Morgenausgabe Nr. 499 A 251 46. Jahrgang «»ch-uMch U$t. monatlich IM 9t im oorsu« zohlbor. Softbcjug 4L! N. »inlchlloßllch 60Vsg.VoItzewing».»»d 7! Vsz. Poftbesttdgedührra. Siulanli» «bonnemtm S.— XL pro Monat. 95«.Bormlrt»* crlchtt« aschmtlg. I'ch zwilmal. Sonntag» and Montag« einmal, die Lldendausaadon für Berlin ■nd im Handel mit dem Ittel ,Ver Hdeni)*, Illustriert« Beilagen ,S#B »nd 3tit- und.»inderfreund'. Ferner »Unterhaltung und Wissen'..Frauen. stimme'..Technil'..Blick i» die Bücherwell' und.Iugend-Dorrvätt»' P> Berliner voltsblaii Donnersiag 24. Oktober 4929 Groß-Äerlin Ii) Pf. Auswärts 45 Pf. Vte« I» f» o l I« g» 5tonpartll1ez?sk, SU Pfennig. Reklame�eile b.— Reich»- »nark.„Kleine Antigen' va» iettpe- vructt» Won 25 Pfennig(zulässig zwei f?ttgedruckte Worte), lede» weiter» Won 12 Pfennig. Stellengesuch» da? ers:» Won IS Pfennig, jedes weiter» Wori 19 Pfennig. Wone über IS Buchstoben zäblen für zwei Wone. Arbeilsmoitl Zeile 6V Pfennig. Fomilienanzelgen Ze.l« 40 Pfennig. Anzeigenannahme im5)oupl' Eeschäp Lindenstrave S. wochcntäglich von L'/, bis 17 Uhr. Äentralovsan der Gozialdemokratifchen Vsetei Dsuttrhiands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Kernsprecher: Dönhoff LSS— 2S7 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat verli». Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 27 5ZS. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Dallstr.llö. DiZkonlo.Gcscllschaft, Deposttenkasic Lindensir 3. Abgewiesen! Das Llrteil des Staatsgerichishofs: Einstweilige Verfügung abgelehnt. Leipzig. 23. Oktober. Der Staertsgerichtshof hat in Sachen„Volksbegehren" folgenden, kurz nach 4 Uhr nachmittags vom Reichs- gerichtspräfidenten Dr. Bumke verkündeten Beschlnst gefaßt: Der Antrag anf Erlaß einer einstweiligen Verfügung wird zurückgewiesen. » Der Beschluß wurde vom Vorsitzenden wie folgt begründet: Der Staatsgerichtshof für das Deutsch« Reich hat in seiner bis- herigen Praxis gegenüber den Anträgen auf Erlaß von einstweiligen Verfügungen große Zurückhaltung geübt. Er hat bisher erst zwei solcher Verfügungen erlasse», die eine in einer privat- rechtlichen Streitigkeit zwischen zwei Ländern, die andere in einer gleichartigen Streitigkeit zwischen dem Reich und mehreren Ländern. In einer Lerfafsungsstreitigkeit innerhalb eines Landes, wie ste nach der Auffassung der Antragstellerin ihrem Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung zugrunde liegt, ist eine solche vorläufige Anordnung überhaupt noch nicht ge. troffen worden. Es kann indessen dahingestellt bleiben, ob Derfassungsstreitig- keiten innerhalb eines Landes überhaupt Raum für eins einstweilige Verfügung bieten. Im vorliegenden Falle wird ihr Erlaß d e s h a' b ausgeschlossen, weil ihre Beschränkung auf die Regelung eines ei n st» eiligen Z u st a n d e s unmöglich ist. Sie würde hier stets zugleich eine Entscheidung über die haupl- fache enthalten. ES zeigt das eine Dergleichung des in der Klageschrist enthaltenen Hauptantrage, mit den Anträgen, die die Antragstellerin in dem Verfahren über die einstweilige Verfügung gestellt hat. Di« oer- schieden«» Fassungen, die sie ihnen gegeben hat, laufen immer darauf hinaus, daß die Teilnahme der preußischen Beamten an dem Volks- begehren zum Freiheitsgesetz für nicht dienstwidrig erklärt werden soll. Denn � nur wenn das der Fall ist, kann eine Verfaffungs- Widrigkeit der Kundgebungen des preußischen Ministerpräsidenten und des preußischen Staatsministcriums, deren einstweilige Unter-* sagung begehtt wird, in Frage kommen. Die Befugnis der preußischen Beamten ohne Rücksicht auf ihre Bcamtenstellung sich in die Eintragungslisten für das Volksbegehren j einzuzeichnen und später an der Volksabstimmung teilzunehmen, ist aber gerade Gegenstand des Hauptklageantrags, bildet den eigentlichen Streitpunkt der Parteien. Es würde deshalb eine Verkürzung der Rechte des Antragsgegners bedeuten, wenn schon jetzt in dem Verfahren über die einst- weilige Verfügung, die nicht mit den vollen Rechtsgarantien des Gesetzes über den Staatsgerichtshof und der dazu erlassenen Ge- schäftsordnung umkleidet ist, der sachliche Streit entschieden werden würde. Der Antragsgegner kann verlangen, daß ihm Gelegenheit gegeben wird, die Einwendungen, die er der Klagebegründung gegenüber geltend machen will, dem Staatsgerichtshof ausführlich .darzulegen. Der Skreil über dl« Tragweite der verfassungsarkikel. die den Beamten die Freiheil ihrer politischen Gesinnung nnd ihrer Meinnngsfreiheit gewährleisten, kann also jetzt noch nicht entschieden werden. Damit«weiß es(Ich aber auch als unmöglich, die beantragte einstweilige Verfügung, deren Zulässigkeit sachlich von der Entscheidung dieses Streites Abhängt, zu erlassen. Sie auf eine bloße vor- läufige Prüfung der gekennzeichneten Streitfrage zu stützcit, würde weder der Stellung des Staätsgerichtshofes angemessen sein. noch auch den Belangen der Antragstellerin genügen. Denn damit würde an der von chr beklagten Verwirrung in der Beamtenschast, deren Klärung sie von der einstweiligen Verfiigung erhofft, nichts geändert werden. Der Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung muß demnach abgelehnt werden. Entscheidungsfrage der Sozialisten Die französische Regierungskrise Paris. 23. Oktober. lEigenbericht.) Ter Präsident der Republik hat heute mit de« Be- sprechungeu zur Lösung der Regierungskrise begonnen. Die sozialistische Fraktion pflegte unverbindlichen Mclnitngsaustansch. Vorzeitige Bindung wird ver- mieden. Morgen geht die Beratung fort. Die Mehrheit der Fraktion scheint die Beteiligung au einer s o z i a» ristisch geführten Regierung nicht ablehne» zu wollen. Als Führer nnd somit als Ministerprastdent käme in diesem Fall am ehesten Paul Boucour in Betracht, schon auch wegen der Sympathien, deren er fich in der bürgerlichen Linken erfreut. Präsident Doumer- gue soll die Berufung eiwes Mannes der„mittleren Linie", etwa Steeg oder Elemente! vorziehen. Die So- zialisten beraten morgen weiter. Fassen fie einen Bc- schluß, so dürfte der Natwrmlrat der Partei zu seiner Bestätigung einberufen werden. Der Präsident der Republik empfing u. a. die Abgeordneten Malvy und Boncour. Maloy und Paul Boncour betonten übereinstimmend, daß die Abstimmung in der Dienstagssitzung in keiner Weis« gegen die bisherige Orientiening der Außenpolitik ge- deutet werden dürfe. Aus den von fast allen Blättern gebrachten Meldungen, daß Doumergue die Absicht habe. Paul Boncour mit der Bildung des Kabinetts zu beauftragen, ixull man keine allzu raschen Schlüsse ziehen. Das steht keineswegs fest. Einstweilen spricht viel mehr dafür, daß der Präsident eine mittlere Lösung sucht, die etwa einem Radikal-Sozialisten, wie Steeg oder Clementel, zum„Mann von morgen" macht. Paul Poncour hat unmittelbar vor dem Ausbruch der Krise in verschiedenen Artikeln erklärt, daß er zur Teilnahm« an der Regierung bereit wäre; so auch am Mittwoch in der sozia» liftischen Fraktionssitzung, wobei er hinzufügt«, daß er im Ein» Verständnis mit der Partei handeln müsse. Di« Debatte hat gezeigt, daß dt« Mehrzahl der sozialistischen Abgeordneten sich der großen Verantwortung bewußt ist, die mehr als je aus der Partei lastet und von deren Eni- schcidung der Rechts- oder Linkscharakter der neuen Regierung abhängen kann. Di« eventuelle dringliche Einberufung des>Nationalratis der Partei ist im Laufe der Debatte erörtert, ein Beschluß nicht gefaßt worden. Es scheint festzustehen, daß wenn der Präsident der Republik sich entschließen sollte einen Sozialisten zu berufen— in diesem Fall« käme Paul Boncour in erster Linie in Betracht— die bisher negative Haltung der Partei eine Acnderung erfahren könnte. Ob Douinergu« sich dazu entschließen wird, hängt zum Teil von den Ratschlägen der sozial-radikaleu Führer ab, von denen einzelne, wie Malvy und vielleicht Daladicr, geneigt scheinen, Paul Boncour vorzuschlagen. Sollt« es zur Kabinettsbildung durch Boncour kommen— was keineswegs sicher ist— so darf man annehmen, daß Briand im Außen Ministerium bleibt. Landiagswahl in Thüringen. Folgen der Hugenberg-poliiik. Weimar» 23. Oktober. lEigenberieht.) Der Aeltestenrat des Thüringer Sandtags stimmte am Mittwoch dem Auflösungsantrag der So- zialdemokratie zu. Die Auflösung soll am 7. De- zember erfolge». Der Termin für die Neuwahlen ist auf den 8. Dezember festgesetzt. Am Tonnerstag wird de? Landtag über diesen Termin abstimmen. Eine offizielle Erklärung, aus welchem unmittelbaren Anlast die Regierung zurückgetreten ist, war von dem Vorsitzenden, Minister Paulsen» im Aeltestenrat nicht»« erlangen. Durchbruch zum Weltfrieden. Die Annäherung der angelsächsischen Nationen.— Das Ende der Seeherrschast. Ramsay Macdonald, der Arbeiterführer und Ministerpräsident Englands, hat seinen Besuch bei H o o v c r, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, bc- endet. Von Washington ist er nach Ottawa gefahren, uni Mackenzie King, den Ministerpräsidenten des Nach- barlandes Kanada, aufzusuchen. Er schickt sich jetzt an, nach Europa zurückzukehren. Er bringt keinen unterzeichneten Vertrag mit, aber schon jetzt ist alle Welt— bis auf parteipolitische Gegner— sich einig, daß seine Fahrt über den Ozean ein Erfolg und eine geschichtliche Tat war. Was bedeutet seine Amerikareise als politische Methode, und welchen Sinn hat sie in der Weltpolitik? Es war der persönliche Gedanke Macdonalds, mit dem Herkommen diplomatischer Verhandlungen durch Botschafter von Hauptstadt zu Hauptstadt zu brechen und durch eine Aus- spräche von Mann zu Mann mit dem politischen Chef der Vereinigten Staaten die Schwierigkeiten zwischen den beiden Großmächten zu klären. Er hat damit die d i r e k t e D i p l o- m a t i e, die wir durch den Völkerbund innerhalb Europas seit einem halben Jahrzehnt gewohnt sind, auf das Verhältnis zweier Großmächte diesseits und jenseits des Ozeans über- tragen. Der moderne, schnelle Ozeanverkehr hätte das zwar schon vor zwanzig Jahren erlaubt, als die„Mauretania" den bis vor kurzem gehaltenen Rekord der kürzesten Fahrt auf- stellte: Macdonald aber ist der erste gewesen, der die ll�echnik wörtlich völkerverbindend gemacht hat: Er hat nicht nur den Staatschef Zlmerikas, er hat nicht nur den amerikaiii- fchen Senat, die vertragschließende Körperschaft, aufgesucht— wobei er, von der Todesnachricht tief ergriffen, des deutschen Staatsmannes Strefemann gedachte— /sondern er hat zumamerikanischenVolkeselbergesprochen: man wird schätzen dürfen, daß seiner von allen amerikanischen Sendern verbreiteten Rundfunkansprache zwanzig Millionen Anterikaner und Amerikanerinnen lauschten. So hat Macdonalds Fahrt nach Amerika durch ihre bloße Tat- fache Epoche gemacht: Es sind über ISl) Jahre vergangen, seitdem gegen die Ausbeutung durch das Mutterland die amerikanischen Kolonisten sich empörten und gegen die Aller- weltssöldner der heimischen Aristokraten und des angestammten Herrscherhauses die Selbstbestimmung blutig eroberten. Und wenn auch seit mehr als einem Jahryundert der Friede nicht mehr gestört worden ist, beide Völker vielmehr Hand in Hand gegen den„deutschen Imperialismus" kämpften: Das Mißtrauen gegen England ist jedem amerikanischen Bürger im schulpflichtigen Alter eingeimpft worden. So hat Macdonalds Bild, Hundertmillionenmal verbreitet, nnd seine Worte, vor hundert Millionen gesprochen, ihn und damit die britische Nation allen Amerikanoen persönlich näher und nahegebracht. Die Berichte aus Amerika spiegeln deshalb das Gefühl wider, daß die ganze Nation etwas Großes und Niedagewesenes erlebt hat. Der englischen Nation aber hat die Amerikafahrt ihres Ministerpräsidenten den Dienst ge- leistet, daß das große, abgefallene Dominion sich dem briti- schen Weltreich angenähert hat. Und nur wenige Engländer werden sich dem Gefühl entziehen können, daß dis� Macht des Angelsachsentums in der Welt damit einen machtigen Auftrieb erfahren hat. An die Befreiung vom Druck der Entente mit Frankreich durch Snowden hat Macdonald die Freundschaft mit Amerika geknüpft: Im Interesse Englands macht die Politik der Arbeiterpartei wieder gut, was König- tum, Aristokratie vor 150, und Konservative in den letzten zwanzig Jahren verdarben. Die Annäherung Englands und Amerikas hat man nir- gends— von verbohrten Nationalisten und Antinationalistcn abgesehen— als eine Bedrohung anderer aufgefaßt. Genau so wie Locarno und Thoiry, London und Haag Deutschland und Frankreich einander nähergebracht, ohne sie anderen entfernt zu haben, so hat Macdonalds Besuch in Washington nicht nur dem anglo-amerikanischen, sondern dem Weltfrieden gedient. Zwar ist kein Abkommen unterzeichnet oder auch nur paraphiert worden— aber das, was Macdonald vor dem Mikrophon ausgesprochen und was der Präsident Hoovcr im Weißen Haus angedeutet hat, genügt, um zu sagen, daß in ihren Gesprächen die jahrhundertealten Streitfragen der See- Herrschaft und der Freiheit der Meere angepackt und die Richtlinien für eine Ueberwindung der bisherigen Gegensätze aufgestellt worden sind. Seeherrschaft und Freiheit der Meere sind zwei Begriffe, untrennbar verknüpft mit dem Begriffe des Seekrieges, der Vernichtung der feindlichen Kriegsflotte, Zerstörung des feindlichen und Unterbindung des neutralen Handels im Kriegsfälle. Hier waren die Interessen der größten und die der anderen Seemächte stets auf das schärfste entgegengesetzt: der Weltkrieg war gerade, insoweit er nicht nur europäischer, sondern Weltkrieg war, eine Auseinarcktersetzung um die Freiheit der Meere im Kriegsfall. Nun ist aber seit wenigen Monaten der Kriegsverzichts vertrag in Kraft, d. h. der Verzicht auf den Krieg als Mittel der Politik und die Pflicht, alle Streitigkeiten auf friedlichem Wege zu lösen. Mit diesem Kriegsverzicht sind, wenn mit ihm Ernst gemacht wird, oder Seekrieg, Vicckaderecht und Seeherrschaft einer Seemacht über die andere nicht zu vereinbaren. Was nun in Washington zwischen den Führern der beiden Demokratien besprochen worden ist, und durch ihre Ver» Handlungen über die Abrüstungskonferenz schon angestrebt worden"war, ist nun eben, dies Ernst machen mit dem Kriegsverzicht. Unbeschwert von der Last der Tradi- tionen hat der britische Arbeiterführer dem amerikanischen "mverieur auseinandergesetzt, daß mit dem Wegfall des Rechtes auf den Krieg es weder„S e e h e r r s ch a f t" noch ,.N e u t r a l i t ä t", weder„B l o ck a d e r e ch t" noch„F r e i- I> e i t der Meere" mehr im hergebrachten Sinne gibt und geben kann. Deshalb ist es Macdonald möglich gewesen, in den Vorverhandlungen zur Seekonfcrenz auf die U e b e r- legenheit Englands zur See zu verzichten und Amerika die Parität an Kreuzern zuzugestehen. Zugleich wird man annehmen müssen, daß im Hinblick auf die Lon- doner Konferenz von beiden Staatsmännern in Aussicht ge- nommen wurde, Schlachtschiffe und U-Boote, so- weit es die anderen Seemächte irgend zulassen, einzuschränken und sogar, wenn möglich, völlig abzuschaffen: Wird auf den Krieg verzichtet, so muß, will man nicht in den bloßen 2lnfängen steckenbleiben, auf die Kriegswerkzeuge, also zur See auf Schlachtschiffe, Schlachtkreuzer, U-Boote, ver- zichtet werden. Auf der anderen Seite hat Hoover zuge- standen— und Borah, den Vorsitzenden des auswärtigen Senatsausschusfes, bereits dafür gewonnen—, daß nun auch Amerika den alten, im Weltkriege zäh gegen Deutschland und England verteidigten Anspruch aufgibt, im Fall eines Vertragsbruches beide Kriegführende als Neutraler mit Munition, Rohstoffen und Lebensmitteln beliebig beliefern zu dürfen; eine solche Unterstützung darf hinfort Amerika nicht mehr dem Angreifer, sondern soll es nur noch dem unter Bruch des Kellogg-Paktes Angegriffenen zukommen lassen. Mit der Doktrin des Krieges wird die Doktrin des geschäftemachenden neutralen Dritten beseitigt. Dies sind die Probleme, die nach unwidersprochenen Be- richten Macdonald und Hoover durch ihre Gespräche in Washington angepackt haben. Macdonald hat im„Vorwärts" einmal gesagt, daß der Kriegsverzichtsvertrag ein Luftschloß sei, dem die Fundamente fehlen; aber er hat schon damals hinzugefügt, daß sie ihm geschaffen werden müssen. Er zeigt, daß er es selber ist, der sie legt: der Verzicht auf die' Seeherrschaft Englands und die gemeinsame Seeabrüstung mit Amerika sind solche Fundamente des Friedens. Seine Reise nach Amerika ist zugleich, nach Haag und Genf, der dritte weltpolitische Sieg der Arbeiterpartei Englands. Volkspariei und Schwerindustrie. Staatssekretär Schmid und die bürgerliche Sammlung. Hugenberg hat durch seine Aktion in der rheinisch-west- fälischen Schwerindustrie fast jeden Boden verloren. Der rechte Flügel der Deutschen Volkspartei ver- sucht die Führung der Schwerindustrie nun völlig an sich zu reißen." Es sind zwei Männer, die um die Führung des rechten Flügels der Volkspartei konkurrieren. Herr Luther, der das Vertrauen des Generaldirektors Vögler genießt, unb Staatssekretär S ch m i d- D ü s s r l.d o r f, dessen Hauptrückhalt beim Langnamverein liegt. Herr Schmidt hat gestern auf einer öffentlichen Ver- sammlung der Deutschen Volkspartei in Düsseldorf über die Finanzreform und die bürgerliche Sammlung gesprochen. Die Entwürfe des Reichsfinanzministers, so führte er aus, blieben hinter den wirtschaftlichen Notwendigkeiten zurück. Es sai eine zwingende Notwendigkeit, eine Senkung der öffentlichen Lasten vorzunehmen und an die söge- nannten zwangsläufigen Ausgaben des Reiches mit starker Hand heranzugehen. Zur Illustration ver- wies Herr Schmid auf die volksparteiliche Haltung bei der 'Arbeitslosenversicherung. Die Absichten des rechten Flügels der Volkspartei nach dem Tode Stresemanns und dem Zusammenbruch Hugen- bergs sind damit eindeutig klargestellt. Emelka. politische Gründe der Regierung von den Koalitionspartesen anerkannt. In einer am Mittwoch abgehaltenen Besprechung der Regierung mit Vertretern der Koalitionsparteien über die Emelka-Ange- legenheit wurden die von der Regierung vorgetragenen und iür die Jntercssennahme an der Emelka maßgebenden politischen Gründe anerkannt. Ueber die Einzelheiten der zukünftigen materiellen Interessen des Reiches soll gesprochen werden, sobald der Treuhänderbericht über die Emelka vorliegt. Erst dann wird eine Vorlage über die Jntereffennahme ausgearbeitet und dem Haus» Haltsausschuß des Reichstags übermittelt werden. Oem Ausschluß zuvorgekommen. Bruhn aus der deutschnationalen Partei ausgetreten. Die deutschnationale Pressestelle teilt mit:„In der Angelegenheit der gegen den Abgeordneten B r u h n schwebenden Untersuchung wogen seiner Beziehungen zu den Gebrüdern Sklarek war ihm gestern von feiten des Landesverbandes Berlin mitgeteilt worden, daß ein Verfahren gemäß Ziffer 19 der Partei- s o tz u n g gegen ihn eingeleitet sei. Daraufhin Hot der Abge- ordnete Bruhn heute dein Borsitzenden der zuständigen Parteiorgani- sation«in Schreiben gesandt, in dem er seinen Austritt aus der Deutschnationalen Vvltspartei erklärt. Ziffer IS der Parteffatzungen behandelt das Ausschluhoerfahren gegen Parteiangehörige."