BERLIN Mtwoch 23. Oktober 1929 10 Pf. Nr. 498 B 245 46. Jahrgang Srscheiat täglich«»KerSovatas«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Au«gabeu SS Pf. pro Woche. S.60M. pro Monat. Redaktion und Lrredition; Berlin SWW.Lindenßr.» nlbwai� i nieigen» teif> Die einspaltige Nonpareilleteile so Pf.. Reklameteile s M. Ermäßigungen nach Tarif. ostfcheckkont»! Dorwärls-Derlag G. m. b.H.. Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher! Dönhoff sss bis x" Braun lehnt Erkläruna ab. t Nur auf bestimmte Kragen kann bestimmte Antwort gegeben werden. Leipzig. 23. Oktober. Zu Beginn der heutigen Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof gab Ministerialdirektor Dr. Badt folgende Erklärung ab: Oer preußische Minislerpräsident ist der Auffassung, daß eine authentische Interpretation seiner im Landtag abgegebenen Regierungserklärung nicht nötig ist, und zwar um so weniger, als es sich heute nur handelt und auch nur handeln ka«« um die einstweilige Verfügung. Wenn die Klägerin den Wunsch hat. dar- über hinaus irgendwelche Erklärungen des Herrn Ministerpräsidenten zu erhalten, so war bei den mehrtägigen Debattenim Landtag Zeil genug, eine solche Erklärung herbeizuführen, wäre die Irage damals gestellt worden, so wäre sie zweifellos beantwortet morden, wenn aber die Klägerin nicht den versasfängsmäßigen Weg Die Krise in Thüringen. Rücktritt der Negierung- kommt die Auflösung? Weimar. 23. Lkrober.(Eigenbericht.) Zu Ateginn der heutigen Landtagpsitzung nahm zuerst Staatsmiuister.Dr.. P a.« l s r n.das Wort und gab folgende Erklärung ab:........ „Zch habe dem Präsidenten des Landtags mitgeteilt, daß sämtliche Mitglieder der Regierung in der Ka- biuettssihnng am Dienstag abend von ihre» Acmtern zurückgetreten find.". Räch dieser Erklärung beantragte der volksparteiliche Abgeordnete Bauer die sofortige Aufhebung der Sihung, um dem Acltcstenrat Gelegenheit zu gebe», zu der neu- geschaffenen Titnation Stellung zu nehmen. Der Aeltestcn- rat tagt noch. gewählt, sondern es vorgezogen hat. den Umweg über eine Klage beim Staaksgcrichtshof zu wählen, und innerhalb dieses Umweges wieder den weiteren Umweg eines Antrages aus Erlaß einer schcin- ba m einstweiligen Verfügung beschritten hat, um den Minisicr- pe identen iunerhalb dieses Schnellverfahrens zu irgendwelchen Er- klörungen zu zwingen, so sieht der Ministerpräsident keinen Anlaß, ihr auf diesem Wege zu folgen. Sollte aber wider Erwarten der Slaatsgerichtshos für die demnöchstige Entscheidung io der Hauptsache die Beantwortung irgeudeiner Frage noch für zweckmäßig halten, so rät der Ministerpräsident an. ihm b e st i m m t formulierte Fragen schriftlich aus dem üblichen Wege zuzuleiten. Er wird dann dafür Sorge tragen, daß bis zum Termin eine schriftliche Beantwortung erfolgt. Ministerialdirektor Dr. Ladt führte dann weiter aus, eine einst- weilige Verfügung könne nur gefällt werden, wenn eine Ent- scheidung i n der Sache selbst erfolge. Eine Entscheidung in der Sache selbst sei aber wegen der zwingenden Vorschrift des Paragraphen ö-der Eefchäftsordnung des Staatsgerichtshofes, der ein« vierzehntägige Ladungsfrist vorsieht, unmöglich. Also erscheine der Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Verfügung schon heute reif zur Abweisung, zumal es sich nicht um eine echte einst- wellige Verfügung handele. Zudem sei keinerlei Grundlage für cuic Entscheidung nach Artikel 19 der Reichsverfassung gegeben. Durch eine einstwellige Verfügung würde ein P r ä z c d e n z f a l l geschaffen werden, der unhollvollc Wirkungen ausüben und zu einer E r- schütterung aller verfassungsrechtlichen Grundlagen führen könnte. Eine einstwellige Verfügung des Staat«» gerichtshofs würde eine Borwegnahme der Kontroll- tätigkeit des Preußischen Landtags bedeuten, zu der dieser verfassungsmäßig berufen ist, und zu der er auch dos Miüel des Mißtrauensvotums und der Ministerverantwortlichkell hat. Eine einstweilige Verfügung würde auch den Disziplinargerichten vor- greifen. Di« Folge würde sein, daß alle Regierungskundgebungen gewissermaßen unter der obersten Zensur des Staotsgerichtshafs ständen. Es könnte auch vorkommen, daß der Staatsgerichtshof die Handlungsweise eines Ministers für nerfastungsmäßig erklär-, wäh- rend das Parlament sein Mißtrauen ausspreche. Wie sollte ein Urteil vollstreckt werden, bei dem sich«in Minister in Uebereinstimmung mit dem Staatsgerichtshof, aber im Gegensatz zum Parlament befinde? Der Redner betonte dann nochmals nachdrücklich, daß der§ s des Volksbegehrens nur den Zweck einer Brandmarkung der gegenwärtigen Minister haben könne. (Fortsetzung aus der 2. Sötte.).. ,;-Ai 1 Sias geflürstte MabineU. tlnjer'.Bild zeig! die Stlinifler des Jiabinells Xriand, das geflemabeml in&arisgcflürml inirdc. Heben JSriaud der Prüfidenl der Republik, Merr äboumergiie. Verwirrung in Paris. Brian d will kein Kabinett mehr bilden.— Die Verantwortung der Gozialisien. PÄris, 23. Oktober.(Eigenbericht.) Der unerwartete Sturz des Kabinetts Briand hat die hiesigen politischen Kreise in die schwerste Verwirrung gestürzt. Man ist nicht nur über die Nachfolgerschaft Briands völlig auf die vagsten Vermutungen angewiesen', auch die Gründe, die zum Sturz des Kabinetts führten,, scheinen noch nicht völlig geklärt. Briand hol erklärt, unter keinen Umständen einem 12. Kabinett ein dreizehntes folgen zu lasten. In Rechtskreisen wird in erster Linie die 5tandii>atur T a r d i e u s an der Spitze eines neuen vloc national propagiert. In dein Lager der Linken wird unterstrichen, daß, wenn in der gestrigen Zlbstim- mung die Stimmen der Linken ausschaggebend zum Sturz waren, dies doch keineswegs als Mißtrauen gegen die Brianösche Politik aufgefaßt werden dürfe. Die Linke, erklärt die radikale ,,Cre Nouvelle", hat gegen die Union National und gegen die im- gesunde Zusammensetzung der Regierungsmajorität gestimmt, die Rechte gegen die Politik von Locarno. Heute habe die Stunde ge- schlagen, da man mit aller Entschiedenheit zwischen einer Politik der Linken und einer Politik der Rechten wählen muß. Ginge es nach dem Willen- der Majorität der Bevölkerung, so wäre es nicht zweifelhast, wie diese Wahl aus- fallen würde. Die Parlamentarier- aber behaupteten, daß die Linie.zahlenmäßig nicht stark genug fei, um die Macht z» übernehmen. Dem sei.zu entgegnen, daß die Linke die Macht sehr wohl übernehmen können!»weil sie es muß". In ähnlichem Sinne außen sich die„Republique", das offizielle Organ Do lädier« und des linken Flügels der Radikol- Sozialisten. Briand glaubt, sich jeder Diskussion über seine Politik entziehen zu können, erklärt das Blatt, dos hat zu seinem Sturz geführt, ohne daß ein Mißtrauen gegen seine Politik gegeben wäre. In Wirk- sichkeit ist das Kabinett das Opfer der llnklarheileu geworden, in deren Zeichen feine«Geburt stand. Der Sturz des Kabinetts müsse dieser Art von Polllik ein für alle- mal ein Ende machen. Es gelte, alle Kräfte zu mobilisieren, um eine Uebernahme der Regierung durch die Linksparteien zu ermöglichen. Diese Aufgabe der demokratischen Paneie» ist klar und präzise gegeben.„Wir hoffen— so schließt das Blatt—, daß keine einzige Partei unter ihnen sich dieser lebenswichtigen Aufgabe entziehen werde." Der letzte Absatz ist eine klare Ampiebmg auf die letzte Rede Blums, in der die Uebernahme der Macht gemeinsam mit den Ra- dikal- Sozialen wurde. im gegenwärtigen Zeitpunkt abgelehnt Nur in einem Punkte sind sich die Blätter aller Parteischattie- rungen einig: daß die gegenwärtige Krise außerordemlich lang und schwierig zu lösen sein wird. Oaladier— Steeg— Hetriot? Paris, 23. Ottober. Wie der„Mat:n" meldet, hat Briand dem StaatspräfiderUc» Dvumergue vorgeschlagen, de» Radilalsozialisten Daladier mit der Bildung des neuen Kabinetts zu beauftragen. Das Blatt berichtet weiter, daß in den Wandelgängen vielfach von einem Mi- nisterium Steeg mit Herriot als Außenminister und Daladier als Kriegsminisler die Rede gewesen sei. Auch die Teilnahme Paul Boncours in einem reinen Lintskabinett solle gewährleistet sein. Ein republikanisches Kouzentrntioiiskabinetl mit Tardieu an der Spitze würde sogar unter den gemäßigten?lbgeordneten wenig Anklang finden. Die meisten Kannnergruppen werden im Lause des Mittwoch zlisammentreten, um zu der neugeschaffenen Lage Stellnnz zu nehmen. Oas industrieverbindende Saargebiet. Poris, 23. Oktober.(Eigenbericht.) Die interministerielle Kommission zur Festsetzung der sranzö- fischen Forderungen für die bcoorstchcnden deiitsch sranzysischen Saar-Verhandsungcn hat ihre Arbeiten beendet. Si« fordert, daß die gegenwärtigen, zwischen Frankreich und Deutschland in Geltung befindlichen Schwerindu st riellen abkommen auch ans das Soorgebiet ausgedehnt werden'. Außerdem wird die Ausrecht- erhaltung des gegenwärtigen Zollzustandes bis zürn Jahre 193? für das gesamte Saargebiet gefordert. Llnordnung in denWählerlistest! Eine llnmasse von falschen Eintragungen s>tur noch drei Tage, bis zum 25. Oktober einschließlich, liegen die Wählerlstten zur Einsicht aus. Achte jeder auf die Schreib- weise seines Namens und vergewissere sich, ob auch die Gebiirtsdaleii genau stimmen.- Gerade in dieser Beziehung sind uns in den letzten Tagen zahlreiche Klagen zugegangen. In einzelnen Bezirken sollen bis 1b Prozent falsche Eintragungen festgestellt worden sein. Wer nicht fem Wahlrecht vertieren will, muß sofort nachsehen und eventuell berichtigen lasten. ®ie 1 Oer große Rotfront-Sumpf. ./icchi-aniualt Dr. Seelmann-Eggeberl bedauerte die negatiue ttiklyrung dej Ministerpräsidenten, deren Konsequenz sei, daß ein« Entscheidung gefällt werden müsse, da nach dieser Erklärung jede Tätigkeit, jede Beteiligung der Beamten am Volksbegehren, auch so- weit es sich um die Einzeichnung handle, weiterhin verboten sei. Teelmann-Eggebert widersprach der Auffassung, als ob er eine Ent- jcheidung zur Sache criparte. Er bitte den Staatsgerichtshos ledige lich, btn Beamten die Beteiligung am Volksbegehren zu ermöglichen. Dem 8 4 sei aus agitatorischen Gründen eine Bedeutung beigemessen worden, die er an sich iricht habe. Di« Einzeichnung in die Volks- begchrliste sei so analog der Ausübung des allgemeinen Wahlrechts, daß ihr der Charakter einer Abstimmung unbestreitbar zukomme. Bechtsanivalt Seclmann bestritt die in den Ausführungen der preu- ßischen Stoatsregierung vorgebrachte Unterstellung, als ob die deutsch- nationale Landtagefraktion sich besondere Mühe gebe, alles, bei dem sie fürchte im Parlament zu unterliegen, vor den Staatsgerichtshof zu bringen. Ihm erwiderte nochmals kurz Ministerialdirektor Dr. Ladt, der bestritt, daß sich der Staatsgerichtshos in vielen Fällen zuungunsten Preußens geäußert habe. Ihn, fei nur ein einziger Fall, die Flaggenfragc, in Ernmerulrg, und auch hier habe es sich nur um gewisse belanglos« Ileberschreitungen der verfassungsmäßig ge- zogencn Grenzen gehandelt. Ministerialrat Brand erklärte, was der Ministerpräsident in seiner Erklärung gesagt und nicht gesagt habe, stehe deutlich im Text der Erklärung und könne nicht ausgelegt, sondern müsse noch dem Wortlaut genommen werden. Er persönlich möchte sagen, die Eintragung für das Volksbegehren fei durchaus nicht als Stmnn- nbgabe bei einer Wahl anzusehen. Wer dos Volksbegehren unter- zeichne, betätige seine politische Gesinnung, und der Beamte unter- liege bei der Betätigung seiner politischen Gesinnung den durch das Geseß ihm gezogenen Schranken. Gerode die Kreise, die das Volksbegehren eingebracht hätten, seien doch dafür verantwortlich, daß der Paragraph 4 nicht von Anfang an so eindeutig ausgelegt worden fei, wie man das heute vor Gericht versucht habe. Die Verhandlungen wurden nach weiteren Bemerkungen der Regierungsoertreter und des' Klageanwalts abgeschlossen. Der Staatsgerichtshos zog sich zur Beratung zurück, nachdem der Vor- sißende Reichsgerichtspräfideiit Dr. Bumke bekanntgegeben hatte, daß die Entscheidung des We�t�o-rilbtshoses nicht vor 16 Uhr zu erwarten sei._ Flucht eines Konkursverwalters. Mit Frau und Kindern verschwanden. Breslau, 22. Oktober. Der in Breslau und Schlesien sehr bekannte, mit großen Vermögensverwaltungen betraute Konkursverwalter Cohn ist heule früh mit Frau und Kindern plöhlich verschwunden, heute noch sollte er einige SlSubigerversammlungen abhalten. Die Slaatsauwaltschasl hat in der Annahme, daß Cohn Ver- mögensunterschlaguugcn begangen und die Flucht er- griffen hat, der vre blauer Kriminalpolizei noch am Bachmittag einen Haftbefehl gegen Cohn zugestellt. Die Gläubiger haben inzwischen einen vorläufigen Verwalter vorgeschlagen, der auch ., gerichtsseilig ernannt worden ist. Die Flucht des Konkursverwalters Hot namentlich in der . Breslauer Geschäftswelt großes Aufsehen erregt, um so mehr, als Cohn aus sehr großem Fuße lebte und eine Luxusvilla besitzt. Die geschädigten Gläubiger werden am Mittwoch zusammentreten, um zu versuchen, zu retten, was noch möglich ist. Die Echtheit des Brieses von(Schuh an Leow zugegeben. (Schnapsschmuggel bei den(Sklareks. Ein Rechtsanwalt verdächtigt. In Moabit ist man einem neuen Fall von S p i r i- luosenschmuggel an die Gebrüder S kl a r e t aus die Spur gekommen, der eine besondere Bedeutung dadurch erhält, daß einer der Verteidiger der Gebrüder Sklarek von Beamten des Untersuchungsgefängnisses beschuldigt wird. seinen Mandanten Kognak, Liköre und wein in die Zessen geschmuggelt zu haben. Ueber die Affäre erfahren wir folgende Einzelheilea: Die Gebrüder Sklarek sind bekanntlich vor kurzem im sogenonn- teil„Bombenflügel" des Untersuchungsgefängnisses untergebracht worden, nachdem sich herausgestellt hatte, daß sie in ihren Zellen Spiritousen hatten und nachdem auch, ein Kassiberoerkehr festgestellt worden war. Die Sklareks halten Zellen erhalten, die als besonders sicher galten und die von erprobten alten Beamten beipacht wurden, um zu verhindern, daß neue Durchstechereien erfolgen können. Diese Hoffnung der Justizbehörden hat sich allerdings nicht erfüllt. Schon seit einigen Tagen tonnten die Beamten durch Beobachtung fest- stellen, daß die Sklareks sich im Besitz von Kognak und Wein