Morgenausgabe Nr. 481 A 245 46. Jahrgang WichoUN» M PI. monaflltl UI9L tn o»rau» zodldar Dok»«t»ß Ol 9t �»schließlich 80 Dtz. D°lt,«w»z».«ch ?2 Vit PoitdeftellgebLhre» ll»»l»»d«> »d»m>e»>em«.— M.»r» 9i»»«t T>tr.8»notot»*«Ich»«« Ich tstimsl. Eonmag» und«tonloa, «inmoL die Udendouoood», für Berlin nnd im Hönde! mil dem lilel.Der Edend*. SDultrttrte Beilagen.Sott »nd 3«U' und.Jtintfrfrfunü". gerner .Unlerhaltiing und ÜSilien",.Frauen» linime-.Sedjnif..Slltf in die BüchenaeU" und•Sugenb-Bonnärt»* Aerttner Volksblatt Donnerstag i7 Oktober 1929 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswckris 15 pf. SHc i l m(#• 1 1 1 g• flonpaiciQegf; 10 Pfennig. Netlamezeil» b.— Reich art.„Kleine Anzeige»� da, ieng» brückt» Wort 2S Pfennig fzulasfig zn'? Zettgedruckte Worte), jede» weiter» Wor" 12 Pfennig. Stellengeiuch» da» erfl, Wort 15 Pfennig, jede» wettere Wor' 1» Pfennig. Worte übe» 15 Buchjtab-r zählen für zwei Worte. Ärdeitsmokk- Zeile 60 Pfennig. yamilienan?,e'.gen Ze 1, 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- «efchüft Lindenstraß, 2. wochentögltch Von BV, di» 17 Übt. ZenivawBgan der GozialdemoseaMtben Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoss Lv2— R7 Te!cgia>nm-Adr.: Sozialdemokrai Berlin. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin S7 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten nnd Beamten, Wallstr kö. Dißkonto-Gesellschast, Deposttcnkasse Luwenstr L. Vorspiel im Landtag. Braun und Grzestnsti im Kampf. Die deutschnationalen Demagogen, die jetzt das Volk durch ihr„Begehren" einzuseifen trachten, glaubten im Preußischen Landtag durch Anfragen und Miß- trauensanträge eine neue Welle Aufregung hervorrufen zu können. Ministerworte im Rundfunk, Stahlhelmverbot, Sklarek-Affäre— alles im bunten Wirbel durcheinander- geworfen, das sollte ihrer Agitation neuen Betriebsstoff zu- führen. Sie haben sich schwer getäuscht. Die Antwort, die ihnen vom Ministerpräsidenten Otto Braun und vom Innenminister G r z e s i n s k i zuteil wurde, ließ sie zeitweilig vor Wut aufheulen, so zwar, daß der amtierende Vizepräsident der Deutschnationalen, Abg. v. K r i e s, des Lärms seiner eigenen Parteifreunde nicht mehr Herr werden konnte und j die Sitzung unterbrechen mußre. Den Verhandlungsbericht geben wir an anderer Stelle. 5>er Block der S t a a t s f e i n d e hat auf die schon fast sprichwörtlich gewordene Langmut der Republik und ihrer Regierungen spekuliert. Er hat geglaubt, Reichs- regierung und Länderregierungen würden der Lorbereitung künftiger putschistischer Abenteuer durch Hugenbergs Infla- tionsbegehren tatenlos zusehen. Aber die Zeiten r e p u b l i- konischer Langmut sind endlich vorbei. Das sollten sich vor allem jene Beamten der Republik merken, die Mar den Diensteid geschworen haben und das Geld der Republik nehmen, die aber ihr Amt in der Hauptsache aks e i n e P o s i- tion der Gegenwirkung gegen die Republik be- trachten. Jene Beamten, die Beamtenrechte mit dem Recht der Sabotage gegen den Staat verwechseln, werden künftig keine Gelegenheit mehr haben, ihre Sabotage gegen die Republik durchzuführen. Der preußische Ministerpräsident Otto Braun hat im Landtag eine Erklärung ab- gegeben, die auch den Anschauungen der Reichsregierung ent- spricht und die ein Waruungssignal für diese Kategorie von Beamten sein muß. Die Eintragung für das Hugenbsrgsche Jnflationsbegehren gegen die Republik und ihre Regierungen ist mit den Pflichten des Beamten unvereinbar! Die Beamten, die trotz dieser Warnung Lust verspüren sollten, gemeinsame Sache mst dem Block der Staatsfeinde zu machen, müssen nunmehr den Konsequenzen ins Auge sehen. Grzesinski führte dem Landtag ein ganzes Arsenal von Dolchen, Revolvern und Totschlägern vor Augen, die von der Polizei in nationalsozialistischen Dersamm- lungen beschlagnahmt worden sind. Den Kampf mit diesen „geistigen" Waffen bezeichnete er als einen moralischen Ties- stand sondergleichen. In Zukunft wird Preußen jede Organi- sation, die den äußeren oder inneren Frieden gefährdet, rück- sichtslos verbieten und unterdrücken. Diese Mitteilung richtete der preußische Innenminister insbesondere an den Vorsitzen- den der Nationalsozialistischen Partei in Preußen, Herrn Kube, Generalbevollmächtigten des großen Adolf Hiller für Norddeutschland l In einem Brief, den der junge Plaaß, der Sekretär des Kapitäns Ehrhardt, an einen Freund geschrieben hat. setzt er diesem auseinander, daß. wenn e r und seine Freunde zur Macht kämen, sie mit rücksichtsloser Brutalität jeden Widerstand brechen würden. Der jetzige Staat hingegen sei infolge seiner demokratischen Ideo- logie nicht imstande, der Rechtsopposition mit der nötigen Energie entgegenzutreten. Der junge Plaaß dürfte sich ge- irrt haben. Klare Aniwort. Beamte und Znflationsbegehren. v Der R e i ch s m i n I st e r d e s I n n e r n hat das an ihn gerichtete Schreiben des Reichsausschusies für das deutsche Volksbegehren vom 14. Oktober 1S29 folgendermaßen beantwortet: „Die Reichsregierung ist bereit, dieverfassungsmäßiigen Recht« der Beamtenschaft vor jeder unzulässigen Beein- trächtigung zu bewahren. Nach der Rechtsprechung des Reichs- disziplinarhofcs muh sich jedoch auch der Beamte bei der Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte innerhalb des gebotenen A n st a n d e s und insbesondere der Strafgesetze halten.§ 4 des Volksbegehrens überschreitet diese Grenze. Indem er die Tellig. tcit von Reichspräsident und Reichsregierung als Landesvcr- r a t zu brandmarken sucht, enthält er«ine Beschimpfung der höchsten Organe des Reiches. Die erdrückende Mehrheit der deutschen Beamtenschast teilt übrigens die Rechtsüberzeuzung der Reichsregierung, wie sich aus den dankenswerten Aufrufen der Beamtenorganisationen ergibt Die Reichsregierung ist nicht i« der Lage und nicht gewillt. Veomle. die durch Eintreten für diesen Paragraphen 4 des Volksbegehrens die verfassungsmäßigen Grenzen überschreiten, vor disziplinarischem Einschreiten der zuständigen Behörden zn schützen. Kampf um die Macht! Hugenberg- Block oder Sozialdemokratie! Sellen ist in einem gegnerischen Blatt so viel Richtiges, den Nagel auf den Kopf Treffendes gesagt worden, wie in aer neuesten Nummer des Organs der christlichen Gewerkschaften, des„Deutschen" über die Hintergründe der Hilgen- berg-Aktion. Man höre: Es geht im Grunde weniger mehr um Annahme oder Ableh- nung de» Doung-Planes, es ist ein Kampf um die Macht: der Kamps zwischen dem nationalen Block hugenbergs und der Sozialdemokratie um die Macht im Staate... Das ist der Kern der ganzen Aktion. Jeder, der Augen hat zu sehen, muß diese Ziele sehen. Nnd jeder, der ein Urteil hat. weiß, wie die Entwicklung laufen würde: in eine Reaktion auf der ganzen Linie hinan». Seit dem Kampf gegen Lambach hat Hilgenberg sein wahres Gesicht immer mehr und mehr gezeigt. Mit seinen„Reform"-Vor- schlügen, die einen Abbau des Reichsarbeits- und des preußischen Wohlfahrtsministeriums vorsehen, mit seinen Abbauplänen für die Sozialversicherungen. Darum verweigert ihm ein großer Teil der Partei die Gefolgschaft, heute wie gestern. hugenberg nennt die Sozialdemokratie den Aeind und meint die ganzen schafsenden Masten. Aon ihm. seinen Plänen und seiner Politik ist nichts zu erhoffen als Reaktion, Reaktion in jeder Hinsicht, in geistiger, politischer und sozialer Richtung. So der„Deutsche"! Und was folgt daraus? Wer die Reaktion in jeder Hinsicht nicht will, der muß in den Reihen der Sozialdemokratie mitkämpfen! Darum: Hinein in die Sozialdemokratische Partei! Das Heimwehr-Panama. Stürmischer Tag im Tlationalrat. Wien. 16. Oktober.(Eigenbericht.) Der Ratioaalrat wählte gegen bie Stimme« der Sozialdemokraten de» Abg. Jnch zum Finanzminister und Professor Srbik zum Unterrichtsminister. Er be- faßte sich dann mit einem Gesch. daä eine Fusionierung der verkrachten Bodenkreditanstalt nnd der öfterreichi- fchen Kreditanstalt ermöglichen soll und das Stimmrecht ia der Generalversammlung der Bodenkreditanstalt regelt. Die Kleiuaktiouäre sollen zugunsten der Groß- aktionare in ihrem Stimmrecht benachteiligt werde»! Dr. Bauer(Soz.) führte auö, die Katastrophe sei nur abgewendet worden, weil zufällig Rothschild leicht erreicht werden konnte, sönst wäre die Bodenkredit» austalt am nächsten Tage zusammengekracht.— Während elner Rede des Abg. Weidenhoffe r, des Sekretärs der steirischen Industriellen, fragten die Sozialisten ihn. wieviel Geld die Industriellen und wieviel die Boden» kreditanstalt auf Kosten der Aktionäre für die Heim- wehr gegebe« habe. Weidenhoffer schwieg, so daß Dr. Bauer und Dr. Renner die Frage von der Tribüne nochmals wiederholten. Am Donnerstag wird die Borlage im Ausschuß be- raten. Oer Brief Hindenburgs. Hindenburgs /steigendes Befremden�/ Hugenbergs /freudiger Oank�. Reichspräsident v. H i n d e n b u r g hat gestern an den Reichskanzler folgendes Schreiben gerichtet: Berlin, den IS. Oktober 1929. Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Mit steigendem Befremden lzab« ich die Wahrnehmung machen müssen, daß in dem Kampf um das Volksbegehren sowohl von dem Reichsausschuß s ü r das Loiksbegehren als auch von den das Bolksbegehren bekämpfenden Parteien und Gruppen meine Person und meine mutmaßliche persönliche Meinung zur Frage des sogenannten Boung-Planes in die Agitanon hincingc- zogen wird. Von der einen Seite wird behauptet, daß ich ein Feind des Volksbegehrens wäre und von der anderen Seite betont, daß ich mich für die Annahme des Poung-Planes festgelegt hülle. Demgegenüber stelle ich fest, daß ich niemandem die Ermöchti- gung erteilt oder einen Anlaß dazu gegeben Hölle, meine pevsön- liche Meinung zu diesem Problem bekannt zu geben. Ich habe im Gegenteil stets betont, daß ich mir meine endgültige Etel- lungnahme zu dem Poung-Plan bis zu dem Zeit- punkt vorbehalte, in dem dies« hochbedeutsame Frage zur Er- ledigung reif ist und nach Maßgabe der Artikel 70, 72 und 73 der Reichsversastung zur Enischeidung über eine Verkündung oder eine Aussetzung der Verkllndung versastungsmäßig zustand« gekommener Gesetzesbeschlüsse an mich herantritt. Und hieran halte ich nach wie nor fest. Ich bitte Sie. Herr Reichskanzler, hiervon Kenntnis zu nehmen und da« Vorstehende den am Kamps um da» Volksbegehren bete:- ligten Parteien und Gruppen in der Ihnen geeignet erscheinenden Weile zur Kenntnis zu geben. Mit freundlichen Grüßen bin ich Ihr ergebener von HIndenburg. Amtlich wurde der Veröffentlichung dieses Schreibens hinzugefügt: „Die Reichsregierung erwartet, daß die an der Agitation für und gegen das Vollsbogehren beteiligten Gruppen, vor allem „der Reichsausschuß für das deutsche Volks be- g« h r e n" die Person des Herrn Rcichsprästienten entsprechend seinem Wunsch« nunmehr dem Meinungsstreit über die Gesetzes- antrüge für das deutsche Volksbegehren fernhalten." Die Berliner Hugenberg-Presse nimmt diese amtliche Nachschrift zum Anlaß neuer Angriffe auf die Reichsregie- rung. Sie ist sehr aufgebracht darüber, daß der Appell des Reichspräsidenten„vor allem" an den Hugenberg- S e l d t e- H i l l e r s ch e n„Reichsausschuß" weiter- gegeben wird, und sie versichert, der„Reichsausschuß" habe niemals den Reichspräsidenten vor den Wagen des Volks- begehrens zu spannen versucht. Es ist wirklich schon ein aus- gesuchtes Pech, daß in derselben Stunde, in der die Berliner Hugenberg-Zentrale dies versicherte, das M ü n ch c n e r Hugenberg-Blatt vom 16. Oktober in Berlin eintraf, die „München-Augsburger Abendzeitung", worin in fetten Buch- staben zu lesen steht: was will das deutsche Volksbegehren? Richls anderes, als da, zu Ende führen, was der Reichspräsident von HIndenburg mil seiner Tannenbergred« begann! N Abgesehen davon ist festzustellen: 1. Der„Reichsausschuß" hat den Reichspräsidenten in die Debatte gezogen, indem er ihn durch 8 4 seines Antrags wegen Landesverrats ,nit Zuchthaus bedrohte. Dt» diese Bedrohung auf politische Absicht oder auf juristische Unfähigkeit zurückzuführen ist, ist zunächst gleichgültig. 2. Die„Nationalsozialistische Arbeiterpartei", die dem Ausschuß angehört und die sich rühmt, die eigentliche Ur- heberin der ganzen Aktion zu sein, bekennt sich in ihrer Presse und durch ihre Führer offen zu der Absicht, auch den Reichspräsidenten durch den � 4 mit dem Zuchthaus zu bedrohen. Sie bekundet diese Absicht in unflätigen Be- schimpfungen—„er deckt Verbrechen",„bietet ein klägliches Schauspiel" usw.—, ohne daß der famose Reichsausschuß auch nur die leisesten Anstalten trifft, dieses Treiben zu mißbilligen. 3. In groteskem Gegensatz dazu versuchen die Hugen- berg-Leute und der Stahlhelm, Hindenburg als ihren Bundesgenossen hinzustellen. Siehe oben:„München- Augsburger Abendzeitung" und unzählige Zeitungsstimmen, Flugblätter usw. Man schickt zum Beispiel auch von Anti- Doung-Kundgybungen an Hindenburg Ergebenheitsadresien und oerdreht die farblosen Höflichkeitsformeln der Antwort zu Zustimmungskundgebungen. So versah die„Pommersche Tagespost" ihren Bericht über den Hugenbera-Rummel in Neustadt an der Haardt mit der knalligen Riesenüberschrift: „Hindenburg wünscht den Deuischnatio- nalen Erfolg!" 4. Der„Reichsausschuß" hat einen Film drehen lassen, der Hindenburg in e'ner Front mit H u genberg-Seldte-. Hitler gegen die Reichsregie- rung fSevering) zeigt und der mit der Schlußfolgerung ende:: Jeder, der Hindenburg gewählt habe, müsse sich für hts Volksbegehren eintragen lassen. Ist davon in den .fyigeiiberg-Redaktionsn nichts bekannt? Weiß ,�)ugenberg, der Herr der Presse" nicht, mas„Hilgenberg, der Herr des A i l m s" tut? Wenn die Gegner des Inflationsbegehrens all dem gegenüber darauf hinwiesen, daß der Reichspräsident der Häager Delegation für ihre Arbeit g e d a n k l hat, daß er dem Sarge«tresemanns zu Fuße gefolgt ist, daß er aber solchen Dank und solche Ehrung sicher nicht Männern zugewendet hätte, die er für zuchthauswürdige Landesver- roter hält, so war das nichts anderes als berechtigte Abwehr. Die Reichsregierung hat sehr gut gewußt, warum sie den Vrief des Reichspräsidenten„v o.r alle m" an den famosen Re'.chsausschuß weitergegeben hat. Hugenberg„Dankt freudig"!! Der„Reichsausschuß" für das Inflationsbegehren erläßt folgende tragikomische Erklärung: Mit freudigem Dank begrüßt der Reichsausschuß für da, Deutsche Lolksbegehren das Schreiben des Herrn Reichspräfi- denten an den Reichskanzler, mit dem er sich dagegen verwahrt, daß seine Person in den Kamps um das Volksbegehren mit hinein- gezogen wird. Der Zusatz der Reichsregierung zu dem Brief des Herrn Reichspräsidenten stellt lediglich einen mehr als plum- pen Versuch dar. die hocherfreulich« Wirkung abzu- schwächen, die der Brief des Herrn Reichspräsidenten v. Hinden- bürg ausüben dürste. Anscheinend hat man auch den Herrn Reich«- Präsidenten selbst über die tatsächlichen Verhältnisse ungenau unter- richtet. Zn Wirklichkeit(!!) hat nämlich der Reichsausschuß für das deutsch« Volksbegehren die Person und die mutmaßliche persönliche Meinung de» Herrn Reichspräsidenten v. hindenburg über den Joung-Ptan niemal« st!) auch nur nüt einem wort stO In seinen Kampf gezogen. Dieses Kampfmittel, gegen das sich der Herr Reichspräsident v. Hin- denburg nunmehr zur Verwahrung gezwungen sieht, blieb aus- schließlich den Gegnern des deutschen Volksbegehrens und insbesondere auch den Mitgliedern der Reichsregie- r u n g in ihrer Agitation gegen das Freiheitsgesetz vorbehalten. Dem(!) dürste nun für die Zukunft ein Riegel vorge- Ich oben sein. Das eine geht jedenfalls aus dem Schreiben des Herrn Reichspräsidenten mit aller Klarheit hervor: Reichs- Präsident und Volk sind frei in ihrer Entscheidung. Man muß schon auf die Erlasse der seligen Kapp- Regierung zurückgreifen, um für den inneren Wert dieser Erklärung einen Maßstab zu finden. Denn seit jener Zeit ist ein ähnliches Produkt verlegener Verlogenheit nicht mehr zutage getreten. Der Reichspräsident schreibt, mit„steigendem Befremden" bemerke er die Versuche desReichsausschusses sowohl wie seiner Gegner, ihn in den Kampf hineinzuziehen. Dieses ,.st eigende Befremden" beantwortet der Reichsaus- fchuß mit„freudigem Dank". Mit dem„freudigen Dank" begleitet er die Behauptung, daß der Reichspräsident über die tatsächlichen Verhältnisse ..ungenau unterrichtet" ist. Man unterstellt dem Reichspräfi- denten. daß er eine hochpolitische Aktion unternommen hat, ohne über die Verhältnisse genau unterrichtet zu sein. Die Behauptung, der Reichsausschuß habe den Reichs- Präsidenten„niemals auch nur mit einem Wort in seinen Kampf einbezogen", ist die d ü m m st e, w e i l a m l e i ch t e- sten widerlegbare Lüge der Weltgeschichte. lind vor allem: Indem der Reichsausschuß im Zusammen- bang mit dem Briefe Hindenburgs unverschämte und verlogene Angriffe gegen die Reichsregie- r u n g richtet, macht er die beabsichtigte Wirkung des Briefes bewußt zunichte und zieht er die Person des Reichspräsidenten erst recht in den Kampf. Das ist der„freudige Dank"! Eine Sache, die s o vertreten wird, i st schon oerlorenl „Reichsausschuß" verklagt Reichsbanner! Der.Reichsausschuß" erläßt«inen neuen Ausruf. Reben alten Phrasen findet sich als einzig Neues bi« Mitteilung:„Mit dem Aufruf des Reichsbanners werben sich die Gerich!« zu-beschäf- tigen haben." So wird das Reichsbanner das Schicksal ber Reichsregjerung teilen! Hugei�erg-Dentsche, baut Zuchthäuser! Absage an Hugenberg. Er spaltet die„Nationalen", statt zu einen! In den deutschnationalen„Hamburger Nach- richten" ist über das Volksbegehren zu lesen: „Das Volksbegehren gegen die Versklavung des deutschen Volkes kleidet außenpolitische Richtlinien, außenpolitische Ziele in die Ge- setzform ein, und die Masse soll sich entscheiden, ob sie diesen Eni- wurs zum Gesetz erhoben haben will. Man kann darüber st reiten, obdieFassungdesEntwursesaußenpoli- tisch zweckmäßig und j u r i st i s ch überhaupt möglich ist. Denn der Zweck des Volksbegehrens ist ja nicht. die Entscheidung über die in ihm enthaltenen Punkte herbeizuführen. Kein Deutscher erkennt die Kriegsschuldlügc an. kein Deutscher wird nicht aus innerstem Herzen die baldige und bedingungslose Räumung aller besetzten Gebiet« anstreben und schließlich wird kein Deutscher sich mit den ungeheuer- liehen Lasten des Joung-Planes abfinden oder leichtfertig unserem Pol?