BERLIN SonnMag 12. Oktober 1929 10 Pf. Nr. 488 B 243 46. Jahrgang Erschetattislich a»ßer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Dorwürl«'. Bezugopreis beide Ausgaden 85 Pf. pro Woche, S.SOM. pro fDJonat. Redaktion und Eroedition-, Berlin SW 68. Lindenftr.» I e i g e n» r« i«: Die einspaltige Nonpareilltjeil« Pf.. Reklameielle 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. ßscheckkont«: Dorwärts-Derlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»7526. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bi« 2S? Schneider suspendiert. Die weitere Ausübung der Amisgefchäste untersagt. Bürgermeister Scholz hat in Vertretung des Ober- bürgermeisters dem Vorsitzenden des Bezirksamts Mitte, Bürgermeister Schneider, die weitere Ausübung der Amtsgeschäfte auf Grund des Disziplinargesetzes vor- läufig untersagt. Helfer der Gklareks. Kommunist Gabel leistete Gchlepperdienfie. In der gestrigen Bezirksoerordnetenoersammlung des Bezirks SBcdding machte Bürgermeister Genosse Leid Ausführungen, die erneut zeigten, in welch starkem Maße die Kommunistische Partei mit dem Sklarek-Skandal belastet ist. Der Bezirk Wedding hatte außer bei den Sklareks, auch bei anderen Privatfirmen Sachen gekauft. Dos war dem Vorsitzenden des Aufsichtsrotes der Berliner Anschaffungsgesellschaft zur Kenntnis gekommen, und er richtete den nachstehenden Brief an das Bezirksamt Wedding, der sowohl nach Form und Inhalt einen— wie sich Bürgermeistor Leid ausdrückte— gepfefferten Rüffel für das Bezirksamt Wedding darstellte. Der Brief lautet: An das Bezirkamt Wedding. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Berliner' Anfchaffungs-G. m. b. H. Berlin, den 3. April 1928. Zum Schreiben vom 2. März 1928— B.» A. Wedding H. B. 1 In dem unter vorstehendem Geschästszeichen gegebenen Be- - nicht wird u. a. mitgeteilt, daß die Dienststellen dazu übergegangen seien, ihren Bedarf bei Privatfinnen zu decken, weil sich die Sachen dort bei gleicher Qualität billiger stellen als bei der Firma Gebrüder Sklarek. Es werden Sachen bei folgenden Geschäften gekauft:(Folgen die Finnen.) P. P. Ich muß bei dieser Gelegenheit auf die Verfügungen des Magistrats— Pin. II.3 b vom 12. Mai 1926 und Pin. III 8 vom 1. Juni 1926, des Londeswohlfahrts- und Jugendamts vom 2. Oktober und 16. Dezember IS26 und auf den durch Stadtverordnetenbeschluß kürzlich erneut bestätigten Vertrag des Mogistrots mit der Firma KVG. aufmerksam machen. Di« dortige Praxis steht im Widerspruch zu dem vom Magistrat mit der KVG. abgeschlossenen Vertrag. Der dort an- gegeben« Grund erscheint nicht stichholtig, da bei vorkommenden Unstimmigkeiten und Beschwerden die Möglichkeit besteht, sofort die chouptprüfungsstelle anzurufen. Um einen Vertragsbruch, der nicht im Interesse der>stadt- gemeinde Berlin liegt, mit der KVG. zu vermeiden, bitte ich, in Zukunft den Bedarf an Bekleidung usw. restlos bei der Bertrags- firma KVG. zu decken. gez.: Gäbel. Unterzeichnet ist der Brief von dem kommunistischen Stadtrat Gäbel. Sozialdemokratische Bürgermeister wurden also von dein Kommunisten Gäbel gerüffelt, wenn das Bezirksamt auch noch andere Firmen als die KVG. niit Aufträgen bedachte. cheute versuchen die Kommunisten, der Sozialdemokratie für«inen Korruptionsskandal, an dem ihre Vertreter in erster Linie beteiligt sind, die Alleirtschuld zuzuschieben. Das ist der Gipsel vervreche- rischer Verleumdung. Die Wähler werden am 17. November diese Art des politischen Kampfes richtig zu bewerten wissen. Terror auf bolschewistische Art. Ein Aufruf zur Brutalität. Di«„Rote Fahne" bringt heute einen Aufruf, der unverblümt zum Terror auffordert, um den wilden Rohrlegerstreik vor dem Zusammenbruch zu retten. Metallarbeiter und Bariarbeiter werden oufgesordert,„sofort Delegationen'nach der Linienstraße und zur Bureaukratie des Ba-ugewcrksbundcs" zu schicken, um diesen den revolutionären Standpunkt„in bolschewistischer Art beizubringen". Was jetzt bolschewistische Art ist, wollen wir an ein paar Beispielen zeigen: Die Streikleitung der Firma Holzmann nahm am 9. Oktober Stellung zur Verschärfung des Bauarbeiterkampfes, um den Rohrlegerstreik zu unterstützen. An den Beratungen nahm auch ein Vertreter des Vaugewerksbundes teil. Der Industrieverbandsvertreter Kaiser konnte deswegen seine revolutionären Kampfes- Vorschläge nicht entwickeln. Der der Baugewerksbundsvertretcr durchaus nicht stören wollte, verließ er die Beratung. Als nun die bolschewistischen Revolutionäre ollein waren, unter khnen auch der zentraltreue Vogler, ehemals Gewerkjchaftsredakteur der„Roten Fahne", beschlossen sie den Abbruch des Streiks. Als Aus diillers Arfenal «*'->'« PP rfle»ech e�er'nadsndisztaiijJijcbenVersafnmlunija« mLuchtenderz itthleiAergsr• Vefei'nsfaaus. fronüfurfer Alfec ■senM'- i» Saal y??anie:i v,wf de.).. ßu-''M"'* 3)a* find Sachen, die die JfHIer hüben in den 9tofentafchen tragen! Ohre Torasefgung durch den OnnenminiSler Qraefinski in der gefirigen jCandtagsfitsung trnrde von der Rechten mit johlendem gelächler aufgenommen. Oiaben die-Lachenden daran gedacht, wie viele Wenfehenteben durch diefeg nalionatiflische Olinderfpielseug schon vernichtet worden find? Begler deswegen zur Rede gestellt wurde, schob er alle Schuld auf Kaiser. Die„Rote Fahne" vom 16. Oktober aber berichtet von „erfolgreichen Bauarbeiterstreiks". Am 12. Oktober nennt die„Rote Fahne" die Verbände, die in den Tarisinstanzen feststellen, daß die Arbeitseinstellung auf der Friedrich-Ebert-Siedlung taris widrig war,„Verräter" und lobt die Zimmerer, die sich daran nicht beteiligt hätten. Dos hielt aber die Ziimnerer nicht ab, am 19. Oktober für die Feststellung zu stimmen, daß die Arbeitseinstellung bei der Firma M o n i e r b a u aus der Friedrich-Ebert-Siedlung t a r i s w i d r i g sei, obgleich die gleichen Voraussetzungen vorlagen wie bei der Firma Holzmann aus der Friedrich-Ebert-Siedlung. Ja, der Vertreter des Zimmererverbandes oerlangte sogar, ausdrücklich festzustellen, daß alle Verbände diesem Beschluß unterliegen. Roch mehr: Am 16. Oktober verpflichtete sich Repschläger selber durch Unterschrift den Unternehmern gegenüber, sich dafür«inzufetzen, daß die auf dem Verbandshaus des Metallarbeiterverbandes streikenden Mitglieder die Ar- beit zu den tariflichen Bedingungen wieder aufnehmen. Ist das „bolschewistische Art"? Wenn den Gewerkschasten die Art ver- kündigt werden soll, dann mögen die Delegationen ruhig zu Hause bleiben. Diese Art ist längst bekannt. In dein Aufruf dreht es sich aber um eine andere„bolsche- wistische Art". Unzweideutig wird zur Malträtierung der von der KPD. als„Streikbrecher" bezeichneten Arbeiter aufgefordert- „Kein Bauarbeiter, kein Zimmerer darf zulassen, daß auf seiner Baustelle Streikbrecher(Womit die zu tariflichen Lohn- und Arbeitsbedingungen tätigen Rohrleger, die Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes gemeint sind! D. Red.) den kämpfenden Kollegen(d. h. den wild streikenden Rohrlegern der kommunistischen sonderorganisierten Riedertirchner-Gruppe) in den Rücken fallen! Kein Arbeiter duldet In seinem Haus« einen Streitbrecher. Bertreibt die Streikbrecher auf bolschewistische Art von den Baustellen und aus den Arbeitervierteln." Diese von sechs kommunistischen Instanzen, darunter die Ber- liuer Bezirksleitung der KPD. unterzeichnete Aufforderung zu Gewalttätigkeiten inuß durch Vorbereitung energisch st er Gegenwehr beantwortet werden! Im übrigen muß es um die kommunistische Aktion schlecht be- stellt sein, wenn sie auf solche„b o l s che w i st i s ch e" Art zu halten versucht wird. Bierbankpoliiiker! In einen: Hugenberg-Flugblatt siir das Jnslationsbegehren heißt es: „Bierbankpalitiker! Jetzt könnte Ihr zeigen, was Ihr von der Politik versteht... Geniert Euch nicht» zu unterschreiben. Ihr könnt später stolz darauf sein!" Geniert euch nicht, nur hereinspaziert, wer an Hugenbergs Vieh- Zählung teilnehmen will! Soldaienwahlen in Oesterreich. Wie die christlich-soziale Nachrichtenzentrale meldet, hatten die im ganzen Bundesgebiet abgehaltenen Vertrauensmännerwahlen im Mannsthoftsstand des Bundesheere» folgendes Ergebnis: Es erhielten Wehrbund 13966 Stimmen(256 Mandate), Mililärverband(sozialdemokratisch) 3324 Stimmen (25 Mandate) und die Deutsche Soldatengewerksthast 393 Stimmen (5 Mandate). Oie Eintragungen in Berlin. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt mit: Die Eintragung in die Listen für das Volksbegchren„Freiheitsgesetz" hatte am 16. Oktober d. I., dem ersten Tage der Einreichung folgendes Eryadms in den Verwaltungsbezirken: Mitte....... 1 323 Eintragungen Tiergarten..... 1 878„ Wedding...... 749„ Prenzlauer Berg... 1 283 Friedrichshain.... 814„ Kreuzberg...... 1 751 Chorlottenburg.... 2 090 Spandau...... 468„ Wilmersdorf..... 1 984„ Zehlendorf..... 483 Schöneberg..... 2 243„ Steglitz....... 1 363 Tempelhof..... 420 Neukölln...... 699 Treptow...... 329„ Köpenick...... 450„ Lichtenberg..... 617„ Weißensee...... 162„ Pankow...... 628„ Reinickendorf..... 376„ Zusammen 20 110 Eintragungen. * Der erste Tag für dos Volksbegehren zur Fürstenabfindung »rächte 36 000, für dos Ponzerkreuzervolksbegehren der Kommunisten 8000 Eintragungen. Der„Lokal-Anzeiger" wußte heute morgen zu erzählen, daß die Zahl der Eintragungen in Berlin 30 000 bis 40 000 betrage Das Hugenberg-Blatt hat den Mund doppelt zu voll genommen. Salsmann-prozeß vor feinem Abschluß. Oie veriagie Verhandlung wieder aufgenommen. Offensive gegen den Gchnapsschmuggel. Amerikanische Großrazzia in 300 Kilometer Länge. New York, 17. Oktober. Nach Mitteilung der Bundesbehördeu ist eine G r o ß- razzia gegen die Alkohol schmuggler gleich» zeitig an einer Front von 300 Kilometer Länge durchgeführt worden. Mit Hilfe der geheimen N a d i o st a t i o n, die beschlagnahmt wurde, ist eS den Behörden gelungen, einen Schmugglerdampfer mit einer großen Ladung Schnaps an Bord abzufangen, indem sie den Dampfer durch chiffrierte Funksprüche nach einem Küstenwachtschiff dirigierten. Der Ning der Schmuggler besaß sechs Dampfer und 30 Last» kraftwage n. Zu ihrem Schutz hatte er eine kleine Armee von Bewaffneten aufgeboten, mit der er die wichtigsten Punkte der Landstraßen besetzt hielt. Meuterei in Moabit. Gefangenenrevolte in der Lrrenabteilung. In der vergangenen Nacht Ist es im Zellengefängnis in Moabit zu einer Meuterei gekommen. Die Gefangenen zweier größerer Gemeinschoflssäle in der Zrrenobtetlung singen gegen 23 Uhr plötzlich zu toben an. Die Tür. durch die beide Säle von einander gelrennt sind, wurde mit eisernen Teilen der Vettgestelle erbrochen. Die Wärter waren den Tobenden gegenüber, die sämtliche Heizungskörper zerstört hatte, machtlos. Da eine Fluchtgefahr bei keinem der Gefangenen bestand, ließ man sie zunächst toben und alarmierte das Ueberfallkommando. Das Erscheinen der Beamten wirkte auf die Meuterer geradezu Wunder. In kurzer Zeit trat völlige Ruhe ein und die Meuterer wurden einzeln abgeführt. In der Mitte des Saales war noch oersucht worden, ein Loch in den Fußboden zu brechen, wahrscheinlich um mit den Gefangenen in der darunterliegenden Etage in Verbindung zu gelangen. Von zuständiger Stelle wird hierzu noch folgendes bekannt� gegeben: In der Nacht vom 16. zum 17. Oktober beschädigten Ge- fangene, die in der Jrrenabteilung des Zellengefängnisses in zwei Schlafsälen untergebracht waren, ohne erkennbaren Anlaß die Heizungsanlagen und die Verbindungstür zu den beiden Sälen. Außerdem brachen sie ein Loch in den Fußboden. Mir Hilf« des alarmierten Ileberfalltommandos wurden die Gefangenen innerhalb%, Stunde in vollkommener Ruh« i-n Einzelzellen der HauptansKili übergeführt. Hierbei wurde keinerlei Widerstand seitens der Gefangenen geleistet. Entgegen anderen Behauptungen wird weiter betont, daß von der Schuhwaffe kein Gebrauch gemacht wurde und auch kein Gefangener verletzt worden ist. Eine Untersuchung ist sofort eingeleitet worden. Landtag und �oung-plan. Fortsehung der Debatte. Der Landtag erledigt zunächst eine ganze Reihe kleinerer An- iräge durch dobattelose Annahme der Vorschlüge des Hauptaus- schusses. Der parlamentarische Untersuchungsausschuß zur Prüfung des Falles Sklarek muß nach der Geschäfts- urdnung errichtet werden, da seine Einsetzung von mehr als einem Fünftel der Abgeordneten(Deutschnationale und Wirtschaftsparteis beantragt worden ist. Auf Vorschlag des Aeltestenrats wird die Mitgliederzohl dieses Ausschusses auf 29 festgesetzt. Hieraus wird die Beratung der deutschnationalen Anträge zum 'Aoung-Plan, Stahlhelmoerbot usw. fortgesetzt. Abg. Dr. Böhm(DVp.): Kein Beamter, der der Deutschen Voltspartei angehört, wird feine Unterschrift unter das Volksbegehren setzen. Durch das Volksbegehren und feinen§ 4 komme der Beamte in schwerste Gewissenskonflikte. Dafür