BERLIN Mittag 21. Sktober 1929 10 Pf. 7lr. 494 B 246 46. Lahrgang «Tf* eint taglift anterSfBBtag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf.»r» Woche.»,S0M. vro Monat. Redaktion und Lxpedition; Berlin SW 68, LindeuKr. 8 ü* »B>etgen»reis! Di« einspaltige Nonpareillezeil« Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. ßscheekkonto: Dorwätts-Derlag S. m. d. H.. Berlin Nr. A75Z6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Huaenber 93000 statt 430 000 bei der Fürstenabfindung. Oer erste Gintragungssonntag. Am Sonnabend zeichneten sich in Verlin 14 27? Personen ein. da» bedeutet im vergleich zu den Eiuzeichnungen an den Vortagen einen weiteren Rückgang an Einzeichnungen. Am Sonnlag nahmen die Slnzeichnungen zu. aber es zeichneten sich nur 25 834 Personen ein. Da» ist im Vergleich zu den srühereu Volksbegehren eine geradezu katastrophale Ziffer. Vei dem Volksbegehren gegen die Fürsteoabsinduug hatten sich in den ersten süns Tagen 4Zb 534 Personen eingetragen(am erste« Sonntag allein 164 952), bei dem kommunistischen pauzerkreuzerbegehren wurden rund 75 000 (Sonntag rund 37 000) Eintragungen gezählt. Die hugenberger haben e» in diesen gleichen fünf Tagen erftauf93 829 Stimmen gebracht! » In den einzelnen Berliner Bezirken gestalteten sich die Einzeichnungen an den beiden letzten Tagen solgendemmtzen: Dortmund. 21. Oktober.(Eigenbericht.) In D 0 r t m u.n d befanden sich bei einer Gcsamteinwohner- zahl von 455 550 Einwohnern am Sonntag abend erst 404 Namen in den Eintragungslisten für das chugeirbsrg-Begehren. In Barop, einer große» Borortgemeinde Dortmunds, mit vor- wiegender Arbeiterbcvölkerung, ist für d,s Volksbegehren bisher nicht eine einzige Stimmeneinzeichnung erfolgt. Gegen das Lnflationsbegehren. Breslau, 21. Oktober.(Eigenbericht.) In einer von der Sozialdemokratischen Partei veranstalteten Versammlung im Zirkus Busch sprachen am Sonntag Bürgermeister Mache und Parteisekretär Krum gegen Landesverrat und neue Inflation. Der weite, fast 0000 Personen fassende Raum war bereits zu Beginn überfüllt, so daß die Polizei Absperrungen vornehmen mußte. An einer Parallel- Versammlung nahmen trotz des Regens noch über 1000 Per- fönen teil. (Staaisgerichishof soll entscheiden. Dienstag Termin über den Hugenberg-Antrag. Leipzig. 21. Dktober. In der verfassuugKrechtlichen Streitsache der deutschnationalen Fraktion im Preußischen Landtag gegen das Land Preußen wegen des Verbots der Teilnahme der Beamten am Volksbegehren hat der Reichsgerichtspräfident als Vorsitzender des Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich mündliche Verhandlung über den Antrag aus Crrlaß einer einstweiligen Verfügung und eventuell zur Hauptsache auf Dienstag, den 2'Z. Oktober, um tOK Uhr vormittags anberaumt. Der sraazosischc kommunistische parteivorskand schloß am Sonn- tag den Bürgermeister von Elichq. der kommunistischen Hochburg vor den Toren von Paris, und 15 Mitglieder des kommunistischen Gemeinderates aus der Organisation aus. e.mdrszvng jur Volksbegehren »Oos nenn' ich mir natipnal-christliche Leute: die stören wenigstens unsere Sonntagsruhe nicht.* Linksruck im Senat. Paris. 21. Oktober.(Elgenberlchl.) Die am Sonntag stallgefundenen Seualswahlen haben eine» aufsehenerregenden Sieg der Linksparteien ergeben, der von allen Blättern, mit Ausnahme der reaktionären, in seiner Bedeutung voll gewürdigt wird. Die 98 vakant gewordenen Senatssihe verteilen sich nach den Ergebnissen der Stichwahlen aus die einzelnen Parteien wie folgt: Republikanische Union (Rechter Flügel der Kammer) 18 Sitze(6 Verluste), Demo- lralisch radikalc Union(Mittelpariei) 8 Sitze(2 Gewinne), Repu- blikanlsche Linke(Millesparlei) 6 Sitze(unverändert), Demo- kratische Linke(Senolsfraklion der radikalen Partei 59 Sitze (3 Gewinne). Soziali ften 3 Sitze(l Gewinn). Es haben somit die Rechtsparteien nicht weniger als sechs Sitze eingebüßt, von denen drei den Radikalen, einer den Sozialisten und zwei den Millelparleien zugute kommen. An den Einzelergebnissen ist bemerkenswert die Wiederwahl gleich im ersten Wahlgang des Senolspräsidenlen D 0 u m e r und des Finanzministers E h e r r 0 n. während der Minister für die Pensionen. Ankeriot, nach heftigem Kampf im dritten Wahlgang seinem radikalen Gegenkandidalen unterlag. Aussehenerregende Riederlagen erliilen ebenso der gewesene Finanzminister Marcelle sowie der Bürgermeister von Marseille. Der auionomistische Kandidat Abbe hägy unterlag nach erbiileriem Kamps gegen seinen katholischen Gegenkandidalen Dr. Pfleger, der mit hilse der sozialisti- schen Stimmen im drillen wahlgang den Sieg erringen konnte. Oer Parteitag der Ausgeschlossenen Konferenz der Nendler-Opposiiion. Weimar, 21. Oktober.(Eigenbericht.) Am Sonnabend und Sonntag tagte hier die Rcichskonfe- r e n z der kommunistischen Brandler-Opposition. Ver- treten waren die kommunistischen Oppositionsrichtungen der Tscheche- slowakci, Oesterreichs, Amerikas und Norwegens. In seiner Eröffnungsrede führte B r a n d l c r aus, die Opposition sei aus die arbeiterfeindlichen Beschlüsse des vierten Kongresses der roten Elcwerkschafts-International« zurückzuführen. Der Einsluß der KPD. in den Gewerkschaften sei inzwischen auf einen nie da- gewesenen Tiefstand gesunken. An Stelle von Partei- disziplin sei Kadavergehorsam und übler Cliquenkampf getreten. Die Berliner Ergebnisse zeigten am besten, wie not- wendig die Säuberung der KPD. von der Korruption sei. Aus den Reihen der ausländischen Delegierten verdienen die Erklärungen des Tschechen festgehalten zu werden, wonach die tschechische Sozialdemokratie bei den bevorstehenden Wahlen einen großen Zuwa chs erhalten werde. Der Vertreter der kommunistischen Bewegung in Elsaß-Lothringen stellte ses� daß die französische Kommunistische Partei inzwischen zu einer Sekte geworden sei. Von ihren 27 000 Mit- gliedern in der Blüteperiode besitze sie heute höchstens noch 3000 bis 10 000. Der kommunistische Gewerkschastsbund habe in letzter Zeit «bensalls annähernd 100 000 Mitglieder verloren. Aus dem organisatorischen Bericht mar zu entnehmen, daß die Brandler-Gruppe augenblicklich 5 00 0 ausgeschlossene Kam- munisten umfaßt. Im Anschluß an diesen Bericht sprach der Führer der Breslauer Brandleriancr zu dem Volksbegehren, das selbstverständlich abzulehnen sei. Daß sich der Faschismus so weit vorwagen könne, liege zum großen Teil an der fehlerhaften Politik der KPD. Dies« Partei führe keinen politischen Kamps gegen den Faschismus und reduziere die Bekämpfung der faschistischen Gefahr auf die Organisation eigener Banden. Ihre Losung«schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft", schaffe erst die psycho- logische Voraussetzung für den Faschismus und diene so seiner Stärkung. Notwendig sei, mit der Fraktionsarbeit in der» Gewerkschaften und anderen Massenorganisationen wieder zu be- ginnen. Die Sank der Parteikämpfe innerhalb der KPD. zer- schlagenen Fraktionen mühten wieder ausgebaut werden. In der Diskussion zeigte ein Berliner Oppositioneller an Hand der Rohrl«gcrorgai,isotion die Unfähigkeit der Kommunisten zur Führung gewerkschaftlicher Kämpfe. Der thüringische Landtags- abgeordnete Titel erklärte, davon überzeugt zu seiu, daß die sozialdemokratischen Arbeiter den Kampf gegen den Faschismus führen werdcn. Im übrigen zeigte die Diskussion, daß der Zersetzungeprozeß innerhalb der Opposition ebenfalls Fortschritte macht. In seinem Hauptreserat befaßte sich Brandler mit dem Vcr- höltnis zu der offiziellen kommunistischen Richtui»g. Ausgangspunkt erfolgreicher kommunistischer Arbeit in Westeuropa sei die Los- sagung von der russischen Borherpschaft in der Kommunistischen Internationale. Die Opposition sei sich bewußt, daß zwischen der Sozialdemokratie und der Kam- munistischen Partei keine dritte politische Rich- tung möglich wäre. Die Opposition erkläre ebenso klar, daß sie für Kompromisse und Bündnisse mit der Sozialdemo- tratie sei. In der Diskussion gab Thalheimer der Hoffnung auf die Eroberung der Kommunistischen Partei Ausdruck, während H a u s e n- Breslau— wenn auch äußerst vorsichtig— die Proklamierung einer neuen Partei forderte. Afghanische Königssitten. Habibullah ließ Amanullahs Bruder und Eiiesbruter umbringen. London, 21. Oktober. Eine grausige Entdeckung wurde in der Zitadelle von, Kabul, in die sich der frühere Machthaber von Kabul, 5)abibullo, während der letzten Tage vor seiner Herrschast geflüchtet hatte, durch die Truppen des neuen afghanischen Königs Nadir Khan gemocht. Wie der Korrespondent des«Daily Telegraph" mitteilt, sind in einem ver- ichlossenen Raum der Zitadelle die Leichen von sechs Afghanen ge- funden worden, die außerordentlich v e r st ü m m e l t waren. Es ist bisher gelungen, drei Leichen zu rdcntisizicren. Es handelt sich danach um einen Bruder und einen Halbbruder des früheren Königs Amanullah, sowie um den früheren Gouverneur von Kandahar, Muhamed Usman, der in Afghaniston großen Ein- sluß besaß. Die drei übrigen Leichen tonnten bisher noch nicht identifiziert werden. Anscheinend handelt es sich um einen R a ch e- a k t Habibullahs vor seiner Flucht aus der Zitadelle. keine Gehaltskürzung in Japan. Das Kabinett hat die beab- sichtigte Kürzung der Beamtcngehälter wegen der geschlossenen Ab- .wehrsrout aller Staatsangestellten aufgegeben. Mit 169 Personen in der Lust. Rekordleistung des Großflugschiffes Do X Altenrhein, 21. Oktober. Das Grohflugschiff Do. X ist entgegen der gestern gc� äußerten Absicht der Dornier-Werke. eine stabile Wetter- läge für den Rekordflug abzuwarten, heute vormittag I1,lS Uhr, die augenblhkliche Aufklärung ausnützend. überraschend gestartet. An Bord befinden sich IZO � l u g g n st e und 19 Mann Besatzung. Nach fast einstündigem Flug landet Do. X um 17,07 Uhr vor der Werst Zlllenrhein. Es wurde der ganze Bodensee in der Runde beflogen. Rohrschach, Abon, Kreutzlingen, Konstanz, Meersburg, AridrichsHafen, Lindau, Bregenz.. Wit dieser Leistung hat Do. X alle bisherigen Rekorde in der Beförderung von Personen durck) die Luft gebrochen. Die Motoren wurden in kurzer Zeit angelassen und um 11.15 Uhr erhob sich unter großer Begeisterung der Mitfliegenden und Zuschauer das majestätische Flugschifs mit einer bisher noch nie in der Geschichte der Luftfahrt beförderten Personenzahl von 19 Mann Besatzung tmd 150 Passagieren in die Luft. In sicherem Fluge zog das neueste Wunderwerk der Technik seine Kreise über dem Bodensee, der vom Sonnenglanz überstrahlt wurde. Nach längerem Fluge, der unter dem Kommando des Dornier-Chef- pilöten Wagner und des Flugkapitäns Merz von der Lufthansa erfolgt«, wurde wieder aus das Wasser heruntergegangen. Der Bootskörper setzte glatt aus dem See auf, so daß die Landung von den Passagieren kaum gespürt wurde. Die zahlreichen Teilnehmer waren von dem Fluge überaus befriedigt, bestmders die große Zahl der mitfliegenden Werkangehörigen, die an dieser letzten Schöpsung Dr. Dorniers mitgearbeitet haben. Es zeigt« sich, daß das Flugschiff„Do. X* seine Belastungsprobe glänzend de- standen hat. Räuber in der Ll-Aahn. lle�erfott auf die Gtationskasse Eopkie-Charlotte-PIah. Durch das umsichtige Herhalten einer Fahrkarlenvcr- äuserin wurde in der vergangenen Rachl ein räuberischer Plan auf. die S t a k i o n s k a s s e der U-Bahn am Sophie- Charlotle-Plah in Eharlotlenburg vereitelt. Die Täter hallen einen Wächter gefesselt und bedroht und versucht, die Schalterbeamtin aus ihrem Raum herauszulocken. Das Mädchen schöpfte aber Herdacht und gab Alarmzeichen. Die Täter flüchteten daraus ohne Beute und entkamen. Der 59 Jahre alte Wächter R. Kain hatte in der Nacht auf dem Ilntergrundbahnhof Dienst. Gegen 3 Uhr befand er sich gerade in einer dunklen Ecke, als er plötzlich von drei Männern gepackt wurde. Cr hat sie nicht kommen hören, sie trugen alle wahrscheinlich Schuhe mit Gummisohlen. Sie schleppten ihn zu einer Bank und fesselten seinen Oberkörper an die Lehne. Durch Bedrohungen mit Schuß- waffen zwangen sie ihn, sich ruhig zu verhalten. Während zwei Männer bei ihm stehen blieben, ging der dritte nach dem Fahrkarten- schalter und klopfte an. Der Verkäuferin, der 23 Jahre alten Mar- garete Janke, rief er durch die Tür zu:„Fräulein, Sie möchten ans Telephon kommen." Die Verkäuserin, die Nachtwache hatte und wußte, daß alles bereits gesperrt war, schöpfte sofort Verdacht, um so mehr, als sich in ihrem Raum ein Fernsprecher befindet. Sie weigerte sich herauszukommen, sah durchs Schlüsselloch und erblickte vor der Tür einen breitschultrigen Mann, der eine Schirm- mütz« und einen blauen Sweater trug. Er war ihr unbekannt und sie setzte jetzt die Alarmglocke in Bewegung. Der Rufer lief jetzt zu leinen Komplicen zurück und alle drei verschwanden so schnell wie sie gekommen waren. Dem Wächter gelang es, sich ,zu befreien. In- zwischen war das Ueberfallkommando erschienen, aber von den Räubern war keine Gpur mehr zu finden. Wie sie entschlüpft sind, hat sich noch nicht feststellen lassen. Eingestiegen sind sie wahr- scheinlich durch einen Notausgang, der sich vor dem Hause Kaiser- dämm 40 befindet. Hier war das Schutzgitter auf dem Bürgersteig mit Gewalt ausgerissen. Wie der Wächter bekundet, sagte der eine der Täter, der bei ibm stehen blieb, er habe cben erst 5 Jahre„abgemacht" und brauche Geld. Seiner Ausdrucksweifc nach schien er ein Bayer zu sein. Llm die Freiheit der Meere. England gibt Ourchsuchungsrecht auf— Amerika liefert Angreifer nichts. London, 21. Oktober. Der Sonderkorrespondent der„Sunday Times" in Ottawa meldet, Präsident hoover und Macdonald hofften, daß noch vor Ende des Zahres, also noch, vor der Fünfmächtekonferenz, die alte Streitfrage über die Rechte der kriegführenden oder die Freiheit der Meere zwischen beiden Ländern geregelt sein wird. Es handle sich um eine Formel, die besagen würde, daß Großbritannien auf das Recht der Durchsuchung neutraler Schisse verzichtet, und daß die vereinigten Staaten sich verpflichten, einem angreisenden Staat keine Waren zu liefern, wobei allerdings Washington allein darüber zu entscheiden hätte, ob der Staat der Angreiser ist. (£hma vor neuem Ltmsturz. Die Regirrungstruppen zurückgeschlagen. Peking, 21. Oktober. u chinesische kriegsminislerium teilt mit, daß nach 27stün. . gtin Kampfe zwischen den Truppen Tschiangkaischeks und denen Iengs die Regierungstruppen gezwungen waren. Tschangtschau, das zwischen hankau und Tientsin liegt, zu räumen. Tschangtschau wurde am Sonnabend von den Truppen Fengs beseht. Die chl- nesischen Reglerungstruppen haben mit der Räumung h a n- k a n s begonnen. Leipari außer Gefahr. Das Befinden des Genossen TheodorLeipart hat sich jetzt erfreulicherweise so weit gebessert, daß keine unmittelbar« Lebensgefahr mehr besteht.