BERLIN Sonnabend 19. Oktober 1929 10 Pf. Nr. 492 B 245 46. Jahrgang ersch»I«tt»«Itch*#/ m\ f** t eintbalttge NonoareillepN« Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugsoreit Fr! f fj W\ f t*"»J»« Pf., ttdlam tjdle 6 Ct. Ermäßigungen nach Tarif. beide Ausgaben SS Pf. pro Woche,»,soM. pro ÜRonat. HOX»»fischeckkoato- V»rwSrt«-Berlag G. m. b. H.. Redaktiou und Srredition; Berlin SW SS, Lindenßr.S j---- w---- JJ~~ JJ f WV VVf TW Ctrlin Nr.«7536. Zerns» rech er: Dknhvff 292 bis 291 Das ZKich und der Ulm. Emelka-Aktien dem Mich gesichert. Die Commerz- und Privatbank hat ein größeres Aktienpaket der Emelka-Filmgesellschaft erworben nnd dem Reichsfinanzmini st erium ein Options- recht ans dies« Aktien vorbehalte», ebenso sich selbst das Recht gesichert, die Aktien nach einem Jahre dem Reich zum Kauf anzubieten. .Diese Aktion ist auf Veranlasiung des Reichsfinanz- Ministeriums geschehen. Ys legt Wert darauf zu er- klären, daß es die Bedenken gegen eine wirtschaftliche Betätigung des Reiches aus dem schwierigen Filmgebiet nicht übersieht, aber aus politischen Gründen. zumal in der Zeit des Hugcnberg-Begehrens, v e r- hindern wollte, daß auch der lebte Rest einer selbständigen deutschen Filmunterneh- m u n g in den Besib der Hugenbcrgschen Ufa übergehe; der Rcichsrcgicrung erschien es notwendig, dafür zu sorgen, daß die Filmpropaganda nicht nur einseitig aus- genubt wird. Weiierer Rückgang. Ein schwarzer Freitag für Hilgenberg. Am Freitag wurden in Berlin nur 13 938 Einzeichnungen gezählt. Das sind im Vergleich zu den Einzeichnungen des ersten Tages IIXK) und im Vergleich zu den Einzeichnungen des zweiten Tages wiederum 1309 Einzeichnungen weniger. 18. 17. 16. Mitte........ 1 046 1 139 1 323 Tiergarten....... 1 384 1 699 1878 Wedding....... 671 627 749 Prenzlauer Berg..... 964 1 035 1 283 Friedrichshain..... 793 723 814 Kreuzbeig....... 1 403 1 362 1 751 Charlottenburg..... 1845 1814 2090 Spandau....... 360 323 468 Wilmersdorf...... 1 408 1 696 1 984 Zehlcndorf....... 378 405 483 Schönebcrg....... 1 665 2 009 2 243 Steglitz........ 1 227 1368 1 363 Tempclhaf....... 324 404 420 Neukölln........ 538 622 699 Treptow........ 304 358 329. Köpenick........ 288 342 450' Lichtenderg......, 500 547 617 Wsitzensec....... 1�5 183 162 Pankow........ 427 461 628 Reinickendorf...... 308_ 331_ 376 Zusammen....... 15 958 17 650 20 III Bisher 37 766, insgesamt 53 718. Im Reichs sieht es noch kümmerlicher aus. als in Berlin. So sind in Darmstadt, das von den Nationalisten als deren hessische Hochburg bezeichnet wird, in den drei e r st e n Tagen für das Volksbegehren sage und schreibe 4 30 Einzeichnungen erfolgt. Di« Zahl der Einzeichnungen ging dabei auch in Darmstadt von Tag zu Tag zurück._ Sowzetbeschweröe über Gerichiskomoöie! Tschekamethoden in China verurteilt. Bloskau, 19. Oktober. Heute übergab das Zlußenlommisfariot der deutschen Botschast zur Uebermittlung an die Nankinger und die Mukdener Regierung eine E rklärung zu dem Urteil gegen die 37 Sowjet- bürg er, die im Generalkonsulat von Eharbin verhaftet worden waren, wo sie sich als Besucher aufhielten. Die Erklärung erinnert darin.' daß die Sowjetregierung in ihrer Note vom 31. Mai die Freilassung der Verhasteten gefordert hat, und bemerkt, daß der Prozeß gegen die Sowjetbürger unier völliger Mißachtung der üblichen Regeln und Bräuche der Gerichtsordnung geführt worden sei und die stärkste Entrüstung nicht allein in der Sowjetunion, sondern auch in der öffentlichen Meinung anderer Länder einschließ. lich Chinas hervorgerufen habe. Die Sowjetregierung sehe sich gezwungen festzustellen, daß der Prozeß, wie sei» gesamter Verlaus gezeigt habe, eine widerwärtige Gerichtskomödic darstelle, der die Sowjetregierung keinerlei juristische Bedeutung beimesie und die von der Sowjetregierung lediglich als Deckmantel einer ohne Gerichtsverfohren mit Sowjetbürgern abgehaltenen Abrechnung betrachtet werde. Zum Geständnis gepreßt nnd erschoffen. Oer Mordspruch von pola. Locarno, 19. Oktober. Das Urteil von Pola stellt den feierlichen Taufakt des süd- slavischen Jrredentisinus dar. Es düngt den Boden Jstriens mit Haß. Es setzt der allmählichen Eingewöhnung der annektierten Südslawcn in die neue Staatseinheit ein jähes Ende. Man fragt sick) verblüfft nach dem Warum. Was juristisch eine Ungeheuer- lichkeit, moralisch eine Infamie ist, das ist politisch eine Dummheit ohnegleichen, es sei denn, der Faschismus braucht eine irredentistische südslawische Bewegung, hält sie sür seine Zwecke für dienlich und erachtet kein Opfer zu hoch, um sie zu sördern, auch nicht das Opfer der Herabwürdigung der italienischen Rechlrpsiege. Was haben überhaupt Gesetz und Rechlsprcchung mit einem Ber- fahren zu tun, das sich völlig außerhalb jener Garantien abtfdspiclt hat, die die Vergewaltigung des Schwächeren von der Ausübung der staatlichen Strafrechtsgewalt unterscheiden? In Pola ist über fünf Bauernburschen im Alter von 17 bis 23 Jahren, von denen nur einer der italienischen Sprach« mächtig war, ein Schuldspruch gefällt worden, der für den einen das inzwischen durch Erschießung von hinten vollstreckte Todesurteil, für die vier anderen je dreißig Jahre Zuchthaus bedeutet. Dieses Urteil war gefällt, che die Verhandlung, ja, eigentlich, ehe die Voruntersuchung begonnen hatte, nämlich an dem Tage, an dem die Regierung den Fall dem zuständigen gemeinen Gericht entzog, um ihn dem Spezial- g e r i ch t für die Sicherheit des Staates zu überweisen. Die stowen!- sehen Bauern aber, die am Wahltage auf eine Wählerherde schießen, fallen in den Bereich des Artikels 139 des Strafgesetzbuches, wo es heißt:„Jeder, der durch Gewalt, Drohung oder Aufruhr die Aus- Übung irgendeines politischen Rechtes ganz oder teilweise verhindert, wird, soweit nicht besondere Bestimmungen vorliegen, mit Gefäng- nis von einem bis. zu dreißig Monaten bestrast." Außerdem war gegen sie die Anklage wegen Totschlags zu erheben; für beide Ver- brechen waren die Geschworenen zuständig. Man hat die Ange- klagten von Pola ihren rechtsmäßigcn Richtern entzogen. Das Ver- fahren schließt sllr die dem Spezialgericht Uebcrantworteten jeden Rechtsbeistand während der Voruntersuchung aus: der Bcrteidigcr Hot kein Recht, die Akten der Voruntersuchung ein- zusehen. Die Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil des Spezial- gerichts muß vom... Kriegsmini st er beantragt werden. Wie mit den Beweismitteln umgegangen wird, hat man in Polo ge- sehen. Die Mitgliedskarte eines slawischen Vereins, die der Polizei- kominissär von Sussak ausgestellt haben soll, und die einen der schwersten Beweis« dafür darstellen soll, daß Vladimirs G o r t a n im Auftrage des Auslands gehandelt hatte, befand sich ganz vergnügt im Besitz des Polizeipräsidenten von Pola, und es siel keinem der Richter im Schwarzhemd auch nur em, den Angeklagten, Hugenberg am Ausguck. „Scheu Sie nur, Herr Hugenberg, wie die Massen in die Einzeichnungslokale fluten" »Tatsächlich- da flutet schon wieder einer!" der immerhin bei der Sache seinen Kopf zu Markte trug, zu fragen, ob er die Karte als seine erkenne. Soweit die Prozedur. Was das Gesetz betrifft, so braucht der Präsident die strafmildernden Ursachen des jugendlichen Alters nicht zu berücksichtigen: er kann es nur tun. Für alle angeführten Verbrechen ist das höchste Strafmaß die Todesstrafe. Jede Form der Beihilfe wird der ausführenden Täterschafl an Strafbarkeit gleichgesetzt. Wer einmal in diese Falle geraten ist, ist also verloren. Aber auch in einem anderen Sinne lag der Schwerpunkt des Urteils von Polo nicht in der Verhond- lung, sondern da, wohin kein Aug« der Oeffentlichteit reicht, woher kein Schrei der Qual gehört wird: im Unlersuchungsgesängnis. dort ist das Schicksal der süns slowenischen Lauern entschieden worden. Man vergegenwärtige sich, daß am 24. Mai, dem Wahltage, zwei- mal auf Wohlerkolonnen geschossen wurde: am Monte Camus, wo es«inen Toten und einen Verwundeten gab, und 30 Kilometer entfernt, in Bresovizza, wo die Angreiser in die Luft schössen. Die ersten Verhaftungen fanden nach mehreren Tagen statt, nach Ablauf welcher Frist sich der Bruder des gelöteten Tuctan besonnen hatte, daß er zwei unter den Angreisern erkennen konnte: Mooda und Vladimiro Gortan. Diese wurden dann verhaftet. Erst ungefähr 40 Tage Untersuchungshast brachten Viooda dahin, alle möglichen Verbrechen der Oriuna zu gestehen, woraus es hieß: Vivodas Jdcnti- sizierung beruht auf einem Irrtum, und er freigelassen wurde. Er ist heute in Jugoslawien, welche Reise ins Ausland dem Spezial- gericht offenbar sehr gelegen war. Dagegen bleibt die Identifizierung Gortans weiter unangefochten, obwohl Gortan gar nicht am Monte Camus, sondern in Bresovizza war, also von Tuctan gar nicht in Monte Camus gesehen werden konnte. Weiter halte man sich vor Augen, daß gegen die fünf Angeklagten niemand— wortwörtlich niemand— gezeugt hat. außer sie selbst. Bei einer Konsrontiierung mit einem Zeugen, der Gortan als einen Angreiser identifizieren sollte, sagt« der Zeuge nur:„Ich erkenne dich als BladiMiro Gortan." Es ist nicht richtig, was in der faschistischen Presse sieht, daß die Angeklagten gestanden hät:en. Sie haben zugegeben: Bladimiro Gorton, die Waffen besorgt und in Bresovizza dreimal in die Luft geschossen zu haben: Bittorio Barchioz, Dusiano Ladavaz(19 Jahr« alt) und Luigi Lodavz (17 Jahr« alt) am Monte Camus geschossen zu haben: Vitale Gortan, der am Wahltag zu Hause blieb, feinem Bruder eine» Revolver gegeben zu haben. Der Anstiftung hat Bladimiro Gortan den Barchiaz und dieser ihn beschuldigt. Wer von den dreien, die am Monte Camus waren, die Verwundungen veranlaßt hat, wurde nicht festgestellt. Die Angeklagten haben also das, wofür sie ver- urteilt wurden, Handlungen, die auf die Entfesselung des Bürger- krieges abzielen, nicht zugestanden. Das Verwunderliche an dieser Prozeß ist aber, daß sie gestanden haben, obwohl ihnen weder durch Zeuge» noch durch Indizien die mindeste Schuld nachgewiesen werden konnte. Es gibt hierfür nur«ine Erklärung: man hat ihnen die Geständnisse in der Untersuchungshaft abgezwungen und hat ihnen dann, als Wegzehrung für das Hauptverfohrcn, die Versicherung mit- gegeben: wenn ihr widerrujt, werdet ihr zum Tode ver- urteilt. Daß mon'bei diesem Spiel dann Bladimiro Gortan doch geprellt hat, ist schließlich nur ein bißchen inoralischcr Unrat mehr, auf den es dem Spezialgericht nicht ankommen kann, wenn es die Trutzstcllung gegen Jugoslawien gilt. In dem ganzen Aeugcnverhöe, das genau ein« Stunde und fünfundvierzig Minuten gedauert chat, ist nichts Belastendes herausgekommen, ober auch gar nichts. Gorton reist« oft nach Jugoslawien und berichtete, daß man dort besser lebe als in Italien. Sonst nur Gerüchte über geheimnisvolle Individuen, die aber niemand gesehen Hatto, wodurch es als erwiesen galt, daß es Emmissäre der Oriuna waren. Was die Ange- klagten gegen sich selbst vorbrachten, war knapp ausreichend, um sie wegen„Verhinderung der Ausübung politischer Rechte" zu ver- urteilen und die drei vom Monte Eamus wegen Totschlags. Trotzdem wird Vladimiro Gortan zum Tode oerurteilt, gerade er, der nicht am Monte Camus war; sein Bruder zu 30 Jahren, obwohl er mchts getan hatte,«ls Madimiro den Revolver zu geben. Bei dem Urteil gegen Vitale Gortan hat man nur«ine Erklärung: da, Gericht hatte Angfft, ihn in Freiheit zu setzen nach seinen Erlebnissen in der Untersuchungshaft. Sonst bleibt es unerklärlich, völlig unsagbar, daß man einen Menschen zu dreißig Jahren Zuchthaus verurteilt, der einen R e- uolver ausleiht, mit dem auch nicht ein Tropfen Blut vergossen wurde. Die drei vom Monte Camus sind' zusammen S8 Jahre alt und bekommen 90 Jahre Zuchthaus. Das ist faschistische Justiz.' Man kann es auch Selbswerstümmelung de» Staates nennen. Braucht der Faschismus wirklich so starke Reizmittel, um seine Leute zusammenzuhalten: H e'n k e r a r b e i t für die Miliz und den 'Ausblick auf einen Krieg? Wenn die Sache Methode hat, so will diese Methode das Land dem* Krieg entgegentreiben. Ist sie sich selbst Zweck, nur Wahnsinn und Sadismus, dann legt sie Zeugnis dafür ab, daß die Zeiten reifen: apokalyptische Reiter auk Stecken- pserden. 