feien diejenigen verantwortlich, die das Voltsbegehren einge- bracht hätten. Aver zweifellos habe der Beamte in klarer Dar- ausficht aller Folgen allein vor seinem Gewissen zu prüfen und zu verantworten, ob er das Volksbegehren unterschreiben könne oder nicht. Die Deutsche Volkspartei sei der Ansicht, daß es sich hier um ein« der ernstesten Fragen für das Beamtentum im neuen Staat handele. Da» Todesurleil von Polo vollstreckl. Das gestern vai» Sonder- gericht zum Schutze des Staates gegen Wladimir Gorion in Pala ausgesprochene Todesurteil wurde heute in den frühen Morgen- stunden durch Erschießen vollzogen. vor den Znnsbrucker Geschworenen begann heule morgen am 24. September ganz unerwartet unterbrochene Vater- mordprozeß halsmann. Die Beweisaufnahme war bereits fast geschlossen, nur das psychiatrische Sachverständigen gulachten stand noch aus. 3n drei Togen sollte das Urteil fallen, da verkündete das Gericht den Beschluß, den Prozeß aus unbestimmle Zeil zu vertagen und ein neues Fakultäts- gulachten einzuholen. Der Halsmann-Prozeß, der weit über die Grenzen Oesterreichs das größte Aufsehen erregt hat, wird nun in wenigen Tagen zu Ende gehen. Welches waren ober die letzten Ergebnisse der dreiwöchigen Verhandlung un welches waren die Umstände, die zur Vertagung gefüh hatten? Das Fakultätsguiachten. Die Hauptbelastungsmomente gegen den Studenten Halsmann j waren derobjettiveBefundamTotort und feine eigene Darstellung vom Absturz« des Vaters. Diese stimmte mit jenem nicht überein. Halsmonns Erklärungen in der ersten Verhandlung schienen an den Haaren herangezogen. Der Lokaltermin dieser Verhandlung wollt« ihm aber recht geben: sollte er letzten Endes doch einer Erinnerungsfälschung zum Opfer gefallen sein? Es ergab sich, daß tatsächlich 200 Schritt von der Absturzstelle der Schrei des Vaters gut vernehmbar gewesen sein mußte, daß an dieser Stell« dos Abstürzen den Abhang entlang nicht zu sehen war— Halsmann hatte das von Anfang an behauptet— und«daß schließlich nur wenig.' Sekunden erforderlich waren, um den Abhang hinunter- und hin- aufzulaufen. Hatte Halsmann seinen Vater abstürzen sehen? Er ist kurz- sichtig, in Entfernung von 10 Metern kann er kaum eine bekannte crson erkennen Wie sollte er da seinen Vater 200 Schritt weit stürzen sehen? So konnte der Schrei des Voters nichts anderes als die Vorstellung von einem Sturz in ihm ausgelöst haben, und�diese inirere Vorstellung hatte er mithin als Tatsache hingestellt. Seine Angaben zu Protokoll waren nichts anderes als logische Schlüsse— gestand der Untersuchungsrichter. Das Fakultätsgutachten aber ließ die Kurzflchtigkeit des Zlngetlagten unbeachtet und erwog überhaupt nicht Erinnerungsfälschungen und sah das Motiv zur Tat im Oedi- pus— Komplex— in der Bindung an die Mutter und im Haß gegen den Bater— im Gegensatz zur privaten Aeußerung des Pros. Erismanns. Die Verteidigung forderte Nichtverlesung des Fakul- tätsgutachtens und Anhörung eines Psychologen. Dos Gericht glaubte sich aber nicht berechtigt, über das Fakultätsgutachten hinweg einen Psychiater zu befragen: es beschloß, die Fakultät in An- betracht der vielen neuen Momente um Ueberprüfung ihres eigenen Gutachtens zu ersuchen. So kam es zur Vertagung. Die Ver- teidigung hat bereits vor Monaten vergeblich auf die Kurzsichtigkeit des Angeklagten als entlastendes Moment hingewiesen. Der Leumund des Angeklagten war der denkbar beste. Je weiter, um ja mehr entstand im Gerichtssaal eine einheitliche Stimmung s ü r den Angeklagten. Selbst Melodramalik schien hier tragisch zu wirken. Es gab viel Rührung, viel Tränen auf der Zeugenbank und im Zuhörerraum. Theater? Auch die Herzen d r Geschworenen sind nicht aus Stein. Die zerstümmelte Leiche. Für den Angeklagten schien auch der grauenhafte gerichtlich- .dizinische Befund zu sprechen Konnte ein so liebender Sohn, siscn Briese von Zärtlichkeit zum Vater überfließen, den Kopf seines Vaters zu einer einzigen blutigen Mass« herrichten? Etwa 2 0 Hiebe zeigte der Schädel, darunter drei tödliche Wun- den. Unmöglich, sagt die Verteidigung! Ein Raubmörder war es, der die Tot begangen! Wöhrend der alte Halsmann sein Bedürfnis verrichtete, ver- setzte der Mörder ihm mit einem Stein den eisten Schlag. Der kurzsichtige Sohn brauchte den Täter nicht gesehen zu haben, brauchte auch nicht bemerkt zu haben, wie der Vater zum Abgang geschleift und hinuntergestürt wurde. Er hörte nur einen Schrei, lies herbei, rannte hinunter, hob des noch lebeirden Vaters Kopf aus dem Wasser und raste davon, um Hilse zu suchen. Diesen Augenblick benutzt er Räuber, um sein Werk zu vollenden: Er tötete sein Opfer m't weiteren Steinschlägen und raubte es aus. Ist der Kreis der litt- schuldsbeweise nicht bereits geschlossen?— fragt die Verteidigt!' g. Es war Raubmord, nicht Batermord! Wer war der Mörder? Allerdings: den Mörder haben die Verteidiger nicht genannt, obgleich sie es feierlich angekündigt hatten. Mehr als ein anonymer Brief bezeichnete den Wirt der Dominikushütte, den Hauptbelastungszcugen, als Mörder: er habe sein Unwohlsein am Unglückstagc nur simuliert, seine Geschäfte seien schlecht gc- wescn und so habe er sich sanieren wollen. Auch ein gewisser Auzr bezeichnete den Wirt als Mörder. Dieser Auer erschien eines Tages beim Verteidiger, ging mit diesem auch zum Staatsanwalt, oer- schwand aber, als er vom Untersuchungsrichter vernommen wer- den sollte. Drei andere Leute bezichtigten sich selb st, die Mörder zu sein. Wieder einer erklärt« sich bereit, d'e Mörderrolle gegen Bezahlung von 5000 Schilling zu übernehmen. Immer neue anonyme Brief« erhielten Gericht und Verteidiger, mitunter voll wüster Beschimpfungen sämtlicher Prozeßbeteiligten. In einem hieß es gar, eine Ziege habe den alten Halsmann hinab- gestürzt. Und als die Spannung der Innsbrucker Oejfentlichkcit ihren Höhepunkt erreicht hatt.', kam die kalte Dusche der Vertagung. Man kann aus das Gutachten und dos Urteil gespannt sein. Oer Arbeitersieg in Australien. Es bleibt bei 44-Gtunden-Woche und Arbeiisfchlichtung. starke Trust- oder Karlellbildungen. Wenig Menschen in Europa werden erwartet haben, daß die Wahlen zum australischen Bundesparlament mit einer bedeutenden Mehrheit für die Arbeiterpartei enden würden. Im vorigen Jahre wie in diesem hatten die Bundes- und die sechs Arbeiterregierungen in den Ländern gehen müssen. In der Mehrzahl dieser Regierungen haben die Arbeiter die Herrschaft be- hauptet, in Queensland sogar ununterbrochen seit vor dem Kriege. Die Bevölkerung hatte auch einmal die anderen regieren lassen wollen, die starke Propaganda der Gegner(Konservative im Bund mit Landpartei) hatte auch das Vertrauen zu den Arbeiterregie- rungen untcrgaben: man wußte plötzlich ollen Arbeiterministern dieses und jenes anzuhängen, sagte ihnen üble Dinge noch und hatte damit den gewünschten Erfolg. Di« Arbeiterführer gingen aus den Aemtern. Sie taten es jehr ruhig und ohne große Aufregung, wie sie es in Australien im Vertrauen aus ihre zahlenmäßig« Stärke und ideell« Ueberlegenheit immer tun. Die gegnerische Koalition glaubte jetzt den richtigen Augenblick gekommen, das Land von der verhaßten sozialistischen Gesetzgebung befreien zu können.> Es galt, deir Arbeitern die 4 4- S t u n d« n- W o ch c(eben erkämpft) und das Bundesarbeits-Schiedsgericht zu nehmen: dies ist besonders wichtig, weil in ihm alle Lohnfragen, Mantettartfe, Grucklöhne ufw. zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern schiedsgerichtlich geregelt werden und weil fein« Regelung für das gesamte australisch« Bundesgebiet gilt. Wurde dies Schiedsgericht beseitigt und die Lohnverhandlung wieder auf die einzelftaatliche Behandlung zurückgeführt, wie sie früher gewesen war, war die erste Bresche in die straffe Organisation der Arbeiter geschlagen: denn dann konnten durch die Teilung der Schiedsgericht«, durch die örtlich bedingte Verschiedenheit der Schieds- fprüche und das Gegeneinanderausfpielen der Schiedsgerichtsurteile die Löhne wahrscheinlich bald erheblich reduziert werden. Die Ab- schaffung des Bundesardeitsfchiedsgerichtcs war Bundesange- l e g e n h e i t und konnte nur vom Bundesparlament beschlossen werden. Da ergaben sich folgende Schwierigkeiten. Bill Hughes, früher erster Bundesminister, jetzt untergeordnet unter Mr. Bruce, den bisherigen liberalen ersten Bundesminister, drohte die Regierung zu Fall zu bringen: andere Männer wie Pierce, jetzt Senator im Oberhaus und Mitglied der Konservativen Partei, waren früher Sozialdemokraten gewesen und hatten an der Schaffung eben dieses Bundesarbeitsschiedsgerichtes ganz erheblichen Anteil gehabt. Sollten sie jetzt an der Zerstörung ihres eigenen Werkes mitarbeiten? Das ging nicht. So ließ man die Wahlen entscheiden. Die Arbeiter begriffen angesichts des gegnerischen Feldzuges die Tragweite einer Niederlage. Aber auch andere Kreif« außerhalb der anderthalb Millionen Arbeiter und Angestellten müssen begriffen haben, um was«s ging: ohne de» starken Stimmenzuzug von feiten des Kleinbürgertums, das durch die sozialistische Gesetzgebung immer gegen den großen Konkurrenten geschützt worden ist, wäre der überlegene Sieg der Arbeiterpartei nicht möglich gewesen. Die tiefst« Ursache allerdings war die Au- jammenschließung innerhalb des Kapitals, die stark« Verengung der Großproduzententr-eife. Mit anderen Worten: Daß diese neben den Arbeitern und Angestellten auch den kleinen Mann— Farmer, Vieh Halter oder Handeltreibenden— bedrohten, liegt auf der Hand. Der Wahlfiea wird sich so auswirken, daß die Arbeiter sowohl ihre 44-Stunden.woche wie ihr Schiedsgericht behalten. Innenpolitisch hat es die Wirkung, daß die konservativen Regierungen der Länder sehr gehom-mt werden, besonders in der Anlcihepoiitik: denn durch Gesetz von 1928 ist die Finanzverwaltung für Staaten und Bund auf einen Ober st cn Finanzrat übertragen worden, in dem Bund und Staaten vertreten sind. Hier wird die Stimme des Bundes bei einer etwa beabsichtigten Aenderung der Anleihe- und Entschuldungspolitik gegen die Stimmen der Länder erheblich in» Gewicht fallen. Außenpolitisch sind die Folgen ebenfalls bedeutend. Australien hat auf der britischen Reichstonferenz von 1926 in einem bestimmten Rahmen außenpolitische Freiheit erhalten. Difse Außenpolitik wird ausschließlich von Bundesregierung und Bundesparloment gemacht. Di« kommende australische Außenpolitik wird daher in der Richtung der britischen Außenpolitik liegen, deren Kurs die Londoner Arbeiterregierung bestimmt. Bei den Verhandlungen Macdonals mit Hoooer über die Rüstungsbeschränkungen hat die australische Flotte ein« gewisse nicht untergeordnete Rolle gespielt: Australien wollte nicht nachgeben. Nach dem Ausfall der Wahlen besteht kein Zweifel mehr, daß die australische Bundesregierung der Linie Macdonals folgen und damit zum Abschluß der englisch-amerikanlschen Rüstungsvcrhand- lungen beitragen wird. Für die Einwanderung werden sich durch die Wahlen vielleicht insofern Aenderungen ergeben, als der i t a li e n i s ch e A r b e i t« r. Zuzug abgebremst werden könnte: die sehr genügsamen Jta» liener kommen nämlich nicht für immer, sondern nur für einig.' Jahre nach Australien, um von den hohen Löhnen zu profitieren, sparen das ganze Geld und gehen damit in die Heimat zurück. Häusig genug auch unterbieten sie die Löhne und sind deshalb in doppelter Beziehung lästige Konkurrenz. Man hatte sich schon vor einigen Jahren mit dem Gedanken getragen, eine Einwanderungsbeschrönkung ähnlich der amerikanischen vorzunehmen: vielleicht, daß dieser Geanke jetzt in die Tat umgesitzt werden wird. Gegen deutsche Arbeiter wird er sich kaum-rnstlch richten: die Gewerkschaften Australiens sind von jeher Feinde einer großen Einwanderung gewesen, weil sie durch Ueberangebot von Arbeitskräften eine Beeinträchtigung der hohen Arbeiterlöhne und des hohen Lebensniveaus der Arbeiter fürchten. ,, General v. Leltow-Vorbeck ist für das am 2. Dezember in London stattfindend« Festmahl oller Teilnehmer am Krieg« in Afrika ein- geladen worden. Lettow-Borbeck wird mit seinem hauptsächlichsten Gegner im Krieg«, General Smuts, zusammentreffen. Wetter für Berlin und Umgebung: Wechselnd bewölkt mit Reizung zu einzelncn R'�.msi'-arcni Temperaturen im ganzen wenig verändert. Westliche Winde. Aar Deutschland: Unbeständig, strichweise Regenschauer. Auch un Süden stark wolkig. Tem peraturen im allgemeinen wenig verändert. Oer Vater darf die Tochter töten! Strafgesetzreform in Mexiko. New Bork. 17. Oktober. Der neue Strafgesetzcntwurs in Mexiko, den Präsident Portes Gil aus Grund der ihm vom Kongreß verliehenen besonderen Machtbefugnisse versaßt, sieht unter anderem vor, daß ein Vater das Recht hat. seine Tochter und ihren Versührer zu töten. wenn die Tochter sich freiwillig hingegeben