— V�ie der behandelnde Arzt, Professor Pribrom mn dem Hildegard-Krankenhaus, mitteilt, dürfte die völlig: Wiedciherstellung d�s Patienten, vorausgesetzt, daß K o m p-l i k a t i o n e n nicht hinzutreten, bej dem Aller L«iparts längere Zeit in Anspruch nehmen. Berliner Notar geflüchtet. Abschiedsbriefe nach eingestandenen Unterschlagungen. Seit einigen Tagen ist der Rechtsanwall und Notar Dr. Siegsried Aron. Kaiser-Wilhelm- Slraße 46, mit seiner Frau aus Berlin verschwunden. Nach hinterlossenen Briefen trägt sich Dr. Aron mit der Absicht, sich außerhalb Berlin» das Leben zu nehmen; Am Sonnabenabend wurde bei d»r Staatsanwaltschaft A n- zeige erstattet, daß sich Dr. Aron nach eigenem Geständnis größerer Ualerschlogungen im Amte und außerhalb seiner Praxis schuldig gemacht Hobe. Die Höhe der Veruntreuungen steht noch nicht fest, ebensowenig, in welcher Richtung sie sich bewegen. Dr. Aron hatte sein großes Bureau, das 7 Räume umfaßt und in dem 8 Angestellte tätig sind, im zweiten Stock des Hauses Kaiser-Wilhelm- Straße 46. Seit zwei Jahren unterhielt er eine Burcaugemein- schast mit dem Rechtsanwalt am Kammergericht Dr. B a d r i a n. Dr. Vadrian betreibt seine Zioilpraxis. Er hat den Notar nur selten im Bureau gesehen, zum letztenmal am Freitag, dem 11. Ok- tober. Die Tätigkeit des Dr. Aron war vielseitig, er war Straf- verteidig«?, Notar und bearbeitete außerdem Fäll« der freiwilligen Gerichtsbarkeit wie Pflegschaften und Bormundfchaften. Am oer- gangenen Mittwoch übergab Dr. Aron feiner Schwester, die in seinem Bureau auch tätig ist, einen größeren Brief mit der Weisung, ihn am Sonnabend zu öffnen, falls er bis dahin nicht zu- rückkomme. Dieser Brief enihieit außer dem Geständnis der Verfehlungen Abfchledsworte. Aehnliche Abschiedsbrief« hat der Notar auch an Bekannte gerichtet. Im Einverständnis mit der Staatsanwaltschaft wurden die Bureau- räume einer kurzen Durchsuchung unterzogen und hierauf vorläufig versiegelt. Dr. Aron bewohnte eine Mietsvilla in der Humboldt- st r a ß e 3 3 im Grunewald. Mit seiner Frau lebte er in glück- licher, kinderloser Ehe. Er galt allgemein als sehr solide, noble Passionen waren bei ihm nicht bekannt, er trieb auch keinen gesell- schaftlichen Aufwand. Ob Dr. Aron mit der Uebergabe des Briefes und der Weisung, ihn erst am Sonnabend zu öffnen, sich einen Bor- sprung zur Flucht sichern wollte, erscheint fraglich. Man neigt viel- mehr zu der Ansicht, daß er in der Tat Selbstmord außerhalb Berlins verüben will. Nach einer Aeußerung wollte er Breslau aufsuchen: dort ist er aber, wie Nachfragen ergeben haben, nicht aufgetaucht. Di« Untersuchung erstreckt sich nunmehr auf die Fragen, w i e hoch die Unterschlagungen sind, in welcher Richtung sie sich bewegen und zu welchen Zwecken Dr. Aron das Geld ver- wendet hat.' Es scheint, daß er sich in Börsengeschäfte ein- gelassen hat, die unglücklich verlaufen sind. Die von der Krimi- nalpolizei bisher vernommenen Zeugen konnten zur Klärung der Angelegenheit nichts beitragen. Wer irgendwelche Auskünfte, auch über den Aufenthalt des Ehepaares geben kann, wird ersucht, sich an die Staotsonwaltschast oder an die Kriminalpolizei, Abteilung IV, Dienststelle 3, in der Georgenkirchstraße 30z, zu wenden. Millionenverluste. Wie wir erfahren, hat Rechtsanwalt Dr. Aron vor seiner Ab- reise auch ein Schreiben an Rechtsanwalt Dr.. Alsberg gerichtei, in dem er ihn bittet, seine Vertretung zu übernehmen. In diesem Schreiben gibt Dr. Aron die höhe seiner verbiudlichkeiken selbst aus 2 Millionen Mark an und erklärt, daß er in eine sehr erhebliche Verschuldung gekommen sei durch das Vor- gehen eines Agenten S. Peiser, der früher bei dem Bankgeschäft Niedlich in Berlin tätig war. Diese Geschäfte wurden in den Jahren 1925 bis 1926 getötigt, als die Bankfirma Gebr. Niedlich hoch im alleinigen Besitz eines Fabrikanten Dinglinger aus Schmalkalden war. Durch Vermittlung des Aquisiteurs Peiser, dem nebenbei in mehreren Gerichtsverhand- lungen der 8 51 zugebilligt worden ist und der zirka 28mal den Offenbarungseid geleistet hat, erklärte sich Dr. Aron bereit, d«� Bankfirma Lombardgelder zu geben, für die er gegen öOprozeniigs Deckung Effekten bekam. Dr. Aron räumte auch Peiser das Ver- fügungsrecht über sein Konto ein, und als die Geschäste äußerst verlustreich wurden, wurde diese Vollmacht widerrufen. Es entwickelten sich dann ein« Reche von Zivilprozessen, die schließlich im Jahr« 1927 bis 1928 zu einem Vergleich führten, der für die Firma, aber auch anscheinend für Dr. Aron recht verlustreich war. Der jetzige Inhaber des Bankhauses Gebr. Niedlich, Iakobi, legt Wert auf die Feststellung, daß dies« Transaktionen vor der Uebernahme der Bankfirma durch ihn erfolgt sind. Gefaßte Wechselfälscher. Eine Wechselaffäre, die bis zu einem gewisien Grade durch die Festnahme des Houptbeteiligten geklärt ist, beschäftigt seit August d. I. die Kriminalpolizei. In diesem Monat tauchten in Bertin Gerücht« auf, daß von dem Fuhrunternehmen Georg Schulz aus Weißens«« Wechsel in ilmlauf seien, die eine Höh« von rund 250 000 Mark erreichen sollten. Da aber festgestellt wurde, daß die Firma überhaupt keine Wechsel dusgibt, so konnte es sich nur um Fälschungen handeln. Nach und nach wurden auch die Leuic bekannt, die sich mit den� Fälschungen befaßt hoben mußten: es wurden bei ihnen aber keine Wechsel gefunden. Jetzt sind alle Beteiligten, soweit man bisher übersehen kann, f e st g e- n o m m e n. Als Hauptläter kommt ein 47 Jabre alter Kaufmann Emanuel Mischnajewsty in Betracht, der seit 6 Jahren wegen Hochstapelei und Wechsel- und Scheckbetruges von der Krimi- nalpolizei gesucht wird. Ins Rollen kam die Zlngclcgenheit dadurch, daß im August ein schwedischer Kaufmann bei einer Berliner Bant einen Wechsel, der angeblich von der Firma Schulz ausgestellt war, diskontieren lassen wollte. Er hatte ihn von Löwenthal erhalten. Dieser hotte ihm erzählt, daß ein Ingenieur Döschwinkler ein neues Kranpatent an die Firma Schulz verkauft Hab«. Er habe in bar 250 000 Mark und die gleiche Summe in Wechseln erhalten. Di« Wechsel wolle er nun zu Geld machen. Als die Bank durchblicken ließ, daß sie bei der Firma anfragen werde, st r ä u b t e sich Löwentihal mit der Begründung, daß es der Firma peinlich sein würde, da sie die Ab- ficht habe, die ausnahmsweise ausgestellten Wechsel selbst einzulösen Das Geschäft zerschlug sich jetzt. Döschwinkler war in Wirklich- k e i t niemond anders als Mischnojewsky. Bei einem zweiten ahn. lichen Versuch wurden Heeringen und Löwenthal sestgenommen. S'e be st ritten, die Fälscher zu sein und behaupteten, daß Angc- stellte der Schulzeschen Firma ihre Hand im Spieft haben müßten. Das taten sie nur, um die ganze Sache noch verwirrter zu machen. In der Nacht zu Sonntag wurden nun in der Uhlandstraße Mischna- jewsky und Hohenstein ebensalls festgenommen. Em« Dur'- suchung der Wohnung des Mischnajewsky am Präger Platz erpa'i wichtiges Bcweismaterial. Hier fand man die gc- fälschten Firmeiistempeh die zur Herstellui� der Wechsel beb» u worden waren. Sie klagen über Terror... und üben ihn selbst, wo sie können! Arnswalde, 21. Oktober.(Eigenbericht.) In der vergangenen Woche berichteten wir über den Aufruf des Landbundes im Kreise Arnswalde, in dem offen zur gesell- schaftlichen und dadurch natürlich auch zur wirtschaftlichen Zlechtung aller derer ausgefordert wurde, die sich an dem Hugenbergschen Volksbegehren nicht beteiligen. Wie wir erfahren, ist von repnbli- konischer Seit« aus gegen den für den Aufruf Verantwortlichen, den Gutsbesitzer Freiherrn v. Bothmer, Anzeige bei der Statsanwalr- schast wegen Nötigung erstattet worden. In den Städten und namentlich in den Dörfern der märkischen Kreise Landsberg. Friedeberg. Arnswalde und Königsberg beherrscht die Reaktion das Feld. Auf dem Lande besteht für die Sozial- demokrati« fast leine Möglichkeit, an den Landarbeiter propagandistisch heranzukommen, da der Druck, der von den Gutsbesitzern mit ihren Inspektoren und Verwaltern ausgeübt wird, zu stark ist. Aus den Gütern der Neumark sind fast nlle knechte freiwillig oder unfreiwillig Mitglieder des Stahlhelms. Bekennt sich der eine oder andere zum freigewcrkfchaftlichen Landarbeiteroerband, so hat er die Aussicht, wie es beispielsweise mehreren sozialistisch eingestellten Mitgliedern landwirtschaftlicher Betriebsräte ergangen ist, herausgeschmissen zu werden, und für sich und seine Familie Arbeit und Brot zu verlieren. Führt er eine arbeits- gerichtliche Entscheidung herbei und erhält wegen unberechtigter Entlassung.durch den Arbeitgeber Recht, so zahlt der Gutsbesitzer den vom Gericht erkannten Lohnrückstand, die Entlassung bleibt bestehen und der Arbeitnehmer kommt auf eine Art ungeschrieben« „schwarze Liste": Spricht er auf irgendeinem Gute der Umgegend um Arbeit vor, so fragt man ihn:„Wo waren Sie vorher be- schäftigt?" Dann genügt«in« telephonische Rückfrage, und mit Sicherheit erfolgt dle Antwort an den Arbeitsuchenden:„Wir haben leider keine Beschäftigung für Sie!" Diese Zustände führen erklär« licherweis« dazu, daß auf den Gütern sich zahlreiche Arbeiter in die Lssten für das Volksbegehren aus Sorge um das tägliche Brot gegen bessere Ueberzeugung eintragen, um nicht das Wohlwollen des Gutsherrn und feiner Angestellten und damit ihre Beschäftigung und ihren Arbeitslohn zu verlieren. Der Terror auf dem Lande geht soweit, daß Funktionäre und Anhänger der Sozialdemokratie offen erklären: „Flugblaltverteilung auf dem Lande ist für uns eine lebensgefährliche Angelegenheit." Aeußerlich merkt man von der Propaganda für dvs Volks- begehren hier sehr wenig. Beim Friseur oder beim Gastwirt sieht man wenig« Flugblätter für oder wider. Aber die Einwirkung ist um so inicnsiver: Stahlhelm und Landbund lasten wie ein Albbruck aus dfesen Kreisen, selbst in Dörfern, in denen sozial- demokratische Vertrauensleute vorhanden sind, bleiben die Ver- fammlungsräume bei Kundgebungen unserer Partei leer, weil der Arbeiter sich sagt, daß der Gutsherx den Daumen auf dem Geidfock hat: er kann ihn lüften oder zuhalten, je noch Wunsch. Hat man in den Landstädten Gelegenheit, allein m i t Gewerbetreibenden zu sprechen, so wird im allgemeinen die Ansicht vertreten, daß dieses Volksbegehren ein Wahnsinn ist. Trotzdem hat sich der Gewerbetreibende eingezeichnet, weil er wirt- schastlich vom flachen Land und vom Grundbesitz abhängig ist. Der Ortsvorsitzende vom„Stahlhelm" in Arnswalde, ein Reichsbeamter. Oberpostsekretär seines Zeichens, hat sich ostentativ in die Liste des Volksbegehrens«ingetragen. In der Dienststelle für die Eintragung zum Volksbegehren liegt in Arnswalde Izleichzeitig die Wählerlist« für die Kommunalwahlen vom 17. November aus. Einer Frau von soundso, die nachfragt«, ob ihr Ztame in der Wahllist« für den 17. November stände, wurde von dem Beamten bedeutet:„Und wie ist es hier mit der Eintragung in die Liste für das Volks- begehren." Drei ruhmvotte Orte. Oer Patriotismus ist nach Riemiehke geflohen. Die Deutschen sind ein unpolitisches Volk— sie vermögen die Weisheit der �Hugenberg-Politik nicht einzusehen, deshalb bleiben sie in hellen Scharen von der Eintragung in die Hugenberg-Lifte weg. Der Prozentsatz der Landesverräter im deutschen Volke ist er- schreckend groß— er wird sich so um die 90 Proz. herum bewegen Namentlich im Westen, und vor allem im befreiten Gc- biete wohnen nur Landesverräter, die sich über den Abzug der Besatzung freuen. Das wahre Deutschtum und der politische Sinn sind nach Hinter pommern geflüchtet, und so liest man in der„P o m- merschen Tagespost": „Die ersten Ergebnisse des Volksbegehrens aus dem Land- kreise« t o l p liegen vor. Ihnen ist zu entnehmen, daß man uberall auf dem Land« sich der Tragweite des Volks- begehre ii s bewußt und nicht gewillt ist, das deutsche � 0 � au� Jahrzehnte hindurch versklaven zu lassen. Nicht weniger als drei Ortschaften haben sich bereits geschlossen in die Liste eingezeichnet. Die Namen dieser Or'e, die besonders genannt zu werden oerdienen, sind: L« s n i e, Niemietzte und Srünhagen. In Lesnfe, Niemietzte und Grünhagen hat man also Herrn Hugenberg verstanden? Herrn Hugenberg nicht— aber dt« Herren Gutsbesitzer und ihr« unverhohlenen Drohungen. Woraus hervorgeht, daß der wahre Hugenbergsche Patriotismus nur dort zu Hause ist,' wo er mit Stockprügeln auf den Magen eingeblout wird. L e s n! c, Niemietzte und G r ü.n h a g e n— diese Sieg« müssen die Jnslationsbegehrer über die grandios« Riederlag« am deutschen Rhejn hinwegtrösten. Kundgebungen im Regen. Schwache Beteiligung. Aber wüste Schlägereien. Der Reichsausschuß für das Volksbegehren Halle am Sonnlagmiliag seine Anhänger nach dem Luslgarleu zu- sammengerusen. Die Ralionalsozialisten prunkten zur gleichen Zelt im Berliner Sportpalast mit einem 4. Rlärkertag. Bei beiden Veranstaltungen ist es zu Zusammenstößen gekommen. Der Polizei gelang es in allen Fällen, die Unruhestifter auseinanderzutreiben oder sestzunehmen. Im Lustgarten war die Beteiligung kläglich. Bor der Museumstreppe sammelten sich etwa 900 bis 1000 Demonstranten. Stqhlhelm hatte nicht mehr als etwa 300 Uniformierte aufgeboten, die vor der Museumstreppe Aufstellung nahmen. Vom ganzen Lustgarten war nur. der Platz vor dem Museum bis zum Denkmal besetzt, vor dem Dom und rund um das Schloß war alles leer. Die Einheitsfront der Nationalsozialisten und des Stahlhelms scheint auch schon wieder durchbrochen zu sein. Die Nationalsozialisten ließen die Stahlhelmredner zunächst nicht zu Worte kommen, sie brüllten fortgesetzt:„Deutschland erwachs, Juda verreder Die Stahlhelmer antworteten mit ihrem Feldgeschrei. Nachdem endlich Ruhe ein- getreten war, sprachen Major o. Stefani. der deutschnationale Land- tagsabgeordnet« Steinhoff und ein deutschnationaler„Arbeiterführer'. Die Polizei hatte die Straßen rings um den Lustgarten durch stark« Postenketten gesichert und alle Demonstranten, die Stöcke trugen, zurückgewiesen. Hierbei kam es schon zu einigen Fest- 3)08£ocorno des Jltiantih. 