12 Todesopfer eines Hochofens. Bei Ausbesserungsorbeiten in der Nähe von Bilbao. Nach einer Meldung des„Exzelsior" aus der spaui scheu Hauptstadt Madrid, ist in der Rühe von Bilbao eiu in Ausbesserung befindlicher Hochofen explo- d i e r t. Tie Zahl der Toten beläuftsich auf lÄ, die der Berlehten auf 21. Neun Arbeiter werden noch vermißt. Paris, 19. Oktober. In einer chemischen Fabrik in einem Pariser Vorort explodierten mehrere große Benzinbehällnisse. die das ganzeichstagsabg«ardncle M o l f- Oppeln mitteilt, hat seine Reichstagssraktion ihn auf seinen Antrag vor- läusig von der F ra kt io n s g e m ei n sch a s t entbunden. Wolf gibt zu, gesellschaftliche Beziehungen mit den Sklareks unter- hakten zu haben General gegen Saarräumung. Unter Vorsitz des General. Mordocq hat sich ein Komitee gegen die Räumung des Rheinlandes und die Aufgabe des Saargebietes gebildet, das samtliche nationalen Kräfte Frontreich» sammeln und mit allen Mitteln(Presse, Mauer- anschlägx, parlamentarische Interventionen, öfsentliche Kundgebungen usw.) sein« Aktion solange fortsetzen will, bis die Interessen der Nation gewahrt seieu. Beamte und Inflationsbegehr. Bei otten Beamtenverbanden— scharfe Krönt gegen die Stoatsfeinbe. In einer öffentlichen Beamtenversammlung, die der Orls- ausschuß Berlin de» ADB. gestern abend nach dem„Kommersälen" einberufen hatte, sprach Fritz Naphtali von der ForschungssteUe für Wirtschastspolitik über die R« p a ra t i o n s l a st e n. Der. Redner erinnerte einleitend daran, daß das Reparation»- Problem das deutsche Boll seit 1919 nunmehr schon zum vierten Male beschäftigt. Immer hat e» zwei Richtungen gegeben: eine die für die Ablehnung und die andere, die aus reinen politischen und wirtschaftlichen Vernunftgründen für die Annahme plädierte. Diese Gegensätze der Auffassungen waren am stärksten ausgeprägt bei der Frage der Annahme oder Ablehnung des Friedensvertrages. Auch dieser Vertrag ist sehr schnell revidiert worden, wie zum Beispiel hinsichtlich der Auslieferung der sogenannten Kriegs- Verbrecher und ähnlicher Bestimmungen. Es war der d e u t s ch n a t i o u a l e Staatssekretär Helfserich, der den Ausspruch prägte, daß diejenigen die Milliordenlasten tragen müssen, die den Krieg verlieren. Das sagte er noch während des Krieges und dachte damals nicht daran, daß die anderen die Sieger sein könnten. Darüber also, daß Deutsch- land Reparationen zahlen müsse, wenn es den Krieg verliert, war man sich auch schon vor dem Zusammenbruch in allen einsichtigen politischen Kreisen klar. Naphtali schilderte die einzelnen Phasen der Entwicklung des Reparationsproblems von der Londoner Konferenz über den Lowes- zum Doung-Plan und legte an verschiedenen Beispielen dar, welche Erleichte rangen der Poung-Plan gegenüber dem Dawes-Plan bringt. Diele Gegner des Poung-Planes sind der Ansicht, daß es richtiger gewesen wäre, die Zeit abzuwarten, als Deutschland die Berpslichtungen aus dem Dawes-Plan nicht mehr erfüllen konnte. Dem muß entgegengehalten werden, daß Deutsch- lands auswärtige Politik seit dem Kriegsende darauf hinzielte, die besetzten Gebiete früher geräumt zu sehen, als es der Friedensvertrag vorsah. Diese« Ziel war aber nur erreichbar durch vernünftige politische Verhandlungen zur Herbeiführung der endgültigen Festsetzung der Reparationslasten. Ein anderer Teil der verantwortungsbewußten Politiker wollte durch die Verhandlungen im Haag die Transferkrise mit ihren bekannten Wirkungen der Kapitalflucht, der Kreditentziehung usw. mit Rücksicht auf die produb tive Wirtschaft und die Staatsfinanzen vermeiden. Für die Kinder und Kindeskinder, die wir angeblich verraten sollen, ist am besten, dadurch gesorgt, daß wir dem deutschen Wirtschaftsleben für die nächsten zehn Jahre Erleichterungen schaffen. Wir nehmen die Interessen unserer Kinder besser wahr, wenn wir anstatt Katastrophen- Verständigungspolitik treiben. Es ist nicht zu verstehen, daß die Vorteile der früheren Räumung der besetzten Gebiete für die verschiedenen Kreise jetzt gar nichts mehr wert ist, daß bs völlig gleichgültig sein soll, ob die Besatzung noch länger bleibt, oder gor, im Falle der Ablehnung des Poung- Planes, noch verschärft wird. Der Joung-Plan und die Haager Ergebnisse sind gegenüber dem, was uns sonst droht, ein viel geringeres Uebel für das deutsche Bolk als die bisherige ungewisse Lösung der Reparationsfrage. Der Poung-Plan ist eine Etappe auf dem Wege der Dölkeroerständigung. Nach dem bslfällig aufgenommene» Referat verließen etwa 109 in die Versammlung dirkgierte Mitglieder der Ortsgruppe Kreuzberg der Nx> tional sozial! st en, die durch deplaeiede Zwischenrufe die Versammlung zu stören versucht hatten, unter dem Gelächter der Bersammelten den Saal. Ein Referendar Dr. Hans-Bcrnd G i s e v i u s, der sich in der Diskussion warm für das Volksbegehren einsetzte, sowie ein anderer„begehrlicher" Zollinspektor i. W. fanden in der Versammlung fast kein Echo. Landtagsabgeordneter Z a ch e r l und Dr. Völker vom Bundesvorstand des ADB. deckten die Hintergründe des ,.Beg«hrens"-Schwindels auf. Nach dem Schlußwort Naphtalis nahm die Versammlung gegen etwa fünf Stimmen folgende Entschließung an: �.Die vom Ortsausschuß Berlin des ADB. einberufene Dersamm- lung in den„Kammersälen" am 18. Oktober 1929 begrüßt das entschiedene Vorgehen der Reichsregierung.' der preußische» Regierung und anderer Lönderregicrungen gegen dos von den Rechtsverbänden eingeleitete Volksbegehren. Die ver- sammelten Beamten aller Verwaltungen erwarten von den Regie- rungen, daß gegen die Beamten vorgegangen wird, die siir das Volksbegehren eintreten." � Republikanische dichter warnen! Der„Republikanische Richterbuud" hat an alle Richter und Beamten einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: „Kein Richter, kein Beamter darf das Bolksbegchren durch Ein- tragung in die Listen oder in sonstiger Weise fördern. Eni die Republik hat den Beamten zum vollen Staatsbürger gemacht. Aber sein Recht zu freier Meinungsäußerung ist nach Dersassungs- und Beamtenrecht beschränkt: Der Beamte Hot sich auch außerhalb seines Amtes so zu oerhalten, wie es von einem Beamten der Republik gefordert werden kann. Es widerspricht der Beamten- pslicht und der B e a m t e n w ii r d e, als zuchthauswüichige Landesverräter Minister der Republik zu beschimpfen, die durch Staatsvertrog die Befreiung der Rheinlande und die Erleichterung der Kriegsschulden herbeiführen wollen. Allen Richtern, allen Beamten rufen wir daher zu: Bleibt em Volksbegehren fern!" Beamtenbund gegen Hngenbecg. Entschließung gegen das Inflationsbegehren. Der geschäftoführende Vorstand des Deutschen Beamtenbundes hat in einer außerordentlichen Siizung am 18. Oktober zum Bolks- begehren durch folgende Entschließung Stellung genommen: „Der geschäftsführende Vorstand des Deutschen BeaintenbuNdcs stellt fest, daß es sich bei dem Volksbegehren mit dem Kennwort „Freiheitsgesetz" um keine parteipolitisch« Angelegenheit, sondern um ein« Lebens- und Zukunftsfrags des deutschen Volkes von allgemeiner politischer Bedeutung Handell. Er ist deshalb- berechtigl und verpflichtet, dazu Stellung zu nehmen. Der Deutsche Beamtenbund ist einig mit allen Volksgenossen darin, daß die Behauptung von der AÜeinschuld Deutschlands am Kriege mit allen zweckmäßig erschemenden Mitteln bi« zu ihrem Widerruf bekämpft werden muß, wie das bisher von allen deutschen Regierungen geschehen ist. Er erkennt im Poung-Plan, im -anzen gesehen, mit allen Vorbehalten Im einzelnen einen Fort- l ch r i t t gegenüber dem Dawes-Plan und begrüßt ins- besondere die damit verbundene baldige Räumung der besetzten Gebiete. Er muß die im§ 4 des Volksbegehrens verlangte 'Aechtung aller derer als Landesverräter, die das ausführen, was durch ordirungsmäßige Gesetzgebung beschlossen worden ist, als u n- vereinbar mit den Grundsätzen ein«» Rechts- st a a t e s erklären. Der Bund sieht mit Sorge die jahrelangen Anstrengungen um den Wiederaufstieg Deutschlands und um Verständigung mit den anderen Völkern ernstlich gefährdet und befürchtet daraus schwere innerpolitische Kämpfe zum Nachteil des Volksstaates und des deut- schen Volkes. Der geschäftsführende vorstand billigt die von der Bundes- leilung getroffenen Maßnahmen, um die Beamten von der Unter- stühung dieses Voltsbegehrens fernzuhalten." Treu bleiben— wem? Hindenburg— ein deutscher Mythos. Die politisch rechtsgerichteten Volkskreis« sind seit gestern in einer soioien Lage. Hugenberg sogt ihnen, daß sie für sein Begehren stimmen sollen. Hindenburg erklärt, daß er den meist um- strittencn ß 4 bedaute und oerurteile. Man muß sich entscheiden, ob man mit Hindenburg oder mit Hugenberg gehen soll. Herr o. M c d e m, der Chef von Hilgenbergs„Tag", hat sich— wen wunderts?— für Hugenberg entschieden. Würde er dos jedoch gerade heraussagen, so wäre die Entschei- dung der anderen, die nicht angestellte Redakteure bei Hugenberg sind— und das ist leider immer noch die Mehrzahl— nicht Zweifel- hast. Was kann da helfen? Nur der Spiritismus! Herr v. Medem praktiziert den'Geist Hindenburg? in die gedrungene Gestalt Hugenberg?. Er überschreibt seinen Artikel„Treu bleiben!" und schließt ihn pathetisch: Demgegenüber können wir nur erklären, daß die hinter dem Volksbegehren stehenden nationalen Elemente, die die Wähler Hindenburg? waren, ihre Ehrfurcht vor dem greisen Feldmarschall des Großen Krieges bewahren werden. Gerade indem sie sich für dos Volksbegehren einzeichnen, sind sie nach wie vor überzeugt. dem Hindenburggciste und dem deutschen Mythos zu dienen, der iich schon bei Lebzeiten um diese kriegergcstalt gesponnen hat. Denn das Bekenntnis zum Volksbegehren entspringt dem nationalen Gewissen, dem Gewissen vor Gott und der Verantwortung vor Staat und Volk und den kommenden Generatsonen. So ist der„Hindenburggeist" etwas geworden, worüber nicht Herr v. Hindenburg selber zu verfügen hat, sondern Herr v. Medem. Was will denn Herr o. Hindenburg überhaupt dobet? Er ist doch nur«in„deutscher Mythos". Boll Ehrfurcht stimmen daher die „nationalen Kreise" sür dos, was Hindenburg bedauert und verurteilt. „Mehr Macht dem Reichspräsidenten!" �Vom Dienste befreit." In der„Deutschen Zeitung" lesen wir: Der Mini st crialamt mann Evler im Haupt- v u r e o u des Reichsministeriums des Innern ist vom Herrn Mt- nister Severing persönlich vom Dien st e befreit war- den. Am Freitagmorgen hatten die Beamten des Ministeriums auf ihren Plätzen eine Verfügung gefunden, wonach den Beamten die Eintragung für dos Volksbegehren verboten worden ist. Evl-r haste sich bereits ain Donnerstag eingetragen und s? dies dem Minister auf Grund des Erlasses am Freitag sofort selbst gemeldet. Die„Deutsche Zeitung" ist selbstverständlich über die vorläufige Beurlaubung des Ministerialamtmanns entrüstet. Daß sich M i n i st c r i a l b e a m t e darauf hinausreden, sie hätten die Meinung ihres Ministers Nicht früher gekannt und deshalb, sozusagen „aus Versehen", sich eingezeichnet, erscheint geradezu absurd. Ein Mann, der solche Ausreden braucht, um seine wirkliche Gesinnung zu verdecken, gehört nicht in sein Amt! Die Oiphtheriefälle in der 223. Volksschule. Durchführung einer Gesamidesinfektion. Mitte September crkrantten in der Klais« 7 I der 223. Volks- schule einige Kinder an Diphtherie, zwei Fälle verliefen töd- l i ch. Zur Kenntnis der Schulleitung kamen die Fälle am 20. und 21. September, und bereits am 23. September erfolgt« die Unter- suchung der Kinder der Klasse 7 I. die Kinder wurden sofort vom Schulbesuch b e f r« i l. die beiden Klassenräumc der Benutzung ent- zogen und bis zur Desinfektion geschlossen. Von den anderen Klassen wurden keine Erkrankungen gemeldet, eine Schließung der Schule kam nach Ansicht de» Kreisarztes nicht in Frage. Aus der bereits geschlossenen Klasse wurden nun noch drei weitere Diphtheriefälle gemeldet und während der Herbstferien noch ein vierter. Dos weitere Umsichgreifen der Krankheit in dieser Klasse wird vom Kreisarzt daraus zurückgeführt, daß einige Mütter ihre Kinder trotz Verbot der Schulärztin und mehrmaliger Warnung des Rektors zum Begräbnis der vedtorbenen Kinder mit- genommen hatten. Ende September wurden nun aus anderen Klaffen noch einig� Erkrankungen und ein weiterer Todesfall ge- meldet. Man kann hier aber nicht von einer Schuld der Schulleitung sprechen. Eine vom Kreisarzt und der Schulärztin vorgenommene Inspektion ergab, daß die in d-r„Roten Fahne" behaupteten schulhygienischen Mißstände nicht vorhanden sind. Am 7. und 11. Oktober sind nun zwei neu« Diphtheriefälle gemeldet worden, trotzdem die Schule ferienholber seit dem 1. Oktober geschlossen war. Es ist also durchaus möglich, daß der Krankheitsherd nicht in der Schule, sondern außerhalb zu suchen ist. Nach Ferienschluß konnte nun der Schulbetrieb nicht beginnen, da durch die wüste Sensationsmache der Kommuni st en eme begreifliche Erregung innerhalb der Elternschaft bestand. Obwohl das Haupt- gesundhcitsamt und der Kreisarzt der Meinung waren, daß eine Desinfektion des gesamten Schulgedäudce nicht nötig sei, hat Genosse 'Rektor H e n n i ck e, dem Wunsche der Elternschaft Rechnung tragend, bei der Schulverwaltung erreicht, daß di? G e s a m t d e s I n f e k- t i v n ersolgt. die Schule bleibt daher bis zum 21. Oktober geschlossen. Trotzdem van der Schulleitung sofort alle notwendigen Maßnahmen getroffen wurden, nimmt die kommunistische Presse diese bedauerlichen Diphtheriesälle zum Anlaß, um Im Stile der. Revolver- presse gegen den Sozialdemokraten Hennickc und die weltliche Schule zu hetzen. Den sauberen Herrschaften ist eben Im Kamps« gegen die Sozialdemokratie sedes Mittel recht. vlassemlnktage gegen Kommunisten. Die französische Regierung hat gegen 18tz führende Mitglieder der K immstnistischen Partei Anklage wegen eines Komplotts gegen die Sicherheit des Staates bzm wegen Spionage erheben lasten. Unter den Angeklagten befinden sich Henry Barbusse, Cachin und die gesamte Retooktion der .humanste". i Gescheiterte Etreikabwürger. Das Eingeständnis. Theater, Kino Die erste Mrs. Gelby. Frihi Massary auf der(Sprechbühne. Das Theater in der König�rätzer Straße halte gestern einen großen Tag.' Verkehrsstockung, vor dem Theater staut sich die Menge, bildet Spalier. Was hier Anziehungskraft ausübt, ist nicht die Ervxirtung eines literarischen Ereignisses, es ist die Popularität der Massary und ein bißchen Sensationslust und Neu- gier: Wie wird sich die Massary auf der Sprechbühne machen? Die Komödie des englischen Theaterkritikers St. John Er- v i n e ist eins der gewöhnlichen Konversationsstücke, wieder mal über Liebe und Ehe, spannender und«in wenig tiefer vielleicht als die üblichen, wie sie unsere Bühnen seit längerer Zeit über- schwemmen. Herr Selby inacht sich Sorgen um seine sehr junge zweite Frau Elsie, die von ihm nichts mehr wissen will, weil su» ein paar Liebhaber hat. Deshalb bittet er seine geschiedene Frau, die erste Frau Selby, um praktischen Rat. In derselben Angelegenheit wendet sich auch Elsie an sie. Sic möchte doch dafür sorgen, daß Herr Selby sich von ihr scheiden läßt und die Schuld auf sich nimmt. Es kommt auch.zur Scheidung, aber anders als sich Eiste das gedacht hat. Die erste Frau Selby, die ihren geschiedenen Mann immer noch liebt, bewirkt mit ein bißchen Intrige, daß Elsie alleinschuldiger Teil wird. Ihre Freude über die jetzt mögliche Wiedervereinigung zerstört ober Herr Selby selbst mit der Selbstverständlichkeit, mit der er von ihr Besitz-rgreifen will. Blutenden Herzens lehnt sie seinen Antrag ab, und er geht, scheinbar für immer. Hinterher sieht er ein, daß auch die ehemalige Frau umworben sein will. Er sendet ihr ein kostbares Brillontarmband und zeigt damit, daß er wieder- kommen wird. Die Rolle der ersten Frau Selby hat sich F r i tz i-M a s s a r y ausgesucht. Sic kommt von der Operette, in der sie