hat. 3m Aalle von Ehebruch darf der geschädigte Teil den anderen töten, ohne bestraft zu werden. Das Strafgesehbuch, das am lS. Dezember in Kraft tritt, schafft die Geschworenengerichte ab und ersetzt sie durch Gerichtshöfe, die aus 3rrenärzten und anderen Sachverftändi- gen bestehen. Oie Veichsnchier unter Anklage. Die VerufungSverhandlung gegen Reichert und Bewer. Vor dem Landgericht II begann heute morgen die Beruifungs- Verhandlung in der Verleumdungsklage des Schriftstellers Leopold Schwarzschild gegen den Senatspräsidcnten beim Reichsgericht, Reichert, und den Reichsgerichtsrat a. T>. Aewer. Die Angelegenheit hat in der Oeffentlichkeit viel Aufsehen erregt, weil der Fall Jakubowsti in sie hineinspielle. Der Redakteur des„Tagebuch", Schwarzschild, hatte im„Bertiner Tageblatt" einen Artikel„Der fohrläflige Richter" veröffentlicht: unter Bezugnahme auf den Jakubowfti-Prozeß warf er darin die Frage auf, ob nicht auch ein Richter wegen Fahrläffigkeit strafrechtlich belangt werden könnte! Reichsgerichtsrat a. D. Bewer hatte darauf in der„Deutschen Richlerzeitung". die vom Senatsprästdenten beim Reichsgericht. Reichert, verantwortlich gezeichnet wird, in einem„Justizmord?" überschriebenen Artikel Schwarzfchild einen rechtbeugenden Literaten genannt. Diese Bezeichnung gab den Anlaß zu einer Verl e umdu ngsblage. Obgleich das Amtsgericht die Eröffnung des Verfahrens ab» gelehnt hatte, ordnete die Beschwerdekammer feine Eröffnung an. Die erste Instanz gelangte zu einem Freispruch der beiden Richter. Sie billigte ihnen die Wahrung berechtigter Jnteressen zu mit der Begründung, daß die Angeklagten als Vorsitzende respektive Schriftleiter des Deutschen Richterbundes die Gesamtheit des oeutfchen Richterstandes zu vertreten hätten. Im übrigen fall zu- gegeben werden, daß sie sich bewußt waren, die Ehre des Klägers, wie auch aller sonstigen Schriststeller, die ähnliche Artikel schreiben, zu kränken. Gegen dieses Urtell hat Leopold Schwarzschild Berufung eingelegt. Di« heute beginnende Verhandlung ist insofern von besonderem Interesse, als bereits nach dem Reichert-Bewer-Urteil in Neustrelitz der Prozeß Rogens stattgefunden Hot, dessen Ergebnis in jedem vorurteilslosen Menschen die Ueberzeugung entstehen lassen mußte, daß im Iakubowski-Prozeß zweifelsohne ein gut Teil Fahr- läfsigkeit die Hand mit im Spiel gehabt hat. Nach Verlesung des Ilrteils erster Instanz der in Frag« kommenden Artikel stellte Rechtsanwalt Dr. Paul Levi als Vertreter der Nebentlage den Antrag auf Verlesung des Urteils im Prozeß Rogens und Genossen. Durch seinen Inhalt soll bewiesen werden, daß die Angeklagten unwahr« Tatsachen behauptet haben und daß sie bei Ausstellung ihrer beleidigenden unwahren Behauptungen leichtfertig und unter Außerachtlassung der Sorgsalt erfahren sind, die bei Veröffentlichungen so schwerer Angriffe not. wendig waren._ Nluiige politische Zusammenstöße. Aattonalisten als ständige Friedens- und Ruhestörer. 3n der vergangenen Rächt ist' e» in Wilmersdorf und in Moabit wieder einmal zu Schlägereien zwischen natlonali st ischen Rowdys und Andersgesinnten gekommen. 3n einem Aalle waren es Reichsbanner- leute, die von Horden des Siahlhclms überfallen wurden. In der Mecklenburgischen Straße in W ilmers- d o r f gerieten gegen 23 Uhr Kommunisten mitNational- l o z i a l i st e n in ein Handgemenge, in dessen Berlauf zwei der Gegner durch Messerstich« schwer oerletzt wurden. Die Der- letzten muhten in da» Achenbach-Krankenhaus übergeführt werden. Els Personen, die an der Schlägerei beteiligt waren, wurden von der Polizei festgenommen und ins Pvtizeipräsidmm gebracht. In der Brückenalle« wurden politisch Andersdenkende von S t a h l h e l m e r n, die in größeren Trupps durch die Straßen marschierten, beschimpft und mit Steinen beworfen. Aus den Rechen der Stohlhelmer wurde plötzlich«in Schuß abgefeuert, durch den glücklicherweise niemand verletzt wurde. Leider gelang es nicht, den Reoalverschiitzen zu ermitteln. Di« Polizei war alsbald zur Stelle und nahm bei einer größeren Zahl der Stahlhelm« eine Durchsuchung nach Waffen vor. Eine Person wurde wegen Besitzes eines langen Dolches Zwangs- gestellt. Außerdem mußten 14 Personen, die sich in eine Schlägerei eingelassen hatten, nach ihrer Festnahm« den Weg zum Polizei- Präsidium antrete�. Der Reichsausschuß für dos„Volksbegehren" hatte gestern abend zu einer öffentlichen Kundgebung im Lokal Gärtner, Holsteinische Straße 2S, aufgerufen. In dem Saal waren auch zahlreiche Anders- gesinnt« anwesend. Die Ausführungen der Redner gipfelten in Be- schimpsungen von Republik und Regierung. Während der Dis- kussionsrede eines R«>ch»bannermannes kam e, plötzlich zu einem Tumult, bei dem eine Person durch«inen Hieb mit einem Schlagring ein« schwere Gesichtsverletzung erlitt. Auch hier war die Polizei bald zur Stelle und stellte die Ruhe wieder her. Em Sersammkiilgsteilnehmer wurde jvegen Waffenbesitzes zwangsgestellt. Bei der Durchsuchung des«aales wurden aus dein Fuß« boden noch mehrer« Schlagringe gefunden, deren sich die Besitzer, um ihrer Festnahme zu entgegen, rasch entledigt hatten. Leiparts Befinden befriedigend. Das Befinden des schwer oerletzten Genossen Theodor Leipart ist den Umständen gemäß günstig. Die Nacht ist gut oerlaufen, die Schä deloerletzung hat zu neuen Hirnblutungen nicht geführt, die Folgen der schweren Gehirn- crschütteriing beginnen langsam abzuklingen. Leipart wurde vor- gestern von dem bekannten Berliner Chirurgen Unioersitätsprofessor Sauerbruch gemeinsam mit dem behandelnden Arzt Professor Pribram untersucht. Auch Professor Kraus wurde zur Be- urtellung d« Herztraft, d'e zu Besorgnissen Anlaß gegeben hatte, hinzugezogen. Don allen Aerzten wurden die bisher ange» wandten Maßnahmen gebilligt. Das wichtigste Er» fordernis ist nach wie vor absolut- Ruhe, daher wird auch weicerhin niemand beim Genossen Leipart vorgelassen. Di« Meldung, daß Leipart gestern operiert worden sei. ent- spricht nicht den Tatjachen. Alte Konzerte Konzertrundschau/ Erstes Klemperer-Konzert. Ein wenig zögernd, lustlos, langsamer als in früheren Jahren, hat die Berliner Konzertsaison eingesetzt. Mit dem ersten Sinfonie- konzcrt der Republikoper, dem ersten Klemperer- Konzert, sind wir wieder in der Höhe des Ereignishasten. Eine Erstauft'ührung eröffnet: Klavierkonzert von Eduard Erdmann:-der Komponist sitzt am Flügel. Vor zehn Iahren hatte fein Name fenjationellen Klang. Die heraufstürmende Ge- nevation der Jungen— der Jüngsten damals— hatte in ihm, ihren, Alters-, Richtungs- und Kampfgenossen, einen Interpreten gefunden, der mit der fanatischen Besessenheit des Propheten und mit den Gaben einer wahrhaft phänomenalen Musikalität für sie warb. Den, inneren Erlebnis jener Tage ist der Komponist treu geblieben. Sein Klavierkonzert. 1928 beendet, hört sich an wie eines jener Werk«, die in den ersten Nachkriegsjahren das Publikum in zwei feindlich« Lager gespalten, in der Musikerwelt den wütendsten Kampf der Deister und Ungeister entfesselt haben. Ein verträumter Romantiker, weltfremd, unsagbar gegenwartsfern, hat er die aufriihrerisch-wilde Gest« von damals konserviert, den Modernitätskrampf von einst als menschlich- künstlerisch« Grundhaltung stabilisiert. Aber unerbittlich enthüllt sich heute das fundamental« Mißverständnis jener Art des Musizierens, die sich in der Nachbarschaft vvn Bufonis„Neuer Klassizität" angesiedelt hat und sich in der Ueberfteigerung expressionistischer Ge- bänden, verzehrt, die nach innerer Einfachheit und Wahrhaftigkeit zu streben venneint und mit den klanglichen und harmonischen Reiz- Mitteln der späten Romantik expressivsten Mißbrauch treibt. Bon schöpferischer Berufung vermag Erdmann an diesem seltsam bizarren Werk der Aurückgebliobenheit nicht zu überzeugen, o-ber die fromme Gläubigkeit, mit der er seinem zweifachen Irrtum hingegeben ist, wirkt tief sympathisch und die grandiose Leistung des Pianisten ent- fesselte einen Sturm verdienten Beifalls. Zweit« Progvammhälste: Neunte Sinfonie von Bruckner. Durch Klemperer erhält das Werk ein« unvergleichliche Gestaltung. Den„Kenner" mag vielleicht manches befremdet haben; wir überlassen den Streit um die allein richtig« Auffassung willig den professionellen Besserwissern. Der Eindruck war groß, stark, znfingend. Das Konzertjahr der Repu-blikoper hat in gewohnter Höhe eingesetzt. Allerlei Konzerte. Ohne Erösmungssensotion haben die altgewohnten, altbewährten Sinfoniekonzerte der Philharmoniker und der„Sinfoniker"— wie wir des Gleichklangs und der Kürze ha-kber das Berliner Sinfonie- orchester nennen wollen— ihren Platz in der erwachenden Konzert- faifon wied« eingenommen: die großen Abonneinentszyklen— die Philharmonischen und die Bruno-Wolter- Konzerte— haben noch nicht begonnen. Als drittes Konzertorchest« präfenttert sich das Berliner F u n k o r ch e st e r an einem Sinfonieahmd in der Sing- okademie. Seine Aufgaben liegen auf anderen, Gebiet; aber es ist gut, wenn es hi« und da vor einem veritablen KonzertMblikum sein« Lesstungsfähigkeit erprobt. Unter Carl Schurichts, des Wiesbadener Generalmusikdirektors, überlegener Führung, nach sehr eingehender Probenarbeit besteht es in Max Regers Hill«- Variationen höchste Ansprüche. Die musitantische Urkraft und wahr- hast imposante Satzkunst seines Schöpf«? heben dies Werk hoch über seine Gattung. Doch wie es sich aus nur-handwerklichem Anlaß und Borsatz— spielerische Umformung einer harmlosen kleinen Melodie von I. A. Hiller— in die Himmelshöhen und-wetten eines Brucknerischen Sinfoniefinal« reckt, fühlen wir es in einer Zeit zurückgeblieben, die allzu bereit war, den Alltag ihr« Musik Theater am Vollendorfplah. „Militärmusik.. Das Stück ist von George S. Brooks und Walter B. L i st e r und, wie dos Programm ankündigt, eine Tragikomödie. Eine Tragikomödie auch die Ausführung. Tragisch im bis zum Zynismus seichten Humor, komisch im Zug der S«lbstüb«hebung. die diese Premiere atmet. Das Stück ist ausgesprochener Mist und wird im Theater am Rollendorsplatz mit der Geste— hier werden Perlen vor die Säue geworfen--- gezeigt. Anscheinend will dos Stück gegen den Kapitalismus austreten, e» erzielt jedoch keine andere Wirkung als Gelächter. Der Milliardär Henderson wird hier gezeigt, Gebieter eines Riesenvermögens und einer Menge von Industrien, ein skrupelloser Geschäftsmann, aber mit leisem Herzton. Er hat ein« Tochter Mabel und einen Prokuristen Eobb. Der Prokurist, angewidert von Henderson» unbedenklicher Art, Geschäfte zu machen, erfüllt jed'ch bis zum End« des Stückes wie ein Held die Pflicht, es sich gut gehen zu lassen und ein reicher Mann zu bleiben. Auch Henderson gebärdet sich wie«in stiller Märtyrer, obwohl-r eine Revolution in Mexiko anzettelt, weil das seine Geschäfte fördert, und den au» einem Groschenroman entlehnten General de Castro mit der Aus- führung betraut. Inzwischen hat Mabel den jungen Park-tun!,, Sohn des ehemaligen USA.