1?'" rpn n Ofc 3)er englische tTlMHerpräsideni TTtardonald und der amerikanische Siaaispräsldenl Stooner. stellungen. Nach Schluß der Kundgebung oersuchte ein Trupp Stahl- helmer sich in der Straße Unter den Linden zu sammeln und geschlossen weiterzumarschieren. Die Polizei griff energisch zu, verhastete einige Demonstranten und trieb die anderen mit dem Gummiknüppel aus- einander. Auch in der Kleinen Präsidenten-, Charlotten- und Leip- ziger Straße mußten mehrfach Zusammenrottungen der Stahl- helmer auseinandergetrieben werden. Die Kundgebung der Nationalsozialisten im Sport- palast wies stärker« Beteiligung auf, weil die Nationalsozialisten aus dem ganzen Reich ihre Anhänger zusammengezogen hatten. Die Veranstaltung zog sich bis in die späten Nochmittagsstunden hin. Auch beim Abmarsch dieser Demonstranten kam es mehrfach zu Zu- sammenstößen. Die Hakenkreuzler durchzogen die Straßen, pöbelten in bekannter Manier Passanten an und schlugen auf sie ein. Ein größerer Trupp Nationalsozialisten zog vom Sportpalast zur Bülow- stroße, durchrannte dort die Polizeikette und stürmte bis zur Pots- damer Brück« vor. Do» der Potsdamer Brücke liefen die National- sozialisten dann am Schöneberger Ufer entlang und wollten durch die Linkstraße das Gebiet der Bannmeile durchbrechen. Die Polizei konnte auch hier wieder schnell genug ausreichende Kräfte zum Pots- damer Platz entsenden. Dort wurden die Nationalsozialisten mit dem Gummiknüppel auseinandergetrieben. Die Kommuni st en dursten bei den Zusammenstößen selbst- verständlich nicht fehlen, sie veranstalleten in einzelnen Bezirken, so auf dem Reutcrplatz in Neukölln, Kundgebungen. Die Polizei griff energisch durch, als auch hier eine Reibe Teilnehmer, mit Stöcken bewaffnet, erschien. Die Polizei nahm insgesamt 121 Zwangsgestellungen vor, und zwar 98 rechtsstehender Organi- sationen, 20 Kommunisten und 3, deren Parteizugehörigkeit sich nicht feststellen ließ. Nationalsozialisttscher Terror. Am Sonnabend waren Nationalsoziali st en auf dem Grundstück der Reichsbannerwassersportabteilung In Köpenick, Wendenschloß st r. 1, zerbrochen Schilder und beklebten Türen und Zäune mit Plakaten für das Volksbegehren. Am Sonntagabend, als zehn Mitglieder der Reichsbannerruderriegc die Straßenbahn bestiegen, wurden sie mit Schimpfworten wie„Reichsbannerstrolche' begrüßt. Ein Kamerad wurde vom fahrenden Wagen herunter. gestoßen mit dem Bemerken, daß siir Reichsbannerstrolche kein Platz sei. Der Straßenbahnwagen wurde durch das alarmierte Ueberfall- kommando zum Halten gebracht. Morgenfeier der Arbeitersänger. Im Saolbau Friedrichshain veranstaltet« der De u t s ch e Ardeitersängerbund Gau Berlin Bezirk 9 am Sonn- tagvormlttag seine Bezirtsmorgenfeier. Ein Massenaufgebot von Sängern und Zuhörern füllte Bühis« und Saal bis auf den letzten Platz. Schön und stimmungsvoll klangen die Bolksgesäng« aus alter und neuer Zeit. Launig« Weisen von Liebes Freud und Leid von Silcher, Donati und Schumann, lyrische Tonmalereien von Schubert ldi« Nacht, Grab und Monds und dann die Leber unserer Tag«. Schönlanlz Sonnenhyynis, LenH-üs Glockmlied, das Arbeiterlied von Pringsheim und Vanzetlis sehnsüchtiger Freiheirsrus. Die Ge- schichte emes Volkes, die Geschichte«iner Menschheit liegt in den tief« empfundenen Worten, die stärksten Widerhall in den Herzen fanden. Karl KrauS:„Die Llnüberwindlichen" Volksbühne. Kommt Karl Kraus von Wen noch Berlin, dann gerät«ins an- sehnlich« Gesellschaft kluger Leute in Aufregung. Sie haben seine „Fackel' gelesen, aus her Dreck und Schwefel auf Korruption und Borniertheit prasieln. Kraus will die Uebelstände in Politik. Moral und Literatur mit einem Radikalismus verpulvern, der den» Bürger mächtig in die Krone steigt. Er will nicht nach abgekarteter und abgestempelter Parteitendenz fchreiben. Er zerplatzt vor Be- sessenheit. Sein« Pamphlete wirken wie Gistmedizinen. Di« einen erbrechen sich, die anderen sind begeistert. Das Drama„Die Unüberwindlichen' ist natürlich kein gewöhn- iiches Theaterstück nach Regeln und Berechnung, sondern eine Kunst- gattung für sich und auch besonders von der Dauer des ungekürzten „Rheingold". Im Juli 1928 zünden die Wiener ihren Iuftizpalast an. Das tat, sagen die einen, die rotte Rott«: das tat, schreien die anderen, ein verzweifeltes Dolk. Kraus will beweisen, wer es tat: in Wien blüht Bartasiy, der Revolverjournalist und Erpresser,' der Heraus- geber der„Pfeif«', ein Kerl mit Zuchthausantezedentien. Steckt ihn die Polizei ins Loch? O nein! Der Polizeipräsident liebkost ihn mit Einerseits und Andererseils. Einerseits hat die Polizei Angst vor Barkassy, weil sie Dreck am Stecken ku>t. und tuscht. Andererseits braucht sie ihn, damit Barkassy kuscht und den Dreck nicht umrührt. Stinkt die Sache zu gemein, dann schiebt die Polizei ihren Liebling über die Grenz«. Auf jeden Fall wird beiderseitig geschoben, bei Polizei und Preßstrolchen. Barcus. der Herausgeber des„Pfeils", der den Kon- turrenten von der„Pfeife" umbringen will, ist ehrlich. Er wird des- halb von der Polizei als ein Schlemihl behandelt. Und als hundert Wiener Bürger, verschossen, versäbelt, zertrampelt von der Polizei, unter der Erde liegen, kann die Polizei Weihnacht feiern, stille Nacht, hoilig« Nacht, Versöhnungsfest. Barkassy, der so hundsföttisch mau- schelte und erpreßte, wird den Polizeipräsidenten nicht mehr stören. Doch, er wird. Er ist schon da, im Gehpelz, in weißen Ga- Maschen, den Melonenhut ins Nackenfett zurückgeschoben. Mau wird ihn verhaften? Man wird nicht. Man wird sich vertragen und wieder zusammenleben. Der Revolverjournalist wird weiter er- pressen. Die Polizei wird weiter kuschen. Barkassy wird die Polizei, die ihm so nützlich ist, weiter protegieren.— Die Unüberwindlichen gehen nicht unter. Vier Akte grimmigste Satire. Und Kraus behält immer recht, solange er redet, und sogar, obgleich er viel zu viel redet. Der Sonntagsregisseur Heinz Dietrich K e n t e r hätte streichen und der Dramaturgie des Stücks nützen können. Daß er es unterließ, siel nicht einmal aus. So stark redet Kraus. Man verlangt sogar ein Couplet das der Polizeipräsident singt, cia capo. Typen kommen auf die Bühne, Typen! Das ganze George- Grosz-Haus wird lebendig. Peter Lorre spielt die Journaille, rechthaberisch und geschwollen. Er reißt sich die Worte mit Wucht aus dem Maule Er donnert die Erpressermoral. Und der Polizei- Präsident(Hans Pepplsr) säuselt zum Kontrast. Diese Rolle des Präsidenten ist verdammt schwierig. Feigheit und Fuchseiüum. Brutalität und Sentimentalität sind zu mischen. Um G e r r o n, de-' den Finanzier der Bestochenen spielt, jault ein Ehor, der aus dem Friseur, dem Monicurefräulein und dem Leiblakaien gebildet ist. Dem Millionär werden Glatze und Fingernägel poliert. Er tapst herum in Pyjamahosen und Bademantel. Dann spricht noch die kleine Ruth Willing den Weihnachtsspruch für die verlogenen Wächter der Lolkssicherheit: ein dünnes Silbcrstimmchen klingelt in das Orchester der Bestochenen. Schließlich bekennt ein alkoholi- sierter Polizist, ein patriotischer Blutsäufer, daß er mit Stolz und geschlissener Plempe einem unschuldigen Iudenjungen den Garaus machte. Heinrich Greller grunzt dieses Mcnschcnschweiy, ein überkarikiertes Polizeiexemplar. Der Austritt hat etwas Shakespea- risches. Man wird angeekelt und ist trotzdem ergrissen. Karl Kraus wird zum Ueberrealisten. Man hat in Paris eine ganze Dichtorschulc gegründet, die sich diesen Titel gab. Die Pariser wollen Träumer und Schwänner sein. Der Wiener Ueberrealist will ein verbitterter Staatsanwalt sei». Er kann nicht lächeln, wie etwa der abgeklärte Bernard Shaw, er kann nur geifernd grinsen. Es wohnt in ihm manchmal die bloße Denunziantenluft, doch es wohch in ihm auch der Mut, die mistigste» Charaktere und Uebelstände zu durchwühlen. Max TTodidorf. Shaw:„Oer Kaiser von Amerika". Deutsches Theater. Shaw steckt immer noch alle Witzbolde in die Tasche. Er macht diesmal zwar schlecht« Witze auf die Demokratie, doch es knallt alles, lustig für den Augenblick, und die Raketen blitzen. Anno Neunzehnhundertundneunzig da ist England noch die einzig über- lebende Monarchie. Alles andere auf dem Kontinent ist Republik geworden. Wird dieses Panoptikumstück von einem Monarchen oerschimmelt sein? O nein, dieser Magnus von Großbritannien ist ein Helles Kerlchen. Er führt fein ganzes Kabinett an der Nase herum. Die Herren Minister schieben nicht, trotz chres wbenswerren Willens, sie werden geschoben. Sie werden ins Bockshorn gejagt, als Seine Majestät abdanken, ein Privatmann werden, selbst für die Kammer kandidieren, unter Ismständen selbst Minister werden will. Es gelingt den Ministern nicht, ihren König durch die Demo- kratie zu zerquetschen. Bor der Gerissenheit dieser Majestät werden fast all« klein und häßlich. Eigentlich behalten nur die Weiber in dem Ministerium, es sind gleich zwei, Mund und Herzen auf dein rechten Fleck. Man weiß ja, daß Shaw immer für die Weiber und den Vegetarismus und gegen den Alkohol ist. Und dann kommt noch der Botschafter von Amerika, um dem englischen König die Kaiserkrone über die Vereinigten Staaten an- zubieten. Ja, das geschieht Anno Neunzehnhundertundneunzig. Warum nicht? Dann wird die Erde noch rund sein, aber die Grenzen der Länder werden noch mehr verrutscht sein als heut«. Die Grenzen müssen ja verrutschen, weil ja nicht die Politiker der Welt regieren werden, sondern die tüchtigen Leute, die Kapitalkönige und alles, was zu ihnen paßt. Das ist der schlechte Witz, den Shaw sich leistet. Und darum meint er: Amerika hat alles Interesse, England seine Bründerschast anzubieten. Natürlich wird dos ein Schwindel fein. Der große Bruder wird doch nur den kleineren Bruder verschlucken wollen. Wer das Geschäft wird großartig werden, wenn man die großartige Geste macht. Die Leute in Washington wissen schon, was sie tun. Nicht der Titel macht es, sondern die Börsentitel. Anno Neunzehnhundertundneunzig wird alles umgekrempelt. Shaw ist glänzend gelaunt und stellt den Wechsel auf die Zukunft aus. Er schießt«inen Pfeil nach dem anderen gegen die Politiker und Streber ob, er schießt auch einen Bock nach dem anderen, wenn man seine Gedanken vernünftig unter die Lupe nimmt. So will er aber diesmal gar nicht genommen sei». Er spintisiert die komischste Ueberburleske zusammen. Jeder darf sie nach seinem Parteibuch auslegen. Di« meisten meinen, daß Shaw, der im Vorjahre einen glänzenden Katechismus des Sozialismus schrieb, in diesem Jahre, den Jobbern und Spitzbuben und Dummköpfen allzu viel Recht ein- räumt. Möglich, daß— aber man lacht. Und zwischen den offi- ziellen Staatsatten spielt noch ein Zwischenakt. Der schwer ver- heiratet«, mit einer spinösen Königin belastete Monarch räkelt sich bei seiner Liebsten. Er kugelt sich mit ihr auf dem Teppich, und während sie ihm mit den Füßchen unter der Rase schläntert, seufzt er beseligt:„Ich bin die Majestät, der König." Max Reinhardt hat diesen neuen Shaw selbst inszeniert. Er tüftelt richtig heraus, daß sein Parkett schmunzeln und klatschen wird, wenn die dummen Politiker als besonders dumm karikiert werden. Er will«in System in Gedanken bringen, die gar keine Gedanken, sondern nur Improvisationen sind. Und so läßt er ein Stück spielen, das die Leute ganz ernst nehmen, obwohl sie lachen. Es ist komisch, daß man begeistert über alles ist, was den demo- kratischen Ministern als Verleumdung angehängt wird. Shaw meint: So könnte es unter Umständen sein. Reinhardt will die Leute glauben machen, daß«s so ist. Er erweckt eine falsche Stimmung, obwohl er mit vortrefflichen Schauspielern arbeitet. Werner Krauß spielt den pfiffigen König. Er ist Kavalier und Staatsmann, mehr Geschäftsmann als Monarch. Er ist das, was' sich das Parkett unter einem Fürsten vorstellen soll, der den ganzen demokratischen Plunder entlarvt. Das ganze Ministerium dieses gerissenen Monarchen diskutiert aus der Bühne: Kurl Gerron,«in Robespierre der Zukunft, der doch zusammenknickt, wenn er von seinem König angelächelt wird. Helen« Thimig ist ein« ernst«, großartig« Ministerin für Volkswirtschaft. All««urzelnen Typen werden wie Orgelpfeifen in das Unstnnkonzert hineingestellt. Es Ist«ine prachtvolle Aufführung, ganz nach dem Geschmack des noblen Parketis, das sich in dem Glauben gefallen will, mir von Halunken regiert zu wenden. So kommt es. daß Shaw viel mehr erntet, als er gesät hat. Denn er ist doch ein viel zu kluger Mann, al» daß es ihm einfallen könnte, die halb schon entschlummerten Rieaktionsinstintt« wieder aufzuwecken. M. H. „Oer Gchauspieldirekior." (Städtische Oper. Berlin hat drei große Opernhäuser, und die Zweifel, ob nicht zwei genug wären, wallen nicht verstummen. Aber das große Berlii, hat kein Haus für kleine Opern, keine Stätte sür intime Opernkunst, keine Kammeroper. Die Städtische Oper, die Mozarts „Schauspieldirektor" hervorgcsucht hat, sucht sich zu Helsen, so gut es geht: in die Riesenbühno ist ein zierliches Rokokobühnchen«in- gebaut, das sich freilich in die Dimensionen des Hauses nicht glück- licher fügt, als in solchap Rahmen die moderne Zimmereinrichtung, die beflissener Regiewitz zum Spieler der Mazartzeit beigesteuert hat. Mozart steht als Hauptfigur in diesem harmlosen, unerheb- lichen und nicht sehr erhebenden Theaterstück: lange nach seinem Tode hat ein Autor vergessenen Namens sich's zu der Musik«in- fallen lassen, um diese aus der zeitlichen Fessel eines höfischen Gelegenheitsspiels für die Opernwelt und— Ewigkeit zu retten. Ein Stück Theater von damals wird gezeigt: Mozart selbst als Kapellmeister: sein Chef Emanuel Schikanedcr, der berühmt gewordene Dichter der„Zauberjlöte", die Rivalität zweier„erster Sängerinnen" liefert den unterhaltsamsten Teil der Handlung. Hier wird es ein fröhlicher Wettkamps zwischen Margret Pfahl und Lotte Schöne, ein Kampf ohne Besiegte: zwischen ihnen steht ein nicht eben mozartisch singender(noch aussehender) Mo, zart: und das Wienerisch, das gesprochen wird, scheint manchmal ein bißchen weit hergeholt. Man hatte sich vielleiäsi lieber auf die Potsdamer Milieu spielende Bearbeitung von Rudolph Genäe be- sinnen sollen, die unter dem Rennen„Der Kapellmeister" 1896 in Berlin mit Erfolg gegeben worden ist. Immerhin erfüllt die Auf- führung des unwichtigen Werkchens ihren Zweck, dem Ballettabend der Städtischen Oper cinlsn freundlichen Auftakt zu geben. K. F. „Coppelia", Batteti in zwei Akien. Die Musik ist von Delibes. 