Triumph- ge- seiert hat. Der Operette ist sie entwachsen. Bevor noch ihr Ruhm verblaßt ist, gibt sie die Laufbahn auf, aber nicht die Bühne, die ihr Leben ist. Als Schauspielerin begeht sie nicht den Fehler, dieselben Rollen zu spielen wie sie ihr die Operette geboten hat. Sie beschcidct sich mit einer Mrs. Selby, einer Frau von 40 bis 50 Jahren, einer Figur, die durchaus nicht immer sympathisch wirkt. Und doch gewinnt sie alle Herzen. Sie stellt sich nicht als großen Star heraus und spielt ihre Kollegin nicht an die Wand. Ein eigener Zauber geht von ihr au», sie bleibt auch in dieser Roll« die begehrenswert« Frau, die es wohl mit ihrer 2Zjährigen Partnerin aufnehmen kann. Wenn sie zum Schluß in verhaltenem Jubel mit leiser Stimme, fast flüsternd, sagt:„Er wirbt um mich,' dann sehen wir, hier hat sich die Sprcchbühne eine vollendete Künstlerin er- warben.» Die Regie Erich Engels bringt ein glänzendes Zusammen- spiel zustande. Alfred Abel, Paul H ö r b i g« r, Peter Wolfs und— überraschend gut und sehr lustig— Maria P a u d l e r hoben großen Anteil an dem Erfolg des genußreichen Abends. Der Massary brachte man in echter Begeisterung Ovationen. Aus dem eisernen Vorhang herausgeklatscht, verteilt« sie Rosen an ihre Verehrer. Ernst Degncr. „Der verliebte Reporter." Mozart-aal. Im chinesischen Aufstandsgebict sitzen Zelle an Zelle die Tänzerin Kitty Wallone und der Reporter Don Davis im Gefängnis. Sie soll enthauptet werden, weil ein chinesischer Offizier ihr seine eigene Mordschuld aufladen will. Er ist nach einer kurzen Liebesepisode in San Franziska ihr nachgereist und hat zu ihrer Befreiung funken- telcgraphisch Kunde von der Gewalttat hinausgcschickt. Wie die Nachricht in New Bork und, Frisko und in der ganzen Welt empfan- gen, im Handumdrehen bis in die kleinste Stadt verbreitet, gedruckt und Kabarett. und gelesen wird, das ist mit prachtvollem Tempo veranschaulill,-. Durch die Gitter reichen sich die Liebenden die Hände, ohne sich sehen zu können. Keine alltägliche Situation! Aber ein amerika- nisches Kriegsschiff ist bereits herbeigeeilt, es sendet Flugzeuge und Soldaten, und eins zwei drei sind die beiden frei und glück- liches Paar. So wird die Herrlichkeit moderner Technik cknd die Präzision von Ilncle Sams Flotte gleichzeitig gefeiert. Im ersten Teil des Films aber war gezeigt worden, wie ein Taugenichts von Millionärs- fohn, eben Don Davis, von seinem Vater verstoßen und Reporter einer großen Zeitung wird. Dem Sohn des Reichen muß natürlich alles gelingen: er macht rasende Karriere, und verliebt sich in Kitty, die ihm bei der Entdeckung eines Mordes hilft. Der Rest ist China. Diese Tatbestände ergeben freilich kein rechtes Bild von dem Film, der trotz seiner amerikanischen Einstellung und Heuchelei filmisch betrachtet voller Reize ist. Sam Wood versteht es, mitten in die Dinge hineinzuplatzen, das Momentane einer Situation restlos zu erfassen und immer Tempo zu halten. Wie lebendig kommt so ein Zeitungsbetrieb heraus, wie nett ist das Stelldichein in der Bude der Kitty, wie ulkig der Zusammenstoß mit der Wirtin. Die Lan- dung in China, die Abenteuer mit dem Rikshamann sind allerbester Reportagefilm. Und das Paar: William Haines, der smarte. Junge, der in ollen Sätteln gerecht und im Grunde ein liebenswerter Kerl ist, und die hübsche Anita Page, die olle Männersehnsüchic erfüllt, sorgt dafür, daß die nötige Sympathie entsteht. t. Das Kabarett„Katakombe". Im Keller des Äünstlerhauses, Bellevuestr. 2, spukt es seit dem 15. Oktober, regelmäßig von 10 bis 1 Uhr nachts. Dieser Spuk ist aber- weit entfernt, Menschen zum türmen zu bringe»: man kann sich gefahrlos davon überzeugen— und ein Versuch ist .sehr anzuraten—, daß der Spuk dort äußerst amüsant« Formen angenommen hat. Man kennt sogar die Nomen der Gespenster- das Medium sozusagen, auf dessen Wort sie sich eingefunden haben. ist der Leiter des Vereins Berliner Künstler, Karl Nierendorf: man muß ihm zu seiner Mitternachtsschäpfung gratulieren. Der Ansager ist der Dichter Werner F i n ck, der nicht nur den Humor eines ganz voraussetzungslosen Conferenciers von Natur besitzt, sondern auch heitere und geistreiche Scherze beigesteuert hat und mit H a n s D e p p e(den man von der„Revolte im Erziehungshaus" kennt) ein überwältigend echtes„Laienspiel" vom Wandervogel Glück und Leid zelebriert. Da sind Ruth Pölz ig und die sehr junge Schwedin Tina L i n d b l a d, die etwas Kesses vom Fex appeal slüstern: die Tonzschwestern Edith und T r u d e und H e d y S ch o o p, deren Ausdrucksgrotesken an die besten Frühzeiten von Hilde Schewior erinnern, aber ganz aus Eigenem und Jugendlichem bestritten werden, der witzige Sänger A. Schröder und vor vollem die fabelhaften B l u e B o y s, die das Ganz« musikalisch untermalen und Tibor und Hanno vorschicken, um uns am Klavier eine ganz herrliche Parodie auf die Revellcrs und sonstig« Jazzgesänge mit Geist und eminentem Können vorzusingen. Den Beschluß bildet eine in ihrer kcß-krossen Blödelci vollendete Imitation des„Blauen Bogels": wenn man nicht schon vorher ganz erschöpft vom Lachen wäre, müßte man sich hier einen Klapps holen. Daß uns blasierte Mitteleuropäer ein neues Kabarett noch mit- einer solchen Frische attackieren kann, liegt an dem Elan ganz unoyrbrauchter Jugend, die den Enthusiasmus de» Erstmaligen besitzt. Alle mitwirkenden Gespenster sind so fern von schau. spielerischer und kabarettlichcr Routine wie ein Neugeborenes: alle geben ihr Bestes aus unbänbiger Lust an der Sache. Hier ist wieder eiwas Aehnliches erstanden wie zu Zeiten Wolzogens und der Münchener Scharfrichter und als Truds Hesterberg ihren wunder- baren Betrieb aufmachte: c» übertrifft die besten Zeiten-Ses Kü-ka und hat den Vorzug unpolitischer Heiterkeit opr den Wespen des Ostens. P. F. 5. Genosse 11 r i ch hotte in der Stadtverordnetenversammlung dem Vorsitzenden der Berliner Zahlstelle des Zimmererverbandes, den kommunistischen Abgeordneten und Stadtverordneten R e p- schläger vorgehalten, daß dieser den Streik aus dem Bau des Meiallarbeiterverbandshauses abgewürgt habe. Und nun sucht sich R. herauszuschimpsen. Wohl habe er unterschrieben, daß der Streik t a r i s w i d r i g ist und die Arbeit wieder a u f g e n o m- m e n werden soll, aber nur„um festzustellen, ob sich Krause vom Baugewerksverband dazu hergeben wird, die einmütig kämpfende Belegschaft zu zersetzen und gegeneinander auszuspielen." Repschläger macht also das bemerkenswerte Geständnis, daß die von ihm vollzogene Streikabwürgung zur Folge hatte, die bisher einmütige Belegschaft zu zersetzen und gegen ein- ander auszuspielen. Die Berufung auf Krause ist ein« recht dumme Ausrede. Krause als„Sozialsaschist" kann natürlich„revolutionäre" Arbeiter nicht„zersetzen". Dazu ist schon ein waschechter Stalinist notwendig. deren Spezialität ja darin besteht, die Arbeiter„zu zersetzen und gegeneinander auszuspielen". Repschläger erzählt dann einen Roman über die schwarzen Absichten Krauses und rühmt sich nochmals ausdrücklich, im Gegen- sag zu Krause, der„vollständig verstummte", den Arbeitern geraten zu haben, die Arbeit wieder aufzunehmen. Repschläger möchte glauben machen, Krause habe nur die Hälfte der Arbeiter einstellen wollen. In dem von Krause und Repschläger mit dem Arbeitgeber- verband vereinbarten Abkommen heißt es aber,„daß die Arbeiter, welche sich auf Veranlassung der Gewerkschaften zur Ausnahme(der Arbeit) bereit erklären, innerhalb von vier Tagen eingestellt werde n". Also geschehen am IS. Oktober. Unterschrieben von Repschläger. D r e i T o g e v o r h e r. am 13. Oktober, Hot der 2. Vorsitzende der Berliner Zahlstelle des Zimmererverbandes und kommunistischer Kandidat bei den Stadloerordnctenwahlen, Schilf, in einer Beleg- schaftsvcrsammlung der bestreikten Firma sich damit einverstanden erklärt, sämtliche Baustellen dieser Firma zu be- st r e i k e n, falls den Streikenden weiter die Wirtfchaftsbcihilfe verweigert werde. Und dann ging Repschläger hin und würgte den Streik ab. Er hat also nicht nur die Rohrleger schmäh- lich verraten— denn der Streit auf dem Metallarbeiter- verbandshaiks sollte eine Entlastungsofsensive zugunst�i der kam- munistischen Rohrleger sein— sondern auch die Streikenden von Held und Franke. Genau so wie er die Streikenden auf dem M o n i e r b a u der Friedrich-Ebert-Siedlung verraten hat. Aber wenn Repschläger. der alle Schandtaten der KPD. mitmacht, so die von dieser angezettelten Streiks abwürgt, dann handelt er i m A u f t r o g... Halsmannprozeß vor dem Ende. Hauplschuldfrage lautet auf Mord. - Innsbruck, 13. Oktober. Am Freitag vormittag begannen die Verhandlungen mit der Verlesung des Fakultätsgutachiens über die Unter- fuchllNA, des Geisteszustandes Philipp.Halsmanns. . Die Fokullät, so heißt es darin, habe keinen Grund, an dey Eharakterjchilderungcu der Angehörigen und übrigen Zeugen, die«in durchaus günstiges Bild vom Angeklagten gegeben hätten, zu»weifeln. Aus der Motivlosigkeit für die ihm zur Last aelegte Tat könne aber noch nicht der Schluß gezogen werden, daß Halsmann die Tat. nicht wirklich begangen. habe. Das Gutachten versucht, Ainklärungsmöglichkeiten sllr eine jäh durchbrechende ge- watttälige Afsektentladung zu finden. Daraus ergriff der Staats- a n w a l t da» Wort und erklärte folgendes: Es sei ihm zu Ohren gekommen, daß in Innsbruck Gerücht« umliesen, wonach die Staat»- anivaltschaft im geheimen«inen Mann verfolge, der als Mörder Halsmanns in Betracht kommen solle. Diese Gerüchte seien unrichtig. Festgestellt könne lediglich werden, daß im Wiener Land- gerichtsgesangnis ein gewisser Franz Plotzer an den Gendarmerie- posten in Mayrhoscn einen Brief gcichrieben habe, der gcwssse An- gaben über den Mord enthalten habe. Man habe Platzers An- gaben nachgeprüft. Dabei Hobe ssch ober herausgestellt, daß die?« Angaben unmöglich seien. Der Mann habe schließlich zugegeben, baß die ganzc Geschichte von ihm erfunden sei. In der Nachmittagpsitzung wurde die Verlesung aus den Untersuchungsakten gegen Player vorgenommen. Daraus geht hervor, daß Platzer nach seinem Geständnis von zwei Herren, die er In St. Margarethen in der Schweiz kennen gelernt hatte, zu seiner Angabe verleitet worden ist. Die beiden Herren seien dann mit ihm ins Zillertal gefahren, und dort sei im Gelände bei Lanersboch die Stell« vereiniiort worden, an der er, Platzcr, angeblich den Wilderer getrosten haben sollte. Cr habe in Wien von ihnen 100 Schilling erhalten. Im Falle, daß die Sache gc- lingen sollte, erholte er 6000 Schilling in Wien postlagernd ange- wiesen. Als er wegen einer srüheren Straftat verhastet wurde. Hab« er schließlich den Brief geschrieben. Während der Staatsanwalt die Vermutung äußerte, daß Platzcr von der Familie Halsmann angestistet worden sei, erklären die Verteidiger, daß hier«her ein Eingriff von der Seite vorliege, die in den letzten Wochen onti- semitische Plakate gegen Halsmann anbringen ließ. Am Schluß der Fr-itago-rhandlung beschloß der Gerlcht-Hos. eine Hauptsrage zu stellen und zwar aus Mord, serner eine Eventualfrage aus Totschlag, die damit begründet wird, daß die Fakultäts- Gutachten die Möglichkeiten einer Aifekthandlung ins Augs gesaßt hätten._) Glücksspieler in Frankfurt a. Main. Ein looooo-Mark-Gewinn auf Nr. 14» 479. Die Ziehung der 1. Klasse der 34 Preußisch-Süddeul- schen Klassenlotteri« begann Freitag vorm.ttag. Wie immer hatten sich am ersten Tage der Ziehung zahlreiche Losinhaber cingesunden, die der Einschüttung der Los« und Gewinnrollen mit großem Jnteresse folgten. Eine An.zahl Losinhaber überführte sich auch, ob ihre Nummer mit eingeschüttet wird. Da die Lose genau nach der Nummer sortiert sind, war es für die Beamten leicht,' jsdes Mißtrauen zu beseitigen:.die Losrollen wurden unter den Augen der Losinhaber in die Trommeln geschüttet. Der erste Tag der Ziehung brachte gleich einen Hauptgewinn, und zwar wurde auf die Nummer 148 473 ein 100 000-Mark-Gewinn, der größte der 1. Klasse, gezogen. Di« Nummer wurde in Mannheim und Frank» furt o. M. in Viertel- und Achtellosen gespielt. Am zweiten Tage der Ziehung— heute vormittag wurde der 10 OOO-Mark-Gewinn gezogen, den die Nummer 30 708 erhielt Der Gewinn bleibt in Berlin. Di« Ziehung der 1. Klasse wird heute ivchmlttag beendet sein. Es bleibt als größerer Gewinn nur noch der 75 000- Mart-Gewinn zu ziehen. Bengt Bergs„Jagd mit der Kamera". Zu gleicher Zeit>nit dem herrlichen Adlerfilm, der am Potsdamer� Platz läuft, zeigt Bengt Berg«ine Auslese au» der Welt seiner lieraufnahmcn bei Wert heim, in dem großen Orientsaal am Leipziger Platz. Es liegt nicht nur an dem schönen und leicht zu- gänglichen Räume, daß diese großen Photos einen ununterbrochenen� Menschenftrom anlocken: aber es ist sehr gut, daß man sie gerade hier zeigt, wo die bequemste Zugänglichkeit diese Köstlichkeiten der breitesten Masse nah« bringen känn. Di« Popularität der Photographie kann sich gar keine besser« Rechtfertigung wünschen als die Meisterbilder eines Mannes, der„mit Blitzlicht", aber gottlob ohne Büchse, den verschwiegensten Heimlichkeiten der Natur ins Herz schont und sie für un» weniger Begnadete mit der Kamera für alle Zeiten sesthält. Es sind fast nur Bogel, die Bengt Berg in ihren intimsten Augenblicken, ans unbegreiflicher Nahe fixiert hat: Adler, Möven, Störche, Waldkauz, Reiher, Abu, Markub, Geier, Regenpfeifer und was der Reichtum der Natur an gefiederten Herrlichkeiten in Europa und Afrika nur bietet. Das restlos Beglückend« an diesen Aufnahmen (die vorzüglich bis zum weit Ueberlebenden vergrößert sind) ist ihre Spontanität: ist das Gefühl, der Kreatur in ihrem heimlichsten Privatleben so nah« zu kommen, wie unsere schwachen Sinn« und unser Herz ihnen nah« kommen können. Unser Dank für den großen Naturfreund Bengt Berg besteht in schweigender Andacht. P. F. S. Klubabend der Lupe. Gestern veranstaltete die Lupe E.