-Präsidentm, den sie, wie man später sieht, liebt, in die Firma ihres Vater» empfohlen. Parkmann wird nun von Henderson angestellt, nach der mexikanischen Niederlassung der Firma entsandt, obwohl dort de Castro ein« Revolution macht und das Leben des Jungen in Gefahr ist. Aber das wollen die beiden gerode, Henderson und Cobb. Denn würde ein Mann mit dem Namen des jungen Parkinann umgebracht, dann wäre Amerikas Kolonialarmee gleich auf den Beinen und griff« ein. Und das— das erfordert gerade Henderfons Geschäft. Parkmann wird in Mexiko programmäßig niedergeknallt, obwohl es sich später herausstellt. daß er noch lebt und so die Möglichkeit hat. Mabel zu heiraten. Gegen Henderson kann nichts unternommen werden, da er ja auch die Presse und somit die öffentliche Meinung beherrscht. Um es noch einmal kurz zu sagen: Das Stück ist zu leicht, um eine ernste Tendenz vertreten zu können, und zu schlecht, um fröhlich zu stimmen. Paul Graetz gibt den Milliardär Henderson. still, ver- schlössen, skeptisch, mit einem leisen Hauch der Resignation. Schade um die aufgewandte Mühe. Auch sonst sind rein darstellerisch zu loben Ernst Busch, Kurt Vespermann, Diktor de Kowa, Elisabeth Frank und Raul Lange. Das Publikum pfiff, applaudierte und— lachte. Alexander von Sacher-Masoctt, Walter oon IüuIo Heft auf(Siulabuna der Valkibühne®. C. am �onnfan. dem 20. Cdoti-r, 20 Nhr. im Bittgersaal de? Ratbaute», Eingang Königilrave, au» seinen Werken. Ei»« Aühnma durch die Jury frei« kuustichau veranstaltet Pros. Her- mann Sand kühl am 19., 16 Uhr. / Neue Mufik. Von Klaus pringsheim. feierlich-pathetisch zu verklären. Von wie anderer Art ist Paul Hindeiniths Violinkonzert, das ini Programm voranPvg. Merkwürdig, in wie kurzer Zeit der junge Meister, der vor einigen Iahren noch in einer Reihe init Komponisten vom Schlage Eduard Erdinanns zu stehen und zu kämpfen schien, sich aus ihrer Reih« und Richtung zu einem persönlich klaren, persönlich überzeugenden Stil empor- gcrungen hatte. Beim Schassenden kommt es halt mehr auf Begabung als auf Richtung an. Gewiß, wo einer steht, ist wichtig; wichtiger ist, wie hoch er steht. Und merkwürdig, oder jedenfalls bomerkenswert, in wie kurzer Zeit dieses durchaus neuartige Violin- konzert sich als ein Stück Gebrauchsmusik durchsetzt. Diesmal spielt es Maurits van den Berg, der erste Konzertmeister des Orchesters, souverän und mit höchster Feinheit im Geigerischen. Er erreicht in seiner Art die bewunderte Leistung Joses Wölfsthals, dessen vitalere Art freilich dem künstlerischen Charakter des Werks noch gerechter wird. Man hat dies« Leistung in der vorigen Saison in einem Kleinperer-Konzert mit Recht bewundert: neulich bestätigte sie sich von neuem in einem vom Volksbildungsamt Charlottenburg mit dem Philharmonischen Orchester im Konzertsaal der Hochschule ver- anstal-teten Sinfoniekonzert(Dirigent: Iascha Härenstem). Der Abend— der erste einer Reih«— ließ keinen Wunsch, doch immerhin die Frage offen, aus welchem Grunde er ausdrücklich als„F e st- konzert" angekündigt war. Es bestand nicht irgendein„festlicher Anlaß": und aus Erfahrung glauben wir zu wissen, daß all« großen Konzertoeranstoltungen des Bolksbildungsamts sich solch festliches Niveau der Ausführung zum Ziel setzt. Im übrigen, wie alljährlich, Solistenkonzerte ohne Zahl. Gesang und Klavier überwiegen, Ausländer herrschen vor. Unsere Leser haben gewiß kein Interesse, fortlaufend über Namen und Leistung von Konzertgebern unterrichtet zu werden, die eingestandenermaßen Konzerte nur zu dem Zweck geben, damit die Zeitungsleser über ihre Namen und Leistungen unterrichtet werden. Wenn die bürger- liche Presse jede Veranstaltung, die sich als„Konzert" anbietet, ge- wissenhaft registriert und rezensiert, so mag sie wissen, warum sie es tut; sie fördert damit den Unfug jener Konzerir, an denen seit Jahren unser Musikleben krankt. Immerhin gibt es jetzt da eine Neuerung, die vielleicht als erster Schritt, als Versuch, auf dem Wege zur Gesundung zu begrüßen ist: die von Lipa Ehrens ein- geführten„Einführungs-Kurzkonzerte": noch unbekannte oder unerprobte Künstler sollen hi« Gelegenheit erhosten, sich geradewegs an den Hörerkreis zu wenden, auf den allein«s ihnen fürs erste ankommt, an die Presse. Sache der Zeitungen mag es dann fein, ihren Lesern zu berichten, wcnn's gelohnt hat. Vor geladenen Gästen, spätnachmittags im Bechftein-Saal, hat neulich der polnische Baritonist Eugen Mossakowsty sich hören lassen; es hat genügt, die Fachwelt auf«ine Stimm« und einen Sänger van bedeutenden Qualitäten aufmerksam zu machen. Ab« in der Er- innerung hastet, obgleich es nun schon länger zurückliegt, der Lieder- abend des tschechischen Bassisten Pavel Ludikar. In jungen Iahren von Angela Neumann als stärkst« Hoffnung für die deutsche Opern- bühne entdeckt, fand er damals über Mailand den Weg an die Metropolitan-Oper in New Dort. Auf der Höhe reifen Künstler- tums erscheint er nun zum erstenmal auf dem Konzertpodium des Beethoven-Saals. Ein halb nationales, halb internationales Lieder- Programm, er singt in fünf Sprachen, Alles. Neues, Ernstes, Heiteres, ein grundmusikalischer Sänger von erstaunlicher Einfühl- samkeit, Vielseitigkeit und Vielgestaltigkeit des Ausdrucks, aus- gestattet mit dem Instrument einer schönen, persönlich timbrierten Stimme, das er mit überlegenem Können meistert. Solch« Konzert- geber, solche Gäste müssen uns immer willkommen fein. „Der-14. Juli." Vevolutionsdrama von Vomain Volland. Llraufsührung im Schauspielhaus Frankfurt a. M. (Von unserm Sonderberichterstatter.) „Der 14. Juli" ist das erste von vier vollendeten Reoolutions- stücken, die Rolland für ein„Theater des Volkes" schrieb. Dieses Theater, die erträumte Pariser Volksbühne, kommt nicht zustande: was übrig bleibt, sind vier Revolutionsdramen und eine einmalige Aufführung des„14. Juli" in einem Pariser Theater Anno 1902 ohne Resonanz. Jetzt, über ein Vierteljahrhundert später, wird es wieder gespielt, in der Geburtsstadt Goethes: vor Zuschauern, die zwar nicht„Volk",„Masse" sind, bis auf wenige Ausnahmen. Aber die Dichtung, sie lebt; die Flamme der Begeisterung ist nicht erloschen: das„Historische" ist nicht veraltet, es ist aktuell wie gestern und heute. Held dieses Dramas ist die Masse. Arbeit«, Bettler, Frauen, Kinder, Soldaten. Alle Klassen, jedes Alter. Zeit: vom Sonntag morgen, dem 12. Juli 1789. bis Dienstag abend, dem 14., nach dem Sturm der Bastille. Di« Einzelperfönlichkeit— Marat, Robefpierre, Desmoulins— ist nichts, sie verschwindet„im Ozean des Volkes", wie Rolland sagt. Nicht um die kleinliche Wiedergabe von Einzelzllgen geht es hier, nicht um die Aufbewahrung von Anekdoten— die spontane Erhebung der Massen, ihre Begeisterung, ihr Mut, ihr Kampf wird gezeigt. Die Ausführung(Regie: Eugen F e l l« r) litt unter dem Zwie- spalt zwischen Bühnenbild und Kostüm. Es mutz ein Mißklang ent- stehen, wenn das Palais Royal nach den Gesetzen des Kubismus aufgebaut ist; die Kostüme dagegen den Charakter der Epoche behalten haben. Trotzdem wirkte das Bühnenbild(Ludwig S i e o e r t) dem großen Stoff angemessen. Darstellung: eine beachtenswerte Leistung gab Paul Ver- i) o e v e n in einer Monologszene als Bettler, umwittert von der Tragik des ausgestoßenen Lumpcnproletariers, der die nahende Freiheit erfühlt und einmal spürt, was Menschsein heißt. Franz Schneider als Gouverneur der Bastille verkörperte den Zynismus einer untergehenden Klasse. Heinrich Heilinger(Marat) blieb in der Auftrittsszene von tiefer Eindringlichkeit. Frau D a u b als Schauspielerin der Comedie Fran<:aise zog die Register der großen Tragödin und hatte zugleich die Zügellosigkeit einer Mänade. Toni Impekoven(alter Invalide in der Bastille) und Mathilde Einzig als Gemüsehökerin waren echte Typen des Volkes, die in ihren alten Tagen sich mst den Jungen auf die Seit« der Reoolu-, tion schlugen. Die Hauptperson des Dramas, die Masse, wirkte nur suggestiv wenn sie marfchi«te: leblos und deklamatorisch jedoch, wenn sie „Sprechchor" mimte. Zugegeben, daß das Volk, das die große Revolution machte, fessellos war: die Bühnenwirksamkeit der Massen- szenen kann durch rhythmische Disziplinicrung nur gewinnen Das Publikum spendete nach anfänglichem Zögern starken Beifall. Kurt Offenburp' , Donnerstag, 17. Oktober. B e r 1 i a. 16.05 A. R. Meyer: Die rrankfurter Internationale Kochkunst-Ansstclluns. 16.30 Orchesterkonzert. 18.30 Ministerialdirektor Dr. C. Falck: Die Beamtenschaft wHl die Verwal- tunssreform(der neue Gewerkschaftskursus des Deutschen Beamtenbundes). 18.50 Dr. K. E. F. Schmitz: Durch Spanien und Marokko. 19.15 Verwandte Instrumente. Orgel, Harmonium, Bandonion, Drehorgel. 20.00„Hans Sonnenstößers Höllenfahrt." 22.30 Funk-Tanzunterricht. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Während der Pause Bildfunk. Königswusterhausen. 16.00 Prof. Dr. Paul Hildcbiandt: Selbstverwaltung in der höheren Schule. 17.30 Stud.-Rat Monzel, Margarete Jokl: Dichterstunde. Paula Grogger. 18.00 F. H. Reimesch: Auslandsdeutsche Weinbauern. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Baudirektor Scheelhaasc: Die verschiedenen Aufstellungsarten im Rind- viehstall. 19.20 H. W. Tümena: Kundendienst und Kundenbedienung. 20.00 Literatur und Musik. 1. Liebesbriefe ans dem 16. und 17. Jahrhundert. (Gelesen von Walter Franck.) 2. Jos. Haydn: Trio Nr. 1 G-Dur. 3. Liebesbriefe ans dem 18. Jahrhundert(Walter Franck). 4. Beethoven: Trio B-Dur op. 97. 5. Liebesbriefe aus dem 19. Jahrhundert(Walter Franck). 6. Joh. Brahms: Trio C-Dur op. 87. Lungenchirurgie. Eine zeitgemäßes Heil- und Hilfsmittel? Gefördert und angetrieben durch das unermeßliche Wohnungs- elend, tritt die deutsche Volksseuche, die Lungentuberkulose, wieder stärker als bisher in den Vordergrund und beansprucht das öffentliche Interesse. Nachdem Tuberkulin, Kreosot u. a. nicht mehr als Lungen- allheilmittel angesprochen wunden, kam man endlich aus die Freiluftbehandlung, die heute unbestritten die Grundlage aller Lungentuberkuloseheilung und- Vorbeugung ist. Für schwere und schwerste Fälle, die nur operativ zu behandeln seien, hat man Tuberkulose- Krankenhäuser erbaut, die aber bei den Kranken in den Ruf von Absterbestationen gekommen sind. Der Arzt muß aber mit dem Seelenzustand des Kranken als einem wichtigen cheilfaktor rechnen. Wer sich selber schon zu den Unheilbaren, zu den Toten rechnet, wer also keinen Willen zur Gesundheit mehr hat, dem kann auch der Arzt nicht mehr Helsen. Aus diesen Erwägungen heraus hat ein Berliner Arzt Dr. med. Sander seine in Lichtenrade hart an der Grenze von Groß-Berlin gelegene Heilanstalt Sanatorium Birkenhaag zu einer eigenartigen Kombination von Heilstätte und Krankenhaus ausgebaut. Und da das Haus in der Hauptsache von der Reichsversicherung für Angestellte und auch von der Bctriebskronkenkasse der Berliner Ber- kehrs-Gesellschaft belegt wird, so beansprucht der Versuch Dr. Sanders auch ösfentliches Interesse. Das kam bei einer Be- sichtigung durch die Teilnahme der Vertreter des Bezirksamtes BerNn-Tempelhof zum Ausdruck. Ein Gang durch die Anstalt zeigte überall vorbildliche Einrichtungen, aber— leere Krankenzimmer. Sämtliche Kranke, etwa 15l> an der Zahl, nur Frauen und Mädchen, liegen mit einigen Ausnahmen den ganzen Tag von morgens bis zum Abend in den Freiluft-Liegehallen, die in einem 30 Morgen großen prachtvollen Park zerstreut sind. Die Grundlage bleibt also auch hier die Freiluft-Liegekur, die so viele wunderbare Erfolge gezeitigt hat. Darüber hinaus will man aber, wie der leitende Chirurg der Anstalt Dr. P o m p l u n ausführte, sich zum Wohl der Kranken auch mit besonderer Betonung der modernen erprobten chirurgischen Hilfsmittel bedienen, weil nach Dr. Sander und Pomplun auch in schweren Fällen bei ch i r u r g i- schen Eingriffen eine derart hochprozentige Gewiß- heit auf Heilung gegeben ist, daß die Aerzte von Birkenhaaq wünschen, diese chirurgischen Heilmethoden mögen ebenso populär werden wie die Blinddarmoperationen. Wobei wir uns die be- scheiden« Bemerkung erlauben,, daß die Neigung zur unbedingten Blinddarmoperation doch bereits im Abflauen begriffen ist. Mit den seinerzeit sehr beliebten und kultivierten Drüsenoperationen ist es ebenso. Wie dem auch sei, man pflegt in Birkenhaag Operationen w'e Pneumothorax(Gasbrust), Thorakokaustik(Strangdurch- brennung) und Thorakoplastik(Neroenschnitte), Bezeichnungen, die dem Laien nichts, dem Arzt aber sehr viel, wenn auch nichts Neuss, sagen werden. Ein abschließendes Urteil darüber, ob in einer Zeit, die dem Chirurgen und seinem Messer sehr mißtrauisch gegenüber- steht, die Lungenchirurgie eine stärkere Betonung verdient, muß der ärztlichen Fachwelt überlassen bleiben und— den Kranken. Verantroortl. füt die Redaktion: Lollgang Schwarz, Berlin! Snzeiaen: Th. Stocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer ch Co.. Berlin SW KZ. Lintensiraße Z. Hierzu 1 Beilage. (> (> (> Theater, Lichtspiele usw. Donnerst.,17.10. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 223 19 Uhr Tristan u. Isolde Staats-Oper Am Pl.d.Republ. Vorst. 66 191/2 Uhr Die Mtmaiis Donnerst.,17.10. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus IV 191,2 Uhr. StaatLSdiansph. am Gendarmenmarkt A.-V. 197 20 Uhr Staall.SeliilleF-Tlieater.CliaFltli. .20 Uhr Oer Kaufmann von Venedig Ti|l. 2 TontilL 5 nd SV: Dir ßaibarwu 9256 Unsere neuen Preise:. WutieeUn 5 Uir 50 Pf. Uli 3 Hart Till. IV- l. Sonnt, i Utir 1 klt 6 Hark Charlie fuvel, 3 Whirlwinds, lonqTsck Sem usw Tägl. 5 u.«15 Sonnt. 2. 5 dB" Ale«. E. 4. 8066 VARIETE Großes Schauspielliaus Heute 8 Uhn Zum 50« �a'e sMusketim Jerger, Hansen, Arno, Ljungberg, Hesterberg, Lieske, Lenz, Wegener, Morgan, Schmidt, Lalana.Winkeistern.Orlik Regie: Erik Charell Gesamtausstg.: Prof. Ernst Stern Mue. Leitg: Ernst Hauk«. Sonntag nachm. ungek. Vorrtellirg. halbe Preise. 3 Ohr CASINO. THEATER Lothringer Strafte S7 Volks MUme rtiaateramBölowplati 8 Uhr Früblings Erwachen StaatLSdiiller-Tli- 8 Uhr Der Kaufmann von Venedig Staatsoper AmPI. d. Repablik Tk Uhr Die Fledermain Theater am Sollendorfplatz Täglich ZV« Uhr Nilitärmusik Deutsdies Theater D.I. Norden 12310 8 Uhr lelzic Vorsiellangcn! Oie Fledermaus Musik v.Joh. StrauS. Regie: Max Reinhardt. Musik. Einrichtung E. W. Korngold. Ausstattg. L. Kainei Kammerspiele D.I. Norden 12 310 8Ve Uhr Der Unwiderstehliche Komödie von Gdraldy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens Direktion Dr. Robert Kleir Deutsches Künstler'Theat Barbarossa 3937 ZV« Uhr Die andere Seife Dönhofmo ZV« u Zwei Krawatten von Georg Kaiser Musik Spoliansky Theat. d. Westens Tägl. 8V« Uhr Narieifa Musm». Oskar Straas KÄthr Dorsch Michael Bohnen iBaniowsky-Btaii Theater in dar KSnfggritzer Straße Heule gesdilossen I Freitag 7Vs Uhr Premiere Die erste mrs. Selby mit Frltzi massary Die Komödie J1 Bismck. 