_ Cine sozialpoliiische Tagung. Die Gesellschaft für soziale Reform hält vom> ?4. bis 2S. Oktober ihre 11. Hauptversammlung in Mannheim ab. 1 Am ersten Berhandlungstag steht„Die Reform bes Schlichtunzs- wescns" zur Aussprache, als Vortragende find vorgesehen: Genasse Dr. Hugo Sinzheimer und Professor Dr. Herbert von Beckerath: am zweiten Vorhcindlungs�ig soll„Der wirtschaftliche Wert der Sozial- Politik" behandelt werden. Dortragender zu diesem Thema ist Pro- sessor Dr. Götz Briefs. Beide Verhandlungsgegenstände sind von böchst aktueller Bedeutung. Hoffentlich macht die Gesellschaft sür soziale Resorm ihrem Namen Ehre und gestattet ihre Tagung zu nner Kundgebung für den sozialen Fortschritt. Eine Woche Hugenberg. Klägliche Ergebnisse des Znflationsbegehrens. Ueberblickt man die Ergebnisse des Hugenbergschen Jnflationsbegehrens für die jetzt abgeschlossene erste Ein- tragungswoche, so erhält man den Eindruck, daß die Macher des' Jnflationsbegehrens vom Volke völlig isoliert sind. Wir haben die Einzeichnungsergebnisse von 32 Städten aus allen Teilen des Reiches aus der ersten Eintragungswoche zusammengezählt. In diesen Städten haben sich bisher 239 000 von 1v löll OOO Stimmberechtigten eingetragen, also noch nicht 2,4 Proz. Die Meldungen über die Eintragungen auf dem flachen Lande lassen erkennen, daß auch der schlimmste Terror der Stahlhelmagrarier nicht die Hoffnungen rechtfertigt, die die Hugenberg-Front auf ihn gesetzt hat. Run gar die Ergebnisse aus dem Rheinland? Sie sind eine schmetternde Ohrfeige für Hugenberg u. Co.! Meinland und Volksbegehren. Koblenz, 23. Oktober. Am Dienstag ließen sich die Ergebnisse der ersten Woche der Eintragungsfrist für das Volksbegehren überblicken. Deutlich kommt dabei die Stimme des besetzten Gebietes in den Einzeichnungs- Ziffern in den größeren Städten und Orten des Bezirks Koblenz zum Ausdruck. In der Stadt Koblenz zeichneten sich bis Dienstag abend bei etwa 40 009 Stimmberechtigten 400 für das Volksbegehren ein. In Neuwied sind 107, in Boppard 31, in Bad Kreuznach 26 und in der Stadt Mayen mit 9000 Stimmberechtigten vier und in Weißenturm«ine Einzeichnung erfolgt. In der Stadt Bacharach, in der vor kurzem der deutsch- nationale Abgeordnete Dr. Bachem für das Volksbegehren ge- sprachen hat, und in dem Orte E n g e r s wurde bis Dienstag über- Haupt keine Einzeichnung vorgenommen. Auch in einer großen Zahl kleinerer Gemeinden ist bis setzt keine Einzeichnung erfolgt. Auch in der Pfalz und anderen Gegenden Südwestdeutsch- lands sind kein« günstigen Ergebnisse bei den Einzeichnungen für das Bolksbegehren festzustellen. In den ersten acht Tagen haben sich in Speyer insgesamt 36 Personen«ingetragen, in Worms 230, in Heidelberg wurden 391 Stimmen gezählt. Bis zum Sonntag hatten sich in Limburg a. d. Lahn von 8000 Wahl- berechtigten 18 für das Volksbegehren eingezeichnet. Es werden immer weniger! Gestern wieder Abnahme der Einzeichnungen in Arrlin. Die Zahl der Eintragungen in Berlin ist auch gestern wieder zurückgegangen. Es trugen sich ein: 23 10 22. 10. Kreuzberg....... 1055 121 1 Neukölln....... 375 413 375 Prenzlauer Berg.... 621 Wedding....... 538 Lichtenberg....... 346 Reinickendorf...... 204 752 575 455 266 Die Nerven verloren. Der Hugenbergsche Reichsausschuß Hot über dem Fiasko seines Jnflationsbegehrens völlig den Der stand verloren. Er veröffentlicht einen Aufruf, in dem er behauptet, die von der Regie- rungspresie oerbreiteten Eintragungsziffern seien irrc- führend. Alle Grundrechte der Reichsverfassung seien außer Kraft gesetzt, die Regierung treibe eine Schreckensherrschaft, der nackte Machtwill« des Marxismus regier«. Dieser Unsinn ist unterzeichnet: Seldte, Hugenberg, Otto v. Below, Hitler, Schiele, Schwecht. Äeiitschnationale Blamage im Landtag. Alle deuischnaiionalen Aniräge abgelehni.— Redefluß der Oppostiion. Im Preußischen Landtag wurde gestern nachmittag der Antrag der deutschnationaleu Fraktion, der das Staats- Ministerium ersucht, im Rcichsrat gegen den Bonng- Plan zu stimmen, mit großer Mehrheit abgelehnt. Der deutschnationale Antrag, daß de« Beamte« das Recht zur Eintragung für das Volksbegehren gewähr» leistet werden soll, wurde mit 241 gegen ISO Stimmen abgelehnt; für die Ablehnung des Antrages stimmte außer den Regierungsparteien auch die Deutsche Volks- Partei. Der deutschnationale Mißtrauensantrag gegen das Gesamtkabinett wurde mit 218 gegen 114 Stimmen der Deutschnationaleu, Nationalsozialisten, Wirtsrhaftspartei und Deutschen Fraktion abgelehnt. Deutsche Volkspartei imd Kommunisten beteiligten sich nicht an der Abstimmung. -» Das parlamentarische System besteht darin, daß die Regierung des Vertrauens des Landtags bedarf. Der Weg, die Regierung zu stürzen, ist deshalb das Mißtrauensvotum. Dieses Mißtrauensvotum hat doch aber auch nur den Sinn, die Regierung zu stürzen. Statt dessen hat sich bei K o m m u n i st e n und Rechtsparteien ein- gcbürgert, bei allem, was die preußische Regierung tut und was ihnen nicht gefällt, einen Mißtrauensantrag einzubringen. Die Frage, ob Aussicht besteht, die Mehrheit zu bekommen und die Regierung wirklich zu stürzen, also die Frage noch Sinn und Zweck der ganzen Aktion, wird überhaupt nicht mehr gestellt. Das Kabinett Braun hat schon mindestens fünf Dutzend Mißtrauens- antrüge überlebt und wird, weim es so weitergeht, noch eine ganz Anzahl Mißtrauensantragsjubiläen feiern. Der Landtag lehnte alle deutschnationalen Antröge zum Doung- Plan, zur Auslösung des Stahlhelms und zum Volksbegehren ob. Den blödsinnigen Antrag zum Sklarek-Skandal, die Staatsregierung solle der Stadt Berlin befehlen, den Oberbürgermeister zurückzu- rufen, zogen die Deutschnationalen vor der Abstimmung unter all- gemeiner Heilerkeit zurück. Der Landtag beriet dann Grundvermögens st euer. Gewerbe st euer und Hauszins st euer für 1V2S. Diese Steuern sind glatt«in dutzendmal durchberate» worden. Einmal als Gesetz«, dann, als die Obstruktion deren Verabschiedung in dritter Lesung verhindert hatte, als Notverordnung. Dann, als der Staatsgerichtshof die Nvtverordmmgen aufgehoben hatte, in neuer juristisch einwandfreier Form«I» Notverordnung. Trotzdem ließen es sich die Parteien der Opposition nicht nehmen, noch einmal stundenlang' zu reden. Nicht etwa über dies« Steuern, über die gar nichts mehr zu sagen fft, sondern über alle» und einige»: Häuserbau, Reichsfinanzreform, Zündholzmonopol, Dochenendm'llen usw. Aber schließlich wurden die Notverordnungen endgültig erledigt. Erst im nächsten Jahr geht das Theater wieder los: die Parteien der Opposition oerschwenden auf diese Weis« unendlich« Zett des Parlaments und eine ganz schön« Stange Geld. Auch hier ohne jeden Sinn und Verstand. Von den Anträgen des Geschäftsordnungkausschusies wurden die auf Zlufrechterhaltung der Immunität bestätigt. Die 22 Anträge des Geschäftsordnungsaus� schuffes, durch die für nationalsozialistische und kommuzristische Abgeordnete die Immunität auf- gehoben werden soll, wurden obstruiert und werden erst im November erledigt werden. Aber wenigsten, ist durch- gesetzt worden, daß diese 22 Fälle in einer Debatte abgehandelt werden. Die Oppositionsparteien wollten 22mal darüber reden! Am Donnerstag wird sich d«r Landtag mit dem Goslarer Schulskandal befassen und sich dann bis nach den Kommunalwahle» oertagen. Sabotage. Ein Inflationsbegehrenfreund im Reichswirischasts- Ministerium. Reichswirtschoftsminister Dr. Curtius hat wie all« Reichs- minister durch Verfügung die Beamten seines Ressorts darauf hin- gewiesen, daß das Eintreten für das Inflätionsbcgehren nicht im Einklang mit der Dienstpflicht steht. Mnisterialrat Freiherr von Masfenbach, deffen Aus- gäbe es gewesen wäre, diese Verfügung durch das Amtsblatt oder auf andexem Wege den Beamten und nachgeordneten Behörden bekanntzumachen, ist bisher dieser Aufgabe nicht nachgekommen. Das Kreisblatt. Hannover, 23. Oktober. fCigenbericht.) Die„AI l e r- Z e i t u n g", Kreisblatt im Kreis Gifhorn, ver- öffentllcht im Hauptblatt folgende Bekanntmachung: Knebelung der Meinungsfrelheit. Beamte, wenn ihr euch nicht in die Lifte für dos Volks- begehren« intragen könnt, sorgt dafür, daß eure Frauen und Angehörigen es tun. Benutzt den Sonntag zur Eintragung. Der Ausschuß für da? Volksbegehren. Der rechtsgerichtete Landrat von Wagenhoff hat es bisher nicht für notwendig erachtet, das von ihm besonders geschätzre Krossblatt gebührend in die Schranken zu verweisen. schen vberpräsidien, Regierung und Polizeipräsidien angehörenden höheren ZZerwollungsbeamten zusammengefaßt sind, in seiner Sitzung vom 23. Oktober d. I. einstimmig solgeichen Beschluß gesaht: „Da unser« Mitglieder als Organ der Staatsregierung bei der Durchführung staatspolttischer Aufgaben in maßgeblicher und ver- antwortlicher Weise beteiligt sind, hatten wir uns aus ttaats- politischen Erwägungen für berechtigt und verpflichtet. unsere Mitglieder vor jedem Eintreten für das Volksbegehren zu warnen. Abgesehen von allen sonstigen Bedenken gegen das Volksbegehren mißbilligen wir auch au» beamtenpolttischen Gründen, insbesondere den tz 4, der verantwortliche Beamte, die lediglich in Erfüllung ihrer Pflicht handeln, als Landesverräter bestraft wissen will." Evangelische Kirche für Hugenberg. Das Evangelisch« Wohlfahrt?, und Jugendamt Berlin-Schöncberg, das seinen Sitz im Schöneberger Rat- haus hat. verteitt eine Zeitschrift„Neulandblatl, für erneuerte» Christsein, für wahres Deutschtum". In dieser Zeitschrift wird auf. gefordert, sich für das Hugenberg-Degehren einzuzeichnen. Da» evangelische Wohlfahrts- und Jugendamt betreibt also rechtsrabikale Parteipropagando! .. Ttresemaonskaße In Saarbr�ien— Umnennung, vorschloa fur bit Luffenstraße— ist von der Stodtvertretung beichlossen woroen. Höhere Beamte gegen das HugenSerg-Vegehren. Wie dem Amtlichen Preußischen Pressedienst mitgeteilt wird, hat der Vorstand der Fachgruppe der juristisch-verwattungsmäßig, rschiffcheett, muk meaen keine« lAmeven Ärnnfh-w u vorgebildeten höheren Beamten in Preußen, in der die den preußi- j die Wiesbadener Kur gebrauchen.»«rter Der Zerfall der KPF. Mit zwei gemaßregetten kommunistischen Gemeinderaten zu St. Denis hat sich die gesamt« Fraktion solida- nsch gegen die ZeMral« erklärt. Bankkrach in Kies. Admiräle und HandelSkammerpräsiSenlen im AvfflchtSrai. Siel, 23. Offober.((Elgeobetldjt.) Die 1872 gegründete Kieler Lank in Kiel hat V e r l u st e erlitten, die mehr al» doppelt so hoch sind al» da» ge- samte Aflienfapital und die höh« säst der Gesamteiulagen erreichen, die in der Bilanz von Ende 1328 ausgeführt sind, vi« Verluste sind aus lausenden Kredilgeschästea und aus Blauipulationen entstanden, die nach der vorliegenden Tilddung für eigene Rechnung der Direktoren gemacht wurden und. wie es helbt. durch Buchsälschungen der Kontrolle des Aussicht srals entzogen wurden. Die Verluste betragen nahezu Z Millionen Mark. Das Aktienkapital ist voll verloren, aber auch die Bankgläublger werden weitaus den größten Teil ihrer Einlagen nicht wiedersehen. Der Zusammenbruch wurde dadurch herbeigeführt, daß die Deutsche Bank sich angesichts des verlrauensbruche» der Direktion geweigert hat. Hilfe zu gewähren. « Es fonn kein Zweifel darüber sein, daß, wenn wirklich Luch. fälschungen vorliegen, dies« Fälschungen sehr lange Zeit durchgesührt warten sind und von den Bilanzprüsern und dem Aufsichtsvat hätten entdeckt werden müssen. Es handelt sich also nicht um einen rein kriminellen Fall, der die Direktoren betrifft, sondern wieder einmal um«in vollständiges Versagen der Institution des A u f s i ch t s. rotes. Auch die Deutsche Vank ist für den Zusammenbruch mit- verantwortlich, denn in dem Aussichtsrat sitzt Herr Kurt v. Sydow, der Leiter der großen Filiale der Deutschen Bank in Hamburg. Außerdem sitzt Herr Konsul Seidel im Aufsichtsvat, der Handels. kammerpräsident in Kiel ist und der Vizeadmiral Gädik«, Ex« zellenz, der sich mit den Genannten und einem m der Schiff. sah« tätigen Konsul Sartori in die Aufsicht teilte. Ein neuer Fall, in dem die pvivatkopitalistische Wirts chasts- fühnnig, deren Hohelied von den deutschen Unternehmern alle Tage gesungen wird, wieder einmal versagt hat. Daran muß in der Zeit, in der der Kamps gegen die öffentliche Wirtschaft Tnimpf ist, nachdrücklich erinnert werden. Hugenberg und die Länderpoliiik. Koalitionskrise in Bayern. München, 23. Oktober.(Eigenbericht.) Der Konflikt innerhalb der bayerischen Re- gierungskaalition. der durch die enge Gemeinschaft der Deutschnationalen mit den Nationalsozialisten entstanden ist, spitzt sich weiter zu. Auch Ministerpräsident Dr. Held hat inzwischen aus einer Tagung der Deutschen Dolkspartei in Regens- bürg dazu Stellung genommen mck» erklärt, daß er das Volks- begehren für einen großen Fehler halle und den Schrill der Deutsch- nationalen aufs tiefste bedauere. Für die bayerisch« Innenpolitik würden sich aus dieser ganzen Entwicklung Verhältnisse ergeben, die, wem die Dinge weiter auf die Spitz« getrieben würden, auch zu Weiterungen führen konnten. Es könnt« der Zeitpunkt eintreten, wo es der Loyerifchen Volkspartei vom Standpunkt der Chre und einer lachlichen Politik aus unmöglich wäre, in einer solchen Koalition zu bleiben. Derod« in einem Augenblick, wo es im letzten Stadium um die Erhaltung der bayerischen Staat- sichkeit gehe, werde dieser Feuerbrand unter die staatserhallenden Elemente des bayerischen Volkes getragen, und er für seine Person lehn« heute schon di« Verantwortung dafür ab, was sich aus diesen Verhältnissen für den Kamps um Bayerns Staatlichkeit entwickeln könne. Jiegierungsverlegenheit in Württemberg. Stuttgart, 23. Okiober. Der DürtteMbergisch« Landtag hat«inen von dem Abgeordneten Keil(Sozialdemokrat) zum drillen Male gestellten Antrag auf Stellungnahme des Württembergs chsn Landtages zum Volksbegehren mit 34 gegen 34 Stimmen, olso mit Stimmengleichheit, a b- gelehnt._ Niederlage der Nankingiruppe«. Sieg des„christlichen* Marschalls. Peking. 23. Oktober. CS ist am Dienstag der Arm« Fengs»ach drei» tägigem Kampf gelungen, die Front der Regierungo- trappen 127 Kilometer von Hanlau zn durchbrechen. Man erwartet, daß Feng die Stadt Hankau einnehme« wird. Die Armee Fengs hat in diesen Kämpfen 2(KK) Gefangene gemacht, 17 schwere Geschütze und viele Masch,» nengewehre erbeutet. England und Afghanistan. Sin Telegramm.Hendersons. London. 23. Oktober.(Eigenbericht.) Außenminister Hendsrson hat an das afghanische Außenministerium ein Telegramm gesondt, in dem e? u. a. heißt:„Ich habe die Ereignisse der letzten Tage mit größtem Interesse verfolgt und hoff« instöndig, daß sich die Erwartungen auf«in im Innern sritdliches. freundliches, starkes und unabhön» giges Afghanistan verwirklichen und die alten freundlichen Bc, Ziehungen zwischen Großbritannien und Afghanistan weiterhin bi- stehen werden." Wie aus Kabul gemeldet wird, hat der kür tische Außen» minister dem neug« wählten Herrscher Nabir Khan telegraphisch die Anerkennung der neuen afghanischen Regierung durch die Türkei ausgesprochen. Eine andere Meldung au, Kabul besagt, daß Nadir Khan die-« Umwandlung Afghanistans in«in« Republik plan«. Der 3otlfriedensver Sie Angst der Sparer. Wien, 23. Oktober.(Eigenbericht.) Die Abhebungen bei den Banken und Sparkassen ist am Mi.'t- wach noch starker gewesen als an den vorausgegangenen Tagen. Bei einzelnen Banken mußten die Schalter zeitweise ge-schlo'- s e n werden, weil erst Bargeld geholt werden mußte. Entlastung des Arbeitsmarkts! Die Verantwortung des Reichs. Die leitenden Herren der beiden großen O. B a n t« n, die sich vor kurzem zusammenschlössen, wollen den neuen Personalabbau der Oessenllichkeit durch eine sozial schillernde Gest« ertrag- lich erscheinen lassen. So versendet die Disconto an eine Reihe von Firmen ein Schreiben, in dem sie mitteilt, daß durch den Zusammen- schluß in nächster Zeil eine größere Anzahl von tüchtigen oberen Beamten und Tarifangestellten„frei" werde. Im Anschluß daran macht sie den Vorschlag, für«ine möglichst reibungslose Ucberleitung abgebauter Angestellter in andere Betriebe gegebenenfalls sich an deren neuen Gehältern für eine gewisse Zeit zu beteiligen. Nähere Vereinbarungen hierüber könnten in jedem einzelnen Fall getroffen werden. Praktisch bedeutet das aber nichts anderes, als daß die Discontogesellfchaft anderen Unternehmungen Angestellte unter Tarif oder unter normaler Bezahlung anbietet, also Lohndrückerei be> treibt. Die„Beteiligung" am Gehalt, so hofft die Menschenfreund- lichc Disconto-Gesellschaft, wird ihr ersparen, eine Abfindung?- summe zu zahlen. Man sieht, auch„Menschenfreundlichkeit" kann sich mit Geschäftstüchtigkeit paaren. Wie wird es den Abgebauten, die als Lohndrücker anderwärts unterkommen, ergehen? Solange der Zuschuß zu dem neuen schlech- teren Gehalt gezahlt wird, ist vielleicht die Arbeitsstelle gesichert. Was aber, wenn der Zuschuß wegfällt? Er soll ja nur„für eine gewisse Zeit" gezahlt werden. Dann wird der aus Gnade und Barmherzigkeit aufgenommene Bankangestellte sehr wahrscheinlich wieder abgeschoben, er ist seine Stellung los und auch die A b- fandung, die ihm ohne Stellenvermittlung gezahlt worden wäre. Die Disconto würde ihren Vorschlag zur Unterbringung der für den Abbau bestimmten Angestellten nicht gemocht haben, wenn sie nicht wüßte, wie schlecht die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt der Angestellten sind. Die Zusammenschlußbewegung ist ja nicht nur bei de» Banken, sondern auch in der Industrie in uollem Gange. Die Kapital Konzentration schreitet mächtig vorwärts ''"d die Opfer sind vor allem die Angestellten. Wo sollen die älteren Bankangestellten hin? Sind sie einmal aus ihrer Arbeit gestoßen, dann kommen sie nur sehr schlecht wieder aus dem„Stempelparadies" heraus. Wäre es unter diesen Umständen nicht doch vernünftiger und humaner, wenn sich Banken und Industrie bei ihren Fusionen auch etwas den Kopf darüber zerbrechen würden, wie sie den größten Teil ihrer Angestellten trotz der Fusionierung weiter beschäftigen können? Die Banken kennen die Vorschläge, die vor kurzem der Geschäftsführer des.Allgemeinen Verbandes der deutschen Bank- angestellten, Marx, zum Schutze der Angestellten gemacht hat. Sie sollten oben bei der Bureaukratie etwas sparen, dann könn- tcn sie viel Arbeitslosenelend verhüten. Wie Marx feststellte, ver- teilen sich im Bankgewerbe die Unkosten so, daß auf sachliche KpO. sucht neue Gtreikopfer. Die Metallarbeiter sollen jetzt daran glauben. Roch dem Zusammenbruch der wilden Streiks aus verschiedenen -Bftliner Baustellen— richtiger: nach deren Abwürgung durch Repschläger und Genossen— geht die KPD. nunmehr dazu über, solche für die Arbeiter halsbrecherische„Aktionen" auch in der Berliner Metallindustrie aufzuziehen. Wo sogenannt« „rote Betriebsräte" ihr Unwesen treiben, versucht sie aus dem Um- wege über diese Verbindungsmänner Kämpfe zu entsesseln, indem sie die Arbeiter in aussichtslose Streiks hetzt. So ist zurzeft wieder«ine solche„Aktion" bei der Firma L o r e n z im Gange. Seit ungefähr fünf Jahren wird die Arbeiter- fchaft der Firma Lorenz von kommunistischen Betriebsräten„ge- führt"(»der genosfM)rt), die mit der Fabrikation von Resolutionen gegen die Gewerkschaften so beschäftigt sind, daß ihnen gar keiift Zeit mehr bleibt, sich um die ureigensten Interessen der Belegschaft, und vor allem um die Berhältnisse im Betrieb« zu kümmern. An: 12. Oktober stellte die Belegschaft der Abteilung Galvanik die Arbeit ein, um«ine Besserung der geradezu trostlosen gewerbe- hygienischen Betriebsverhältnisse durchzusetzen. Der„revolutionäre" Betriebsrat, zu dessen Aufgab«n nach dem Betricbsrätegesetz auch die Bekämpfung der Unfälle und Gesund- heitsgefahren im Betrieb« gehört, hatte sich um solche Ding« bisher noch nicht gekümmert. In der Streikversammlung der'Ab- teilung Galvanik am 19. Oktober gab der kommunistisch« Betriebs- ratsoorsttzeiide H ö p f n c r selbst zu, daß der Betriebsrat erst am Tage der Versammlung von den außerordenllich trostlosen Zuständen in dieser Abteilung Kenntnis erhallen habe! Ein Muster- bctriebsrat. Di« Versammellen beauftragten hen Metall- arbeiteroerband, durch Verhandlungen mit dem VBMJ. und der Firma zu versuchen, den Konflikt beizulegen. Der„Aktionsausschuß der revolutionären Betriebsräte" hatte jedoch nichts Eiligeres zu tun, als in einem Flugblatt die Belegschaft gegen die Organisation aufzuhehen, damit ja nicht etwa dos schon angewärmt« Parteisüppchen kalt wird. In einer Petriebsversamni- lung am 21. Oktober, die von etwa SlXZ Personen, also noch nicht einmal ein Fünftel der rund 2700 Köpfe zählenden Gesamtbelegschaft besucht war, wurden dann neue„revolutionäre" Forde- rungcn für das gesarrtte Werk aufgestellt, so u. a. eine