BERLIN Mittwoch 16. SNober 1929 10 Pf. Kr. 4&6 B 242 46. Jahrgang ErfAeiRt ti« Ii ch ttfer Sennttgt. Jugltich Abmdausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaden SS Pf. pro Woche. S.mM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 6S. Andenstr.» > f gg» ii iRieigeB»! eii; \ /_ mMm*"mim 80 Pf.. ReNamezeil« ■# Postscheckkonto // W W* TV Berlin Nr.*7636, F, i I: Sit einspaltige Nonpareille, eil» 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Vvrwätt«-V erlag D. m.b.H.. Fernsprecher: Dänboff SS? bi««n Ein Brief Hindenburgs. Cr behält sich seine Entscheidung vor. Der Reichspräsidenl hol soeben an den Reichskanzler das nach- flehende Schreiben gelangen lassen: Sehr geehrler Herr Reichskanzler! TKii steigendem Vefremden habe ich die Wahrnehmung machen müssen, dast in dem Sampse um das Volksbegehren sowohl von dem Reichsausschuh für das Volks- begehren als auch von den das Volksbegehren bekämpfenden Parteien und Gruppen meine Person und meine mutmahliche persönliche ZNeinung zur Frage des sogenannten Poung-Planes in die Agitation hineingezogen wird, von der einen Seite wird behauptet, dasj ich ein Freund des Volksbegehrens wäre, und von der anderen Seite betont, daß ich mich für die Annahme des Poung- Planes sestgelegt hätte. Demgegenüber stelle ich fest, daß ich niemandem die Ermächtigung erleilt oder sonst einen Anlaß dazu gegeben halte, meine persönliche Meinung zu diesem Problem be- könnt zu geben. Zch habe im Gegenteil stets betont, daß ich mir nieine endgültige Stellungnahme zu dem Poung-Plan bis zu dem Zeitpunkt vorbehalte, in dem diese hochbedeulsame Frage zur Erledigung reis ist und nach Maßgabe der Artikel 70. 72 und 73 der Rcichsversassung zur Entscheidung über eine Verkündung oder eine Aussehung ?er Verkündung versassungs mäßig zustande gekommener Geschesbcschlüsse an mich herantritt, und hieran halte ich nach wie vor fest. Ich bitte Sie. Herr Reichskanzler. Hierron Kenntnis zu nehmen und das vorstehende den im Kampf um das Volksbegehren beteiligten Parteien und Gruppen in der ihnen geeignet erscheinen- den weise zur Kenntnis zu geben. Mit freundlichen Grüßen bin ich Zhr ergebener von hindenburg. Das Problem der Beihilfe. Ein hervorragender Jurist schreibt uns zum Beginn des Volksbegehrens: Die Deutschnationalen haben eine ebenso tiefe wie berechtigt« Abneigung dagegen, in privaten Rechtsangelegenheiten die Hilfe rassengenössischer Juristen in Anspruch zu nehmen; sie zielen ihnen jüdische Anwälte vor. In politischen Dingen indess einläßt die Deuts chnationale Volkspartei sich von den Everling, Loh- mann, Wolfs und oerwandten Geistesriesen juristisch beraten. Die Geschichte des Paragraphen 1 des Volksbegehrens zeigt, was dabei herauskommt. Durch die Aendcrung des ursprünglichen Textes und die hierfür gegebene Begründring hat der Reichsmisschuß zugegeben, daß die erste Fassung auch den Reichspräsidenten mit Zucht- hausstrafe bedroht hat. Di« Umgestaltung des Wortlautes war dazu bestimmt, hindenburg zu begnadigen. Aber dieses Ziel ist nicht erreicht worden. Die Paragraphen 3 und 4 des„Freiheitsgesegcs" find inzwischen wie solgt formuliert worden. 8 3. „Auswärtigen Mächten gegenüber dürfen neue Lasten und Verpflichtungen nicht übernommen werden, die auf dem Kriegs- schuldanerkenntniv beruhen, hierunter fallen auch die Lasten und Verpflichtungen, die aus Grund der Vorschläge der Pariser Sach. verständigen und nach den daraus hervorgehenden Vereinbarungen von Deutschland übernommen werden sollen. 8 4. Reichskanzler und Reichsminister sowie Bevollmächtigte des Deutschen Reiches, die entgegen der Vorschrift des A 3 Verträge mit auswärtigen Mächten zeichnen, unterliegen den im ß 92 Rr. 3 StGB, vorgesehenen Strafen." Zum Erweis« der Unmöglichkeit dieser Bestimmungen genügen wenige Sätze. Das Strafgesetzbuch bedroht im§ 32 Nr. 3 den- jenigen mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren, der vorsätzlich ein ihm von feiten des Deutschen Reiches oder eines Bundesstaates aufgetragenes Staatsgeschäst mit einer anderen R«- gierung zum Nochteil dessen führt, der ihm den Auftrag erteilt Hot. § 90 des Entwurfs eines neuen Strafgesetzbuches droht Zuchthaus- strafe einem Beauftragten des Reiches oder eines Landes an, der ein Staatsgeschast mit einer ausländischen Regierung wissentlich zum Nachteil seines Auftraggebers führt. Beide Vorschriften haben einen guten Sinn. Aber unsinnig ist es, die Uebernahme neuer Lasten und Verpflichtungen mit der Begehung eines Landesverrats zu identifi- zieren. Unsinnig ist es. zu behaupten, daß der Young-Plan, der Deutschland geringere Zahlungen auserlegt, als der mit Hilfe der Deutfchnotionalen angenommene Dawes-Plan. neue Verpflichtungen begründet. Und unsinnig ist es, Reichskanzler. Reich-mimster und Reichsbevollmächtigte mit Strafen zu bedrohen für den Fall der Aueführung eines verfassungsmäßig zustande gekommenen Gesetzes, denn die Zeichnung von Verträgen mit auswärtigen Mächten fetzt, wenn darin neue Lasten und Ver- An die„Kote Fahne", die Preisfechterin gegen Korruption. Anton, steck den O e g n e r ein, Laß mit dem Gäbe! das piecken sein Llnd kehre sorgsam für und für Ohne Kote Hilfe vor der eigenen Tür. pflichtungen übernommen werden,«In Gesetz voraus. Merkwürdig ist übrigens, daß Herr Hugenberg nicht vorschlägt, sein Gesetz mit rückwirkender Kraft auszustatten. Bei den glänzenden Aussichten seines Volksbegehrens könnte er so mit einem Schlage die Opposition in den eigenen Reihen loswerden. Denn wenn schon die Zustimmung zum Joung-Plan einen Landesverral darstellt, so ist ein solcher erst recht durch die Annahme des Dawes-Planes begangen worden, die nur durch die Abgabe von 48 deutschnationalen Ja- Stimmen möglich gewesen ist. Uns kommt es aber hier auf den Nachweis an, daß auch der abgeändert« Entwurf Hugenbergs ebenso wie der erste sich nicht nur gegen di« im Z 4 genannten Amtsträger, sondern auch gegen den Reichspräsidenten richtet. Der§ 4 schafft ein neues Amtsv«rbrechen. Die Väter des„verbesserten" Entwurfs haben wohl gedacht, daß der Reichspräsident aus der Schußlinie sei, wenn sie ihn unter den bedrohten Amtsträgern nicht ernsführten. Nun ist es aber anerkannten Rechtes, daß bei allen Amtsdelikten die Teilnahme eines Dritten, sei er ein Privatmann oder«in Beamter einer anderen Kategorie, als Anstifter oder Gehilfe denkbar ist. Und so soll«s auch noch dem Entwurf des neuen Strafgesetz- duches bleiben: denn sein§ 32 besagt: „Wegen einer Tal, deren Strasbarkeit durch besondere Eigenschaften oder Verhältnisse begründet wird, sind A n st i s t e r und Gehilfen strafbar, wenn diese Eigenschaften oder Verhältnisse bei ihnen oder beim Täter vorliegen." Nun vertritt noch Artikel 43 der Reichsverfassung der Reichs- Präsident das Reich völkerrechtlich. E r schließt im Namen des Reiches Verträge mit auswärtigen Mächten. E r entsendet also Minister und sonstige Bevollmächtigte zu Verhandlungen, die auf die Errichtimg solcher Verträge abzielen. Ohne sein« Zu« stimmung können weder Unterhandlungen ge- führt noch Abmachungen getroffen werden. In der Bevollmächtigung der Unterhändler, in der Zulassung Ihrer Be- tätigung, in der Unterlassung ihrer Abberufung liegt unzweifelhaft zum mindesten eine Beihilfe und zwar eine sehr wesentliche Beihilfe zur Tat. die das Volksbegehren als Lanoesoerrat geahndet ipissen will. Wenn die Herren vom Reichsausschuß dies nicht glauben wollen, mögen st« sich bei den ihnen in ihren persönlichen Angelegenheiten zur S«ite stehenden SachwaUern(siehe oben) erkundigen, di« ihnen die Richtigkeit dieser Darlegung bestätigen werden. Der Wunsch des Grafen Reventlow, den Revolver der Zuchthausandrohung auch auf Hindenburgs Brust gerichtet zu sehen, ist also durch die Fassung auch des abgeänderten Gesetzentwurfes erreicht. Nach der Wahl des jetzigen Reichspräsidenten prophezeit« ein witziger Abgeordneter, es werde sehr bald dahin kommen, daß die Deutschnationalen das Bild des Gewählten in ihrer Wohnung mit gegen die Wand gekehrtem Gesicht aufhängen würden. Die Phantasie des geistreichen Mannes ist hinter der Wirtlichkeit zurückgeblieben. Das Geschenk der Deutschoationalen zum 82. Geburlslage des Relchspräsideuteu besteht darin, daß sie ihm die Gewährung von Einzelhast, gestrelsler Gewandung und Rumfordsuppe in Aussicht stellen. Einjährige Dienstpflicht. Frankreich hat keine Angst vor der Keichswehr. Paris, 16. Oktober. Kriegeminister Painlevä hielt bei einer Veranstaltung des Ver- bandes der Vereinigungen zur körperlichen Ertüchtigung und mili- tärischen Vorbereitung der Jugend in der Sorbonne eine Rede. An- laß dazu gab dem Äriegsininister die Tatsache, daß die in den nächsten Tagen einziehenden Rekruten zu dem Kontingent gehören, das als erstes nur ein Jahr lang unler den Fahnen Dienst iul und im Oktober 1930 entlassen wird. Painleoe erklärte, diese große demokratisch« Reform stelle«inen großen wirtschaftlichen und sozialen Nutzen dar. Vom internationalen Standpunkt sei sie ein deutlicher Beweis des Friedenswillens Frankreichs und ein Beweis, daß Frank- reich niemals die Initiative zu einem Krieg ergreifen werde. Diese .Verpflichtung bedeute aber nicht, daß man sich aus ein« passive Reststenz beschränk«, wenn ein Angriff Frankreich zwingen würde, zu mobilisieren, dann würde das neue französische Heer durch Zahl und Ausrüstung ein mächtiges Offensivwerkzeug sein. Eine Frage dränge sich infolge der Aussicht auf die Rheinlandräumung aufs neue auf. nämlich: Werde die Landesverteidigung durch das Gesetz über die Einführung der einjährigen Dienstzeit genügend gewährleistet? Bei der gegenwärtigen europäischen Lage wäre ein entwaffnete» Frankreich nicht ein Beispiel, sondern eine � Versuchung. Painlevc bezeichnet« die Hypothese eines plötzlichen Angriffes eines 100 000 Mann starken Berufsheeres als die am w e n i g st e n wahrscheinliche und am wenigsten gefährliche. Denn eine völlige Niederlage würde gewiß eine derartig« Verwegenheit bestrafen. Immerhin mache diese Hypothese aus den Mann aus der Straß« den größten Eindruck. Man müsse zwar wachsam sein und weitblickend, aber es brauche deshalb keine Panik zu entstehen. Danach beschäftigte sich der Kriegsminister noch mit dem Grenz- schütz. Die leichteren Befestigungsarbeiten, also die Anlegung von kasemalten, die mit Maschinengewehren versehen seien, werde bis November 1330 im nördlichen Lothringen und im Elsaß vollendet sein. Weitere stärkere Befestigungen würden in den nächsten vier Jahren gebaut werden. Painlevä betont« dabei, daß er für Modernisierung der Kampfmittel schon Sorge zu tragen wisse, denn er habe doch im März 1917, als noch niemand an die Wirksam- keit der Tanks glaubte, 4000 kleine Tankwagen herstellen lassen, die dann im darauf folgenden Jahre eine entscheidend« Rolle spielten. Am Schlüsse seiner Red« appellierte der Kriegsminister an den guten Willen des französischen Heeres und bezeichnete die Rekruten- kris«, die m den letzten Jahren sestzustellen war, als behoben. Er habe zu ehemaligen Frontkämpfern, di« ihn eines Tages fragten, wie sie die Liebe zum Frieden mit ihrer militärischen Pftichtersüllung oereinen könnten, geantwortet: Für ein Heer gebe es eine noch rühm- reichere Aufgabe, als Siege davonzutragen, nämlich Siege u n- nötig zu machen dadurch, daß das Heer im voraus die Unruh? stifter entmutige. Bünger gegen den Novemberiag. Weil Killinger es befiehlt. Dresden, 16. Oktober. Dem Sächsischen Landtag ist heute eine Regierungs- vorläge zugegangen, durch die dem 9. Noyember in Sachsen der Charakter als gesetzlicher Feiertag genommen wer- den soll. Bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des Landtags, der am Dienstag nächster Woche zu seiner Herbsttagung zusammentritt, besteht die Möglichkeit der Annahme der Vorlage. Ein deutsch- nationaler Antrag will auch den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag beseitigen. Llm den Dürgermeisterposten.> BSrgermeister Schneider will sein Amt nicht niederlegen. V G* V IvIVIf 5W V 1 i V ♦ wie bereits mitgeteilt, hat der Untersuchungsausschuß des Bezirks Groß-Berlin der Sozialdemokratischen Partei den Bürgermeister des Bezirksamtes Verlin-Blitte, Schneider, ausderparteiausgeschlossen undihn aufgefordert. sein Amt niederzulegen. Bürgermeister Schneider will, wie wir erfahren, diesem Beschluß nicht nachkommen. Er erklärt nunmehr, daß er freiwillig aus der Partei am 15. Oktober ausgetreten sei und daß infolgedessen auch der Beschluß des Parteigerichts für ihn keine Gültigkeit haben könne. Bürgermeister Schneider teilt weiter mit, daß er mit dem heutigen Tage den Urlaub, den er vor zwei Tagen angetreten, abgebrochen und mit dem heutigen Mittwoch die Amtsgeschäste wieder übernommen Hab«. In der heutigen Bezirkeversammlung Berlin- Mitte will der Bürgermeister die von fast allen Parteien?in- gebrachten Interpellation beantworten. Schneider hat sich zu den Borwürfen, die gegen ihn erhoben worden sind, vor den Parteiinstanzen äußern müssen. In den letzten Tagen verschlimmert« sich die Situation für den Bürgermeister dadurch, daß er ganz plötzlich zu einer Zeit, in der er im Mittelpunkt scharfer öffentlicher Angriffe und eines Verfahrens seiner eigenen Partei stand, bekannt gab, daß er einen 14tägigen Urlaub antreten wolle, der ihm rechtlich allerdings noch zustand. Das Parteigericht machte Schneider auf die Unmöglichkest seiner Handlungsweise aufmerksqm, und tatsächlich hat sich der Bürgermeister veranlaßt gesehen, den Urlaub wieder abzu- brechem • Di« Dinge liegen nicht ganz so, wie sie der Bürgerineist er Schneider darstellen möchte. Nachdem man Schneider nachweisen konnte, daß er bei seiner Vernehmung ain Dienstag der vorigen Woche dem Untersuchungsausschuß Unwahrheiten gesagt und wichtige Dinge verschwiegen hatte, stand sein Aus- schluß aus der Sozialdemokratischen Partei fest. Sein« Aus- trittserklärung erfolgte am gleichen. Tage, an dem ibm der Ausschluß mitgeteilt wurde. Gklarek und Rote Hilfe. Wieviel war es? Die Note Hilfe erläßt eine Erklärung, in der sie behauptet, daß sie von den Sklareks nicht zwei Waggons Kleider bekommen hat, sondern nur für tausend Mark. In der gleichen Erklärung spricht sie von dem„Opossummantel", den die Sladträtin Genossin Weyl geschenkt bekommen haben soll. Genossin Weyl hat zwar schon vor einigen Tagen erklärt, daß sie nie einen Opossumniantel besessen hat, aber ein Opossummantel, wenn er auch nur in der Phantasie existiert, ist als V« r l e u m d u n g s m i t t e l zu kostbar, als daß man auf ihn verzichten wollte. Während sie selber so gemein lügt, bringt es die Rote Hilfe fertig, den„Vorwärts" einen„gemeinen Lügner" zu schimpfen, weil er von zwei Waggons Kleidern gesprochen hat, während es nach ihrer eigenen Schätzung ftleider für nur taufend Mark gewesen sein sollen. Di«„Rote Fahne", die diesen Erguß der Roten Hilfe veröffent- j licht, bringt auf derselben Seit« einen Artikel über die Geschäfte des' demokratischen Stadtverordneten R o s e n t h a l. In dem klein- gedruckten Text wird