« neue Lasten auferlegen. lieber die Ziele unserer Außenpolitik gibt es überhaupt keinen Streit, sondern nur über die Me- t h o d e n, die zu diesen Zielen führev, und in dem Polksbegehren lallen nun diese Methoden gesetzlich feststekegt werden. Wie gesagt, über die Zweckmäßigkeit eines solchen Verfahrens mag man streiten, ober wenn wir die Dinge richtig betrachten, ist doch der Sinn dieser Aktion, den nationalen Widerstand zu wecken, das deutsch« Volk aus seinem Schlaf zu rütteln und in ihm den Glauben und Willen zu stärken, daß es andere Weg« zu seiner Befreiung beschreiten muß, nls sie meist bisher von den amtliche» Stellen beschritten wurden. Das Volksbegehren soll die Fanfare sein, die dem deutschen Volke in den Ohren klingt: Gedenke, daß du ein Deutscher bist! Wir wollen unter diesem Gesichtspunkt also mit den Initiatoren des Volks- I>«gehrens nicht streiten über Einzelheiten. Wir sehen den Schmer- punkt nickt in diesen Einzelheiten, sondern fragen nur an: Liegt n-cht die Gefahr vor, daß gerade die nationalen Kreis«. die es heut« m«hr denn je zu sammeln gilt, zersplittert we rd e n durch Parolen„hie für, hic gegen das Volksbegehren"? Ai'.ch große Kreise des deutschen Volke- stehen innerlich zu den Zielen de, Volksbegehrens. Sie beteiligen sich aber nicht daran, weil sie dies« Aktion gerade im gegebenen Augenblick für falsch halten. Soll man sie deswegen verdammen oder soll die Anhänger des Dslksbegehrens nun wieder von der Staat und Otto Nraun spricht zum Lubilärn Die Anstrengungen der„Wirtschaft", die Machtmittel des Staates und das öffentliche Vermögen einseitig zum Nutzen des Prioatkapitals wirksam werden zu laflen, waren nie so stark wie setzt, wo die Kriegslasten endgültig zu v«rteilen und manche Probleme des deutschen Wiederaufbaues endgültig zu lösen sind. Die deutsche Oefsentlichkeit muß dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Broun dankbar sein, daß er seine Gratulantenroll« für die Reichs- und Preußenregierung beim 50-Jahr-Iubiläum des Vereins Berliner Koufleute und Industrieller zu einer um- fassenden Rode benutzte, in der«r das Verhältnis von Staat und Wirtschaft im modernen Volksstaat im Anschluß an die ernsten Wirtschafts- und finanzpolitischen Problem« des Tages darlegte. Der heutige Volkssiaal ist nicht mehr der Staat des allea Sparta. wo Arm« und Besitzlose einfach totgeschlagen wurden, well man wegen der schlechten Wirtschaftsverhältnisse Esser los- werden wollte.' Er ist auch nicht mehr der brutal« Steuereintreiber, Kriegsherr und plündernde Eroberer des Mittelalters und auch nicht mehr jener sich mit dem. Staat identifizierende' Landesvater von vor 150 Iahren. der Gewinneshalber Tausend« von Landeskindern an ausländische Staaten verkaufte. Man muß mit diesen Zeiten den Satz der Weimarer Verfassung oergleichen, daß olle Staatsgewalt vom Volte auszugehen hat, um den gewaltigen Wandel zu begreif«», der«ingetreten ist. Der Staat hat heute, wo kein Gegensatz zwischen Staatsvolk und Staat mehr besteht, einfach die Aufgabe, die Gesamtinteressen des innerhalb seiner Grenzen wohnenden Volkes wahrzunchmen und ist verantwortlich für alles Geschehen in ihm, wozu auch die Zurückweisung jener gehört, die sich dem Gedanken an ein Gemein- wohl nicht beugen woll«n und wozu auch Vorkehrungen gegen dos oft ungezügelte Gewinnstreben privatwirtschastlicher Machtgruppen gehören, das das Gesamtwohl beeinträchtigen kann. Staat und Wirtschaft sind keine Gegensätze. Eine richtig verstand«»« und geleitete Wirtschaft kann nur als Zielsetzung haben, der Gesamtheit zu di«nen. Wirtschast als Selbstzweck ab«r wird aus einem Segenspender zum Unheil, wo sie um des Rekordes willen und zur Befriedigung des Machtbedürfnisses einzelner Gruppen oder Männer betrieben wird. Wo größer« Interessen verletzt werden, muß der Volks st aat, der gesunde Bedingungen für das menschlich« Zusammenleb«» innerhalb seiner Grenzen schaffen will, mit Schärf« und Nachdruck über- mäßigem Gewinn st reden«ntgegentreten. Der Staat hat die Dinge nicht laufen zu lassen, sondern muß sie entsprechend seiner(führerrolle und seiner Verantwortung für das Gesamtwohl von hoher Znleresienwarke ans regeln. Der moderne Volksstaat will nicht in die Wirtschaft eingreifen, um sie etwa nur seine Macht spüren zu lassen oder um ihr Hinder- risse in den Weg zu legen. Wichtig ist nur die Frage, ob der Staat durch Gesetze und Verordnungen, durch die Arbeit des VerHandelns oder durch eigen« Wirtschastsbetätigung die Rolle der Wirtschaft im Gesamtleben des Volkes regulieren will. Di« eigene Wirtschastsbetätigung des Staates hat vielfach den stürmischen Protest der Wirtschost hervorgerufen. Mag Protest berechtigt sein, wo in der öffentlichen Wirtschaft nicht mit dem geringsten Aufwand der denkbar größte Nutzeffekt für die Gesamtheit des Volkes herausgeholt wird: aber beispielsweise in der E l« k t r i» zitätspolitit des preußischen Staates wird man an dem einmal befchrittenen Weg unbedingt festhallen und auf diesem Wege weitergehen müssen mll dem Ziele, daß den Konsu- menten im Prioathaushalt und in der Wirtschaft elektrische Kraft nicht verteuert und die Kraftoersorgung niemals in einer Weise vertrustet und monopolisiert wird, daß daraus Gefahren für die Allgemeinheit erwachsen könnten. Es ist nur zu gut bekannt, wie die für den Gedanken der Freiheit gegenüber dem Staate so empfängliche Wirtschast den- selben Staat immer wieder zu finden weiß, um An- sprüch« auf staatliche Hilfeleistung anzumelden. Immer betont dabei jeder der Hilfesuchenden sein« Bedeutung für die Allgemeinheit, aber die hier so betonte Verbundenheit der einzelnen Teile der anderen Seite mit Steinen bewerfen? Da» würbe zwar unserer Gewohnheit entsprechen, aber«s wäre falsch." Das ist nichts anderes als eine in mele Worte gekleidete Absage an Hugenberg. In dieser Beziehung stehen die deutschationalen„Hamburger Nachrichten" nicht allein. Man kann über die Zweckmäßigkeit des Voltsbegebrens nicht nur streiten, sondern man streitet sich im n a t i o- n a l e n Lager und besonders in der d e u t s ch n a t i o- nalen Partei hinter den Kulissen bereits seit Wochen darüber. Wer zählt die deutschnationalen Parlamentarier, die innerlich die Hoffnung hegen und das im kleinen Kreise offen zum Ausdruck bringen, daß Hugen- berg über sein Inflationsbegehren endgültig stolpert? Zunächst hoffen sie nur, ohne zu handeln. Der Geldbeutel des Herrn Hugenberg und die sich darauf stützende Macht gebietet ihnen, zu schweigen. Kardorff Witt nach rechis. Wenn das Volksbegehren vorüber ist. In der deutschnationalen„Berliner Börsen-Zeitung" veröffent- licht Herr v. K a r d o r s s«inen Aufsatz, in den, er die Demagogie der Bolksbegehrler tadelt, aber auch das teilweise Verbot des Stahl- Helms als„verhängnisvollen Fehler" mißbilligt. Bon dem Augen- blick, wo Bolksbegehren und Volksentscheid vorüber sind, erhofft er einen engen Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien einschließlich der„staatsbejahenden Kreise der Deutsch- nationalen". Nur ein geschlossenes Bürgertum werde„seine berechtigten wirtschaftlichen Forderungen, sei es im Einvernehmen mit der Sozialdemokratie, sei es im Kampfe gegen sie, durch- zusetzen vermögen". Ein sich gegenseitig befehdendes Bürgertum wende aber immer den kürzere» ziehen. Alle Meinungsverschieden- hellen zwischen den bürgerlichen Parteien sindct Herr v. Kardorff verhättnismäßig bedeutungslos gegenüber ihrer Einigkeit in der Finanzfroge und in der Forderung noch Ausgabensenkung und Steuersenkung. Damit sind die Deutschnotionolen freundlichst eingeladen, sich nach ihrer Niederlage im Kampf gegen den Voung-Plan mit an den Tisch zu setzen, wenn es gilt, die Erleichterungen aus diesem Plan den besitzenden Klassen zugute kommen zu lassen. Der Reichsland- bund, aber auch andere deutschnationale Kreise werden sich gewiß vorbehalten, dieses freundliche Angebot zu gegebener Zeit in wohl- wollende Erwägung zu ziehen. Wirischast. i des Vereins Berliner Kaufleuie. Volkswirtschaft gerät umgekehrt bei Gelegenheit von Preisfest- setzungen. Kartellierungen, Syndizierungen und Konven- tionsbeschlüssen außerordentlich leicht in Vergessenheit. Der Staat muß darüber wachen, daß man sich in der„Wirtschaft" der Gesamtinteressen nicht nur in schwierigen Zeiten erinnert, wenn einem das Wasser am halse sitzt, sondern er muß die Wirtschaft und tue Wirtschaftspolitik gerode dann überwachen, wenn man im voll- besitz seiner Kräfte und damit der wirtschaftlichen Dlspositions- fähigkeil ist. Der Staat wird von großen Teilen der Wirtschaft als Mitträger ihre» Risikos in schlechten Zeiten gern herangezogen, während dieselben Kreise es für selbstverständlich halten, jede Chance ihrer wirtschaftlichen Betätigung ausschließlich für sich in Anspruch zu nehmen. Diese Rolle de»„Sanierungsrales", die man dem Slait großzügig zuweist, muß der Staat zurückweisen. Der Staat ist nicht lediglich zum Sanieren, sondern zum Regieren, zum Leiten. zum Ordnen und Führen da. Er läßt sich nicht lediglich als Retter in der Rot heranholen, wenn irgend ein Zusammenbruch droht nnd sich nachher wieder in die Ecke stellen als der Mohr, der seine Schuldigkeit getan hat, von dem man sich im übrigen ein Hinein- reden verbittet..— Ein wichtiges Argument gegen den Staat ist das der zu welk getriebenen Sozialpolitik. Aus solchen Vorwurf«» spricht eine völlig falsche Einschätzung der Grundlagen nicht nur des Staates, sondern auch der Wirischoft selbst. Die Wirtschaftsmöglichkeiten in Deutschland bauen sich nicht allein auf den technischen Einrichtungen, Rohstoffen und Boden- schätzen, internationalen Verbindungen und fremden Kapital- Zuflüssen auf, sondern auch auf d«m großen Heer gut aus- gebildeter, gelernter Facharbeiter, die gerade im induftfiellen Deutschland eine wohl durch kein anderes Land über- troffen« Erziehung zur Qualitätsarbeit genossen haben. Diese Ar- beiterschaft leistungsfähig zu erhallen, ist ein Gebot der Klugheit und der Selbsterhallung der Industrie. Es Ist ein Gebot der elementarsten Staatsmoral, diesen Ar- beilermasscu durch anständige Bezahlung auch ihren Anteil an den werten zu erhalten, die sie schassen Helsen. Der moderne Volksstaat muß die Männer und Frauen der Arbeit mit ihren Kindern vor bitterster Rot bewahren, wo Arbellslosigkeit sie auf die Straße setzte, er muß das Gespenst des Hungers und der schwersten Sorge von ihrer Schwelle bannen, wenn Hand und Auge im Bergschacht, an der Fabrikmaschine und an anderen Stätten der Arbeit einmal versagen. Wer das weiß und trotzdem die berechtigten wirtschaftlichen Forderungen der Arbeiterschaft nicht anerkennen will, reibt eine außerordentlich kurzsichtige Politik, die sich bitter an der gesamten Wirtschaft rächen würde, wenn nicht immer wieder der Staat im Allgemeininteress« das Niveau unserer Tarif- und Sozialpolitik auf der erforderlichen Höhe hallen würde. Niemand wird behaupten können, daß die Gewerkschaften In der Vertretung der Arbeilerwteresseu frivol oder leichtfertig überspannte Forderungen ausstellen und die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft leichtsinnig oder bewußt außer acht lassen. Die deutsche Mrffchaft sollt« f r oH darüber sein, daß sie in den Gewerkschaften«inen disziplinierte» und wirtschaftswissenschaftlich keineswegs ungeschulten Kontrahenten besitzt. mll dem man ernsthaft und vertrauensvoll oerhandeln kann. Dissen Kontrahenten gegenüber sollten die wirtlich oerantwortungs-- bewußten Führer der Industrie alles aufbieten, um das Verhandeln für möglichst groß« Arbeitermassen zu erleichtern, und sie sollten die Desperados aus ihren eigenen Reihen energisch zur Ordnung rufen, die durch eine oft genug unverantwortliche Arbeitgeberpolitit Teil« der Arbeiterschaft in die er- bittertst« Opposition treiben. Auch die Wirtschaft braucht einen starken Staat, der die Macht hat und gewillt ist. zur Förderung des Gemeinwohls da» politische Desperadotum aller Art mit fester Hand niederzuhalten und in absehbarer Zeit zum verschwinden zu bringen. Die Verbotenen tagen. Aufgehobene Stahlhelm-Versammlung. Köln, 16. Oktober. tEigenbericht.) Zu«Heydt hob die Polizei in einem privalhause eine V e r. sammluog von Slahlhelmleutendes verboteneu Landes- Verbandes Rheinland aus. Die Teilnehmer behaupteten, zur Be- sprechung einer Werbeaktion für das Volksbegehren zusammen- getreten zu sein. Die Polizei wird gegen sämtliche Betestioten Anzeige erstatten._/ Institut für Arbeitsrecht. Eine Neuschöpfung im mitteldeutschen Industriegebiet. Halle, 16. Oktober.(Eigenbericht) Am Mittwoch wurde in Halle das neugegründete Institut für Arbeitsrecht an der Universität Hall« feierlich eröffnet. Außer den Vertretern der Universität waren oiuoesend Vertreter des preußischen Ministeriums für Kunst und Wissenjchaft, des Reichsarbeitsministers, des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen, des Regierungspräsidenten in Merseburg, der Städte Halle, Magdeburg und Erfurt, verschiedener Landkreise, der Handels-, Industrie- und Handiverkskammern, des Landesarbeitsamts für Sachsen und Anhalt, des anhaltischen Staatsministeriums, ferner Vertreter der verschiedensten Arbeitnehmer- und Arbeitgeber- verbände, ein Zeichen, welche Bedeutung der Gründung des In- stituts von den maßgebenden Stellen oeigelegt wird. Als Stätte des Instituts wurde die Universität Halle gewählt, weil Halle inc M i t t e l p u n k t eines in der Entwicklung begriffe- nen großen Industriegebiets liegt und dadurch für eine ersprießliche Tätigkeit des Lehrkörpers und der Hörer der geeignete Boden gegeben ist. Das Institut verdankt sein« Finanzierung sowohl den Arbeitgeber, wie Arbeitnehmerverbänden. Auf Arbeit- nehmerseite ist vor allein der Allgemeine Deutsche Gewerkschafts. bund, auf Unternehmerseitc der Bergwerks- nnd Hüttenverbaui» beteiligt. Bis jetzt sind.11 000 M. aufgebracht worden. Das preußische Ministerium für Kunst und Wissenschaft hat 3)00 M. und ebenso beim Erwerb«ines Grundstücks Barmittel zur Verfügung gestellt. Weiter haben die Stadt Halle und der Saal«kreis finanzielle Hilf« geleistet. Um das Institut auf die Höhe zu bringen, sind natürlich noch weitere Mittel notwendig. » Achtung, Viehhalter! In den nächsten Tagen findet eine große Zählung der in Deutschland befindlichen Ochsen, Esel, Schafe usw. statt. Diese haben sich in eigens dazu ausliegende Listen einzutragen. Noilng-RaWewng erst im Äezember? Verzögerungen in den Beratungen des Komitees. Homosexualität keine Straftat. Ernste Verhandlungen im StrafgesehavSschuß.— Die Strafbestimmung gefallen. Der Strafgesetzausschuß des Reichstags beriet gestern den Z 296, der einem Mann, der mit einem anderen Mann eine beischlafähnliche Handlung vornimmt, Gefängnisstrafe androht. Abg. Strathmann(Dnat.) trat für die Annahme dieses Pars- graphen ein. Wenn auch eine große Anzahl von Männern und Frauen von hoher geistiger Bedeutung sür die S t r o f l o s i g t e i t der im§ 296 erwähnten Handlungen eintreten, so müsse man doch an der Strasbarkeit festhalten. Das stille Heer derjenigen, die die Strofbarkeit aufrechterhalten wollten, fei weit größer als die Zahl der Gegner dieses Paragraphen. Abg. Scheiter(Z.) sprach sich ebenfalls für den§ 296 aus, wenn auch inkonsequent sei, daß nur der gleichgeschlechtliche Verkehr zwi- schen Männern, nicht aber zwischen Frauen strafbar sei. Gewiß führ« dieser Paragraph zu häßlichen Nachforschungen, die dem Familienleben nachteilig sei, er ermögliche auch Erpressung s. versuche und führe oft zu Selbstmorden; dennoch müsse die Strafbarkeit bestehen bleiben, damit das Laster der Homo- sexualität nicht noch weiter um sich greife. Die Notwendigkeit eines Schutzes der Jugend erfordere die Aufrechterhaltung der Strofbarkeit. Abg. Dr. Rosenfeld(Soz.s begründete den sozialdemokratischen Antrag auf Streichung des jj 296. Wenn das Strafgesetz nicht von vornherein das Kennzeichen der Rückständlgkett tragen soll, so müsie die Strofbarkeit gleichgeschlechtlicher Hand- lungen fallen; die Strofbarkeit sei mit den modernen Auffassungen der Wissenschaft unvereinbar. Nur bei Mißbrauch oder Nötigung Geschlechtsunreifer oder bei öffentlicher Aergerniserre- gung komme eine Bestrafung in Anwendung. Bereits 1869 habe sich die Preußische Medizinaldeputation, der Männer wie Virchow, Langenbeck und Bardeleben angehörten, für die Aufhebung der Strafbarkeit ausgesprochen. Man dürfe auch nicht oergesien, daß die Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Handlungen bis zum Jahre 1866 abgeschafft gewesen sei, S6 Jahre hindurch in Bayern, 30 Jahre in Württemberg, 26 Jahre in Hannooer. Die erste Peti- tion gegen den damaligen Z 175 sei im Jahre 1897 an erster Stelle von Männern wie Fr. v. L i s z t und Aug» st Bebel unterschrie- den worden. Letzterer habe sich bei den Beratungen des Reichstags im Jahre 1898 mit großer Energie für die Streichung des Z 175 ausgesprochen und damals ausgeführt, was noch heute zutreffe, daß die Behörde nur in den seltensten Fällen eine Bestrafung auf Grund des§ 175 herbeiführte, Strafbestimmungen aber, die nur ausnahmsweise angewendet werden, dürften nicht aufrechterhalten werden. wie zu Bebels Zeilen, weiß auch fehl die poNzel ganz genau. welche Personen sich gegen Z 175 vergingen. Eingeschritten werde aber"nur, wo eine Denunziation erfolge. Di« Schätzung Dr. M. Hirschfelds sei nicht übertrieben, nach der nur 0,001 Proz. aller dieser strafbaren Handlungen wirklich bestraft wer- den. Drei Viertel aller Staaten haben die Strofbarkeit abgeschafft: Deutschland dürfe nicht zurückbleiben, zumal auch jetzt Dänemark, die Schweiz und Tschechstowakei die Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Handlungen beseitigen wollen. Kein Paragraph führe so sehr wie dieser zu Erpressungen und zu Selb st morden. Dabei handele es sich um Fälle, in denen weder ein Individualinteresse, noch ein Gesellschaftsinteresie irgendwie verletzt werden. Wenn zwei Menschen in völliger Uebereinstimmung die fraglichen Handlungen begingen, dürfe der Staat nicht mit Strafe eingreifen. Ueberhoupt sei es ein vergebliches Bemühen, mit Strafparagraphen die Moral heben zu wollen. Zu allen Zeiten habe es bedeutend« Männer und Frauen gegeben, die homosexuell gewesen seien. Der Staat dürfe nicht an Ergebnissen der modernen medizinischen Forschungen vor- übergehen und trotz der Feststellung, daß es sich bei der gleich- geschlechtlichen Handlung um eine tiefe, sinnlich« Veranlagung hon- dels, Straf« vorsehen. Im Jnteresie der bedauernswerten Menschen, die auch unter einer gesellschaftlichen Aechtung zu leiden hatten, sollte endlich dieser Paragraph fallen. Abg. Ewert(Komm.) erklärte sich ebenfalls für die Beseitigung des§ 296. Justizminister Guerard verkannte nicht, daß viele Gründe sür die Aufhebung der Strofbarkeit sprechen, trotz alledem müsie er aber für 8 296 eintreten, weil die sittlich« Ueberzeugung der Mehrheit des Volkes diese Strafoorschrift fordere. Es sei sonst eine Zunahme der Homosexualität zu befürchten und dadurch eine Untergrabung der christlichen Eheordnung. Abg. kahl(D. Dp.) erklärte sich für die Streichung des 8 296. Gewiß wolle er nicht die Homosexualität fördern, aber das Strasrecht habe versagt: in vielen Fällen hätte die Strasandrohung zu Erpressungen geführt, und wenn nur zehn-solcher Fälle vorlägen, müsie dieser Paragraph, der die Erpressung ermöglichte, gestrichen werden. Der wichtigste Grund sei, daß durch die Beseitigung der Strafbestimmung der zügellosen Agitation für die Homosexualität der Boden entzogen werden würde. Abg. Dr. Moses(Soz.) führte auf Grund des von ihm vorge- tragenen Ergebnisses der modernen medizinischen Wissenschast aus, daß in den meisten Fällen konstitutionelle Veranlagung zur Gleich- geschlechtlichkcit vorliege. Gewiß käme auch eine Verführung zur Homosexualität in Frage: in den weitaus meisten Fällen Handel« es sich aber um konstitutionelle Veranlagung. Auch der Oberreichs, anwall Ebermeyer habe ausgeführt, daß in den Fällen, in denen es sich um tiefe innerliche Veranlagung handele, der Staat nicht strafen könne, weil eine Schuld fehle. Bei der Gleichgeschlecht- lichkeit handele es sich auch um eine Art Jnfantilismus, eins Zurück- oebliebenheit der Entwicklung. Auch in der äußeren Gestalt, am Gang, sei vielfach schon die Homosexualität zu erkennen. Wenn darauf hingewiesen worden sei, daß im Interesse der Erhaltung und Gesundung der Dolkskraft die Strafbarkeit aufrechterhalten bleiben müii«, so erinnere das an früher vertreten« Anschauungen, nach denen die Beseitigung der Strafbarkeit zu einer Schwächung der Wehrhastigkeit des Volkes führen würde. Dabei sei die homosexuolltät bei den Kavallerieregimentern und vor allem bei dem Potsdamer Gckrdercgimcnt be- sonders verbreitet gewesen. Es sei höchste Zeit, den Paragraphen abzuschaffen. Abg. Ehlermann(Dem.) spricht sich für die Beseitigung der Strafbarkeit aus, da der Staat die ihm gesetzten Grenzen überschreite, wenn er wegen gleichgeschlechtlicher Handlungen Strafe androhe. Durch keinen Paragraphen sei so viel blühendes Leben zertreten, durch keine Strasbestimmung soviel Tragödien durch Erpressung herbeigeführt worden. Abg. wunderlich(D. Vp.) erklärt« sich im Gegensatz zu seinem Parteifreund Kohl, in Uebereinstimmung mit dem dritten Volks- parteiler Leutheuser für die Aufrechterhaltung der Strafbarkeit. Er verkenne die Gründe, die für die Aufhebung sprechen, nicht, aber diese Aufhebung würde.dahin gedeutet werden, daß der Gesetzgeber Pari». IS. Oktober.