Morgenausgabe Ttr. 481 A 242 46.Iahrgavg «öch—a««»,.»»»«ach»»»«. w> Post»»,», Ol Sl. �nI»»4Nch«0 Pf,. P-ftzeUim,».»•* R PI» P«lldelt»ll,ebvhre». llu«l«>>d»- »d»n»«m«a» M. en Mon«. SM.e»r»»rti*«dchtM»,ch,„«, «ch|»«(mal. 6«nnia|f nk«»»»», «fum-l. Ilr tbtnkau»Sobtn fftr»«rlm ««► h» fionbel mU dnn tittl.35» «»">»' 5üuftn»rt«•Bfüogrä".Po« »nb und.Kinderfrnin»'. Ferner Itni�dulwn, und«Iffen-..Frnun» Dwime-.Technik.»Nck tu d«, Viichenvelt- und»Lugend-Vorioirt«� Nsriwer volksbla« Sonntag 15. Oktober 1929 Groß-Äerlin 15 Pf. Auswärts 20 pf. Sie«IMoalfli« StonparelllezeNe SO Pfenntz. Reflame�etle 5.— Reich». «ort.„Kletue Anzeige»� da» fettg». druckt» Wort Sü Pfennig(zulässig z»et settaedructte Worte), jede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« da» erst» Wort 15 Pfennig, jede» weiter» Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben rtfclen für zwei Worte. Vrbettsmarfl Seile 50 Pfennig. Familienanzetgen Zeil» W Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt« «eschäp Lindcnstrahe 3. wochentägltch von 8*/$ big 1? Uhr. Jentvaloesan der SoziawemoßvattLchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönboss 292—297 Telegiamm-Adr; Sozialdemokrat Berlin Vorwaris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto- Berlin 87 öSS- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellte» «nk> Beamten Wallstr Sb Dikionto-Gesellschast, Deposttenkasie Lindenstr. S. Die Partei im Kampf! Zur sozialdemokraiifchen Werbewoche. Der Deginn der sozialdemokratischen Werbewoche hat die Partei schon mitten im Kampfe angetroffen. Schon hat das Ringen um die G e m e i n d e w a h l e n eingesetzt. Zu- gleich gilt es. dem Angriff zu begegnen, den die Rechte mit ihrem Inflationsbegehren gegen die Republik und ihre erfolgreiche Außenpolitik unternommen hat. Unab- hängig davon hat sich der praußische Innenminister genötigt gesehen, einen Griff ins Wespennest zu tun, und den Stahl- Helm in Rheinland-Westfalen zu verbieten Das Verhalten der Reichs- wie der preußischen Staatsregierung zeigt, daß man nicht gesonnen ist, die Dinge soweit treiben zu lassen wie in Oesterreich, wo die Regierung zwar ein gewaltsames Vorgehen der cheimwehren zunächst verhindert hat, aber den praktischen Einfluß dieser gewalttätigen Bewegung anzuer- kennen genötigt ist. Glücklicherweise ist die Regierung in Berlin nicht eine Stahlhelmregierung, wie die Regierung in Wien, mehr aus Not als aus eigenem Willen, eine halbe Heimwehrregierung geworden ist. In die großen politischen Auseinand-'rsetz.ingerl ist nun die Affäre Sklarek hineingeplatzt. Eine Flut der Ver- leumdung umbrandet die Partei. » Um mst dem letzten zu beginnen: Selbst wenn alles wahr wäre, was in der feindlichen Presse über einzelne in der Der- liner Kommunalverwaltung tätige Sozialdemokraten zu- sammenoelogen worden ist, würde die große Sozialdemo- kratische Partei nicht aufhören, das zu fein, was sie ist. Es gibt in Deutschland nicht weniger als 46006 sozial- demokratische Gemeindefunktionäre, von denen eine ganz ungeheure Arbeit im Dienste des werk- tätigen Volkes geleistet wird. Bedenkt man, daß die Sozial- demokratie bis zur Revolution in dem größten Teil des Reiches von der kommunalen Mitarbeit beinahe ausgs- schlössen war, daß also dieses Heer von Funktionären nicht organisch angewachsen ist sondern in wenigen Iahren gleich- sam aus dem Boden gestampft werden mußte, so wird man die imposante Leistung, die da vollbracht worden ist, zu würdigen wissen. Auf der anderen Seite aber wird man auch verstehen, wenn da oder dort vereinzelte Fehlgriffe in der Besetzung wichtiger Posten vorgekommen sein sollten. Weil der„V o r w'ä r t s" einer hemmungslosen Ver- leumdungskampagne entgegengetreten � ist, haben die Verleumder von ihm behauptet, er wolle alles rein- waschen und begangene Verfehlungen decken. Das ist uns in keinem Augenblick eingefallen. Wir sind im Gegenteil der Meinung, daß es für Funktionäre der Partei nicht genügt, wenn sie in strafrechtlicher und beamtendisziplinärer Be- ziehung einwandfrei sind. Wir verlangen vielmehr von ihnen, daß sie sich der höheren und strengeren Der- p f l i ch t u n g e n bewußt sind, die ihnen ihre Vertrauens- ftellung innerhalb der Sozialdemokratischen Partei auferlegt, daß sie sich nicht nur nicht schuldig machen, sondern auch den bösen Schein meiden. Gesellschaftliche Intimität mit kapitalistischen Emporkömmlingen ist kein Zeichen guten Geschmacks, Gefälligkeiten von ihnen anzunehmen, verstößt gegen den Takt, den jeder sozialdemokratische Funktionär be- währen soll. Wo solche Gefälligkeiten einen größeren Umfang annehmen und wo Amtshandlungen vorliegen, die als Gegenleistungen zu deuten sind, ist die Grenze zur B e- st e ch u n g bereits überschritten. Würde in einem Einzelfall erwiesen sein— es ist n i ch t erwiesen—> daß ein sozialdemokratischer Funktionär dieser Grenze nahegekommen ist, ja sie überschritten hat, so müßten die schärfsten Konsequenzen gezogen werden. Aber so geht es freilich nicht, daß die Partei älles, was in der feindlichen Presse an Klatsch und Verleumdung gegen ihre Mitglieder aufgebracht wird, ohne weiteres als bare Münze zu» nehmen hat. � Mögen sie Hetzen! Je mehr sich ihre Hetze über- schlägt, desto klarer wird es den Wühlern werden, daß sie es mit nichts anderem zu tun haben als mit einem plumpen Wahlmanöver. Man sucht die Dinge so darzustellen, als ob Ereignisie wie der Betrug der Sklareks an der Stadt- dank in der„guten alten Zeit' nicht möglich gewesen wären. In Wirklichkeit ist die Geschichte der Kaiserzeit, vom Gründer schwind«! angefangen über den Zusammen- bruch der S a n d e n- B a n k e n bis zum Fall T i p p e l s- kirch eine Kette von Finanzskandalen gewesen. Das ist keine Entschuldigung für die Republik, von der wir als Sazi allste» oerlaugen, daß sie sich gegenüber der kapital ist*. schen Korruption widerstandsfähiger erweisen soll, aber es ist die berechtigte und notwendige Antwort an unberechtigte Ankläger. Geradezu grotesk aber ist es, wenn die Interessen- Vertreter der kapitalistischen Privatwirtschaft den Fall Sklarek für sich auszunützen versuchen. Wenn aus diesem Fall eine grundsätzliche Lehre zu ziehen ist, so ist es diese, daß die Gemeinwirischaft ihre Methoden zu ver- ' bessern und daß sie sich gegen dir kapitalistische Prioatwirt- ichaft schärfer abzugrenzen hat. Es ist die große Leistung der Sozialdemo- kratie in Berlin, daß sie wichtige Versorgungsgebiete der Ausbeutung durch die privatkapitalistische Wirtschaft entzogen hat. Diese Leistung aufrechtzuerhalten und sie zum Nutzen des arbeitenden Volkes immer weiter auszubauen. l das ist eine Ausgabe, die nur von der Sozialdemokratie ! vc-llvracht werden kann. » Es ist indes nicht bloß der Gemeindewablen wegen, daß i heute die Flut der Verleumdung gegen die Sozialdemokratie; so hoch spritzt. Die Sozialdemokratie stehi heute im Vor- kämpf gegen die Feinde der Republik. Es ist kein Zufall. daß der sozialdemokratische Reichsinnenminister S e v e r i n g ai? erster im Rundfunk die Lügen der Volksbegehrler zer- zaust hat, und es ist auch kein Zufall, daß der sozialdemokra- tische Innenminister von Preußen, G r z e s i n s k i, den ersten Schlag gegen eine uniformierte Rechtsorganisation getan hat, die sich nicht scheut, militärische Uebungen zur Vorbereitung des Bürgerkrieges abzuhalten. Die Entschlossenheit, mit der die Reichs- und Staats- regierung den Kampf gegen das gewissenlose Treiben derer um Hugenberg und S e l d t e aufgenommen hat, findet in der Masse der arbeitenden Bevölkerung die lebhafteste> Zustimmung. Daß sie auf der anderen Seile, der sie wohl etwas überraschend gekommen ist. die entgegengesetzten Gefühle auslöst, ist nicht weiter verwunderlich. Aus der Notlage, in der sie sich befindet, erklärt sich der kindische Versuch, eine Bewegung von der Macht und Größe der sozialdemokratischen dadurch auf- zuhalten, daß man ihr einen Sklarek-Skandal ans Bein bindet. In Vertennung dieser Größenverhälwisse bedient fich die Rechtspresse dankbar des„Materials', das ihr von der kommunistischen Presse aus immer vollen Kübeln geliefert wird. * Für jeden aber, der etwas weiter zu sehen vermag, al» bis zu der eigenen Nasenspitze, ist es klar, daß in der well- geschichtlichen Auseinandersetzung zwischen Demokratie und Diktatur, zwischen sozialistischer Gemein- Wirtschaft und kapitalistischer Privatwirt- s ch a f t die Kleiderrechnungen der Firma Sklarek nicht die entscheidende Rolle spielen werden. Wer erkannt hat, daß Republik und Demokratie rungenschaften der Arbeiterklasse sind, die geschützt weiden müssen, und wer sich dessen bewußt ist, daß jeder Fortschritt der sozialistischen Gemeinwirtschaft, besonders auch auf dem Gebiete der Kommunalverwaltung, für die Massen der arbeitenden Bevölkerung moralischen und materiellen Ge- winn bedeutet, wer, unbeirrt vom Lärm und Skandal des Tages, die großen Ziele einer neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung vor sich sieht, der ge- hört in bk Reihen der Sozialdemokratischen Partei. Die Sozialdemokratische Partei beansprucht weder für sich noch für ihre Mitglieder Unfehlbarkeit. Sie kämpft nicht nur nach außen. Ihr ganzer Werdegang ist ein unausgesetztes Ringen mst neu auftauchenden Problemen, ein fortgesetztes Sichorientieren an neuen Erscheinungen, ein Lernen an neuen Erfahrungen und— es sei offen ausgesprochen— an fremden und eigenen Fehlern. Viel, Hunderttausende stehen in ihr mit reinem Willen und heller Begeisterung für ihre großen Ziele. Daß dieser Wille, diese Begeisterung heute so lebendig sind wie noch je, davon wird die Arbeit, die die Genossen in Berlin und im Reich in diesen Tagen leisten werden, neues Zeugnis ablegen. Die Sozialdemokratie steht heute mitten im Kampf. Der Kampf ist ihr aber immer noch gut bekommen. Unsere Feinde werden zu ihrem Leidwesen erfahren, daß es auch diesmal nicht anders sein wird! Llniernehmer gegen Genf. Sie verlassen geschloffen die Arbeiiskonferenz. Genf. 12. Oktober.(Eigenbericht.) Di« Plenarverfammlung der Scefchiffahrts-Konfe- renz gelangte am Sonnabend' nicht zu etner Llbstimmung über die Arbeitgeberresolution. Um sechs Uhr wurde die Nachmittags- sitzung auf Wunsch der Arbeitgeber unterbrochen, weil sie über die an sie gerichteten Aufforderungen, ihre Resolution zurück- zuziehen, beraten wollten. Aus der ursprünglich verlangten viertelstündigen Berotungszeit wurden fast IVs Stunden. Schließlich erschienen die Arbeitgeber im Saal und forderten eine neue Sitzung um zehn Uhr abends, da sie noch nicht z« einer Einigung gelangt seien. Mit 42 Stimmen der Unternehmer und der meisten Regierungen, darunter der deutschen, gegen 40 Stimmen, vor allem der Arbeitergruppe wurde ihnen diese Nachtsitzung zugestanden. In der Debatte zeigte sich die Schwäche der Unternehmer. Position mit aller Deutlichkeit. Nur wenige Unternehmer ergriffen noch das Wort, um das Austreten ihrer Gruppe gegenüber de» Angriffen der Arbeiter und der Regierungsvertreter zu entschul- digen. Sie mußten sich harte Worte sagen lassen. Mit sehr treffenden Worten wies der Vmreter der französischen Seeleute die Anzweiflung der Kompetenz der englischen Arbeitervertreter durch die Unternehmer zurück. Er betonte, daß die Arbeitergruppe eine größere Anzahl wirklicher Seeleute hätte, als die Unternehmer- gruppe wirkliche Reeder.„Infolge unserer modernen kapitalistischen Gesellschaften habe» wir vor uns kein« wirklichen Reeder, sondern Auge st ellte dieser kapital! st ischen Gesellschaften. Der wirtliche Hintergrund der Frage ist nicht, daß die englischen Arbeiterorganisationen nicht ihre Kompetenz bewiesen haben, sondern man will, daß eine andere Organisation die Vertreter bestimmt, nicht weil sie kompetenter wäre, sondern weil sie in Stoße mit de» Reeder» zusammenarbeitet und die Jäter- essen der letzteren fördert.' Von der Regierungsbant dieselbe vernichtende Kritik an dem Verhalten der Arbeitgeber, ver holländische Reglerungsvertreter wies nach, daß es nach dem Statut die Unternehmer gar nichts anginge, wer als Vertreter der Arbeiter bestimmt sei. Der Rcgierungsvertreter Englands teilte mit, daß die meisten der englischen Arbeitersachverständigen täglich und stündlich seemännische Verhandlungen führten. Die englische Regierung steh« in dieser Frage voll und ganz hinter dem Gewerkschastsbund. Thema» riet den Arbeitgebern ihre Resolution zurück- zuziehen. Es sei keine Resolution der Zusammenarbeit und des sozialen Friedens, sondern eine Kampfansage. Es sei Nicht wahr, daß nur 50 Prozent der Welttonnage auf der'Konferenz vertreten fei. Mit de? Vertretung Englands sei die englische Handelsflotte «zf jeden Fall repräfentiert. Oer Llnlernehmeranirag abgelehnt Genf, 12. Oktober.(Eigenbericht.) In der Rachtsitzu'ng der Arbeitskonferenz wurde mit großer Mehrheit sofort die Diskussion geschlossen. Die Unternehmer erklärten kurz, daß sie die Vermittlungsvorschläge, die u. a. von Thomas gemacht worden seien, nicht annehmen könnten und auf einer Ab- stimmung über ihre Entschließung bestünden. Di« Entschließung der Reeder wurde darauf in namentlicher Abstimmung mit 64 gegen 24 Stimmen abgelehnt. Für die Entschließung stimmten ge- schlössen die Arbeitergruppe und einer der beiden schwedischen Regie- rungsdelegierten. Die Sitzung wurde daraufhin geschlossen. In private» Unterredung«» erklärte» verschiede« Stecdar, darunter der deutsch«, W« Konferenz mm nicht mehr betreten zn wollen. Den endgültigen Beschluß darüber wollen die Reeder in einer Fraktionssitzung fassen, die sofort nach Schluß der Sitzung begann. Oie Ltnternehmer verlassen die Konferenz. wiederholter kräftiger Applaus aus dem Zimmer, in dem die Arbeilgebergruppe ihre Sitzung abhielt, verriet schon im voraus, daß man dort drinnen den starken Mann spielen werde. Ilach vierlel- slündiger Sitzung erschienen die Reeder und erklärten der presse, daß sie geschlossen die Konserenz verlassen. In einem Schreiben soll der Konferenzleilung diese Talsache mitgeteilt werden. Die Konserenz wird aus jeden Fall weiterge- führt. Die Arbeiter behalten ihr Stimmrecht, da sie statuten- gemäß von den Regierungen ernannt worden find. Wie Quaah kniff. Feststellung Oed Rundfunks. Die Reichsrundfunkgesellschaft gibt bekannt: 1. Es ist unzutreffend, daß der Reichsausschuß für dos Bolksbegehren sich an sämtliche deutsche Sender mit dem Ersuchen gewandt l>at,„Rednern sür das Bolksbegehren das gleiche Recht wie den Gegnern einzuräumen und ihnen Gelegenheit zu geben", das Bolksbegehren vor den Rundfunkhörern zu begründen. Dieses Der- langen ist nur an die Rundfunkgefellschaft„Deutsche Welle" in Berlin gerichtet worden. 2. Die„Deutsche Welle" hat dies«« Verlangen keineswegs abgelehnt, sie hat sich vielmehr im Einoernehmen mit dem bei ihr eingesetzten parlamentarischen Ueberwachungsausschuß, dem auch zwei Abgeordnete der Deutschnationalen Bolkspartei ange- hören, mit dem Reichsausschuß dahingehend verständigt, oaß der dem Reichsausschuß angehörende Abg. O u a a tz sich mit Georg Bernhard über die finanz- und wirtschastspolitische Seite des Voung-Planes vor dem Mikrophon auseinandersetzen sollt«. Der zu einem vorbereitenden Gedankenaustausch mit Georg Bernhard in das Bureau der„Deutschen Welle" eingeladene Abg. Quaatz fand sich zur verabredeten Zeit ein. Ihm mußte mitgeteilt werden, daß der Direktor der„Deutschen Welle", Professor Schubog, dienstlich verreist sei, daß ihn aber der amtliche Stellvertreter des Direktors zusammen mit Georg Bernhard envcrrtete. Abg. Quaatz hat jedoch diese Unterredung abgelehnt. 3. Die Vorträge über daö Voltshegehren, die oon verschiedenen Mitgliedern des Reichskabinetts und der Regierungen über den ge» samten deutschen Rundfunk verbreitet werden, sind als amtlich« Auflageoorträge zu betrachten, die nach den sür den Rund- funk geltenden amtlichen Bestimmungen„unverzüglich, unverkürzt, unverändert und unentgeltlich" oerbreitet werden müssen. Lügenkampagne für das Inflationsbegehren. chugenberg läßt durch seinen Reichsausschuß behaupten, daß'die preußische Kriminalpolizei nach ihren eigenen An- gaben bei der Schließung der Stahlhelmlokal« in Rheinland und Westfalen auf ausdrückliche Anordnung auch Werbe» ,na erial für das Volksbegehren habe beschlagnahmen müssen.„Eine große Anzahl von Zeugen" könne beweisen, daß die Beamien der Polizei schriftlich beaustragt gewesen seien, dieses Werbe- »mi erial mitzunehmen. Beide Behauptungen sind falsch und zum Zwecke der Propaganda gegen die Reichsregierung in die Welt gesetzt worden, denn der Brief an den Reichsiirnemmnister, in dem dies« Behauptungen ausgestellt werden, ist der Volksbegehrenpresse bereits übermittelt worden, ehe«rübec Haupt zurPost gegeben war. Der Reichsinnenminister und der preußische Minister des Innern haben die ihnen unterschobenen Anordnungen weder miinb- lich noch schriftlich erteilt. Abgesehen davon hat kein Kriminal- beainter bei der Schließung der Stahlhelmlokale behauptet, daß er von Berlin aus beauftragt sei, auch Material für das Volksbegehren zu beschlagnahmen. Wozu auch? Was lhugenberg an Lügen- Material in die Welt setzt, dürfte den Berliner Amtsstellen bis auf das Letzte seit langem bekannt sein. Die Behauptungen der Rechtspresse, daß in Pommern Samm- langen für das Volksbegehren und Geld und Listen beschlagnahmt worden seien, ist ebenfalls erstunken und erlogen. Die Oolchstoßlüge. Hugo Haafe über den Matrosenaufstand November �918. Im Berlage von O t t« n s- Berlin-Frohnau ist eine Biographie Hugo Hasses erschienen, die von seinem Sohn Ernst Hause ver- faßt ist. Das Buch, das an den nahezu zehnjährigen Todestag Haasts, den 7. November, erinnert, enthält eine Reihe interessanter Briefe, die der verstorbene Führer der Unabhängigen Sozialdemo- tratischen Partei an seine Familienangehörigen und Freunde gerichtet hat. Darunter befindet sich folgender Brief Haasts an seine Frau: Berlin, den 4. November 1318. ... Entsetzlich ist ja, daß das Gemetzel seit dem Waffenstill- standsangebot jetzt schon einen Monat andauert. Die Bedingungen, die Oesterreich auserlegt worden sind, liefern Oesterreich-Ungarn ganz der Entente aus, die damit in bedrohliche Nähe Deutschlands rückt. Jetzt noch an Fortsetzung des Krieges zu denken, bedeutet Verbrechen in höchster Potenz. Für Dich und die Kinder teile ich noch folgendes mit: Die Hochseeflotte sollte in den letzten Tagen einen Angriff inachen, um einen Sieg davonzutragen oder „in Ehren" unterzugehen. Die MatVosen weigerten sich mit der Erklärung, zur Abwehr eines Angriffs seien sie bereit, zu einer wahnsinnigen Offensive nicht. Sie seien lange jjenug im Kriege, es müsse Schluß gemacht werden. 3ch bin von dieser uns oon beteiligter Seite mit allen Einzel- heilen derichtelen Meuteret überrascht, wir halten auch von einer Gärung in der Flotte nichts gehärl. Es handelt sich um eine impulsive Eruption, die symplomalisch ist... Dieser unter dem Eindruck der ersten Nachrichten geschriebene Brief des Parteiführers an seine Frau zerreißt endgültig das Lügen- gewebe, das von den Urhebern der Dolchstoßlegende um die Entstehung des Matrosenaufstandes vom November(918 gewoben worden ist. Die wirklichen Tatbestände sind ja schon:m parlamentari- schen Untersuchungsausschuß des Reichstags ziemlich vollständig auf- gedeckt worden. Haasts Brief bietet eine unwiderlegbare Bestätigung der Auffassungen, die dort von den Sozialdemokraten oertreten worden sind. Reucs kommunistengefechl in Stockholm. In ein Lokal der hiesigen Moskauer Kommunisten drangen am Freitag etwa 50 linksradikale Kommunisten ein und richteten schwere Verwüstungen an. Später versuchten die Linkskommunisten die Redaktion des Moskau treu ergebenen Organs zu stürmen. Sie wurden jedoch oon dem Personal und der von den Moskauern herbeigerufenen Polizei zu» rückgeschlagen. Die streitenden Brüder gingen mit Stöcken und Stuhlbeinen gegeneinander los.. Regierung und Gemeindswahlen. Anordnungen zur Durchführung. Der preußische Minister des Innern hat in einem Runderlaß vom 4. Oklober d. I. folgende Anordnungen zu den Kommunal- wählen getrosten: I. Aenderung der Gemeindewahlordnung. Der Z 91 Nr. 2 Satz 2 der Wahlordnung wird wie folgt geändert: Zur Bildung des Wahlausschusses beruft der Vor- sitzende möglichst unter Berücksichtigung der verschiedenen Par- toten aus den zur Amtsvertretung wahlberechtigten Gemeinse- angehörigen 4 oder 6 Beisitzer und die gleiche Anzahl von Stellvertretern. II. Verbindung der Wahlen. In dem Runderlaß vom 25. Juli d. I. betr. die Verbindung der Wahlen erhält Rr. 1 Abs. 2 folgende Fassung: Bei Gutsbezirken und bei Gemeinden, in denen keine Gemeindevertretung, sondern nur eine Gemeinde o e r s a m m- l u n g besteht, bestimmt der Kreisausschuh die Abstimmungs- bezirke und Wahlräume. Können Gutsbezirke oder Gemeinden ohne Gemeindevertretung nicht für sich einen Abstimmungsbezirk bilden, weil anderenfalls durch die zu geringe Zahl der Wahl- berechtigten das Wahlgeheimnis gefährdet werden könnte, so ünd sie durch den Kreißausschuß einem benachbarten Abstimmungsbezirk zuzulegen. HI. Klärung von Zweifeln. Zur Klärung von Zweifelsfragen wird bemerkt: 1. W a h l s ch e! n e. a) iDe Voraussetzungen, unter denen für die Wahlen zu den Gemeindevertretungen ein Wahlschein erteilt werden kann, sind in Z 3 Abs. 3 des Gemeindewahlgesetzes vom 9. April 1923 in Gesetzsammlung 1324, S. 99, gesetzlich abschließend geregelt. Eine Erweiterung des Kreises der Wahlschsinlnhaber namentlich zugunsten von Krankenhausinsasfen usw. ist deshalb im Wege einer Ergänzung der Wahlordnung nicht möglich. b) Bei der Erteilung oon Wahlscheinen für die verbundenen Wahlen ist selbswerständliche Voraussetzung, daß nur ein Wahlschein ausgestellt wird. Für welche Wahlen dieser Wahlschein auszustellen ist, hängt von dem Antrage des Wahl- berechtigten und dem Umfange seiner Wahlberechtigung ob. 2. Wahlhandlung. a) Durchführung der Wahl in kreisfreien Städte». Der Anregung, in kreisfreien Städten die Abgabe der Stimmzettel für die Stadtverordnetenwahl und die Prooinzial- landiagswahl in einer Wahlzelle, gleichgültig ob in einem ein- zigen oder in getrennten Wahlumschlägen, zuzulassen, kann nicht stattgegeben werden. Bei der Abgabe der Stimmzettel in einem Wahlumschlag würde der Wahlvorsteher insolge der Ver- s ch i e d e n h e i t der Voraussetzungen der Wahlberechtigung für die beiden verbundenen Wahlen durch die hiernach erforderliche Prüfung bei Ausgabe der Wahlzettel übermäßig belastet und die Wahlhandlung erheblich verzögert. Bei der Abgabe der Stimmzettel in getrennten Wahlumschlägen würden zahlreiche Verwechselungen und demzufolge die Ungültigkeit zahlreicher abgegebener Stimmen zu besorgen sein. b) Wahlumschläge. Geringfügige Abweichungen von der für die Provinziallandtage und Kreistage vorgesehenen Größe der Umschläge sind unter der Voraussetzung, daß n jedem Abstimmungsbezirk einheitliche Umschläge benutzt werden, zulässig. c) Die Bestellung der Amtspersonen erfolgt ebenso wie die Berufung von Hilfsarbeitern gemäß 8 102 der Gemeindewahlordnung durch den Gemeindevorstand. ck) Getrennte Ermittlung der Männer- und Frauen st immen. Eine getrennte Ermittlung der von Männern und Frauen abgegebenen Stimmen ist nur zulässig, wenn die Wähler- listen nach dem Geschlecht getrennt angelegt sind und die Wahlen gleichzeitig an zwei verschiedenen Wahl- tischen in demselben Wahlraum oder in zwei verschiedenen Räumen desselben Gebäudes oder in zwei verschiedenen Ge- bäuden vorgenommen worden sind. -Die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen zugunsten anderer Verjähren(besondere Bezeichnung der Wahl- Umschläge; Benutzung mehrerer Wahlurnen) kann nicht in Erwägung gezogen werden, da die Wahlordnungen eine Ermächtigung zur Genehmigung derartiger Ausnahmen nicht enthalten. Unser« Parteigenossen, die an der Durchführung dieser wichtigen Wahlen beteiligt sind, werden gut tun, die vorstehenden Vestim- mungen zu beachten. Nach Gtresemanns Tod scheut seine Partei Gchwarzrotgold. Di« Deutsche Bolkspartei wollte in Mannheim Mitte Oktober ihren Parteitag abhalten. Zu diesem Zweck hat der Generalsekretär Wolf des üondesoerbandes Boden ein Rundschreiben erlassen, in dem es u. a. heißt:„Gleichzeitig bitte ich Sie höflichst, um eine einheitlich« Beflaggung zu gewährleisten, anläßlich des Reichsportei- tages nur die Flagge Badens und die jeweilige Stadt flagge zu fetzen." Aus diesem Schreiben spricht die Scheu der Deurschen Volkspartei vor der Reichsflagge. Die Verhetzung der höheren Schüler. In dem staatlichen Gymnasium m Kreuznach war am Tag« nach dem Tode des Reichsaußenministers auf der Tafel einer Klasse zu lesen:„S t r e s e m a n n weg. Gott sei Dank und Bravo." Gegen diese Erbärmlichkeit rührte sich unmittelbar nach der Tat weder der Direktor noch veranlaßte das Lehrerkollegium die Fest- stellung des Tälers. Erst viele Tage später, nach der Ver- öffentlichung m der sozialdemokratischen Presse, haben sie sich geregt. In einer Erklärung bringen sie jetzt ihre Entrüstung über die Tat zum Ausdruck und geben ihrer Ueberzeugung dahin Ausdruck, daß es sich nur um d«n Roheitsakt eines einzelnen Schülers handle. Inzwischen hat sich das preußische Untorrichtsmini- sterium des Falles angenommen und Bericht eingefordert. Münchener Redefreiheit. Für rechtsradikale Mordhehe. Der Nürnberger Hitlerianer Julius Streicher, der schon wiederholt wegen verleumderischer Beleidigungen zu längeren Ge- fängnisstrafen verurteilt wurde, sagte, im Münchener Bllrgerbräu- teller redend: Man darf sich nicht über den frühen Tod Stresemanns wundern, denn bei einem so guten Leben, wie es Strese- mann geführt hah kommt der Tod immer früher. Die Kopf- bildung Stresemanns ist der Schlüssel zu seinem Handeln. Das Mongok«ngesicht hat die Btrschlagenhekt offen kund getan. Er wird jetzt als großer Europäer bezeichnet, aber da» ist gleichbedeutend mit Verräter und Werkzeug der Juden. Der Jude ist seit urdenklichen Zeiten geborener Verbrecher Wep in der Republik den Nachweis erbringt, daß er ein Gauner ist. der kann Minister werden, vielleicht später, wenn einmal der Präsidentenstuhl frei ist, auch Reichs- Präsident. Erzberger und R a t h e n a u sind nickt ermordet. sondern getötet worden. Die Täter sind keine Mörder, sondern ganze Kerle. Bisher hat sich weder ein Poiizeibeamter noch ein Staatsanwalt gefunden, der gegen dies« Aufreizung vorgegangen wäre. Da» Bei« spiel dieses Streicher zeigt, wie notwendig die Verabschiedung des neuen Republikschutzges'etzes ist. Dennoch»Einheitslisten�! Den Bestrebungen bürgerlicher Parteien, bei den bevorstehenden Kommunalwahlen«ine Einheitsfront gegen die Sozialdemokratie zu bilden, hat sich neuerdings auch der Verband der Preußischen Land« gemeinden, Kreis Lebus, angeschlossen. Dos Organ des Landbundes für den Kreis Lebus berichtet darüber in seiner Rr. 39: „...Für die diesmalige Kreistagswahl haben sich zu einer Einheitsliste zusammengeschlossen: die Deutschnativnal« Volks- pari«, die Deutschvölkische Freiheitsbewegung, die Voltspartei, die Wirtschaftspartei. der Krcisgewerbeoercin, der Gewerbeocrein Fürstenwalde, der Gewerbebund des Oderbruchs(Letschin), Ge- werbeoerein Müncheberg, der Haus- und Grundbesitzerverein des Krejses, Vertreter der Beamtenschast und Angestellten, Der- band der Preußischen Landgemeinden, Kreis- abteilung Lebus. der Stahlhelm und der Landbund Der Zusammenschluß ist erfolgt unter dem Namen„Heimatliste für Stadt und Land". Wir sehen also, daß sich die breitest« Front aus dieser Liste zusammengefunden hat." Der Landgemeindeverband, Kreis Lebus, befindet sich danach in der Gesellschaft notorischer Putschisten, was für den Land- gemeindetag als einen amtlichen Verband von Interesse sein dürfte. Arbeiismarkikrise in Sachsen. Hilfe vom Reich verlangt. Die„Sächsische Staatszeitung" hat einen scheinbar offiziösen Artikel veröffentlicht, nach dem in Sachsen heute die Arbeits- l o s i g k e i t doppelt so hoch sei als im Reich Auf Sachsen fallen mehr als ein Siebentel aller Arbeitslosen des Reiches. Be- sonders schwer betroffen seien das Vogtland, Teile des Odersrz- gebirges, die Lausitz, das Gebiet Glauchau-Merane, sowie die Textil- und Maschinenindustrie im Chemnitzer Bezirk. Hilfe vom Reich sei notwendig, wenn der Wohnungsbau weiter gefördert und Notstands- maßnahmen eingeleitet werden sollen. Die sächsisch« Regierung hat mit der Reichsreglerung Verhandlungen eingeleitet, um von dort Abhilfe zu erhalten. Ein Bubenstück. Rachspiele zur Schwarzen Reichswehr. Major Buchrucker außer Verfo qung gefetzt. Die Große Strafkammer des Landgerichts II hat gemäß über- einstimmendem Antrage der Etaatsanwaltschast und Verteidigung die Einstellung des M e i n e i d s v e r f a h r e n s, das aus Anzeige des Reichswehrministcriums gegen Major a. D. Buchrucker ei»-, geleitet worden war, ausgesprochen. Der nunmehr außer Verfolgung gesetz'e Masor Buchrucker wird, wie der Berliner Gerichts- dienst erfährt, nunmehr den Spieß umdrehen und seinerseits gegen General Freiherr. n v. Hajnmerftein Wein- eitzsanzrig« erstatte«. Genosse Lairdtagsabgeordneter Otto Meier schreibt uns: Die„Welt am Abend" vom Sonnabend bringt unter der Heber- fchrift„Mein Freund"«inen Artikel infamierenden Inhalts gegen den Genossen Bürgermeister Fritz Schneider, der mit„Otto Meier" gezeichnet ist. Der Attikel besaßt sich in niederträchtigster Weise mit den persönlichen und familiären Verhältnissen des Genossen Schneider und bezieht sich auch aus unser früheres engeres Zusammenarbeiten in der USPD. Es soll damit zweifellos der An- schein erweckt werden, als stamme der Artikel oon mir. Das i st selbstverständlich nicht der Fall. Ich beschränke mich lediglich aus ein« Feststellung dieser Tatsache und verzichte aus eine Berichtigung in der„Welt am Abend", die hier ganz zweisellos Miß- brauch mit meinem Namen getrieben hat. Aus eine solche aus- gemochte Büberei gibt es eigentlich nur eine Antwort! Aber auch von ihr sehe ich aus dem Gefühl körperlicher S:n:der?eit heraus ab. Otto Meser. Tjchiftcherlns Urlaub verlängcrl. Di» Sowsstreglerunz b j dem Ersuchen des Baitskomnr ssar» Ts.Mischenn, der sich äugend in einem deutschen Bad aufhäl, um Berlänzerunz des llr� 3 zum 1. Jabuar 1930 stattzuzeben. Mit der Führung der G.s'ä c des Außenkommissars wird Litwinow weiter betraut. Ferner wich erklärt, daß ein Nücktrittsgesuch Tfchitscherins erst nach Zusammen- tritt der Tagung des Bollzugsrats im November erfolgen könne. Milchkarkn! In Moskau sind neuerdings auch Milchkarten zum Bezug von Kindermilch«ingeführt worden. Kinder biß zum 12. Lebensjahr» erhallen täglich& Liter Mllch. Ltrteil im Oppelner Prozeß. Hakenkreuzler wegen LanvfrtedenSdruch verurteilt. Oppeln, 12. Ottober. 