Rosenthal auch als Demokrat bezeichnet, in einer fetten Schlagzeile ober heißt es: „Kreditschlebereien des sozial demokratischen Stadtverordneten Rosenthal." Die Redaktion der„Fahne" spekuliert ganz richtig darauf, daß kein Mensch das Zeug, das sie verbricht, auch wirklich lesen kann. Der oberflächliche Leser aber entnimmt aus den Schlagzeilen, daß ein Sozial demokrat sich einer Kreditschiebung schuldig gemacht hat. Ekne Gesellschaft, die mit solchen Mitteln arbeitet, hat kein Recht, über Korruption qn reden. Sie ist selbst von oben bis unten korrupt. Cin Landtag aus drei Mann. HochverratsanNage in der Tschechoslowakei. Brünn. Iki. Oktober. Vor dem Staatsgerichtshof in Brünn wurde gegen den ö�jähri- gen Landwirt Josef Deamko und den 42jährigen Tischler Franz Brozk aus Dlouhe Pol« in der Slowakei verhandelt, die noch dem Gesetz zum Schutze der Republik u. a. des Verbrechens der II s u r- p i« vu n g der Macht verfassungsmäßiger Faktoren und der staats- feindlichen Konspiration angeklagt sind. Die Angeklagten hatten mit einem Vinzenz Michalus sich eingelassen, der sie«in„Dekret" unterschreiben lieh, worin sich alle drei als ollgemeiner slowakischer Landtag erklären, der allein berechtigt sei, das slowakische Volk zu repröseniieren und in seinem Namen die Regierung zu führen. In dem„Dekret" heißt es u. a., daß die Slowakei aus dem Verband der tschechoslowakischen Republik austrete und ein unabhängiger selbständiger Staat wird mit einem von dem slowakischen Volk ein- gesetzten Landtag an der Spitze. Michalus ist später geflüchtet. Die Angeklagten erklärten, daß sie damals betrunken waren.' Sie wurden nur des Landfriedensbruchs für schuldig erklärt. � Dcarnfo wurde zu acht Monaten, Brozk zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Vierteljahr grundlos in Hast. Prag, 15. Oktober. r-er reichsdeutsche Oskar G r o e s ch l ist noch elfwöchiger Unter- suchungshaft mit Rücksicht darauf, daß sich die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen der Spionage als grundlos erwiesen haben, frei- gelassen worden. Er wurde lediglich wegen Ueberschreitung des Woffenpatents mit einer kloinen Strafe belegt, da er«in Taschen- messer bei sich geführt hatte, das die gesetzlich maelostenr Länae überschritt. Ems und Koblenz frei. Die Franzosen haben in der vergangenen Nacht das 151. In- antcrieregiment aus Koblenz zurückgezogen. Das Regiment be- zieht seine neue Garnison in Metz. Auch dos 23. Infanterie- regiment Hot in dieser Nacht Bad Ems verlassen: es wird nach Weißenburg im Elsaß verlegt. In Oberstein ist inzwischen ebenfalls mit dem Abzug begonnen worden. Versuchter Mord und Selbstmord vor Gericht. Einer jener 5älle. die in den letzten Zähren so oft die Oessentlichkett beschäftigten, stand zur Aburteilung vor dem Landgericht II. Der ZbjShrige Bäckergeselle C. verletzte mit drei Schüssen leicht sein« verlobte, die Hausangestellte (£„ und schoß sich selbst zwei kugeln in den Kopf. Er blieb am Leben und Hot sich heule wegen versuchten Totschlags zu verantworten. Im Gegensatz zu dem gestern wegen Totschlags an dem Ge- liebten seiner früheren Braut zu 4 Jahren Gefängnis verurtcittsn Schmidt ist der Angeklagte ein weicher, unsicherer und geistig wenig beweglicher Mensch, aber gleich jenem konnte er nicht von der Frau, die er liebt«, lassen und hatte deshalb zur Wasse gegriffen. L. war Bäckergeselle, die E. als Hausangestellte im Jahre 1924 in Küstrin bei einem Bäcker beschäftigt. Zwischen beiden entstand ein Li e b e s- Verhältnis, das auch fortdauerte, als die E. im Jahre 1927 nach Berlin verzog und L. in verschiedenen Orten Preußens inStellung war. Sie unterhielten einen Briefwechsel, besuchten ein- ander, die E. nahm im März 1929 an der Hochzeit der Schwester des L. teil und verlobte sich mtt ihm im April. Das Leben in Berlin hatte bei der E. doch verschiedene andere Interessen geweckt. Immer wieer kamen ihr Zweifel, ob der geistig wenig reg« L. für sie das Richttge wäre. Kurz nach der Verlobung lernte sie einen Ingenieur kennen und nun wurde ihr auf einmal klar, daß sie ihren Brgutt- gam nicht heiraten könne. Sie antwortete nicht mehr auf sein« Briefe und schrieb ihm schließlich, daß er ihr nicht mehr g e- falle und sie einen anderen kennengelernt habe. Am 28. Juni fuhr L. nach Berlin, um eine mündliche Aussprache herbeizuführen. Hier im Tiergarten drang er in sie. sie möchte ihm doch treu bleiben, sie wiederholte aber, daß zwischen ihnen alles aus fei, ließ ihn stehen und ging fort. Von Stargard aus bat er sie nochmals um ein Zu- fammentreffen, damit er von ihr noch feine Sachen allholen könne. Am 4. August fand die Begegnung im Hausflur des Hauses, in dem das funge Mädchen in Stellung war, statt. L. behauptet, sie habe ihm kurz gesagt, daß sie für ihn keine Zeit und eine andere Ver- abredung habe, er sei darauf von der Wut gepackt worden und habe die Schüsse aus seine Verlobte und sich selber abgegeben. Bei der Verhaftung des L. fand man in seiner Tasche eine» Abschiedsbries an feine Eltern und Geschwister. Es stand darin: „Ich fahre heute nach Berlin zu meiner Braut. Sie will wich nicht heirate,,, sie hat einen anderen gefunden. Wir haben vier Jahre miteinander verkehrst ich kann sie nicht vergessen, ich liebe das Mädchen. Wo ich bleibe, muß auch Herta bleiben, und wo Herta ist, muß auch ich sein. Do sie mir nicht treu bleiben kann, habe ich den Entschluß gesaßt, daß wir uns beide löten. Grämt Euch nicht um mich, ich möchte mit ihr in einem Sarg? ruhen, wie wir schon früher oft zusammen gcschlasen haben. Wenn Ihr dies Schreiben bekommt, find wir beide schon Leichen. Es grüßt Euch Euer Sohn und Eure Schwiegertochter." Außer diesem Brief fand man bei ihm einen Zettel, in dem außer den Personalien seiner Braut die Worte standen:„Bitte. laßt uns beide ruhen i» einem Sorge." Di« E. hatte nur eine ganz geringe Fleischverletzung an der Brust davongetragen. L. mußte an sich Zwei Schädelop'erationen vornehmen lassen. Am 7. August schrieb er aus dem Krankenhaus an seine frühere Braut:„Mein liebes Herzchen. Ich habe alle Tage auf Dich gewartet. Bitte, besuche mich doch. Ich bin so einsam und verlassen. Vergiß alles, was zwischen uns gewesen ist. Ich kann selbst nicht verstehen, wie ich es gemacht habe. Herzchen, hast Du Dir die Sache noch nicht über- legt? Wir müssen doch zusammenkommen, anders geht's doch nicht. Bitte, bitte, komme." Seine Braut i st nichtzu ihmge- kommen, er sah sie jetzt zum erstenmal tm Gerichtssaal wieder. Als Zeugin sagte sie aus. daß sie eben einen Mann gesucht habe, der geistig höher steh« als sie, von dem sie hätte lernen können. Sie habe eben in Berlin ein« ander« Einstellung zum Angeklagten bekommen. Als der Vorsitzende ihn fragte, ob er seine Braut habe löten wollen, sagt« er:„Ja."„Hätten Sie aber auch auf sie geschossen, wenn sie in einer freundlichen Weise mit Ihnen gebrochen hätte?" „Nein, dann nicht." Wenn man die beiden so einander gegenüber stehen sieht, so sagt man sich unwillkürlich, vielleicht haben sie wirk- lich nicht zueinander gepaßt. Vielleicht wären sie aber doch noch miteinander glücklich geworden, wenn sie nicht die Provinz mit Berlin oertauscht hätte. Oer Ansturm auf Preußen. Lleberflüssige Anträge der Rechten im Landtage. Der preußische Landtag begann heule mitlag nach Erledigung kleinerer vorlagen die Beratung des deutsch- nationalen Antrages, dem gesamten Slaals- Ministerium wegen der Auflösung des Stahlhelms in den Provinzen Rheinland und Ivestsalen das vertrauen zu entziehen, verbunden damit ist die Besprechung der deutschnaiionaleu Anträge, die Slaalsregierung ausznsordern. im Reichsrot gegen den Jon ng. Plan zu stimmen. diejenigen Beamten in ihrem Recht nicht zu beelulrächligen. die sich für das Volksbegehren elnzetchneo, die Auflösung de, Stahlhelms in Westdeutschland rückgängig zu machen und fchließlich noch ein Antrag, im Hinblick auf die Sklarek- Affäre im Dienstauffichtswege sofort die Rückkehr des Berliner Oberbürgermeisters Dr. Böß ju oeranlassen. Zur gemeinsamen Begründung aller Anträge nahm das Wort der Abg. Baecker-Berlin(Dnat.), der zunächst darauf himveift, daß das Thema des Tributplanes gestern abend im Rundfunk durch den Ministerpräsidenten Braun bereits behandelt worden sei. Dieser habe es aber abgelehnt, sich sachlich dazu zu äußern, er habe vielmehr ausdrücklich betont, daß ihn nur die politische Seite der Angelegenheit interessiere. Der Ministerpräsident habe ja seinerzeit im Landtag während der Pariser Verhandlungen die Tributlast als untragbar be- zeichnet. Wenn jetzt die Leistungen des Poung-Planes olle Er- Wartungen übertreffen, dann fei allerdings zu verstehen, wenn es dem Herrn Ministerpräsidenten ebenso wie den Reichsministern, die den Rundfunk mit einer Invasion bedrohen, nicht angenehm ist, sich sachlich dazu zu äußern. Um so mehr hätten die Deutschnotionalen Veranlassung dazu, denn noch niemals sei ein Volt von der Re- gierung so unzulänglich und falsch unterrichtet worden, wie in diesem Punkt«. Bei Redaktionsschluß spricht der Redner noch weiter. Zm belgischen Bergbau werden die Löhne ab 20. Oktober«ttj ;! Proz. erhöht, die der Transportarbeiter unter Tage um 6 Proz. £-.« Arbeitslosigkeit in England stieg in der Woche vom l. zum 7. Oktober um 25 338 auf 1207 200 Arbeitslose. Gegen da? Vor- jähr ein« Verminderung um 112505. Zweite Haager Konferenz im Dezember SineMahnungLaspars— langsamerFortgang derArbeiten Paris, 16. Oktober.(Eigenbericht.) Der belgische Ministerpräsident I a s p a r hat in seiner Eigen- schast als Vorsitzender der Haager Konferenz an die verschiedenen technischen Kommissionen— das Organisationskomitee der Repa- rationsbank, das Liquidattonskomitee, die Sachlieferungskom- Mission, die Kommission für die Ostreparationen und die für die Neuregelung der Statuten der Reichsbank und der Reichselsen- bahn— die dringliche Mahnung gerichtet, ihre Arbeiten so zu b e- schleunigen, däh sie bis zum 24. Oktober abgeschlossen sein könnten. In der Liquidationstommission, die in Paris beisammen ist, seit Mitte September aber keine Sitzung mehr abgehalten hat, sollen infolge eines Konflikts zwischen Deutschland und Polen wegen der Liquidation der deutschen Besitztümer groß« Schwierigketten«nt- standen sein. In der Kommission für die O st r e p a r a t i o n e n werden neue zusätzliche Gutachten über die Zahlungsfähigkeit Oester- reich, Ungarns und Bulgariens erwartet. Wenn auch die Mahnung Iaspars zu einer Beschleunigung der Arbeiten in den zahlreichen Kommisstonen führen dürfte, so wird doch kaum damit zu rechnen sein, daß das Datum vom 24. Oktober etngehallen werden kann. Damit würde sich auch die von Io-par in seinem Mahnschreiben geäußerte Absicht, di« zweite Haager Konferenz für den 15. November einzuberufen, kaum verwirk- lichen lassen. Das Datum für di« Eröffnung dieser Konferenz dürfte sich bis Anfang Dezember oerzögern. Sin später Entschluß. In einem Aufruf wendet sich jetzt auch das Zentralkomitee der Kommunistischen Part« gegen die Beteiligung an dem Inflationsbegehren und fordert gleichzeitig zum Kampf gegen diesen Betrug auf. Jede Unterschritt unter das Volksbegehren des Hugenbsrg-Hitlerschen Faschistenblocks sei eine Stimme für die Versklavung. Die Losung der Kommunisten zum Volksbegehren der Reaktion könne daher nur lauten:.Leine Unterschrift und keine Stimme für diesen frechen Vollsbetrug." Verzweiflungstat eines Vaters. Mit seinem Kinde in den Landwehrkanal gesprungen. Heule vormittag spielte sich in der Königin-Augusta- Straße in nächster Rühe des Reichswehrministeriums � eine Schreckensszene ab. Passanten sahen plötzlich zu ihrem Entsetzen, wie ein Mann ein Kind über das Geländer an der ftellabfallenden Böschung des Landwohrkanals hob und es ins Wasser fallen ließ. Eh« es jemand verhindern konnte, schwang sich auch der Mann über das Ufergitter und sprang in den Kanal. In aller Elle wurde der an der nächsten Brücke befestigte Rettungskahn flottgemacht. GlücklicherMeif« gelang es, beide, wie sich nachher herausstellt«, Bater und Kind, zu retten. Mittlerweile war die alarmierte Feuerwehr angerückt und unter der Behandlung der Samariter konnten Vater und Kind, die bereit« das Bewußtsein verloren hatten, ins Leben zurückgerufen werden. Ihr Zustand war jedoch so schwer, daß sie ins Elifabethkrankenhaus gebracht wenden mußten. Wie die Ermittlungen der Pollzei ergeben haben, handelt es sich um den Zljährigen Arbeiter Ernst Blottka aus Lichterfeldc- West, Moltkestr. 27, und fein vier Jahre altes Töchterchen Elisabeth. Bei der kurzen Vernehmung Bloukas war bisher nur soviel heraus- zubekommen, daß er heute früh wieder auf dem Reichsentschä- digungsamt, an das er angeblich Ansprüche hat, erschienen und wieder abgewiesen worden war. In seiner Verzweiflung darüber wollte er mit mit Kinde in den Tod gehen. Neichskommissariai nach Wiesbaden. Einschränkung des Personalbestandes. Der Reichsminister für die besetzten Gebiete hat nunmehr wegen des künftigen Dienstsitzes des Reichskommisiariats für di« besetzten rheinischen Gebiete in Koblenz, dessen Verlegung anläßlich der Räumungsmaßiuihmen notwendig wird, Bestimmung dahin ge- troffen, daß das Reichskommiffariat unter entsprechender Ein- schränkung seines Personalbestandes im Laufe des Monats Dezember dieses Jahres nach Wiesbaden verlegt wird. Gleichfalls wird der Amtssitz des Präsidenten der Reichs- Vermögensverwaltung für die besetzten rheimfchen Gebiete im De- zember von Koblenz nach Wiesbaden verlegt werden. Ein kläglicher Anstatt. Man drängt sich nicht zum Volksbegehren. In der Turnhalle der Andreas-SchuZe, Belle-Alliance- Straße 80, liegen die Listen für die Eintragung zinn Volks- begehren für die Strahenzüge Arndt-, Fidicin-, Bergmann-, Fürbringer-, Nostizstrah« usw. auf. Um 13 Uhr inittags, dem Beginn des großen Werkes, ist überhaupt noch kein Mensch da. Nach zehn Minuten erscheinen drei aufgeregte älter« Damen mit Pinscherhündchen und Einholkorb, welchen di« Ab- fertigung infolge des„allzu großen Andranges" nicht rasch genug erfolgte. Die eine von ihnen stellt sogar einen der Listenführer mit den aufgeregten Worten zur Rede:„Na, ich denke, man tut euch ! was Gutes damit!" Edle Wohltäterin der Menschheit! Es erscheinen in weiterer Folge«in Herr im Bergsteigerdreh, � Wadenstrümpfe und Rasierpinsel, und ein Austräger de«„Lokal- , Anzeigers", damit hat die Herrlichkeit vorläufig ihr End« erreicht. ■ Vor der Tür steht dann noch eine Frau mtt einem Säugling auf � dem Arm. die sich treuherzig erkundigt, was denn hier los sei? ! Und ob man dazu Papiere brauche. Dann meint sie zu ihrem Sprößling:„No, dann woll'n wir mal erst nach Hause gehen und Papiere besorgen." Das Warum und Weshalb ist nicht so wicht g, scheinbar gibt hier da» schön» Sommerwetter und der damit verbundene Spaziergang den Ausschlag. Lelparis Vefinöen. Wie uns der Leiter d-s St Hildegarl-Krankenhauses, Professor P r i b r a n, mitteilt, hat Genosse Leiparr di« letzte Nacht gut verbracht. Zwar ist der Zustand nach wie vor