(Eigenbericht.) Trotz der energischen Aktion, die der Vorsitzende der Regierungs- konferenz llaspar aus deutschen und französischen Wunsch unternommen hat, um die sich endlos hinziehenden Beratungen des Sachverständigen komitees zu befcheunigen, glaubt man in hiesigen gut informierten Kreisen, daß die zweite Konferenz der Regierungen für die endgültige Annahme des Houng- Planes nicht vor Anfang Dezember wird zusammentreten können. Die Arbeiten in den Ausschüssen haben sich durch verschiedene, teils unvorhergesehene, teils politische Gründe beträchtlich verzögert. So erleiden die Arbeilen der wichtigsten der Kommisflo- nen, des Organisalionskomitees fürdieReparationsbauk durch den Tod des belgischen Delegierten Delacroix eine Verzögerung, die gut eine Woche dauern kann, während im tiqnidationstomilee die deutsch-polnische INeinungsoerschicdenheit und im Ostrepara- tions- Komitee die noch ausstehenden ungarischen, öflerreichi- schen und bulgarischen Berichte über die Wirtschaftslage dieser Länder die rasche Abwicklung der Arbeiten hemmen. Sind diese Schwierigkeiten überwunden, so wird die zweite Regierungslonferenz selbst voraussichtlich einen ziemlich glatten Verlaus nehmen. Es find im ganzen höch- sten» zwei bis drei Arbeitssihungen vorgesehen und eine Abschluß- feter. in deren Verlauf die feierliche Ratifikation der Haager Abkommen erfolgen wird. Frankreichs Abrüstungssaboiage. Auch gegen Abrüstung zur See! Paris. 16. Oktober.(Eigenbericht.) Die französische Antwort auf die E i n l a d u n g z u r L o n- doner Flöttenkonferenz der fünf Mächte enthäll unter anderem zwei Vorbehalte und zwar, daß die Konferenz nur zum Gegenstand haben dürfe: 1. Eine prinzipielle Vorverhandlung über die Wege, nach denen das Seeobrüstunqsproblem in d�r Ab- rüstüngskom mi si i on des Völkerbundes gehandhabt werden müsse und 2. daß alle füns Teilnehmer der Konferenz„auf gleichem Fuße" behandelt werden. Die von Anfang dem Projekt der Seeabrüstungskonferenz feind- lich gegenüberstehende französisch« Presse nimmt am Mittwoch eine Haltung ein, die man als eine vorzeitige Sabotage der Konferenz betrachten kann. So stellt der„Matin" die nach dem Stand der Dinge reichlich paradoxe Forderung, Frankreich müsse im Rang der Seemächte an zweiter Stell« hinter Amerika den gleichgeschlechtlichen Verkehr als berechtigt ansehe, und dazu könne er seine Hand nicht bieten. Bei der Abstimmung stimmten die 13 Vertreter der Deutschnationalen und der Volkspartei sowie das Jen- trum und die Wirtschaftspartei für die Aufrechterhal- tung der Strafbarkeit; dagegen die 13 Vertreter der Sozialdemokraten. Demokraten» Kommunisten und der Abg. Kahl für die Streichung. Damit ist endlich, nach jehrzehntelangem Kampf, die Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Handlungen gefallen. „Anton, steck den Oegner ein!" Kommunisten und Korruptton. Wir lesen im linkskommunistischen„Voltswillen": „Wenn sich beim Sklorek-Skandol offenbarte, daß kommu- nistsiche Stadträte— nicht nur Degner, den die KPD. fallen ließ, sondern der noch viel mehr herausgestellte G ä b c l, von dem man erst sehr spät, und wie Eingeweihte slüstern, nur unkcr bestimmten Zusicherungen an Gäbet, abrückte— nicht nur die obigen Bedingungen der„Mitarbeit� in staatlichen oder kommunalen Organen nicht erfüllten, sondern sehr aktiv im Sumpf gesteckt haben, wenn das jahrelang sozusagen unter den Augen der Parteileitung vor sich gehen konnte, dann hat das tiefere Ursachen, und kann nicht mit dem Versagen einzelner Funktionäre erklärt werden. Die Korrupllonsfälle in der KPD. sind eben keine Einzelfälle mehr. Die wachsenden Verbureaukratisierung der Partei, die zu- „Miliiärmusik." Theater am Aollendorfplah. Die Aufführung dieser Tragikomödie unter der Regie Heinz Goldbergs wurde mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Bei guter Regie und teilweis« schönen schauspielerischen Leistungen bietet das Stück selbst wenig, was über den Durchschnitt interessant wäre. Das Publikum pfiff und applaudierte. L. M. stehen. Ein weiterer Vorbehall wird an das Problem der Unter. s e e b o o t e geknüpft. In der für Frankreich lebenswichtigen Frag« des Unterseebootkrieges würde man sich von niemandem hin- einreden lassen. Frankreich werde auch niemals bereit sein, auf das Scheinmanöver einer Gleichheit der italienischen und französischen Flotte einzugehen. Japan nimmt an. Tokio. 16. Oktober. Heute wurde die Antwort Japans auf die britisch« Ein- ladung zur Teilnahme an einer Seeabrüstungskonferenz nach Lon° don gekabelt. Japan hat die Einladung angenommen. Labours Sozialpolitik. Staatliche Wiiwenfürsorge. London, 16. Oktober.(Eigenbericht.) Die Arbeiterregierung hat in Erfüllung eines ihrer hauptsäch- lichsten Wahlversprechen einen Gesetzentwurs fertiggestellt, der ein« bedeutende Verbesserung der bisherigen staat- lichen Witwenfürsorge darstellt. Der neue Entwurf wird ungefähr«ine Million Witwen, die bisher von der staat- lichen Unterstützung ausgeschlossen waren, in den Genuß einer wöchentlichen Rente von 10 M. setzen. Außerdem werden 20000 Männer und 10 000 Kinder unter dem neuen Gesetz Borteile ge- nießen. Auf Grund des neuen Gesetzes erhalten folgend« Kate- g o r i e n von Personen Anspruch aus Unterstützung: 1. Sämtliche Witwen zwischen 55 bis 70 Jahren, deren Gatten unter dem Gesetz vom Januar 1926 versicherungspflichtig gewesen waren, jedoch vordem Inkrafttreten des Gesetzes gestorben sind. 2. Männer, die zur Zeit des Inkrafttretens des Gesetzes von 1926 wegen ihres Alters nicht mehr versicherungsberechtigt waren. Z. Sämtliche 70jährigen Witwen ohne Rücksicht auf Ansässigkeit und Nationalität. 4. Witwen über 55 Jahre, deren Kinder Unterstützung erhalten, bi» zum 16. Lebensjahre des jüngsten Kindes. 5. Der Anspruch auf Unter- stützung für Kinder wird auf Stiefeltern ausgedehnt. Die Kosten dieser Erweiterung der Witwenunterstützung werden auf 2 0 0 M i l l i o n-e n M a r k im Jahre 1930/31 oeranschlagt und «ine Steigerung auf 340 Millionen Mark im Jahre 1945/46 er- fahren lzaben. Der Gesetzentwurf soll dem Parlament zum 31. Oktober, dem ersten Sitzungstag« nach Beendigung der Sommer- ferien, unterbreitet werden und im Falle der Annohme durch das Parlament am 2. Januar in Kraft treten. nehmende Selbstherrlichkeit der Parteibeamten, die Ausschaltung jeder demokratischen Kontrolle durch die Mitgliedschaft müssen solche Fälle Witkorf- Thälmann schaffen und müssen große und kleine Sklarek-Freunde züchten____ Schluß machen mit den Fällen Degner. Gabel, koenea und Thälmann und den vielen anderen in der KPD. kann allein die Rückkehr zu einer Politik nach den Grundsätzen von Marx und Lenin und damit zu einem innerparteilichen Kurs, der das Mitbestimmungs- und Kontrollrecht der Mitgliedschaft neu schafft. Solange dag nicht geschieht, werden auch W i l h. Pieck und W i l h. K o e n e n an der Spitze der Berliner Liste neue„Fälle" nicht verhindern." Polizeiaktion in pommeretten. Deutsche behaussucht und verhafiet. Warschau. 16. Oktober.(Eigenbericht.) Die Abendblätter berichten, daß im Bromberger Sejm- und Senatsburcan der deutschen Fraktion Haus- suchungen zur Beschlagnahme von zahlreichem..be» lastendem" Material geführt haben sollen. Auch in der Wohnung deö Sej mabgeordnete« Graebe sowie in zahlreichen Privatwohnungen Reichsdeutscher in Bromberg und Thorn sollen Haussuchungen erfolgt sein. Der Fraktionssekretär H e i d e l ck und andere Reichs» deutsche sind verhaftet worden. Diese Maßnahmen sollen im Zusammenhang mit den vor einigen Tagen er» folgten Haussuchungen und Berhaftungeu im Deutschen Pfadsinderbund für Pommerelle« und Posen stehen, die angeblich eine staatsfeindliche Tätigkeit dieses Vereins erwiesen haben solle«. Das fällige Todesurteil des Fafchistengerichts ist über den Slowenen Wladimir Gorton ergangen, die vier übrigen Ange- klagten erhielten je 30 Jahre Zuchthaus! Zur dreifachen Begnadigung in Ungarn sei zur Nermeldunq irriger Schlußfolgerungen mitgeteilt, daß von einer allgemeinen Amnestie noch keine Rede ist. Gute Geschäfte/ Schlechter Arbeitsmarkt Wirkung der Nationalisierung.- Fehlen öffentlicher Baukredite. Z>ie deutsche Wirtschast weist eine krisenhafte» Er» scheinungeo auf. Die Produttion und der Umsatz der Güter bewegen sich nicht unerheblich über dem Niveau des Vor- jahres. Für die Produktion ist die Kohlenförderung typisch: August 1928 August 1929 Zunahme in 1099 Tonnen in Proz Steinkohle... 13 921 14 467-|-1U Braunkohle.. 14 339 IS 136 4- 5,6 Koks.... 2944 3364+14,3 Pretztohle... 433 488+ 12,7 Für den Umsatz genügt es, die Güterbeförderung ouf der Reichseisenbahn(im öffentlichen Derkehr) zu beobachten. , Oeffentlicher Güterverkehr der Reichsbahn: Juli 1928 Juli 1929 Beförderte Güter in Millionen Tonnen... 36,1 39,7+ 19,9 Leförderte Güter in Millionen Tonnenkilometern 5524 5839+ 5,7 Die deutsche Ausfuhr und in erster Linie die Ausfuhr an fertigen Waren st e i g t, die Handelsbilanz verbessert sich. Im August betrug die Ausfuhr im reinen Warenverkehr 1191 Mil- lionen Mark gegen 1979 Millionen Mark im August 1928. Zugleich verringert« sich der Einfuhrwert von 1985 Millionen Mark auf 1974 Millionen Mark. Einem Einfuhrüberschuß von 6 Millionen Mark im August 1928 stand also im August 1929 ein Ausfuhrüberschuß von 117 Millionen Mark gegenüber. Dabei erreichte die Ausfuhr an Fertigwaren ein« Rekord- höh«: 883 Millionen Mark(gegen 783 Millionen Mark für den- selben Monat des Vorjahres.), Auch andere Merkmale lassen erkennen, daß von einer wirtschaftliche« Depression keine Rede sein kann. Zeugnis für den Fortschritt der deutschen Wirts cho st legt auch die jüngste Statistik des K'roftsahrzeugb« stände? im Reiche ab. Krafträder: am 1. Juli 1929 698 342(am 1. Juli des Vorjahres 439 288): Personenkraftwagen: 433295 (351 389): Lastkraftwagen: 148 952(121 7W). Im ganzen nahm der Bestand an Kraftfahrzeugen in einem Jahre um 39 Proz. zu. Sind noch andere Beweise der Eni- Wicklung der Wirtschast erforderlich? Und trotz der günstigen wirtschastseatwlcklung bleibt die tage des Arbeitsmarkles gespannt. Die Arbeitslosigkeit stieg weiter an. Unter den Gewerkschaftsmitgliedern waren Monatsend«.. Juni.... Juli.... August... «eptember.. arbeitslos in Kurzarbeit Proz. Proz. Proz. Proz. 1928 6.2 6.3 6.5 6,6 1929 8.6 8,6 9.9 9,6 1928 1929 5,6 6.2 6,1 6,5 6.6 6.7 6,3 6,5 Während die Kurzarbeit sich auf derselben Hohe bewegte wie im Vorjahre, ist« die Arbeitslosigkeit beinah« anderthalbmal so hoch. Die ungünstige Entwicklung des Arbeitsmarktes in den letzten Mo- naten läßt sich in erster Linie auf die Lag« im Baugewerbe zurückführen. Die Arbeitslosigkeit in der„Saisongruppe' der ge- werkschafllichen Statistik ist nämlich von 8,9 Proz. Ende Juli auf 19,4 Proz. Ende August und 12,8 Proz. Ende September gestiegen. Im Vorjahre waren Ende September unter den Gewcrk- schaftsmitgliedern der„Saisongruppe' nur 7,� Proz. arbeitslos: jetzt sind es, wie gesagt, 12,8 Proz Der ungewöhnlich frühe Ab- schwung der Beschäftigung im Baugewerbe in diesem Jahre ist n i ch t auf Witterungsverhältnis se, sondern allein aus Schmie- rigkeiten der Wohnungsbaufinanzierung zurück- zuführen. Das Institut für Konjunkturforschung veröffentlichte vor kurzer Zeit die nachfolgenden Angaben über den Zugang an Woh- nungsneubauhypothcken in den ersten 9 Monaten 1928 und 1929: Zugang an Wohnungsneubauhypotheken 1928 1929 in Millionen Mark Hypothekenaktienbanken.... 2d9 229 Oefsentlich rechtliche Kreditanstaltsn 259 95 Sparkassen......... 425 469 Zusammen... 955 775 Die Hypothekenbanken und Sparkassen testeten dem Bau- gewerbe Kredst« zu: im Jahre 1928 für 795 Millionen Mark, im Jahre 1929 für 689 Millionen Mark. Die Verminderung der von dieser Seite kommenden Geldmittel war also unerheblich Au i- schlaggebend ist der Ausfall von 155 Millionen Mark au össeullichen Krediten gtwesen. Die Entwicklung der Beschäftigung in der„5 o n> u n k- tnrgruppe' der Verbände war im September(ebenso wie im Vormonat) recht uneinheitlich: in einigen Berufen stieg die Arbest»- losigkest an, in anderen ging sie zurück. Im Durchschnitt für samt- liche Beruf« der �kvnjunkwrgruppe" läßt sich jedoch eine leichte Verschlechterung der Lage erkennen: von 8,6 Proz. End« Juli und Ende August ist die Zahl der Arbeitslosen auf 8,9 Proz angewachsen. Beachtenswert ist der Unterschied zwischen der Lrbestslosigkeit unter den Männer» und Frauen. In den Verbänden der .Konjunkturgruppe' waren arbeitslos Männer Frauen in Kurzarbeit Männer Frauen Monatsende 1929 Proz. Proz. Proz. Proz. Juni....... 7,8 19,7 5,9 14,3 Juli....... 9,9 19,9 6,3 14,8 August...... 8,2 19,6 6,6 14,6 September..... 8,4 19,5 6,6 13,7 Die Verschlechterung der Lage beschränkt sich also aiif die männlichen Arbeitskräfte. Es Handel! sich hier hauptsächlich »m entgegengesetzte Entwicklungstendenzen in den einzelnen Pro- duktionszweigen. In dgn letzten Monaten ist nämlich die Arbeits- losigkest in den vorwiegend männlichen Berufen gestiegen: bei den Metallarbeitern, Buchdruckern, Lithographen, Lederarbeitern. In den Berufen mit überwiegend Arbeiterinnen oder in solchen, wo die beiden Geschlechter gleichmäßig Beschäftigung finden, bleibt die Lage unverändert: die Arbeitslosigkeit bewegt sich hier auf einer erheblichen Höhe, aber weist keine weitere Verschlechterung auf:' nur in der Textilindustrie ist eine leichte Verschlechterung ein- getreten. Die Arbestslosigkest ist in den letzten Monaten gestiegen: Arbeitslosigkeit am Monateende in Proz. Metallarbester..... in der chemischen Industrie Textilarbeiter..... Lederarbeiter..... Buchdrucker...... Lithograhen..... Als Berufe, deren Beschäftigung einen Aufstieg aufweist. sind zu erwähnen: Arbeitslosigkeit am Monatsende in Praz. Zult August September Bekleidungsarbeiter.... 18,3 16,9 15,5 Hutarbeiter....... 27,8 24,0 22,9 Schuhmacher...... 19,6 18,3 17,1 Rahrungsmittel- u. Getränkearbeiter....... 7,4 7,0 6,5 Tabakarbester...... 15,2 13,4 12,2 Frellich deckt sich die erste Gruppe mst dem Begriff der„Pro- duktionsmistelindustrien' nicht, die zweite Gruppe umfaßt aber ausgesprochene„Berbrauchsgüterindustrien'. Die vorliegenden An- gaben reichen nicht aus, um diese entgegengesetzten Verschiebungen ouf dem Arbeitsmarkt ouf irgendeinen klar umrissenen' Faktor zu- rückführen zu können. Wahiicheinlich handelt es sich hier um die Wirkung mehrerer Faktoren, von denen die R a t i o n a l i s i e- rung in der Produktionseniitelindustrie und die Vorbereitung für den Weihnachtsmartt in den Verbrauchsgüterindustrien am schwersten ins Gewicht fallen. Wl. Woytinsky. der fast 199prozentigen Organisationszugehörigkest der Arbeiter und Angestellten tariflich geregeste Lohn- und Arbeiteverhältnisse bestehen, die im großen und ganzen zufriedenstellend sind. In allen anderen Geschäften herrscht in der Frage der Bezah- lung, der Arbeitszeit, der Urlaubsgcwährung usw. eine Unternehmer- Willkür, die einfach jeder Beschreibung spottet. Optiker, die eine vierjährige Lehrzeit durchgemacht haben müssen, über gute Fach- kenntnisse verfügen und auch noch im Umgang mit der Kundschaft gewandt sein sollen, lassen sich mit einem durchschnittlichen Wochen. lohn von 25 bis 49 Mark abspeisen. Die Entlohnung der Berliner Ladenoptiker ist jedenfalls infolge des einseitigen Lohndiktats der Unternehmer im Durchschnitt viel miserabler als die der m ei st en ungelernten Arbeiter. Die Optiker schimpfen wohl überall über ihre skandalöse Behandlung und Bezahlung, haben aber leider bisher noch nicht einen Schritt getan, um eine Aenderung dieser unwürdigen Zustände herbeizuführen. Anstatt sich restlos zu organisiere», ziehen sie es in ihrer Mehrhest vor, den„Verein Optischer Fachangestellter", einer reinen Geselligkeitsverbindung, mit der Vertretung ihrer Interessen zu betrauen. Hier zeigt sich wieder einmal mit aller Deutlichkeit, wie bsttcr sich das„Sparen' der Verbandsbeiträge am eigenen Leibe rächt. Die Verhältnisse in der Berliner Ladenoptik könnten mit einem Schlage grundlegend geändert werden, wenn die Laden- optiker endlich die Notwendigkeit des frei gewerkschaftlichen Zu» sammcnschlusies erkennen würden. Der Mctallarbeiterverband will jetzt noch einmal den Versuch unternehmen, eine tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsver- Hältnisse herbeizuführen. Cr hat deshalb.zu morgen abend 8 Uhr nach dem„Hackeschen Hof', Rosenthaler Str. 49/41, eine Versamm- lung aller Berliner Ladenoptiker einberufen, die sich mit der Frage des Tarifabschlusses befassen soll. Streikbeschluß der Bauanschläger. Wenn die Unternehmer nicht Wort halten. Der vor einiger Zett im Berllner Bauanschläger- gewerbe entstanden« Konflikt um die Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweis esi ist nunmehr durch das Verhalten der Unternehmer auf die Spitze getrieben worden. Noch vor einigen Wochen hatte es den Anschein, als ob es mit den Unternehmern zu einer Verständigung über die Arbeits-! nachweisfrag« kommen würde. Die Unternehmer hatten sich, wie im „Vorwärts' bereits mitgeteilt wurde, bereit erklärt, gemeinsam mit' dem Mctallarbeiterverband beim Landesorbeitsamt die Errichtung! einer Fachabteilung fürdas Bauanschlägergewerbe zu beantragen. Die Dorschläge, die der Metallarbeiterverband hin- sichtlich der Handhabung der Arbeitsvermittlung machte, lehnten jedoch die Unternehmer ab. Sie wollten die Erledigung dieser wich- tigen Frage dem neu zu bildenden Fachausschuß beim Landes- arbeitsamt übertragen, womit sich der Metallarbeiterverband aus reinen Zweckinäßigteitsgründen nicht einverstanden erklären konnte. Mit dieser ablehnenden Stellungnahme der Unternehmer beschäftigte sich am Dienstag eine Versammlung der im Metallarbeiter- verband organisierten Bauanschläger. Die Dersanunelten beauf- kragten die Berhandlungskommission, unter allen Umständen an den Forderungen f« st z u h a l t e n. Eine geheim« Abstimmung ergab fast einmütig den Streikbeschluß. Da über die strittigen Arbeitsnachweissragen mit den Unter- nehmern heute jedoch noch einmal verhandelt werden soll, nahm die Versammlung davon Abstand, sofort den Streik zu proklamieren. Die Branchenkommission erhielt vielmehr die Vollmacht, ent- sprechend dem Ausgang der Verhandlungen mit den Unternehmern von sich aus die weiteren notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Es Legt nunmehr in der Hand der Unternehmer, den Streik zu vor- meiden. Organisation und Lohn derLadenopiiker Auch ohne Brille sieht man den Zusammenhang. Wenn in irgendeiner Branche oder Industrie hinsichtlich der Lohn, und Arbeitsverhältnisse chaotische Zustände herrschen, so ist das fast immer auf die Interesselosigkeit der Arheiterichast gegenüber gewerkschaftlichen Fragen zurückzuführen. Das trifft in vollem Umfang auch für Verhältnisse in der Berliner L a d« n o p t i k zu. Ein« Ausnahme bildet lediglich die Firma R u h n k e, wo dank> Oemonftrationsftreik der beZgifchen Bergarbeiter. Brüssel, 16. Okober.(Eigenbericht.) Am Donnerstag, dem 24. Oktober, wird in allen belgischen Kohlenrevieren ein 24 stündiger D e m o n st r o t i o n s st r e i k mit Versammlungen und Siraßenumzügen stattsinden, um der For- darung der Bergarbeiter aus eine Erhöhung der Alters- und Witwenrenten sowie auf jährliche Ferien größeren Nachdruck zu verleihen.. Im Kohlenbezirk Borinage haben die Fa-� brikarbeiter beschlossen, sich dem Streik anzuichließen, lo daß in diesem Bezirk faktisch die ganze Industrie stillstehen wird. Berliner Gewerkschaftsschule. Heut«, Donnerstag, beginnen foloend« Kurse im Sophie» Lyzeum, Berlin, Weinmeisterstraßc 16/17: C. 2. wirtschast, Recht nnb Staat. Lehrer: Dr. Ttnvdor Tichenrr. Staitms Sennetstaa. 17. Oktober. 19 Uhr. O. 6. Vrtrieboioirtschaftliche Arb«it»sru»pe I. Di« ftgtmn btc Untee» nehmunp. Lehrrr Dr.