text geredet wird, so schält sich doch aus dem Blend- werk dieser Schimpfereien durch die eigene Erklärung der ..Roten Hilfe" fvlgeiiidcr Sachverhalt heraus: 1. Die„Rot« Hilfe" hat nach ihrer eigenen Angabe einen Posten Kleidungsstücke für die von ihr unterstützten politi- scheu Gefangenen in den öffentlichen Verkaussgeschöften der KVG tSklarek) gekauft und(wörtlich)„sofort bar bei einer preisermähi. guna von 19 Proz. bezahlt". Welche Summe dieser Rabatt aus- machte, kann man aus der Erklärung nicht ersehen, da sich über den Gesamtwert dieses Geschäftes die Rote Hilfe vorsichtig aus- schweigt. 2. Bei den Waihnachtssammlungen der Roten Hilfe sind die Gebr. Sklarek in den letzten drei Iahren(wörtlich)„durch die Spende von Kleidungsstücken, die insgesamt den Werl von 1000 Wart nicht übersteigen, vertreten". Die Rote Hilfe beeilt sich zu versichern, daß diese Spende von annähernd 1000 Mark„sehr bescheiden" sei. Wir haben Anlaß, mit größter Bestimmtheit anzunehmen, daß die jetzige Bewertung der von den Sklareks geleisteten Spenden durch die Rote Hilfe„sehr bescheiden" ist, denn es hat sich jedesmal um Posten von Kleidungsstücken gehandelt, die man ganz außer- ordentlich niedrig ansetzen muß, um aus einen Wert von unter 1000 Mark zu kommen. Die Kommunisten schreien dauernd über„Vertuschung des Sklaret-Skandals". Die Erklärung der„Roten Hilfe" und das Ge- schimpf der„Roten Fahne" über die Anfrage des Genossen Flatau zeigen am besten, daß der Cnthüllungseifer der Kommunisten sich lediglich gegen andere richtet, daß sie aber im eigenen Hause vertuschen, was zu vertuschen ist. Neuer Kommunisten-Schwindel. Die„Rote Fahne" vom Sonnabend früh schreibt unter der Ueberschrift: Der Opossum-Pelz der Stadträtin W e y l:„Wir stellen fest, daß sich darunter auch die bekannte Stadträtin und So- zialdemokratin Weyl befindet, die sich aus dem städtischen Betrieb der KVG.«inen australischen Opossum-Pelz liesern lieh, den sie sogar gänzlich„vergessen" hat zu bezahlen." Dazu wird von Genossin Weyl erklärt, daß sie weder mit der KVG.. noch den Gebrüdern Stlorek irgendeine gesellschaftliche oder geschäftliche Verbindung gehabt hat. Ueberdies erklärt Genossin Weyl, daß sie nock) nie in ihrem Leben einen„australi- schen Opoffmn-Pelz" besessen hat. Oer Tomado in Staaken. Abgedeckte Stäufer. Au dem W irb eist u r m, von dem gestern nachmittag Staaken heimgesucht worden ist, wer- den noch Einzelheiten bekannt, die ein Bild von der verheerenden Wirkung des Orkans geben — Man verläßt den Bahnhof in Staaken und schon nach wenigen Schritten zeigen sich einem in der Lehrter Straße die schwersten Verwüstungen. Da sind mehrere Obstgärten. Gro- tesk zu Spiralen gedreht liegen auf dem Boden zahlreiche Bäume zer- streut. Ein Siedler er- klärt: Sie können sich kaum eine Vorstellung davon machen, wie der Wirbelsturm gehaust hat, wie in wenigen Minuten sin Teil Staakens den Anblick größter Zerstörung bot. Der Mann hatte kurz zuvor im Garten gearbeitet. Plötzlich verfinsterte sich der Himmel und ein wolkenbruchartiger Regen ging nieder. Der Siedler eilte ins Haus. Im nächsten Augenblick ging ein Höllenlärm los. Ein geradezu unheimliches Sausen begann. Ueber die Straße ging ein Hagel von Dachziegeln, zerbrochenen Fensterscheiben und Holzteilen nieder. Zehnjähriger Obstbaumbestand wurde vernichtet. Starke Stämme wurden geknickt, ja, viele wurden von dem Wirbelsturm aus dem Erdreich herausgedreht und meterweit fortgeschleudert. Der Gartenzaun wurde später auf der gegenüber- liegenden Straßenseite gefunden. Ein ähnlicher Anblick der Zerstörung bietet sich in Neu- Staaken. Da ist beispielsweise ein Restaurant besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Ein Augenzeuge erzählt: das Dach des Hauses wurde von dem Orkan hochgerissen und sortgc- Wrj'«t 'Umgeknirkte Säume, führt. Bald entschwand es meinen Blicken. Das Dach mit Ziegeln und Sparren, sogar«in Teil des Inhalts der Lodenverschläge wurde später in einem Garten am Magistratsweg gesunden. Die Tut- fernung bis hier beträgt etwa 500 bis 600 Meter. Schwere eiserne Gartenstühle wurden wie Papier in die Luft gewirbelt, krachend sausten sie in den Nachbargrundstücken nieder. Eine eiserne Garten- tür wurde aus den Angeln gerissen. In toller Fahrt ging es über das Haus hinweg! auf der anderen Seüte fand man sie nachher wieder. Es sieht aus, als ob in Staaken eine schwere Explosion stattgefunden hätte. Die meisten Dächer des von der Windhose betroffenen Ortsteiles sind abgedeckt. Viele Lauben sind vom Erdboden wie wegrasiert. Die Holzteile sind Hunderte von Metern weit fortgeschleudert worden. Die Höhe des angerichteten Schadens läßt sich noch gar nicht abschätzen. Etwa hundert Meter weiter wollen die Einwohner von dem zerstörenden Naturspiel kaum etwas bemerkt haben. Nicht ein Hälmchen ist dort geknickt. Ltm die Eisenbahnerlöhne in England. Herabsehung um 2'/- proz. bis Mai �SZO. London, 12. Oktober. Am Freitag abend wurde zwischen den Vertretern der vier großen Eisenbahngesellscha-sten und der Eisenbahncrgewertschaften eine Einigung über den bestehenden Lohnstreit dahingehend erzielt, daß die Eisenbahner der bereits bestehenden Lohnver- ininderung um 2% Proz. für alle Berufsarten z u st i m m e n, und zwar soll diese Lohnregelung bis zum 12. Mai 1930 in Kraft bleiben. Die Eisenbahngesellschaften hatten die Beibehaltung dieser Lohn- Verkürzung mindestens für ein weiteres Jahr verlangt, während die Gewerkschaften für die sofortige Aushebung eingetreten waren. Das Abkommen tritt in Kraft vorbel)altlich der Genehmigung durch die Lertrcterkonferenz der drei beteiligten Eisenbahncrgewerk- scha-ften; die Annahme ist aber so gut wie gesichert. Herr Vünger darf nicht. Killinser hat es verboten. Di« Nachrichtenstelle der sächsischen Staatskonzlei teilt mit: „Auf der Konferenz der Innenminister der Länder, in der unter dem Borsitz des Reichsinnenministers Seoering eine Aussprache über die mnerpolitische Lage stattgefunden hat, sind Beschlüsse wegen einer amtlichen Stellungnahme zum Volksbegehren nicht gefaßt worden. Ministerpräsident Dr. Bllnger hat nicht die Absicht, im Rundfunk über das Volksbegehren zu sprechen. Auch von den an- deren sächsischen Ministern ist über eine solche Absicht nichts bekannt." • Herr B ü n g e r, Mitglied der Deutschen Volkspartei, distanziert sich von der Abwehr gegen dos Volksbegehren. Diese Distanzierung zeugt angesichts seiner AZarteizugehörigke'it von besonderem Ge- schmack— aber sie erklärt sich sehr einfach: der Herr Ministerpräsident ist abhängig von Herrn Manfred v. Killinger, der die Hand an der Gurgel seiner Ministerprästdentschaft hält. Herr Bünger will nicht protestieren, wenn die Reichsregierung als zuchthauswürdig hingestellt wird. Er darf nicht, weil er die Stimmen des nationalsozialistischen Verleumderpacks braucht. Ems und Oberstein frei. Oer Fortgang der Näumung. Köln, 12. Oktober.(Eigenbericht.) Die Räumung des Rheinlandes durch die Franzosen macht weitere Fortschritte. Dos in Bad Ems liegende sranzösisch« Jnfontericbataillon wird am IS. Oktober endgültig die Stadt ver- lassen. Es bleibt bis Ende des Monats lediglich eine kleine Ab- Wicklungskommission dort! dagegen wird die Gendanneriestation bis zum letzten Termin der Räumung in Bad Ems verbleiben. Der weitaus größte Teil der in Oberstein liegenden Besatzungstruppen hat mit dem Truppenkommandcur die Städte Oberstein und Idar verlassen und ist in ihre neuen Garnisanorte, in der Bretagne, übersiedelt. Nur ein kleines Kommando bleibt zurück. Berichtigung. Die angekündigte Revolutiomfeicr im Sportpalast findet nickt heute, wie ver« sehentlick im»Vorwärts" angezeigt wurde. sondern selhstverstandlick am Sonnabend. dem 9. November, statt. Sowjetunion in der Weltwirtschast. Vier Lahre Rußlandvertrag.- Deutschlands Sowjetexpori. Vor vier Jahren, am 12. Oktober 1925, wurde nach langen und schwierigen Verhandlungen der Handelsvertrag zwischen Deutschland und der Sowjetunion abgeschlossen, der auch heut« noch in Kraft ist. Die Reichsregierung stimmte dem Ab- kommen an dem Tage zu, an welchem die Locarno-Delegation von Berlin abreiste. Deutschland lieh durch den Vertragsabschluß bei den Westmächten keinen Zweifel darüber auskommen, daß durch die Ver- ständigungspolitik im Westen seine klare Friedenspolitik gegenüber Sowjeirußland in keiner Weise beeinflußt wurde. Die international« Bedeutung dieses deutsch- russischen Wirtschajts- abkommens liegt darin, daß Deutschland die erste Großmacht war, die einen Wirtschaftsvertrag mit Sowjetrußland auf breitester Grundlage abschloß. Handelspolitisch sieht der Vertrag die gegenseitige M e i st b e g ü n st i g u n g bei der deutschen und russischen Einfuhr vor. Außerdem aber enthiell dieses Abkommen, das ein umfangreiches Werk darstellte,«in gesondertes Nieder- lassungsabkommen, ein Wirtschafts-, Eisenbahn- und Seeschistahrts- abkommen, ferner die Regelung der Handelsgerichtsbarkeit und des gewerblichen Rechtsschutzes. So wurde eine umfassende Regelung der gegenseitigen deutsch-russischen Beziehungen aus breitester R e ch t s b a s i s getroffen. Da der Vertrag wegen der besonderen Vedingungen, unter denen sich das Wirtschaftsleben in Sowjetrußland abspielt, nicht alle Möglichkeiten der Praxis im voraus regeln konnte, hat er sich im Laus« der Zeit als reformbedürftig erwiesen. Ende vorigen Jahres wurde daher das Abkommen in n«uen Ver- Handlungen mit Rußland in verschiedenen wichtigen Punkten aus- gebaut. Ein wichtiger Punkt dieser Verhandlungen von 1928 war eine Verstärkung der Rechtssicherheit für deutsche Slaaleangehörig«, damit sich Borfälle, wi« in dem bekannten Don« z- Prozeß nicht wiederholen. Außerdem wurden gewisse Schwierigkeiten, die sich aus dem russischen Konzessionssystem ergaben, für die deutsche Wirtschost beseitigt. Mag auch an dem Vertrag von 1925 noch manches auszusetzen sein, so zeigt die schnelle Verständigung bei den Wirtschastsverhandiutigen im letzten Jahr doch, wie wertvoll der vor vier Jahren abgeschlossene Vertrag als Grundlage siir den Ausbau der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen ist. Di« Frage liegt nahe, wie sich seit dem Abschluß des Handels- Vertrages mit Rußland der deutsche Export nach der Sowjetunion entwickelt hat. Man kann natürlich nicht die deutsche Ausfuhr noch Rußland in den letzten Jahren mit der Zeit vor dem Kriege ver- gleichen, wo das alt« Rußland im Jahre 1913 sür annähernd 2,7 Millionen Galdmark Waren in Deutschland kaust«. Eimnal hat Ruß- land im Westen seines Reiches große Gebiete, wie Palen, Finnland und di« drei baltischen Randstooten verloren. Außerdem aber besitzt die Sowjetunion ein Außenhandelsmonopol, dos die Ein- und Ausfuhr nach bestimmten Plänen regelt und dessen Tätigkeit der großen wirtschaftspolitrschcn Linie der Sowjetunion unterge- ordnet ist. Ost genug hat es sich in den letzten Jahren ergeben, daß das Außenhandelsmonopol aus währungspolitischen Gründen unter Zurückstellung wirtschaftlicher Notwendig- ketten seine Auslandskräfte auf das stärkst« drosselt«, auf der anderen Seite aber zur Aktivierung seiner Handelsbilanz Zwangsexporte durchführte. Nach der Handelsstatistik der Sowjetunion entwickelte sich die Einfuhr aus Deutschland in den letzten vier Jahren folgendermaßen: 1925 1926 1927 1928 261,5 Millionen Mark 350,8 ,,„ 401,1 498,3 Di« deutsche Einfuhr nach Sowjetrußland ist also seit 1923 Jahr für Jahr ge st legen. Wesentlicher ab«r als diese Tot- jache ist, daß Deutschlands Anteil an der Gesamteinfuhr Rußlands von 1925 bis 1927 sich von 16,4 auf 28,3 Proz. erhöhte. Er ging dann im letzten Jahr leicht auf 28 Proz. zurück. Da dos russische Wirtschaftsjahr von Oktober bis September läuft, ist der abschließende Bericht für das letzte Wirtschaftsjahr 1928/29 noch nicht bekannt- gegeben. Dagegen läßt der Bericht für das vorhergehende Jahr 1927/28 erkennen, daß Deutschland für bestimmte Waren als stärkster, teilweise sogar als fast ausschließlicher Liefe- r a n t in Frage kommt. So lieferte Deutschland in dem Berichte- jähr rund 81 Proz. der gesamten Forben und Farbstosfeinfuhr, 6 5,4 Proz. der Maschinen- und Zlpparateeinfuhr, 62.8 Proz. an Maschinenteilen und an optischen sowie physikalischen Jnstrumcn- ten 7 7,5 Proz. der G s a in t- i n f u h r.?luch die deutsche elektrotechnische Industrie lieferte fast zwei Drütel der Gesamteinfuhr Rußlands an elektrorcchnischcm Zubehör. Oer Anteil Deutschlands an der gesamten sowjetrussischen Fertigwareneinsuhr stieg i» dem bekresfenden Berichtsjahr von 49,6 auf 56,4 proz. Andererseits ist auch die russische Einfuhr nach Deutsch- land seit dem Abschluß des Handelsvertrag«- Jahr für Jahr ge- stiegen. Sie betrug 1925 noch 252,4 Will., dagegen im letzten Jahr schon fast 725 Mill., konnte sich also im Laufe von vier Jahren f a st verdreifachen. Allerdings hat Deutschland im letzten Jahr auch im Rußland- gcschäft die Konkurrenz des Auslandes immer fühlbarer zu spüren bekommen. Noch 1922 lieferte Deutschlaird fast ein Drittel der russischen Gesamteinsuhr, an zweiter Stell« folgte England mit 19 Proz. und die Vereinigten Staaten mit 14 Proz. Andere Einfuhrländer wie Frankreich, Oesterreich und die Tschechoslowakei hingen weit zurück. In dem Wirrschaftsjahr 1927/28 hält zwar Deutschland mit einem Anteil von 29,5 Proz. an der Gesamteinsuhr Sowjetrußlands immer noch die Spitze, jedoch sind ihm die Vereinigten Staaten, die ihren Anteil an der russischen Einfuhr bis auf 22,1 Proz. steigern konnten, schon ziemlich dicht auf den Fersen. Infolge des politischen Konflikts mit der Sowjetunion ist die Einfuhr Englands auf 5,5 Proz. zurückgegang n und steht erst an vierter Stelle hinter Argentinien mit 5,9 Proz. Nach den vorläufigen Ergebnissen hat sich die d e u t s ch e E i n- fuhr nach Sowjetrußland in dem am 30. September abgelaufene Wirtschaftsjahr 1928/29 verhältnismäßig gut geholten. B.