zehn- pro z entige Lohnerhöhung, die Einführung einer zehn- m i n ü t i g e n Pause pro Stund« für die Fließbandarbeiter usw. Die SOO Mann beschlossen auch, daß am Mittwoch die gesamte Belegschaft die Arbeit einzustellen habe, wenn die Firma die Anerkennung dieser Forderungen ablehnt. Daß die Vertreterin des Mctallarbeiterverbandes, die Genossin G l a d o s ch, mit den unflätigsten Redensarten bedacht wurde, gehörte mit in den Rahmen dieser„revolutionären" Zusammenkunft. Wie uns mitgeteilt wird, sind dem Streikbeschluß gestern etwa 300 bis 600 Arbeiter und Arbeiterinnen der sogenannten Ballon- Halle nachgekommen, während die Arbeiterschaft des Hauptwerkes, also etwa 2000 Mann, sich an diesen Beschluß nicht kehren. Auch dieser völlig planlose und nur gegen die Gewerk- schaften gerichtete wilde Streik dürfte, wie alle der- artigen Manöver. der. KPD. mll.einem-gbat�ear Mißerfolg eieten und der Arbeiterschaft der Firma Lorenz unnütz tiefe Wunden beibringen. Aber was liegt den Bonzen der KPD. daran? Hoffentlich wird die Arbeiterschaft aus diesen Vorgängen er- kennen, daß die sogenannten roten Betriebsräte nur die Ordonnanzen der KPD. sind, die sie nur von einer Niederlage in die andere hetzt. Beispiele für ihr« verbrecherische Unfähigkeit hat die kommunistische Parteileitung in der letzten Zeit mehr als genug gegeben. Warum KpO. gegen Arbeitslofenreform ist. Diel zu sozial! Im Kampf um die Arbeitslosenversicherung haben die K o m m u n i st e n in ihrer Krllik den Mund sehr voll genommen. Schon damals ist ihnen gesagt worden, daß die Arbeiter des Sowjetparadieses froh wären, wenn sie den russischen für den deutschen Arbeitslosenschutz eintauschen könnten. Jetzt erfährt man, daß Sowjetrußland seine Arbeitsfosenunterstützung noch mehr eingeschränkt hat. So wird nach einer Moskauer Meldung des„Berliner Tage- blalls" Unterstützung an Arbeitslose nicht mehr gezahlt, die i n> Haus« eines Berwaudten wohnen, der entweder ein monalliches' Arteitseinkommen von 150 Rubel bezieht, oder über private Mittel, und feien sie auch noch so klein, oersügt. Die Zahlung der Unterstützung, die 15 bis 27 Rubel monatlich, je nach der Anzahl der Unterhaltsberechtigtcn usw., beträgt, wird a u f drei Monate eingestellt, falls sich der Arbeitslose weigert,«ine ihm durch den Avbellsnachweiz angebotene Bc- schäftigung anzunehmen, selbst wenn sie von seinem Wohnort weit entfernt ist. Weigert sich eine arbeitslose Person zum zweiten- mal, so wird sie von der Benutzung des Arbeitsnach- weises, der in Rußland die einzige Möglichkeit bietet. Arbeit zu erhalten, dauernd ausgeschlossen. Ebenso ist die Unterstützung in Krankheitsfällen be- trächtlich eingeschränkt worden. In Zukunft wird bei einer Krankheit, die 5 Tage oder weniger dauert, bzw. für die ersten 5 Tage einer Erkrankung Unterstützung nicht mehr ge- zahlt! Nach dieser Zeit wird der volle Lohn nur noch bei Fabrik, und Bauarbeitern gezahll, die chren Posten mindestens Z Iahr« innehaben! Sonst kommen nur drei Viertel des Lohnes zur Auszahlung. Das ist„Sozialpolitik" so recht noch dem Herzen der Verein!- gung deutscher Arbeitgeberverbänte. Sowjetrußland führt durch. was die Sozialreaktion in Deutschland nicht durchzudrücken ocr- möchte. Ausgaben 20 Proz., auf persönliche 80 Proz. entfallen. Don diesen 80 Proz. entfallen aufdi« Direktion allein drei Achtel, auf die Prokuristen unt> Bevollmächtigten ein Achtel, während sich das groß« Heer der Angestellten mit der Hälfte begnügen muß. Die Banken und vor allem die Disconto-Gesellschaft sollten ferner endlich einmal mik dem Ueberstundenunsug Schluß machen. Die Disconto hat in verschietenen Abteilungen dreizehn Stunden und mehr unter Fälschung der Arbeitszeitlisten arbeiten lassen. Warum führt man im Ban»gcwerbe nicht die 4 2 stündige Wochenarbeitszeit ein, wie ste von 1919 bis zur Inflations- zert üblich war?' t Dasselbe-gilt auch von den Agrariern in Pommern. Nach den Feststellungen der Stettiner Gauleitung des Deutschen Land- arbeiter-Verbandcs haben die Kündigungen von Land- a r b e i t e r n einen geradezu erschreckenden Umfang angenommen. Tausende von Landarbeitern werden aus der Landwirtschaft ver- drängt. Den Gekündigten bleibt nichts anderes übrig, als in dl« Städte abzuwandern und dort die Armee der Arbeitslosen zu vergrößern. Diese Vertreibung der deutschen Landarbeiter aus Pommern ist ein nationales Verbrechen, denn die Ar- j beitsstellen werden Deutschen genommen und ausländischen Landarbeitern geg'eben. Zurzeit werden in Pommern 17 775 ausländische Schnitter beschäftigt. Sie sollten bestimmungs- gemäß nur in der Zuckerrübenbearbeitung Verwendung unten. Totsächlich werten sie aber zu allen möglichen landwirt- schostiichen Arbeiten herangeholt. Tausende von GuKwohmmge« stehen leer und verfallen. Fast auf jedem Gut sind mehrere Werkswohnungen unbewohnt. Der Zynismus der. pommerschen Agrarier kennt keine Grenzen: denn sie bringen es fertig, in tem Augenblick, wo sie systematisch die Land- stucht vermehren, für Pommern etwa 20 000 auslän- dische Arbeiter für das kommend« Jahr anzu- fordern. Um ihre Dreistigkeit richtig würdigen zu kömreu, muh man sich vergegenwärtigen, daß in diesem Jahr auch in der H a u p t- arbeitszeit der Landwirtschaft in einer ganzen Reihe von agrarischen Gebieten deutsche Landarbeiter keine Beschäf- tigung finden konnten. Gegen die Cntlassungswut verantwortungsloser Unter- nehnrer muß Front gemacht werden. Den Agrariern nmß im kommenden Jahr das Kontingent ausländischer Arbeiter um 50 Proz. gekürzt werden, und wenn die vom Eni- lossungskoller befallenen Arbeitgeber nicht Vernunft annehmen und kein Opfer bringen wollen, dann bleibt nichts anderes übrig, als im Weg ter Sozialgesetzgebung, vor allem durch scharfe Verkürzung der Arbeikszeit. die Arbeilslosenzrsscr einzudämmen. Gelbe Hilfstruppe für Gastwirte. Die Genfer möchten das Strausberger Ziennen machen. Die Unternehmer der Strausbergcr Betriebe Klein- Bahnhof, Schlagmühle, Rotkäppchen, Wolfstal und Alt« Spitzmühle haben sich geweigert, mit dem Zentral- verband ter Hotel-, Restaurant- und Ease-Angestellten einen Tarifvertrag abzuschließen. Daraufhin sind diese Betriebe vom Zentral- oerband gesperrt worden. Gegen die Sperre haben die Unternehmer eine e i n st w e i l i g e Verfügung beim Landgericht I erwirkt. Bezeichnenterweise trat als Anwalt der Unternehmer, ter Rechtscmwolr Dr. Holl ander auf, ter, zugleich Anwalt des Genfer Verbandes und des Berliner Kellner-Bereins ist. Herr Dr. Holländer hat den Unternehmern einen Bärendienst erwiesen, weil sie durch ihn und die Richter beim Landgericht I die Kosten dieser Instanz zahlen müssen: auch die Kosten des Anwalts des Zcntraloerbandcs. Die Herren am Landgericht I scheinen bis heute noch nicht zu wissen, daß ein Arbeitsgerichts-Gesctz existiert, wonach für derartige Streitigkeiten ausschließlich die Arbeitsgerichte zuständig sind. Erst auf den Widerspruch der Vertreter des Zentralverbandes bequemte sich das Landgericht I zur Ucberweisung ter Sacbe an dos Arbeitsgericht, ohne jedoch die einstweilige Verfügung aus- zuheben. War es schon eigenartig, daß der Rechtsanwalt der Genfer diese Sache ter Unternehmer vertrat, so zeigte sich vor dem Arbeitsgericht. daß tatsächlich der Gcnser Berliner Kellner- Verein in diesem Fall ter Unterrrehmerknecht war und zwar oertreten durch den Herrn M a c r i n u s, ter sich als Berater der U» t e-r- n x h m e r im Sitzungssaal des Arbeitsgerichts herumtrieb.?lber auch Herr Macrinus hat den Unternehmern wenig helfen können. Durch die einstweilige Berfügung bleibt die Tatsache, daß die genannten Strausberger Unternehmer gesperrt sind, unberührt. Der Zcntraloerband wird nach wie vor dafür Sorge tragen, daß die Strausberger Unternehmer sich zu einer tarifoertraglichcn Regelung der Sohn- und Arbeitsbedingungen bequemen. Daran wird auch der Genfer Berliner Kcllner-Bereiu nichts ändern. Berliner Gewerkschaftsschule. Wir mackren nochmals au! die hezue. Donnerstag, abends 7 Uhr, in, Zophien-Lyzeum, Wcinmeisterstr. 16/17, beginnenden A r b e i t s- wissenschaftlichcn Besprechungen' für Betriebs- röte und Bertrauensleute, Leitung Genosse Georg Raible, aufmerksam. In diesen Besprechungen sollen die in de» Bc- trieben gemachten Ersahrungen mit der Einführung moderner Ar- lreitsmethoden gegenseitig ausgetauscht und besprochen werden. Gleichzeitig wird damit ein« Einführung in die Arbeit-wrssenschoft verbunden.■■ Kursusverlegung! Achtung! Teiinehnrer des Kursus Gew. 9 „Arbeitsrechtliche Gruppe II". Die Fortsetzung des Unterrichts findet ab Montag, den 28. Oktober, abends 7 Uhr, wegen der starken Beteiligung nicht mehr im Unterrrchtsroum der Berliner Gewerkschaftsschule, Engelufer 24/25, sondern im Zeichen- saal des Le i b n i z- G y»rn a s i u m s, Mariannenplatz, statt. Neuer Tarifvertrag im Gastwirtsgewerbe. Die neuen Lohnsätze sind im Druck sertiggestellt und können in der Zeit von 10 bis 16 Uhr auf den, Berbarrdsbureau, Elsasser Straß« 86/88� Ausgang All, und Montags von Ig bis 21 Uhr in dem Restanrrmt Knirp-, Hasenherte lt. abgeholt werden. WirTTrachfen rrochinals besonders daraus aufmerksam, daß das gesamte gastwirt- schastliche Personal einschließlich der Konditoreien, Warenhäuser, Kantinen und Kasinos unter diesen Tarifvertrag fällt. Wir bitte» insbesondere die Arbeiterräte dieser Betriebe, dafür zu sorgen, daß unser Tarifvertrag restlos durchgeführt wird. Wir stehen, den Ar- beiterräten jederzeit zur Verfügung.(Telephon: Norden 18l?.s Zcntraloerband der Hotel-, Restaurant, und Cafä-Angestcllten, Zweigoerein Groß-Bcrlin. Gesperrte Gaslwirtzbetriebe. Wegen Differenzen hat der Zen- traloerband der Hotel-, Restaurant- und Cafc-Angestelltcn folgende Gastwirtsbctriebe für feine Mitglieder gesperrt: Mitte: Bahnhofe- restaurant, Inh. Hcckeberg, An der Spandau« Brücke 2; Norden: Restaurant„Zur Deutschen Ecke", Inh. Ionaß, Invatitenstr. 124: Restaurant„Königstor", Inh. Anna Mucks, Prenzlauer Berg Ecke Neue Königstraßc: Restaurant„Seeturin", Inh. A. Rusitzka,' See- strotze 46: Großtestillation Max 5i!ob, Kastanienallee 50/51: Groß- testillation Otto Martini, Badstraße 8a: Moabit: Nordwest- Hotel, Restaurant und Festsäle. Turmstraße 7/8: O st e n- L i ch t e n> b e r g: Palais des Ostens, Inh. Pfeilstifter, Warschauer Str. 25. fftmeGewerkfchafis-Jugend Berlin. ßsutc ronnetäte« 19Vi llkir. warn dir Eruvpcn: Sclvndbrnn-rn: �Zdb-ui,«»t« Schlllr.<8- rnburarr Straße. Sun, er Abrnd.- ..«cdd-na: SIckdt. Suacnddeim Orthstr. IN. Pariraa!.D-t Namv, um die«»»tt-lo-n-rrstchrruna".- 2udzr>en: Gruvprndeim PciAcntcracc Str. So -!e Nirche ein Mackitfaktor im drmokratiscki-'i, - Tempeld»!: ffltuwcndeim Lwrum Sermaniastr. 4-6.©cduitä- kacksfrirr-?olkstan.r°bei,d.— LjS>tcnbcrq und ülcu.Licht-nbrra: Iugendbeim Sau ff., an dcr Leinnalira,,- Vartraa:.5uarnd und P-llzdUdn-'.- Staat- fv.rt««Um: Siwiiddrim Srankmctfc Alle« 907, Walter. Z>ark>c na»-. gimmcrl. Liederabend— Sck>Sne»>«,dr: Iuarndticim Oberfchiinemeide. Laniener Str. 2 �rcrcs ftmtcrcs nintmer). Soc.rafl: ,05 proletarische 3ufl:rbbcm»ciiufl".— «.L»�um. Priiui.Albrecht.St»>ß-. Verantwortlich tür Po.etik: Dr. e-rt«eqet-. Wirtschaft:«. kllingelböset! S-w-rksch-.tobcwegung: Z. Steiner-. Feuilleton: N. S. Döscher; totales und Sonnt«»: Sri*«a.städt: Anreiaen: Tb.»loeke: sämtlich in Berlin. Vcrlaq. Pormarts.«ct!OB®. m b. Perlin Druck: Porwckrts.Luchdruckcrei und �ctaasanstalt Paul. Singer u. To.. Berlin SW 6«. Lindennraß» 9. S>er,u t Beilagc,„Stadtbeilaa«-..Uaterb-lluug und Wisse»"»..Srauenstimme". DER KATALOG IST IN JEDEM ZIGARREN- GESCHÄFT ZU HABEN tfuhf hepctftf Nützlich. G EG ENSTAN DE.«1-0111.0.« EN VER BEY- RAUCH ER lies nie Gutsctelfli saiumelt Nr. 499* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 24. Oktober 4929 Sine Uftiflerflrafaviflall. Di« eltttrischs Straßenbahn, die Brandenburg mit Plaue ver- bindet, hält nach halbstündiger Fahrt mitten im Wald« an der Sta- lion„Landesanstalt". Es ist die große Heilanstalt für Geisteskranke, die in zahlreichen im Walde versteck- l?n Pavillons untergebracht sind. Einige hundert Schritte roeitsr er- heben sich an derselben Chaussee die imposanten Baulichkeiten der neuen Strafanstalt Branden- bürg, die man zu einer Muster- einrichtung für den modernen Straf- Vollzug ausgestaltet hat. Einen Der- gleich mit einem veralteten Gesang- vis hat man rasch zur Hand. Es ist das alte Zuchthaus, mitten»n Brandenburg, an dem dieselbe Linie d.r elektrischen Straßenbahn vor- überführt: ein trostloser Backstein- Vau mit mehr als mangelhaften Jnnenräumen. Entsprechend den neuzeitlichen Ansichten über den Strasoollzug hat man hier draußen, weit vor den Toren der Stadt, die neue Strafanstalt hingebaut. Längs der Chaussee steht eine Beihc von Beamtenwohnhäusern, die bei aller Schlichtheit doch architektonisch schön wirken. Bor der Kulisse des rings abschließen- den Woldes steigt das stattliche Hauptgebäude hoch: es ent- hält geräumige Hallen nnt Aufnahme- und Abgangsabteilung. Des- iniekiion, Worteraum und Einzelzellen für die Neuankömmlinge. Im Obergeschoß die Berwaltungsräume, darüber Lesesaal, Schul- klassen und Gemeinschoftsröume für die Gefangenen aus den Schlafsälen. Drei.Verwahrungsflügel- schließen sich an das .Hauptgebäude und bilden jedes für sich ein Rechteck. Die großen Höfe werden cm der Außenseite von langgestreckten ArdettssAen abgeschlossen. Kesselraum und Wirtschaftsanlagen Wlben den rückwärtigen Teil. In den Berwahrungsflügeln sind die Wohnzellen für eine Person und Kameradschostszellen für drei bis fünf Gs° fangene sowie die Schlaszellen eingebaut. Die Wände der Zellen können zur Vergrößerung oder Verkleinerung des Raumes entfernt und wieder eingestellt werden. Rasen, Blumen und Gemüsebeete schmücken die Höfe. In der Nähe liegen Turnhallen, Sportplatz und Lazarett. Eine Mauer umschließt daß 4t Hektar große Ge- lande, in dessen Baulichkeiten SM Strafgefangene untergebracht werden können. Feuer aus Vahnhos Gavignyplah. Stalioosgebäude niedergebrannt.— Verkehrsstörung. Am Mittwoch brach in dem Slalionsgebände auf dem Bahnsteig de» Slodtbahahose» S> a vlgnyplatz in Eharlotteobnrg kurz nach iO Ahr Jener aus. Das Gebäude wnrdc von den Flammen völlig zerstört, ver Skadtbahnverkehr war dadurch längere Zeil gestört. Gegen 1l> Uhr hielt sich der Stationsvorsteher, nachdem er kurz zuvor«inen Aug abgefertigt hatte, in dem Dienstraum des Gebäudes auf, um einige Eintragungen zu machen. Plötzlich gab es«inen kleinen Knall und aus einer Eck« des� Raumes, in der die Schaitattlagen' kiegen. schlug eine Flamm« hervor, die sofort di« hölzern« Wandbekleidung in Brand s-tzt«. Der Beamte fand gerade noch Zeit, den brennenden Ramn zu oerlassen, denn bereit» Sekunden später, brannte es im Innern de» ganzen Dienstgebäude» schon lichterloh. In aller Eile wurden die auf dem Dahnstaig befindlichen Fahr- gaste, hinobgesühit und gleichzeitig die nach Savignyplatz unterwegs besindlichen elektrischen Stadtbahnzüge auf der Strecke blockiert. Als die Feuerwehr auf den Mann mit drei Loschzügen unter Leitung des Oberbaurats Berg anrückte, war die Situation äußerst gefahrvoll. Dos Dienstgebäude stand in hellen Flammen und das Dach des Bahnsteiges brannte in einer Länge von fast 30 Metern. Besonders im Innern des brennenden Gebäudes fand das Feuer an Holzschränken. Tischen, Akten, Kabeln ustv. reiche Nahrung. Di« Telephon- und Telegrapheneinrichtungen wurden vernichtet. Das Dach des Bahnsteigs, dos mit einer Tecrjchicht belegt ist, brannte unter so starker Oualmentwickluirg, daß die Löschtrupps nur mit Rauchmasken dem Feuer zu Leib« rücken konnten. Der Verkehr war im Umsehen lahmgelegt. Der Strom wurde sofort ausgeschaltet, um weiteres Unheil zu vermeiden. Durch Umleitungen auf den Stationen Zoo und Charlottenburg geläng es. den Betrieb einige Zeit später notdürftig aufrechtzuerhaven. Um 10.33 Uhr war die Gefahr soweit beseitigt, daß Oberbaurat Berg den Bahnhof für den Bertehr wieder fr«gab. Di« ein- laufenden Züge mußten bis zum Kopf des Bahnhof» fahren, so daß die letzten Wagen von der Brandstell«, di« mit rauchenden Trümmern dicht besät war. etwa 10 Meter entfernt hielten. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis gegen 13.30 Uhr. Di« amtlich« Untersuchung hat einwandfrei ergeben, daß der Brand dchcch einen Kurzschluß im Umformerwerk Zpo- logischer Garten hsxvargerufen worden ist. Di« Wieder- Herstellungsarbeiten auf dem Bahnhof Saoignyplätz werden mit größter Beschleunigung durchgeführt. Di« durch de» Brand zer- störten Fernsprechverbindungen konnten bereit« gestern im Laufe des Nachmittags wieder neu hergerichtet werden. Dagegen wird die Wiederherstellung des automatischen Signalsystems aus der Strecke Zoo— Savignyplotz vorans- stchtlich«in bis zwei Tage beanspruchen. Einsturzunglück in Beuchen. Fünf Arbeiter verschüttet. B e u t h e a. O- Schl., 23. Oktober. Am Mittwoch nachmittag in der vierten Stunde ereignete sich beim Neubau der ueueu städtischen Badeanstalt in Beutheu ein schweres Einsturzunglück. Durch eine einstürzende Betondecke im ersteu Stockwerk des Neubaues wurden fünf Arbeiterverschüllet. weiter wurden läArbeiter ver. letzt, davon vier schwer. Das Unglück scheint nach den bisherigen Feststellungen auf eine vorzeitige Loslösung der Verschalung der Betondeck«, die mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Jahreszeit noch nicht völlig oetrocknet war, zurückzuführen zu fein. Vom Oberbürgermeister der Stadt Beuthen wurde sofort die Staatsanwaltschaft� benachrichtigt. Der Staatsanwalt hat sich an die Unfallstelle begeben und die Ermitt- lungen eingeleitet. Die Bergungsarbeiten wurden sofort aufgenommen. Ob man von den Verschütteten noch jemand lebend wird retten können, erschien gestern abend zweifelhaft. Zeppelin über Spanien. Nach einem von Bord des Luskschisses in Friedrichshasen eingegangenen Funkspruch befand sich»Gras Zeppelin" gestern um lS Uhr über Barcelona. Rreslauer Korruptionsskandale. Oie Flocht des Notars. Die Breslauer Oeffentlichkeil befchäfttgl sich zurzeit mit zwei Skandalen. Zu einem Fall Haudell es sich um das verschwinden eine» bekannten Konkursverwalter». der zwelle Fall betrifft eine Dlfziplinarimterfuchung gegen städtische Beamte. Aussehen erregt besonders das Verschwinden des Konkurs- Verwalters I. Cohn. Die Staat sanwaltschast hat aus Grund einer Anzeige Haftbefehl gegen ihn erlassen, da der dringende Ver- dacht besteht, daß er sich Veruntreuungen hat zuschulden kommen lassen. Cohn selbst ist flüchtig. Man vermutet, daß er sich beretts ins Ausland begeben hat. Ein Abwesenheits- Pfleger ist bereits bestellt, der zusammen mtt dem Gläubiger- a u s s ch u ß di« Dovgänge prüft. Die Flucht des Konkursverwalters ist darauf zurücktzuführen, daß Rechtsanwalt Dr. Bessert, als Mitglied des Gläubigerausschusses für den Konkurs der Schokoladen- fabrit L ü b e t t e,«ine unerwartete Revision im Bureau des Konkursverwolters vornahm, wobei sich allerhand U n st i m m! g- k« i t e n in der Buchführung bzw. in dem Kassenbestande ergaben. In einer Besprechung der Iustizprcssestelle mit den Vertretern der Presse wurden Mitteilungen gemacht, in denen u o. festgestellt wurde, daß die Bücher Cohns korrekt geführt sind. Die Zahl der Konkurse, die Cohn bearbeitete, betrug in Breslau 8, in der Provinz 22. Di« Staatsanwaktschast glaubt, daß Cohn die lieber- stcht verloren und daß dadurch ein« Beimengung seiner Privat- interessen wtt den zu verarbeitenden fremden Massen stattgefunden hat. Ob hier strafbar« Handlungen(Unterschlagung und Untreue) vorliegen, läßt sich zurzeit noch nicht sagen. Der Abwesenheit-- pfleger, Rechtsanwalt Fröhlich, glaubte verneinen zu können, daß eine Gefährdung der Konkursmasse zu befürchten sei. Bei der zweiten Affäre handelt es sich darum, daß feiten? des Oberbürgermeisters plötzlich«ine disziplinarische Untersuchung gegen städtische Beamten eingeleitet worden ist. Diese werden beschuldigt, von