und, was noch bedeutend bedenklicher ist, von gewissen M e d i k a- m« n t e n besanden. Die Beamten, die befürchten mußten, daß nun gegen sie«in Untersuchpngsversahrcn«ingeleitet würde, weil der Verdacht entstehen konnte, daß sie selbst diese Sachen beschafil hallen, richletrn untereinander einen Wachdienst ein, um zu sehen,| wer den drei Brüdern derartige Dinge zustecken könne. Dabei wollen die Schließer beobachtet haben, daß einer der Verteidiger in der Aktentasche seinen Mandanten diese Dinge in die Zellen gebracht lzabe. Die Schließer erstatteten daraushin Meldung beim Direktor des Untersuchungsgefängnisses, der die Staatsanwaltschaft iiisormic.te. Eine sofortige Durchsuchung der Untersuchungszellen ergab, daß die Brüder Sklarek totsächlich über Koknag und Wein sowie über Medikamente verfügten. Dem Rechtsanwatt, gegen den von den Kesängnisschließeri, so schwere Vorwürfe erhoben werden, ist bis zum Abschluß der sofort eingeleiteten Untersuchung das Be> treten des Untersuchungsgefängnisses verboten worden. Der Ueber- wachungsdienst vor den Zellen der Gebrüder Sklarek hat außerdem eine weitere Verschärfung erfahren und die Zusammenkünfte der drei Gefangenen mit ihren Ehefrauen, den Verteidigern usw. sollen, I wi« wir hören, unter eine besondere Kontrolle gestellt werden. Das Ergebnis dieser Untersuchung dürfte kür alle Beteiligte! von folgenschwerer Bedeutung sein. . Präside rttenattentot tu Chile. Ein ISjähriger Bursche versuchte « Santiago-ms den Präsidenten von Chile, der in einem Auto �ah, ein Revakverattentar. Die Waste versagte jedoch. Der Täter wmche von den Begleitern des Präsidenten feftgenvmmen und der Po stzei ilbergeben. Er kannte nur unter dem Schutz eines großen Polizewusgeimls vor der Lynchfufstz einer wütenden Dolksmenq» bewohri werden. � Der„Vorwärts" hat am Dienstagmorgen«inen Brief des«he- maligen kommunistischen Reichstagsabgeordneten und Zentvakemtt- gliods Max S ch ü tz an den jetzigen Reichstagsabgeordneten und Bor- sitzenden des Rotfrontkämpferbundes Willi L e o w oeröstentlicht. In diesem Brief, der im Frühjahr dieses Jahres geschrieben ist, beschuldigt Schütz den Leow, daß er „für Geld immer und jederzeit käuflich" sei. Leow habe nicht nur tn einem Cafe am Alexanderplatz eine Zeche gemocht, die er aus eigenem Gelde nicht bestreiten konnte, sondern er habe immer auf großem Fuße gelebt und dazu immer die Mittel aus den chm zur Verfügung stehenden Kassen entnommen. „Würde die Parteileitung," ja schreibt der ehemalige Kassierer Schütz,„eine ordnungsmäßige Revision der Kasse vornehmen, so würde man sicher bald darauf stoßen, -neviel Tausende von Mark einen unbekannten Weg gegangen sind." Weiter wird in dem Briefe dem Rotfrontführer Leo« nach- gesagt, er habe ein rotes Treffen in Dortmund bei Wein und Sekt gefeiert. Veranlassung dazu habe seine Freundin gegeben, die im Beisein von Kellnern, die kommunistische Parteimitglieder waren, ohne irgendeinen Widerspruch zu erfahren, den Ausspruch getan hätte: „Laßt un» ruhig noch eine trinken, die dummen Proleten müssen doch alles bezahlen!" Schließlich hält Schütz dem Leow vor, daß er seinerzeit bei der Auszahlung von Unterstützungsgeldorn an die Flüchtling« der März. aktion sich„immer wesentlich zu seinen Gunsten geirrt habe". » Mit diesem Briefe beschäftigt sich heut« die„Rote Fahne", ohne jedoch nur ein Wort von seinem Inhalt mitzuteilen. Zugleich veröffentlicht sie eine Erklärung von Max Schütz, in der es heißt: „Der im„Vorwärts" vom 22. Oktober 1929 veröffentlichte Brief„Max Schütz an Willi Leow" follle als Unterlage dem gegen Leow eingesetzten Untersuchungsausschuß zur Prüfung der angeführten Fälle unterbreitet werden. Zur Weitcrleituiig an den Untersuchungsausschuß übergab ich«ine Kopie dieses Briefes an Gerhart s. In dieser Untersuchung wurde ich als Zeuge vernommen. Nach Abschluß des von der Beschwerde- kommission durchgeführten Untersuchungsverfahrens, das mit dem Freispruch von Leow und dem Ausschluß GerhartS aus der KPD. endete, war für mich die gesamte Angelegenheit erledigt. Ich hedaure. vor Abschluß des Derfahrens ein« Kopie dieses Schreibens aus den Händen gegeben zu hoben... ?lus dieser Erklärung geht zweierlei hervor: 1. D e r B r i e f i st e ch t. Schütz hat ihn wirklich geschrieben. 2. Schütz nimmt in seiner" Erklärung nichts von seinen Be- hauptungen zurück. Die„Rote Fahne" selbst erklärt zur Sache: „Die in diesem Schreiben von Max Schütz aufgeführten An- schuldigungen von Zechgelagen und Unterschlagungen seitens des Genossen Willi Leow waren Gegenstand einer sorgfättigen Unter- s u ch u n g, die zum Ergebnis hatte, daß erneut die H a l t l o s i g- keil der Beschuldigungen erwiesen und geaen den Ver- leumder. einen gewissen Gerharts, wegen dieser Derleum- düngen am 12. September 1929 von der Beschwerdekvmmissiön der KPD. einstimmig der Antrag auf Ausschluß au» der KPD. gestellt. wurde. Die Kesamtbezirksleiwng Berlin-Brandenburg bestätigte einstimmig diesen Ausschluß in ihrer Sitzung vom IS. Okto- der 1929. Gegenüber den schweren Beschuldigungen, die Schütz gegen Leow erhoben hat, beruft sich die„Rote Fahne" auf ein geheimes Verfahren, in dem ein gewisser Gerharts wegen angeblicher Verleumdung Leows ausgeschlossen wurde. Was die geheime Unter- suchungskommission zu den sehr konkreten, ins einzelne gehenden Beschuldigungen von Schütz sestgestellt hat, darüber erfährt man nichts! Ein weiteres Schreiben. Wie konkret Und ins einzelne gehend diese Beschuldigungen waren, ergibt sich u. a. auch ans einem weiteren Schreiben, das wir hiermit oeröffentlichen: Max Schütz,. verlin 7124. Berlin, den 21. Mai 1929. Oranienburger Str. 21. Jtur zur innerparteilichen Verwendung Betr. MSrzakilon 1921. Genosse S ch ü h war nach der Märzaktioa unser v-zirkssekreiär in unserem Bezirk Geilenkirchen. Cr hakte dort den Sekretär Rüb- Hausen abgelöst, der verhaslei wurde. Die erste Zeit blieb der Unterbezirk ahne jede Unterstützung. erst nach einigen wachen wurde van der Zentrale Geld geschickt, va» Geld wurde nicht der Bezirksleitung überwiesen, sandern der beauftragte Willi L e a w zahlte das Geld an die llntcrbezlrkssekrctare direkt aus, meistens in Düsseldorf._, Willi Leow zahlte an Schütz insgesamt 2900 M. Durch die Unterbezirksleitung Gelsenkirchen sind diese 2900 M. soigendermahen verteilt worden: Baranawski..... 310 M. Vasteck....... 120„ haffmann...... 110„ Leine....... 240„ Siayke....... 300„ Lübhausen..... 300„ Franke....... 500„ Beumann...... 410„ Linde....... 610 Als Schätz 1923 Mitglied der Zentrale wurde, hatte er Gelegen- heil, Einsich» in die Abrechnung de» Willi Leaw au» dieser Zeit zu nehmen. Mit Erstaunen kvititte Schütz feststellen, daß Willy Leow für den Unterbezirk Gelsenkirchen eine Summe von S400 Mark verrechnet hat. Schütz hak dieses der Genossin Ruth Fischer und Moslow mitgeleilt. Die beiden bestimmten jedoch, daß kein verfahren eingeleitet werden sollte. Schütz hat deshalb die SÜch« auf sich beruhen lassen. Die Abrechnung des Unterbezirk» Gelsenkirchen besindei sich nach im Untcrbczirk Gelsentirchco. Die Abrechnung van Lea« muß nach bei der Zentrole vorhanden sein, sa daß jederzeit eine Nachprüfung dieser Angaben möglich ist. • Nachdem Schütz die Echtheit seines ersten Briese« zugegeben hat, kann die Echtheit auch dieses Schriftstücks ohne wertere» als feststehend angenommen werden. Schütz hat auf Grund seiner Einsicht in die Bucher Unterschlagungen Lea«« sestgestellt. Cr hat bisher nichts zurückgenommen, er hat in keiner Weife gesagt oder durchblicken lassen, daß er sich etwa nach durchgeführter Untersuckzung von der Irrtümlichkeit seiner Beschuldigungen überzeugt hätte. Nur wer zur Wahrheüslieb« der„Roten Fahne" und zu der UnporteUichkeit kommunisttschcr Soiiedsgericht« ein blindes Bertraue» Hot, kann also die von Schütz gegen Leow erhobenen Beschuldigungen als widerlegt betrachten. Tille anderen werden sich daran erinnern, welche Machtstellung Will! Leow zurzeit in der KPD. ein- nimmt und auf welche eigentümliche Umstände diese Machtstellung nach der Meinung von Schütz zurückzuführen ist. „Sie sind der Meinung." schreibt Schütz an Leow,„daß Sie einige Rolefrontkämpser hinter sich haben, daß Sie dieselben so aus. Hetzen können, mit knüppelmethaden die Leute niederzuschlagen, die einige» an» Zhrem Leben wissen." Die„Rote Fahne" bringt es fertig, in Zusammenhang mtt dieser übelduftenden Angelegenheit von der„proletarischen Reinheit der KPD." zu sprechen. Den„Vorwärts" aber nennt sie„eine Kloake"-- warum? Weil er einen Brief eines ehemaligen kam- munistischen Würdenträger» an einen jetzigen zunächst ohne jeden Kommentar wortwörtlich oeröstentlicht hat. Die„Fahne" gibt damit zu, daß es sich um ein« äußerst dreckige Angelegenheit handelt, aber dieser Dreck gehört ganz und gar ihr und ihrer Partei! Zum Schluß sei noch festgestellt, daß alles, was die„Fahne" über die Erwerbung des Schütz-Leow-Materials durch den„Bor» wärts" erzählt, erstunken und erlogen ist. Der„Vorwärts" hat für das Material keinen Pfennig bezahlt. Die Redaktton hat mtt niemand über Erwerb und Veröffentlichung verhandelt. Ins- besonder« hat unser Kollege Wolfgang Schwarz niemals mtt einem bürgerlichen Journalisten über diese Angelegenheit verhandelt, er hat von der ganzen Sache erst erfahren, als der erst« Brief bereits im „Borwärts" abgedruckt war. Die Räuberphantasicn der„Roten Fahne" haben nur den Zweck, von der Sache selbst abzulenken. Die Briese an Schütz sind echt. und Schütz hat sein« Anklagen gegen Leow bisher nicht zurück- genommen. Aber selbst wenn er dies täte, wäre das für Leow noch kein Unschuldsbeweis. Leow würde erst dann wirklich entlastet sein, wenn ihm in öffentlicher Verhandliing der Beweis ge- länge, daß seine Gegner innerhalb der Kommunistischen Pnrtei Verleumder sind. Will er das versuchen? Nur noch kaum 12000! Die Eintragung in die Listen für das Derstlaoungsbegehren hatte am 22. Oktober 1929 folgendes Ergebnis: Bezirk Mitte.......... 959 Tiergarten........... 1 081 Wedding............ 573 Prenzlauer Berg......... 732 Friedrichshain.......... 658 N Kreuzberg........... 1 213 Charlottenburg.......... 1 366 Spandau............ 251 Wilmersdorf.......... 883 «•j u■. Zehlendvrs»..», � �.«. ,»»». 294.—■- Schöneberg........... 1 160 Steglitz.......... 852 Tempelhof........... 280 Neukölln............ 413 Treptow............ 223 Köpenick............ 209 Lichtenberg........... 455 Weißensee........... 114 Pankow............■ 342 Reinickendorf.......... 226 12316 Insgesamt sind bisher an sieben Tagen nur 121 150 Eintragungen vollzogen worden. Beim Volksbegehren gegen die Fürsten» a b f i n d u n g waren in der gleichen Zeit 632 854 Eintragungen verzeichnet! Man vergleich« die Ziffern der bisherigen sieben Tage mit denen der Eintragung gegen die Fürstenabfindung- jetzt damals 1. Tag...... 20 III 36144 2......... 17 650 49 545 3......... 15 958 36 385 4........ 14 277 164 952") 5......... 25 834' 129 508 6,„...... 15 OOo 1 22 425 7.„....... 12 316 73 895 *) Dies sind Sonsttagszahlen. Am Dienetag hat danach die Hngenberg-Zifser ihren bisher t leisten Stand erreicht. Die Begeisterung der Baterlands. crretter macht sich buchstäblich dünnel Mord und Selbstmord! Liebesiragödie im Grunewald. heute vormittag hörten zwei Beamte der berittenen Znspektian Grunewald bei einer Streife durch den Forst im Zagen 69 mehrere Schüsse fallen. Di« Beamten gingen der Ursache nach und fanden dicht am Bahndamm an der Bude I V den leblosen Körper eine» jungen Mannes, der in der Hand nach eine Distale fest umkrampst hielt. Cr hatte sich eine Kugel in die Schläfe gejagt, wenige Meler davan lag mlk mehreren Brustschüssen eine junge Frau In einer großen Blut. lach«! auch sie gab keine Lebenszeichen mehr van sich. Ob t«s Paar im grgenseitlgen Cinoerständni» freiwillig au» dem Leben scheiden wallte, ader ab die Frau gegen ihren Willen van ihrem Begleiter erschassen wurde, ist zurzeit nach Gegenstand der palizeitichen Ermittelungen. Die Leichen wurden beschlagnahmt. Zeppelin auf Fahrt nach Spanien. Frtcdrichshasen, 23 Ottober.(Eigenbericht.) ..Graf Zepelin" ist heute Mittwoch früh um 6.48 Uhr mit 18 P a s s a g i er e n an Bord zu seiner Spanienfahrt auf- aestiegen. Das Luftschiff beabsichtigt vor allem, der Weltousstel- luirg m Barcelona«inen Besuch abzustatten, doch wird ez fei günstigen Wetterbedingungen wohl auch noch«ine länger« Kreuz- fahrt über Spanien, möglicherweise bi» Madrid ausführen. Die Rückkehr nach Friedrichshafen soll am morgigen Donner». tag abend erfolgen. Ein Such über den„Vorwärts" Ader Waes für eines: 3m Verlag 5). W. Henöriock. Bsrlin-Thorlottenburg. ist kürzlich ein kleines Buch von Curt Schven erschienen:„Der„Vorwärts" unk» die Kriegserklärung. Vom Fürstenmorb in Serajewo ins zur Marneschlucht." Di« Schrift, die unter der Dqtronanz des Professors Mqrtin Spahn und m seiner„Schriftenreihe der Politischen Kollegs" herausgegeben ist. stellt insofern ein Unikum dar. ol» sonst wohl noch niemals von einem Autor mit der gleichen Naivität über Dinge geschriebn worden ist, von denen er nicht» versteht. Gleich in der Einleitung wird versichert, die Sozialdemokratie Hab- im Jahr« 19U an der Friedensliebe des K a i s« t'» so wenig gezweifelt, daß dadurch der Anreiz zur eigenen Beschäftigung mit der Außenpolitik geschwunden sei. Sie habe sich völlig auf dieReichsregierungverlassen. Aus der gleichen Seit« U wird aber auch schon wieder versichert, die sozialdemokratische Presse Hobe den Nosa-Luxemburg.Prozeß desselben Jahre»„zur Erfüllung ihrer Leser mit Haß gegen die Regierung" ausgenutzt. Immer noch auf der gleichen Seite heißt e,— man traut seinen Augen nicht— wörtlich: Als im Frühsommer 1914 der Reichstag in die Ferien ging, hatte die sozialdemokratisch« Reichstazsfroktion zum ersten Male(!!) ihre oppositionell« Gesinnung vor dem ganzen. Land« deutlich hervorgekehrt, indem st« bei dem Kaiserhoch im Saal« blieb und sich nicht daran beteiligt«. Noch komischer wird der Verfasser, wo«r sich um die internen Verhältnifl« der Redaktion und ihr Verhältnis zum Parteivorstond In Ostelbien. kümmert. Wer hat 1914 den„Vorwärts" redigiert? Treu und bieder schreibt Herr Schoen aus dem./zandbuch des Vereins Arbeiterpresse" die Namen aus. mitStröbel.Cunow und D ä u m i g beschäftigt er sich ausführlich. Davon, daß in jener Zeit H i l f e r d i n g im „Vorwärts"' tri« geistige Führung hatte und daß er nur darum nicht im.Handbuch" stand, weil er damals noch„Aueländer" war, ahnt cr nicht das allergeringste. Die Mafle de» vom„Vorwärts" ge- brachten Stoffes wurde nach feiner Meinung„wahrscheinlich vor ollem aus der Stampferschen Korrespondenz bestritten. die damals den Tagesbedarf der sozialistischen Zeitungen deckte". Daß der„Vorwärts", der in wichtigen Fragen ganzanders stand als jene Korrespondenz, nie auch nur eine Zeile aus ihr entnonunen hat, braucht der Verfasser einer„wissenschaftlichen" Spezialschrist üWr den„Borwärbs" nicht zu wissen. Von den auswärtigen Bericht� erstattern kennt er, wie er ganz harmlos versichert, nur einen einzigen mit Namem M. Beer in London. Aber geheimnisvoll fügt er hinzu:„Der für unser« Darstellung mehr in Betracht kommende Wiener Mitarbeiter muß ebenfalls eine unterrichtete und in der Partei ein« Rolle spielende Persönlichkeit gewesen sein." War es wirklich ganz unmöglich, das Geheimnis dieser geheimnisvollen Persönlichkeit zu lüften? Aber es kommt noch besser! Mit dem unerschütterlichen Ernst des wissenschaftlichen Forschers stellt Herr Schoen fest: WTB-Telegramme finden sich in den Tagen des Kriegsausbruchs zum ersten Male in den Spalten des Blattes. Natürlich hat der„Vorwärts" WIB. nicht erst seit Kriegsaus- bruch abonniert und benutzt, er hat nur seitdem die Nachrichten mit dem MTB.