-V. für ihre Mitglieder«inen besonders gelungenen Gesellschaftsabend. Der. Schauspieler Leo M. Faerbcr rezitierte Aphorismen von Polgar und Gedicht? von Busch. Ringelnatz, Tristan Bernard und Kurt Schmeltzer. Faerber ist ein Dortragskünstler, wie es wenige gibt, er geht Im Dichter auf, den er rezitiert. Er ist heiter mit den Heiteren, wuchtig mit den Wuchtigen und still mit den Stillen. Genta H i l l e r t tanzte drei wunderschöne Tänze, einen Walzer von Brahms, dann eine Phantasie nach russischen Volks- weisen und schließlich noch ostfranzösischen Schäserliedern. Dos Publikum spendete stürmischen, verdienten Beifall. v. 5..dl. Die Bevölkerung der Freien Stadt vanzig. Nach der Bolkszählung vom 18. August 1320 ergibt sich für den fesamten Freistaat Danzig seit der letzten Bolkszählung(1024) ein Bevölkcrimgszuwachs von 23 634 Personen. Während 1ssL4 im Frei- staat nur 383305 Personen gezählt wurden, hat die fdiesenalige Zählung eine Gesamtbeoölkerung von 407 623 Personen ergeben. Im einzelnen entfällt der Hauptzuwachs auf die Städte Danzig und Zoppot, die allein eine Zunahme von 10500 zu verzeichnen hoben, während die Landkreis« nur mit etwa 4000 an der Bevölkerung?- zunähme des Freistaates beteiligt sind. Ausgewandort sind im Jahre 1028 über Danzig 35 283 Personen, davon 31 568 Polen und nur 3 Danzlger Stoalsaiigehörige. 0686 Personen sind nach den Per- einigten Staaten, 25 484 nach Kanada und 113 nach anderen Ländern ausgewandert. Herstellung von synthetischem Kautschuk? Luganeser Zeitungen berichten von einer aussehenerregenden Erfindung, die dem in Lugano ansässigen Baseler Chemiker E. Kleiber gelungen ist. Es handle sich um ein Verfahren zur Herstellung von synthetischem Kautschuk. Der nach diesem Bcrsahrcn hergestellte Kautschuk soll einen Preis von nur 50 Centimes je Kilo- gramm haben. Ueberdies sei der Baseler Chemiker gegenwärtig noch mit Versuchen zur Herstellung von synthetischen Petroleum und Benzin beschäftigt. Preisausschreiben für Gefchästsdrucksachen. Der Bildungsverband der Deutschen Buch» d r u ck e r hat einen Preiswettbewerb über 1000 Mark ausgeschrieben für mustergültige und normgerecht« Briefbogen, Rechnungen, Brief« Umschläge, Postkarten und Gcschäftskarten. Der Zweck ist, die für Geschäftsdrucksachen bestehenden Format» und Lordrucknormen mehr bekannt zu machen und zu zeigen, daß auch bei strenger Einhaltung der Normvorschriften noch genügend« Möglichkeit für ein« indlvi- duclle und künstlerische Ausgestaltung der Geschäftsdrucksachcn bleibt. Da« neue Znststut für Arbeilerrecht, da? eiste seiner Art in Deutschland, dessen Leitung dem bekonnten Schlichter Professor Dr. Garges übertragen wurde, ist mlnmehr in Halle eröffnet worden. Dos der staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität angegliederte Institut bezweckt die wissenschaftliche Erforschung der bestehenden arbeitsrechtlichen Borschristen, Auswertung der Er- gcbnisse für die Praxis und die Lehrtätigkeit, sowie die Errichtung einer lückenlosen Sammlung aller vorhandenen arbeitsrechtlichen Zeitschriften und Veröffentlichungen. Der Meivelesche INünnerchor verliu 1300 veranstaltet am 20., 16 Uhr, ein Festtonzert in derStaatlichenHochschulesürMusit. Kloos prlngshelm hat einen ZyUu«.Arbeiterlieder' für eine iSinqstlmme und Orchester oollendei. der demnächst In Berlin zur Ur- aiistllhrung gelangt. von der 5wdiengcm«i»ichasi jür w.sscnjchastUche heimattvad« ist iveden daZ Programm(fli da» Winicrhalbjahr 1929/30 herauSgctommen. NZHeik Au«tunst bei der Geschästöstelle Schöneberg, Grunewald str. 6/7, van v b. 14 Uhr(Lützow 6600). Die Jtoi der tippischen Wanderarbeiter. Lippe verlangt Neichahilfe. Auf Einladung des lippischen Landespräsidiums war der Reichsarbeitsminister Wissel! nach Detmold gekommen, um hier an Verhandlungen über Maßnahmen zur Behebung der Not- läge der lippischen Wanderarbeiter teilzunehmen. Der Vorsitzende des Landespräsidiums, Genosse Drake, gab der Hoffnung Aus- druck, daß der Besuch der Ausgangspunkt sei für weiter« wirk- same Maßnahmen mit dem Ziel des langsamen aber stetigen Abbaus der Wonderorbeiter. Für die Wanderarbeiter (es gibt in Lippe rund 12 000. D. Red.) müsse im Land« Ar- beitsgelegcnheit beschafft werden. Den meisten Erfolg versprächen die Bestrebungen zur Verbesserung der Verkehrs- b e z i e h u n g e n, die Förderung der Siedlung und ganz be- sonders der kleinen Landwirtschaft, der Ausbau der gewerblichen und industriellen Absatzpunkte und schließ- lich nicht zuletzt eine verständnisvolle und zweckmäßige Förderung jeder Arbeit, die darauf abgestellt ist, das Land als Fremden- vcrkehrsgebict auszugestalten. Dos Landespräsidium habe seit Jahren diese planmäßige Arbeit betrieben, müsse ober für die Folge eine Hilf« des Reiches erbitten. Der Reichsarbeitsminister erkannte an, daß Lippe sich u n- günstig unter allen deutschen Gebiete» durch seine Wände r- arbeiter abhebe. Das Reichsarbeitsministerium werde sorgsam auf diesen lippischen Notstand achten und sich bemühen, Reichs- mittel für diese besondere Ausgabe zu erlangen. In der Förderung der w« r t« s ch a f f e n d e n Arbeitslosen- f ü r s o r g e sei bekannt, daß er selber seinerzeit hierzu die Initiativ« ergriffen habe und daher noch heute olle Bestrebungen zu einer zweckmäßigen Ausgestaltung dieser Maßnahmen unterstütze. Der Reichsarbeitsminister machte noch darauf aufmerksam, daß es be- sonders darauf ankomme, im Parlament selbst das Verständnis für diese Aufgaben zu wecken, damit die notwendigen Mittel m verstärktem Umfang zur Verfügung gestellt würden. Wetter für Verlin und Umhegend: Stark bewölkt, zeitweise noch etwas Regen, keine wesentliche Temperaturänderung.— Hör Deutschland: Im Osten trübe mit Regen, im Westen veränderlich, im übrigen Reiche stark wolkig, stellenweise noch Regen, nirgends wesentliche Temperaturänderung. Theater der Woche. Vom 20. big 25. Oktober. Volksbühne. Tieat« am BSIevytafc: fftüSIinfl» Erwaib««. 20., osttb. WA Uhr: Die UuübttffiinSIiifKn. 27., vorm. WA llbr: L ÄOMtct. Staatstheater. StoalMvct Unter den Linden: 20. Roicnkovolier. ZL ffra Diovolo. 22, Barbier von Sevilla. 23. Othello. 24. Intermc,,». 25. Sarann. 23. Riga. Ict«. 27. MeilUrfmoer von Nllrnbcra. 23. Ein Maslrnball. St-at»-v-r am Plat, der Revnblit: 20. Soffmanns Erziihluniien. 21.. 23.. Hans Seilina. 22. Salome. 24. Mebermou». 25. Svanische Stund?. Der arme Matrose. Aneeliaue. 27. De: fließende Sollünder. 25. Heimliche Ehr. Städtische Over Eharlottenburn! 20. DI- lustia-n W-iber von WinMor. 21. imd 25. Geschlossene BorsKllu»«. 22. Lohenqrin. 23. Di« schmor, e Orchidee. 24. Samson und Talila. 2S. lsidelio. 36. Der Schausvieldirrktor. Covvelia. 27. Dannhäuser. Staatstdeater am Sendarmenaiartt: 20., 38., 25., 26., 27. Hans Im Schnatrnloch. 21. Weh dem, der liigt. 22.. 23. Musik. 24.«allenstein, Lager, Viecolomini. SN'ilcr-Tdeatce Edarlott-ad-r«! 20.. 21., 28., 2S., 2«.. 23. Der«aufmann von Bcnedtg. 22., 23., 27. 2X2— 5. Theater mit festem Spielplan. Ih-ater am Schisfbanerdamm: G-sall-n« Engel.— Zdalia-Zbeater: Mutter Dtevs. Deutsche« Theater: Der Kaiser von Amerika.— Kammcrspiele: Der �d�tU�äd«'«t--b."Di...st. Seife. � Ha ml Wendaas: Serrbbi» Suvven sind die besten.— SrsdttSchauIviel- Haas: 3 Musketier«.— Iheatcr de» vesten»! Marictta.— Deatlch«»alka- theat«- Die beiden Ver-neser.- De-tlch-s«iinstler. Theater: Die andere Seite.— Lvstsvielhau«: Grand. Hotel.— Lessing-Tdeater: Cvankali.— Metrovol-Theater: Das Land des Lächelns.— Berliner Theater: Zwei Krawatten.— Die Tribüne: Bunburn.— Nleiae» Theater: Alt-Berlin.— Renaiganee-Tdeater: Stempelbrüder.— Zivle-Theater: Die leichte Isabell.— Safina-Theater: Dcrtagte Hochreitsnach�.— Wintergarten, Bio», Sealn: Internationales Bariete.— Reichshalen-Tdeater: Stcttiner Sänger.— Theater am Ztottbuffer Tor: Elite-Sänger. Thealer mit wechselndem Spielplan. Triauov'Theater: Bis 24. Das kommt doch alle Tage vor. Ab 25. Die Ballerina des K'önias.— Theater ia der Klofterstrahe: 20., 21. Jüdisch« Gastspiele. 22. Geschlossene Vorstellung. 28., 25., 26.. 27., V. Arm mie eine Kirchenmaus. 24. Trauena�t.— Schlohpark-Zheatcr Etcqlih: Der Raub der Labinerinncn. 20. Arm wie eine Kirchenmaus. Vachmittagsvorstellungen: Balksbühn«, Theater am Büloiovlag: 20. Danton» Tod.— Tdalia-Tbeater: 20. Samm-rmusik.— Theater am Rollendarsvlah: 27. Peterchens Mondfahrt.— Theater in der Ztöniggräher Stroh«: 20.. 27, Rivalen.— Ztomödienhaus: 20.. 27. Leinen aus Irland.--- Großes Schauspielhaus: 20.. 27. 3 Musketiere.— Theater des Westens: 20,. 26.. 27. Friederike,— Trionon. Theater: 23., 23 Aschenbrödel. 20., 27., 14U Uhr: Aschenbrödel: 17 Uhr: Iohannisfeuer.— Englisches Theater: 23.. 23.. 27. The Be-t People— Kleines Theater: 20.. 27. Trio.— Rrnaissance-Theater: 23. Ton in des Tövk-rs Sand. 20., 27.«rank. heit der Jugend.— Rose-Theatcr: 23. Das tapfere Schneiderlein. 26, Schnee. wittchen. 27., im Uhr: Schneewittchen: 17Vi Uhr: Die leicht« Jsabell.—- Theater in der«loste rftraßc: 20.. lö Mir: Hansel und Kretel: 17 Uhr: Potalch und Perlmutter. 2? Hansel und Grete!, 23. Rotkäppchen. 27., 15 Uhr: Rot. lövvchen: 17 Uhr: Potäsch und Perlmutter.— Schloßvark-Theater Stegltß: 18.. 23., 23.. 27. Schneewittchen.— Wintergarten: 20., 26., 27. Internanonalcs Pgriet«.— Pia,«, Scala: Internationales Variete.— Reichahalle». Theater: 20.. 27. Stettiner Sänger.— Theater am«ottbusser Zar: 20.. 27. Glite»Sänger. Erstaufführungen der Woche: Sannnto«. Rsse-Theater: Bor Sonnenaufgang.— Manta«. Over am Platz der Republik: San» Seiling.— Doaaerstaa. Theater in der Klosteestraß«: Arm wie ein« Kirchenmaus.— Freitag: Trianon-Tbeater: Die Ballerina des Königs. Loovsdeaä. 19. Oktober. v e r! l a. 16.05 �annersesznz im alten und neuen Stil. 1730 Heiteres. 18.00 Lieder.(Sasanne Holländer, Sopran. Am Fluad: Wüly Jaeger.) 18.55 Porträt zum..Intcrvicv der Woche"*(Bildfunk). 19.05 Das Intcrviev der Woche. 19.30 Joseph Dehnont: Abenteuer in den Urwäldern Afrikas und den Dschungeln Indiens. 30.00 Heiterer Abend. Nach den Abcndmcldanscn bis 0.30 Tanzmusik. Während der Pause Bildfunk. Könisswasterbauscn. 16.00 Direktor Fricbel und Dr- Karl Würzburger: Arbeitsgemeinschaft für Funk- pädagogik(Dialog). 16.30 Von Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Theodor Kotzui; BUdungsqncllcn des Beamten. 18.00 Fritz Schröder: Um die Reform der Arbeitslosenversicherung. 18.30 Französisch für Anfänger.• 18.55 Pof. Dr. Wilhelm Dibelius: Das moderne England. 20.00 Orchesterkonzert. Dirigent: Bruno Scidler-Winkler. 1. L. van Beethoven: Sinfonie Nr. 2, D-Dur. op. 36. 2. Chopin: Fantasie über polnische Lieder, op. 13 für Klavier und Orchester(Fanny Weiland am Flügel). 3, Chopin- Lrinncrungen.(Gelesen von Theodor Loos.) 4. R. Schumann: Ouvertüre zu..Manfred", 5. H. Tießcn: Totentanz-Suite op. 20 für Violine und Orchester.(Stefan Frcnkcl. Violine. Dirigent: Der Komponist.) 6. Fr. Schubert: Sinfonie Nr. 5 B-Dur.(Berliner Funkorchcster.) 7.00 Funkgymnastik. 8.00 Für den Landwirt. Sonntag, 20. Oktober. Berlin. iL 155'Qtoetoutfe! der fttabeiSh d*. XsTtwtefer. QtJSsi Uhr Aida Staats-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 173 20 Uhr Spanisdie Slrnidt. Der arme Matrose. Angtlique. Sonnab., 19. 10. SttidL Oper Bismarckstr. Turnus IV 20 Uhr Der SdmpieldiiiUor Staatl.Sdiaospb. am Sendarmenmarkt A.-V. 199 20 Uhr Staatl.Sehiller-Tltealep.Chaiitli, 20 Uhr.— Zum 25. Male 2X2=35 Tl|l. t linML 5 mi 8V, Okr Bat barm« 1253 Untere neue« Prell«; Weebeghii 5 Ubr 50 Pf. bis 3 Hart Tigl. t'h a. Sonnt, b Uhr 1 bis( Hart Charlie Rivel, 3 Whirlwinds, LongTack Sam gsv Renaissance- Theater r• STEMPELBRUDER Von Duschinskv Regie Ous«. Härtung. Sonnabend nachm 5 Uhr Ton in desTöpfers Hand Von Theod Dreiser. Sonntag vorm ll'n Uhr Ludwig HARDT- HAMSU.Ifeier Sonntag nachm 4 Uhr Krankheit der Jugend Von Ferd. Bruckner. te nnlau C 1. 0301 u. 2583/34. Stöd'fböhnhot.'£'• i 9 d ri c hs fr.V 4t /F SCHIPtNSKTI• KATE KJHLk lwnHA(N!30)VaXHtJEIO£»DUHa(ei>m und•~oiF***10Ahf-rskhiclr an ./ Asf PCA 5/ A/ O TA NZ IlM KELLEO OKTObS REE srUMfi SM � m-MmM■»_lf jl-i.Thealer Abends[?] Sonntee nachm.|Tj Immer noch: Jei de Stettiner" ulkige Fest-Reruel Nachmittags halbe Preise, volles Programm! Billettbest Zentrum 11263. Hönhoff- Brottt: Das groBe Oktober-Program-nl falkngr-Orch.gt.r— Tann. Nur die Aemecerd£leclr e Schallplatte bringt dia Aufnahmen der Chöre des Deutschen Arbeiler-Sfingerbundes.— Bezuisquellen-Nacfawefi ficntcpheifrCempan? BerlmSWeS Verlangen Sie SpesiaUProspekte über Arbeiier chor-Plaffen In allen einschlägigen Geschäften erhältlich._ VoiKsblUine rO'itirsinBülowpiati 8 Uhr Frühlings Erwachen Staatl.Sdiiller-Hi. 8 Uhr 2x2=5 Deottdies THeater 0.1. Norden 12310 7'/s Uhr Dtsch. Uraufführ. Der Kaiser v.Amerika Politische Komödie von Bernard Shaw Deutsch von Siegfried Trebitsch Reg; Mai Reinhard! Bühnenbilder; Ernst Schütte Kammerspiele D.I. Norden 12310 8"» Uhr Der Dnvlderstehlietie Komödie von Gdraldy und Spitzel Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie II Bismck.2414/7516 «AS Uhr Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Ab morgen tägl. 8 Uhr Berliner Illk-Trlo NaukOIln. V Ukattr.wni I Metropol-Th. Täglich 8«/e Uhr Lebär dirigiert Das Land des Lächelns Vera Schwan, Btdxrd Tauber Sarnawskj-Böbnen Thoattr in dar KOnlggritzar StrsBe Täglich SV, Uhr Die erste mrs. seiby mit FPitzl massärg Komödienhaus Täglich SU, Uhr siDddieiesfBD mit Kurt Bois Theal. d.Vesiens Tägl. 8>/« Uhr Nariella Most» t. Osksr Slraai Käthe Dorsch Michael Bohnen Sonnab. u. Sonntag 4 Uhr FriederlHe Direktion Or. Robert Klei» Deutsches KBnstler-Theat Barbarossa 3937 SVt Uhr Die aoüßre Seite ßerliDEr Itieater Dönhoffl70 SV. U. Zwei Iravatien von Georg Kaisei Musik Spolianskv Kleines Tbeat. Merkur 1624 Täglich 8V. Uhr Max Adalbert als Manie am Flügel Rudolf Nelson Sonntag SVh Uhr kleine Preise Trio Trianon-Tti.