einer Installattonsfirmo Geschenk« entgegengenommen und diese bei Vergebung von städtischen Aus- trägen weitgehend bevorzugt zu haben. Die Firma ist in- zwischen in Konkurs geraten. Bei der Nachprüfung der Bücher hoben sich auch besonder« Konten über di« an die Beamten gemachten Geschenke vorgefunden. Das Städtische Presse- amt teilt hierzu mit, daß bei dem gegenwärtigen Stande der Er- mittlung davor gewarnt werden muß, es als erwiesen anzusehen, als ob alle Beamten und Angestellten, die Privawufträg« an Wirst erteilt haben— von manchen Seiten ist die Zahl 40 genannt— sich in Verbindung hiermit disziplinarisch st r a f b a r gemacht haben. Das soll erst durch die Ermittlung festgestellt werden. jcJxsmTtamarcfrii n nörOTrU(. y K&fsJfa Cfajctam Ungartscfan Copyright by Budtergilde Gnienberg, Berlin. Der jüngere Bruder meiner Mutter trieb das Gewerbe meines Großvaters und arbeitete in her Werkstätte, die in die Vorhalle mündete, von früh bis spät, während er mit aufgerollten Hemdsärmeln, meines Vaters alte Arlille- r stenmütze auf dem Kopfe, zufrieden vor sich hinjang. Er schob die' Soldatenmütze auf den Hintertopf zurück und es war ausgemacht, daß er im Frühjahr heiraten werde. Des- halb arbeitete er mit soviel Freude. Außerdem lebte auch noch mein Urgroßvater im Hause. Aber er war schon so alt, daß er den ganzen Tag lang auf der Ofenbank kauerte, sich den Rücken wärmend. Er mochte schon neunzig Jahre alt sein. Sein gelbliches Haar fiel ihm bis ans die Schultern herab, er hatte nur mehr drei Zähne und infolgedessen be- rührte sich seine Nase fast mit dem Kinn. Aber seine Gc- sichtsfarbe war rot. Er wärmte sich dort auf der Ofenbant, die Augenbrauen senkten sich wie Dächer über seine unge- wih blinzelnden Augen, und in den meisten Fällen schwieg er. Draußen prasselle der Schnee, meine verheiratete und meine ledige Tante arbeiteten beim Spinnrocken, mein Groß- vater hatte irgendwo in den Ställen zu tun, Großmutter be- reitet? das Mittagbrot, die Wanduhr klappere ihr eiliges Tick-Tick, in der Werkstatt blies mein Onkel irgend ein sehn- suchtsschweres Soldatenlied, und der Alte saß da. wärmte sich den Rücken und schwieg. Er regte sich nur dann, wenn mein Onkel aus der Werk- statt den Kopf hereinsteckte. Und so oft er zur Tür herein- sah. hob Großväterchen die struppigen Augenbrauen zu ihm auf. Mein Onkel oerstand bereits dieses geheime Zeichen und flüsterte ihm zu:„Nach dem Essen, Großväterchen. Jetzt würde mans hemertcn." Und Großoätcrchen schickte sich ohne ein schlechtes Wort darein, daß es erst nach dem Essen sein solle. Nach dem Essen stand mein Großvater auf, sprach das Tischgebet und alle gingen ihrer Arbeit nach. Dann erschien mein Onkel und drückte Urgroßoäterchen eine Deziflasche in die Hand. Großväterchen bedeutete mit den Augenbrauen, daß die Sache in Ordnung gehe und verbarg die Flasche unter seinem Hemd. Aber wenn ihn niemand sah, hob er sie an die Lippen. Und er hob sie so oft unter seine Nase, bis sein Gesicht plötzlich hochrot wurde, dann fuhr er sich mit der Hand in das Haar und begann mit zitteriger, sehr zitteriger Stimme zu singen: „Es nahen Reiter im Abend, Schwarz nie Adler trabend. ?eid vielkommen, ihr Betjuren, Seid geächtet, ihr Panduren..." Ich erinnere mich heute nurmehr auf vier Zeilen dieses aufrührerischen Gesanges. Denn es war ein revolutionäres Lied: gegen die großen Herren gerichtet von der ersten bis zur letzten Zeile. Zitternd begann es Großväterchen, aber wenn er sich so recht hineinversenkt hatte, griff er in seine wehende Mähne, senkte sein Haupt mit einem Ruck, und di« Tränen kollerten aus seinen Augen. Dann erhob er— genau so plötzlich— sein greises Haupt, streckte feinen dünnen Arm in die Luft, fuchtelte hin und her und johlte: „He— e— e— jl... Ha— a— a— j!.. /' An dieser Stelle meckerte er bereits ein wenig, da er schon außer Atem war. Infolge des heiseren Gesanges trat gewöhnlich meine Großmutter oder irgendeine meiner Tanten in die Stube und betrachtete kopfschüttelnd die große Laune des Alten:„Haben wir schon wieder eins hinter der Binde gegossen, Alter? Von wem ist der Schnaps?" Das war mehr, als der Alte vertragen konnte! Er schrie sie mit kreischender Stimme an:„Was kümmerts euch? Marsch hinaus, marsch von da. soviel ihr seid, sonst zünde ich gleich das Dach über eurem Kopf an!" Dann waren sie still. Zum Glück gelang es, diese Epi- soden vor Meinem Großvater geheim zu hallen. Denn es war sein harter Befehl, daß man vor Urgroßväterchen alles Trinkbare verstecken solle. Aber meinen Onkel erbarmte der Alte im geheimen, und daher kam es. daß Urgroßväterchens Brauen aufzuckten, so oft mein Onkel zur Tür hereintrat: „Nun. wird es?" Urgroßväterchen war sonst ein schweigsamer, sehr schweig- samer Mensch. Aber, wenn er ein, zwei Deci hinter der Binde hatte, dann holte er alle Heiligen vom Himmel her- unter und belegte die großen Herren mit beleidigenden Aus» drücken. Darm erwähnte er seinen Freund, einen gewissen Georg Dozsal, drohte mit den Fäusten und wünschte sämtliche Grafen zur Hölle, die schuld waren, daß die armen Leute niemals satt werden konnten. „Die Krätze in ihre Haut! Nun, wir werden ihnen schon unterzünden, Freundchen! Nur Geduld!" Dieses„Freundchen" war ich, da um diese Zeit gewöhn- lich die anderen die Stube bereits oerlassen hatten. Mein Urgroßvater war ein harter, selbstbewußter Kosak, seine auf- rührerische Natur übertraf sogar die des Oberkosaken in der Zeit, während er auf dieser Erde lebte, der Arme. Aber i diese revolutionäre Flamme wurde immer schwächer, denn die geheimen Schnäpse wurden immer seltener. Er wärmte sich den Rücken, schnaufte, schlief ein oder hob die Brauen und sah in den Schneesturm hinaus, nachdenklich und schweigend. Das Wetter ließ nicht nach. Der Wind blies von der polnischen Grenze her und die Dächer und Rauchfänge dröhnten. Das Dorf lag im Schnee verweht, und schon seit Wochen kamen keine regelmäßigen Nachrichten. Manchmal, an schläfrigen Nachmittagen, glitten schellenklingend Schlitten- gespanne vorbei. Auch von meiner Mutter hatten wir seit dem Herbst keine Nachricht. Denn um diese Zeit wohnten wir vier Dörfer weiter, und mich hatte man schon im Sep- tember herübergebracht zur Schule. Nur mein kleiner Bruder blieb daheim bei meiner Mutter, die damals schon kränklich war, die arme. Sie spürte Schmerzen im Köpf und in der Seite und mochte sich sehr einsam fühlen, denn es war viel, wenn mein Bater an jedem Wochenende einmal heimfand. Unentwegt ging er den Weg der Kosaken. Und da ich oft von meiner Mutter sprach, sagte meine Großmutter eines Vormittags in der Werkstatt zu meinem Onkel:„Io- Hann, mache dich fertig und gehe zu Maria hinüber. Die arme, vielleicht ist sie schon gestorben..." Mein Onkel nahm seine Soldatenmütze vom Kopfe und begann sich anzukleiden. Etwa nach einer Stunde erschien er in großen Stiefeln, Pelz, mtt der Axt über der Schulter. Er rechnete mtt wilden Tieren auf der Landstraße. Meine Großmutter stopfte seine Seitenbeutel voll mit Schinken und Käs« und hängte noch eine Speckseite dazu, denn es war nahe vor Weihnachten. Wir rechneten damit, daß meine Mutter daheim vielleicht Not litt. Nachdem mein Onkel vollgepackt war wie ein Stachelschwein, das überwintern will, zog er feine ziegenledernen Handschuhe über, verabschiedete sich von den Hausbesitzern und schritt in den Schneesturm hinaus. (Fortsetzung folgt.) Wie Aron seine Kluchi vorbereiieie. Stadt Dresden um 1 Million geschädigt. von dkm verschwundenen Ehepaar Aron ist kroh aller Ztachforsstiungen noch keine Spür gesunden. Der Gedanke, doh dag Ehepaar seinem Leben ein Ende machen werde, ist durch die neueren Ermittlungen sasi ganz ausgeschieden. Es scheint sich in der Tak um einen van longer Hand und sorgsättig vorbereiteten Plan zur Flucht gehandelt zu haben. Bekanntlich stammt Frau Sophie Aron, die am 8. Juni 1883 geboren ist, aus Stettin. In ihrem Berliner hausholt war feit 14 Jahren eine Köchin tötig, die sie aus ihrem Ellernhausc mit in die Ehe übernommen hatte. Diese Angestellte, die volles Bcrtrauen geiroß und«ine Sonderstellung bekleidete, wurde ganz über- r a f ch e n d am 12. Oktober n a 6) Stettin zu der Host). betagten Mutter der Frau Aron geschickt. Zurück blieb nur das zweite Madchen, die weniger in den Verhältnissen Boscheid wuhte. ?luch sie wurde unier dem Vorwande eines Ausganges aus dem Hause entfernt. Für den ganzen Dienstag erhielt sie Urlaub. Ohne Zweiscl hat das Ehepaar, dos nun ungestört war, die Zeit benutzt, um alles, was es an Kleidungsstücken, Pelzen und Wertsachen mitnehmen wollte, in grohcn'Kosscri» zusammenzupacken und vorher zur Bahn zu bringen. Als dos Hausmädchen von seinem Ausgang heimkehrte und gewohnheitsmäßig fragte, ob noch etwas gewünscht werde, ließ Frau Aron sie nicht in das Zimmer eintreten, sondern verhandelte mit ihr an der Tür. Dos Mädchen sollte sicher nickst dos Pocken und Fehlen der Sochcn sehen. Am Mittwoch fuhr dann das Ehepaar mit seinem Auto noch dem Bahnhof Zoo und benutzte von hier«inen Zug, der um 12,50 Uhr abging. Die Stadt Dresden ist, wie jetzt seststcht, durch die Machenschaften des Notars um etwa 1 Million geschädigt. Es ist nun auf das gesamte Besitztum des Flüchtigen, einschließlich des Privatautos, eine einstweilige Verfügung und eine Piändung herausgebracht werden, um die?lnivrüche der Stadt Dresden sicherzustellen. Die Liebesgaben für die Sklareks. Die Stnwaliskammer uniersuchk. Zu den Durchstechereien im Zellcngefängnis Moabit teilt der Vorstand der Anwaltskommer mit, daß die An- Gelegenheit bereits Gegenstand einer Untersuchung bei der Anwaltskainmer ist. Rechtsanwalt P u n g e, der die Gebrüder Sklarek im Gefängnis mit den alkoholischen Liebesgaben versorgt hat, wurde bereits zur Anwaltskommer vorgeladen. D!« Anwalts- komm er legt Wert daraus festzustellen, daß das Vertrauen, das die Behörde in die Anwälte setzt, unbedingt gewahrt werben muß. Ablenkungsmanöver! Genosse B r o l a t sendet uns folgende Erklärung: „Die„Rote Fahne"!Z!r. 2>2 vom 23. Oktober 1929 schreibt in einer längeren Abhandlung auch über eine Angelegenheit, die mich persönlich betrifft. Ich darf dazu mitteilen, daß mich vor einigen Tagen ein Herr besuchic, der ini Laufe d«s Gesprächs auch auf die Pressekampagne in der„Roten Fahne", soweit ich dabei in Frage komme, zu sprechen kam. Er erbot sich dahin zu wirken, daß die persönliche unanständige Art gegen mich in der„Roten Fahne" und der„Welt am Abend" uickerblcibe. Ich nahm davon Kenntnis, ohne irgend welch« Verpflichtung dafür zu übernehmen. Arn allerwenigsten I>abe ich daran gedacht, die Anstellung einer Reihe von Kommunisten in Aiissicht zu stellen. Mit der Angelegenheit Schütz-Loew hatte diese Besprechung nicht das allergeringste zu tun. Das Material, von dem die„Rote Fahne" spricht, ist mir schon seit etwa fünf Woche» bekannt und es ist mir auch mitgeteilt worden, daß es die„Rote Fahne" veröffent- lichcn will. Etwa vierzehn Tage später erfuhr ich. daß es ganz oifiziell dein Lurea» der Detitfchnalionalen Parle! hier in Berlin angeboten worden ist, diese aber es ablehnte. Ich habe dazu nur zu bemerke»: die„Role Fahne" soll das Material ruhig bringen, ich habe mich meiner Aergangenheit nicht zu schämen." ZehnZahre„Zugscharen". Sine Ansprache des preuß.schen Innenministers. Der Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses sah am Montag- abeitd eine große Zahl von Gästen, Freunden und Förderern der Jugendbewegung, die sich zur zthnjährigei, Feier der„Z u g- scharen" eingefunden hallen. Bundesvorsitzender Lenhosf be- grüßte die Anwesenden, darunter den preußischen Innenminister G r z e j i» s k i. Reichstagspräsidentcn L ö b e, Frau Luise Eberl und Käte Kollwitz: er dankte all denen, die dazu beigetragen hatte», das Wert auszubaue» und gab hierauf einen kurzen Rückblick über die Ansänge der..Zugscharen" und ihre bemerkenswerte Entwick- l.-ng in dem erste» Jahrzehnt ihres Bestehens. Im Namen der preußischen Stoatsregierung über- brachte Innenminister Grzcsinski Grüße und Wünsche der Re- giemng. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Jugend tatkräftig an der Zukunft und dein Aufbau des Staates mitarbeiten werde. Zum Schluß hielt Professor Dr. Weniger(Kiel) eine Festan- spräche, in der er die Gejamtentwicklung der Jugendbewegung und ihre kulturelle und soziale Bedeutung beleuchtete. Sachlich, im- beirrt von irgendwelche»! festlichen Lobeshymnus, gab er, ohne Be- schönigung gemachter Fehler, ein glänzendes Bild der großen Be- meguna, heute, wo infolge einer völligen Umwälzung aller wirt- ichafiliche», sozialen ui d gejellschastlichen Begriffe die gesunde B a s i e sür eine kulturelle Entwicklung der Menschen im all- gemeinen und der Jugendlichen im besonderen geschaffen sei, habe die Jugendbewegung ihr« größte Aufgabe bereits erfüllt: sie brauche heitzc nicht mehr wie früher für eine neu« Staatssorm zu kämpfen, heule müsse die Jugendbewegung als eine in sich fest verankerte G c>» e i n s ch a s t eine Form sozialer BergesellschasUichnng der Jugend bilden, Die schöne Feier wurde von nmsikalischen Vorträgen des Bentz- Streichquartetts umrahmt. Die Liebestragödie im Grunewaid. Den Ermittelungen der Kriminalpolizei ist es fetzt gelungen, die Personalien des erschossenen Mädchens und des Täters, der entgegen der ersten Nachricht noch lebend ins Staatslranken- Haus eingeliefert worden ist, festzustellen. Es ist ein 26 Jahre alter Bureauangestelltcr Hans A r e n d aus Wittenberge a. d. Elbe und die Erschossene seine Jugeichliebe. eine Krankenschwester henny M I e h r, die ebenfalls aus Wittenberge stammt und zuletzt in Steglitz tätig war. Areud. dessen Verletzungen nicht sehr gefährlich sind, tonnte im Staat-krankenhaus von Beamten. der Kriminalpolizei bereits vernommen werden. Nach seinen Angaben hotie er früher die Absicht, hennq Miehr zu heiraten, doch fei daraus aus bestimmten Gründen nichts geworden. Mit der Frau, die dann fein Leben Nette Zustände bei der Kommandantur. Die Betrügereien des Oberzahimeisters. Der Oberzahlmeisler ZNarliu hol In der Zeil von 1925 bis 192S nicht wehr und nichi weniger als 900 000 Mark Sommandanlurgelder unlerfchkagcn. Oberinspektor W o i t s ch a ch hat nicht nur bei den Dersehlungen des Zahlmeisters ein Auge zugcdrückl, sondern auch Darlehen von ihm erhalten und auf eigene Faust Sontinengelder unterschlagen. Gestern standen beide vor dem Schöffengericht Derlin-Alille. Die Ilnierschlogungen in der Berliner Kommandantur haben seinerzeit nicht nur wegen der höhe der Summe Aufsehen erregt, sondern auch wegen der K o n i r o l l o s i g k e i t und der schweren Beschuldigungen, die Martin gegen verschiedene seiner Kameraden erhob. Der Angeklagte, der es verstanden hat drei Jahre lavg, ohne entdeckt zu werden, der Kasse hundertousende zu ent- nehmen, spricht vor Gericht eigentümlich langsam und leise. Nur einmal kommt sein Baß ins Rollen, nämlich, als der Borlitzende feststellt, daß er von der Kommandantur nicht als Zahlmeister, sondern als Oberfetretär übernommen worden sei. Ich war zum Zahlmeister ernannt, sagt er, und war Zahlmeister, lind was die Herren oben machen, geht mich nichts an. Ich lieh mich nicht anders als Zahlmeister anreden. Martin ist im Jahre 1875 in Sachsen geboren als Sohn eines Rentiers. Er hat mit wenig Ersolo das Realgymnasium in Erfurt besucht, mit nicht größerem sich als Kaufmann versucht und landete schließlich beim Garde-Hularenregimcnt in Potsdam. Während des Krieges kam er in einer schwierigen Situation mit der Kasse durch den Feind, um nun mit derselben Kasse durchzugehen. Nach dem Kriege wurde er zuerst von der Reichswehr in Potsdam als Zahlmeister übernommen, um im Jahre 1925 zur Berliner Kommandan- tur als Obersekretär versetzt zu werden. Cr gehört« hier der Kasse der Wachkompagnie an, die bekanntlich aus verschiedenen aus» wärtigen Truppenteilen zusammengestellt wird. Die Truppenteile kamen und gingen. Mariin forderte auch Gelder für Truppenieile an, die nie existiert haben und fälschte entsprechend die Bücher. Für Pferde interessierte er sich als Kavallerist natürlich seit jeher, für das Wetten erst feit einigen Jahren. Er entnahm dazu aus der Kasse Geld und legte es zurück, wenn er gewann. Wissen Sie, wieviel Sic entnommen haben? fragt der Borsitzende. Es ergab sich ziiliächst ein Fehlbetrag von 900 000 Mark.(400>»0 Mark hat Martin später gedecki.) Soviel kann es nicht gewesen sein, sogt der Angeklagte. Was sollte ich denn überhaupt machen, die Leute standen die ganze' Zeil um mich herum, und die ganze Well wollte, daß Ich ihr Geld pumpe. Da pumpte ich es eben. Der Baß des Angeklagten kommt bei diesen Worten wieder ins Rollen. Der Verleidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Hayn stellte dann den Antrag, den Sachocr- ständigen Professor Dr. Strauch über die Verhandlungs- sähigkc't des Angeklagten zu hören. In seiner Familie seien vcr- schiedenc Fälle von Geisteskrankheiten vorgekommen. Er selbst habe im Jahre 1900 eine Syphilisinfcktion durchgemocht und sei von der Krankheit auch heute noch nicht endgültig geheilt. Von den Zlerzten, die ihn behandelt hoben, sei schon in früheren Jahren ein geistiger Defeit festgestellt worden. Seit 1926 sei ergiebiger Alkoholmißbrauch hinzugekommen. Schon nach Entlassung aus der Untersuchungshaft habe der Angeklagte einen Tobsuchtsansoll erlitten und sei deshalb in einer ssstcn Anstalt untergebracht worden. Prosessor Strauch erklärte, den Angeklagten vor einem halben Jahre untersucht und damals gefunden zu haben, daß zur Zeil der Tat eine Geisteskrankheit nicht vorhanden gewesen sei. lieber seinen augenblicklick�n Geisteszustand könne er nichts sagen und beantrage deshalb eine Beobachtung in der Irrenanstalt. Das Gericht beschloß, die Berhandlung zu vertagen und den Angeklagten in der psychiatrischen Abteilung der Eharite auf seinen Geisteszustand beobachten zu lassen. teilte, war er nicht glücklich und er fuhr nach Berlin, um mit der ehemaligen Jugendfreundin gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Er habe das Mädchen erschossen und sich selbst auch«inen Schuß beigebracht, nachdem er zuvor versucht hatte, sich die Pulsadern zu Lsfncn. Klari alie Leuie über Wähserlisten auf. Daß alte Leute, die die Wählerlisten für die Stadiver- ordnstenmahlcn ein sehen wollen, leicht Gefahr lausen, ihren Namen ii, die Liste für das Volksbegehren einzutragen, zeigt folgende an die Redaktion des„Aorwärts" gerichtete Zuschrift. „Ich habe mich irrtümlicherweise sür das Volksbegehren ein- geiragen, kann ich die Eintragung rückgängig machen? Bemerken möchte ich, daß ich die Wählerlisten im Friedenauer Rathaus ein- sehen wollte, und da ich meines hohen Atters wegen l'ch bin 80 Jahre) schon schlecht sehe, bin ich in ein falsches Zimmer gegangen. Mm, legte mir eine Liste vor und sagte, ich solle meinen Namen eintragen. Nachdem ich mich eingetragen hatte, kam wir-die Sache nicht richtig vor, und ich sragte, ob man sich bei Wählerlisten einschreiben muß. Nachdem ich nun erfuhr, daß ich mich ssur'ch'as Volksbegehren eingetragen hätte, legte ich Protest ein und wollte meinen Namen streichen. Dem wurde nicht statt- gegeben. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir mitteilen würden, ob es zulässig ist, daß ich meine Unterschrift rückgängig machen kann." Nach unserer Meinung ist es nicht möglich, eine einmal sür das Volksbegehren abgegeben« Uiiterschrift zurückzuziehen. Wir haben dem Briesschreiber trotzdem geraten, sich wegen seines Falles an den R e i ch s w a hl l e i te r zu wenden. Aufmerksamkeit ist für jeden Wahlberechtigten geboten. Bei einer Einsichtnahme in die Wählerlisten für den 17. November bedarf es keinerlei Einzeichnung. Jubelfeier der �OS. Gemeindeschule. Die vor dem Prenzlauer Tor in der E o l m a r c r Straße gelegene 105. Gemeindeschule sür Knaben feierte am Mittwoch ihr halbjahrhundertjubi- > ä u m. Bor jetzt fünfzig Jahren, im Oktober 1879, wurde sie in den: für Schulzwecke sehr wenig geeigneten Mietshaus Straßburger Straß« Nr. 43 mit zunächsl 3 Klassen(2 für Knaben, 2 für Mädchen, 1 für Knaben und Mädchen) eröffnet. Im Oktober 1886 konnte sie mit 14 Klassen für Knaben das fertig gewordene eigene Schulhaus in der Colmorcr Straße beziehen, das sie noch heute benutzt. An der Jubelfeier in der Schulaula beteiligten sich mit dem Lehrer- kollegium und den im Ruhestand lebenden früheren Lehrern die Vertreter von Behörden des Staates, der Stadt und des Bezirkes, viele Eltern und frühere Schüler. Rektor Steffen schilderte in seiner Festrede die Entwicklung der Schul«, die vor fünfzig Jahren auf fast noch freien» Feld entstand und lzeut« von einein dicht- bevölkerten Stadtteil umgeben ist. Als sie in ihr eigenes Schulhaus zog, galt dieses als„Musterbau", und die Stadt Berlin schickte Abbildungen der Bauentwürfe und des fertigen Gebäudes zur Welt- ausstellung in St. Louis. Heute fehlt dem inzwischen veralteten Schulhaus beinahe alles, was in unserer Zeil von einer modernen Schule verlangt wird und was jetzt diä Stadt Berlin Milana I a n k schilderte die„Gefahren und Freuden führerloser Hochtouren". Er redete sehr einfach und gescheit, ganz un- romantisch und ohne Pathos. Aber es war ein Vortrog von prachi- voller Airschaiilichkeit. Man suhlte: hier sprach e'n Mensch, der die Schönheit und die Gewalt der Berge mit allen«innen erlebt hat. Leider bietet der Berliner Sender nicht allzu häusig so ungekünstelt«, inhaltreiche Vorträge. Doch gerode weil dieser Vorwurf hier er- hoben wird, sei wieder einmal aus die regelmäßige Erörterung der „Rechtsiragen des Tages" hingewiesen. Geh. Iustizrot Pros. Heil« fron ist ein Rundiunkdozent, wie man ihn sich geeigneter nicht denken kann. Ein schönes Nachmittagskonzert wurde von Willi D r e y f u ß und Alice Jacob-Loewcnscn bestritten. Di« sehr gepflegte Altstimme von Lilli Dreysuß klingt in der Heber» tragung prächtig. Das„Interview der Wockc brachte eine Plauderei mit Kammersänger Richard Tauber,«ine freundlich« Nichtigkeit, die den Auftakt zu der llebertragung von Lohars„Land des Lächelns" aus dem Metropoltheoter darstellt» Da die.Haupt- rollen dieser Operette mit Vera Schwarz und Richard Tauber, zwei stimmlich hervorragenden Kräften, besetzt sind, so ioimte man sich mit der im übrigen recht langwelligen Darbietung abfinden. Tei. bei neuen Schulbauten sür selb st verständlich hält. Geändert haben sich auch die Ansichten über die.zulässige Höchsibosetzung einer Schule. Die 105. Schule erreichte im Sommer 1892 mit 20 Klassen und 1165(!) Schülern die höchste Besetzung, heute aber hat sie in 14 Klassen 500 Schüler. Zur Jubelfeier der Schule überbrachten Glückwünsche für das Provinzialschulkollegium der Schulrat Höhne, sür den Berliner Magistrat und die Schul- deputation der Magistratsschulrat Dr. F i s ch e r, sür das Bezirks- omt Prenzlauer Berg der Stadtrat F l i e t h. Dr. Fischer überbrachte der Schule ein Magistratsgeschenk von 1000 Mark und die Zusage einer Rundfunkanlage. Es sprachen noch Vertreter der früheren Lehrer, der Elternschaft und der früheren Schüler. Musikalische Darbietungen, bei denen auch die Schulkinder mitwirkten, umrahmten die Feier._ Geooss« Pfarrer Sie! er spricht am kommenden Sonnlag. dem 27. Ottoder, abends 8 Uhr, im Rahmen einer religiösen steierstiindi(ohne die üblichen kirchlichen Formen) in der TriniialiSlirchc. Eharlottenbnrg. über.Herb il- g e d a n k c n", Es wirken ferner mit: Ferd. Bllleb(Orgel), Frau Johner- Rötzler sl?efäug>,. Theodor John.kGeige).- Programme, die zum Einkulk b-rechligen, kosten uO Wennig. Republikaner, erscheint zahlreich zu unserer Veranstaltung: dt« ZrwitaNSNrch« ist die«wzigt Kirch- in Groß-Berlin, die eine solche Feier zuläßt. W Soz!'alistjscheArbeiterjugendGr..Verlm Sinsenduaaen für diese RodeN iree an>«< Iugendsekreiaeiak L erlin 67268, Tlndenstraße 5 .Dantan» Tod" wird am kommenden Sonntag. 15 Uhr, i» der.Volks- bühne" aeivielt. Karten zu SO Pf. sind im Sekretariat erhältlich. B.-v.-Tistung Tonneretag. 31. Oktober. heule, Dounerslag, 19 fs, Uhr. tzalkplad l: Schul« Sonnenburger Str. 20: lO-Minuten-Neferaie.— Kohen. schönhame«: Oesfentliche Versammlung.— Nordost: II: Leim Tanziaer Etr. 62: »T«r junge Arbeiter und sein Rccht*.— Schöndauser Borstadt: Schule Sonnen. durger Str. 20: Momrt.Abend.—«attbusser To«: Leim Briher Str. 77-30: ..Sexuelle Tragen".—«öpenicker Viertel: Schule Wrangelsir. 128:.Menschen hinter tlcrkermaucrn".— Südwest: Leim Lindenslr. 4:.Sexuelle Tragen".— Westend! Leim Snortplast Bestend:„Unsere Keinde van rechts".— Wilurcr,» dors: Leim Wilbelmcane 123:„Tos W-Hrvroqramm und unsere Stellung".— stehlendors: Nordschule. Potebamer Str. 3—7 tPavillon):„iseschichte der Ar- Kitrrbewequng".— Neukiilln I: Treffpunkt zur Demonstration 18'' Ubr Renterylati.— Buchholz: Schule Berliner Etr. I»: 10.MiiiuIe».?!efcrat«.— Pankow IIIn Schmidts Eescllschaftsbaus. ffrum'. W (träfcc 36».«»Wu! muß die Stellung der Iunqmälller aur Kommunal- �-1 E=k mahl rein?" e- sprechen: Stadtscrordneter' Bruno Thcck. Ludwig--- Diederich. � st'">- t-p iill 11 l~t— Werbebeziri Prenzlauer Berg: Sounlag. 27 Oktober. ld'Z Uhr. Douzig.r Strohe 62,«eneralproa- für die interna'ional« Teicr. Die Sprcchchorteil- nehmer der Abt. Talkp.'ch l und II und Schiinhauler Borsladt. die Musik. atuvpcn der Abt. Lelmboldplali und S»öubauscr Vorstadt und die Mit- wirkenden in„Rioalcn" müssen restlos und pünktlich erscheinen. Weiterbericht der öffenllichen Wetterdienststelle Serlla und llmaegend fNachdr. oerb). Teils heiler, teils wolkig, elwaS milder, aussriichcnd süd- westliche Winde.— Für deutschloud: Im Nordwesten mcisach windig, im Süden bewoikt und flellenweise elwaS Regen, in Mitleideulschlond icilS wolkig leiiS bciicr und Irockcn. � l3?->rstadt.«ellee? Zum ersten Male in Deutschland bat Karstadt das amerikanische„Basemcnt" cingessthrt, den Verkaufsraum nnlcr der Erde lur Baren Zweiter Nahi. entmodc.e und leicht beschäd gtc Bar.:. iV" oll* Ö'-sicili gen, w.'ich« nicht unbedingt Bert auf boaiwcrtiac Bare legen. ä? �.8:'e>i> kaufen wollen, ist dieser Kcllcrvcrlauf ein- gerichtet,„er standige Wechsel des Gebotenen bietet jedem einen ailnsliacn �eul.-nrum vctiaumc man nicht, biete eigonariigstc und neuest« Per- kautsstatte Berlins nach guten Gelegenheiten zu duräistöbcrn. IS Gegr. 1858 VaniUc-Sahnen'\°pfd260M- f Mürbem Speculatius J/ w*- G*uuk 'i Dresdner Stollen i Pfd. 160 M. Hausbackene Napfkuchen i Pfd IM M F. W. Summt, ÄÄR-A, Berlin C 2, Königstr. 22-24 ZweiggetchSft: O 34. Frank/arter AUet 336 E 1, Bevolina 0025 Eing«frSd»uhiT!aH(f, Aus der Partei. Sozialismus und Kultur. Die Frankiurtcr Taqung des So�uiiistischen S-ufturfeinbes, die firf) mit den Fragen„Film und Funk" deschättigt«. hat weit iiber die Yren.vn tti Slr&eiteriowtt hinaus starke Veachtun? gesunden. In dem soeben erschienenen Oktoberhest der„S o; i a l i st i s ck) e n Nilditng" wird ein ausfülirlicher Dericht über die Toguna ver- risentliast. Gleichzeitig sastt der Leiter der laqunq, Genosse Hein? rich«chul?, in einem besonderen Artikel die Ergebnisse der ?.onser»nt ituinmmcn> nd wtist a.ti ne.'lch, ebene Mangel und Misr- stände hin, die in Verbindung mit der Tagung oisenbac xc- worden sind. Don Hsn sonstigen Beitragen des vorliegenden Heftes sei fiel ort» ders aus den Artikel Otto Ienssens„Die historische Leistung van Karl Kautekn" hingewiesen, in dem der originelle Versuch ge- macht wird, dos Lebenswerk Kgutslns unter dem Gesichtspunkt des bistorischcn Materialisntus-u wetten. Wichtig find hier auch die Anregungen Hemsens, die wissen lchastlichen Schrilten Kautskys einent breiteren Vublikum gitgönglich tu machen.— In einem längeren Artikel„Weltfonferetu für Erwachsenenbildung in Eambridge" bc- - ichtet F. S ch! ü n? über die Arbeiten dieser Tagung, die wichtige Anregungen für die Praxis der Erwochjenenbildtmg gibt.— Ein Artikel von Professor G. Schünemonn,„Musik für Aroeiter", ! ehandest in sesselnder Form die Fortschritte, die aus dem Gebiet der Zsrbeitennusikkultur erhielt worden find. Aus der„« o g i a l i st t s ch? n Erziehung", der ständigen Beilage der„Sozialistischen Vildung", sei besonder? aus den Artikel von G. Fuchs,„Ein Forschungsinstitut für Erziehungswilsen- lchast" hingewiesen, in dem der Ausbau dieses in Drounschtceig gegründeten Forschungsinstituts geschildert wird.— Die„Bücher» warte" bringt wie immer eine Fülle van Vesprechungett tpissen- i.hoftliehec und schöngeistiger Neuerscheinungen. Die„Sozioststischc Bildung' mit ihren Beilagen„Bücherwarte" und„Sozialistische Erhebung" ist zum Preise von 1..S0 M. für dos Vierteljahr durch die Post, die Buchhandlung Diest, Lindrnjtraste 2, sowie durch alle Dorwärts-Speditionen zu beziehen. Einzelnummern kosten 75 Pf. kwseiiduiigrn kür diel« ZIabrit find v« r t i v S«»Z. Llndensirag« Z. G parieinachnchtenMM fürGroß-Verlin ft-t» an da» Bezlrtasetretarwl 2. Hof, 2 Zrepvea recht», ja richten. Die Trsbünenkarten zur heutigen Ttadtverordnetcn- Versammlung sin!» vergriffen! « < Srei» Prenzlnver Beng. Varteiinnossen, izrr-!>enk?r! chrnküsiisverfamm. Inn« oütz Paeteiaerassen am petita«. Sä. rt ob«, t!»i!, u>,r. tu kten ftofin». zvftfälcn,■z'orne'qüfc 15. Jiocitöa;„?it femmiiniftiitbfn cpaltunpr» heftrebuncen in tirc Oraanlkation und die Siellunq der APSVgfridintor ds.tu". Die Rcrialei'uii«.— Heute, Donnersto«, 2t. Okiober. Ig>-> Ufte, fteqtnnt im?e»irt»aint der ftiitfu« Dr. Hrnnigsen!.Proielaricrz Lebens- und Leidenenv« im Wandet der Seiten". «. grei» Krcuzfter«. Die angekündiate Siftun« der fzeeidenkernenossen findet nicht am 25. Ottober, sonder» am Donncro'a«, 24. Oktober. 20 Uftr. siart. tt. Ree.- ZIeuföV».?ildu»o««u»s Ubr Jluablattperbreitüna«cbff Gin- SAilerkundgebun« am l. November von Tomalla, Berliner ladunaen»ur Straft» 58. aus. Alle Mitglieder mllffen sich beieillgen. Oeffesitliche wahlerkundgebungen Heute, Donnerstag» den 24. Oktober: 14. Kreis Neukottu-Brich. Hau pttreff punkt zur Demon» srratian um 19 Ubr Hertzbergplatz. Vorher treffen sich die Abteilungen auf folgenden Platzen: 8?. und 99. Abt. 18 Uhr R-uterplatz: 91.. 94.. 95. Abt. 18 Uhr Baddinplatz: 98„ 97.. 93 Abt. 18 Uhr am Bahnhof Hermannstraße: 99. Abk. Vrih 18'- Uhr Hohenzolleru- platz: 92. und 95. Abt. IZ'U Uhr Hergbcrgplotz. an der Treptower Straße. Pankow. 19'- Uhr in Lindners Konzerthans, Breitestroße. Vortrag: Was hat die SPD. an kommunaler Arbeit in Verlin geleistet? Was wird sie weiter erreichen? Referent: Stadtverordneter Hermann Lcmpert. Unter! Mitwirkung des Arbciteraefangvereins„Zukunft", Pankow-Sckiönhaufen. Marisndorf. 19'- Uhr im Saal von Mali, Chausseestraße. Referent: Kurt Kietzmann. Hristcnschvnhanscn. 199- Uhr im Lokak Schulz, Hauptstraße 8— 9. Referent: Stadtrat Wilhelm Reimann. Morgen, Freitag, den 25. Oktober: 1. Kreis Mitte. Oeffcntliche Beamtenkundgebung um 19'..- Uhr im Hackeschen Hof, Rofenthaler Str. 49/41. Stadtverordneter, Rektor Hans Woywod, spricht über dos Thema:„Die Bedeutung der Kommunalwahlen für die Beamten." Alle parteigenöfsischen Beamten müssen erscheinen. 3. Kreis Wcdding. Iungwählerverfammlung um 29 Uhr in der roten Schule. Gotenburger Str. Referenten: Stadtrot Henke und Stadtjugendpfleger Hansel. -Fugend, es geht um eure Angelegenheiten! Sympathi- fiercndc sind eingeladen. hr«! Wähler. erscheint In Nassen! 121. Abt. Be,!ik B-efenborst: ff reit« a, Z-i. vktoftee, t»'4 Ufte, int LolaI ffett, Beelin, Markgraienda-vm 25, Riialiederveeloiiimlnv«. Vortrag!.Berlin Nor de» Waftleit". Zfefcrent Stadtverordneter Sftriltia» Gvtclnnft. Alle Srnossinaen und G-noffcn rnüffen erlcheine». -s-4-s-t-s� cz fz. Abt. 1»>b Uftr im Blaue» Saal de» Baftenftofer, Turm,--ff sit strafte 25. Ritglicd-rversammlung,»erftilnde» mit ffaftnennagclnng, sff t-l Mufft unft Tanz, g :---- � Sonnabend, 26. Oklober. nyhfm 120.«dt. S SRciibftaUiae». 1 5 fchlieftlich Tanj ffnedrichosrlft». Z» Tempel« ffcftfaol Stiftnngoseft. Programm. Tanz vi» srSft 5 Ufte. Eintritt 1 M., ein» t] unft Steuer. Gäste find fterzlichst Willkomm«». Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrl. Achtung» Areiolelterstnnen) der Arbeiterwaftlfoftrt! Lo»»«ririeft. Lo«a»o. gnbe ffreitng, 25. VUvfter, vo» 10—1? Uftr und Sonnoftend, 26. Oktober, von 15— tO Ufte Lindeustr. 3, 2. Kos, 2 St., Iiinmcr 17. Achtung, Nreisleitrr und Leser dir Arbeiterwoftlsoftri! G» wird um mag. kichst schvell» Begleichung der Siiickstürdc gedetc», v-eiiere Belicscrung mit der ffeitschrist wird von der Zt-gclmäftigteit der �aftlungl» abftängig gemacht werde» rrüffen. n. skrei» Sck.öneber«. ffrcitng. 25. Oltober, 20 Uftr. im Ruibauz Schöne» derq. ffimwer t<5, Portraa über„tloniinunale Woftlsaftrtspflegc�. Zieicreut Ge» «cffe Dr. Schieb. Sir machen aus die Losvcrieiiung ausmertsam. Jungsozialisten. CrnRH Güdcn: MorqDD. �veitaa. 2.�. Oktober. 2 Uhr Versammlung i.n der Brückenklause, Brücken- Ecke Sprccstraße. Vor/rag des Kameraden Neirter:„Der deutsche Dreyfus". KSpeaiS: 29 Ubr Familien abend der Käme» radlchaft �ricdrick'ebaftcn im EtadtLbeater siriedricksbaaen, Marktplatz. Unter» baltung,?an� Eiirtritt Bf.— Eharlo�.tenburg: Donnerstag, 24. Oktober, 20 Ubr, Kameradschaften Stuttgart und Rathaus. Saalschutz bei der DDP.» Kundgebung im Schiller-Tbeate?.Saal. Bismarckstrosie.— Aeukolln-Britz, 3. Kameradschaft: Trei�ag, B. Oktober, Ubr. Kame.rgdsckiaftsocr'ammlung bei Vinken. Zbomasstr. 31.— l?ricdr':chsbaiv: Der Kamerad Soelmutl) Saeneroro. Landsberger Str. W, ist plötzlich verstorben. Einäscherung ssreitag. 25. Oktober. Ib Uhr, im Krematorium Eerickztstrasie. Um rege Beteiligung wird ersucht. . Ärbeiter.Rad'lo.Bund Deutschland«, e. V., Bezirksgruppe Berlin, Ernpp« �ricdrichshat«: Donnerstag, 24. Oktober, 20 Uhr, im(bruppenlokal Eadiner Strane 10. Mitgliederversammlung. Abhörabend und Störungsfragen. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, bestimmt Fu erscheinen. Kuter-Vund. Freitag. 25. Oktober. 20 Uhr. im Frlcdrich-Wilbclm.Gnmna- 'fium, Kockstr. 13, II. Vortrag über„Die phpsiognomifche Bedeutung der Stirnform". Arbeiter'Abst:nenten«Bund, Grnppe Tried�ichsbain. Donnerirtag. 24. Okto. bcr, 19'? Uhr, Bortrag des Genossen Dr. Meper im Jugendheim der Welt« lichen Schule Diestelmeperstr. 5. Gäste willkommen. vefterreichisch.Teutsck'er Bolksbund, e. V. Der SekUonschef im Bundes. Ministerium für Unterricht in Wien. Dr.. Josef Pohr, spricht im Nahmen des Schulausschusses des OesterreichisÄ-Deutfchen Volksbundes am Donnerstag. 24 Oktober. 20�4 Uhr. in der Deutscheu GcfeMckiaft. Schadowstr. 6—7. über ».Das österreichische Dildunqswesen". An den Vortrag schlicht, sich eine Diskussion an. Gäste, auch Damen, willkommen. i obUien Anaebote stehen Ihnen eb Donnerstag zur tellungen können nicht berücksichtigt werden I Mrsengeschäst und Geschästspolitik Eine Woche Börsenerfchüiterung und ihre Lehren. Di« deutschen Börsen, besonders aber die Berliner Wtienbörse, ':bcn eine Woche hinter sich, der auch die Arbeiterschaft etwas Auf- inerlfamkeit widmen muß. Kurz hintereinander gab es mehrere ganz unverhofft einsetzend« Stöße in das Kursgebäude der wich- tigstcn deutschen Aktien, für die es weder in der deutschen Wirtlchoft, noch bei den einzelnen Unternehmungen eine Erklärung gab. Obwohl die ganze Welt weiß, daß das Volk an der Börse ein Volk eigener Art mit eigener Moral ist, schien selbst diese Börsenmoral schwer erschüttert. Man sah den Börsenvorstand in großer Aufregung Sitzungen einberufen und Beschlüsse fassen, das sogenannte Stützungskonsortium der großen Banken mußte besonders energisch eingreifen, die seit ewigen Zeiten an der Börse nicht mehr persönlich tntigen hohen Bankchefs erschienen in eigener Person im Börsensaal, die Aufregung war ungeheuer, und weil in der Presse behauptet worden war, daß Mitglieder des Börsenvorstandes selbst unter Mißbrauch ihrer Amtskenntnis Baisiegcschäfte gemacht hätten, wurde noch ein Disziplinarverfahren gegen Pressevertreter angekündigt, das übrigens im Sande verlaufen ist. Die Börsenvorgäuge selbst, auf deren Hintergrund sich alle diese Dinge abspielten, sind an sich durchaus gewöhnlicher Natur. Nur well auf dem inter- nationalen Kapitalmarkt einige Veränderungen erfolgt waren, well in Brüssel um eine Großbank dunkle Gerüchte gingen, weil Amster- dam und London durch Bankzusammcnbrüche und finanziell« Skandalaffären unruhig geworden waren, well schließlich die große Aktienbaisse in New Jork auch psychologische uud materielle Rück- Wirkungen auf die europäischen und besonders auf di« Berliner Börse hatte, deshalb herrschte in Berlin sehr große Unsicherheit. Diese Unsicherheit machten sich zunächst die immer vorhandenen Baisse- spekulcnten zunutz«, und. wie bei großer Unsicherheit üblich, wurden die tollsten Nachrichten ansgestreut, schließlich ließ man sogar fran- zösische Jndustricmagnaten sterben, weil das Ba'siegeschäst dadurch rentabler zu werden schien. Kurs? am....... 16.10. 17.10. 18.10. 19.10 11.10. 22.10.23,10. Deutsche Bank.... 1601'4 160 160 160 160 160 160 Sjapaa......... 1167 a 114'/« 115 112V« 113 110 110 A.E G......... 1771/, 175 175 172 173 168'/« 170''. Gessürel........ 170 165 166h« 163'/., 167'/« 164 166', chorpen........ 139 134 1:4'/, 132'/, 135 134 136 choesch......... 122"« 115'/« 115 113 115 113 114", Ilse.......... 2,3',, 210 211'/, 210 209'« 208 207 Karstadt........ 146">45'/, 147' 145'/« 149 142'/, 1443« Caizdetsurth..... 358 340' 340 321'/« 329 322 321'/, SIem'ns& hast-?.. 336' 326'/, 326'/« 315'/« 316 302"« 310'« Schuttheiß..... 280", 276' 275 272'/, 274 269 271 Gloyzstosf....... 26?' 253', 243 235 228 206 216'', Stahlwerke... III'/. 103' 107'/« 106"« 108", 107». 