- sonders das letzte Jahr stand in Rußland aus währungspolitischen Gründen im Zeichen der Einfuhrdrosselung und der zwangsweise gesteigerten Exportc. Wenn sich unter diesen Umständen die Einfuhr Deutschlands nach der Sowjetunion nur von 400 auf 392 Mill. Mark verringert hat, so kann dies im Rahm n der russischen Gesamteinfuhr als verhältnismäßig günstig bezeichnet werden. Allerdings wird trotz der Sicherungen, d e Deutschland im Handelsvertrag mit Rußland erhalten hat. dh amerikanische Konkurrenz immer gefährlicher, well die Amerikoner mit ihren unerschöpflichen Geldquellen in der Krelll- frage, die für Rußland immer noch ausschlaggebend ist, weitaus großzügiger operieren können als Deutschland. Die stabile Entwicklung des Geschäftes mit der Sowjetunion ist jedenfalls wichtiger als das Gekläff, das die Moskauer und di-- von ihr abhängige Presse im Ausland von Zest zu Zeit gegen di' Reichsregierung ertönen läßt, um vor den irregeführten Mafie, das Phontom der kapitalistischen militärisch-drohenden Ein- k r e i s u n g aufrechtzuerhalten. Leichenschänder. Sin Beispiel nationalsozialistischer Schreibweise über Stresemanns Tod. Wie weit die politische Verwahrlosung der ixrtionalsozialistijchen Presse gediehen ist, zeigt eiq Beispiel au» dem„Donauboten� in Ingolstadt in Bayern, und zwar aus der Nummer 228 vom 3. Oktober 1929: „Deutschlands Außenminister Gustav Strefemann, Inhaber des Kontos S. Gustav, wurde, wi« an den Telegramm- rnfcln heute früh zu lesen war, vom Schlage getroffen. Strefemann war in d«n Augen aller Pazifisten, der Sozialdemo- kraten und aller Stiefellecker der„glorreichste" Außenminister, der«s verstanden hat, das ganze deutsche Volk zu versklaven und Deutschland selbst zu eii»er Kolonie der Siegcrstaaten zu machen. Ein Aufatmen geht durch das national denkende deutsche Volk, daß Strefemann nicht mehr ist und daß Gott soviel Erbarmen zeigte, ihn aus seiner fluchwürdigen Tätigkeit jäh herauszureißen. Wir als Nationalsozialisten haben nur zu bedauern, daß es uns nicht mehr gegönm war, ihn, den Volksoerjchachcrer, vor die Schranken ein«s Staatsgerichtshofcs zu schleppen, um ihm die oerdiente Lektion zu erteilen, die ihn so fühlbar getrosten hätte, wie seine Außenpolitik das ganze deutsche Volk." Das sind die sittlichen Erneuerer Dcuischlands? Das sind di« Leute vom„Volksbegehren"! Keine Kufion der Flotten. Oer Völkerbund qat nichts mit dem neuen Klottenabkommen zu tun. 70 o s h I n g t on, 12. Oktober. 3m Staatsdepartement wurde aus eine Anfrage aus presse- kreisen auseinandergesetzt, daß die Londoner Seekonferenz die Rc- vision und den Ausbau des Washingtoner Abkommens erstrebe nnd auf Grund der im Abkommen ausdrücklich enthaltenen Klausel, die eine vorzeitige Einberufung zu neuer Besprechung vorsieht, zwischen London und Washington vereinbart worden sei. Beschlüsse, die in der Londoner Konferenz gesaht werden, können alsbald von den beteiligten Mächten ratifiziert und in Kraft gesetzt werden, ohne daß es einer formellen Zustimmung durch Genf bedürfe. Stimson betonte, daß die Verständigung zwischen London und Washington sich auf moralische, nicht auf militärische Kräfte beziehe. Eine per- cinigung der beiden Flotten unter gemeinsamem Kommando sei nicht erörtert worden. Ein im gestrigen„Washingtoner Star" verässentllchter Artikel, der die Fusion der britischen und der amerikanischen Flotte zur Aufrcchterhaltung des Weltfriedens als bereit» fest beschlossene Tatsache hinstellte, wurde heute hier ofsiziell dementiert. Oer Besuch Macdonalds in Kanada. Ottawa, 12. Oktober. Macdonald soll beabsichtigen, bei seinem bevorstehenden Besuch dem kanadischen Premierminister Mackenzie King den Vorschlag zu machen, daß die zurzeit bestehende Flottcnbasis in Halifax g e- schleift wird. In kanadischen Regierungskreisen wird einstweilen noch abgelehnt, sich in irgendeiner Form zu dieser Slngelegenheit zu äußern. Frankreich für die Lt-Boote. Vorstoß gegen die Klottenflühpunkte Englands. Paris, 12. Oktober. Der linksrepublikanische �geordnete Mottu hat eine Jnrer- pellation über die Flottenpolitit der Regierung eingebracht. In dem an den Ministerpräsidenten gerichteten Schreiben erklärt er es für notwendig, noch vor der Eröffnung der Flottenverhandlungen im Parlament«ine Aussprache über die Frage der Seeabrüstung vor- zunehmen. Er wendet sich scharf gegen die Anregung Englands und Amerika», die Unterseeboote zu beseitigen, und wünscht, daß die französische Regierung den Antrag stellt, daß auf das Pro- gramm der Flottenkonferenz die Frage der Beseitigung der eng- lischen Flotten st ützp unkte im Mittel meer gesetzt werde, da sie eine daiiernde Bedrohung sür Frankreichs Sicherheit bedeuten könnten. Italien wünscht Parität mit Frankreich. Rom, 12. Oktober. Mehrere Blätter suchen Frankreich zu veranlassen, sich mit Italien über die Londoner Konferenz vor deren Beginn zu ver- ständigen, wobei allerdings Vorbedingung fei, daß Frankreich zur See die Parität mit Italien annehme. Wenn dies zugestanden würde, könnten beillc Mächte gegenüber Amerika und England darauf hinweisen, daß die Abrüstung zur See mit der Abrüstung zu Lande und in der Luft zusammenhänge. Die Schuldigen beschuldigen. Oie Reihe der ungedeckten Schecks bei der Stadtbank. 3n Rloabit gehen heule die Vernehmungen der Angeschuldigten und der Zeugen, die bereits in stattlicher Zahl geladen worden sind, weiter. Die Staatsanwaltschaft beschäftigt sich auch mit den Geschäften zwischen den S k l a r c k s und der S t a d t b a n k, nachdem wax Sklarek von feiner bisheriger-, Taktik, überhaupt nichts zu wissen, endlich abgegangen ist. Sklarek stellt jetzt die Dinge so dar, als ob er bei der Bei- bringung von Unterlagen geradezu von«inzelnkn Beamten der Stadtbank aufgefordert worden fei, wertlose Be- lege beizubringen. Er belastet in dieser Beziehung den Ab- leilungsleiter Schröder von der Stadtbanl und behauptet folgen- de«: Die Stadtbank habe von der KBG. Sicherheiten verlangt, und zwar hätte der Abteilungsleiter Schröder den Sklareks selbst den Rat gegeben, doch eigene Schecks zu hinterlegen. Das ist auch tat- sächlch geschehen, ebenso wie von der KVG. Postschecks hinterlegt wurden, die drei bis vier Monate vordatiert waren. Bei den Bank- schecks waren zwar am Tage der Uebergabe ausreichende Deckungs- Z'-mm«n vorhanden, doch haben die Angeschuldigten häufig schon wenige Tag« nachher ihre ganzen Guthaben gezogen, so daß die Schecks, die die Stadtbank als Sicherheit Im Tresor liegen halt?, ungedeckt waren und überhaupt keine Sicherheiten mehr darstellten. Bon diesen Manipulationen habe— nach Angabe der Sklareks— di« Direktion gewußt. Hierüber werden di« Stadtbankdirektoren jetzt sowohl von der Staatsanwaltschaft als auch im Disziplinar- verfahren von Oberregierirngsrat Tapolfki eingehend vernommen werden. rseer deutschnationale Reichstageabgeordnete B r u h n ersucht uns um di« Aufnahme folgender Berichtigung:»Die in Nr. 477 des „Vorwärts" vom 11. Oktober 1929 enthallene Behauptung, ich hätte mich wochenlang auf Kosten der Sklareks in einem Bad aujgehalten, ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß ich meinen Kuraufenthalt selbst bezahlt habe." Böß antwortet. Heute mittag ist das Antworttelegramm von Ober- b ü r g« r m e i st e r B v ß auf die gestrige Mitteilung des Bürger. ineister Scholtz ans L o Angeles eingetroffen. Oberbürgermeister Büß telegraphiert: Amerikakommission tritt gemäß vorgesehenem Reis«. plan Rückweg an. vorzeitige Rückkehr nicht beabsichtigt, da sachlich schädlich, technisch schwierig und neue Vorbereitungen in Städten. Reues Interview falsch. Bäß hat stets betank, Vorgänge in Berlin seien sehr wichtig, würden vonihmgenauversolgt. Bitte Berichtigung fordern. Das Interview, auf das sich Oberbürgermeister Bäß hier bezieht, war das gestern in mehreren Blättern verösfentlicht« der Associated Preß, das in folgender Form in Berlin an- gekommen war: Oberbürgermeister Boß erklärte ausdrücklich, es sei ihm ganz gleich, was in Berlin sich abspielt. Er selbst sei in keinen Skandal verwickelt, und er habe die feste Absicht, den ursprünglichen Reiseplan durchzuführen. In dem Kabel, das Bürgermeister Scholz gestern nach Los Angeles gesandt hat, das den augenblicklichen Stand der ganzen Angelegenheit sehr eingehend darlegte, war auch der Wortlaut dieses Interviews mitgeteilt. Maffenexmission von Emigranten. Orr Kampf um die Ttansen-Baracken. Der Streit um die sogenannten Ransen- Barocken in der General-Pape- Straße, in denen russische Flüchtlinge untergebracht sind, ist jetzt in ein neues entscheidendes Stadium getreten. Nachdem der Völkerbund und der Fiskus bereits einige Räumungsurteile erwirkt hatten, tritt jetzt die Tempel- l> o j e r H e i m st ä t t« n g« f e 1 1 j ch a f t als Klägerin auf, der in- zwischen die Baracken vom Reich übereignet sind. Die Heimstätten- gssellschaft sah sich zu dieser Maßnahme gezwungen, weil sie auf dem ihr schon fett Iahren gehörenden Gelände Wohnungsbauten errichten will, für die bereits alle Vorbereitungen getroffen sind. Vor dem Mietsschöffengericht Berlin- Schöneberg wurde deshalb g« g e n 7 6 P a r t e i e n der in den Baracken wohnen- den Emigranten verhandelt, die rund 120 Personen umfassen. Bei der Verhandlung trat wieder die Ilneijiigleit zwischen den russischen Emigranten zutage, die in zwei Gruppen gespalten sind, von denen eine besonders hartnäckig die Räumung ihrer Notwohnungen verweigert. Es fanden zunächst stundenlange Dergleichsverhand- lungen statt, und zwar wurde von dem Dertreler der Tempelhofer Heimstätten A.-G., Rechtsanwalt Moser, der auch vom Richter unter.- stützt« Vorschlag gemacht, daß die Russen sreiwillig die Räume bis zum 30. November räumen sollten. Rechtsanwalt Dr. Maffolski, der die sich gegen die Räumung sträubenden Russen vertrat, versuchte zu erreichen, daß die Räumungsfrist bis zum 31. De- z e m b e r verlängert wird, womit sich die Gegenseite jedoch nicht einverstanden erklären konnte. Die Vertreter der Heimstättengesell- schast wiesen auch daraus hin, daß die vor den preußischen Ministerien schwebenden Verhandlungen auf anderweitige Unterbringung der Russen viel eher gefördert werden könnten, wenn ein vollstreckbares Urteil vorliege, denn auch die Behörden würden es nicht auf den Skandal ankommen lassen, daß man di« russi- schen Emigranten aus di« Straße setzen müsse. Obwohl Rechtsanwalt Dr. Maffalski mehrmals Gelegenheit gegeben wurde, mit seinen Mandanten Fühlung zu nehmen, stimmte diese Gruppe nicht dem an- gebotenen Vergleich zu, den auch der Richter aus den gleichen Gründen befürwortete. Während 17 Parteien, die von Rechts- anwall Krause vertreten wurden, sich dem Vergleich anschlössen, nach dem die Wohnungen bis 30. November geräumt werden, mußte für die Mehrheit der Emigranten, und zwar einzeln für jede Partei, in die Verhandlung über di« Räumungsklage eingetreten werden. Die Entscheidung des Gerichts liegt bisher noch nicht vor. Vootskaiastrophe am Atlantik. 30 Personen an der mexikanischen Küste ertrunken. Vera(Cruz. 12. Oktober. Bei Velacrobe(?) ist gestern ein Boot mik 30 Personen infolge de» hohen Wellengongs umgeschlagen. Sämtliche Znsassen sind ertrunken. „Los Angeles" in Not. Paris, 12. Oktober. Co» amerikanische ZNorinelustschiss„Los Angeles" soll nock) einer Meldung der pariser Ausgabe des..New park herald" bei einer Fahrt über dem Meer Havarie durch Bruch eines Oelzufuhrrohre» erlitten haben. Das Schiff Ist von seiner Basis Lakehurst etwa hundert Metten entfernt. Die Besahung ver. sucht, die Reparatur mit Bordmttleln durchzuführen. Am Freitag hoben 8 Offiziere, 200 Mann, 26 Pferde, Bagagen und Feldküchen, die bisher das Fort Kirch doch befetzt hielten, den Kehler Brückenkopf oerlassen. Die zwei zurückgebliebenen Bataillon« werden den Brückenkopf noch di» zum 30. Juni 1930 besetzt hallen. �udendorffs Kandidatur 1924. Eine geglückte Spekulation auf die Eitelkeit. Die folgende Darstellung wird uns von einem aus- gezeichneten Kenner der Verhältnisse gegeben, der in dieser Zeit in engster Verbindung zu Hitler und Ludendorsf stand. Bis zu den Thüringer Landtagswahlen un Januar 1924— den ersten Wahlen seit dem gescheiterten Putschversuch vom November 1923— lehnt« Herr Hitler jedwede aktive oder passive Be- teiligung an den Wahlen, sei es zum Reichstag oder zu den Land- tagen, mit oller Entschiedenheit ob. Mohgebend für ihn war, neben programmatischen Gesichtspunkten, die Erwägung, daß eine Teilnahme an der Wahl die zahlenmäßige Bcdeutungs- losigleit der Nationalsoziall st en publik machen müsse und damit die Aktionsfähigkeit der Partei behindern könne. Nachdem jedoch der„M a r s ch nach Berlin" bereits an der Münchener Feldhcrrnhalle geendet hatte und der Kampfeswille der Sturmabteilungen angesichts des ersten Kugelwechsels gebrochen war, nachdem Hitler und seine Getreuen in den Gefängnissen gelandet waren und keine Plattform für eine legale Betätigung der illegal gewordenen Partei sich mehr bot, da setzte Dr. Artur Dinter, das„enfant terrible" der Nazis, den Wahlkampf der vereinigten Nationalsozialisten und Deutschvöltischen um den Thüringer Landtag mit eigener Liste in Szene und kam mit einem gewissen Er- folge nieder— ein Erfolg allerdings, den er n u r der damaligen chaotischen Zeit verdankte. .Bon diesem Zeitpunkt an„gestattete" Herr Hitler den National- sozialisten zunächst die aktive und passive Wahlbeteiligung: wenige Wochen später aber, als die Frag« der bayerischen Land- tagswahlen und der Wahlen zum Reichstag erörtert wurde,„befahl" Herr Hitler die Teilnahme an den Wahlen— um, wie er ausdrücklich betonte, sowohl den„P arlamentarismus von innen her auszuhöhlen", als auch«ine Basis für die zukünftige, durch das Verbot sehr erschwerte Propaganda der Partei und, vor allem, für die Rückkehr der außer Landes sich befindlichen Flüchtigen vom November 1923 zu schaffen. Es gab jedoch sofort Kroch um die Mandate, namentlich bei den Reichstags- wählen. Nicht nur, daß es notwendig war, bei der Ausstellung der Kon- didaten für die„gemeinsame Bewegung" den ohnehin schon tief- gehenden Gegensatz München-Berlin bzw. Hitler- Graes« in irgendeiner tragbaren Form zu überbrücken, sondern diese„natürlichen" Spannungen waren auch noch verschärft worden dadurch, daß, während Hitler sich in Landsberg befand, die Herren Graefe, Wulle und Henning„in gröbster Weise gegen die Gebote der Taktik und des Taktes sich versündigt hatten"— wie Hitler es auffaßte. Tatsache war die, daß die Berliner Herren keine Mühe scheuten, um die nord- und süddeutschen Nationalsozia- listen unter ihre Führung zu bringen. So war kurz vor den Reichstagswahlen 1924 die Lage ver- worrener denn je; die einzige Autorität, die, von beiden Seiten anerkannt, den Konflikt zu meistern in der Lage gewesen wären, war— Ludendorfs! I n Ludendorf fs Händen also lag der Schlüssel. — Doch während noch die Dorbereitungen für eine Klärung der Verhältnisse getroffen wurden, hole Herr von Graefe in geschicktester Ausnutzung der Luden- dorffsthen Mentalität dem Geueral Ludendorsf angetragen, die Spitzentandidalur aus der Reichslislc der vereinigten National- sozialisten und Oeutschvölkischen zu übernehmen. Herr Alfred Rasenberg, der damals unter dem Decknamen „Schulz" die Leitung der Parteigeschäfte der Nationalsozialisten inne- hatte, bekam rechtzeitig Wind von Graefcs Plänen und schickte, da er selbst besorgt war, verhastet zu werden, einen Beauftragten zu Hitler, um dessen Meinung einzuholen. Herr H i t l e r t o b t e in der ihm nun einmal eigenen drastischen Weise über das Vorhaben Graefes und erklärte, daß dieser Schach- zug, der die Eitelkeit Ludendorsfs berücksichtigt, nur dazu dienen solle, um Ludendorff„vor den Wagen der Berliner Jongleure zu spannen", um ihn, Hitler, von Ludendorsf zu trennen. Als der Beauftragte Rosenbergs eine klare Entscheidung erbot, da bestimmte Hitler, daß der Beauftragte in seinem Namen bei der Unterredung .zwischen Ludendorsf und Graefe zugegen sein und erklären solle, daß die Kandidatur Ludendorsfs der Bewegung mindesten» eine Million