1870«dar die Uraufführung in Paris. Dort gibt man es noch heute, im alten Stil,-mit Gaze- röckchen und Spitzentanz. Für die Ausführung in der Charlotten- burger Oper hat Lizzi M a u d r i k die Handlung modernisiert und eine neue Choreographie geschasfeu. Das Spiel behandelt den alten Stoff vom künstlich hergestellten Manischen, dem sein Schöpfer, hier der gelehrt« Puppenmaäzer Coppelius, eine menschliche Seele ein- flößt. Dieses lebendig geworden« Wesen, Coppelia genannt, wächst, aber seinem Erzeuger über den Kopf und durchkreuzt seine Pläne. Der erste Akt gibt Frohsinn,„rhythmisch gegliederte Heiterkeit". Im Geist des allen Balletts, aber in neuen Formen, aus der Stim- mung einer bewegten, tanzfreudigen Menge urwüchsig erblühend. Ein ununterbrochener Wirbel. Wir werden hineingezogen in den Wirbel und fragen nicht mehr nach Sinn oder Unsinn der Hand- lung. Gipselpunkte: die Soli und Zweitänze des Bürgermeister- töchterchens Swanilda und ihres Bräutigams Franz. Diesen tanzte Jens K e i t h, der für den erkrankten Edgar Frank eingesprungen war. Der größte Humorist der deutschen Tanzbllhne. Jede Bc- wcguug voll Temperament und Geist, Liebenswürdigkeit und Komik. Die Swanilda gab Alice Uhlen. Und sie war das groß« Erleb- nis des Abends. Keine Balletteuse, keine moderne Tänzerin irgendeiner Schule. Ein Lied aus des Knaben Wunderhorn, ein Wald- vogel. Der zweite Akt im Atelier des Coppelius. Gespenstisches Halb- dunk«!. Geheimnlsoolle Dinge in unheimlichen Ecken und Nisschen Die Handlung nicht tänzerisch gelöst. Blieb meist im Pantomimischen stecken und schleppte zuweilen. Man sollt« sich— scheint mir— nicht so sehr um restlose sachliche Klärung bemühen. Es wird doch nicht alles klar. Die Hauptsache bleibt und blieb auch hier der Tanz. Und es gab ausgezeichnete Tänze. Georg G r o k e, ein dämonischer, eckig zappeliger, llettergewandter, krallenfingriger Hexenmeister Coppelius. Ruth Abromo witsch,«ine nuancen- reiche interessante Coppelia. Keith flatterte dazwischen und die Uhlen als eifersüchtig« Braut. Ein solches Tanzspiel läßt man sich gefallen. Es bringt gewiß nicht letzte Erfüllung künstlerischer Sehnsüchte. Aber auch kein« Bor- splegelung falscher Tatsachen. Es wird hier nicht auf seelische Tiefen gedeichselt. Amüsement, anspruchslos, aber von der allerbesten Sorte, künstlerisch durchweg vornehm. Ein sauber und geschlosien arbeitendes Ensemble. Glänzende Solisten, kluge Choreographie, geschmackvolle Bühnenbilder(von Georg K I r st o). Die erste Leistung unserer Ballettmeisterin Maudrik, der wir vorbehaltlos zustimmen können. J. S. Die neue Arbeitswoche. Am 26. August hat das Zentralexetutiokomitee der Sowjet- union bestimmt, daß die ununterbrochene Arbeitswoche unverzüglich «inzuführen fei. Es war nicht mehr als ein Vierteljahr vergangen, seitdetrt Sarin auf dem 5. Sowjctkongreß den Antrag eingebracht hotte. Am 22. Mai beantragte Sarin— bekannt durch seinen frucht- losen Kampf gegen das Schnapsmonopol— auf dem Sowjetkongreß, daß Industrie und Handel nicht wie bisher 30 0, sondern volle 360 Tage arbeiten sollten. Der Grundgedanke ist einfach. Wenn die Maschinen auch an Sonn- und Feiertagen lausen, wenn die 52 Sonntage wegfallen und von den jetzigen 12 bis 13 Feiertagen nur fünf übrig bleiben, dann steigt die Produttion um ein Fünftel. Dabei soll aber den Arbeitern die gleiche Zahl von freien Tagen gewahrt bleiben wie bisher. Das ist aber nur möglich, wenn an Stelle des allgemein gefeierten Sonntags jedem Arbeiter ein anderer Ruhetag in der Woche bestimmt wird. Welche Vorteile werden erwartet? Die Vorteile der ununterbrochenen Arbeitswoche sollen nach Sarin die folgenden sein: Die Produktion st«igt um 2 0 P r o z., ohne das neues Kapital in der Industrie investiert zu werden braucht. Es arbeiten ja die gleichen Maschinen, nur arbeiten sie nunmehr eben länger und mehr. Dadurch wird Geld, das sonst zu Neuinoestitionen hätte verwendet werden müssen, frei zu weiterer gesteigerter Industrialisierung. Gleichzeitig soll dadurch di« Ar- beitslosigkeit sinken. Ununterbrochene Arbeitswoche heißt, daß die Zahl der jetzt beschäftigten Arbeiterum ein Fünftel vermehrt werden muh, wenn der einzelne Arbeiter trotzdem feine SS Ruhetag« behalten soll. Zu diesem Zweck wird nun di« Sechs- bzw. Fünftagewoche eingeführt. Die Rechnung ist einfach. Wenn der Arbeiter je fünf Tage arbeitet und den sechsten Tag ruht, dafür aber auf alle Feier- tage bis auf fitnf verzichtet, hat er im Jahr 300 Arbeitstage und 65 freie Tage, hat also keinen von seinen freien Tagen verloren, ober auch keinen gewonnen. Run könnte man di« Sechstag«- woche einführen und die Produktion blieb« dennoch die gleiche, wenn, und das wäre eben das Alte, all« Arbeiter fünf Tage arbeiteten und alle am sechsten Tage ruhten. Aber in der ununter- brochenen Arbeitswoche gibt es eben keinen gemeinsamen Ruhetag! Was ist das Resultat? Nehmen wir eine Maschine, die von fünf Arbeitern bedient wird. Ohne ununterbrochene Arbeitswoche hätten wir das folgende Bild: Fünf Tage hindurch arbeiten an der Maschin« die Arbeiter Nr. 1, 2, 3, 4, 5 und am sechsten Tage ruhen sie, die Maschine steht still. In der ununterbrochenen Arbeitswoche ist das Bild ober so: Man braucht nun sechs Arbeiter. Am ersten Tage arbeiten die Arbeiter Nr. 1, 2, 3, 4, 5 und Arbeiter Nr. �,6 hat frei: am zweiten Tage arbeiten die Arbeiter Nr. 1, 2, 3, 4, 6 und Arbeiter Nr. 5 hat frei: am dritten Tage arbeiten Nr. 1, 2, 3, 5, 6 und Nr. 4 hat frei und so weiter. Am sechsten Tage nun, an dem sonst die Maschinen still stünden, arbeiten Nr. 2, 3, 4, 5, 6 und Nr. 1 hat frei. Das Resultat: jeder Arbeiter hat einen anderen Tag in der Sechstagewoche frei und die Maschine arbeitet doch volle sechs Tage. Es wurde ausgerechnet, daß durch diese Neueinführung nach fünf Jahren die Zahl der Arbeitslosen um nichr weniger als um ein« Million sinken müsse, um 600 000 in der Industrie, um 200 000 im Bausach, und um 200 000 in der Holz-, Torf- und Transportindustrie. Damit sollen aber die Vorteile noch immer nicht zu Ende sein. In der ununterbrochenen Arbeitswoche arbeiten die gleichen Maschinen auf gleichem Grund und Boden um ein Fünftel mehr. Also, schloß man, sinken die Herstellungskosten um volle 20 Proz. Und weil die Produktion um 20 Proz. steigt, wird endlich der Warenhunger gemildert, das Dorf erhält die not- In Sowjetrußland. wendigen Industrieprodukte, liefert nunmehr mit Vergnügen der Stadt das Getreide, kurz— jetzt hat alle Not ein Ende, der Sauf- schritt zum Sozialismus geht in Galopp über. Das sieht auf den ersten Blick ganz verblüffend aus. Ohne neues Kapital, durch eine einsache Verschiebung im Kalender, erhöhte Produktion und sinkende Arbeitslosigkeit. Das Ei des Kolumbus! Jetzt ist die ununterbrochene Arbeitswoche Gesetz. Eni- gegen dem Vorschlag Sarins ist die Sechstagewoche die Ausnahm«, die Fünftagewoche die Regel: vier Tag« Arbeit, einen Tag Ruhe. Dafür außer fünf Feiertagen kein Ruhetag. Außerdem Wegsall der verkürzten Arbeitszeit an den Tagen vor den Ruhetagen. Die Gesamtzahl der Arbeitsstunden im 3ahr bleibt gleich.(Dekret des Arbeitskommisiariats vom 12. September). , Stimmt die Rechnung? Sehen wir zu, ob die ununterbrochene Arbeitswoche das leisten kann, was man sich von ihr verspricht. Es ist klar, daß eine Maschine, die auch an den bisherigen Sonn- und Feiertagen arbeitet, eine um«in Fünftel kürzere Sebensdauer hat. Der raschere Ver- schleiß der Maschine erfordert eine höher« Amortisation. Schon dies« einfache Ueberlegung zeigt, daß nicht glatt 20 Proz. zu Mchrilw«stion«n frei werden. Dann senken sich natürlich auch die Kosten nicht um 20 Prog., sondern umsehrvielweniger, well Rohstoffe und Arbeitslohn g l e ich h o ch bleiben. Weit«r stehen jetzt die Maschinen an den Arbeitstagen wohl still, aber diese Tage sind auch di« Tage der laufenden Reparaturen. Im Bergbau z. B. werden von den 60 Ruhetagen nicht weniger als 30 zu Reparaturen oerwendet, gewonnen werden daher nicht 60. fondern 30 Arbeitstage. Das bisher Gesagte gälte für jede Wirtschaft, die zur ununterbrochenen Arbeitswoche über- ging«: Produktionssteigerung, aber weit weniger als das Sarinsche Fünftel. In Rußland vermindern aber spezifisch russisch« Schmie- rig leiten ihr«n Wert noch messt. Erweiterte Produktion er- fordert mehr Rohstoffe und mehr Brennmaterial. Gerade hier bestehen aber für die russisch« Wirtschast ganz außer- ordentliche Schwierigkeiten. Im August standen aus Rohstoff- mangel«in« groß« Zahl von Textilfabriken still, und man braucht bloß di« täglichen Klagerufe in den Wirtschastszeitungen zu lesen, um zu ermessen, was die Industrie unter dieser Plage zu leiden hat. Wie stehts mit der Wohnungsfrage? Neue Arbeiter brauchen neu« Wohnungen. Das Woh- nungselend in Rußland ist bekannt— wie furchtbar es ist.�weiß nur der, der die russischen Jndustriebezirke— allerdings ahne Führer— bereist hat. Ein Beispiel aus allerjüngster Zeit: lim den Bauern möglichst rasch das Getreide wegzunehmen und in die Städte zu bringen, die am Ende ihrer Vorräte stehen, werden alle, auch die ausrangierten Eisenbahnwagen wieder eingesrellt. Und deshalb müssen jetzt in der Ukraine viele Hunderte von Arbeitern, die in solchen Wogen Unterschlupf gefunden haben, diese„Wohnun- gen" oerlasien und unter freiem Himmel kampieren. Und unter diesen Umständen sollen 20 Proz. mehr Arbeiter in die Industrie«ingestellt werden. Woher sollen aber diese neuen Arbeiter, Techniker und Inge- nieure kommen? Wenn man von einigen wenigen Kategorien wie etwa den graphischen Arbeitern, absieht, gibt es schon jetzt«inen überaus empfindlichen Mangel an qualifizierten Ar- b e i t e r n. Arbeitslos sind heute ganz llberwiegeiiö ungelernte Arbeiter.»Cs gibt jetzt 36 000 Ingenieure, in vier Iahren sollen es nach dem Fünfjahrplan 100 000 sein. An Stelle der 110 000 bis 120000 Techniker können die Schulen bei Höchstanspannung nicht mehr als 60 000 geben. Im Wirtschaftsjahr 1029/30 braucht man 556 000 qualifizierte Arbeiter mehr. Davon kommen aus den Normalschulen 92 000, von der Arbeitsbörse 73 000, es bleibt ein Defizih von 390 000.(Die Daten nach Ekonom. Schisn vom 1. Oktober.) Nicht einmal der gegenwärtigen Produktion genügt die Zahl der Arbeiter vnd Techniker. Wie svttt« st««iw um ew Fönst«! gesteigerten Produktion genügen? Die kulturelle Seite der Reform. Wie ficht es schließlich um den Arbeiter? Man muß. schließlich sagen, weil in dem„Vaterland der Arbeiter und Bauern" der Arbeiter heut« am wenigsten zu sagen hat. Ein großer Teil der rückständigen, vom Dorf gekommenen Arbeiter ist gegen die ununterbrochene Arbeitswoche, weil er auf den Sonn- tag aus religiösen Gründen nicht verzichten will. Wer auch die anderen Arbeiter lehnen sich dagegen auf. Manche Betrwbs-- Versammlungen sprachen sich dagegen aus, genützt hat das natürlich nichts. Parteibeschluß! Wer dagegen ist, ist ein Konterrevolutionär, mit dem wird nicht viel Federlesens gemacht. Also sabotieren die Arbeiter. Jeden Tag hört man, daß dort, wo die ununterbrochene Arbeitswoche schon eingeführt ist, trotzdem viele, schr viel« den Sonntag zu Hause bleiben— sie sind'..k rank". Und das ist ja sehr verständlich. Die Bezahlung des russischen Arbeiter, ist noch so elend, daß so gut wie ausnahmslos Mann und Frau arbeiten müssen. Der wechselnde Ruhetag vernichtet den gemeinsamen Ruhetag. Es gibt nun keinen Tag mehr, an dem Mann und Frau etwa zusammen ins Grün« gehen können. Sie können nie mehr einen Tag gemeinsam verleben. Sie können nie mehr «inen Tag mit ihren Kindern verleben, weil natürlich für die Schule eine ununterbrochene Sehrwoch« nicht eingeführt ist, auch nicht ein- geführt werden kann. Nur ein seltener, glücklicher Zufall kann es sein, wenn der Ruhetag des Mannes, der Ruhetag der Frau und der freie Schultag zusammenfallen. Jetzt ist der Sonntag, ohne jede religiöse Bedeutung, der Tag der Bildung und Kultur. Der dürftige Kultur- und Bildungsapparat in Rußland reicht nicht einmal annähernd, um dem Arbeiter nun- mehr jeden Tag Konz«rt, Vortrag usw. zu liefern. Ein Tag im Jahr ist wie der anders, freudeleer und trostlos. Die ununterbrochene Arbeitswoche bedeutet für den russischen Arbeiter nur eines: kulturell« Verarmung und die brutalste Zer- störung seines Privatlebens. Ein Kenner des Zwangsstaates Vessedowiki spricht bei den pariser Emigranten. Paris, 20. Ottober. Der ehemalige russische Ministerpräsident K e r e n s k i hatte die russische Emigrantenkolonie zu einem Dortrag« Bessedowskis eingeladen. Vor etwa taufend Personen schilderte der ehemalige erste Botschastsrat an der hiesigen Sowjetbotschaft die Sage in Ruß- land. Er erklärte die Mißstimmung gegen das jetzige Regime durch die fast trostlose wirtschaftliche Sage. Di« Fläche des ange- bauten Sand«s sei viel geringer als vor einigen Iahren, da der russische Bauer unter dem dauernden Druck militärischer Be- wachung und Ausbeutung stehe. Die Industrie erhalte sich künstlich auf Kosten der Arbeiter, deren Söhne kärglich seien. Allmählich sei so eine große Kluft zwischen der Zcntralregierung und der Partei entstanden. Der ehemalige Sowjctsunktionär war der Meinung, daß nur«ine Gegenrevolution Abhilfe schaffen könne, da«ine friedlich« Entwicklung zum demokratischen Staat bei den gegenwärtigen Zuständen nicht möglich sei. Drsi Todesurteile In Palästina. Ein neuer arabischer Ueber- fallvernich aus das Kinderdorf Afargelladim in der Pesre«l-Ebene konnte abgewiesen werden. Das Gericht in Haifa fällte die ersten Todesurteile im Zusammenhang mit den letzten Unruhen über drei arabische Mordplünderer. Wetter für Berlin: Früh etwas neblig, sonst heiter und kühl, leichte Nachtsrostgesahr. Schwache Suftbewegung.