ernst, man hofft jedoch, daß Kompilationen nicht hinzutreten. Lleberfall mit Schreckpistolen. Oer Täter verhaftet. Der Raubübttfall in der Irebbiner Stroh« 13. über den wir heule früh berichteten, hat fosort Nachahmung gefunden. In den Bureauräurnen der Firma Gebrüder Trojetzki. Deutsch-Russrjches Transportkonlor, in der Oranienburger Str. 65, erschien heute morgen Iii Minuten nach 8 Uhr ein jüngerer Mann, der einen wenig vertrauenerweckenden Eindruck machte und den Ehef zu sprechen wünschte. Ein AngesteMer teilte ihm mit. doh der Chef zurzeit nicht anwesend sei. In diesem Augenblick betrat ein« Angestellt« den Raum. Plötzlich zog der fremde Besucher aus seinen Taschen zwei Pistolen hervor und richtete sie mit dem Ruf: ,jDa« Geld heraus!" auf die beiden Angestellten. Der Räuber hatte aber Pech. Ein dritter Angestellter der Firma, dar seinen Dienst antreten wollt«, kam hinzu, und der Täter loh nun seinen Raubüberfall vereitelt. Er stieß den Mann zur Seite, eilte zum Flur hinaus und flüchtete auf die Straße. Ein Angestellter ver- folgte den Räuber, bis er ihn an der Ecke der Koch- und Friedrich- straße einholen und van dem inzwischen alarmierten U eberfall- kommando festnehmen lassen tonnte. Der junge Mensch wurde zur Reoierwache gebracht, wo er als ein wohnungswfer 24 Jahr« alter Anton Iwanow sestgestelll wurde. I. wurde in Polizei- gewahrfam genommen. In seinem Besitz wurden noch die beiden Massen gefunden, es handelt« sich aber nur um Schreckschuh- bzw. Scheintodpistolen. Französische Buchkunst von heute. Er war zum Rarren an ihr geworden. Schmie» Bogel zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt. Da» Landgericht III verurleille den Schmied Friedrich Vogel, der am 24. Marz d. Z. den Emaillierer Walter Rosenom erschossen hat. wegeu Totschlags zu vier Zähren Gefängnis. * Der Staatsamvalt hatte wegen Totschlags an Rofenow und wegen versuchten Mordes an Bogels früherer Braut, Hedwig Kohl, acht Jahre Zuchthaus beantragt. Das Gericht hat den .R 101* über Xondon, \ \ \ \ •HnäbTOf $)as neue engtteehe Xufitchiff.St 101" machte seinen ersten Probeflug über Xondon. Unser Attck sei gl das Xuftsehiff beim Ueberfllegen der SLSPaul Waihedrale. unglückseligen Schmied von der Anklage des versuchten Mordes an seiner früheren Braut freigesprochen und im übrigen nur auf Totschlag erkannt. Mit Recht. Selbst die Zeugin Kohl erklärte vor Gericht. daß der Angeklagte, nachdem er sie und ihren Berlobten am Char> lottenburger Bahnhof eingeholt hatte, zuerst auf sie zielte. Nur weil sie sich hingeworfen hatte und gleich darauf davongelaufen war. schoß Bogel auf Ros«now.„Weshalb sollte ich auch auf den Mann schießen", sagte der Angeklagte in der Verhandlung. Und was tonnte«r dafür, daß er der Kohl jetzt ebenso verfallen war wie früher ich.„Ich wa r zum Narren an ihr geworden". hatte er in der Voruntersuchung von sich geäußert. Und das war er. Aber außerdem war er ein brutaler Mensch, selbstherr- lich und despotisch. Er huldigte, wie viele seinesgleichen, der Ansicht, daß sich die Frau alles gefallen lasten müsse und daß es„ohne Dresche keln« Liebe" gebe.' Das Gericht tonnte nicht auf Mord erkennen. Der psychia- irische Sachverständige, der Oberarzt aus ver Irrenanstalt Herzberg«, Professor Birnbaum, schilderte überzeugend das seelische Trauma des Angeklagten, das durch die Lösung seiner Verlobung verursacht worden war. So sühne er seine Tat im Zustande einer starten Afseklbewegung aus, die ein Abwägen der Motive unmöglich machte. Man hatte aber in der Verhandlung nicht den Eindruck, daß irgend- wie dem Angeklagten der Tod des Rofenow nahegegangen wäre. Die Hakenkreuzpest. Wie lange noch? Pftanlfutid' M.. 16. Oktober. tVigenderickt.) Nationalsozialistische Vandalen machten unter de« Schutze der Nacht einen Angriff auf die Limburger Geschäftsstelle der sozialdemokratischen„Frankfurter BolkS stimm c". Sic zertrümmerten die Scheid« deS »ort ausgehängten Lesekastens und verbrannten die Zei> rungen. Die Polizei ist den Hakenkrenzleru auf der Spur. Die Deutsch-gronzölische Geselsschost hat unter Führung von Dr. O t t o G r a u t o f f schon viel für geistige Annähe- rung der beiden Nationen getan. Sie hatte nun den charmanten Einfall, gemeinsam mit der Moximilian-Gesellschast, uns die moderne Buchkunst Frankreichs in einer Ausstellung bei Flatow u. Priemer(Viktoriastr. 29) vorzuführen. Dieser „Salon des Blbliophiles" ist vom 13. bis 27. Oktober der ollge- meinen Besichtigung zugänglich. Er wurde vor einer erlesenen Gesell- schast eröffnet: Dr. Grautoss sprach de» Dank der Gesellschaft für die Mitarbeit deutscher und französischer Minister, Geschäftsstellen und Sammler aus, die sie ermöglicht hatten, und erwähnte, daß der deutsche Gegenbesuch gelegentlich der Internationalen Buchkunstaus- stellung in Paris 1930 erfolgen werde. Der Botschafter Frankreichs, Pierre de Margerie, hielt«ine glänzende Einführuntzsrede. Selber einer der ersten Bibliophilen und Förderer der heutigen Buch- kunst seines Landes, perstand Herr de Margerie den Geist dieser modernen Luxusdrucke als einen echt französischen und buchmäßigen uns nahezubringen; und er schloß mit einer höchst liebenswerten Ver- neigung vor dem verstorbenen Stresemann, der ihm als Mensch wie als Kunstfreund und Bücherliebhaber nahe stand, und dessen Tod er als einen unersetzlichen Verlust für die Freund« ejncr Verständigung zwischen beiden Völkern betrauerte: eine Aeußerung von so mensch- licher wie polstischer Vornehmheit der Gesinnung, die durch ihre Wahrhaftigkeit tiefen Eindruck auf die Versammlung machte. Dieser Geist einer überzeugten Berständigungs-, ja Freund- schastsbereltschast ist es. in dem man die schöne Ausstellung be- trachten muß. Vcyr dem Kriege haben wir mit einigem Recht nicht viel von französischer Buchkunst gehalten, die im 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch an der Spitze aller Kulturvölker stand. Wir wußten nichts davon, daß feit 1909 der ausgezeichnete Ver- leger Fran�ois Bernouard an der Arbeit war, die Farm des Buches in demselben Geiste höchster und allseitiger Qualität zu erneuern, die das englische und ihm folgend das' deutsche Buch längst erreicht hatten. In dieser außerordentlich schönen Schau, deren Besuch jedem Bllcherliebhaber empfohlen sei, erhalten wir endlich cinen ganz überraschenden Ueberblick über französische Luxusdrucke seit dem Kriege. Es scheint, daß der Ausdruck„Luxus" durchaus nicht gleichmäßig sich auf die pekuniäre Seite bezieht, daß es pielfach, namentlich unter den kleineren Büchern, Werke gibt, die auch für den Minderbemittelten durchaus erschwinglich sind. Das ist nicht der einzige Unterschied zu unserer deutschen hochkultivierten, aber leider sehr kostspieligen Bibliophilie. Das französische Buch aus dem letzten Iahrzehirt ist ein« Schöpfung durchaus gallischen Geistes, sehr verschieden von deutschen Druckwerke». Gegenüber der prinzipiellen Schwere und stilistischen Gründlichkeit in unserer Buchkunst steht die schmiegsame Leichtigkeit und Grazie der Fran- zosen. Vor allem. ist die illustrative Frage mit einer Selbst, Verständlichkeit gelöst, die wir nur selten erreichen. Edler Druck und Vornehmheit des gediegenen Ledereinbande? verstehen sich von selbst: aber bei keinem Wert fehlt die Hand des Illustrators, in jeder Technik(auch in der schwierigsten: der kolorierten Radierung) weiß sie sich dem Charakter des Buches und seine? Inhaltes mit bewundernswerter Abwechselung anzupassen. Dazu gehören die besten Namen französischer Maler und Zeichner: Maillol, Marie Laurenizin, Gromaire, F, Simeon, Juan Gris, Leger, Lur�ot; dasind nur zufällige Notierungen. Das Resultat ist so, wie man? erwarten durfte, wenn die Franzosen sich einmal eines bisher ver- wahrlosten Gebietes der Kunst annehmen: vollkommen. Dr. Paul F. Sehinidt. „Frau im Mond." llfa-palast am Zoo. Soll man Träume verwirklichen? Läßt sich innerlich Geschautes und Erahntes in natura restlos gestallen? Wenn man die Mond- szenieren in dem neuen Fritz-Lang-Film sieht, muß man das wohl bestreiten. Von Jules Verne bis Wells und weiter ist unser stiller nächllicher Begleiter oft genug zum Schauplatz menschlicher Begebenheiten gemacht worden. Aber der Film zeigt alles Hand- greislich und plastisch und nimmt der wllschassenden Phantasie den Atem. Da? also ist der Mond: diese zackigen Berge, dieser weiße Sand, dies« brodelnden Schlamnrkrater(?), diese Schluchten mit großen Goldklumpen! Aber wie kommt man dahin? Einfach mit dem Raumlnftschiss, das rein nach Pros. Oberch durch Raketen an- getrieben wird. Wie in„Metropolis", dem anderen Lang-Film der technischen Wunder, steht auch hier das Technisch« im Mittelpunkt. Der Abschuß, die Fahrt und die Landung des Weltrauinschisfes sorgt für die rasenden Sensationen. Man sieht riesige Konstruttionen, erlebt im Schiss die denkwürdige Sekunde des Abschusses mit, durch- kostet die Spannungsschauer der ersten Minuten, wo es sich entscheidet, ob es gelingen wird, notwendig« Höchstgeschwindigkeit zu erreichen und od die mitfahrenden Menschen den Gefahren de?„An- drucks" gewachsen sind. Utopien sind immer ein Hilfsmittel gewesen, um vollkommenere Zustände zu zeigen,«in Idealbild auszurichten. Theo von Harbou, deren nach vielen Borbildern zusammengestellter Roman die Hand. lung geliefert hat, verzichtet darauf. Aus dem Mond« leben kein« Wesen. Die sechs Menschen, die die Fahrt dahin unternehmen,— es ist ein Junge als blinder Passagier dabei— sind auch aus dem Mond von irdischen Sehnsüchten und Leidenschaften getrieben. Der all« Profesior, der Urheber der Idee,«in seltsames Original, erliegt seinem Entdeckendrang«: er stürzt mit einem riesigen Goldklumpen in die Tiefe, vielleicht noch im Tode froh, daß er seine Goldhpothese bewiesen hat. Walt Turner, der seine Mitfahrt als Vertreter des Goldsyndlkats durch Hintertreppcnmanöver erzwungen hat, wird erschossen, als er allein zurückfliegen will, um sich die Beute zu sichern. Aber er hat den Sauerstossbehäller verletzt und es muh noch einer zurückbleiben. Das Los trifft Hands Lindegger. den Der- lobten der Astronomin Friede Velten, die im Grunde ihres Herzens den kühleren irnd opferbereiten Konstrukteur des Mugschisfes Wolf Helius liebt. Aber wozu hat man Betäubungsmittel? Wolf arran- giert es. daß der andere an seiner Stelle zurückkehrt. So viel Edelmut muß belohnt werden: Fried« hat den Plan durchschaut und bleibt mit ihm aus dem Monde. Die ganze Phantasterei der Bor- geschicht« und die ganz« Utopie der Mondfahrt scheint nur In Szene gesetzt, damit sich die beiden endlich finden. Abgesehen von dem Abenteuerlichen der eingeslochtenen Krimi- nalgeschichte, die durch die fabelhafte Geschicklichkeit des Gebärdon- künstlers Fritz Rast als Agenten der Goldmächte sehr gewinnt, und den Spamiungseffekten der Fahrt, läßt die Handlung völlig kalt. Die Liebesgeschichte vermag den großen Apparat nicht zu durch- dringen. Zudem wirkt Gerda Maurus in ihrer blonden Herb- heit mehr interessant denn anteilerweckend. Willy F r t t s ch, der Konstrukteur, ist wie immer sympathisch. Den Erfinder, das ver- schrobene Original, stattet Klaus Pohl mit übertriebener Zapp- lichkeit aus. Gesamtergebnis: ein riesiges Ausgebol von Effekten, deren «chauwert nicht allzu groß ist, mit Innerer Leer«. D. „Tagebuch einer Verlorenen." ll.-T. Kurfürstendamm. Margarete Böhmes Roman„Tagebuch einer Verlorenen" wurzell nicht in der Sedankenwell der Gegenwart. Darum war es falsch, ihn im Kostüm von 1920 zu filmen, denn heute denkt das Bürgertum nicht nur etwas freier, sondern auch wesentlich anders. Da ferner Rudolf Leonhardt im Manuskript seelische Entwicklungen durch Zufälligkeiten und Szenenwechsel ersetzt, kam ein unglaub- würdiges Filmwerk zustande Namenllich der Schluß wirkt be- fremdend. Wie kann die Dirne, die so gern aus dem Sumpf möchte. auf alles vom Vater ererbte Geld verzichten, um der kleinen Stisf- schwester zu helfen! Zumal mll geteillem Ge'de schon beiden ge° dient wäre!, G. W. Papst läßt sich diesmal schwer« Regiefehler zuschulden kommen. � Er arbeitet nie bewußt filmisch, er illustriert nur einen gestallenreichen Roman. Louise Brooks erzielte einst mit ihrer Lulv-Roll« einen Welterfolg. Auch jetzt macht sie einen lebendigen, frischen Eindruck und ihre knappen beherrschtn Augdrucksmittel so- wohl im Mienenspiel wie in den Bewegungen wirken sympathisch, doch läßt der Regisseur sie nie so recht zum letzten Ausspielen kom- wen. Vorzüglich ist Franziska K i n z als Meia, wer dieser Frau in die alten Augen sieht, weiß, daß sie ein Menschenleben vernichten kann. Fritz R a s p spiell den gewissenlosen Provisor als modernen Filmbösewlcht, während Andre Roanne sich beachtenswert gut mit der Rolle des leichtsinnigen jungen Grafen abfindet und Joses R o v e n s t y ein« ganz reife Leistung als Apotheker bietet. Sepp Allgeiers Photographie stand nicht über dem Durchschnitt. e. b. Frauen am Abgrund. Marmorhaus. Das achtjährige Eheglück der Familie Stevens erhält bei einer Badereise nach Ostende«inen Bruch. Denn Frau Mario lerndden großen Heldentenor mit dem italienischen Namen kennen. Beinahe hätte sie sich, um alle Verwicklungen aus der Welt zu schaffen, das Loben genommen. Aber im letzten Slugerrblick rettet sie ihr Eheherr aus den Wellen. Der Film ist nicht bedeutend. Der Regisseur GeorgIacobq zeigt ein« vornehme Welt, wie sie in billigen Konversationsromanen geschildert wird. Den Hauptakzent legt er aus die dekorativ« Aus- machung, aus die Prachtentfaltung in Hotelzimmern, und weniger aus die Darsteller. Elga Brink bevorzugt eine blonde Tränenseligkeit und L i v i p P a v a n e l l i, ein liebenswürdiger, bezaubernder Kavalier. macht sich scheinbar selbst über seine Rolle als blutender Liebhaber lustig.