Arbeiter stimmen kosten werde; im übrigen solle Ludendorsf seinen Namen für„solche Manöver" nicht hergeben und bedenken, daß er„f ü r besondere Fälle" reserviert bleiben müsse,— Fälle, die bereits in Aus- Wirkung des Hitler-Prozesses akut werden könnten. Di« Besprechung bei Ludendorsf fand am darauffolgenden Tage statt: zugegen waren u. a. von Graeje und, zum Teil, der Anwalt Ludendorsfs, Dr. Luetgebrune. Di« Unterredung war von allem Anfang an dramatisch: sie erreichte ihren Höl)«punkt, als der Vertreter Hitlers sich seines Auf- trogs entledigte: Herr von Gaefe fuhr in gut gespielter Entrüstung hoch ob„dieser Beleidigung des großen Feldherrn" und erklärte, daß der Name Ludendorff die gesamten Front- soldaten um das Banner der völkischen Bewegung scharen werde. Der Vertreter Hitlers jedoch widersprach dieser Ausfassung mit allem Nachdruck und warnte vor Ueberschätzungcn. Ludendorsf, der sichtlich betroffen war und in dem die bessere Einsicht rang mit der verletzten Eitelkeit, schwieg zunächst und erbat sich Bedenkzeit. Und als dann der Diener eintrat mit der Meldung, das Mittagessen sei angerichtet, wurde die Debatte vertagt. Wenige Minuten später jedoch fiel die Eni- s ch e i d u n g! als im Beisein von Frau Ludendorsf die Herren sich zum Niedersetzen anschickten, da zögerte Herr von Graefe und fragte in bittendem. Tone und indem er sich gegen Frau Ludendorff verneigte:„3ch darf also die Gewißheit meinen Berliner Freunden überbringen, daß Euer Exzellenz sich an die Spitze unserer Liste stellen?" Und als Ludendorff schwieg, fügte Herr von Graefe hinzu:„Millionen von Frontsoldaten warten auf die Zusage Euer Exzellenz!" Und in den Protest des Vertreter» von Hitler hinein klang die Antwort Ludendorsf»:„Dann darf ich nicht nein sagen!" Ludendorff oerneigte sich tief gegen Graefe, weniger tief gegen den Vertreter Hitlers— die Frage war entschieden und das M i t t a g es I e n nahm seinen Anfang. Jegliche weitere Aussprache über diesen Punkt lehnte Ludendorsf ab: nur noch um Formalitäten ging die Debatte. E i n Zugeständnis mochte Ludendorsf an Hitler: e r erklärte, daß er sein Mandat für den Fall der Wahl nicht ausüben werde. Diese Zusage jedoch hielt er nicht. Der Beamten ausschuß des Preußischen Landtages nahm am Donnerstag einen s o z ra ld e m o k r a t i s ch e n Entschließung?- omrag an, der da» Stoatsministerium ersucht, die Beamten des Einzeldienstes der Schutzpolizei vom 49. Lebensjahre ob von der dienstlichen Deroslichrung zur Teilnahme am Sport und an den Uebungen zur Körperschulung Au befreien. Der unsterbliche Goldmacher. Zu den Münchener Versuchen des Ingenieurs„Tausend". Zwar haben gewisse Entdeckungen aus dem Gebiet der Atom- lehr« des Dogma von der Unwandelbarkeit der Elemente zerstört: theoretisch ist also die Herstellung von Gold mcht unmöglich. Die Versuche des„Ingenieurs" Tausend, der soeben vor einem Kreise sachverständiger Männer angeblich Gold hergestellt hat und nun auf Grund diess Erfolges beansprucht, aus der Hast entlassen zu werden, in die ihn die von ihm geprellten Geldgeber gebracht haben, dürsten gleichwohl mit größter Vorsicht aufzunehmen sein. In der jahrhundertelangen Geschichte der Goldmacherkunst ist es nur zu häusig vorgekommen, daß geschickte Alchimisten die Aufmerksamkeit der zur Kontrolle bestellten Gelehrten zu täuschen verstanden. Die Reihe der Männer, die vorläufig der Goldmacher Tausend beschließt, ist endlos lang: es hat zu ollen Zeiten seinesgleichen gegeben, die den Anschein zu erwecken und zu erhalten verstanden, als seien st« im Besitz des Steins der Weisen, nach dem die Menschheit von jeher ebenso sehnsüchtig wie vergebens gesucht hat. Hermes Trismegistvs wird als der Dater der Schwarzkvnst bezeichnet, der im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Aegypten lebte. Bei der Eroberung Aegyptens lernten die Araber diese Kunst kennen, und von ihnen stammt ja auch die Bezeichnung Alchimie, die nichts anderes als„ine Chemie" bedeutet. Bon den Arabern gelangte die schwarze Kunst nach Europa: namentlich in Deutschland und Oesterreich hat sie viele Nachläufer und Gläubige gefunden, denn„nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles!" Die Alchimisten besaßen selbst in den höchsten Kreisen ihr« Klienten, sie genossen gerade bei Königen und Fürsten das Ansehen von Zauberern, denen man zutraute, mit einem Schlage die Mittel zu schassen, die den ewigen Geldverlegenhesten der Regierenden ein Ende machen konnten. Ein solcher Alchimistenschutzherr war Kaiser Rudolph II., der seine Residenzstadt Prag zu einem Sammelpunkt aller Schwarzkünstler der Welt machte. Dos Alchimistcngößchen aus dem Hradschin legt noch heute Zeugnis ob, wie nahe in des Wortes verwegenster Bedeutung die Goldmacher— unter denen ja nicht nur Schwindler, sondern auch Gelehrte waren— dem toiser- lichen Thron standen. Ein« gekrönte Alchimistin war Barbara, die Gemahlin des Kaisers Sigismund, die bei dem Versuch, Kupfer durch Arsenik in Silber zu verwandeln, eine weißschimmcrnde Le- gicrung gewann, die sie als echtes Silber verkaufte. Bei den sächsischen Kurfürsten stand lange Zeit ein gewisser Seboldus Schweizer in hohem Ansehen. Er war nicht der einzige Hosadept. Im 17. Jahrhundert war einer der berühmtesten Schwarzkünstler der Schotte Setonius, der von Hof zu Hos zog, ohne auch nur ein einziges Mal die Erwartungen seiner Gönner und Auftraggeber zu täuschen. In Dresden sollte er dem Kurfürsten sein Geheimnis ver» raten, was er nicht tat-, er wurde dafür ins Gefängnis geworfen und gefoltert. Es gibt wenige Fürsten der damaligen Zeit, die keinen Hofadepten hielten und nicht jede Empfehlung eines solchen mit Gold aufgewogen hätten. Maria Theresia hatte drei Gold- rnacher in ihren Diensten: noch Kaiser Fraiz; I. förderte Alchimisten die ihm empfohlen waren. Eine große Rolle im Preußen Friedrichs I. spielte der Jtolis«er Gaetano de Ruggieri, der von den Fürsten des damaligen Europa mit Titeln, Aemtern und Ehren aller Art über- häuft wurde. Er gehörte zu den geschicktesten Vertretern seiner Zunft: wußte er doch immer wieder selbst erschüttertes Aerirouen zurückzugewinnen. Pom König von Preußen wurde er mit Aus- v Zeichnungen aller Art bedacht. Jahrelang hielt er den Berliner Hof durch Ausflüchte hin, und erst als der König ihm den Befehl erteilte, sogleich einen halben Zentner Gold in natura herzustellen, entfloh er nach Frankfurt am Main, wo ihn die preußischen Häscher erst nach lleberwindung großer Schwierigkeiten verhaften konnten. Er wurde nach Preußen zurückgebracht und in einen Anzug von Lein- wand, der mit Rausch- und Flittergold bedeckt war, an den Galgen geknüpft. Die Schwindler unter den Alchimisten gingen sehr raffiniert vor: sie benutzten Schmelztiegel mit doppelten Böden, zwischen denen der Goldstaub oerborgen war, verwendeten zusätzlichen „Samen", Zinnober oder Eisenoxyd dem Gold beigemengt war, oder Quecksilber, das Goldamalgam«nthieli. Der bekannte Leonhard Thurneisser, einer der berühmtesten Alchimisten de? 16. Jahr- Hunderts, machte sich durch erfolgreiche Kuren einen Namen; so gc- wann er Vertrauen, Glauben und ein großes Vermögen, das er allerdings später wieder in Prozessen verlor. Nicht olle Alchimisten sind jedoch Schwindler gewesen; es gab viele ehrlich Strebende unter ihnen, deren Mühen belohnt wurden, die zwar kein Gold fanden, sondern eine andere nützliche Entdeckung machten. B ö l t g e r, um den sich zwei Könige stritten, erfand in seinem Laboratorium das Porzellan: ein anderer Alchimist, der Hamburger Brand, entdeckte bei der Suche nach dem Stein der Weisen in den Bestandteilen des menschlichen Körpers den Phosphor-, Parazelsus, der auch zu dieser Gilde gehörte, wurde als Entdecker der Kohlensäure berühmt. „Los— Harold— Los!" Gloria-palast. Eine Pferdebahn inmitten des modernen Großstadtverkehrs wirkt an sich schon grotesk. Wird diese Pferdebahn nun noch vön Harold Lloyd gelenkt, dann entstehen Situationen, die den Höhe- punkt der Komik erreichen. Es ist selbstverständlich, daß das nette Pferdchen immer dann bockt, wenn der Verkehr am stärksten ist und daß Harold Lloyd niemals auf naheliegende Lösungen kommt, sondern dos Verkchrteste wählt. Groteske Komik umrankt eine Handlung mit kriminellem Ein- schlag, denn die Pferdebahn soll von einer Elektrischen»Straßen bahn- Gesellschaft aufgekauft werden. Diese Gesellschaft will jedoch nicht den vereinbarten Preis zahlen, deswegen versucht sie durch Intrigen den Wagen aus dem Verkehr zu ziehen, und Harold Lloyd, der sonst immer fehl am Platz ist, oder das tut, was andere Menschen in einer ähnlichen Lage niemals tun würden, rettet im entscheidenden Augen- blick die Situation. An sich wirkt der Film außerordentlich frisch, aber man ist zu der Feststellung gezwungen, daß Harold Lloyd im Aufbau seiner Filme in der Gefahr schwebt, schematisch zu werden. Einzelne Szenen erinnern schon zu stark an den unvergeßlichen„Um Himmels willen". Es finden sich dazu Parallelen, die einen kritischen Zu- schauer bedenklich stimmen. 8. Die Gternfreunde in Gonneberg. Der„Bund der Sternsreundc" fand sich zu seiner diesjährigen Tagung aus der kleinen Sonneberger Sternwarte im schönen Thüringen zusammen. Trotz ihrer Kleinheit gehört diese Sternwarte zu den modernst eingerichteten und ihre Lage aus dem Erbisbühl in freier Bergeslust garantiert verhältnismäßig störungsfrei« Bcob- achtungcn. Ihre Leistungen«tsreuen sich denn auch der Anerkennung wissenschaftlicher Kreis«: ist doch ihr Leiter Dr. Hoff- meister auf dem Leibniztag der Akademie Anfang Juli mit einem Preis von S990 M. ausgezeichnet worden. Anlaß gaben fein« sorg- fältigen Messungen an veränderlichen Sternen der Milchstraße. Ferner gehören zu dem Arbeitskreis dauernde Beobachtungen und Messungen an Sternschnuppen, deren Ziel die Trennung dieser Meteore in zwei Gruppen ist, in solch«, die man als Reste aufge- löster Kometen ansehen muß, und solch«, deren Ursprung außerhalb unseres Sonnensystems zu suchen ist. Der Raum zwischen den Fix- sternen wird heute als erfüllt von einer Unzahl kleiner Körperchen angenommen, die in großen Wolken vereinigt, häufig das Licht der Sterne absorbieren und dadurch sternleere Stellen am Himmel vor- täuschen, die in Wahrheit kaum existieren dürften. Des westeren be- teiligt sich die Sternwarte an der photographifchen Ueberwachung des Himmels. Interessant war die Mitteilung des bekannten Aftro-Physiters Prof. G r a f f, der jetzt die Wiener Sternwort« leitet, daß dort die Herstellung einer umfassenden Topographie der Mondoberfläche in Angriff genommen 4>ovden ist, bei der durch Anwendung photogra- phischer Methoden viele der gerade beim Mond sehr umständlichen Berechnungen in Fortfall kommen könnest. Auf der Sonneberger Sternwarte wurden in letzter Zeit Kurse für Lehrer abgehalten, wo eine Anzahl von einfa�i Lehrmitteln zur Himmelekunde durchgesprochen wurde, mit denen Schüler leicht selbstänidige Messungen anstellen können. Diese Lehrmittel waren auf der Sternwarte ausgestellt und wurden auf der Tagung er- läutert. Sie erfüllen ihren Zweck ungemein gut und sind vorzüglich geeignet, auch westeren Kreisen zu Beobachtungen am Himmel zu dienen und dadurch, dem Zwecke des Bundes entsprechend, die Freude an den Himmelsoorgängen zu fördern. Nähere Auskunft darüber erteilt gern die Sonneberger Sternwarte. Bi. _» Zaleru-tiooal« Soostausstellung Vresdeo 1931. Die JehretsSal» Deutscher Slrbett, Dresden, veranstaltet im Jahr« 1931 eine große Internationale Kunstausstellung im Städtischen AuSstcllungSpalaft. Kleiber» Mozarl-AnfsShninq in Argentinien Mozarts Requiem, sein teriibmtesle? Weit aus dem Gebiete semer Kirchenmusik, wurde unier der Leitung Kleiber» im tlolon-Tbeater in Buenos AtreS erstmalig ausgeführt. Die Blätter feiern dies» Busführung als eine deutsche Kulturtat, die die Herzen der Böller einander nahe brwgt. Bengt Berg in Berlin. Wer je mit Bengt Berg in Berührung gekommen ist. sei«s, daß er feine Tierfilme gesehen oder seine Bücher gelesen fyat, muß ihn lieben. Er ist einer uirserer besten Tierkcnner und-forscher, niemand kann wie er mit so viel persönlicher Anteilnahme, ja mit so viel dichterischer Hingabc von seinen Tierfreunden erzählen wie er. Man hat das Gefühl, diesem Mann, der auch ein so guter Schriftsteller ist, danken zu müssen für all die Erlebnisse, die er uns vermittelt. Wir alle möchten auch in das Tierleben eindringen wie er, wenn uns Beruf und Großstadtleben nicht daran hindern würden. Der Zauber, der so von diesem größten modernen Popu- larisator des Tiererlebens ausgeht, wird noch durch den unmittelbaren Eindruck seiner Persönlichkeit gesteigert. Wenn er jetzt zu einem seiner besten Filme„Die letzten Adler", der in den Kammer-Lichtspielen wieder aufgeführt wird, den beglei- tenden Vortrog hast, so wird der Genuß des Films um so reizvoller. Gleichzeitig ist eine Ausstellung von Bengt Berg unter dem Titel„Meine Jagd mit der Kamera" im Orientsaol des Warenhauses W e r t h e i m(I. Stock) eröffnet worden. Sie gibt aus dem unerschöpflichen Schatz seiner Tieraufnahmen prachtvolle Beispiele. Seine vielen Freunde aus der Tierwelt, nicht bloß der Regenpfeifer und der merkwürdige afrikanische Abu Markub, nicht nur die Möven, Lummen und Alken, sondern auch die Wald- und Steppenvögel, die Uhus(besonders grotesk wie zwei Uhukllken, die mit Recht als Trolle bezeichnet werden), die Schnepfen, Kiebitze usw. erstehen in voller Lebendigkeit auf diesen großen Photo- graphien. Sie sind nicht nur Naturdokumente, sondern auch Kunst- werte, denn in der Auswahl der entscheidenden Faktoren, dor Be- lichtung, Bildanloge usw. ist hier ein wirklicher Bildkünstler om Werke gewesen. Man Hot, rein bildlich genommen, seine helle Freud« an diesen Bildexn, die mit so viel Ausdauer und Mühe ge- Wonnen sind. Diese weißen Schwäne, diese den Himmel erfüllenden Züge der Kraniche, die sich ihrem Milieu anpassenden Hühnervögel, um nur einige Beispiele zu nennen, müssen jeden Natur- und Kunst- freund in gleicher Weise entzücken. Wer Zeit hat, soll sich diese Ausstellung ansehen, der Zugang ist umsonst. In Dietrich Reimers Verlag, Berlin, erscheint eben ein neues Tierbuch von Bengt Berg„Die seltsame Insel", die neue Entdeckungen und Abenteuer aus der Tierwelt einer kleinen Insel an der Küste Gotlands bringt. 0. Wagner der meistgespielle Opernkomponist. Eine Uebersicht über die Opernspielpläne 1928/29 ergibt, daß Richard Wagner mit 1639 Aufführungen an den deutschen Bühnen die List« anführt. Die einige Zeit lang zu beobachtende Begeisterung für Verdi, Puccini, Richard Strauß und auch für Händel schemt nierklich abgeflaut zu sein. Ein vorhistorisches Bergwerk wurde im Wiener Wald unweit Mauer aufgefunden. Hier wurde der Feuerstein als Material für Handwerkszeug und Hausgeräte zutage gefördert. Stach Professor Beyer dürft« das Bergwerk, das nach Anlage und Ausdehnung von bemerkenswerter technischer Kultur Zeugnis ablegt, vor etwa 5999 Iahren, also vor der Bronzezeit, jahrhundertelang im Betrieb ge- wesen sein. Sein« Ausbeut« dürfte lebhaftem Handelsverkehr in Mitteleuropa gedient haben. An der Freilegung des Bergwerks, in welchem man in einem Stollen auf ein« Begräbnisstätte mit mehreren menschlichen Skeletten gestoßen ist, wird eifrig gearbeitet. „Affäre Dreysti»* von Ren« Kestner wurde von der Volksbühne zur Uraussührpng erworben und wird die nächste Inszenierung von Karl Heinz Martin sein. 3m kleinen Ihealer werde» Sonntag, den 13. und 27. Ottober, nach- mittags ll,i Uhr, da« bekannte Erfolgsstück.Klubleute' mit Max Adalbert zu stark ermäßigten Preisen gespielt. 