— Für Deutschland: Im äußersten Osten Besserung des Wetters, im Alpenvorland Bewölkungszunahme, sonst allgemein heiter und trocken, überall kühl, strichweise Bodenfrost. Drranlwortl. Mr di« Redaktion: vollggag SchMO, Berlin: iln, eigen: Th.»locke, Berlin. L-rla«: Vorwärts Verlag IS. m. d. Merlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Lerlagsanstalt Paul Singer& ffid.. Berlin SW 88, Linden strage 3. Kierzu 1 Beilag«. Montag, 21.]0. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 227 20 Uhr FraMo Staats-Oper Am Pl.d.Republ. Vorst 58 IO'/j Uhr Hans Helling Montag, 21. 10. Staat. Oper Bismarckstr. Gesflil. Vorstslli. 19','s Uhr StaatLSdiaaspti. un GtndtrmMmtrlrt R.-S. M 20 Uhr Weh' dem der Iflgt Staat). Scbiller-Theater, CM. 20 Uhr Oer Kaufmann von Venedig Renaissance-Theater Täglich 8 Vi Uhr STEMPELBRUDER Schauspiel von Duschinsky. Regle: Oust. Härtung. £teliin:at7 C 1. 0901 u. 2983184. ROSE -THEATER �tÄ™ Bitlettkiise; Alexander 3422. Täglich 8« Uhr Jsabdl Sie zahlen für Rg.-Balkon(Seite) 50 Pf., für einen guten Mittel- Rang 80 Pf., für Seitenparkett 1 Mk., für II. Parkett 1.20 Mk-, für I. Parkett und Rang-Balkon Mitte 1,50 Mk. Jodtn Sonnabend 6 Uhr u Joden Sonntag 2V Unr: Schneewittchen. leden Mltiva« 5 Ubr; Das tapfere Sdinelderlein Ti|L t Tenttü. S mt nr laitamu BH Uuert eeiei Prilte: Vedialaii 5 Ikr U Pf. Ml I Kart Tlgt, l'/j a. taaat I Ikr 1 H» f Hart Charlie Rhrel, 3 Whlrlwinds, longTack Sam as* lägt.» U. 8" . lonat.l.St B" | Alu.■.4.8066 INTERNAT. VARIETE pi« Aza n GROSSES SCHAUSPIEIHflüS«-g Tigl.8 Uhr Regie: ERIK GHARELL Gasamtauaatattung Prot. 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Oktober 1929 SrcAtonD Sjinlnttlfaß«-da IbaärA Ein„Vorläufer" von Karl Marx Auseinandersetzung mit Stefan Zweig Die blaffe Furcht läßt unsere Historiker in jedem Jakobiner einen Kommunisten sehen. KarlKautsky. Erjährt Stefan Zweigs„Joseph Fouche�, soeben im Jnsel-Verlag zu Leipzig erschienen, auf der ganzen Linie der Vesprechungen das hohe Lob, das diese Monographie durch die Kraft ihrer Einfühlung und die Kunst ihrer Darstellung verdient, so fehlt es doch ganz an wahrer historischer Kritik, die an mehr als einem bedenklichen Punkt des Buches einhaken könnte. Am ehesten wohl dort, wo Zweig enthüllt, daß der spätere Polizeiminister Napoleons I. Anno 1793 ein„Kommunist" gewesen sei und „ein rodikalsozialistisches und bolschewistisches Programm" aufgestellt habe: Das erste klare kommunistische Manifest der Neuzeit ist in Wahrheit nicht jenes berühmte von Karl Marx, nicht der „Hessische Londbote" von Georg Büchner, sondern jene sehr un> bekannte, von der sozialistischen Geschichtsschreibung geflissentlich übersehene„Instruction" in Lyon, die zwar von Collot d'Herbois gemeinsam gezeichnet, aber zweifellos von Fouche allein verfaßt ist. Dieses energische, der Zeit in seinen Forderungen um hundert Jahre vorausbeaehrende Dokument stempelt ihn zum ersten klaren Sozialisten und Kommunisten der Revolution. Wenn Zweig will, kann er sich dabei aus Paul A r e tz stützen, der vor ettichen Jahren die apokryphen„Erinnerungen" F o u ch ä s auf Deutsch herausgab und im Geleitwort betonte, daß Fouche in seiner jakobinischen Periode, geleitet von der„Idee des Kommunis- mus", auf die„Sozialisierung des Besitzes" und die„vollkommene Abschaffung des Besitzes" ausgegangen sei. Neu ist also die Eni- deckung Zweigs nicht. Ist sie wenigstens richtig? Die große Revolution war der ungestüme Durchbruch der bürgerlichen durch die feudale Eigentumsordnung, die gründlich« Ablösung der Aristokratie durch die Bourgeoisie, die vollkommene Verdrängung des Feudalismus durch den Kapitalismus. Zu keiner Zeit war darum das Privateigentum Gegenstand fanatischerer Verehrung. Der Eigentümer und nur der Eigentümer erschien als der Nassisch« Typ des Staatsbürgers, Einziehung und Auftellung der riesigen Liegenschaften der Kirche gebaren das Schlagwort von der„Demo- kratificrung des Eigentums", alle Franzosen sollten Eigentümer werden, erst dann war das Land im sozialen Gleichgewicht. Auch als im rasenden Lauf der Begebenheiten das Königtum der Republik und die Gironde der Iakobinerpartei wich, waren immer noch Bürger, wenn auch Kleinbürger statt Grotzbürgern, am Ruder. Die Schreckensherrschaft umschloß den Versuch des revo- lu.tionären Kleinbürgertums, die Republik mit allen, snjelbst den äußersten Mitteln zu verteidigen, und Marat, Danton, "-Nobespierre waren weder, wie Zweig annimmt,„Führer des Proletariats", noch dachten sie auch nur im Traum daran,„die restlose, die radikale Revolution bis zum Kommunismus" an-- zustreben. Im Gegenteil waren auch sie Fanatiker des Privateigen- tums wie einer der heftigsten jakobinischen Heißsporne, Basirc, der dartat, man müsse gerade in den politischen Stürmen der Revolution die beiden einzigen Anker auswerfen, die das Staats- schiff festhalten:„den Anker des Eigentums und der össentlichen Moral", und ganz in diesem Sinne winkte ein Gesetz des National- konvcnts jedem mit dem Fallbeil, der es versuchen sollte, das „Agrargesetz" einzuführen, das war eine gleich« Verteilung des Bodens anzuregen, oder sonstwie„Grund-, Handels- und Industrie- besitz umzuwälzen". Allerdings wucherte namentlich unter der Schreckensherrschaft kleinbürgerliches Mißtrauen gegen den Reichtum sehr üppig. Schon Montesquin und Rousseau hatten gelehrt, daß der Lufus der Gleichheit in einer Demokratie widerstrebe, daß die Tugend der sicherst« Stützpfeiler der Republiken sei, und daß der Reichtum die Tugend untergrabe. Aus Montesquieu und Rousseau schöpften also die Jakobiner die Ueberzeugung, daß für eine ideale Demo- kratie und Republ-k«in« gewiss« Ausgcglichenhest der Vermögen und Einkommen Voraussetzung sei. Da überdies in den schweren ökonomischen Krisen, durch die das Frankreich der Revolution hindurch müßte, gewissenlos« Profitjäger und Prcistreiber, Accapareurs oder Schieber genannt, aus der Not des Volkes gleißendes Gold münzten, fielen die Begriff«„Reicher" und„Feind der Republik" leicht zusammen. Seit L o u st a l o t 17S9 den Ausdruck geprägt hatte, wurde immer» wieder gegen die„Aristokratie der Reichen" gewettert: eine Adresse des Jakobinerklubs warnte: „Äie Geldaristokratie will sich auf den Trümmern der Geburts- aristokrotie erheben": Danton donnerte gegen„die Reichen, diese elenden Egoisten", und Robespierre vermerkte Juni 1793 in seinem Taschenbuch: „Unsere Feinde? Die Lasterhaslen und die Reichen!" Aber selbst wo sich di« allgemein« Abneigung gegen die gewinn- gierigen Schieber bei Exaltados wie Roux und C hau inet tc in unmittelbar antikapitalistischen Tiraden entlud, war das eine rückwärtsgcwandte Revolte des vom Kapital erdrückten Kleinbürgers und Kleinkrämers und hatte mit Sozialismus, mit Soziali- sicrung der Produktionsinittel, mit Umwälzung der auf Privat- eigentum gegründeten Gesellschaft nicht das Geringste zutun. Theorie schlug in Praxis, das dumpfe Gemurr wider die Reichen tn derben Zugriff um, als der Sommer 1793 die junge Re- publik vor ihr« Existenzfrage stellt«. Di« republikani- schen Heer« an Rhein und Mosel, Alpen und Pyrenäen in täglich aussichtsloserer Abwehr gegen das andrängende feudale Europa, die Bend«« im hellen Aufruhr, der Royalismus immer frecher die Stirn erhebend, Lebensinittelwucher und Hungersnot am zer- mürbenden Werk, allenthalben«chwund des Vertrauens zu von neuen Machthabern— hier halfen nur harte Schläge und ganze Mittel! So beschloß der Konvent in seinem berühmten Dekret vom L3. August in gewaltigster Krastanstrengung zu mobilisieren, was immer zur Verteidigung des Vaterlandes dienen konnte: Menschen. Rohslosse. Geld! Kommunismus? Es war der„Kommunismus" des Befehlshabers einer belagerten Festung, wenn er über die Häuser und Vorräte der Einwohner verfügt, es war der„Kommunismus" L u d c n d o r f f s, als er uns die messingenen Klinken von den _Türen und die kupfernen Kessel aus den Küchen holte, beileibe nichts anderes. Zugleich schuf di« Brandfchatzung der Reichen die Genug- kuung, daß Feinde der tieaco fkiwung der Dinge getroffen wurden, und was aus den Kaffenschränkcn der Besitzenden an Unterstützung den Bedürftigen zufloß, diente dazu, die Massen in Laune zu halten, aus deren Leibern der Wall gegen den Feind geschichtet wurde— Camill« Desmouiins fordert« geradezu, daß die Reichen ihre Börse, die Armen ihr Blut hergäben. Da Joseph Fouche sich nach Zweigs Meinung als„Kam- munift" betätigte, war er denn nur einer unter den Kommissären des Konvcnts, die mit gebundener Marschroute in die Provinz entsandt wurden. Ruamps und Milhaud heischten im Unter- elsaß die Landesverweisung der„reichen Egoisten", die weder zahlen noch sich schlagen wollten. Hentz, Bö. und Massieu jagten in den Ardennen den Gtldsäcken Schrecken ein, und L« c o m t e S o i n t- M i ch e l ging in Caloi den Reichen als„Todfeinden der Republik" zu Leibe: Carrier in Nantes, Regnaud im Puy, Dartigoeyte im Gers, P a g a n a l in Toulous«, M a i g n e t in Marseille, sie alle verfuhren wie Tallien und V sab« au, die sich in einem Schreiben aus Bordeaux rühmten, „die Reichen zur Ader zu lasien". Im Iura-Departement erklärten Bassal und Lamarque, daß alles was an Gold, Silber, Eisen, Kupfer und Blei, an Holz, Leder und Seife, an Getreide, Wein, Branntwein und Essig, an Pferden, Vieh, Futter und Kleiderstoffen vorhanden sei, zur Verfügung der Republik stehe: in Orleans schröpfte Laplanche die Reichen mit „Reoolutionstaxen", und im Lot et l'Aoeyron mußten auf Befehl Taillefers„alle Arfftokraten, Wucherer und Schieber" Rissen- summen ausspucken. Man berechnet, daß damals binnen weniger Monate allein an Metallgeld 390'bis 490 Millionen Franken ent- eignet wurden und nach Paris strömten. Fouchö freilich ging mit seinen berüchtigten„Philantropischen Komitees" noch strammer als olle anderen ins Zeug, um siebzehn große Kisten voller Gold, Silber und Silbergerät dem Wohlfahrts- ausschuß eiysenden zu können. Aber ganz unangekränkelt war er dabei von irgendeiner sozialen oder gar sozialistischen Doktrin. Wenn es in seinem Lyoner Edikt vom 24. Brumaire des Jahres II hieß:„Reichtum und Annut müssen beide unter dem Regime der Gleichheit verschwinden", so spiegelte sich darin höchstens M o n t e s- quiens und Rousfeaus Ideal der mittleren Gleichheit von Vermögen und Einkommen, und seine Berfllgung, daß die Bedürftigen auf Kosten der Besitzenden zu«rnähren seien, war, um die Massen zur Verteidigung der Re- publik bei der Stange zu halten, mehr von revolutionärer Not- wendigkeit als von sozialpolitischer Erwägung diktiert. Ja, oft genug erwies sich, daß auch durch die radikalsten Maßregeln weniger der Reichtum an sich als die Repnblikseindschas« der Reichen getroffen werden sollte. Mehr als einmal betonte F o u ch ö in feinen Berichten an die Pariser Gewalthaber, daß„der Reichtum die schrecklichste Waffe gegen die Republik sei, wenn er sich in den Händen ihrer Feinde befinde", und wie er die Requisition von G«ld und Gut nicht etwa mit sozialen Grundsätzen, sondern als„außer- ordentliche Hilfeleistung während des Krieges" erklärte, so diente ihm als Richtschnur, den„Feinden der Freiheit" ihren Ueberfluß zu nehmen und nur jenen Reichen den Beutel zu leeren, die des„ineivisme", des Mangels an republikanischer Gesinnung verdächtig waren. Verwahrte sich Laplanche vor dem Konvent dagegen, auch die Patrioten, das war: Republikaner mit der „Reoolutionstaxe" belegt zu haben, so strich Fouche durch Dekret vom 13. Brumaire des Jahres II einen Patrioten, obwohl er zu den Besitzenden zählte, von der Schröpfliste der Reichen, und wies feine Ausschüsse an,„nur die Aristokraten und Gemäßigten und nicht die Sansculotten", mochten diese seine politischen Freunde auch im Golde schwimmen, zur Abgabe heranzuziehen. Nichts zeigt bester als diese Beschränkung der Enteignungen auf die Feind« des Regimes, daß F o u ch ö s Wüten gegen die Reichen eine Kampfmäßregel zur Verteidigung der Republik nach außen und innen war, aber, weltenfern von jedem gesellschaftlichen System, mit Kommunismus, Sozialismus. Bolschewismus nicht mehr zu schassen hatte als die Einziehung des Bermögens der französischen Pr». testaitten nach Aufhebung des Edikts von Nantes. Gar die„In- stuetion de la cornrnission temporaire de Lyon", die übrigens kaum aus F o u ch e s Feder stammt, als seinerzeit um hundert Jahre vorausellendes Dokument und„erstes klares kommunistisches Monifest der Neuzeit" hinzustellen, zeugt von einer Unkenntnis des sozialisttschen ABC's, die bei einem Schriftsteller vom Range Stefan