- Zeichen versehen, um ihren offiziösen Ursprung zu kennzeichnen. Do» weitaus beste an dem Buch ssnd die Zitate aus dem„Vor- märts", aus denen es fast ausschließlich besteht. Der verbindende Text schießt so gut wie immer mit größter Bravour daneben. ' Der vermutlich noch sehr junge Herr Echoen hält« ssch diese Blamage ersparen können, wenn es ihm nicht an einer vernünftigen Anleitung gefehlt hätte. Er hat In eine ihm fremde Welt oinzu- dringen oersucht nach derselben Methode, nach der etwa ein Geschichts- iorsch-r die Geschichte Babylon- an der Hand von Keilinschriften Vidiert. Auf den oerblüfsend einsachen Einsall, daß man einmal mitdenLeutenredenkönnte.die Augen- und Ohrenzeugen der darzustelleichen Vbrgänge gewesen sind, ist er nicht gekommen. Oder hat's ihm vielleicht der Herr Lehrer nicht erlaubt? präge! sür Ltngarns(Soldaten. � Ersah für die Todesstrafe Budapest, ZZ. Oktober. Im Abgeordnetenhaus« gelangte der Sesetzentwurs über das Mililärftrafgesetzbuch zur Verteilung. Die näheren Bestimmungen über die Prügel st rose lauten: Dos Standgericht kann einen zur mobilisierten Arme« gehörigen Angeklagten wegen eine, Verbrechens, auf das eine Fleiheitsstrofe von mehr als zehn Iahren gesetzt ist, anstatt zum Tode zu einer Prügelstrase verurteilen, fall» diese vom militärischen Gesichtspunkt aus genügt. Die Anzahl der Stock. streich« kann nicht weniger als A und darf nicht mehr ais 60 de- tragen. Die Durchführung muß unterbrochen werden, wenn sie da» Leben des Verurteilten gesährdet. In diesem Falle, sowie wenn die Durchführung aus anderen Gründen nicht möglich ist, tritt an die Stelle je eine« Stockstreiches ein Monat Zuchthaus bzw. Kerker. „Oer Zauber der Kerne." Von Felix Scherret. Die Welt wirb kleiner. Romantische Gemüter denken vielleicht wehmütig an«ine Zeit zurück, da Indien, die Südsee oder der Westen Amerikas noch voller Abenteuer und Gefahren waren und in jenen fernen Ländern die Blum« der Romantik wachsen sollte. Diese Zeiten sind unwiderbringlich dahin! Das Wundermagazin ist beinahe er- schöpft. Natürlich verlieren die Pyramiden an Format, wenn man sie vom Autobus aus bewundert, und der Zauber indischer Felsen- tempel wird in Frage gestellt, wenn der vorübcrfahrende Exprehzug sie pietätlos in Qualm hüllt. Exotische Romantik verträgt sich kaum mit einem OO.Kilometer-Tempo, mit modernen Riesenhotels, mit Wintergärten, Cocktails und ähnlichen Requisiten europäisch-ameriko- nischer Kultur. Bold wird man sogar den australischen Busch in Riesenluftschifsen überstiegen können. Jeder Erdteil hat sein Tele. Dwiradireßbuch. Dennoch ist die Romantik, der Zauber der Ferne, nicht aus dem Leben des Europäers gestrichen. Nur die Vorzeich«» haben sich umgekehrt. Früher lauscht« man den bunten Schilderungen eines Westgereisten. Heute ist man selbst Zeuge von Vorgängen in den fernsten Ländern. Das Unerreichbar« ist zur Wirklichkeit geworden. Der Zauber liegt darin, daß dos Entfernte überhaupt nicht mehr fern ist, daß die Kllometerzohl keine Rolle spielt, und daß man mst der Fremde gewissermaßen auf du und du steht. Da hört man etwa in Königs- berg oder Danzig durch den Rundfunk die Ausführung des Lohengrin au» der Staatsoper in Moskau. Man hört bekannte Melodien und dazu einen unverständlichen Text. Der strahlende Gralsritter erhält plötzlich asiatssches Gepräge. Sr wird zu einem Nachkommen des Dschingis Chan oder Tamerlan. Zwar stören Nebengeräusche. aber das tut nichts, denn während man verstimmt darüber ist, daß merkwürdig» Klopftön« die heroischen Anstrengungen des Tenors um da» dämonische A unterbrechen, erinnert man sich daran, daß «nffernte Hörer in Kalugo oder Astrachan jetzt ebenfalls Zeugen davon sind, wie eine geheimnisvolle Persönlichkeit allerlei Neuig- leiten von den Gewohnheiten des Heiligen Gral verkündet. Oder man tanzt in Berlin nach den Klängen der garantiert echten Jazzkapelle im Londoner Savoy-Hotel. Biedere Bürgcrhsrzen schlagen bei dem Gedanken höher, daß sich vielleicht in diesem Augen- blick der Herzog von Westminster oder sogar der Prinz von Wales an dem gleichen Blues abmühe». Es sind ja leider nicht deutsche Fürsten, aber e» sind doch wenigstens Fürsten. Dann wieder gibt es Abende, an denen der Sender experimentiert. I« zwei Minuten Warschau. Oslo. Berlin, London, Langenberg usw. Fast olle«uro- päischcn Notionen werden abgehört, der Raum ist überwunden, der Zauberglaube des Mittelalters Wirklichkeit geworden. Kein Magier mit Spitzmütz« und schwarzem Mantel handhabt einen Stein der Weisen, sondern«in harmlos liebenswürdiger Mann schaltet di« Apparate um, spricht sein freundliche?:„Achtung. Achtung, wir per- suchen jetzt, den Leipziger Sender zu bekommen!" Wie einsach das klingt. Im gleichen Augenblick hört man, daß in Leipzig«in Sendc- spiel in Szene geht. Die spielende Lesiegung des Raumes erscheint un» heute noch als Wunder, ober es wird nicht mehr lange dauern, bis sie zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Zum Frühstück erhält man Yokohama, zum Mittagessen Singupore, zum Tee Teheran und am Abend Berlin, London oder Moskau serviert, ganz noch Wunsch. Die Speisenkart« steht jedem Rundsunkhörer zur Verfügung. Die Ferne ist keine Ferne mehr, und sie beginnt, ihnen letzten Zauber zu verlieren. Was enthüllt nun dieser Zauber? lieberoll stellt Lohengrin dos gleich« Schweigegebot, überall fragt man erstaunt nach dem Erbauer des bekannten schönen Waldes, überall streitet man sich, umhüllt von wildgewordenen Saxophonen, darum, wem denn eigentlich das Baby gehört. In Chikago erklärt Rudolph der schwindsüchtigen Mimi, daß er ein Dichter ist, und in Melbourne sterben Rodame» und Aida mit dem gleichen herrlichen G«-Dur wie in der Mailänder Srala oder im Halberstädter Stadttheater. Der Zauber der Ferne enthüllt die einfache Tatsache, daß die Ferne entzaubert ist, daß in Japan keine Sumarai» l>erumlausen. sondern Ladies und Gentleman, die Tangos oder Puceini pfeifen und daß es mit der Romantik der anderen Länder und Erdteile ebenso schlimm steht wie mit der Europas. Ueberall herrscht der gleiche Geist, und alle Wege führen in die fteimot. Warum in die Ferne schweifen? Wenn man ober vor seinem Lautsprecher sitzt und hört, daß die Londoner das gleiche Programm haben wie die Pariser, Berliner oder Moskauer, dann darf man wohl di« Frage stellen: Warum gibt es noch politische Spannungen zwischen den Nationen, die heute doch vom gleichen Geist beherrscht werden. „Sein bester Freund." Titania.palast. In Rußland erließen die polittschen Machthaber temperoment- voll« und energssche Mißbilligungserklärungcn gegen die Beliebtheit des Filnchelden Harry Piel. Was nützte den Russen(zumal in ihrem eigenen Lande) die Tendenz ihrer staatlichen Filme; sie lockte nicht derart wie der kräftige Harry, der so fabelhast aufregend Abenteuer auf Abenteuer glückhaft besteht. Auch bei uns gelten die Harry-Piel-Fstme als Schlager, obwohl natürlich kein Mensch, der den Film als Kulturgut betrachtet, diese Räubergeschichten befür- warten kann. Doch sind sie in filmischer Hinsicht alle gut gemacht und nehmen aus Spannung, Tempo, Nutzbarmachung der neuesten technischen Errungenschaften und eindrucksstarker optischer Wirkung ihre Lebenskrast. Im neuesten jugendsreien Film ist die übliche Prügelei auf ein Mindestmaß beschränkt. Die Photographen Ewald Daub und Gotthard Wolf dürfen schwärmen, schwelgen und schassen, sie tonnen sich in ihrer Arbeit ausleben; di« neben dein Hauptdarsteller niitwirlenden Schauspieler hingegen sind Edclkomparsen. Außer Harry Pi«l und dem schon rühmlichst bekannten Polizeihund„Greis" werden aber 14 Hunde aus das allerbeste zur Geltung gebracht. Sie sind durchweg als große Detektive tätig und besorgen zugleich die lebende Propaganda sür die Schutz- und Rutzdressur des deutschen Schäferhundes. Die Auswahl der Hunde ist ganz vorzüglich ge- troffen, und Harry Piel, der sich mit Tieren gut versteht, versagt als Regisseur bei der Verwendung der Hunde nicht einen Augen- blick. Das Premierenpublikum war begeistert. c. b. Volkskunde als Wiffenschast. Im Rohmen einer Tagung des Verbandes deutscher Verein« sür Volkskunde fand am Montag abend in der alten Aula der Universität eine Festsitzung statt, bei der der Ver- bandsoorsitzendc, Prof. Dr. John Meier- Freiburz i. Br., über die Entwicklung der Organisation von ihren Anfangen vor 25 Jahren bis zur Gegenwart berichtet«. Ein« der Hauptarbeiten des Ver- baiides bestand in der Errichtung des Deutschen Voltslied-Archives, dessen Sammlung bereits 17000» Nummern umfaßt. Dieses In- stitut wird vielfach auch von auswärtigen Gelehrten ausgesucht; eine ähnlich« Stelle soll in Ehikago geschossen werden. Auf die An- regung des Verbandes ist die Herausgabe eines.Handwörterbuches des Aberglaubens", eines Jahrbuches für Voltsliedforschung" und einer Zeitschrist zurückzuführen. Daneben ist ein Atlas der deutschen Volkskunde im Entstehen begriffen. Jedoch fehlt bisher in Deutsch- land ein Zentralinstitut für Vollstund«, das über die verschiedene» Zweige der Wissenschaft«Inen zusammenfassenden Ueberblick ge- währt. Ein internationaler Zusammenschluß der volkskundlichen Wissenschaftler existiert bereits seit Jahren. Die Voltskunde soll das Leben der einzelnen Stämme und Gesellschaftskreise in seinen typi- schen Aeußerungen festhalten und so beispielsweise dazu beitragen, die besonder« Welt des Arbeiters und des Bauer» verständlich zu inachen. S!« soll weiterhin die Verbindung der Ausländsdeutschen mit ihrer Heimat festigen. Die Wissenschast dient hier unmittelbar dem Leben. Anschließend reseriert» Prof. Dr. Spamer- Dresden in sachlich-speziellen Ausführungen über„Voltstunde als Wissen- schast".. 5V. Seh. IN«uniers„Denkmal der Arbelt" wird vollendet. Der Zentral- perband für Architektur in Belgien erläßt«inen, internationalen Wettbewerb, um Konstantin Meuniers Hauptwerk„Denkmal der Arbeit", doli bekanntlich unvollendet geblieben ist, zu End« zu kühren. Die Bewerber sollen an der Hand von Skizzen und nach den Auszeichnungen Meuniers da» Denkmal vollenden. Prosessor Karl Muck 70 Jahre alt. Karl Muck, der groß« Orchesterleiter, der seit 1922 in Hamburg an führender Stelle im Musikleben der Stadt steht, beging am Dienstag, seinen 70. Geburts- tag. Der Hamburger Senat sandle dem Jubilar ein herzliche» Glückwunschschreiben, in dem er aus di« Bedeutung seines Schaffens für dos Musikleben der ganzen Wril hinweist und den Beschluß mitteilt, Muck» Potträt von einen, Hanchurger Künstler für die Kunsthalle male» zu lassen. tt« h»rdslk«»,e,t veranstaltet öle KelangSgeweinschast Männer« und gemischter llhor stiiedenau. Steglitz und der Äolitchor Teinbelliol-Walten- darf am 27.. iS Uhr. im grotzen Saal de» P a r k r« st a nr« n t« in Hitdende. Eintritt inkl. Programm und Gl««« 1 Mark. Zum 25. Male Zyankali. Die Gruppe junger Schauspieler, die im Lessing-Theoter da- gegen den§ 21? gerichtete Propagandastück aufführt, kann einen Triumph buchen: sie haben bereits die 25. Aussiihrung erreicht. Der starke Beifall, den Stück und Aufführung am Dienstag wieder er- zielten, beweist, daß die Demonstration in beabsichtigter Weise wirkt. Die Frage geht uns heute nichts an. ob dieses Schauspiel noch be- achtet werden wird, wenn der verderbenbringende Paragraph ein- mal— hoffentlich recht bald— gefallen ist. Wenn Kunstwerk heißt, das menschliche Gefiihl auspeitschen und lebenswahr« Gestallen aus die Beine bringen, dann ist dies«in Kunstwerk. Sollte dos etwa ein ästhetischer Fehler sein, daß es unmittelbar an die Interessen des Tages appelliert? Di« Darstellung wird dem Charakter des Stückes im höchsten Maße gerecht. Alles Interesse ist auf den einen Punkt könzent�drt; jeder weiß, worum es sich handelt. Eröttcrnswert bliebe vielleicht nur noch die Frage, ob man nicht statt der Schauspieler Möschen aus dem Alltagsleben für solche Stücke heranziehen sollte, ob hier noch«ine spezielle künstlerische Aufgabe besonders dazu Geschulter besteht. Aber di« Rene« Stobrawo, die Ilse Fürstenberg und Gerhard B i e n e r t und Reinhold B e r n t lassen es uns wirk- lich vergessen,«n« solche Frage während der Aufführung aufzu- werfen: sie wirken verblüffend echt. Die Buchausgabe des Dramas ist soeben im„Internationalen Arbeiter-Verlag" erschienen. D. Die Bewohner der Erde. Neue flatistische Abrechnungen. Nach den Berechnungen des„Internationalen Statistischen Instituts" in Rom beträgt die Gesamtbevolkerung der Erde 1 936 576 00» Seelen, davon entfallen 1 070 483 000 auf Asien. 