3n dem Oppelner Prozeh gegen die hakenkreuzler wegen des llcberfalls aus die polnischen Schauspieler wurde Sonnabendmiliag nach sechslögiger Verhandlung und dreieinhalbslündiger llrkells- beralung folgendes Urteil oerkündel: Die Angeklagten Polster, Nalewaja. Zentner. Nowak, Potstada, 5)aupt und Bernert werden des Landsriedensbruch, für schuldig erklärt. Es werden verurteilt: Ilalewa ja zu 8 Monaten, Zentner und Nowak zu je b Monaten, potstada und Haupt zu je 4 Monaten und Polster zu Z Monaten Gefängnis, Vernert zu einer G e l d ft r a f e von 150 M. an Stelle einer verwirkten Strafe von einer Woche Gefängnis. Die übrigen Angeklagten werden freigesprochen. Von den Freigesprochenen erhalten: Kaduk und Funke, zwei Zugendliche, eine Verwarnung. Die Kosten des Verfahrens tragen die verurteilten, für die Freigesprochenen die Staatskasse. Den Heldentaten dieser verhetzten Oppelner verdanken die Katto witzer Deutschen den Verlust ihres Theaters! Vor den Gaarverhandlungen. Beginn erst am 25 Oktober. Die Berhandiungsn über die endgültige Regelung der Saarfrage zwischen Deutschland und Frankreich, die bereits am kommenden Mittwoch einsetzen sollten, sind auf französischen Wunsch bis zum 23. Oktober verschoben worden. Dies« Verschiebung der Saarverhandlungen ist jedoch nicht etwa auf ein willkürliches Ber- jchleppungsmanöver der Franzosen zurückzuführen, sondern es ist von Paris der Wunsch geäußert worden, die Vorbereitungsarbeiten vor Verhandlungsbeginn so weit durchzuführen, daß die B e r h a n d- lungen dann ohne Unterbrechung zu Ende geführt werden können. Die kommenden Saarverhandlungen stehen in enger Verbindung mit der Annahme des Poung-Plans und dem haager Abkommen. Nach dem Versailler Vertrage sollte da» Saargebiet bis 1935 der deutschen Staatsoberhoheit entzogen bleiben und die Saar- bevölkerung sodann in einer Volksabstimmung entscheiden, ob es zu Deutschland zurück wolle oder den Anschluß an Frankreich suchen bzw. den gegenwärtigen Zustand aufrecht erhalten wolle. Da über die wahre Stimmung des Saargebietes auch in französischen Kreisen keine Unklarheiten herrschen, und der einheitliche Wille der Saarbevölkerung, zum Mutterlande zurück- zukehren, aller Well bekannt ist, wäre es nach der Verständigung in der Räumungsfrage sinnlos, die starre Form des Versailler Ver- tragsparagraphen aufrechtzuerhalten. Deutschland und Frankreich werden in den kommenden Ber» Handlungen in erster Linie die geschäftliche Seite des Saar- Problems zu diskutieren haben, da die politischen Dinge auch ohne eine DolksabstinWUNg vollkommen klar liegen. Ein wichtiger Punkt bei den Verhandlungen ist der Rückkauf der früher staatlichen Saargruben, die auf Grund des Friedensvertrages in französischen Besitz übergegangen find. Auch die handelspolitischen Fragen sind sehr wesentlich, da das Saargebiet zurzeit französisches Zollgebiet ist, Deutschland aber ein berechtigtes Interesse daran hat, die Saar wieder dem deutschen Zollgebiet einzugliedern. Auf der anderen Seite wird Frankreich als Gegenleistung besondere Zugeständnisse bei der Regelung des künftigen französisch- saarländischen Handelsverkehrs fordern. Zustizfälle. Gräfin Helga von Monroy stahl einem alten Diener 50 Mark, ihrer Tante den Familienschmuck, fälschte Ltrkunden usw.... ... und erhielt selbstverständlich mit Rücksicht auf ihre erstklassige persönlichkeit Bewährungsfrist. Waschfraupuficke, Mutter von fünf Kindern, hieß in der Wäsche ein Hemd und zwei Handtücher mitgehen. Bewährungsfrist mußte aboeiehnt werden, da die Ge« nannte über erstklassige Referenzen nicht verfügte. Palästina in Llnruhe. Strenge Gerichtsurteile.— Araber warten in London. Bethlen muß abdanken! Die ungarische Sozialdemokratie gegen die Reaktion. , Budapest. IL. Oktober. Der Landespartesausschuß der Sozialdemokratischen Partei beriet über die politische und wirtschaftliche Lag«. Schließlich wurde ein- stimmig eine sehr ausführliche Entschließung angenommen, die im wesentlichen besagt: Die oerhängnisoolle Wirtschastskris«, die das arbeitende Volt, Handel, Industrie und Landwirtfchast einer Katastrophe entgegen- treibt, ist auf die bisherige Politik der in Ungarn herrschenden Reakti.on zurückzuführen. Di« Wirtschaftskrise ist aber auch zu- gleich eine schwere politische Krise und wenn nicht rechtzeitig dem Volk die oolle Vereins-, Versammlungs-, Rede- und Presie- smheit gewährt, die Schwurgerichtsbarkeit und das allgememe, gleiche, geheime Wahlrecht wiederhergestellt wird, so geht das Land seinem Ruin entgegen. Das geplante neue hauptstädtische Gesetz bedeutet eine beispiellose Herausforderung der Arbeiterklasse und der demokratisch gesinnten Bürgerschaft. Ebenso erblickt die Parteileitung sowohl nach innen wie nach außen eine schwere Heraus- forderung in der Ernennung des Staatssekretärs Julius G ö m b ö s, „des säbelrasselnden, ultranationalistischen Fürsprechers des Rosien- schutzes", zum Landesoertsidigungsminister. Die Parteileitung er- klärt, daß sie gegenüber dieser Herausforderung alle ihre Kräfte zusammenfassen und auch vor der Anwendung der letzten Mittel nicht zurückschrecken werde, um die Rechte Budapests zu schützen und die„Niederlassung der schwärzesten faschistischen Reaktion" in der Hauptstadt des Landes zu oerhindern. Im letzten Teil der Entschließung fordert die Parteileitung die Negierung Bethlen zur Abdankung auf, um einer Regierung Platz zu machen, die das Land auf den Weg des Fortschritts und der Demokratie führen könne. Zum Kampfe für diese Forderungen wird die arbeitende Bevölkerung und die Bürgerschaft Ungarns aufgefordert. Macdonald im amerikanischen�undfunk CnglanS muß sich erst an die Flottenniinderuug g-wöhnen. New pork. 12. Oktober. Premierminister Macdonald hat in einer Rundsunkrede, die durch ganz Amerika verbreitet wurde, in beredten Worten die Amerikaner ersucht, Geduld zu haben, bis das englische Volk sich an die neuen Eesichtspun'te in der Frag? der Rüstungen zur See gewöhnt hgbe. Englands Marine, so sührty er u. a. aus, war(ijr die Engländer England selbst und das Meer war das Element seiner Sicherheit und E i'o'gcnhelt. Amerika wird für die Schwierigkeiten Verlländni? haben, die es kostet, das englische Volk dazu zu vir n'�n, di Sicherheit zu begreisen, die in einer Herabsetzung d«� Flotten rlistunxen liegt. Macdonald setzte sich im weiteren Ve.l'us dieser Gedankengänge mit Nachdruck dafür cin, daß die beiden Völker sich Woblwollen und Verständnis entgegenbringen. Insbesondere könnten die Amerikaner zur Schassung dieser Atmosphäre wohlwollenden Der- ständnisses beitragen, indem sie in Geduld warteten, bis dte�engkischen Gedankengänge in der Frage der Sicherheit sich dem durch die Be- grenzung der Seerüstungen geschaffenen neuen Stand der Dinge angepaßt hätten. Haifa, im Oktober(Eigenbericht.) Das Charakteristikum der S i t u a t i o n i n P a l ä st i n a ist all- gemein« Zerfahrenheit und Fortdauer der Nervosität. Alle Beteiligten sind sich zwar dessen bewußt, daß eine Aenderung der vor dem Pogrom bestehenden Situation unmöglich ist und daß Juden wie Araber weiter genötigt seiy werden in der bisherigen Bevölkerungs- Proportion unter der Herrschaft Englairds zu leben, dessen Eni- schlosienheit, das palästinensische Mandat zu behalten, überall als im-- abänderlich gilt. Trotzdem wird von keiner Seite etwas Ernfthaffes getan, dieser Tatsache Rechnung zu tragen. Das Bemühen der eng- tischen Verwaltung Palästinas ist offensichtlich einzig und allein auf die Wiederherstellung der englischen Autorität gerichtet und findet seinen Ausdruck im Bemühen, die Heißsporne auf beiden Seiten zu zügeln und in strengen Urteilen gegen die arabischen und jüdischen Akteure der Kämpfe. Das Hauptorgan der jüdischen Chauvinisten der„Doar Hajom" wurde wegen eines wüstem Hetzpoems auf zwei Wochen, drei arabische Zeitungen wurden wegen Verbreitung falscher Nachrichten auf unbestimmte Zeit oerboten. Die ausschließlich unter der Leitung englischer Funktionäre stehenden Spezialgerichte arbeiten mit Hochdruck und haben eine Reihe schwerer Strafen verhängt. Hierbei tritt die Tendenz zutage, die jeweilige Majorität vor Angriffen gegen die Minoritäl abzuschrecken. Infolgedessen fallen die Urteile gegen die Juden dort härter aus, wo die Araber in der Minderheit sitzen und um- gekehrt. Besonderes Aufsehen und Erregung hat da? Urteil gegen 35 Einwohner des bei Haifa gelegenen Dorses Tireh hervorgerufen. Sie waren beschuldigt,«inen Angriff auf Haifa geplant zu haben, der nur durch die Intervention eines englischen Fliegers verhindert wurdr Sämtliche Angeklagten wurden zu je fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Ein Versuch, gegen das Urtell durch einen dreitägigen Streit der arabischen Geschäjte zu protestieren, wurde van den lokalen Behörden durch die Drohung unterbunden, den Ladeninhabern die für die Führung des Geschäfts- betriebe? nötig« Lizenz aus einen Monat zu entziehen. Jedoch dauert der Boykott gegen jüdische Geschäfte namentlich in Jerusalem weiter fort. Der Versuch, den Kriegszustand durch«ine Fühlungnahme zwischen jüdischen und arabischen Führern zu liquidieren, hat bis jetzt nur teilweise Erfolg gehabt. Das Verdienst, die Initiative in der Boykottfrage aus jüdischer Seite ergriffen zu haben, gebührt den jüdischen Arbeiterorga- n i s a t i o n e n, auf deren Veranlassung sich der Jüdische National- rat, die politische Vertretung der polästinensischen Juden, gegen den Boykott ausgesprochen hat. Eine ebenso traurige wie n ä r r i s ch e Rolle spielen in der ganzen Angelegenheit die palästinensischen K o m m u ni st e n. Sie haben ursprünglich gegen die Parole, daß öic palästinensischen Unruhen eine revolutionäre Bewegung der Fellachen gegen ihre jüdischen'�usbeuler sind, mit schwächlichen Pro- testen reagiert. Nach kommunistischer H�psl.ygqnheit, hoben sie all- inählich auch diese Pille geschluckt und auf höheren Befehl eine Pro- paganda eingeleitet, die behauptet, daß auf jüdischer Seite große Arabermafsakers veranstaltet worden sind. In einer von der Polizei aufgehobenen Geheimversammlung ist bei den Teilnehmern für eine Greuelpropaganda in der europäischen Presse bestimmtes Material aufgefunden worden. Das Verhalten der Kommunisten hat unter der übrigen jüdischen Arbeiterschast große Erbitterung hervor- Piusen und es ist im Ans' luß daran wiederholt zu Zusammenstößen kommen. Bei einem Versuch im Kino des jüdischen Nrbeiteri>eims Ausruse zu verteilen, in denen gewerkschastlich organisierte Arbeiter der Spitzeldienste für die Polizei beschuldigt wurden, lst ein Kommuni st beinahe gelyncht worden Er konnte von der Polizei nur mit Mühe in Sicherheit gebracht werden.. Inzwischen geht der Kampf um die politischen Positionen weiter. Trotz ihrer eifrigen Bemühungen werden weder Juden noch Araber hierbei große Erfolge für die Erfüllung ihrer Sonderwünsche aufzuweisen haben. Ein Artikel Winston Churchills, der dl« palästinensischen Ereignisse in kausalen Zusammenhang mit den Vorgängen in A e g y pt e n bringt und der selbst die gemäßigte Potitit der, Arbeiterregierung im Mittleren Osten als zu radikal bezeichnet, hat hier wie eine kalt« Dusche gewirkt und die beiderseitgen Hoffnungen aus radkale Veränderungen des- bisherigen Zustandes getniltt. Nichtsdestoweniger beabsichtigl auch' i das Arabische Exekulivkomllee hen zionistisHen Bemühungen in London entgegenzunitrten. Zwei seiner Mitglieder Sidky al Dadschami und Muffa Kiasfim Pascha werden sich demnächst nach London begeben. Ein pro-> minenter Führer der palästinensischen Araber befindet sich bereits seit Beginn der Wirren in der englischen Hauptstadt, um einer arabischen Aktion durch eine Pießkampagne den Boden oorzn- bereiten und es heißt, daß die ,A tt a ck e der Rothermere- Presse gegen die englische Mandatspolitik Im Mittleren Osten auf seinen Einfluß zurückzuführen ist. „Llmbau" der liiauischen Oikküiur.. Kundgebungen für die neue Regierung.— Gegenkundgebungen für Wvidemaras. .Kowno, 12. Oktober. Der Parteitog der Regierungspartei(Tautininkai) hat der"euen Regierung Tubialis sein Vertrauen ausgesprochen. Auch die Organisation„Bauerneinheit" hat beschtossen, sich hinter tz.». neue Regierung zu stellen. Inzwischen geben aber di« Anhänger des gestürzten Ministerpräsidenten Woldemaras ihr Spiel nicht aus. Ein bisher dem Regierungslager angehörenden Blatt„Momentas" «mpsiehlt dem Staatspräsidenten Smetona ,mm des Wöhles' des Vaterlandes willen" eine Aussöhnung mit dem litauischen „Duce", wie das Blatt Woldemaras nennt. Ferner meldet dqsselbe Blatt, daß die O f f i z i e r e der Garnison Schausen in ihrem Kasino eme Demonstration für Woldemaras veranstaltet und seinem Bilde eine Ovation dargebracht haben. Wenn man serner in Betncht zieht, daß di« Schlitzenverbände sich einer klaren Stellungnahme in dem Streit zwischen der neuen Regierung und Woldemaras' entzogen haben, so erscheint die Lage noch ziemlich undurchsichtig und die Stellung der neuen Regierung nicht so gefestigt, wie der offijiqse „Lietuoos Aidas" sie gesehen wissen will. Dieses Blatt wendet sich in einem Artikel gegen alle„Zweifler und Kleingläubigen" und nennt den Staatspräsidenten Smetona einen Politiker, der den„Uni- bau ber Diktatur" erfolgreich durchführen werde. Denn mir, um einen Umbau und nicht um eine Krise der Diktatur handle es sich. Strafverfahren gegen Beffedvwsft. Die Auslieferung soll vsriantl werben. Moskau, 12. Dezember.(Amtlich.) I» Anbetracht der von dem ehemaligen Botschaftsrat Besse- b o w j t i begangenen Veruntreuung von Geldern der Sowjetbotschaft in Frankreich, hat das Außenkommissariat bei der Staatsanwaltschsst des Obersten Gerichtshofes der Sowjetunion um die Einleitung eines Strafoerfahrens gegen Bessedowjkl nachgesucht. BonAis- sichtlich wird es sich im Aerlause des Unterjuchungsverfahrens als notwendig erweisen, an die französische Regierung di« Forderung«uf Auslieferung Besiedowstis an die Somfetlehörden zu- ni i fa? Ca es sich um ein von einem Beamten be- A-tcübung seiner pflichten begangenes strafrechtliches Vergehen handelt Zeppelins Hollandfahrt.' Heute nachl aufgestieg-n.' Frledrlchshafe«. 12. Oktober. «Graf Zeppelin" lst heule gegen Mitlernachi zur Fahrt noch Holland aufgestiegen. KommmalpoM der Sozialdemskmiie. Gemewwirtschast in den Kommunen. R. Er. Halle. 12. Oktober.(Eigenbericht.) Die Reichskonferenz für Kommunalpolitik setzte heute ihr« Be- ratungen fort. Vor Eintritt in die Tagesordnung sieht der Kongreß den Werbefilm der Altonaer Genossen, der ihre vorbildliche Aufbauarbeit gibt. Vorfitzender Stelling begrüßt unter herz- lichem Beifall den wieder und hoffentlich dauernd genesenen Genossen P o u l L ö b« und verliest ein Begrüßungstelegramm Severings, der durch wichtig« Dienstgeschäfte am Erscheinen verhindert ist. Stadtrat Ernst Neuter-Äeriin resenert nun über„Gemeinwirtschaft in den Kommunen': Es verstehe sich von selbst, daß die öffentliche Wirtschast im Wahlkampfe s «ine große Rolle spielen werd«. Man müsse sich darüber klar sein, daß gewisse Skandalaffären von gewissen Leuten nicht auq Reinlichkeitsbedürfnis ausgebauscht werden, sondern daß es sich hier � um übelste W a h l m a ch e gegen die öffentliche Wirtschaft handelt. Die Gemeinwirtschaft der deutschen Städte und Gemeinden ist das � Produkt einer langen geschichtlichen Entwicklung, die Erweiterung der Gemeinschaft ist allen nwdernen Industrieländern m verschiede-| nem Grade und in verschiedenen Formen gemeinsam: sie ist die unvermeidliche Folg« der industriellen Entwicklung. Neben die> großen Versorgungsunternehmungen ist in zunehmendem Maße die Bodenvorratswirtschast und der Wohnungsbau der Gemeinden getreten. Aufmerksames Studium der' Entwicklung der öffentlichen Finanzen zeigt, daß d«r Bedarf an öffentlichen Geldern sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern hauptsächlich auf! die Gemeinden oerschoben hat. Unser« Gegner sagen oft, daß es in I Amerika keine wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hand gebe j und die Entwicklung dort einen ganz anderen Weg genommen Hab«. � Dem aufmerksamen Beobachter kann nicht entgehen, daß auch In Amerika die Entwicklung von der Prioatwirtschmt zur öffentliche»» Wirtschaft geht. Selbst in New Jork sind Anzeichen dafür vorhanden. In einer Demokratie ist es eben auf die Dauer unerträglich, daß größer« Prioatunternehmungen durch ausgesprochene Monopolwirtschast mit dem öffentlichen Bedarf Schindluder treiben. Man darf sich jedoch keinem Zweifel darüber hingeben, bah die Gemeinwirtschaft in der nächsten Zeit von den Anwälten des Privatkapitals mehr denn je bekämpft werden wird: sie fürchten das hineinwachsen der Arbeiterschaft nicht nur in die politische, sondern auch in die wirt- s ch a s t l i ch e Macht. Die Sozialdemok'-atie wird demgegenüber die öffentliche Wirtschaft mit allen Mitteln verteidigen und an ihrem Aufbau tatkräftig arbeiten. Unter allen Umständen muß der Steige- rung der finanziellen Belastung der Gemeindebetriebe unter dem Druck des derzeitigen unzureichenden Finanzausgleichs ein Ende gemacht werden. Die Gemeindebetriebe sollen zwar ange- mesien« Gewinn« abwerf.m, sie dürfen aber nicht zu einer IndirektenBesteuerungder Bevölkerung mißbraucht werden. Die private Wirtschaft versteht es glänzend, sich vor sogenannten Skandalen zu schützen, dort werden nämlich alle unsauberen Sachen im stillen Kämmerlein erledigt! Wir wollen von den technischen Fvrtschriten der Prioatindustrie lernen,-'-er wir werden darüber wachen, daß gewisse moralische Eigentümlich- kette«, wie sie bei der privaten Wirtschaft üblich sil»d. von der öffentlichen Wirtschaft ferngehalten werde«». Die Beratungsstelle für Auslandsanleihen führt lediglich einen Kampf gegen die wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden. Wir werden darüber wachen, daß es dem ausländischen Kapital nicht gelingt, in irgendeiner Form Machtpositionen der öffentlichen Wirtschaft zu erobern. Es gilt, die öffentliche Wirtschaft gegen alle Widersacher zu verteidigen. Sie ist das sichere Fundament einer vorwärts- drängenden Entwicklung. Mit ihr stehen und mit ihr fallen wir. Und da wir nicht fallen wollen, werden wir auf dem Wege des Auf- stiegs weiter voraneilen.(Stürmischer Busall.) Ucber die Bedeutung sozialdemokratischer Kommunalpolitik in Land gemeinden referiert Gemeindevorsteher Zimmer- Düneberg Er fordert für die Landgemeinden dieselben Betätigungsmöglichkeiten, wie sie den Städten gewährt sind. Di« Partei hat in der Gemeinde- Politik auf dem Lande ganz besonders wichtige Aufgaben. In der richtigen Gestaltung der Urzelle der Gemeinschaft, der Geineinde, liegt der Schlüssel zum weiteren Aufstieg der Arbeiterschaft. W:r der Partei dient, der dient auch dem Eemeindewohl. Nach kurzer Aussprache hierüber schloß Stelling die Tagung mit Dankesroorten an die Parteiorganisation Halle, die unter be- sonders schwierigen Umständen zu arbeiten gezwungen ist. Aber auch hier in Halle, das haben die zwei großen gestrigen Volkskund- gedungen bewiesen, ist der Aufstieg unaufhaltsam. Man kann mit Stolz auf die Verhandlungen der Reichskonferenz zurückbl cken. Im Wahlkampf werden unsere Taten für uns sprechen Mit dem Versprechen, daß die Sozialdemokratie weiter wie bisher alles daran fetzen wird, um in den Gemeinden. K:eisen und Provinzen vorwärts zu stoßen und dem Gelöbnis, alle Kräfte für einen Wahlsieg am 17. November einzusetzen, wurde die Konferenz unter Hochrufen auf die Partei geschlossen. Am Nachmittag besichtigten die Teilnehmer die Schulhaus- und Wohnungsneubauten der sozialdemokratisch geleiteten Land- gemeinde Unterteutschental. Von AolschewtstenblmdheiS geheil«. pauait Istraii und Eowjefrußland. Der Rumäne Panait I st r a r», Pioletari�r von Geburt und im Leben, später gefeierter Schriftsteller, Sowjetrußlands.ie- geisterter Anhänger, kam im Jahre 1926 aus Tinladung der Bol- schewisten nach Rußland, hier lebte er. von den Mächtigste» gefeiert und von den russischen Arbeiter» als ehrlicher Freund geliebt und geachtet. Am 1. Februar 1928 verlies er fluchtartig das gelobte Land. Und jetzt, anderchalb Jahre später, am t. Okiober 1929. veröffentlicht er in der Zeitschrift„La Rouvelle Revue Fran<:aife" einen Protestschrei gegen die Macht- und Gewalthaber Sowjetrußlands. In diesem Land, sagt er, geht es nicht mehr um Sozialismus, sondern um einen Terror, der da» Menschenleben als Material des Bürgerkrieges behandelt, dessen man sich für den Triumph einer neuen und ungeheuren Kaste bedient, die in den Fordismus, die Ameritanisierung, die Eoty-Produkte und die Pariser Toiletten vernarrt ist, ein« grausame, herrschsüchtige und kriegerische Kaste. die heute bereit ist, über ein China herzufallen, das wegt, sich von einer Konzession der Zarenzeit zu befreien. Den Anlaß zu diesem Aufschrei bot ein Prozeß, den Istrati während seiner Anwesenheit in Rußland mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu oerhüten suchte. Det Judo Russakow hatte sich im Jahre 196? aktiv an der revolutionären Bewegung in Roftow beteiligt und war nach Frankreich geflohen. Im Jahre 1919 wurde er gegen französisch« Offiziere ausgetauscht, und ließ sich in Leningrad nieder. Vater von neunzehn Kindern, Schwieger- vater des französischen Schriftstellers Victor Serges, der Lenins Werke ins Französische übersetzte, gründete er zwei Kinder- Häuser, und arbeitete selbst als einfacher Arbeiter in den Sowjet- fabriken. Ende Januar geschah nun das, was das Maß der Ent- täufchungen Istrati» voll werden ließ. Eine Freundin der Woh- nungslnspektorw Swjertksesewo, Mitglied de» Leningrad«? Arbeit«»» und Bauernrates, für ihre militärischen Verdienste mit dem Orden der Roten Fahne ausgezeichnet, gelüstete es nach der Wohnung Russakows. Swjertisejewa provozierte einen Zusammenstoß mit der Tochter Russakows, oersetzte ihr im Verlaus der Unterhaltung einen Faustschlag ins Gesicht und denunzierte den Dater am nächsten Tage in einem Artikel der Leningrader„Prawda' als floirtcr- revolutionär. Auf diesen Artikel hin wurde Russakow aus seiner G erver kschasl ausgeschlossen, aus der Fabrik entlassen und gegen ihn das gerichtliche verfahren eröffnet. Jetzt legte sich Panait Istrati für den alten Sozialisten Russakow ins Zeug. Er lief zu Kalinin, drohte mit öffent ichen Derfamm- lungen. protestierte wo und wie er nur konnte. Russakow wurde freigesprochen. Kaum hatte aber Istrati Rußland den Rücken ge- kehrt, als eine neue Verhandlung anberaumt. Russakow. feine Frau und feine Tochter zu Gefängnisstrafen verurlcilt wurden. Istrati i wandte sich tel:graphisch an den Oberstaatsanwalt in Leningrad mit der Forderung, auch ihn ins Gefängnis zu stecken. Dies der unbedeutende Gerichtsfall, der den rumänischen Bol- � schew.ste-isreund von seiner Bolschewistenoerblendung für immer , kuriert hat— in Wirklichkeit nur ein Duhendsall der sowjetrussischen Tustiz. Panait Istrati aber schreibt:„Dies ist das Gericht des proletarischen Vaterlandes. Dies ist seine Justiz. Sie trifft in unbarmherziger j Weise alle Russakows. die wagen, von der Linie abzuweichen. Sie ■ trifft sogar die ausländischen Revolutionäre, die sich in ihrem � Land zum Tode verurteilen ließen, als Verteidiger der Sowjetunion, und die das proletarische Vaterland für sich forderte und bei sich als feine besten Söhne aufnahm. Von einem Ende des Reiches zum andern, unter der Knute des faschistischen Kommunismus, stecken die Gefängnisse voller Russakows und anderer Menschen, die der Kommunismus zuerst für sich gebrauchte und dann Ins Gefängnis«varf... Ich verlasse die Sowjetunion elender als in den Zellen, da ich selbst noch einer dieser Arbeiter war. der unter allen Regimen zertreten wird. Die Menschen ausbeuten, sie mit einem schwarzen Stück Brot leben lassen, ihnen sogar das ärmliche Recht nehmen, aus- mucken zu dürfen, and dann den, der eines Tage» hiergeg.n aufschreit, nur schreit, ein wenig mehr als gewöhnlich schreit, e?i schießen lassen: das findet man nirgends auf der Welt, nicht ein- mal bei Mussolini.....