Zweigs betrübend wirkt, doppell betrübend, da viel« Leser, ge- blendet durch den Glanz seines Namens und Stils, künftig die dumme Mär: Jofeph Fouche«in Vorläufer von Karl Marx gläubig nachbeten werden. Hermann Wendel. KonfessioneiSer Friede? Bemerkungen von Max Sievers wir eröffnen mit diesem Aufsah die Diskussion über eine Frage, die weite kreise des arbeitenden Volkes lebhast bewegt. Wenn in der heutigen Zeit irgendwo die Mahnung ertönt, „religiöse Ueberzeugungen" zu achten und zu tole- rieren, so verbirgt sich dahinter fast immer eine Stellungnahm« gegen die Atheisten und eine Verteidigungsrede für die Kirche. Freidenkern gegenüber scheint die Unterstellung, daß sie nur von der böswilligeiu Absicht Fetragen sind, die Gefühle Andersdenkender zu verletzen, immer erlaubt zu sein. Diese voreingenommene einseitige Stellungnahme gegen die im Volksleben immer stärker sich verwurzelnde atheistische Welt- a n s ch a u u ng ist nicht nur dazu angetan, tief empfundene Er- bitte rung in den Reihen nichtkirchlicher Volksschichten hervorzurufen, sondern zeigt auch recht klar auf, daß hinter den Begriffen„Re- ligiöse Toleranz" und„Wahrung des konfessionellen Friedens" nur politische Schlagworte liegen, die je nach Bedarf, aber niemals im Sinne weltanschaulicher Neutralität zur Anwendung gelangen. Schenken wir uns eine Debatte über den Wert oder Unwert der versd>icdcncn Weltanschaungen und lassen wir nur konkrete Tat- fachen reden. Daß sich im Volke eine immer stärkere Abkehr von der Kirche und von religiösen Gedankengängen überhaupt vollzieht, ist ganz unbestritten. Die amtlichen Statistiken melden davon, wenn auch in gänzlich unvollkommener Weise, und ebenso werden die Frei- denker, wie auch die Kirchen selbst nicht müde, diese Tatsache zu er- örtern. Auf der diesjährigen Freiburger Katholikentagung wurde die Zahl der in Deutschland erfolgten Kirchenaustritte im letzten Jahr- zehnt auf zwei Millionen beziffert. Daß nicht nur Steuerflucht oder weltanschauliche Indifferenz zum Austritt aus der Kirche führten, geht aus der weiteren Taffache hervor, daß von diefenzwei Millionen allein 959 999 sich in demselben Zeit- räum als Freidenker organisiert habe». Niemand kann bestreiten, daß der Atheismus als Weltanschauung gewertet werden muß. Niemand wird behaupten, daß die atheistische Weltanschauung etwa eine vorübergehende Modekrankheit darstellt, der keine ernste Lebenskraft innewohnt. In leidenschaftlichem Ringen, in ernster wissenschaftlicher Arbeit haben durch viele Jahrhunderte hindurd) die Vorkämpfer dieser Weltanschauung ihr den Weg ge- ebnet. Durch Jahrhunderte hindurch haben sich Atheisten gegen einen übermächtigen Feind, gegen Staat- und Gesellschaftsordnung durchgesetzt. Der Atheismus ist trotz aller Machtmittel des früheren Obrigkeitsstaates nicht überwunden worden. An der Wiege des freien Volksstaates stand zum erstenmal in seiner geschichtlichen Existenz die Möglichkeit der freien Entfaltung. Resullat: Das Anwachsen zu einer vielhunderttausendköpfigen Massenbewegung im Zeitraum eines einzigen Jahrzehnts. Die Loslösung von der Kirche ist zur Volksbewegung ge- worden. Die Loslösung der Masten erfolgt, obwohl die Kirche eine ungeheuer mächtige Presse, die Unterstützung des Staates, seiner Gesetze und einen unermeßlich reichen Propagandoapparat hinter sich hat.> Das Anwachsen der Freidenkerbewegung erfolgt, obwohl diese ganz auf ihre eigene Kraft angewiesen ist, nicht einmal ein« öffentlich erscheinende Zeitung besitzt und in ihrem Wirken noch immer auf starke gesetzliche Hindernisse stößt. Wir stellen die Frage: Soll in der Demokratie, wenn schon die Toleranz zur Stoatsmoral erhoben wird, eine im Absterben besind- liche Geistesströmung ungleich stärker toleriert werden, denn eine Bewegung, die aus den Volksmasten kommt und mit elementarer Kraft sich stürmisch aufwärts entwickelt? Nein? Und dennoch geschieht es! Die Kirche hat im letzten Jahrzehnt im umgekehrten Vcr- hältnis zu ihrer wirklichen inneren Werbekraft die politische, moralische und finanzielle Unterstützung des Staates unausgesetzt ge- fordert und erhallen. Sie behiell alle ihre früheren Privilegien und erhielt noch neue durch das bayerische und preußische Konkordat dazu. Der Staat hat auch ihren finanziellen Bedürfnisten gegen- über eine Haltung eingenommen, di« mit der Kennzeichnung„groß- zügig" doch bestimmt" sehr vorsichtig charakterisiert wird. Man wird hier einwenden, daß dies alles nicht aus wellanschau- licher Parteinahme heraus, sondern mit Rücksicht auf politische Realitäten geschehen sei. Schön! Warum aber dann immer das Wort von der Pflicht des Staates, religiöse Toleranz zu üben? Wen toleriert die Kirche? Die Führung der evangelischen Kirche toleriert zum größten Teil nicht einmal die Republik. Die katholische Kirche zeigt sich zwar der Republik gegenüber tolerant, aber um welchen Preis? Sic läßt sich ihre Staatstreue sehr, sehr hoch bezahlen. Auch die Haßgesänge gegen den Sozialismus, die auf dem Frei- burger Katholikentag gesungen wurden, sind schwer mit Toleranz in Einklang zu bringen. Wer toleriert die Freidenkerbewegung? Sie genießt das verfassungsmäßige Recht des öffentlichen Wirkens, wie jede ander« Volksschicht auch, und doch nicht im gleichen Maße. Viele immer noch bestehende Gesetzcsverfü- gungen aus der Zeit des absoluttstischen Deutschland hemmen ihr Wirken aus Schritt und Tritt. Hinsichtlich der Pflege ihrer besonderen weltanschaulichen Be- dürsnisse ist die Freidenkexbewegung, auch relativ mit der Kirche verglichen, das mißachtete Stiefkind in der Republik geblieben. Sie muß durch ihre Steuer kraft zur Erhaltung der Kirche beitragen, ja sogar organisierte Freidenker haben heute noch vielfadz dingliche Kirchenabgaben zu entrichten. Die Leitungen vieler Krankenhäuser, Erholungs- Heime, Fürsorge- und Strafanstalten verbieten die Verbreitung freidenkerisdicr Literatur. Versammlungs- und Plakat- verböte gehören in vielen Gegenden der Republik noch zu den all- täglichen Erscheinungen. Handwerkerinnungen dürfen den Boykott über freigeiftigc Eltern mit der Aufnahme von Lehrlingen ver- hängen. In vielen kleinen Orten herrscht heute noch gegen Frei- denker der absolute Kirchenterror. Der Preußische Landtag beschloß im Juli 1928 die g c s e tz> liche Regelung der K ö r p e r s ch a ft s r e ch t e für die Freidenker bewegung. Das Kultusministerium versucht scheinbar, durch eine Häufung von künstlich geschaffenen Hindernissen die Ausführung dieses parlamentarischen Beschlusses der nächsten Generation zu überlassen. Der Rundfunk übersdstägt sich in der Darbietung kirchlich« Propaganda, die Freidenkerbewegung vertröstet er mit Redensarten. Und alles im Namen der religiösen Toleranz, alles aus Rücksicht auf Andersdenkende. Man verschone uns mit derartigen politischen Schlagworten. Es ist krasseste Intoleranz, die hier gegen eine Bewegung geübt wird, deren Treue zur Republik über jeden Zweifel erhaben ist, deren Wirken in keinem peinlichen Gegensatz zu den Erfordernissen des modernen Staates steht und deren geistige Fundament« auf der Linie des menschlichen Fortschrittes, der modernen wissenschaftlichen Er- tenntnis und der sozialisttschen Zieffetzirng liegen. f�pman von ITlax ßarlhel (25. Fortsetzung.) Vleischwert schüttelte allen auf ein« durschikos« Art 5i« choni»,«r riß tue Häiit>e so hastig an sich, als wolle er sie aus den Gelenken reißen. Sein Griff war irdisch und durchaus nicht vergeistigt. Dann bestieg er das Pult, das Licht flammte, auch der Professor ließ sein Licht leuchten: er hielt eme ncbulole Rede über den Astralleib, über die Inkarnation, über die Seelenwanderung, über Sternenstaub und Wettgewissen. Er sprach eine halbe Stunde mürrisch und verdrossen, und als er endete, waren die Zuhörer mehr aus Furcht vor dem schrecklichen Mann als aus Ueberzeugung für den Okkultismus. Bleischwert wußte nidsts von dem Raum hinter dem Ma- bastersalon, in dem es für die Eingeweihten alle Rarkoticn gab. Koffein, Kokain, Opium, Hafchich, alle Abenteuer der Seelen und der Leiber, der Männer und der Weiber. Professor Bleischwert mar ein verschrobener£err und nahm den Unsinn mit dem Sternenzauber furchtbar ernst, wie eben nur ein richtiger deutscher Professor auch den Bluff ernstnchmen und ihn sogar Wissenschaft- lich begründen kann. Er hatte an diesem späten Abend noch einige Logen ,u be- suchen und mit mürrischem Pathos zu versorgen, er verabschiedete sich bald und kurz nach seinem Weggong begann Doktor Wendel die zweite Sitzung. Neue Gäste waren gekommen, noch einige cherren und Damen vom Film und vom Theater, aber auch die Großfinanz hatte einen Vertreter geschickt, der sich in dem ala- basternen Salon so benahm, als könne er die Kurse an der Börse steigern. Auch Dolora King kam mit einem Schwärm junger Damen. Sie ließ siä) neben Marianno nieder, Lyssander beachtete sie kaum, und erzählte Atelierklatsch. Dann zerbrachen wiederum wie auf einen Schlag alle Ge- spräche, das Licht erlosch, der Doktor Wendel stand wieder auf dem ebenholzfchwarzen Pult und hinter ihm flammte dos Licht eines neuen Sternes auf. Dieses Licht nun war rosenfarbig und sanft blühend und wanderte langsam durch die Dunkelheit. Dos Licht sucht seine Gestalt!" schrie wiederum eine hysterische Stimme. Lena Sperber schrie. Und das Licht des Sternes man- derte ruhig und gelassen über die Gesichter der Männer und Frauen. Auf dem Gesicht von Marianne blieb es haften. Sie schloß ge- blendet die Augen. Das Licht aber stieß glühend in die Dunkelheit und riß das Mädchen von ihrem Stuhl. Sie mußte sich erheben, ob sie nun wollte oder nicht wollte, sie mußte sich erheben, das Licht wanderte vor ihr und führte sie nach dem Divan, auf dem vor einer Stunde die Lola Lopez geruht hgtte. Der Diwan glühte und schlug wie eine rosige Flamme über ihr zusammen. Dann erlosch das Licht wie vorher, nur Marianne glühte, nur der Diwan glühte. Alles war dunkel und man hörte wieder die gleichen Seufzer und Atem- züge gehen und sich zu einem einzigen Seufzer und Atemzug ver- einigen. Dann sang und klang auch die dunkle Glocke wieder, der Doktor stand auf seinem Pult und begann zu sprechen. Durch eine besondere Akustik bekam seine Stimme die Gewalt einer donnern- den Lawine. „Sterne, Stern«, seid ihr da?" dröhnte der Doktor. Er beantwortete seine Frage selbst: . Die Sterne sind da! Das Licht ist da! Der Stern aller Sterne'ist da. Der Stern Venus, Der Stern Venus ist da. Venu« Flammt!" Das alles sagte er dunkel und singend wie«ine Messe her. „Der Stern ist da. Der Stern Venus ist da. Venus ist da, Venus. Flammt!" antwortete Lena Sperber. „Demis flammt'" wiederholten ekstatisch einige Frauenstimmen in der Dunkelheit. Dr. Wendel oerließ seinen Platz und näherte sich dem Mädchen auf dem Diwan. Marianne hatte die Augen geschlossen, doch es mar ihr, als könne sie trotzdem sehen. Sie sah mit geschlossenen Augen den purpurnen Schattenriß des Doktors. Er beugte sich über sie, die kleine goldene Kette am linken Armgelenk kkrrt«. Marianne öfsnete die Augen. Der Doktor Wendel war nun ganz nahe und hielt in seiner rechten Hand einen silbernen Spiegel. Der Spiegel war schön und grausam, macht« müde und wach. verwirrt und klar, schwermütig und heiter, Marianne wußte sich keinen Rat, der Doktor ließ auch keine Zeit zur Besinnung, er strich mit seinen magnettschen Händen ihre Schläfe und flüsterte dabei magisch« Beschwörungen über das Gesicht Mariannes. Im letzten Bruchteil einer Sekunde, wo sie noch«in wenig klares Bewußtsein hatte, wollt« sie sich wehren, aber schon verließ sie die Erde und rollte irgendwo im Raum, ein Stern unter Sternen, erhaben über jeden Raum. Sie fühlte Musik in sich und die Raserei traumhafter Gelüste. Ein« kleine Ewigkeit, so schien es ihr, schwebte sie im M, badet« im Licht, schwelgte in Harmonie, aber als sie nach einigen Minuten erwachte, saß Dolora King neben ihr auf dem Diwan und flötet«: „Sie haben phantastisch gut getanzt, Marianne, die Sperber wurde eifersüchtig. Sie sind ein Teuselsmädchen." „Ich habe getanzt?" fragt« sie und wußte von nichts, erhob sich langsam und wurde von Lyssander zu ihrem Stuhl gcjührr. „Ich habe getanzt, Lyssander?" „Ausgezeichnet und noch besser als unsere Freundin Lola," antwortete er.„Wie gefallen Ihnen die Sterne?" Copyright 1929 by„Der BOcherkrcis G. m b. H." Berlin SW 61 „"©ie sind, bei allem Licht, eine dunkle Angelegenheit, mein Freund," gestand sie,„aber ich hoffe, ich werde sie einmal voll be- greifen können... Sonderbar, ich soll getanzt haben und dachte, ich flöge durch das Paradies. Das war himmlisch." „Das Paradies ist auf der Erde, Liebste," flüsterte Lyssander und verriet dos Geheimnis des ihr unbekannten Zimmers.„Das Paradies ist auf der Erde. Wenn sie wollen, können wir uns zurückziehen." „Wohin?" „Ins Paradies, in das Zimmer Namenlos, nach Eldorado, in die Seligkeit, Marianne!" „Gehen wir," sagt« sie nur und nahm sein«« Arm. Er führte sie lächelnd aus dem Alabastersalon in das goldene Vorzimmer, der Doktor Wendel nickte, der Diener mit der schwarzen, silberbestickten Kleidung kam und führte die beiden vor einen hohen Spiegel. Dieser Spiegel drehte sich in seinen Gelenken: vor Mari- anne und Lysander gähnte ein schwarzes Loch, aus dem aber nun goldene Lichtströme quollen. Auch leise Musik war zu hören, Man- anne zögerte, aber Lyssander riß sie über die Schwelle. „Borwärts," sagt« er.