478114000 auf Europa, 238 332 000 aus Amerika, 140 269 000 aus Afrika und 9 369 000 auf Australien mit Ozeanien. Die größte Bevölkerungsdichte zeigt Europa mit 48,6 Einwohner je Quadratkilometer; es folgen Asien mit 24,8, Amerika mit 5,5, Afrika mit 5 und an letzter Stelle Australien mit 1,1 Einwohner je Quodratkil». ineter. Die Durchschnittsdicht« der Weltbevölkerung beträgt 13,3 Ein- wohner auf den Quadratkilometer. Vom Jahre 1920 an hat die Bevölkerungsziffer eine Steigerung von insgesamt über 125 Millionen Einwohnern erfahren. An diesem Zuwachs ist Asien mit über 53 Millionen, Amerika mit fast 30 Millionen, Europa mit über. 28 Millionen, Afrika mit rund 8 Millionen und Australien mit 1754 000 Einwohnern beteiligt. Die größte absolut« Be- oölkerungszunahrne ist für die letzten Jahre bei Australien mit einem prozentualen Zuwachs von 6,6 Proz. festzustellen; es folgen dann Asien mit 3,7 Proz., Europa mit 2,5 Proz., Amerika mit 2,1 Proz. und Afrika mit 1,4 Proz. Das bevölkertste Land der Welt ist China, da» nach den chinesischen Stottstiten eine Einwohnerzahl vo» 433 439 800 Einwohnern ausweist. Der Reihe»ach folgen Brilisch-Indien mit 318 942 480 Einwohnern und die Union der Sowjetrepubliken, deren Gesamtbevölkerung in Europa und Asien sich auf 147 013 000 Einwohner stellt. Den vierten Platz halten die Vereinigten Staaten, deren Bevölkerung im Jahre 1928 auf 120 177 645 Einwohner be- rechnet wurde. An fünfter Stelle steht Deutschland mit 64 223 276 Einwohnern. Das eigentlich« Japan hat ein« Bevölkerung pon 61 316600 Einwohnern, aber die Gesamtbevölkerung des Kaiser- reich«», einschließlich von Korea und den anderen neuerworbenen Territorien, beträgt 83456 929. Es folgen dann Hollästdifch-Indien mit 49 350 630 Einwohnern und Großbritannien, Nord-Irland und Inseln'mit 47 085 936 Einwohnern. Nach vorläufiger Schätzung zählte Italien am Ende des Jahres 1928 eine Bevälkerung vpn 41 153 000 Einwohnern. Zählt man dazu die 9 300 000 im Ausland befindlichen Itajiener, so kommt man auf«ine Gesamtziffer von 50 453 000. Es folgen dann Frankreich mit 42 Millionen, Brasilien mit 39103 856, Polen mit 30312973 und Spanien mit 22 444156 Einwohnern. Iheater der»lader..Der groß« und der klein« Klau«« wird vsrliufig jeden Mittwoch und Sonnabend, nachmittag« 4'/, Uhr. im Theater am Schissbauerdamm gespielt. vle Akademie der K linst««Mnet ihr« diesjährig e Herbslautsttlluua avl«o»nabend mittaa» 12 Uhr. Sie ist diesmal wieder de» graphisch«» flünjten, bem Aquarell, dem Pastell und der Plastik gewidmet. Was ist Linzucht? Sine vernünftige SntscheiSvng des Landgerichts Chemnitz. Wer in einer die Sitte oder den Anstand verleitenden Weise«i» Mittel, einen Seqenitand oder ein Keriadren,, ,, die jur Set» dilwno den Emvfön-inis dienen, öffcntlidi onkiindiqt, oder»nvrcilt, oder ein iolckes Milte! oder einen solchen Keoenstond an einem allaemein tuaänalichen Orte ausstellt, wild mit Eeiänanis bis tu 2 Iobren oder mit Geldstrafe bestrast. 8 Z02 de« Straiaesedentwurses. In> Chltnmig haben sich drei Richter gesunden, die nmtig ihre Stimme gegen die Begnfssverwirrung, wie sie mit dem Wort „Unzucht" getrieben wird, erheben. Anlaß zu der Gerichtsentschei- düng gab eine Versannnlung, aus der ein Mittel zur Empfängnisverhütung einpsohlen worden war. Der Staatsanwalt sah hierin einen L« r st o ß gegen das Strafgesetz- buch. Auch der Entwurf zum neuen Strafgesetzbuch kennt einen ähnlichen Paragraphen, den Z 302. Das Chemnitzer Gericht erwähnt zu Anfang seines freisprechenden Urteils das Reichsgericht. Dieses rechnet empfängnisverhütende Mittel zu den Gegenständen, die zu unzüchtigein Ge- brauch bestimmt sind, da sie ja auch beim außerehelichen Geschlechtsverkehr angewendet würden, letzterer aber mit Unzucht gleichzusetzen sei. Das Chemnitzer. Gericht erklärt, daß dies« Gleichsetzung jedes außerehelichen Geschlechtsvertehrs mit dem Begriff der Unzucht mindestens heute nicht mehr der a l l g e- meinen Volksanschau nng von Zucht und Sitte entspricht. „In der heutigen Zeit," sagt das Gericht,„wird d»s Problem der sogenannten Kanicradschaftsehe ernsthaft erörtert und ein von vornherein nur auf Zeit bedachtes intimes Zusammenleben eines Mannes und einer Frau, auch ahne staatliche Anerkennung, nicht mehr durchweg als etwas Sittenwidriges angesehen, sofern es nur auf gegenseitige Zuneigung beruht." Das Gericht führt auch die Ursachen dafür an. Es findet sie in den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen, die eine Eheschließung erschweren, in dem Bedürfnis, sich durch außereheliches-Zusaminen- leben van der Möglichkeit eines dauernden Ehelebens zu über- zeugen usw.„In den weitesten Kreisen... habe sich die Anschau- ung über die geschlechtliche Betätigung weitgehend geändert," sagt das Gericht.„Die geschlechtliche Betätigung wird in weit höherem Maße als ein sachlich zu bewertendes körperliches Be- d ü r f n i s angesehen und aus dem Kreis« maralisch zu bewertenden Handlungen herausgenommen... Diese veränderte Anschauung kommt auch in gewissem Sinne in der Reichsvcrfassung zum Au?. druck, insofern sich diese ausdrücklich gegen jede sittliche Diffamierung der aus außerehelichen Liebesbezichungen hervorgegangenen Kinder wendet." So war dos Gericht gezwungen, zu prüfen...„ob etwa die Empfängnisverhütung als solche sich als etwas darstelle, was init dem sittlichen Bewußtsein des Volkes in Widerspruch stehe". Und es kam zur Ueberzeugung, daß nach Anschauung der weitaus überwiegenden Teile des Volkes dem Eebkauch«nipsängnisverhüten- der Mittel nichts anhaftet, was dem normalen Scham- undSittlichkeitsgefühl eines crw ach s e n c n Menschen zu verletzen imstande wäre. „Dazu kommt." fährt das Gericht fort,„daß die Gleich- berechtigung der Frau, die gesetzlich gewährleistet ist, zu einer Betonung des Gedankens geführt Hot, daß ebensowohl die unverheiratete wie die verheiratete Frau selbst zu bestiminen habe, wie ost sie gebären wolle." Das Gericht kommt zu dem Schluß, daß unter solchen Umständen die Anwendung empfängnis- o e r h ü t e n d e r Mittel nicht nur nichts Unsittliches, sondern in zahlreich eugenisch oder wirtschaftlich bedingten Fällen geradezu ein sittliches Erfordernis ist. Jawohl, sie darf sitzen! praktische Sitzgelegenheit für Kellnerinnen. Eine vernünftige Neuerung hat das M o k l a- E f t i- H a u s in der Friedrichstraße eingeführt, die hoffentlich auch andere Gast- wirtsbetricbe bald zur Nachahmung anregen wird. Für die jungen Mädchen, die dort von 9— 6 Uhr den Kosfee und Äuchen. servieren, hat man in jedem der 23 Reviere eine sehr praktische Sitz- gelegcnheit gesclzaisen, damit sie in den weniger lcbhoslcn Stunden des Tages nicht unausgesetzt st e h c n müssen. Auf einem erhöhten eisernen Gestell ist ein b c q u c in e r Klappsitz aus Holz mit eiserner Rückenlehne angebracht, von dem aus man sitzend das ganze Revier überblicken kann. Die Sitzvorrichtung klappt mechanisch zurück, wenn sie nicht gebraucht wird, sonst tonnte es leicht geschehen, daß die Gäste den netten '.'liissichtspunkt für sich in Anspruch nehmen. Ungeheuer wichtig für die Gesunderhaltung der wribltchen Kellner, die gezwungen sind, den ganzen Tag auf den Beinen zu sein, ist diese Möglichkeit einer kurzen Ruhepause. Die jungen Mädchen sind mit der Neuerung sehr zufrieden, Obslmarkl auf der Spree Auf der Spree vor der SSer liner Mörfe. hol ffch derObfi markl auf JiShnen nieder aufgeton, ein eigenartiges Merhftbild! haben aber die Geschästsleitung gebeten, daß die hübsckzen braunen Kleider um ein paar Zentünetcr verlängert werden, denn sie fühlen sich auf ihrem Hochsitz in den allzu kurzen Röcken nicht sehr behaglich. Obwohl man auch den Kellnern gewiß wünschen möchte, daß ihr schwerer Dienst ebensalls durch kurzes Ausruhen unter- brachen würde, muß man doch diese kleine Erleichterung für die ar- beitenden Frauen dankbar begrüße«! auch wenn man sich darüber klar ist, daß solche Wohlfahriseinrichtungen an sichtbarer Stelle den Rcklameetat entlasten. Hoffentlich haben Vertreter des Einzelhandels Gelegen- heit, sich einmal die neuen Sitzgelegenheiten für Angestellte zu be- trachten. Sie könnten dabei lernen, wie man ohne Geschäfts- schädigung eine alte Vorschrift erfüllt, die leider nur auf dem Papier steht. Nach immer springen Berkänserinnen, besonders in Warenhäusern, beim Nahen der Aussicht erschreckt auf, wenn sie einmal von ihrem verbrieften Recht, sich ab und zu hinzu- setzen, Gebrauch gemacht haben. Int Allgemeinen hat keine Per- käuferin den Mut zum Sitzen— falls überhaupt eine Sitzgclegen- hcit in Reichweile vorhanden ist—, obwohl das Vorhandensein ausreichender Sitzgelegenheiten gesetzlich geboten ist. Aber vielleicht zeigt die Neuerung bei Mokka Esti, daß es sogar im Interesie der Unternehmer liegt, wenn das Personal nicht abgehetzt ist. Oer Anschlag auf die U-Bahn-Kaffe. 300 Mark Velohnunq! Zu dem räuberischen Anschlag aus die Stotionskosie am Sophie-Charlotte-Platz ersah«« wir, daß die Unterzrrrndbah!«'für Mitteilungen aus dem Publikum, die out die Spur der Täter führen können, eine B e l ö h n u n g oöu.ÄX> Mark ausgesetzt hat. Die Kassenräume aus den U-Bahnhöfen werden Tag und Nacht bewacht. Das haben die Täter ohne Zweifel zw-ir gewußt, aber nach Abfahrt des letzten Zuges gegen 2 Uhr wohl mit einer größeren Summe in der Kasse- gerechnet. Aus welchem Wege sie aus den Bahnhof gelangt sind, ist noch nicht cinwatidirci festgestellt. Passanten, die vielleicht am Sophic-Charloue-Plotz oder am Kaiserdainm verdächtige Beobachtungen gemacht haben, werden ersucht, sich bei der Krinnnalpoüzci zu melden. Das Fest der goldenen Hochzeit begeht heute am 23. Oktober der Sozialrentner Hermann Balckc intd seine Ehefrau, wohn, hast in der Friedenstr. 43. Valcke ist 77 Jahre alt und seit Jahr- zehnten Abonnent des„Vorwärts". Wir gratulieren dem treuen Bezieher unseres Blattes und seiner Gattin. Aufstellung von zwei Vlastiten im Stodtbad Gartenslraße. Der Magistrat hat in seiner Sitzung vom 16. Oktober dem Beschluß der Deputation für Kunst und Bildungswesen, die beiden von Professor Kraus erworbenen Plastiken„Jüngling" und„Jungfrau" im Vestibül des Stadtbodes in der Gartenstraße auszustellen, zugc- stimmt. Gelbstmord eines polizeichefs. Seelische Depression, keine politischen Motive. Der Chef der Breslauer politischen Polizel, Kriminaloberinspekior Bruno Albrecht, verübte gestern abend in seittcr Wohnung Selbstmord durch Erschießen. Der Selbst. inord des Beamten wird von verschiedenen Zeiwngen in tendenziöser Weise dahin ausgelegt, als ob Albrecht die Tat unter politischem Gewissenszwang begongen habe. Wie der Amtliche preußische Pressedienst von zuständiger Seite dazu erfährt, ist diese Darstellung gänzlich unzutressend, die Untersuchung des Falles hat einwandfrei ergeben, daß Alb recht, der im Al k o h ol z ust a n d«inen tätlichen Zusammenstoß mit Polizciorganen hatte, und betürchtete, dcunit seine bevor- stehende Beförderung zunichte gemacht zu haben, in seelischer Depression über diesen Vorfall den Selbstmord ausführte. M i t politischen Motiven irgendwelcher Art Hot die Tat nicht das geringste zu tun. Orei Familienväter getötet. 3n TU a b H o ra tu, an der Mündung der S chlei, wurde» heule drei Iischcr durch eine explodierende Mine ge- lötet und einer schwer verleßl. Die Fischer Hollen die Mine, die auf hoher See treibend ousgefunden wurde, an Bord genommen. Als sie ihr Look an Land zogen, löste sich die Zündung an». Es Handell sich bei ollen um Familienväter. Die zentralen Kurse der Arbeiterbiidungsschul«. In dieser, Woche beginnen folgende Kurse im Hauie Lindenstraßc 3, 2. HoH 2 Treppen, Zimmer Iii Donnerstag, den 24. Oktober i Alcrander Stein i„Theorie und Praxis der Arbeiterbewegung"(Grund- lagen des sozialdemakratischeii Parteiprogramms). Kurze Ucberflcht über die. sozialistische Ideengeschichlc.— Die Verbundenheit von Theorie und Praxis in der Arbeiterbewegung.— Der moderne .Kapitalismus.— Der Klassenkampf in der Demokratie.— -sozialistische Außenpolitik. Freitag, den 25. Oktober: Dr. Alfred Braunthal:„Die Elemente der kapitalistischen Wirtschaft."— Produktion der Waren und Zirkulation des Kapitals.— Gut und Ware.— Der Betrieb.— Dos Unternehmen.— Die Rolle des Geldes im Zirkulationsprozcß.— Die Rolle des Kredits im Zirkulationsprozeß.— Beide Kurse beginnen abends 7Iu Uhr. 2?n Meldungen bei Beginn im Kursusrannt. Wetter für Verlin: Wolkig bis heiter bei wenig veränderte« Temperaturen und mäßigen südwestlichen Winden.— Für Deutschland: Früh vielfach nebelig, am Tage wolkig bis heiter bei wenig veränderten Temperaturen. Lerannoortl.»ilt dic Rcdaktion: B-liga-g Schwan. Bnlbt: Aitjeigcn: Ih Slaile, Berlin. Berta»: Vorwärts Verlag S. m. b. tö.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW öS, Lindenftrake 3. Sierzu 1 Beilage. r- GROSSES SCHAUSPIELHAUS' Tigl.S Uhr TigL 2 Verstell. S wt«'/- Uhr Bi'teresu 3256 Unsere neuen Preise; «•Chu; gs 5 Uhr 60 FT Iis J»er* Viel.«'/,■. Sonnt. 6 Uhr 1 eis 6 Her* Cherlle Rlvt', 3 WhlrlwnOo. ürnTack Sarn cssr Regie; ERIK CHARELL_ tfesainUusstattung Prof. Ernst Sftaro" ' Mnsik-Lftituiig; Ernst Hsuke 3 Uhr ftonntac na-etinx. «iDgohürrt halb« PrelM« «aolhrfntfer Strafte ra«ucfa sv« Uhr 116(1 1 uertagte HochzeitsnachU und ein rstklassiger bunter Teil Für unsere Leser: jutschetn tOr 1—4 Person er Fauteuil nur 1.25 M.. Sessel 1.75 M-, sonstige Preise- Parkett u. Rane0.80 M Renaissanca-theater Täglich SV« Uhr STEMPELBBUDER Schauspiel von Duschinsky. Regie: Oust. Hartons. Stornpita 0 1, 0801 o. 2583/86, TUCHTCD 6r- Fraflktnrler -THcATcR siraBe 132 Bllleitkasse: Alexander 3422. Täglich 8» Uhr; (Sonntags 5'.« und 9 Uhr) Di« lelcMe Jsabell Sic zahlen für Rg.