24 M/7516 ZV« Uhr Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel neu! ragiitungserleichter. Inh. Paul GÖItzer SchönhauserAlleeßS MV Säle frei! 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Man kann es schon richtiger ein Gefäß nennen, das heil bleibt, solange der Schulmeister beständig daran herum poliert. Aber sofort, wenn er damit aufhört, frißt der Rost der Zeit Löcher hinein, und ein Stück nach dem andern fällt ungemerkt heraus, am schnellsten das, was der Mensch nicht gebraucht. Was täglich gebraucht wird, sei es im Berufsleben oder sei es aus außerberuflicher Neigung, bleibt darin, denn was früher der Lehrer mit seiner fortwährenden Wiederholung be- sorgt hat. macht er nun selber, nicht absichtlich, aber ebenso fleißig. Wenn man deshalb einmal eine Prüfung anstellen würde, nicht um jestzustellen, was der Mensch vergessen hat. sonder» um dahinter- zukommen, was er noch weiß, man würde zu überraschenden Re- sultaten kommen. Eine Gruppe von Vätern und Müttern, ohne Ausnahm« aus der Arbeiterklasse, beschäftigte sich einen Winter hindurch in regelmäßigen Zusammenkünften mit Fragen des Unterrichts. Sie hatten ob und zu Gelegenheit gehabt, dem Unterricht ihrer Kinder beizu- wohnen und besprachen nun das Gesehene und Gehörte und ver- suchten einzudringen in die Arbeitsgebiete und Arbeitsmethoden der heutigen Schule. Dabei blieb es nicht aus, daß recht häufig die Frage auftrat: was weiß ich denn nach von deni, was ich in der Schule gelernt habe? Wenn man«ine Prüfung in ollen Fächern veran- staltet hätte, so wäre sicher eine Gesamtleistung herausgekommen, die all den eingangs mitgeteilten Klage» Recht gegeben hätte. Aber ein anderes wurde ebenso deutlich: auf dem Gebiete des Interesses und der Neigung hatte das Gedächtnis nicht v e r s a g t.�sast für jedes Unterrichtsgebiet fand sich ein Vertreter, der sein Schulwissen treu bewahrt halte und vernünftigen Gebrauch davon machen konnte. Die Freiheit, sich ausschließlich mit den D'itgen ihrer Neigung und ihres Interesses zu beschäftigen, kann man den Schulkindern aus mancherlei Gründen nicht geben. Aber wenn man die Kinder befragt, was sie leicht in ihrem Gedächtnis behalte» und was ihnen dagegen Mühe macht, so werde» sie die Gruppierung bald finden, und die richtet sich noch der Lust an der Sache. Noch beut- licher wird diese Erfahrung bei den Interessengebieten, die außerhalb der Schule liegen. Es gibt Kinder, die das Einmaleins nie lernen, die aber alle Straßen und Plätze der Stadt mit Namen kennen und aufzufinden wissen. Wie groß ist nicht die Zahl der Jungen, die fast sämtlich« Automarken zu benennen und unter- scheiden vermögen. Anderen hat's die Schiffahrt angetan, kein Reedereizeichen, keine fremde Flagge ist ihnen unbekannt. Gedächtnis�ist also schon vorhairden, aber nicht immer da. wo der Mensch es wünscht, sicher auch längst nicht immer dort, wo Leben und Beruf es gerade erfordern. Doch dos ist nicht zu ändern, das Gedächtnis ist keine Konservenfabrik. Darum, daß die Dinge der Neigung sich dem Gedächtnis der Kinder einprägen, braucht man sich nicht viel zu kummern. das ge- schießt ohne unser Zutun, und das Gedächtnis bewahrt solchen In- halt ohne absichtliche Wiederholung aus. All die täglich gebrauchten Kleinigkeiten der Schularbeit prägen sich auch mehr oder weniger schnell«in. Schlimm steht es aber um die besonderen Schulweisheiten. Das normale Gedächtnis nimmt sie ohne erheb- liche Schwierigkeiten auf, und durch ständige Wiederholung werden sie frisch erhalten. Der Unterricht, wenn er recht gehondhabt wird, soll ja keinen unnützen Ballast ansammeln, sondern nur Betriebs- mittel für die geistige Arbeit. Ist dann die Schulzeit herum, so werden diese Betriebsmittel zum größten Teil brach ge- legt, und andere Notwendigkeiten beschäftigen den Geist des Jugend- lichcn, andere Ding« als Gedichte, Geschichtszahlen, Flüsse und l Pflanzen muß er seinem Gedächtnis einfügen. Manches, was schön zu wissen war, rutscht unwiderstehlich in nebelhalte Tiefen;«in bedauerlicher aber natürlicher Vorgang. Wer arbeiten gelernt hat, ist imstande, sein« Aus- gäbe zu erkennen, die Hilfsmittel zu gebrauchen, die Materialien herbeizuschaffen und zu verwenden. Das sollte auch der Sinn der Prüfungen sein: nicht, welchen Ballast bringst du angeschleppt?, sondern, welch« Arbeitslei st ung kann st du voll- führen?.Aevermann. Erziehung als Wettproblem eine Anregung Erziehung ist selbstverständlich nicht nur Haus- und Schul- erziehung. Sic ist etwas unendlich Umfassenderes, Derwickelteres, Tieferes. Schon die nationale Erziehung erscheint als das Werk aller lebendigen Organe eines Volkes. Es gibt aber auch seit Jahrtausenden bereits eine internationale Er» Ziehung, die aus drei Wurzeln zusammenwächst. Die eine dieser Wurzeln erkennen wir in den bei aller nationalen Verichiedenheit der Völker gegebenen allgemcinmenschlichen und allgemeinsachlichen Voraussetzungen, Grenzen und Bindungen alles Kulturlebens. Die andere legen wir bloß, wenn wir die teils bewußten und gewollten, teils unbewußten und absichtslos erzielten Einwirkungen eines Volkes auf die Kultur und. Zivilisation anderer Völker aufzeigen. Die dritte saugt ihre Kraft aus besonderen internationalen Ein- richtunge» religiöser, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Art, welche die Völker verbinden. In diesem weitesten, tiefsten und höchsten Sinne wollen wir den Begriff Erziehung verstehen, wenn wir uns jetzt daran machen, seinen Inhalt als Weltproblem aufzufassen und zu skizzifren. Ein umfassendes Maß von Vorarbeit haben wir zu Beginn unseres auf engstem Raum unternommenen Versuchs dankbar an- zuerkennen. Die große» Pädagoge» aller Zeiten, die ja von Sokrates und Platon bis zu Rousseau, Pestalozzi uizd Kerschensteiner sich niemals in die dürftigen Schranken einer bloß schulenmäßigen Erziehung pferchten, haben diese Vorarbeit geleistet. Wenn sie aber auch all«, um es mit Anlehnung an Pestalozzi zu sagen, die allgemeine Emporbildung der inneren Kräfte der Menschennatur zu reiner Mcnschenweisheit erstrebt haben, so ist ihnen doch eins versagt geblieben: der Blick auf eine dicht vor ihnen stehende.ja, sie umarmende real« Weltgemein- schaft. Ein Stück Weltgemeinschast erkennen wir rückschauend freilich in jedem geschichtlichen Zeitraum der Vergangenheit. Es kommt ab«r auf den Grad per Weltgemeinschast an, auf chren Umfang. ihre Wirksamkeit, Spürbarkeit. Denn' alles dies bedingt den Glauben des bewußt wägenden und planenden Vorkämpfers an die Bedeutung, an den Wert der WeUgemeinschaft und an die Möglichkeit einer Erziehung zur Welteinigkeit. Nun ist der Weltkrieg als eine ebenso grandiose wie furchtbare Offenbarung einer heimlich gewachsenen Wcltoerslechtung und Weltgeiveinschoft über uns gekommen, und die Nachkriegszeit hat diese Otsenbarung mit etwas sanfterer Hand bescheinigt und in etwas milderem Tone ergänzt. Jetzt ist es Zeit, mit der bewußten Erziehung zur Welteinigkeit zu be- ginnen. Schon der nächste große politisch-wirtschaftliche Schritt vorwärts, etwa eine bis auf die Wurzeln gehende Versöhnung zwischen Deutschland, England, Frankreich, kann, ja, er muß einen Glaubens stürm wecken, der bei Tausenden den Zweifel an der Möglichkeit einer Erziehung zur Weltfriedfertigkeit und Welt- kultur hinwegfegt. Das erste Stück einer solchen Erziehung muß die Heraus- bildung eines neuen Stolzes sein. Wir müssen einen herzhaften Block Nationalstolz opfern, um dafür einen noch herz- hafleren Block Kulturbewußtsein zu gewinnen. Irren wir uns nicht! Der Nationalstolz liegt den Völkern genau so tief und genau so warm im Blute wie dem Pferde sein edles Schreiten, dem Löwen sein die Nächte erschütterndes Gebrüll. Wir können"ihn nicht ver- bieten, nicht wegdiskutieren, nicht mit keckem Zugriff ausraufen. Wir können ihn aber veredeln. Dem Deredelungswerk muß freilich«in ziemlich robustes Verhinderung?- und Vor- beugungsverfahren voraufgehsn. Einen auf hohlen Pfaden im blinden Eifer auf ein vermeintliches Glück immer wieder vor- stürmenden Nationalismus wird man niemals veredeln Man verrammele also durch«inen vernünftigen Mehrheitswillen dem blinden Nationolstolz den Weg seines unheilvollen Tatendranges und zeige ihm gleichzeitig das höhere und einträglichere Ziel mög- licher Kultursicgc. Dabei dürfen Teilziel« nicht geringschätzig beiseite geschoben werden. Selbstverständlich könnte eine der Boll- endung zuschreitende sozialistische Gesellschaft nicht aus den ernstesten Versuch verzichten, den Prositantrieb durch den Ehrantrieb zu er- setzen. Wir ober stehen erst in den Anfängen sozialistischen Ge- staltens. Unser erstes Werk muß sein die Verrammelung aller törichten Bahnen nationaler Verblendung durch einen vernünftigen Mehrheitswillen, also, genau genommen, die Emporbildung eiizes solchen Mehrheitswillens. Das geht nicht durch Predigen und Fordern. Der vernünftige national« Mehrheitswille wird nur aus klaren und starken Erkenntnissen wachsen. Wer an die Möglichkeit der Bändi- gung von Instinkten durch den Intellekt nicht glaubt, der soll die Finger lassen von jeder bewußte» Kulturgestaltung. Sein philosophisches Glaubensbekenntnis müßte der schwärzeste Pessimismus, jfine philosophische Praxis der vollendete Ouictismus sein. Wer aber die Erziehung als Weltproblem zu sehen wagt, der muß Glauben haben. Nicht den Glauben an irgendeine ewige Vollendung menschlicher Dinge; wohl ober den Glauben an die Möglichkeit zur sinnvollen Ausgestaltung einer solchen Senkung der abstrakten Ewigkeit, wie die Periode unserer rückwärts und vorwärts übersehbaren Kulturgeschichte sie darstellt. Das Programm einer Erziehung zu dem uns vorschwebenden realen, unmittelbar verwertbaren Weltbürger» sinn ist uml-�greich und lapidar. Wir lzaben hier nur«inen Punkt dieses Programms dargestellt, ja, streng genommen, nicht einmal dargestellt, sondern nur berührt. Karl Schewa. Die Straße gehört- dem ckitide In der japanischen Hauptstadt Tokio wurden zweihundert Neben» � straften für die Zeit von 13 bis 18 Uhr jeden Tages für allen Ver» kehr gesperrt. Sie sollen den Kindern einen Platz geben, auf dem sie ungehindert vom Verkehr spielen und herumtummeln können. Man will auf diese Weise die katastrophale Spielplatznot der japanischen Hauptstadt wenigstens zu einem Teil lindern. Anlaß zu dieser Maßnahme gab die Tatsache, daß im letzten Jahre WOY Kinder>« T überfahren wurden. f�oman von Ülax ßartkel (22. Fortsetzung.) Auch in Staaten war Hüll gewesen und hatte eine Aufnahme gesehen. Di« Lichigeschütze der Beleuchter, die geschminkte Reihe der Komparserie, di« Irrsinnig« Scheinwelt der Kulissen, das chaotische Revier, in dem der Befehl des Regisseurs Ordnung schuf: alles das interessierte ihn sehr, und als dann Benck« einige Meter Film von ihm drehte, war er glücklich wie jeder Mensch glücklich ist, der zum ersten Male gefilmt wird. Ader nun war alles vorbei, der Koffer stand gepackt da, die Stunde des Abschieds kam. Er betrachtete seine Tochter, die am Fenster saß und auf die Straße blickte. „Kindle", sagte er,„es war schön in Berlin, und ich verstehe, warum du damals abgereist bist. Verlin ist groß und schön, aber Ich habe doch ein wenig Angst um dich." Marianne rührte sich und wandte ihren Blick dem Vater zu. „Angst, du hast Angst um mich? Aber mir geht es doch gut, Vater", sagt« sie. „3a, dir geht es gut. Die Herren sagen: Gnadigste zu dir, sie küssen deine Hand, und du wohnst wie ein« fein« Dame. Bist noch kein Jahr in der großen Stadt und lebst im Glück. Zlber ich habe immer noch Angst." „Aber Dater!" Sie verließ das Fenster und kam naher. „Dater", sagte sie„.lieber, lieber Vater, wie hat dir mein erster Film gefallen?" „Er hat mir gut gefallen, wenn du auch manchmal fremd warst im Film oder so, daß ich dich beinahe nicht mehr erkannte. Die Leute werden schon die Augen aufreißen, wenn der Film in unsere Stadt kommt. Ich höre sie schon sagen:„Das ist die Marianne Hull, die wo von zu Hause davongelaufen ist. Na, sie war ja schon immer narret." Und ich werde antworten:„Narret oder nicht narret, sie ist doch ein schönes Modle." Und da müssen sie sagen: „Ja, sie ist ein schönes Mödle..." Das hör« ich schon jetzt, Kindle, bist du auch glücklich in Berlin?" Sie stand vor dem Bater und tiefe Zärtlichkeit füllte ihr Herz aus. Da saß nun der verarbeitet« Mann in der schönen Stube und glich beinahe einer von den geschnitzten Figuren, die er aus der Süd- see mitgebracht hatte. Der Vater! In jener Nacht, als Lyssander sie heimbrachte, war der Vater da, die Rettung da. Sie hatten bis in den hellen Tag zusammengesessen und stch viel erzählt. Ja, er war über ihre Flucht bestürzt gewesen, aber er wußte, daß sie nicht unter- gehen würde. Und an den folgenden Tagen, als er mit ihren Be- kannten vom Film zusammenkam, hatte er nur mit Hochachtung von den Herren gesprochen. Manchmal war er mit seinem hoffährtigen Stolz auf Marianne ein wenig lächerlich geworden, wie eben Liebende anderen Leuten lächerlich vorkommen. Und nun saß er da und erzählte, daß er Angst um sie hatte, nun fragte er, ob sie glücklich sei. Glücklich? Sie wußte es selber nicht. „Vater", antwortete sie leise,„lieber, lieber Vater, ich habe Arbeit und bin glücklich. Ich stehe ja noch ganz am Anfang und liabe viel Mut. Angst? Nein, ich habe keine Angst." „Weißt, Kindle, Angst ist vielleicht zu viel gesagt", begann der Vater,„aber ich muß jetzt an die Geschichte von der kleinen Lampert denken. Die Geschichte ist vor 2ll Iahren passiert, ich hatte sie»er- gessen. Damals fuhr ich aus der„Mauritania". Soll ich sie erzählen?" „Erzählen", bat Mariaime und holte sich einen kleinen Hocker und ließ sich zu den Füßen des Baters nieder, wie damals, als sie noch Kind war.