„Vorwärts, hier ist das Paradies!" Das Paradies war ein großer Raum mit vielen Teppichen, Ruhelagern, Nischen und Kiffen, es gab verdunkelte Ecken aus kost- baren Fellen, aber es gab beinahe keine Möbel in dem Raum, keine Stühle, Tische oder Sessel. Lyssander führte seine Freundin nach einem weichen Ruhelager. Sie ließ sich willig führen. Das Fieber einer ihr bis j«tzt unbekannten Aufregung raste durch ihre Adern. Jmnier noch schien sie zwischen den Wellen zu schweben. Ilm nicht zu stürzen, klammerte sie sich an ihren Begletter fest. Sie waren nicht allein in jenem Zimmer. Die kleine Lola Lopez hatte sich mit ihrem Mister Guerva auf einem Bärenfell breitgemacht. Die Lena Sperber saß mit dem Delegierten der deut- schen Großbank.zusammen. Dolora und ein fetter Kerl aus der Schlog«rbranche hatten sich gefunden und besprachen die bittere Notwendigkeit eines Dolorakingwalzers. Der Musiker«rbot sich, ihr diesen Walzer auf den Leib zu schreiben. Sie bot ihm jetzt schon ihre schöne, nackte Brust dar. Doktor Wendel hatte allen Fanatismus beiseite geschoben. Er war«in aufmerksamer Gastgeber und klingelte für einige einsame Herren eine Pension in der Augsburger Straße an, die für besondere Zwecke besondere Damen zu j«der Stunde und für jeden Dienst zur Verfügung stellte. Heber ein Dutzend Menschen waren nun versammett und jedes Paar gründete seine besondere Sterngemein- schast. Als die kleine Lola Lopez vor Wollust wild wie ein Tier aufschrie, bekümmerte sich kein Mensch darum. Jeder war mit sich oder mit seinem Partner beschäftigt. Der Doktor Wendel aber sah alles und lächelte. Lyssander hatte Marianne noch dem Ruhelvger geleitet. lieber dem Lager, es bot guten Platz für zwei Menschen, hing ein kleiner Gong. Lyssander schlug den Gong an. Ein Chinese kam auf legten Sohlen und brachte zwei kupferne Lampen, zwei Pfeifen und alles, was nofwendig ist zum Glück dos Opiums. Marianne nahm zögernd die lange Pfeife mit dem winzigen Kopf und ließ sich von ihrem Freund in der Handhabung unterrichten. Der fliß« Geschmack des Rauches brachte erst Ekel, aber daim kam die Aufhebung ollen Schwergewichts, die verzückte Süße der wildesten Träume. Es war wieder ein Schweben, eine trunkene Klarheit zwischen d«n Wetten, eine Raserei traumhafter Gelüste. Mit den jungen Mädchen- die von Wendel für die Herren Lebemänner und Wüstlinge herbeigerufen wurden, erschienen auch Bernhard Glaß und Alfred Bencke, um hier in der Loge ihre Aben- teuer im Osten der Stadt in eine höhere und geistigere Sphäre zu rücken. „Alfred, die Hull, die Hull!" flüsterte Glaß, als er das Mädchen neben Lyssander auf dem breiten Lager entdeckte„Di« Marianne Hull. Was macht die Hull in diesem Lokal?" „Sie macht sich den Traum vor." „Die WeU ist tief in Träume eingeflochten und unser bestes Glück kommt von den Lügen her," zitierte Glaß und erklärte:„Das ist leider nicht von mir, obwohl es von mir sein könnte. Das ist von Verhaeren, du mußt mal seine Hymnen lesen, Alfred, da wirst du ein besserer Mensch, wenigstens für den Augenblick, wo du die Gedichte liest. Und mehr kann man auch nicht verlangen, olc für einen Augenblick lang gut zu fein... Die Welt ist bestialisch böse." Bilderund kein Bildnis. Don jener Nacht und ihren Bacchanalien hatte MaÄanne nur noch ein« verworren« Vorstellung. Sie errinnerte sich wohl des oerzückten Schwebegesühls, des vielen Lichts und der Lola Lopez, vom Doktor Wendel halte sie nur noch ein schwarzes Bild, und wenn sie sich seiner erinnerte, haßte sie ihn. Der stumm« Chinese, der das Opium brachte, stand ganz klar vor ihr und in ihren Ohren klangen immer noch die hysterischen Schreie der Lina Sperber. Bis zum frühen Morgen war sie mit Lyssander in der Loge ge- blieben. Dann war sie mit ihm nach der Pension gefahren und dann, den Rausch des Narkotikums noch im Herzen, hatte sie ihren Kauf- preis bezahlt. Sie fühlls sich aber frei und leicht, auch frei von Lyssander. Er hatte wenig Gewalt über sie. In die Loge wolllc sie nicht mehr tzchen. Kreß hatte sie beifeite genommen und gesagt: „Kindchen, nehmen Sie sich vor dem Unsinn in acht, das ist mir etwas für'Lebedamen und Männer, die kein« Männer find." Dabei hatte er sie so hungrig angesehen, daß sie sich jetzt noch schüttelt« wenn sie daran dachte. Sie stürzte sich in die Arbeit, und jeden Morgen ritt sie im Tiergarten mit Lyssander aus. Ihr Pferd war ein frommes Tier und macht« keine großen Sprünge, ober das war ihr gerade recht. Mit Vorliebe sucht« sie jene Gegend auf, wo sie einmal kummervoll und verzweifelt herumgeirrt war. Die Morgenritt« erheiterten sie sehr, und nach einigen Wochen ließ sie sich das wildeste Pferd geben und jagte über den sandigen Reitweg der kleinen Gesellschafl vor- aus und lachte über ihren Freund, der vergeblich versuchte, sie einzuholen. Die Aufnahmen für den neuen Film halten begonnen. Das Manuskript schrieb Glaß, aber ihm war ein junger Mensch beigegeben, dessen Drehbücher gerade große Mode waren, und nun war ein Manuskript entstanden, in dem sich olle Technik und Romantik der aufgeklärten Zeit zu einer dramatischen Handlung verschmolzen und einen schimmernden Gipfel edlen Kitsches auf- bauten. Der Film spiette in Wien. Der Film spielte in Dien und führte an die Donau. Auf ver Donau lag die Luxusjacht des Milliardärs Mister Gould. Mister Gould war nach dem Drehbuch vom Schwarzen Meer gekommen und hatte vor Wien die Anker ausgeworfen. Mister lSvtffih" ein iieuer Nibelunge, kam nun nicht, um das versenkte Gold aus der Tiefe des Flusses zu holen, er kam, um die Schönheit aus der Tiefe des Voltes zu heben. Mister Gould war ein Gentleman und die Schönheit, wer war die Schönheit? Di« Schönheit war, wie konrne es anders sein, das Kind aus dem Volke, Marianne Hull. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. «iRniiiiniiiinimnniiimiiniiniiiiimiimiiiiiiiiiiiiuiniiittinuuiKiinniiiiiiiiuiiiniiutiiiiiimuouiiiuiuiiiiiiiiiiii;ii.i!iiiiuiiiiiiiiiiiiniittiiiiniiiiiiiniiinmu:muiiiflimimimniiiiiniw Volksbegehren, Ort der Handlung: In der Nähe meiner Wohnung vor einem Einzeichnungslokal für Hugenbergs Volksbehren. Ein paar Leute stehen da und disputieren, drei Arbeiter und ein etwas jüdisch aussehender kleiner Schneider. Hinzu tritt ein sogenannter Herr. Ein gutes halbes Dutzend Schmisse sitzen in einem ausgesprochen fetten, echt nationalen Gesicht. Seine Stimme ist verlogen liebenswürdig und verbirgt nur schlecht den ehemals königlich-preußischen Kasernenhofton. An einer Leine hält er so etwas Aehnliches wie«inen Hund, der aber ohne Maulkorb ist. „Meine Herren, das Volksbegehren gegen die Versklavung unserer Kinder, gegen die Deportation deutscher Jungniannen ins feindliche Ausland.. beginnt er und rasselt ein paar bekannte .,Lokal-Anzeiger"-Phras«ii runter. „Quatsch nich dämlich," unterbricht ihn einer. „Nu halten Se aber die Luft an, Männecken," lacht ihn der zweite aus. Ataiitsx, 31. Oktober. Berlin. 16.05 Dr. Hans Bollmann: flporlschan. 16.30 1. Bach; Enzlische Saite Q-Moll.(Paul Estert, Flügel.) 2. Pasqualini: Sonate A-Dur(Otto Urack. Cello, und Th. Mackeben. Flügel). 3. a) Weber: Perpetuum mobile: b) Schubert-Liszl: Erlkönig(Prof. Paul Eggert). 4. Hindemith: Sonate op. U Nr. 3(0. Urack und Th. Mackeben). 17.30 Hermann Kesten liest eigene Dichtungen. 13.00 Unterhaltungsmusik. 19.15 Dlpl.-Ing. zur Nedden: Die Welt-Kraft-Konferenr. 19.35 Prof. Dr. Julius von Farkas: Dfe deutseh-ungarischen kulturelien Beziehungen. 20.00 Aua dem Konzertluus Steffin: Orcheaferkonzert. 22.30 Funk-Tanzutuerrichf. Ansehließend bis 0.30 Tai zmusik. Wahrend der Paus« Bildfunk. . KSnfganrasterbansea. 16.00 Englisch. 17.80 Arna Nadel.(Steleitnng: Felb Sthsslnger, Rezitation; Em» Feld). 18.00 Dr. M. H. Boehm; Volk, Staat nnd Nation. 1880 Englisch für Anfänger. 18.55 Prof. Dr. Ecksfein: Düngemitteülehrgang. 19.20 Min.-Rat Peters: Technischer Lehrgang. 20.00 Lieder von R. Schumann. Brahms, Wolf.(Marg. Roll. Sopran. Am Flügel: Erna Klein). 20.30 Unterhaltungsmusik. 21.00 Gespensterstunde. Mitwirkende: Helene Wefgel, Hermann Valleattn. Kapelle Gebrüder Steiner. „Herr, davon oerstehn Se Nif cht," sagt der kleine südisch aus- sehende Schneider.„Binden Se lieber Ihrem Köter'nen Maul- korb um wegen de Hundesperre. Außerdem: Wat is denn det für'ne ulkige Mischung?" Die Augen des Herrn blitzen aus jeder Pupille hundertprozentiges Potsdam. „Mischung zwischen einem Hornochsen und einem Juden I" zsscht er aus seinen Zähnen und will wütend gehen. Der Schneider ballt schon die Faust, aber im letzten Moment steckt er sie doch wieder in die Tasche und antwortet mit ausgesuchter Höflichkeit: „So. na denn sind wir ja beide mit d e r Töle verwandt.,.�xel �.rbeuk. Zuschüsse für Kinderreiche.• In Frankreich gibt es neuerdings auch Unterstlltzungskassen für kinderreich« Familien, die im kommenden Jahr noch weiter ausgebaut werden sollen. Die Kassen gewähren durchschnittlich folgende Zu- schüsse im Monat: An ein« Familie mit zwei Kindern 67 Franken, mit drei Kindern 116 Franken, mit vier Kindern 152 Franken, mit fünf Kindern 225 Franken, und mit sechs Kindern 328 Franken. Insgesamt wurden im vorigen Jahr 292 Millionen Franken an der- artigen Zuschüssen gezahlt. Wer hat die Damptkratt entdeckt? Der erst« Entdecker der Dampfkraft war Salomon de Caus. Er kam eines Tages zu dem allmächtigen französischen Minister, dem Kardinal Richelieu, und erzählte ihm an Hand von einwandfreien Dokumenten, wie er das Geheimnis gefunden habe, mit siedendem Wasser die schwersten Lasten zu bewegen. Aber der Kardinal wall« von der Erfindung nichts wissen und hieß de Caus gehen, indem er ihn seiner Umgebung gegenüber als Verrückten hinstellte. Als der Erfinder es nach einiger Zett wagt«, wieder vorzusprechen, ließ Richelieu ihn ohne weiteres nach Bicätre ins Irrenhaus bringen, wo er bald danach starb. Erziehung zum Untertan. In einer windgeschützten Ecke des riesigen Hotelbaues sitzt jah-. aus, jahrein, bel Wind und Wetter, Mutter Schäfer. Seit langer Zeit erstehe ich mein« Zeitungen bei ih-, immer um dieselbe Zeit, so um acht Uhr herum. Und jeden Abend fertigt Mutter Schäfer vor mir einen tiptop gekleideten Herrn, dessen Lackschuhe sich manchmal bei schlechtem Wetter tn den Regenpflltzen widerspiegeln, in einem so höflichen und untergebenen Ton ab. daß ich neulich einmal frage: „Wohl'n sehr feiner Herr, was?" Em Zucken geht über Mui'tcr Schäfers verwittertes Gesicht:„Feiner Mann? Det weeß ick nichl Ick Hab man bloß Angst um mein Ield! Bei mir laßt a an- schreiben!"" dfi&rfcü�cffzüel 25 Jahre„Kote Kavallerie". Das Jubiläum von Solidarilät— Berlin. (Fs mar ein erhebendes Bild, als unter dem stürmischen Jubel der Festteilnehmer am Sonnabend abend ungefähr ol) Jubilare des Arbeiter-Rad. und Kraftfahrer-Bundes„Solidarität� in den Saalbau Friedrichshoin einmarschierten. Es bezeugt die tiefe Verbundenheit der Berliner Gruppe von„Solidarität" mit der Sozialdemokratischen Partei, daß verschiedene Abteilungen Fahnen- abordnungen entsandt hatten. Das Fest der Jubilare, das gleichzeitig dos 2.?. Stiftungsfest der Berliner Ortsgruppe war, nahm überhaupt einen ausgezeichneten Berlauf. Nach Konzert- und Gesangsoorträgcn nahm D« I n e r t das Wort zu seiner Festrede: „Die Jubilare, die wir heute feiern, verkörpern ein Stück Bundesgeschichte, Geschichte der größten radsportlichen Organisation der Welt. Wem» wir heute zurückblicken, dann können wir stolz sein auf die geleistete Arbeit. Obwohl das Bestreben der Radfahrer oft genug oerkannt wurde, haben gerade Arbeiterradfahrer geholfen. in Vorkriegszeiten die Ideen des Sozialismus in die entlegensten Winkel zu tragen. Und der Berliner Ortsgruppe gereicht es zur besonderen Freude, dem Bund mit die besten Kräfte geschenkt zu haben. Die Arbeiterradfahrer find groß und mächtig geworden, trotzdem man ihnen die wilhelminische Polizei auf den chals hetzte, ihre Versammlungen auflöste und die Leiter verhaftete. Wir haben auch die schweren Kriegsjahre überwunden, fuhr der Redner fort, wo der stolze Bund auf 22l1 Mitglieder zusammensank. Als das Völkermorden zu Ende war, haben wir den Bund mächtiger denn je aufgebaut. Und trotz aller Widerstände werden wir weiterwachen." Deinert schloß seine Rede mit einem Hoch auf die Jubilar«, in dos die versammelten Freunde des Bundes begeistert einstimmten. Aus dem übrigen Festprogramm war das Auftreten der Bundesmeister und der Coputher Kunstfahrer bemerkenswert. Um Miternacht kam dann der Tanz zu seinem Recht. Arbciler-Hockcy. ASC.-Berlin schlägt V.t.L.-Lcipzig. Die durch den Waldlauf bedingte Spielnche am Sonntag nutzte der Berliner A thl« tik- S P o r t k l ub zu einem Freundschaftstreffen gegen die Mannschaft des Verein» für Leibes- übungen-Leipzig. Es war ein Spiel zweier ungleicher Mannschaften: Leipzig steht nicht aus der Spielhöhe Berliner A- Mannschaften. Ihr Spiel ist noch zu primitiv, ein Deckungsfpiel wurde gar nicht gezeigt. Der Sturm hatte einige gute Ansätze, ober vor dem Tor versagte er und konnte gegen die erfahrene Verteidi- gung der Berliner nicht auskommen. Allein der Torwächter lieferte ein gutes Spiel, und wenn man das starke Schußvermögen Berlins in Betracht zicht, war er sogar sehr gut. Trotzdem mußte er bis zur Paus« viermal und nachdem noch dreimal den Ball zur Mitte geben. Der Athletik-Sportklub ist gut im Zug. Der beste Mann- schaftsteil war der Sturm. Eine mustergültige, uneigennützig« Ball- abgäbe, gutes Slellungssplel und schnelles Starten brachten«inen intereffänten Kampf. Die Läuferreihe war gut, aber noch nicht ganz fest. Verteidigung bis auf die vielen Stockfehler des linken Spielers ebenfalls gut. Der Torwächter hatte nicht viel zu tun. Der Klub eröffnete mit diesem Spiel sein« diesjährige Hoch- faison, da er in den Serienspieeln noch unbeschäftigt war. Er dürste eine der fpielstärksten Mannschosten, wenn nicht gar die Best« des 1. Kreises, haben,*''-et, Die UncntwcgiciL Trotz Regen— Waldlauf in Trebbin. Trotz Regen und Wind hatte sich beim Waldlauf der Arbeiter- fportler in Trebbin sogar eine ansehnliche Zuschauerschar«ingesunden — genug Anlaß für die unentwegten Sportler und Sportlerinnen, nun auch ihrerseits alles an ein gutes Gelingen zu setzen. Trotz schlechter Bodenverhältnisse wurden noch beachtenswerte Zeiten erzielt. Die Läufe. Im ersten Lauf über 1000 Meter starteten die Schüler. Eine kleine Gruppe hielt wacker bis zum Ziel durch, wo erst der Endspurt sie«in wenig auseinanderriß. In der ebenfvlairgen Strecke der Frauen tonnt« Schwarz-Süden sich bis zur Führung durch ringen und sie mit kurzem Vorsprung bis zum Ziel holten. Es folgten dicht aufeinander Mathysczyk und Parge-Schöneberg. Den Jugendlauf über 2000 Meter sichert« sich Hoppegarten knapp durch besseres Spurtvermögen. Eine sichere Beut« für Huwe- Ruhlsdorf war der 3000-Meter-Lauf siir M L n n e r. Er führte vom Start an und passiert« mit einem Vorsprung von 300 Meter das Ziel. Im Stafestenlauf der Sprinter über 3 X 1000 Meter war Schöneberg nicht zu schlagen. Löwendorf konnte trotz größter Be- mühungen den Vorsprung nicht mtfholen, so daß Schönebcrg das Rennen für sich entschied. Die Wcrbehondballspielc. Obgleich den Frauenmannschaften Wetter und Boden zu schlecht waren, wagten es doch die Bezirks- und Nürnbergmannschaft zum Spiel anzutreten. Trotzdem das Spiel sehr unter den schlechten Bodenverhältnissen litt, wurde von Spielepn und Zuschauern alle» mit Humor ertragen. Durch besseres Schußvermögen und besseres Zuspiel des Stunns der Bezirksmannschaft konnte diese bald in Führung gehen. Wenn auch bald der Ausgleich"siel, zeigte die Bezirksmannschaft sich nach Halbzeit doch als die bessere. Durch drei in kurzen Abständen geschossene Tore konnte sie mit 4:1 als Sieger den Platz verlassen. Noch einige Stunden vereinte frohes Beisammensein und Tanz die Teilnchmer. bis die vorgerückte Zeit das lustige Völkchen aus- einanderriß. Resultat«: Mt>O.M«t«.Sauf für«ÄIÜ£«: 1. karinz-rrebbiu 4:1(1,1; 2. flow«- ftoenbotf 4:184.