3a der Gejellschost für Erdkunde spricht beute 7 Uhr im Kunstgewerbe- museum Prof.®. Lukas(Graz) über.Da» Surgenland»IS deutsche Landschaft". ver Salon der vibliophUe» drr venffch-Iraozöfisäiea Gesellschaft eröffnet Sonntag in den Räumen von Flatow& Priemer, Viktoriastraß« 29, ein« Ausstellung französischer LuxuSdruckc der Nachkriegszeit. Vir Versteigerung der«uastsav:mlung Eduard Simon-Serlin brachte über dreieinhalb Millionen M. Die Kapitaltanlage in alte» Kunstwerken ist also wuner noch rentabel, denn der frühere Besitzer dürste sehr virl weniger dafür bezahlt haben. Oer Ziaiffeisen-Gchwindel. Die frisierte Eröffnungsbilanz. Der innere Grund für das unvernünftige Spekulationsgebaren der Raiffeisen-Bank ist zunächst nicht zu erkennen. Aber bei näherer Betrachtung zeichnen sich die Motive ob. Zunächst war die Bank durch die Inflation und die schon damals großzügig betriebenen Privatgeschäfte stark aufgebläht wor- den. Sie zählte 1400 Angestellte gegen 130 vor dem Kriege. Aus dem normalen Kreditgeschäft mit den Genossenschaften waren die GeHölter für einen solchen Apparat schwer oder gar nicht zu verdienen, zumal ein« Scheinbezahlung mit Inflationsgeld sich nicht mehr durchführen ließ. Als zweites treibendes Moment kamen die berests erwähnten, in der Inflation erlittenen V e r l u st e und angeknüpften Geschäftsbeziehungen hinzu, während letztere sich automa- tisch fortspannen(so mit Riebe, Sauermann, Teichgräber usw�), war eine ehrgeizige Direktion bestrebt, die eingetretenen Verluste durch Extragewinne wettzumachen. Aber dazu kommt noch ein weiteres: Die Raisseisen-Vank hatte nämlich gleich die Stabilisierung?- Periode mit einer inneren Unehrlichkeit begonnen. Au» Groß- mannssucht holte sie bei der Umstellung aus feste Währung in ihrer Goldmark-Erössnungsbilanz ihr Geschäftskapital aus 25 250 000 ZN. angegeben. Gewiß eine stolze Ziffer, ein ansehnliches Kapital, das wohl keine Großbank, aber eins stark« Mittelbank auswies. Rur litt diese Goldmark-Eröffnungsbilanz an einem kleinen Fehler: die 25 Millionen waren in Mtklichkeit nicht vorhanden. Alles, was man an Kapital, Grundstücken, Inventar usw. aus der Inflationsperiode gerettet hatte, ließ sich bei höchster Ein- schätzung auf einen Wert von etwa 11 Millionen bringen. Aber auch das war noch reichlich hoch gegriffen. Der Bericht v. Kameke sagt: .Die Leitung der Bank war vornehmlich aus Gründen des Prestiges nach außen und nach innen bestrebt, zu einem möglichst bohen Goldaktienkapital zu gelangen. Man hatte sich in diesem Bestreben auf den Betrag von 23 250 000 M. festgelegt u nd b o g nun nach diesem Ziel die einzelnen Attivwerte z u r e ch t. Nur so ist es zu erklären, daß einzelne Posten unter völliger Berkennung der wirtschaftlichen Lage und der daraus folgenden Notwendigkeit ganz unverhältnismäßig hoch angenom- inen sind. Ganz außerordentlich hoch bewertet erscheint das Warenkonto: das Konto für Emballagen(Säcke), das in vorsichtigen Bilanzen normaler Weise mit 1 M. zu Buche steht, ist gegenüber der letzten Friedensbilanz von 1013 von 30 000 M. auf 40 000 M. heraufgesetzt.", Der Bericht führt dann weiter als viel zu hoch an das G e- bäuddkonto, das Inventar konto und stellt dann schließlich fest, daß sich sogar noch ein positiver Fehler von IM M i l- l i o n e n Mark in die Bilanz eingeschlichen hat, um den das Vermögen irrtümlich zu hoch erscheint. Es waren also nicht einmal 11 Millionen da, viel weniger 25 Millionen. Wo kamen die fehlenden 14 Millionen her? Sehr einfach! Das Aktienkapital wurde entsprechend erhöht und der Betrag auf die einzelneu Aktionärgenossenschaften umgelegt. Es wurde dabei nicht gefragt, ob die betreffende Genossenschaft nach ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem vermögen überhaupt in der Lage war, die ihr zugedachte Elnzahlungspslicht zu erfüllen. Den Genossenschaften wurde eine kurze�rklärungssrist gesetzt, wobei Nichtabgabe einer Erklärung als Uebernahme der Verpflichtung gelten sollte! Eine Anzahl Genossenschaften protestierten, tatsächlich gingen von dem nachgeforderten Betrag für 7,8 Millionen Zu- Zahlungen nicht ein. Trotzdem genierte man sich nicht, die Forde- rung von 14 Millionen zu 100 Proz. aktiviert in die Eröffnungs- bilanz einzustellen. Auf diese Wesse„besaß" man ein Goldkapital von 25 Millionen Mark. Was aber geschah mit den 7,8 Millionen nicht abgenommener Aktien? Man half sich mit einer harmlosen kleinen Schie- b u n g aus jeglicher Verlegenheit: Da keine der angeschlossenen Genossenschaften diese Aktieb abnehmen wollte, so gab die Raisseisen-Vank die Aktien an ihre Tochtergesellschaft. die Landmann-Vank. Diese»Käuferin" litt leider an dem Fehler, daß sie mit ihren 50 000 TN. Goldkapital nicht in der Lage war, die 7,8 TNilllonen zu bezahlen. Das focht die großen Geschäftsleute der Raiffeisen-Bank nicht an: der Kaufpreis wurde der Landmann-Bank als„zinsloses Dar- l e h e n" gestundet, die Forderung an die Landmann-Bank aber in voller Höhe aktiviert in die Bilanz eingesetzt. So hatte die Raiffeisen- Bank ihr gesamtes Aktienkapital von 25 Millionen �untergebracht". Selbst nach dem Zusammenbruch blieb dieser Schwindel noch eine Zeit lang verborgen: bei der Revision, die von der Preußenkasse im Herbst 1025 veranlaßt wurde, entdeckte man ihn nicht. Erst im Februar 1026 mußte der inzwischen neugewählte Vor- stand der Raiffeisen-Bank gegenüber der Preußenkasse mit dem Geständnis hervortreten, daß 7,8 Millionen Aktienkapital„völlig in der Luft hingen". Der alle Vorstand hatte auf der Generalversammlung des Jahres 1025 nur zartfühlend davon geredet, daß eine„Umlagerung" des Aktien- kapitals im Gang« sei! So stand das ganze Institut bereits, von innen betrachtet, a u f schwindelhafter Grundlage, als es nun auch von außen her der Geldgier noch gerissenerer Schwindelunternehmungen zum Opfer fallen sollt«. Theater der Woche. Vom 13. bis 21. Oktober. Volksbühne. Theater am Bülewslatz: Bis 13. Dantons Tod. Ab It. ffrvhlina» Erwachen. 13. 11 Vi Uhr. Tamvnatine« Jutta Klamt. 20. 11 Vi Uhr. Die Unüberwindlichen. Staalslhealer. Od« Unter de» Einkern; 13. Tannhiiuler. It. Maskenball, 13. lliaaros Lochseit. 13. Madam« Butterfln. 11. Tristan und Isolde. 13. Die zauberflijt«. 13. Aida. 20. Rolenkavalier. 21. Tro Diaoolo. Oper am Blast der Sicvublil: 13. Därmen. 14. Ealome. 15. llreischüst. 16. und 20. chottmann» Dreiililunaen. 17, sslrdermaus. 13. Cardillac. 13. Svanifche Stunde: Der arme Matrosr. Anaclika. 2. Sans Sciling. Stödttlche Oper: 13. Turando�. 14. und 21. Geschlossene Borstelluna. lö. Samton und Dalila. 16. Lohciymn. 17. Don Darlos. 18. Tiefland. 13. Der Schauimeldirektor. Doopelia. 20. Die lustiacn Weiber von Windsor. Sebaulotelban, am Senbarmcmnorlt: 13., 14.. 16., 18. und 20. Sans im Schnokenloch. 15. Ein besserer Herr. 17. Musik. 13. Die Weber. 21. Weh dem, der lUqt. Schiller-Theatcr: 13.. 13. und 10. 2X2-5. H- 15- 17., 18., 30. und 21. Der Kaufmann ron Venedig. Thealer mit festem Spielplan. Theater am Schiffbauerdamm: Gefallene Enael.— Thalia-Theater: Mutter Mews.— Dentfche» Theater: Die ffledermaus.— Kammerioiel«: Der Unwider- ftehliche.— Di« Komiidie: Kolvortane.— Theater am Rollcudorf»l»st: Bis 15. Der Kaufmann non Berlin. Ab 16. Militärmussi.— Theater in der Könist- sträster Straß«: Bis 16. Hannibal ante oortas. Ab 17. Die erste Mrs. Selbn. — Komödienhans: Scribbns Suppen sind die besten.— Großes Schauspielhaus: 3 Musketiere.— Theater de» Westen«: Marietta.— Deutlche» Kiinstlertheate«: Die ander« Seit«. 20. 11 Vi Uhr. The Englilh Planers„Iournen's End".— Lustfpieldans: Grand Sotel.— Leisinq. Theater: Cnankali.— Trianon-Theater: Das kommt dock all« Taste vor.— Rctropol-Theatrr: Das Laad des Lächelns. — Berlin«, Theater:-toei Krawatten.— Deutsches Bolkp. Theater: Die beiden Beronefer.— Di- Tribüne: Bunburn.— Kleines Tbcater: Alt, Berlin.— Renaissance. Theater: Stempelbrüder.— Rofe-Theater: Bis 15. Di- Weber. Ab 16. Die leichte Ilabcll.— Easino-Tbeater: Bertastte Sochzeitsnacht.— Theater in ber Klosterstraße: Bis 14. Büchse der Pandora. Ab 15. Der Frauenaret.— Schloßpark-Theater Stestlist: Bis 15. Der Garten Eden. Ab 16. Raub der Sabinerinnen.— Winte-aarte-, Plaaa. Skala: Internationales Bariet«.— Reichs ballen'Theater: Stettin«! Sänger.— Theater am Kottbusser Tor: Elite» Sänger.— Deutsthes Theater: Ab 10. Der Kaiser von Amerika. �Nachmittagsvorstellungen: «olisbühne. Theater am»Slomplast: 13.. 30. Dantons Tod.— Theater am 3 MuÄetierc.— Trianon Theate«: 19. Aschenbrödel. 13., 30. 14V4 Uhr. Aschen. hrödel. 17 Uhr. Iohannisfeuer.— Renaissance. Theater: 12., 10. Ton in des .nd. 13,». de, - Rofe-Theatee- 1«. Sa, Sste? — SckloKpark-Tdeater 18. Arm wtt eine Airchenmaus. 19. Schnee. wittchen.- Winterstarten: 13, 13.. Intttnationales-*1?8?' Skala: Internationales Bariet«.— Retchshchle-'Theater: 13.. 20. Siettinc« Sons«.— Theater am A-ttbnsscr Tor: 13.. so. Ellte-Sänster. Erstaufführungen der Woche: Moniast. B» l i« b 2 d e r K I o _____ Islksbübne: Frühlings Erwachen- Dienest. Thea t« e in de, Z�losterstraße: Der Trauenamt.— Mittwach. Tbeater am Nollendorfplast: Militärmussk. �„Rose-Tb-ater. Die leichte Ifabell.— Treitast. Tb-ater»n der Köniststraster Straß-. D>° erste Mrs. Selbn.— Sonnabend. Städtische vp er: Der E»t. Roberl K'eir Deutsebes Hflustler-Theii Barbarossa 3937 - Uhr Die andere Seite JönhoffITO S'lt U. Zwei 1 rewallen von Georg Kaiser Musik Spoliansky Baniowsky-uOliiiBii fhaatar in da» KSniggritzar StraBa SVi Uhr Rannibalante Portas Komödianhaus Täglich 8Vs Uhr toibbys Soppen sind die betten Lustspiel von Juli us Berstl VolKsbttline rheitinnininplati 8 Uhr DantonsTod v. Georg Büchner Regie: Karl Heinz Martin Stiatl.Sdiillei-Tli. 8 Uhr Der KanfmanB v» Venedig Planelamun — am Zoo firÜM. Jwtimlbalir Sinti B.5 BarbarossaS578 I6V< Uhr Hsrbst- abends an Starnan- hlaimal IS1/« Uhr Bis an dla Brsnsan dar Walt JO'U Uhr Ritsal das Staraanliehtaa Tlgi. auSer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk, Kinder 50 PL Mittw.: Erwachsene 50 PL, Kinder 25 PL TBtat.BaRattli.Tor Kottbusser Str. 6 * figl. BUhr ol auch Sonnt. nachm. 3U. «5 Eilte' ZW sanier �AD*r<0BPBit8 Alwin I„Ein Welt- re ord d. Lach.' Lessing-Theater Norden 10846 Gruppe langer Sdiaaapieler Täglich Uhr cyankali I 218 von mBgrt««Bit D.I. Norden 12310 8Us Ende gegen 11 Die Fledermans Musik v.Joh. Strau 3. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. UKalner — Sonntofl—— nachm. 3'/» Uhr Die Fledermaus in d. Abendbesetz. Kleinen Preise. Kamoiersplele D.I. Norden 12310 S'A, Ende gegen I0V« Der Unwiderstehliche Komödie von Gdrald� und Spitzer Gustaf GrQndgens Die Komödie J 1 Bismck. 2414/7516 «-/. Uhr Ende geg. lO'A Uhr Kolporlaitc Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Laslsplelhm Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich BVi Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank S) In der Gesamtauflage des«Vorwärts* sind besonders wlrksan» «ad trotxdeo» fchrMllUl ROSE •THEATER Br«M1,r Billettkasse: Alexander 3422. Täglich 8" Uhr: (Sonntags 5" und 9 Uhr.) Die Weiser leiten Mlttvodi i Uhr: Das tapfere SdtDeiderlein Jtden Sonnabend S Uhr u. Jeden Sonntag Z90 Unr: Schneewittchen. Voranxaig«> Sonntag, 20. Ott Einmalig, Fsstauffabnng: Vor Sonnenaufgang. Ab IB. Oktober täglich(»Uhr: Die leichte Jsabell. Renaissance-Theater Täglich 8V« Ukr STEHPELBRUPER Schauspiel von Duschinsky. Regie: Gust. Härtung. Slelnolitt C 1. 0901 o. 758318«. I- GROSSES SCHflUSPIELHRUSn imh ÄMnMtler« Regle: ERIK CHBRELL Gesamtausstattung Prof. Ernst Storn Musik-Leitung; Ernst Hauke 3 Uhr Sonntag nartim. nng-Ghttrst halbe Protz«. Kroßer Posten Strldovaren! SONDERANGEBOT; Puliom DDd WOStOD zum Reklamepreis... Stück Mk. 2.95 GtßRimJNVAL/DENSTRB� Netropol-Th. Täglich 8«i. Uhr Lehär dirigiert Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Richard T auber Theal. fl.Weslens Tägl. SV» Uhr Marien a Uoslk v. Oskar Sirans Käthe Dondi Michael Bohnen Montag, den 14. Oktober 8 Uhr Irianon-Trer Täglich S'A Uhr DBTgr.lBstäpituiiBle Das ktmml doeh alle Tage ror Johannes Riemnno. VlImav.Aknny, Mix Landa, Lotte Kllndcr So. 4, Stg. 215 Uhr isehenbrfidel Sonntag 5 Uhr Jobannisfeuer Kleines Theat. ••►Merkur 1624 Täglich SV« Uhr Max Adalbert als Kante am Flügel idolf Nelson mm Frankfurier Allee 313-314 LlnHs der Isar— rechts der spre« mU Albert Panltg- Magda Lyn dt Auf der Böhne! I. Paul Sdieldorn, der humoiistische Zauberei aus dem Wintergarten 2. Ednardowa-Ballett, 14 Mliwirkande, ausgeführt v, ehemaligen Ballen St Petersburg Beginn 6 Uhr. Sonnabends 5.30 Uhr. Sonntags 3 Uhr <8eilage Sonnabend, 12. Oktober 1929 SprÄbmd StiälauigaiU-da Ib&asA dnsü'memai bei gefpuki? Wir otfc babrn et in iert Ic(if»n So«« in bfit �itunacn oeltfpii: in einem Hause in Cbarlottenbura a«l>en Geister um. Es smikt. Gin esten»erstorbener Onkel sprach»u seiner kleinen Nichte, ein Tisch heweate sich obne sichtlichen Grund von allein, andere tolle Dinge Kassierten— und mit dieser mnstischen Angelegenlieit beschästigen sich augcnblichlich Tluchiater und Äerztc in heißem Bemijlien. da» Rätsel ?u lösen. Dir haben daraufhin einige Mitarbeiter gebeten, selbsterlebt« Tpukgcschichten auszuschreiben. Zur Aufklärung dieser Geschichten toaren keine Psychiater nötig.... 3>er Friedhof fpukl 5eöc Nacht seit neun Iahren spukt«s: zwar nicht b c i mir, ober ganz bestimmt wegen mir auf einem gewissen Friedhos— davon kann sich, wer Zeit hat, gern« überzeugen. Es ist der Kuli- friedhof von Serembang, in chinterindien zwischen Penang und Singapore, von dem da die Rede ist. Serembang ist halb langweilige Europäerstadt, halb schmutziges Malaiennest, aber weder braun noch weiß wetlt dort zum Vergnügen, sondern lediglich wegen Pinke-Pinke(der Boden ist sehr zinnreich) und das einzig(Schauer- lich)— Interessant«, was es in weitem Umkreis zu sehen gibt, ist eben dieser Friedhossspuk. Punkt Mitternacht(so wie es sich für anständig« Geister gehört) entsteigt ein toter Chinese dem Grabe. Kaum hat er sich ein wenig ins irdische Dasein zurückgefunden, stürzen sich zweiandere Gelbe— sie hoben sichtlich am Galgen geendet, denn die Strick« zieren noch ihren Hals— auf ihn, und es entsteht ein« Keilerei, die für mich um so gruseliger ist, als ich ihre nicht ganz freiwillige, aber auch nicht ganz unschuldig« Ursache bin. Der erste Chinese wird überwältigt und wieder ins Grab gezwängt. Im selben Augen- blick ereilt aber auch schon die beiden hndern ihr Schicksal: der Strick um ihren Hals zieht sich zusammen und eine unsichtbare .Hand befördert sie zurück an den Galgen. Ein neues Ge° spen st erpaar tritt aus. Totengräber sind es und betrunken sind sie obendrein. Sie schneiden die Gehängten vom Galgen ab, be- graben sie und zechen aus ihrem Grab bis punkt 1 Uhr, um dann — Gespenster sind sehr ordnungsliebend— lautlos zu verschwinden. Den tieferen Sinn dieser nächtlichen Gruselszene, über den ich nur allzu genau unterrichtet bin, aufzuklären, Hab« ich mich bislang s'andhaft geweigert. Doch da für jeden Menschen einmal die Stunde schlägt, in der er die Siegel d«r Verschwiegenheit bricht, will ich jetzt beichten. r-;■...