* Oer kommunistische Marquis. Zellenbauer in seinem Artillerieregimenl. Paris, 12. Oktober.(Eigenbericht.) Ein merkwürdiger Kommunist stand dieser Tage in der Person des jungen Marquis Louis de Place vor dem Kriegsgericht in Epinal. Der Angeklagte, der aus«in«? be. kannten Offiziersfamilie stammt, hatte sich ein Vergnügen daraus gemacht, in die Kommunistische Partei eingutreten. Als er nun zum Militärdienst beim 120. Artillerieregiment eingezogen wunde, gründet« er in seiner Ballerie eine kommunistische Gruppe. Er erhielt dafür 18 Monate Gefängnis. Der adlige Kommunist ist übrigens nicht mehr ganz unbefcholt«. Vor et»va einem Jahre machte er einen Mordversuch auf seinen Schwiegervater, den Herzog Zeliez, der ihm seine kmnmunt- stischen Seitensprünge vorhielt. Damals ist er mit drei Mona« ten davongekommen. (Gewerkschaftliche» stehe 8. Beilage.)' VrrantwortNcy Mr Politik: Dr.«ort Scqrc; Wirtschaft:».«liatrlWMI Eeoartschafi-bewcgung: 3. Vteta«: Feuilleton: vr Z>d»«cht»»»,«: MoIM und Sonst:«» Ätili«arstidt:«iuKt«it: H.»loekri sitmtli» tz»rtli». Verlag: Vorwätts.Vetlag ffi. m.». H. Berlin Druck: Varn-zrto-Bnchdruckrr»» und Bcrlagsanstalt Paul Eing-r n. Co., Berlin SW.«8. LinSrnKrage iL Sierz» 6 Beilage»»nd„Untrrdaltuna-ad Wille»'. MW 25 000 METER Bedr. Waschsamt geköpert, neueste Muster und Farben, ca. 70 cm Köper-Velvet schwarz und f a r b I g, ca. 70 cm Wmb Relns. Crepe Satin schwarz und moderne Farben, E 90 erprobte Qualität, ca. 100 an Reinseid. 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Aber jedes Ding hat zwei Seiten— und hier soll einmal von der anderen Seite die Rede sein. Autos, Asphalt, Oreck. Wir Großstädter wandeln schon längst nicht mehr auf dem helligen Mutterboden der Erde. Aber auch die Annahme, daß wir aus Afphalt oder Pflastersteinen wandeln, erweist sich bei näherer Betrachtung als eine optische Täuschung. Zum mindesten muß uns die Straßenreinigung erst zu diesem Glück verhelfen, denn ohne ihr Eingreifen sind die Straßen Berlins immer von einer dünnen, aber zähen Schicht fcstgeplättcten Drecks überzogen. Dieser Dreck ist sozusagen unvermeidlich, er besieht zu einem Drittel aus zerriebenem Asphall, zu einem Viertel aus Sand, aus Ilugasche, zu etwa 20 Prozent aus organischen Stoffen und das vindewiltel für diesen lieblichen Brei Ist das vlinoralöl, das ständig aus den Autos tropft. Durch den Verkehr wird nun diese.Dreckschicht ständig auf das Pflaster geplättet— und die Straßenreinigung mag nun sehen, wie sie damit fertig wird. Bisher versuchte sie es durch die bekannten Wagen, dl« mit Sprengvorrichtung und Gummiwalze oersehen sind. Nun aber erhebt sich darüber ein großes Gejammer der Autobesitzer, und von Zeitungen, die auch ziemlich viel Inserate von Autofabriken haben, wird ein richtiger Sturm auf die Berliner Straßenreinigung inszeniert. Di« erkennt nun freilich an, daß der bestehende Zustand nicht schön ist, und will auch alles tun, was sie kann. Es wurde vorgeschlagen, die Straßen mit einer chemischen Lösung zu sprengen. die den Schmuh schneller löst und auch selbst schneller trocknet, wie reines Wasser. Darüber werden noch Versuch« angestellt— die bisherigen können nicht als geglückt betrachtet werden, denn die aus- geprobten Mittel„verseiften" den Schmutz, so daß die entstehend« Schmiere eine noch größere Gefahr bildete: aber es werden von der Straßenreinigung in engster Zusammenarbeit mit dem Material- prüfungsamt immer neue versuche angestellt. Dann wurde ge- fordert, die Straßenreinigung solle ausschließlich in den Verkehrs- freien Stunden geschehen, als in der Nacht oder am frühen Morgen. Das hört sich ganz plausibel an. Die Straßenreinigung versucht darum auch durch Verhandlungen mtt dem Betriebsrat «ine Vorverlegung der Arbeitsstunden zu erreichen. Aber auch das hat seine Grenzen, denn— die Straßenreinigung darf sich ja nicht nur nach den Wünschen der Herr«,, Automobllisten richten. Und von uns anderen hat es wohl jeder schon einmal als äußerst an- genehm empfunden, wenn zur Zeit der großen Mittagshitze ein Sprengwagen den glühenden Asphall kühlte und den Straßenstaub niederschlug. Es gibt ja auch berechSgte Interessen der nicht aulomoblljahrenden Bevölkerung, und wie sehr diese Interessen von Autobesitzern und Verkchrsgesellschaften zugunsten der Automobile manchmal vergessen werden, beweist der Vorschlag, bei beginnen- dem Regen scharfen Kies zu streuen— der natürlich durch den Berkehr ball» zu Staub zermahlen worden wäre und, eh« die Straßenreinigung ihn hätte beseitigen können, zu gutem Teil in die Lungen der Bevölkerung gewandert wäre. Im übrigen: es passieren im Großstadtverkehr alle Tage«in« gewisse Zahl von Unglücksfällen, an nassen wie an trockenen Tagen: An trockenen Tagen, so wird .zugegeben, können auch mal die Nerven eines Ehauffeurs oersagen, well scharfes Bremsen usw. Schuld trug. An feuchten Tage» ist es immer der„nasse, glatte Asphall". Außerdem aber könnten die Besitzer der Automobile auch gern etwas mehr zur Behebung der Gleitgefahr tun: Es braucht nicht jeder Reifen so lange gefahren werden, bis von Gleitschutz und Profilierung nichts mehr zu sehen ist— und die Chauffeure könnten bei nassem Wetter gern etwas vorsichtiger fahren— auch der Fußgänger muß sich ja an diesen Togen oftmals etwas schwer vorsehen. Handwerkszeug. Wo ist er hin. der Freund unserer Kindertage, der liebe. Herr- llche rote Sprengwagen mit seiner gemütlichen, roten Tonne?! Nicht mal als Museumsstück hat ihn die Berliner Straßenreinigung pietätvoll aufbewahrt. Sogar sein« Nachfolger, die Sprengwagen mit Vserdebespannnng, die noch in einzelnen Depots Ihr Leben fristen, sind zum Aussterben verurteilt: Die Pferde werden schon nur noch geliehen. 23 von ihnen stehen noch in dem Fuhrhos Limburger Straße, aber sie werden wohl kaum im nächsten Sommer wieder in Dienst gestellt werden. Nebenan stehen schon die Riesen, die ihnen das Lebenslicht ausblasen: Die großen, 5000 Liter Wasser fassenden Sprengwagen, aus denen das Wasser durch Dynamodruck herausgeschleudert wird, so daß ein solcher Wagen auch die breiteste Straße durch einmaliges Durchfahren sprengen kann. Ein viel- seitiger Helfer ist solch ein Wogen. Im Herbst wird der große Wassertank herabgenommen und ein Kasten aufgesetzt— dann arbeitet er als Absuhrwagen. Bei Schneefall wird ihm«in Schneepflug untergebaut, dann leistet er das mehrfache von ollen sonstigen Schneepflügen. Damit der Goliath ja keine Paus« zu machen braucht, ist er eines der wenigen Fahrzeuge der Berliner Straßen- reinigung, die durch Benzin getrieben werden— die meisten sind Elektromobile. Hier aber ist darauf Rücksicht genommen, daß unter- weg? einfach die Bemannung ausgewechselt werden kann und der Riese nicht zur Ladestation des eigenen Fuhrhofes zurück braucht, um seine Leistungsfähigkelt ganz auszunützen. Neben diesen sechs Riesen stehen im Fuhrhof noch acht„kleine" Sprengwagen zu 1500 und 2500 Liter Inhalt mit Motorbetrieb und, wie gesagt, Eine neue Straßenreinigungsmaschine 25 pferdewagen. 9 Kehrmaschinen. 23 Waschmaschinen. 31 Schnee. pflüge mW Pferden— und zwei mit Benzinvorspann. Und dann stehen da noch zwei Ungeheuer, die wahrscheinlich noch nicht alle Berliner zu Gesicht bekommen haben, die freilich auch erst auf diesem einen der vier Fuhrhöfe Alt-Verlius erprobt wurden: zwei Kehrmaschinen ganz neuer Sonstruklioa. die den zusammengefegten Schmutz auch gleich aufnehmen und in ihren riesigen Kasten trans-; Portieren. Zweieinhalb Kubikmeter Dreck kann jede in sich aufi nehmen, und sie macht alles, sogar den Rinnstein rein und arbeitet staubfrei, denn sie nebelt vorher den Staub auf 2% Meter vor ihrer Bahn ein. Drei Räder hat das merkwürdige Vehikel nur, damit es sich trotz seiner tankartigen bedrohlichen Plumpheit fast aus der Stell« wenden kann. Und alle Bedienungsmannschaft für diese zum Teil gar nicht unkomplizierten Fahrzeuge ist aus dem Arbeiter- stamm der Straßenreinigung hervorgegangen— mich die Männer. die auf den Großsprengwagen den nervenanstrengenden Beruf des Wasserregulierens haben. Trotz aller Maschinen denkt ober die Straßenreinigung nicht daran, ihren Arbeiterstaud einzuschränken:! Denn setzt verschmutzt der Mensch die Straßen weit schlimmer als vor dem Kriege, und die tägliche Papierfluk wächst der Straßen» reinigung fast über den Kopf. Die Vuddelei. Leider muß zugegeben werden: Das Straßenbnuamt ist mv populär, und wenn mal wieder eine Allee schöner Straßenbäume oder ein Streifen der Mittelpromenade daran glauben muß, dann hagelt es Proteste und Resoluttonen. Besonders die Verlegung der Gleise in der Gneisenaoslraße war in der letzten Zeit so ein Schul- beispiel— ober gerade hieran kann man beweisen, wie unberechtigt manchmal das ganze Geschrei ist. Denn die Mittelpromenade soll ja gar nicht verschwinden. Auch die Vorgärten bleiben erhalten. In! die Mille der Promenade wird freilich die Straßenbahn gelegt, aber sie wird eingefaßt von kniehohen Gittern und einer niedrigen Hecke, und durch Verschmälerung der Dämme wie des Vürgersteiges kann die äußere Grenze der Mittelpromenade so weit heraus- gerückt werden, daß rechts und links des Gleiskörpers noch ein je 7,75 Meter breiter Streifen bleibt, auf dem wohl noch die Aus- stellung von Bänken und gärtnerischer Schmuck möglich ist. Di«: „Buddelkiste" muß freilich verschwinden und das ist schade. Die Bezirke übernehmen die Erhaltung des Gleiskörpers wahrhaftig nicht umsonst: Vielleicht können sie von diesem Geld anderweitig Grünanlagen schaffen! Die Verlegung der Gleise in einen Grün- streifen aber hat mancherlei Vorteile, die dem Bürger und Steuer» zahler nicht gleichgültig sein können: Hier sind die Gleise vor dem Befahrenwerden durch andere Fuhrwerke sicher, sie werden weniger „lose gefahren". Das erfordert weniger Reparaturen und weniger „Buddelci", zumal das Auswechseln im eigenen, nicht asphaltierten Gleiskörper viel schneller geht. Außerdem aber wirkt die Erdbettung sozusagen als Geräusch- und Erschüllerungsdämpfer— und unter dem Straßenlärm leiden wir alle so sehr, daß wir für jede Vec« Minderung dankbar sein müssen. Die dauernde Erschütterung, die durch das Pflaster fortgepflanzt wird, vermindcrk aber die Lebensdauer der Großflodlhäuser und der unter das Pflaster gebetteten Leitungen erheblich. Zille diese Dinge zusammen aber beweisen, daß man aus Gründen der wirtschaftlichen Vernunft eigentlich für mög- tichst weitgehende Anlagen grüner„Gleiskörper" sein sollte, denn alle diese Dinge haben ihre Rückwirkung auf die Tasche des Steuer- zahlers. Ein anderes Kapitel ist das Lied vom glatten Asphalt, das auch das Straßenbauamt immer vorgesungen bekommt: Nun ist es frei- sich, dabei, an Gefahrstellen und in vielbefahrenen Straßen Rauh- asphalk einzuführen oder eine„Rauhdecke" über den glatten Asphalt zu legen. Unmöglich und unnöttg aber ist der Ersatz des Asphalt- Pflasters auch in den Wohnbezirken, denn Asphalt ist noch innner das am«misten geräuschlosest« und schalldämpfendst« Pflaster, und die Fußgänger haben auch ein Recht mif Schonung ihrer'Nerven. Was ober zur Sicherung des Verkehrs notwendig ist, wird getan werden. 75 Metallbettstellen Messingbettstellen ÄÄMÄ 9. iß JMSs-:- � 47.- W Mö? Bqgwform, rfZDQtMjyW». n»l.rtant,■« gm« OÄ_ . fr?*. 13. 7« eujfMtmttrit»— esf. sehr preiswert Holzbettstelle km« Ruhebett 17.50 sltää 37.60 fppinZßn MM IS.« aöriK 1. Beilage des Vorwärts . 451»46. Jahrgang J.* �57 Ki|Ull|p w&t? rw 0 1 117 U I B t? Sonnkag, 13. Ottober 1929 Explosion in chemischer Fabrik. Oer Inhaber schwer verletzt. Gestern abend ereignete sich in der chemischen F« b t if von Seil in der Ilehriugfi ratze in Char- lottenbnrg eine folgenschwere Explosion. Der In- Haber wurde dobei schwer verletzt. Er wnrde im letzten Augenblick vo« Hausbewohnern aus der brennenden Fabrik gerettet. Di« Räume der chemischen Fabrik befinden sich in der 1. E t a g e des Ouergebäudes, einem zweistöckigen Fabrikhau». Nach Arbeitsschluß begab sich der Inhaber, der in der Maga- zinstraße in Charlottenbnxg wohnt, noch einmal in sein« Fabrik, wo er, wie man annimmt, noch einige Versuch« zur Herstellung einer Parkettreinigungsmass« vornahm. Plötzlich vernahmen Hausbewohner eine mächtige Dekonation. Aus den Fenstern der Fabrik schlugen mehrere Siichflammen heraus. ein Teil der im ersten Stockwerk gelegenen Räum« brannten im Augenblick lichterloh. Cmck« Hilferufe ertönten: einige beherzte Leute drangen in die brennenden Räume e i n. Dort fand man K e i l mit schweren Verletzungen bewußt- l os auf. Die Feuerwehr brachte den Mann sofort in dos Westend- krankenhaus: sein Zustand ist sehr bedenklich. Das Feuer hatte auf die zweite Etage und das Dach- gebälk übergegriffen. Durch starkes Wassergeben konnte der Vrand, der von zwei Zügen unier Leitung des Baurates G ra» b i tz bekämpft wurde, jedoch bald eingedämmt werden. Bei den Löscharbeiten erlitt der Brandmeister Lawerenz von der Lützowwache so schwere Verbrennungen im Gesicht und an den Händen, daß er gleichfalls ins Krankenhaue übergeführt werden mußte. Eine Vernehmung des schwerverletzten Fabritbesitzers durch die Kriminalpolizei war noch nicht möglich. Der S ch a d e n ist e r h e b l i ch. Wieder Mörder Starkstrom. Beim Einschrauben einer Glühbirne getötet. Erst kürzlich berichteten wir über den tragischen Tod einer 4"jjahngen Frau, die in der Waschküche ihres Haufes in Zehlendorf, beim hantieren mit einer elektrischen Waschmaschine durch Starkstrom getötet wurde. Gestern ersignete sich in der Wäscherei von Müller in der Pappelallee 33, im Norden Berlins, ein ähnlicher tödlicher Unfall. In dem Betrieb ist eine 28jährige Frau Ilse Münchow aus der Finnländischcn Straße 16 beschäftigt. Eine Glühbirne brannte plötzlich durch und die Frau wollte die durchgebrannte Birne durch eine neue ersetzen. Ahnungslos schraubte sie unvorsichtigerweise mit nassen Händen die Glühbirne ein, als'sie von einem elektrischen Schlag getrofsen wurde. Bewußtlos sank sie zu Boden: ein hinzugerufener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Leiche wurde von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Es ist dies der zweite Todesfall in einer Woche, der durch Starkstrom verursacht worden ist. Aus diesem Grunde muß bei dieser Gelegenheit dringend davor gewarnt werden, mit nassen Händen elektrische Stromträger zu berühren. Oer Oiebstahl in der Boischast. Oer Botschastöpfortner gestern verhastet. Nach der AusNärung des Zawelevdlebsiahls ia dersraazösischenVotschask. über den wir vor einigen Tagen bcrichieien, war bekanntlich der Täler, der SSjährige Pförtner Micha! low. ein früherer Oberst des russischen Generalstabes, nach seiner Vernehmung durch Kriminalkommissar Butzdorf wieder entlassen worden. Der Botschafter hatte erklärt, daß er auf einen Strasantrog verzichte, den Mann aber aus seinem Dienste entlasse. Nach der Lösung des Arbeitsverhältnisses war Michailow nun nicht mehr Die Disziplinaruntersuchung. Gegen die Siadibankdirekioren. Mit dem fS? die viszipliasruntersuchung gegen die Sladtbank- direkloren vom Ministerium eiageschlen Regierungsrat Tapolski hat die Staaisauwalischast auch gestern wieder Besprechungen gehabt, die sich mik den gegen die Sladtbankbeamien von den Beschuldigten oorgebrachiea Vorwürfe beschästtgteu. Man kam bei dieser Konserenz. wie wir hören, zu dem Ergebnis, datz Regierungsrat Tapolski zunächst selbst für die disziplinare Untersuchung die Siandlbankdirekioren vernehmen soll und daß dann die etwa von der Slaatsanwallschasi für notwendig gehaltenen Vernehmungen dieser Beamten stattfinden sollen. Es ist damit zu rechnen, daß Anfang der nächsten Woche von Regiervngsrat Tapolski mit den Vernehmungen begonnen werden wird. Die Staatsanwaltschaft hat gestern noch eine Zlnzahl von Personen gehört, die mit den Sklarets in Geschäfts- und gesellschaftlichem Bertehr gestanden haben. Ueber die Namen und Aussagen dieser Persönlichkeiten wird jedoch von der zuständigen Stelle Stillschweigen gewahrt. Entgegen anders- lautenden Meldungen wird mitgeteilt, daß die Stadtbankdirektoren den Gebrüder S klaret noch nicht gegenübergestellt worden sind. Gklareks beschenken„�ote Hilfe". Nachdem die„Roke Fahne" nicht mehr leugnen konnte, datz auch die Role hilse Zuwendungen von den Sklareks in der verschiedensten Form erhallen hat, stellt sie es jetzt so dar. ats feien insbesondere die Kleidungsstücke ihrem Wert entsprechend bezahlt worden. Wir können heule feststellen, datz das Kommunistenblati vergessen Hai. die zwei Waggons voll Kleidungsstücke zuzugeben. die vor etwa zwei Jahren durch die Sklareks der Roten Hilfe g c- s ch e n kt wurden. Diese zwei vollen Waggon» Kleidungsstücke wurden der Roten Hilfe völlig unentgeltlich überlassen. e» ist dafür auch nicht ein Pfennig bezahlt worden. Die Beweise für dies« unsere Behauptung können erbracht werden: zunächst stellen wir aber fest, datz die„Role Fahne", wie in anderen Fällen schon, so auch diesmal etwas abgestritten hat. was andere» Leuten längst betannt war. Dom Genosse Bürgermeister Kohl. Köpenick, werden wir mn die Aufnahme folgender Zeilen gebeten:„In der Morgenausgabe der„Roten Fahne" vom Sonnabend, dem 12. Oktober 1929, sind gegen mich eine Reihe von Vorwürfen erhoben worden. Diese Vorwürfe entbehren jeder Grundlage. Ich habe meiner vorgesetzten Dienstbehörde angezeigt, daß ich ihr ausführlichen Bericht über die von der„Roten Fahne" gegen mich erhobenen Bor- würfe zwecks Klärung im Disziplinarverfahren zugehen lassen werde." Disziplinarverfahren gegen den früheren Baupolizei- dezernenten. Gegen einen Magistratsbeamten, der eine ziemlich hohe Stel- lung bekleidete, schwebt ein Disziplinarverfahren, und es ist auch bereit« die Suspendierung angeordnet worden. Es handelt sich, wie jetzt bekannt wird, um den Magistratsoberbaurat, Regierung?- und Baurat o. D. Fischer, der als technischer Dezernent bei der Zentral« der städtischen Baupolizei tätig war, wo er auch zu den Vertretern des Dirigenten gehörte, und der außerdem das Statische Prüfungsamt als Borsteher leitete. Ihm wird zum Vor- wurf gemacht, daß er für die Ausführung von statischen Berech. nun gen für Betonbauten, die für die L e u n a w« r k e, und zwar im Austrag der Staatlichen chofbauverwaltung von ihm gemacht wurden, ein Sonderhonorar von über 16 609 M. von der Firma verlangt habe. Eine Korrespondenz meldet, daß die Diszi- plinarklage gegen Oberbaurat Fischer schon zu einem Teil fertig- gestellt ist, so daß sich der Bezirksausschuß bald mit dies«? An- gelegenheit beschäftigen wird. Der angeschuldigte Beamte gibt zwar zu, daß er ein« Sonderrechnung an die Firma geschickt Hab«, die die eigentlichen Kosten an die Kasse der Staatlichen Bauver- waltung zahlen mußte, betont aber zu seiner Entschuldigung, daß er für diese außerdienstlichen, über die«igentlichen statischen Be- rechnungen hinausgehenden Arbeiten Mitarbeiter heranziehen mußte, denen er selbst Honorare für ihre Tätigkeit geben mußte. exterritorial und wurde erneut festgenommen, weil die Strafverfolgung nickst dadurch ausgchoben wird, wenn der Dieb- stahl auf exterritorialem Gebiet verübt wird. Michailow ist dem Vernehmungrichter vorgeführt worden, der Haftbefehl gegen ihn erlassen hat. Der Diebstahl ist nicht nur ein Racheakt gegen den Botschastschauffeur gewesen, sondern Mickzailow hatte entgegen seiner früheren Behauptung auch die Absicht, mit den Juwelen über die Grenze zu verschwinden. In der Zeit vom 11. bis zum 26. September war ihm In Abwesenheit des Botschafters die Bewachung des Hauses anvertraut. Mit Nach- schlüsseln öffnete er das Zimmer und den Schreibtisch, so daß der Tat- bestand eines Einbruchsdlcbstohls gegeben war. Durch die vorzeitige Rückkehr d«s Botschafters kam der Diebstahl schneller ans Licht, ats Michailow berechnet hatte. Die Beschreibung, die in den Zeitungen von den fehlenden Juwelen gegeben wurde, erschwert« auch die Möglichkeit, sie zu Geld zu machen. Die Pläne des Pförtners waren so vereitelt. Er suchte sich aus der Schlinge zu ziehen, indem er die gestohlenen Juwelen auf der Treppe niederlegte. Unter Berücksichtigung dieser Umstände hat der Derneh- mungsrichter jetzt den H a j t b e f a h l erlassen. Oer Mann hinter der Gardine. Der Berliner Kriminalpolizei ist dieser Tag« ein guter Fang geglückt. In einer Wohnung in der Reichenberger Straße wurde «in gewisier Paul Woyda verhaftet. W. arbeitete Hand in Hand mit einer Einbrscherbande, die es nur auf optische Artikel, für die man im Auslande willige Abnehmer fand, abgesehen hatte. Die gestohlene Ware tauchte zunächst im Inland nirgends auf und so tappte die Polizei ziemlich im Dunkel. Bis eines Tages ein Mann in einem Geschäft in der Potsdamer Straße«inen größeren Posten Brillengläser, die zweifellos aus einem Einbruch herrührten, anbot. Dem Geschäftsinhaber kam die Angelegenheit sofort verdächtig vor und er benachrichtigte die Kriminalpolizei. Kriminalkommissar Quoß nahm die Ermittlungen auf und überraschend stattete man der Wohnung des„Verkäufers" in der Reichenberger Straße einen Besuch ab. Bei der Durchsuchung der Wohnung stieß man plötzlich auf einen Mann, der sich hinter einer Gardine verborgen gehalten hatte. Es war Woyda, in dessen Besitz mehrer« Duplikatsracht- briefe über drei Kisten mit optischen Artikeln gefunden wurden. Das Ziel der Sendung war eine Stadt in Frankreich. Bei seiner Der- nehmung gab W. an, die Waren von dem„großen llnbekanntcn" erhalten zu hoben. Zweckdienliche Angaben erbittet Kommissar Quoß, Polizeipräsidium, Zimmer 64. Achiung, Kommunalwähler! Sie Wählerlisten liegen aus! vom 12. Oktober ab bis zum 25. Oktober liegen in Verlin die kommunalwählerlistea au». Wer nicht in der Wählerliste verzeichnet ist, kann am 17. November nicht fein Wahlrecht aus- üben. Die öffentliche Auslegung der Wählerlisten soll jedem Wahlberechtigten die Möglichkeit schaffen, dt« Listen zu prüfen. Man kann die Listenprüsung auch durch einen Beaus- tragten ausüben lassen. Wahlberechtigte, die versehentlich nicht»i die Liste aufgenommen worden sind, oder bei denen die Liste irrige Angaben(über Vorname, Zuname, Beruf, Wohnung) enthält, müssen unter Vorlegung von Ausweispapieren schleunigst ihre n a ch t r S g- liche Aufnahme oder die Berichtigung falscher An- gaben beantragen. In den 26 Verwaltungsbezirken Berlins ist eine große Zahl von Auslege stellen eingerichtet. Wo für jeden Wahlberechtigten iron CU&tar&larixKSeuAercMäjbcA. „Es ist so, Gevatter Michael", erklärte jetzt eine Stimme unter den vielen,„sie waren bei einer Kirchweih in Buttka und bis hierher sind sie friedlich gekommen, aber hier be- gannen sie zu raufen..." „Wieviel Tote gibt es?" erkundigte sich der Oberkosat. Es antworteten zehn zugleich: „Da liegen schon mindestens zwanzig und jammern... Die übrigen hauen mit Stöcken und Aexten aufeinander los. Gevatter Michael! Kommen Sie schnell und stiften Sie Frieden!" Nachdem der Oberkosok oerstanden hatte, wovon die Rede war, sagte er ruhig soviel: „Wir tun. was wir können. Aber jetzt verkommt von hier, sonst werde ich zornig!" Er trat in das Zimmer und rief: „He, Kosaken!" Dieser Ruf bedeutete„Arbeit". Mein Vater und Georg Vajda waren augenblicklich auf den Beinen. Im nächsten Augenblick waren die drei schon auf dem Hofe. Ein, zwei blitzartige Wendungen: JDer Obkrtosak zog die Deichsel heraus, Georg Vajda und mein Vater ergriffen jäh eine Runge. Und dann— mit der Deichsel und den Rungen auf den Schultern— stürmten sie die Dorfstratze entlang. Viele schloffen sich ihnen an und es gab überhaupt grotzen Lärm. Als der Obertosak beim vierten Nachbarn vorbeirannte, flatterten bereits feine Haare. Sie stampften ab. Großmutter stand in der Vorhaustüre, lehnt« sich an den Türpfosten und während sie ihre Schürze an die Augen hob, begann sie bitterlich zu weinen: „Heilige Mutter, man wird sie noch einmal erschlagen.." Um die braucht« man jedoch keine Angst zu haben Denn aus der Richtung des Wirtshauses näherte sich bereits großer Lärm und Wirrwarr. Frauen, Kinder und Männer, die sich auf der Straß« aufhieften, begannen zu laufen. Alle retteten sich in ihre Höfe und rechts und sink« knallten die Tore zu. Inzwischen näherte sich das Geschrei und Füßestampfen und wuchs an. Und plötzlich tauchten die Slowakenburschen von Mürk auf, schnaufend, gegen das obere Dorfende flüchtend. Ein, zweimal blieben sie stehen, sicher nur, um zu verschnaufen. Einzelne sprangen zu den Zäunen und brachen sich Pfähle, andere schwangen Messer in den hocherhobenen Fäusten, die übrigen griffen nach Steinen und schleuderten sie auf ihre Verfolger. Aber da brüllte gerade irgendeine heisere Stimme: „Ausreißen, Kinder, der verrückte alte Kosak ist da!" Und zwischen den flirrenden Steinwolken tauchte mein Großvater auf, wie er mit wirren Haaren, puterrot vor Zorn, die Slowaken vor sich herjagte. Die Deichsel mähte wie eine Sense und knapp hinter ihm schnauften Georg Vajda und mein Vater mit ihren Rungen. Dahinter folgten unter Flüchen und Drohungen drei, vier Räsker Burschen. Sie fuchtelten mit großen Stöcken in der Luft. Die Märker Slowaken zogen sich immer weiter zurück und warfen sich dann plötzlich auf einen Steinhaufen. Und da begannen die Steine zu pfeifen. Die Haustore dröhnten, die Fensterscheiben splitterten... Meinen Großvater traf gerade in dem Augenblick, als er den Angriff vor unserem Haufe organisierte, ein.spitzer Stein an der Stirn. Der Ober- kosak brüllte auf, schüttelte seine Mähne, die Deichsel entfiel ihm für einen Äugenblick und er griff sich an die Stirn. Seine Hund wurde blutig. Und da ergriff er die Deichsel mit beiden Händen und brüllte zum zweiten Male: „He, Kosaken! Tod den Slowakenhunden!" Ohne sich weiter um die Steine zu kümmern, ging er auf die Märker Burschen los. Er hob die Deichsel und schlug, daß es krachte. Jemand begann zu jammern. Gleich hinter dem Oberkosaken rannten Georg Vajda und mein Vater. Sie drangen immer weiter vor. die Straße hinauf, und meines Großvaters mörderisches Gebrüll entfernte sich immer mehr: „Erschlagen wir sie! Zünden wir ihre Häuser an!" Die Slowakenburschen flüchteten da bereits außerhalb des Dorfes. Von hier warfen sie sich in die herbstlichen Aecker, denn die drei Kosaken waren ihnen hart auf den Fersen. Dann erstarb der Lärm. Die Straße belebte sich allmählich wieder. Die Menschen standen in Gruppen vor ihren Häusern, in eifrigem Gespräch. Aller Annahme nach besprachen sie das soeben erlebte blutige Ereignis, das zur großen Schande der Slowaken endete, nach- dem mit Ausnahme von vier, fünf Kerlen auch die Rister Ungarn das Schlachtfeld verlassen hatten. Inzwischen wurde es abend. Großmutter faß auf der Schwelle des Vorhauses und da sie des Weinens überdrüssig geworden war, jammerte sie nur so leise vor sich hin. Später zog sie mich an sich und streichette mein Haar: „O, mein Liebling. Gott behüte dich davor, daß aus dir auch so ein Landaufwiegler werde!" Um diese Zeit kehrten auch die Kosaken heim. Sie mochten noch am oberen Dorfende sein, aber ihr Lied schallte bereits über das ganze Dorf. Sie bliesen mit geschärften Kehlen