-Balkon(Seite) 5« PI.,(ür einen guten Mittel- Rang 80 Pf. für Seitenparkett l Mk., für II. Parkett 1,20 Mk, für I. Parkett und Rang-Balkon Mitte 1,50 Mk. Jtdon Sennaband S Uhr II jodoo Sonntag 2® Uhr; Schneewittchen. Mm uitnodi s uiu: Das tapfere Sifinelflerlein WM Tteatur D.L Norden 13310 8V* Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw* Reg: Max Reinhardt TflMOIl-TlL�r Täglich SV« Uhr Der gutulspleleilolo Das kommt doch alle Tage vor cklemaan, v. Aknat, Lande, Klinder Mi und So- 4 Uhr isehenbrOdel Lessüio-Theater Norden 10840 Gruppe'nnger Schamplclcr Täglich 8V« Uhr Cyankail I 218 von rrtMrtik Voll Volks b Ulm e hirtir an Hlavoliti 8 Uhr FrQhlings Erwachen StaatL�diilier-Ili. • 8 Uhr, Der Raafmann von Venedig Staatsoper AmPLd Republik 7V, Uhr Bans Helling Kammersplele D.I. Norden 12310 8t/a Uhr IDer Oowiderstehliche Komödie von Gdraldy und Spitzet Regie; Gustaf Cründgens Die Komödie 1 1 Bismck.2414/751(: 8 Uhr Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie Erich Engel Direktion . Robert K eli Ceulsehes Eflnstler-Tbeai Barbarossa 3837 '>/. Uhr Die andere Seite Serlioer Ihea'ei lönhoffno SV« U. Ivel Kravatien von Qeorß Kaiser Musik Spolianskv Reichshallen-Theater Abends|Tj Sonntag nadtm.)_3j Immer noch: Bei de Slettiner" ulkige Fest-Revue! Nachmitiaos halbe Preise, volles Programm! Billettbest Zentrum 112 63. önhott-Bret�; Das groß© Oktober-Proo-drnrrt Fnlknor-Orchastar— Tanz. Sanmwskj-üDbner Thaatsr n der Y5niggrätzar Strafe Täglich SV, Uhr Die erste mrs. selby mit Frini Massary Komddinnnaua Täglich 8»!» Uhr icrisliys hupen sinil die besten mit Kart Bois Meines Theat Merkur 1624 r glich 81/« Uhr laxAdaibert als Manie am Flüge Rudolf Nelson Metropol-Th. Täglich SV. Uhr Lebdr dirigiert Das Land des LSehelns Vera Schwarz, Richard T aober Theat. d. Westens Fägl. SV« Uhr Narieda iüusik v. Oskar Slraos Käthe Dorsch Michael Bohnen Lustspielhans Friedrichsfr. 236 Bergmann 2922 Täglich St/« Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank PlanetartDin — am Zoo— 'ci«,. IndionttalB Stnb B.5 Barbarossa 5578 15V« Uhr Herbzf- abonJeim Sternon- himmot I8V< Uhr Bit an die Ortnztn dar Wolt 20«/« Uhr Rlttel tfat SttrnonlicMn Tägl.auBer Montags u. Mitlw. Erwachs. i Mk, Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene 50 Pf, Kinder 25 Pf. Tli8ai.iinKBtU.ror Kottbusser Str. 6 * TägLSUhr i) auch Sonnt. Wfb nachm. 311. jft Eine- W Sünder v" Der doppelte Alvlü!.Ein Welt- re ord d. Lach." Betten Fürsi Gegründet 1908 Eiserne Bellstellen, Kinderwagen, BeHfedern, fn'cU» Fabrik für sSxnllicfae Polstermöbel Berlin•Naukö-In, Hermanntlr. 31 81. 33 Tel.; F2 Neukölln 1424 Filiale; Berlln-Tempelhor. Berliner Str. 137__ ouof äri aar JKov. Citsfcitsn s mdatz DeHm, Ujozigin, Sfn 122-12S älellagc Mittwoch, 23. Oktober 1929 SivÄbpnd StrnhxaLtJaße da* l£i*u>xzr& Georg von Vollmar Dem Gedächtnis eines Führers Georg von Vollmar ist«incr der erfolgreichsten Propa- gandisten des demokratischen Sozialismus in Deutschland gemefen. Ciust erscheint in dcni Deutschen Biographischen Jahr- buch(herausgegeben vom Verbände der deutschen Akademien, Herausgeber Dr. Hermann Cristern, Bd. IV, Jahrgang 1922, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 1929) die treffliche Lebensbeschreibung von Vollmars aus der Feder Alwin Sängers, unseres leider zu früh verstorbenen Genossen. Wir werden dieser Biographie in vielen Punkten folgen, ober sie in einigen ergänzen. Die hervorstechendsten Cigenschafte» von Vollmars waren die große Beweglichkeit l eines Geistes, die von doktri- nären Meinungen und herrschenden Traditionen nicht beschränkte inner? Freiheit seiner Ilrteilsbildung und die folgerichtige Durch- sührung dciien, was er nach einem vertieften kritischen Durchdenken der theoretischen Probleme und der drängenden Tagessragcn für richtig erkannt hotte. Jede kleinliche Rechthaberei lag ihm fern, und er erfaßte wie kaum ein anderer Mensch die Notwendigkeit des persönlichen Nachgebens in den großen, die politische und soziale Praxis berührende Fragen. Aber dieses Nachgeben trieb Vollmar nie so weit, daß der innere Kern seiner Persönlichkeit davon betroffen wurde. 'Alwin Sänger glaubt mit Recht.�ni einem vom 8. November 1891 dotierten Selbstbekenntnis B o ll m a r s die Grundlage von dessen Schaffen erkennen zu können. „Kein Mensch ist in jeder Einzclhandlung frei, und um größerer Dinge willen darf und muß man sich in untergeordneten ost Zwang antun. Wer ober in Dingen von Bedeutung sein Denken und Handeln noch dem Urteil anderer einrichtet, sich durch Lob oder Tadel bestimmen läßt, der gibt sei» bestes Wesen auf. Und dabei macht es keinen inneren Unterschied, ob man den Großen oder dem Volke schmeichelt, dem Glauben oder der Aufklärung heuchelt, der gesellschaftlichen Verbindung oder dem materiellen Gewinne Rech- nung trägt. Eine wahrhaft sittliche Handlung ist nur die, welche dem eigenen Gescße der Persönlichkeit entspricht, nach ihrer Rechts- und Weltanschauung richtig und begründet ist. Man muh sich selbst getreu sein.", Vollmar ist van Hause aus durch die militärischen und katho- lischen Ueberlieserungen eines altadligen Hauses schwer belastet. lieber sie triumphiert die Beweglichkeit seiires Geistes. Zunächst bricht er mit dem Gamaschendienst, den er als Leutnant in einem bayerischen Infanterieregiment verrichten muß. Er reicht wider den ausdrücklichen Willen seiner Familie sein Cntlossungs- gesuch eiNj wartet aber die Entscheidung seiner Borgesetzte» über dieses Gesuch gar nicht erst ab, sondern verläßt eigenmächtig seinen Truppenteil. Jugendliche Romantik berückte seine lebhafte, künstlerisch gerichtete Phantasie. Der Traum von der Herrlichkeit eines g e i st- lichen Ritter bums nimint ihn gefangen. In einem Aussotze in der„Gartenlaube":„Gerechtigkeit in Rem" schreibt er 1879: .Tin dem Gcscllciivi�me zu M.(München), in dem ich mich eines Abends auf Einladung eingefunden hatte, trat, durch den Pxäses ein- geführt, ein römischer Ossizicr in voller Uniform auf und schildert« in bewegten Worten die Notlage des heiligen Vaters, der von allen Seiten von den Feinden der Kirche bedrängt werde und sich deshalb an seine waffenfähigen Söhne um Hilfe wende. Die Pflicht, Rom zu Hilf« zu eilen, die Verdienstlichkeit und der Ruhm«incr solchen Handlung, dazu den Zauber der Natur und Kunst des klassischen Landes, die Vorzüge und Ehren des Dienstes— all das malte der kluge Römer in lebhaften Farben zu einem oerführerischen Gesamtbilde aus." t Vollmar ging nach Rom und wurde päpstlicher Schlüssel- soldat. Er stößt in Rom auf erschreckende soziale Zustände— und sein soziales Empfinden wird hier wohl zuerst lebendig. Er schaut auf «in herabgekommenes, verwildertes und verelendetes Volk, das mehr den rechtlosen Sklaven des Altertums gleicht als den„freien Arbeitern" Unserer Tage. Und nun fällt die von der Romantik so dicht gewobene Hülle von seinen Augen. Was sind die Schlüssel- soldaten, die sich als gefeierte Glaubenehelden fühlen, anders als geringgeschätzte Schergen der geistlich«» Tyrannei! Vollmar hat vom Papst gegessen— und er ist ach Papst ge- starben. Sein Ultramontani-mus oerzehrt sich am römischen Ultra- montonismus..Er kehrt noch München zurück und tritt als B e- a m t> r in den Dienst der bayerischen Derkehrsanstaltcn. Als der Deutfch-Fronzöfische Krieg aufllamint, wird Vollmar auf Kriegsdauer für den Dienst bei der deutschen Feldeikenbahn ver- pflichtet. Bei Blo>s'erlchwettert ihm ein Schuß dos linke Schien- dein, und bei �»em nachjolpenden Bruch der Trogbahr« wird der Schwerverletzte in feinem Rückenmark so heftig erschüttert, daß er sich bis zum Jahre 1898 zweier Krücken beim Gehen dedienen mußte, dfe er dann nach einer erfolgreichen DeHandlung durch de» Orthopäden HNsida'v-Veite belle» kann. Unter srbwerem L'iken oertieit'ich sein ganzes Wesen. Auf dem Krankenbett kämpf» er sich zu einer modern-noturwissenschaft- lichen Wektanfchouiing durch Der demokratisch gerich'ete Vollmar wird 187.1 zum Sozialdemokraten. Als solcher redlgiert er die„Dresdener Pplkszeitiing", und er nimmt an dem fo-ialdemo. krcuischen Gothger Kongreß 1877 teil, eijng bemuht, die iiuer- zu pflegen. Als Redakteur national-sozialistischen Beziehungen trifft ihn eine zehnmo nötige Gefängnisstrafe wegen Majestätsbeleidigling und Gotteslästerung. In sein« Ge- fängmszell« in Zwickau dringt die Kunde van dem brutalen Ver- mchrungskampi der deutschen Regierungen gegen die sozialdemokratische Press« und gegen die sozialdemokratischen Bereine unter dem So zialtstengesetz. Nach seiner Entlassung aus dem Zwickauer Gefängnis wird er als Opfer der allgemeinen Sozialistenoerfolgung aus Dresden ausgewiesen. Nach kurzer Muße in Böhmen ruft ihn das Vertrauen der Genossen an die leitende Redakteurstelle des Züricher„Sozialdemokrat". In Zürich entladet sich mit Elementarkrast die Empörung der niedergetretenen sazialdeinakrotischen Flüchtlinge. Die revolutio- nären Leidenschaften dieser Emigranten gewittern im„Sozialdemo- krat", und Vollmar hat die Gewitterwolken zusammengeballt. Eine schwere Wirtschaftskrise schleppt sich jahrelang durch die kapitalistisch« Well, und sie steigert die in den Kreisen der gehetzten Sozialdemo- traten aufflammende Hoffnung auf den baldigen Zusammen- b r u ch de s K a p i ta l i-s m u s � auf den schnellen Ausbruch der f o z i a le n R e v o l u t i o n. In Rußland wetlerleuchtet die Revo- lution, dort häuft sich Attentat auf Atieickat. Vollmar steht unter dem starken Eindruck dieser revolutionären Zeiterfcheinungen. Den Weg der friedlichen, gesetzlichen Entwicklung sieht er durch das So- zialistengefetz.völlig verrammelt. Er verwirft den Putsch in jeder Form, aber die Revolution bereitet, er geistig durch eine antiparlamentarische Taktik, durch eine enge Fühlungnahme mit den rcvalutionären Bewegungen Europas vor. Vollmar ist in seinem politischen Denken völlig konsequent. Er hört den dröhnenden Schritt der ehernen Sandalen der Revolution. Sollte er da im Parlamente Rcforinpoliük treiben? Vollmar prallt in der sozial- demokratischen Reichstngshaktian auf die stärksten Widerstände. Da legt er die Redaktion des„Sozialdemokrat" nieder, fiedelt nach Paris über und tritt in lehendigen Verkehr mit französischen, russischen und polnischen Revolutionären. Im Jahre 188l wird Vollmar in den Deutschen Reichstag und 1883 in den Sächsischen Landtag gewählt. Seine revolutio- nären Grundanschauungen schlagen in seiner Rede über das Tabak- Monopol, in feinen Reden auf der Züricher Abgeordnetenkonferenz 1882, in seinen von Bebel heftig bekämpften und später als Broschüre herausgegebenen Artikeln: Aufhebung des Sozialistengesetzes?, in seinen Kontroversen aus dem Kopcn Hagener Kongreß, in seinen temperamenwollen Aeußerungen zum Dampfers ub-ventionskomlikt nieder. Im Spätsommer 1883 siedelt Vollmar dauernd nach Alünchen über. Er verwächst nun eng � mit der Bevölkerung Oberbayerns und Münchens. Er lernt einen ganz anderen Typus des Arbeiters kennen als den des sächsischen Proletariers, des revo- lutionären Emiaranien, des Kam- munekämpfers in Poris. In dem Briefe vom 29. März 1894 an Franz Mehring skizziert Boll- mar seine politische Landtagstaktik folgendermaßen:„Wir beschränken uns nicht aus eine bloß« Industrie- arbeitervertretung, sondern beteiligen uns an allen Fragen, welche irgend- einen wesentlichen Volksteil oder das Gemeinwesen als solches und die Kulwr berühren. Da ist vor ollem die Lage der Beamte» und Staats- arbeiter, die Schule, die Wisfenfchaft und Kunst, das Heer. Kurz, wir haben die Bevölkerung in fast allen ihren Schichten daran gewöhnt, daß jedes berechtigt« Interesse, jede Klage, welche auch außerhalb unserer Par- tei erhoben wird, aber infolge der Schwächlichkeit der anderen Parteien ohne Widerhall bleibt, durch uns ebenso entschieden als umsichtig vertreten wird." Vollmar kommt durch dos Einfühlen in die breiten Massen und durch das Studium der wirtschaftlichen Entwicklung zu der Heber- .zeugung, daß sich der U e b« r g a n g des Kapitalismus zum Sozialismus nicht plötzlich und k a t a ft r o p h a l vollzieht,. daß sich der S t a a t allmählich umbildet, und daß die Bauernklafsc nicht verschwindet, sondern sich erhält, Er gelangt zu einem R a u e r n s ch u tz p r o g r a m m, dos mit de n heutigen Agrarprotzramm der- Sozialdemokratie wesentlich überein- stimmt. In Kunst- und K u l t u r f r a g« n macht er die Sozial- demokratie zur führenden Partei Bayerns. Indem er die sich auf die Voltsmasscn stützenden Parteien wechselweise für das allgemeine Wahlrecht zu interessieren weiß, gelingt es ihm durch eine gefchickic Kompromißpolitik ein« durchgreifende Wohlreform durchzudrücken, die fast das allge- meine Wahlrecht verwirklicht. Die Sozialdemokratie ruckt in ständig wachsender Zahl in den bayerischen Landtag ein und gewinnt auf die Arbeiter- und Kulturpolitik des Landes einen bestimmenden Einfluß. Am 30. Juni 1922 ist Georg von Vollmar in feinem Landhaus Soieiisoß zu Urfeld am Wolchenfec verstorben. Seine treiiliche Ehefrau, feine weitschauende Beraterin und unermüdliche Mit- orbotterin, Julia von B o l l m a r- Kj c l l b c r g, hat ihn nur etwas über ein halbes Jahr überlobt. Indem Alwin Sänger am Schluß seiner Biographie nochmals das Lebenswerk Lollmars überschaut, schreibt er dieses Urteil über den führenden sozialdemokratischen Politiker Bayerns nieder: „Umfassende Studien und geschichtlich« Einsicht in die bewegenden Kräfte einer neuen Epoche der Menschheit stellten van Vollmar in die Reihen der emporstrebende» sozialistischen Arbeitermaifen. Wissen und Selbstbeherrschung machten ihn zum Staatsmann von Format und ließen ihn der Stunde geben, was der Stunde geHörle. Innere Ilnabhängigkeit schuf edle Treue für eine große Idee. Und diese innere Freiheit hob den Träger weit über die Menge der Agitatoren und Parlanrentorier. In dem großen Kämpfer ober lebte der große Mensch, auf den das Wort des Römers von der siirms. Candida wahrlich zutraf. P. Kampf iracy-T.