„Erzähle die Geschichte von der kleinen Lampert. Ist es eine traurige Geschichte, eine Geschichte zum weinen, Vater?" „Eine Geschichte von einer Reise, Kindle... Vor 2lZ Iahren war ich Steward auf der„Mauritania", einem großen Passagier- dampfer", erzählte der alte Hull.„Wir fuhren die große Route von Hamburg nach Ostasien, über Indien, und auf so einem großen Schiff passieren mehr Geschichten als auf dem festen Lande. Aber vielleicht stimmt das gar nicht, vielleicht kann man auf einem großen Schiff die Menschen nur leichter überblicken als in einer Stadt, wo sie sich in den Straßen und Häusern verlaufen... Das war meine letzte Reife, Kindle, und in Hamburg kamen viele Passagiere an Bord. Ich hatte mit anderen Stewards Dienst in der 1. Klasse. Und in der 1. Klasse reiste auch ein Herr Monckel, ein junger Mensch in den zwanziger Iahren Er reiste nach Java, wo sein Vater eine Kaffoeplantage besaß. Auch eine alte Dam«, ich habe ihren Namen vergessen, kam in Hamburg an Bord, sie reiste mit einer jungen Gesellschafterin nach Indien. Die Gesellschasterin hieß Gertrud Lampert, war 19 Jahre alt und sehr hübsch. Sie lachte gern, und ihr Lachen klang so, wie wenn geschliffen» Gläser zu- sammenklingen. Es gab noch viele ander« Passagier« ii�der 1. Klasse, ich habe ihre Namen vergessen. Sie spielen auch keine Rolle in meiner Erzählung. Ein großes Schiff ist eine Welt für sich und in dieser Welt geht das Leben der Menschen heftiger als auf dem Lande. Sie sind ja nur kurze Zeit zusammen, und es ist, als ob das Meer oder die Sterne oder die glühende Sonn« die Menschen auf dem Schiff verzaubert. Die in der 1. Klasse, meine ich. Wir Stewards wurden nicht verzaubert. Wir hatten viel Dienst. Hinter Neapel wurde auch Herr Monckel verzaubert, er bemühte sich sehr um das Fräulein Lampert, und noch ehe wir die afrikanisch« Küste erreichten, waren die beiden im schönsten Spiel: Herr Monckel küßte die kleine Ger- trud. Das habe ich mit angesehen, ich hatte«in« Ruhestunde, und «, war zwischen Abenddämmerung und Dunkelheit. Sie bemerkten mich nicht. Weißt, auf so einem großen Schiff gibt es immer Leute, die alles sehen und die niemals gesehen werden____ Wir fuhren weiter und kamen durch das brühheiße Rote Meer, dann hatten wir die arabisch« Küste hinter uns, die Passagiere at- meten auf und lechzten nach den erfrischenden Winden, auch wir atmeten auf. und als ich Nachtdienst hatte, sah ich, wir schwammen Copz-rigm 1929 by„Der Bücherkreis C. m b. H." Berlin SW61 auf dem Indischen Ozean, den Herrn Monckel einmal morgens aus der Kabine des Fräulein Lampert kommen____" Er zögerte und unterbrach seine Erzählung. Es war, als schämte er sich vor seiner Tochter, davon zu sprechen, daß junge Männer manchmal morgens aus den Zimmern von jungen Mädchen kommen. Als Marianne nicht rot wurde und auch nicht seufzte, erzählte er weiter und beeilte sich sehr. „Das Fräulein Lampert blieb einige Tage unsichtbar, weißt du. Wir dachten, sie hätte die Seekrankheit, aber als sie dann wieder erschien, war sie blaß und ihre Augen sahen verweint aus. Der Herr Monckel tat, als sähe er sie überhaupt nicht. Und als sie mit ihm sprach, tat er so entsetzlich gleichgültig, daß sie davon- lief. Bald darauf erschien die alte Dame und stellte Monckel. Sie schloß sich mit ihm ein. Es gab einen Skandal. Die alte Dame wollte, er soll« die Gesellschafterin heiraten. Aber Monckel sagte: Danke schön, nein, ich bin schon verlobt. Die alt« Dame erklärte darauf, er sei ein Schuft. Aber er zuckte nur mit der Schulter und murmelte etwas, von mit Rat und Tat immer zur Verfügung siehe» und ließ sich dann nicht mehr sehen. Auch die kleine Lampert ließ sich nicht mehr sehen. Sie sei sehr krank, sagt« der Schiffsarzt. Und sie war auch krank. Hatte Veronal genommen. Aber zu wenig. Und als wir uns der in- difchen Küste näherten, am nächsten Tag sollten wir Bombay an- laufen, da ist das kleine Fräulein Gertrud Lampert über Bord gesprungen.... Wir setzten schnell zwei Boote aus, aber wir kamen zu spät. Sie war schnell untergegangen. Wir fanden sie nicht mehr. Und dann gal� es auch Haifische in dem Gewässer. Die alte Dame wurde ohnmächtig____ Der Herr Monckel verließ in Bombay unser Schiff— Monckel war ein netter Mensch, wenn man ihn sah und hörte, mußte man ihn lieb gewinnen____ Aber man kann ja keinen Menschen ins Herz blicken____ Ich habe ge. funden, daß schöne Menschen viel aalglatter und schlechter sind als sogenannt« häßliche Menschen---- Aber das ist kein Gesetz, sonst müßtest du. Liebes, ein Teufel sein!" Sie lächle. Mitten im Lachen sah sie den Herrn Monckel vor sich, einen ge- pflegten jungen Menschen mit angenehmen Manieren. Sie härte auch das Gelächter der schönen Gertrud, aber dann verschwanden die Erscheinungen. Der Vater saß vor ihr, schweigsam und nach- denklich. An wen dachte er? An Herrn Monckel? An Herrn Lyssander? Mariann« lachte nicht mehr. Sie machte sich Mut und sagte: „Arme, kleine Gertrud! Aber um mich brauchst du keine Angst haben, Vater! Ich springe niemals ins Wasser, und wenn ich ein- mal ins Wasser springe, da brauchst du erst recht keine Angst zu haben: ich kann sehr gut schwimmen! Und warum hast du gerade heute an die alte Geschichte denken müssen?" „Weil eine große Stadt doch manchmal wie ein großes Schisf ist, und weil du jetzt auch in einer Ersten Klasse fährst..,. Und wenn du schon schwimmen kannst, ninim dich vor den Haisischen in acht. Und denke daran, daß es immer einen Menschen gibt, der dich sieht, auch wenn du ihn nicht sehen solltest." Marianne erhob sich.» Sie beugte sich über den Vater und küßte ihn. In ihren Augen standen Tränen. Auf der Straße schrie die Hupe eines Autos. Lyssander meldete sich an. Lyssander kam und brachte Herrn Hull nach dem Bahnhof. Auf der Fahrt wurde wenig gesprochen. Marianne legte ihre Hand in die Klaue des Vaters. Die schmalen Schluchten der Stadt waren bald durchfahren, die Brandung des Verkehrs am Potsdamer Platz rasch überwunden. Die gleißende Lichtfassode des Europahauses glitzerte. Dann kam der Anhalter Bahnhof mit allem Lärm und Betrieb. Das Auto wurde verlassen, der Schnellzug wartete schon. Marianne brachte den Vater nach dem Coupö. Nach einigen Mi- nuten kam auch Lyssander. .Leb wohl, Liebes," sagte Hull.„und im Frühling komme ich wieder nach Berlin. Freust du dich?" „Ja, und dann bleibst du da. Dann kommst du für immer nach Berlin. Das wird herrlich sein, Vater!" Der Alte lächel:« und nahm sie beiseite und flüsterte, damit es Lyssander nicht hörte:- „Du bist nun erwachsen, Marianne, und wenn dich einer liebt, mußt du ihm nicht auss erste Wort hin glauben, wenn auch das erste Wort sehr oft das schonst« ist. Der Herr Lyssander ist ein an- genehmer Mensch, er gesällt mir gut, ich glaube, du kannst ihm vertrauen, wenn dich etwas quält." „Herr Lyssander!" sagte er und hob seine Stimme,„Herr Lys- sander, ich empfehle Ihnen mein« Tochter. Passen Sie auf mein Kind gut aus!" Nun kam der Schaffner und drängte zum Einsteigen. Hull kletterte in den Wagen und öffnete das Fenster seines Abteils. Di« letzten Worte wurden gewechselt, um die letzten Sekunden auszu- füllen, die letzten Worte, die wie rieselnder Sand sind und doch die letzten Sekunden nicht ausfüllen können. Ein letzter Gruß, ein letzter Händedruck, die Lokomotive zog dampfend und fauchend an, die Räder rollten, viele weiß« Tücher wehten, kleine Fahnen eines schmerzlichen Festes, und auch Marianne ließ ihr Tüchlein flattern. Der Zug entschwand, eine biegsame Flucht immer kleiner werden- den Wagen, von denen nichts übrig blieb als ein rollender Punkt, über dem weißer Rauch wehte. Die Zurückbleibenden verliefen sich. Die Schienenstränge lagen blank im bleichen und gedämpften Lichte da und warteten auf di« neuen Eisenbahnzüge der Ankunft und der Abfahrt, auf die Schnellzüge, aus die Personenzüge, die eisern durch Deutschland klirrten. Rote ünd grüne Lichtsignale glühten. Der Ozean der Millionen- stadt schwemmte sein Strandgut in di« Vorhallen des Bahnhofs: Missionsdamen, Geheimpolizisten, GeLäcklräger, Taschendiebe, Ob- dacl�ose, Zeituiigsverkänfer, Schuhputzer, Spitzel, Dienstleute. Dann ratterte«in neuer Eisenbahnzug an und spie seine Passagiere durch die Sperren in die uferlose Stadt.(Fortsetzung folgt.) «« PUR DEN KLEINGÄRTNER. iinuiiiuiiiiiuiiuiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiinMiiiniiuiiiiiniumuiuiiiiMiiiiiimiiiiiiiiiuiiuuiuuiiiiuiiuiiiiiiiiiuuiiiiuiiuiiiiiiiiiiiiuuiiiiiiiiiuimiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiuiuiiiiiiniiiniiiiiaiiiiiiiiuin Zichoriensalat(Chicoree), Während man bei uns die Zichorie nur als Kaffee-Ersatz kennt und zu diesem Zweck feldmäßig kultiviert, ist in Belgien und bei Paris die Verwendung ihrer getriebenen Blätter zur Herstellung eines sehr bekömmlichen Salats gebräuchlich. Auch die Zeit des Er- scheine»? dieses Salats auf dem Gemüsemarkt ist bemerkenswert: er eignet sich besonders für die Monate Januar bis März, in denen es an sonstigen Salaten fehlt. Die Kultur einschließlich der Treiberei ist so einfach, daß man wünschen möchte, sie auch bei uns in größerem Maßstabe durchgeführt zu sehen. Um kräftige Wurzeln— die Vorbedingung für das Gelingen— zu erhalten, muß man über einen altgedüngten lockeren Boden verfügen. Leichter lehmiger Sandboden ist besonders geeignet, wenn er nahrhaft und tiefgründig ist. Frisch gedüngtes Land ist jedenfalls zu vermeiden, da es die Zichorien- wurzeln zur Vergabelung bringt, was sie für die Treibern wertlos macht. Das Land soll also im Herbst zurechtgemacht werden: man düngt es und lockert den Boden etwa 49 Zentimeter tief. Nach nochmaligem Lockern im Mai/Juni erfolgt die Aussaat: man gebraucht für 19 Quadratmeter etwa 39 großen Samen, den man aus einer zuverlässigen Quelle beziehen sollte. Später kann man seinen Samen selbst ziehen. Man wählt Reihensaat, Reihenabstand 2S Zentimeter, so daß 5 Reihen aufs Beet kommen. Der Pflanzen- bestand soll 15 Zentimeter betragen: ein Verziehen ist deshalb not- wendig. Das Beet muß gut feucht gehalten werden. Dielfach herrscht der Glaube, daß im Sommer die Blätter weggeschnitten werden müßten:«ine solche Maßnahme schädigt nur die Wurzeln. Dagegen findet ein Beschneiden der Blätter bis auf 4 bis 5 Zenti- meler statt, nachdem Ende Oktober die Wurzeln ausgegraben sind. Gleichzeitig werden die Wurzeln durchweg.auf etwa 25 Zentimeter oerkürzt. Will man nicht alle Wurzeln gleich treiben, so schlägt man den Rest frostfrei, etwa im Keller, ein. Man ist dadurch imstande, die Ernte auf eine Reihe von Monaten zu verteilen. Das Treiben vollzieht sich in Einfachster Form: man benutzt ein ausgeschachtetes Mistbeet oder stellt einen entsprechend breiten Graben her. In diesem werden die Wurzeln in Querreihen, die 19 Zentimeter von einander entfernt sind, mit geringer Neigung, nebeneinander (Zwischenraum 3 Zentimeter) so aufgestellt, daß ihre Köpfe in gleicher Höhe stehen. Man füllt dann di« Zwischenräume mir trockener leichter Erde und bedeckt das Ganze mit einer etwa 29 Zentimeter hohen Schicht der gleichen trockenen Erde, die erforderlichenfalls noch mit Sand vermischt wird. Auch kann man Torfmull oerwenden. Die Hauptfache ist, daß die Deckerde locker und vor allem trocken ist: sie sollte daher auch vorher nicht schr dem Regen ausgesetzt gewesen sein. Auf die Erdschicht und über die Ränder des Kastens oder Grabens kommt dann ftischer Pferdemist, je nach der Witterung 25 bis 75 Zentimeter hoch. Diese Decke hat den Zweck, in dem Räume unten eine Temperatur von 15 bis 29 Grad zu halten. Wenn Regen eintritt, muß die Anlage durch Bretter oder sonstiges