®. N. Sari. Stninn: Donnerstag, 17. Oktober, 19 Uhr. C. 8. Ardritsrrchtlich« Srnppcn tiir Anfängcr. Lehrer: Obrrfinanmat Fritz SchSnbtrB. Scainn; Donnerstag. 17. Okwbrr, 19 Uhr. Achtung! Shirt u$ än b.c. xu n g.! Dos Sozialpolitische Semi- nar von Dr. Marx beginnt wegen Behinderung des Kursüsleiter» nicht heute. Donnerstag, den 17. Oktober, fondern erst am Donners- tag, den 24. Oktober, im Semmarsoal des Hygienischen Instituts der Unwerfität, Dorocheenstraß« 28-.. «crliner Brrnnstott-Srfellschakt! Freitag. 19'� Uhr. im Sictlauiant ,..Schirlische Keimat", Neue Friebrichstr. 1. wichtige Versammlung aller [ SVD.-Scnossrn. Genosse A. bot* spricht Uber:»Unsere Aufgaben". i Z Alle bei der VBG. beschllftigten Genossen Rni eingeladen. Mitglieds- i W buch legitimiert. Der Vorftand. ! W Bergmann. RricntHal! Freitag, 16 Uhr. Im Lokal„.Zur Wartburg", am Vahuhok Neinitkeudorf-Nosenlhal, Versammlung aller im Bergmann» � Werke No'enthal beschattigten Mitglicdrr der SPD. und Imnvathi. S ssercnden Nolleginnen und»ollcgrn. Thema:„Die wirtschaftliche Lage gi der Arbeincschasr und die Stodtoerorbnetenwahlen". Referent: Ge- rosse Jtarl Dreisel. Der FraMousoorstanb brr SPD. rä Hl £3 63 § -S »Freie Gewerkschafts-Iuaend Berlin. Seüte, Donnerslog, 19'- Uhr. tagen die Gruppen: Rorbkrei, nnb Rorbwestkrei«: Jugendheim Gotendurger Str. 2. gr-ismitgliederver- tnmmlllug. Vortrag:»Der«anipk um die Soiialverfichrruitg".— Landsdcrgcr Blotz: Jugendheim Grohe Frankfurter Str 18. Vortrag:..Au, der ameritanifchen Arbeiterbewegung".— G.elundbrnnacn: Jugendheim Rote Schule. Eotenburgcr Str. 2. Kroismitgliederuersaunnlung.— Webbing: Das Jugendheim ist geschlossen. Wir gehen ,ur Krciemitgliederversatnmlung.— Süboftea: Eruppenheim Acichcnbergcr Str.«8 tFeuerwchrhausl. Aeitercs Abend.— Tempelhof: Grupprnheim. Lmeinn Germanigftr 4—6 Bunter Abend.— Lichtenberg nub Rcu-Lichte-tberg: Jugendheim Kgukfstrahe. an der Leissnastrahe. Vortrag:„Religion und So'.ialismus".- Frankfurter Alle«: Zugendheim Frankwrter Allee 307 tWalter.Rgther.au.Zimnicr). Brettspiel. abend.— Schoneweib«: slugenthc.m Oberschchieweidc. Lausener Str foberes hinteres Fimmrrl. Leseabeud— llipenill: Jugendheim � Grünauer Str. b. Vortrag:-Das so.ml-«ersichcri'ng-wcieu. a) Di- Krankenversicherung".- ?ep»«ll«olatz: Das flugendhem, ist geschlopen. Wir gehen ,ur Rreisnii.'gliebcr. Versammlung.— Zentrum:«einer darf auf der«rcismitglieder-ersammlun« fehlen.— Knmbolbt: Wir geben zur«reismitglledero-rsommlung.— Spandau: beut««reismUgliederversammlung. Iusendcruvve desZentralverbande«! der AnaeSellten J'"4'.''. f->Ia-nd- Veranstaltungen statt: Pankow. Riebe rschondansen: Jugendheim Görfchste. 14 fgrohk,«immer). Vor. trog:„Berechtiguiigswesen, Berufsberatung, Gignungsprüfung". Referent: Waller Efchdach.— Treptow: Jugendheim Wildrndruchstr. 83(Zugang oon der Era-tzstraK-l. Liederabend.- SchSaebera: Jugendheim Sauptstr. 15 (Thünnfleiuimmet). Gruppenabend. «chtuag.«raftfahrer aller Brauch«,«ud b«r vmnidusbrtrieb«! Seut«. A Uhr. im grossen Saal des Gcwerkfchaftshajise,. Engelufer 24-2». Protest. kundgcdung der organlsicrten Kraftfahrer. Vestimmtes und pünktliches Gr. scheinen i'bes«ollegen ist Pflicht. Deutscher Perkchrsbund. Sektion 4. Verantwortlich kür Polilik: Dr. Gurt Seper: WirliSiakt: S.«llugelhöfer! Sewerkschaitsbewegung: I. Steiner; Feuilleton:». s. Dösch..: Lokale» »nd wonltigcsi Fritz Karstadt: An,eiaen: Td.«locke: sämtlich tn»erliv. Verlag: Vorwar!-.V-rlag S m b. H. Berlin Druck: Vorwärts-Buchdrucker-i und Betioflsan statt Panl Singer u. To.. Berlin SW 8« Lindenstrgss, t Qtcv.u 2»ctlöflca und wUnterhaltung und Disseu". s vek?>87 Itzl ZU HABEN naht heran! Nützliche G EG E N STjft-ili DE erbsli jeder ENVER BEY- RAUCH ER üer Big Solsciieliii samiiielt Tit. 451* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts vonneestag, 4?. Ottover 4929 Als„überparteiliche Mettschheitsaufgabe' bezeichnet die 21 r- -eitsgemeinschaft für erziehende Rechtskunde E V. in Berlin ihr Bestreben, alle Jugendlichen in den Schulen die Begriffe des Rechts in ihren wichtigsten gesetzlichen Bestim- nningen zu lehren, damit sie sich und andere vor Schaden behüten. Die in jahrzehntelangem Fleiß yon dem Begründer der Arbeits- gemeinfchaft Rektor fj. E i ch h o f f zusammengestellten Grundregeln, Lehrpläne, Modelle, Statistiken. Bildtafeln. Filme und rechtskund- liche Diapositive, wie auch das von ihm verfaßte, für den Schul- gebrauch bestimmte Handbuch..Erziehende Rechtskunde", geben ein so vielseitiges Material über die Wichtigkeit des Problems, daß es sich oerlohnt, des Näheren einmal darüber zu berichten. Gemeinverstöndlicher Rechtsunterrichi. Eichhoff geht von dem Grundsatz aus— wie er ihn auch auf einem großen Kartenbild anschaulich aufgezeichnet hat—, daß die Gesetze, ohne die kein Land bestehen kann, ihre sinngemäße Nutzanwendung finden, wenn sie populär werden, d- h. wenn der wich- tigste Inhalt der Rechtsbegriffe jedem Menschen bekannt wird. Dos Verbinden des Begriffs„Recht" mit„Strafe",„W i e d e r g u t- machung,„Schadenersatz",„Sorgfalt" usw. stärkt den Menschen im Kampf gegen gesetzlose Willkür. Er selbst bezeichnet die Rechtspflege, wie sie in der Praxis geübt wird, als mit Lorsatz dem Volk verdunkell und als Privileg einer Kaste, die ein Interesse daran hat, baß das Volk von der Rechtskenntnis abgehallen wird. Dieser Zustand besteht in England, wo den Armen die Führung eines Prozesses fast unmöglich gewacht worden ist..,3m Rechtsstaat muß Rechtskunde geübt werden!".„Heraus ans der Geheimtruhe mll dem Gesetzbuch und hinein in die Schulen als erziehende Rechtskunde!" Der frühere Reichsjustizminister Genosse Prof. R a d b r.u ch äußerte sich, wie auch viele andere führende Juristen der Partei, zu dem Thema folgendermaßen:„Die Rechtswissenschaft darf kein« Ge- Heimwissenschaft bleiben, dos Volk muß in das Recht eindringen!" Freundlicher und amüsanter als trockene Juristerei ist die Mc- thode, die der tüchtige Pädagoge nach langen Versuchen mit seinen eigenen Volksschülern herausgearbeitet hat, das Recht in ihren Köpfen zu verankern. Während wir im Rektorzimmer über das sehr weitgehende Thema sprechen, kommt ein Junge herein, der an- scheinend wegen eines Tadels mit dem Rektor Rücksprache nehmen möchte. Das Gespräch mit ihm ist in einer halben Minute erledigt, denn der Rektor greift nur nach der Wand und zeigt dem Jungen ein Schild. Auf seine Frage nach dem Wortlaut antwortet der Junge ebenso schnell, wie vielleicht ein anderer Schiller zitieren würde: „Wenn mehrere eine unerlaubte Handlung begehen, so sst jeder von ihnen für den Schaden verantwortlich(§ 830 BGB.). Wenn mehrere gemeinschaftlich eine Straftat begehen, so ist jeder von ihnen strafbar.(Z 47 Strafgesetzbuch.)" Die heiterste— wenn auch mll betrüblichste Angelegenhett ist die M o d e l l s a m m l u n g, die zu einer Ausstellung in den Boden- räumen vereinigt ist. 250 Modelle, meist aus Holz und Papp« müh- fam zusammengeleimt, jedes mit einer sauberen Aufschrift in zwei Fremdsprachen oersehen, 250 Großbilder und Zeichnungen, ebenfalls mühevoll hergestellt, über 1000 Plakate sind hier zum Zweck ver- einigt, die einzelnen Disziplinen anschaulich zu illustrieren. Da sind Modelle von brennenden Häusern und verunglückten Personen, da fehlt auch nicht die„Kanne, die Oel ins Feuer gießt". Durch Leicht- sinn und Unbedachtsamkeit hervorgerufene Unglücksfälle auf der Straße, auf Treppen, bei Transporten, beim Spielen werden ver- deutlicht. Immer ist der betreffende Gesetzesparagraph dabei, der die „Sühne" für das„Verbrechen" aufzeichnet.„Wir unternehmen keine Dampferfahrt, ohne daß wir uns nicht vorher über die Dinge unter- hallen, die bei einem solchen Ausflug zu beachten sind, etwa vor- kommende Schäden und Unfälle, die zu verhüten wären und Erleb- nisfe, bei denen wir unsere Gedanken beisammen haben, müssen!" sagt der Rektor. Es könnte sein, daß ein Schüler an der Landungs- stelle seinen Arm zu weit über die Reling häll und verunglückt. Er hat nicht die nötige Sorgfalt walten lassen und niemand ist darum Auf einem Pflaumenkern ausgerutscht. schadenersatzpflichttg. Man darf sich auch nicht mll dem Kapitän an: Steuerrad unterhallen, weil durch die Ablenkung von seiner Pfllcht ein« Transportgefährdung eintreten' könnte. Es gibt kein Unterrichts- fach, ob dies nun Religion, Geschichte, Deutsch, Rechnen, Naturkunde oder Physik ist, in allem spricht die Rechtskunde mit. Oos symbolische Pendel. Die Kinder sind immer mit großer Begeisterung bei der Sache. In Schülerszenen und kleinen Gerichtsverhandlungen unter Schülern wird das Wallen des Gesetzes klargelegt und die Kinder lernen hier- durch objektive Beurteilung der Geschehnisse. Die Laufbahn eines Verbrechers, der ein schlimmes Ende nimmt, wird in ihren Anfängen und psychologischen Grundlagen aufgehellt. In der Physikstunde z. B. wird bei der Lehre der Pendelgesetze auch das Gesetz der Gesellschaft»- und Slaatsbildnog aufgezeigt, das sich nach ähnlichen Grundregeln vollzieht: In einer symbolischen Pendelreihe, große und kleine, schwingt unverbunden jedes Pendel seinen eigenen Kreis. Die Folge davon ist, daß sie sich untereinander verstricken und zu Boden fallen: als Menschen gedacht also strafbar und unglücklich werden. Dieselben Pendel, durch Bindeglieder oberhalb verbunden, schwingen in Reih und Glied, große wie kleine, in dem gleichen Rhythmus, in der gleichen Gesetzmäßigkell. Der Mensch lernt erkennen, daß es ohne Bindung, ohne Gesetze im Staat nicht gehl. Besonders leuchtet dieses Experiment rückfälligen Sträflingen ein. die es dann lebhaft be- dauern, solche naturgesetzliche Belehrung nicht schon in der Jugend erhallen zu haben. Es werden nicht nur die Hauptmerkmale des Strafrechts, des Zivil- und Handelsrechts klargestellt, der Schüler gewinnt auch einen tiefen Einblick in die soziale und Arbeitsschutzgesetzgebung. Kapitel wie„Schule und Verkehrspolizei",„Erforder- liche Sorgfall", d. h. die Haftung von Tierhaltern. Haftung bei Ge- bänden,„Rechtskundliches beim Sporttreiben", Haftung aus Der- trägen"..Kündigung",„Unfall und Haftpflicht in der Schule" usw. sind nur einige wohllos herausgegriffene Themen aus der Fülle de» Stoffs, die aber aufzeigen, daß ihre Kenntnis ungeheuer wichtig für den heranreifenden Menschen ist. Wir wollen auch nicht versäumen, auf das sehr lobenswerte Bemühen des Bundes hinzuweisen, der Jugend schon frühzeitig den Staat und seine Einrichtungen vor Augen zu führen.„Widerstand gegen die Staatsgewall"..Land- friedensbruch" finden ebenso ihre sinnige Abhandlungen(Literatur: Michael Kohlhaas als Landfriedensbrecher) wie„Verächtlichmachung der Staatseinrichtung und-anordnung". Bei diesem Thema kommt auch ausgiebig das beseitigte Republikschutzgesetz zu Wort, es wird jedenfalls in seiner neuen Ausführung den älteren Kindern wieder zur Beherzigung vorgetragen werden,„denn— so führt Rektor Eich- hoff aus—„zu welchem unhaltbaren Zustand sollte es führen, wen» die jungen. Menschen nicht in die bestehende Staatsform hinein- wachsen wollten und etwa das Recht für sich in Anspruch nehmen. diese Staatsform nach ihrem Belieben zu jeder Zell zu ändern!" Leider— und das ist die betrübliche Seite an der Sache—< finden die Bestrebungen noch nicht das ungeteilte Verständnis der Staatsbehörden. Eine Reihe von Schulministerien haben die For- derungen der„Arbellsgemeinschaft für erziehend« Rechtskunde", deren zweiter Vorsitzender übrigens Landgerichtsdirektor Genosse Rüben ist, sich zu eigen gemacht und einen entsprechenden Unter- ruht bereits obligatorisch eingeführt. Das Preußische Ministe- rium für Volksbildung steht den Lehrplänen ebenfalls wohlwollend gegerrüber, aber weiter auch nichts. Gerade Preußen müßte in der Frage vorangehen, da bereits genügend gün-'' stige Erfahrungen vorliegen. Stattdessen muß Rektor Eichhoff und feine Freunde unausgesetzt um die Durchführung der Idee kämpfen. Sein Anschauungsmaterial ist in ungenügenden Räumen unter- gebracht: auf feine umfangreiche Modellsammlung auf dem Dachboden regnet und staubt es hinein. Der Ruß und Schmutz auf dem Boden hat das meiste schon verdorben. Diese gute Idee würde Räume brauchen, ein ganzes Haus, das ganze Volk, wenn sich ver-- wirtlichen soll, was hier angestrebt wird, nämlich aus Deutsch- land einen Rechtsstaat zu schaffen, bei dem die Entfremdung zwischen Recht und Volk dem erzieherischen Ideale des Gesetzes weicht. firiectrlcd Natterotd. Cükxaridervon.Säu£ej*-M&roch Copyright by Bilcfacrgilde Gutenberg. Berlin. „Es war gnug, genug! Denn ich sage, wenn sie sich mir widersetzen, erschlage ich sie alle und zünde ihre Habe an, daß die Magazine und Schober ringsum himmelhoch brennen werden! Wer sind wir denn hie in diesem Lande, zum Teufel mit den vielen faulenzenden Niemanden!? Ich brand- schätze sie alle, das ist so wahr, wie das wir Kosaken sind!" Und er schlug sich auf die Brust, daß es dröhnte. Um diese Zeit war ich schon eingeschlafen. Nicht so sehr aus Müdigkeit, sondern aus Angst. Aber plötzlich erwachte ich durch ein großes Dröhnen. Als stürmte eine Armee Teufel das Haus. Und wie ich vor- fichtig-ängstlich unter der Decke hcrvorlugte, sah ich sie, die Kosaken, wie sie mit zerwühlten Haaren und zitternden Nacken einen Rundtauz aufführten. Das Zimmer war schwarz vom Qualm und mitten in dieser Rauchwolke wogten sie hin und her, stampften mit den Füßen und johlten aus vollem Halse. Ihre Konturen waren furchterweckend, wie sie so im Rauch auf- und untertauchten. Mein Vater tanzte, Georg Vajda schüttelle sich, der Oberkosak johlle mark- erschütternd, Andreas Pikor klatschte mit der flachen Hand gegen seine Stiefel, der Schuhmacher Csonak, Antal Turbis und Georg Sandor drehten sich und schlugen den Takt. Sie schwenkten große Stöcke über ihren Häuptern, sangen ein wildes Soldatenlied, stampften mit ihren Stiefeln dröhnend auf, daß die Fensterscheiben zu klirren begannen oder sprangen in die Luft und hieben mit ihren Stöcken gegen die Deckenbalken und dann schrien alle gleichzeitig: „Nieder mit den Herren! Tod den Herren!" Das Haus dröhnte. Z. Das ganze Land war dem Herbststurm preisgegeben. In den Niederungen der Latorca und Ondava pfiff der Kturm fest Tagesanbruch und der Regen fiel in schrägen Borhängen. Mitunter zersprangen die Wolke» für eine» Augenblick und dann wurde die Gegend heller. Aber dann kam wieder eine wilde Sturmwelle aus der Richtung des Barko-Sattels, die Wolken schlugen zusammen und es wurde noch finsterer als zuvor. Ich kauerte unter dem Wehr des Latorcabaches, in der aus Kukuruzstauden zusammengefügten Hütte des Feld- Hüters und wärmte meine Glieder über der dünnen Glut eines kleinen Feuers. Hinter dem Wehr warf die Latorca hohe Wellen, die Flut schwoll in letzter Zeit stetig an und vor der Hütte glänzten die Jumpfigen Gewässer der Medvec in kaltem Licht. Die Kraft des Windes zerzauste das Röhricht, die Kolbenstengel begannen sich zu verneigen, das Riedgras erhob sein gespenstisches Brausen und die Pfützen, Mooraugen, Rinnsale und Wildwässer warfen Blasen, im Regen tanzend. Ueber dem Moorgrund fischten seit dem frühen Morgen die Kosaken. Als sie hier ankamen, zog gerade von den Unger Bergen die Dämmerung herauf. Vom Regen überrascht, wollten sie nicht mehr umkehren, um keinen Arbeitstag.einzubüßen. Denn wenn die Kosaken einmal am Abend vorher einen Vorsatz gefaßt hatten, den führten sie auch aus, gegen Feuer, Regen und Eis: gegen alle Elemente! Vielleicht war es ihnen auch lieber so, denn ihr wahres Leben war ja der Kampf. Sie stiegen im Regen in ihre Kähne, zwanzig an der Zahl. Je zwei dieser Kähne fuhren in verschiedenen Richtun- gen los. Solange das Wasser seicht war, schoben sie sich mit Stangen weiter, später griffen sie zu den Rudern. Und dann warfen sie die Netze aus. Sie verschwanden mitunter an irgendeinem dichteren Punkte des Röhrichts und tauchten dann hier und dort an den freieren Stellen wieder auf. Ihre Gestalten wurden immer kleiner, ich konnte ihre Worte nicht mehr verstehen und später erreichten mich durch die von Regenvorhängen zerschnittene Lust nur mehr vereinzell ihre wilden Schreie. Eine Zeit lang verfolgte ich sie mit meinen staunenden Blicken. Ich sah noch, wie je zwei Kähne sich mit dem Bug gegeneinander stellten und die Kosaken,.ihre letzten Kräfte anspannend, mit oorgestemmten Füßen an den Netzen �ogen. Andere Kosaken steuerten mit sicherer Hand in das seichtere Gewässer. Hier angelangt, sprangeen einzelne mit bis über die Kniep aufgerollten Hosen, bis an die Gürtel nackt, aus den Kähnen, und vier, fünf zogen das Netz hinter sich her, während von drüben, aus größerer Fern«, ein lang- gezogener, traurig-dumpfer Schrei herüberklang. Aber da begann der Regen zu prasseln und der Wind hob seinen Ge- sang an und das Röhricht brauste auf. Die Kosaken verloren sich im Sturm. Ich kauerte in der Türe der Hütte und Hielt meine Hände über die schwache Glut, welche die Kosaken aus trockenen Stengeln und Wurzeln entzündet hatten. Da sie ihre Seiten- taschen und den Schnaps meiner Obhut übergeben hatten, war mir von meinem Vater besonders eingeschärft worden, mich nicht von der Stelle zu rühren, ehe sie wiederkehrten. Dort kauerte ich in der Hütte und warf von Zeit zu Zeit — im Sinne des erhaltenen Befehles— einen trockenen Zweig oder Wurzelknollen auf das schwach glimmende Feuer. Stunden verstrichen so. während sich die Gegend immer mehr aufhellte und ich von ferne wieder zeitweilig die Kosaken ge- wahrte, aber sie bewegten sich nur mehr als schwarze Punkte hinter dem fernen Schilfmeer und dann wurde es plötzlich dunkel wie Tinte. Der Wind fuhr mit seinem Regenbescn über die Gegend, die Wasser, Schilfbündel und Rohrstengel heullen auf und begannen unter seinen wuchtigen Schlägen zu tanzen. - Ich fürchtete mich im Dunkeln. Erst lauschte ich, aber als auch die fernen Schreie verstummten, begann ich zu weinen. Ich schluchzte bitterlich. Mein Vater hatte mich damit vertröstet, ich solle hier nur warten, die Oberkosat würde kommen. Der zornige Alte war noch in der Morgendämmerung in großer Eile zum Gestüt hinausgeritten, um mit seinen drei Csikösburschcn die künftigen Arbeiten zu besprechen. Denn di? Herbstnebel waren nahe, und es konnte jeden Tag notwendig werden, die Tiere zum Ueberwintern heimzutreiben. Aber der Oberkosak ver- spätete sich. Ich schluchzte immer weiter, denn während die Zeit verging, begannen mich die abergläubischen Geschichten der Ko- saken zu erschrecken. Erst in der vorigen Woche hatte ich ge- hört, wie sie unter sich ernstlich besprachen, daß des Fuhrweser- kosaken Turbis Weib, die man vor zwei Wochen begraben hatte, aus dem Grabe wiederkehre und dem armen Antal Turbis arg mitspiele. Nicht etwa, daß sie ihn nur in den Nächten aufsuchte, nein, sie werde ihn erwürgen, wenn er die zwei Kinder schlecht behandle oder wage, zum zweiten Male zu heiraten. Vor drei Tagen erst, während Antal Turbis beim Brunnen seinen Wagen wusch, erschien wieder die Fra» vor ihm und gab ihm ernste Ratschläge, wie er mit den zwei Waisen umzugehen habe.