___ F. S.' Weltfremder Gprech-Chor. Rudolf-Steiner- Schüler im Beethovensaal. Seltsam, wohin sich Kunststreben verirren kann! Zeit- und weltfremde Menschen— der Sprechchor des von Rudolf Steiner begründeten„G o e t h e a n u m s"— versammelten sich auf dem Podium de? Beethovensaals, um mit religiöser Inbrunst zu zele- brieren. Die Dichtungen, zu chorischen Rezitationen umgeformt, wurden in pathetischen Wortklang aufgelöst. Das kann so bei einigen Chören au? Goethes„Faust"— dem Sinn der Dichtung sehr nal e kommen. Der große Faustmonylog„Erhabener Geist, du gabst mir. gabst mir alles, worum ich bat" mußte bei solchem Vortrag aber bis zur Unerträglichkeit zerwalzt werden. Man kann sich vorstellen, daß divsex kn der Sprechtechnik vollkonnnen« Chor hei feierlichen Veranstaltungen durch Rezitationen wesentlich zur Gestattung der Stimmung beftragen kann. Aber es wirft sinnlos und ermüdend, wenn diese monotonen Wohlklänge als Selbstzweck mehrer« Stun- den dohinpläffchern. Fe». Otto von Linstow. In dem durch einen Raubüberfall im Grunewald so plötzlich aus dem Leben gerissenen Zljährigen Prof. von Linstow verliert die Geologisch« Lqndesanstalt eines ihrer tätigsten und auch ol? Mensch und Kollegen geachtetsten Mitglieder. Linstow war aus dein Bergmannsberuf hervorgegangen, der zuerst sein Interesse für geologische Fragen weckte. Als Bergasiefsor wandte er sich dann ganz der Geologie zu und war in hervorragender Weise an den Aufnahmen der Landcsanstalk beteiligt, bei der er zahlreich« geologische Blätter bearbeitete. Zum Beispiel die der Gegenden von Bifterseld, d«r Liebener Heide, von Stettin, zuletzt noch die Gegend von Hannöoersch-Linden. Sehr viel beschästigie er sich auch mit praktischen Fragen, die mit der Geologie im Zusammenhang stehen, vornehmlich mit Fragen der Wasserversorgung, über die er neben seinen Arbeiten für die geologische Landesaufnahme zahl- reiche Aufsätze veröffentlichte. Durch die blöde Tat eines»och un- bekannten Verbrechers wurde dieser fruchtbaren und in ihren Aus- Wirkungen für viele segensreiche» Tätigkeit ein jähes Ende bereitet. Theater der Kinder. Im Theater am S ch i f kh a u e rda m in ist aus Fritz Genschows Anregung und unter seiner Leitung ein Theater im Weiden, das Interesse verdient. Dieses„Theater der Kinder" soll wirtlich nur kür die Kinder und unter ihrer Mitarbeit geleitet werden. An die Schulen sind Aufforderungen ergangen, jugendliche Delegierte zu entsenden, die an der Gestaltung de, Spielplans mit- arbeiten sollen. Die erste Aufführung„Der große und der kleine Klaus" findet am 19. Oktober. i6i4 Uhr, statt. Schulen und Kinder- orgamsationen zahlen auf ollen Plätzen S0 Pf. Als erst« Ziodlooiissühruvg der»«lisbLhve gebe« am SO, vormittags IVI, Uhr,.Die Unüberwindlichen' vonKarlitrau» in Szene. MvIeomsvorlrSge. Sonntag, den SO.. 10 Uhr, sprechen: im Neuen Museum Herr Zippert über.Die Anfänge der ägyptischen Kultur«T.ir .TOO)", im Kaiser-strtedrich-Muleum Dr. Dreher über„Vqzan- tinische Kunst' und im M u s« u m für Völterkundel Dr. Lnetblagc über.Spiel und Tanz bei den südamerikanischen Nawrllöllern'. DeU- nehmerkarten SO Psg. vor Beginn am Eingang.\ Widernatürliche Anzucht. Beratung im Gtrafgesehausschuß. Der Strafgesctztiusschub des Reichstags setzte gestern die B.'- rotungen der Strasbestimmungen fort, welche die Unzucht behandeln. Der Entwurf bedroht in den ZZ 291, 292, 293 Unzucht mit minderjährigen Abkömmlingen und mit minderjährigen Pflegebefohlenen sowie die Unzucht, die unter Mißbrauch der Amtsstellung geschieht, mit Zuchthausstrafe. Abg Dr. R o s e n f e l d(Soz.) beantragte die Zuchthausstrafe durch Gefängnisstrafe zu ersetzen und nur für besonders schwere Fälle Zuchthausstrafe vorzusehen. Abg. P f ü l s(Soz.) hob hervor, daß ein Schutz der in Verwahrungsanstalten aufgenommenen Jugendlichen besonders notwendig sei. Man möge nur an die Er- eignisse in der Anstalt Maria-Ouell bei München'denken, der die Stadt München vorschulpflichtige Kinder überwies. Diese seien dort von eineit Frau und einem Anstaltsgeistlichen sadistisch miß- braucht worden. Bei der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag auf Ersetzung der Zuchthausstrafe durch Gefängnisstrafe angenommen. § 292 wurde gestrichen. Z 294 droht Gefängnisstrafe demjenigen an, der in A n st a l» ten für Kranke oder Hilfsbsdürstige angestellt oder beschäftigt oder als Inhaber daran beteiligt ist und mit einer Frau oder einem Jugendlichen Unzucht treibt, die in die Anstalt aufgenommen stnd und unter seiner Obhut oder Behandlung steht. Dieser Paragraph wurde angenommen, nachdem eine De- schränkung dahin beschlossen war, daß die fragliche Handlung unter Verletzung der Obhutspflicht oder unter Mißbrauch der Stellung geschehen sein müste. Nach§ 295 soll derjenige strafbar sein, der mit einem Tier widernatürliche- Unzucht treibt. Abg. Strathmann(Dnat.) trug als Berichterstatter B.'- denken gegen diese Strofvorschrift vor, während sie vom Abg. Scheiter(Z.) mit Rücksicht auf den Schutz der allgemeinen Sitt- tichkeit verteidigt wurde. Abg. R o s e n f e l d(Soz.) begründet« einen sozialdemokatischen Antrag auf Streichung des Z 29 5. Er führte aus, daß schon das preußische Medizinalkollegium im Jahre 1869 sich für die Straflosigkeit der Unzucht mit Tieren aus- gesprochen habe. Ein Rechtsgut, dos geschützt werden müsie, sei nicht vorhanden. Ein sozialer Schaden wäre durch solche Unzucht nicht angerichtet. Die Täter seien meist nicht normale Menschen, deren Bestrafung sinnlos sei. Gewiß könne man Ekel und Abscheu vor solchen Handlungen empfinden. Das rechtfertige eine Strafe aber noch nicht, zumal, wenn solche Handlungen vorliegen, bei denen vielfach wegen Sachbeschädigung und Tierquälerei oder wegen öffentlicher Vornahme einer unzüchtigen Handlung ein Strofoer- fahren möglich sei. In einem modernen Strafgesetzbuch sollte Un- zucht mit Tieren nicht strafbar fei. Abg. Ewert sprach sich ebem falls für die Streichung des§ 295 aus. Ministerialdirektor Dr. Schäfer erklärte, daß er namens der Regierung einer bestimmten Richtung zu 8 295 nicht Stellung nehmen wollte. Bei der Abstimmung träten Dcutschnationale, Deutsche Volks- Partei und Wirtschaftspartei mit 12 Stimmen für die Strafbarleit der Unzucht mit Tieren ein. Der sozialdemokratische S t r e i ch u n g s a nt r o g wurde mit den 14 Stimmen der Sozial- dcmokraten, Kommunisten»nd Demokraten angenommen. Oie Geeschiffahrtskonferenz. Noch kein Ergebnis der Vermittlungsaktion. Genf, 16. Oktober.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen der Vermittlungskommiffion auf der See- fchiffahrtskonferenz begannen am Dienstag abend um 19 Uhr und wurden nachts um 2 Uhr abgebrochen. Als Kommissionsvertreter der Unternehmeroertreter erschienen der Vorsitzende der Fraktion, ein holländischer Reeder sowie ein Fran- zofe uitd ein Grieche. Bedeutsamer ist, daß sie sich, als Begleiter einen Engländer Sneddon, den Sekretär der inoffiziellen Fraktions- führers W. Law mitgebracht hatten. Die Unternehmer und die Arbeitnehmer erklärten, daß sie t e i n Mandat zum Abschluß einer evtl. Vereinbarung hätten-und der Einigungsvorschlag deshalb erst ihren Fraktionen vorgelegt werden müßte. Dieser Vorschlag sieht ein« Nachprüfung der Frage vor, wer die Delegierten ernennen kann und wer nicht. Di« Unter- nehmeroertreter fordern eine Aufrollung des ganzen strittigen Problems. Die einzelnen Fraktionen werden sich heute bis gegen mittag entscheiden. Die Situation ist völlig undurch- sichtig. Tragt euch ein- aber nicht in die Listen der politischen Dummköpfe, die für Hugenbergs Inflationsbegehren ausgelegt sind. Die einzig richtige Antwort aut das Treiben dieser Volksverderber ist ein glänzender Erfolg der»ozlal- dernokratitcfaen Werbewoche. Darum tragt euch ein in die Hitgliederliste der Sesialdemekratischen Partei I Demokratische Stänkere»'. Sinnlose Angriffe gegen Stadtbaurat Martin Wagner. Zwei demokratische Blätter, die„Dossische Zeitung" und die„Berliner M o r g e n p o st", teilen mit, daß in der S t a d t- verordneten Versammlung die Demokratische Fraktion die folgende Anfrage eingebracht hat: „Die Monatsschrift.T>as neue Berlin" versendet an Berliner Firmen ein Provaganda-Rundschreiben, in dem sich zunächst der Hinweis befindet:„Herausgegeben von dem Stadtbaurat der Stadt Berlin, Herrn Dr. Martin Wagner*. Nachdem dann auf ein demnächst erscheinendes Sonderheft„Ber- liner Verkehr" aufmerksam gemacht worden ist, wird in dem Rund- schreiben weiter gesagt:„Wir regen an, sich an dieser Verkehrs- nmnmer im geschäftlilhen' Teil repräsentativ zu beteiligen. Ge- rade für Ihr Unternehmen bietet sich in dem Heft eine außer- ordentlich günstige Gelegenheit zur Anknüpfung neuer wertvoller Beziehungen mit städtischen und privaten Kreisen." Das Rund- schreiben zählt weiter eine Reihe von namhaften Firmen aus, die die Zeitschrist ständig benutzen. Zum Schluß wird der Adressat ersucht, mitteilen zu wollen,„wann einer unserer Herren Sie zwecks weiterer ausführlicher Information in dieser Angelegen- heit aufsuchen darf". Da in diesem Propoganda-Rundschreiben der Name eines Magiftratsmitgliedes mit geschäftlichen Zwecken in Verbindung gebracht wird und wertvolle Verbindungen mit städtischen Kreisen in Aussicht gestellt weiden, fragen wir den 'Magistrat, welche Schritte er zu unternehmen gedenkt, um der mißbräuchlichen Verwendung des Namens eines Magistrats- Mitgliedes und dem mißbräuchlichen Hinweis auf Verbindungen mit städtischen Kreisen entgegenzuwirken." t Die„Morgenpost" bemerkt dazu, in der gestrigen Stadtverord» netensitzung habe die Anfrage„peinliches Aufsehen erregt", und zum Schluß sagt sie:„Die Verlesung dieses Schreibens erregte in der Versammlung größte Ausregung. Stadtbaurat Wagner war an- wesend, nahm aber zu der Sache nicht das Wort. So mußte nach der Geschäftsordnung die Anfrage aus die nächste Sitzung gestellt weiden." Ganz ähnlich äußert sich die„Voss. Zeitung". Anscheinend soll hier ein neuer Versuch gemacht werden, ein sozialdemokratisches Mitglied des Magistrats zu verunglimpfen. Selbstverständlich hat Stadtbaural Ge- nossc Wagner mit dem Inseratenteil der von ihm geleiteten Zeitschrist oder mit der Propaganda für diese Zeitschrift nicht das geringste zu tun. Daß nicht der Herausgeber, sondern der Vorlag über Anzeigenteil und Propaganda entscheidet, weiß man natürlich in der demokratischen Stadtverordnetenfraktion ebenso gut wie in der demokratischen Presse des Verlages Ullstein. Trotzdem bringt die„V o s s i s ch e Zeitung" es fertig, in der Ucberfchrift ihres Berichtes von„Propaganda des Stadtbaurats" zu reden, und die„M argen p oft" gibt ihrem Bericht sogar die Uebersihrist„Der geschäftstüchtige S t a d t b a u r a t". Geschäftstüchtig ist die Ullsteinprcsse, der jede Stänkcrei recht ist, mit der sie Sensation machen kann. Vorsorge für den Winter. Städtische Hilfe für Bedürftige und Minderbemittelte. wie in den letzten Iahren wird auch im kommenden Winter eine Belieferung der lausend unterstützten Kleinrentner. Sozial- renlner. sonstigen Bedürfligen. Kriegsbeschädigten und Kriegerhinter- bliebenen sowie im Vedarsssalle auch anderer minderbemittelten persoaeo. die nicht lausend unterstützt werden, mit B r e n n s« o s s e v aus städtische kosten erfolgen. Es sollen während der Zeit vom 16. Oktober 1929 bis zum 15. April 1930 Personen mit eigenem Haushalt monatlich je zwei Zentner, Personen in fremdem Haushalte monallich je ein Zentner Niederlausiger Braunkohlenbriketts erhalten. Die Belieferung er- folgt gegen Abgabe von Gutscheinen Die Gutscheine werden auf die Zeit vom 16. des einen Monats bis zum 15. des nächsten Mpnots lauten, das erstemal also auf die Zeit vom 16. Oktober bis.zum 15. November 1929. Die Wahl der Kohlenlieferanten ist den Empfangsberechtigten überlasten! jedoch kommen mir solche Kohlen- Händler in Frage, die durch die in chren Ausgabestellen angebrachten Plakate ihre Bereitwilligkeit zur Belieferung der städtischen Kohlen- gutscheine zu erkennen geben. Die Ausgabe der Gutscheine erfolgt durch die zuständigen Dienststellen der Bezirksämter(Wohlfahrte. und Iugendkommissionen, Bezirks-Wohlfahrtsänüer, Fürsorgestellen usw.): jeder, der glaubt, zu dem in Betracht kommenden Personen- kreise zu gehören, muh sich, soweit ihm die Kohlengutsch.'ine nicht ohne Antrag ausgehändigt werden, an diese Dienststellen wenden. Kri senunterstlltzungsempfänger und Arbeitslosenunterstützung-- empfänger haben sich an das für sie zuständige Arbeitsamt zu wenden. Das Landes-Wohlfahrts- und Jugendamt gibt kein: Kohlengutscheine aus. Solchen Personen, welche wegen chres körperlichen Zustand es nicht in der Lage sind, die Lnkefts von den Ausgabestellen selbst abzuholen, werden sie auf Kosten der Bezirksämter durch die Berliner Brennftoff-Gesellschast in die Wohnung geliefert. In welchen Fällen dies zu geschehen hat, bestimmen die mit der Ausgabe der Gutscheine beauftragten städtischen Dienststellen, bei denen entsprechend« Anträge gestellt werden können. Bei der neuen Beihilfe, die die Stadt Berlin ihren bedürftigen Bürgern gewährt, handelt es sich um eine überaus notwendige Maßnahme, die wir wärmsten? begrüßen. Aber auch sie, daß muß sich jeder Wähler am 17. November vor Augen halten, wäre nicht erfolgt, wenn an Stelle von Sozialdemokraten viel- leicht Deutschnationale oder die Herren von der Volkspartei die Politik im roten Hause maßgeblich beeinflussen würden. Welter für Verlin und Umgebung: Vorübergehend stärker be- wölkt, nachts noch sehr kühl, Tagestemperaturen wenig oerändert, schwache südwestliche Winde.— jüt Deutschland: Im Süden und Osten vielfach Morgennebel, sonst beständiges, heiteres Wetter. Im Nordwesten leicht veränderlich. hllttwoch, 16. Oktober. B e r 1 i a. 16.15 Unterhaltunismo-iV. 17.30 Gerhard Müllen Warnrn Einheitabimchrift. 17.50 Ober-Inr. K. Elbel: Rationallslernni und PerscaalaasMUiur 18.15 Heitere Stande.(Am Mikrophon: Ferdinand Bonn.) m. 19.00 I. Ferroccio Bnaoni: Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier op. 36a.(Josef WoKsthal. Violine, und Winfried Wolf. Flügel.) 3. Artnr Honegger: So- nate für Viola und Klavier.(Reinhold Wolf, Viola, and Winfried Wolf, Klavier.) 3. Otokar Ostreil: Sonatina für Viola, Violine und Klavier. Op. 22.(Prof. Josef Wolfsthal. Reinhard Wolf nnd Winfried Wolf.) 30.60 Ads dem Becbsteinsaal:..Die Prinressin von Trapernnt", Operette von Jacqnes Oficnbach, Am Mikrophon: Karl Krans, Begleitung; Georg Knepler. 21.00 Jacques Offenbach. Mitw,; Hans Heini Bolhnan». Tenor; Berltner Funk- Orchester. Dir.: Bruno Seidler-Winkler. Nach den Abendmeidungen bis 0.30 Taniimisik. Wihread der Pause Bildfunk. KSnigswnsterhansen. 16.00 Direktor WOrti: Das Seelenleben des Krüppels. 16.30 Nachmitiagskonaert von Hamburg. 17.30 Waller Eggert: Mai Meli, der Dichter nnd sein Werk. 18.00 Ob.-Ing. Karl Schob: Aus den Lehrwerkstltten eines groüen Indusiricwrrks. 18.30 Spanisch für Anfänger, 18.55 Mersmann; Gespräche über Musik., 19.20 Dr. Mai Roscher; Die QroEfunkstatloo Nauen ta Weltkrtege. 20.00 Hotel Kaiserhof: Unterhaltungsmusik. 20.45 Norwegische Dichtungen.(Gelesen voa Eugen Klöpfer.) 21.15 Von Leipiig: Norwegischer Abend. Betaitttnorfl.'üt die Rednktinn:«ullqeng 1, Berlin. Berlnq: Vnrwürts Bering- 71,1. t Verstell. S end S'/z Ukr Bi'barotsa 9256 Unsere neuen Preise: Wodienl.js 5 Uhr 50 Pf. bis Z Hart Tlgl. VI, l. Saent. 5 Uhr 1 bis 5 Kerl Charlie Rlve, 3 Whir'wnds, LenoTack Sam usw PhAZA I Tägl. 5 u. e» J Sonnt. 2,»a 8" I Alex. E. 4.8066 INTERNAT. VARIETE Heule Premiere Volksbühne lheater am Bülowjlati 8 Uhr FrQhliogs Erwachen Staat). Miller-Tb. 8 Uhr 2x2=5 Staatsoper kmPl.d Republik 7'/a Uhr Salome Midni Iii» Norden 12310 8 Uhr Regie: Max Reinhardt. usik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kalner Kammersplele D.I. Norden 12310 m Uhr Oer Dnwiderstehlicbe Komödie von Gdraldy und Spitzet Regie: Gustaf Grdndgens Die Komödie ) 1 Bismck.2«4/7S16 8Vi Uhr Koiporlaite Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel SarBovski-BDhnea Theater in dar KUnlggrltzar StraBa ' SVn Uhr flannibalante portas Komödlanhaus Täglich m Uhr Striblw Sappen siad die besten Lustspiel von Julius B e rs 1 1 Theai. a. Westens Tägl. S1/» Uhr Nariefla Musik t. Oskar Strans Kühe Dorsch Michael Bohnen Lessing-Tbeater Norden 10846 Gn»pe fantfer Schampicler Täglich SV« Uhr eyankaü #218 von Frlcdrldi Won Metropol-Th. Täglich gbn Uhr Lebär dirigiert Das Land des Lächelns Vera Sdhwarx, Richard Taobcr Trianon-Tb.Mi!r Täglich S'k Uhr Deror.lnslsplelnrloig Dos kommt doch alle Tage vor Johannes Riemann, Vllmav.zknar, Max Landa.LotteKlindcr r- GROSSES SCHJlüSPIELHRüS-i Tag). 