• Das Ehepaar Vollmar im Kreise von Genossen Ixfüru wird Propagandachef Herr Ixfüru, eine bedeutend im Rcchtswind knackende Konifere des deutschen Monorchistcnwaldcs, spürt« Kopsweh. Richtiges, bodeu- ständiges Kopfweh, nicht etwa einen der zahmey Haarspitzenkatarrhe, die sich sonst nach olkoholifch-werwölnscheu Ausschreitungen leicht einzustellen pflegen.» Herr Ixfüru gebrauchte Umschläge, Bäder, Massagen. Pillen und Puloer, sogar ein Klistier. Doch alles umsonst. Das verfluchte Kopfweh wich nicht und wankte nicht. Schließlich, beinah« verzweifelt, suchte Herr Ixfüru einen Arzt aus und.zwar, der Schwere des Falles entsprechend, einen Spc- zialisten. Der stellte sein Kranoskop ein, untersucht« Herrn Ixfüru gründ- lich, sehr gründlich sogar, und zog dann, noch&cim er noch einige harmlos scheinende Fragen gestellt hatte, bedeutsam die Augenbrauen hoch und wackelte einig« Mole nachdenklich-mir dem kahlen Schädel. was bei einem Gehirnspezialisten allerhand heißen will. „Was Ernstes?" fragte gedrückt und zaghaft Herr Ixfüru. „Was sehr Ernstes!" besaht« der Mann im weißen Kittel. �„Und?" ,�shr Kopfweh resultiert aus chronischer Derstapsung der Gang. lienzellen. Es wird nichts anderes übrig bleiben, als das Gehirn auf operativem Wege zu entfernen und es einer gründlichen. Rejni- gung zu unterziehen. Aber sofort, sonst garantiere ich für nichts!" „Wird die Operation auch gelingen?" „Daran hege ich nicht den geringsten Zweiiel," sagt« der Ge- hirnspeziolist,.denn bei vielen Ihrer Herrn' Kollegen habe ich sie bereits mit Erfolg ousgeführt, und zwar, was ich beiondcrs bernor heben möchte, ahne die geringste Bcrussstörung für die Betreffenden. Es war an den von ihnen bedienten Rechtsblättcrn kaum zu merken, daß ihre prominentesten Vertreter einig« Tage sozusagen gehirnlos umherliefen." Diese'Auskunft, besonders aber der Hinweis auf die Herren Kollegen, benchigte Herrn Ixfüru so, daß er sich sofort operieren ließ. Die Herausnahme des Gehirns gelang glänzend: der Arzt legte es sofort in Spiritus. Sobald die gründliche Reinigung beendet war— in drei Tagen etwa— sollte Herr Ixfüru vorspred)en und sich das inzwischen neu aufpolierte Denkzentrum wieder einsetzen lassen. Die drei Tage verstrichen. Herr Ixfüru kam nicht. Es verstrichen dreimal drei Tage..Herr Ixfüru kam immer noch nicht. Es verskriihen drei volle Wochen. Kein Jxsüru ließ sich sehen. Dein Spezialisten wurde ganz angstlich zumute, um so mehr. als das in Spiritus gesetzte Gehirn von Tag zu Tag bläulicher anlief. Da versuchte es der Arzt mit einigen dringenden Telegrammen. Auch die nützten nichts. Herr Ixfüru war wie vom Erdboden verschwunden. Der Arzt macht« sich Vorwürfe:„Ich hätte ihn doch nicht ohne Aussicht.lallen sollen...... Vielleicht ist ihm in seiner Gehirnlos>ok-it etwas zugestoßen!" Di« Selbjtvorwürse des Medikus waren unbercchligl: denn dieser Tage traf er.Herrn Jxsüru frisch und munter, wft cr eben im Begrüs mar, an der Kochstraße in die 11-BäHn zu verschwinden. „Ja. Manp'.Gotto?," jagte der Spezialist und hielt Herrn Ixfüru vorsorglich am Arnnel,. worum kommen S> nicht? Ihr Gehirn muß doch wieder eingesetzt werden, es ist allerhöchste Zeit!" „Ülehalicn Sie's nur, Herr Doktor, ich hob's nicht mehr nötig!" jagte Herr Jxsüru und verzog vor Lochen sein Gesicht bis hinker die Ohren.„Wissen Sie, es geht auch ohne Gehirn. Iß bin nchp- lich in der Zwischenzeit bei Hilgenberg P r o p o g a n b a ch' für das B O lk s b c ge I> r c.n„Freilzcnsgsjetz" geworden!" O«« (�pman von Ülax ßartkel (27. Fortsetzung/) Die Hallen waren schon Hallen des Ausstiegs geblieben, ob- inohl keine Zeppeline mehr die Werft verließen. Aus dem Schutt der Kulissen aber stiegen die vielen Filme auf uich gingen in alle Länder. Di« beiden Mädchen hörten auf ihren, Streifzug auch die babylonische S prochenverwirrung. Die Direktoren, die Stars, die Regisseure und auch viele Operateure kannten sich in vielen Zungen verständigen. Man hörte englisch, deutsch, russisch, französisch. jiddisch und viel ungarisch. Das alles prasselte uich quasselte durch- eiimicher. Bei der Wanderschaft durch die Kulissen stießen Lola und Mariaimc auf den Regisseur Bencke. der ebenfalls von Atelier zu Atelier stromerte und sich als Führer anbot. Sie nahmen seine Führung gern an, und er vertrat seinen Meister würdig und machte viel« Randbemerkungen zur Geschichte des Films. Bencke war schon zehn Jahre im Geschäft. „Das ist die Katja Guyllaschi)/' erklärte er leise, als sie einer Szene.zusahen.„Die Katja spielt auch erst im zweiten Film wie unsere Freundin Marianne. Sie ist begabt. In, ersten Film spielte sie die alten routinierten Damen glatt an die Wand. Die ganze Filmkritik ist aus ihrer Seite. Kunststück, ihr Freund hat Einfluß auf die Presse. Er gab die Parole aus:„Katja muß in Deutschland bleiben. Sie dars nicht, wie die aicheren, nach Hollywood." Das gab ihr einen Bombenerfolg. Sehen Sie, so wird es bei uns geinacht." „Sein die Filmkritik so niächtig in Deutschland?" „Nicht immer, aber manchmal schon. Da war ein junger Schrift- stellor. der tn einer Zeitung glänzende Fllmreserate schrieb. Die Jrchustri« wurde aufmerksam auf ihn. Gut, sagte sie, der Mann hat es in sich. Soll er uns einen Film nach seinem Herzen schreiben. Und er schrieb cinei, Film nach seinem Herzen. Er lieferte das Manuskript ab. Di« Gesellschaft äußerte sich sehr schmeichelhaft und drehte den Film. Als man aber die Bescherung sah. war es der- selbe Streifen und derselbe Kitsch den er bei anderen Leuten oll- wöchentlich verdarnmte." „O, ich sehr gut verstehen," sagte Lola Lopez,„sie haben sein Manuskript noch altem Rezept verarbeitet. Dos sein ein sehr alte Trick. Und wo» machen der junge Mensch jetzt?" „Er schreibt keine Filmkritiken mehr, er schreibt jetzt Manu- skripte für den Film!" antwortete Bcnck« mit Grabesstimme, als spräche er an der Leiche eines geliebten Freundes.» „Und wer sein der böse Herr dort?" fragte Lola und zeigte auf Katjos Partner, einen eleganten, dämonischen Herrn, der ver- führerisch lächelte. „Das ist einer von den Filmschurken." kicherte Bencke.„Das ist der Bellmann, ein guter Kerl, eine Seele von einem Menschen. Er ist Pazifist und Degetarier und muß im Film immer der ruch- lose Schurke sein. Er muß den Lebemann spielen, der die armen, unschuldigen Frauen und Mädchen verführt. Dabei ist er glücklich verheiratet und steht zu.Hause unter dem Pantoffel." „Und was für einen Film machen Sie. Herr Bencke?" fragte Marianne und riß die Unterhaltung an sich.„Warum sind Si« nicht mehr bei der„Lux"?" .Lch bin schon bei der.Lux", aber Lenmnsty wollte durchaus Gramp für den neuen Film haben. Ich drehe ab morgen einen anderen Film bei der.Luna". Das wird eine Hetz, Gnädigst«, wir wollen sehen, wer den blödesten Film und wer das größte Geschäft dabei macht." „Und was behandelt Ihr neuer Film?" „Das ist eigentlich Probuktionsgehctmnis. aber unter uns Pfarrertöchtern kann man schon davon sprechen. Also," er plusterte sich aus, daß die Mädchen leise lachten,„also, der neue Film heißt: Der Tresspunkt. Da kommt ein blutjunges Bauermnädel nach Wien und trifft ihren Jugendfreund aus dem Heimatdorf. Sie verlieben sich und wollen später heiraten. Sie nimmt als Dienstmädchen eine Stellung an und er muß zum Militär. Rührend, nicht? Wenn er vom Kommiß freikommt, und wenn sie ein wenig Geld gespart hat, um ein Pierd zu kaufen, wollen sie in das Dorf zurück." „Was wollen sie mit dem Pferd?" fragt Lola erstaunt. Wollen si« zum Dorf zurückreiten?" fragt Marianne. Bencke lochte. .Laben Sie ein« Ahnung von der Landwirtschaft! Sic brauchen dos Pferd natürlich für ihren Hof, für ihren Acker. Das alles be- sprechen die beiden, und ehe der Bursch einrückt— sie hat schon Arbeit— kommen sie noch einmal zusammen. An einem Sonntag. Sie hat nur bis zehn Uhr Ausgang, aber ihr Don Juan behält sie die ganze Nacht bei sich. Ist das nicht furchtbar? Und als die Kleine am nächsten Morgen zu ihrer Herrschaft kommt, wird sie sofort enlossen. Was soll sie nun tun? Run, sie geht in ein Freuden- haus!" „Pfui!" sogt Lola. „Ja, pfui! aber sie will ja sparen für dos HoftehühpferÄchen! Sie sagt ihrem Soldaten kein Wort von ihrem neuen Beruf, und er merkt nichts. Und das geht ein ganzes Jahr so weiter." „Wenn dos nur gut ausgeht!" bemerkte Marianne. .La, wenn dax nur gut ausgeht," wiederholte Bencke. Dann erzählte er gleichgültig und mit leisem Hohn weiter:„Das Mädchen hat das Geld für das Pferd beinahe zusammengespart, da merkt es ihr Soldat doch. Er wendet sich entfetzt und moralisch von dem lelchtlertigen Fräulein ab. Seine Milftärzeft ist um. Er geht in sein Dorf und verlobt sich mit einer anderen. Das neue Mädchen hat viel Geld und bringt gleich drei Pferde mit in die Ehe." „Und was geschah mit dem andern Mädchen?" wollte Lola wissen. .Los andere Mädchen hat sich endlich das Geld für das eine Pferd zusammengespart. Sie verläßt ihre» lasterhaften Beruf, kauft CopyntM 19?) by„Der Böcherkreis C. rn b. H." Berlin SW 61 ein schwarzes, feuriges Pferd und reitet nach dem Dorfe zurück. Sie kommt gerade zur rechten Zeit. Ihr Freund, der sie verlassen hat und von dem sie immer noch glaicht, er liebe sie, ihr Freund feiert gerade Hochzeit." „So sind die Männer," sagte Lola trogisch. „Was soll nun dos verlaffen« Mädchen machen?" fuhr Bencke in feiner Erzählung fort. „Sie reitet in die Stadt zurück!" riet Marianne. „Nein, sie geht ms Wasser! Es ist schrecklich, was so ein armes Mädchen vom Land« alles mitmachen muß," schloß Bencke seufzend. Die beiden Mädchen lachten. „Und dos soll Konkurrenz für meinen neuen Film sein?" fragte Mariann«. „Schwere Konkurrenz. Die Berleihcr werden uns den Film aus den Händen reißen!" „Und wer spielt das Bauernmädchen mit dem schwarzen Pferd?" wollte Marianne wissen und erwog dabei die Möglichkeiten dieser Rolle. „Ein Girl von den Ziegfiesds...- Ein Star..." „Bei Ziegfietds find die schönsten amerikonischen Mädchen," erzählt« die kleine Lopez,„die kleinen Ladenmädchen träumen alle davon, in die Truppe einmal aufzutreten." Sie konnte die Ziegsieidtruppe ganz genau und erzählte weiter von der harten Arbeit der Mädchen. Si« lebten wie in einem Mädchenpensionat, mußten früh schlafen gehen, auf Diät holten, jeden Tag tüchtig tränieren und Sport treiben und, wenn sie sich ver- loben wollten, bei dem strengen Mister Ziegfield erst um Erlaubnis fragen. Es war ähnlich wie bei den großen Gesellschaften in Holly- wood, die ihren Stars auch strenge Kontrakte vorschrieben, zum Beispiel, wie schwer sie�sein durften, was für Sport sie treiben mußten und so weiter. Sie schloß damit, und erklärte, sie liebe vor ollen Dingen den Film, weil er vornehmlich eine grandios« Körper- ongelegenheit sei. „Ja, das ist er heut«, aber bei aller Bigotterie ist der Film heidnisch!" antwortete Bencke.„Er ist heidnisch mit vielen Feigen- blättern." Sie gingen weiter und verweilten bei einer anderen Aufnahme. Bencke begrüßt« den Regisseur und stellte die Damen vor. Sie besähet, sich einige Minuten auch dieses Spiel. Die Szene rollte in der Dekoration eines nächtlichen Hotels ob. Der Star stellte jenen Frauentyp dar, der den rechten Weg verloren hat und durch viele Abenteuer gehen muß, bis am Ende die Moral gerettet und die Ordnung wieder hergestellt ist. Natürlich durch eine legale Heirat. Der Star spielte mit Hingabe und war heute eine leichtfertige Prinzessiv, morgen vielleicht eine Nutte, dann eine große edle Dame, um dann ein andermal als dämonische Tänzerin das Herz eines Millionärs zu verwirren. In, Nachbaratelier wurde Siloester gefeiert. Der Herr Regisseur thront« wie Gramp mft seinem Stob und seinem Megaphon auf einer fahrbaren Holzbühne. Der blonde und berühmte Star spielte auf einem Saxophon, sein weltbekannter Partner hatte sich einen vergoldeten Papierhelm aufgesetzt und schleudert« bunte Papierschlangen in den aufgeregten Jubel eines festlichen Balls. Die Komparsen waren in Gesellschafts- kleidung(zwanzig Mark für den Aufnahmetag) und markierten große Freud« und bacchanalische Ausschweifung. Das Klavier klimperte: „Ein Gentleman, ein heißer Blick..." Der lltegifleur stoppte dos Spiel. „Ohr habt kein Temperament," brüllte er in das piogliche Schweigen hinein,.Herrschaften, hopst und springt, es ist Silvester und kein Begräbnis, was wir haute spielen!" Der blond« Star verzog das Gesicht. Die Komparsen rosten und lachten wie Irrsinnige. Das Licht flutete. Das Atelier dröhnte. Die getünchten.Holzwände mit dem goldenen Stuck zitterten. Der Regisseur war zusrieden. Bencke führt« seine Damen weiter. Sie sahen noch viele Bilder und standen einige Minuten bei einer neuen Dekoration. Sie sahen ein Liebespaar gn herzlicher Umarmung vor dem Kurbelkasten. Aber schon nahte das Unheil. Das Idyll wurde durch ein eifersüchtiges Mädchen gestört, das aus einem nahen Geflügelhos Hühner, Gänse und Enten in das Zimmer flattern ließ. Auch ein Ziegenbock und ein Schwein wurde zu den Verliebten geschickt. Sie fuhren auseinander und fasten das Gesicht der Eisersüchtigen am Fenster. Si« drohten mit pathetischen Fäusten. Die Tiere benahmen sich vernünftiger als die Menschen. Die Enten und Gänse entfalteten ihre Flügel, der Ziegenbock knabberte cm den frischen Blumen und ließ sich von dem blitzenden Licht nicht stören. Dos Schwein war vollkommen« Würde und tierischer Ernst und begann er dann aufzuquieken, als es aus der Dekoration gc- trieben wurde. Das blendende Licht, das quiekende Schwein) das eifersüchtige Mädchen und dos aufgestöberte Liebespaar, all das erregt« lautes Gelächter bei Marianne und Lola. Sie verließen mit Bencke den Fetzen deutsches Lustspiel und kamen am Schluß ihrer Besichtigung in eine andere Welt. Sie sahen die Illusion einer Stadt, sie sahen das alte, kaiserliche St. Petersburg. Der Architekt hatte eine Villa hingestellt, eine Kaserne, drei Straßen und eine» Teil der Peter-Paul-Festmrg, das alles war in diesem Atelier und vereinigte sich dam, in der Ausnahme zu dem Panorama einer ganzen Stadt. Der Mittelteil der Dekoration war beweglich und ein technisches Meisterwerk. Große und kleine Bauten wechselten grotesk und traumhaft ob und erschienen dann doch im Bild als die Stadt St. Petersburg. Die flüchtigen Besucher sahen den Vorbeizug eines zaristischen Husarenregiments. Auf schneeweißen Pferden ritt die Bataillons- inusik voran. Der Pauker war ein Hüne, die Reiter waren gold- gepanzert. Unter den Komparsen befanden sich viele ehemalige Gordeoffiziere, die von der Revolution vertrieben waren. Sie trugen berühmte Namen und durften jetzt im Exil in der strahlenden Stunde der Aufnahme wieder einmal von, Sturz der Sowjetmacht träumen. Der Film wurde von den Amerikanern finanziert, aus politischen Gründen, um gegen die Sowjets iltne zu arbeiten, aber auch aus finanziellen Gründen, denn Ruhland war große Mode und gutes Geschäft. Bencke war ein charakterloser Mensch, aber das hing wohl mit seinem Beruf als Regisseur zusammen. Wenn jnan heute einen Hurrasilm und morgen einen Krieg-dem-Krieg-Film drehen muß, da kann man sich unmöglich Charakter leisten. Und wenn man sich zehn Jahre mit idiotischen Drehbüchern beschäftigt, verblödet utair mit der Zeit, es sei denn, der Regisseur rettet sich in die kühle Technik der Arbeit. Bencke war nicht verblödet, er hatte sich in die Technik gerettet, er hatte einen stachligen Freund, den Glaß, und war selbst ein skeptischer Herr. Von dem Regisseur des Russenfilius erzählte er eine boshafte Geschichte. Dieser Regisseur war. trotzdem er im Lichte arbeitete, kein Licht.