(Fortsetzung folqt., Affäre Sklarek in Berlin-Mttie. Schneider versucht sich zu verteidigen. Auf der Suche nach Sensalionen... Das„Tempo" und der Vertrag mit der„Behala". In der B e z i r k s v c r s a n, in l u n g B e r l i n- M i t t e amrd« gestern die Zl f f a r c.S l l a r c I besprochen aus Anlaß einer An- frage der Deutschnvtionalen und eines Antrages der Kommunisten. Dom Bezirksamt lag eine auf die deuti'chnationalc Anfrage erteilte schriftliche Antwort vor, in der gesagt wurde, daß Beanstandungen der Sklarekschen Waren von den beteiligten Dienststellen, namentlich vom Jugendamt und von der Kriegsbeschadigtcnfürsorge, gekommen seien, daß ober bei einer Prüfung die Waren als preiswert bc- fundcn worden seien. Bürgernleister Schneider war in der Sitzung anwesend, nahm als erster das Wort und erklärte, seine gesellschaftlichen Beziehungen zu Sklareks hätten auf dem Umfang der Bestellungen der Bezirksamtes bei Sklarck nicht den geringsten Einfluß gehabt. Leitende höhere Beamte— er nannte Stadtrat Menzel(Demokrat), Stadtrot Bösel (Kommunist), Stadtrat Dr. Doigt(dcutschnational)— hätten nach vorgenommener Untersuchung sich außerordentlich günstig geäußert. Bösel habe nach Besichtigung des Warenlagers die Güte und Preiswürdigkeit anerkannt. Für das Mohlsahrlsaml Mille habe Voigt berichtet, daß weder Mißstände noch Schwierigkeilen des Warenbezuges beobachtet worden seien. Der deutschnationale Stadtrat Dr. Voigt gab dann seinerseits«ine Erklärung ab, in der er betonte, daß er das von Bürgermeister Schneider diktierte Gutachten vsrtretungswois« unterschrieben habe, weil«s Stadtrat Genosse Herrmann nicht unterzeichnen wollte. Sein Bericht, sagte Voigt weiter, habe sich nicht aus das Warenlager bezogen, das er gar nicht gesehen habe, sondern nur auf die Abwicklung des Geschäftsverkehrs, der nichts zu wünschen übrig gelassen habe. In der Debatte versuchte der kommunistische Bczirksverordncte und Stadtrat Bernstein eine Anrempelnug der Teilnehmer des Berliner sozialdemokratischen Parteitages. Er erzählte von einer Besichtigung des Sklarekschen Warenlagers unter Führung Schneiders und mußte aus die Frage eines Zwischenrufers, ob auch er dabei gewesen sei, mit Ja ant- warten. Gegen Bürgermeister Schneider forderte er Dienstentlassung ohne Pension. Dieser Forderung schloß der Deutschnationale M a t t h i e s sich an. Für der. Sklarek-Skandal machte er die„Unterdrückung der freien Wirtschaft" verantwortlich. Er verlangte, daß d'e Stadt nicht selber Wirtschaft treibt. Unser Genosse Brendel geißelte scharf die politische A u s s ch l a ch t u n g der Skia- rek- Affäre, den Mißbrauch der Pressefreiheit durch die S k a n- d a l p r e s s e. Er erinnerte an die frühere Monopolwirtsäzaft bei Militärlieferungen. Der von den Deutschnationalen beklagte Mangel an Moral sei eine Folge des Krieges und der Inflation. Die Sozialdemokratische Partei werde die Untersuchung gegen beschuldigte Mitglieder scharf durchführen. Kriminelle Verfehlungen habe sie nicht feststellen können. Brendel teilte mit, daß schon vor längerer Zeit der Stadtrat I ii l i ch(der zur Sozial- Demokratischen Partei gehört) den Bezug Sklarekschcr Waren a b- gelehnt hatte. Auch die Stadträte F ricdländer und Herr- mann(die beide gleichfalls zur Sozialdemokratischen Partei ge- hören) hätten erklärt, daß andere Firmen besser liefern könnten, Friedländer habe sogar, unbekümmert um die Bestim- mungen, anders Firmen zur Lieferung herangezogen. , Her mann habe immer wieder die Waren Sklareks bemängelt, aber be� dcnt ksnmninlstischen Skadtrak�Gäbek nlchks crrelchk.' Selbstverständlich kömO Man dafür nur Gäbel,"micht die Kommunistische Partei, verantwortlich machen. Gäbel fragte beim Wohlfahrtsamt an, warum es nicht bei Sklareks kaufen wollte. Der Dezernent Stadtrat Dr. Voigt schrieb noch im Juni dieses Jahres in einem Bericht an das Bezirksamt, das Wohlfahrtsamt wünsche die Weiterbslieferung durch Sklareks, man sehe keinen Anlaß zur AenderuNg, da Mißstände und Schwierigkeiten sich nicht ergeben hätten. Herr mann lehnt« die Mitunter- Zeichnung des Berichts ab, aber Boigt leitete ihn trotzdem weiter. Die Feststellung dieses Sachverhalts wurde von den Ko.n- mimisten und mehr noch von den Deutschnationalcn mit lärmenden Unterbrechungen begleitet. Auf die Prahlereien der Kom» m u N i st�e n und der D c u t s ch n a t i o n a l e n, die von dem Sklarek-Skandal für sich einen Erfolg bei den S t a d t v c r o r d- netenwahlen erwarten, antwortete Genosse Brendel, daß der 17. November ihnen eine Enttäuschung bringen werde. In der weiteren Debatte nahm nochmals Stadtrat Voigt das Wort zu seiner Verteidigung. Er habe, sagte er unter anderem, schon lange Mißtrauen gegen Sklareks gehabt. Früher habe er mal einen Anzug b e i S k l a r c k s gekauft, da fei er hinein- gefallen.(Gelächter.) Zu den Versuchen des Kommunisten Wisncwski, die Kommu- mitisch- Partei weißzuwaschen, stellte Genosse Ri e s« erneut den Tat- bestand fest, daß in der Bezirksversommlung Mitte die Kommu- nisten ihren gegen Sklareks Warenmängel gerichteten Antrag zunächst unter der Hand wieder zu beseitigen suchten und nach dem scheitern dieser Bemühungen ihn schließlich offen zurückzogen, weil sie plötzlich d i e W a r e n f ü r„g u t" h i e l t e n. Ein Antrag, der dem Bürgermeister Schneider schärfste Mißbilligung ausspricht und gegen ihn sofortige und e n« r g i- sch« Untersuchung fordert, wurde einstimmig angenommen. » Magkstrat�und Bcrwaltungsrat der Stodtbank haben gestern bc- schloffen, an Stelle des suspendierten Stadtbankdirektors Schmitt vorläufig Direktor Gchrke vom Deutschen Sparkassen- und Giro- verband. Deutsche Girozentrale. Deutsche Konimunolbank. mit der Führung der Geschäfte des geichästsführenden Lorstandes bei der Ctadtbank zu beauftragen. Direktor Gehrke wird zu diesem Zweck bei der Deutschen Girozentrale beurlaubt. Direktor Gehrke ist seit 1923 Direktor der Deutschen Girozentrale. Er war vorher bei der Preußischen Staatsbank(seehandlung) zuletzt als Bankrat tätig. Cr genießt den Ruf eines ganz besonders befähigten und tüchtigen Fachmannes.... Bisher kein weiterer Parteiausschluß. Ein« allgemein als unzuverlässig bekannte Berliner Korrefpon- den.) verbreitete gestern die Nachricht, daß die Sozialdemokratische Partei auch den«jadtoerorduetcu Genossen Mühlmann aufgefordert Kabe, seinen Austritt aus der Partei zu erklären. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" gibt diese Meldung ahne Prüfung weiter. Wir stellen fest, daß sie frei erfunden ist. Der Füllsederkönig soll einen Denkzettel erhalten. Nach einer Blättermeldung Hot die Staatsanwallschost gegen den sogenannten Füllfederkänig Winkler als Urheber der fingier- ten Selbstmordgeschichte vom Königssee Anklage wegen Irreführung der Behörden erhoben. Die Untersuchung wird vom Bezirksgericht Hofgastein geführt werden, bei dem gegen Wintler bereits ein Verfahren wegen Falschmeldung aichängig ist. Seit einiger Zeit ist das im demokratischen Verlag Ullstein erscheinende Scnsationsblatt„Tempo" angestrengt bemüht, seinem Konkurrcnzblatt, der H u g e n b e r g s ch e n„Nachtausgabe" in der Erfindung von Sensations- und Korruptionsmeldiingcn den Ranz abzulaufen. Wir wissen nicht, wie die Demokratisch« Partei über diese Art journalistischer Arbeit urteilt. Die Frage muß jedoch einmal ausgeworfen werden, ob der Verlag Ullstein glaubt, dadnich der deutschen Demokratie einen Dienst zu erweisen, daß van einem seiner Blätter systematisch niedrigste Schleppcrdienstc im Interesse der Reaktion geleistet werden. Es liegt in der Richtung der von uns bereits des öfteren angeprangerten Revolver- I o u r n a l i st i k. wenn das„Tempo" gestern abend einen bereits seit über sechs Jahren in Kraft befindlichen Vertrag mit der „Bchala" sensationell auszubeuten versucht. Sachlich ist zu den Dingen folgendes zu bemerken. Die Berliner Häfen sind Februar 1923 an die Bchala verpachtet worden. Fast s ä m l l i ch« Parteien des Rathauses haben damals dieser Verpachtung zugestimmt, insbesondere auch Demokraten und Valkspartei. Die Demokraten haben auch der Aufrecht- erhaltung des Vertrages in späteren Jahren nach den Beratungen des sogenannten Untersuchungsausschusses zugestimmt. Der Grund der Verpachtung lag darin, daß die Stadt um der Eniwicklung ihrer Wirtschast willen einen Ausbau und eine möglichst schnelle Eni- wicklung des Verkehrs ihrer Häfen für notwendig erachtete. Die Häfen hatten außerdem seit 1913 einen jährlichen Zuschuß von etwa einer halben Million erfordert. Bei dieser Sachlage glaubie auch die S o i a l d o m o k r o t i e, eine weitere rein kommunale Bctriebssührung der Häsen nicht verantworten zu können. Sic war der Meinung, daß aus dem Gebiet des HajenbctriebeS der Zeitpunkt zur kommunalen Bewirischastung noch nicht gekommen sei. Die Verpachtung der Häsen geschah in der Form, daß die Stadt als dividcniidcnbercchtigtcr Aktionär mit 23 Proz. des Aktienkapitals an der Gesellichast beteiligt war, daß die Gesellschaft zur Erhaltung und zum Ausbau der Häfen aus eigenen Mitteln verpflichtet wurde und daß alle Anlagen und Bauten, die notabsnc nur mit Zustimmung und unter der lcchnifchen Kontrolle der Stadt ausgeführt werden dürfen, nach Ablauf des Vertrages Eigentum der Stadl werden. Der erwähnte Bier- Millionen- Kredit, der die Bchala zuni Ausbau des dritten Hafenbeckens gegeben wurde, ist von ihr bereits 1927 zurückgezahlt worden. Dafür hat die Behala von sich aus einen 7-Millioncn-Kredit ausgenommen und die Summe in die Häsen hineingebaut. Auch die Beschlüsse über die Aufrecht- erhaltung des Vertrages in späteren Jahren ersolgten, wie gejagt, mit großer Mehrheit, zu der auch Volkspartei und Demo- traten gehörten. Allerdings hoben die Konkurrenzuitternehmungen sowohl vor dem Abschluß des Vertrages wie auch bei den späteren Verhandlungen über eine etwaige Umgestaltung dasselbe Material vorgebracht, das sie jetzt der Redaktion des„Tempo" übermitteln. Dieses gesamte Material mit allen seinen Einzelheiten ist also über sechs Jahre lang der gesamten Stadwerordnetenversammlung und der gesamten reichshauptstädtischen Presse bekannt. „In letzter Minute." O lüg, so lang du lügen kannst; Sensation! Das Berliner kommunistische Abendblatt meldet in dreispaltigen Lettern:„Staatsanwalt sucht Schneider und schreibt: �„ „Soweit wir unterrichtet sind, hat das Material, das bei der Staatsanwaltschaft den Beschluß reifen ließ, den Bürgermeister Schneider in Untersuchungshast zu nehmen, bereits in der vorigen Woche dem Berliner Parteivorstand der SPD. vor- gelegen. Cr hat aber in der letzten-Woche von einem Aus- schluß Abstand genommen und dafür den Bürgermeister Schneider beauftragt, in u n a u f f ä l l i g c r W e i s e i n II r l a u b zu gehen. Dieser Urlaub ist von Schneider Ansang dieser Woche angetreten worden, und erst nachdem der Bezirksvorstand der * Sozialdemokratischen Partei wußte, daß Schneider sich nicht mehr in Deutschland a u s h ä l t, hat er den Beschluß aus Ausschluß aus der Partei gefaßt. Schneider dürfte joniil für die Staatsanwaltschaft kaum noch„sofort greifbar" sein. So log die„Welt am Zlbend" gestern vergnügt und munter. Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechieu.„In letzter Minute" war alles wieder anders, und so berichtet« man weiter:* � „Wie wir in letzter Minute erfahren, Hot der Bezirks- bürgermeisler Fritz«chneidcr vbn der Absicht der Staatsanwalt- schaft, die Untersuchungshaft über ihn zu verhängen. vorz�iHg g e b'r ckcksteTi? �Cr"wi ll sich�nüninehr üi�eFheüilgen SilZüng Tlfir Stadtparlaments Bezirk Mitte seinen Anklägern stellen, wobei er hofft, das Schicksal einer Verhaftung dadurch von sich abwenden zu können, daß er andere hochgestellte Persönlichkeiten mit in die Affäre hineinzieht." Offenbar gibt es ein Lesepublikum, das dies alles geduldig er- trägt, vielleicht sogar mit Behagen schluckt. Und das ist die traurige Seite dieser sonst sehr tomischen Angelegenheit. Ein kommunistisches Bekenntnis. Die sozialdemokratische W e r b e w o ch e ist im Gange. Jeder Tag bringt uns Meldungen über Werbeversamm- lungcn und zahlreiche Neueintritte in die Partei. Wir können zufrieden sein. Anderen Leuten aber geht es anders. Vor uns liegt ein Schreiben mit diesem Inhalt: „Werter Genosse! Die Mitgliederversammlungen der Partei vom 26. September l929 haben einstimmig beschlossen, alles daranzusetzen, um die großen Ausgaben, die vor der Partei ftchcn, zu lösen. Am Sonntag, dem 29. September, sollte der Austakt zu einer großzügigen Werbeaktion gegeben werden. Trog Zu- stimmung Tausender von Mitgliedern mußton wir am Sonntag feststellen, daß die Beteiligung unserer Mitglieder sehr Mangel- Haft war." Es folgt jetzt die Aufforderung zur Teilnahme an einer Ver- sammlung.„um über diese Schwäche zu beroten, bzw. sie abzustellen". Zum Schluß aber heißt Is drohend:.Es ist dies die letzte Aufforderung, die an Dich ergeht und Dich an Deine Pflicht mahnt. Wir sehen uns sonst gezwungen. Dich vor der gesamten Partei zur Verantwortung zu ziehen. Mit kommunistischem Gruß: Die Zellenleitung.". Die Herren Kommunisten drohen also ihren Mitgliedern mit ujhlminmL Das Programm bringt sehr viel B r a h m?. Vorbildlich in der Zusammensetzung das Schallplattenkonzert, das sowohl einen Aus- schnitt aus dem sinfonischen Werk und aus der Kammermusik als auch Lieder und Klavierrompositionen gibt. Der Hörer erhält einen guten Ueberblick über die Universalität des Meisters. Ueberragend ist der erste Satz aus der ersten Sinfonie in der Interpretation von Otto Klemperer, eine Dirigentenleistung größten For« m a t s. Da der badische Landcspräsident Dr. Schmidt über den süddeutschen Sender gegen das Volksbegehren spricht und dieser Vortrag auf all« deutschen Sender übertragen wird, fällt das Sonatenkonzert aus. Als Ersatz spielt Winfried W o l s Klavier- sonare in Hs-Mall von Brohms. groß in der Zlufsasiung und herb im Ausdruck. Das Abendprogramm wird geändert. Berlin sendet ein sehr gutes O rch c st e r k o n zc rt. das mit Bizets„Roma- Suite" eingeleitet wird,«ine Komposition, die dekorativer und pro- grammatischer ist als alles andere, was Bizet schuf, und in der Melodie weniger ergreisend. Allerdings mitreißend wie immer das Tänzerische. Scidler-Winkler sucht da? rein Melidiöse, die Andante, die er mit großer Liebe herausarbeitet. Aus den Glanz des Orchesters legt er nicht denselben Wert. Es folgte dann die Rheinische Sinfonie von Schumann. Daraus singt der Baritonist der Lindenoper Theodor Scheid! Lieder von Schumann. Schubert und Loewe. sehr stark im dramatischen Ausdruck/eher ein äuegezeich- neter Balladensängcr als ein Liederinterpret. Zum Schluß wurde die Red« des preußischen Ministerpräsidenten Genossen Otto Braun aus dem Marmorsaal am Zoo übertragen, die wir an anderer Stelle ausführlich wiedergeben. s. der Peitsche. Unsere Genossen und Freunde arbeiten freudig aus proletarischem Pflicht gSfühl und innerer Verbunden- heit mit der Partei an dem großen gemeinsamen Werk. Rückkehr von der Balkanfahrt. Zeppelin um Mitternacht über Schlesien. Von Bord des„Graf Zeppelin" liegt folgender um 18.30 Uhr (M. E. Z.) aufgegebener Funkspruch vor: „Nach Besuch der rührend begeisterten H e r m a n n st a d t, wo Kopf an Kopf die Menge sich auf dem Marktplatz versammelt hatte, und nach einem geisterhaften Flug im V o l l m o n d l i cht über das nächtliche Kl a u s« n b u r g ist das eigentliche Valkanprogramm ausgeführt. Luftschiff geht jetzt durch die ungarische Tiefebene über Budapest. Preßburg nach S ch l e s i c n, das trotz verlangsamter Fahrt schon kurz nach Mitternacht erreicht sein dürfte. Zauberhafter Reiz der Puszta im hellen Mondlicht. Graf Zeppelin." Orehrollen-Teschke vor Gericht. Wegen Kautionsschvindeleien angettogt. vor dem Größen Schös seng erichl Berlinden Kousmann Alax Teschke, veranni ünler dem Rämen „Drehrollen-Teschke". wegen Beihilfe ist mliangeklogt der Vertreter Paul Hemmerling. Teschke hat dur seine Kämpfe gegen die Warenhäuser in letzter Zeit sehr viel von sich reden gemacht. Am 4. Januar d. I. gründete er in seiner Drehrollenjabrik in dem Hause Rosentholer Straße 26 einen„Rcichsverband zur Bekämpfung der Warenhäuser". Er wurde zum Präsidenten gewählt. Die Geschäftsführung des Verbandes erfolgte ungetrcnnt mit der Buch- hallung der Drehrollenfabrik Teschke. Im Lause des Januar und Februar wurden für den Rcichsverband nicht weniger als S 4 Kassierer eingestellt. Joder mußte S00 M. Kaution stellen. Teschkes Drehrollenfabrik übernahm dafür Bürgschaft. Der Reichsverband hat aber nur einige hundert Mitglieder und es wurden an Mitgliedsbeiträgen, Spenden und andere Beiträge im ganzen nur 1300 M. eingenommen. Da die Kassierer nichts zu tun hatten und sahen, daß immer neue eingestellt wurden, schöpften sie Verdacht und kündigten ihre Kautionen. Eine Anzahl von ihnen mußte das Arbeitsgericht anrufen und einigen hat Teschke auch die Kaution zurückgezahlt. Die Drehrollenfabrik ging dann aber in Konkurs und es stellt« sich heraus, daß Teschke eine S i che r st e l l u n g der K a u t i o n e n. u n te r l a s s e n hatte. Im ganzen sind 2 6 7 0 0 M. Kautionen gezahlt worden. Der Angeklagte Tejchkc behauptete, daß er di; Kautionen zur freien Verfügung erhalten habe. Die Warenhäuser hätten den Reicks» oerband diskreditiert. Man Hab« ihn als verrückt hingestellt. So habe man auch behauptet,. daß er die Warenhäuser damit bekämpfen wolle, daß er ihnen Ratten in die Häuser schickte. Deshalb lzabe der Reichsverband, für den 200 Werber in Berlin allein ausgeschickt morden waren, nicht die erwartete Ausdehnung genommen. Zu der Verhandlung sind zahlreiche Zeugen geladen. Wir werden über den Ausgang des Prozesses berichten. Leiparis Best'nöen weiter zufriedenstellend. In dem Befinden des Genossen L e i p o r t ist gegenüber dem Vortage eine weitere leichte Besserung zu verzeichnen. Wie hierzu noch von dem Oberarzt der chirurgischen Abteilung des HiliZr- gard-Krankcnhauscs De. Kleiber mitgeteilt wird, ist auch die Temperatur etwas gesunken. Wenn man auch den immer noch ernsten Zustand des Patienten nicht verkennen dürfe, habe man er- freulicherweise doch den Eindruck, daß Genosse Lcipart die Krise überstehen wird. Weltliche Schule im Bezirk Blitte-Zlord. Am 2l. d. M.. abends 8 Uhr. oersammeln sich die Mitglieder der freien Schulgemeinde, Arbeitsgcnicinschast Nord, und die Ellernbeirätc der List« Schulaus» bgu bei Ahrcnd, Schrädersir. 2. Genosse Ranssch Höst eine» Werbe» vortrag über„Die soziale Arbeit in der weltlichen Schule". Am 29. Oktober, abend? 8 Uhr, spricht Genosse Stadtrat Lowcnstein im Dereinshous des Nordens, Gartenstr. 