•» * Als, ich vor vielen Iahren mit großen Hoffnungen und geringen Mitteln dein Singaporer Postzug in Serembang entstieg, ließ ich mich vom ersten besten Rickschwakuli nach der Bar vom englischen Klub ziehen: da erfährt man am leichtesten, was sich in der lang- welligen Zinnstadt tut. Lange sah ich einsam aus einem der hoch- beinigen Stühlchen und sah einem chinesischen Mixer zu, der mit viel Geschick und Sachkenntnis Coblers und Coctails, Iizzes und Flips zurechtmischte, wobei ihm immer ein Rest verblieb, den«r rasch hinter die Bind« goß. Endlich setzte sich ein s o m m e r- sprossiger Schotte neben mich und ihn näher betrachtend fiel ich vor Ueberraschung fast vom Stuhl herunter. Niemand anders war es als mein australischer Bridge- und Billardportner. Ha— M ck l i m 1�1 t war Medicai-Officcr Im Hospital und im Spital gfbi's immer Arbeit! Allerdings, was Mcklimont mir da proponierl«, kam mir noch sehr viel überraschender. Ich solle die Toten«in sargen, sagte er, daß sei ein Geschäft wie jedes andere, und er wolle zusehen, daß es sich gut rentiere. Wie es einem ergehen mag in dieser schnöden Welt, vergaß ich die Widerwärtigkeit des Geschäfts bald über den Anforderungen, die es an mich stellte. Ich grübelte Tag und Nacht darüber nach, wie es möglich wäre, ein Auskommen zu finden, wenn ich— das war zur Erlangung des neu ausgeschriebenen Kontraktes nötig— die ohnehin billigen Preis« der ortsansässigen Chineseirsirme» noch unterböte... Da sogt« schließlich Mcklimont zwischen zwei Whisklisoda zu mir: „Du kannst viertelzolldicke Bretter aus weichem Holz statt halbz olldicke aus hartem Holz liefer», das läßt dir einen Profit und m der tropischen Erde ist nach ein paar Monaten von keinem Menschen mehr etwas übrig, man mag ihn begraben, wie man.will.� * Der erste, der in meinen Brettern eingesargt wurde, war Ah Mop, der chinesische Mixer vom englischen Klub. Er war über den vielen guten Resten plötzlich an Alkoholvergiftung gestorben. Gerade Chinesen legen den allergrößten Wert daraus, sich in einem jener dicken, schweren, massiven Särge zur ewigen Ruh« zu legen, deren Last mitunter zehn Mann nicht zu tragen ver- mögen. Ja, es kommt vor, daß chinesische Kamelhöckerbrllcken unter der Last des Sarges einstürzen. Viele Chinesen sparen ihr Lebe» lang, um zu einem dieser Särge zu kommen. Um so schwerer wird man mir verzeihen können, daß ich Ah Moy In eine Art Zigarrenkiste legte und so zwei Bestattungs- und Totengräberbrüdern übergab. Das waren natürlich auch wieder Chinesen, denn olli rentablen Gewerbe sind chinesisch in Malaiisch- Hinterindien, und die beiden hotten gleich mir ein Unterangebot gemacht und wie ich alle Ursache, Müh« uni> Material zu sparen. Die Zigarrentiste wurde daher in«ine sehr seichte Grube hinab- gelassen, und während der eine Totengräber mit zwei armseligen Nägelchen den Deckel festhämmerte, begann sein Kompagnon schon die Erde zuzuschaufeln. Die beiden hatten Eile die ihnen zustehenden drei Dollar zu beheben, die die(englische) Regierung für die Beerdigung besitzloser Kulis, wie der Barmixer einer war, bezahlt. Das Hämmern über seinem Haupt störte Ah Moy in seinem tiefen, starren, aber keineswegs ewigen Schlummer, in den er zu- folge wiederholter Alkccholexzesse verfallen war. Er begann zu strampeln, zu rumoren und plötzlich fliegt der Sargdeckel dem Kuli, der ihn zuhält, gegen die Nase, Ah May richtet sich empört in seinem Sarge aus und sängt gotteslästerlich zu fluchen on. „Hunia bo tsuma mat a hai!"(Fahrt zum Satan, freches Gesindel!) schreit er, rot vor Zorn, denn er fand, daß keinem (.,' Chinesen ein Recht zustehe, einen andern Chinesen bei lebendigem Leibe in die Unterwelt zu befördern. Die Totengräber, das sah man aus den Blicken, die sie ein- ander zuwarfen, waren anderer Ansicht. Sie besaßen«inen Kontrakt für drei Dollar für ihre Mühe. Sie hatten Ah Moy aus dem Spital geschleppt, den Sarg vernagelt, ein« Grub« gegraben, und im letzten Moment sollte sich alle Mühe als vergeblich erweisen?! „Bimatang tabi", schreit der Schaufler in die Grube hinab, „lu man tibu kita":„Du Schweinehund willst uns betrügen, zwei ehrliche Leute um ihre drei schmerverdienten Dollar bringen. — Marsch! Pack dich in den Sarg zurück!" Da Ah Moy zögerte, dieser Aufforderung Folge zu leisten, sprang der Totengräber in die Grube und bearbeitete unter Beihilfe seines Kollegen den Auferstandenen so lange mit Schaufel und Hammer, bis er in dem für feine Lage geeigneten Zustand war. Ah Moy wurde wieder in den Sarg zurückgelegt, die beiden Kontratteure vernagelten ihn gründlich und stampften die Erde darüber fest, um weiteren Störungen vorzubeugen. Dann gingen sie zu den Behörden, um den für chre Mühe gebührenden Lohn zu erholten. * Den bekamen sie voll und ganz. EinzweitesChinesen- paar nämlich, dessen Offerte die Totengräber seinerzeit unterboten hatten, war ihnen zum Friedhof nachgeschlichen, ihre Tätigkeit mit kritischem Aug« verfolgend und hatte ihr Treiben zur Kenntnis der Behörde gebracht. Die resoluten Totengräber wurden festgenommen und eingesperrt. Der Gerichtshof oerurteilte sie, indem er zur Ansicht neigte, daß man niemanden zwingen kann, sich begraben zu lassen, wenn er nicht will. Dieses Recht steht allein den Richtern zu und die Richter ließen trotz heftigen Protestes die zwei wackeren Totengräber hängen und durch das neue Chinesenpoar bestatten, daß hierfür 6 Dollar erhielt, und wie alles Geld, sogleich vertrank. »* » Aus dem Besagten wird jedermann klar erkennen, wer und warum es aus dem Serombanger Friedhof spukt. Die einzige offene Frage ist die: werde auch ich im Grabe keine Ruhe finden und um die Mitternacht-stunde aus dem Kulisricdhof Zigarrenkisten- deckelsargbretter zurechthobeln- und sägen— wer kann sie mir be- antworten? lrldnncb Hemmer. •Der{Keller fpukl V Ich hotte TOarcri seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Wir waren zusammen zur Schule gegangen, und nun traf ich ihn in Marseille. Er ist hier Reporter an einer Zeitung und kennt wie kein anderer diese Stadt. Wir tranken mit seinem Freund Claude Schnaps bei„Estide". Später fragte er mich, ob ich A s c i n kenne. Ich Hobe keine Ahnung. „So, so," sagte er,„da spukt es." Ich sehe ihn ein wenig mißtrauisch on und kann ein le'fes Lächeln nicht unierdrücken. „Lach nicht!" schlägt er mit der Faust auf den Tisch. Seine Augen, die der Alkohol schon klein gemacht hat, sehen mich wütend an. Entree. Ilm halb zwölf sitzen wir bei Ascin. Die Kneipe liegt unmittelbar am Hasen. Der Schankraum im Keller eines vcrdreckten Hauses ist gerade so groß wie ein Zimmer, und es stinkt da scheußlich nach Fusel und Rauch. Ascin ist dick, wie alle Wirte, aber er mißt sicher ein Meter neunzig, und als er sich zu uns setzt, kracht der Stuhl unter ihm. „Na?" fragt Marcel. „Heute Nacht war wieder was gefällig." gibt er zurück. Marcel deutet auf mich:„Ich habe ihm davon erzählt, er glaubt's nicht!" Ascin gießt ein Glas Absynth herunter:„So? Denn geh' man selber in'n Nebenkeller." Einen Augenblick sind sie still und dann schütten sie stch wieder Schnaps in die Kehle. Ich habe schon jetzt den Eindruck, daß sie viel zu viel getrunken haben. Als ich Einwendungen mache, schrest Marcel mich an.— Wieder steht eine neue Lage Absynth auf dem Tisch und Ascin legt init verhaltener Stimme los: „Es war also ganz dunkel, und plötzlich hat einer gesagt: Die Leiche auf dem Schiff„La Republique"... dann hat es geschrien, wie wenn ein Schwein abgestochen wird— ich sage dir. ich hatte die Hosen gestrichen voll— ober ich springe doch aus und haue zu, weil sich da was bewegt. Und als ich hinlange, ist nischl, rein gar nischt— aber es schreit, daß ich mir die Ohren zuhalten muß... und dann drückt mir was die Kehle zu und mir wird ganz schlecht. Ich knalle hin und schrei. Paillette, was meine Tochter ist, komint gelaufen— und nischt war zu sehen, sagt se.— Das war gestern." „Und so was passiert jede Nacht?" frage ich. „Geh nicht jede Nacht runter." glotzt Ascin mich an. „Ich möchte e? mal oersuchen." „Er will es versuchen," brüllt der dicke Wirt.„Er... groß- artig... er. Es spukt da, Mensch. Da? ist der olle Kerl, dem stüher die Kneipe gehört hat, und den der Henry erschlagen hat." Ich erfahre, daß Henry der Stiefsohn von dem„ollen Kerl" war, der seinem Vater vor etlichen Iahren mit einem Messer an die Kehle ging. Dabei wurde Henry von der Polizei hopp ge- nommen, und seitdem spukt der Alte hier rum. Ich bestehe trotzdem daraus, in den mystischen Keller geführt zu werden. Marcel will mit, er trinkt aber vorher noch schnell einen Absynth.„Mensch, ich brauche Mut." Claude ist bereits voll wie eine Regentonne nach einem Wolken- bruch. Ich für meinen Teil trinke gar nichts mchr, ich will dem Gespenst nüchtern gegenübertreten. Aber, da mich Ascin animier:, tue ich so, als ob ich mithalte und schütte das Gesöff unter den Tisch. Wir poltern herunter. Wir poltern über ein paar ausgeleierte Stufen in einen Keller, der noch etwas tiefer liegt als die Kneipe. Es ist stockdunkel, daß man sich an den stinkigen Fässern stößt, die da herumliegen. Der ganze Raum ist etwa fünf Quadratmeter groß. Als meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, tonn ich alles ein wenig besser unterscheiden. In einer Ecke türmen sich Scherben und Flaschen, und die Wände sind teilweise aufgerissen, daß der Mörtel verstreut am Boden liegt. Die Decke ist so niedrig, daß man nur gebückt gehen kann. Marcel und Claude fallen in eine Ecke— auf einen Haufen Unrat. Ascin verschwindet mit:„Diel Vergnügen." Ich taste die Wände ab, aber bei der Dunkelheit nützt es nicht viel, und ich tröste mich damit, daß das Gespenst schon irgendwo reinkommen wird.', Marcel lallt unverständliche Worte. Plötzlich verstehe ich seine zitternde Stimme., „Ich Hab ja Angst, Mensch, solche Angst. Bei meiner Groß- mutter... weißt du..." „Bei seiner Großmutter," fällt Claude ein,„war ein« Wirt- schasterin... und da war auf der Hintertreppe auch-in Gespenst... und als das Gespenst gespensterte, ist die Wirtschaf- terin dran gestorben." „Gestorben... mausetot," lallte Marcel. Unwillkürlich fasse ich an meine Hosentasche nach dem Revolver. Marcel sängt unvermittelt an zu singen: ich muß ihm den Mund zuhalten. Claude stottert:„Ich bin der einzig Mutige unter euch.. Endlich sind sie ruhig. Marcel scheint überhaupt eingeschlafen zu sein. Plötzlich pfeift es— leise, aber ganz deutlich. Ich halte den Atem an. Claude krallt eine ängstliche Faust um meinen Arm: „Ratten! Laß mich raus!" Er springt auf, torkelt..., dä hören wir ein knarrendes Geräusch, ein Summen— das sind keine Rotten mehr! Claude ist augenblicklich totenstill... Jetzt hüstelt es, ein wehender Licht- streifen fliegt über den Boden, verschwindet und taucht wieder auf. Ich weiß nicht mehr, wer von den beiden es ist: einer flüstert: „Das Gespenst!" und ehe ich noch die Erscheinung mit den Augen ganz zergliedern kann, fragt Claude schon:„Wer bist du?" Aber das Gespenst antwortet nicht— ich sehe nur, wie der Lichtstreif sich an der Wand entlang schiebt und bei Marcel Halt macht. Ich taste noch der Taschenlampe, unbegreislicherweise ist sie weg. Dann verschwindet auch der Streif, doch plötzlich stöhnt und ächzt es— und ich erkenne im Moment Marcels Stimme. Ein Revolver knallt. Da überfällt mich rasende Angst. Ich reiße den Revaloer aus der Tasche und denke nicht daran, daß ich Marcel treffen könnte. Ich schieße. Ein gellender Schrei fährt durch den Raum. Claude, der plötzlich ganz nüchtern scheint, rüttelt vergeblich an der Tür und brüllt nach Ascin. Mein letztes Streichholz flammt auf— ich beuge mich über Marcel. Er liegt betrunken da, feine Krawatte ist verrutscht, seine Weste steht offen. In seiner Tasche sind« ich ein Feuerzeug. Als ich leuchte, sehe ich Blutspuren, die an eine unscheinbare Brettertür in der linken Ecke des Kellers führen. Die Tür ist kaum angelehnt. Ich hätte beschwören können, daß diese Tür eben noch geschlossen war. Ich komme auf einen Gang und stolpere fast über den bewußtlosen Ascin, der am Mund blutet. Die Kugel muß ihm in den Unterkiefer geschlagen sein. Claude kriecht zu mir herüber. „Um Gates willen!" reißt er mir den Revolver aus der Hand und knallt in den dunklen Gang hinein. „Wir müssen hier sofort raus," sage ich und nehme Claude, der erstarrt ist, den Revolver wieder aus der Hand. Aber da hören wir schon Schritte und schreien, was unsere Lungen herhalten, Wenige Sekunden nachher kracht die Tür und zwei Polizist-n stehen da. Später, als wir uns ausgewiesen hatten und Ascin schon längst ins Polizeispital eingeliefert war, sitzen wir dem Kommissar gegenüber. Der Kommissar ist sehr liebenswürdig, als er jetzt spricht:* „Sehen Sie. der Trick dieses sauberen Ascin war auch nur neu. Er war eingestellt sozusagen auf Leute, die das Gruseln lernen wollten, die aus gekränkter Eitelkeit oder sonstwas ihren Mut beweisen mächten. Vor acht Tagen büßte so der Steuermann eines Schoners seine ganze Barschaft ein. Asoin gab seinen .„Kunden" vorher immer viel Absynth, in den er noch Schlafpulver mischte. Dann verlangten die Gäste den Spukteller zu sehen, und Ascin konnte losspuken. Er kam, wie Sie nun selbst wissen, durch die Tür, die der Dunkelhest wegen nicht zu sehen war, und so verschwand«r auch wieder, nachdem er seine Opfer mühelos er- leichtert hatte. Darf ich Ihnen die Brieftasche Ihres Freundes Marcel zur Ausbewahrung übergeben? Wir fanden sie bei Ascin. Und falls Sie mich wieder mal brauchen..." Wir stützen Marcel die Treppe herunter und fahren, ihn im Taxi nach Haufe. Er fällt wie ein Sack aufs Bett und schläft sofort ein. Bevor wir gehen, lege ich ihm einen Zettel aus seinen Nachttisch: „Lieber, wenn du ganz ausgeschlafen hast, hoffe ich, daß du überzeugt sein wirst, daß die Wirtschafterin deiner Großmutter nicht ausschließlich on dem Hintertreppengcspenst zugrunde ge- gangen ist.".Axel Arbeus. (�pman von ftlax ßarfkel (18. Fortsetzung.) Le>s« und behutsam gingen sie in di« Zimmer, aber als das Licht angedreht wurde, sahen sie, daß sie nicht allein waren. In einem tiefen Sessel saß ein Mann und Wies. Es war Mariannes Dater. der in der Nacht nach Berlin gekommen war und nun auf feine Tochter wartete. Er erwacksie plötzlich, blinzelt« in das weihe, ge- dämpfte Licht und sprang plötzlich auf: ..Marianne, Marianne, mein Kind!" Lyssander zuckte zusammen.