8 Ukr SBlHöMim Regle: ERIK GHARELL Gestmtaositattuno Prof. Emst Stern Mnsik-Leitnng: Ernst Hauke Uhr Sonntag nachm. an gekürzt halbe Prelaa. CASINO-THEATER toihrtatfer Strafce 37 Heil! Täglidi 8V< Uhr NflUl ueptagte Hochzeltsnacmi und ein trstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser: Gutschein tür>—4 Personen Fautcuil nur 125 M-, Sessel 1.75 M, Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0410 M Winter ★ Cjarfen* i; 8 Ulli• zemr. suis» Bändln«rlanlil .J.Inder' u. weitere Attraktkrnen 3 ROSE •THEATER �iÄ"" Billettkasse; Alexander 3422. Täglich 8" Uhr: (Sonntags S» und 9 Uhr.) Die leidite Jsabell Innen Mlliwodi 3 DUr; Das tapfere Sitmeiderlein Jeden Sonnabend S Uhr u Jeden Sonntag 2« Unr: Schneewittchen. Voranxalga i Sonntag, 20. Okt Einmalige Festaufführung: Vor Sonnenaufgang. Berliner Ilkk-TriO Maukölln. V Lahnslr. 74 TS' Tbnai. an Knill, ror Kottbusser Str. 6 tägl. S Uhr auci Sonnt. nachm. 3 U ElilC' sanaer Derdopptlte Mwlnl.Ein Wehre'ord d. Lach." Betten Fürs* Gegründet _ 1908 Eiserne Betisiellen, Kinderwagen, Bettfedern, Inletts Fabrik für sämtliche Polstermöbel Berlin•Neukölln, Hermannslr. 31 u. 33 Tel.: F 2 Neukölln 1424 Filiale i Berlin-Tempclbot, Berliner Str. US Direktion Or. Robert Klein Denlsebes Kanstler-Theal Barbarossa 3937 SVi Uhr Zulh 50. Male Die aodereSeite Wim Theater JönhofllJO 8Vi U. Zwei Kravitlen von Georg Kaisei Musik Spoliansky Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8Vi Uhr Max Adalbert als Manie am Flügel Rudolf Nelson LDStsplelktas Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich SV. Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Planetarinm am Zoo ftrlln. InAintliile Uni, B.S Barbarossa 5578 16V. Uhr Horb.l- sbondo an Storaoa hlmmol 18V. Uhr Bio» dio Gronzon der Welt 20'. Uhr Rätsel dos Stomonllelitn Tägl. außer Montags u. Mittw. Erwachs. Mk, Kinder 50 Pf. Mittw..- Erwachsene 50 Pf. Kinder 25 PL >■« npnlnt man i Bit und billig T 8pow-uBep|in Aloxandorplat« Renaissance-Theater Täglich SV. Uhr STEMPELBRUDER Schauspiel von Duschinsky. Regle: Gust. Härtung. Staiimistt C I. 0901 o. 2503/84. Retchshallen-Thealcr Abends[¥] Sonntag aadaas. jT) Des groBen Andrangs wegen immer noch das Fest-Proo ramm nRlir ulkigen Schluss-Revue: .Bei de Stettiner' Billettbest Zentrum 11263. Dönhoff- Brettit Varlotd— Tann— Konxart. Hei. Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten 1 «■■Zu noch nie l dagewesenen Preisen Dringen wir Stores, Oardlnen Bettdecken KDnstler-Gardinen in besten Qualitäten von...... 2.25 ai Halbstores m allen Webe- a< ten von...... 1,75 Bettdecken von........ 2Jo, Dekoratlunsstoffe von... 3,—, Einzelverkauf von 0—7 Uhr Spezial-Gariiinen-WertstlitteDl S. Krüger Neukölln, Berg-Straße 07 2. Stock am Ringbahnhof Kein Laden I $leflage Mittwoch, 16. Oktober 1929 LprÄbmd SfmhulgaAs jin IbutarA 3iarl Siawisky und der'Marxismus QefehichÜiches und Erlebtes An ffeler&orlenlwicklung. An dem IS- Okwber 1929, an dem die sozialdemokratische Ar- beiterschost den 15. Geburtstag Karl Kautskys sestlich begeht, liegt das Lebenswerk dieses Theoretikers der deutschen Sozialdemokratie fast in seiner Geschlossenheit vor uns. Wir sagten mit Absicht: f a st liegt es vor uns: denn noch arbeitet der unermüdliche Forscher an der Ausfüllung einiger Lücken in seinen historischen und cheoreti- schen Werken. Jminerhin können wir Ziel und Inhalt seiner Lebens- arbeit deutlich erkennen: es ist und war der Aus- und Aus- bau des Marxismus�u einer Welt» und Lebens- an schauung der sozialistischen Arbeiterklasse. In dem anregenden Werke:„Die Volkswirtschaftslehre der Gegenwart in Selbstdarstellungcn" spricht Koutsky von der„de- stimmten Richtung", die er seit einem halben Jahrhundert einge- schlagen hat, und an der er nie irre geworden ist. Er schließt diese «Selbstdarstellung" mit den Worten: „Ich hotte manche Illusion zu begraben, manchen Irrtum .zu erkennen und richtigzustellen, meine Auffassungen hatten bis in die jüngste Zeit manche Entwicklung durchzumachen. Aber jede neue Einsicht dieirtc nur dazu, meine lleberzeugung von der Richtigkeit der Richtung, die ich eingeschlagen, und der Methode, die ich angewandt, zu vertiefen. So werde ich sterben, wie ich gelebt, als unverbesserlicher Marxist." Daß Karl Kautsky in seinen theoretischen Anschauungen wirk- sich lebendig geblieben ist, das beweist sein jüngstes umfassendes Werk über„Die materialistische Geschichtsauffas- f u n g". In seiner.Entstehung?- und Entwicklungstheorie des Staates" hat Karl Kautsky Wege eingeschlagen, die vielfach abseits von der von Friedrich Engels gebahnten Straß« liegen. Er setzte sich ferner dafür ein, daß der militärisch« Sicherungsge- danke in die Marxsche Formel der materialistischen Geschichts- auffasfung ausgenommen wird:„Die materialistisch« Geschichts- ausfasfung ist unvollkommen, wenn wir nicht die„gesellschaftliche Produktion des Lebens", von der sie ausgeht, in einem Sinne fasien, der es ermöglicht, zu dieser Produktion den Krieg und die Bor- bereitung des Krieges ebenso zu rechnen, wie die Her- stellung von Kleidern und Wohnungen." Kautsky hat auch die Richtigkeit der Marxschen Revolution»- formel, nach der die Produktionsverhältnisse zur Fessel der Pro- duktionskräfte werden müssen, damit die Menschheit zu einer Neugestaltung der Produktions- und Gesellschastsordnung gelangen kann, für die Fortentwicklung des Kapitalismus bei der Herrschaft einer durchgebildeten Demokratie/in Frage gestellt. Unter dieser Herrs chaftssorm kann sich nach Kaussky die Aufbauarbeit des orga- visierten Proletariats so positiv auswirken, daß die gewaltsam« Sprengung der Produktions- oder Eigentumsverhältnisse nicht notwendig wird. Mit Recht kann also Karl Kautsky von sich sagen, daß seine Auffassungen bis in die jüngste Zeit„manche Entwicklung durch« zumachen" hatten. Sin Kämpf erleben. Das Denkerleben Kautskys ist ein Kämpferleben gewesen. Es war daher«in glücklicher, ganz dem Wesen Kautskys entsprechender Gedanke Karl Renners, die Biographie seines „Lehrmeisters" Kautsky ganz mit der Geschichte der geistigen und politischen Entwicklung der deutschen Arbeiterklasse zu verschmelzen. Räch meiner Ueberzeugung hat Koutsky manche theoretische und taktische Position aufgegeben, die er vorher verteidigt hat. Für die kämpfende junge Generation ist gerade die Festschrift Renners zum 75. Geburtstage Kautskys besonders lehrreich(Verlag I. H. W. Dietz Rachf., Verlin 1929); die Jugend erlebt bei der Lektüre dieser Schrift die bewegt« Geschichte der Theorie und Taktik der deutschen Sozialdemokratie.> In einen sehr scharfen taktischen Gegensatz geriet gerade Karl Koutsky zu dem marxistischen Radikalismus der Richtung Rosa Luxem burg-Franz Mehring. Es war dos gleichsam schon ein Vorgefecht gegen den kommenden Bolschewismus. Für Rosa Luxemburg war die direkte Massenaktion nicht«ine Ergänzung, sondern ein Ersatz der parlamentarischen Aktion. Für Kautsky umschloß der politische Kampf notwendig einen Kampf um die G e- setzgebung und Regierung. Eine Gesetzgebung war aber unmöglich ohne einen gesetzgebenden Körper. Für die Sozialdemo- Ster TlerundzrransIgjBlirige krati« war daher die direkte Aktion, der Generalstreik ein Mittel zur Eroberung und Sicherung aller Zugänge zur Gesetzgebung. In den vorhergehenden Zeilen wurde der Auf. und Ausbau des Marxismus.als das eigentliche Lebenswerk Karl Kautskys be- zeichnet. Die Losung seiner großen Lebensaufgabe konnte dem Ge- nassen Kautsky dadurch gelingen, daß er sich aufs engste an die Praxis der arbeitenden Klasse, an den Tageskamps der Arbeiter- schaft, anschloß. , Der Marxismus ist die Verschmelzung zweier sozialistischer Strömungen: Auf der einen Seite rebelliert das Proletariat mit elementarer Kraft gegen feine Ausbeutung und Bedrückung, und stellt sozialistische und konnnunistisch« Gleichheitsforderungen auf, und auf der anderen Seite erhebt sich die wissenschaftliche ökono- mische Kritik gegen die kapitalistisch« Wirtschaftsweise und schreitet ebenfalls zum Sozialismus fort. Kautsky schlug nun beide Wege ein: er stellte sich auf die Seite der kämpfenden Arbeiterschaft und zugleich vertiefte er sich in die wissenschaftliche Analyse des Kopita- lismus. Die deutsche sozialistische Arbeiterschaft wird es dem Genossen Kautsky nie vergessen, daß er in den schwersten Tagen des S o- zialistengesetzes in den Rethen der kämpfenden Sozialdemo- krati« marschiert«. Karl Kautsky schrieb schon im Herb st 18 7 3 eine messerscharfe Korrespondenz gegen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Oesterreichs, das sich damals in seinem sozialdemokratischen, von. der Gewaltpropaganda Johann Mösts nicht berührten Teile an die deutsche Sozialdemokratie an- lehnte. Sehr interessant ist die Korrespondenz, die Koutsky mit dem Redakteur des„Sozialdemokrat", Georg von Dollmar, über die Mitarbeit an diesem Blatte und über dessen Verbreitung führte. Koutsky kommt dann auf die Einladung Karl Höchbergs, der selbstlos das finanzielle Rückgrat des„Sozialdemokrat" stärkte, nach Zürich In gemeinsamer Arbeit mit Eduard Bernstein ver- faßt er seine Kampsesartikcl gegen die Vertreter eines „eklektischen" Sozialismus. Artikel, scharf wie Schwerthieb«, die den Weg für den Marxismus bahnen sollten und deshalb für das theoretische Ringen des deutschen Proletariats um Wissenschaft- liche Erkenntnis von großer Bedeutung sind. In Zürich schoß Kautsky Freundschaft mit Bernstein, Motteler, Vollmar. In diesem Freundeskreise erhielt er den' Spitznamen „Baron". Sehr wesentlich« Abteil nahm Kautsky an den Vera- tungcn des Wydener Geheimkongreffes 1880. Als Georg von Vollmar seinen Rücktritt von der Redaktion des.„Sozialdemokrat" August Bebel mitteilte, sah dieser sofort in Karl Kautsky den Nachfolger Vollmars. Er richtet« an Dollmar diese Zeilen: , An Wilker. L., d. 26. Dezember 1880. L. Fr. C. H.s Propositionen sind unannehmbar befunden, und habe ich ihm heute abgeschrieben. Lbkn. u. Ktzk. sollen gemeinsam operieren, wie, Hab ich K. auseinandergesetzt. Vorläufig wird's hapern mit der exakten Durchührung. indes das Provisorium wird sich durchrbeiten lassen, wenn K. bereit ist, die Arbeit zu übernehme». Ich bitte Dich, K. in alles nötige einzuweihen. Wohin gehst Du noch dem I? Nächster Tage schreibe ich über die Angelegenheit H. ausführlicher, sitze aber bis über die Ohren in Arbeit und schon naht sich der II. Feiertag seinem Ende. Herzliche Grüße. D. A. B. (Unter C. S), ist Earl Hirsch verstanden, der schon vor Vollmar einmal als Redakteur ins Äuge gefaßt war. Lbkn. � Liebknecht.) Zur wissenschaftlichen Kritik des Kapitalismus gründete Kautsky am Schluß des Jahres 1882 die„Neue Zelt", die er ganz in den Dienst des Marxismus stellte. Karl Kautsky trat also in die politischen, sozialen und wirt. schaftlichen Tageskömpfe der deutschen sozialdemokratischen Arbeiter. schaft ein, und zugleich führte er sie � kritisch-wissenschaftlich durch die „Neu-e Zeit" in die Erkenntnis des Kapitalismus und seiner beginnenden Umwälzung in den Sozialismus ein. berliner Srlebniffe. Dielleicht hat es ein gewisses allgemeines Interesse, zu unter» suchen, wie diese doppelseitig« Wirksamkeit Kauts- k y s bestimmte Grohstadtkreife der deutschen sozialdemokratischen Arbeiter beeinflußte. Im Jahre 188-t verspürte der aufnzerksam« Beobachter schon die Wirkung, die theoretisch von den beiden marxistisch redigierten Organen der deutschen Arbeiterschaft: von dem„Sozialdemo» trat" und der„Neuen Zeit" ausging. Verhältnismäßig frühzeitig hotte ich Fühlung mit den„internen" Genossen der Sozialdemokratie in Berlin erhalten. Ich lernte in den Genossenkneipcn des Ostens, im„Feuerhaken", in der„Eich- kotze" ganz hervorragend tätige Sozialdemokraten kennen. Franz B e r n d t, der vor allem den Lockspitzel Ihring-Mohlow entlarvt hat, war ein höchst rühriger und intelligenicr Mensch, der mit Glück seinen hellen Verstand schon an der Marxschen Werttheorie erprobte. Das Marxsche Schviftchen„Lohnarbeit und Kapital" kursierte in den Genossenkreisen. Natürlich wurde der„Sozialdemokrat" heftig verbreitet. Diesen erhiest man im Gespräch eiligst zugesteckt. Der Handel mir Z ejl / Xaultky» Sreund XMtberg Bon» für Unterftützungzzwecke stand in schönster Blüte. Ich wundere mich heute noch, mit welcher Ungeniercheit und Selbstverständlichkeil die marxistischen Broschüren der Hottlinger Sozialdemokratischen Bibliothek verbreitet wurden. Ich mochte die Bekanntschast des-Drechsters Tabbert, der im Berliner Osten einer.