6, über„Die Aufgabe der weltlichen Schust". Wer bis jetzt die Anmeldung zur neuen Schule versäumt Hot, hole dies on d'cscn Abenden nach oder sende sie sniort an Lehrer Ramsch, Berlin SW. 29 Lilicnthalstraßc 4. Eine Postkarte mtt Angabc der Adresse genügt. Genossin Anna Sulicke bittet uns um Vcröffenllichung folgender Zeilen:„Anläßlich meines 70. Goburtetaoes syid nur von Freunden und Genossen soviel Glückwünsche und Aufmerksamkeiten zuteil ge» worden, daß es mir unmöglich ist. ollen persönlich zu danken. Darum sage ich hier an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank." Ans gehört die Lugend! Reichskonferenz der Kinderfreunde in Gera. Gero Ist in der Kinderfreundebewegung nicht ohne Tradition. chier entstand eine der ersten Gruppen Deutschlands überhaupt und die lange Verbundenheit mit Partei und Arbeiterschost gab de» dortigen Kindersreunden ein breites Fundament für ihr Wirken. Das kam.;uni Ausdruck bei der Norbereitung und dem Austakt zu der diesjährigen Reichstomerenz. Ein eindrucksvoller Fackelzug bildete Vorspiel zur Begrüßungsfeier und Auftakt zur Parteiwcrbewoche. Auf dem malerischen Marktplatz beendeten Ansprachen des Sekretärs Weinberger und des Wiener Genossen Tesarek diesen ersten Teil des Abendprogramms, das dann seine Fortsetzung in der ostvorstädtischcn Turnhalle in etwa- umfangreicher Form fand. Kampflieder in wundervoller Präzision und musikalischer Gestaltung boten Männer und Frauen. Ansprachen und Film hielten die Riesenschar der Besucher lang beisammen. Am Sonntag, dem 6. Oktober, um 9 Uhr begann in der„Wal- balla" die Konferen.z, zu. der außer vielen Gästen IlK Delegierte aus allen Teilen des Reiches erschienen waren. Die Österreichischen Kindersreundc waren durch Genossen Tesarek vertreten. Wie alljährlich, so gab auch diesmal Kurt L ö w e n st e i n einen Rück blick aus das letzte A r b e i t s j a h r. Die inneren Zusammen- hänge sür die ausgeführten Gedankengänge ergaben sich auch dies- mal aus der K u r s u s a r b e i t, die in der abgelausenen �Voche Führer und Führerinnen in Tännich vereint hatte. Lowe»stein führte aus: Der Kinderfreundegedanke ist(bei einem Rückblick auf den ersten Kursus in Tännich 1924) aus den engen Grenzen pädagogisch interessierter Kreise Herausgewachse» und zu einer M a s s e n- bcweg.ung, einer„sozialistischen Volksbewegung" geworden, die gerade in letzter Zeit die angespannteste Ausinerksamkeit recht-- gerichteter und katholischer Kreis« aus sich gelenkt hat. Dabei sind namentlich von katholischer Seite Formulierungen geschossen worden, die Verwirrungen anrichten sollen. Wir haben gerade in diese» Tagen der Wahlvorbereitungen alles daranzusetzen, die bestehende Gegensätzlichkeit zwischen uns und den anderen aus einer anderen Grundlage auszutragen. Wenn uns von den Gegnern vorgeworfen wird, daß wir bestehendes Elend zu Parteizwecken ausnutzen, daß i i e aber aus ethischen Gründen zu den Armen gingen, so dürfen wir uns diese Gegenüberstellung nicht gej allen lassen. Wohl wird von uns die christliche Opserwilligkeit anerkannt werden können. Aber wir müflen sagen, daß diese Opferwilligkeit die der Demut und des Trotzes, unsere jedoch die des E r k« n n e n s und der Tatkraft ist. Wir sind keine Sekte, sondern wir ergreifen die Erziehung sausgabe der Allgemein- h e i t und unterrichten uns allerdings an den weltlichen Voraus- setzungen dieser weltlichen Gegenwart. Deswegen haben wir es auch nicht nötig und haben es nie getan, religiöse Weltanschauungen herabzusetzen: Wir sind nicht Verächter, sondern posi- tive Aufbau er. Eine Zurückweisung erfordern, auch die An- griffe auf den Kaedukotionsgedanken, wie er von den Kinderfreunden in den Zeltlagern in verantwortungsbewußter Praxis durchgeführt wird. Die schmutzigen Verleumdungen unserer Gegner treffen uns nicht und wir werden gerode auf diesem Gebiete entschieden weiterarbeiten. Darauf gab der Schriftleiter der„Sozialistischen Erzichuirg", August Sie ms on, in einem Bericht über die Aufgaben und Aus- bau dieser Zeitung wertvolle Anregungen. Er forderte, daß unser Material in planmäßiger Weise in die A r b e i t e r p r e s s e ge- langen muß, und er konnte mitteilen, daß das Korrefpondenzblait des ADGB. bereit ist, uns Raum dafür zu gewähren..Hans Weh:- berger nannte in seinem Geschäftsbericht erfreuliche Zahlen über äußeres Wachstum und inneren Ausbau unserer Bewegung. 5l2Ortsgruppen mit Kindern, 6909 ständigen Helfern, 59 999 Mitgliedern in Erziehungsvereinen als Ergebnis von fünf Arbeitsjahren, vielfache Anregungen und Pläne für Werbearbeit als Ausgaben der nächsten Zeit, hm AusammcnHang mit diesen Ausführungen wurde— neben vielen anderen Anträgen— beschlossen, alljährlich(möglichst im herbst) eine Werbe- woche der Kinderfreu»de mit einem Tag desArbeiter- k i n d e s durchzusllhren. Die Wahlen bestätigten erneut die Stetigkeit in der inneren Entwicklung der Bewegung. Kirrt L ä w c n st e i n wird mit den bisherigen Vorstandsmitgliedern ziel- bewußt weiterarbeiten, Genosse'Quadt, Köln, wird dabei als neues Mitglied ein wichtiges Feld zu bestellen habe». In größter Ein- mütigkeit dankte zum Schluß die Konferenz den Genossen Geras sür alle Bemühungen und beendete ihre angestrengte Arbeit mit der„hnternationalc. Opfer ihrer Eifersucht. Wenn man Liebe durch Gewa t erzwingen will. Da» Landgericht l verurteilte den Bäckergesellen Lemkc� der am 4. August d. 3. seine Braut E. leicht verletzte, und sich selbst hinterher zwei kugeln in den Kops jagte, wegen versuchten Totschlages zu sieben Monaten Gefängnis. Lemke hatte vor seiner Fahrt nach Versin einen Abschieds- b r I e f an seine Gütern geschrieben, in dem er seine Absicht, die Braut und sich selbst zu töten, ankündigte. In der Verhandlung erklärte er, daß er sein« Braut tatsächlich Hab« töten wollen. Das Gericht nahm aber trotzdem zugunsten des Angeklagten nicht ver- suchten Mord, sondern versuchten T o t s ch l a g an. Es war der Ansicht, daß L. zwar den ursprünglichen Vorsatz, seine Braut zu töten, gehabt habe, jedoch im letzten Augenblick davon Abstand genommen habe. Durch die brüske Behandiung, die ihm von leiner Braut widerfahren sei, wäre er plötzlich in Wut geraten und habe deshalb aus sie geschossen. Eine Bewährungsfrist wurde dein unglücklichen Bäckergesellen in Aussicht gestellt.— Man wird dem Gericht in seinem milden Urteil rechtgeben. Lemke, zweifelsohne ein anständiger Kerl, ist genug bestraft. Auf das junge Mädchen, dos sich mit ihm verlobte, um gleich darauf eine neue Liebschaft zu beginnen, fällt durchrius ein Teil der Schuld. ?lus ganz anderem holz geschnitzt war der Schmied Bogel, der vorgestern vom Landgericht III wegen Totschlages on dem Ge- liebten seiner früheren Braut zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Auch hier lautete die Anklage auf M o r d. Das Gericht sah den Fall jedoch milder an. Zwar hatte Vogel— ein brutale r Mensch— die Waffe am gleichen Tage zu sich gesteckt, zwar hatte er kurz vor der Toi seiner Braut gegenüber D r xh u n- gen ausgesprochen: eine Absicht, den Geliebten seiner Braut zu töten, hatte er aber nicht. Der Schuß galt seiner Braut, dies« blieb aber unverletzt. Die Sachverständige erklärte, daß Bogel sich zur Zeit der Tal im Zustand höchsten Affektes befunden habe. Der Fall Vogel und der Fall Lemke haben das eine gemein- som: hier wie dort sollte ein Mädchen, das von ihrem Verlobten nichts mehr wissen wollte, mit Gewalt zur Liebe gezwungen werden. Vielleicht sprach in beiden Fällen die veraltete Borstel- lung mit, daß die Frau sich unbedingt dem Willen des Mannes unterzuordnen hat und ihr Liebeslebcn nicht ebenso frei be- stimmen darf, wie ihr männlicher Partner. Sozialdemokratische Werbewoche! Der kreis Tiergarten der Groß-Verliner Parlet- organisalion leitete die Werbcwoche der Partei mit einer großen werbedemonstralion ein. In den Abendstunden sammelten sich die aus den Betrieben kommenden Genossen im Kleinen Tiergarten. Fahnen und Werbetransparente, die von innen erleuchtet wurden, waren in großer Zahl zu sehen. Um 6>- Uhr, als die Dunkelheit schon ganz hereingebrochen war, wurden Fackeln entzündet, und der mächtige Zug setzte sich in Bewegung. Einige Stahchelmjünglinge und eimge Kommunisten, die meist aus den Kneipen herauskamen, konnten sich nicht enthalten, in unflätiger Weise zu schimpfen, als der riesige Zug als feurig leuchtende Schlange vorüberzog, aber das Interesse und die freundschaftlichen Zurufe der proletarischen Bevölkerung von Moabit äußerten sich beim Durchzug durch die Straßen stark. Unter dem Gesang der alten Kampslieder ging der Zug wahrend zwei Stunden durch die proletarischen Wohnsiraßen des Bezirks. Zum Schluß gelangte er in Begleitung einer großen Anzahl von inter- essierten Mitläufern wieder am Kleinen Tiergarten an, wo der Kreisleiter, Genosse hennig, eine kurze Ansprache hielt. Er forderte aui zur verstärkten Werbung für die Sozialdemokratische Partei, die allein die Interessen aller Werktätigen oertritt. Die politisch noch Unorganisierten forderte er auf, in rickligsr Erkenntnis ihrer Lebens- internsten, der Sozialdemnkrotstckien Partei beizutreten. Mit einem hoch aus die Sozialdemokratie schloß die Kundgebung, in das alle Anwesenden begeistert«instimmten. Heute Stadtverordnetenversammlung. Di« heutige Stadtverordnetenvorsammiung, sür die sämtlich« Tribünenkarten bereits vergriffen sind, beginnt um 16.45 Uhr pünktlich._„ Schüler- Sonderveranstaltungen im Deutschen künstlerkhenler. Arn Donnerstag, Freitag und Sonnabend um Uhr nachm. finden als Schüler-Sonderveranstaltungen im Deutschen Künstler- Theater Gastspiele der E n g l i s h Players mit i>sm enq- lischen Kriegsstück„Journey's cnd" von R. E. Sherriff statt. Es gelten kleine Kastenprelje.__ Aus der Partei. Der belgische Borleivorsland hat die Ortsvorstände beauftragt, noch vor Ende des Jahres gemeinsam Dorschläge darüber aus- zuarbeiten, wie der Porteipreste die finanziellen Mittel zu groß- zügigem Ausbau beschafft werden können.- Es ist geplant, dazu 15 Millionen Fronken bereitzustellen. Die Organisation Gent hat bereit- beschlossen, dem Genler Partoiblatt„P o o r u i t" fünf Millionen Franken zur Verfügung zu stellen. ....-f.:— das ist die richtige 1,8 zu n g unseres 15000 M. Wettbewerb» Qber das Sie bald Näheres von an dieser Stelle hören werden. Nur 49 ganz richtige Lösungen sind ein- gegangen, aber wir wollen zugeben, daß wir Ihnen die Aufgabe diesmal ziemlich schwer gemacht haben, Um so leichter machen wir', Ihnen aber dafür, sich den neuen Winter-Mantel oder das neue Herbst-Kleid zu kaufen. Dabei gibt's Oberhaupt keine Nieten. Jeder Kauf bei uns bedeutet einen Gewinn, einerlei, wieviel Sie ausgeben wollen. Wenn Sie für Ihr Geld den schönsten Mantel oder das eleganteste Kleid kaufen wollen, das man überhaupt dafür haben kann, dann—— i j re:? m: irasrtti Die oblaen Angebote stehen Ihnen ab Donnerstag zur Verfügung!-Schriftl. Bestellungen können nicht berücksichtigt werden( Kämpft für sozialistische Wirtschast. Wirtschastsbetrachwng zur Werbewoche. Wir werben in dieser Woche siir die Partei. Wir rufen nach den neuen Kräften, nach den neuen Freunden. Mitkämpfern und Mitarbeitern. Kein Zweifel, daß auch diese Werbewoche ein großer Erfolg sein, und daß sich die Werbekraft unserer Bewegung noch einmal dem Freunde wie dem Feinde eindrucksvoll offenbaren wird. Wir werden uns unseres Erfolges freuen und werden trotz. dem wahrscheinlich nicht ganz zufrieden sein. In unserem Bestreben. immer breitere Masien für unsere Bewegung zu gewinnen, sind wir unersättlich. Wir haben aber auch das Gefühl, daß die An- ziehungskraft unserer Bewegung noch stärker sein könnte und stärker werden muß. als sie es gegenwärtig ist. Wir hoben das Gefühl, daß unsere täglrche Tätigkeit selbst nicht stark und nicht ständig, genug werbend für uns auf die Massen der ar- beitenden Bevölkerung wirkt. Jedesmal, wenn wir, sei es vor den Wahlen oder wie jetzt anläßlich einer Werbewoche, diese unsere Tätigkeit übersehen, überzeugen wir uns selbst, daß sie sich fehen lassen kann. Wenn wir aber mitten in unserer Arbeit sind, so fühlen wir uns manchmal nicht sehr wohl in den so klein erscheinen- den Sorgen des Tages. Es scheint, als ob wir die großen Linien unserer Bewegung aus dem Auge verlieren und den inneren Zusammenhang unserer Tagesarbeit mit unserem großen Ziel nicht mehr so klar sehen, wie es früher vor dem Kriege war. Einmal sagte mir ein Genosse. Redakteur an einem Promnzblatt:»Es war so einfach und so schön früher, als wir die Uebel des Kapitalismus geißeln und die Ueberlegenheit des Sozialismus nachweisen konnten, ohne uns um alle diese kleinen Sachen kümmern zu müssen. Und jetzt muß ich z. B. dazu Stellung nehmen, wie die Straßen in unserer Stadt gepflastert werden sollen. Ich weiß aber nicht, wie man die Straßen sozialistisch pflastern soll!" Ich weiß das auch nicht, ich verstehe nichts vom Pflastern, ich weiß aber, daß wir alles sozio- k i st i s ch tun und also auch die Straßen sozialistisch pflastern müssen. Cs ist schon eine gewaltige wettumwälzende Leistung der sozialistischen Bewegung, wenn die Arbeiterschaft, die früher von jeder Beteiligung an der Gestaltung des Gemeinwesens durch die öffentlichen Organe ausgeschlossen war, jetzt überall an der Arbeit ist, um dieses Gemeinleben in ihrem Sinne um- und aufzubauen. Es ist z. B. eine gewaltige Errungenschaft, wenn wir jetzt überhaupt eine eigene Wirtschaftspolitik hoben, daß es also unsere Aufgabe sein kann, mit den Mitteln des Staates in allen seinen Zweigen(Reich, Länder, Kommunen) die Wirtschaft- liche Entwicklung zu beeinflussen Unsere Gegner verstehen sehr gut, wohin der Hase läuft, wenn sie über di«.kalte Sozialisie r u n g" schreien und die breite Oeffentlichkeit gegen unsere Wirtschaftspolitik hetzen Insbesondere diese unsere Werbewoche fällt in ein« Zeit, in der alle Kräfte der kapitalistischen Oeffentlichkeit gegen die„Auswüchse" der kommunalen Wirtschaft, gegen kalte Sozialisierung und das Verdrängen der privaten Wirtschaft mobilgemacht werden Uebe» legt man was jetzt vor sich geht, und worum es sich handelt, so muß man zu dem Schluß kommen, daß wir wirtlich an der bedcut- samsten Entwicklung arbeiten und ßetzl im Kampfe am die Ilmbildung der wirtschaftlichen 'Grundlagen der Geföllfchäft stehen. Wir werben setzt für die Partei, um neue Mitkämpfer und Mitarbeiter für diesen Kampf zu gewinnen Staatliche und kommunale Wirtschaft muß nicht schon an sich soziale Wirtschaft sein, sie ist vielmehr sehr oft eine rein kapftalistische, den kapftalistischen Interessen dienende Wirt- schäft, und solange sie sich in dem Rahmen der kapftalistischen Wirt» schaft entwickelt, muß sie sich auch der kapitalistischen Methoden des Wirtschaftens bedienen. Wenn aber die Arbeiterschaft die Demo- kratie erobert hat, in welcher sie zu den maßgeblichen politischen Kräften gehört, so hat sie auch die Möglichkeit gewonnen, die öffent- liche Wrtschaft in ihrem Geiste zu beeinflussen und auf dem Wege über diese Wirtschast neue wirtschaftliche Grundsätze Schritt für Schrift im Leben durchzusetzen. Sehen wir uns zu» nächst nur eines der dazugehörigen Probleme etwas näher an. Die Gegner des Sozialismus oersuchen mit folgendem Argu» ment Eindruck zu machen. Nehmen wir an, daß die kapitalistischen Gewinne befestigt werden; wenn man das Geld, welches auf diese Weise für andere Verwendung frei bleibt, verteilt, so wird jeder nur eine ganz geringfügige Summe bekommen. In Deutsch- land würde es wohl weniger als IM M. pro Kopf der Bevölkerung ausmachen! Gewiß, das ist schon etwas, wo bleibt aber der große Segen des Sozialismus? Ist«in solches Ziel des großen Kampfes wert? Läßt sich nicht eine solche allgemeine Steigerung des Wohl- stan-des auch mit den Mitteln der kapitalistischen Wirtschaft er- zielen? Dann folgt natürlich das Beispiel: Amerika. Diese Kritik ist entweder aus der Unkenntnis der Kritiker zu erklären oder rech- net mit der Unkenntnis der anderen. Mit der veränderten ver- teilung des Ertrages der Wirtschaft erschöpft sich der Soziallsnius bei weitem nicht. Die Bedeutung der veränderten Verteilung darf man auch nicht unterschätzen: etwa 400 M. jährlich mehr für eine Arbefter f a m i l i e ist gewiß keine Lappalie. Der Schwerpunkt der sozialistischen Umwandlung der Wirtschaft liegt aber in der Aenderung der Grundlagen der gesellschaftlichen Produktion, in der planmäßigen Leitung der gesamten Wirtschast, Beseitigung der im Kapitalismus unvermeidlichen Verschwendung und in der weit- gehenden Umgestaltung des Massenverbrauchs. Hier interessiert uns vor allem dieser letzte Punkt. Die Umgestaltung des TUassenoerbrauchs. Die Förderung des Massenverbrauchs kann auch im Interesse der kapitalistischen Wirtschaft liegen. Wir wissen, wieviel auf diesem Gebiete in Amerika, wo sogar die Automobile zu einem Massen- artikel geworben sind, geschieht. Es Handell sich dabei darum, daß die Produktion durch die Methoden der Massenproduktion sehr wesentlich perbilligt, wirb, und daß die billigeren Waren in großen Mengen geliefert werden. Es gibt ab-w noch sine andere, nicht weniger wichtige Form der Erweiterung des Massenverbrauchs, die von der privatkapitalistischen Unternehmung nicht in gleichem Maße gefördert werden kann. Ich meine die Fälle, in welchen nicht ein- zelnen eine große Menge bestimmter Gebrauchsgegenstände für ben ausschließlichen Verbrauch zugänglich wird, sondern der gleiche Gebrauchsgegenstanb einem breiteren Kreise der Konsumenten dienen fall. Eine der wefenckichsten Funktionen der öffentlichen Wirtschaft besteht darin, daß sie durch die Befriedigung eines solchen Massenbedarfs den Haushalt des einzelnen entlostet oder bestimmte Arten des Verbrauchs den Massen überhaupt erst erschließt. Ein Stadtpark für olle Einwohner, Kindergärten für Kinder au« vielen Familien, öffentliche Bäder mit billigen Preisen. Volksbüchereien— in allen solchen Fällen gibt's keinen großen Spielraum für die Rentabilität im privatkapitalistischen Sinn«. Für«inen Buchverlag z. B. ist es ohne Zweifel viel vor- teilhafter, wenn seine Bücher mehr von einzelnen gekauft werden, als wenn jedes einzelne Exemplar m einer Bücherei von vielen gelesen wird. Die Entlastung der einzelnen Haushalte auf diese Weise ist aber ganz gewaltig. Denken wir z. B. an den Verbrauch der Elektrizität: was würde es kosten, wenn jede Familie eine eigene Apparatur für die Erzeugung des elektrischen Stromes brauchte! Vor ollem wäre dann die Verwendung der Elektrizität im Haushalt nur ein Privileg von ganz wenigen. Jetzt bauen manche oer- mögende Leute in ihren Häusern besondere Säle mft Schwimm- decken. Mit dem Geld, mit welchem vielleicht zehn solche Luxus- einrichtungen gebaut werden, kann man ein Schwimmbad für viele T a u s en d e bauen. Oeffentliche Mrkfchafi als Hebel des Zllassenwohls. In vielen Fällen liegen die Dinge so, daß zwar die privat- kapitalistische Industrie von solchen Gegenständen des Massen- Verbrauchs profitiert, aber nicht diejenige, die die Entwicklung dieses Verbrauches m ihrer Hand hat. Wenn Ford die Autopro- duktion verbilligt hat, so lag es in seinem unmittelbaren Interesse. Wte kst es aber, wen» man. wie tn Wien und auch in manche» deutschen Städten, in den neuen Hausblöcken eine ge- meinsame Waschküche errichtet? Dies bedeutet für die einzelne» haushalte große Ersparnisse au Zeil und Geld, ist aber mft der Maschinisierung der Wäscherei verbunden und kommt also auch den Fabriken, die diese Maschinerie produzieren, zugute. Die Häuser werden aber nicht von diesen Fabriken gebaut, und die Wohnungsbaufirmen haben wieder nichts von dieser Majchinisie- rung. Man kann wefter an gemeinsame Arbeitszimmer denken, wo Nähmaschinen allen im Hausblock wohnenden Hausfrauen zur Verfügung stehen würden. Man könnte die Zahl solcher Beispiele sehr stark vermehren. Hier bezwecken wir aber nicht eine erschöpfende Beschreibung der vorhandenen Möglichkeiten, sondern wollen«ine von den entfchei- dend wichtigen Entwicklungstendenzen der öffentlichen Wirtschaft feststellen. Sie kollekti visiert verschiedene Formen des Massenverbrauchs und verbilligt dadurch diesen Bedarf oder macht ihn erst für die breiten Massen möglich. Auf manchen Gebieten von großer sozialer Bedeutung, wie Kinderpflege oder überhaupt Gesundheitswesen(auch in solchen Formen wie z. B. die Milchkon- troll«), kann auch wirtschaftlich zweckmäßige Kollekftvisietung der Befriedigung des Massenbedarfs nur Sache der öffentlichen Wirt- schaft sein. Dazu gehört aber eine finanziell starke, von demokratischem und sozialem Geiste durchdrungene, öffentliche Wirtschaft, durch die da? Be- tätigungsfeld des privaten Gewerbes(aber nicht die Beschäftigung?