„Marianne, Marianne!" das hotte er heute abend schon einmal gehört. Aber dann hört« er neu« Worte. Das Mädchen slog in die Arme des Mannes und schluchzt«: „Vater! Dater! Lieber, lieber Vater!" Als die Begrüßung und die Zärtlichkeit nicht enden wollten, räusperte sich der Schauspieler, und als der Mann aufsah, nannte er seinen Namen, chull löste sich langsam von seiner Tochter und kam näher. Cr schültelte Lyssandcrs Hand und sagte herzlich: „Marianne hat mir schon viel von Ihnen geschrieben. Ich freue mich und danke Ihnen, daß Sie dem Äindle geholfen haben." „Aus Freundschaft, Herr Hull, aus Freundschaft!" antwortete Lyssander, verbeugte sich und ging wütend davon. Napoleon macht den Traum'oor. Im vorigen Jahrhundert zogen die kühnen Pioniere Amerikas aus dem Osten nach dem Westen. Sie kamen durch tödliche Sand- wüsten, sie hungerten und kämpften, an ihren Wegen bleichten die Gebeine der Opfer. Aber hinter allen Wüsten, hinter ollen Kämpfen und Opfern fanden sie fruchtbare Aecker und in Kalifornien das Gold. Auch in Berlin geht ein Zug nach dem Westen und sein großes Ausfalltor ist der Kurfürstcndamm. Dl« Leute am Kur- fürftendomm gleichen jenen Pionieren am Ziel: sie haben das Schwere hinter sich, sie sitzen auf reichen Aeckern und kostbaren Gold- minen, wenn auch ihre Aecker mit der Landwirtschast, und ihre Goldminen mit der Metallurgie nicht? zu tun haben— die Leute am Kurfürstcndamm sind reiche Leute. Diese breite Avenue mit den vier Reihen junger und alter Bäume ist im letzten Jahrzehnt die Hauptstraße des deutschen Kapitalismus geworden. Die Geistigkeit hat sich in d«n Schlagschatten der Bäume eben- sogut angesiedelt wie in den grellen Blitzen der elektrischen Reklamen. Auf dem Kurfürstendamm werden die neuesten Moden und Schlag- warte ausprobiert. Ein ganz neuen Menschentyp ist erstanden: der radikale Snob, der in prachtvollen Zehnzimmerwvhnungen haust, der radikale Snob ist hier zu Hause, der Mensch, für den die soziale Frage gelöst ist und der nun den jungen Dramatikern zusubelt(auch sie wohnen meistens im Westen), di« in ihren Werken seinen Unter- gang predigen. Der geistige Snob läuft in di« russischen Filme, in denen die große Revolution gewittert, und klatscht begeistert Beisoll zu dem Streben seiner Klossengenofsen. Der geistige Snob ist beiderlei Geschlechts: seine Kleidung stammt aus Poris oder London, leine Weltanschauung aus Moskau oder Rom. das sozial« Verständnis hat er aus Ullstein-Heften, die Schminke nimmt er von Leichner, das Parfüm von Eoty, der geistige Snob kennt die neuesten Songs von Brecht, Weill und Nelson, er ist auf dem Presseball cbensogut anzutreffen wie in einem Keller im Norden der Stadt. Dieser neue Typ trägt seine Geistigkeit wie die vorgeschriebene Mode, überhaupt ließen sich viele Parallelen zwischen Geistigkeit und Konfektion ziehen. Der Mensch aus dem Norden oder Osten der Stadt findet auf dem Kurfürstendamm«in« vollkommen ander« Welt. Hier scheint auf den ersten Blick hin alles verzaubert und viel leichter und be- schwingt«! zu sein. Die Schieber und Börsenhyänen haben gute Manieren, die Huren sehen wie feine Damen aus und die feinen Damen sehr oft wie Huren. Junge Mädchen laufen dahin und sind die lebendig gewordenen Wachs- und Metallpuppen aus den Waren- Häusern. Neben ihnen gehen junge Männer, die einem Film ent- sprungen zu sein scheinen. Die Autos laufen gedämpfter als auf der Friedrichstraße. Die Polizisten sind viel höflicher, di« Reklamen mondäner. Um die Gedächtnizkirche herum, vor den Tigern. Affen, Schweinen, Füchsen und Kamelen, vor den Eseln und Hyänen des Zoologischen Gartens baut sich eine grandios« Kulisse des neuen Reichtums auf: Warenhäuser, Cafes, Tanzdielen, Bars. Weinrestaurants und die prunkende Unzahl der Kinopaläst«, gleißende Sauglöcher und Strudel, in denen sich dos leichte Leben der Leute am Kurfürstendamm oerfängt. Aber es gibt auch Bettler auf der breiten Straß«. Sie«rinnern an Schiffbrüchige, die der Sturm an «in« fremde Küste geschleudert hat, an der Barbar«n wohnen, di« nur durch Jammern und Wehklagen gerührt werden können. Bon beb Kirche aus bis an das Ende zu dem großen Vergnügungspark standen die Bettler, lebte das ander«, leichtere Das«in, und man mußte schon ganz s«in« Ohren haben, um zu erkennen, wo hier gebetet und wo geflucht oder gelästert wurde. Ein Zeitgenosse Napoleons erklärte dessen Triumph und be- rauschende Wirkung auf die Dölker so:„Er macht den Menschen den Traum vor." Auch der Kurfürstendamm macht den Menschen den Traum vor. In den Schulbüchern findet man noch heut« die rührenden Geschichten, die von den zerschossenen Grenadieren er- zählen, die:„Es lebe der Kaiser" gebrüllt haben sollen, ehe sie ver- röchelten. Die Flüche und Verwünschungen der unbekannten Soldaten sind in den Lesebüchern nicht zu finden. Das Branden- burger Tor ist heute nichts als pompöse Kulisse, der Kurfürstendamm ist di« Wirklichkeit, di« Siegesalle« des Geldes. Kaiser und Könige haben ihren Glanz verloren, im neuen Glanz, in viel prächtigerem Purpur glühen die Führer und Verführer unserer Tage: die großen .Helden vom Theater und vom Film. In Berlin gibt es 2000 arbeitslose Schauspieler. Sie wohnen nicht im Westen. Die armen Schauspieler können den Menschen Copyright 1929 by„Der Bücherkreis G. m. b. H.", Berlin SW 61 keinen Traum mehr vormachen. Sie träumen für sich allein, und ihr größter Traum kreist um eine kleine Rolle auf der Bühne oder im Film. Wenn sie das groß« Glück haben, kommen sie auf die Bretter und verdienen 300 Mark im Monat, wenn si« das kleine Glück haben, kommen si« beini Film als Komparsen an und haben sünf Aufnahmen im Monat. Wenn sie ober kein Glück mehr haben, wenn sie auf dem Schlachtfeld des Lebens verrecken, da brüllen sie nicht: Es leb« di« Bergner oder: Es leb« Pallenberg, da sdjlucken sie Gas. da schippen sie Schnee, da gehen sie ins Wasser, da stehen sie an der versteinerten Straße als Bettler oder nächtigen im Tiergarten. Napoleon macht den Menschen den Traum vor! In Deutschland haben im letzten Jahr rund 500 000 000 Menschen di« Kinos besucht. Sie ließen sich von den neuen Napoleons den Traum vormachen. Ueber den Ozean kamen die verlogenen Spiel« der Amerikaner, und alle Tränen, die um diese Filme geweint wurden, konnten doch nicht den Schmutz vom Gesicht unserer Zeit waschen. Das berühmte„gute Ende" zaubert« wohl dos Glück aus dem Himmel auf die Erde, aber das Glück blieb doch dasselbe, was viele Jahrtausend« für die Menschheit das Schicksal war, etwa? Un- begreifliches, dos beglückt oder erdrückt. In einem Cafe am Kurfürstendamm saßen Bernhard Maß und Alfred Bencke und besprachen das Phänomen dieser Allee und kamen wie von selbst auf den Film und auf die Kassenerfolge der sentimen- talen Schundstreifen zu sprechen. Glaß war auch für Schund, aber es mußte wenigftens Edelschund fein. Di« Aufnahmen zu dem neuen Film sollten in den nächsten Togen beginnen. Herr Hull war ein« Woche in Berlin gewesen, hatte den Vertrag für seine Tochter unter- schrieben, ließ sich von den bunten Kulissen blenden und fuhr heute beruhigt in seine kleine Stadt zurück. „Die Corinne Griffith bekommt für einen Film 200 000 Dollar, und drei Filme macht sie im Jahr, das sind 600 000 Dollar, Alfred", begann Glaß als Amerika besprochen wurde. Dann rollt« er den Knäuel des Gesprächs noch einmal auf:„Napoleon spielt den Men- sehen den Traum vor, aber wer spi«lt uns den Traum vor?" „Mit 600 000 Dollar läßt sich im Jahr recht angenehm träumen, Meister. Und sie spielen sich wohl selbst den Traum vor... Ich kenne die Geschichte der Appolonia Chalupez, die von zehn Iahren ihre erst« Filmrolle spielte und heute eine Prinzessin Mdivani ift..." „Du meinst die Polo Negri? Nun schön, aber wer spielt mir den Traum vor?" Glaß war melancholisch. Dann fragte er un- vermittelt:„Was denkst du von der Hull?" .„Sie wird ihren Weg gehen... Ich habe«in wenig nach- geforscht, und da bin ich auf einen jungen Artisten gestoßen. Das war ihr Freund. Erinnerst du dich, Meister, an den Jüngling bei der Premier«, der an den Wogen kam und: Mariann«! schrie? Erinnerst du dich noch, sie sagte, es sei«in Wahnsinniger." „Ich entsinne mich, aber wenn wir lieben, sind wir auch wohn- sinnig. Alfred. Ich sind« die Hull großartig. Jetzt findet si« ihre Linie. Im Mariasilm war sie auch gut, aber sie kopierte manchmal die Amerikaner. Ich habe nichts gegen dl« Hull. Was sag? Lyssander?" „Er wartet auf seinen Lohn." .Lassen wir ihn warten... Aber wer spielt mir den Traum vor?" „Gehen wir in den Spielklub?" „Das ist langweilig. Um mich aufzuregen, habe ich zu wemg Geld. Ein alter Mann muß vorsichtig spielen. Nur die Jugend jetzt alles auf eine Karte." Bencke hatte«ine gut« Idee. „Sehen wir uns doch einmal an, wie sich das Volk den Traum vorspielt", sagt« er.„Gehen wir einmal in die Destillen und Keller. ins Chinesenviertel oder in die Lokole um den Schlesischen Bahnhof!" „Das klingt ja beinahe wie eine A-rfluchung des Kurfürsten- damms! Aber ich bin dabei. Gehen wir. Ist dort was los?" „Ich habe allerlei gehört." „Also Aufbruch nach dem unbekannten Deutschland! Sie zahlten, nahmen ein Auto, fuhren nach ihren Quartieren und kleideten sich um. iSloß sah wie ein verlotterter Klavierspieler aus, und Bencke hatte sich als kleiner Mann au» der Provinz fertig- gemacht, der sich einmal Berlin ansehen will. Glaß steckt- seinen Browning«in. Di« Reise konnte beginnen. Sie suhren mit der Untergrundbahn zum Alexonderplatz._ ,Hter beginnt schon das unbekannte Deutschland, sagte Bencke und zeigte auf das Polizeipräsidium,„hier können wir Leute sehen, die keinen Traum mehr träumen." „Bist du mit der Polizei so gut bekannt, daß du weißt, ob sie keine Träum« mehr hat?" „Rein, ich bin nicht mit der Polizei bekannt, aber ich weiß, dsg in einem Jahr in der Stadt 4000 Menschen v«rmißt werden... Ich weiß im Präsidium ein« grauenvolle Bilderausstellung. Die un- bekannten Toten hängen da, die Ertrunkenen, die Ermordeten. Wollen wir uns die Bllder ansehen?" „Habe keine Lust. Ich kann sie doch nicht wieder lebendig machen. Weißt du noch mehr Geschichten?" .La. Auf dem Präsidium liegt dos Verbrecheralbum. Da sind rund 35 000 Bilder darin. Jedes Jahr kommen 2000 neue dazu. Nach den Bildern werden im Jahr über 400 Verbrecher erkannt." „Danke, mein Bedarf an Greuelgcschichten ist gedeckt. Warum erzählst du das?" „Das ist da» unsichtbar« Berlin, das ist dos nackt« Leben aus der nackten Erde", antwortete Benck« laut und rächte sich damit für jene Sommernacht, in der er von Glaß durch den Tiergarten geschleppt wurde.„Dos ist Berlin und stößt an jenes Revier, dos wir heute aufsuchen wollen. Die Leute bei uns im Westen sind wohl kaum im Verbrecheralbum anzutreffen." „Das ist wahr, aber ich kenne viele Visagen, die in dos dicke Buch hineinmüßten." Si« durchquerten die Passag« nach der Elijabethstraße und gingen die schwarje Schlucht aufwärts und bogen noch der Frankfurter Straße ab. Sie fragten sich nach der Markusstraße durch. Es war abends in der achten Stunde. Die Ausdunstungen der Stadt lagen wie eine dämmernde Wolke über den quadratischen Blöcken der Wohnquartiere. In den schmutzigen Straßen wehte Rauch und Gestank. Der Verkehr lärmte und klappert«. In einem kleinen Kino lies der Film:„Maria und ihr Glück". Di« beiden Männer ver- weilten einige Minuten vor den ausgehängten Bildern und Plakaten, sie bejahen sich neugierig das Volt, das durch das schimmernde Portal strömte und hörten auch den Schlager der Premier«: Ein Gentleman, ein heißer Blick, Maria weiß, das ist das Glück... „Das Lied ist saudumm", knurrte plötzlich Glaß.„Sage wir, wer von den jungen Mädels da findet 1000 Mark aus der Straße und heiratet dann einen Grafen? Kannst du mir ein einziges Mädel zeigen?" (Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend"» atiiiiiiiiiiiiiuimiimoiiiiniinHiiuiuHiimiiwiimiHnniniiimummiHiimoMfflfMBiBBeiamiiiiimmiimuiijmmiiniiiimirainji Silbenrätsel. Aus den Silben bon bos de di do e e e en ga ge gei» gen gi ha Hot her i ie ka ku ku le Ii ment ment ne ne nc no no o o re re re re rei ren renn ris ru sar sor su tor tel tcn tier ttn wach sind 17 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben und die dritte Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen Wahlspruch ergeben,(ch~ ein Buchstabe.)— Die Wörter bedeuten: 1. Musiikinftrument: 2. Arktische Hirschnrt: 3. Kirchensonntag: 4. Französische Universität: 5. Deutsches Grenz- gebira«: 6. Zutage fördern: 7. Hyeringsfifch: 8. Vogel: S. Unter- irdische Finsternis: 10. Storchvogelfamilie: 11. Kriegswaffe: 12. Ja- panssche Tänzerin: 13. Anstellung: 14. Urkunde: 15. Weiblicher Borname: 16. Teil des Auges: 17. Stadt in Westfalen. kr. Rösselsprung. I L S| E E L! L A imninunmimiraBiuumuiiiiw • Wortverwandluug. Jedes in die Zwischenreihen einzu- setzend« Wort unterscheidet sich von dem vorhergehenden und dem nachfolgenden nur durch einen Buchstoben kr. »d. Zahlenrätfel. An Stell« der Ziffern sind in den Schlüsselwörtern Buchstaben zu setzen, so daß Wörter der angegebenen Bedeutung entstehen. Verfährt man in gleicher Weis« bei den tieferstehenden Zahlenreihen. so erhält man einen Ausspruch von Washington.— Schlüsselwörter: 1 2 3 kleiner Wald, 4 5 6 7 8 Fett, 9 10 11 12 Bauwert. 13 14 IS Verhältniswort, 16 17 18 19 sagbares Getier. 20 Konsonant— Ausspruch von Washington: 12 6 17 15— 18 6 9 20 9 6 11— 16 10 15 4 7 1— 17 4 9— 10 6 15— 8 11 17 6 3— 19 17 6 4 6 4— 16 10 15 19 12 2 18— 2 12— 8 14 6 11 5 6 11— 19 6 11— 12 6 15 4 7 1 l 6 17 9— 13 14 15— 19 6 11— 6 11 19 6— 13 6 11 4 7 1 16 17 15 19 6 15 — 20 10— 4 6 1 6 15. ak. Abzählrätsel. ver— sen— nur— che— hört— dien— leu— die— die— man— st«— ten— g-— s«— rüh— von— meint— winn— er— men— ge— man— st-— beu— die— wis— wohl— wel— ten.— Vorstehend« Silben sind durch eine zu ermittelnde Zahl abzuzählen: aneinandergereiht ergeben sie dann eine Ledenswahrheit von L. Frankl. x,,. Kapselrätsel. Aus den Wärtern Rajaden, Völkerkunde, Grieß. Burgoerlicß, Verschluß, Schlinge, Tsingtau, Strohdiemen, Asbest, Leutenberg sind je drei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die aneln- andergereiht ein Zitat von Schiller ergeben.— kr.— (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Silbenrätsel: 1. Zsaak-. 2. Nase: 3. Eboli: 4. Senne- ri«: 5. Erstling: 6. Landauer; 7. Silo; 8. Ofenruß; 9. Harem: 10. Reseda: 11. Zellenausbau: 12. Ural; 13. how; 14. Elbe: 15. Hühnerei: 16. Längenmaß; 17. Ehrenpreis: 18. Natalie.— Kein Großmaul weih sein Eselsohr zu hehle». Diamant rätsel: 1. R: 2. Mäh: 3. Rotte: 4. Leisten: 5. Schneider: 6. Rätselraten: 7. Weltreis«: 8. Bananen: 9. Lotte; 10. Fe«: U. N. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 2. Mol; 5. Erna: 6. Esau: 7. Ire; 9. Ali: 11. Tau; 13. Linde: 14. Tom: 16. Eli: 18. Oel; 20. Mehl; 21. Opal; 22. Mus.