�T Täglich 8'/. Uhr DtrBr.luUaitltrtolD Das kommt doch alle Tage Tor Johannes Riemann, Vilms v.Akniy, Mix Landa, Lotte Klinder So. 4, Stg. 2'/» Uhr ischenbrOdei Sonntag 5 Uhr Johannisfeuer Planetarmm am Zoo Mim. ieubientbiler lind, 8.5 Barbarossa 5578 IS'/« Uhr Harhst- ebende am Iteraen hlmmel l8 trächtlich zugewachsen. Wir fanden mir ab und zu einmal eine kahle Stelle, einen abgeknickten Zweig oder ein vertrocknetes Mist- licchschen. Aber was die Richtung anlangt, fühlte sich Browning als Neuseeländer so unfehlbar wie der Papst. Drei Tage„führte" er mit Pfadsinderinstinkten durch dick und dünn, entdeckte die pittoreskesten Nachtlager und entsacht« jeden Abend einen wahren Waldbrand. Ain vierten Tage war große Aufregung. Es war jetzt eine Provianthütte fällig. Eine jener Nothüttcn, die die Regierung für etwaige an der menschenleeren Westküste gestrandete Schiffbrüchige mit Konserven versargt hält. Di« Hütte sollte etwas landeinwärts stehen, an einem See, einem kleinen Nixensee mit einem Kahn. Wir suchten sie den lieben langen Tag und auch den weniger lieben und noch längeren nächsten Tag. Wir fanden sie nicht. Hunger? Unser Proviant war ausgezehrt. Wir waren hungrig. Wir wollten etwas essen, irgend etwas. Gibt es denn gar nichts zu essen im Paradies? Neun, im Paradies von Neuseeland gibt es nichts zu essen, keine Früchte, keine genießbaren Wurzeln, keine Tiere. Ein- mal sah ich ein« Buschhenne, die sich scheu zurückzog, ab und zu flog ein Schwärm Papageien krächzend hoch über unsere Häupter hin- weg, das war olles. Alles ist tür das Aug« da, nichts für den Magen. Wolken stiegen auf. Wir faßten einen raschen Entschluß: Zurück! zurück in Ellmärschen! Aber aus diesem Paradies gibt es kein Zurück. Wir waren so fröhlich eingezogen, aber wir kamen nicht wieder heraus. Der schöne immergrüne Buchenwald wurde in der Regennacht zur Mauer: nach dem letzten Lichtstrahl unmöglich,«inen Schritt vor oder zurück zu mnchen, ohne den Kopf gegen eine Wand zu rennen. Der R«gen floß. Das Feuer ging nicht an. Da standen wir und zählten die Sekunden zu Minuten und Stunden und miillerten Stunde um Stunde gegen die grimmige Kälte. Aus dem silbernen Büchlein war ein reißender Strom geworden, der raste dem Meere zu, und kein Elefant hätte seiner Strömung widerstanden, geschwelge denn ein Mensch. 2 r e i T a g e sahen wi?> am User und kaute» assortierte Gräser. his sich der Bach so weit beruhigt hatte, daß wir ihn überschwimmen konnten. Aber au, dem Talkessel am Buschemgong war ein Ge- sängnis geworden, in dem man um und um geht und das man lebendig nicht wieder oerlaßt. Dies Tal mit den freundlichen immer- grünen Birken ist das Tal des Todes. Das Tal ist nicht mehr als dreißig Meilen lang, und vom Talausgong sind's noch dreißig Mellen etwa zur ersten Farm. Wir glaubten uns gcrxttet, da sahen mir zu den fatalen Bergzinken auf: woher waren wir gekommen, wohin mußten wir gehen? Keiner von uns wußte mit mit Bestimm:- heit zu sagen. Drei weitere Tage irrten wir in diesem Tal herum und standen— vor einem Grab. Hier war«in schottischer Pionier ver- hungert. Wir schleppten uns noch einen halben Tag weiter:« i n zweites Hungergrab. Nun wußten wir: auch wir waren verloren. Und wenn man diese Ueberzeugung gewinnt, wenn die Angst einen packt, ist aus eigener Kraft keine Rettung mehr möglich. Der Verdurstende geht in einer Spiral« bis zu deren Mittel- punkt und gräbt sich da in die Erde: das ist alltägliche australische Erfahrung. Der Verhungernde beschreibt einen Kreis, aus dem er nicht wieder herauskommt: das ist Neuseeländer Erfahrung. Noch eine Nacht und ein Tag, und wir standen wieder am selben Grab«. Aber wir waren zwei Verhungernde, die da in einen Kreis verstrickt waren. Da schleichen sich seltsame Gedanken ins Hirn. Wie war's in alten Tagen, als von.den Sträflingen welche ins australische oder tasmanische Land hineinliefen? Oder Seeleute auspickten, zweie, dreie? Die wanderten hungernd im Busch, l»d dann eines Tages fiel einer um: der Schwächste. Und was gesmah mit ihm? Und dann fiel der zweite um. vielleicht nicht ganz von selbst. Wir gingen nebeneinander. Keiner ging schneller als der ander«. Es ist nicht gut, vorauszugehen in. solchen Augenblicken.. Freund Browning, du hast Strindberg und Nietzsche gelesen, du bist mit einem zarten jungen Mädchen verlobt, die Verse liest. An was denkst du jetzt? tread lightly, kor shc can hear tbe pansys grow. tread lightly, kor she can hear the pansies grow. (Sprich leise, denn die Geliebte liegt unterm Schnee, geh sacht: ihr Ohr kann die Stiefmütterchen wachsen hören., Kaum hatte er diese rührendste Strophe Oskar Wildes vor sich hingemurmelt, so siel er auf alle Bicve und sing zu brüllen an wie ein Tier. Er war jetzt eine Kuh und muhte. Kein schlechter Einfall. Ein« verirrte Kuh könnte uns hören. Oder ein Schaf, denn er blökte jetzt, aber es klang schauerlich in der Stille, und jetzt bellt« er. Wir bellten beide und krochen am Boden vor- wärts und sahen einander an wie zwei verhungernde Wölf«. „Wau waul" „Wau wau..." Ein schwaches Echo! Ganz dünn und hell. Ist das unsere Stimme oder eine andere? Man könnte meinen, es sei«in Hund, der lacht. Wir krochen«ine Weile auf allen Bieren weiter, nach ollen Himmelsrichtungen bellend. „Es ist ein H u n v!" schreit Browning plötzlich, so daß ihm der Schaum vor den Mund tritt.„Ja, ein Hund!" Da werden wir auf einmal wieder Menschen, fassen«inander bei der Hand und laufen mit neu erwachten Kräften dem Schalle zu, bellend und horchend... Eine Lichtung, ein Zelt, davor ein Dingo, ein australi- scher Köter, sich vor irrsinniger Freude in der Luft überschlagend. Im Zelt ein Mann, Büchsen öffnend, bis der Tisch voll bedeckt ist mit Salmon, Lorned beef, Zunge, Sardinen. Hering«. Der Mann nickt und bewegt die Lippen, aber es kommen nur Laute und keine Worte heraus. Der Einstedler hatte das Sprechen verlernt. Auch wir waren der Sprach« nicht mächtig. Wir fuhren nur mit Gabel und Löffel in die Büchsen hinein, kunterbunt, und aßen, bis wir umsanken. Wir hatten uns im Paradies einen guten Appetit gehmt. Witwen In Indien Früher verbrannt und heute verachtet Die Einäscherung ist auch heute noch in Indien die übliche Form der Bestattung. Daß dabei die Reichen, die Armen und der Mittel- stand ihre besonderen Formen haben, die sich der Vermögenslage des einzelnen anpassen, ist selbstverständlich, und man kann an den Zolenrerbrcitnung bei den Aermtlcn Das Holz muß für den Verbrennungsprozeß ausreichen Begräbnissen in Indien ebensosehr seine soziologischen Studien machen wie in Europa. In einem aber stimmen die Bestattungen überein: W i t w« n v« rb r e n n u n g gibt es nicht mehr. Sie wurde vor Illtz Iahren abgeschafft. Das ging natürlich nicht mit einem Federstrich, denn es handelte sich hier um eine alte Sitte, die ihrer tieferen Symbolik nicht entbehrte. Bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. bekundeten Soldaten Alexanders des Großen von Witwenverbrennungen. Der Zeitpunkt ihres tatsächlichen Ursprungs ist bisher nicht mit Sicher- heit erforscht worden. In altarischcr Zeit wurde sie jedenfalls in höchst harmloser Weise ausgeübt. Die Beden berichten, daß die Witwe sich zwar neben die Leiche ihres Mannes auf de» Holzstoß legt«, dann aber bei de» Worten des Priesters:„Erhebe dich, o Weib, zur Welt des Lebens!" von d�m toten Gatten Abschied nahm. Es wird vielfach behauptet, daß die Sitte der späteren Wilwenopserung bei den Ariern durch die Szythen oder Thrazier eingeführt wurde; allem Anschein nach hat sie sich durch letztere übertragen. Bis Ansang des vorigen Jahrhunderts waren Zwei Arten von Witwenverbrennungen anzutreffen. Bei der einen, 8HldA.dlA.UAN.A genannt, ließ sich die Frau zugleich mit der Leiche ihres Mannes verbrennen: bei der anderen, ANUMARAII, erlitt die Witwe den Flammentod, ohne daß der Leichnam zugegen war. Hier hatte der Gatte entweder auf dem Schlachtfeld fein Leben gelassen, oder der Tod hotte ihn auf einer Reise überrascht. Der Fall steht nicht ver- ließen, Ehrentore erbaut wurden. Der Berbreni�ingsprozeß fand meistens außerhalb der Stadt, am U«ser eine s Flusses statt. An den Tagen, die der Berbrennung vorausgingen, ritt die Witwe, reich geschmückt, auf einem Pferd durch die Stadt, in der einen Hand einen Spiegel, in dem sie sich mitleidig betrachtete, ohne jedoch eine Träne zu vergießen, in der anderen eine Limone haltend. Bor und hinter ihr lärmte das Volt. Am Verbrennungstoge erschien sie inmitten eines Prozessionszuges. Den Ansang bildeten Spielleut« mit Pauken und Schalmeien. Ihnen folgten Tänzerinnen. Den Abschluß bildete ein Geleit von Mqnner», Frauen und Kindern. Die Witwe selbst wtr stut ihren schönsten Gewändern angetan und reichlich mit Geschmeide(Ketten, Arm- und Fußbänder, Ringe. Nasen- und Kopsschmucks versehen.>Be»or sie den Holzstoß bestieg, der meistens aus mit Zimt und Sandel durchlegten Aprikosen- und Morellenholz bestand, verteilte sie ihre Gewänder sowie ihren Schmuck unter die Anwesenden, tröstete ihre Verwandten und nahm von den Freunden Abschied. Dann legte sie sich neben die Leiche, die sie mit einen; Arm umschlang und goß mit der anderen Hand ein köstlich duftendes Oel über Lopf und Körper, um den Verbrennungsprozeß zu beschleunigen und die Schmerzen zu lindern. Auf ihren Befehl wurde das Feuer angezündet; oft tot sie dies auch selbst. Die Spielleute schlugen eine lärmend« Musik an, u m die Schreie der Verbrennenden zu übertönen. Die Zu- schauer folgten dem Vorgang, wie etwa«in Europäer dem Fußball- spiel. War das letzte Scheit verglüht, dann wurde die Zische in den Fluß geschüttet. Enffchlossen sich die Frauen freiwillig zum Feuertod an der WM.. Xeldienterbrennung dee IWHelflande* Der Tote befindet sich unter dem aufgeschichteten Holz 'einjelt da. daß die Frau bereits ein Opfer der Flamm«» geworden war, als der Mann Plötzlich doch noch auftauchte. 1817 verbot die englische Regierung, obgleich sie sich religiösen Gebräuchen gegen- über passiv verhalten wollte, die letztere Art der Witwenverbrennung. In China war es üblich, daß den Frauen, die sich verbrenn« fkf| f-i»! ♦« H .—k------------— -t!» x<, Terbrenrnrngt-Selerllfitkell bei einem vornehmen fflmnii In der kostbaren, geschmückten Sänfte wird der Tote nach dem Ort der Verbrennung getragen Seite des verstorbenen Ehegatten? Nein! Fast 90 Prozent aller Witwen wurde durch Ueberredung und Zwang zum Opfertod veranlaßt. Di« übrigen zehn Prozent hätten sich wahrscheinlich gleichfalls nicht freiwillig ent- schlössen, wenn sie Zeit zur Ueberlegung gehabt hätten. Aber die Berwandten und'Brohmanen, für die die Zeremonie ein gutes Geschäft war, wußten sehr wohl, daß eine Frau in ihrem ersten Schmerz willfähriger ist und beschleunigten die Einäscherung nach Möglichkeit. Und die bedauernswerte Frau hatte ja auch nie- manden, den sie hätten um Rat bitten können! Sie wußte nur zu gut, daß sie bei einer Weigerung«ine im wahrsten Sinne des Wortes tierische Behandlung zu erwarten hatte. Kein Kaufmann durfte ihr Ware verabfolgen, die Bekannten und Verwandten sirasten sie mit Verachtung, jedermann mied sie. Und doch: hätten sie nicht lieber dieses traurige Leben auf sich genommen, als den grauenvollen Berbrennungstod zu erleiden? Nicht nur ideale Gründe konservierten die Sitte der Witwen- Verbrennung. Bei der in Indien herrschenden Polygamie kam es häufig zu Giftmorden am Gatten aus E i s e r s u ch t. Man glaubte deshalb in dem unter Umständen drohenden Feuertod« ein wirksames Abschreckungsmittel zu besitzen. Ein zweiter Grund war der Aufstieg der Brahma nen, die allein predigen dursten und denen die Verbrennungen eine ansehnliche Einnahme brachten. Eine Rolle spielt« es wohl auch, daß dein Sohne durch den Tod der Mutter die- weiteren Unterhaltungskosten erspart wurden. Versuche, die Witwenverbrennungen abzuschaffen, inttenuchtn der f�omon von Ülax ßarlkel (24. Fortsetzung.) Der grünfunket nde Stern fiel auf das Ruhebett, auf den wol- lustigen Diwan, ruhte eine kleine Weile und erhob sich, wanderte durch das Alabastcrzimmer, berührte die Leoni« hübsch,, verweilte bei der Lena Sperber und bei der Roselli, zögerte eine Sekunde bei der Marianne chull und.blieb endlich auf dem glatten, klugen Gesicht der Lola Lopez stehen. Lola blinzelte in das Licht und wurde unruhig, sie oersuchte, dem Licht zu entweichen, aber es folgte ihr nach. Dann begann der Doktor Wendel zu deklamieren. „Der Stern findet seine Gestalt! Lola Lopez ist das heilige Gesäß, in dem der Stern leuchtet. Der Stern ist da, der Stern Demut leuchtet der Welt!" „Demut! Demut! Demut!" flüsterten die Frauen und auch Marianne, die von oll den Dingen nichts verstand, flüsterte im tchor der anderen:„Demut! Demut! Demut!" Dann aber beugte sie sich beschämt zu Lyssonder und flüsterte: „Was ist das für ein Zauber? Das scheint«in fauler Zauber zu sein!" Aber sie verstummte und erschrak. Sie hatte Lyssander die Frage nur ins Ohr geflüstert, Wendel konnte sie unmöglich ver- standen haben, aber dos Licht auf Lolas Gesicht zuckte und sprang mit einem ungeheuren Satz durch den Raum und ließ sich aus Mo- riunnes Gesicht nieder. Sie schloß die Augen und schrie leise aus. Sie saß in einer �Gloriole von Licht und Gefunkel da, ober es war nicht mehr das grüne Licht, das zuerst im Raum verweilte, jetzt flammte blaues Licht auf und" Lena Sperber kreischte: „Ein Wunder!" Die Frauen und Mädchen schrien durcheinander. Sic mußten auch schreien, denn diese heftigen Lichtkegel waren wie Messer, die durch die Dunkelheit geschleudert wurden und verwundeten. Und mitten in der Aufregung begann der Doktor Wendel zu brüllen: „Hochmut, vergeh! Demut, ersteh!" Der unsichtbare Beleuchter dieses ganzen Theaters wechselte die iarbigcn Gläser und Linsen und lenkte seinen blendenden Strahl wieder auf das Gesicht der Lola Lopez, die zusammenfuhr und nicht mehr fragte:„Was soll das sein, Mister Guerra?", sie fühlte mystische Schauer und war bereit. Sie erhob sich aus dem schwarzen Stuhl und näherte sich dem Pult. Immer wanderte das Licht mit ihr und sammelte sich noch einmal zur Ruh« auf dem breiten Diwan. Lola Lopez schloß die Augen und legt« sich auf den Diwan in die Fülle des Lichts. Man hörte die Lena Sperber seufzen und die Leoni« Hübsch tiefer atmen. Marianne hatte Angst und wagte kaum zu atmen. Doktor Wendel auf seinem Pult hängte den Kaps in den Strom des Lichtes. Es sah aus, als wolle er trinken. Die Gäste