�sauptmannschast" in der sozialdemokratischen Geheimorganisation vorstand. Tabbert hatte überdies eine sührende Stellung in dem Arbeiterbezirksverein des Ostens. Er war ein belesener, gut informierter Sozialdemokrat. In s«iner Wohnung stieß ich auf die„Neue Zeit", von der er mir einige Hefte lieh. Die marxistische Schulung der Sozialdemokratie in den Geheimbundsorganisationen hatte eingesetzt. Der Kreis um Kurt Baak« betrieb überdies fahr eifrig eine marxistische Revision des Gothoer Parteiprogramms. Ich fand die Niederschrift eines Berliner marxistischen Programms, dessen Hauptverfasser wohl der Student Heimann war, in den Gchcimakten der Bsr- liner Polizei. In dem Berliner Programmentwurf heißt es Anter anderem: „In der modernen Gesellschaft sind die Arbeitsmittel Monopol der Kapitalistenklasse. Diese können sich infolge der Anwendung von Maschinen und Teilung der Arbeit nur entwickeln durch Eni- eignung immer größerer Volksmassen von Grund und Boden und Arbeitsinstrumenten. Die hierdurch bedingt« und immer welle» schreitende Teilung des Volkes in wenige Kapitalisten und Mil- lionen von ihnen abhängigen Arbeitern und Arbeitslosen ist die Ursache des Elends und der Knechtschaft in allen Forrpen. Die Befreiung der Arbeit erfordert die Verwandlung der Ar- bellsnnllel und des Grund und Bodens in Gemeineigentum der Gesellschaft und die genossenschaftliche Regelung der Gesamtarbeit nnt kommunistischer Verteilung des Arbeitsertrages. Die Bewc- gung der Arbellerklass«, welche gegen die Privilegien des Kapitals gerichtet ist, fordert natürlich den größten Widerstand der herrschen- den Klasse und der ihr dienenden Regierungen heraus. Daher muß die Befreiung der Arbeit das Werk der Arbeiter- klaffe selbst sein, der gegenüber alle anderen Klassen nur ein« reaktionäre Masse sind..." Dieses Programm sucht also schon den Sozialismus als dos Glied einer historisch-ökonomischen Bewegung zu charakterisieren. Es erhebt sich schon wesentlich über das noch stark naturrechtliche Gothaer Programm der Sozialdemokrati«. In dem Berliner Programm ist deutlich der Klassencharakter des Staates ausgesprochen und der Sozialismus wird als das Resultat eines Klassenkampfes gekennzeichnet. In dem Berliner Programm kündet sich schon der beginnende Sieg der marxistischen Sozialdemokratie an. Und heute an dem 7 5. Geburtstag Karl Kautskys lohnt es sich wohl festzustellen, daß bereits vor« dem Fall des Sozialistengesetzes im dem Jahre 18 8 7 die marxistische Werbearbeit Karl Kautskys einen ganz handgreiflichen Erfolg aufzuweisen hatte. Laul Kampffmeyer. Kautsky über feinen Werdegang Schon auf dem Gymnasium hatten mich historische Arbeiten am meisten angezogen. Ich beschloß, Historiker zu werden und belegte vornehmlich historische Vorlesungen, namentlich bei den Professoren Max Büdinger und Ottokar llorenz. Doch befriedigte mich die' bloße Geschichtsdarstellung nicht, ich suchte nach einer historischen Theorie, nach ein«m Prinzip, das den geschichtlichen Prozeß vorwärts treibe, und da mir niemand eine solche Theorie gab, machte ich mir mit der ganzen Verwegenheit der Jugend gleich eine auf eigene Faust zurecht, ja, ich faßte mit 21 Iahren schon den kühnen Plan,«ine Universalgeschichte zu schreiben. Und da diese natürlich mit Aegypten, Mesopotamien, Indien anfangen mußte, machte ich mich auch an das Studium ihrer Geschichte. Neben geschichllichen Studien beschäftigten mich auch natu» wissenschaftliche. Der Darwinismus nahm in den siebziger Iahren die ganze gebildete Well gefangen. Ich akzeptierte ihn mit Enthusiasmus, und meine Geschichtstheorie wollte nichts anderes sein, als die Anwendung des Darwinismus auf die gesellschaftlich« Entwicklung. Sie lief ungefähr auf dasselbe hinaus, wie jene Theorie, die Professor Gumplowicz in seinem Buche„Der Rassenkampf" 1883 entwickelte. Ich tonnte natürlich von ihr um 1876 herum keine Ahnung haben. Und als Gumplowicz sein Buch veröffentlichte, hatte ich meine ursprüngliche Auffassung bereits zu einer anderen fortentwickelt. Neben Geschichte und Darwinismus fordert« aber auch der Sozialismus sein R«cht. Er drängt« mich zu ökonomischen Sncklen. f�oman von ITlax ßarlkel (21. Fortsetzung.) Sie mochte erstaunte Augen, und als sie endlich alles begriff, rürkte sie näher, nahm das Glas und trank den Männern zu. Bald sprachen sie über Wien, und sie erzählt« so entzückende Geschichten von einem Rechtsanwalt, dem sie als Sekretärin gedient hatte, daß die Freunde nicht aus dem Lachen kamen. Mitten in das Gelächter kamen neue Gäste. Ein Tischlermeister aus der Provinz tauchte auf und brachte ein älteres Fräulein mit, das schwer an seinem Arme hing. Der Mann hatte schon einig« Glas zuviel getrunken. Er war aus einer Bierreise durch Berlin, hatte Rechnungen einkassiert und viel Geld bei sich. „Hollo, Wirtschaft!" brüllt« er durch das Lokal.„Hallo, Wirt- schaft! Ist das eine Wirtschaft mit der Wirtschaft! Ich zahle ein- Runde für die gai�ze Gesellschaft!" Er lachte, als hätte er einen guten Mtz gemocht. Die drei Burschen im Hintergrund reckten die Hälse. Sie standen auf und kamen langsam näher. Der Tischlermeister saß mit seinem Fräulein schon am Tisch, die drei jungen Burschen grüßten und ließen sich auch nieder. Die Wirtin kam und brachte die Getränke. Der Trunken« über- blickte das Lokal, als er den Tisch mit Glaß sah muckt« er aus. „Auch die Herren da und die Dame sollen mittrint«n. Oder bin ich den Herrschaften nicht fein'genug?" „Aber wir kennen Sie ja gar nicht!" rief Glaß hinüber. Der Tischlermeister erhob sich und sagt« seinen Namen: „Gruschwitz Paul, aus Luckenwalde." „Angenehm", antwortete Glaß und erhob sein Glas:„Gestatten: .Hans Albrecht von Strehlen!" „Kommen Sie man rüber, Herr Graf. Ich bin nur ein Mann au» dem Dolk«, ober ich verstehe schon, mit feinen Leuten umzu- gehen. Der Gruschwitz Paul weiß Bescheid! Bringen Sie die ganz« Rasselbande mit, Herr Graf, wir wollen uns einen vergnügten Abend machen." Bald saß die ganz« Gesellschaft an dem einen Tisch, die Wirtin bracht« neuen Stoff, auch Glaß schmiß eine Runde, dann erzählt« Gruschwitz zotige Witze, das ältere Fräulein kreischte, dag Mädchen Gerda aus Frankfurt am Main sang kleine französisch« Liedchen, die drei fremden Burschen tranken auch, aber sie blieben kühl und saßen wie drei erfahren«, lauernd« Füchse da. Die Wirtin legte ein« Grammophonplatt« auf, die Neger sangen ihre dudelnden Li«d«r. Gruschwitz versucht« einen Tanz mit seinem Fräulein. Ab«r sie �amsn bald an den Tisch und zu den Getränken zurück. Die drei jung«n Leute waren in ihren Kreisen gut bekannt. Sie gehörten auch«inen, Ringv«rein an. Ihr Führer war„Werner vom Busch", ein blasser und kluger Mensch nahe d«n Dreißig. Er hatte den Krieg als Freiwilliger mitgemacht, es bis zum Oberleutanat gebracht und diente dann noch einige Jahr« in den Freikorps. Dann verschob er Heereegut, k«un mit der Polizei in Konflikt, saß einige Monat« in Tegel ab und nun hockt« er unter den Lumpenprol«tariern. war offiziell Kellner und Klavierspieler, ober im Grund« weit« nichts als Straßsnräuber und führte den Kri«g gegen die Gesellschaft aus eigene Faust und mit seinen Kameraden weiter. Gruschwitz war nun vollkommen betrunken Sein patriotisches Herz regte sich und schlug laut für den armen, vertriebenen Kaiser in Holland. Er duzte die ganze Gesellschaft, ließ ein« neu« Lage auffahren, stotterte wütend gegen die großen Warenhäuser, die dem kleinen Mann das Brot wegnehmen, schlug seinen Arm um sein Fräulein und sagte zu Glaß: „Trink man, Graf, wir sind oll« Menschen und müssen all« einmal sterben. Gib mich einen Kuß, Herr Graf!" Er ließ sein Fräulein, stand auf, um Glaß zu küssen, aber da fiel er hin. Er rappelt« sich schwerfällig wieder auf und torkelte noch seinem Stuhl. Er kippte das Bier hinunter, entwickelt« dann «ins zynische Theorie über die Frauen im ollgemeinen und über seine Frau im besonderen, brach plötzlich mitten in, Wort ob, zog die Brieftasche und brüllte: „Heh, Wirtschaft, zahlen!" Di« Wirtin kam und brachte di« Rechnung. Gruschwitz über- prüft« sie und fand sich übervorteilt. Er schob das Fräulein, das die Sache aufklären wollte, brutal beifeit« und gab Maß den Zettel. „Lese mal, Graf, ob ollet stimmt." Glaß überprüfte und fand alles richtig. „Das is man gut", sagte der Trunkene und entfaltete die Brief- tasche. Dabei fiel ihm ein Bündel 100-Mark-Schein« auf den Boden. Die drei Burschen äugten, der Tischlermeister klaubt« das Geld zu- fammen, schob seinem Fräulein 10 Mark hin, zahlt« und erhob sich. Dann ging er taumelnd und mit sich selbst sprechend aus der Kneipe. Die drei Burschen folgten ihm. »„Ulkiger Knabe, der Gruschwitz.. bemerkte Glaß, aber da kam von der Straße lautes Hilfegefchrei. Glaß sprang auf, ritz seinen Browning aus der Tasche und stürzte davon. Das Fräulein Gerda puderte sich, das andere Mädchen steckte den Geldschein in den Strumpf. Bencke hatte sich erhoben. Plötzlich krachte«in Schuß. Da stürmte auch Bencke auf di« Straße. Aus der gegenüberliegenden Seite sah er seinen Freund. Er hott« einen rauchenden Revolver in der Hand und schrie. Man hörte das Klappern fliehender Menschen. Im Flur eines Hauses kauerte der Tischlermeister Gruschwitz und jammerte leise. Di« Straß« war wie ausgestorben. Und dann kam die Polizei. .Hönde hoch!" schrie der Führer der Patrouille, als er Blaß mit dem Revolver sah..Hände hoch oder ich schieße!" Und als sich Bencke und Glaß einen Augenblick zulang« besannen, krachte ein neuer Schuß und die Kugel klatscht« an die Mauer. Aes« zweite Schuß machte Gruschwitz ganz still und nüchtern. copzrrigNt I?R dy„Der BOcherkreis G. IN b. H• Berlin SW 61 Er ließ das Wimmern, erhob sich vorsichtig und lief dann der Polizei jammernd«ntgcgen. Und nun waren auch Zuschauer da. junge Burschen und einige Mädchen. „Diese Hochstapler hoben mich ausgeplündert und dann auf mich geschossen, Herr Wachtmeister", keuchte Gruschwitz.„Sie haben mich allegemacht und müssen gefoppt werden!" ..So ein verdammter Blödsinn", brüllte Glaß mit immer noch erhobenen Händen zurück.„So ein Blödsinn! Ich hört« den Mann da schreien, kam ihm zu Hilfe und Hab« auf seine Räuber geschossen!" „Dos werden wir schon feststellen, sehr geehrter Herr", sagt- der Wachtmeister und nahm den Browning..Haben Sic Zeugen? Wir werden alles feststellen. Wie heißen Sie?" „Bernhard Glaß." „Das kann jeder sagen. Jahre Papiere?" .Hier sind meine Papiere." „Glaß heißt er?" heulte Gruschwitz.„Und zu mir hat er gesagt, er sei ein Graf... Und es ist alles Schwindel, was er gesagt hat, er hat auf mich geschossen und sein Freund hat mein Geld geklaut." Der Wachtmeister prüfte die Papiere. „Die Papier« sind in Ordnung", sagte er.„Aber sie können auch gefälscht sein. Wer ist dieser Herr?" Bencke stellte sich vor und gab seinen Reisepaß. Er wollte die Geschichte von den drei jungen Burschen erzählen, die seiner Meinung nach als die Räuber in Frage kamen, aber der Wachtmeister winkte ab. „Ist ja alles ganz gut und schön, aber das werden wir wohl von selbst feststellen müssen. Der große Unbekannt« gleich mit zwei Brüdern? Wir kennen das, wir kennen das. Und Sie haben ge- schassen? Dazu sind Sie ja gar nicht berechtigt, Herr, auch wenn©ie einen Waffenschein haben. Zuerst gehen wir mal in das Lokal und wollen sehen, was die Wirtin sagt. 2luch Sie, Herr Gruschwitz, müssen mit. Alles ander« wird sich finden." „Und mein Geld?" knurrte Gruschwitz.„Man sollt« di« Herren da visitieren, Herr Wachtmeister!" „Meine Herren", sogt« der Wachtmeister,„ich brauch« Sie wohl nicht darauf aufmerksam zu machen, daß ein« Flucht aussichtslos ist. Wir müßten dann von der Waffe Gebrauch machen." Die Zuschauer sagten:„Bravo" und eine heisere Stimme schrie! „Gebt ihnen Saures", und ließ die Entscheidung- frei, wer Saures kriegen sollte, die Polizei oder die drei Männer. Sie gingen in das Lokal. Er war leer. Di« Wirtin beteuerte, von nichts zu wissen. Sie sagt«, es fei ja möglich, daß der Herr da erst später, als das Geschrei begann, auf di« Straße gelaufen sei, aber sie könne es nicht beschwören. Ja,«, seien drei sung« Leute dagewesen, aber sie kenne ihre Namen nicht. Und der Herr da, sie zeigt« auf Gruschwitz, sei schon betrunken ins Lokal gekommen. „Es tut mir leid, meine Herren", sagt« der Wachtmeister,„aber Sie müssen mit aufs Präsidium. Es mag ja alles so sein, wie Sie sagen, aber wir müssen ein Protokoll aufsetzen. Auch Sie, Herr Gruschwitz, müssen mitkommen." Glaß ergab sich und schlug vor, zwei Autos zu nehmen, um die Geschichte schneller zu erledigen. Der Vorschlag fand Beifall, der Wachtmeister und sein« Leute wurden viel freundlicher, die Autos fuhren durch die Dunkelheit, kamen in beleuchtete Straßen und er- reichten das Präsidium in zehn Minuten. Die Männer stiegen aus, mußten durch viele schallende und jetzt in der Nacht vereinsamte Korridore und wurden vom Kommissar vom Dienst vernommen. Dann mußten sie eine halbe Stunde warten. In der Zeit wurden ihre Angaben und Papiere überprüft und als dos Protokoll aufgesetzt wurde, ergab sich, daß Gruschwitz nicht mehr von Glaß mit dem Revolver bedroht sein wollte. Er entsann sich der jungen Kerle und gab die Möglichkeit, und als das formuliert wurde, sogar als größte Wahrscheinlichkeit zu, daß sie und nicht der Regisseur Bencke ihn ausgeraubt hätten. Er war ganz klein geworden und entschuldigt« sich viel« Male. Das Protokoll war bald unterschrieben. Es war Mitternacht, als die Männer auf dem Alexanderplatz standen. Gruschwitz verdrückte sich kleinlaut. „Da wären wir doch auf dem Präsidium gewesen, Meister, und wer hätte daran gedacht, als wir am Abend hier vorbeigingen und über das andere Berlin sprachen? Wie hat dir die gan.ze Geschichte gefallen? Hast du die Galerie der unbekamrten Toten in dem einen Flur gesehen?" fragte Bencke, als sie die Treppen der Untergrund- bahn hinunterstiegen, um nach dem Westen zu fahren. „Di« Toten habe ich nicht gesehen.. antwortet« Glaß,„ich hatte an den Lebenden genug! Der Abend war wild und aufregend. Alfred. Es war eine gute Idee, einmal zu sehen, wo und wie dos Volk lebt, für dos wir unsere Filme machen..." „Das Volk?" fragte Bencke zurück.„Das Volk hoben wir kaum gesehen. Wir sahen es nur in der Zerstreuung. Wir sahen da? vereinsamte Volk, Meister, dos zersplitterte. Wenn das dar Volk sein soll, dos wir heute beobachteten,' da könnt« Deutschland ein- packen. Das Bolk ist anders." „Wie ist das Dolk, du großer Philosoph?" „Das weiß ich nicht genau, ich weiß nur, daß es ganz anders sein muß!" sagte Bencke. „Vorher sprachst du anders, mein Sohn", bemerkte� Glaß,„aber lassen wir schon den Osten. Ich habe keine Lust zum Schlafen. Ich bin nicht müde. Im Westen gibt es keine Nacht. Ich bin für eine neue Expedition.... Hast du eine Zlhnung, wo sich Lyssa nder herumtreibt?" „Er wird in der Log« bei den Sternen fein. Da können wir ihn treffen. Uebernimm du die Führung im Westen, Meister!" „Also los, in die Logs der Sterne!" Sie verließen die Untergrundbahn am Bahnhof Zoo und ver- wandelten sich bald darauf in elegante Kavaliere. Die alten Kleider waren abgelegt und mit ihnen auch di« Erinnerungen an das dunkle Berlin im Osten. Der Kursürstendamm prahlte und prunkte, die Lichter strahlten, die Cafes schimmerten, die Bettler winnnerten, und jenseits aller Strahlen und Ouolen lockte in einer stillen Seitenstraße ein dunkles Haus, in dessen erster Etage das mystische Licht der Log« zu den sieben Sternen leuchtete. Beschwörung und Magie. Eugen Hull war nun sieben Tage in Berlin und jeder Tag schien ihn> ein Schöpfungstag zu sein. Die Welt flog jetzt in anderer Richtung durch den Raum wie damals vor 20 Iahren, als. noch die vielen Msere besuhr. Sie rollte in Berlin in anderem Tempo als in der kleinen Stadt, wo er in den letzten zehn Iahren gesessen und Geschichten und Abenteuer erzählt hatte, bis das große Abenteuer kam: Mariamies Flucht. Di« Welt hatte sich gedreht, und wemi der alt« Seemann zum Beispiel über den Kursürstendamm spazierte, begnss er dies« Drehung nicht mehr. Jetzt saß er in der Uhlandstraß« in der Pension und überdachte die letzten Tage. Der Vertrag mit der„Lux" war unterschrieben. Marianne war für«in Jahr gesichert, Daniel Kreß war ein sreund- licher Herr, Lyssander ein höflicher Mensch, über den verrückten Glaß mußte man oft lachen, der Film:„Maria und ihr Glück" hatte ihm gut gefallen, wenn er auch in manchen Bildern und Szenen seine Tochter nicht wiedererkannte. Das sollte Marianne sein, di« Traurige über der Straße und dann die Abenteuerliche im Spiel mit dem Grafen? Zum ersten Male entdeckte er, daß seine Tochter mehr als Kind und Tochter war. er entdeckte ihr Geschlecht, ihre Beslin lung. Und da flatterte Angst in sein Herz.(Foctsetzung soigi) Rätsel-Ecke des„Abend". 8iiiiHniiiii!itiiinniNinuiiDni!iiiniiniiiiiiiiiuiiiiuiiuimiaiuuuiiUiiiiiiiiuiunmiuiniuiuiiuiunitmiiuuiiiifUiuiuiiitiiiiuuuiuiumiiininiiiiiniiiiiiiniiiuiiuuiiH>iutiuinii;i:iiiiii Spiralenrätsel. Wagerecht: 2. Wild: 3. Kohleprodukt! 