Deckmaterial vor dem Eindringen des Wasiers geschützt werden. In der warmen Temperatur treiben di« Wurzeln aus und di« im Dunkeln getriebenen Blätter bilden den wie gebleicht erscheinenden Salatkopf. Nach gut 3 Wochen gibt es gebrauchsfertige Ware. Man entfernt de» Dung und die Erde und dreht die Blattköpfe ab. In einem kühlen Raum halten sich die Köpfe mehrere Tage, doch ist es natürlich, wie beim gewöhnlichen Salat, am varteilhaftesten, nur soviel herauszunehmen. als gebraucht wird. Die für dieses Kulturverfahren am besten geeignete Sorte ist die Brüsseler oder Witloof.Zichorie. herbstpfianzung. Ob Frühjahrs- oder Herbstpflanzung von Siräuchern und Bäumen vorzuziehen ist, hängt von verschiedenen Faktoren ob. Da ist vor allem die Frage: ob leichter oder schwerer Boden? Bei letzterem ist die Pflanzung im Frühjahr meist vorzuziehen, schwerer, kalter Boden ist im Herbst nicht sehr geeignet, daß die beschnittenen Wurzelenden die für die weitere Wurzelbildung wichtige» Gallus- schichten bilden. Ferner ist die Winterhärte des zu pflanzenden Materials zu berücksichtigen. Gerade die Erfahrungen des letzten Winters haben gezeigt, daß Rankrosen. Tamarisken, auch Efeu völlig zerstört wurden, so daß im Frühjahr das nach sonstigen kalten Wintern beobachtete Austreiben aus dem Wnrzelstamme unterblieb. Im allgemeinen aber hat die Herbstpflanzung unleugbare Vorteile. sofern sie nicht zu spät erfolgt. Wenn auch theoretisch gepflanzt werden kann vom Laubabfall bis zum Wiederaustrieh, so ist doah wegen der Gallusbildung die frühe Pflanzung geboten, da sonst die Wundstellen hcr Wurzeln in Fäulnis Übergehen können. Je weniger Zeit zwischen der Herausnahme aus dem alten Standort und dem Pflanzen liegt, um so vorteilhafter ist es. Da die Baumschulen im Herbst Bäume und Sträucher in den„Einschlag" legen, ist eine frühe Pflanzung auch aus diesem Grunde geeigneter, als wenn man wartet, bis die besten Stücke schon herausgenommen sind. , Die Dahlienmode. Durch die Fülle der Farbennüaneen hat die Dahlie sich in ver- hältnismäßig kurzer Zeit zur Lieblingsblum« des Spät- sommers entwickelt. Ihre leichte Kultur, ihre einfache' Ueber- Winterung sowie bequeme Vermehrung fallen natürlich auch ins Gewicht, aber ausschlaggebend ist unstreitig die Möglichkeit, alljähr- lich immer neue Farben und Formen seinem Garten emzu- oerleiben. Offizielle wie private Ausstellungen haben auch in diesem Jahre— trotz der Dürre— nicht gefehlt und man konnte an Hun- derten von Sorten dos Bestreben deutscher wie ausländischer Züchter studieren, neues, schöneres hervorzubringen. Während bei den gleichfalls in Hunderten von Sorten sich vorfindenden Rosen die Form nur wenig bemerkbare Unterschiede aufweist, variieren die Dahlien in der Gestatt der Blum« ebenso auffällig wie in der Farbe. Oder richtiger gesagt: in den Farben. Denn eine Neuschöpfung, die etwas von sich her machen will, muß unbedingt mehrfarbig getönt erscheinen. Si« gleicht darin der Tulpe, aber auch dem Chrysanthemum. Immer größer werden die Blumen, immer dustiger die Farben, die zarten Pastelltönen gleichen oder die feurigsten Nuancen einer Malerpalette widerspiegeln. Wie die Rosen aus der Pernetianarass« Gold und Kupferrot in Weiß und Rosa hinein- mischten, so herrscht jetzt auch bei den Neuheiten«in goldener Ton von großer Leuchtkraft, dem es an Beimischungen von Rot, Lila, Lachsfarb« und Purpur nicht fehlt. Wer die Kataloge durchsieht, wirb«in« groß« Ausbeute für fein Farbenoerständnis gewinnen— aber freilich die tote Beschreibung ersetzt nur unvollkommen den Farbenrausch, den der Anblick der Blumen selbst erzeugt. Die Preise haben wohl infolge der Winterverluste und der höheren Kosten für die Pflege im trockenen Sommer«inen Sprung nach oben gemacht— der billigste Preis ist etwa 69 Pf. pro Knolle. Aber man findet auch Neuheit«« mit Preisen zu 3. 5, ja 19 Mark. Eine Mahnung für den glücklichen Besitzer von Knollen, für deren gute Ueberwinterung Sorge zu tragen. »Tennis-Fnedmann" im Spiegel. Ein Schädling, den sich der AT. u. Sp. B. zu lange gefallen ließ. Ein Arbeitersporiler, ehemaliges TNilglied der kommunistischen Partei, gibt über die verbrecherische Tölig. keil de» bekannten„Tennis- Friedman n" im presse- dienst des Arbeiter- Turn- und Sportbundes folgende erbauliche Schilderung: Kaum daß er den deutschen Boden betreten hatte, wurde der ehemalige schneidige ungarische Offizier nach kurzer Mit- gliedschost in Schöneberg Mitglied der Freien Turnerschast Lichten- berg-Friedrichsfelde. Ein Maulaufreißer, ein Phrasen- Held und Resolutionsschmied übelster Sorte, oerstand er es bald, sich Sympathien, besonders bei den jüngeren Mitgliedern, zu erobern. In wichtigen Bundesfragen allerdings holte er sich gern den Rat älterer, erfahrener Genossen, was feine Unkeilntnis über die Organisation kennzeichnete.' In wildem Fanatismus wollte er die Verhältnisse umstoßen und dem kommunistischen Geist Einfluß ocrschasfen. Wie ein Elefant im Porzellanladen polterte Fricdmann herum und mußte oft von seinen eigenen Parteigenossen zur Besonnenheit und Vernunst ermahnt werden. Anläßlich eine? Werbeumzuges durch Lichtenberg im Jahre 1323 war es Friedmann, der durch das Megaphon auf der Straße„R o t Sport!" an Stelle des alten„Frei-Heil!"-Rufes in die Welt posaunt«. Was besonnene und erfahrene Mitglieder vorausahnten, wurde Tatsache. Uneinigkeit, wüste Stänkereien hemmten die Entwicklung des Vereins. Schwach« Versuche, sich dieses gefährlichen Menschen zu entledigen, blieben erfolglos. Friedmann hatte die Mehrheit des Vereins hinter sich. Als Leiter der Sport- fraktion verstand er es, die Gegensätze gewaltig zu verstärken, und die gemeinste Lüg« war Friedmaim recht und gut, sein Ziel zu erreichen. Mir als technischem vereinsleiker versagte man die Unlerstühung, weil ich als Kpv.-Milglied die Sporlfraktionssihungen der KPD. nicht besuchte. Vor zwei Jahren kam der große Krach. Der Verein spaltete sich. Die Mitglieder, die sich von den Treibereien Friedmanns angeekelt fühlten, gründeten den Bezirk Lichtenberg der Freien Turnerschaft Groß-Berlin. So spaltete sich der Verein, lediglich den parteipolitischen Treibereien zufolge. Interessant ist bei dieser Gelegenheit zu erwähnen, daß der ehe- malige Bezirksvertreter M. Stephan, der heut« in der Opposition Schulter an Schulter mit Friedmann gegen den Arbeiter-Turn- und Sportbund kämpft, damals erklärte:„Schmeißt doch Fried- mann raus!" Roch interessanter ist, daß derselbe Stephan vor einigen Wochen in einer Versammlung in Petershogen erklärte, er könne auch heute noch nicht die Handlungsweise Friedmanns gut- heißen! Das sind zwei Mitglieder der KPD., zwei Funktionäre der Ausgeschlossenen, wovon einer blindlings seinem Ende entgegen- geht, und der andere nicht den Mut zur Konsequenz hat. Kurz nachdem Friedmann vom Bundestag in Leipzig ausgeschlossen war, hielt er vor einer Kortelldelcgiertenoersammlung in Lichtenberg ein Referat über den stattgefundeney Bundestag und die zukünftige Arbeit gegen den Bundesvorstand. In dieser Versammlung hat er alles das aus der Schule geplaudert, was von den KPD.-Beauf- tragten gut vorbereitet und später nach dem Ausschluß der Vereine durchgeführt wurde. Die Phrase von der„Wiederaufnahme in den Bund", der „Kampf um die Einheitsfront in der Arbeitersportbewegung", das war die Parole, mit der sich die meisten seiner Anhänger betölpeln ließen.„Die Sozialdemokraten sind die Spalter." „Wir werden uns nach wie vor als Mitglieder des Arbeiter-Turn- und Sportbundes bezeichnen."„Wir sind die rechtmäßigen Mit- glieder des Kartells" usw., das war das, was Friedmaim dort bereits verkündete, noch che die eigentliche Spaltung vollzogen war. Auf einige Zwischenrufe meinerseits über seine Phantasien, drohte mir Friedmann mit den Wortei,:„Ich werde dafür sorgen, daß du aus der Kommuni st ifchen Partei ausgeschlossen wirst." Run, ich Hobe mich nicht ausschließen lassen, sondern bin s e l b st ausgetreten, und wenn das kommunistische Lichtenberger „Echo" vor längerer Zeit schrieb, daß ich nur aus rein materiellen Gründen Mitglied der SPD. geworden sei, so erkläre ich an dieser Stelle öffentlich, daß es nicht materielle Gründe waren, die mich zu diesem Schritt oeranlaßtcn, sondern das verbrecherische, lügnerische Treiben der KPD. und die ausrichtige Treue und Liebe zum Arbeiter-Turn- und Sporlbund! Mögen diese Zeilen dazu beitragen, diesem Fricdmann das feige Handwerk im ganzen Reiche zu legen, denn sein Ziel ist, immer mehr Lundesvereinc in Konflikt mit dem Bundesvorstand und dem Bund überhaupt zu bringen, um somit den Boden für eine kommunistische Reichssportorganisotion vorzubereiten. Die Leipziger Arbeitcrsportler haben die Gefahren rechtzeitig erkannt und den mit bürgerlichen Methoden arbeitenden Friedmann energisch abgewiesen, was wir begrüßen. Uns ober trifft die Schuld, diesen General- spalter nicht schon vor Jahren an die Luft gesetzt zu haben! Bürgerlicher Dank an die KPD.-Sportlcr. An einer langen Reihe von Beispielen kann nachgewiesen werden, daß von den Wühlereien und Spaltereien der Kommunisten im Arbeitersport nur die bürgerliche Sportbewegung Gewinn hat. Den großen„Revolutionären" ist der Arbeiter- Turn, und Sportbund„sozialfaschistisch", sie gebärden sich wie Wilde, provozieren mit allen Regeln der Kunst ihren Ausschluß aus dem Bund, machen den längst gewünschten eigenen Laden aus und landen dann einer nach dem anderen im bürgerlichen Sportlager. Das reaktionäre„W e st f ä l i s ch e Tageblatt" in Hagen ist darüber so entzückt, daß es den kommunistischen Sportspaltern eine Dank- s a g u n g widmete. Die führende bürgerliche Fußballmannschaft „Hagen 1311" besteht nämlich zum allergrößten Teil aus Spielern des fauerländischen Meisters von der kommunistischen„West- deutschen Spielocreinigung" und Spielern anderer Vereine dieses KPD.-Sportlagers. Nachstehend die Danksagung des bürgerlichen Blattes: „1311" kann nach seinen zwei eindrucksvollen Siegen gegen „V5" und„72" mit Ruhe den weiteren Kämpfen entgegensehen"— „1311" ist cirke für südwestfälische Verhältnisse fertige Elf, eine Mannschaft, der die starke Blulauffrischung aus dem Lager der Arbeitersporiler sehr genutzt hat. Zu erwarten ist allerdings, daß die Neulinge im WSV. die Anschauungen, denen sie früher ein- mal gehuldigt, radikal über Bord werfen! In bürgerliche» Verbänden ist kein Raum für Politik und Verseuchung init klassen- kämpferischen Ideen Man kann aber annehmen, daß gerade die Abkehr von diesen falsche» Zdeen die Arbeitersporiler bewogen hat. dem Arbeitersportkartell für dauernd Valet zu sagen. So offenbart sich denn die Verstärkung der 1311er als ein Sieg der bürgerlichen Sporlauffassung und eine offene Pleite des roten Sports." Man muß noch einmal wiederholen: die revolutionärsten Klafsenkämpfer aus dem kommunistischen Sportlager werden zu Ucberläufern zum Gegner hin, heimsen dort schöne Tagegelder ein und lassen sich bescheinigen, daß sie ihre klassenkämpferischen Ideen aufgegeben haben. Das ist die kommunistische Gesell- schaft in Reinkultur! Turngelegenheit überall lür Kinder und Erwadiscnc. Der bundestreue Arbeitersportverein Schöneberg- Friedenau 07 hat seine Kinderabteilung wieder er- öffnet. Fest entschlossen, für einen guten Nachwuchs in der Arbeiter- sportbewegung zu sorgen, wird es sein größtes Bemühen seim der Kinderabteilung einen großzügigen Ausbau sowie eine sorgsame Pflege angedeihen zu lassen. Die Kinder sollen im Sinn« der De- sreiung der Arbeiterklasse zu Mitstreitern in der Arbeiterbewegung herangebildet werden. Eltern, wollt ihr das, so schickt die Kinder in die Arbeitersportbewegung. Partergenossen, heraus mit euren Kindern aus den bürgerlichen Vereinen! Dringt sie in die Arbeiter- sportvereinc, wenn euch Wohl und Gesundheit eurer Rinder am Herzen liegen. U e b n n g s z e i t e n: Mädchen Donnerstags 18 bis 20 Uhr obere Turnhalle, Ebersstraßs: Knaben Donnerstags 18 bis 20 Uhr untere Turnhalle, Ebersstraße. « Es ist uns gelungen, in Reinickendorf-Ost eine Abteilung der Freien Turnerschast Groß-Berlin ins Leben zu rufen, di« im Sinn« des Arbeiter-Turn- und Sportbundez arbeitet. Unser �Turn- und Sportbetrieb ist so ausgestaltet, daß jeder, gleich welchen Alters und Geschlechts, sich daran beteiligen kann. Unsere Turnabend« finden jeden Donnerstag von 20 bis 22 Uhr in der Turnhall« Berner Straße(Realgymnasium) statt. Unser« Versammlungen finden jeden ersten Montag im Monat, 20 Uhr, im Lokal von Rochhaus, Residenz- straß« 130, statt. Wir erwarten von allen mit uns sympathisierenden Sportlern und Einwohnern von Reinickendorf-Ost rege Beteiligung. Aufnahmen finden auf jedem Turnabend statt. Die Havelvereine fahren ab I Als letzte beschließen die diesjährig« Saison die Arbeiter- rud«rverein« der Havel. Am Sonntag, 20. Oktober, wird sich der Ruderverein„Eollegia" mit dem Ruderverein„Butab" im alten Havelarm bei Spandau zur letzten gemeinsamen Auffohlt treffen. Die Vereine werden geschlossen bis Lindwevder fahren und so noch einmal di« herbstliche Landschaft der Havel grüßen. Nach der Ausfahrt findet ein geselliges Beisammensein im Bootshaus des Rudervereins„Eollegia", Ti«swerder 23. sto't. zu dem alle alten Freunde der Haoelrudervereine herzlichst eingeladen sind. Doch ist mit diesem offiziellen Abrudern das Vercinsleben nicht tot, sondern in intensiver Winterarbeit in der Ruderanlage und auch durch Er- gänzungssport wird den Zielen des Arbeitersports Rechnung gc- tragen werden. Gesellige Zusammenkünste im Bootshause werden für den Zusammenhalt sorgen, so daß der Verein auch im nächsten Jahre wieder erfolgreich seine Tätigkeit auf dem Wasser ausnehmen kann. Spielmannszug Groß-Berlin. Freitag, 18. Ottober, 20 Uhr, treten alle Mitglieder mit ihren Instrumenten im Uebungslokol „Sporthaus", Dirkfenftr. 