schwiegen, seufzten, fieberten oder waren gelassen und warteten der Dinge. Der Doktor stand immer noch auf dem Pult. Man sah seine hohe, schmal« Stirn ,und auf der Pultlehne die unruhigen, vergeistigten Hönde. Auf dem Diwan, der wie , Feuer flammte, lag Lola Lopez unbeweglich im taubengrauen Kleid. Ihr Gesicht schimmerte wie das einer Marmorstatue. Und dann wax es, als verasche das Kleid, es war, als würde das Mädchen von dem unbarmherzigen Licht entkleidet, es war, als läge sie nackt da. Aber das schien nur wenige Sekunden so, dann mar es, wie wenn das Licht in Lola eindringe, tief, immer tiefer, und als das Licht erlosch, stieg ein neues Leuchten empor. Es schien aus Lola zu quellen, aus dem roten Diwan zu brechen, aus dem Diwan, der nun w'e eine Bank aus einem phantastischen und un- aeheuren Rubin war. Doktor Wendel verließ das Pulk. Cr näherte sich der feurigen Bank, auf der Lola Lopez verklärt wurde. muslimische Kaiser Atbar, jedoch nur mit dem Erfolge, daß Verbrennungen von Witwen, bei denen Zwang verübt worden war, unterbleiben mußten. Sein Sohn bedrohte jeden, der eine Witwe überredete, mit dem Tode. Später nahmen jedoch die Witwenverbrennungen wieder ihre früheren Ausdehnungen an. Im 18. Jahrhundert wurden sie endlich von verschiedenen Marathenregierungen verboten. Die englische Regierung untersagte 1815 jede Witwenvcrbrennung, der irgendwelche Zwangs- inaßnahmen zugrunde lagen. Trotz allem stand in der Presidency Bengalen einer Zahl von 378 Opfern während 6 Monaten mr Jahr« 1815 eine solche von 839 Opfern im Jahre 1818 gegenüber. Daraufhin griff«in Inder in der von ihm gegründeten �Zeitung iese entsetzliche Sitte heftig an, und im Jahre 1329 verbot der Vizetönig von Indien, Lord Bentinek, noch Rücksprache mit den Priestern der Hindus, den indischen Militäroffizieren und dem sich sehr dafür einsetzenden Inder jede Art von Witwenoerbrennung. Trotz des Verbots ist das Los der Witwen auch heute noch traurig genug, da niemand eine Witwe heimführen wird. Bon ihren % Stammesgcnossen wird sie auch heut« noch verachtet-, so darf sie zum Beispiel nicht das Haus einer glücklichen Familie betreten. Schon im frühesten Kindesalter kann«in Hindumädchen zur Witwe, werden, da die Estern bereits bei Geburt der Kinder diese sürein- ander versprechen Stirbt der Knabe, so ist da» Mädchen zur Witwe gestempelt und es wird ihr nachgesagt, daß sie, für die bereits ein Mann vorausbestimmt war, eines solchen nicht wert sei, und die Götter daher den Knaben wieder zu sich gerufen hätten. Di« Hindus sind hiervon vollkommen überzeugt und behandeln natürlich das Mädchen als die am Tod« des Knaben AlleinsHuldig«. Laut Statistik gab«s 1927 in Indien 300 0Ö0 Witwen unter 15 Iahren. Hoffen wir, daß di« Lag« der Witwen im Laufe der Zeit auch in Indien besser wird. dl. X k m» ck. Copyright 1929 by„Der Bücherkreis G. m b. H." Berlin SW 61 Lola fühlte ein angenehmes Grausen, als sich der Mann näherte. Sie hatte die schwarzen Augen weit ausgerissen und starrte nach der mattschimmernden Decke des Zimmers. Der, junge Mensch mit der mondänenjölnsse, der Mister Guerra. erhob sich und wollte seine exzentrische Freundin besuchen, aber Lena Sperber, die vor- her laut„Ein Wunder" gerufen haste, hielt ihn zurück. Lena Sperber wußte, was sie tat. Sie war mit Doktor Wendel gut befreundet. Kein Laut war zu hören, nur die Atemzüge der Menschen in dem verdunkelten Raum hoben'und senkten sich und waren wie die Atemzüge eines einzigen großen Wesens. Doktor Wendel stand nun vor dem Diwan. Er hotte die Hände freigemocht und beugte sich über Lola Lopez. Man sah einen brutalen Nacken und starke, sehr behaarte Handgelenke. Um dos linke Gelenk log eine dünne, goldene Kette. Die Kette klirrte leise. Wendel starrte Lolo mip seinen beharrlichen Augen an. Sic konnte seinen Blick nicht ertragen und mußte ihre Augen schließen. Wendel strich ihr über die Schläfe, über die Stirn und über die Hüften, er berührte auch ihre kleine, spitze Brust und lähmte ihren Leib durch magnetische Kreise. Der feurige Diwan �verfärbte sich und wurde beinahe grau. Die kleine Goldkctk? klirrte vernehmlich. Lolo seufzte. Der Doktor ließ sie seufzen und befahl, sie solle di« Augen öffnen. Sic öffnete schwarze, strahlende Augen. Dann schlug«r über den offenen Augen okkulte Zeichen, die Lider schlössen sich, die Brust des Mädchens hob sich: das argentinische Fräulein seufzte noch emmal, aber es war ein seliges Seufzen. Lola war nicht mehr auf dieser Welt. Sie schwebt« unter den Sternen. Es waren aufgeklärte Menschen in diesem Raum. Unter ihnen gab es Männer, die von Hypnose und Beleuchtungstechnik aller- Hand verstanden, aber auch diese Männer oersvgtcn in der ent- scheidenden Minute. Sie versagten, als die Glocken klangen, als der Stern strahlte und sein Gefäß suchte, sein heiliges Gefäß, die unhcilige Lopez, die Männer versagten, als Lola auf dem Diwan lag und beinahe entkleidet wurde. Sie versagten, als der Diwan wie ein Rubin aufflammte und der Doktor seine magischen Zeichen schlug. Vielleicht gehörten diese Männer zu dem kleinen Kreis der Eingeweihten, die von den Sensationen hinter den okkullen Sitzun- gen wußten, und, wie die Lena Sperber, über den pompösen Tam- tam im Alabastersalon nur lächelten. Hinter dem Salon gab es �och einen Raum, der namenlos war, aber ganz gut Eden, Vor- Hölle, Paradies, Fegefeuer oder Eldorado hätte heißen können. Wendel stand noch immer vor der erstarrten Lopez. „Stehen Sie auf," befahl«r leise, stehen Sie auf, besuchen sie unsere Erde wieder." Sie erhob sich ohne Mühe und ging behutsam und wie aus Glas auf den blassen Jüngling Guerra zu, der angstvoll zurück- wich. Sie folgte ihm, und als sie ihre Hand auf seinen Arm legen wollte, befohl der tückische Doktor: „Basta. Genug. Zurück!" Sie kam behutsam zurück und blieb vor Wendel stehen. „Demut ist die erste Stufe zum Licht. Schritte zum Licht, das ist der Tanz. Tanzen Sie, Lola Lopez." Sie tanzte. Sie tanzte und blieb doch ,wie aus Glas dabei. Sie tanzte den Tanz der Demut, wie Lena Sperber leise verkündete, einen Tanz, der wie das ängstliche Flattern eines Bogels mit zerbrochenen Flügeln wirkte. Schön und tragisch war der Tanz und voll be- hutsamer Trauer. Dann klatschte Wendel in die Hände. Der rote Diwan erlosch. Jeder Schimmer Licht erlosch. Dunkelheit füllte den Raum aus. Aber dann stürzte wie ein Wasserfall, wie eine Springflut das Licht in das Zinimer, daß die Besucher zusammenzuckten. Lola schrie laut auf, stürzte und wäre gefallen, wenn Mister Guerra sie nicht aufgehalten hätte. Sic erwachte in seinen Armen und befreite sich resolut. Der Doktor war verschwunden. Der Alabastersalon war nun«in Raum wie es viele Räume im westlichen Berlin gibt, pompöse Gemächer, in denen junge Leute zusammen sind nach Sensation jagen. Das drückende Schwei- gen war zersprungen. Leoni« Hübsch lächelte Marianne an und Lcna Sperber lief auf Lola zu, die oerwirrt dastand und sich mit der Hand über die noch leise betäubte Stirn strich. „Es war fabelhaft!" sagt« die Sperber,„fabelhaft. Liebst--, wie Sie getanzt haben. Sie müssen in Berlin auftreten. Es wird eine Sensation. Fabelhaft, unerhört war der Tanz!" „Ich haben getanzt?" fragte Lola Lopez erstaunt.„Oh. ich haben eine schlechte Tanzbein!" Sie lachte ihr wohlklingendes Lachen.„Der Herr Doktor sein ein große Zauberer. Ich tanzen sonst niemals." � „Unerhört war der Tanz," behauptete Lena Sperber und fand bei den Umstehenden viel Beifall.„Darf ich Sie bald besuchen, Liebste?" fragte sie weiter,„Berlin bei Nacht: kennen Sie Berlin bei Nacht?" „Oh, ich will es gern kennenlernen, und wenn Sie wollen kommen aus Besuch, werde ich mich jreuen sehr," versicherte Lola Lopez.„Aber die Nacht soll nicht sein so mystisch wie heute. Ich will sehen eine Nacht von Fleisch und Blut!" Lena Sperber versprach, ihr eine Nacht mit Fleisch und Blut vorzuführen. Der kleine Guerra bekain ganz erschreckte Augen. als er von dem Plan hört«. Aber er fügte sich Lolas Launen. Lola kam auf Marianne zu. „Oh. Sie sein das hübsche Fräulein im Film." zwitscherte sie, „oh, ich fahre bald nach Paris, wann kann ich Sie sehen im Atelier? Oh nein, ich will machen keine Konkurrenz, ich will nur sehen den Betrieb in Berliner Glashaus. In Paris ist nicht viel los. Oh, es sein viel viel Betrieb in Hollywood!" Sie hatte nun die Betäubung ganz abgeschüttelt und stand fest auf der Erde. Sie hotte schon viele Filme gesehen, das kleine Spiel mit Marianne, das sie vor einigen Tagen sah, hotte ihr gefallen. Ein Star war das kleine Mädchen noch nicht, ober sie spielte leicht und unbeschwert und das war viel in dem schwer- blütigen Deutschland. „Nächste Woche wird bei uns gefilmt," antwortete Marianne. „lind wir werden uns"(jetzt spricht sie schon im Namen der Finna, dachte Lyssander)„wir werden uns freuen, Sie zu sehen, Herr Lyssonder wird das Vergnügen haben, Sie im Wagen pbzuholen." .Lyssander, der schönst« Mann in Germania. Ich habe ge- sehen eine gute Film mit Mister Lyssander in B'-enos Aires. Mister Lyssander sein so schön wie Romon Novarro." Sie lachte über diese Behauptung. Auch.Mariann: und Lyssander lachten. Dann verstummten die Gespräche. Das kleine Gelächter erstarb. Herr Professor Bleischwert, der Macher der Berliner okkulten Gesellschaften, erschien mit einigen feierlichen Herren. Auch Doktor Wendel tauchte plötzlich wieder auf und machte die Herr- schaften untereinander bekannt.(Fortsetzung folgt.) Rät seh Ecke des„Abend". aiiiiiiiiiiiiiiiiiiuimiiiiiiuiiiiii:iiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiuiuiiiiuusuuiiiiui:!iiuiiiiiiiiiiiuiuiiiiuiiouinmiiiiimHiimiiiinmiiniinifliiiniHuuiniiuiuiim Kreuzworträtsel. Waagerecht:! Stadt in Frankreich: 4�Ort im Erzgebirge: 7. Schwur: 8. Noturerzeugnis: 10. Bibl. Person: 12 Weibl. Vorname: 13. Fisch: 14. Teil des Auges: 13. Lotterieanteil: 16. Für immer verneinend: 17. Prophet: 18. Deut- scher Badeort: 20. Wurf» gerät: 22. Bergwiese: 23. Fluß in Thüringen: 24. Stammvater: 25. Zbitmesser: 26. Titel; 27 Himmelskörper.— Senkrecht: j. Weibl. Vorname: 2. Teil des Wagens: 3. Bekann- ter sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneteri 4 Weltanschauung: 5. Verstorbener Führer der Bergarbeiter: 6. Vogel: 11. Englische Bierart: 13 Nordische Gottheit: lO.Volksstamm: 19 Aussaat: 21 Vorschlag: 23. Bewohner Europas.«K. Silbenrätsel. Aus den Sllben a a ol chi det c ei ei el er flo fun gau gen gcr ha he i U in te kus la lap le li li li Ii Iii ling lo lu me ne ne ne nel ni no on on or pel punk ra rett rich rurg jar sen sen si spiel sus ta tai tenz ter ter ti ti tor tum u u wind ,ü find 27 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort ergeben,(ch am Ende ein Buchstabe.)— Die Wörter bedeuten: 1. Frucht: 2. Nebenfluß der Donau; 3 Schulklasse: 4. Hunderasse; 5. 5ierrjcher der Unter- weit: 6. Besitzung: 7. weiblicher Vorname: 8 Waffe: 9. Metall: 10. Rechnung: 11. Stadt in der Schweiz: 12. bekannter Kunst- flieger: 13. Iogdruf: 14. eßbarer Pilz; 15 Muse; 16. Zeichen- utensili«: 17. männlicher Vogel: 18. Blume; 19. Täuschung: 20. Spruch; 21. Schlachtort: 22. Fehler; 23. weiblicher Vorname; 24. Satzzeichen: 25. SpeZialarzt: 26. weiblicher Vorname; 27. W-r- belwind. 5üllrätsel. Rösselsprung. hop. Magisches Dreieck » Konsonant -- Franzosischer Artikel ... Teil des Rindermogens --.. Erquickung .... Stadt in Pommern (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) In dieses Rechteck sind die Buchstaben aaaachillmstuso einzusetzen, daß Worte von folgender Bedeutung ent« stehen: 1. Religiöse!Lertiefuna:2 Deutsche Stadt; 3 Weiblicher Vorname: 4 Insel im Europäischen Nordmeer. mp. Auflösung der[Rätsel aus voriger Nummer. Spiralenrätsel. Wagerecht: 2. Reh: 3. Teer: 5. Salem; 6. Natter: 8. Lemberg; 9. Gardosee; 11. Normandi«: 12. Norr- betten; 14. Einsiedelei: 15. Magnifizenz.— Senkrecht: 1. Ei: 2. Rot: 4. Meer: 5. Sudan: 7. Gerber; 8. Leipzig: 10. Elsriede; 11. Nebel- Horn: 13. Inspektion; 14. Eierschwamm. Füllrätsel: 1. Urban; 2. Kurve; 3. Sturz: 4. Namur. Diagonalrätsel: 1. Tell— Anna; 2. Partisane: Z. Masta» dont; l.Stammgast; 5. Anadne: 6. Petronius; 7. Dirginien; 8. Sar. dinien; 9. Tara— Aden.— Die Diagonal«: Tasmanien— Tarra» gona S i lb e n- K r e u z w o r t r ö t s« l. Waagerecht: 1. Angel; 2. Tropen: 4. Gehalt: 6. Delta: 8. Zeppelin: 9. Geweih: 11. Lotte; 12. Nachbar; 13. Tante; 14. Spaten: 16. Riege: 18. Obersee; 20. Enga- din: 21. Landwirtschast.