— lOOO-SWdn-Sanf für sTwu««: 1. Gchwarz.TiUxn 8:064: MjndJooUUb Der Kreisspielertag. Wieder ist ein Jahr Arbeit für die A r b e i t e r h a n d b a l l- bewegung verflossen. Um den Schlußstrich unter das Ver- gangen« zu ziehen und für das neue Jahr die Arbeit festzulegen, kamen am Sonntag die Vertreter der Handballmannschaften fast vollzählig zusammen. Aus dem Bericht des Kreisspielwortes Richter war ein« erfreuliche Aufwärtsentwicklung festzustellen. Waren es nach der Trennung nur 78 Mannschaften, die sich zusammen- fanden, so sind es heute 170, die sich aus 103 Männer-, 33 Frauen- und 32 Jugendmannschaften zusammensetzten. Die letzte Serie, die mit 75 Mannschaften begann, wurde leider durch die große Kälteperiode lahmgelegt und konnte darum nicht zu Ende geführt werden. Während dieser Zeit wurde aber die organisatorische Arbeit in den Bezirken vollzogen: es fanden die Bezirksfpielertage statt. Inzwischen sammelten sich immer neu« Mannschaften an, die sich in Börsenspielen gegenüberstanden. Bis Ende September wurden so 10 X 15 Börsenspiele ausgetragen. Gut und ausgiebig wurde die Arbeit in die Provinz getragen. Stark war die Be- teiligung am Bundesfest in Nürnberg, 13 Mannschaften aller Spiel- arten fuhren zum Fest. Die Städtcspiel« und die Erfahrungen daraus wurden in längeren Ausführungen behandelt. Einen breiten Raum nahm die Pressefrage und die Spielberichterstattung ein. Der Bericht des Schiedsrichterobmanns zeigte, daß in der Leitung der Spiele noch nicht der idealste Zustand zu verzeichnen ist, wenn auch die Tätigkeit der 160 Schiedsrichter— unter ihnen zehn weibliche— anerkannt werden muß. Bei der Erörterung der Serien- und Meisterschastssragen wurde von vielen Vertretern und den Bezirksspi�lwarten dos mangelhafte Melden einzelner Mannschaften kritisiert. Ausgiebig unterhielt man sich über die Frage der Klassenbildung und die Beschlüsse des Bundesspiel- ausschusses, betreffend die Meisterschaftsspiele. Der Bertretertag faßte mit Mehrheit bei beträchtlicher Stiimnenthaltung den Beschluß, mit Beginn der nächsten Serie die M e i st« r s ch a s t s s p i e l e für Frauen abzuschaffen. Eine„gefällte" Hoffnung. Grisclle von Schönraih geschlagen. Der Versuch des Berliner Sportpalastes/»«inen volks- tümlichen Box-Kampftag an einem Sonntagabend zu ver- anftolten, brachte nicht den erhofften Publikumserfolg. Schuld hievan dürften wohl in erster Linie die viel zu hohen Eintritte- preis« sein, die man alles andere denn„volkstümlich" nennen tonnte. Bei einer geschickteren Preispolitik hätte das Parkett sonst „Mir auch einen Luftballon� Spldfett bei den Arbeit crtporllern. BPOOfSXlOCOi.aJIettt�tafdt« mr Srcmtft: l eaiöntt« »aiA w gontdwD:««bcksSüwci-rgmomisckxift 4:1. Deutscher Fußballjieg über Finnland. Im Fußball- Länder- kampf D�utfchland-Finnland konnte die deutsche bürgerliche Mann- schast, nachdem das Spiel bei Halbzeit 0: 0 gestanden hotte, schließlich mit 4:0 Toren siegen. Das Spiel fand vor 25 000 Zuschauern bei sonnigem Herbstwettcr im Stadion von Altona statt. unmöglich diese Lücken aufweisen können. Hoffentlich werden dl« Herren vom Sportpalost daraus für die Zukunft ihre Lehren ziehen. Sportlich brachte der Abend auf der ganzen Linie harte und mit großer Verbissenheit geführte Kämpfe. Die größte lieber- raschung war zweifellos der überzeugende Sieg des Krefelders Hans S ch ö n r a t h(86,6) über den Franzosen Maurice Gri seile(92,8). Diese Niederloge seines Schützlings hat sich wohl auch der bekannte französisch« Manager Griselles, Descamps, nicht träumen lassen. Gestern abend geriet Criselle mehr als einmal an den Rand des k. o. Eine französische Hoffnung, den„besten Schwergewichtslkoxer des Kontinents" zu besitzen, wie es mehrfach so schön hieß, ist damit vorläufig zu Grabe aetragen. Es ist eben nichts, wenn man«inen Boxer, der mehrmals, vielleicht durch Zufall, k. o.-Dlitzsicge errungen hat. einfach zum besten Schwergewichtler ernennt und für ihn dann noch eine Bombenreklame macht: Ob Schönrath wenigstens der„kommende Mann" ist? Ihm fehlt leider noch die Ringerfahrung. Besonders siel es auf, daß Schönrath auf den Beinen noch sehr schwer ist. In den beiden ersten Runden hatte er richtig Gelegenheit, seinen Gegner, der greggy im Ring taumelt«, fertig zu machen. Die Gelegenheit ver- paßte er leid«: er ging zwar stürmisch nach, doch schlug er zu ziel- los auf Grisell« ein, der dadurch dem sicheren k. o. entging. Grobe Regelverstöße erlaubt« sich während des Kampfes Descamps, der seinem Schützling von der Ecke aus zu deutliche Zeichen machte, so daß das Publikum mehr als einmal feinem Mißfallen darüber laut Ausdruck gab. Der Kampf begann sofort sehr hart. Schon in der ersten Runde muhte Grisell« auf einen rechten Kinnhaken hin zu Boden. Schönroth ging aber zu langsam nach, so daß der Franzose sich über die Runde holten konnte. Bis zur fünften Runde lag der Westdeutsche weiter klar in Front und erschütterte den Gegner immer wieder durch harte Kinntreffer. Zum Schluß mußte Griselle noch mehrere Körpcrtreffer einstecken: er war vollkommen fertig, als der Schlußgong ertönte. Der Sieg des Deutschen wurde stürmisch bejubelt. Der Schweizer K r ä u ch i machte mit dem Hamburger C u n o w wenig Umstände. In weniger als einer Minute lag der Hamburger nach einem genau getroffenen Kinnhaken am Boden. Von den beiden deutsch-belgischen Kämpfen gewann der Oberschlesier K o s k a dos Treffen gegen Debarbieux knapp nach Punkten, der Wies- badener Zinndorf dagegen konnte der meisterhaften Technik des Belgiers Saerens nicht viel entgegensetzen und wurde pnapp geschlagen. Der als Ersatz für den Kölner Ensel eingesprungen« Lauer- Saarb rücken vermochte gegen Walter Peter- Berlin mir ein Unentschieden zu erreichen. Oer„Ständige Ring". Der Königsberger Weltergewichtler Helmuth Schulz hatte im „Ständigen Boxring" in den Spichernfölen gegen den guten Belgier De sm et zu kämpfen. Cr unterzog sich dieser schwierigen Auf- gäbe jedoch mit großem Geschick, wich den vielen Angriffen Dcsmets durch ausgezeichnete Paraden recht gut aus und londttr wiederholt selbst mit Wirkung. Der Kamps endete mit einem kleinen Punkt- vorsprung für Schulz, die Richter gaben ihn unentschieden. E d e r- Dortmund schlug den starken Berliner Boguhn in der 4 Runde entscheidend. Auch die beiden Exomateure' Ps i tz n e r- Berlin und T r o l lman n- Hannover gaben Proben ihres guten Könnens ab. Der debütierende Trollmann schlug Boitze-Duisburg über vier Runden nach Punkten, Pfitzner siegte über den tapferen Aust, der siebenmal hatte den Boden aufsuchen müssen, ehe der Ringrichter den Kampf in der 6. Runde abbrach. S ch r ö d c r- Hannover» gab gegen Hölzl-Hamm in der 5. Runde wegen Handverletzung auf. Eine recht dürftige Angelegenheit war der Schwergewichtskampf zwischen Wigo-Berlin und Klinz-Köln, der unentschieden endete. 15 Stunden Nachtsegelflug. Ein neuer Wcitdaucrrekord. Oberlcnlnanl D I n o r k, vom llägerbalalllon in Ortelsburg. startete Sonnabend, 15.19 Uhr, im Rosittener Segelslug- gelände auf ein« neu konstruierten Schwachwind- Maschine und landete Sonntag morgen 6.03 Uhr. hiermit ist d« von Ferdinand Schulz Im Mai 1927 ausgestellte weltdauer- rekord um 35?* Minuten überboten worden. Don 14?«! Stunden Dauer waren 12 Stunden stockfinstere'Nacht. Die Lan- dung«folgte bei völlig« körp«licher Frische, lediglich infolge leichten Schadens am Flugzeug. Dieser Nachtflug aus einem Segelflugzeug stellt eine ganz außerordentliche persönliche Leistung des neuen Weltrekordmeisters dar. klug- Weltrekorde. Die Liste der F l u g w e l t h S ch st l« i st u n g e n ist vom inter- nationalen Verband wieder überprüft und auf Grund der in den letzten Monaten erfolgten Verbesserungen berichtigt worden. Insgesamt umfaßt die Liste 86 Höchstleistungen, davon 35 für.Landstug- zeuge, 37 für Wasserflugzeug« und 14 für Kleinflugzeuge. Deutschland ist bei diesen Weltrekorden a m hervorragend st en be- t e i l i g t und führt mit nicht weniger als 33 H ö ch st l e i st u n g e n. Don dieser Zahl entfällt mehr als dis Hälfte, nämlich 20 auf Wasser- flugzeuge. Unter den deutschen Welthöchstleistungen befindet sich auch der international wohl am heißesten umstrittene, derjenige der a b- soluten Höhe, den der Junters-Pilot Willi Neuenhofen am 26. Mai d. I. mit 12 739 Meter aufstellte. Es dürste schwer fallen, dies« phantastische Höhe vorläufig zu überbieten. Weiter ist auch d« Dauerweltrekord auf geschlossener Strecke ohne Betriebsstosf- ergänzung mit 65 Stunden 25 Minuten der Junkers-Piloten Riltics und Zimmermann vom Juli vergangenen Jahres noch gültig Frankreich steht mit 21 Rekorden an zweiter Stelle, von denen 14 für Landflugzruge und nur einer für Hydroplane gilt. Amerika mit 17 Höchstleistungen ist gegen früher erheblich ins Hintertreffen geraten. Wetter folgen England mit 7, Italien mit 4, die Schweiz mit 3 und die Tschechoslowakei mit einem Rekord. „Cambridge— Oxford" in Berlin. Das traditionelle Achter-Rudern zwischen den Mann- fchaften der Berliner Universität und der Technischen Hochschule fand am Sonnabend auf der 2000 Meter laugen Streck« von der Ob erb aumb rücke zum Hellas-Bootshaus in Treptow zum sechsten Male statt. Es wurde zum vierten Mal« von der Universität gewonnen. Mit gleicher Schlagzahl(38 in der Minute) gingen die beiden Boote ins Rennen. Die Technische Hochschule hatte zunächst eine leichte Führung, aber bereiis nach 250 Met« lag die Universität auf gleicher Höhe. Bei 500 Meter hatten die Unioersitätsruderer eine halbe Bootslänge Vorsprung, bei 10M Met« betrug der Abstand schon eine Länge. Die wuch- tige und kräftige Wosserarbeit im Universitätsboot gab auch weiter den Ausschlag. Drei Längen trennte die b«tpen Boote im Ziel, das die Universität in 6:Z0,2 passierte. Die Zeit des unterlegenen Bootes der Technischen Hochschule wurde mit 6: 47 gemessen. „winlerspork— Volkssport!" lieber dieses Theam spricht der Präsident des republikanischen Deutschen Wintersport- Verbandes. Dr. Dietzel(Weimar) bei einem Film- Vortrags- abeirg der Reichsbanner-Wftrtersoprtabteilung Mittwoch, 23. Oktober, 20 Uhr, im Bürgersaal des Berliner Rathauses, Königstraße. Außer- dem wird der fünfaktige alpine Filnr„Ski-Heil" vorgeführt. Ein- tritt frei._ lotttiftcnocrcin.Die Ziatursr-nndc", zcnitalo Wien. Abt. zried«ich»tain: Diensta«. S2. Ottobtr, 20 Uhr, Frankfurt«« All»«!>IU. Lichtbildtruortroa: .Tier« der Hrimat"(Eottichoti).— Ab«. Zriebrnan. Dienstaa,'25. Ottobcr, 20 Uhr. Offcnbadiet Sit. 5a. Lcimabciid.— Abt. Norden: Dicnsta», 22. Ot- jnber, 20 Uhr. Eonnenburaer Str. 20. Zuacnddruppr.— Abt. Webding: lIuacud. gruppe.) Dienstaa, 22 Oktober, 20 Uhr, Secstr. 84. Vortrags, und 2rscal>«nb — Abt. E«Ill»bbrun»en IZuliendarupiie). 22. Oltobor. 20 Uhr, Schönstcdtstr. 1. Vortrag:..Vas kommunistisch« Manifest". 1. Abend.— Abt. SSdost: sIngcnd- grnpdc.l Mittwoch. 28. Oktober. 20 Uhr, Wosstrtvrstr. 9. Keschitstlichrs. Iug-nbgrnpp« Ost«»: Mittwoch, 28. Oktober. 20 Uhr, Gobl-rstr. 01. Einiah: sei er der Ingcndgruppe Osten.— Att. Prcmlaucr Bttg: Donnerstag. 2t. Ok- »ober. 20 Uhr, Danggcr Str. 8'2, Baracke II, Bortrag:..Körverbau und Körner- erziehuna".— Abt. Tieraarten: Donnerstag, 24. Oktober, 20 Udr, Lehrter Straß« 18—19.— Abt. Lichtenberg: Donncrotaa.?t. Oktober. 29 Uhr. Kuntor» sirah« 44. Bunter Abend.— Abt. Südwest: Tonnorolag, 24. Oktober. 20 Ubr, Borckstr. 11, Diskussionsabend.— Ratnrlundlich« Abteilung: Donnerstag, 24. Oktober. 20 Uhr. Iobannisstc. 15. Vortrag:»Das deutsche Museum in MUnchen.— Abt. Weißens«: Donnerstag, Lt. Oktober, 20 Uhr. Jugendheim Eharlottenburgcr Ecke Rölk-straße.„Wilh-Im-Busch-Dbrnd mit Lichtbildern." väst«»u ollen Veranstaltungen herrlich willkommen. Mndertnrne» in Moabit. Der Ueiungzbetrieb am 22. und 25. Oktober fallt nickt aus. da die Wählerlisten in anderen Räumen ausgelegt werden. Wir turnen von nun a» reoelmähtg Di-nsiaa» und freitags in der Turnhalle Vostockcr Straße. Neuaufnahmen liir die Schüler, und öchlllcrinnenad eilung können wieder vorgenommen werden. zr««., Bezirk Triedrichs Hagen. Dienstag. 18—20 Uhr. in her Turnhalle der ssricdrichfchule, Schüler: 29—22 Uhr, Männer. Jugendlich« und iZroueu.— Bezirk Rorde» 3. Dienstag. 22. Okwber. 20 Uhr, im Lokal Römer, Svieler- iitung.«Stellungnahme zum bevorstehenden Evitlverbot," Gegen die Gittlichkeitsschnuffelei. Die neuen G