— Senkrecht: l. Ural; 2. Mai: 3. Lee: 4. Tara; 8. Rinde: 9. alt: 10. Ilm: 11. Tee; 12. Un; 15 Ober; 17. Lias; 18. Olm: 19 Los. Zahlenrätsel: Dos vereinigte Europa; Agnes: Seine: Verrat; Egge; Russen; Eins: Zsar: Neugier; Irrsinn: Sertrud: Tresse: Eva; Espe; Uranus: Ros«: Oder; Padua: Ananas. Rösselsprung: Mich verwirren will das Irren, Doch du weißt mich zu entwirren. Wenn ich handle, wenn ich dicht«. Gib du meinem Weg di« Richte!(Goethe) Nr. 480 46. lahrgang Sonnabend 12. Oktober 1929 Die Geheimnisse des Radiums Dos Radium wurde durch«inen Zufall entdeckt. Der berühmte französische Chemiker und Physiker B«cqu«rel hatte nach einigen Experimenten mit Uranerz ein Erzstück auf«ine lichtundurchläsfige phoiographische Kassette gelegt, in der eine unbelichtete Platte war. Später stellt««r zu seiner nicht geringen Ueberraschung fest, daß die Platte deutliche Belichtungsspuren auswi«s. Er ging der Sach« nach '?nd erkannte, daß in dem Uranerz Stoffe vorhanden sein muhten, die imstande waren, durch undurchdringliche, lichtdichte Substanzen zu dringen und eine photographische Schicht zu beeinflussen. Die in seinem Laboratorium tätige Frau Professor Curie fand nach langwierigen Versuchen, daß in der sogenannten Pechblende die gleiche geheimnisvolle Substanz vorhanden sein müsse, die in noch höherem Maße aktive Strahlen aussendet. Der in der Pechblende gefundene, strahlenaussendende Körper wurde nunmehr Radium (das Strahlende) genannt. Gewinnung und Herstellung.' Die Pechblende, in der dos Radium gebunden ist, wurde früher in großen Mengen in Böhmen bei dem Orte St. Ioachimsthal gewonnen. Später fand man in Nord- amerika, und zwar in den Colorado Cornotit, große Mengen von Pechblende. In jüngster Zeit wird hochwertige Pechblende in Belgisch-Kongo gewonnen. Belgien produziert etwa 3 bis 5 Gramm Radium monatlich. Diese sehr geringe Erzeugung von Radium macht den außerordentlich hohen Preis dieses Elementes verständlich. Auf mühsame, umständliche und kostspielige Weise wird das Radium aus der Pechblende hergestellt. Zunächst wird die Pech- blende zermahl«n und mit großen Mengen Wasser ausgewaschen. Zur Behandlung von etwa 1 Kilogramm zerkleinerter und aus- gewaschener Pechblende sind rund 500 Kilogramm verschiedene chemische Stoffe notwendig, wobei ein Wasserverbrauch von über öv 000 Liter nötig wird. Das Ergebnis dieser mühevollen, umständ- lichen Arbeit sind dann nur 3 Milligramm, also 5 Tausendstel Gramm reines Radium. Man schätzt den Gehalt der Pechblende an Radium auf kaum den zchnmillionsten Teil seines Gewichtes. Es sind also «twa 10000 Kilogramm Pechblende zu bearbeiten, um 1 Zehnt«! Gramm Radium zu«ehalten. Zunächst wird aus der Pechblende das Barium dargestellt. Aus dem Barium wird danach auf Grund der Methode der sogenannten fraktionierten Kristallisation ein ziemlich reines Radiumpräparat gewonnen. Das Austristallisier«n eines Gemisches aus zwei Körpern beruht damuf, daß der zuerst abge- schieden« Teil die eine Substanz, der mittelste und letzte Teil die zweit« Substanz verhältnismäßig rein enthält. Zur Herstellung eines ziemlich reinen Radiumpräparates als Endergebnis der Kristallifa- tion sind nicht weniger als rund 10 000 Kristälsisationsprozesse durch- guführen. Eigenschaften des Radiums. Die Eigenschaften d«s Radiums sind so wunderbor, daß man mit Recht von einem geheimnisvollen Element sprechen darf. Obgleich man diesen silberglänzenden Urstosf(der sich an der Luft schwärzt) zu den Elementen rechnet, sind di« Radiumatome im Gegensatz zu denen der anderen Elemente teilbar, zerstörbar und wandelbar. Ob- gleich der Atomzerfall des Radiums, der durch das Ausstrahlen der Radiumteilchen sichtbor wird, fortlaufend vor sich geht, findet keine merkliche Gewichtsabnahme statt. Wie ungeheuer die Energie- mengen sind, die durch Strahlung von dem Radium ausgehen, be- weist die Vorstellung, daß in jeder Sekunde von 1 Gramm Radium etwa 133 Millionen Teilchen ausgesendet Verden. Dabei beläuft sich die Lebensdauer des Radiums auf rund 4000 Jahre. Die Ge- schwindigkeit der Radiumstrahlen ist nach genauen Messungen mit 230 000 Kilometer in der Sekunde ermittelt worden. Ganz erstaunlich und eigenartig ist auch die Wärmewirkung, die bei der Foribewe- gung d«r Strahlenkörperchen entsteht. Es ist ermittelt worden, daß di« Eigentemperaturen d«s Radiums bis 3 Grad Celsius höher ist als die seiner Umgebung. Weiter hat man gefunden, daß 1 Gramm Radium in der Stunde etwa 120 Kalorien Wärme erzeugt, d- h. es wäre imstande, in einer Stunde 1 Liter Wasser vom Gefrierpunkt auf den Siedepunkt zu bringen. Es gibt keinen organischen oder anorganischen Stpsf, der eine derartig kräftige Wärmeenergie ent- wickelt. Radiumsalze leuchten im Dunkeln, wobei sie ununterbrochen«in lebhaftes Eigenlicht ausstrahlen. Unter dem Einfluß von Radium- strahl«« werden viele Substanzen gleichfalls zum Leuchten gebracht. Diese Leuchterscheinung nennt man Fluoreszenz. Man oer- wendet di« Fluoreszenzerscheinung in der Praxis zur Unterscheidung von natürlichen und künstlichen Edelsteinen(Fälschungen). Radium- strahlen bringen echte Diamanten zu Hellem Aufleuchten in bläulicher oder bräunlicher Farbe. Im Gegensatz hierzu leuchten künstlich« oder unechte Diamanten nicht. Echte Saphir« werden gelb, nachgemachte bleiben unverändert. Di« tiefstrohlenden Rubin« verlieren unter der Einwirkung von Radiumstrahlen ihren violetten Schimmer und werden rein rot. Künstlich« Rubine bleiben wieder unverändert. Wasser zerlegt sich durch Radium in Wasserstosf uni�Sanerstosf. Ein Gemisch von Wasser und Sauerstoff wird b«i Anwesenheit von Radium zu Wasser. Alpha-, Beta« und Gammastrahlen. Alle diese Erscheinungen rühren von den fortdauernden Strah- lungen her, di« weiter nichts sind, als kleine Gast«ilchen, die bei der Verwandlung des Atoms Radium in«in neues Atom die Luft durchfliegen. Diese Radiumstrahlen treten in drei Gattungen auf, die alle verschiedenartig in ihrem Verhalten sind. Man hat dies« drei Strahlungserscheinungen nach den Buchstaben des griechischen Alpha- bets mit Alpha-, Beta, und Gammastrahlen bezeichnet. Di« Alpha-Strahlen sind in der Strahlenenergie des Radiums vorzugsweise vorhanden, und zwar mit«twa 70 bis 00 Proz. Sie bestehen aus positiv geladenen chelium-Alomen, die durch Ausnahme von zwei Elektronen in das bekannt« Heliumgas übergehen. Ihre bemerkenswert« Eigenschaft ist das außerordentlich gering« Durchdringungsvermögen. Sie werden schon durch«in Blatt Papier oder durch«in Aluminiumblech von 0,1 Millimeter Stärk« in ihrem Fluge durch die Luft aufgehalten. Die B e t a- S t r a h l e n bestehen au, negativ geladenen Teilchen, die sich in außerordentlicher Geschwindigkeit, und Zwar in der Sekunde mit 30 000 Kilometer, bewegen. Sie können wegen der hohen Geschwindigkeit größere Lustslächcn und stärkere Schicht«» durchdringen. Ihre Durch- dringungskraft ist rund hundertmal stärker als die der Alpha- Strahlen. Man kann ihr Vorhandensein mit etwa 23 Proz. des Radiumelements annehmen. Ihrer Natur nach gleichen sie den Kathodenstrahlen, die in einer Röntgenröhre entstehen. Die stärkste Durchdringungskraft haben die Gam m a- St r a hl e n, die aller- dings noch nicht wissenschaftlich so erforscht sind wie die Alpha- und Beta-Strahlen. Man glaubt, daß sie unregelmäßige Wellenbewe- gungen des Lichtäthers, sogenannte Aetherimpulse, sind. In dem Radiumelement sind sie mit etwa 10 Proz. vorhanden. Si« dunch. dringen Metallschichten bis zu 300 Millimeter Stärke. Außer den vorgenannten drei verschiedenen Strahlen sind in dem Radium nicht chemisch festgehaltene Edelgase, die sogenannte Emanation, vorhanden. Die Emanation hat nur eine Verhältnis- mäßig kurze Lebensdauer. Ihr Zerfall ist Naturgesetz und kann nicht aufgehallen werden. Gerade dies« Radiumemanation besitzt wunderbare Heilwirkungen. Sie wirkt auf all« Vorgänge des mensch- lichen Stoffwechsels«in, vermehrt die weißen Blutkörperchen, erhöht die Harnsäureabscheidung und steigert den Eiweißumsatz. Ferner wirkt die Emanation der Radiumstrahlungen schmerzbeseitigend und entzündungswidrig. �Ikreck Boucle, Ingenieur. WeUrtmdfunkfender In Zeesen bei Königsmusterhausen wurde der auf Welle 31,38 Meter arbeitende Weltrundfunksender in dem Gebäude des in ganz Europa bekannten Deutschlandsenders aufgestellt. Der Sender arbeitet auf einer Eindrahtantenne von etwa 35 Meter Länge, die an einem der Mäste des Deutschlandsenders aufgehängt ist. Die mittlere Telephonieleistung beträgt 8 Kilowatt. Sämtliche Maschinen werden mit Hilfe von Druckknöpfen von einem Schaltpult aus angelassen, das direkt in den Unterbau der Sendergehäuse miteingebaut ist. Der Probebetrieb, der vor kurzem aufgenommen wurde, zeigte jedoch, daß der neue Weltrundfunksender den Deutschlandsender stört. Man hofft durch Kabelverlegungen diese Störung beseitigen zu können. Sclbstanschlufjbetrieb im Funkverkehr Eine wichtige Erweiterung des Funkbetriebes Ein großer Vorteil, aber auch ein großer Nachteil des droht- losen Telegraphieverlehrs ist, daß er praktisch„An Alle' gerichtet ist. Beim Fernsprecher hat man die Möglichkeit, sich mit einem be- stinunten Teilnehmer zu verbinden, mit dem man allein das Gespräch führt, das dritte nicht hören können. Die Ausschaltung dritter wird vorläufig im Funkbetrieb nicht möglich sein, da man nicht für jede mögliche Verbindung eine besondere Welle reservieren kann. Da- gegen ist neuerdings ein Weckruf durchgebildet worden, der« i n e bestimmt« Empfangs st ation alarmiert, z. L. durch Klingelzeichen sie daraus aufmerksam macht, daß sie vom Sender gewünscht wird und daß sie sich«inzuschalten hat. Die Anlage ist im Berliner„Polizeiinstitut für Technik und Verkehr" von Polizeihaupt- mann Dr. R i st o w entwickelt worden und wird jetzt zuerst für die preußische Polizei allgemein eingeführt. Sie ist selbstverständlich ebenso für ander« Behörden oder Betrieb« brauchbar: praktisch ist die Zahl der Empfangsstationen, von denen je eine auf ein be- stimmte s Zeichen der Sendestation reagiert, unbeschränkt groß, da die Zahl der möglichen Weckzeichen ebensall, unbeschränkt groß ist. Wenn«ine derartig« Weckeinrichtung vorhanden ist, ist es nicht mehr notwendig, daß zur Uebermittlung von Nachrichten ein bestimmter Zeitpunkt vorher vereinbart wird— uns naturgemäß bei Behörden, wie der Polizei, oft praktisch unmöglich ist—, od- r daß ununter- brachen ein Funker Dienst tut, wobei die Beobachtungszeit, der Leerlauf die eigentliche Uebermittlungszeit meist um ein vielfaches übertrifft. Di« neu« Werkanlage ist«ine Z u s a tz e i n r i ch t u u g zum Funtempsänger, die kein« technische Kopipli- z i« r u n g des Funkbetriebes verursacht. Selbsttätig meldet sich der mit der Weckeinrichtung versehene Empfänger, wenn«ine für ihn und nur für ihn bestimmte Nachricht eintrifft, und der Funker koim sich in der Zwischenzeit einer anderweitigen Beschäftigung widmen, von der ihn jeweils der alarmiert« Empfänger abruft. Im Schiffsverkehr ist seit einiger Zeit etwas Aehnliches bekannt, «in« drahtlose Weckeinrichtung, die laut intemationaler Vereinbarung auf allen Schiffen vorhanden sein muß, auf denen die Funker keinen Dauerdienst haben. Diese Wcckeinrichtung reagiert allerdings nur auf die LGL-Gefahrrufe. Sie ist nur für diesen Sonderzweck ge- baut, außerdem recht kompliziert und teuer und erlaubt eben nur einen Sammelanruf, der in Reichweite des Senders des gefährdeten Schiffes zu hören ist, aber keinen Anruf eines bestimmten Empsängers. Wesentlich für den geordneten Betrieb ist, daß Fehlanrufe sowie Störimpulse soweit wie möglich ausgeschaltet werden. Während des langen Versuchsbetriebes im„Polizeiinftitut für Technik und Verkehr" sind SSProz. aller Anrufe eines 200»Watt»Send«rs aus 330 Kilometer Entfer- nung angekommen. Für den Betrieb steht naturgemäß, bei der vorläufig herrschenden Wellenknappheit, nur eine einzige Well« zur Versügung, mit deren Hilfe aber, wie gesagt, beliebig viele Funk- stellen wahlweis« angerufen werden können. Die Anrufzeichen sind gewissermaßen Morsezeichen. Jedes von ihnen besteht aus je einem längeren Anfangs- und Endstrich und dazwischen liegenden kürzeren Strichen. Die große Variationsnwglichleit der Zeichen ergibt sich aus Anzahl und Länge dieser kürzeren Striche und der dazwischen liegen- den Pausen. Der Empfänger ist auf die Welle abgestimmt, aus der Anruf erfolgt. Naturgemäß nimmt er auch alle anderen Anrufe und Störimpulse auf gleicher Welle auf. Di« Weckeinrichtung spricht aber nur an, wenn dos ganz« Anrufszeichen, auf das sie eingestellt ist— also der lange Anfangs- und Endstrich und die be- stimmte Zahl kurzer Striche von bestimmter Länge und mit be- stimmten Pausen nacheinander gegeben—, eintrifft. Mit Hilfe ver- schiedener Relais(Auslöser) wird ein S ch r i t t w ä h l« r, ähnlich den in Selbstansckpuß-Fernsprechämtern gebrauchten, bis zu dem Schritt vorgetrieben, an dem sich di« Alarmeinrichtung befindet, die nach Beendigung des langen Schlußstriches eingeschaltet wird. Der Anruf, also die Reihenfolge sämtlicher Zeichen, dauert etwa 10 bis 13 Selunden, und während dieser Zeit besteht durchaus die Mag- lichkeit, daß die selbst in empfangsgllnstigen Gegenden auftretenden Störungen di« Zeichen verwischen, daß etwa Störiinp»lfe die Striche verlängern oder in den Pausen von sich aus den Schrittwühler vor- würtstreiben. Die sicher« Ausschaltung derartiger Störungen, abge- sehen natürlich von schweren Dauerstörungen, etwa bei atmo- sphärischen Entladungen, gegen die man vorläufig ja sowieso macht- los ist, erfolgt durch die eigenartig« und verschiedene Bauart und Anordnung der verschiedenen oer- wendeten Relais und die sogenannte Amplituden Kontrolle hinter dem Relais, die, eine Art dauernd wirkender Unterbrecher, all« kleinen Störimpulse aussiebt. Die Appa- ratur beginnt erst zu arbeiten, wenn der erste Impuls, der lange Anfangsstrich, solange gedauert hat, wie das nächste Relais, ein söge- nanntes Zeitrelais, bei dem der Slnzug des Ankers verzögert wird, zum Ankeranzng braucht. Dann erst wird das dritte Relais zum Ansprechen gebracht, ebenfalls ein Zeitrelais, bei dem aber der Absall des Ankers verzögert wird. Jeder Ankeranzug dieses Relais treibt den Schrittwahler einen Schritt vorwärts. Di« weitere Steuerung der Apparatur erfolgt durch dieses letzte Relais. Jedesmal bei Beendigung des Ankerabsalls wird cs neu erregt, der Anker zieht erneut an, und der Wähler macht einen weiteren Schritt vorwärts. Die von der Sendestation eintreffenden Anrufünpulse dienen gewisser- maßen nur zur Kontrolle dieses ganzen Vorganges, und erst, wenn das Anrufzeichen nicht mehr mit dem Zeichen übereinstimmt, aus das die Apparatur eingestellt ist, wenn also der„Synchronismus" gestört ist, wird ein Stromstoßpendel ausgelöst, das die Apparatur, die also in diesem Falle nicht angesprochen l)at, wieder in die Aus- gangsstellung zurückführt. Auch dieses Stromstoßpendel arbeitet aber mit einer kleinen Verzögerung, um kurze Störimpulse auszusieben. Praktisch haben sich jedenfalls die vorhandenen Einrichtungen zur Störbeseitigung als ausreichend erwiesen, so daß heute die Möglichkeit vorhanden ist, einen Zlnrufbetrieb durchzuführen, der, nnt-" Ausschaltung von Bedienungspersonal, ähnlich arbeitet, wie l Selbstanschluß. Aemter des Drahtfernsprech-Bctriebes. Oipl.