1(am Bahnhof Jannowitzbrückc) an. Es findet eine Probe für Grammophonausnahmen statt. Ferner Einteilung des Zuges für etwaige Wahlpropaganda der Partei. Keiner fehle! Oehlfchlägcr, Obmann. Stabcncttin ttoBcfli«, Tbarlottcnlwtq. Bootshaus: Tisfwerber 2», bti Coandau. Iedcn lkreNaa Lituna bei StSunal, Ch-rlottenburg. Wielandstr. 4. 5uB«ntoetfammIu«a»n(eben 1. und 3. Mittwoch im Monat im Iugendhcii» Eoroeftr. 8v. Nächste Bersammluny am 33. Oktober. ErgLnzunasfport: grauen- �uenen Donnerstags von 8— 10, Turnhalle Neues Ufer. sZayroerbmdungen: •öatinlio: Sunqfccnijetoc oder Aatsertn-Augufta-Allee. Männer-Turnen Donners- tags von 8—10, Turn Halle Eiemenssiraße, nahe Unionvaek. ssahiverbinduiigen ; m �n, Butlitistraße oder Beulfelftraße. Ueben in der Rudcranfagc ab 1. November. _,"W11 i» Sadowa. 8um Ordner- und Kamvfrichterdienst nnlssen ASC. Ottring und Köpenick je drei, die andern beteiligten Bereine je ÜSss Sertrclec entsenden, die um 11 Uhr im Eorcerestaurant ,ur Stelle sein muise». Stoppuhren«erden noch benötigt. Die noch ausstehenden Meldungen cingelner Bereine mAscn umgehend eingesandt werden. ft. Seiler. � ltnb K-asts-hrerdn-d.Solidarität«. Ortsgruppe»roß.»«rl>». K-schaftsst-ll°: Robert Nothbarth. 633.11, Schöneberger Str. 17a. Am Sonn. nbeno, 19. Oktober, findet im Saaldau sZriedrichshain das 2ö. Stiftungsfest ö"-ttsgtiitn« statt, verbunden mit einer Ehrung der Zubilarc. Anfang *2 Eintritt 1 M. Erscheinen sämtlicher Mitglieder mit ihren Gästen r" Abteilungen treten mit ihren Bänncrgrupveu an. Sonntag, 20. Oktober, findet-ine B-reinssahrt nach 3-hlendorf, Karlftr. 12. statt. Start „ t-, Att.: Bttlowstr. bö. 2. Abt: Sohcnftaufenplat,. Normaluhr. ?'.1 Londoberger Dlah. 6. Abt.: Stolnische Str. 30. 12 Uhr: Katharinen. Oktober: Sijwng. Schwedter Sic, 33—34.». Abt.: Tristste. 63. 13 Uhr: Schultendorf,..Zur Waldklaus-". 10. Abt.- B-t-rsburger Str. z. Witt- schuh. Abt. Charlotten bürg! Dilmerodorfer Str. 21. 13 Uhr: Rundfahrt durch den Grunewald. Abt. Schönebcrg: Srubencouchstr. da. 13 Uhr: ssahrt ins Blaue. Start 20 Uhr. Abt. Treptow. Vaumschulen-weg: Bahnhof Baumschulen- weg. i-treifziige durch den Grunewald.« Uhr. 19. Oktober: Saalbau Friedrichs. Abt. Reu toll 01 lbohengollernvlah. Kangelsderg. alte Spree. Start 8 Uhr. Abt. Käpenill! Siirvekohl, Schönerlinder Strohe. 10 Uhr: Rouenfche Berge. 19. Oktober: ssriedrichshain. Abt. Weihenfee-Scinersdors: Freitag. 18. Oktober. 20 Uhr in Seinersdorf bei Baram, Kaiser-Wilhelm-Ste. 12, außerordentliche Die wichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen alltt Mitglieder. 19. Oktober! Saalbau Friedrich-Hain. Abt. Rcinickcndorsi Bereinelokal Reinickendorf-Ost del Neumann, Bropinsflrafte Ecke Pankower Allee Tiichsiagd. Start flehe Dereinslokal. 19. Oktober: Saalbau IZriedrichshain.- M»t»rradf-Hrer. Abt.«ecuzberg: Frankfurter Allee. 9 und 12 Uhr: Strauo- bera. Rotkäppchen". Abt. Friedrichshai»: Landsderger Plag. 13 Uhr: Summt. Abt.«harlott-iiburg! Wilniersdorker Str. 21. 7 Uhr: Dessau. 19. Oktober: eaalbou Frledrlchsbain. Abt. Neiil-lln: Sohcn,ollernplak. IL Uhr: Kallberge- fflilbcesioer. 19. Oktober: Saalbau Friedrichshain. Abt. Pankow: Kaiser. Friedrich. Sir Oi llahrt siehe Start. 19. Oktober: Frledrichshai». Abt. StcpeuKk: Fahrt sieh« Start: Kaiser-Wllhelm-Str. 3. 19. Oktober: Friedrich-baln Tonriftenverei»„Die Roturfrenude". Zentrale Wien. Abt. Charlottenburg: Freitag. 1». Oktober. 20 Uhr. Spre-ftr. 30: Musitalische Unterhaltuiig. Sonn. abend. 19 Oktober. Luchhiltte. Abfahrt 809 Uhr Stettiner Sarortbahnhof. Oktober. 20 Uhr. Br!»er Str. 27:„Gebildete Menschen Ab» Treptow: Freitag, 1«. Oktober, 20 Uhr. Elsenstr. 3: Musik- Ä'?.. � Reulöllni Freiiaa. 18. Ottober. 20 Uhr, Flughgfenstr. 08: .S&S?' Abt-«eddiiiai Kreltag. 18. Oktober. 20 Uhr. Secstr. Sil Kulturpolitische«. Fnltbootobteilung! Freitag. 18. Oktober, 20 Uhr, Britler graste 27:«vott und Satire Abt. Brib: Freitag. 18. Oktober, 20 Uhr. Chaiisseestr. 48:.Religion im Wandel der Zeit". Pdotogemeinschafti Montag. Ubr. IZrankiurter Allee 307:„Künstlerische Weichhelf sMax Schiel). Naturkundliche Abteilung- Sonntag. 20. Oktober. Forstwanderung •HE®«**»tolb/ unter Leitung des Oberförsters Bouviex. Treffpunkt 8.4Z Uhr ScmoR. Ecks SumboldtstraRe. Sporttartell Cbarlottcnbura. Die Bercinsvertreter holen Freitag und Sonn- abend dieser Woche ab 17 Uhr die Karten Nir den Filmadend und für da« Charlottenburger Parteiiubiläum bei Dolffberg, Charlottenburg. Brauhof. ftrane 7. ab. Freitags. 20—22 Uhr. Kallentraining Männer und Fugend Turn- , OTMnariuni am Treviower Raihaus. Neue Srugallee 10. Sonntag, 20. Skiober, beteiligen sich alle Mitglieder am Begirkswatdiauf in Sadows. Treffpiinkt 14 Ubr S-reerestauran» Sadowa iKtrahenbohn-n 87. 95. 1871. FZSB-RevIölln.Briti. 18. Oktober. 20 Uhr. B--egmmluna der Männer- abteiluna b««ri-g-r. Kopf. Eck« Lefsingstrah«. 20. Ostober. ISlb Uhr. Be»irk«. ouartal-v-rsammlung im Bereinshau»„Einigkeit". Neukölln, Kirchhof. Eck« Wipvrrskrohe. �os(fsteh-nd Lichtbildervortrag und geselliges Beisammensein. Alternriegen FTKB. Sonnabend. 20 Ubr. zusammenturnen aller Alters- riegen Turnhalle Silben, Boeckhftr. 17—20. Nachdem Eihunq bei Bogt.»opp-. strah- 8. Frei« Turnersebaft»rob-B-rlin. 2. Beilirl. 20 Oktober Waldlauf in Schönow. 2'art>5 Uhr. Umkleibelokal: Restaurant von Otlbors. Fahroer. bindung vom Etettiner Borortbahnhof und Gesundbrunnen bis.zepernick olle halb« Stunde. FTGB.-Ofte». Dierteljahresverfammluna 19. Oktober, 191u Uhr, bei Schneider. P-dersiburger Säf, Petersburger Str. 57. Roch der Berlammlung gemütliches Beisammensein. Ltm die Lteberstunden-Vezahlung. Schlappe der hessischen Metallindustriellen. Innerhalb weniger Wochen haben die Metallindustviellcn in Hesfen-Nassau in den Zivilprozesscn die sie gegen den D e u l. schen Metallarbcitcroerband führten, empfindliche Schlappen erlitten. In dem jetzigen Rechtsstreit,'den sie gegen den Deutschen Metall- nrbeitcröerband führten, handelt es sich um die Auslegung der Bestimmungen des Kollektivabkommens in der hessischen Metall Industrie. Die Kläger sind als B et r i e b s f ch l o f f e r bei der FiiW Schlangenbach und Co. in Frankfurt a. M. beschäftigt. Für ihr Arbeitsverhältnis ist das Kollektioabkommen für die Frankfurter Metallindustrie vom 17. Juni 1328 maßgebend. Die Ziffer 8 dieses Abkommens lautet: „Mehrarbeit, d. h. die Arbeit über 48 Stunden in der Woche hinaus, ist mit einem Zuschlag zum Tariflohn zu bezahlen. Dieser Zuschlag beträgt für die 43. bis!i4. Arbeitsstunde 20 Proz." Am 1. Dezember 1328 war bei der Beklagten ein Motor fchad- Haft geworden. Um eine Betriebsstockung zu vermeiden, mußie dieser Motor ausgewechselt werden. Die Kläger wurden mit dieser Arbeit beauftragt. Sie nahmen daher die Auswechselung des Motors vor und zwar nach Schluß der regelmäßigen Arbeitszeit. Sie mußten deshalb einige Ueber stunden leisten. Für diese Arbeitszeit wurde den Klägern der ihnen tariflich zustehende Stundenlohn gezahlt. Ein Zuschlag für die geleisteten Uebersiunde» wurde nicht gezahlt- Die Kläger beanspruchten den Ileberstunden- Zuschlag von 20 Proz. Die Beklagte und der Verband der Mctallindustriellen lehnte jedoch die Zahlung des Zuschlages ab. Sie wenden ein, es handele sich im vorliegenden Falle um U eberarbeit, die auf Grund des 8 4 Ziffer 1 des Arbeitszeitgesetzes geleistet worden fei. Für eine derartige Mehrarbeit fei aber ein Zuschlag nicht zu zahlen. Auch das Kollektivabkmnmen treffe keine anderweitige Regelung.» Das Arbeits- und das Landesarbeitsgrricht in Frankfurt a. M. haben die Kläger abgewiesen. Cs handele sich um Ueberarbeit, die auf Grund des Arbeitszeit- gefetzes geleistet wurde. Denn es fei eine Arbeit geleistet worden, von der die Wiederaufnahme und Aufrechterhaltung des Villen Betriebes abhängig war. Diese Ueberarbeit sei nach dem Gesetz .zuschlagsfrei, deshalb komme eine Zuschlagszahlung nicht in Frage. Die Kläger und der Deutsche Metallarbeiterverband legten gegen dieses unverständliche Urteil Revision ein. Der Vertreter des Mctallarbeiterverbandes, Rechtsanwalt Dr. F r a e n k e l, Berlin, wandte sich in schärfster Weise gegen das vorinstanzliche Urteil. Er beantragte Aufhebung des Urteils und eine Entscheidnng zugunsten der Kläger und des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Das Reichsarbeitsgericht schloß sich vollinhaltlich den Anträgen des tlögcrischen Vertreters an, hob das vorinstanzliche Urteil auf und verurteilte die Beklagte zur Zahlung des Ueber- stundenzuschloges. Die Kläger hätten Anspruch auf Vergütung der Mehrarbeit. Nach tariflichen Bestimmungen ist die Ueberstundenarbeit mit 20 Proz. zu vergüten. Dos Kollektivabkommen für die Frankfurter Metallindustrie regele die Vergütung bei Mehrarbeit. Den Beklag- ten wurden die Kosten des Rechtsstreits auferlegt. „Komba" gegen Volksbegehren. Beschluß des Bundestages. Aus dem in ZNann'heim lagenden Bundestag des sast 200 000 Mitglieder umsasienden Reichsbundes der kommunalbeamlen und Angestellten(„Samba") erklärte dessen Vorsitzender, daß der Verband seine staatspolilische Ausgabe nicht zuleht darin sehe, das deutsche Volk vor Schaden und Rachteil zu bewahren und die Gegensätze zu überbrücken. Das ollein müsse genügen, um der Beamtenschaft den einzig richtigen weg zu weisen, nämlich sich vom hugenberg- Volksbegehren sernzuhallen. Die Beiträge des Zndusirieverbandes. Llnd die Gepflogenheit der„Z�oten Fahne". Bon dem Genossen Richard Müller erhalten wir folgende Zuschrift: „Die„Rote Fahne" behauptete in ihrer Nr. 203, daß der frühere Vorsitzende des Industricoerbandes Paul Meyer die Beiträge der Mitglieder verwendet habe,„um mit dem ebenfalls bei der SPD. gelandeten„Leichen-Müller" die Phöbus-Treuhand-Baugesellschaft m. b. H. aufzumachen". Um festzustellen, wie sich die Redaktion der„Roten Fahne"»er- halten wird, wenn ihr dokumentarisch das Gegenteil ihrer Behauptung nachgewiesen wird, besuchte ich persönlich diese Herren im Karl-Liebknecht-Haus und unterbreitete ihnen eidesstattliche Ver- sicherungen des Vorsitzenden, des Hauptkassierers und des Obmanns der Revisoren des früheren Jndustrieoerbandes, durch die bescheinigt wird, daß weder aus der Hauptkasse noch aus einer Nebenkasse des Jndustrieverbandes weder direkt noch indirekt irgendwelche Gelder oder sonstige Werte an die Phöbus-Treuhand- Ballgesellschaft gegeben worden sind. Des weiteren wies ich durch eine beglaubigte Notariatsurkuiide nach, daß Paul Meyer nicht mehr Gesellschafter der Phäbus-Trciihand-Baugesell- schaft m.'b. H. ist. Mir wurde gesagt, der zuständige Redakteur sei nicht anwesend, ich möchte doch die vorgelegten Dokumente der Redaktion zu treuen Händen bis zum folgenden Tag« überlassen. Das habe ich denn auch getan. Und wie verhielt sich die Redaktion weiter? Sie hat mir bis heute die ihr zu treuen Händen überlasienen Dokumente nicht zu- rückgesandt, sie hält es scheinbar auch nicht für notwendig, die gegen mich in der Oeffentlichteit verbreiteten Verleumdungen zurückzunehmen. Ich werde nunmehr Strafantrag gegen die „R. F." stellen. Richard Müller." Tankwagensahrer streiken in New �ork. Für jeden Streikenden ein polizifl. Etwa 1500 Autodroschkcn mußten aus dem Verkehr gezogen werden, weil durch einen Streik der Tankwagenfahrer die Ver- teilung der Venzüworräte an die Tankstellen �unmöglich geworden ist. In Brooklyn wurden in der Nähe der Anlagen der Standard Oil Co. 3 0 Streikbrecher von Streikenden angegriffen. Die Streikenden verfügten über Autos, mit denen sie in die Tankwagengruppc hineinfuhren. Aus einem der Autos fielen mehrere Schüsse, durch die ein Unbeteiligter verwundet wurde. Zur Verhütung weiterer Unruhen wurde 15 00 Polizisten bereitgestellt. !V �-Jbtfrfger (Bezirk Jtorden-Csten. 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