(Fortsetzung folgt.) 16..» 17.15 17.35 18.60 I9J0 30.15 Nach 16.00 16.30 17.30 18.00 1830 1835 19.30 203» 20.45 Mittwoch, 23. Oktober. Berlin. I. a) Bach-Biiaoni: Choraivorspiel r-Motl; dl 3. S. Bach: Sizillano: c) O. Respithi; Italiana(Alice Jacob-loewenson, Waviert. 2. a) Mastini; Piaccr d araore; h) Gluck; O hell" mio dolce ador(Ulli DteyfuB, AU. Am riüeel: Alice Jacob-Loewenson) u. a.. MUana Jank. München: Gefahren und Freuden fuhrertoser Hochtouren. Heilfron: Rechlsfrasen des Tases. Unterhai tnntsmn&ik. Interview der Woche. Aus dem Metropol-Tbeatcr:„Das Land des Lächelns", Operette von Franz Lehär. den Abendraclduncen Tanzmusik. Wühlend der Pause Bildfunk. Könits Wusterhausen. Min.-Rat Ziertmann: Neuntes Schuljahr oder I. Beruf ssctaliahr? Von Hamburc:„Die schöne Calatie". H. Möller und Mitwirkende: Schönste Volkslieder des Auslandes Dr. Röhr: Zur Arteitsideofosie des christlichen Gewerkschaftlers. Spanisch für Aoflnzer. Dr. Jahnke: Gates Deutsch für jedermann. Dr. Hans Roeseier: Berlin, seine deutsche und enroplisehe Seaduns Ernst Zahn liest aus eisenen Werken. Konzert des Berliner Lehror-Qesansvereins E. V, Uf.t Prof. Hoeo Rüdel. Rätsel-Ecke des„Abend"*, ciaiininiiiniiiiiiuitiiiiunnHiiiuwMiwiuiuiiiiniuuiuiiiomu nniumi IMNMMIMMNMlMNllMIMNuMlMUMtMMMM» Spiralenrätsel. Wagerecht: 2. eng- lisches Bier: 3 Küchen- gerät; S altertümliches Geschoß: 6 Stadt in Jugoslawien: 8 Erdteil; g.russtscherVolksstamm: 11. früherer Reichsmi- nister: 12. Truppengat- tung; 14. Schloß bei Kassel: IS Vogel.— Senkrecht: 1. persönliches Fürwort: 2. Tier» kadaver: 4. Teil des Baumes: S. männlicher Lorname: 7. Erdteil; 8. Gift: 10. gefrorener Regen: 11 oberitalie- nischeLandschaft: 13. Ort im Harz: 14. Krankheit. kr Geographisches Gilben-Gchieberätsel. Aus den Silben oat bad bres bürg bürg dal den die en est ga karls lau ma mue na Pitts schles ti wart wig sind 9 Worter folgender Bedeutung zu bilden: 1. Norddeutsch« Land- schast; 2. Küstenland an der Adria: 3. Ort in der Lünebüraer Heid«: 4. Rame nordamerikantscher Städte: 5. Burg in Hüringen; recht» Reihen zwei Großstädte nennen. Magisches Quadrat. Die Buchstaben sind so zu ordnen, daß die waagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben: l. Ruhelager: 2 Kletterpflanze: 3. Schweizer Dolksheld; 4. Stadt in Rußland. — er— Füllrätsel. Die Buchstaben z 2 c cj e e c ��etxxghhiilmnnc r r 5 5 t u u sind in die leerer Felder nebenstehender Figur derar einzufügen, daß Worte von sol gender Bedeutung entstehen: 1 Fluß in Rußland: 2. nähtechnischei Ausdruck: 3. ausartende Lustigkeit 4 Unterkunftsstälte: S. Berg im Schwarzwold: 6. Unlauterer Ge schäftsmann. hep. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel: Waqerecht: 1. Arras; 4. Sehma: 7. Eid: 8. Eis: 10. Eva: 12. Ida: 13. Aat: 14. Lid: IS. Los: 16 nie; 17. Gl'i 18- Ems; 20. Ger: 22. Alm: 23. Ilm: 24. Ahn; 25. Uhr; 26. Ratm: 21 Stern.— Senkrecht: 1. Adele: 2. Rad; 3. Scheidemann: 4.«ozialismus: 5. Hue; 6. Amsel: 11. Ale: 13. Ase; 16. Neger: 19. Samen: 21. Rat; 23, Ire. ,■ Silbenrätsel: 1. nfelonc; 2. Zsar: 3. Tertia; 4. Windspiel: 5. Orkus: 6. Ejgentu-u: 7. Cilll; 8 Florett: 9. Eisen: 10. Nota: 11. Zürich: 12. Ub«f; 13. Halali: 14. Egerling: 15. Urania; 16. Lineal: 17. Erpel: 18. Nelke: 19. Zlluston; 20 Sentenz: 21 Tor- aao: 22. capsus; 23. Elll; 24. Interpunktion: 25. Chirurg: 2« he- Icne; 27. Taifun.—„Mit Woelfen.zu heulen ist Leichter als mit Rachtigallen zu singen." F ü l l r ä t s e l: 1. Andacht: 2. Landau; 3. Amanda; 4. Island. Rösselsprung: Trunken müssen wir alle fein. Jugend ist Trunkenheit ohne Wein: Trinkt sich das Alter wieder zur Jugend, So ist es wundervoll- Tugend Für Sorgen sorgt das liebe Leben, Und Sorgenbrecher sind die Reben.(Goethe.) Magisches Dreieck: L, la. Lab, Labe, Labes. Reform der bürgerlichen Ruderet? Vor einigen Tagen wurde dem deutschen Rudersport, so- weit er von bürgerlichen Vereinen betrieben wird, in einem „Regattadämmeru n g" überschriebenen Artikel im„B e r- l i n e r T a g e b l a t t" der Vorwurf gemacht, dost er nicht mit der Zeil mitgegangen sei und daß die Versallserscheinungen, die man besonders in der Orgonisation derRennruderei beobachten könne, ihre Ursachen in der unmodernen inneren Struktur der Verbandsgemeinschaft haben. Das Gekribble und Gekrabble der vielen durcheinanderschwirrenden Meinungen zu ordnen, sei unmög- lich in einem Verband, der sich, ohne Untervcrbände zu haben, nur aus einzelnen Dereinen zusammensetzt.„Tradition lastet auf dem deutschen Rudersport und beengt jeden fortschrittlichen Gedanken", das war der Sinn de» Alarmartikels, und wenn daneben der deutschen Rcnnruderei— die mit dem körperertüchtigenden Ruder« betrieb in den Arbeiter vereinen nichts zu tun Hot— sonst noch allerlei Nettigkeiten gesogt wurden, so darf man' sie getrost als be- gründet voraussetzen. Der Artikelfchreiber schlug«ine radikale V e r j ü n g u n g s k u r der passiven, sogenannten geistigen Führer vor, die da glauben, ein Patent darauf zu haben, 23 Jahre und länger hintereinander die beste Führerschafts- auslese darzustellen. Es wurde eine Regattarejorm verlangt, die nicht ein« der bisher üblichen Aenderung in irgendeiner Hinsicht darstellen dürft«, sondern es wurde schlechthin eine„Regattadämme- rung" verlangt. Ein« große Berliner Sportkorrespo-ndenz weiß jetzt zu melden: Die schon seit längerer Zeit laufenden Bestrebungen zu einer Neuregelung des Regattnwesens im deutschen Rudersport ver- onloßten den Organisationsausschuß des Deurfchen Ruder- Verbandes, die Angelegenheit in einer besonderen Tagung zu ven- tilieren. An dieser in Hamburg stattgesundenen Sitzung be- teiligten sich Delegierte sämtlicher großen deutschen Regattaplätz«. Auch der Wiener Regattoverein hatte sich vertreten lassen. Be- , ionderes Augenmerk galt der F ö r d e r u n g der R e n n- rüderes mst dem großen Ziele der Vorherrschaft Deutschlands im internationalen Rudersport. Zu diesem Zwecke wird eine besondere Vereinigung ins Leben gerufen werden, deren ausschließ- liche Aufgabe cs fein wird, die besten deutschen Ruderer zu er- Mitteln und diese für die großen internationalen Kämpfe der nächsten Jahre vorzubereiten, um 1S32 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles bestens gerüstet zu sein. Neben den bisher be- stehenden sechs 5)auptregottaplätz«n Berlin, Homburg, Frankfurt o. M., Mainz, Leipzig und Mannheim sind Bres- lau, Duisburg und Wien als solche neu anerkannt worden. Aber nicht nur dadurch, sondern auch unter Hinzuziehung der Herbstregatten wird die Punktwertungstobelle des DRV. einen weiteren Ausbau erfahren. Um de» Ruderern mehr als bisher Siegesmöglichkeiten zu geben, sollen die sonst üblichen Vorrennen in Wegsall kommen und die einzelnen Rennen in verschiedenen Abteilungen gerudert werden. Mit dieser Maß- nähme würden allerdings die Retzottaprogramme, die an sich schon recht reichhaltig sind, über Gebuhr verlängert werden, Was hier also von der„Führerschaftsauslese" der bürgerlichen Remrruderei an Reformen zutage gefördert worden ist, läuft auf nichts anderes hinaus, als daß man zu den bisher vorhandenen Regattaplätz«,» einige neue hinzunimmt. Das heißt mit anderen Worten: die Renn ruderei wird verewigt, der Drill der Mannschaften kann in einigen Orten mehr vorgenommen werden, und die übrigen Mitglieder der Versine dürfen dos Geld für die Reimboote und die Ausbildung der Mannfchasten aufbringen. Im übrigen können sie sich in ihren Dereinslokalen die silbernen Suppenterrinen und Ehrenbecher angucken. Man hätte erwarten dürfen, daß die R e ga t t a dämmerung im deutschen bürgerlichen Rudersport zu einer Sportdämmerung geworden wäre, daß man sich bemüht hätte, die Rcnnruderei zurückzustellen und dafür den Mann- schaftssport zu pflegen. Wenn die„passiven, sogenannten geistigen Führer" infolge ihrer„Vorbelastung mit Tradition" solchen modernen Gedankengängen nicht zugänglich sind, nun, dann jollten die Mitglieder der Vereine einmal ein Wörtchen mit ihnen reden. Es scheint aber schwer zu sein, an die Herren Führer, die„mit besonderen Mützen und ihren Funktionärabzeichen geschmückt wichtig dahinstolzieren", heranzukommen— mindestens gehört für die Mitglieder eine ideologische Einstellung zum Sport dazu, die wohl gar nicht vorhanden ist. 'Rczahüe Amateursportler. In Norwegen isf» wie bei uns! In Norwegens Hauptstadt Oslo findet augenblicklich ein sehr interessanter Prozeß statt, der in vielem Aehnlichkeit mit dem vor einigen Wochen sang- und klanglos in der Versenkung verschwunde- nen Berliner Eishockeystandal hat. Das Thema ist dort wie hier dos gleiche. Den Kern der Materie bilden bestochene Eis- s p o r t l e r, solche, die sich Amateure nennen, in Wirklichkeit aber sich ihre Gipfelleistungen gut bezahlen lassen. Es dreht sich um den norwegischen Weltmeister B a l l a n g r u d, den Finnländer Thunberg und den Schweden Arne Borg. Charles Hoff, der ehemalige Amateurwcltmeister im Stabhoch- sprung, hatte den Vorsitzenden des norwegischen Eissportverbandes, den Rechtsanwalt Rhode, beschuldigt, er habe mit Geld M.) Ballangrud ausgehalten, ja sogar bestochen. Zuerst versuchte Rhode diese nicht wegzuleugnenden 2000 M. mit hohen Krankheitskosten des Weltmeisters zu erklären, gab aber dann unter Eid ein« ganz ander« Erklärung ab, dergestalt, daß man Ballangrud habe hindern wollen, in einen anderen Verband überzutreten. Und jetzt kommt die unge- heuerlichst«, aber doch ein wenig zu durchsichtige Vertuschung: Rhode erklärt, daß der Arbeitersportbund Ball., n grub habe kapern wollen! Beweismaterial konnte er nicht für dies« Behauptung erbringen. Der norwegische Arbeitersportverband wendet sich in einer Erklärung sehr scharf gegen diese Behauptung und erklärt es als eine üble Sensationsmache des bürgerlichen Sports. Der norwegische Arbeiterwintersport habe Kanonen nicht nötig, um etwas zu leisten. Arbeitergeld werde nicht dazu benutzt, um Staps aus dem bürgerlichen Lager zu verpflichten. Weiteren derartigen Be- schnmtzungsversuchen werde er mit allen Mittet» entgegentreten. Traurig, zu welchen Mitteln der bürgerliche Amateursport schon greifen muß, um seinen eigenen Schmutz zu verdecken. Weil Ballon- grud früher einmal Arbeitersportler war, tischt man heute die Lüge auf, daß ihn der Arbeitersportbund Norwegens wieder zurückkaufen wolle. Jedenfalls war nach der Erklärung der Arbeiterjporller die Behauptung Hosfs bewiesen, daß Ballangrud offiziell bestochen wurde, um ihn enger zu binden. Die Vernehmung des disquali- fizierten früheren Vorsitzenden des Osloer Schlittschuhklubs(auch der Name bildet ein« sehr interessante Parallele zu der Berliner Affäre), Henning Olsen, ergab rveiter« sensationelle Enthüllungen über die dortigen Vereinszustände. Thunberg, der Finne, hat danach für seine Beteiligung an den Weltmeisterschaften mit Zustimmung von Rhode 1500 Kronen erhalten, worauf nicht etwa Rhode, der Herr Advokat, oder der Sportler Thunberg disqualifiziert wurden, sondern der Mittelsmann, der jetzige Zeuge Olsen. Auch in diesem Punkt hat Hoff Recht behalten. Ein anderer Zeug« äußerte, daß es allgemein Usus sei, wenn man«inen Mann am Start hatte, ihm seine Reisespesen so zu berechnen, daß er nach Abzug des wirklichen Spesenbetrags noch stets erhebliche Summen übrig behielt, was man wohl ohne Besinnen als ein auskömm- liches Gehalt betrachten könne. Hoff hat den ganzen Fall in seiner Zeitung aufgerollt, um dem Nachwuchs das wahre Gesicht seiner Führer zu zeigen. Er ging, wie es oft Leuten geht, die mit Begeisterung für die Reinigung einer Bewegung auftreten, er ging in seinen Slrtikeln etwas unsanft, vielleicht auch hie und da einmal nicht ganz'objektiv vor, er schoß über das Ziel, war zu leidenschaftlich und daher taktisch unklug. Sa ergibt sich trotz der Tatsache, daß Hosfs Behauptungen richtig sind, der merkwürdige Zustand, daß er dennoch verurteilt wird, und zwar wegen persönlicher Beleidigung. Ganz unabhängig von dem Prozeßausgang bleibt die Tatsach« bestehen, daß bekannten Eishockeyamateuren Bezahlung, und zwar reckst beträchtliche, gewährt wurde. Die bisherigen Verhandlungstage lassen deutlich erkennen, daß, wie bei uns, unter dem Deckmantel „Amateursport" Berufssport getrieben wird. Mannschaft des VRE. Toncordio, und zwar PatAack, Schulz, Schim ming, Manthey, und als Ersatz Nemnmm festgelegt. In einem Mannschaftsrennen noch Sechstageart wird der Weltmeister Mazairoe mit dem Engländer Cozens eine Mannschaft bilden und der Däne Gerwin mit dem Italiener Malatesta gepaart werden. Den beiden internationalen Mannschaften treten die erfolgreichsten deutschen Amateure entgegen. Im ganzen werden 14 Paare das über eine Stunde führende Rennen bestreiten. Wer will Radrennen fahren? Das Wintertraining bei„Soli". Die Radsport treibende Jugend hat unbestritten eine große Neigung für Radr«»nen, denn wo eine geeignete Straße oder ein nur einigermaßen rund geformter Platz sich bietet, werden Radrennen improvisiert, wird„geehmert" und„getiezt". Doch mit dem Heranrücken der rauhen Jahreszeit flaut diese Sportspielerei ab und es bleibt nur die Hoffnung auf den nächsten Sommer. So wichtig auch für Rennfahrer das Beherrschen der Rennmaschine ist, viel notwendiger ist die systematische Vorbereitung des .Körpers, ist«in gutes Training, denn erst das bringt die Fähigkeit, sich bei Rennen erfolgreich behaupten zu können. Der- artige Trainingsabeitdc einzurichten hat sich jetzt die bundestreue Reunfahrerabteilung Berlin des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes Solidarität entschlossen. Dieses Training besteht aus leickstathletischen Hebungen, die für jeden Rad- und Rennfahrer zur Bildung von Muskeln und zur Kräftigung der Lunge unbedingt erforderlich sind. Dazu kommt das lieben auf dem Trainingsapparat. Die Trainingsabende finden jeden Donnerstag, 19 Vi Uhr in der Turnhalle der Schule Köpenicker Straße 125 statt. Neue Mitglieder nimmt die Rcnnfo hrerabtcilung an jedem Uebungs- abend auf, der vierrelj ährliche Beitrag ist für Jugendliche bis 18 Jahren 55 Pf., ältere 2,20 M. Eintrittsgeld 50 Pf. und 1,50 M. Anmeldungen auch bei R. Meinert, Berlin SO 16, Brückenstr. 