-Ins. A. Li" ~ UßC5rfcirwl«ift»»d«n.M-»i>stren: l. Kroll-Mietlie K.'SO Kilometer. 40 Punilc: 2. Jitti-flcofcfccI, 36 Punkt?: 3. Moulon-Louct. 29 Punkte: tint Runde juriief; 4. Ledmann-Wissek, 20 Punkte: jir«! Runden«uriid; .">. Hilrtaen-Koebel, 25 Punkte: 6. tkdariier- Duron, H Punkte: 7. Petri. Buschen. doaen, U Punkte: 8. Tononi-Dinalc, 6 Punkte: 9. Manthe». Schön, 3 Punkte.— -!«.Runde».PunNcsaI,ren: I. Osker Tied. IZ Punkte: 2. R. Wolke. 12 Punkte: Tchön, 8 Punkte.- Mxtch Omnium. a) Malfahren. 1. Lauf: 1. Tonoui: Mietli«: 3. lkroll: 4. Dinale. 2. Lauf: 1. Cdarlier: 2. Äiirtftcn: 3. Duron: 4.«oebel. 3. Lauf: l. Bufchendaocn: L. Petri: 3. Mouton: 4. Louet. Iii Per. kölonnosrennen. l. Lauf: Zkroll-Miethe fchlaacu Tonani. Dinale um 20 Meter. 2. Laut: Cklariier-Duron holen Klrrtaen.Eoebcl»ach 10 Runden ein. 3. Lauf: Bufchenkoaen.Petri fchlaaen Mouton-Louet um 20 Meter, c) Punktefahren: 1. aharlier: 2. ffioebet; 3. Donani: 4. Miethe.—«rfamt: l. Deutschland, 41 Punkte: 2. Ausland, 39 Punk:?. Leet�ter Tag bei„Soli". Die Arbcilcrrenntahrer in Wannsec. Die Rennfahrer des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes „Solidarität" beschließen die diesjährige Radrennsaison mit einem Rennen aus der Radrennbahn in W a n n j e e, am Rathaus. Di«sc Trainingsrennen erfreuen sich bcini Publikuni und auch bei den Rennfahrern großer Beliebtheit, ist doch ein öffentliches Trai- ning im offenen Rennen, uilier Kontrolle auch der radsporttreibcnden Arbeiterschaft, sehr gut geeignet, die Fahrer in ihrer Form vorwärts zu bringen und außerdem noch den Beweis, daß Ehrlichkeit im Arbeitersport höchstes Gebot ist. Außer einigen Rennen der Jugend und auch der Haupiklasse, findet sich als Hauptnummer des Pro- gramms ein SE-Kilometer-Mannschaftsfahren nach Sechstageart: 10 Wertungen sorgen für ein slottes Tempo. Da die bekanntesten Mannschaften aus Lichterfeld«, Wilmersdorf, Berlin(wie Reichen- bach-Schwarz,�Schlnmni-Nischle, Gänderich-Zimlnermann, Köllner- Prause) am Start sind, so sind Randenjagden mit Sicherheit zu erwarten. Beginn der Rennen 14 Uhr. Eintritt frei. Alle Teil- nchmcr und Mitglieder müssen um 13 Uhr zu Stelle sein. Berliner Boxkämpfe. Durch die Teilnahme der beiden Belgier Jacobs und Sas er- hielt die wieder recht gut besuchte Veranstaltung im„Ständigen B o x r i n g" zu Berlin einen internationalen Anstrich. Eine recht gute Borstellung gab wieder der oberschlesischc Halbschwergewichtler Koska, der seinen Gegner Sas in der zweiten Rnndc zweimal zu Boden geschlagen hatte. Der belgisch« Schwergewichtler rettete sich zwar dank seiner großen Ringerfahrung über die Distanz, tonnte auch im Verlauf der acht Runden noch etnws aufholen, doch zu einem „Unentschieden", wie der Richterspruch iiberraschenderweise lautete, reichte es nicht. Mit dem gleich«,! Ergebnis endete auch der zweite internationale Kampf zwischen dem Kölner M e tz n e r und dem Belgier Jacobs. Z: n n d o r f- Wiesbaden zwang den Hammer Zicho in der 3. Runde zur»Aufgab«, Schmidthab«r-Berlin streckte in der 4. Runde gegen seinen Landsmann Glaser die Waffen, und der Breslauer Scholz besiegte Harry Berg-Hamm in der 4. Runde entscheidend. Boxen als Duell. Einen merkwürdigen Boxkampf veranstaltete, englischen Zeitungsberichten zufolge, der White Horf« Box-Elub" in Blae- navon in Monmuthsire. Zwei Berleute, Charley Rcdam und Walter Edwards, 2? bzw. 21 Jahre alt und verheiratet, hatten einen privaten Streit miteinander und hielten es für angezeigt, diesen Streit in einem Vox-Motch vor aller Oessentlichkeit au-- zutragen. Das Duell zwischen den beiden wurde als Boxkampf über acht Runden eine Woche lang angekündigt, so daß sich an dem fraglichen Abend ein zahlreiches Publikum einfand. Es bekam einen zwar nicht sportlichen, aber immerhin recht aufregenden Kamps zu sehen. Die beiden Kämpfer konnten zwar nicht boxen, dafür führten ste den Zuschauern eine rohe und häßliche Prügelei vor. Redman wurde in der sechsten Runde nur durch den Gong vor dem Knock-out gerettet. In der Schlußrunde waren bei-d« Gegner reichlich„srogszc", Redman siegte. Nach dem Kampf wurde Edwards bewußtlos und kam nicht mehr zu fich. E r starb noch im Laufe der Nacht. Auch der„Sieger" Redman mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die Leute haben wenigstens ehrlich zugestanden, daß sie sich verhauen wollten!' MifYuUooJüU Die Serie geht weiter! Der zweite Tag der Serienspiele geht am kommenden Sonntag vonstatten. Im 1. Bezirk spielen in der 1. Gruppe Friesen�füvsten- walde gegen FTGB.-Südost um 16 Uhr in Fürstenwalde und FTGB.-Oberspree gegen Mahlsdorf um 15 Uhr in Obcrfchöncwcide (neben dsm Freibad). In der 2. Gruppe spielen FTGB.-Lichtenberg gegen FTGB.-Kaulsdorf um 10'� Uhr im Lichtenberger Stadion: Wildau gegen FTGB.-Adlershof um 16 Uhr in Wildau und ASC. gegen Strausberg um 15 Uhr im Plänterwald. Bei den ersten drei Spielen haben di« Gäste die besseren Aussichten.— Im 2. Bezirk spielen in der 1. Gruppe Fricdrichsthal gegen FTGB.-Norden I um 15 Uhr in Friedrichstihal und Velten gegen Tegel um 16 Uhr in Velten. In der 2. Gruppe spielen Steinsurth gegen FTGB.- Pankow um 15 Uhr in Steinfurth: Hennigsdorf I gegen Velten II in Hennigsdorf: Schwante gegen FTGB.-Reinickendorf-West in Schwante und die Hennigsdorfer und Veltener Frauenmannschaften. Friedrichsthal, Tegel und Steinfurth werden wohl auf die Punkte verzichten müssen, während bei den Spielen in Hennigsdorf di« Mannschaften sich ebenbürtig sind.— Im 3. Bezirk spielen in der l. Gruppe Brandenburg 1. Abteilung gegen Nowawes und FTGB.- Wedding II gegen Bornstedt im Volkspark Rehberge.— In der 2. Gruppe spielen Chorlottcnburg-Schwimmer gegen Kretzin um 15 Uhr im Volkspark Rehberge und FTGB.-Spandau gegen FTGB.- Mitte um 16 Uhr in Spandau, Seeburger Straße. Bei den Frauen spielt nur Wedding I. gegen II. Mannschaft. Hier werden wohl die Platzvereine Sieger sein.— Im 4. Bezirk spielen FTGB.-Neukölln gegen Luckenwaldc-Sportler um 17 Uhr aus dem Herzbergplatz und Wilmersdorf gegen Schöneberg um 10 Uhr auf dem Fehrbclliner Platz. Bei den Frauen spielen Luckenwalde (2. Abteilung) gegen Luckenwalde(1. Abteilung) in Luckenwalde: Neukölln gegen Luckenwalde-Sportler auf dem Herzbergplatz um 13 Uhr und Schöneberg 1. gegen 2. Mannschaft auf dem Fehr- bellinor Platz. Schöneberg(Männer) und Neukölln(Frauen) sind sichere Sieger, während Neukölln(Männer) sich anstrengen muß, um Luckenwalde die Punkte abzunehmen. Spieltag in den Rchbergcn. Der Bezirk Wedding der FTGB. veranstaltet morgen. Sonn- l tag, im Stadion des Volksparks Rehberge, einen' W e r b ef p i e l- tag. Neben den Serienfpielcn hat sich die 1. Männermannschaft L e i p z i g- O st zu einem Rückspiel verpflichtet. Im August konnte Wedding das Spiel in Leipzig gewinnen, die Leipziger werden alles aufbieten müssen, wenn sie den Sieg mit nach'Hause nehmen wollen. Da beide Mannschaften als spielstark bekannt sind, so wird es für die Freunde des Handballjports ein gutes Spiel zu sehen geben. Es beginnt um 16 Uhr. «kestsdmft Nr. 6." Dieser Titel klingt formell und nüchtern. Wer aber die F e st- s ch r i f t des Arbeiter-Turn- und Sportbundes vom Nürnberger B u n d e s f e st sieht, wird mit großer Freude erfüllt. Auf 40 Seiten erscheint ein Bilderwerk von junger Kraft, schönheitlich in seiner Form, in der Mass« zusammengefaßt ein Zeichen imposanter Ge- schlossenheit. Der Arbeitersport hat in dieser Festschrift ein Kunst- wert von bleibendem Wert, das weitere Kreise interessieren wird. Ein Prachtwerk ist gleich das bunte Titelbild: die mit roten Fahnen einmarschierende Turnerinnengruppe bei den Massen- Übungen. Dann geht wie im Film das Fest an unserem Auge vorüber. Wer hat in Nürnberg alles sehen können? Das Versäumte können wir nun nachholen. Im Bild„Großmacht Arbeitersport" hat der Künstler ein Bilderpotpourri von Nürnberg und seinen Festtagen bunt ineinandergeschachtelt. Bundesredakteur Kreuzburg würdigt textlich kurz das Fest in seiner Bedeutung, im übrigen sprechen die Bilder für sich. Voraussichtlich werden weitere Kreise sich für diese Festschrift interessieren. Bestellungen wolle man an die bunde-treuen Arbeitersportverein« richten.(Preis 1,20 M.) Da ein großer Vorrat nicht vorhanden sein dürfte, ist umgehende Bc- stellung notwendig. Der Reichsverband Republikanischer Motorradfahrer, Ortsgruppe Berlin, Potsdamer Str. 45, II, veranstaltet seine diesjährige Schlußfahrt Sonntag, 13. Oktober, nach Königswusterhausen— Neue Mühle. Start 9 Uhr Treptow(Rathaus). Gäste herzlich willkoinmen. volkstanzkreis Prenzlauer Berg. Sonntag, 13. Oktober, vera» stalten wir im Altersheim, Danzig«r Str. 62, ab 19 Uhr einen Volks- lanz-Jugendtanz-Abend. Gäste find herzlich willkommen. So turnen Jungmädchen in den Arbeiter- Sportvereinen! * Ist das nicht vernünftiger als der Aufenthalt auf dem Tanzboden? Steuerbefreiung für vcrcinseigcne Bootshäuser. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt. Hot der Preußische Finanzminister am 16. September auf eine Eingabe des Ausschusses des Deutschen Ruderocrbandes folgende Antwort erteilt: „Di« neuere Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts hat mir Veranlassung gegeben, die Veranlagungsbehövden zu de- auftragen, Anträge der dem Verbände angeschlossenen Vereine auf S t e u e r f r e i st e l l u n g von Klub- und Bootshäusern von der H'a u-zinssteuer sorgfältig daraufhin zu prüfen, ob und in- wieweit die bisherige Veranlagung im Einklang mit der vor- erwähnten Rechtsprechung steht. Ich stelle ergebenst anheim, den Vereinen mitzuteilen, daß entsprechende Anträge an die Herren Vorsitzenden der Grundsteuerausschüssc(Preußische Katasterämter) zu richten sind. Zur Prüfung der Frage, ob die Vereine ausschließ- lich gemeinnützigen Zwecken dienen, ist die Beifügung der Satzungen in jedem Einzelfalle erforderlich. Ferner bedarf es des Nachweises, zu welchen Zwecken das Grundstück, insonderheit die einzelnen Räume der vorhandenen Gebäude, benutzt werden. Sofern und soweit d'e Anträge für begründet befunden werden, will ich gemäß 8 9 Abs. 1 der Houszinssteuerverordnung gen-h- inigen, daß die Steuer bzw. die Mindersteucr gegenüber der bis- herigen Veranlagung für das Rechnungsjahr 1929 e r l a I s e n wird, wenn die Anträge bis zum 31. März 1930 gestellt sind. Eine Erstattung von Steuerbeträgen für Vorjahre anläßlich der Be- richtigung der Veranlagung ist gesetzlich nicht zulässig. Eine Ergänzung des Runderlasses vom 9. April 1924— K V 2 1211—(Fin.-Min.-Bl. S. 97). betreffend Stundung der Grundvermögens st euer bei Grundstücken, die aus- schließlich der Pflege von Leibesübungen dienen, halte ich, auch im Hinblick auf �ie bevorstehende reichsrechtliche Regelung der Grund- fteuer, nicht für erforderlich. Daß der Runderlaß von den nach- geordneten Behörden nicht engherzig ausgelegt werden ist, beweisen die vielfachen Erinnerungen, d>e die Oberrechnungskammer bci der Prüfung der nach Maßgabe des Runderlasses gewährten Stun- düngen gezogen hat." Achtung! Fahrpreisermä$igung. Die vor einigen Wochen von uns gebrachte Notiz, daß die An- träge mif Fahrpreisermäßigung bis zum 15. Oktober neu eingereicht werden müssen, ist hinfällig geworden. Der Oberpräsident hat jetzt eine Verfügung erlassen, nach der all« blauen Ausweis« für das Jahr 1929 auch für das Jahr 1930 ihre Gültig- keit behalten. Jedoch müssen die Vereine, deren Verbände jetzt neu zur Zentralkommission gekommen sind(Arbciter-Anglerbund, Arbeiter-Keglerbund), Anträge aus Fahrpreisermäßigung einreichen. ebenso die Vereine, die im Jahre 1929 nicht eingereicht haben. An- tragsformular«, Führerausweife und die notwendige Bescheinigung der Zcntralkommission sind in der Geschäftsstelle des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege Verlin E. V., Berlin R. 65, Hoch- städter Str. 10, unentgeltlich anzufordern. I. A.: Robert Oehlschläger. Emil Bratke gestorben. Der Verein„Freie Schwimmer Groß- Berlin" und die gesamte Arbciterfchwimmbewegung hat einen schmerzlichen Verlust zu beklagen. Am Doynerstag, 10. Oktober, verschied nach jahrelangem Leiden der Parteigenosse Emil Bratke im 63. Lebensjahre. Er war es, der im Jahre 1897 den Arbeiter- fchwimmevbund ins Leben rief und den er als erster Vorsitzender fünf Jahre lang geleitet hat. 27 Jahre hindurch Hot er für den Schwimmsport gestritten und an feinem Auistiea mitgearbeitet. Vor- bildlich war seiiie unentwegte Treue für seinen Verein, dem er in den schwersten Jahren als Altersricgenleiter seine.ganze Kraft zur Verfügung gestellt hat. Bei der Einäscherung, die'Montag, 14. Ol- tober, st! 18 Uhr, im Krematorium Baumfchulenweg stattfindet, werden ihm viele seiner Schwimmgenossen und Freunde die letzte Ehre erweisen. Mctropol-Ring. Das Progranim für den Eröffnungsboxabend des Metropol-Ringes am 15. Oktober in der Bocklirauerei hat iol- gendes Aussehen:.Kracht-Hamburg— Nitschke-Berlin, Linke-Duis- b u rg— He rm a n n ss on- Wiesbaden, Bolze- Duisburg— Vogel- Berlin, Ulrich-Hamburg— Arlt-Danzig, Pistulln-Berlin— Suys-Belgien. Der Beginn der Veranstaltung ist auf 8lt Uhr fcstgesctzt, die Eintritte- preise bewegen sich zwischen 2 und 6 Mark. Der Trabrennverein Maricndorf veranstaltet Montag, 14. Ok- tobcr, 16 Uhr, Rennen in Mariendorf. Frei« Schwimmer Groß'Berlin. Einäscherung des Genossen Emil Brat5s am Montag, dem 14..Oktober, 17# Uhr, im Krematorium Baumschulenwcg. Sportkleidung. Donnerstag. 17. Oktober, 20 Uhr, Treffen der Techniker, Oo- lcute. Ordner und Arbeitskommission sowie der Gruppenleiter in Haleiqee. Kronprinzen dämm Ecke Bornimer Straße, zur Besichtigung des Lunabades. Freie Schwimmer Eharlottcnburg 0-1. E. V. Badcabende: Montag ab 19 Uhr und Donnerstag ab 2l Uhr. Badeanstalt Krumme Str. 10. Sonntag. 13. Oktober, Herbsivergniigen in Ählerts Festsälen, Berliner Str. 88.„Bcr. liner Ulktrio". Tonristenvorein„Die Ratnrfreundc, Gruppe Prenzlauer B«rg. Montag- 19� Uhr, FunktionärsisulNg bei Plath, Kopenhagen«! Str. 4b. Bezirkskartell Friedrichs Hain. Jahresversammlung des Dezirkskartctts findet nicht am 14. Oktober, sondern erst am 21. Oktober, löVa Uhr, Boxhagen:p Straße 114. statt. Jahresbericht und Ztcuwahl der Kartelleitung. Freie Schwimmer Groh-Bcrlin. Montag, 14. Oktober, 20 Uhr, im Ge- werkschaftshaus, Versammlung aller Franen des Vereins. Siuzelfahrer 1. Krei«. Sißuna jeden 1. Donnerstag im Monat, 20 Uhr, im Berliner Klubhaus, Ohmftr. 2. Gäste willkommen. Freie Kauusahm.Immer einia" 1124. Anschrift: O. Meyer, Berlin 0. 17, Caprivtstr. 18. Sonntag. 13. Oktober. 9 Uhr, Abpaddeln vom Bootshaus Erkner. Mittwoch, 16. Oktober, 20 Uhr. Monetsversammlung im Vereins- lokal Jfcic Sonne", Lichtenberg, GUrte I. Ecke Dossestraße.