einen wagemutigen Gesang. Später tauchten sie in der Mitte des Dorfes auf. Sie näherten sich in soldatischer Ordnung. Born der Oberkosak. Seine Stirn war blutüberströmt, aber er trug die Deichsel stramm auf der Schulter. Hinter ihm Georg Vajda und mein Vater, unverwundet und siegreich. Die Rungen auf den Schultern. Dann noch vier, fünf Burschen aus den Reihen der Räsker Ungarn mit Latten bewaffnet. Es war schon Abend. Ganz oben in der Mitte des Himmels standen dünne Wolken, im Westen war der Himmel rot vom Weg der untergehenden Sonne. Und da begannen die Kosaken«in neues Lied. Sie grölten voll Begeisterung: „Für drei Gulden, für drei Gulden Kaufe dir«in Tuch, Marie.. Sie waren schon bei unserem Hause angelangt und bogen in den Hof ein. Erst verabschiedeten sich jedoch die Nüster Burschen vom Oberkosaken, der ihnen kräftig die Hände drückt«: „Erzählt nur daheim, wie die Kosaken wieder gerauft haben!" Im Hof warf er die Deichsel herunter und sagte zur Groß- mutter: „Lauf zum Juden hinüber und wenn er aufbegehrt. werde ich ihn selbst besuchen. Ich will ihm den Bart kämmen." Großmutter gehorchte wortlos. Der Obertosak wandte sich an meinen Vater: „Hol ein wenig Pferdemist herein, ich muß mich zurecht- doktern. Ich glaube, daß Andreas Pikor gleich hier fein wird. Wir haben heute eine Besprechung." Dann wandte er sich an Georg Vajda: „Geh' ins Dorf hinaus und versuche Josef Paczal zu finden, diesen Gauner. Ich hätte ein ernstes Wort mit ihm zu reden. Dank trat er in das Haus. In der Stube war es finster. Der Obertosak suchte noch einem Streichholz und zündete die niederbaumelndc Petroleumlampe an. (Fortsetzung folgt) Neue Lebensgestaltung. (Stil Rückblick auf die Tagung der enischiedenen Schulreformen Oer Glaube au eine harmonische Lebeasgestaltung des einzelnen und der Menschheil. Dieser Glaube ergab die ersreuliche Grundstimmung der Tagung der entschiedenen Schulresormer im Schöneberger Rathau», für die geschlecht. liche Erziehung, Ausartung und Lebenshilse als Thema ge- wählt worden war. Mit Recht wurde auf der Tagung die Bedeutung der natür- lichen und sozialen Umwelt für die Gesundung der Menschheit betont. Besonders notwendig war diese Hervorhebung, weil noch immer ein« Anzahl Vererbungswissenschaftler sast ausschließlich von der Annahme der Unveränderlichkeit de» Keimplasmos ausgehen, d. h. st« nehmen an, daß die eigentliche Erbanlage nicht veränderlich ist. Würde sich diese Anschauung allgemein durchsetzen, so könnte sie ein« große Gefahr für unser soziales Leben bedeuten. Denn schon haben ihre Anhänger zu beweisen versucht, daß nur aus Familien mit alter Kultur, mit geistigem Erbgut, geistig wertvolle Menschen her- vorgehen tonnen. Dann wären also gerade dies« Familien im Smne der Aufartung einer besonderen öffentlichen Förderung wert. Do> gegen wurde schon von dem bekannten Wiener Wettstein verlangt, man solle erneut und planmäßig den Einfluß der Umweltfaktoren für. Entartung und Aufartung untersuchen. Man glaubt dann den Nachweis führen zu können, daß das gesamt« hygienische und soziale Leben von maßgebender Bedeutung für die Gefundung des Nach- wuchses ist. So werden wahrscheinlich, Wohnungsnot und Arbeits- losigkeit die Entartung fördern, die Aufartung hemmen. Mit Recht wurde aus der Tagung wieder der Kampf auf- genommen gegen eine veraltete Gesetzgebung auf dem Gebiet des Ehe- und Sexuallebens. Mit Recht trat man von neuem ein für die Geburtenregelung, für die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen. Mit Recht wandte man sich gegen den Begriff der Unzucht, wie er noch mimer in unserem Rechtsleben verankert ist, wonach jedes Aufammenleben zweier Menschen, die nicht durch die gesetzliche Ehe verbunden sind, als Unzucht angesehen wird. Es genügt eben nicht, das einzelne Instanzen eine modernere und vernünftigere Anschauung vertreten wie in diesen Tagen das Chemnitzer Landgericht, dos sich in einem Urteil gegen diese Auffassung der Unzucht gewandt hat. Es muß hingegen durch Aenderung der betressenden Gesetze grundsätzlich Wandel geschaffen werden. Es genügt auch nicht, wie es in einzelnen Fällen vor- gekommen ist, daß ein vorurterlslos denkender Vorgesetzter«in« Lehrerin auch dann im Amte ließ, wenn sie uneheliche Mutter geworden war, sondern die unverheiratete Beamtin muß sich selbst- verständlich in aller Oeffentlichkeit als Mutter bekennen dürfen. Es darf vor allem nichl vergessen werden, daß Menschen, die sich in sexueller Rot befinden, in Lebensnot überhaupt sind. Jede Sexualbcratung im engen Sinn« wird deshalb nur in seltenen Fällen zum Ziel« führen. Das Loben rst eine Einhest und nur aus der Ganzheit des Lebens kann da» Sexualleben verstanden und geordnet werden. Daraus ergibt sich, daß die sexuell« Erziehung und auch die allumfasiender« Erziehung zur Lieb« kein gosondertes Gebiet der Erziehung darstellen kann. Kann nun aber überhaupt zur Liebe erzogen werden? Gewiß, wir können Vorurteile hinwegräumen, Borstellungen krank- hafter Schuld, die den Menschen nicht zur Betätigung der Liebe kommen lasten. Wir können die Menschen in gewisser Weis« be- freien. Wir können der heranwachsenden Generation von früher Jugend an ihrem Alter gemäß Wissen über Entstehung des Lebens, über Sexualität, vielleicht auch über Lieb« vermitteln. Ueberschätzen wir jedoch die Bedeutung des Wissens auf dilfem in keiner Weife rationalisierbarem Gebiet nicht.— Wir können noch mehr. Wir können die Jugend von frühestem Alter an gemeinsam er- ziehen und ihr damit vor allem die Kenntnis des andern Ge- schlechts vermitteln. Wir können durch persönlich« Beratung den Menschen zur Erkenntnis seiner eigenen Lage führen und ihm vielleicht helfen, daß er selbst den Weg zur Liebe findet. Wir können und müssen vor allem eine wirtschaftliche und sozial« Ordnung schaff«n, die dem einzelnen den Weg frei macht zur Schaffens- und Liebesfreude. Denn diese beiden sind, wie es scheint, in ihrem Ursprung eng miteinander verbunden. Ob allerdings die Kraft zu Werk und Wirken ollein dem männlichen Lebenskreis angehört, scheint noch immer ungewiß, wie überhaupt die wistenschaftliche Feststellung der Eigenart von Mann und Frau noch einer zukünftigen Forschung vorbehalten bleibt. Die meisten Urteile aus diesem Gebiet sind immer noch Vorurteile. Wonach hat sich der Erzieher bei der sexuellen Beratung, bei der„erotischen Erziehung� zu richten? Diese Frage ist eingeschlosten in die allgemeinere Frag«: Roch welchem Erziehungsideal soll der Erzieher überhaupt sein Handeln orientteren? Dieses Ideal kann niemals von der Kirche an den Erzieher herangetragen werden und auf dem Jenfettsgedanken ruhen. Es muß biologisch bc- gründet sein. Freud« im«schaffen, hierin ist auch die Freudn an der Aufzucht der zukünftigen Generation eingeschlossen. Steige- rung des Lebensgefühles ist das Ziel jeder Erziehung. Eine neue Lebensgestaltung— so klang die Tagung aus— kann nur auf dem Boden der Wahrheit und des Vertrauens der Menschen untereinander erwachsen, aus einer neuen Lebenshilfe, die versucht, alle Kräfte im Mstmenischeu zu entfalten. Das Streben nach Wahrheit ofsenbart sich jedoch nicht nur in der B e g e i st e- r u n g für ein« Sache, sondern in der H i n g a b e a n da»Wert, die zur Strenge gegen sich selbst, zur Ueberwlnbung aller Schwierig- keiten führt. So sollte sich das Streben nach Wahrheit vor allem in jedem einzelnen Vortrag zeigen. Dann aber dürfen nicht Meinun- gen als Dogmen mitgeteilt— dies müßten die Veranstalter einer zukünftigen Tagung bedenken müssen sondern die Probleme müßten in ihrer ganzen llngclösthclt den Zuhörern gezeigt werden. Rur so wird man im wahrsten Sinn« auf die Hörer fördernd und bildend wirken--- ein«««sentliche Ausgab« einer Tagung von Schulreformern. Eft« Hiläebraijdt. die in Betracht kommende Liste anskiegk, kann er heute(Goiuitafl) nn den Anschlagsäulen feststellen. Maßgebend ist seine W o h» u u n g. Die Listen liege» aus an den Wochentagen von mittags 12 Uhr bis abends 7 Uhr, an den Sonntagen von vormittag» 10 Uhr bis nachmittags 5 Uhr. Niemand sollte die Prüfung der Wählerlisten unterlassen. Bei jeder Wahl Hot sich gezeigt, daß in den Wählerlisten allerlei Irrtümer und Auslastungen vorgekommen waren. Am Wahllage ist das nicht mehr gutzumachen— man muß das beizeiten beantragen. Darum sollte jeder Wahlberechtigte ohne Säumen die Listenprüfung besorgen. Die Spriivitta in Schmöckwitz. Drei Monate Gesängnio für Schwarzbrennerei. Die geheim« Spritbrenncrei in einer Villa in Schmöckwitz, die unter aufsehenerregenden Umständen im Juni von Zollfahndungsbeamtm ausgehoben wurde, beschäftigte gestern das Schöffengericht Berlin-Mtte, das den Kaufmann Robert Groß und den Baotsbauer Wilhelm Bauer wegen Vergehens gegen dos Branntweinmonopolgesetz zu je drei Monaten Gefängnis und 1300 M. Geldstrafe oerurteilt«. Wegen Beihilfe zu der Straftat wurden der Sohn des Wilhelm Bauer zu 17 Tagen und der Moler Wilhelm Schultz zu 17 Tagen Gefängnis und je 100 M. Geldstraf« verurteilt. Bauer, der der Leiter der Schwarzbrennerei gewesen war, ist außerdem in die große Spritschmuggelaffäre des Kom- merzienrats Li»demann verwickelt, gegen den ein Vcr- fahren noch schwebt. Der Sprit wurde damals auf der Motor- sacht„Inge*, die Bauer gehörte, zur See gefahren und dort auf das Segelschiff„Pelikan* umgeladen. Robert Groß, der den Schmöckwitze'r Betrieb finanziert hätte, ist vor kurzem, nachdem er aus der Untersuchungshaft entlasten worden war, wegen Rausch- g i f t h a n d e l s von neuem inhaftiert worden. Bei der Durch- suchung der Villa wurde damals in festoerschlossenen Räumen die Schwarzbrennerei gefunden. Diese Räume waren von den Angeklagten mst allen technischen Eiiyelheiten auegerüstet Groß, der die Villa von einer Dame, die sich auf Reisen befand, unter dem Dorwand gemietet hatte, daß er sich zur Ruhe setzen wolle, hatte die Kellerräume auszementieren losten, um in ihnen das eigentlich« Brenngerät aufzubewahren. Ein Blechtank, der angeblich zur Aufbewahrung für ein Auto benutzt werden sollte, wurde als Gärgesäß benutzt. Die Badewann« diente den Sprit- brennern zum Einmaischen des Zuckers. Zum Transport des Sprits sollte ein Motorboot verwandt werden, das Groß von Bauer angekauft hotte und das regelrecht als Schmuggelschiff umgebaut worden war. In der Verhandlung, in der die Angeklagten im wesentlichen geständig waren, betonten die Verteidiger, daß bei der Ausdeckung der Brennerei diese eigentlich nicht mehr in Betrieb gewesen war. Trotz der technischen Ausrüstung hätten die Ange- klagten den Betrieb nicht auszunutzen verstanden. Die Mordaffäre Rosen. Sügeblich neue Verdachtsmomente gegen die Wirtfchasterm Ja der Breslauer Mordaffäre Rosen ist durch di« Aufklärungs- arbeit zweier Berliner Kommissare die ehemalige Wirt- schafterin de« Professor» Rosen so schwer belastet worden, daß sie erneut verhastet wurde. Di« Beamten hatten an die Oeffentlichkeit um Unterstützung appelliert und u. a. besonderes Gewicht aus Er- mittlung eine» Dietrich» gelegt, der nach dem Mordtage an der Kellertür der Villa de» Professors Rosen aufgesunden wurde, und zwar zerbrochen. Anscheinend sollte durch diesen Dietrich der Versuch eines Einbruchs vorgetäuscht werden. Daraufhin hat sich.-in Wafsenhändler gemeldet und angegeben, daß vor einigen Jahren«in« älter« Frau in seiner Wertstatt erschienen sei und sich die Handhabung einer Pistole habe erklären lassen. Sie hat bei diesem Besuch außerdem einen Dietrich abbrechen lassen, was natürlich aufgefallen sei. Da von den Werkstätteninhabern ange- nomine» wurde, daß später einmal dieser Dietrich eine besondere Rolle spielen könnte, so wurde an dem Bruchstück ein kleines Zeichen mit einer Feil« angebracht. Dieses Zeichen ist tatsächlich an dem Dietrich, der in der Villa des Professors Rosen gefunden wurde, fest- gestellt worden. Bei einer Gegenüberstellung Frau Neumanns mit dem Büchsenmeister und dessen Sozius, der damals auch zugegen war, erklärten diese, daß sie zwar angesichts des vierjährigen Zeit- raums nicht beschwören könnten, daß die damalige Kundin und die Frau Neumann ein und dieselbe Person seien, aber noch ihrer Erinnerung liege bestimmt eine Petsonengleichbeit vor. Frau Neumann bestreitet, in dem Geschäft der genannten Zeugen gewesen zu sein. Die Siadverordaeken haben in der kommenden Woche zwei Sitzungen,«ine außerordenlliche mn D i e n s t a g. 13, Oktober, um 18 Uhr, und die ordentliche am. D o n n e r s t a g, 17. Oktober, um 16% Uhr. Auf der Tagesordnung stehen 30 Berhandlungsgegen- stände, an der Spitze 12 Anfragen, voran die beiden. Anfragen der Deutschnationalen und der Kommunisten wegen der Amerika- reis« des Oberbürgermeisters. LlebersüNte Versammlungen der GpO. Abrechnung mit Kommunisten und Demokraten. Die bevorstehenden Kommunalwahlen haben die Mitgliedschaft unserer Partei zu erhöhter Werbearbeit angespornt. Das zeigt sich schon in den Dersammlungen, die die Partei in den letzten Tagen abgehalten hat. Die größten Säle Berlins waren b i s a u s den letzten Platz besetzt. So auch im Bezirk Friedrichs- Hain, wo die Jestsöl« in der Airdreasstroße nicht ausreichten, um alle Bersammlungsbesucher auszunehmen. Der Vorsitzertd« B u ch m a n n eräfsnete die Versammlung mit einer Ehrung fürKarl Kautsky. Das Referat hielt Reichstagsabgeordneter Arthur E ris pi e n. der unter gespanntester Auftnerksamkeit der Zuhörer die sozial- und außenpolitische Arbeit der Reichstagsfraktion erläuterte. Die Nationalisten, so führte er aus, glauben, daß, wenn erst einmal der Poung-Plan in Kraft ist uird die Wirtschaft die Erleichterungen verspürt, di« dieser Plan mit sich bringt, sie noch weiteren Einftuß vertieren. Deswegen die hysterische Art. in der sie zu ihrem letzten Kamps, dein Volksbegehren, rüsten. Für die Revision des Versailler Vertrages sind die Sozialisten schon zu einer Zeit eingetreten, als unsere heutigen Schreier noch in den Mäuselöchern saßen. Mehrfach haben.die Regierungen di« Vorschläge der sozialistischen Arbeiter- internationale übernommen. Als in England die Arbeiterregierung eingesetzt wurde, wurde auch sofort das Zugeständnis der Rhein- landraumung gegeben. Nur wenn es den Sozialisten gelingt, über- all Einstuß zu gewinnen, können wir hoffen, daß der Krieg sllr immer liquidiert und ein neuer nicht heraufbeschworen wird. Die Sozialdemokratie hat nicht nur außenoolitisch gegen die Opposition von links und rechts ankämpfen müssen, auch bei der sozialpolitischen Gesetzgebung haben die Kommunisten aus der einen und die Demokraten bis zu den Deutschnationalsn auf der ande- ren Seile das Arbeitslosenversicherungegssetz verschlechtern wollen. Die sozialdemokratische Fraktion hat mit zäher Energie gegen jede Verschlechterung gerungen und hat Isdi durchsetzen können. Die Arbeit der Sozialdemokratie wird auch bei den Kommunalwahlen wieder das Vertrauen der Masten Gliben. Zu denen, die jetzt mst dem Sklarek-Fall gegen uns hegen, sagen wir: Di« Sozialdemokratie wird mit aller Strenge gegen alle vor- gehen, die sich schuldig gemacht haben. Bisher liegt jedenfalls noch kein ausreichendes Material vor. Die sozialdemokratisch« Mitglied- schaft wird sich durch gewissenlose Journalistik nicht aufhetzen lasten. Eine Resolutton, die die Gedankengänge des Referats zusammen- faßte, wurde angenommen. Kabarett der Komiker. Was ein richtiger, kaufmännisch fühlender Kabaretldirektar ist, der Höst von der heimischen Klein- tunstindustrie nicht allzu viel. Amerika ist Trumpf! Da steigt im Oktoberprogranim eine Groteske„100 Praz. Amerika*, über die man sich eben totzulachen hat, basta! Ein Auto-Autadidakt im Kamps mit der Tücke des ü-PS-Objektes, der schließlich Frau, Kind und vor allem sich selbst damit meschugge macht; als Höhepunkt der Situation ein Ehurchman(Pfarrer), der statt für die eigene Firma für— Shell-Oel Reklame macht. Stop: Lachen. All dies hat doch der humorige Bajuvare Karl Valentin längst, längst er- kamit. Maria Valente. ebenfalls von überm großen Teich, tanzt und spielt gewandt und exakt. Das waren di« Imvortstars. Aus der Masse der Zweitrangigen ragt das keff« Berlin, Ackerstraße und Hausvogteiplatz, vertreten durch Paul Gratz und Willi Rosen, hervor; Paule als Schlafwagenkontrolleur quatscht einen kessen Reifebericht mit ollem, was so in und um Berlin jüngst passierte, und Willi Rosen bringt seine netten, musltotischen Schnoddrigreiken. Ein Einakter mit dem vielversprechenden Titel„Drei in einem Bett* ist urälteste französisch« Schwankschablone, einzig erträglich durch die liebenswürdig« Blödelei von Oskar Karlweis, der den gehörnten Dritten, den Ehemann, als sympathisch-vertrottelten Süffel darstellt. Paul Nikolaus konferiert das Ganz« launig, rmiti- niert, angenehm wie immer. Die 8eiclSii- und Samt-Woche vom 14.-19. Oktober bietet bei unübertroffener Auswahl Höchstleistungen an Qualität und Preiswürdigkeit Preise sprechen! Qualitäten überzeugen! Berlin WS» Leipziger Strafte 33-35• Ecke Charlottenstr. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. 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Es entsteht die Frage, ob und welche neuen Maßnahmen getroffen werden sollen zur Kontrolle des kommunalen Kreditwirtschaft. Die Beratungsstelle ist feit vielen Monaten nicht mehr in Tätigkeit getreten, der Zufluß an langfristigem Auslondskapital hat praktisch aufgehört. Kurzfristiges Auslandsgeld, das heut« zweifellos in starkem Maße bei den®e> meinden arbeitet, hat infolge der Einrichtung der Beratungsstelle nicht den direkten, sondern den indirekten Weg über deutsche Banken gewählt. Die Genehmigung für die Aufnahme von kurzfristigen Krediten zu erhalten, ist für die Gemeinden praktisch unmöglich, sie würde aber auch bei der Schnelligkeit, mit der diese Geldleih- geschäfte bei der ständig wechselnden Lage des Marktes abgeschlossen werden müssen, infolge des langsamen Arbeiten? der Beratungsstelle undurchführbar sein. Es ist wiederholt an dieser Stelle darauf hin- gewiesen worden, welche enormen zusätzlichen Belastun- gen an Zinsaufwendungen den deutschen Gemeinden auf diese Weise entstehen und welche Sonderlasten der Steuerzahler dadurch zu tragen hat. Zwangsregelung auch noch für Inlandsanleihen? In der öffentlichen Meinung ist im Laufe der letzten Monate die Erkenntnis gewachsen, daß die Tätigkeit der Beratungsstelle den Gemeinden und dem deutschen Kapitalmarkt schweren Schaden zu- gefügt hat. Sie hat nicht nur dazu beigetragen, daß langfristige Kapitalaufnahmen zu günstigen Sätzen, die dicht vor dem Abschluß standen, nicht verwirklicht werden konnten, sondern sie Hot vor allem auch einen erheblichen Anteil an der Tatfache der gegen- wältigen umfangreichen kurzfristigen Kommunalvcrschuldung. Diese hängt wie ein Damoklesschwert über den deutschen Gemeinden. Sie hindert fi« an der wirksamen Durchführung kommunaler Aufgaben und lähmt ihre Aktionsfähigkeit gerade zu einem Zeitpunkt der wirtschaftlichen Depression, wo die öffentliche Aktivität vom kon- junkturpolitischen Standpunkt höchst erwünscht wäre. Die Untersuchungen des Enqueteausschusses haben zur Evidenz erwiesen, daß die Wirkungen, welche sich die Befürworter der Beratungsstelle versprachen, nicht eingetreten find, sondern daß eine partielle Zwangswirtschaft auf dem Gebiete des Kredits in jedem Fall zur Ergebnislosigkeit verurteilt ist. Die Ein- ficht, daß die Ding« so liegen, ist zweifellos heute auch dort vor- Händen, wo man aus Prestige- oder sonstigen Gründen auf die Beibehaltung der Beratungsstelle drängt. Da man sich aber der Tatsach« doch nicht verschließen kann, daß die Regelung des kom- nrunalen Auslondskredits höchst unzulänglich« Resultate gezeitigt hat, fr» propagiert man nun auch die Einbeziehung der kom- munalen Inlandsanleihen in den Wirkungskreis der Beratungsstelle. Wir können vor einer derartigen Entwicklung nur auf das nach drücklich st e warnen. Die Einbeziehung der Jnlandskapital- aufnahmen würde die bereits bestehende Lähmung des Kommunal- kreditgefchäfts weiter fördern und damit die deutschen Städte in ihrer finanziellen Bewegungsfreiheit auf das äußerste beeinträchtigen. Sie würde ober zweifellos nicht geeignet fein, einer planmäßigen Kredit- Verteilung die Wege zu ebnen, sondern höchstens zu neuen Schleichwegen und weiterer Verteuerung führen. Sie würde aber praktisch vor allem die Geschäfte derjenigen Leute besorgen, die glauben, daß die gegenwärtige Krise des Kapital- Marktes die erwünschte Möglichkeit für eine ganze oder teilweise Ueberführung der öffentlichen Betriebe in die privat« chand bietet. Eine Kapitalplanwirtschast ist nur möglich, wenn sie das ganze Gebiet des Kredits, also des öffentlichen u n d des privaten erfaßt. Daß eine derartige Regulierung vom sozialistischen Stand- punkt nicht abgelehnt werden würde, ist natürlich. Da aber keines- falls damit zu rechnen ist, daß derartige Wege in der Gesamtwirt- schaft gegangen werden, müssen wir uns im Interesse der G e m e i n- wirtschaftaufdasnachdrücklichstedagegenwehren, daß ein« weitgehende Sonderbehandlung des Kornmunalkreditbedarfs erfolgt. Wenn an der einen oder anderen Stelle Aufwendungen gemacht werden, die nicht vertretbar sind, so ist dies gewiß bedauerlich. Zweifellos aber sind die Fehlinvestierungen der östenklichen Hand wesentlich geringer als die der Privalwirlfchafk. Ihr Korrektiv können sie aber nur von den verantwortlichen Organen der Stadtverwaltung selbst, den Gcnieindeporlamenten, finden. Zu- dem besteht in allen Ländern eine weitgehende Kommunalaufsicht, die gerade bei der Genehmigung von Anleihen ihre Wirksamkeit mit Nachdruck entfaltet. Es geht nicht an, nachdem man erkannt hat, welchen Irrweg man mit der Errichtung der Beratungsstelle gegangen ist, die Ge- fahren und Schwierigkeiten durch«ine Verbreiterung ihres Wirkungskreises zu erweitern. Es ist deshalb richtig, das Abkommen, das am 20. Oktober abläuft, nicht mehr zu erneuern. Er- scheint es aber aus außenpolitischen Gründen geboten, den Abbau der Beratungsstelle bis zur Regelung der Doung-Gefetz- g e b u n g hinauszuzögern, so wäre eine derartige kurzfristige Ver- längerung zwar überflüssig, aber doch vom Standpunkt der Ge- meinden dann erträglich, wenn mit der Beseitigung zu einem nahen Zeitpunkt bestimmt zu rechnen ist. Ltnsere Gewerkschafisunternehmungen. „Oewog* und„Gehag" erhöhen ihr Kapital. Zn der Aufsichlsralssitzung der„Demo g", Deutsche Wohnung s- sürsorge A.-G.. wurde beschlossen, das Aktienkapital der Gesellschaft um 2 Millionen Mark aufZMillionenMarkzuerhöhen. Das ist die Antwort aus das Geschrei, die den Niedergang der gemein- wirtschaftlichen Unternehmungen verkündet. Die Kapitalerhöhung der „Dewog" bedeutet verbesserte finanzielle Ausrüstung des wirklich gemeinnützigen Kleinwohnungsbous. d. h. ferner: Verwirklichung des Ziels des freigewerkschaftlichen Wohnungsbaus— billig gute Woh- nungen für die arbeitende Bevölkerung! Das Aktienkapital der„G e h a g", Gemeinnützige Heimstätten- Spar- und Vllu-A.-G.(Tochtergesellschaft der„Dewog"). wurde von 500000 Mark aus l MillionMark erhöht. Neu in den Aussichtsrat gewählt wurde Landtagsabgeordneter Drügemüller vom Deutschen Vaugewerksbund. Abschluß der Llfa. (Starkes AbschreibungSbedürfniS. Keine Dividende. Der Aufsichtsrat der Universum Film A.-G.(Ufa), die sich seit dem Sommer 1927 in hugenbergs Händen befindet, hat jetzt den Abschluß für das Geschäftsjahr 1928/29 genehmigt. Bilanzeinzel- heiten und Geschäftsbericht stehen noch aus. Der B e t r i e b s ü b e r f ch u h hat sich um 1,3 auf 23,1 Millionen erhöht. Andererseits war aber auch die Notwendigkeit höherer Abschreibungen auf Filme infolge der Einführung des Tonfilmes gegeben. So wurden die Abschreibungen, die schon im letzten Jahre die ansehnliche höhe von 14,8 Mill. Mark erreicht hatten, weiterhin auf 15,5 Millionen heraufgesetzt. Es wird daher nur«in kleiner Reingewinn nach Abzug von Unkosten und Steuern in höhe von 14358 M. ausgewiesen. Ob trotz der scharfen Abschreibungspolitik das Ufa-Unternehmen innerlich schon so gekräftigt ist, daß es im nächsten Jahr rentabel arbeiten wird, erscheint bei dem hohen Bewertungsstand der Betelli- gungen, die einschließlich des Aufnahmegeländes mit 31,6 gegen 30,5 Mill. Mark ausgewiesen werden, noch fraglich. Unter den Beteiligungen befinden sich hauptsächlich Theater, bei denen sich nach den eigenen Angabe der Verwaltung im letzten Jahr unrentable Objekte befinden. Auch hier wird offenbar noch eine gründliche Bereinigung durch Abschreibungen einzusetzen haben, bevor das Unternehmen zu einer wirtschaftlichen Arbeit kommt. Ausbau des französischen Luftverkehrs. Im Budget des Luft- fahrtminssteriums, das der Finanzausschuß der Kammer am 9. Ott. verabschiedete, werden Subventionen für die Schaffung einer franzö- ssschen Lustverkehrslinie nach den Antillen, Guyana und Venezuela mit späterem Anschluß nach Peru vorgesehen. In den Ausschußberatungen wurde auch auf die Notwendigkeit der schleunigen Errichtung der vorgesehenen Luftverkehrsoerbindungen nach Indochina und dem Kongo, die auf Schwierigkeiten stoßen, auf- merksam gemacht. jeder Frau ist's, sich in schöner, moderner Kleidung zu zeigen Aber daß dies für so wenig Geld zu haben ist wie bei uns, und wie es Ihnen diese Beispiele hier zeigen, das wird für noch gar viele eine Ueberraschung sein. Und doch ist's so bei uns.— Das Allerbilligste ist schon Das AUcrsdiönstc ist billig Lassen Sie keine falschen Be denken zwischen sich und Ihrem Wunsche stehen, schön und modern gekleidet zu sein- Dia obigen Angebote stehen Ihnen sb Montag zur Verfügung!-Schriftliche Bestellungen können nicht berücksichtigt weröenl Deutscher Telephonbautrust. Ltnier amerikanischer Führung.- Herr v. Siemens groM. Dte Konzentrations.bew?gung in öer eleklrotechnijchen Industrie fuhrt zu immer neuen Trustbildungen. Nachdem vor wenigen Tagen zehn Kabelfirmen, die vorwiegend Starkstromkabel herstellen, sich zu ein.er Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben, die vielleicht bald trusdmöhig ausgebaut wird, kommt jetzt die Meldung, daß eine Gemein fchastsgründung auf dem Gebiete der Schwachstromtechnik bevorsteht. Nach wochenlangen Verhandlungen hahen drei Firmen, und zwar Mix u. G e n e st, Ferdinand Schuchardt und die Tekade(Südd. Telephon-, Kabel- und Drahtwerke A.-G.) beschlossen,«in« gemeinsame Dachgesellschaft zu gründen, in die die Aktienmajoritäten dieser Firmen eingebracht werden. Die Initiative zu dieser Gründung geht von den Amerika- n e rn aus. An der Ferdinand-Schuchardt-A.-G. ist seit einigen Monaten die International Standard Electric Com- p a n y stark beteiligt, jene gewaltige amerikanisch« Dachgesellschaft, die in aller Welt an Telephon- und Telegraphenbau-Gesellschaften beteiligt ist. Sie ist ihrerseits ein Glied des Weltkonzern der Inter- national Telephone and Telegraph Corporation. Die jetzt im Telephonbau zustande gekommene Gssellschafts- bildung ist durch die Partner ganz besonders interessant. Das ergibt sich aus der folgenden Zusammenstellung der drei Firmen: Name der Gesellschaft kontrollierender Konzern Süddeutsche Telefonapparate-, 3,00 Fellen ie.Guilleaume- Kabel- u. Drahtwerke A.-G., Carlswerk A-G. zu Nürnberg 100 Proz. Mix u. Genest A.