- Möglichkeiten der Arbefter!) notwendigerweise eingeengt werden muß. Um diese Wirtschaft geht jetzt der Kampf. Wir rufen noch neuen Kräften für diesen Kampf auf unserer Seite und werbe» damit für sozialistische Wirtschaft. G. Decker, ©torfer Herbsiverkehr der Reichsbahn. Bis0 M. betragen. Diesen Schulden stehen allein rund 450 000 M. Bankguthaben und Bargeld gegenüber. Hierzu kommen noch Außenstände für Bier, Hypotheken und Darlehen an die Kundschaft und in Wertpapieren angelegte Gelder van insgesamt 2,4 Mill. Mark. Die Borrät« an Bier, Hopfen und Malz werden mit rund 0,50 Mill. ausgewiesen. Daß das Unter. nehmen auch für innere Fettpolster gut vorgesargt hat, zeigt die Höhe der offenen Reserven, die bei einem Kapital von 2,4 Mill. mehr als 880 000 M., also über 35 Pro-, ausmachen. Ver Zenicntabsoh im Seplember. Das schnelle Abflauen der diesjährigen B o u f a i f o n zeigt sich auch beim Zememoerfand; er belies sich im September auf 728 000 Tonnen gegenüber 764 000 Tonnen im gleichen Monat des Barjohre» und gegenüber 787 000 Tonnen im August 1020. Konsumvereine gegen Zünöhoizmonopo!. Eine Sitzung der Geschäftsführer der christlichen rheinischen und westfälischen Konsumgenossenschaften nahm folgende Entschließung an. Gegen die Absicht der Reichsregierung, gegen eine Anleihe von 500 Mill. M. durch den Schwedischen Zündholztrust ein Zündholzmonopol ln Deutschland zu errichten, erhebt die Sitzung in, Namen der im Reichsverband deutscher Konsumvereine e. B. zu sanrmengeschlofsenen Verbraucher schönsten Protest. Die mit der Errichtung des Monopols vorgesehene Erhöhung der Z�rkaufspreife für Zündhölzer von 25 auf 35 Pf. pro Paket bedeutet eine Ver- leuerung von 40 Prvz., eine Erhöhung, die die breften Verbraucher- schichten wieder stark belastet. Da der Schwedentrust heute schon 70 Proz. der Zündholzherstellung in Deutschland hat. wird dieser Mehrpreis auch zum größten Teile dem Schwedentruste zufließen. Es muß dem Deutschen Reiche möglich sein, auf ander« Art eine Anleihe auszunehmen, ohne daß dabei die breften Ver- braucherschichten oerurteill werden, SO Jahre lang einen um 40 Proz. und vielleicht noch mehr überhöhten Preis für ihren Zündholzbedarf zu bezahlen. Der Deutsche Reichstag wurde in einer Entschließung aufgefordert, der Errichtung eines Zündholzmonopols seine Zu- stimmung zu versagen. Schicksal der deutschen Margarinelndustrie. In Ergänzung unseres kürzlich veröffentlichten Zlcttkels„Für 2 Milliarden Margarine" weist uns die Vereinigung der fteien deutschen Margarine- und Kunstfettfabriken darauf hm, daß die freie Margarineindustrie in Deutschland immer noch einen Produkiionsanteil von 25 Proz. Hobe. Dieser Anteil reiche aus. um die Monopolstellung des MargarinetrUsts hinflchtlich eines'' Preis- und Qualftätsdiktotes zu hindern. Vorbedingung fei, daß man' der fteien Industrie die Unabhängigkeit ihres Rohstoffbezuges sichere und die Konsumenten wissen lasse, daß der internationale Margarine- rrust noch keine unbestrittene Herrschaft habe. Die Lebensfrage für die ftsie Margarinsindustrie liege nicht in der Beherrschung des Oelfruchtmarktes, also des Rohstoffes für die Oelmühlen. sondern vielmehr m der wachsenden Abhängigkeit von den Konzernölmühlen, welche die Rohstoffe, d. h. die pflanzlichen Oel« und Fette den Margartnesabrikanten liefern. Konkurs der Deuisch-Russischen Filmallian; 2t-<5. lieber das Vermögen der schon seit längerer Zeit in Zahlungs- fchwierigkeiten befindlichen Deutsch-Russischen Film- allianz A.-G. in Berlin(Derussa) ist jetzt der Konkurs eröffnet worden. Es soll die Absicht bestehen, den Verleihbetrieb, den eigent- lichen Geschäftszweig des Unternehmens, sobald wie möglich wieder aufzunehmen.— Der Zusammenbruch der Gesellschaft, die eng mit der Russischen Handelsvertretung in Berlin zusammen- arbeitete, ist ausschließlich aus dunkle Geschäfte einiger Direktoren zurückzuführen. Gegen den Direktor Z ö h r e r ist berefts Anklage erhoben worden, während sein Mitdirektor Dr. Popp, das treibende Element in der Direktion, es vorgezogen hat. seinen Wohnsitz zurzeit nach Rumänien zu oerlegen. Cröllwiher vapierfabrik 10 Proz. Dividende. Die Eröll- w'tz-r Actzen-Papier,abrik A.-G. in Halle schließt ihr Geschaftsiahr 1028/20 mit einer D i v id e nd e von 10 aeaen 12 Prozent im letzten Jahr ab. Der Dwidendenrückgang ist auf Sonder- abfchreibungen für entstandene Ausfälle bei- den Forderungen zu- ruKuftchreii. die mft rund 70 000 M. einer Dividende von 5 Proz. entsprechen. Umlatzzahlen und Angaben über die Betnebsentwick- ung«erden un Gejäiastsbericht nicht gemacht. Es tnuß aber dem UM�elMen, wie fchon di« hohe Dividende zeigt, trotz der un- günstigen Einflüsse der Kältewelle sehr gut gegangen sein?ln dein von 0,87 aus 0,01 erhöhten Rohgewinn gemessen, müsse» die Umsätze gegenüber dem sehr guten Konjunktursahr 1027/28 noch gestiegen sein Auch an flüssigem Geld herrschte kein Mangel, denn m hie Anlagen wurden rund 286 000 M. gesteckt, die durchweg„über Betrieb aus laufenden Gewinnen bezahlt wurden. Mederaufbau bei der Waggonfabrik Fuchs ln Heidelberg. Nach dem Vlerteliahrsbencht der Heidelberger Handelskammer ist der Wiederambou bei der Waggonfabrik Fuchs kräftig in» Gange. Das Unternehmen hat im Frühjahr infolge Lsschäftigungs- mangel und finanzieller Schwiengkeften seine Betriebe schließen müssen und unter Führung der D ü l s« l d o r s c r W a g g o n � "c-J 1 Gebr. öchonborf«ine scharfe Sanierunqsgktion durch- gefuhrt. Ende Mo, wurde der Betrieb mft etwa'20O Arbeitern wteoer oufqcnomme», und inzwischen tonnte die Belegschaft wieder auf 353 M c n>t verstärkt werden. Da die Gejellschaft neben alten Reichsbahnaitsträgen noch aus dem Hundert-Millionen Kreditgeschäft der Waggonindustrie seinen quotenmäßiqeii Auftrags- ant-'l ZU verarberten hat. jst b[:. Aum nächsten szrühiahr eine Beschäftigung des Wertes gesichert. Verschmelzung im Berliner Metallhandel. Die Heiden Metall- bauser r 0» Hirsch Lohn und H. Schoner in Berlin baben eme Verschmehzuna ihrer Firmen beschlossen. Beide Unter- nehmen arbeiteten bereits seit längeres Zeit aus verschiedeneu Ge- fueteu der Industrie und des Handels zusammen. Das Schwer- gewicht der Eeschaftsführnng wird na6> der Verschmeizung au' die (lirma«irr», Hirsch u. Lohn verlegt werden Die Metollhandel s- sirma Schoner ist an dem Hüttenwerk Niederschone- roeide, das Anfang dieses Jahres mit dem Hüttenwerk Wilhelm Kanler in Oranienburg verschmolzen wurde, stark interessiert. wachsende Spareinlagen bei der Berliner Sparkasse. Dt« Spareinlagen bei der Sparkasse, der Stadt Berlin sind im Sev- tember um 6,58 Millionen gestiegen, während im August dieses Jahres«in Zuwachs von 6.32 Millionen Mark zu verzeichnen war ?lr. 487* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 17. Oktober 1929 „Geisteswaffen" im Landtag. Grzesinski führi die Mordinstrumente der Hugenberg-Garden vor.- Die Rechte heult.- Nmuns Abrechnung. Im weiteren Verlaufe der gestrigen Landiagsfitzung, über deren Beginn wir bereits im..Wend bericht !! berichteten, führt« Abg. B a« ck e r- Berlin(Dnat.) in seiner Begründung des Mißtrauensvotums weiter aus, feine Freunde feien immer für ein ehrliches„n e i n' statt für ein unehrliches„ja* gewesen. Sie hätten niemals ihre Meinung innerhalb weniger Monate revidiert.(Stürmische Heiter- keit— Zuruf: Sieh« D o w« s- A b st i m m u n g!) Wir sehen keinen Erfolg der deutschen Delegierten, fondern nur«in Zu- rückweichen. Die Grundlage des Volksbegehrens ist der Grundsatz: Wir wollen endlich einen nationalen Willen bekunden. Minister- Präsident Braun hat mit seiner Rundfunkrede dem deut- ichen Volke die Waffen aus der Hand geschlagen.(Zuruf: Nein, Ihnen!— Heiterkeit.) Das angekündigte Vorgehen gegen die Be- amten wäre verfassungswidrig. Wir stehen hinter dem Volksbe» zehren und werden es zum Siege führen. Min sterpräsident Or. Braun: Es ist hier weder der geeignete Ort, noch der geeignete Zeit- puckkt, über den Doung-Play zu sprechen.(Zuruf rechts: Und Ihr« Rundfunkrede?) Dort habe ich an den gefunden IRenschen- verstand appelliert, hier habe ich es mit Ihnen(nach rechts) zu tun! (Großer Lärm rechts.) Sie zwingen durch Ihr Volksbegehren auch alle diejenigen, die mit dem Haoger Ergebnis nicht völlig zu- rieden sind, die Vorzüge dieses Zlbkommens mehr herauszu- tellen.(Lärm rechts— Geqenkundgebungen links.) Jedenfalls har das deutschnationole„ja* nicht nur die Annahm« des Dawes-Planes, sondern darüber hinaus noch vier Ministersitze eingebracht. Ich lasse dahingestellt, ob das„ja* der Deutschnotionalen damals ehrlicher war als das„ja* der deutschen Unterhändler zum Haager Abkam- men. Wer aus nächster Nähe beobachtet hat, wie schnell sich die Deudschnationalen bei ihrem Eimritt in die Regierung und nach ihrem Austritt umstellten, weiß, was von der Redensart zu halten ist, daß die Deutschnotionalen niemals ihr« Ansichten geändert haben. (Sehr wahr! links.) Ich bitte, mich mit derartigen moralisierenden Aeutzerungen zu verschonen. Meine Rundfunkrede muß sehr schön gewesen sein, sonst hätte sich Herr Baecker nicht so darüber entrüstet. Die Deurschnationalen bestreiten, daß sie mit dem§ 4 des Volksbegehren» ursprünglich auch den Herrn Leichspräsidenkeu wegen Lomdevverrai» ins Zuchthaus bringen wollten. Ich begreise nicht, weshalb sie danu«in« Lende- rung diese» Paragraphen vorgenommen hoben! Uebrigens behaupten das auch heute noch ihr« Bundesgenosten, die National- iogialisten. Wenn sie sagen, meine Rundfunkred« hätte den �Gegnern Material in die Hand gegen Deutschland gegeben, so schätzen Sie unsere früheren Kriegsgegner ebenso dumm ein, wie Ihre Anhänger. Ich«rinner« in diesem Zusammenhang an Ihre Behauptung, daß nach dem Poung-Plan die Möglichkeit bestände, deutsch« Männer und Frauen zu exportieren. Beamte und Volksbegehren. Heber Kt Stellung der Slaatsregierung zu? Betetligang van Beamten am Volksbegehren habe ich folgendes «amen» der Staatsregierung zu erklären: Zu den Erklärungen, die ich gestern in meinem Rundfunkvor- trage über die Stellung der Beamten zum Volksbegehren abgegeben habe, habe ich sachlich nichts hinzuzufügen. Die Situa- tion ist Aar und einfach. Ein einseitiger Widerruf der Kriegsschuldlüge durch Reichsgcfeh ist praktisch wertlos. Es ist ausgeschlossen, daß irgendein Beamter auch nur im Ernst glauben kann, daß durch einen etwa geglückten Volksentscheid und den damit erneuten Widerruf der Sriegsschuldlüge, gegen die die deutsche Regierung schon so oft und feierlich vor der Welt protestiert hat. auch nur dos allergeringste zur Erleichterung unserer politischen und finanziellen Lage erreicht werden könnte. Jeder Beamte muß aber wissen, daß die Reichsregieniag sich mit den Reparakionsgläubigern über den Aoung-Plan verständigt hat und bereit ist, ihn. den fle als das kleinere Uebel gegenüber dem vawes-Plau ansieht, nach Zustimmung der parlamentarischen Körperschaften abzuschließen. Da- mit führt sie die Linie der Außenpolitik fort, die allein geeignet ist, durch Verständigung mit den ehemaligen Kriegsgegnern eine Er- lcichlerung der Lage de» deutschen Volkes herbeizuführen, und die in den letzten Jahren Dr. Strefemann zeitweise unter Unterstützung der Deutschnotionalen mit sichtbarem Erfolge konsequent ausgebaut hat. Mit Recht ist daher den Vertretern des Reiches für da» im Haag Erreichie der D a n k und die Anerkennung des Herrn Reichspräsidealen ausgesprochen worden. Das Volksbegehren dagegen will die Minister, die den prüfe die Wählerliste! Versäume nicht, die Wählerliste rechtzeitig zu Prüfe»! Sie ist oft sehr reich an Irrtümern und Auslassnuge«, die leicht vorkommen können. Gerade dn könntest diesmal i» der Wählerliste fehlen, und dn würdest dann am Wahltage nicht zur Ans- Übung deines Wahlrechtes zugelassen. Darum prüfe rechtzeitig die Wählerliste und fordere nötigenfalls sofortige Richtig st elluagl Die für dich in Frag« kommend« Liste ist in deiner Wohngegend öffentlich ausgelegt. Bekanntmachungen, ans denen die Auslegestelleu zu ersehen sind, findest du von Zeit zu Zeit an den Anschlagsäule«. Die nächste Veröffent- lichung an den Anschlagsänle« ist am lS. Oktober zu erwarten. Meist sind Schnlhäuser der einzelne» Bezirke als Anslegestellen eingerichtet. Die Liste» liege« zur Prüfung«och ans: täglich bis zum 2 3. Oktober, au den Wochentagen von mittags 12 Uhr bis abends 1 Uhr, am Sonntag von vor- mittags 1v Uhr bis nachmittags ö Uhr. Aouag-Pbm abschließen, wegen Landesverrak» ins Zuchthaus bringen. Es stellt somit den denkbar schwersten und infamste« Angriff dar. der überhaupt gegen eine Regierung geführt werden kann. Ein Beamter, der sich daran beteiligt, begeht unzweifelhaft einen Verstoß gegen seine Beamlenpslicht. Sein Staat der Welt, der noch aus Ansehen und Autorität Anspruch erhebt, kann sich derartiges gesollen lassen.(Stürmisches„Sehr richtig* links.) Aus dieser Er- ieunlnis heraus habe ich in meinem Rundfunkvortrag ausgeführt, daß Ich es nicht verstehen würde, wenn ein Staatsbeamter das Volksbegehren unterzeichnete und sich damit den Vorwurf des Laudesverrat» sowie den Antrag aus Znchthansbestrasung der obersten Reichsbehörde zu eigeu machte. Diesen Standpunkt nehmen auch die großen Beamlenverbände ein, was für den ge- sunden Sinn der Beamtenschaft spricht. Ich spreche deshalb auch hier noch einmal namens des gesamten Staats- mtoisterlnms die bestimmte Erwartung aus. daß sich jeder Staatsbeamte in vollem Bewußtsein seiner Pflichten, die er auch außerdieustlich dem Staat gegenüber hat, darüber Nor sein wird, daß ein Eintreten für das Volksbegehren, gleichwie in welcher Form, mit seinen Beamtenpslichteu nicht ver. einbar ist.(Stürmischer Beifall bei den Regierungsparteien— minutenlange Gegenkundgebungen rechts.) Innenminister Grzesinski: Der Stahlhelm ist in Rheinland und Westfalen auf Grund des Gesetzes vom 22. März 19Ä a u f g e l ö st, weil es sich noch Anlage, Vorbereitung und Durchführung seines sogenannten Ge- ländespiels im September bei Langenberg und Velbert ganz un- zweifelhaft um«in militärisches Manöver handelte. Das ergibt sich daraus, daß auf Grund einer gedruckten Ge- sechtsloge manövriert wurde, die beid� Parteien kriegsmäßig gegencinander aufklärten und in ausgeschwärmter Schützenlinie im Zusammenwirken verschiedener Truppengattungen mit Seiten- deckungen nach neuesten militärischen Grundsätzen gegeneinander vorrückten. Heber den militärischen Wert wurde am Schluß.eine militärisch« Kritik durch frühere Offizier« abge- halten. Leiter der Uebung war ein Major a.D. Heid er aus Dortmund, der als führendes Stahlhelmmitglied bekannt ist. Herr Seldte hat an der Hebung zwar nicht teilgenommen, doch war sei» Koprmen angekündigt. Schon zweimal vorher war die Hebung in- folge seiner Absage vertagt worden. Wenn er auch zuletzt nicht er» schien, so mit dem Gnind, weil er durch die Vorbereitung des Volks- begehren? abgehallen wurde. Verschiedene schriftliche Aeußerungen zeigen deutlich, welch« Zwecke und Ziele mit der Hebung erreicht werden sollen. Der Landesführer Swdienrat Mahnke in Hagen schreibt z. B. an die ihm unterstellten Gaue über das Manöver, das politische Odiuni cm«.derartigen sogenannten„militäaschen Betätigung in Massen* 'Jone vSiefe&te A R.C O P H O N 5 A R C O'P'H O N 42 ARCOPWON 3,, Ha« ist die akustisch richtig konstruierte Membran. Pas Arcophon hat ein« FALZMEMBRANi sie ist. das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung und gewährleistet durch ihre besondere konstruktive Eigenart eine so naturgetreu« Wiedergabe, daß {«der, der das Arcophon einmal gehört hat, sogt: ,AU Lautsprecher A R C O P H O NT Es gibt einen Telefunken-lautspredief in jeder Preislage» ARCOPHON 4Z RM42.- ARCOPHON3 RM73.- ARCOPHONS RM98.« nur T ELEF UNKEN v| E D E U T S C M E W E LT MARK E Verkäufe Lt»»l»»i». 6>iBat. Roloniefltojt j_' Wkbslhler-Tcpviüe. Stein. Webfehler 2XZ 19,— Marl. ,2X8 3X4 2x3 Stein» Wrbichlcr Steine Webfehler Steine Webfehler U Qualität Ta Qualität ta Qualität S4,- Mark 38,— Marl 59,— Marl. 38,- Mark. 214X314 55,— Marl 3X4 85,- Marl Siicner, Berlin. Botsdamerfirakie 23». 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Origina'- zeugnisse sind mitzubringen, Wolfferts& Wittmer, Berlin W 8, MauerstraBe 86 88. müsse getragen werden, um einen durchschlagenden Eindruck bei Palizei und Gegnern hervorzurufen. Man wollte also die Volizel abschrecken, einzugreisen. sLachen rechts.) Man Hot offen ausgesprochen, daß der Stahlhelm die Erbschaft des alten Heeres übernehmen müsse. Darüber hinaus hat man gemahnt, vorsichtig zu operieren, damit man sich nicht die Polizei vorzeitig auf den Hals zieht. Ein solches Vorgehen kann sich kein Staat gefallen lassen. Noch dazu von einer Organisation, die seit Jahr und Tag ihre offene Staatsfeind. lichkeit betont. So hat der Stahlhelmführer Düsterberg aus> geführt, daß eine Besserung des parlamentarischen Systems aus sich heraus nie.zu erreichen ist und daß deshalb der Stahlhelm mit dem Schwer» kämpfen müsse. Ich erinnere auch an die vergeblich abge- leugnete Hatzbotfchaft. Erst Ansang Oktober hat Seldte in Waldenburg erklärt, daß das Volksbegehren der e r st« Schritt zur Eroberung der Diktatur werden müfle. Jdj hätte meine Pflicht versäumt, wenn ich nach diesen Vorkomm- nissen nicht durchgegriffen hätte. Damit ist van der Polizei nichts gegen die Durchführung des Volksbegehrens unternommen worden. das ja amtlich zugelassen ist.(Lachen rechts.) In diesem Moment werden neben dem Minister zwei Tafeln aufgestellt, auf denen Revolver. Dolchmesser, Stahlruten, Totschläger, Schlagring« usw. befestigt sind, die in zwei nationalsozialistischen Versammlungen im Berliner Westen beschlagnahmt wurden. Auf der rechten Teste des Hauses erhebt sich großer Lärm, die Nationalsozialisten klatschen in die Hände. Vizepräsident Dr. von Kries macht inmitten des Lärms einige schwach« Versuch«, Ruhe zu schaffen, und verläßt schließlich den Präsidentenstuhl. Damit ist die Sitzung unterbrochen. Der groß« Lärm im Saal hall an. Nach Wiedereröffnung der Sitzung setzt Minister <8 r z e fi n s k i feine Rede unter großer Unruhe fort: Ich bin auf« tiefste erschüttert über den Tiefstand der politischen Moral, der durch das Gelächter zum Ausdruck kam, als die beschlagnahmten Waffen gezeigt wurden. Meine Herren, das sind die politischen Waffen, mit denen Verbrecher kämpfen.(Großer Lärm rechts.— Stürmische Zustimmung links.) Mit solchen Waffen stnd Polizeibeamte erstochen worden. Auch den Kommunisten sind Waffen abgenommen worden. Zeigt sich nicht in diefen Taffachen eine unglaubliche Verrohung und Entsittlichung des politischen Kampfe«? Ich betone, daß meine Maßnahmen kein« besondere Behandlung des Stahlhelms darstellen. Ich werde gegen jede Organisation einschreiten, die eine Gefährdung des inneren und äußeren Friedens darstellt. Das mag sich insbesondere Herr Kube merken.(Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.) Ich warne nur einmal. Wer nickst hören will, muß fühlen! Wir werden gegen feden, der den Staat angreifen will, rücksichtslos vorgehen.(Leb- hafter Beifall links und in der Mitte.— Lärm rechts.) Abg. Leinert(Goz): Dir Sozialdemokraten stellen uns hinter die Regierung und haben mtt ihr den festen Willen, in Deuffchland Zustände zu schaffen, die«s jedem ermöglichen, sich ohne Lebensgesahr politisch zu be- tätigen. Wir wenden uns ober dagegen, daß Organisationen, die den Sturz der Republik wollen, bei ihren Veranstaltungen den Schutz der Polizei in Anspruch nehmen. Es darf nicht geduldet werden, daß politische Organisationen ihre Mitglieder zu Verbrechern «gen die Republik erziehen. Die wüsten Beschimpfungen haben die Mordhctz« geschaffen, der Erzberger und Rathenau zum Opfer ge- killen sind. Dagegen kann es kein« sentimental« Rücksichtnahme mehr geben. Wir begrüßen die Befreiung der Rheinlande durch hie Derständigungspolittk. Durch das Volksbegehren sollen andere Nationen über die wahre Stimmung des deuffchen Volkes getäuscht «erden. Es besteht die verbrecherisch« Absicht. Zustände wie seiner- zeit im Ruhrgebiet herbeizuführen, um die Diktatur aufzurichten. Die Befürworter des Volksbegehrens begehen außenpolitisch «in Verbrechen und treiben innenpolitisch zum Bür- g« r k r k e g. Wir fordern vom Staat, daß er sich gegen«in solches verbrecherisches Treiben zur Wehr fetzt.(Unruhe rechts.