107'/, Die Ding« lagen also recht einlach, und wenn man sich einige der führenden Aitien und ihre Kurse im Laufe der letzten Woche ansieht, so ist im Ergebnis das Unheil nicht allzu groß gewesen. Die Kurse sind auch in dex letzten Woche weiter zurückgegangen, nachdem schon sehr lange Zeit di« Aktienkurse rückgängig waren; und bei eitttgen Spezialpapieren, in unserer Tabelle beispielsweise Siemens ü. .haÜsSe,.Eakzdetfuuh und Glpnzstofs. ergaben sich außer,- gewöhrtllch■ siorke Kursrückgänge, die aber besondere, nur bei der �untrsschernudchlrie noch leichter zu durchschauende Gründe hatten. Die Ausregung war also im großen und ganzen ziemlich überflüssig, wenn man bedenkt, daß es schließlich die Aufgabe der Spekulation stt, Geschäfte zu machen, wo sie sich bieten. Die Ucscchen der Aktienbaissc. Man mag es nun bedauern, daß im großen und ganzen die auf den deutschen Börsen erzielten Kurie heute nicht mehr dem inneren Wert und auch nicht der Rentabilität der Unternehmungen entsprechen, die durch die einzelnen Aktien repräsentiert werden. Aber es ist Tatsache, daß das deutsche Großkapital, wenn«s nicht selbst Baissespekulant ist. bisher an Auslandsbörfen und b«- sonders nach New Bork gegongen ist, um dort Spekulationsgewinne zu machen. Es ist weiter Tatsache, daß deutsches Kapital in Massen ins Ausland geflohen ist, um sich dem deutschen Stauerdruck und damit auch der Betelligung bei der Aufbringung der Kriegs- lasten zu entziehen. Schließlich ist«s Tatsache, daß man d i e kleinen K o p i t a l i st c n nicht nur so schlecht behandelt, daß sie die Kopttalanlage in Aktien fürchten, sondern e- hat auch das klägliche Versagen der Ausstchlsrotskontrölle, das bei den letzten großen Zusammenbrüchen offenbar wurde, das Vertrauen der Aktionäre weiterhin sehr schwer erschüttert. Es ist leicht zu l>e- greifen, daß der deutsche Kapitalmarkt auch an den Bö''-"' di» deuldor schlechteste Verfassung zeigen muß. NZas die Unternehmerpresse daraus macht. Merkwürdig ist ober, welche Konsequenzen die Unternehmer- presse in Deutschland ous diesen Börsenoorgängen zieht. Mehrere i Großbankleiter haben im Verlnif der letztwöchigen Börfenerschüite- ! rung erklärt, daß in der deutschen Wirtschaftslage im allgemeinen � keine Erklärung für die Vorgänge gefunden werden könne. Der Präsident der New-Dorker National City-Bank, Mitchell, hat noch vorgestern ausdrücklich erklärt, daß nach feiner Ansicht Deutschland weiter gesunde Fortschritte machen und daß das Vertrauen Amerikas in die deutsche Wirtschaft unerschüttert sei. Dennoch hat die deutsche Unternehmerpresse versucht, für die innerpolitischen Ziele der deutschen Unternehmerpolitik besonders auf finanziellem Gebiet aus den Vorgängen Kapital zu schlagen. Die Berliner„B ä r s e n z e i t u n g" zitierte in einem mächtigen Artikel ihrer chandelsschristleitung die Rede des preußischen Ministerpräsidenten Braun aus dem Iubilöumsbankett des Vereins der Berliner Kcmsleute und erklärte, diese Rede sei für die Baisse an der Bertiner Börse verantwortlich, s Ke.zerstöre den Kredit der deutschen Wirtschaft im Auslande, und die Kursstürze an den deutschen Börsen seien herbeigeführt durch Verkäufe van ausländischen Kapitalisten, bei denen die Rede des preußischen Minister- Präsidenten eine Vertrauenskrise herbeigeführt habe. Das schrieb die„Börsenzeitung" freilich in einem Augenblick, in dem beispielsweise die„Industrie- und chaildelszeitung" daraus hinweisen mußte, daß die Börsenerschiitternng der letzten Woche ausschließlich auf lokale und allgemein« Vorgänge aus den internationalen Börsenplätzen außerhalb Deutschlands zurückzuführen feien. Andere Blätter versuchten, gegen die deutschen Kam- munen Stimmung z» machen und damit den Kamps der Unternehmer gegen die öffentliche Wirtschast zu fördern. Die sogenannte Mißwirtschaft in den Kommunen habe das internationale Kapital ,zu masienhaften Aktienverkäufen in Deutschland veranlaßt. Ganz allgemein wurde außerdem natürlich damit Stimmung ge> macht, daß die Daisie auf den deutschen Börsen die Kursverluste und die niedrig« Bewertung der deutschen Aktiengesellschaften endgültig „beweisen", daß die kommend« Finanz resorm unbedingt den Besitz entlasten und di« Kopitalbild ung in Deutschland fördern müsse. Die Lehre, die sich daraus ergibt, ist wichtig. Es waren ganz eindeutig Dorgängs gewöhnlicher finanzieller Art und ebenso ganz gewöhnliche Baissemanöver, di« innerhalb Deutschland? und besonders in Berlin zu der Börsenerschütterung geführt haben. Der. Kamps der deutschen Unter- ckehm ör füV'dic Durchsetzükig ihrlrr«Inseitigen?Znterest?n tft der briitschen Innenpolstst hink öfter fttreit- einen solchen ftitzegrad erreicht, daß es möglich ist; die deutsche Oesfentlichkei! über die tat- sächliche Ursache dieser Börsenvorgänge in die Irre zu führen. Da» ist nun an sich weder oerwunderlich, noch besonders bedauerlich. Niemals ist es in Deutschland bei der Auseinandersetzung zwischen den Klaffen um so gewaltige Dinge gegongen wie heute, und es ist nur natürlich, daß den deutschen Unternehmern und ihrer Prefl: bei der Durchführung dieses Lampfes jedes Mittel recht ist. Die deutsche Arbeiterschaft muß aber erkennen, daß e» sich bei ollem, was heute in Deutschland.zu sensationellen Ereignissen werden mag, in der Wirtschast oder in der Politik, um einen Aus-- druck dieser Auseinandersetzung zwischen den Klaffen handelt. Sic muß es sehen und deutlich sehen, um ihre Abwehr und die Ver- teidigung ihrer Intereffen um so wirksamer machen zu können. OeffentZkche Wirtschast. Dummer Nngnff gegen den preußischen Ministerpräsidenten. Die„Berliner Börsenzeitung" hat es für richtig geholten, die Zuschrift eines westdeutschen Großindustriellen zu oerössentlichen. in der der preußische Miirisierpcäsident Otto Braun wegen einer Be- merkung in seiner Rede„Staat und Wirtschaft" angegriffen wird, die er beim Verein Berliner Kaufleute gehalten hat. Der west- deutsch« Großindustrielle, der aus seinem ehrlichen Herzen keine Mördergrube macht, stellt fest, daß nur durch die Miß- Wirtschaft in den öffentlichen Betrieben der Ar- bester brchlos werde,„denn wir werden konkurrenzun-fähig und dadurch entstehen die Arbeitslosen. Ich glgube doch, daß Sie das wissen. Rollten, und deshalb habe ich mir erlaubt, es Ihnen mitzu- teilen. Wäre die Elektrizstätsindustri« in Prioathänden, dann oersichere ich Sie, hätten wir andere Zustände. Ich brauche nur auf die Eisenindustrie zu verweisen(ausgerechnet die Eisen- iiidustrie— d. R.), die trotz ununterbrochen gestiegener Löhne, Steuern und Soziallasten die Preise gesenkt hat und sich der Kon- stmktur angepaßt, während bei den Preisen der öffentlichen Hand das sogenannte starre System herrscht, ganz gleich, ob es der In- dustrie schlecht oder gut geht." Dann wird mit Zahlen gesprochen. Es wird behauptet, daß die westlichen privaten Elektrizstätswecke ihre Energie teilweise für weniger al» einen Pfennig, in keinem Fall teürer als für zwei Pfennig erzeugt und oerkauft, wahrend von der össentlichen Hand die Kraft für 6. 7 und 8 Pfennig gekauft werden, müsse. Man muß annehmen, daß der Verfasser dieser Zuschrift nur d i e' ll nie rne h m erp re s s e liest, was man ihm ja schließlich auch nicht verübeln kanni Aber die Wirtschoftssührer, die von dieser ilmernehmerprcjs« erzogen werde», können einem leid tun, wenn malt die Früchte volkswirtschaftlicher Erkenntnis sieht, di« in dieser Zuschrift Zutage treten. Der Großindustriell« voin Westen muß' zugeben, daß er für ein Dutzend wetz ausetnanderliegender Werke seinen Strom bezieht und daß er infolgedessen selbst nicht zentral erzeugen kann. Er möchte aber gern die Preise, die zentvrl selbsterzeugende Konkurrenzwerke sich selbst berechnen können, i Welche': Werke das sind, d!e mit wemger als einem Pfennig ihren Strom erzeugen, verrät der gut« Mann nicht. Daß es Leitung 4-! und Verteilungskosteu gibt, scheint der gute Mann auch zu vergessen. Ohne jedes Bedenken begibt er sich auf dos von den i Technikern und Spezialisten kaum zu durchschauend« Gebiet der| Preisvergleiche für elektrische Kraft. Obwohl er aber offenbar von den Dingen nicht mehr weiß, als daß ein größerer Konkurrent unter Umständen billiger produzieren kann als er selber, hält er der Oessentfichkest, hält er dem preußischen Ministerpräsidenten eine Vorlesung über vernünftige Wirtschaftspolitik. Man weiß nicht, wer einem mehr leid tun fall, der gutgläub'ge und irregeführte Großindustrielle aus dem Westen oder die Presse, aus der er seine geistig« Nahrung zieht. Hoffentlich wird der preußische Ministerpräsident auf diesen Brief, wenn er überhaupt eine Antwort für nötig hält, die richtige Antwort geben Gin neuer Zemeniblock. Don der Arbeitsgemeinschaft zum Trost? In der Zementindustrie hat die Konzentration in den letzten; beiden Jahren verhältnismäßig wenig Fonschritte gemacht. Offenbar konnte es sich dieser Industriezweig, der im Monopols chatten seiner drei Syndikate kräftig gedieh, leisten, ohne größere Zusammenschlüsse auszukommen. Um so überraschender ist di« Nachricht, daß zwei der führonden slonzerne in Deutschland, die Portland Cementwerke Heidel- berg- Mannheim-Stuttgart und die S ch l e s i s ch e Portlond-Cement-Jndustri« A.- G. in Oppeln mit zwei weiteren Unternehrnungen der Dyckerhoif und Söhne A.-G. in Mainz und den Cementwerken E. Schwenk in Ulm eine Arbeits- gemeinschaft abgeschlossen haben. Nähere Einzelheiten über die Art dieses Abkommens werden noch nicht gegeben. Da diese vier Unternehmen zusammen fast 55 Proz. der deutschen Zementproduktion beherrschen, der Schlesische Konzern dazu in Nord- und Ostdeutschland und die Heidelberger Gruppe in Süddeutfchland au? dem Zementmarkl ausschlaggebend sind, wird die'Bedeutung dieses Abkommens für die künftige Politik dieser wichtigen Bauslofsindustne ohne weiteres ersichtlich. Offenbar hängt die Gründung dieses Zementblacks mit der Gärung im westdeutschen Zementoerband zusammen, der schon Ende 1927 um ein Haar aufgeflogen wäre. Hier spielt der dritte Großkonzern der deutschen Zementindustri«, d i e i Wicking-Gruppe in Münster, die erste Geige. Dieses Unter» ! nehmen hat in der überspannten Preispolitik des westdeutschen ! Syndikats schon lange ein Haar geiunden. allerdings nicht aus ! uolksimrtichoftlichen Gründen, sondern, weil es durch das Hocl>- | kommen von Außenseitern au? seinen Abjatzmärklen e in p f i n d l i ch i g« st ö r t wurde. ' Zweifellos rechnet man in der Zementindustrie mit der Mög-| I lichtest einer Berbandssprengung in Destdeutschkand rat» fürchtet entsprechende Rückwirkungen auch auf die deutschen Gebiete. die bisher vom Nord- und Süddeutschen Syndikat beherrscht wurden. So ist die Bildung dieses Zemcistblocks als eine Borsichtsmaß- nähme auizusassen, um gegen olle Iwberrafchungen, die durch eine Sprengung des westdeutschen Verbandes eintreten können, g«- wappnet zu sein. Da die Arbeitsgemeinschcnt weiter« Verträge tu Aussicht stellt, ist mit der Bildung eines mächtigen Zement- t r u st s in Deutschland zu rechnen. Englifch-�uffischss Geschäft. Das Menlorandum einer britischen KanSelsdeleration. Di« britisch« HandelsMezarian, die vor längerem Rußland besuchte, hat nunmehr ihren Bericht verösfentlickst Das Memorandum kommt zu der SchlußfargerUng, daß es für die britische Wirtschast in Rußland bedeutende Export- Möglichkeiten gebe, falls o-e diplomatischen Beziehungen-u Rußland wieder ausgenommen werden imd Vorkehrungen für die Finanzierung des eirglisch-russischeit Handels auf der Grundlage langfristiger Kredite getrosfen werden. Die Delegation imierstreicht in ihrem Bericht die verschieden« artigen Eindrücke, die sie in Rußland erhalten hat. Während die staatliche Lokomotivsäbnk in Karkow als ein«»sgezeichn« geleitetes Uirternehnrsn bezeichnet wird, ist der Eindruck der Äom- Mission von den g e n o s s« n j cha s t l i che n Betrieben weniger günstig. Die Arbeitsdisziplin wird im Donezkohlen- gebiet als schlecht bezeichnet. Di« Bedeutimg des Pie>nvrondums liegt darin, daß die Mitglieder der Delegation 15 00 britische Firmen mit einem Ge'amtkapital von 14 Milliarden'Mir' repräsentieren. Grünbuch der Aktiengesellschasien. Elekftizitä Sversorgung Dentschlants. In diesen Tagen erscheint der 4. Bond des vom Verjag R. u. H. Hoppenstedt veröffentlichten Grünbuchs der Aktie/P gesellschaften, das jährlich in fünf Bänden erscheint und die wichtig st«n Aktie n gesellschaften Deutschlands und einige ausländische, deren Aktien an deut-jehen Börsen eingeführt sind, umfaßt. In sehr übersichtlicher Weise werden die einzelnen Gesellschaften nach der bisherigen Entwicklung, ihrem Konzernaufbau, ihren Prodckklionsge bieten, ihren Kopitalverhaltnisssn usw. nach behandelt. Da durchweg die Betricbsanlagcn ausführlich beschrieben und auch Belegschofts-, Produktions- und Umsatz z isser» für di« letzten Jahr« und dos letzte Bor- triegsjahr genormt werden, so geben die Darstellrmgen von den behandelten Firmen ein zienrlich geschlossenes Bild, zumal auch über alle Untergesellschaiten Verträge und Vertragspartner, alle wichtigeren Angaben gemacht werden. Hervorzuheben sst di« Ju- fammenstellung des gesamten Zahlenmaterials in anschaulicher Tabellenform. Zluch vielen Gewerl schaftlern und Betriebsröten, die Genaueres über ihren Betrieb oder ihr« Branche wissen wollen. wird daher dissc»„Grünbuch" als wichtige Informationsquelle dienen können.(Preis je Band 30 Mark, je 1040 Seilen in Groß- lexikonformat.) Im Derlag R. u. H. Hoppenstedt erschienen weiter zwei übe» sichtltch« und offenbar sorgfältig bearbeitet« Karten über die deutsche Elektrizitätsversorgung: die erste behandcA di« Beteilegung der deutschen Länder und des Reichs, die zweite die der privaten und gerniichtwirtlchaftlichen Unternehinungen.'-Hier werden die'20 größten EkktriMtsüoixzerüe DsutfcÄands und ihb> Beziehungen zueinander behandelt: bei jedem dieser 20 Konzern»'- werden sämtlich« wichtigeren Tochtergesellschaften und Betelligung«» genannt. Das Aufsuchen der 300 bis 400 genannten Gesellschaften wird dadurch erleichtert, daß sie am Kartenrand m alphabetischer Reihenfolge nebst Konzernzugehörigkeit aufgezählt werden. Zeppelin-Verkehr im Stillen Ozean. Di« Bankhäuser Lehman Broch., Murphy and Eo., Ha mm an Broch, and Pynchon Eo. gründeten in Verbindung mit der Goodyear Zeppelin-Gesellschaft eine Paciftc- Zeppelin-Transportgesellschast für einen 36-Stunden-Lustschiffdienst Kalifornien— Hawoi. Der Leiter der Gesellschaft wird voraussichtlich der Vizepräsident Hunsaker von der Goodyear- Gesellschaft werden, die den Betrieb mit zwei Luftschiffen der Zeppelin-Kesellschaft für 100 Passagiere nach deren Fertig- stellung beabsichtigt. Erhöhter Kohlenausfuhrüherfchuß. Die deutsche Kohlenausfuhr von Stein- und Braunkohle, Koks und Briketts hatte in de» e r ft e n neun Monaten b.i e I e s Jahres einer, Wert von 632,3 Millionen und ist gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 80,9 Millionen Mark gestiegen. Allerdings hat sich die Kohleneinsuhr ebenfalls, und zwar von 133 auf 158/5 Millionen Mark, erhöht. Immerhin Hot sich aber der deutsche Kohlenausfuhrüberschuß im Vergleich mit den ersten neun Monaten des Vorjahres um 55,4 auf 473.8 Millionen Mark ver- mehrt. Mengenmäßig stieg die Steinkohleiraussuhr gegenüber den ersten drei Öiertelsahreit 1928 von 17,48 auf 19,84 Millionen Tonnen, ymbei sich vom ersten bis dritten Quartol dirses Jahres ein« Steigerung von 5,46 auf 7.61 MiManen Tonnen ergab.' Dem- gegenüber hat sich die Einfuhr von Steinkohlen vom 1. bis zum S. Quartal nur von 1,60 auf S.Zl Millionen Tonnen erhöht 8prozentig« Goldpsaudlniese der Preußischen Zentralstadtschiff. Die Preußische Zentralltadrsehart(öffentlich» rechtliche Piandbries- nnstalt in Berlin) bietet 2 Mitlionen Goldpsc-ndbrieji 'Um Börjeneintührungskurs von 9 5 Pro z zun. Berkaus an. Der Erlös ans den Piandbrieien kommt vorwiegend der pkman.zierung von Wohnungsneubauten zugute! es �uhr« 1924 bis zum 30. Juni 1929 Insgesamt rund ?>1 000 Neubauwohnungen finanziert werden. Oessentliche Banken und Wohnungsbau. Die ö i s e n t l i ch- rechtlichen Krediion st alten haben von Januar bis Scp- tember diese» Jahres iür die Finanzierung de? Wahmipgft>a-.ee ws- treiamt 258 Millionen gegeriüocr rund 320 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres zur Veniigung gefiellt. Seil der Währnngs- stabilisierung haben die Institiue über 800 Millionen Mark an lang- triftigen Mitteln für den Wohnungsbau ausgebracht Der Herr Bankier hak die Sparelolageu für sich verbraucht. In Kl«! hat die frühere H o l st c n b a n k A.-S.(jetzt Kredit Age-Ki«!), die einmal eine Tenossenschaftsgründimg war und deren Aktienkapital voll der Familie eines Herrn Tillen gehört. Konkurs angemeldet. Das Aktienkapital betnm 250 000 Mark, wov-m der ivsitau? größte Teil nach d.-r lel,-n Bilanz noch nicht ejnqe.zahlr war. In» vorigen Jahr wurden noch 10 Proz. Dividende verteilt,»nd In der BiiänZ standen weniger Einlagen, als das'Aktienkapital i-rhst betrug. Es wird gemeldet, daß es itststeht. die Familie Tilsen habe die Spareinlagen einfach verbraucht. Donnerstag 24. Oktober 1929 Unterhaltung unü ÄAjssen Beilage des Vorwärts Salamon'DemhUser:••• On icner Z�it, bk in mein vierzehnlee Lebensjahr fällt, da be- gann iä) das Leben kennenzulernen und«s nicht zu begreifen. Trotzdem ich bereits ziemlich hart gestoßen wurde, ging ich herum und guckte und staunte und fand alles wunderbar. Auch die Schläge... So naiv toar ich damals. In jener Zeit verbrachte ich meistens mein Leben in den Hafen- ftädten, trieb mich am ä>ajen, in den Gaffen und in Wirtschaften herum, litt Hunger und träumte... Ach jene ewigen Träume... So naiv war ich damals. Eimml in einer kalten Winternacht saß ich in einer ob- gelegenen Wirtschaft, guckte zu, wie die Gäste saure Gurken mit trockenen Scmmekn aßen, Karten spielten und sich über die Größe der europäischen Hafenstädte herumstritten. Es waren herunter- gekommene Matrosen, frülier« Kellner und alle möglichen hier steckengebliebene Leute, und olle wollten sie überall gewesen sein, unmögliche Dinge gesehen haben: sie überboten sich in Ans- schneiderei, daß es eine Luft war... Plötzlich fühlt« ich. daß ich von jemanden aufmerksam be- trachiei wurde. Es war ein etwa vierzigjähriger, ernst und schweigsam sitzender Mann.— er unterschied sich besonders in der Kteiduug von den anderen. Er trug einen eleganten An.zug, und auf der Weste eine besonders dicke, goldene Kette. Auch ich begann ih» zu betra ästen— und zerbrach mir den Kopf, was die Kette wohl gekostet haben möge... So ausgehungert war ich damals. Wir guckten uns beide ein« Zeitlang an und plötzlich winkte er mir mit der Hand, ich solle zu ihm hinkommen. Als ich vor ihm stand, lud er mich zum Sitzen ein und iragt« mich, ob ich«tivas trinken wollt. „Nein, danke." „Vielleicht etwas zu essen?" „Auch nicht, danke." „So,— was Ich eigentlich da mache", fragte er. „Gar nichts, ich such« Arbeit..." „Was für eine Arbeit?" „Am liebsten", antwortete ich.„möchte ich leichte Arbeit, so zun, Beispiel mit Ansichtskarten auf den Schissen und in den Kneipen hausieren gehen... das würde mich sehr befriedigen! Ja, von wo ich sei? Ach Gott, das wußte ich ja selbst nicht mehr... jedenfalls von sehr weit... von ungeheuer weit... „Es ist bezeichnend, daß Sie den Namen ihrer Heimat vergessen haben", sogt« er sehr vornehm, langsam und etwas noch- denklich.„Haben Sie also gor kein Heimatsgefühl?" Es war ein seiner Mann, er sprach gleich per„Sie" mit mir ,md schien sich für mein Schicksal zu interessieren, und ich wurde dadurch ganz Feuer und Flamme. „Ich, Heimatsgefühl? Wozu?... Dort wohnen ja die schlechtesten Leute der Erde..." Ob ich Verwandte hier habe? „Nirgends habe ich welch«... Nirgends in der Well... und, »oerm ich irgendwo auch welche hätte?... Der einzige Ber- wandt«, den ich habe, ist Soll im Himmel, ja der einzige..." So fromm war ich damals. ' ÜRetn Ausbruch schien aus ihn Eindruck gemacht zu haben, er blieb lange still imd nachdenklich und dann jagt« er: .Ich mache Ihnen einen Dorschlag, wir wollen von hier heraus und irgendwo anders hingehen, und dann glaub« ich Ihnen helfen zu können. Ihre Ziele zu erreichen..." „Mein Ziel? Ach, das mit den Ansichtskarten hausieren war fa mir so ein Geved«... Mein Ziel ist ein ganz andere»...