5b, rechter Sfl. IV. Die Athleten laden ein! Am Sonntag, 27. Ottober, findet im„Alten Krug" in Tegel, Hauptstraße 14, ein R i n g e r w e t t st r« i t zwischen den ersten Schülermannschaften von ,.Atlas"-Magdeburg und der „Freien Sportvereinigung Tegel 1889" statt. Der Verein„Atlas" »st Kreismeister im Magdeburger Kreis des Arbeiter-Athleten- Bundes. Nach den Schülerivettkämpfen solgen drei Jugendwett- kämpfe und der Kampf der ersten Männermannschaft gegen«ine kombinierte Mannschaft aus den Vereinen Alt-Wedding, Lichtenberg- Friedrichsfeld« und„Einigkeit". Es ist die Gewähr gegeben, daß wirklich guter Sport geboten wird. Zluf rege Unterstützung durch die Brudervereine und die organisierte Arbeiterschaft �rechnet die Freie Sportvereinigung Tegel 1899 E. V. Die Veranstaltung beginnt vormittags um!-10 Uhr. Eintritt 30 Pf. * Den Tag des 41. bzw. 3jährigen Bestehens nehmen die beiden Arbeitcr-Athletenvereine„Hoffnung 1888" und„Einigkeit 19 26" zum Anlaß, ihren Anhängern erstklassige artistische Leistungen zu bieten. Genuhreiche Stunden den varwöhntesten Variet6besuck)ern, athletisch« Vorführungen für die Sportfreunde, für die tanzlustige Jugend gute Ballmusit, das wird am 3. N o- v e m b e r in den Alhambra-Festfälen, Wallner-Theater- Straße 15, geboten. Karten sind im Vorverkauf zu haben bei A. Dietze, Madaistraß« 2; Petzke, Mirbachstraße 70: Baginski, Urbanstraße 70; Sportzentrale, Königsberaer Straße 5— 6 und im Lokal G. Drescher, Stralauer Platz 5. Amateure in» Sportpalast. Der Bund Deutscher Radfahrer hat für sein« Ver- anstaltung am kommenden Freitag, 20 Uhr, im Sportpalast vier Teilnehmer der Amateurweltmeisterschaft zu Gaste: Weltmeister Mazairar-Holland, S. T. Cozens-England, Gerwin-Dänemark und Malatesta-Jtalien bestreiten einen Revanchekampf. Doneben gelangt ein Derfolgungskampf„Deutschland gegen Ausland" zum Austrag. Dieser Wettstreit ist ein Mannschaftsrennen, �ür das Ausland starten die bereits obengenannten' vier Weltmeistertämpfer. für Deutschlorch wurden die vier schnellsten Fahrer der deutschen Meister»- Schützt See und Wald! Naturfreunde an die Front. Der„Dolksbund Naturschutz" veranstaltet gemeinsam mit dem„louristen-Derein die Naturfreunde" am Freitag, 2 5. Oktober, 20 Uhr, in der Aula des Schliemann-Gym- »afiums, Gleimstraße 49. eine Kundgebung für die Er- Haltung der märtischen Seen und Wälder. Dr. Klose wird in einem Lichtbildervortrag die verschandelung der Ikawr durch Grundstücksgesellschaften zeigen. Alle Wanderer und Nawrsucher sind freundlichst eingeladen. In den Inseratenteilen der Tageszeitungen werden gerade in letzter Zeit ungeheuer viel Landparzellen„in herrlichem Wald uich am Wasser gelegen", unter den günstigsten Ankoufsbedingungen an- geboten. Ohne über den Wert oder Unwert einer Siedlung urteilen zu wollen, drängt sich doch die Frage auf: Wo nehmen die großen B ode ns p e k u la t i o nss trm en all die Par- zellen her? Wo liegen die Siedlungsgelegenheiten? Nun, die Wassersportler und Badefreunde wissen es genau; sie müssen leider seststellen, daß ihnen die Bcmitzung der Seen immer mehr unter- bunden wird. Von Jahr zu Jahr werden immer mehr Seeufer- grundstücke an Private verkaust. Dadurch»verden Tausende von Wassersportlern, Wanderer, Naturfreunde in ihrem Natur« g e n u ß beschränkt u nd gehindert. Di« Fußwanderer und Ausflügler, die Hundertlausende, die all- sonntäglich hinausziehen, um Erholung und Stärkung zu suchen, können jetzt, durch„Wochenendgrundstücke" vom See getrennt, an Villen und Holzhäusern auf wohlgepflegten Straßen dahinwandern. Der Seeblick, das Plätschern des Wassers, die frische Brise, die Stimmen der Wasiervögel, überhaupt das Erleben am See, auf das alle Anspruch haben, gehört nur noch den wenigen, die Geld genug haben, sich ein Wassergrundstück zu kaufen. Wie mitdenSeen, so ist's auch mit dem Wald. Soweit der Wald nicht der Prositgier weichen mußte, ist ost sein Betreten verboten. Aber sollte nicht der Gemiß des Landschaftsbildes, das Eindringen in die Seele der Natur jedem möglich sein? Leider ist es in der Praxis anders und so werden di« Ziele unserer Wochenenderholung immer mehr beschränkt. Die»venigen in nächster Nähe der Großstadt liegenden Wälder und Erholungsplätze, die zum großen Teil von der Stadt Berlin angekauft, oder vom Staat als Dauerwald erklärt wurden, stich überlaufen, und werden durch zu starke Inanspruchnahme, sowie durch unvernünftiges Verhalten der Erholungssuchenden in ihrem Bestand gefährdet. Es ist höchst« Zeit, daß der Natur- schutzgedanke breitere Form gewinnt. Es genügt nicht mehr, daß man den Naturschutz den dazu berufenen und befähigten Kommissaren der städtischen oder staatlichen Stellen überläßt. Vor allem müssen sich unsere Kommunalpolitiker mehr Äahintersetzen. Viel ist schon in sozialer Fürsorge, besoichers von sozialdemokratischer Seite geschafft worden; darüber hinaus muß aber die gesamte werk- tätige und erholungsfuchende Großstadtbevölkerung aus den Plan treten und gegen die Profitgier der Bodenspekulanten, gegen den Raub unserer Seen und Seeufer, gegen die Berfchacheruug und Her- schandelung der Natur Front machen! Der Kommissar für Naturdenkmalpfleg« Dr. Hans Klose nennt seinen Vortrag am Freitag„Unser Kampf um die Heimat- natur". Wohlan denn, Berliner. Brandenburger, kommt zu der Kundgebung, helft Seen und Wälder erhalten! Bcson- ders ist das Erscheinen unserer Parteigenossen, der sozialistischen Arbeiterjugend sowie der Mitglieder des Arbeitersport- und Kultur- kartells erwünscht. Der Eintritspreis von 30 Pk. soll mir die Un- kosten decken. Oer erste Sportprofessor. Hamburg stellt ihn an! Zu der Berufung des schweizerischen Arztes Dr. K» o l l als Professor für Leibesübungen an die Universität in Hamburg wird uns geschrieben: Die Errichtung einer Sportprofessur an einer deutschen Univer- sität ist eine bedeutsame Neuerung, die gleicherweise>d«r Wissenschaft wie'dem Sport zugute kommen wird. Mit dem Beginn eines neuen Semesters wird Professor Dr. Knoll sein« Vorlesungen be- ginnen. Bisher ist die Sportmedizin noch nicht als eiye be- sondere Spezialität gewertet worden, wenn sie auch bereits«inen großen Umfang und«in« große Bedeutung hat. Di«„Tagung der wissenschaftlichen Sportärzte", die in Hamburg im November zu er- warten ist, beweist, welch großes Interesse au» wissenschaftlichen Kreisen allen sportärztlichen Fragen entgegengebracht wird. Die Sportmedizin ist die jüngste Entwicklung der Gesundheit?- lehre und es ist selbstverständlich kein Zusall, daß sie gerade jetzt einen so großen Umfang angenommen hat, wo sich auch be! uns in Deutsch- land der Sport einer großen Beliebtheit erfreut. Die erhöhte Arbeit, die der Organismus bei Trainingsarbeiten oller Art leisten muß, ist schon seit Jahren Gegenstand der ärztlichen Untersuchungen, denn es ist für die gesunde Entwicklung des Körpers von großer Be- deutung, festzustellen, welche Folgen die sportliche Tätigksst auf de» Organismus hat. Nur durch das Zusammenwirten von Wissenschast und Arbeit ist es möglich, die Grenzen festzustellen, die einer gesunden Körperbewegung gezogen werden. Besonders bei Wettbewerben aller Art wird stark gegen die Gebot« der Ge- fundhe! tslehre gesündigt, denn das Uebertra'ming Hot sich verschiedentlich als eine mehr oder weniger große Schädigung der Organe herausgestellt. An dem„Hamburger Institut für Leibes- Wt naht herat, t NufzI.'cheG EG ENSTAN DE erhält jeder OER KATALOG IST IN JEDEM ZIGARREN- GESCHÄFT ZU HABEN EN VER BEV- RAUCH EP der Jlt Gutsqhelnt übmtflcn" ist nmtrarfjr est« AeiÄrakstelle geschaffen, an der alle Sr. sahrungen auf dem Gebiete der sportärztlichen Tätigkeit zusammen- laufen werden. Hier werden nicht nur einzelne Sportorten und chr Wert für die Gesundheit uniersucht werden, sondern es soll der Sport in seiner Gesamtheit eine Auswertung für die wissenschaftlichen Fragen erfahren. Aus diesem Grunde ist die erste deutsche Sport- Professur ein bedeutsamer Schritt auf dem Gebiet« der Gesundung des Volkes, denn hier wird in theoretischer Form festgestellt, was praktisch bei der Ausübung aller Sportarten notwendig ist. Das Abrudern der Havelvereine. Am letzten Sonntag beschlost auch der Ruderverein„C o l l« g i a" mit dem Rirderoerein„Butab" die diesjährige Ruderfaison mit einem gemeinsamen Abrudern. Trotz des schlechten Wetters hatten sich alle Mitglieder eingefunden, alle Boote wurden heraus- geholt, es wollte keiner zurückbleiben. Man sammelte sich vor dem Vaolshaus in Tiefwerder, und dann ging es in geschlossenem Zuge hinaus, vorn die. kleinen Boote, nach ihnen die Vierer und der Achter des Rudervereins Collegia beschloß den recht imposanten Zug. Die Fahrt ging um die Insel Lindwcrder und zurück ins Bootshaus. Leider halte dos Wetter kein Einsehen und liest es während der ganzen Zeil recht beträchtlich regnen. Oos konnte aber der guten Laune und der Freude der Teilnehmer keinen Abbruch tun. Die ganze Fahrt wurde in vorbildlicher Disziplin und in echt sportlichem Geist durchgeführt. Jftan konnte feststellen, dost die Gewitter, die über das Bereinsleben hinweggegangen waren, Reinignngsgewirter waren und dazu dienten, den alten Sportgeist wieder zu wecken. Eine Bestätigung desien war auch das kameradschaftliche Beisammensein, das die Teilnehmer vereinte, nachdem sie dem nassen Element entronnen waren. Wenn auch jetzt die Boot« ihren Winterschlaf beginnen, der sportliche Geist ruht deshalb nicht. Die im Sommer- traintng erworbenen Fähigkeiten werden durch Bassinrudern, Gymnastik, Wandern erhalten, damit die Körper für die nächste Saison gestählt bleiben. Wer im kommenden Sommer die Freuden des Wassersports im Kreise Gleichgesinnter miterleben will, d-em kann nur geraten werden, sich jetzt den Bereinen onzuschliesten, damit er, durch die Winterardeit vorbereitet, schon den ersten Frühlingssonnen- tag ausnutzen kann. Arbelter-Sdiach. Nach der A- und der B-Gruppe der Freien Arbeiter- Schachvereinigung Grost-Berlin tritt nun auch die C.Gruppe auf den Plan. Folgende Spiele finden an, Sonntag, dem 27. Oktober, statt. Wedding II— Treptow II, Lokal chcrms, Müllerstraste 26! Westend II— Witte II, Lokal Jamin, Sophie-Charlotie- Straste 88. Resultate sofort an die Spielleitung. Rosinenstr. 6, ab- senden! Frcmenkreffen der vkasserfporklerlnnen! Di« Abfahrt zu» Kreisirouentresfen nach Rathenow erfolgt Sonnjag, früh 7.32 llhr, ab Lehrter Bahnhof. Treffen 7 llhr. Nachmeldungen können ins Freitag, 19 Uhr, bei UMerzeichneter abgegeben werden. Aenne Wolter, Lichtenberg, Goetheftr. 12 II. lsrei« galtboot?»l>rc« Sctlin. Unlerc Sufammcnlünftc sin den fcfct i?d-n 3 Tomurs aa im Monat im Eesrllsäaftskaus dcs Nordens, Gertenstr. 0, statt aodct, Dicnstao Spiel, und Sportabend in der Turndalle Miillee. Ecke initfträfcc. JLdrabend steht noch aus. Wanderunocn am Sonntao, dem 27 Oktobert 1. Dubcrowfvrsl. Gussow. Trcfspunkt 8 Uhr vor dem Bahndot Kliniiiswuslerhausen. ziihrert Sausmann. 2. Bernau-SeMec-Uchdors. Wltrcr: Mcner. Treffpunkt m Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Gäste willkommen. ATEB.Traueusahrt am 27. Oktober! Treffahrt noch ariedrichshapen. Ein» trcsfen aller Abteilunoen bis 13 Uhr auf dem Gemein desxvrtvlal! griedr.chs. baaen. Am' Marklviat! in griedrichshaaen nähere Auskunftsftclle ackcnn. zeichnet durch Bunhcsw.mpel. Tort wird Ai'Ski'Nft erteilt, wo sich gcstvlal, und Umklcideschule heiinde». Ab 13 Uhr änd' Teilnehmer und Gältc»l Schröders Gesellschaf'shaus, isricdrichskaaen. srrirdrich. Ectc Sceltroste.. ED. Moabit.— ND. Eolleqia. Das guacndturnen in der balle Siemens- strafte 20. am Zt. Oktober, fällt wcaen Ausleauna der Wählerlisten aus. Nächster Turnabend Donnerstaa. 3t. Oktober, in der gleichen balle. Kreie Schwimmer Groft-Berltu. Laurtansschuftsidnng Mittmoch. 30. Ok- tober. 20 Uhr. Gewerkschaft-bau?. Saal 2. Borstand ein« Stunde lruher.- Ouartierauela uftsihnng. Montag. 28. Oktober, noch dem Baden der Grupvä Oberlpree im Stadtbad Tricdr.chehaiit.— Gr'ivvc N-uIel!->. Srvvpenvcr, fnmmlunq Sonnlag. 27. Oktober, 15 Uhr. Sommerbad.— Srnuve Li-gient erg. Grupvllnvers�mmlung Sonn�ap. 27. Oktober. 17 Ubr, bei Weqener. manf- furter Allee 238.— Treffpunkt zur graucnfahrt nach Zlathendm Sonntag, 27. Oktober. 7� Uhr. Lehrter Sauvtdahnhos. fäezirß tfiiden-Wefien. * Ä � — 1 VOiK» 1' FEUEBflgSTATTUWiSVEKIPI i-M �MTE��EJCHSAUFSjCH�JJjjjg Nach dreimonatiger Mitgliedschaft unbedingten Rechtsanspruch auf kostenlose, pietätvolle Bestattung Kein Kirchenaustritt erforderlich [R. Hl Man verlange kostenfreie Zusendung eines Prospekts oder Vantreterbesuch Haupt. Geschäftsstelle: Berlin N. 4, Invalidenstr. 110 Fernruf Norden 38 85— 88, 5044 Wer braucht Olenu-Kodiherder Nur qute und billige Qualitätsarbelt, auch auOerhalb firos- Berlins Fliesen arbeit Baukeramik Berliner TSpferhütte GmbH[no Berlin SO 35/ Waldemarstr. 14 Fernsprecher: Amt Moritzplatz Nr. 9314 Drosen,(hemlKalien, ledin. Oe!c Paul Rehffeldt B. 46 Berlin SW. 68, Lindenstraße 107 DREIFUSS& Co. AM DÖNHOFFPLATZ IIIIIIIHIIfldlllllllllUIMIUIUlilllllllllHIUlNnfMIMttlMUMUHmMSSmStlllllUIIINIfinnilMH Pjab'orgroQhandlung /■ Kontofchüchier-FabrJk Etiquettes Jeder Art/ Bureaubedarf/ Pack- materiailen/ Buchdruck-Arbeiten/ Kartothek- und. 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