— Beifall links.) Alx,. Steuer(Dnat.) bezeichnet die gezeigten Waffen als Taschen- und Küchenmesier, die keinen Eindruck hervorrufen. Es lei nicht anzunehmen, daß eine Partei solche Gegenstände systematisch als Waffen benutzt. Gegen das Reichsbanner fei man unbegreiflich nachsichtig. Die Staatsregiernng hätte den Terror und unsauberen Egoismus zum Bundesgenossen erwählt. Das zeige sich in der Stellung zu der. Beamten hinsichtlich des Bolksbeqehrens. Seine Freund« bezweifelten noch, daß man mtt dem Verfahren gegen Beamte ernst nmchen wird. Jedenfalls wäre das verfassungswidrig. Es wäre ein Gesetz nötig, das den Staat gegen den Mißbrauch der Staatsgewalt durch republikanische Minister schützt. Es fei unglaub- lich, daß an dem Versklavunpsplan noch Deuffche mitgearbeitet hätten. Seins Partei werde mit dem Volksbegehren über den Marrismus hinweggehen und das deutsche Volk befreien. Abg. Sube beantragt zur Geschäftsordnung die sofortige Herbei. rufung des Ministerpräsidenten, der den Saal oerlassen hat. Der Antrag findet Annahme. Innenminister Grzesinski äußert sich zu dem Antrag auf Rückberufung des Oberbürgermeisters von Berlin aus Anlaß des Falles Sklarek. Er erklärt, daß der Fall Stlarek mit anderen das Schicksal teile, in der Oefsentlichkeit zur Agitation und Sensation auegebeutet zu werden. Das lenk« den Blich vom Wesentlichen ab. Die Gegner kommunaler Selbstverrval- tunq haben ohne Rücksicht auf die Stadt Berlin die Angelegenheit ausgenutzt, um damit ihre auf Einschränkung der kommunalen Selbstverwaltung gerichteten Bestrebungen zu unterstützen. Me immer auch die Untersuchung auslaufen möge, die Staatsregierung werde es ablehnen, diesem Einzelfall grundsätzliche Bodeuttmg für Der„Vorwärts" ist das Vlatt der Kopf- und Handarbeiter! Abonniert den„Vorwärts"! Ich abonniere den.Vorwärts"(und die Abend- ausgäbe für Berlin„Der Abend�) mit den illustrierten Bei- lagen.Volk und Zeit" und.Kinderfreund", sowie den Bei- lagen»Unterhaltung und Wissen"..Frauenstimme".Technik", .Bück in die Bücherwelt" und.Iugend-Borwärts" in Groß- Berlin täglich frei ins Haus (Monatlich 3,60 Mk., wöchentlich 8S Pf.) Ausfüllen und einsenden an den Verlag des„Vorwärts" Berlin SW 68, Linden slraße 3. Werbeveranstaltungen Heute Donnerstag, den-17. Oktober: S. Kreis Wilmersdorf. 19� Uhr im Vittoriagarten. Wilhelmsaue 114/115. Referent: Stadtrat Ernst Reuter. 108. Abt. Köpenick. Treffpunkt zum Werbeumzug 18% Uhr auf dem Wilhelmplatz. Anschließend Kundgebung im Stadttheater. Friedrichstr. 6. Referent Carl Litke, M. d. R. Morgen, Freitag, den-IS. Ottober: 92. Abt. Neukölln. 20 Uhr in den Paffage-Festsälen, Berg- straße 151. Zur Aufführung gelangen die Filme „Brüder" und„Die Kinderrepublik". Referent: Stadtrat Hermann Kühn. 191. Abt. Treptow. 19� Uhr Film- und Vortragsabend im Lokal vorm. Ritschke, Am Treptower Park 25/26. Filmvorführung:„Was wir schufen". Ansprache: Stadtverordnete Dr. Käte Frankenthal.— Achtung! Vor der Versammlung Demonstration durch den Ort. Abmarsch mit Musik pünktlich IZl-ü Uhr von der Wiener Brücke. 129. Abt. Friedrichsfelde. 19% Uhr im Lokal Tempel. Prinzenallee 45, Filmvorführung„Freie Fahrt". An- schließend Vortrag des Genosien Hermann Harnisch über das Thema:„Der Kampf um die Stadtverwal- tung". Zum Abschluß laufen zwei kleine Filme. Ein- tritt frei. 124a. Abt. Mahlsdorf-Tüd. 20 Uhr bei Draber, Uhland- straße 18. Referent: August Niemann. Alle WählerinDen und Wähler sind eingeladen die Frage der Selbstverwaltung und Selbstverantwortung bei- zulegen. Ueber den Stand der Untersuchung könne und wolle er nichts mitteilen. Die Reffe des Oberbürgermeisters Böß sei eine Angelegenheit der Selbstverwaltung. Mit dem Urteil über die An- aelegcnheit Sklarek soll man so lang?.zurückhalten, bis durch die Untersuchung Klarheit geschaffen ist. In erster Linie muß die G e schöftssührung der Stadtbank selbst untersucht werden. Die Staatsregiernng hat das größte Interesse daran, daß die Schul digen zur Verantwortung gezogen werden. Abg. Letterhaus(Z.) meint, man wisse� nickst, ob es Naivität oder Dreistigkeit sei, zu behaupten, die Stahlhelmkundgebungen wären Spiel« gewesen. Selbstverständlich sei es ein Spiel gewesen. aber ein gefährliches, nämlich das Spiel mit dem Bürgerkrieg. Deshalb fei das Verbot des Stahlhelms im Rheinland und Westfalen eine Selbstverständlichkeit. Das Zentrum strebe nach einem Zustand, in dem Wehrverbände nickst mehr not- wendig sind. Der Staat soll sich selbst schützen. Das Zentrum er- warte, daß auch ander« Organisationen, die den Bürgerkrieg vor- bereiten, verboten werden. Dazu seien besonders die Rational. f o z i a l i st» n.zu rechnen. Die Deuffchnationalen hätten kein Recht, über Terror gegenüber Beamten.zu schreien, da sie in der Vor kriegszeit Gesinnungsschnüffelei bis.zum Nachtwächter herab ge� trieben haben. Abg. Kasper(Komm.) erklärt,«, fehle der Wille, den Falchis- mu» zu bekämpfen. Der Innenminister hätte den Stahlhelm wohl. rnetsfich da verboten, wo er am schwächsten sei. Der Redner wirst dem Innenminister„zynische Frechheit" vor und wird dafür zur Ordnung gerufen. Hierauf vertagt sich das Haus zur Weiterberatung auf Donnerstag 11 Uhr. Außerdem steht auf der Taqesordmmq: Be. fchlußfassung über die Gestaltung des Sklarek-Untsrsuchungs ausfchusses. Einsendungen Be dies« Nsbelk sind v« e I t» SB 88, Lindenftraß« 3, parieinachrichien/W� fürGroß-Berlin stet» aa dn» B«jirk»sekreti>ri-I l. Hof, i Treppen rechte, zu richten. Achtung, Gtadwerordnetenfraktion! Die Tribünenkarten zur heutigen Stadtverordneten- Versammlung sind vergriffe«! «eei» vreuzlauer.«et», szreita«, 18. Oktober. 19V4 Uhr. tut Bezirk-«mt. Danziger Sit. 64, Beginn de, flutsu,:..Kovitalisiisch« und sozialistische Wirtschaftspolitik". Lehrerin: Dr. Tora szabian. Anmeldungen bei Be. 4. strei» Brenzlauer Berg. Freitag, 18. Okwber. lg Dana!.'" Wirtsgi nn de, Kursus. 8. Brei» Friedrichs Hai». Freitag. 18. Oktober, 181» Uhr, ausserordentlich« Bezirkmiersammlung im Rathau». Stodtverordnetensi»ung«saal.-kinlaß. karten ab 1814 vbr beim Genossen lzilcher, Eingang Spandauer Strafte. 8. Brei» Wilmeredorf. Ächtung. Abteilungslei'er! Nach der heutigen Ler- sammlung findet eine kurze Besprechung statt. Stimmbezirksuerzeichn!» 'ist mitzubringen. 12. Brei» Steglih. Freitag, 18. Oktober. 1914 Uhr, in der StadtbScherei. Grunewaldstr. 2. Beginn des Bursu»:„Geschichte der Revolutionen". L-Hrerr T-aul Bernstein. Anmeldungen Im.siursuelokal. 1». Brei, BSpenig. Die in der kommunalpolitischen Nortraa»reih« fllr den 18. und 28. Oktober vorgesehenen BoetrSge:„Kommunalpolitische» au» dem Bezirk Köpenick" sinken umsiöndeholber nicht statt. 19. Brei» Pankow. Moraen, Freitag, IS. Oktober. 1914 Uhr. bei Meier, Türkische» gelt. Breite Str. 14, Beeikdelea'ertenperiammlnng. S, werden die-instlmmung-erllorn ngen Be die Wahl»erteilt. heute. Donnerstag. 17. Oktober: 88. Abt. Lichtenrade. Die B«zirk»Bhrer treffen sich heute, 19 Uhr. bei Semmler zur Moicrial- und sziugblattau»gabe. RentSlln. 89. Abt. Bez-rkssithrer können Liften zum Abschreiben nnd b!« Ein» latung», eitel für die Demonstration vom Genossen ssris. Schul,. Manitiu»- strafte 20. abholen.— Abt. 19-4 Uhr bei Schabeilo. Weichselsir. 5, ssunktionärstdung.— 93. Abt. Ab 18 Uhr siiugblätter abholen von Schauer. Treptower Str. 90, Ecke Weserstraße. Die Abholung erfolgt noch den alten Bezirken. Morgen. Freitag. 18. Oktober: 47. Abt. 1914 Uhr bei Siedentopf. Muskauer Str. 38. ssunktionürsißung.— Am Sannabend, dem 19. Okbober, ab 17 Uhr. Berteilung der sslugblSttee von Siedentops, Mu»kauer Str. 35. au».— Achtung! Die Aufnahmen der siubilar« liegen ebenfall» im Lokal Siedentopf zur Ansicht au». Be. siellungen werden dortfelbst entgegengenommen. »a. Abt. Renküsln, 33. Bezirk. 1914 Uhr Zohlabend im Lokal Briefe. Weichsel. straft« 8. Bortraa de» Geeossen Stadwerordneten Richard Brille. 48. Bezirk. Lokal Schabeiko. Weichfelstr. 8..«ahlabend. 128. bi» 130. Abt. Vankow. M Uhr in Blemm» Bierhallen. Berliner Str. 118. wichtige lzunktionärsiftung. Erscheinen dringend erforderlich. Frauenveranstaltung. 42. Abt. Leute. Donner»tag, 17. Oktober, 20 Uhr, beginnt unser Gnmnast'k- iursu» bei Seebak, Willibald-Alcris-Str. 8. Alle Genossinnen, auch Gdsie, stnd willkommen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 7. Brei» Tharlattendurg. slreitag. 18. Oktober. Besichtigung der Binder. heilstütt« Buch. Treffpunkt vllnktlich izt. Uhr Bahnhof Buch, stllge gehen alle 20 Minuten v»m Stettiner Bahnhof oder Gesundbrunnen. Dl« Beteiligung ist nur für Lelferiinnen) der Arbeiterioahlfabrt gedacht. Vereinigung sozialdemokratischer Juristen: -fcillzbfe Zungfoziaiisten. Achtung. Gruppenleiter! Die Sruppenprogramm« für Ztovember und De- zembee sind di» zum 20. Oktober pünktlich an den Genosien Burk Aivgelmaon. Beelin�-stöneberg, ffrift-bieuter-Str. 8, einzusenden. Gruppe Friedrich» Hain. Leute. Donnerstag. 20 Uhr. rm Jugendheim Tn» siter Str. 4. Vortrao:»Marr und Engel», die B-gninder de»-vistenschaUlchen Soziolismu,". Referent: Jakob M-n-r. Interessierte Bartei- und SAZ.-Genossen firib lvillkoaunen. Gruppe Sude», �rertaq, 18. Oktober. 20 Mr. im Iugeudbeim Yorckstr. iL Bortrag:..Louor4 de BalZar". Gäste stnd willkommen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Berlin. Ae-ei« Bren flauer Ber«. Freitag, 18. Oktober, 20 Ubr. in der Bararfe, Dan�iger Str. 62, wichtige Areisbelfersttznng. Sannabend. 19. Oktooer. 17 llyr. in der Aula, Danziaer Str. 23. Kreisnnacabend und Tanzabend. Kreis Sleukclla. Am. , Mi;• N Größte s Sp ezio/qQschctft seiner Art in. ganz Deutschland Joe Corrie:„9ngWer" Tn Autor ist tia schottischer Bergarb« itordichter. ber ia der englischen Literatur bereit» einen vertienftvollen Namen bat. Der erst« Preis fällt Nr. 24 zu. Erhebe dich von deinem Sitze, Nr. 241* Der Schulmeister blickte über fein« Drillengläser hinweg und heftete seinen Blick erwartungsvoll auf Angus, das aufgeweckte Söhnlein des Grubendirektors. Doch»Nr. 24" erhob sich an einer anderen Ecke von seinem Platze; es war ein kleines Bürfchchen mit rotem Haar, in einem ihm viel zu großem Wamse, mit einem Paar Hosen, die«in mächtiges Loch bei den Knien zeigten, ohne Schuhe, bloßfüßig. Es war der kleine Thomson, der in der Schule den Spitznamen.Ingwer* führt«. Ihm fiel der von einer Schulstiftung gespendete Preis für den besten Aufsatz.Seid menschlich mit den Deren!* zu. Der Schulmeister war enttäuscht, aber nicht über- roscht „Ingwer* hatte Talent zum Schreiben und Zeichnen, und er fand an diesen Gegenständen mehr Gefallen, denn jeder andere. Alle Augen waren aus ihn geheftet als er sich erhob, und sein Gesicht bedeckte sich mit Purpurröte. JEomm heraus aufs Podium, Thomson*, sagte jetzt der Lehrer. Und in einer netten Ansprache, die er dem Knaben hielt, drückte er die Hoffnung aus, daß er den Preis, ein Buch.mit dem Titel:„Wie erreiche ich im Leben Erfolge?*, gründlich lesen, die vielen Lehren, die es enthielt, sich zu Herzen nehmen und schließlich auch selber im Leben Erfolge ernten werde. Dann händigt« der Schulmeister dem bebenden, zersetzten, bloßfüßigen Jungen, genannt„Ingwer*. den Preis ein. Was für«in Stolz erfüllte den Jungen, als er die Schwarze Straße herunterstürmt«, um an diesem Nachmittag Vater und Mutter den Preis, den er. bekommen hatte, zu zeigen! »Seg's zu unterst in die Kiste*, sprach die Mutter,„und mach« es mit deinen schmierigen Händen nicht schmutzig!* „Eine Menge Albernheiten', sagte der Vater,.es hätt« für dich mehr Sinn gehabt, wenn du ein Paar gute Schuhe bekommen hättest, in Anbetracht des Umstandes, daß du bald die Schul« ver- läßt. Beeile dich mit dem Mittagesien und lauf dann zum Schmied herunter, ob er mir meine Spitzhacke schon geschärft hat.* Den ganzen Abend hindurch verschlang unser kleiner„Ingwer* sein Buch und träumte davon, wie er es in der Welt zu etwas bringen und ein wohlhabender und daher großer Mann werden werde. All die Männer, die in dem Buche beschrieben waren, waren aus der Armut zum Reichtum gelangt, warum nicht auch er? Und in derselben Nacht träumte ihm davon, daß er von London aus einen Besuch in der Schwarzen Gasse machte, um seine Schul- kameraden wiederzusehen. Er saß in einem eleganten Luxusauto, trug einen Halbsteifen Hut neuester Mode und rauchte eine Riesen- zigarre.., » Sie eilten rasch auf dem Weg« zur Grube dahin. Jeden Augen- blick konnte das Hornsignal erschallen und die Eingangs-Kontroll- schranke in den Schacht geschlossen werden. . Der Regen rann in Strömen durch die Finsternis, jeder Tropfen drang durch die Hosen bis auf die Haut. Der Bater hielt jetzt inn« und starrt« nach rückwärts. .Wo steckst du denn, Himmel noch einmal? Also kommst du schon?* .Jawohl*, hauchte Ingwer. „Was ist denn los mit dir?* .Ein Nagel ist in meinem Schuh drinnen.* Ingwer bleibt für eine Sekunde stehen. „Vorwätrs, vorwärts!' schnarrt der Vater,.und weniger von den Narrheiten.* Sie greifen noch ihren Kontrollmarken— ihren Nummern mit Namen— und eilen dann den halbverfaulten Stiegenganz in d,« Grube herunter. Herunter, herunter schreiten sie in den Abgrund, herunter her- unter in den wahrhaftigen Höllendorm. halb blind, halb blöde, mehr Tier als Mensch, tappend, tastend, sich vorwärts müheich, sich win- deich, drehend, brummend, fluchend, lästernd, und all dies für das gewöhnlichste Ding auf Gottes Erdboden— trockenes Brot! Durch die niedrigen Schachtweg-, mit den Grubenhunten kämpfend, die quietschen, weil sie nicht mit Fett geschmiert wurden, mit zerfchundenem Rücken, sich bemühend, die Förderwagen zu heben, wenn sie auf einer falschen Schienenstrecke laufen, so schuftet Ingwer den ganzen Tag hindurch, bis zu den Knien im Wasser stehend, während chm die schweißbedeckten Fetzen seines Arbeits- Neides am Leibe Neben. „Seid menschlich mit den Tieren!*—„Wie erreiche ich im Leben Erfolge?*—„Eine Schulstiftung des Vereins— Grüne Hoffnung*. „Ich wünschte, ich wäre tot*, spricht Ingwer so manches Mal während dieser Tage, sein Tränenkrüglein neben dem eigensinnigen Grubenhunt ausweinend. Doch die Zeit vergeht, Monate gehen vorüber, das Fleisch wird härter, und es kommt über ihn jene große Gleichgültigkeit gegen- über allem, die auch ganze Generationen der Thomsons vor ihm ergriffen hatte.„Wie erreiche ich im Leben Erfolge?*, das war «in Ding mit zerfetzten Deckeln, schmutzig, mit zerrisienen Seiten. Seine größte Hoffnung war— ständige Arbeit für eine Zeitlang— sein größter Jugendtraum— ein Konsektionsanzug mit langen Hosen. Ein. oder zweimal besuchte er während dieses Winters auch die Abendschule, aber er schlief während de» Unterrichts vor Müdigkeit sin. So lieh er es also sein und stand lieber an der Straßenecke, hörte den lauten Unterhaltungen über Sport zu, den sich immer wiederholenden Ersahrungen, die man aus der Grube auftischt«, und schließlich gewann er auch eine unzüchtige Kenntnis über sexuelle Dinge. Und bald lernte er„Kopf oder Adler* spielen und verlor seine« letzten Penny lächelnd. Die Hand, die einst so geschickt gewesen war, den Zeichenstist zu führen, bekam Erfahrung, Kreuze auf Fußball-Wettkupons zu fetzen und Einsätze beim Buchmacher zu machen. Die Sonntag« verbrachte er von früh bis Abend in einer Spiel- Hölle, die im alten Maschinenhause bei der„Nancy-Grube* untergebracht war. Und kaum siebzehn Jahr- alt, war er bereits ein Mann, der in das Wirtshaus.Gothenburg* wie zu Hause einging, ohne zu zucken, ohne vor Scham zu erröten. .Ich bin Ingwer Thomson, und wer kann sich mit mir messen? Will einer mit mir einen Händel wagen?* Ingwer tastet aus der Schenke auf die Straße hinaus, seine Herausforderung mit lauter Stimme brüllend. Er hatte soeben zehn Schillinge bei einem Wettspiel verloren und eine Niete gezogen. Er bot einen kläglichen Anblick, denn er war heute das erstemal in seinem Leben detrunken. Sein Vater geht jetzt zu chm heran. .Mach, daß du heimkommst, mach keinen Narren aus dir selber, geh heim, sag ich dir!* Er packt ihn beim Rock.„Ingwer*. reißt sich los und wirft seinen Rock auf die Erde. „Du alter Eselk* Er nimmt gegen seinen Vater einen Anlauf und stürzt zu Boden. Eine Menschenmenge sammelt sich um ihn herum. Ingwer steht unsicher auf, in seinen Augen leuchtet Tollheit. „Wo ist der alte Esel!— Laßt mich zu ihm!* Seine Kameraden raufen mit chm. Er schlägt wie ein wildes Tier um sich, bis er erschöpft zu Boden sinkt. Dann beginnt er wie ein kleines Kind zu heulen. Man bringt ihn heim und setzt ihn in einen Lehnstuhl neben dem Herde nisder. Mit zitternden Händen löst ihm die Mutter das Hemd beim Halse, schnürt ihm die Schuhe auf, während er seufzt und rast und dann wieder verspricht, nie mehr durch die Tür eines Wirtshauses zu gehen. Doch die Mutter schüttelt ihr Haupt—> sie weiß es anders.« * Dieser Vorfall mit dem jungen Ingwer ereignete sich am selben Abend, als Angus, das Söhnchen des Herrn Bergwerksdirektors, die Universität bezog.(Bercchtialc Uebersrhun« von I. Reismann.) Sonnt. 5 Uhr 1 US i Int Charde Rhrel. 3 WhlrMndn, UngTack Sam et« rühr» /.Ollis. 2819» Bsoacn orlauht „l I n 0 0 P" o. weitere Attrektlonea J Großes Schauspielhaus Heule 8 Uhn Zum Mal« sMusketim Jerger, Hansen, Arno, Llungberg, Hesterberg, Lieske, Lenz, Wegener, Morgan, Schmidt, La]ana,Winheistern,Orlli( Regie: Erik Charell GesamtiDsatg.: Prof. Ernst SUrn. Mna. Leltg;■ Ernst Hauke. 3 Uhr ungck. Vorstellung, halbe Preise. TolKsblllme Tlrntir inBOlitglaii 8 Uhr FrOhlings Erwachen StaatLSdiillar-Ib- 8 Uhr Der Ranlmaiio von Veneflta Staatsoper Am PL d Republik 7-5 Uhr Die Fletlermaot Theater am Rollendorfplatz Täglich S-A Uhr Mllltarmuslh Deottüiet Hieater O.L Norden 12310 8 Uhr Ittxle VontdliaiM I Die Fledermans Musik r.Joh. StrauS. Regie: Max Reinhardt Musik. Einrichtung E. W. Komfioid. Ausstatte. L. Kalnei Kammersplele D.I. Norden 12310 8-5 Uhr Der Dttriderstehliebe KomO Gäraid» CASINO-THEATER Lothringer Strafe 1 5 7. Reu I Täglich SVi Uhr Neu I wertagie Hoch zeltsnac tut und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein(Or 1—4 Personen Fauteull nur I.2S M, Sessel 1.75 M, Sonstige Preise: Parkett II. Rang8-5 Uhr Bla an die Grenzau dar Walt 36Vi Uhr Utaal daa Stamaalielrttt rägl.avSer Montags u. Mittw. Erwachs. 1.'Ak, Kinder SO PL Mittw.: Erwachsene 50 Pt, Kindar 25 PI �Donnerstag gK FREITAG SONNABEND Hlc acCV�c\ �0� �490 ...... � Seide und Samt Rippensamt* 90 •oh&sii Druekmaater........ Katar JL FulgurantlÄt"1 780 •obirmrz tl leaohtende Fama, Mtr. Jmi 4r 475 Crepe de Chine ESO retne Saida, gmta Klalderwzi«, Mtr.%J |90 Satin Brillant Sf* �50 Emaaamtda, viele FarMa..... Katar Kleidersamt qnaJltSt, aeodetM Farbaa...Ketar /aSe�'« �Oae°"•«. SO� '«rbee � i $stin Faconne aaaa Futtatiarbea. .Ketar *{ZpfuäZ"z�27s Spitzen Valcndcnncs-Wfischespitzc 5rt MtS 8pt 5�,m5 1 0«. Seidentüll 225 Kleiderspiize*�-7»%so Sts moderM Küster, Meter ä TC O Kurzwaren Glanzstopfgam cn vcre.hledene Farben... 16 Talnel OcJpt. Obergam- MD0£SÄ 75«. Schnei derbüste 1 175 Pelzkragen 3 25 Pelzbesätze, Garnierschnallen ta grosser Aaswahl Weisswaren Krmömn �4»»•* Cklas. mit Utf- 1 90 ruragen a. farblc.Kl]>(ase3t 1 Bindckrogen 1 90 mit 8p»chtelz4ck chan garniert, ßtaek X D Grosse Weste SttitS et 1 90 Neuart. Weste 2S3 Unser Serienverkauf bietet Vorteile, die Sie nützen müssen! Lnstspleibus Priedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8-5 Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank iüelnes Tbeat. Merkur 1624 Täglich 8-5 Uhr Max Adalbert als Manie am FlOgel Rudolf Nelson TkuLanUttMar Kottbusser Str. 6 ragusuhr aoet Sannt. nachm. 3 U. Eilte' Sänger Derdoppolio Hwln! ,Ein Welt- rekord d. 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Ein Posten Pianos wenig gebraucht, wie neu, kreuzsaltlg. wegen NichlcrfaUung der Kaufverträge zurückgenommen, nur an Private gegen Barzahlung billig abzugeben. Pianofabrik, Bolzmarktstraße 53 Telephon E 4, Alexander 6413 iriKfD■'''■ -X. Danksagung. die fibttaus herzlich« Seil. und zahlreichen Blumen» wenden det der Etnalchernng meines lieben Manne» und unsere» Batet« Emil Bratke sagen mtt allen Berwandien. Freunder. und Belanmen. ittsdeionderen den Freien Schwimmern Groß. Berlin it. B, der 93. Gibt der SPD. und allen anderen Erichienenen unseren ileiempsundenen Dant krau Berte Drclke, geb. 9 erner und Kinder. Für dt, vielen Beweise hezzUcher Teilnahm« bei dem Hewtaang« meine« Heden Manne« und B-Ier» sag» ich allen Freunden, deionder» den Rollegen vom Borwärt», den Rame» raden vom Reich«banner. ten che» nosien uro chenossinnen der 7. Ab- leilung und dem Bertehrvdnnd mei- nen ausruhtlgllen Dant krau Verla Laogneff □nd Sohn Qerhcrd. Zurück pr. Fritz Bodländer i-■