5 Zigarettenmarke; ö. Schlangenart: 8 Stadt in Polen: g. Alpensee: 11. Lant schaft in Frank- reif): 12. nördlichster Teil Schwedens: 14 Eremitenklause; IS Uni- versilätstitel— Senkrecht: 1. Ausruf des Erstaunens: 2. Farbe: 4. Gewässer: S. Land in Afrika: 7 Beruf: 8 Deutsche Stadt: lü weiblicher Vorname: 11 Schiffswarnungsgerät: 13 Aufsichtsbehörde: 14. Pilzort. Icr. Füllrätsel. In dieses Rechteck sind die Buchstaben !»odskmu.llstvrso einzusetzen, daß Worte von folgender Bedeutung ent- stehen: 1. Papstnamc; 2. Wendung: 3. Schwerer Fall; 4 Stadt in Belgien. wp. Oiagonalräisel. Die Buchstaben dieser Figur sind so zu ordnen, daß sich in den wagerechten Reihen Wörter ergeben, welche bedeuten: l.SchweizerNationalheld— weiblicher Name; 2. alte Stoßwaffe: 3. vorweltliches Unge- Heuer: 4. täglicher Besucher eines Wirtshau es: S Frauen- figur der griechischen Soge: k>. römischer Männername: 7.Staat inNordamerika:7.Jnsel im Miltelmeer: ö Berpackungs- gewicht arabische Hafenstadt. Di» beiden Diagonalen ergeben dann eine australiicheInselund ein« spanische Hajenstadt, gs. Silben-Kreuzworträtsel. W ä g c r e ch t: 1. Fischsanggerät: 2, heiße Zone: 4 Arbeitslohn: 8. Flußmündung: 8. Lustfahrzeug: 9. Soplsirt hirschartiger Tiere: 11 Mäd- chiWname: 12. Hau-genosse: 13 Der- wandle: 14. Gartengerät: 16. Turner- obteilung; 18. See in der Schweiz: 20 ostschweiz- Hochtal: 21. Produktionszweig eine» Landes— Senkrecht: 1 Deutscher Freistaat: 3. Schwingarm: 4 gcogr.Begrisi: 5 Eß- lust: 7. Wandbekl'idung: 10. Fest: 11 Glücksspiel; 14 europ Reich: 15 Nagetier: 17. Arbeiterorganisation: 18. Sturmgott: 19. dänische Insel. ab-> (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Rummer. Silbenrätsel: 1. Gitarre: 2. Renniier: 3. Okuli: 4. Sorbonne: 5. Sudeten: ß. Eruieren: 7. Sardine: 8. Wachtel: 9. Erebos: 10. Reiher: 11. Kanone: 12. Geisha: 13. Engagement: 14. Dokument: 15. Eleonore: IS. Zris: 17. Hattingen.—„Großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit." Rösselsprung: Hast du viel, so wirst du bald Noch viel mehr dazu bekommen. Halt du wenig, wird dir auch Dieses Wenige genom.-nen. Wenn du aber gor nichts hasl,— Ach, so lasse dich begraben Denn«in Recht zum Leben, Lump, Haben nur, di« etwas haben.— Heine. Zahlenrätfeli Schlüsselwörter: Hag. Speck. Turm, von, Wild, z.— Ausspruch von Washington:„Mein letzter Wunsch ist, den Krieg, dieses Wundmal am Koerper der Menschheit von der Erde verschwinden zu sehen." Wortverwondlung: Ilse, Else, Elle, Elbe, Elba. AbzählrStsel: Durch die Zaht 5 abzählen. Hört man rühmen dl» Verdienst«�• Von gewissen Leuten,» Meint man wohl nur die Geminnste, Welch« dies« erbeuten. (L. gronkl.) Kapselrätsal: Ja. der Krieg oerschlingt die Besten. UfysrJlirdoJfiLel Muskel und Schnelligkeit. Wissenswertes für das Hallentraining. Die �alle wird jext wieder niehr und mehr das Arbeitsfeld d>:r Leichiathleten für die vorbereitende Korperarbeit>m tonuneniden v>ahr. Das oberste Gesetz für fast alle Sportarten ift, wenn es auf den ersten Blick vielleicht auch nicht so scheint, Ue Schnelligkeit. Der Sparismann braucht Schnelligkeit in allererster Linie, denn auch im Sport leben wir im Alter der Schnelligkeit, und die Beob- achtung lehrt, daß nur die größtmögliche Schnelligkeit der Lewe. gungen, dos heißt der Mustelbewegungen, auch die bestmögliche Leistung erzielen läßt, sei«s beim Wersen, Laufen, Richer» oder Boxen. Ein junger Mann, der in die Anfangsgründe seines Sports eingeweiht wird, erkennt selbst kaum den bedeutenden Zusammen- hang zwischen Schnelligkeit und Leistung. Ja sogar Uebungsleiter und Trainer erkennen oder wissen das nicht. Der Sportler erstrebt, nur das Ziel im Auge, die Wirkung, ohne die Ursache zu studieren. Man hört daher bei unseren Sportlern noch so oft die gänzlich irrige Ansicht, daß nur der leichte und schlanke oder auch schmächtige Mann zur Schnelligkeit prädestiniert sei. Viele Sportsleute vermeiden ängstlich den bei den Amerikanern durch moderne Trainingsmethoden erreichten Muskelansotz, in der Befürchtung, damit an Schnelligkeit zu verlieren. Denken wir zun, Vergleich zunächst einmal an den Boxsport, eine Sportart, die zweifelsohne schnelles chandeln, Denke» und Schnelligkeit verlangt. 'Daraufhin sehe man sich aber einmal die muskelüberladenen Boxer, typen eines Dempseys, Earpcnticrs und auch Echmelings an. In ihren Glanzzeiten waren sie stets die s ch n e l l st e n Boxer der Welt. Muskulaturen hatten die drei, daß man sie als die formvollendetsten Menschen ansehen konnte. Es ist das wichtigste Gesetz jeder Körper- crziehung: will man ein„Allroundathlet" werden, d. h. will man aus allen Gebieten gleich Hervorragendes leisten, und das ist ja das Ziel unserer Arbeit c rsportler, dann braucht man die Mus- k u l o t u r, die allein durch Schnelligkeit erreicht wird. Der Kurzstreckenläufer ist wohl allen der Inbegriff der höchsten Schnelligkeit. Und gerade hier ist der Leweis überraschend. Der nach der allgemeinen Anschauung schmale, leichte Mann ist in den meisten Fällen dazu unbrauchbar. bis 178 Zentimeter große, kräftige Leute, nicht nur muskulös an den Beinen, sondern am ganzen Körper, haben die besten Leistungen aufzuweisen. Das gleiche Resultat haben wir bei den Schwimmern. Bicle junge Sportsleut« konzentrieren sich zu sehr auf die Ausbildung derjenigen Organe, die in der Ausführung der betreffenden Sportart am augenfälligsten in Erscheinung treten. Da sieht man z. B. die Werfer, die fast ausschließlich auf Kräftigung der Arm- und Schullerpartien hinarbeiten. Die Schnelligkeit eines jeden beginnt jedoch In der Hüft- und Beinmuskulatur. Erst müssen doch die Muskeln schnell und kräftig arbeiten können, die uns unser Körper- gewicht schnell bewegen sollen. Das Training, gleich welcher Sportart, muß zuerst darauf hinarbeiten, den„Allround"athlctcn zu schaffen. Gleichzellig damit muß aber eine individuell angepaßte Gymnastik die inneren Organe— Herz, Lungen, Blutkreislauf, Verdauung— kräftigen. An anatomischen Tafeln muß der Sport- ler die Anatomie und die Physiologie seiner Organe begreifen lernen. Die modernen Sportsleute Amerikas kräftigen sich im Vortraining durch rauhe und harte Täligkeit, durch Holzschlagen, Landarbeit. Wer als Großstädter das nicht nötig hat und das betrifft unsere meisten Arbeitersportler, muß dies« fehlende natürliche Tätigkeit durch ein« harte Gymnastik ersetzen. Der Däne Niels Bukh hat dies am klarsten erkannt und es ist daher kein Wunder, daß man gerade seine Körperschule in Amerika am stärksten betreibt. Nur ein starker, rauh und hart trainierter Körper kann, die Ansordc- rungen der sportlichen Leistungssteigerungen(natürlich ohne Re- kordwahn) erfüllen und im Wettkampf Kraft und Schnelligkeit entfallen., Das technische Können rundet zwar das vorhandene Rraftocr- mögen ab, steigert ober die Leistung nur bis zu einer gewissen Grenze, die von den individuellen Möglichkeiten abhängig ist. Erst Muskulatur und Muskelaufbau, dann Muskelgefühl— die Kontrolle über den arbeitenden Muskel— dann erst Ausbau der Spezialtechnik. In dieser Reihenfolge geht wahres Training vor sich. Muskulatur macht nicht langsam, im Gegenteil schafft sie erst die Grundlage, sozusagen dos Sprungbrett zur. Schnelligkeit. Unsere Sportler müssen das wissen, wollen sie das jetzt beginnend« Winter- training zu Erfolgen verwerten. Magdeburger Sportausstellung. Line �imtellung ohne Defizit. Die«rste Sportausstellung Deutschlands, die In > M a g d e b u r g in der Zeit vom 25. September bis 16. Oktober s'allsand, ist für die Veranstalter ein voller Erfolg gewesen. Di« Eröffnung durch Reichsinnenminister S e v e r i n g dürft« ein Be- weis dosiir sein, daß die Stadt Magdeburg bei der Wohl des Aus- s'.ellungsobjcktes eine überaus günstig« Hand gehabt hat. An- erkannt von der gesamten deutschen Presse, hat die Ausstellung, die in ihrer Zusammenstellung als originell bezeichnet werden muß, es oerstanden, dem aktiven Sportler eine Fülle von An- regungen und Belehrungen, dem Sportliebhaber neue Freude am sportlichen Leben und Treiben, und denen, die bisher dem vielseitigen Betrieb von Sport und Körperpslege fernstanden. eine leicht verständliche Einführung in diesen wichtigen Lebens- und Kulturfaktor der Gegenwart zu geben. Im Rahmen sportlicher Sonderveranftallunge» sind wohl fast all« bedeutenden Arten des Sports und der Leibesübungen zu Wort gekommen. Die Sportausstellung hat die Magdeburger auch mit dem Rugby- ipiel bekannt gemacht. Im Verkauf der sportlichen Sonder- veranftaltungen ist auch die Olympiasiegerin und Dell- meisterin im Florettfechten, Helene Mayer, im Rahmen einer internationalen Fechtatademis ausgetreten. Die starke Besucher« zahl v«n über IMOOll Personen kann als Beweis dafür ange- sprachen«erden, daß die Durchführung der großangelegten Sport- ausstellung trotz der späten Jahreszeit einem zeitgemäßen Bedürfnis entsprochen hat. Für die Stadt Magdeburg stellt die Sportaus- llcllung einen weiteren beachtenswerten Erfolg ihrer gesunden Aus- stcllungspolitik dar. Soweit das sinanzielle Ergebnis bereits jetzt übersehen werden kann, besteht die Aussicht, daß sie ohne finanziellen Zuschuß abschließen wird. Die Spalter rutschen überall ab. Auf der Vorständekonferenz de» Arbeiterfuß» ballbezirks Dresden referierte der Geschäftsführer O t t vom Leipziger Fußballbezlrk über„Die Lage im Bund". Er sah seine Aufgaben vor allen Dingen dari�, daß er den Dresdener Vereins- vorständen klar und eindeutig zeigte, welch grausames Spiel jetzt mit der sächsischen Arbelterfuhballbewegung von den Kommunist«» getrieben werden soll. Die Dresdener Vorstände sollten selbst auf Grund eigene« Urteils entscheiden, was mit den Spaltungselementen geschehen sollte. Mit SS gegen 4 Stimmen bei 13 Enthaltungen wurd« eine Entschließung angenommen, nach der die von den Kommuni st«n geführte Losung„Der Kampf um die Einheit" als ,Lug und Trug" bezeichnet wird, der KPD.-Presse die Berichterstattung gesperrt und es abgelehnt wird, Spiele mit Ausgeschlossenen zu t ö t i g e n. Sportfraktionsmitglieder verfallen dem Ausschluß aus der Organisation. Auf der am gleichen Tage in Gornsdors slattgefund«nen Fuß- ballvereinsoorständekonferenz des Bezirks Erzgebirge referiert« der Vorsitzend« des Leipziger Fußballbezirks Meißner über die Lage im Bund. Diese Dorständekonferenz nahm die sinn- gemäß gleiche Entschließung wie in Dresden an. Die Opposition arbeitet in Gornsdors getreu nach Manuskrivten. die von dem Spalterführer Friedmann(Berlin) ausgearbeitet waren. Di» Spalter haben sich bei den sächsischen Arbeiterfußball- spielern verrechnet. Den sächsischen Arbellerfußballspielern geht Organisationstreu« über die kommunistisch« Parteiparole. FTGB.-VollkstaMabencl. Wer{ich für den„Tanz der guten, allen Zeit" interessiert, der sollt« den Bolkstonzaoend am Ist. Oktober in Haborlands Feftfälen, Reue Friedrich- Ecke Rochstraße. besuchen. Der Frauen- Mb Iugendausschuß der Freien Turnerschaft Troß- Berlin wollen beweisen, daß auch ohne die hochmoderne,„neu- zeitliche"— Musik, daß ohne Alkoholgenuß und Nikotin ein ge- jclliger und recht gemütlicher Abend möglich ist. Die„Nürnberger Jugendtänze" und„Lieder zur Laute", sowie alle Uns noch von früher bekannten ollefl Tänze werden Gelegenheit bringen, daß jeder Besucher auf seine Kosten kommt. Eintrittskarten sind bei allen FIGB.-Funttlonären und der FTGB.-Geschäftsstelle. Lichten- berger Straße 3, für 3ö Pf. zu haben. Erster Kampfabcnd des Metropolringes. Nun hat auch der neu gegründete„M e t r o p o l r I n g" seinen ersten Doxabend hinter sich. In seiner Kampfstätte in der Bockbrauerei, Fidicinstraße, gab es gestern abend, abgesehen von dem H a u p t t a m p f, der ein glatter Versager war, guten Sport. Leider war d«r Besuch nicht sonderlich gut. Der Abend wurde mit einem Treffen im Bantam zwischen Hermannsfon-Wiesbaden(86,3) und Linke- Duisburg (84.7) eingeleitet. Hermannsion, der unheimlich viel einstecken mußte, erwies sich wieder einmal als ein starker Nehmer. Der Punktsieg Linkes war einwandfrei und verdient. Im Weltergewicht traf Willi N i t f ch k e- Verlin(7<)) auf Fritz K r a ch t- Berlin(66,7). Nach einem wechselvollen Kampf gab das Punltgericht den Sieg an Kracht. Ein Unentschieden hätte den Leistungen beider Boxer gerechter entsprochen. Ein Teil des Publikums gab darum auch seinem Mißsallen über den Punktsieg Krochts„hörbaren" Ausdruck. Im Leichtgewicht wurde A r l t- Danzig(61,4) von Ulrich- Hamburg(61) einwandfrei nach Punkten abgefertigt. Dann stieg der sogenannt«„Hauptkampf" des Abends. P i st u l l a- Berlin, der Examateur-Europameister, stieß aus einen Boxer, der alles ander« denn«in Gegner für Pistulla war. Der Mann hieß van F l i e t und kam aus Holland. Er hatte nie eine Chane« gegen Pistulla und wurde in fünf Runden so zusammen- geschlagen, daß er den Kampf aufgeben muhte. Pistullas Abgang war von einem P«ifkonzert begleitet, während man dem un- fähigen Holländer, der den ungestümen Angriffen des Berliners beinahe fünf Runden standgehalten hatte, starten Beifall brachte. Die sympathischste Figur des Abends war zweifellos wieder der junge talentierte Franz Vogel- Berlin(72,3). Er punktet« Bolze- Duisburg(6S,2), der mehrmals in Gefahr des k.». geriet. In acht Runden glatt aus. Wintcrarbeit bei der FKU. Nun ist das sportliche Leben der Arbeitcrpaddler mit dem Ab- paddeln beschlossen, jetzt ist es an der Zeit, rückschauend die Arbeit des Sommers zu betrachten. Zwetfellos können die bundestreuen Kanufahrer zufrieden fein, überall geht es aufwärts und vorwärts. An dieser Aufwärtsbewegung hat auch die r e i e Kanu- Union" regen Anteil. Die Gruppen der Oberspree, von Spandau und Tegel kannten sich vergrößern! überall herrschte reges sportliche» Leben. Die großen Veranstaltungen des Jahre», die erste Bundes- regolta und die Langftreckcnregatta des 1. Kreises, wurden auch von der FKU. stark beschickt, bei der letzteren glückte es, gegen starke Kon- kurrenz zwei 1. und zwei 2. Siege zu erringen. Dos ist sicher ein Zeichen des gulen sportlichen Geistes,«in Zeichen, daß die FKU aus dem rechten Wege ist. Auch der kommende Winter sieht die FKU. nicht müßig. Wanderungen werden die Teile der schönen Mark erschließen, die mit dem Boot nicht zu erreichen sind, die Handballer werden in Tätigkeit treten und wer gar schwimmen will, hat auch dazu Gelegenheit. Arbeitersportler, die auf dem Loden de« A rb eitel- Turn- undSportbundes stehen, werden jederzeit ausgenommen. Noch sind einige wenige Bootsstände im Bootshans frei. Di« Abteilungen der Oberspree trefsen sich Sonntag, 20. Oktober, 14 Uhr, zu einer wichtigen Sitzung im Bootshaus. Interessierte Kanufahrer und solche, die es werden wollen, erfahren alles Näher« in der Geschäfte- stelle: Otto Graf, Berlin N., Reinickendorfer Str. 46. SS Jahre„Solidarität". Jubiläum der Ortsgruppe Berlin. Nach dein Zentraltsationsbeschluß des Erfurter Bundestages im Jahre 1364, der besagte, daß in jeden. Ort nur ein Verein bestehen dürfe, waren es 14 Vereine von den 17, die damals in Berlin dem Bunde angehörten, die sich zum B e r- liner Arbeitexradfahrerverein zusammenschloss.'n! Der Verein wurde in 8 Abteilungen gegliedert. Kurze Zeit da- nach kam auch noch die 9., die Backerabteitung, hinzu, die durch den damaligen großen Bäckerstreik gegründet worden war. Später kam auch noch eine Jugend- und Gastwirtsangestelltenabteilung hinzu. Der Segen der Zentralisation zeigte sich auch bald. Der Mit- gliederstand stieg auf 1209. Im Jahre 1919 konnten wir 1999 Mit- glieder feststellen. Leider gab es damals einen kleinen Kreis van Genossen, die aus rein persönlicher Verärgerung einen neuen Verein aufziehen mußten. 