-G, Berlin- 16,19 AEG. und Bank Elek- Schöneberg irischer werte (B E W.) besitzen Aktienmehrheit Ferdinand Schuchhardt Ber- 1,75 International Sian- liner Fernsprech- und Tele» dard Electric Co., graphenwerk A.-G., Berlin New Fork Die Summe des Aktienkapitals dieser Firmen betrögt rund 20 Millionen Mark, doch soll das Aktienkapital der neuen Dach- gesellschast gleich von vornherein höher als notwendig festgesetzt werden und dürfte zwischen 20 und 30 Millionen Mark liegen; ein Zeichen dafür, daß eine weitere Ausdehnung beabsichtigt ist. Ge- nannt wird jetzt bereits die Telephonfabrik Berliner A.- G., deren Aktienmehrheit sich bei der ihr geschäftlich nahestehen- den Commerz- und Privatbank befinden soll. Der Hinzutritt der Telephonfabrik Berliner ist auch deswegen wahrscheinlich, weil sie mit der Telephonbougesellfchaft des französischen Gram- montkonzerns Verbindung unterhält und weil auch diese fran- zösifche Gesellschaft in Patentverträgen mit der International Standard Electric Co. steht. Von wichtigeren deutschen Sch-wachstromgesellfchaften sind nicht beteiligt der Fuld konzern und die C. Lorenz A.-G., an der bekanntlich seit kurzem der holländische Philipskonzern beteiligt ist; vor allem aber fehlt die Siemens u. H a l s k e A.-G., die ein- schließlich der Kontrolle der E. Zwietusch u. Co. GmbH, sowie der Deutsche Telephonwerke und Kabelindustrie A.-G. den größten jchwachstromtechnischen Konzern Deutschlands darstellt. " Nachdem in den letzten Jahren auf verschiedenen Spezialgebieten her elektrotechnischen Industrie, z. B. in der Glühlampenherstellung, im Eisenbahnsignalbau, in der Einrichtung elektrischer Zugbeleuch- tung usw. umfassende Gesellschaften zustandegekommen sind, an denen auch die Großkonzerne ihren Anteil haben, ist anzunehmen, daß auch die jetzige Zusammenfassung im Telegraphen- und Telephon- bau in absehbarer Zeit noch verstärkt fortgesetzt wird. Vorläufig richtet sich das neue Konzerngebilde offenbar gegen den Siemenskonzern. Vorzugsstellung für Siemens? In demselben Moment, in dem sich die■ Bildung eines Schwach st romtru st es vorbereitet, der nicht ohne Spitze gegen Siemens u. Halske ist, und nicht lange, nachdem die AEG. mit der General Electric einen Beteiligungsvertrag abgeschlossen hat, hat Herr o. Siemens eine Rede gegen die Ueberfremdungs- tendenzen in der deutschen elektrotechnischen Industrie gehalten. Bis zum Ausbruch des Krieges sei Deutschland auf vielen Gebieten der Elektrotechnik, auch vom Ausland anerkannt, führend gewesen. Auf keinem Gebiete habe die deutsche elektrotechnische Industrie vor dem Auslande die Segel streichen müsien. Dann wendet er sich etwas dunkel, aber mit deutlicher und scharfer Kritik gegen jene Elektriztätsfirmen, die dem Ausland einen Einfluß auf ihre Geschäfte zugestanden haben, und diese Kritik wendet sich unver- kennbar gegen die AEG. und wahrscheinlich auch gegen den neuen Schwachstromtrust, der ja die Firma Siemens u. Halske besonders treffen kann. „Manche Führer der einst so stolzen Elektrotechnik haben, so scheint es mir, zu früh das Steuer aus der Hand ge- geben und den fremden Lotsen an Bord gerufen, weil sie nicht glaubten, den Sturm selbst meistern zu können... Sie haben dadurch denen nicht die Arbeit erleichtert, die hoffen, aus eigener Kraft nur mit eigener Mannschaft den richtigen Kurs wieder einzuschlagen und im Wettkamps mit fremden Nationen ihr deutsches Schiff in der führenden Linie zu halten.� Trotz dieser Bemerkung gesteht Herr v. Siemens zu, daß wir leider nicht mehr in der Lage seien, aus eigener Kraft die für die Entwicklung einer sich ausbreitenden Industrie notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Man wisse aber, daß das ausländische Gold auf den Augenblick warte, wo es die Herrschaft an sich reißen könne über weitere große deutsche Unternehmungen. Herr v. Siemens fährt dann fort:„Auch wir müssen uns rüsten für dies« neuen Kämpf«. Ich habe das Vertrauen, daß es uns gelingen wird, unter voller Wahrung unseres deutschen Cha- rakters unseren alten Weg des Fortschrittes weiterzugehen, wenn wir dabei die verständnisvolle Unter st ützung all der Stellen finden, denen die Geschichte Aufgabe und Ver- antwortung auferlegt hat, für die Aufrechterhaltung einer deutschen Wirtschaft zu sorgen." Aus diesen für die Zukunft des Siemens-Trustes außerordentlich interessanten Bemerkungen ergibt sich zunächst der Will«, daß der Siemens-Trust ausländisches Kapital nicht beteiligen will. Es ergibt sich weiter, daß mit Sicherheit der Konkurrenz- kämpf zwischen den großen Elektrotrusts und den sich vorberei- tenden neuen Gruppen sich verschärfen wird und daß Siemens sich für stark genug hält, diesen Kampf zu führen. Sehr bemer- kenswert aber ist der Appell an die Regierung und die übrigen öffentlichen Stellen. Darunter können im gegenwärtigen Augenblick in erster Linie nur die Reichspost und die Reichs» bahn verstanden sein, deren Aufträge für die Schwachstrom» industrie bekanntlich von allergrößter Bedeutung sind. Herr v. Siemens fordert demnach die großen öffentlichen Unternehmungen und die Reichsregierung auf, mit ausländischem, d. h. insbesondere amerikanischem Kapital arbeitenden Elektrosirmen weniger gün- st ig zu behandeln als den Siemens-Trust. Das ist zwar nicht in Worten ausgesprochen, ergibt sich aber aus der gegen. märtigen Lage in der Elektroindustrie und aus den Andeutungen des Herrn o. Siemens mit aller nur wünschenswerten Klarheit. Berliner Arbeitsmarki eiwas besser. Immer noch 124 000 Unterstützte in Brandenburg. Die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes im Bereiche des Landesarbeitsamtes Brandenburg hat auch in der Woche zum 5. Oktober eine weitere leichte Entlastung erfahren. Allerdings ist der Rückgang der Zahl der Arbeitsuchenden und der Unterstützungsbezieher nur auf die erhöhte Aufnahme- fähigkeit des Berliner Arbeitsmarktes zurück- zuführen. Die Entlastungen aus den Ziegeleien haben ihren Fort- gang genommen, jedoch gelang es vereinzell, die sreigewordenen Arbeitskräfte in der Landwirtschafr unterzubringen. In der Me- tallindustrie waren, soweit Berlin in Frage kommt, neben dem Lokomotiobau die Radiofabriken für männliche, die Gelbmetall» und Beleuchtungsindustrie für weibliche Fachkräfte gut aufnähme» fähig. Die Entlassungen aus der Fahrzeugindustrie in Branden- bürg a. d. H. sind zum Stillstand gekommen, jedoch hielt noch die Kurzarbeit in ziemlich erheblichem Umfange an. Im Bekleidunge- gewerb« herrschte rege Vermittlungstätigkeit. Aus dem Bau- g e w e r b e lauten die Berichte insofern nicht günstig, als die Zahl der arbeitsuchenden Zimmerer und Maler bereits merklich wieder anzog. Im Verkehrsgswerbe nahm die Binnenschiffahrt Entlassungen vor. Die Zahl der Arbeitsuchenden fiel um 731 auf 213 452. d. h. um 0,4 Proz., gegenüber einer Abnahme von 1206 gleich 0,56 Proz. in der Vorwoche. Von den Arbeitsuchenden kamen auf Berlin 181 389. Die Zahl der H a u p t u n t« r st ü tz u n g s- empfänger in der versicherungsmähigen Arbeitslosenunter- stützung betrug 102 634, in der Krisenuntersrützung 21 126, zu» sammen 123 760 Personen. Von den Hauptunterftützungsempfängern in der Arbeitslosenversicherung entfielen auf Berlin 83 652, in der Krisenfürsorge 18 424 Personen. Das Auto— Amerikas wichtigster Exportartikel. Noch im vorigen Jahr stand die Vaumwollausfuhr der Vereinigten Staaten wertmäßig an erster Stelle und weit vor der von Auto- mobilen, Petroleum, Getreide und Maschinen. Im ersten Halb- jähr 1929 hat jedoch deroerstärkteDruckaufdemBinnen- markt die Autoausfuhr von 1044 Mill. Mark auf 1424 Mill. Mark um 36,4 Proz. weiter ansteigen lassen. Da gleichzeitig oer Baumwollexport von 1561 Mill. auf 1343 Mill. um 13,9 Proz. zurückging, stellt also heute die Automobilindustrie den wertmäßig größten Posten der USA.-Ausfuhr— eine Tatsache, deren soziale Bedeutung für die Vereinigten Staaten um so größer ist, als in der Automobil- industrie überwiegend hochqualifiziert« Facharbeiter beschäftigt werden.— Unter den europäischen Absatzmärkten für amerikanische Personenwagen steht Deutschland mit einer Ein- fuhr in Höhe von 19,831 Mill. Mark nach Belgien, Schweden und Spanien an vierter Stelle und noch vor England. .«A-V mSr Bou® »scTMl/Bm. Mg-. BsÄft V K W-K10Z- !S5" 83S5SS SiumwoUe Regentage mafuien, an iDäemende Jdeidung za xlenken! lüundecscfiÖMe sckateende JCleidec und mollige THäntel finden alle Damen, auch die jganz stocken, in uneeschSpfÜchec Auswahl zu Aekannt Adligen Jäteisen hei uns aoe. Eine Augenweide ist kür alle Damen unsere Modeil'AbleUnn� mit ihrer unerhört großen Auswahl an herrlichen NodelUdeidcrn und-Mänleln Die erlesene Schönheit dieser Gebilde, die edlen Stoffe und die hochmodernen Formen, die Pracht der neuen F arben werden auch Ihre Anerkennung finden, zumal die Preise hierfür ungleich niedriger sind, als Sie erwarten werden. Auch»ehr volle Figuren finden darunter das für sie Passendste. ioi Biserem StrlcfewarealaiBr: WundericfaAnet reinwollen. Sfrick-Kleid aus edlem Material, teils mit Motiven ge- schmQekt, teils mit eleganten, sebmalenStrei* fen, in vielen Farben a. allen Größen»»»»»» SlriWBSsenjaie aus reiner Wolle mit seitlichem Verschluss n. schöner Bordüre am Kragen u. 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W 3. Kreis Wedding. Unser Kursus«Der Arbeiter und der neue Staat" be- ginnt am Donnerstag, 17. Oktober, 19% Uhr, Zimmer 41, der weltlichen Schule, Wiesenstraße Ecke Pankstraße. Referent Dr. Gregor Dienstock. Die Abteilungen werden gebeten, noch einmal besonders darauf hinzu- weisen. 5. Kreis Friedrichshain. Dienstag. 15. Oktober, 19% Uhr. im Lokal Cadiner Straße 10, Kreisvorstandssitzung. Alle eingeladenen Vertreter werden ge- beten, bestimmt zu erscheinen. 6. Kreis Kreuzberg. Beamtenausschuß. Wichtige Besprechung am Montag, 14. Oktober, pünktlich 19% Uhr. bei Krüger, Grimmstr. 1. Alle Abtei- lungen müssen vertreten sein. 7. Kreis Ebarlottenburg. Mitglieder, Funktionäre, beschafft euch das Rüst- zeug zur Wahl und besucht die„Kommunalvolitischen Informalions- aöende". Leiter Simon Katzenstein am 14., 22. und 28. Oktober im Zimmer 1 des Rathauses fVcginn 20 Uhr pünktlich).— Dienstag, 15. Okto- ber, 20 Ubr, im Zimmer 1 des Rathauses, erweiterte Kreisvorstandssitzung. 9. Kreis Wilmersdorf. Montag, 14. Oktober, 20 Uhr, Bcamtenoersammlung im Biktoriagarten, Wilhelmsaue 114/115, Roter Kasinosaal fEinqanq zur Kegelbahn). Thema: Krise in der pommunalmirtschaft? Referent Stadt- ar-.t Dr. Alfred Korach. Parteimitgliedsbuch legitimiert. Eescheiuen aller Eeuossen dringend erforderlich. 10. Kreis Zehleudorf. Aröeiterwohlfahrt. Kostenlose Sprechstunde in allen Wohlfahrtsangelegenbeiten beim Genossen Zander, Zehlendorf, Even- Kedin-Str. 74. Donnerstags von 17—19 Uhr. 13. Kreis Tempelhof. Montag, 14. Oktober, bereits 19 Uhr pünktlich, Frak- tionssttzung. Dorfstr. 42, parterre. 14. Kreis Reukölln. Der Kursus I. Schlesinger„Die Wirtschaftsformen des modernen Kapitalismus" beginnt Dienstag, 22. Oktober. 17. Kreis Lichtenberg. Achtung, Kreisvorftand! Montag, 14. Oktober, 19% Uhr, kurze, wichtige Besprechung im Rathaus, Zimmer 25. 18. Krois Weißensee. Dienstag, 15. Oktober, 19% Uhr, bei Gallas. Lehder- straße, Kreisvorftandssitzunq mit allen Abteilungsleitern. 19. Kreis Pankow. Montag, 14. Oktober, 18% Uhr, Fraktionssttzung mit allen Bürgerdeputierten im Rathaus Pankow, Zimmer 17. heute. Sonnlag. 13. Oktober. 2. Abt. Werbematerial ist von Ohngemach, Kommandanienstr. 89, abzubolsn. 22. Abt. Achtung, Bezlrksfiihrer! ssür die Zstitglicderversaminlung am 28. Oktober, sind ab Mittwoch, 18. Oktober, Kandiicttel von der Spedition iöönisch abzuholen. 41. Abt. Achtung! Die Mitgliederversammlungen finden jetit wieder an jedem 4. Mittwoch im Monat im Lokal ssriesenschlöstchen, Friesenstr. 14, statt. Nächste Versammlung Mittwoch, 28. Oktober. Die Bezirksfiibrer laden da,u«in. Jeder Genosse ist vervflichtet, einen Gast miUubringcn. 47. Abt. Serbstsest, verbunden mit einer Jnbilarseier im großen Saal de« Sewerkschastohans«,. Sngeluser 24 2!i. Mitwirkung de, Segar- g chor« und der Sozialistischen Arbeitorjugend. ifestansvrachc Arwr Eri»plen, M. d. R. Saalöffnuna 1« Ubr. Beginn 17 Ubr. Gintritt». W karte» einschließlich Tau, 75 Pf. bei allen Funktionäre» und am Saal- eingaag erbältlich. 85. Abt. Tempelhol. Die Wählerlisten lieqen im Sitzungssaal, Dorfstr. 42, 1 Tr., und in den Echulbarackcn, Deutscher Ring aus. Die Genossen, die die Wählerlisten abschreiben, treffen sich in den angegebenen Stellen pstnktlich beute Sonntag früh 9% Uhr. 93. Abt. Reukölln. 83., 84., 85. Bezirk. Informationszusammenrun ft vor. mittags 19 Uhr bei König, Böhmische Str. 48/44. Morgen, Montag, 14. Oktober. 4. Abt. 19� Uhr bei Brandes, Stralau«: Str. 10, außerordentlich« Funk- tionärsstzung. 18. Abt. 1914 Uhr bei Schade, Kösliner Str. 9, Funktionärs, tznng. 21. Abt. 1915 Uhr Sitzung aller Funktionäre, Betriebsvcrtrauensleute und der Abteilungsreferenten in der Geschäftsstelle, Utrechter Str. 21. 29. Abt. 20 Uhr ffunktionärsttzung bei Burg, Brenzlauer Alle« 189. 38. Abt. 19 Uhr bei Bartusch, Friedenstr. 88, Materialausgabe für die Werbewoche und kurze Funttionärbefprechung. Alle Bezirksfithrer müssen anwesend sein. 49. Abt. 20 Uhr Funktionärfitzung bei iteufner, Hagelbergerstr. 20». Grschei. nen aller Funktionäre ist Pflicht. . Abt. 20 Uhr bei Gichholz, Guvrnstr. 28, werden die Bezirksfllhrer be. stimmt erwartet. Die Genossinnen und Genossen holen Material ab. Wichtige Mitteilungen. 82. Abt. Steglitz. 20 Uhr bei Schellhas«, Ahornstr. 15-, wichtige Sitzung aller Bezirksfithrer mit den Stimmbezirksfithrern. Die Bezirksfllhrer laden ihre Stimmbezrrksfsthrer ein. 90. Abt. Reukölln. 20 Uhr bei Schobeiko, Weichfelstr. 5, Funktionärsttzung. 102. Abt. Baumfchulcnweg. Am Montag eröffnet die Abteilung die Werbewoche und den Wahlkamps mit einem Werbenmzug mit Bannern, Fahnen, Musik, Fackeln. Buswarsch um 1814 Uhr Köpenick«! Landstraße Ecke Baumschnlcnstraßc. Den Mitglieder» wird die Beteiligung zur Pflicht gemacht. Dienstag, IS. Oktober. 35. Abt. 19% Uhr wichtige Funktionärsitzung bei Guczkowski, Schmnerstr. 38. 40. Abt. 20 Uhr Abteilungsmitgliederversammlung bei Förster sfrüher Jung), Dreibundstr. 11. Wichtige Tagesordnung. Vortrag: Die Tätigkeit der Partei im Bezirksamt Kreuzberg. Erscheinen aller Genossinnen und Ge- nossen ist Pflicht. Abt. Halensee. 2v Uhr bei Sandmann, Westfälische Str. 42, Mitglieder- Versammlung. Vortrag: Die politische Lage. Alle Genossinnen und Ge- nossen müssen erscheinen. Abt. Wilmersdorf. 20 Uhr bei Kulka. Lauenburger Str. 21, Mitglieder- Versammlung. Vortrag: Der Kommunalkampf und unsere Gegner. Refe- rent Stadtverordneter Karl Vublitz. Abt. Mariendorf. Die Abteilung beteiligt sich geschlossen an der Kund- gebung der 85. Abteilung Tcmpelhof am Dienstag. Treffpunkt 19 Uhr in Tempelhof, Dorfstraße Ecke Berliner Straße. Mittwoch, 1ö. Oktober. Abt. Schwerhörige. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Jugendheim, Lindenstr. 4, 1 Tr., Vortrag: Sprengstoffattentate, Hugenberg-Volks- begehren, Sozialreaktion. Referent Ernst Reumann. Alle Genossinnen und Genossen,„Vorwärts".Leser und Sympathisierende sind dazu ein- geladen. Abt. Steglitz. 20 Uhr bei Schellhase, Ahornstr. 15a, Mitglied.erversamm- lung. Vortrag: Die Wohnungsbaupolitik im Wahlkampf. Referent Stadt- rat Siegfried Hermes. Abt. Tegel. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Alten Krug, Hauptstr. 14. Vortrag: Vorgänge in der Stadtbank und die Stellung der SPD. Refe- rent Stadtverordneter Heinrich Schäfer. Wahlvorbereitungen. Arauenveranstaltungen. 8. Kreis Ärcitzbctrt. Montag, den 14. Oktober, 191h Uhr, in Rälles Festsälen, Fichtestr. 29, Frauenwerhevevanstaltung. Rezitationen des Genossen Puggi Muck. Ansprache Genossin Scnnn Rcwald. 11. Kreis S-Höneberg. Montag, den 14. Oktober, 20 Uhr. bei Will, Martin. Luther-Str. 89. Funktionärinnensttzung. Alle Abteilungen müssen oer» treten fein. W 15. Kreis Treptow. Donnerstag, den 17. Oktober, 1914 Uhr. im ü Lokal„Einsiedler", Johannisthal, Frauenwerbeahend. Vorträge des W Genossen Puggi Mnck. Karten zu 80 Pf. sind bei den Abteilungs. � leitcrinnen zu haben. W 19. Kreis Pankow. Donnerstag, den 17. Oktoster, 1914 Uhr, in Linders Kasinosaal, Pankow, Breite Straße. Frauenwerbevcranstalwng. DZ Film„Rote Jugend im roten Wien", Ansprache der Genossin Klara W Dohm-Schuch. M. d. R. Außerdem Rezitationen. Mitwirkung des Z Singekreifcs und Svrechchors Riederschönhoufen. Karten sind hei allen 0 Gruppenführern und bei der Genossin Kubig, Pankow, Maximilian» || straße 43a, zu haben. Frauenveranslalkungen am Moalag. 14. Oktober. 8. Abt. Montag, den 14. Oktober, 20 Uhr, bei Diederich, Brunnen» 0 straße 34, Frauenwerbeabend. Bortrag des Genossen Stadtrat Schneider: Hl„Dia Erfolge der Sozialdemokratie in der Kommune". Außerdem Rezitationen der Schauspielerin Martha John. 28. Abt. 1914 Uhr bei König, Otawistr. 87:„Devölkerungsposstik und Ge- burtenreaelung". Referentin Margarete Schcnkalowski. 25. Abt. 1914 Uhr bei Mcner, Pasteurftr. 8:„Fehn Jahre nach der Revolution". Refcrentin Käthe Kern. 98. Abt. Neukölln. 1914 Uhr im Jugendheim, Böhmische Straße, Frauenwerbeabend, Lichtbildervortrag:„Die Stellung der Frau in Indien"—„Ein sozialer Vergleich". Die Funktionärinnen sollen um 19 Uhr erscheinen. 194. Abt. Niederschöneweide. 1914 Uhr bei Krüger. Fenn- Ecke Berliner Straße 110:.Lachendes Alt- und Ncu-Berlin". Bortragender Genosse Hosemann. 124. Abt. Mohlsdorf. 20 Uhr im Lokal Nordstern, Hönower Straße:„Welt- machtgeliiste Eowietrußlands". Referent Hanns H, Komm. 187. Abt. Rcinickendorf-Weft. 20 Uhr im Volksbaus, Scharnweberstr. 114, Funktionärinnensttzung. Wegen F1ugblattver?rcitung ist das Erscheinen aller Funktionärinnen unbedingt notwendig. Zrauenveranstaltungen am Dienstag. 15. Oktober. 28. Abt. 20 Uhr bei Bartel, Wörther Str. 19:«Die Frau in ber Kommune". Referentin Erna Kresse. Charlottenburq. 53. Abt. 20 Uhr bei Hampel, Sickingen. Ecke Ufenaustraße: ..Sozialistische Wohnungspolitik". Referent Stadtarchitekt Otto Most.— 55. Abt. 19% Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21:«Unsere Arbeit in der Kommune". Referent Stadtrat Genosse G. Karrer. 107. Abt. Falkenberq-Alt-Glienicke. 19% Uhr bei Meier. Straße am Falken. . llerg:„Der neue Strafgesetzentwurf— Soziale Gerichtshilfe". Referentin Minna Todenhagen. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, Ib. Oktober. 11. Abt. 1914 Uhr bei Derger, Levetzow. Ecke Iagowstraße:„Die nächsten politischen Aufgaben". Rcferentin Käthe Kern, Auch in« Frauen der Genossen und Snmvatbisscrende ssnd eingeladen, 24. Abt. 1914 Uhr bei Winzer, Winsstr. 48, Frauenabend,— 3. Gruppe: 20 Uhr bei Köhler. Greifswalder Str. 80a:„Die Frau in der Kommune". Referentin Ella Kap, Eharlottenburg. 54, Abt, 1914 Uhr im Jugendheim, Rossnenstr. 4:„Die Reform des Strafgesetzes". Referent Dr. Bernhard Adler.— 58. Abt. Der Frauenabenb findet mit Rücksicht auf die öffentliche Versammlung erst am Mittwoch, dem 28. Oktober, statt. Schöneberg. 77. Abt. Der Frauenabcirb am 18, Oktoller sollt aus.— 78. Abt. 20 Uhr im oberen Saal des Gesellfchaftshanfes des Westenz, Bortrag de» Genossen Dr. Chajes über:„Bevölkerungsvolitik".— 7», Abt. 20 Uhr bei Groß, Scdanftr. 17:„Was hat die Sozialdemokratie in der Kommune er» reicht?" Referentin Minna Todenhagen. 81. Abt. Friedenau, 20 Uhr bei Klabc, Sandjertistr. 80/81:„Sozialistifchs Kommunalpolitik". Referent Stadtverordneter Hans Wopwod, 85. Abt. Tcwpclhof. Der Bortrag der Genossin Morgenstern fällt umstände- halber aus. Dafür beteiligen sich alle Genossinnen am Frauenallend den 38. Abt. am Mittwoch, dem 18. Oktober, bei Niendorf, Mariendorf. Chausscestr. 19. Vortrag des Genossen Stadtarzt Dr. Georg Löwensteint „Die innere Nöte und Krankheiten der Prolctarierfrau". 88. Abt. Mariendorf. 20 Uhr bei Niendorf, Chausssestr. 19, Vortrag de« Ge. nassen Dr. Georg Löwcnstcin, Stadtarzt:„Die innere Nöte und Krank- heiten der Proletarisrfrau". III. Abt. Bohnsdorf. 20 Uhr bei Heimann, Waltersdorfer Str. 100:„Rationa- lisierung des Haushalts", Referentin Herta Gotthclf, Frauenveranstallungen am Donnerstag, 17. Oktober. 9. und 13. Abt. 19% Uhr Frauenwerbeveranstaltung im Artushof, Perleberger Str. 34, Film:..Die sozialen Einrichtungen der Stadt Berlin". Ansprache der Genossin Gertrud Hanna, M. d. L. 126. Abt. Reiuickendorf-Ost. 20 Uhr pünktlich Frauenabend in der Lindauev Straße. Bezirksverordnetenvorstcher Rotzolk spricht über„Wqs habe� mir in den letzten vier Jahren im Bezirk Reinickendorf erreicht?" Bezirksausschub für Arbeiterwohlfahrt. 8. Kreis Kreuzberg. Montag, 14. Oktober, 19 Uhr. findet bei Rabe, Fichte» straße, eine kurze Besprechung des Krcisausschusscs statt. Jede Abteilung muß vertreten fein. Achtung, Poli-cibeamtc! Donnerstag, 17. Oktober, 29 Ubr, in den W Sammersälen, Teltower Str. 1—2 law Halleschen Tor), öffentliche Poli- es zeibeamteavcrsammlung. Tagesordnung: Polizeibeamtcn Sroß-BerUns M und die kommenden Stadtverordnetenwahlcn. Referent Bnroermcister W Paul Mielitz. Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokratischen Polizcibcamtcn. Bezlrksanssdiuß für soziallstisdie Bildungsarbelt Berlin Theatervorstellung Sonntag, den 13. Oktober 1929, naduniffags 3 Uhr, im Staatlichen Schillertheater.Charloftenburg Karten für 1,50 Mark sind noch im Theater 2u haben Jungsozialisten. Gruppe Bohnsdors: Dienstag. 15. Oktober, 20 Uhr, im Jugendheim Wachteln straße 1. Beginn des Kursus Dr. Dora Fabian über„Einführung in doch Marxismus". Gäste herzlichst willkommen, Gruppe Tempelhof-Mariendorf: Dienstag,. 15. Oktober, pünktlich 19 Uhr. beginnt im Nadelarbeitsraum der Schul« Kurfstrstenstraße in Mariendorf uns«: Kursus„Der Arbeiter und der neu- Etaatz', Leiter Dr. Georg Bi-nstock, Gruppe Eharlottenburg: Montag. 14. Oktober, 20 Uhr, im Iugendheini Resinenstr, 4, Bortrag:„Die Arbeitslosenversicherung". Referent Genost« W. Bach. Arbeilsgemeinschafk der Sinderfreunde Groh-Berlin. Krei, Weißens«: Donnerstag, 17, Oktober, 20 Ubr. Kreishelferverfamme lung bei Kordatzki, Elbinger Str. 89, «reis Prenzlauer Berg: Freitag. 18. Oktober, 20 Uhr, Danziger Str. 82, Kreishelfersttzung, /Winterarbeit und Wahlen.)— Sonntag, 20. Oktober. Kreis, trcssahrt lSafen. und Lundefahrt) Velten. Krämer, Brieselang, Treffpunkte: 714 und 814 Uhr Bhf, Gesundbrunnen, Eingang Millionenbrücke.— Gruppe Freiheit: Montag. 14, Oktober, 17 Uhr, im Jugendheim Sonnenburger Str. 20, Ardeitskreisveranstaltung. verbunden mit Lichtbildvorfllhrung,— Mittwoch. 18, Oktober, von 17—19 in der Turnhalle Danziger Str. 23, gemejnsames Turnen mit der Eruvve Friedrich Ebert. Turnzeug nicht vergessen,— Donner», tag, 17. Oktober, von 17—19 Uhr im Jugendheim Sonnenburger Str. 20, Aus» sprach« über unsere kommenden Bastelarbeiten,— Sonnabend, 19. Oktober, 18— 19 Ubr, Schulaulo Danziger Str. 28, Kreisssnge- und Bewcgungschor, Kreis Friedrichs Hain: Sonntag, 18, Oktober, treffen sich alle Falken 914 Uhck Küftriner Platz zur Morgenfeier im Andrcas-Rcalgnmnasium, Kovpcnstr. 78» Mittwoch gehen alle Iungfalkcn und Rote Falken zum Turnen in der Welb� Nchen Schule, Dieftelmenerstraße. »reis Mitte: Montag, 14. Oktober, machen wir Anfang mit unseres Selferbildungsarbeit. Kursusbeginn 2014 Ubr im Jugendheim sschdenickev. Straße 25. Genossin Mar« Löwcnstein wird die Arheitsgemeinschoft lebendi!» gestalten. Interessierte Genossen der SAJ. und Eltern beteiligen sich.— Gruppe Arkonaplatz: Dienstag, 15, Oktober, turnen wir in der Schule Nuvvinev Straße 48 ab 1714 Uhr. Freitag, 18, Oktober, Lelfcrsitzung um 20 Uhr int Heim.— Rote-Falken-Gemeinschaft: Montag, 14. Oktober, Basteln. Freitag, 18. Oktober, 18— 20 Ubr, Spielabcnd im Keim Elilabctbkirchstraße. Mittwoch» 18. Oktober, 1814 Uhr, treffen wir uns vor dem Seim. Wir gehen zur Kultur» abteilung des DMAB,— Inngfalken-Gemeinschaft: Mittwoch, 18. Oktober. Sviclabend. Freitag, 18. Oktober, Basteln: beides im Heim Elisabethkirchstraß« von 1714—1914 Uhr.— Rcstfalken: Montag, 1714—1914 Uhr, Spielen im Heim Elisabethkirchstraße. Kreis Wedding: Dienstag, 15. Oktober, pünktlich 1714 Uhr, kommen all« Gruppen ins Ledigenheim zum Lichtbildervortrag„Woddingcr auf Fahrt". 1914 Uhr im gleichen Raum Elternversammlung, Kreis Eharlottenburg: Unsere Winterarbeit beginnt. Die Gruppenabend« sind solgende: Nestfalken: Dienstags und Freitags 1514—1714 Uhr im Hcmr Bosinenstr. 4. erstmalig Dienstag. IS. Oktober. Junofalken I: Moniggs,!? bis 19 Uhr Heim Wall- Ecke Spreestraße, Donnerstags 17—19 Uhr SeinriiNdsinen»: straße 4. Zungsalkcu IT: Dienstags 17—19 Uhr Heim Rosinenstr. 4. Frei» tags 17—19 Uhr Seim Wall. Ecke Spreestraße. Rote Falken: Mittwochs 1714 bis 1914 Ubr, Sonnabends 1814— 19 Uhr im Heim Rosinenstr. 4. Krei» Pankow und Reinickendorf: Beginn der Hslferarbeitsgemeinfchaft! Montag, 14. Oktober, 20 Uhr, Jugendheim Lauterftraßs. Erscheinen allen Helfer ber beiden Kreise ist Pflicht. Interessierte Partei- und SAJ. �Genossen sind willkommen. 14. Krei, Neukölln: Montag, 17 Uhr, Sprechstunde. Ganghoferstraße. Mitt» woch, 18, Oktober, 1814 Uhr, Singckreis, Karl-Marx-Realgumnastum, Er» scheinen oller ist Pflicht, Instrumentalkreis 8— 8 Uhr, Gruppe Wilmersdorf: Sonntag, 18, Oktober. 18 Uhr. im Jngendheintz Wilhelmsaue, Lichtbildcroortrag, Kasperletheater, offene Gesangsstunde, Eltern und Gäste herzlich willkommen, Geburislage, Jubiläen usw. 8. Abt. Unserem Genossen Johann Rntz»nd seiner Ehefrau, Fürsten» berge« Str. 11, die berzlichstcn Glückwünsche zur Silberhochzeit. 87. AM. Unserem Genossen Franz Böhnke und feiner Ehefrau zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation| 93. Abt. Neukölln. Donnerstag. 10. Oktober, verstarb im Alter von 88 Jahren unser treuer und unermüdlicher Genosse Emil Bratke, Tenvitzev Straße 9g. Ueber 88 Jahre gehörte er der Partei an und kämpfte in Gemein» schaft mit seinen Klassengenossen für die soziale Besserung der Arbeiter» klasse. Ehr« seinem Andenken! Einäscherung am Montag, 14. Oktober. 1714 Ubr, im Krematorium Baunrschulenwcg. Ist das eine Pliotograpliie? NIein und ja! P-j'n genialer ZeicKner Kat diese Kaffeeiiaussldzse nacli dem Leben entworfen— ecfiter fc�nn die pKotogropfiisdie Platte das Leben nidit festhalten. Und das ist des Bildes lebendiger Sinn: wir a l! e— Kopf» oder Handarbeiter- braueben die C-aid-2 isarette so notwendig,, wie uns ein wenig»Anregung und Zerstreuung, wie uns ein paar Stunden Erholung vom /Mltagsjocb gut tun. BesucKen Sie dieTauscktüros: Berlin Cs.SckloßpIaU i.oder Ckarlottentur�GoetKestr�EckeWilmersdorfer Str» Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 13. Okiober: 7: Funksymnastlk. 8: Für den Landwirt. 8L8: Stundenglockenspi»! der Potsdamer Oarnisonkirche. 9: Morgenfeier. AnschlleBend Glockengeläut des Berliner Doms. 10: Wettervorhersage für Sonntag. II:„Der Steht", eine Kantate für Rundfunk. 1IJ0: Elternstunde. 12: Mittagskonzert. 13.58: Bildfunk. 14.05: Heiteres vom Theater. 14.30: Konzert. 15.20: Märchen. 15.45: Unterhaltungsmusik. 17: Programm der aktuellen Abteilung. 19: Schallplattenkonzert. 19,30; Liebe und Verbrechen. 20.15: Uebertragung Berliner Theater;„Marieita" von Oskar Straus. Danach Tanzmusik. Montag, 14. Oktober: 7: Funkgymnastik. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 13.50: Bild- lonk. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Jugendstunde. 18.45: Familie und Gesetzgebung. 16.05: Medizinisch-hygienische Plauderei. 16.30: Pas deutsche Volkslied des 15. und 16. Jahrhunderts. 17.30: Teemusik. 18: Russisches Kindertheater. 18.30: Heitere Lieder in verschiedenen Dialekten. 19: Jeder Ist seines Glückes Schmied. 19.30: Kinderkrankheiten der Seele. 20: Lieder. 20.30; Uebertragung Prag: Orchesterkonzert. 2230: Funktanzunterricht. Danach Tanzmusik. 0.30: Nachtkonzert. Dieastas. 15. Oktober: 7: Funkgymnastik. 9; Schulfunk. II: Uebertragung Frankfurt a, d. O.: Einweihung des Musikheirres. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 13.50; Bildfunk. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Jugendstunde. 13.45: Hildegard von Bingen. 16.05: Eine Plauderei über die Redekunst. 16.30; Blasorchesterkonzert. 27.30: Wie wir schaffen und wozu wir schaffen. 18: Mietsallerlei. 15-20: Unterhaltungsmusik. 19: Stunde mit Büchern. 19-30: Schallplattenkonzert. 19.50: Wovon man spricht. 20.15: Ans dem Ufa-Palast am Zoo. 20.50: Kammermusik. Mittwoch. 16. Oktober: 7: runksrnrnastik. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 13.50: Bildfunk. 14: Schallplattenkonzert, 15.20: Jugendstunde. 16.15: Unterhaltnngs- musik. 17.30: Warum Einheitskurzschrift. 17.50: Rationalisierung und Personalansbildung. 15.15: Heitere Stunde. 19: Sonaten. 20: Aus dem Bechstcinsaal: ».Die Prinzessin von Trvpczunt1', Operette von Offenbach. 21; Jacques Offenbach. Danach Tanzmusik. Donnerstag, 17. Oktober: 7: Funkgymnastik. 9: Schulfunk. 12-30: Die Vicretlstundc für den Landwirt. 13.50: Bildfunk. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Jngendstunde. 15.45: IXlchter und Dichtung des Herbstes. 16.05: Die Frankfurter Internationale Koch- knnstausstellung. 16.30: Orchesterkonzert. 18.30: Die Beamtenschaft will die Verwaltungsreform, 18.50: Durch Spanien und Marokko. 19.15: Musikvorträge. 20:„Hans SormcnstÖßcrs Höllenfahrt4* von Apel. 22.30: Funktanzuntcrricht. Danach Tanzmusik. Freitag, 18. Oktober: 7: Funkgymnastik. 12.30: Wettermeldungen för den Landwirt. 13,50: Bildfunk. 14; Schallplattenkonzert. 15.20: Jugendstunde. 15.45: Arbeitsmarkt nnd Wirtschaft. 16.05: Neue Wege der Pflanzenzüchtung. 16.30: Ludwig van Beethoven(Konzert). 17: Sowale Reportagen.- 17.20: Unterhaltungsmusik. 38.10: Das neue Buch. 18.20: Teemusik. 18.55: Vom Werden unserer Glühlampe. 19.20: Programm der aktuellen Abteilung. 20: Uebertragung Städtische Oper Charlottcnburg:„Tiefland", Musikdrama von d' Albert. Danach Abend- Unterhaltung. Sonnabend, 19. Oktober: 7: Funkgymnastik. 12.30: Wettermeldnngen für den Landwirt. 14: Schall- plattenkonzcrt. 15.20: Jugendstunde. 15.45; Was wir von Berlin wissen müssen. 16.05: Männergesang im alten und neuen Stil. 17.30: Heiteres. 18: Lieder. 1&30: Französisch für Anfänger. 18.55: Bildfunk. 19.05: Das Interview der Woche. 19.30: Abenteuer in den Urwäldern Afrikas und den Dschungeln Indiens. 20.00: Heiterer Abend. Danach Tanzmusik. Königswusterhausen. Sonntag, 13. Oktober: Ab 7: Uebertragung aus Berlin. 18: Liebesduette. 19: Fremde Menschen. 19.30: Sun-Yat-Sen, der Nationalhcros der Chinesen. 20: Dcutschlandsender: Militärkonzert. 20.15: Richard Strauß als Liederkomponist. Anschließend Uebertragung ans Berlin. Montag, 14. Oktober: 16: Franzdsjsch(kalturkundlich-literarlsche Stunde). 16.30: Uebertragung aus Berlin. 17.30: Geschichte der Fabel. 18: Volk. Staat, Nation. 18.30: Englisch für Anfänger. 18.55; Diingemittellehrgang. 19.20: Der Kraftfahrer im Recht. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Dcutschlandsender: Zur Unterhaltung. 20.30; Uebertragnng Breslau: Heilere Funksaite. 21: Heitere Stunde. Anschließend Uebertragung ans Berlin. Dienstag. 15. Oktober: 16.30: Uebertragnng ans Leipzig. 17.30: Geschichte der Fabel. 18: Musik- Das Schallplattenkonzert führt den Titel„Zwei Pole ber M u s i f. Das ist nicht so zu verstehen, daß man etwa von der Sinfonie bis zum Jazz allerlei Uebergangs- und Zwischenstufen vor. führen will, fondern man stellt ein« anerkannt ernste und wichtig« Musik dem beliebten Salongespiele gegenüber. Können dabei Eni- deckungen gemacht werden? Kaum in dieser verkürzten Form. Aber plötzlich ertönt die Tofelliserenade, von einem ausgezeichneten Trio gespielt, und der Zuhörer fühlt, daß diese auf allen Leierkästen in allen Kinos und auf ollen Klavieren abgehaspelte Komposition eines durchaus seriösen italienischen Musikers eine Fülle der Melodie enthält, daß hier ein Melodiebogen ganz weit gespannt wird. Gut die Nachmtttagsveronstaltung„W e n n man verliebt ist" mit Rezitationen mehr oder minder moderner Dichter. Man greift sogar zum Liebesbrieffteller. Dazwischen Schallplattenmusik. Das Bacchanal aus dem„Tannhäuser" mit seinen wildstürmenden Rhythmen sprengt den Rahmen. Dann die Uebertragung eines Konzerts, Tangos und spanische Tänze, aus Buenos-Aires. Tonver- Zerrungen, die hin und wieder auftreten, stören kaum den Zauber der Ders«. Das Kabarett am Abend prunkt nicht mit großen Namen. Es steht im Zeichen der Jungen, die sich allerdings nicht so revolutionär benehmen, wie sie sich ankündigen. Ein bißchen Erotik, ein bißchen Tiefsinn und«in bißchen Zeitsatire. Aber hier bleibt die Aufmachung von entscheidender Bedeutung. Die Stimmen sind frisch, ohne durch Routine abgestumpft zu sein, sie klingen noch ausdrucks- stark. Dies« Jungen sind wenigstens begeisterungsfähig und darum oergißt man, daß auch hin und wieder Tnvales unterläuft. F. S. verstehen. 18.30: FransAslseh für Fortgescbrirtene. 18.58: Oute« Dentsck ttr Jedermann. 19.20: Da» Autspeichern von Wirme nnd Arbelt in der Natur und in der Technik. 19.45: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19.50: Uebertragung ans Berlin. 20.15: Deutscblandseoder: Hans Sonnenstößers Höllenfahrt. Von Apel. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Mittwoch, 16. Oktober: 16: Das Seelenleben des Krüppels. 16.30: Uebertragung ans Hamburg. 17.30: Dichterstunde. 18: Ans den Lehrwerkstätten eine» großen Industrie. Werkes. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.55: Gespräche über Musik. 19.20: Die Qroßfunkstatlon Nauen im Weltkriege. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Dcutschlandsender: Unterhaltungsmusik. 20.45: Norwegische Dichtungen. 21.15: Uebertragnng Leipzig; Norwegische Musik. Anschließend Uebertragnng aus Berlin. Donnerstag, 17, Oktober: 16: Selbstverwaltung in der höheren Schule. 16-30: Uebertragnng ass Berlin. 17.30: Dichterstunde. 18: Aaslandsdeutsche Weinbauern. 18-30: Spanisch für Fortgeschrittene. ISJSSr Die verschiedenen Aufstellungsarten im Rindviehstall im Hinblick auf das Reicbsmilchgesetz. 19.20: Verkaufsgesprtche. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Dcutschlandsender: Literatur und Musik. Anschließend Uebertragung ans Berlin. Freitag. 18. Oktober: 16: Karzsohriftdiktate. 16.30: Uebertragung aus Leipzig. 1 7..30: Fünfzig Jahre elektrisches Licht. 18; Praktische Erfahrungen ans der ländlichen Siedlung. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55: Die wirtschaftliche Bedeutung der Textilwirtschaft. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Dentschlandsender: Konzert. Anschließend Uebertragnng aus Berlin. Sonnabend, 19. Oktober: 16; Arbeitsgemeinschaft der Funkpädagogik. 16-50: Uebertragung ans Hamburg. 17.30: Bildungsquellen de» Beamten. 18: Um die Reform der Arbeitslosenversicherung. 18.30: Französisch für Anfänger. 18.55: Daa moderne England. 19.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20: Dentschlandsender: Orchesterkonzert. Anschließend Uebertragnng aus Berlin. Lothringer Straße 67 Frankfurter Allee 337 lad Versalien Sie flerkules-Brol (Vollkornfeinbrot) ün«or Hcrkales-Brot ist«In Vollkraft-Brot. Dae hierzu verwandte Vollkornmehl macht durch wissenschaftliche Aufbereitung Umwandlungen durch, wodurch das Eiweiß für die leichte Verdauung vorbereitet wird und die eingebetteten Vitamine und Käbrsalze freigelegt werden. Die wichtigen Mineralstoffe sind reichlich vorbanden, weshalb das Herkcles-Broi einen BasenObersohuß im Sinne der neuen Ernährungslehre aufweist. Wiffler Brof-fabrikcMss Erhältlich 1D ca. 7000 VerkanfsstelieD. Erhältlieh In oa. 7000 Verkanfsatelieii. « 1 r k■■■ sind die KLEINEN ANZEIGEN In der Gesamtautlage des„Vorwärts- nnd Billige Parzellen unerrsiem gflnstlga Zahiungsosdlngungen Lehnitz-Oranienburg In nur 10 Min.-Fußweg vom Voroiibahnhof Lehnitz(über Kanal cn: ________________________________________ wqil_ �____ zwischen Oberhavel u. Orbg.-Kanal liegt unser Gelände z. T.'an fer- und Havelbrücke, dann Gustav-Ebei-Str. geradeaus rechts hinter d Bahndamm) erreichen S|eunserVerk«nt»baro Oranienburg. Dort Do« I''"" tiger Straße m.elektr. 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Genosse Dr. Broecker vom ADGB. zeigte an einer Gegen- Überstellung der»Reform" vorschlüge der Unternehmer sowie anderer sozialreattionärer Kreise und den nunmehr vorliegenden Beschlüssen des Reichstags, daß es den Vertretern der Gewerk- schaften und der Sozialdemokratie gelungen ist, den Angriff auf die Grundlagen der Arbeitslosenversicherung abzuwehren. Wenn auch einige neue Bestimmungen des Gesetzes, wie z. B. die über die Unterstützung der Heimarbeiter, der unständig Beschäftigten usw., nicht den Forderungen der Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Fraktion entsprechen, mühte doch,«nt- gegen andere« Behauptungen, betont werden, daß die Reform dank de» entschiedenen Eintreten» der Vertreter der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie ohne einen allgemeinen Leistung?- adbau durchgeführt worden ist. Die Gauleiter gaben ihrer Meinung über die Reform der Arbeitslosenversicherung in folgender Entschließung einstimmig Ausdruck: �vie am 12. Oktober 1929 oerfammeve Konferenz begrüßt ««. daß durch de» entschiedenen«bmehrkamps der freie» Gewerkschaften »ad der sozialdemokratischen Zraktloa grundsätzliche Verschlechterungen der Arbeitslosenversicherung verhindert worden sind. Allerdings muß die Konferenz gegen einzelne der neuen Bestimmungen trotzdem Bedenken geltend machen: ins- besondere erwartet sie vom Verwaltungsrat der Reichsanstalt eine sozial« Lösung der ihm übertragenen Regelung für Hei m- arbeite? und unständige beschäftigte Arbeiter. Auch die nunmehr vorgenommene Regelung der Saison- arbeiterunter st ützung scheint der Konferenz noch keine völlig befriedigende Lösung zu sein, wenn sie auch anerkennt, daß den weitgehenden Abbauforderungen der Arbeit- geber in keiner Weise Rechnung getragen ist. Im übrigen er- erwartet die Konferenz, daß der erfolgreichen Verteidigung der Versicherungsleistungen nunmehr alsbald auch die endgültige Sanierung foigen wird." Der Lezirksfekretär des ADGB., Genosse Vollmerhans, sprach dann in kurzen, programmatischen Aussührimgen über das Interesse der Gewerkschaften an den Kommunalwahlen. Da die Kommunen die größten Unternehmer sind, sst es für die Gewerkschaften von größtem Interesse, welche Lohn- Politik die Kommunen treiben. Die Gewerkschaften sind inter- essiert daran, daß die kommunalen Werke wirtschaftlich aus der Höhe find, ober avch ebenso stark daran, daß bei ihnen vor- bildliche Lohn- und Arbeitsbedingungen bestehen, die sozialen Einrichtungen dieser Werke den modernen Ansorderun- gen entsprechen und schließlich auch eine Preispolitik getrieben wird, die das real« Lebensniveau der Minderbemittelten hebt. Die von den Gewerkschaften in der Nachkriegszeit errichteten und zum Teil von den Kommunen stark abhängigen Wirtschaft- lichen Unternehmungen bedingen gleichfalls, daß die Ge- werkschafter den Kommunalwahlen besonder« Beachtung schenken. So könnte z. B. die Arbeiterbank vielmehr als bisher mit den kommunalen Körperschaften in Verbindung kommen. Auch die Bauhüttenbewegung ist stark daran interessiert, wer die führende Rolle in den kommunalen Körperschaften spielt. Für viele von den Gewerkschaften ins Leben gerufene Vaugenossenfchaften ist es schwer, auf dem Gebiet« des Wohnungsbaues für Minderbemirtelte vorwärts zu kommen, weil die Kommunen ihnen ablehnend gegen- überstehen. Hinsichtlich der praktische« Sozialp antik, wie es da Notstandsarbeiten sind, ist es für die Gewerkschaften nicht gleich- gültig, in welchen Händen sich die Konnnunaloerwaltungen befinden. Ob es sich weiter um die Jugendpflege, den Sport, das Berufsschulwesen, die Unterstützung der gewerkschaftlichen Rechtsauskunftsstellen oder der Arbeitersekre- tariate handelt, überall ist es für die Gewerkschaften nicht gleich- gültig, wer in den kommunalen Körperschaften den Ausschlag gibt. Da die KPD. kein Interesse daran hat, daß die Ge- werkschaften auf diesen Gebieten vorwärts kommen, weil sie die Macht der Gewerkschaften fürchtet, müssen sich die Gewerkschaften auf die Sozialdemokratische Partei und deren Ver- tungen in den kommunalen Körperschaften stützen. Daher kann e» für jeden Freigewerkschafter am 17. November keine andere Parole geben, als die Liste der Sozialdemokralischen Partei zu wählen. Die Ausführungen des Genossen vollmerhaus fanden die einmütige Zustimmung der Konserenz. Profit und Nationalflagge. Deutsche Scharfmacher unter französischer Flagge. Die bürgerliche Presse erzählte ihren Lesern dieser Tag««in« gar oerwunderliche Räuberpistole aus der R h e i n sch i s f a h r t. Danach haben die Rheinjchiffahrtsunternehmer deutsche Arbeiter ent- lassen und sie durch Ausländer ersetzt. Wie liegen nun die Ding« in Wirklichkeit? Auf Grund des Dersailler Vertrages mußt« Deutschland Fahr- zeuge an Frankreich und Belgien abgeben. Beide Länder hatten aber für dies« Fahrzeuge kein qualifiziertes Personal. So konnten sie mit diesen Fahrzeugen nichts Rechtes anfangen. Di« Schifte waren ohne ausgebildete Mannschaft fast wertlos. Deshalb tauchte der Gedanke auf, beut sch es Personal zu übernehmen. Andererseits hatte Deutschland Interesse daran, Personal abzugeben, um die Mannschaft vor Arbeitslosigkeit zu bewahren. Aus diesen Ueber- legungen heraus wurde mit Frankreich ein Staatsoertrag abgeschlossen, wonach deutsches Personal auf den französisch geworde- nen Schiften fährt. Der Bertrag sicherte auch die Rechre der deutschen Schiffsbesatzung in weitgehender Weis«: u. a. mußte Frankreich«in« Gesellschast(Gallia) nach deutschcm Recht mit Sitz in D u i s- durg-Ruhrort gründen, die als Arbeitgeberin des deutschen Personals gilt. Weiter enthält der heut« noch zu Recht be- stehende Staatsvertrag die Bestimmung, daß die mit den deutschen Unternehmern abgeschlossenen laris- vertrage auch durch die srauzösische Firma mit de» deutschen Arbeiterorganisationen abzuschließen sind. Die weitere Entwicklung wird durch die G e st a l t u n g de» Reallohnes in Frankreich und Deutschland verständlich. Vor der Inflation lag der deutsch« Reallohn unter dem französischen, n a ch der Inflation haben sich die Dinge geändert. Den oben erwähnten Staatsvertrag liehen die Franzosen nach der Ruhraktion, d. h. nach der deutschen Inflation nicht mehr gelten. Die Reichs- regierung hat auch trotz schärfsten Drucks der deutschen Gewerk- schaften bisher nichts unternommen, um Frankreich zur Inne» Haltung des Staatsvertrages zu zwingen. Daraus ergibt sich: Die deutschen Arbeiter, die jetzt auf französischen Fahr- zeugen fahren, haben einen geringerenLohn als" � Kollegen auf deutschen Fahrzeugen. Selbstverständlich bedeuten die französischen Fahrzeuge mit den l geringeren Arbeitslöhnen für die deutschen Unternehmer ewe unange. nehme Konkurrenz. Diese Unternehmer machen der Mannschaft auf den französischen Schissen immer wieder den Dorwurs, daß sie bei den Franzosen zu niedrigeren Löhnen arbeiten. Andererseits haben fi� sich gegenüber den Gewerkschaftsführern verpffichtet, das mit den Fahrzeugen an Frankreich übergegangene Personal so bald wie möglich wieder in deutsche Dienst« zu nehmen. Dieses Versprechen haben die Unternehmer nicht gehalten, ob- wohl sie vielfach selbst Ausländer in Dienst nahmen. Sie brachen ihr Versprechen, muten aber dem deutschen Arbeiter aus den französischen Fahrzeugen zu, arbeitslos zu werden und auf die niedrigeren Löhne der französischen Schiffsbesitzer zu ver- zichten. Das geht so weit, daß die mtk Hilfe des Geldes deukscher Steuerzahler errichteten Fahrzeuge unter fremder Flagge fahren. Damit erhalten die Reeder das Recht, ausländische» personal anzuwerben, da» keinen Anspruch aus die deutschen Tariflöhne erhebt. Wir stellen also fest: Di« Löhne auf französischen und deutschen Fahrzeugen waren bis zur Ruhraktion ungefähr gleich. Erst auf Grund der ZRuhrattion mit ihren Folgen änderte sich das Bild. Der deutsche Lohn liegt seit der Ruhraktion höher. Daraus erklärt sich die Liebe der deutschen Reeder für fremde Flaggen und für fremdes Schiffspersonal. Es ist auch kein Geheimnis, daß die deutschen Schiffahrtsunternehmer, die mit deutschem Kapital im Ausland Schiffahrtsunternehmungen begründen, in den ausländischen Unternehmerkonzernen die größten Scharfmacher sind. Wir wollen nur einige bekannte Firmen nennen, die im Ausland groß« Schiffahrtsunternehmungen errichtet haben: Haniel, Thyssen, Stinnes, der Fendelkonzern, der auch zum preußischen Bergfiskus Beziehungen hat, und der� b a d i f ch« Fiskus. Die Herrschaften schreien nun der deutschen Oe-ffentlichkeit Immer wieder in die Ohren, daß die deutzuje Flagg« auf dem Rhein zugunsten der ausländischen Flaggen verschwinde. Dabei wird verschwiegen, daß man die Schiffe mit Absicht nach dem Ausland bringt. Wenn dt« jetzt unter fremder Flagge fahrenden deutschen Fahrzeuge die richtige Flagge führen würden, so dürfte sich da» Bild auf dem Rhein zumindesten um 15 bis 20 Proz. zugunsten der deutschen Flagge verschieben. Warum aber geschieht nichts vom Auswärtigen Amt, um dem Staatsvertrag Gel-tung zu verschaffen? Eine großzügige Gchwindelakiion. „Klassenbewußte� Llnorganisierteals Gammler für die KpO. Die Bezirksleitung der KPD. und einige ihrer Filialen fordern ..all« Berliner klassenbewußten Arbeiter" auf, sich der KPD. als Sammler für eine heute durchzuführende»groß. zugig« Sammelaktion"— angeblich zur Unterstützung der kommn- nistischen Rohrleger— zur Verfügung zu stellen. Die Bezirksleitung der KPD. braucht Geld. zu den Kommunal wählen. Papier ist nicht nur geduldig. Es kostet auch Geld. Der„Apparat" verschlingt den größten Teil der russischen Tscherwonetz. Also sollen di« Berliner zur Speisung der Aerleumdungskampagne den Beutel auftun. Da aber die Berliner nicht sehr veranlagt sind, der KPD. ihr gutes Geld zu bringen, sollen sie in ihren Wohnungen aufgesucht werden. Von wem? Die paar tausend Mitglieder, die der KPD. noch verblieben sind» reichen dazu nicht aus, auch wenn sie sich alle in Bewegung setzen würben. Also ran an die„klastenbewuhten" Unorganisierten! k Wir zweifeln nicht daran, daß unter diesen in mehr als einer Hinsicht fraglichen Erscheinungen der Sammeleifer aufflammen wird. Zumal sammeln und abliefern bei der KPD. durchaus nicht aufeinander zu folgen pflegen. Von 90 000 in den Betrieben abge- setzten Unterstützungsmarken wurden, laut Kassenbericht, nur für 30 000 abgerechnet. 60 000 haben sich unterwegs verkrümelt. Warum soll sich so ein„klassenbewußter" Unorganisierter nicht auch einmal gesund machen? Warum immer nur für die Bonzen der KPD. die fetten Einnahmen? Warum immer nur für die „Rote Hilfe" die Restbestände der Sklarek(die man nachher als russische Sendung deklarieren kann)? Daß diese großzügige Sammelaktion ein großzügiger Schwindel ist, liegt auf der Hand. Die paar hundert Rohrleger, die noch streiken— sofern sie nicht mit einem Arbeitsberechtigungs- schein versehen sind können mit ein paar tausend Mark wiWzeni- ausgehalten werden. Angeblich strömen die Gelder nur fo herein. Sogar die kommunistisch regierte Zahlstelle des Zimmereroerbandes hat aus Verbandsmitteln 25 000 M. gestiftet. Nicht für die Rohrleger wird gesammelt, sondern für, die KPD. Doch wagt diese es nicht einzugestehen. Und da sie nicht genügend Sammler hat, ruft sie alle aust die sich berufen fühlen, anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein klägliches Armutszeugnis, das sich die KPD. damit ausstellt. Fiasko der KpB. In der NAG.-Oberschöneweide. Wie es mst dem Einfluß der Kommunisten in den Berliner Großbetrieben aussieht, bewies wieder einmal eine B«- triebsverfammlung, die von der KPD. für da» NAG.-Werk in Oberschöneweide«inberufen war. An zwei vorhergehenden Tagen hatte man durch Flugzettel ein« große Propaganda entfaltet Es waren von der 1500 Köpf« zählenden Belegschaft nur 29 Mann erschienen. Trotzdem der kommunistifche Reichstagsabgeordnete Schell er angekündigt und auch erschienen war, erlebten die Kam- munisten wieder klägliches Fiasko. Der Referent behandelte m gedämpftem Trommelklang die Sklarek-Angelegenhett und die bevor- stehenden Stadtverordnetenwahlen und forderte dann zur Wahl eines Delegierten für den Erwerbslofenkongreß auf. Es fand sich jedoch n i e m a n d, der diese Rolle übernehmen wollte. So oersiel man darauf, einen unserer Genossen vorzuschlagen, der jedoch dankend ablehnte. In der Versammlung wurde bestätigt, daß di« ehemaligen Kommunisten, di« in dem Betriebe bisher Einfluß hatten. Hebestreit, Hermann Mehle und Blockfeld aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen sind. Mehl« erntet nur den wohlverdienten Dank. Sein Verhalten nach seinen Rußlandreisen ist noch in frischer Erinnerung. Nachdem schließlich die üblich« ellenlange Entschließung angenommen war, schloß unter der niedergedrücktesten Stimmung die Versammlung. Im Gegensatz zu dieser kommunistischen Veranstaltung, die sich an den ganzen Betrieb wandte, fand ein« Zusammenkunft unserer Genossen mit Gästen statt, die einen Besuch von 7 0 Mann auszuweisen hatte. Die glänzende Stimmung und der gute Verlaus erwiesen, daß es In der NAG. für die Partei vor- wärts geht, und daß der kommunistische Spuk auch in diesem Betriebe überwunden wird. Eine Anzahl Neuaufnahmen für die Partei und Gewinnung von„Vorwärts"-Abonnenten waren das Ergebnis der Versammlung. Die Not der Wanderarbeiter in Lippe. Oer Neichsarbeitsminister greift ein. Detmold, 12. Ottober. Reichsarbestsminister Wissell war am Freitag in Detmold, um nach seiner in der Reichsratssitzung vom 16. September gegebenen Zusage in persönlichen Verhandlungen die Frage einer umfassenden Fürsorge für die lippischen Wanderarbeiter zu beraten. In mehrstündigen Verhandlungen wurde der gesamte Fragen- komplex eingehend erörtert. In erster Linie handelt es sich um das Problem der Arbeitsbeschaffung und der dauernden Beschäftigung der Wanderarbeiter in Lippe selbst. Kursusbeginn in der Berliner Gewerkschaftsschule. Am Montag beginnt der Lehrgang Gew. 9. Arbeitsrecht- liche Gruppe II. Betriebsräterecht für Fortgeschrittene. Lehrer Dr. Ernst Frankel und Dr. Franz Neumann. Beginn 19 Uhr in der Gewerkschastsschul.', Berlin SO 16, Gewerkschaftshaus, Engel- user 24/25, II. Hof, 1 Tr. rechts. Am Dienstag beginnen folgende Kurs«: S0 12. Sozial- politische Arbeitsgruppe für Fortgeschrittene. Lehrer: Otto Vach. Beginn 19 Uhr, im Leibniz-Gymnastum, Berlin SO, Mariannenplatz. C 4. Volkswirtschasttiche Arbeitsgruppe. Lehrer: Dr. Otto Suhr und Dr. Kreißig. Beginn 19 Uhr im Sophien-Lyzeum, Berlin E., Weinmeisterstraße 16/17.— Gew. 7. Betriebswirtschaftliche Arbeits- gruppe II: Die Organisation des Betriebes. Lehrer: Fritz Fricke. Beginn 19 Uhr in der Gewerkschaftsschule Berlin SOIb� Engelufer 24/25, Gewerkschaftshaus, II. Hof. 1 Tr. rechts. Anmeldungen werden bei Beginn in den Kursen noch entgegen- genommen._ Achtung. Einsetzer! Wegen Lohndifferenzen sind für Einsetzer die Cinsetzarbeilen der Firma Ost p r e u ß is ch t Holzwerk- stätten A.-G. in Wickbold, Ostpreußen, aus den Bauten Reichsstraße S0„ Braheftrahe am Bahnhof Iungsernheide und Birkbuschstraße 19, Bauherr Lerche u. Rippert, gesperrt Deutscher Holzarbeiterverband. Achtim«, SPD.�ichuhmaih«! Monta», 17 Übt, bei BIa:ert«r und stellt an Farbensinn. Ausdauer und Geschmack di« grSftten Ansprüche. Darum muft Me Wcihuachtsarbeit zeitig begonnen werden, und dl« IN dieser Wacht im den.■ vier Geschäften der Zirma Werlheim stattfindende Ansstellung von Sand- arbeiten gibt Anregung daau. Eine«rofte Auswahl a-ler Akten vorgezeich. neter, angefangener und fertiger Handarbriten, ermöglicht Kder Dame eine Arbeit nach ihren Wünschen zu finden._„— Die bekannt« Trauringslrm» Sermon» Wiese eröffnet am Montag, de» 14. Oktober, am Kottbnsser Damm 2 ein« neu« Mliale. Dem grofter Trau- ringlager ist ein reichbaltiges Lager In Damen, und Serren-Toschen. und Armbanduhren angegliedert worden. Wie In den Geschäften Arjilleriestr. 80 und Bastouer Str. 12 wird auch in der neuen ssilial« der Kundschaft nur»rlnza Qualitätsware an den billigsten Preisen perkanlt. Selbst denfenigen. die durch allau viele Pesschtsgünge): von AusstelluvOe» T. ermüdet stnd. wird die Gardinenausstellung der ffirma Teppich-Bursch. Berlin.. E. 2, Epandaner Str. 82, eine angenehm« Ueberraschung sein. In dieser Au»- stellung, die stch frei hält von«rtra Vaganten Spielereien., ist mit einer Sach- tiebkeit und Bollkommenheit, Dekoration um Dekoration aufgebaut, daft da» Gesamtbild ein Rausch von Zarben und Dörmen wird. Der auftergewShnIich« Eindruck, den diese Ausstellung auf den Beschauer macht, wird bervorgerusen durch das überaeugende Gefühl der Meisterung der Materie, die im Raum beute eine so auftergewähnlich wichtige Rolle spielt. Zarben stnd»u Zarben kiibn pereinigt. Zorm ist geschaffen unter Beriicksichtigung der vrokttschen Brr- wendbarkeit und der MSglichteit. Licht und Luft dem Raum zu belassen. Ein guter ttranlenscbrstnhl ist für leden Gelähmten und Amputierte» unentbehrlich, um feine verlorene Beweglichkeit und Eewständigkett in der Zortdeweguna wiederauerlangen. Die Zinna Zr. Albrecht u. E».(stehe Inserat in.Bolk und Zeit") bat. gestüftt auf langsähria« Erfahrungen auf diesem abgesprochenen Svealalgebiet einen Krankenselbstfabrer konstruiert, der stch vorteilboft von allen bisherigen Erscheinungen abhebt, neben spielend leichtem Lauf bei sehr gefälliger und stabiler Bauart, bequemer Handhabung, mit einer «ufterst zuverlä'stgr:: und le:cht«n beiderseitigen Steuerung, sowie mit einer gut wirkenden Autodremse ausgestattet ist. Da» Zabrikat kann nur empfohlen Werten. 50 Jahr« Otto Boen Icke l Am 1. Oktober beging die bekannt« Zigarren. Import-Zirma Otto Börnicke, Berlin, da» Jubiläum lhre» 50, äh eigen Bestehens. Jm Jahre 1879 nach lonmähriaer Tättqkeit in Havanna im Saufe H. Npmann u. Eo. von Herrn Otto Börnicke zusammen mit Herrn Zrift Elchner unter der Zsrma Boeutcke u. Eichner gegründet, seftte stch das Unternehmen unter den bereits bestebenden Ztgarrengeschäften in kuraer Zeit durch und nahm eine sühreud« Stelluno ein, aumal in Sananna-Imvorten, bei deren Einkanf der iungen Zirma die versänlichen Beaiehungen au den Savonneser Zabrikonten und die derselben«Ingerävmten Bergünstigin'gen des alleinigen direkten Importes austatten kamen. Ader auch in den'scben Zabrikaten verbreitete stch der Ruf besonderer Leistungsfähigkeit der Zirma weit ober die deutschen Grenzen hinaus. 