«in viel höheres, ein viel gewaltigeres..." „Gut", unterbrach er mich und erhob sich„Wir wollen darüber noch sprechen, aber jetzt gehen wir." Und ich ging mit ihm. » Geraume Zeit später saßen wir in einer anderen, etwas besseren Wirtschaft. Er nötigt« mich zum Essen und sprach sehr väterlich mild aus mich ein. Dann hüllte er sich in ein längeres Schweigen, das er mit den Worten umerbrach: „Sie haben wirklich Glück gehobt, daß Sie mich hier gesunden lxiben. beim ich habe sehr Wichtiges mit Ihnen vor... Ja. ich reife demnächst nach KoustaMinopel und werde Sie mitnehmen... Verstehen Sie?... Sie werden dort die Augen öffnen.. die wunderschönen Straßen, Häuser und Anlage» imd dann die Prachl de» Bosporus... Einzig... Und dann sieht man an jedem Freitag den Sultan in die Mojche« fahren.. Etwas Großartiges... Sie müssen als mein Sohn mit- kommen. Ich bin Ihr Vater und Sie sind— pardon— pardon— du bist mein Sohn... lind jetzt sollst'du„Du" zu mir sagen... verstehst du..?" Dann knifs«r mich in die Wange und sagte:„Weißt du, wenn du gut angezogen iein würdest, wärest du ein hübscher Bnrsch«... Ich schaut« ihn staunend an, begrisf rnchrs und das über meine Schönheit fand ich ganz komisch und seltsam und es verdroh mich auch ein wenig, daß er, ohne meine Zustimmung abzuwarten, emsach gleich zum„Du" überging. Allerdings verstand ich. daß Vater und Sohn sich„duzen" müssen. Dann fragt» er wieder:„Wie alt bist du?" „Achtzehn Jahre", laole ich, ohne rot zu werden. So verdorben war ich scl'on damals. Da meinte er, ich jehe jünger aus... Er verlangte meinen Paß, den er übrigens behalten niüsse... „Aber ich habe keinen Paß, gar kein Papier!" Da wurde er etwas mißtrauisch und dacht« wieder noch. Aber ich halte doch Papiere bei mir, wollte sie ihm nicht gleich zeigen damit er nicht sehen kann, daß ich ihn in bezng aus mein Alter'um drei Jahre belogen habe. Wir sind noch lange sitzen gebl:eben, und er erzählte mir immer rviedcr von der Schönheit der Türkei... und wie wohl ich mich dort fühlen werde... Ich fallt« mir auspassen und nicht oer- xessen ihn..Vater" zu nennen... Im übrigen geh« bereits in drei Tagen das Schiss ab. Er erwarte noch zwei wirklich« Söhn«. die etwas jünger seien als ich, aber er hoff«, wir werden uns gut rerirogen. E- gab mir noch einen Zll-Franken-Schein, ich sollte von diesem die Miete sär meine Maniordrnstub« bezahlen und den nächsten Tag zu ihm in das Hotel übersiedeln. Ach. waren dos ausregend« Tage für mich, und des Nachts konnte ich vor Spanmmg kein Auge schließen. Malte mir die schönsten Bilder von der Türkei aus; mir siel auch ein, daß es dort Harems gibt, wundervoll« Harems, die wollte ich mir dann auch ansehen... Ich konnte kaum den Abgang des Schiffes erwarten. Als wir dann am drillen Tag das Schiff betraten, wurde ich mit zwei ver- nachlassigten Jungen bekannt, die wirklich seine Söhne fem sollten... aber ich konnte sie nicht verstehen, denn sie plapperten in einem komischen Kauderwelsch, wie Kinder. Sie sahen auch etwas beschränkt aus. Auf dem Schiff waren sehr viele Menschen, ein surchtbares Geräusch- und Geplauder von Orientalen... Na... Plötzlich sah ich, wie mein Vater geradeaus starrte und blaß wurde und versucht«, die Umstehenden zur Sell« zu schieben. um den Ausgang zu erreichen... Da packte ihn plötzlich ein sremder Mann an der Hand und kam mit ihm zu uns heran. Ich guckte und staunt« und verstarb» nichts von alle dem. Der fremde Mann war groß und stark mit einem hart aus- geprägten männlichen Gesicht und aufgebürsteten Schnurrbart. Er sragt« den Vater sehr barsch: „Wie viel sind es?" „Drei Stück..." „Wo sind sie?" „Hier", sagte der Vater und zeigt« auf uns drei Jungen. „Der fremd« Mann schaute uns genau an, sagte dann kurz, „mitkommen". Und wir alle fünf verließen das Schiff. * Später sagte der Polizeitommissär zu mir: „2>u hast Glück gehabt, daß wir dos verhindert haben,«s war einer der gefährlichsten Mädchenhändler." „So", sogt« ich,„das hätten Sie sich sparen können, denn ,ch bin ja kein Mädel.. Ich war damals voll Verbitterung gegen die Beamten, die meinen Traum so jählings durchschnitten. Mein« kleinen vernachlässigten Brüder wurden zurückgehalten, und da meine Papier« in Ordnung waren und ich außerdem neun Franken bares Geld, die mein Vater mir geschenkt, vorzeigen konnte, wurde ich unter vielen Vorhaltungen und Warnungen frei- gelassen. Als ich zwei Tage später doch mit Ansichtstarten in den Wirt- schasten hausieren ging, blieb der Erfolg gänzlich aus. Nicht etwa deshalb, weil ich schon damals ein schlechter Geschäftsmann war, sondern weil ich nicht aufgehört hatte, von den Harems, den, Bosporus, dem Sultan und der Türkei zu träumen. Und konnte man es da als junger Mann zu etwas bringen, wenn man de» Kops und da» Herz in einem unbekannten Land gelassen hat� So romanttsch war ich damals. •Dr. 3t. Srance: Seil wann gibt es Siausliere? Seil wann hat sich der Mensch init Haustieren umgeben, feit wann ist der 5)und sein Wächter und treuer Begleiter, dos Pferd sein Genosse bei der Arbeit, Rind und Schwein und Schaf seine Er- nährer? Und wo hat sich dieser heute trotz allem Maschinenzeitalter noch immer unzertrennlich erscheinende und dennoch sich schon all- mählich lockernd«(man denke an den Rückgang der Pferde durch Bahn und Auto) Bund zuerst vollzogen? Man hat den„Gebrauch" von Haustieren und den Anbau von Nahrungspflanzen, was aber eigentlich auch dos Züchten von.�hauspslanzen" ist, stets als den wahren Beginn der„Kultur" betrachtet, es ist also eine Frage von eminenter kulturgeschichtlicher Bedeutung, wie sich die Zähmung der Haustiere vollzogen hat. Einen lehrreichen Wink zur Beurteilung der Bergangenheit mag uns die Tatsach« geben, daß es auch heute noch Völker ohne Haustiere gibt. Die Owmaten am Orinoko, die Weddhas auf Cey- lon, die Australier in Queensland und den» Norddistrikt leben ohne Haustier« dahin. Sie haben nicht einmal die schwarzen Schwein« und die Hühner und Tauben um sich, die man auch auf den ver- lassensten melanejijchen Inseln und bei den kannibalischen Bewohnern von Vanitoro oder Mallikolo oder Buka-Buka in der Südse« trifft. Damit ollein ist es schon bewiesen, daß das primitivste Verhältnis des Menschen zur Tierwelt nicht das des- Züchters, sondern dos des Jägers war. Jagd treiben auch die Australier und die Urwald- menschen der Tropen, Jagd ist eine natürliche Funktion sogar der Tier«, von denen bekanntlich nur zwei Formen, Ameisen und Ter- mite», es zum Gebrauch von Haustieren gebracht haben. So paßt es denn auch ganz gut zu diesem Gedankengang, daß man auf den ältesten menschlich vorgeschichllichen Denkmälern, aus denen Tier« abgebildet sind, nicht Weideszenen, sondern ausschließlich Jagd und Wild: das Ren, dos Mammut, Rhinozeros, den Wisent, niemals aber Hund und Rind(nämlich den Ur) dargestellt findet. Der eiszeitliche Mensch war ein eifriger Jäger durch Jahrtausende hin- durch: erst viel später ist er darauf versallen, den Tieren, die ihn in seiner natürlichen Umwelt umgaben, nicht immer nachzusetzen, sondern sie zu zähmen und um sich zu behalten, wie man gelegent- lich auch bei den Primitivsten am Orinoko ein gezähmtes junges Kro- kodrl um ihre Ncsthütten schwänzeln sieht. Es hat Dorgeschichts- forscher gegeben, die sich die Hausliorwcrdung in folgender Weise vorstellten. Im Alleuropa der Steinzeit mögen fortwährend Scha- kale die Wohnhütten der Menschen so umlagert haben, wie sie sich heute noch den Zelten im Orient zudrängeii. Ihre Jungen haben sicher schon mit Menschenkindern gespielt. Manch eine Menschen- muller. der ihr Säugling gestorben war, mag aus Mitleid sich»er- warfter Schokalkinder angenommen und sie großgezogen haben, wie man das auch heute noch be! wilden Völkern sieht, die Tier« säugen. Jedenfalls ist der Hund dos älteste aller Haustiere. In den all- steinzeittichen Küchenabfallhaufen an der Nordsee fand man die ersten Knochen eines Haustieres, nämlich eines Spitzes. Er kehrt in den ältesten Schweizer Pfahlbauten wieder, aber doch schon in Gesellschaft der Reste von Rind, Ziege und seltenen Schafen und Schweinen. Erst ganz spät— in der Bronzezeit— tritt das Pferd als Haustier hinzu. Borgeschichtliche Katzen und Kaninchen da- gegen gibt es nirgends. Beide Tier« scheinen erst in geschichtlicher Zeit zu dem Hausbestand des Menschen getreten zu sein, so wie spätes der Kanarienvogel oder jetzt das Zebra und in Südeuropa der Strauß, im Orient das Kamel. Es scheint somit der Prozeß der H a u s t i« r w« rd u n g noch nicht beendet zu fein, wie ja gerade in unseren Tagen die Einrichtung von Peiztiersarmen in Deutschland bezeugen mag. Da taucht nun atz weiteres die sehr naheliegende Frage aus, nach welchen Gesichtspunkten der Mensch seine Sluswahl getroffen Hai. Warum zähmte er gerade dos unbändige Pferd, das wilde Renn- tier, das sich nie richtig anpassende Schwein, die stets eigenwillig und heimlich bleibende Katze, und nicht die sehr zahmen Rehe und Hirsche? Warum nicht den Wisent oder den Löwen, der bekanntlich nicht das mutige und blutdurstige Tier ist, als den ihn die Legende hinstellt, sondern eigentlich ein gutmütiger Bursche, den schon die Aegypter so weit brachten, daß ihre König« in die Schlacht in Be- gleitung ihrer Hoflöwen zogen? Ein deutscher Forscher, E. Hohn. hat als erster darauf aujmerksam gemacht, daß hierfür die Nahrung». belchasfung da. Ausschlaggebende sein möchte. Das Rind kann man mit Gras ernähren. Reh und Hirsch brauchen aber den Wald, und da wäre die Ernährung mißlich. Einen Löwen zu ernähren ist dagegen zu kostspielig, ein Bluthund, der ähnliche Dienste tut, lebt aber leicht von eines Hofes Abfällen. Man nimmt aber an/doß für die Derwei'dung der Kuh religiöse Momente bestimmend waren. Tatsächlich ist sie so wegen der Mondsichelsorm ihrer Hörner den Aegyptern als Hathorkuh heilig gewesen, und der Zusammenhang , wischen Mondkult und Pflanzenbau zieht sich durch die ganze Küldirgeschichte unserer Borfohren. Das groß«, pflanzenfressende Huftier aber konnte doch nur von pslanzenbautreibenden Böllern als Haustier verwendet werden. Die babylonische Istar, die phö- nizisch« Astarte, die ägyptisch« Isis, von der die Mondsichel bis i» den Marienkult hinüberreichr, werden alle mit Kuhhörnern ab- gebildet, und ihnen wurden Rinder geopfert. So mögen das Dorf- rind, der Ur als die wild vorkommenden Formen des Rindes ge° zähmt und für immer in den Kreis des Menschen geraten sein, nicht aber der Wisent, bei dem die Hörner fast ganz im Krauskopf verborgen liegen. Viel schwieriger ist ee, die Geschichte von Hund, Schwein, Ziege und Schaf herzustellen. Sicher haben all« Hunde außer der vorhin gegebenen Schakolabteilung auch Wolfsblut in sich. Manche Wolfs- schädel sind noch heute den Hundeschädeln so ähnlich, daß sie kaum auseinandergehallen werden können, und die ältesten, heute schon fast ausgestorbenen(mir bei Neapel und aus Sumatra gibt es noch welche) Torfhunde stich eine Art Wolfsspitz gewesen. Auch das Schwein wird aus einer Urform, dem Torsschwein, einem kleinen, hochfüßigen Tier mit sehr kleinem, kurzem Kopf, sehr flacher Stirn, aber großen Augen, abgeleitet, und wenn auch noch mancher Streit darüber besteht, so schlägt doch immer mehr die Ansicht durch, daß dieses Tier, das die Chinesen nachweislich seit 6000 Iahren züchten, aus dem heimischen Wildmaterial auf der ganzen Erde hervorgegangen ist. Aehnlichez gilt für Schaf und Ziege. Eine eiszeitliche Mufflon- form, vielleicht das Wildschaf Cyperns, scheint der Stammvater des Torfschofes zu sein, da» sich seit der jüngeren Steinzeit bei den menschlichen Niederlassungen findet, und auch die vielen Ziegenrassen sind ohne Zweifel aus Wildziegen zurückzuführen, die seit dem Be- ginn der jüngeren Steinzeit bis heute die„Kuh des armen Mannes" geblieben sind und auf Inseln immer wieder leicht verwildern. Dagegen ist das Kamel vielleicht das rätselhafteste aller Haus- tiere, denn sein Ursprung verschwindet völlig im Dunkel. Vom Pferd kennen wir heute noch wild lebend« asiatische Rassen(das Cquus Przewalskii), ebenso Wildesel, von deren einem, dem Onager Asiens, man unseren Hausesel ableitet, der übrigens sicher von Asien gebracht wurde, da man fast keine deutschen vorgeschichtlichen Esels- reste findet. Dogegen ist ein Urpferd, eben das obengenannte Przewalstiipferd, in altsteinzeitlichen Höhlen auf das trefflichste ab- gebildet, in Frankreich liegen die Knochen von fast 100 000 derartigen Tieren, es wurde gegessen und scheint einer der häufigsten Stoppen- bewohner Alleuropas gewesen zu sein. Roch um das Jahr 1616 mußte die Stadt Kaiserslautern drei Wildpferdeschützen anstellen, um die die Fluren verheerenden Wildpferde abzuschießen. Di« Geschichte des Kamels ist im Vergleich dazu viel kürzer, In Zentralasien gibt es heute noch wilde. In der Steinzeit taucht aus Cypern ein Kameibild auf, die Bibel erwähnt es seit Abrahams Zeiten, und seitdem begleitet es die Orientalen und neuestens die Australier. So wie uns die aus Perfien gekommenen Hühner und die fett dem ältesten Aegypten dort heimischen Tauben begleiten. Alle dies« Tierarten haben wir durch Kreuzung und Auslese in zahllos« Rossen und Sondcrformen zersplittert, vielfach haben wir sie, wie z. B. die Hängeohren von Hund und Schwein beweisen, geschwächt, jedenfalls hoben wir sie durch die Einsperrung in Ställe, man denke nur cm Kuh und Schwein, dümmer gemacht, wir ver- langten ja auch nicht ihren Geist, sondern ihren Körper. Nur ein einziges Tier hat durch die Gesellschaft des Menschen gewannen, und fcis ist der Hund, vielleicht auch das Pferd, wenigstens im Typus der Militär- und Rennpferde. Alle übrigen sind zu armen Sklaven und Leibeigenen herabgesunken, die man oft genug ohne Mensch- lichteit ausbeutet, die man mästet, uin sie zu schlachten, deren innerste Natur man vergewaltigt hat, alles mit dem biologischen Recht des Stärkeren und geistig Ueberlegenen. Dem einzigen, das alles dies rechtfertigt, denn jeder unserer Haustiersklaoen würde genau so nick- stchtslos mit uns verfahreii— wenn er der.Herrscher über uns sein könnte. Zucker- vod Jettbäume. Der englitcbe Botaniker Llcwelly Williams, der sich im Austrage des Londoner Naturgeschichtlichen Museums aus einer Forschungsreise in den Urwäldern des Arno- .zonenstroms befindet, Hot noch dem Bericht enolischcr Blätter ,wei neue Loumorten entdeckt, die große wirtschastliche Möglich leiten eröffnen. In der Gegend eines Nebenflusses des Amamnen- ströme», des Rio Nana!, in einem Gebiet, das bisher noch kein Weißer betreten, stiey er auf einen Baum, den dl» E�rgeborenen „Palo de azucar". d. b. Zuckerbaum. nennen und resl,-,, Harz einen Überaus In Ken Sirup rnchält, der sich sebr gut als NnbrnngsmiU''' eianei. Nicht weit davon entdeckte er einen anderen Baum. � .Polo de manteeo", d. tn-Fettdaum, genannt wird und ans d»'- Eingeborenen ein« ölig« Substanz gewinnen, die gai" Schweineschmalz schmeckt. Theoter, Lichtfpiele ufw. VolUsbUhne riisalBr am3ülo»plati 8 Uhr Frühlings Erwachen Staat). Sdiiller-T!i. 8 Uhr 2x2= 5 Ii Midies MM IM. Norden 12 310 1| SV. 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Preußische Zentralstadtschafft Körperschaft des öffenilidren Rechts- Berlin W10 VikiorlastraSe 19-20 Fernspreeher: Kurfürst 58 67- 69, Kurfürst 58 48(für Ferngespräche) ARCOPHON 5 Direktion Or. Robert Kleis Deutsches lOnsller-Theal Barbarossa 3937 SV« Uhr Die andereSelte Berlionr Mater OönhofM70 8V» U. Zum 50. Male Zvel Krawallen von Georg Kaiser Musik Spolianskv Lessing-Tbeater Norden 10846 Gruppe frmger Schanzpielcr Täglich SV« Uhr cyanttali # 218 von rrleilrlili voll Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8>f4 Uhr Max Adalbert als Nanle am Flügel Rudolf Nelson Barnowsh- Theater in der KOniggrätzer Straße Täglich 81/2 Uhr Die erste mrs. Selby mit Frtizi massary Komödienhaua Täglich g»!, Uhr IliWi Soppen Jini die besten mit Kurt Bols Theat. o. Westens ragi. sViUin NarleHa rdnsiK V. 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VI, a. taut. 8 ütr 1 iU I Bart Charlie Rirel, 3 Whlrlwind«, LonaTack Sam et« c Winter * Qarren* ARCOPHON42 8 um» zenti. 1618• Banacp trlauBt „L I n d• r" dl« Ton-Soitsctlon und walrara Attraktionan Grosses Schauspielhaus 8 Uhr: JMMlM REGIE: CHIRELL Sonntag nachm. nnget, halbe Pr. ist die akustisch richtig konstruierte Membran« Pas Arcophon hat eine FALZMEMBRAN; sie ist das Ergebnis wjssenschaftlicher Forschung und gewährleistet durch ihr« besondere konstruktive Eigenart eine so naturgetreue Wiedergabe, daß jeder, der das Arcophon einmal gehört hat, sagt: „Als Lautsprecher nur ARCOPHON" Es gibt einen Telefunken-lautsprecW in jeder Preislage� ARCOPHON 4Z RM42.-' ARCOPHON 3 RM73.- ARCOPHONS RM 98.- ARCOPHON 3 TELEFUNKEN D IE DE UTSCHE WELTMARKE R OSE -THEATER BIMettkaste: Alexander 3422. Täglich 8» Uhr: (Sonntags SV« und 9 Uhr) Di« leslditf« Jsabell Sie zahlen für Rg.-Balkon(Selte) 50 Pf., für einen guten Mittel- Rang 80 Pf. für Seitenparkett 1 Mk. für II. Parkett 1,20 Mk., für i. Parkett und Rang-Balkon Mitte 1,50 Mk. Jedm Sonnabend 9 Uhr u Jaden Senntag r" Unr: Schneewittchen. ledn Mlitvodi S Uhr: Das tapfere Sdmeiderlein Reichshallen-Theater Abends[Tj Sonntag nadim.| 3{ Immer noch: „Bei de Stetfloer" ulkige Fest-Revue! Nachmittags halbe Preise, volles Program ml Billettbest Zentrum 112 63. rhönhoff- Bretttr Das oro6e Oktober-Prooramml Fatkner-Orchoster- Tanz. DttdiütKetallailiiiiMiM uerwaitungsmitgiieden Am Freitag, dem abeabs 7 Ahr, Eftzang Ortzuermaltung. 25. 0 kto t er, der ZUfttleren ArDeltsaemetiisiDsN soz. Lehrer Biulrkai rappB Bai Iii Am 18 Oftober ift unser MttgNeb, ber Oberfchullehrer Paul Noack Berlin-gdilenhecf verstorben. Ehre seine« Andenken! ToUesaazelee Unerwartet entriß un» der Tob meine liebe Frau, unser« herzen«. gute Mutter und Schwieg ertmittrr MstdUde Keledsrät «cb. Zmk im 56. Lebenojafiri. In schmerzlicher Trauer: Ernst Ilelchar«U«and Iltnder Berlin SO, Muefmier Str. 21 Die Einäscherung fiubel Sonnohenb, den 26. Oftober. 16 Uhr, im«rema- torium Baumschulenwea statt. gteUat, Ben 25. Otfobec. nachmittag» 2 Ahr, im Moahlfer GeseNschaflshaua, wiclelsfratze 24. Vspssmmfllng j der ausgesperrten Kolleginnen� und Kollegen der Firma eamag meguin Etreifkarte und Entlassungsschein der Firma legitimiert. Die Orteverwaitnng Nur feinsie Qualitäten herb»«ur Bowle.«••••« Liter 0.60 Apfelwein,«60» Im,. Liter 0.75 Johannisbeer,«ÜB, da« Beste..»»», Liter O.SO Kirsch wein,«ÜB» da« Feinste«•• a« Liter 1.10 Frdbcerwein»«UD, das Beste•#»••« Liter 1.45 TarrARrona» echt,«ÜO.........• Liter 1.35 Malasra,«cht»«üO, srold.....»•••• Liter 1.60 Orlechenwcln, echt, sflB, hell««•«. Liter 1.40 Pepsin. wein, echt, für Kranice.... Va Liter 1.30 Donro Portwein» echt, da« Feinste.. Liter 2. SO Tasano, echt,«OB, das Feinste...». Liter 1.00 Werinnth, für Kranke.......». Liter 1.85 Kchter weißer Bordeaux, süß....... Fl. 1.45 Fchter roter BnrsrQndcr.......... Fl. 1.25 Spertvelst 32»/,......... Aqnavit 35o/a•......•.• Weinbrand Verschnitt.«.. Weinbrand, echt,•••Stern. Liköre, das Feinste bis 38o/g ZI PreUe verstrhen sidt ohne QU* Liter B.TB, FI. a.SB Liter 3.30, Fl. S.S.». Liter 3.60, Fl. 3.80 Liter 4.40, Fi. 3.40 Liter 5.30, FL 4.05 Kostproben gratis HanpIResdiftSt; BERLIK m. Brannenstr. 42 i Verein öer VerljnerVuch- Srucker unö Ächristgießer Uni« Sem Titel.Gegen öen Terror im SuchSrucker» verbonS, In Srr.Roten Kahne' vom LZ. okfaber berufen! angeblich öle oertraueasleute ber Arbefttlofea eine Ott* sammlung See erwerbslosen vuchönicker zu Donnerstag ein. Unter Hinweis auf§ 10 Abf. o unb t Her Verbands. sotzungen uoS§ it Abs. 1 ber Sousahungen warnen wir besonöerS Sie Vertrauensleute See Arbeltslosea unb die ZNitglieber unserer Drgoaisatloa vor Einberufung onb letiung öerarttger Versammlungen. Der Sauvorslaab. I Größtes Spez ia/qaschöft seiner Art ir\. ganz De utschton cU Mi o M F Donnerstag, 24. Oktober nachmittags N/, Uhr Verkäufe giealrma. Sjillart. 