— Senkrecht: 1. Anhast: 3. Pendel; 4 Gebirg«: 5. Appetst; 7. Tapete; 10. Weihnachten; 11. Lotterte; 14. Spanien; 15. Biber; 17. Gewerkschaft: 18. Odin; 19. Seeland. » Nr. 492 g| Sonnabend 46. Jahrgang Kl M. gv W l9. vhtober 1929 VKPMKSSUNgSANlNIM Messung zwischen Manendors und dem Zietener Berge, westlich Klein-Zieten. Ein besonders großer Festlegungspseiler unweit der Chaussee auf diesem Berge bezeichnet das Südende der über acht Kilometer langen, schnurgerade durch das damals vollkommen freie Gelände geführten Basis, die mehrfach mit alten Meß stangen und mit neuen Drähten aus wetterfestem Metall gemessen wurde. Bei dieser Gelegenheit waren auch die unterirdischen Festlegungsmarren der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts genau im Zuge der Mariendorf— Lichtenrader Chaussee gemessenen alten Berliner Grundlinie freigelegt worden. Durch ein Vergrößerungsneß wurde die Basis von 1908 weiter übertragen. Die Plattform des Rat- Hausturmes in Berlin mit ihren vier Eckpfeilern und die Bismarckwarte auf den Müggelbergen waren u. a. Stationen dieses Netzes. Unsere Abbildung trig. Messungen auf der Gröditzburg in Schlesien- vergegenwärtigt die Art solcher Arbeiten. So dick und fest der roic Rathausturm auch aussieht, die trig. Mesiungen auf ihm erforderten Vorsichtsmaßregeln, da er durch vorüberfahrende schwere Fahrzeuge leicht erschüttert wird. Und auch auf dem Müggelturm waren des Geschickes Mächte im Spiel, denn ein Sichtstrahl ging scharf an einer Steinmauer vor- über, und da es ein heißer Sommer war,-beeinträchtigte die vom Mauerwerk ausgestrahlte Hitze die Güte der Messungen. Aus dem Beispiel des Rathausturmes wird ersichtlich, daß die Großstadt selbst kein geeignetes Vermessungszentrum ist. Auch die mit unendlicher Sorgsalt in der Sternwarte eingemessenen Normal- Höhenmarke wurde nutzlos, da feine Anschluhniejsungen gar nicht aus dem Straßengewühl hinauszubringen waren. Als die Stern- ! warte unter der Spitzhacke dahinsank, hotte auch die Marke aus- gedient. Der neue Normal Höhenpunkt, ein Granitpseiler, steht an der Chaussee westlich von Hoppegarten. Ferner bietet sich dem Ausflügler, der nach Freienwalde fährt, in der Stille und Erhabenheit des dortigen Waldreviers der einzigartige Anblick einer Nivellements-Uebungs st recke neuester Zlrt dar. Wenn wir Blatt IV(F re i e n walde) des erwähnten Karten- wertes 1: SO 000 entfalten, finde» wir längs der Chaussee Freien- walde— Forsthaus Torgolow— Platzfelde vor und hinter Forsthaus 7 eine Reihe kleiner Kreise mit Höhenzahlen, die von 99,7 bis auf 144,6 Meter ansteigen. Dies sind Zlioellementspfeiler, deren Marke» mit außerordentlicher Genauigkeit unter Ausnutzung der festen Straßendecke eingewogen wurden. Von geologischer Seite ist gerade sener Berghang als unveränderlich begutachtet worden. Seine für norddeutsche Verhältnisse erhebliche Neigung schließlich macht ihn bc- sonders geeignet zum Prüfen der feinen Mvcllierungsgcräte und zum Einüben des Personals. So sehen wir in wenig über 100 Jahren die Vermessungskunst in und bei Berlin wiederholt ihre Formen ändern, ebenso wie sich ja auch olles ander« inzwischen geändert hat. Aus dröhnenden Straßen und rauchiger Luft find Trigonometcr wie Nivelleur hinaus in die Stille der Wald eck geflüchtet. Ihrem Beispiel solgt freudig und überzeugt auch der nicht von Mathematik und Geodäsie b»- schwcrte Berliner nach. Aber indem er hinauswandert, sollte et. etwas nicht vergessen, dessen peinliche Genauigkeit auf den Arbeiten jener beiden Fachleute beruht: die Reichskorte. Aegkriecl Boelclä, i In Ar. 480 vom 12. Oktober fanden unsere Leser eine Beschreibung des drahtlosen Selbstanschlusses, System Tefag—Ristow. Unsere heutigen Bilder zeigen dies interessante Gerät. Links der Weckruf allein: zwischen zwei Zeitrelais die Gleichstromröhre, darunter der Hilfskreis, zwischem diesem das Meßinstrument des Empfangsstromkreises und der Ausschalter, ferner Stromkreis, Pendel und Sicherungen. Das Gerät wird zwischen Kopfhörer oder Lautsprecher an den Empfänger angeschlossen. Das rechte Bild zeigt den Erfinder, Polizeihauptmann Ristow, neben dem mit dem drahtlosen Weckruf verbundenen Empfänger. Berlin als ♦ Wer heute durch Deutschland wandern will, kann für jede Gegend, die er aufzusuchen gedenkt, eine ausgezeichnet« Karte be- kommen, eine Karte, die ihn jede Einzelheit des Geländes erkennen läßt. Die meisten Benutzer einer solchen Karte betrachten ihren Besitz als eine Selbstverständlichkeit. Welche ungeheure Arbeit aber notwendig war, bevor diese treuen Berater und Führer in un- bekannten Gelände» ihre heutige Bollendung erreichen konnten, ist den wenigsten bekannt. Unsere amllichen Karten sind dos Ergebnis einer mehr als hundertjährigen Arbeit. Die einheitliche Vermessung Preußens ist erst nach den sogenannten Freiheitskriegen in Angriff genommen worden. Mit Feuereifer, aber ohne rechte Erfahrung, mit unvollkommenen Instrumenten, bei beschränktesten Geldmitteln brachten diese Arbeiten sahczehntelang nur spärliche Erfolge. Erst allmählich wurde Berlin zum Ausgangspunkt der geodätischen Berechnungen bestimmt, und da die alte Sternwarte vermöge ihres stark behinderten horizontalen Gesichtskreises nicht ohne weiteres als Zentralstanon geeignet war, wurde der Turm der Marienkirche zu den wichtigen Aus- gangsmessungen benutzt. Sie wurden in mühseligen Verfahren derart umgestaltet, daß sie als Sichten weiterverwendet werden konnten, die von der Sternwarte selbst ausgingen. Sind auch der Morienturm und andere damals ihrer Lage nach scharf bestimmte Kirchtürme noch erholten, so müssen doch die mit vieler Mühe gewonnenen Fest« punkte im freien Gelände als verloren gelten, da man sie gar nicht oder nur unzulänglich sicherte. Di« Arbeiten des Königsbcrger Astronomen Beßel und des preußischen, in Müggelheim bei Berlin geborenen Generals B a e y e r auf dem Gebiete der Landesaufnahme find hoch zu bewerten. Ende 1867 aber, als der ehemals hannoversche Hauptmann Schreiber in den Generolstab übernommen wurde, trat ein besonders bemerkenswerter Fortschritt ein. Schreiber verlegte den Ausgangspunkt für die geographischen Lagebestimmungen der Festpunkte des gesamten Staates vom Turme der Marienkirche nach dem Rauhen Berge bei Südende. Mit genialem Können und mathematischer Folgerichtigkeit rationalisierte und zentralisierte er die zersplitterten Arbeiten und unklaren Methoden. Er machte Berlin zum wahren Vermestungszentrum des Staates. Völlig neu war die Einführung eines Ausgongspunktes für die Höhen- b e st i m m u n g« n, der 37 Meter über dem Meeresspiegel im Plinthenmauerwerk der alten Sternwarte am Enkeplatz (Südend« der Charlottenstraße) angebracht wurde. Die Sternwarte Ist verschwunden, aber der Granitpfeiler aus der Kuppe des auch bereits angenagten Rauhen Berges war, wenigstens vor zwei Jahren noch, an Ort und Stelle. Di« noch jetzt angewendete Art der Festlegung aller trigono- metrischen Punkte durch eine tief in den Boden vcrsenkte Granit- platte mit Kreuz und einen darauf stehenden Vierkant» pfeiler, der um Handbreite hervorragt, wurde 18S6 für die wichtigeren, 1866 für alle Festpunkte eingeführt und unter gesctz- lichen Schutz gestellt. Meist auf den Kuppen hoher Berge kann man solche Pseiler mit Hilf« der oncklichen Karte finden, da in ihr die trigonometrischen Geländepunktc durch je ein kleines Dreieck mit Höhenzahl nachgewiesen sind. Für Berlin wird die gegebene Aus- flugs- und Wanderkarte durch das in zwölf farbigen Blättern vom Rcichsamt für Landesaufnahme herausgebrachte Kartenwerk 1: 60 000 verkörpert. Jeder Berliner sollte sich diese Karte auf seine Wanderung mitnehmen. Sie zeigt ihm nicht nur den richtigen Weg und, bei Berücksichtigung des Maßstabes(eine' Fingerbreite gleich 1 Kilometer gleich 12—16 Minuten), die erforderliche Zeit an. sie macht auch durch allerlei klein« Zeichen, wie z. B. die erwähnten Dreiecke auf beachtenswerte Dinge aufmerksam. So weist si« z. L. trig. Punkte auf dem Gr. Entenfänger. undKleinenRavens- Berg bei Potsdam, auf dem Südostausläufer der Müggel- berge und am Reiherberg bei Tegelort nach. Wir müssen uns denken daß sich dort überall einst bis über die Wipfel der Kiefern hinaus lustige aber feste Holzgerüste erhoben, von denen aus der Trigonometer dir Winkel nach Kirchtürmen oder anderen Signalen maß. Die neuesten Vermessungen dieser Art geschahen 1908 und in den folgenden Jahren im Anschluß an die Grundlinien- Die deutsche Kistenindusirie. Unter den Großverbrauchern von Holz steht die Kistenindustrie in vorderster Reihe. Der normal« Bedarf ast Rundholz beläust sich hier jährlich auf nahezu Wi Millionen Kubikmeter: er entspricht ungefähr einem Drittel des gesamten jährlichen Rundnutz- holz-Ansallcs des Staates Bayern, der— auf Eisenbahnwagen verladen— eine Zuglänge v o» F r c i b u r g i. Br. bis Leipzig ergeben würde. Die regelmäßige Produktion der beut- schen Kistenindustrie kann mit rund 90 bis 100 Millionen Mark, das in ihr investierte Anlage- und Betriebskapital mit rund 102 Mil- lionen Mark beziffert werden. Man erkennt, daß die deutsche Kistenindustrie Anspruch erheben darf, als ein wichtiger Faktor im deutschen Wirtschaftsleben zu gelten. Nmurgemäß ballt sich die Kistenbranche in den waldreichen Gegenden des Deutschen Reiches dichter zusammen, so im Erzgebirge, im Harz, im Thüringer Wald, Odenwald und Schworzwald sowie in Teilen Bayerns. Hingegen ist der holzreiche Osten wenig mit Kistenindustrie besetzt. Mit den immer wachsenden Ansprüchen der Kistenoerbraucher an die Güte der Verpackung steigen zwangsläufig auch die Anforderungen, die von den Kistenerzeugern an das Kistenholz selbst gestellt werden. Was man nach früher üblichem Brauch als„Kistenbrctter" anzu- sprechen pflegte, erscheint heute für solche Zwecke oft keineswegs mehr ausreicheich. Man oerlangt von der Kiste, daß sie bei größter Materialersparnis, also bei geringstem Gewicht, hinreichend fest und gegebenenfalls auch dicht ist, um ihren Inhalt vor Schäden aller Art zu schützen. Neuerdings beginnt sich die S p e r r h o l z k i st e Eingang zu verschaffen, die mit geringem Gewicht graße Haltbarkeit und gefälliges Aussehen verbindet und bisher im wesentlichen zum Transport hochwertiger Ware benutzt wird. Die Haltbarkeit einer 4 Millimeter starken Sperrholzplatte ist der eines 13 Millimeter starken Dollholzbrcttes gleichzustellen. Für die Verwendung in«r- halb tropischer Gebiete eignet sich die Sperrholzkiste besonders gut, weil sie die in ihr verpackten Stoffe besonders gut konserviert. Weltingcnieurtagung in Tokio. Am 29. Oktober wird in Tokio eine grpße Weltingenieur : a g u n g beginnen und zugleich eine Teiltagung der W e l t k r a f t- � > o n f e r e n z ihren Anfang nehmen, deren nächste Vollsitzung im Juni nächsten Jahres in Berlin stattfinden wird. Mit diesen bedeutsamen tcchnisch-wissenschaftlichen Veranstaltungen treten Japan bzw. der Ferne Osten zum erstenmal als Gastgeber auf, um der ganzen Welt die ungeheuren technischen Fortschritte zu zeigen, die hier in den letzten Jahrzehnten gemacht worden sind. Träger der Tagung ist der japanische Jngenieurverband. Auf Grund der vor- liegenden Anmeldungen ist mit über tausend Teilnehmern zu rechnen An der Spitze der ausländischen Tagungsbesuchcr steht Zl m e r i k a mit 133 Teilnehmern� es folgen Großbritannien mit 53, China mit 46, Deutschland mit 32, D ä n c m e r k mit 13, Schweben mit 11 und Rußland mit 10 Teilnehmern. Zur Weltingcnieurtagung sind nicht weniger als 800 Beiträge, davon 48 aus Deutschland, für die Weltkrastteiltagung 120 Beiträge, davon 10 aus Deutschland, angemeldet worden. Di« Veranstaltungen in Tokio werden sich keineswegs nur auf eigentliche wissenschaftliche Sitzungen beschränken, sondern bringen auch eine große Reihe von Besichtigungsreisen und dergleichen. Im Laufe von etwa drei Wochen werden die Teilnehmer so ziemlich ganz Japan durchreisen; die chinesische Regierung hat die Teilnehmer eingeladen, China zu besuchen. Sieker im Sportpalast: Wieder Lehmann-Wissel 1 Um es vorweg zu sogen: auch gestern setzten sich die jungen berliner Nachwuchssahrer Wissel und Lehmann auf dem 1Ä)-Meter-Oval des Sportpalastes durch, standen ihren Mann im jagdenreichen 1 i) 0- K i l o in c t e r- M a n n s ch a f t s r c» n e n. rru'.ren in den Spurts auf dem Posten und dursten dasiir als Sieger wohlverdienten Beifall einheimse»! Hart verfolgt wurden sie von M i e t h e- H ü r t g e n, die im Ergebnis den zweiien Platz er- hielten und nur einen Punkt hinter Lehmann-Wissel zurückst rnden. Fuhr Miethe nicht gleichmäßig stark, so war sein Portner Hürtgen gestern aus der Höhe, ging stark durch und holte, was zu holen war. Ehrenvolle dritte wurden T i e tz- T o n a n i. die sich nicht abschütteln ließen. W a u t« r s- V e r m a» d e l beschlossen als vierte die Spitzengruppe. Schade, daß Wauters in Verrnandel nicht einen gleich starken Partner fand. Er wäre dann bestimmt weiter vorn zu finden gewesen. Das gleiche kann man von Kroschel sagen, der für so lange Rennen in Ehrner bestimnit keine Unterstützung finden kann und eine Runde zurück den sechsten Platz belegt«. Auch Louet-Mouton und Ehoury-Fabre gingen neben Wette-Nickel mit Rundenverlust von der Bahn. Di« restlichen Paare lagen zwei und drei Runden zurück. Krüger-Funda wurden durch«inen Sturz kampfunfähig. Oer Verlaut des Kampfes. In der ersten Stunde gab es Borstoß auf Vorstoß. Immer wieder versuchten einzelne Fahrer wie Wauters, Tonani, Dorn, Wissel und Fundn vom Feld loszukommen, doch umsonst die Mühe! -11,570 Kilometer war das Stundenergcbnis. Die erste Veränderung gab es, als etwa beim 5». Kilometer Miethe davonging. Tonani nahni sofort das Hinterrad des Deutschen. Zu de» Aus- rcißern stießen dann sofort noch Wissel und Wauters. Schnell holten die vier Mannschdften Platz auf, überrundeten zunächst Buse-D.ihms und ließe» nach und nach alle Paare hinter sich. Nur Krüger-Funda konnten sich retten und ebenfalls zur Spitzengruppe aufschließen. Nach dem 6». Kilometer versuchte auch Kroschel sein Glück, trat stark an und oermochte seine Nerlustninde wieder gut zu machen. Lange jedoch sollte die aus sechs Mannschaften bc- stehende Spitzengruppe nicht zusammenbleiben. Wauters fing an zu wühlen und setzte sich mit Tietz nach rundenlangem Kampf cllcin an die Spitze. Kleinere Plänkeleien ließen im Felde keine Ruh« aufkommen. Irgendwann tonnten die um zwei Runden zurück- liegenden Louet-Mouton mühelos eine Runde aufholen. Ein gut angelegter Vorstoß Hürtgens fand Infolge eines Sturzes der Mann- fchaft Krüger-Funda keinen Erfolg. Das Rennen wurde für kurze Zeit neutralisiert. Nach zwei Stunden waren 8211» Kilometer be- deckt. Dann zogen noch einmal Miethe und Wissel los; kämpften zäh um Boden und konnten zur Spitz« aufschließen. Hier entbrannte nun der Kampf um die Punkte, den, wie erwähnt, Lehmann-Wissel knapp für sich entschieden. Lad zuerst die Flieger! Eingeleitet wurde der Abend mit einem internationalen F l i e g e r k a m p f, der mit Ehmer(Deutschland), Tonani(Italien) und Louet(Frankreich) besetzt war. Im ersten Lauf trafen sich Ehmer und Tonani. Ehmer schien den Sieg in der Tasche zu habe», als er nach der Glocke zu Fall kam, so daß Tonani leicht vorbeigehen konnte. Den zweiten Lauf gewann der Italiener sicher gegen L'ouet. Damit hatte Tonani das Rennen gewonnen. Den zweiten Platz ließ sich Ehmer jedoch nicht nehmen, indem er im dritten Lauf Louet überlegen das Nachsehen gab. Cr fuhr die letzte in tsi: 1, die teste Zeit in diesem Fliegerkampf. Ergebnisse:. U. Seh. IW-lKUmciet-ahuHartfMna; t. Lebmann-Wissel 2:2z:«i,8, 36 PunN«: 2.»UrjB«n.a»irtSe 25 6. Tsn-M-Tie«, 30 68.: 4. WaiNers-Bermandel 8 nnc Rund« jttrUif: Shmer-Nrosch«! 