4V Jahre Grü«seld-Blau in Berlin! Die blauen Grünfeld-Patete, die blauen Grünfeld-Wagen, die blau gekleideten Grünfeld-Boten gehören jetzt 40 Jahre zum Stadt- bilde Berlins, das seinerseits durch die neue blaue Grünfeld-Fassade am Kürfürstendamm eine künstlerische Bereicherung erfahren hat.— Und immer birgt der blaue Grünseld-Karton auf dem Geburtstags- oder Weihnachtstisch die liebsten Geschenke. Von der blauen Blüte des Flachses stammt diese Farbe Aus dem Flachs entsteht das schöne schimmernde, haltbare Leinen— der Stolz jeder Hausfrau. Auf immer zunehmender Wertschätzung der guten Grünseldschen Erzeugnisse beruht das ständige Wachstum des größten Sonderhauses der Welt für Leinen und Wäsche, der lul,iltltik I-i-ez.M ielnljwebmi Leipziger Straße 20—22. Kurfürstendamm 227. p/s'£DM J Unsere 25• StUck• Packungen enthalten Refo- Filmbilder mit. Kino- Kupon /V�'fPO Bei Bheumatismus Zinsser-Tee! Aus 25 000 Anerkennungen. Wie neageboren. Durch Ihren Rheumatismustee sind meine Schm-rzen fast verschwunden. Ich lag 8 Wochen im Krankenhaus, nichts hat geholfen Seitdem Ich aber Ihren Tee trinke, fühle ich mich wie neugeboren n3" P Stff, Sanikow Vollständig wieder hergertelit. 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Bis um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war neben den Dereinigten Staaten nur Kanada das Ziel einer bedeutenden Einwanderung. Später ging der Anteil der Vereinigten Staaten an der Gesamtein- Wanderung im allgemeinen zurück, wenn auch nicht ununterbrochen. Er betrug 18.61— 55 im Jahresdurchschnitt 86 Proz., 1871— 75 73 Pro;.. 1906-10 64 Proz.. 1921—24 51 Proz. In den letzten Iahren war der Rückgang des Anteils der Per- «inigten Staaten durch das 1921 in Kraft getretene �Quoten- g e s e tz" veranlaßt worden. Bis in die siebziger Jahre stand Ka- nada in der amerikanischen Einwanderung an Zweiter Stelle; dann wurde es von Argentinien und zeitweise von Brasilien abgelöst. In bezug aus di« ch e r k u n s t der Einwanderer bestehen zwischen den wichtigen Einwanüerungslöndern Nordamerikas einerseits und Südamerikas andererseits bedeutend« Unterschiede. In den Ver- einigten Staaten überwog zuerst die Eiiuvanderung aus Nord- und Westeuropa; sie mochte 1841— 90 81,2 Proz. aus. In den Iahren 1891 bis 1915 herrschte die oft- und südcuropoische Einwanderung mit 66.8 Proz. absolut vor. Bon 1921— 24 stammten 41,3 Proz. der Einvumderer aus Ost- und Südouropa und 23,2 Proz. aus Nord- und Westeuropa. Die Mehrzahl der Einwanderer nach Ka- «odo kommt jederzeit aus den Vereinigten Staaten und von den britischen Inseln. Die Einwanderer nach Argentinien waren von der Mitte des 19. bis zum Beginn des 26. Jahrhunderts vorwiegend Ita- l i e n e r, deren Anteil von etwa drei Vierteln oder zwei Dritteln nach und nach auf die chälfte sank. Bon 1966 bis 1920 herrschte die spanische Einwanderung vor, 1921— 1924 kamen wieder mehr Italiener als Spanier. Unter den Eiir- wonderern nach Brasilien waren bi« 1866 die Deutschen im allgemeinen stärker vertreten, als die Portugiesen, die sodann von 1831 bis 1856 Und von 1866 bis 1876 die Mehrzahl bildeten. In der Folgezeit ging sowohl die portugiesische wie die deutsche Einwanderung bedeutend zurück, wogegen die italienische zunahm, die von 1871 bis 1876 teils überhaupt, teils verhältnismäßig über- wog. Bon 1966 an sank der Anteil der Italiener, während der Anteil der Spanier stieg. In den vier Jahren 1921— 24 stellten die Italiener wieder die größte Perhältniszahl der Einwanderer. Nach Uruguay wandern ebenfalls zumeist Italiener und Spanier, und auch hier ist der Auteil der Spanier in letzter Zeit stark gestiegen. Bon den anderen lateinamerikanischen Staaten liegen Zahlen für längere Iahresreihen nicht vor. Die Auswandcrungsstatistiken der europäischen Länder sind bis zur Mitte der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts zu spärlich, um internationale Bergleiche zu ermöglichen Den weitaus größten Teil der Wanderer nach anderen Erdteilen stellten damals die britischen Inseln und Deutschland. D i e deutsch« Auswanderung erreichte ihren Höhepunkt bereits in der ersten Hälfte der achtziger Jahre, während die britisch« Auswanderung von 1911 bis 191,6 den größten Umfang aufwies. Sie stieg auch in der Nachlricgszeit erheblich stärker an als die Auswande- rung aus Deutschland. Die französische Auswanderung erreichte mit bedeutenden Schwankungen ihren Gipfelpunkt 1886 bis 1896; seitdem blieb sie unbedeutend. Mit dem Ende der siebziger Jahr« begann die italienische Auswanderung stark zuzunehme», die erst der Wellkrieg zum Rückgang brachte Nahezu ebenso steil stieg in dem gleichen Zeitraum die Kurve der österreichischen und ungarischen Auswanderung an, doch blieb ihr Gipselpunkt erheblich niedriger als jener der italienischen. Spanien und Rußland waren von der Jahrhundertwende bis zum Weltkriege die nächstmichtigen Auswanderungsländer. Der Umfang der Auswanderung steht zu den Beoölkerungs- zahlen der einzelnen Länder in recht verschiedenem Verhältnis. Im letzten Jahrzehnt vor dem Weltkriege(1961— 16) kamen auf je 166 666 Einwohner in Italien 1677 Auswanderer, in Norwegen 833, in Irland 698, in Großbritannien 633. in Portugal 369 usw. Am Ende der Reihe standen Frankreich mit 14, Deutschland mit 45 und die Niederlande mit 61 Auswanderern auf je 166 666 Einwohner. Nach dem Kriege war die Auswanderungshäufigskeft fast durchweg geringer geworden, aber die Reihenfolg« der Länder war im allgemeinen doch die gleiche geblieben. Die meisten Aus- Wanderer im Derhältnis zur Einwohnerzahl wies 1921—24 wieder Italien aus, und zwar 433 aus 166 666; Großbritannien folgt« mit 432 an zweiter, Spanien mit 359 an dritter und Norwegen mit 367 an vierter Stelle. Die deutsche Auswanderung war auf 97 von je 166 666 Einwohnern gestiegen; die französische Berhällniszahl war auf bloß 4 gesunken. Di« Rückwanderung eigener Staatsangehöriger aus fremden Erdteilen wird nur in wenigen europäischen Ländern ver- zeichnet, und zwar den britischen Inseln. Schweden, Finnland, Italien und Spanien. Die Rückwanderung nach den britischen Inseln war immer sehr bedeutend, aber auch Italien und Spanien weisen hohe Rückwanderungszahlen auf.— die Statistiken einiger überseeischer Länder beweisen gleichsfalls, daß ein beträchtlicher Teil der aus fremden Erdteilen gekommeneu Einwanderer wieder auswandert. Die Erhebung erfaßte nicht nur die Wanderungen zwischen verschiedenen Erdteilen.> andern auch die kontinentalen Wände- rungen, die vielfach zu Verschiebungen im Bcvölkerungszustande der omzelnen Länder führen. Besonders für die ältere Zeit stehen je- doch über diese kontinentalen Bewegungen noch viel weniger An- gaben zur Verfügung als für die interkontinentalen Ströme der Wellwanderung. H.F. Oer Streit um Mazedonien. Lösungsvorschlag eines serbischen Sozialdemokraten: Ein einziger südslawischer Staat' Vor wenigen Wochen hat der Parteioorstand der bulgari« s ch e n Sozialdemokrotie der Exekutive der zweiten International« ein« Denkschrift über die mazedonische Frage und die Beziehungen zwischen Südslawien und Bulgarien eingereicht. In einem Brief an den Sekretär der Exekutive Dr. Friedrich. Adler nimmt jetzt zu dem gleichen Gegenstand Dr. Topol awitsch, der langjährige Führer der serbischen Sozial- demokratie, dos Wort. Er bestreitet zunächst, daß irgendeine südslawische Regierung kriegerische Absichten gegen einen Nachbarn hoben könne, weil Südssawien selbst zu sehr unter dem Druck der von Italien drohenden Gefahr stehe und fährt dann fort: „Damit ist nicht gesagt, daß es nicht nötig wäre, die.füdstawlsch- bulgarischen Beziehungen im Interesse ihrer senreren friedlichen Ent- Wicklung zu regeln. Leider streiten wir schon zehn Jahre mit den bulgareschen Genossen über Weg und?lrt, wie man zu dieser Rc- gelung dc�r füdflawisch-bulgarischen Beziehungen kommt. Unser Ausgangspunkt ist und bleibt: Die südslawisch- nationale Einheit mit Einschluß der Vulgaren und die Föderation der Valkonvölker. Ich weiß jetzt nicht genau, wie der prinzipielle Standpunkt der bulgarischen Sozialisten aussieht, aber wenn sie die Tätigkell der mazedonischen revolutionären Organisation in Bulgarien und ihre terroristesche Taktik billigen, oder wenn sie die Forderungen nach Angliederung Mazedoniens als eines rein bulgarischen Landes an Bulgarien unterstützen, oder wenn sie für Schaffung einer künstlichen mazedonischen Nation aus Serben, Bulgaren, Griechen, Albanern sind, die ihre eigenen Nationalstaaten besitzen, dann können wir nicht glauben, daß sich auf diesem Wege und' in dieser Richtung ein vernünftiger Ausweg findet." Nachdem Topalomitsch dargelegt hat, daß die terroristi- schen Methoden das Vordringen eines fremden Imperialismus auf dem Balkan erleichtern, fährt er fort:„Alle Lösungen der Schwierigkeiten zwischen Südslawien und Bulgarien müssen wir mit den Mitteln demokratischer Politik im Rahmen sozialistsscher Politik im Völkerbund suchen, indem wir uns dabei nach dem gemeinsam südslawischen Staate und noch der Balkanföderation orientieren. Die Behauptung, daß die mazedonischen Slawen einfach Bulgaren seien, ist eine g r o b e U n wa hrhe i t. Bis vor kurzem war das nationale Bewußtsein dieser slawsschen Masse überhaupt nicht entwickelt. Um sie stritt die Propaganda der Serben und die Propaganda der Bulgaren, di« beide von den mazedonischen Slawen gleichweit entfernt und ihnen gleich nahe sind. Alle Schulen, die im Laufe der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts unter der türkischen Herrschaft Mazedoniens von Bulgaren oder Serben gegründet wurden, hatten zum Ziel, nationale Propaganda zu betreiben und auf die Bildung eines nationalen Bewußtseins der mazedonischen Slawen hinzuwirken. Aber diese Schulen und Kirchen konnten nur einen unbedeutenden Bruchteil der Bevölkerung ersassen. Durch dies« Tätigkeit in Mazedonien wurde in der Tat eine gewisse Menge bulgarische Kultur geschaffen, die zum größten Teil nach Bulgarien selbst geflossen ist und dort ein Mazedoniertum als große inner« Macht in Bulgarien geschaffen hat, während jener Teil. der in Mazedonien geblieben ist, sich in st ä n d i g e m V e r s a l l befindet. Aber von dieser Anerkennung bis zu der Behauptuitg. daß die Mass« der mazedonischen Slawen sich national als Bulgaren fühlt, ist ein weiter Weg. In Wirklichkeit entwickeln sich ebenso wie sich die mazedonischen Slawen in den zu Bulgarien gehörigen®c. bieten zu bewußten Bulgaren entnückeln, die Slawen in den, iüd- slawischen Teil Mazedoniens zu bewußten Serben. Eine andere Re- gelung läßt sich nur vorstellen aus dem Woge zur inneren Verstän- digung zwischen den südslawischen Stämmen Im Rahmen eines südslawischen Staates, in den auch die Bulgaren eintreten würden und wie es möglich ist, daß trotz der Gegensätzlichkeit und Zusammenstöße zwischen Serben und Kroaten aus Mitischem Felde zwischen ihnen absoluter Friede aus kullurellem Felde herrscht. wäre es ebenso möglich, eine ähnliche Verständigung zwischen der serbischen und bulgarischen Kultur im Rahmen eines Staates zu erreichen." Sie können innae suehen ehe Sie gleichwertige Ware zu ähnlichen Preisen finden Dam.karamelfarb.Trotteur- Z.90 Spongenschuh..... ö Sdiwara Wildleder- Spangenschuh. moderne LackverzIerungIUCV-Ab(at& Dam.- Lack-Spangenschuh. 790 fest. Absatz, hübsch. 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Derartige Zugänge von der Stadl zu den Stadtmauern mußten nach einer Verordnung aus dem Jahre 1380 für die Ritter angelegt und frei gehallen werden, damit sie im Notfalle zur Stadtverteidigung schnell auf die Wälle eilen konnten. Der heute noch erhaltene Durchgang an der Fischerbrücke ist ein Kuriosum insofern, als er d i e e i n z i g e Straße Berlins ist, in der heute noch Schweine st älle stehen, die dort von den Anwohnern vor einigen hundert Jahren gebaut wurden. Diese alten Baracken, die im Lause ihres langen Lebens ein recht wechfeloolles Schicksal hatten, geben dem Durchgang ein malerisches Gepräge. Nächst dem Kröge! ist diese Straße mit den Schweineställen eine der beachtenswertesten historischen Merkwürdigkeiten der Weltstadt Berlin, die noch als stumme Zeugen von einer Zeit berichten, wo Berlin noch bei Kölln lag. Arbeiterbildungsschule. Zentrale Kurse. Neben den bereits angekündigten Einführungskursen, die in den Kreisen stattfiniden und in der Regel acht Abende umfassen, werden in unseren eigenen Schulräumen, in der Lindenstraß« 3. 2. Hof II rechts, zentrale Kurse abgehalten für Hörer, die sich in anderen allgemeinen Kursen Vorkenntniffe erworben haben. Diese Kurse umfassen je 20 Abende: das Hörgeld beträgt 5 Mark für den Kursus und kann in Raten gezahlt werden. Folgende Kurse werden abgehalten: Rudolf Abraham:„Einführung in die Sraatslehre". Beginn Montag, den 21. Oktober, 19� Uhr. Dr. Ernst Fraenkel: ,�Die Bedeutung der Weimarer Verfaffung Gegen üblen Mundgeruch.„Ich will nicht versäumen, Ihnen Mitteilung zu machen, daß ich seit dem Gebrauch Ihrer Zahnpaste „Ehlorridont* nicht nur reine weiße Zähne besitze, sondern auch den bei mir sonst üblichen Mundgeruch verloren habe. Ich werde Ihr„Chlorodont' aufs beste empfehlen." Gez. E. G., Mainz.— Ueberzeugen Sie sich zuerst durch Kauf einer Tube zu 60 Pf., große Tube 1 Mk. Chlorodont-Zahnbürsten 1,2S Mk.. für Kinder 70 Pf. Chlorodont-Mundwasser 1,25 Mk. Zu haben in allen Chlorodont- Verkaufsstellen. Oettenfllclie Versammlungen Dienstag, den 13. Oktober: Teurpelhof. 19% Uhr im Lokal„Birkenwäsdchen", Man- teuffelstr. Berlin vor den Wahlen. Referent: Stadt- verordneter Hermann Lempert. Mittwoch, den 16. Oktober: ZK. Abt. Friedrichshain. 19% Uhr in der Schulaula, Petersburger Str. 5. Es läuft der Wahlfilm„Was wir schufen". Referentin: Stadtverordnete Dr. Käte Frankenthal. 7. 57 reis Charlottenburg. 19% Uhr im Edenpalast, Kaiser-Friedrich-Str. 24. Vortrag: Das Wohnungsbauprogramm der Stadt Berlin. Referent: Stadtrat Franz Czeminski. 33. Abt. Friedrichshain. 20 Uhr in Schmidts Gesell- schaftshaus, Fruchtftr. Sßeu Berlin vor den Wahlen. Referent: Bürgermeister Paul Mielitz. Anschließend Sitzung aller Abteilungsfunktionäre. 48. Abt. Kreuzberg. 20 Uhr in Gliesings Festfälen, Waffertorftr. 68. Werbewoche und Kommunal- wählen. Referent: Reichstagsabgeordneter Franz Künstler. In Nassenil für das politische Leben der Gegenwart". Beginn Dienstag, den 22. Oktober. 19� Uhr. Alexander Stein:„Theorie und Praxis der Arbeiterbewegung" lGrundlagen des sozialdemokratischen Parteiprogramms). Beginn Donnerstag, den 23. Oktober, 19% Uhr. Dr. Alfred Braunthal:„Elemente der kapitalistischen Wirtschaft" (Produktion der Waren und Zirkulationdes Kapitals.) Beginn Freitag, den 24. Oktober, 19% Uhr. Dr. Siegfried Bernfeld:„Psychologie und Kulturpsychologie". Beginn Dienstag, den 26. November, 19% Uhr. Anmeldungen im Bureau oder bei Beginn des Kursus. Aus- führliche Lehrpläne sind im Bureau der Schule, Lindenstraße 3, 2. Hof II rechts, Zimmer 9, sowie in der Buchhandlung Dietz. Lindenstraße 2 und in allen Vorwärtsspeditionen zu haben. Am Montag, dem 14. Oktober, beginnt der Kursus im 2. Kreis bei Berger, Levetzow- Ecke Iagowstraße: Dr. Hennigsen:„Vom Feudalstaat zur Republik".— Der Kursus im 17. Kreis, Lichtenberg. „Ueber Außenpolitik seit dem Kriegsende"(Lehrer Wolfgang Schwarz) beginnt nicht am 18. Oktober, sondern erst am 22. No- vember. Im Schloßmuseum sind die Besuchsstunden versuchsweise vom 1. November ab bis auf weiteres Scnntags wie Werktags auf 10 bis 16 Uhr(statt 9 bis 15 Uhr) festgesetzt worden. Das Oktober-programm der Elite-Sänger bringt als Einleitung„Matrosenbilder", eine hübsche, musikalische Szene von Bernhard Croe, dargestellt und gesungen von den Herren Gustav Rieß, Gerd Gerra, Kurt Hohenfels und Eugen Becker. Emil Stein, das tanzende Unikum, wurde herzlich belacht. Alfons Bornemann singt„Die Uhr" von Löwe und tanzt einen Walzer von Strauß. Schorsch Rüselli wurde wie immer begeistert empfangen. In ihrem Revue-Verwondlungsduett gefielen Hans Renne— Emil Stein. Den Schluß bildete eine hübsch ausgearbeitete Burleske in zwei Bildern von Max Ncumann„Der doppelte Alwin", die regen Beifall fand. Vorträge�VereineunSVerfammlungsn. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Ses«SltsN-lI»: Berlin s Li. SebaManftr. 37/38,? Zt. Sonnton. 13. Ottobcr. Stets Süden: Die Vernnstaltunn in Adlers» dos fallt aus. Lichtenbern(Ottsocrem): Sämtliche lfmillionüc« treffen sich pünktlich 9 Ulir in Bundestleidunn auf dem Sportplatt Friedrichsfelde. llebunn. Dflichtaeranstaltunn.— Montan, 14. Oktober,©outjorftand: 20 Uhr Sitzunn der Iunendleiter im Gaubureau. Nentölln-Briti, 1. Sameradschaft: 20 Uhr Sameradfchaftsversammlunn tn der Sottbuffer Sloufe, Sottbuffer Damm 90. Vortran des Sam. Schlimme:»Fwannstarif und Schlichtungs- wefen".— Diensten, 15. Oktober. Weddinn, Radfahrerabt.: 19 Vi Uhr Siftuu« bei Bondtke, Schulftr. 74. Sameraden können hier Mitnlied der Radfahrer, abteilunn werden. Prenzlauer Bern: Sameradfchaftsverfammlunnen um 20 Uhr. Sam. Arnswalder Plah bei Sawahke, Allenfteiner Str. 28. Sam. Humann- vlah bei Pohft, Starnarder Str. 19. Friedrichehain, Samerndfchaft Stralau: 19Va Uhr Sameradfchaftsverfammlunn bei Wertalla, Sahenlobestr. 3. Vortran des Sam. Sonreitor Lenz:„Der Pounn-Dlan und feine Auswirkunn auf die Wirtfchaft". Marineabt.: 20 Uhr Inliruktions- und Seelahrtsftunde im Boots» Haus.— Sreuzbern: Mittwoch, 16. Oktober, 20 Uhr, Bollvcrfammlunn mit An- nehürinen in Rades Festfälen, Fichteftr. 29. Bortran bes Sam. Bolizeihaupt- rnann Dobberahn:„Polizei, Publikum und Reichsbanner-. Lehtcr Termin zur Meldunn für die Golßenlahrt. Fahrpreis IM.— Ski-Trockenkurlns: Di« Winterfportabieilunn Berlin des Reichsbanners SärnJarz-Rot-Gold veranstaltet Ski-Trockenkurfe für Reichsbannerlameraden und deren weibliche Annehijrine. Die Sursusnebnhr belriint einschließlich Leib-Skier 4 M. kllr Erwachsene. 2 M. für Iuncndliche unter 20 Jahren. Für innendliche Mitalieder der Wintersport» abteilnnn ist die Sursusnebllhr frei. Anmeldunnen sind zn richten an die Ge. fchoftsstelle der Winterfportabteilnnn fJames Bresfnuer, Berlin SW. 68, Mark- nrafenstr. 22). Eintritt frei. SPD.-Freidenker Weddinn. Spaltnnn des Serbe und Feuerbestattunn durch die Sommunisten unseres einheitlichen Adwehrstellunn. Der Fraktionsnorstand Spaltnnn des Verbandes für Freidenkertum Kommunisten unseres Bezirks zwinnt zu einer r Fraktionsvorstand labet alle zur SPD. ne» hörenden Freidenker zu einer erweiterten Fraklionslihunn ein, die am Di-ns» Ion. 15. Okiober, 19VH Uhr. in der Löwen-Brauerei, Bad- Ecke Kochstraße, Natt- findet. Einziner Tonunnsordnunnspunkt: Stellunnnahme zur Spaltunnsaktion der Sommunisten". Referent Jofef Scdelmeier. Vollziihlines Erscheinen wird erwartet. Sturmnonel, Flunverband der ffierttätinen,«. V., Bezirk«nrnppe Stenn» berg. Die Bestchtinunn des Flunhafens findet am Sonntan, 20. Oktober, 10 Uhr, statt. Treffpunkt 9?l Uhr vor dem Westkinnann, Ffunbafenstraßs. Teilnchmerncbllhr 45 Bf. Mitnlied er, welche noch keiner Bezirksnruppe an» nchörcn, können daran teilnehmen. Mitnliedskarie nicht vernessen. Sociötö de Conversation Francalse. 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Cs ist noch früh am Abend, aber schon flackert das Licht der Kandelaber, der cherbftwind fegt die Blätter von den Bäumen. Und die lungen Leute komnien aus den Kontoren und Waren- Häusern... Aus einem keinen Caft mit roten Ampeln im Schaufenster dringt eine leis« Melodie. Bor einem Kino blaken die grellbunten Plakat«. Aus einer Destille dringen die kracheitben, heulenden, piepsenden, johlenden, fauchenden, blechernen, krakeelem den Laute eines Orchestrions.... Aber man hat für all das keinen Sinn an diesem Abend im Herbst. Man will etwas vergessen, und man weiß doch so genau, daß man inmitten des chaotischen Getriebes in dieser Destille, an- gesichts der läppischen Magazingesicht« der diversen Stars im Kintopp oder in der Einsamkeit der Konditorei, in der vielleicht drei oder vier kleine Nutten auf Anschluß warten, nicht vergessen kann.... Man geht an den grauen Häuserfronten entlang, und plötzlich sieht man etwas Buntes leuchten, und hört Musik, und dann sieht man. daß dieser Lichtfieck in dieser grauen Mietskasernengegend. daß diese vielgestaltige Musik von dem großen Rummelplätze kommt.... Der Vergnügungspark ist noch ganz leer. Mit schweren. gewichtigen Transportarbeiterschritten gehen die Boxer in ihre Bude.... Auch die Eiskonditorei ist geschlossen. Und die dicke ?rau, die die Räucheraale verlost, hat sich einen dicken Wollschal umgelegt, denn der Abend ist kühl. Aber da sieht man die Menschen an ein« Stelle strömen, in eine Ecke dieses gespenstisch leeren, unheimlich großen Sandplatzes, der erhellt ist von tausen'oen bunten Lampen.... Man tritt hinzu und sicht, daß da ein Glücksrad sich befindet, vor dem ein alter, bärbeißiger, säuferäugiger Mann steht, der mit seltsam leiser Stimme, ganz ohne die gewohnte, heiser« Anreißer- manie die Glücksnummern ausruft... nein, ansagt. Was ist es denn, das dies« Menschen über den großen Rummelplatz, der all- mählich sich süllt, hierherzieht an das Glücksrad des Alten? Was mag sie denn dazu bewegen, ihre kümmerlich oerdienten Groschen hier zu opfern, um im günstigsten Fall« ein Kettchen oder eine Zigarettenspitze zu gewinnen? Ja, wahrhastig, nun wird es einem klar, warum hier die vielen jungen Mädchen, die vielen jungen Männer stehen mit den Nummerntafeln in den gekrampften Händen. Man beinertt ein Schild, das hier angebracht ist. Darauf steht: Hier werden Schmucksachen gewonnen! Einmal wird gedreht, dreimal wird gewonnen! Wer hat noch nicht, wer will noch mal?! Immer ran zum Schmuckglücksrad! El» Groschen der Einsatz! Man erschrickt, denn man ficht, mit welcher Gier diese kleinen Ladnerinnen und jene armen, miserablen Nutten, die auf halbem Wege zur Straße sind, sich mit dem billigen Ehristbaumschmuck be- hängen, man sieht, mit welcher Wichtigkeit di« jungen Burschen sich die Talmitetten um di» Weste hängen, man erschrickt, weil man ja weiß, daß diesen Menschen der verdammt«.Hang nach Höherem" innewohnt, dieser schlechte, arme, bedauernswerte Hang, dieser schmerzohnmächtige Mißklang.... All diese Mädelchen, diese jungen, hübschen, nüttlichen Dinger, glauben sie nicht in dem Moment, da sie sich dos Glaskettchen um den schmalen Kinderhals legen, Kauben sie nicht, es fei ein Brillantentollier...? Wallen sie nicht alle, alle arrivieren, wollen sie nicht all« in seidenen Betten die Morgenschokolade trinken, wie die blöde», verlogenen, volksverdummenden Film« es ihnen vor- gaukeln? Ach, sie wissen nicht, daß der Weg, der zu dieser aal- glatten, nach oben kriechenden, nach unten tretenden Kaste führt, die sich unsere„Gesellschast" nemtt, sehr steil und sehr beschwerlich ist, daß di« meisten unterwegs das Gleichgewicht verlieren und auf ein« abschüssige Bahn geraten, von der es dann nur ein Schritt bis zum Bordell ist. Man wird plötzlich von einem Schauder gepackt, denn map denkt, daß dies Glücksrod vielleicht für diese kleinen Mädchen und für dies« jungen Burschen ein Schicksalsmd sst.... Man geht weiter. Schon ist der große Platz erfüllt von lachen- den Menschen, die Boxer stehen auf der Schau, di« Luftschoukel fliegt.... Sonny Boooyyy schluchzt der Leierkasten. Man geht hinaus, noch sieht man das Säusergesicht des Alten vor dem Unglücksrad, noch sieht man die Gebärden der jungen Mädchen, man geht ohne Ziel, hat keinen Menschen, von dem man cnoanet wird, es gibt kein Mädchen in der ganzen, große Stadt aus Stein, von dem man mit«in wenig Liebe bedacht wird Man hat eine möblierte Stube irgendwo im Westen, ein« Schreibmaschine steht aus dem Tisch, in der Schublad« liegt der angefangene Roman. Untergrundstation. Hinein. Man jährt mit einem Zug zum Westen. Gleisdreieck! Umsteigen. Man steigt also aus und geht die Treppen zum unteren Bahn- steig hinab. Dieser Umsteigebahnhvf ist bei Tag und Nacht erfüllt von Menschen, die auf ihre Anslhfljßzuge warten. Wer von ihnen weiß, daß diese Station auch«inen Ausgang hat, wer von ihnen weiß, daß dieser Ausgang hinunterführt in eine finstere Speicher- insel, die trübselig erhellt ist von schwelenden, funzelnden Stock- Internen, über die die Eisenbahnen donnern, in deren Nähe ein Kanal sein schleimiges Gewässer durch di« Stadt wälzt, wer von ihnen weiß, daß dieser Ausgang wenige Minuten nur entfernt ist van dem großen Getriebe der Weltstadt.... Vielleicht wissen sie es. Aber hier, auf dieser Umsteigestqjion, denken sie nicht daran, hier berechnen sie di« Minuten und das Fahrgeld.... Wollt« man diese Station Gleisdreieck mit einein Menschen oergleichen, man müßte an ein« Dirne denken, bei der man absteigt, bei der man umsteigt, in deren unkeuschen Umarmungen man Quoten berechnet und die Minuten zählt voller Ungeduld, an eine Dirne, bei der man umsteigt, um weiterzufahren in sein heiteres oder trauriges Menschentum.... . Am Wittenbergplatz steigt man aus. An den Fronten der Häuser hafte» die Leuchtpropaganden entläng. In erleuchteten Limousinen fahren schöne Frauen mit ihren Aushältern in die Luxuslotale des Kurfürstendamms....■.; Da ist gm Wittenbergplatz, an dieser Verkehrsader der Berliner Boulevards, ein kleine» Casähaus, eigentlich ist es eine Teestube, und man ist versucht, diesen niedsren, langgestreckten Raum das „Eafe der verschämten Annen" zu nennen. Hier sitzen all« die alten Dämchen, die da glauben, mit dem französischen Puder die Runen des Alters und die Furchen des Hungers übertüncht zu heben, da sitzen die alten Herren mit den goldumränderten Ein- gläsern stundenlang vor ihrem Glase Tee und sprechen mit ihren »eisen, fistelnden Stimme« von Mütterchen Rußlqnd.... Der Smaapwe dmnpfi. Und da tritt-in junge» Paar ein, sie:«im seltene Schönheit ohne jede gewohnheitsmäßige, routiniert« Pikanterie,«in junges Weib mit einer sanften Duldnerinnenmiem um den blassen Mund, sie sst schlicht gekleidet, doch mit einer ganz jelssamen, großen Eleganz: er sst breitschultrig, blond, rotwangig, der Typ des gebildeten Schweinemästers.... Die junge Frau geht mit schnellen Schritten zu einem jener alten Dämchen, küßt sie auf die Wange und flüstert ihr etwas ins Ohr. Dann winkt sie dem Vierschrötigen, der verlegen sich nähert. Sie stellt ihn der Alten vor. Der gesellschostlichen Form ist Genüge getan. Nun können sie gehen. Nun kann er die junge Frau mit seinen Liebkosungen malträtieren, nun kann er sie in irgendeinem Stundenhotel entkleiden und sich an ihrem schönen, unschuldigen, unkeuschen Körper weiden.... Der gesellschafttichen Form ist Genüg« getan.... Sie wird sich ihm hingeben mit wachen Augen und nüchternen Sinnen, vielleicht wird sie an einen denken, den sie einst gellebt.... Auch sie ist«ine verschämte Anne, die statt die Qual und die Pein ihrer Seele, die Schande ihres Leibes, d!