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Wo immer Sozialdemokraten In Regierung und Der- maltung maßgeblich gewesen sind, da zeigen sich die Spuren chrer Wirksamkeit besonders auf schulpolitischem Gebiete sehr deut- lich. Länder wie Sachsen, Thüringen, Braunschwcig sind dafür ebenso Beweis wie die Großgemeinden Wien, Hamburg oder Berlin. Sozialdemokratische Politik orientiert sich an den Nöten der A r- beiterklasse und richtet sich nach dem Ideal einer Gesellschaft, die frei von Dorurteklen der Vergangenheit und Bevorrechtung ein- zelner sich planvoll organisiert. Die Schulreform gehört zum wesentlichen Bestandteil soziafbemokratischer Schulpolitik. So ist es auch in Berlin gewesen. Die Jahre von 1918 bis 19Z1 waren Jahre der Gärung aus dem Gebiete der Schulpolitik. Unendlich vieles, was erstarrt war, ist ausgerüttelt und gelockert worden. Die ersten großzügigen An- sätze einer modernen Schulpolitik sind damals energisch gelegt worden, dann kamen mit der bürgerlichen Mehrheit in Berlin die Jahre der Reaktion oder wenigstens der Zurückhaltung auf schulpolitischem Gebiete. vie letzten vier Zahre. in denen die Sozialdemokraten wiederum die Führung halten, bedeuten eine« außerordentlichen Aufstieg des Berliner Schulwesens. Berlin ist eines der größten Zentren des weltlichen Schulwesens geworden. Die mehr als ZV weltlichen Schulen sind zu einem großen Teil Pionierschulen auf allen Gebieten des Schulfortschritts geworden. Weltliche Schule und GemeinschastSpflege. Die Aufgabe, die einstmals den Lebensgemeinschafts- schulen gestellt wurde, daß sie nämlich Pflegestätten des Wachs- tums für die Jugend sein sollen, ist besonders in den weltlichen Schulen mit Bewußtsein aufgegriffen worden. Diese Aufgabe war um so schwieriger, aber auch um so d a n k b a r e r, da es sich in den welllichen Schulen um proletarische Äinber handelte, die zu einem hohen Prozentsatz unter schwersten wirtschaftlichen Nöten des Esternhauses zu leiden haben. Es ergab sich daher von selbst, daß sich das Bedürfnis noch Gemeinschaft, nach Schaffung von gemeinsamen Arbeitsmöglichkeiten und nach gemeinsamen Freuden an Sammelschulen ausprägte. Diesem Bedürfnis auf dem Gebiete der Gemeinfchaftspflege sind die weltlichen Schulen wegweifend für olle Schulen geworden. Es muß immer wieder betont werden, daß die weltlichen Schulen nicht Isolierschulen sind, sondern daß sie, da sie ihre Aufgaben aus den allgemeinen welllichen Bedürfnissen ableiten, öffentliche Schulen für alle sein sollen, und daß ihre Ausgabenstellung und deren Durchführung so ist und auch so sein muß, daß sie beispielgebend für alle Schulen werden. Darum konnte die sozialdemokratische Schulpolitik sich mit besonderer Energie und Liebe diesen welllichcn Schulen widmen, darum setzte sie es in Berlin trotz behördlicher Schwierigkellen, trotz der gehässigen Angriffe durch die ganze Kullur- reaktion und trotz der Quertreibereien der Kommunisten durch, daß die welllichcn Schulen sich in Berlin in quantitativem und quali- tallvem Aufstieg bewegen. Aus diesem Geist moderner welllicher Bedürfnisse heraus hat die Sozialdemokratische Partei außerordentlich viel für den gesamten Fortschrill besonders des Volks schul- wesens getan, keine Gemeinde hat den jungen Lehrernachwuchs so sehr vor Berelendung geschützt und für den Schuldienst sich er- halten wie die Stadt Berlin. Noch heute trägt Berlin eine ungeheure nach Millionen zählende Last an Personaltosten, zu denen es g e s e tz l ich nicht verpflichtet ist. Während der Staat nur für die Personallasten der Volksschule aufkommt unter Zugrundelegung von ßfl Kindern auf einen Lehrer, kommen in Berlin durchschnittlich noch nicht 30 Kinder auf einen Lehrer. Wohl hat diese Finanzlast in den schweren Nöten Berlins stark auch auf den Schultern der verantwort- stchen sozialdemokratischen Komunalpolitiker gelastet, ober sie wußten auch, daß dieser junge Nachwuchs für die Entwicklung des Schulwesens unendlich viel bedeutet. Arbeit für die Zukunft. Man hat im allgemeinen gewiß keine Ahnung davon, wieviel Zukunftsarbeit hier im stillen geschaffen ist. So sind zum Beispiel aus Grund der Möglichkeiten, die die sozialdemokrallschc Kommunalpolitk eröffnete, in einem Bezirk wie Neukölln allein 1000 Lehrer für den Werkunterricht in gründlichen Jahres- kurfen ausgebildet worden. Entsprechend sind überall in Berlin auch die Möglichkeiten für Arbeitsunterricht gegeben. In Tausenden v»n Werkstätten der verschiedensten Art wächst heute die Volksschuljugeud heran und lernt nicht nur diese oder jene Dinge basteln, sondern ge- winnt Sicherheit der Hand, des Auges, Vielseitigkeit des Geschmacks, lernt sich Ausgaben stellen und diese praktisch durchführen und geht in besonders fortschrittlichen Schulen schon dazu ikber, d i f f e r e n- zierte Kollektivarbeit zu leisten, die ihrer Anlage nach ein Spiegelbild moderner Technik aus primitiver Grundlage ist, die aber nach ihrer Organisation schon nach sozialen Gesichtspunkten geordnet ist. Die ganze Welt bewundert, was sozialdemokratische Kommunalpolitik in Wien aus dem Gebiete des Schulwesens geleistet hat, doch wer Wien und Berlin kennt, der wird nicht bezweifeln können, daß auf dem Gebiete eigenartiger moderner pädagogischer Arbeit Berlin viele Höhepunkte ausweist, die in Wien noch nicht erreicht siud. Auch auf sozialem Gebiete kann die sozialdemokratische Schul- Politik sich sehen lassen. das Landschulheim Zossen. die vielen anderen Heime und Jugendherbergen, die von den Der- liner Volksschulen wochenlang bevölkert werden, die großen mehr- tägigen und mehrwöchigen Wander. und Studienfahrten, die große Fülle von Sport- und Spielplätzen, die geschaffen worden sind. Alle diese Dinge zeigen nicht nur, daß Berlin sozial aktiv war, sondern daß auch olle diese sozialen Dinge in pädagogisch neue Formen ge- kleidet worden sind. Die Berliner Schulpolitik Hot unter sozial- demokratischer Führung sehr viel Neuland betreten. Jedermann weiß, daß all diese Dinge Geld kosten. Noch lange nicht ist die sozial- demokratische Schulpolitik in ihren Forderungen befriedigt, aber wc sind keine Phantasten, wir wissen, daß auch hier der Fortschritt schwer erkämpft werden muh, und daß es nicht darauf ankommt. viel zu schreien, sondern systematisch und stetig vorwärts zu kommen. Kein Mensch aber wird diesen stetigen Fortschritt leugnen können, wenn er berücksichttgt, daß die Ausgaben für das Schulwesen in den letzten Jahren verdreifacht sind, nämlich von 51 Millionen auf 151 Millionen gestiegen sind. Man wird diesen Fortschritt nicht leugnen köünen, wenn man bedenkt, daß 1921 für freie Lernmittel 33 Mark pro Klasse bewilligt wurden und in diesem Jahre die Summe aus 4 Mark pro Kopf, das heißt bei einer Durchschnittsklassc von 35 Kindern auf 140 Mark ■w3i' v'-i Für gute Ware den cruten Waaen! Ö ö- t flcMnog— bitle susschneident das haus der Ä GESCHENKE O. Oh tOHit» EXPRESS Der Deutsche Qualitätslieferwagen! Tausendc sehen täglich Ihren Lieferwagen— und unwillkürlich schließen Sic vom Wagen auf die Ware. Ein Adler Expreß ist die beste Empfehlung für Ihr Geschäft! 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Eine höhere Schule ist zu einer wirklichen Schule der Kinder aus den arbeitenden Schichten geworden. Arbeits- und Einheitsschule stehen nicht nur auf dem Papier, sondern sind praktisch durchgeführt. In Lehrkörper, Schülerschaft und Elternschaft sind geistige Voraus- segungen geschaffen, für das, was den neuen Bau am Dammweg beleben soll. Nach einem wohldurchdachten Plane ist ein neper Typ von Schulbau entstanden, der in der gesamte n fortschrittlichen päd- agogischen Welt Begeisterung und sogar schon Nachahmung gefunden hat. Natürlich kann nicht die Rede davon sein, daß dieser Schulbau irgendeinen Luxus darstellt, sein« Eigenart besteht nicht in prunkenden Aulen für die höheren Schulen, wie sie das frühere Bürgertum schuf, nicht in kostspieligen Fassaden, sondern in der zweckmäßigen Ausstattung und Anlage der Arbeitsräume. Selbst nach der vorsichtigsten Schätzung würden die Mehrkosten des Baues gegenüber einer ganz normalen Schule sich höchstens auf 16 Proz. belaufen, dabei sind aber alle jene Ersparnisse, die durch rationell« Durchführung des Arbeitsunterrichts an Lehrkräften und durch Vermeidung des Leerlaufs sich einstellen werden, nicht mit- gerechnet, und jenes Plus an Grünflächen, Baderäumen und an Gemeinschaftsräumen, das gerade für die Proletariertinder so bedeutsam ist, in die Gesamtkosten mit eingerechnet. Was an diesem einen Beispiel gezeigt worden ist, läßt sich über- all aufzeigen, die sozialdemokratische kommunale Schulpolitik wird sich durch dieses Geschrei nicht beirren lassen. Die Sozialdemokratische Partei ober wird im Wahlkampf der gesamten Bevölkerung Rechenschaft ablegen über die Fülle der positiven Arbeit, die gerade aus schulpolltischem Gebiete in Berlin geleistet worden ist. Sie wird dabei nicht verschweigen, daß dringendste Wünsch« un- erfüllt geblieben sind, denn auch die Schulpolitik ist eine Macht- f r a ge. Solange die K o m m u n i st e n nur fordern, aber nicht die Mittel für die Erfüllung ihrer Forderung zu schaffen bereit sind, so- lang« noch die sozialdemokratische Schulpolitik durch das Blei- gewicht bürgerlicher Reaktion gehemmt wird, solange die Durch- führung der Schulpolitik noch im kleinen und großen durch sta.n- liche Widerstände gehemmt wird, so lange wird auch die sozialdemo- kratische Schulpolitik nicht nur aufbauen, sondern kämpfen müsszn. Die Sozialdemokratie kann auf Grund ihrer. p o s i t i v c n Arbeit erwarten, daß am 17. November die Bevölkerung Berlins ihr die Macht geben wird, weiter erfolgreich zu kämpfen für sin« große soziale Einheitsschule, die einmal die wirkliche Volksschule sein wird. Grst beleidigen, dann kneifen! Kommunist Norden ist unauffindbar! Der sozialdemokratische Stadtverordnete Max U r i ch bittet un» um Veröffentlichung folgender Erklärung: Die„Rote Fahne" bringt in Ihrer Nummer vom 20. Oktober unter der Ueb«rschnft„Streikbrecher Urich drückt sich! Wann findet der Prozeß gegen die Redaktion der„Roten Fahne" statt?" einen Artikel, der einen selbst von der„Roten Fahne" selten erreichten Gipfel der Verlogenheit darstellt. In dem Artikel wird bohailptst. daß ich nwineii Prozeß gegen den verantwortlichen Redakteur der„Roten Fahne", Herrn Norden, zu verschleppen such« und davor zurückschrecke, den Termin vor dem Tag« der Stadt- oerordnetenwahlen stattfinden zu lassen, trotzdem mir genau bekannt sei, daß Norden in der Redaktion der„Roten Fahne", Berlin C 2S, Kleine Alexanderstr. 28, zu erreichen sei. Tatsächlich hat Rechts- anwalt Dr. Siegfried Weinberg in meinem Auftrage bereits un- oerzüglich nach Erscheinen des Artikels unter der von der„Roten Fahne" angegebenen Adresse die Prioatklage eingereicht. Das Gericht hat jedoch unter dem 14. Juni 1929 Dr. Weinberg mitgeteilt, daß Norden laut Rllckbrief vom 11. Juni 1929 von der Kleinen Alexanderstr. 28 unbekannt oerzogen sei. Ich Hab« alsdann als später« Adresse des Norden Wullenweberstr. 11, bei Loeroil, ermittelt, und mein Rechtsanwalt hat auch dies« Adresse dem Gericht mitgeteilt, mit dem Erfolge, daß da» Gericht unter dem 11. Oktober erwiderte, daß Norden auch von dort laut Rückbrief vom 10. Oktober unbekannt verzogen sei. Mit Rücksicht hieraus und nxit Rücksicht daraus, daß Norden trotz Aufforderung sein« Erklärimg auf die Privatklag« bis heut« nicht abgegeben Hai, hat das Gericht den Termin vom 23. Oktober aufgehoben. Dr. Weinberg hatte vorher dem Gericht mitgeteilt, daß ich ein großes Interesse daran habe, daß die Sache nicht verschleppt wirb. Mein Rechtsbeistand und ich haben alles getan, um di« Sache zu beschleunigen, wahrend Aus der Arbeit der Bezirke. Llm die Schuld der Stadibank. 4. Bezirk— Prenzlauer Berg. Veranlaßt durch Anfragen der Deutfchnotionalen und der Koni- munisten, beschäftigte sich die Bezirksoerfammlung in einer längeren Diskussion mit der Betrugssache S k l a r e t. Wahrend die Deutsch- nationalen auf eine Begründung ihrer Anfrage verzichteten, ver- suchte Peschke von der KPD. auch Bülgermeister Genossen Dr. i Ostrowski anzugreifen. Der letztere erklärte kategorisch, daß er an den Veranstaltungen der Sklareks niemals teilgenommen und sich in feinem Leben noch nie einen Pfennig Hab« schenken lassen. Auch von den Beamten des Bezirksamts habe außer Stadtrat D e g n s r niemand etwas mit der Sache zu tun: die Hauptschuld treffe jedenfalls die S t a d t b a n k. Für unsere Fraktion rückte dann Genosse D ö h n e r t die Sache in das richtige Licht und wies nach, daß es der KPD. ein leichtes gewesen sei, von vornherein die Tatsachen festzustellen, daß es ihr aber gar nicht darauf ankomme, daß es vielmehr ihre bewußte Absicht sei, Verhetzung zu treiben und daß sich dabei die Deutschnationalen und Kommunisten die Bälle zuwerfen. Der Kommunist Peschke gab dann zu, daß die Leichtfertigkeit der Stadtbank den Sklareks erst ibre Schiebungen ermöglicht habe und daß es möglich sei, daß sich Gäbel immer für die Sklareks eingesetzt habe. Stadtrat D e g n« r schilderte noch, in welchen Kreisen er di« Sklareks kennengelernt habe. Dafür sei er aus der KPD. ausge- schloffen worden. Er werde gegen den Ausschluß keinen Einspruch erheben. Elve Borlage betreffend die Aufhebung der Bor- gärtenfluchtlinie in der Schönhauser Allee wurde an- genommen._ Scharfe Abrechnung mit den Gegnern. 13. Bezirk— Tempelhof. Da der Vorsitzende, Genosse Burgemeister, sämtliche 33 Punkte der Tagesordnung erledigen wollte, wurde es trotz seiner schnellen Arbeit 24 Uhr, ehe die Bezirksoerfammlung auseinander- gehen konnte. Für die Kleingärtner setzte sich ein Antrag unserer Fraktion ein, der für diese bei Autobus. Straßenbahn und Unter- grundbahn gleichen Sondertarif forderte, wie ihn die Reichs- bahn gewährt. Für die Bewohner des Braunschweiger Ringes sorgte die SPD., indem sie in zwei Anträgen Vsrbcsse- rung des Verkehrs und Anlage eines Bürgersteiges anregte. Ein weiterer Antrag beschäftigte sich mit den maßlosen M i e t st« i g e- rungen der Teinpelhofer Feld Aktiengesellschaft. Es soll dahin gewirkt werden, daß die Umlagen nicht mehr als 25 Proz. betragen dürfen. Auch unserem Antrag, von der Jentrol« die Mittel für ein„Haus der I u g e n d" zu fordern, wurde zu- gestimmt. Bewilligungsfreudig trat die Versammlung auch für die Legung einer Wasserleitung in der Steinstraße, Lichtenrade. ein. Wegen des Falles S k l a r e k hatten alle Fraktionen A n- fragen gestellt. Der erste Redner war Genosse Burgemeister. Er rechnete ganz energisch mit Rechts und Links ab, die aus dem Fall in widerwärtigster Weise Kapital für die Wahl schlagen wollen. Er erinnert an die Skandale der R a i f f e i s e n- B a n k. an die Frankfurter Allgemein«, an die Finanzskandale der Koiserzeit, an den Welfenfonds mit seinen Korruptionsgeldcrn. Nichsdestoweniger oerlangt er,' daß scharf durchgegriffen wird. Nur soll nian die Schuldigen an der richtigen Stelle suchen. Die Verträge sind erstmalig abgeschlossen im Juli 1925. als wir ein« b ü r g e r- liche Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung hatten. Im Magistrat haben noch heute Bürgerlich« die Mehrheit. Seiner Meinung nach hätten Stadtbankdirektoren samt Kreditausschuh ge- schlafen, sonst hätten die Sklareks keinen Erfolg haben können.— Dann wandte er sich in allerfchärffter Weise gegen die d e m a g o- g i s ch e Hetze einer Reihe von Berliner Blättern. Am Schluß seiner glänzenden Rede forderte Burgemeister die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Der Bürgermeister erklärte darauf, daß das Bezirksamt nicht geschädigt sei. wohl siien aber Bestellscheine in Höhe mehrerer Hundert- tausend gefälscht. Ein Antrag der Wirffchastspartei, der die Auflösung der Anschafsungsgesellschaft forderte, wurde abgelehnt. Der Gegenantrag der SPD.,„Erwerbung der Mitgliedschaft der Konsumgeiiosseilschast", wird dann ebenfalls ab- gelehnt.. d Eine lange aber ausführliche Debatte entspann sich über-inen Antrag der Kommunisten betreffs des Reichserwerbslosen- versicherungsgesetzes. Genosse Hille trat der Bearün- dung des Antrages entgegen, die unqualifizierbare Angriffe gegen Wissell und gegen die SPD. enthielt. Genosse Braun als zweiter Redner rechnete nicht minder energisch mit den Antragstellern ab. Kommunisten spielen Komödie. 20. Bezirk— Reinickendorf. In der vorigen Bezirksoersammlung hotten die Kommunisten eine derartige Menge von Anträgen zum Haushaltsplan eingebracht, daß sich die Fi n a n z d e p u t a t i o n zuerst damit de- schäftigen mußte. Nachdem dieses in mehrstündiger Sitzung ge- ichehen war und Genosse Wollschläger als Berichterstatter das Ergebnis vorgetragen hotte, wurde ein Vorschlag des Bezirksvsr- ordnetenoorstehers Gen. R o tz o l k ohne irgendeinen Widerspruch angenommen. Es sollte demnach von jeder Fraktion nur ein Redner sprechen. Als der Kommunist Böhls sein« Rede begonnen hatte, forderte er trotzdem nochmals die General- und Einzeldebotte. Als der Vorsteher auf den eben gefaßten Beschluß hinwies, stellten sich verschiedene Kommunisten sehr entrüstet und ihr Redner warf unserem Borsteher Schiebungen vor. Das gab einen Ordnungs- ruf, der aber nichts nutzte. Dann begann er einen ihrer«nd- losen Anträge wegen der Arbeitslosenversicherung, für den die B:- zirksversammlung gar nicht zuständig ist, zu verlesen, trotzdem all« Anträge, auch dieser, bereits in der vorigen Sitzung vorgelesen waren und schriftlich vorlag«n. Der Vorsteher wies sehr deutlich darauf hin, der Kommunist kümmerte sich nicht darum. Der Vor- steher entzog ihm dann, als er sich den Anordnungen nicht fügte. das Wort, aber der Kommunist kümmerte sich auch darum nicht. Die Versammlung wurde nun vertagt und alle Parteien verließe» den Sitzungssaal. Rur die Komunisten blieben zurück, wo ihr Fraktioirsmitglied weitersproch. Nach Wiedereröffnung der Sjtzung erhielt Stadtverordneter Gen. Schäfer als nächster Redner das Wort. Darauf machten fre Kommunisten sofort«inen anhaltenden Radau und meldeten sich dauernd zur Geschäftsordnung. Bei diesem Kroch war ein« Weiter- führung der Sitzung unmöglich. Der Haushallsplan wurde zur Ab- stimmung gestellt und mit den Stimmen aller Parteien gegen die Kommunisten angenommen, woraus die Versammlung vorzeitiz geschlossen wurde. Norden nach üblicher Kommunistenart versucht hat, sich der Verantwortlichkeit für seinen Artikel z u« n t z i e h e n. Dr. Weinberg hat nunmehr, auf Grund des Artikels der„Roten Fahne" bei Gericht beantragt, erneut di« Ladung des Angeklagten unter der in dem Artikel angegebenen Redaktionsadvesse zu oersuchen. . Berlins ältestes Hospital. In diesem Jahre kann das Friedrich-Wilhelms-Hospitol in der Palisadenstraße� auf ein 80jährigcs Bestehen zurückblicken. Es ist das älteste Hospital Berlins. 1849, noch unter dem Eindruck der revolutionären Vorgänge des Vorjahres, in dem Forderungen nach Fürsorge für Alte und Erwerbsschwache nachdrücklich erhoben worden waren, wurde es mit 600 Betten für erwerbsunfähige altersschwache Frauen des Berliner Ostens eingerichtet. Zu einem moderne» Ausbau des Hauses ist man aber— soweit dies die Berhältnisse und die Enge der Räumlichkeiten ge- statten— erst geschritten, nachdsm im März 1924 das Bezirks- amt Friedrichshain die Verwaltung der Anstalt übernommen hotte. Di« Küchen und die Räum« für die Essen sausgabe sind neu geschaffen, im Park stehen Liegestühle, um den allen Leuten Sonne und Licht zu geben, in den Zimmern sind Radioeinrichtungen an- gebracht, Kleiderschränke und Toilettenräume. die bei aller Wahrung hygienischer Rücksichten für die ollen Leuten bequem zu erreichen sind, wurden geschaffen. Was geschehen konnte, geschah. Es ist zu hoffen, daß die Bemühungen, das veraltete Heim, trotz aller finanziellen und räumlichen Schwierigkeiten, zu einer modernen Heimstätte für unsere allersschwachen Mitbürger umzugestalten, von Erfolg sein werden. Die Belegschaft zählte 1928/29 durchschnittlich 643 Personen, di« Aufnahmefähigkeit beträgt 660. Neuköllner Vezirksverfammlung aufgeflogen. Nachdem die gestrige Bezirksoerfammlung sich in einer dreistündigen Debatt« mit dem Sklarek-Skandal beschäftigt hatte, gelangt« ein Antrag der Kommunisten zur Diskussion, den streikenden Rohrlegern 10 000 M. an Unterstützung zu bewilligen. Die Bezirksversammlung wandt« sich dann mehreren Anträgen der Wirffchastspartei und der neuen Fraktion betreffend die Monopol- betrieb« der Stadt zu und alles schien in bester Ordnung zu gehen. Der Deuffchnational« hatte seinen Antrag bereits begründet und gerade wolle der Demokrat Bornemann dazu sprechen, da erklärten die Kooimunisten, daß sie den Demokraten nicht reden lassen würden, weil jetzt die Rohrleger frag« zu ihren Ungunsten eni- schieden worden sei! Der Redner konnte sich kein Gehör ver- schassen, obwohl der Borstoher der Bezirksversammlung olles ver- sucht«, die Versammlung zu beruhigen. Als fein Tu» vergeblich blieb, vertagt« er die Versammlung, um sie, als sich der Tumult auch dann nicht legte, endgültig zu schließen Eine Jghnmg durck AlbVerlin mit Besichtigung des Hohen Hauses des Grauen Klosters, der Stodtvogtci. des Böulettenkellers �5' ÄLSV 3 Lederer Sonntag. 27. Oktober. 10 Uhr. U-Bahn Inselbruck«. .»»'■ Stimmstin, a-eo spricht D-nnerStag. 24. Oktober. «45. Prosessor fr fflotau in der gunkswnde. All« Eltern ivrochkr-nib r ft nber, aber auch Erwachsene, dl« an irgendwelchen Sprachfeblcrn leiden. seien aus diesen-nten Vortrag eines Zyklu« bing-wi-i-n. Ten, wetten Vortrag balt am Donnerstag, dem 3l. Oktober. 6 40. Rektor Bernbaidt über D i- S p r a ch b«, l s ch u l e i n R e u t ö t l n'. Der Zyklus schties» mit einem dritten Vortrag von Professor Dr. fflatau am DonnerSlag. dein 7. November, S.4s." 'VOHLiOt