1912 kam dann die Schikarrierung des Vereins durch die Bc- Hörden. Heute lacht man über die Gründe, damals bitterer Ernst. Weil der Verein seine sonntäglichen Touren im„Vorwärts" bekannt- gab und die Mitglieder rote Schärpen trugen, mußte er unter das V e r e i n s g e s e tz gestellt werden. Bei allen Parteiarbeiten, Landagitationen, Wahlen sah man die Arbeiterradfahrer sich restlos aufopferungs- voll in den Dienst der Arbeiterschaft stellen. Auch bei festlichen Ver anstaltungen von Partei und Gewerkschaften waren es rote Radler, die durch radsportliche Aufführungen die Feste verschönern halfen. Da kam der Völkermord! Er schlug auch schwere Wunden unter den Berliner Arbeiterradfahrern. Nach der Revolutionszeit setzte der Wiederaufbau erfreulich ein. Aber nicht lange sollte es so gehen, da machten sich die ersten Ai� zeichen der Zellenarbeit unserer linken Freunde bemerkbar. Viele Genossen sahen damals schon voraus, was kommen würde. Einzelne Abteilungen zogen sich, angeekelt durch das Treiben der Kommi>- nisten, von der Arbeit der Ortsgruppe fast ganz zurück. Leider blieben alle Mahnungen seitens der Bundesleitung fruchtlos. Da endlich kam im vorigen Jahr« durch unsere Bniderorganisation, dem Arbeiter-Turn- und Sportbund, der Stein ins Rollen. Die Zentral. komnrission für Arbeitersport und Körperpflege sah sich zu wen- tragenden Beschlüssen veranlaßt. Auch unser Bund mußte dieselben zur Durchführung bringen und zur Säuberung schrcilen. Ist auch unsere Ortsgruppe dadurch geschwächt worden, so ist dieses ober schon wieder eingeholt und ein geregeltes Veremsleben wieder ein- gekehrt. Aus Anlaß des 28jährigen Bestehens begeht die Ortsgruppe Groß-Berlin am Sonnabend, dem 19. Oktober, im Saalbau Fried- richshoin ein« Feier, di« mit einer Ehrung der Jubilare ver- Hunden ist. Hierzu sind alle Partei-' und Gewerkschastsgenossen freundlichst eingeladen. ♦ FTCiB.~Jubi]äum im Südosten. Im Jahr« 1922 wurde der Bezirk Südost der Freien Turner- schoft Groß-Berlin mit einer Männerabtcilung gegründet, der i» ganz kurzer Zeit noch Frauen-, Jugend- und Kinderabteilungen folgten. Donk der bewährten Leitung konnte der Bezirk Südost bald«ine ansehnliche Mitgliederzahl mustern. Durch den im vorigen Jahre erfolgten Zusammenschluß mit dem Turnverein Jahn Hot auch die FTGB. in Treptow ihren Einzug gehalten und sich auch dort bei der arbeitenden Bevölkerung einen guten Ruf erworben. Das am Sonnabend, dem 19. Oktober, stattfindend« T.<5 t Ii- tungsfest im Gewerkschastshaus, Cngelufer 24/25, wird alle Freunde de» Arbeitersports zu«inigen festlichen Stunden vereinigen. In bunter Folge wechseln Musikvorträge und Tanz mit gymna- stischen Vorführungen der Männer, Frauen und Kinder. Partei- genossen und Gewerkschaftskollegen sind herzlichst eingeladen und haben Gelegenheit, neues aus dem Betrieb der Arbeitersportler kennenzulernen.— Der Bezirk Südost-Treptow turnt mit allen Abteilungen Dienstags und Freitags von 18 big 22 Uhr in den drei Turnhallen der Schule Bouchestr. 75. Dort ist jedem Interessenten Gelegenheit gegeben, die ihm zusagende Sportart zu pflegen. An- Meldungen werden an den Turnabenden entgegengenommen. Boxkämpfe im Spichcrnring. Das Programm, da« am Freitag abend Josef Burda seiner» immer mehr sich vergrößernden Stammpublikum in den Spichern- sälen bringt, ragt«vhebllch über den Durchschnitt eines Kleinringes hinaus. Sechs Kämpfe stehen auf der Karte, davon je zwei im Halbjchwer- und im Weltergewicht, cipes im Mittel- und einer im Bantamgewicht. Der starke Examateur Heinrich Trollmann gibt gegen Albert Sensen sein Debüt als Professional und wird damit sofort vor«ine Ausgab« gestellt, di« über sein Können Ansschluß zu geben vermag:«in zweiter Gast aus Hannooer, Teddy Schröder. hat den gut im Schuß befindlichen Hammer Otto Hölzl zum Partner erhalten, und Georg Pfitzner, der sich so vielversprechend ins Be- rnfslager einführte, wurde mit Kurt Aust gepaart. In den beiden Hauptkämpfen des Abends begegnen sich, wie bereits gemeldet, der famose Belgier Robert Camill« Desmet mit unserem Meisterschasts- amvärter Helmuth Schulz und der Berliner Rudolf Boguhn mit dem Dortmunder Gustav Eder, zwei Kämpfe, die den höchsten Publikums- anforderungen zu genügen versprechen. Auch Felix Wiego zeigte in seinem Erstlingskamps eine solche Summe entwicklungsfähiger An- lagen, daß man feinem diesmaligen Wettbewerb, der ihn mit dem Kölner Hermann Kling in den Ring bringt, mit Interesse entgegen- sehen darf. gT»«., Schwimm bezirk tlrexzbera. Monatliche Bezirksvcrsamniluna am 1«. Ottober bei StÜBct. Vortrag:.Arbeitcrsvert und»ommunalwahlen". Bc- ginn pünktlich 21 Itfir. BollzSl>Il««s Erscheinen erwartet der Vorstand. 7iTr, zum Besuch der Ouartalsversammluna in Neukölln._ «ortell für glrbeitersp»-» und«irp-rpfleg«, 13. Bezirk Tempelbof. Die Turnhalle der 2. Scmemdeschnle, griedrich-Wilhelm» skcke Werderftrage, steht der„strcien Turnerschakt Krofi-Berlm.«dt. Tempelhef-Marienderf-, zur Brr> fllaung. Geturnt wird Sannobend» von 20'; bis 22 Uhr. Alle Turngenoffe» und-qenofftnnen haben zu erscheinen,«ltersiurner treffcn flch am Sonnabend. Kl'« Uhr. cholt-stell-»ais-rin.AuguIta.S. Donnerstag, 17. Oktober. Monatspersammlung im Gesell schastshaus des Nordens. Garicnstr. 6. um 20 Uhr. Erverimentiervortrag des Genossen»urt Ganswindt llber.Lopnose". Sonniag. 20. Ottober. Serbs,. Wanderung nach Melcho«. Abfahrt 7.M Uhr Stettincr Bahnhos.'.zu Uhr Bahnhof Eesundbrunizen. ss uhrer: Ianuscenuki. Alle Handballspieler treffcn sich 0 Ubr Sportplag Rehderge. Umkleideraum. �TS«., Siidesl.Treptew. Mittwoch. 1«. Sittober. 1»M Uhr. Bezirkv». sammlung im SlfenJTif. Gks-nstr. Iflfl UDGB.. Smirtleitcr»nesiktrn Sitzung Mlirwoch, 11, Oktober, l»','. Ilm SesSSttsfteve. Kommunistische Bettelei. Wie der Bohrlegerstreik gerettet werden soll. Die Zeiwngsausträgerinnen der„Welt am Abend" und„Bcr- Im am Morgen" müssen den Lesern dieser Blätter einen Wisch in die Hand drücken. Der wahrhcitswidrigen Behauptung, daß der kommunistische wilde Rohrlegerstreik bei der ganzen Arbeiterschaft die größten Sympathien habe, folgt die belanglose Mitteilung, daß die Belegschaft der Speditionen der beiden Blätter beschlossen habe, die Aktion der Riederkirchner-Gruppe mit allen Mitteln zu unter- stützen. Zu diesem Zweck wendet sich diese Belegschaft„an die Leser- schaff mit der Aufforderung" zu zahlen. „Seder Austräger wird bei der Kassierung jedem Leser eine offizielle Sammelliste vorlegen, mit der Bitte, einen kleinen Be- trag zu zeichnen. Kein Leser sollte sich genieren, l0 oder 20 Pfennig zu zeichnen." Der Betriebsrat zeichnet für die Belegschaft diesen Bettelbrief. „Mit allen Mitteln" wird also versucht, den Rohr- legerstreik zu verlängern. Um so größer wird der Zusammen- b r» ch sein, trotz aller Mittel der KPD. und ihrer Stoßtrupps. Jeder Pfennig ist zum Fenster hinausgeworfen, der für diese ge- werkschaftsseindliche kommunistische Quertreiberei hergegeben wird. Ein alter Gewerkschafter schreibt uns:.Steht da am Freitag. Zahltag, nach Feierabend, vor den Toren des Ludwig-Löwe-u.Ca.- Betriebes je ein allerer Mann mit einer rotlackierten Sammelbüchse versehen. Jedem, der den Betrieb verließ, wurde die Büchse hin- gehalten mit der Aufforderung:„Für die streikenden Rohrleger" zu zahlen. Man mutz dieses Bild gesehen haben, das einen ganz erbarm- lichen Eindruck machte, tieftraurig für«inen alten Gewerkschafter, zmnal im Hinblick auf die Hintergründe dieser wilden Bewegung, deren Führer sonst nicht genug mit ihrer Finanzkraft prahlen können. Es ist wohl in Berlin noch nie dagewesen, daß selbst bei ganz großen Streiks irgendeiner Branch«, Leute mit der Sannn«kbüchse aus die Strahe und vor die Fabriktore geschickt werden." .Tausend Rohrleger arbeiten!" triumphiert die„Rote Fahne". Wäre das richtig, so würde dies bei durchschnittlich 15 M., die an das Zentralstreikkomitee Niederkirchners zu zahlen sind, rund 15 000 M. wöchentlich betragen. Da nach den Berichten der„Roten Fahne" ein ganzer Teil der wildstreikenden Rohrleger auf Streikunterstützung verzichtet hat, so können schon auf diese Weise nahezu mehrere tausend Niederkirchner-Leute unterstützt werden. Die ganze Bettelei für die Rohrleger dient offenbar anderen Zwecken mit. Jedenfalls: Taschen zu! Streik im Rraunkohlenrevier Nordwestböhmens. Brüx. IS. Oktober. Auf mehreren Schächten des Drüxer und Komotauer Braun- kohlenreviers sind die Bergarbeiter in den Streik getreten. Wie es hcitzt, wurde der Streik von den Kommunisten inszeniert, während die koalierten Bergarbeiierverbände der Bewegung fernstehen. Die Zahl der Streikenden beträgt über 5000. Bei den Werken herrscht angeblich Wagenmangel, wcs- halb willkürliche Arbeitszeitverlegungen angeordnet wurden. Ende einer kommunistischen Aktion. Stockholm, IS. Oktober. Der langwierig« Streik der Stockholmer Omnibusangestellten ist am Dienstag abend>beig«legt worden. Bei dem Konflikt, der angeblich durch einen von Moskau eigens nach Stockholm geschickten Funktionär geleitet wurde, war es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Der Bergleichsvorschlag ist nunmehr angenommen und ein zweijähriger Bertrag abgeschlossen worden. Mit geringfügigen Zlbänderungen sind die gleichen Lohnsätze wie früher wieder eingesetzt worden. Die Arbeiter haben sich bereit erklären müssen, das wichtigste Streitobjekt im Bertroge zu beholten, das Recht der Unternehmer, Arbeiter anzunehmen und zu entlassen. Sm'stbmD ist die Späkausgabe des„Vorwärts". Das Blatt ist bei den Strahenhändlern. an den Zeitungskiosken und in den Bahn- Hofsbuchhandlungen zum Preise von!0 Pf. zu haben. Außerordentlich vorteilhaft ist ein Abonnement des „vorwärts", dessen Lesern der„Abend" ohne besondere ver- gülung ins Haus geliefert wird.„Vorwärts" und„Abend". von denen 12 Nummern wöchentlich erscheinen, kosten zu- sammcn nur 85 Pf. die Woche oder 3,60 JTt. den Zstonat. Ich abonniere den„Vorwärts"(und die Abend- ausgäbe für Berlin„Der Abend") mit den illustrierten Bei- lagen„Volk und Zeit" und.Kinderfreund", sowie den Bei- lagen„Unterhalttmg und Wissen".„Frauenstimme".„Technik". „Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Vorwärts" in Groß- Berlin täglich frei ins Haus. (Monatlich 3,60 Mk„ wöchentlich 85 Pf.) Ausfüllen und einsenden an den Verlag des„Vorwärts". Berlin Sw 68. Lindenstraße 3. m � ßefchäfie-Jbtjdgvr t föezirß füden-Wefien. FlSlfäfC an den Ansdilagsänlen in Groß-Berlin haben stets Erfolge. Ausführung durch die Berliner Anschlag- und oflB vi vBl Reklamewesen G.m.b.H. Berlin SWI9, Grflnstr. 17/20, Fernspr.: E 1 Berollna 5991 tOSIEZlJ 10 I. Neukölln, Bergstraße 47 II. Berlin SO. 36, Wiener Straße 14b Slektro IMoiore Ankerwickelei/ dteparaliirtcerh/ SVflfftal/oii Aeferremolore/ Slttrungshllfe Georg Worbs Telephon: Ami IttoriiaplalQ ftr. 151 72 DlaierhOtte Berlin B.m.b.N. VORMALS MALEREIGENOSSENSCHAFT 6EeR0NOET 1t12 N018, LANDSBERGER ALLEE38-39 FERNSPR. ALEXANDER 6628-30 ALLE MALERARBEITEN 8,36 M0EBEL- UND AUTOLACKIERUNG HEINRICH SCHMITZ Restaurant zum Dortmunder Schmitz Industrie-Kasino 138] Kommandanienttratfe 72— Kronemtrahe 12 mmSAtt" Paul Zillen GmbH. Elektrischer Bedarf Schiffbauerdamm 19 Sä mtl. Elektromaterial Spezialität: Heizöfen und Bügeleisen Verkauf aar an sugelastene Installateure Fenster» und Gebäude•Relnlgungs- Oesellschaft m.b.H.! S0 16, Michael« klrchpl. 4. Tel.i F 7, lannowitz 4914 rni Siempelfabrih Werner& Schade Berlin N, Kastanienallee 43 FernsprechanschluS Humboldt 101 1-101. liefert laottdirt- Md Metallstaniitl prompt Rungestr. 30 iR.12 Neue Bewirtung E. Philipp Verkehrslokal der Partei und des Reichsbanners Grofjf-Deslillaloii August Schulz Dresdener Strafe IIS KOTTBUSSCB TOR e ins FisMIe Hasenheide 13—15 Tel. Baerwald 6565|U8 3Säle».Vereinsziniiiter zu kulanten Bedingungen. Frisier- Salon Stadlbad Neukölln ErstklaulRe Bcdlennnd PehiUdic Sanberkeil 20»/, Rabatt bei Abgabe d. Inserats I Gegen Infektion In allen einschlägigen Geschäften erhältlich (arIPieftdi Inhaber: GoslavSaner Haut« u. Küchengeräte— Werkzeuge SW68, Lindenstraße 107:: Tel.: Dönhoff 3070 Dampiwischerei Urania Carl Gottschalk Fernsprecher: Moritzplaiz Nr. 11550 Bethanienufcr 6— Waldcmarstr. 27 wascht billig! lind gut, b 4/ 1 Klischees aalranoplastlscbe Werkstätten K-G.Baum&Co. SW.6S, Alle jahoiHlraste 144 Telephon: Dönhoff 890— 891 em 4*3, *522 prefsweri nabrbfxti 6.startseil, Wäsche-Verleih Telephon; Moritzpl. 918. S 42, FOretenetr 20 Wäsche aller Art i»' Gate Beschaffenheil, kulante Bedingungen! CaK International NEUKÖLLN Beniner SiraSe so ei JUi3inirnaihfsoeOnnet Kenner trinken tap.« „Danex-Tee" Zu haben In allen Konsum-Filialen/ mann: ftr oq eil —.-- Farben Solo [RJ3 Nur: Betmannstr. 4S gas;, Gebrüder Grob Gegründet 1552 55 eigene Verkaufsstellen in allen Stadtteilen Grol-BcrUns LR 97 10 eigene Dampfmolkcrcicn Autobereifung* Wilhelm Grabs Vertrieb in- und ausländischer Reifen Antorelien- und Sdilancfa- Reparatur- Werks fitie/ Autozubehör[132 Berlin SW 48, Friedrichstr. 249 Nahe Belle-AilLance-Plalz- TeL F 5 Bergmann 4736 lumt Zufall londeni V« ißöesAutc lautlos stoßfrei ftordi �iDER-PATTBä sdiweDenü *y fl � Kraftfahrzeag-Werksf älfer ■ Bln.-Charlot'cnbard, Schloßsir. 69 Iteander-SSad tleanderslraße 12 I10J n c 3 E E RESTAURANT MONZHOF >,---------" Münzstr. Ecke Dragonerstr. Warnte Höäie ♦ Gnt gepflegte Biere ♦ Ab 12 UPr niiitags Konzert Ich offeriere la frischeste Vollmilch in bester, fettreichster Qualität, die auf dem schnellsten Wege vom Erzeuser zum Verbraucher ohne Lagerung und Stapelung(dadurch 1—3 Tage älter) gebracht wird. Außerdem offeriere; la ff. meierelbutter(keine Mischware), sowie la Buttermilch und welBen Käse. —— Achten Sie bitte beim Einkauf auf meine Firma.—— r i25i Meierei Friedrichshagen, Adams�öwe». Bicn's Festsäle Kreuzbergstraße 48— an der Kaizbacfastraßc Täglich auger Dienstag und Freiing Großer altdeutscher Ball Rundiänze— Zwei Kapellen— Ende 3 Uhr ' R 98 Wäsche nach Gewicht Gewaschen- getrocknet- gemangelt. In unserer Gardinen-Spezial-Abteilung werden Gardinen auf„Neu" gewaschen und gespannt bei kürzester Lieferzeit Feine Herrenwäsche In tadelloser Ausführung.— Verlangen Sie Preisliste Dampf-Wäscherei„SOPHIE- CHARLOTTE" Gegründet 1897. Cborlotlcnbiurg, Spreesir. 55. Fernruf; CS, Wilhelm 313 Bauklempnerei riedrich Hadicke Be- und Entwässerung ✓ Sanitäre Anlagen SW 68, Lindenstraße 2 B-nho«'»,?, Fr. Fischer 6 Co. gegründet 1899 Büro- 55. Kartothek>M«bciral>rlk Kompletter innen-Aiisbau lehannisthal, WaldstraOe 14-15 Telephon: Oberspree 793-7X3