« Not ihres Herzens hinauszubrüllen, statt eine Proletin zu sein, die sich nicht scheut, der Gesellschast in die verlogene Schnauze zu schlagen, lieber den jeweiligen Galan der Mama vorstellt, lieber vor diesen Männern, die sie haßt und denen sie ungeahnte Wonnen verheißt, zu Kreuze kriecht, lieber in exklusiven Tanzpaiästen aus Anschluß wartet, denn sie ist ja weniger, viel weniger als jene Bettlerin, die für ihre Kinder Blindheit vortäuscht, sie ist ja nur eine Arsstokrattn, die nichts gelernt hat und nichts kann, als lieben.... Lieben? Einen Blick nur will man in den enormen Tanzpalast werfen mit seiner argentinischen Tangokapelle, mit seinen Eintänzern, die auf dämonisch oder brutal zurechtsrisiert sind, mit seinem syphili- sterten Luxus, mit seinen paralyfijch bekleideten Ballettmädchen.... Man landet in einer kleien Bar in einer kleinen, spärlich be- leuchteten Seitenstraße des nächtlichen Kurfürstendamms. Man ist erst einige Mal« draußen vorbei gegangen und hat das Wimmern einer Geige gehört und das asthmatische, keuchende, plärrende, bellende Fauchen eines Saxophons, das tirilierende, schluchzende Gezumpe eines Banjos, und man Hot durch die geöffnete Tür ge- sehen, daß das Lokal ganz leer ist. Nur vier Mädchen sitzen aus den hohen Hockern vor der Bar, vier Mädchen, die vielleicht daran denken, wieviel Geld sie morgen ihrer Wirttn abliefern müssen, denn sie sind traurig und nüchtern. Man tritt ein. Man setzt sich in eine Ecke, die von einer roten Lampe beleuchtet ist, man bestellt einen Cocktail, und steht, wie die vier Mädchen da vor der Bar ihr einstudiertes Lächeln gleich Larven um ihre Gesichter, diese armen, müden, großstadtbleichen Gesichter gelegt haben. Noch sind sie nüchtern, in ihren Gläsern perlt Selterswasser. Noch moussiert i» ihren Kelchen nicht der Sekt, denn es sst noch zu früh für diese Nachtbar. Das ist das Grauenvoll« an diesen vier Mädchen vor der Bar, daß sie so nüchtern sind, in diesem Lokal, in dem alles auf Rausch, Sinnlichkeit, Erotik und Ekstase zurechtgedeichselt ist, das sst dos Grauenvolle, daß sie mit überwachen Sinnen auf diesen Rausch warten, denn sie dürfen den Sekt nicht m den Sektkühler gießen, müssen sich ihre obligate Trunkenheit von den diversen Schmisseschweinen und Seuchodandies, die diese Bar zu später Stunde bevölkern, aufoktroyieren lassen, sie warten hier auf ihren Rausch, der sie an den Armen ihrer Kavaliere hinanswanken läßt in die dunkle Nacht.... Ja, es tänzelt solch ein Mädchen heran. Ja, sie bittet erst um Feuer und setzt sich dann. Kontoristin, arbeitslos, Vater und Mutter getrennt, Geschwister gehen noch zur Schule.... Man hat plötzlich genug von diesen armen Schicksalen, von diesen hungrigen Augen gesehen. Man zahlt und geht. Und sieht durch die geässneie Tür vier Mädchen vor der Bar hocken, vier Mädchen, di« traurig sind und grauenvoll nüchtern.... Dann geht man heim. Es wartet eine kalte, möblierte Stube, ein« Schreibmaschine und ein angefangener Roman in der Schublade. Es sst schon spät in der Nacht. Unruhig flackert das Licht der Kandelaber, der Herbstwind fegt die Blätter von den Bönnien. Und aus den Lokalen dringt leise Musik.... 3ohn g>. Werrith: Tim Tabbys Stiefel Es war eine verhexte Sache. Tim Tabby wanderte tagelang, wochenlang neben dem Gleise her und kein Zug kam. Kein lumpiger Güterzug kroch vorüber und die Steppe wuchs höhnisch grinsend wieder über dos glitzernd: Menschenwerk und überwucherte die Schienen. Es war die tote Linie der Oittario-Pazisic-Bahn, die bei Derrington-St. Vinze abzweigte und die seit zehn Jahren kein Zug befahren hatte. Weiß der Teufel, was Tim Tabby auf diesen verdammten Weg geführt hatte? Da blieb nun nichts mehr übrig, als bei den Hinter- waldmnchern Arbeit zu suchen. Arbeit. Brr! Das ist ein hartes Ding für einen Tramp. Das muhte überschlafen werden. So kroch er in den Busch und schnarchte bis tief in den Tag hinein. Als die Sonne ihn weckte, knurrte fein Magen bedenktich. Und wenn der Magen knurrt, verliert der Mensch die Vernunft und trappt aufs Geratewohl in die fremde Welt. Der Tag ging vorüber und die Nacht. Und am Morgen knurrte der Magen nicht mehr, nein, er brüllte und schrie dem armen Tim sein.junger! Hunger!" dröhnend ins Ohr. Weit weg war der Schienenstrang, der irgendwie doch Wegweiser sein konnte. Und so frug er Präsident Roosevelt um Rat. Präsident Roosevelt hieß sein rechter Stiesel. Der alte Treter ohne Absatz. Und der wies mit seiner Spitze energisch nach Norden. Aber keine Niederlassung sah er und als die Dämmerung sank,. zankte er nicht wenig mit dem Stiefel: „Du willst ein Präsident sein, Old Boy? Ein Präsident muß alle Wege in den Staaten kennen, das sag ich dir, ein ganz ordinärer Tramp. Na, wollen wir mal sehen, was General Washington sagt!" General Washington war natürlich Tim Tabbys linker Stiefel. Der mit dem großmächtigen Luftloch, aus dem die Zehen neugierig heroorlugten. Und das Loch, wie auch die Zehen zeigten nach Osten. Washington hatte die Regierung der Staaten gut geleitet, das wird wohl ein schwereres Ding sein, als mir den Weg weisen, dachte Tim Tabby und wandte die Nase nach Osten. Nach ein paar Stunden erschlug.er mit seinem Wanderstock ein brütendes Präriehuhn und stillte seinen ersten Hunger. „Bist doch ein pfisfiger Junge. General, nicht so ein Windhund wie das Großmaul da!" Und«in wütender Blick traf den Präsi- denten, der verschämt schwieg. Die Sonne brannte und der Durst wurde unerträglich. Aber als die Schatten länger wurden, wies der linke Stiefel auf ein kleines Wasserloch. „Donnerwetter. General, gut gemacht!" brummte Tim Tabby. trank und kroch in den Busch. Am Morgen ritt ein Rancher vorbei. Tim rief ihn an und bald darauf saß der Retter klagend im Wasserloch, während der Tramp pfeifend nach Osten ritt. Da fing Präsident Roosevelt wieder an und stieß gegen die Flanke des Pferdes: Ü.Nach Norden muht du, altes Stinktier, nach Norden, sag ich dir!" Und da Tim gerade von der, selbstverständlich kostenlosen Fahrt ist einem Luxuszuge träumte, wandte sich das Pserd nach Norden. Am Abend stießen sie auf einen ausgetrockeneten Bach und Roß und Reiter kamen fast um vor Durst. „Geh zum Henker, Präsident!" rief Tim Tabby und überlieh den absatzlosen Stiesel den Präriehunden. Drei Stunden später fand er eine von Rothäuten geplündert« Farm und fraß und trank sich an den Resten satt. Ein wenig schwankend, denn er vertrug nie mehr als zwei Flaschen Whisky, untersuchte er die zertrümmerten Kasten und Koffer und fand ein dickes Pakeh. Dollarnoten mit dem schönen Bild Washingtons. Dann macht« er sich wieder auf den Weg und ritt nach ein payr Tagen afs Grandseigneur in Ajo copper mine ein. Natürlich m seiner Schale. Neue Lackstiefel, rotes Jagdhemd und ein glänzender Zylinder. Ganz Arizona sprach noch lang« davon. Um den Hals aber trug er an einem blauen Samtband den alten zerrissenen Sttefel mit dem großmächtigen Loch an der Spitze. Und als er alles vertrunken und verspielt hatte, wanderte er resigniert mit General Washington, auf den niemand etwas setzen wollte, nach Osten. gZwwrifierte Neb ersehn« von P. K.(Mliitaiwnrn.) Aberglaube um das kleine Wind Bon dem ersten Augenblicke des Atems an, glaubte man das Kiod von zahllosen bösen Dämonen umlauert, denen man auf jede Weise begegnen mußte. Mit dem Größerwerden wuchs die Zahl der FSHrlichkeiten. Schon wenn jemand ungewollt mit einem Korbe m das Wochen- zimmer trat, mußte man einen Span au« dem Korbe brechen und in di« Wiege stecken, sonst nimmt man der Wochenstube die Ruhe weg. Ueberhaupt muß man sich immer in einem Hause setzen, in dem«in kleines Kind sst, sonst trägt man ihm die Ruhe weg. Die Eltern dürfen dem Kind nicht selbst eine Klapper taufen, sonst lernt es schwer reden. Wenn jemand mit einem Kind zum ersten Male in ein fremdes Haus kommt, muß man ein Ei nehmen, es dreimal in seinem Munde umdrehen, damit ee leichter Zähne bekommt, es dann dem Kinde ju: essen geben oder unter das Doch legen.'Niemand anders aber darf es essen. Man darf dem Kinde nicht im ersten Jahre die Nägel schneiden, sonst schneidet man ihm den Lebensfaden ab. Man soll ihm nicht vor dem siebenten Jahre die Haare schnei- den, sonst schneidet man ihm den Verstand weg. Man darf die Wiege nie leer wiegen, sonst wird sie leer. Unter einem Jahre dars das Kind nicht in den Keller kommen, sonst wird es ängstlich werden. Das Kind darf man auch nicht in den Spiegel sehen lassen, sonst stirbt es. Da kommt der alte germanische Glaube vom Sehen des Doppel- gängers hervor, der den Tod anzeigt. Man darf nicht über ein Kind fortsteigen, sonst wächst ez nicht mehr. Man darf ihm nichts am Körper nähen, sonst näht man ihm die Gedanken fest. Man darf es nicht durch ein Fenster ins Haus reichen, sonst wird es stehlen. Wenn ein Kind in der Wiege liegt, darf man nichts darüberreichen, sonst bekommt es den Herzspann. Kinder, vor allem Jungen, darf man nie beim Essen zusehen lassen, ohne ihnen etwas abzugeben. Sonst können sie später nie hoch steigen. Man darf ein Kind in den Wochen nicht in dem Mantel tragen, sonst wird es verdüstert und schwer- mutig. Wenn ein Kind sehrt schreit, muh die Mutter schweigend in fünf Minuten neunerlei Dinge tun, dann das Kind dreimal in einem offenen Schrank schieben, und es still in die Wiege legen. Dann wird es vollkommen ruhig werden. Wahrscheinlich aus Erstaunen. Auch mit der Taufe hängen viel Schwierigkeiten zusammen. Vor ihr darf das Kind nicht mit Namen genannt werden, sonst erfährt ihn derTeufel, ehe er geheiligt sst, und kann das Kind dabei nifen. Kinder. die am Sonntag und Donnerstag geboren sind, dürfen nicht an diesen Tagen getauft werden, sonst werden sie Nachtwandler und Hellseher. Bis zur Taufe darf auch dem Kinde der Kopf nicht auf dem Scheitel gewaschen werden, sonst wird es altklug und naseweis. Während der Taufe darf keine Uhr schlagen, sonst ist die Zeit des Lebens vorbei. Wenn man rasch, solang« das Tauswasser von der Sttrn nicht trocken ist, das Kind von Arm zu Arm reicht, hebt es jeder weitere zchn Jahre ins Leben hinein. Wenn jemand ein Kind lobt,, so muh man ihm aus den Kopf spucken und es verreiben, damit es ihm beileibe nicht schade. Man sieht also, daß treusorgenden Eltern ein wahrhast reiches Betätigungsfeld erblühte. Eine ganze Zahl dieser Aberglauben sind auch heute noch lebendig, oft verschämt, darum aber nicht minder hartnäckig. Zar. Assenschulen. In den Urwäldern«ms Sumcura besteht eine Ein- richwng, die es sonst in der ganzen Welt nicht gibt, nämlich die Assenschule. Die Schüler dieser„Schulen" sind tatsächlich Assen, die van eigenen Lehrern unterrichtet werden, und zwar hauptsächlich im Pflücken von Kokosnüssen, wobei es die eifrigen Schüler schließlich so weit bringen, daß sie im ljrnrse einer Stunde 30 bis 40 Nüsse pflücken können. Dies bedeutet für den Besitzer des Affen indes ein gutes Geschäft, weil er mit dem Tier durch die Dörfer zieht und überall da. wo es Kokosnüsse zu ernten gibt, gegen ein kleines Ent- gell seinen Assen zur Verfügung stellt. Bi» ein Asse so weit geschult ist, kostet es freilich Geduld und Mühe: ober die Arbett lohnt sich auch, denn die zum Pflücken abgerichteten Affen sind als„Haus- tiere" sehr gesucht und werden gut bezahlt. Die Ajfenschulen beherbergen daher auch oft zehn und mehr Schüler. Verichtigrmg. In dem Aufsatz„Dramatische Ernte" (9. Oktober) waren einige Angaben im Zusammenhange mit dem Stücke„Die Afsaire Dreyfus' unzutreffend. Das Werk erscheint unter dem Pseudonym RenS Kestner. Dieses Pseudonym verbirgt die beiden Autoren Wilhelm Herzog und Hans I. Rehfisch. Es war nicht die Absicht der genannten Autoren, ihr Pseudonym zu lüften. Das Drama gelangt im November an der Berliner Bolksbühnc unter Karl Heinz Martins Regie zur Uraufführung. r. B.— M. Jakob Jtaffennann: Colmnbm leugne Jakob Wassermann hat seinem soeben bei S. Fischer in BcrUn erscheinenden Porträt„Tbrjstorch Cosmitbns" den Untertitel„?er Ton Ouichotte des Ozeans" geaeben. Er iieht in dem Entdecker der Neuen Well einen von seitler Idee besessenen VistonSr. wie ihn Eervantes in dem„Ritter von der traurigen Gestalt" verewigt. Diese echt dichterisch geschaute Psnchologic des ans geschichtlichem Dunkel auf- tauchenden Genies findet einen ergreifenden Ausdruck in der B-- gegnung des von seiner Machthijhc geftitrztcn Admirols mit Amewgo Besvucci. noch dem das von ihm entdeckte Land genannt ist. Am 3. Februar 1303 meldet Columbus seinem Sohn. Amerigo Vespucei sei bei ihm gewesen,.sie hätten viel miteinander gesprockzen. lieber den Gegenstand des Gesprächs läßt er nichts verlauten: dah die Unterhaltung nicht aufbewahrt ist, scheint mir ein ebenso großer Verlust wie der Untergang einer Armada oder die Zerstörung eines Meisterwerks der Renaissance. Wenn die Worte, die zwischen den beiden Männern gewechselt werden, im Weltraum noch vorhanden sind, was zu vermuten steht, als Aetherwellen in einem fernen Pfanetensystem vielleicht, mußte man sie zuruckzufangcn suchen. Schade, daß solche Apparate noch nicht erfunden sind. Hier gilt es, ein welthistorisches U«reckst in die Erinnerung zu rufen. Vefpucci hatte zwei Reisen nach dem amerikanischen Festland unternommen, eine im Auftrage Lorenzos de Webtet im Jahre 1499 und ein« im Dienst des Königs Erna Miel von Portugal im Jahre 1303. Der laleinisch geschriebene Bericht über die zweite Expedition, der 1303 in Strahburg erschien, verschaffte ihn, eine sensationelle Berühmtheit und war der Anlaß, daß die Reue Welt de» Nomen„Amerika" erhielt. Ein imbedeutender deutscher Ge- lchrter, Waldseenniller, mehr Schulmeister als Forscher, hat als erster diesen Namen auf einer von ihm oerfertigten Karte einge- zeichnet. Nun hatte aber Eoluindus den mittelamcrikanischen Kontinent, genauer gesagt die Küste von Paria, bereits im Jahr« 1498 entdeckt, und um ihm diese Entdeckung streitig zu machen, sei es aus Neid gegen ihn, sei es aus Gefälligkeit gegen den Florentiner, sei es aus Liebedienerei gegen den portugiesischen König, sei es aus irgendwelchen anderen trüben Motiven, verlegten die Anhänger und Verkündiger des Befpucci dessen Expedition um ein Jahr zurück, also in das Jahr 1497. Diese betrügerische Verschiebung kam klar zutage, als Diego Colon den Prozeß um feige ererbten Privilegien gegen die spanische Krone führte. Als Zeuge wurde unter vielen anderen auch Alonzo de Ojeda geladen, der an der ersten Reise Vespuccis teilgenommen hafte; er stellte vor den Richtern ausdrück- lich die Priorität des Columbus fest und erklärte, daß er selbst die Seekarte gesehen habe, die der Admiral damals den Majestäten geschickt; dann erst habe Vefpucci mit ihm und Juan de la Cosa die Fahrt gewagt. Amerigo Vespucci ist wohl an der ganzen intriganten Machenschaft unschuldig, er war ein bescheidener vornehmer Mensch, der dos Gefühl der Rivalität nicht kannte und dem es nie ein- gefallen wäre, den Ruhm des Vorgängers verdunkeln zu wollen; es sind vielmehr die unkritischen Bücherschreiber und geschwätzigen Chronisten, die, nachrichtengierig oder Opfer ihrer Leichtgläubigkeit, jene schier unausrottbar« Faschmeldung in den geschichtlichen Verlauf gebracht haben; findet sie sich doch noch in der Brockhausschen Enzy- klopädie vom Jahre 1819. Es muß damals in Spanien eine ganze Partei geschworener Feinde und anonymer Widersacher des Eo- lumbus gegeben haben; sie hatten überall ihre chände im Spiel, wo fein Andenken getrübt und feine unsterbliche Tat verkleinert werden sollt«. Aber im vorliegenden Fall läßt sich nichts tun. Wir können Amerika nicht mehr in Columbia umtaufen, es bleibt Amerika, und es hat einen eigentümlich finster« Witz, ganz in der Geist- und Lehenslinie seines Entdeckers, daß der Erdteil infolge eines Miß- Verständnisses und der kleinen Ränke kleiner Leute gleichsam unter falscher Flagge segelt. Ich stelle mir vor, daß der Admiral in jener Unterredung den Bespucci zur Rechenschaft aufforderte, daß er ihn der Feigheit, der Unlauterkeit zieh und ihn fragte, warum er nicht wenigstens den Uebereifer seiner Freunde gezügelt habe. Wußtet ihr nicht, daß ich längst vor euch ini Lande Paria gewesen bin, daß ich dieses Bro- silien längst vor euch betreten habe? mag er gefragt haben. Oder hat er ihn nur still angehört, selber feig in gewohnter Menschen- furcht, sich mit heimlichein Seufzen begnügend in gewohnter Menschenverachtung? Di« Rede wird wohl auf den neuen Kontineist gekonimcn sein, und da allerdings wird der Admiral aufgebraust sein, da wird sein Auge sanatisch geflammt haben. Neuer Kon- tineist? Für ihn gab es keinen neuen Kontinent. Er anerkannt« ihn nicht. Für ihn gab es Zipangu, gab es die Länder Mang! und Eathaja, gab es das Festland von Asien. Dort ist er gewesen, dort ist er unzweifelhaft gelandet, und nur«in klein weniges, ein wenig Zeit, ein wenig Geduld, ein wenig Schicksalsgunst, ein wenig Ge- sundhcit noch, und er hätte die Durchfahrt zu den Ländern am Ganges gefunden. Haben nicht seine Leute in Euba mit heiligein Eid beschworen, daß sie die asiatische Küste betreten haben? Die Protokolle sind vorhanden, sie liegen in der königlichen Kanzlei, inan kann sie zu jeder Stunde prüfen. Ich sehe, wie das hagere, von tausend Wettern gegerbte Grecogesicht des greisen Seefahrers von Leidenschaft erbebt, wie dos fahle Grau seiner erloschenen Augen wieder in der alten Prophetenglut sich entzündet, als er diesem emporgekommenen Piloten und Zufallsentdcckcr den großen Leit- gedanken seines Lebens auseinandersetzt und mit dem zitternden Zeigesinger auf der Erdkarte ihm beweist, daß alle diese indischen Inseln von Guanohani bis Trinidad, von Janahiea bis zur Landschaft Pcrgua nur der Vorhof zum gewaltigen Reich des Großchans sind, von dem er in Euba einen vorgeschobenen Zipfel erfaßt hat. Es gibt kein Amerika, dieses Amerika bildet ihr euch nur«in, es ist ein teuflischer Spuk. Anirrigo Vespucci senkt still den Kopf. Er wundert sich. Man schreibt ja das Jahr 1303 und nicht mehr 1492. Man hat ungeahnte Erkenntnisse gewonnen. Wo war der Admiral in der Zwischenzeit? Wo hat er gelebt, geistig nämlich? Die Wissenschast ist weiter geschritten. Die Berechnungen Tosconellis sind längst icherholt. Die Kosmographen des vorigen Jahrhunderts haben sich getäuscht. Die Zahl der Längengrade, die sie als Entfernung angenommen, stimmen mit dem Umfang der Erde nicht überein. Rton hat den Fehler ge- iMerbH Aus dunklen Wolken Regenschauer sprühn In den entlaubten Kronen klagt der Wind Die letzten Blätter sinken kraftlos hin, Ein jedes müde, wie ein krankes Kind! Still reckt in stummer Trauer jeder Baum Ins fahle Grau das tränende Geäst-- Als letzter Gruß vom lieben Sommertraum Nickt ein verlass'nes, kleines Vogelnest! Iis» joscheck. funde» und korrigiert. Schon vor fünf Jahren hat der groß« Lionardo da Vinci die indische Hypothese für falsch erklärt. Infolge- dessen existiert Amerika. Es muß existieren, denn Asien liegt Tausend« von Seemeilen darüber hinaus. Das ist mathematisch errechnet, darüber gibt es keine Dcballe. Aber Vespucci verschweigt dies« Argumente. Er ist ein Welt. mann, er weiß, was sich gegen den Nestor der Seesahrtsknnde ziemt. er beugt sich vor dem furchtlosen Bemeisterer des Ozeans, er ist stolz auf ihn als Landsmann, er empfindet Ehrfurcht vor seiner Person und Bewunderung für seine ungeheure Leistung, ihn jammert das abgehärmte Antlitz, die hinfällige Gestalt, und schließlich, er achtet seinen Jrrftim, der etwas Großartiges und Erschütterndes Hot. Diel- leicht muß man in solchem Irrtum sterben, wem: man wahr gelebt hat. Der Irrwm war das Zeugende. Don Quichotte ist stärker.als Sancho Pansa. Vielleicht ist das„Reich des Großchans" am End« noch wirklicher als Amerika. ""SS! Sr träumt von Es gibt ja noch Schnellzüge nach Poris. Man kann noch verreisen. Man kann sagen: Johann, packen Sie die Koffer. Man kann das Reissbureau anläuten und eine Schlafwagenkarte noch Paris verlangen. Man kann auch zwei Schlafwagenkarten verlangen. Das ist schöner. Was kami man noch alles. Man kann zum Beispiel auch davon nur träumen. Man kann ein junger Mann sein, dem es so schlecht gelst und dmm tritt man mal vor den Spiegel, sieht sich darin an und sagt: InHann, packen Sie die Koffer. Wer lacht da? Es hat niemand gelacht. Vielleicht wars drüben im Zimmer. Dielleicht hat der möbliert« Herr drüben Damenbefuch Also packen Sie die Koffer, Johann. Also rufen Sie da» Reise- burcau an, eine Schlaswagenkart« Paris. Eine? Naftirlich zwei, Johann. Aber natürlich. Wie können Sie so dumm fragen. Dos weiß man doch von alleine. Wer lacht da schon wieder? Es hat niemand gelacht. Wer soll hier denn lachen? Hier vier Treppen hoch am Oranienburger Tor... Hier hat man nichts zu lachen. Hin und wieder mal. Ja. Wie der möblierte Herr nebenan, wenn er mal Besuch hat, eine Frau von der Straße oder eine Frau aus irgendeinem andern vierten Stock, wo es auch wenig zu lachen gibt. Aber, Johann, ich bin verwundert, warum sind Sie immer noch nicht fort? Warum stehen Sie da und gasten in den Spiegel »nd hören zu, was ich da philosophiere? Wir verreisen, verstehen Sie? Wir wollen uns mal was erlauben. Wir haben es einfach satt, ewig diese kalten Wände anzustarren. Man kann auch nicht immer auf dem Sofa liegen. Man ist eben berlinmüde. Jawohl, Johann. Machen Sie, daß sie fortkommen. Man ist berlinmüde, jawohl. Ewig dieselbe Bude. Ewig der- selbe Briefträger, der nichts bringt. Ewig dieselbe Dolksküch«. Ewig dieselben Straßen und die Buddelei. Ewig dasselbe. Es ist nichts mehr los. Also wir fahren, Johann. Wir fahren nach Paris. Wer lacht da? Es hat niemand zu lachen. Es ist im Gegenteil ein« ganz ernste Sache. Es ist mehr zum Heulen, nicht wahr, Johann? Nicht wahr, Johann, wenn man jetzt so, ach, Johann, wenn Li« jetzt die Koffer packen und die Karten besorgen wollten. Johann, Sie stehen da und sehen wich an, es ist zum Heulen. Johann, nun verschwinden Sie endlich aus dem Spiegel. S'a machen ein sollen dämliches Gesicht. Halten Sie es nicht für möglich, daß wir jetzt noch Paris fahren? Paris, stellen Sie sich vor, Johann, Paris... Alfa los. Ich habe direkt einen Widerwillen gegen dieses Sofa dort. Die Wände, denk ich, müssen mir gleich auf den Kopf fallen. Das Fenster auf, Luft herein. O, es riecht nach Oranienburger Tor. Es riecht schon besser. Es ist doch wenigstens Bewegung. Man kommt doch auf andere Gedanken. Wie ist das jetzt mit Pari?, Johann? Dort unten ist die Untergrund. Wir fahren noch Bahnhot Zoo. Ach. man mutz sich mal etwas Pariser Luft um die Schläfen wehen lassen, und wenn es auch nur auf dem Bahnhof Zoo ist... Der junge Mann, der oben in seiner Bude diese Selbstgespräche geführt hat. rast durch die Straßen, um den Parijer Zug noch zu erreichen. Wenn«r in der Eile jemand anstößt, sagte er hoch- wütig„Pordon", nicht etwa„Verzeihung". Er ist überhaupt ein ganz anderer junger Mann als sonst. Er geht wie in breiten mo- dornen Hosen und unter einem wundervollen Borsalino. Die süßesten Mädchen kann er jetzt gelangweilt und enttäuscht fixieren. Er siebt ein Schild: Schnell.xig nach Poris! Und es beginnt etwas in ihm zu rollen, ein Schnellzug aus oller Misere heraus ins Glück. Er weiß ja, daß es eher zum Heulen ist, aber er lächell voll Erwartung. Er sagt zu sich selbst: Johann, haben Sie die Schlaswagenkart«« besorgt? Er steht auf dem Bahnsteig, gibt im Geist Gepäck auf, studiert die Fahrpläne und läßt sich Auskünfte erteilen. Oft schaut er oui die Bahnhofsuhr: Noch«ine Stunde, noch eine halbe, noch zehn Minuten. Sehnsüchtig schaut er auf die Gleise. Er macht sein Pro- gramm für Paris. Er steht auf dem Eiffelturm und unter ihm dehnt sich, ein Rausch für die Augen, ein Taumel, das nächtlich« Paris. Bielleicht könnte ich hier mein Glück suchen, denkt er. Mein Französisch ist nicht schlecht, ich könnte deutschen Unterricht erteilen. Ich könnte Uebersetzungen inachen, Abschriften und so weiter. Wie in Berlin. Aber es wäre doch anders. Es wäre eben Poris. Man hätte Hoffnungen. Man wäre noch nicht gestrandet. Hier kennt man schon olles und weiß vorher, daß es nicht klappt. Man hat keinen Mut mehr. Man ist festgefahren. In Pätis... Da schrickt er auf: Wieviel Minuten noch? Und schon fährt der Pariser Schnellzug in die Hall« ein. Dos Menschengewirr wird beängstigend. Gepäckträger stoßen den jungen Mann am der ihnen im Wege steht. Zeitungen werden ausgerufen. fremde Stimmen sind in der Luft, Parfüm von eleganten izrouen. es ist«in Hauch von der großen Well. Schon laufen die Schaffner an den Wagen entlang: Bitte einsteigen, der Zeiger der Bahnhofs- ühr rückt immer näher an die Abfahrtszeit. Schon faucht die Lokomotive. Der junge Mann sieht dann den Pariser Zug aus der Hall« rollen. Er hält krampfhaft seine Bahnsteigkarte tn der Hand. Er steht hier ganz hoffnungslos und seinem Schicksal ausgeliefert. Er muß wieder in die erbarmungslose Stadt zurück, von der er nichts mehr erwartet. Dort, ferne aber sitzt im Speisewagen des Pariier Zuges irgendein anderer besserer junger Mann, er hat ein schlaf- wogenabteil und macht in Paris sein Glück... wie man da» Allern des vrokes verzögerl. lieber das Alt. werden des Brotes und die Möglichkeiten feiner Verhinderung be- richtete Dr. Schweizer in einem Vortrag, dessen Inhalt in der„Um- schau" wiedergegeben wird. Der Teig ist zunächst ein Gemisch von gequollenen Eiweißstoffen, dem sogenannten Kleber, und unge- quollenen Stärketeilchen. Erst beim. Backen sängt die Stärke bei etwa 33 Grad ebenfalls zu quellen an und nimmt dazu dos Wasser dem Kleber weg, der dasselbe mit steigender Temperatur abgibt und schließlich gerinnt. Wird das Brot altbacken, so geht die Quellung der Ärärke wieder zurück. Da das Brot oberhalb von 55 Grad überhaupt nicht altbacken wird, muß dabei dte Temperatur eine Rolle spielen. Um das Brot auch in der Kälte stisch zu erhalten. hat Schweizer ihm einen Zusatz quellungsfördernder«tone gegeben. Das am stärksten quellungsfördernde Kaliumrhodanat zeigt« auch im Brot die größte Kraft, es frisch zu halten. Geringer war der Einfluß eines Zusatzes von 3 Prozent Kochsalz. au> des Mehl berechnet, während 05 Prozent Milchsäure fast ebenio gut wirkte. Jedenfalls kann man aus diesen Verbuchen schließen, doy der Zusatz von Stost'en, die die Quellung der Stärke m der Kälie befördern, das Allbackenwerden des Brotes verzögert. Au» der Geschichte der Zichorie. Zuerst wurde der Gebrauch der Zichorie in Holland bekannt, und zivar um 1KV0. Bon da ob verbreitete er sich noch Preußen um 1763. nach Frankreich und Luxemburg um 1771, nach Belgien um 1776. Erst infolg« der kon- ttnentalen Blockade(1806) wurde der Gebrauch der Zichorie als Ersatzmittel für den Kaffee allgemein. Damals entwickelt« sich mich die Erzeugung des Rübenzuckers. Eiserne Neujahrskarten wurden in den Iahren 1813 bis 181? m der königlichen Eisengießerei zu Berlin hergestellt und von dieser an die Mitglieder des Königshauses und hohe Staatsbeamte ge- schickt. Eine Sammlung dieser sehr sellenen und eigenartigen Glück- wunschkarten besitzt das Berliner Märkische Museum. Die eigentliche Straßenbeleuchtung wurde in Deutschland erst vor 100 Iahren eingerichtet. Im Jahre 1826 kam Hannover als erste deutsche Stadt zu einer Gasanstalt.. Berlin folgte 1828. DL5k KATALOG IST IN JEDEM ZIGARRENGE SCHAFF ZU HABEN naht heran/ NützllcheCs E Kl DE erhälf jeder ENVER BEV- RAUCH ER Her die Süisclielni sammelt Teppiche uantmeyer <& EICKE an der Leipziger Strasse WBLHELMSTR. 55, 57, 58 Pa. Velour Pa. Tournay Pa. Haar-VeL Pa. Spezrlal »80. W ob K 85a"*», MO cm M 11 5a"»0,300-rn M 84a"»0.300 cm M. 6 0." svsoob. h125.* saroca. h170,- so,vdc». m.125,*»0/3-0«». m. M.* Pa. Bonelfi Pa. Wollplüsch Pa."Woll- Perser m>tO em M. es.. 150,"358 e 43.- tTS/Wca M< »O/SaOem. 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