10: 6.(fhoucn-ftobtc 10; 7. Wetic- .»(fei fi; 8 ioitet-iBifviilon 5;.(wei Runden suriirf: 0. Magill ski-Kantoeo. ' J m j): kt. Busk-Dahms 0: drei Aund-u jiirüd; ? Punkte.— �liearrkampf, 1. Lauf: S'onani. Edni.-r «,INIr»t: 2. Laut:-tonani. Louet Reiie,. stärke::>. Lauf: Slimcr. Lduet l Länac. G e> a m t e ra eb u> o: I.?o„ani 4 P.: 2. Estmcr 5 P.: 3. Luet 2 Punkte. — Ma!l»Aaft>,.Vers,loun«»,cn».»: Auslaud tgabre, Wauters. Permandel. u ,0' Ron!»») ftiNoak Deutschland tKrlln-r,?orii, Wissel, Tie». Miethe, Iber 10 Runde» um 70 Meter. Eggs Shmdenrekord in Gefahr. Der bekannte italienisch« Straßenfahrcr Alfredo B i n d a hat es sich zum Ziel gesetzt, den W e l t r e k o r d im Radfahren ohne Schritt- macher über eine Stund« zu verbessern, und alle Anzeichen sprechen dafür, daß ihm der große Wurf gelingen wird. Rekord- Halter ist der Schweizer Oskar Egg, t-er am 18. Juni 1011 auf der Pariser Buffalobahn 44,247 Kilometer in einer Stunde hinter sich brachte. Zwei Versuche Bindas sind bereits fehlgeschlagen, aber er ist willens, neue Angriff« zu unternehmen. Bei seinem letzten Versuch am II. Oktober auf der Mailänder Simplonbahn kam er init einer Leistung von 13,777 Kilometer bis auf 570 Meter an die Eggsch«'•Welthöchstleistung heran, und dabei harte«r noch einen Defekt zu beheben, der ihn 22 Sekunden kostete. EgiJ, der sich vor einigen Jahren vom aktiven Sport zurückgezogen und in Paris ein Fahrrradgefchäft eröffnet hat, ist von Bindas Leistung begeistert(!). Er erklärte, daß seine Prämie von 10 000 Franken für den Fahrer, der den Rekord schlägt, noch bis zum 30. Oktober 1!>2v ausgesetzt bleibt. 8port am Sonntag Di« Arbeiterrudervereine C o l l e g i a und Butab fahren am morgige» Sonntag zum letztenmal in dieser Saison gemeinsam auf der Havel. Nach dem Abfahren findet ein geselliges Beisammensein Hirn Boothans des Rudervereins Collegia, Tiefwerder bei Spandau, Töefwerderweg 29, statt.— Die besonders im Herbst gern durch- geführten Waldläufe veranlassen die Arbeitersportler, am Sonn- tag solche lcichtathletischen Uebungen in Trebbin und vom Spree- restaurant S a d o w a aus durchzuführen. In Sadowa ist der Start der ersten Gruppen aus 13 Uhr festgesetzt. Als letzte groß« Flachrennprüfung kommt auf der Grüne- Waldbahn das mit 11 OOO' Mark ausgestattete Gladiotorenrennen zur Entscheidung.— Am Montag wartet Mariendorf mit einer Trabrennoeranstoltung auf, di« um 17 Uhr beginnt.— Der Berliner Sportpalast bringt morgen, Sonntag, einen volkstümlichen Box- kampfabend, bei dem«ine Reihe internationaler Berufsboxer kämpfen werden. Beginn 20 Uhr. ... und am 5onnadend. Die Ortsgruppe Groß-Berlin des Arbeiterrad- und Kraftfahrer- bundes Solidarität feiert heut«, Sonnabend, im Saalbau Friedrichshain ihr 2Sjähriges Bestehen. Alle Partei- und Gewerk- schaftsgenossen sind freundlichst eingeladen— Das 7 Stiftungsfest begeht der Bezirk Südosten der Freien Turnerschaft Groß- Berlin ebenfalls heute im Gewerkschaftshaus, Engelufer 21/25. Musikvorträge und Tanz, gymnastische und turnerische Vorführungen der Männer, Frauen und Kinder stehen auf dem Programm.— Der Frauen- und Iugendausschuß der Freien Turnerschaft Groß- Berlin veranstaltet heut«, Sonnabend, in Haoerlands Festsölen, Neue Friedrich- Ecke Rochstraße einen Volkstanzabend, auf dem Tänze„ans der guten alten Zeit" gezeigt werden. Soimtags-Boxen im Sporipalast. Der Sportpalast veranstaltet morgen. San n�.a g, 20 Uhr, einen volkstümlichen Boxkampfabend, bei dem ein inter- nationales Programm abgewickelt wird. Die Reihenfolge der Darbietungen leitet das Treffen der Halb- schwergewichtler Gerhard de Barbieux(Belgien) und Emil K o s k a(Eleiwitz) über 6 Runden ein. Das zweite Paar, Fritz E n s e l und Walter Peter, bestreitet den einzigen nationalen Kampf des Abends. Ensel ist der schnittigere der beiden, Peter hat einen etwas klobigeren Stil, aber das Ende ist ungewiß. Vor der Pause gehen der Belgier Loms Saerens und Erwin Zinn- darf an den Start. Auf beiden Seiten ist genug erlesenes Rüst- zeug vorhanden, um das Duell scharf zu machen. Im nächsten Kamps repräsentieren die Mittelgewichtsklasse, der schweizerische Meister Charles K r ä u ch i und der Meisterschaftsanwärter Walter C u n o w, zwei gut durchgebildete Techniker, die einen ausgeglichenen Kampf bieten werden. Der Schwergewichtsklasse ist der letzte Kampf des abwechslungsreichen Abends vorbehalten. Maurice G r i s e l l e, sicher einer der ernstesten Titelkandidaten in Frankreich, und Schönrath, die Hoffnung im deutschen Schwergewicht, sind die Gegner. Ein ungemein hartes Match mit vollkommen ungewissem Ausgang steht bevor. Griselle hat 33, Schönrath 9 Kämpfe hinter sich. Ob die bessere Ringersahrung des Franzosen den Sieg ent- scheiden wird, ist eine Frage, deren Beantwortung dem Kampf selbst vorbehalten bleibt. s Arbeiter �Artisten« Der baBdettreue ArbcUer-AihlelenverelBj.EiaidkeU" veranitaUei morgen, Soaatatf, la der„Neuen Welt" eine Werbeveraastaltaad- Friedmann, der Arbeitersportler, Lafjt mit dem Gabel das Piccken sein. Einer der eifrigsten Förderer und Gönner des kommunistischen Sportladens war der jetzt verfchütt gegangene Stadtrat und Stadt- verordnete G ä b e l. In immer wiederholten Artikeln hat er in der kommunistischen Presse di« Tätigkeit der Sozialdemokratie und ihre kommunale Sportpolitik heruntergerissen. Er war der Urheber jener verlogenen Rechenkünste, wonach die Arbeitersportler mit Zu- stimmung der Sozialdemokraten aus den städtischen Beihilfen nur 20 000 Mark, die bürgerlichen Verein« aber mehr als dos Dreifache erhalten hätten und weiter erhalten sollten. Dabei hatten sein« eigenen Parteifreunde im Stadtamt für Leibesübungen dem Verteilungsplan von 50 zu 50 Proz. zugestimmt. Nun Hot auch diesen Hauptschuldigen am Sklarek-Skandal sein Schicksal ereilt. Dieser Gäbe! wird nicht mehr picken, aber die Behandlung der Sklarek- affäre, an der die KPD. durch die Rote Hilfe sogar als Partei bc- teiligt ist, beweist, daß es ihr auch in Zukunft an geeigetci� Leuten nicht fehlen wird. Da ist zum Beispiel der F r i e d m a n n. Dielleicht ist«s für die KPD. ein Glück, daß die Firma„Bergmann u. Friedmann, Eier engros", rechtzeitig Pleite gemacht hat, diese Geschäfl-verbindunz hätte sonst gewiß auch manches Erbauliche zutage gefördert. Der über den Friedniann geworfene Schleier wird jetzt von der Oppositionszeitfchrift„Gegen den Strom" ein wenig gelüstet. Es handelt sich um einen Ungarn namens Heidu, der es im Kriege sogar zum Offizier gebracht hat. trotz seiner mosaischen Religion. Er ist nach der, ungarischen Revolution nach Berlin gekommen und hat hier allerlei dunkle Geschäfte betrieben. Eines dieser Geschäft« bestand in dem Handel mit rumänischen Eiern. Er betrieb es gemeinsam mit dem vr. meck. Bergmann und hat diesen um sein Vermögen gebracht. Wegen dieser und ähnlicher Geschäfte ist gegen Friedmann-Heidu ein Versahren bei der Partei anhängig gemacht worden, dos aber nicht durchgeführt wird. Der Mann kann eben nicht entbehrt werden. Seit längerer Zeit ist dieser linientreue Proletarier Agent einer aus- l ä n d i s ch e n H ä u j« r s p e k u t a t i o n s g e s e l l s ch o f t und ver- dient dabei schweres Geld. Mit eigenen, Auto jagt er im Lande herum und korrumpiert die Arbeitcrsportbewegung. Der Mann ist eine der übelsten Erscheinungen des Raffketyps. Ganz hervorragend ist seine Korporalsgrobheit, mit der er jeden zu bluffen sucht, der ihm nicht gefügig sein will. Mi« dieser Grobheit paart sich ober ein« infantil« Feigheit, wenn er einen mutigen Gegner findet. Der Mann paßt zum heutigen Kurs der KPD., das sstht jeder, Müller und Domgörgea„schwimmen". LI« beiden Kölner Meffterboxer Hein Müller und H«in Domgörgen haben in Begleitung des Managers Roehl ihre schon seit langem geplante Amerikareis« in die Tat umgesetzt und mit dem Dampfer .Bremen" die Ueb«rfahrt noch New York angetreten, wo sie an, 22. Oktober eintreffen sollen. Aller Voraussicht nach werden beide in der zweiten Novemberhälste in Chikago ihre ersten Kämpfe be- streiten. Freier Fußballverein Reukölln I 2S. Der Verein sticht zu morgen. Sonntaq für«in Spiel aus seinem eigenen Platz einen Gegner für die 3 Momrschast. Telephonische Angebote unter F, 2, Neukölln 9772, heut«, Sonnabend, von 2016 bis 22 Uhr erbeten. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege. Bezirk Neukölln. Die Sozialistische Arbeiterjugend Neukölln veranstaltet morgen. Sonntag, im Saalbau. Neukölln, Bergstraße 117, einen Film- abend.(£s werden gespielt: ,/Die Brtider",„Rote Falken' ui»d „Dom Bau am neuen Staat". Einlaß 1911 Uhr, Beginn 20 Uhr. Eintritt 50 Pf. Die Genossen werden gebeten, sich an dieser Ver- anstaltung rege zu beteiligen. Boltstanzkreis Brenzlauer Berg. Der Kreis geht morgen. Sonntag, auf Fahrt. Trefspunkt Sonntag. 8 Uhr. Bahnhof Gesund- brunnen, Eingang Badstraße. Fahrgeld sür Jugendliche einschlietz- sich Kaffee und Kuchen 1 M. Gäste herzlich willkommen. Ruderverein vorwärts. Berlin. Die Besichtigung des Flug- Hafens findet morgen, Sonntaq vormittag, statt. Trestpunkt 10 Uhr vor dem Haupteingang Fiughafenstraße, Tempelhofer Feld. SVD.-Sportler. Bezirk Lichtenberg. Montag. 21. Oktober, 20 Uhr, bei Wegner, Frankfurter Allee 235. Sitzung aller Partei- genöffischen Sportler. Die Einzelsahrer im 1. kreis beabsichtigen im Winter Handball als Ergänzungssport zu spielen. Donnerstag, 21. Oktober, 20 Uhr, findet daher im Restaurant zur Sonnenuhr. Am Oberbaum 3. eine Sitzung statt, zu der alle Handballinteresfenten der Einzelfahrer ein- geladen sind. Die Misilc der Arbeitersportler. Hohle Baumstämme und hohle Schilsstengel, das watei, Trom- mel und Flöte der Urzeit. Di« Marschtromniel und di« Marschflöte der Jetztzeit sind-und bleiben primitiv trotz jahrhundertelanger Bc- Nutzung. Roch heut« sind die Trommler- nnd Pfeiferzüge von allen Berufs- und sonstigen Musikern über die Achsel angesehen: zu primitiv, zu weit abseits jeder klangsrohcn nnd instrumental viel- seitig ziisaminengesetzten Musik. Und doch, Trommel und Flöte haben sich ihren Platz eroberi! Wo findet man heute noch eine Beranstalinng im Arbeitersport, ja. in der gesamten Arbeiterbewegung, bei dcr nicht auch Spiel- in a n n s z ü g e mitwirken. Wie gesagt, so ist es nicht nur im Arbeitersport, von hier aus nahm es nur seinen Ansang. Bei allen Beranstaltungen i», Freien, bei allen Parteien und sonstige» Orga- nisationen— Spielmannszüge an der Spitze! Wie das kam? Sehr einfach! Es ist wie init dem Ei des Kolumbus. Einer— und dos war hier der Arbeiler-Turn- und Sportbund— hatte den Gedanken, und wenn es klappt, dann machen es die anderen nach. Im September 1920 fand zum erstenmal eine Ausomtnenkunft aller im 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sporlbundes bestehenden Vereinsspiclmannszüge in Berlin-Reinickendorf am Schäfers«« statt. Dort war es, wo der Grundstein zum heutigen„B u n de s k o r p s" gelegt wurde. Das Gesetz des einheitlichen Spielens, das Zusammen- legen aller einzelnen Spielmannszüge bei größeren Veranstaltungen und nicht zuletzt das Notenlernen wurde hier geschossen. Den Ham- burger Spielerr» aber war es vorbehalten, als erstes Gemeinschosts- torps auf die Straße zu gehen. Ihnen gebührt der Ruhm, als erste im Massenkorps auf die Straß« gegangen zu fein. „Massenkorps"! Das ist es, was den Spielmannszügen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes das Gepräge gibt. Einheit, geübt in freiwilliger Unterordnung, eiserner Fleiß im Erlernen der nicht ganz leichten Märsche des Bundes aus den Bundesnoten- büchern. dos ist der Erfolg einer jetzt neunjährigen Tätigkeit. Eigene Märsche haben die Spielleute sich geschaffen, sie sind zu Komponisten geworden. Auf- ihren primitiven Instrumenten, der Flöte und Trom- mel. Huben sie sich, allerdings unter Zuhllfenahme von großem Schlagzeug, Lyra Signalhorn, Musikabteilungen herangebildet. die in der Lage sind, sogar Konzerte zu geben. Der Beweis ist in Nürnberg vor über 3000 Zuhörern erbracht worden. Doch das Hauptmerkmal dcr Spielmannsbewegung sind die M o j s c n z ü g e. So war zuerst beim Bundesfest in Leipzig 1922 das Austreten dcr Hamburger mit 220 Mann und das des 1. Kreises mit 70 Mann zu oerzeichnen. Im Jahre 1923 aber kamen schon 1050 Spiellenre anläßlich der'Austragung der leichtathletischen Blnidesmeisterschaftcn im Stadion Grunewald zusammen. Sie bcwicscn. daß trotz aller gegnerischen Behauptiingen das Spielen in großen Massen »läglich ist, wenn ein Wille da ist. Im Jahre 1925, anläßlich des„Internationalen Olympia" in Frankfurt am Main, traten«ast 2000 Spielleut« aus dem ganzen Reiche zum gemeinschaftlichen Spielen zusammen. Hier war es auch, wo von einem„Fachmann auf dem Gebiete der Musik" gesagt wurde, daß es einfach unmöglich fei, daß Leute, die aus dem Rheinland, aus Schwaben, Baden, Hessen, Ostpreußen, Brandenburg usw. zusammenkommen, die nie- mals zusammen geübt hätten, ja die sich überhaupt noch nie gesehen haben, nach einem einzigen Dirigenten gemeinschaftlich zusammen spielen könnten. Nun, der Beweis wurde erbracht, und der„Fachmann" war nachher nicht mehr zu sehen. Dos gewaltigste Austreten eines„Bundeskörps" aber geschah bei der Einweihung der Bundesschule in Leipzig vor zwei Iahren. Es hatten sich noch einem wohlgelungencn Slcrnmarsch zum Auguftusplotz über 10 00 Spiclleute dort versammelt. Und auch hier mußten nach dem Auftreten dieses Ri-senkörpers die Zweifler schweigen. Beim zweiten Bundesfest in Nürnberg in diesem Jahre sind etwa 3800 angetreten. Alle wuroen nur von einein einzigen Mann dirigiert, i�nd dos ist es, was wir beweisen wollen: Einheitlichkeit im Wollen, und wenn es not- wendig wird— im Können! Jeder Einsichtige wird natürlich darüber Im klaren sein, daß das nicht etwa Musik im streng künstlerischen Sinne ist. Aber die Wucht und der Rhythmus eines vieltausendfachen Trommelschlages und Flötenklanges wird di« Zuhörer in ihren Bann ziehen, wird sie mitreißen, wird ihnen einhämmern: Vercinzel: sind wir nichts, vereint alles! Robert Oehlschläger,